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                    <text>30. März 1983

14

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan fordert Verteidigungsprogramm für die Zukunft
- Rede des US-Präsidenten vom 23. März 1983 Das Atlantische Bündnis:

Die Tatsachen und Lehren der Geschichte

- Berlin-Rede des Stellvertretenden US-Außenministers -

INFORMATION
William Ruckeishaus Direktor der Umweltschutzbehörde

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
CHALLENGER-Start für 4. April vorgesehen

Um Uber/endurtQ von
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14

30. März 1983

REAGAN FORDERT VERTEIDIGUNGSPROGRAMM FÜR DIE ZUKUNFT
- Rede des US-Präsidenten vom 23. März 1983 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan forderte in einer vielbeachteten Fernsehrede an das amerikanische Volk am 23. März 1983 ein intensives Forschungsprogramm auf dem Gebiete der Verteidigung, das eines Tages
offensive Atomraketen unwirksam und überflüssig machen soll.

Diese neue Ver-

teidigungstechnik werde jedoch erst im kommenden Jahrhundert wirksam werden,
und deshalb müsse sich der Westen für die nächste Zukunft weiterhin auf eine
wirksame Abschreckung verlassen.

Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich danke Ihnen, daß Sie sich heute abend Zeit für mich nehmen.

Das

Thema, das ich mit Ihnen besprechen möchte, Frieden und Sicherheit, ist sowohl aktuell als auch wichtig - aktuell, weil ich eine Entscheidung getroffen habe, die für unsere Kinder im 21. Jahrhundert neue Hoffnung bietet eine Entscheidung, auf die ich gleich eingehen werde - und wichtig, weil
es um eine sehr große Entscheidung geht, die Sie für sich selbst treffen
müssen.

Dabei geht es um die grundsätzliche Pflicht, die jeder Präsident

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�jeder Präsident und jeder Mensch hat - die Pflicht, den Frieden zu schlitzen und zu stärken.
Anfang dieses Jahres habe ich dem Kongreß einen Verteidigungshaushalt
vorgelegt, der meinem besten Urteil und dem bestem Wissen der Experten
und Spezialisten, die mich beraten, bezüglich dessen entspricht, was wir und
unsere Verbündeten tun müssen, um unsere Völker in den kommenden Jahren zu
schützen.
Dieser Haushalt ist mehr als nur eine lange Liste von Zahlen, denn
hinter all diesen Zahlen steht die Fähigkeit Amerikas, die größte aller
menschlichen Tragödien zu verhindern und unsere freie Lebensform in einer
manchmal gefährlichen Welt zu bewahren. Er ist Teil eines sorgfältigen
langfristigen Planes, Amerika nach zu vielen Jahren der Nachlässigkeit und
der Fehler wieder stark zu machen. Unsere Anstrengungen, die Verteidigung
Amerikas wieder aufzubauen und den Frieden zu stärken, begannen vor zwei
Jahren, als wir eine wesentliche Erhöhung des Verteidigungsprogramms forderten. Seither sind die Beträge für diese zunächst geforderten Erhöhungen
durch Verbesserungen im Management und in der Beschaffung sowie durch andere
Einsparungen um die Hälfte verringert worden. Der Haushaltsvoranschlag,
der jetzt dem Kongreß vorliegt, ist bis an die Grenzen der Sicherheit gestrafft worden. Weitere tiefe Einschnitte können nicht gemacht werden, ohne
die Sicherheit der Nation ernsthaft zu gefährden. Die Entscheidung liegt
bei den Männern und Frauen, die Sie in den Kongreß gewählt haben - und das
heißt, die Entscheidung liegt bei Ihnen.
Ich möchte Ihnen heute abend darlegen, um was es bei dieser Verteidigungsdebatte geht
vorliegende

und warum ich überzeugt bin, daß der jetzt dem Kongreß

Haushaltsantrag notwendig und verantwortungsbewußt ist und Ihre

Unterstützung verdient.

Und ich möchte Ihnen für die Zukunft Hoffnung

machen.
Aber lassen

�Aber lassen Sie mich zuerst erklären, um was es bei der Verteidigungsdebatte nicht geht.

Es geht nicht um ein Ausgabenzahlenspiel.

Ich weiß,

daß Sie in den letzten Wochen mit Zahlen und Prozentzahlen überschüttet
worden sind.

Manche Leute sagen, wir brauchten nur eine fünfprozentige Er-

höhung unserer Verteidigungsausgaben.

Der sogenannte "Alternativhaushalt",

der von Liberalen im Repräsentantenhaus unterstützt wird, würde die Zahl sogar auf zwei bis drei Prozent senken und unsere Verteidigungsausgaben in
den nächsten fünf Jahren um 163 Milliarden Dollar kürzen.

Das Problem mit

all diesen Zahlen ist, daß sie uns wenig genug über die Art von Verteidigungsprogramm sagen, das Amerika braucht, oder über Vorzüge im Sinne der
Sicherheit und Freiheit, die unsere Verteidigungsanstrengung für uns erkauft.
Was bei dieser ganzen Debatte offensichtlich außer acht gelassen wird,
ist die einfache Tatsache, wie ein Verteidigungshaushalt zustande kommt.
Er wird nicht dadurch aufgestellt, daß man entscheidet, eine bestimmte Menge
Dollar auszugeben. Die großen Töne, die gelegentlich zu vernehmen sind
und mit denen behauptet wird, die Regierung versuche ein Sicherheitsproblem
einfach durch Geldausgeben zu lösen, bedeuten nichts anderes als Lärm aus
Unwissenheit heraus.
Wir beginnen damit, uns zu überlegen, was getan werden muß, um den
Frieden zu sichern, und prüfen alle möglichen Bedrohungen unserer Sicherheit.

Dann müssen wir uns auf eine Strategie zur Stärkung des Friedens und

der Verteidigung gegen all diese Bedrohungen einigen.

Und schließlich müs-

sen unsere Verteidigungseinrichtungen dahingehend überprüft werden, festzustellen, was notwendig ist, um uns gegen irgendeine oder alle dieser potentiellen Bedrohungen zu schützen.

Am Schluß wird ausgerechnet, was es kostet,

all diese Ziele zu erreichen, und das Ergebnis ist der nationale Verteidigungshaushalt.
Es ist logisch nicht möglich, einfach zu sagen, wir wollen soundsoviel x Milliarden Dollar weniger ausgeben.

Man kann höchstens sagen, auf

welchen Teil unserer Verteidigungsmaßnahmen wir nach unserer Meinung ver-

- 3 -

�Meinung verzichten könnten und noch immer gegen alle Ernstfälle gesichert
wären.

Jeder, der im Kongreß für eine Kürzung der Verteidigungsausgaben

um einen bestimmten Prozentsatz oder um eine bestimmte Dollarsumme eintritt,
sollte sagen müssen, welchen Teil unserer Verteidigung er streichen möchte;
und er sollte freimütig genug sein, zuzugeben, daß diese Kürzungen eine Kürzung

unserer Verpflichtung gegenüber unseren Verbündeten oder ein größeres

Risiko oder beides zusammen bedeuten würden.

Die Verteidigungspolitik der Vereinigten Staaten basiert auf einer
einfachen Prämisse:

Die Vereinigten Staaten beginnen keinen Krieg. Wir

werden niemals ein Aggressor sein.

Wir halten unsere Stärke aufrecht, um

vor einer Aggression abzuschrecken und uns gegen sie zu verteidigen - um
die Freiheit und den Frieden zu erhalten.

Seit dem Anbruch des Atomzeitalters haben wir danach gestrebt, das Risiko eines Krieges zu verringern, indem wir eine starke Abschreckung aufrechterhalten und indem wir eine echte Rüstungskontrolle anstreben. "Abschreckung" bedeutet einfach:

Sicherstellen, daß jeder Gegner, der an einen

Anqriff auf die Vereinigten Staaten oder unsere Verbündeten oder unsere lebenswichtigen Interessen denkt, zu dem Schluß kommt, daß die Risiken für ihn
alle möglichen Gewinne überwiegen.
angreifen.

Wenn er das begreift, dann wird er nicht

Wir erhalten den Frieden durch unsere Stärke; Schwäche lädt nur

zur Aggression ein.

Diese Strategie der Abschreckung hat sich nicht geändert.
niert weiterhin.

Sie funktio-

Aber was es braucht, um die Abschreckung aufrechtzuerhal-

ten, hat sich geändert.

Es bedurfte einer ganz anderen Art von Streitkräften,

um vor einem Angriff abzuschrecken, als wir noch sehr viel mehr Kernwaffen
besaßen als irgendeine andere Atommacht.

Es bedarf einer ganz anderen Streit-

macht heute, da die Sowjets beispielsweise über genügend treffsichere und
mächtige Kernwaffen verfügen, um praktisch alle unsere landgestützten Raketen
zu vernichten.

Damit soll nicht gesagt werden, daß die Sowjetunion einen

Krieg gegen uns plant.

Und ich glaube auch nicht, daß ein Krieg unausweich-

- 4 -

�Krieg unausweichlich ist - ganz im Gegenteil.

Aber was wir einsehen müssen,

ist die Tatsache, daß unsere Sicherheit darauf basiert, daß wir vorbereitet
sind, allen Bedrohungen zu begegnen.

Es gab eine Zeit, da wir uns auf Küsten-

befestigungen und Geschützbatterien verließen, weil beim damaligen Stand der
Bewaffnung jeder Angriff von See gekommen wäre.

Wir leben heute in einer

anderen Zeit, und unsere Verteidigung muß auf der Erkenntnis und dem Bewußtsein beruhen, wie im Atomzeitalter der Stand der Rüstungen anderer Länder
ist.

Wir können uns den Glauben nicht leisten, niemals bedroht zu werden.
Allein in meinem Leben hat es zwei Weltkriege gegeben.

Wir haben sie nicht

angefangen, ja, wir taten alles, was wir nur konnten, um nicht in sie hineingezogen zu werden.

Aber wir waren für beide schlecht vorbereitet - wären

wir besser vorbereitet gewesen, hätte der Frieden vielleicht bewahrt werden
können.

Seit 20 Jahren häuft die Sowjetunion eine gewaltige militärische Macht
an.

Und sie hörte damit auch dann nicht auf, als ihre Streitkräfte alle An-

forderungen einer legitimen Verteidigungskapazität überstiegen.

Und sie hat

damit immer noch nicht aufgehört, auch jetzt noch nicht.

Während der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte haben die Sowjets ein umfangreiches Arsenal neuer strategischer Kernwaffen aufgebaut - Waffen, die
die Vereinigten Staaten direkt treffen können.

Um ein Beispiel zu nennen:

Die Vereinigten Staaten führten ihre letzte

neue Interkontinentalrakete (ICBM),die MINUTEMAN III, im Jahr 1969 ein, und
derzeit bauen wir unsere sogar noch älteren TITAN-Raketen ab.
die Sowjetunion in eben diesen Jahren getan?

Was aber hat

Nun, seit 1969 hat die Sowjet-

union fünf neue Klassen von ICBM gebaut und diese achtmal verbessert. Als
Ergebnis dessen sind ihre Raketen viel schlagkräftiger und treffsicherer, als
sie es noch vor einigen Jahren waren - und sie fährt damit fort, noch weitere
zu entwickeln,

während unsere in immer größerem Maß veraltet sind.
Gleiches hat
- 5-

�Gleiches hat sich in anderen Bereichen zugetragen.

Im gleichen Zeit-

raum hat die Sowjetunion vier neue Klassen von unterseebootgestützten
ballistischen Raketen und über 60 neue Raketen-Unterseeboote gebaut.

Wir

bauten zwei neue Typen unterseebootgestützter Raketen und zogen dabei zehn
Unterseeboote von ihrer strategischen Mission ab. Die Sowjetunion hat über
200 neue BACKFIRE-Bomber gebaut, und ihr brandneuer BLACKJACK-Bomber ist
derzeit in der Entwicklung.

Wir haben keine neuen Langstreckenbomber mehr

gebaut, seit unsere B-52 vor etwa einem Viertel Jahrhundert disloziert wurden, und wir haben bereits mehrere 100 davon aufgrund ihres Alters aus dem
Dienst gezogen.

Trotz all

dem, was viele Leute glauben, kosten unsere stra-

tegischen Streitkräfte lediglich etwa 15 Prozent des Verteidigungshaushaltes.
Ein weiteres Beispiel dafür, was sich derzeit zuträgt: 1978 hatten die
Sowjets 600 landgestützte nukleare Mittelstreckenraketen und fingen damit an,
die SS-20 hinzuzufügen - eine neue, überaus treffsichere, mobile Rakete mit
drei Gefechtsköpfen. Wir hatten überhaupt keine. Seither haben die Sowjets
ihre Führung ausgebaut. Ende 1979, als Generalsekretär Breschnew erklärte,
"es existiert jetzt ein Gleichgewicht", verfügten die Sowjets über mehr als
800 Gefechtsköpfe. Wir hatten noch immer keine. Diesen Monat vor einem Jahr
schlug Herr Breschnew ein Moratorium, ein Einfrieren, bei der Dislozierung
der SS-20 vor. Aber vergangenen August waren aus ihren 800 Gefechtsköpfen
über 1200 geworden. Wir hatten noch immer keine. Das ist schon ein "Einfrieren". Zu diesem Zeitpunkt kündigte der sowjetische Verteidigungsminister
Ustinow an, daß "auch weiterhin eine annähernde Gleichheit der Streitkräfte
existiert". Doch noch immer fügen ihnen die Sowjets durchschnittlich drei
neue Gefechtsköpfe pro Woche hinzu; sie haben jetzt 1300. Diese Gefechtsköpfe können ihre Ziele innerhalb von wenigen Minuten erreichen. Und wir
haben noch immer keine. Bislang sieht es so aus, als sei die sowjetische
Definition von Parität mit Glück irgendwo zwischen 1300 und Null zu finden zu ihren Gunsten.
Zusammen mit unseren NATO-Verbündeten beschlossen wir daher 1979, beginnend in diesem Jahr, als Abschreckung gegenüber ihren SS-20 und als An-

�als Anreiz für die Sowjetunion, uns in ernsthaften RlistungskontrollVerhandlungen entgegenzukommen, neue Waffen zu dislozieren. Wir werden mit dieser
Dislozierung gegen Ende dieses Jahres beginnen.

Gleichzeitig sind wir jedoch

bereit, unser Programm zu streichen, wenn die Sowjets ihre Waffen abbauen.
Das ist es, was wir die Null-Lösung genannt haben. Jetzt sitzen die Sowjets
am Verhandlungstisch - und ich glaube, man kann zurecht sagen, daß sie ohne
unsere geplanten Dislozierungen nicht dort säßen.
Wenden wir uns jetzt den konventionellen Streitkräften zu. Seit 1974
haben die Vereinigten Staaten 3050 taktische Kampfflugzeuge gebaut.
satz hierzu hat die Sowjetunion doppelt so viele hergestellt.

Im Gegen-

Bei den An-

griffs-Unterseebooten haben die Vereinigten Staaten 27 von Stapel gelassen,
die Sowjetunion 61. Bei den gepanzerten Fahrzeugen haben wir, einschließlich
der Panzer, 11 200 gebaut, die Sowjetunion 54 000 - ein Verhältnis also von
5 : 1 zu ihren Gunsten.

Die Artillerie schließlich:

Hier haben wir 950

Artillerie- und Raketenabschußgeräte gebaut, während die Sowjets mehr als
13 000 herstellten - ein erschreckendes Verhältnis von 14 : 1.
Es gab eine Zeit, da wir in der Lage waren, die größeren sowjetischen
Zahlen durch höhere Oualität auszugleichen. Aber heute bauen sie Waffen,
die genau so technisch ausgeklügelt und modern sind wie die unsrigen.
Mit der Zunahme ihrer militärischen Stärke wurden die Sowjets dazu ermutigt, sie auch auszuweiten. Sie dehnen ihren militärischen Einfluß auf eine
Weise aus, die eine unmittelbare Herausforderung unserer vitalsten Interessen
und der unserer Verbündeten bedeutet. Die folgenden Luftaufnahmen, die meisten
davon bis heute geheim, verdeutlichen diese Tatsache in bezug auf ein Gebiet,
das von entscheidender Bedeutung - und unserem Land sehr nahe - ist: Mittelamerika und das Karibische Becken. Es sind keine dramatischen Aufnahmen,
aber ich glaube, sie können dazu beitragen, Ihnen ein besseres Verständnis
von dem zu vermitteln, worüber ich spreche.
Diese Einrichtung des sowjetischen Nachrichtendienstes für das Sammeln
von Informationen

weniger als 100 Meilen von unserer Küste entfernt ist die
- 7 -

�ist die größte ihrer Art auf der ganzen Welt. Hektar um Hektar von Antennenfeldemund Monitorstationen sind auf amerikanische Militäreinrichtungen und
Vorgänge von hohem Geheimhaltungswert ausgerichtet.

In dieser Anlage in

Lourdes auf Kuba sind 1500 sowjetische Techniker beschäftigt, und die Satelliten-Bodenstation ermöglicht die direkte Kommunikation mit Moskau.

Die Anlage

- m i t einer Größe von 28 Quadratmeilen - wurde im vergangenen Jahrzehnt hinsichtlich ihrer Größe und Leistungsfähigkeit um mehr als 60 Prozent ausgeweitet.
Im Westen Kubas sehen wir hier diesen Militärflugplatz mit seinen modernen, in der Sowjetunion gebauten MIG-23 Flugzeugen.

Die Sowjetunion be-

nutzt diesen kubanischen Flugplatz für ihre eigenen Langstrecken-Spionagemissionen, und zu Beginn dieses Monats begannen zwei moderne sowjetische
Flugzeuge zur Bekämpfung von Unterseebooten von dort aus zu operieren.

Die

sowjetischen Waffenexporte nach Kuba in den vergangenen zwei Jahren lassen
sich in ihrem Ausmaß lediglich mit der Zeit der kubanischen Raketenkrise von
vor 20 Jahren vergleichen.
Das dritte Foto, das als einziges aus dieser Serie bereits veröffentlicht wurde, zeigt sowjetische Militärmaterial, das nach Mittelamerika gebracht wurde. Dieser Flugplatz mit seinen MIG-8-Hubschraubern, seinen Flugabwehrgeschützen und seinen Flugzeugschutzbunkern ist nur eine aus einer Reihe
von militärischen Anlagen in Nicaragua, die sowjetisches Material erhalten
haben, das über Kuba dorthin gelangt ist, und zeigt die massive militärische
Aufrüstung, die in diesem Land betrieben wird.
Auf der kleinen Insel Grenada am südlichen Ende der Karibischen Kette
sind die Kubaner mit sowjetischer Finanzierung und Unterstützung dabei, einen
Flugplatz mit einer Landebahn von 10 000 Fuß Länge zu bauen. Grenada hat
noch nicht einmal eine Luftwaffe. Wozu dient er also? Die Karibik ist eine
sehr wichtige Durchgangsstraße für unseren internationalen Handel und für militärische Kommunikationslinien, über die Hälfte aller amerikanischen öleinfuhren geht durch die Karibik. Der rasche Ausbau des militärischen Potentials
Grenadas steht in keinem Verhältnis zu welcher Bedrohung auch immer, der sich
- 8 -

�der sich dieser Inselstaat mit seinen weniger als 110 000 Einwohnern konfrontiert sehen könnte, und steht in völligem Widerspruch zu den Verhaltensmustern anderer Staaten der östlichen Karibik, von denen die meisten völlig
unbewaffnet sind.

Die sowjetisch-kubanische Militarisierung Grenadas kann,

kurz gesagt, also nur als Machtprojektion in diese Region angesehen werden.
Und es ist die wirtschaftliche und strategische Bedeutung dieses Gebiets, die
uns den Versuch unternehmen läßt, den Regierungen in El Salvador, Costa Rica,
Honduras und anderen Staaten bei ihrem Kampf um Demokratie gegen die Guerilla
zu helfen, die von Kuba und Nicaragua unterstützt wird.
Diese Aufnahmen geben nur einen kleinen Teil der Geschichte wieder.
Ich wünschte, ich könnte Ihnen mehr zeigen, ohne unsere sensitivsten Nachrichtenquellen und -methoden zu kompromittieren.

Aber die Sowjets unter-

stützen auch die kubanischen Mil itärstreitkrä'fte in Angola und Äthiopien.
Sie haben Basen in Äthiopien und im Südjemen, nahe den ölfeldern des Persischen Golfs. Sie haben den von uns in Cam Ranh Bay in Vietnam gebauten
Hafen übernommen, und nunmehr ist die sowjetische Marine - zum erstenmal
in der Geschichte - eine Kraft, mit der im Südpazifik zu rechnen ist.
Manche mögen noch immer fragen, ob die Sowjets wohl jemals ihre gewaltige Militärmacht einsetzen würden? Nun, auch hier: Können wir uns den
Glauben leisten, sie würden es nicht? Da ist Afghanistan, und auch in Polen
verwehren die Sowjets dem Volk, seinen freien Willen zu äußern, und zeigen dadurch der ganzen Welt, wie ihre militärische Macht auch dazu verwendet werden
könnte, andere einzuschüchtern.
Die letzte Tatsache ist, daß die Sowjetunion etwas aufbaut, was man nur
als offensive Militärmacht ansehen kann.

Sie baut auch weiterhin weit mehr

Interkontinentalraketen, als sie überhaupt zur Abschreckung eines Angriffs
benötigt.

Ihre konventionellen Streitkräfte sind nicht so sehr zur Abwehr

eines Angriffes ausgebildet und ausgerüstet, als vielmehr dafür, plötzliche
Überraschungsangriffe zu ermöglichen.
Unsere NATO-

�Unsere NATO-Verbündeten haben eine große Verteidigungslast auf sich
genommen - einschließlich der Wehrpflicht in den meisten Ländern.

Wir ar-

beiten mit ihnen und anderen Freunden überall auf der Welt dabei zusammen,
noch mehr zu tun.

Unsere Verteidigungsstrategie bedeutet, daß wir Streit-

kräfte brauchen, die sehr beweglich sind - Streitkräfte, die über die Ausbildung und die Einsatzbereitschaft verfügen, auf jeden Krisenfall zu reagieren.
Jedes einzelne Objekt unseres Verteidigungsprogramms - unsere Schiffe,
unsere Panzer, unsere Flugzeuge, unsere Mittel für Ausbildung und für Ersatzteile - ist für den einen wichtigen Zweck gedacht: den Frieden zu bewahren.
Unglücklicherweise hat ein Jahrzehnt der Vernachlässigung unserer Streitkräfte unsere Fähigkeit, dies auch zu tun, in Frage gestellt.
Als ich im Januar 1981 mein Amt antrat, war ich entsetzt über das, was
ich vorfand: Amerikanische Flugzeuge, die wegen fehlender Ersatzteile, wegen Mangel an ausgebildetem Personal, wenen fehlendem Treibstoff und Munition
für wichtige Übungen nicht fliegen,und Schiffe, die desv/egen nicht in See
stechen konnten. Unvermeidliches Ergebnis all dessen war eine schlechte
Moral unserer Streitkräfte, Schwierigkeiten bei der Pekrutierung vielversprechender junger Amerikaner für den Dienst in Uniform und Schwierigkeiten
dabei, unser Militärpersonal mit der größten Erfahrung davon zu überzeugen,
seinen Dienst fortzusetzen.
Es erhob sich somit die konkrete Frage, wie gut wir eine Krise überstehen könnten. Und es war offenkundig, daß wir mit einem umfassenden Modernisierungsprogramm beginnen mußten, um sicherzustellen, daß wir vor einer
Aggression abschrecken und den Frieden in den kommenden Jahren bewahren könnten.
Es mußten sofort Schritte unternommen werden, um die grundsätzliche Einsatzbereitschaft und das Standvermögen unserer konventionellen Streitkräfte
zu verbessern, damit sie mit einer Krise fertig werden v/ürden - und dadurch
zu deren Verhütung beitragen könnten. Wir mußten verlorene Investitionsjahre
aufholen, indem wir einen langfristigen Plan zur Vorbereitung unserer Streit- 10 -

�unserer Streitkräfte darauf

verwirklichten, den militärischen Fähigkeiten

unserer Gegner entgegenzuwirken, die diese für die Zukunft entwickelten.
Ich weiß, daß Sie alle den Frieden wollen - und das will auch ich.
Ich weiß auch, daß viele von ihnen ernstlich daran glauben, daß ein Einfrieren der Kernwaffen der Sache des Friedens dienlich wäre. Aber ein solches
Einfrieren zu diesem Zeitpunkt würde uns weniger sicher - und nicht sicherer machen und würde die Gefahr eines Krieges erhöhen, aber nicht vermindern. Es
wäre zu einem großen Teil unverifizierbar und würde unsere Verhandlungen über
eine Rüstungsverringerung ernsthaft untergraben. Es würde die Sowjets für
ihre massive militärische Aufrüstung belohnen und uns gleichzeitig daran hindern, unsere veralteten und immer verwundbareren Streitkräfte zu modernisieren. Warum sollten sie mit ihrer derzeitigen Überlegenheitsmarge Rüstungsverringerungen zustimmen - wissend, daß wir daran gehindert wären, gleichzuziehen?
Glauben Sie mir, es war nicht angenehm für jemanden, der nach Washington
mit dem Entschluß kam, die öffentlichen Ausgaben zu senken, aber wir mußten
mit der Aufgabe vorangehen, unsere Verteidigung zu reparieren, oder wir hätten
unsere Fähigkeit verloren, jetzt und in Zukunft vor Konflikten abzuschrecken.
Wir mußten jedwedem Gegner demonstrieren, daß eine Aggression keinen Erfolg
haben kann und daß die einzig wirkliche Lösung in einer konkreten, ausgewogenen und wirksam verifizierbaren Rüstungsverringerung besteht • der Art, wie
wir sie derzeit in Genf erarbeiten.
Dank Ihrer starken Unterstützung und dank der überparteilichen Unterstützung durch den Kongreß

haben wir damit begonnen, einen Umschwung herbei-

zuführen-. Schon lassen sich einige sehr ermutigende Ergebnisse erkennen.

Die

Rekrutierung von qualifizierten Bewerbern und der Verbleib bei den Streitkräften nehmen gewaltig zu - immer mehr Schul- und Hochschulabgänger wählen die
militärische Karriere, und immer mehr erfahrenes Militärpersonal entscheidet
sich dafür, zu bleiben.

Unsere Männer und Frauen in Uniform bekommen endlich

die Werkzeuge und die Ausbildung, die sie brauchen, um ihre Arbeit zu tun.
Fragen Sie
- 11 -

�Fragen Sie nach im Lande, vor allem unter den jungen Menschen, und ich
glaube, Sie werden eine völlig neue Haltung gegenüber dem Dienst für ihr Land
finden.

Dies spiegelt mehr wider als nur bessere Bezahlung, bessere Aus-

rüstung und bessere Führung.

Sie haben, das amerikanische Volk hat diesen

jungen Menschen ein Zeichen gegeben, daß es wieder eine Ehre ist, die Uniform
zu tragen.

Das ist nicht etwas, was man mit Haushaltszahlen messen kann, aber

es ist ein sehr realer Teil der Stärke unserer Nation.
Es wird noch länger dauern, die Art von Ausrüstung zu schaffen, die
wir brauchen, um den Frieden auch in der Zukunft zu bewahren, aber wir haben
einen guten Anfang gemacht.
Wir haben 21 Jahre lang keinen neuen Langstreckenbomber mehr gebaut.
Jetzt bauen wir die B-l. Wir haben seit 17 Jahren kein neues strategisches
Unterseeboot mehr vom Stapel gelassen. Jetzt bauen wir pro Jahr ein TRIDENTUnterseeboot. Unsere landgestützten Raketen sind in zunehmendem Maß von den
vielen, riesigen, neuen sowjetischen Interkontinentalraketen gefährdet. Wir
sind dabei, herauszufinden, wie wir dieses Problem lösen. Gleichzeitig führen wir die START- und INF-Verhandlungen mit dem Ziel, umfangreiche Verringerungen bei den strategischen Arsenalen und den nuklearen Mittel Streckensystemen auf beiden Seiten zu erreichen.
Wir .laben ebenfalls mit der seit langem erforderlichen Modernisierung
unserer konventionellen Streitkräfte begonnen. Die Armee erhält ihren ersten
neuen Panzer seit 20 Jahren. Auch die Luftstreitkräfte werden modernisiert.
Wir bauen ferner unsere Flotte wieder auf, die von 1000 Schiffen Ende der sechziger Jahre auf 453 Schiffe im Laufe der siebziger Jahre geschrumpft war.
Unser Land benötigt eine überlegene Marine, um unsere Streitkräfte und unsere lebenswichtigen Interessen in Übersee unterstützen zu können. Wir sind
jetzt dabei, eine Flotte von 600 Schiffen zu schaffen und die amphibische
Kapazität unserer Marineinfanteristen zu verstärken, die im Augenblick für
die Sache des Friedens im Libanon Dienst tun. Und wir bauen eine reale Kapazi
tat zur Unterstützung unserer Freunde in dem überaus wichtigen Bereich des
Indischen Ozeans und des Persischen Golfs auf.
Dies alles
- 12 -

�, Dies alles ist eine größere Anstrengung, und sie ist nicht billig.
Sie kommt zu einer Zeit, da unser Haushalt unter manch anderem Druck steht
und das amerikanische Volk während der Rezession bereits große Opfer bringen
mußte.

