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                    <text>nrormoiion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

43

30. Oktober 1985

I N H A L T

HINTERGRUNDMATERIAL

Die Reagan-Initiative zur Beilegung regionaler Kriege
- Dokumentation des Weißen Hauses Regionale Konflikte und die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
- Dokumentation des Weißen Hauses -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

SPACELAB-Flug "D-l" unter deutscher Regie
- Raumfähre CHALLENGER startet zu siebentägiger Mission

Drogenbekämpfung - ein Schlüsselproblem
- "First-Lady"-Konferenz anläßlich des UN-Jubiläums -

* * * * *

Um Über/endung uon
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�30. Oktober 1985

43

DIE REAGAN-INITIATIVE ZUR BEILEGUNG REGIONALER KRIEGE
- Dokumentation des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat am 24. Oktober 1985 im Zusammenhang mit der Rede von Präsident Reagan vor der Vollversammlung der
Vereinten Nationen eine Dokumentation über die darin enthaltene große
Initiative zur Beilegung regionaler Kriege veröffentlicht:

In seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 24.
Oktober hat Präsident Reagan einen Überblick über die Tätigkeit der Vereinten Nationen während der letzten 40 Jahre gegeben, seine Erwartungen
für das Treffen mit Generalsekretär Gorbatschow im nächsten Monat angesprochen und eine große Initiative für die Beilegung regionaler Kriege
angekündigt, die die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen in den letzten
zehn Jahren verschlechtert haben.

Ein Rückblick:

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Ein Rückblick:

Das Geschehen der letzten AO Jahre

Der Präsident hat sowohl die Leistungen als auch die Fehlschläge der
Vereinten Nationen aufgezeigt und betont, daß ihre Verbesserung in der
Zukunft eine neuerliche Verpflichtung zu den Ideen der Charta erfordere eine Verpflichtung

zu Menschenrechten und Freiheit als Eckpfeiler des

Friedens.

- Die Charta der Vereinten Nationen bewegt noch immer die Herzen der
Menschen - aber sie fordert Realismus.

- Die Anwendung von Gewalt, um Macht zu gewinnen, auszuüben und zu erhalten ist noch immer weit verbreitet.

Wenn die Ziele der Vereinten

Nationen erreicht werden sollen, dann muß die Freiheit geschützt werden:

freie Völker greifen ihre Nachbarn nicht an.

- Wir erkennen die Erfolge der Vereinten Nationen - von Korea bis zur
Arbeit des Flüchtlings-Hochkommissars und UNICEF - an, aber nicht ihre Fehlschläge - angefangen damit, daß es nicht gelungen ist, echte
Sicherheitsfragen zu lösen, bis zu der unglücklichen Resolution über
die Gleichsetzung von Zionismus und Rassismus.

- Die Vereinigten Staaten sind stolz auf ihren Beitrag zum Frieden
durch Bündnisse, die uns und unsere Freunde vor Aggression schützen
- durch friedensstiftende Bemühungen im Nahen Osten und anderswo.
- "Aber heute ist es wichtiger, zu Ihnen darüber zu sprechen, was mein
Land in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts zu tun vorschlägt, um
eine sicherere, friedlichere und zivilisiertere Welt zu erreichen."

Die friedliche Behandlung der amerikanisch-sowjetischen Differenzen:
Ein Neubeginn

Der Präsident erklärte, "Der einzige Weg, um Differenzen beizulegen,

- 2 -

�Differenzen beizulegen, ist, sie zu verstehen."

Es müssen offene und um-

fassende Gespräche geführt werden, um einen "Neubeginn" in den Beziehungen zu erreichen.

Er kündigte eine Erörterung der Einhaltung bestehender

Verträge an, begrüßte aber auch die neuen sowjetischen Vorschläge über
Rüstungsverminderungen.

- Wir sprechen die Dinge in aller Offenheit an:

Die Differenzen zwi-

schen den Vereinigten STaaten und der Sowjetunion sind tiefgreifend
und anhaltend.
- Wir begrüßen den friedlichen Wettstreit der Ideen, aber wir können
Gewalt und Subversion nicht als Mittel der Ausbreitung des Totalitarismus akzeptieren.
"Wenn Gorbatschow und ich im kommenden Monat in Genf zusammentreffen,
dann erwarte ich einen Neubeginn im Verhältnis unserer beiden Nationen',
erklärte der Präsident.

- In Nuklearfragen werden wir über sowjetische Verletzungen bestehender
Abkommen sprechen, aber auch über die jüngsten sowjetischen Vorschläge für Rüstungsverringerungen.

Hier hofft der Präsident, einen Pro-

zeß des Gebens und Nehmens in Gang zu bringen.

- Die Vereinigten Staaten wollen mit den Sowjets über das lebenswichtige Verhältnis zwischen offensiven und defensiven Systemen sprechen,
einschließlich der Möglichkeit der Schaffung einer stabilen und sicheren Welt, in der die Verteidigung eine wachsende Rolle spielt.
Die Sowjetunion wird dadurch nicht bedroht.

Die Suche nach wahrem Frieden
Wir wissen, was Frieden ist und was nicht.

Noch vor Genf wird der

Präsident Vorschläge unterbreiten, um Hindernisse für einen freien Kontakt unter Gesellschaften zu überwinden.
- Wahrer Frieden

�- Wahrer Frieden kann nicht auf Unterdrückung ruhen: Das Volk muß seine eigene Regierung kontrollieren.
- Der Frieden kann nicht auf Behinderung der Kommunikation ruhen:

Die

Vereinigten Staaten streben freiere Kontakte von Volk zu Volk an und
werden vor dem Genfer Gipfel wichtige neue Vorschläge unterbreiten,
um diesem Ziel näher zu kommen.
- Der Frieden kann nicht auf gegenseitiger Angst ruhen:

Die Welt

braucht ein Gleichgewicht der Sicherheit und nicht ein Gleichgewicht
des Schreckens.
I
- Und der Frieden kann nicht darauf ruhen, daß man sich von Schwierigkeiten abwendet:

In einem Land findet derzeit einer der tragischsten

Kriege statt.

Die Initiative des Präsidenten zur Lösung regionaler Konflikte:
Ein zentrales Thema in Genf
Das Kernstück der Rede des Präsidenten ist eine Initiative zur Beilegung einer Reihe von Konflikten in der Dritten Welt. Bei allen ist eine
wesentliche, anhaltende - und in einigen Fällen sogar wachsende - Beteiligung der Sowjetunion zu verzeichnen, und sie haben viel dazu beigetragen, um das amerikanisch-sowjetische Verhältnis unter drei Administrationen zu verschlechtern. Der Plan des Präsidenten sieht Fortschritte auf
drei Ebenen vor.
•

1. Verhandlungen der kriegführenden Parteien unter sich;
2.

amerikanisch-sowjetische Verhandlungen; und

3. wirtschaftlicher Wiederaufbau.
- Wir wollen wahren Frieden, so betonte der Präsident, und die Initiative der Vereinigten Staaten will die Konfliktsituation in fünf wichtigen Ländern in Asien, Afrika und Mittelamerika durchbrechen.
- In Afghanistan,
- 4 -

�- In Afghanistan, Kamobdscha, Äthiopien, Angola und Nicaragua sehen wir
gemeinsame Charakteristika:

Regierungen

führen - mit Unterstützung

durch Waffen, Berater und meist auch Truppen von außen - Krieg gegen
ihr eigenes Volk.

Daraus entsteht Krieg gegen die Nachbarn.

- Die sowjetische Rolle in diesen Kriegen hat viel zur Verschlechterung
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen beigetragen.

Das ist ein

Grund mehr, uns diesen Dingen heute ernsthaft zuzuwenden.

- Im vorigen Jahr hat der Präsident in der Vollversammlung der Vereinten Nationen Gespräche mit der Sowjetunion über regionale Konflikte
vorgeschlagen.

Solche Gespräche haben stattgefunden, aber wir müssen

mehr tun als nur reden, um diese Probleme zu lösen.

- Der Präsident hat einen regionalen Friedensprozeß vorgeschlagen, der
Fortschritte auf drei Ebenen anstrebt:
-1. Der realistische Ausgangspunkt müssen Verhandlungen unter den kriegführenden Parteien eines jeden Konflikts sein.

Verhandlungen - und

eine Verbesserung der politischen Verhältnisse im Innern - sind wesentlich, wenn es zu einer Beending der Gewalt, einem Abzug ausländischer Truppen und nationaler Versöhnung kommen soll.

2. Wenn diese Verhandlungen echte Fortschritte machen, könnten amerikanisch-sowjetische Gespräche stattfinden.

Dabei würde es sich nicht

um Friedensverhandlungen im eigentlichen Sinne handeln, sondern man
würde Mittel und Wege sondieren, wie man Abkommen der kriegführenden
Parteien unterstützen und festigen könne.

Die Hauptaufgabe ist der

Abzug der ausländischen Truppen und die Unterbindung der Waffenzufuhr
von außen.

3. Wenn diese Schritte erfolgreich sind, dann können wir dazu beitragen,
die Wiedereingliederung dieser Länder in die Weltwirtschaft zu vollziehen.

Die Vereinigten Staaten würden sich dabei großzügig ver-

halten.
-

Ohne

einen

�- Ohne einen solchen Fortschritt wird die Unterstützung Amerikas für
demokratische Widerstandsgrupen nicht aufhören und darf auch nicht
aufhören.

- Dieser Plan ist kühn.

Er ist realistisch.

Gang befindliche Friedensbemühungen.

Er ist kein Ersatz für in

Dies hat der Präsident betont.

Er versucht nicht, alle Konflikte überall in der Welt einzubeziehen,
sondern nur diejenigen, die in dieses Muster passen.

Natürlich wird

man anderen Konflikten auf eine andere Weise beizukommen versuchen
müssen.

- Die Sowjetunion hat hier eine außerordentliche Chance, auf eine Weise
zum Frieden beizutragen, die den Dialog auf anderen Gebieten fördern
kann.

Blick in die Zukunft: Ein sicherer Weg in das 21. Jahrhundert

Unter Hinweis auf die Rettungsanstrengungen

nach der Erdbebenkata-

strophe hob der Präsident die Bereitschaft des amerikanischen Volkes hervor, anderen Völkern bei der Erleichterung ihrer Probleme zu helfen.

Es

sei die höchste Pflicht, anderen zu helfen, ein Leben in Freiheit und
Menschenwürde zu leben.

- Die Zukunftsaussichten liegen nicht in militärischen Maßnahmen, ja
nicht einmal in der Rüstungskontrolle, sondern in der Ausweitung der
Freiheit des einzelnen und der Menschenrechte.

- Freiheit ist der Schlüssel zu wirtschaftlicher Dynamik aber auch zum
Frieden.
- In Genf bietet das erste Treffen der höchsten Repräsentanten der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion seit über sechs Jahren die Gelegenheit, unsere Differenzen einzuengen.
- 6 -

Es ist an

�- Es ist an der Zeit, nicht nur über eine bessere Welt zu reden, sondern etwas für sie zu tun.

- Der weltoffene Geist Amerikas regt uns dazu an, anderen zu helfen,
sei es bei Katastrophen und Hungersnöten, sei es bei der Suche nach
Frieden.

- Es gibt für uns kein höheres Ziel, als in einer unruhigen Welt das
Leben zu erhalten und zu schützen.

Darum geht es jetzt.

Es gibt für

uns als Menschen keine höhere Pflicht und kein größeres Anliegen.
Wir sind hier auf Erden, so schloß der Präsident, um unser Leben zu
leben und die Freiheit zu erhalten, um es in Würde leben zu können.

- 7 -

�30. Oktober 1985

43

REGIONALE KONFLIKTE UND DIE AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN BEZIEHUNGEN
- Dokumentation des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat in seiner Rede vor den Vereinten

Nationen

am 24. Oktober 1985 einen dreistufigen

Friedensprozeß

vorgeschlagen, um die in Afghanistan, Kambodscha, Nicaragua, Angola und
Äthiopien noch immer herrschenden kriegerischen Auseinandersetzungen beizulegen.

Die zu diesem Thema vom Weißen Haus herausgegebene Dokumentation hat
folgenden Wortlaut:

Die Initiative des Präsidenten zum Problem regionaler Konflikte

Hintergrund:

Folge des sowjetischen Interventionismus der siebziger

Jahre war eine Reihe repressiver Regime, die versuchten, durch militärische Gewalt den Ländern ihre Ideologien aufzuzwingen und die durch so-

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�durch sowjetische Militärhilfe an der Macht gehalten wurden.

Die Politik dieser Regime brachte in den Ländern selbst eine Opposition hervor, die den Versuch unternahm, eine Liberalisierung herbeizuführen oder das jeweilige Regime zu stürzen.

Daraus ergaben sich Konflikte,

die einen hohen Blutzoll fordern, die über Grenzen hinweg ausufern und
die dazu führen, daß sich militärische Kräfte von außen einmischen.

Der

Präsident hat keinen Zweifel daran gelassen, daß unsere Sympathien jenen
gelten, die sich dem sowjetischen Expansionismus widersetzen, die für die
Freiheit kämpfen und die echte Selbstbestimmung anstreben.

Wenn diese

Probleme nicht durch Verhandlungen und durch sowjetische Zurückhaltung
gelöst werden können, werden sie sich nur verschlimmern.

Der Präsident

hofft, daß seine Vorschläge die Möglichkeit bieten, auf politische, nicht
aber militärische, Lösungen dieser Probleme hinzuarbeiten.

Die Lage:

In seiner Rede vor der Vollversammlung schlug der Präsi-

dent einen dreistufigen Friedensprozeß vor, um die kriegerischen Auseinandersetzungen, die noch immer in Afghanistan, Kambodscha, Nicaragua, Angola und Äthiopien wüten, in den Griff zu bekommen, da die sowjetische
Verstrickung in diesen Ländern auch zu der Verschlechterung der amerikanisch-sowjetischen

Beziehungen

in den siebziger

Jahren geführt hatte.

Die Initiative stellt einen umfassenden Rahmen dar, der die Aussichten
auf Frieden in diesen Ländern verbessern soll.

Er ergänzt regionale und

andere internationale Bemühungen um eine dauerhafte politische Lösung.
Fortschritt in diesem Bereich kann zudem zu einer Verbesserung der allgemeinen Ost-West-Beziehungen beitragen.

1. Die erste Stufe fordert Verhandlungen zwischen den sich bekriegenden Parteien.

Die Gespräche können dabei im jeweiligen Fall unterschied-

liche Gestalt annehmen, aber Verhandlungen und die Verbesserung der internen politischen Bedingungen sind von entscheidender Voraussetzung dafür, ein Ende der Gewalt und echte nationale Aussöhnung herbeizuführen.

2. Ist es in diesen Bereichen erst einmal zu echtem Fortschritt gekommen, so könnten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion separate
- 2-

�Sowjetunion

separate

Gespräche

abhalten.

Dies

wären

keine

formellen

Friedensverhandlungen, sondern würden ausloten, wie diese beiden Regierungen regionale und andere internationale Friedensbemühungen unterstützen könnten.

In einigen Fällen - wie etwa Afghanistan oder Kambodscha

- könnten die Vereinigten Staaten und die UdSSR Garantien für Abkommen
anbieten, die bereits von den kriegführenden Parteien erzielt wurden.

In

allen Fällen bestünde die amerikanisch-sowjetische Rolle hauptsächlich
darin, die militärische Einmischung von außen zu verringern und dann ganz
zu

beseitigen

- einschließlich

des

verifizierten

Abzugs

ausländischer

Truppen und der Verhinderung des Waffenzustroms von außen.

3. Bei Erfolg der ersten beiden Stufen wäre ein drittes Element einer
langfristigen Lösung möglich: Reintegration der vom Krieg heimgesuchten
Staaten

in die Weltwirtschaft.

Die Vereinigten Staaten wären bereit,

großzügige Beiträge zu leisten, wenn es zu Aussöhnung, Achtung der Menschenrechte und Rückkehr in die Familie freier Völker käme.
Dieses Vorgehen legt die Last des Zustandekommens einer Schlichtung
den kriegführenden Parteien auf und bietet die Möglichkeit, zu Zurückhaltung der Supermächte zu gelangen.

Es ist offensichtlich, daß kein ameri-

kanisch-sowjetisches Kondominium diese Probleme lösen kann. Wir müssen
uns der Tatsache bewußt sein, daß jeder dieser Konflikte seinen eigenen
Charakter hat und seine eigene politische Lösung erfordert.

Regionale

Friedensinitiativen - wie Contadora in Mittelamerika oder die ASEAN-Vorschläge für Kambodscha - bemühen sich darum, auf genau diese speziellen
Charakteristika einzugehen.

Die Vereinigten Staaten unterstützen diese

Initiativen und sind überzeugt, daß dieser Vorschlag insofern eine Ergänzung darstellt daß er die Beteiligung der kriegführenden Parteien vorsieht.

Regionale

Konflikte

und

amerikanisch-sowjetische

Beziehungen:

Die

sowjetische Verwicklung in die Konflikte der Dritten Welt hatte eine direkte Auswirkung auf die Verschlechterung der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen, insbesondere im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts.
Im September
- 3-

�Im September 1984 schlug Präsident Reagan vor der Vollversammlung der
Vereinten Nationen vor, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sollten auf politischer Ebene einen regelmäßigen Gedankenaustausch über die
wichtigsten Regionen

der Welt führen.

Während des vergangenen

Jahres

führten beide Seiten Expertengespräche über den Nahen Osten, Afghanistan,
das südliche Afrika und Ostasien.

Gespräche über Mittelamerika und die

Karibik werden Ende Oktober stattfinden.

Obgleich diese Gespräche nicht

zu einem dramatischen Durchbruch führten, waren sie nützlich für die Klärung der jeweiligen Positionen und verhinderten Fehleinschätzungen.

Wir

hoffen, daß diese Gespräche in Zukunft auf regelmäßigerer Basis fortgeführt werden.

Der Präsident möchte jedoch über einen reinen Gedanken-

austausch hinausgelangen.

Die einzelnen regionalen Konflikte:

1. Namibia/Angola
Die sowjetische

Intervention

im Konflikt von Angola war der erste

Einsatz von kubanischen Stellvertretertruppen

in den siebziger Jahren.

Kubanische Truppen ermöglichten dem derzeitigen Regime die Machtergreifung, waren jedoch nicht in der Lage, den Widerstand von Gruppen zu brechen, die sich der dortigen Diktatur widersetzen.

Der amerikanische Ver-

such, das Thema - insbesondere das der kubanischen Truppen - mit den Sowjets zu besprechen, stieß jedoch nur auf die brüske Reaktion, dies sei
eine Frage zwischen den Kubanern und den Angolanern.

Die amerikanische Politik hinsichtlich Angola/Namibia zielt auf eine
Verhandlungslösung hin, die die Unabhängigkeit Namibias gemäß Resolution
435-78 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen sowie in diesem Kontext den Abzug sowohl der südafrikanischen Truppen aus Namibia wie auch
der kubanischen Truppen aus Angola ermöglicht.

Zu diesem Zweck bemühen

wir uns darum, die beiden Seiten, Angola und Südafrika, in einen Verhandlungsrahmen einzubinden, innerhalb dessen sie die schweren Entscheidungen
treffen könnten, die für eine solche Regelung notwendig sind.
Die Initiative
- 4-

�Die Initiative des Präsidenten zielt darauf ab, einen Weg zu finden,
der zu einer Verringerung der regionalen Spannungen führt und die Bereitschaft der Sowjetunion prüft, in Angola eine konstruktive Rolle zu spielen.

Die Sowjetunion ist direkt in den angolanischen Konflikt verstrickt

und ist für seine Lösung mitverantwortlich.

Tatsächlich aber scheint die

militärische Verstrickung der Sowjetunion noch zuzunehmen.

Die Vereinig-

ten Staaten werden auch weiterhin bemüht sein, eine Lösung der internationalen Aspekte des Problems herbeizuführen.

Die angolanischen Parteien

müssen zu einer Aussöhnung untereinander gelangen.

Wir fordern die So-

wjetunion auf, zu diesem Prozeß beizutragen und bei der Herbeiführung der
Versöhnung eine konstruktive Rolle zu spielen.

2. Afghanistan

Die sowjetische Invasion Afghanistans im Dezember 1979 machte alle
Aussichten

auf eine

Ratifizierung

des SALT

II-Abkommens

zunichte und

führte zu der Verhängung von Sanktionen durch die Vereinigten Staaten und
andere westliche Länder, einschließlich Japans - Sanktionen, zu denen der
Boykott der Olympischen Spiele in Moskau und das amerikanische Getreideembargo gehörten.

Die sowjetische Besetzung Afghanistans und die anhal-

tende brutale Unterdrückung dieses Landes hat die internationale öffentliche Meinung erregt und die Ost-West-Beziehungen schwer geschädigt.

Im

Rahmen diplomatischer Konsultationen, auch auf höchster Ebene, haben die
Vereinigten Staaten Moskau mit Nachdruck auf einen Truppenabzug aus Afghanistan gedrängt.

Seit der Invasion hat auch die Vollversammlung der

Vereinten Nationen jedes Jahr einen Abzug ausländischer Truppen gefordert.

Die amerikanische Politik hinsichtlich Afghanistan hat die Aushandlung einer politischen Regelung zum Ziel, die sich auf vier Prinzipien
gründet:

vollständiger Abzug der sowjetischen Truppen; Wiederherstellung

der traditionellen Unabhängigkeit und des bündnisfreien Status Afghanistans; Selbstbestimmung des afghanischen Volkes; sichere und ehrenhafte
Rückkehr der Flüchtlinge.

Als Teil dieser Bemühungen unterstützen wir

die laufenden Stellvertretergespräche der Vereinten Nationen.
- 5-

Allerdings

�Nationen.

Allerdings haben diese Gespräche noch nicht die zentrale Frage

des sowjetischen Truppenabzugs berührt.

Die Sowjets beharren darauf, daß

dies eine bilaterale Frage zwischen ihnen und dem afghanischen Regime
sei.

Durch ihre Betonung der Notwendigkeit von Verhandlungen zwischen den
unmittelbar an den Konflikten beteiligten Parteien würde die Initiative
des Präsidenten die Sowjets zwingen, sich der fundamentalen Realität in
Afghanistan zu stellen - der Existenz einer nationalen Befreiungsbewegung
auf breiter Grundlage.

Die zweite Stufe der neuen Initiative unterstützt

und ergänzt unsere Verpflichtung gegenüber dem Bemühen der Vereinten Nationen, als Garant einer durch Verhandlungen erzielten politischen Lösung
zu dienen.

Die amerikanisch-sowjetischen Garantien der Nichteinmischung

durch externe Kräfte würde die Abkommen bekräftigen, die bereits zwischen
den kriegführenden Parteien ausgearbeitet worden sind. Derlei Garantien
würden sowohl für den Abzug ausländischer Truppen als auch der Unterbindung des Waffenzustroms von außen gelten.

Die dritte Stufe würde - durch

generöse Hilfeleistung für das vom Krieg verwüstete Afghanistan - eine
problemlose Reintegration der Vielzahl von Flüchtlingen in die Volkswirtschaft sicherstellen und eine Grundlage für den Wiederaufbau in dem Land
bilden.

3. Kambodscha

Die Invasion und die darauffolgende Besetzung Kambodschas durch vietnamesische Truppen schuf eine erhebliche Bedrohung der Stabilität in Südostasien und eine unmittelbare Bedrohung Thailands.

Außerdem erhöhte die

vorausgegangene Errichtung der sowjetischen Basis bei Camh Ranh Bay - die
unmittelbar mit der Unterstützung der militärischen Anstrengungen Hanois
durch Moskau zusammenhängt - die Gefahr militärischer Zusammenstöße zwischen See- und Lufteinheiten der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.

In diplomatischen Gesprächen drängten die Vereinigten Staaten Mos-

kau, Hanoi von der Notwendigkeit einer politischen Lösung zu überzeugen,
- 6-

�zu überzeugen, die sich auf den Abzug der vietnamesischen Truppen gründet
- und wie dies auch von Resolutionen der Vereinten Nationen, der Internationalen Kambodscha-Konferenz (ICK) und von ASEAN gefordert wird.

Die Vereinigten Staaten unterstützen mit Nachdruck die Bemühungen der
ASEAN-Mitglieder, um eine politische Lösung des Kambodscha-Problems erreichen, die sich auf jenen Elementen gründet, wie sie 1981 von der von
den Vereinten Nationen unterstützten Internationalen Kambodscha-Konferenz
erarbeitet worden waren, nämlich vollständiger Abzug ausländischer Truppen; von den Vereinten Nationen überwachte freie Wahlen sowie Einsatz einer Friedenstruppe der Vereinten Nationen.

Die Vereinigten Staaten sind

der Überzeugung, daß eine dauerhafte Lösung, die für das kambodschanische
Volk und dessen Nachbarn annehmbar ist, sich auf drei Prinzipien gründen
muß.

Eben diese Prinzipien sind enthalten in Resolutionen, die von der

überwältigenden

Mehrheit

der

Vollversammlung

der

Vereinten

Nationen

sechsmal hintereinander verabschiedet wurden.

Der Vorschlag des Präsidenten ist integraler Bestandteil der amerikanischen Unterstützung von ASEAN und ist sich der vorrangigen Bedeutung
bewußt, die die ASEAN-Staaten wie auch die unmittelbar betroffenen Staaten dem Kambodscha-Problem beimessen.

Die vom Präsidenten in seiner Rede

genannten Prinzipien - Verhandlungen, Abzug fremder Truppen und Beendigung der Feindseligkeiten - sind mit jenen der ICK identisch.

Im Juli 1985 schlugen die ASEAN-Staaten indirekte Gespräche zwischen
den kambodschanischen Widerstandskräften und einer vietnamesischen Delegation

vor, einschließlich der Vertreter

Klienten.

von Hanois

kambodschanischen

Solche Gespräche könnten, falls Vietnam ihnen zustimmt, zu

Verhandlungen zwischen den kreigführenden Parteien führen, wie sie die
Initiative des Präsidenten fordert.

4. Nicaragua
- 7-

�4. Nicaragua

In Nicaragua betrügt ein von der Sowjetunion unterstütztes Regime die
demokratischen Ziele der Revolution von 1979 und bewegt sich in immer
stärkerem Maße in totalitärer Richtung, was einen erheblichen und zunehmenden bewaffneten Widerstand im eigenen Land herbeiführt.

Die Weigerung

der Sandinisten, auf die legitimen Sorgen der bewaffneten und zivilen Opposition Nicaraguas einzugehen sowie die zunehmende Hinwendung zur Gewalt
- sowohl

innen- wie außenpolitisch

- haben zur Zunahme der

regionalen

,

Spannungen geführt; die sandinistische Politik der Gewalt haben zu hohem
Blutzoll und wirtschaftlichen

Schwierigkeiten

geführt und bedrohen die

zerbrechlichen Demokratien der Region.

Die amerikanische Politik gegenüber Nicaragua stützt sich auf vier
Grundziele:

innenpolitische Aussöhnung durch Verwirklichung der von der

OAS im Jahr 1979 abgegebenen Versprechungen für eine demokratische, pluralistische Gesellschaft, in der bürgerliche, politische und religiöse
Rechte garantiert sind; Einstellung der Unterstützung der Sandinisten für
die Aufständischen

in El Salvador und in anderen

mittelamerikanischen

Staaten; Beendigung der militärisch-sicherheitspolitischen Bindungen Nicaraguas zum Sowjetblock und Kuba sowie Abzug der militärischen Berater
dieser Staaten aus dem Lande; Verringerung des Militärapparats Nicaraguas
auf einen Umfang von Streitkräften und Typus von Bewaffnung, die vergleichbar mit denen anderer Staaten der Region sind.
Die Vereinigten Staaten haben die Sandinisten immer wieder aufgefordert, durch Gespräche mit der Führung des bewaffneten Widerstandes auf
eine friedliche Lösung des Bürgerkriegs in Nicaragua hinzuwirken und sich
intensiver um die legitimen Klagen zu kümmern, die jene zu diesem Rückgriff auf die Waffen gezwungen haben.
Initiative

des

Hauptursachen

Präsidenten

Die Verhandlungen, wie sie die

vorsehen, würden auf eine Beseitigung

dieses regionalen

Konflikts abzielen:

der

Das Vorhandensein

einer Vielzahl von Beratern und Technikern des Sowjetblocks und Kubas;
der massive Zustrom an militärischen Gütern aus diesen Ländern; schließ- 8-

»

�Ländern; schließlich die direkte Rolle des Sowjetsblocks und Kubas bei
der Erarbeitung

der Militär-, Außen- und

Innenpolitik

Nicaraguas.

Die

amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen hinsichtlich Nicaragua würden die
Verhandlungen

zwischen

den

fünf mittelamerikanischen

Staaten

ergänzen,

die im Rahmen der Contadora-Gruppe stattfinden, um eine umfassende Regelung der Probleme der Region zu erreichen.

Bei der dritten Stufe handelt

es sich im Wesentlichen um die Wiederholung unseres seit langem bestehenden Vorschlags, im Gegenzug zu konkretem Fortschritt in Richtung auf unsere grundsätzlichen Ziele, wie sie oben beschrieben wurden, umfangreiche
Wirtschafts- und Entwicklungshilfe anzubieten.

5. Äthiopien

Unsere Politik ist seit langem die gleiche und zielt ab auf die Achtung der territorialen Integrität Äthiopiens.

Wir unterstützen nicht die

separatistischen Bewegungen, die in diesem Land aktiv sind. Die Aufständischen teilen sich in viele verschiedene Gruppierungen, von denen die
beiden stärksten marxistisch orientiert sind.

Einige der Gruppen werden

auch von Libyen unterstützt.

Äthiopien spielt am Hörn von Afrika - einem wichtigen Teil der Welt,
der durch inneren Streit und regionale politische Konflikte gekennzeichnet ist - eine entscheidende Rolle.

In Äthiopien liegt ein repressives

Regime im Kampf mit der Bevölkerung.

Wir sind davon überzeugt, daß keine

militärische

Lösung möglich

ist, obgleich die Sowjetunion

militärische

Hilfe in großem Umfang gewährt und obwohl sich dort 1700 sowjetische Militärberater

und 2500 kubanische Kampftruppen

aufhalten.

Außerdem hat

das Bemühen um eine militärische Lösung zu Gewalt auch über die Grenze
hinweg und zu einer ernsthaften Verschärfung der regionalen Rivalitäten
geführt.

Die äthiopische Führung hat bislang noch nicht die Bereitschaft

gezeigt, sich ernsthaft mit den Forderungen der Dissidenten nach größerer
Autonomie auseinanderzusetzen.

Angesichts der Tatsache, daß die Sowjet-

union in einem erheblichen Maß dort verwickelt ist, hat sie die Verant-

�die Verantwortung, dazu beizutragen, daß in Äthiopien und in dessen Nachbarländern wieder Frieden einzieht.

Sollten die Sowjets bereit sein, auf

friedliche Versöhnung in Äthiopien hinzuwirken, werden auch die Vereinigten Staaten bereit sein, ihre seit langem andauernden Bemühungen noch
weiter zu verstärken, um zu einer Verbesserung der Beziehungen zwischen
allen Staaten der Region beizutragen.

* * * * *

- 10-

�E

1J

91

•

Uli//en/choU
und Technik

United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. Oktober 1985

43

SPACELAB-FLUG "D-l" UNTER DEUTSCHER REGIE
- Raumfähre CHALLENGER startet zu siebentägiger Mission

- (AD) - Als "wichtigen Meilenstein für künftige internationale Zusammenarbeit im Weltraum" bezeichnete der Physiker Dr. Reinhard Furrer
den bevorstehenden Flug mit dem Weltraumlaboratorium SPACELAB an Bord der
amerikanischen Raumfähre CHALLENGER.

Die Mission "D-l" soll am 30. Okto-

ber 1985 beginnen und sieben Tage dauern.

Dr. Furrer ist einer der acht

Astronauten, die das umfangreiche wissenschaftliche und technische Programm durchführen.

Das wissenschaftliche Programm steht dieses Mal unter deutscher Regie.

Deshalb befindet sich das Kontrollzentrum dafür bei der DFVLR in

Oberpfaffenhofen

(Oberbayern).

Die amerikanische

Behörde

für Luftund

Raumfahrt (NASA) ist ausschließlich für den flugtechnischen Bereich des
Unternehmens mit dem Raumtransporter CHALLENGER verantwortlich.
dant ist NASA-Astronaut Henry Hartsfield, Copilot Steven Nagel.

KommanNeben

den drei amerikanischen Missionsspezialisten James Buchli, Guion Bluford
und Bonnie Dunbar

gehören

die beiden

deutschen Physiker Dr. Reinhard

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Telex: 8-85432

�Dr. Reinhard Furrer und Dr. Ernst Messerschmid sowie der holländische
Physiker Wubbo Ockels zur Astronautenmannschaft:
ler fungieren als die Nutzlastspezialisten.

die drei Wissenschaft-

Die Deutsche Forschungs- und

Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR) zahlt der NASA 64 Millionen Dollar an Transportgebühren für die 76 verschiedenen Experimente, die
zur Ausführung unter Mikrogravitation, d.h. bei fast völliger Schwerelosigkeit, von Forschungsinstituten der Bundesrepublik und anderer europäischer Länder in Auftrag gegeben sind.

Mit einem Kostenaufwand von 175

Millionen Dollar wurde die Nutzlast in den letzten fünf Jahren vorbereitet und bei der Firma MBB-ERNO in der Bundesrepublik zusammengebaut.

Man

erwarte interessante wissenschaftliche Ergebnisse auf den Gebieten Werkstoffverarbeitung, Medizin, Biologie und Navigation, sagte Dr. Messerschmid.

Aber das Unternehmen

werde auch demonstrieren, daß "wir in

Deutschland mit all den Daten in unserem eigenen Kontrollzentrum fertig
werden können.

Dies ist ein großer Schritt für uns."

Zum ersten Mal in

der Geschichte der amerikanischen Raumfahrt steht die gesamte Nutzlast an
Bord eines Raumschiffs unter ausländischer Kontrolle.

Nach Ansicht von Kommandant Hartsfield könne das in Modulbauweise
konstruierte Weltraumlaboratorium SPACELAB , das unter deutscher Leitung
für das amerikanischer Raumtransporterprogramm entwickelt wurde, als Modell für Wohn- und Arbeitssegmente einer künftigen Raumstation dienen.
Solche, als Druckkabinen gebauten Segmente könnten von einzelnen Ländern,
etwa von der Bundesrepublik Deutschland und Japan - bereitgestellt und
Experimente darin von Wissenschaftlern aus diesen Ländern betreut werden,
während für die Betriebszentrale mit Energieversorgung und Lebenserhaltungssystemen Amerika verantwortlich wäre.

Bei den im SPACELAB durchgeführten Versuchsserien sind manche aus dem
Gebiet der Flüssigkeitsmechanik und der Materialforschung auch von großem
praktischen Interesse.

So will man u.a. die Bewegung von Flüssigkeiten

zwischen festen "Zentren" beobachten.

Solche "flüssigen Brücken" werden

unter irdischen Bedingungen durch die Schwerkraft defomiert.

Im Weltraum

jedoch, unter Mikrogravitation, wird ihre Form ausschließlich von der
sog. Oberflächenspannung

der Flüssigkeit

bestimmt.

Ergebnisse

dieses

Projekts könnten beispielsweise der Produktion von Filmen zugutekommen.
Bei

anderen

�Bei anderen Experimenten will man die Vorgänge bei der Erstarrung einer Anzahl von Materialien untersuchen und messen.

In einem Fall gilt es

beispielsweise, die Kristallbildung innerhalb des gesamten Probenmaterials unter Beobachtung zu halten.

Ziel des Experiments ist es, Wege zu

finden, um ein homogenes, aus seinen Bestandteilen völlig gleichmäßig gemischtes Halbleitermaterial für elektronische Prozesse herstellen zu können.

Einer der Missionsspezialisten verwies darauf, daß es sich bei den

Probenmaterialien, u.a. für organische Kristalle aus Metallen, für keramische Halbleiter, sowohl um Experimente aus der Grundlagenforschung als
auch aus der angewandten Forschung handle.

Die Erstarrung und die Diffu-

sion, d.h. das Eindringen von Atomen und Verbindungen des einen Elements
in ein anderes Element, seien Vorgänge, über die im Detail noch viel zu
wenig bekannt sei.

Bei den Experimenten, die von mehr als 80 Projektleitern mit weit
über 300 Fachkollegen ausgearbeitet wurden, spielen auch Psychologie, Medizin und Biophysik eine wichtige Rolle.

So möchte man mehr über den

Einfluß der Schwerkraft auf Zell- und Entwicklungsprozesse erfahren.

Bei

den meisten dieser Experimente geht es um die Frage, wie tierische und
pflanzliche Zellen das Signal "Schwerkraft" in physiologische Wachstumseffekte umsetzen.

Wegen der allgegenwärtigen Schwerkraft auf der Erde

sind umfassende Untersuchungen dazu nur im Weltraum möglich, wo das Fehlen dieser Schwerkraft, also die "Negativ-Situation" zum mindesten Hinweise auf kritische Stellen in der Zelle und in einem Organismus für die
Effekte der Gravitation geben könnte.

Experimente mit Froscheiern sollen

aufzeigen, wie sich Schwerkraft (bzw. das Fehlen von Schwerkraft) auf das
Eiwachstum auswirkt.

Manche schon vorliegenden Forschungsergebnisse las-

sen darauf schließen, daß die richtige Anlage und Ausdrichtung des Rückgrats von der Schwerkraft abhängt.

Studien am Menschen werden fortgesetzt.

Von früheren Versuchen und

Messungen weiß man z.B., daß Astronauten im Weltraum größer sind - auf
der Wirbelsäule lastet kein Gewicht.

Man erkannte auch, daß sich die

größte Menge des Blutes im Oberkörper ansammelt, und daß das Skelett Calcium verliert, die Knochen also entkalkt werden.
Bei den

�Bei den bevorstehenden Tests sollen wiederum die Auswirkungen von
Mikrogravitation und von Beschleunigungen in der Schwerelosigkeit auf den
Gleichgewichtssinn geprüft werden.

In dem auf Schienen im SPACELAB ge-

fahrenen "Weltraumschlitten" werden Astronauten exakt dosierten VorRückwärtsbewegungen

ausgesetzt.

"Wir wollen

und

herausfinden", so Bonnie

Dunbar, "wie die (für den Gleichgewichtssinn maßgebenden) Innenohrorgane
funktionieren und wie sie möglicherweise zur Weltraumkrankheit beitragen.

Wir wissen darüber noch sehr wenig.

raumkrank, andere nicht - weshalb?

Manche Astronauten werden

Manche erkranken auf einem Flug, beim

nächsten aber nicht - was ist die Ursache?

Jedenfalls werden wir versu-

chen, herauszufinden, was die Raumkrankheit auslöst und wie wir sie vielleicht verhindern können."

Als Teil mehrerer Navigationsexperimente werden die SPACELAB-Astronauten die Synchronisation von Uhren testen und Entfernungen messen.

Die

Versuche dienen dazu, Verfahren zum Navigieren mit Satelliten zu entwikkeln oder zu verbessern.

Satelliten, die sehr präzise Uhren an Bord ha-

ben, können als Referenzpunkte zur Positionsbestimmung benutzt werden.

* * * * *

-4

�ä

Wi//en/chaft
und Technik

111 J

•TTT3T

United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. Oktober 1985

A3

DROGENBEKÄMPFUNG - EIN SCHLLJSSELPROBLEM
- First Lady"-Konferenz anläßlich des UN-Jubiläums -

NEW YORK - (AD) - Der Einladung Nancy Reagans, der Frau des amerikanischen Präsidenten, zur zweiten Drogenkonferenz in diesem Jahr waren die
Frauen von 29 Staatsund Regierungschefs gefolgt.

Sie wurde am 22. Okto-

ber 1985 anläßlich des 40jährigen Jubiläums der Vereinten Nationen in New
York abgehalten, ein halbes Jahr nach der ersten Tagung dieser Art in
Washington und Atlanta.

Von Frau zu Frau und von Mutter zu Mutter soll-

ten Suchtprobleme erörtert und über mögliche Wege zur Bekämpfung und Verhinderung der Drogensucht gesprochen werden.

Für die Probleme gibt es

keine nationalen Grenzen - und sie führen Familien aus allen Gesellschaftsschichten gleichermaßen ins Unglück.

Die Konferenz war als Beitrag dafür gedacht, die allgemeine Aufmerksamkeit in der Welt auf die Suchtstoffprobleme und den verbrecherischen
Drogenhandel zu lenken.

Dies betonten Nancy Reagan und Marcella Perez de

Cuellar, die Frau des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, die ebenfalls an der Tagung teilnahm.

Sie würdigte besonders den Einsatz von

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Einsatz von Nancy Reagan in der Suchtstoffbekämpfung.

"Drogenmißbrauch

korrumpiert alle Gesellschaften und bedroht die Gesundheit und das Wohlergehen ihrer am ehesten verletzlichen Mitglieder - unserer Kinder", sagte sie, und fuhr fort:

"Die Anwesenden hier können aus einer einzigarti-

gen Position heraus beurteilen, wie wichtig die Verwirklichung des Traumes von den Vereinten Nationen für die ganze Welt ist.

Sie können erken-

nen, wie sehr unsere Völker den Traum der Charta der Vereinten Nationen
vom Frieden, von einem Leben in Würde und mit Chancen für alle anstreben.

Und vielleicht haben gerade wir als Ehefrauen und Mütter die beson-

dere Aufgabe und das ganz besondere Ziel, zur Schaffung einer hoffnungsvollen und verheißungsvollen Zukunft - nicht einer Zukunft der Angst und
Verzweiflung - beizutragen, in die unsere Kindeskinder hineinwachsen können."

Dr. Marsha Schuchard, eine der Gründerinnen der Organisation PRIDE
mit inzwischen mehr als 8000 Aktionsgruppen von amerikanischen Eltern,
verwies darauf, daß Unwissenheit und Gleichgültigkeit im Elternhaus gegenüber dem Drogenproblem

der Propaganda

Händlern das Geschäft erleichtert habe.

für illegale Drogen und den

"Sind sich Eltern der Bedrohung

von Gesundheit und Sicherheit ihrer Kinder durch Drogen erst einmal bewußt geworden, so wenden sie sich mit Energie und Mut ganz spontan dagegen", meinte sie.

Und aufgrund der in den letzten zehn Jahren gesammel-

ten Erfahrungen sei bewiesen, so Dr. Carlton Turner, ein Berater Präsident Reagans für Politik gegen Drogenmißbrauch, daß "ungeachtet der von
der Regierung zur Verfügung gestellten Ressourcen der Erfolg in der Verringerung des Drogenmißbrauchs letztlich von der Vorbeugung durch Informiertsein und Wachsamkeit abhängt".

Seit den ersten Gesprächsrunden der "First Ladies" im April dieses
Jahres über die Drogenprobleme haben viele Nationen begonnen, Mißbrauch
und Handel mit Suchtstoffen unter allen nur möglichen Aspekten zu betrachten.

Auf dem Wirtschaftsgipfel in Bonn, kurze Zeit später, waren

sich die Teilnehmerstaaten einig, daß das Gewicht des Problems größte
Aufmerksamkeit auf verschiedenen Ebenen verlange und im kommenden Jahr in.
Tokio erneut behandelt werden müsse.

Auch im Rahmen der Vereinten Natio-

�Vereinten Nationen forderte jetzt Generalsekretär Perez de Cuellar eine
"Weltkonferenz der Vereinten Nationen über Suchtstoffe" - ein Zeichen dafür, wie ernst internationale Körperschaften die Drogengefahr beurteilen.

Manche Nationen hätten

dank der

Initiativen, die die Frau ihres

Staatspräsidenten oder Regierungschefs in den letzten Monaten unternommen
habe, dennoch erkannt, daß Drogenmißbrauch gestoppt werden könnte, wenn
alle "nein" sagen zum Konsum.

Jon Thomas, Unterstaatssekretär im ameri-

kanischen Außenministerium für internationale Suchtstoffangelegenheiten,
erklärte vor der Gesprächsrunde der "First Ladies" in New York u.a.:
"Das internationale Suchtstoffproblem ist nicht über Nacht zu lösen.
werden lange zu kämpfen haben.

Wir

Aber wenn der Kampf an vielen Fronten

ausgetragen wird - in der Familie, in unseren Gemeinwesen, in unseren
Rechtssystemen

und

in

unseren

regionalen

gemeinsamen

-, dann sollte es möglich sein, ihn zu gewinnen."

Anstrengungen

Eine der wichtigsten

Voraussetzungen dafür sei enge internationale Zusammenarbeit.

Sie sei

zwischen Ursprungs- und Verbraucherländer für illegale Drogen gerade in
letzter Zeit verbessert worden, müsse aber noch wesentlich ausgebaut werden.

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Reagan-Initiative zur Beilegung regionaler Kriege&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dokumentation des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Regionale Konflikte und die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dokumentation des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;SPACELAB-Flug "D-1" unter deutscher Regie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Raumfähre CHALLENGER startet zu siebentägiger Mission -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Drogenbekämpfung - ein Schlüsselproblem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- "First-Lady"-Konferenz anlässlich des UN-Jubiläums -&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

*&lt;Ä &gt;£»

30. Oktober 1991

AUSSEN- UND INNENPOLITIK

BUSH VERSPRICHT US-UNTERSTUTZUNG FÜR
FRIEDEN IM NAHEN OSTEN
Pressekonferenz des Präsidenten

DEUTSCH-AMERIKANISCHE
BEZIEHUNGEN

DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHEN
BEZIEHUNGEN - DIE MENSCHLICHE DIMENSION
Rede von Botschafter Kimmitt in Berlin

DROGEN

UNKONVENTIONELLE PROGRAMME ZEITIGEN
FORTSCHRITTE BEI DER BEHANDLUNG VON
DROGENMISSBRAUCH
Die bekanntesten Therapien

VOICE OF AMERICA

DIE KÜNFTIGE ROLLE DER VOICE OF AMERICA
Rede von VOA-Direktor Chase Untermeyer

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�A U S S E N - UND

INNENPOLITIK
30. Oktober 1991

BUSH VERSPRICHT US-UNTERSTÜTZUNG
FÜR FRIEDEN IM NAHEN OSTEN
Pressekonferenz des Präsidenten
WASHINGTON -(AD) - Präsident Bush versprach am 25. Oktober 1991, die Vereinigten Staaten "können und
werden ein engagierter und aktiver Partner beim Streben nach Frieden sein".
Dennoch können die Vereinigten Staaten "nicht Frieden im Nahen Osten schließen - das können nur die Parteien
selbst," erklärte der Präsident anläßlich einer Pressekonferenz in Washington, bei der er auch auf die
bevorstehende Nahost-Friedenskonferenz in Madrid einging.
Bush wird zur Eröffnung der Konferenz eine Rede halten und am 29. Oktober mit dem sowjetischen Präsidenten
Gorbatschow zusammentreffen. "Ich bin bereit, (beim Treffen mit Gorbatschow) Kernwaffen zu erörtern, ich bin
bereit, über ihre und unsere Wirtschaft ebenso zu sprechen wie über alles, was ihn interessiert", erklärte Bush.
Der Präsident nahm darüber hinaus zur nationalen Wirtschaftslage und anderen innenpolitischen Themen
Stellung und erklärte, mit den Mehrheitsführern der Republikaner und Demokraten im Senat sei Übereinstimmung über ein Bürgerrechtsgesetz erzielt worden, "auf das alle Amerikaner stolz sein können".
Bush kündigte an, sich Bestrebungen zur Revision der im vergangnen Jahr zwischen dem Kongreß und der
Regierung ausgearbeiteten Haushaltsvereinbarung widersetzen zu wollen, denn die Vereinbarung sei "die
einzige Obergrenze, die uns bei exzessiven Ausgaben des Kongresses zur Verfügung steht".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz von Präsident Bush in wesentlichen Auszügen.

Bush: Ich möchte eine kurze Erklärung abgeben und
werde dann gern auf Ihre Fragen eingehen.
Nach außerordentlich eingehenden Debatten und
Verhandlungen haben wir mit den Führungen der Republikaner und Demokraten im Senat ein Bürgerrechtsgesetz vereinbart, auf das alle Amerikaner stolz
sein können. Es nimmt keine Zuflucht zu Quotenregelungen und fördert die Sache der Gleichberechtigung
am Arbeitsplatz. Sowohl der Kongreß als auch die Regierung können dem amerikanischen Volk dieses Gesetz
als neue Maßnahme gegen Diskriminierung und für
Chancengleichkeit präsentieren.
Diese Vereinbarung wurde vergangene Nacht in Maralhonverhandlungen erzielt, bei denen Senator John
Danforth aus Missouri die Führung übernahm, unterstützt von Senator Dole und anderen Abgeordneten
beider Parteien. Das war eine stolze Leistung für den
Kongreß und die Regierung. Jetzt können wir gemeinsam voranschreiten und in diesem Land Fortschritte
bei den Bürgerrechten erzielen.

AMERIKA DIENST 43

Ich erinnere mich, vor über anderthalb Jahren mit
Justizminister Thornburgh im Rosengarten gestanden
und mich den Bürgerechtlern des Landes gegenüber
unverrückbar verpflichtet zu haben, ein Bürgerrechtsgesetz ohne Quotenregelung anzustreben, das ich
unterzeichnen könne. Unter der Voraussetzung, daß
es keine Veränderungen mehr in dem Gesetz gibt, wie
es letzte Nacht verabschiedet wurde, verfügen wir jetzt
über ein solches Gesetz. Mein Versprechen wird
gehalten, und ich werde dieses Gesetz mit Begeisterung unterzeichnen.
Ein anderes Thema ist die Nahost-Friedenskonferenz.
Ich möchte auf die historische Bedeutung dieser Zusammenkunft hinweisen. Seit Jahrzehnten ist der
Nahe Osten Sinnbild für gefährliche und tragische
Konflikte. Zwischen den Menschen dieser Region gibt
es immer noch erhebliche Differenzen. Aber ich
möchte auf das staatsmännische Geschick aller Teilnehmer an der Friedenskonferenz verweisen.

Seite 1

�Wenn man sich zusammensetzt, fängt man an, sich zu
verstehen. Natürlich kennen wir nicht das Ergebnis,
Es wird Geduld und Entschlossenheit erfordern. Die
Vereinigten Staaten können nicht Frieden im Nahen
Osten schließen - das können nur die Parteien selbst.
Aber wir können und werden ein engagierter und
aktiver Partner beim Streben nach Frieden sein.
Außenminister Baker hat Geduld und Beharrlichkeit
bewiesen, und er hat unermüdlich und diszipliniert mit
der Sowjetunion und allen Parteien in der Region
zusammengearbeitet, um diese Konferenz und die
Hoffnung auf Frieden wahr werden zu lassen. Dafür
schulden wir ihm großen Dank.
Ich begebe mich auch nach Madrid, um Präsident
Gorbatschow zu treffen, und ich weiß, daß Präsident
Gorbatschow ebenso wie ich die Hoffnungen der ganzen
Welt auf diese neuen Chancen für Frieden richten
möchte.
Frage: Zur Innenpolitik. Die amerikanische Wirtschaft
bereitet immer mehr Menschen Anlaß zur Sorge.
Millionen sind arbeitslos, und täglich werden neue
Statistiken über eine potentielle Rezession vorgelegt.
Sind die Anzeichen nicht deutlich, daß etwas getan
werden muß? Was würden Sie den Amerikanern
sagen, worin Ihre Hilfe besteht?
Antwort: Ich möchte die Mutmaßungen über eine
weitere Rezession nicht vertiefen. Danach ist mir
nicht. Die Wirtschaft war schwerfällig. Sie war nicht
halb so gut, wie ich oder das amerikanische Volk sie
gern gesehen hätte. Was ich tun möchte? Ich hätte es
gern gesehen, daß der Kongreß die von mir bereits
1989 und auch später für das Wachstum vorgeschlagenen Maßnahmen ergreift. Wir benötigen eine Stimulation des Wirtschaftswachstums.
Meiner Ansicht nach ist nunmehr jeder mit der Tatsache vertraut, daß eine Senkung der Kapitalertragsteuer das Wachstum ankurbeln, Arbeitsplätze schaffen
und Chancen bereiten würde. Wir werden hingegen
angegriffen, hierbei handele es sich um eine Steuererleichterung für die Reichen. Ich möchte dem Kongreß
vorschlagen, es zu versuchen: ich werde auf der politischen Seite die Schuld auf mich nehmen, wenn ich
nur die Hälfte der Anerkennung bekomme, wenn es
der Wirtschaft zum Vorteil gereicht.
Darüber hinaus haben wir ein Programm, das verbesserte Forschung und Entwicklung umfaßt, wir haben
ein Gesetz über die Reform des Bankwesens, das im
Kreditwesen sicher stimulierend wirken würde - es sitzt
im Kapitol fest. Wir haben ein Programm über steuerbegünstige Sparanlagen für die private Altersvorsorge
vorgelegt. Wir haben ein Verkehrsgesetz, das Arbeitsplätze schafft. Wir setzen uns für Industrieförderungsgebiete ein.

Seite 2

Hier ist also ein gutes 6-Punkte-Programm für das
Wachstum, und der Kongreß weigert sich, auch nur
das geringste dafür zu tun. Und ich glaube nicht, daß
es einen Menschen im ganzen Land gibt, der daran
zweifelt, daß wir für diese Dinge eintreten.
Wir werden sehen, wohin uns unser Weg führt. Aber
ich mache mir Sorgen, wenn Menschen in Not sind,
macht man sich natürlich Sorgen. Ich wünsche mir ein
aus laufenden Erträgen bezahltes Paket der Arbeitslosenunterstützung, das nicht zum Defizit beiträgt und
nicht nachfolgende Generationen mit einem höheren
Defizit der Bundesregierung belastet. Es soll innerhalb
der Haushaltsvorlage funktionieren. Das habe ich
vorgeschlagen. Ich hoffe, der Kongreß wird einmütig
sein und mir ein solches Paket vorlegen.
Frage: Einige Republikaner im Kongreß haben ihre
Bereitschaft bekundet, den Steuerermäßigungen für
die Mittelschicht zuzustimmen, wie sie die Demokraten vorgeschlagen haben. Wären Sie bereit, hier zuzustimmen?
Antwort: Ich wäre sehr enthusiastisch über eine
Steuerermäßigung für alle Amerikaner, aber das kann
nicht innerhalb der Haushaltsvorlage geleistet werden.
Aber es muß erreicht werden, und wenn es etwas
Neues dazu geben soll, dann dies. Man sollte sich
überlegen, wie es in die Haushaltsvorlage zu integrieren ist.
Ich möchte vor allem folgendes betonen: Reduzierung
der Kapitalertragsteuer, Forschung und Entwicklung,
Reform des Bankwesens, Vergünstigungen für Spareinlagen zum Zweck der Altersversorgung, Verkehrsgesetz, Industrieförderungszonen - all die Dinge, auf
die ich bereits verwiesen habe. Aber ich bin nicht völlig
gegen alles, was ich hier höre. Aber sie sollten unser
Wachstumspaket in Betracht ziehen. Damit würde ich
beginnen. Wenn sich noch weitere Vorteile ergeben auch gut. Aber wir sollten nicht die Haushaltsvorlage
angreifen und dann sagen, das Defizit der Bundesregierung spielt keine Rolle. Es spielt eine Rolle. Das tun
Defizite immer.
Frage: Ministerpräsident Schamir wird die israelische
Delegation nach Madrid leiten. Erst gestern erklärte
er, keine territorialen Konzessionen an die arabischen
Staaten machen und die israelische Siedlungspolitik
nicht einfrieren zu wollen. Kann es in Madrid und
darüber hinaus Fortschritte geben, wenn er diesen
Standpunkt vertritt?
Antwort: Ich wußte, daß jemand solche Fragen
stellen würde - detaillierte Fragen nach der Position der
Konferenzteilnehmer. Das ist höchst verständlich. Ich
werde darauf nicht antworten. Was ich nicht möchte,
ist diesen Prozeß unabsichtlich zu komplizieren. Die
Parteien sollten sich wie geplant zusammensetzen

AMERIKA DIENST 43

�und darüber diskutieren - eine Priorität nach der anderen. Es ist nicht an den Vereinigten Staaten, dies zu
tun.
Zu 242 und 338 ist unsere Haltung bekannt. Ebenso
bekannt sind unsere Positionen zu einer Reihe von
anderen Themen, die möglicherweise dort erörtert
werden. Aber wir versuchen, als Katalysator zu fungieren, Menschen zusammenzubringen und sie Meinungsverschiedenheiten diskutieren zu lassen. Es tut mir
also leid, daß ich diese Frage nicht definitiv beantworten werde und auch keine anderen über besonders
strittige Themen zwischen den Parteien. Wir versuchen nicht, eine Einigung zu erzwingen. Wir versuchen, Menschen zusammenzuführen, damit sie Einigung erzielen können.
Frage: Werden Sie denn die Standpunkte der Vereinigten Staaten erläutern, wenn Sie die Konferenz
eröffnen?
Antwort: Ich glaube nicht, daß wir dies an dem Punkt
tun müssen. Die Positionen der Vereinigten Staaten
sind eindeutig. Aber das ist nicht der Punkt. Wir halten
keine Konferenz über US-Politik ab sondern führen
eine Konferenz durch, bei der wir Menschen zusammenbringen, um Jahre alte Konflikte beizulegen.
Frage: Werden Sie Schamir treffen?
Antwort: Das werde ich ganz sicher. Ich werde auch
mit anderen Delegationsleitern zusammentreffen und
Präsident Gorbatschow sehen. Ich hoffe ferner den
spanischen Ministerpräsidenten und den König zu
treffen. Ich weiß nicht, wieviele bilaterale Treffen ich
genau haben werde. Das steht noch nicht fest. Aber
ich sehe dem mit Interesse entgegen.
Frage: Das Bürgerrechtsgesetz begrenzt Schadenersatzansprüche in Fällen der Diskriminierung aufgrund
des Geschlechts, nicht aber bei Rassendiskriminierung. Zum ersten Mal werden damit finanzielle Schäden für Diskriminierung aufgrund des Geschlechts
beziffert. Wie aber rechtfertigen Sie dies gegenüber
Frauen, die es als Zeichen verstehen könnten, Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts würden einfach nicht so ernst genommen wie Rassendiskriminierung?
Antwort: Ich würde versuchen, diese Befürchtungen
zu zerstreuen und erklären, die Hauptsache sei ein
Bürgerrechtsgestz, das gegen sexuelle Belästigung
und Diskriminierung am Arbeitsplatz vorgeht. Genauso würde ich darauf antworten. Dies ist das erste ...
Frage: Warum sollte es ein Unterschied sein?
Antwort: Das ist das erste Mal in der Geschichte. Ich
muß Sie daher an die Juristen verweisen.
Frage: Zurück zu den Thomas-Anhörungen. Angesichts der Macht seiner ungeschminkten Aussagen bei
den 11 stündigen Anhörungen, von denen viele Leute
AMERIKA DIENST 43

glauben, sie hätten seine Nominierung gerettet, frage
ich mich, ob Sie Kandidaten in die Hände von Trainern
aus dem Weißen Haus geben wollen, die offensichtlich
alle Ecken und Kanten von ihren Positionen abschleifen und sie abhalten wollen, etwas Kontroverses zu
sagen.
Antwort: Diese Frage habe ich bereits gehört. Erst
am Samstag. Ich denke, Sie leisten den Kandidaten
einen Bärendienst, wenn sie von Trainern des Weißen
Hauses sprechen, die jeden auf Kurs brigen. Eine
Person, die sich dem Prozeß der Bestätigung unterziehen muß, begrüßt Beratung. Aber wenn man andeuten will, der Kandidat tut das, was die Berater wollen,
ist das meiner Ansicht nach falsch.
Ich denke, mit der Fragestellung erweist man Richter
Thomas einen schlechten Dienst, der seinen Kurs
verfolgt hat. Natürlich haben ihm einige Leute geholfen, es gab bestimmte Fragen, bei denen sie vorausgesagt haben, sie würden wahrscheinlich gestellt.
Aber ich denke, man wird ihm nicht gerecht, wenn man
glaubt, die Trainer geben die Antworten vor. Es gibt bei
diesen Anhörungen zur Bestätigung ein Muster, wem
welche Frage gestellt wird oder nicht. Meiner Ansicht
nach wurde er zum einen oder anderen Thema mehr
befragt als sein Vorgänger.
Frage: Herr Präsident, Thomas hat selbst vor Abgabe
seiner Erklärung am Freitag gesagt, er sei nicht das
Produkt - seine eigenen Worte - irgendwelcherTrainer.
Er hat doch erkannt, daß Berater bei seinen Anhörungen eine Rolle gespielt haben?
Antwort: Ich sage nicht, daß es niemanden gab, der
ihm geholfen hat. Irgendwie gefällt mir das Wort
Trainer nicht - wie bei Preisboxem: geh hin und schlag
ihn nieder. Darum geht es doch wohl nicht. Vielleicht
verstehe ich Ihre Frage falsch.
Frage: Sprechen wir hier nicht über Leute, die normalerweise Lobbyisten für private Interessen sind, die
verständlicherweise gute Beziehungen zum Kongreß
unterhalten müssen und deren Beteiligung bei einer
solchen Situation einem Interessenkonflikt gleichkommt,
weil sie niemanden verärgern wollen, auch nicht den
Kandidaten?
Antwort: Wenn Sie damit andeuten wollen, daß ein
Kandidat - in diesem Fall Richter Thomas - Prinzipien
aufgeben würde, weil einer seiner Helfer den Kongreß
nicht verärgern will, muß ich das zurückweisen. Ich
denke nicht, daß diese Anschuldigung seinem intellektuellen Niveau entspricht.
Frage: Colin Powell scheint zu glauben, das Pentagon
könne mit der Hälfte der 75 B-2 Tarnkappenbomber
leben, die Sie vorgeschlagen haben. Wenn das der
Fall ist, wie werden Sie verhindern, daß Gegner des
Programms die niedrigere Zahl noch weiter verringern?

