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24

15. Juni 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan-Erklärung zu den neuen START-Vorschlägen
- Empfehlungen der Scowcroft-Kommission berücksichtigt -

HINTERGRUNDMATERIAL
Weinberger-Interview zu den START-Verhandlungen
- Konzentration auf Gefechtsköpfe als weit wirksamer bezeichnet
Der Weltfriedensrat im Dienste Moskaus gegen INF-Dislozierung

1

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Am 18. Juni: US-Raumfähre trägt deutschen Satelliten ins All

i

Stress bei Pflanzen
- Indikator für Wasserbedarf -

wird gebeten

D 5300 Bonn 2

22 40
Telex: 8-85432

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Dokumentation

ii

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24

United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. Juni 1983

REAGAN-ERKLÄRUNG ZU DEN NEUEN START-VORSCHLÄGEN
Empfehlungen der Scowcroft-Kommission berücksichtigt

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat in einer Erklärung am
8. Juni 1983, dem Tag der Wiederaufnahme der START-Verhandlungen in Genf,
bekanntgegeben, daß sein revidierter Vorschlag für die Verhandlungen über die
Verringerung der strategischen Rüstungen (START) den Empfehlungen der ScowcroftKommission folgte

und eine größere Flexibilität der amerikanischen Position

böte.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut: Die Verhandlungen
über die Verringerung der strategischen Rüstungen (START) sind heute in Genf
offiziell wieder aufgenommen worden. Ich möchte kurz über meine Hoffnungen
für diese wichtigen Verhandlungen und über Änderungen sprechen, die in unserem
START-Vorschlag vorzunehmen wir beschlossen haben. Diese Änderungen geben
Besorgnisse und Empfehlungen der Scowcroft-Kommission, des Kongresses und
anderer wieder. Sie bieten die Aussicht auf neuen Fortschritt zu einem STARTAbkommen.
Neuer Konsens

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�*

Neuer Konsens und neuer Fortschritt
Bevor ich auf Einzelheiten zu sprechen komme, möchte ich auf etwas eingehen, was ich als eine sehr positive Entwicklung sowohl hier im eigenen Land
als auch im Ausland betrachte. Id. freue mich,sagen zu können, daß heute ein
wachsendes Gefühl besteht, daß wir Fortschritte machen. Ich bin gerade in
Williamsburg mit den Führern der wichtigsten Industriestaaten zusammengetroffen
und war dort nicht nur von den Fakten und Zahlen beeindruckt, die auf einen
wirtschaftlichen Wiederaufschwung hindeuten, sondern auch von dem Geist des
Optimismus und der Zusammenarbeit, der beachtlich war. Dieser gleiche Geist
ist in unseren Erörterungen von Sicherheitsräten sichtbar. In der NATO
herrscht, wie in unseren anderen Bündnissen, ein neues Gefühl der Partnerschaft. Das Atlantische Bündnis ist lebendig und in gutem Zustand, und die
dortigen engen Konsultationen sind eine Quelle der Stärke und der Mitwirkung
eines jeden Mitgliedstaates.
Die Scowcroft-Kommission
Mindestens ebenso wichtig und erfreulich für mich ist der neue Geist
der Überparteilichkeit in Fragen der nationalen Sicherheit, der in beiden
Häusern des Kongresses immer deutlicher wird. Als ich die Scowcroft-Kommission
einsetzte, konnte ich die Wirkung noch nicht voraussehen, die dieses ausgezeichnete Gremium ausüben würde. Die Arbeit der Kommission, die über die MXRakete hinausging und sich entscheidenden Fragen der Abschreckung und
Rüstungskontrolle zuwandte, ist eindeutig zu einem starken Anreiz für das
überdenken der nationalen Politik geworden. Der Bericht der Kommission
stellt einige Lieblingsannahmen in Frage und fordert Änderungen in unserer
strategischen Planung. Gleichzeitig unterstützt er die Ziele der Rüstungskontrolle, die meiner Administration am meisten am Herzen liegen: einschneidende Verringerungen, Modernisierung um der Stabilität will et und Beseitigung
- 2 -

�der Erstschlag-Drohung.
Ich habe dem Kongress meine volle Unterstützung der Empfehlungen der
Scowcroft-Kommission und meine ..o^icht zugesichert, -ie in unseren STARTVorschlag einzubauen. Damit wir auch weiterhin von ihrem klugen Rat profitieren können, habe ich die Kommission gebeten, ihre Arbeit fortzusetzen.
Ihre überparteiliche Mitgliedschaft wird sie in die Lage versetzen, mir zur
rechten Zeit mit Rat zur Seite zu stehen, sowohl was die Übernahme ihrer
Vorschläge in unser Verteidigungsprogramm als auch in unsere Rüstungspolitik
angeht.
Konsultationen mit dem Kongress
Der Bericht der Scowcroft-Kommission bietet uns eine neue Chance für
Fortschritt. Er bietet einen konsequenten und zusammenhängenden Rahmen als
Richtschnur für unsere Überlegungen bezüglich der grundlegenden Elemente
unserer nationalen Sicherheitspolitik: Abschreckung, Verteidigung und Rüstungskontrolle. Aber darüberhinaus bietet er die Basis für eine neuerliche überparteiliche Unterstützung dieser Politik.
Um diese entscheidende Chance zu nutzen, habe ich auf der Basis der
Ergebnisse der breitestmöglichen Beratung

neue Schritte angeordnet, um einen

Fortschritt bei der Erzielung echter RüstungsVerringerungen bei den STARTVerhandlungen zu erzielen. Diese an Botschafter Ed Rowny, unseren Chefunterhändler bei den START-Verhandlungen, ergangenen Anweisungen haben den Zweck,
die amerikanische START-Position anzupassen und sie in Übereinstimmung mit
den Empfehlungen der Scowcroft-Kommission zu bringen, und unseren Verhandlungsführern bei der Verfolgung unserer Grundziele zusätzliche Flexibilität
zu geben.
Obwohl wir

�Obwohl wir einen umfassenden Vorschlag über die Begrenzung strategischer
Raketen und Bomber vorgelegt haben, ist jnd bleibt es unser Hauptziel bei den
START-Verhandlungen, die Bedrohung zu verringern, die von den am meisten destabilisierenden Systemen, nämlich den ballistischen Raketen ausgeht. Um
dieses Ziel zu erreichen, sind Maßnahmen nötig, die Zahl, Zerstörungskraft
und Potential von Raketengefechtsköpfen einschränken. Die von uns vorgeschlagene Begrenzung auf insgesamt 5000 Raketengefechtsköpfe - eine Verringerung
des gegenwärtigen Standes um ein Drittel - bleibt das zentrale Element der
amerikanischen START-Position.
Die in früheren Gesprächsrunden unterbreitete amerikanische Verhandlungsposition schließt eine weitere Einschränkung ein. Sie hätte nämlich jede
Seite auf nicht mehr als 850 dislozierte Raketen begrenzt. Diese Maßnahme
wurde allerdings nie als eine so nützliche oder wichtige Einschränkung angesehen wie die Begrenzung der Gesamtzahl der Raketengefechtsköpfe. Der Bericht
der Scowcroft-Kommission hat ausdrücklich vorgeschlagen, daß dieses überprüft werden sollte, da es die von uns angestrebte Entwicklung zu kleinen
Interkontinentalraketen mit einem einzigen Gefechtskopf einschränken könnte.
Auf die Empfehlung der Scowcroft-Kommission hin habe ich jetzt unsere
Verhandlungsführer angewiesen, unsere Position bezüglich dislozierter
Raketen anzupassen und in unserem gegenwärtigen Vorschlag für eine Begrenzung
auf 850 dislozierte Raketen nachgiebig zu sein. Gleichzeitig bleiben die
Vereinigten Staaten in dem Punkt fest, daß die Zerstörungskraft und das
Potential von Raketen bei den START-Verhandlungen angesprochen werden muß.
Zu unserer gegenwärtigen Position gehört ein Netz von Einschränkungen, die
geeignet sind, zu einem stabileren strategischen Gleichgewicht auf einem
niedrigeren Stand der Streitkräfte zu führen - und gleichzeitig das Zerstörungspotential von Raketen anzusprechen. Die Sowjets und andere haben
sich beschwert, daß diese Einschränkungen geeignet seien, den Aufbau der
sowjetischen Streitkräfte nach amerikanischen Normen zu diktieren. Aber dies
- 4 -

�Aber dies ist nicht der fall. Wir sind genau wie die Scowcrofi-Kommission der
Überzeugung, daß die Stabilität durch Begrenzungen der Zerstörungskraft und
des Potentials von Raketen erhöht werden kann. Deshalb werden wir auch weiterhin solche Einschränkungen vorschlagen, die indirekt, das Problem des Wurfgewichts berühren, während wir gleichzeitig den Sowjets unsere Bereitschaft
klarmachen, direkt über die damit zusammenhängende Zerstörungskraft zu
sprechen, wenn sie das vorzieht.
Es gibt wahrscheinlich mehr als einen Weg, um unser Ziel der größeren
Stabilität auf einem niedrigeren Stand der Rüstung zu erreichen. Ich habe
Botschafter Rowney instruiert, der sowjetischen Delegation unsere Verpflichtung zu unseren fundamentalen Zielen klarzumachen, aber ich habe ihm auch
die Flexibilität gegeben, alle geeigneten Wege zur Erreichung unserer Ziele
zu prüfen. Ich hoffe zutiefst, daß die Sowjetunion mit einer entsprechenden
Flexibilität antworten wird.
Und schließlich wird mit hoher Priorität die Arbeit fortgesetzt, wie
das Konzept eines beiderseitigen und garantierten Abbaus, wie es von mehreren
amerikanischen Senatoren vorgeschlagen wurde, in unser Streben nach bedeutsamen
und stabilisierenden Verringerungen der strategischen Rüstung eingebaut werden
kann.
Zusammenfassung
Diese Maßnahmen spiegeln einen überparteilichen Konsens in der Rüstungskontrolle und eine neue Flexibilität in den Verhandlungen wider - Schritte,
die von den Sowjets und allen anderen, denen es um den Weltfrieden geht,
ernsthaft geprüft werden sollten. An die Führer der Sowjetunion appelliere
ich, daß diese neue Chance nicht verpaßt wird. Den Freunden und Verbündeten
Amerikas in der ganzen Welt erkläre ich, daß ihre unerschütterliche Unterstützung der Ziele der Abschreckung und Rüstungskontrolle entscheidend für
- 5 -

�entscheidend für die Zukunft ist. Dem Kongress und dem amerikanischer, Volke
sage ich, daß man in der Zukunft von diesen Tagen als jener Zeit sprechen
wird, in der Amerika einen bedeutsamen Schritt getan hat. Wollen wir unsere
Differenzen vergessen. Wollen wir maßvolle Flexibilität in unserer Einstellung
demonstrieren, während wir in unserer Entschlossenheit stark bleiben, unsere
Ziele der Rüstungsverringerung, Stabilität und Sicherheit zu erreichen.
Wollen wir die Führer in der Sache des Friedens sein.

+ + + + +

�15. Juni 1983

WEINBERGER-INTERVIEW ZU DEN START-VERHANDLUNGEN
- Konzentration auf Gefechtsköpfe als weit wirksamer bezeichnet -

WASHINGTON - (AD) -

Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar Wein-

berger erklärte in einem Fernsehinterview der Gesellschaft ABC am 8. Juni 1983,
Präsident Reagans Schritt, bei den Gesprächen über die Verringerung der strategischen Rüstungen (START) nicht die Anzahl der Raketen, sondern die der Gefechtsköpfe in den Mittelpunkt zu rücken, sei "ein weitaus wirkungsvollerer Weg zur
Bemessung der Zerstörungskraft".

Das Interview hat folgenden Wortlaut:

FRAGE: Allen Berichten zufolge scheint sich unsere neue Verhandlungsposition
bei den Langstreckenraketen zu verlagern: Von der Anzahl der Raketen hin zu der
Anzahl der Gefechtsköpfe.

Wie bedeutsam ist diese Veränderung?

ANTWORT: Ich glaube, es ist dies ein viel besserer Weg, ein weitaus wirkungsvollerer Weg zur Bemessung der Zerstörungskraft, denn Raketen können eine sehr
große Zahl von Gefechtsköpfen tragen, und wenn man lediglich die Raketen bemißt,
dann erhält man keine echten Aussagen über die Gesamtzerstörungskraft.

Das

war ja eines der Probleme mit SALT II; was dabei zu begrenzen, nicht einmal zu
verringern, versucht wurde, waren die Abschußeinrichtungen.

Aber dies ist kein

sehr wirksamer Maßstab für die Gesamtzerstörungskraft, vor der wir stehen.

�FRAGE: Der Präsident stellt nunmehr fest, unsere Position sei flexibler,
er werde so flexibel wie nötig sein. Was bedeutet das?
ANTWORT: Ich glaube, im Wesentlichen bedeutet es dies: In Verhandlungen ist
es sehr schwer, wenn alles, was ein Unterhändler tun kann, darin besteht, daS er
etwas von einem Stück Papier abliest und dann, wenn sein Gesprächspartner erklärt:
Tun wir doch dieses, unternehmen wir doch jenes, einfach nur erwidert: Nein, ich
kann nichts anderes tun, als nur eben von meinem Papier etwas abzulesen.
Umgekehrt hat er mehr Bewegungsspielraum zum Verhandeln, um letztlich dem
Präsidenten die Ergebnisse seiner Verhandlungen vorzulegen - auch wenn diese
natürlich erst dann verbindlich sind, wenn der Präsident die entsprechenden
Schritte unternimmt. Aber in den Verhandlungen selbst - so sehe ich es - gibt
es mehr Flexibilität.
FRAGE: Akzeptieren wir jetzt den Grundsatz, von den großen Raketen mit den
Mehrfachgefechtsköpfen abzugehen und zu vielleicht weniger bedrohlichen, weniger
destabilisierenden Raketen mit nur einem Gefechtskopf zu kommen?
ANTWORT: Ich glaube, das ist einer der zentralen Punkte des ScowcroftBeric(ites; das ist eines der Dinge, die wir tun; wir müssen eine solche Rakete
entwickeln. Die Sowjets haben bereits eine in der Erprobung. Wir müssen eine
solche Rakete entwickeln, und wir konzentrieren uns hier im Pentagon auf die
nötige Organisation in einer Weise, daß die verschiedenen Anstrengungen, die in
verschiedenen Bereichen hierzu gemacht wurden, sich nun auf dieses eine Ziel in
diesem Raketenbereich konzentrieren.
FRAGE: Was wären die Folgen hinsichtlich der Stabilisierung des Wettrüstens?
ANTWORT: Sollten wir zu einer guten Abrüstungsvereinbarung kommen, die
Parität auf beiden Seiten bringt und etwas auf die Zusammensetzung der Streit- 2 -

�der Streitkräfte beider Seiten eingeht, dann dürfte diese kleine Rakete
- auch wenn es davon natürlich eine ganze Reihe geben wird - einen stabilisierenden Effekt haben, denn jede dieser Raketen wäre sozusagen ein etwas
geringerwertiges Ziel. Es wird also bei diesen schwierigen Gleichungen, mit
denen wir hier jeden Tag umgehen, um die Abschreckung aufrechtzuerhalten und
das Gleichgewicht zu bewahren, eine beträchtlich stabilere Lage geben. Ich
bin sicher, daß wir in der Lage sind, diese kleine, leichtgewichtige Rakete
mit einem Gefechtskopf zu entwickeln.
FRAGE: Welche Botschaft versucht der Präsident mit dieser neuen Haltung
der Sowjetunion zu übermitteln?
ANTWORT: Er versucht, eine Botschaft zu übermitteln, wie er dies nun
schon seit fast zwei Jahren tut, daß wir nämlich dringend eines wünschen:
Ein Abkommen, das umfangreiche Verringerungen auf beiden Seiten bringt, kein
Abkommen -wie SALT II-, das lediglich eine Expansion in etwa auf der Linie erlaubt,die die Sowjets möchten. Dies hier wäre ein Abkommen, das die Kernwaffen
beträchtlich auf ein Niveau der Gleichheit verringern würde und voll verifizierbar wäre. Genau dies wollte der Präsident immer - sowohl bei den Mittelstreckenwaffen als auch bei den Kernwaffen großer Reichweite, ja auch bei
den konventionellen Waffen.
Frage: Sie kommen gerade von Gesprächen mit den NATO-Verbündeten zurück,
und da besteht natürlich die Frage nach der Dislozierung von nuklearen Mittelstreckenraketen später in diesem Jahr; die Übereinkunft hierzu wurde auf dem
Gipfel von Williamsburg bekräftigt. Gibt es eine Möglichkeit für ein Abkommen
mit den Sowjets über nukleare Mittelstreckenraketen in Europa, das unsere
Dislozierung der neuen Raketen noch in diesem Jahr unnötig machen würde?
ANTWORT: Das hoffen
- 3 -

�ANTWORT: Das hoffen wir alle. Aber sicherlich gibt es bislang seitens der
Sowjets kein Anzeichen dafür, daß wir ein solches Abkommen in dieser Zeit
erreichen könnten, auch wenn wir alle dies wirklich hoffen. Erinnern Sie sich
doch daran, daß der Präsident einen Vorschlag unterbreitet hat, den alle aus
unserer Sicht heraus für den besten halten - nämlich eine Verringerung auf Null dem haben die Sowjets bislang nichts entgegengesetzt. Um flexibel zu sein und
um zu zeigen, daß wir wirklich ein Abkommen wollen, hat der Präsident einen
anderen Weg aufgezeigt, um auf Null zu kommen - eine Zwischenlösung - : die
Sowjets reagierten auch hierauf nicht. Dabei ist nicht mehr viel Zeit, denn
planmäßig ist die Dislozierung der Rakete für Ende dieses Jahres vorgesehen
und wir sind absolut bereit, dies einzuhalten. Was wir also hoffen, ist ein
Abkommen vor der Dislozierung; aber wir handeln so, daß es eben auch keines
geben könnte - und fahren daher mit unseren Produktionsplänen fort.

+ + + + +

�Hintergrund
matcriol

I
24

United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. Juni 1983

DER WELTFRIEDENSRAT IM DIENSTE MOSKAUS GEGEN INF-DISLOZIERUNG

WASHINGTON - (AD) - In der Woche vom 21. bis 26. Juni 1983 werden
sich einige Tausend Menschen in Prag versammeln, um an der "Weltversammlung für Frieden und Leben gegen den Atomkrieg" teilzunehmen, den der
Weltfriedensrat und die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei gemeinsam veranstalten. Das Hauptziel der Veranstaltung in Prag ist die
Stärkung der Opposition gegen die geplante Dislozierung von amerikanischen Mittel Streckensystemen (INF) in Europa durch die NATO, wenn die
Verhandlungen mit den Sowjets in Genf kein Ergebnis zeitigen.
Der Weltfriedensrat wurde im Jahre 1949 als "Weltkomitee der Friedenspartisanpn" gegründet und hat seit 1968 seinen Sitz in Helsinki.
Es handelt sich ur. eine cypische Frontorganisation der Sowjets, die
sich aus über 135 nationalen Mitgliedsgruppen zusammensetzt, darunter
der Amerikanische Friedensrat, das Sowjetische Komitee für die Verteidigung des Friedens und die Britische Friedensversammlung. Der Weltfriedensrat unterhält auch Verbindungen zu anderen kommunistischen Frontorganisationen, die sich als Gewerkschafts-, Studenten-, Jugend- oder
Kirchengruppen ausgeben.
Die Sowjetunion

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Sowjetunion hat seit ihrer Gründung versucht, durch solche Frontorganisationen, die angeblich ein breites Meinungsspektrum repräsentieren,
Unterstützung für ihre Politik zu finden. Die Sowjetunion hofft mit Hilfe
solcher Organisationen, ihrer Politik einen Anstrich von Achtbarkeit,
Glaubwürdigkeit und öffentlicher Unterstützung zu geben, der sonst nicht
existierte, wenn ihre Unterstützung in der ganzen Welt lediglich aus eingeschworenen kommunistischen Quellen käme.
Die Frontorganisationen behaupten zwar, keine Verbindung zu kommunistischen Parteien oder Ländern zu haben, werden jedoch praktisch völlig
von Kommunisten kontrolliert, und ihre Tätigkeiten werden bewußt in den
Dienst sowjetischer Interessen gestellt. Solche Gruppen, die nach außen
aussehen wie andere Massenorganisationen, versuchen im allgemeinen, ihre
Mitglieder dadurch anzuziehen, daß sie den Nachdruck auf Themen wie Abrüstung und Antikolonialismus legen.
Der Weltfriedensrat ist eine typische Frontorganisation. Er ist ein
großer internationaler Schirm, dessen Führung an der Spitze geschickt die
Untergruppen des Weltfriedensrates in ihrem Sinne zur Unterstützung der
sowjetischen Politik einsetzt, wobei die Tätigkeiten meist von den örtlichen kommunistischen Parteien organisiert werden, jedoch unter Teilnahme
einiger Nichtkommunisten. Der Weltfriedensrat unterstützte die sowjetische Invasion Ungarns im Jahre 1956, die sowjetisch angeführte Invasion
der Tschechoslowakei im Jahre 1968 und die sowjetische Invasion Afghanistans im Jahre 1979.
Nichtkommunistische Organisationen und Einzelpersonen, die an den
Kampagnen und Versammlungen des Weltfriedensrates teilnehmen, finden es
unmöglich, ihre Auffassungen zur Geltung zu bringen, wenn diese von dem
prosowjetischen Standpunkt abweichen, wie er von der Führung des Weltfriedensrates formuliert wurde. Diese Kontrolle wird durch organisatorische und finanzielle Mittel aufrechterhalten.
Organisatorisch kontrolliert
- 2 -

�Organisatorisch kontrolliert das Zentralkomitee der kommunistischen
Partei der Sowjetunion den Weltfriedensrat durch das Büro für internationale gesellschaftliche Organisationen der Internationalen Abteilung,
das für Frontorganisationen zuständig ist. Diese Sonderabteilung gehört
in den allgemeinen Aufgabenbereich von Vi tau Schaposchnikow, einem Stellvertretenden Leiter der Internationalen Abteilung und Mitglied des Präsidialausschusses des Weltfriedensrates. Juri Schukow, ein Vizepräsident
des Weltfriedensrates, ist auch Kandidat des Zentralkomitees der KPdSU
und Vorsitzender des sowjetischen Komitees für die Verteidigung des Friedens, also des sowjetischen Zweiges des Weltfriedensrates, Durch solche
direkte Verbindungen über führende. Mitglieder des Weltfriedensrates wie
auch durch eine starke Vertretung der pro-Moskau eingestellten Kommunisten in den leitenden Gremien des Weltfriedensrates kontrolliert die
KPdSU die Entscheidungen über Projekte und Tätigkeiten des Weltfriedensrates wie auch den Inhalt von Erklärungen und Kommuniques. So sind beispielsweise von den 26 Vizepräsidenten im Präsidialausschufi des Weltfriedensrates allein 11 Mitglied einer kommunistischen Partei. Der langjährige Präsident des Weltfriedensrates, Romesh Chandra, ist Mitglied
des Zentralkomitees der kommunistischen Partei Indiens und Träger des
Lenin-Friedenspreises.
Der Weltfriedensrat behauptet, finanziell durch Beiträge der nationalen Friedenskomitees, Spenden für seinen Weltfriedensfonds und Sammlungen und auch Beiträge angeschlossener Organisationen und Einzelpersonen
getragen zu werden. Seine beträchtlichen Ausgaben lassen sich jedoch mit
solchen Mitteln nicht decken. Die meisten seiner Ausgaben werden von der
Sowjetunion und ihren osteuropäischen Verbündeten übernommen. So überweist beispielsweise der sowjetische Friedensfonds Geld an das Hauptquartier des Weltfriedensrates in Helsinki. Darüber hinaus erhalten
zahlreiche Gruppen des Weltfriedensrates Unterstützung direkt von sowjetischen Parteien des jeweiligen Landes. Im Jahre 1981 wurde der Weltfriedensrat gezwungen, seinen Antrag auf konsultativen Status der Kategorie I beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen zurück- 3 -

�Nationen zurückzuziehen, weil er die Herkunft seiner Mittel nicht aufdecken wollte und sich weigerte, seine Bücher unabhängigen Prüfungen zu
unterwerfen.
In zahlreichen sowjetischen und ostdeutschen amtlichen Erklärungen
und Veröffentlichungen ist die Verhinderung der Dislozierung amerikanischer nuklearer Mittel Streckensysteme als "die entscheidende Aufgabe für
1983" bezeichnet worden.
Man kann davon ausgehen, daß die Prager Versammlung 1983 unter Führung des Weltfriedensrates
*

- die amerikanische Verhandlungsposition bei den Genfer INF-Verhandlungen angreifen und die Öffentlichkeit in den Ländern Westeuropas
aufstacheln wird, sich der Dislozierung amerikanischer INF-Raketen
zu widersetzen. Die amerikanische Position, die die volle Unterstützung unserer Verbündeten findet, bietet den Verzicht auf die
Dislozieruna amerikanischer Mittel Streckensysteme an, wenn die Sowjets ihre nuklearen Mittel Streckensysteme beseitigen, oder, wenn
man sich darüber nicht einigen kann, wesentliche Reduzierungen auf
einen gleichen Stand der Gefechtsköpfe auf nuklearen Mittel Streckensystemen beider Seiten ausgehandelt werden; und
- die sowjetische Position in Genf unterstützen wird. Die sowjetische
Position würde eine Modernisierung der nuklearen Mittelstreckensysteme der NATO verhindern, den Abzug praktisch aller amerikanischen
Flugzeuge mit Doppelkapazitat, die gegenwärtig für die konventionelle Verteidigung der NATO gebraucht werden, erfordern und es der
Sowjetunion erlauben, wesentliche SS-20-Streitkräfte in Europa und
Asien beizubehalten.
Das diesbezügliche

�Das diesbezügliche Engagement des Weltfriedensrates, wie in seinem
Aktionsprogramm für 1983 niedergelegt, ist ein weiterer Beweis für die
langjährigen Bemühungen, jedes unmittelbare Ziel der sowjetischen Außenpolitik zu unterstützen.
+ + + + +

�24

15. Juni 1983

AM 18. JUNI: US-RAUMFÄHRE TRÄGT DEUTSCHEN SATELLITEN INS ALL

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Raumfähre "Challenger" wird
während ihrer am 18. Juni 1983 beginnenden, sechstägigen Mission nach
Informationen der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA auch einen deutschen Satelliten an Bord haben ("Space-Pallet Satellite - SPAS").
Der Start von "Chanenger" - es ist der zweite Flug dieser Raumfähre in der. Weitraum - ist für 11.33 MEZ vom Kennedy-Raumfahrtzentrum
in Florida aus vorgesehen. Zum erstenmal wird eine Shuttle auch wieder
im Kennedy-Zentrum landen - voraussichtlich fünf Tage, 23 Stunden und
20 Minuten später, am 24. Juni um 10.53 MEZ.
Die von der Firma Messerschmitt-Bölkow-Blohm entwickelte Plattform
wird am vierten Tag der Mission durch den Roboter-Arm der Raumfähre für
etwa 9 1/2 Stunden in den Weltraum gebracht werden. Dabei wird der 13
Millionen Dollar teure Satellit zehn Experimente durchführen, die von
der Bundesrepublik, der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) und von der
NASA vorbereitet wurden. Neben der Analyse von Reibungsvorgängen und
chemischen Verunreinigungen im All wird SPAS auch benutzt für die ShuttleManöver der Mission 13 - wenn Astronauten den derzeit im All kreisenden,
beschädigten Satelliten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�beschädigten Satelliten "Solar-Max" zwecks Reparatur aufnehmen werden.
Die Experimente sollen innerhalb wie außerhalb des Frachtbereichs
von "Challenger" stattfinden.
In diesem Frachtraum wird sich zudem eine Ladung aus Materialien befinden, die der amerikanisch-deutschen Zusammenarbeit entstammen: Sie
dienen Untersuchungen, die praktische Bedeutung für die Elektronik- und
Glasindustrie haben werden.
Teil der Experimente sind auch sieben Kanister ("Getaway Specials"),
mit deren Hilfe Interessenten - Länder, Firmen oder Einzelpersonen - die
Auswirkung der Schwerelosigkeit in den verschiedensten wissenschaftlichen
Bereichen untersuchen können. Die sieben Behälter - die größte Anzahl, die
bislang bei einem Shuttle-Flug mitgeführt wurde - geben Raum für 22 verschiedene Experimente. So enthält einer fünf Experimente, die im Verlauf
eines Bundeswettbewerbs unter Gymnasiasten in der Bundesrepublik ausgewählt wurden; ein anderer wiederum enthält eine lebende Ameisenkolonie,
die von amerikanischen Studenten aus Camden in New Jersey eingesandt wurde. Das California Institute of Technology wird in einem Behälter untersuchen, wie Rettich-Samen auf ein schwereloses Umfeld reagieren; die
Purdue-University in Indiana schließlich wird analysieren, wie sich flüssiges Mercurium verhält, wenn es in eine andere Flüssigkeit gelangt.

+ + + + +

- 2 -

�24

8. Juni 1983

STRESS BEI PFLANZEN
Indikator für Wasserbedarf

- (AD) - Nicht Trockenheit des Bodens, sondern der "Stress" für die
Pflanzen infolge ungenügender Wasserzufuhr zum Blattwerk ist ein guter
Maßstab dafür, wann ein Feld künstlich bewässert werden muß. Zu diesem
Schluß kam eine Gruppe von Agrarwissenschaftlern der Universität Kalifornien bei längerer Beobachtung von BaumwollPflanzungen im Bereich einer
landwirtschaftlichen Außenstation in Kings County (Kalifornien). Es zeigte
sich u.a., daß bei sorgfältiger Beachtung dieser Anzeichen die Zeitintervalle zwischen der Bewässerung von zehn auf fünfzehn Tage verlängert werden konnten, ohne daß der Ertrag beeinträchtigt wurde.
Um den Stress für die Pflanzen zu messen, benutzten Blaine Hanson und
Sidney Kite eine "Druckkammer", mit der der Feuchtigkeitsgehalt des Blattwerks ermittelt wird. Sofern es stehendes Grundwasser in nicht allzu
großer Tiefe gibt, können Baumwollsträucher einen großen Teil ihres Wasserbedarfs von dort her decken. Da aber flaches Grundwasser häufig für einen
guten Pflanzenwuchs zu viel Salz enthält, ist mancherorts trotz guter Bodenfeuchtigkeit Oberflächenbewässerung notwendig, um die Salzkonzentration im Wurzelbereich der Anpflanzungen zu verdünnen.

+ + + ++

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�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan-Erklärung zu den neuen START-Vorschlägen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Empfehlungen der Scowcroft-Kommission berücksichtigt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weinberger-Interview zu den START-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Konzentration auf Gefechtsköpfe als weit wirksamer bezeichnet -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Weltfriedensrat im Dienste Moskaus gegen INF-Dislozierung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Am 18. Juni: US-Raumfähre trägt deutschen Satelliten ins All&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stress bei Pflanzen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Indikator für Wasserbedarf -&lt;/em&gt;</text>
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J1 1^

f gl
DlEll

Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

22. Juni 1983

25
I
*

INHALT

INFORMATION
PhiTadelphiade - Krefeld 1983
- Auszüge aus dem Festprogramm: 300 Jahre Krefelder in Amerika

HINTERGRUNDMATERIAL
Seit drei Jahrhunderten: Deutsche in Amerika
- Von Prof. Dr. Frederick C. Luebke - Universität von Nebraska

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�22. Juni 1983

25

PHILADELPHIALE - KREFELP 1983
Auszüge aus dem Festprogramm: 300 Jahre Krefelder in Amerika

Freitag, 24. Juni 1983
18.00 Uhr
Theaterplatz

Das Fest beginnt
Es sprechen Oberbürgermeister Dieter Pützhofen
und Hans Kockers.
Krefelder Fanfarenkorps / Blasorchester und
Spielmannszug TV Jahn Bockum.

18.15 - 21.00

american sound

Theaterplatz

Die Chorgruppen Darktown-Singers, Mikel Singers,
Singing Aspiration und Songs Today eröffnen die
Philadelphiade mit amerikanischen Songs. Mit
Dixie-Band.

19.00 - 22.00

Deutsch-amerikanische Musikschau

Grotenburg-

Mit der 33. US-Army Band Heidelberg, der US-Air

Stadion

Force Band Ramstein, dem Luftwaffenmusikkorps 3
Münster, dem Heeresmusikkorps 2 Kassel, dem Bergmannsorchester von Rheinbraun und einem großen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�einem großen Musikzug der Polizei Orchester Essen
und Wuppertal. Außerdem: Spezial-Fallschirmspringer der Bundeswehr und der US-Army und die Landesturnriege der nordrhein-westfälisehen Polizei.
Samstag, 25. Juni 1983
10.00 - 13.00

Buntes Programm

Theaterplatz

Armeekorps der 33. US-Army Band Heidelberg, Krefelder Fanfarenkorps, flusikzug des TV Jahn Bockum,
Oberschlesische Volkstanzgruppe, Bläserkorps des
Jagd-Verbandes.

11.00 - 13.00

Festakt

Seidenweberhaus

Mit US-Vizepräsident George Bush, Bundespräsident
Professor Dr. Karl Carstens und Bundeskanzler
Dr. Helmut Kohl.

11.00 - 13.00
Theaterplatz

Konzert
Combo und Trio der US-Air Force Band Ramstein.

11.00 - 13.00
Innenstadt

Street-Parade
Fahnenschv/enker, Disneyland-Figuren, Planwagen,
New Yorker Feuerwehrwagen, Straßenkreuzer.
Veranstalter: Westdeutsche Zeitung Krefeld.

13.00 - 13.30

I like to be in America

Theaterplatz

Theaterballett-

13.00 - 15.00

Rock Jazz

Theaterplatz

Gruppe Rosewood.
13.30 - 14.00

�13.30 - 14.00

Cowboy-Show

Theaterplatz

1. Majoretten-Corps Krefeld,

14.00 - 15.00

Amerikanische Lieder

Theaterplatz

Girls Chorus San Francisco.

15.00 - 19.00

Jugenddisco
Square Dance, Rock and Roll

16.00 - 17.00

Konzert

Theaterplatz

Combo und Trio der US-Air Force Band Ramstein.

19.30 - 23.30

River-Boat-Shuffle

Uerdingen,

Veranstalter: Rheinische Post Krefeld.

Luwen-Steiger

20.00 - 22.00

Konzert

Theaterplatz

Combo der US-Air Force Band Ramstein,

Sonntag, 26. Juni 1983
10.00 - 12.00

Platzkonzert

Theaterplatz

33. US-Army Band Heidelberg, US-Air Force
Band Ramstein.

12.00 - 13.00

Deutsch-Amerikanische Folklore.

Theaterplatz

12.00 - 14.00

Kutschenkorso

Innenstadt,

70 Kutschen, historische Kostüme.

Stadtwald
15.30 - 18.00

- 3-

�15.30 - 18.00

Seniorenmittag

Seidenweberhaus

Volkstümliches Konzert unter Mitwirkung vieler Krefelder Künstler.

16.00

Hofkonzert

Haus Sollbrüggen,

Girls Chorus San Francisco, Schüler der Musik-

Uerdinger Straße 500

schule Krefeld.

Montag, 27. Juni 1983

KINDER-PHILADELPHIADE

10.00 - 18.00

Auf dem Theaterplatz:
Werkstattecke, Burgspiele, Pfadfinderlager, Kutschenfahrten, Indianerarbeiten, historisches Rol'
lenspiel, Square Dance.

10.00 - 18.00

Im Seidenweberhaus:
Deutsch-Amerikanisches Museum, Filme, Schattenspiel , Talkshow.

18.00 - 19.00

Mini-Steuben-Parade:
Theaterplatz - Königstraße - Gartenstraße Schneiderstraße - Rathaus - Carl-Wilhelm-Straße
- Theaterplatz.

19.00 - 21.00

Jugend-Disco im Seidenweberhaus.

+ + + + +

�25

22. Juni 1983

SEIT DREI JAHRHUNDERTEN: DEUTSCHE IN AMERIKA
- Von Prof. Dr. Frederick C. Luebke Universität von Nebraska

Das Jahr 1983 brachte den drei hundertsten Jahrestag der Einwanderung
von 13 Quäker- und Mennoniten-Familien aus Krefeld nach Pennsylvanien
und die Gründung ihrer Siedlung Germantown, eines ehemals ländlichen Ortes, der heute Teil der Großstadt Philadelphia ist. Zwar gab es auch andere Deutschstämmige, die in dem vorangegangenen halben Jahrhundert in
der einen oder anderen amerikanischen Kolonie lebten, aber sie kamen als
Einzelpersonen und bildeten keine geschlossene Siedlung, wie dies die Krefeider des Jahres 1683 taten.
Während des darauffolgenden Jahrhunderts - bis zur amerikanischen
Revolution - emigrierten annähernd 75 000 Deutsche nach Amerika. Die
große Mehrheit kam aus dem Rheintal und wurde in Amerika gewöhnlich "Palatines" (Pfälzer) genannt. Die Pfalz war in der Tat ein wichtiger Ausgangspunkt, aber viele Menschen kamen auch aus Hessen, Baden und Württemberg. Wieder andere emigrierten aus dem Elsaß und der Schweiz, ebenso wie aus den Gegenden des Niederrheins, einschließlich der Niederlande.
Die deutschen

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die deutschen Siedler lebten hauptsächlich in Pennsylvanien sowie
in den benachbarten Bundesstaaten New York, Maryland und Virginia. Einige zogen weiter nach Süden und gründeten dort in North Carolina erste
bedeutendere Siedlungen. Obgleich die Mehrheit - wie die meisten Amerikaner jener Zeit - Bauern waren, lebten einige auch in den Städten, wo
sie sich oft als Ladenbesitzer und Handwerker niederließen.
Die religiöse Überzeugung war für diese frühen Deutsch-Amerikaner
von großer Bedeutung. Die meisten waren Lutheraner oder Reformierte,
aber die Mennoniten, die Böhmischen Brüder, die Tunker oder Brüder und
andere religiöse Gruppierungen zogen aufgrund ihrer besonderen Eigenarten und Überzeugungen viel Aufmerksamkeit auf sich. Obgleich keine dieser Gruppen mit Absicht versuchte, die deutsche Sprache und die deutschen
Gepflogenheiten um ihrer selbst willen zu erhalten, so hielten sie diese
doch für die Bewahrung ihres Glaubens für wichtig. Da sie in so großer
Zahl eingewandert waren, und weil sie natürlich die Tendenz hatten, eng
beieinander zu leben, waren ihre Siedlungen nahezu unvermeidlicherweise
Inseln in einem Meer Englisch sprechender Menschen.
Dennoch paßten sich die meisten deutschen Einwanderer rasch der Kolonialgesellschaft an. Sie lernten Englisch zu sprechen, genug zumindest,
um sich durchzuschlagen, und übernahmen viele englische Wörter in ihren
rheinischen Dialekt, der sich in Amerika schließlich zum "Pennsylvania
Dutch" entwickelte. Auch Namen wurden schnell anglisiert oder übersetzt.
Aus Schmidt wurde Smith, aus Zimmermann wurde Carpenter, auch wenn die
Träger dieser Namen nicht unbedingt sprachlich oder kulturell besonders
assimiliert waren. Gegen Ende der Besiedlungsperiode stellten die Deutschen etwa acht oder neun Prozent der Gesamtbevölkerung.
Nach der amerikanischen Revolution hörte die Einwanderung aus Europa
50 Jahre lang fast völlig auf. Erst in den Jahren nach 1830 stieg die
Zahl der Neuankömmlinge wieder erkennbar an. Wieder kamen die meisten

�die meisten aus den deutschen Staaten des Rheintals, zusätzlich aber
noch eine große Anzahl aus Bayern, Sachsen und Hannover. Im Gegensatz
zu der früheren Bewegung umfaßte diese Emigration auch einen großen
Teil Katholiken.
Die traditionellen Einschiffungsplätze wie Rotterdam und Le Havre
behielten zwar ihre Bedeutung bei, aber mit der Ausweitung der Auswanderungstendenzen nach Norden und Osten zogen die großen deutschen Häfen
Hamburg und Bremen einen immer größeren Anteil dieses "Geschäftes" an
sich. Die meisten deutschen Einwanderer erreichten die Vereinigten Staaten in New York, Philadelphia und Baltimore, aber auch New Orleans entwickelte sich zu einem wichtigen Ankunftshafen, da viele Neuankömmlinge
den Mississippi hinauffuhren, um sich in den gerade erst organisierten
Bundesstaaten Missouri, Illinois, Ohio und Wisconsin niederzulassen.
Wieder andere zogen westwärts nach Texas. Obgleich New York niemals seine Position als

d i e

Stadt mit der größten Anzahl deutschstämmiger

Einwanderer verlor, wurden Städte in dem Mittleren Westen wie Chicago,
St. Louis, Cincinnati und Milwaukee Zentren großer deutsch-amerikanischer Bevölkerungsgruppen.
Während des 19. Jahrhunderts wanderten annähernd fünf Millionen
Deutsche in die Vereinigten Staaten aus. Höhepunkte waren hierbei die
Jahre 1854 und 1882, als in einem einzigen Jahr zwischen 200 000 und
250 000 Deutsche dort ankamen. Wegen der Gefahren, die eine Reise über
den Atlantik zu einer Zeit mit sich brachte, als noch Segelschiffe verwendet wurden, kamen nur wenige Auswanderer jemals wieder nach Europa
zurück; als aber nach 1860 die Dampfschiffe auftauchten, stieg auch die
Zahl der Rückkehrer und anteilmäßig ging auch die Zahl der Familien zurück, die aus Deutschland emigrierten.
Im 19. Jahrhundert hing die Emigration eng mit den wirtschaftlichen
Bedingungen in Europa und den Vereinigten Staaten zusammen. Wegen der

- 3 -

�Wegen der technischen Fortschritte bei Transport und Landwirtschaft war
Deutschland 1875 zu einem Weizen-Einfuhrland geworden, und andere Staaten
bemühten sich erfolgreich um den deutschen Markt. Diese Entwicklung hatte
verheerende Konsequenzen für die deutschen Bauern wie für die Ladeninhaber und Handwerker der Dörfer, die von dieser Kundschaft abhingen.
Die Folge war in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Auswanderungsflut nach Amerika von noch nie dagewesenen Ausmaßen - besonders
aus den nördlichen und östlichen Gebieten wie Mecklenburg, Pommern und
Ostpreußen. In den neunziger Jahren jedoch ging die Auswanderung drastisch auf durchschnittlich nur 30 000 Personen pro Jahr zurück, da die
industrielle Entwicklung in Deutschland den Bauern und landwirtschaftlichen Arbeitern Beschäftigung bot.
Ende des 19. Jahrhunderts gab es ungefähr 8 Millionen Deutsche der
ersten und zweiten Generation in den Vereinigten Staaten. Das waren rund
zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. Zwei Drittel davon lebten in Gemeinden mit 2 500 oder mehr Einwohnern, die übrigen auf Farmen oder in Dörfern.
Hinsichtlich ihrer beruflichen Tätigkeit wurden die Deutsch-Amerikaner besonders vom Molkereiwesen und in den Städten von den verschiedensten Nahrungsmittelindustrien und dem Brauereiwesen angezogen. Auch als Händler
und Facharbeiter waren viele tätig. Andere wiederum fanden im Dienstleistungsgewerbe ihren Platz, viele aber gehörten auch zu der Kategorie
der ungelernten Arbeiter. Es blieb nicht aus, daß die Deutschen in Berufen unterrepresentiert waren, die eine gute Beherrschung des Englischen
erforderten. Am bedeutsamsten war jedoch, daß die Deutschen genau so vielfältig waren wie die amerikanische Gesellschaft selbst - mit Reichen und
Armen, Gebildeten und Ungebildeten, mit Stadt- und Landbewohnern und mit
einer Vielzahl religiöser Überzeugungen. In dieser Hinsicht hatten die
Deutschen einen eindeutigen Vorteil gegenüber anderen ethnischen Gruppen,
die weit deutlicher auf die unteren Berufs- und Einkommensgruppen konzentriert waren.
Mit dem

�Mit dem Ersten Weltkrieg kam eine Zeit der Schwierigkeiten für die
Deutsch-Amerikaner. Es war eine Zeit, als Eürger deutscher Abstammung
belästigt und verfolgt wurden, als das amerikanische Volk von einer Welle antideutscher Gefühle überschwemmt wurde. Tatsächlich gab es für kurze Zeit in den Vereinigten Staaten einen Krieg gegen die deutsche Sprache und Kultur, Dieses Phänomen läßt sich zumindest teilweise durch das
Verhalten deutsch-amerikanischer Kulturchauvinisten erklären - besonders
der Herausgeber und Redakteure deutschsprachiger Zeitungen -, die in der
Zeit der amerikanischen Neutralität von 1914 - 1917 eine überspannte prodeutsche Haltung einnahmen. Im Jahr 1916 opponierten sie nachdrücklich
gegen die Wiederwahl Präsident Wilsons, der ihrer Meinung nach den Alliierten gegenüber große Sympathien zeigte. Als dann die Vereinigten
Staaten 1917 Deutschland den Krieg erklärten, fanden sich viele Amerikaner deutscher Geburt, oder Abstammung dem Verdacht ausgesetzt, unloyal
zu sein. Hunderte deutschsprachiger Zeitungen stellten ihr Erscheinen ein,
zahllose soziale und kulturelle Vereine lösten sich auf und viele deutschamerikanische Schulen gingen rasch zur Verwendung der englischen Sprache
über.
Nach dem Krieg machten einige Deutsch-Amerikaner Anstrengungen, um
das deutsche ethnische Leben in den Vereinigten Staaten wiederzubeleben,
waren jedoch dabei nicht sehr erfolgreich, auch wenn es zu Beginn der
zwanziger Jahre zu einem gewaltigen Wiederaufschwung der deutschen Einwanderung kam. Erfüllt mit Bitterkeit und Groll nach dem Trauma des
Ersten Weltkriegs versuchten manche, durch vereinte politische Aktionen
die Achtung zurückzugewinnen. Nachdem diese Strategie in den zwanziger
Jahren mehrmals zu keine: Ergebnis führte, wurde die Betonung auf das
Kulturelle verlegt. Aber auch diese Anstrengung schlug fehl, weil sich
die Programme auf elitäre Werte gründeten, die im Widerspruch zu jenen
standen, die der deutsche Durchschnittseinwanderer jener Zeit vertrat.
Während der Großen Depression der dreißiger Jahre trat diese Kulturidee
immer mehr in den Hintergrund, zumal deutsch-amerikanische Nazis mit
ihrer Strategie des Blutes die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich

- 5 -

�auf sich zogen. Dieses rassistische Streben nach ethnischer Einheit
war für die große Mehrheit der Deutsch-Amerikaner unannehmbar. Als die
Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg eintraten, vermieden sie
sorgfältig die Fehler des früheren Konfliktes. Diesmal wurden nicht wieder deutsch-amerikanische Ressentiments geschürt und auch die Unterdrückung wie zur Zeit des Ersten Weltkriegs wiederholte sich nicht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es eine weitere große Welle deutscher Einwanderung nach Amerika. Nahezu 1 Million Menschen kamen an vor allem in den fünfziger Jahren. Sie hofften, den mit dem wirtschaftlichen, sozialen und politischen Wiederaufbau in Europa verbundenen Problemen zu entkommen und in Amerika ein besseres Leben zu finden. Wie
bei der großen deutsch-jüdischen Emigration der dreißiger Jahre umfaßte
diese Nachkriegsbewegung einen unverhältnismäßig hohen Anteil von Wissenschaftlern, Technikern und anderen gut ausgebildeten Personen. Dann
gab es die Bräute amerikanischer Soldaten in Deutschland, wieder andere
waren Vertriebene - Flüchtlinge deutscher Abstammung aus Osteuropa, die
1945 vor den Sowjetarmeen in den Westen geflohen waren.
Wie den Einwanderern der zwanziger Jahre war auch diesen Emigranten aus Deutschland sehr daran gelegen, sich so rasch wie möglich der
amerikanischen Gesellschaft und Kultur anzupassen. Nur wenige wollten
die deutsche Sprache und Kultur in Amerika beibehalten. Daher kam es
auch nicht wie vor dem Ersten Weltkrieg zu einem organisierten Deutschtum. Stattdessen hält sich deutsches Volkstum in örtlichen Vereinen, die
es noch immer in den großen Zentren deutsch-amerikanischer Bevölkerung
- wie New York, Chicago, Cleveland sowie Kalifornien und Florida - gibt.
Solche Organisationen in den Vereinigten Staaten finden die Beteiligung
nur eines kleinen Teils in Deutschland geborener Personen. Gruppierungen
dieser Art bringen Menschen zusammen, deren Bezug zur deutschen Sprache
und Kultur mehr gefühls- als verstandesmäßig ist, mehr gesellschaftlich
als politisch. Sie bieten eine Atmosphäre, in der Deutsch-Amerikaner

�Deutsch-Amerikaner miteinander reden, essen, spielen, singen und tanzen
können, die gleiche Werte und gleiche Einstellungen vertreten.
Die Wirkung von 300 Jahren deutscher Einwanderung in die Vereinigten Staaten ist insgesamt gesehen gewaltig. Der Volkszählung von 1980
zufolge stammen ungefähr 52 Millionen der insgesamt 226 Millionen Menschen zählenden amerikanischen Bevölkerung von deutschen Einwanderern
ab. Sie sind sicher die größte Einzelgruppe und übertreffen hierbei sowohl die Iren als auch die Engländer. Kein Wunder, daß Amerikaner deutscher Abstammung Männer und Frauen von gewaltiger Bedeutung für das politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben hervorgebracht
haben - zu denen berühmte Staatsmänner, Militärs, Wissenschaftler, Bankiers, Industrielle, Musiker, Maler, Schriftsteller und viele andere gehören. Ihr Gesamtbeitrag zum Leben und zur Kultur Amerikas ist unschätzbar.

+ + + + +

- 7 -

�</text>
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Dl Ell

Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26

29. Juni 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Reagans zur deutsch-amerikanischen
Dreihundertjahrfeier
Rede von US-Vizepräsident Bush zur deutsch-amerikanischen
Dreihundertjahrfeier in Krefeld
Die europäische Sicherheit und die deutsch-amerikanische
Partnerschaft
- Von Robert W. Dean -

HINTERGRUNDMATERIAL
-

Präsident Reagan;

Um Übersendung von
DelegeHCfliplaren
wird gebeten

Es darf niemals zu einem Atomkrieg kommen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26

29. Juni 1983

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT REAGANS ZUR DEUTSCH-AMERIKANISCHEN DREIHUNDERTJAHRFEIER

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan würdigte in einer am 25.
Juni 1983 vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung die deutsch-amerikanische
Freundschaft anläßlich der Dreihundertjahrfeier der ersten deutschen Siedlung
in Amerika. Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Samstag, der 25. Juni, ist ein besonderer Tag für Deutschland und Amerika.
In Krefeld an den Ufern des Rheins vertrat Vizepräsident Bush alle Amerikaner
bei einer historischen Feier. Aus Krefeld brachen vor 300 Jahren die ersten
deutschen Einwanderer nach Amerika auf. Jene 13 Mennonitenfamilien kamen auf
der Suche nach religiöser Freiheit.
ten Germantown in Pennsylvania.

Sie landeten in Philadelphia und gründe-

Von diesem Moment an hat Deutschland viel zu

unserer Lebensweise beigetragen.
Heute nimmt etwa jeder vierte Amerikaner - oder rund 50 Millionen von
uns - zumindest eine teilweise deutsche Abkunft für sich in Anspruch.
Was hat dies für Amerika bedeutet?

Den Planwagen und die Kenntucky-

Rifle; Blue Jeans, die Brooklyn-Brücke und Snoopy; die erste luftdichte
Büchse und viele unserer beliebten Biersorten; Dwight David Eisenhower und

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Eisenhower und Wernher von Braun; Chrysler-Automobile und Boeing-Flugzeuge;
deutsche Farmer haben bei uns im Mittelwesten den Winterweizen eingeführt.
Und kein Amerikaner sollte je vergessen, daß in Valley Forge General
von Steuben, ein deutscher Freiwilliger, die demoralisierten Truppen von
George Washington in eine disziplinierte Armee verwandelt hat, die in der
Lage war, unseren Kampf um Unabhängigkeit zu gewinnen.
Einige unserer hervorragendsten Schriftsteller wie John Steinbeck und
H. L. Mencken, Sportler wie Babe Ruth und Jonny Weissmueller; Erfinder wie
Charles Steinmetz und George Westinghouse; Staatsmänner wie Carl Schurz und
George Shultz, unser derzeitiger Außenminister, sind deutscher Abkunft.
Die Deutschen haben 300 Jahre mitgeholfen, Amerika aufzubauen.
Amerika hat auch gegeben und nicht nur bekommen.

Aber

Nach dem Zweiten Weltkrieg,

als Deutschland besiegt darniederlag, hat Amerika durch den Marshall-Plan
und die Berliner Luftbrücke materielle Hilfe geleistet.

Und was mindestens

ebenso wichtig - wenn nicht noch wichtiger - ist, wir haben die Inspiration
gegeben, aus den Ruinen des Totalitarismus freie Institutionen aufzubauen.
Heute ist die Bundesrepublik Deutschland ein Bollwerk der Demokratie im
Herzen eines geteilten Europas. Sie erfreut sich einer Prosperität, von der
1945 niemand träumte, und ihr politisches System ist stabil und stark.
Westdeutsche und Amerikaner sind zu Recht stolz auf unsere gemeinsamen
Werte und unser gemeinsames Erbe. Heute stehen wir Schulter an Schulter im
NATO-Bündnis zur Verteidigung der Freiheit und der Bewahrung des Friedens.
Drei Jahrzehnte deutsch-amerikanischer Partnerschaft waren ein Angelpunkt
des Bündnisses.

Dank dieses Bündnisses ist in Westeuropa eine ganze Genera-

tion frei von den Verheerungen des Krieges und verschont von der Unterdrückung,
die die Europäer im Osten erleiden müssen, aufgewachsen.
Aber Freiheit

�Aber Freiheit bringt Verantwortung - nicht zuletzt die Verantwortung,
hinter vereinfachten Schlagworten die Wahrheit in lebenswichtigen Fragen wie
Sicherheit und Abrüstung zu sehen.

Ich hoffe, daß die junge Generation in

Deutschland und in Amerika ehrlich über all das nachdenken wird, was wir tun,
um abzuschrecken und das Risiko des Krieges zu verringern.
Angesichts einer großen militärischen Aufrüstung der Sowjets an konventionellen und nuklearen Waffen sind die Vereinigten Staaten, die Bundesrepublik
Deutschland und unsere europäischen Verbündeten übereingekommen, unsere veraltenden Streitkräfte zu modernisieren, um eine wirksame Abschreckung zu gewährleisten. Gleichzeitig unternehmen wir in der Hoffnung, die großen Ausgaben
für die Modernisierung von Waffen vermeiden zu können, eine ernsthafte Anstrengung, große und wirksam verifizierbare Verringerungen der sowjetischen und
amerikanischen Nuklearstreitkräfte auf einen niedrigeren und stabileren Stand
auszuhandeln.
In Genf haben wir weitreichende Vorschläge unterbreitet, um die Nukleararsenale abzubauen und Vertrauen aufzubauen. Wir haben die globale Beseitigung einer ganzen Klasse von landgestützten Mittelstreckenraketen vorgeschlagen und unsere Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, jedem Vorschlag zuzustimmen, der einen Gleichstand der Zahl der Gefechtsköpfe auf solchen amerikanischen und sowjetischen Raketen herbeiführt.
In den Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen Waffen,
die wir als START bezeichnen, habe ich innerhalb der letzten zwei Wochen neue
Anweisungen erteilt, die die Empfehlungen der überparteilichen Scowcroft-Kommission einschließen und unseren Verhandlungsführern bei ihrer Aufgabe einen
größeren Spielraum geben. Junge Menschen in Deutschland und in den Vereinigten Staaten dürfen unseren Einsatz für die Aufrechterhaltung des Friedens
nicht bezweifeln. Wir teilen mit ihnen den Traum, daß eines Tages die Zeit
kommen wird, da nirgendwo auf der Erde Kernwaffen existieren werden.
Die Ideen,

�Die Ideen, die unsere Völker gemeinsam haben, der Wunsch nach Freiheit
und Frieden verbindet die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland in so vielfältiger Weise.

Auf dem aufbauend haben wir eine gemeinsame

Anstrengung in Angriff genommen, um mehr Kontakte zwischen unseren Völkern
und den Generationen zu schaffen.

In unserem Lande sind 22 Bundesministerien

und Behörden an dieser Anstrengung beteiligt.

Die Pläne reichen vom tradi-

tionellen Austausch bis zu einem Luftbrückenprogramm, das deutsche Herzpatienten in eines unserer hervorragenden Krankenhäuser für Bypass-Operationen
bringen und mehr deutsche Ärzte ausbilden wird, um diese lebensrettenden Operationen durchzuführen.
In diesem Herbst wird ein Deutscher mit der Raumfähre der NASA fliegen
- der erste Ausländer, der dies unternimmt.

Zusammen werden Deutsche und

Amerikaner den Verlauf des Fluges auf ihren Bildschirmen verfolgen, und alle
werden für eine erfolgreiche Durchführung und sichere Landung beten.
Deutsche und Amerikaner deutscher Abkunft können auf ihre Vorfahren besonders stolz sein. Aber alle Amerikaner haben Nutzen aus den Beiträgen gezogen, die Deutsch-Amerikaner für unser Land geleistet haben - und wir sollten uns alle daran beteiligen, dieses Erbe zu ehren.

+ + + + +

�29. Juni 1983

26

REDE VON US-VIZEPRÄSIDENT BUSH ZUR DEUTSCH-AMERIKANISCHEN
DREIHUNDERTJAHRFEIER IN KREFELD

KREFELD - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush hat am 25.
Juni 1983 in einer Ansprache auf einem Festakt in Krefeld anläßlich der Dreihundertjahrfeier der deutschen Einwanderung in Amerika auf den Beitrag dieser
Einwanderer zum Aufbau der Vereinigten Staaten hingewiesen und die Gemeinsamkeit der Werte und Zielsetzungen beider Völker hervorgehoben.
Die Rede des Vizepräsidenten hat folgenden Wortlaut:
Herr Bundespräsident, Herr Bundeskanzler, Herr Oberbürgermeister, meine
Damen und Herren:
Ich danke für die sehr, sehr herzliche Begrüßung.

Sie verstehen es

wirklich, alles so einzurichten, daß sich Menschen hier ganz zuhause fühlen.
Als der Bundeskanzler und ich aus, dem Auto stiegen, spürten wir die Herzlichkeit des Willkommens.

Das war so deutlich und klar zu spüren, und ich möchte

der Bevölkerung von Krefeld dafür danken.
Als wir

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Telex: 8-85432

�Als wir den Flugplatz anflogen, blickten der Kanzler und ich aus dem
Fenster, und wir konnten sehen, daß sehr viele deutsche und amerikanische
Fahnen zusammen wehten; und, wie es in unserer Nationalhymne heißt, "stolz
wehten"; und da fühlte ich mich daheim.

Ihnen, Herr Oberbürgermeister,

möchte ich besonders danken, denn sicherlich haben Sie großen Anteil daran.
Und ich möchte mich Ihrem hervorragenden Bundespräsidenten zuwenden.
Sie sehen in ihm den Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland, aber ich
sehe in ihm den Mitkommilitonen der Yale-Universität.

Was den Bundeskanzler

anbetrifft, so finde ich keine Worte, wie meine Frau und ich ihm und seiner
reizenden Gattin danken können für die Gastfreundschaft, die sie uns hier, i
London und in den Vereinigten Staaten haben zukommen lassen.

Wir danken aus

ganzem Herzen dafür.
Es ist mir wirklich eine Ehre, eingeladen worden zu sein, um hier zu
sprechen, und wir freuen uns, daß Bundespräsident Carstens die deutschamerikanische Dreihundertjahrfeier durch einen Besuch in unserem Lande auszeichnen wird.

Ich möchte so viele, wie es ermöglichen können - vor allem

junge Menschen - einladen, in diesem Jahr des Gedenkens nach Amerika zu
kommen.
Vor drei Jahrhunderten kamen nach einer 75jährigen Seereise auf einem
engen Schiff 32 Mennoniten und Quäker aus Krefeld und zwei Kleinkinder, die
auf der überfahrt geboren worden waren, an der Ostküste der Neuen Welt an.
Es war Oktober, die Luft war frisch, und die Herbstregen hatten begonnen.
Erschöpft und krank nach ihrer Reise schleppten sich die Deutschen von
Philadelphia, damals eine Siedlung mit zwei Dorfstraßen, sechs Meilen durch
dichten Wald, um eine eigene Siedlung zu gründen.
Als der Winter nahte, fällten sie viele Bäume und bauten ihre ersten
Blockhäuser. "Man kann es weder beschreiben noch glauben", so schrieb Franz
Daniel Pastorius, der Führer der Krefelder, "unter welchen Bedingungen der
Not und Armut... diese deutsche Siedlung gegründet wurde".
Aber die

�Aber die Deutschen hatten das gefunden, was sie suchten, nämlich Religionsfreiheit, und in bescheidener Weise begann ihre Siedlung bald zu gedeihen.

Die Leute bauten Flachs an, züchteten Schafe für die Wolle und wurden

in den amerikanischen Kolonien für ihre Weberei bekannt.

Die Nachricht von

ihrem Erfolg ermutigte andere Deutsche, die Alte Welt mit der Neuen zu vertauschen.
Als im Jahre 1776 der amerikanische Unabhängigkeitskrieg ausbrach, waren
über 200 000 Deutsche nach Amerika gekommen.

Die Napoleonischen Kriege lösten

eine neue Welle der Einwanderung aus, die etwa 1825 begann.

Ganze Dörfer in

Bayern und Württemberg verkauften ihr Land, ihre Häuser und ihr Vieh und machten sich nach Amerika auf, Pfarrer und Lehrer mitnehmend.

In der zweiten

Hälfte des vorigen Jahrhunderts begann eine weitere Einwanderungswelle»und
während der zwei Jahrzehnte von 1880 bis zur Jahrhundertwende betrug die Zahl
der in Amerika ankommenden Deutschen jedes Jahr durchschnittlich über 100 000.
Bis zur Jahrhundertwende waren über 5 Millionen Deutsche in die Vereinigten
Staaten gekommen.
Nach ihrer Ankunft siedelten die Deutschen nicht nur an der Ostküste,
sondern drangen auch nach Westen vor. Sie reisten zu Fuß, auf dem Maultier
und zu Pferd, auf Kähnen und in den berühmten Conestoga-Wagen (Planwagen),
die von Deutschen erfunden wurden, und später in überfüllten, stinkenden
Eisenbahnwaggons quer durch das Land. Sie kamen in ihrer neuen Heimat mit
nichts an - ohne Möbel, ohne Ersparnisse, und oft nur mit den Kleidern, die
sie während der langen überfahrt aus Deutschland auf dem Leibe trugen.
Ich sagte eben, die Deutschen kamen mit nichts an.
korrigieren.

Lassen Sie mich das

Sie kamen mit nichts an außer ihrem Glauben.

Denn die Deutschen

brachten in ihre neue Heimat den tiefen Glauben an Gott, an die Familie und an
die Güte der Erde, der so fest war wie die Alpen und so beständig wie der
Rhein.

Und sie brachten einen weiteren Glauben mit, den Glauben an die Ar-

beit-harte, ehrliche Arbeit.
Und sie

�Und sie haben gearbeitet.
Sie fällten Bäume in Minnesota und Wisconsin, sie rodeten die Ebenen
von Illinois.

Sie eroberten die Weiden meines Heimatstaates Texas.

Sie

pflügten das Land, säten Getreide, züchteten Schweine, melkten die Kühe und
züchteten Rinder.

Wo immer die Deutschen sich niederließen und das Land be-

bauten, entstanden blühende Siedlungen: Frankfort, Indiana; Bismarck, North
Dakota; New Munich, Minnesota; New Braunfels, Texas; New Holstein, Wisconsin.
Die Deutschen, die später kamen, zogenin die Großstädte Amerikas.
St. Louis und Milwaukee wurden für ihre Deutschen bekannt; um 1900 hatte
Chicago eine deutschsprechende Bevölkerung, die größer war als die des damaligen Frankfurt, und die Deutschen in New York waren zahlenmäßig mehr als die
Bewohner Münchens.
Gerber oder Metzger.

Diese deutschen Stadtbewohner wurden tüchtige Schreiner,
Sie gründeten Zeitungen, Textilfabriken und Brauereien.