Aber wir dürfen uns nicht durch jene in die Irre führen lassen, die

die Verteidigung wieder einmal zum Sündenbock des Bundeshaushaltes machen
möchten.
Tatsache ist, daß wir in den letzten Jahrzehnten eine dramatische
Verlagerung in den Ausgaben der amerikanischen Steuerzahler erlebt haben.
Noch 1955 betrugen die Personal kosten etwa 20 Prozent des Bundeshaushaltes.
Im Verlaufe von nahezu drei Jahrzehnten stiegen diese Ausgaben ständig, und
in diesem Jahr werden sie sich auf 49 Prozent des Haushaltes belaufen.

Dem-

gegenüber nahm die Verteidigung im Jahr 1955 mehr als die Hälfte des Bundeshaushaltes ein.

1980 waren diese Ausgaben auf 23 Prozent gesunken.

Selbst

mit der Erhöhung, um den ich in diesem Jahr ersuche, wird die Verteidigung
nur 28 Prozent des Haushaltes ausmachen.
Die Forderungen nach einer Verminderung des Verteidigungshaushaltes
sehen rein zahlenmäßig ganz gut aus. Solche schönen Reden haben die Demokraten
in den dreißiger Jahren veranlaßt, die Verteidigung zu vernachlässigen, und
haben den Weg für die Tragödie des Zweiten Weltkrieges geebnet.

Wir dürfen

es nicht zulassen, daß sich durch Apathie oder Vernachlässigung dieses schreckliche Kapitel der Geschichte wiederholt.
Deswegen spreche ich heute abend zu Ihnen - um Sie mit allem Nachdruck
aufzufordern, Ihren Senatoren oder Kongreßabgeordneten zu sagen, daß Sie wissen, daß wir mit dem Wiederaufbau unserer militärischen Stärke fortfahren
müssen.
Wenn wir mittendrin aufhören, dann geben wir damit Freunden und Gegnern
gleichermaßen ein Signal des Nachlassens, des verminderten Willens.

Freie

Menschen müssen sich freiwillig, durch die offene Debatte und mit demokratischen Mitteln den Herausforderungen entgegenstellen, die durch die totalitären Mächte aufgrund von Zwang entstehen.
Es liegt
- 13 -

�Es liegt an uns - an unserer Zeit -,eine Entscheidung zu treffen zwischen der schweren, aber notwendigen Aufgabe, den Frieden und die Freiheit
zu bewahren, und der Versuchung, unsere

Pflicht einfach zu verleugnen und

das Beste zu hoffen, während die Feinde der Freiheit Tag für Tag stärker
werden.
Die Lösung liegt durchaus in unserer Reichweite.

Um sie jedoch zu er-

reichen, gibt es einfach keine Alternative, als weiterhin in diesem Jahr,
mit diesem Haushalt, die Mittel zur Verfügung zu stellen, die wir zur Wahrung des Friedens und zur Sicherung unserer Freiheit benötigen.
Bisher habe ich Ihnen heute abend meine Gedanken über die Probleme der
nationalen Sicherheit dargelegt, denen wir uns gemeinsam stellen müssen. Meine
Vorgänger im Weißen Haus sind bei anderen Gelegenheiten vor Ihnen erschienen,
um Ihnen die von der sowjetischen Macht ausgehende Bedrohung aufzuzeigen, und
haben Maßnahmen vorgeschlagen, um dieser Bedrohung zu begegnen. Aber seit
der Existenz von Kernwaffen richteten sich diese Maßnahmen in immer stärkerem
Maße auf die Abschreckung vor einer Aggression durch die Ankündigung der
Vergeltung. Diese Methode, Stabilität durch Offensivandrohung zu erreichen,
hat funktioniert. Uns und unseren Verbündeten ist es gelungen, über drei
Jahrzehnte hinweg einen Atomkrieg zu verhindern. In den letzten Monaten jedoch haben meine Berater, insbesondere auch die Chefs des gemeinsamen Stabes,
die Notwendigkeit unterstrichen, aus einer Zukunft auszubrechen, die sich im
Hinblick auf unsere Sicherheit ausschließlich auf offensive Vergeltung stützt.
Im Verlauf dieser Diskussionen wurde ich immer fester davon überzeugt,
daß der menschliche Geist in der Lage sein müsse, sich darüber zu erheben,
mit anderen Nationen und Menschen dadurch umzugehen, daß man ihre Existenz
bedroht. Aus diesem Gefühl heraus bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß
wir jede Möglichkeit zum Abbau der Spannungen und zur Einführung einer größeren
Stabilität im strategischen Kalkül beider Seiten gründlich prüfen müssen.
Einer der wichtigsten Beiträge, die wir leisten können, ist natürlich eine
Senkung des Standes aller Rüstungen, vor allem der Nuklearrüstungen. Wir
führen derzeit eine Reihe von Verhandlungen mit der Sowjetunion, um eine
- 14 -

�um eine beiderseitige Verringerung der Waffen zu erreichen.

Ich werde Ihnen

morgen in einer Woche über meine Überlegungen in dieser Hinsicht berichten.
Wenn sich die Sowjetunion unseren Bemühungen anschließen wird, große
Rüstungsverringerungen herbeizuführen, dann wird es uns gelungen sein, das
nukleare Gleichgewicht zu stabilisieren.

Trotzdem wird es weiterhin notwen-

dig sein, sich auf das Schreckgespenst der Abschreckung zu verlassen - auf
die gegenseitige Bedrohung, und das ist ein schlimmer Kommentar zum Zustand
des Menschen.
Wäre es nicht besser, Menschenleben zu retten, als sie zu rächen? Sind
wir nicht in der Lage, unsere friedlichen Absichten zu demonstrieren, indem
wir all unsere Fähigkeiten und unseren 'Einfallsreichtum einsetzen, um eine
wirklich dauerhafte Stabilität zu erreichen? Ich glaube, wir können es,
ja wir müssen es!
Nach sorgfältiger Konsultation mit meinen Beratern, einschließlich der
Chefs des gemeinsamen Stabes, bin ich zu der Überzeugung gekommen, daß es
einen Weg gibt. Teilen Sie mit mir eine Vision der Zukunft, die Hoffnung
bietet.

Sie besteht darin, daß wir ein Programm in die Wege leiten, um der

schrecklichen sowjetischen Raketenbedrohung mit Maßnahmen zu begegnen, die
defensiv sind.

Wollen wir uns auf eben die Stärken unserer Technologie be-

sinnen, die unsere große industrielle Basis hervorgebracht und uns die Lebensqualität geschenkt hat,

der

wir uns heute erfreuen.

Wie wäre es, wenn freie Menschen sicher leben könnten in dem Wissen,
daß ihre Sicherheit nicht auf der amerikanischen Drohung einer sofortigen
Vergeltung beruht, um vor einem sowjetischen Angriff abzuschrecken; daß wir
strategische Raketen abfangen und vernichten könnten, bevor sie unseren Boden oder den unserer Verbündeten erreichen?
Ich weiß, daß das eine gewaltige technische Aufgabe ist - eine Aufgabe,
die nicht vor Ende dieses Jahrhunderts bewältigt sein dürfte.

Und doch hat

die derzeitige Technologie einen Stand der Verfeinerung erreicht, daß es
- 15 -

�daß es durchaus vernünftig ist, wenn wir uns an diese Aufgabe machen.

Es

wird jahrelanger, vielleicht jahrzehntelanger Anstrengungen auf vielen Gebieten bedürfen.

Es wird Fehlschlage und Rückschläge geben, aber es wird

auch Erfolgs und Durchbrüche geben.

Und während wir an diesen Dingen arbei-

ten, müssen wir in der Erhaltung der nuklearen Abschreckung und der Aufrechterhai tung einer soliden Fähigkeit für die flexible Antwort konstant
bleiben.

Aber ist das nicht alle die Investitionen wert, die die freie Welt

wegen der Drohung eines Atomkrieges machen muß?

Wir wissen, daß es das wert

ist.
In der Zwischenzeit werden wir weiterhin wirkliche Verringerungen der
Kernwaffen anstreben, indem wir aus einer Position der Stärke heraus verhandeln, die nur durch eine Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte
gehalten werden kann. Gleichzeitig müssen wir Schritte unternehmen, um das
Risiko eines konventionellen militärischen Konflikts zu verringern, der zu
einem Nuklearkrieg eskalieren könnte, indem wir unsere nichtnuklearen Kapazitäten stärken. Amerika besitzt - heute - die Technologien, um ganz bedeutsame Verbesserungen der Wirksamkeit unserer konventionellen, nichtnuklearen
Streitkräfte zu erreichen. Wenn wir diese neuen Technologien kühn nutzen,
können wir einen etwaigen Anreiz, den die Sowjetunion haben könnte, mit einem
Angriff auf die Vereinigten Staaten oder ihre Verbündeten zu drohen, wesentlich verringern.
Wenn wir unser Ziel der Defensivtechnologien verfolgen, dann sind wir
uns darüber im klaren, daß unsere Verbündeten sich auf unsere strategische
Offensivmacht stützen, um vor einem Angriff gegen sie abzuschrecken. Ihre
lebenswichtigen Interessen und die unsrigen sind unauflöslich miteinander
verbunden - ihre Sicherheit und die unsrige sind eins. Und kein Wandel in
der Technologie wird diese Tatsache ändern. Wir müssen und werden unsere Ver
pflichtungen weiterhin erfüllen.
Ich bin mir völlig darüber im klaren, daß Verteidigungssysteme Grenzen
haben und bestimmte Probleme und Unsicherheiten aufwerfen. Wenn sie mit
Offensivsystemen gepaart werden, dann könnten sie als Nährboden einer aggres- 16 -

�einer aggressiven Politik betrachtet werden, und das will niemand.
Aber unter genauer Berücksichtigung all dieser Überlegungen rufe ich
die Gemeinschaft der Wissenschaftler, die uns die Kernwaffen gegeben haben,
auf, ihre großen Talente der Sache der Menschheit und des Weltfriedens zu
widmen; uns die Mittel an die Hand zu geben, um diese Kernwaffen unwirksam
und übet flüssig zu machen.
Heute abend unternehme ich - in Übereinstimmung mit unseren Verpflichtungen des ABM-Vertrages (Vertrag über Raketen-Abwehrraketen) und eingedenk
der Notwendigkeit enger Konsultationen mit unseren Verbündeten - einen ersten
wichtigen Schritt. Ich gebe die Anweisung zu einer umfassenden und intensiven Anstrengung, ein langfristiges Forschungs- und Entwicklungsprogramm auszuarbeiten, um unserem Endziel näher zu kommen, die Bedrohung durch strategische
Nuklearraketen zu beseitigen. Das würde den Weg für Rüstungskontrollmaßnahmen
zur Beseitigung der Waffen selbst ebnen. Wir erstreben weder militärische
Überlegenheit noch politische Vorteile. Unser einziges Ziel - das alle Menschen
teilen - ist das Streben nach Mitteln und Wegen, um die Gefahr eines Atomkrieges
zu verringern.
Meine amerikanischen Landsleute, wir nehmen heute eine Sache in Angriff,
die die Verheißung in sich trägt, den Kurs der menschlichen Geschichte zu verändern.

Es wird Risiken geben, und Ergebnisse brauchen ihre Zeit.

bin sicher, mit Ihrer Unterstützung werden wir es schaffen.

+ + + + +

- 17 -

\ber ich

�14

30. März 1983

DAS ATLANTISCHE BÜNDNIS: DIE TATSACHEN UND LEHREN DER GESCHICHTE
- Berlin-Rede des Stellvertretenden US-Außenminisrers -

BERLIN - (AD) - Der stellvertretende US-Außenminister, Kenneth
W. Dam, der sich gegenwärtig auf einer Europareise befindet, gab
am 25. März 1983 in einer Rede vor der Atlantik-Brücke und dem
American Council on Germany in (Isrlin einen Überblick über die
Bündnispolitik der Vereinigten Staaten. Die Rede hat folgenden
Wortlaut:
Wie i le wissen, feiern wir in diesem Jahr den 300. Jahrestag
der deutschen Einwanderung in die Vereinigten Staaten, was ein
Ausdruck der Wertschätzung des gewaltigen Beitrags ist, den
Deutsche für Amerika geleistet haben.
Deutsche, die sich in meinem Lande niederließen, haben dessen Literatur, Kunst, Wissenschaft, Gelehrsamkeit, Industrie,
Handel, Religion, Philosophie, Küche und alle Dimensionen des
amerikanischen Lebens bereichert - ganz abgesehen vom amerikanischen Bier. Im 19. Jahrhundert entstanden in Amerika Universitäten
und Hochschulen nach dem Muster von Einrichtungen der höheren Bildung in Deutschland. Erfinder wie George Westinghouse und Karl
Steinmetz, Unternehmer wie John Jacob Astor, Staatsmänner wie Carl
Schurz - die Liste ließe sich beliebig fortsetzen - haben den Stempel ihres Genies aufgedrückt. Es ist besonders angebracht, vor der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�vor der Atlantik-Brücke darauf hinzuweisen, daß ein Gebiet, auf
dem deutschstämmige Ingenieure einen besonders bemerkenswerten
Beitrag geleistet haben, der Brückenbau war.
Dieses Erbe ist nur ein Ausdruck von vielen dafür, daß
Deutschland, Europa und Amerika heute das Produkt einer
gemeinsamen Geschichte sind und vor einem gemeinsamen Schicksal
stehen.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird das

durch nichts deutlicher symbolisiert als durch die Stadt
Berlin.

Es ist eine zutiefst bewegende Erfahrung für jeden

Amerikaner, diese Stadt zu besuchen.

Für alle Menschen meiner

Generation bleibt Berlin immer die Stadt der Luftbrücke, die
Stadt, die so grausam durch eine Mauer geteilt ist, die den
moralischen und politischen Kampf unserer Zeit so augenfällig
macht; die Stadt, wo Präsident Kennedy vor 20 Jahren meine
Landsleute erneut verpflichtete, zur Erhaltung der Freiheit
ihrer tapferen Bewohner beizutragen.
Deutschland und Berlin bedeuten einen wichtigen Abschnitt
meines Lebens. Ich habe hier gelebt, und meine Erfahrungen
haben sich tief in meine Erinnerung eingegraben. Ich werde
niemals ein friedliches Wochenende vergessen, das ich 1961 nur eine Woche vor dem Mauerbau - in Berlin verbrachte. Und
ich werde auch nicht den Sommer 1976 vergessen, den ich in
Zehlendorf verbrachte, als mein fünfjähriger Sohn jeden Morgen
an der Mauer entlanggehen musste, um zu seinem Kindergarten zu
kommen.
Für einen Amerikaner bedeutet ein Aufenthalt in Berlin
nicht nur, von einigen Illusionen über die Welt Abschied nehmen
zu müssen, sondern auch neuerwachten Stolz auf den Mut und den
Glauben an die Sache der Freiheit, den unsere deutschen Freunde
bewiesen haben.

Aus all diesen -

historischen, politischen,

moralischen und persönlichen - Gründen bin ich stolz, auf

- 2 -

�stolz, auf dieser Konferenz in dieser Stadt sprechen zu dürfen.
Das Atlantische Bündnis:

Vergangenheit und Zukunft

Dieses Jahr feiern wir auch das 34. Jahr eines gemeinsamen
historischen Unterfangens - unseres Atlantischen Bündnisses.
"Es liegt auf der Hand, daß der Atlantikpakt keine
Inprovisation ist", so sagte einst Aussenminister Dean Acheson,
"er ist eine Feststellung von Tatsachen und Lehren der
Geschichte."

Acheson wusste, daß die Tatsachen und Lehren der

Geschichte nur Richtschnur zum Handeln sind; sie garantieren
noch kein Handeln.

Acheson, der an der Schaffung des

Bündnisses mitwirkte, wusste, daß es geschaffen werden musste.
Es kam nicht von allein; es bedurfte der Klugheit und einigen
Mutes, es zustande zu bringen.

Jetzt, in einer neuen Ära der

Geschichte, liegt es an uns, die gleiche Klugheit und den
gleichen Mut zu beweisen, um seinen Fortbestand zu sichern.
Ich bin heute hier, um Sie der anhaltenden Verpflichtung
meines Landes zu versichern, mit all seinen Verbündeten daran
zu arbeiten, unsere gemeinsame Sicherheit, Freiheit und das
gemeinsame Wohlergehen für die kommenden Generationen zu
gewährleisten.
Aber wir können nicht umhin, uns daran zu erinnern, daß die
Geschichte von vielen Bündnissen zu berichten weiss, die längst
vergangen sind.

Thukydides schrieb einsichtsreich über die

Probleme und die Unsicherheit von Zusammenschlüssen.

Seit den

Anfängen des europäischen Staatensystems bedeutete das
Überleben in einer Welt konkurrierender Mächte, daß das Konzept
der Souveränität sich wohl oder übel mit der Notwendigkeit von
Bündnissen abfinden musste.

Die Geschichte der europäischen

Diplomatie ist voller Beispiele von Bündnissen, die gebildet
wurden, um unterschiedlichen politischen, militärischen oder

- 3 -

�militärischen oder

sogar religiösen Zielen zu dienen.

Und

viele von ihnen hielten nicht lange.
Im Vergleich dazu stellt das Atlantische Bündnis eine
bemerkenswerte, ja einzigartige Leistung dar.

Es ist ein

freiwilliger Zusammenschluss von Demokratien, die sich
vereinigt haben nicht nur zu dem Zweck, ihr Territorium,
sondern auch ihre Grundsätze und Werte zu verteidigen, die eine
ganze Zivilisation versinnbildlichen.

Artikel 2 des

Nordatlantikvertrages nennt als gemeinsame Zielsetzungen nicht
nur die kollektive Sicherheit, sondern auch die Festigung
freier Institutionen , die Förderung der Voraussetzungen für
Stabilität und Wohlergehen, die Beseitigung von Gegensätzen in
ihrer internationalen Wirtschaftspolitik sowie die Förderung
der wirtschaftlichen Zusammenarbeit.

In der ersten Zeit nach

dem Weltkrieg sahen sich die westlichen Demokratien
Herausforderungen gegenüber, die gegen all
Zielsetzungen gerichtet waren.

diese gemeinsamen

Ihre Reaktion war schöpferisch

und mutig.
So hatte zum Beispiel der Marshall-Plan weit mehr als
lediglich ökonomische Bedeutung.

Die Führer Europas und der

Vereinigten Staaten nahmen sich eine der bitteren Lektionen zu
Herzen, die der Friede nach dem Ersten Weltkrieg gelehrt hatte,
und erinnerten sich daran, daß die wirtschaftliche
Wiedergesundung Deutschlands von entscheidender Bedeutung für
die wirtschaftliche - und politische - Wiedergesundung des
übrigen Europas war.

Sie erkannten, daß die europäische

Wirtschaft ein geographisches Ganzes war und nicht einfach nur
auf der Grundlage des nationalstaatlichen Denkens
wiederaufgebaut werden konnte.

Die amerikanische

Wirtschaftshilfe wurde unter der Bedingung zur Verfügung
gestellt, daß die europäischen Staaten bei ihrer Zuweisung
zusammenarbeiteten.

Als Antwort schufen sie die ersten

- 4 -

�die ersten Institutionen der wirtschaftlichen Integration
Europas.

Unsere Führer schufen auch die NATO unter denselben

kooperativen Vorstellungen, um so einen Schutzschild gegen
Aggression ins Leben zu rufen.

Hinter diesem Schild begann und

beschleunigte sich der wirtschaftliche Wiederaufschwung.

Diese

Nachkriegsordnung in Europa sicherte der Freien Welt eine
beispiellose Ära der Sicherheit, des Wohlstandes und des
menschlichen Fortschritts.
Aus den Tatsachen und Lehren dieses Teils der jüngeren
Geschichte ergibt sich zweierlei.

Zum einen:

Unsere

wirtschaftlichen, politischen und militärischen
Herausforderungen sind miteinander eng verwoben.
wichtigere Lehre ist die:

Eine noch

Die Demokratien können nur dann

solch gewaltige Herausforderungen bestehen, wenn sie den
Weitblick und Willen besitzen, gemeinsam zu handeln.

Trotz

dieses stolzen historischen Hintergrundes - und vielleicht auch
wegen der Selbstgefälligkeit, die ein solcher Erfolg mit sich
brachte - ist das Bündnis heute das Ziel von Kritik und von
nicht geringem Pessimismus.

Eine Generation nach seiner

Gründung fragen manche Leute, ob es noch den radikal neuen
Bedingungen angemessen sei.

Andere wiederum fragen, ob seine

Mitglieder noch immer die gemeinsamen Interessen an vielen
Fragen teilen.

Manche zweifeln daran, daß die freien Nationen

noch den Willen haben, ihre Solidarität zu bewahren.

Die

Gefahren, vor denen wir heute stehen, scheinen nicht so
dramatisch wie die wirtschaftliche Verwüstung, die politische
Instabilität und die offenen militärischen Bedrohungen, die uns
ursprünglich Ende der vierziger Jahre zusammenführten.

Und

dennoch könnten sie gerade aus diesem Grund heimtückischer und
nicht weniger bedrohlich für unsere Lebensweise und für die uns
allen gemeinsamen Werte sein.

Wir müssen uns bewußt zu neuer

Hingabe aufraffen, um diese neuen Gefahren bewältigen zu
können.

Wenn wir so tun, als ob nichts wäre, dann könnte das

- 5 -

�könnte das fatal sein.
Wie Ende der vierziger Jahre erstrecken sich die Probleme, vor
denen wir stehen, auf weite Bereiche:
Im Bereich der Wirtschaft stehen wir vor der Gefahr eines
wachsenden Protektionismus, zunehmender Schulden, niedrigen
Wachstums und erschreckend hoher Arbeitslosigkeit.
Im Bereich der Sicherheit müssen wir auf eine beispiellose
militärische Aufrüstung der Sowjets reagieren.
Im Bereich der Politik gab es bei zu vielen Fragen
Meinungsverschiedenheiten.

Hier besteht die Notwendigkeit,

eine neue gemeinsame Strategie auszuarbeiten, um der
sowjetischen Herausforderung zu begegnen und die uns allen
gemeinsamen Werte zu sichern.
Unsere Aufgabe ist es, diese Probleme mit Nüchternheit,
Vernunft und Kreativität anzupacken.

Unsere Aufgabe ist es,

sicherzustellen, daß unsere Vielfalt unser Bündnis bereichert,
anstatt es zu schwächen.
selbst lösen.

Die Probleme werden sich nicht von

Dennoch bin ich zuversichtlich, daß wir durch

staatsmännisches Handeln und durch eine gemeinsame Anstrengung
diese Hindernisse überwinden können - genau wie wir so viele
andere überwunden haben.

Dies erinnert mich an eine Zeile aus

Lessings "Minna von Barnhelm":

"Mann spricht selten von der

Tugend, die man hat; aber desto öfter von der, die uns fehlt."
Lassen Sie mich nun auf die drei Problemkreise eingehen,
vor denen wir stehen - die wirtschaftlichen, die militärischen
und die politischen - sowie auf deren inneren Zusammenhang, um
dann einige Vorschläge zu machen, wie wir sie gemeinsam einer
Lösung zuführen können.

�zuführen können.
Die wirtschaftliche Dimension
Das tägliche Leben unserer Bürger wird durch unsere
Probleme im wirtschaftlichen Bereich auf das Unmittelbarste
berührt.

Wir kommen jetzt aus einer Rezession heraus, die 17

Monate dauerte.

Die Rezession war die längste seit Ende des

Zweiten Weltkriegs.

Die Wirtschaftstätigkeit in Nordamerika

und Europa ging zurück; Japans industrielle Produktion flachte
ab; das Wachstum in mehreren Entwicklungsländern stagnierte
unter dem Gewicht von 700 Milliarden Dollar internationaler
Schulden.

Die Arbeitslosigkeit ging steil in die Höhe - in den

24 Industrieländern der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sind 32 Millionen
Menschen ohne Arbeit.
Wir wissen alle, daß diese wirtschaftlichen Schwierigkeiten
Not verursacht haben.

Und was ebenso bedeutsam ist:

Sie haben

in einigen Ländern das demokratische System belastet und in
anderen politische Umwälzungen hervorgerufen.
Protektionistischer Druck und Handelsstreitigkeiten haben die
politischen Bande zwischen alten Verbündeten auf die Probe
gestellt.

In einigen Ländern haben die wirtschaftlichen

Belastungen die Fähigkeit - oder zumindest die Bereitschaft geschwächt, auf die gefährliche militärische Aufrüstung der
Sowjetunion zu reagieren, und haben zu etwas geführt, was
manche unter uns als ein unglückliches Maß an Abhängigkeit vom
Handel mit Osteuropa und der Sowjetunion erachten.
In der siebziger Jahren waren die Demokratien nach dem
ersten Ö'lschock klug genug, in einem beachtlichen Maß
zusammenzuarbeiten.

Bei fallenden Wachstumsraten, bei

steigender Inflation, bei zunehmender Arbeitslosigkeit und bei

- 7 -

�und bei explodierenden Energiekosten überstanden wir die
Umwandlung des internationalen Währungssystems von festen zu
floatenden Wechselkursen.

Wir haben Vorkehrungen dafür

getroffen, wie in Krisenzeiten die Energievorräte aufgeteilt
werden.

Wir sind - wie unvollkommen auch immer - mit den

Auswirkungen der gewaltigen Verschiebungen bei der Verteilung
der Reichtümer dieser Welt fertig geworden, die aus dem Anstieg
des Ölpreises herrührten.
Heute stehen wir nach der durch den zweiten Ölschock
hervorgerufenen Wirtschaftskrise vor der Aussicht auf eine
anhaltende, langfristige Wiedergesundung.
In einigen der wichtigsten Industrieländer erkennen wir die
ersten Anzeichen eines neuen kraftvollen und nichtinflationären
Wachstum. So ging zum Beispiel in den Vereinigten Staaten die
Inflation - am Verbraucherpreisindex gemessen - von 12,4
Prozent im Jahr 1980 auf lediglich 3,8 Prozent in den diesen
Januar abgelaufenen 12 Monaten zurück. Die Primarate liegt
nunmehr bei 10,5 Prozent - bei etwa der Hälfte gegenüber ihrem
jüngsten Höchststand von 21,5 Prozent. Die Firmenaufträge
stiegen im Januar um 2,4 Prozent, während seit einem Jahr der
Überhang bei den Lagerbeständen Schritt für Schritt
zurückgeht. Schließlich hat der Aktienindex von Dow-Jones zum
erstenmal in der Geschichte die 1100-Grenze überschritten.
Der kürzliche Rückgang bei den Ölpreisen wird uns allen
dabei helfen, unsere Gewinne gegenüber der Inflation zu
konsolidieren, und dies sogar, während wir in eine
wirtschaftliche Expansionsphase eintreten. Aber unsere
Aussichten auf Wiedergesundung werden durch zwei drohend
aufragende Probleme verdunkelt, die allein durch kooperative
Maßnahmen aus der Welt geschafft werden können.

- 8 -

�werden können.
Das erste ist das Schuldenproblem.
Anfang gemacht.

Wir haben einen guten

Die Fälle Brasilien, Mexiko und Argentinien

haben gezeigt, daß die Schuldenlast in den Griff zu bekommen
ist.

Eine erfolgreiche Strategie umfaßt eine Kombination

kurzfristiger Überbrückungsfinanzierung sowie
Anpassungsprogramme, die in Verbindung mit dem Internationalen
Währungsfonds (IWF) und den Handelsbanken durchgeführt werden.
Um die für ein künftiges Wirtschaftswachstum so
lebensnotwendigen Mittel bereitzustellen, unterstützen die
Vereinigten Staaten mit Nachdruck die vorgeschlagene Erhöhung
der IWF-Quoten um 47,5 Prozent. Wir drängen darauf, daß diese
Quotenerhöhung 1983 - anstatt 1985 - in Kraft treten soll. Wir
unterstützen gleichfalls die Aufstockung der Allgemeinen
Kreditvereinbarungen (General Arrangements to borrow - GAB) von
7 Milliarden Dollar auf 19 Milliarden Dollar. Diese
aufgestockten Mittel werden all den IWF-Mitgliedern zur
Verfügung stehen, deren Liquiditätsprobleme das Finanzsystem
als Ganzes bedrohen. Wir fordern die Privatbanken auf, auch
weiterhin durch ein ausreichendes Maß an privater Kreditvergabe
ihr Teil dazu beizutragen, die Liquidität der Kreditnehmer jnd dadurch die Chancen auf eine Erholung - nicht abzuwürgen.
Das zweite - und schwerwiegendere - Problem, vor dem wir
stehen, ist die Gefahr des Protektionismus.

Das Volumen des

Welthandels stagnierte 1981 und ging 1982 um geschätzt zwei
Prozent zurück.

Wir wissen alle, daß Protektionismus den

Handel noch zusätzlich behindern, die Wiedergesundung
sabotieren und die Arbeitslosigkeit erhöhen würde.

In den

Vereinigten Staaten hängt jeder siebente Arbeitsplatz vom
Export ab.

In Europa ist das Verhältnis noch krasser.