Seite 3

�Antwort: Wir haben ein Programm. Wir werden
weiterhin eine große Bandbreite von Verteidigungsangelegenheiten erörtern. Ich möchte mich nicht zu einer
angeblichen Position einer wichtigen Person äußern
und sie damit vergleichen, wie jemand anders in der
Regierung darüber denkt.
Frage: Es klingt, als wäre ihre Position zu der Zahl 75
nicht rigide.
Antwort: Das würde ich nicht sagen. Uns liegt ein
Vorschlag vor, und wir werden sehen, wo wir damit
landen.

stellen? Viele Leute würden das gern sehen. Es gibt
eine Menge Probleme in diesem Land, von denen
einige mehr Geld erfordern würden. Es gibt aber auch
die Pflicht, übermäßigen Ausgaben entgegenzutreten.
Und hier kommt die Haushaltsvereinbarung ins Spiel.
Frage: In Washington hat man sich diese Woche mit
Vorschlägen für Steuersenkungen gewissermaßen
überboten, was durch einige Ihrer Treffen mit den
Republikanern ausgelöst wurde. Ist dieser Wettkampf
nun beendet? Konnten Sie ihn beenden? Und meine
zweite Frage lautet: Wenn die Haushaltsvereinbarung
nicht durch irgendwelche Steuersenkungen zu Fall
gebracht werden kann, wird sie dann nicht ausgehöhlt?

Frage: Als Sie die Haushaltsvorlage mit dem Kongreß
unterzeichnet haben, befand sich die Wirtschaft nicht
in einer Rezession, die Sowjetunion hatte keinen
Zusammenbruch erlebt, und deshalb hatten Sie keine
Kürzung der nuklearen Arsenale des Landes vorgeschlagen. Es gab noch keine Schätzungen, daß die
Vereinigten Staaten mit viel kleineren Streitkräften
leben könnten. Warum wird angesichts all dessen die
Haushaltsvorlage nicht überarbeitet, auch angesichts
der Tatsache, daß das Haushaltsdefizit sowieso höher
ist als es die Vorlage fordert.

Antwort: Ich glaube nicht, daß wir diese Konkurrenz
beenden können. Es ist meines Erachtens verständlich, wenn Menschen sich Sorgen machen - schlechte
Wirtschaftszahlen treten von Zeit zu Zeit auf, obwohl
sie dieses Mal eher gemischt sind, mit einigen ziemlich
guten darunter. Ich bin besorgt. Aber ich sage diesen
Leuten nicht, daß sie keine Vorschläge machen sollen.
Ich werde mich jedoch nicht an einem Wettstreit dieser
Art beteiligen.

Antwort: Ich werde sie nicht überarbeiten, weil sie die
einzige Obergrenze ist, die uns bei exzessiven Ausgaben des Kongresses zur Verfügung steht. Sie ist die
einzige Garantie für den Steuerzahler, daß seine Interessen in gewissem Maße berücksichtigt werden.

Es gibt einige gute Vorschläge. Einige werden aus rein
politischen Erwägungen kritisiert, meines Erachtens
auf ziemlich unfaire Weise; Dinge, die die Wirtschaft
schon vor langer Zeit angekurbelt hätten. Und ich mu ß
die sechs Punkte nicht noch einmal wiederholen...

Wenn Sie so überarbeitet wird, daß diese Beschränkungen aufgehoben sind, werden den Ausgaben Tür
und Tor geöffnet. Das haben wir bereits bei einigen
Gesetzen beobachtet - die Arbeitslosenhilfe ist ein
gutes Beispiel aus jüngster Zeit. Machen Sie sich
keine Sorgen über Haushaltsdefizite, über die Menschen, die Steuern zahlen, geben Sie einfach mehr
aus. Es tut mir leid, aber ich möchte die Haushaltsvorlage nicht freigeben, weil ich die Ausgabenbeschränkungen für hilfreich halte.

Ich bin jedoch nach wie vor der Meinung, daß diese
Schritte Arbeitsplätze schaffen und die Gründung neuer
Unternehmen fördern würden. Der Kongreß möchte
einen anderen Ansatz wählen. Man hat sich dort aber
noch nicht verständigt, und ich werde das weitere
Vorgehen beobachten. Ich werde dabei berücksichtigen, ob sie das Haushaltsabkommen zu Fall bringen
oder nicht und dann eine Entscheidung treffen, an
deren Ende möglicherweise eine neue Kombination
dessen stehen kann, was ich für das Beste halte.
Vielleicht sollte ich das tun.

Es gibt ein paar Dinge, die sie durchbrochen haben.
Ich denke dabei an die Probleme der Banken, von
denen manche außergewöhnlich waren. Aber wenn
wir diese Vorlage umgestalten, werden Sie sich einer
Flut von Ausgabenprogrammen gegenübersehen. Und
das schränkt uns bei der Erstellung unseres Haushalts
ebenso ein wie den Kongreß bei seinen Ausgaben.
Deshalb werde ich sie nicht überarbeiten.
Frage: Stellt es kein Problem dar, so eingeschränkt zu
sein, wenn man mit neuen Problemen wie etwa der
anhaltenden Arbeitslosigkeit fertigwerden muß?
Antwort: Ja, das ist ein Problem. Aber es hilft uns, ein
altes Problem zu behandeln, das uns schon seit Jahren am Herzen liegt - die Beschränkung des Defizits im
Bundeshaushalt. Aber das trifft sicher zu. Welcher
Präsident würde nicht gerne die Taschen voller Geld
haben, um für jede gute Sache Mittel zur Verfügung zu

Seite 4

Frage: Solange der Preis für eine Verringerung der
Kapitalertragssteuer aus der Perspektive der Demokraten in einer Erhöhung der Steuersätze oder in einer
Begrenzung der Sätze besteht, wird sie aus Ihrer
Perspektive wohl nicht zustande kommen?
Antwort: Ich habe eine Senkung der Kapitalertragssteuer ohne Erhöhung der Einkommensteuern vorgeschlagen, und ich mag diese Idee. Ich möchte mich
nicht erneut in eine Diskussion über Steuererhöhungen verwickeln lassen, und meines Erachtens möchte
auch das amerikanische Volk keine Steuererhöhungen, unabhängig davon, ob es sich um niedrige, mittlere oder höhere Einkommen handelt.
Es besteht in diesem Land deutliches Unbehagen im
Hinblick auf höhere Steuern. Viele Menschen denken,
wir sollten uns besser um die Kontrolle der Ausgaben
AMERIKA DIENST 43

�kümmern. Das ist einer der Gründe, warum ich nicht
möchte, daß der Kongreß die Haushaltsvereinbarung
zerstört. Wir werden also dabei bleiben. Alles, was ich
vorschlage, hat echtes Wachstum zum Ziel.
Frage: Es wurden Berichte veröffentlicht, wonach Sie
persönlich die Kampagne genehmigt haben, mit der
republikanische Senatoren Anita Hill diskreditieren
wollten. Marlin sagte, das treffe nicht zu. Ob dies
zutrifft oder nicht...
Antwort: Es trifft nicht zu. Ich möchte Sie bereits hier
unterbrechen - es trifft nicht zu. Fahren Sie fort.
Frage: Haben Sie die republikanische Taktik gutgeheißen? Undfalls nicht, warum haben Sie sie als Mann
an der Spitze der Republikanischen Partei und Präsident der Vereinigten Staaten nicht aufgehalten?
Antwort: Von welcher Taktik sprechen Sie bitte?
Frage: Nun, es gab zahlreiche Kritiker der republikanischen Senatoren, die eine Kampagne anführten, um
Anita Hills Aussage zu diskreditieren.
Antwort: Ich gehöre nicht dazu. Ihre Aussage hat
beim amerikanischen Volk, das mit überwältigender
Mehrheit Clarence Thomas unterstützte - übrigens
ganz am Ende ebenso wie vorher -, gewisse Fragen
aufgeworfen. Meines Erachtens ist es angemessen,
diese Aussage zu untersuchen.
Frage: Hatten Sie irgendwelche Probleme mit der Art

von Fragen, die gestellt wurden oder versteckten
Andeutungen, daß es noch andere Dinge gab, die sie
nicht...
Antwort: Ich hatte Probleme mit der ganzen Sache.
Ich habe gestern eine Rede über meine Probleme
gehalten, die meines Erachtens mit den Problemen
identisch sind, die das amerikanische Volk in bezug auf
den ganzen Prozeß hatte, denn diese plastischen nicht
jugendfreien Anschuldigungen hätten unabhängig davon,
ob sie nun zutrafen oder nicht, hinter verschlossenen
Türen vorgebracht werden müssen. Ich bin der Meinung, das amerikanische Volk hat ein Recht auf Information, aber auch das Recht zu delegieren. Und
meines Erachtens hatte Joe Biden zu Beginn der
ganzen Anhörung recht als er vorschlug, Zeugen könnten
unter Ausschluß der Öffentlichkeit befragt werden. So
hätte ich mir eine Lösung dieser Frage vorgestellt.
Und in diesem Fall ginge es weder dem amerikanischen Volk noch Clarence Thomas oder Anita Hill
schlechter. Allen Beteiligten würde es vielmehr besser
gehen.
Frage: Dürfte ich fragen, ob sie Ihrer Meinung nach
fair behandelt wurde?
Antwort: Ich möchte Senator Biden nicht beschuldigen, kein faires Hearing veranstaltet zu haben. Ich
habe bereits ganz am Anfang erklärt, daß er meines
AMERIKA DIENST 43

Erachtens gute Arbeit geleistet hat. Also versuchen
Sie bitte nicht, mich in eine Diskussion darüber zu
verwickeln, was fair war und was nicht. Einige Leute
waren von den Ergebnissen enttäuscht. Sie könnten
denken, es sei nicht fair zugegangen. Ich war über die
Ergebnisse erfreut, weil ich der Meinung bin, daß sich
das Vertrauen des amerikanischen Volkes in diesen
Richter als korrekt erwiesen hat.
Frage: Obgleich Sie glauben, daß Anita Hill im Gegensatz zu Ihrem Kandidaten nicht die Wahrheit sagte,
machen Sie, Herr Bush, sich keine Sorgen darüber,
daß drei Frauen, die über die sogenannte "gläserne
Wand" aussagen sollten...
Antwort: Nein, ich mache mir darüber keine Sorgen.
Frage: Obwohl sie geäußert haben, die Behandlung
von Anita Hill habe sie davon überzeugt, nicht an die
Öffentlichkeit zu gehen und ihre Arbeitgeber öffentlich
zu kritisieren?
Antwort: Schauen Sie, es gibt eine Menge Leute auf
allen Seiten, die ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck
bringen. Ich meine, das Land ist froh, die Angelegenheit abgeschlossen zu haben. Meines Erachtens hat
sie sich angesichts des Endresultats in befriedigender
Weise gelöst - Clarence Thomas ist Mitglied des
Obersten Bundesgerichts. Ich war persönlich besonders beeindruckt von seinen Ausführungen darüber,
wie es ihm und seiner Familie aufgrund dieser Ereignisse ergangen ist. Wenn die Frage also lautet: hätte
man die Anhörung verlängern sollen, damit drei weitere Personen aussagen können, so bin ich nicht
dieser Meinung.
Frage: Nein, dabei handelte es sich um eine andere
Anhörung, bei der drei Frauen sich weigerten, über
einen anderen Bereich der Diskriminierung am Arbeitsplatz auszusagen und angaben, das, was sie als
die öffentliche Vorführung Anita Hills betrachteten
spiegele wider, was sie selbst zu erwarten hätten,
wenn sie...
Antwort: Entschuldigen Sie, ich habe Sie mi ßverstanden. Ja, darüber bin ich besorgt. Ich mache mir
Sorgen, daß gute Leute, die andernfalls eine positive
Einstellung zur Regierung hätten, nicht in den Staatsdienst eintreten könten, weil sie selbst nicht auf diese
Weise durch die Mangel gedreht werden möchten. Ja,
ich mache mir sehr große Sorgen darüber.
Frage: Entschuldigen Sie, Herr Bush. Hier handelte
es sich um Frauen, die bereits im Staatsdienst tätig
waren und angaben, daß sie vor der Aussage von
Anita Hill Opfer von Diskriminierung am Arbeitsplatz
gewesen seien, weil sie Frauen sind. Nach ihrer [Hills]
Aussage und ihrer Behandlung durch den Rechtsausschuß des Senats weigerten sie sich aus Furcht vor
einer solchen Behandlung, öffentlich auszusagen,
obwohl ihre Behauptungen fundiert sein könnten, was

Seite 5

�Ihrer Meinung nach bei Anita Hill nicht der Fall war. Ich
frage Sie nun, ob Sie sich Sorgen über eine abschrekkende Wirkung...
Antwort: Ich habe das nicht behauptet - Sie legen mir
Worte in den Mund. Ich habe so etwas nicht behauptet. Aber machen Sie bitte weiter.
Frage: Machen Sie sich Sorgen über eine mögliche
abschreckende Wirkung?
Antwort: Ja, das habe ich gerade gesagt. Ja, ich
mache mir Sorgen über eine abschreckende Wirkung.
Je mehr eine solche offene, überfrachtete Debatte
stattfindet, in der der Charakter von Menschen auf der
einen oder anderen Seite das Ziel von Angriffen ist,
desto mehr Sorgen mache ich mir. Ich habe dies in
meiner gestrigen Rede angesprochen und einige
Vorschläge dazu gemacht. Und einer dieser Vorschläge läuft darauf hinaus, daß es mehr Geheimsitzungen
des Senats geben sollte, wenn es dazu kommt oder
wenn es um persönliche Anliegen von Menschen geht.
Ja, darüber mache ich mir Sorgen.
Frage: Sie haben in Louisiana den Wahlkampf von
Buddy Roemer unterstützt. Wie lautet Ihre politische
Analyse des Klimas, das eine solche Anzahl von
Wählerstimmen für einen ehemaligen Führer des Ku
Klux Klan und Sympathisanten der Nazis, David Duke,
hervorgebracht hat, der behauptet, ein Republikaner
zu sein?
Antwort: Ich habe mich nicht eingehend genug mit
den dortigen Themen beschäftigt, um zu wissen, warum
Menschen für ihn gestimmt haben. Ich möchte klarmachen, daß ich David Duke aufgrund des Rassismus
und seiner jüngsten Äußerungen, die angesichts ihrer
Bigotterie und allem anderen besorgniserregend sind,
auf keinen Fall unterstützen könnte.
Nachdem ich dies gesagt habe, kann ich Ihnen leider
im Hinblick auf die anderen Fragen, die offensichtlich
zahlreiche normale, ehrliche und anständige Wähler
dort unten beeinflußt haben, nichts Genaues sagen.
Aber es besteht Unzufriedenheit bei zahlreichen Wählern,
und vielleicht hat er da einen Nerv getroffen.
Wenn dies nun so verstanden werden sollte, daß es für
die Wähler wegen des Rassismus oder der Bigotterie
attraktiv war, so möchte ich dies energisch zurückweisen.
Frage: Würde Ihre Ablehnung so weit gehen, daß Sie
den Bürgern von Louisiana raten würden, für seinen
Gegenkandidaten zu stimmen oder vielleicht einen
anderen Namen auf den Stimmzettel zu schreiben?
Antwort: Ich habe bereits Buddy Roemer unterstützt,
und ich wei ß nicht, wie die Regeln dort aussehen, aber
ich bin sehr unglücklich darüber, daß der Gouverneur
dort nicht wiedergewählt wurde oder in die Stichwahl
kam. Ich bin sehr unglücklich darüber, denn ich bin

Seite 6

immer noch der Meinung, daß er ein vernünftiger
Mann, ein zukunftsorientierter und guter Mann ist.
Aber ich werde mich hier nicht einmischen, außer mit
der Feststellung, daß wir David Duke aus den angeführten Gründen niemals auf irgendeine Weise unterstützen können. Versuchen Sie also nicht, mich in die
Stichwahl in diesem Staat zu verwickeln. Ich werde
mich da nicht hineinziehen lassen.
Frage: Werden Sie bei dem Treffen mit Präsident
Gorbatschow in Madrid in der Lage sein, einige seiner
Vorschläge im Hinblick auf Kernwaffen mit eigenen
Vorschlägen zu beantworten?
Antwort: Nein.
Frage: Wenn nicht, worüber werden Sie dann reden?
Antwort: Nun, Ende offen. Das Hauptthema ist eine
Friedenskonferenz für den Nahen Osten. Aber ich bin
sicher, wir werden über bilaterale Fragen sprechen,
und ich werde zu Gesprächen über Kernwaffen bereit
sein. Ich bin bereit, über ihre und unsere Wirtschaft zu
sprechen. Ich bin bereit, über alles zu diskutieren, was
ihn interessiert. Wir führen immer sehr umfassende
Gespräche, und ich freue mich wirklich sehrauf diesen
Teil.
Aber der Grund, aus dem ich so schnell geantwortet
habe, besteht darin, daß ich nicht den Eindruck hinterlassen möchte, wir würden ein neues Vier-PunkteProgramm oder ein Sechs-Punkte-Programm vorlegen , um auf seine positive Antwort auf unsere Initiative
zu reagieren.
Frage: Einige Leute meinen, für Frauen laute der
Tenor der Anhörungen Anita Hill/Clarence Thomas:
Bemühen Sie sich nicht, über sexuelle Belästigung zu
sprechen, denn es wird Ihnen ja doch niemand glau
ben. Ist dies Ihrer Meinung nach der Tenor oder
würden Sie den amerikanischen Frauen sagen, daß
sie sich zu Wort melden sollten?
Antwort: Ich sage, sie sollten sich zu Wort melden.
Aber dies sollte in einem Klima geschehen, daß Menschen nicht in einem solchen Verfahren zerstört werden. Und aus diesem Grund erkläre ich, wir sollten es
hinter verschlossenen Türen tun oder Verfahren durchführen, in denen keine vertraulichen Informationen
weitergegeben werden, wie dies bei Anita Hill der Fai!
war, als jemand nach außen ging und dies heimtükkisch weitergab und sie in ein öffentliches Debakel
hineingezogen wurde, das sie von Anfang an vermeiden wollte.
Ja, ich mache mir Sorgen darüber und über ihre
Gefühle sowie all das, was damit zusammenhing. Ich
habe Vorschläge zur Abhilfe unterbreitet, einschließlich der Art und Weise des Umgangs mit FBI-Akten.
Wenn also Menschen nicht an die Öffentlichkeit gehen
können, weil sie befürchten, ihr Ruf könnte geschädigt
und in den Schmutz gezogen werden, so bin ich

AMERIKA DIENST 43

�darüber besorgt. Und aus diesem Grund habe ich
gestern einige Vorschläge gemacht, die meines Erachtens zur Bewältigung des Problems beitragen
werden. Ob sie es lösen können, weiß ich nicht. Und
ich wiederhole: das gilt nicht nur für Frauen, die sich
in einem Fall von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz zu Wort melden oder um Anita Hill zu unterstützen, es gilt für Personen, die sonst in den Staatsdienst
eintreten würden, sich aber nicht mit Enthüllungen
dieser Art konfrontiert sehen möchten, die ihren Charakter in Zweifel ziehen.
Ich weiß nicht, wie wir das Problem völlig lösen können. Aber ich habe einige Vorschläge gemacht, die
meines Erachtens dazu beitragen werden.
Frage: Aber warum solten Frauen heute darüber
besorgt sein, daß ihr Ruf geschädigt wird, wenn sie
Beschuldigungen erheben, da die meisten Anhörungen wegen sexueller Belästigung nicht im Fernsehen
übertragen werden?
Antwort: Warum sollte ein Kandidat für ein Amt nicht
besorgt sein, daß sein Charakter mit Füßen getreten
wird wie bei Richter Thomas? Sie stellen es auf eine
Grundlage. Sie stellen es auf die feministische Grundlage. Ja, ich bin darüber besorgt. Und ich habe
Vorschläge gemacht, was man unternehmen könnte.
Ich mache mir ebenfalls über die Basis des öffentlichen
Dienstes Sorgen, und in diesem Fall war ich sehr über
den Rufmord an Clarence Thomas besorgt. Es gibt
einen Weg, um solche Fragen zu behandeln. Man
delegiert nachrichtendienstliche Fragen; warum kann

*

AMERIKA DIENST 43

*

man - und ohne daß jeder das Recht hat, jedes Detail
zu erfahren - in diesen Anhörungen das Urteil über
diese Fragen nicht auf die Senatoren hinter verschlossenen Türen delegieren? Und warum können wir den
Prozeß nicht erleichtern, indem wir uns so gut wir
können vor der heimtückischen Weitergabe vertraulicher Informationen schützen, die Personen in der
Minute schädigt, in der sie stattfindet? Ich habe also
meine Vorschläge dazu gemacht, und ich bin in der Tat
besorgt.
Aber ich möchte hier nicht mit einem negativen Schlußakkord enden. Ich möchte zum Schluß mitteilen, wie
erfreut ich über die Abstimmung über das Bürgerrechtsgesetz bin. Wie Sie wissen, haben einige Leute
gesagt, der Präsident will vielleicht gar kein Bürgerrechtsgesetz, er möchte irgendein Problem - meine
politischen Gegner behaupten dies immer wieder. Die
Tatsache, daß wir jetzt ein gutes, solides und vernünftiges Bürgerrechtsgesetz haben, ist meines Erachtens
gut für das amerikanische Volk. Es reicht meiner
Meinung nach über Parteipolitik hinaus.
Ich möchte Bob Dole und Jack Danforth auf unserer
Seite und andere auf der demokratischen Seite beglückwünschen, die bereit waren, konstruktiv zu arbeiten - mit allen Höhen und Tiefen, Behauptungen und
Gegenbehauptungen. Aber heute haben wir ein gutes
Bürgerrechtsgesetz. Ich möchte daher den Senat
auffordern, es umgehend und ohne Veränderungen zu
verabschieden. Ich möchte das Repräsentantenhaus

bitten, ihm zuzustimmen. Laßt uns etwas Gutes und
Richtiges im Bereich der Bürgerrechte für das amerikanische Volk tun.

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Seite 7

�DEUTSCH-AMERIKANISCHE

BEZIEHUNGEN
30. Oktober 1991

DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN DIE MENSCHLICHE DIMENSION
Rede von Botschafter Kimmitt in Berlin
BERLIN - (AD) - Der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Robert M. Kimmitt, hat am
24. Oktober 1991 beim Aspen-Institut in Berlin eine Rede zum Thema "Die deutsch-amerikanischen Beziehungen - die menschliche Dimension" gehalten, die wir nachfolgend im Wortlaut veröffentlichen.

Ich freue mich über diese Gelegenheit, so kurz nach
meiner Ankunft in Deutschland heute abend beim
Aspen-Institut in Berlin sein zu können. Ich möchte
Ihnen das Bedauern meines Freundes Henry Catto,
dem Direktor des US-Informationsamts, überbringen,
der bei diesem Anlaß nicht anwesend sein kann.
Botschafter Catto mußte seine geplante Reise nach
Deutschland absagen, hofft aber, den Besuch so bald
wie möglich im neuen Jahr nachzuholen.
Da ich erst kürzlich gebeten wurde, für Henry Catto
einzuspringen, hatte ich nicht genug Zeit, um diese
Rede auf Deutsch vorzubereiten, wie ich es normalerweise tue. Ich werde also heute abend Englisch
sprechen, freue mich aber bereits auf einen Vortrag in
Deutsch bei meinem nächsten Besuch. Ich werde
nach meinen Ausführungen auch gern Fragen beantworten, um, nachdem ich Ihnen meine Ansichten
vorgetragen habe, Ihre Meinung kennenzulernen.
Ich fühle mich nicht nur wegen der hervorragenden
Persönlichkeiten, die vor mir hier gesprochen haben,
geehrt, in diesem besonderen Forum sprechen zu
dürfen, sondern auch wegen der wichtigen Arbeit, die
Sie im Bereich der deutsch-amerikanischen Beziehungen leisten. Seit der Gründung des Aspen-Instituts
Berlin im Jahr 1974 als privater, gemeinnütziger und
überparteilicher Institution haben Sie in einem freien
und schöpferischen Umfeld zahllose Seminare zu
einigen der drängendsten - und schwierigsten - aktuellen Fragen veranstaltet. Das Aspen-Institut ist zu
einem brillianten Beispiel jener Affinität geworden, die
der große Gelehrte und Staatsmann Adolf von Harnack vor langer Zeit mit folgenden Worten diagnostizierte: "Unter den zivilisierten Ländern der Welt ist
Amerika für uns räumlich das entfernteste, geistig

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jedoch das nächste, mit der größten Affinität." Durch
die Förderung des geistigen Dialogs zwischen Deutschland und Amerika haben Sie die Stärke der uns
verbindenden transatlantischen Brücke in Herz und
Verstand aufrechterhalten.
Insbesondere Ihre öffentliche Vortragsreihe zum
Andenken an Hans Wallenberg muß hier lobend erwähnt
werden. Wallenbergs Saga - ein Wort, das ich mit
voller Absicht verwende, denn das Wörterbuch definiert "Saga" als eine Geschichte heldenhafter Leistungen - ist eine spezifisch deutsch-amerikanische Geschichte, die den Historikern und der Nachkriegsgeneration bekannt ist und an nachfolgende Generationen
überliefert werden muß. Im dunklen Zeitalter des
kalten Kriegs leistete er mit Hilfe des Journalismus auf
beiden Seiten des Atlantiks wichtige Beiträge zum
Kampf für Freiheit und Menschenrechte. Sein Name
und das, wofür er stand, dürfen nicht vergessen
werden.
Als Außenminister Baker im Juni dieses Jahres beim
Aspen-Institut sprach, erklärte er, Berlin nehme einen
ganz besonderen Platz im Herzen der Amerikaner ein.
Er charakterisierte Ihre Stadt als Ort, an dem Deutsche
und Amerikaner "gelitten, geteilt und für die Freiheit
gestritten" haben. Für Millionen Amerikaner bedeutet
Berlin in der Tat Symbol und Feuerprobe eines halben
Jahrhunderts der Geschichte.
Für meine Familie sind Berlin und seine Umgebung mit
besonderen Erinnerungen verbunden. Meine Eltern
trafen sich in Berlin und heirateten hier im März 1947,
und ich wurde neun Monate später in dfen Vereinigten
Staaten geboren - ich habe mich also stets im Geist als
Berliner betrachtet. In meiner Jugend sprachen meine

Seite 1

�Eltern oft von ihrer Verlobungszeit und dem Beginn
ihrer Ehe in Berlin, Potsdam und an anderen Plätzen
der Stadt in den Jahren 1946 und 1947 und zeigten uns
Photos aus dieser Zeit. Sie können sich also vorstellen, wie stolz ich sein werde, wenn ich sie zu ihrem 45.
Hochzeitstag im nächsten März zu einem Wiedersehen mit Berlin - und natürlich auch mit Potsdam und
jedem anderen Ort, den sie in den neuen Bundesländern besuchen möchten - begrüßen kann.
Ferner bin ich erfreut und stolz darauf, daß sich unter
den Zuhörern des heutigen Abends mein engster
deutscher Freund, Peter Weisbach, befindet, der ebenfalls im Jahr 1947 geborene - Sohn der besten
deutschen Freundin meiner Mutter. Peter und ich
kennen uns seit Jahrzehnten, aber erst jetzt können
wir so viel Zeit miteinander verbringen, wie wir uns
gewünscht haben.
Aber selbst die Amerikaner, die nicht diese familiären
Bindungen an Berlin besitzen, teilen eine persönliche
Beziehung zu dieser Stadt und ihren Bürgern, die von
Jahrzehnten unvergeßlicher Bilder geprägt ist:
Im Jahr 1945 machten uns die Bilder eines
zerbombten Berlins die schrecklichen Kosten
des Krieges sowie die Notwendigkeit der Zusammenarbeit klar, um eine solche Tragödie in
Zukunft zu verhindern.
Im Jahr 1948 verließen die Sowjets in einer
Erklärung des kalten Kriegs den Alliierten Kontrollrat und blockierten Berlin. Die Vereinigten
Staaten und ihre Alliierten reagierten mit der
Berliner Luftbrücke, deren Andenken durch das
Luftbrückendenkmal, das ich heute in Tempelhof besucht habe, unsterblich gemacht wurde.
Manch einer vergißt jedoch, daß es ein ähnliches Denkmal auf dem Luftwaffenstützpunkt
Rhein-Main in Frankfurt gibt, von dem aus viele
Flüge der Jahre 1948 und 1949 ausgingen. Ich
habe dieses Denkmal am Dienstag dieser Woche
besucht, als ich die Ehre hatte, Jesse Turner
nach seiner Entlassung aus der Geiselhaft im
Nahen Osten in Deutschland zu begrüßen. Wie
passend, daß Jesse Turners Luftbrücke in die
Freiheit - wie bei anderen amerikanischen Geiseln vor ihm - über das Symbol einer früheren
Luftbrücke führte, das ebenso beredtes Zeugnis vom unstillbaren Verlangen der Menschheit
nach Freiheit ablegt.
Im Jahr 1953 veranstalteten die Berliner den
ersten Volksaufstand gegen die sowjetische
Tyrannei in Osteuropa. Es war eine Ehre für
mich, heute erneut über die Straße des 17. Juni
zum Brandenburger Tor zu gehen, in dessen
unmittelbarer Nähe sich das Grundstück befindet, auf dem ehedem unsere Botschaft stand.

Seite 2

Im Jahr 1961 wurde mit der Berliner Mauer das
letzte Schlupfloch aus dem Gefangenenlager
der Nationen verschlossen, zu dem Osteuropa
geworden war. Meine Familie lebte von 1960
bis 1964 in Deutschland, als mein Vater noch
beim Heer war, und ich hatte das Glück, Berlin
vor dem Mauerbau zu besuchen. Ich kann mich
deshalb noch lebhaft daran erinnern, wo ich am
13. August 1961 war und was ich an jenem Tag
tat, ebenso wie ich mich noch genau an den Tag
der Ermordung Präsident Kennedys, den 22.
November 1963 erinnere: Zwei Daten, die für
Amerikaner und Deutsche mit großer Trauer
verbunden sind.
Im Jahr 1971 kristallisierte sich im Viermächteabkommen über Berlin das schreckliche Dilemma der Entspannungspolitik - daß die Zusammenarbeit zwischen Ost und West von der
dauerhaften Teilung dieses Kontinents ausging.
Und dann, im Jahr 1989, fand - wiederum in
Berlin - das wichtigste Ereignis aller Zeiten gewiß das dramatischste Ereignis der Nachkriegszeit - statt: am 9. November wurde die
Mauer zum Tor. Die Berliner feierten das größte
und vielleicht emotionalste Familienfest der
Geschichte. Und wir alle, die wir in Amerika
diese Szenen sahen, die uns per Satellit ins
Haus gebracht wurden, fühlten erneut: Wir sind
alle Berliner.
Ja, mehr als jede andere Stadt der Welt wird Berlin in
den Vereinigten Staaten mit dem Kampf für Freiheit
und Widerstand gegen Unterdrückung identifiziert.
Das westliche Bündnis half der Stadt über ihre schweren Zeiten hinweg, aber nichts hätte ohne den Geist
und die Entschlossenheit der Stadt und ihrer Bürger
erreicht werden können.
Außenminister Baker stellte fest, daß es in Berlin war,
wo Deutsche und Amerikaner die transatlantische
Gemeinschaft schufen, und er verlieh unserer Überzeugung Ausdruck, daß wir sie von Berlin aus erweitem müssen. Er ging detailliert darauf ein, wie die
NATO, die Europäische Gemeinschaft, die KSZE und
andere etablierte und bewährte Organisationen als
Grundsteine einer euro-atlantischen Gemeinschaft von
Vancouver im Westen bis Wladiwostok im Osten dienen können und sollten.
Er sprach femer von der euro-atlantischen Gemeinschaft als einer "Wertegemeinschaft". Das ist es,
worüber ich heute abend mit Ihnen diskutieren möchte:
Die Bedeutung der menschlichen Dimension der
deutsch-amerikanischen Beziehungen für die atlantische Wertegemeinschaft und darüber, was wir in den
Vereinigten Staaten tun, um diese Dimension auf die
neuen Bundesländer auszudehnen.

AMERIKA DIENST 43

�Über vier Jahrzehnte lang waren die Energien des
westlichen Bündnisses darauf konzentriert, die Bedrohung der freien Welt durch die Kräfte des Kommunismus einzudämmen. Dieser Kampf ist vorbei. Die
Deutsche Demokratische Republik ist von der Landkarte verschwunden und wurde durch ein freies und
vereintes Deutschland ersetzt. Und die Amerikaner einschließlich des Durchschnittsamerikaners im ganzen Land, der sich kaum einmal außenpolitischen
Themen widmet - sind stolz auf Ihre Leistung und die
umgehende Unterstützung, die unsere Regierung von
Beginn an dem Prozeß der Vereinigung zuteil werden
ließ, einschließlich der sehr aktiven Rolle, die wir beim
Zwei-plus-Vier-Prozeß spielten.
Im Berlin von heute ist die Mauer, die einst einen
Kontinent - eine Welt - teilte, zu Staub zerfallen, zu
Souvenirs geworden. Die noch stehenden Teile werden künftigen Generationen als wichtige Erinnerung
an jenes dunkle Zeitalter dienen. Im Mai wurde der
Warschauer Pakt Teil der Geschichte, und dies geschah nicht mit militärischen Fanfaren sondern seine
Auflösung wurde auf den hinteren Seiten der wichtigsten Tageszeitungen der Welt berichtet.
Aber nur wenige Monate nach diesen historischen
Ereignissen erkennen wir auch, daß uns das Ende des
kalten Kriegs nicht in ein Zeitalter des ewigen Friedens
geführt hat. Mit dem Zurückweichen der Ost-WestKonfrontation wird die euro-atlantische Partnerschaft
vor neue Herausforderungen gestellt.
Es ist daher angebracht, sich den Grundsatz vor
Augen zu führen, daß erfolgreiche Institutionen wie die
NATO und ihre wichtige transatlantische Verbindung
für Frieden und Stabilität in der Zukunft ebenso unerläßlich sind wie in der Vergangenheit.
Die im Gründungsvertrag niedergelegte und in der
Londoner Erklärung bekräftigte Hauptfunktion der NATO
besteht in der Bewahrung von Frieden und Sicherheit
für all ihre Mitglieder sowie der Schaffung einer "auf die
gemeinsame Werte von Demokratie, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit'' gegründeten gerechten
und friedlichen Ordnung in Europa. Zur Bewerkstelligung dieser Aufgabe ist eine der Kernfunktionen der
NATO - wie in der Erklärung der Ministertagung des
Nordatlantikrats vom Juni dieses Jahres formuliert als ein 'Iransatlantisches Forum für Konsultationen
unter den Verbündeten über Fragen, die ihre vitalen
Interessen einschließlich möglicher Entwicklungen
berühren, die Risiken für die Sicherheit der Bündnismitglieder mit sich bringen, und als Forum für sachgerechte Koordinierung ihrer Bemühungen in Bereichen,
die sie gemeinsam angehen", zu dienen.
In den vergangenen zwei Jahren hat das Bündnis zwei
epochemachende Gipfeltreffen abgehalten, und im
kommenden Monat wird ein weiterer Gipfel zur Umgestaltung der NATO in Rom stattfinden, um die vor ihr
liegenden Herausforderungen der neuen Welt zu

AMERIKA DIENST 43

bewältigen. Die jüngste gemeinsame Erklärung der
Außenminister Baker und Genscherformuliertkonkrete Gedanken über die weiteren Schritte in diesem
kontinuierlichen Prozeß, insbesondere im Hinblick auf
die Einbeziehung der Staaten Ost- und Mitteleuropas.
Der KSZE-Prozeß ist die Institution, die bereits alle
Nationen Europas und Nordamerikas auf der Grundlage der gemeinsamen Verpflichtung zu Menschenrechten und demokratischen Prinzipien zusammenführt.
Wir alle stellen jedoch fest, daß es leichter ist, die
Prinzipien der Demokratie hochzuhalten als funktionsfähige demokratische Regierungen aufzubauen.
Demokratie bedeutet in der Tat sehr viel mehr als den
einmaligen Sturz eines tyrannischen Regimes, einen
gescheiterten Putschversuch oder selbst eine erste
freie Wahl. Zur Aufrechterhaltung der Bewegung zur
Demokratie müssen wir die demokratischen Institutionen dort stärken, wo sie bereits bestehen und zu ihrem
Aufbau beitragen, wo sie noch nicht existieren.
Die Vereinigten Staaten und die Mitgliedstaaten der
EG sehen sich darüber hinaus mit der Herausforderung konfrontiert, einen erfolgreichen Übergang der
Planwirtschaften in Osteuropa und der Sowjetunion
zum Weltmarkt zu unterstützen. Wir haben bei der
Mobilisierung der wirtschaftlichen und finanziellen
Unterstützung dieser Länder bei ihrem Kampf um die
Entwicklung von Marktwirtschaften eng mit der Bundesregierung und der Europäischen Gemeinschaft
zusammengearbeitet. Osteuropa und die Sowjetunion benötigen jedoch Handelschancen ebensosehr wie
Hilfe. Präsident Bush hat zusätzliche Handelsvergünstigungen für Mittel- und Osteuropa gefordert. Wir
erwarten den Abschluß der EG-Assoziierungsabkommen zur Bereitstellung dieser Hilfe, wie auch den
erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde in diesem
Jahr.
Es gibt keine Straßenkarte oder ein Patentrezept, wie
NATO, EG, WEU, KSZE und andere Organisationen
in die neue Gemeinschaft passen werden, die wir
aufbauen. Zwangsläufig wird es beim Aufzeigen dieses neuen Kurses zu gewissen Überlappungen und zu
gelegentlichen Meinungsverschiedenheiten kommen.
Ein Faktor, der uns allen als verläßlicher Kompaß
dienen wird, ist die Erkenntnis, daß der Hauptgrund für
unseren erfolgreichen Zusammenschluß in der NATO
über diese vielen Jahre hinweg die grundlegende
Übereinstimmung von Idealen und Zielsetzungen
zwischen uns war. Diese Partnerschaft hätte niemals
aufrechterhalten werden können und wäre nicht gediehen, wenn sie nicht sehr viel mehr als ein militärisches
Bündnis wäre.
Auch die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind
und waren ihrem bloßen Charakter nach eine philosophische, kulturelle und soziale Verbindung sowie eine
offizielle Beziehung zwischen militärischen Verbündeten. Unsere gegenseitige Verpflichtung - selbst in

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�militärischer Hinsicht - ist stets über das rituelle Versprechen der militärischen Unterstützung hinausgegangen, das Bündnisse in der Vergangenheit charakterisierte.

Wie können wir das bewirken? Als Antwort auf diese
Frage möchte ich Ihnen die Worte eines visionären
Amerikaners übermitteln, der noch lebt, diese Worte
jedoch vor über 40 Jahren gesprochen hat:

Die alte Ordnung gehört der Vergangenheit an. Eine
neue Ordnung zeichnet sich ab. Viele Jahre lang
waren die deutsch-amerikanischen Beziehungen von
ihren politischen und militärischen Dimensionen beherrscht. In Zukunft werden die wirtschaftlichen,
ökologischen und soziokulturellen Dimensionen dieser Beziehung vorherrschen. Bundeskanzler Kohl hat
auf die Notwendigkeit verwiesen, eine - wie er es
bezeichnet - neue Fahrbahn auf der transatlantischen
Brücke zu bauen, die diese neuen Dimensionen zur
Schaffung einer noch solideren Grundlage unserer
Bande betont.

"Die Macht, Nationen in Völker und Ideologien in
menschliche Bestrebungen zu verwandeln, ist
vielleicht die größte Macht des Schüler- und
Studentenaustauschs. Er wird nicht mit Sicherheit Zuneigung zwischen Völkern schaffen, und
dies gehört auch nicht zu seinen grundlegenden
Zielen. Es reicht völlig aus, wenn er zum Gefühl
eines gemeinsamen Menschseins, einem
emotionalen Bewußtsein beiträgt, daß andere
Länder nicht von furchteinflößenden Doktrinen
bewohnt werden sondern von einzelnen Menschen - Menschen mit derselben Fähigkeit zu
Freude und Leid, Grausamkeit und Güte wie die
Menschen, mit denen zusammen wir in unseren
Heimatländern aufgewachsen sind."

Während wir um das Verständnis und die Reaktion auf
sich rasch verändernde Gegebenheiten ringen, dürfen
wir jedoch nicht die Grundlage unserer erfolgreichen
Partnerschaft außer acht lassen - das klare Verständnis für und die Zustimmung zu den grundlegenden
Werten, Prinzipien und Zielen des anderen. Diese
gemeinsame Sichtweise gestattet uns mit noch größerer Zielstrebigkeit und Konsequenz zusammen die
Bewältigung der Herausforderungen von heute ebenso anzugehen, wie wir dies in der Vergangenheit getan
haben.
Eine wichtige gegenwärtig stattfindende Veränderung
fällt nicht unmittelbar ins Auge, hat jedoch besondere
Auswirkungen auf die deutsch-amerikanischen Beziehungen. Noch vor wenigen Jahren wurde die politische und intellektuelle Szene in unseren beiden Ländern von denjenigen dominiert, die lebhafte persönliche Erinnerungen an den Krieg und die unmittelbare
Nachkriegszeit hatten. Hier und in den Vereinigten
Staaten sind jedoch neue Generationen herangewachsen, für die die vorherrschenden Bilder im Hinblick auf
die deutsch-amerikanischen Beziehungen nicht der
Wiederaufbau der späten vierziger Jahre oder die
enge Zusammenarbeit der fünfziger und frühen sechziger Jahre sind, sondern vielmehr die Spannungen
Ende der sechziger, in den siebziger und achtziger
Jahren. Aus diesem Grund ist verbessertes Verständnis der Gesellschaft des anderen unter jüngeren
Deutschen und insbesondere Amerikanern ein unerläßliches Element für enge Bande zwischen unseren
beiden Ländern, während sich die Welt weiterhin im
Wandel befindet und unsere Beziehung weiter reift.
Als Eltern, Lehrer und Politiker tragen wir die Verantwortung und stehen vor der Herausforderung, auf
beiden Seiten des Atlantiks sicherzustellen, daß die
gemeinsamen demokratischen Werte, die uns so lange miteinander verbunden haben, von denjenigen
verstanden und gewürdigt werden, die in unsere
Fußstapfen treten.

Seite 4

Dieser Amerikaner war Senator J. William Fulbright,
dessen in diesen Worten zum Ausdruck gebrachte
Vision das Austauschprogramm zur Folge hatte, das
seinen Namen trägt. Dank dieses Programms konnten rund 25.000 Deutsche und Amerikaner aus erster
Hand diese verbindenden gemeinsamen Werte studieren und erfahren, von denen ich gesprochen habe.
Seine Worte haben jedoch einen sehr viel größeren
Anwendungsbereich und umfassen das gesamte
Spektrum persönlicher Kontakte, die das Verständnis
vertiefen und die deutsch-amerikanischen Beziehungen bereichern.
Auch Bundeskanzler Kohl und Außenminister Genscher teilen diese Überzeugung, und unter ihrer Schirmherrschaft wurden die Austauschprogramme mit den
Vereinigten Staaten in den letzten zehn Jahren erweitert. Im Rahmen des parlamentarischen PatenschaftsProgramms Deutscher Bundestag/Kongreß USA
können beispielsweise bis zu 400 Jugendliche aus
dem jeweiligen Land ein Jahr bei Gastfamilien verbringen und die Schule im Partnerland besuchen. Die
Auswirkungen dieses Programms zeichnen sich bereits ab, da zahlreiche ehemalige Teilnehmer sich jetzt
für Fulbright- und andere Stipendien bewerben, um ihr
Verständnis des anderen Landes zu vertiefen.
Es besteht kein Zweifel, daß das Fulbright-Programm,
das Bundestag-Kongreß-Patenschafts-Programm, der
deutsche Akademische Austauschdienst, das deutschamerikanische Partnerschaftsprogramm und andere
staatlich geförderte Bestrebungen für die Kommunikation zwischen unseren beiden Ländern unabdingbar
sind. Und dennoch repräsentieren diese offiziellen
Programme nur einen kleinen Prozentsatz all der
persönlichen Kontakte. Infolge von Privatinitiativen
und Kreativität des einzelnen wurde sehr viel mehr
bewirkt. Private Jugendaustauschorganisationen -

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�American Field Service International, Youth for Undertanding, Sister Cities, die Carl-Duisberg-Gesellschaft
und andere - leisten zusammengenommen mehr als
jede Regierung.
Aut Universitätsebene werden selbst die umfassenden Programme der Fulbright-Kommission und des
Deutschen Akademischen Austauschdienstes von der
Zahl derjenigen in den Schatten gestellt, die privat im
Ausland studieren. Anhand der jüngsten Statistiken
der Konsularabteilung der Botschaft sind in diesem
Jahr bisher rund 25.000 Deutsche im Rahmen von
Austauschprogrammen oder Universitätsstudien in die
Vereinigten Staaten gereist. Zwischen amerikanischen und deutschen Universitäten bestehen über 230
offizielle Verbindungen, und diese Zahl nimmt beständig zu.
Im folgenden möchte ich erläutern, was wir leisten, um
den Herausforderungen und Möglichkeiten gerecht zu
werden, die die Vereinigung Deutschlands mit sich
gebracht hat.
Wie Sie in Berlin nur allzugut wissen, ist der Bedarf, ja
der Durst nach Wissen über die amerikanische Gesellschaft in den neuen Bundesländern am größten bei
den Bürgern aller Altersstufen der ehemaligen DDR.
Vieles von dem, was sie wissen, wurde ihnen von der
kommunistischen Propagandamaschinerie vermittelt,
die jeden Bereich ihres Lebens kontrollierte. Die
Vereinigten Staaten wurden abwechselnd als aggressive, kriegstreiberische Nation mit der Absicht dargestellt, den Warschauer Pakt anzugreifen oder als
exzentrisches Volk, das in der Scheinwelt von Fernsehfilmen lebt.
Am Abend des 9. November 1989 hatten wir dann
plötzlich unmittelbaren Zugang zu 17 Millionen Deutschen, mit denen wir Amerikaner nur sehr beschränkten Kontakt pflegen durften. Unser Kontakt mit den
jungen Menschen in Ostdeutschland - früher ein Häuflein
linientreuer Personen - weitete sich zu einer Flut aus.
Praktisch über Nacht sahen wir uns mit vierzig Jahren
angestautem Bedarf an Kontakt mit den Vereinigten
Staaten konfrontiert.
Tausende junger Menschen strömten in die Bibliothek
unserer Botschaft in Ostberlin ebenso wie in die Amerika
Häuser in Westberlin und Westdeutschland, um erstmals den Geschmack der ehemals verbotenen Früchte - Informationen über die Vereinigten Staaten - zu
kosten.
Dieser Geschmack regte den Appetit auf mehr an mehr Bücher, mehrZeitschriften, mehr Unterrichtsmaterial für Englisch, mehr Austauschprogramme, mehr
Informationen über ein Studium in den Vereinigten
Staaten - kurzum: mehr von allem.
Ebenso ergreifende Geschichten gibt es von Deutschen der älteren Generation zu erzählen. Sie brachten Bücher über die Vereinigten Staaten zurück, die sie
AMERIKA DIENST 43

1961 vor dem Mauerbau aus der Amerika HausBibliothek in Berlin geliehen und in den 28 Jahren des
darauffolgenden Freiheitsentzugs gehegt und gepflegt
hatten. Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen,
daß unser renoviertes und erweitertes Amerika Haus
hier in Berlin, das ich heute besucht habe, morgen
seine große Wiedereröffnung feiert.
Der Bedarf in den neuen Bundesländern ist ungeheuer, und die Erwartungen einer Bevölkerung, der ein
Kontakt zum Westen lange vorenthalten war, sind
hoch. Wir in der Botschaft haben schnell gehandelt,
um die Ostdeutschen einzubeziehen und fördern
amerikanische Investitionen und Interessen in der
Region.
Ab September dieses Jahres sind über hundert
US-Unternehmen in den neuen Bundesländern
tätig, oftmals durch ihre bekannten deutschen
Tochterfirmen. Allein fünf dieser Unternehmen
haben über 2 Milliarden DM investiert und über
10.000 Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten.
Zu den wichtigsten US-Privatinvestoren mit
Ambitionen in den neuen Ländern zählen General Motors/Opel mit 1 Milliarde DM und 2.000
geplanten Arbeitsplätzen und Coca Cola mit
660 Millionen DM und 1.500 neuen Arbeitsplätzen.
Andere amerikanische Unternehmen, die in die
Region ziehen, sind IBM, ESSO, Philip Morris,

Burger King, McDonalds und Woolworth, das
allein in diesem Jahr 50 neue Filialen eröffnen
will.
Im Hinblick auf die Kulturarbeit und persönliche Kontakte haben Programme im Osten bei uns eindeutig
Vorrang. Wir werden die Bürger der ehemaligen
Bundesrepublik nicht vernachlässigen, aberwirerkennen im Osten einen einmaligen Bedarf und einmalige
Chancen.
Wir haben in Leipzig ein Generalkonsulat eröffnet, und bald wird es dort auch ein vollständig
ausgestattetes Amerika Haus geben.
Wir erweitern unsere Seminarprogramme über
Englischunterricht und Amerikanistik in den fünf
neuen Ländern und haben zu diesem Zweck
unser Personal in Berlin aufgestockt.
Das Fulbright-Programm ist auf die neuen Länder erweitert worden und bringt traditionsreiche
Universitäten erneut in Kontakt mit den Intellektuellen meines Landes.
Unser Programm für junge Führungskräfte, im
Rahmen dessen viele von Ihnen erstmals Kontakt mit den Vereinigten Staaten hatten, wird
ausgebaut. Allein in diesem Programm konnten
etwa 17.000 jungen Akademikern Erfahrungen

Seite 5

�aus erster Hand in den Vereinigten Staaten
vermittelt werden. Seit der Vereinigung Deutschlands haben über 50 Deutsche aus den neuen
Bundesländern von diesem Programm profitiert.

Nach den Bedingungen des Zwei-plus-VierAbkommens sind militärische Aktivitäten der
Vereinigten Staaten in den neuen Bundesländern nicht gestattet. Persönliche Kontakte sind
jedoch erlaubt, und eine Reihe von US-Militärorchestern wurde zu Veranstaltungen in die fünf
neuen Länder eingeladen, soeben erst am 3.
Oktober zur offiziellen Feier des Tags der deutschen Einheit in Schwerin.

Im Rahmen einer neuen erst in dieser Woche
begründeten Initiative unserer beiden Regierungen reisen Gruppen junger Akademiker aus
den neuen Bundesländern in die Vereinigten
Staaten, um Kontakte mit ihren Kollegen in
verschiedenen amerikanischen Städten zu
knüpfen. Ich hatte das Vergnügen, vergangene
Woche mit der ersten Gruppe - fünfzehn jungen
Journalisten aus dem Osten - anläßlich ihres
Einführungskurses zusammenzutreffen. Meiner Ansicht nach ist dieses Programm ein ausgezeichneter erster Schritt auf der langen Reise, die wir antreten müssen, wenn wir unser
Wissen über uns und unsere Wertschätzung
füreinander steigern wollen.
Bundeskanzler Kohl und Präsident Bush haben
kürzlich die Gründung der RIAS-Stiftung bekanntgegeben, die sich der Kontaktpflege zwischen Medienorganisationen und ihren Mitarbeitern in den fünf neuen Ländern und deren
amerikanischen Kollegen widmen wird. Dies ist
unserer Ansicht nach eine Reaktion auf die sich
verändernden Bedürfnisse des Publikums, das
RIAS im Zeitalter des kalten Kriegs so gut
versorgt hat.
Ich habe bereits darauf verwiesen, daß das
Patenschaftsprogramm von US-Kongreß und
Bundestag auf die fünf neuen Länder erweitert
worden ist. Die ersten jungen Deutschen aus
diesen Ländern leben jetzt bei amerikanischen
Familien und gehen in den Vereinigten Staaten
zur Schule,
Wir haben einige unserer Stützpunkte in Westdeutschland geschlossen und die renommierten Bibliotheken dieser Stützpunkte ostdeutschen Institutionen zur Verfügung gestellt. Seit
Einführung dieses Programms sind über 50.000
Bücher übergeben worden. Ich kann mir keinen
besseren Weg vorstellen, Schwerter zu Pflugscharen zu machen, als einem ganzen Volk die
Werte der westlichen Zivilisation in gedruckter
Form zu stiften.
*

Seite 6

*

Ein konkretes Beispiel dafür, daß Menschen
zusammenarbeiten, wo es zählt, ist die jüngste
Ankündigung der Zusammenarbeit zwischen
dem Verband der deutsch-amerikanischen Clubs
und dem Kommando der US-Army, Europe, um
das sehr erfolgreiche Freundschaftsprogramm
"Kontakt" durch Städtepartnerschaften auf die
neuen Länder zu erweitern. Die ersten dieser
Partnerschaften zwischen Leipzig und Frankfurt am Main, Erfurt und Mainz, KindelbrückSömmerda und Baumholder - wo meine Familie
von 1962 bis 1964 lebte und mein jüngster
Bruder gegenwärtig stationiert ist - werden
nächsten Monat begründet.
Wenn man von Berlin den Blick ostwärts nach Wladiwostok richtet, besteht kein Zweifel, daß noch viele
Herausforderungen bewältigt werden müssen. Aber
es gibt auch unbegrenzte Möglichkeiten, und die neue
euro-atlantische "Wertegemeinschaft" nimmt jetzt
Gestalt an. Das ist heute möglich, weil Menschen wie
Hans Wallenberg und viele andere sich in den dunkelsten Stunden des kalten Kriegs für Freiheit eingesetzt
haben. Dank dieser Menschen haben wir jetzt die
Chance, eine bessere Zukunft für unsere Kinder und
deren Kinder aufzubauen.
Wenn wir in unserem Streben nach einer besseren
Zukunft erfolgreich sein wollen, müssen wir uns weiterhin für die demokratischen Werte engagieren, für die
Hans Wallenberg gekämpft hat und dank derer die
transatlantische Brücke in diesen vielen Jahren solide
geblieben ist. Die von uns angestrebte vielversprechendere Zukunft hängt davon ab, daß wir unseren
Kindern und deren Kindern alle Möglichkeiten bieten,
um diese Brücke - in beide Richtungen und viele, viele
Male - zu überqueren.
Ich danke Ihnen.

*

*

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�DROGEN
30. Oktober 1991

UNKONVENTIONELLE PROGRAMME ZEITIGEN
FORTSCHRITTE BEI DER BEHANDLUNG VON
DROGENMISSBRAUCH
Die bekanntesten Therapien
WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Artikel ist der zweite einer Serie über Behandlungmethoden bei
Drogenmißbrauch.

Die Patienten sitzen 45 Minuten lang gemütlich in
einem großen Raum mit drei oder vier kurzen, dünnen
Nadeln in der Haut unter jedem Ohr. Einige scheinen
zu meditieren. Die Frauen haben häufig ein Baby auf
dem Schoß. Das einfache, als Akupunktur bekannte
Verfahren ist eine von mehreren Strategien, die zur
Bekämpfung von Drogenabhängigkeit in den Vereinigten Staaten angewendet werden.
Andere erfolgreiche Prgramme umfassen die freiwilligen wöchentlichen Zusammenkünfte der Narcotics
Anonymous (NA), die das Bewußtsein und die persönliche Verantwortung ebenso einbeziehen wie den neuen
Ansatz, Medikamente zur Behandlung von Funktionsstörungen des Gehirns einzusetzen.
Akupunktur, eine im Fernen Osten seit Jahrhunderten
zur Schmerzbehandlung benutzte Technik, ist zu einer
kostengünstigen Behandlungsmethode bei Drogenabhängigkeit geworden, die das Interesse von Vertretern
der Gesundheitsbehörden weltweit weckt. Die Ärzte
am Lincoln Hospital in New York City haben unter
Anwendung von Akupunktur seit 1974 Heroin-und
Kokainmißbrauch behandelt.
Das Lincoln-Programm, das Akupunktur mit Beratung
und Treffen der NA kombiniert, wurde von 70 Kliniken
in den Vereinigten Staaten und weitere 25 in Europa,
Lateinamerika und Asien übernommen. Ein Vorteil der
Akupunktur ist die Tatsache, daß sie bei vielen Patienten ambulant und preiswert eingesetzt werden kann rund 21 Dollar pro Konsultation.
Das Verfahren wird während der ersten 10 Tage
täglich und in den darauffolgenden rund drei Monaten
weniger häufig angewandt.

AMERIKA DIENST 43

Obwohl immer noch nicht genau bekannt ist, wie
Akupunktur funktioniert, können Forschungen zufolge
die an bestimmten Punkten des Körpers gesetzten
Nadeln Endorphine - körpereigene Schmerzstiller freisetzen.
"Akupunktur hilt den Menschen, sich besser zu entspannen", stellt der Leiter des Lincoln-Programms, Dr.
Michael Smith, fest. "Sie verringert die Sucht- und
Entzugserscheinungen. Patienten erklären, sie fühlten sich weniger ängstlich und könnten klarer denken.
Die erste Behandlung wirkt bereits nach wenigen
Minuten."
In der Lincoln-Klinik werden täglich 300 Patienten
behandelt. Die New Yorker Gerichte weisen jährlich
etwa 1.000 Personen in diese Klinik ein. Smith erklärt,
die auf der Basis mindestens drei Monate drogenfreier
Urintests gemessene Erfolgsquote der Klinik liege bei
65 Prozent der Abhängigen, die vom Gericht eingewiesen werden. Bisher gibt es zur Akupunktur noch keine
Ergebnisse aus vergleichenden Langzeituntersuchungen, gegenwärtig wird jedoch eine solche Studie vom
Nationalen Institut für Drogenmißbrauch erstellt.
Ein weiteres Therapieprogramm mit durchschlagenden Wachstumsraten ist Narcotics Anonymus. Die
Organisation, die keine Mitgliedskartei führt, ist von
unter 200 eingetragenen Gruppen vor zehn Jahren
heute auf über 20.000 Gruppen in mehr als 55 Ländern
gewachsen. Die Organisation ist in den meisten
Ländern Europas, Amerikas, in Indien und Australien
gut eingeführt. In einer Reihe von Ländern in Ostasien
und dem Nahen Osten werden neue Gruppen gegründet.

Seite 1

�Deren Mitglieder müssen zugeben, daß sie im Hinblick
auf ihre Abhängigkeit machtlos sind und die Existenz
einer "höheren Macht" anerkennen. Das 12-PunkteProgramm der Organisation ermutigt Mitglieder, vollständige Abstinenz zu üben, bei den von ihnen Geschädigten etwas wiedergutzumachen und mit anderen heilungswilligen Drogenabhängigen zusammenzuarbeiten.
"Der Abhängige erreicht einen Punkt der Hoff nungslosigkeit - einen Verlust von Vertrauen, Engagement und
Gleichgewicht," erklärt der Koordinator der Öffentlichkeitsarbeit der in Van Nuys (Kalifornien) ansässigen
NA, Carl Prescott.
"Der Prozeß der 12 Schritte bringt den Abhängigen
zurück an den Punkt, wo er nach etwas sucht, an das
er glauben kann," so Prescott. "Dem Abhängigen wird
schmerzlich bewußt, daß er seinen Drogenkonsum
nicht mehr kontrollieren konnte. Das Konzept besteht
darin, offen zu sein für eine Kraft außerhalb der eigenen Person, die eine Veränderung bewirken kann."
Prescott fügte hinzu, hinter diesem Leitsatz stehe
keine bestimmte Lehre. NA ist nicht religiös motiviert
und ermutigt jedes Mitglied zum eigenen Verständnis
dieses spirituellen Erwachens. Der Erfolg des Programms basiert darauf, daß es therapeutisch wertvoll
ist, wenn ein Abhängiger dem anderen hilft.
Prescott berichtet, daß über 50 Prozent der gegenwärtigen Mitglieder weniger als ein Jahr und die anderen
Mitglieder zwischen einem und fünf Jahren drogenfrei
geblieben sind. Im Gegensatz zu vielen anderen
Programmen kann bei NA jeder teilnehmen, weil keine
festen Gebühren oder Mitgliedsbeiträge erhoben werden.
Experten berichten, daß über 50 Länder die todbringende Ausbreitung der Drogenabhängigkeit durch
langfristige stationäre Behandlung einzudämmen
suchen, bei der sich Abhängige gegenseitig helfen,
durch das Zusammenleben in einem drogenfreien
Umfeld, das harte körperliche Arbeit, Beratung und
Kommunikation betont, ihre Gewohnheiten zu durchbrechen. Diese Therapien können zwischen einigen
Monaten und drei Jahren dauern.
Das älteste und größte gemeinnützige Therapieprogramm der Welt, DaytopVillage, legt besonderen Wert
auf medizinische Behandlung, Rechtsberatung, Familientherapien. Berufsausbildung und Studium und ein
Wiedereinstiegsprogramm, das Patienten die Wiedereingliederung in die Gesellschaft ermöglicht, in der sie
als arbeitende Mitglieder einen produktiven Beitrag
ieisten. Untersuchungen deuten darauf hin, daß etwa
90 Prozent derjenigen, die das Daytop-Programm
beenden, nach fünf Jahren noch drogenfrei sind.

Seite 2

Eine weitere immer populärere Form der Suchtbehandlung sind die einmonatigen stationären Rehabilitationsprogramme. Bei diesen Programmen geht
Abstinenz mit intensiver, auf den einzelnen zugeschnittener Beratung und Gruppentherapie einher.
Die Bedeutung regelmäßiger Teilnahme an Selbsthilfegruppen wie Narcotics Anonymous nach der Entlassung wird betont. Das 30tägige Programm wurde
zuerst von Hazelden erprobt, einer gemeinnützigen
Klinik in Minneapolis, die sich seit langem der Behandlung von Alkoholikern und Drogenabhängigen widmet.
Einer Umfrage aus dem Jahr 1987 unter 260 in Hazelden behandelten Personen zufolge gaben 56 Prozent
an, daß sie ein Jahr nach der Entlassung keinen
Alkohol und 80 Prozent, daß sie keine anderen Drogen
zu sich genommen hätten.
Ein weiterer Ansatz bei der Bekämpfung des Drogenmißbrauchs leitet sich aus der Entdeckung her, daß
einige Drogenabhängige unter Funktionsstörungen des
Gehirns leiden, die sie anfällig für Depressionen,
Angstzustände und Nervosität machen. Für diesen
Personenkreis wird die Sucht zu einer Art von Selbstbehandlung, in der Drogen die Funktionsstörungen
korrigieren und Erleichterung verschaffen.
So produziert zum Beispiel Kokain einen Schub von
Dopamin, einem natürlich im Gehirn vorkommenden
Stoff, der Gefühle der Euphorie und Heiterkeit auslöst.
Einige depressive Personen mit zu wenig Dopamin
fühlen sich besser, wenn Kokain die Menge dieser
Substanz erhöht.
Forscher experimentieren mit Arzneimitteln, die die
Folgeerscheinungen des Drogenmißbrauchs blockieren, die Sucht bei Abhängigen verringern und Entzugs
erscheinungen mildern oder ganz beseitigen. Eines
dieser Mittel ist das Antidepressivum Desipramin, von
dem Wissenschaftler herausgefunden haben, daß es
das Dopaminsystem nach dem Konsum von Kokain
wieder auf den normalen Stand bringen kann sowie die
Suchtsymptome und Rückfälle reduziert, die mit Drogenmißbrauch einhergehen.
"Wir führen gegenwärtig zur Behandlung der Kokainabhängigkeit mit drei oder vier Medikamenten Untersuchungsreihen am Menschen durch und erproben
Dutzende weitere in Tierversuchen", erklärt Charles
Schuster, der Leiter des amerikanischen Nationalen
Instituts für Drogenmißbrauch. "Diese Medikamente
sind jedoch keine Heilverfahren. Indem sie die Folgeerscheinungen der mißbrauchten Drogen blokkieren, gestatten sie es dem einzelnen, an therapeutischen Maßnahmen teilzunehmen und seine Verhaltensweise so zu ändern, wie es für ein drogenfreies
Leben erforderlich ist."