Heinz revolutionierte die Lebensmittel Verarbeitung; Strauss stellte Blue
Jeans her; Roebling baute Brücken, einschließlich der schönsten amerikanischen
Brücke, der Brooklyn-Brücke.
Die deutschen Frauen arbeiteten so hart wie ihre Männer, zogen große
Familien auf und versuchten, die Stadtwohnungen und Farmhäuser mit Lehmböden
sauber zu halten. Sie kochten, nähten und putzten für Familien, in denen
ein Dutzend Kinder nichts Ungewöhnliches waren. Die Frau eines Farmers oder
Arbeiters mußte um sechs Uhr aufstehen, um ihrem Mann das Frühstück zu machen,
dann das Frühstück für die Kinder und dann am Mittag und am Abend wieder das
Mahl für alle zu bereiten. Und immer waren Kleider zu flicken.
Die Arbeit, die reine, unermüdliche Arbeit dieser deutschen Einwanderer
half, lebendige Industrien aufzubauen und Ackerland zu roden, das zu den
reichsten der Welt gehörte.
Und diese deutschen Einwanderer gaben Amerika nicht nur Farmen und Fabriken, sondern auch ihre Kinder.
Zu Beginn
- 4 -

�Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts kam Burkhardt Mencken aus Sachsen
nach Amerika.

Burkhardt selbst gewann weder Reichtum noch Ruhm, aber sein

Enkel, H. L. Mencken, wurde der für seine Unerschrockenheit berühmte Herausgeber der "Baltimore Sun", der Bücher über Politik, Literatur und Musik veröffentlichte und im ganzen Lande als "der Weise von Baltimore" bekannt wurde.
In den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zog eine deutsche Familie in Baltimore einen Jungen auf, der gerne Baseball spielte.

Sein Name war

Babe Ruth, und als er größer wurde, wurde er der berühmteste Baseballspieler
in der Geschichte, der 714 Home Runs erzielte und für jeden Amerikaner, einschließlich meiner selbst, ein Held wurde.
Als vor 300 Jahren jene erste Reise von Krefeld in die Neue Welt begann,
war unter den Reisenden ein Mann namens Thones Kunders. Acht Generationen
später hatte sich der Nachname von Kunders in Conrad verändert,und Charles
Conrad Jr., ein direkter Nachfahre von Thones, wurde Astronaut und spazierte
auf dem Mond.
Heute sind 60 Millionen Amerikaner, d.h. mehr als jeder vierte, Nachkommen deutscher Einwanderer, und sie bewohnen ein Land, das zu einem großen
Teil durch die Arbeit deutscher Hände blühend und frei gemacht wurde. Als gerade vor einer Generation Deutschland selbst in Not geraten war, reagierte
Amerika - wie sollte es bei dieser Geschichte auch anders sein - natürlich
entsprechend. Der Marshall-Plan half der neuen deutschen Demokratie, sich
aus den Trümmern des Krieges zu erheben und wieder zu einer bedeutenden Nation
zu werden. Die Berliner Luftbrücke war eine Demonstration der amerikanischen
Verpflichtung zur Verteidigung des demokratischen Deutschland, als West-Berlin,
das sich noch immer vom Krieg erholen mußte, vor brutalen Bedrohungen aus dem
Osten stand.

Die Geschichte unserer beiden Länder ist unauflöslich miteinander verwoben.

Wir tragen heute zum Handel des anderen bei und erfreuen uns an der

Kultur des anderen, für die wir heute ein Beispiel erleben.

- 5 -

Unsere Werte

�Unsere Werte - Frieden, Freiheit und Menschenwürde - sind die gleichen.
Aber wir dürfen nicht vergessen, daß unser Frieden und unser Wohlergehen
ständig von feindlichen Ideologien und Staaten bedroht werden.

Die Hauptbe-

drohung unserer Demokratie kommt, wie Sie wissen, weiterhin von der Sowjetunion.

Um eine feste Verteidigung gegen die sowjetische Herausforderung zu

errichten,

hat sich zu Ende des Zweiten Weltkrieges eine Reihe der Demo-

kratien in Europa mit den Vereinigten Staaten und Kanada zusammengeschlossen,
um das NATO-Bündnis zu gründen.

Die Bundesrepublik Deutschland und die Ver-

einigten Staaten arbeiten jetzt schon rund drei Jahrzehnte in diesem Bündnis
zusammen.
In Zeiten des Friedens und des materiellen Wohlstandes, wie den heutigen,
vergißt man nur zu leicht, daß die Freiheiten, derer wir uns erfreuen, von
unserer Wachsamkeit abhängen.
Unsere beiden Regierungen gründen sich auf die Achtung der Menschenrechte, und beide bleiben als Demokratien immer der Reform offen. Das
sowjetische System besitzt im Gegensatz dazu keine funktionierenden Mittel
und Wege der Reform, sucht all seinen Bürgern einen einzigen, starren Willen
aufzuzwingen; es hat in den letzten Jahren Afghanistan 'überrannt und besetzt,
giftige Chemikalien auf die unschuldigen Völker Afghanistans und Südost-Asiens
herabgeregnet und alle Versuche niedergeschlagen - in Ost-Deutschland, Ungarn,
der Tschechoslowakei und Polen -, wenigstens ansatzweise die Menschenrechte
zu erlangen.
Sicherlich erlegt die Mitgliedschaft im NATO-Bündnis Bürden auf. So
mußten biespielsweise die Vereinigten Staaten rund 300 000 Soldaten in Europa
stationieren, und die Bundesrepublik wiederum mußte zum Unterhalt einer großen
Zahl amerikanischer Soldaten auf ihrem Boden beitragen. Aber auch die Länder
Osteuropas müssen mit einer großen Zahl ausländischer Soldaten auf ihrem Boden
leben, und wir dürfen nicht vergessen, wie sehr sich die Umstände in beiden
Fällen unterscheiden. Arthur Burns, der amerikanische Botschafter in der

�in der Bundesrepublik Deutschland, hat es kürzlich so ausgedrückt:

"Die er-

betene Präsenz amerikanischer Soldaten in Europa dient dem ausdrücklichen
Zweck, die Werte unserer westlichen Zivilisation schützen zu helfen, während
die sowjetischen Armeen, die Osteuropa seit 35 Jahren hartnäckig besetzt halten, dort stehen, um die Unterdrückung der Freiheiten zu gewährleisten, nach
denen sich ihre Bürger bis zum heutigen Tag sehnen".

Die Geschichte geht, wie Sie wissen, keinen geraden Weg und überträgt
unterschiedlichen Nationen zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche
Pflichten.

Heute stellen die Stärke der Bundesrepublik Deutschland, der

Vereinigten Staaten und der anderen NATO-Länder den notwendigen Unterbau
dar, um die freie Welt frei zu erhalten.

Seit Jahrhunderten hat uns das

deutsche Volk in der Alten und in der Neuen Welt Beispiele der Stärke und
des Mutes gegeben.

Laßt uns diesen Beispielen folgen.

Laßt uns die notwen-

digen Opfer bringen, um unsere Verteidigung stark zu erhalten.

Denn letztlich ist es die Freiheit, die uns verbindet - freie Wahlen,
eine freie Presse, Religionsfreiheit, Redefreiheit und die Freiheit, anderer
Meinung zu sein.

Unsere Freiheit stärkt uns, verschönt unser Leben und gibt

uns die Hoffnung auf die Zukunft.

Wollen wir heute und in den kommenden Mo-

naten, wenn wir in Deutschland und in Amerika diese Freiheit feiern, die uns
vereint, jedoch nicht die Pflicht vergessen, die die Freiheit fordert.

Und

wollen wir mit dem gleichen Nachdruck unsere Pflicht tun, wie jene Handvoll
Menschen aus Krefeld, die nach Amerika kamen.

Ich danke Ihnen sehr, sehr herzlich.

+ + + + +

- 7 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26

29. Juni 1983

DIE EUROPÄISCHE SICHERHEIT UND DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHE PARTNERSCHAFT
Von Robert W. Dean

BONN - (AD) - Der Stellvertretende Direktor der Abteilung für politische
und militärische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium,
Robert W. Dean, ging in einem Vortrag vor der Sicherheitskonferenz der
Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn am 24. Juni 1983 auf Fragen der europäischen
Sicherheit und der deutsch-amerikanischen Partnerschaft ein.

Die Ansprache

hat folgenden Wortlaut:
Meine Damen und Herren,
es ist ein Privileg, heute im Namen der Administration zu dieser bedeutsamen
Versammlung sprechen zu dürfen.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat einen wohlver-

dienten Ruf, wichtige Jahreskonferenzen abzuhalten, die im Lauf der Jahre ein
Forum für die Erörterung amerikanisch-europäischer Sicherheitsfragen von großer
Bedeutung geboten haben.

Dieses Jahr ist keine Ausnahme, wenn man die Probleme

bedenkt, vor denen das Bündnis steht.
Mein eigenes Thema

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�Mein eigenes Thema, "Die europäische Sicherheit und die deutsch-amerikanische Partnerschaft", führt uns fast unmittelbar zu einer Diskussion über
nukleare Mittel Streckensysteme (INF).

Aber das Thema kann nicht aus dem

weiteren historischen und politischen Zusammenhang herausgerissen werden.

Nur

aus dieser Perspektive kann man zu vernünftigen Schlüssen bezüglich der heute
in der INF-Debatte anstehenden Fragen kommen.
Zunächst einige Gedanken zu den deutsch-amerikanischen Beziehungen.

Die

deutsch-amerikanische Partnerschaft ist ein wesentliches - manche Leute sagen:
das wesentliche - Element der europäischen Sicherheit.

Diese Bindung, ihre

Festigkeit und ihre Kraft spielen bei der Erhaltung des Friedens seit weit über
einem Drittel Jahrhundert eine zentrale Rolle. Es wäre gänzlich falsch, unser
Verhältnis nur durch die INF-Brille zu betrachten.

Nach dem, was derzeit in

der Presse zu lesen ist, könnte man glauben, die deutsch-amerikanischen
Beziehungen würden durch das INF-Problem bestimmt. Wir unsererseits haben
uns in den Vereinigten Staaten Mühe gegeben, zu unterstreichen, daß das, was
heute in der europäischen Öffentlichkeit zum Ausdruck kommen mag, nicht die
grundsätzlichere Einstellung zum Bündnis ausdrückt. Meinungsbefragung nach
Meinungsbefragung hat gezeigt, daß sich das Ausmaß der Unterstützung für
diese oder jene Politik verschieben mag, die Unterstützung des Bündnisses
aber - und in Ihrem Lande die Unterstützung starker deutsch-amerikanischer
Bindungen innerhalb des Bündnisses - fest, tief und unerschütterlich bleibt.
Wenn wir auf fast vier Jahrzehnte zurückblicken, dann sehen wir, daß sich
die deutsch-amerikanische Partnerschaft weiterentwickelt hat.

Ein am Boden

liegendes Land entwickelte sich zu einem Wirtschaftsgi ganten; brachte nacheinander politische Führungen der höchsten Qualität und Reife in einem stabilen
demokratischen politischen System hervor; und übernahm die Rolle eines wahrhaft
gleichberechtigten Partners im Bündnis und gegenüber den Vereinigten Staaten.
So wie sich diese Partnerschaft im Laufe einer Generation weiterentwickelt
hat, so hat sich auch Deutschland selbst verändert.

- 2 -

Da ist beispielsweise die

�beispielsweise die veränderte Beziehung zur Deutschen Demokratischen Republik
zu nennen.

Die beiden politischen Systeme sind heute nicht weniger gegensätzlich

als zuvor, aber der, Anfang der siebziger Jahre eingeleitete, schrittweise Abbau
der Spannungen hat dazu beigetragen, viele menschliche Beziehungen wiederherzustellen, die durch die politische Teilung zerrissen waren.
Eine zweite Veränderung in der Bundesrepublik war das Heranwachsen einer
neuen Führungsgeneration.

Diese jungen Menschen wurden - abgesehen von ihrer

politischen Zugehörigkeit - begreiflicherweise von andersartigen Erfahrungen
geprägt als die unmittelbare Nachkriegsgeneration, die ihnen vorangegangen war.
Sie sind Ausdruck und Produkt einer neuen Einstellung der Öffentlichkeit.
Interessanterweise haben sie in vieler Hinsicht die gleichen Erfahrungen gemacht
wie ihre amerikanischen Kollegen.

Eine gewisse Skepsis gegenüber der politischen

Autorität, das Erbe der Erfahrungen aus Vietnam und Watergate, sind in Ihrem
Lande so real wie in dem meinigen. Sorgen um die Umwelt und Nachdruck auf Lebensqualität sind ebenfalls Veränderungen in der Einstellung, die in unseren beiden
Gesellschaften zu verzeichnen sind.

Eine weitere wichtige Veränderung in Deutsch-

land ist nach meiner Ansicht, daß es eine vielleicht tiefer denn je empfundene
Sorge um soziale Gerechtigkeit im eigenen Land und in der Welt gibt, verbunden
mit einem Mißtrauen, ja einer Langeweile, gegenüber politischen Ideologien.
In jedem dieser Fälle sind in den Vereinigten Staaten ähnliche Haltungen zu
verzeichnen.
Damit ist die Liste der Veränderungen noch nicht erschöpft, die mit dem
Aufrücken einer neuen Generation in die Verantwortung eingetreten sind. In jedem
Fall sollten die zugrundeliegenden Kräfte, die sie ausgelöst haben, darauf hinwirken, unsere beiden Länder zu einen. Wo Differenzen bestehen mögen, sind sie
eine natürliche und gesunde Eigenschaft eines Bündnisses freier Demokratien, in
denen unterschiedliche Meinung und der freie Ausdruck von Ideen geheiligte
Rechte sind. Aber solche Meinungsverschiedenheiten sollten als das erkannt
werden, was sie wirklich sind - unterschiedliche Auffassungen bezüglich der
Mittel, nicht des Ziels.
Auch auf
- 3 -

�Auch auf dem Gebiet der nationalen Sicherheit haben sich auf beiden Seiten
des Atlantik Veränderungen in der Einstellung vollzogen. Das Schwarz-Weiß-Bild
der fünfziger und sechziger Jahre wird von der jungen Generation und ihren
Führern nicht mehr unkritisch hingenommen.

Das bedeutet eine neuerliche

Verpflichtung der Regierungen, zuzuhören und zu überzeugen.

Wir sollten diese

Herausforderung begrüßen, denn in der atlantischen Partnerschaft haben einige
Grundwahrheiten ihre Gültigkeit behalten. Sie stellen das Fundament unserer
gemeinsamen Anstrengung dar, die Unterstützung für das Bündnis und seiner Ziele
bei den einzigen aufzubauen und zu erhalten, die es legitimieren - nämlich bei
den Völkern, denen wir verantwortlich sind.
Tatsache ist, daß sich das Bündnis außerordentlich gut gehalten hat. Es hat
den Frieden, die Stabilität und die Freiheit in Europa über einen längeren Zeitraum bewahrt, als sich irgend jemand zu seinen Lebzeiten erinnern kann.
praktische, politische Bedeutung war und ist gewaltig.

Seine

Für die Bundesrepublik

Deutschland garantierte die Mitgliedschaft im Bündnis einen stabilen politischen
Halt und eine starke Sicherheitsposition, um die Nachkriegsdifferenzen mit dem
Osten beilegen zu können, ein erfolgreiches neues Verhältnis zur DDR herzustellen
und damit viel von der menschlichen und kulturellen Tragödie der politischen
Teilung der Nation zu lindern.

Es waren eine starke, militärisch sichere und

politisch zusammenhaltende NATO sowie eine im Bündnis fest verwurzelte deutsche
Außenpolitik, die diese Fortschritte möglich machten. Man braucht sich nur an
die wiederholten Bekräftigungen von Bundeskanzler Brandt erinnern, daß das
Bündnis und die Mitgliedschaft der Bundesrepublik im Bündnis das sine qua non
der Ostpolitik seien.
Aber es ist hier, wie auch in meinem Lande, wieder ein beliebtes und nur
allzu bekanntes Lamento geworden, die NATO stecke in einer Krise: "Europa und
die Vereinigten Staaten sind sich nicht mehr völlig einig"; "Sie treiben auseinander"; "Die NATO zerfällt".

Solche Behauptungen sind heute die gängige Münze

in den Leitartikeln auf beiden Seiten des Atlantik.

Sie verraten eine Schwäche

für das, was intellektuell gerade en vogue ist. Wenn man solchen Behauptungen

�solchen Behauptungen jedoch nicht entgegentritt, könnten sie die zerstörerische
und demoralisierende Wirkung einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung haben.
Ein Blick auf die vergangenen drei Jahrzehnte zeigt, warum die Phrase,
"Die NATO steckt in der Krise" so abgedroschen ist:
- Im Jahre 1956 drängten die Vereinigten Staaten Großbritannien und Frankreich,
ihre Suez-Intervention aufzugeben.
werde auseinanderfallen.

Schlaue Leute erklärten damals, das Bündnis

Sie hatten unrecht.

- Im Jahre 1958 wurde das Bündnis durch die Debatte über die Stationierung
der Thor- und Jupiter-Raketen - in der Türkei, Großbritannien und Italien - und
anderer Kernwaffen in Europa erschüttert - eine Debatte, die übrigens auch in
Ihrem Bundestag lebhaften Ausdruck fand. Manche Leute fragten sich, ob das
Bündnis überleben werde.

Es hat überlebt.

- Im Jahre 1966 zog sich Frankreich aus der integrierten militärischen Befehlsstruktur der NATO zurück - die Lösung des Knotens im Drama einer weiteren Nukleardebatte im Bündnis.

Die Propheten des Untergangs verkündeten das Ende der NATO.

Und wieder hatten sie unrecht.
- Mitte der sechziger Jahre tobte die Kontroverse über die Strategie der
flexiblen Antwort.

Sogenannte "Weise" sahen wieder den Tod der NATO voraus.

Aber das Bündnis bewies seine Spannkraft.
- Im Jahre 1973 fanden sich die Vereinigten Staaten uneins mit den meisten
ihrer NATO-Verbündeten bezüglich des Oktober-Krieges im Nahen Osten und des
arabischen ölembargos.

Wieder sahen einige den Anfang vom Ende. Aber sie waren

kurzsichtig.
Die ganze Geschichte der NATO könnte praktisch als eine Reihe von Krisen
dargestellt werden.

Oder anders und richtig gesehen, sie könnte als eine Reihe

von Herausforderungen dargestellt werden, die immer wieder durch den gemeinsamen
Willen zur Aufrechterhaltung des Bündnisses und der Demokratien, die es so
erfolgreich erhalten hat, gemeistert wurden.
des Bündnisses sind seine Hauptmerkmale.

Denn Kontinuität und Spannkraft

Die Kassandrarufe der letzten drei

Jahrzehnte erinnern mich an den großen amerikanischen Humoristen Mark Twain,

- 5 -

�Mark Twain, der oft zu Beginn seiner Lesungen zu bemerken pflegte:
über mein Ableben sind stark übertrieben".

Die Gerüchte

Es ist eine einfache Wahrheit, daß

das Atlantische Bündnis fortbesteht und gedeiht, weil es ein Ausdruck unserer
politischen und strategischen

Bindungen ist. Diese sind heute noch so gültig

wie im Jahre 1949, und sie werden zu unseren Lebzeiten gültig bleiben.

Diese

Realitäten sind einfach und liegen auf der Hand, aber der gegenwärtige Zustand
der Ängstlichkeit wegen der Zukunft des Bündnisses deutet darauf hin, daß sie
immer wieder wiederholt werden müssen.
Die sowjetische Bedrohung
Man sagt uns oft, daß das, was das Bündnis wirklich in Unruhe versetze,
die eigentliche Quelle der transatlantischen Meinungsverschiedenheiten und der
europäischen Unzufriedenheit, die grundsätzlich verschiedene Betrachtungsweise
der sowjetischen Bedrohung und der sowjetischen Politik sei. Wie sieht die
Wirklichkeit aus?
Die siebziger Jahre schienen die Beziehungen der Sowjetunion zum Westen zu
verwandeln.

Die Anerkennung des Status quo nach dem Kriege In Mitteleuropa

durch Verhandlungen leiteten eine Periode der Annäherung zwischen Ost und West
ein, die weitgehende Unterstützung in der Wählerschaft fand.

Die Abkühlung von

Spannungen wurde weithin als zusätzliche Sicherheitsgarantie betrachtet, die
durch die Ausweitung der Bindungen zwischen Ost und West auf allen Ebenen verstärkt werden könnte.

Dieses vielversprechende Klima wurde noch zusätzlich

durch eine Neuordnung der strategischen Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion im SALT-Prozeß und die Kodifizierung der Menschenrechtsnormen zusammen mit Sicherheitszielen in der Schlußakte von Helsinki von
1975 verbessert.

Auf allen Gebieten, auf die man sich einließ - Rüstungskontrolle,

wirtschaftliche Zusammenarbeit, humanitärer Austausch -, entwickelte sich der
politische Schwung bis zu dem Punkt, an dem man begann, eine solche Kooperation
als einen natürlichen Aspekt der Ost-West-Beziehungen zu betrachten.
Aber heute

�Aber heute haben wir unseren Dämpfer; heute betrachten wir die Entspannung
nüchterner.

Die sowjetische Invasion Afghanistans, die Instrumentierung der

Unterdrückung der Gewerkschaft Solidarität und der Hoffnungen des polnischen
Volkes und eine Poli'tik der Intervention in der Dritten Welt haben Anlaß zu
einem neuerlichen Gefühl der Besorgnis über eine globale Anmaßung der Sowjets
gegeben.
Der Mangel an Zurückhaltung und die mangelnde Bereitschaft, sich innerem
Wandel anzupassen, haben zu Zweifeln an der Dauerhaftigkeit und Berechenbarkeit
der sowjetischen Außenpolitik im allgemeinen geführt. Vor allem hat es die anhaltende Expansion der militärischen Macht der Sowjets, die gegen Westeuropa
aufgereiht ist - einschließlich, aber nicht ausschließlich, der Dislozierung
der SS-20 - in einen neuen und beunruhigenden Zusammenhang gestellt.
In dem gleichen Jahrzehnt,in dem die Hoffnungen auf sowjetische Zurückhaltung und Kontinuität in den Ost-West-Beziehungen so groß waren, nahm Moskau
die Modernisierung und Verstärkung seiner Streitkräfte vor.

Die strategischen

Nuklearstreitkräfte der Sowjets wurden dramatisch verbessert.

Die Europa gegen-

überstehenden sowjetischen Armeen profitierten von einem gewaltigen Zustrom
neuer Waffen.

Ende der siebziger Jahre erkannten selbst die unparteiischsten

Beobachter einen Widerspruch zwischen der Diplomatie des Kremls, die den Nachdruck
auf den Abbau von Spannungen und der Möglichkeit eines bewaffneten Konflikts in
Europa legte, und der anhaltenden Beschaffung eindrucksvoller militärischer
Offensivkapazitätei..
Die zahlenmäßige Steigerung der sowjetischen Waffen visa-vis der NATO wurde
durch qualitative und operative Verbesserungen ergänzt. All das deutet darauf
hin, daß die Sowjets die Möalichkeit offensiver Operationen gegen die NATO weit
ernster nehmen, als ihre Diplomatie zugeben möchte.

Es deutet darauf hin, daß

ihre konventionellen Streitkräfte - im Gegensatz zur defensiven Natur der NATOPlanung - auf die Offensive als klares Ziel ausgerichtet sind, und daß ihre
gegen Europa dislozierten Nuklearstreitkräfte dazu dienen sollen, diese konventionelle Offensivkapazität zu ergänzen.
Gleichzeitig erkennen
- 7-

�Gleichzeitig erkennen wir, daß das Vertrauen der Sowjets in ihre militärische
Position nicht eisern feststehen kann.

Sie müssen mit den Ungewißheiten der

politischen und militärischen Zuverlässigkeit ihrer Verbündeten und der Sicherung
des rückwärtigen Gebietes in Osteuropa rechnen - das von wesentlicher Bedeutung
für den Sieg bei einem raschen Vorstoß ist, der vermeidet, daß man in einen
Abnutzungskrieg verwickelt wird, sev/ie mit der Unvorh^rsehbarkeit und den schwere«
Risiken einer nuklearen Eskalation,
Aber die Sowjets geben sich nicht damit zufrieden, mit diesen Ungewißheiten
zu leben.

Ihr Streben, ihre konventionellsn Streitkräfte zu verstärken, ihre

Qualität zu verbessern, eine Doktrin zu entwickeln, die von einem raschen Ansichreißen der Offensive ausgeht, die Qualität und Quantität ihrer nuklearen Einsatzkräfte zu verbessern, die auf NATQ-Europa zielen-i'Tl das läßt erkennen, daß
die sowjetische Führung sir1-. zutiefst unwohl fühlt mit Ungewißheiten, die für eine
mehr defensiv eingestellte Macht durchaus akzeptabel wären.
Weif-.- politische Eedeutung hat die militärische Postion der Sowjets?

Die

Kap?ntäten, in die sie so große Mittel investiert haben, haben wichtige
politische Auswirkungen in Friedenszeiten, vor allem für die Krisenbewältigung,
Sollte es in der Zukunft zu einer Cst-|rest-Konfrontation kommen, dann würde die
sowjetische Führung versuchen, diese militärische Position entweder aktiv oder
vorsichtig in einen politischen Hebel umzusetzen, um das Ergebnis zu ihren
Gunsten zu beeinflussen.
All das soll nicht heißen, daß die sowjetische Neigung, einen Konflikt in
Europa auszulösen oder selbst zu riskieren, heute größer wäre, als sie vqr zehn
oder fünfzehn Jahren war.

Aber es bedeutet, daß die Sowjets in wichtigen psycho-

logischen und politischen Dimensionen der Krisenbewältigung glauben könnten, daß
sie durch die anhaltende Beschaffung eindrucksvoller militärischer Macht einen
nützlichen Spielraum zu ihren Gunsten erreicht haben.
Das sind die

�Das sind die blanken Tatsachen und die harte Logik des militärischen Kräfteverhältnisses in Europa.
Aber diese Tatsachen sprechen offensichtlich nicht für sich selbst.
-

zum Teil wegen der Wirksamkeit der öffentlichen Diplomatie der Sowjets.

Die Sowjets spielen die Bedeutung der militärischen Kapazitäten systematisch
und aktiv herunter.

Ihr diplomatischer Nachdruck auf Rüstungskontrolle und

friedliche Absichten soll dazu dienen, die Vorstellung zu nähren, daß die gegen
Westeuropa aufgestellten Streitkräfte freundlicher Natur seien und nur defensiven
Zwecken dienten.

Das Ziel Moskaus besteht darin, Europa daran zu gewöhnen, die

militärische Vorherrschaft der Sowjets als einen natürlichen Stand der Dinge zu
akzeptieren und in der europäischen Öffentlichkeit den Gedanken zu zerstreuen,
die sowjetischen Streitkräfte könnten irgendeine militärische Bedrohung darstellen.
Unsere Auffassung von der sowjetischen Bedrohung und der Natur der sowjetischen Politik ist auch durch das Verhalten der Sowjets außerhalb der Grenzen
Europas geprägt worden. Die Sowjets haben in Gebieten der Dritten Welt eine
Vorwärtsstrategie verfolgt, eine Politik des strategischen Zupackens, die als
Herausforderung der westlichen Interessena^esehen werden muß. Moskau hat sich
alle Mühe gegeben, seine Politik in Europa von der Politik zu unterscheiden,
die sie in der Dritten Welt verfolgt, und hat unterstrichen, daß die Beziehungen
in Europa nichts mit dem zu tun hätten, und getrennt von dem betrachtet werden
müßten, was die Sowjets als regionale "Plätze der Spannung" bezeichnen.
Die INF-Problematik
Der Doppelbeschluß des Jahres 1979 wurde gefaßt vor diesem Hintergrund der
sowjetischen Aufrüstung, von der die SS-20-Rakete ein wesentlicher Bestandteil
ist, sowie in Erkenntnis der möglichen politischen Folgen für den Fall, daß
die NATO nicht in der Lage sein sollte, die notwendigen Gegenmaßnahmen zu
ergreifen.
Sollte es in

- 9 -

�Sollte es in Genf nicht zu einem befriedigenden Ergebnis kommen, stehen wir
in den kommenden Monaten vor der Aufgabe, unseren gemeinsamen Beschluß zu verwirklichen.

Mit dem Ansteigen der politischen Temperaturen tun wir gut daran,

uns selbst und der Öffentlichkeit unserer Länder noch einmal die ursprüngliche
Begründung für diesen Beschluß in Erinnerung zu rufen.
gültig.

Er ist heute wie damals

Angesichts der Tatsache, daß Mitte der siebziger Jahre sich zwischen

den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion eine strategische Parität entwickelt
hatte, brachten Beobachter auf beiden Seiten des Atlantik ihre Besorgnis zum
Ausdruck, daß die Dislozierung neuer sowjetischer nuklearer Mittelstreckenraketen
die Sowjets zu dem Glauben ermutigen könnte - wie fälschlich auch immer -, daß
sie diese Waffen einsetzen, oder mit ihrem Einsatz drohen, könnten, um westeuropäisches Territorium zu treffen, ohne das Risiko der strategischen Vergeltung
durch die Vereinigten Staaten gegen sowjetisches Gebiet fürchten zu müssen.
Eine solche falsche Vorstellung würde die Abschreckung schwächen und könnte im
Lauf der Zeit das politische Vertrauen untergraben, das von der glaubwürdigen
Abschreckungshaltung unseres Bündnisses abhängt.

Führer in Europa wie in Amerika

waren sich dieses Problems bewußt; ja, mit am überzeugendsten war hier der frühere
Bundeskanzler Helmut Schmidt.
Der Entschluß, eine begrenzte Anzahl von landgestützten weiterreichenden
INF-Raketen zu dislozieren und dadruch eine begrenzte, glaubwürdige militärische
Kapazität zu schaffen, war der deutlichste Beweis dafür, daß die Vereinigten
Staaten ohne Vorbehalt der strategischen Verteidigung Westeuropas verpflichtet
sind. Mit der Dislozierung amerikanischer Kernwaffen in Europa, die in der Lage
sind, Vergeltungsschläge dirkt gegen sowjetisches Territorium zu führen,könnte
keine sowjetische Führung einen Angriff auf Westeuropa in Erwägung ziehen, ohne
gleichzeitig die Vereinigten Staaten anzugreifen. Auf diese Weise setzt der
Doppelbeschluß von 1979 die territoriale Sicherheit der Vereinigten Staaten mit
derjenigen
,NATO-Europas gleich und sichert so die Abschreckung.
Um mit den nichtprovozierten sowjetischen Dislozierungen fertig zu werden,
wurde noch eine zweite Möglichkeit vorgesehen: Das Bündnis verpflichtete sich

- 10 -

�verpflichtete sich zu dem Versuch, auf dem Weg der Rüstungsbegrenzungen eine
Lösung für die neue Bedrohung auszuhandeln.

Die neue amerikanische Administration

wandte ihre Aufmerksamkeit sogleich dem Rüstungskontrollaspekt des Problems zu.
Unsere Beratungen darüber, welche Postion wir bei diesen Verhandlungen einnehmen
sollten, wurden von einer Reihe allgemeinerer Rüstungskontroilgrundsätze geleitet.
Erstens, die Rüstungskontrolle muß hauptsächlich ein Instrument der nationalen
Sicherheit - und nicht ein Ersatz dafür - sein. Vorschläge und Abkommen können
kein "Selbstzweck" sein, sondern müßten an dem Beitrag gemessen werden, den sie
für unsere militärische Sicherheit leisten.

Die militärische Bedeutsamkeit

jeglicher Rüstungskontrollabmachungen muß im Sinne der Wirkung bewertet werden,
die sie auf die Sleeitkräftelage und die militärischen Kapazitäten beider Seiten
haben.
Zweitens, Abkommen müssen gleichwertig und ausgewogen sein.

Dabei geht es

am offenkundigsten um Gleichheit bei den numerischen Begrenzungen und Rechten.
Aber Gleichgewicht bedeutet mehr als Zahlen - worum es geht, ist die Fähigkeit
der jeweiligen Seite, durch militärische Operationen oder die Drohung mit
militärischen Operationen entscheidende Gewinne zu erzielen.

Die Rüstungskontrolle

kan - und sollte - den Anreiz verringern, militärische Macht einzusetzen oder ihren
Einsatz anzudrohen - insbesondere in Krisensituationen.
Drittens, Abkommen müssen umfangreiche Verringerungen bewirken, die die
militärischen Bedrohungen begrenzen. Rüstungskontrollvereinbarungen, die im
wesentlichen die bestehenden Arsenale kodifizieren oder ihr Anwachsen zulassen,
untergraben lediglich dieses Ziel - wie dies bei SALT II mit der öffentlichen
Unterstützung für den Vertrag selbst der Fall war.
Viertens, Abkommen müssen verifizierbar sein und die Verifizierbarkeit muß
über die nationalen technischen Mittel hinausreichen.
Schließlich kann man selbst von einer soliden Rüstungskontrolle nicht erwarten,
daß sie militärische Probleme löst, auch wenn sie auf diese entschärfend wirkt.
- 11 -

�entschärfend wirkt. Rüstungskontrolle ist ein Ersatz für eine Streitkräftemodernisierung. Mit veränderten Bedrohungen, mit veraltenden Systemen bedeutet
die Aufrechterhaltung der Gleichheit, der Ausgewogenheit und daher auch der
Abschreckung, daß eine Modernisierung notwendig ist. Vor diesem Problem stehen
wir ganz unmittelbar bei unseren strategischen Streitkräften.
In der internationalen Politik sind Prinzipien von entscheidender Bedeutung
für die Führung von Verhandlungen, und wir haben in dieser Hinsicht einen festen
Stand.

Abkommen sind, das wissen wir alle, Ergebnis des beiderseitigen Handelns,

der beiderseitigen Beweglichkeit und des praktischen Kompromisses. Auch hier
haben die Vereinigten Staaten und das Bündnis einen festen Stand.

Wir stehen

den Verhandlungen realistisch und beweglich gegenüber. Ja, wir haben einen
Vorschlag unterbreitet, der maximale Flexibilität verrät und der der sowjetischen
Seite letztlich sagt: Es liegt an euch, jetzt die gleiche Zahl amerikanischer
und sowjetischer INF-Systeme größerer Reichweite zu wählen.
die eigenen Sicherheitsansprüche entscheiden.

Laßt euer Gefühl für

Erkennt lediglich an, daß auch

die NATO legitime Sicherheitsansprüche hat.
Die sowjetische Reaktion hierauf,ja die sowjetische Einstellung zu den
Verhandlungen von Anbeginn an, deutete nicht darauf hin, daß man sich uns auf
der Suche nach einem vernünftigen Gleichgewicht dieser Waffen anschließen wollte.
Vielmehr ging es der Sowjetunion darum, die Tatsache ihres bestehenden Monopols
bei den LRINF-Systemen dadurch auszunützen, daß sie ihre Bedingungen für ein
Abkommen stetig wiederholte.

Ihr Ziel bleibt, die NATO-Dislozierungen durch

politische Mittel zu verhindern, die Verhandlungen als Mittel zu diesem Zweck
zu benützen und die öffentliche Meinung zu manipulieren und dadurch die Position
der europäischen Regierungen zu beeinflussen.

Was es von der Sowjetunion bislang

hinsichtlich INF gab, war eine Reihe dramatischer öffentlicher Ankündigungen,
jede dazu da, den Eindruck von Flexibilität zu erwecken, ohne bei den wesentlichen
Punkten auch nur eine Spur ihrer Position zurückzustecken. In einem sehr konkreten
Sinn ist der Kreml davon überzeugt, daß er über die Köpfe der NATO-Regierungen
hinweg verhandeln kann. Die Sowjets waren stets darum bemüht, die Themen der

- 12 -

�Themen der öffentlichen Debatte zu bestimmen, indem sie behaupteten, es existiere
nunmehr ein nukleares Gleichgewicht; die britischen und französischen Systeme
müßten legitimerweise mit einbezogen werden; das Pershing-il-System stelle eine
"Stativ neue Erstschlagdrohung dar -, und die SS-20-Raketen, östlich des
Urals disloziert, stellten keine Bedrohung der NATO dar.

Dies sind Hauptargumente

der sowjetisehen Postion - sowohl öffentlich als auch am Verhandlungstisch.

Sie

sind darauf angelegt, die Vereinigten Staaten in Gegensatz zu Europa zu bringen;
die europäischen Nichtnuklearstaaten zu den Nuklearstaaten und die NATO-Mitglieder
zu den asiatischen Freunden und Verbündeten.

Weder das eine noch das andere ist

legitim oder gerecht, d • "Yünde dafür sind eine Wiederholung wert:
Es gibt kein grundlegenderes Element der amerikanischen Verhandlungsposition weder bei INF noch bei START - als unser Bestehen auf Gleichheit zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.

Dies akzeptierten die Sowjets als Grund-

eines Abkommens in der Vergangenheit. Unserer Risition gegenüber, wonach
"gleiche Rechte und Begrenzungen" für beide Seiten ein jegliches Abkommen
beherrschen müssen, behaupten die Sowjets, daß "Gleichheit und gleiche Sicherheit"
sich darin zeige, wie das Gleichgewicht berechnet wirf

Daher

men sich die

Sowjets das Recht, INF-Systeme von einem Umfang zu unterhalten wie alle anderen
potentiellen Nukleargegner zusammengenommen - wodurch sie umfangreicher si
als diejenigen aller anderen, einschließlich jener der Vereinigten Staaten.
Dieser Gedanke der Kompensation für nichtamerikanische Nuklearstreitkräfte ist
eine Vorstellung, die noch von keiner amerikanischen Regierung akzeptiert wurde.
Denn das würde bedeuten, daß die Vereinigten Staaten zum Beispiel für den Fall,
cie Franzosen wollten aufgrund souveräner Entscheidung ihre nationalen Streitkräfte ausbauen, ihre eigenen Streikräfte verringern müßten, um das Gesamtgleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Die Sowjets behaupten, es existiere in Europa ein Gleichgewicht bei den
Nuklearsystemen mittlerer Reichweite

Für ihre Berechnungen verwenden sie eine

Grenze der Reichweite von 1000 Kilometern.
Der Anspruch

- 13

�Der Anspruch wird auf verschiedene Weise vorgetäuscht: Indem amerikanische
Flugzeuge, wie etwa die F-4, die weit unter die 1000 km-Reichweite fällt, mitgezählt werden während die sowjetischen Flugzeuge gleicher oder größerer Kapazität,
wie der Fencer, nicht mitgezählt werden; indem amerikanische A-6- und A-7-Flugzeuge auf Flugzeugträgern mitgezählt werden, aber sowjetische Seeflugzeuge nicht;
und indem die britischen und französischen Systeme als Teil des amerikanischen
Gesamtbestandes eingerechnet werden. Je.' objektive Zählung zeigt ein wesentliches
Ungleichgewicht zugunsten der Sowjets.
Dies gilt sogar, wenn man das sowjetische Kriterium der 1000 km-Reichweite
akzeptiert, das an sich ein Argument ist, das nur Propagandazwecken dienen soll.
Der Vorsprung der Sowjets an Raketen dieser Reichweite liegt auf der Hand.

Sie

besitzen 351 mobile SS-20 mit jeweils drei Gefechtsköpfen und zuzüglich
250 SS-4- und SS-5-Raketen, was einen Gesamtbestand von etwa 600 Raketen oder
1300 Gefechtsköpfen bedeutet.
keine Raketen dieser Kategorie.

Die Vereinigten Staaten und die NATO besitzen
Was die Flugzeuge anbelangt, so ist das einzige

relevante System auf amerikanischer Seite - wenn man von dem sowjetischen
Kriterium des Bereichs ausgeht - die F-lll, von der 165 in Großbritannien stationiert sind.

Dagegen müssen die 550 Bomber vom Typ Badger, 200 Flugzeuge vom

Typ Blinder und 300 Fencer - insgesamt 1050 sowjetische Flugzeuge in Europa aufgerechnet werden, was eine Überlegenheit an Flugzeugen von fast 6,5 zu 1 bedeutet.

Wenn wir den Backfire-Bomber einschließen, der über seine Interkonti-

nentalkapazität hinaus auch eine Gefechtsfeldrolle hat, dann wäre die Disparität
sogar noch größer.
Mag es bei den Zahlen Widerspruch geben, die Schlußfolgerung ist eindeutig:
Die Sowjetunion hat einen überwältigenden Vorteil. Weder die vorhandenen
französischen und britischen Gefechtsköpfe, noch die zukünftigen 572 amerikanischen Gefechtsköpfe können diesen Vorteil ernsthaft verändern.
Meine Damen

- 14 -

�Meine Damen und Herren, wir müssen einen klaren Kopf behalten und das
bestehende Ungleichgewicht als das sehen, das es ist.

Die sowjetische Behauptung,

wonach ein Gleichgewicht besteht, ist falsch, unredlich und gründet sich auf
Fantasiezahlen.
Abkommen.

Sie verschleiert die wirklichen Probleme und den Weg zu einem

Wir sind während der Verhandlungen nicht darauf eingegangen, und wir

dürfen auch nicht zulassen, daß die Öffentlichkeit bei uns dazu verleitet wird,
sie deshalb zu akzeptieren, weil es uns nicht gelungen ist, sie als unwahr aufzuzeigen.
Ein weiteres Argument der Sowjets lautet, die britischen und französischen
Streitkräfte müßten für das Gleichgewicht mitberechnet werden.

Her Gromyko hat

trocken gefragt, welchen Unterschied es für die Sowjetunion mache, ob ein angreifender Gefechtskopv die französische Trikolore, den britischen Union Jack
oder die amerikanischen Stars and Stripes trage.
täuschende Art, das Problem darzustellen.

Das ist eine schlaue, aber

Und auch hier müssen wir uns wieder

fragen, ob wir alles in unserer Macht Stehende tun, um unsere Öffentlichkeit
davon zu überzeugen, daß die britischen und französischen Systeme keinen Platz
in einem Abkommen haben, das ein echtes Gleichgewicht kodifizieren soll.
Angesichts des bestehenden numerischen Übergewichts der Sowjetunion sind die
162 britischen und französischen Gefechtsköpfe nahezu irrelevant bei einer
fairen Berechnung des Gleichgewichts.

So würden beispielsweise die Sowjets selbst

bei einer amerikanischen Dislozierung ein übergewicht behalten.

Daher sollten

sie nach allen objektiven Maßstäben des Gleichgewichts und der Gleichheit kein
Hindernis für das Erreichen eines Abkommens sein.

Die Sowjetunion bemühte sich

ausdauernd darum, während der ersten Phase der SALT I- wie SALT II-Verhandlungen
die britischen und französischen Systeme miteinzubeziehen, erkannte schließlich
aber das Prinzip amerikanisch-sowjetischer Gleichheit an und ließ das Thema der
Bündnissysteme fallen.

Das ist auch jetzt der angemessene Kurs.

Denn es handelt

sich hier um souveräne, nationale Streitkräfte, über die die Vereinigten Staaten
nicht verhandeln können und für die wir keine Kompensation geben werden.
haben strategische Aufgaben.

Sie

Sie sind nicht mit den LRINF-Raketen vergleichbar,

die Thema der Verhandlungen sind.
Schließlich - und
- 15 -

�Schließlich - und das ist vielleicht am wichtigsten: Sie haben nichts mit
dem

Schutz der Bundesrepublik oder anderer Nichtnuklearstaaten der NATO zu tun.

Es wäre äußerst gefährlich, dem Prinzip zuzustimmen, wonach das Gleichgewicht
in sowjetischen Systemen einerseits und britischen und französischen Systemen
andererseits errechnet werden sollte, denn ein solches Prinzip ignoriert die
Rolle der amerikanischen Systeme beim Schutz Europas und bei der Abschreckung
der Sowjetunion.

Hierum aber geht es doch in Wirklichkeit, und das ist ein

Punkt, den man nicht oft genug wiederholen kann.

Die oberflächliche Logik der

sowjetischen Argumentation zi akzeptieren, ist gefährlich; die britischen und
französischen Systeme mitzuzählen ist gleichbedeutend mit einer Abkopplung der
amerikanischen strategischen Streitkräfte von der Verteidigung Europas.
Ein weiteres sowjetisches Argument lautet, daß die 108 Pershing-II-Raketen
eine neue und ganz besondere Bedrohung darstellen würden; daß sie aufgrund ihrer
kurzen Vorwarnzeit zum Einsatz als Erstschlagwaffen vorgesehen seien.

Tatsache

ist, daß die 11 bis 14 Minuten Flugzeit der Pershing II vergleichbar sind mit
der Flugzeit von fast 1000 Gefechtsköpfen ballistischer Raketen der Sowjetunion,
die derzeit in Stellung sind, um auf NATO-Europa abgefeuert zu werden.

Und sie

sind auch vergleichbar mit der Flugzeit unterseebootgestützter Raketen der
Sowjetunion, die seit Jahren vor den amerikanischen Küsten in Position liegen.
Die Pershing-II wurde speziell für eine Reichweite von 1800 Kilometern
entworfen und macht sie damit unfähig, Moskau zu erreichen. Sie wurde in die
ursprüngliche Streitkräftemischung einbezogen, weil der Eindruck entstanden war,
man müsse eine vergleichbare ballistische Kapazität gegen eine drohende sowjetische Streitmacht dislozieren, die von ihrem Charakter her durchweg ballistisch
ist. Angesichts des dichten Luftabwehrnetzes der Sowjetunion, das den landgestützten Marschflugkörpern gegenüberstehen würde, brauchte die NATO zudem ein
ballistisches System, dessen Durchdringungsfähigkeit gesichert war.
Wie beurteilt

- 16 -

�Wie beurteilt der sowjetische iiuklearplaner wirklich die Pershing II?
Glaubt er wirklich daran, daß sie eine entwaffnende Erstschlagdrohung darstellt?
Das kann er gar nicht.

Denn 108 Gefechtsköpfe bringen nur einen kleinen Teil

der gesamten landgestützten ICBM-Streitmacht der Sowjetunion in Reichweite - und
einen noch weit kleineren Teil der gesamten strategischen Raketenstreitmacht der
Sowjetunion.

Zudem ist nur ein kleiner Teil der Befehls- und Kontroll anlagen

der strategischen Raketenstreitmacht der Sowjetunion ein Ziel, das durch die
zentralen strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten abgedeckt werden
könnte.

Daher ist die Behauptung, die Pershing II könne in einem nuklearen

"Enthauptungs"-Schlag genützt werden und damit die sowjetische Fähigkeit zur
Koordinierung und Durchführung eines eigenen Nuklearschlages beseitigen, falsch.
Diese Kapazität würde Tausende weiterer treffsicherer Gefechtsköpfe auf
ballistischen Raketen erfordern, ja, weit mehr als es bei der gesamten strategischen Streitmacht der Vereinigten Staaten gibt. Wie die Sowjets zu argumentieren, die Pershing II verleihe uns die Fähigkeit, einen Erstschlag von Europa
aus zu führen, ist einfach trügerisch.

Ihr einziger Zweck ist, zu demonstrieren,

daß die Sowjetunion, sollte sie eine Aggression gegen Europa in Erwägung ziehen,
nicht hoffen könnte, eine solche isoliert zu halten. Mit anderen Worten: Sie
zwingt die Sowjets zu der Überlegung, daß der Preis eines Angriffes ."uf Europa
ein Angriff auf die Vereinigten Staaten selbst wäre.
Es ist viel über die informellen Sondierungen geredet worden, die im vorigen
Sommer in Genf stattgefunden haben, und die letztlich von der sowjetischen Seite
abgelehnt wurden. Es wäre nicht angebracht, sich im Detail dazu zu äußern, aber
die groben Umrisse dieser Gespräche sind in der Presse dargestellt worden. Sie
waren deshalb bemerkenswert, weil sie eine Einstellung zur Begrenzung von
LRINF-Systemen erkennen ließen, die im Gegensatz zu dem steht, was die Sowjets
öffentlich verkündet haben.
Zunächst einmal werden Sie sich daran erinnern, daß die britischen und französischer Systeme nicht erwähnt wurden und man nicht darauf beharrte, sie einzuschließen. Zweitens akzeptierte die sowjetische Seite bei der Festlegung gleicher
Begrenzungen für LRINF-Systeir.e das Prinzip der amerikanisch-sowjetischen Gleichheit,
das die Grundlage aller früheren Rüstungskontroi labkommen war. Und schließlich
- 17 -

�Und schließlich akzeptierten die Sowjets bei der Festlegung dieser Begrenzungen
die Tatsache neuer amerikanischer Dislozierungen. Der Realismus dieses Standpunktes war ermutigend, und er spricht Bände bezüglich der Nebelwand falscher
und zweckdienlicher Behauptungen, die die öffentliche Haltung der Sowjets
charakterisiert.
Schlußfolgerung
Meine Damen und Herren, in den kommenden Monaten wird die Administration
in engster Konsultation mit ihren NATO-Partnern alles in ihrer Macht Stehende
tun, um in Genf zu einem fairen Abkommen zu gelangen, das den Kriterien gerecht
wird, die wir vereinbart haben.

Wenn kein Abkommen erreicht wird, wird gegen

Ende dieses Jahres mit der Dislozierung begonnen.
fest zu diesem Punkt.

Die NATO-Regierungen stehen

Wir können keine einseitigen Abkommen akzeptieren, die

nur im Interesse politischer Zweckdienlichkeit liegen.

Nur Standhaftigkeit,

politische Einigkeit des Bündnisses und die sichere Aussicht auf Dislozierung
geben der Sowjetunion den Anreiz

mit uns zu einer Einigung zu kommen.

Sollte

die Dislozierung beginnen, so werden die Anstrengungen zur Begrenzung der Anzahl
mittels Verhandlungen ernsthaft fortgesetzt.
realistisc, e Position.

Wir haben in Genf eine solide und

Wir sind zu keinem Zeitpunkt in diese Verhandlungen auf

der Grundlage des "Alles-oder-Nichts" gegangen - das sollte nunmehr wirklich
jedem deutlich geworden sein.

Die Sowjets haben sich bislang als kategorisch,

sich ständig wiederholend und unnachgiebig erwiesen.
Wir zweifeln nicht daran, daß der Zusammenhalt und die Entschlossenheit des
Bündnisses sich - wie in der Vergangenheit - auch in der vor uns liegenden Zeit
zeigen werden.

Man darf und wird der Sowjetunion nicht erlauben, dem NATO-Bünd-

nis seine Sicherheitspolitik zu diktieren.

Wir werden auch weiterhin einer

klugen Verteidigungspolitik folgen, die die Abschreckung zu ihrem Alleinziel
hat.

Wir werden sicherstellen, daß unsere Streitkräfte für unsere Verteidigung

angemessen sind, und wir werden diese Streitkräfte gemäß dieser gemeinsamen
Verteidigungszielsetzung modernisieren - nichts weiter.

Der Doppelbeschluß von

1979 spiegelt diese Zielsetzung wieder - nichts weiter.

Die Strategie der

- 18 -

�Die Strategie der Vereinigten Staaten und des Bündnisses für die Verteidigung
von Europa hat sich nicht geändert; was sich geändert hat, ist die sowjetische
Bedrohung, die uns zu umwälzenden Änderungen unserer eigenen Streitkräfte zwingt.
Ich habe meine Bemerkungen mit einem Überblick über das deutsch-amerikanische
Verhältnis begonnen und dabei auf die Ähnlichkeiten hingewiesen, die bei einigen
der Verhaltensveränderungen in beiden Ländern zu beobachten sind, wie auch die
gemeinsamen Interessen, die der Partnerschaft ihre Kraft geben.

In beiden

Ländern findet eine heftige Debatte über die Kernwaffen statt, wie es dies bislang noch nicht gegeben hat.

Dies erschwert das Leben jener von uns, die mit

der Verwirklichung der Politik beauftragt sind, die Ziel der Kritik sind.

Gleich-

zeitig hat diese Debatte in Amerika eine große Zahl von Menschen informiert.
Ich finde es bemerkenswert, daß wir hier in Gespräche über einst so geheimnisvolle
Themen wieNuklearstrategie, Wurfgewicht und Treffgenauigkeit von Gefechtsköpfen
mit einfachen Menschen in Orten wie Akron in Ohio oder Little Rock in Arkansas
eintreten.
Ich weiß, daß in der Bundesrepublik die Debatte gleichermaßen lebendig und
leidenschaftlich ist.

In Amerika hat die Administration die Diskussion begrüßt,

weil sie davon überzeugt ist, daß ihre Rüstungskontroll- und Verteidigungspolitik solide ist, und daß sie letztlich die Unterstützung der überwältigenden
Mehrheit finden wird.

Sie ist gleichermaßen von der Notwendigkeit überzeugt,

zuzuhören, denn Überzeugung ergibt sich aus dem Dialog, nicht aus Verkündigungen.
Ich weiß, daß wir in diesem Geiste bezüglich der strategischen Rüstungskontrolle
und der Modernisierung weiter vorangekommen sind.

Auf der Grundlage des Scowcroft-

Berichtes ist es uns gelungen, einen neuen, überparteiischen nationalen Konsens
herbeizuführen.

Nach unserer Vorstellung besteht keine Frage, daß dies der Weg

zum Erfolg bei den START-Verhandlungen ist.

Der Weg zum Erfolg bei den INF-Ver-

handlungen ist Einigkeit; es ist der Zusammenhalt in beiden Teilen des Doppelbeschlusses von 1979, wie er ursprünglich vereinbart wurde. Dem Gedanken, wie
er heute vormittag von Horst Ehmke zum Ausdruck gebracht wurde, daß die Kosten
der Durchführung größer sein werden als die Kosten, den Beschluß nicht

- 19 -

�Beschluß nicht durchzuführen, können und dürfen wir nicht zustimmen. Wenn wir
den Beschluß wegen der politischen Probleme, vor denen wir stehen, nicht durchführen, dann würden wir praktisch die Sowjetunion in die Lage versetzen, unsere
Sicherheitspolitik jetzt und in der Zukunft zu beeinflussen. Wenn&gt;.. das
zulassen, wenn wir den Sowjets erlauben, unsere demokratischen politischen
Meinungsverschiedenheiten auszubeuten, dann würden wir unsere gemeinsame
Zukunft gefährden.

+ + + r +

20

�26

29. Juni 1983

PRÄSIDENT REAGAN: ES DARF NIEMALS ZU EINEM ATOMKRIEG KOMMEN

CHICAGO - (AD) - Präsident Reagan hat am 23. Juni 1983 erneut unterstrichen, daß "ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals einer
ausgetragen werden darf."
Vor den Delegierten der Amerikanischen Medizinischen Gesellschaft verlas der Präsident eine Botschaft, die er einer Gruppe von Medizinern in den
Niederlanden zugesandt hatte und in der er erneut bekräftigte, er würde in
einem nuklearen Schlagabtausch keine Gewinner geben.
"Dies war meine Botschaft an die internationale Ärztegruppe", erklärte
der Präsident vor den amerikanischen Medizinern, "daß nämlich ein Atomkrieg
nicht gewonnen werden kann und niemals einer ausgetragen werden darf." Er
habe der niederländischen Gruppe gegenüber betont, daß "wir eine noch nie
dagewesene Möglichkeit haben, die Nukleararsenale zu verringern" und verwies
dabei auf die beiden getrennten Verhandlungen über die nuklearen Mittelstreckenraketen (INF) und die Verringerung der strategischen Waffen (START) in Genf.
"Keine Aufgabe", so unterstrich der Präsident in bezug auf diese Gespräche,
"hat für uns, unsere Verbündeten und für die ganze Welt eine größere Bedeutung."
Der internationalen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der internationalen Ärztegruppe gegenüber hatte der Präsident betont,
die Verhandlungen "verdienen die volle Unterstützung all derjenigen, die
einen echten Fortschritt in Richtung auf den Frieden anstreben." Der Präsident erwähnte der Gruppe gegenüber auch, er habe dem ChefUnterhändler bei
den START-Gesprächen,Edward Rowny, neue Flexibilität ermöglicht, um mit der
Sowjetunion zu verhandeln und "Bedenken in Rechnung zu stellen, die die
Sowjets uns gegenüber zum Ausdruck gebracht haben."

+ t + + +

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Reagans zur deutsch-amerikanischen Dreihundertjahrfeier&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede von US-Vizepräsident Bush zur deutsch-amerikanischen Dreihundertjahrfeier in Krefeld&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die europäische Sicherheit und die deutsch-amerikanische Partnerschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Robert W. Dean -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan: Es darf niemals zu einem Atomkrieg kommen</text>
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                    <text>ä

III M \ kr
• il I i i Li ri

Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. J u l i 1983

27
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan würdigt Bedeutung des Atomsperrvertrages
- Erklärung zum 15. Jahrestag der Unterzeichnung Botschaft Präsident Reagans zum amerikanischen Unabhä'ngigkeitstag
- Amerikanische Unabhängigkeit eine philosophische Revolution -

HINTERGRUNDMATERIAL
Westliche Sicherheit und Rüstungskontrolle
- Von Colin S. Gray Ein Indianerdorf flieht nach Costa Rica
- Vor. unserer Korrespondentin Paula Tarnapol

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erster wiederverwendbarer Satellit im Weltraumtest
- Raumtransporter CHALLENGER mit SPAS-01 wieder zurück
Spitzentechnologie
"Neue Ideen" erhalten die Wettbewerbsfähigkeit
- USIA-Interview mit Edward Harper Kranke Bäume schlagen Alarm
- Pheromone als Warnsubstanz -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
- BH

I

r .

United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. Juli 1983

27

REAGAN WÜRDIGT BEDEUTUNG DES ATOMSPERRVERTRAGES
• Erklärung zum 15. Jahrestag der Unterzeichnung

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 1. Juli 1983 anläßlich des
15. Jahrestages der Unterzeichnung des Vertrages über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen (Nonproliferation) auf die Bedeutung

dieses Vertrages

hingewiesen.und alle Staaten aufgerufen, sich erneut der Erfüllung der Zielsetzungen dieses Abkommens zu verpflichten.
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Heute vor 15 Jahren unterzeichneten die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion, Großbritannien sowie 58 weitere Staaten den Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen.

Dieser Vertrag hat mit jetzt 119 Unter-

zeichnern die größte Anzahl von Vertragspartnern, die irgendein Rüstungskontroi 1 abkomme/i. jemals, in der Geschichte hatte.

Sowohl die NATO-Staaten

wie die Staaten des Warschauer Paktes, Kernwaffenländer wie Nicht-Kernwaffenländer, Industrieländer wie Entwicklungsländer, Staaten aus jeder Region der
Welt - sie alle haben sich diesem Vertrag und seinen Zielsetzungen verpflichtet.
. .

Die Kernwaffenländer,

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�»

Die Kernwaffenländer, die diesen Vertrag unterzeichnet haben, sind übereingekommen, Nicht-Kernwaffenländer

beim Erwerb von nuklearen Sprengstoffen

nicht zu unterstützen, und die Nicht-Kernwaffenländer haben sich verpflichtet,
derartige Sprengstoffe nicht zu erwerben.

Diese beiderseitige Verpflichtung

trägt der Tatsache Rechnung, daß die Weiterverbreitung von Kernwaffen alle
Nationen bedroht.
Dieser Vertrag ruft seine Unterzeichner ferner auf, die Entwicklung
der friedlichen Anwendung der Kernenergie zu fördern, insbesondere in den
Nicht-Kernwaffenländern, die dem Vertrag beigetreten sind.

Die friedliche

Nutzung der Kernenergie ist für das Wohlergehen zahlreicher anderer Länder
wichtig, und die Vereinigten Staaten nehmen ihre Verpflichtung hinsichtlich
einer Zusammenarbeit auf diesem Gebiet ernst. Wir haben lange an der vor^
dersten Front jener gestanden, die auf nuklearem Gebiet technische Unterstützung und andere Zusammenarbeit geleistet haben, und wir verpflichten uns,
diese Zusammenarbeit unter angemessenen Sicherheiten fortzusetzen.
Die Vereinigten Staaten sind sich gemäß diesem Vertrag auch ihrer Verpflichtung bewußt, in gutem Glauben Verhandlungen über wirksame Maßnahmen
fortzusetzen, die mit der nuklearen Abrüstung zusammenhängen. Dies ist eine
Frage von größter Sorge und größtem Interesse für alle Länder. Ich fühle
mich persönlich verpflichtet, jeden notwendigen Schritt zu unternehmen, um
die Wahrscheinlichkeit wirklicher und beträchtlicher Fortschritte in Richtung
auf ein Abkommen zu vergrößern, das bedeutsame Verringerungen der amerikanischen und sowjetischen Nukleararsenale auf einen gleichen und stabileren
Stand beinhaltet und das im nationalen Sicherheitsinteresse beider Seiten
liegen würde. Die Vereinigten Staaten werden auch keine Mühe scheuen, um
ein gerechtes und verifizierbares Abkommen über Mittelstreckenraketen auszuhandeln, das das Risiko eines Krieges in Europa und weltweit verringern
würde.
Die Vereinigten Staaten haben eine wichtiae Rolle bei den Verhandlungen
über den Nichtweiterverbreitungsvertrag gespielt, und fünf amerikanische Prä-

- 2 -

�amerikanische Präsidenten haben ihr Leben lang diesen Vertrag als einen
Grundstein des internationalen Bemühens nachdrücklich unterstützt, die Weiterverbreitung von nuklearen Kernsprengstof^en in zusätzliche Länder zu verhindern.

Wenn wir nun die wichtige Überprüfungskonferenz dieses Vertrages im

Jahr 1985 planen, werden die

e'~einigten Staaten auch weiterhin danach stre-

ben, die Lebensfähigkeit des Nichtweiterverbreitungsvertrages zu stärken.
Ich appelliere an alle Länder, die dies bisher noch nicht getan haben, sich
dem wachsenden Konsens gegen die weitere Verbreitung von nuklearen Sprengstoffen anzuschließen, indem sie diesem Vertrag beitreten.

Im Juli 1981 legte ich meine Politik zur Verhinderung der Proliferation
nuklearer Sprengstoffe dar und erklärte, daß diese Frage von entscheidender
Bedeutung für den Weltfrieden sowie für die regionale und globale Stabilität
sei.

Aber wenn wir bei der Verhinderung der Ausbreitung von Kernwaffen Er-

folg haben wollen, dann müssen die Länder dieser Welt zusammenarbeiten.

Wie

ich schon bei früheren Gelegenheiten erklärt habe, wäre es ein wichtiger
Schritt, wenn die nuklearen Lieferländer darin übereinstimmten, daß umfassende
Sicherheiten erforderlich sind als Bedingung für jedwede bedeutsame neue
nukleare Lieferungsverpflichtung.

Dies ist keine Politik, die eine nukleare

Unterstützung verwehrt, es ist vielmehr eine Politik, die eine Unterstützung
von vernünftigen Beweisen dafür abhängig macht, daß das gesamte Programm eines
Nicht-Kernwaffenlandes der friedlichen Nutzung der Kernenergie dient.

Die-

ser Beweis ist bereits von den 116 Nicht-Kernwaffenländern erbracht worden,
die den Nichtweiterverbreitungsvertrag unterzeichnet haben.

Ich hoffe, daß

bald über diese Maßnahme eine Einigung erzielt werden kann, um das internationale Verhalten im Hinblick auf die Nichtweiterverbreitung zu stärken.

An diesem 15. Jahrestag der Unterzeichnung des Nichtweiterverbreitungsvertrages sollten sich alle Staaten erneut der Erfüllung der Zielsetzungen
dieses wichtigen Dokumentes sowie der Sicherung seiner fortdauernden Lebensfähigkeit verpflichten.

Das ist sowohl unsere gemeinsame Verantwortung als

auch ein Beitrag zum Frieden für kommende Generationen.

+ + + + +
- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. Juli 1983

27

BOTSCHAFT PRÄSIDENT REAGANS ZUM AMERIKANISCHEN UNABHÄNGIGKEITSTAG
- Amerikanische Unabhängigkeit eine philosophische Revolution -

WASHINGTON - (AD) - Zum Tag der amerikanischen Unabhängigkeit am 4. Juli
erklärte Präsident Reagan, die amerikanische Revolution habe "das Konzept des
Regierens als solches verändert".

Daher solle der 4. Juli stets daran er-

innern, "daß in diesem Land die Entscheidung darüber fiel, daß alle Männer
und Frauen mit bestimmten, von Gott verliehenen Rechten geboren sind" und
"daß die Regierung lediglich eine vom Volk geschaffene und betriebene Einrichtung ist".
Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Für jemanden, der in einer Kleinstadt geboren wurde und dort aufgewachsen ist, umgibt den 4. Juli eine ganz besondere Art der Nostalgie.
Ich erinnere mich daran, daß es ein Tag war, auf den man sich freute
wie auf Weihnachten.

Das kam unter anderem von all den Feuerwerkskörpern

und den bunten Plakaten in den Schaufenstern, mit denen in lebhaften Bildern
dafür Reklame gemacht wurde.
Aber es

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�Aber es geht mir - wie allen Amerikanern - beim 4. Juli um mehr als
Nostalgie.

Irgendwann bei unserem Heranwachsen wurden wir uns der Bedeutung

dieses besonderen Tages bewußt.

Denn wenn Amerika im Leben eines jeden un-

serer Mitbürger etwas anderes bedeutet, so glaube ich doch, daß wir als Volk
die Tatsache anerkennen, daß es heute vor allem um eines geht:

um die Frei-

heit, die wir haben, um unser Leben zu gestalten.
Es gibt da eine kleine Geschichte über den Tag der Geburt unserer Nation
in jener kleinen Halle in Philadelphia - einen Tag, an dem bereits über Stunden hinweg heiß debattiert worden war.
werte Leute, unterdrückt

Die dort Versammelten waren ehren-

von einem König, der eben jene Gesetze verhöhnte,

die sie einzuhalten bereit waren.