Die Aussicht auf Erholung wird von konzertiertem Handeln
- 9 -

�konzertiertem Handeln zur Bewahrung des offenen Handelssystems
abhängen.

Die Ministertagung des Allgemeinen Zoll - und

Handelsabkommens (GATT) im November vorigen Jahres hat das
GAfT-System zusammengehalten und es in eine, wenn auch noch so
langsame, Bewegung in positive Richtung versetzt.

Die Minister

verpflichteten sich, davon Abstand zu nehmen, irgendwelche
Maßnahmen zu ergreifen oder beizubehalten, die mit dem GATT
unvereinbar sind.
Die Reagan-Administration wird mit ihren Partnern daran
arbeiten, daß bei dieser Verpflichtung zu offenem Handel aus
Worten auch Taten werden. Wir werden jedoch die
handelsverzerrenden Praktiken anderer Staaten nicht einfach
hinnehmen - besonders auf dem Sektor der Landwirtschaft und der
Dienstleistungen, wo wir uns vergleichsweise gewisser Vorteile
erfreuen. Die Vereinigten Staaten sehen keinen Unterschied
zwischen dem Handel auf diesen Sektoren und dem Handel mit
anderen Gütern. Wir betrachten den massiven Einsatz von
landwirtschaftlichen Subventionen in der Europäischen
Gemeinschaft als unfairen Wettbewerb. Während die Preise für
landwirtschaftliche Erzeugnisse in den Vereinigten Staaten seit
1973 real zurückgegangen sind, hat der Gemeinsame Markt die
Preise von einigen wesentlichen Erzeugnissen auf einen Preis
hochgetrieben, der um das Doppelte über dem in den Vereinigten
Staaten liegt. Die sich dadurch ergebenden Überschüsse werden
dann mit Hilfe von Subventionen exportiert. Die Vereinigten
Staaten haben auf diese Praxis mit ernsthaften Verhandlungen
und mit selektiven Maßnahmen geantwortet - so haben wir
kürzlich subventioniertes Weizenmehl nach Ägypten verkauft.

Es ist offensichtlich, daß es für das Problem des Handels
mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen keine einseitige Lösung
gibt.

Die Sicherung der Einkommen der Landwirte ist für

jedermann ein schwieriges Problem.

Wir müssen in unseren

Anstrengungen fortfahren, eine für alle Seiten annehmbare

- 10 -

�Seiten annehmbare Lösung zu finden.

üas Problem des

Protektionismus ist ein wirtschaftliches Problem.

Aber es ist

auch eine politische Forderung, es zu lösen, bevor es
grundlegendere gemeinsame Interessen bedroht.

Das ist der

konstruktive Geist, in dem meine Regierung an diese Probleme
herangeht.

Ich bin zuversichtlich, daß unsere Partner ein

Gleiches tun werden.
Verteidigung, Sicherheit und Frieden
Unser wirtschaftliches Wohlergehen lässt sich nicht von der
weitergefassten Frage unserer Sicherheit trennen.
Inmitten all der historischen Veränderungen, die in der
Generation seit Gründung des Bündnisses stattgefunden haben,
bleibt die Tatsache bestehen, daß der Frieden in Europa die
Aufrechterhaltung des Gleichgewichts der Kräfte erfordert. Die
anhaltende Notwendigkeit der kollektiven Sicherheit wird von
der Realität, nicht von Gefühlen diktiert. Die zentrale
Prämisse des Nordatlantikvertrages, wie sie in Artikel 5 zum
Ausdruck kommt, bleibt weiterhin gültig: Ein bewaffneter
Angriff gegen ein Mitglied des Bündnisses wird als ein Angriff
gegen alle angesehen.
Diese gegenseitige Verpflichtung hat seit über drei
Jahrzehnten den Frieden bewahrt.

Seit 38 Jahren erfreut sich

der europäische Kontinent eines Friedens in Freiheit und eines
beispiellosen Wohlstandes.

Man muss weit zurückgehen in der

Geschichte Europas, um einen so langen Zeitraum zu finden, in
dem kein einziger, noch so kleiner, Krieg auf diesem Kontinent
ausgetragen wurde.
Sie und ich wissen sowohl intuitiv als auch
verstandesmässig, daß dies kein Zufall ist.

Man kann sich

nicht ernsthaft mit den Erfahrungen der Menschheit hinsichtlich
- 11 -

�Menschheit hinsichtlich der Beziehungen unter Nationen
befassen, ohne zu erkennen, daß ein Gleichgewicht der Kräfte
eine Voraussetzung für Stabilität ist.

Wenn man jetzt, nach 38

Jahren des Friedens, sagen wollte, man könne in den
Anstrengungen zur Aufrechterhaltung des militärischen
Gleichgewichts nachlassen, dann würde man ein gefährliches
Experiment vorschlagen.

Die Beweislast müsste bei denen

liegen, die die Verhältnisse, welche den Frieden eine ganze
Generation lang bewahrt haben, aufheben oder grundlegend ändern
wollen.

Die NATO hat sich jedenfalls als die wahre

Friedensbewegung erwiesen.
Auf der anderen Seite dürfte auf der Hand liegen, daß ein
Gleichgewicht der Kräfte, so notwendig es ist, allein nicht
genügt.

Die Demokratien des Westens haben seit langem in

vielen Erklärungen des Bündnisses deutlich gemacht, daß wir zu
einem Abbau der Spannungen mit unseren Gegnern auf der Basis
echter Gegenseitigkeit bereit sind.

Wir Verbündeten haben uns

einem stabilen militärischen Gleichgewicht verschrieben, um
jede Versuchung oder jeden Anreiz zur Aggression zu
verhindern.

Aber wir sind auch zu einem konstruktiven Dialog

mit unseren Gegnern bereit, um die Ursache von Spannungen und
das Risiko der Aggression zu beseitigen.

Präsident Reagan hat

sich den anderen Staats- und Regierungschefs auf dem Bonner
NATO-Gipfel in der Erklärung angeschlossen, in der der Wunsch
des Westens zum Ausdruck kommt, "durch Dialog, Verhandlungen
und beiderseits vorteilhafte Zusammenarbeit ein konstruktives
Ost-West-Verhältnis herzustellen, soweit dies durch das
sowjetische Verhalten ermöglicht wird."
Das Schreckgespenst der thermonuklearen Waffen gibt unserem
Zeitalter eine ganz neue Qualität.

Präsident Reagan hat

bekräftigt, daß "ein Nuklearkrieg nicht gewonnen werden kann
und niemals geführt werden darf."

Zu diesem Zweck hat er das

kühnste und umfassendste Programm für die nukleare
- 12 -

�die nukleare Rüstungskontrolle angeboten, das je unterbreitet
wurde.
Im Jahre 1931 schlug Präsident Reagan die völlige
Abschaffung einer ganzen Klasse von weiterreichenden,
landgestützten INF-Raketen vor.

Dieser Vorschlag wurde in

Unterstützung des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 vorgelegt,
eine Begrenzung der sowjetischen INF-Streitkräfte zu erreichen
und Gegenkräfte zu dislozieren, sollte es bei den Verhandlungen
nicht gelingen, die sowjetische Bedrohung zu beseitigen.

Wir

sind zutiefst überzeugt, daß die völlig Beseitigung dieser
ganzen Waffenklasse das beste und moralischste Ergebnis der
Genfer INF-Verhandlungen wäre.

Trotzdem hat Präsident Reagan

deutlich gemacht, daß unser Vorschlag kein "Alles-oder-Nichts"Vorschlag ist, und er hat unsere Verhandlungsführer angewiesen,
"in Genf jede vorgeschlagene Lösung zu prüfen", die mit den von
unseren Verbündeten unterstützten Prinzipien in Einklang
steht.
Diese Prinzipien besagen, daß ein faires Abkommen auf einem
Gleichstand der amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte
fussen muss; daß die britischen und französischen nationalen
strategischen Systeme per definitionem nicht Teil der
Verhandlungen sind; daß Vorschläge, die die sowjetische
Bedrohung lediglich von Europa nach Asien verlagern würden,
nicht als annehmbar betrachtet werden; und daß schliesslich ein
faires Abkommen wirksame Verifizierungsmassnahmen enthalten
muss und nicht unsere Fähigkeit untergraben darf, die NATO mit
konventionellen Streitkräften zu verteidigen.
Präsident Reagan hat auch einen weitreichenden Vorschlag
für die Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen
Rüstungen (START) unterbreitet.

Er schlug vor, die

strategischen Arsenale um über die Hälfte und die Zahl der
Raketengefechtsköpfe um ein Drittel zu verringern mit gleichen

- 13 -

�mit gleichen festgelegten Höchstgrenzen der verbleibenden
Waffen auf beiden Seiten.

Diese starken Kürzungen würden sich

vor allem auf die bedrohlichsten Systeme - landgestützte
Interkontinentalraketen - konzentrieren.

Die START- Vorschläge

des Präsidenten würden die Stabilität fördern, indem für jeden
Angreifer der Anreiz verringert würde, einen Erstschlag ins
Auge zu fassen, der den Gegner entwaffnen würde.

Auf der

anderen Seite liegt, wie der Präsident gesagt hat, alles auf
dem Tisch.

Wir sind bereit, jeden vernünftigen Gegenvorschlag

zu prüfen.
Wir haben auf vielen anderen Gebieten grosse
Rüstungskontrollinitiativen vorgetragen:
Im vorigen Sommer haben die NATO-Verbündeten in Wien einen
umfassenden neuen Vorschlag für die beiderseitige und
ausgewogene Verringerung der konventionellen Streitkräfte in
Europa (MBFR) unterbreitet.
Im Juni vorigen Jahres schlug der Präsident hier in Berlin
ein Paket von Maßnahmen für die vorherige Ankündigung von
Versuchsstarts von Raketen und grosser Manöver vor.

Ferner

regte er Maßnahmen für einen verstärkten Austausch von
Informationen über strategische und INF-Streitkräfte an.
Erst kürzlich haben die Vereinigten Staaten im
40-Nationen-Abrüstungsausschuss (in Genf) einen Vorschlag für
ein totales Verbot chemischer Waffen unterbreitet.
Die Erfahrung lehrt, daß die Sowjets umsonst keine
Zugeständnisse machen.

Nur wenn sie erkennen, daß der Westen

entschlossen ist, seine eigenen Modernisierungspläne zu
verfolgen - ob auf dem Gebiet der strategischen Streitkräfte

- 14 -

�strategischen Streitkräfte oder der Mittelstreckensysteme werden die Sowjets einen Anreiz haben, ein Abkommen über einen
niedrigeren, aber gleichen Stand auszuhandeln.

Die Vereinigten

Staaten sind dabei, ihre strategischen Streitkräfte zu
modernisieren, was wesentlich ist, um den Sowjets einen Anreiz
zu bieten, bei START ernsthaft zu verhandeln.

Das Bündnis ist

verpflichtet, INF-Raketen zu dislozieren, wenn in Genf kein
Abkommen erreicht wird.

Diese Verpflichtung muss

aufrechterhalten werden.

Sie bietet die besten Aussichten für

ein wirksames INF-Abkommen.
Die politische Dimension
Es ist natürlich, daß freie Nationen, die sich freiwillig
zusammengeschlossen haben, zu manchen Problemen
unterschiedliche Ansichten haben.

Unsere Vielfalt ist eine

Quelle unserer Lebenskraft; die Freiheit, Meinungsverschieden heiten zu haben, ist eine der Freiheiten, die wir verteidigen.
Die NATO ist nicht der Warschauer Pakt.

Innerhalb einer freien

Gesellschaft werden verschiedene Ansichten vertreten.

Aber an

einem gewissen Punkt gibt es dann eine Lösung und eine
gemeinsame Politik, oder aber die Gesellschaft wird von ihren
Herausforderungen überwältigt.

Dasselbe gilt für ein Bündnis.

Einmütigkeit ex ante ist nicht zu erwarten, aber eine Einigung
auf eine gemeinsame Politik nach einer freien Debatte ist von
entscheidender Bedeutung.
Dieser Grundsatz wird in den kommenden Jahren im Hinblck
auf viele Fragen auf die Probe gestellt werden.

Der

Ost-West-Handel, der in der jüngsten Vergangenheit eine
entscheidende Frage gewesen ist, ist eines der wichtigen
Themen, die gegenwärtig geprüft werden.
wir nicht ausweichen.

Dieser Frage können

Das ist ein Thema, das an dem

- 15 -

�an dem entscheidend wichtigen Schnittpunkt der
wirtschaftlichen, militärischen und politischen Dimensionen des
Bündnisses steht.

Es ist unsinnig, das militärische Potential

eines Gegners zu stärken, dem gegenüber wir Milliarden
ausgeben, um uns zu verteidigen.

Es ist von entscheidender

Bedeutung, in dieser strategischen Frage einen neuen Konsens
formulieren.
Zusammenfassung
Unser Bündnis hat so lange bestanden, glaube ich, weil die
Demokratien trotz aller Streitigkeiten wissen, daß sie
letztlich gemeinsame Werte haben.

Es sind die hervorragenden

moralischen und politischen Ideale, zu deren Verteidigung unser
Bündnis geschaffen wurde - Redefreiheit, Religionsfreiheit,
Versammlungsfreiheit, die Rechte des einzelnen, die Konzeption,
daß die Macht von der Zustimmung der Regierten herrührt.

Wie

Präsident Reagan vor fast einem Jahr in London erklärt hat:
"Die letzte Entscheidung in dem gegenwärtigen Ringen in der
Welt wird nicht von Bomben und Raketen herbeigeführt. Sie
läuft vielmehr auf eine Bewährungsprobe des Willens und der
Ideen hinaus, auf die Erprobung der geistigen
Entschlußkraft und der Werte, die wir schätzen, des
Glaubens, den wir hochhalten, und der Ideale, denen wir uns
weihen."
Bei einer solchen Bewährungsprobe, davon bin ich überzeugt,
wird der Westen obsiegen. Diese Konferenz hier zeigt unsere
Ideale in der Praxis - die unbehinderte offene Debatte freier
Männer und Frauen über wichtige Fragen der öffentlichen
Politik. Diejenigen, die die Mauer gebaut haben, wissen, wie
mächtig diese Ideale sind. Sie haben keinen Zweifel an der Art

- 16 -

�der Art einer Gesellschaft, in der zu leben Männer und Frauen
sich entscheiden würden, wenn man ihnen eine solche Wahl
ließe.

Der Geist der Freiheit ist stärker als jeder, der ihn

unterdrücken möchte.
Wir haben ein Recht, zuversichtlich zu sein. Aber wir
haben auch eine schwere Pflicht. Die Geschichte kennt sowohl
die Tragödie als auch die Hoffnung. Wenn Völker in ihrer
Wachsamkeit nachgelassen haben, wenn Nationen selbstgefällig
wurden, wenn Bündnisse aufgrund fehlender Entschlossenheit
geschwächt wurden, dann ist in der Geschichte stets die
Dunkelheit angebrochen.
Das Nordatlantische Bündnis wird mit wirtschaftlichen,
militärischen und politischen Problemen ringen müssen, die
manchmal zwischen uns stehen werden.

Wir müssen uns unseren

Problemen stellen und sie lösen.
Vor einer Generation haben die Menschen dieser Stadt alle
freien Völker gelehrt; was es heißt, Mut zu zeigen. Und andere
demokratische Länder - und ich sage mit Stolz, darunter auch
mein Land - haben Berlin nicht im Stich gelassen. Auch heute
ist es nicht genug, zu wissen, was unsere Pflicht ist. Es
kommt darauf an, daß wir sie erfüllen.

- 17 -

�^ ^

inIC K

1

'J71
1 *l 1

DlIE11

14

Information
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. März 1983

WILLIAM RUCKELSHAUS DIREKTOR DER UMWELTSCHUTZBEHÖRDE

- (AD) - Mit der Berufung von William Ruckeishaus zum neuen Chef der
amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA wurde dem Nachfolger von Ann Burford,
die am 9. Mä'rz 1983 zurücktrat, dieses Amt zum zweitenmal übertragen. Er
hatte die Behörde aufgebaut und von ihrer Gründung im Jahr 1970 bis 1973
schon einmal geleitet. Seit 1975 war er Vizepräsident von Weyerhaeuser
Company, einem der größten Unternehmen der Welt für Holzprodukte mit Sitz
im US-Bundesstaat Washington. Beeindruckt von dem Engagement Präsident
Reagans für die Funktionsfähigkeit der EPA entschloß sich Ruckeishaus,wie
er am 22. März in Washington vor EPA-Mitarbeitern erklärte, kurzfristig zur
Annahme des Angebots. Ihm sei genügend freie Hand bei der Durchführung der
notwendigen Aufgaben zugesichert worden. Wichtigster Daseinszweck der Umweltschutzbehörde sei der Schutz menschlichen Lebens und der Schutz dessen,
was Leben erhalte - und das sei die natürlich Umwelt. Das könne nicht in
einem Vakuum geschehen. Vielmehr müsse "dieser Schutz mit unseren gesellschaftlichen Zielen in Einklang gebracht werden und unsere Wirtschaft sowie
die Produktion ausreichender Energie in geeigneter Form einbeziehen".

William Ruckeishaus

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�William Ruckeishaus äußerte die Überzeugung, daß die Art und Weise, wie
eine freie Gesellschaft die chronischen Probleme modernen Daseins wie Umweltverschmutzung, die Nutzung natürlicher Hilfsquellen bis zu ihrer Erschöpfung
und Übervölkerung angehe, darüber entscheide, ob sie sich ihre Freiheit bewahre.

"Diese chronischen und hartnäckigen Probleme können zu äußerst konträ-

ren Meinungen führen und eine sehr emotionale Angelegenheit werden... Was
jetzt nottut, ist, die Dinge besser in den Griff zu bekommen", erklärte
Ruckeishaus.
William Ruckeishaus (50) wurde nach dem Amtsantritt der Regierung Nixon
Anfang 1969 als Unterstaatssekretär in das US-Justizministerium berufen und
im November 1970 zum Leiter der neugeschaffenen Umweltschutzbehörde bestellt.
In der EPA sollten alle einschlägigen Aufgabenbereiche zusammengefaßt werden,
die bis dahin auf eine ganze Anzahl von Behörden verteilt waren. Mit Umweltschutz und Schadstoffkontrollen wurde Ruckeishaus Anfang der sechziger Jahre
vertraut, als er - hoher Beamter im Justizministerium des Bundesstaates
Indiana - den Entwurf für das staatliche Gesetz von 1963 zur Reinhaltung der
Luft ausarbeitete und Gerichtsverfahren gegen Firmen und Stadtverwaltungen
aufgrund von Verstößen gegen die entsprechenden Bestimmungen einzuleiten
hatte.

Im Jahr 1973 war William Ruckeishaus außerdem amtierender Direktor

des Bundeskriminalamtes (FBI) und stellvertretender Justizminister der Vereinigten Staaten.

Nach Meinungsverschiedenheiten mit dem damaligen Präsidenten

Nixon im Zusammenhang mit der Watergate-Affäre trat er im Oktober 1973 zurück.
William Ruckeishaus studierte an den Universitäten Princeton und Harvard
Rechtswissenschaften. Im. Jahr 1960 wurde er zum stellvertretenden Justizminister des Bundesstaaten Indiana ernannt und war ab 1963 Oberster Rechtsberater
des Ministeriums. Sein Einstieg in die Politik begann 1966 mit einem eindrucksvollen Votum für ihn bei der Wahl zum Repräsentantenhaus von Indiana. Schon
während seines ersten Jahres als Abgeordneter wurde er zum Fraktionsführer
der Parlamentsmehrheit gewählt - ein Novum in der parlamentarischen Praxis.
Im Jahr 1968 bewarb er sich als Konkurrent von Birch Bayh um einen Sitz im
US-Senat. Damals gewann sein Mitbewerber die Wahl.
Im Jahr

�Im Jahr 1962 heiratete William Ruckeishaus, dessen erste Frau Anfang
1961 verstorben war, Jill Elizabeth Strickland.
Töchter und zwei Söhne hervor.

+ + + ++

- 3 -

Aus dieser Ehe gingen drei

�•ITraT

Uli//cn/ch(ifl
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. März 1983

14

CHALLENGER-START FÜR 4. APRIL VORGESEHEN

- (AD) - Die amerikanische Raumfähre CHALLENGER soll am 4. April 1983
zu ihrem Jungfernflug starten.

Der ursprünglich für Ende Januar vorgesehene

Termin mußte verschoben werden, nachdem zunächst technische Mängel an den
drei Haupttriebwerken des zweiten US-Raumtransporters entdeckt worden waren
und nach einem heftigen Sturm am Kap Canaveral Ende Februar Sand- und Staubpartikel an der Nutzlast festgestellt wurden.
Bei dieser Nutzlast handelt es sich um einen kostspieligen und fUr künftige bemannte wie unbemannte Raumfahrtprojekte wichtigen Nachrichtensatelliten.
Der TDRS (Tracking and Data Relay Satellite - Satellit für Bahnbeobachtungen und Datenübermittlung) ist das erste Gerät für ein neues System,
das in Verbindung mit nur einer großen Bodenstation die kontinuierliche Beobachtung der Raumfähre und ihrer Besatzung während einer Flugmission ermöglicht. Die Mängel an den Triebwerken - Haarrisse in Treibstoffleitungen für
Wasserstoff- und Sauerstoffgas sowie an einem Wärmeaustauscher - wurden durch
Austauschen bestimmter Segmente beseitigt. Der Chef des Raumtransporterprogramms der NASA (US-Bundesamt für Luft- und Raumfahrt), Generalmajor James A.
Abrahamson, ist zuversichtlich, daß CHALLENGER nunmehr am 4. April um 19.30
Uhr MEZ vom Kennedy-Raumfahrtzentrum (Florida) aus zu ihrem ersten Flug

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ersten Flug starten kann.

Die Ergebnisse der zahlreichen Tests» die in den

letzten Tagen durchgeführt wurden, seien ausgezeichnet.
Der Flug soll fünf Tage dauern.
Paul J. Weitz.

Chefpilot ist der erfahrene Astronaut

Sowohl für den Kopiloten Karol J. Bobko als auch für die

beiden Wissenschaftsastronauten Donald H. Peterson und Story Musgrave wird
das Unternehmen STS-6 der erste Raumflug sein. Musgrave, ursprünglich Herzspezialist und Chirurg, und Peterson, Ingenieurwissenschaftler mit den Fachgebieten Kerntechnik und Raumfahrtgerätekonstruktion, sollen den "Weltraumspaziergang" in der geöffneten Ladebucht nachholen, der beim Flug STS-5 im
November 1982 gestrichen werden mußte.

- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert Verteidigungsprogramm für die Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Präsidenten vom 23. März 1983 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Atlantische Bündnis: Die Tatsachen und Lehren der Geschichte&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Berlin-Rede des Stellvertretenden US-Außenministers -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;William Ruckelshaus Direktor der Umweltschutzbehörde&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;CHALLENGER-Start für 4. April vorgesehen</text>
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&#13;
Information&#13;
und&#13;
Dokumentation&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
15&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
I N H A L T&#13;
&#13;
DOKUMENTATION&#13;
Präsident Reagan legt Vorschlag für eine Zwischenlösung in Genf dar&#13;
- Ansprache des US-Präsidenten am 30. März 1983 Rede des US-Präsidenten in Los Angeles am 31. März 1983&#13;
- Wortlaut US-Senator:&#13;
&#13;
Zukunft ist nur gemeinsam zu bewältigen&#13;
&#13;
- Berlin-Rede von Senator Mathias -&#13;
&#13;
HINTERGRUNDMATERIAL&#13;
Die USA verteidigen die Menschenrechte in El Salvador und weltweit&#13;
- Von Elliot Abrams Unterstaatssekretär für Menschenrechtsfragen im US-Außenministerium&#13;
&#13;
WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
Poliklinik für Zuckerkranke&#13;
&#13;
Um Ubcr/cn Jung von&#13;
ßclcocxcmplorcn&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 22 40&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�15&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
PRÄSIDENT REAGAN LEGT VORSCHLAG FÜR EINE ZWISCHENLÖSUNG IN GENF DAR&#13;
- Ansprache des US-Präsidenten am 30. März 1983 -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Fernsehansprache&#13;
an das amerikanische Volk am 30. März 1983 seinen Vorschlag für eine Zwischenlösung bei den INF-Verhandlungen in Genf dargelegt.&#13;
Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:&#13;
Als ich in der vorigen Woche über die Entspannungsprogramme dieser Administration zum amerikanischen Volk sprach, habe ich unsere Entschlossenheit&#13;
zum Ausdruck gebracht, unsere Abhängigkeit von der schrecklichen Kraft von Kernwaffen zur Gewährleistung des Friedens zu verringern.&#13;
&#13;
Und heute möchte ich&#13;
&#13;
einige Worte zu diesem entscheidend wichtigen Aspekt unserer Sicherheitspolitik und zu unseren Bemühungen sagen, die Arsenale, die das Leben unserer eigenen Bürger, unserer Freunde und Verbündeten und sicherlich auch unserer Gegner so belasten, drastisch zu verringern.&#13;
Wie Sie wissen, hat diese Administration während der letzten anderthalb&#13;
Jahre ein umfassendes und weitreichendes Rüstungskontroilprogramm entwickelt,&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Rüstungskontrollprogramm entwickelt, das darauf abzielt, tiefgreifende Verringerungen der Kernwaffen herbeizuführen, die Welt von chemischen Waffen zu&#13;
befreien und den Umfang der konventionellen Streitkräfte in Europa zu verkleinern.&#13;
&#13;
Ich werde in meiner Rede morgen zu diesen Initiativen mehr sagen, aber&#13;
&#13;
heute vormittag möchte ich mich auf eine dieser Verhandlungen konzentrieren.&#13;
&#13;
Ich bin gerade mit den Botschaftern der Länder des Nordatlantischen&#13;
Bündnisses zusammengetroffen.&#13;
&#13;
Wir haben sie hierher eingeladen, weil die Bür-&#13;
&#13;
ger ihrer Länder mit den Amerikanern eine tiefe Hoffnung auf Erfolg der Genfer Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) in Genf teilen.&#13;
Die Streitkräfte, über die in den INF-Verhandlungen gesprochen wird, berühren&#13;
direkt die Sicherheit unserer Verbündeten.&#13;
&#13;
Wie ich Ihnen vorige Woche sagte,&#13;
&#13;
hat die Sowjetunion Hunderte von mächtigen neuen SS-20-Raketen disloziert,&#13;
die mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstet und in der Lage sind, die Städte&#13;
und Verteidigungseinrichtungen in Europa und die unserer Freunde und Verbündeten in Asien zu treffen.&#13;
&#13;
Die Sowjets haben diese Streitkräfte aufgebaut,&#13;
&#13;
obwohl keine vergleichbare Bedrohung von der NATO ausging.&#13;
Unterlaß disloziert.&#13;
&#13;
Sie haben sie ohne&#13;
&#13;
Heute existieren über 350 SS-20-Raketen mit über 1000&#13;
&#13;
nuklearen Gefechtsköpfen.&#13;
&#13;
Die NATO wird mit der Dislozierung einer spezi-&#13;
&#13;
fischen Abschreckung vor dieser Bedrohung erst Ende dieses Jahres beginnen,&#13;
es sei denn, es kommt - wie wir hoffen - ein Abkommen über die Beseitigung&#13;
solcher Waffen zustande, das diese Dislozierung unnötig machen würde.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten verhandeln mit der vollen Unterstützung unserer&#13;
Verbündeten seit über einem Jahr in Genf, um die Sowjetunion zu überzeugen,&#13;
daß es für beide Seiten ein weit besserer Kurs wäre, sich auf die Beseitigung&#13;
dieser gesamten Waffenkategorie zu einigen.&#13;
und weitreichend.&#13;
&#13;
Ein solches Abkommen wäre fair&#13;
&#13;
Es würde die Sicherheit der Sowjetunion ebenso fördern wie&#13;
&#13;
die Sicherheit der NATO.&#13;
&#13;
Und es würde die Hoffnungen und Wünsche der Menschen&#13;
&#13;
1fl ganz Europa und Asien auf eine Beendigung der Bedrohung erfüllen, die durch&#13;
diese Raketen gegeben ist.&#13;
Bisher hat&#13;
&#13;
�Bisher hat die Sowjetunion diesen Vorschlag abgelehnt, und sie hat&#13;
bisher versäumt, eine ernsthafte Alternative zu bieten.&#13;
&#13;
Die Sowjets beharren&#13;
&#13;
auf der Erhaltung ihres gegenwärtigen Monopols bei diesen Waffen.&#13;
&#13;
Gemäß ihrem&#13;
&#13;
jüngsten Vorschlag würden die Sowjets allein fast 500 Gefechtsköpfe auf ihren&#13;
SS-20-Raketen in Europa behalten und Hunderte weiterer im Fernen Osten, während wir weiterhin Null hätten.&#13;
&#13;
Ihr Vorschlag würde ihnen tatsächlich mehr&#13;
&#13;
SS-20-Raketen belassen, als sie zu Beginn der Gespräche im Jahr 1981 hatten.&#13;
Zudem haben die Sowjets eine Propagandakampagne begonnen, die offenkundig&#13;
darauf abzielt, Amerika von seinen Verbündeten zu trennen und die Verbündeten&#13;
untereinander.&#13;
&#13;
Seit Beginn dieser Verhandlungen vor nunmehr fast 18 Monaten habe ich&#13;
die Sowjets mehrmals darauf gedrängt, auf unseren Vorschlag einer Null-NullLösung mit einem eigenen Vorschlag zu reagieren.&#13;
&#13;
Ich habe zudem unsere Be-&#13;
&#13;
reitschaft wiederholt, einen jeglichen ernsthaften Alternativvorschlag in Erwägung zu ziehen.&#13;
&#13;
Das Ausbleiben eines solchen Vorschlags ist Quelle tiefer&#13;
&#13;
Enttäuschung bei uns allen, die wir den Wunsch hegen, daß diese Waffen beseitigt oder zumindest um ein Beträchtliches vermindert werden.&#13;
&#13;
Aber ich habe&#13;
&#13;
nicht die Absicht, diesen Schatten, der auf die Genfer Verhandlungen gefallen&#13;
ist, unsere Suche nach dem Frieden noch weiter verdunkeln zu lassen.&#13;
&#13;
Was die nuklearen Mittelstreckenraketen in Europa angeht, so wäre es&#13;
besser, keine zu haben, als auch nur einige; aber wenn es denn einige geben&#13;
muß, so ist es besser, einige wenige zu haben, als viele.&#13;
&#13;
Wenn die Sowjets&#13;
&#13;
jetzt nicht einer vollständigen Beseitigung dieser Waffen zustimmen, so hoffe&#13;
ich doch, daß sie sich uns zumindest bei einem Zwischenabkommen anschließen&#13;
werden, das diese Waffen beträchtlich und bis zu einem gleichen Umfang auf&#13;
beiden Seiten verringern würde.&#13;
&#13;
Zu diesem Zweck hat Botschafter ?aul Nitze&#13;
&#13;
seinen sowjetischen Gesprächspartner darüber informiert, daß wir bereit sind,&#13;
ein Zwischenabkommen auszuhandeln, bei dem die Vereinigten Staaten ihre geplante Dislozierung von PERSHING II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern&#13;
um ein Beträchtliches verringern würden, vorausgesetzt, die Sowjetunion reduziert die Anzahl der Gefechtsköpfe ihrer weiterreichenden nuklearen Mittelstreckenraketen weltweit bis auf den gleichen Umfang.&#13;
&#13;
Botschafter Nitze&#13;
&#13;
�Botschafter Nitze hat dargelegt, daß die Vereinigten Staaten diesen Vorschlag als einen ernsthaften ersten Schritt zur totalen Beseitigung dieser&#13;
Waffenklasse betrachten,und hat meine Hoffnung übermittelt, daß die Sowjetunion sich uns in dieser Auffassung anschließen wird.&#13;
Unser Vorschlag für die gesamte Beseitigung dieser Systeme bleibt auf&#13;
dem Tisch.&#13;
&#13;
Wir haben vorgeschlagen, daß die Verhandlungen einige Wochen früher&#13;
&#13;
als ursprünglich geplant wieder aufgenommen werden sollen.&#13;
&#13;
Die Sowjets haben&#13;
&#13;
dem zugestimmt, und die Verhandlungen werden am 17. Mai weitergehen.&#13;
&#13;
Ich&#13;
&#13;
hoffe, daß diese Initiative zu einem baldigen Abkommen führen wird.&#13;
Wir sind weiterhin bereit, alle ernsthaften sowjetischen Vorschläge zu&#13;
prüfen, die den fundamentalen Anliegen entsprechen, die wir zum Ausdruck gebracht haben.&#13;
Ich habe die NATO-Botschafter heute nicht nur deshalb hierher eingeladen, um mit ihnen diese Entwicklungen zu besprechen, sondern auch um zum Ausdruck zu bringen, wie sehr ich die feste Unterstützung schätze, die die Verbündeten unseren Verhandlungsbemühungen in Genf entgegengebracht haben, und&#13;
ich kann ihnen versichern, daß ich mich persönlich zu engstmöglichen Konsultationen mit ihnen über INF verpflichtet fühle. Dieser Konsultationsprozeß hat&#13;
sich bereits als der intensivste und produktivste in der Geschichte des Nordatlantischen Bündnisses erwiesen. Er hat die heute verkündete Initiative zu&#13;
einer B'ündnisinitiative im besten Sinne des Wortes gemacht. Und während des&#13;
vergangenen Monats haben wir und unsere Verbündeten uns intensiv über die INFVerhandlungen konsultiert. Ich stand in häufigem und engem Kontakt mit anderen Regierungschefs. Vizepräsident Bush führte während seiner Europareise&#13;
sehr produktive Gespräche mit den Führern unseres Bündnisses über INF. Außenminister Shultz und Verteidigungsminister Weinberger haben einen Meinungsaustausch mit ihren Kollegen in Regierungen von Bündnisländern geführt, und&#13;
die Sonderberatungsgruppe der NATO ist in regelmäßigen Abständen zusammengetreten, um über die Verhandlungen zu sprechen und Kriterien zu prüfen, die die&#13;
Grundlage für den Standpunkt des Bündnisses zu INF bilden sollen.&#13;
Die bei&#13;
&#13;
�Die bei diesen Konsultationen zum Ausdruck gebrachten wohlerwogenen&#13;
Auffassungen der Verbündeten waren eine wesentliche Hilfe bei der Gestaltung dieser neuen Initiative.&#13;
&#13;
Dieser Prozeß ist ein Modell dafür, wie ein&#13;
&#13;
Bündnis freier und demokratischer Nationen in kritischen Fragen zusammenarbeiten kann und muß.&#13;
&#13;
Er ist die Quelle unserer Einigkeit und verleiht uns&#13;
&#13;
eine Stärke, der etwas Gleichwertiges entgegenzusetzen niemand hoffen kann.&#13;
Und er gibt mir großes Vertrauen in den schließlichen Erfolg unserer Bemühungen in Genf, eine sicherere, ja sicherere Welt für alle Völker der Erde zu&#13;
schaffen.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�15&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
REDE DES US-PRÄSIDENTEN IN LOS ANGELES AM 31. MÄRZ 1983&#13;
- Wortlaut -&#13;
&#13;
LOS ANGELES - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 31. März 1983 in&#13;
einer Grundsatzrede vor dem World Affairs Council (Rat für weltpolitische Fragen) die Abrüstungspolitik der Vereinigten Staaten erläutert und noch einmal&#13;
die Bedeutung seines am Vortag unterbreiteten Vorschlags für eine Zwischenlösung bei den INF-Verhandlungen in Genf unterstrichen.&#13;
&#13;
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:&#13;
&#13;
In der vorigen Woche habe ich zum amerikanischen Volk über unsere Pläne&#13;
zur Gewährleistung unserer Sicherheit und der unserer Verbündeten gesprochen.&#13;
Ich kündigte eine langfristige Anstrengung in unserer wissenschaftlichen Forschung an, um eines Tages der Bedrohung durch offensive Nuklearraketen begegnen&#13;
zu können.&#13;
&#13;
Was ich vorgeschlagen habe, ist, daß Nationen ihre besten Energien&#13;
&#13;
darauf verwenden sollten, von dem nuklearen Schreckgespenst wegzukommen.&#13;
&#13;
Wir&#13;
&#13;
dürfen nicht einfach resignieren und uns mit einer Zukunft abfinden, in der die&#13;
Sicherheit beider Seiten davon abhängt, daß das Leben von Millionen von unschuldigen Männern, Frauen und Kindern bedroht wird.&#13;
Heute möchte&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Heute möchte ich über einen weiteren lebenswichtigen Aspekt unserer&#13;
nationalen Sicherheit sprechen - unsere Bemühungen, die Gefahren moderner&#13;
Waffen zu begrenzen und zu verringern.&#13;
&#13;
Wir leben in einer Welt, in der ein totaler Krieg die Katastrophe bedeuten würde.&#13;
&#13;
Und wir leben in einer Welt, die durch eine große moralische&#13;
&#13;
Auseinandersetzung zerrissen wird - zwischen der Demokratie und ihren Gegnern,&#13;
zwischen dem Geist der Freiheit und jenen, die die Freiheit fürchten.&#13;
&#13;
In den letzten 15 Jahren - und schon länger - hat die Sowjetunion eine&#13;
unablässige militärische Aufrüstung durchgeführt und die Vereinigten Staaten&#13;
auf vielen wichtigen Gebieten der militärischen Macht überholt, indem sie&#13;
sich eine nur als offensiv zu bezeichnende militärische Kapazität zugelegt&#13;
hat.&#13;
&#13;
All die moralischen Werte, die unser Land liebt - Freiheit; Demokratie;&#13;
&#13;
das Recht der Völker und Nationen, ihr eigenes Schicksal selbst zu bestimmen;&#13;
nach eigener Wahl zu leben, zu reden und zu schreiben - all diese Grundrechte&#13;
werden durch einen mächtigen Gegner in Frage gestellt, der nicht will, daß&#13;
diese Werte fortbestehen.&#13;
&#13;
Das ist unser Dilemma - und es ist ein schwieriges:&#13;
die Freiheit verteidigen als auch den Frieden erhalten.&#13;
&#13;
Wir müssen sowohl&#13;
&#13;
Wir müssen fest zu&#13;
&#13;
unseren Prinzipien und unseren Freunden stehen, während wir eine Katastrophe&#13;
verhindern.&#13;
Die westliche Verpflichtung zum Frieden durch Stärke hat Europa die&#13;
längste Friedenszeit seit einem Jahrhundert beschert.&#13;
&#13;
Wir können nicht so tun,&#13;
&#13;
als ob die spezifische Gefahr der Kernwaffen nicht existiere.&#13;
&#13;
Aber wir dürfen&#13;
&#13;
auch nicht zulassen, daß dieses Problem uns lähmt - und uns unsere moralische&#13;
Pflicht vergessen läßt.&#13;
Das ist die Herausforderung, die uns die Geschichte übertragen hat.&#13;
&#13;
Wir&#13;
&#13;
Menschen aus dem 20. Jahrhundert, die wir so stolz darauf sind, selbst die&#13;
Kräfte der Natur zu meistern, sind gezwungen, mit einer der schwersten mora-&#13;
&#13;
�schwersten moralischen Herausforderungen zu ringen, vor der je eine Generation&#13;
stand.&#13;
&#13;
Meine Ansichten über die Sowjetunion sind wohlbekannt, auch wenn ich&#13;
&#13;
sie manchmal nicht wiedererkenne, wenn sie an mich zur'ückvermittelt werden,&#13;
und unser Programm für die Aufrechterhaltung, Stärkung und Modernisierung unserer nationalen Verteidigung ist klar dargelegt worden.&#13;
&#13;
Heute möchte ich&#13;
&#13;
Ihnen etwas zu dem sagen, was wir tun, um die Gefahr eines Atomkrieges zu verringern.&#13;
&#13;
Mas Amerika bisher getan hat&#13;
&#13;
Seit Ende des Zweiten Weltkrieges sind die Vereinigten Staaten in den&#13;
internationalen Bemühungen, über Begrenzungen der Kernwaffen zu verhandeln,&#13;
führend.&#13;
&#13;
Im Jahr 1946, als die Vereinigten Staaten das einzige Land der Welt waren,&#13;
das diese furchtbaren Waffen besaß, haben wir nicht andere mit der Androhung&#13;
ihres Einsatzes erpreßt, und wir haben unsere gewaltige Macht auch nicht dazu&#13;
benutzt, Land zu erobern, unsere Position voranzutreiben oder die Herrschaft&#13;
über andere zu suchen.&#13;
&#13;
Widerlegt nicht allein schon unsere Geschichte die Be-&#13;
&#13;
schuldigung, wir würden eine Überlegenheit anstreben oder wir würden eine Bedrohung des Friedens darstellen?&#13;
&#13;
Wir haben den Baruch-Plan für eine interna-&#13;
&#13;
tionale Kontrolle aller Kernwaffen und aller Kernenergie vorgeschlagen - alles, was mit dem nuklearen Bereich zu tun hatte, sollte einer internationalen&#13;
Behörde unterstellt werden.&#13;
&#13;
Das wurde von der Sowjetunion abgelehnt.&#13;
&#13;
Einige&#13;
&#13;
Jahre später, 1955, legte Präsident Eisenhower seinen Plan der "Offenen Himmel"&#13;
vor:&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sollten Pläne von militärischen&#13;
&#13;
Einrichtungen austauschen und Luftaufklärung zulassen, um die Gefahr eines&#13;
Überraschungsangriffs zu bannen.&#13;
&#13;
Auch das wurde von der Sowjetunion abgelehnt.&#13;
&#13;
Seither ist ein gewisser Fortschritt erzielt worden - weitgehend auf&#13;
amerikanische Initiative hin.&#13;
&#13;
Der begrenzte Teststoppvertrag von 1963 verbot&#13;
&#13;
Kernwaffenversuche in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser.&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
Die Ein-&#13;
&#13;
�Die Einrichtung des "heißen Drahtes" im Jahr 1963 - verbessert im Jahr 1971 bietet eine direkte Kommunikation zwischen Washington und Moskau, um Fehleinschätzungen während einer Krise zu verhindern.&#13;
&#13;
Der Nichtweiterverbreitungs-&#13;
&#13;
vertrag von 1966 soll die Ausbreitung von Kernwaffen verhüten.&#13;
&#13;
Im Jahr 1971&#13;
&#13;
erreichten wir ein Abkommen über besondere Kommunikationsverfahren, um uns gegen die ungewollte oder nicht genehmigte Anwendung von Kernwaffen zu sichern,&#13;
und wir schlössen einen Meeresbodenvertrag ab, der die Stationierung von Kernwaffen auf dem Meeresboden verbietet.&#13;
&#13;
Die Abkommen über eine Begrenzung der&#13;
&#13;
strategischen Rüstungen von 1972 begrenzten die Raketen-Raketenabwehrsysteme&#13;
(ABM) und die Zahl der strategischen Offensivraketen.&#13;
&#13;
Und die Konvention über&#13;
&#13;
das Verbot biologischer Kriegführung von 1972 verbietet - oder sollte eigentlich verbieten - die Entwicklung, Produktion und Lagerung von biologischen und&#13;
toxischen Waffen.&#13;
Aber obwohl wir viele Abkommen erreicht haben, haben wir auch viele Enttäuschungen erlitten. Das amerikanische Volk hatte gehofft, durch diese Maßnahmen die Spannungen zu verringern und mit dem Aufbau eines konstruktiven Verhältnisses zur Sowjetunion zu beginnen.&#13;
Statt dessen haben wir erlebt, daß die militärischen Arsenale der Sowjets&#13;
weiterhin in praktisch allen wichtigen Bereichen wachsen. Wir haben eine Darstellung der sowjetischen Macht rund um den Erdball erlebt. Und wir haben den&#13;
sowjetischen Widerstand gegen wesentliche Verringerungen und gegen Maßnahmen&#13;
einer wirksamen Verifizierung erlebt - vor allem das letztere. Und ich muß&#13;
leider sagen, daß es zunehmend ernstere Gründe gibt, daran zu zweifeln, daß&#13;
die Sowjets die Rüstungskontroi labkommen einhalten, die sie bereits unterzeichnet und die einzuhalten wir uns beide verpflichtet haben. Dazu werde ich in&#13;
naher Zukunft wahrscheinlich einiges zu sagen haben.&#13;
Als ich mein Amt antrat, habe ich dem amerikanischen Volk zwei Versprechen bezüglich Frieden und Sicherheit gegeben:&#13;
&#13;
Ich versprach, unsere ver-&#13;
&#13;
nachlässigte Verteidigung wiederherzustellen, um den Frieden zu erhalten und&#13;
zu stärken; und ich versprach, verläßliche Abkommen anzustreben, um die Kern- 4 -&#13;
&#13;
�die Kernwaffen zu verringern.&#13;
&#13;
Diese beiden Versprechen werden eingehalten.&#13;
&#13;
Heute hängen nicht nur der Frieden, sondern auch die Chancen für eine&#13;
echte Rüstungskontrolle von der Wiederherstellung des militärischen Gleichgewichts ab.&#13;
&#13;
Wir wissen, daß es die Ideologie der sowjetischen Führer nicht&#13;
&#13;
zuläßt, daß sie irgendeine Schwäche des Westens unausgenützt oder ein Vakuum&#13;
der Macht unausgefüllt lassen.&#13;
&#13;
Man könnte meinen, daß für sie Verhandlung&#13;
&#13;
nichts weiter ist als eine andere Form des Kampfes.&#13;
&#13;
Und doch glaube ich, daß&#13;
&#13;
die Sowjets dazu bewogen werden können, ihre Arsenale abzubauen - aber nur&#13;
wenn sie erkennen, daß es absolut notwendig ist.&#13;
&#13;
Nur wenn die Sowjets die&#13;
&#13;
Entschlossenheit des Westens erkennen, seine eigenen Streitkräfte zu modernisieren, werden sie einen Anreiz verspüren, über ein verifizierbares Abkommen&#13;
zu verhandeln, das einen gleichen niedrigeren Stand herstellt.&#13;
&#13;
Und das ist&#13;
&#13;
ganz einfach einer der Hauptgründe, warum wir unsere Verteidigungsstärke wieder aufbauen müssen.&#13;
&#13;
Die gesamte Modernisierung unserer strategischen Streitmacht ist vom&#13;
Kongreß gebilligt worden - mit Ausnahme des landgestützten Pfeilers der&#13;
Triade.&#13;
&#13;
Wir rechnen damit, die Billigung dieses endgültigen Programms durch&#13;
&#13;
den Kongreß später in diesem Frühjahr zu erhalten.&#13;
&#13;
Ein Programm für die Mo-&#13;
&#13;
dernisierung der strategischen Streitkräfte muß sich auf einen nationalen, überparteilichen Konsens stützen.&#13;
&#13;
Während des letzten Jahrzehnts haben viele auf-&#13;
&#13;
einanderfolgende Administrationen Vorschläge für die Rüstungskontrolle und die&#13;
Modernisierung unterbreitet, die in die Wirren der politischen Kontroverse geraten sind.&#13;
&#13;
Niemand hatte etwas von dieser inneren Spaltung.&#13;
&#13;
Wir alle müssen&#13;
&#13;
unsere früheren Standpunkte aus einer neuen Perspektive betrachten.&#13;
&#13;
Ich siche-&#13;
&#13;
re Ihnen zu, daß ich mich an einer solchen neuen Betrachtungsweise beteiligen&#13;
werde und entschlossen bin, zur Herstellung einer neuerlichen überparteilichen&#13;
Übereinstimmung beizutragen.&#13;
&#13;
Meine andere Priorität auf dem Gebiet der nationalen Sicherheit bei&#13;
meinen Amtsantritt war eine gründliche Überprüfung des gesamten Rüstungskontrollbereiches.&#13;
&#13;
Seither haben wir in Koordination mit unseren Verbündeten&#13;
&#13;
- 5-&#13;
&#13;
�unseren Verbündeten das umfassendste Programm von Rüstungskontroll initiativen vorgelegt, das je unterbreitet wurde.&#13;
&#13;
Noch nie in der Geschichte hat&#13;
&#13;
eine Nation so viele große gleichzeitige Anstrengungen unternommen, um die&#13;
Instrumente des Krieges zu begrenzen und zu verringern:&#13;
- Im vorigen Monat hat der Vizepräsident in Genf die Vereinigten Staaten&#13;
verpflichtet, ein totales und verifizierbares Verbot chemischer Waffen&#13;
auszuhandeln.&#13;
&#13;
Solche unmenschlichen Waffen, wie auch toxische Waffen,&#13;
&#13;
werden unter Verletzung des internationalen Rechts in Afghanistan, Laos&#13;
und Kampuchea eingesetzt.&#13;
- Zusammen mit unseren Verbündeten haben wir einen umfassenden neuen Vorschlag für eine beiderseitige und ausgewogene Verringerung der konventionellen Streitkräfte in Europa unterbreitet.&#13;
- Wir haben kürzlich der Sowjetunion eine Reihe weiterer Maßnahmen vorgeschlagen, um das Risiko eines Krieges durch Zufall oder Fehleinschätzung zu verringern. Und wir überlegen bedeutsame neue Maßnahmen, die&#13;
zum Teil aus Konsultationen mit mehreren bedeutenden Senatoren herrühren.&#13;
- Wir haben gemeinsam mit unseren Verbündeten eine Konferenz über Abrüstung&#13;
in Europa vorgeschlagen.&#13;
&#13;
Auf der Basis eines ausgewogenen Ergebnisses&#13;
&#13;
des Madrider KSZE-Folgetreffens soll eine solche Konferenz neue Mittel&#13;
und Wege erörtern, um die Stabilität und Sicherheit in Europa zu fördern.&#13;
- Wir haben der Sowjetunion die Verbesserung der Verifizierungsbestimmungen zweier Abkommen über die Begrenzung von Nuklearversuchen unter der&#13;
Erde vorgeschlagen, aber die Antwort war bisher negativ.&#13;
&#13;
Wir werden es&#13;
&#13;
weiter versuchen.&#13;
- Und was am wichtigsten ist, wir haben weitreichende Vorschläge gemacht&#13;
- auf die ich nachher kurz eingehen möchte - für einschneidende Verringerungen der strategischen Waffen und für die Beseitigung einer gesamten&#13;
- 6 -&#13;
&#13;
�einer gesamten Klasse von Mittel Streckenwaffen.&#13;
&#13;
Ich bin entschlossen, eine echte Rüstungskontrolle zu erreichen - verläßliche Abkommen, die sich im Laufe der Zeit bewähren werden, keine kosmetischen Abkommen, die große Erwartungen wecken, um dann die Hoffnungen nur&#13;
umso grausamer zu enttäuschen.&#13;
&#13;
Bei all diesen Verhandlungen wird unsere Politik von bestimmten Grundprinzipien geleitet:&#13;
&#13;
- Erstens, unsere Bemühungen um Rüstungskontrolle sollen zu wesentlichen&#13;
Verringerungen auf beiden Seiten führen.&#13;
&#13;
- Zweitens, wir beharren darauf, daß Rüstungskontrollabkommen gleich und&#13;
ausgewogen sein müssen.&#13;
- Drittens, Rüstungskontroi labkommen müssen wirksam verifizierbar sein.&#13;
Wir können die Sicherheit unseres Volkes und der Völker der Welt nicht&#13;
aufs Spiel setzen.&#13;
&#13;
- Viertens, wir gehen davon aus, daß Rüstungskontrolle kein Selbstzweck&#13;
ist, sondern ein lebenswichtiger Teil einer breit angelegten Politik,&#13;
die auf die Stärkung von Frieden und Stabilität abzielt.&#13;
&#13;
Mit diesen festen Prinzipien im Auge ist diese Administration in die Verhandlungen über die mächtigsten Waffen in den amerikanischen und sowjetischen&#13;
Arsenalen eingetreten - die strategischen Kernwaffen.&#13;
&#13;
Verhandlungen über&#13;
&#13;
- 7 -&#13;
&#13;
�Verhandlungen über die Verringerung der strategischen Rüstungen (START)&#13;
Im Juni 1983 trafen in Genf amerikanische und sowjetische Delegationen&#13;
zusammen, um die Verhandlungen über die Verringerung der strategischen Rüstungen, die wir als START bezeichnen, zu beginnen.&#13;
&#13;
Wir haben versucht, ein Ab-&#13;
&#13;
kommen auszuarbeiten, das den Stand der strategischen Waffen auf beiden Seiten&#13;
verringert.&#13;
&#13;
Ich habe vorgeschlagen, die Zahl der Raketen um die Hälfte und&#13;
&#13;
die Zahl der Gefechtsköpfe um ein Drittel zu verringern.&#13;
&#13;
Nicht mehr als die&#13;
&#13;
Hälfte der verbleibenden Gefechtsköpfe dürfte auf landgestützten Raketen montiert sein.&#13;
&#13;
Das würde beiden Seiten eine größere Sicherheit auf gleichem und&#13;
&#13;
niedrigerem Stand der Streitkräfte gewähren.&#13;
Dies würde nicht nur die Zahl verringern - es würde auch genau jenen&#13;
Typen von Kernwaffen spezifische Grenzen setzen, die die größte Gefahr darstellen.&#13;
Die Sowjets haben einen Gegenvorschlag unterbreitet.&#13;
Reihe schwerer Bedenken gegen diesen Vorschlag geäußert.&#13;
&#13;
Wir haben eine&#13;
Aber - und das ist&#13;
&#13;
wichtig - die Sowjets haben das Konzept der Verringerungen akzeptiert.&#13;
&#13;
Ich&#13;
&#13;
nehme an, daß das auf die feste Entschlossenheit zurückzuführen ist, die wir&#13;
an den Tag gelegt haben.&#13;
&#13;
In der gegenwärtigen Verhandlungsrunde haben wir&#13;
&#13;
ihnen das Grundelement eines Vertrages über umfassende Verringerungen der strategischen Arsenale unterbreitet.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten haben bei den START-&#13;
&#13;
Verhandlungen kürzlich ferner einen Vertragsentwurf für eine Reihe bedeutsamer&#13;
Maßnahmen eingebracht, die Vertrauen bilden und das Risiko eines Konflikts verringern sollen.&#13;
&#13;
Diese Verhandlungen werden auf unsererSeite unter der fähigen&#13;
&#13;
Leitung von Botschafter Edward Rowney geführt.&#13;
&#13;
Nukleare Mittel Streckensysteme (INF)&#13;
Wir verhandeln in Genf auch über die Beseitigung einer ganzen Klasse&#13;
neuer Waffen vom Angesicht der Erde.&#13;
Seite Mitte&#13;
&#13;
�Seit Mitte der siebziger Jahre disloziert die Sowjetunion eine nukleare&#13;
Mittelstreckenrakete, die SS-20, mit der Rate von einer Rakete pro Woche.&#13;
Heute gibt es 351 dieser Raketen, von denen jede drei höchst treffsichere Gefechtsköpfe trägt, die in der Lage sind, Städte und militärische Stützpunkte&#13;
in Westeuropa, Asien und im Nahen Osten zu zerstören.&#13;
&#13;
Die NATO besitzt keine vergleichbare Waffe.&#13;
&#13;
Und die NATO hat auch diese&#13;
&#13;
neue beispiellose Eskalation in keiner Weise provoziert.&#13;
&#13;
Es war vielmehr so,&#13;
&#13;
daß wir 1000 nukleare Gefechtsköpfe von Gefechtsfeldwaffen aus Europa abgezogen haben,während die Sowjets ihre SS-20-Raketen dislozierten.&#13;
&#13;
Diese&#13;
&#13;
wesentliche&#13;
&#13;
Verlagerung im militärischen Kräfteverhältnis in&#13;
&#13;
Europa veranlaßte unsere westeuropäischen Verbündeten, selbst vorzuschlagen,&#13;
daß die NATO ein Mittel finden solle, um das Gleichgewicht wiederherzustellen.&#13;
Im Dezember 1979 verkündete&#13;
&#13;
sie einen kollektiven Doppelbeschluß:&#13;
&#13;
- Erstens in Westeuropa 572 landgestützte Marschflugkörper und PERSHING&#13;
II-Raketen zu dislozieren, die die Sowjetunion erreichen können - zu&#13;
dem Zweck, den sowjetischen SS-20-Raketen etwas Gleichwertiges entgegenzusetzen und eine Abschreckung zu schaffen.&#13;
&#13;
Die erste Dislozierung&#13;
&#13;
dieser NATO-Waffen ist für Ende dieses Jahres vorgesehen.&#13;
&#13;
- Zweitens Verhandlungen mit der Sowjetunion über die beiderseitige Verringerung dieser Mittelstreckenraketen anzustreben.&#13;
&#13;
Im November 1981 haben die Vereinigten Staaten in Abstimmung mit unseren&#13;
Verbündeten einen umfassenden neuen Vorschlag unterbreitet.&#13;
&#13;
Die NATO würde&#13;
&#13;
auf ihre eigenen Dislozierungen verzichten, wenn die Sowjets ihre Raketen abschaffen.&#13;
&#13;
Die Sowjetunion weigerte sich und setzte im Westen eine intensive&#13;
&#13;
Kampagne in Gang, um die NATO-Dislozierungen zu blockieren, die noch nicht&#13;
einmal begonnen hatten.&#13;
&#13;
In der Zwischenzeit wächst die Zahl der sowjetischen&#13;
&#13;
Raketen weiter.&#13;
&#13;
Unser Vorschlag&#13;
- 9 -&#13;
&#13;
�Unser Vorschlag bedeutete keineswegs ein "Alles oder Nichts".&#13;
&#13;
Wir&#13;
&#13;
sind bereit, jeden sowjetischen Vorschlag zu prüfen, der den folgenden&#13;
Normen der Fairness entspricht:&#13;
&#13;
- Ein Abkommen muß zu gleichen Zahlen der sowjetischen und amerikanischen&#13;
Mittelstrecken-Streitkräfte führen.&#13;
&#13;
- Die Nuklearstreitkräfte anderer Länder, wie die britischen und französischen, sind unabhängig und sind nicht Teil der bilateralen amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen.&#13;
&#13;
Es handelt sich dabei um strate-&#13;
&#13;
gische Waffen, und die strategischen Arsenale der Sowjets wiegen sie&#13;
mehr als auf.&#13;
&#13;
- Weiter darf ein Abkommen die Bedrohung nicht von Europa nach Asien verlagern.&#13;
&#13;
Bei der Reichweite und der Mobilität der SS-20-Raketen müssen&#13;
&#13;
sinnvolle Begrenzungen dieser Raketen und vergleichbarer amerikanischer&#13;
Systeme weltweit gelten.&#13;
&#13;
- Ein Abkommen muß wirksam verifizierbar sein.&#13;
&#13;
- Und ein Abkommen darf schließlich nicht die Fähigkeit der NATO untergraben, sich selbst mit konventionellen Streitkräften verteidigen zu&#13;
können.&#13;
Wir haben uns eng mit unseren atlantischen Verbündeten konsultiert,&#13;
und sie stehen nachdrücklich hinter diesen Prinzipien.&#13;
&#13;
Anfang dieser Woche&#13;
&#13;
habe ich unseren Verhandlungschef in Genf, Botschafter Paul Nitze, angewiesen, die sowjetische Delegation von einem neuen amerikanischen Vorschlag in&#13;
Kenntnis zu setzen, der die volle Unterstützung unserer Verbündeten hat.&#13;
&#13;
Wir sind bereit, ein Zwischenabkommen auszuhandeln, um unsere geplanten Dislozierungen zu verringern, wenn die Sowjetunion ihre entsprechenden&#13;
Gefechtsköpfe auf einen gleichen Stand reduziert.&#13;
&#13;
- 10 -&#13;
&#13;
Dies würde alle amerikanischen&#13;
&#13;
�, alle amerikanischen und sowjetischen Waffen dieser Klasse einschließen, wo&#13;
immer sie stationiert sind.&#13;
Unser Angebot einer Null-Lösung für beide Seiten wird selbstverständlich&#13;
als unser Endziel auf dem Tisch bleiben.&#13;
&#13;
Gleichzeitig bleiben wir, wie wir&#13;
&#13;
dies von Anbeginn waren, für ernsthafte Gegenvorschläge offen.&#13;
Die sowjetischen Verhandlungsführer sind jetzt nach Moskau zurückgekehrt,&#13;
wo unser neuer Vorschlag, so hoffen wir, während dieser Verhandlungspause sorgfältige Prüfung erfahren wird.&#13;
&#13;
Botschafter Nitze hat vorgeschlagen, die Ver-&#13;
&#13;
handlungen Mitte Mai, also mehrere Wochen früher als geplant, wieder aufzunehmen, und die Sowjets haben dem zugestimmt.&#13;
Ich bedaure es, daß die Sowjetunion bisher nicht bereit war, die völlige Beseitigung dieser Systeme auf beiden Seiten zu akzeptieren.&#13;
&#13;