AMERIKA DIENST 43

�Das seit über einem Jahrzehnt bei der Behandlung von
Heroinsüchtigen eingesetzte Methadon ist eines der
wenigen zur Zeit von der amerikanischen Nahrungsund Arzneimittelbehörde FDA zugelassenen Medikamente für die Behandlung Drogenabhängiger. Von
den Forschern wird betont, daß sich Methadon als

äußerst wirksam bei der Verringerung des Heroinkonsums und der damit einhergehenden Kriminalität
erwiesen hat, wenn die Verabreichung mit regelmäßiger Beratung, Familientherapie und psychiatrischer
Behandlung einhergeht.

*

AMERIKA DIENST 43

*

Seite 3

�VOICE

OF

AMERICA
30. Oktober 1991

DIE KÜNFTIGE ROLLE DER VOICE OF AMERICA
Rede von VOA-Direktor Chase Untermeyer
WASHINGTON - (AD) - Dem Direktor der Voice of America, Chase Untermeyer, zufolge braucht die Welt auch
nach dem Ende des kalten Kriegs eine starke Stimme der Freiheit, wie sie in den weltweiten Sendungen des von
ihm geleiteten Rundfunksenders zum Ausdruck kommt.
Anläßlich einer vom US-Informationsamt in Washington veranstalteten Konferenz mit dem Titel "Toward a
Postcommunist World" ging Untermeyer am 23. Oktober 1991 auf die künftige Rolle der Voice of America nach
dem Niedergang des Kommunismus ein. Dabei stellte er fest, "VOA ist niemals als eine Art verbaler NATO
gedacht gewesen... Bei ihrer Gründung vor 50 Jahren bestand ihr ursprünglicher Zweck... darin, objektiv über
die Welt zu berichten und die Geschichte Amerikas zu erzählen - und wenn jemand dann den Schluß ziehen
wollte, daß unser System und Lebensstil... vorzuziehen seien, so war dies die richtige Schlußfolgerung."
Nachfolgende veröffentlichen wir die Rede Untermeyers im Wortlaut.
Der Untergang des Kommunismus in der Sowjetunion,
Osteuropa und andernorts ist in jüngster Zeit viel

ihrer humanitären Version als Mittel, um den Armen
der Welt zu helfen oder in ihrer abstoßenderen Form

gefeiert worden, und das durchaus zu Recht, denn wir

als Ausdruck von Neid oder Rache.

haben viel zu feiern (selbst wenn wir durch den perlenden Champagner hindurch die Millionen Chinesen,
Kubaner, Vietnamesen und anderen sehen, die sich
nicht freuen).
Wenn es eine Party gegeben hat, so ist es nun an der
Zeit, das Licht auszudrehen und nach oben zu gehen,
um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Und
während wir die Treppe emporsteigen, werden wir an
das berühmte Gedicht von Hughes Mearns erinnert, in
dem er sagt:
"As I was going up the stair,
"I met a man who wasn't there.
"He wasn't there again today.
"I wish, I wish he'd stay away."
Der kleine Mann mag nicht Karl oder Friedrich oder
Wladimir heißen, weil es nicht mehr schick ist, sich als
Marxisten oder Leninisten zu bezeichnen (obwohl
Maoisten immer noch in Ländern wie Peru und den
Philippinen ihrem tödlichen Handwerk nachgehen).
Aber wir kennen diesen kleinen Mann: Es ist derselbe
Geist, der Karl Marx an seinem Schreibtisch im Britischen Museum erfaßte und der in der ganzen Geschichte der Menschheit immer wieder aufgetaucht ist
und immer wieder auftreten wird - die Forderung nach
Umverteilung der Güter durch den Staat - entweder in
AMERIKA DIENST 43

Das Zehnte Gebot gilt seit 3500 Jahren, und trotzdem
begehrt die Menschheit nach wie vor den Besitz des
Nachbarn, der dadurch noch attraktiver wird, daß
jemand anders dafür gearbeitet hat. Vielleicht war es
diese Erkenntnis über die Gezeiten der Geschichte
und dieses Element der menschlichen Natur, die Lenin
zu folgender Feststellung veranlaßte:
Die Revolution vollzieht sich nie geradlinig, mit
einer kontinuierlichen Entwicklung. Statt dessen ist sie wie eine Kette, die aus Ausfällen und
Rückzügen, Angriffen und Ruhepausen besteht,
in denen sich die revolutionären Kräfte stärken
und auf den Endsieg vorbereiten können.
Kurzum: Was wir gefeiert haben, war der Zusammenbruch der Regime - den vergänglichsten Instrumenten
des Menschen. Andere andauernde Gefahren sind
noch nicht ausgeräumt und können sehr leicht unsere
Party verderben.
Die Mauer mag gefallen sein, aber die Mauern von
Haß, Neid und Mißtrauen stehen immer noch fest und
unzerstört, um Nationen zu trennen. Die kommunistischen Herrscher mögen geächtet sein, aber die Verfechter von Habgier, Ambitionen und Grausamkeit
sind immer noch mit all ihren Privilegien an der Macht
und leicht in der Lage, ihr eigenes Volk zu unterdrükken oder Aggression gegen ihre Nachbarn auszuüben.

Seite 1

�Ihre Flaggen tragen vielleicht nicht mehr Hammer und
Sichel (oder Hakenkreuze), aber sie können noch
immer Chaos auslösen, wo immer sie wehen.
Als Beweis für rasche Veränderungen auf der Welt
sollten wir uns die Situation im letzten glücklichen Jahr
- 1929 - vor Augen führen. Es war das Zeitalter
wachsender internationaler Zusammenarbeit, der
Abrüstung - eine Zeit, in der ernsthaft unterzeichnete
große Verträge zur Ächtung des Kriegs ein Mittel zur
Beilegung von Konflikten waren. Der größte Konflikt
über die Rückzahlung von Kriegsschulden war gelöst,
der ungefähr so heftig wie eine Diskussion über ausstehende Mitgliedsbeiträge in einem Herrenclub geführt wurde.
1929 war das Jahr, in dem der Außenminister, der
große Henry L. Stimson, die sogenannte Black Chamber - den Entschlüsselungsraum - des US-Außenministeriums schloß, weil, wie er erklärte, "Gentlemen die
Post des anderen nicht lesen". Stimson war kein
naiver Mann. Er unternahm diesen Schritt, weil (mit
den Worten seines autorisierten Biographen, McGeorge Bundy), "Die Welt guten Willens dauerhaften Frieden anstrebte, und alle Nationen sich an dieser Bestrebung beteiligten."
Wie Bundy feststellte, unterschieden sich die ersten
zwei Jahre von Stimson Amtszeit von den zweiten "wie
Tag und Nacht". Bis zum Jahr 1931 waren "drei
schreckliche Tatsachen" aufgetreten, um dieses friedfertige Weltreich zu verändern.
Um nochmals Bundy zu zitieren:
"Erstens stürzte der wachsende Sturm weltweiter
Depression das Finanzsystem der Nachkriegszeit wie
ein mutwilliges Kind eine Reihe von Zinnsoldaten
umwirft - indem es den Kleinsten im hintersten Glied
umschmeißt.
Zweitens, in einem durch Leiden ausgelösten Ausbruch und indem sie Stärke aus dem offensichtlichen
Scheitern einer friedliche Führung ableiteten, wagten
die Militärs in Japan das Abenteuer der Aggression
(indem sie die Mandschurei eroberten).
Drittens - und von allem am schlimmsten - wurde bald
klar, die Stimmung in den Vereinigten Staaten war
derart, daß (die Vereinigten Staaten) nur noch die
gravierendsten Auswirkungen der wirtschaftlichen
Katastrophe und militärischen Aggression abschwächen konnten."
Es liegt mir fern, anzudeuten, 1991 sei 1929 - einen
Republikaner lie ße der Gedanke erschauern - sondern
ich möchte beweisen, wie schnell sich die Gegebenheiten auf der Welt ändern können. In der Tat können
sie sich aufgrund der enormen Kommunikationsfortschritte heute sehr viel schneller ändern als vor 60
Jahren.

Seite 2

Dies bringt uns zur Rolle internationaler Rundfunkübertragungen in einer solchen Welt. Amerikanische
und britische Sendeanstalten - Voice of America,
Radio Free Europe, Radio Liberty und die BBC können zu Recht stolz auf ihre Rolle bei der Förderung
und Verbreitung der triumphalen demokratischen
Veränderungen in Osteuropa, der Sowjetunion und
andernorts sein. Vaclav Havels Bekenntnis, daß die
VOA-Sendungen ihm im Gefängnis Hoffnung machten, sind bereits Legende. Michail Gorbatschows
Erklärung, er habe sich auf VOA, BBC sowie Radio
Free Europe und Radio Liberty verlassen, um zu
erfahren, was während seiner erzwungenen Rekonvaleszenz auf der Krim im vergangenen August auf der
Welt vor sich ging, und Boris Jelzins dringende Anweisung an die demokratischen Kräfte in Rußland, über
USIA und insbesondere VOA unter seinem Volk die
Nachricht zu verbreiten, daß die Panzer sein Weißes
Haus umstellten, belegen diese Tatsache.
Die Frage, die mir häufig gestellt wird, lautet: "Welche
Rolle kommt der Voice of America jetzt zu, da der
Kommunismus tot ist oder im Sterben liegt?" Ich
antworte, VOA sei niemals als eine Art verbaler NATO
gedacht gewesen, um sich dem Kommunismus zu
widersetzen oder die UdSSR abzulehnen. Ihr ursprünglicher Zweck, als sie im kommenden Februar
vor 50 Jahren in den schlimmsten Tagen des Zweiten
Weltkriegs gegründet wurde, bestand darin, objektiv
über die Welt zu berichten und die Geschichte Amerikas zu erzählen - und wenn jemand den Schlu ß ziehen
wollte, daß unser System und Lebensstil dem in der
Sowjetunion oder China vorzuziehen seien, nun, so
war dies die richtige Schlußfolgerung.
Vielleicht verwechseln meine Fragesteller VOA mit
Radio Free Europe und Radio Liberty. Auch sie
werden voll und ganz von der US-Regierung finanziert,
sind jedoch von USIA unabhängig und sogenannte
Ersatzsender mit dem Ziel, als tschechische, polnische oder ukrainische Radiosender zu fungieren statt
der nationalen Sender. Der Unterschied wurde folgendermaßen definiert: Wenn VOA "wir" sagt, bedeutet
dies, wir Amerikaner, wenn Radio Free Europe und
Radio Liberty "wir" sagen, meinen sie, wir Ungarn,
Usbeken, wir Rumänen usw.
Die Mission der Radiosender wurde erfolgreich durchgeführt, und der Tag, an dem sie erfolgreich abgeschlossen werden kann, ist in Sicht. Aber noch nicht
ganz: die Führungen der aufstrebenden Demokratien
in Osteuropa, vor allem Polen, der Tschechoslowakei
und Ungarn haben die Vereinigten Staaten (eigentlich
die US-Haushaltsbehörde) gebeten, weiterhin in ihren
Ländern zu senden, bis sie die Zeit finden, selbst lokale
Radiosender und einen Stab unabhängiger Journalisten zu bilden.

AMERIKA DIENST 43

�Ein weiteres berühmtes Paar von Ersatzsendern unter
der Ägide von USIA sind Radio und TV Marti, die
natürlich nur nach Kuba senden. Radio Marti ist bei
einem Hörerpublikum von fast 80 Prozent auf der
ganzen Insel außerordentlich beliebt. TV Marti verfügt
nicht über dieselben Möglichkeiten, weil es nur vor
Tagesanbruch zweieinhalb Stunden täglich sendet.
Aber sein Programm wird immer besser im Hinblick auf
zuverlässige Nachrichten und Informationen für diejenigen, die bereit sind, aufzustehen und ihnen zuzuhören und die sie trotz der von Castro veranlaßten
Störungen hören können.
Es gibt noch einen Vorschlag für eine andere Art
Ersatzradiosender, etwa ein Radio Free China oder
ein Radio Free Asia. Eine sehr große Koalition im
Kongreß ist dafür, die Regierung verhält sich dazu
offiziell neutral, hat aber der Zusammenarbeit mit einer
Kommission zugestimmt, um dieses spezielle Problem zu sondieren.
Unserer Ansicht nach ist bei VOA keine bürokratische
Schlacht um Einf lu ßgebiete im Gange, weil es unserer
Ansicht nach nicht vor allem darum geht, was die eine
oder andere Behörde in Washington denkt, sondern ob
der Hörer in Schanghai, Pjöngjang oder Hue mehr von
einem neuen Sender oder einer stärkeren Voice of
America profitiert. In der Zwischenzeit sendet VOA
über 21 Stunden täglich nach China - in Mandarin,
Kantonesisch, Tibetanisch und Englisch. Ich möchte
hinzufügen, daß lediglich die englische Übertragung
nicht gestört wird.
In der ehemals kommunistischen Welt Osteuropas
und anderer Länder hat VOA nach wie vor die Aufgabe,
an grundlegenden Instruktionen zum Aufbau der
Demokratie und den Mechanismen der Marktwirtschaft
mitzuwirken. Sogar die rudimentärsten Dinge, wie
man eine Besprechung durchführt, einen Kredit beantragt, was in den Federalist Papers steht, werden von
unseren Hörern in Osteuropa und der Sowjetunion
begeistert verfolgt.

*

AMERIKA DIENST 43

*

Zu dem Argument, daß es sich bei VOA nicht um ein
Werkzeug des kalten Kriegs handelt, gibt es zwei
Beispiele aus jüngster Zeit, die nichts mit Ost-WestPolitik oder Ideologie zu tun haben, aber die dringende
Notwendigkeit internationaler Rundfunkübertragungen
illustrieren. Das erste betrifft Haiti, wo eine demokratisch gewählte Regierung gestürzt wurde und bis heute
die einzig verläßlichen Meldungen und Informationen,
die das haitanische Volk in seiner eigenen Sprache
hören kann, aus den Vereinigten Staaten, von der
Voice of America kommen.
Das zweite Beispiel ist Burma, wo erst letzte Woche
Aung San Suu Kyi den Friedensnobelpreis erhielt. Die
Meldung von ihrem Erfolg und der Hoffnung auf eine
demokratische Zukunft, die dies für das burmesische
Volk beinhaltet, wurde von den beiden internationalen
Radiosendem in Burmesisch, der Voice of America
und der BBC übertragen. Am Tag, als ihr der Preis
verliehen wurde, kommentierte das Wall Street Journal, es sei nicht sicher, daß Aung San Suu Kyi die
Berichte gehört habe, weil sie seit zwei Jahren von der
Außenwelt abgeschnitten sei. "Aber sicher ist, daß die
40 Millionen Bürger Burmas durch die Voice of America und die BBC von der Auszeichnung wissen und sich
darüber freuen. Jedes Signal, daß die Welt vom
Leiden in Burma weiß, kann nur diejenigen ermutigen,
die es beenden wollen."
Auch wenn der Kommunismus so tot ist wie eine
Moskauer Telephonleitung, werden die Voice of America
und alle internationalen Rundfunksender eine wichtige
Rolle spielen. So lange Menschen andere unterdrükken, muß es freie laute Stimmen geben, die von
weither die Informationen verbreiten und - noch wichtiger - Hoffnung vermitteln. Archibald MacLeish hat
dazu einmal bemerkt: "Es gibt immer Leute, die
erklären, die Freiheit der Gedanken und der Menschen
sei nur ein Traum, und sie haben recht. Es ist der
amerikanische Traum."