Und dennoch war die Erklärung der Unabhän-

gigkeit solch ein unwiderruflicher Schritt, daß Worte wie "Verrat" und "An
den Galgen" von den Wänden widerhallten und das Thema Besorgnis und Bedenken
bestehen ließ.
Die Geschichte berichtet uns, daß an diesem Punkt ein Mann aufstand und
zu sprechen begann. Er wird als jemand beschrieben, der kein junger Mann mehr
war und der all. seine Energie für einen leidenschaftlichen Einspruch zusammennehmen mußte. Er verwies auf die Leiden, die sie hier zusammengebracht hatte,
und sagte schließlich mit gesenkter Stimme: "Sie mögen jeden Baum in einen
Galgen verwandeln und jedes Loch in ein Grab - und doch werden die Worte dieses Pergaments nie sterben. Dem Handwerker in seiner Werkstatt werden sie
Hoffnung geben; dem Sklaven im Bergwerk Freiheit. Unterschreibt dieses Papier. Unterschreibt, auch wenn im nächsten Augenblick die Schlinge um euren
Hals liegt, denn dieses Pergament wird für alle Zeiten das Lehrbuch der Freiheit sein, die Bibel der Menschenrechte."
Er fiel erschöpft zurück. Die Delegierten, von seiner Eloquenz überwältigt, stimmten für das Dokument, das so unsterblich werden sollte, wie es
nur ein Menschenwerk sein kann. Als sie sich ihm wieder zuwandten, um ihm
ihren Dank für seine so rechtzeitige Rede zu sagen, war er nicht mehr aufzufinden, und es gab weder jemanden, der ihn kannte, noch jemanden, der wußte,

- 2 -

�der wußte, wie er durch die verschlossenen und bewachten Türen herein- und
hinausgekommen war.
Nun, dies ist nur eine Legende - aber wir wissen mit Sicherheit, daß
56 Menschen - eine kleine Gruppe so einzigartiger Leute, wie es sie seither
nicht mehr gegeben hat - ihr Leben, ihr Hab und Gut und ihre heilige Ehre
aufs Spiel setzten.

Viele setzten auch in dem darauffolgenden Krieg ihr Le-

ben ein, die meisten verloren ihr Vermögen, aber alle bewahrten ihre heilige
Ehre.
Was für Menschen waren sie?

25 waren Rechtsanwälte und Juristen, 13

waren Kaufleute und Händler und neun waren Bauern.

Es waren Männer mit lei-

ser Stimme, die meisten von Besitz und Ausbildung; es war kein ungewaschener
Pöbel.

Sie hatten sich eine sichere Position geschaffen, aber sie schätzten

die Freiheit höher.

Ihre Geschichte ist noch lange nicht umfassend darge-

stellt worden.
John Hart wurde von der Seite seiner todkranken Frau getrieben.

Mehrere

Monate lebte er im Wald und in Höhlen. Als er aus seinem Versteck zurückkam,
war seine Frau tot, seine Kinder waren verschwunden und sein Eigentum zerstört.
Carter Broxton aus Virginia, Vater von 18 Kindern, verlor alle seine
Schiffe und fast sein ganzes anderes Eigentum.
Und von Thomas Nelson wird berichtet, daß er selbst Washington drängte,
auf sein Haus zu schießen und es zu zerstören, als es zum Hauptquartier von
General Cornwallis wurde. Nelson starb in Armut.
Aber Helden wie diese gründeten eine Nation, die wuchs, um von einem
Ozean zum anderen zu reichen - eine Nation der Farmen, der stillen Dörfer,
der Städte, die niemals schlafen; dreieinhalb Millionen Quadratmeilen von
Wald, Feld, Berg und Wüste; 230 Millionen Menschen mit einem Stammbaum, der das

- 3 -

�der das Blut aller Völker dieser Welt enthält.
In den letzten Jahren aber denke ich bei diesem Tag an mehr, als nur an
den Geburtstag einer Nation.

Mit ihm wird eine echte philosophische Revolu-

tion in der Geschichte begangen.
Ja, es gab Revolutionen vor und nach der unsrigen.

Aber zu viele dieser

Revolutionen ersetzten lediglich einen Herrscher durch einen anderen.

Unsere

Revolution hat das Konzept des Regierens als solches verändert.
Möge uns der 4. Juli immer daran erinnern, daß in diesem Land die Entscheidung darüber fiel, daß alle Männer und Frauen mit bestimmten, von Gott
verliehenen Rechten geboren sind, daß die Regierung lediglich eine vom Volk
geschaffene und betriebene Einrichtung ist und keine anderen eigenen Rechte
hat außer denen, die ihr freiwillig vom Volk verliehen wurden.
Die Stärke dieser freien Gedanken liegt darin, daß sie nicht nur für
Amerikaner gelten, sondern für jedermann, und in diesem Sinne möchte ich den
Männern und Frauen, die die Freiheit lieben, überall einen glücklichen 4. Juli
wünschen.

- 4 -

�6. Juli 1983

27

WESTLICHE SICHERHEIT UND RÜSTUNGSKONTROLLE
- Von Colin S. Gray -

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung
der Los Angeles Times
Copyright (c) 1982 Los Angeles Times

Präsident Reagan sollte trotz wachsenden Drucks im Inland und im Ausland an dem Kurs festhalten, den er für die RListungskontrollVerhandlungen
mit der Sowjetunion abgesteckt hat, wie auch an der Modernisierung der strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten.
Man darf nicht vergessen, daß die großen Modernisierungsprogramme der
Administration auf dem Gebiet der strategischen Waffen und der Infrastruktur
- wie die MX-Interkontinentalrakete, der B-1-Bomber, die Marschflugkörper
und die Modernisierung des Kommando-, Kontroll- und Kommunikationssystems keineswegs neue amerikanische Initiativen für ein Wettrüsten, sondern die
reichlich verspätete Antwort auf die sowjetische Herausforderung einer fast
20jährigen stetigen Vergrößerung und qualitativen Verbesserung der Streitkräfte der UdSSR sind.

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Im wesentlicnen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Im wesentlichen verfolgt die Sowjetunion Rüstungskontroll Verhandlungen
aus drei Gründen:
- Sie hofft damit in den Demokratien Selbstzufriedenheit zu wecken.

Da

sie wissen, daß sie in militärischer Hochtechnologie nicht mit den Vereinigten Staaten konkurrieren können, benutzen die Sowjets RüstungskontrollVerhandlungen, um wohlmeinende aber leichtgläubige Menschen zu
überzeugen, daß sich Amerika nicht so anzustrengen brauche, wie es dies
tut.
- Solche Verhandlungen bieten der sowjetischen Diplomatie eine Gelegenheit, das westliche Bündnis zu spalten. Je mehr die Verbündeten ihre
Entscheidungen über die Dislozierung von Waffen von Fortschritten in
der Rüstungskontrolle abhängig machen, je mehr Chancen bieten sie den
Sowjets, sich in die westliche Verteidigungspolitik einzumischen, ja,
sie zu manipulieren.
- Die Sowjets integrieren ihre Rüstungskontroi 1 politik und ihre strategische Planung in einer Weise, daß sie in der Lage sind, die Verhandlungen als ein Instrument ihrer strategischen Planung zu benutzen.

Sie

suchen durch Rüstungskontrolle strategische Vorteile zu erringen, die
sie durch einseitige Anstrengungen nicht erreichen könnten.
Es gibt keine sowjetische Rüstungskontrolltheorie, die auch nur annähernd
mit der zu vergleichen wäre, die im Westen existiert. Die letztere besteht
darin, daß solche Verhandlungen dem Zweck dienen sollen, die nukleare Abschreckung beider Seiten zu stabilisieren.
Für die Sowjets ist Rüstungskontrolle nur als ein Werkzeug zur Förderung
ihrer eigenen Interessen nützlich.

Die sowjetische Regierung ist sich jedoch

zutiefst darüber im klaren, daß westliche Demokratien dazu neigen, einfache
diplomatische Tätigkeit - bei der "Fortschritt" in erreichten übereinkommen
gezählt wird, gleichgültig, wie diese Abkommen im einzelnen aussehen - mit
Frieden gleichzustellen.
So muß
. 2 -

�So muß sich die Reagan-Administration ständig gegen die absurde Beschuldigung verteidigen, daß es ihr nicht ernst sei mit der Rüstungskontrolle.
Ja, noch schlimmer, die Administration steht unter dem Druck, um eines Abkommens willen Kompromisse einzugehen, selbst wenn das Ausmaß des erforderlichen Nachgebens den eigentlichen Zweck des ganzen Unternehmens untergräbt der in amerikanischen Augen darin besteht, die Stabilität der Abschreckung
zu stärken, um das Risiko eines Krieges zu verringern.
Genau die Gründe, warum die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
ihre gegenseitige Abschreckung unbedingt stabilisieren müssen, sind auch
die Gründe, warum es so schwer ist, zu solchen Abkommen zu gelangen.

Rüstungs-

kontrolle ist nur unter solchen Staaten leicht zu erreichen, die sie nicht
brauchen.
Die Sowjets haben den Vereinigten Staaten immer wieder erklärt, daß
sie weder Pazifisten noch Philantropen seien.

Die Vereinigten Staaten dürf-

ten durch Rüstungskontrolle nur das erreichen, was ihnen aufgrund ihrer einseitigen Bemühungen zusteht und das nur durch sorgfältige Beachtung vernünftiger Grundsätze der Verhandlungsführung.
So versucht also die Reagan-Administration,die strategische Abschreckung
zu stabilisieren, indem sie die strategischen Nuklearstreitkräfte und die
nuklearen Mittel Streckensysteme der Vereinigten Staaten modernisiert, damit
die Sowjetunion gewiß sein kann, daß eine Aggression fehlschlagen würde.
Um das zu erreichen, ist vorgesehen, entscheidend wichtigen sowjetischen
Vorteilen, in der Fähigkeit zur Kriegsführung auf den Gebieten der Gegenstreitkräfte, der Wirksamkeit der Luftverteidigung und der Fähigkeit, amerikanische Kommando- und Kontrollfunktionen zu lähmen, durch die Dislozierung
sicher stationierter MX-Raketen, des B-1-Bombers, der Marschflugkörper und
neuer strategischer Unterstützungssysteme zu begegnen.
Diese Dislozierungen

- 3 -

�Diese Dislozierungen garantieren nicht den Erfolg der Verhandlungen
über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) oder Verhandlungen
über nukleare Mittelstreckensysteme (INF) - und können das auch nicht -,
aber da sie die beiderseitige Abschreckung stabilisieren werden, können sie
doch Abkommen dieser Art ermöglichen.
Die Vereinigten Staaten verringern das Risiko eines Krieges - das
oberste Ziel jeder Rüstungskontrolle -, indem sie den Sowjets jede plausible Aussicht auf einen militärischen Erfolg verwehren.
Die Existenz von Rüstungskontroi labkommen an sich hat noch keinerlei .
Bedeutung.

Was zählt, ist die Frage, ob solche Rüstungskontroi labkommen

jene Art von strategischem Gleichgewicht herbeiführen, die für eine Abschreckung notwendig ist und echtes Vertrauen einflößt. Solche Abkommen
können entweder einfach die Tatsache wettstreitender Programme beider Seiten
registrieren, oder sie können wirklich eine - gleichermaßen - einschneidende
Wirkung auf die strategische Rüstung haben.
Ein Abkommen jedoch, das die Neigungen des sowjetischen General Stabs
wirklich zügeln würde, ist nicht billig zu haben. Die Sowjets müssen überzeugt werden, daß ihrer Sicherheit mit einem Abkommen besser gedient ist
als ohne ein Abkommen.
Die MX-Rakete, der B-1-Bomber, die Trident D-5-Rakete und der strategische Marschflugkörper bieten die notwendigen Anreize für die sowjetischen
Führer, sich ernsthaft die Vorteile formaler bilateraler Einschränkungen zu
überlegen.

+ + + + +

�6. Juli 1983

27

EIN INDIANERDORF FLIEHT NACH COSTA RICA
Von unserer Korrespondentin Paula Tarnapol

PUERTO LIMON, COSTA RICA - (AD) - Die gesamte Einwohnerschaft eines
Miskito-Dorfes, die im Schutz der Dunkelheit auf offene See geflüchtet ist,
um dem sandinistischen Terror zu entkommen, hat sich.jetzt Tausenden anderer n;icaraguanischer Flüchtlinge angeschlossen, die bereits in diesem Land
leben. Viele andere Nicaraguaner sind nordwärts nach Honduras geflüchtet,
wo die meisten in Lagern untergebracht werden.
Das Dorf Set Net Point in Nicaragua existiert nicht mehr.
kleines Dorf an der Atlantikküste, 56 Kilometer von Bluefields

Es war ein
entfernt,

dessen Einwohner - zum größten Teil Miskito-Indianer - ihren bescheidenen
Lebensunterhalt

durch Fischfang bestritten.

Ihre Welt waren das Dorf und

die wenigen umliegenden Gemeinden.
Am 19. Juni erklärte sich ein Kapitän der staatlichen Fischereigesellschaft, für die die Mehrheit der Dorfbewohner arbeitete, dazu bereit, die
• Einwohner, rund 100 Männer, Frauen und Kinder, in den Süden nach Costa Rica
zu bringen.

Sie verließen Set Net Point um Mitternacht; nur wenige Stunden

blieben für die Vorbereitung.

18 Stunden später kamen sie in dem costari-

canischen Hafen Limon an, denn sie mußten weit aufs Meer hinaussegeln, um die

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�um die Patrouillen der Sandinisten zu umgehen.

Ihr ganzer Besitz, ihre

Ernten, ihre Fischerboote, ihre kleinen Häuser und die Kirche blieben zurück.

Ihr vorläufiges Zuhause ist ein verlassenes Baulager in der Nähe von

Limon, das unter Aufsicht der Regierung steht.
Die Menschen von Set Net Point, die Englisch und Miskito sprechen, erklären, sie seien aus Angst geflüchtet.

Die Sandinistas seien mit zunehmen-

der Regelmäßigkeit in Set Net Point eingetroffen, erzählte ein Mann - normalerweise alle vier oder fünf Tage.

"Sie hielten dir eine Pistole in den

Rücken und zwangen dich, rauszugehen und 'dasheen' (süße Kartoffeln) auszugraben.

Wir mußten sie kochen und den Sandinistas bringen", sagte er.

hatten kaum selbst etwas zum Essen, aber das war ihnen egal."

"Wir

Manchmal be-

zahlte die Fischereigesellschaft sie für den Fisch, den sie lieferten; manchmal gab sie ihnen dafür Waren, und manchmal wurden sie auch gar nicht bezahlt.
Das Dorf hatte sich nicht an der 1979er Revolution beteiligt, die das
Somoza-Regime stürzte, und - von wenigen Ausnahmen abgesehen - waren die
Dorfbewohner nicht in "contra"-Aktivitäten verwickelt, auch wenn sie gegen
die Exzesse der Sandinisten waren.

Das aber hatte die Sandinisten nicht da-

von abgehalten, sechs der Dorfbewohner über einen Monat lang einzusperren
und sie über "contra"-Aktivitäten zu vernehmen.
"Sie wollten, daß ich über die "contras" berichte, wann sie kommen,
was sie tun", sagte einer, der in einer Zelle in Managua festgehalten wurde,
bis man ihn nach fünf Wochen endlich frei ließ. "Ich wußte es nicht. Ich
weiß es nicht, aber sie wollten mir nicht glauben."
Der Mann, der Lehrer an der kleinen katholischen Kirche von Set Net Point
war, wurde von seinen Bewachern während der Fahrt von seinem Dorf bis Managua
gefesselt.

Dort teilte er eine Zelle mit vier anderen Gefangenen.

"Wir

mußten eine Schale Reis und Bohnen durch fünf teilen. Das war das einzige
Essen," sagte er.
Das Ereignis,
- 2 -

�Das Ereignis, das den Massenexodus auslöste, war jedoch die Ermordung
eines Mitglieds der sandinistischen Miliz in dem Nachbarort Tasbapauni.

Der

Mord ereignete sich, als sandinistische Truppen und Contras aufeinanderstießen.
Als die Dorfbewohner von der Drohung der Sandinisten hörten, die ganze Gegend
für den Anschlag zu bestrafen, entschlossen sie sich sofort, gemeinsam zu
fliehen.
über die Dorfbewohner war schon einmal der Tod durch die Sandinisten
gekommen - und dies nur, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen
waren.

Vor 18 Monaten wurden drei Dorfbewohner auf ihrem Weg nach Tasbapauni,

wo sie Einkäufe machen wollten, von einer sandinistischen Patrouille erschossen.

Die Witwen und Kinder wurden von den Bewohnern von Set Net Point auf-

genommen und versorgt.

Dieses Mal aber beschlossen die Menschen in Set Net

Point, nicht erst abzuwarten, um zu sehen, was mit ihnen geschehen würde.
Die 134 Flüchtlinge - einschließlich derer, die aus anderen Gemeinden
kamen und bereits im Lager Limon lebten -, sind nur Teil eines ständigen
Flucht!ingsstroms von Nicaragua nach Costa Rica - im Boot, im Bus und zu
Fuß.

Es gibt noch weitere 300 Flüchtlinge in einem Lager in Tilaran im Nord-

westen von Costa Rica. Auch für ein weiteres Lager im Süden haben die Arbeiten begonnen, wo der größte Teil nicaraguanischer Flüchtlinge einmal untergebracht werden soll.

Die Lager werden von der UN-Hochkommission für Flücht-

linge (UNHCR) finanziert und von der Regierung Costa Ricas verwaltet.
Dennoch sind die Flüchtlinge im Lager nur ein winziger Prozentsatz der
Tausenden von Flüchtlingen aus Nicaragua, El Salvador, Kuba und andernorts.
Es gibt ungefähr 16 000 Flüchtlinge im Rahmen der UNHCR-Programme Costa Ricas
allein in der Gegend von San Jose, und die Regierung des Landes schätzt, daß
es möglicherweise bis zu 185 000 Ausländer geben könnte, die im Land leben
und arbeiten und über die es keinerlei offizielle Nachweise gibt. Obwohl die
Verfassung von Costa Rica allen jenen, die vor Unterdrückung fliehen, politisches Asyl garantiert, machen die wirtschaftlichen Gegebenheiten dieses
traditionelle Ideal zu einer immer größeren Bürde.
+ + + + +
- 3 -

�27

6. Juli 1983

ERSTER WIEDERVERWENDBARER SATELLIT IM WELTRAUMTEST
- Raumtransporter CHALLENGER mit SPAS-01 wieder zurück -

- (AD) - Nach einem sechstägigen Flug, bei dem die Erde 98 Mal umrundet
wurde, kehrte die amerikanische Raumfähre CHALLENGER am 24. Juni 1983 zur
Erde zurück.

Sie landete, geführt von Kommandant Robert Crippen und Kopilot

Frederick Hauck, um 16.47 Uhr MEZ

auf einer Hartpiste des Edwards-Flug-

platzes in Kalifornien. Mit knapp zwei zusätzlichen Erdumkreisungen mußte
CHALLENGER dorthin dirigiert werden, weil die ursprünglich zum ersten Mal
auf der neuen Betonbahn in Kap Canaveral vorgesehene Landung wegen besonders
ungünstiger Wetterverhältnisse nicht riskiert werden konnte.
Dies war der einzige wichtige Programmpunkt, der beim jüngsten Flug
(STS-7) nicht erfüllt wurde.

Für die fünfköpfige Besatzung, darunter die

Physikerin Dr. Sally Ride, war ebenso wie für viele Beobachter des Flugverlaufs in den USA und in der Bundesrepublik das Experiment mit SPAS-01 der
Höhepunkt des Unternehmens.

Handelte es sich doch um den ersten wiederver-

wendbaren Satelliten der Welt, der mit acht Forschungsexperimenten verschiedenster Art bestückt, von Bord der CHALLENGER im Weltraum ausgesetzt und
wieder eingeholt wurde. Als Hebe- und "Angelgerät" diente ein 15 m langer

�15 m langer mehrgliedriger Roboterarm.

Er war mit einem Kostenaufwand von

100 Millionen Dollar vom Nationalen Forschungsrat von Kanada entwickelt und
gebaut und 1981 schon einmal im Weltraum erprobt worden.

Er gibt (computer-

gesteuert) den Astronauten die Möglichkeit, massive Nutzlasten in den Weltraum zu dirigieren, ohne die Orbiter-Kabine verlassen zu müssen.
SPAS ist eine Entwicklung des deutschen Unternehmens MesserschmittBölkow-Blohm (MBB) in Ottobrunn b. München (Kosten: ca. 32 Millionen DM bzw.
13 Millionen Dollar).

Das Projekt wurde vom deutschen Bundesministerium für

Forschung und Technologie als Pilotprojekt für eine künftige ausgiebige Nutzung des Weltraums zu kommerziellen Zwecken gefördert.
SPAS-01 ist knapp 4,5 m breit (dies entspricht dem Innendurchmesser
des Frachtraums im Raumtransporter), 1,5 m lang und wiegt mitsamt dem Bordcomputer und dem eigenen Antriebssystem 1500 kg. Der Satellit vermag in
mehreren "Etagen" eine ganze Anzahl von Experimenten aufzunehmen, die sowohl
während der Stationierung im Raumfähren-Frachtraum als auch erst nach dem
Absetzen und Einsteuern in eine eigene Bahn aktiviert werden können. Wie
Konrad Moritz, Programm-Manager bei MBB für SPAS, in Houston erklärte, sei
die Basisstruktur des wiederverwendbaren Satelliten für etwa 20 Einsätze
geeignet. Die Elektronik müsse allerdings schon früher ausgetauscht werden.
"Mit fünf Missionen haben wir unsere Investition wieder hereingeholt", meinte
er. Zur SPAS-Ausrüstung gehört u.a. eine voll elektronische Fernsehkamera,
die während des Freifluges des MBB-Satelliten zum ersten Mal Aufnahmen vom
Orbiter in der Umlaufbahn zur Erde übertrug. Dabei betrug der Abstand zwischen Orbiter und SPAS-01 zeitweise mehr als 300 Meter. Kommandant Crippen
setzte CHALLENGER zunächst zurück, zog über und unter SPAS vorbei, so daß
von dort aus die Raumfähre aus verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen wurde.
Das neuneinhalbstündige Manöver mit SPAS am vierten Flugtag, bei dem der
Satellit dreimal aus dem Frachtraum gehoben, abgesetzt und wieder eingeholt
wurde, war eine Vorübung für den Raumtransporterflug STS-13 im April 1984.
Dann soll mit dem beschädigten Forschungssatelliten "SOLAR MAX" ein Rendezvous

- 2 -

�ein Rendezvous versucht werden, um ihn an Bord zu holen, zu reparieren und
wieder abzusetzen.

Als CHALLENGER sich zum zweiten Mal SPAS näherte, um den

Satelliten einzuholen, zündete Crippen das Triebwerk in neun verschiedenen
Positionen.

Man wollte feststellen, wie der Abgasstrahl SPAS bei nur 10 bis

30 Metern Entfernung beeinflußte.

Solche Tests helfen den NASA-Ingenieuren,

Bewegung und Verhalten des Orbiters und anderer Flugkörper im Weltraum besser
zu verstehen, die sich nur in geringem Abstand von der Raumfähre befinden.
Während zu Beginn der Freiflugphase der Greifroboter SPAS-01 für einen
Augenblick losließ und dann wieder faßte, bewegte sich der wiederverwendbare
Satellit beim zweiten Mal über drei Stunden lang frei im Raum.

Es stand

nicht im Programm, daß dabei Dr. Norman Thagard, der Arzt im Astronautenteam,
anstelle von John Fabian den Roboterarm bediente.

"Ihr könnt dem Doktor (im

Kontroll Zentrum Houston) sagen, daß ich seinen kleinen Monitor angelegt habe
und mein systolischer Blutdruck beim Greifen von 117 bzw. 124 auf 149 hochging", meldete Thagard.

Als CHALLENGER am 22. Juni in der Morgendämmerung

über Houston hinwegzog, standen viele Mitarbeiter des Johnson-Raumfahrtzentrums und zahlreiche Journalisten im Freien, um die Raumfähre als kleines
leuchtendes Objekt am Himmel zu betrachten.
STS-7 war ein Flug mit vielen internationalen Aufgaben und Experimenten.
Noch am Starttag, am 18. Juni, wurde der kanadische Nachrichtensatellit ANIK
(im Auftrag von Telesat Canada) abgesetzt, einen Tag später der indonesische
Nachrichtensatellit PALAPA.

Beide stiegen mit eigenem Antriebssystem zu

ihrem "Betriebsorbit" in 36 000 km Höhe auf.

Ein deutsch-amerikanisches Ge-

meinschaftsexperiment (OSTA-2) galt vor allem der Erforschung von Werkstoffen für die Elektronik und der Fabrikation von Spezialgläsern in bestimmten
Produktionsphasen unter Schwerelosigkeit.

Andere, von Firmen, Studenten und

Oberschülern aus den USA und der Bundesrepublik ausgearbeitete Experimente
- 22 an der Zahl - waren in sieben genormten Kanistern (sog. Getaway Specials)
untergebracht, für deren Mitnahme im Orbiter-Frachtraum an die NASA "Platzmiete" bezahlt wird.

Sie umfaßten ein weites Spektrum spezieller naturwissen-

schaftlicher Untersuchungen - von der Biologie bis zur Physik.
Beim jüngsten
- 3 -

�Beim jüngsten Orbiter-Flug wurde der Kabinendruck, der normalerweise
der gleiche wie auf der Erdoberfläche ist (1 at), auf 0,72 at gesenkt. Man
wollte Erfahrungen über die Auswirkung von reduziertem Druck über längere
Zeit auf das Befinden und die Arbeitsfähigkeit der Astronauten gewinnen.

Die

Auswertung wird zeigen, ob sich daraus Nachteile ergeben. Wenn nicht, würde
man auf die langwierige Umstellung auf reine Sauerstoffatmung vor Außenbordmanövern verzichten können.
Dr. Sally Ride hat für den Einsatz weiblicher Astronauten bei der NASA
eine Bresche geschlagen.

Frisch und fit kam sie nach der Landung von

CHALLEN6ER die Treppe herab - ein sportlicher Typ, der mit den physischen
und psychischen
wurde.

Belastungen auch in der langen Vorbereitungszeit gut fertig

Seit Abschluß ihres Studiums an der Stanford-Universität und der

Promotion im Jahr 1978 sind die Spezialgebiete der heute 32jährigen Wissenschaftlerin Röntgenastronomie und die theoretischen Grundlagen für das weite
Feld der Lasertechnik.

+ + + + +

�»

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und Technik
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6. Juli 1983

SPITZENTECHNOLOGIE
"Neue Ideen" erhalten die Wettbewerbsfähigkeit
- USIA-Interview mit Edward Harper -

- (AD) - "Die Vereinigten Staaten sind bestrebt, die Vorrangstellung
ihrer Industrie auf dem Gebiet der Spitzentechnologie auch künftig zu erhalten", erklärte kürzlich Edward Harper, Referent im Beraterstab Präsident
Reagans für politische Entwicklungen.

In einem Interview mit Jim Füller vom

US-Informationsamt (USIA) verwies er darauf, daß die Industrie die Notwendigkeit zur Anwendung von Spitzentechnologie sowohl in der Fabrikation als auch
auf dem Marketingsektor erkannt habe. Außerdem habe der amerikanische Markt
für Risikokapital in den letzten 15 Jahren viel dazu beigetragen, neue Technologien ausfindig zu machen und sie für die Anwendung innerhalb und außerhalb der Vereinigten Staaten zu entwickeln.

Allerdings könne Spitzentechno-

logie allein kein Wirtschaftswachstum garantieren.

Vielmehr sei eine aus-

balancierte Wirtschaft mit einem starken Technologiesektor, mit produktiven
und auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähigen Grundindustrien und einem Dienstleistungssektor notwendig, der "jene Art von Dienstleistungen bereitstellt,
die eine moderne Wirtschaft braucht".
Wir bringen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Wir bringen im Folgenden das Interview im Wortlaut:
FRAGE:

Würden Sie bitte erklären, was mit Spitzentechnologie gemeint

ist, und weshalb Sie hinsichtlich ihrer Zukunft in den USA so optimistisch
sind?
ANTWORT:

Grundsätzlich ist zu sagen, daß die Vereinigten Staaten seit

langem in der Spitzentechnologie führen.
auch künftig halten können.

Ich meine, daß wir diese Führung

Dies ergibt sich zum Teil aus der amerikanischen

Kultur - aus Unternehmergeist, Individualismus und dem Selbstverständnis, daß
Leute mit Eigeninitiative und eigenen Interessen auf neue Ideen kommen und
sie vermarkten können.
So hat beispielsweise der Einsatz von Risikokapital in den Vereinigten
Staaten, ein Phänomen etwa der letzten 15 Jahre, wesentliche Anstöße dazu
gegeben, neue Technologien zu identifizieren, zu entwickeln und sie nicht
nur in den USA, sondern auch in der übrigen Welt auf den Markt zu bringen.
Die Technologien reichen von der Halbleiter-Herstellung nach neuen Verfahren bis zur sog. Software für Roboter und andere Ausrüstungen.
Die amerikanische Industrie ist sich, wie ich es sehe, der Notwendigkeit bewußt geworden, sich mehr um Spitzentechnologie zu kümmern, sie in
der Fabrikation, für Absatz und Verteilung und bei anderen Aktivitäten mehr
einzusetzen. So werden wir auch künftig neue Ideen haben, wie sie schon bisher die Stärke des amerikanischen Wettbewerbs waren. Spitzentechnologie
heute ist wohl ein klein wenig anders als vielleicht vor fünf oder zehn Jahren. Der erste große Computer beispielsweise, der im Jahr 1946 herauskam,
war eine tonnenschwere Apparatur. Heute kann man auf einem einzigen, pfenniggroßen Chip eines Mikroprozessors Funktionseinheiten unterbringen, die dasselbe leisten.
Meines Erachtens umfaßt Spitzentechnologie die auf den Markt kommenden
Produkte, die mehr oder weniger das Beste und Leistungsfähigste darstellen,

- 2 -

�Leistungsfähigste darstellen, was es heute gibt.

Einige machen zwischen

Spitzentechnologien und den Grundindustrien einen Unterschied.
zu einem gewissen Grade berechtigt.

Das ist bis

Gleichzeitig aber ist der größte Be-

nutzerkreis für Spitzentechnologie in jenen doch wesentlich älteren Grundindustrien zu finden.

So sind beispielsweise Roboter und computergesteuerte

Fabrikationssysteme in der Automobilindustrie am meisten verbreitet.
FRAGE: Was bedeutet Spitzentechnologie für die älteren amerikanischen
Industriebranchen wie Stahl-, Textil- und Maschinenbauindustrie?
ANTWORT:

Nun, für die Stahl- und Maschinenbauindustrie bedeutet sie

höhere Produktionseffizienz.

Sie bedeutet, daß diese Industriezweige auf

den Weltmärkten konkurrenzfähiger als in der Vergangenheit sein werden.
Letztlich bedeutet Spitzentechnologie mehr Produktivität, und das heißt,
daß wir als Nation weniger Ressourcen benötigen, um die gleichen Waren zu
produzieren und die gleichen Dienstleistungen zu erbringen.

Demgegenüber

tun jedoch einige Industrien sehr wenig für Forschung und Entwicklung und
möchten sich statt dessen auf protektionistische Maßnahmen gegen Auslandskonkurrenz verlassen.

Dies ist ein unbefriedigender Weg zur Lösung ihres

Problems, und er ist auch im Hinblick auf die Interessen des amerikanischen
Verbrauchers unbefriedigend.
FRAGE:

Sehen Sie in Computern und anderen Produkten fortgeschrittener

Technologien ein Mittel, das Wirtschaftswachstum zu beleben?
ANTWORT:

Ich meine, daß Spitzentechnologie eine notwendige, aber

nicht ausreichende Bedingung ist, um Wirtschaftswachstum zu garantieren.
Ohne solche Fortschritte der Produktivität würde meines Erachtens unser Wirtschaftswachstum verlangsamt.

Aber Computer allein - die ja Spitzentechnolo-

gie repräsentieren - schaffen kein derartiges Wachstum.

Wir brauchen eine

ausgewogene Wirtschaft, die einen starken Sektor Spitzentechnologie besitzt,
von dem auch künftig neue Ideen ausgehen.

Wir brauchen im Umfang reduzierte,

starke, produktive Grundindustrien, die auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig

- 3 -

�Weltmarkt wettbewerbsfähig sind.

Wir müssen auch weiterhin über den produk-

tivsten Agrarsektor in der Welt verfügen.

Und alles dies wird vom Dienst-

leistungssektor gestützt - zu diesem gehören Verkehrswesen, Bank-, Versicherungs-, Finanzwesen und all die anderen Dienstleistungsbranchen, die sich in
einer modernen Wirtschaft finden.
Wissen Sie, es ist schon interessant, daß manche sagen:

"Ist es nicht

eine Schande, daß der Dienstleistungssektor unserer Wirtschaft derartige Ausmaße annimmt?" tatsächlich macht er ja 66 Prozent unseres Bruttosozialproduktes aus, und etwa 65 Prozent unserer arbeitenden Menschen sind in Dienstleistungsgewerben beschäftigt. Hier lohnt sich ein geschichtlicher Rückblick.
Die Vereinigten Staaten besaßen nie eine Fabrikationswirtschaft - d.h. die Mehrheit unserer Bevölkerung verdiente sich ihren Lebensunterhalt nie durch Tätigkeiten in der Fabrikation.

Von der Zeit der ersten europäischen Siedler auf

diesem Kontinent bis zum Ersten Weltkrieg hatten wir eine reine Agrarwirtschaft.

Erst dann wurde der Dienstleistungssektor zum größten Arbeitgeber

in unserer Wirtschaft und ist es seitdem geblieben.

Die Zahl der Beschäf-

tigten in der Landwirtschaft ging immer weiter zurück, die Anzahl der Beschäftigten im Dienstleistungsgewerbe stieg ständig weiter an, und die Beschäftigtenzahl in der Fabrikation hielt sich in der Mitte.

Die Tatsache,

daß wir eine Dienstleistungswirtschaft haben, sollte nicht als Schwäche, sondern als die Bestätigung für die Umstrukturierung unserer Wirtschaft angesehen werden.
FRAGE: Kritiker behaupten, daß Automation und die Ausbreitung der
Computer Arbeitskräfte verdrängen und unsere Probleme der Arbeitslosigkeit
ausweiten. Was meinen Sie dazu?
ANTWORT: Nun, ich bin nicht sicher, daß sie die Arbeitslosenprobleme
vergrößern werden. Ich denke, daß das Beschäftigungsniveau in den Grundindustrien zurückgehen könnte. In den Industrien mit Spitzentechnologie wird
es etwas ansteigen. Aber wir würden uns meines Erachtens einer Illusion hingeben, wenn wir annähmen, daß alle diejenigen, die durch erhöhte Produktivität,

�erhöhte Produktivität, Automation - sagen wir einmal, in den Grundindustrien ihren Arbeitsplatz verlieren, neue Beschäftigung auf den Gebieten der Spitzentechnologie finden werden.

Das glaube ich nicht.

Statt dessen vermute ich,

daß viele schließlich auf dem Dienstleistungssektor Arbeit finden werden.
Als wir durch Mechanisierung und Automation in der Landwirtschaft in
der Zeit zwischen dem Zweiten Weltkrieg und 1970 Produktionssteigerungen erreichen wollten, gaben sechs Millionen Menschen ihre Arbeit in der Landwirtschaft auf.

Wir brauchten sie dort nicht mehr.

Die Produktivität erhöhte

sich ständig, und wir brauchten dort immer weniger Leute.

Das klingt so, als

habe es sich damals um ein schreckliches Problem gehandelt.

In Wahrheit aber

schuf unsere Wirtschaft in der gleichen Zeit 27 Millionen neue Arbeitsplätze.
Wir stellten fest, daß es auf dem Dienstleistungssektor viele neue Arbeitsplätze gab.

Wir fanden auch, daß es auf den Gebieten der Spitzentechnologie

neue Arbeitsmöglichkeiten gab.

Dies bewirkte die Dynamik unserer Wirtschaft.

Es mag Übergangsprobleme geben - aber ich glaube nicht, daß dies zwangsläufig
zu langfristigen Problemen von Arbeitslosigkeit führt.
FRAGE:

Was wird in den Vereinigten Staaten gegen den landesweiten

Mangel an Wissenschaftlern und Ingenieuren, was zur Qualitätsverbesserung
bei den technischen Arbeitskräften getan?
ANTWORT:

Die schwächste Stelle dürfte, wie ich es sehe, wahrscheinlich

unser Bildungswesen sein, und aus diesem Grund schlug der Präsident vor,
diese Lücke zu schließen. Nach unseren Schätzungen fehlen derzeit etwa
34 000 qualifizierte Lehrer für Grundschulen und höhere Schulen. Durch ein
auf ca. vier Jahre angelegtes Programm und die Aufwendung von einigen Hundert
Millionen Dollar dürften wir in der Lage sein, diese Lücke wirksam zu
schließen.
Ähnlich müssen wir auf College- und Universitätsniveau die offenen
Professorenstellen in den Ingenieurwissenschaften

besetzen.

Gegenwärtig

sind ca. 15 bis 20 Prozent der Ingenieur-Lehrstühle im Lande unbesetzt.

- 5 -

�Lande unbesetzt.

Ein Grund dafür ist der, daß wir nicht genug neue Lehrer

für diese Fächer ausbilden, ein zweiter der Sog durch die Privatwirtschaft.
Hier ist zweierlei zu tun:

Zum einen müssen wir die Mittel für die Gradu-

iertenförderung in den Natur- und Ingenieurwissenschaften un mehr als zehn
Prozent erhöhen - wir werden, anstatt wie bisher 9400 Graduierte dieser Fachgebiete, weit über 10 000 fördern.

Und außerdem schlagen wir im Hinblick

auf das Problem der nicht besetzten Lehrstühle das vom Präsidenten initiierte
Programm für Nachwuchsforscher vor, das jedes Jahr Forschungsmittel mit einem
jährlichen Kostenaufwand von 100 000 Dollar für bis zu 200 Doktoranden über
einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren vorsieht.

Und wir hoffen, daß dies

praktisch die "Goldenen Fesseln" liefern wird, um die besten und brilliantesten Lehrer auf den Gebieten Ingenieur-, Mathematik- und Naturwissenschaften an den Universitäten zu halten.

Dies wäre eines der Schlüsselelemente,

um unsere Wettbewerbsstärke in der Spitzentechnologie zu halten.
Ich bin außerdem überzeugt, daß wir die Programme durchführen müssen,
die der Präsident für die Umschulung der von Betrieben der Grundindustrien
entlassenen Arbeiter vorgeschlagen hat. Möglicherweise gibt es andere Arbeitsplätze, und zwar Arbeitsplätze mit mehr Technologie, für die sie sich
bei zusätzlicher Ausbildung qualifizieren könnten. Wenn diese Fortbildung
vom privaten Sektor gelenkt wird, wie es bereits nach den Bestimmungen des
Gesetzes über Partnerschaft zur Ausbildung am Arbeitsplatz geschieht, für
dessen Verabschiedung sich Präsident Reagan im vergangenen Jahr so eingesetzt
hat, können wir meines Erachtens über ein sehr wirksames Ausbildungsprogramm
für ausgestellte Arbeitskräfte verfügen. Auch sollten wir nicht übersehen,
daß der private Sektor selbst ein massives Ausbildungsprogramm gestartet
hat. Die Privatwirtschaft gibt jährlich zwischen 30 und 40 Milliarden Dollar
aus, um ihre Arbeitskräfte weiterzubilden. Hinsichtlich der Qualität unserer
Arbeitskräfte in den kommenden Jahren bin ich optimistisch.

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�k

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und Technik
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6. Juli 1983

KRANKE BÄUME SCHLAGEN ALARM
• Pheromone als Warnsubstanz

- (AD) - Daß Pflanzen auf Schallwellen und Musik reagieren, wurde
schon mehrfach experimentell bestätigt. Nun fanden Ökologen der Universität des Bundesstaates Washington in Seattle heraus, daß Bäume in der
Lage sind, bei akuter Gefahr durch Schädlinge ihre noch nicht betroffenen
Nachbarn zu warnen. Sie produzieren Pheromone, die das Blattwerk für
Schädlinge wie z.B. Raupen unattraktiv und zum Teil ungenießbar machen,
und veranlassen ihre benachbarten, noch nicht befallenen Artgenossen, das
gleiche zu tun.
Pheromone sind leichtflüchtige Stoffe, die auf Individuen gleicher
Art wirken. Zu ihnen gehören beispielsweise die Duftmarkierungen bei
Hummeln und Wespen, Sexuallockstoffe weiblicher Insekten zum Anlocken
der Männchen oder Warnstoffe, wie sie Blattschneiderameisen absondern.
Einige dieser komplizierten Verbindungen werden bereits als Synthesepräparate für die Insektenbekämpfung eingesetzt.
Wie Dr. Gordon H. Orians und Dr. David F. Rhoades jetzt berichteten,
vermuten sie auf Grund der Ergebnisse ihrer von der Nationalen Forschungsstiftung der USA (NSF) finanzierten Studien, daß von Schädlingen attakierte

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Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Schädlingen attakierte Bäume ebenfalls solche "sozialen Wirkstoffe"
produzieren. Sie beobachteten dies bei Zuckerahorn und einer Weidenart,
deren Laubwerk von Zeltraupen und einer Spannerraupe dezimiert worden
war. Als Reaktion auf den Raupenfraß produzierten die befallenen Bäume
leicht flüchtige Stoffe, die offenbar die nicht befallenen Bäume gleicher
Art in der Umgebung ebenfalls zur Bildung dieser Verbindungen anregten.
Dadurch wurde die Qualität von deren Blattwerk als Futter für Raupen
erheblich gemindert. In kontrollierten Laborversuchen, bei denen befallene und gesunde Weiden in gasdichten Kammern gemeinsam gehalten werden,
will man nun versuchen, die chemischen Emissionen der kranken Bäume zu
isolieren und zu identifizieren - jener Emissionen, die chemische Veränderungen bei benachbarten gesunden Bäumen bewirken und deren Laub für
Raupen weniger attraktiv machen.

"Wenn unsere Hypothese richtig ist, müßten die geschädigten Pflanzen
leicht flüchtige chemische Verbindungen abgeben, die sich nach Art und
Menge von den Ausdünstungen der gesunden Bäume unterscheiden," meinen die
beiden Forscher. In ihren seit 1979 laufenden Feldversuchen war es zunächst
um die Klärung der Frage gegangen, wie sich die Futterqualität von Laubwerk für Insekten verändert, nachdem der Baum von Schädlingen befallen
worden ist. Orians und Rhoades hatten zu diesem Zweck Kolonien von Zeltund Spannerraupen auf Laubbäumen ausgesetzt und in regelmäßigen Abständen
die biologische und chemische Qualität des Laubes untersucht. Dabei beobachteten sie u.a. vermindertes Wachstum und andere Beeinträchtigungen
im Vergleich zu gesunden, nicht von Raupenfraß geschädigten Kontrollbäumen. "In einer Reihe von Fällen gab es aber Hinweise darauf", so
Orians, "daß sowohl die geschädigten Testbäume als auch benachbarte besunde Kontroll bäume ihre Laubqualität als Reaktion auf das Aussetzen von
Schädlingskolonien auf den Testbäumen veränderten. Demnach mußten gesunde
Pflanzen Signale von kranken Pflanzen in der Nähe erhalten und darauf
reagiert haben". Das auch künftig von der NSF finanzierte Versuchsprojekt wird jetzt in einem wesentlich größeren Rahmen weitergeführt.

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inIEREIKft
Dl Ell tt*

Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

13. J u l i 1983

28
INHALT

INFORMATION
Erste Jugendaustauschgruppen im Rahmen der Reagan-Initiative

HINTERGRUNDMATERIAL
State Department zur Politik der USA in Mittelamerika
Kirkpatrick:

USA unterstützen ein freies, demokratisches

Mittelamerika
Moskau verfolgt in Afghanistan langfristige Ziele

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Spitzentechnologie
- US-Industrie im internationalen Wettbewerb Neuer Flug des Raumtransporters in Vorbereitung
- Nachrichtensatellit TDRS für SPACELAB einsatzbereit

Um Übcr/cnJung von
ßckgcKcmplorcn
wird gebeten

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�13. Juli 1983

28

ERSTE JUGENDAUSTAUSCHGRUPPEN IM RAHMEN DER REAGAN-INITIATIVE

WASHINGTON - (AD) - Mitte Juli dieses Jahres werden die ersten Gruppen,
die im Rahmen der internationalen Jugendaustauschinitiative Präsident Reagans
andere Staaten kennenlernen sollen, in ihren Gastländern eintreffen.
Zu den ersten gehören sechs junge amerikanische Indianer, die drei
Wochen in der Bundesrepublik leben werden; außerdem 32 italienische Studenten, die sechs Monate an amerikanischen Universitäten verbringen sollen, und
34 Jugendliche aus der Bundesrepublik, Großbritannien, Frankreich, Italien,
Kanada und Japan, die im Rahmen eines Sommerprogramms des amerikanischen
Roten Kreuzes in die USA kommen.
Die Initiative zu einem internationalen Jugendaustausch, die von Präsident Reagan im Mai 1982 während des Versailler Wirtschaftsgipfels vorgeschlagen worden war, hat zum Ziel, im Lauf der nächsten drei Jahre die Zahl
der jungen Leute, die zwischen den sieben Gipfel Staaten ausgetauscht werden
sollen, beträchtlich zu erhöhen.

Die drei bevorstehenden Austauschaktionen

wurden teilweise auch durch das US-Informationsamt (USIA) finanziell ermög-

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�finanziell ermöglicht - der Bundesbehörde, die auch die Initiative des Präsidenten in den Vereinigten Staaten koordiniert.
"Die Ankunft dieser Gruppen stellt den Beginn einer wichtigen neuen internationalen Anstrengung dar," erklärte USIA-Direktor Charles Z. Wick,

"Die

Partnerstädten des Gipfeltreffens sind der Meinung, daß einer der besten
Wege zur Stärkung ihrer Bindungen darin besteht, mehr ihrer eigenen jungen
Menschen in die Partnerländer zu schicken, damit diese das Leben dort selbst
kennenlernen."
Bundeskanzler Kohl und der japanische Premierminister Nakasone bekräftigten erst kürzlich wieder ihre Unterstützung für Jugendaustauschprogramme.
In einer Rede in Krefeld anläßlich des 300. Jahrestages der Ankunft deutscher Siedler in Amerika rief Bundeskanzler Kohl die jungen Menschen in der
Bundesrepublik dazu auf, "das Gespräch mit den Altersgenossen in den USA zu
suchen, sich zu bemühen, die Unterschiede zwischen unseren Ländern zu verstehen und die Gemeinsamkeiten zu erkennen."
Die Bundesrepublik und die Vereinigten Staaten, so der Bundeskanzler,
"haben besondere Anstrengungen - auch finanzieller Art - unternommen, um
vor allem den Jugendaustausch auszuweiten."
"Wir wissen, daß die Erfahrungen des Kennenlernens nicht durch Unterricht und Medien ersetzt, höchstens ergänzt werden können," sagte Kohl und
fügte hinzu:

"Ich freue mich, daß der Leiter der amerikanischen Behörde,

die auf amerikanischer Seite den Jugendaustausch fördert, MrT Charles Wick,
heute hier unter uns ist.

Kein Land, keine Regierung ist heute noch stark

genug, die Zukunft allein zu meistern.

Aber gemeinsam haben Deutsche und

Amerikaner, Europäer und Amerikaner die Kraft, die Aufgaben unserer Zeit
zu bewältigen."
Nakasone sprach zu einer Gruppe von 100 amerikanischen SchUlern, die
gerade zu einem zweimonatigen Aufenthalt in Japan angekommen waren,und erklärte, der Jugendaustausch biete die Gelegenheit, aus erster Hand etwas
- 2 -

�Hand etwas über die Unterschiede der Kulturen zu erfahren.
"Sie haben viel Glück, eine solche Gelegenheit zu haben, die es Ihnen
ermöglichen wird, sich selbst aus neuer Perspektive zu sehen.

Es wird Ihre

Erfahrungen bereichern und sich als überaus hilfreich für Ihr ganzes Leben
erweisen."

Auf die Erfahrungen eingehend, die seine eigene Tochter im Rah-

men eines Austausches in den Vereinigten Staaten gemacht hatte, sagte
Nakasone, sie habe "die unschätzbare Möglichkeit gehabt, zu einer umfassenden Sicht eines anderen Teils der Welt zu gelangen und die gemeinsamen Bande
zwischen Völkern schätzen zu lernen."
Nakasone verwies auf die "äußerst engen und freundlichen" Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und Japan.

"Damit dies andauert, ist es

wichtig, daß die Menschen unserer beiden Länder ihr gegenseitiges Verständnis stärken und die Freundschaft auf allen Ebenen ausweiten."
Die sechs jungen amerikanischen Indianer, die eine der ersten Gruppen
darstellen, die im Rahmen des Austauschprogramms teilnehmen werden, sollen
am 21. Juli in der Bundesrepublik ankommen.
Sie nehmen an einem dreiwöchigen Austauschprogramm teil, das von Arrow,
Inc. organisiert wurde, einer Privatorganisation, die sich der Förderung
und Wahrung der Kultur der amerikanischen Indianer verschrieben hat.
Die jungen Leute - aus den Navajo-, Lagua-, Komantschen-Osage und KiowaStämmen - werden in Frankfurt, Stuttgart, München, Bonn und Westberlin mit
Jugendlichen zusammentreffen.
Deanna Martinez, Direktor des Arrow-Projektes und selbst amerikanische
Indianerin, erklärte:

"Die internationale Jugendaustauschinitiative des

Präsidenten stellt den idealen Mechanismus dar, um junge amerikanische Indianer in eine einmalige kulturelle und erzieherische Lage zu versetzen den internationalen Austausch.

Die jungen Leute werden sich durch das Pro-

- 3 -

�das Programm nicht nur in erhöhtem Maß einer anderen Kultur bewußt werden,
sondern werden auch Bürgern anderer Staaten ein genaueres Bild der amerikanischen Indianer vermitteln."
Die 32 italienischen Studenten werden am 16. Juli in Washington, D.C.
eintreffen.

Nach sechs Wochen der Orientierung und eines Englischkurses

werden sie sich für ein Semester an verschiedenen amerikanischen Colleges
und Universitäten einschreiben. Als Studenten der politischen Wissenschaften, der Wirtschaft, der Geschichte und der Landwirtschaft wurden sie für
dieses Programm mittels eines landesweiten Wettbewerbs ausgewählt.
Zum Zweck einer ähnlichen Erfahrung wird eine Gruppe amerikanischer
Studenten im September in Italien eintreffen. Dieser Austausch wird sowohl
von der italienischen als auch der amerikanischen Regierung getragen.
Am 11. Juli kamen 34 junge Mitglieder von Gliederungen des Roten Kreuzes
in der Bundesrepublik, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan
in Washington, D . C , an, um als Gäste von 40 örtlichen Sektionen des Roten
Kreuzes eine sechswöchige Tour der Vereinigten Staaten zu unternehmen.

Die

Jugendlichen werden dabei Bürgermeister und andere städtische Repräsentanten
kennenlernen, in Krankenhäusern hospitieren,, beim Katastrophenschutz mitarbeiten, Blutspendeaktionen miterleben und an vielen anderen Aktivitäten
teilhaben.
In den Vereinigten Staaten bemüht sich der Rat des Präsidenten für internationalen Jugendaustausch darum, 10 Millionen Dollar an Spenden des Privatsektors zu bekommen, die zu den 10 Millionen Dollar hinzukommen sollen, die
die amerikanische Regierung für diese Anstrengung zur Verfügung stellen will.
Die Mittel werden jenen Austauschorganisationen zufließen, die sich dieser
Arbeit schon seit langem widmen und die ihre Programme dadurch so ausweiten
können, daß die neuen Zielsetzungen beim Austausch verwirklicht werden
können.
+ + + + +

- 4-

�28

13. Juli 1983

STATE DEPARTMENT ZUR POLITIK DER USA IN MITTELAMERIKA

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat dieser Tage
den folgenden zusammenfassenden überblick über die Politik der Vereinigten
Staaten in Mittelamerika veröffentlicht.

Mittelamerika: Die Politik der USA
Hintergrund:

Die Probleme der fünf Krisenstaaten in Mittelamerika

(Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua) berühren direkt
die Sicherheit und das Wohlergehen der Vereinigten Staaten.

Diese Länder

bilden einen Teil der Region des Karibischen Beckens, dessen strategische Bedeutung durch die Tatsache deutlich wird, daß nahezu die Hälfte des amerikanischen Außenhandels, einschließlich des üls, durch den Panamakanal und die
Karibische See geht. Anfang 1942 versenkten Nazi-Unterseeboote in der Karibik
mehr Tonnage als im gesamten Atlantischen Ozean - und das, ohne einen Stützpunkt in diesem Gebiet zu haben.

Sollte heute in Europa eine Krise entstehen,

dann würde zumindest die Hälfte der Nachschubgüter für die NATO an Kuba vorbeigehen, wo eine sowjetische Kampfbrigade stationiert ist und wo sich militärische Luftstützpunkte befinden, die regelmäßig von sowjetischen Militär-

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�sowjetischen Militärmaschinen angeflogen werden, sowie ein U-Bootstützpunkt, der sowjetische Unterseeboote versorgen könnte.

DarUber hinaus kön-

nen wir moralisch gesehen unsere Nachbarn nicht einfach der militärischen
Machtübernahme durch eine totalitäre Minderheit aussetzen.
Die amerikanische Strategie!

Die Strategie der USA basiert auf zwei Vor-

stellungen:
- Die Demokratie kann in Mittelamerika nicht gedeihen, wenn es dort Ungerechtigkeiten im Hinblick auf den Erwerb von Land, die Ausnutzung der
Chancen oder das Rechtswesen

gibt;

- bestehende Ungerechtigkeiten werden von Guerilla-Bewegungen, die von
außen Unterstützung erhalten, für anti-demokratische Ziele ausgenutzt.
Demokratien dürften weit weniger als Diktaturen ihre Nachbarn bedrohen
oder ihre Bürger mißbrauchen. Die Kräfte der Demokratie sind in Costa Rica
tief verwurzelt - in einem Land, das sich seit 35 Jahren eines demokratischen
Systems erfreut. Honduras hat sich von einer Militärherrschaft zu einer demokratischen Regierungsform hinbewegt. Guatemala hat sich demselben Kurs
verpflichtet. Obwohl immer noch zerbrechlich, sind die demokratischen Kräfte
stetig gewachsen, während gleichzeitig die wirtschaftliche Entwicklung die
Mittelklasse gestärkt hat und Gewerkschaften wie Bauernorganisationen den
Pluralismus zu einer Realität machen. Die katholische Kirche hat ebenfalls
zur Demokratie und zu sozialem Fortschritt beigetragen. Die USA haben durch
ihr Beispiel und durch ihre diplomatische Unterstützung wie durch ihre Auslandshilfe ein Gleiches getan.
Die Formen der Diktatur in Mittelamerika sind zweifach - eine alte und
neue neue.

Die alte stützte sich auf wirtschaftliche Oligarchie, politi-

schen Despotismus und militärische Unterdrückung.

Costa Rica ausgenommen,

trifft dies auf den größten Teil Mittelamerikas und auf die Art und Weise
der sozialen Organisation zu.

Die neue Form der Diktatur stellt sich als

- 2 -

�sich als eine mit Gewalt aufgezwungene

Wirtschaft und eine

elitäre

Avant-

garde dar, die sich selbst eingesetzt hat und auf den Guerillakrieg zurückgreift.

Nicaragua ist ihr Stützpunkt und Mittelamerika ihr Ziel.

Es ist

das Ziel der professionellen Guerillabewegungen, die gesamte Region vom
Panamakanal bis hin zu Mexiko zu destabilisieren.
Die Ziele der USA: Präsident Reagan hat am 27. April 1983 auf einer gemeinsamen Sitzung des US-Kongresses vier Grundziele der Vereinigten Staaten zur
Verhinderung eines kommunistischen Sieges und zur Bekämpfung der Armut in
Mittelamerika aufgezeigt.
Die USA wollen:
- die demokratischen Systeme, die bereits bestehen, unterstützen und
den Ländern in dieser Region helfen, die demokratischen Ziele rasch
zu erreichen. Wahlen müssen fair, sicher und für alle offen sein.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin die Menschenrechtsprobleme lösen helfen;
- die wirtschaftliche Entwicklung unterstützen.

Rund 77 Cent von jedem

Dollar, den die USA in diesem Jahr in Mittelamerika ausgeben, werden
für Nahrungsmittel, Düngemittel und andere wichtige Dinge für das
wirtschaftliche Wachstum und die Entwicklung ausgegeben.

Die Initia-

tive für das Karibische Becken sieht darüber hinaus große Handelsund Investitionsanreize vor.

Die gewaltige und wachsende Technologie

der USA soll sich auf die Gesundheitsfürsorge, die Landwirtschaft und
die Industrie in der Region konzentrieren;
- die Sicherheit der bedrohten Länder in dieser Region unterstützen.
Die Sicherheitsunterstützung ist ein Schutzschild für die Demokratisierung, die wirtschaftliche Entwicklung und die Diplomatie.

Noch so viele

Reformen werden keinen Frieden bringen, solange die Guerilla glaubt,
mit Gewalt siegen zu können;
- Dialog und
- 3 -

�- Dialog und Verhandlungen unterstützen - sowohl unter den Ländern der
Region als auch innerhalb eines jeden Landes. Die Vereinigten Staaten
werden auf politische Lösungen in Mittelamerika hinarbeiten, die den
Interessen des demokratischen Prozesses dienen.
Die amerikanische Zusagen:

Um diese diplomatischen Ziele zu unterstützen,

hat Präsident Reagan vier Zusagen angeboten.

Die USA wollen:

- jedes Abkommen unter mittel amerikanischen Ländern über den Abzug aller
ausländischen Militär- und Sicherheitsberater und Truppen - unter voll
verifizierbaren Bedingungen und auf der Basis der Gegenseitigkeit unterstützen;
- oppositionellen Gruppen helfen, sich in allen Ländern in den politischen
Prozeß einzureihen und mit Wahlzetteln statt mit Kugeln zu konkurrieren;
- jedes verifizierbare, auf der Basis der Gegenseitigkeit beruhende Abkommen unter mittelamerikanischen Staaten über den Verzicht der Unterstützung von Aufständischen auf Nachbarterritorien unterstützen;
- Mittelamerika dabei helfen, sein kostspieliges Wettrüsten zu beenden,
und jedes verifizierbare, auf der Basis der Gegenseitigkeit beruhende
Abkommen über die Nichteinführung offensiver Waffen unterstützen.
Präsident Reagan hat einen Sonderbotschafter für Mittelamerika eingesetzt, der die Anstrengungen der Regierungen in dieser Region, Frieden zu
schaffen, unterstützen und eng mit dem amerikanischen Kongreß hinsichtlich
einer überparteilichen Koordinierung der Politik zusammenarbeiten soll.
Reagan stellte ferner klar, daß nicht daran gedacht sei, amerikanische Kampftruppen nach Mittelamerika zu entsenden. "Sie werden dort nicht gebraucht,"
so sagte Präsident Reagan, "ja, sie sind auch nicht angefordert worden. Alles,
worum uns unsere Nachbarn bitten, ist Unterstützung für Ausbildung und Waffen,
um sich selbst zu schützen, während sie dabei sind, ein besseres und freieres Leben zu schaffen".
Der Präsident
- &amp; -

�Der Präsident erklärte ferner:

"Die nationale Sicherheit der beiden

Amerika steht in Mittelamerika auf dem Spiel. Wenn wir uns dort nicht
verteidigen können, dann können wir auch nicht damit rechnen, uns anderswo behaupten zu können.

Unsere Glaubwürdigkeit würde zusammenbrechen, un-

sere Blindnisse würden zerbröckeln, und die Sicherheit unseres Heimatlandes
wäre in Gefahr."

- 5 -

�28

13. Juli 1983

KIRKPATRICK: USA UNTERSTÜTZEN EIN FREIES, DEMOKRATISCHES MITTELAMERIKA

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische UN-Botschafterin Jeane Kirkpatrick
unterstrich am 8. Juli 1983 die Bedeutung der Entwicklung in Mittelamerika
für die Vereinigten Staaten und die Welt.
Vor Mitarbeitern der "Washington Times" betonte die ständige Vertreterin
der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, daß es hierbei für jeden
Staat um die Verteidigung der grundlegendsten Prinzipien der beiden Amerika,
der UN-Charta, der amerikanischen Verfassung und der gesamten zivilisierten
Welt gehe.

Die strategische Bedeutung des salvadorianischen Konflikts für

die Menschen in Nord- und Südamerika könne "moralisch, militärisch und wirtschaftlich... kaum überschätzt werden", erklärte sie. Die Vereinigten Staaten, so die Botschafterin, "unterstützen heute die gleichen Prinzipien, die
uns über Jahrhunderte hinweg inspiriert haben".
"Wir unterstützen den Gedanken zweier Amerika, die frei sind von Einmischung durch ausländische Mächte, welche von außen in diese Hemisphäre
drängen",und "wir unterstützen die Grundsätze der nationalen Unabhängigkeit,
der Selbstbestimmung... der Freiheit, der Gleichheit, der Verfassungsmäßigkeit, der Herrschaft des Gesetzes und der Demokratie."
In ihrer

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�In ihrer Eröffnungserklärung ging Frau Kirkpatrick auf die Entwicklung
in Nicaragua unter dem sandinistischen Regime ein, das nicht in der Lage gewesen sei, seinen Versprechungen gerecht zu werden, die Menschenrechte zu
achten und bürgerliche Gerechtigkeit walten zu lassen.

Sie sprach auch über

Nicaraguas Beziehungen zur Sowjetunion und wies auf die Kontrollen hin, unter
denen die Kirche und die Presse in Nicaragua stünden.
nahmen gegen die Kirche sei

Der Gipfel dieser Maß-

mit dem Verhalten der nicaraguanischen Regierung

während des Papst-Besuches erreicht worden.

Die Behandlung der Miskito-In-

dianer und der Indianer an der Atlantikküste durch die nicaraguanische Regierung sei "in ihrer Brutalität einzigartig".

Die Miskitos "stellten sich

konsequent gegen die Sandinisten - und sie litten schrecklich."
Bezugnehmend auf die militärische Aufrüstung in Nicaragua sagte Frau
Kirkpatrick, es befänden sich derzeit mehr Ausländer in Nicaragua, als man
zu denken wage.

Es gebe dort Waffen und Munition aus"praktisch allen Ländern

des Ostblocks."

Nicaraguas Stärke bringe dessen Nachbarn in eine "sehr un-

angenehme Lage", und es sei "nicht mehr länger möglich..., an dem politischen,
militärischen Charakter der Regierung Nicaraguas zu zweifeln."
Auf die amerikanische Position hinsichtlich der Frage der Ablehnung
einer "Machtaufteilung" in El Salvador angesprochen, sagte Frau Kirkpatrick,
die Vereinigten Staaten glaubten an "die breiteste Machtaufteilung durch
freie demokratische Wahlen; und mit freien demokratischen Wahlen meinen wir
Wahlen mit der breitesten Beteiligung, mit der Freiheit für alle Beteiligten
und offenkundig auch die Sicherheit, die notwendig ist, um an dieser Macht
teilzuhaben."
Sie unterstrich zugleich, daß die Vereinigten Staaten nicht der Meinung
seien, daß "kleine Gruppen - Nordamerikaner oder Mittelamerikaner - sich
zusammentun und darüber entscheiden sollten, wer in El Salvador herrschen
sollte."
"Wir sind

�"Wir sind der Ansicht, daß die El Salvadorianer dies selbst durch freie,
demokratische Prozesse entscheiden sollten."
Zur Frage der Machtbeteiligung der salvadorianischen Guerilla erklärte
Frau Kirkpatrick:

"Wir sind der Meinung, daß die Guerilla auf dem Schlacht-

feld nicht das gewinnen darf, was sie an der Wahlurne nicht gewinnen kann...
Wir sind der Meinung, daß ihr erlaubt werden sollte, an der Wahlurne so viel
zu gewinnen, wie sie nur kann."
Die Vereinigten Staaten, so fügte sie hinzu, glauben an Verhandlungen,
um die Demokratie zu fördern, und an Verhandlungen unter den betroffenen
Parteien. "Dies sind die Salvadorianer", erklärte sie.
Die UN-Botschafterin unterstrich auch die Notwendigkeit langfristiger
Hilfsprogramme fü&gt; Mittelamerika im humanitären, sozialen, wirtschaftlichen
und sicherheitspolitischen Bereich, um die Armut und Not der Menschen in
dieser Region zu lindern.