Die Frage,&#13;
&#13;
. die ich jetzt der sowjetischen Regierung stelle, ist, auf welchen gleichen&#13;
Stand sie zu verringern bereit ist, wenn sie nicht zur Beseitigung bereit ist.&#13;
&#13;
Nonproliferation&#13;
Der neue Vorschlag soll dazu dienen, in Genf zu einem baldigen und echten Fortschritt zu führen. Wenn die Rüstungskontrolle jedoch wirklich vollständig sein und die Sicherheit der Welt gestärkt werden soll, dann müssen wir&#13;
auch unsere Bemühungen steigern, der Ausbreitung von Kernwaffen Einhalt zu gebieten.&#13;
Jedes Land, das eine friedliche Weltordnung schätzt, muß das seinige&#13;
dazu tun.&#13;
&#13;
Unsere Verbündeten haben - als wichtige Nuklearexporteure - auch&#13;
&#13;
eine sehr große Verantwortung, die Ausbreitung von Kernwaffen zu verhindern.&#13;
Um diesem Ziel zu dienen, sollten wir alle umfassende&#13;
&#13;
Sicherheitsvorkehrungen&#13;
&#13;
als eine Vorbedingung für künftige Lieferverpflichtungen auf dem nuklearen Sektor einführen.&#13;
&#13;
In den kommenden Tagen werde ich mit anderen führenden Staats- 11 -&#13;
&#13;
�führenden Staatsmännern der Welt über die Notwendigkeit einer dringlichen&#13;
Behandlung dieser Dinge und andere Maßnahmen gegen die nukleare Proliferation&#13;
sprechen.&#13;
&#13;
Das Einfrieren von Kernwaffen&#13;
&#13;
Das sind die Dinge, die wir bisher auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle&#13;
getan haben.&#13;
&#13;
Unsere Vorschläge sind fair, weitreichend und umfassend, aber&#13;
&#13;
wir sind noch weit von unserem Ziel entfernt.&#13;
&#13;
Wir Amerikaner sind manchmal ungeduldige Menschen.&#13;
&#13;
Ich vermute, daß&#13;
&#13;
das ein Symptom unseres traditionellen Optimismus, unserer traditionellen&#13;
Energie und unseres traditionellen Geistes ist. Oft ist es eine Quelle der&#13;
Stärke.&#13;
&#13;
Bei Verhandlungen kann jedoch Ungeduld ein echter Nachteil sein. Oe^&#13;
&#13;
der von uns, der schon einmal mit Verhandlungen zwischen den Sozialpartnern&#13;
oder irgendwelchen anderen Lohnverhandlungen zu tun hatte, weiß, daß Geduld&#13;
die Verhandlungsposition stärkt.&#13;
&#13;
Wenn eine Seite zu ungeduldig oder zu hem-&#13;
&#13;
mungslos zu sein scheint, dann hat die andere Seite keinen Grund, einen Kompromiß anzubieten, und jeden Grund,abzuwarten - in, der Erwartung,daß die ungeduldigere Seite als erste nachgeben wird.&#13;
&#13;
Das ist nun einmal eine Grundtatsache des Lebens, die aus dem Auge zu&#13;
verlieren wir uns nicht leisten können, wenn wir mit der Sowjetunion verhandeln.&#13;
net.&#13;
&#13;
Deren Verhandlungsposition war niemals von Großzügigkeit gekennzeichEine solche würde der grundlegend militanten Einstellung der marxistisch-&#13;
&#13;
leninistischen Ideologie zuwiderlaufen.&#13;
&#13;
Es ist also lebenswichtig, daß wir Geduld, Entschlossenheit und vor&#13;
allem nationale Einigkeit an den Tag legen.&#13;
&#13;
Wenn wir zerstritten erscheinen&#13;
&#13;
- wenn die Sowjets vermuten, daß innenpolitischer Druck und innenpolitische&#13;
Forderungen unsere Position untergraben werden, dann werden sie sich auf die&#13;
Hinterbeine stellen.&#13;
&#13;
Und das kann nur ein Abkommen verzögern und könnte sogar&#13;
&#13;
- 12 -&#13;
&#13;
�könnte sogar unsere Hoffnungen auf ein Abkommen zerstören.&#13;
&#13;
Darum mache ich mir solche Sorgen über den Vorschlag eines nuklearen&#13;
Einfrierens, wie er gegenwärtig im Repräsentantenhaus behandelt wird.&#13;
&#13;
Die&#13;
&#13;
meisten derjenigen, die für das Einfrieren sind, haben sicherlich die besten&#13;
Absichten und machen sich Sorgen über das Wettrüsten und die Gefahren eines&#13;
Atomkrieges.&#13;
&#13;
Niemand teilt ihre Besorgnis mehr als ich. Aber so gut ihre&#13;
&#13;
Absichten auch sein mögen, diese Vorschläge für ein Einfrieren würden mehr&#13;
schaden als nützen.&#13;
&#13;
Sie scheinen eine einfache Lösung zu bieten.&#13;
&#13;
gibt keine einfachen Lösungen für komplizierte Probleme.&#13;
&#13;
Aber es&#13;
&#13;
Wie H.L. Mencken ein-&#13;
&#13;
mal trocken bemerkte, gibt es für jedes Problem eine Lösung, die einfach, elegant und falsch ist.&#13;
&#13;
Das Konzept des Einfrierens ist aus vielerlei Gründen&#13;
&#13;
gefährlich:&#13;
&#13;
- Es würde den heutigen hohen, ungleichen und instabilen Stand der Nuklearstreitkräfte festschreiben und dadurch die sowjetischen Anreize, über&#13;
echte Verringerungen zu verhandeln, verkleinern.&#13;
- Es würde unseren Verhandlungsführern in Genf den Teppich unter den Füßen&#13;
wegziehen, wie sie selbst gesagt haben.&#13;
&#13;
Denn warum sollten schließlich&#13;
&#13;
die Sowjets verhandeln, wenn sie schon ein Einfrieren in einer Position&#13;
des Vorteils für sich erreicht hätten?&#13;
&#13;
- Obwohl manche Leute der Meinung sind, daß man sich über ein Einfrieren&#13;
leicht einigen könnte, brächte es doch gewaltige und komplizierte Probleme mit sich im Hinblick darauf, was denn nun eingefroren werden soll,&#13;
wie dies erreicht und vor allem, wie dies verifiziert werden kann.&#13;
&#13;
Der&#13;
&#13;
Versuch, diese entscheidend wichtigen Einzelheiten auszuhandeln, würde&#13;
uns nur von dem Ziel ablenken, über Verminderungen Einigung zu erzielen&#13;
- und wer weiß für wie lange.&#13;
&#13;
- Der Einfrierungsvorschlag wäre darüber hinaus weit sinnvoller, wenn eine&#13;
ähnliche Bewegung gegen Atomwaffen einen ähnlichen Druck auf die sowje-&#13;
&#13;
- 13 -&#13;
&#13;
�die sowjetischen Führer in Moskau ausüben würde.&#13;
&#13;
Wie es der frühere&#13;
&#13;
amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown formuliert hat:&#13;
&#13;
Das&#13;
&#13;
Einfrieren zielt darauf ab, "Druck auf die Vereinigten Staaten, nicht&#13;
jedoch auf die Sowjetunion auszuüben".&#13;
&#13;
- Und schließlich würde ein Einfrieren die Sowjets für eine 15jährige&#13;
Aufrüstung belohnen, während wir auf unsere heutige Ausrüstung festgelegt würden, die in vielen Fällen veraltet ist und dringend der Modernisierung bedarf.&#13;
&#13;
Drei Viertel der sowjetischen strategischen Gefechts-&#13;
&#13;
köpfe befinden sich auf Einsatzsystemen, die fünf Jahre oder weniger alt&#13;
sind, während sich drei Viertel der amerikanischen strategischen Gefechtsköpfe&#13;
&#13;
auf Systemen befinden, die 15 Jahre alt oder noch älter sind.&#13;
&#13;
Es kommt natürlich einmal der Zeitpunkt, an dem alles veraltet ist nur, das Problem ist, daß dieser Zeitpunkt für uns weitaus früher&#13;
kommt als für die Sowjets.&#13;
&#13;
Und nach einem Einfrieren könnten wir daran&#13;
&#13;
überhaupt nichts mehr ändern.&#13;
&#13;
Unsere strategischen Bomber vom Typ B-52 sind älter als viele der Piloten, die sie fliegen; wären dies Automobile, würde man sie als antik bezeichnen.&#13;
&#13;
Ein Einfrieren würde uns auf absolute Überalterung festschreiben.&#13;
&#13;
Es&#13;
&#13;
ist einfach zuviel verlangt, von den Männern und Frauen in unseren Streitkräften&#13;
zu fordern, daß sie ihr Leben mit überholten Ausrüstungen aufs Spiel setzen.&#13;
Die zwei Millionen patriotischen Amerikaner in unseren Streitkräften verdienen&#13;
die beste und modernste Ausrüstung, um sie - und um uns - zu schützen.&#13;
&#13;
Ich bin sicher:&#13;
&#13;
Jeder Präsident hat davon geträumt, die Welt sicherer&#13;
&#13;
zu gestalten, als er sie vorgefunden hat.&#13;
&#13;
Ich versichere Ihnen, es ist mein&#13;
&#13;
Ziel - und die Überzeugung ist mir heilig -.Fortschritte in Richtung auf&#13;
Rüstungsverminderungen bei jeder der Verhandlungen zu erzielen, die gegenwärtig&#13;
stattfinden.&#13;
&#13;
Ich appelliere an alle Amerikaner - in beiden Parteien und in allen&#13;
Zweigen unserer Regierung -,sich mir in diesem Bemühen anzuschließen.&#13;
&#13;
Wir&#13;
&#13;
dürfen es nicht zulassen, daß unsere Meinungsverschiedenheiten oder unsere&#13;
- 14 -&#13;
&#13;
�oder unsere Parteipolitik uns davon abhalten, den Frieden zu stärken und die&#13;
Rüstungen zu vermindern.&#13;
&#13;
Ich spreche gegenüber unseren Verbündeten und Freunden in Europa und&#13;
Asien die Verpflichtung aus: Wir werden uns auch weiterhin eng mit Ihnen&#13;
konsultieren.&#13;
&#13;
Wir sind uns bei den Verhandlungen mit unseren Gegnern über&#13;
&#13;
Fragen, die für Sie, Ihre Sicherheit und Ihr Wohlergehen von Belang sind,&#13;
unserer Verantwortung bewußt.&#13;
&#13;
Den Führern und dem Volk der Sowjetunion rufe ich zu:&#13;
&#13;
Schließen Sie&#13;
&#13;
sich uns an auf dem Weg zu einer friedlicheren und sichereren Welt.&#13;
&#13;
Lassen&#13;
&#13;
Sie uns wetteifern im Bereich der Ideen, auf dem Gebiet der friedlichen&#13;
Konkurrenz.&#13;
&#13;
Lassen Sie die Geschichte einmal die Feststellung treffen, daß&#13;
&#13;
wir unsere Theorien durch menschliche Erfahrungen erprobt und daß wir nicht&#13;
einander zerstört haben im Namen der Rechtfertigung unserer jeweiligen Lebensart.&#13;
&#13;
Und lassen Sie uns in unserem internationalen Verhalten Zurückhaltung&#13;
&#13;
üben, so daß eines Tages ein beiderseitiges Vertrauen und ein sicherer Friede&#13;
an die Stelle des gegenwärtigen Klimas des Mißtrauens treten können.&#13;
&#13;
Gibt es einen besseren Zeitpunkt, um uns diesem Vorhaben erneut zu verpflichten, als die Osterzeit, in der Millionen von Menschen in aller Welt demjenigen huldigen, der uns Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen&#13;
gelehrt hat?&#13;
&#13;
Dies, meine amerikanischen Mitbürger, ist das Ziel aller demokratischen&#13;
Nationen - ein Ziel, das Festigkeit, Geduld und Verständnis erfordert.&#13;
die Sowjetunion in diesem Geiste reagiert, dann stehen wir bereit.&#13;
&#13;
Wenn&#13;
&#13;
Und wir&#13;
&#13;
können unserer Nachwelt das Vermächtnis des Friedens übermitteln - Frieden&#13;
und Freiheit sind die größten Gaben, die eine Generation der anderen vermachen&#13;
kann.&#13;
&#13;
+ + + + +&#13;
- 15 -&#13;
&#13;
�I&#13;
&#13;
Dokumentation&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
15&#13;
&#13;
US-SENATOR: ZUKUNFT IST NUR GEMEINSAM ZU BEWÄLTIGEN&#13;
- Berlin-Rede von Senator Mathias -&#13;
&#13;
BERLIN - (AD) - Der republikanische Senator Charles McC. Mathias, Jr.&#13;
aus Maryland hat auf der 12. deutsch-amerikanischen Zwei Jahreskonferenz der&#13;
Atlantik-Brücke und des American Council on Germany in Berlin seine feste&#13;
Überzeugung zum Ausdruck gebracht,daß die westlichen Nationen ihre Zukunft&#13;
nur gemeinsam bewältigen können.&#13;
Die Ansprache des Senators vom 25. März 1983 hat folgenden Wortlaut:&#13;
Es ist mir eine Ehre, auf der 12. Zweijahreskonferenz des American&#13;
Council on Germany und der Atlantik-Brücke sprechen zu dürfen.&#13;
&#13;
Es ist eine&#13;
&#13;
Freude, mit so vielen Freunden zusammen zu sein.&#13;
Wir werden diese Freundschaft brauchen, um diese Diskussionen durchzustehen.&#13;
&#13;
Ich möchte sie aber jetzt nicht beurteilen, indem ich auf unsere&#13;
&#13;
Probleme eingehe und unsere Meinungsverschiedenheiten bedauere, ich möchte&#13;
vielmehr auf unsere gemeinsamen Zielsetzungen zu sprechen kommen.&#13;
Ich will&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Ich will diese meine Gedanken nicht zum Trost vortragen, sondern weil&#13;
ich der Überzeugung bin, daß wir, je klarer wir unsere beiderseitigen Interessen definieren, desto weitgefaßter unsere Politiken und Maßnahmen in Einklang bringen können.&#13;
&#13;
Die Notwendigkeit einer solchen Kooperation ist immer&#13;
&#13;
vorhanden und ist nach meiner Meinung einfach zwingend geworden.&#13;
Wenn wir unsere gemeinsamen Ziele fördern wollen, dann müssen wir mit&#13;
der Einsicht beginnen, daß die in Amerika und in Deutschland verankerte Atlantische Gemeinschaft durch etwas mehr fundiert ist als durch die gegenseitige Verpflichtung ihrer Mitglieder, einander im Falle eines Angriffs zu helfen.&#13;
&#13;
Dieses Versprechen ist selbstverständlich die Grundlage.&#13;
&#13;
len geholfen, den Frieden in Europa zu bewahren.&#13;
&#13;
Es hat uns al-&#13;
&#13;
Das ist zwar der Kern unseres&#13;
&#13;
Verhältnisses, aber es ist nicht die Seele unseres Bündnisses.&#13;
Der Pakt, den wir vor mehr als einer Generation geschlossen haben, ist&#13;
mehr als eine Abmachung für kollektive militärische Sicherheit.&#13;
&#13;
Dieser Pakt&#13;
&#13;
ist defensiv in dem Sinne, daß er keine Aggression androht, aber er ist auch&#13;
in die Zukunft gerichtet.&#13;
&#13;
Nach Artikel 2 des Nordatlantikvertrages kamen wir&#13;
&#13;
zusammen, um "zur weiteren Entwicklung friedlicher und freundschaftlicher internationaler Beziehungen bei(zu)tragen", und zwar indem wir die "freien Einrichtungen festigen... und... die Voraussetzungen für die innere Festigkeit&#13;
und das Wohlergehen fördern."&#13;
&#13;
Wir haben also keine enggefaßte, statische&#13;
&#13;
Auffassung unserer Pflichten niedergelegt, sondern eine aktive, expansive&#13;
Vorstellung unserer Chancen und Aufgaben.&#13;
Wir haben nicht nur vom Krieg verwüstete Länder wieder aufgebaut, sondern wir haben auch neue Institutionen geschaffen - die OECD, das GATT, die&#13;
Weltbank und den Internationalen Währungsfonds sowie die Europäische Gemeinschaft -, um das wirtschaftliche Wachstum zu fördern und die Welt gegen neues&#13;
Unheil zu stärken. Zu Anfang unseres Bündnisses schufen wir so ein vernünftiges Gleichgewicht der Verteidigungsanforderungen und der Förderung des Wohlstandes. Wir schmiedeten Schwerter und Pflugscharen, um vor einem Krieg abzuschrecken und den Frieden zu sichern.&#13;
Über 20 Jahre&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�über 20 Jahre lang haben uns die beiden sich ergänzenden Strategien&#13;
mit beachtlichem Erfolg immer weiter gebracht.&#13;
&#13;
Aber etwa im letzten Jahr-&#13;
&#13;
zehnt ließ nicht nur unser Schwung nach, sondern unsere Wege gingen auch auseinander - weniger innerhalb der NATO als außerhalb ihres Bereichs, aber doch&#13;
eigentlich in beiden Bereichen.&#13;
&#13;
Es gibt viele Erklärungen für das, was geschehen ist.&#13;
&#13;
Daß die Sowjets&#13;
&#13;
die nukleare Parität erreichten und daß Amerika so lange und tragisch in&#13;
Vietnam verwickelt war, hat viele Berechnungen der militärischen und politischen Stärke über den Haufen geworfen.&#13;
&#13;
Und die ölschocks von 1973 und 1979&#13;
&#13;
warfen ebenso viele wirtschaftliche Annahmen über den Haufen.&#13;
&#13;
Und schließlich&#13;
&#13;
hat die sich hinausziehende internationale Rezession der letzten Jahre uns&#13;
viel von unserem Vertrauen zu uns selbst und zu anderen genommen.&#13;
&#13;
Solche Entwicklungen - und ich habe nur einige der ganz offensichtlichen&#13;
erwähnt - haben eine tiefe Auswirkung auf die gegenwärtigen Verhältnisse und&#13;
unsere Zukunftserwartungen.&#13;
&#13;
Leider waren unsere Antworten auf diese Entwick-&#13;
&#13;
lungen zu oft zu kurzatmig und improvisiert - ein Versuch, die Position gerade&#13;
noch zu halten.&#13;
&#13;
Manchmal sah es so aus, als ob wir Hegel recht geben wollten,&#13;
&#13;
wenn er sagt, daß unter dem Druck großer Ereignisse ein allgemeines Prinzip&#13;
nicht viel hilft.&#13;
&#13;
Ich stimme dem nicht zu.&#13;
&#13;
Genau dann, wenn Ereignisse uns besonders be-&#13;
&#13;
lasten, sollten wir in allgemeinen Prinzipien Hilfe suchen.&#13;
&#13;
Und die Regel,&#13;
&#13;
an die wir uns nach meiner Auffassung wieder halten müssen, ist die, daß das&#13;
Wachstum wieder unser Hauptanliegen als Nationen und als Verbündete sein muß.&#13;
&#13;
Eine geschlossene Gesellschaft kann es sich vielleicht eine Zeitlang&#13;
leisten, ihre Untertanen in ihren Hoffnungen und Wünschen einzuschränken.&#13;
Aber ein solches System kann nicht gleichzeitig die Optionen einschränken&#13;
und kreative Energie freisetzen.&#13;
&#13;
Selbst ein Weltreich, das so riesig und so&#13;
&#13;
reich ist wie das, über das Moskau herrscht, kann Zeichen der Stagnation erkennen lassen, wenn es sich selbst zu eng gegen den Wandel verfestigt und Neu-&#13;
&#13;
- 3,-&#13;
&#13;
�und Neugier, Ausdruck und Experiment unterdrückt.&#13;
Aus anderen aber ebenso zwingenden Gründen müssen Demokratien ständig&#13;
den Blick ihrer Bürger zu weiten suchen. Unsere Regierungen können kurze Zeitspannen der Einschränkung überstehen, aber nicht den unbegrenzten Aufschub&#13;
von wirtschaftlichem und sozialem Fortschritt. Wir sind wie Radfahrer auf&#13;
einem Hochseil, die ihren Schwung behalten müssen, um ihr Gleichgewicht zu&#13;
behalten.&#13;
&#13;
Stabilität kann für uns nur durch Vorwärtsbewegung garantiert werden.&#13;
&#13;
Zweifellos kann unser Wachstum nicht länger territorial gesehen werden.&#13;
Noch wird es durch neu entdeckte Rohstoffreserven beschleunigt werden. Was&#13;
wir am meisten brauchen werden, ist Einfallsreichtum, und das ist glücklicherweise eines der Bestandteile des Wachstums, das in unbegrenzter Menge vorhanden ist. Unsere Aufgabe besteht darin, Verhältnisse zu schaffen, die unsere&#13;
erfinderischen Fähigkeiten am besten anregen - ein politisches, soziales und&#13;
wirtschaftlichem Universum, das uns große Chancen bietet und uns die größtmögliche Freiheit des Handelns läßt.&#13;
Im physischen Sinne existiert dieses Universum bereits, aber es ist weniger ein einziges System als eine Konstellation dreier, ungleicher und wenig&#13;
gefestigter Galaxien. Die uns am nächsten liegende und strahlendste besteht&#13;
aus den modernen, industrialisierten Demokratien des Westens. Die größte zumindest was die Bevölkerungszahl und das unausgeschöpfte Potential angeht liegt jenseits des südlichen Horizonts. Und die dritte steht unter einem roten Stern, der ein unheimliches Licht wirft - die kommunistischen Staaten Europas und Asiens.&#13;
Wir können die Geographie oder die Geschichte nicht ändern, die diese&#13;
drei getrennten und ungleichen Ganzheiten geschaffen haben. Aber wir können&#13;
mehr tun, um zu verhindern, daß sie miteinander kollidieren. Wir müssen sehr&#13;
viel mehr tun, um breitere, stabilere und produktivere Verbindungen unter ihnen&#13;
zu schaffen, damit sie - zur Koexistenz gezwungen - auch zur Kooperation gelangen.&#13;
Kooperation beginnt&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�Kooperation beginnt bei uns selbst.&#13;
&#13;
Innerhalb unserer eigenen Gemein-&#13;
&#13;
schaft ist kein einziges Land, nicht einmal die Vereinigten Staaten, groß&#13;
oder reich genug, um allein zu florieren.&#13;
&#13;
Wir könnten uns vielleicht in der&#13;
&#13;
Isolation eben am Leben erhalten, aber wir könnten uns gewiß nicht sicher&#13;
fühlen oder sicher sein ohne sowohl die kollektive Verteidigung als auch den&#13;
umfassenden Handel•&#13;
Diese Realität hat unser Bündnis über drei Jahrzehnte lang geleitet.&#13;
Sie sollte heute nicht bestritten werden.&#13;
wir voneinander&#13;
&#13;
abhängig sind.&#13;
&#13;
Wir kommen nicht darum herum, daß&#13;
&#13;
Es gibt keine ehrenhafte Alternative zur ge-&#13;
&#13;
genseitigen Unterstützung.&#13;
Und doch sind heute mächtige Kräfte am Werk, die diese Richtschnur nicht&#13;
mehr gelten lassen wollen. Manche Leute suchen wirtschaftliche Rettung im Protektionismus. Manche hängen einer Illusion des Friedens nach - eines Friedens,&#13;
der durch Verweigerung der notwendigen Maßnahmen der kollektiven Verteidigung&#13;
gewonnen werden soll, oder eines Friedens, der durch übertriebene Investitionen&#13;
in Waffen auferlegt werden soll.&#13;
All diese Leute, ob Amerikaner oder Europäer, ob Protektionisten, Pazifisten oder Unilateralisten,erliegen einem gemeinsamen Irrtum.&#13;
&#13;
Sie bestreiten&#13;
&#13;
die unumstößliche und unbequeme Tatsache der gegenseitigen Abhängigkeit - in&#13;
der Überzeugung, daß es für ein Land allein machbar wäre, das Verhalten anderer&#13;
zu kontrollieren oder sich selbst gegen dieses Verhalten immun zu machen.&#13;
se Überzeugung ist fehl am Platze.&#13;
&#13;
Die-&#13;
&#13;
Ihr zu folgen wäre töricht, ja vielleicht&#13;
&#13;
sogar tödlich.&#13;
Ihr nicht zu folgen, vor allem nicht den sehr starken wirtschaftlichen&#13;
Interessengruppen in unseren Ländern, wird auch nicht leicht sein. Manche dieser Interessengruppen haben nicht nur tiefverwurzelte Überzeugungen, sondern&#13;
auch beträchtliche politische Macht.&#13;
&#13;
Sie üben eien großen Einfluß aus, und in&#13;
&#13;
vielen Fällen steht ihre Stärke jetzt im Dienste der Bestrebungen gegen den Wandel und einer Politik, die uns auf den Weg der Stagnation weist.&#13;
Wir müssen&#13;
&#13;
�Wir müssen deshalb überzeugender sein, wenn wir das Evangelium des&#13;
Wachstums predigen.&#13;
&#13;
Wir müssen unsere Bürger und die Organisationen, die sie&#13;
&#13;
vertreten, überzeugen, daß die Schmerzen der Anpassung durch den Lohn des&#13;
Wachstums von morgen gestillt werden.&#13;
&#13;
Wenn wir dieser Botschaft in allen unseren Ländern Gehör verschaffen wollen, dann müssen wir sie auf alle anwendbar machen.&#13;
&#13;
Amerikanische Industrie-&#13;
&#13;
arbeiter - um nur ein Beispiel zu nehmen - werden nicht leicht auf neue Schutzmaßnahmen für sich selbst verzichten, wenn sie nicht erleben, daß die Europäer&#13;
und Japaner alte Handelsschranken, die sie errichtet haben, abbauen.&#13;
&#13;
Jene,&#13;
&#13;
die Zugeständnisse machen, werden dafür eine faire Behandlung erwarten.&#13;
&#13;
Frei-&#13;
&#13;
willige Opfer werden gemeinsameOpfer sein müssen.&#13;
&#13;
Und in dem gleichen Maß, in dem wir gemeinsam die Konsequenzen eines freien internationalen Marktes bei Gütern und Dienstleistungen zu tragen haben, müssen wir auch die Anstrengungen koordinieren, die wir unternehmen, um unsere&#13;
Binnenmärkte zu stimulieren.&#13;
&#13;
Die OECD-Staaten sind einander die besten Kunden&#13;
&#13;
und zugleich die stärksten Konkurrenten.&#13;
&#13;
Durch die Gestaltung ihrer Währungs-&#13;
&#13;
politik und durch die Behandlung der Nachfrage müssen sie gleichfalls zu engeren Partnern werden, damit sie sich nicht gegenseitig des Kapitals berauben,&#13;
das notwendig ist, um durch Investitionen neue Arbeitsplätze zu schaffen.&#13;
&#13;
Wir&#13;
&#13;
können nicht auf der einen Seite des Atlantik Männern und Frauen wieder Arbeit&#13;
beschaffen, während die Arbeitslosigkeit auf der anderen Seite so hoch bleibt,&#13;
daß eine gesteigerte Produktion keine Käufer findet.&#13;
&#13;
Wenn ich diese Vorschläge in solch verkürzter Weise vortrage, so will ich&#13;
damit nicht unterstellen, es gäbe einfache Antworten auf unsere wirtschaftlichen&#13;
Probleme.&#13;
&#13;
Ganz im Gegenteil:&#13;
&#13;
Der industrialisierte Westen steht vor einer Pe-&#13;
&#13;
riode des schmerzhaften strukturellen Wandels bei der Arbeit, die wir tun, sowie bei Fähigkeiten und bei Organisationsweisen, derer wir bedürfen, um sie zu&#13;
tun.&#13;
&#13;
Mein Argument ist lediglich, daß wir uns durch diesen Sturm nicht auf ver-&#13;
&#13;
schiedenen Wegen schlagen sollten.&#13;
&#13;
Wir können aber auch nicht versuchen, abzu-&#13;
&#13;
warten, bis er vorüber ist, indem wir einen stillen Hafen ausfindig machen, wo&#13;
&#13;
- 6 -&#13;
&#13;
�machen, wo wir Schutz zu finden meinen.&#13;
&#13;
Wir müssen im Konvoi segeln und un-&#13;
&#13;
sere Maschinen stärker unter Dampf setzen, um einen beständigen Kurs in Riehtung Wachstum zu halten.&#13;
&#13;
Die von uns im Rahmen unseres eigenen Systems ergriffenen Maßnahmen werden dabei natürlich nicht angemessen sein, auch nur unsere eigene Erholung&#13;
und Expansion zu sichern, sollten die Entwicklungsländer zusammenbrechen, während wir unsere Stärke wiederfinden.&#13;
&#13;
Wir sehen natürlich, daß ein Bankrott un-&#13;
&#13;
serer wichtigsten Schuldnerländer - die ja auch wichtige Kunden und in einigen&#13;
Produktionsbereichen unsere Rivalen sind - unser finanzielles Haus gleichfalls&#13;
zum Einsturz bringen würde.&#13;
&#13;
Aus Gründen des wirtschaftlichen und politischen&#13;
&#13;
Eigeninteresses müssen wir die Staaten der Dritten Welt so behandeln, als hinge&#13;
unser überleben von ihrem ab.&#13;
&#13;
Denn das tut es.&#13;
&#13;
Sogar im Falle der Vereinigten Staaten, bei denen die Ausfuhren erst in&#13;
jüngerer Zeit einen bedeutsameren Anteil des Bruttosozialproduktes auszumachen&#13;
begannen, nehmen nunmehr die nicht der OPEC angehörenden Entwicklungsländer&#13;
fast ein Drittel dessen auf, was wir im Ausland verkaufen.&#13;
&#13;
Sie kaufen von uns&#13;
&#13;
mehr als die Europäische Gemeinschaft insgesamt bzw. mehr als unsere drei größten Handelspartner Kanada, Japan und Mexiko.&#13;
&#13;
Wenn ihre Nachfrage schrumpft -&#13;
&#13;
oder gar in einem Chaos von Zahlungseinstellung und beendeter Kreditgewährung&#13;
ganz verschwindet -, verschwinden auch die Aussichten auf eine Wiedergesundung&#13;
in den Vereinigten Staaten.&#13;
&#13;
Die von uns gewünschte Expansion zu Hause muß so gelenkt werden, daß sie&#13;
auch Expansion in der Dritten Welt einschließt.&#13;
&#13;
Auch hier müssen wir unsere&#13;
&#13;
Maßnahmen koordinieren - sowohl die Rettungsmaßnahmen der internationalen Finanzinstitutionen, wo bereits ein guter Anfang gemacht wurde, als auch die langfristigen, öffentlichen und privaten Anstrengungen bei Investitionen zur Schaffung stärkerer Grundlagen eines anhaltenden Wachstums in den Entwicklungsländern.&#13;
Es geht nicht darum, gutes Geld hinter schlechtem herzuwerfen oder unkluge westliche Banken vor den Folgen ihres Handelns zu schützen.&#13;
&#13;
Aber selbst wenn auch&#13;
&#13;
dies zu den Ergebnissen gehören würde, so wäre unser Ziel dennoch das gleiche ein Desaster zu vermeiden, weil unser gemeinsames Heil in einer wachsenden,&#13;
&#13;
�einer wachsenden, nicht in einer zerschlagenen Weltwirtschaft liegt.&#13;
&#13;
Und wie steht es um unsere Beziehungen zum kommunistischen System in&#13;
einer Periode solch hoher Anspannung bei Ressourcen und unserem politischen&#13;
Willen?&#13;
&#13;
Können wir, da unser Haus in Unordnung geraten ist, von unseren&#13;
&#13;
abenteuerlichen Rivalen etwas anderes erwarten als Schadenfreude und Schritte,&#13;
die auf Vorteile aus unserer Verwirrung und unseren Sorgen aus sind?&#13;
&#13;
Bei der&#13;
&#13;
Antwort hierauf hängt viel von der Geschwindigkeit und von der Entschlossenheit ab, mit der wir uns in Bewegung setzen.&#13;
&#13;
Aber was eine Krise für den&#13;
&#13;
Westen ist, ist noch lange nicht eine großartige Gelegenheit für den Osten.&#13;
Tatsächlich ist auch die kommunistische Welt aus dem Gleichgewicht geraten,&#13;
und durch unsere gleichzeitigen Konfrontationen mit neuen Gefahren könnten wir&#13;
- ich will nicht allzu optimistisch sein -, aber könnten wir in der Lage sein,&#13;
ein besseres Verständnis zu schaffen.&#13;
&#13;
Von der Sowjetunion können wir derzeit mit Gewißheit nur sagen, daß&#13;
ihre neue Führung vor einigen grundlegenden Alternativen steht, vor politischen&#13;
Entscheidungen, die durch die politische Sklerose der letzten Breschnew-Jahre&#13;
hinausgeschoben wurden.&#13;
&#13;
Wir können nicht sagen, welche Entscheidung getroffen&#13;
&#13;
werden wird, und auch nicht, wie bald sie getroffen wird.&#13;
&#13;
Aber ich glaube,&#13;
&#13;
wir dürften zurecht skeptisch hinsichtlich der dauerhaften Vorteile sein, die&#13;
sich für das Regime aus seinem derzeitigen Bemühen um Disziplin ergeben werden.&#13;
Es ist schwer, aus Drohung eine Verbindlichkeit zu machen.&#13;
&#13;
Auch wenn es mög-&#13;
&#13;
lich wäre, die Arbeiter dazu zu bringen, rechtzeitig an ihrem Arbeitsplatz zu&#13;
erscheinen, dürften sich doch mit nachlassender Zunahme der verfügbaren Arbeitskraft, mit dramatischer Überalterung der Industrieanlagen, mit schwierigerer&#13;
Erschließung und kostspieligerem Transport der Rohstoffe sowie mit dem, Rückgang&#13;
der Deviseneinnahmen aus dem Energieexport zusammen mit dem Absinken der OPECPreise selbst die sprachgewaltigen Wirtschaftspropheten Moskaus an die freudlosen Realitäten anzupassen haben.&#13;
&#13;
Auch die sowjetische Führung muß Wachstum anstreben, wenngleich nicht&#13;
im selben Ausmaß wie die Führungen im Westen.&#13;
&#13;
Wenn ich auch nicht an der an-&#13;
&#13;
haltenden Bereitschaft der ersteren zweifle, im Ausland Unfrieden zu säen,&#13;
- 8 -&#13;
&#13;
�zu säen, so kann ich mir doch nicht vorstellen, daß die Sowjets bei ihren&#13;
Abenteuern in der Karibik, in Asien und in Afrika im Lauf der Jahre mehr verdient haben als Wirtschaftsdefizite.&#13;
&#13;
Ich würde nicht gern ihre Rechnungen in&#13;
&#13;
Kuba, Vietnam oder Afghanistan zu zahlen haben.&#13;
tionen in Osteuropa abzuschätzen haben.&#13;
&#13;
Noch möchte ich ihre Subven-&#13;
&#13;
Und ich wäre überrascht, wenn Moskau,&#13;
&#13;
hätte es die Wahl, sich dafür entscheiden würde, die immer höheren Rechnungen&#13;
für seine Klienten zu begleichen, wenn ein kräftigeres und offeneres internationales Wirtschaftssystem diesen Abfluß seiner Reserven etwas verringern würde.&#13;
&#13;
Die Frage ist, ob wir im Westen den Kommunisten eine solche Alternative&#13;
bieten können oder nicht.&#13;
&#13;
Wenn wir der Meinung sind, ihr System nähere sich&#13;
&#13;
dem Zusammenbruch - und ich bin nicht dieser Meinung -, dann müßten wir natürlich wünschen, seine Selbstzerstörung zu beschleunigen, obgleich die damit verbundenen Explosionen zu einem Niederschlag führen würden, der auch für uns weit&#13;
tödlicher als saurer Regen wäre.&#13;
&#13;
Wenn wir jedoch davon ausgehen, daß die sowje-&#13;
&#13;
tische Götterdämmerung weder bevorsteht noch unvermeidlich ist, dann könnte&#13;
jetzt ein besserer Zeitpunkt denn je sein, ein neues Rahmenwerk einer Zusammenarbeit anzustreben, die sich auf gemeinsame wirtschaftliche Interessen gründet.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten machten dem Osten ein solches Angebot zu Beginn&#13;
des Marshall-Plans, in der aufgeheizten Atmosphäre des frühen Kalten Krieges.&#13;
Stalin wies den Vorschlag zurück, und auch Andropow dürfte noch nicht bereit&#13;
sein, den Preis zu zahlen - eine echte Offenlegung der wirtschaftlichen Konten&#13;
und einen offenen politischen Umgang miteinander -, den eine jede wirksame Zusammenarbeit zwischen unserem System der Marktwirtschaft und ihrem kontrollierten Planwirtschaftssystem erfordern würde.&#13;
&#13;
Wir werden die Antwort ohnehin&#13;
&#13;
erst dann erfahren, wenn wir versuchen, sie ihm zu entlocken.&#13;
&#13;
Und wir können&#13;
&#13;
nicht wissen, wohin dieser Weg Ost und West führen würde, wenn wir nicht versuchen, auf ihm voranzugehen.&#13;
&#13;
Zu lange haben wir uns bei der politischen Kommunikation mit den kommunistischen Mächten auf Fragen der Rüstungskontrolle und der Zurückhaltung in&#13;
der Dritten Welt oder bei den Menschenrechten konzentriert.&#13;
&#13;
- 9 -&#13;
&#13;
Dies sind lebens-&#13;
&#13;
�sind lebenswichtige Themen, aber der Dialog neigt dazu, in einer Atmosphäre&#13;
stattzufinden, die eher zu Propaganda und Paranoia als zum Fortschritt anregt.&#13;
Würden wir bei unserer Erforschung der gegenseitigen Interessen auch die Möglichkeiten eines erweiterten Handels mit einbeziehen, würden wir zumindest&#13;
einen andersartigen Kontaktbereich eröffnen, einen Weg, der von der Konfrontation fortführt.&#13;
Ich überschätze die Aussichten auf produktive Beziehungen nicht.&#13;
&#13;
Ich&#13;
&#13;
unterschätze auch nicht die Schwierigkeiten, eine westliche Haltung gegenüber&#13;
einem solchen Unterfangen zu koordinieren.&#13;
&#13;
Und ich glaube nicht, daß wir sehr&#13;
&#13;
lange ein Arrangement aufrechterhalten können, bei dem die Vereinigten Staaten&#13;
aufgefordert sind, ihre Mittel auf die gemeinsame Verteidigung zu konzentrieren,&#13;
während die Europäer Schrittmacher dabei sind, in den Wettstreit um kommerzielle&#13;
Vorteile im Osten einzutreten.&#13;
&#13;
Genau wie bei der Politik, die es zu verfolgen&#13;
&#13;
gilt, um unsere eigenen Volkswirtschaften wiederzubeleben und um zu einem anhaltenden Wirtschaftswachstum in der Dritten Welt anzuregen, müssen wir auch&#13;
hier im Gleichschritt, in Harmonie und gerüstet auf unsere gemeinsamen Ziele&#13;
zugehen.&#13;
Aber bewegen müssen wir uns. Stillstehen würde bedeuten, Boden zu verlieren. 300 Jahre ist es her, daß Deutsche - 34 Memmoniten an Bord eines Schiffes mit dem Namen "Concord" - zum erstenmal nach Amerika kamen. Sie wagten&#13;
sich ins Unbekannte, suchten die Freiheit und die Chance auf ein besseres Leben.&#13;
Die gleichen Motive - und ein ähnlicher Glaube an unsere Fähigkeiten, uns ein&#13;
solch besseres Leben und eine sicherere Zukunft zu schaffen,- sollten auch heute&#13;