*

*

Seite 3

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                <text>Amerikadienst 30.10.1991</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Außen- und Innenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush verspricht US-Unterstützung für Frieden im Nahen Osten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Deutsch-amerikanische Beziehungen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die deutsch-amerikanischen Beziehungen - die menschliche Dimension&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kimmitt in Berlin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unkonventionelle Programme zeitigen Fortschritte bei der Behandlung von Drogenmissbrauch &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die bekanntesten Therapien&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Voice of America&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die künftige Rolle der Voice of America&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von VOA-Direktor Chase Untermeyer&lt;/em&gt;</text>
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&#13;
Herausgeber: U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Z12462 C&#13;
&#13;
30. Oktober 1996&#13;
&#13;
21&#13;
&#13;
USA-EUROPA&#13;
&#13;
POSITIVER WANDEL IN DEN&#13;
TRANSATLANTISCHEN BEZIEHUNGEN&#13;
Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&#13;
&#13;
USA-DEUTSCHLAND&#13;
&#13;
BOTSCHAFT 2000 - EIN MODELL FÜR&#13;
DIE ZUKUNFT DES AUSWÄRTIGEN DIENSTES&#13;
von J.D. Bindenagel&#13;
&#13;
DEUTSCH-AMERIKANISCHE BEZIEHUNGEN&#13;
UND DIE WELTWIRTSCHAFT&#13;
Rede der Gesandten Janice Bay&#13;
&#13;
LANDMINEN&#13;
&#13;
GLOBALES VERBOT VON LANDMINEN&#13;
OBERSTE PRIORITÄT DER&#13;
CLINTON-ADMINISTRATION&#13;
Rede von Thomas McNamara&#13;
&#13;
PORTRAT&#13;
&#13;
JAMES D. BINDENAGEL&#13;
Charge d'Affaires ad interim der&#13;
Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika&#13;
in der Bundesrepublik Deutschland&#13;
&#13;
Informationen über die Politik der US-Regierung und&#13;
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können&#13;
auf der Home Page von USIS-Deutschland&#13;
im World Wide Web des Internet unter&#13;
http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
abgerufen werden.&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
Tel.: 0228-339 2372&#13;
&#13;
Fax: 0228-333 138&#13;
e-mail: bbsbonn@usia.gov&#13;
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
&#13;
�USA-EUROPA&#13;
30. Oktober 1996&#13;
&#13;
Positiver Wandel in den transatlantischen Beziehungen&#13;
Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Das Ende des Kalten Krieges hat einen "positiven Wandel" in den amerikanischeuropäischen Beziehungen bewirkt, erklärte der Abteilungsleiter für europäische und kanadische Angelegenheiten im US-Außenministerium, John Kornblum, am 8. Oktober 1996 in einer Rede vor dem Atlantic Council, deren&#13;
vorbereiteten Text wir nachfolgend veröffentlichen.&#13;
&#13;
Wir durchleben eine Zeit dramatischer Umgestaltung in&#13;
Europa. Inmitten dieses Prozesses ist es nützlich, sich&#13;
bewußt zu machen, was geschieht und was wir&#13;
erreichen wollen.&#13;
Es wurden wichtige erste Schritte&#13;
&#13;
unternommen.&#13;
&#13;
Konfrontation wurde durch Bestrebungen zu gemeinsamem Vorgehen auf der Grundlage gemeinsam&#13;
definierter Werte ersetzt. Demokratisierung wurde&#13;
erstmals in der europäischen Geschichte als einheitliches Leitprinzip dieser Umgestaltung akzeptiert.&#13;
Der schnelle Wandel setzte jedoch auch die Kräfte von&#13;
Konflikt und Gewalt auf einer seit einem halben&#13;
Jahrhundert ungekannten Ebene frei. Traditionelle&#13;
Annahmen zur Gestaltung Europas und den Beziehungen zwischen Nationen und Menschen werden in den&#13;
kommenden Jahren wahrscheinlich noch stärker in&#13;
Frage gestellt.&#13;
Man kann keine genauen Prognosen anstellen, wohin&#13;
dieser historische Prozeß uns führen wird, aber es gibt&#13;
bestimmte konstante Größen, die als Wegweiser&#13;
dienen können. Ferner gibt es eine Reihe wichtiger&#13;
Annahmen über die vor uns liegenden neuen Wege.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben in den letzten drei&#13;
Jahren versucht, einen Kurs einzuschlagen, der auf&#13;
den Erfolgen der letzten fünf Jahrzehnte aufbaut und&#13;
gleichzeitig den Veränderungen vorauszusein.&#13;
In der besten Tradition der amerikanischen Führungsrolle haben Präsident Clinton und Außenminister&#13;
Christopher auf diesem aufregenden, bisweilen jedoch&#13;
auch schwierigen Weg eine starke Führung geboten.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
Im Januar 1994 legten die Vereinigten Staaten in&#13;
Brüssel erstmals und zuletzt am 6. September in&#13;
Stuttgart ein mutiges und kreatives Konzept vor, wie&#13;
wir eine neue atlantische Partnerschaft auf der Grundlage der Institutionen und Beziehungen aufbauen&#13;
können, die uns so gute Dienste geleistet haben.&#13;
Unser strategischer Ansatz zielt auf Integration und&#13;
Kooperation gleichermaßen, um zur Erlangung seiner&#13;
Ziele verschiedene Institutionen und Prozesse zusammenzubringen. Außenminister Christopher bezeichnete dies als "neue atlantische Gemeinschaft".&#13;
Mit Unterstützung der produktiven bilateralen Beziehungen zu den europäischen Ländern ermöglichen&#13;
unsere Bestrebungen eine engere Partnerschaft&#13;
Nordamerikas mit einem neuen Europa - ohne künstliche Trennlinien. Sie gestatten uns Zusammenarbeit&#13;
zur Eindämmung ethnischer Konflikte und - im Fall&#13;
Bosniens - zur Wiederherstellung des Friedens. Sie&#13;
helfen uns bei der Wahrung von Stabilität in der Ägäis&#13;
und der gemeinsamen Arbeit an einer umfassenden&#13;
Regelung für Zypern. Und sie ermöglichen konzertierte Bestrebungen zur Beeinflussung von Ländern,&#13;
deren Reformprozeß auf Schwierigkeiten stößt.&#13;
Die neue atlantische Gemeinschaft spiegelt das von&#13;
George Marshall vor nahezu 50 Jahren anvisierte Ideal&#13;
eines wahrhaft integrierten Europas vom Atlantik bis&#13;
zum Ural wider. Im Juni 1947 erläuterte Marshall&#13;
eloquent unser bestes und edelstes Streben nach&#13;
Einbeziehung, gegenseitiger Hilfe und Unterstützung&#13;
sowie einem - nicht aufgrund militärischer Macht,&#13;
sondern aufgrund des Vertrauens seiner Gesellschaften - sicheren Europa. Heute ist seine Einschät-&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�zung so relevant wie eh und je: Amerikas erfolgreiche&#13;
Interaktion mit Europa muß auf durch Führungsrolle,&#13;
Partnerschaft und konkrete Aktionen hervorgerufene&#13;
Dynamik gegründet sein.&#13;
Wenn ich mich durch Marshalls Vision von aktiver&#13;
Zusammenarbeit in der euroatlantischen Region&#13;
inspirieren lasse, meine ich damit nicht, daß wir beim&#13;
Umgang mit den heutigen Problemen in die Vergangenheit blicken sollten.&#13;
Es ist klar, daß die von uns zu schaffende neue&#13;
atlantische Gemeinschaft nicht auf überkommenen&#13;
Modellen gründen kann. Die Beziehung zwischen&#13;
gemeinsamer Verantwortung zur Lösung spezifischer&#13;
Fragen bei ihrem Entstehen und der Notwendigkeit&#13;
einer Aufteilung von Befugnissen zwischen Europa&#13;
und den Vereinigten Staaten entwickelt sich noch. Wir&#13;
können die neue atlantische Gemeinschaft nicht auf&#13;
der Annahme aufbauen, daß sie letztlich den Westen&#13;
so widerspiegelt, wie wir ihn kennen. Ebenso wie das&#13;
vereinigte Deutschland eine Mischung aus Ost und&#13;
West ist, statt lediglich ein vergrößertes Westdeutschland, muß unsere neue Gemeinschaft die von allen&#13;
Gesellschaften geleisteten Beiträge zu einer echten&#13;
Synthese verschmelzen.&#13;
Wir müssen uns die Vielfalt Europas zunutze machen die Quelle seiner Stärke sowie seine Herausforderung.&#13;
Das neue Europa muß Trennungen überwinden und&#13;
gleichzeitig die Realität erkennen, daß die Gesellschaften in zunehmendem Maße ihre Identität und&#13;
ihren Individualismus wahren möchten. Bei der NATOErweiterung, der Vergrößerung der OSZE sowie&#13;
unseren zahlreichen gemeinsamen Bestrebungen mit&#13;
der EU im Rahmen der neuen transatlantischen&#13;
Tagesordnung besteht keine Notwendigkeit, daß&#13;
irgendein Staat das Gefühl bekommt, er schließe sich&#13;
lediglich existierenden Strukturen an. Es wird etwas&#13;
vollkommen Neues geschaffen, das aus der Stärke&#13;
jedes Beitragsleistenden entsteht.&#13;
Der zweite wichtige Punkt ist, daß trotz Wohlstand,&#13;
Talent und Erfolg im Großteil Europas die Rolle&#13;
Amerikas für die Schaffung von Stabilität in der neuen&#13;
atlantischen Gemeinschaft immer noch von elementarer Bedeutung ist. Für die aktiven und engagierten&#13;
Europäer und Amerikaner ist das natürlich eine&#13;
Binsenweisheit. In der Zeit nach dem Kalten Krieg&#13;
wurde jedoch eine lebhafte Debatte über das Wesen&#13;
und den Einsatz amerikanischer Macht im transatlantischen Kontext geführt. Laut einer Umfrage&#13;
jüngeren Datums sind 35 Prozent der Amerikaner der&#13;
Ansicht, die Vereinigten Staaten sollten auf internationaler Ebene gar kein Engagement zeigen. Ihnen&#13;
zufolge sollte sich Amerika auf seine eigenen Interessen konzentrieren - und auf diese Weise seine&#13;
Macht bewahren, nicht vergeuden. Andere wünschen&#13;
eine konstante und sehr sichtbare Präsenz der&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Vereinigten Staaten als Zünglein an der Waage und&#13;
als Großmacht.&#13;
Diese Ansichten sind jedoch nicht miteinander vereinbar. Manche wollen sich bei der Frage nicht&#13;
festlegen, machen sich Sorgen, die Vereinigten&#13;
Staaten zeigten kein Engagement und fürchten, wir&#13;
würden zu dominant, wenn wir direkt und entschieden&#13;
vorgehen. Im letzten Jahr beobachteten wir eine&#13;
Stimmungsänderung: Zunächst hieß es, wir würden&#13;
uns allzu sehr mit asiatischen Angelegenheiten&#13;
befassen oder hätten Europa vergessen und anschließend wurde unsere mutige Rolle bei der Erlangung des Friedens in Bosnien kritisiert. Aber&#13;
während dieser ganzen Zeit sollten wir nie die allgemeine Notwendigkeit unserer entschlossenen&#13;
Präsenz in Europa in Frage stellen.&#13;
Die Vereinigten Staaten mögen das mächtigste Land&#13;
sein, das es je gab. Aber ihre Macht hat sich nicht auf&#13;
traditionelle Weise entwickelt. Es steht außer Frage,&#13;
daß wir eine fast beispiellose Militär- und Wirtschaftsmacht sind. Unsere wirkliche Stärke liegt jedoch in&#13;
unserer Fähigkeit zur Entwicklung von Ideen, Durchführung von Aktionen und Lösung von Problemen auf&#13;
unerwartete Weise. Zudem haben wir Menschen aus&#13;
allen Nationen aufgenommen, so daß wir eine Mischung aus einer breiten Palette verfügbarer Energie&#13;
und kreativen Denkens sind. Indem wir das weltweit&#13;
größte Labor für sozialen Wandel - und die Personifizierung seiner Vielfalt - bleiben, inspirieren wir die&#13;
Menschen, sich mit uns zu identifizieren. Wir sind in&#13;
gewisser Weise in einer Zeit spaltender Trends das&#13;
Verbindungsstück zwischen vielen Gesellschaften in&#13;
Europa.&#13;
Wenn irgend jemand Tausende von Kilometern&#13;
entfernt eine Cola trinkt oder sich ins Internet einloggt,&#13;
wird er dadurch nicht Amerikaner, sondern Bestandteil&#13;
der internationalen Gemeinschaft. Er schließt sich&#13;
damit einer Lebensweise an, die außerhalb seiner&#13;
Umgebung und ihrer eng definierten Traditionen liegt.&#13;
Entsprechend machen europäische Unternehmen, die&#13;
sich der in den Vereinigten Staaten erfolgreich entwikkelten, umgesetzten und anschließend in Europa&#13;
vermarkteten Managementstrategien bedienen, nicht&#13;
einen gefährlichen Schwenk auf den Weg des amerikanischen Kulturimperialismus. Vielmehr nutzen sie&#13;
einen der besten Exportartikel Amerikas: Lösungen für&#13;
Probleme. Die Vereinigten Staaten projizieren Autorität - nicht weil sie stark sind, sondern in zunehmendem&#13;
Maße weil sie Ideen, Dienstleistungen und Produkte&#13;
anbieten, die anpassungsfähig und aufgrund ihrer&#13;
Universalität attraktiv sind.&#13;
Das Einzigartige an der amerikanischen Macht ist ihre&#13;
Behutsamkeit. Es wäre albern zu behaupten, die&#13;
Vereinigten Staaten setzten nie pure Macht zur&#13;
Förderung ihrer nationalen Interessen ein. Aber die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
�Amerikaner selbst haben heute ein ambivalentes&#13;
Verhältnis zu ihrer Macht. Einerseits wollen sie die&#13;
Macht und den damit einhergehenden Status zweifelsohne beibehalten. In der heutigen Zeit könnte kein&#13;
Politiker mit einer Plattform Erfolg haben, die ein&#13;
schwächeres und bescheideneres Amerika propagiert.&#13;
Aber wir als Nation nehmen bei der Ausübung militärischer Macht eine ungewöhnliche Gewissensprüfung vor. Wir zögern nicht, wenn es um die Macht&#13;
geht, etwas zu bewirken, die Welt zum Besseren&#13;
umzugestalten. Bisweilen durch militärische Stärke,&#13;
öfter jedoch durch technologische Erfindungen, die&#13;
Förderung von Kultur und Unterhaltung oder die&#13;
Umsetzung von Ideen in Aktionen üben wir Einfluß&#13;
aus, der die Welt dazu veranlaßt, uns zu folgen.&#13;
Der Einfluß der Vereinigten Staaten ist somit von&#13;
elementarer Bedeutung. Unsere Rolle besteht jedoch&#13;
im allgemeinen darin, richtungsweisend zu sein und&#13;
gemeinsam die Verantwortung für gemeinsame Ziele&#13;
zu übernehmen - nicht in zielstrebiger Machtpolitik.&#13;
Dies gilt insbesondere angesichts der zunehmenden&#13;
Notwendigkeit gemeinsamer Bestrebungen mit&#13;
unseren europäischen Partnern. In den letzten Jahren&#13;
haben wir gemeinsam eine geniale Vielfalt von Werkzeugen geschaffen, um entstehende Krisen oder&#13;
hartnäckige Probleme zu bewältigen.&#13;
Das von uns aufgebaute institutionelle Netz ist eine&#13;
beeindruckende Ressource. Unser "Werkzeugkasten"&#13;
ist so gut bestückt, daß wir zwischen mehreren&#13;
Alternativen wählen können - von unterschwelligen,&#13;
werteorientierten Aktionen der Organisation für&#13;
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)&#13;
über direkte militärische Macht in angemessenen&#13;
Situationen im Rahmen unserer militärischen Verbindungen in der NATO bis zu bilateralen Sicherheitsbeziehungen in der gesamten Region.&#13;
Die NATO bleibt als Grundlage für das amerikanische&#13;
Sicherheitsengagement in Europa von vorrangiger&#13;
Bedeutung. Obwohl wir die Schlüsselfunktion des&#13;
Bündnisses beibehalten - die feierliche Verpflichtung&#13;
zur Verteidigung unserer Verbündeten und Wahrung&#13;
ihrer Freiheit - schaffen wir auch eine neue NATO.&#13;
Diese ist an die heutigen sicherheitspolitischen&#13;
Herausforderungen angepaßt, wird durch eine aktivere&#13;
und sichtbarere europäische Rolle gestärkt, arbeitet&#13;
partnerschaftlich mit Rußland und der Ukraine zusammen und ist der Ausweitung von Sicherheit und&#13;
Stabilität auf die Länder verpflichtet, denen diese&#13;
Vorteile durch den Kalten Krieg verwehrt wurden.&#13;
Durch die offizielle Aufnahme neuer Demokratien kann&#13;
das Bündnis den Interessen aller Länder in Europa,&#13;
einschließlich Rußlands, dienen. Die NATO-Mitgliedschaft wird ein für allemal die Rivalitäten und Versuchungen einer Region beseitigen, deren Vergangenheit von Krieg und Konflikten geprägt ist. Die NATOErweiterung stellt für niemanden eine Bedrohung dar,&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
sondern gewährleistet vielmehr eine&#13;
Partnerschaft in der gesamten Region.&#13;
&#13;
dauerhafte&#13;
&#13;
In gewisser Weise wurde die NATO bereits durch die&#13;
äußerst erfolgreiche Partnerschaft für den Frieden&#13;
(PFF) erweitert. Die Partnerschaft hat eine enge&#13;
Zusammenarbeit zwischen über 20 Nichtmitgliedstaaten und der NATO bewirkt - sie hilft einigen bei der&#13;
Vorbereitung auf die Mitgliedschaft und allen dabei,&#13;
Seite an Seite auf den Aufbau eines sicheren Europas&#13;
hinzuarbeiten sowie ihre Stabilität zu verbessern. Die&#13;
Erfolgsgeschichte der IFOR in Bosnien ist ein Ausdruck dieser neuen Beziehungen. Aufbauend auf dem&#13;
Erfolg der PFF beabsichtigen wir die weitere Einbeziehung der Partner bei der Gründung eines&#13;
Atlantischen Partnerschaftsrats, um sie in die Planung&#13;
und Ausführung von NATO-Missionen zu involvieren.&#13;
Die Erweiterung der Beziehungen zu Rußland und der&#13;
Ukraine sind die Hauptaufgaben der neuen NATO. Im&#13;
Falle Rußlands arbeiten wir darauf hin, diese Beziehungen in einer offiziellen Charta zu verankern.&#13;
Niemand versteht besser als wir, daß enge Kooperation und Konsultationen mit der Russischen Föderation&#13;
unerläßlich für den Aufbau der neuen atlantischen&#13;
Gemeinschaft sind.&#13;
Die Vereinigten Staaten hoffen, daß die Staats- und&#13;
Regierungschefs der NATO bei ihrem Treffen im&#13;
Frühjahr oder Frühsommer nächsten Jahres ein&#13;
umfassendes Maßnahmenpaket mit wirklich historischen Auswirkungen verabschieden werden. Bei dem&#13;
Gipfeltreffen sollte die innere Anpassung des Bündnisses vervollständigt, die Eröffnung von Verhandlungen für neue Mitglieder signalisiert, die PFF aufgewertet, ein neuer Atlantischer Partnerschaftsrat gegründet und eine Charta mit der Russischen Föderation unterzeichnet werden. Diese Schritte sind gleichrangig mit den Leistungen der frühen Nachkriegszeit&#13;
bei der Schaffung einer soliden Grundlage für die&#13;
Zukunft.&#13;
Die Arbeit der NATO wird zunehmend durch die&#13;
Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in&#13;
Europa unterstützt. Die OSZE ist der einzige Rahmen,&#13;
der alle Mitglieder der Gemeinschaft in einer einzigen&#13;
Organisation zusammenbringt. Die OSZE steht für ein&#13;
umfassendes Sicherheitskonzept, das sich auf die&#13;
Förderung von Demokratie an den Wurzeln der&#13;
Gesellschaft konzentriert. Die Betonung von Werten,&#13;
Menschenrechten und einer Definition der Stabilität auf&#13;
der Grundlage der Demokratisierung von Gesellschaften sind die Leitprinzipien der OSZE. Wie ihr&#13;
Name verdeutlicht, ist sie die Grundlage für die neue&#13;
Art der Sicherheitszusammenarbeit, die sich in Europa&#13;
entwickelt.&#13;
Die Staats- und Regierungschefs der OSZE werden&#13;
Anfang Dezember in Lissabon zusammenkommen, um&#13;
ein Modell für Sicherheit im 21. Jahrhundert zu de-&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�finieren. Dieses Modell sollte die von den OSZEMitgliedstaaten in den vergangenen 25 Jahren vereinbarten Prinzipien der Zusammenarbeit in die Praxis&#13;
umsetzen. Es sollte über Worte hinausgehen und ein&#13;
Gefühl für die Übernahme von Befugnissen durch alle&#13;
Staaten - groß oder klein - zur Definition ihrer eigenen&#13;
Interessen im Rahmen der Prinzipien der OSZE&#13;
vermitteln. Die Verwirklichung dieses demokratischen&#13;
Sicherheitsraums wird ein wichtiger Schritt sein, um die&#13;
Machtpolitik der Vergangenheit zu ersetzen.&#13;
&#13;
Das Netz der von uns entwickelten Institutionen und&#13;
Beziehungen hat sich bereits als äußerst effektiv&#13;
erwiesen. Zwei ausgezeichnete Beispiele fallen mir&#13;
ein. Nach Differenzen und Meinungsverschiedenheiten haben wir in Bosnien große Fortschritte bei der&#13;
Erlangung eines sicheren Friedens gemacht. Die&#13;
wichtigsten europäischen Länder und Rußland kamen&#13;
mit den Vereinigten Staaten in der Kontaktgruppe&#13;
zusammen, um eine echte Synthese von Interessen&#13;
und Ansätzen zu dem Problem zu erzielen.&#13;
&#13;
Die Europäische Union ist ein weiterer einzigartiger&#13;
und unschätzbarer Partner sowohl im Hinblick auf die&#13;
vertiefte Integration als auch auf die Bewahrung der&#13;
transatlantischen&#13;
Zusammenarbeit.&#13;
Nach allen&#13;
Standards ein wirtschaftliches Kraftwerk, haben die EU&#13;
und ihr Binnenmarkt den Wirtschaftserfolg Westeuropas garantiert und stellen einen entscheidenden&#13;
Mechanismus für die Ausweitung des Wohlstands&#13;
nach Zentral- und Osteuropa dar.&#13;
&#13;
Für konkrete Fortschritte war die militärische und&#13;
diplomatische Führungsrolle der Vereinigten Staaten&#13;
unabdingbar - und wird es auch weiterhin sein. Die&#13;
Vereinigten Staaten konnte jedoch nicht im Alleingang&#13;
handeln. Die Macht der Vereinigten Staaten allein&#13;
reichte nicht aus, um alle historischen, politischen und&#13;
ethnischen Probleme des Balkans in Angriff zu&#13;
nehmen. Ein neuer Konsens zwischen der NATO, der&#13;
EU und den Nachbarstaaten war erforderlich.&#13;
&#13;
Mit der Anerkennung der Rolle und Bedeutung der EU&#13;
haben wir mit der von Präsident Clinton und seinen&#13;
Amtskollegen in der EU im Dezember 1995 unterzeichneten neuen transatlantischen Tagesordnung (New&#13;
Transatlantic Agenda - NTA) dramatische Schritte zur&#13;
Anhebung unserer Zusammenarbeit auf ein noch&#13;
höheres Niveau unternommen. Diese Agenda hat die&#13;
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und&#13;
der EU im Kern verändert - wir machen nicht länger&#13;
große Versprechungen, wir arbeiten jetzt an konkreten&#13;
Tagesordnungen. Zweitens umfaßt sie jetzt ganz&#13;
Europa. Unser Ziel besteht in der Erweiterung der&#13;
Methoden, die unsere westliche Interaktion so erfolgreich für ganz Europa gemacht haben.&#13;
&#13;
Bisher haben wir auch Erfolge erzielt. Die IFOR und&#13;
die auf die Förderung des zivilen Wiederaufbaus&#13;
ausgerichteten Institutionen verkörpern den Geist des&#13;
gemeinsamen Handelns, den wir beim Aufbau der&#13;
neuen atlantischen Gemeinschaft anstreben. Die&#13;
IFOR hat den zugrundeliegenden Zusammenhalt der&#13;
NATO in höchstem Maße projiziert und der Welt&#13;
gezeigt, wie effektiv sie in kooperativen Bestrebungen&#13;
mit ehemaligen Gegnern sein kann.&#13;
&#13;
Ein weiteres unserer wichtigen Ziele ist die Schaffung&#13;
eines euroatlantischen Markts. Die NTA verleiht&#13;
unseren transatlantischen Bindungen eine neue&#13;
Richtung und einen neuen Mittelpunkt und versucht,&#13;
unsere europäischen Verbündeten vollständiger in die&#13;
Lastenteilung zu integrieren, auf die Anliegen der Welt&#13;
nach dem Kalten Krieg in Europa und weltweit zu&#13;
reagieren. Das Tempo der Errungenschaften war&#13;
jedoch ungleich. Wir fordern unsere europäischen&#13;
Partner zur Zusammenarbeit mit uns und zur Verdoppelung der Anstrengungen auf, damit wir noch vor dem&#13;
nächsten Gipfeltreffen zwischen den Vereinigten&#13;
Staaten und der EU Fortschritte beim Handel und der&#13;
Bekämpfung des Drogenhandels aufweisen können.&#13;
Unser Wirtschaftsdialog wurde auch durch die von der&#13;
OECD und der G-7 gebotenen Mechanismen beträchtlich erweitert. Die europäische Rolle in diesen Arrangements ist - mit uneingeschränkter Unterstützung der&#13;
Vereinigten Staaten - immer wichtiger geworden. Auch&#13;
aas ist unerläßlich, wenn wir als Gemeinschaft bei der&#13;
Bewältigung der uns am Ende diese Jahrhunderts&#13;
Konfrontierenden Probleme wirklich zusammenarbeiten wollen.&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Alle europäischen Institutionen arbeiten bei der&#13;
Erlangung unserer Ziele in Bosnien zusammen und&#13;
versprechen, ihr Bestes zu geben, um dauerhafte&#13;
Lösungen herbeizuführen. Bei unseren gemeinsamen&#13;
Anstrengungen, Bosnien wieder in die euroatlantische&#13;
Familie zu integrieren, kombinieren wir unseren festen&#13;
Glauben an aufwerte gegründete Maßnahmen mit der&#13;
Erkenntnis, daß nur die Schaffung zuversichtlicher und&#13;
freiheitsliebender Gesellschaften wirkliche Stabilität&#13;
bewirken kann.&#13;
Die bei der militärischen Vertrauensbildung und dem&#13;
Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa&#13;
(KSE) in den vergangenen Jahren geleistete Arbeit hat&#13;
auch unsere Überzeugung untermauert, daß ein&#13;
Geflecht von Beziehungen entscheidend für die&#13;
Erlangung wirklicher Sicherheit ist. Diese auf dem&#13;
Höhepunkt des Kalten Krieges entwickelten und&#13;
während einer Zeit revolutionären Wandels ausgehandelten Sicherheitsarrangements haben letztlich&#13;
unsere gesamte militärische Denkweise und unser&#13;
Handeln verändert.&#13;
Wo militärische Angelegenheiten in ganz Europa&#13;
einstmals im Geheimen und einer Atmosphäre des&#13;
Mißtrauens behandelt wurden, ist jetzt Transparenz die&#13;
Regel. Die Nationen führen praktisch über jeden&#13;
Aspekt der Verteidigung Konsultationen, von Truppenbewegungen bis zu Waffenlieferungen. Ihre Waffen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
�und Verteidigungshaushalte unterliegen eingehenden&#13;
Inspektionen durch Nachbarn und ehemalige Feinde.&#13;
Die militärische Sicherheit hängt jetzt mehr von&#13;
Offenheit und Kooperation ab als von Überraschung&#13;
oder Waffenarsenalen.&#13;
In den kommenden Monaten werden wir versuchen,&#13;
unsere Chancen für Konsultationen im Rahmen des&#13;
KSE-Vertrags zu nutzen, um über alle Aspekte unserer&#13;
militärischen Beziehungen zu sprechen sowie darüber,&#13;
wie sie unter veränderten Gegebenheiten am effektivsten bleiben können.&#13;
Wir werden eine gezielte Überprüfung der militärischen&#13;
Situationen auf dem gesamten Kontinent vornehmen&#13;
und die Dynamik bewahren können, mit der die&#13;
höchste Zahl konventioneller Waffen in der Geschichte&#13;
zerstört wurde. Dies wiederum ist das willkommene&#13;
Produkt unseres neuen integrierten Ansatzes um&#13;
sicherzustellen, daß die Interessen jeder Nation&#13;
gewahrt werden, um die Interessen aller zu wahren.&#13;
Von kollektiven Aktionen profitieren alle.&#13;
Wir entwickeln ein neues Verständnis der Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Europa.&#13;
Dieses Verständnis gründet auf der Respektierung der&#13;
unterschiedlichen Stärken Europas und der Vereinigten Staaten.&#13;
Während wir neue Wege für den Einsatz der von uns&#13;
&#13;
Welt hat sich entwickelt, und die amerikanische Rolle&#13;
hat sich geändert. Wir können die Vergangenheit nicht&#13;
neu erfinden; wir haben keinerlei Absicht - wie Josef&#13;
Joffe es formulierte - das britische Empire oder&#13;
Bismarck zum Vorbild zu nehmen. Genausowenig&#13;
wird der Einsatz amerikanischer Macht ein Spiegelbild&#13;
des Anfangs dieses Jahrhunderts, des Zweiten&#13;
Weltkriegs oder des Kalten Krieges sein.&#13;
Bei der Schaffung der neuen atlantischen Gemeinschaft machen wir keinen Klon des Westens, wie wir&#13;
ihn kannten. Wir sind vielmehr mit dem aufregenden&#13;
Prozeß der Erfindung unserer Gemeinschaft befaßt:&#13;
Einer Gemeinschaft, die durchdrungen von gemeinsamen Standards und Zielen ist und die gesamte Fülle&#13;
ihrer Vielfalt zur Erfüllung ihres Zwecks nutzt.&#13;
Das vor uns liegende Jahr wird von historischen&#13;
Ereignissen gekennzeichnet sein. In den vergangenen&#13;
drei Jahren haben wir eine Aktionsstrategie in die&#13;
Wege geleitet, die es uns gestatten wird, mehr als je&#13;
zuvor Einfluß auf diese Ereignisse zu nehmen. Dabei&#13;
werden wir die reichen Ressourcen unserer traditionellen Beziehungen nutzen. Die Rolle der Vereinigten&#13;
Staaten wird von zentraler Bedeutung sein. Unser&#13;
Ansatz wird auch aus unserer dynamischen neuen&#13;
Partnerschaft mit Zentral- und Osteuropa an Stärke&#13;
gewinnen. Und unsere neue Interaktion mit der&#13;
Russischen Föderation wird eine noch breitere&#13;
Dimension hinzufügen. Damit sie funktionieren kann,&#13;
&#13;
wir&#13;
&#13;
müssen wir jedoch unseren kollektiven Willen auf&#13;
&#13;
weiterhin auf unsere wechselseitigen Beziehungen&#13;
aufbauen. Die Macht der Vereinigten Staaten wird&#13;
entscheidend dafür sein, es wird jedoch eine andere&#13;
Art von Macht sein als die herkömmliche. Die übrige&#13;
&#13;
dieses neue Konzept konzentrieren.&#13;
Vor allem&#13;
müssen wir unser Vertrauen in die Gemeinschaft von&#13;
Werten und Interessen bekräftigen, die bereits über&#13;
den Atlantik hinweg entstanden ist.&#13;
&#13;
entwickelten&#13;
&#13;
Instrumente&#13;
&#13;
sondieren,&#13;
&#13;
werden&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
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&#13;
* * *&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�USA-DEUTSCHLAND&#13;
30. Oktober 1996&#13;
&#13;
Botschaft 2000 - ein Modell für die Zukunft&#13;
des auswärtigen Dienstes&#13;
von J.D. Bindenagel&#13;
&#13;
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen von J.D. Bindenagel, Charge d'Affaires a.i. bei der Botschaft&#13;
der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, verfaßten Artikel zum Bonn-Berlin&#13;
Umzug.&#13;
&#13;
Das Ende einer Ära&#13;
Am 9. November 1989, als die Berliner Mauer fiel und&#13;
der Kalte Krieg endete, war ich Gesandter der Amerikanischen Botschaft in der Deutschen Demokratischen&#13;
Republik. An diesem Tag kehrte ich spät abends mit&#13;
Wolfgang Vogel, dem persönlichen Bevollmächtigten&#13;
des ostdeutschen Staatsoberhaupts Erich Honecker,&#13;
von einem Empfang im Aspen Institute nach Ostberlin&#13;
zurück. Vogel war eine Schlüsselfigur beim innerdeutschen Gefangenenaustausch von Francis Gary&#13;
Powers bis Anatoli Tschtscharanski gewesen.&#13;
Ostdeutschland befand sich ebenso wie der übrige&#13;
Ostblock in Aufruhr. Im Verlauf des Sommers 1989&#13;
hatten mehr als eine Million Menschen die Flucht aus&#13;
der DDR versucht. Die Situation erinnerte düster an&#13;
die frühen sechziger Jahre, als die Berliner Mauer&#13;
gebaut wurde und die Welt kurz vor einer nuklearen&#13;
Konfrontation stand.&#13;
Die allgemeine Meinung lautete, wenn die Sowjetunion&#13;
zum Schutz ihrer Interessen in Zentral- und Osteuropa&#13;
intervenieren würde, dann geschähe das in Deutschland. Die blutige Niederschlagung der friedlichen&#13;
Demonstrationen in Berlin und anderen ostdeutschen&#13;
Städten am 17. Juni 1953 war ein einschlägiges&#13;
Beispiel. Es bestand echte Besorgnis, die politische&#13;
Situation könnte sich zu einer Konfrontation zwischen&#13;
der Sowjetunion und den ostdeutschen Demonstranten&#13;
entwickeln - ein Szenarium, das zu einem Dritten&#13;
Weltkrieg hätte führen können.&#13;
In dem Bestreben, den Druck zu verringern und ihre&#13;
Autorität zu wahren, liberalisierte die DDR am 6.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
November 1989 ihre Reisebestimmungen.&#13;
Das&#13;
geschah jedoch in zu geringem Umfang und zu spät&#13;
und wurde von Hunderttausenden von Demonstranten&#13;
in ganz Ostdeutschland auf dramatische Weise&#13;
abgelehnt.&#13;
Vor diesem Hintergrund bat ich Wolfgang Vogel um&#13;
seine Einschätzung. Während der letzten drei Tage&#13;
hatte er zur weiteren Liberalisierung der Reisebestimmungen intensive Konsultationen mit dem ostdeutschen Juristenkollegium abgehalten. Als ich an jenem&#13;
Abend mit ihm sprach, war er zuversichtlich, daß ein&#13;
neues Gesetz die Situation entschärfen würde.&#13;
Vogels Optimismus, die DDR könnte weiterhin ihre&#13;
Autorität wahren, wurde jedoch innerhalb weniger&#13;
Minuten unterminiert. Bei einer Pressekonferenz in&#13;
Ostberlin gab DDR-Regierungssprecher Günter&#13;
Schabowski noch weiterreichende Veränderungen bei&#13;
den ostdeutschen Reisebeschränkungen bekannt.&#13;
Die Ostberliner nahmen ihre Regierung beim Wort.&#13;
Sie testeten die Grenzen ihrer neuen Freiheit. Die&#13;
Menschen gingen zum Checkpoint Charlie, wo die&#13;
Beamten der US-Botschaft hörten, wie sie von den&#13;
DDR-Grenzbeamten zurückgeschickt wurden. Sie&#13;
benötigten ein Visum - so die Grenzbeamten - um die&#13;
Grenze nach Westberlin überqueren zu können.&#13;
In der US-Botschaft waren Botschaftsrat Jon Greenwald und seine politische Abteilung fieberhaft mit der&#13;
Berichterstattung über die neuen Entwicklungen&#13;
beschäftigt. Ich telefonierte mit dem Lagezentrum,&#13;
dem Lageraum des Weißen Hauses und unseren&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Kollegen in der Außenstelle der US-Botschaft in&#13;
Westberlin.&#13;
Als ich um etwa 22.00 Uhr die Botschaft verließ und&#13;
nach Hause fuhr, kam ich am Checkpoint Bornholmerstraße vorbei, einer nach Westberlin führenden&#13;
Brücke. Dort hatte sich eine kleine Gruppe von&#13;
Demonstranten versammelt, die verlangten, daß sie&#13;
entsprechend der Erklärung von Schabowski in den&#13;
Westen dürften.&#13;
Auf der anderen Seite des Checkpoint in Westberlin&#13;
wartete ein Kamerateam des Fernsehens auf den&#13;
ersten Durchbruch der Berliner Mauer. Erst Monate&#13;
später erfuhr ich durch Gespräche mit meinen Nachbarn, daß die ostdeutschen Wachposten sich ein&#13;
Visum auf das Paßbild in ihren Ausweisen gestempelt&#13;
hatten. Man erwartete allgemein, daß sie nie zurückkehren würden.&#13;
Niemand rechnete jedoch mit der Macht des&#13;
Fernsehens. Ohne zu wissen, daß diese Menschen&#13;
tatsächlich von den Wachposten ausgewiesen worden&#13;
waren, filmte das Kamerateam ihre Ankunft in Westberlin als freie Menschen. Fast gleichzeitig gingen in&#13;
meiner Nachbarschaft in Pankow die Lichter an, und&#13;
ein Menschenstrom bewegte sich auf die Kontrollpunkte an der Grenze zu.&#13;
In einer dramatischen Konfrontation setzten sich die&#13;
Menschen über die Forderung der DDR-Regierung&#13;
nach Visa hinweg und gingen in die Freiheit. Die&#13;
Berliner Mauer, die Europa und die Welt nahezu&#13;
dreißig Jahre lang geteilt hatte, war endlich gefallen.&#13;
Trotz ihrer Versuche, ein Visum zu fordern (und ihrer&#13;
Bestrebungen, in den kommenden Tagen Millionen&#13;
Visa auszustellen) gewann die DDR nie wieder ihre&#13;
Autorität zurück. Bis zu ihrem Ende dauerte es dann&#13;
nicht mehr lange.&#13;
Im März 1990 wurden freie Wahlen abgehalten. Die&#13;
Kommunisten wurden endgültig entmachtet, und die&#13;
Volkskammer erhielt ein Mandat für die Vereinigung&#13;
Deutschlands. Am 3. Oktober 1990 war Deutschland&#13;
wieder vereint.&#13;
Ebenso wie meine Kollegen war ich von den Ereignissen dieser unvergeßlichen Nacht aufgewühlt. An&#13;
die langfristigen Auswirkungen dachte jedoch damals&#13;
noch keiner von uns.&#13;
Der Beginn einer neuen Ära&#13;
Die Vereinigung stellte für Deutschland den großartigsten Augenblick seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs&#13;
dar. Der Erfolg bei der Schaffung von Demokratie und&#13;
Wohlstand in der alten Bundesrepublik wurde durch&#13;
die demokratische Revolution von 1989 in Ostdeutschland gestärkt. Es war ein äußerst zufriedenstellender&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Moment für die Amerikaner, die nach dem Zweiten&#13;
Weltkrieg so viel in das deutsche Experiment mit der&#13;
Demokratie investiert hatten. Als ich Deutschland&#13;
1990 verließ, tat ich das mit dem Gefühl, daß die&#13;
Amerikaner stolz auf das von uns Erreichte sein&#13;
können.&#13;
Im November 1989 waren die Vereinigten Staaten in&#13;
den beiden deutschen Staaten durch zwei Botschaften, eine Außenstelle in Westberlin, sechs Konsulate&#13;
und acht Kulturzentren des US-Informationsamts&#13;
(USIS) in Form von Amerika Häusern vertreten.&#13;
Insgesamt waren dort 2.000 Mitarbeiter beschäftigt.&#13;
Bereits 1990 hatte ich mit meinem Amtskollegen in der&#13;
US-Botschaft in Bonn, George Ward, und seinem&#13;
Gesandten-Botschaftsrat für administrative Angelegenheiten, Harry Geisel, an der Konsolidierung unserer&#13;
Vertretung in den beiden deutschen Staaten gearbeitet, die zu einer neuen geeinten Republik verschmolzen. Als die DDR nicht mehr existierte und die&#13;
Verantwortung der Berliner Außenstelle der USBotschaft für Besatzung und Schutz der westlichen&#13;
Hälfte der geteilten Stadt endete, wurden die beiden&#13;
Einrichtungen geschlossen und eine neue, kleinere,&#13;
umstrukturierte Außenstelle Berlin wurde gegründet.&#13;
Wir warteten auf eine Entscheidung von deutscher&#13;
Seite. Würde die Regierung in Bonn bleiben oder nach&#13;
Berlin umziehen?&#13;
Die Antwort kam am 20. Juni 1991, als der Bundestag&#13;
für Berlin als Sitz der Regierung der nach der Vereinigung entstandenen neuen Republik stimmte.&#13;
Nachdem diese Entscheidung getroffen worden war,&#13;
begannen wir eine Neuorganisation größeren Stils&#13;
unserer diplomatischen Präsenz in Deutschland.&#13;
Diese Reorganisation wurde von vier Botschaftern&#13;
fortgesetzt: Vernon Walters, Robert Kimmitt, Richard&#13;
Holbrooke und Charles Redman.&#13;
Im Herbst 1992 beschäftigte ich mich als Direktor der&#13;
Abteilung für mitteleuropäische Angelegenheiten im&#13;
US-Außenministerium erneut mit deutschen Angelegenheiten. In dieser Position arbeitete ich eng mit Don&#13;
Hays, dem Botschaftsrat für administrative Angelegenheiten, zusammen, der ein Programm zur Verschlankung unserer Konsulate entwarf.&#13;
Zusammen mit der amerikanischen Bundesbaubehörde handelten wir ein Liegenschaftsabkommen für die&#13;
Botschaft in Berlin über Wohnraum, Büroräume und&#13;
Verwaltungseinrichtungen aus. Don Hays führte einen&#13;
Plan für die Konsolidierung der regionalen Unterstützungselemente in Frankfurt durch.&#13;
Die Kommunikationseinrichtungen in allen Dienststellen wurden vollkommen umgewandelt.&#13;
Die&#13;
verbleibenden Konsulatsmitarbeiter waren entlastet&#13;
&#13;
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&#13;
�und konnten wieder die wesentliche Arbeit leisten:&#13;
Hilfestellung, Analyse, Berichterstattung und Repräsentation.&#13;
Planung einer neuen Botschaft&#13;
Wir wußten, daß das Ende des Kalten Krieges zu&#13;
Veränderungen führen würde, vor allem in Deutschland. Bis zur Haushaltskrise von 1995 und den daraus&#13;
resultierenden Finanz- und Personalkürzungen hatten&#13;
wir gehofft, daß die von mir bis jetzt beschriebenen&#13;
Schritte ausreichen würden. Das war nicht der Fall.&#13;
Angesichts der neuen finanziellen Gegebenheiten&#13;
begannen wir eine scheinbar endlose Reihe von&#13;
Überprüfungen, Treffen, Mitarbeiterkonsultationen und&#13;
Managementinitiativen. Alle waren gekennzeichnet&#13;
von Offenheit und der Bereitschaft zur Entwicklung&#13;
eines neuen Modells für Stellenbesetzungen, das wir&#13;
"Botschaft 2000" nennen.&#13;
Nach zähen behördenübergreifenden Verhandlungen&#13;
konnte Botschafter Redman im Juni 1996 unseren&#13;
Plan vorlegen. Dieser sah die Schließung von einem&#13;
Generalkonsulat, zwei Amerika Häusern von USIS&#13;
sowie die Abschaffung von mehr als 150 Stellen für&#13;
Amerikaner und Ortskräfte vor.&#13;
Landesweit hat sich das Botschaftspersonal seit 1990&#13;
bereits um ein Drittel auf 1.400 Mitarbeiter verringert.&#13;
Diese Zahl wird sich in den nächsten vier Jahren bei&#13;
ungefähr 900 einpendeln. Wenn die Amerikanische&#13;
Botschaft in Berlin fertiggestellt ist, wird sie insgesamt&#13;
rund 280 Beschäftigte haben, ein Drittel der auf dem&#13;
Höhepunkt des Kalten Krieges bei der Botschaft in&#13;
Bonn Tätigen.&#13;
Das Ergebnis: Eine umstrukturierte, von einem&#13;
Team geleitete Botschaft&#13;
In einem Artikel der Juli/August-Ausgabe von Foreign&#13;
Affairs verweisen der ehemalige Außenminister&#13;
Lawrence S. Eagleburger und der frühere Botschafter&#13;
in Indonesien, Robert L. Barry, darauf, daß der Haushalt für internationale Angelegenheiten seit 1984 in&#13;
realen Zahlen um über die Hälfte gesunken ist und der&#13;
Trend nach unten anhält. Wenn wir weiterhin einen&#13;
effektiven auswärtigen Dienst haben wollen, müssen&#13;
wir unsere dauerhafte Relevanz sicherstellen.&#13;
Das ist eine Überlebensfrage für die amerikanische&#13;
Diplomatie im 21. Jahrhundert. Außenminister Christopher erklärte: "Die wichtigsten Themen, (mit denen&#13;
sich die Vereinigten Staaten konfrontiert sehen,) sind&#13;
nicht bilaterale, sondern transnationale Themen." Im&#13;
Einklang mit der Denkweise des Außenministers&#13;
beabsichtigen wir, die Botschaft Berlin zu einer&#13;
Botschaft mit vielen unter einem Dach untergebrachten&#13;
Behörden unter der dem Botschafter vom Präsidenten&#13;
verliehenen Amtsgewalt zu machen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
Eine erfolgreiche Umstrukturierung erfordert, daß der&#13;
Botschafter alle Behörden in der Botschaft koordiniert nicht nur das Außenministerium.&#13;
Um nochmals&#13;
Eagleburger und Barry zu zitieren: "Der erfolgreiche&#13;
Botschafter würde alle Mauern zwischen den einzelnen Behörden niederreißen, Teams bilden, die&#13;
entsprechend der sich verändernden Umstände&#13;
wechseln und eine schlanke, erfolgsorientierte Organisation schaffen."&#13;
Unter meinen Vorgängern und mir hat die Amerikanische Botschaft Bonn hart gekämpft um sicherzustellen, daß die Amtsgewalt des Botschafters für alle&#13;
Behörden effektiv zum Tragen kommt. Wir begannen,&#13;
die Zusammenarbeit zwischen den Behörden durch&#13;
die Einrichtung von Teams zu formalisieren, die&#13;
Kontakte koordinieren, die Berichterstattung verbessern, Empfänge planen und das Eintreten für die&#13;
amerikanische Politik fördern sollen.&#13;
Wir haben bereits früh ein behördenübergreifendes&#13;
Team gebildet um herauszufinden, wie alle Elemente&#13;
dieser verzweigten Botschaft besser zusammenarbeiten könnten. Unsere über dreißig Behörden&#13;
haben sehr unterschiedliche Funktionen, aber sie alle&#13;
sind zur Erlangung unserer wichtigsten außenpolitischen Ziele hier vertreten.&#13;
Die Teams der Botschaft Bonn, wie das RußlandTeam, sind aus mehreren Behörden zusammengesetzt. Sie bereiten Veranstaltungen vor und koordinieren die Berichterstattung (einschließlich getrennter&#13;
Berichte und des Inputs von unseren Konsulaten).&#13;
Das Gebäude sendet die Botschaft&#13;
Das Team-Konzept hat unseren Entwurf für das neue&#13;
Botschaftsgebäude in Berlin maßgeblich beeinflußt.&#13;
Es wird Mehrzweckbereiche haben, die den sich&#13;
wandelnden Bedürfnissen der Öffentlichkeit, der&#13;
Medien und der Mitarbeiter der US-Regierung gerecht&#13;
werden.&#13;
Unsere Bestrebungen zur Förderung amerikanischer&#13;
Unternehmen in Ostdeutschland sind ein gutes&#13;
Beispiel. Im Rahmen dieser Bestrebungen haben wir&#13;
in den vergangenen zwei Jahren Wirtschaftskonferenzen in Berlin, Leipzig, Weimar-Erfurt und Potsdam&#13;
veranstaltet. In Zukunft werden solche, vom Team für&#13;
Handels- und Unternehmensförderung - das aus der&#13;
Wirtschaftsabteilung des US-Außenministeriums, der&#13;
Handelsabteilung des Wirtschaftsministeriums, dem&#13;
Büro für gemeinsame Verteidigungsangelegenheiten,&#13;
dem US-Informationsamt und anderen Behörden&#13;
besteht - organisierten Aktivitäten in den öffentlichen&#13;
Konferenzeinrichtungen unserer neuen Berliner&#13;
Botschaft stattfinden.&#13;
Während die äußere Gestaltung der neuen Botschaft&#13;
modern und schlicht ist und sich in ihre Umgebung am&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Brandenburger Tor einfügt, ist es das Innere, durch&#13;
das sich das Gebäude wirklich abhebt. Wir machten&#13;
unser Konzept für die Umstrukturierung unserer&#13;
Funktionsweise zur logischen Grundlage für die&#13;
Gestaltung des Innenraums der Botschaft.&#13;
Die Schlüsselelemente der Botschaft werden in&#13;
funktionelle Büroeinheiten unterteilt: Wirtschafts-/&#13;
Finanz-/Wissenschafts-/Arbeits-/Handelsabteilung;&#13;
Politisch-militärisches Verbindungsbüro sowie Strafverfolgungsorganisationen. Die gemeinsame Unterbringung der Teams in Büroeinheiten gestattet uns die&#13;
Maximierung der Anzahl der berichterstattenden&#13;
Regierungsvertreter bei gleichzeitiger gemeinsamer&#13;
Nutzung des administrativen Mitarbeiterstabs und der&#13;
Konferenzeinrichtungen.&#13;
In der Verwaltung der Botschaft wird es einen "service&#13;
court" geben, in dem die Dienstleistungen für die&#13;
Mitarbeiter bequem und effizient zusammen untergebracht sind. Die Verwaltungsabteilung befindet sich&#13;
auf einem Stockwerk, wodurch die Unterstützung und&#13;
Aufsicht erleichtert wird.&#13;
Das wahrscheinlich dramatischste Element in der&#13;
Struktur der neuen Botschaft sind die Empfangs- und&#13;
Veranstaltungsräume. Die Architekten, Moore Ruble&#13;
Yudell Architects and Planners, ergriffen in Zusammenarbeit mit Gruen Associates die einzigartige&#13;
Gelegenheit zur Bereitstellung von repräsentativen&#13;
Räumlichkeiten im Gebäude in dem riesigen und&#13;
verkehrsreichen Stadtzentrum von Berlin. Sie entwarfen Repräsentationsräume im obersten Geschoß mit&#13;
einem herrlichen Blick auf das Brandenburger Tor und&#13;
den Reichstag. Diese Räume werden von hochrangigen amerikanischen Regierungsvertretern und&#13;
Unternehmern für die Förderung amerikanischer&#13;
Interessen genutzt.&#13;
Nach ihrer Fertigstellung wird die neue Botschaft ein&#13;
Gebäude sein, das wirklich die Botschaft verkörpert,&#13;
die wir senden wollen. Auf deutsch hat das Wort&#13;
"Botschaft" zweifache Bedeutung. Die Flexibilität der&#13;
neuen Struktur wird dazu beitragen, daß der Botschafter die Flexibilität zur effektiven Verbreitung&#13;
unserer Botschaft hat.&#13;
&#13;
Zusätzlich zu den physischen Eigenschaften des&#13;
Gebäudes gibt es auch gute Nachrichten für den&#13;
amerikanischen Steuerzahler.&#13;
Das Projekt wird&#13;
hauptsächlich aus dem Verkauf von Immobilienbeständen der Vereinigten Staaten in Berlin und&#13;
Deutschland finanziert.&#13;
Schlußbemerkung&#13;
In Deutschland streben wir eine neue Art von auswärtiger Vertretung an. Wir möchten eine Botschaft&#13;
schaffen, die nicht nur ein großes Bundesgebäude mit&#13;
einem Konglomerat von Behörden ist. Es wird eine&#13;
straff organisierte, vollständig integrierte Botschaft&#13;
sein: Ein Ort, an dem der amerikanische Steuerzahler,&#13;
der amerikanische Tourist, Geschäftsmann oder&#13;
Rentner alles für sein Geld unter einem Dach findet.&#13;
Wir nutzten die Notwendigkeit des Umzugs nach Berlin&#13;
mit der Bundesregierung, um neue Strukturen aufzubauen - Strukturen, die - wie wir hoffen - als Modell&#13;
für andere dienen können. Mit der Notwendigkeit von&#13;
Veränderung konfrontiert, haben wir uns entschlossen,&#13;
nicht nur zu reagieren, sondern die Zukunft zu antizipieren und zu gestalten.&#13;
Das Ergebnis - die Botschaft Berlin - wird in Kürze&#13;
neben dem Brandenburger Tor im historischen und&#13;
zukünftigen Herzen der deutschen Hauptstadt entstehen.&#13;
Wenige von uns - inklusive mir - haben die Veränderungen in unseren Beziehungen zu Deutschland&#13;
vorausgesehen, die an jenem dramatischen Abend vor&#13;
nur sieben Jahren begannen. Aber Präsident Clinton&#13;
hat den Berlinern 1994 versprochen, "Amerika steht an&#13;
Ihrer Seite, jetzt und für immer", ebenso wie wir die&#13;
Demokratie in Deutschland während des letzten&#13;
halben Jahrhunderts unterstützt haben. Das bedeutet,&#13;
daß wir bereit sein müssen - und ich bin zuversichtlich,&#13;
daß wir bereit sein werden - diese Unterstützung der&#13;
Demokratie vom Pariser Platz aus fortzusetzen.&#13;
Das Jahr 1996 markiert den Höhepunkt der Planung&#13;
für unsere Umstrukturierung. Ihre Umsetzung ist&#13;
jedoch ein andauernder Prozeß, während wir versuchen, die Erfordernisse des 21. Jahrhunderts zu&#13;
antizipieren.&#13;
&#13;
* * * *&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
�USA-DEUTSCHLAND&#13;
30. Oktober 1996&#13;
&#13;
Deutsch-amerikanische Beziehungen&#13;
und die Weltwirtschaft&#13;
Rede der Gesandten Janice Bay&#13;
&#13;
KÖLN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Janice Bay, Gesandte der Botschaft der Vereinigten&#13;
Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, am 9. Oktober 1996 beim Bergneustädter Forum der&#13;
Friedrich-Ebert-Stiftung im Amerika Haus Köln gehaltene Rede.&#13;
&#13;
Ich freue mich, heute nachmittag hier zu sein.&#13;
Wir sehen uns heute einer von Wandel und Unsicherheit gekennzeichneten Welt gegenüber. Der Kalte&#13;
Krieg ist Geschichte. Die Sowjetunion und der Eiserne&#13;
Vorhang existieren nicht mehr.&#13;
Deutschland ist&#13;
vereint, und dasselbe gilt auch in zunehmendem Maße&#13;
für Europa.&#13;
Das ist gut so. Aber Frieden und Wohlstand sind&#13;
immer noch nicht sicher. Der Fortschritt kann sich&#13;
sohneil verbreiten - aber Probleme auch. Es dauerte&#13;
Jahre, bis der Zusammenbruch an der Wall Street&#13;
1929 zu einer weltweiten wirtschaftlichen Katastrophe&#13;
wurde. Heute kann eine Wirtschaftskrise in Mexiko die&#13;
Welt innerhalb weniger Stunden erschüttern.&#13;
Während des Kalten Krieges stand die Sicherheit an&#13;
erster Stelle.&#13;
Die überragende Bedrohung hielt&#13;
wirtschaftliche Konflikte unter Kontrolle. Das ist nicht&#13;
mehr der Fall.&#13;
Unsere heutige außenpolitische Herausforderung&#13;
besteht darin, unsere beständigen Ziele Frieden und&#13;
Wohlstand an diese neue Welt anzupassen. Wir&#13;
haben gesehen, daß zunehmender Wohlstand Frieden&#13;
und Fortschritte zu Demokratie fördert.&#13;
Es bestehen haushaltspolitische Engpässe. Wir alle&#13;
dürfen uns weniger auf die traditionelle Politik der&#13;
Wirtschaftshilfe verlassen und müssen uns stärker auf&#13;
die Förderung von Auslandsinvestitionen, Wirtschaftsreformen und regionaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit konzentrieren.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
Wirtschaftliche Zusammenarbeit war von entscheidender Bedeutung für den Friedensvertrag zwischen Israel&#13;
und seinen arabischen Nachbarn und wird letzten&#13;
Endes der Schlüssel zu seinem Erfolg sein.&#13;
In den vergangenen Jahren hat sich im Nahen Osten&#13;
ein bemerkenswerter Wandel vollzogen. Die Menschen sehen, daß wirtschaftliche Entwicklung und&#13;
starke, grenzüberschreitende Wirtschaftsbeziehungen&#13;
für den Frieden in der Region notwendig sind.&#13;
Wirtschaftsfaktoren können somit die Diplomatie&#13;
effektiver gestalten.&#13;
Wir in den Vereinigten Staaten lehnen Protektionismus&#13;
ab, bestehen aber auf offenen Märkten.&#13;
Amerikanische Unternehmen haben einen grundlegenden Strukturwandel durchlaufen. Arbeitgeber und&#13;
Arbeitnehmer litten gleichermaßen darunter. Um zu&#13;
überleben, waren die Unternehmen gezwungen, sich&#13;
an den entstehenden Weltmarkt anzupassen.&#13;
Am Ende hat jedoch dieser Strukturwandel die amerikanischen Firmen noch konkurrenzfähiger gemacht,&#13;
insbesondere in der Hightechindustrie und in hochwertigen Dienstleistungssektoren.&#13;
Die Vereinigten Staaten fürchten sich nicht vor Globalisierung. So schmerzlich sie auch sein mag, schafft sie&#13;
Chancen für Wachstum, eine bessere Arbeitsteilung,&#13;
mehr Kostenersparnisse durch optimale Betriebsvergrößerungen sowie bessere Produkte und Dienstleistungen. Ferner fördert sie Modernisierung und&#13;
Demokratisierung.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Freier Marktzugang ist von entscheidender Bedeutung.&#13;
Die Marktöffnung ist der Grundstein unserer Handelspolitik.&#13;
Globalisierung bedeutet nicht Anarchie. Wir benötigen&#13;
Institutionen für die Lenkung des Wandels. Wir&#13;
müssen eine Wirtschaftsarchitektur für die Zeit nach&#13;
dem Kalten Krieg schaffen.&#13;
Wir haben neue internationale Wirtschaftsinstitutionen&#13;
wie die WTO und das NAFTA ins Leben gerufen.&#13;
Wir setzen uns für die Förderung eines offeneren&#13;
Handels- und Investitionsklimas ein. Wir arbeiten an&#13;
der Reform und Stärkung internationaler Wirtschaftsinstitutionen.&#13;
Die Europäische Union ist für uns ein natürlicher&#13;
Partner bei diesen Bestrebungen. Wir wissen, daß die&#13;
Europäische Union großen Herausforderungen&#13;
begegnen muß, die wahrscheinlich zu einer Umgestaltung ihrer Institutionen, Funktionsweise und Identität&#13;
führen werden.&#13;
Ich bin optimistisch, daß diese Herausforderungen&#13;
bewältigt werden. Die Vereinigten Staaten haben den&#13;
Prozeß der europäischen Integration in den letzten 50&#13;
Jahren unterstützt. Wir haben konsequent erklärt, daß&#13;
ein starkes Europa ein starkes Amerika bedeutet.&#13;
Ich kann nicht über die deutsch-amerikanischen&#13;
Wirtschaftsbeziehungen sprechen, ohne sie in einen&#13;
europäischen Kontext einzuordnen. Ich möchte jedoch&#13;
auch über unsere bilateralen Beziehungen sprechen.&#13;
Die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit kann zu&#13;
einer offeneren EU beitragen.&#13;
Als wichtigste&#13;
Wirtschafts- und Finanzmacht der EU spielt Deutschland eine wichtige Rolle dabei, die EU auf einem Kurs&#13;
der Offenheit zu halten. Wir Amerikaner sind gemeinsam mit Deutschland Anhänger von freien Märkten,&#13;
ungehindertem Wettbewerb sowie freiem Handels- und&#13;
Investitionsfluß.&#13;
Das ist bedauerlicherweise nicht bei alle Mitgliedern&#13;
der EU der Fall. Manche befürworten handelsverzerrenden Interventionismus und orientieren sich mehr in&#13;
Richtung Protektionismus. Diese Spaltung erschwert&#13;
manchmal den Umgang mit der EU als Ganzem. Die&#13;
deutsch-amerikanische Zusammenarbeit kann bei der&#13;
Entschärfung der Spannungen ein hilfreiches Werkzeug sein.&#13;
Bei vielen Fragen verfolgen Deutschland und Amerika&#13;
dieselben Ziele: Wir lehnen beide Quoten für Filme und&#13;
Fernsehprogramme ab; wir haben beide das protektionistische Bananenregime der EU bekämpft; wir haben&#13;
ein bilaterales ziviles Luftverkehrsabkommen geschlossen, das den Luftverkehr zwischen unseren&#13;
beiden Ländern stark ausweitet.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Wir haben jedoch unsere Probleme. Es gibt immer&#13;
noch einige staatlich geschützte Märkte. Es gibt immer&#13;
noch Monopole und wettbewerbsschädigende Vorschriften. In manchen Bereichen wird der Wettbewerb&#13;
immer noch ausgeschaltet, und privilegierte Anbieter&#13;
sind die Norm.&#13;
Solche Hindernisse sind für ausländische Zulieferer&#13;
oftmals unüberwindlich. Ein Beispiel ist der deutsche&#13;
Markt für Energieausrüstung und Stromerzeugung.&#13;
Konkurrenzfähige&#13;
amerikanische&#13;
Unternehmen&#13;
konnten häufig keine Vertragsabschlüsse tätigen,&#13;
ungeachtet dessen, wie attraktiv ihr Angebot war.&#13;
Letztlich zahlen die Verbraucher den Preis für ein&#13;
solches Verhalten.&#13;
Das behindert internationale Zusammenarbeit. Es&#13;
erschwert internationale Partnerschaften und ausländische Direktinvestitionen. Es beschränkt den Marktzugang.&#13;
Abgeschottete Märkte schließen nicht nur ausländische Wettbewerber aus, sondern verlangsamen&#13;
auch Innovationen. Sie verhindern bessere Preise und&#13;
wettbewerbsfähigere Dienstleistungen. Sie verringern&#13;
die Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben im Bereich der Stromerzeugung intensiv mit der Bundesregierung zusammengearbeitet. Jetzt sind wir optimistisch, daß&#13;
auch dieser Sektor für den Wettbewerb geöffnet wird.&#13;
Die jüngsten Erfahrungen in Deutschland unterstreichen das.&#13;
Nach der Privatisierung werden&#13;
Unternehmen im Transport-, Telekommunikations- und&#13;
Energiesektor immer preisbewußter. Sie suchen si«h&#13;
das beste Angebot heraus. Das Preisniveau sinkt.&#13;
Amerikanische Unternehmen spielen ebenfalls eine&#13;
wichtige Rolle. Sie bieten niedrige Preise, ausgezeichnete Qualität und Dienstleistungen der Spitzenklasse.&#13;
Ich habe einige Problembereiche angesprochen. Im&#13;
Grunde genommen sind die Wirtschaftsbeziehungen&#13;
zwischen Europa und den Vereinigten Staaten jedoch&#13;
solide.&#13;
Europa ist unser größter und wichtigster Wirtschaftspartner. Amerikanische Exporte in die Europäische&#13;
Union belaufen sich jährlich auf 130 Milliarden Dollar mehr als doppelt so viel wie unsere Exporte nach&#13;
Japan.&#13;
Diese Statistiken sind jedoch nur ein Teil der Geschichte. Die meisten internationalen Geschäfte&#13;
werden durch Investitionen auf ausländischen Märkten&#13;
abgewickelt - nicht durch Exporte von Gütern und&#13;
Dienstleistungen. Der jährliche Absatz amerikanischer&#13;
Niederlassungen im Ausland übersteigt 1,6 Billionen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
�Dollar. Mehr als die Hälfte dieser Verkäufe werden in&#13;
Europa abgewickelt.&#13;
Die Vereinigten Staaten sind der größte ausländische&#13;
Investor in Deutschland und der größte Investor in den&#13;
neuen Bundesländern. Deutschland ist der zweitgrößte europäische Investor in den Vereinigten&#13;
Staaten.&#13;
Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union&#13;
sind der größte Investor im jeweils anderen Land jeder investierte ungefähr 270 Milliarden Dollar beim&#13;
anderen. Das ist mehr als die Hälfte der amerikanischen Direktinvestitionen im Ausland - 40 Prozent&#13;
mehr als in Lateinamerika und Asien zusammengenommen.&#13;
Investitionen schaffen Arbeitsplätze auf beiden Seiten&#13;
des Atlantiks. Amerikanische Firmen beschäftigen drei&#13;
Millionen Europäer. Europäische Unternehmen haben&#13;
eine ähnlich hohe Zahl amerikanischer Angestellter.&#13;
Die amerikanischen Vermögenswerte in Europa&#13;
betragen insgesamt eine Billion Dollar - weit mehr als&#13;
unsere 200 Milliarden Dollar in Asien.&#13;
Insgesamt beläuft sich der amerikanisch-europäische&#13;
Handel auf 1,7 Billionen Dollar. Das sind nahezu 50&#13;
Prozent mehr als unser Handelsvolumen im pazifischen Raum.&#13;
&#13;
Diese Arbeitsgruppen haben eine Reihe von Empfehlungen abgegeben, die das Fundament für das&#13;
nächste Treffen im November in Atlanta sein werden.&#13;
Dies ist ein evolutionärer Ansatz auf der Grundlage&#13;
des Prinzips, einen Schritt nach dem anderen zu&#13;
machen. Unser langfristiges Ziel bleibt jedoch die&#13;
Integration der Volkswirtschaften Europas und Nordamerikas im Einklang mit den Prinzipien der WTC1.&#13;
Während wir an der Integration unserer transatlantischen Volkswirtschaften arbeiten, sollten wir nicht&#13;
unsere globale Verantwortung vernachlässigen. Die&#13;
Vereinigten Staaten bleiben der Ausweitung des&#13;
Welthandelssystem im Rahmen der WTO verpflichtet.&#13;
Schließlich sind die meisten wichtigen multinationalen&#13;
Unternehmen amerikanische Firmen. Die meisten von&#13;
ihnen globalisieren ihre Produktion auf eine Art und&#13;
Weise, die eine Liberalisierung des Handels in vielen&#13;
Ländern gleichzeitig erfordert.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben auch den offensten&#13;
Markt der Welt, was bedeutet, daß sie enorme Vorteile&#13;
aus multilateralen Verpflichtungen ziehen. Es ist für&#13;
uns viel einfacher, wenn jeder umgehend die Landwirtschaftsquoten oder das Verfahren für öffentliche&#13;
Auftragsvergabe liberalisiert.&#13;
Die Anzeichen sind klar. Die Vereinigten Staaten,&#13;
Deutschland und jedes andere Land profitieren von&#13;
der Liberalisierung des Handels.&#13;
&#13;
Das ist eine solide Grundlage, auf der wir aufbauen&#13;
können. Wir sollten jedoch nicht selbstgefällig werden.&#13;
Ein verstärkter Rahmen für die transatlantischen&#13;
Wirtschaftsbeziehungen wird beim Umgang mit Druck&#13;
und Spannungen nützlich sein. Wie Außenminister&#13;
Warren Christopher letzten Monat in Stuttgart sagte,&#13;
sollten wir Fortschritte zu einem freien und offenen&#13;
transatlantischen Markt machen.&#13;
Als ersten Schritt in diese Richtung initiierten der&#13;
verstorbene Wirtschaftsminister Ron Brown und EUHandelskommissar Sir Leon Brittan den transatlantischen Wirtschaftsdialog (Transatlantic Business&#13;
Dialogue - TABD).&#13;
Der TABD ist eine staatlich geförderte Initiative,&#13;
Wirtschaftsgemeinschaften auf beiden Seiten des&#13;
Atlantiks zur Förderung von Handel und Investitionen&#13;
zusammenzubringen.&#13;
Bei der ersten Konferenz&#13;
führender europäischer und amerikanischer Wirtschaftsvertreter in Sevilla vergangenen November&#13;
wurden vier Studiengruppen gegründet. Sie befaßten&#13;
sich mit spezifischen Problemen: Produktnormen und&#13;
Zertifizierung, offene Investitionen, Liberalisierung des&#13;
Handels und einem gemeinsamen Ansatz zu Wettbewerbspolitik und Vorschriften.&#13;
&#13;
Das WTO-Ab-&#13;
&#13;
kommen ist tatsächlich eine Investition in langfristiges&#13;
Wachstum. Wir können das am enormen Wachstum&#13;
unserer Exporte in die WTO-Mitgliedstaaten sehen.&#13;
Seit der Gründung der WTO vor nahezu zwei Jahren&#13;
sind die amerikanischen Exporte schnell angestiegen.&#13;
Wir haben immer noch ein Handelsdefizit, aber es ist&#13;
während des letzten Jahrzehnts um nahezu zwei&#13;
Drittel des Bruttoinlandsprodukts gesunken.&#13;
Die Handelsbilanz ist natürlich nicht der Maßstab für&#13;
unsere handelspolitische Konkurrenzfähigkeit oder&#13;
unseren wirtschaftlichen Erfolg. Ausländische Handelshemmnisse beeinflussen unsere Handelsbilanz.&#13;
Wir sind jedoch bereit, diese Hemmnisse entschlossen&#13;
anzugehen.&#13;
Man beschuldigt uns zwar weiterhin unilateraler&#13;
amerikanischer Vorgehensweise im Bereich des&#13;
Handels, aber wir verlassen uns in zunehmendem&#13;
Maße auf den multilateralen Schlichtungsmechanismus der WTO, um unsere berechtigten Interessen&#13;
geltend zu machen. Wir haben ihn in 17 Fällen&#13;
zugezogen - mehr als jedes andere Land. Wir haben&#13;
gewonnen und verloren, und wir haben die Entscheidungen des WTO-Gremiums akzeptiert.&#13;
Lassen Sie mich eine Vorschau auf das WTO-Ministertreffen in Singapur geben. Die Tagesordnung ist lang.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Erstens müssen wir existierende Abkommen umsetzen. Wir müssen Fortschritte bei der Durchsetzung&#13;
der Verringerung von Agrarsubventionen machen. Wir&#13;
müssen die notwendigen Mechanismen für den Schutz&#13;
von pharmazeutischen Patenten schaffen.&#13;
Zweitens müssen wir auch die unerledigten Aufgaben&#13;
der Uruguay-Runde bei Telekommunikation, Seefahrt&#13;
und Finanzdienstleistungen angehen.&#13;
Wir haben die vollständige Öffnung unseres Marktes&#13;
für Telekommunkationsdienstleistungen abgeboten,&#13;
wenn wir im Gegenzug entsprechende Zusagen von&#13;
Seiten unserer Handelspartner erhalten. Wir werden&#13;
jedoch keine offenkundig protektionistische Politik&#13;
tolerieren.&#13;
Drittens wird es auf der Tagesordnung in Singapur&#13;
auch einige neue Punkte geben. Wir hoffen auf&#13;
spezifische Empfehlungen dazu, wie Regierungen eine&#13;
solide Umweltpolitik verfolgen können. Gleichzeitig&#13;
wollen wir nicht, daß umweltpolitische Vorschriften zu&#13;
verstecktem Protektionismus werden.&#13;
Arbeitsnormen gehören ebenfalls zu den neuen&#13;
Fragen.&#13;
Dem WTO-Abkommen zufolge sollten&#13;
Handelsbeziehungen mit Blick auf steigenden Lebensstandard und bessere soziale Bedingungen unterhalten werden. Wir lehnen jedoch die Benutzung von&#13;
Lohnsätzen oder Lohnkosten als neue Rechtfertigung&#13;
für protektionistische Maßnahmen ab.&#13;
Wir befürworten bestimmte grundlegende Normen.&#13;
Dazu zählen Koalitionsfreiheit, das Recht auf Tarifverhandlungen, ein Ende der Ausbeutung durch&#13;
Kinderarbeit und das Verbot von Zwangsarbeit. Wir&#13;
teilen diese Prinzipien mit unseren Verbündeten in&#13;
Europa.&#13;
Viertens werden wir Wettbewerb und Investitionspolitik&#13;
erörtern. In der OECD wurde eine Menge nützlicher&#13;
Arbeit zu Investitionen geleistet. Wir sollten in der&#13;
WTO keine Arbeit in Angriff nehmen, die von den&#13;
Verhandlungen über ein multilaterales Investitionsabkommen in der OECD ablenken oder diese unterminieren könnte.&#13;
Ergänzende Arbeit wäre jedoch&#13;
nützlich.&#13;
Das gilt auch für die Wettbewerbspolitik. Es steht&#13;
außer Frage, daß wettbewerbsschädigendes Verhalten negative grenzüberschreitende Auswirkungen hat.&#13;
Aber Zusammenarbeit bei der Wettbewerbspolitik ist&#13;
eine komplizierte technische Übung, die am besten&#13;
den erfahrenen Wettbewerbsbehörden überlassen&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
wird, die unter der Schirmherrschaft der OECD&#13;
zusammenarbeiten.&#13;
Es besteht jedoch Raum für ein Paket zur Marktöffnung und Senkung der Zollsätze, auf das man sich in&#13;
Singapur einigen soll. Es sollte sich auf ein Abkommen über Informationstechnologie (Information&#13;
Technology Agreement - ITA) konzentrieren, das&#13;
gestaffelte Zollsenkungen von 1997 an bis zur vollständigen Abschaffung von Zöllen im Jahr 2000 bei&#13;
einer Vielzahl von Informationstechnologieprodukten&#13;
wie Multimedia-Computern und LAN-Ausrüstung&#13;
vorsieht. Das würde der Informationsinfrastruktur in&#13;
den beteiligten Ländern entscheidenden Auftrieb&#13;
geben.&#13;
Wir werden durch die Begeisterung unserer asiatischen Partner für unsere Initiative stark ermutigt. Wir&#13;
hoffen, daß die Europäische Union sich dem entstehenden Konsens über ein ITA anschließt.&#13;
Dies ist eine längst noch nicht vollständige Liste von&#13;
Themen, die in Singapur erörtert werden. Ich denke&#13;
jedoch, daß ich Ihnen ausreichende Beweise für die&#13;
Energie und Entschlossenheit gegeben habe, mit der&#13;
wir auf die Schaffung eines wirklich globalen Handels&#13;
drängen.&#13;
Wir wollen unseren Einfluß zur Förderung der strategischen Interessen nutzen, die wir mit Deutschland&#13;
gemein haben: Förderung demokratischer Werte,&#13;
Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen,&#13;
Umweltschutz und Menschenrechte.&#13;
Unsere engen bilateralen Beziehungen werden zur&#13;
Schaffung eines transatlantischen Marktes sowie eines&#13;
umfassenderen und effektiveren Welthandelssystems&#13;
beitragen. Das wird unseren beiden Ländern den&#13;
Umgang mit den Herausforderungen der Globalisierung ermöglichen.&#13;
In Zusammenarbeit haben wir einzigartigen Frieden&#13;
und Wohlstand geschaffen. Dies ist nicht die Zeit, den&#13;
Predigern von Protektionismus und Autarkie zuzuhören. Wir sind diesen Weg in den dreißiger Jahren&#13;
gegangen, und das Ergebnis war katastrophal.&#13;
Nein - dies ist eine Zeit für Engagement und Führung.&#13;
Gemeinsam haben wir die historische Chance, nicht&#13;
nur uns selbst, sondern der ganzen Menschheit zu&#13;
helfen.&#13;
Vielen Dank.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
�L A N D M I N EN&#13;
30. Oktober 1996&#13;
&#13;
Globales Verbot von Landminen oberste Priorität&#13;
der Clinton-Administration&#13;
Rede von Thomas McNamara&#13;
&#13;
OTTAWA - (AD) - Präsident Clinton hat ein globales Verbot von Antipersonenminen zur obersten Priorität der&#13;
Rüstungskontrolle erklärt, und die Vereinigten Staaten haben bereits signifikante unilaterale Restriktionen beim&#13;
Einsatz dieser Waffen eingeführt, äußerte der Abteilungsleiter für politisch-militärische Angelegenheiten im USAußenministerium, Thomas McNamara, am 3. Oktober 1996 in seiner Rede bei einer internationalen Konferenz&#13;
über dieses Thema in Ottawa.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Thomas McNamara im Wortlaut.&#13;
&#13;
Herr Vorsitzender,&#13;
die Vereinigten Staaten haben sich zu einem weltweiten Verbot von Antipersonenminen (anti-personnel&#13;
landmines - APL) verpflichtet. Es gibt zahlreiche&#13;
Beispiele aus den vergangenen Jahren, wie die&#13;
Vereinigten Staaten eine Führungsrolle dabei übernommen haben, die durch Antipersonenminen verursachte humanitäre Krise anzusprechen:&#13;
Dank der unermüdlichen Anstrengungen von Senator&#13;
Leahy und anderen gehörten die Vereinigten Staaten&#13;
zu den ersten Ländern, die im Oktober 1992 offiziell&#13;
ein unilaterales Moratorium für den Export von&#13;
Antipersonenminen verabschiedeten.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben seit 1993 in der UNGeneralversammlung jährlich Resolutionen eingebracht, die andere Staaten zur Verabschiedung von&#13;
Exportmoratorien und seit 1994 zur endgültigen&#13;
Abschaffung von Antipersonenminen auffordern und&#13;
damit das internationale Ziel gesetzt, die Welt von&#13;
diesen Waffen zu befreien.&#13;
Bei der UN-Generalversammlung im Jahr 1994&#13;
forderte der Präsident als ersten Schritt zur letztlichen&#13;
Beseitigung von Antipersonenminen die Staaten auf,&#13;
mit uns zusammen ein Abkommen zur Verringerung&#13;
der Anzahl und Verfügbarkeit von Antipersonenminen&#13;
abzuschließen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten nahmen dann Konsultationen&#13;
mit zahlreichen Staaten über die Einleitung von&#13;
Bestrebungen zur Kontrolle von Antipersonenminen&#13;
auf. Dies führte zu einer amerikanischen Initiative für&#13;
ein Kontrollprogramm zur Regelung der Produktion,&#13;
Lagerung und dem Transfer von Antipersonenminen.&#13;
Im Jahr 1995 koordinierten die Vereinigten Staaten&#13;
ihre Initiative für ein Kontrollprogramm mit einem&#13;
ähnlichen Vorschlag Großbritanniens. Über 30 Länder&#13;
nahmen im Juni 1995 an einem Treffen in Budapest&#13;
über diesen neuen Vorschlag teil. Diese Initiative hätte&#13;
die Bestrebungen der Überprüfungskonferenz der&#13;
Konvention über konventionelle Waffen (Konvention on&#13;
Conventional Weapons - CCW) ergänzt und darauf&#13;
aufgebaut.&#13;
Die Vereinigten Staaten waren maßgeblich an den&#13;
erfolgreichen Bestrebungen der Überprüfungskonferenz der Konvention über konventionelle Waffen&#13;
beteiligt, um die Restriktionen für den Einsatz und&#13;
Transfer von Landminen beträchtlich zu erhöhen.&#13;
Bedauerlicherweise enthält das überarbeitete Protokoll&#13;
nicht alle von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Verbesserungen wie einen Mechanismus für&#13;
Ermittlungen bezüglich der Einhaltung oder die&#13;
Anforderung zur Einhaltung bestimmter technischer&#13;
Bestimmungen ohne eine sogenannte "Übergangsperiode". Wir werden diese Probleme weiterhin im&#13;
Rahmen des überarbeiteten Protokolls oder in anderen&#13;
Foren ansprechen.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Schließlich haben die Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr über 40 Millionen Dollar zu Minenentschärfungsprogrammen in 14 Ländern beigesteuert&#13;
und waren in Zusammenarbeit mit den Vereinten&#13;
Nationen maßgeblich an der Organisation der internationalen Tagung über Minenräumung in Genf im&#13;
vergangenen Jahr beteiligt.&#13;
Aber wir müssen mehr tun. Nach intensiver Überprüfung gab Präsident Clinton am 16. Mai eine neue&#13;
Politik der Vereinigten Staaten zu Antipersonenminen&#13;
bekannt. Dies ist eine Priorität des Präsidenten bei der&#13;
Rüstungskontrolle. Gleichzeitig trägt die Politik der&#13;
Tatsache Rechnung, daß die Vereinigten Staaten eine&#13;
globale Macht mit essentiellen militärischen Erfordernissen und Verpflichtungen gegenüber ihren Verbündeten sind, die berücksichtigt werden müssen. Ich&#13;
möchte Ihnen einige Einzelheiten dieser Politik nennen.&#13;
Vor allem werden die Vereinigten Staaten aggressiv&#13;
ein globales Abkommen über ein Verbot für Einsatz,&#13;
Lagerung, Produktion und Transfer von Antipersonenminen mit der Absicht eines möglichst baldigen&#13;
Abschlusses der Verhandlungen anstreben. Alle&#13;
Nationen tragen die Verantwortung sicherzustellen,&#13;
daß unschuldige Zivilisten frei von der Gefahr von&#13;
Landminen leben können. Wir vertreten daher die&#13;
Auffassung, daß wir uns bei Aufnahme der Verhandlungen über Antipersonenminen auf ein Abkommen&#13;
über ein globales Verbot konzentrieren sollten. Die&#13;
Vereinigten Staaten könnten regionale Aktivitäten&#13;
unterstützen, die die Arbeit an einem globalen Verbot&#13;
ergänzen und im Einklang mit der Politik zu Antipersonenminen der Vereinigten Staaten stehen.&#13;
Die Vereinigten Staaten tragen jedoch auch eine&#13;
globale Verantwortung, zum Schutz von Freunden und&#13;
Verbündeten beizutragen, sich an friedenssichernden&#13;
Operationen zu beteiligen und zu gegebener Zeit auf&#13;
Krisen in instabilen Regionen zu reagieren. Diese&#13;
Verantwortung hat unsere Politik gestaltet. Beispielsweise sehen die Vereinigten Staaten die Sicherheitssituation auf der koreanischen Halbinsel als einzigartigen Fall an und werden bei der Aushandlung eines&#13;
Abkommens ihr Recht zum Einsatz von Antipersonenminen wahren, bis Alternativen zur Verfügung stehen&#13;
oder das Risiko der Aggression beseitigt worden ist.&#13;
Von jetzt bis zu dem Zeitpunkt, an dem ein weltweites&#13;
Abkommen Wirkung zeitigt, werden die Vereinigten&#13;
Staaten sich außerdem die Option vorbehalten,&#13;
abhängig von CCW-Restriktionen bei militärischen&#13;
Feindseligkeiten zum Schutz des Lebens von Amerikanern und zur beschleunigten Beendigung der Kämpfe&#13;
selbstzerlegende/selbstdeaktivierende Antipersonenminen einzusetzen.&#13;
Wir haben jedoch bereits mit der Umsetzung bedeutender unilateraler Restriktionen begonnen. Am 16.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Mai ergriffen die Vereinigten Staaten Maßnahmen, alle&#13;
(a) zur Ausbildung von mit Entschärfung und Minenabwehr befaßten Personen oder (b) zur Verteidigung&#13;
der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten gegen&#13;
eine bewaffnete Aggression über die koreanische&#13;
Entmilitarisierte Zone hinweg nicht erforderlichen nicht&#13;
selbstzerlegenden Antipersonenminen nicht einzusetzen und sie mit der Absicht der Entmilitarisierung&#13;
bis Ende 1999 in einem inaktiven Status zu lagern.&#13;
Ich kann nicht genug betonen, wie ernst die Vereinigten Staaten das Ziel der vollständigen Abschaffung von Antipersonenminen nehmen. Ab 1999 wird&#13;
der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs dem&#13;
Präsidenten und dem Verteidigungsminister einen&#13;
Jahresbericht mit seiner Beurteilung vorlegen, ob für&#13;
die von mir genannten Ausnahmen weiterhin eine&#13;
militärische Notwendigkeit besteht. Um die Zeitspanne&#13;
bis zur Beseitigung von Antipersonenminen zu verkürzen, haben wir ein Forschungs- und Beschaffungsprogramm sowie andere Maßnahmen in die Wege&#13;
geleitet, die zur Abschaffung der Anforderung für die&#13;
Ausnahmen erforderlich sind und es uns gestatten,&#13;
den Rückgriff auf Antipersonenminen so schnell wie&#13;
möglich zu beenden.&#13;
Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, daß wir bei&#13;
unserer Arbeit an einem Verbot des weiteren Einsatzes von Antipersonenminen das durch zahllose&#13;
bereits verlegte Antipersonenminen verursachte&#13;
Leiden ansprechen müssen. Im Hinblick auf die&#13;
Entschärfung werden die Vereinigten Staaten ein&#13;
substantielles Programm zur Entwicklung verbesserter&#13;
Technologien zum Aufspüren von Minen und deren&#13;
Räumung in die Wege leiten und diese verbesserte&#13;
Technologie der internationalen Staatengemeinschaft&#13;
zukommen lassen. Wir werden darüber hinaus unser&#13;
humanitäres Entschärfungsprogramm beträchtlich&#13;
erweitern, um andere Länder für die Entwicklung&#13;
effektiver Entschärfungsprogramme auszubilden und&#13;
ihnen dabei behilflich zu sein. Ich möchte einige&#13;
Einzelheiten dieser Entschärfungsaktivitäten nennen.&#13;
Erstens haben die Vereinigten Staaten vor kurzem ein&#13;
humanitäres Entschärfungsinformationszentrum eröffnet, das - wie wir hoffen - als zentraler Punkt für das&#13;
Militär, die nichtstaatlichen Organisationen und andere&#13;
Gruppen zum Sammeln, Überprüfen und Verbreiten&#13;
von Informationen über weltweite Entschärfungsaktivitäten dienen wird.&#13;
Zweitens war und ist die Entwicklung einer Entschärfungskapazität im jeweiligen Land ein Hauptziel&#13;
unserer humanitären Entschärfungspolitik.&#13;
Wir&#13;
beabsichtigen, unseren Bestand von rund 200 Ausbildern um bis zu 300 zu erweitern.&#13;
Drittens wird unser Forschungs- und Entwicklungsprogramm für neue humanitäre Entschärfungstechnologien in kommenden Jahr auf 14,7 Millionen Dollar&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
�aufgestockt. Im Rahmen dieses zwei Jahre alten&#13;
Programms wurden 30 Prototypen von Systemen für&#13;
das verbesserte Aufspüren von Minen, ihre Neutralisierung und Räumung entwickelt, erprobt und ausgewertet.&#13;
Neben dieser Konferenz bietet die UN-Generalversammlung eine ausgezeichnete Gelegenheit für uns&#13;
alle, das Streben nach einem Verbot von Antipersonenminen weiterhin schlaglichtartig zu beleuchten.&#13;
Erst letzte Woche erneuerte Präsident Clinton in einer&#13;
Rede in New York seinen Appell für rasche Verhandlungen über ein weltweites Verbot von Antipersonenminen. Wie die meisten von Ihnen wissen, geht die&#13;
dieses Jahr von den Vereinigten Staaten in der UNGeneralversammlung vorgeschlagene Resolution zu&#13;
Antipersonenminen weiter als frühere Resolutionen, da&#13;
sie sich auf die Forderung nach dem möglichst&#13;
schnellen Abschluß eines Abkommens über ein Verbot&#13;
von Antipersonenminen konzentriert, während bei&#13;
früheren Resolutionen Exportmoratorien und letztlich&#13;
die Beseitigung von Antipersonenminen im Mittelpunkt&#13;
standen. Viele von Ihnen haben sich den Vereinigten&#13;
Staaten bei der Annahme von Verboten, Moratorien&#13;
und anderen Beschränkungen von Antipersonenminen&#13;
angeschlossen. Wir wollen zusammenarbeiten, um&#13;
unsere Freunde und Verbündeten zu ermutigen,&#13;
dasselbe zu tun und sich unseren Bestrebungen zur&#13;
Erlangung eines vollständigen Verbots anzuschließen.&#13;
Die Führungsrolle Kanadas bei den Bestrebungen zur&#13;
Kontrolle von Antipersonenminen zeigt sich nicht nur&#13;
anhand dieser Konferenz, sondern auch bei Kanadas&#13;
Lobbyarbeit für eine entschlossene Resolution der UNGeneralversammlung über das Verbot von Antiperso-&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
nenminen. Wir begrüßen die Hilfe Kanadas beim&#13;
Entwurf unserer Resolution sowie die von dem Land&#13;
geleistete Unterstützung und sehen der Unterstützung&#13;
anderer hier vertretener Staaten erwartungsvoll&#13;
entgegen. Bei unserer Arbeit zur Erlangung eines&#13;
weltweiten Verbots von Antipersonenminen werden die&#13;
weitverbreitete Befolgung und vollständige Umsetzung&#13;
des überarbeiteten Landminenprotokolls der Konvention über konventionelle Waffen die Zahl der zivilen&#13;
Opfer beträchtlich reduzieren. Hätten diese Beschränkungen schon vor Jahren existiert und wären&#13;
weithin befolgt worden, hätten wir weitaus weniger&#13;
Opfer zu beklagen gehabt als leider der Fall war. Wir&#13;
planen eine rechtzeitige Vorlage des Protokolls im USSenat, damit es vom im Januar zusammentretenden&#13;
neuen Kongreß geprüft werden kann.&#13;
Wir fordern andere Staaten, die das noch nicht getan&#13;
haben, eindringlich dazu auf, der Konvention über&#13;
konventionelle Waffen und dem neuen Protokoll&#13;
beizutreten. Herr Vorsitzender, abschließend möchte&#13;
ich Kanada für die Veranstaltung dieser Konferenz&#13;
danken und das Engagement aller hier vertretenen&#13;
Staaten, internationalen und nichtstaatlichen Organisationen begrüßen, die Welt von Antipersonenminen zu&#13;
befreien. Unser Ziel, ein internationales Abkommen&#13;
über das Verbot von Antipersonenminen abzuschließen, wird eindeutig am schnellsten und effektivsten&#13;
durch verstärkte Zusammenarbeit und Koordinierung&#13;
zwischen allen Ländern erreicht.&#13;
Die weltweite&#13;
Beseitigung von Antipersonenminen ist eine beängstigende Aufgabe, die wir jedoch erfüllen müssen. Wir&#13;
sehen der Arbeit mit Ihnen allen zur Erlangung dieses&#13;
lebenswichtigen Ziels erwartungsvoll entgegen.&#13;
&#13;
* * *&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�PORTRAT&#13;
30. Oktober 1996&#13;
&#13;
James D. Bindenagel&#13;
Charge d'Affaires ad interim der Botschaft der Vereinigten Staaten&#13;
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland&#13;
&#13;
J.D. Bindenagel, Karrierediplomat im höheren auswärtigen Dienst, ist seit 17. Juni 1996 Charge&#13;
d'Affaires der Amerikanischen Botschaft in Deutschland.&#13;
Seit August 1994 war er Gesandter der Botschaft. Vor&#13;
Übernahme dieser Position war Bindenagel Direktor&#13;
der Abteilung für mitteleuropäische Angelegenheiten&#13;
im US-Außenministerium und in dieser Eigenschaft&#13;
verantwortlich für die bilateralen Beziehungen der&#13;
Vereinigten Staaten zu Deutschland, Österreich und&#13;
der Schweiz.&#13;
Von 1989-90 war Bindenagel Gesandter der Amerikanischen Botschaft in der ehemaligen Deutschen&#13;
Demokratischen Republik - zur Zeit der demokratischen Revolution in Ostdeutschland, des Falls der&#13;
Berliner Mauer, der deutschen Wirtschafts- und&#13;
Währungsunion, freier Wahlen und der Vereinigung&#13;
Deutschlands.&#13;
In Deutschland war Bindenagel darüber hinaus als&#13;
Leiter der Abteilung für Innenpolitik in der Bonner USBotschaft (1983-86), als Wirtschaftsbeamter in der&#13;
Abteilung für mitteleuropäische Angelegenheiten des&#13;
US-Außenministeriums (1980-83) und als amerikanischer Konsul in Bremen (1977-79) tätig. Vor seinem&#13;
&#13;
Eintritt in den auswärtigen Dienst der Vereinigten&#13;
Staaten war Bindenagel als Offizier der US-Armee in&#13;
Würzburg stationiert (1972-74).&#13;
Als Congressional Fellow des amerikanischen Politologenverbands war Bindenagel von 1987-88 Mitarbeiter des Kongreßabgeordneten Lee H. Hamilton,&#13;
der bei der Gründung der Studiengruppe Deutschland&#13;
des Kongresses deren Vorsitzender war.&#13;
Neben seinen Verwendungen für deutsche Angelegenheiten hatte er eine vom Außenministerium geförderte&#13;
Position bei Rockwell International inne (1991-92).&#13;
1991 arbeitete Bindenagel im Büro für wirtschaftliche&#13;
und unternehmerische Angelegenheiten des Außenministeriums und war geschäftsführender Direktor für&#13;
kanadische Angelegenheiten (1988-1989). Davor war&#13;
er im Krisenstab des Außenministeriums sowie als&#13;
Wirtschaftsbeamter in Seoul tätig.&#13;
Bindenagel wurde am 30. Juni 1949 in Huron (South&#13;
Dakota) geboren. Er erwarb 1971 an der University of&#13;
Illinois (Urbana) den Titel eines Bachelor of Arts und&#13;
1977 an dieser Universität den Magister in Verwaltungswissenschaften. Er ist mit Jean Bindenagel&#13;
verheiratet und hat zwei Kinder. J.D. Bindenagel&#13;
spricht Deutsch.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 21&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�</text>
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                    <text>1.USA-EUROPA POSITIVER WANDEL IN DEN&#13;
TRANSATLANTISCHEN BEZIEHUNGEN&#13;
Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&#13;
2.USA-DEUTSCHLAND BOTSCHAFT 2000 - EIN MODELL FÜR DIE ZUKUNFT DES AUSWÄRTIGEN DIENSTES&#13;
von J.D. Bindenagel&#13;
3.DEUTSCH-AMERIKANISCHE BEZIEHUNGEN UND DIE WELTWIRTSCHAFT&#13;
Rede der Gesandten Janice Bay&#13;
4.LANDMINEN GLOBALES VERBOT VON LANDMINEN&#13;
OBERSTE PRIORITÄT DER CLINTON-ADMINISTRATION&#13;
Rede von Thomas McNamara&#13;
5. PORTRAT JAMES D. BINDENAGEL&#13;
Charge d'Affaires ad interim der&#13;
Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland </text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Leben in den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hier sind wir alle Nachbarn&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerika räumt mit einem alten Vorurteil auf - Präsident Kennedy unterzeichnete am 20. November 1962 einen entsprechenden Präsidialerlass&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von E. und G. Grier&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Gesundheitswesen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Im Dienste der Volksgesundheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die amerikanischen Bundesforschungsanstalten in Bethesda&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kulturnachrichten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fernsehen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bal paré der Künste im US-Fernsehen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Oper und Schauspiel&lt;br /&gt;Die Geschichte von Kansas als Opernwerk&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hamlet-Oper uraufgeführt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Impulse für das amerikanische Theater&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Malerei und Plastik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Copley-Ausstellung im Metropolitan Museum in New York&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Austausch antiker Kunstschätze zwischen Rom und Brooklyn</text>
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                    <text>Information
und
pi-1 l'iiii'Mrr
United States Information Service

31

30. November 1977
INHALT

DOKUMENTATION
Warnke: Rüstungskontrolle liegt im Interesse beider Seiten
- Rede des US-Abrüstungsdirektors in Washington WIRTSCHAFT
Inflationsbekämpfung Grundvoraussetzung für den Wirtschaftsaufschwung
- Interview mit einem führenden Wirtschaftsberater

Präsident Carters

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Bruchfestes Glas zum Einkapseln von Atommüll
Eine neue Spur für die Entwicklung irdischer Lebensformen
- Methanbakterien als möglicherweise älteste Organismen identifiziert
INFORMATION
"Rehabilitation USA"
- Eine Ausstellung von therapeutischen und orthopädischen Hilfen für
Behinderte in Paris -

Unserer heutigen Ausgabe liegt ein Exemplar der von uns herausgegebenen
Broschüre: DIE USA, Fakten, Daten, Zahlen bei. Wir hoffen,
daß diese Broschüre Ihr Interesse finden wird.

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 3 0 0 ,
D 5 3 0 0 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Dokumentation
United States Information Service

31

30. November 1977

WARNKE: RÜSTUNGSKONTROLLE LIEGT IM INTERESSE BEIDER SEITEN
- Rede des US-Abr'üstungsdirektors in Washington -

WASHINGTON - (AD) - Der Direktor des amerikanischen Amtes für Abrüstung
und Rüstungskontrolle (ACDA), Paul Warnke, hat am 10. November 1977 vor der
Frauenvereinigung der Demokratischen Partei in Washington über den Stand der
Verhandlungen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT) und
über die Aussichten für weitere Abrüstungsmaßnahmen gesprochen.
Die Rede Warnkes hat folgenden Wortlaut:
Mir ist heute ein Thema gestellt worden, das, wie ich meine, beredt von
dem Nachdruck zeugt, den die Carter-Administration auf die Frage der Rüstungskontrolle legt.
Wie Sie wissen, hat diese Administration seit Januar dieses Jahres auf
diesem Gebiet rund zehn verschiedene Initiativen ergriffen. Dazu gehören an
vielleicht prominentester Stelle die Verhandlungen mit der Sowjetunion über
eine Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT).
Dazu kommen die Verhandlungen

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�*

Dazu kommen die Verhandlungen über ein vollständiges Verbot von Nuklearversuchen, die neben den SALT-Verhandlungen in Genf stattfinden. Und auf der
Konferenz des Abrüstungsausschusses (der Vereinten Nationen) in Genf haben wir
auch über die Frage der chemischen Waffen und der Strahlungswaffen gesprochen.
Außerdem finden Gespräche über eine Begrenzung der Rüstungen im Gebiet des
Indischen Ozeans statt, die wir mit der Sowjetunion führen. Als weitere künftige
Themen zeichnen sich ab: Erörterungen über Einschränkungen des Verkaufs konventioneller Waffen; Ausschaltung der Anti-Satellitenwaffen, die ernsthaft die
nationalen

technischen Mittel zu der für die Rüstungskontrolle so wesentlichen

Verifizierung gefährden könnten,und die von den Vereinigten Staaten getroffenen
Vorbereitungen für die Sondersitzung der Vereinten Nationen über Fragen der
Abrüstung, die im kommenden Frühjahr stattfinden wird. Wir sind außerdem noch
mit der überaus bedeutsamen Frage befaßt, wie sich eine Weiterverbreitung
(Proliferation) der Kernwaffen vermeiden läßt.
Am vergangenen Wochenende kehrte ich nach einem fünfwöchigen Aufenthalt in
Genf zurück, wo ich an den Erörterungen mit der Sowjetunion über eine Begrenzung
der strategischen Waffen und den Verhandlungen über ein umfassendes Nuklearversuchsverbot teilgenommen hatte. Ich glaube, daß die meisten Amerikaner und
die meisten Länder der internationalen Gemeinschaft sich bewußt sind, daß dies
der wirksamste Weg ist, um die Möglichkeiten zu einer Konfrontation zwischen
der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten zu verringern, die zu einem Krieg
führen könnte,

der die menschliche Gesellschaft in eine Katastrophe stürzen

wurde.
Ich muß jedoch dazu bemerken, daß diese Verhandlungen nicht frei von Kritik
geblieben sind. Von Zeit zu Zeit habe ich selbst in Genf ein schwaches Echo
davon vernommen, daß es manche Leute gibt, die mit unseren Bemühungen durchaus
nicht voll zufrieden sind. (Gelächter)
Es gibt da zwei grundsätzliche Einwände, die, wie es scheint, in krassem
Gegensatz zueinander stehen. Der eine besagt: "Warum geben wir den Russen

- 2 -

�Russen gegenüber immer nach, und können wir ihnen überhaupt trauen?" - und
der andere lautet: "Warum braucht Ihr so viel Zeit, und was werdet Ihr erreicht
haben, wenn Ihr fertig seid?"
Es wird Sie vielleicht nicht überraschen, wenn Sie hören, daß ich keine
der Kritiken für im wesentlichen richtig halte. Ich möchte jedoch au" sie
eingehen oder wenigstens versuchen, mich mit ihnen zu befassen.
Zuerst mit der Frage: "Warum geben wir den Russen gegenüber nach? Warum
machen wir allzuviel Konzessionen? Wie kann man ihnen trauen?"
Ich glaube, was die eine Richtung dieser Kritik anbetrifft, so leidet sie
darunter, daß sie das Wesen der Verhandlungen über Rüstungskontrollen nicht
richtig verstanden hat. Diese Verhandlungen sind ihrer ganzen Natur nach von
Verhandlungen jeder anderen Art, selbst von solchen internationalen Charakters,
durchaus verschieden. Es ist keine Variation eines Spieles um alles oder
nichts, als die es manchmal hingestellt wird. Auch all die Attribute kommerzieller
Verhandlungen passen nicht hinein.
Worum es dabei im wesentlichen geht, das ist die grundsätzliche Abschreckung
für die Nationen, die an den Gesprächen beteiligt sind. Und diese grundsätzliche
Abschreckung muß geschützt werden. Das aber heißt, daß keine Seite auf lange
Sicht den kürzeren ziehen darf.
Offensichtlich möchte jede Seite zu einem Abkommen gelangen, bei dem sie
selbst alle Vorteile hat und bei dem die andere Seite Einschränkungen hinnimmt,
die sie vorher nicht hatte. Aber das geht natürlich nicht. Denn wenn die eine
Seite übervorteilt werden sollte, dann würde man zu keinem lebensfähigen und
dauerhaften Abkommen über eine Rüstungskontrolle gelangen. Es gibt keine Möglichkeit für die eine oder andere Seite, spezifische Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen zu erlangen. Es gibt keinen Gerichtshof, vor dem man seinen Kontrakt
bringen und erklären könnte: "Ich habe diesen speziellen Pakt gewonnen und habe
nun das Recht, seine Früchte zu genießen." Stattdessen würde mar; feststellen,

- 3 -

�feststellen, daß die Seite, die übervorteilt wurde, das Abkommen in Ausübung
ihrer souveränen Rechte prompt verwerfen würde.
So steht also am Beginn das Faktum, daß man am Ende zu einem Abkommen über
die Rüstungskontrolle gelangen muß, das fair ist, das gültig ist und das auf
beiden Seiten die Gewähr für gleiche Sicherheit bietet. Das nun bedeutet notwendigerweise einen harten Verhandlungsprozeß, zugleich aber auch einen Prozeß
der Analyse, bei der abgewogen werden muß, welches die grundlegenden Interessen
der anderen Seite sind. Das aber führt zu einem langwierigen und komplexen
Verfahrensprozeß.
In Bezug auf die Gesamtfrage der Rüstungskontrolle ist es unumgänglich, sich
mit der Sowjetunion einzulassen. Es gibt nur zwei militärische Supermächte.
Wir müssen von der Grundlage ausgehen, uaß wir in letzter Analyse ein irgendwie
zusätzliches Abkommen mit der Sowjetunion

ausarbeiten können, mit dem sich ein

Weg finden läßt, um den Konkurrenzkampf, der weiterhin zwischen uns bestehen
wird, zu stabilisieren.
Ich glaube nicht, daß wir von der Grundlage ausgehen können, daß die
Rüstungskontroll Verhandlungen diesen Geist des Wettkampfes und das Bestehen von
Reibungsflächen zwischen den beide

Ländern ausschalten werden. Wir müssen nicht

Freunde sein, um zu Abkommen zu gelangen, die im Interesse beider Seiten liegen.
Ich bin zutiefst davon überzeugt, daß die Rüstungskontrolle im Interesse
beider Seiten liegt. Ich glaube, daß dies so ist, weil, selbst wenn wir von
einem anhaltenden Wettstreit um Einfluß in der Welt ausgehen, dieser Wettstreit
selbst militärisch nur in der einen oder anderen Weise zum Ausdruck kommen kann:
Entweder der militärische Wettstreit geht ohne Einschränkung weiter, oder wir
finden irgendeinen Weg, auf dem ein gewisses Maß größerer gesunder Vernunft und
größerer Sicherheit in unsere Beziehungen gelangt. Das aber liegt wie ich sage,
im gemeinsamen Interesse beider Seiten.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt

�Zum gegenwärtigen Zeitpunkt besteht

trotz einiger Kommentare, die Sie

in der Presse lesen, ein militärisches Gleichgewicht zwischen den beiden Seiten.
Es gibt keine militärische Überlegenheit auf Seiten der Sowjetunion. Ich kenne
keinen vernüftigen Menschen innerhalb oder außerhalb der Regierung, der darüber
anders denkt. In den meisten Fällen halten wir sogar einen qualitativen Vorsprung.
Aber es handelt sich nicht um einen solchen qualitativen Vorsprung, der uns
jene Art politischer Macht gäbe, die wir vielleicht gern

haben möchten, die

aber grundsätzlich unerreichbar ist, wenn man die Ressourcen bedenkt, die auf
Seiten der Sowjetunion vorhanden sind.
Wir haben damit die Wahl: Wir können entweder den militärischen Wettstreit
uneingeschränkt weiterführen oder wir können irgendeinen Weg finden, wie man
diesen Wettstreit durch wirksame Rüstungskontrollmaßnahmen zu zügeln vermag.
Ich glaube, daß niemand von uns bereit wäre, zuzusehen, wie die Sowjetunion
eine militärische Überlegenheit in einem Ausmaß erreicht, das vielleicht nicht
unbedingt zu einem Krieg führen muß, das aber sicherlich zu einer Art von Welt
führt, in der unsere Interessen keine Unterstützung finden würden.
Im wesentlichen sehe ich in den Verhandlungen über Rüstungskontrolle eine
Maßnahme, durch die wir die Sicherheit der Vereinigten Staaten am besten verteidigen können. Und ich glaube, daß wir mit den Sowjets zu Rande kommen können,
weil sie von derselben Anschauung ausgehen müssen. Man muß den Motiven der
Sowjetunion nicht unbedingt trauen, um überzeugt zu sein, daß sie in der Frage
der Rüstungskontrolle in gutem Glauben verhandelt. Man kann jedermann vertrauen,
daß er seine eigenen Interessen schützen wird. Und man kann jeder Nation vertrauen, daß sie die Schritte unternehmen wird, die ihre nationale Sicherheit
schützen werden.
Wir befinden uns gegenwärtig in einer Situation, in der wir - wie es Verteidigungsminister Harold Brown am vorigen Sonntag in dem Fernsehinterview
"Fragen und Antworten" bezeichnete - ein stabiles strategisches Gleichgewicht
haben. Wir meinen damit, daß zum gegenwärtigen Zeitpunkt - wie immer die
Umstände internationaler Reibungen, wie immer die Spannungen und wie immer auch

- 5 -

�auch die Provokationen sein mögen - keine Seite irgendeinen Anreiz dazu haben
könnte, einen "Erstschlag" zu führen. Keine Seite könnte sich für die Option
entscheiden, in einen Nuklearkrieg einzutreten.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfügen wir über mehr als 9 000 einzelne
nukleare Gefechtsköpfe mit Zielrichtung Sowjetunion. Die Sowjets verfügen
auch nicht annähernd über diese Anzahl; sie besitzen nur etwa 4 500 Gefechtsköpfe. Aber auf jeden Fall ist das mehr als die verfügbaren Ziele. Und in jedem
Fall bedeutet dies, daß die angegriffene Seite in der Lage wäre, mit einem
vernichtenden Vergeltungsschlag zu antworten und das andere Land als Industriegesellschaft auszulöschen.
Das ist ein

düsteres Bild, aber es ist noch das beste, das wir erhoffen

können, wenn wir an Stabilität im Zeitalter der Kernwaffen denken. Und die
Anomalie besteht darin, daß unsere beiden Länder weiterhin ohne Zurückhaltung
mehr und mehr an Kernwaffen ansammeln und Tausende von Milliarden Dollar dafür
ausgeben. Das Beste, worauf wir hoffen können, ist, daß sich die Situation nicht
noch verschlimmert und daß nicht eines Tages eine Waffe entwickelt wird, die
das strategische Gleichgewicht destabilisiert.
Das ist natürlich ein mächtiger Anreiz für die Vereinigten Staaten, Verhandlungen zu führen. Und das ist auch ein mächtiger Anreiz für die Sowjetunion.
Und es gibt - soweit es mich betrifft - noch weitere Gründe, die auf Verhandlungen
in gutem Glauben auf dem Felde der Rüstungskontrolle hindeuten.
Für die Sowjetunion gibt es auch noch politische Gründe. Offensichtlich
ist es für sie wichtig, sich in verantwortungsbewußter Weise mit den Vereinigten
Staaten über Maßnahmen auseinandersetzen zu können, die die Sicherheit der Welt
betreffen. Und schließlich gibt es meiner Meinung nach reale militärische Gründe,
warum die Sowjetunion bereit ist, in gutem Glauben über die Rüstungskontrolle
zu verhandeln. Moskau ist sich darüber im klaren, daß wir auf keinen Fall willens
wären, den Sowjets militärische Überlegenheit zuzugestehen. Die Alternative

�Die Alternative ist also, daß sie sich mit Maßnahmen seitens der USA als
Antwort auf ihren militärischen Aufbau konfrontiert sehen würden. Darüber
hinaus müssen sich die Sowjets

dessen bewußt sein, daß wir auf technologischem

Gebiet tatsächlich führend sind.
Und dann gibt es noch, vom militärischen Standpunkt aus gesehen, den
gesamten Komplex der Nichtweiterverbreitung (Nonproliferation). Die Sowjetunion wie auch wir müssen mit der Gefahr rechnen, daß Kernwaffen in die Hand
von immer mehr Ländern oder gar sub-nationalen terroristischen Gruppen fallen.
Ich habe keinen Zweifel daran, daß - sollten Kernwaffen tatsächlich eine so
weite Verbreitung finden - dies das Risiko immei größer machen würde, daß eine
Atomwaffe wirklich einmal aus Zorn oder Verärgerung eingesetzt würde.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben unsere Beziehungen zur Sowjetunion und
der beiderseitige Besitz von Kernwaffen einen Sättigungsgrad erreicht, wo nur
Wahnsinn ihre Anwendung veranlassen könnte. Aber wir können uns nicht darauf
verlassen, daß weniger stabile Regierungen mit weniger Erfahrung auf diesem
Gebiet oder gar terroristische Gruppen ein vergleichbares Maß gesunder Zurückhaltung an den Tag legen.
In dieser Hinsicht glaube ich, daß die Verhandlungen über ein umfassendes
Versuchsverbot, die während der letzten fünf Wochen in Genf geführt wurden,
überaus wichtige Konsequenzen für das Proliferationsproblem haben werden. Sie
wissen sicher, daß diese Verhandlungen auf trilateraler Basis geführt werden.
Großbritannien ist zusammen mit der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten
darum bemüht, den Nuklearversuchen ein Ende zu machen.
Es hat einige ernsthafte Hindernisse gegeben, was erklärt, daß wir zwar
seit 20 Jahren nach einem vollständigen Versuchsverbot streben, daß wir dies
bisher jedoch nicht erreicht haben, und daß es schon 15 Jahre her ist, seit wir
einen begrenzten Versuchsstopp erlangten, der die Versuche in der Atmosphäre
beendete.
Eines der Hauptprobleme bildete
- 7 -

�Eines der Hauptprobleme bildete die Kontroverse zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion über die F r a ^ , wie weit sich ein solcher Vertrag
über ein Verbot nuklearer Versuche erstrecken sollte. Wir argumentierten, daß
ein solcher Vertrag, sollte er wahrhaft umfassend und wirksam sein und eine
maximale Wirkung in Bezug auf die Eindämmung jeder weiteren Proliferation
haben, alle nuklearen Versuche verbieten müsse, und nicht nur die sogenannten
Waffentests.
Die Sowjetunion schien jedoch besonders großen Wert auf die weitere Durchführung sogenannter friedlicher Kernexplosionen zu legen, also auf die Anwendung
nuklearer Sprengsätze für eine ganze Reihe von Zwecken, wie beispielsweise
zur besseren Erschließung von Erdgas - und Ölquellen,für die Bergbautechnik und
die Flußregulierung.
Wir hatten unsererseits in den letzten beiden Jahren den Standpunkt vertreten,
daß der mögliche wirtschaftliche Nutzen, wie groß er auch sein möge, weit hinter
den für beide Länder und für die Menschheit aus einer völligen Einstellung der
nuklearen Explosionen sich ergebenden Vorteile zurückstehen würde.
Nun, wir können der Sowjetunion wirklich keinen Vorwurf aus der von ihr
eingenommenen Position machen. Es ist noch gar nicht so lange her, daß wir in
den Vereinigten Staaten wahrhaft recht ehrgeizige Ziele durch den Einsatz von
nuklearen Sprengsätzen für friedliche Aufgaben ins Auge faßten. Beispielsweise
überlegten wir damals, daß damit vielleicht die Möglichkeit gegeben wäre, einen
neuen Panamakanal auszuschachten. Diese Zukunftsaussichten begannen sich dann
jedoch mehr und mehr zu verflüchtigen. Was den Panamakanal anbetrifft, so wurde
von manchen Leuten vorausgesagt, daß die sich damit ergebenden gewaltigen Erdbewegungen höchstwahrscheinlich nicht nur den neuen Kanal zuschütten, sondern
auch den alten außer Betrieb setzen könnten. Jedenfalls haben wir diese Pläne
fallengelasssen.
Die Sowjets haben weiter dar-n festgehalten, daß jedes umfassendes Versuchsverbot die friedlichen nuklearen Detonationen ausschließen müsse. Wir dagegen

�dagegen vertraten die Position, daß damit nicht nur die Möglichkeit gegeben
wäre, weitere militärische Vorteile zu erlangen, sondern auch der gewünschte
Effekt verloren gehe, andere Länder daran zu hindern, ihre eigene Kapazität
auf dem Gebiet nuklearer Sprengmittel zu entwickeln.
Sie erinnern sich, daß vor wenigen Jahren die indische Regierung einen
nuklearen Sprengsatz zur Detonation brachte, was sie dann prompt als eine
friedliche nukleare Explosion bezeichnete. Die Resultate sind selbstverständlich
von denen einer nuklearen Bombe kaum zu unterscheiden, weil es sich ja auch in
der Tat um eine nukleare Bombe handelt.
Wir sind überzeugt, daß es vom Standpunkt der Proliferation aus gesehen
für jedes Land sehr, sehr schwierig wäre, die Konsequenzen in Form einer internationalen Ächtung zu tragen, wenn es ein neues Mitglied des Nuklear-Clubs
werden sollte - sofern Großbritannien, die Sowjetunion und die Vereinigten
Staaten alle zusammen gänzlich auf alle weiteren nuklearen Detonationen verzichteten.
Ich bin erfreut^berichten zu können, daß die Rede, die Präsident Breschnew
in der vorigen Woche gehalten hat, in der Tat einen sehr bedeutsamen Schritt
seitens der Sowjetunion darstellt. Die sowjetische Verhandlungsdelegation in
Genf hat auch unverzüglich bekräftigt, daß Breschnew meinte, was er sagte, und
daß die Sowjetunion zu einem Moratorium für alle Kernexplosionen zu friedlichen
Zwecken bereit sei»

das mit dem Verbot nuklearer Waffentests zusammengehen

würde.
Es verbleiben noch eine Reihe sehr
werden müssen, aber ich bin hier weit,
zehn Tagen war. Ich glaube, daß es ein
Sowjets war. Ich glaube, daß damit das

schwerwiegender Probleme, die gelöst
weit optimistischer,als ich es noch vor
sehr konstruktiver Schritt seitens der
Problem schließlich gelöst werden wird.