- 3 -

�13. Juli 1983

28

MOSKAU VERFOLGT IN AFGHANISTAN LANGFRISTIGE ZIELE

WASHINGTON - (AD) - Die afghanischen Widerstandskämpfer haben die
sowjetischen Besatzungstruppen wie auch die Streitkräfte des Regimes in
Kabul nun schon über ein Jahr lang in "ein sehr dauerhaftes militärisches
Patt" gedrängt, ohne daß es zu einem massiven Aufmarsch sowjetischer Verstärkungen gekommen wäre. Wie aber sieht dann Moskaus Strategie aus?
Einem Afghanistan-Spezialisten im amerikanischen Außenministerium zufolge lautet die Antwort so:
"Ich glaube, die sowjetischen und die Kabul-Machthaber verlassen sich
auf eine langfristige Situation, in der sie sich allmählich installieren
und eine neue Generation von Afghanen heranbilden, die in der Lage ist,
die Situation Stück für Stück zu meistern und das Land zu kontrollieren."
Der Vertreter des Außenministeriums

wies

auf mehrere Aspekte hin, die

diese Analyse untermauern und die am 8. Juli 1983 in Washington im "Foreign
Press Center" den Journalisten dargelegt wurden.
Einer dieser

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�Einer dieser Aspekte ist die Indoktrinierung und die Ausbildung dieser
"neuen Generation Afghanen".

Zwischen 10 000 und 20 000 Afghanen wurden als

Studenten in die Sowjetunion geschickt. Außerdem werden alle drei Monate
Gruppen von 800 jungen Afghanen zur Information durch die Kommunistische Partei abgestellt.

"Dies ist ein wesentliches Element der sowjetischen Strate-

gie", erklärte der Vertreter des Außenministeriums.
Ein weiterer Aspekt bezieht sich auf selektive, doch intensive Luftund Bodenoffensiven gegen größere Orte und Bereiche des Widerstandes. Dadurch wurde der Widerstand in manchen Gebieten ausgeräumt, wo die Widerstandskämpfer auf die Unterstützung der Dorfbewohner angewiesen waren. Als Beispiele nannte der Beamte des Außenministeriums das Panschir-Tal und die
Schomali-Region nördlich von Kabul. Unter den Tausenden von Afghanen, die
über Afghanistans Grenzen flohen, war die "westlich orientierte Mittelklasse",
insbesondere von Kabul und anderen Städten.
Trotz der Strafen, der die Städte und Dörfer unterzogen werden, kommt
der afghanische Widerstand in die Gebiete zurück, aus denen er mit Gewalt
vertrieben wurde. Erwähnt wurde in diesem Zusammenhang Kandahar, die zweitgrößte Stadt des Landes, die von den Sowjets schwer bombardiert wurde. Die
Widerstandskämpfer kamen dieses Jahr zurück und wurden von der dortigen Bevölkerung "willkommen geheißen", obgleich die Aktivitäten der Widerstandsbewegung weitere grausame Vergeltungsmaßnahmen gegen die Stadt hervorrufen
dürften. Dem Vertreter des Außenministeriums zufolge ist auch der Widerstand in der Schomali-Region, die in diesem Jahr unter heftigsten Angriffen
zu leiden hatte, wieder "aktiv und zahlreich".
"Ober die letzten zwei Jahre hinweg war ich beeindruckt von dem sehr
dauerhaften Patt in Afghanistan.

Und ich war vor sechs Monaten noch nicht

so beeindruckt, wie ich es heute bin."
Die sowjetische Strategie scheint zu sein, militärisch die Linie zu
halten, während gleichzeitig verschiedene langfristige Kräfte am Werk sind,

- 2 -

�Werk sind, die zu Moskaus Vorteil wirken.

Derzeit ist der sowjetische Ein-

satz in militärischer Hinsicht begrenzt.

Die sowjetischen Streitkräfte, der-

zeit rund 105 000 Mann, wurden seit über einem Jahr nicht verstärkt.
Der Beamte des Außenministeriums bezog sich dabei auf eine Erklärung,
die - wie er sagte - verläßlich einem hohen sowjetischen Offizier in Afghanistan zugeschrieben wird.

Der Russe erklärte, Aufgabe des sowjetischen

Militärs sei es, die Kommunikationslinien zwischen den wichtigsten Punkten
des Landes freizuhalten und gegenüber der Widerstandsbewegung nur dann zuzuschlagen, wenn dieses Ziel gefährdet sei.
Die schweren Bombardierungen von Städten und Dörfern könnten sich jedoch als im Widerspruch zu jenen langfristigen Kräften erweisen, die sowjetischer Ansicht nach in Afghanistan am Werk sind, wie der Vertreter des
Außenministeriums meinte.

"Die Entfremdung der afghanischen Bevölkerung

durch diese selektiven, aber intensiven militärischen Schläge ist nicht abzuwägen," erklärte er.

+ + + + +

- 3 -

�13. Juli 1983

28

SPITZENTECHNOLOGIE
US-Industrie im internationalen Wettbewerb -

- (AD) - Die Aufwendungen der Vereinigten Staaten für Forschung und Entwicklung sind höher als die Japans, Großbritanniens.. Frankreichs und der Bundesrepublik zusammengenommen.

Dies erklärte kürzlich Edward Harper, Referent im

Beraterstab Präsident Reagans für politische Entwicklungen, in einem Interview
mit Jim Füller vom US-Informationsamt (USIA) in Washington.

Jedoch sei es Sache

der Privatwirtschaft, ob Firmen oder Industriebranchen auch künftig die wachsende
Herausforderung aus dem Ausland annehmen.
Wir bringen im folgenden den zweiten Teil des Interviews (der erste Teil
erschien in unserer Ausgabe vom 6. Juli 1983]:
FRAGE: Wie stehen Sie zu der Studie des Handelsministeriums aus jüngster
Zeit, die besagt, daß die führende Position Amerikas in der Spitzentechnologie
durch die Auslandskonkurrenz ernsthaft attackiert wird?
ANTWORT: Ich meine, daß Herausforderung und Wettbewerb niemals etwas
Negatives sind.

Es hält uns in Schwung.

Andererseits vergißt man leicht, wenn

von relativen Statistiken bei Forschung und Entwicklung (F &amp; E) die Rede ist,

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�die Rede ist, daß die Vereinigten Staaten tatsächlich mehr für F &amp; E ausgeben als
Japan, England, Frankreich und Deutschland zusammengenommen.

Man fordert uns

heraus, und wir pumpen eine Menge Geld in Forschung und Entwicklung.
Was mir vielleicht mehr Sorgen macht, ist die Tatsache, daß unsere Konkurrenten im Ausland auf einigen Wirtschaftssektoren mehr für F &amp; E ausgeben als wir.
Ich glaube, das sollte uns schon ein bißchen zu denken geben.

Denn es könnte

bedeuten, daß wir künftig weniger neue Ideen hervorbringen, die ja bisher eine
unserer Stärken waren.

Und das wäre meines Erachtens nicht gut.

So gehen

beispielsweise bei japanischen Elektrofirmen - wenn ich mich recht erinnere mehr als 5,5 Prozent des Umsatzertrages in Forschung und Entwicklung.
sind es im Durchschnitt weniger als 2,5 Prozent.

Bei uns

Ich meine, es liegt an uns,

der Herausforderung zu begegnen, und ich meine, wir können dies auch.

Aber die

Entscheidung muß auf der Ebene der Privatwirtschaft getroffen werden.
FRAGE: Welche Schritte müssen nach Ihrer Ansicht unternommen werden, um die
Probleme zu lösen, die sich durch Schwerpunkt-Industriepolitik ergeben?
ANTWORT: Das ist ein großes und kontroverses Problem. Ich glaube, es muß
auf die Frage zurückgeführt werden: "Können wir eine Gruppe von Leuten zusammenbringen, die besser als der Wettbewerb auf dem Markt herausfinden könnten, wer
die Gewinner, wer die Verlierer sein sollen?" Die Idee, bestimmte Industrien
herauszupicken und zu sagen: ''Okay - ihr seid die Verlierer", ist mit einer marktorientierten Grundeinstellung überhaupt nicht zu vereinbaren. Zwar spricht
manches dafür, daß die Industriepolitik Japans sehr erfolgreich war. Aber es
gibt auch Anzeichen dafür, daß die Industriepolitik an realen Entwicklungen
vorbeigeht.
So gilt beispielsweise der Computerchip 64 K-RAM als das eindrucksvolle
Beispiel, wie erfolgreich die Japaner Schwerpunktpolitik in der Industrie betreiben.

Ob das nun tatsächlich das besondere Ergebnis industrieller Schwerpunkt-

- 2 -

�industrieller Schwerpunktpolitik ist oder möglicherweise auf das Gespür japanischer Firmen und Geschäftsleute für künftige Entwicklungen zurückzuführen ist,
auf die man sich konzentrieren sollte, ist eine offene Frage.
Betrachten wir einmal ein anderes Schwerpu

ojekt, bei dem die Industrie

der Verlierer war: MITI (das japanische Ministerium für Außenhandel und Industrie)
erklärte den japanischen Autoherstellern: "Seht her, ihr solltet das amerikanische
Beispiel kopieren.

Es gibt in Japan sieben Herstellerfirmen für Kraftfahrzeuge.

Zu viele. Reduziert sie auf zwei.

Konzentriert euch auf den Binnenmarkt.

Vergeßt die Möglichkeit, nach Amerika zu verkaufen, denn wir wissen ja, die
Amerikaner haben gerne große und sichere Wagen, über den Kraftstoffverbrauch
machen sie sich wenig Gedanken, und sie mögen nun einmal den amerikanischen Stil."
Natürlich hat die Bezinkrise das alles verändert.

Die Position der japa-

nischen Autohersteller auf dem amerikanischen Markt ist nicht das Ergebnis von
Industriepolitik.

Sie entwickelte sich trotz der in Japan betriebenen Industrie-

politik.
Sie sehen das auch bei anderen Ländern, in denen Industriepolitik betrieben
wird. In England war eines der zugunsten der Industrie gesetzten Ziele - ebenso
in Frankreich -, das Passagierflugzeug CONCORDE zu bauen. Nicht viele behaupten,
daß dies eine überwältigend erfolgreiche Industriepolitik war.
uich versuchte viele Jahre lang, die Mikroelektronik- und Computerfirmen zu unterstützen,
indem ihr Gebiet als besonders zukunftsträchtig bezeichnet wurde. Heute gilt
das Programm nicht als eines, das neue Fortschritte oder dramatische neue Produkte
oder Verfahren in der Mikroelektronik- und Computertechnik hervorgebracht hat.
Ich meine, dieses Setzen von Schwerpunkten in der Industrie dürfte kein Beispiel
für ein erfolgreiches Vorgehen sein.
Wenn wir uns also in der Welt umsehen und alle die anderen Beispiele für
die Schaffung von Industrieschwerpunkten betrachten, so ist ihr Erfolg doch recht
begrenzt. Und den Vereinigten Staaten ist es in der Tat gelungen, sich ihre
Wettbewerbsstärke zu erhalten.
FRAGE: Könnten Sie
- 3 -

�FRAGE: Könnten Sie die Idee der begrenzten Partnerschaft bei Forschung und
Entwicklung noch etwas ausführlicher behandeln - d.h. privatwirtschaftliche
Vereinbarungen, welche Firmen eine Zusammenarbeit in F &amp; E erlauben?
ANTWORT: Nun, dabei gibt es zwei Aspekte.

Bei der begrenzten F &amp; E-Partner-

schaft handelt es sich um eine steuerrechtliche Vereinbarung im Hinblick auf
die Investitionskosten für F &amp; E; außerdem verringert sie dank der Kooperation
die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung.

Der Präsident hält es für

wichtig, daß amerikanische Firmen grundsätzlich die gleiche Basis haben wie
ausländische Firmen, denen in einigen Fällen in Bezug auf F &amp; E gemeinsame
Unternehmungen erlaubt sind.

Bill Baxter, stellvertretender Justizminister

und zuständig für Anti-Trust-Fragen, hat unsere Pläne für eine gewisse gesetzliche Abklärung durchgearbeitet, so daß amerikanischen Firmen die Bildung von
Gemeinschaftsunternehmen für F &amp; E, die von gemeinsamem Interesse für die
Beteiligten sind, erlaubt wird.
Die Grundregeln solcher Aktivitäten besagen, daß Firmen, die ein Gemeinschaftsunternehmen schaffen, in bezug auf ein bestimmtes Produktgebiet nicht
mehr als die Hälfte des Marktanteils besitzen dürfen und daß es zum mindesten
vier weitere Konkurrenten auf dem Markt gibt. Wichtig ist, mutwillig inszenierte,
auf Schädigungen abzielende Klagen bei Gericht gegen solche Vereinbarungen durch
Leute zu unterbinden, die sich daran (d.h. an einem Gemeinschaftsunternehmen)
beteiligen wollten, dies aber nicht konnten.
FRAGE: Trifft die Regierung noch andere spezielle Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten im Geschäft mit Produkten der Spitzentechnologie zu stärken?
ANTWORT: Die Regierung hat beispielsweise unseren F &amp; E-Etat um etwa
17 Prozent erhöht. Unser Etat für Grundlagenforschung liegt ca. zehn Prozent
höher. Das bedeutet, daß unser Gesamtbudget für Forschung und Entwicklung jetzt
rund 37 Milliarden Dollar und das Budget für Grundlagenforschung 6,6 Milliarden
Dollar beträgt.
Wir versuchen

�Wir versuchen außerdem, die Verwendung der Ausgaben für F &amp; E effektiver
zu machen.

Eine der Befürchtungen, die wir in der Vergangenheit hatten, war

die, daß Regierungsgelder manchmal zur Entwicklung marktfähiger Produkte verwendet
werden, die jemand anders kommerziell nutzt und damit Gewinne macht.

Statt dessen

sollten unseres Erachtens jene Projekte mit Bundesmitteln gefördert werden, von
denen die Gesellschaft deutlich protitieren würde, bei denen aber die Risiken so
groß sind

und die Aussichten auf Rentabilität so weit in der Zukunft liegen,

daß keine privatwirtschaftliche Organisation sich an solche Forschungen heranwagt.
Das ist die Definition für Grundlagenforschung - Forschung, die die wissenschaftlichen Erkenntnisse erweitert. Mit dem vom Präsidenten initiierten Steuergesetz
von 1981 zugunsten einer Erholung der Wirtschaft konnten wir außerdem den Kongreß
dazu bringen, einer Steuerentlastung von 25 Prozent für zusätzliche Forschungsund Entwicklungsvorhaben des privaten

Sektors zuzustimmen.

FRAGE: Was erwarten Sie auf weite Sicht von Spitzentechnologie?
ANTWORT: Ich glaube nicht, daß wir genau vorhersagen können, wie sie sich
weiterentwickeln wird.

Aber es wird Entwicklungen geben, die unsere Industrie

produktiver machen, als sie je zuvor war.

Und ich meine auch, daß der Faktor,

der unser Wirtschaftswachstum, der die vor uns liegenden faszinierenden Ereignisse in der Spitzentechnologie mehr als irgendein anderer verzögern könnte,
Protektionismus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen wäre.

Protektionismus

würde nicht nur bedeuten, daß unsere Ressourcen im La"de weniger wirksam
genutzt würden, daß unsere Verbraucher höhere Preise zahlen, daß unsere Steuerzahler auf die eine oder andere Weise Industrien subventionieren müßten. Er würde
auch bedeuten, daß die weniger entwickelten Nationen,die die amerikanischen
Märkte brauchen und tatsächlich die größten Abnehmer für viele unserer Produkte
sind, - daß diese nicht nur nicht in der Lage wären, von uns zu kaufen, sondern
daß sie auch nicht in der Lage wären, die Kredite zurückzuzahlen, die wir ihnen
schon in der Vergangenheit einräumten, damit sie von den Vereinigten Staaten
Waren kaufen konnten.
Und so ist es

- 5 -

�Un so ist es wichtig, daß wir für die Zukunft freie Märkte beibehalten.
Eine richtige Industriepolitik für die Vereinigten Staaten besteht, wie wir es
sehen, darin, eine feste

Basis zu schaffen, eine gute, solide Geld- und Steuer-

politik zur Durchführung solcher Investitionen zu haben •- für die Ausbildung
unserer Schüler in den Grund- und höheren Schulen, für die Ausbildung unserer
Collegeprofessoren, die Fortbildung stellenloser Arbeiter, die Ausbildung in
der Privatwirtschaft und für Investitionen auf dem Gebiet der Forschung.

Dies

sind Dinge, die die Bundesregierung tun kann, die einzelstaatliche und kommunale
Regierungen auch im Bildungsbereich leisten können. Und es sind die Dinge, die
eine feste Grundlage für ein beständiges und langfristiges Wirtschaftswachstum
schaffen, welches allen Amerikanern ein

besseres Leben beschert.

Es schafft

auch die Voraussetzungen für eine gesünoere Weltwirtschaft - und damit für eine
friedlichere Welt.

.+rf-+ + +

�7

Uli/zen/chofl
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

28

13. Juli 1983

NEUER FLUG DES RAUMTRANSPORTERS IN VORBEREITUNG
Nachrichtensatellit TDRS für SPACELAB einsatzbereit -

- (AD) - Die Raumfähre CHALLENGER ist wieder im Weltraumbahnhof Kap
Canaveral angelangt und wird gegenwärtig auf ihre nächste Reise ins All vorbereitet.
gesehen.

Der Start für den Flug STS-8 ist jetzt für Mitte August 1983 vorDa wegen schlechten Wetters bei der Rückkehr vom Flug STS-7 (18.

bis 24. Juni 1983) die Landung in Florida nicht möglich war, sondern wie zuvor in Kalifornien erfolgte, verschob sich der neue Starttermin um ca. eine
Woche.
Nach der Landung an der amerikanischen Westküste unternahmen die Ingenieure und Techniker sofort eine erste Überprüfung der Bordsysteme. Die
gründliche Inspektion aller Triebwerke sowie der gesamten Bordelektronik geschieht jedoch im Kennedy-Raumflugzentrum von Florida.

Ungefähr 100 Kacheln

des Hitzeschildes sind beschädigt und müssen entweder ausgetauscht oder repariert werden.

Die beiden mächtigen Feststoffraketen, die den Raumtransporter

beim Start von der Erde abheben, und der Außentank, der die flüssigen Treibstoffe (Wasserstoff und Sauerstoff) für den Aufstieg zur Erdumlaufbahn aufnimmt, erwarten bereits den Orbiter in der Montagehalle am Kap.
Die wichtigste

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Die wichtigste Nutzlast beim nächsten Flug ist INSAT 1-B, ein Nachrichten- und Wetterbeobachtungssatellit für Indien.
vor dem Start in der Ladebucht des Orbiters verstaut.

Er wird schon Wochen
Wie bei vorangegan-

genen Unternehmen, wo im Auftrag Kanadas, Indonesiens und amerikanischer
Firmen Nachrichtensatelliten abgesetzt wurden, wird auch INSAT 1-B in die
Umlaufbahn in 296 km Höhe mitgenommen und ausgeladen, um anschließend mit
eigenem Antrieb bis in die geostationä're Bahn in 36 000 km Höhe aufzusteigen.
Da dort die Umlaufgeschwindigkeit ebenso groß ist wie die Rotationsgeschwindigkeit der Erde, scheint der Satellit in seiner Position über der Erdoberfläche "verankert" zu sein und steht für den Nachrichtenverkehr in der betreffenden Region ständig zur Verfügung.
Beim nächsten CHALLENGER-Flug sind außerdem Versuche mit einer Satelliten-Attrappe von 2250 kg Masse vorgesehen.

Sie dient als Testobjekt für den

Einsatz des mehrgliedrigen, 15 m langen Roboterarms, den Kanada zum amerikanischen Raumtransporterprojekt beigesteuert hat.

Er macht es möglich, Lasten

verschiedenster Größe und Form im Orbiter-Frachtraum umzusetzen oder in den
Weltraum zu expedieren sowie Objekte aus dem Weltraum an Bord der Raumfähre
zu holen, sobald diese sich ihnen durch entsprechende Rendezvousmanöver weit
genug genährt hat.

Im Gegensatz zu dem deutschen Satelliten SPAS-01, der

beim Flug STS-7 mehrmals abgesetzt und wieder eingeholt wurde, enthält das
bei STS-8 verwendete Testobjekt keine Ausrüstungen für die Durchführung von
Forschungsaufgaben.
Im Rahmen der wissenschaftlichen Experimente während des nächsten
CHALLENGER-Fluges soll u.a. die Wechselwirkung von Sauerstoff mit den verschiedensten Materialien untersucht werden. Dies dient der Erforschung der
Auswirkungen von Korrosionserscheinungen unter Weltraumbedingungen.
Die Missionsspezialisten Dale A. Gardner, William E. Thornton und
Guion S. Bluford, Jr., werden die zahlreichen Experimente betreuen und den
indischen Nachrichtensatelliten absetzen.

Das Kommando bei STS-8 hat Richard

H. Truly, Kopilot ist Daniel C. Brandenstein.

- 2 -

Mit Guion Bluford schickt das

�schickt das US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) den ersten schwarzen Astronauten auf eine Weltraumreise.
Nach dem Unternehmen STS-8 wird CHALLENGER erst wieder für die Flüge
10 und 11 benutzt.

Flug 9, der am 30. September 1983 beginnen soll und des-

sen Hauptprojekt die Erprobung des europäischen Weltraumlabors SPACELAB ist,
wird wieder mit COLUMBIA, dem ersten Raumtransporter der Welt, durchgeführt.
Das Fluggerät wurde eigens umgebaut, um SPACELAB aufnehmen zu können. An dem
neuntägigen Flug nimmt u.a. der deutsche Physiker Ulf Merbold als Wissenschaftsastronaut teil.
Mit der Mission 12, die für März 1984 vorgesehen ist, wird der Orbiter
DISCOVERY seinen Jungfernflug unternehmen.

Die amerikanische Raumtransporter-

flotte besteht dann aus drei Fluggeräten.
TDRS, der größte Nachrichtensatellit der Welt, steht nunmehr für

seine

vorgesehenen Aufgaben auch im Zusammenhang mit bemannten Flügen zur Verfügung.
In z.T. sehr komplizierten Manövern, die sich über Wochen hinzogen, ist es
nun doch gelungen, ihn auf die vorgesehene Bahnhöhe von 36 000 km zu bringen
und über Brasilien zu stationieren.
abgesetzt worden.

Er war im April 1983 aus der CHALLENGER

Die erste Stufe des eigenen Antriebssystem für den 2,2

Tonnen schweren Koloß zündete ordnungsgemäß, die zweite Stufe versagte jedoch, so daß TDRS-1 in eine zu niedrige und stark elliptische Umlaufbahn gelangte.

Mit Computerhilfe arbeiteten daraufhin Wissenschaftler der Hersteller-

firma TRW Systems in Kalifornien einen Plan aus, um möglicherweise durch Aktivierung der mehr als 20 Lageregelungsdüsen am Satellitenkörper die Fehler
wettmachen zu können.

Der Versuch gelang.

sich TRDS-1 in der vorgesehenen Position.

Seit dem 29. Juni 1983 befindet
Normalerweise sind die kleinen

Triebwerke mit 0,45 kg Schubleistung nur für Positionskorrekturen im Verlauf
der zehn Betriebsjahre auf der geostationären Bahn gedacht.

Der noch ver-

bliebene Treibstoff dürfte jedoch auch dafür noch ausreichen.
TDRS macht es möglich, Verbindung zu 26 anderen Satelliten auf Erdumlaufbahnen und zu deren Bodenstationen zu halten, sowie diese Satelliten auch
- 3 -

�Satelliten auch miteinander über Funk zu verbinden.

Bei der Erprobung des

SPACELAB im September/Oktober 1983, bei der Meßdaten in bisher nie dagewesener Menge anfallen, spielt er eine sehr wichtige Rolle.

Sobald ein zweiter

gestartet und über dem Pazifik stationiert sein wird, ist ständiger Sprechkontakt zu den Besatzungen der Raumfähren gewährleistet.

Zur Zeit ist die

Verbindung unterbrochen, sobald der Orbiter den Empfangsbereich der einen
Bodenstation verläßt und den der nächsten noch nicht erreicht hat.

Die TDRS-

Satelliten sind nichts anderes als Relaisstationen im Weltraum mit sehr hoher
Arbeitsgeschwindigkeit; für Aufgaben der Informationsverarbeitung sind sie
nicht ausgerüstet.

Sie sind Eigentum der Firma "Space Communication Company"

und werden an die NASA vermietet.

+ + + + +

- 4-

�</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

20. J u l i 1983

29

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan: Ein echter Frieden bleibt oberstes Ziel der USA
- Rundfunkansprache des US-Präsidenten Reagan: Einigung in Madrid stärkt Schlußakte yon Helsinki
- Erklärung zum KSZE-Folgetreffen Unterstaatssekretär Perle:

USA nehmen es mit der Rüstungskontrolle

ernst
- Wortlaut der Erklärung vor dem Streitkräfteausschuß des
Repräsentantenhauses INFORMATION
Amerikanische Regierung fordert Hilfe für Wahlen in El Salvador
HINTERGRUNDMATERIAL
Sandinisten hielten ihre Versprechungen nicht ein
"Wall Street Journal" zur Situation in El Salvador
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Wissenschaft und Technik - international
- Zusammenarbeit als Ziel amerikanischer Außenpolitik Weltweite Überwachung seismischer Daten
- USA entwickeln neues Mikrocomputersystem -

Um Übcr/cndung von
ßckgcKcmploren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�»

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

20. Juli 1983

29

REAGAN: EIN ECHTER FRIEDEN BLEIBT OBERSTES ZIEL DER USA
- Rundfunkansprache des US-Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 16. Juli 1983 in einer
Rundfunkansprache erneut den Friedenswillen der Vereinigten Staaten betont
und darauf hingewiesen, daß die Beseitigung der nuklearen Kriegsgefahr sowie das Streben nach einem echten Frieden das oberste Ziel seiner Regierung
bleibe.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Meine amerikanischen Mitbürger. Heute möchte ich zu Ihnen über den
Frieden sprechen. Im Juni 1963 hat Präsident John F. Kennedy eine Rede zur
Rüstungskontrolle gehalten, an die man sich immer noch erinnert, weil sie
so ausdrucksvoll und weitblickend war. Er erklärte vor der Abschlußklasse
der American University: "Ich spreche vom Frieden als dem notwendigen und
vernünftigen Ziel aller vernünftigen Menschen. Ich bin mir darüber im klaren, daß das Streben nach Frieden nicht so augenfällig und dramatisch ist
wie das Führen eines Krieges, und häufig stoßen die Worte dessen, der nach
Frieden strebt, auf taube Ohren. Aber wir haben keine dringendere Aufgabe."
Seither

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

sind

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Seither sind 20 Jahre vergangen, und diese Jahre waren eine Zeit der
Krise, die überschattet war von den Gefahren der Kernwaffen.

Wir haben er-

lebt, wie die Kernwaffenarsenale der Welt ständig angewachsen sind.

Trotz

zahlreicher ehrlicher Versuche, das Anwachsen der nuklearen Arsenale unter
Kontrolle zu bringen, haben sie sich dennoch ständig vergrößert.

Das ist

die schlechte Nachricht.
Die gute Nachricht ist, daß wir jetzt endlich hoffen können, diese Entwicklung schließlich doch noch umzukehren.

Die Amerikaner haben sich zusam-

mengeschlossen - Republikaner und Demokraten, Liberale und Konservative -, um
sich der größten Herausforderung unserer Zeit zu stellen:

der dringenden Auf-

gabe, im Atomzeitalter nach einem dauerhaften Frieden zu streben.

Der poli-

tische Prozeß in unserem Lande hat einen Konsens zustandegebracht - einen
überparteilichen Konsens, der uns in unserer gemeinsamen Suche nach Mitteln
und Wegen vereint, um unser Land zu schützen, die Kriegsgefahr zu vermindern
und schließlich in augenfälliger Weise den Stand der Kernwaffen zu verringern - die Grundlage, die wir für erfolgreiche Verhandlungen benötigen.
Unser MX-Programm - das Friedenswahrer-Raketenprogramm - sieht die Dislozierung von 100 Raketen vor. Wie viele schließlich jedoch disloziert werden,
wird ohne Frage von dem Ergebnis in Genf beeinflußt. Wenn dort ein Abkommen
erreicht wird, das tiefgreifende Reduzierungen vorsieht - und das ist selbstverständlich unser Ziel -, dann könnte die Zahl der Raketen ganz gewiß nach
unten angeglichen werden. Wie die Scowcroft-Kommission zu Recht erklärt hat,
ist die MX-Friedenswahrerrakete ein wichtiger Teil eines umfassenden Modernisierungs- und Rüstungskontroi 1programms, das die Abschreckung in heutiger
Zeit wie in Zukunft sicherstellen soll. Wir bauen diese Raketen, um die Abschreckung zu stärken. Aber sie bietet auch entscheidend wichtige Verhandlungsanreize und hat Einfluß auf die Gespräche in Genf.
Andrej Sacharow, der hervorragende sowjetische Physiker und Nobelpreisträger, hat kürzlich einen eindrucksvollen Artikel veröffentlicht, der mit
Nachdruck ebenfalls hierauf verweist. Angesichts des sowjetischen Vorteils

- 2 -

�sowjetischen Vorteils im Hinblick auf landgestützte strategische Raketen,
so führte er aus, könnten Gespräche über eine Begrenzung und Verringerung
dieser Systeme leichter werden, wenn die Vereinigten Staaten über MX-Raketen
verfügten, wenn auch nur potentiell. Andrej Sacharow ist ein Mensch, dessen
Worte man schwerlich ignorieren kann.
Wenn der Kongreß seine Unterstützung für dieses Programm bekräftigt
und die Mittel für die Modernisierung unserer strategischen Abschreckung bewilligt, dann wird unsere Friedensagenda noch mehr gestärkt werden.

In der

NATO wie auch in unseren anderen Bündnissen gibt es ein erneutes Gefühl der
Solidarität.

Im Mai dieses Jahres haben die führenden Staatsmänner der gro-

ßen Industrienationen in Williamsburg erneut ihre Verpflichtung unterstrichen,
mit Nachdruck die beiden Ziele einer
kung zu verfolgen.

Rüstungsverminderung und der Abschrek-

Diese Solidarität ist eine Quelle großer Stärke.

Für die Hochschulabsolventen dieses Juni 1983 ist dies eine Zeit großer
Möglichkeiten und der Hoffnung - der Hoffnung nämlich, daß sie und ihre Kinder sich einer sichereren Welt erfreuen können.

Deshalb müssen wir unseren

Konsens beibehalten, und deshalb habe ich Hunderte von Stunden damit verbracht, mich mit den Mitgliedern meiner Regierung, mit einer überparteilichen
Kommission für strategische Streitkräfte, mit unseren Verhandlungsführern in
Genf, mit Mitgliedern des Kongresses sowie mit besorgten Bürgern zu treffen.
Meine Botschaft für sie und für Sie, die Sie mir jetzt zuhören, ist,
daß es für mich keine größere Priorität gibt, als die Gefahr eines Atomkrieges zu verringern und schließlich ganz zu beseitigen und nach der Stabilität
zu streben, die für einen wahren Frieden notwendig ist.
erreichen, müssen wir die nuklearen Arsenale
als auch der Sowjetunion verringern.

Um dieses Ziel zu

sowohl der Vereinigten Staaten

Wir müssen eine größere Stabilität er-

reichen, d.h. wir müssen sicher sein, daß wir echte Rüstungsverminderungen
erreichen, nicht nur Abkommen, die ein Wachstum der nuklearen Arsenale zulassen

oder Abkommen, die zwar gute Absichten proklamieren, aber nicht die

Garantie bieten, die zu ihrer Verifizierung und zur Durchsetzung der Einhal-

- 3 -

�der Einhaltung notwendig sind.
Unser gegenwärtiges Ziel muß die Verringerung der nuklearen Arsenale
sein.

Und ich glaube fest daran, daß wir niemals von unserem letztlichen

Ziel abweichen dürfen, sie vom Angesicht der Erde zu verbannen.

Deshalb

haben wir ehrgeizige, aber realistische Vorschläge unterbreitet,und deshalb
war ich und bin ich auch weiterhin willens, jeden ernsthaften sowjetischen
Gegenvorschlag zu prüfen.

Deshalb habe ich unseren ursprünglichen Vorschlag

flexibler gestaltet,und deshalb suche ich weiterhin nach neuen Ideen, um
einen Durchbruch bei der Rüstungsverminderung zu erzielen.

Der Verhandlungs-

entwurf, den unsere Unterhändler kürzlich in Genf vorgelegt haben, dokumentiert in der Tat unsere Flexibilität. Wenn sich die Möglichkeiten dazu ergeben, dann wird die amerikanische Position auch weiterhin für Entwicklungen
offen sein.

Die Vereinigten Staaten werden geduldig, aber mit Nachdruck und

immer in guter Absicht verhandeln.

Aber wir können und dürfen uns nicht mit

weniger zufrieden geben als mit echten,beiderseitigen und verifizierbaren
Rüstungsverminderungen.
Die Nachkriegsgeneration Amerikas hat zu ihren Lebzeiten den Frieden
gewahrt, aber es war ein unsicherer Friede.

Die jungen Amerikaner von heute

•- wie alle jungen Menschen auf der Welt - wollen und verdienen mehr als dies.
Und Sie verdienen zu wissen, daß Ihre Regierung alles in ihren Kräften Stehende tut, um Ihren Erwartungen gerecht zu werden.
Immer wieder hat unser Land bewiesen, daß es keine Begrenzungen dafür
gibt, was wir Amerikaner erreichen können, wenn wir zusammenstehen.

Heute

arbeiten wir zusammen, um das zu tun, was richtig ist. Und deshalb können
wir einer sichereren Zukunft entgegensehen.

+ + + + +

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

20. Juli 1983

29

REAGAN: EINIGUNG IN MADRID STÄRKT SCHLUSSAKTE VON HELSINKI
- Erklärung zum KSZE-Folgetreffen -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan betonte am 15. Juli in Washington,
die USA seien.bereit, die vor dem Abschluß stehende Obereinkunft auf dem
KSZE-Folgetreffen in Madrid zu unterzeichnen.

Sie werde die in der Schluß-

akte von Helsinki enthaltenen Verpflichtungen stärken und erweitern, heißt
es in der Erklärung des amerikanischen Präsidenten.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Nach fast dreijährigen Verhandlungen nähern sich die 35 Teilnehmerstaaten an dem Überprüfungstreffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) einer Einigung über ein Schlußdokument - einer Einigung, die die in der Schlußakte von Helsinki enthaltenen Verpflichtungen stärken und erweitern wird.

Sie ist ein Appell an alle 35 KSZE-Staaten - insbe-

sondere an diejenigen, die in so tragischer Weise die in Helsinki gemachten
Zusagen nicht eingehalten haben -, diese Verpflichtungen mit Leben zu erfüllen und sich erneut der Förderung der Freiheit und Gerechtigkeit zu verschreiben, von denen die Sicherheit in Europa letztlich abhängt.
Wir haben

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wir haben diesem Schlußdokument zugestimmt, wie dies im Jahr 1975 in
bezug auf die Schlußakte von Helsinki der Fall war, wobei wir uns keinen Illusionen über die Natur der Sowjetunion oder über das System hingeben, das
sie einem großen Teil Europas aufzuerlegen sucht.
wären Abkommen wie dieses nicht notwendig.

In einer idealen Welt

Aber wir sind der Ansicht, daß

dies das beste erreichbare Abkommen ist - ein Übereinkommen, das die Schlußakte von Helsinki wesentlich verbessert und die Bemühungen des Westens fördert, ein Leuchtfeuer der Hoffnung für jene im Osten zu errichten, die nach
einem freieren, gerechten und sicheren Leben streben.
Zusammen mit den Vereinbarungen von Helsinki zeigt dieses Abkommen für
alle 35 KSZE-Staaten einen klareren Verhaltenskodex auf - ein Muster an Normen, das wir und die anderen atlantischen Demokratien auch weiterhin allen
vor Augen halten werden, die ihr Wort in Madrid gegeben haben.

Wir werden

es in der Hoffnung unterzeichnen, daß es ein Schritt zur Erreichung unseres
Zieles sein wird:

eines stabileren und konstruktiveren Verhältnisses zur

Sowjetunion.
Die Übereinkunft von Madrid wird dem Helsinki-Prozeß wichtige neue Verpflichtungen hinzufügen - darunter Bestimmungen, die sich mit den Menschenrechten, den in Polen so tragisch verletzten Freiheiten der Gewerkschaften,
dem Terrorismus, der religiösen Freiheit, der Familienzusammenführung, dem
freien Informationsfluß und anderem mehr befassen. Sie sieht zwei Expertentreffen auf humanitärem Gebiet sowie eine Sicherheitskonferenz vor, die den
Versuch unternehmen wird, Maßnahmen für die Verminderung der Gefahr eines
Überraschungskrieges in Europa auszuhandeln. Ein weiteres umfassendes Folgetreffen wird 1986 in Wien stattfinden, auf dem wir das Verhalten der Teilnehmerstaaten überprüfen und uns darum bemühen werden, auf dem in Madrid Erreichten weiterzubauen.
Die Einigkeit und die Entschlossenheit der westlichen Demokratien in
Madrid haben dieses Ergebnis möglich gemacht. Botschafter Kampelman und
seine Kollegen aus den NATO-Ländern verdienen höchstes Lob dafür, daß diese
- 2 -

�daß diese lange und oft schwierige Konferenz erfolgreich beendet wird. Besonderen Dank schulden wir auch dem spanischen Ministerpräsidenten Gonzalez,
dessen besonnener Vorschlag die Grundlage für eine schließliche Einigung
schuf.
Angesichts des Abschlusses des Madrider Folgetreffens bekräftigen wir
unseren Einsatz für den Prozeß von Helsinki. Wir werden in unserer anhaltenden Entschlossenheit nicht nachlassen, mit allen Regierungen und Völkern
zusammenzuarbeiten, deren Ziel die Stärkung des Friedens in Freiheit ist.
Wie Madrid gezeigt hat, kann der Dialog - wenn er sich auf realistische Erwartungen stützt und mit Geduld geführt wird - Resultate zeitigen.

Solche

Resultate können oft nur allmählich und mit Anstrengungen erreicht werden,
aber sie sind die notwendigen Bausteine für eine sicherere und stabilere
Welt.

Die große Aufgabe bleibt:

Wir müssen alle zusammenstehen und auf

diesen Gewinnen aufbauen; wir müssen dafür sorgen, daß gute Worte in gute
Taten umgesetzt werden und daß die Ideale, die sie beinhalten, konkreten
Ausdruck finden.

Es wird eines unserer Hauptziele bleiben, den Zusagen von

Madrid und Helsinki Substanz zu verleihen.

- 3 -

�' 1111 J

Dokumentation

IT1T37

United States Information Service
Embassy of the United States of America

29

20. Juli 1983

UNTERSTAATSSEKRETÄR PERLE: USA NEHMEN ES MIT DER RÜSTUNGSKONTROLLE ERNST
- Wortlaut der Erklärung vor dem Streitkräfteausschuß des
Repräsentantenhauses -

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für internationale Sicherheitspolitik im amerikanischen Verteidigungsministerium, Richard Perle, erklärte am 12. Juli 1983 vor einem Sonderausschuß für Rüstungskontrolle und
Abrüstung des Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses, daß jene
Kritiker, die Präsident Reagans ernsthaftes Bemühen um Rüstungskontrolle
in Zweifel ziehen, die amerikanischen Bestrebungen schädigen, zu Abkommen
zu gelangen, die zu größerer Stabilität auf erheblich verringertem Waffenniveau führen würden.
Die Erklärung Perles hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir ein Vergnügen, vor diesem Sonderausschuß für Rüstungskontrolle und Abrüstung zu erscheinen und die Gelegenheit zu haben, unsere
Ansichten über die komplexen Fragen der Rüstungskontrolle und der nationalen
Sicherheit auszutauschen.

Ich begrüße diese Gelegenheit vor allem auch des-

halb, weil unsere nationalen Erwägungen hinsichtlich Rüstungskontrollfragen

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�hinsichtlich Rlistungskontrollfragen Gefahr laufen, in einen Austausch von
Formeln zwischen "den Guten" und "den Bösen" abzugleiten.

Und als einer

der offiziellen Vertreter, die oft genug von jenen in die zweite Kategorie
abgeschoben werden, die sich selbst fest zur ersteren gehörig fühlen, bietet
sich mir dadurch die Möglichkeit, zu erklären, warum es Unterschiede gibt in der Tat ein seltenes Privileg.
Ich glaube, daß der entscheidende Unterschied zwischen dieser Administration und ihren Kritikern hinsichtlich der Rüstungskontrolle, in dem Maßstab
besteht, den wir dabei anlegen, ein Abkommen zu erreichen.

Ich muß gestehen,

daß ich der Meinung bin, wir legen einen strengeren Maßstab an als unsere
Verleumder:

Wir bemühen uns um Rüstungskontrollvereinbarungen, die das An-

wachsen der militärischen Macht der Sowjetunion beträchtlich einschränken und
gleichzeitig unsere eigene proportional begrenzen würden.

Wir streben aus-

gehandelte Waffenbegrenzungen an, die - käme es zu einer beiderseitigen Zustimmung - größere Stabilität mit beträchtlich geringerem Waffenumfang bieten würden.

Wir versuchen - wie es der Kongreß verfügt hat -,

Abkommen zu

erreichen, die sich auf das Prinzip der Gleichheit zwischen den Vereinigten
Staaten und ihrem Hauptgegner, der Sowjetunion, gründen.

Wir versuchen,

Abkommen zu erreichen, die präzise genug sind, um ihre Einhaltung zu verifizieren.

Und beim Versuch, all dies zu erreichen, bleiben wir uns der Tat-

sache bewußt, daß es bestimmte Abkommen gibt, die besser sind als andere,
daß nur zu viele den Eindruck - aber nicht die Realität - einer militärisch
sinnvollen Beschränkung vermitteln und daß einige schlechter sind als überhaupt keine.
Unsere Anstrengungen zur Aushandlung von Abkommen, die militärisch bedeutsam sind, mit Präzision entworfen sind, die ausgewogen, ausgeglichen und
verifizierbar sind, finden statt vor einem Hintergrund von Angst und Besorgnis - sowohl hier als auch im Ausland, wodurch unsere Sicht verdüstert und
unsere Aufgabe erschwert wird.

Der deutlichste Ausdruck dieser Besorgnis

findet sich in dem Wort "Wettrüsten" wieder, in dem ein schreckliches Aufhäufen von Waffen, eine endlose Aufwärtsspirale, ein Wettrennen in Richtung auf

- 2 -

�Richtung auf die Apokalypse steckt. Aber die Wirklichkeit ist weit irdischer
und viel weniger schwer definierbar.

Und sie sieht so aus: Die Vereinigten

Staaten haben heute weltweit etwa 8000 Kernwaffen weniger disloziert, als wir
in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre disloziert hatten,

über 15 Jahre

lang führten wir ein einseitiges Rüstungsverminderungsprogramm durch, während
die Sowjetunion ihrem Arsenal der strategischen Kernwaffen und der atomaren
Gefechtsfeldwaffen immer neue Waffen hinzufügte.

In Megatonnen ausgedrückt,

ist die Verringerung der amerikanischen Streitkräfte noch eindrucksvoller:
Wir haben im Lauf der beiden vergangenen Jahrzehnte die Megatonnage unserer
dislozierten Waffen um 75 Prozent reduziert.
Aber was hat das mit Rüstungskontrolle zu tun?

Nichts - und doch alles.

Nichts, weil die amerikanischen Verringerungen und die sowjetischen Anhebungen stattfanden ohne bezug zu den drei wichtigsten Verträgen, unter denen
wir und die Sowjets seit 1972 leben.

Alles, weil die Irrelevanz der Verträ-

ge - die ja den Wettbewerb bei den strategischen Waffen reduzieren sollten immer klarer zutage tritt, fand die sowjetische Aufrüstung doch innerhalb
ihrer Bestimmungen statt. Ja, es ist erstaunlich, in welchem Maß die Nostalgie für die Rüstungskontrolle der frühen siebziger Jahre zu einer fast automatischen Reaktion auf gegenwärtige Bedenken hinsichtlich "der Aufwärtsspirale
des Wettrüstens" geworden ist - als ob die Abkommen der siebziger Jahre heute
nicht mehr in Kraft wären, obgleich sie dies doch sind.

Jede strategische

Waffe, die seit 1972 den Arsenalen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
hinzugefügt wurde, wurde hinzugefügt gemäß dem Wortlaut (manchmal

von den

Sowjets großzügig interpretiert) eines in Kraft stehenden Vertrages, eines
ausgelaufenen, aber dennoch eingehaltenen Vertrags sowie eines Vertrags, der
nie ratifiziert wurde, der aber dennoch eingehalten wird.

So viel zur Nostal-

gie; auch sie ist nicht mehr, was sie einmal war.
Bei all der Konfusion, die die Frage der Rüstungskontrolle umgibt, ist
nichts so ernst wie die Frage der Ernsthaftigkeit.

Es gehört zu den Gemein-

plätzen der Kritiker dieser Administration, daß sie sie eines Mangels an
Ernsthaftigkeit bei der Rüstungskontrolle bezichtigen.
- 3 -

Zur Unterstützung

�Zur Unterstützung dieser Anklage finden geistreiche journalistische Exkursionen in die bürokratische Welt der heroischen, doch ineffizienten "Guten"
(die es mit der Rüstungskontrolle ernst meinen) und der dominierenden "Bösen"
(die insgeheim gegen die Rüstungskontrolle sind und sie überall blockieren,
auch wenn sie sich bei den Abstimmungen äußerlich als durchaus ernsthaft gebärden) statt.

Und mittels irgendeines obskuren Lackmustests werden wir -

wir alle - in das eine oder das andere Lager gesteckt in einer sich ewig
drehenden Spirale der Heuchelei und der Verleumdung.
Aber was bedeutet denn Ernsthaftigkeit bei der Rüstungskontrolle?

Ist

es ein Zeichen der Ernsthaftigkeit, dem sowjetischen Begehren nach Verschaffung und Bewahrung beträchtlicher Vorteile bei den Kernwaffen Zugeständnisse
zu machen?

Ist die Leichtigkeit, mit der wir unsere Zielsetzungen aufgeben

und "Fortschritte" in Richtung auf ein Abkommen - jegliche Art von Abkommen machen, ein Zeichen der Ernsthaftigkeit?

Gibt es eine Beziehung zwischen

Ernsthaftigkeit und Inhalt der Abkommen, die wir auszuhandeln suchen?
Die Unterstellung, diese Administration sei bei der Rüstungskontrolle
nicht ernsthaft bemüht, weil sie sich einen Maßstab für Abkommen gesetzt
hat, dem man eben deshalb nur schwer gerecht werden kann, weil er es wert
ist, ihm gerecht zu werden, ist schädigend und unwürdig - schädigend für
unsere Anstrengungen und unwürdig derer, die diese Unterstellung machen.
Die Berge von Ratschlägen, die wir von vielen unserer Kritiker erhalten,
summieren sich zu wenig mehr als der Tatsache, daß wir unsere Vorschläge
dahingehend ändern sollten, daß den Sowjets erlaubt würde, ein strategisches
Arsenal zu behalten, das um ein Gewaltiges größer wäre, als dies gemäß der
Vorschläge der Administration der Fall sein würde. Dieser Auffassung nach
wäre Ernsthaftigkeit dort zu finden, wo die großen Geschütze stehen - oder,
in diesem Fall, die großen Raketen. Verlangt man zu viel Zurückhaltung
seitens der Sowjets - selbst wenn der von uns vorgeschlagene Stand für beide Seiten derselbe wäre -, so ist man nicht ernsthaft. Ernsthaftigkeit ist
mit jenen, die sich nicht allzu viele Gedanken über den Wortlaut eines Ab-

�eines Abkommens machen, solange überhaupt nur irgendetwas unterzeichnet wird.
Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß dies nicht unsere Ansicht
darüber ist, was Ernsthaftigkeit bei der Rüstungskontrolle darstellt.

Un-

serer Ansicht nach erfordert Ernsthaftigkeit klarsichtige Ziele, militärisch
bedeutsame Ergebnisse, Abkommen, die ausgeglichen und verifizierbar sind sowie die Geduld und den Mut, Ergebnisse zu erzielen.
noch leicht geschehen.

Dies kann weder rasch

Unsere Gegner werden das nicht zulassen.

Sie ziehen

es vor, auf Bedingungen zu warten, die ihnen besser gefallen - Bedingungen,
die - wie jene, an die sie sich gewöhnt haben - ihre militärischen Programme
im großen und ganzen unbehindert lassen und ihre Aufrüstung ungeschmälert.
Ohne die Unterstützung des Kongresses - ohne die Hilfe von Ausschüssen
wie diesem hier - können wir nicht hoffen, in Verhandlungen Erfolg zu haben,
die eben deshalb lang und mühsam sind, weil wir die Geschichte in Richtung
auf eine geschütztere und sicherere Zukunft hinbewegen wollen. Wir würden
unser Mandat vergeuden, wenn wir weniger versuchen würden; und eben deshalb
werden wir fest und doch fair sein beim Verfolg von Frieden und Freiheit.

- 5 -

�20. Juli 1983

29

AMERIKANISCHE REGIERUNG FORDERT HILFE FÜR WAHLEN IN EL SALVADOR

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium gab am 12. Juli
1983 bekannt, daß die Reagan-Administration 3,4 Millionen Dollar angefordert
habe, um Vorbereitung und Durchführung des Wahlprozesses in El Salvador zu
unterstützen.
John Hughes, der Sprecher des Außenministeriums, wies darauf hin, daß
die Regierung von El Salvador vor einigen Monaten um amerikanische Hilfe bei
der Verbesserung des dortigen Wahlprozesses sowie finanzielle Unterstützung
durch die Vereinigten Staaten zur Abdeckung eines Teils der Kosten für die in
diesem Jahr stattfindenden Präsidentenwahlen

ersucht habe.

"Wir sind der

Meinung, daß diese Hilfe notwendig und angemessen ist, um den Obergang El
Salvadors zu Pluralismus und Demokratie zu unterstützen," betonte Hughes.
Der Sprecher des State Department

berichtete weiter, daß vor einigen

Wochen amerikanische Wahlexperten nach El Salvador gereist seien, um Vorschläge zu erarbeiten, wie die Vereinigten Staaten hierbei am ehesten von
Nutzen sein könnten.

Nach Konsultationen mit Mitgliedern des Kongresses

habe das Amt für internationale Entwicklung (AID) am 11. Juli den Kongreß
formell über die 3,4 Millionen Dollar an vorgeschlagener Hilfe für den Wahlprozeß informiert.
Die vorgeschlagenen

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�Die vorgeschlagenen Mittel umfassen rund 1,5 Millionen Dollar für Computerund andere Ausrüstung.

Weitere 900 000 Dollar sind für konsultative Dienst-

leistungen vorgesehen, damit eine Wahlregistratur erstellt werden kann.

Wei-

tere rund 800 000 Dollar stehen für die voraussichtlich rund 200 internationalen Beobachter von Wahl kämpf und Wahl zur Verfügung und rund 200 000 Dollar
für Berater, die bei der Durchführung des Wahl Vorgangs mitarbeiten sollen.
Hughes unterstrich, daß die Präsidentenwahlen in El Salvador noch immer
vor Jahresende vorgesehen sind.

Er erklärte weiter, daß die angeforderten

Gelder für die Wahlhilfe keiner neuen Bewilligung bedürften, sondern daß man
sich der Mittel für Wirtschaftshilfe bedienen werde, die bereits angewiesen
worden seien.
In seinem Vorschlag an den Kongreß erklärte das Amt für internationale
Entwicklung, daß die Mittel nur zur Unterstützung solcher Maßnahmen dienen
werden, die weder die eine noch die andere Partei bevorzugten.
Die Anforderung des AID kann innerhalb von 15 Tagen durch die Vorsitzenden
von vier Kongreßausschüssen zur Abstimmung gelangen.

Dies sind der außen-

politische Ausschuß des Repräsentantenhauses, der außenpolitische Ausschuß des
Senats sowie die Bewilligungsausschüsse von Senat und Repräsentantenhaus.
Obgleich ein gewisser Widerstand gegen den Vorschlag erwartet wird, hat doch
der Kongreß immer wieder den Wert freier Wahlen in El Salvador unterstrichen.

+ + + + +

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&lt;

Hintcigiunclmateriell
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Embassy of the United States of America

20. Juli 1983

29

SANDINISTEN HIELTEN IHRE VERSPRECHUNGEN NICHT EIN

WASHINGTON - (AD) - Vier Jahre nach der Verpflichtung, ein freies Land
zu schaffen, in dem die Menschenrechte und der politische Pluralismus respektiert werden, haben die Sandinisten in Nicaragua ihre Zusagen immer noch nicht
eingelöst.

In einem Schreiben vom 12. Juli 1979 versicherten fünf Mitglieder

der sandinistischen Regierungsjunta der Organisation amerikanischer Staaten
(OAS), daß sie in Nicaragua eine demokratische Regierung mit umfassender Repräsentation bilden, die ersten freien Wahlen in dem mittelamerikanischen Land
in diesem Jahrhundert abhalten und die Menschenrechte voll und ganz beachten
würden.

Daniel Ortega, ein führendes Mitglied des neunköpfigen Direktoriums,

war einer der Unterzeichner.
Es kann nicht bestritten werden, daß die Sandinisten seit ihrer Machtübernahme im Hinblick auf das Gesundheits- und Erziehungswesen Fortschritte
erzielt haben. Aber genauso wenig kann bestritten werden, daß sie ihre Zusage, politische und wirtschaftliche Reformen durchzuführen, und die Menschenrechte zu respektieren, einfach vergessen haben.
Nachdem immer wieder freie Wahlen für die Bevölkerung Nicaraguas versprochen worden waren, haben die Sandinisten diese Wahlen verschoben.

Sie er-

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�Sie erklären nunmehr, daß die Wahlen nicht mehr vor 1985 abgehalten würden.
Aufgrund der allgemeinen Beunruhigung im Lande hat der Pluralismus ebenfalls
gelitten.

Im Jahr 1981 veröffentlichten die fünf politischen Parteien in

Nicaragua - die Demokratische Bewegung, die Sozialdemokratische Partei, die
Christlich-Sozialen, die Demokratische Konservative Partei und die liberal
Konstitutionellen - eine Erklärung, in der die Angriffe der Sandinisten auf
politische Organisationen verurteilt wurden.

Diese Angriffe, so hieß es in

der Erklärung, machten die Entscheidung deutlich, daß die Sandinisten in
Nicaragua eine marxistisch-leninistische Diktatur errichten wollten.
Ehemalige Mitstreiter in der sandinistischen Revolution, darunter der
Führer der Demokratischen Bewegung, Alfonso Robelo, der ein Mitglied der Regierungsjunta des nationalen Wiederaufbaus war und das Schreiben an die OAS
mit unterzeichnet hatte, sahen sich gezwungen, aus Nicaragua zu fliehen.
"Zu Zeiten Somozas," so erklärte Robelo im Fernsehen Panamas im Jahr 1982,
"konnten viele seiner Gegner, darunter auch ich, ihm offen und entschlossen
entgegentreten.

Ich kann jetzt nicht nach Nicaragua zurückkehren, denn das

wäre glatter Selbstmord...

Mein Leben war so sehr bedroht, daß ich zu der An-

sicht gelangte, bereits genug Risiken auf mich genommen zu haben."
Die gewaltsame Umsiedlung von 8500 Miskito-Indianern sowie die Flucht
von wenigstens weiteren 10 000 nach Honduras, ist wahrscheinlich eine der
schlimmsten Verletzungen der Menschenrechte, die die Sandinisten begangen
haben. Am 18. Februar 1982 veröffentlichte die Bischofskonferenz von Nicaragua ein Kommunique, in dem alle Bischöfe ihre große Besorgnis über die Behandlung der Miskito-Indianer zum Ausdruck brachten.
Auch Geschäftsleute wurden getötet oder ins Gefängnis geworfen. So
ermordeten sandinistische Sicherheitskräfte am 17. November 1980 den prominenten Geschäftsmann Jorge Salazar. Enrique Dreyfus, Präsident des Rates
privater Unternehmen (Cosep), wurde zusammen mit drei anderen prominenten
Geschäftsleuten verhaftet und mehrere Wochen lang unerbittlich verhört.
Einer der

�Einer der führenden Revolutionskämpfer der Sandinisten, Eden Pastora,
- bekannt als "Commandante Zero" - berichtete 1982, daß die Festnahmen,Enteignungen und Konfiszierungen Anhänger

wie Gegner

Somozas, Gegenrevolutio-

näre wie Revolutionäre, Schuldige wie Unschuldige treffen.

"In den Gefäng-

nissen werden Gegenrevolutionäre genauso geschlagen wie die marxistischen Revolutionäre; die letzteren werden bestraft für das schwere Verbrechen, Marx
anders auszulegen als ihre Kameraden, die an der Macht sind".
In ihrem Bemühen um die absolute Kontrolle haben die Sandinisten auch
andere mächtige Kräfte Nicaraguas, einschließlich der Kirche und der Presse,
bedrängt. Weil sie in der Kirche eine Bedrohung sehen, haben die Sandinisten
wiederholt den Papst während seines Besuches in Managua Anfang dieses Jahres
belästigt und gestört, örtlichen Geistlichen ist es noch schlimmer ergangen;
so wurde Erzbischof Obando Y Bravo zweimal vom Pöbel angegriffen, verschiedene andere Priester wurden geschlagen.
La Prensa, eine der drei Zeitungen, die in Managua übriggeblieben sind,
erscheint trotz ihrer Opposition gegenüber den Sandinisten zwar noch, aber
zu einem hohen Preis.

Die Zeitung wird immer wieder zensiert oder muß für

längere Zeit ihr Erscheinen einstellen, und einige der Redakteure und Fotografen sind Angriffen ausgesetzt gewesen.
Vor vier Jahren hat die Organisation amerikanischer Staaten die Versprechungen der Sandinisten begrüßt und in einer Resolution zum Ausdruck
gebracht, daß Nicaragua eine auf breiter Grundlage stehende demokratische Regierung, möglichst bald freie Wahlen sowie Garantien benötigt, daß die Menschenrechte respektiert werden. Bis heute ist noch nicht eine dieser Zusagen an
die Bevölkerung in Nicaragua Wirklichkeit geworden.

+ + + + +

- 3 -

�Hintergrund
materiell
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20. Juli 1983

29

"WALL STREET JOURNAL" ZUR SITUATION IN EL SALVADOR

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung
des Wall Street Journal, Copyright (c)
Dow Jones and Co., Inc., 1983.
Alle Rechte vorbehalten.

Unter der Oberschrift "Gespräche über was?" veröffentlichte das "Wall
Street Journal" am 13. Juli 1983 einen Leitartikel, der sich mit der Situation in El Salvador befaßt. Der Artikel hat folgenden Wortlaut:
Joaquin Villalobos, einer der salvadorianischen Guerillaführer, weiß,
wie man bei einem Thema zur Sache kommt.

In einer Sendung des in Nicaragua

stationierten Senders Venceremos erklärte Senor Villalobos, warum die Gespräche zwischen Repräsentanten der Guerilla und dem amerikanischen Sonderbeauftragten Richard Stone am vergangenen Wochenende erfolglos blieben.
Villalobos meinte, Botschafter Stone habe über Wahlen sprechen wollen, die
Guerilla jedoch über Machtbeteiligung.
"Wir haben deutlich gemacht, daß Wahlen keine Lösung für den Krieg
sind", sagte der Guerillaführer. "Die Lösung liegt in der Anerkennung der

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�Anerkennung der politisch-militärischen Kraft der FMLN (der Guerilla-Front)
bei der Errichtung einer neuen Regierung, bei der Bildung einer Armee, in
die die FMLN eingegliedert wird,und im Ende der Intervention der Vereinigten
Staaten."
Was könnte deutlicher sein?

Dies ist weder jetzt ein Krieg unzufriede-

ner Bauern, noch war er das jemals. Mr. Villalobos und die anderen Kommandeure sind professionelle Revolutionäre.

Sie arbeiten mit Professionellen

ihresgleichen im sandinistischen Direktorium in Managua und in den sowjetischkubanischen strategischen Hauptquartieren in Havanna.

Sie haben ihr Leben

dort draußen im Dschungel all die Jahre nicht riskiert, um die Demokratie zu
fördern.

Sie sind Kommunisten.

Sie wollen nur eins:

Die totale Kontrolle

von El Salvador.
Ein beachtlicher Teil der öffentlichen Meinung in den Vereinigten
Staaten beharrt darauf, daß Mr. Villalobos nur ein Spiel treibt, wenn er uns
sagt, er gehöre zu der harten Linie.

Ein gewisser Piero Gleijeses, Professor

an der Johns Hopkins-Universität, etwa schrieb in der jüngsten Ausgabe von
"Foreign Affairs", daß Salvador sich von Nicaragua unterscheide.

Die San-

dinisten hätten die totale Macht ergreifen können, weil sie einen totalen
Sieg über Somoza errungen hätten. Wenn die gewählte Regierung von El Salvador
die Macht mit der FMLN "teilen" würde, so würde sie auch weiterhin stark genug sein, um den Tendenzen der FMLN in Richtung auf einen Absolutismus zu
widerstehen.
Stellen wir uns einfach einmal eine andere Möglichkeit vor:

Die ge-

wählte Regierung von El Salvador (erinnern wir uns doch an diese Wahl, als
all die Salvadorianer, die ihre Stimme abgeben wollten, kommunistische Geschosse riskierten) handelt mit Villalobos und seinen Freunden ein Geschäft
der "Machtbeteiligung" aus. Mit ihrer neugewonnenen Legitimität veranstalten Mr. Villalobos und seine Truppen einen großartigen Triumphmarsch durch
das Zentrum von San Salvador und zeigen der Welt mit all der Dynamik des Revolutionstheaters, daß sie den Krieg gewonnen haben.
- 2-

Die salvadorianische

�Die salvadorianische Mittelklasse, die bislang bemerkenswert beweglich war,
macht sich in Richtung Ausgang auf - in der Annahme, daß mit ihr ein Ausverkauf betrieben wurde.

Die politische Basis für die gewählten demokratischen

Parteien beginnt zu erodieren.

Bald wird Mr. Villalobos darauf bestehen,

einige kubanische "Lehrer" zu benötigen, die ausschwärmen und mit der Organisation der politischen Umerziehung beginnen.

Dann wird eine große sowje-

tische Mission eröffnet und bietet Wirtschaftshilfe an - und bringt damit
die Botschaft, daß eine neue Großmacht übernommen hat.
Natürlich will Mr. Villalobos eine Beteiligung an der Macht. Der Mann
ist kein Narr. Aber er muß sich sicher über die Leichtgläubigkeit jener amerikanischen Politiker wundern, die darauf bestanden haben, daß Präsident
Reagan Botschafter Stone dorthin schickt, um ein Geschäft zu machen. Wenn
die Vereinigten Staaten den Ausverkauf der Demokratie wollen und über eine
Machtbeteiligung reden, dann natürlich kann es zu einem Geschäft kommen.
Wenn nicht, dann hören wir ja direkt von Radio Venceremos, daß es keinen
Sinn hat, miteinander zu reden.

+ + + + +

- 3 -

�20. Juli 1983

29

WISSENSCHAFT UND TECHNIK - INTERNATIONAL
Zusammenarbeit als Ziel amerikanischer Außenpolitik -

WASHINGTON - (AD) - Mehr internationale Zusammenarbeit in Wissenschaft und
Technik betrachtet Präsident Reagan als eines der wichtigsten Ziele der amerikanischen Außenpolitik.

In seiner mit dem Jahresbericht für 1982 über die

internationalen Aktivitäten der US-Regierung auf den Gebieten von Wissenschaft
und Technik dem Kongreß übermittelten Erklärung verweist der Präsident u.a.
auf die Einrichtung von 18 neuen Projekten, für die sich die Regierungschefs
auf der Gipfelkonferenz von Williamsburg einsetzten, sowie auf gemeinsame
Projekte mit Indien, Brasilien, Pakistan, China und der Sowjetunion.

In der

Erklärung heißt es:
"... Im vergangenen Jahr kam es zu mehreren wichtigen Entwicklungen in
unseren internationalen Wissenschaftsbeziehungen, die alle eines unserer außenpolitischen Hauptziele widerspiegeln - nämlich Wissenschaft und Technik in
unseren Beziehungen zu anderen Ländern stärker zu betonen.

Dies ist nicht nur

generell bedeutsam für unsere Auslandsbeziehungen, sondern auch für die Realisierung vieler unserer eigenen Ziele in Wissenschaft und Technik.
meinem

Wie ich in

Jahresbericht an den Kongreß über Wissenschaft und Technik erklärte,

kann internationale Zusammenarbeit vielen unserer eigenen Interessen dienlich
sein.