unsere Gemeinschaft in ein neues, bahnbrechendes Unterfangen führen.&#13;
Damals gingen unsere Vorfahren die Risiken als einzelne ein. Jetzt müssen wir sie als Nationen eingehen. Wenn wir uns dieser Herausforderung stellen, tun wir gut daran, uns an einen anderen Satz von Hegel zu halten, an einen,&#13;
bei dem wir, wie ich meine, alle einig sind. Er schrieb: "Das Leben hat nur&#13;
dann einen Wert, wenn es etwas Wertvolles als ein Ziel hat." Frieden, Sicherheit und Wachstum in Freiheit sind unsere Ziele. Gehen wir sie gemeinsam an,&#13;
+ + + + +&#13;
- 10 -&#13;
&#13;
�15&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
DIE USA VERTEIDIGEN DIE MENSCHENRECHTE IN EL SALVADOR UND WELTWEIT&#13;
- Von Elliot Abrams Unterstaatssekretär für Menschenrechtsfragen im US-Außenministerium&#13;
&#13;
- (AD) - In einem Vortrag im Chatham House in London im Frühjahr 1982&#13;
lenkte der frühere amerikanische Außenminister Henry Kissinger die Aufmerksamkeit auf eine, wie er es nannte, "ironische Umkehr" in den europäischamerikanischen Beziehungen. In der Vergangenheit, so meinte er, hätten die&#13;
Amerikaner zu der Ansicht geneigt, die Tatsache, daß sie sich nicht in die&#13;
europäische Machtpolitik einmischten, sei ein Zeichen überlegener moralischer&#13;
Tugend. Geschützt durch zwei Ozeane, seien sie in der glücklichen Lage, sich&#13;
über ihre europäischen Freunde zu erheben, weil diese sich so sehr mit Machtpolitik befaßten und weil sie angeblich gegenüber moralischen Normen so indifferent seien. Aber, so fuhr Kissinger fort, heute ist es so, daß die Vereinigten Staaten häufig von einigen ihrer europäischen Freunden beschuldigt&#13;
werden, von Machtpolitik besessen und gegenüber moralischen Normen, d.h. den&#13;
Menschenrechten, indifferent zu sein. Diese Besetzung von geistigen Positionen, die die jeweils andere Seite aufgegeben hat, wird, so schließt&#13;
Kissinger, besonders deutlich in Fragen, die in irgendeiner Form mit der&#13;
sogenannten Dritten Welt zu tun haben, wo sich so viele strittige Menschenrechtsfragen stellen.&#13;
Es ist&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Es ist jetzt über zwei Jahre her, daß Prsäident Reagan sein Amt übernommen hat, und es mag manche Beobachter überraschen:&#13;
&#13;
Wir haben wirklich&#13;
&#13;
eine Menschenrechtspolitik.&#13;
&#13;
Nach meiner Auffassung hat diese Politik zwei Ziele:&#13;
&#13;
die Menschenrechts-&#13;
&#13;
bedingungen in einer großen Zahl von Gebieten in der ganzen Welt zu verbessern, damit die Menschen, die dort leben, etwas davon haben; und die Verpflichtung der Vereinigten Staaten für die Sache der Freiheit in der ganzen Welt&#13;
deutlich zu machen.&#13;
&#13;
Diese Ziele sind natürlich nicht nur nicht widersprüch-&#13;
&#13;
lich, sondern sie sind untrennbar.&#13;
&#13;
Und doch ist es außerordentlich schwer,&#13;
&#13;
daraus in der Praxis eine Politik zu formulieren, die beide Ziele erreicht.&#13;
&#13;
Wir leben nicht in einer idealen Welt, und wir haben auch kaum die Wahl,&#13;
uns je für das Ideale zu entscheiden.&#13;
&#13;
In der realen Welt haben wir meist&#13;
&#13;
nicht einmal die Wahl zwischen Gut und Böse, sondern nur zwischen Schlecht&#13;
und noch Schlechter; oder vielleicht noch genauer gesagt dazwischen, daß es&#13;
so bleibt oder daß es noch schlechter wird.&#13;
&#13;
Die Ereignisse in Vietnam und&#13;
&#13;
im Iran haben gezeigt, daß schlechte Lagen sich noch verschlechtern können,&#13;
und es scheint, daß man Nicaragua jetzt auch auf diese Liste setzen kann.&#13;
Viele demokratische Gegner von Präsident Thieu oder des Schahs lebten unter&#13;
jenen Regimen in Furcht, aber sie lebten und setzten ihre Oppositionstätigkeit fort.&#13;
Exil.&#13;
&#13;
Unter den Nachfolgerregimen sind sie tot, im Gefängnis oder im&#13;
&#13;
All das dürfte sich jetzt in Nicaragua wiederholen.&#13;
&#13;
Diese Frage ist nicht ganz so beunruhigend, wenn die Opposition gegen&#13;
einen Diktator demokratisch ist und unsere Unterstützung verdient.&#13;
&#13;
Aber wenn&#13;
&#13;
sie weitgehend antidemokratisch ist, dann wird die Sache höchst schwierig.&#13;
Denn ein schlechtes Regime durch ein noch schlechteres zu ersetzen, kann keine&#13;
vernünftige Menschenrechtspolitik sein.&#13;
&#13;
Diese Frage wird noch schwieriger, wenn man an Mächte denkt, die Menschenrechtsverletzungen über ihre Grenzen hinweg exportieren.&#13;
beispielsweise die Regierung von Haiti nur Einwohner Haitis.&#13;
&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
So unterdrückt&#13;
Die Diktatur&#13;
&#13;
�Die Diktatur Kubas unterdrückt aber nicht nur Kubaner, sondern bedroht auch&#13;
die Freiheit in der Karibik und in Mittelamerika und arbeitet auf der ganzen&#13;
Welt gegen die Demokratie.&#13;
&#13;
Es ist also nur ein erster Schritt, wenn man Menschenrechtsverletzungen&#13;
kritisiert und auf sie aufmerksam macht.&#13;
rechtsgruppen eine unschätzbare Rolle.&#13;
&#13;
Hier spielen die privaten MenschenEine Regierung muß jedoch weiter gehen&#13;
&#13;
und eine realistische Politik entwickeln, die darauf abzielt, mit gegebenen&#13;
Weltproblemen fertig zu werden, einschließlich möglicher Nachfolgerregime&#13;
und deren Bedrohung der Menschenrechte.&#13;
&#13;
Ich hoffe, daß es auf der Hand liegt, mit welchem Ernst sich die ReaganAdministration mit den Menschenrechtsfragen befaßt.&#13;
&#13;
Wir sind der Auffassung,&#13;
&#13;
daß sich eine wirklich ernsthafte Menschenrechtspolitik mit den fundamentalen&#13;
Fragen befassen muß, wie die Vereinigten Staaten bei dem immer komplizierter&#13;
werdenden Prozeß der Entwicklung demokratischer Institutionen helfen können unter Berücksichtigung der Tatsache, daß die Freiheit auf der Linken wie auf&#13;
der Rechten viele Feinde hat.&#13;
&#13;
Wir meinen, daß man nur dann, wenn diese Fragen&#13;
&#13;
berücksichtigt werden, sagen kann, daß man wirklich versucht, eine Menschenrechtspolitik zu formulieren, die wirksam sein kann.&#13;
&#13;
Die gegenwärtige Kontroverse zwischen der Reagan-Administration und&#13;
einigen unserer europäischen Freunde wegen der amerikanischen Politik in El&#13;
Salvador muß in diesem Zusammenhang untersucht werden.&#13;
&#13;
Aus unserer Sicht ist unser Ziel in El Salvador ein doppeltes:&#13;
&#13;
Einmal&#13;
&#13;
wollen wir den Prozeß der Versöhnung durch Demokratie sowie politische und wirtschaftliche Reform fördern, und zum andern wollen wir der Armee bei der Bekämpfung der Guerilla helfen.&#13;
dies:&#13;
&#13;
Denn wenn eines sicher ist in El Salvador, dann&#13;
&#13;
Die bewaffneten Gruppen der Guerilla, die von Kommunisten geführt wer-&#13;
&#13;
den, die mit Moskau, Havanna und Managua verbündet sind, kämpfen nicht für die&#13;
Menschenrechte.&#13;
&#13;
Sie kämpfen um die Macht.&#13;
&#13;
Und von den Modellen, die sie zu&#13;
&#13;
verbreiten suchen, wissen wir, daß sie Macht für sich selbst meinen und diese&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�und diese Macht niemals mit der Bevölkerung von El Salvador teilen wollen.&#13;
&#13;
Eine beträchtliche Zahl unserer europäischen Kritiker sieht die Dinge&#13;
jedoch anders.&#13;
&#13;
Sie beschuldigen umgekehrt die Vereinigten Staaten, sie seien&#13;
&#13;
in gefährlicher Weise von "Ost-West"-Fragen "besessen";&#13;
&#13;
sie seien hoffnungs-&#13;
&#13;
los mit einem archaischen und ungerechten Status quo verheiratet; und sie seien&#13;
gegenüber der Sache des Friedens, der sozialen Gerechtigkeit und der Reform&#13;
in El Salvador indifferent - wenn nicht gar feindlich.&#13;
&#13;
El Salvador steht heute mitten in einem blutigen Guerilla-Krieg.&#13;
hat er begonnen?&#13;
&#13;
Wie&#13;
&#13;
El Salvador ist das kleinste und am dichtesten besiedelte&#13;
&#13;
Land Mittelamerikas und ein Land mit einer langen Geschichte der Gewalt, Armut und Unterdrückung.&#13;
&#13;
Im Oktober 1979 stürzte eine Gruppe junger Offiziere&#13;
&#13;
in mittleren Rängen die Regierung von General Carlos Romero und stieß zwei&#13;
Drittel der Offiziere in einem höheren Rang als Major aus den Streitkräften&#13;
aus.&#13;
&#13;
Die revolutionäre Proklamation der Armee verpflichtete die neue Regie-&#13;
&#13;
rung auf freie Wahlen, ein demokratisches politisches System, grundlegende&#13;
wirtschaftliche und soziale Reformen und Frieden mit Honduras.&#13;
&#13;
Die Grund-&#13;
&#13;
lage der Verpflichtung der neuen Armeeführung war die Überzeugung, daß die&#13;
beherrschende Rolle, die die Armee von 1932 bis 1979 in der Politik El Salvadors&#13;
gespielt hatte, für das Land schlecht gewesen war, für die Armee schlecht gewesen war und für die meisten Offiziere schlecht gewesen war.&#13;
&#13;
Die neue Füh-&#13;
&#13;
rung war überzeugt, daß das Bündnis zwischen Armee und der Oligarchie der&#13;
Grundbesitzer gelöst werden müsse und die Armee eine Berufsarmee werden sollte.&#13;
&#13;
Die Armee schuf eine neue Regierung, der sich solche progressiven Kräfte&#13;
wie Ungo und seine Partei anschlössen.&#13;
&#13;
Der hoffnungslose Zank in dieser neuen&#13;
&#13;
Regierung machte sie handlungsunfähig, und im Januar 1980 ging die christlichdemokratische Partei, die traditionell&#13;
&#13;
stärkste Oppositionspartei, eine vor-&#13;
&#13;
sichtige Partnerschaft mit der Armee ein, die Napoleon Duarte seinen Sieg in&#13;
den Präsidentschaftswahlen von 1972 verwehrt und ihn für sieben Jahre ins Exil&#13;
nach Venezuela verbannt hatte.&#13;
Regierungsjunta.&#13;
&#13;
Zusammen bildeten sie jetzt die Revolutionäre&#13;
&#13;
Viele glaubten, diese Ehe werde nicht lange halten. Aber sie&#13;
&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�Aber sie hielt und brachte eine Reihe drastischer und weitreichender wirtschaftlicher und sozialer Reformen hervor, einschließlich der Verstaatlichung&#13;
aller Banken und eines der massivsten Landverteilungsprogramme in der Geschichte Lateinamerikas, und führte zu den Wahlen im Oktober 1982.&#13;
&#13;
Genau zu dem Zeitpunkt, an dem diese Reformen verabschiedet wurden,&#13;
schlössen sich fünf marxistisch-leninistische Gruppen in El Salvador mit Hilfe&#13;
Fidel Castros zusammen, gründeten die Faribundo Marti Volksbefreiungsfront&#13;
(FMLN) und schufen ein internationales Netz von politischen Helfern und militärischen Lieferanten.&#13;
&#13;
Irgendwie gelang es der FMLN, eine Handvoll prominenter&#13;
&#13;
salvadorianischer Demokraten für sich zu gewinnen, von denen einige in der&#13;
ersten Revolutionsregierung mit der Armee gewesen waren, weil man dachte, daß&#13;
die Mitwirkung dieser Leute der Bewegung einen gemäßigten Anstrich geben würde.&#13;
Die Demokraten, die unter den Aufständischen im eigenen Land keinerlei Macht&#13;
ausüben, wurden nach Lateinamerika, Europa und den Vereinigten Staaten entsandt, um für internationale Unterstützung zu werben.&#13;
&#13;
Die FMLN befehligt die&#13;
&#13;
Guerilla, beschafft Waffen und Mittel und Ausbildung durch ihre Verbindungen&#13;
zu Havanna, Moskau, Managua und der PLO und ist entschlossen, einen marxistischleninistischen Staat nach dem Muster der Sowjetunion zu errichten.&#13;
&#13;
Die Gründung der FMLN im Mai 1980 kann als der Beginn des gegenwärtigen&#13;
Kampfes in El Salvador angesehen werden.&#13;
&#13;
Die FMLN, das muß hervorgehoben wer-&#13;
&#13;
den, begann ihren Krieg nachdem die revolutionäre Regierungsjunta an die Macht&#13;
gekommen war, nachdem die Landreform begonnen hatte und nachdem sich die Regierung auf ein demokratisches politisches System verpflichtet hatte.&#13;
&#13;
In Gesellschaften wie in El Salvador,wo die Mehrheit der Bevölkerung&#13;
nicht in der Stadt lebt, ist eine Schicht landbesitzender Bauern wohl das wirksamste Hindernis gegen eine kommunistische Machtübernahme.&#13;
&#13;
Rund 20 Prozent des&#13;
&#13;
bebaubaren Landes in El Salvador ist bereits an frühere Pächter verteilt worden - gegen den Widerstand der alten Oligarchie.&#13;
&#13;
Ein landbesitzender Bauer&#13;
&#13;
war genau das, was die neue Regierung in El Salvador wollte.&#13;
&#13;
Ist es ein Wun-&#13;
&#13;
der, daß die fünf kommunistischen Gruppen, aus denen die FMLN besteht, sich ange-&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�sich angesichts einer solchen Entwicklung verpflichtet fühlten, ihre ideologischen Differenzen zu begraben und sich zu vereinen, um die Regierung z;u&#13;
stürzen, bevor deren Programme voll verwirklicht waren?&#13;
Die Motive, der FMLN, El Salvador in einen bitteren Krieg zu stürzen,&#13;
hatten mit den berechtigten Anliegen des salvadorianisehen Volkes nichts zu&#13;
tun.&#13;
&#13;
Sie hatten lediglich zu tun mit dem Wunsch einer Handvoll Fanatiker d$r&#13;
&#13;
totalitären Linken, nach dem Muster ihrer Helfer in Kuba und in der Sowjetunion und trotz all der Gewalttätigkeit und des wirtschaftlichen Schadens,&#13;
die damit verbunden sind, die absolute Macht zu erringen.&#13;
Daher stand die amerikanische Regierung 1981 vor einer großen politischen Entscheidung: Sollten wir der Regierung von El Salvador Militärhilfe gewähren oder nicht? Einige unserer Freunde in der Sozialistischen&#13;
Internationale drängten uns dazu, nicht in der Politik von El Salvador zu&#13;
"intervenieren". Man sagte uns, wir sollten das salvadorianische Volk seine&#13;
eigene Zukunft selbst bestimmen lassen. Nun hat aber schon vor über einem&#13;
Jahrhundert John Stuart Mill darauf hingewiesen, daß "die Doktrin der Nichtintervention, soll sie ein legitimes Moralprinzip sein, von allen Regierungen&#13;
akzeptiert werden muß. Die Despoten müssen genauso wie die freien Staaten ihre&#13;
Zustimmung dazu geben, von ihm gelenkt zu werden. Geschieht dies nicht, so&#13;
führt seine Einhaltung durch die freien Länder lediglich zu der miserablen&#13;
Tatsache, daß die Unrechten zwar den Unrechten helfen können, aber die Gerecht&#13;
ten nicht den Gerechten helfen dürfen." Denn gerade weil es dem salvadorianischen Volk nicht möglich war, über seine Zukunft selbst zu bestimmen, weil&#13;
Kuba, Nicaragua, die PLO, Äthiopien, Nordkorea, Libyen, Vietnam und die Sowjetunion alle die FMLN unterstützen und weil im Konflikt von El Salvador die unrechte Seite gewaltige Mengen an Militärhilfe, Ausbildung und logistischer&#13;
Unterstützung erhielt, sahen die Vereinigten Staaten ihre moralische Verpflichtung darin, der gerechten Seite zu helfen - der neuen salvadorianischen Regierung. Nichts, was sich seit 1981 zugetragen hat, macht diese moralische Verpflichtung weniger zwingend. Ja, die Ergebnisse der Wahlen des letzten Jahres&#13;
machen sie nur noch zwingender.&#13;
Die Menschen&#13;
- 6 -&#13;
&#13;
�Die Menschen dort gingen unter ungeheuer schwierigen Bedingungen zur&#13;
Wahl.&#13;
&#13;
Die marxistische Führung beschloß, eine konzertierte Kampagne durchzu-&#13;
&#13;
führen, um den Volkswillen daran zu hindern, sich zu äußern - eine Kampagne,&#13;
die Guerillaangriffe auf Wahllokale einschloß.&#13;
&#13;
Trotz all dieser Hindernisse&#13;
&#13;
ging das Volk von El Salvador in einem Umfang zu den Wahlurnen, der alle Vorhersagen übertraf.&#13;
&#13;
Nahezu 1,5 Millionen Menschen wählten, wahrscheinlich mehr&#13;
&#13;
als 80 Prozent der Wahlberechtigten.&#13;
&#13;
Wegen der von der Guerilla kommenden Ge-&#13;
&#13;
walt gingen die Wähler manchmal meilenweit zu sichereren Wahllokalen oder standen - sogar unter Beschuß - stundenlang Schlange für die Möglichkeit, ihre&#13;
Stimme für die Zukunft von El Salvador abzugeben.&#13;
&#13;
Das salvadorianische Volk zeigte in seiner überwältigenden Mehrheit durch&#13;
die Weigerung, auf die Warnungen der FMLN zu reagieren, sowie dadurch, daß die&#13;
Menschen mit ihrer Wahlbeteiligung ihr Leben aufs Spiel setzten, daß dieses&#13;
Volk nicht von marxistisch-leninistischen Insurgenten beherrscht werden möchte.&#13;
Es zeigte damit auch seine Überzeugung, daß eine gewählte Regierung, nicht die&#13;
Diktatur einer kommunistischen Elite,die größte Hoffnung auf den Schutz seiner&#13;
grundlegenden Menschenrechte bietet.&#13;
&#13;
Es ist die gewählte Regierung von Prä-&#13;
&#13;
sident Magana, die sich jetzt der Drohung eines gewaltsamen Sturzes durch eine&#13;
gutausgerüstete, von außen unterstützte marxistisch-leninistische Guerilla&#13;
stellen muß.&#13;
&#13;
Natürlich wurden die Wahlergebnisse angefochten, aber Jose Napoleon&#13;
Duarte, der aufgrund des Wahlergebnisses sein Amt verlor, erklärte selbst,&#13;
daß diese Beschuldigungen Teil einer Kampagne seien, die Wahlen zu verunglimpfen.&#13;
&#13;
Es waren internationale Beobachter eingeladen worden, Wahl kämpf&#13;
&#13;
und Wahlen zu überwachen,&#13;
&#13;
über 200 Beobachter aus über 40 Staaten waren an-&#13;
&#13;
wesend, und mehr als 700 Journalisten dienten praktisch ebenfalls als Beobachter.&#13;
&#13;
Diese Beobachter waren im großen und ganzen der Meinung, daß der Wahl-&#13;
&#13;
prozeß ordnungsgemäß, fair und - von den Guerillaangriffen abgesehen - auch&#13;
friedlich war.&#13;
&#13;
Und obgleich es Vorwürfe hinsichtlich eines Druckes von Re-&#13;
&#13;
gierungsseite gab, bemerkte Erzbischof Rivera y Damas in bezug auf die Wahlen,&#13;
daß, "falls es Druck gegeben hat, dieser nicht von der Regierung kam, sondern&#13;
von denjenigen, die die Wahlen nicht wollten."&#13;
Mit dem&#13;
- 7 -&#13;
&#13;
�Mit dem Argument, Parteien, die die FMLN repräsentierten, seien nicht&#13;
auf den Stimmzetteln erschienen, wurden die Wahlen zusätzlich diskreditiert.&#13;
Dabei waren sie dazu aufgefordert worden, gleichfalls anzutreten, hatten dies&#13;
jedoch mit der Begründung abgelehnt, ihre persönliche Sicherheit sei gefährdet und sie seien generell gegen die Abhaltung von Wahlen.&#13;
&#13;
Wäre aber die&#13;
&#13;
Sicherheit ihr eigentliches Anliegen gewesen, so hätten sie darüber mit Präsident Duarte und dem Wahlleiter Bustamante verhandeln können.&#13;
&#13;
Statt dessen&#13;
&#13;
wiesen sie solche Verhandlungen nicht nur zurück, sondern griffen Wähler und&#13;
Wahllokale an.&#13;
&#13;
Dadurch wird klar, daß sie etwas anderes am meisten fürchte-&#13;
&#13;
ten - und die Wahlergebnisse bestätigten diese Befürchtung auf dramatische&#13;
Weise - nämlich die öffentliche Bestätigung der Unpopularität der FMLN in&#13;
El Salvador.&#13;
&#13;
Haben die Wahlen, hat die derzeitige Regierung Fortschritte bei den&#13;
Menschenrechten mit sich gebracht, die sich den wirtschaftlichen Reformen anschließen?&#13;
&#13;
Fortschritt bei den Menschenrechten ist zu verzeichnen - wenn-&#13;
&#13;
gleich auch langsam.&#13;
&#13;
Todesfälle unter der Zivilbevölkerung,&#13;
&#13;
die von poli-&#13;
&#13;
tischer Gewalt von allen Seiten herrühren, gingen von rund 800 je Monat gegen&#13;
Ende 1980 auf 200 je Monat im letzten Halbjahr 1982 zurück.&#13;
&#13;
Mängel bei der&#13;
&#13;
militärischen Disziplin werden ebenfalls langsam abgestellt - durch zunehmenden Professionalismus und Ausbildung im Menschenrechtsbereich, durch verbesserte Kommunikation und Befehlsanweisungen, die die Achtung vor den Nichtkombattanten betonen.&#13;
&#13;
Repräsentative Institutionen, geschaffen durch allge-&#13;
&#13;
meines Wahlrecht, sind federführend beim Entwurf einer modernen Verfassung&#13;
und bei den Vorbereitungen für die Präsidentschaftswahlen, die später im Jahr&#13;
stattfinden sollen.&#13;
&#13;
Alle Parteien befürworten die Einsetzung der neuen Frie-&#13;
&#13;
denskommission, zu deren Aufgaben die Arbeit an einem Amnestiegesetz sowie&#13;
Verhandlungen über die Beteiligung der Opposition an den nächsten Wahlen gehören. Es sollte ganz deutlich gesagt werden, daß die Regierung der Vereinigten Staaten solche Verhandlungen wünscht.&#13;
Es sollte jedoch auch deutlich sein, daß der Fortschritt - solange der&#13;
Aufruhr anhält - auch weiterhin eher in Metern als in Meilen gemessen werden&#13;
dürfte.&#13;
&#13;
Der von der FMLN im Mai 1980 begonnene Hader hat eine Kettenreaktion&#13;
- 8 -&#13;
&#13;
�eine Kettenreaktion der Gewalt und der Gegengewalt in Gang gesetzt, die die&#13;
salvadorianische Gesellschaft in ihrer Gesamtheit miteinbezogen hat und die&#13;
das Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen in El Salvador gewaltig erhöht hat.&#13;
Wenn diese Kettenreaktion unter Kontrolle gebracht werden soll, dann muß das&#13;
Kämpfen unter Kontrolle gebracht werden.&#13;
&#13;
Einige Kritiker der Reagan-Administration fordern, wir sollten die Regierung von El Salvador dazu zwingen, in Verhandlungen mit der FMLN einzutreten - nicht hinsichtlich der Teilnahme an Wahlen, sondern mit dem Ziel, ihr&#13;
mehrere Ministerien und einen Anteil an der Staatsmacht anzubieten.&#13;
&#13;
Egal, so&#13;
&#13;
sagen jene, ob die Guerillaangriffe seit 1980 das Töten gewaltig verstärkt haben; egal, ob die Guerilla versucht hat, die Wahlen zu sabotieren und vielleicht auch die Präsidentschaftswahlen im Dezember attackiert und egal, ob&#13;
die Guerilla über eine größere Anhängerschaft in El Salvador verfügt oder&#13;
nicht.&#13;
&#13;
Sie hat Verhandlungen angeboten, und wenn erst die salvadorianische&#13;
&#13;
Regierung zustimmt, dann wird das Töten aufhören.&#13;
&#13;
Aber die jüngste Geschichte Südostasiens allein schon hat uns eine bittere Lektion hinsichtlich der Verhandlungen mit Kommunisten gelehrt.&#13;
&#13;
Wenn&#13;
&#13;
wir die Regierung von El Salvador dazu zwingen würden, mit der Guerilla als&#13;
gleichem Partner zu verhandeln, würden wir ihren Zusammenbruch riskieren.&#13;
Und wenn die sich hieraus ergebende Anarchie zu einem Sieg der Guerilla führen&#13;
würde, könnten wir sicher sein, daß das Schicksal des salvadorianischen Volkes&#13;
ein Leben ohne Freiheit und ohne Respektierung seiner Menschenrechte wäre.&#13;
&#13;
Die Guerilla rechnet mit der Möglichkeit, daß die Vereinigten Staaten&#13;
unter dem zunehmenden Druck unserer westeuropäischen Freunde schließlich die&#13;
Regierung von El Salvador doch dazu zwingen, Macht an die Guerilla abzugeben - ohne Wahlen, durch Verhandlungen.&#13;
Strategie einer "guerra prolongada" geht.&#13;
&#13;
Das ist es, worum es bei der FMLNSie ist davon überzeugt, daß die&#13;
&#13;
öffentliche Meinung des Westens - der deus ex machina der extremen Linken ihr schließlich doch den Sieg bringen wird, den an der Wahlurne zu bekommen&#13;
sie sich nicht einmal erträumen könnte - wenn sie nur den militärischen Druck&#13;
&#13;
- 9 -&#13;
&#13;
�militärischen Druck beibehält. Zudem kann die Guerilla einem ermutigenden&#13;
Modell folgen:&#13;
&#13;
Sie weiß, daß das leidenschaftliche Interesse an der Menschen-&#13;
&#13;
rechtssituation in El Salvador verglimmen wird, wenn sie erst einmal den Sieg&#13;
davongetragen hat. Denn wie interessiert ist in diesem Tagen die "aufgeklärte&#13;
öffentliche Meinung des Westens an der Menschenrechtssituation in Kuba, in&#13;
Vietnam, sogar in Kampuchea?&#13;
&#13;
Es gibt bestimmt keinen verünftigen Menschen,&#13;
&#13;
der behauptet, die Siege der Guerilla in diesen Ländern habe zugleich ein&#13;
Ende der Menschenrechtsverletzungen mit sich gebracht.&#13;
Aber es gibt einen Weg, um das Töten in El Salvador zu beenden.&#13;
&#13;
Die&#13;
&#13;
Spitze der FMLN, die den Krieg 1980 begann, könnte ihn genauso gut 1983 einstellen.&#13;
&#13;
Sie könnte einen Waffenstillstand ausrufen.&#13;
&#13;
teiligung an den bevorstehenden Wahlen zustimmen.&#13;
&#13;
Sie könnte einer Be-&#13;
&#13;
Sie könnte ihre Streit-&#13;
&#13;
kräfte zu ihren Basen und Ausbildungslagern in Nicaragua&#13;
&#13;
zurückschicken. Sie&#13;
&#13;
könnte die Amnestievorschläge diskutieren, die die kürzlich eingesetzte salvadorianische Friedenskommission vorbereitet.&#13;
&#13;
Sie könnte der Regierung von&#13;
&#13;
El Salvador die Chance geben, die von ihr begonnenen Reformen zu vollenden.&#13;
Sie könnte in gutem Glauben über eine sichere Beteiligung an den kommenden&#13;
Wahlen verhandeln, anstatt das Versprechen abzugeben, auf die Wähler zu&#13;
schießen.&#13;
Halte ich es für wahrscheinlich, daß die FMLN solche Entscheidungen&#13;
treffen wird? Nein, nicht solange die "aufgeklärte" öffentliche Meinung des&#13;
Westens die Reagan-Administration weiterhin dazu drängt, die Regierung von&#13;
El Salvador zu Verhandlungen zu zwingen. Unter diesen Umständen hat die FMLN&#13;
keinen Anreiz, die guerra prolongada zu beenden.&#13;
Ich fürchte sehr, daß viele unserer Kritiker, sogar uns freundschaftlich gesonnener Kritiker, bei ihrer Beurteilung der gegenwärtigen amerikanischen Politik zu El Salvador eine Art selektiver Moral haben. Die Vereinigten Staaten und die Regierung von El Salvador werden an den anspruchsvollsten&#13;
Menschenrechtsmaßstäben gemessen, während man die FMLN und ihre Verbündeten&#13;
entschuldigt, überhaupt irgendwelchen Maßstäben gerecht zu werden. Tatsache&#13;
ist, daß wir in den Vereinigten Staaten der Meinung sind, es sei unsere&#13;
- 10 -&#13;
&#13;
�sei unsere Pflicht, den Versuch zu machen, an diese Ideale heranzureichen;&#13;
aber wir sind zugleich der Meinung, daß diese Maßstäbe ohne Unterschied gelten müssen.&#13;
&#13;
Solange sie dies nicht tun, bleiben sie willkürliche politische&#13;
&#13;
Haltungen, die sich lediglich als Menschenrechte ausgeben.&#13;
&#13;
Vor einer Generation kam Stephen Spender zu der gleichen Erkenntnis,&#13;
als in Spanien der tragische Bürgerkrieg tobte.&#13;
Sympathien der republikanischen Seite.&#13;
&#13;
Zunächst galten alle seine&#13;
&#13;
Aber im Verlauf mehrerer Reisen in&#13;
&#13;
dieses Land erkannte er, daß die schrecklichen Untaten nicht nur Monopol&#13;
einer einzigen Seite&#13;
&#13;
wäre - es gab derer viel zu viel auf beiden Seiten.&#13;
&#13;
Und er schrieb etwas, was ihm stets zur Ehre gereichen wird:&#13;
&#13;
"Ich erkannte,&#13;
&#13;
daß es mir eigentlich gar nicht wirklich um die ermordeten Kinder ging, solange ich mich nicht unterschiedslos um jedes ermordete Kind kümmerte."&#13;
&#13;
Wir versuchen, in El Salvador zum Aufbau eines demokratischen Systems&#13;
beizutragen, in dem Kinder in Frieden leben können.&#13;
&#13;
Es gibt in El Salvador&#13;
&#13;
zu viele Menschen mit Gewehren, aber die Gewehre der einen Seite schützen die&#13;
Wahllokale, während die Gewehre der anderen Seite auf sie zielen.&#13;
&#13;
Können wir&#13;
&#13;
wirklich zögern, auf welcher Seite wir stehen wollen?&#13;
&#13;
In vielen Ländern sind heutzutage die Menschenrechte sowohl von repressiven Regierungen als auch von einer mörderischen Guerilla bedroht, die öffentlich ihre Verachtung für die Demokratie zum Ausdruck bringt.&#13;
&#13;
Die Aufgabe,&#13;
&#13;
eine Regierung zu reformieren, ist frustrierend, schwierig und langwierig;&#13;
aber niemand, der es mit den Menschenrechten ernst meint, kann eine Politik&#13;
verfolgen, die schließlich die Macht in die Hände von leninistischen Banden&#13;
legt,die sich über die Menschenrechte lustig machen und offenkundig keine Unterstützung im Volk haben.&#13;
&#13;
Sowohl die radikale Rechte als auch die radikale&#13;
&#13;
Linke in El Salvador sehen in den Vereinigten Staaten das Haupthindernis auf&#13;
ihrem Weg zur Macht - und diese Tatsache ist in sich selbst Beweis dafür,&#13;
daß zumindest sie unsere Politik der Unterstützung der Mitte begreifen.&#13;
&#13;
Denn das&#13;
&#13;
- 11 -&#13;
&#13;
�Denn das ist unsere Politik - der Mitte beim Aufbau der Demokratie zu&#13;
helfen.&#13;
&#13;
Dies ist keine hektische oder modische Menschenrechtspolitik, aber&#13;
&#13;
die Menschenrechtspolitik ist auch keine Schrulle und keine Modesache.&#13;
&#13;
Sie&#13;
&#13;
ist eine Anstrengung, sich mit der verwickelten Lage in hundert Ländern und&#13;
mit hundert verschiedenen Situationen, in denen Männer und Frauen Leben oder&#13;
Freiheit verwehrt wird, auseinanderzusetzen.&#13;
&#13;
Dies erfordert von uns, un-&#13;
&#13;
sentimental und unromantisch in unserem Denken zu sein und statt dessen klar&#13;
und ernst.&#13;
Ich komme aus einem Land, in dem zu viele unserer Landsleute ihr Leben&#13;
für die Menschenrechte gegeben haben - für das Leben und für die Freiheit anderer -, um eine Verpflichtung einzugehen, die geringer tyäre.&#13;
&#13;
- 12 -&#13;
&#13;
�ä&#13;
&#13;
Wi//cn/chaft&#13;
und Technik&#13;
&#13;
II M 111V&#13;
&#13;
• il 111 Li i&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
15&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
POLIKLINIK FÜR ZUCKERKRANKE&#13;
&#13;
- (AD) - Eine speziell auf die Erfordernisse von Diabetikern abgestellte&#13;
Poliklinik wurde Anfang dieses Jahres am Klinikum der Stanford-Universität&#13;
(Kalifornien) eröffnet.&#13;
&#13;
Wie ihr Leiter, Dr. Frederic Kraemer, erklärte, sei&#13;
&#13;
damit endlich eine Idee verwirklicht worden, die Ärzte verschiedener Fachrichtungen schon lange hegten.&#13;
&#13;
Denn angesichts der vielen und verschiedenartigen&#13;
&#13;
Komplikationen, die bei Diabetes-Patienten auftreten können, sei es bisher&#13;
"... nicht möglich gewesen, Diagnosen und Therapieprogramme so umfassend auszuarbeiten, wie wir es gerne gesehen hätten".&#13;
&#13;
Kraemer ist Endokrinologe. Die&#13;
&#13;
neue Poliklinik für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten wurde der Abteilung&#13;
für Endokrinologie (Lehre von der Funktion innersekretorischer Drüsen) angeschlossen.&#13;
&#13;
An der Diabetes-Poliklinik sind u.a. Fachärzte für Neurologie, Nephrologie, Augenkrankheiten, Rheumakrankheiten und Gicht sowie Ernährungswissenschaften stationiert.&#13;
&#13;
Bisher wurden Diabetiker mit Erkrankungen des Nerven-&#13;
&#13;
systems, der Augen, mit Störungen der Nierenfunktion oder Gefäßkrankheiten an&#13;
die jeweiligen Spezialkliniken weiterverwiesen.&#13;
&#13;
Jetzt soll in enger Zusammen-&#13;
&#13;
arbeit der Spezialisten nach der optimalen medizinischen "Ganzheitsbetreuung"&#13;
des Diabetikers gesucht werden.&#13;
Vor allem&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 22 40&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Vor allem gehe es darum, so Dr. Gerald Reaven, Professor für innere&#13;
Medizin und Chef der Abteilung für Gerontologie, Komplikationen wie z.B. Erkrankungen des peripheren Gefäßsystems so rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, daß es nicht zum Absterben von Gewebe und zu&#13;
muß.&#13;
&#13;
Amputationen kommen&#13;
&#13;
Die Tätigkeit aller Arzte und das medizinische Personal ist auf den Dia-&#13;
&#13;
betiker konzentriert; die bisher übliche Aufsplitterung der Therapie mit Spezialbehandlung an verschiedenen Spezialkliniken soll der Vergangenheit angehören.&#13;
Besonderer Wert wird auf die Schulung der Patienten gelegt, z. B.&#13;
Zuckerwerte regelmäßig selbst zu bestimmen oder sich strikt an die vorgeschriebene Diät zu halten.&#13;
&#13;
Die insulin-abhängigen und nicht insulin-abhän-&#13;
&#13;
gigen Patienten erhalten Therapiepläne für die Weiterbetreuung durch den Hausarzt.&#13;
&#13;
Bei der zweiten Gruppe wird nur in manchen Fällen Insulin angewandt;&#13;
&#13;
häufig reicht jedoch die Einhaltung von Diät oder die Einnahme von Tabletten&#13;
für die Behandlung aus. Die Ursachen dieser zwei Diabetes-Formen sind verschieden, jedoch können sie zu denselben Komplikationen führen. Auch Nichtdiabetiker mit Störungen des Fettstoffwechsels, z. B. mit zu hohem Cholesterinspiegel, werden an der neuen Poliklinik betreut.&#13;
&#13;
+ + + + +&#13;
&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan legt Vorschlag für eine Zwischenlösung in Genf dar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des US-Präsidenten am 30. März 1983 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede des US-Präsidenten in Los Angeles am 31. März 1983&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Senator: Zukunft ist nur gemeinsam zu bewältigen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Berlin-Rede von Senator Mathias -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die USA verteidigen die Menschenrechte in El Salvador und weltweit&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Elliot Abrams -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Unterstaatssekretär für Menschenrechtsfragen im US-Außenministerium&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Polikinik für Zuckerkranke</text>
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13. April 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Botschafter Bennett:

Die NATO ist die echte Friedensbewegung

- Vortrag im Amerika Haus Stuttgart -

HINTERGRUNDMATERIAL
Erläuterungen zum INF-Vorschlag Präsident Reagans
Verteidigungssysteme auf der Basis von Strahlungsenergie
- Erläuterungen zu dem neuen Verteidigungskonzept
Präsident Reagans -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Schwertransport in den Weltraum
- US-Raumfähre CHALLENGER vom ersten Einsatz zurück
Roboter mit vielen Augen
- Fernerkundung aus dem Weltraum erleichtert
Entwicklungsprojekte -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�16

13. April 1983

BOTSCHAFTER BENNETT:

DIE NATO IST DIE ECHTE FRIEDENSBEWEGUNG

- Vortrag im Amerika Haus Stuttgart -

STUTTGART - (AD) - Der ständige Vertreter der Vereinigten Staaten im
Nordatlantikrat, Botschafter W. Tapley Bennett, Jr., hat am 12. April 1983
auf die Bedeutung einer engen Verbindung zwischen Amerika und Westeuropa hingewiesen, die vor einer Aggression aus dem Osten abgeschreckt und den Frieden
in der Nordatlantischen Gemeinschaft seit über einer Generation gesichert hat.
Die NATO, so sagte er in einem Vortrag im Amerika Haus Stuttgart, "ist die
echte Friedensbewegung unserer Zeit".
Die Ausführungen Bennetts haben folgenden Wortlaut:
Seit mehr als 35 Jahren - eine lange Zeit in diesem 20. Jahrhundert leben die Länder Westeuropas in Frieden und in Freiheit. Was immer es an
großen und kleinen Unruhen und Kriegen in anderen Erdteilen (seit 1945 waren
es ungefähr 150) sowie an Unterdrückung und Verletzung der Menschenrechte jenseits der Elbe gab, so erlebte man hier, im Herzen Westeuropas, eine Periode
von Freiheit und friedlicher Entwicklung ohnegleichen.
Ein junger

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Ein junger Journalist - er war etwas über 30 - fragte mich unlängst in
einem Interview:

"Was soll eigentlich all das Gerede über die NATO?

gab es schon immer.

Was ist denn so Besonderes an der NATO?"

seine Generation stimmt das:

Die NATO gab es schon immer.

ration haben immer in Frieden gelebt, weil es die NATO gibt.

Die NATO

Und für ihn und

Er und seine GeneWir hören in die-

sen Tagen viel von Friedensbewegungen; aber ich möchte Ihnen sagen, daß sich
die NATO als die echte Friedensbewegung unserer Zeit erwiesen hat.
Im Westen befinden wir uns heutzutage wieder einmal an einem Zeitpunkt
der Entscheidung.

In den Mitgliedsstaaten des Atlantischen Bündnisses geht

die Debatte darüber hin und her, was wir tun müssen, um den Frieden in Freiheit, den die NATO bis jetzt gesichert hat, weiterhin zu wahren.
Debatte ist in der NATO nichts Neues.

Eine solche

Seit ihrer Gründung ist die Strategie

des Bündnisses immer wieder ein Thema von Analysen und Argumenten gewesen.
Und so soll es auch sein.
Heute erfaßt diese Diskussion mehr Schichten unserer Gesellschaften,
mehr Menschen als je zuvor. Man kann leicht verstehen, warum dies so ist.
Angesichts der heutigen Herausforderung sind die Abschreckung vor einem Krieg
und der Schutz des Friedens dringender als je zuvor. Und es ist richtig und
gut, daß die Öffentlichkeit darauf hingewiesen wird. In unseren Demokratien
kann sich der Bürger nur durch Kenntnis der derzeitigen Weltlage, des Kräfteverhältnisses und der strategischen Erfordernisse ein vernünftiges, verantwortungsvolles Urteil bilden. Und der Bürger hat das Recht, von der politischen
Führung eine ständige, offene und ernsthafte Prüfung der Frage der Sicherheit
zu erwarten, die schließlich die Grundlage für alle anderen Aspekte unseres
Lebens bildet. Ohne grundlegende nationale Sicherheit kann kein anderer Bereich des nationalen Lebens wachsen und gedeihen. Eine Nation ohne Sicherheit
ist eine Nation ohne Stabilität - eine Nation ohne Zukunft unter eigener
Kontrolle. Verliert eine Nation ihre Sicherheit, dann verliert sie zugleich
alle anderen Aspekte ihres Lebens als Nation.
Die notwendige

- 2 -

�Die notwendige Diskussion von Sicherheitsfragen in der Öffentlichkeit
kann nur produktiv sein, wenn die Fragen genau definiert und objektiv angesprochen werden. Eine Debatte, die sich nur auf eine oder einige wenige Aspekte des Problems konzentriert und alle anderen Aspekte außer acht läßt,
wird nicht zur Einsicht der Öffentlichkeit führen, und ebenso wenig wird das
einer Diskussion gelingen, bei der es um Schlagworte und Emotionen statt um
Fakten geht - wie wir das heute oft bei der sogenannten Friedensbewegung erleben.

Die Abschreckungsstrategie der NATO
Es wird oft gesagt, daß die NATO ein Verteidigungsbündnis ist, und das
stimmt selbstverständlich. Die NATO häuft keine überflüssigen Waffen für Angriffskriege an; sie marschiert nicht in Nachbarländer ein, wie die Sowjetunion das in Afghanistan getan hat, und benutzt nicht die Androhung von Waffengewalt für politische Zwecke, wie die Sowjetunion es regelmäßig in der andauernden polnischen Krise getan hat. Die NATO hat immer wieder klar gemacht zum Beispiel in der Bonner Erklärung vom letzten Juni, beim Treffen der führenden Staatsmänner der NATO - daß sie ihre Streitkräfte nur zur Selbstverteidigung als Antwort auf einen Angriff einsetzen würde. Der Nordatlantikvertrag
verweist ausdrücklich auf Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen, der
die Selbstverteidigung gestattet.

Der Zweck des Zusammenschlusses im Bündnis bestand jedoch nicht lediglich darin,für den Fall eines Krieges eine stärkere Verteidigung zu sichern,
sondern in erster Linie den Ausbruch eines Krieges zu verhindern.
ist also im Grunde ein Abschreckungsbündnis.