Wie bereits angedeutet, gibt es noch Probleme, vor allem die Frage, ob
Frankreich und China überredet werden können, sich einem vollständigen Versuchs-

- 9 -

�Versuchsverbot anzuschließen. Natürlich würden wir das gern

sehen. Wir sind

der Meinung, daß der wichtigste Aspekt der Beendigung von Kernwaffenversuchen
und Nuklearexplosionen überhaupt darin besteht, daß die beiden Länder, die die
Hauptnuklearmächte sind, die den größten Teil der Versuche durchführen, einem
Abkommen beitreten, das ein Ende all dieser Versuche bringt.
Und selbstverständlich ist die Beteiligung von Großbritannien in dieser
Hinsicht von immenser Bedeutung, was die internationale

Unterstützung angeht,

und auch als Beweis, daß es sich hier nicht etwa um einen Kuhhandel zwischen
den Supermächten handelt.
Was also dieses Problem der Nonproliferation anbetrifft, so ist das eine
Sache, in der wir und die Führung der Sowjetunion gemeinsamen Boden finden können.
Hier liegt eine Übereinstimmung der Interessen vor, die einen ausdrücklichen
Anreiz für unsere Rüstungskontrollinitiativen schafft.
Hinsichtlich der SALT-Verhandlungen selbst wird häufig der Vorwurf laut,
daß wir den Russen nachgäben, daß wir Zugeständnisse machten, daß alles einseitig
sei, daß wir übervorteilt würden.
Ich habe mich immer bemüht, diesen Vorwürfen entgegenzutreten, indem wir
uns damit verteidigen, daß wir nicht übervorteilt werden. Wir müssen einsehen,
daß jedes Abkommen einander entsprechende Beschränkungen auf beiden Seiten enthalten wird. Die Dinge sind in Bewegung geraten, das steht außer Frage, aber
die Bewegung war nicht einseitig.
Ich möchte Sie auf die ersten Tage der Carter-Administration und an unsere
ersten Bemühungen auf dem Gebiet der strategischen Rüstungskontrolle verweisen.
Sie werden sich erinnern, daß Außenminister Vance im März dieses Jahres nach
Moskau ging. Wir hatten Alternativvorschläge mitgebracht. Einer davon war ein
sogenanntes umfassendes Paket, das einen ganz dramatischen Schritt vorwärts
zu einer wirksamen Kontrolle der strategischen Nuklearwaffen darstellte.
Es bestand aus einer
10 -

�Es bestand aus einer ganzen Reihe von Bestimmungen, die bedeutet hätten,
daß auch das qualitative Wettrüsten verlangsamt worden wäre, statt nur lediglich
neue numerische Begrenzungen für die Zahl der strategischen Nuklearwaffen auf
beiden Seiten festzulegen. Das Abkommen hätte auch bedeutsame Verringerungen
in der Gesamtzahl sogenannter Trägerwaffen für strategische Nuklearwaffen mit
sich gebracht. Es hätte eine Verringerung der Zahl der Träger bedeutet, die mit
Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV - eine Abkürzung von Multiple Independently
Targetable Re-entry Vehicles, d.h., mehrere unabhängig voneinander zielgeplante
Gefechtsköpfe auf einem Träger) ausgerüstet werden können, die genau gezielt
auf eine Reihe von Zielen gerichtet werden können. Es hätte cerner eine
Verringerung in der Einführung neuer Typen von Nuklearraketen bedeutet.
Die Sowjetunion war, wie wir herausfanden, der Meinung, daß dies zu weit und
zu schnell gehe. Die Sowjets waren ferner der Meinung, daß das über das von
Präsident Ford und Generalsekretär Breschnew im Jahre 1974 in Wladiwostock
Vereinbarte hinausgehe.
Da wir mit dieser Möglichkeit rechneten, hatten wir im März in Moskau einen
Alternativvorschlag bereit, und das war das sogenannte Aufschub-Paket. Es hätte
bedeutet, daß wir in einem Vertrag die Höchstgrenzen von Wladiwostock akzeptiert
hätten, die bei der Gesamtzahl der strategischen nuklearen Trägerwaffen 2 400
betrug, von denen 1 320 mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstet werden dürften.
Alle anderen Fragen sollten auf anschließende SALT-Verhandlungen verschoben
werden.
Auch das lehnte die Sowjetunion als nicht weit genug gehend ab.
Wo stehen wir heute, unc' wie sind wir dahin gelangt? In den Monaten seit
März hat sich ein SALT II-Vertrag abzuzeichnen begonnen, der, wie ich sagen
möchte,

zwischen den beiden Vorschlägen liegt, die wir im März unterbreiteten.

Er geht in einem Schritt nicht so weit wie unser umfassender Vorschlag vom
März. Er bedeutet jedoch vom Standpunkt der Rüstungskontrolle aus, vom Schutz

- 11 -

�Schutz der Unverwundbarkeit unserer Abschreckung aus, vom Standpunkt unserer
nationalen Sicherheit aus einen bedeutsamen Schritt vorwärts und ist viel besser
als unser "Aufschub-Paket" vom März.
Man kann also nicht sagen, daß es seit Moskau einen ständigen Rückzug gegeben hat, sondern ich würde sagen, einen strategischen Vormarsch. Jetzt sehen
wir ein SALT II-Abkommen im Entstehen begriffen, das uns praktisch in der wirksamen Rüstungskontrolle voranbringen wird. Es wird eine bedeutsame Verringerung
sowohl der Gesamtzahl der nuklearen Trägerwaffen als auch der Zahl jener Träger
bringen, die mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgestattet sind.
Von diesem Standpunkt aus vermindert das Abkommen die Bedrohung unserer
eigenen landgestützten Interkontinentalraketen. Es vermindert das GegenkraftPotential. Es wird eine Verringerung der Zahl der Interkontinentalraketen mit
Mehrfachgefechtsköpfen

bedeuten, über die die Sowjetunion verfügt. Und es wird

bedeuten, daß wir hoffen dürfen, zumindest als Anfang den qualitativen Verbesserungen der Kernwaffen, die sich potentiell destabilisierend auswirken,
Einhalt zu gebieten.
Ich glaube, es besteht kein Zweifel, daß das Abkommen eine wesentliche Verbesserung gegenüber unserem Aufschub-Paket vom März dieses Jahres darstellt.
Nach meiner Meinung weist es auch den Weg zu einem noch wirksameren Rüstungskontroi labkommen.
Im wesentlichen arbeiten wir an einem Rahmen aus drei Stücken. Das erste
Stück wäre ein Grundvertrag mit Geltungsdauer bis 1985, der die zahlenmäßigen
Grenzen festlegen würde, die einige der Waffenprogramme einschränken, die destabilisierend zu werden drohen.
Ferner gäbe es ein Drotokoll auf drei Jahre, in dem einige der Waffensysteme,
die sich im Stadium der Entwicklung befinden und bei denen unsere Überlegungen
noch nicht bis zu einem Punkt fortgeschritten sind, an dem wir wüßten, wo unsere

-12-

�unsere besten Interessen für eine langfristige Lösung liegen würden, auf einer
mehr temporären Basis behandelt werden.
Es würde uns ferner in die Lage versetzen, mit all den Entwicklungen fortzufahren, die nach unserer Auffassung unerläßlich sind, um unsere Sicherheit
zu gewährleisten, falls die Rüstungskontrolle sich als Fehlschlag erweisen
sollte.
Eines der Probleme, das zum heutigen Zeitpunkt besteht, ist die Tatsache,
daß wir uns bemühen, einen Vertrag gegen Kritik zu verteidigen, der unvollständig bleibt. Und wir versuchen, ihn gegen ein Ideal zu verteidigen, das
nicht existiert.
Worum es derzeit geht, ist die Frage, ob dieser Vertrag so gut wie irgendein anderer hypothetischer, theoretischer Vertrag ist. Und die Antwort darauf
lautet natürlich: "Nein!". Ich könnte mir einen Vertrag erträumen, der besser
wäre. Ich glaube jedoch nicht, daß ich einen solchen Vertrag aushandeln noch
daß irgendjemand sonst dies zu diesem Zeitpunkt tun könnte.
Worauf es ankommt, ist, ob dieser entstehende Vertrag die Sicherheit der
Vereinigten Staaten fördert oder verringert. Und ich kann Ihnen ohne den leisesten
Zweifel sagen, daß der Vertrag, der ausgehandelt wird, eine sehr bedeutsame
Verbesserung für die Sicherheit der Vereinigten Staaten bedeuten wird.
Das ist der Punkt, an dem wir heute im wesentlichen stehen. Das führt selbstverständlich zu einer grundlegenden Erörterung des zweiten grundsätzlichen
kritischen Einwurfs, von dem ich zu Beginn meiner Ausführungen sprach, der Frage:
"Warum brauchen wir so lange?"
Ich glai'be, die Antwort ist wirklich ziemlich leicht. Wir brauchen so lange
Zeit, weil es sehr kompliziert ist, weil man es hier mit dem Wesentlichen der
Sicherheit der Länder zu tun hat, die an den Abrüstungsverhandlungen teilnehmen.
Es geht dabei auch
- 13 -

�Es geht dabei auch um eine Situation, in der eine beachtliche Asymmetrie
zwischen den Ausgangslagen der beiden wichtigsten Militärmächte besteht. Es
bestehen Unterschiede in der Art, wie sich ihre Streitkräfte entwickelt haben,
dem Nachdruck, den sie auf bestimmte Waffensysteme gegenüber anderen legen,
und vor allem auch Unterschiede, was ihre Beziehungen zu anderen Ländern
anbetrifft, sowie ganz offensichtliche geographische Unterschiede.
Um kurz auf einige dieser Asymmetrien einzugehen:
Wir haben einen Hauptnachdruck auf die Aufrechterhaltung einer sogenannten
strategischen nuklearen Triade gelegt. Wir haben unsere strategischen nuklearen
Streitkräfte in drei Teile gegliedert: Wir haben die interkontinentalen
ballistischen Raketen; wir haben die unterseebotgestützten ballistischen Raketen
und wir haben unsere strategischen Bomber. Es besteht eine relativ gleichmäßige
Aufteilung zwischen diesen drei Komponenten.
Die Sowjetunion andererseits hat den Hauptnachdruck auf die landgestützten
Interkontinentalraketen gelegt. Daher betreffen Einschränkungen, die in erster
Linie diese Interkontinentalraketen angehen, die Sowjetunion stärker als uns.
Andere bestehende Asymmetrien sind glücklicherweise für uns günstiger. Für
uns gibt es nur eine militärische Bedrohung von Bedeutung, und das ist die durch
die Sowjetunion. Die Sowjetunion hat dagegen eine lange und unsichere Ostgrenze
mit der chinesichen Volksrepublik. Sie hat dann ferner im Westen die osteuropäischen Staaten, die sich oft als widerspenstig, wenn nicht rebellisch
erweisen. Glücklicherweise haben wir keine derart schwierige Grenzsituation.
Andererseits ist die Sowjetunion Westeuropa räumlich näher als wir, und
daher ist ihr die Dislozierung ihrer Truppen

dort leichter möglich als uns.

Was die Zukunft anbetrifft, so bin ich durchaus der Hoffnung, daß wir innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne imstande sein werden, einen SALT H-Vertrag

- 14 -

�SALT II-Vertrag zum Abschluß zu bringe!,. Er wird, wie ich glaube, etwa auf
der allgemeinen Linie liegen, die ich hier aufwies. Er wird, wie ich schon
sagte, ein bedeutsamer Schritt nach vorn sein.
Ich hoffe auch, daß wir angesichts der neuen Position, die die Sowjetunion
in der Frage der friedlichen nuklearen Explosionen eingenommen hat, in der
Lage sein werden, zu einem umfassenden Vertrag über das Verbot von Nuklearversuchen zu gelangen.
Die beiden ergänzen sich aufs beste. Wenn es uns gelingt, in einem SALTAbkommen zu einem Verbot neuer Typen von Kernwaffen zu gelangen, dann gibt das
Bestehen eines umfassenden Kernversuchsverbotes ein weiteres Maß an Gewähr
dafür, daß diese Bestimmung eingehalten wird, weil es die Entwicklung neuer
Waffenarten unendlich erschweren würde.
Was nun die anderen Fragen
betrifft, die Verhandlungen über chemische
Waffen, über Strahlungswaffen, über den Transfer konventioneller Waffen oder
die Ausschaltung der Gefahr von Anti-Satelliten-Systemen, so denke ich, daß
sie sich nach einem erfolgreichen Abschluß der beiden Hauptverhandlungen ebenfalls erfolgreich lösen lassen werden.
Wieviel Zeit dazu notwendig sein wird, das vermag ich nicht zu sagen. Doch
dürften sich diese Verhandlungen sicherlich nicht allzulange hinziehen, nachdem
es uns nunmehr gelungen ist, die Haupthindernisse zu überwinden. Wir können nur
hoffen, daß die Sowjetunion weiterhin - so wie wir - davon überzeugt bleibt,
daß der Abschluß dieser Abkommen von grundlegender Bedeutung für die Sicherheit
beider Länder und von wesentlicher Bedeutung für den Weltfrieden ist und ein
Klima schaffen wird, in dem wir, wie zu hoffen ist, viele der anderen Differenzen,
die zwischen uns bestehen und die die Nöte der Welt vermehren, beseitigen können.
+ + + + +

- 15 -

�Wirt/choft

I

United States Information Service

31

30. November 1977

INFLATIONSBEKÄMPFUNG GRUNDVORAUSSETZUNG FÜR DEN WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG
• Interview mit einem führenden Wirtschaftsberater Präsident Carters -

Dr. Lyle Gramley, Mitglied des dreiköpfigen
Wirtschaftsbeirats des amerikanischen Präsidenten, hat in einem Exklusivinterview
mit dem Korrespondenten des Amerikanischen
Informationsdienstes (United States Information Service - USIS), Tom Eichler, die
Bekämpfung der Inflation als die wichtigste
Aufgabe bezeichnet, wenn ein wirtschaftlicher
Wiederaufschwung eintreten soll. Die Lösung
dieses Problems sei zwar schwer, aber der
Regierung bleibe nichts anderes übrig, als
sich mit aller Macht an diese Aufgabe zu
machen.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE: Dr. Gramley, die Presse und auch viele Wirtschaftswissenschaftler
sind dieser Tage ziemlich pessimistisch, was die Entwicklung der Inflation
anbetrifft. Halten Sie dieser Pessimismus für berechtigt?
ANTWORT:

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�ANTWORT: Das Problem der Inflation ist sicher sehr schwierig zu lösen.
Dieses Problem plagt unser Land schon seit über einem Jahrzehnt. Obwohl in
den letzten Jahren auch eine hohe Arbeitslosigkeit herrschte, hielt sich die
Inflationsrate bei 6 bis 6,5 Prozent. Ein übertriebener Optimismus, daß wir
dieses Inflationsproblem rasch in den Griff bekommen könnten, wäre nicht
gerechtfertigt. Ich glaube, daß, allgemein gesprochen, diese Auffassung heute
bei den Wirtschaftswissenschaftlern vorherrscht. Sie geben die Hoffnung nicht
auf, daß Mittel und Wege zur Lösung des Inflationsproblems gefunden werden
mögen, aber sie sind in der Beurteilung des Problems selbst recht realistisch.
FRAGE: Glauben Sie, daß es daran liegt, daß die Wirtschaftler noch nicht
recht wissen, wie sie das Problem anpacken sollen - daß die Wirtschaftswissenschaft noch nicht weit genug entwickelt ist, um Lösungsmöglichkeiten
für das Inflationsproblem anzubieten?
ANTWORT: Ich glaube, daß jeder Wirtschaftswissenschaftler für sich sagen
würde, daß er eine Lösung für das Inflationsproblem habe - die richtige
natürlich - aber leider neigen wir dazu, unterschiedliche Auffassungen zu
haben. Nach meiner Ansicht haben wir es hier mit einem außerordentlich komplexen Problem zu tun, für das es keine einfachen Lösungen gibt. Wenn ein
inflationärer Prozeß erst einmal in Gang gekommen ist und eine Zeit angehalten
hat, dann wird er sozusagen in die Struktur der Lohn- und Preiserhöhungen
eingebaut. Es handelt sich heute nicht mehr um die einfache Art von Inflation,
wie sie in den Lehrbüchern noch vor einer Generation behandelt wurde, als zuviel Geld im Umlauf war und es zu wenig Waren gab. Ein Teil des Problems ist
auf die Tatsache zurückzuführen, daß die Gewerkschaften, wenn sie auf die
Preisentwicklung zurückblicken, erklären: "Wir brauchen Lohnerhöhungen um 8
bis 8,5 Prozent, wenn wir einen Zuwachs des Realeinkommens erreichen wollen."
Da aber solche Lohnerhöhungen weit über die Zunahme der Produktivitätsrate
hinausgehen, bedeutet das Kostenerhöhungen von 6 bis 6,5 Prozent pro Jahr.
Die Unternehmen, die eine solche Kostensteigerung erleben, erklären ihrerseits: "Wir müssen sie weitergeben, wir können sie nicht auffangen, unsere
Gewinne gehen bereits zurück." Und sie geben die Kostensteigerungen weiter.

?

�weiter. Wir haben noch keinen Weg gefunden, um diesen Kreis zu durchbrechen.
Das Problem ist in den letzten Jahren noch durch von außen kommende Faktoren,
wie die Lebensmittel Verknappung oder die Ölpreiserhöhungen, vergrößert worden. Damit wurde im Jahre 1974 ein zweistelliger Preisauftrieb verursacht.
Wir konnten das

1975

überwinden, aber wir haben immer noch eine Grund-

inflationsrate von b bis 6,5 Prozent. Es geht also meiner Ansicht nach
nicht darum, daß die Wirtschaftswissenschaftler das Problem nicht verstünden,
sondern daß das Problem so schwierig ist, daß weder wir als Nation noch andere
Länder bisher einen praktischen Weg gefunden haben, um der Inflation Einhalt
zu gebieten.
FRAGE: Das Einkommen aus Arbeit macht etwa 75 Prozent des Nationaleinkommens in den Vereinigten Staaten aus. Manche Analytiker behaupten, das
zentrale Ziel der Anti-Inflationspolitik müsse sein, die Lohnerhöhungen
niedrig zu halten. Kann man das Problem so in den Griff bekommen?
ANTWORT: Man kann das Problem nicht nur von einer Seite anpacken. Man
kann den Gewerkschaften nicht allein alle Schuld an der Entwicklung geben.
Die Gewerkschaften sind Gefangene eines Problems, das vor zehn Jahren entstanden ist. Und man kann den Gewerkschaften nicht einfach sagen, ihr seid
die Ursache des

Problems, weil die Lohnraten zu rasch steigen. Sie werden

den Spieß umdrehen und zurecht argumentieren, daß einer der wichtigsten Gründe,
warum die Löhne so rasch steigen, darin besteht, daß die Preise steigen. Die
Politik der Regierung muß einen Weg finden, um die Lohnsteigerungen zu verringern, aber sie kann das nich' tun,

ohne

gleichzeitig sicherzustellen,

daß sich auch die Preiserhöhungen in einem gemäßigten Rahmen halten.
FRAGE: Viele Länder werden in den kommenden Jahren mit schweren Arbeitslosenproblemen zu kämpfen haben. Das dürfte darauf hindeuten, daß wahrscheinlich auf die Regierungen ein starker Druck ausgeübt wird, eine expansionistische Politik zu verfolgen. Wird das die Inflationsprobleme verschärfen?
ANTWORT:
- 3 -

�ANTWORT: Ich glaube nicht, daß sich daraus Probleme ergeben müssen,
denn man kann durchaus eine expansionistische Politik verfolgen, wenn man
dies auf eine kluge Weise tut, die den inflationistischen Druck nicht erhöht. Das Ziel der Carter-Administration für 1977 war eine Beschleunigung der
Wachstumsrate auf etwa 5,75 bis 6 Prozent für 1977 und eine Aufrechterhaltung
des Wachstums 1978 in einer Größenordnung von 5 Prozent. So wie wir einer
vollen Ausnutzung unserer Ressourcen näherkommen, wird unsere Wachstumsrate
weiter zurückgeschraubt werden müssen, aber gegenwärtig sind wir nicht in
Gefahr, durch die Aufrechterhaltung der Wachstumsrate unserer Wirtschaft für
1977 eine überschüssige Nachfrage zu schaffen.
FRAGE: Es wird immer wieder von der Notwendigkeit gesprochen, Maßnahmen
zum Abbau der strukturellen Unzulänglichkeiten der Arbeitsmärkte zu ergreifen,
damit die Arbeitslosigkeit durch andere Mittel gesenkt werden kanr

als nur

durch di( Stimulierung der Wirtschaft. Sehen Sie große Möglichkeiten für
einen Fortschritt in dieser Richtung?
ANTWORT: Ich glaube, wir sind uns alle einig, daß wir auf diesem Gebiet
mehr tun müssen als bisher. Leider waren frühere Bemühungen, das Funktionieren
der Arbeitsmärkte zu verbessern, nicht besonders erfolgreich. Wir haben in
unserem Land eine Menge Geld für Ausbildungsförderungsprogramme ausgegeben,
und wir hatten keinen merklichen Erfolg damit. Wir müssen bessere Mittel
und Wege finden, um dieses Problem zu lösen, und die Administration prüft
diese Angelegenheit derzeit sorgfältig.
FRAGE: Glauben Sie, daß die Vereinigten Staaten mit Hilfe von Indexierung
oder anderer Mittel mit einer stetigen Inflationsrate leben können?
ANTWORT:

Es wäre ein riskantes Spiel, wenn man zu der Entscheidung

käme, daß man mit 6 oder 7 oder 8 Prozent Inflation leben könnte - und dann in
institutionellen Vereinbarungen all die Dinge zu verankern, die es einem
nicht nur erlauben, sondern einen sogar zwingen könnten, mit der Inflation
zu leben. Damit würde man die inflationären Erwartungen nur noch schüren,

- 4 -

�schüren, denn man würde der Öffentlichkeit den Eindruck vermitteln, daß die
Regierung die Hoffnung aufgegeben habe. Das würde das Inflationsproblem nur
verschärfen. Man könnte natürlich rein akademisch sagen, daß Indexierung helfe
könnte, mit der Inflation zu leben. Aber in der realen Welt wäre es höchst
unklug, wenn die Regierung in diese Richtung ginge.
FRAGE: Was wäre eine tragbare Inflationsrate? Welches wäre ein vernünftiges langfristiges Ziel für die Regierung?
ANTWORT: Die Regierung muß natürlich eine möglichst niedrige Zahl anstreben. Man darf der Öffentlichkeit natürlich nicht sagen, daß man mit
6 Prozent oder mit 5 Prozent oder mit 4 Prozent zufrieden wäre. Wenn man sich
erst mit einer bestimmten Inflationsrate zufrieden gibt, dann weckt man
Erwartungen, und dann wird es fast unmöglich sein, unter diese Inflationsrate zu kommen. Und dann wird man in Zeiten, in denen politische Fehler
gemacht werden, oder eine neue Lebensmittelknappheit eintritt oder eine neue
öl Preiserhöhung kommt, dazu neigen, die Inflationsrate über die Minimalrate
hinaus zu beschleunigen, und dann wird man kaum je wieder herunterkommen.
Ich halte es für die einzig praktikable Lösung, daß sich die Regierung ein
Ziel von fast Null setzt und hart arbeitet, um diesem Ziel so nahe wie
möglich zu kommen.
FRAGE: Können Sie sich vorstellen, daß die Angebotsseite eine wichtige
Rolle bei der Bekämpfung der Inflation spielen könnte?
ANTWORT: Unbedingt! Das im April bekanntgegebene Anti-Inflationsprogramm
des Präsidenten enthielt Maßnahmen auf der Angebotsseite. Zu diesen Maßnahmen
zur Verstärkung des Angebots sollten Maßnahmen zur Erhöhung der Herstellungskapazität, vor allem in den Schlüsselindustrien, gehören, damit keinerlei
Engpässe und kein Preisdruck auftreten, wie das 1973 und 1974 geschah. Und
dazu gehören auch Maßnahmen zur Steigerung der Produktivität.
FRAGE: Nehmen wir einmal an, die Organisation öl exportierender Länder

�Länder (OPEC) erhöht die ölpreise in den nächsten Jahren erneut. Wie könnten
wir damit fertig werden?
ANTWORT: Wir können damit fertig werden, wenn wir unsere Abhängigkeit
von ausländischem öl verringern, und ich glaube, das wird uns gelingen. In
den nächsten fünf bis sieben Jahren wird die Fähigkeit der OPEC, die ölpreise im Verhältnis

zu den anderen Preisen anzuheben, stark eingeschränkt

sein. Die Energieeinsparungsmaßnahmen, die seit 1974 in den Vereinigten
Staaten und in anderen Ländern eingeführt worden sind, haben das Verhältnis
von Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt bereits beträchtlich verändert.
Ich glaube, es würde der OPEC im Augenblick schwerfallen, den ölpreis sehr
viel höher zu treiben.
.

•

•

.

FRAGE: Wenn man von Inflation spricht, dann kommt die Rede immer auf
Kontrollen - entweder formale Kontrollen oder mehr lockere Empfehlungen oder
zwanglose Ermahnungen. Was halten Sie von dieser Methode?
ANTWORT: Gesetzliche Kontrollen, wie sie in unserem Land von 1971 bis
Anfang 1974 praktiziert wurden, funktionieren nicht - das wissen wir. Womit
wir damals Schluß machten, war, den Preisdruck zu unterdrücken, der sich
dann über alles ergoß, als die Preiskontrollen aufgehoben wurden. Wir
machten auch Schluß mit der schweren Verzerrungen in der Verteilung der
Ressourcen. Wir hegen noch immer die Hoffnung, daß es möglich sein wird,
freiwillige Obereinkünfte zu erreichen, die zur Linderung des inflationistischen Drucks beitragen.Die Administration hat auf ganz formeller Basis
einen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Ausschuß ins Leben gerufen, der von Zeit zu
Zeit zusammenkommt, um Verfahren auszuarbeiten, die einer Mäßigung auf der
Preisseite und auf der Lohnseite dienen. Ob das auf die Dauer erfolgreich
sein wird, wissen wir nicht. Wir halten es jedoch für wichtig, es zu versuchen.
Die Gewerkschaftsführer sind sich darüber im klaren, daß ein zu rascher
Anstieg der Lohnraten ein Problem aufwirft. Die Unternehmer sind sich
darüber im klaren, daß ein zu rascher Preisanstieg ein Problem aufwirft. Wenn
- 6 -

�Wenn man erst die Probleme des jeweils anderen erkannt hat, dann bietet
sich auch eine Basis für vernünftige Verhandlungen.
FRAGE: Welche Auswirkungen werden Einfuhrquoten und "Marktregelungsabkommen" auf die Inflation in den Vereinigten Staaten haben?
ANTWORT: Die bisherige Entwicklung war etwas beunruhigend, da man
fürchten muß, Präzedenzfalle zu schaffen. Aber was sich in der Praxis in der
Schuhindustrie oder bei Fernsehempfängern abgespielt hat, wird für sich allein
keine wesentlichen Auswirkungen auf die Preise haben. Wenn wir jedoch in
Richtung auf einen Protektionismus viel weiter gehen, dann können wir mit
Vergeltungsmaßnahmen im Ausland rechnen. Ein wesentlicher Ruck zum Protektionismus wäre nicht nur im Hinblick auf die Auswirkungen auf die Inflation
höchst unglücklich, sondern auch hinsichtlich einer effektiven Nutzung der
Ressourcen weltweit gesehen. Er wäre hinsichtlich der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit eine kostspielige Sache.
FRAGE: Ist das der Standpunkt der Carter-Administration?
ANTWORT: Ganz sicherlich. Diese Administration hat eine ganz klare
Meinung, daß wir einen freieren internationalen Handel wollen. Aber einem
freieren internationalen Handel näherzukommen, ist außerordentlich schwer,
wenn - wie dies gegenwärtig der Fall ist - die Weltwirtschaft weitgehend
unter einer Flaute leidet. Hier in den Vereinigten Staaten und in anderen
Ländern werden Forderungen nach Protektionismus laut. Wir müssen diesen
Forderungen mit aller Kraft widerstehen.
FRAGE: Trägt das gegenwärtige Wechselkurssystem zur Inflation bei?
ANTWORT: Ich glaube das eigentlich nicht. Man hat argumentiert, daß ein
flexibles Wechselkurssystem die Disziplin eines festen Wechselkurses für
die Währungs- und Fiskalpolitik aufhebe. Aber wenn ich an die früheren Jahre
der festen Wechselkurse zurückdenke, dann erinnere ich mich, daß eine ganze

- 7 -

�ganze Reihe von Ländern eine hohe Inflationsrate aufzuweisen hatte und
daß sie taten, was sie tun mußten, nämlich ihre Währungen abzuwerten. Ich
betrachte die hohen Steigerungsraten des Geldumlaufs und die aggressive
Fiskalpolitik Anfang der siebziger Jahre keineswegs einfach als eine Folge
des flexiblen Wechselkurssystems. Ich glaube, man hat manche Dinge falsch
beurteilt, und diese Fehlurteile werden jetzt berichtigt. Wie ich sehe, wird
heute auf der ganzen Welt eine sehr viel vorsichtigere und klügere Politik verfolgt.
FRAGE: Aus dem, was Sie gesagt haben, glaube ich, Ihre Auffassung zu
erkennen, daß ein Großteil des Kampfes gegen Inflation eine psychologische
Angelegenheit ist - Senkung der inflationären Erwartungen - und daß, solange
diese Erwartungen nicht gesenkt werden, die Inflationsrate nicht gesenkt
werden kann.
ANTWORT: Das ist wohl richtig, aber inflationäre Erwartungen werden
gesenkt, indem man eine angemessene Politik verfolgt. Es gibt zwei Dinge,
die wesentlich sind; beide würden zu einer Mäßigung der inflationären Erwartungen beitragen. Das eine ist die Aufrechterhaltung der richtigen Umwelt
der Währungs- und Fiskalpolitik. Das zweite ist der Ausbruch aus dem endlosen Kreis der Lohnerhöhungen, die zu Preiserhöhungen führen, die wiederum
die Löhne hochtreiben. Wir haben noch keine Methode dafür gefunden. Vielleicht
wird der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Ausschuß einen gangbaren Weg finden. Ich
hoffe das sehr, denn die Bewältigung des Inflationsproblems ist eine ganz
entscheidende Aufgabe, wenn diese Administration bis 1981 ihr Ziel der Vollbeschäftigung erreichen will. Wenn die Inflation wieder anfängt zu kochen,
dann haben wir das ganze Spiel verloren. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit lehren uns, daß man wirklich in Schwierigkeiten ist, wenn die Inflation
erst wieder in Fahrt kommt. Dann legt man die Saat für eine neue Rezession.

+ + + + +

- 8 -

�Uli//en/chaft
miü Technik
United States Information Service

31

30. November 1977

BRUCHFESTES GLAS ZUM EINKAPSELN VON ATOMMÜLL

(AD). - Neuartige Glasmassen für die sichere Verpackung von stark
radioaktiven Abfällen haben die Physikprofessoren Dr. Theodore Litovitz,
Dr. Peoro Macedo und Dr. Joseph Simmons von der Katholischen Universität
der amerikanischen Bundeshauptstadt Washington entwickelt. Die als Einschlußmaterial verwendeten Gläser in Stabform halten hohe Radioaktivität
für einen sehr langen Zeitraum zurück - man schätzt, für mindestens eine
Million Jahre. Die bisher zum Einkapseln radioaktiver Abfälle versuchsweise
verwendeten Gläser garantieren dies nur für ca. 1 000 Jahre.
Die Festigkeit der neuen Glasmassen entspricht etwa der des Stahls. Sie
sind poröser als gewöhnliches Glas, so daß sie die radioaktiven Stoffe gut
absorbieren können. Ist die Einschlußmasse mit nuklearen Abfällen gesättigt,
wird sie erhitzt. Dabei konzentrieren sich die radioaktiven Stoffe in der
Mitte des Glasstabs, der an der Außenseite eine Auflage aus reinem, nichtporösem Glas erhält.
Wie die drei

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D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Wie die drei Wissenschaftler erklären, können diese Glasstäbe sicher
in Salzbergwerken gelagert werden, wohingegen die bisher angewandten Methoden
zur Zwischen- oder Endlagerung nuklearer Abfälle in ehemaligen Salzbergwerken keine zufriedenstellende Lösung bedeuten. Außerdem sei es möglich, die
Glasstäbe, die noch eine schwache Strahlung abgeben, für praktische Zwecke
wie Abwasserbehandlung oder Konservierung von Nahrungsmitteln zu verwenden.
Dadurch würden teure und keineswegs immer sichere Präparate zur chemischen
Behandlung überflüssig.

+ + + + +

�1
I

Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service

31

30. November 1977

EINE NEUE SPUR FÜR DIE ENTWICKLUNG IRDISCHER LEBENSFORMEN
Amerikanische Wissenschaftler identifizieren Methanbakterien als
möglicherweise älteste Organismen

(AD). - Eine bestimmte Art von Mikroorganismen, die hauptsächlich von
Kohlendioxid und Wasserstoff leben und Methan als Stoffwechselprodukt abgeben, könnten möglicherweise die älteste Form von Leben auf der Erde
darstellen. Man hatte sie bisher den gewöhnlichen Bakterien zugerechnet,
was jedoch falsch ist. Zu dieser Ansicht kamen Dr. Carl R. Woese, Professor
der Genetik und Entwicklungsbiologie, und Dr. Ralph S. Wolfe, Professor
der Mikrobiologie, an der Universität von Illinois in Urbana nach mehrjährigen Forschungen, bei denen in den unwirtlichsten Gebieten der Erde,
in Eis-, Stein- und Sandwüsten, nach Anzeichen für Leben und Möglichkeiten
für das überleben von primitiven Organismen gesucht wurde. Die Arbeiten
wurden von der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) und der Weltraumbehörde NASA finanziert, die sich vor allem im Hinblick auf mögliche Lebensformen außerhalb der Erde, etwa auf anderen Planeten unseres Sonnensystems,
an dem Projekt beteiligte.
Die methanproduzierenden Mikroorganismen, die als "Methanobacteria
thermoantotrophica" bezeichnet werden, fand man nur an Orten, wo es kr:nen

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�keinen Sauerstoff gibt

beispielsweise in sehr großer Tiefe in den heißen

Quellen des Yellowstone-Parks, Manche scheinen bei Temperaturen zwischen
65 und 70 Grad Celsius am besten zu gedeihen. Es hat den Anschein, daß es
sich um Überbleibsel aus einer mehr als vier Milliarden Jahre zurückliegenden
Zeit in der Erdgeschichte handelt. Die Organismen geben brennbares Methangas als wichtigstes Stoffwechselprodukt ab und beziehen Energie und Nahrung
aus einfachen Substanzen wie Kohlendioxid und Wasserstoff - Gasen also, die
in der primitiven Atmosphäre der jungen Erde vor vier bis drei Milliarden
Jahren vorherrschend waren. Sauerstoff, den es in der Uratmosphäre nicht
gab, brauchen sie nicht, ebensowenig kompliziertere Verbindungen wie Zucker
und Aminosäuren, die die meisten anderen Organismen als Nahrung benötigen.
Nach Dr. Woese dürfte sich dieser Typ von Mikroorganismen schon während
der ersten Jahrmilliardr in der Frühgeschichte der Erde entwickelt haben.
Fossile Spuren gibt es von ihnen nicht, weil damals die Erdkruste noch nicht
erstarrt war, Nach Meinung der Wissenschaftler könnte die Entdeckung jedoch
Hinweise auf eine der bisher unbekannten Phasen der Evolution geben - eine
Phase, die der Entwicklung von Leben, wie wir es kennen, unmittelbar vorausging. Die Erkenntnisse darüber sind noch sehr lückenhaft.
Wie Dr. Woese erklärte, repräsentieren die jetzt analysierten Mikroorganismen eine Linie der Evolution, die von den zwei bisher bekannten Linien den "höheren Formen" tierischer und pflanzlicher Lebewesen und den "niederen
Formen" der Bakterien - völlig getrennt ist. Die traditionelle Zweiteilung
gründet sich letztlich auf die Hypothese, daß alles Leben auf der Erde auf
einen gemeinsamen Stamm, vermutlich eine einfache Zelle, zurückzuführen sei,
von der sich vor fast vier Milliarden Jahren die beiden Entwicklungslinien
abzweigten. Noch älter als diese"Stammzellen" dürften jedoch die Methanbakterien
sein.
Trotz des Fehlens fossiler Spuren für primitive Formen von Leben vermag
heute die Wissenschaft Evolutionslinien aufzuspüren, weil die lebende Zelle

- 2 -

�Zelle in ihren Genen gewisse f'erkmale 6er biologischen Vergangenheit enthält.
In der. letzten drei Jahrzehnten wurden verfahren entwickelt, mit denen solche
genetischen "Urtexte" teilweise entziffert werden können. Besonders aufschlufreich war bei den Methanbakterien die Zusammensetzung der Ribosomen-RNS
(RNS - inbonukleinsa'ure, Bestandteil aller selbständig existierenden und
re;roduktionsfähigen Systeme). Sie bildet die Hauptbausteine der Riboscmen,
jener', kugelförmigen Partikeln innerhalb der Zelle, welche die "Botschaften"
6er Gene aufnehmen und dementsprechend Proteine aufbauen. Ribosomen-RNS
gelten als sehr alte Komponenten, die noch Teile 6er primitiven Replikationssysteme enthalten. Deshalb eionen sie sich besonders gut für Vergleichsstudien.
Professor 'v'oese und seine Kitarbeiter stellten Im Ver'aui" ihrer Analysen
/ergleiche mit den Zeller. aller nur erdenklichen Mikroorganismen und "höherer"
Lebewesen an. Unter anderem wurde Ribosomen-RNS von Mrthanbakterien mit
Enzymen in kleine Einheiten aufgespalten und deren molekulare Sequenzen bestimmt.
Beim Vergleich mit den Sequenzen der KontrollOrganismen trat der große Unterschied zu deren Ribosomen-RNS besonders deutlich in Erscheinurg.
Wie Professor Woese erklärte, gibt diese Entdeckung Anlaß zu neuer Hoffnung,
6v.^ die Wissenschaft eines Tages die Entstehung von Leben auf der Erde in allen
Phasen verde erklären können. Auch sei man jetzt besser als zuvor in der Lage,
Lebensformen zu verstehen und aufzufinden, die sich außerhalb der Er - in
unserem Sonnensystem oder in noch weiter entfernten Bereichen entwi kelt haben
könnten.

+ + + + +

- 3 -

�m .lau
TPm

Information
United States Information Service

31

30. November 1977

"REHABILITATION USA"
Eine Ausstellung von therapeutischen und orthopädischen Hilfen
für Behinderte in Paris

Es gibt nach jüngsten Schätzungen auf der Welt rund 475 Millionen
Behinderte. Sie mit orthopädischen und anderen Hilfsmitteln zu versorgen,
die ihnen das Dasein erleichtern i'nc' zu einem möglichst "normaler" '.eben
verhelfen, wird heute in vielen Ländern und vor allem auch in den Vereinigten
Staaten als ein dringendes Problem angesehen.
In den Vereinigten Staaten befassen sich immer mehr gewerbliche und
industrielle Unternehmen mit der Entwicklung immer neuer und besserer Hilfsmittel für Behinderte. Einen Überblick über deren Leistungsfähigkeit zu geben,
ist. Zweck der Ausstellung "Rehabilitation USA", die vom 25- bis 2£ April 1978
im "U.S. Trade Center" in Paris gezeigt werden wird. Die Ausstellung, an der
sich nahezu 40 amerikanische Herstellerfirmen beteiligen, ist mit einem
Seminar verbunden, in dem sich Ärzte, der Fachhandel unc Interessenten über
die wichtigsten Neuerungen auf diesem Gebiet der Rehabilitation und Wiedereingliederung Behinderter in den Arbeitsprozeß informieren können.
Im Rahmen der Ausstellung werden u.a. Lehr- und Trainingshilfen für die

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�für die Sprechausbildung von Tauben, beschäftigungstherapeutische Geräte,
Prothesen und andere orthopädische Hilfen, Apparate für den Transport und
das Heben von bewegunsunfähigen Patienten sowie Neuheiten auf dem Gebiet der
physikalischen und krankengymnastischen Therapie gezeigt werden. Aus der
Fülle der neuen Produkte seien hier lediglich einige als besonders interessant
anzusehende Hilfsmittel herausgegriffen.
Eine echte Lebenshilfe für Blinde dürfte ein neues elektronisches Lesegerät von der Größe eines kleineren Kassettenrekorders werden, das mit Hilfe
eines Streichholzschachtel großen Sensors gedruckte Texte abtastet und in
Schwingungen umsetzt, die Blinde nach einiger Übung mühelos mit einem Finger
"erfühlen" und damit "lesen" können. Das Gerät vermag selbst handschriftliche
Texte zu erfassen, sofern sich der Schreiber einigermaßen an eine vorprogrammierte
Norm hält. Ein weites Betätigungsfeld eröffnet blinden Büroangestellten ein
neuer Sprech-Taschenrechner, der eingegebene Zahlen, Rechenbefehle und deren
Ergebnisse mit Sprechstimme ansagt. Das Gerät, das bequem in einer Hand Platz
findet, verfügt über ein Vokabularium von 24 Wörtern,die in jeder beliebigen
Sprache "einprogrammiert" werden können.
Für schwer Sehgeschädigte wurde ein Video-Lesegerät entwickelt, das Textzeilen bis zu 15mal vergrößert auf einem Bildschirm wiedergibt.
Für Taube wird man in Parir eine Art Fernschreib-Telefon zeigen, das an das
Telefonnetz angeschlossen wird und eingetippte Botschaften an das angewählte
Gegengerät weiterleitet, so daß ein schriftlicher Dialog möglich wird.
Breiten Raum wird in der Ausstellung die Abteilung Transportgeräte und hilfen einnehmen. Neben normalen Hand- und Motorroll stuhlen wird ein Krankenfahrstuhl mit zusätzlichen Gummi-Gleisketten angeboten, die durch einfachen
Hebelgriff "eingeschaltet" werden können und das Fahrzeug treppengängig machen.
Ein anderes Motorfahrzeug für Gehbehinderte ist ein Dreirad mit Rol1 stuhl Plattform, dessen Rückfront als Auffahrtsrampe heruntergeklappt werden kann;
der Versehrte gelangt über die Rampe in das Gefährt, stellt den Rollstuhl fest
und kann nunmehr "vollmotorisiert" weiterfahren, da alle Bedienungsorgane
- 2 -

�Bedienungsorgane des Dreirades in unmittelbarer Reichweite seiner Hände
angeordnet sind. Ein schwenkbarer
Kleinbusse oder Kastenwagen

elektrischer Roll stuhlheber zum Einbau in

hebt den Versehrten im Rollstuhl auf die Pritschen-

ebene und schwenk ihn direkt auf den Beifahrerplatz, von dem er gegebenenfalls selbst auf den Fahrersitz rutschen kann. Ein elektrisch betriebener
Gurt-Heber, von einer Eisenschiene über dem Bett herabhängend und mit einem
Steuergerät ausgestattet, ermöglicht es Gelähmten, sich ohne fremde Hilfe vom
Rollstuhl aus ins Bett heben zu lassen.
Weitere Auskünfte über die Ausstellung und das Seminar erteilt auf Anfrage
das U.S. Trade Center, 123 Avenue Charles de Gaulle, F 92200 Neuilly.

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Warnke: Rüstungskontrolle liegt im Interesse beider Seiten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Abrüstungsdirektors in Washington -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Inflationsbekämpfung Grundvoraussetzung für den Wirtschaftsaufschwung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit einem führenden Wirtschaftsberater Präsident Carters -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bruchfestes Glas zum Einkapseln von Atommüll&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Spur für die Entwicklung irdischer Lebensformen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Methanbakterien als möglicherweise älteste Organismen identifiziert -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Rehabilitation USA"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eine Ausstellung von therapeutischen und orthopädischen Hilfen für Behinderte in Paris -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. November 1983

48
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan: USA sofort zur Wiederaufnahme der Genfer Gespräche bereit
- Erklärung des US-Präsidenten vom 23. November 1983 Präsident Reagan beantwortet Schreiben der Mutter von Filderstadt
Nitze bekräftigt Bereitschaft der USA zur Fortsetzung der INFVerhandlungen
- Erklärungen in Brüssel und Genf -

HINTERGRUNDMATERIAL
Chronologie der amerikanischen und der sowjetischen Rüstungskontroll
vorschlage
IEA:

Der Schlüssel für internationale Energiesicherheit

- Von E. Allan Wendt -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Arbeitsstätte "SPACELAB"
- ESA-Weltraumlabor - ein Modell für wissenschaftliche Raumstationen

Um Übersendung uon
Belegexemplaren
wild gebeten

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

48

30. November 1983

REAGAN: USA SOFORT ZUR WIEDERAUFNAHME DER GENFER GESPRÄCHE BEREIT
- Erklärung des US-Präsidenten vom 23. November 1983 -

SANTA BARBARA, KALIFORNIEN - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 23.
November 1983 mit Nachdruck unterstrichen, daß die USA bereit seien, die von
der Sowjetunion unterbrochenen Verhandlungen über nukleare Mittelstreckenraketen in Genf sofort wieder aufzunehmen.

Gleichzeitig versicherte er in

einer in seinem Urlaubsort Santa Barbara in Kalifornien abgegebenen Erklärung, daß die Vereinigten Staaten niemals den Verhandlungstisch verlassen
würden.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich bedauere zutiefst, daß sich die Sowjetunion entschieden hat, die
gegenwärtige Runde der Verhandlungen über die nuklearen Mittelstreckenraketen (INF) in Genf zu unterbrechen.

Wenn diese Entscheidung auch keine Ober-

raschung darstellte, so hat sie doch tiefe Enttäuschung ausgelöst.

Die Be-

mühungen um ein Abkommen über die Verminderung der Kernwaffen sind für die
Menschen in aller Welt so wichtig, daß sie nicht aufgegeben werden dürfen.
Der gesunde

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der gesunde Menschenverstand erfordert, daß wir (mit den Verhandlungen)
fortfahren.

Wir haben zwei Jahre lang verhandelt, während die Sowjets weiter-

hin ihre SS-20-Raketen disloziert haben.

Es gibt keine Rechtfertigung für

ihren Abbruch der Verhandlungen, wo jetzt die NATO damit beginnt, das Gleichgewicht wiederherzustellen.
handlungstisch verlassen.

Die Vereinigten Staaten werden niemals den VerDer Friede ist zu wichtig.

Wir sind bereit, die Verhandlungen sofort wieder aufzunehmen.

Die Ini-

tiativen, die wir am Verhandlungstisch vorgebracht haben, verfolgen nur das
eine Ziel:

ein faires Abkommen zu erreichen, das die Anzahl der Kernwaffen

verringert.

Die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten sind geeint

in der Verpflichtung, zu einem Erfolg zu gelangen.
Es gibt keine höhere Priorität als die Verminderung der Kernwaffen.
Rüstungsverminderungen sind der einzig richtige Weg zu einer sichereren Zukunft.

Wir sind um vernünftige und verifizierbare Abkommen bemüht, die den

legitimen Sicherheitsinteressen beider Seiten gerecht werden.
Wir setzen die anderen Verhandlungen mit der Sowjetunion fort:

die Ver-

handlungen über die Verringerung der strategischen Rüstungen (START), über
die Verringerung der konventionellen Streitkräfte in Europa (MBFR), über ein
Verbot der chemischen Waffen sowie - in Kürze - über vertrauensbildende Maßnahmen, die auf die Verhinderung militärischer Überraschungen in Europa abzielen.
Die Völker der Welt verdienen und wünschen, daß unsere Verhandlungen
Erfolg haben. Wir sehen dem Tag entgegen, da die Sowjetunion diesem Appell
folgt und an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Wir müssen Standhaftigkeit
beweisen, wenn der Sache des Friedens gedient werden soll.
+ + +

Erklärung Reagans

�ERKLÄRUNG REAGANS NACH ANDROPOW-ANKÜNDIGUNG

Nach der Ankündigung des sowjetischen Staats- und Parteichefs Andropow
vom 24. November 1983, daß die Sowjetunion eine weitere Beteiligung an den
INF-Verhandlungen in Genf als unmöglich ansieht, erklärte Präsident Reagan
in Santa Barbara:
Wir können nur bestürzt sein über die sowjetische Erklärung.

Sie steht

in krassem Kontrast zu dem erklärten Wunsch der Sowjetunion, daß ein Abkommen
ausgehandelt werden müsse.
Wenn wir auch bestürzt sind, so sind wir dennoch entschlossen, unsere
Anstrengungen zur völligen Beseitigung der landgestützten nuklearen Mittelstreckensysteme zu erneuern.

Wir werden uns auch weiterhin um Verhandlungen

in gutem Glauben bemühen.

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

48

30. November 1983

PRÄSIDENT REAGAN BEANTWORTET SCHREIBEN DER MOTTER VON FILDERSTADT

WASHINGTON - (AD)
Telegramms der "Mütter
Filderstadt die Sorgen
haben sollen, in einer

- Präsident Ronald Reagan hat in Beantwortung eines
für den Frieden" aus dem baden-württembergischen Ort
dieser Frauen geteilt, daß "unsere Kinder die Chance
sicheren, gesunden und friedlichen Welt zu leben".

In ihrem Telegramm, das sie am 11. November 1983 zur Weitergabe an den
Präsidenten an die amerikanische Botschaft richteten, hatten die "Mütter
für den Frieden" den Präsidenten gebeten, in Genf weiter zu verhandeln mit
dem Ziel, Europa die Nachrüstung zu ersparen, und darauf hingewiesen, daß
die Menschen in Ost und West dies mit größter Dankbarkeit aufnehmen würden.
In seinem Antwortschreiben unterstreicht der Präsident die Notwendigkeit, daß sich demokratische Nationen im Notfall verteidigen können, und verweist auf die jedes vertretbare Maß der Selbstverteidigung überschreitende
Hochrüstung der Sowjets. Diese habe schließlich zum NATO-Doppelbeschluß geführt. Präsident Reagan versichert den Frauen, daß die Vereinigten Staaten
weiterhin verhandlungsbereit sind und bleiben und daß die amerikanischen Raketen bei einem befriedigenden Abkommen mit der Sowjetunion wieder abgezogen würden.
Das Schreiben

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Telex: 8-85432

�Das Schreiben des Präsidenten an die "Mütter für den Frieden" in Filderstadt hat folgenden Wortlaut:
Für Ihre herzliche, tiefempfundene Botschaft zum Thema Rüstungskontrolle
danke ich Ihnen. Als Eltern und Großeltern teilen Nancy und ich Ihre Sorgen,
daß unsere Kinder die Chance haben sollen, in einer sicheren, gesunden und
friedlichen Welt zu leben.
Um aber für uns und unsere Nachkommen eine solche Welt zu gewährleisten,
müssen wir in der Lage sein, uns verteidigen zu können, wenn dies notwendig
werden sollte.

Nicht alle Staaten der Welt glauben wie wir an Freiheit, De-

mokratie und die Grundrechte des Menschen.

Die Sowjetunion hat bedauerlicher-

weise einen Kurs der Hochrüstung von beispiellosen Ausmaßen eingeschlagen und
bedroht ihre Nachbarn in Europa und in Asien mit SS-20- und anderen Atomraketen, die jedes vertretbare Maß der Selbstverteidigung übersteigen.
Als Antwort auf diese Aufrüstung der Sowjets haben die Länder der Nordatlantikvertragsorganisation im Jahr 1979 beschlossen, die NATO-Abschreckung
zu modernisieren und gleichzeitig die Sowjetunion zu Verhandlungen über eine
Abschaffung oder Verringerung dieser Waffen auf beiden Seiten zu bewegen.
Leider hat sich die UdSSR bisher nicht bereit gezeigt, auf die Besorgnisse
einzugehen, die zu diesem Beschluß geführt haben. Dementsprechend beginnt
das Bündnis Ende dieses Jahres mit der Stationierung vergleichbarer Systeme,
um einen Ausgleich für die in den letzten sechs Jahren aufgestellten SS-20Raketen zu schaffen.
Gleichzeitig gab das Bündnis im vorigen Monat ein
weiteres Programm der einseitigen Verringerung bekannt, das zusammen mit
unserem einseitigen Abzug von 1000 nuklearen Gefechtsköpfen im Jahr 1980
das Arsenal der NATO auf seinen niedrigsten Stand in über 20 Jahren bringen
wi rd.
Das Ziel des Bündnisses ist es, die Sowjets dazu zu bewegen, auf Verringerungen der weiterreichenden nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) auf
einen möglichst niedrigen Stand - am besten auf Null - einzugehen.

- 2 -

Die Ver-

�Die Verwirklichung des NATO-Doppelbeschlusses wird dazu beitragen, daß gewährleistet wird, daß in Europa niemals ein Atomkrieg ausbricht, indem die
Sicherheit der Vereinigten Staaten mit der Sicherheit Westeuropas verknüpft
wird.

Mit anderen Worten, unsere europäischen Verbündeten würden einem

sowjetischen Einschüchterungsversuch niemals allein gegenüberstehen.
Sie haben in Ihrer Botschaft gebeten, daß wir mit der Sowjetunion weiterverhandeln sollen.
nehmen.

Wir sind bereit, die Verhandlungen sofort wieder aufzu-

Die Vereinigten Staaten werden den Verhandlungstisch niemals ver-

lassen; dazu ist der Frieden zu wichtig.

Nichts hat für mich einen höheren

Rang als die Verringerung der Kernwaffen.

Wir haben zwei Jahre lang ver-

handelt, während die Sowjetunion eine SS-20-Rakete nach der anderen aufgestellt hat.

Es gibt für die Sowjetunion keine Rechtfertigung für einen Ab-

bruch der Verhandlungen, wenn die NATO jetzt beginnt, das Gleichgewicht wieder herzustellen.
Ein befriedigendes Abkommen muß die Sicherheit unserer europäischen
Verbündeten gewährleisten.