Ich habe deshalb meinen Wissenschaftsberater, Dr. George Keyworth, gebeten,

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�gebeten, internationalen Angelegenheiten besondere Aufmerksamkeit zu widmen.
Innerhalb der gesamten Bundesregierung wurde überdies durch eine konzertierte
Aktion unser Engagement demonstriert, durch die Nutzung von Fortschritten in den
Wissenschaften sowohl nationalen als auch internationalen Herausforderungen
gerecht zu werden.
Wesentliche Fortschritte

sind bereits zu verzeichnen. Auf der Gipfelkon-

ferenz von Versailles war internationale Zusammenarbeit in der Wissenschaft zum
ersten Mal ein

Diskussionsthema für die führenden Persönlichkeiten der wichtigsten

demokratischen Industriestaaten.

Auf Grund dieser Erörterungen wurden von den

Teilnehmerländern eine Studie über Zusammenhänge zwischen Technologie, Beschäftigung und Wirtschaftswachstum und die Durchführung von 18 neuen Gemeinschaftsprojekten unserer Länder in die Wege geleitet. Obgleich diese Projekte in erster
Linie vom einen oder anderen Partnerland der Gipfelkonferenz geleitet werden,
könnten schließlich auch andere Staaten und internationale Organisationen einbezogen werden. Auch besteht dadurch die Möglichkeit, mit der Zeit auch Ländern
der Dritten Welt zu mehr Fortschritt zu verhelfen. Diese Projekte verstärkter
Zusammenarbeit wurden auf der Gipfelkonferenz der Regierungschefs

in Williamsburg

unterstützt, und man kam überein, sie beim nächsten Treffen erneut zu erörtern.
Im Juli vergangenen Jahres leiteten Ministerpräsidentin Indira Gandhi und
ici. ein neues Programm für verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten
Staaten und Indien in die Wege. Einige der angesehensten Wissenschaftler beider
Länder trafen sich im Januar in Indien und bereiteten ein weitreichendes Programm
auf den Gebieten Medizin, Landwirtschaft, Meteorologie und Energie vor. Die
praktische Arbeit begann im April 1983, und wir erwarten die ersten Ergebnisse
innerhalb der nächtsten zwei Jahre.
Ähnlich bekräftigten anläßlich meines Besuches in Brasilien im vergangenen
Jahr Präsident Figueiredo und ich unseren Wunsch, die Zusammenarbeit in Wissenschaft
und Technik zu verstärken. Wir entwickelten ein entsprechendes Programm auf fünf
wichtigen Gebieten, und ich schlug vor, daß im Rahmen unserer vorgesehenen

- 2 -

�unserer vorgesehenen Anstrengungen auf dem Weltraumsektor ein brasilianischer
Nutzlastspezialist zusammen mit amerikanischen Astronauten trainiert, um an
einer künftigen Raumfähren-Mission teilzunehmen.

Als Präsident Zia von Pakistan

im Dezember 1983 Washington besuchte, kamen wir überein, eine neue gemeinsame
Kommission zur Koordinierung mehrerer bilateraler Projekte einzusetzen

zu denen

auch gemeinsame Unternehmungen in Wissenschaft und Technik gehören.
Im Mai besuchte eine Delegation unter der Leitung von Dr. Keyworth die Volksrepublik China, um an der dritten, überaus erfolgreichen Konferenz der gemeinsamen
amerikanisch-chinesischen Kommission für wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit teilzunehmen.

Am Ende der Tagung wurden drei neue Protokolle über

Zusammenarbeit in Nuklearphysik und magnetischer Kernfusion, in Luftfahrtwissenschaft und -technik sowie in Wissenschaft und Technik für das Verkehrswesen
unterzeichnet.

Sie ergänzen 17 bereits bestehende Protokolle, die u.a. Land-

wirtschaft, Studenten- und Forscheraustausch, Raumfahrttechnik, Hochenergiephysik
und Wasserkraftnutzung umfassen. Außerdem wurde ein Memorandum über geplante
Zusammenarbeit in der Grundlagenforschung auf biologischem und medizinischem
Gebiet unterzeichnet.

Die Förderung unserer Beziehungen zu China liegt in unserem

eigenen Interesse. Wissenschaft und Technik sind ein wichtiger Teil dieser Beziehungen, und ich habe kürzlich Schritte unternommen, um sicherzustellen, daß China
besseren Zugang zu der amerikanischen Technologie bekommt, die es für die angestrebte wirtschaftliche Modernisierung braucht.

Wir werden China auch weiterhin

durch Kooperationsmaßnahmen in Wissenschaft und Technik unterstützen, von denen
beide Seiten profitieren.
Unsere Zusammenarbeit mit der UdSSR in Wissenschaft und Technik setzen wir
fort.

Dies ist eine affektbehaftete Angelegenheit, die durch das Verhalten der

Sowjets in Bezug auf Afghanistan und Polen sowie ihre Bemühungen, sensitive
Technologie aus dem Westen zu erlangen, noch kompliziert wird.

Entscheidungen

über die Erneuerung von Vereinbarungen werden von Fall zu Fall getroffen, wobei
diese Besorgnisse ebenso wie die den USA aus einer Zusammenarbeit erwachsenden
Vorteile berücksichtigt werden.

So habe ich kürzlich der Erneuerung eines

Abkommens über Zusammenarbeit mit den Sowjets auf dem Gebiet der Atomenergie
im Rahmen entsprechender Einschränkungen zum Schut

unserer

-

Interessen, die

aber die Arbeit nicht behindern - zugestimmt.
Diese Beispiele

�Diese Beispiele lassen den Bereich unserer internationalen Anstrengungen
a . r\ Gebieten Wissenschaft und Technik erkennen, zeigen jedoch keineswegs
das s:ze Bild. Wir haben Programme mit mehr als drei Dutzend Ländern in allen
Teiler, der Welt und in allen Schwierigkeitsgraden laufen. Wissenschaft ist,
wie allgemein bekannt, schon immer eine Sache von besonderem internationalen
Charakter gewesen. Und Fortschritte in der Wissenschaft können grundlegende
Beiträge zu Freiheit und Wohlstand in der ganzen Welt leisten. Diese Gespräche
stellen große Anforderungen, denn wir müssen in unserem Zeitbegriff mit Jahrzehnten, ja Generationen rechnen. Allein aus diesem Grund wird unsere Regierung,
bereit zur Kooperation, auch künftig eng mit anderen Zusammenarbeit1.
die willens
sind, mit uns zusammenzugehen."
,n

+ + + + +

�Wi//en/chcift
und Technik
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29

20. Juli 1983

WELTWEITE ÜBERWACHUNG SEISMISCHER DATEN
LISA entwickeln neues Mikrocomputersystem -

- (AD) - Der seismologisehen Expertengruppe für die Abrüstungskonferenz
in Genf wurde am 14. Juli 1983 ein verbessertes Mikrocomputersystem vorgeführt, mit dem unterirdische seismische Effekte als Folge von Erdbeben und
Kernexplosionen gemessen werden sollen.

Die Gruppe ist gegenwärtig mit der

Ausarbeitung eines internationalen Systems für den Austausch seismischer Daten beschäftigt, die weltweit über ein Netz von Beobachtungs- und Meßstationen gesammelt werden, um im Fall einer entsprechenden Übereinkunft die Einhaltung eines umfassenden Verbots von Kernexplosionen zu überwachen.

Das in

den Vereinigten Staaten entwickelte Mikrocomputersystem erleichtert den weltweiten Austausch seismischer Daten ganz erheblich.
Die Kommission - jenes Forum, wo in erster Linie die multilateralen Gespräche über Abrüstung stattfinden - befaßt sich intensiv mit Verifizierungsfragen, die sich im Zusammenhang mit einem Abkommen über das Verbot aller Kernwaffenversuche ergeben.

Ein multilaterales Testverbot würde den internatio-

nalen Austausch seismischer Daten einbeziehen, die von Stationen in den Partnerländern erfaßt und registriert werden.
Das neue

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�Das neue Mikroprozessor-System würde alle Informationen erhalten, die
die angeschlossenen seismischen Sensoren aufnehmen.

Mit Hilfe der eingebau-

ten Computerprogramme zur Analyse der Informationen lassen sich nützliche
Daten wie Häufigkeit, Richtung und Größenordnung (Amplitude) von Bodenerschütterungen aussortieren, die von Erdbeben oder Kernexplosionen herrühren.
Laut Dr. Bernard Minster von der Fa. S-Cubed, die die "Software" (Programme)
für das System "entwickelt hat, würde ein in der Analyse erfahrener Informatiker bei Benutzung des Systems "weniger als eine halbe Stunde" benötigen,
um anhand der seismischen Meßdaten Ort und Größenordnung des "Vorkommnisses"
zu ermitteln.
Von den nationalen seismischen Stationen würden die Daten an internationalen Datenzentren weitergegeben, die man bei Zustandekommen eines Vertrages
z.B. in Washington, Moskau und Stockholm einrichtet.

Dort würden die Daten

aus den einzelnen Ländern zusammengefaßt und zur Veröffentlichung in einem
regelmäßig erscheinenden "Bulletin über seismische Vorkommnisse" verwendet,
in dem die Merkmale spezieller Phänomene unterirdischer Erschütterungen beschrieben werden.
Die Vereinigten Staaten entwickelten als Prototyp ein computergestütztes System, das jedes Land für seine nationale seismologisehe Station benutzen
könnte. Das gesamte System - einschließlich Computer mit Informationsspeicher
für eine Million Bytes, einer Hochleistungs-Speicherscheibe und Magnetbändern,
visueller Darstellung in Farbe und Schwarz-Weiß, nachrichtentechnischen Ausrüstungen und modernster Software für seismologisehe Analysen und Datenaufbereitung - würde Minster zufolge weniger als 50 000 Dollar kosten. Für die
Übermittlung von Daten könnte es an das normale Telefonnetz und das von der
UN-Organisation für Meteorologie (WMO) betriebene weltweite Nachrichtennetz
angeschlossen werden.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Ein echter Frieden bleibt oberstes Ziel der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rundfunkansprache des US-Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Einigung in Madrid stärkt Schlussakte von Helsinki&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zum KSZE-Folgetreffen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unterstaatssekretär Perle: USA nehmen es mit der Rüstungskontrolle ernst&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung vor dem Streitkräfteausschuss des Repräsentantenhauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Regierung fordert Hilfe für Wahlen in El Salvador&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sandinisten hielten ihre Versprechungen nicht ein&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Wall Street Journal" zur Situation in El Salvador&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wissenschaft und Technik - international&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Zusammenarbeit als Ziel amerikanischer Außenpolitik -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weltweite Überwachung seismischer Daten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA entwickeln neues Mikrocomputersystem -&lt;/em&gt;</text>
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mIER

Information
und
Dokumentation

1 1*1 ^

Dl EH

United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. J u l i 1983

30
INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Reagans zur US-Wirtschaftsinitiative im Karibischen Becken
- Repräsentantenhaus verabschiedet Förderungs-Gesetze INFORMATION
Robert McFarlane neuer US-Sonderbotschafter für den Nahen Osten
WIRTSCHAFT
Verbesserte Wirtschaftslage und umfassende Zusammenarbeit halfen Chrysler
- Von unserem Korrespondenten Sam Burks HINTERGRUNDMATERIAL
Mittelamerika:

Eine amerikanische Krise

- Von Nestor Sanchez Hintergrundpapier des State Department

zu El Salvador

USA wollen Gesundheitswesen in El Salvador verbessern
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Start und Landung bei Nacht
- Raumfähren-Astronauten sehen keine besonderen Probleme Solarkraftwerk mit Nachtspeicher
- Versuchsanlage SOLAR ONE bringt höhe Leistung -

Um Über/encJung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

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Dokumentation

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30

United States Information Service
Embassy of the United States of America

' 27. Juli 1983

ERKLÄRUNG REAGANS ZUR US-WIRTSCHAFTSINITIATIVE IM KARIBISCHEN BECKEN
- Repräsentantenhaus verabschiedet Förderungs-Gesetze -

WASHINGTON - (AD) - In einer schriftlichen Erklärung an das Repräsentantenhaus unterstrich Präsident Reagan die positive Bedeutung der Gesetze,
die am 14. Juli 1983 im Rahmen einer Steuer- und Handelsinitiative für das
Karibische Becken verabschiedet wurden, und drängte gleichzeitig den Kongreß,
diesen gesetzgeberischen Prozeß rasch zu einem Abschluß zu bringen.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich bin erfreut über die heutigen Maßnahmen des Repräsentantenhauses
hinsichtlich der Handels- und Steuerbestimmungen der Initiative für das
Karibische Becken.

Obgleich die Verabschiedung länger dauerte, als ich ge-

hofft hatte, ist die heutige Abstimmung doch ein riesiger Schritt vorwärts.
Ich gratuliere dem Vorsitzenden des Ausschusses für Haushaltsfragen, Dan
Rostenkowski, sowie den Mitgliedern des Repräsentantenhauses für die überparteiliche Zusammenarbeit, die sie zeigten, als sie sich um die Stabilität
und den Fortschritt einiger unserer engsten Nachbarn bemühten.
Die Sicherheit

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�Die Sicherheit und das Wohlergehen der Menschen der Karibik liegen in
einem hohen Maß im Interesse der Vereinigten Staaten.

Die Region stellt in

der Tat die dritte Grenze unseres Landes dar, und ihr wurde allzu lange nicht
die Aufmerksamkeit zuteil, die ihr gebührt.

Die heutige Abstimmung des

Repräsentantenhauses ist ein Signal für all jene, die davon betroffen sind,
daß wir die vitale Bedeutung der Karibik erkennen und bereit sind, unserer
Verantwortung nachzukommen.
Seit der ersten Vorlage gab es bei diesen Gesetzesentwürfen eine Reihe
von Veränderungen, aber im Kern ist der Vorschlag intakt geblieben.

Mittels

Steuer- und Handelsanreizen werden Energie und Kreativität des privaten Sektors bei den wirtschaftlichen Herausforderungen ans Werk gehen, vor denen unsere Freunde und Nachbarn in der Karibik stehen.

Die Initiative für das

Karibische Becken wird als Katalysator des Fortschritts dienen und den Menschen dieser Region eine Fülle neuer Möglichkeiten bieten.
Ich hoffe, daß der Kongreß die verbleibenden gesetzgeberischen Schritte
nunmehr rasch hinter sich bringen wird, damit dieses so wichtige Stück Gesetzgebung in Kraft treten kann.

+ + + + +

�27. Juli 1983

30

ROBERT MCFARLANE NEUER US-SONDERBOTSCHAFTER FÜR DEN NAHEN OSTEN

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 22. Juli 1983 Robert C.
McFarlane zum neuen Sonderbotschafter und zu seinem persönlichen Beauftragten für den Nahen Osten ernannt. Er tritt die Nachfolge von Philip Habib
an, der ins Privatleben zurückkehrt. McFarlane wird in etwa zehn Tagen in
den Nahen Osten fliegen.
McFarlane ist seit mehreren Jahren im Weißen Haus tätig.

Seit Januar

1982 war er stellvertretender Berater des Präsidenten für Fragen der nationalen Sicherheit.

Er wird diese Position auch neben seiner Tätigkeit als

persönlicher Beauftragter Reagans im Nahen Osten beibehalten.
McFarlane, der 46 Jahre alt ist, gehörte von 1979 bis 1981 dem Stab
des Streitkräfteausschusses des amerikanischen Senats an. Zuvor hatte er
an der National Defense University in Washington For§chungsaufgaben durchgeführt. Von 1972 bis 1975 war er Militärberater Kissingers im Weißen Haus.
McFarlane hat in der amerikanischen Marine gedient.

Er absolvierte

die amerikanische Marineakademie und studierte in Genf.
Präsident Reagan

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�Präsident Reagan gab die Neuernennung bekannt, als er den libanesischen
Präsidenten Amin Gemayel in Washington verabschiedete. Gleichzeitig würdigte er die hervorragenden Leistungen Habibs während der vergangenen acht Monate.

�27. Juli 1983

30

VERBESSERTE WIRTSCHAFTSLAGE UND UMFASSENDE ZUSAMMENARBEIT HALFEN CHRYSLER
- Von unserem Korrespondenten Sam Burks -

WASHINGTON - (AD) - Eine verbesserte Wirtschaftslage, der Wandel auf
dem Weltölmarkt, eine drastische, doch wirksame Reorganisation, Hilfe der
amerikanischen Regierung, Zusammenarbeit zwischen Banken und Lieferfirmen,
Opfer der Beschäftigten - all dies trug dazu bei, daß Chrysler in wenig
mehr als drei Jahren auf eindrucksvolle Weise einen Bankrott verhinderte,
an dessen Rand die Firma gestanden hatte. Vertreter der Reagan-Administration verweisen insbesondere auf eine starke Wiederbelebung der amerikanischen
Wirtschaft, auf Zugeständnisse der Arbeitnehmerschaft und auf den Rückgang
der öl preise und der Zinsen.
In Reaktion auf die von Chrysler angekündigten Pläne, rund 800 Millionen Dollar an ausstehenden - und von der Regierung gedeckten - Darlehen
bis zum 30. September dieses Jahres zurückzuzahlen - sieben Jahre früher, als
die Firma dies dem Gesetz nach hätte tun müssen-, sagte Finanzminister
Donald T. Regan am 13. Juli vor Reportern:
"Dieses Ereignis

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�"Dieses Ereignis ist nicht nur ein Beweis für die einzigartigen und
außergewöhnlichen Ergebnisse des Umschwungs bei Chrysler, sondern ist zugleich greifbarer Beweis für den zunehmenden Schwung der Wiederbelebung
in der Automobilindustrie und damit in der Wirtschaft insgesamt.

Die Ar-

beitnehmer der Firma Chrysler verdienen großes Lob für ihre Hingabe und
Entschlossenheit, die Firma wieder auf die Beine zu stellen."
Während die Revolution im Iran 1979 und der darauffolgende Anstieg
der Weltölpreise dazu beitrugen, Chrysler auf einen Bankrott zuzutreiben,
halfen der derzeitige ölüberschuß, der Rückgang der ölpreise und der Zinsen,
daß es der drittgrößten Autofirma des Landes nun wieder besser geht.
Kenner der Autoindustrie führen einen Großteil des Wiederaufschwungs
der Firma auch auf Lee A. Iacocca, den Chrysler-Vorstandsvorsitzenden, zurück.

Wie Iacocca Chrysler über den Berg brachte, ist die Geschichte einer

offenkundig erfolgreichen Umwandlung einer der größten amerikanischen Gesellschaften, die vor gerade vier Jahren Verluste von 1,1 Milliarden Dollar
bekanntgeben mußte.
Zugleich ist es die Geschichte der größten Unterstützung, die eine Regierung der Vereinigten Staaten jemals für eine in Not geratene Privatfirma
zur Verfügung stellte.
1979 genehmigte der Kongreß angesichts eines voraussehbaren Verlusts
von rund 600 000 Arbeitsplätzen, die direkt oder indirekt mit Chrysler in
Verbindung standen, 1,5 Milliarden Dollar an Bundesdarlehen, um den zusammenbrechenden Autohersteller zu retten.

Aus dieser Gesamtsumme bediente sich

Chrysler mit insgesamt 1,2 Milliarden Dollar - und zahlte 400 Millionen davon
bereits im Juni dieses Jahres zurück.
Ganz oben auf der Rezeptliste Iacoccas für die Wiederbelebung Chryslers
stand eine drastische Beschneidung der Betriebskosten. Er brachte Gewerkschaftsvertreter und Arbeiter dazu, einer 1,1 Mi 11iarden-Dol1ar-Verringerung
- 2 -

�1,1 Mil 1 iarden-Dollar-Verringerung der Löhne und Vergünstigungen im Tausch
gegen Aktienoptionen und Preisnachlässe
stimmen.

beim Kauf von Chrysler-Autos zuzu-

Lieferfirmen akzeptierten verlängerte Zahlungsfristen, gewährten

Preisvergünstigungen und kauften Schuldverschreibungen von Chrysler in Höhe
von rund 73 Millionen Dollar.

Als Gegenleistung garantierte ihnen Chrysler

ein Jahresgeschäft von 6 Milliarden Dollar, und sie verhinderten dadurch
einen Verlust von rund 1 Milliarde Dollar an ausstehenden Rechnungen.
Iacocca brachte auch die Banken dazu, die Fälligkeitsdaten von Darlehen
zu verschieben, die Zinssätze zu senken und schließlich sogar 1,1 Milliarden
Dollar an Darlehen abzuschreiben.

Als Ausgleich erhielten sie 589 Millionen

Dollar an Chrysler-Stammaktien und sicherten damit auch rund 4 Milliarden
Dollar, die sie als Darlehen an Chryslers Finanzierungsgesellschaft gegeben
hatten (die Autokäufe von Kunden und Händlern finanziert).

Auch die Aktio-

näre halfen Chrysler, indem sie ein Einfrieren der Dividenden akzeptierten
- in Erwartung größerer finanzieller Rückläufe in der Zukunft.
Die Regierung des Bundesstaates Michigan und anderer Produktionszentren
von Chrysler konnten dazu gebracht werden, der Gesellschaft 200 Millionen
Dollar an Darlehen zu gewähren, die durch Vermögenswerte gesichert waren.
Dafür wurden Tausende von Arbeitsplätzen erhalten, die Zahlungsn von Arbeitslosengelder verringert und rund 95 Millionen Dollar an Zinsen verdient.
Die Reorganisation Iacoccas erbrachte eine Gesellschaft, die weit kleiner ist als vor vier Jahren:

Nunmehr sind es 68 000 Arbeitnehmer - im Ver-

gleich zu 131 000 im Jahr 1979; die Produktionskapazität sank von nahezu
2,4 Millionen Wagen im Jahr 1979 auf rund 1,7 Millionen; gegenüber den fünf
Basistypen des Jahres 1979 gibt es jetzt nur noch drei Basistypen; und die
Zahl der Händler ging von 5800 im Jahr 1979 auf nur noch derzeit 3700 zurück.
Um der wachsenden Nachfrage in den Vereinigten Staaten nach kleinen,
benzinsparenden Autos gerecht zu werden, führte Iacocca die neuen "K"-Typen
ein - Autos mit Frontantrieb, die beim gleichen Benzinverbrauch fast doppelt
so viele Kilometer fahren konnten wie die bisherigen Chrysler-Autos.
- 3 -

Außer-

�Außerdem gab es umfangreiche Verbesserungen bei der Qualität - wie sich
beispielsweise in Chryslers revolutionärer 5-Jahres-Garantie (oder 80 000
km-Garantie) auf alle Wagen zeigte.
Als dann die ölpreise zurückgingen, befriedigte Iacocca rasch die wachsende Nachfrage nach größeren, familiengerechten Autos.

Er hielt Chryslers

anspruchsvolles "New Yorker"-Modell zurück und führte stattdessen

das erste

Band-Kabriolett der Branche ein.
Kenner der Autoindustrie waren erstaunt, wie rasch Chrysler schon 1932
in die Gewinnzone zurückkehrte.
1980 um 23 Prozent.

1983 wuchsen die Inlandsverkäufe gegenüber

Und dieser Trend hält unvermindert an.

Berichten von

Chrysler zufolge stiegen die Verkäufe zwischen dem 1. und 10. Juli dieses
Jahres um 51 Prozent an - der größte Anstieg unter den sogenannten "Großen
Drei" der amerikanischen Automobilindustrie.
Iacocca selbst führt Cryslers bemerkenswerten Wiederaufstieg auf "gleiche
Opfer" von Arbeitnehmern, Management, Regierung, Zulieferfirmen, Darlehensgebern und Aktionären zurück.
"Was oft vergessen wird", sagte er auf einem Essen im National Press
Club in Washington am 13. Juli 1983, "sind die 2,2 Milliarden Dollar, die
die übrigen (also nicht die Regierung) aufbrachten, um die Gesellschaft am
Leben zu erhalten.

Und das waren natürlich die Arbeiter und die Angestell-

ten, die Lohneinbußen akzeptierten; die Bundesstaaten, die uns Geld liehen;
sowie die Banken, die Zulieferer und die Händler - all jene also, für die es
wirklich um etwas ging.

Unser ganzes Programm gründete sich also auf eine

Gleichheit der Opfer, weil jedermann etwas anbot - etwas Wichtiges."
Und er meinte zum Schluß:

"Wir sind dabei, Chrysler wieder zu einer

erfolgreichen privaten Gesellschaft zu machen, die selbst zurechtkommt."

+ + + + +•'

- 4-

�27. Juli 1983

30

MITTELAMERIKA: EINE AMERIKANISCHE KRISE
- Von Nestor Sanchez -

Nestor Sanchez ist stellvertretender
Unterstaatssekretär für interamerikanische
Angelegenheiten im amerikanischen Verteidigungsministerium.
Der Artikel erschien am 15. Juli 1983 in
der "Washington Times."

Wir wissen alle ganz genau, daß die mittel amerikanischen und karibischen
Schiffahrtswege für die Sicherheit und das wirtschaftliche Wohlergehen der Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung sind.

Fast die Hälfte des ame-

rikanischen Handels, zwei Drittel unseres importierten üls sowie viele strategische Materialien gehen durch den Panamakanal oder den Golf von Mexiko.
Während eines Krieges würden 50 Prozent unseres Nachschubs für die NATO aus
Häfen des Golfs kommen.
Woher stammt die Bedrohung der amerikanischen Interessen?

Sie rührt

aus der zunehmenden sowjetischen Präsenz und Einflußnahme sowie aus der ku-

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der kubanischen und nicaraguanisehen Aufrüstung her.

In Kuba gibt es eine

sowjetische Brigade in der Nähe von Havanna mit 3000 Mann. Moskau hat 2500
militärische und 8000 zivile Berater in Kuba. Die sowjetische Wirtschaftshilfe für Kuba ist ständig gewachsen - es sind nunmehr gut über vier Milliarden Dollar, wahrscheinlich sogar an die fünf Milliarden Dollar im Jahr.
Die vielen modernen sowjetischen Flugzeuge, die in Kuba ankommen, die
Panzer, Schiffe, Unterseeboote - die ganze militärische Kapazität, die dort
aufgebaut wird, geht weit über alle Verteidigungserfordernisse dieser Insel
hinaus*.

In der Tat geben die Aufrüstung Kubas, seine Kampferfahrung und

seine umfassende Ausbildung - zu der jüngst auch amphibische Übungen kamen dem Land die Möglichkeit, seine Macht mit sowjetischer Hilfe in die Karibik
und anderwärts zu projizieren.
Was ist in Nicaragua geschehen? Auch die nicaraguanisehe Aufrüstung
hat innerhalb der vergangenen zwei Jahre stattgefunden. Die Sandinisten
haben bereits die größte Landstreitmacht in der Geschichte Mittelamerikas
aufgestellt. Dazu gehören derzeit 25 000 aktive Soldaten sowie 50 000 Reservisten und Milizangehörige. Ein Angehöriger der Sandinisten hat zugegeben, daß es dort derzeit bei den Streitkräften, bei der Reserve, bei Miliz,
Polizei und Sicherheitskräften 138 000 Mann gibt und daß geplant ist,
auf 250 000 Mann aufzustocken.
Auch die Sandinisten bekommen weiterhin beträchtliche Mengen an militärischer Aufrüstung, einschließlich Panzer. Kuba hat heute etwa 7500 Berater und Sicherheitsberater in Nicaragua. Zudem gibt es zahlreiche Berater
aus der Sowjetunion, Ostdeutschland, Bulgarien, Nordkorea, von der PL0 und
aus Libyen.
Welche Auswirkungen hat die wachsende sowjetisch-kubanisch-nicaraguanische Bedrohung?
Erstens würden

- 2 -

�Erstens würden dadurch der UdSSR Militärbasen und -anlagen in der Region ermöglicht, die den Sowjets beträchtliche militärische Vorteile einbrächten.

Die Vereinigten Staaten könnten gezwungen werden, Ressourcen aus

anderen Teilen der Welt abzuziehen, um ihre südliche Grenze zu schützen.
Wir können auch nicht einfach das Problem der Flüchtlinge übersehen,
die wir aus diesem Teil der Welt erhalten könnten, sollten wir zulassen,
daß sich in diesen Ländern kommunistische Regime entwickeln.
Ich bin jedoch der Überzeugung, daß folgende Tatsache am bedeutsamsten
ist:

Sollten wir dabei versagen, angemessen auf diese Bedrohung zu reagie-

ren, so wäre die Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten weit über Mittelamerika hinaus beeinträchtigt.
Angesichts dieser Bedrohung amerikanischer Interessen und der Folgerungen aus dieser Bedrohung
len.

muß die Frage gestellt werden, was wir tun sol-

Trotz der Kritik, daß diese Administration eine militärische Lösung

verfolgt bzw. den Versuch hierzu unternimmt, zeigen die Tatsachen deutlich,
daß die amerikanische Hilfe im Verhältnis von 3 : 1 wirtschaftlicher, nicht
militärischer Natur ist.
Wir sind jedoch der Meinung, daß Sicherheitshilfe absolut notwendig
ist, um einen Schutzschild zu bieten, damit unsere grundlegenden Ziele nämlich Demokratie, Reform, menschliche Freiheit und wirtschaftliche Entwicklung sowie Sicherheit für die bedrohten Nationen der Region - erreicht
werden können.
Die Sicherheitshilfe soll den einzelnen Ländern dabei helfen, sich
selbst mit Hilfe von Programmen zu verteidigen, die ihren Bedürfnissen angepaßt sind.

Wir versuchen nicht, umfangreiche Streitkräfte aufzustellen

wie jene in Kuba und Nicaragua, die die Region destabilisieren und umfangreiche und anhaltende Unterstützung von außen benötigen.

Es ist amerika-

nische Verteidigungspolitik, die amerikanische Militärpräsenz so niedrig

- 3 -

�so niedrig wie möglich zu halten.
Wie der Präsident zu wiederholter Gelegenheit festgestellt hat, brauchen
unsere Freunde in Mittelamerika keine amerikanischen Kampftruppen.

Sie brau-

chen unser Material, unsere Ressourcen und Hilfe, um ihre Streitkräfte auszubilden.
Unsere Sicherheitshilfe für El Salvador bestand bislang darin, während
des vergangenen Jahres drei Bataillone sowie eine Reihe anderer, kleinerer
Einheiten auszubilden.

Wir haben nicht so viel getan, wie wir geplant hat-

ten und gewünscht hätten.

Um dies zu tun, mangelte es uns an Ressourcen.

Wir haben etwa 10 Prozent der salvadorianischen Streitkräfte ausgebildet.
Mit dem Geld, um das wir den Kongreß für dieses Haushaltjahr ersucht haben ein Paket von unsgesamt 110 Millionen Dollar -, wären wir in der Lage, bis
zu 50 Prozent dieser Streitkräfte auszubilden.
Wir tun so viel, wie es uns die Ressourcen gestatten, um unseren Freunden in Mittelamerika zu helfen.

Unsere Sicherheitshilfe für ganz Latein-

amerika, lassen Sie mich dies unterstreichen, beträgt nur zwei Prozept dessen, was wir insgesamt weltweit ausgeben.

Die Beiträge der Sowjetunion an

Sicherheitshilfe für diese Region beträgt

acht Prozent ihrer weltweiten

Sicherheitshilfe.
Wir gewähren dieser Region nicht genug Beistand, und wir sind unseren
Freunden in Lateinamerika gegenüber auch nicht dieselbe langfristige Verpflichtung eingegangen, die die Sicherheit unserer Verbündeten in weit entfernter gelegenen Regionen aufrechterhält.

+ + + + +

�30

27. Juli 1983

HINTERGRUNDPAPIER DES STATE DEPARTMENT ZU EL SALVADOR

WASHINGTON - (AD) - Das Büro für öffentliche Angelegenheiten im amerikanischen
Außenministerium hat dieser Tage folgendes Papier zu El Salvador veröffentlicht,
das nicht als eine Erklärung der US-Regierung, sondern als Hintergrundmaterial
gedacht ist.

Hintergrund: Bei der Verabschiedung des Gesetzes über die internationale
Sicherheit und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Entwicklung aus dem Jahr
1981 hat der Kongreß festgestellt, daß eine "friedliche und demokratische
Entwicklung" in Mittelamerika im Interesse der Vereinigten Staaten liege und
daß "eine wesentliche Unterstützung El Salvadors" notwendig sei, um die Not
der dortigen Bevölkerung zu lindern und die wirtschaftliche Wiedergesundung
des Landes im Rahmen eines friedlichen und demokratischen Prozesses zu fördern.

Das Gesetz macht die Gewährung von Sicherheitshilfe an El Salvador in

den Haushaltsjahren 1982 und 1983 abhängig von der Bestätigung des Präsidenten, die in Abständen von 180 Tagen gegeben werden muß, daß die Regierung
El Salvadors:
- "gemeinsame und

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�- "gemeinsame und bedeutsame Anstrengungen macht, um den international
anerkannten Menschenrechten zu entsprechen";
- "eine wesentliche Kontrolle über...

ihre Streitkräfte ausübt";

- "kontinuierliche Fortschritte bei der Verwirklichung wichtiger wirtschaftlicher und politischer Reformen, einschließlich des Bodenreformprogramms, macht";
- "sich der Abhaltung von Wahlen zu einem frühen Datum verpflichtet hat."
Ferner wird durch Zusätze zu diesem Gesetz ein Bericht verlangt, der aufzeigen soll, welche Fortschritte erzielt wurden, um die Mörder mehrerer amerikanischer Bürger vor Gericht zu bringen.
Am 20. Juli 1983 unterbreitete der amerikanische Außenminister, dem der
Präsident diese Aufgabe übertragen hatte, dem Kongreß den vierten Bestätigungsbericht.

In seinem Begleitschreiben wies der Außenminister darauf hin,

daß die gesetzlichen Kriterien zwar erfüllt seien, daß aber die Gesamtbilanz
nicht die umfassenden Fortschritte aufzeige, die nach Ansicht des Kongresses
und der Regierung für die Entwicklung einer gerechten und demokratischen Gesellschaft in El Salvador notwendig seien.

"Die Entwicklung einer Demokratie

ist ein langwieriger und schwieriger Prozeß, insbesondere, wenn es konzertierte Anstrengungen gibt, um dies zum Scheitern zu bringen", heißt es in dem
Schreiben des amerikanischen Außenministers.

"Unsere Enttäuschung über das

Tempo des Wandels sollte aber nicht den Blick dafür trüben, daß es tatsächlich einen solchen Wandel gibt."
Amerikanische Politik: Es ist amerikanische Politik, zu einem Prozeß
der Aussöhnung zu ermutigen, der sich auf sich entwickelnde demokratische
Institutionen und auf wirtschaftliche Reform gründet, während gleichzeitig
die Anstrengungen El Salvadors gefördert werden, sich gegen eine von außen
unterstützte Guerilla zu schützen. Präsident Reagan verwies während seines

- 2 -

�während seines Mittelamerika-Besuches im Jahr 1982, in seiner Rede vor beiden
Häusern des Kongresses am 27. April sowie in seiner Rede am 18. Juli vor der
Internationalen Hafenarbeitervereinigung auf diese Politik - einschließlich
einer nachhaltigen Unterstützung der Menschenrechte.

Im Haushaltsjahr 1982

betrug die amerikanische Wirtschaftshilfe 189 Millionen Dollar, die Sicherheitshilfe 82 Millionen Dollar.
Bestätigungsbericht vom Juli 1983: Während der vergangenen sechs Monate
faßte der Demokratisierungsprozeß in El Salvador Fuß, indem die größten historischen Hindernisse der Unterentwicklung, der Mißherrschaft durch militärische
und wirtschaftliche Eliten sowie - in jüngerer Zeit - des kommunistisch unterstützten Aufruhrs überwunden wurden.

Der Fortschritt in Richtung auf eine

Beendigung der Gewalt gegen Zivilisten und auf eine Kontrolle aller Elemente
der Streitkräfte war weniger evident.

Die salvadorianische Regierung inten-

siviert ihre Schritte zu einer größeren Respektierung der Menschenrechte und
zur Beseitigung von Mißbräuchen - insbesondere von Elementen der Streitkräfte
und der Sicherheitskräfte -, aber ihre Fähigkeit zur Kontrolle dieser Instituionen ist noch nicht umfassend.

Die Fortschritte in den Fällen ermordeter

amerikanischer Bürger waren enttäuschend - in großem Maß aufgrund der eben
genannten Probleme.
Menschenrechte und Streitkräfte:
denen ermordeten Zivilisten,

Die Zahl der der Presse bekanntgewor-

deren Tod auf politische Gewalt zurückgeführt

werden kann, stieg gegenüber dem zweiten Halbjahr 1982 - mit 160 Toten im
Monat - auf 177 Tote im Monat während des ersten Halbjahres 1983. Diese Zahlen stehen jedoch im Gegensatz zu den über 300 monatlichen Toten gegen Ende
des Jahres 1981 und Anfang 1982. Das Verschwinden von Zivilisten - soweit
es der Presse bekannt wurde - lag gegenüber dem letzten Bestätigungsbericht
etwa auf gleicher Höhe - allerdings weit unter dem vorausgegangenen Umfang.
Die Verfassungsgebende Versammlung verabschiedete einstimmig ein Amnestieprogramm - und verlängerte es über das ursprünglich vorgesehene Datum, den 16.
Juli 1983, hinaus -, demzufolge über. 500 der annähernd 730 Gefangenen, die im
Rahmen des Gesetzes Nr. 507 verhaftet waren, freigelassen wurden.

- 3 -

Die Menschen-

�Die Menschenrechtskommission begann mit ihrer Arbeit und weitete ihre Tätigkeiten aus. Anweisungen der Regierung betonen ein korrektes Verhalten gegenüber den nicht an den Kämpfen Beteiligten sowie gegenüber Gefangenen und
betonen, daß Verletzungen der Menschenrechte untersucht und die sie übertretenden bestraft werden.

Die salvadorianische Regierung hat allerdings

ihre positiven Anstrengungen nicht mit einem eindeutigen Programm verbunden,
durch das jene ausfindig gemacht und bestraft werden können, die für Mißbräuche verantwortlich sind, die noch immer stattfinden.

Erbitterte Unruhen

und ein Zusammenbruch der Strafgerichtsbarkeit haben dieses Problem nur noch
verstärkt.

Mit amerikanischer Hilfe hat El Salvador mit einer umfassenden

Justizreform begonnen, die darauf abzielt, viele der überbrachten Probleme,
des Systems anzugehen.
Agrarreform:

Die Agrarreform von El Salvador - eine der umfassendsten,

die je in Lateinamerika versucht wurden - macht weitere Fortschritte.

Der

Zuteilungsprozeß beschleunigt sich,und die Wiedereinsetzung jener, die ungesetzlicher Weise von ihrem Besitz vertrieben wurden, wurde verstärkt betrieben.

Einschließlich der Familienmitglieder wurden über 500 000 Salvadorianer

- 18 Prozent der ländlichen Bevölkerung - entweder direkt oder als Mitglieder
von Kooperativen - Eigentümer/Betreiber des Bodens, auf dem sie einmal für
andere arbeiteten.
Politische Reformen:

Während der vergangenen sechs Monate hat El

Salvador Fortschritte bei der Stärkung demokratischer Institutionen gemacht.
Die Verfassungsgebende Versammlung war Hauptforum politischer Entscheidung
und Debatte und hat einen Entwurf für eine neue nationale Verfassung erar*beitet.

Die formelle Debatte über diesen Entwurf soll bald in der Versamm-

lung beginnen, die auch weiterhin als gesetzgeberische Körperschaft funktioniert, bis gemäß der neuen Verfassung eine neue gewählt werden kann.

Ein

weiterer wichtiger Meilenstein sollte noch in diesem Jahr erreicht werden die direkten Wahlen eines konstitutionellen Präsidenten.

Die politischen

Parteien wählen bereits Kandidaten aus, diskutieren über Parteiprogramme
und versuchen, die entsprechende Unterstützung zu erhalten.
Die Fälle
- 4 -

�Die Fälle amerikanischer Bürger:

Die salvadorianische Regierung unter-

nimmt ehrliche Anstrengungen, um jene vor Gericht zu bringen, die für den Tod
amerikanischer Bürger verantwortlich sind, wurde jedoch durch nachteilige Gerichtsentscheidungen dabei gehemmt.

Die Strafverfolgung von Angehörigen der

Sicherheitskräfte, die angeklagt sind, im Dezember 1980 vier amerikanische
Nonnen ermordet zu haben, dauert an, wenngleich langsam.

Keinen Fortschritt

gab es bilang in dem Verfahren gegen Leutnant Lopez Sibrian für seine Verwicklung in die Ermordung zweier amerikanischer Gewerkschaftler im Januar 1981,
wohingegen das Verfahren gegen zwei angeklagte Mitglieder der Nationalgarde
bis zur Hauptverhandlung gediehen ist. Zwei weitere Fälle, der Tod von John
Sullivan und das Verschwinden von Patricia Cuellar, werden noch immer untersucht.

Drei Angehörige der salvadorianischen Armee stehen noch immer unter

Arrest wegen der Ermordung von Michael Kl ine, und das Verfahren ist vor Gericht anhängig.

Die salvadorianische Regierung verfolgt alle Spuren im

Fall der Ermordung von Korvettenkapitän Albert A. Schauffei berger durch die
Volksbefreiungskräfte (FPL), eine

Fraktion der FDR-FMLN-Guerillabewegung in

El Salvador.

+ + + + +

- 5 -

�27. Juli 1983

30

USA WOLLEN GESUNDHEITSWESEN IN EL SALVADOR VERBESSERN

WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Kongreß liegt gegenwärtig ein
Vorschlag des US-Amtes für Internationale Entwicklung (AID) vor, mit dessen
Hilfe das Gesundheitswesen in El Salvador verbessert werden soll. Dieses
Projekt in Höhe von 25 Millionen Dollar ist ein neuer Abschnitt in der Wirtschaftshilfe, die die Vereinigten Staaten dem vom Bürgerkrieg heimgesuchten
El Salvador gewähren.
Bisher wurden die meisten Mittel des Amtes für Internationale Entwicklung für Projekte wie Bodenreform und wirtschaftliche Stabilisierung in El
Salvador zur Verfügung gestellt.

Nur etwa ein bis zwei Millionen Dollar

jährlich flössen Projekten des Gesundheitswesens in diesem Lande zu.
Der Vertreter des AID in El Salvador, John Massey, wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß sich die soziale Infrastruktur El Salvadors während der letzten Jahre verschlechtert habe.

Das Land habe zwar ein gutes

Gesundheitssystem, es fehle jedoch an den notwendigen Arzneimitteln und
vielerorts auch an den erforderlichen medizinischen Geräten und Instrumenten.
Daher könne die Bevölkerung in einigen Gebieten ärztlich kaum versorgt werden.
Die Mittel

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�Die Mittel für dieses neue amerikanische Projekt sollen nach der Bewilligung durch den US-Kongreß dem salvadorianischen Gesundheitsministerium
zur Verfügung gestellt werden.

Wie Massey sagte, sollen mit Hilfe dieser

Gelder die erforderlichen Arzneimittel beschafft, dem salvadorianischen Gesundheitsministerium Unterstützung bei der Erfassung und Verteilung gewährt
sowie ein Kontroll-Laboratorium eingerichtet werden, das sicherstellt, daß
die im Lande beschafften Arzneimittel den Erfordernissen entsprechen.

Fer-

ner soll ein Teil dieser Mittel dem Malaria-Programm in El Salvador zugute
kommen.

Malaria, so sagte Massey, sei in den Küstengebieten des Landes eine

weit verbreitete Krankheit, und die Salvadorianer verfügten gegenwärtig
über keine wirksamen Insektenvertilgungsmittel und hätten auch nur einen niedrigen Bestand an Medikamenten zur Verhütung und Behandlung dieser Krankheit.
Ferner will man im Rahmen dieses Projektes ein Computer-System einrichten,
das Aufschluß über den Verbleib der Arzneimittel gibt. Darüber hinaus sollen etwa 1200 Männer und Frauen eine weitere Ausbildung erhalten, die
Opfer des Bürgerkrieges betreuen.

+ + + + +

�30

27.Juli 1983

START UND LANDUNG BEI NACHT
- Raumfähren-Astronauten sehen keine besonderen Probleme -

- (AD) - Ob die amerikanische Raumfähre CHALLENGER zu ihrem nächsten
Flug, der am 20. August 1983 beginnen und fünf Tage dauern soll, tatsächlich
bei Nacht starten wird, ist noch nicht endgültig entschieden, jedoch geplant.
Kommandant Richard H. Truly rechnet aber fest damit, daß die Landung auf der
neuen Hartpiste des Kennedy-Raumflugzentrums nachts erfolgt.

"Wir haben

uns ausgiebig darauf vorbereitet", sagte er auf einer kürzlich abgehaltenen
Pressekonferenz.

"Die Beleuchtung am Kap Canaveral ist ausgezeichnet, ganz

ähnlich wie auf jedem Großstadtflughafen.

Wir haben genügend Scheinwerfer-

licht - hier wie auf allen Ausweichlandeplätzen."
Das Ausweichen auf den Edwards-Luftstützpunkt in Kalifornien für.die
Landung der CHALLENGER am Morgen des 24. Juni 1983 demonstrierte die Anpassungsfähigkeit der Astronauten wie die Flexiblität des Programms bei besonderen Gegebenheiten.

Nebelfelder am Boden und Wolkenschichten in 550, 4000

und 8000 m höhe ließen die zum ersten Mal in Florida am Kap Canaveral vorgesehene Landung als zu riskant erscheinen.

Sorgen bereiteten vor allem die

Altostratus-Wolken im 4000-m-Bereich, die besonders hohe Feuchtigkeitswerte

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�hohe Feuchtigkeitswerte aufwiesen und leichten Regen verursachten.

General-

leutnant James A. Abrahamson, der Direktor des Raumtransporterprogramms, befürchtete, daß der Regen womöglich wie ein Steinbombardement auf das Fluggerä't wirken könne. Allerdings gibt es in dieser Hinsicht noch keine Erfahrungswerte.
Die Flugdauer hätte, wäre ausschließlich das Wetter in Betracht zu
ziehen gewesen, um ein bis zwei Tage ausgedehnt werden können, um bessere
Bedingungen am Kap abzuwarten.

Jedoch hatte es bei einem Test an Bord Pro-

bleme mit einem Hilfsstromaggregat und einem hydraulischen System am Landefahrwerk gegeben.

Das bewog die Flugleitung, CHALLEN6ER termingemäß, aber

in Kalifornien anstatt in Kap Canaveral zur Erde zurückzubringen.

Sobald

das vollautomatische Landesystem einsatzbereit ist (damit gibt es z. Zt. noch
einige Software-Probleme) stünde einer Landung in Kap Canaveral auch bei ungünstigem Wetter nichts mehr im Wege. Abrahamson schätzt, daß CHALLENGER im
Januar 1984, beim Flug STS-11, vollautomatisch landen kann.
Truly, seit 14 Jahren im Dienst der NASA, war Kopilot beim zweiten
COLUMBIA-Flug und führte bereits mit dem kürzlich in der Bundesrepublik zu
besichtigenden Testfluggerät ENTERPRISE Anflug- und Landeoperationen durch.
Alle übrigen vier Astronauten beim bevorstehenden Unternehmen STS-8 sind
Neulinge im Weltraum - Daniel C. Brandenstein als Kopilot sowie die drei
Missionsspezialisten Dale A. Gardner, William E. Stornton und Guion S.
Bluford, Jr. Nach den Erfahrungen des Orbiter-Teams beim Unternehmen STS-7
(18. - 24. Juni 1983) ist an Bord Raum genug für fünf Personen. Es wurde
sogar als Vorteil empfunden. "Zu keiner Zeit kamen wir einander ins Gehege",
sagte Dr. Sally Ride nach der Rückkehr. Zum Absetzen der Nachrichtensatelliten und deren Start sowie während der Rendezvous-Manöver mit dem
deutschen wiederverwendbaren Satelliten SPAS-01 hätten sich sogar alle fünf
gleichzeitig im Cockpit aufgehalten, ohne daß es Probleme gab. Bei der Erörterung dieser Frage mit dem NASA-Direktorium wiesen Kommandant Robert
Crippen und sein Team bereits darauf hin, daß man nicht sagen könne, so und
so viele Personen an Bord seien das Maximum. "Fünf sind jedenfalls kein

- 2 -

�jedenfalls kein Problem", so Crippen, "sondern eher ein Plus."

Experimente
Das Absetzen des indischen Nachrichtensatelliten (INSAT 1-B) ist für
den zweiten Flugtag beim Unternehmen STS-8 vorgesehen.

Als wichtig gilt die

Fortsetzung der Experimente mit dem in Kanada gebauten, vom Cockpit aus
fernsteuerbaren Roboterarm zum Um- und Absetzen sperriger Nutzlasten an
Bord sowie zum Einholen von Objekten aus dem Weltraum.
Auch das Elektrophorese-Experiment, das bereits bei drei Orbiterflügen
mitgef'ührt wurde, wird fortgesetzt.

Dabei handelt es sich um eine Studie

zur Erprobung von Gewebereinigungs- bzw. Zell trennverfahren bei Schwerelosigkeit, die von der School of Medicine der Washington-Universität von St. Louis
(Missouri) und der McDonnell Douglas Astronautics Company in St. Louis geminsam durchgeführt werden.

McDonnell Douglas entwickelte eine Elektrophorese-

Apparatur, in der biologische Materialien in einer Lösung unter der Einwirkung eines elektrischen Feldes kontinuierlich getrennt werden.

Eine Puffer-

lösung, in die ständig Material injiziert wird, strömt durch eine schmale,
rechteckige Kammer.

Wenn das elektrische Feld angelegt wird, trennen sich

z.B. Zellen unterschiedlichen Typs in verschiedene Ströme, die sich einzeln
abnehmen lassen.
Während des bevorstehenden Fünf-Tage-Fluges will man si-h auf die Trennung von Beta-Zellen aus der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produzieren, vom
übrigen Pankreas-Gewebe konzentrieren.

Es sind Experimente, die zu einer Ver-

besserung des an Versuchstieren bereits erprobten Verfahrens zur Transplantation von sog. Langerhansschen Inseln beitragen sollen.

Mit der Überpflanzung

solcher Zellen wird der Diabetes-Therapie ein neuer Weg eröffnet.

Das gemein-

same Forschungsprojekt des Universitätsinstituts und des Industrieunternehmens
ist auf ca. 15 Jahre angelegt.

Wie Dr. Paul Lacy, Professor für Pathologie

und Leiter des Pathologie-Departments der Washington-Universität, erklärte,

- 3 -

�erklärte, "vereint es die Stärke und die bisherigen Erfolge beider Institutionen zur Perfektionierung einer Technologie, die die klinische Transplantation von Beta-Zellen auf Diabetes-Patienten erleichtert".
Die bisher bei Schwerelosigkeit durchgeführte Erprobung des kontinuierlichen Elektrophorese-Verfahrens hat gezeigt, daß 700 Mal mehr Material durchgesetzt und ein um das Vierfache höherer Reinheitsgrad als bei ähnlichen
Trennungsversuchen auf der Erde erzielt werden kann. Dr. David Sharp. Professor für Chirurgie

an der Washington-Universtität in St. Louis, ist über-

zeugt, daß mit Hilfe dieses Trennverfahrens Beta-Zellen-Transplantationen auf
Diabetes-Patienten wesentlich früher als bisher angenommen erwartet werden
können.

Schon seit über zehn Jahren bemühen sich Forschergruppen der Univer-

sität um verbesserte Möglichkeiten zur Isolierung und Reinigung der insulinproduzierenden Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse.
Ein weiterer Programmpunkt für die CHALLENGER-Besatzung ist das Durchprüfen und Erproben von TDRS-1, dem größten Nachrichtensatelliten der Welt.
Ende Juni ist es endlich gelungen, den beim Jungfernflug von CHALLENGER im
April 1983 aus dem Laderaum des Orbiter abgesetzten Koloß, dessen Antreibsstufen anschließend von einer Bodenstation aus gezündet wurden, in der vorgesehenen Kreisbahn in 36 000 km Höhe zu stationieren.

Da die zweite Antriebs-

stufe versagt hatte, erreichte er nur eine elliptische Bahn mit Scheitelhöhen zwischen 36 000 und 21 000 km.

So blieb nichts anderes übrig, als zu

versuchen, mit Hilfe der kleinen Lageregelungstriebwerke die Umlaufbahn anzuheben und zu korrigieren.
Ein Simulartorprogramm mit Computern wurde bei der kalifornischen
Firma TRW ausgearbeitet, um zunächst einmal die richtige "Strategie" für
den Einsatz der Borddüsen samt ihrem Hydrazin-Treibstoff zu finden.

Einer

der technischen Direktoren von TRW verglich dies mit dem Versuch, "einen Flugzeugträger mit Hilfe eines Außenbordmotors zu bewegen". Aber das Experiment
gelang.

Mit insgesamt 39 minutiös geplanten und exakt dosierten Feuerstößen

wurde TDRS aus seiner schiefen Bahn geholt und in eine gleichmäßige 36 000 km-

- 4 -

�36 000 km-Kreisbahn gehievt. Von ursprünglich 600 kg Flüssigtreibstoff
sind ca. 230 kg übriggeblieben - noch immer genug, um in der vorgesehenen
"Lebenszeit" von zehn Jahren Lage- und Bahnkorrekturen vorzunehmen.
Die Erforschung der Raumkrankheit, die bei etwa der Hälfte der Astronauten mehr oder weniger stark in Erscheinung tritt, geht auch dieses Mal
weiter.

Zwar scheine es nicht zu schwerwiegenden Folgen für den Betroffenen

zu kommen, wie es in einem jetzt veröffentlichten ersten umfassenden NASABericht heißt, jedoch könne das Flugprogramm und möglicherweise sogar die
Landung dadurch gefährdet werden.

Sofern sie bisher auftrat, waren dem

Bericht zufolge die Symptome nach 36 bis 72 Stunden wieder überwunden.

Nachtlandung
Eine Neuerung bei der nunmehr geplanten ersten Nachtlandung wird sein,
daß es keine Begleitflugzeuge gibt.

Sie wurden bisher vor allem für tech-

nische Daten und zur Gegenkontrolle der Instrumenten-Anzeigewerte im Orbiter
benutzt.

Aber nach Meinung von Kopilot Brandenstein sind sie nicht mehr er-

forderlich.

Außerdem sei ihr Nachteinsatz zu gefährlich, weil der Orbiter

keine Bordlampen besitzt.

Die auf die Mitte der Landepiste zentrierten star-

ken Scheinwerfer am Boden werden durch Farbscheinwerfer ergänzt.

Ort und

Richtung der Piste sind von der Raumfähre aus gut erkennbar, wenn sie den
letzten Anflugbogen nimmt.

In Verbindung mit einem neuartigen Monitor im

Cockpit mache das Befeuerungssystem eine Nachtlandung zur "Routinesache",
erklärte Kommandant Truly.

Pivat- oder Linienflugzeuge dürften für eine

Nachtlandung am Kap keine Gefahr darstellen.

- 5 -

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. Juli 1983

30

SOLARKRAFTWERK MIT NACHTSPEICHER
- Versuchsanlage SOLAR ONE bringt hohe Leistung

- (AD) - "Solar One" in der Mqjave-WUste (Kalifornien), das bisher
größte Solarversuchskraftwerk der Welt, übertrifft alle Erwartungen.

Ende

Juni wurden im Dauerbetrieb über den Zeitraum von 33,6 Stunden insgesamt
127 Megawattstunden Strom erzeugt.

Der Strom wurde in das Versorgungsnetz

der Southern California Edison Company eingespeist.

Der Betrieb des Systems

begann am 27. Juni 1983 bei Sonnenaufgang, als 1800 Heliostate (riesige, der
Sonne nachgeführte Spiegel) das aufgefangene Sonnenlicht zu dem auf einem
hohen Turm montierten zentralen Empfänger reflektierten.

Bei Sonnenunter-

gang wurde bis zum nächsten Morgen die Stromerzeugung auf Speicherenergie
umgestellt.

Kurz vor Sonnenuntergang am zweiten Tag wurde der Test beendet.

Bereits am 21. Juni war mit der von der Fa. McDonnell Douglas Corp.
im Auftrag des US-Energieministeriums, von Southern California Edison, der
Stadt Los Angeles und der Energiekommission von Kalifornien errichteten Anlage in 15 Stunden die Rekordproduktion von 104 300 Kilowattstunden (bei
12,1 Megawatt Nettoleistung) erzielt worden. Die normale Kraftwerkskapazität von SOLAR ONE deckt den Bedarf einer Stadt mit ca. 7000 Einwohnern.
Nach Angaben

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Telex: 8-85432

�Nach Angaben der McDonnell Douglas Corporation hat SOLAR ONE seit Aufnahme des Testbetriebs im April 1982 die Leistungsanforderungen nicht nur
erreicht, sondern meist deutlich übertroffen.

Es ist ein Prototyp für Solar-

kraftwerke mit Kapazitäten von 1000 bis 100 000 Kilowatt. Mit dem Versuchskraftwerk will man Erfahrungen und Informationen über die Kosten von Konstruktion, Wartung und Betrieb sammeln und Möglichkeiten zur Reduzierung der Kosten
finden.

+ + + + +

•

.

- 2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Reagans zur US-Wirtschaftsinitiative im Karibischen Becken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Repräsentantenhaus verabschiedet Förderungs-Gesetze -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Robert McFarlane neuer US-Sonderbotschafter für den Nahen Osten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verbesserte Wirtschaftslage und umfassende Zusammenarbeit halfen Chrysler&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Korrespondenten Sam Burks -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mittelamerika: Eine amerikanische Krise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Nestor Sanchez -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hintergrundpapier des State Department zu El Salvador&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA wollen Gesundheitswesen in El Salvador verbessern&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Start und Landung bei Nacht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Raumfähren-Astronauten sehen keine besonderen Probleme -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Solarkraftwerk mit Nachtspeicher&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Versuchsanlage SOLAR ONE bringt höhe Leistung -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

31

3. August 1983
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan: Probleme Mittelamerikas erfordern umfassende, regionale
Lösung
- Schreiben an die Präsidenten der CONTADORA-Staaten Bush umreißt Ziele der Mittelamerikapolitik der USA
- Rede des US-Vizepräsidenten vor Gouverneuren Reagan unterstreicht Bedeutung der Schlußakte von Helsinki
- Proklamation zum Tag der Menschenrechte WIRTSCHAFT
US-Handelsminister: Günstige Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft
- Baldrige unterstreicht positive Auswirkung auf die Weltwirtschaft USA und Sowjetunion erzielen Einigung über neues Getreideabkommen
- Erklärung des Weißen Hauses HINTERGRUNDMATERIAL
US-Wirtschaftshilfe in El Salvador:

Worüber nicht berichtet wird

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- Von Peter McPherson, AID-Direktor Schwerwiegende Hungerprobleme in Afrika
- Nahrungsmittelversorgung in der übrigen Welt verbessert WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuartiger Beschleuniger für Stanford-Forschungszentrum
HauDtDroiekt: Erforschuna der "schwachen Kraft"
Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
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�3. August 1983

31

REAGAN: PROBLEME MITTELAMERIKAS ERFORDERN UMFASSENDE, REGIONALE LÖSUNG
- Schreiben an die Präsidenten der CONTADORA-Staaten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat erneut unterstrichen,
daß die Probleme Mittelamerikas "auf einer umfassenden, regionalen Grundlage" angegangen werden müssen.

In einem Schreiben an die vier Präsidenten

der CONTADORA-Staaten - Panama, Kolumbien, Mexiko und Venezuela - erklärte
Reagan am 26. Juli 1983, eine solche Lösung müsse die Anliegen aller Staaten, die von dem Konflikt in Mittelamerika betroffen seien, gleichzeitig
berücksichtigen.

Die CONTADORA-Gruppe ist so benannt, nachdem sich die

Präsidenten dieser vier Länder auf der gleichnamigen Pazifik-Insel vor der
Küste Panamas getroffen hatten, um eine Lösung des Konfliktes in Mittelamerika
zu finden.

Das Schreiben wurde den vier Präsidenten von dem Sonderbeauf-

tragten Präsident Reagans, Richard Stone, überbracht.
Das Schreiben Reagans hat folgenden Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Präsident (de la Expriella),
ich danke Ihnen für das Schreiben, das Sie und die Präsidenten Kolumbiens,
Mexikos und Venezuelas mir haben zukommen lassen und in dem es um das Treffen

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�das Treffen geht, das am 17. Juli in Cancun stattfand, um die derzeitige
Lage in Mittelamerika einer Prüfung zu unterziehen.
Ich möchte Ihnen meinen Glückwunsch für die Anstrengungen zum Ausdruck
bringen, die die CONTADORA-Gruppe unternimmt, um den Dialog zwischen den
Staaten Mittelamerikas zu fördern. Meine Regierung hat durchweg ihre volle
Unterstützung für den CONTADORA-Prozeß zum Ausdruck gebracht. Die Erklärung
von Cancun ist durch ihre Formulierung der entscheidenden Fragestellungen,
die angegangen werden müssen, um eine wirksame und dauerhafte Lösung des
mittelamerikanischen Konfliktes zu erreichen, ein wichtiger Beitrag zur Förderung dieses Prozesses.
Ich bin auch weiterhin der Überzeugung, daß eine Lösung der Krise in
Mittelamerika vier grundlegende Prinzipien enthalten muß.
Erstens ist es von entscheidender Bedeutung, daß demokratische Institutionen als Mittel zur Lösung der politischen Meinungsverschiedenheiten
innerhalb der mittel amerikanischen Staaten errichtet und gestärkt werden
müssen.

Nur dadurch, daß eine freie und offene Beteiligung an dem demokra-

tischen Prozeß sichergestellt wird, können die Völker Mittelamerikas zu einer
Aussöhnung innerhalb ihrer Gesellschaften gelangen.
Zweitens muß es die Respektierung des Prinzips der Nichtintervention geben - einschließlich eines Verbots der Unterstützung subversiver Elemente,
die danach streben, andere Länder zu destabilisieren.
Drittens muß der Konflikt in Mittelamerika aus dem Kontext der OstWest-Konfrontation herausgenommen werden - und zwar durch solche Maßnahmen
wie den verifizierbaren Abzug aller ausländischen Militär- und Sicherheitsberater und ein bestätigtes Einfrieren der Beschaffung von Offensivwaffen.
Schließlich müssen die Länder Mittelamerikas untereinander und mit ihren
Nachbarn darauf hinarbeiten, ein Niveau des wirtschaftlichen Wachstums zu er-

- 2 -

�zu erreichen und aufrechtzuerhalten, das die Grundbedürfnisse ihrer Bevölkerungen garantieren wird.
Ich bin erfreut darüber, daß die Erklärung von Cancun die Bedeutung
dieser Grundprinzipien anerkennt.

Diese Fragen sind unlösbar miteinander

verbunden und müssen auf einer umfassenden, regionalen Grundlage angegangen
werden, die die Anliegen aller Staaten gleichzeitig behandelt, die von dem
Konflikt in Mittelamerika betroffen sind.

Ein Versuch, diese Probleme nach-

einander oder stückweise zu lösen, würde nicht das Ziel erreichen, das wir
alle wollen:

einen dauerhaften Frieden für ganz Mittelamerika.

Von gleicher Bedeutung ist die Notwendigkeit, sicherzustellen, daß
alle von den mittelamerikanischen Staaten unternommenen Schritte stets wechselseitig sind und einer umfassenden und angemessenen Verifizierbarkeit unterliegen.

Es ist offensichtlich, daß keine Initiative einen echten Frieden

für Mittelamerika bringen wird, wenn es einem Staat ermöglicht wird, sich
dadurch einen ungerechten Vorteil gegenüber seinen Nachbarn zu verschaffen,
daß er sich nicht an Friedensbedingungen hält, die die anderen binden.

Die

Charta der Organisation amerikanischer Staaten stellt klar, daß es der Zweck
der OAS sein sollte, entweder ungerechte Akte eines Staates gegen einen anderen zu verhindern oder im Fall von Schwierigkeiten gemeinsame Schritte seitens der Mitglieder zu unternehmen.

Ich bin der Überzeugung, daß die OAS

als das regionale Forum dieser Hemisphäre der angemessene Mechanismus ist,
um sicherzustellen, daß diejenigen, die Verpflichtungen eingehen, sich auch
an sie halten.
Die Probleme Mittelamerikas sind von komplexer Natur, und ihre Lösung
erfordert unermüdliche Anstrengungen. Die Schritte, die Sie und Ihre Kollegen der CONTADORA-Gruppe unternommen haben, sind Beweis dafür, daß Sie sich
mit größtem Ernst dem Ziel eines echten und dauerhaften Friedens in der ganzen Region verpflichtet fühlen. Meine eigenen Anstrengungen in dieser Hinsicht bestehen in der Entsendung eines Sonderbeauftragten in die Region und

- 3 -

�Region und in der Einsetzung einer überparteilichen Kommission, die die
Probleme Mittelamerikas untersuchen und Lösungen vorschlagen soll.

Bei

der Fortsetzung Ihrer Arbeit sind meine Gebete und die meiner Landsleute
mit Ihnen.

- 4 -

�1I I I I T »
Dokumentation

• ll I J I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

3. August 1983

31

BUSH UMREISST ZIELE DER MITTELAMERIKAPOLITIK DER USA
- Rede des US-Vizepräsidenten vor Gouverneuren -

PORTLAND, MAINE - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush
hat in einer Ansprache auf der Jahrestagung der Gouverneure der Bundesstaaten der USA am 31. Juli das Wachstum demokratischer Prinzipien und Ideale,
die wirtschaftliche Entwicklung, den regionalen Dialog und einen Sicherheitsschild als Hauptziele der Mittelamerikapolitik der Reagan-Administration dargelegt.
Die Rede des amerikanischen Vizepräsidenten hat in wesentlichen Auszügen folgenden Wortlaut:
Präsident Reagan hat immer wieder unseren Wunsch nach Frieden und Wohlergehen in Mittelamerika zum Ausdruck gebracht.

Er hat jetzt vier grundle-

gende, vernünftige, moralische und humane Ziele unserer Mittelamerikapolitik
formuliert.
Erstens, wir haben uns der Förderung des Wachstums demokratischer Ziele,
Prinzipien und Ideen verschrieben.
Zweitens, wir

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�Zweitens, wir unterstützen nachdrücklich die wirtschaftliche Entwicklung in Mittelamerika, und drei von vier Dollar der Hilfe werden für wirtschaftliche und humanitäre Unterstützung verwandt.
Drittens, es ist unser Ziel, einen echten Dialog zwischen den Ländern
der Region und innerhalb der Nationen der Region zu erleichtern.

Wir glau-

ben an die Lösung regionaler Probleme durch Gespräch und Verhandlung.

Wir

sind vor allem von der Notwendigkeit eines Dialogs über generelle Fragen der
regionalen Sicherheit überzeugt.
Viertens, es ist unser Ziel, dem Gebiet einen Sicherheitsschild zu geben - vor allem für jene Länder, deren wirtschaftliche Infrastruktur durch
die Guerilla zerstört wurde - und den demokratischen Prozeß in diesen Ländern
zu stärken.
Wie wollen wir diese Ziele erreichen? Erstens, wir unterstützen die
demokratisch gewählten Regierungen in Costa Rica, Honduras und El Salvador.
Wir ermutigen die Regierung von Guatemala in ihren Bemühungen, im kommenden
Jahr Wahlen abzuhalten.
Wir hoffen, daß die Regierung von Nicaragua, die sich jetzt einer wachsenden Welle der Opposition gegenübersieht, ihre ursprünglichen Zusagen für
eine pluralistische demokratische Regierung erfüllen wird. Wir sind bereit,
und wir haben wirklich versucht, einen Dialog zwischen den salvadorianischen
Rebellen und der legitim gewählten Regierung zu erleichtern, um echte demokratische Wahlen herbeizuführen, an der alle Bewohner El Salvadors ohne Gefahr teilnehmen können.
Diesen Standpunkt teilt die Regierung von El Salvador.
In seiner Botschaft über die Lage der Nation am 1. Juli hat der Präsident von El Salvador, Magana, deutlich erklärt, daß seine Regierung bereit
sei, in einen Dialog mit den Rebellen über alle Fragen einzutreten, mit Aus- 2 -

�mit Ausnahme der einen - einer Teilung der Macht.

Wir unterstützen Prä-

sident Magana und den von ihm in dieser Frage eingenommenen Standpunkt.

Wir

erstreben nicht nur einen Dialog zwischen beiden Seiten, sondern wir fordern
die Rebellen auf, an freien

Wahlen teilzunehmen.

Freie Wahlen sollten be-

stimmen, wer regiert - freie Wahlen sollten bestimmen, wer die Macht teilt.
Zweitens, wir unterstützen voll und ganz die wirtschaftliche Entwicklung - Nahrung und Kleidung für die Hungrigen und Verzweifelten, Unterkunft
für die Obdachlosen, medizinische Versorgung für die Kranken, neue Straßen
und Brücken und Versorgung mit Trinkwasser.

Die Initiative des Präsidenten

für das Karibische Becken nähert sich jetzt nach allzu langer Verzögerung
der endgültigen gesetzlichen Verabschiedung im Kongreß. Sie ist ein weiterer
Beweis für unsere Unterstützung des regionalen wirtschaftlichen Fortschritts.
Drittens, wir treten für die Bemühungen aller Regierungen ein, die Ziele der Sicherheit, der wirtschaftlichen Entwicklung und der Freiheit und der
Menschenrechte durch regionalen Dialog zu fördern.

Wir begrüßen wärmstens

die Bemühungen Panamas, Mexikos, Kolumbiens und Venezuelas, die in diesen Anstrengungen führend sind.
Viertens, wir bilden örtliche Verteidigungsstreitkräfte aus, um die Aufständischenbewegungen zu bekämpfen, die von Nicaragua und Kuba unterstützt werden, die Waffen an die kommunistischen Revolutionäre in der ganzen Region weiterleiten.

Die Flottenübungen und die kombinierten Übungen mit Honduras, an

denen amerikanische Truppen teilnehmen werden, spielen eine Rolle für den
liicherheitsschild, den wir für die Region erstreben.
Wir versichern die demokratischen Regierungen Mittelamerikas unseres
Interesses, unserer Bereitschaft, sie zu unterstützen, und unserer Verpflichtung gegenüber der regionalen Sicherheit.

Sie unterstreichen unsere anhal-

tende Verpflichtung zur kollektiven Verteidigung zusammen mit den Nationen
der westlichen Hemisphäre, die durch Angriffe von außen bedroht werden könnte.

Diese Übungen dienen ferner der Absicht, die im Gange befindlichen diplo- 3 -

�befindlichen diplomatischen Bemühungen zu ermutigen und zu stärken.
Und lassen Sie mich schließlich sagen, für was die Reagan-Administration nicht eintritt.
- Wir entsenden keine amerikanischen Truppen in den Kampf in Mittelamerika.
- Wir versuchen nicht, die Regierung von Nicaragua zu stürzen.
- Andere versuchen, Regierungen in Mittelamerika mit Waffengewalt zu
stürzen.
bauen.

Wir versuchen, Regierungen mit Hilfe von Stimmzetteln aufzuWir sind nicht der Meinung, daß gewählte Führer zugunsten jener

aufgegeben werden sollten, die die Macht durch Gewalt an sich reißen
wollen.
Trotz des Propa^andakrieges gibt es einige ermutigende Zeichen.

Der

nicaraguanische Außenminister Daniel Ortega hat kürzlich einen regionalen
Sechspunkte-Vorschlag unterbreitet, der nach unserer Ansicht einige Flexibilität erkennen läßt.

Selbst Fidel Castro hat in seinen jüngsten Reden einen

weniger kriegerischen Ton erkennen lassen und regionale Zusammenarbeit unterstützt - vor allem die CONTADORA-Initiative.
Ich bin zuversichtlich, daß in der Region ein Fortschritt erzielt werden kann und die Prinzipien der Demokratie gefördert werden können.

Die

Vereinigten Staaten besitzen ein stolzes Erbe der Unterstützung der weniger
vom Glück Begünstigten in der ganzen Welt. Als Volk

erden wir der groß-

zügigste Spender für die weniger Bemittelten bleiben - was Gesundheitsfürsorge, Wohnung, Nahrung, Bildung und andere grundsätzliche Ansprüche auf
Verbesserung der Lebensqualität in der Region angeht.
Gleichzeitig werden wir den Menschenrechten verpflichtet bleiben. Wir
werden unseren Einfluß nutzen, um zur Verbesserung der Menschenrechtslage in

- 4 -

�Menschenrechtslage in allen totalitären Ländern beizutragen - seien sie
marxistisch-leninistische Diktaturen der Linken oder totalitäre Staaten der
Rechten.
Wir bleiben der Pressefreiheit verpflichtet, der Religionsfreiheit,
der Freiheit der Wahl - prinzipiell bleiben wir also der Demokratie verpflichtet.

- 5 -

�'HM

I7TT97

Dokumcnlolion
United States Information Service
Embassy of the United States of America

31

3. August 1983

REAGAN UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DER SCHLUSSAKTE VON HELSINKI
- Proklamation zum Tag der Menschenrechte -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat erneut auf die Bedeutung der
Schlußakte von Helsinki für die Menschenrechte hingewiesen.

In einer vom

Weißen Haus veröffentlichten Erklärung, mit der der 1. August in den USA zum
"Helsinki-Tag der Menschenrechte" proklamiert wurde, heißt es, die Absprachen
von Helsinki seien ein "machtvolles politisches Instrument zur Förderung der
Sache der menschlichen Würde und Freiheit."
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat in ihren wesentlichen
Teilen folgenden Wortlaut:
Als die Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE) - weithin bekannt als die Absprachen von Helsinki - am 1.
August 1975 in Helsinki unterzeichnet wurde, verpflichteten sich 33 Regierungen in Ost- und Westeuropa sowie die Vereinigten Staaten und Kanada, "die
Menschenrechte und die grundlegenden Freiheiten, einschließlich der Freiheit
des Denkens, des Gewissens, der Religion oder des Glaubens, zu respektieren

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�zu respektieren und zwar für alle und unterschiedslos im Hinblick auf Rasse,
Geschlecht, Sprache oder Religion."
Die Teilnehmerländer verpflichteten sich ferner, größere Bewegungsfreiheit und Kontakte, einen verbesserten Zugang zu Informationen sowie einen
kulturellen und wissenschaftlichen Austausch zu fördern.
Die Absprachen von Helsinki sind ein wichtiger Erfolg im Hinblick auf
die Entwicklung weltweiter Normen des internationalen Verhaltens und der
grundlegenden Menschenrechte«

Diese Normen gehen zurück auf die frühesten

Tage der amerikanischen Republik.

In einem Brief, den im Jahre 1787 Thomas

Jefferson aus Paris an James Madison schrieb, heißt es, daß "das Volk gegenüber jeder Regierung auf Erden einen Anspruch hat auf eine Akte der Menschenrechte,"

Die Absprachen von Helsinki sind in der Tat für alle Menschen in

Europa eine solche Akte.
Die Regierung der Vereinigten Staaten hat sich mit Nachdruck verpflichtet, die menschenrechtlichen und humanitären Bestimmungen der Absprachen von
Helsinki voll und ganz zu erfüllen.

Das amerikanische Volk hat sich uner-

schütterlich der Wahrung und Förderung der grundlegenden Menschenrechte überall in der Welt verschrieben,,

Die Absprachen von Helsinki sind ein macht-

volles politisches Instrument zur Förderung der Sache der menschlichen

Würde

und Freiheit.
Auf der KSZE-Folgekonferenz in Madrid haben die Vereinigten Staaten gemeinsam mit anderen westlichen Ländern darauf hingewiesen, daß die Sowjetunion sowie die osteuropäischen Staaten sich nicht an die in Helsinki eingegangenen Verpflichtungen hinsichtlich der humanitären und menschenrechtlichen
Bestimmungen halten,
Durch die Unterdrückung der Gewerkschaft Solidarität in Polen, die anhaltenden Unterdrückungsmaßnahmen gegen die Helsinki-Überwachungsgruppen,
die drastische Verringerung der Auswanderung aus der Sowjetunion und die Be-

�die Behinderung und Verfolgung von Bürgern in der Sowjetunion und Osteuropas, die ihre religiösen und politischen Freiheiten zum Ausdruck zu bringen
versuchen, werden die Prinzipien von Helsinki verneint, denen die jeweiligen Regierungen damals zugestimmt haben.
Diese repressiven Maßnahmen gefährden nicht nur die Erreichung einer
echten Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, sondern sie haben auch eine
entmutigende Wirkung auf den Geist der tapferen Völker, die diese Tyrannei
erdulden.
Der Kongreß hat mit der gemeinsamen Senatsresolution 96 den 1. August
1983 zum "Helsinki-Tag der Menschenrechte" bestimmt und den Präsidenten bevollmächtigt und ersucht, eine Proklamation zur Begehung dieses Tages zu erlassen.

Bei dieser Gelegenheit bietet sich der amerikanischen Bevölkerung

die Möglichkeit, ihre Verpflichtung für die Prinzipien der Menschenrechte
zu bekräftigen, die in der Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa niedergelegt sind, und ihre Solidarität mit den Völkern der Sowjetunion und Osteuropas zum Ausdruck zu bringen, deren grundlegende Menschenrechte durch die jeweiligen Regierungen ständig und regelmäßig
verletzt werden.

- 3 -

�31

3. August 1983

US-HANDELSMINISTER: GÜNSTIGE ENTWICKLUNG DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT
- Baldrige unterstreicht positive Auswirkung auf die Weltwirtschaft -

WASHINGTON - (AD) - In einem Gespräch mit Reportern im "Foreign Press
Center" des US-Informationsamtes (USIA) betonte der amerikanische Handelsminister Malcolm Baldrige am 27. Juli 1983 in Washington, daß Industriestaaten wie die sich entwickelnden Länder von der Belebung der amerikanischen
Wirtschaft profitieren können.
Die wesentlichen Auszüge aus seiner Erklärung sowie aus der anschließenden Befragung haben folgenden Wortlaut:
Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten befindet sich zweifelsfrei in
einer Periode des Wiederaufschwungs. An dieser speziellen Erholung ist
nichts Ungewöhnliches; sie ist vielmehr hinsichtlich fast aller Aspekte,
mit denen wir eine solche Erholung messen, völlig normal.

Im ersten Quar-

tal 1983 hatten wir einen Anstieg unseres Bruttosozialproduktes um 2,6 Prozent.

Im zweiten Quartal stieg es um 8,7 Prozent.

Der weitere Anstieg wird

wahrscheinlich niedriger sein, da ein Drittel dieses 8,7 prozentigen Aufschwungs auf Unterschiede bei den Verringerungen der Lagerbestände gegenüber

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�Lagerbestände gegenüber dem ersten Quartal zurückzuführen war.

Im Lauf des

Jahres wird hier eine Nivellierungstendenz zu erkennen sein, daher wird der
Faktor dann nicht mehr so hoch sein.
Die Verbraucherausgaben stiegen gegenüber einer Erhöhung von 2,9 Prozent im ersten Quartal 1983 auf zehn Prozent im zweiten Quartal an.

Der

Verbraucher in den Vereinigten Staaten fängt also an, wieder Geld auszugeben - und dies spiegelt sich bei Immobilien, bei Autos und bei längerlebigen Gebrauchsgütern wider.

Die Ausweitung zeigt, daß es sich um einen Auf-

schwung handelt, der eine breite Grundlage hat.
Wir erwarten, daß diese Erholung sicherlich bis 1984 und darüber hinaus
andauern wird und - besonders wenn wir die Haushaltsdefizite abbauen können in die Jahre 1985 bis 1988 hinaus.
Die Arbeitslosigkeit, die bei 10,7 Prozent lag, ist auf 9,8 Prozent zurückgegangen.

Dies ist etwas über dem durchschnittlichen Rückgang der Ar-

beitslosigkeit während der ersten sechs Monate eines Wiederaufschwungs, wenn
wir es mit den anderen Rezessionen und Erholungen vergleichen, die wir in
diesem Land seit dem Koreakrieg erlebt haben.
Alles in allem haben wir also eine normale, kräftige Wiederbelebung.
Und wir können sehen, daß es dabei keinen Anstieg der Inflation gibt. Dies
scheint mir einer der wichtigsten Aspekte zu sein, denn bei unseren letzten
Aufschwüngen nach einer Rezession hatten wir solche, die von einer Inflation
- einer zunehmenden Inflation - gestützt wurden, was bedeutete, daß der Samen für die nächste Rezession gleich darin enthalten war. Wenn wir also
den Kurs einer moderaten Erholung ohne einen Anstieg der Inflation beibehalten können, so werden wir den besten Interessen dieses Landes - und auch
denen der Welt - dienen...
FRAGE:

Herr

�FRAGE:

Herr Minister, wie beurteilen Sie die Auswirkungen des ameri-

kanischen Wiederaufschwungs auf das Ausland - auf die anderen Industriestaaten und natürlich auch auf die weniger entwickelten Länder?
ANTWORT:

Dieses Jahr wird unser Bruttosozialprodukt - sagen wir vom

vierten Quartal 1982 bis ins vierte Quartal 1983 - um etwa 5,5 Prozent wachsen.

Es könnte sogar etwas darüber liegen. Ähnliche Voraussagen gibt es

auch für die Industriestaaten der Europäischen Gemeinschaft - im Durchschnitt
etwa um 0,5 Prozent bis etwa 0,75 Prozent - bei einigen etwas mehr, bei anderen etwas weniger.
Es ist sehr wichtig, daß der Aul schwung in den Vereinigten Staaten ohne
Steigerung der Inflation anhält, denn das hilft diesen Staaten.

Es hilft

ihnen ganz besonders beispielsweise in ihrer Fähigkeit, nach den Vereinigten
Staaten zu exportieren.

Die USA werden in diesem Jahr ein Warenhandelsdefi-

zit von etwa 70 Milliarden Dollar haben.

Für das nächste Jahr könnten wir

sogar mit rund 100 Milliarden Dollar rechnen.

Aber das bedeutet, daß wir

als Land die Tatsache akzeptieren, daß wir für

70 Milliarden Dollar mehr

importieren als wir exportieren.

Und das schafft in den anderen Ländern

Arbeitsplätze.
Der Grund, warum das so abläuft, besteht darin, daß unsere Wirtschaft
als erste diesen Wiederaufschwung erlebt. Wir nehmen eine große Menge Importe auf wegen dieses Aufschwungs. Unsere Exporte gehen nicht annähernd
so schnell in die Höhe, weil die anderen Länder, mit denen wir Handel treiben, keinen so raschen Wiederaufschwung erleben. Das ist also ein starker
Anstoß, den die Vereinigten Staaten den anderen Industrieländern der Welt geben können und auch geben...
FRAGE: Herr Minister, wie ist die Situation bei Quoten und Zöllen für
Spezialstähle? Wie ich glaube, sind sie bereits in Kraft und Gesetz. Verhandeln Sie mit anderen Ländern über Quoten?
ANTWORT:

Die

�ANTWORT:

Die Stahlindustrie produziert weltweit etwa 90 Prozent Normal -

stahl und 10 Prozent Spezialstahl.
Die Normalererzeuger brachten Anträge auf Ausgleichszölle gegen die
Europäer vor, weil sie die Europäer beschuldigten, ihre Stahlexporte zu
subventionieren.

Wir haben das geregelt - wir haben durch Verhandlungen

und Vereinbarungen Regelungen erreicht, die für Europäer und Amerikaner befriedigend sind.

Dieser Teil ist also erledigt.

Was nun die restlichen zehn Prozent angeht, die Erzeuger von Spezialstählen, so haben diese nur ein oder zwei Anträge auf Ausgleichszölle gestellt.

Sie haben um Abhilfe gebeten im Rahmen unseres Handelsgesetzes 201,

in dem es heißt, daß die Regierung andere Quoten oder Zölle festlegen kann,
wenn ein Industriezweig geschädigt wird.

Aber es ist wirklich die Frage,

ob ein Ausgleich bezahlt werden soll, denn es gab keine Anschuldigungen der
Subvention.

Es ging nur um unfaire Handelspraktiken.

Dieses Problem wird

von Botschafter Brock und seinem Büro des Vertreters für Handelsverhandlungen
behandelt. Was wir jedoch erreichen möchten, sind so viele normale, geregelte Marktvereinbarungen wie möglich mit den Ländern, um die es geht...
Ich meine, geregelte Marktvereinbarungen wären wahrscheinlich die beste
Lösung für die Europäer wie auch für uns...
FRAGE:

Sie sagten, der Aufschwung in den Vereinigten Staaten schaffe

Arbeitsplätze in anderen Ländern. Auf der anderen Seite fügt der höhere
Kurswert des Dollar anderen Ländern Schaden zu. Werden Sie Maßnahmen ergreifen, um den hohen Dollarkurs zu senken?
ANTWORT:

Der hohe Wert des Dollar schadet anderen Ländern nicht so

sehr wie den Vereinigten Staaten selbst.

Der hohe Kurs des Dollar erhöht die

Kosten amerikanischer Exporte sehr stark, so daß wir in vielen Kategorien
von Erzeugnissen Schwierigkeiten haben, mit anderen zu konkurrieren.

Es be-

deutet, daß ausländische Lieferanten konkurrenzfähiger sind und mehr Arbeits- 4 -

�mehr Arbeitsplätze haben.

Darüber hinaus bedeutet der hohe Dollarwert, daß

Einfuhren nach den Vereinigten Staaten billiger werden.

Damit steigen die

Importe...
Natürlich hat der hohe Dollarkurs auch in einigen anderen Ländern Nachteile.

Aber man kann sagen, daß wir in den Vereinigten Staaten mehr unter

einem überbewerteten Dollar leiden als andere Länder darunter leiden, daß
der Dollar überbewertet wird.
FRAGE:

Ich möchte eine Zusatzfrage stellen.

Viele Industrieländer

zahlen ihren Treibstoff, ihr Benzin und ihre Energie in Dollar, und darum
leiden sie darunter, wenn der Dollar überbewertet wird.
der Dollar sei überbewertet.
ANTWORT:

Sie sagten selbst,

Warum bringen Sie ihn nicht herunter?

Ich weiß wirklich nicht, wie Sie mit Sicherheit feststellen

können, daß der Dollar überbewertet sei.

Es gibt heute in den Vereinigten

Staaten sehr viele Leute, die behaupten, er sei überbewertet.

Ich persön-

lich glaube das auch.
ABer wenn genug Leute im Devisengeschäft in der ganzen Welt glaubten,
er sei überbewertet und müsse heruntergehen, dann würde es auf den Finanzmärkten lebhafter zugehen.

Stattdessen sind sie recht stark.

Immer mehr

Leute wollen in den Vereinigten Staaten investieren wegen unserer hohen
Zinssätze.

Den einzigen Weg, den ich kenne, um den Wert des Dollar zu sen-

ken, besteht praktisch darin, unsere Zinssätze zu senken.

Und der einzige

Weg, den ich kenne, um das zu erreichen, besteht darin, unsere Haushaltsdefizite abzubauen.

Ich glaube, sehr viele Leute in der Welt werden diesen

Feststellungen zustimmen.
Unser Problem ist, daß der Präsident, der fest daran glaubt und deshalb gewählt wurde, daß die Staatsausgaben gesenkt werden müssen, das Defizit senken will. Aber er möchte es dadurch tun, daß die Staatsausgaben gesenkt werden, die in den letzten 15 oder 20 Jahren ins Unermeßliche gestie-

- 5 -

�Unermeßliche gestiegen sind.
Der Kongreß mcöhte es mehr durch Steuererhöhungen erreichen.

Und

wenn Sie sich erinnern, so hat der Präsident in seinem Haushalt 1982 die
Steuern erhöht.

Der Kongreß hat dem Präsidenten damals versprochen, daß

für jeden Dollar an Steuererhöhungen drei Dollar an Ausgaben eingespart
würden - ein Verhältnis von drei zu eins.

Diese Ausgabenkürzungen haben

sich verflüchtigt, weil sich der Kongreß nicht auf das Problem konzentrieren konnte und zu viel Kirchtumpolitik im Spiel war und schließlich keine
Senkungen der Staatsausgaben vorgenommen wurden.
Der Präsident ist der Überzeugung, daß der einzige Weg zu einer künftigen Steuererhöhung

nur über noch einschneidendere Ausgabenkürzungen führen

könne, und solange er keine Ausgabenkürzungen sieht, wird die Administration
kaum etwas tun, um die Steuern zu erhöhen.

Damit ist also vor den Wahlen

1984 kaum zu rechnen.

Wahrscheinlich wird er wieder mit dem Programm in

den Wahl kämpf ziehen:

"Wollt Ihr Steuererhöhungen oder Senkungen der Staats-

ausgaben, um das Problem des Haushaltsdefizits zu lösen?"
Wirtschaftsproblem, das wir heute haben.

+ + + + +

- 6-

Das ist das größte

�Wift/choft
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3. August 1983

31

USA UND SOWJETUNION ERZIELEN EINIGUNG OBER NEUES GETREIDEABKOMMEN
- Erklärung des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben
sich "im Prinzip" über ein neues langfristiges Getreideabkommen geeinigt.
Die offizielle Unterzeichnung des Abkommens, das über fünf Jahre läuft, ist
für Ende August vorgesehen.
Die Erklärung des Weißen Hauses, die am 28. Juli 1983 vom Stellvertretenden Pressesprecher Larry Speakes im Beisein von Landwirtschaftsminister
John Block und dem amerikanischen Sonderbeauftragten für Handelsverhandlungen,
William Brock, verlesen wurde, hat folgenden Wortlaut:
Botschafter William E. Brock, der Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen, und Landwirtschaftsminister John R. Block gaben heute bekannt,
daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion im Prinzip Einigung über ein
neues langfristiges Getreideabkommen erzielt haben.

Das Abkommen wird am

1. Oktober 1983 in Kraft treten und eine Laufzeit von fünf Jahren haben.
Aufgrund dieses

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�Aufgrund dieses Abkommens wird die Sowjetunion jährlich von den Vereinigten Staaten neun Millionen Tonnen Weizen und Mais in etwa gleichen Mengen kaufen.

Bis zu einer Million Tonnen der Mindestmenge an Getreide kön-

nen durch sowjetische Käufe von 500 000 Tonnen Sojabohnen und/oder Sojamehl
ersetzt werden.

Wenn in irgendeinem Jahr auf diese Sojabohnen/Soja-

mehl-Option zurückgegriffen wird, wird die Mindestmenge an Weizen und Mais
in dem betreffenden Jahr acht Millionen Tonnen betragen.

Während eines je-

den Jahres der Laufzeit des Abkommens kann die Sowjetunion ohne vorherige
Konsultationen drei Millionen Tonnen Weizen und Mais zusätzlich zu den neun
Millionen Tonnen kaufen.
Der allgemeine Rahmen des neuen Abkommens entspricht dem des im Jahre
1975 unterzeichneten.
Die Einigung wurde am 28. Juli während der dritten Verhandlungsrunde
über das neue Abkommen in Wien erzielt.

Das amerikanische Verhandlungsteam

wurde von Botschafter Robert E. Lighthizer, dem Stellvertretenden Sonderbeauftragten für Handelsverhandlungen, geleitet.

Der Staatssekretär im ameri-

kanischen Landwirtschaftsministerium, Daniel G. Amsturz, vertrat sein Ministerium im Verhanndlungsteam.

Die offizielle Unterzeichnung des Abkommens

findet Ende August statt.
Das gegenwärtige Abkommen, das am 30. September 1983 ausläuft, sah jährlich den Kauf einer Mindestmenge von sechs Millionen Tonnen Weizen und Mais
seitens der Sowjetunion vor und räumte der Sowjetunion die Option ein, zusätzliche zwei Millionen Tonnen pro Jahr zu kaufen. Das ursprüngliche Abkommen lief über fünf Jahre, beginnend 1975. Es wurde zweimal um jeweils
ein Jahr verlängert.

- 2 -

�31

3. August 1983

US-WIRTSCHAFTSHILFE IN EL SALVADOR: WORÜBER NICHT BERICHTET WIRD
- Von Peter McPherson, AID-Direktor -

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung
des "Christian Science Monitor".

Auch wenn Fragen der Militärhilfe für El Salvador immer wieder in den
Mittelpunkt der Diskussion gerückt werden, so sind es doch die Wirtschaftshilfe und die humanitäre Unterstützung der USA, die das Leben von Tausenden
in El Salvador direkt und positiv berühren.

Mit dieser Hilfe wurden nämlich

eine massive Lebensmittelknappheit und eine Unterernährung der Bevölkerung
verhindert.
So haben die Vereinigten Staaten beispielsweise im Rahmen des Programms
"Lebensmittel-für-den-Frieden" El Salvador 560 000 Tonnen an Weizen, Mais,
Reis, Trockenmilch und anderen Nahrungsmitteln zur Verfügung gestellt, damit
die dortige Bevökerung ernährt werden kann. Andere Wirtschaftshilfe hat dazu beigetragen, daß Arbeitsplätze geschaffen wurden, wodurch Tausende von
armen Familien überleben konnten.
Das Amt

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�Das Amt für Internationale Entwicklung (AID), die Behörde der amerikanischen Regierung, die für Wirtschaftshilfe und humanitäre Unterstützung armer Länder verantwortlich ist, hat für eine halbe Million vertriebener Personen in El Salvador Unterkünfte, Medikamente, Arbeitsplätze und Lebensmittel
beschafft.

Im Rahmen eines AID-Gesundheitsprogramms erhielten 160 000 Per-

sonen dieser Gruppe 370 000 Impfungen gegen übertragbare Krankheiten.
Ferner wurden zahlreiche Straßen und Brücken, die von der Guerilla zerstört wurden, wieder hergerichtet, damit Produktion und Handel, Beschäftigung und Dienstleistungen weitergehen können.

Eine reparierte Brücke bedeu-

tet häufig, daß ein Kleinbauer seine Erzeugnisse auf den Markt bringen kann.
Diese Art der Hilfe für El Salvador machte den Unterschied aus zwischen wirtschaftlichem überleben und wirtschaftlichem Zusammenbruch.
Die wirtschaftliche und humanitäre Hilfe der USA für dieses mittelamerikanische Land ist unter der Reagan-Administration dreimal so groß wie die
Militärhilfe. Das Wirtschaftshilfe-Programm zielt darauf ab, den starken
wirtschaftlichen Verfall und die daraus resultierende Arbeitslosigkeit zu
bremsen, unter denen das Land während der letzten drei Jahre gelitten hat.
Ein weiteres Ziel dieser Unterstützung ist der Wiederaufbau und das Funktionieren der von der Guerilla zerstörten oder beschädigten öffentlichen
Dienste. Mit der Wirtschaftshilfe soll auch die Agrarreform fortgesetzt
werden, durch die zum ersten Mal in der Geschichte salvadorianische Kleinbauern zu Eigentümern des Landes werden, das sie bebauen. Ferner trägt diese Hilfe dazu bei, daß für Tausende die schlimmsten Leiden, verursacht durch
Gewalt, wirtschaftliche Härten und Vertreibung, gemildert werden.
Dies alles ist keine leichte Aufgabe.

Die Guerilleros waren erfolg-

reich bei der Zerstörung von Transformatorenhäusern

und anderen Anlagen

des Stromverteilungsnetzes, was immer wieder zu Stromausfallen - vor allem
im Osten des Landes - führte. Teile dieses Gesetzes waren während der letzten
zwei Jahre acht Monate lang ohne Strom.

Und dies bedeutet:

tät für Fabriken, Schulen, Krankenhäusern, Geschäfte.

- 2 -

keine Elektrizi-

Und oft bedeutet es

�bedeutet es auch: keine Wasserversorgung.

Diese Guerilla-Aktionen verlieren

aber auch jeden romantischen Schimmer, wenn dadurch Ärzte nicht mehr operieren oder ihre Patienten richtig behandeln können oder wenn ganze Gemeinden
über lange Zeiträume hinweg kein Trinkwasser mehr haben oder wenn Arbeitsplätze und Einkünfte verloren gehen, weil Industrieanlagen und Geschäfte wegen Mangels an Elektrizität geschlossen bleiben.
Um diesen Mißständen soweit wie möglich abzuhelfen, wurden im Rahmen
der amerikanischen Wirtschaftshilfe Generatoren in etwa 50 Orten in El Salvador
installiert - vor allem in Krankenhäusern, Schulen und kleinen Gemeinden, die
von diesen Angriffen am meisten betroffen wurden, damit die für das Leben notwendigen Einrichtungen auch weiterhin funktionieren können.
Langfristig zielen diese Programme auf ein sich selbst tragendes, auf
breiter Grundlage stehendes und gerechtes Wachstum innerhalb eines demokratischen Rahmens ab. Kurzfristig jedoch tragen die wirtschaftlichen und humanitären Unterstützungsprogramme der Vereinigten Staaten dazu bei, daß die
Bevölkerung El Salvadors überleben kann.

- 3 -

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3. August 1983

SCHWERWIEGENDE HUNGERPROBLEME IN AFRIKA
Nahrungsmittel Versorgung in der übrigen Welt verbessert -

WASHINGTON - (AD) - Der Verbrauch von Nahrungsmitteln ist in Asien,
Lateinamerika und in den Nahostländern merklich angestiegen.
nehmen die Hungerprobleme immer ernstere Formen an.

Aber in Afrika

Dies erklärten der ame-

rikanische Landwirtschaftsminister John Block und der Direktor des US-Amtes
für Internationale Entwicklung (AID), M. Peter McPherson, vor dem außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses.

Die Weltbevöl-

kerung habe in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen; dennoch betrage die Zahl der Menschen, die unter Hunger leiden, nach wie vor etwa 500
Millionen.
Die Anzahl der Einwohner Asiens, die unzureichend versorgt sind, sei,
so McPherson, dreieinhalbmal größer als in der übrigen Welt.

Insgesamt ge-

sehen aber sei der Prozentsatz der Bevölkerung, der zu wenig zu essen habe,
in diesem Erdteil kleiner als anderswo.

"Unsere Anstrengungen im Kampf gegen

den Hunger konnten mit dem Bevölkerungszuwachs mehr als Schritt halten, so
daß in Asien ein Fortschritt zu verzeichnen ist", meinte er.

Dagegen be-

stünden in Afrika jetzt schwerwiegende Hungerprobleme; dort sei ein großer
Anteil der Bevölkerung infolge der Kombination von Trockenheit, Unruhen und

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�Unruhen und niedriger Produktion von Nahrungsmitteln ständig unter- bzw.
fehl ernährt. Außerdem sei der Bevölkerungszuwachs in diesem Jahr fast doppelt so groß wie in Asien.
In allen von der AID unterstützten Ländern in Lateinamerika, in fünf
der acht asiatischen Länder und in sieben der acht Länder im Nahen Osten
sei der Kalorienverbrauch pro Kopf gestiegen.

"Nur in Afrika ist die Ten-

denz entgegengesetzt; der Kalorienverbrauch pro Kopf ging dort in einer Reihe

von Ländern zurück". Angesichts der Schwere und des Fortbestehens der

Dürre in Äthiopien werde die Regierung Reagan im Rahmen des Programms "Lebensmittel für den Frieden" im Haushaltjahr 1984 etwa drei Millionen Dollar
für Nahrungsmittelhilfe zusätzlich zur Lieferung von Nahrungsmitteln in Katastrophenfällen, die dem Bedarf entsprechend fortgesetzt werde, bereitstellen.

Im Jahr 1983 beläuft sich die Unterstützung Äthiopiens aus beiden Pro-

grammen auf 6,7 Millionen Dollar, berichtete ein Vertreter des AID.
Auch werden dem Katholischen Hilfsfonds 700 000 Dollar für den Transport
der Nahrungsmittel in jene äthiopischen Gebiete zur Verfügung gestellt, wo
die Hungersnot am größten ist. McPherson bemerkte, daß beträchtliche Nahrungsmittelmengen in äthiopischen Häfen festlägen und wegen der sehr mangelhaften Infrastruktur ihre Bestimmungsorte nicht erreichen könnten. Laut Angaben eines anderen AID-Beamten habe die äthiopische Regierung darum ersucht,
mindestens zwei Monate lang keine Nahrungsmittel lieferungen zu ihren Häfen
zu schicken.
AID-Direktor McPherson schlug vor, daß die Internationale Entwicklungsgesellschaft - eine Tochtergesellschaft der Weltbank, die armen Ländern Hilfe zu sehr günstigen Bedingungen gewährt - das Gebiet südlich der Sahara
mehr unterstützt und gleichzeitig Kredite für
höhere Entwicklungsstufe erreicht haben.

Länder kürzt, die bereits eine

Landwirtschaftsminister Block

äußerte sich dahingehend, daß das Hauptproblem bei der Bekämpfung des Hungers in der Welt in der Verteilung der Nahrungsmittel und der Fähigkeit der
Länder liege, für Nahrungsmittel bezahlen zu können; im Grunde existiere je-

- 2 -

�existiere jedoch keine Nahrungsmittelknappheit.
"In der unmittelbaren Zukunft muß unsere Hilfe für diese (mit Nahrungsmitteln unterversorgten) Nationen auch Nahrungsmittelhilfe umfassen, bis sie
ihre eigene Produktion steigern oder andere Quellen zur Deckung ihres Bedarfs
nutzen können", erklärte Block,

"Wie in der Vergangenheit sind wir auch

künftig bereit, auf diese Notstände entsprechend zu reagieren."

Jedoch sei

es ein Kernpunkt der amerikanischen Politik, die Produktion und die Verteilungsmöglichkeiten in anderen Ländern zu verbessern, indem man diese Länder
an der amerikanischen Agrartechnologie teilhaben lasse.

Im Jahr 1982 hatten

die Vereinigten Staaten in 77 Ländern technische Hilfsprogramme laufen, mit
denen 800 Fachleute beschäftigt waren - davon 200 allein in Afrika.

In die-

ser Aufstellung sind nur Angestellte des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums berücksichtigt, jedoch nicht Personen, die für AID tätig sind.
Außerdem seien, wie Block weiter berichtete, im vergangenen Jahr 1800 ausländische Agrarfachleute in den Vereinigten Staaten ausgebildet worden.

Er rech-

ne zumindest in den nächsten 20 bis 30 Jahren nicht mit einer Nahrungsmittel Verknappung.

+ + + + +

- 3 -

�»

T

Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

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3. August 1983

NEUARTIGER BESCHLEUNIGER FÜR STANFORD-FORSCHUNGSZENTRUM
- Hauptprojekt: Erforschung der "schwachen Kraft" -

- (AD) - Für den Bau eines neuartigen Teilchenbeschleunigers am kernphysikalischen Forschungszentrum der Stanford-Universität (Kalifornien)
stellt die US-Regierung zunächst 32 Millionen Dollar zur Verfügung. Die
Gesamtkosten werden auf 112 Millionen Dollar veranschlagt.

Prof. W.

Panofsky, der Direktor des "Stanford Linear Accelerator Center" (SLAC Linearbeschleuniger-Institut der Stanford-Universität), schätzt, daß der
Beschleuniger 1986 in Betrieb genommen werden kann.

Die neue Maschine trägt

die Bezeichnung "SLAC Linear Collider" (abgekürzt SLC).
Sie soll u.a. dem Studium der sog. schwachen Kraft dienen, deren elektrisch neutraler Träger, Z-Boson genannt, vor ein paar Wochen am CERN-Forschungszentrum in Genf erstmals nachgewiesen werden konnte. Während jedoch
bei den Experimenten in Genf Protonen mit Antiprotonen zur Kollision gebracht
wurden, sollen im SLC stark fokussierte Strahlen von Elektronen und Positronen
aufeinanderprallen.

Dieses Prinzip zur Sondierung nuklearer Kräfte und

subatomarer Teilchen ist nicht neu.

Seine Anwendung erwies sich in den

letzten zehn Jahren als eine der erfolgreichsten Methoden für Experimente
in der Teilchenphysik.

Jedoch wird SLC diese Kollisionen mit der größten

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�der größten Energie erzeugen, die es bisher auf der Welt gibt.

Und ebenso

bemerkenswert ist die neue Technik, die für die Kollisionsphase angewandt
wird.
Zur Zeit ist es üblich, diese Kollisionen über Speicherringe zu erreichen.

Magnete halten die beiden Strahlen (Elektronen und Positronen als

deren Gegenstück aus der Welt der sog. Antimaterie) in der kreisförmigen
"Rennbahn", wobei sie einander jede Minute mehrere Millionen Mal durchdringen.

Die dabei entstehenden Reaktionen werden erfaßt und ausgeweitet.
Der neue Teilchenbeschleuniger arbeitet nach dem Prinzip, energiereiche

Strahlen von Elektronen und Positronen aus der 3200 m langen Bahn des Elektronenbeschleunigers zu einer Ringbahn zu "biegen" und sie auf einem mikroskopisch kleinen Punkt zu konzentrieren.

Wenn diese Teilchen gegensätzlicher

Ladung aufeinanderprallen, werden sie in einer ungeheuer energiereichen Reaktion vernichtet, aus der neue Kombinationen subatomarer Teilchen hervorgehen.

Beim "Linear Collider" entspricht die Häufigkeit der Kollisionen nur

etwa einem Tausendstel jener in den Ringbeschleunigern.

Jedoch wird dieser

Nachteil mehr als aufgewogen durch die Tatsache, daß die Strahlen durch
einen Kollisionspunkt gehen, der viele Tausend Mal kleiner ist,als es im
Speicherring möglich wäre.
Nach wie vor sind Speicherringe für kollidierende Partikel strahlen bei
niedrigeren Energien am ergiebigsten. Geht es jedoch um höhere Energien,
müßten die Ringe sehr viel größer konstruiert werden, um die Energieverluste
auszugleichen, die sich beim Umlenken der Strahlen in eine kreisförmige Bahn
ergeben. Ein Speicherring für die Größenordnung der im SLC-Beschleuniger
erzeugten Energie müßte einen Umfang von ca. 24 000 m haben und würde mehr
als 500 Millionen Dollar kosten. Die SLC-Maschine dagegen ist sehr viel
billiger u-nd hat auf dem derzeit verfügbaren Gelände Platz.
Zur Erzielung der höheren Energien, die man von der nächsten Generation
der Elektronen-Positronen-Maschinen erwartet, dürfte das dem "Linear Collider"
zugrunde liegende Arbeitsprinzip eine wichtige Rolle spielen.

Es wurde von

�Es würde von Nobelpreisträger Burton Richter, dem technischen Direktor von
SLAC, entwickelt, der auch das SLC-Projekt in die Wege leitete. Zum experimentellen Programm für SLC wird ein besonders interessantes Kapitel der
Hochenergiephysik gehören.

Denn bei Kollisionen in diesem Energiebereich

wird die sogenannte schwache Kraft auffälliger sein als die elektromagnetische Kraft, die bei niedrigeren Energien dominiert. Z-Teilchen, die kürzlich entdeckten Träger der schwachen Kraft, werden in solchen Kollisionen
direkt erzeugt. Täglich könnten Tausende erfaßt werden, was ein genaues
Studium ihrer Natur ermöglichte.
Mit der Realisierung des neuen Projekts sind erhebliche Umbauten am
SLAC-Linearbeschleuniger verbunden, damit dessen Energieleistung um etwa
60 Prozent gesteigert werden kann. Neue Computeranlagen werden den Partikelstrahl präzise steuern. Zwei kleine Dämpfungsringe, die im Anfangsbereich
des Linearbeschleunigers unterirdisch installiert werden, sollen den Querschnitt des Strahls schon vor der Beschleunigung verringern. Zu den größten neuen Anlagen zählen unterirdische, bogenförmig angelegte Magnete, die
die Elektronen- und Positronenstrahlen zum Kollisionspunkt am Ende der Anlage dirigieren.
Im Verlauf der letzten zwei Jahre wurden sorgfältige Untersuchungen
über mögliche Einflüsse des neuen SLC-Beschleunigers auf die Umgebung durchgeführt.

An den Erörterungen nahmen auch Vertreter benachbarter Gemeinden

sowie von Umweltschutz-Organisationen teil.

Entgegen den ursprünglichen

Plänen wurde, zum großen Teil wegen der von diesen Gruppen vorgebrachten
Bedenken, der für die neue Experimentierhalle vorgesehene Standort geändert.

+ + + + +

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Probleme Mittelamerikas erfordern umfassende, regionale Lösung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schreiben an die Präsidenten der CONTADORA-Staaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush umreißt Ziele der Mittelamerikapolitik der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Vizepräsidenten vor Gouverneuren -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan unterstreicht Bedeutung der Schlussakte von Helsinki&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Proklamation zum Tag der Menschenrechte -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Handelsminister: Günstige Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Baldrige unterstreicht positive Auswirkung auf die Weltwirtschaft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA und Sowjetunion erzielen Einigung über neues Getreideabkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Wirtschaftshilfe in El Salvador: Worüber nicht berichtet wird&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Peter McPherson, AID-Direktor -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schwerwiegende Hungerprobleme in Afrika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Nahrungsmittelversorgung in der übrigen Welt verbessert -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuartiger Beschleuniger für Stanford-Forschungszentrum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Hauptprojekt: Erforschung der "schwachen Kraft" -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
10. August 1983

32
INHALT
DOKUMENTATION
Shultz:

Vereinigte Staaten streben "dauerhaften Frieden" in

Mittelamerika an
- Erklärung des US-Außenministers vor Senatsausschuß Burt:

Fortschritte im Ost-West-Verhä'ltnis, aber kein Durchbruch

- Ausführungen des US-Unterstaatssekretärs im Kongreß Unterstaatssekretär Abrams zur Situation der Menschenrechte in
Mittelamerika
- Aussage vor Kongreßausschüssen INFORMATION
Sondertarife im Flugverkehr sollen deutsch-amerikanischen
Jugendaustausch fördern
HINTERGRUNDMATERIAL
Internationale Zusammenarbeit in der Wissenschaft
- Politisches Klima für amerikanisch-sowjetische Beziehungen
nach wie vor bedeutsam Erläuterungen zu Zöllen und Quoten für Spezialstähle in den USA
- Nicht alle Wünsche der US-Stahlindustrie erfüllt WISSENSCHAFT UND TECHNIK
CHALLENGER-Start verschoben
Meeresweichtiere als Modell für Herzfunktionen
- Energiestoffwechsel ohne Sauerstoff -

Um Über/endung uon
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

lo. August 1983

32

SHULTZ: VEREINIGTE STAATEN STREBEN "DAUERHAFTEN FRIEDEN" IN
MITTELAMERIKA AN
- Erklärung des US-Außenministers vor Senatsausschuß -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz
erklärte am 4. August 1983 vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats,
die Vereinigten Staaten seien auch weiterhin bestrebt, in Mittelamerika
"eine größere Krise zu verhindern und einen dauerhaften Frieden herbeizuführen."
Die Erklärung des Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Ich begrüße die Gelegenheit, mit Ihnen die Entwicklungen in Mittelamerika zu besprechen.
Unsere Politik hinsichtlich Mittelamerikas ist genau so, wie sie
der Präsident am 27. April auf einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses
der Nation vorgelegt hat. An jenem Abend nannte er unsere Zielsetzungen:
Eine größere Krise zu verhindern und einen dauerhaften Frieden herbeizuführen.

Um dies zu erreichen, nannte der Präsident vier Tätigkeitsbereiche,

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�vier Tätigkeitsbereiche, denen wir uns verpflichtet haben:

Unterstützung

der Demokratie, der Reform und der Menschenrechte; Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung; Unterstützung von Dialog und Verhandlungen zwischen den Ländern der Region und innerhalb eines jeden Landes; schließlich
Unterstützung für die Sicherheit der bedrohten Nationen dieser Region als
Schild für Demokratisierung, Entwicklung und Diplomatie.
Jeder seither unternommene Schritt steht in Einklang mit dieser umfassenden Strategie.

Lassen Sie mich jedes dieser Elemente so zusammenfas-

sen, wie es sich derzeit darbietet und in welcher Beziehung es zu den anderen sowie zum Ganzen steht.
Zuvor lassen Sie mich sagen, daß ein entscheidender Aspekt der Erklärung des Präsidenten vom 27. April seine Bitte um eine

überparteiliche

Unterstützung gegenüber der zunehmenden Bedeutung Mittelamerikas war.

Mit

dem Rat und mit der Unterstützung vieler Mitglieder des Kongresses hat der
Präsident nunmehr eine überparteiliche Nationale Kommission für Mittelamerika eingesetzt, die von Henry Kissinger geleitet wird.

Man hat in Amerika

angefangen, zu begreifen, daß wir unserer eigenen Nachbarschaft mehr Aufmerksamkeit widmen müssen.

Seit langem schon bedarf es einer Anstrengung,

in die Zukunft zu schauen - und dies in einem überparteilichen Geist zu
tun.

Ich hoffe, daß jedermann der Kommission so viel Beistand wie möglich

zuteil werden läßt, wenn sie mit ihrer Arbeit beginnt.
Heute jedoch möchte ich über die jetzige Stoßrichtung unserer vierteiligen Politik sprechen.
•

Erstens, und dies gehört an erste Stelle:
kratie, Reform und Menschenrechten.

Unterstützung von Demo-

Was wir anstreben, ist ein Mittelamerika, das mehr Costa Rica als
Kuba ähnlich ist. Wir streben eine echte Demokratie an - keine totalitäre
Scharade, sondern Achtung der Menschenrechte und der Herrschaft des Rechts,

- 2 -

�des Rechts, keine Unterdrückung, sondern Regierungen, die sich dem Wohlergehen ihres eigenen Volkes verpflichtet fühlen.
Im vorigen Jahr waren wir bewundernd Zeuge von Costa Ricas in so
typischer Weise begeisternden und doch peinlich korrekten Wahlen.

Heute

arbeiten wir mit der Regierung Costa Ricas zusammen, mit seinem angesehenen
Obersten Wahltribunal und mit seinem neuen regionalen Zentrum für Wahlhilfe,
durch das andere Länder Hilfe dabei bekommen sollen, ihre Wahlsysteme zu
verbessern.
1981 und 1982 haben wir den Übergang zur Demokratie in Honduras unterstützt.

Heute ist die Verteidigung der konstitutionellen demokratischen

Ordnung ein Hauptziel.
En El Salvador war die Wahl für eine Verfassungsgebende Versammlung
im vergangenen März ein eindrucksvoller Erfolg, der zeigte, daß sich Demokratie sogar angesichts von Guerilla-Gewalt entwickeln kann.
Um bei den nächsten salvadorianischen Wahlen Hilfestellung zu leisten,
kamen im Mai zwei prominente Wahlexperten nach El Salvador, begleitet von
Beamten des Außenministeriums und von Mitarbeitern des Amtes für Internationale Entwicklung (AID).

Wir haben nunmehr ein Projekt entwickelt, um tech-

nische Hilfe und internationale Beobachter einzubringen, durch die die bevorstehenden Wahlen unterstützt werden sollen.

Es ist unser Ziel, dem sal-

vadorianischen Volk dabei zu helfen, auf dem Erfolg vom März 1982 aufzubauen - und dies nicht nur für dieses eine nächste Mal, sondern für viele
Male in der Zukunft.
Wir sind außerdem dabei, El Salvador beim Wiederaufbau der so tragisch unzulänglichen Strafgerichtsbarkeit zu helfen.

Der Besuch des Justiz-

ministers im April unterstrich die Bedeutung, die wir der Rechtsreform bei
der Entwicklung einer funktionsfähigen Demokratie beimessen.

Rechtsexper-

ten einer ganzen Reihe amerikanischer Behörden werden nachfolgen - und haben
- 3 -

�und haben bereits Honduras, Costa Rica

wie auch El Salvador besucht.

Zudem führt auf meine Anregung hin Richter Harold G. Tyler eine Überprüfung aller uns zur Verfügung stehenden Materialien durch, die die Ermordung von vier amerikanischen Nonnen im Jahr 1980 in El Salvador

betreffen;

er wird diejenigen weiteren Maßnahmen vorschlagen, die wir zu treffen haben werden, um die strafrechtliche Verfolgung jener zu fördern, die für
dieses Verbrechen verantwortlich sind.
Demokratie ist im größten Teil Mittelamerikas nicht die historische
Norm - und ihr Aufbau wird nicht leicht sein. Aber die Amnestie in El
Salvador, die terminliche Festlegung der Wahlen für eine Verfassungsgebende Versammlung in Guatemala, das pulsierende Leben der Demokratie in Costa
Rica und Honduras - all dies sind Hinweise des Fortschritts in Mittelamerika.
Was in Mittelamerika geschieht, wird des weiteren durch die Demokratie-Initiative des Präsidenten gefördert,werden. Wir haben mit Konsultationen begonnen - überparteilich, hier im Land wie im Ausland -, um Unterstützung für eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen den politischen Parteien und anderen Gruppen zu schaffen, die der Demokratie verpflichtet sind.
Zweitens, Wirtschaftliche Entwicklung:
Zwischen 1960 und 1979 hatten die Nationen Mittelamerikas ein hohes
Pro-Kopf-Wachstum.

Aber erhöhte Erwartungen stießen sich an politischen

Institutionen, die überaltert waren und nicht mehr auf diese Erwartungen
reagieren konnten; dann brachte die wirtschaftliche Drosselung zusätzlichen
Konflikt und weitere Instabilität.

In den letzten Jahren haben die fallen-

den Preise für Export-Rohstoffe, steigende Preise der Importe,die Strategie
des "Herrschens oder Zerstörens" der Guerilla in El Salvador und die wachsende Unsicherheit, die durch Nicaraguas Politik verursacht wurde, eine akute Wirtschaftskrise geschaffen, die die Verletzbarkeit der Region gegenüber
kommunistischen Strategien nur noch verstärkt hat.
Die Vereinigten

�Die Vereinigten Staaten haben auf diese ursächlichen wirtschaftlichen
Probleme großzügig und einfallsreich reagiert.

Ein großer Teil der 610

Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe, die in diesem Haushaltsjahr für Mittelamerika im Budget ausgewiesen sind, konzentriert sich auf Stabilisierungsanstrengungen, um harte Devisen für die entscheidenden Importe bereitzustellen, damit Produktion und Beschäftigung aufrechterhalten werden. Mit dem
übrigen Geld unterstützt das Amt für Internationale Entwicklung (AID) etwa
120 einzelne Entwicklungsprojekte.
nennen:

Um nur einen kritischen Bereich zu

Bei der Agrarreform in El Salvador hat unsere Hilfe dazu beige-

tragen, daß das Programm über 500 000 Personen - oder rund jedem zehnten
Salvadorianer - geholfen hat. Andere AID-Projekte sollen die nördlichen
Gebiete Costa Ricas entwickeln, die Forstwirtschaft und Viehzucht von Honduras
verbessern und Guatemalas Hochland-Indianern helfen.

In der ganzen Region

ist die amerikanische Wirtschaftshilfe dreimal höher als unsere militärische
Hilfe.
Schließlich haben wir intensiv mit anderen Staaten und mit Ihnen im
Kongreß zusammengearbeitet, um bei der Unterstützung der wirtschaftlichen
Entwicklung eine neue Methode zu erarbeiten - die Initiative für das Karibische Becken (IKB).

Die IKB bietet für 12 Jahre Freihandelsgarantien

und Anreize für Investitionen in Mittelamerika und in der Karibik an.
Sie wird ein machtvolles, langfristiges Instrument für die Entwicklung
und für die Schaffung neuer Arbeitsplätze sein.

Der Kongreß hat das Ge-

setz gerade vor einigen Tagen verabschiedet; der Präsident wird es in
Kürze unterzeichnen.

Die IKB ist ein gutes Beispiel überparteilicher Zu-

sammenarbeit im nationalen Interesse.

Ich bin zuversichtlich, daß ihr Bei-

trag sich als dauerhaft erweisen wird.
Drittens, Dialog und Verhandlungen:
Unsere Politik ist so angelegt, daß sie bei der Entwicklung politischer Lösungen für Mittelamerikas nationale und regionale Probleme behilflich ist.

In Nicaragua reagierte das neue Sandinisten-Regime nicht auf
- 5 -

�nicht auf die amerikanischen Anstrengungen zu einem "konstruktiven Engagement".

Daraufhin waren wir bemüht, unsere Meinungsverschiedenheiten

per Dialog zu bereinigen.

Und als die bilateralen Versuche 1981 und 1982

sich als fruchtlos erwiesen, nahmen wir an dem multilateralen Friedensprozeß teil, der vergangenen Oktober in San Jose begonnen wurde.

Dieses Jahr

haben wir von Anfang an die Anstrengungen Kolumbiens, Mexikos, Panamas und
Venezuelas - der CONTADORA-Gruppe - unterstützt.

Diese Unterstützung

dauert auch heute noch an.
In El Salvador haben wir beständig und systematisch versucht, die
Versöhnung zwischen jenen innerhalb der Guerilla und ihren Anhängern zu
erleichtern, die gegebenen^]Is len Willen zeigen würden, in ehrlichen
Wahlen zu prüfen, welchen Anklang sie finden. Wir unterstützen derzeit
aktiv die Anstrengungen der Friedenskommission von El Salvador, einen
Dialog mit der Demokratisch-Revolutionären Front (FDR) - dem politischen
Arm der Guerilla - zu beginnen, um die sichere Teilnahme aller Parteien
an dem demokratischen Prozeß zu gewährleisten.
Seit seiner Ernennung durch den Präsidenten im vergangenen April
hat Ihr früherer Kollege - der jetzt meiner ist - Dick Stone hart gearbeitet, um zu einem Dialog innerhalb El Salvadors und in der Region insgesamt anzuregen.

Er hat sich wiederholt mit Führern aller im CONTADORA-

Prozeß involvierten Länder getroffen, einschließlich Nicaraguanern.
Vergangenes Wochenende hatte Botschafter Stone - mit Hilfe Präsident
Betancours von Kolumbien - einen ersten Kontakt zu politischen Repräsentanten der salvadorianischen Guerilleros.

Wir hoffen, daß es zu weiteren

Kontakten kommen wird und daß sie einen direkten und detaillierten Dialog
zwischen der Guerilla und der salvadorianischen Friedenskommission erleichtern werden.
Lassen Sie mich gleichzeitig betonen, daß es wichtige Bereiche der
Übereinstimmung zwischen der Erklärung der CONTADORA-Präsidenten vom 17.
Juli in Cancun und den Grundsätzen gibt, denen sich die Vereinigten Staaten
- 6 -

�Vereinigten Staaten letzten Herbst in der Schlußakte von San Jose verschrieben haben.

Der regionale Dialog - wenn er auch noch immer schwie-

rig ist - beginnt allmählich, die entscheidenden Bedingungen für Demokratie und Frieden klarzulegen.
Und viertens, militärische Hilfe und Zusammenarbeit:
Wir streben einen Sicherheitsschild an - nicht als einen Nutzen an
sich, sondern um den notwendigen Schutz für die politischen, wirtschaftlichen und diplomatischen Ziele zu bieten, die ich eben beschrieben habe.
Die militärischen Komponenten der Politik des Präsidenten sind sorgfältig kalkuliert, um eben dies zu tun.

Dabei geht es um zweierlei Akti-

vitäten - einmal um Aktivitäten, um anderen dabei zu helfen, sich selbst
zu verteidigen; dann um Aktivitäten, um unsere eigene Abschreckungskapazität zu unterstreichen.
Militärische Hilfe gründet sich auf die offenkundigen Erfordernisse
eines jeden Landes entsprechend der Bedrohung der Sicherheit des betreffenden Landes. Die Forderungen der Administration für das Haushaltsjahr 1984
sind die folgenden: Für Belize 500 000 Dollar sowie 100 000 Dollar für
Ausbildung; für Costa Rica 2 Millionen Dollar sowie 150 000 Dollar für Ausbildung; für El Salvador 55 Millionen Dollar sowie 1,3 Millionen Dollar für
Ausbildung plus 30 Millionen Dollar Warenkredite; für Guatemala 250 000
Dollar für Ausbildung und 10 Millionen Dollar Kredite; für Honduras 40 Millionen Dollar sowie eine Million Dollar für Ausbildung.
Unsere Bereitschaft und Abschreckungskapazität werden durch die gemeinsamen und kombinierten Manöver erhöht werden, die mit den honduranischen
Streitkräften unter dem Namen "Big Pine II" in Verbindung mit Flotteneinheiten stattfinden werden.
Diese Übungen

�Diese Übungen werden zwei

miteinander in Verbindung stehenden Ziel-

setzungen dienen:
- Verbesserung der Ausbildung und der Einsatzbereitschaft unserer
eigenen Streitkräfte und derjenigen von Honduras.; und
- Abgabe einer glaubwürdigen Versicherung an alle Parteien, daß die
Vereinigten Staaten die Fähigkeit haben, angesichts jeglicher Herausforderung des interamerikanischen Systems und unserer internationalen legalen Verpflichtungen einen Schutzschild aufzubauen.
Das sind die Elemente unserer Politik.
Strategie überaus wichtig.

Alle vier sind für unsere

Und gerade weil sie miteinander verwoben sind,

verleihen sie uns sowohl die Stärke als auch die Flexibilität, um Resultate
zu erzielen.
Unsere Unterstützung für die Demokratie zeigt langsam Wirkung. Es
ist die Grundlage geschaffen worden für ein erneuertes und gerechteres
wirtschaftliches Wachstum, wenn die Schießereien einmal aufhören. Und ein
kritisches Zusammenwirken der militärischen und diplomatischen Aspekte
unserer Politik ist eingeleitet worden.
Staaten wie auch die Menschen brauchen Anreize und Hinweise, um ihr
Verhalten zu ändern.

Zumindest bis vor kurzem gab es keinen Hinweis für

die Sandinisten, keinen Hinweis für die salvadorianischen Guerilleros,
keinen Hinweis für Fidel Castro und keinen Hinweis für die Sowjets, der sie
hätte glauben lassen, daß irgendetwas Glaubwürdiges, irgendetwas Schwieriges im Wege stünde, in El Salvador und im übrigen Mittelamerika durch bewaffnete Gewalt eine kommunistische Herrschaft aufzuzwingen.

Aus welchen Grunde

also sollten die weit links stehenden Salvadorianer an einer Teilnahme am
politischen Prozeß interessiert sein?

Warum sollten die Sandinisten unter

diesen Umständen auf ihre "Revolution ohne Grenzen" verzichten?

Warum sollte

Kuba sich in Mittelamerika anders verhalten als in Afrika?
Aber irgendetwas
- 8 -

�Aber irgendetwas ist nicht so abgelaufen.

Der Beweis ist da:

Man

sieht ihn am Interesse der salvadorianischen Guerilleros am Dialog; ja sogar an den Worten Ortegas und Castros.

Es sind Zeichen gesetzt worden -

durch die Solidarität der mittelamerikanischen Demokratien, durch die Länder der CONTADORA-Gruppe, durch vertrauliche Vorbehalte und Einwendungen
der Helfer Nicaraguas auf internationaler Ebene, durch inneren, vom Volke
unterstützten Aufruhr in Nicaragua, durch kürzliche Erfolge der salvadorianischen Streitkräfte und durch die Vereinigten Staaten von Amerika.
Das Wesentliche dieser Zeichen und Botschaften ist dies:

Ein Sieg

der ganz Linken und ihrer ausländischen Helfer ist nicht möglich.

Die Men-

schen in Mittelamerika sind mit allem Nachdruck darauf bedacht, dieser Gewalt zu widerstehen.

Sie sind in immer größerem Maße dazu fähig - auf-

grund ihrer eigenen Anstrengungen und aufgrund der Hilfe der Vereinigten
Staaten.

Die USA und Honduras zeigen durch die gegenwärtigen Manöver,

was kooperative Ausbildung und Abschreckung wirklich bedeuten.
Die Optionen unserer Gegner,die bisher die Gewalt betont haben,
müssen eingeengt werden in Richtung auf Verhandlung und Dialog.

Und ich

glaube, daß es die Verantwortung dieser Administration und des Kongresses
ist, sicherzustellen, daß nichts geschieht, was diese zum Erfolg führenden
Instrumente schwächen könnte.
Unsere Strategie ist auf die Probleme ausgerichtet, denen wir uns
gegenübersehen.

Sie ist auf die heutigen Gegebenheiten eingestellt, rea-

listisch und flexibel, und sie zeitigt Ergebnisse.
Unterstützung und die des amerikanischen Volkes.

+ + + + +

- 9-

Sie verdient Ihre

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

32

10. August 1983

BURT: FORTSCHRITT IM OST-WEST-VERHÄLTNIS, ABER KEIN DURCHBRUCH
- Ausführungen des US-Unterstaatssekretärs im Kongreß -

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Richard Burt, hat vor einem Unterausschuß des Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses am 1. August 1983 erklärt, es gäbe in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen einige kleine, ermutigende Fortschritte, jedoch keinen "größeren Durchbruch".
Auf Fragen der Abgeordneten warnte Burt vor einem "Überoptimismus und einem
Oberpessimismus".

Es bestehe die potentielle Möglichkeit für Fortschritte,

denn die Sowjetunion habe eingesehen, daß sie mit den Vereinigten Staaten
verhandeln und Kompromisse machen müsse.

Allerdings, so betonte der Unter-

staatssekretär, käme ein Gipfeltreffen nicht in Frage, ehe die Sowjets nicht
in einer Reihe "wichtiger Fragen" einen wesentlichen Fortschritt ermöglicht
hätten.

Natürlich werde die amerikanische Politik nicht "gelähmt" sein,

auch wenn manche Forderungen nicht erfüllt würden.
Die vorbereitete Erklärung des Unterstaatssekretärs vor dem Außenpolitischen Ausschuß hat folgenden Wortlaut:
Wenn ich

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wenn ich mich nicht irre, erscheine ich heute zum drittenmal in
meiner Eigenschaft als Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten
vor diesem Unterausschuß.

Meine früheren Erfahrungen haben sich als wert-

volle Gelegenheiten erwiesen, den Standpunkt der Administration darzulegen
und einen besseren Eindruck von den Anliegen und Auffassungen des Kongresses
zu gewinnen.

Ich betrachte mein heutiges Erscheinen als Fortsetzung dieses

nützlichen Prozesses.
Ich möchte heute mehrere Aspekte der amerikanisch-europäischen Beziehungen ansprechen:

Unsere Beziehungen zur Sowjetunion, den Stand der

Madrider KSZE-Nachfolgekonferenz und die Aussichten für unsere großen
Rüstungskontroi 1verhandlungen.
Außenminister Shultz erschien vor einigen Wochen vor Ihren Kollegen
im Senat, um über unsere Politik gegenüber der Sowjetunion zu sprechen.
So wie damals können auch heute unsere Beziehungen zu Moskau nur als gespannt bezeichnet werden.