Wenn ein solches Abkommen die Stationierung

amerikanischer Raketen unnötig macht, dann können alle in Europa aufgestellten
amerikanischen Raketen wieder abgezogen werden.
Ich werde ein solches Abkommen weiterhin mit allem Nachdruck anstreben.
Es ist immer die Politik der Vereinigten Staaten gewesen - und wird es auch
weiterhin bleiben -, dafür zu sorgen, daß der Menschheit die Geissei eines
Atomkrieges erspart bleibt, bei dem es keine Sieger gäbe.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Ronald Reagan

- 3 -

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. November 1983

48

NITZE BEKRÄFTIGT BEREITSCHAFT DER USA ZUR FORTSETZUNG DER
INF-VERHANDLUNGEN
- Erklärungen in Brüssel und Genf -

BRÜSSEL - (AD) - Der amerikanische Verhandlungsführer bei den Genfer
INF-Gesprächen, Paul Nitze, hat am 25. November 1983 nicht nur die Bereitschaft, sondern auch den Wunsch der US-Regierung bekräftigt, daß die Verhandlungen über die nuklearen Mittel Streckensysteme wieder aufgenommen werden,
wann immer Moskau dies tun wolle.
Nach seinen Darlegungen vor dem Nordatlantikrat in Brüssel gab Nitze
auf einer Pressekonferenz folgende Erklärung ab:
Ich habe vor dem NATO-Rat das tiefe Bedauern der amerikanischen Regierung über die einseitige sowjetische Aussetzung dieser INF-Verhandlungsrunde
zum Ausdruck gebracht.

Ich habe ebenfalls nicht nur die Bereitschaft, son-

dern auch den Wunsch der US-Regierung unterstrichen, daß diese Verhandlungen
fortgesetzt oder wieder aufgenommen werden sollten, wann immer die Sowjetunion dies tun will.
Wir haben

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wir haben den Prozeß der engen Konsultation fortgesetzt, wie das auch
in der Vergangenheit der Fall war.

Ich glaube, Botschafter Glitman und ich

haben während des Verlaufes dieser Verhandlungen etwa alle drei Wochen den
NATO-Rat unterrichtet.

Er oder ich sind hier erschienen, um den Nordatlantik-

rat über alle Einzelheiten der Verhandlungen zu informieren, wie sie sich in
diesem Zeitraum ergaben haben.

Meiner Meinung nach ist es am besten, wenn

ich mich jetzt Ihren Fragen stelle.
Die wichtigsten Fragen und Antworten dieser Pressekonferenz haben folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Haben Sie während dieses Monats

der Verhandlungen mit den Sowjets

jemals das Gefühl gehabt, daß ein Abbruch verhindert werden könnte und daß
eine Lösung, ein Abkommen zu irgendeinem Zeitpunkt in Reichweite war?
ANTWORT:

Wir haben während dieser Verhandlungen immer mit der Hoffnung

gearbeitet, daß ein Abkommen erreicht werden könne vor dem tatsächlichen Beginn der Stationierung, und wir hofften auch immer, daß ein Abkommen auch
nach der Stationierung erreicht werden könne. Zu keinem Zeitpunkt haben wir
also unsere Hoffnung aufgegeben, daß wir auf irgendeine Weise zu einer Lösung
gelangen könnten.
Sie haben mich gefragt, ob wir zu irgendeinem Zeitpunkt tatsächlich
einem Abkommen nahe waren. Ohne Frage hatte ich während des Waldspazierganges das Gefühl, daß wir einem Abkommen nahe waren, aber ich war enttäuscht,
als die Sowjetunion diese Initiative voll und ganz zurückwies. Ich glaube
nicht, daß wir seither einander wieder so nahe waren, obwohl ich unterstreichen
möchte, daß wir während der letzten Wochen bei einer Anzahl von Punkten im
Hinblick auf eine Annäherung dieser Positionen reale Fortschritte machten.
Und deshalb bedauere ich besonders, daß sich die Sowjets genau zu diesem Zeitpunkt bedeutsamer Fortschritte bei bestimmten Fragen entschieden, einseitig
den Verhandlungstisch zu verlassen.
FRAGE:

- 2 -

Was höben

�FRAGE:

Was haben Sie zu der gestrigen Erklärung Andropows zu sagen, daß

die Sowjetunion ihre weitere Beteiligung an diesen Gesprächen als unmöglich
ansieht?
ANTWORT:

Meiner Meinung nach ist dies eine Verhärtung des sowjetischen

Standpunktes gegenüber der Position, die sie gestern einnahmen, und umso mehr
bedauere ich das.
FRAGE:

Glauben Sie, daß dies das Ende der Gespräche bedeutet?

ANTWORT:
FRAGE:

Ich hoffe nicht.

Warum wurde dieser Waldspaziergangsvorschlag niemals vom Genfer

Verhandlungsteam der USA offiziell vorgebracht?
ANTWORT:

Die sowjetische Regierung erklärte mir offiziell - oder viel-

mehr Botschafter Kwizinski erklärte mir auf Weisung seiner Regierung -, daß
Moskau dies voll und ganz ablehne.
FRAGE:

Hatten Sie das Gefühl, daß es verschiedene Vorstellungen in

Moskau und in Genf gab?

War die sowjetische Führung in Moskau irgendwie

härter als diejenigen, die für sie in Genf verhandelten?
ANTWORT:

So etwas ist sehr schwer zu sagen.

Das mag durchaus der Fall

gewesen sein, aber persönlich habe ich keine Hinweise dafür.
FRAGE:

Welche Gründe sehen Sie dafür, daß die Russen die Verhandlun-

gen... wieder aufnehmen sollten?
ANTWORT:

Ich meine, sie hätten sehr nachhaltige Gründe dafür.

Ich

glaube, die gegenwärtige Situation ist für die Welt als Gesamtheit nicht wünschenswert, und meiner Ansicht nach gibt es starke Gründe dafür, warum es in
ihrem Interesse ist - wie auch in unserem -, daß das Verhältnis zwischen un- 3 -

�zwischen unseren beiden Ländern, wie die Situation in der Welt überhaupt,
verbessert wird.

+ + +

ERKLÄRUNG NITZES IN GENF

Bereits am 23. November 1983 hatte der amerikanische ChefUnterhändler
in Genf folgende Erklärung zu der sowjetischen Entscheidung abgegeben:
Die Vereinigten Staaten bedauern zutiefst die Entscheidung der Sowjetunion,
die INF-Verhandlungen auszusetzen.

Dies ist eine ungerechtfertigte und auch

unglückliche Entscheidung.
Die Sowjetunion hat die Aussetzung dieser Verhandlungen damit begründet,
daß die Zustimmung von NATO-Parlamenten zur Dislozierung amerikanischer Raketen eine Fortsetzung dieser Gespräche unmöglich mache. Als die Vereinigten
Staaten im Jahr 1979 der Sowjetunion zum erstenmal INF-Verhandlungen vorschlugen, hatte die Sowjetunion bereits etwa 140 SS-20-Raketen global disloziert.
Die globale Gesamtzahl der SS-20 beläuft sich jetzt auf 360 Raketen, und der
sowjetische Aufbau hält an.
Diese anhaltende sowjetische Aufrüstung hat die Vereinigten Staaten nicht
daran gehindert, diese Verhandlungen weiterzuführen und jede Anstrengung zu
machen, um ein gerechtes Abkommen zu erreichen. Diese Verhandlungen sollten
fortgesetzt werden, bis ein Abkommen erreicht ist.
Der Zeitplan für die amerikanischen Dislozierungen ist zu keiner Zeit
ein Geheimnis gewesen, auch die Gründe dafür waren es nicht. Sie entsprangen

- 4 -

�Sie entsprangen dem NATO-Doppelbeschluß von 1979 als eine notwendige Antwort
auf die sowjetische Dislozierung von SS-20-Raketen. Mit dieser Entscheidung
wurde das Mandat erteilt, sich um eine Begrenzung dieser Rüstungen zu bemühen
und zwar durch Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
Die Vereinigten Staaten bleiben der Erreichung einer ausgehandelten Lösung verpflichtet, die den Sicherheitserfordernissen aller Betroffenen gerecht wird.

Die amerikanische Delegation hat auf offiziellem wie inoffiziel-

lem Wege versucht, alle Möglichkeiten für einen Ausgleich der zwischen beiden
Seiten bestehenden Meinungsverschiedenheiten auszuschöpfen.

Die Vorschläge

der Vereinigten Staaten sind flexibel und sollen den von der Sowjetunion zum
Ausdruck gebrachten Bedenken Rechnung tragen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihre Stationierungen zu stoppen
oder zurückzunehmen, wenn ein gerechtes Abkommen über die Verminderung und
Begrenzung oder die Beseitigung der amerikanischen und der sowjetischen Raketen erreicht werden kann.
Was die Vereinigten Staaten anbetrifft, so sind sie weiterhin bereit,
die INF-Verhandlungen fortzusetzen, bis ein Abkommen erreicht worden ist und
unsere beiden Lander damit ihre Verantwortung und Pflicht erfüllt haben, zur
Sache des Friedens beizutragen.

- 5 -

�intcrgiurv
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

48

30. November 1983

CHRONOLOGIE DER AMERIKANISCHEN UND DER SOWJETISCHEN RÜSTUNGSKONTROLLVORSCHLÄGE

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend ein Oberblick über die Rüstungskontroll
vorschlage der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion:
Verhandlungen über weiterreichende nukleare Mittel Streckensysteme (LRINF)

Vereinigte Staaten
Dezember 1979:

Die NATO trifft den Doppelbeschluß, d.h. beschließt Ver-

handlungen über eine Verringerung des LRINF-Niveaus oder eine Beseitigung dieser Systeme auf beiden Seiten

und Modernisierung der NATO-Streitkrä'fte als

Antwort auf die sowjetischen Dislozierungen, sollte dies notwendig sein.
November 1981:

Präsident Reagan gibt die Null-Lösung bekannt, durch die

eine gesamte Kategorie amerikanischer und sowjetischer landgestützter Mittelstreckenraketen beseitigt werden soll.

Die NATO würde keine Gegensysteme dis-

lozieren, wenn die UdSSR ihre bereits stationierten Systeme beseitigen würde.
Februar 1983:

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Februar 1983:

Die Vereinigten Staaten legen erneut die Kriterien für

ein LRINF-Abkommen dar:
1. Gleichheit der Rechte und Begrenzung zwischen den USA und der Sowjetunion:
2. Nichteinbeziehung unabhängiger nuklearer Abschreckungsstreitkräfte dritter Länder, wie die Großbritanniens und Frankreichs, in ein Abkommen;
3. die vereinbarten Grenzen müssen auf einer globalen Basis angewendet
werden; keine Verlagerung sowjetischer LRINF vom europäischen Teil nach
Asien;
4. keine Schwächung der konventionellen Abschreckungsstreitkräfte der NATO;
und
5. wirksame Verifizierungsmaßnahmen.
März 1983: Die Verteidigungsminister der NATO weisen die sowjetischen
"Zwischenbegrenzungen" zurück, weil dadurch mehr sowjetische SS-20-Raketen
verbleiben würden

als vor Beginn der Verhandlungen.

März 1983: Angesichts der sowjetischen Weigerung, die sowjetischen
LRINF-Systeme als Antwort auf eine Nichtdislozierung der Gegensysteme der NATO
zu beseitigen, wie dies in der Null-Lösung vorgeschlagen wurde, bieten die
Vereinigten Staaten eine "Zwischenlösung" an. Die Vereinigten Staaten schlagen vor, die geplante Dislozierung von PERSHING II und landgestützten Marschflugkörpern wesentlich zu verringern, falls die Sowjets die Anzahl ihrer Gefechtsköpfe auf den sowjetischen Raketen auf globaler Basis auf einen gleichen
Stand reduzieren würden. Gleichzeitig unterstreichen die USA, daß sie die
Null-Null-Option als ideale letztliche Lösung des Problems vorziehen.
September 1983:

- 2 -

�September 1983: Präsident Reagan gibt in seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen neue amerikanische Initiativen bekannt, mit
denen spezifischen sowjetischen Bedenken entgegengekommen werden soll:
1. Die Bereitschaft der USA, LRINF-Flugzeuge in die Verhandlungen einzubeziehen, obwohl die USA auch weiterhin die Dislozierung von SS-20-Raketen als Hauptbedrohung für die westliche Sicherheit ansehen;
2. die Bereitschaft der USA zu der Verpflichtung, im Zusammenhang mit einem
Abkommen, das gleiche globale Begrenzungen vorsieht, die sowjetische Gesamtdislozierung nicht durch amerikanische Dislozierungen in Europa auszugleichen;
3. die Bereitschaft der USA, für den Fall eines Zwischenabkommens die
amerikanischen Reduzierungen angemessen zwischen PERSHING II und Marschflugkörpern aufzuteilen.
Oktober 1983: Die Vereinigten Staaten erklären, daß der Andropow-Vorschlag Mängel enthält, weil er immer noch darauf besteht, daß die britischen
und französischen strategischen Streitkräfte angerechnet werden müssen und
daß keine amerikanischen Dislozierungen stattfinden dürften.

Der Vorschlag,

die LRINF-Raketensysteme im asiatischen Teil der Sowjetunion einzufrieren,
scheint den amerikanischen Standpunkt anzuerkennen, daß die Frage der nuklearen Mittel Streckensysteme auf globaler Basis angepackt werden muß.

Die USA

wollen weitere Einzelheiten über den sowjetischen Flugzeug-Vorschlag erfahren.

- Die USA stellen fest, daß die sowjetische Drohung mit einer Beendigung
der Verhandlungen für den Fall der Stationierung amerikanischer Raketen
in Europa ungerechtfertigt ist, da die Vereinigten Staaten seit zwei Jahren verhandelt haben, während gleichzeitig der Stand der sowjetischen
SS-20-Raketen dramatisch erhöht wurde.
- Die USA

�- Die USA geben den Abzug von 1400 taktischen Nuklearwaffen aus Europa
bekannt, womit die Anzahl der Kernwaffen der NATO in Europa gegenüber
dem Stand des Jahres 1979 um mehr als ein Drittel verringert wird, nachdem bereits im Jahr 1980 rund 1000 derartiger Waffen abgezogen worden
waren.
November 1983:

Die Vereinigten Staaten schlagen eine Zwischenobergrenze

von 420 Gefechtsköpfen bei LRINF-Raketen vor, wobei sie gleichzeitig ihre Bereitschaft unterstreichen, weitere Reduzierungsebenen in Erwägung zu ziehen.
Dieser Vorschlag entspricht einer globalen Begrenzung der sowjetischen SS-20Raketen auf 140.

Im Oktober 1983 hatte die Sowjetunion vorgeschlagen, nur

ihre SS-20-Raketen im europäischen Bereich auf 140 Trägerwaffen mit 420 Gefechtsköpfen zu begrenzen.
- Die Anlieferung der ersten landgestützten Marschflugkörper für Großbritannien beginnt.

Sowjetunion
1977:

Die Sowjetunion beginnt mit der Dislozierung von SS-20-Raketen

im europäischen Teil der UdSSR.
Dezember 1978:

70 SS-20-Raketen mit 210 Gefechtsköpfen sind im euro-

päischen und asiatischen Teil der UdSSR stationiert.
Oktober 1979:

Breschnew schlägt ein Einfrieren der SS-20-Raketen vor,

falls die NATO keine Gegensysteme aufstellt.
Juli 1980:

Die Sowjets stimmen schließlich Verhandlungen über nukleare

Mittel Streckensysteme zu, nachdem sie sich vorher immer geweigert hatten, zu
verhandeln, es sei denn, die NATO gebe ihren Doppelbeschluß auf.
Oktober 1980:

�Oktober 1980: Vorbereitende amerikanisch-sowjetische Gespräche über
INF.

Dezember 1980:

Im europäischen und asiatischen Teil der UdSSR sind jetzt

200 SS-20-Raketen mit 600 Gefechtsköpfen stationiert.

November 1982:

Die Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme

(INF) beginnen in Genf.

Dezember 1981:

Im europäischen und asiatischen Teil der UdSSR sind jetzt

270 SS-20-Raketen mit 810 Gefechtsköpfen stationiert.

März 1982:

Im europäischen und asiatischen Teil der UdSSR sind jetzt

300 SS-20-Raketen mit 900 Gefechtsköpfen stationiert.

Die Sowjets verkünden

ein "Moratorium" für Dislozierungen im europäischen Teil der Sowjetunion, die
Dislozierungen gehen jedoch weiter, nachdem die im Bau befindlichen RaketenAnlagen im europäischen Teil der UdSSR fertiggestellt und einsatzbereit sind;
mit dem Bau neuer Stellungen im östlichen Teil der UdSSR, deren Raketen Ziele
der NATO treffen können, wird begonnen.

Dezember 1982: Andropow schlägt einev^Zwischenobergrenze" vor, die
es Moskau gestatten würde, LRINF-Raketen in Europa in gleicher Zahl der Anrechnung der 162 britischen und französischen strategischen Systeme zu dislozieren.

162 SS-20-Raketen mit drei Gefechtsköpfen können insgesamt 486 Ziele

treffen; 162 britische und französische Raketen können jedoch nur 162 Ziele
treffen.
rungen

Aufgrund dieses Vorschlages würde keine amerikanischeLRINF-Disloziein Europa gestattet, jedoch unbegrenzte SS-20-Dislozierungen im

asiatischen Teil der UdSSR.

März 1983:

Im europäischen und asiatischen Teil der UdSSR sind nunmehr

351 SS-20-Raketen mit 1063 Gefechtsköpfen stationiert.

April 1983:

- 5-

�April 1983: Außenminister Gromyko bezeichnet die amerikanische "Zwischenlösung" als unannehmbar.

Er wiederholt den sowjetischen Standpunkt, daß keine

amerikanischen Dislozierungen erfolgen dürften und daß die sowjetischen Dislozierungen an die sowjetischen Berechnungen der britischen und französischen
strategischen Systeme angebunden werden müßten.
Mai 1983: Andropow läßt die Bereitschaft erkennen, bei den Verhandlungen
Gefechtsköpfe wie auch Raketen zu zählen.

Er wiederholt, daß die Anzahl der

SS-20-Raketen im europäischen Teil der UdSSR der sowjetischen Berechnung der
britischen und französischen strategischen Systeme entsprechen müsse.

Er

lehnt es ab, sich mit der Frage der sowjetischen Dislozierungen im asiatischen
Teil zu befassen, wohin aus dem europäischen Teil der UdSSR abgezogene Raketen
mit der Möglichkeit verlegt werden könnten, sie umgehend in den europäischen
Teil zurückzuverlegen.
August 1983: Andropow schlägt die Beseitigung von Trägerwaffen und Raketen entsprechend der sowjetischen Anrechnung der britischen und französischen
Systeme vor unter der Bedingung, daß die USA auf die Stationierung von
PERSHING II und Marschflugkörpern verzichten.
Oktober 1983: Das sowjetische Verteidigungsministerium gibt bekannt, daß
Moskau die Dislozierung "taktisch-operativer" Raketen in der DDR und in der
Tschechoslowakei als Teil der "geplanten Gegenmaßnahmen" zu amerikanischen
Dislozierungen vorbereitet.
Oktober 1983: Andropow schlägt eine modifizierte Version der "Zwischenebenen" vom Dezember 1982 vor, indem er ankündigt, daß die Sowjetunion bereit
sei, die Zahl der SS-20-Raketen im europäischen Teil der UdSSR auf 140 Raketen mit 420 Gefechtsköpfen zu reduzieren, um der sowjetischen Anrechnung der
französischen und britischen Gefechtsköpfe zu entsprechen.

Andropow bietet

ferner das Einfrieren der Zahl der SS-20-Raketen im asiatischen Teil der UdSSR
an, nachdem ein INF-Abkommen über die Begrenzung der europäischen Systeme
durchgeführt ist und solange die USA keine ähnlichen Waffen in diesem Raum
- 6 -

�diesem Raum dislozieren. Andropow spricht ferner von einer

zusätzlichen Fle-

xibilität" in der Frage der INF-Flugzeuge, obwohl Einzelheiten nicht mitgeteilt werden. Andropow gibt bekannt, daß ein Beginn der Stationierung amerikanischer LRINF es unmöglich machen werde, die INF-Verhandlungen fortzuführen.
November 1983:

Im europäischen und asiatischen Teil der UdSSR sind nun-

mehr 360 SS-20-Raketen mit 1080 Gefechtsköpfen disloziert.

+ + +

Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START)

Vereinigte Staaten
Januar 1981: Präsident Reagan gibt bekannt, daß die Vereinigten Staaten
sich an den nichtratifizierten SALT II-Vertrag halten werden, obwohl dieser
nicht in sinnvoller Weise die destabilisierendsten strategischen Systeme begrenze.

Die Sowjets geben eine entsprechende Zusage ab.

Mai 1982: Präsident Reagan hält eine Rede vor dem Eureka-College - seine
erste umfassende Rede über die Ost-West-Beziehungen.

In dieser Rede schlägt

der amerikanische Präsident die START-Gespräche vor.
Juni 1982: Die erste Runde der START-Gespräche beginnt.

Die Vereinig-

ten Staaten schlagen eine Begrenzung auf 850 dislozierte Raketen für jede
Seite

sowie

eine Reduzierung der Zahl der Gefechtsköpfe um etwa ein Drittel

auf 5000 für jede Seite vor.

Davon sollen nicht mehr als die Hälfte auf Inter-

kontinentalraketen - ICBM - montiert werden.
- Die USA

�- Die USA schlagen ferner vor, daß die Erörterung der Flugzeugfrage sowie des Wurfgewichts der Raketen auf die zweite Phase der Verhandlungen verschoben werden sollte.
Juni 1983:

Reagan kündigt Veränderungen in der amerikanischen Position

bei den START-Verhandlungen an, mit denen die Flexibilität bei diesen Verhandlungen erhöht werden soll:
1. Eine Lockerung des Vorschlags der Begrenzung auf 850 ballistische Raketen für jede Seite; die Begrenzung von 5000 Gefechtsköpfen für jede Seite würde weiterhin das zentrale Element des Vorschlages sein;
2. die Bereitschaft, über alle strategischen Systeme zu verhandeln, statt
die erste Phase der Verhandlungen auf Raketen zu begrenzen;
3. eine gleiche Obergrenze für die Anzahl der schweren Bomber und der von
Bombern getragenen Marschflugkörper für beide Seiten und zwar unterhalb
der Zahl,die im SALT II-Vertrag gestattet wurde;
4. das Angebot,alternative Möglichkeiten zur Begrenzung der Zerstörungskapazität und des Potentials von Raketen zu erkunden. Die USA stellen
fest, daß die sowjetischen Vorschläge ungenügend seien, weil sie sich
nicht spezifisch mit landgestützten Interkontinentalraketen befaßten,
die die destabilisierendsten Systeme darstellen, und weil sie auch keine
genügenden und bedeutsamen Verringerungen vorsehen.
Oktober 1983: Die USA beziehen das "Abbau-Konzept" in ihre Verhandlungsposition bei Raketen ein, indem sie vorschlagen:
1. Eine Verbindung zwischen Verringerung und Modernisierung durch die Anwendung variabler Verhältniszahlen, mit denen klargestellt werden soll,
wie viele bestehenden Gefechtsköpfe abgezogen werden müssen, wenn neue
Gefechtsköpfe disloziert werden;
2. die Bestimmung
- 8 -

�2. die Bestimmung für einen garantierten jährlichen Abbauprozentsatz von
etwa fünf Prozent;
3. eine Bestimmung, die sicherstellt, daß die Reduzierungen entsprechend
der Tatsache erfolgen sollten, welche der beiden oben genannten Bestimmungen zu der größeren Reduzierung führen würde.
- Ferner schlagen die Vereinigten Staaten vor, gleichzeitig einen Abbau
der Bomber, zusätzliche Begrenzungen hinsichtlich der Marschflugkörper
und der amerikanischen Vorteile bei Bombern zu erörtern und zwar in einer
Weise, die jeder der beiden Seiten die größte Flexibilität in Übereinstimmung mit Bemühungen zu einem stabileren Gleichgewicht der Kräfte gibt.

Sowjetunion
1982:

Die Sowjetunion kritisiert die amerikanischen Vorschläge; sie

wollten die sowjetischen landgestützten Systeme begrenzen, während sie in nur
ungenügender Weise die amerikanischen Bomber und Marschflugkörper beschränkten.
Juni 1982: Die erste Runde der START-Verhandlungen beginnt. Die Sowjetunion schlägt vor, daß jede Seite über insgesamt 1800 Trägerwaffen verfügen
soll (ICBM-Trägerwaffen, unterseebootgestützte Trägerwaffen und strategische
Bomber). Die Sowjets schlagen ferner eine nicht näher definierte Gesamtbegrenzung für "nukleare Sprengsätze" vor (Raketengefechtsköpfe und Bomberwaffen). Sie schlagen ebenfalls ein Verbot aller Marschflugkörper mit einer Reichweite von über 600 Kilometern vor.
Sommer 1983: Die vierte Runde der START-Verhandlungen beginnt.

Die

Sowjetunion paßt ihre Position insofern an, als sie in einigen sekundären
Fragen näher an den amerikanischen Standpunkt heranrückt.
Oktober 1983:

�Oktober 1983:

Ein autorisierter, jedoch nicht gezeichneter Artikel in

der "Prawda" kritisiert den amerikanischen "Abbau-Vorschlag", weil er in unfairer Weise die sowjetischen ICBM beschränke.

+ + + + +

- 10 -

�48

30. November 1983

IEA: DER SCHLÜSSEL FÜR INTERNATIONALE ENERGIESICHERHEIT
- Von E. Allan Wendt -

Der Autor ist stellvertretender Unterstaatssekretär für Internationale Energiepolitik im amerikanischen Außenministerium.

- (AD) - Die Ereignisse im Nahen Osten mahnen uns ständig von neuem,
unsere Energiesicherheit nicht als garantiert zu betrachten.

Gegenwärtig

ist es der Konflikt zwischen dem Irak und dem Iran, der uns zwingt, zu prüfen, ob wir auf eine mögliche Beeinträchtigung unserer Energieversorgung
vorbereitet sind.
Die Vereinigten Staaten sind meines Erachtens gut vorbereitet. Wir
haben eine strategische ölreserve (SPR) aufgebaut, die auf 360 Millionen
Barrel (1 barrel = 159 Liter) angewachsen ist; bis 1990 wollen wir sie auf
750 Millionen Barrel Rohöl aufstocken.

Auf dem Markt verfügbare Mengen plus

deren Ergänzung aus den SPR-Beständen würden uns eine erhebliche Flexibilität verleihen, wenn es zu einer Unterbrechung von Lieferungen käme.

Darüber

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�käme.

Darüber hinaus existiert im Rahmen der Internationalen Energie-

agentur (IEA) ein Mechanismus der Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten,
damit den schlimmsten Auswirkungen einer Ölkrise begegnet werden kann.
Ein weiterer wichtiger Aspekt unseres Vorsorgeprogramms ist unsere Einbeziehung in das System der IEA-Notstandskontingentierung.

Unsere Teilnahme

bringt bemerkenswerte Vorteile:
Zunächst einmal ist das IEA-Nostandsprogramm ein Mechanismus, der die
wirtschaftlichen Schäden mildert, die sich durch eine Unterbrechung von ölimporten ergeben können.

Unsere Partner garantieren, daß in einer schweren

Ölkrise die Vereinigten Staaten nicht einen größeren Anteil an einer Verknappung übernehmen, als sie selbst es tun.

Eine ähnliche Verpflichtung ha-

ben auch wir übernommen.
Das System wurde nach der Sperrung von ölexporten arabischer Länder in
die USA und die Niederlande 1973/74 geschaffen.

Wir könnten in Schwierig-

keiten kommen, wenn ein solches Embargo erneut gegen uns verhängt würde.
Aber noch weitgehend ungenutzte Kapazitäten und mehr Vielfalt hinsichtlich
der Herkunft des Öls, u.a. eine umfangreiche Produktion in Ländern außerhalb
der OPEC (Organisation erdölexportierender Staaten), geben uns heute größere
Flexibilität gegenüber politisch motivierten Lieferunterbrechungen.
Zum zweiten liegt die Mitgliedschaft der USA in der IEA auch im Interesse unserer nationalen Sicherheit, die eng mit der unserer Verbündeten in
Westeuropa und im Fernen Osten verknüpft ist.

Wir haben im Lauf der Jahre

für diese Bündnisse enorme Opfer gebracht und vieles investiert.

Die Bindung

der USA an die IEA und ihr Quotensystem ist eine der kleineren Investitionen.
Die meisten unserer Verbündeten sind stärker von Importöl abhängig als
wir.

Eine Unterbrechung größerer Lieferungen könnte einen Wettbewerb um öl

zwischen uns und unseren Verbündeten heraufbeschwören, der uns spaltet.

Und

diejenigen unserer Verbündeten in Europa und in Fernost, die mehr als wir von

- 2 \

�wir von Importen abhängen, wären starkem Druck ausgesetzt, Zugeständnisse
zu machen, die zur Sicherung lebenswichtiger üllieferungen notwendig sind.
Solches Anpassungsverhalten könnte unsere Fähigkeit ernsthaft beeinträchtigen, die Situation zu meistern, und es könnte auch leicht für einige Zeit
die Ordnung unseres Bündnisses verändern.

Das IEA-Quotensystem soll unser

Bündnis in einer Energiekrise stärken und die Belastung durch Lieferunterbrechungen gerecht verteilen.
Darüber hinaus können Panikkäufe im Wettbewerb der wichtigsten Industrieländer untereinander zu übertriebenem Preisanstieg führen, der weit über dem
marktorientierten Niveau läge.

Der wirtschaftliche Schaden durch übertriebene

Preissteigerungen für uns und unsere Verbündeten könnte sehr ernster Natur
sein.

Zusammenarbeit, einschließlich Austausch von Informationen in Verbin-

dung mit Quotierung unter den wichtigen Industrieländern,könnte helfen, die
Märkte zu beruhigen und unnötigen Wirtschaftsschaden zu verhindern,

überdies

legen das IEA-Abkommen und die US-Politik großen Wert auf die Reservemengen
der einzelnen Länder.

Gegenwärtig haben die meisten IEA-Länder Importmengen

von mehr als 90 Tagen in Reserve.

Dies ist ein weiteres Element, das bei

größeren Lieferunterbrechungen einen beachtlichen Beitrag zur Preisstabilität
leisten würde.
Ein drittes wichtiges Positivum unserer Beteiligung an der IEA ist die
Chance, die sich für Konsultationen und Koordinierung unter Regierungen ergibt.

Es gibt viele Beispiele für diese Art von Zusammenarbeit - eines der

überzeugendsten aus jüngster Zeit betraf die sowjetische Gasleitung.

Ein

strittiges Problem wurde durch IEA-Bemühungen gelöst, die ihren Höhepunkt
in der vom Sekretariat der IEA und der OECD (Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung) gemeinsam durchgeführten Studie über Energiebedarf und Sicherheit fand.

Im Mai dieses Jahres befürworteten Minister der

IEA und der OECD auf der Basis dieser Studie eine Reihe politischer Schlußfolgerungen, die Grundsätze für die sichere Erschließung und Nutzung von Erdgas festlegen und einen Rahmen für die ständige Oberprüfung von Sicherheitsfragen in bezug auf Erdgas schaffen.

Dank dieser Studie und den in der Folge-

- 3 -

�der Folgezeit unternommenen Anstrengungen sind sich jetzt die OECD-Länder
erheblich mehr der Meinungsverschiedenheiten wegen der Sicherheitsfragen hinsichtlich des Gasprojekts bewußt und sind bestrebt, eine ungebührliche Abhängigkeit von einer einzelnen Versorgungsquelle zu vermeiden.
Die amerikanische Regierung ist überzeugt, daß die IEA-Mechanismen zusammen mit SPR ein gesundes System bilden, um mit den Auswirkungen einer
Energiekrise fertig zu werden.

Der kürzlich durchgeführte Test für das IEA-

Quotierungssystem (AST-4) war so angelegt, unsere Möglichkeiten zur Bewältigung von Energiekrisen zu verstärken.

Es ist wichtig, AST-4 in der rich-

igen Perspektive zu sehen, was in Schlußfolgerungen vieler Leute und vieler
Presseartikel zu dem Test nicht der Fall ist.
Vor allem sollte dies ein Test für Verfahrensweisen, nicht aber für
politische Maßnahmen sein.

Der Test kann uns beispielsweise nicht sagen, ob

wir die strategische Erdölreserve hätten in Anspruch nehmen sollen oder nicht,
oder ob wir unter amerikanischen Firmen ein System fairer Quotierung hätten
benutzen sollen.

Was er aber tun kann, ist, die Aufmerksamkeit der Öffent-

lichkeit auf diese Fragen zu lenken.
Zum zweiten ist der Test eine gute Übung. Wer mit dem IEA-System nicht
vertraut ist, muß den Umgang damit immer wieder üben. Und insofern war meines
Erachtens der Test sehr erfolgreich. Er zeigte auch eine Reihe von Problemen
und Meinungsverschiedenheiten auf. So brachte er z.B. Hinweise, auf welchen
Gebieten die Beteiligung der USA verbessert werden könnte. Sowohl hier als
auch im Ausland wurde einige Kritik an der amerikanischen Auffassung zur
Durchführung des Tests laut. Sie befaßte sich, ohne daß die Vereinigten
Staaten direkt genannt wurden, mit der Gefahr, die sich mit dem ausschließlichen Verlaß auf den Preis zur Eindämmung der Nachfragen ergeben, und zum
zweiten mit der unzureichenden Bindung an die IEA bei einer derartigen Politik.
In der Sitzung des IEA-Gouverneursrates versicherte ich daraufhin unsere Partner der festen Bindung der USA an die IEA.
- 4 -

Des weiteren bekräftigte

�weiteren bekräftigte ich das Engagement der Vereinigten Staaten zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen gegenüber der IEA in einer größeren Versorgungskrise:

Man werde den Marktkräften, falls erforderlich, durch ergänzende Ak-

tionen, beispielsweise einen Rückgriff auf die strategischen ölreserve, Geltung
verschaffen.
grüßt.

Diese Versicherungen wurden von den anderen Mitgliedstaaten be-

Ich sollte hier vielleicht anmerken, daß auf jener Sitzung auch das Ver

halten anderer IEA-Länder kritisiert wurde - insbesondere jener, die in einer
Krise die Inlandspreise unter strikter Kontrolle halten wollen.
Ich möchte hier erneut von der Überzeugung der Administration sprechen,
daß unser Vorgehen in der Energie-Krisenvorsorge von Grund auf gesund ist.
Sicherlich gibt es noch Raum für verfahrensmäßige Verbesserungen, und wir prüfen zur Zeit, wie solche Verbesserungen im Rahmen unserer primären Abstützung auf Marktkräfte vorgenommen werden könnten.

So haben z.B. die meisten

großen Mineral öl firmen der USA, auf die die IEA in einer Krise angewiesen
wäre, zu erkennen gegeben, daß sie zur Kooperation auf freiwilliger Basis nur
dann in der Lage seien, wenn ihnen garantiert würde, daß die aus einer solchen Kooperation mit der IEA erwachsende Belastung anteilmäßig von anderen
Firmen mitgetragen wird.

Die Rolle der SPR im Rahmen des auf freiwilliger

Beteiligung basierenden Verfahrens wird derzeit sorgfältig geprüft.
Die Regierung hält auch an ihrer Absicht fest, den von der IEA unter
dem Begriff "Nachfragebeschränkung" zusammengefaßten Erfordernissen zu entsprechen.

Eine Möglichkeit, dieser Verpflichtung nachzukommen, bestünde bei

Aktivierung des IEA-Systems in einem Rückgriff auf die strategische ölreserve,
um die Versorgung zu verbessern.

Eine zweite Möglichkeit wäre die systema-

tische Ermutigung der Öffentlichkeit zum freiwilligen Einsparen von Energie,
falls dies wirtschaftlich gerechtfertigt ist.
Mit der IEA wurde ein System geschaffen, in dem wir und unsere Verbündeten zusammenarbeiten können, um die Auswirkungen ernster Ölkrisen, die uns
alle oder jeden von uns treffen können, zu mildern.

Wir und die Mehrzahl

der IEA-Partner erkannten von Anfang an, daß Regierungen kommerzielle Dinge

- 5 -

�kommerzielle Dinge nicht allzu gut handhaben.

So entwickelten wir in nahezu

zehn Jahren ein System, das die Mitarbeit und die Unterstützung von Firmen gewährleistet - jener Firmen, die den internationalen Handel normalerweise abwickeln -, damit das Quotierungsverfahren funktioniert.

Für eine solche Ko-

operation brauchen die amerikanischen Firmen jedoch Schutz gegen Trust-Bildung.

EPCA (US-Gesetz für Energiepolitik und Energieeinsparung) ermächtigt

dazu, solchen Schutz auf Firmen auszudehnen, die sich am IEA-System beteiligen.
Firmen mit Hauptsitz in den Vereinigten Staaten haben ohne Ausnahme erklärt, daß sie sich ohne den durch EPCA gewährten Anti-Trust-Schutz nicht am
Quotierungs- und Informationssystem der IEA beteiligen würden.

Diese vom Ge-

setz gegebene Möglichkeit nicht zu beachten, würde somit bedeuten, daß sich
die Verantwortung für die Organisation zur Lieferung und zum Transport von
öl in Erfüllung amerikanischer Verpflichtungen im Rahmen der IEA-Notstandskontingenierung von den Firmen zur amerikanischen Regierung verlagern würde.
Wie ich bereits bemerkte, ist der Aufbau der strategischen Erdölreserve
ein ganz wichtiger Teil unserer verbesserten Krisenvorsorge. Das amerikanische
Energieministerium führte kürzlich einen umfangreichen Test hinsichtlich der
Planung und der Verfahrensweisen durch, die erforderlich sind, um SPR und die
Programme einzusetzen, welche zur Realisierung von Verkäufen und Lieferungen
von öl zur Deckung des nationalen Bedarfs vorgeschlagen wurden. Soweit mir
bekannt ist, beurteilte eine unabhängige Gutachtergruppe für diesen Test
das Abgabesystem als praktikabel, Ihren Empfehlungen zufolge sind noch geringfügige Verbesserungen möglich, und gewisse Änderungen bei der Verkaufsprozedur könnten, so meinen die Experten, den Erfolg der Bemühungen um die Zuführung von SPR-Öl zum Markt noch erhöhen.
Gegen die schlimmsten Auswirkungen umfangreicher Lieferunterbrechungen
sind die Vereinigten Staaten gut geschützt. Gleichzeitig bekamen wir durch
die in jüngster Zeit gemachten Erfahrungen Gelegenheit, die Vorsorgemaßnahmen
der USA auf dem Energiesektor für den Krisenfall weiter zu verbessern. Und in
Zusammenarbeit mit dem Energieministerium sind wir gegenwärtig dabei, dies zu tun.

+ + + + +
- 6-

�30. November 1983

48

ARBEITSSTÄTTE "SPACELAB"
ESA-Weltraumlabor - ein Modell für wissenschaftliche Raumstationen

- (AD) - Mit Begeisterung sprechen NASA-Wissenschaftler vom Weltraumlabor
SPACELAB, das an Bord des Raumtransporters COLUMBIA seit dem 28. November 1983
um die Erde kreist.

Neun Tage lang haben dort die Nutzlastexperten Dr. Ulf

Merbold (Bundesrepublik Deutschland) und Dr. Byron Lichtenberg (USA) mit den
amerikanischen Wissenschaftsastronauten Dr. Owen Garriott und Dr. Robert Parker,
dazu auf der Erde weit über hundert Projektwissenschaftler, Gelegenheit, die
Leistungsfähigkeit des Labors zu testen.
Als wissenschaftliche Arbeitsstätte außerhalb der Atmosphäre im Erdorbit,
wo die Schwerkraft fast völlig aufgehoben ist, eröffnet SPACELAB dem Forschungsal 1 tag neue Perspektiven.

Erst nach und nach wird man seine tatsächlichen

Kapazitäten erkennen und ausloten können.

Kurz vor dem Start erklärte ein NASA-

Mitarbeiter Journalisten gegenüber, er habe "noch nie ein so gut durchkonstruiertes
präzises und problemloses System gesehen".

SPACELAB repräsentiere einen "Quanten-

sprung in der Fähigkeit des Menschen, den Weltraum für friedliche Zwecke zu nutzen'
Internationale Partnerschaft

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Internationale Partnerschaft, bewährt und in den Wissenschaften von jeher
praktiziert, kennzeichnet das SPACELAB-Projekt.

Das Weltraum!abor wurde von den

deutschen Firmen ERNO (Bremen) und Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) federführend
im Auftrag der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) entwickelt und gebaut, wobei
die Bundesrepublik den Kostenaufwand in Höhe von ca. einer Milliarde Dollar
(einschließlich der an 49 internationale Firmen vergebenen Unteraufträge) zu
mehr als 50 Prozent übernahm.

Das Weltraumlabor stellt eine ideale Kombination

von Raumfahrttechnik und Grundlagenforschung dar.

Dank dieser technischen Neu-

entwicklung kann man jetzt verantworten und es sich auch leisten, KarriereWissenschaftler in den Weltraum zu entsenden.

Bislang waren es ausschließlich

Karriere-Astronauten, welche gleichzeitig über eine wissenschaftliche Ausbildung
verfügten, die Experimente durchführten und Instrumente betreuten.
Bei SPACELAB 1 stehen Aufgaben aus Medizin und Biologie, Erd- und Atmosphärenforschung, Astronomie, Astro- und Sonnenphysik, Plasmaphysik sowie MaterialWissenschaften und Werkstoffproduktion im Vordergrund.

Bei späteren Einsätzen -

die Lebensdauer des Weltraumlabors ist auf etwa zehn Jahre angesetzt - werden die
Schwerpunkte auch auf anderen Gebieten liegen.

Die Modularbauweise mit zwei

zylindrischen Laborzellen, in denen Druck und Luftzusammensetzung den Werten an
der Erdoberfläche entspricht, und mit externen Plattformen für die Installation
von Beobachtungs- und Meßinstrumenten aller Art eröffnet viele und noch ungeahnte
Möglichkeiten für seine Nutzung.

Manche sehen im SPACELAB bereits ein Modell für

den Auf- und Ausbau einer selbständig operierenden wissenschaftlichen Raumstation, die, mit Energiequellen wie z.B. Solarkollektoren versehen, zeitweilig
auch unbemannt betrieben werden könnte.
Die NASA hat schon vor längerer Zeit eine zweite SPACELAB-Einheit in Auftrag
gegeben.

Ein Gerät dieses Kalibers und dieser Vielseitigkeit macht routine-

mäßige Forschungsarbeiten im Weltraum wesentlich wirtschaftlicher als alle bisher
benutzten Ausrüstungen.

Nach Angaben von NASA-Ingenieuren dürfte die Hälfte der

57 Raumtransporterflüge, die bis 1990 vorgesehen sind, in Verbindung mit einem

- 2 -

�mit einem SPACELAB erfolgen.

Und bei vielen dieser Flüge seien dann sicherlich

auch weitere Wissenschaftler aus europäischen Ländern oder aus anderen Teilen
der Welt mit von der Partie.
Mehr als 70 Experimente von Forschergruppen aus 11 europäischen Ländern,
aus den USA, Kanada und Japan stehen beim Jungfernflug auf dem Programm.

Computer

und Mikroprozessoren zählen zu den Hilfsmitteln, um Experimente zu steuern und
eine bei einem Raumfahrtunternehmen bisher nie dagewesene Datenflut zu erfassen
und zu bewältigen.

Eine große Relaisstation 36 000 km über der Erde, der im

April 1983 gestartete TDRS-Nachrichtensatelliten, sammelt und übermittelt laufend
anfallende Meßdaten (mehr als 30 Millionen "bits" pro Sekunde) zur Erde.

Ihre

Auswertung sowie die bei der Landung mitgebrachten Fotos, die Analyse und Beurteilung der biologischen und medizinischen Proben, dazu der Produkte aus der
automatisierten "Werkstoff-Fabrik" werden Wissenschaftler noch lange beschäftigen.
- Experimente bestimmen die Fluglage der COLUMBIA In zum Teil recht komplizierten Flugmanövern geben Kommandant John W. Young
und Kopilot Brewster Shaw der COLUMBIA samt dem in ihrer Ladebucht fest verankerten
Weltraumlabor jeweils die Positionen, die für bestimmte Beobachtungen und Messungen an der Erdoberfläche und im erdnahen Bereich oder in Richtung zum tiefen
Weltraum notwendig sind. Das kann z.B. bedeuten, daß magnetische Feldlinien die
Ausrichtung der COLUMBIA bestimmen. Zur Durchführung der diversen Experimente
muß häufig die Fluglage alle 20 bis 30 Minuten verändert werden. Dabei nimmt das
Manöver allein oft schon 15 bis 20 Minuten in Anspruch. Das wissenschaftliche
Arbeitsprogramm bedeutet auch sparsamsten Umgang mit den an Bord verfügbaren
Treibstoffen und verlangt erfindungsreiches Kombinieren der Triebwerkssysteme an
Bord.
Die Flugbahn ist 57 Grad zur Äquatorebene geneigt, führt also bis in die
Höhe von Nordengland und Alaska im Norden und bis Kap Hörn
amerikas auf der südlichen Halbkugel.

an der Spitze Süd-

Ein neuartiger kleiner Computer mit

- 3 -

�Computer mit Weltkartenbildschirm zeigt der Besatzung ständig an, an welchem
Bahnpunkt bzw. wo über der Erde sich die Raumfähre gerade befindet, wie weit
die nächsten Bodenstationen entfernt sind.

Gleichzeitig werden die beiden

jeweils folgenden Umläufe sowie die Tag- und Nachtgebiete auf der Erde auf den
Bildschirm projiziert.
In Rückenlage fliegend wird bei geöffneten Ladebuchttoren ein einer Luftbildkamera ähnliches Zeiss-Kamerasystem für Kartierungsaufgaben erprobt.

Es

ist an einem "optisch reinen" Fenster in der Decke der SPACELAB-Druckzelle
montiert, arbeitet weitgehend automatisch, kann aber bei Wolkenbedeckung abgeschaltet werden.

Die Kamera erreicht eine Bildauflösung, die noch 20 m große

Terrainmerkmale gut erkennen läßt.

Ihre beiden Magazine enthalten 23 cm breite

Filme, die insgesamt 1100 Aufnahmen speichern können.

Das Experiment soll helfen,

die Möglichkeiten der Landkartierung aus dem Weltraum bei unterschiedlicher
Terrainbeschaffenheit zu sondieren.

Aufnahmen von Europa sind dabei natürlich

von besonderem Interesse.
Auf der externen Plattform ist das größte Instrument der gesamten Nutzlast,
eine 230 kg schwere Sensorkombination der Staatsuniversität Utah, installiert.
Die Apparatur besteht aus fünf Spektrometern, mit denen Vorgänge in der Magnetosphäre, Ionosphäre und in tieferen Bereichen der irdischen Lufthülle untersucht
werden. Sowohl natürliche als auch künstlich ausgelöste Phänomene (die z.B.
durch den Ausstoß energiereicher Elektronen, Ionen und neutraler Gaswolken aus
der japanischen SEPAC-Apparatur entstehen) sind in einem breiten Spektralbereich
damit zu beobachten.
Der japanische Elektronengenerator SEPAC ist zehnmal leistungsstärker als
die beim dritten Raumfährenflug benutzte Apparatur. Die Teilchenstrahlen sind
energiereich genug, um in der Hochatmosphäre der Erde künstliche Polarlichteffekte hervorzurufen, die nicht nur von Bord der COLUMBIA, sondern auch von der
Erde aus mit besonders empfindlichen Fernsehsystemen zu beobachten sind. Mit
SEPAC will man u.a. herausfinden, wie Partikel strahlen mit dünnen, freien Gasen
reagieren und wie Kraftlinien des Erdmagnetfeldes verlaufen. Zugleich ergeben

- 4 -

�Zugleich ergeben sich dabei Hinweise auf elektrische Felder in der irdischen
Magnetosphäre, weil diese die Position der Partikel strahlen verändern.
Zum "optischen System" gehört eine ganze Anzahl von Instrumenten.

Dieses

bietet zum einen die Möglichkeit, selbst schwächste natürliche Lichtemissionen
aus dem Orbit zu beobachten, die auf das Vorhandensein elektrischer Felder
schließen oder Höhenwinde und andere dynamische Vorgänge in der Hochatmosphäre
vermuten lassen.

Aber auch das Zusammenwirken der ausgestoßenen Teilchen-

strahlen mit Plasma (elektrisch geladenen Gasteilchen im interplanetaren Raum)
am Orbiter selbst und die Bewegung der Strahlen um das Weltraumlabor sind eingehender Beobachtung wert.

Denn auf Grund solcher Daten bekommen die Wissen-

schaftler Anhaltspunkte dafUr, wie verbesserte Modelle für die Magnetosphäre
erarbeitet werden können.
Ein vom Max-Planck-Institut beigesteuertes Experiment gilt der Untersuchung
von Elektronen-"Echos". Sie entstehen, wenn Elektronen, in Richtung einer aufsteigenden Magnetfeldlinie geschossen, von einem elektrischen Parallelfeld
reflektiert werden. Energie und Laufzeiten der Echos können Hinweise auf elektrische Feldstärken geben. Außerdem wird der Detektor dazu benutzt, die
statische Aufladung der COLUMBIA als Folge der SEPAC-Entladungen zu überwachen.
Österreich steuerte ein Instrument bei (es ist auf der SPACELAB-Plattform installiert), mit dem das Magnetfeld unmittelbar um den Raumtransporter während
des Fluges erfaßt und in seiner Richtung analysiert werden kann. Diese Daten
helfen Forschern, die andere Aufgaben der Plasmaphysik verfolgen, eventuelle
Falschwerte in eigenen Messungen zu erkennen und Ergebnisse entsprechend zu
korrigieren.
- Test für die "Gesundheit" der Atmosphäre Im Infrarotbereich arbeitet ein französisch-belgisches Spektrometer, das
Unterlagen für eine Verbesserung der zu meteorologischen Forschungen erarbeiteten
Modelle der Atmosphäre liefern soll. Außerdem erwartet man davon Informationen

- 5 -

�davon Informationen über den Einfluß von Schadstoffen auf das natürliche Gleichgewicht der Bestandteile der Luft. Die Beobachtungen konzentrieren sich in
erster Linie auf die Stratosphäre mit ihren Konzentrationen an Ozon, Hydroxylgruppen und von chemischen Verbindungen, die in 15 bis 150 km Höhe in der Lufthülle gebildet werden.

Auf dem Umweg über die Messung der Absorption von Licht

bestimmter Wellenlängen durch die Atmosphäre bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang
sind Rückschlüsse auf atmosphärische Temperaturen und die chemische Zusammensetzung in verschiedenen Höhenbereichen möglich.

Für Untersuchungen dieser Art

wurden bisher große Sonden an Höhenballonen und in hoch fliegenden Flugzeugen
verwendet.

Die Untersuchungen aus dem Raumtransporter allein könnten Meß-Serien

mit 20 Höhenballonen ersetzen.
Bei einem weiteren französischen Experiment werden schwache, wellenartig
auftretende Leuchtphänomene in den oberen Luftschichten bei Nacht gefilmt.
infrarotnahen Spektralbereich hofft man sie gut zu erfassen.

Im

Nach bisherigen

Erkenntnissen dürften diese Leuchterscheinungen, für die Streifung oder Parallelbänder in wolkenähnlichen Strukturen von ca. 1 000 km Durchmesser typisch
in ca. 85 km Höhe entstehen.

sind,

Als Ursache werden Molekülreste, und zwar freie

Radikale der OH-Gruppe, vermutet. Man will Strukturen, Größe, Geschwindigkeiten
und Entwicklung solcher Wolken fotografieren und messen, was ein wichtiger
Beitrag sein könnte, um die Dynamik der Hochatmosphäre und deren Zusammenwirken
mit tieferen Luftschichten besser zu verstehen.
Besondere Bedeutung für Meeresforschung und Seefahrt, aber auch für die
Terrainerkundung hat ein deutscher Radar-Sensor, der als Vorläufer für ein
europäisches Fernerkundungssystem gilt. Das Instrument arbeitet aktiv durch
Aussendung von Mikrowellen im X-Band-Bereich zur Erde, die dort reflektiert,
also nach oben zurückgeworfen werden. Aus den Laufzeiten sind Höhe und Abstände
von Wellenzügen, aber auch Strukturmerkmale des überflogenen Terrains zu ermitteln. Als passives Instrument benutzt, erfaßt der Sensor über seine 2 m große
Parabolantenne Mikrowellenstrahlung vom überflogenen Terrain. Mit einem

- 6 -

�(Mit einem aktiven Radar-Höhenmeßinstrument im Meeresbeobachtungssatelliten SEASAT
wurden u.a. Höhenunterschiede in der "Topographie" der Meeresoberflächen bis
ca. 200 m ermittelt).
- Astrophysik Instrumente zur Beobachtung von Röntgenstrahlen, sehr kurzwelligem ultravioletten Licht und von Infrarotstrahlung aus kosmischen Quellen, die viele
Lichtjahre von uns entfernt sind, könnten durch neue Meßdaten Untersuchungen
erleichtern, die dem "Lebenszyklus" von Sternen wie unserer Sonne und Galaxien,
wie unserem Milchstraßensystem, gelten.

Laboratorien in den USA und in einer Anzahl

europäischer Länder haben dafür subtile Meßprogramme vorbereitet. Mit besonderem
Interesse wird allerdings das Studium der Energie-Emissionen unserer Sonne vom
sehr kurzwelligen Ultraviolett bis zum langwelligen infraroten Spektralbereich
verfolgt.

Die Sonnenenergie ist ja der Motor für die atmosphärische Zirkulation,

und sie bestimmt letztlich auch das Klima.

Exakte Sonnenbeobachtung ist außer-

halb der Erdatmosphäre besser als von stationären Observatorien aus möglich.
Variiert die solare Energieabstrahlung tatsächlich, wie durch Forschungsergebnisse
aus jüngster Zeit vermutet, oder ist sie doch konstant?

Das Unternehmen SPACELAB

könnte auch zur Klärung dieser für uns lebenswichtigen Fragen bedeutsame Beiträge
leisten.

+ + + + +

- 7 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA sofort zur Wiederaufnahme der Genfer Gespräche bereit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Präsidenten vom 23. November 1983 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan beantwortet Schreiben der Mütter von Filderstadt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nitze bekräftigt Bereitschaft der USA zur Fortsetzung der INF-Verhandlungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärungen in Brüssel und Genf -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der amerikanischen und der sowjetischen Rüstungskontrollvorschläge&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;IEA: Der Schlüssel für internationale Energiesicherheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von E. Allan Wendt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Arbeitsstätte "SPACELAB"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- ESA-Weltraumlabor - ein Modell für wissenschaftliche Raumstationen -&lt;/em&gt;</text>
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SAfl

AMERIKA DIENST

30. November 1988

44

I N H A L T

INFORMATION
Paul Nltze - Veteran im Staatsdienst
- Porträt des Sonderberaters für Rüstungskontrollfragen Scowcroft bringt große Erfahrung für seinen Posten mit
- Porträt des neuen Nationalen Sicherheitsberaters -

HINTERGRUNDMATERIAL
Entscheidung über Verweigerung von Visum für Arafat
^^fest und endgültig"
- Informationen zur Entscheidung des amerikanischen Außenministeriums Die Verhandlungen Ober Kern- und Weltraumwaffen:
Amerikanische und sowjetische Vorschläge
- Eine Übersicht der ACDA Sowjetische Landstreitkräfte sind der NATO zahlenmäßig weit überlegen
- Artikel zum Bericht über die konventionellen Streitkräfte der NATO "
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Lungenentzündung Haupttodesursache bei Kindern der Dritten Welt
- Besjsere Diagnosekenntnisse erforderlich Superbeschleuniger kommt nach Texas
- Entscheidung über endgültigen Standort im Januar 1989 -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Information

&amp;

30. November 1988

44

PAUL NITZE - VETERAN IM STAATSDIENST
- Porträt des Sonderberaters für Rüstungskontrollfragen -

WASHINGTON - (AD) - Paul Nitzes Laufbahn In der Regierung umspannt nahezu
ein halbes Jahrhundert und die Amtszeiten von neun Präsidenten, von denen er
den meisten, angefangen mit Franklin D. Roosevelt während des Zweiten Weltkrieges, diente. Aber im Alter von 81 Jahren scheint Nitze nicht an Ruhestand
zu denken. "Ich mache nur meine Arbeit und bewältige einen Tag nach dem anderen", erklärt er dazu.

Er hatte einige Staatsämter inne
und war Marineminister unter John F.
Kennedy, Stellvertretender Verteidigungsminister unter Lyndon Johnson
und ist gegenwärtig Sonderberater von
Präsident Reagan und Außenminister
Shultz für Rüstungskontrolle.
In einem Exklusivinterview mit
einem Vertreter des US-Informationsamtes erläuterte der altgediente Experte für Verteidigung, Rüstungskontrolle
und
Bündnisangelegenheiten
seine vielen Jahre in der Regierung,
die Debatten und Entscheidungen, an
denen er mitarbeitete und die vor uns
liegenden Herausforderungen.
In der Öffentlichkeit wird er zumeist mit dem INF-Vertrag von 1988
und dem ABM-Vertrag von 1972 identi-

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Embassy of the United States of America

fizert, an deren Ausarbeitung er beteiligt war. Er ist stolz auf diese
Leistungen. Aber er erklärt, ebenso
stolz auf weniger bekannte Beiträge
zu sein, "wie etwa seinen Beitrag zur
Lösung der Kubakrise im Jahr 1962."
Nitzes Einfluß auf die Politik
der Vereinigten Staaten geht jedoch
noch weiter zurück zu der Zeit vor
dem Kalten Krieg. Es war ein Besuch
im Nazi-Deutschland im Jahr 1937, der
sein Interesse an Außenpolitik weckte. Davor wollte der Harvard-Absolvent (1928) Nitze sein Glück in Wall
Street machen, was ihm auch gelang:
Durch geschickte Investitionen wurde
er noch vor seinem 30. Lebensjahr
Millionär.
Aber

die

grausame

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Realität

der

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Hitler-Diktatur war für ihn niederschmetternd. Kurz nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten ging
er wiederum nach Harvard, um sich in
das Studium weltpolitischer Ereignisse zu vertiefen. Im Jahr 1940 nahm
er eine Tätigkeit in der RooseveltAdministration auf. Er blieb während
des Krieges in Washington und arbeitete vor allem an der Untersuchung
über strategische Bombardierungen, in
der die Wirkung von Bombenangriffen
auf feindliche Ziele untersucht wurde.
In den Jahren Trumans gewann er
rasch an Einfluß und ist besonders
stolz darauf, "am Marshallplan mitgearbeitet zu haben" Er war einer der
Autoren der Truman-Doktrin und des
Memorandums Nr. 68 vom Nationalen Sicherheitsrat, mit dem den Vereinigten
Staaten die erhebliche Steigerung ihrer Verteidigungsausgaben empfohlen
wurde. Dieser Vorschlag hat einige
Kritiker dazu veranlaßt, ihn als Vater des Kalten Krieges zu bezeichnen,
ein Etikett, von dem er behauptet, es
sei "eine zu große Auszeichnung".
Nitzes Ansicht nach ist die Verantwortung für den Kalten Krieg einzig und allein Joseph Stalin zuzuschreiben. "Wenn überhaupt, dann waren wir zu nett", erklärt er. Als
einer, der das Gefühl hat, den wahren
Hintergrund von Stalins Ambitionen
eher als die meisten anderen erkannt
zu haben, vertritt Nitze eindeutig
die Ansicht, daß der Schlüssel zur
Erarbeitung einer wirksamen Außenpolitik in der Wahl der richtigen Leute
liegt. Seiner Argumentation zufolge
"hängt sie eher von den Menschen als
von Organigrammen ab".
"Meiner persönlichen Meinung nach
hat dies in der Zeit am besten funktioniert, als Harry Trumann Präsident
und Dean Acheson Außenminister war
und George Marshall in diesem Team
mitarbeitete. Dieses Triumvirat hat
außerordentlich gut zusammengearbeitet.
Obwohl Nitzes scharfer Intellekt
und harte Arbeit den meisten in den

Jahren unter Truman wohl bewußt war,
wurde er nicht in die Eisenhower-Administration berufen. Dies war nicht
der einzige Zeitraum, in dem er aussenpolitisch aktiv war, ohne Mitglied
der Regierung zu sein.
Er wurde auch von Präsident Jimmy
Carter angegriffen, der ihn Berichten
zufolge als arrogant und unflexibel
bezeichnete.
Die Feindschaft zwischen beiden war jedoch nicht rein
persönlicher
Natur.
Nitze
fand,
Carters RUstungskontrollpolitik ließe
einiges zu wünschen übrig. Insbesondere hegte er starke Vorbehalte gegenüber dem SALT II-Vertrag über die
Begrenzung strategischer Rüstungen,
der vom Senat nicht ratifiziert wurde.
Eine
Administration,
auf
die
Nitze gerne zurückblickt, war die von
John
F.
Kennedy.
Nitze
kannte
Kennedy bereits aus seiner Zeit als
Senator und attestierte ihm "Scharfsinn und großes Interesse" an einer
Vielzahl
außenpolitischer
Themen.
Bei der Berlin-Krise und bei Verteidigungsproblemen
leitete
er
für
Kennedy einen Krisenstab und hatte
unter ihm das Amt des Marineministers
inne. Was das Land zu jener Zeit
brauchte, "war der Auftrieb durch einen Angehörigen einer anderen Generation". Ihm zufolge lieferte Kennedy
diesen Auftrieb.
Nitze ist seit 1981 Mitglied der
jetzigen Administration und war in
jeder Hinsicht ein enger Berater des
Präsidenten und Außenministers in
Fragen der Rüstungskontrolle, insbesondere bei den Verhandlungen mit der
Sowjetunion über strategische Waffen
(START) und ein Abkommen über die
Verteidigung im Weltraum. Obwohl er
sich der sowjetischen Intentionen
wohl bewußt ist, hofft er weiterhin
auf ein Abkommen, "wenn auch nicht
vor dem 20. Januar 1989".
Einige seiner Kritiker vertreten
die Ansicht, er sei jetzt zu optimistisch über RUstungskontrollabkommen mit den Sowjets. Aber Präsident
Reagan setzt starkes Vertrauen in ihn

�und betont seine "unvergleichliche
Erfahrung und Fachkenntnis, die weit
über Rüstungskontrolle hinaus bis zu
den Beziehungen zwischen den Supermächten im allgemeinen geht".
Im Hinblick auf die Aussichten
für
die
Ost-West-Beziehungen
ist
Nitze weiterhin von gedämpftem Optimismus geleitet. Es gebe immer noch
zu wenige Beweise, die auf einen
grundlegenden Wandel im internationalen Verhalten der Sowjetunion hindeuteten. "Es ist viel offensichtlicher
zu sehen, was er (der sowjetische
Staats- und
Parteichef
Michail
Gorbatschow) bei Glasnost und Perestrojka unternimmt, als die Modifikationen in der sowjetischen Strategie
einzuschätzen", meint er.
Nitze
ist
andererseits
davon
überzeugt, daß der "enorme Zuwachs an
Gesprächen und Kontakten zwischen der
Sowjetunion und uns" eine der bedeutendsten Leistungen der Reagan-Administration darstellt.
"Hoffentlich
wird sich dies als anhaltende Veränderung im Verhältnis zwischen Ost und
West erweisen", erklärt er.

wirklicht. Bei seinen Kritikern verstärkte dies jedoch den Eindruck,
Nitze werde immer mehr zur Taube, eine Klage, die er schwer verständlich
findet, da er von anderen aufgrund
seiner harten Haltung gescholten wurde. Während söine Amtszeit in der
Reagan-Administration ihrem Ende entgegengeht, ist Nitze jedoch offenkundig befriedigt über seinen Beitrag zu
den Leistungen der Regierung in der
Rüstungskontrolle und über seine Rolle bei der Eindämmung des Wettrüstens
der Supermächte, das schon in den ersten Tagen seines Staatsdienstes vor
über vier Jahrzehnten begonnen hatte.
Ein neues, gerade veröffentlichtes Buch über ihn stellt teilweise
eine Hommage an sein langes Wirken
als führender Nuklearstratege dar.
Es heißt Master of the Game und
wurde von Strobe Talbott verfaßt.
Darin bezeichnet Talbott Nitze als
"die graue Eminenz der nuklearen Diplomatie" seit nahezu 40 Jahren. "Obwohl es mir immer peinlich ist, etwas
über mich selbst zu lesen", erklärt
Nitze, "habe ich das Buch gelesen und
meine, daß es eine faire Darstellung
ist."