Die gegensätzlichen Ziele und Denkweisen unserer

Systeme werden nicht so bald verschwinden, aber unser fundamentales gemeinsames Interesse, einen Krieg zu vermeiden, zwingt uns, auf ein Verhältnis
mit den Sowjets hinzuarbeiten, das eine sichere und stabile internationale
Umwelt schafft.
Die Schwierigkeiten, die es bei der Herstellung eines stabileren und
konstruktiveren amerikanisch-sowjetischen Verhältnisses gibt, sind vielfältig. Sie erinnern uns daran, daß Frieden auf Stärke aufgebaut sein muß.
Wir sind der Überzeugung, daß die Administration in den letzten zweieinhalb
Jahren einen beachtlichen Erfolg beim Wiederaufbau unserer militärischen,
wirtschaftlichen und moralischen Stärke und der Festigung unserer Bündnisbeziehungen hatte. Wir sind der Meinung, daß wir eine solide Basis geschaffen haben, auf der wir die Lösung offener politischer Fragen anstreben können. Wir akzeptieren keineswegs, wie schon der Außenminister betonte, die
Aussicht auf eine endlose, gefährliche Konfrontation mit der Sowjetunion
als unausweichlich.
Im letzten
- 2 -

�Im letzten Halbjahr sind wir mit der Sowjetunion in einen intensiven
Dialog über alle Aspekte des amerikanisch-sowjetischen Verhältnisses einge- '
treten - mit Botschafter Dobrynin und seiner Botschaft hier in Washington;
durch unseren Botschafter Arthur Hartman in der Sowjetunion sowie über eine
Reihe anderer bilateraler Kanäle, einschließlich der etablierten Rüstungskontrollforen in Genf und Wien.

Durch diesen Dialog haben wir versucht,

der neuen sowjetischen Führung unsere Besorgnisse über unannehmbare Aspekte
des sowjetischen Verhaltens nahezubringen und auf die Hindernisse hinzuweisen, die diese einer Verbesserung der Ost-West-Beziehungen in den Weg
gelegt haben.

Gleichzeitig waren wir bestrebt,unsere Bereitschaft zu de-

monstrieren, nach konstruktiven Lösungen für unsere Meinungsverschiedenheiten
und nach konkreten Wegen zu suchen, um die Gebiete der bilateralen Zusammenarbeit auf der Basis der Gegenseitigkeit und des beiderseitigen Interesses
auszuweiten.

Unser Ziel bestand, kurz gesagt, darin, die Bereitschaft der

neuen Führung zu sondieren, die politischen Anpassungen vorzunehmen, die
für eine dauerhafte Wende zum Besseren in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen notwendig sind.
Dieser Dialog war außerordentlich

offen und weitreichend und er-

streckte sich auf Rüstungskontrolle, regionale Konflikte, bilaterale politische und wirtschaftliche Fragen und die Menschenrechte,

Bisher hat es

einige wenige kleine, wenn auch ermutigende Entwicklungen gegeben - wie
beispielsweise die Annahme der spanischen Kompromißformel auf der KSZENachfolgekonferenz in Madrid durch die Sowjets, bescheidene Anpassungen
bei einer Reihe von Positionen bei den START-Verhandlungen und bei den
MBFR-Verhandlungen, die Freilassung der Pentekostalisten - aber keine großen
Durchbrüche.

Wir haben selbstverständlich keine sofortigen und raschen

Veränderungen in der seit langem verfolgten sowjetischen Politik erwartet.
Aber wir sind und bleiben hoffnungsvoll, daß im kommenden Jahr ein Fortschritt erzielt werden kann.

Was uns angeht, so wird die amerikanische Po-

litik grundsatztreu, praktisch und geduldig bleiben.

Außenminister Shultz

wird auf der Vollversammlung der Vereinten Nationen in diesem Herbst mit
Gromyko zusammentreffen, um unseren Dialog auf Ministerebene fortzusetzen,

- 3 -

�Ministerebene fortzusetzen, und es kann durchaus zu einer früheren Begegnung anläßlich der Unterzeichnungsfeierlichkeiten im Rahmen der KSZE in
Madrid kommen. Die Ergebnisse dieser Zusammenkünfte werden dazu beitragen,
die Richtung zu bestimmen, in der sich das Verhältnis entwickeln wird.

Die Madrider KSZE-Nachfolgekonferenz
Das erfolgreiche Erreichen einer Übereinkunft zwischen Ost und West
auf der Madrider KSZE-Nachfolgekonferenz ist der Höhepunkt von fast dreijährigen schwierigen Verhandlungen.

Wie der Präsident erkennen ließ, han-

delt es sich um ein Resultat, mit dem die Vereinigten Staaten zufrieden sein
können.

Aber so wie bei der Schlußakte von Helsinki selbst ist es ein Ge-

bot, der entscheidenden Frage der Durchführung ständige Aufmerksamkeit zu
widmen.
Das Ergebnis von Madrid spiegelt die enge Zusammenarbeit zwischen
den Vereinigten Staaten und unseren europäischen Verbündeten während der
ganzen Marathon-Sitzung wider. In jedem Stadium - von der Ausarbeitung
der ursprünglichen westlichen Positionen über die Diskussion bezüglich der
Verwirklichung früherer Übereinkommen bis zu den Verhandlungen über das
Schlußdokument dieser Konferenz - gab es eine solide, produktive Beziehung
zu unseren Verbündeten - eine Beziehung, die uns in die Lage versetzt hat,
fest zu Grundsatzpositionen zu stehen. Diese enge Zusammenarbeit war besonders wichtig angesichts der gespannten internationalen Atmosphäre, die während des Verhandlungszeitraums herrschte. Die Verhängung des Kriegsrechts
in Polen hatte eine wesentliche Auswirkung auf die Konferenz und verursachte
eine längere Unterbrechung der Verhandlungen. Die sowjetische Besetzung
Afghanistans dauerte an. Und der sowjetische Druck in der INF-Frage, der
dazu dienen sollte, den NATO-Beschluß aufzuheben und das sowjetische Monopol an nuklearen Mittel Streckensystemen zu erhalten, war sehr intensiv.
Unter solchen Umständen war Einigkeit von entscheidender Bedeutung.
Das Madrider
- 4 -

�Das Madrider Dokument ist auch Ausdruck der großen Beiträge der neutralen und blockfreien Staaten, die den grundlegenden Text ausarbeiteten,
auf dessen Basis die Verhandlungen geführt wurden.

Das Schlußdokument läßt

ferner eine realistische Beurteilung der Notwendigkeit, dieses Mal zu einer
Übereinkunft mit dem Westen zu kommen, seitens der Sowjetunion und ihrer
Verbündeten erkennen.

Wenn man davon ausgeht, daß die in letzter Minute

durch die Weigerung Maltas, dem Konsens beizutreten, geschaffenen Probleme
überwunden werden können, dann wir das Schlußdokument der Madrider Konferenz auf einem Treffen der Außenminister vom 7. - 9. September in Madrid
unterzeichnet werden.
Wir sollten die Bedeutung des Übereinkommens zwar nicht übertreiben,
aber wir sollten sie auch nicht verkleinern.

Die Madrider Übereinkunft

wird die Schlußakte von Helsinki stärken und erweitern.

Die neuen Bestim-

mungen, die sie enthält, behandeln die Rechte der Arbeiter, sich zu organisieren, Menschenrechte, Helsinki-Überwachungsgruppe, religiöse Freiheiten,
menschliche Kontakte und Familienzusammenführung, Zugang zu diplomatischen
und konsularischen Missionen, freien Informationsfluß, Rechte für Journalisten sowie Maßnahmen gegen den Terrorismus.
Die Übereinkunft sieht auch die Einberufung einer Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahnen und Abrüstung in Stockholm im kommenden Jahr vor.
Auf dieser Konferenz werden wir versuchen, detaillierte Maßnahmen zur Verringerung der Gefahr eines Überraschungsangriffs auszuarbeiten.

Ein wich-

tiges neues Element dabei ist, daß die in Stockholm zu erörternden Maßnahmen für den ganzen europäischen Teil der Sowjetunion bis zum Ural gelten
sollen und nicht nur für die 250 km-Zone, wie sie in der Schlußakte von
Helsinki vorgesehen ist. Die auf der Konferenz erörterten Maßnahmen dürften daher für die wirkliche Sicherheitslage in Europa relevanter sein, die
ganz offensichtlich durch die Stärke und die Kapazität der sowjetischen
Streitkräfte westlich des Ural beeinflußt wird.

Wir sind der Überzeugung,

daß diese Konferenz einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit Europas leisten
kann, und wir werden mit unseren Verbündeten zusammenarbeiten, um eine aktive
- 5 -

�eine aktive und konstruktive Haltung zu dieser Konferenz zu entwickeln.
Darüber hinaus sieht das Übereinkommen von Madrid im Laufe der nächsten
drei Jahre eine Reihe von Konferenzen vor über Menschenrechte, menschliche
Kontakte und die friedliche Beilegung von Streitigkeiten, ein Kulturforum
sowie ein Seminar über wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle
Zusammenarbeit im Mittelmeerraum.

Die Signatarstaaten werden sich ferner

1985 in Helsinki versammeln, um des 10. Jahrestages der Unterzeichnung der
Schlußakte zu gedenken.

Und schließlich sieht das Madrider Dokument die

Fortsetzung des KSZE-Prozesses durch die Abhaltung einer weiteren Nachfolgekonferenz in Wien im November 1986 vor.
Die vor uns liegende Aufgabe ist schwer.

Kein Teilnehmer am KSZE-

Prozeß kann sich dem tiefen Ernst der Widersprüche zwischen dem sowjetischen Totalitarismus und dem System der persönlichen Freiheit und Würde
entziehen, das die demokratischen Regierungen kennzeichnet.

Kein Überein-

kommen - weder das in Helsinki noch das, welches wir im kommenden Monat in
Madrid abzuschließen hoffen - kann diese Unterschiede verwischen oder wunderbare Änderungen der Bedingungen in der Sowjetunion und in Osteuropa herbeiführen.

Niemand sollte sich einbilden, der KSZE-Prozeß sei eine Sache

von heute auf morgen.
Was die Sowjetunion und Osteuropa bezüglich der Menschenrechte und
der nationalen Souveränität vorzuweisen haben, ist kläglich. In Madrid haben
wir und unsere Verbündeten diesen Zustand scharf, gezielt und wiederholt
kritisiert. Und das Schlußdokument bekräftigt die Bedeutung der Verpflichtungen, die alle 35 Signatarstaaten hinsichtlich aller Prinzipien der Schlußakte von Helsinki eingegangen sind. Wir werden in der Lage sein, unsere
Anliegen in den Konferenzen der Experten für Menschenrechte und menschliche
Kontakte, wie sie das Schlußdokument vorsieht, weiter zur Geltung zu bringen, und ebenso auf der Gedächtniskonferenz 1985 in Helsinki und natürlich
auf der Nachfolgekonferenz in Wien 1986c Wir unternehmen ferner Schritte,
um zusammen mit unseren Verbündeten zu gewährleisten, daß die Aufmerksamkeit

- 6-

�die Aufmerksamkeit bezüglich bestimmter Fragen der sowjetischen Einhaltung
von Übereinkommen nicht nachläßt und daß internationale Besorgnisse in dem
Zeitraum zwischen diesen Konferenzen wirksam zur Geltung gebracht werden
können.

Rüstungskontrolle
Die vierte Runde der START-Verhandlungen geht morgen, am 2. August,
zu Ende.

Unsere Delegation hat während dieser Runde eine Reihe von Schrit-

ten unternommen, um die Verhandlungen weiterzubringen und die Flexibilität
zu demonstrieren, die Präsident Reagan am 8. Juni angekündigt hat.
- Wie der Präsident ankündigte, haben wir unseren Vorschlag für eine
Grenze von 850 dislozierten Raketen modifiziert, um unseren Vorschlag
in Übereinstimmung mit den Empfehlungen der Scowcroft-Kommission zu
bringen und ihn der von den Sowjets vorgeschlagenen Begrenzung auf
1800 Raketen und Bomber anzunähern.
- Unsere Delegation hat die amerikanische Flexibilität hervorgehoben,
wenn es um Mittel und Wege geht, dafür zu sorgen, daß ein STARTAbkommen wesentliche Verringerungen des Zerstörungspotentials der
strategischen Raketenstreitmacht bringt.
- Wir haben ferner den Entwurf für einen START-Vertrag vorgelegt, in
dem wir unsere Bereitschaft demonstriert haben, von Anfang an gleiche
und niedrigere Begrenzungen der Zahl der schweren Bomber und der luftgestützten Marschflugkörper zu akzeptieren.
Die Sowjets haben während dieser Verhandlungsrunde einige kleine Anpassungen ihrer Position vorgenommen und einige offene Punkte ihres ursprünglichen Vorschlags geklärt.

Für sich allein haben diese Schritte wenig dazu

beigetragen, die grundlegenden Unterschiede in den Standpunkten beider Seiten

- 7 -

�beider Seiten einander anzunähern oder unsere speziellen Besorgnisse hinsichtlich den Asymmetrien in den Kapazitäten der Raketen zu zerstreuen.
Trotzdem sind wir ermutigt, daß die Sowjets begonnen haben, ein gewisses
Nachgeben in ihrer Position zu zeigen, und wir hoffen, daß wir eine weitere
sowjetische Flexibilität in den zentralen Fragen in der nächsten STARTVerhandlungsrunde erleben werden.

INF
Das wichtigste Einzelproblem in den amerikanisch-europäischen Beziehungen für dieses Jahr dürften die nuklearen Mittel Streckensysteme - INF sein.

Auf der einen Seite haben die Gegner des NATO-Doppelbeschlusses er-

kennen lassen, daß sie große öffentliche Demonstrationen planen, um Regierungen von Bündnisländern umzustimmen.

Die Sowjets werden einen maximalen

Propagandadruck ausüben - einschließlich der Drohung der Dislozierung zusätzlicher Raketen, die auf unsere Verbündeten gerichtet sind.
Auf der anderen Seite sind wir und unsere Verbündeten heute in einer
viel stärkeren Position, beide Teile des Doppelbeschlusses vom Dezember
1979 über Rüstungskontrolle und Modernisierung durchzuführen als irgendwann in den letzten drei Jahren. Unsere Position bei den Verhandlungen
wird als ernsthaft und flexibel anerkannt; unsere Vorbereitungen für eine
Dislozierung - sollte diese notwendig werden - gehen in allen Stationierungsländern reibungslos vor sich; und in den Kommuniques der NATO und in Williamsburg wurde die Einigkeit des Bündnisses fest bekräftigt.
Die Vereinigten Staaten bleiben verpflichtet, bei den INF-Verhandlungen ein gerechts Abkommen zu erreichen, das entweder die ganze Klasse
amerikanischer und sowjetischer landgestützter LRINF-Raketen beseitigen
würde - unser "Null-Null-Vorschlag" - oder zu einem wesentlich

niedrigeren

gleichen Stand von LRINF-Gefechtsköpfen für die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion führen würde.

Unsere Verbündeten stehen voll und ganz
- 8 -

�und ganz hinter dieser Verhandlungsposition.
Gleichzeitig haben sich unsere Verbündeten verpflichtet, Ende dieses
Jahres mit der Dislozierung von landgestützten Marschflugkörpern und
PERSHING II-Raketen zu beginnen, wie dies im NATO-Doppelbeschluß von 1979
vorgesehen ist, wenn es zu keinem Abkommen kommt, das eine solche Dislozierung unnötig macht. Wir müssen nachdrücklich an dem Dislozierungsteil
des Doppelbeschlusses festhalten, um den Sowjets einen Anreiz zu bieten, in
Genf ernsthaft zu verhandeln, und um ihr destabilisierendes Monopol an
LRINF-Raketen aufzuheben, wenn kein Abkommen erreicht werden kann.
Leider wird der Fortschritt bei den Genfer Verhandlungen durch die
sowjetische Weigerung blockiert, die legitimen Sicherheitsinteressen der
NATO in Rechnung zu stellen, die überhaupt erst zu dem Doppelbeschluß von
1979 geführt haben.

Obwohl die Sowjets bei den Verhandlungen einige kleine

taktische Züge getan haben, bleibt ihr Ziel doch das gleiche wie zu Beginn
der Verhandlungen:
macht.

die Beibehaltung eines großen Teils ihrer SS-20-Streit-

Gleichzeitig verweigert sie der NATO das Recht, dieser Gefahr durch

entsprechende eigene Dislozierung zu begegnen.
Der Kern der Verhandlungsposition der Sowjets ist ihre Forderung nach
einer Anrechnung der unabhängigen britischen und französischen strategischen Abschreckungsstreitkräfte.

Hinter dieser Forderung steht der Ver-

such, amerikanische Dislozierungen zu blockieren und das sowjetische LRINFMonopol zu erhalten.
ab.

Unsere Verbündeten lehnen diese Forderung einstimmig

Wie die Sowjets sehr wohl wissen, dienen die britischen und französischen

Streitkräfte als nationale Abschreckung, die sich in Art und Aufgabe von
den amerikanischen und sowjetischen LRINF völlig unterscheiden.

Die bri-

tischen und französischen Systeme können weder für den Schutz der Nichtnuklearstaaten der NATO sorgen noch die lebenswichtige Verbindung zum amerikanischen strategischen Schutzschirm herstellen, der von so zentraler Bedeutung für die Fähigkeit der NATO ist, vor einem Krieg abzuschrecken.
Darüber hinaus besitzt die Sowjetunion bereits sehr viel mehr Gefechtsköpfe

- 9 -

�mehr Gefechtsköpfe als Großbritannien und Frankreich.

Es ist einfach ab-

surd, wenn die Sowjets behaupten, sie brauchten die SS-20-Raketen, um ein
Gegengewicht gegen die kleinen britischen und französischen Streitkräfte
zu schaffen.
Sie haben sicherlich Berichte über den sogenannten "Waldspaziergang"
gelesen.

Viele dieser Berichte waren unrichtig, zum Teil wegen der Bemü-

hungen der Sowjets, ihre eigene Unnachgiebigkeit zu vertuschen und die Verantwortung für die Schließung dieses informellen Kanals auf unsere Schultern
zu bürden statt auf ihre eigenen, wo sie gehört.

Aus diesen Gründen möchte

ich ein paar Worte zu diesem "Waldspaziergang" sagen.
Das Paket enthielt Gedanken, die auf einer informellen, sondierenden
Basis von Botschafter Nitze mit seinem sowjetischen Partner im Juli vorigen
Jahres entwickelt wurden.

Wir unsererseits hatten Probleme mit dem Vor-

schlag in der vorliegenden Form - einschließlich der Tatsache, daß er uns
gezwungen hätte, auf die PERSHING II zu verzichten, wodurch wir ohne eine
Rakete als Gegengewicht gegen die SS-20 wären und das NATO-Dislozierungsprogramm in der Bundesrepublik Deutschland unterminierten, das mit der
PERSHING II beginnt.

Trotzdem entschieden wir uns, diesen Kanal offen zu

halten, und haben unseren Botschafter entsprechend angewiesen.

Die sowje-

tische Reaktion hingegen war, den Vorschlag in der Sache und die Möglichkeit solcher Gespräche abzulehnen.

Der sowjetische Verhandlungsführer mach-

te deutlich, daß er kein Abkommen akzeptieren könne, das eine amerikanischsowjetische Gleichheit vorsah oder eine amerikanische Dislozierung akzeptierte, und er fügte hinzu, daß er einen Tadel erhalten habe, weil er solche Gespräche überhaupt geführt hatte.
Die nächste Verhandlungsrunde beginnt am 6. September. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin nach Mitteln und Wegen suchen, um die Verhandlungen voranzutreiben und Ergebnisse zu erzielen, die den Grundprinzipien
unserer eigenen Sicherheit und der unserer Verbündeten entsprechen. Wir
hoffen, daß die Sowjets endlich die Notwendigkeit ernsthafter Verhandlungen
- 10 -

�ernsthafter Verhandlungen erkennen.

Wir betrachten diese nächste Runde

keineswegs als die letzte, wie manche Leute meinen.

Wenn Dislozierungen

notwendig werden, dann gehen wir davon aus, daß die Verhandlungen nach
ersten amerikanischen Dislozierungen fortgesetzt werden - wie sie auch angesichts der laufenden und fortgesetzten sowjetischen Dislozierungen weitergingen.

Und, wie Vizepräsident Bush auf seine Europareise vor einigen Mo-

naten erklärte, "Was man hineinsteckt, das kommt heraus". Wir sind absolut
bereit, den Stand unserer dislozierten Systeme jedem Abkommen anzupassen,
das erreicht würde.

MBFR
Obwohl die Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa - MBFR - wenig Schlagzeilen machen, ist es
doch angebracht, auf ihre Bedeutung hinzuweisen, denn wir und unsere Verbündeten sind in zunehmendem Maße daran interessiert, die Verhandlungen zu
ihrem ursprünglichen Ziel zu bringen, nämlich der Parität der Streitkräfte
in Mitteleuropa. Die Bedeutung eines Abbaus der massiven sowjetischen Überlegenheit an konventionellen Streitkräften im Herzen des Kontinents hat sich
im Laufe der Zeit nicht verringert.
Leider haben sich die Sowjets und ihre Verbündeten konstant geweigert,
sich auf die Größe ihrer Streitkräfte in diesem Gebiet zu einigen oder auf
die Art von Verifizierungsmaßnahmen, die für ein wirksames Abkommen notwendig sind.

Der jüngste Vertragsentwurf, den der Osten im vorigen Monat unter-

breitete, kommt unseren Verifizierungsforderungen etwas entgegen.

Er bleibt

jedoch weit hinter dem zurück, was für einen wirksamen Vertrag notwendig
ist.

Wir werden gemeinsam mit unseren Verbündeten überlegen, welche Antwort

wir auf den östlichen Vorschlag geben werden.

+ + + + +

- 11 -

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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

10. August 1983

32

UNTERSTAATSSEKRETÄR ABRAMS ZUR SITUATION DER MENSCHENRECHTE
IN MITTELAMERIKA
- Aussage vor Kongreßausschüssen -

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretä'r für Menschenrechte und
humanitäre Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Elliott
Abrams.hat am 3. August 1983 vor zwei Unterausschüssen des Repräsentantenhauses über die Menschenrechtssituation in Mittelamerika berichtet und dabei unterstrichen, daß die Förderung der Menschenrechte in dieser Region
ein Hauptziel der amerikanischen Regierung bleibe.
Die Ausführungen des Unterstaatssekretärs haben folgenden Wortlaut:
Ich bin dankbar, daß ich erneut die Gelegenheit habe, vor Ihnen die
Menschenrechtsaspekte der amerikanischen Politik in El Salvador und - weitergefaßt - in Mittelamerika zu erörtern.
Die Förderung der Menschenrechte in Mittelamerika bleibt ein Hauptziel der amerikanischen Regierung. Wir verfolgen dieses Ziel auf zwei Wegen, und beide sind überaus wichtig. Einmal drängen wir die Regierungen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�die Regierungen darauf, spezifische Mißstände abzustellen, und wir tun
dies mit allem Nachdruck.

Aber das reicht nicht aus. Sowohl die Reagan-

Administration als auch ihre Kritiker wissen, wie frustrierend dieses Bemühen ist, wenn dies alles ist, was wir tun.

Es ist deshalb frustrierend,

weil wir uns dann im Grunde nur mit Symptomen befassen - Symptomen von
größter Bedeutung zwar für das Leben der Menschen - aber nicht mit den Ursachen.
Daher versuchen wir auch, die grundlegenden Dinge dieser Situation
anzupacken, die die massiven Menschenrechtsverletzungen in El Salvador verursachen.

Wir tun dies auf mehrfache Weise.

Erstens, durch wirtschaftliche

Unterstützung und wirtschaftliche Reformen hoffen wir, das salvadorianische
Volk vor der Verzweiflung bewahren, den Landbesitz auf größere Gruppen verteilen und die Grundlage für wirtschaftliche Stabilität und wirtschaftliches
Wachstum legen zu können, was zum politischen Fortschritt beitragen wird.
Zweitens, durch militärische Ausbildung formen wir die salvadorianischen
Sicherheitsstreitkräfte zu einer Berufsarmee um.

Dieser Prozeß der Pro-

fessional isierung wird unserer Ansicht nach zu einer größeren Disziplin
und einem exakteren Verhalten gegenüber Zivilisten führen.

Drittens, und

das ist am wichtigsten, fördern wir die Entwicklung eines sicheren demokratischen Systems in El Salvador.

Wie auch anderswo auf der Welt bietet

nur die Demokratie eine echte Garantie für die Achtung der Menschenrechte.
Wir waren also überaus aktiv auf dem Gebiete der Menschenrechte.

Wie

Sie wissen, benutzten wir unseren Einfluß, um auf freie Wahlen und eine Zivilregierung in Honduras zu drängen.

Wir haben viel Zeit darauf verwendet,

die Menschenrechtsverbesserungen in El Salvador zu unterstützen.

Diese

erfolgten zwar langsam, aber, wie Außenminister Shultz in seinem Begleitschreiben zum Bestätigungsbericht feststellte, "... unsere Enttäuschung
über das Tempo des Wandels sollte nicht den Blick dafür trüben, daß es tatsächlich einen solchen Wandel gibt". Wir sind bei der Regierung von Guatemala
wegen der geheimen Gerichte vorstellig geworden, die jetzt keine Todesurteile mehr verhängen und die von der Regierung reformiert oder abgeschafft

- 2 -

�oder abgeschafft werden, und haben auf die Festsetzung eines Wahldatums
gedrängt, was jetzt geschehen ist. Wir haben ferner die Regierung und das
Volk von Costa Rica bei den Bemühungen unterstützt, die Demokratie zu wahren, die ein Modell für ganz Mittelamerika ist.
Herr Vorsitzender, viele von uns sind enttäuscht über das Tempo des
Fortschrittes auf dem Gebiete der Menschenrechte in Mittelamerika.

Dieses

Tempo hängt natürlich von zahlreichen Faktoren ab, darunter auch das Gewicht der Geschichte.

Aber es gibt gegenwärtig einen besonderen Faktor,

auf den wir verweisen sollten - nämlich die Rolle Nicaraguas.
daher folgende Frage stellen:

Ich möchte

Wie würde die Menschenrechtssituation in

Mittelamerika heute wohl aussehen, wenn die Regierung Nicaraguas eine friedliche, demokratische Regierung wäre?
Ich meine, daß diese Situation dann wesentlich besser wäre.

Vor

allem anderen wäre der Wunsch nach Demokratie in Nicaragua, der zum Sturz
Somozas führte, erfüllt statt unterdrückt.

Die Regierung Nicaraguas würde

die Menschenrechte aller Nicaraguaner schützen und gleichzeitig ein Modell
für ihre Nachbarn darstellen - vielleicht in der Art, wie dies mit Costa Rica
der Fall ist.

Nicaragua würde darüber hinaus nicht die leninistische Guerilla

in El Salvador unterstützen und damit die Auseinandersetzungen um die Menschenrechte in diesem Land zurückschrauben, genauso wie es dann keine Subversion
in Honduras betreiben würde.
Ich glaube, es ist kein Zufall, daß die enorme Zunahme an Gewalttätigkeiten in El Salvador seit 1979 erfolgt ist - genau zu dem Zeitpunkt,
an dem die Sandinisten in Nicaragua die Macht übernahmen.

Und es ist auch

kein Zufall, daß die Armeen von El Salvador und Honduras in diesem Zeitraum
so angewachsen sind - in El Salvador zum Teil als Reaktion auf vermehrte
Stärke der Guerilla im Innern, in Honduras als Antwort auf die nicaraguanische Aufrüstung.

Wie kann man denn mit wirtschaftlichen Reformen voran-

kommen, wenn die Wirtschaft zu umfangreichen Militärausgaben gezwungen wird
oder unter dem Druck von Guerilla-Angriffen steht?

- 3 -

Wie kann denn die Kontrolle

�die Kontrolle ziviler demokratischer Einrichtungen über das Militär verstärkt werden, wenn die Subversion es für eine Gesellschaft erforderlich
macht, solche massiven Anstrengungen auf die Selbstverteidigung zu konzentrieren?

Würde Nicaragua einen Kurs des Pluralismus verfolgen und die sub-

versiven Handlungen gegenüber seinen Nachbarn einstellen, dann würde nicht
nur die Chance für die Demokratie, sondern auch das tatsächliche Erreichen
einer Demokratie und die Respektierung der Menschenrechte in Mittelamerika
weitaus mehr gefördert werden, als wir das heute erleben.
Die Verteidigung der Menschenrechte erfordert häufig mehr als nur
diplomatischen Druck, mehr als wirtschaftliche Hilfe und mehr als Ausbildungsprogramme.

Manchmal erfordert sie einen militärischen Schild, in des-

sen Schutz sich die Demokratie entwickeln kann.

Denken wir doch daran,

daß im Nachkriegseuropa der Marshall-Plan nicht unsere einzige Anstrengung
war, um den Europäern bei der Erlangung von Stabilität und Demokratie zu
helfen.

Der andere Pfeiler unserer Politik war die NATO - der militärische

Schild, hinter dem die europäischen Demokratien sich wieder verwirklichen
konnten - sicher vor Aggression von außen oder vor Subversion.

Diese Po-

litik war erfolgreich, und Westeuropa hat nahezu vier Jahrzehnte des Friedens, des wirtschaftlichen Wachstums und der Demokratie erlebt - die erst
kürzlich und nach Jahrzehnten der Diktatur auch auf Spanien und Portugal
ausgedehnt wurde. Natürlich ist Mittelamerika nicht Europa, denn Europa
hatte tiefe demokratische Wurzeln, auf die in der Zeit nach dem Kriege zurückgegangen werden konnte.

Die Wiedererrichtung der Demokratie ist schon

eine schwere Aufgabe, aber die Schaffung demokratischer Institutionen und zwar zum erstenmal - ist eine noch schwierigere Aufgabe, insbesondere
wenn sich eine Region im Konflikt befindet.
Der Übergang zur Demokratie ist für jedes Land ein überaus schwieriges Unterfangen, und sie in einer Zeit der Konflikte zu erreichen, ist
ein noch weitaus schwierigeres Vorhaben. Unsere Bemühungen, in Mittelameri
den Frieden zu sichern, und unsere Anstrengungen, dort die Menschenrechte
zu fördern, gehen Hand in Hand, denn wir wissen, daß die Respektierung der

�Respektierung der Menschenrechte und der demokratischen Institutionen
schwer zu erreichen sein wird, während dort ein Konflikt tobt. Wir sind
fest davon überzeugt, daß unsere Unterstützung der wirtschaftlichen und
sozialen Reformen, unser Drängen auf Fortschritte in der Sache der Menschenrechte und beim Aufbau demokratischen Institutionen sowie unsere Bemühungen um eine Beendigung des regionalen Konfliktes in Mittelamerika - zusammengenommen - den hoffnungsvollsten Weg für eine friedliche und demokratische
Zukunft aufzeigen.

- 5 -

�32

10. August 1983

SONDERTARIFE IM FLUGVERKEHR SOLLEN DEUTSCH-AMERIKANISCHEN
JUGENDAUSTAUSCH FÖRDERN

- (AD) - Zur Förderung des deutsch-amerikanischen Schüler-, Jugendund Studentenaustausches sind für den Flugverkehr zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika Sondertarife für
Teilnehmer an offiziell anerkannten Austauschprogrammen eingeführt worden.
Die Tarife werden von der Lufthansa, PANAM und Trans World Airways angeboten.

Sie sehen eine Ausweitung des sehr günstigen, bisher aber nur auf

Aufenthalte zwischen zwei Wochen und drei Monaten anwendbaren Holiday-Tarife vor und räumen je nach Fluggesellschaft, Alter der Teilnehmer und Art
des Austauschprogramms weitere Vergünstigungen ein, die bis zu 33 Prozent
des Holiday-Tarifs ausmachen können.

Die Kosten zahlreicher Austauschpro-

gramme, für die die Flugpreise ein wesentlicher Faktor sind, können damit
spürbar vermindert werden.
Die Genehmigung der Sondertarife durch das Bundesverkehrsministerium
geht auf eine Initiative der von der Bundesregierung und der amerikanischen
Regierung eingesetzten Koordinatoren für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit zurück, die von den drei Fluggesellschaften aufgegriffen und vom Auswärtigen Amt und dem Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit
sowie vom US-Außenministerium und vom US-Informationsamt (USIA) unterstützt
wurde.

+ + +

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Telex: 8-85432

�10. August 1983

INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT IN DER WISSENSCHAFT
Politisches Klima für amerikanisch-sowjetische Beziehungen
nach wie vor bedeutsam -

WASHINGTON - (AD) - Das politische Klima hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluß auf die Zusammenarbeit der Vereinigten Staaten in Wissenschaft und Technologie mit anderen Ländern.

Darauf verwies William Schneider.

Staatssekretär für Sicherheitshilfe im amerikanischen Außenministerium,am
2. August 1983 in einer Stellungnahme vor Vertretern des außenpolitischen
Ausschusses des US-Repräsentantenhauses.

Dies sei u.a. ein wichtiger Punkt

im Hinblick auf die Rückkehr zu Programmen mit der Sowjetunion in dem Umfang,
der etwa Mitte der siebziger Jahre üblich gewesen sei.
Schneider vermittelte eine allgemeine Obersicht über die amerikanische
Politik der Zusammenarbeit und die internationalen Programme und stellte besonders heraus, daß
- Präsident Reagan bilateralen Programmen, insbesondere jenen mit Brasilien, China und Indien, große Aufmerksamkeit widmet;
- wissenschaftliche

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�- wissenschaftliche Programme der Raumfahrt nach wie vor ein bedeutsames
Gebiet internationaler Zusammenarbeit darstellen;
- die Zusammenarbeit mit der Sowjetunion auf den Gebieten Gesundheitswesen, Umweltschutz und Sicherhehit im Alltag trotz der erheblichen
Einschränkung anderer Kontakte weitergeht.
Wir bringen im folgenden die Darlegungen William Schneiders in Auszügen:
Präsident Reagan legt großen Wert auf unsere bilateralen Programme
zur Zusammenarbeit und verfolgt sie speziell im Hinblick auf bestimmte Länder sehr aufmerksam.

Besondere Bedeutung wird Brasilien, der Volksrepublik

China und Indien beigemessen.

Er hat hierbei die Initiative ergriffen,

weil diese Länder auf einigen Gebieten für eine fruchtbare Zusammenarbeit
mit den Vereinigten Staaten genügend fortgeschritten sind

und weil eine

wissenschaftliche Zusammenarbeit auch in einer mehr allgemeinen Sicht Zielen der amerikanischen Außenpolitik dient...
Bei dem Besuch Präsident Reagans in Brasilien im Dezember vergangenen
Jahres spielten Wissenschaft und Technik eine wichtige Rolle. Die Außenministerien der beiden Länder haben inzwischen eine Arbeitsgruppe für Wissenschaft und Technik eingesetzt. Dieses Gremium strebt die Erneuerung des
Abkommens über Wissenschaft und Technologie zwischen unseren beiden Ländern
auf Regierungsebene an. Um das Vorhaben zu unterstützen, organisierten wir
für April dieses Jahres eine Konferenz zur Zusammenarbeit zwischen Amerika
und Brasilien in Wissenschaft und Technik auf dem privaten Sektor. Dabei
sollten Mittel und Wege ausfindig gemacht werden, wie die neue zwischenstaatliche Vereinbarung genutzt werden könne, um in Brasilien und in den
Vereinigten Staaten die Produktivität der Industrie zu verbessern.
Wissenschaftliche Zusammenarbeit mit China wird unter einer im Jahr
1979 unterzeichneten Rahmenvereinbarung durchgeführt. Wir haben seitdem

- 2 -

�haben seitdem in 21 Gebieten, u.a. in der Landwirtschaft, Raumfahrttechnologie sowie für den Studenten- und Wissenschaftleraustausch, technische
Protokolle abgeschlossen und Zusammenarbeitsprojekte in Angriff genommen.
Vier dieser Vereinbarungen wurden im Mai unterzeichnet.

Eine gemeinsame

Kommission leitet und koordiniert das gesamte Programm.

Die Chinesen le-

gen großen Wert auf wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit
mit den Vereinigten Staaten, wie wir es umgekehrt ebenfalls tun.
Wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit Indien wurde anläßlich des
Besuchs von Premierministerin Indira Gandhi im Juli 1982 in Washington besondere Beachtung geschenkt. Am Ende dieses Besuches gaben Frau Gandhi
und Präsident Reagan die Bildung einer Kommission aus angesehenen Wissenschaftlern beider Länder bekannt, die Pläne für intensivere Anstrengungen
zur Durchführung gemeinsamer Forschungsprojekte ausarbeiten soll.
Kommission wird ihrem Auftrag nachkommen.

Diese

Und ich bin überzeugt, daß ihre

Tätigkeit unsere Zusammenarbeit auf wissenschaftlichem Gebiet mit der
zweitgrößten Nation der Erde verbessern wird...
Ein Gebiet beachtlicher internationaler Zusammenarbeit ist die Weltraumforschung.

Wichtige zivile Projekte sind u.a. das Projekt zur Beobach-

tung der Periode maximaler Sonnenaktivität, das internationale Projekt zur
Entsendung eines die Pole der Sonne überfliegenden Forschungssatelliten,
das Weltraumteleskop, der Astronomiesatellit für Untersuchungen im Infrarotbereich des Spektrums und das Projekt GALILEO mit Orbiter und Atmosphärensonde zur Beobachtung des Planeten Jupiter.

Großbritannien, die Bundesre-

publik Deutschland und die Niederlande stellten Instrumente für das SOLARMAXProjekt zur Verfügung.

Das US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) sowie die

Europäische Weltraumbehörde werden das Fluggerät und Instrumente für das Sonnenpol-Unternehmen stellen.

Am Infrarot-Astronomie-Projekt sind die NASA,

die Niederlande und Großbritannien beteiligt, während es sich bei GALILEO
um ein Gemeinschaftsunternehmen der USA und der Bundesrepublik Deutschland
handelt.

Von den Kürzungen im NASA-Budget wurde die internationale Sonnen-

pol-Mission am stärksten betroffen.

In dem im Jahr 1979 zwischen. NASA und

Europäischer Weltraumbehörde unterzeichneten Memorandum war ursprünglich
- 3 -

�war ursprünglich vorgesehen, zwei Geräte - ein europäisches und ein amerikanisches - zu starten, um gleichzeitig

Beobachtungen der nördlichen und der

südlichen Hemisphäre unseres Sonnensystems zu ermöglichen.

Im Herbst 1981

kam die NASA jedoch zu dem Schluß, daß angesichts der damals gegebenen und
voraussehbaren Beschränkungen der Haushaltmittel eine komplette Doppelmission nicht durchführbar sei. Die Partnerstaaten der Europäischen Weltraumbehörde äußerten sich damals gegenüber dem amerikanischen Außenministerium
sehr besorgt über die daraus sich ergebende Eingrenzung und Änderung dieses
Programms.
Das Ministerium, das die Entwicklungen aufmerksam verfolgte, unterbreitete diese Besorgnisse den zuständigen Stellen innerhalb der Exekutive
und bemühte sich zusammen mit der NASA und den europäischen Ländern,einen
optir.ie.len Modus für die Mission im Rahmen der gegenwärtigen finanziellen Beschränkungen zu finden. Wir kamen schließlich überein, sie mit nur einem
Gerät, das in Europa gebaut wird, durchzuführen.

Die NASA übernimmt den

Start, die Bahnbeobachtung, das Sammeln der Daten und andere Dienstleistungen,
wie im Memorandum von 1979 vereinbart.
jetzt zum größten Teil hinter uns haben.

Ich meine jedoch, daß wir das Problem
Das Projekt geht, wenn auch in

etwas anderer Form, weiter, und die Vereinigten Staaten und die Europäer
setzen die Zusammenarbeit bei einer Reihe anderer Projekte sowie in der Definierung künftiger Programme fort...
Austausch auf den Gebieten von Wissenschaft und Technologie zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion ist natürlich ein Punkt, der
uns alle hier in Washington besonders beschäftigt. Die Geschichte dieser
Austauschaktivitäten hat im wesentlichen drei bestimmte Zeitabschnitte. In
der ersten Periode, von 1954 bis 1972, kam es zu einem stetigen Anwachsen
des Umfangs von Austauschaktivitäten und zu einer Ausweitung der Forschungsthemen. Die zweite Periode von 1972 bis 1979 war gekennzeichnet durch den
Abschluß von elf offiziellen bilateralen Vereinbarungen zwischen den beiden Regierungen. Sie umrissen eindeutiger die Austauschaktivitäten und gaben ihnen spezielle Zielsetzungen. In der dritten Periode, seit 1980, wurde

�1980, wurde Austausch wegen der sowjetischen Intervention in Afghanistan
und der Verhä'ngung des Kriegsrechts in Polen stark eingeschränkt.

Gegen-

wärtig gibt es ihn nur in sehr begrenztem Rahmen.
Der tatsächliche Umfang von Austauschaktivitäten in der ersten Periode
war unterschiedlich, jedoch kamen, was bedeutsamer ist, neue Forschungsgebiete mit entsprechenden Technologien hinzu.

Diese beide Seiten gleicher-

maßen interessierenden Gebiete dienten im wesentlichen als eine Grundlage
für die elf offiziellen Abkommen, die Mitte der siebziger Jahre ausgearbeitet
wurden.

Die Sowjetunion war speziell an einer Ausweitung des Austauschs auf

Gebiete angewandter Technologie interessiert, während die Vereinigten Staaten
sich eher auf Grundlagenforschung und auf Medizin konzentrierten.

Diese

Interessenunterschiede blieben bei den Austauschaktivitäten die meiste Zeit
hindurch bestehen.
Die offiziellen bilateralen Vereinbarungen wurden unter der Regierung
Nixon mit dem Ziel abgeschlossen, sie für langfristige politische Ziele zu
nutzen.

Da nach Meinung amerikanischer Wissenschaftlerkreise wissenschaft-

licher Austausch mit der Sowjetunion als vorteilhaft für die Vereinigten
Staaten galt, begann die Nixon-Administration,mit den Sowjets über konkrete Austausch-Abkommen zu verhandeln, die für die Wissenschaft von Nutzen
waren, aber auch Absicherungen gegen ungleichen Vorteilsgewinn enthielten.
Die meisten Aktivitäten ergaben sich in der zweiten Periode von 1972
bis 1979. Höhepunkt war das Jahr 1975, als aufgrund des bilateralen Abkommens die Besucherzahl im Rahmen der Austauschvorhaben beider Länder 2284
Personen erreichte und im Juli jenes Jahres das APOLLO-SOYUS-Unternehmen verwirklicht wurde.

Während dieser ganzen Periode ergaben sich die regsten

Austauschaktivitäten unter den Vereinbarungen zu Umweltschutz, Wissenschaft
und Technologie sowie Gesundheitswesen.

Im Jahr 1979 jedoch ging das Aus-

maß der Austauschvorhaben im Rahmen der bilateralen Vereinbarungen merklich
zurück.

Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjet-

union wurden gespannter, und viele amerikanische Wissenschaftler boykottierten
- 5 -

�Wissenschaftler boykottierten wegen der Prozesse gegen Orlow und Schtscharansky
die Austauschprogramme.

Der härteste Schlag wurde diesen jedoch durch die

sowjetische Intervention in Afghanistan im Dezember 1979 versetzt.
Die jüngste Periode von Austauschaktivitäten - d.h. von 1980 bis heute ist durch eine anhaltende Reduzierung von Kontakten zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion gekennzeichnet.

Wegen der sowjetischen Invasion

Afghanistans und der Verbannung Dr. Sacharows nach seinem Protest gegen die
Invasion sind als Reaktionen der Regierung Carter zu verzeichnen:
- Verbot der Teilnahme von Amerikanern an Gesprächen auf hoher Ebene
mit den Sowjets über Austauschprogramme;
- Wissenschaft und Technologie durften nur noch auf humanitärem Gebiet
oder auf Gebieten weiterverfolgt werden, wo sich direkte Vorteile für die
amerikanische Seite ergaben;
- Jegliche Austauschaktivität mußte von Fall zu Fall überprüft werden,
um festzustellen, ob sie zulässig sei.
Die Regierung Carter wollte damit den Umfang der Austauschprogramme
verringern, aber das Gerüst der Abmachungen erhalten, um eine Wiederaufnahme der Austauschaktivitäten zu ermöglichen, sobald die politische Lage
dies zuließ.
Ende 1981 mußte über die Verlängerung der ergiebigeren Vereinbarungen
(Gesundheitswesen, künstliches Herz, Umweltschutz und Meeresforschung) entschieden werden.

Sie wurde unter Berücksichtigung der Vorteile für die Ver-

einigten Staaten genehmigt.

Jedoch waren schon nach wenigen Wochen die

bilateralen Vereinbarungen von den Entwicklungen im Ostblock stark betroffen.

Die Verhängung des Kriegsrechts in Polen war ein neuer Schlag gegen

die bilateralen amerikanisch-sowjetischen Abkommen, als infolge jenes Ereignisses diese Administration ankündigte, die Wissenschafts- und Technolo-

- 6-

�und Technologievereinbarung, die Energievereinbarung oder das Mitte 1982
auslaufende Raumfahrtabkommen nicht verlängern zu wollen.

Die Regierung zog

auch die Genehmigung der Landerechte für AEROFLOT-Maschinen in den Vereinigten Staaten zurück, wodurch die Realisierung der Austauschaktivitäten noch
mehr kompliziert wurde.
Der Umfang kooperativer Wissenschafts- und Technologieprogramme
unter den noch bestehenden acht Vereinbarungen ist auf etwa 20 Prozent des
Standes von 1979, als alle elf Abkommen in Kraft waren, zurückgegangen. Gegenwärtig befassen wir uns mit Aktivitäten, die für die Vereinigten Staaten
besonders vorteilhaft sind, vor allem auf den Gebieten Gesundheitswesen, Umweltschutz und Sicherheit im Alltag. Wir haben auf den meisten Gebieten die
Struktur wissenschaftlicher Zusammenarbeit intakt gehalten, so daß vorteilhafte Austauschaktivitäten ausgeweitet werden könnten, sobald die politische
Situation dies zuläßt. GemäE &gt; am Standpunkt haben wir seit 1979 spezielle
Vereinbarungen über Zusammenarbeit in der Ozeanographie, Medizin und im öffentlichen Gesundheitswesen, bei Forschung und Entwicklung für das künstliche
Herz, beim Umweltschutz und in der Landwirtschaft erneuert.
Das wichtigste Kriterium für die Auswahl jener Vereinbarungen, die
nicht erneuert wurden, war der Zeitpunkt ihres Ablaufs - in allen Fällen
Mitte 1982. Sie konnten somit rasch beendet werden, sofern das sowjetische
Verhalten ihre Weiterführung nicht als gerechtfertigt erscheinen ließ.
Dieser Entscheidung lagen natürlich die Besorgnisse dieser Administration
über mögliche Technologieeinbußen durch die Kooperationsvereinbarung zugrunde, aber sie waren nicht der ausschlaggebende Faktor.
Alles in allem vermitteln die kooperativen Austauschaktivitäten in
Wissenschaft und Technik den Vereinigten Staaten allgemein Informationen
über die Leistungsfähigkeit der sowjetischen Wissenschaft, in mancher Hinsicht auch Einblicke in Gebiete, wo der Leistungsstand höher ist als bei
uns, und mehr Wissen und Verstehen auf Seiten unserer wissenschaftlichen
Institutionen nicht nur im Hinblick auf die Wissenschaft in der Sowjetunion,

- 7 -

�der Sowjetunion, sondern auch auf die Innen- und Außenpolitik der UdSSR.
Darüber hinaus erhalten wir durch unsere bilateralen Aktivitäten Zugang
zu einer einflußreichen Schicht in der modernen sowjetischen Gesellschaft nämlich zum wissenschaftlichen Sektor -, die sich häufig gegenüber unseren
Anstrengungen, den amerikanischen Standpunkt darzulegen, aufgeschlossen
zeigt.
Dennoch kann ich in nächster Zukunft keine Rückkehr zu einer Zusammenarbeit mit der Sowjetunion in einem Umfang erkennen, der dem in der Mitte
der siebziger Jahre entspräche, und ganz ge' iß nicht,

solange sich das

politische Klima nicht verbessert, das zu einer Verringerung der Zusammenarbeit führte.

Wir beabsichtigen auch weiterhin sehr sorgfältig zu prüfen,

auf welchem Niveau Zusammenarbeit wünschenswert sei.

Ich habe nicht den

Eindruck, daß diese Regierung verstärkte Zusammenarbeit in erster Linie nur
deshalb anstrebt, um den Anschein von Zusammenarbeit zu wahren.

Jedes Pro-

jekt soll sich in wissenschaftlicher und technologischer Sicht lohnen, soll
in Zusammenarbeit mit den Sowjets aufgrund ihrer besonderen oder wichtigen
Fähigkeiten auf dem betreffenden Gebiet durchgeführt und sorgfältig geplant
werden, um den Technologietransfer zu kontrollieren.

Die von jeder Seite

zu einem Programm geleisteten Beiträge müssen sorgfältig analysiert und im
Gleichgewicht gehalten werden.

Die Arbeit verlangt sorgfältige Überwachung,

um zu gewährleisten, daß jede Seite ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachkommt .

+ + + + +

�32

10. August 1983

ERLÄUTERUNGEN ZU ZÖLLEN UND QUOTEN FÜR SPEZIALSTAHLE IN DEN USA
- Nicht alle Wünsche der US-Stahlindustrie erfüllt -

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Regierung hat am 5. Juli 1983
Beschränkungen für die Einfuhr von Spezialstahl

nach den Vereinigten Staa-

ten bekanntgegeben, die inzwischen in Kraft getreten sind.

Von den auf

vier Jahre - ein Jahr weniger als die amerikanische Stahlindustrie gefordert hatte - festgesetzten Zöllen und Quoten sind vor allem Lieferanten
in Japan, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Schweden, Spanien,
Großbritannien, Italien, Brasilien, Kanada und Südkorea betroffen.
Zölle wurden für zwei Arten von Walzstahl eingeführt - Stahlbleche
und Bandstahl sowie Stahl platten - die etwa 55 Prozent der Einfuhren von
Spezialstahl ausmachen.

Die zusätzlichen Zölle für Stahlbleche und Band-

stahl beginnen mit 10 Prozent im ersten Jahr und gehen auf 4 Prozent im
vierten Jahr zurück.

Die Zusatzzölle für Stahlplatten beginnen mit 8 Pro-

zent und gehen ebenfalls auf 4 Prozent im letzten Jahr zurück.
Für andere Spezialstähle wurden Quoten eingeführt.

Die Quote für

Rundstahlimporte aus allen Ländern wurde für das erste Jahr auf 11 000

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Telex: 8-85432

�auf 27 000 Tonnen festgesetzt, und diese steigert sich im vierten Jahr auf
29 500 Tonnen.

Die Quoten für Stahldraht wurden für das erste Jahr auf

19 100 Tonnen und 20 900 Tonnen im vierten Jahr festgelegt; bei legiertem
Werkzeugstahl auf 22 400 Tonnen im ersten und 24 500 Tonnen im vierten Jahr.
Diese Quoten stellen zwar eine wesentliche Kürzung der Einfuhren
gegenüber dem Vorjahr dar, jedoch liegen sie weit höher, als von der amerikanischen Stahlindustrie gefordert.

So hatte die Industrie beispielsweise

eine Kürzung der Stahldrahtimporte auf 3941 Tonnen vorgeschlagen - verglichen mit der tatsächlichen Quote von 19 100 Tonnen.

Aus Kreisen der

amerikanischen Stahlindustrie wurde Enttäuschung über die Entscheidung von
Präsident Reagan geäußert, da sie nicht weitgehend genug sei. Man fürchtet
in Industriekreisen in Amerika, daß die Erhöhung der Zölle für Edelwalzstahl von den Regierungen der Exportländer durch erhöhte Subventionen der
Erzeuger von Spezialstahl umgangen werden könnte.

Industrie und Gewerk-

schaften in den USA hatten auch für Walzstahl die Einführung von Quoten
verlangt.
Die Entscheidung des Präsidenten entspringt einer Reihe von Überlegungen. An erster Stelle stand die Tatsache, daß sich die SpezialStahlindustrie in Amerika - trotz großer Modernisierungsanstrengungen - nicht mehr
in der Lage sah, mit ausländischen Firmen zu konkurrieren, die für ihre Erzeugung und ihren Export hohe Subventionen ihrer Regierung erhalten. Der
amerikanische Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen, Botschafter
Brock, stellte am 7. Juli fest, daß es in diesem Industriezweig keinen offenen Handel mehr gebe. Seit 10 oder 15 Jahren befänden sich die Vereinigten Staaten in einer Position, auf einem Weltmarkt konkurrieren zu müssen,
wo Subventionen üblich und Regierungsinterventionen häufig seien und in
einem Teil der Welt nach dem anderen sich diese Industrie zu einem Kartell
zusammengeschlossen hätte.
Die gesunde amerikanische Industrie sei durch
diese weitgehend unfairen Mittel geschädigt worden.
Die Wurzel

�Die Wurzel des Problems liegt in der Tatsache, daß die Weltkapazität
für die Erzeugung von Edelstahl während des letzten Jahrzehnts Jahr für Jahr
gestiegen ist - und zwar angesichts eines ziemlich stab.ilen Weltmarktes.
Ein Großteil dieses Zuwachses ist darauf zurückzuführen, daß Regierungen
zunächst mit hohen Subventionen eingegriffen haben, um Produktionskapazität zu schaffen, und dann die Erzeugung und den Verkauf des Produkts weiter
subventioniert haben. -Im Gegensatz dazu ist die ameri-kafiische. Rohstahl-n-.^
Produktion während des letzten Jahrzehnts um etwa ein Drittel zurückgegangen.
Diese Erhöhung der Weltproduktion hatte zwei nachteilige Auswirkungen
für alle Erzeuger.

Es traten ein sehr instabiler Stahlmarkt mit starken

Preisschwankungen und ein Verfall der realen Preise ein, die es Firmen unmöglich machten, genügend Gewinne zu erzielen, um den Betrieb modernisieren
und damit konkurrenzfähig machen zu können.

Das Ergebnis dieses unfairen Wett-

bewerbs war eine Katastrophe für die Spezialstahl herstell er in den USA.
Dieser Industriezweig mit 14 000 Arbeitskräften, der wertmäßig etwa 10 Prozent der amerikanischen Stahlerzeugung ausmacht, hat eine Arbeitslosenrate
von 25 Prozent, und die Betriebe arbeiten nur mit etwa 50 Prozent ihrer Kapazität.

Hingegen gingen die Importe an Spezialstahl in den letzten zwei

Jahren von 131 000 Tonnen 1980 um fast 50 Prozent auf 203 000 Tonnen im
Jahr 1982 in die Höhe.
Selbst in Zeitungen in Westeuropa wurde bei aller Kritik an der Entscheidung von Präsident Reagan anerkannt, daß sie im Einklang mit amerikanischem Recht und den Regeln des GATT steht. Ziel der Maßnahmen Washingtons
ist nicht, neue Handelsschranken zu errichten, sondern den unfairen Handelspraktiken ein Ende zu setzen, die zu dieser Entscheidung zwangen. Die Vereinigten Staaten hoffen, daß die getroffenen Maßnahmen alle Länder anregen
werden, sich mit den eigentlichen Problemen zu befassen und vernünftigere
Regelungen anzustreben.
Die Vereinigten Staaten haben sich streng an die Regeln des GATT und
anderer internationaler Verpflichtungen gehalten. Andere Länder hatten aus- 3 -

�hatten ausführliche Gelegenheit, während der langen Untersuchung durch
die Internationale Handelskommission der USA ihren Standpunkt darzulegen.
Botschafter Brock ist bereit, mit allen Regierungen, die dies wünschen,
in Verhandlungen über die von den Quoten betroffenen Erzeugnisse einzutreten. Die Einführung der Quoten soll sicherstellen, daß kein Land unfair behandelt wird. Gleichzeitig werden die USA versuchen, gegenüber jenen Ländern, bei denen keine Regierungssubventionen gewHhrt, deren Interessen jedoch von dieser Entscheidung berührt werden, so flexibel wie möglich zu handeln.

+ + + + +

�10. August 1983

32

CHALLENGER-START VERSCHOBEN

- (AD) - CHALLENGER steht seit ein paar Tagen auf der Abschußrampe
am Kap Canaveral.

Jedoch wurde der Starttermin für den dritten Flug des

zweiten Raumtransporters der USA vom 20. auf den 30. August verschoben.
Grund:

Für das Durchprüfen und Erproben des TDRS-Nachrichtensatelliten,

der nach einer langwierigen Prozedur Ende Juni auf den vorgesehenen Standort in 36 000 km Höhe über dem Äquator vor der Küste Brasiliens eingesteuert
werden konnte, wird noch Zeit benötigt.

Vor allem soll das Personal der

Bodenstation White Sands (New Mexico), die für die Funkverbindungen mit
anderen unbemannten wie mit bemannten Satelliten über TDRS zuständig ist,
Gelegenheit haben, noch mehr Erfahrungen zu sammeln. Als Testobjekte dienen gegenwärtig einige amerikanische Forschungs- und Anwendungssatelliten
sowie der Erderkundungssatellit LANDSAT 4. Bei diesem Gerät haben sich
seit dem Start am 16. Juli 1982 verschiedene technische Mängel eingestellt.
Jetzt wird in der NASA erwogen, ihn auf eine niedrigere Umlaufbahn zu bringen, damit er - ähnlich wie für April 1984 bei dem SOLARMAX-Satelliten vorgesehen - nach einem Rendezvous-Manöver des Raumtransporters an Bord geholt und repariert werden kann.

Dies könnte 1985 oder 1986 geschehen.
Da beim

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�Da beim ersten Flug eines Raumtransporters mit dem europäischen Weltraumlabor SPACELAB nur ein TDRS-Satellit zur Verfügung steht (der Start
des zweiten Geräts wurde bis zur Klärung der Ursache des Versagens seiner
zweiten Trägerstufe verschoben), ist die Einsatzfähigkeit dieser Relaisstation im Weltraum und der neuen zentralen Bodenstation White Sands besonders wichtig.

Denn SPACELAB braucht zur Datenübermittlung die Verbin-

dung über den TDRS-Satelliten, wenn die vorgesehenen zahlreichen Meß- und
Forschungsprogramme nicht drastisch reduziert und beeinträchtigt werden
sollen.
CHALLENGER soll den jetzigen Plänen zufolge am 30. August zwei Stunden nach Mitternacht um 2.15 Uhr Ortszeit (8.15 Uhr MEZ), am Kap Canaveral
starten und am 4. September auf dem Edwards-Flughafen in Kalifornien landen.

Der Start der umgebauten COLUMBIA mit SPACELAB wurde vom 30. Septem-

ber auf den 28. Oktober verschoben.

.

+ + + + +

. '

�Uli/zen/choft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

32

10. August 1983

MEERESWEICHTIERE ALS MODELL FÜR HERZFUNKTIONEN
- Energiestoffwechsel ohne Sauerstoff -

- (AD) - Durch die Untersuchung der Herzfunktionen bei Weichtieren
(Schnecken und Muscheln) mit Hilfe der Kernspinresonanz-Methode (NMR Nuclear Magnetic Resonance) hofft man herauszufinden, weshalb das Herz dieser Tiere auch bei Sauerstoffmangel funktionsfähig bleibt.

Dr. W. Ross

Ellington, Physiologe an der Staatsuniversitä't des amerikanischen Bundesstaates Florida, benutzt das Herz solcher Tiere für eingehende Stoffwechselstudien.

Schlüsselelemente sind dabei phosphorhaltige Verbindungen.

Das NMR-Verfahren erlaubt das Studium chemischer und physikalischer Prozesse in lebenden Organismen und Zellen, ohne daß dabei das Gewebe zerstört wird.
Dr. Ellington, dessen Projekt von der "Nationalen Forschungsstiftung (NSF) der Vereinigten Staaten finanziert wird, wählte deshalb Weichtierherzen, weil sie in der Anlage und in den Grundfunktionen dem menschlichen Herzen und den Herzen der Säugetiere ähnlich sind.

Sie besitzen

mehrere Kammern, und der Blutstrom wird durch Klappen zwischen jeder Kammer gesteuert.

In bezug auf die biochemischen Prozesse besteht jedoch im

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Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�jedoch im Zusammenhang mit der Herzmuskelkontraktion ein grundlegender
Unterschied:

Während beim Säugetier und beim Menschen der Energiestoff-

wechsel - die Aufspaltung von Brennstoffen, d.h. von Fetten und Kohlehydraten - unter der durch das Blut besorgten Sauerstoffzufuhr die Voraussetzung für die normale Herzmuskelkontraktion ist, scheint das Herz
bestimmter Meeresschnecken und Meeresmuscheln auch längerfristig ohne jegliche Sauerstoffzufuhr eine gewisse Kontraktionsfähigkeit zu behalten.
Als Versuchstiere dienen Schnecken und Muscheln, die bei Ebbe regelmäßig der Luft ausgesetzt sind.

In dieser Zeit werden ihre Kiemen

nicht von Wasser bespült. Als Folge davon sinkt der Sauerstoffspiegel im
Blut ab.
mangel.

Für die Gewebe im Organismus besteht somit periodisch SauerstoffEllington möchte, wie er erklärte, den besonderen Prozessen im

Energiestoffwechsel dieser Tiere auf die Spur kommen, die die Kontraktionsfähigkeit ihres Herzens auch in Abwesenheit von Sauerstoff erhalten.
"Beim Säugetier und beim Menschen scheint das Versagen des Herzens
unter Sauerstoffmangel zwei Ursachen zu haben", meint

Dr. Ellington.

"Erstens ist der Bedarf des Herzmuskels an chemischer Energie weitaus höher
als die Fähigkeit zur Energieproduktion.

Zweitens wird in Abwesenheit von

Sauerstoff chemische Energie durch Reaktionen produziert, die den Säurespiegel im Gewebe ansteigen lassen."
Aus seinen bisherigen Untersuchungen an den aus den Organismen isolierten Herzen, die an Schläuche angeschlossen sind und Salzwasser als
Blutersatz pumpen, geht hervor, daß die chemische Energie in diesen Herzen
durch chemische Reaktionen erzeugt wird, deren Nutzeffekt etwas größer ist
als jener der entsprechenden Reaktionen im Herzmuskel der Säugetiere. Das
Ungleichgewicht zwischen Energiezufuhr und Energiebedarf während des Sauerstoffmangels sei deshalb geringer, ebenso der tatsächliche Sauerstoffbedarf, erklärte der Forscher. Das Projekt solle dazu beitragen, die physiologischen Prozesse im Herzen von Säugetieren und beim Menschen besser analysieren und zu verstehen.
+ + + + +

- 2 -

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 10.08.1983</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Vereinigte Staaten streben "dauerhaften Frieden" in Mittelamerika an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Außenministers vor Senatsausschuss -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Burt: Fortschritte im Ost-West-Verhältnis, aber kein Durchbruch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausführungen des US-Unterstaatssekretärs im Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unterstaatssekretär Abrams zur Situation der Menschenrechte in Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Aussage vor Kongressausschüssen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sondertarife im Flugverkehr sollen deutsch-amerikanischen Jugendaustausch fördern&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internationale Zusammenarbeit in der Wissenschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Politisches Klima für amerikanisch-sowjetische Beziehungen nach wie vor bedeutsam -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erläuterungen zu Zöllen und Quoten für Spezialstähle in den USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Nicht alle Wünsche der US-Stahlindustrie erfüllt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;CHALLENGER-Start verschoben&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meeresweichtiere als Modell für Herzfunktionen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Energiestoffwechsel ohne Sauerstoff -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>nroimotion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
24. August 1983

34
INHALT

DOKUMENTATION
Weinberger:

USA müssen Verteidigungsverpflichtungen einhalten

- Pressekonferenz vom 18. August 1983 Erklärung des Weißen Hauses zum Truppenabzug aus dem Libanon

WIRTSCHAFT
Die Aussichten für den amerikanischen Handel

HINTERGRUNDMATERIAL
Rüstungskontrolle hat höchste Priorität
- Von David F. Emory, Stellvertretender Direktor des US-Amtes
für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) Der deutsche Beitrag zur Freiheit in Amerika
- Ein deutschstämmiger Amerikaner wurde zum Vater der
Pressefreiheit -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Nachtlandetests serienweise
- Langwierige Vorbereitungen für den nächsten
CHALLENGER-Flug -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebelen

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D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
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�mIER

J 1 4 kl

1Dl EM

Dokumentation
United States Information Sen/ice
Embassy of the United States of America

24. August 1983

34

WEINBERGER: USA MÜSSEN VERTEIDIGUNGSVERPFLICHTUNGEN EINHALTEN
- Pressekonferenz vom 18. August 1983 -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
Weinberger hat am 18. August 1983 auf einer Pressekonferenz in Washington
betont, daß die Vereinigten Staaten ihre Verteidigungsverpflichtungen in
aller Welt einhalten müßten.

Dazu sei es notwendig, auf die entsprechenden

Ressourcen zurückgreifen zu können.
Der amerikanische Verteidigungsminister teilte ferner mit, daß er
vom 6. bis 8. September Panama, El Salvador und Honduras einen Besuch abstatten werde.

Ein weiteres Thema der Pressekonferenz war die Frage der

Dislozierung der PERSHING II-Raketen.
Die wesentlichen Fragen und Antworten der Pressekonferenz haben folgenden Wortlaut:
FRAGE: Drei der vier letzten Tests der PERSHING-Rakete sind fehlgeschlagen. Kann man denn die Dislozierung eines offenbar unzuverlässigen
Waffensystems noch vor Ende dieses Jahres verantworten, wenn man die Bedeutung des Stationierungsortes in Mitteleuropa in Betracht zieht, oder würden

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Telex: 8-85432

�oder würden Sie jegliche Verzögerung der Dislozierung ausschließen?
ANTWORT:

Es gibt keine Verzögerungen, und die Erprobung der PERSHING

verläuft nach Plan.

Dieser Plan stellt fast schon automatisch in Rechnung -

wie dies bei jeder neuen Waffe und jeder neuen Rakete der Fall ist -, daß
es einige Fehlschläge gibt. Deshalb gibt es Erprobungsmuster von 23 bis 24
Abschüssen, und viele davon waren ein voller Erfolg - hinsichtlich des begrenzten oder des weitergesteckten Ziels, dessentwegen sie in dieser besonderen Serie erprobt wurden.
gesehen.

Der nächste Test ist für Anfang September vor-

Mit der Rakete verläuft alles planmäßig, soweit es ihre Entwick-

lung anbetrifft; sie ist zur Dislozierung bereit.
FRAGE:

Herr Andropow hat heute vor einer Gruppe amerikanischer Sena-

toren erklärt, daß die Sowjetunion nicht als erste AntiSatellitenwaffen einsetzen werden.

Kommt diese Erklärung nicht überraschend für Sie, nachdem

die Sowjets ja schon Antisatellitenwaffen in den Weltraum gebracht haben?
ANTWORT:

Ja, das haben sie, und sie sind diejenigen, die über diese

Waffen im Augenblick verfügen.

Es ist also keine große Überraschung, aber

es wäre eine, wenn dies durchgeführt würde.
FRAGE: Können Sie noch zu Ihrer Ankündigung, daß Sie für einige Tage
nach Mittelamerika reisen werden, etwas sagen?
Was hoffen Sie, damit zu
erreichen.
ANTWORT: Zunächst einmal bin ich Ende letzten oder Anfang dieses
Jahres von dem Präsidenten Panamas eingeladen worden. Normalerweise reise
ich dorthin, wo unsere Truppen sind, und in Honduras findet ein wichtiges
Manöver statt. Ich war im vorigen Jahr in Korea, wo ein sehr großes Manöver
stattfand, und ich möchte (auf meiner Reise) ferner mit denjenigen Regierungsvertretern zusammentreffen, mit denen wir im Zusammenhang mit der Ausbildung
und den Manövern zusammenarbeiten, ferner mit den Verteidigungsministern von
El Salvador und Honduras; ich möchte das Ausbildungszentrum selbst besich-

- 2 -

�selbst besichtigen und vor allem mit den Soldaten selbst sprechen und ihre
Ansichten erfahren.
tun.

Ich erachte dies als sehr nützlich und möchte das auch

Dies habe ich in Deutschland so gehalten, und ich möchte es tun, wo

immer dies möglich ist. Darum geht es im wesentlichen.
FRAGE:

Ich möchte noch einmal auf die PERSHING II zurückkommen.

Gibt es irgendwelche Umstände, unter denen die Vereinigten Staaten auf die
Dislozierung der PERSHING II verzichten würden?

Und zweitens:

Was ist der

militärische Grundgedanke für die PERSHING II?
ANTWORT: Ich glaube, auf die Dislozierung der PERSHING II könnte verzichtet werden, wenn wir die Null-Option erreichen, denn gerade dafür ist
die PERSHING II entscheidend. Sie soll als ein Gegengewicht dienen und das
sowjetische Monopol auf dem Gebiete der nuklearen Mittel Streckenwaffen brechen, die Moskau disloziert hat. Sie wird seit 1979 geplant, und sie ist
heute wichtiger als damals, weil die Sowjets ihrem Arsenal eine gewaltige
Anzahl von SS-20-Raketen hinzugefügt haben. Die PERSHING II ist das beste
Mittel, um dem entgegenzutreten. Der landgestützte Marschflugkörper Cruise
Missile ist ebenfalls ein Gegenmittel. Wenn also die Sowjetunion dem ursprünglichen Vorschlag unseres Präsidenten zustimmen und ihre SS-20, SS-4
und SS-5 herausnehmen würde, nun, dann könnte auf die PERSHING II verzichtet werden.
FRAGE: Und zweitens der militärische Grundgedanke,der hinter der
PERSHING II steht?
ANTWORT: Sie ist ein Gegenmittel; sie bricht das sowjetische Monopol
auf dem Gebiet der nuklearen Mittel Streckenwaffen; sie gibt uns die Kapazität, daß sie Ziele schnell und genau auf eine mobile Weise treffen müssen.
Sie hat zwar nicht die Kapazität der SS-20, und hier steht ein Gefechtskopf
gegen drei, aber sie gibt uns auf diesem Gebiet zum erstenmal eine Kapazität, über die die Sowjets schon seit 1979 verfügen. Deshalb erscheinen mir
die sogenannten Vergeltungsargumente so hohl, weil nämlich Moskau im Jahr

- 3-

�im Jahr 1979 sozusagen Vergeltung geübt hat, bevor wir überhaupt irgend
etwas hatten; und wir haben immer noch nichts.

Das Monopol haben die

Sowjets.
FRAGE:

Wie beurteilen Sie die gegenwärtigen Kampfhandlungen in El

Salvador und in Nicaragua?
ANTWORT:

Meiner Meinung nach geht es in El Salvador vom Standpunkt

der Regierung aus gesehen, die wir unterstützen, wesentlich besser.

Es hat

wesentliche Verbesserungen in einer Anzahl von Kategorien gegeben, und es
sieht so aus, als ob die Ausbildung Früchte trägt und als ob die Moral und
die Führung sich verbessern.

Was Nicaragua angeht, so bin ich mit den dor-

tigen Aktionen auf dem Lande nicht besonders vertraut.

Es gibt eine Reihe

von Aktivitäten seitens der Miskito-Indianer und anderer im Norden des Landes und einige regierungsfeindliche Aktivitäten im Süden.

Aber ich glaube,

dies hält sich auf dem Stand wie schon vor Monaten.
FRAGE: In New Orleans schienen Sie die Carter-Doktrin in bezug auf
den Persischen Golf zu bekräftigen. Was haben Sie dort gesagt, und warum
haben Sie es gesagt?
ANTWORT: Was ich dort gesagt habe, ist ja festgehalten, und meine
Worte waren nicht so sehr die Bekräftigung einer Doktrin, meine Ausführungen waren vielmehr eine grundsätzliche Erklärung hinsichtlich unserer Sicherheit. Ich habe zu der Tatsache Stellung genommen, daß eine Menge Leute sagen, wir hätten zu viele Verpflichtungen, und ich habe rein rhetorisch gefragt - denn ich konnte dort ja keine Antwort erwarten - was wir denn nun
aufgeben sollten. Sollten wir die Verteidigung Japans, Koreas oder Europas
- der NATO - oder der kontinentalen Vereinigten Staaten oder des Mittleren
Ostens und seiner ölfelder aufgeben? Und ich habe erklärt, daß wir meiner
Meinung nach keine dieser Verpflichtungen aufgeben könnten, daß dies absolut nichts Neues sei, sondern daß die Forderung nach verringerten Ressourcen manchmal mit der Vorstellung verknüpft werde, wir seien zu viele Ver-

- 4 -

�viele Verpflichtungen eingegangen.

Und dann habe ich gefragt, was wir denn

eigentlich aufgeben sollten.
Ich kann nicht sehen, daß wir in Übereinstimmung mit unserer Sicherheit und unseren nationalen Interessen irgend etwas hiervon aufgeben können.
Ich habe weder eine Doktrin bekräftigt, noch irgendeine Doktrin zurückgewiesen.

Meine Ausführungen waren einfach eine erneute Erklärung, daß wir

meiner Ansicht nach nicht in einer Welt leben können, in der Europa überrannt ist, und ich weiß nicht, wie lange Europa überleben kann, wenn die ölfelder überrannt sind.

Es war also eine Bekräftigung der Verpflichtungen,

die wir - wie ich meine - einhalten müssen, und daß wir daher per definitionem
über die entsprechenden Ressourcen verfügen müssen, um diese Verpflichtungen
einhalten zu können.
FRAGE: Es gibt eine Menge Leute, die sagen, daß nicht die Verpflichtungen beschnitten werden sollten, sondern daß die Lasten für die Erfüllung
dieser Verpflichtungen von den Schultern der Vereinigten Staaten auf die
der Japaner, der Europäer und anderer besonders im Persischen Golf verlagert werden sollten.
ANTWORT:

Das geschieht bereits - und in sehr beträchtlichem Ausmaß.

Der Eindruck, daß wir ohne jeden Verbündeten dastünden und die ganze Sache
alleine machten, ist absolut falsch.

Wir alle, einschließlich der Vereinig-

ten Staaten, möchten, daß mehr getan wird.

Ich sage "wir alle", ich meine

die Leute, die über diese Dinge reden, die Verteidigungsminister und andere.
Wir haben diesanicht reduzierbaren Verpflichtungen und Erfordernisse, was
unsere zukünftige Sicherheit und die unserer Verbündeten in der freien Welt
anbetrifft.

Wir tun schon eine Menge, aber wir sollten meiner Meinung nach

noch mehr tun. Auch unsere Verbündeten tun eine ganze Menge, und ihnen ist
völlig bewußt, daß sie noch mehr tun sollten.
des Alleintragens unsererseits.

Dies ist also keine Frage

Es geht darum, daß wir deutlich machen,

welche Verpflichtungen wir haben, wie entscheidend wichtig es ist, sie zu
erfüllen, und daß es der Mittel bedarf, um dies zu tun, und mehr noch, daß
- 5 -

�noch, daß dies Zeit erfordert.

Und noch einmal: Angesichts der Stärke,

über die die andere Seite verfügt - und davon werden wir ja täglich Zeuge -,
ist es wichtig, daß wir nicht nur das tun, was nach unserer Überzeugung getan werden muß, sondern daß wir dies so schnell tun, wie es in Übereinstimmung steht mit wirtschaftlichen Erwägungen und der Stärkung, die wir anstreben.

+ + + + +

- 6 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

24. August 1983

34

ERKLÄRUNG DES WEISSEN HAUSES ZUM TRUPPENABZUG AUS DEM LIBANON

SANTA BARBARA, KALIFORNIEN - (AD) - Die Reagan-Administration ist
der Oberzeugung, daß der Teilabzug israelischer Truppen aus dem Libanon
zum Abzug aller israelischen Streitkräfte und zum gleichzeitigen Abzug der
PLO und der syrischen Truppen führen wird. Dies geht aus einer Erklärung
hervor, die das Weiße Haus am 19. August 1983 veröffentlichte.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Vor vier Wochen bekräftigte Präsident Reagan seine Verpflichtung
auf drei grundlegende Ziele im Libanon:

baldmöglichster Abzug aller aus-

ländischen Streitkräfte; Ausdehnung der libanesischen Souveränität auf das
gesamte Territorium; Sicherstellung, daß der Libanon nicht erneut Ausgangspunkt feindlicher Handlungen gegen Israel wird.
Das am 17.Mai zwischen Israel und dem Libanon geschlossene Abkommen
ist ein wichtiger Schritt zur Erreichung dieser Ziele.. Der Präsident hat
angeordnet, daß die amerikanischen Bemühungen im Rahmen einer Mission nach
dem Nahen Osten unter Leitung der Botschafter Robert McFarlane und Richard
Fairbanks erneuert werden.
Seither haben

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Telex: 8-85432

�Seither haben die Botschafter McFarlane und Fairbanks die Region eingehend bereist und intensive Gespräche mit arabischen und israelischen Führern abgehalten.

Aus diesen Gesprächen sind mehrere Schlußfolgerungen ge-

zogen worden.
Die erste und wichtigste Folgerung ist die solide Grundlage der Unterstützung der Prinzipien des vollen Abzuges und der vollen Autorität der libanesischen Regierung in der arabischen Welt und in Israel.
Ebenso klar ist das gewaltige Ausmaß der Aufgabe, vor der die libanesische Regierung steht, wenn sie danach strebt, die Übereinstimmung unter
den verschiedenartigen konfessionellen Gruppen im Libanon zu festigen, die
für den Wiederaufbau und die Neubelebung der libanesischen Wirtschaft und
die Herbeiführung der politischen Stabilität so wesentlich ist.

Es ist offen-

kundig, daß sich Präsident Gemayel diesen Zielen verschrieben hat.
Die Regierung des Libanon wird bald die Gelegenheit haben, Stabilität
wiederherzustelen und den Prozeß des Wiederaufbaus und der Herbeiführung
eines Konsens auf die Distrikte Alayh und Shuf auszudehnen, wenn Israel
seine Streitkräfte aus diesen Gebieten zurückzieht. Dieser Schritt Israels
ist der erste in einem Prozeß des Abzuges, wie er in dem Abkommen vom 17. Mai
vorgesehen ist.
In den letzten Wochen gab es Leute, die die Motive in Frage stellten,
die dem Abzug Israels zugrundeliegen, und die erklärten, dies sei die Vorstufe für eine ständige Teilung des Libanon. Wir sind überzeugt, daß sich
die israelische Regierung zum Abzug all ihrer Truppen aus dem Libanon verpflichtet fühlt. In dieser Hinsicht ist es instruktiv, sich an amtliche
israelische Erklärungen zu halten, wie etwa die folgende:
"Es ist die Politik und die Absicht der Regierung Israels, sich aus
dem ganzen Libanon zurückzuziehen, und die Neudislozierung unserer Streitkräfte an der Awwali-Linie ist nur Teil des totalen Abzuges.
Es ist

�Es ist unser fester Wunsch, daß es soweit kommt, daß eine starke
Zentralregierung ihre Autorität über den ganzen Libanon ausdehnt und überall in den 10 452 Quadratkilometern des Landes die Sicherheit garantiert.
Alle Beschuldigungen bezüglich israelischer Absichten, eine Teilung oder
Trennung des Libanon herbeizuführen, entbehren jeder Grundlage."
Wir sind zuversichtlich, daß der israelische Abzug weitergeht, während die Bemühungen andauern, den gleichzeitigen Abzug der PLO und der
syrischen Streitkräfte herbeizuführen.
Die Vereinigten Staaten verpflichten sich, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um zur Schaffung von Verhältnissen beizutragen, die es zulassen, daß diese Abzüge zum baldmöglichsten Zeitpunkt stattfinden.
In diesem Zusammenhang werden die Regierungen Israels und des Libanon
die reibungslose und geordnete Rückgabe der Verantwortung in den Gebieten
Alayh und Shuf koordinieren.

Gleichzeitig werden die Bemühungen der Re-

gierung des Libanon weitergehen, den Konsens zu stärken, damit Stabilität
und Wiederaufbau vorangehen können.
Wir appellieren an Syrien und die PLO, einen entsprechenden Fortschritt
beim Abzug zu ermöglichen, damit der Libanon als geeintes, souveränes und
unabhängiges Land wieder},

; Mt

werden kann.

- 3 -

�24. August 1983

34

DIE AUSSICHTEN FÜR DEN AMERIKANISCHEN HANDEL

Dieser Artikel ist ein Nachdruck aus
"Business America", einer Publikation
des amerikanischen Handelsministeriums.
Er wurde verfaßt vom Amt für Handelsund Investitionsanalysen dieses Ministeriums.

- (AD) - Die Aussicht auf einen beträchtlichen Anstieg der amerikanischen Einfuhren dominiert die Voraussagen für den Handel der Vereinigten
Staaten zu Jahresmitte - und ist zugleich Anzeichen dafür, daß die Ausweitung des Handelsdefizits, die während der ersten sechs Monate zu verzeichnen war, auch in der zweiten Jahreshälfte 1983 anhalten wird.

Es wird

also sicherlich ein Rekordhandelsdefizit zu verzeichnen sein - möglicherweise doppelt so hoch wie die 31,8 Milliarden Dollar, die das Defizit von
1982 auswies.

Letztlich wird der genaue Umfang des Defizits von 1983 von

einer Vielzahl von Faktoren abhängen, die hinsichtlich Größe und zeitlichem
Erscheinen schwierig vorherzusagen sind.

Dennoch:

Wie die bereits vorhan-

denen Trendbewegungen zeigen, befinden sich die Importe in einer deutlichen
Aufwärtsbewegung, während die Exporte

noch aus einem Rückgang herauskommen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Rückgang herauskommen müssen, der nach dem ersten Quartal 1981 einsetzte.
Im ersten Halbjahr 1983 belief sich das Handelsdefizit auf Jahresbasis
umgerechnet auf 43,5 Milliarden Dollar und lag damit bereits beträchtlich
über dem Rekordumfang des vorigen Jahres.

Die Verschlechterung resultierte

aus dem weiteren starken Rückgang der Exporte in diesem Jahr, während die
Importe nur einen leichten Rückgang gegenüber 1982 auswiesen.

Angesichts

der relativ ungünstigen Aussichten für ein stärkeres Anwachsen der Exporte
für den Rest des Jahres und angesichts der Wahrscheinlichkeit einer noch
stärkeren Zunahme der Einfuhren im Zuge der starken Ausweitung der amerikanischen Wirtschaft, dürfte sich das Handelsdefizit auch in den kommenden Monaten erhöhen.
Die Importe dieses Jahres waren bislang charakterisiert durch eine
neuerliche Zunahme der Nichtölimporte, ausgeglichen durch einen weiterhin
anhaltenden und recht scharfen Rückgang der importierten ölmengen.

Die Nicht-

ölimporte verzeichneten - nach einem beträchtlichen Rückgang in der zweiten
Hälfte des vorigen Jahres - einen Anstieg von fünf Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Die Erwartungen auf einen weiterhin anhal-

tenden Anstieg stehen in Einklang mit dem starken Wachstum, das für die amerikanische Wirtschaft in diesem Jahr vorhergesagt wurde, sowie mit der Stärke
des Dollar, der die Wettbewerbsfähigkeit ausländischer Güter erhöht.

Die

öl einfuhren sind dieses Jahr bislang um 19 Prozent gefallen - annähernd die
gleiche Rückgangsrate wie 1982, was jedoch von der Tatsache ablenkt, daß
andere Importe in Reaktion auf die Erholung der amerikanischen Wirtschaft
schlagartig nach oben gingen.
Für die verbleibenden Monate des Jahres 1983 werden drei Faktoren den
Verlauf des Exportgeschehens wesentlich beeinflussen: Erstens, die Erholung
in den anderen Industriestaaten hat begonnen und das Maß der Beschleunigung
der Wirtschaftstätigkeit im Ausland wird eine wichtige Determinante des Ausfuhrumfangs sein. Allerdings würde sogar ein größerer Anstieg der Wachstumsraten der ausländischen Volkswirtschaften für dieses Jahr nur eine begrenzte

�eine begrenzte Wirkung haben, da sich eine stärkere Auslandsnachfrage nur
mit Verzögerungen in tatsächliche Ausfuhren übersetzen ließe.

Derzeit

sieht es so aus, als würde es in der zweiten Jahreshälfte zu einem bescheidenen Anstieg der Exporte kommen, gestützt hauptsächlich auf die verbesserten Verkaufsaussichten in Industrieländern, OPEC-Ländern und in jener Ländern,
die landwirtschaftliche Exporte in größerem Umfang aufnehmen.

Während je-

doch der Aufschwung bei der Wirtschaftstätigkeit im Ausland ein günstiges
Omen für Exporte darstellt, so signalisieren die derzeitigen Beurteilungen
der Lage einen verhältnismäßig langsamen Gang der Wirtschaftsbelebung bei
unseren wichtigsten Handelspartnern, da man in einem Klima der wirtschaftlichen und politischen Ungewißheit allgemein Vorsicht walten läßt.
Zweitens, ein weiterer Aspekt, der hinsichtlich der Exporte zu berücksichtigen ist, ist die anhaltende Stärke des Dollar gegenüber den Währungen
der wichtigsten Handelspartner der Vereinigten Staaten, die den amerikanischen Handel für den Rest des Jahres 1983 und ins Jahr 1984 hinein beeinflussen wird. Der Dollar verzeichnete gegenüber den Währungen der wichtigsten Industriestaaten seit nahezu drei Jahren einen steigenden Trend und
war fast das ganze Jahr 1983 und in diesem Jahr auf einem ungewöhnlich hohen
Niveau. Erst kürzlich noch erreichte der Dollar gegenüber mehreren wichtigen europäischen Währungen seinen höchsten Stand in zehn Jahren. Der Anstieg
des Dollar wird kurzfristigen Determinanten des Wechselkurses zugeschrieben
- wie etwa den höheren Zinsen in den Vereinigten Staaten und politischer Unsicherheit im Ausland., Weil diese kurzfristigen Determinanten während der
verganenen Jahre dominierten, hatten relative Veränderungen des nationalen
Preisniveaus - die langfristige Determinante der Wechselkurse - weniger
Einfluß auf den Preis der amerikanischen Exporte und Importe. Als Ergebnis dessen wurde der Dollar stärker aufgewertet als eigentlich wegen der
relativ geringeren Inflationsrate in den Vereinigten Staaten erforderlich
gewesen wäre

Die erste unmittelbare Auswirkung dieser Aufwertung des Dollar war
natürlich eine geringere preisliche Wettbewerbsfäng&lt;eit der amerikanischen
- 3 -

�der amerikanischen Exporte, was zu einem Rückgang der Exporte führte.
Man weiß, daß diese Effekte eine Zeitlang anhalten, wobei die Nachfrage
nach bestimmten Produkten fast sofort reagiert, die nach anderen wiederum
etwa drei bis sechs Quartale später.

Daher wird der derzeitige hohe Stand

des Dollar auch weiterhin - und weit ins Jahr 1984 hinein - die Wettbewerbsfähigkeit unserer Ausfuhren beeinflussen*
Es gibt jedoch neben diesen direkten Auswirkungen noch eine weitere
Konsequenz der Aufwertung einer Währung.

Wenn - wie dies beim Dollar wäh-

rend der vergangenen zwei Jahre der Fall gewesen ist - die Wechselkurse
sich so deutlich verschieben und eine solche Höherbewertung einer Währung
andauert, werden neben dem kurzfristigen Kauf und Verkauf auch andere Überlegungen beeinflußt.

Besondere Besorgnis bereitet etwa die Möglichkeit,

daß manche Exporteure ihre Wettbewerbsposition auf den ausländischen Märkten
überprüfen werden und ihre Verkaufsanstrengungen in Bereichen einschränken,
wo die Wechselkursauswirkungen negativ gewesen sind.

Wenn erst einmal län-

gerfristige Entscheidungen wie diese getroffen worden sind, wird auch die
Schwierigkeit der Neuanpassung beträchtlich größer, wenn die Wechselkurse
wieder günstiger werden und die Wettbewerbsposition der Vereinigten Staaten
insgesamt sich wieder ändert.
Schließlich haben auch die Probleme, die durch die schweren Schuldenlasten der Entwicklungsländer verursacht werden, die amerikanischen Exporte
bereits beträchtlich berührt und werden auch in naher Zukunft den Exporten
massive Schwierigkeiten bereiten. Im Jahr 1981 hatte der Anteil der kein
Erdöl besitzenden Entwicklungsländer an den amerikanischen Exporten auf 29
Prozent zugenommen; eine Krise des Ausmaßes, wie sie viele dieser Länder erlebten, mußte daher auch ernste negative Auswirkungen auf unsere Handelsströme mit sich bringen. Im Jahr 1982 war daher auch ein Rückgang von 8
Milliarden Dollar für die amerikanischen Exporte in insgesamt 13 der stärker
von Schulden belasteten Entwicklungsländern zu verzeichnen, wobei sich der
Hauptteil dieses Rückgangs auf die zweite Jahreshälfte konzentrierte. Ein
weiterer Rückgang um 5 Milliarden Dollar war für die erste Hälfte dieses
Jahres zu verzeichnen. Obgleich ein großer Teil des unvermeidlichen Rück- 4 -

�unvermeidlichen Rückgangs an Lieferungen in diese Länder jetzt abgeschlossen sein dürfte, so werden doch die weiteren finanziellen und wirtschaftlichen Anpassungen, die diese Länder auch weiterhin wegen ihrer prekären
Schuldensituation vornehmen müssen, einen jeglichen weiteren umfangreicheren Anstieg der Exporte für einige Zeit wahrscheinlich ausschließen.
Die Handelsbilanz bei Fertigwaren wird 1983 für das dritte Jahr in
Folge eine weitere beträchtliche Verschlechterung aufweisen. Bis Juni wies
die Bilanz bei Fertigwaren auf Jahresbasis ein Defizit von 22,3 Milliarden
Dollar auf, im Vergleich zu einem Defizit von 4,3 Milliarden Dollar im ganzen Jahr 1982. Noch dramatischer ist der Gegensatz zu der Bilanz von 1980,
als ein Überschuß von 18,8 Millionen Dollar zu verzeichnen war. Mit der
für den Rest dieses Jahres abzusehenden weiteren Verschlechterung dürfte
die Verschiebung der Bilanz bei Fertigwaren seit 1980 bei weit über 40 Milliarden Dollar liegen.
Mehr als die Hälfte des Rückgangs der Exporte bei Fertigwaren war
bislang im Jahr 1983 bei Kapitalgütern zu verzeichnen - zweifelsohne der
Sektor, der sowohl durch den hohen Wechselkurs des Dollars als auch durch
die Schuldenprobleme der weniger entwickelten Staaten am meisten in Mitleidenschaft gezogen wird.

Da die negative Auswirkung dieser Faktoren

auch weiter anhalten wird, sind die Aussichten für den Export von Kapitalgütern nicht eben rosig. Andererseits könnte der Rückgang beim Export von
Industrieerzeugnissen, wie Halbfertigmetallen, Papier und Textilien in der
zweiten Hälfte als Reaktion auf den allmählichen Anstieg der industriellen
Produktion in den wichtigsten Industrieländern umgekehrt werden.
Was den Import angeht, so dürfte es einen Anstieg bei Fertigwaren
geben; Autos und kurzfristige Verbrauchsgüter verzeichnen bereits Zunahmen,
die durch wachsende Importe von langfristigen Verbrauchsgütern und Industriestoffe ergänzt werden, für die es während der hiesigen Rezession nur einen
flauen Absatz gegeben hatte.
Der Abwärtstrend
- 5 -

�Der Abwärtstrend bei den ölimporten, der 1981 begann, setzte sich
auch in diesem Jahr fort und führte in der ersten Jahreshälte zu einem unerwartet niedrigem Volumen - und Preisniveau.

Der Rückgang der ölimporte

war hautpsächlich auf den anhaltenden Rückgang des amerikanischen Energieverbrauchs zurückzuführen.
gienachfrage aus.

Erdöl macht etwa 43 Prozent der gesamten Ener-

Der fallende Preis für importiertes Erdöl läßt sich auf

das weltweite Überangebot zurückführen.

Das OPEC-Abkommen vom März über

einen Mindestpreis von 29 Dollar pro Barrel sowie Fördereinschränkungen halfen, die Preise etwas zu stabilisieren, obgleich die OPEC seit 1982 weniger
als die Hälfte der amerikanischen öleinfuhren stellte.
die Vorräte in den USA etwas verringert.

Außerdem haben sich

Die amerikanischen Vorräte an

Erdöl und Erdölprodukten lagen seit März erheblich unter dem Durchschnitt.
Die öleinfuhren könnten in der zweiten Jahreshälfte zunehmen, da die amerikanische Industrie wieder in Schwung gerät und die ölvorräte wieder in gewissem Umfang ergänzt werden.
ben.

Es wird erwartet, daß die Preise stabil blei-

Der Wert der öleinfuhren wird beträchtlich unter dem Umfang des Jah-

res 1982 mit seinen 60,5 Milliarden Dollar liegen; auch die Mengen werden
etwas zurückgehen - wahrscheinlich auf 5,2 Millionen Barrel pro Tag, verglichen mit den 5,3 im Jahr 1982.

1984 dürfte die Nachfrage weiter anstei-

gen, wobei zumindest während der ersten Jahreshälfte die Preise stabil bleiben dürften.
Was die Aussichten für landwirtschaftliche Ausfuhren angeht, so
dürfte sich auch hier in diesem Jahr ein Wertrückgang ankündigen. Nach dem
Höhepunkt des Jahres 1981 gingen die landwirtschaftlichen Exporte sowohl
hinsichtlich Umfang als auch Preis zurück. Hinter diesem Rückgang stehen
mehrere Faktoren. Eine verstärkte landwirtschaftliche Produktion im Ausland führte zu erhöhter Wettbewerbsfähigkeit anderer Exportländer auf den
Märkten. Die Produktion hat auch in mehreren Einfuhrländern zugenommen, was
es einigen Ländern ermöglicht hat, ihre Einfuhren einzuschränken. Außerdem
haben einige Staaten, die erhebliche Schulden oder geringere Exporteinnahmen haben - wie etwa Polen, Venezuela und Nigeria -, Schritte unternommen,

�Schritte unternommen, um ihre landwirtschaftlichen Importe zu beschneiden.
Schließlich hat der amerikanische Anteil an den sowjetischen Weizenimporten
deutlich abgenommen - von 70 Prozent vor dem Embargo auf etwa 20 Prozent
in diesem Jahr.
Viele der Bedingungen, die die Exporte landwirtschaftlicher Erzeugnisse beschränken, werden auch 1984 vorhanden sein.

Mit vermehrter Wirt-

schaftstätigkeit im Ausland dürfte jedoch im nächsten Jahr ein gewisser Anstieg zu verzeichnen sein.

Außerdem dürfte ein kürzlich abgeschlossenes,

neues, langfristiges Handelsabkommen mit der UdSSR es den Vereinigten Staaten ermöglichen, einen größeren Anteil des sowjetischen Marktes zurückzugewinnen.

- 7 -

�24. August 1983

34

RÜSTUNGSKONTROLLE HAT HÖCHSTE PRIORITÄT
- Von David F. Emory Stellvertretender Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle
und Abrüstung (ACDA)

- (AD) - Es gibt kein Ziel der Reagan-Administration, das eine höhere
Priorität verdient und erhalten hat, als die Förderung von Rüstungskontroi 1abkommen, die das Kriegsrisiko verringern und die Sicherheit der Vereinigten
Staaten und ihrer Verbündeten stärken.

Die Einstellung der Administration

zur Rüstungskontrolle beruht auf vier Grundprinzipien, die Präsident Reagan
1981 artikuliert hat.
Erstens, wir erstreben wesentliche Verringerungen.

Wir haben uns

der Verringerung der Zahl und der Zerstörungskraft von Waffen verschrieben,
nicht einfach einem Einfrieren auf dem gegenwärtigen hohen Stand.
Zweitens, wir erstreben Gleichheit.

Wir sind der Überzeugung, daß

eine Verringerung auf einen Gleichstand notwendig ist, um das entscheidend
wichtige Gleichgewicht wiederherzustellen, das unserem Lande und seinen
Verbündeten ausreichende Sicherheit bietet.
Drittens, wir

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Drittens, wir erstreben ausreichende Verifizierung.
abkommen können nicht nur auf Vertrauen basieren.

Rüstungskontroi 1-

Die Vereinigten Staaten

werden sich daher um Rüstungskontroi labkommen bemühen, die auch wirksame Maßnahmen zur Sicherstellung der Einhaltung enthalten.
Viertens, wir erstreben Rüstungskontroi labkommen, die die Sicherheit
der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten wirklich fördern.

Wir dürfen

keine Abkommen akzeptieren, die nur kosmetische Wirkung haben und ein falsches Gefühl der Sicherheit hervorrufen, aber keinen realen Nutzen und keine
reale Auswirkung haben.
Diese Prinzipien haben zwei große Rüstungskontrollanstrengungen der
Administration geleitet:
Bei den Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen
Rüstungen (START) strebt die Administration nach einem Abkommen, das weit
über die früheren amerikanisch-sowjetischen Bemühungen hinausgeht, Waffen
mit interkontinentaler Reichweite unter Kontrolle zu bringen. Das Kernstück unseres START-Vorschlages ist eine Höchstgrenze von 500 Gefechtsköpfen
für Raketen, was für beide Seiten eine Verringerung um ein Drittel bei dieser am meisten destabilisierenden Kategorie strategischer Waffen bedeuten
würde. Am 8. Juni dieses Jahres gab Präsident Reagan Modifizierungen der
ursprünglichen amerikanischen Position bekannt, die dazu dienen sollen, den
von der UdSSR zum Ausdruck gebrachten Befürchtungen entgegenzukommen und unseren Verhandlungsführern zusätzlichen Spielraum zu geben, um einen Fortschritt in Genf zu erreichen.
Bei den Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) haben
die Vereinigten Staaten ihr Ziel nicht kürzer gesteckt - und ihre Einstellung
ist nicht weniger vernünftig oder flexibel. Im November 1981 bot Präsident
Reagan den Verzicht auf die Dislozierung von PERSHING II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern in Westeuropa an, wenn die Sowjetunion vergleichbare eigene Raketen, vor allem die SS-20, beseitigen würde. Dieses Angebot,

�Dieses Angebot, eine ganze Klasse von Kernwaffen zu eliminieren - bekannt
als Null-Null-Vorschlag - wurde von der sowjetischen Seite abgelehnt.

Da-

her haben die Vereinigten Staaten nach Absprache mit ihren Verbündeten und unter Beibehaltung der Null-Null-Lösung als letztliches Ziel - im März
dieses Jahres einen Interimsvorschlag unterbreitet, der gleiche, globale
Begrenzungen für Gefechtsköpfe auf weiterreichenden nuklearen Mittel Streckensystemen (LRINF) fordert.
Bisher ist die amerikanische Flexibilität in Genf nicht mit einer entsprechenden Haltung der Sowjets erwidert worden.

Was sie vorschlagen, ist

in der Praxis ein Null-Vorschlag für die eine Seite - d.h. keine amerikanischen Dislozierungen und ein völliges sowjetisches Monopol bei diesen
Waffen in Europa.
Während wir solche Verhandlungen mit der Sowjetunion führen, müssen
wir gleichzeitig an die Notwendigkeit denken, eine weitere Ausbreitung von
Nuklearwaffen auf der Erde zu verhüten.

Es liegt auf der Hand, daß eine

weitere Ausbreitung solcher Waffen höchst destabilisierend wirken würde.

Es

dient sicherlich nicht der internationalen Ordnung unter Nationen, wenn sich
ein Land entschließen sollte, Kernwaffen

anzuschaffen.

Die Anschaffung von Kernwaffen gereicht einer Nation keineswegs zur
Ehre, noch hebt es das nationale Prestige.. Die Verletzung der internationalen Normen der Nonproliferation sollte der Gemeinschaft der Völker Anlaß
sein, das verletzende

Land in Acht und Bann zu schlagen,.

Das muß so sein,

denn wir müssen alle erkennen, daß die Proliferation von Kernwaffen niemanden Interessen dienen kann und wird.
Wenn es darum geht, die Proliferation von Kernwaffen in der Welt zu
verhindern, dann hat die Reagan-Administration eine wirksame und feste Politik eingeschlagen.

Wir betrachten dies als ein grundlegendes Ziel der na-

tionalen Sicherheit und der Außenpolitik der Vereinigten Staaten, und Präsident Reagan hat sich persönlich engagiert, um dieses Ziel zu erreichen.
Nachfolgend eine
- 3 -

�Nachfolgend eine kurze Zusammenfassung einer Reihe entscheidender Maßnahmen, die die Reagan-Administration ergriffen hat und die ausdrücklich
dazu dienen soll, diesem Ziel rasch näherzukommen.
Erstens, wir müssen die Exportkontrollen, die Regeln für den Handel
mit Nuklearmaterial, verschärfen und umfassende Sicherheitsmaßnahmen einführen.
Zweitens, wir müssen die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA)
stärken.
Drittens, wir müssen die Motivation zum Erwerb von Kernwaffen abbauen.
Viertens, wir müssen die Bedeutung des Atomwaffensperrvertrages
(Nonproliferationsvertrages) stärken.
Warum sollten wir, d.h. alle Lieferanten von Nuklearmaterial, die
Exportkontrollen verschärfen? Viele Leute behaupten, daß die Vorenthaltung von Technik einfach nicht funktionieren wird, weil Wissen und Technologie im Zusammenhang mit Kernwaffen sich in zunehmendem Maße verbreiten.
Es besteht kein Zweifel, daß nicht die ganze Menschheit kollektiv vergessen wird, was sie über Nukleartechnologie, und vor allem über Nuklearwaffen,
erfahren hat.
Aber das ist meiner Meinung nach genau der Grund, warum die Exportkontrollen verschärft werden müssen. Wir müssen einfach Zeit gewinnen.
Wir brauchen Zeit, um einen Konsens über Kontrollen herbeizuführen. Wir
brauchen Zeit, um die Anreize zu verringern und hoffentlich die angenommene Notwendigkeit für die Anschaffung einer Kernwaffen in weiteren Ländern
- aus welchen Gründen auch immer - zu beseitigen. Wir brauchen Zeit, um
andere Länder überzeugen zu können, daß die Anschaffung von Kernwaffen
nicht der Weg zu größerer Sicherheit ist.
Präsident Reagan
- 4 -

�Präsident Reagan hat alle Nuklearlieferstaaten aufgefordert, zu
einem Abkommen zu gelangen, das für alle weiteren Lieferverpflichtungen
größeren Umfangs umfassende Sicherheitsbestimmungen erfordert.

Diese

Initiative zielt nicht auf eine Politik der Verweigerung der Nuklearunterst'ützung ab, sondern hat vielmehr zum Ziel, für eine solche Unterstützung
Bedingungen zu stellen, durch die glaubwürdig nachgewiesen wird, daß das
gesamte Programm eines Staates, der über keine Kernwaffen verfügt, der friedlichen Verwendung der Kernenergie gewidmet ist, Hierzu haben sich bereits
jene 116 Nichtkernwaffenstaaten verpflichtet, die den Nonproliferationsvertrag unterzeichnet haben. Zusätzliche Vereinbarungen über umfassende
Sicherheitsvorkehrungen würden nur der Stärkung des internationalen Nonproüferationssystems dienen, indem die Möglichkeit jener Staaten, die
Nuklearunterstützung suchen, beseitigt würde,einen Lieferstaat gegen den
anderen auszuspielen,,
Ich möchte mich nunmehr der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
zuwenden, Die Vereinigten Staaten haben zusammen mit vielen anderen Staaten hart daran gearbeitet, 1957 die Internationale Atomenergiebehörde zu
schaffen, und wir unterstützen auch weiterhin deren Aktivitäten, Wir müssen zudem wachsam bleiben, damit die Wirksamkeit der Behörde nicht durch
die Beschäftigung mit solchen politischen Themen untergraben wird, die nicht
in ihren Bereich gehören. Wie Ihnen bekannt ist, führten die Ereignisse
im Rahmen der Hauptversammlung de&gt;* Internationalen Atomenergiebehörde im
Jahr 1982 dazu, daß die Vereinigten Staaten ihre Beteiligung an dieser Organisation einstellten. In der Zeit, da wir die Situation einer Neubewertung unterzogen, konsultierten wir uns intensiv mit anderen Mitgliedern,
und ich habe nunmehr den Eindruck, daß sich eine neue Verpflichtung gegenüber den Prinzipien, auf denen sich die IAEA gründet, entwickelt hat. Wir
haben nunmehr im Februar unsere Arbeit in der Behörde wieder mit neuer Tatkraft aufgenommen und freuen uns darauf, wieder Teil dieser so bedeutsamen
Organisation zu sem„

All diese

�All diese Maßnahmen - Exportkontrollen, umfassende Sicherheitsvorkehrungen und Stärkung der Internationalen Atomenergiebehörde - sind auf
meinen dritten Punkt ausgerichtet:
sich Kernwaffen zu beschaffen.

Auf eine Verringerung der Motivation,

Eine Sichtweise, die nur das eigene Land

einbezieht, würde nicht ausreichen, unsere Ziele der Nichtweiterverbreitung
zu erreichen;

und sie würde auch die Motivationen zur Erlangung von Kern-

waffen nicht herabsetzen.

Die Vorstellung, daß die Entwicklung von Kern-

waffen dadurch verhindert werden könnte, daß lediglich die entsprechende
Technologie verwehrt wird, vernachlässigt sowohl die Struktur als auch die
Inhalte der Sicherheitsbeziehungen, vor denen die anderen Staaten stehen.
Es müssen Wege gefunden werden, um die Spannungen zwischen den Ländern zu
vermindern, aufgrund derer es zu gegenseitigem Mißtrauen kommt und durch
die der Wunsch nach dem Besitz von Kernwaffen genährt wird.

Das endgültige

Inkrafttreten des Vertrages über das Verbot von Kernwaffen in Lateinamerika
würde zu diesem Ziel beitragen.
Wie Sie wissen, sind dieser Vertrag sowie der Antarktis-Vertrag die
ersten Verträge, durch die überhaupt irgendwo in der Welt atomwaffenfreie
Zonen geschaffen werden. Die Vertragsparteien des Lateinamerika-Vertrages
verpflichten sich, die Kernenergie ausschließlich zu friedlichen Zwecken
zu verwenden. Seit der Vertrag 1967 zur Unterzeichnung ansteht, haben
22 Staaten Lateinamerikas und der Karibik ihn unterzeichnet, ratifiziert
und den Vertrag in Kraft gesetzt.
Wenn ich mich schließlich dem Nonproliferationsvertrag zuwende, so
möchte ich zunächst feststellen, daß er in den 15 Jahren seit seiner Erstunterzeichnung in der Geschichte zu dem Rüstungskontroll vertrag wurde, der
von der größten Anzahl von Staaten eingehalten wird. Die Reagan-Administration setzte und setzt sich auf diplomatischem Weg dafür ein, daß jene Länder,
die noch nicht Vertragspartei sind, dieses zentrale Instrument des internationalen Nonproliferationssystems ratifizieren. Im Jahr 1981 wurde
Ägypten Vertragspartei. Im Verlauf des Jahres 1982 wurden weitere vier
Staaten Vertragsparteien - Papua-Neuguinea, Nauru, die Sozialistische Re- 6 -

�Sozialistische Republik Vietnam und Uganda.

Derzeit sind 119 Staaten

Vertragsparteien,und andere, wie etwa Frankreich, halten sich in ihrer
praktischen Politik an den Vertragstext.
Die Vereinigten Staaten haben diesen Vertrag und sein Sicherungssystem immer wieder als eines der wichtigsten Elemente zur Verhinderung
der weiteren Proliferation von Kernwaffen betrachtet.

Der Vertrag sieht

angemessene Sicherheitsvorkehrungen vor und fördert diese, wobei er auf
diese Weise sicherstellt, daß eine derartige Zusammenarbeit nicht für
kriegerische Zwecke genützt werden kann.
Der Vertrag baut Mißverständnisse ab und verringert den Verdacht
hinsichtlich der friedlichen Nuklearabsichten von Staaten in der ganzen
Welt. Dies wiederum fördert die regionale Stabilität und verringert
Spannungen - Ziele, für die wir uns alle einsetzen.
Zum Abschluß möchte ich aus einer Erklärung Präsident Reagans zitieren, die er zum 15. Jahrestag der Unterzeichnung des Nonproliferationsvertrags abgegeben hatte. In jener Erklärung unterstrich der Präsident
erneut die Anstrengungen der Vereinigten Staaten, sich dafür einzusetzen,
daß eine Weiterverbreitung der Kernwaffen verhindert wird. Er sagte zum
Schluß: Alle Staaten sollten sich erneut dazu verpflichten, daß die Ziele
dieses wichtigen Vertrags erreicht werden und seine bleibende Wirkungskraft
gesichert wird. Das ist sowohl unser aller Verantwortung als auch ein Beitrag zum Frieden für die kommenden Generationen.

- 7 -

�34

24. August 1983

DER DEUTSCHE BEITRAG ZUR FREIHEIT IN AMERIKA
Ein deutschstämmiger Amerikaner wurde zum Vater
der Pressefreiheit -

Dies ist der erste von sechs Artikeln
über Deutsche in Amerika, den wir im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten anläßlich des 300. Jahrestages deutscher Einwanderung in Amerika veröffentlichen. Die
Beiträge zu diesem Thema werden in der
Zeit vom 20. August (dem 300. Jahrestag
der Ankunft von Franz Daniel Pastorius,
dem Führer der ersten deutschen Siedlergruppe, in Amerika) bis zum 6. Oktober
(dem 300. Jahrestag der Ankunft der 13
Auswandererfamilien aus Krefeld, die
Germantown gründeten) erscheinen.
- (AD) - Am 20. August 1683 traf der 1651 in Sommerhausen geborene
Franz Daniel Pastorius in Philadelphia ein,um die letzten Vorbereitungen für
die Besiedlung von Germantown durch die erste Gruppe deutscher Einwanderer
in der Neuen Welt zu treffen. Die 13 Familien aus Krefeld leiteten die Einwanderung von über sieben Millionen Deutschen während der nächsten drei Jahrhunderte ein, die somit zur größten Einwanderergruppe wurden, die in die
Neue Welt kam. Der 300. Jahrestag deutscher Einwanderung in Amerika ist auf

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Telex: 8-85432

�ist auf beiden Seiten des Atlantik Anlaß, dieses Jahr festlich zu begehen.
Dazu gehörte auch der Besuch des amerikanischen Vizepräsidenten George R. Bush,
der am 25. Juni nach Krefeld, dem Herkunftsort der ersten deutschen Auswanderer^am, um ihrer Abfahrt vor 300 Jahren zu gedenken, sowie der zur Erinnerung an die Ankunft jener Krefelder Gruppe in Amerika geplante Besuch von
Bundespräsident Karl Carstens in Germantown am 6. Oktober dieses Jahres.
Die 13 Familien, die im Jahre 1683 vom Rheinland nach Amerika zogen,
taten dies in der Hoffnung, Freiheit und Toleranz in Glaubensfragen zu finden.

Viele der über sieben Millionen Deutschen, die ihnen folgten, bewegte

das gleiche Motiv; Freiheit - sei sie religiöser, wirtschaftlicher, politischer oder sozialer Art.

Doch suchten die Deutschen in Amerika dort nicht

nur die Freiheit; ihre Anwesenheit trug, gerade auch aufgrund ihrer Weltanschauung, ihrer Erfahrungen in der Alten Welt und der Verpflichtung zu einem
neuen Lebensstil in

großem

Maße zur Förderung der Freiheit in der amerika-

nischen Gesellschaft bei, deren Teil sie wurden.

Der Anführer der Krefelder

Auswanderer, Franz Daniel Pastorius selbst, ist ein bemerkenswertes Beispiel
für das Wirken deutscher Einwanderer in Amerika.

1688 verfaßte Pastorius

zusammen mit einer Reihe anderer Siedler aus Germantown die erste Protesterklärung, die in den englischen Kolonien gegen die Sklaverei abgegeben
wurde.
Die Initiative dieser Gruppe Deutsch-Amerikaner aus Germantown gegen
das System der Sklaverei hatte zwar keine unmittelbare Wirkung, leitete jedoch eine Tradition ein, die ihren Höhepunkt fast 200 Jahre später erreichte,
als sich auch eine Vielzahl von Deutsch-Amerikanern erfolgreich dafür einsetzte, diesen Menschen die Gleichberechtigung zu bringen.
Zu den Deutsch-Amerikanern, die bei dieser Entwicklung eine entscheidende Rolle spielten, gehörte auch Francis Lieber, Staatswissenschaftler und
Erzieher, in Berlin geboren, der 1829 die Encyclopaedia Americana begründete (ein Werk, das sich auf das Brockhaus Conversations Lexikon stutzte).
Liebers energische Haltung zur Unterstützung des Gedankens der Sklavenbefrei- 2 -

�der Sklavenbefreiung, die er Anfang des 19. Jahrhunderts einnahm und die
er aufgrund seiner Stellung auf einen großen Teil der geistigen Elite Amerikas ausübte, mit der er durch seine Arbeit an der Enzyclopaedia in Berührung gekommen war, gab der Bewegung neuen Anstoß, die Sklaverei in Amerika zu verbieten.

Die wichtigste Gruppe von Deutsch-Amerikanern dieser

Bewegung waren jedoch die sogenannten "48er", jene Deutschen, die Mitte des
19. Jahrhunderts auswanderten, um die politische Freiheit zu finden, die
ihnen nach der Unterdrückung der Revolution von 1848 in den deutschen Fürstentümern in ihrer Heimat verweigert worden war.

Einer dieser "48er" war Carl

Schurz, der einer der berühmtesten Deutsch-Amerikaner überhaupt und ein
geistiger Führer des Gedankens der Sklavenbefreiung werden sollte.
Geboren in der Nähe von Köln im Jahre 1829, war Schurz einer der Helden der fehlgeschlagenen Revolution in Deutschland.

1852 verließ er Europa,

um nach Amerika zu gehen, wo er in der neugegründeten Republikanischen Partei aktiv wurde und mit dem Politiker Abraham Lincoln aus Illinois Freundschaft schloß. Als glühender Gegner der Sklaverei (es war die Einstellung
dieser Partei gegen die Sklaverei, die Schurz anzog) kehrte Schurz im Jahre
1862 von seinem Posten als amerikanischer Gesandter in Spanien zurück, um
seinen Standpunkt Präsident Lincoln zu unterbreiten.

Da es ihm nicht ge-

lang, die sofortige Gleichberechtigung aller Sklaven durchzusetzen, versuchte Schurz,die öffentliche Meinung zu einer positiven Haltung gegenüber
der Sklavenbefreiung zu bewegen,und hielt (mit Zustimmung Präsident Lincolns)
im März 1862 eine bahnbrechende Rede, in der er die Sklaverei verurteilte.
Die Bemühungen von Schurz beeinflußten schließlich Präsident Lincolns Entscheidung, am 1. Januar 1863 die Aufhebung der Sklaverei auszurufen.
Der Beitrag der Deutsch-Amerikaner zur Stärkung und Sicherung der Freiheiten, derer die Amerikaner sich heute erfreuen, war jedoch nicht auf die
Sklavenfrage beschränkt.

Denn noch während der Kolonialzeit wurde ein wei-

terer Amerikaner deutscher Herkunft der erste und bis zu diesem Tage bemerkenswerteste Verfechter einer der am höchsten geachteten Freiheiten der Amerikaner - der Pressefreiheit:

der 1697 in Rheinland-Pfalz geborene John

- 3 -

�geborene John Peter Zenger.

Zenger war Herausgeber des New York Weekly

Journal, einer Tageszeitung, die 1733 als Gegenstimme zur regierungsabhängigen ]JavJfojrk_Ga^e_tte, gegründet wurde.

Nach Veröffentlichung einer Reihe

von Artikeln, die den Gouverneur der Kolonie kritisierten, wurde Zenger
1734 verhaftet und wegen Verleumdung angeklagt.

Bei seiner Verhandlung er-

öffnete Zengers Verteidiger, Andrew Hamilton aus Philadelphia, seine Verteidigung auf eine Weise, die bis dahin unbekannt war:

Er gab zu, daß die

Zeitung die angeblich verleumderischen Artikel veröffentlicht hatte, bestand aber darauf, daß die Anklagen, die in den Artikeln erhoben worden waren,
"von der Wahrheit unterstützt seien".

Hamiltons neuartige Form der Verteidi-

gung und Zengers Freispruch setzten einen Präzedenzfall für die Pressefreiheit
in Amerika, die bis zum heutigen Tage besteht.
Das Engagement der Deutsch-Amerikaner für die Erhaltung und Erweiterung der Freiheit in Amerika setzte sich bis ins 20. Jahrhundert fort.
seinem kürzlich erschienenen Buch

Ethnic America

In

schreibt der amerikanische

Historiker Thomas Sowell über die deutschen Auswanderer in den dreißiger
Jahren:

"Genau wie die deutschen Flüchtlinge nach der fehlgeschlagenen Re-

volution von 1848 waren auch die Flüchtlinge der dreißiger Jahre von einer
freiheitlichen und demokratischen Oberzeugung, die ihren Einfluß auf die
deutsch-amerikanische wie auf die amerikanische Gesellschaft im allgemeinen
ausübte."
Dieser Einfluß der Deutsch-Amerikaner auf die Freiheit in Amerika wird
durch einen Vorgang im Jahre 1791 besonders deutlich: Als Sprecher des
Repräsentantenhauses des ersten Kongresses der Vereinigten Staaten von Amerika
war der Deutsch-Amerikaner Friedrich Augustus Conrad Mulenberg aus Pennsylvanien einer der beiden Unterzeichner der "Bill of Rights", der ersten
zehn Zusatzartikel zur neuangenommenen Verfassung der USA. Dieses Schriftstück, das bis zum heutigen Tag unveränderte Gültigkeit besitzt, garantiert
allen Amerikanern Grundfreiheiten wie Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Versammlungsfreiheit. Diese Bürgerrechte, die zur
damaligen Zeit als revolutionär angesehen wurden, sind heute fundamentale

�heute fundamentale Freiheiten, die den Grundstein der demokratischen Ordnung in den Vereinigten Staaten von Amerika wie auch der Bundesrepublik
Deutschland bilden.

- 5 -

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und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

34

24. August 1983

NACHTLANDETESTS SERIENWEISE
Langwierige Vorbereitungen für den nächsten CHALLENGER-Flug -

- (AD) - Noch vor zwei oder drei Jahren habe er sich eine Nachtlandung
des "Weltraumgleiters" nicht gut vorstellen können, gestand Richard H. Truly
kürzlich auf einer von der NASA (US-Amt für Luft- und Raumfahrt) veranstalteten Pressekonferenz.

Die Flugleitung hat inzwischen entschieden, daß nicht

nur der Start der CHALLENGER zum Flug STS-8 am 30. August in Kap Canaveral,
sondern auch die Landung am 5. September 1983 in der Mojave-Wüste in Kalifornien in den Nachtstunden erfolgen soll.

Truly, Kommandant der Raumfähre, und sein Kopilot Daniel C. Brandenstein
haben in den vergangenen Wochen serienweise Nachtlandetests in Kalifornien
durchgeführt.

Verwendet wurden dazu Shuttle-Trainingsflugzeuge der NASA.

Es ging vor allem darum, herauszufinden, ob die Nachtlandung auf der Hartpiste des Edwards-Flugplatzes der amerikanischen Luftstreitkräfte möglich
ist

oder ob aus Sicherheitsgründen für die erste Nachtlandung einer Raum-

fähre die wesentlich breitere und längere Piste auf einem ausgetrockneten
Salzsee im Gelände vorzuziehen sei.

Die Staubmassen, die von der Salzpiste

beim Anflug aufgewirbelt wurden, bereiteten Kopfzerbrechen, denn durch sie
wurde die Ausleuchtung der Piste beeinträchtigt.

Außerdem erschwerten sie

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�erschwerten sie die Beobachtung des Fluggeräts in der letzten Phase seines
Landemanövers.

Durch Veränderung des Beleuchtungssystems und des Arrange-

ments der Lampen ließen sich wesentliche Verbesserungen erzielen. Auch die
Befeuerung der Hartpiste wurde von den beiden Astronauten im Nachttraining
gründlich getestet, Orientierungs- und Sichtmä'ngel durch Installierung zusätzlicher Signallampen beseitigt.
Truly ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

"Ich hielt es einmal für

sehr schwierig, eine Möglichkeit zu finden, nachts nicht nur zu landen, sondern auch nachts zu trainieren.

Heute kann ich nur sagen:

Großer Irrtum.

Nach unserem Training meine ich, daß wir ein gutes, sicheres System entwikkelt haben und dies jetzt auch demonstrieren werden."
Richard Truly ist mit der Raumfähre als Fluggerät längst vertraut.
Er war Kopilot Joe Engles beim zweiten Einsatz des Raumtransporters COLUMBIA
im November 1981 und hatte zuvor schon eine ganze Anzahl von Flügen mit der
ENTERPRISE, dem Testfluggerät im amerikanischen "Space Shuttle"-Programm,
absolviert. Seit 1969 gehört Truly dem Astronautenteam der NASA an, nachdem das Projekt MOL (Bemanntes Orbital-Labor) der US-Flugstreitkräfte eingestellt worden war. Der heute 45jährige studierte Flugzeugbau am Georgia
Institute of Technology. Beim SKYLAB-Projekt der NASA (1973/74) und während
des APOLLO-SOJUS-Fluges (1975) war er u.a. zuständig für den Funkkontakt mit
den Astronauten im Orbit. Vom Johnson-Raumflugzentrum und wissenschaftlichtechnischen Gesellschaften der USA erhielt er hohe Auszeichnungen. Truly
stammt aus Fayette im US-Bundesstaat Mississippi.
*

Kopilot Daniel C. Brandenstein (40) gehört seit 1978 zum Astronautenteam der NASA.

Bei den ersten beiden COLUMBIA-Einsätzen war er mitverant-

wortlich für die Funkverbindung mit den Astronauten an Bord des °iumtransporters.

Er kommt aus Watertown (US-Bundesstaat Wisconsin), studierte an der

Universität von Wisconsin Mathematik und Physik und ging dann zur Testpilotenschule der US-Marine.

Er hat Flugzeuge 19 verschiedener Typen geflogen und

Erfahrungen in mehr als 3600 Flugstunden nesammelt.
Auch zwei
- 2 -

�Auch zwei der drei Missionsspezialisten für STS-8 - Guion ("Guy")
S. Bluford (40) und Dale A. Gardner (34) - sind erst 1978 zur NASA gekommen.
Der Umstand, der erste Schwarze unter den NASA-Astronauten zu sein, hat
Bluford viel - unerwünschte - Publicity gebracht. Aber inzwischen sei, so
sagte er, durch den Flug von Dr. Sally Ride als der ersten amerikanischen
Astronautin der "Druck" aus der Öffentlichkeit, der sich nun einmal aus dem
Neuen ergebe, wesentlich geringer geworden.

Drei weitere schwarze Astro-

nauten hoffen, ebenfalls bald an Bord des Raumtransporters arbeiten zu können.

Es sind Fred Gregory, Ronald McNair und Charles Bolden.
Bluford wurde in Philadelphia (Pennsalvanien) geboren

und studierte

Flugzeugbau zunächst an der Staatsuniversitä't von Pennsylvanien, dann am
"Institut of Technology" der US-Luftstreitkräfte, wo er auch promovierte.
Er steht im Rang eines Oberstleutnants. Als Pilot von Düsenmaschinen verfügt er mit mehr als 3000 Flugstunden über viel Erfahrung.

Sein Training

bei der NASA konzentrierte sich in letzter Zeit immer mehr auf den "Robotarm", jenes mehrgliedrige, 15 m lange Greif- und Hebegerät, mit dem Nutzlasten im Orbiter-Laderaum bewegt, in den Weltraum expediert oder Objekte
von draußen an Bord geholt werden.
Dale Gardner aus Fairmont in Minnesota, mit seinen 34 Jahren der
Benjamin des Teams, wird Bluford bei den zahlreichen Experimenten mit dem
Robotarm unterstützen.

Er studierte technische Physik an der Universität

von Illinois und gehörte von 1976 bis 1978 einer Fliegereinheit der amerikanischen Marine an, die Jagdflugzeuge erprobte. Während des vierten
COLUMBIA-Fluges im Juni 1982 hatte er wichtige Funktionen im Kontakt mit
den Astronauten.

Jetzt werden er und Bluford aufeinander angewiesen sein,

wenn der indische Nachrichtensatellit am zweiten Flugtag abgesetzt wird.
"Dabei kann uns die Bodenstation nicht helfen - wir müssen vom Cockpit aus
die Geräte in Funktion setzen, durchprüfen und sicherstellen, daß alles
klappt", meint Gardner.
Dr. William Thornton

�Dr. William Thornton ist mit 54 Jahren der Senior unter den von der
NASA bisher zu einem Weltraumflug bestimmten Astronauten.

Seine Hauptauf-

gabe beim bevorstehenden Unternehmen wird es sein, sich mit den Auswirkungen
von Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper samt den Anpassungsprozessen und Adaptionsschwierigkeiten (z.B. Raumkrankheit) zu befassen.

Er werde,

wie er erklärte, vor allem an sich selbst beobachten und mit sich experimentieren.

Aber die anderen vier seien bis zu einem gewissen Grade bereit,

dabei mitzumachen.
Thornton war Physiker, ehe er sich mit 30 Jahren zum Medizinstudium
entschloß.
zum Dr. med.

Im Jahr 1963 promovierte er an der Universität von North Carolina
Er bewarb sich bei der NASA als Wissenschaftsastronaut und wur-

de 1967 angenommen.
Er war der Arzt in einer Gruppe, die im Rahmen der Studien für das
SKYLAB-Programm 56 Tage in einer Simulatorkammer zubrachte. Während der
drei bemannten SKYLAB-Flüge (der letzte dauerte 84 Tage) gehörte er dem
Experten- und Beraterteam der Flugleitzentrale an. Thornton entwickelte
die "Tretmühle",die die Astronauten an Bord des Raumtransporters zum Körpertraining benutzen, und befaßte sich seit Beginn der Shuttle-Flüge mit Analysen von Gehirn-, Herz- und Muskeltätigkeit während des Raumflugs.
Der Nachtstart der CHALLENGER am 30. August ist für den Zeitpunkt
zum Absetzen von INSAT-IB von großer Bedeutung. Denn dieser Satellit muß
24 Stunden nach Eintritt der Raumfähre in die Umlaufbahn den Laderaum verlassen, um in die vorgesehene Umlaufbahn in 36 000 km Höhe aufzusteigen und
dort den Standort zu erreichen, der für sein Arbeitsprogramm am günstigsten
ist. Dieses umfaßt u.a. Telefon- und Fernsehübertragungen in Indien sowie
Beobachtungen für den indischen Wetterdienst. Rundfunksendungen über den
Satelliten können außerdem mit kleinen Bodenantennen direkt empfangen werden,
die in abgelegenen oder isolierten Teieln des weiten Landes installiert
wurden.
Der dritte

�Der dritte und vierte Flugtag wird ausgefüllt sein mit der Erprobung
des Robotarms zum Um- und Absetzen sowie Einholen eines "Testobjekts" mit
einer Masse von 3855 kg.

Es ist ca. zweieinhalb Mal schwerer als SPAS-Ol,

der beim letzten CHALLENGER-Flug erprobte deutsche wiederverwendbare Satellit.
Der geübte Umgang mit dem Weltraumkran, der über Fernsteuerungsmechanismen
auch diffizile Feinarbeit leisten kann, wird besonders wichtig sein, wenn
Satelliten zur Reparatur an Bord geholt werden sollen.
Eine Anzahl von Experimenten, u.a. das von Wissenschaftlern in St. Louis
entwickelte Elektrophorese-Experiment zur Gewinnung hochreiner biologischer
Präparate, laufen weiter. Auch befinden sich kleine Experimentierausrüstungen
in Kanistern an Bord, die im Auftrag verschiedener Institute aus dem In- und
Ausland mitgenommen werden. Es sind 12 an der Zahl - eines davon gilt der
Untersuchung der Auswirkungen von Weltraumstrahlung auf die Speicherkapazität
des Materials, das für integrierte Schaltkreise verwendet wird. Für künftige Tierexperimente zu Studien aus dem Gebiet der Biologie wird ein Spezialkäfig getestet; sechs Ratten werden darin mit auf die Reise gehen.
Die Voraussetzungen zur Erprobung von TDRS-1, dem größten bisher gestarteten Nachrichtensatelliten, sind jetzt gegeben. Am 7. August empfing
er an seinem Standort 36 000 km über der Nordostspitze Brasiliens zum ersten
Mal Signale von einem anderen Satelliten, gab sie zur Bodenstation weiter
und übermittelte deren Funkbotschaften an Satelliten auf Erdumlaufbahnen.
Er hat beim Unternehmen STS-9 im Oktober wichtige Funktionen zu übernehmen.
Denn TDRS dient als Relaisstation für die Flut wissenschaftlicher Daten aus
dem europäischen Weltraumlabor SPACELAB, das im Frachtraum der Fähre COLUMBIA
installiert sein wird. Die CHALLENGER-Astronauten werden von der TDRSStation ausgiebig Gebrauch machen. Für spezielle Tests wurde sogar die
Mission STS-8 um einen Tag verlängert.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weinberger: USA müssen Verteidigungsverpflichtungen einhalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz vom 18. August 1983 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des Weißen Hauses zum Truppenabzug aus dem Libanon&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Aussichten für den amerikanischen Handel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rüstungskontrolle hat höchste Priorität&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von David F. Emory, Stellvertretender Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der deutsche Beitrag zur Freiheit in Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein deutschstämmiger Amerikaner wurde zum Vater der Pressefreiheit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nachtlandetests serienweise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Langwierige Vorbereitungen für den nächsten CHALLENGER-Flug -&lt;/em&gt;</text>
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