Auf die künftigen Herausforderungen möchte Nitze Anfang Dezember eingehen, wenn er zur Überreichung des
Atlantik-Preises 1988 nach Brüssel
reist. Der Preis wird jedes Jahr von
der NATO für den herausragendsten
Beitrag zum Bündnis verliehen.
Nur selten gelangt ein Abrüstungs-Unterhändler sowohl am Broadway als auch in den Geschichtsbüchern
zu Ruhm. Nitze ist eine Ausnahme.
Sein berühmter "Waldspaziergang", den
er im Jahr 1982 in Genf mit seinem
sowjetischen
Verhandlungspartner
Julij Kwizinski unternahm, wurde zum
Thema eines Broadway-Stücks.
Darin
wird der Plan der beiden Männer dramatisiert, für jede Supermacht die
Zahl der Raketenabschußvorrichtungen
auf 75 zu begrenzen und die Stationierung der Pershing II in Europa zu
verhindern.
Die Vereinbarung wurde nicht ver-

- 3-

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Information
^A

30. November 1988

SCOWCROFT BRINGT GROSSE ERFAHRUNG FÜR SEINEN POSTEN MIT
- Porträt des neuen Nationalen Sicherheitsberaters -

WASHINGTON - (AD) - Die Erklärung des neu gewählten Präsidenten Bush, er
habe mit seiner Ernennung von Brent Scowcroft zum Nationalen Sicherheitsbera
ter eine "wichtige Maßnahme" für die Zusammenstellung eines "starken Teams für
nationale Sicherheit" unternommen, wird ihm sicher die Zustimmung der meisten
Beobachter in Washington eintragen.

Der pensionierte Generalleutnant
der Luftwaffe und altgediente Fachmann für sicherheitspolitische Fragen
in Washington wird von einem seiner
Biographen als "gemäßigter, von Konservativen wie Linken respektierter
Republikaner" bezeichnet und ist möglicherweise einer der intelligentesten und fähigsten Regierungsvertreter im Bereich der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten.
Er
diente bereits unter Präsident Ford
als Nationaler Sicherheitsberater.
Scowcroft ist für seine vorsichtige Position in den amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
bekannt.
Presseberichten zufolge stieß das für
den 7. Dezember geplante improvisierte Treffen von Präsident Reagan, dem
neuen Präsidenten Bush und dem sowje-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

tischen Generalsekretär Gorbatschow
bei ihm auf wenig Zustimmung, und er
besteht in der Regel auf eingehenden
Vorbereitungen von Rüstungskontrollverhandlungen.
Scowcroft wird in verteidigungs
politischen Kreisen in Washington re
spektiert und erhielt 1986 von Präsident Reagan den Auftrag, unter der
Ägide der Tower-Kommission die Rolle
des Nationalen Sicherheitsrates bei
der Iran-Contra Affäre zu untersuchen. 1983 war Scowcroft in die Firma Kissinger Associates, ein internationales
Consultingunternehmen
des
früheren
Außenministers
Kissinger,
eingetreten.
Scowcroft gilt als
Verwaltungsleiter
mit

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

vorsichtiger
ausgeprägtem

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�politischem Gespür und der Fähigkeit,
sowohl zu Konservativen als auch zu
Links liberalen guten Kontakt zu pflegen. Er ist ein Theoretiker im Bereich
der
Rüstungskontrolle
und
spricht Russisch.
Scowcroft
ist Mormone, raucht
nicht, trinkt nicht und gilt als ruhig und fleißig. Er ist ein begeisterter Sportler.
Scowcroft wurde 1925 in Ogden
(Utah) geboren, machte 194 7 sein Examen in West Point und schien sich auf
eine Laufbahn als Militärpilot vorzubereiten. Nach einem frühen schweren
Unfall bei einer Übung, verlegte sich
Scowcroft auf eine eher akademische
Laufbahn. Er arbeitete als Verwaltungsbeamter bei der US-Air Force,
legte 1953 an der Columbia University
ein Examen in internationaler Politik
ab und wurde Spazialist für slavische
Sprachen. 196 7 promovierte er ebenfalls in internationaler Politik an
der Columbia University.
Während dieser Zeit hatte Scowcroft verschiedene Positionen in der
Verwaltung und an der Universität inne. Mitte der fünfziger Jahre lehrte
er in West Point russische Geschichte, und in den sechziger Jahren unterrichtete er politische Wissenschaften an der Air Force Academy.
Er diente ferner im Air Force Hauptquartier in Washington in einem Planungsstab und war Dozent am National
War College.
Scowcroft gelang im Pentagon ein
schneller Aufstieg, und wurde 19 73
Präsident Nixons Militärberater. Im
dieser
Eigenschaft
begleitete
er
Nixon auf dessen legendärer Reise
nach China und zeichnete sich insbesondere als geschickter Verhandlungspartner aus, als es darum ging, 1972
in der schwierigen Phase gegen Ende
des Vietnamkrieges Nixons Reise in
die Sowjetunion zu organisieren.

heit.
In dieser Stellung bestand
eine von Scowcrofts Aufgaben darin,
den Präsidenten jeden Morgen über die
jüngsten nachrichtendienstlichen Erkenntnisse im sicherheitspolitischen
Bereich zu informieren.
Presseberichten zufolge, gewann er mit seiner
zurückhaltenden Art Kissinger, der
später große Stücke auf ihn hielt.
1975 wurde er mit Kissingers Zuspruch Präsident Fords Nationaler Sicherheitsberater. In dieser Stellung
- und später auch als Berater der
Carter-Administration - war Scowcroft
an der Formulierung der amerikanischen Position des 19 79 unterzeichneten SALT II-Vertrages beteiligt.
Unter der Reagan-Administration
arbeitete Scowcroft - der vielen
Reagan-Anhängern, die SALT II als einen Fehler betrachteten, als zu liberal galt - nicht direkt in der Administration, sondern erstellte Bewertungen für eine mögliche Stationierung von MX-Raketen und Konzepte zur
Abschreckung und Rüstungskontrolle.
Im Jahr 1984 reiste Scowcroft in
die Sowjetunion und versuchte, dem
damaligen Generalsekretär Tschemenko
eine persönliche Botschaft Präsident
Reagans zu überbringen, wurde aber
nicht empfangen.
Nach dem Besuch
äußerte sich Scowcroft in Erklärungen
an die Öffentlichkeit pessimistisch
über
die
amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen, billigte jedoch beiden
Seiten "gemeinsame Interessen" zu.
Im Rahmen der Iran-Contra-Affäre
leitete Scowcroft für die Tower-Kommission eine eingehende Untersuchung
im Nationalen Sicherheitsrat, die ihren Niederschlag in einem Bericht
fand, der zu dem Ergebnis kam, daß
hier einzelne Personen und nicht der
Aufbau und Auftrag des NSC selbst
verantwortlich zu machen seien.
Scowcroft ist verheiratet und hat
eine Tochter.

1973 wählte Henry Kissinger Scowcroft als Stellvertretenden Berater
des Präsidenten für nationale Sicher- 2 -

* * * * * *

«

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

44

30. November 1988

ENTSCHEIDUNG ÜBER VERWEIGERUNG VON VISUM FÜR ARAFAT "FEST UND ENDGÜLTIG"
- Informationen zur Entscheidung des amerikanischen Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Die Entscheidung über die Verweigerung eines Einreisevisums für den Vorsitzenden der Palästinensischen Befreiungsorganisation
(PLO), Jassir Arafat, ist "fest und endgültig" und wird von Außenminister
Shultz "ohne Wenn und Aber getragen", erklärte der Sprecher des amerikanischen
Außenministeriums Charles Redman am 28. November 1988.

"Unsere Entscheidung, für Arafat
keine Ausnahmegenehmigung zu beantragen, gründet sich auf amerikanische
Gesetze, die Politik der Administration und Besorgnis über die Sicherheit amerikanischer Bürger", betonte
Redman, der daran erinnerte, daß er
zu Monatsanfang bereits mitgeteilt
hatte, falls Arafat einen Visumantrag
stelle, werde dieser "streng geprüft".

Im Weißen Haus erklärte dessen
Sprecher, Marlin Fitzwater, auch Präsident Reagan unterstütze diese Entscheidung.
Ihm zufolge habe Shultz
nach Konsultationen mit dem Nationalen Sicherheitsberater Colin Powell
und anderen die Entscheidung über das
Arafat-Visum getroffen und sich anschließend telefonisch mit dem Präsidenten beraten.

"Genau dies ist geschehen. Als
der Antrag eintraf, wurde er vom Aussenminister sehr sorgfältig erwogen.
Er hörte alle Seiten zu diesem Thema
und traf seine Entscheidung", erklärte Redman. "Diese Entscheidung ist
fest und endgültig, und wird vom Aussenminister ohne Wenn und Aber getragen."

"Natürlich hätte der Präsident
diese Entscheidung verwerfen können",
wenn er dies gewollt hätte, sagte
Fitzwater.
"Er wollte es jedoch
nicht, und in der Tat unterstützt der
Präsident diese Entscheidung."

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Embassy of the United States of America

Fitzwater erklärte, die Vereinigten Staaten würden an einer zur Behandlung der Palästina-Frage nach

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�Genf einberufenen Sondersitzung der
Vollversammlung der Vereinten Nationen teilnehmen, falls diese - wie von
einigen vorgeschlagen - stattfinde.
Nach den Gründen hierfür gefragt,
antwortete Fitzwater:
"Um nochmals
zu betonen, daß unsere Ablehnung einer Aussetzung der bestehenden rechtlichen Regelungen zwecks Gestattung
der Einreise von Jassir Arafat in unser Land nichts mit den Vereinten Nationen zu tun hat - daß wir keinerlei
Erklärung über die UNO abgegeben haben, sondern über Herrn Arafat und
die Terrorakte der Palästinensischen
Befreiungsorganisation."
Redman nannte eine solche Sitzung
"unnötig", erklärte jedoch, die Vereinigten Staaten würden sich einem
solchen Schritt nicht widersetzen.
Auf Fragen zu dem Beschluß über
Arafat antwortete Fitzwater:
"Ich
meine, wir müssen hier auf die Terrorakte verweisen, die sowohl kürzlich als auch in den vergangenen Monaten stattgefunden haben - am bekanntesten sind wohl die Aktionen des
Abu Abbas, der Mitglied des Exekutivrats der PLO ist und von einem italienischen Gericht für seine Beteiligung an der Ermordung von Leon Klinghoffer im Oktober 1985 in Abwesenheit
zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe
verurteilt wurde. (Anhänger von Abu
Abbas entführten das Kreuzfahrtschiff
"Achille Lauro" und erschossen Klinghoffer, einen an den Rollstuhl gefesselten amerikanischen Juden, und warfen ihn über Bord.) ... Es gibt eine
Reihe weiterer Beispiele für von der
PLO geförderten und von Jassir Arafat
gebilligten Terrorismus, die zu dieser Entscheidung geführt haben."
Auf die Frage, warum israelische
RegierungsVertreter trotz der Ermordung von Palästinensern in den israelisch besetzten Gebieten in die Vereinigten Staaten einreisen dürfen,
antwortete Fitzwater, "wir können
nicht alle anderen Gewaltakte auf der
Welt unter dem Aspekt dieses einen
Falles betrachten. Wir beklagen die

Gewalt auf beiden Seiten im Westjordanland und im Gaza-Streifen. Wir
haben diese Position mehrfach eindeutig klargestellt und unerschütterlich
daran festgehalten. Das Problem, mit
dem wir uns konfrontiert sehen, ist
jedoch der Auftritt von Jassir Arafat
in den Vereinigten Staaten."
Während einer längeren Pressekonferenz betonte Redman wiederholt, daß
die Gründe für die Verweigerung eines
amerikanischen Visums für Arafat mit
der Bekanntgabe von Außenminister
Shultz's Entscheidung in einer Erklärung vom 26. November 1988 im einzelnen erörtert wurden.
"Diese Erklärung macht eindeutig
einen Unterschied zwischen der Erteilung eines Visums und den Gründen,
aus denen der Außenminister sich gegen die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung entschieden hat" sowie der
Frage des Friedensprozesses im Nahen
Osten, der Palästina-Frage und der
ganzen Bandbreite von Themen, "die,
wie die Erklärung eindeutig klargestellt hat, von den Vereinigten Staaten weiterhin uneingeschränkt unterstützt werden und für die sie eintreten" , führte der Sprecher des Weißen
Hauses aus.
"Es handelt sich hierbei um zwei
getrennte Probleme", erklärte Redman.
"Einerseits geht es um die Frage des
Visums, und diese Entscheidung wurde
aus
Sicherheitsgründen
getroffen.
Dann geht es um ein anderes Problem,
und das ist die Erörterung der Palästina-Frage vor den Vereinten Nationen."
"Wir stehen der Anhörung des Palästina-Problems vor den Vereinten
Nationen nicht ablehnend gegenüber.
Es handelt sich hierbei um eine wichtige Angelegenheit und dies wurde in
unserer Erklärung vom 26. November
deutlich klargestellt", fuhr er fort.
Es gibt PLO-Sprecher, die ihre Position in New York frei zum Ausdruck
bringen können.
Wir haben dagegen
keine Einwände. Jeder Vorschlag zur
Einberufung einer Vollversammlung der

�Vereinten , Nationen in Genf erübrigt
sich somit, da die PLO derzeit in der
Lage ist, ihre Ansichten vor der UNVollversammlung in New York vorzubringen."
"Daher würden wir einen solchen
Schritt weder begrüßen noch ablehnen", erklärte Redman.
Der Sprecher des Außenministeriums betonte, die vom Außenministerium veröffentlichte Erklärung vom
26. November "ist ein eindeutiges Bekenntnis der tiefgreifenden Besorgnis
über Terroranschläge und Organisationen, die den Terrorismus unterstützen
und in diesem Fall über Jassir Arafat
als Führer der PLO".
Alle von PLO-Mitgliedern eingegangenen Visaanträge werden "von Fall
zu Fall" entschieden, fuhr Redman
fort und stellte fest, den Mitgliedern der PLO-Vertretung in New York
sei "routinemäßig" ein Visum erteilt
worden. "Aber in diesem Fall handelt
es sich um eine andere Person - eine
Person, die Vorsitzender der Organisation ist", führte der Sprecher des
Außenministeriums aus.
Er betonte, die Vereinigten Staaten stimmten nicht mit einer von den
Vereinten
Nationen
herausgegebenen
Erklärung überein, der zufolge die
Entscheidung, Arafat ein Einreisevisum zu verweigern, eine Verletzung
des 1947 geschlossenen UN-Headquarters Agreement bedeute.
"Die Vereinigten Staaten erkennen
an, daß sie durch das Headquarters
Agreement verpflichtet sind, den Mitgliedern der PLO-Vertretung ungehinderten Zugang zu Sitzungen der UN zu
gewähren.
Solchen
Personen wurde
routinemäßig eine Ausnahmegenehmigung
für ein Visum erteilt, und seit 1975
ist eine PLO-Vertretung bei den Vereinten
Nationen
tätig",
erklärte
Redman.
"Das
Headquarters
Agreement
zwingt uns jedoch nicht, jeder von
den Vereinten Nationen eingeladenen

Person die Einreise in die Vereinigten Staaten zu gewähren", fuhr er
fort. "Wie in unserer Erklärung vom
26. November angedeutet, haben die
Vereinigten Staaten ihre Annahme des
Headquarters Agreement davon abhängig
gemacht, daß sie zur Gewährleistung
ihrer eigenen Sicherheit das Recht in
Anspruch nehmen können, sich die Einreise von Ausländern vorzubehalten,
die in Beziehung zu den Vereinten Nationen stehen oder von ihnen eingeladen sind".
"Als Folge dieses Vorbehalts haben die Vereinigten Staaten in der
Vergangenheit von ihrem Recht Gebrauch gemacht, denjenigen Personen
die Einreise zu verweigern, die eine
Bedrohung für ihre Sicherheit darstellen", erklärte er.
Redman verwies darauf, daß in den
achtziger Jahren "einer Reihe von
Vertretern des Iran", die zu den Vereinten Nationen reisen wollten, amerikanische Visa verweigert wurden.
Unsere nationale Sicherheit gründet sich nicht allein auf die Bedrohung für unsere New Yorker Bürger",
erklärt er.
"Wenn wir den Schutz
amerikanischer Bürger erörtern und
über die Bedrohung des Terrorismus
reden, geht dies über die Grenzen einer einzelnen Stadt hinaus."
Auf die Frage nach Behauptungen
einiger
Vertreter
aus dem Nahen
Osten, die Vereinigten Staaten hätten
eine Chance verspielt, die PLO zu einer gemäßigteren Haltung zu ermutigen, um die Möglichkeit für eine
Friedensregelung zu verbessern, betonte der Sprecher, hier handele es
sich um "zwei unterschiedliche Probleme" .
"Zu dem Problem, daß die PLO zu
Schritten in die richtige Richtung
ermutigt werden soll, habe ich nach
der Tagung des Palästinensischen Nationalrates Stellung genommen und auf
die Ergebnisse insbesondere dieses
Treffens
hingewiesen",
bemerkte
Redman.
"Was den Friedensprozeß im

- 3 -

�allgemeinen betrifft, so arbeiten wir
sehr hart daran".
"Es gibt wahrscheinlich kein anderes Land auf der Welt, das ebenso
viel für den Friedensprozeß getan hat
wie die Vereinigten Staaten", erklärte er. "Und wir haben sicherlich die
besten Absichten, dies auch weiterzuführen" .
Dennoch, so betonte Redman, "gibt
es noch andere Probleme auf der Welt.
Eines der wichtigsten ist der Terrorismus. Und das ist das Problem, dem
wir uns bei der Bearbeitung dieser
Bitte um eine Einreisegenehmigung gegenübersehen" .
Bei der Behandlung des Terrorismus, so Redman, machen Begriffe wie
"Ermutigung oder Mißbilligung" keinen
Sinn.
Es mache ebenfalls keinen
Sinn, darauf hinzuweisen, daß ein
Preis für die Mäßigung beim gegenwärtigen Kampf gegen Terrorismus gezahlt
werden muß.
"Die Gemeinschaft aller Länder
der Welt versteht jetzt, daß Terrorimus keinen Platz hat", so der Sprecher. "Er wird immer wieder vorkommen, aber es besteht auf internationaler Ebene ein Konsens darüber, daß
Terrorimus auf der Welt keinen Platz
hat".

* * * * * *

- 4

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
30. November 1988

44

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER KERN- UND WELTRAUMWAFFEN:
AMERIKANISCHE UND SOWJETISCHE VORSCHLÄGE
- Eine Übersicht der ACDA -

- (AD) - (Die folgende Übersicht "Kern- und Weltraumwaffen: Amerikanische
und Sowjetische Vorschläge" wurde am 22. November 1988 von der amerikanischen
Behörde für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) veröffentlicht.)

GESPRÄCHE ÜBER DIE VERRINGERUNG DER
STRATEGISCHEN WAFFEN (START)

Allgemeine Haltung:
Vereinigte Staaten - 50prozentige
stufenweise Reduzierung strategischer
Offensivwaffen bis auf einen beiderseitigen Gleichstand innerhalb von
sieben Jahren nach Inkrafttreten des
Vertrags.
Sowjetunion - 50prozentiger Abbau
der strategischen Offensivwaffen auf
einen beiderseitigen Gleichstand in
zwei Phasen innerhalb von sieben Jahren nach Inkrafttreten des Vertrags,
mit nachfolgenden Verhandlungen über
eine weitere Reduzierung.

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Embassy of the United States of America

Vereinigte Staaten - Das Abkommen
ist nicht abhängig von der Lösung von
Problemen bei der Verteidigung im
Weltraum.
Es können jedoch keine
weiteren
RUstungskontrollabkommen
über strategische Waffen mit der Sowjetunion abgeschlossen werden, solange diese nicht ihre Verletzung des
ABM-Vertrages unter besonderer Berücksichtigung des Radars von Krasnojarsk auf eine verifizierbare Art
und Weise, die amerikanischen Kriterien entspricht, einstellt.
Sowjetunion - Durchführung der
50prozentigen
Reduzierung
abhängig
von der Problemlösung bei der Weltraumverteidigung .

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�Trägersysteme;

Schwere ICBMs:

Vereinigte Staaten - Obergrenze
von 1 600 für die Zahl der strategischen offensiven Trägersysteme; dazu gehören die stationierten Interkontinentalraketen (ICBMs), die stationierten U-Boot-gestützten ballistischen Raketen (SLBMs) und die schweren Bomber.

Vereinigte Staaten - Begrenzung
auf 1 540 Gefechtsköpfe auf 154 stationierten schweren ballistischen Raketen. Verbot der Produktion, Flugerprobung oder Modernisierung neuer
oder bereits bestehender Typen von
schweren ICBMs.

Sowjetunion
Obergrenze
von
1 600 strategischen offensiven Trägersystemen; dazu gehören die stationierten
Abschußvorrichtungen
für
ICBMs und SLBMs sowie die stationierten schweren Bomber.

Sowjetunion
Begrenzung
auf
1 540 Gefechtsköpfe auf 154 stationierten schweren ICBMs. Produktion,
Flugerprobung oder Modernisierung bereits bestehender Typen von schweren
ICBMs gestattet. Entwicklung, Erprobung und Stationierung neuer Typen
von schweren ICBMs verboten.

Gefechtsköpfe;
Wurfgewicht:
Vereinigte Staaten - Obergrenze
von 6 000 Gefechtsköpfen, einschließlich der stationierten Gefechtsköpfe
auf ICBMs und SLBMs sowie luftgestützten, nuklear bewaffneten Marschflugkörpern
längerer
Reichweite
(ALCMs); jeder nur mit Freifallbomben
und Angriffsraketen kurzer Reichweite
(SRAMs) ausgerüstete schwere Bomber
zählt als ein Gefechtskopf.
Sowjetunion - Identisch mit der
Position der Vereinigten Staaten.

Vereinigte Staaten - Das Gesamtwurfgewicht sowjetischer ICBMs und
SLBMs wird auf 50 Prozent ihres am
31. Dezember 1986 bestehenden Wurfgewichtniveaus verringert. Keine Seite
wird während
der Vertragslaufzeit
dieses Niveau überschreiten.
Sowjetunion - Im Prinzip identisch mit der amerikanischen Position, jedoch Reduzierung aufgrund des
Wurfgewichtniveaus bei Vertragsunterzeichnung.

Untergrenzen bei Gefechtsköpfen:
Vereinigte Staaten - Untergrenzen
von 4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen und 3 000 bis 3 300
ICBM-Gefechtsköpfe.
Sowjetunion - Untergrenze von
4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen; falls eine Untergrenze
von
3 300
ICBM-Gefechtsköpfen
festgelegt wird, muß ebenfalls eine
Untergrenze von 3 300 SLBM-Gefechtsköpfen vereinbart werden. Untergrenze von 1 100 Bomber-gestützten Gefechtsköpfen.

Gefechtsköpfe auf ballistischen
Raketen:
Vereinigte Staaten - Für bereits
bestehende Typen wird eine bestimmte
Anzahl von Vor-Ort-Inspektionen vereinbart, um zu überprüfen, ob die
stationierten Raketen nicht mehr als
die beim Washingtoner Gipfeltreffen
vereinbarte Zahl von Gefechtsköpfen
enthalten.
Sowjetunion - Für bereits bestehend und künftige Typen wird eine bestimmte Anzahl von Vor-Ort-Inspektionen vereinbart, um zu überprüfen, ob
die stationierten Raketen nicht mehr
als die vereinbarte Zahl von Gefechtsköpfen enthalten.
Für beste-

- 2 -

�hende Typen wurde deren Zahl beim
Washingtoner Gipfeltreffen vereinbart.
Vereinigte Staaten - Für künftige
Typen sowie für Veränderungen in der
Zahl von Gefechtsköpfen auf bestehenden Typen müssen neue Verfahrensweisen vereinbart werden.
Sowjetunion - Keine Angaben.

geschriebenen ALCMs soll der maximalen Anzahl entsprechen, für die jeder
Typ ausgerüstet ist. Nuklear bewaffnete ALCMs sollen durch die vorgeschlagene Untergrenze von 1 100 für
alle von Bombern getragenen Gefechtsköpfe begrenzt werden.

SLCMs;

Mobile ICBMs:
Vereinigte Staaten - Verboten,
falls
Verifizierungsprobleme
nicht
gelöst werden können. In diesem Fall
strikte Begrenzung der zu vereinbarenden Zahl von Gefechtsköpfen.
Sowjetunion - Erlaubt, mit Begrenzung von Abschußvorrichtungen und
Gefechtsköpfen.

Schwere Bomber;
Vereinigte Staaten - Jeder schwere Bomber zählt wie ein strategisches
Trägersystem (SNDV).
Jeder nur für
Freifallbomben und SRAMs ausgerüstete
schwere Bomber würde wie ein Gefechtskopf auf die Obergrenze von
6 000 angerechnet.
Sowjetunion - Identisch mit der
amerikanischen Position.

Vereinigte Staaten - Die Seiten
sollen eine beiderseitig akzeptable
Lösung für die Frage der Begrenzung
der Stationierung nuklear bewaffneter
SLCMs (seegestützte Marschflugkörper)
längerer
Reichweite
ausarbeiten.
Solche Begrenzungen werden die Anrechnung dieser SLCMs auf die Begrenzungen von 6 000 Gefechtsköpfen und
1 600
strategischen
Trägersystemen
nicht berühren.
Beide Seiten verpflichten sich, im Hinblick auf diese
Flugkörper Obergrenzen aufzustellen
und beiderseitig akzeptable und wirksame Methoden der Verifizierung solcher Begrenzungen anzustreben, zu denen die Anwendung Nationaler Technischer Mittel, kooperativer Maßnahmen
und
Vor-Ort-Inspektionen
gehören
könnten. Bis jetzt haben die Vereinigten Staaten noch keine wirksame
Vertifizierungslösung für SLCMs gefunden. Bei Fehlen eines Plans für
die wirksame Verifizierung haben die
Vereinigten
Staaten
vorgeschlagen,
daß beide Seiten nicht bindende Erklärungen über die Anzahl der nuklear
bestückten SLCMs abgeben.

ALCMs;
Vereinigte Staaten - ALCMs werden
als luftgestUtzte, nuklear bewaffnete
Marschflugkörper mit einer Reichweite
von über 1 500 km definiert. Eine
vereinbarte Zahl von ALCMs soll jedem
der für ALCMs ausgerüsteten Bomber
zugeschrieben werden, um auf die
Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen
angerechnet zu werden.
Sowjetunion
luftgestUtzte,
Marschflugkörper
von über 600 km
der ALCM-fähigen

- ALCMs werden als
nuklear
bewaffnete
mit einer Reichweite
definiert. Die Zahl
schweren Bombern zu-

Sowjetunion - Die Sowjets akzeptieren grundlegende Prinzipien. Besondere Begrenzungen auf 400 für nuklear bewaffnete und 600 für konventionell bewaffnete SLCMs, aber die
Sowjets haben keine wirksamen Verifizierungsmaßnahmen gefunden. Der sowjetische Ansatz würde ferner die
amerikanische
Politik
untergraben,
der zufolge das Vorhandensein atomarer Waffen an irgendeinem bestimmten
Ort weder bestätigt noch dementiert
wird - ein wichtiger Bestandteil der
Abschreckung.

- 3 -

�Verifizierung der Vertragseinhaltung;

zierbare, den amerikanischen Kriterien entsprechende Art und Weise aufgeben.

Vereinigte Staaten - Es müssen
mindestens folgende Regelungen enthalten sein: Datenaustausch vor und
nach Durchführung der Reduzierungen;
Vor-Ort-Inspektionen zur Verifizierung des Datenaustauschs und zur Beobachtung der Beseitigung von Waffen;
dauernde Vor-Ort-Beobachtung von Umkreis sowie Ein- und Ausgängen wichtiger Produktionsstätten; kurzfristig
anberaumte Inspektionen von Orten, an
denen vertraglich begrenzte Systeme
sowohl während als auch nach der Reduzierungsphase
stationiert
sind.
Inspektionen an Orten, an denen eine
Partei heimliche Produktion, Lagerung, Reparatur oder Stationierung
vermutet. Einzelheiten bleiben noch
auszuarbeiten.
Sowjetunion - Im Prinzip identisch mit der amerikanischen Haltung.
Unterschiede bei den Einzelheiten.
Die sowjetischen Regelungen sind für
eine wirksame Verifizierung nicht angemessen.

VERTEIDIGUNG IM WELTRAUM

Allgemeine Haltung:
Vereinigte Staaten - Fragen der
Verteidigung im Weltraum sollen in
einem neuen separaten Vertrag auf der
Grundlage der Gemeinsamen Erklärung
vom Washingtoner
Gipfel behandelt
werden. Die Vereinigten Staaten haben am 22. Januar 1988 einen Vertrag
über Verteidigung im Weltraum im Entwurf vorgelegt. Sie haben die Sowjets erfolglos gedrängt, einen gemeinsamen Vertragsentwurf auszuarbeiten. Mit der Sowjetunion können keine weiteren RUstungskontrollabkommen
über strategische Waffen geschlossen
werden, wenn sie nicht ihre Verletzung des ABM-Vertrages durch das Radar von Krasnojarsk auf eine verifi-

Sowjetunion - Fragen der Verteidigung im Weltraum sollen in einem
neuen separaten Abkommen auf der
Grundlage der Gemeinsamen Erklärung
behandelt werden.
Die Sowjetunion
hat am 22. April 1988 ein Abkommen im
Entwurf unterbreitet.
Die Sowjets
verweigern die Erarbeitung eines gemeinsamen Vertragsentwurfs.

Verpflichtung zur Einhaltung des
ABM-Vertrages
Vereinigte Staaten - Mit dem Abkommen würden sich beide Seiten verpflichten, den ABM-Vertrag in seiner
1972 unterzeichneten Form einzuhalten, gleichzeitig die im Rahmen des
ABM-Vertrages gestattete Forschung,
Entwicklung und Erprobung weiterzuführen und sich in einem bestimmten
Zeitraum nicht zum Zweck der Stationierung oder Erlangung strategischer
Fähigkeiten vom Vertrag zurückzuziehen.
Sowjetunion - Mit dem Abkommen
würden sich beide Seiten zur Beachtung des ABM-Vertrages in seiner 1972
unterzeichneten Form verpflichten und
gleichzeitig die notwendige im ABMVertrag gestattete Forschung, Entwicklung und Erprobung durchführen
und sich während eines bestimmten
Zeitraums (9-10 Jahre) aus keinem
Grund vom ABM-Vertrag zurückziehen.
(N.B.: Die Sowjets legen hier eine
Interpretation des ABM-Vertrages zugrunde, die restriktiver ist als die
1972 von beiden Parteien vereinbarte.)

Aktivitäten in der Phase der Einhaltung
Vereinigte Staaten - Die Vereinigten Staaten haben Inititativen
vorgeschlagen, mit deren Hilfe der
Terminus "notwendige Forschung, Entwicklung und Erprobung, wie sie der
ABM-Vertrag
gestattet"
eindeutiger

- 4 -

�geklärt werden soll.

Regelung nach der Phase des NichtRückzugs

Sowjetunion - keine Vorschläge.
Vereinigte Staaten - Um zu demonstrieren, daß die Erprobung weltraumgestützter Komponenten, die in der
Lage sind, eine ABM-Abfangrakete zu
ersetzen - nach dem ABM-Vertrag gestattet - nicht gleichbedeutend ist
mit der Stationierung solcher Komponenten, sind die Vereinigten Staaten
bereit, diese erlaubte Erprobung nur
von bestimmten ABM-Testsatelliten aus
vorzunehmen. Die Vereinigten Staaten
vertreten die Auffassung, daß die Anzahl von Satelliten, die sich gleichzeitig in der Erdumlaufbahn befinden,
keinesfalls über der realistischen
Anzahl gegebenenfalls stationierter
Systeme liegen sollte. Die Vereinigten Staaten sind der Meinung, daß die
Anzahl von 15 erheblich unter dieser
Grenze liegt.
Sowjetunion - keine Vorschläge.
Vereinigte Staaten - Im Protokoll
über die Berechenbarkeit würde die
Benachrichtung über Tests von Raketenabwehrsystemen im Weltraum festgehalten.
Sowjetunion - Keine Vorschläge.
Vereinigte Staaten - Die Vereinigten Staaten haben ferner vorgeschlagen, daß sich keine Partei auf
der Grundlage des ABM-Vertrages der
Entwicklung, Erprobung oder Stationierung von weltraumgestutzten Sensoren der anderen Partei wiedersetzen
sollte.
Dementsprechend kann jede
Partei weltraumgestützte Sensoren ohne Einschränkung entwickeln, erproben
oder stationieren.
Sowjetunion - Die anfängliche Reaktion der Sowjetunion war ablehnend,
sie hat jedoch Interesse an der weiteren Erörterung dieser Frage geäußert.

Vereinigte Staaten - Eingehende
Gespräche über Stabilität im strategischen Bereich sollen nicht später
als drei Jahre vor Ende des festgesetzten Zeitraums aufgenommen werden,
nach dem - vorbehaltlich anderer Vereinbarungen beider Parteien - jede
Seite ihre Vorgehensweise frei bestimmen kann. Jede der beiden Parteien kann dann frei über die Stationierung einer Raketenabwehr entscheiden und damit über die Beschränkungen
des ABM-Vertrages, denen zufolge die
andere Seite sechs Monate im voraus
schriftlich über eine entsprechende
Absicht benachrichtigt werden muß,
hinausgehen.
(N.B. Die Vereinigten
Staaten streben einen gemeinsamen
Übergang zu einem strategischen System an, das sich eher auf Verteidigung stützt, wenn sich eine effektive
strategische Verteidigung als durchführbar erweist.)
Sowjetunion - Eingehende Gespräche über strategische Stabilität sollen nicht später als drei Jahre vor
Ende des vereinbarten Zeitraums aufgenommen werden. (N.B. Die Sowjets
schlagen als Ziel der Gespräche eine
Vereinbarung über "die weitere Stärkung der strategischen Stabilität"
vor, beide Parteien sollten "die Probleme der ABM-Verteidigung unter Berücksichtigung der neuen Situation
erörtern, die sich aus den Reduzierungen strategischer Offensivwaffen
ergibt".) Im Falle, daß beide Seiten
in ihren Gesprächen nichts anderes
vereinbart haben, kann jede Seite
nach Ablauf des Vertrages selbst ihre
weitere Vorgehensweise im Hinblick
auf den ABM-Vertrag und den STARTVertrag bestimmen, vorbehaltlich der
Einhaltung entsprechender Verfahrensweisen dieser Verträge

Inkrafttreten/Dauer/Bedingungen
Vereinigte Staaten - Das Inkrafttreten ist abhängig vom Inkrafttreten
des START-Vertrages, der Vertrag über

- 5 -

�Verteidigung im Weltraum wäre unbegrenzt gültig, wobei der "bestimmte
Zeitraum"
des
Nicht-Rückzugs
vom
ABM-Vertrag und die Beachtung des
ABM-Vertrages in diesem Zeitraum bis
zur Änderung des Kurses durch eine
der beiden Parteien noch ausgehandelt
werden müßten.
Sowjetunion - Dieses Abkommen
würde gleichzeitig mit dem START-Vertrag in Kraft treten. Die Sowjets
schlagen vor, daß das Abkommen zum
Ende der Nicht-Rückzugs ausläuft.
Der START-Vertrag läuft aus, wenn irgendeine Partei den ABM-Vertrag oder
dieses Abkommen verletzt.

Rücktrittsrecht
Vereinigte Staaten - Die Vereinigten Staaten bestehen darauf, daß
beide Seiten das vom Völkerrecht zugebilligte Rücktrittsrecht beibehalten, auf das sie sich berufen könnten, wenn die höchsten Interessen einer Seite in Gefahr sind. Im Falle
eines
Vertragsbruchs
besteht
das
Recht auf Kündigung oder Aussetzung.
Sowjetunion - Die Sowjets schlagen eine "unbedingte" Verpflichtung
zur Einhaltung vor, derzufolge eine
Partei sich aus keinem Grund vom Abkommen zurückziehen könnte.

Berechenbarkeit
Vereinigte Staaten - Beide Seiten
sollten Möglichkeiten erörtern, um
die Berechenbarkeit der Entwicklung
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen im strategischen Bereich zu
gewährleisten, unter den Bedingungen
von Stabilität und zum Abbau des Risikos eines Nuklearkrieges. Im Zusammenhang
mit
vertrauensbildenden
Maßnahmen, die für jede Seite die
Programme zur strategischen Verteidigung der jeweils anderen Seite berechenbar machen sollen, haben die Vereinigten Staaten am 15. März 1988 ein
Protokoll über die Berechenbarkeit
vorgelegt, in dem folgende Punkte auf

freiwilliger Basis gefordert werden:
jährlicher Austausch von Statistiken
über Aktivitäten zur strategischen
Verteidigung, gegenseitige Informationsgespräche über die jeweiligen
Bestrebungen
in der strategischen
Verteidigung, .gegenseitige
Besuche
von Forschungseinrichtungen und die
gegenseitige Beobachtung von Tests
zur strategischen Verteidigung. Beide Seiten arbeiten an einem gemeinsamen Entwurf für das Protokoll.
Sowjetunion - Die Sowjets sind
über die Gemeinsame Erklärung vom
Washingtoner Gipfel hinaus nicht näher auf Berechenbarkeit eingegangen.
Die Sowjets haben prinzipiell einige
der von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen vertrauensbildenden Maßnahmen akzeptiert, einschließlich des
Datenaustauschs, der Expertentreffen
und Beobachtung von Tests der strategischen Verteidigung. Dennoch würde
der von den Sowjets am 12. April 1988
unterbreitete Vorschlag zur Verifizierung
solche Maßnahmen zwingend
vorschreiben, um eine Einhaltung des
ABM-Vertrages und des ausgehandelten
Abkommens über Verteidigung im Weltraum sicherzustellen. Darüber hinaus
schlagen sie den Austausch von Informationen zur Klärung zweifelhafter
Situationen vor, ferner Vor-Ort-Inspektionen bestimmter Einrichtungen,
die Anlaß zur Besorgnis bieten und
die Lösung von Fragen der Einhaltung
im
Ständigen
Konsultativausschuß.
Beide Seiten arbeiten an einem gemeinsamen Entwurf für das diesbezügliche Protokoll.

Mittelstreckenraketen
Am 8. Dezember 1987 haben Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow in Washington den INFVertrag unterzeichnet. Der amerikanische Senat hat am 26. Mai 1988 eine
zustimmende Resolution verabschiedet,
und beim Gipfeltreffen in Moskau wurden am 1. Juni 1988 Ratifizierungsurkunden ausgetauscht, mit denen der
Vertrag rechtskräftig wurde. Dieser
Vertrag sieht die Beseitigung aller

- 6 -

�amerikanischen und sowjetischen landgestützten
INF-Raketensysteme
der
Reichweite von 500 bis 5 500 Kilometer vor sowie die Abschaffung oderr
Umwandlung entsprechender Einrichtungen innerhalb von drei Jahren nach
Inkrafttreten des Vertrages.
Der
Vertrag verbietet die Herstellung und
Flugerprobung dieser Raketen unmittelbar nach seinem Inkrafttreten.
Nach abgeschlossener Beseitigung wird
der Vertrag alle Einrichtungen der
Stationierung, Lagerung, Wartung und
Herstellung für diese Raketensysteme
verbieten. Der Vertrag sieht die umfassendsten
Verifizierungsbestimmungen in der Geschichte der Rüstungskontrolle wie auch verschiedene Arten
kurzfristiger Inspektion und die Inspektion durch vor Ort stationierte
Expertengruppen vor.
Nach Inkrafttreten
begann die
Verwirklichung der Vertragsbestimmungen.
Im Juli und August wurden
grundlegende
Inspektionen
durchgeführt, um das von jeder Seite gelieferte Datenmaterial über die Anzahl
und den Standort ihrer INF-Raketen
und Einrichtungen zu verifizieren.
Im Rahmen dieser Inspektionen haben
amerikanische Teams 130 sowjetische
Einrichtungen an 115 Standorten in
der Sowjetunion und Stationierungsländern in Osteuropa inspiziert. Die
Sowjetunion hat 31 INF-Einrichtungen
an 21 Orten in den Vereinigten Staaten und Stationierungsländern Westeuropas inspiziert. Jede Seite hat einen ständigen Beobachterposten an den
Ein- und Ausgängen einer Raketenmontage- oder Produktionsstätte auf dem
Territoriums des Vertragspartners bezogen, und im Augenblick werden dort
technische
Überwachungsanlagen
installiert. Seit Beginn der Beseitigung Anfang September haben beide
Seiten im Einklang mit den Vertragsbestimmungen und in Anwesenheit von
Inspektoren der anderen Seite INF-Raketen, Abschußvorrichtungen und entsprechende Ausrüstungsgegenstände demontiert.

* * * * * *

- 7

�AMERIKA DIENST
VON

4

Hintergrundmaterial

30. November 1988

44

SOWJETISCHE LANDSTREITKRÄFTE SIND DER NATO ZAHLENMÄSSIG WEIT ÜBERLEGEN
- Artikel zum Bericht über die konventionellen Streitkräfte der NATO -

WASHINGTON - (AD) - Dem jüngsten Bericht der NATO zufolge hat die Sowjetunion mehr Panzer, Artillerie und Schützenpanzer in Europa stationiert als die
anderen 22 Nationen der NATO und des Warschauer Pakts zusammengenommen.
Der Bericht wurde am 25. November 1988 unter dem Titel Konventionelle
Streitkräfte in Europa: Die Fakten veröffentlicht. In graphischen Darstellungen und Tabellen wird der beträchtliche zahlenmäßige Vorteil im einzelnen
dargestellt, den die Sowjetunion bei den konventionellen Fähigkeiten in der
Region vom Atlantik bis zum Ural aufrechterhält. Dieses Gebiet soll von den
vorgesehenen Verhandlungen über konventionelle Stabilität in Europa (KRK) sowie bei der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und
den Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM)
abgedeckt werden.
Mit der Vornestationierung einer solch überlegenen Zahl an Panzern, Artillerie, Hubschraubern, Flugzeugen und Brückenbaugerät steht den Sowjets eine
schnelle, raumgreifende, offensive Kampffähigkeit zur Verfügung, der das Bündnis nichts entgegenstellen kann. Die Mitgliedstaaten der NATO sehen dieses
Ungleichgewicht als den einzigen militärischen Faktor mit der größten destabilisierenden Wirkung in Europa an.
Der NATO-Bericht unterstreicht nicht nur den Vorteil der Sowjetunion gegenüber dem Bündnis bei Panzern, gepanzerten Fahrzeugen und Artillerie, der
beL über zwei zu eins liegt, sondern veranschaulicht auch die zahlenmäßige
Überlegenheit der sowjetischen Waffen und Truppen bei den Streitkräften des
Warschauer Pakts.

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Der Bericht stützt sich auf seit Januar 1988 vom internationalen Stab der
NATO zusammengetragene Zahlen aus den 16 Mitgliedstaaten des Bündnisses. Im
Gegensatz zu dem vorliegenden Bericht schloß der letzte, im Jahr 1984 herausgebene Bericht der NATO die Zahlen für Frankreich und Spanien nicht ein.
Mit Veröffentlichung der Daten betont die NATO ihre Verpflichtung zu "Offenheit bei militärischen Angelegenheiten und zunehmender. Transparenz", stellt
der Bericht fest. "Eine vergleichbare Verpflichtung des Ostblocks zu Transparenz wäre ein begrüßenswerter und entscheidender Schritt zur Verbesserung
der Sicherheit in Europa", fährt der Bericht fort.
Da der Warschauer Pakt keine Zahlen zur Verfügung gestellt hat, gründen
sich die Daten über Streitkräfte und Gerät des Warschauer Pakts auf Schätzungen der NATO.
Nachfolgend bringen wir einige der wichtigsten Erkenntnisse des Berichts:
- Kampfpanzer. Die Sowjetunion allein hat 37 000 Panzer. Zusammengenommen verfügen die sechs anderen Nationen des Warschauer Pakts über zusätzliche 14 500 Panzer. Im Gegensatz dazu haben die Vereinigten Staaten
l 800 Panzer, während den anderen NATO-Mitgliedstaaten insgesamt 14 624
Panzer zur Verfügung stehen.
- Schützenpanzer. Die Sowjetunion hat 19 000 Schützenpanzer, während die
übrigen Staaten des Warschauer Pakts über 3 400 verfügen. Die Vereinigten
Staaten besitzen 550; die anderen NATO-Länder 3 603.
- Artillerie. Die Sowjetunion verfügt über 33 000, die übrigen Staaten
des Warschauer Pakts über 10 400 Geschütze. Die Vereinigten Staaten haben
1 100 und die anderen NATO-Mitgliedstaaten 13 358 Geschütze.
- Panzerabwehrwaffen. Die Sowjetunion hat 36 500 Panzerabwehrwaffen zur
Verfügung, die übrigen Staaten des Warschauer Pakts 7 700. Die Vereinigten Staaten haben 3 300 und die anderen NATO-Mitgliedstaaten 14 940.
- Hubschrauber. Die Sowjetunion verfügt über 2 850, die übrigen Staaten
des Warschauer Pakts über 850. Die Vereinigten Staaten haben 700 Hubschrauber, die anderen NATO-Mitgliedstaaten 1 719.
- Ständig vollbemannte Landstreitkräfte. Die Sowjetunion verfügt über
2 200 000 ständig vollbemannte Landstreitkräfte, verglichen mit 890 000
der übrigen Warschauer Pakt-Staaten. Die Vereinigten Staaten haben
216 000, die anderen NATO-Mitgliedstaaten 1 997 593.
- Flugzeuge. Die Sowjetunion verfügt über 6 050 und die übrigen Staaten
des Warschauer Pakts über 2 200 Flugzeuge. Die Vereinigten Staaten haben
800, die übrige NATO 3 177.
Nachfolgend bringen wir eine Auswahl der im Bericht enthaltenen Tabellen
mit nach Ländern aufgelisteten Kampfgerät, das die 16 Mitgliedstaaten der NATO
und die sieben Staaten des Warschauer Pakts im Einsatz haben:

- 2 -

»

[

�Kampfpanzer (1)

Land

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

Gesamtzahl (2)

320
60
228
1 250
4 330
1 420

Land

Bulgarien
CSSR
DDR
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

-

Gesamtzahl (2)
1
3
3
1
3
1
37

800
800
000
300
400
200
000

1 500
-

750
117
66
866
3 000
717
1 800

(1) Beinhaltet folgende Typen: Challenger, M 1, Leopard I und
Leopard II, AMX 30, M 60, Chieftain, Centurion, M 47 und M 48 für die
Mitgliedstaaten der NATO und T 80, T 72, T 64, T 62, T 55/54 und T 10/10M
für die Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts.
(2) Die Gesamtzahlen pro Land beinhalten Kampfpanzer in vollständig
oder teilweise bemannten Einheiten. Die Mitgliedstaaten der NATO haben
insgesamt 5 800 Kampfpanzer gelagert. Der Lagerbestand an Kampfpanzern
der Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts liegt schätzungsweise über dem
der Mitgliedstaaten der NATO.

- 3 -

�Schützenpanzer (1)

Land

Gesamtzahl (2)

Land

Gesamtzahl (2)
.

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

208
—

750
1 960
100
&amp;
_

Bulgarien
CSSR
DDR
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

100
1 100
800
300
1 100
-

19 000

m

585
_
_
_
_

550

(1) Beinhaltet folgende Typen: Marder^ AMX 10P, M 2 (Bradley) und
YPR 765 (25 mm) für die Mltglledstaaten der NATO und BMP 1/2 und BMD 1
für die Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts.
(2) Die Gesamtzahlen pro Land beinhalten Schützenpanzer in vollständig oder teilweise bemannten Einheiten. Die Mitgliedstaaten der NATO
haben insgesamt 575 Schützenpanzer gelagert; Die entsprechende Zahl für
die Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts liegt schätzungsweise über der
für die Mitgliedstaaten der NATO angegebenen Zahl.
(3) Schützenpanzer und andere gepanzerte Kampffahrzeuge können der
folgenden Tabelle entnommen werden, die in zweiter Linie als Plattform
für Panzerabwehrsysteme dienen, auf die auch in der Tabelle über Panzerabwehrwaffen Bezug genommen wird.

�Artillerie

Einschließlich Artillerie, Mörsern und Mehrfach-Raketenwerfern mit
Rohrdurchmesser von 100 mm und darüber.

Land

Gesamtzahl (1)

Land

Gesamtzahl (1)

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

248
35
542
780
2 220
1 752

Bulgarien
CS SR
DDR 1 700
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

2 000
2 100

-

800
2 500
1 300
33 000

2 100
-

667
522
260
1 038
2 800
394
1 100

(1) Die Gesamtstärke pro Land beinhaltet vollständig oder teilweise
bemannte Einheiten. Die Mitgliedstaaten des Nordatlantischen Bündnisses
besitzen insgesamt 2 870 gelagerte Artilleriegeschütze. Die geschätzte
Zahl der von den Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts gelagerten Artilleriegeschütze übertrifft die der NATO-Mitgliedstaaten.

5 -

�Panzerabwehrwaffen
Beinhaltet auf Fahrzeugen montierte und nicht auf Fahrzeugen montierte Abschußvorrichtungen für Panzerabwehr-Lenkflugkörper, Panzerabwehrgeschütze sowie rückstoßfreie Gewehre. Schützenpanzer sowie Hubschrauber,
deren primäre Rolle nicht der Panzerabwehr dient, die aber mit Panzerabwehr-Lenkflugkörpern ausgerüstet sind, werden ebenfalls aufgeführt. (1)

Land

Gesamtzahl (1) Land

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Tta1ien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

518
45
330
1 460
1 710
2 267

Bulgarien
CSSR
DDR 1 700
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

-

Gesamtzahl. (1)

500
2 000
800
2 000
70Q
36 500

i—i

2 200
6
674
550
362
1 222
2 400
196
3 300

(1) Hie Gesamtzahl der Schützenpanzer und Hubschrauber, die aufgrund
ihr-er Sekundärrolle als Plattformen für Panzerabwehrwaffen aufgeführt
sin", beträgt für die Mitgliedstaaten der NATO 2 400 Systeme sowie für
die Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts 23 000 Systeme. Diese Schützenpanzer und Hubschrauber werden ebenso in den jeweiligen Tabellen aufgeführt.
(2) Die Gesamtstärke pro Land beinhaltet Panzerabwehrwaffen in vollständig oder teilweise bemannten Einheiten. Die Mitgliedstaaten der NATO
haben insgesamt 2 700 Panzerabwehrwaffen gelagert. Die geschätzte Zahl
der von den Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts gelagerten Panzerabwehrwaflren übertrifft die der NATO-Mitgliedstaaten.

- 6 -

�Hubschrauber
Beinhaltet mit Panzerabwehr-Lenkflugkörpern sowie Maschinengewehren
ausgerüstete Angriffshubschrauber und Transporthubschrauber.

Land

Belgien
Kanada
Dänemark
FrankreIch
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

Gesamtzahl (2) Land

-

Bulgarien
CSSR
DDR
150
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

270
554
64
-

Gesamtzahl (2)

100
200
100
200
100
2 850

170
-

54
-

160
160
287
700

(1) Die Gesamtstärke pro Land beinhaltet Hubschrauber in vollständig
oder teilweise bemannten Einheiten. Die Mitgliedstaaten der NATO haben
insgesamt 180 Hubschrauber dieser Kategorie gelagert. Die geschätzte
Zahl der von den Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts gelagerten Hubschrauber übertrifft die der NATO-Mitgliedstaaten.
(2) Hubschrauber, die als Plattformen für Panzerabwehr-Waffensysteme
eingesetzt werden, sind ebenso in der Tabelle "Panzerabwehrwaffen" aufgeführt.

- 7 -

�Mannschaften
Dazu zählen die Angehörigen der Landstreitkräfte einschließlich der
Soldaten im Heer, die Pflichten der landgestützten Luftverteidigung übernehmen. Dazu gehören ferner Angehörige von Stabseinheiten sowie von Einheiten zur allgemeinen Unterstützung und andere Truppen des Verteidigungsministeriums, aber keine paramilitärischen Einheiten.

Land

Gesamtzahl

Land

Gesamtzahl

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbri tannien
Vereinigte Staaten

68
5
20
267
35i
116

Bulgarien
CSSR
DDR 120 000
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

135 000
145 000

000
000
540
000
800
900

-

297 000
695
68 000
25 059
46 949
210 000
380 000
140 560
216 000

80 000
230 000
180 000
2 200 000

�Struktur
Dazu zählen die aktiven Kampf- und Artilleriedivisionen sowie unabhängige Kampf- und Artilleriebrigaden, die gegenwärtig mit etwa 5 Prozent
ihrer Kriegstärke bemannt sind.

Aktive Kampf- und Artilleriedivisionen

Land
(NATO)

auf nationalem
Territorium

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei

1
2
12
12
12
2 2/3
5
13
1
-

Großbritannien

Vereinigte Staaten

außerhalb
nat. Terrotoriums

2
15
12
12

1/3
5
13
4
4

3
4

(Warschauer Pakt)

Bulgarien
CSSR
DDR
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

8
11

6

6
13
10
125

31

0
11
6
6
13
10
156

Insgesamt

�Aktive unabhängige Kampf- uod Artlllerlebrlgaden

Lan^
(NATO)

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bunilesrepubli k
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Grotßbritannien
Vereinigte Staaten

auf nationalem
Territorium

1
-

außerhalb
nat. Territoriums
1
1

1
-

2

1

4
11

-

-

11

24
-

1
5
8
23
6
—

24
-

\
2
5

23
8
5

(Warschauer Pakt)

Bulgarien
CSS^
DDR
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

6
3
1
4
7
5
9

I
1
4
7
5
17

Insgesamt

�Kampfflugzeuge (1)

Land

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxt;mlurg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

Insgesamt
(3,4,5)

Land

Insgesamt

144
40
87
450
547
319

Bulgarien
CSSR
DDR 350
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

(2,3,4,5)

-

250
400
150
700
350
6 050

250
-

162
78
99
186
370
445
800

(1) Dazu gehören die folgenden Kampfflugzeuge: Bei den Mitgliedsländern des Nordatlantischen Bündnisses: F-16, F-4, F-5, NF-5, F-104,
F-100, F-18, CF-18, F-lll, F-35/RF-35, T-2E, A-7/TA-7, A-10, Alphajet,
G-91, Buccaneer, Harrier, Jaguar, Mirage Fl/3/5, Tornado, F-15, Mirage
2000, Lightning, RF-4, TR-1, C-212, PD808, EF-111, EC-130HY, DC-8
Sarigue, C-160 Gabriel, RF-5, RF-16, RF-84, Hunter, Canberra.
Für die Mitgliedstaaten des Warschauer Paktes: MiG-15, MiG-17,
MiG-21, MiG-23, MiG-25, MiG-27, MiG-29, MiG-31, SU-7, SU-15, SU-17,
SU-22, SU-24, SU-25, SU-27, YAK-28, YAK-28P, L-29, L-39, IL-28, AN-12,
TU-16, TU-22, TU-128, TU-22M.
(2) Dazu zählt der TU-22M (Backfire), wie er für Missionen im Gebiet
zwischen Atlantik und Ural eingesetzt werden kann. Er kann jedoch ebenfalls als Interkontinentalbomber eingesetzt werden und ist gegenwärtig
Thema der START-Verhandlungen.
(3) Dazu gehören landgestützte Marineflugzeuge.
(4) Die Gesamtzahlen betreffen Kampfflugzeuge in Einheiten. Die
Mitglledstaaten des Nordatlantlschen Bündnisses lagern insgesamt 530
Kamp fflugzeuge. Die entsprechende Zahl für die Mitgliedsstaaten des
Warschauer Paktes wird höher geschätzt als die der NATO-Mitgliedsstaaten.
(5) Einsatzfähige Ubungsflugzeuge sind in den Gesamtzahlen nicht
enthalten. Sie machen insgesamt für die NATO etwa 530 Flugzeuge aus und
für die Mitgliedstaaten des Warschauer Paktes über 5 700.

* * * * * *

- 11 -

�AMERIKA DIENST
VON

*

Wissenschaft und Technik

44

30. November 1988

LUNGENENTZÜNDUNG HAUPTTODESURSACHE BEI KINDERN DER DRITTEN WELT
- Bessere Diaenosekenntnisse erforderlich -

IRVINE, KALIFORNIEN - (AD) - Die biologischen Ursachen und die Epidemiologie akuter Infektionskrankheiten der Atmungsorgane bei Kindern in der Dritten
Welt war Hauptthema einer Konferenz in Irvine (Kalifornien).
Bei der Erörterung der ersten,
seit 1982 laufenden multinationalen
Studie zu diesem Fragenkomplex wur le
offenbar, daß Infektionen der Atmungsorgane, insbesondere Lungenentzündungen, inzwischen sogar häufiger
als Todesursachen in Frage kommen a's
Durchfall
verschiedener
Ursachen.
Jährlich sterben etwa v*cr Millionen
Kinder unter fünf Jahren, die meisten
in Ländern der Dritten Welt, an solchen Infektionen.
Die unter der Regie der amerikanischen Nationalen Akademie der
Wissenschaften durchgeführten Studie
wird vom amerikanischen Amt für Internationale Entwicklung (AID) finanziert.
Man will di&lt;.' Ursachen für
diese Infektionen herausfinden und
Risikofaktoren ermitteln, die wahrscheinlich daran beteiligt sind, daß
Kinder erkranken.
Die Entwicklung

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von Programmen zur Gesundheitspolitik
der Länder in diesem Teil der Welt
zählten ebenso zu Aufgaben der Studie
wie das Ausfindigmachen von Möglichkeiten zur Vorbeugung und zur Heilung
akuter Atemwegsinfektionen.
In 12
Ländern wurden Tausende von Müttern
und Kindern untersucht.
Einbezogen
sind Argentinien, Bangladesch, Brasilien, Guatemala, Kenia, Kolumbien,
Nigeria, Pakistan, Papua-Neuguinea,
die Philippinen, Thailand und Uruguay. Ende 1989 soll die Studie endgültig abgeschlossen werden, die Veröffentlichung der Ergebnisse in amerikanischen Fachzeitschriften dürfte
in etwa sechs Monaten beginnen.
Die Teilnehmer am Symposium - 64
Ärzte und Verwaltungsfachleute aus 15
Ländern - kamen zu dem Schluß, daß
die Krankheitserreger überall ähnlich
seien.
Bei den Viren habe man es

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�hauptsächlich mit Synzytium-Viren in
Atmungsorganen, mit Parainfluenza-Viren vom Typ 1 und 3, mit Influenzaviren vom Typ A und B und nit Adenoviren zu tun. Bei den Bakterien handle
es sich um "Streptococcus pneumoniae"
und um die drei Haemophilus-Typen.
Die Häufigkeit der Atemwegserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren sei
bei Kindern in Industrieländern und
Ländern der Dritten Welt ziemlich
gleich. Aber die Schwere der Erkrankung sei bei letzteren größer, die
Todesrate um bis zu 50 Prozent höher.
Risikofaktoren ergäben sich vor allem
durch Unterernährung, schlechte hygienische Verhältnisse und übervolle
Schlafräume. Bei armen Familien liege auch die Pflege im argen, weil die
Eltern weder über die notwendigen
Kenntnisse noch die Mittel verfügen,
gegen die Krankheiten der Kinder in
der richtigen Weise anzugehen.
Dennoch könnten durch klinische
Information wenigstens einige Risikofaktoren vermindert werden, meinte
Dr. Thelma Tupasi, Präsidenten der
"Stiftung tropische Krankheiten" mit
Sitz in Makati (Philippinen). Würden
beispielsweise Masern durch Impfen
verhindert, verringere sich das Risiko der Atemwegserkrankungen. Unterund Fehlernährung könne durch einfache Medikamente korrigiert werden.
So habe sich gezeigt, daß Kinder mit
Vitamin-A-Mangel häufiger als andere
von Infektionen des unteren Atmungstraktes befallen werden. Sowohl Erkrankungen als auch Todesfälle waren
nach Vitamin-A-Gaben geringer. Dazu
bedarf es nicht zusätzlichen Personals, sondern nur der richtigen Maßnahmen.
Die Teilnehmer waren sich einig,
daß das Gesundheitspersonal lernen
müsse, bakterielle Pneumonie besser
zu diagnostizieren. "Offenbar haben
wir die Rolle der Bakterien unterschätzt", meinte Tupasi. "Wir müssen
begreifen, wie bedeutsam Bakterien
sind, weil die Therapie der Kinder
von der richtigen Diagnose abhängt.
Die meisten Kinder in Entwicklungsländern sind mit Bakterien infiziert,
wir brauchen viel empfindlichere Erfassungsmethoden."

Außerdem wurde mehr Genauigkeit
in der Beschreibung klinischer Erkrankungen gefordert, die zum Komplex
der akuten Atemwegserkrankungen gehören. Tupasi hält es für erforderlich, biologische Ursachen dieser Erkrankungen zu .identifizieren, damit
Vorbeugungsstrategien
ausgearbeitet
werden können.
"Wir müssen beispielsweise herausfinden", sagte sie,
"ob Viren bei der Entwicklung schwerer Bakterieninfektionen
im Spiel
sind.
Dann könnten wir vielleicht
einen Impfstoff gegen diese Viren
entwickeln.
Außerdem
wissen
wir
nicht genug darüber, welche krankheitsverursachenden
Organismen
in
Neugeborenen existieren.
Auch die
Auswirkung des Gesundheitszustandes
der Mutter auf das Kind ist von grosser Bedeutung. Stillen kann die Widerstandsfähigkeit des Kindes gegen
Infektionskrankheiten stärken.
Muttermilch enthält Zellen, die eindringende Bakterien vernichten.
Daten
aus jüngster Zeit zeigen auch, daß
Muttermilch verhindern kann, daß sich
Bakterien im oberen Teil der Luftwege
festsetzen und später in die Lunge
vordringen, wo sie die Infektion verursachen."
Alles in allem müsse es mehr
grundlegende Informationen und Wissen
über die eingeschlagene Therapie und
die Behandlung mit Antibiotika geben.
Gesundheitsfürsorger könnten für die
Therapie angelernt werden. Die Weltgesundheitsorganisation
(WHO) habe
Richtlinien für Personen ohne medizinische Ausbildung herausgegeben, so
daß diese Leute entscheiden können,
welche Kinder Antibiotika bekommen
sollen.
Dorfgesundheitsfürsorger
könnten nach kurzem Training therapeutische Aufgaben sehr gut wahrnehmen.
"Wir müssen alle verfügbaren
Quellen für medizinische Dienste ausschöpfen", meinte die Wissenschaftlerin, und befürwortete, die traditionellen "Heiler" davon nicht auszunehmen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
30. November 1988

44

SUPERBESCHLEUNIGER KOMMT NACH TEXAS
- Entscheidung über endgültigen Standort im Januar 1989 -

WASHINGTON - (AD) - John Herrington, Chef des amerikanischen Energieministeriums, gab kürzlich bekannt, daß sich die Regierung für den Bundesstaat
Texas als Standort für den größten und leistungsstärksten Teilchenbeschleuniger der Welt entschieden habe.

Elektromagnet«, die auf so tiefen
Temperaturen gehalten werden, daß der
elektische Widerstand praktisch verschwindet
("Supraleiter"),
werden
Protonen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit (300 000 km/sec) beschleunigen.
Der Umfang des Beschleunigerringes
beträgt ca. 85 km. Verständlich, daß
für eine so riesige Anlage ein großes
Gelände benötigt wird.
Es umfaßt
6 400 Hektar. Protonenstrahlen werden gegenläufig auf diese "Rennbahn"
geschickt, so daß bei der Kollision
selbst jene Kräfte überwunden werden,
die elementare Partikel zusammenhalten. Dabei entstehen Kaskaden kleinerer Teilchen, die beobachtet und
analysiert werden können. Dies gibt
den Wissenschaftlern die Möglichkeit,
zum besseren Verständnis der Beschaffenheit von Materie und den Gründen
für ihr Verhalten.

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Embassy of the United States of America

Die Kosten werden sich auf ca.
4,4 Milliarden Dollar belaufen. Jedoch hat der Kongreß im laufenden
Haushaltjahr nur sog. Nebenkosten in
Höhe von 100 Millionen Dollar für
StandortStudien,
ingenieurwissenschaftliche Arbeiten und gewisse Forschungs- und Entwicklungsaufgaben bewilligt. Es ist vorgesehen, 20 Laborgebäude mit etwa 4 000 Arbeitsplätzen zu errichten. Später sollen
dort 2 000 Wissenschaftler und Ingenieure arbeiten, 1 300 weitere Personen werden mit Wartung und Technik
betraut.

* * * * * *

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Telex: 8-85432

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                <text>Amerikadienst 30.11.1988</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Paul Nitze - Veteran im Staatsdienst&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des Sonderberaters für Rüstungskontrollfragen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Scowcroft bringt große Erfahrung für seinen Posten mit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des neuen Nationalen Sicherheitsberaters&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Entscheidung über Verweigerung von Visum für Arafat "fest und endgültig" &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Informationen zur Entscheidung des amerikanischen Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen:&lt;br /&gt;Amerikanische und sowjetische Vorschläge&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht der ACDA&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjetische Landstreitkräfte sind der NATO zahlenmäßig weit überlegen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel zum Bericht über die konventionellen Streitkräfte der NATO&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lungenentzündung Haupttodesursache bei Kindern der Dritten Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bessere Diagnosekenntnisse erforderlich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Superbeschleuniger kommt nach Texas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Entscheidung über endgültigen Standort im Januar 1989&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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1

^ *

VON

1

*

/

amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z 12462 C

47

GATT

MILITÄR

30. November 1994

CLINTON: GATT-ABKOMMEN WIRD
WELTWEITE FÜHRUNGSROLLE DER USA
STÄRKEN
Ansprache des Präsidenten

DIPLOMATIE UND GEWALT IM

21. JAHRHUNDERT
von General Shalikashvili

HANDEL

TECHNOLOGIE UND HANDEL
ERGÄNZUNG STATT ERSATZ
von Jay Stowsky

KULTUR

AFROAMERIKANISCHE KUNSTLER IM
SMITHSONIAN MUSEUM
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Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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Tel.: 0228 - 339 23 72
Fax:0228-334102

�GATT
30. November 1994

CLINTON: GATT-AB KOMMEN WIRD WELTWEITE
FÜHRUNGSROLLE DER USA STÄRKEN
Ansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton sieht das Handelsabkommen der Uruguay-Runde als Teil des
Prozesses einer globalen Handelsliberalisierung, der die Führungsrolle der Vereinigten Staaten in den
kommenden Jahrzehnten stärken wird.
Mit der am 28. November 1994 im Weißen Haus gehaltenen nachfolgend veröffentlichten Ansprache Präsident
Clintons vor früheren und derzeitigen Mitgliedern der Administrationen von Demokraten und Republikanern
wurden die letzten Versuche eingeleitet, die Unterstützung des Kongresses für das Handelsabkommen zu
gewinnen. Die Abstimmung im Repräsentantenhaus ist für den 29. November und im Senat für den 1.
Dezember 1994 anberaumt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eröffnungsansprache des Präsidenten.

Verehrte Gäste. Durch Ihre Anwesenheit stellen Sie
unter Beweis, daß dieses GATT-Abkommen nicht
nur Handelsschranken niederreißt, sondern auch
Differenzen zwischen Parteien, Philosophien und
Ideologien ausräumt. Ich danke Ihnen allen.
Zweifelsohne haben wir heute demonstriert, daß es
keinen parteipolitischen Eigentümerstolz auf das
GATT-Abkommen gibt. Es ist weder ein republikanisches noch ein demokratisches Abkommen, sondern
ein amerikanisches, das allen Amerikanern in jeder
Region unseres Landes dienen soll.
Jim Baker hat äußerst eloquent ausgeführt, daß
dieses Abkommen einer weitere historische Entscheidung für die Vereinigten Staaten im 20. Jahrhundert darstellt. Als wir uns nach dem Ersten
Weltkrieg unserer Führungsrolle und unserer Verantwortung entzogen, zahlte die Welt einen hohen
Preis. Als wir wie nach dem Zweiten Weltkrieg
versuchten, eine Führungsrolle zu übernehmen, hat
dies nicht nur der Welt, sondern auch den Menschen
in den Vereinigten Staaten geholfen. Die Mittelschicht hat sich in beispielloser Weise vergrößert,
und die Arbeitnehmerfamilien in unserem Land
lernten in den Jahren Wohlstand kennen, in denen
wir ein System zu errichten versuchten, das nach
dem Zweiten Weltkrieg Frieden und Sicherheit
erhalten sowie Wohlstand fördern würde.
Wir haben hier im Inland alles in unserer Macht
Stehende getan, um die uns konfrontierenden

AMERIKA DIENST 47

schwierigen und erschreckenden wirtschaftlichen
Herausforderungen zu bewältigen, das Defizit abzubauen, den Regierungsapparat abzuspecken und
gleichzeitig unsere Investitionen in Ausbildung,
Technologie und Rüstungskonversion zu erhöhen.
Wir wissen jedoch, daß wir ohne die Fähigkeit zur
Erweiterung des Handels und zur Schaffung von
mehr wirtschaftlichen Chancen erstens nicht in der
Lage sind, unserer globalen Verantwortung, und
zweitens unserer Verantwortung gegenüber dem
amerikanischen Volk gerecht zu werden.
Ich möchte gerne ein drittes Argument vorbringen,
das mir sehr am Herzen liegt. Es wurde gegen
dieses Abkommen und gegen das NAFTA geäußert.
Jim Miller hat das Argument gekonnt widerlegt, das
GATT sei ein "budget buster" (Haushaltsbelastung
aufgrund kurzfristiger Verluste an Steuereinnahmen.
Anm. d. Red.) und würde in gewisser Weise unsere
Souveränität einschränken. Es gibt jedoch noch eine
andere Argumentation gegen dieses Handelsabkommen, die heute nicht erwähnt wurde, dieser ganzen
Debatte jedoch zugrunde liegt. Sie war in dem
Artikel enthalten, den ein mir für gewöhnlich wohlgesonnener Journalist geschrieben hat. Dort stand
zu lesen, schon wieder hat er eine dieser verrückten,
zum Scheitern verurteilten Wirtschaftsideen mit
seinem Einsatz für das GATT-Abkommen, das nur
ein weiteres Rezept für den Niedergang der einkommensschwachen Amerikaner ist, was der Grund für
die Schwierigkeiten ist, in denen sich die Demokrati-

Seite 1

�sehe Partei heute befindet - Dinge zu tun, die
schlicht und einfach die Arbeiter umbringen.
Das Argument ist falsch. Aber es ist wirklich die
unterschwellige Opposition gegen das GATT. Es
wird argumentiert, da wir in einer Weltwirtschaft
leben und es an anderen Orten Menschen gibt, die
für Löhne arbeiten, die unter unserem Existenzminimum liegen, würde eine Öffnung unserer Märkte
dazu führen, daß sie unsere Arbeitnehmer ersetzen
und den besorgniserregendsten Trend im modernen
amerikanischen Leben verschlimmern: Die Löhne
männlicher Arbeitnehmer ohne Collegeabschluß in
den Vereinigten Staaten sind in den letzten 10
Jahren inflationsbereinigt um 12 Prozent gesunken.
Dieses Argument hat eine große oberflächliche
Anziehungskraft. Warum ist es falsch? Wenn wir
nichts unternehmen, werden aufgrund ausländischer
Konkurrenz Entlassungen erforderlich. Wenn wir
jedoch handeln und eine Führungsrolle übernehmen,
erschließen wir andere Märkte für unsere Produkte.
In den letzten Jahren hat unsere Nation eine schwierige Zeit erlebt, um ihre Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Jetzt können wir
überall verkaufen und konkurrenzfähig sein.
In unseren Diskussionen über das NAFTA wurde
dasselbe Argument angeführt. Was ist geschehen?
In diesem Jahr wurden 100.000 neue Arbeitsplätze
geschaffen. Die Exporte amerikanischer Autos nach
Mexiko stiegen um 500 Prozent an. Worüber hört
man in Detroit derzeit die lautesten Klagen? Die
Arbeitnehmer müssen zuviele Überstunden machen.
Wenn man sich an die Situation vor zehn Jahren
erinnert, könnte man das als ein "elitäres" Problem
bezeichnen.
Das ist also das Problem, mit dem wir uns in Amerika konfrontiert sehen. Und der Unmut derjenigen,
die immer härter arbeiten und immer weniger dafür
bekommen, die das Gefühl haben, sie hätten sich an
die Spielregeln gehalten und seien betrogen worden
- dieser Unmut wird in einer Wahl nach der anderen
auf unterschiedliche und unberechenbare Weise
demonstriert, wie 1992 und 1994. Es liegt jedoch in
unserer Verantwortung, das zu tun, was für diese
Menschen langfristig das Beste ist. Das ist unsere
Aufgabe. Und der einzige Weg hierzu ist die Erschließung weiterer Märkte für amerikanische
Produkte und Dienstleistungen sowie die Öffnung
unserer Märkte für andere.
Wir müssen das Niveau lebenslanger Aus- und
Weiterbildung für die arbeitende Bevölkerung Amerikas verbessern. Wir müssen einige der ernsten,

speziellen Probleme der amerikanischen Wirtschaft
angehen. Aber letztlich werden der Privatsektor
dieses Landes und die Arbeitnehmer dieses Landes
ihre Arbeit tun, wenn sie zumindest teilweise Zugang
zu den Gebieten der Welt mit den höchsten Wachstumsraten haben. Und was sind die Wachstumsgebiete der Welt? Nicht die reichen Industrieländer,
sondern Lateinamerika, Asien und andere Regionen.
Das GATT, das NAFTA, unsere gemeinsamen
Bestrebungen mit den Ländern des asiatisch-pazifischen Raums und die für den Gipfel amerikanischer
Staaten gesetzten Ziele führen dazu, daß Amerika
weiterhin eine Führungsrolle in der Welt einnimmt, die
uns eine Fortsetzung der Dinge gestattet, die am
Ende des Kalten Krieges geboten waren: Fortgesetztes Engagment, fortgesetzte Führungsolle, Einsatz für
eine friedlichere, sicherere und wohlhabendere Welt
und gleichzeitig Umgang mit den schrecklichen,
nagenden Schwierigkeiten, denen sich heute Millionen amerikanischer Familien gegenübersehen.
Es gibt keine andere Möglichkeit zur Bewältigung
dieser Situation. Es gibt keine einfache Lösung, kein
Motto, um die Probleme zu vertreiben. Ein solcher
Ansatz wird die unterschwellige Angst von Abermillionen von Amerikanern und, so könnte ich hinzufügen,
Millionen Europäern, Millionen Japanern und Menschen in modernen Volkswirtschaften weltweit mildern
und gleichzeitig die Welt zu einem besseren Ort und
die Zukunft für unsere Kinder sicherer machen. Wir
müssen jetzt handeln. Wir können nicht bis zum
nächsten Jahr warten. Wir wollen das Ganze nicht
überladen wie einen Weihnachtsbaum und Gefahr
laufen, alles zu verlieren.
Wenn ich im vergangenen halben Jahr mit einem
Staatsmann sprach, habe ich mir jedesmal dieselbe
Frage gestellt: Wann werden die Vereinigten Staaten
beim GATT handeln? Die übrige Welt schaut auf
uns.
Wir haben die große Chance, das durchschnittliche
Einkommen der Familien in diesem Land in den
kommenden Jahren um 1.700 Dollar zu erhöhen,
Hunderttausende hochbezahlter Arbeitsplätze zu
schaffen, die größte weltweite Steuersenkung in der
Geschichte herbeizuführen und unseren beiden
Verantwortungsbereichen gerecht zu werden unserer Verantwortung, in der Welt Führung und
Engagement zu zeigen sowie unserer Verantwortung,
den Menschen in unserem Land zu helfen.
Wir müssen Fortschritte machen und jetzt handeln.
Ich danke Ihnen.

* *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 47

�MILITÄR
30. November 1994

DIPLOMATIE UND GEWALT IM 21. JAHRHUNDERT
von General Shalikashvili
Der nachfolgende Artikel basiert auf einer im Institut für diplomatische Studien der Georgetown University
gehaltenen Vorlesung. John Shalikashvili ist Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs.

WASHINGTON - (AD) - Für das Thema "Diplomatie
und Gewalt" hätte man wohl keinen angemesseneren Zeitpunkt wählen können. Wir sind Zeuge eines
wiederauflebenden Interesses an diesen beiden
grundlegenden Elementen amerikanischer Macht.
Das sollte uns jedoch nicht überraschen, denn in
den letzten Jahren sind wir zu der Erkenntnis
gelangt, daß die Welt sich tatsächlich so tiefgreifend
verändert hat, daß wir jetzt das Verhältnis zwischen
amerikanischer Diplomatie und Gewalt neu überdenken müssen. Meines Erachtens sind wir mit zwei
Herausforderungen konfrontiert, mit zwei Fragen, die
wir angehen müssen:
Erstens müssen wir das Verhältnis zwischen Diplomatie und Gewalt in der Zeit nach dem Kalten Krieg
neu definieren, diese beiden Elemente unserer
nationalen Macht zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels führen, einsetzen und im Gleichgewicht
halten, insbesondere an der Schwelle zum 21.
Jahrhundert.
Zweitens müssen wir den Umgang mit einer wachsenden Zahl von sogenannten "nichtkriegerischen
Operationen" erlernen - dem Somalia, Ruanda, Haiti
und Bosnien von heute und morgen, denn ich bin
der Ansicht, daß wir auch im kommenden Jahrhundert mit dieser Art von nichtkriegerischen Operationen konfrontiert werden.

und die bipolare Struktur, an die wir uns schon lange
gewöhnt hatten, vor unseren Augen zerfiel.
Jetzt, drei bis vier Jahre später, nach dem Golfkrieg,
den Ereignissen in Somalia, Ruanda, Jugoslawien,
den jüngsten Schwierigkeiten in Nordkorea, Haiti ...
sind wir zu der Erkenntnis gelangt, daß unsere
weltweite Führungsrolle etwas sehr Wertvolles
darstellt. Wir haben auch gelernt, daß eine Beibehaltung unserer Führungsrolle wahrscheinlich nicht
möglich ist, wenn wir nicht zum Einsatz einer unserer
beiden großen Stärken bereit sind - militärischer
Gewalt.
Wenn wir im nächsten Jahrhundert das Richtige tun
wollen - und das werden wir - müssen wir meiner
Ansicht nach bei dieser Partnerschaft zwischen
Diplomatie und Gewalt das richtige Gleichgewicht
finden.
Es ist nichts Neues, daß Diplomatie und Gewalt in
erster Linie in einer neuen Art von globalem Umfeld
und weltweiter Struktur eingesetzt werden. Wir sind
jetzt fester Bestandteil einer multipolaren Welt, und
verglichen mit gestern sind die Gegebenheiten viel
komplexer und flexibler, sie bewegen und verändern
sich schneller als in den letzten Jahrzehnten üblich.

Angesichts der Probleme und Entscheidungen, mit
denen wir uns in den vergangenen Jahren konfrontiert sahen, scheinen die Probleme der sechziger, siebziger und selbst der achtziger Jahre nicht
sehr dramatisch gewesen zu sein. Als die Eindämmung zu einer Strategie heranreifte, blieb
einfach immer weniger Raum für Uneinigkeit zwischen Diplomaten und Soldaten.

Amerika hat immer noch einzigartige Macht und
Überzeugungskraft in der Welt. Wir sind die reichste
Nation, obwohl unsere Position gemessen an unserem Anteil an der Weltproduktion seit dem Ende des
Zweiten Weltkriegs beträchtlich schwächer geworden
ist. Wir haben immer noch die besten und mächtigsten Streitkräfte der Welt, aber um diese Macht ins
Ausland zu projizieren, greifen wir auf die Stützpunkte
anderer Nationen, auf Überflugrechte, Kostenteilung
und sehr häufig auf unsere Koalitionspartner zurück.

Dann fanden jedoch die großen Ereignisse Ende der
achtziger und Anfang der neunziger Jahre statt, als
plötzlich unsere kolossale Bedrohung verschwand

Es ist jedoch die Kombination dieser zwei Faktoren unserer Wirtschaftsmacht und unserer Militärmacht die uns weltweit einen solchen diplomatischen Einfluß

AMERIKA DIENST 47

Seite 1

�verleiht. Sie macht den amerikanischen Diplomaten
zum Primus inter pares.
Noch wichtiger ist vielleicht, daß es im kommenden
Jahrhundert wahrscheinlich mehr, nicht weniger
Multipolarität geben wird. China wird reicher und
mächtiger, die Russen erholen sich vom Verlust
ihres Imperiums, Deutschland von den Kosten der
Vereinigung, Tokio findet eine neue Rolle in Asien
und der Welt - und das verringert unseren Spielraum
für unilaterale Einflußnahme und unabhängiges
Handeln. Unsere Stärke wird nicht abnehmen - ich
bin äußerst optimistisch über unsere Aussichten im
nächsten Jahrhundert, aber auch optimistisch
hinsichtlich der Zukunftsaussichten anderer.
Daher besteht meines Erachtens für uns eine
wirkliche Notwendigkeit, den Rahmen für diese
multipolare Welt zu gestalten.
In der Vergangenheit hätte dies vielleicht bedeutet,
ein Gleichgewicht zwischen konkurrierenden Mächten zu finden - also die traditionelle europäische
Sicherheitslösung. Die Welt von heute ist jedoch
nicht so einfach. Es gibt Atomwaffen, die das
Mächtegleichgewicht auf eigenartige Weise verändern. Wie sonst könnte die Sowjetunion mit ihrer
derart rückständigen und verarmten Volkswirtschaft
als so mächtiger Gegner betrachtet werden?
Ferner ist es einleuchtend, daß es bei Vorhandensein eines Mächtegleichgewichts eine Nemesis gibt,
gegen die das Gleichgewicht gehalten wird. Mit
wem wollen Sie heute Ihre Macht im Gleichgewicht
halten? Und ist dies eine optimale Lösung, wenn
die Chance besteht, statt dessen allen Großmächten
kooperative globale Rollen zuzuweisen?
Das ist die erste große, uns konfrontierende Herausforderung. Wie definieren wir dieses neue Verhältnis
zwischen Diplomatie und Gewalt in diesem veränderten Zeitalter? Und wie leiten, nutzen und
gewichten wir diese beiden Elemente unserer
nationalen Macht, damit sie einem gemeinsamen
Ziel dienen?
Es besteht jedoch schon im gesamten Verlauf der
neunziger Jahre eine zweite Herausforderung, die
man von der ersten nicht trennen kann. Diese
Herausforderung ist die wachsende Zahl von Operationen, die wir beim Militär als "nichtkriegerische
Operationen" bezeichnen. Hierbei handelt es sich
um die von mir bereits erwähnten Missionen in
Somalia, Bosnien, Ruanda und Haiti. Sie reichen
von der Friedenssicherung über die Durchsetzung
des Friedens und humanitäre Operationen bis zu
den Bestrebungen im Kampf gegen den Drogenhandel, die wir in Lateinamerika und anderen Regionen

Seite 2

unternehmen. Sie finden in diesem Niemandsland
zwischen Krieg und Frieden statt, in dem die Grenze
zwischen Diplomatie und Gewalt eindeutig verwischt
ist.
Wir haben solche Operationen - wenn auch nur
selten - während des kalten Krieges durchgeführt,
und offen gesagt, haben wir das nicht immer gut
gemacht. Folglich haben wir keine erprobte Schablone, die wir jedesmal, wenn wir uns zu einer dieser
Operationen verpflichten, anlegen können. Und
meines Erachtens werden diese Operationen noch
viel komplexer, wenn die Vereinten Nationen oder die
Streitkräfte von Koalitionspartnern einbezogen sind,
denn in einem solchen Fall wird die Arbeit des
Soldaten und des Diplomaten wesentlich schwieriger.
Jeder von Ihnen, der an einer dieser Operationen
unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen
oder in einer Koalition beteiligt war, wird hoffentlich
mit mir darin übereinstimmen, daß man in einem
solchen Fall viel weniger Spielraum hat als bei
unilateralen Operationen, denn jegliche Unklarheit bei
unseren diplomatischen und militärischen Strategien
führt bei unseren Partnern schnell zur Verwirrung.
Und wenn wir wie häufig die Bestrebungen anführen,
ist dies um so bedauerlicher und gefährlicher.
Andererseits bin ich der Ansicht, daß unsere Leistungen im Verlauf des letzten Jahres besser geworden
sind. Wenn man sich Ruanda oder unser bisheriges
Vorgehen in Haiti oder in etwas anderer Weise in
Nordkorea betrachtet, kann man den Schluß ziehen,
daß das Wechselspiel zwischen Diplomatie und
Gewalt tatsächlich ziemlich gut klappte. Wir haben
also einige Lektionen gelernt, die wir in Zukunft
anwenden können. Ich kann mich an eine Zeit
erinnern, als das Militär die Diplomaten für Vertreter
der Elite in Nadelstreifen hielt, die mehr Wert auf
elegante Formulierungen als auf Taten legten.
Diese Ernüchterung war beiderseitig. Die Diplomaten
ihrerseits hielten die Angehörigen des Militärs für
Männer, die eine Schwarzweißsicht der Welt hatten
und Aktionen um der Aktionen willen befürworteten.
Wir fühlten uns in Gegenwart der Vertreter des
jeweils anderen Lagers äußerst unwohl, und beide
Institutionen bemühten sich sorgfältig um die Vermeidung von Kontakten. Wenn wir zusammentrafen,
redeten wir oft aneinander vorbei.
Die Zeiten, in denen diese Gefühle vorherrschten,
sind jedoch schon lange vorbei, vielleicht weil der
Druck des Kalten Krieges uns zu ständiger Interaktion
zwang. Um wirklich würdigen zu können, wie weit wir
gekommen sind, müssen Sie nur - wie ich kürzlich einen Tag mit Botschafterin Albright oder Botschafter
Redman verbringen und ins zerschossene Sarajevo

AMERIKA DIENST 47

�fliegen. An diesem Tag tauschten die beiden ihre
Nadelstreifen gegen kugelsichere Westen und
Blechgeschirr. Und anstatt in blitzenden Limousinen
umherzufahren, verbrachten die beiden einen Tag in
französischen Panzerkampfwagen, umgeben von
zähen und aufmerksamen jungen Wächtern.
Statt zu Besprechungen zu gehen und Nettigkeiten
auszutauschen, begaben sich beide an den Schauplatz der jüngsten Greueltaten in dieser Stadt und
prüften, wie wir die Menschen in Sarajevo ein weiteres Jahr ernähren könnten.

i

Und ich habe dasselbe Verständnis für die Risiken
in Ruanda, Somalia und auch in Haiti beobachtet,
Meines Erachtens geht es um folgendes: Bei diesen
Operationen ist es aufgrund ihrer Komplexität sowie
der Mischung von Diplomatie und Gewalt besonders
wichtig, daß unsere Diplomaten und Soldaten in
völligem Einklang operieren.
Aber es bestehen immer noch echte Differenzen
zwischen unseren Institutionen, und wir alle müssen
uns dieser Meinungsverschiedenheiten bewußt sein,
weil sie in Krisenzeiten am deutlichsten zutage
treten. Und das ist sicherlich nicht der geeignete
Zeitpunkt für Erkenntnisse.
Das Militär fühlt sich natürlich am wohlsten, wenn die
Ziele klar und präzise sind. Institutionell ist das
Militär eher auf Lösungen ausgerichtet.
Wenn
Gewalt eingesetzt wird, haben wir eine starke
Präferenz, daß dieser Einsatz von Gewalt zu dem
von uns als Sieg bezeichneten Zustand führt. Wenn
wir kämpfen, ist unser erstes Mittel die Anwendung
überwältigender Gewalt, um eine sehr rasche und
sehr entschiedene Beendigung herbeizuführen. Dies
geschieht zum Teil, weil wir glauben, daß Menschenleben auf dem Spiel stehen, aber auch, weil Rationalität durch Emotionen und Unberechenbarkeit
ersetzt wird, wenn Diplomatie erst einmal der Gewalt
gewichen ist.

,

1

Andererseits ist Diplomatie - wie der ehemalige
Außenminister Henry Kissinger bemerkte - sehr
häufig die Kunst, das Unlösbare zu bewältigen. Der
Diplomat operiert also inmitten eines Milieus der
Rationalität, einer Welt halbherziger Maßnahmen,
der Kompromisse und der Art komplexer Arrangements, die wir als "friedliche Beziehungen" bezeichnen. Ein erfahrener Diplomat ist ein Experte,
genau die Trennlinie zu ziehen, mit der beide Seiten
am wenigsten unzufrieden sind. Wenn Gewalt
eingesetzt wird, mag ein Diplomat zu Recht fragen,
ob es nicht möglich ist, genau das richtige Ausmaß
von Gewalt einzusetzen, um den spezifischen Zweck
zu erfüllen. Traditionell war dies die große Kluft
zwischen der Sichtweise der Diplomaten und des

AMERIKA DIENST 47

Militärs. Einer versucht, nur soviel Gewalt einzusetzen, um eine Verhandlungslösung herbeizuführen,
der andere - das Militär - versucht, soviel Gewalt
einzusetzen, daß der andere nachgibt.
Aber bei "nichtkriegerischen Operationen" wird diese
unterschiedliche Sichtweise leicht verzerrt und auf
den Kopf gestellt. Fast immer geht es bei dieser Art
von Operationen nicht um vitale Interessen. Und weil
unsere Interessen bei solchen Operationen begrenzt
sind, gilt dies auch für die Mittel, die wir zur Erlangung unseres Ziels einzusetzen bereit sind. Es gibt
also einen unterschwelligen Kampf um das richtige
Gleichgewicht.
Es gibt auch einen Kampf um den richtigen Weg für
den Einsatz von Gewalt, weil bei diesen nichtkriegerischen Operationen die Lager nicht gegnerische
Staaten sind, sondern kriegführende Parteien, Stämme oder ethnische Gruppen, und die Auswirkungen
von Diplomatie oder Gewalt nicht leicht kalkulierbar,
rational oder vorhersehbar sind.
Im Kalten Krieg waren wir der begrenzten Operationen müde, weil immer das Risiko bestand, daß ein
begrenzter Konflikt außer Kontrolle geraten und zu
einer Konfrontation zwischen Supermächten eskalieren könnte. Aber nun, da der Kalte Krieg beendet ist,
besteht unsere Hauptsorge bei diesen begrenzten
Operationen darin, daß die Operation zu Risiken und
Kosten eskalieren könnte, die das Maß unserer
begrenzteren Interessen überschreiten, und wir sind
uns auch bewußt, daß unsere Interessen größer
werden, sobald es Verluste amerikanischer Menschenleben gegeben hat. Daher müssen wir uns
zwangsläufig fragen, wieviele Opfer an Menschenleben können wir bei dieser speziellen Operation
ertragen?
Es geht hier nicht um eine Zögerlichkeit, amerikanische Streitkräfte für den richtigen Zweck oder in der
richtigen Weise einzusetzen. Es geht um die Frage,
für welche Interessen wir Gewalt einsetzen. Und
dann darum, wie wir unsere Risiken abwägen und die
Gewalt in geeigneter und effektiver Weise zum
Schutz dieser speziellen Interessen einsetzen. Sowie
um die Frage, ob wir uns mit weniger als einem
eindeutigen Ergebnis zufriedengeben sollten, wenn
erst einmal das Prestige der Vereinigten Staaten und
amerikanische Menschenleben auf dem Spiel stehen.
In bezug auf Bosnien hat es beispielsweise die
ständige Debatte über den Einsatz amerikanischer
Luftstreitkräfte gegeben, um die bosnischen Serben
zur Beendigung der Kämpfe zu bewegen. Ich bin
nicht so sicher, daß der Einsatz von Luftstreitkräften
allein irgendwo auf der Welt ausreicht, um eine
entschlossene Nation oder entschlossene Menschen

Seite 3

�von irgend etwas Bestimmtem zu überzeugen, aber
ich weiß mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, daß Bosnien nicht der Ort ist, dies zu probieren. Wenn man sich einmal für diesen Weg entschieden hat, löst man eine Kette von Ereignissen
aus, bei denen man nicht als einziger Entscheidungen trifft. Und wenn erst einmal das Prestige der
Vereinigten Staaten und amerikanische Menschenleben auf dem Spiel stehen, müssen wir uns stets
fragen, ob wir bereit sind, diesen Weg weiterzugehen. Ich sage nicht, daß wir Luftstreitkräfte nicht zur
Durchsetzung der UN-Schutzzonen in Bosnien oder
zum Schutz der UN-Friedenstruppen vor einem
Angriff in diesem Land einsetzen können. Bei dieser
begrenzten Aufgabe haben Luftstreitkräfte eine legitime Rolle, aber man muß sich bewußt sein, was
noch drohen kann, bevor man diese Mission erweitert.
In Ruanda wurde vorgeschlagen, wir müßten unsere
humanitären Hilfslieferungen aufstocken und zwischen den kriegführenden Parteien intervenieren.
Dies wäre ein großer Schritt über die Bereitstellung
von sauberem Wasser, Medikamenten und Nahrungsmitteln hinaus gewesen. Unser Risiko wäre
sehr viel höher gewesen und unsere Streitkräfte
hätten in einer tiefgreifenden und heftigen Auseinandersetzung untergehen können.
In Haiti, wo unsere Streitkräfte heute stationiert sind,
forderten einige von uns den Einsatz von Gewalt,
um mehr zu tun und beispielsweise die Funktionen
der Zivilpolizei zu übernehmen. Wir müssen wiederum sorgfältig prüfen, was wir und was die Haitianer
selbst zum Aufbau ihrer Nation leisten müssen.
Ich sage nicht, daß wir müßig zusehen sollen, wie
die Haitianer geprügelt und ermordet werden. Lange
bevor wir in Haiti landeten, bestand unsere Aufgabe
in der Verhinderung solcher Taten. Aber es ist eine
gefährliche Gratwanderung zwischen Maßnahmen
zur Verhinderung solcher Taten und der Übernahme
von Polizeifunktionen für eine gesamte Nation.
Verteidigungsminister Perry hat vor kurzem eine
meines Erachtens äußerst vernünftige Formel für
solche Entscheidungen vorgeschlagen. Es gibt
immer noch für die Sicherheit unserer Nation lebenswichtige Interessen. Wenn der irakische Revolutionsführer Saddam Hussein morgen angreifen
würde, würden wir keinen Moment warten, zögern
oder debattieren, eine überwältigende Streitmacht
zur Verteidigung der Region zu entsenden und einen
entschiedenen Sieg zu erringen. Wir würden sofort
Streitkräfte dislozieren und gegebenenfalls solange
kämpfen, bis die Arbeit vollbracht ist. Dies haben
wir vor kurzem getan. Und weil wir dies getan
haben, mußten wir nicht kämpfen.

Seite 4

Wir haben allerdings auch nichtvitale Interessen. Wir
haben wichtige Interessen, die klar, jedoch nicht vital
sind. In diesen Fällen sind wir zum Einsatz unserer
Militärmacht primär aus zwingenden Gründen zur
Unterstützung unserer Diplomatie bereit. Aber weil
unsere Interessen begrenzt sind, gilt dies auch für die
von uns zum Einsatz vorgesehenen Mittel. Haiti ist
ein gutes Beispiel. Hier waren wir zum begrenzten
Einsatz von Streitkräften zur Unterstützung der
Diplomatie bereit, und wäre die Diplomatie gescheitert, hätten wir Gewalt eingesetzt. Glücklicherweise
war dies nicht nötig.
Und schließlich gibt es Fälle, in denen unsere Interessen vielleicht nicht so stark sind, aber unsere
humanitären Motive ins Spiel kommen könnten.
Hierfür ist Ruanda ein gutes Beispiel. In diesem
Land war die Not so groß und die Aktionen einer
Konfliktpartei waren moralisch so verwerflich, daß wir
uns als Amerikaner nicht einfach abwenden konnten.

&gt;

Aber selbst angesichts dieser Gleichung müssen wir
meiner Ansicht nach noch etwas anderes begreifen,
wenn wir das richtige Gleichgewicht zwischen unseren Risiken und Interessen bewahren wollen. Es wird
immer die Versuchung bestehen, die Mission ein
wenig in die eine Richtung zu verlagern, oder ein
bißchen mehr Gewalt für den einen oder anderen
Zweck einzusetzen. Meines Erachtens ist der einzige
Schutz vor diesen Versuchungen - diesen der
Mission inhärenten Versuchungen - ein sehr klares
Verständnis dessen, was wir erreichen wollen, bevor
wir Streitkräfte entsenden, und dann müssen wir alle
das als Standhaftigkeit bezeichnete Prinzip einhalten,
oder wie wir im Militär sagen: "Behalten Sie stets
das Ziel im Auge".
Meiner Ansicht nach ist es dieses Prinzip, das bisher
in Ruanda Erfolg hatte und heute in Haiti erfolgreich
ist und in beiden Fällen zu einer reibungslosen
Partnerschaft zwischen Diplomaten und unserem
Militär geführt hat.
Ich bin jedoch nicht so optimistisch zu glauben, daß
wir alles gelernt haben, was wir zur Bewältigung
dieser Probleme unter zukünftigen Umständen lernen
müssen, aber wir haben meines Erachtens einige der
besten Köpfe, die an den echten Schwierigkeiten und
Problemen arbeiten, die typisch für diese nichtkriegerischen Operationen sind. Meiner Meinung nach ist
es auch sehr wichtig, daß unsere besten Köpfe
weiterhin prüfen, wie wir das Gleichgewicht zwischen
Diplomatie und Gewalt sowie ihren Zielsetzungen
herstellen können, um die richtigen Arrangements für
die Herausforderungen und Bedürfnisse des nächsten
Jahrhunderts zu treffen.

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„

I

�HANDEL
30. November 1994

TECHNOLOGIE UND HANDEL • ERGÄNZUNG
STATT ERSATZ
von Jay Stowsky
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Jay Stowsky, der dem Rat der
Wirtschaftsberater angehört. Stowsky betont darin die besondere Bedeutung von Technologie für fortgesetztes
Wachstum in den Industrieländern und verweist darauf, daß amerikanische Unternehmen aus den von
ausländischen Unternehmen entwickelten technologischen Innovationen lernen können.
Der Artikel erschien erstmals in Business America, August 1994.

In einer eng vernetzten Weltwirtschaft sind neue
Technologien grenzüberschreitend. Geschwindigkeit
und Ausmaß der Verbreitung von technologischem
Know-how über nationale Grenzen hinweg hängen
jedoch entscheidend vom Wesen der technologischen Fähigkeiten vor Ort ab. Eine auf den Zugang
zu ausländischen Märkten und Technologien abzielende Handelspolitik wird sich ohne eine sie
ergänzende Innenpolitik zur Aufrechterhaltung
technologischen Könnens im Land als unwirksam
erweisen.
Technologie ist insbesondere in Ländern mit einem
hohen Lohnniveau, wie den Vereinigten Staaten, von
Bedeutung. In immer mehr Bereichen unserer
Wirtschaft hat die Wettbewerbsfähigkeit einen
globalen Charakter angenommen. Wenn jedoch
überall dieselbe Technologie angewandt wird, haben
amerikanische Unternehmen Schwierigkeiten mit der
Konkurrenz aus Niedriglohnländern. Nur wenn Sie
an vorderster Front der technolgischen Entwicklung
bleiben, können amerikanische Arbeitnehmer steigende Einkommen und fortgesetzes Wirtschaftswachstum in ihrem Land genießen.
Ein Anstieg der Exporttätigkeit heizt die wirtschaftliche Expansion im Inland an, und eine Erhöhung der
Exporte von Spitzentechnologieprodukten schafft
mehr wirtschaftliche Dynamik. Die Herstellung und
der Verkauf von Hochtechnologieprodukten bringen
für die Binnenwirtschaft überdurchschnittliche Vorteile mit sich, indem die Produktivität erhöht, die
Fähigkeiten der Arbeitnehmer verbessert und die
Beschäftigungsmöglichkeiten in Form sicherer,
hochbezahlter Arbeitsplätze vergrößert werden. Die

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Fähigkeit amerikanischer Bürger, Nutzen aus der
Herstellung und dem Verkauf von Spitzentechnologieprodukten im Ausland zu ziehen, hängt von der
Aufrechterhaltung eines offenen und international
zugänglichen Angebots neuer Produkte und Produktionstechniken ab.
Wie im Wirtschaftsbericht des Präsidenten von 1994
dargelegt, ist die Betonung einer Erweiterung des
Handels durch die Clinton-Administration von zwei
einfachen Fakten geleitet. Erstens leben die Amerikaner in einer zunehmend integrierten Weltwirtschaft
und müssen sich daher immer mehr nach außen
öffnen, um führend zu bleiben. Es besteht einfach
nicht die Möglichkeit, die Grenzen der Vereinigten
Staaten zu schließen und zu den Tagen der Isolation
in den fünfziger und sechziger Jahren zurückzukehren. Ein derartiger Versuch wäre zwecklos und nicht
nur zum Scheitern verurteilt, sondern würde auch
noch zu einer Senkung des Lebensstandards führen.
Zweitens liegen die Löhne in der Exportindustrie im
Vergleich zur gesamten Volkswirtschaft ungefähr 22
Prozent über dem Durchschnitt. Wir können die
mächtige Antriebskraft internationalen Wettbewerbs
durch Handel in unseren Dienst stellen, um Amerika
in der technolgischen Hierarchie nach oben zu
befördern und die Arbeitsplätze der Zukunft mit
amerikanischen Arbeitnehmern zu besetzen. Vor
dem Wind des Wettbewerbs abgeschirmte Unternehmen und Industriezweige neigen zur Stagnation.
Unternehmen und Industriezweige, die mit Hilfe einer
starken Innenpolitik auf dem Weltmarkt äußerst
konkurrenzfähig sind, können die schlechtbezahlten,
wenig Qualifikationen erfordernden Arbeitsplätze, die

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�unweigerlich in ärmere Länder verlagert würden,
gegen besser bezahlte, höhere Qualifikationen
erfordernde Arbeitsplätze hier in den Vereinigten
Staaten eintauschen.
Dieses Resultat wird jedoch selbst in einer offenen
Weltwirtschaft nicht in kurzer Zeit automatisch erzielt.
Um für den amerikanischen Arbeitnehmer die
größten Vorteile zu gewinnen, muß eine auf den
Marktzugang abzielende Politik von einer fortschrittlichen Ausbildungs- und Technologiepolitik im Inland
ergänzt werden. Die Beschäftigten verspüren den
Anreiz zum Erwerb technologischer Fähigkeiten,
wenn ihnen klar ist, daß sie eindeutig Nutzen aus
diesem Prozeß ziehen. Diese Vorteile variieren
jedoch abhängig von der Einstellung der Unternehmen gegenüber ihren Arbeitnehmern und der
Technologie am Arbeitsplatz.
Es gibt drei Möglichkeiten. Erstens. Amerikanische
Unternehmen stellen sich der Herausforderung,
setzen neue Technologien zur Integration ihrer
Aktivitäten ein und verbessern die Qualifikationen
ihrer Beschäftigten. Jüngste Forschungsergebnisse
deuten darauf hin, daß diese Strategie, Arbeitnehmern mehr Rechte zu geben, mit der Zeit zu Produktivitätssteigerungen und größerer Wettbewerbsfähigkeit führt. Diese Möglichkeit stellt den Weg zu
mehr Wachstum, Beschäftigung sowie höheren
Löhnen und Gehältern dar.
Die Unternehmen könnten statt dessen auch neue
Technologien einführen, jedoch nicht die notwendigen Schritte zur Verbesserung der Fähigkeiten ihrer
Beschäftigten ergreifen. Um wettbewerbsfähig zu
bleiben, wären sie dann stark von Maschinen
abhängig, die Arbeitnehmer ersetzen können oder
zu deren Bedienung keine besonderen Qualifikationen erforderlich sind. Für die Arbeitnehmer könnte
dieser Weg niedrigere Löhne bedeuten.
Eine letzte Möglichkeit wäre, daß die Unternehmen
die neuen Technologien überhaupt nicht nutzen.
Das ist der Weg zum wirtschaftlichen Niedergang,
und die Unternehmen sähen sich schließlich im Inund Ausland mit Konkurrenten konfrontiert, die über
eine bessere Technologie und billigere Arbeitskräfte
verfügen. Mit anderen Worten: Damit die amerikanischen Arbeitnehmer die gesamten Vorteile eines
erhöhten Handels mit Technologieerzeugnissen
genießen können, müssen innenpolitische Maßnahmen es amerikanischen Unternehmen möglich und
wünschenswert erscheinen lassen, den Arbeitnehmern mehr Rechte zu geben.
Gleichzeitig müssen die Amerikaner sich auf den
Märkten im In- und Ausland ebenso wie ihre ausländischen Kollegen eingehend darauf vorbereiten,

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aus der derzeitigen Verbreitung globaler Technologie
Vorteile zu gewinnen.
Einfach ausgedrückt: Amerikanische Firmen können
aus den von ausländischen Firmen entwickelten
technologischen Innovationen lernen. Gemeinschaftliches Vorgehen und technologische Verbindungen zu
ausländischen Unternehmen können die Innovationskosten verringern und die technologischen Fähigkeiten beteiligter amerikanischer Firmen zum Nutzen der
amerikanischen Volkswirtschaft verbessern. Es wäre
nicht nur müßig, einen Versuch zur Beendigung
dieses Ausbreitungsprozesses zu unternehmen,
sondern würde auch unseren eigenen Interessen
zuwiderlaufen.
Die amerikanischen Interessen werden durch kontinuierliche Unterstützung der Erforschung, Entwicklung und Erweiterung von Produktionsprozessen im
Inland weiter gefördert. Diese inländischen Bestrebungen können amerikanischen Firmen und Arbeitnehmern die Fähigkeit vermitteln, die im In- und
Ausland entwickelten Technologien und besten
Praktiken rasch aufzunehmen. Sie sind eine unerläßliche Ergänzung von Maßnahmen, die auf die
Verbesserung des Zugangs zu ausländischen Märkten für amerikanische Produkte und den Zugang
amerikanischer Firmen zu von ausländischen Regierungen unterstützten
Forschungsbestrebungen
abzielen.
Dies trifft zu, weil Wirtschaftswachstum sich nicht
einfach automatisch aus der Entwicklung neuer Ideen
ergibt. Wachstum findet statt, weil diese neuen Ideen
in neue Unternehmensprozesse und neue Produkte
einbezogen werden. Die Fähigkeit, neue Ideen in
bessere Geschäftstätigkeit und bessere Produkte
umzusetzen, hängt von einer Vielzahl von Faktoren
ab, insbesondere der Arbeitsorganisation und Qualität
der Arbeitnehmer. Effektiver Einsatz neuer Technologien hängt von der erfolgreichen Organisation und
Nutzung der Qualifikationen der Arbeitnehmer ab sowohl im Büro als auch in der Fabrik.
Technologische Maßnahmen im Inland bieten der
amerikanischen Volkswirtschaft auch entscheidende
Handelsvorteile. Da sich die Ausbreitung von Technologie erstens nicht unverzüglich vollzieht, sind die
Innovatoren und diejenigen in dem Betrieb, in dem
die Innovation stattfindet, in der Lage, aus ihrem
zwischenzeitlichen Monopol bei der Innovation
kurzfristig wirtschaftliche Vorteile zu ziehen. Dies ist
teilweise darauf zurückzuführen, daß einige Fortschritte des technischen Know-how grundsätzlich
beim Menschen zu suchen sind. Das heißt, sie
hängen von dem beim Entwicklungs- und Herstellungsprozeß der neuen Technologie gewonnenen
Verständnis ab. Ein solches "Verständnis" kann

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�weder vollständig in Produkte oder Teile von Herstellungsgerät umgesetzt, noch wirksam in Blaupausen oder wissenschaftlichen Zeitschriften vermittelt
werden. Diese Art von Wissen kann jedoch die
Grundlage für bedeutende Vorteile desjenigen
bilden, der den ersten Schritt unternimmt, und wird
in sich rasch entwickelnden globalen Technologiemärkten mit immer kürzeren Produktionszyklen
dauerhafte Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit haben.
Solange ausländische Hersteller das gesamte Spektrum ihrer fortschrittlichsten Aktivitäten in die Vereinigten Staaten verlagern - und solange ihre heimischen Märkte offen und konkurrenzfähig sind - sollte
die Tatsache keine Rolle spielen, daß das Unternehmen in ausländischem Besitz ist. Die Verbreitung des Know-how vor Ort ist die Folge enger und
kontinuierlicher Interaktion im Netzwerk von Forschern, Herstellern und Kunden sowie ihrer Lieferanten von Einzelteilen und Gerät. Die Tatsache, daß
von der amerikanischen Regierung unterstützte
Forschungs- und Entwicklungsprogramme diese
Interaktionen und die damit einhergehende Ausbreitung des Know-how in den Vereinigten Staaten
- nicht dort, wo die Akteure selbst aus- oder inländisch sind - wahrscheinlicher machen, ist unabdingbar für die Gewährleistung, daß die amerikanische
Volkswirtschaft den Löwenanteil des wirtschaftlichen
Ertrags für die technologischen Investitionen des
amerikanischen Steuerzahlers erhält.

Diese Fortschritte bei der Entwicklung des technologischen Know-how vor Ort bieten der Binnenwirtschaft wichtige Vorteile, die Versuche zum Schutz
geistigen Eigentums nicht gewährleisten können.
Dennoch muß ein offener und zugänglicher Markt für
Technologie auch durch sehr viel stärkeren Schutz
einer Reihe von Rechten auf geistiges Eigentum,
einschließlich Patenten, Urheberrechten, Warenzeichen und Handelsgeheimnissen untermauert werden.
Die vor kurzem abgeschlossene Uruguay-Runde des
GATT spricht viele dieser Probleme zum ersten Mal
an, und da die Vereinigten Staaten das Heimatland
so vieler kommerzieller Innovationen aus- und
inländischer Firmen sind, werden wir von dem
Abkommen in hohem Maße profitieren.
Die Handels- und Technologiepolitik der Nation kann
daher in einer Art und Weise koordiniert werden, die
sowohl kurzfristig das nationale wirtschaftliche Wohlergehen als auch langfristig ein offeneres internationales Handelssystem unterstützt. Die Handelsgesetze des Landes müssen auf die Erweiterung von
Exportchancen für amerikanische Hersteller von
Hochtechnologieprodukten ausgerichtet werden, aber
die Handelsgesetze können keinen Ersatz für innenpolitische Initiativen darstellen.
Die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Hochtechnologieindustrien hängt von den Entscheidungen
ab, die Amerikaner im Inland über Forschung und
Entwicklung, Bildung und Ausbildung sowie ihre
Bereitschaft treffen, heute zu investieren, um morgen
dauerhafte Chancen für technologische Innovation
und Wirtschaftswachstum sicherzustellen.

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�KULTUR
30. November 1994

AFROAMERIKANISCHE KÜNSTLER IM
SMITHSONIAN MUSEUM
Größte Ausstellung seit fünf Jahren
WASHINGTON - (AD) - Afroamerikanische Künstler
haben nahezu 200 Jahre benötigt, um einen Platz in
der amerikanischen Kunstwelt zu erobern.
Dank einer bis Anfang des 19. Jahrhunderts zurückgehenden spektakulären Retrospektive von Werken
schwarzer Künstler, die jetzt in der Bundeshauptstadt Washington zu sehen ist, wird diese Situation
jedoch behoben.
Die Ausstellung Free Within Ourselves: AfricanAmerican Art from the Museum's Collection zeigt
188 Werke von 94 Künstlern, die sich im Besitz des
National Museum of American Art der Smithsonian
Institution befinden.
Zweifelsohne öffnet diese
farbenprächtige, Denkanstöße vermittelnde Ausstellung - die größte des Museums seit fünf Jahren die Augen und zieht die Aufmerksamkeit auf sich.
"Der Umfang der Arbeiten wird sicherlich viele
Besucher überraschen", prognostizierte die Museumsdirektorin Elizabeth Broun. "Wir sind stolz,
daß eine Ausstellung dieses Ausmaßes ausschließlich aus der ständigen Sammlung des Museums
zusammengestellt werden konnte, das erst seit 1966
die ersten Werke afroamerikanischer Künstler zu
sammeln begann."
Die Kuratorin für Malerei und Bildhauerei, Lynda
Hartigan, suchte die Werke aus und erklärte in
einem Interview, die Ausstellung zeige Arbeiten
professioneller und autodidaktischer Künstler in allen
Stilrichtungen. Die Exponate reichen von frühen
Landschaften und Skulpturen von Robert Scott
Duncanson, Joshua Johnson und Edmonia Lewis bis
zu so international anerkannten Modernen wie Sam
Gilliam, Elizabeth Catlett und Jacob Lawrence. Zu
den Werken zählen Gemälde von durch die Harlemer Renaissance der zwanziger Jahre inspirierten
oder durch die darauffolgenden staatlichen Kunstprogramme geförderten Künstlern wie Augusta
Savage, Palmer Hayden und Beauford Delaney.
Umfangreich dargestellt sind Arbeiten auf Papier und
Gemälde anerkannter Meister wie Edward Mitchell

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Bannister, Henry Ossawa Tanner und William H.
Johnson, deren Werke viele Stilrichtungen umfassen.
Zu den ausgestellten Autodidakten gehören Bill
Traylor, William Edmonston, Sister Gertrude Morgan
und Thornton Dial, Sr., dessen Gemälde Top of the
Line sowohl folkloristischer als auch zeitgenössischer
Kunst zugeschrieben werden kann.
Abgerundet wird die Ausstellung durch 141 jüngst
erworbene Gemälde und Skulpturen aus der Zeit
nach 1950 sowie der Fotographie des 20. Jahrhunderts. Darunter sind Gemälde von Norman Lewis
und Hughie Lee-Smith, Skulpturen von Melvin Edwards und John Scott sowie Fotographien von James
Van Der Zee, Roy DeCarava und Roland Freeman.
Das Museum hat die Fotographie-Sammlung im Jahr
1990 begonnen.

Hartigan wählte den Großteil der Stücke aus bereits
in der ständigen Sammlung des Museums befindlichen Werken aus, die jetzt 2.000 Arbeiten von 140
afroamerikanischen Künstlern umfaßt. Die Sammlung des Museums, so Hartigan, ist bei weitem die
größte und beste derzeit in den Vereinigten Staaten
verfügbare Zusammenstellung von Werken schwarzer
Künstler.
"Das Musuem hat seine Sammlung seit Mitte der
sechziger Jahre mit Hilfe zahlreicher Kuratoren
aufgebaut", stellte Hartigan fest und fügte hinzu, sie
und die anderen hätten ungefähr fünf Monate an
dieser Ausstellung gearbeitet. Als Spezialistin in
afroamerikanischer Kunst hat sie auch an der kleineren Wanderausstellung des Museums von Free
Within Ourselves mitgewirkt, die als Ausgangspunkt
für diese Ausstellung diente. Sie war ferner maßgeblich an der Zusammenstellung eines Buches Free
Within Ourselves beteiligt sowie an der Herstellung
eines Videos über das Leben und Werk der Künstler
Leroy Almon, Sr., Frederick Brown, Lois Mailou
Jones, Keith Morrison und Sam Gilliam.
Von der geplanten Wanderausstellung mit 55 Werken
von 31 Künstlern nahm diese Ausstellung rasch an
Umfang zu. Die Museumsvertreter erkannten Harti-

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�gan zufolge, daß die Ausstellung ein ausgezeichnetes Instrument sein würde, um die Aufmerksamkeit
auf "Umfang und Tiefe" der Sammlung des Museums "als wissenschaftliche und öffentliche Ressource" zu lenken. Zweitens wollten die Museumsvertreter die Sammlung für Amerikaner "zugänglicher
und bekannter" machen und den bemerkenswerten
Leistungen der von der Nation lange vernachlässigten afroamerikanischen Künstler den ihnen gebührenden Platz einräumen.
"Wie befinden uns auch in einer Zeit", so Hartigan,
"in der immer mehr Menschen versuchen, die
Künstler individuell zu erforschen oder herauszufinden, welchen Beitrag sie insgesamt zur amerikanischen Kunst leisten."
Hartigan zufolge haben afroamerikanische Künstler
der Gegenwart und Vergangenheit aufgrund von
Rassendiskriminierung "einen langen Kampf um
Anerkennung" geführt. Da jedoch in Amerika so
viele Künstler tätig seien, bekomme unabhängig von
seinem Ausdrucksmittel oder Hintergrund "nicht jeder
Aufmerksamkeit. Das ist Teil des Problems."
Auf die Bitte, afroamerikanische Kunst zu definieren,
räumte sie ein, das sei schwierig, wenn nicht sogar
unmöglich.
"Wenn ich zum jetzigen Zeitpunkt afroamerikanische
Kunst beschreiben sollte, müßte ich sagen, daß es
sich um einen äußerst komplexen Teil des Museumsbestandes handelt", so Hartigan. "Dies ist
teilweise auf die unglaubliche Vielfalt der Werke
zurückzuführen, die von Afroamerikanern über
verschiedene Zeiträume hinweg - und mit unterschiedlichen Ausdrucksmitteln - angefertigt wurden.
Die Schönheit der Werke besteht zum Teil darin,
daß man sie nicht genau definieren und einfach fünf
typische Merkmale nennen kann."
Die Ausstellung enthält Kunstwerke wie beispielsweise Melvin Edwards Skulptur Tambo aus
Schweißstahl, die im Zusammenhang mit dem
Vorsitzenden des afrikanischen Nationalkongresses,
Oliver Tambo, stehende Materialien, Ideen und
Kulturen vereinigt. Femer gehören ihr aus dem 19.
Jahrhundert stammende Gemälde von Robert Scott
Duncanson an, deren Schwerpunkt die Schönheit
amerikanischer und europäischer Landschaften ist.
Betye Saars Assemblage Wishing for Winter von
1989 basiert Hartigan zufolge auf dem Fenstermotiv,
das Saar als eine der innovativsten Ausdrucksformen gefundener Materialien erforschte. Saar "ist
sich sehr stark ihrer Identität als Afroamerikanerin
bewußt. Sie bringt jedoch in bezug auf Spiritualität,
Mystik und Naturgewalten Kulturen aus aller Welt

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zusammen, die nicht unbedingt etwas mit ihrer
afroamerikanischen Herkunft zu tun haben."
Das vom Ku-Klux-Klan inspirierte abstrakte expressionistische Gemälde Evenlng Rendezvous von
Norman Lewis illustriert den poetischen Appell und
das soziale Bewußtsein des Künstlers.
Palmer
Haydens The Janitor Who Palms wurde 1969 von
dem Künstler als "Protestgemälde" bezeichnet.
Quelle für das Werk war Cloyd Boykin, ein älterer
schwarzer Maler, der seinen Lebensunterhalt als
Hausmeister verdiente.
Das Bild, das bei den
Ausstellungsbesuchern großen Anklang findet, enthält
jedoch zweifellos eine universelle Aussage.
Hartigan zufolge hat die Ausstellung, deren Titel von
einem Essay des Dichters Langston Hughes aus dem
Jahr 1926 abgeleitet ist, das Ziel, den Umfang und
die Vielfalt afroamerikanischer Kunst zu demonstrieren, indem sie als eine Art "Zeitenfolge" untersucht wird. Tatsächlich gewährt ein Gang durch die
Ausstellung dem Besucher einen wunderbaren
Einblick in die Vergangenheit, Gegenwart und möglicherweise die Zukunft Amerikas - aus der Sicht- und
Denkweise schwarzer Künstler.
"Der Besuch der Ausstellung beginnt im Jahr 1805
und mit Künstlern wie Henry Tanner (geb. 1859), die
schwarzen Künstlern den Weg ins nächste Jahrhundert bahnen", so Hartigan. "Werke aus der Harlemer
Renaissance beschreiben das erste volle Erwachen
kulturellen Stolzes und die Erforschung von Kulturen
durch die Afroamerikaner. Ein anderer Teil der
Ausstellung beschäftigt sich mit künstlerischen
Tätigkeiten von den dreißiger bis in die fünfziger
Jahre mit Schwerpunkt auf amerikanischen Künstlern
in Amerika, die sich mit dem Modernismus und dem
Stil des sozialen Realismus befassen - ihre Arbeiten
spiegeln ihre Reaktionen auf die Wirtschaftskrise und
ihre Einbeziehung in die Dienststelle zur Untersuchung von Arbeitsbedingungen (Works Progress
Administration - WPA) wider.
"Danach kommen wir zu den Gemälden, Skulpturen
und Werken auf Papier aus der Zeit der sechziger bis
in die neunziger Jahre dieses Jahrhunderts von
Künstlern, die sich mit zeitgenössischen oder modernen Ideen wie dem abstrakten Expressionismus
befassen, mit der Verwendung gefundener Objekte,
modernen Drucktechniken und ähnlichem.
Ein
anderer Bereich der Ausstellung ist autodidaktischen
afroamerikanischen Künstlern aus der Zeit der
dreißiger bis in die fünfziger Jahre gewidmet, ein
weiterer Bereich Fotographen des 20. Jahrhunderts."
Die Ausstellung repräsentiert laut Hartigan eine
Vielzahl von Interessen und Belangen afroamerikanischer Künstler: Spiritualität, soziale Fragen, Vor-

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�Stellungen von Abstammung und Identität sowie den
improvisatorischen Einsatz von Materialien und
Techniken.
Free Within Ourselves wurde von der Columbia
First Bank in Zusammenarbeit mit dem Ausstellungssonderfonds der Smithsonian Institution ermöglicht.
Die Ausstellung ist bis zum 26. Februar 1995 zu
besichtigen.

Das National Museum of American Art ist die älteste
staatliche Kunstsammlung der Vereinigten Staaten.
Sie reicht bis ins Jahr 1830 zurück. Ihre Aufgabe ist
die Darstellung des "gesamten Spektrums" künstlerischen Ausdrucks der Nation. Darunter fallen alle
Medien: Malerei, Bildhauerei, Werke auf Papier Drucke, Zeichnungen und Fotographien von
ausgebildeten und autodidaktischen Künstlern. Die
Ausstellung enthält insgesamt 45.000 Objekte bekannter "und nicht so bekannter Künstler", äußerte
Hartigan.

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                <text>Herausgeben U.S. Information &#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
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            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
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                <text>30.12.1981</text>
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            <description>An account of the resource</description>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan kündigt Maßnahmen gegen Warschau an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Fernsehansprache vom 23. Dezember 1981 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Reagans zum zweiten Jahrestag der Besetzung Afghanistans&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanisch-europäischen Wirtschaftsbeziehungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fortschritte und Probleme auf dem Weg zu einer vertrauensvollen Partnerschaft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Robert D. Hormats&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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