Die NATO

Indem sie eine mächtige verein-

te Front bildet, hat die NATO wirksam vor einer Aggression gegen irgendeines
ihrer Mitglieder abgeschreckt, weil sie keinen Zweifel daran ließ, daß ein
Aggressor es mit der ganzen kollektiven Streitmacht des Bündnisses aufnehmen
muß und nicht ein Land nach dem anderen einzeln bedrohen kann.
Niemand, der

�r

Niemand, der mit der europäischen Geschichte, mit Geopolitik oder mit
der Koalitionstheorie vertraut war, hätte den außerordentlichen Erfolg der Abschreckungsstrategie der NATO in der Erhaltung des Friedens über mehr als drei
Jahrzehnte voraussagen können.
Ein Kontinent, der fast ständig Kriege erlebte, die in dem barbarischen
Blutbad zweier Weltkriege in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts gipfelten,
wurde zu einem der friedlichsten und stabilsten Gebiete der Erde.
Westeuropa, dem relativ engen und strategisch schwierigen, vom Meer umgebenen Anhängsel der eurasischen Landmasse - überschattet von der massiven
Größe und Stärke des neuen sowjetischen Imperiums -, ist es dennoch gelungen,
sich militärischer Sicherheit, politischer Freiheit und beispiellosen sozialen
und wirtschaftlichen Fortschritts zu erfreuen.
Die Verbindung zwischen Europa und Nordamerika, zunächst als Vereinbarung
in Kriegszeiten gegen Hitler und Mussolini gedacht, hat wiederholt Krisen und
Streitigkeiten überlebt und hat sich zum dauerhaftesten Bündnis souveräner Staaten in Friedenszeiten in der Geschichte entwickelt.
Das Grundziel der Abschreckungspolitik der NATO hat sich seit 1949 nicht
geändert. Es sind jedoch starke Änderungen in der Zusammensetzung der Streitkräfte und der militärischen Doktrin eingetreten, um den Veränderungen der Bedrohung des Bündnisses gerecht zu werden. Als das Bündnis gegründet wurde,
hatten beispielsweise die Vereinigten Staaten eine überwältigende Führungsstelle
bei Atomwaffen und Trägersystemen inne. Die Androhung einer atomaren Vergeltung wurde deshalb als eine wirksame Abschreckung an sich angesehen. Später,
als die Sowjets ihre Atomwaffen und Trägersysteme entwickelten, erkannte die
NATO, daß eine glaubwürdige Abschreckung nicht einzig und allein auf die Androhung atomarer Vergeltung gegründet werden könne. Es war jetzt vielmehr eine
Fähigkeit notwendig, auf einer Vielfalt von Ebenen antworten zu können, um die
Sowjets vor die Ungewißheit zu stellen, wie der Westen genau antworten würde
- aber vor die Gewißheit, daß die NATO auf eine Weise antworten könnte und würde,
die die Sowjets viel mehr kosten würde, als sie hoffen könnten, aus einer
- 4 -

�aus einer Aggression zu gewinnen.

Diese Strategie hängt von der Verbindung

der konventionellen, taktisch-nuklearen und strategisch-nuklearen Streitkräfte
der NATO untereinander ab. Sie erfordert als wesentlichsten Punkt die unlösbare Verkuppelung der Vereinigten Staaten und Europas, damit die Sowjetunion
nie die Hoffnung hegen könnte, einen Angriff gegen Europa allein richten zu
können.

Die Kritik an der NATO-Strategie
Die NATO-Strategie der flexiblen Antwort ist aus verschiedenen Richtungen angegriffen worden. Keiner dieser Angriffe hat jedoch je eine ernsthafte Alternative geboten, die die Sicherheit und die Freiheit des Westens bewahren würde.
Die Strategie wurde einmal von Leuten angegriffen, die die scheinbare
Klarheit und Automatik der Doktrin der massiven Vergeltung der fünfziger Jahre
vorzogen - und heute noch angeblich vorziehen -, nämlich die Doktrin: "Wenn
du diese Linie überschreitest, wirst du in Flammen aufgehen."

Diese Kritiker

argumentieren, daß es als ein Zeichen der Schwäche angesehen würde, wenn man
konventionelle oder Mittel Streckenoptionen überhaupt nur in Erwägung zöge.

Es

liegt jedoch heute für die meisten Beobachter auf der Hand, daß eine solche
vereinfachte Bedrohung nicht glaubwürdig ist. Die Abschreckung hängt vielmehr
von einer ununterbrochenen Kette von Kapazitäten ab, bei der die Stärke und
Wirksamkeit eines jeden Gliedes die ganze Kette stärkt und ihr Glaubwürdigkeit
verleiht.

Die Vereinigten Staaten spielen auf allen drei Ebenen ihre Rolle

mit über 300 000 Soldaten in Europa; mit der Unterstützung des Doppelbeschlusses
zur Modernisierung und Rüstungskontrolle der nuklearen Mittel Streckensysteme
sowie mit den Anstrengungen, die Überlebensfähigkeit und Wirksamkeit unserer
strategischen Vergeltungsstreitkräfte zu gewährleisten.

Alle anderen Mitglie-

der des Bündnisses haben ebenfalls ihre Rolle zu spielen.
Eine zweite

�Eine zweite Art von Kritik an der NATO-Strategie konzentriert sich auf
die physischen und moralischen Folgerungen des Einsatzes von Kernwaffen.

Diese

Kritiker stellen zurecht fest, daß die Gewalt der Kernwaffen ungeheuer ist und
ihr Einsatz zu massiven Verlusten führen könnte. Das Argument springt dann von
dieser unbestrittenen Tatsache zu der völlig unlogischen Schlußfolgerung, daß
eine Abschreckungsstrategie, zu deren Repertoire diese Waffen gehören, unmoralisch und unannehmbar sei. Dieses Argument läuft praktisch auf die Beschuldigung hinaus, daß unsere führenden Politiker gerne einen Atomkrieg hätten, was
natürlich einfach nicht stimmt. Wie Präsident Reagan schon oft unterstrichen
hat:

Niemand will den nuklearen Konflikt.

flikt muß verhütet werden.

Er muß verhütet werden. Jeder Kon-

Die Frage ist, ob es, wenn wir uns der Kernwaffen

entledigen, dazu beitragen würden,einen gewaltsamen Konflikt zu verhindern, oder
ob es ihn wahrscheinlicher machen würde. Angesichts des großen Übergewichts
der konventionellen Streitkräfte zugunsten der Sowjetunion, und angesichts des
Potentials der Sowjetunion auf der nuklearen Seite ist es offenkundig, daß Kernwaffen im Westen nötig sind, um eine wesentliche, stabilisierende Rolle zu spielen.

Die Entdeckung des Atoms kann nicht wieder rückgängig gemacht werden.

Wir müssen die Macht des Atoms weiterhin beherrschen und durch unsere Abschrekkungspolitik sie zwingen, dem Frieden zu dienen.
Eine dritte Art der Kritik arbeitet mit einem auf den ersten Blick mehr
ausgewogenen Argument. Statt auf Kernwaffen überhaupt zu verzichten, wollen
diese Kritiker einfach auf die Option der NATO verzichten, sie gegen einen
sowjetischen Angriff einzusetzen, wenn die Sowjets nicht selbst als erste Kernwaffen eingesetzt haben: Die "no first use"-Doktrin (Verzicht auf Ersteinsatz).
Nach dieser Auffassung sollte sich die NATO ausschließlich auf ihre konventionellen Streitkräfte verlassen, um vor einem konventionellen sowjetischen Angriff abzuschrecken und, wenn notwendig, ihn niederzuschlagen. Und sie sollte die notwendigen zusätzlichen Mittel aufbringen, um ihre konventionellen
Streitkräfte so weit aufzubauen, daß sie dazu in der Lage sind.
Es stimmt, daß man mehr tun kann und mehr tun sollte, um die konventionellen Streitkräfte der Allianz zu verbessern.

Im Westen entwickeln sich neue

Technologien, die neue konventionelle Waffensysteme in Aussicht stellen - 6 -

�Aussicht stellen - Systeme die, falls von der NATO eingeführt, die Strategie
der Vorneverteidigung viel glaubwürdiger machen würden.

Und wie General Rogers,

der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte in Europa, erklärt hat, haben
die westlichen Verbündeten bestimmt die finanziellen Mittel, um solche Technologien zu vollenden und die daraufhin hergestellten konventionellen Waffen zu
kaufen.

Daraus folgt jedoch nicht, daß wir auf eine mögliche nukleare Option

verzichten können, denn ein solcher Verzicht würde in einem potentiellen Konflikt die Wahl der Strategie den Sowjets überlassen.

Er würde ihnen erlauben,

die Risiken einzuengen, die sie bei jeder Art von Aktion eingehen werden - sei
es eine ausgewachsene Invasion oder ein Schritt zur Erreichung eines begrenzten Zieles, wie etwa die türkischen Meerengen oder Berlin.

Und durch eine Sen-

kung der Risiken könnte eine solche Politik eine Entscheidung der Sowjets zu
militärischem Handeln begünstigen.
tärischen Handelns senken.

Sie würde dadurch die Schwelle des mili-

Wie wir in Afghanistan und anderswo erlebt haben,

hat die sowjetische Bereitschaft, militärisch einzugreifen, wenn die Risiken
gering zu sein scheinen, in den letzten Jahren zugenommen.

Die NATO darf sich

keine sich selbst einschränkenden Politik zulegen, die diese sowjetische Tendenz weiter stärken würde.
Alle Kritiker der Abschreckungsstrategie der NATO sind letztlich an dem
fundamentalen Erfordernis jeder ernsthaften geistigen Anstrengung gescheitert:
Sie haben keine wirksame und glaubwürdige Alternative geboten.

Ein hoher mo-

ralischer Anspruch und persönliche Aufrichtigkeit genügen allein nicht als
Grundlage für eine Sicherheitsstrategie.

Und ebensowenig

können das verein-

fachte Formeln, die mehr die Öffentlichkeit ansprechen als die Wirklichkeit
spiegeln.

Eine Strategie kann nur auf der Basis einer ernsthaften und ständig

auf dem neuesten Stand gehaltenen Prüfung der Lage beruhen.
Maginot-Linie

mußten diese schmerzliche Erfahrung machen.

Die Erbauer der
Und so ging es den

jungen Männern in England, die in den dreißiger Jahren beschlossen, nie mehr
für Gott und das Vaterland zu kämpfen - nur um sich ein Jahr später völlig unvorbereitet im Krieg zu befinden.

Im Atomzeitalter können wir uns solche Irr-

tümer und Illusionen nicht erlauben.
Trotz intellektueller

�Trotz intellektueller und praktischer Unzulänglichkeiten ist die öffentliche Kritik an Doktrin und Position der NATO leider oft in oberflächliche Rezepte für die Rüstungskontrolle umgesetzt worden, die, wenn sie tatsächlich
verwirklicht würden, außerordentlich gefährlich wären.

So gibt es beispiels-

weise Leute, die sich um die Aufrechterhaltung der nuklearen Abschreckung
nicht kümmern oder dagegen sind und die bei verschiedenen Gelegenheiten während der Diskussion über Mittel Streckensysteme darauf drängen, der Westen solle
den wiederholten sowjetischen Vorschlag eines Moratoriums hinsichtlich der
Dislozierung neuer nuklearer Mittel Streckensysteme annehmen - wobei sie schlicht
vergessen, daß dadurch die Sowjets über ein Monopol von Waffen dieser Art verfügen würden - die meisten davon in Richtung Westeuropa aufgestellt.

Heute haben

die Sowjets ungefähr 1300 nukleare Gefechtsköpfe auf landgestützten Mittelstrekkenraketen disloziert, von denen 1053 auf den modernen und mobilen SS-20-Raketen montiert sind,

(Jede SS-20-Rakete hat drei Gefechtsköpfe; bisher haben

die Sowjets 351 dieser Raketen disloziert, mit also insgesamt 1053 Gefechtsköpfen.) Weitere 248 Gefechtsköpfe auf den alten SS-4- und SS-5-Raketen der Sowjets
sind gegen Europa disloziert»
Als der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt im Herbst 1977 in seiner
Londoner Rede den Westen zum erstenmal vor den SS-20-Raketen warnte, vor dieser gefährlichen und destabilisierenden neuen sowjetischen Waffe, hatten die
Sowjets in dieser Zeit 27 Gefechtsköpfe disloziert. Im Dezember 1979 war die
Zahl der Gefechtsköpfe - jeder davon mit zwanzigmal der zerstörenden Kraft der
Hiroshima-Bombe - auf 450 gestiegen. Heute, im April 1983, sind es 1053. Die
NATO hat keine vergleichbaren Waffen.
Kein Wunder, daß sie den Vorschlag eines Moratoriums befürworten. Eine
so nachlässige Haltung unsererseits gegenüber den Realitäten würde jedoch die
Aussichten für Rüstungskontrolle untergraben, da die Sowjets keinerlei Anreiz
hätten, über eine Begrenzung oder einen Abbau ihrer Systeme zu verhandeln. Und
was am wichtigsten ist: Sie schwächt ernsthaft die Abschreckung vor einem Krieg,
weil dadurch eine stabile ausgewogene Lösung unmöglich wird.
Die gegenwärtige
- 8 -

�»

Die gegenwärtige Anstrengung der NATO
Im Mai 1982 wurde eine umfassende Studie über die Streitkräfte der NATO
und des Warschauer Paktes für die Öffentlichkeit freigegeben,

Es war das

erste Mal, daß die NATO einen so detaillierten Vergleich veröffentlicht hat.
Die Studie vergleicht die Mannschaftsstärke, die Kampfeinheiten, die Ausrüstung
der Landstreitkräfte, die Flugzeuge, die Flotten und die nuklearen Trägersysteme
beider Bündnisse.
ernüchternd.

Die Lehren, die wir aus diesem Dokument ziehen können, sind

Jeder hat schon immer vage Vorstellungen gehabt, daß die Sowjet-

union in Europa über größere Streitkräfte verfüge als die NATO. Aber wieviele
Leute wissen, daß das Verhältnis an konventionellem Großgerät

sich während der

letzten zehn Jahre, also während der Periode eben der Entspannung und RüstungskontrollVerhandlungen, wesentlich verschlechtert hat, daß das Verhältnis an
Panzern des Warschauer Paktes und an Panzern der NATO sich von 3:1 auf 4:1 zu
Ungunsten der NATO verschoben hat oder daß sich das Verhältnis bei der Artillerie von 2:1 auf 3:1 verschoben hat?

Diese Zahlen sind entmutigend.

Aber die NATO hat gezeigt, daß sie über Mittel und den politischen Willen
verfügt, das Nötige zu tun, um ein Gleichgewicht der Abschreckung aufrechtzuerhalten.

Auf der nuklearen Seite wird der NATO-Doppelbeschluß vom Dezember

1979 ein wichtiges Element des militärischen und politischen Vorteils der
Sowjets beseitigen, indem er entweder zum Abbau der vorhandenen sowjetischen
SS-20-, SS-4- und SS-5-Raketen durch Verhandlungen über eine Null-Option führt
- was wir ganz sicher vorziehen würden - oder zur Dislozierung eines militärischen Gegengewichts. Am liebsten würden wir diese ganze Gattung nuklearer
Waffen beseitigen, wenn die Sowjets schließlich ihre Zustimmung geben.
Bisher haben wir bei westlichen Vorschlägen für echte und praktische
Schritte zur Abrüstung schon so oft erlebt, daß die Sowjets nicht mitmachen.
Bis jetzt haben sie die Null-Lösung abgelehnt.
Wir haben nun, nach engen Beratungen und mit voller Unterstützung unserer
Verbündeten in der NATO, den sowjetischen Verhandlungsführern in Genf einen

- 9 -

�Genf einen neuen Vorschlag unterbreitet.

Wir sagten ihnen, daß wir bereit sind,

über ein Zwischenabkommen zu verhandeln und die Zahl unserer geplanten Dislozierungen zu verringern, wenn die Sowjets ihre entsprechenden Gefechtsköpfe auf
einen gleichen Stand reduzieren.

Unser Vorschlag für Null auf beiden Seiten

besteht natürlich weiter als unser Endziel. Gleichzeitig bleiben wir - wie
schon seit Beginn der Verhandlungen - für jeden ernsthaften Gegenvorschlag offen.
In einer Stellungnahme zu den Verhandlungen erklärte Präsident Reagan
in seiner Rede vom 31. März:

"Ich bedaure daß die Sowjetunion bisher nicht be-

reit war, die völlige Beseitigung dieser Systeme auf beiden Seiten zu akzeptieren.

Die Frage, die ich jetzt der sowjetischen Regierung stelle, ist, auf

welchen gleichen Stand sie zu verringern bereit ist, wenn sie nicht zur Beseitigung bereit ist."
Die sogenannten Friedensmarschierer - und ich benutze das Wort "sogenannte", weil ich keineswegs überzeugt bin, daß diese Gruppen wirklich dazu
beitragen, die Welt dem Frieden in Freiheit näherzubringen, ja,ich befürchte
sogar das Gegenteil - und die Grünen erklären uns laut, daß sie gegen alle
Atomwaffen seien. Warum demonstrieren sie dann nicht für die Null-Lösung?
Warum unterstützen sie nicht diese Friedensbemühung der NATO - die Beseitigung
einer ganzen Kategorie gefährlicher Kernwaffen - einen einfachen, direkten,
moralischen Vorschlag für echte Abrüstung? Warum unterstützen sie nicht wenigstens eine Zwischenlösung der Verringerung?
Diese Leute scheinen mehr besorgt zu sein wegen der Pläne für 572 NATOWaffen, die den Krieg verhindern und den Frieden für diese Generation bewahren sollen - Waffen, die noch nicht einmal produziert sind - als wegen der
doppelten Zahl von sowjetischen Waffen - weit über 1000 - nämlich der tödlichen
nuklearen Gefechtsköpfe auf den SS-20-Raketen, die bereits disloziert und genau auf die Straßen und Plätze gerichtet sind, auf denen sie demonstrieren gegen das Bemühen der NATO, den Frieden zu bewahren. Vergleichen wir doch
ihr Recht zu demonstrieren mit der Lage jenseits der Elbe. Das ist eben die
Freiheit - und der Frieden -, die wir verteidigen.
Die sehr
- 10 -

�Die sehr komplizierte Diskussion über die Strategie der Abschreckung
ist oft gekennzeichnet durch übermäßige Vereinfachung der Tatsachen und durch
Wunschdenken bezüglich der möglichen Ergebnisse von RüstungskontrollVerhandlungen.

Es ist daher angebracht, hier zwei Punkte klarzustellen, die in der

öffentlichen Debatte und in der Behandlung dieser Frage in den Medien offensichtlich sehr durcheinander gebracht werden.
Der erste ist jener Aspekt des NATO-Doppelbeschlusses vom Dezember 1979,
bei dem es um die Modernisierung der nuklearen Mittel Streckensysteme der NATO
geht. Ich möchte mit allem Nachdruck darauf hinweisen, daß es sich bei dieser
Entscheidung für eine Modernisierung um den Ersatz bestehender Verteidigungswaffen durch modernisierte und wirksamere PERSHING-Raketen und Marschflugkörper
handelt, für den Fall, daß ein Fehlschlag der Rüstungskontrollverhandlungen in
Genf dies notwendig macht. Es besteht kein Plan, auch nur eine einzige zusätzliche Waffe hinzuzufügen. Es handelt sich um Ersatz, nicht um zusätzliche
Waffen.
Zum Doppelbeschluß der NATO vom Dezember 1979 gehörte sogar die Verpflichtung, 1000 nukleare Gefechtsköpfe aus Europa abzuziehen.

Dieser Abzug ist be-

endet, aber auf den Plakaten der Friedensmarschierer sieht man leider keine
Anerkennung dieses Abbaus von Kernwaffen durch die NATO.

Müßte man das Moder-

nisierungsprogramm durchführen, dann hätte die NATO am Ende des Programms weniger Kernwaffen in Europa, als sie im Jahr 1976 hatte. Wir arbeiten an einem
Abbau der Kenrwaffen in Europa, keinem Aufbau.
Einen zweiten Punkt will ich klarstellen;
plan eventuell notwendiger Dislozierungen.

er bezieht sich auf den Zeit-

Durch die Debatte in der Öffent-

lichkeit und in den Medien könnte man leicht zu dem Schluß kommen, alle 572
modernisierten PERSHING-Raketen und Marschflugkörper würden plötzlich irgendwie herbeigezaubert, um dann zu Ende dieses Jahres fertig an Ort und Stelle zu
stehen.

Das stimmt einfach nicht, und es war auch nie so gedacht.

Der Ersatz

vollzieht sich - sollte er durch einen Fehlschlag in Genf notwendig werden im Rahmen eines FünfJahresprogramms.
sich um nur wenige Waffen.

Bei der ersten Dislozierung handelt es

Sollte dann später in Genf ein Abkommen erreicht
- 11 -

�Abkommen erreicht werden, würden weitere Dislozierungen der NATO in Übereinstimmung mit dem Abkommen gestoppt.

Spätere Stadien des Dislozierungsprogramms

werden vielleicht nie notwendig sein.

Es wäre zu hoffen, daß ein Abkommen so-

gar den Abzug von bereits stationierten Raketen möglich machen würde.
Wir dürfen nicht vergessen, daß es die Sowjetunion ist - und nicht der
Westen -, die darauf besteht, diese Klasse von nuklearen Mittel Streckenwaffen
beizubehalten.

Die NATO ist voll und ganz für den Abbau dieser Waffengattung.

Präsident Reagan hat angeboten, sich zu jeder Zeit und an jedem Ort mit Generalsekretär Andropow zu treffen, um ein Abkommen zu unterzeichnen, das diese Waffenklasse aus der Welt schaffen würde. Dieses Angebot von Präsident Reagan gilt
noch immer.
Ein weiteres Problem kompliziert das Verständnis der Öffentlichkeit:
Die falschen Informationen und die irreführenden Vorschläge, die die sowjetische Regierung dauernd in diesen Prozeß einbringt. Ein Beispiel dafür ist
Andropows Vorschlag vom 21. Dezember des vergangenen Jahres, der weit publiziert wurde und dessen Ziel es war, die Genfer Verhandlungen zu beeinflussen,
Er erweckte den Anschein, eine Beschränkung der sowjetischen SS-20-Raketen auf
162 - die Gesamtzahl der französischen und britischen Waffen dieses Typs - anzubieten. Zunächst einmal war das sowjetische Angebot äußerst vage; es enthielt zum Beispiel kein konkretes Versprechen, diese gefährlichen Waffen auch
tatsächlich zu zerstören. Mobile Waffen lediglich hinter den Ural zurückzuziehen bedeutet wenig: Dieselben mobilen Waffen könnte man zum Einsatz gegen
den Westen leicht wieder in ihre Stellungen zurückverlegen.
Außerdem gibt es zwei weitere, durchsichtige Fehlinformationen in
Andropows Vorschlag. Die französischen und britischen Waffensysteme sind zum
einen nicht Teil der bilateralen Genfer Verhandlungen zwischen der Sowjetunion
und den USA. Es handelt sich hier um Systeme, die sich Frankreich und Großbritannien letztlich für ihre eigene Verteidigung reservieren. Beide Länder
haben den Einschluß ihrer Systeme in die INF-Verhandlungen in Genf zurückgewiesen. Die Mitglieder der NATO sind - im Gegensatz zu den Staaten des

- 12 -

�Staaten des Warschauer Paktes - völlig souveräne Staaten.

Die Vereinig-

ten Staaten sind einfach nicht in der Lage, über das Eigentum anderer Staaten
zu verhandeln.

Die Russen wissen das genau.

Sogar wenn die Vereinigten Staaten in der Lage wären, Verhandlungen über
die französischen und britischen Waffen zu führen - was sie nicht sind -, enthält das sowjetische Angebot noch eine weitere Enttäuschung.

Wenn die Russen

nämlich vorschlagen, 162 französische und britische Raketen gegen 162 SS-20Raketen aufzuwiegen, so übersehen sie geflissentlich die Tatsache, daß die
meisten der französischen und britischen Raketen nur jeweils einen Gefechtskopf haben. Jede SS-20 aber hat drei Gefechtsköpfe. Laut Vorschlag Andropows
hätten die Sowjets durch diesen Handel also 486 Gefechtsköpfe gegen weniger als
300 britische und französische - und keinen einzigen für die NATO.

Keit schlech-

tes Geschäft für sie!
Noch ein Beispiel sowjetischer Taktik:

Vor fast genau einem Jahr, am

15. März 1982, kündigte Generalsekretär Breschnew ein Moratorium bei der weiteren Dislozierung von SS-20-Raketen an. Disloziert hatten die Russen zu jenem Zeitpunkt etwa 900 SS-20-Gefechtsköpfe.

Jetzt, am 12. April 1983, beträgt

die Anzahl der sowjetischen SS-20-Gefechtsköpfe über 1050. Soviel über das
sowjetische Versprechen, mit ihrer Dislozierung von SS-20-Raketen aufzuhören und all dies fand zur gleichen Zeit statt wie die INF-Verhandlungen in Genf.
Die Sowjets rufen ein Moratorium aus, aber fahren mit der Dislozierung der
SS-20-Raketen fort - und rufen dabei immer wieder nach Abrüstung.
Auf ihrem jüngsten Treffen in Portugal, sagten die Verteidigungsminister
der NATO am 23. März folgendes über die sowjetische Verhandlungsposition in
Genf:

"Die sowjetischen Vorschläge haben sich seit dem Verhandlungsbeginn

grundsätzlich nicht geändert. Tatsächlich hätte der jüngste Vorschlag der
Sowjetunion folgende Konsequenzen.

Er würde der Sowjetunion mehr SS-20-Raketen

lassen, als sie bei Beginn der Verhandlungen hatte; er würde der NATO das Recht
verwehren, ihr Potential zur Abschreckung dieser Bedrohung zu modernisieren;
er würde der Sowjetunion eine unbegrenzte Zahl von mobilen SS-20 ostwärts
des Ural

erlauben, die weiterhin NATO-Europa bedrohen würden; und er würde

fast alle Flugzeuge der Vereinigten Staaten vom europäischen Kontinent ver- 13 -

�Kontinent verbannen, die für die konventionelle Verteidigung der NATO unentbehrlich sind.

Das Ergebnis wäre, daß das sowjetische Monopol bei den land-

gestützten INF-Flugkörpern größerer Reichweite aufrechterhalten bliebe, die
Koppelung zwischen dem strategischen Abschreckungspotential der Vereinigten
Staaten und der Verteidigung NATO-Europas ernsthaft untergraben und das langfristige sowjetische Ziel der Spaltung des Bündnisses gefördert würde."
Die heutige Debatte enthält eine Gefahr.

Es besteht das Risiko, daß das

viele Diskutieren über technische Einzelheiten bei Rüstung und Rüstungskontrolle
- wie Abschußeinrichtungen, Raketen, Gefechtsköpfe und ähnliches - die zentrale
Frage zur Nebensache macht.
nicht geändert.

Diese Frage aber hat sich seit einer Generation

Es geht um das anhaltende sowjetische Bemühen, einen Keil

in die westliche Einheit zu treiben und Amerika von Europa zu trennen.

Die

Sowjetunion, die neue und gefährliche Raketen mit dem Ziel disloziert hat,
Westeuropa einzuschüchtern, versucht jetzt, die Verbindung zwischen den Vereinigten Staaten und ihren NATO-Verbündeten zu zerbrechen - unsere Sicherheit
abzutrennen, um dadurch unsere Freiheit umso leichter anzugreifen.
Das sowjetische Endziel in Europa ist, die Länder Westeuropas zu zwingen, sich dem sowjetischen Interesse zu sowjetischen Bedingungen zu fügen.
Wir alle wissen, wie diese Bedingungen aussehen.

Wir brauchen nur auf die Ge-

biete jenseits der Elbe zu blicken - oder auf die Mauer, die das Herz von
Berlin durchschneidet.

Sie, liebe Zuhörer, werden als Deutsche die sowje-

tischen Bedingungen besser verstehen als viele andere.
Es ist die Verbindung zwischen Amerika und Westeuropa - die Einheit
des Westens - die vor einer Aggression aus dem Osten abschreckt und den Frieden in der nordatlantischen Gemeinschaft seit über einer Generation gesichert
hat. Die NATO ist die echte Friedensbewegung unserer Zeit.
Wie wir wissen, hat der Frieden seinen Preis - keinen niedrigen Preis.
Dean Rusk, Außenminister unter den Präsidenten Kennedy und Johnson, hat darauf hingewiesen:

Die Freiheit gibt es nicht umsonst.

- 14 -

Wir im Westen sind

�Westen sind bereit, einen hohen Preis zu zahlen, um den Frieden mit Freiheit
zu sichern - damit wir uns weiterhin der großen Aufgabe widmen können, eine
bessere Welt für uns und unsere Kinder zu schaffen.

+ + + + +

15

�16

13. April 1983

ERLÄUTERUNGEN ZUM INF-VORSCHLAG PRÄSIDENT REAGANS

WASHINGTON - (AD) - Im Zusammenhang mit der Erklärung des amerikanischen
Präsidenten vom 30. März 1983 über die neue INF-Initiative der Vereinigten
Staaten veröffentlichte das amerikanische Außenministerium folgende Erläuterungen.

Der Präsident kündigte am 30. März 1983 an, daß die Vereinigten Staaten
in Genf einen neuen Vorschlag für ein Zwischenabkommen vorgelegt haben, demzufolge die Vereinigten Staaten ihre geplante Dislozierung von PERSHING II-Raketen und landgestüzten Marschflugkörpern um ein Beträchtliches reduzieren würden, vorausgesetzt, die Sowjetunion verringert die Anzahl ihrer Waffen bei den
INF-Raketen größerer Reichweite auf weltweit gleichen Umfang. Die Vereinigten
Staaten sehen in diesem Vorschlag einen ernsthaften ersten Schritt in Richtung
auf eine vollständige Beseitigung dieser Waffenklasse und hoffen, daß sich die
Sowjetunion dieser unserer Ansicht anschließt.
Im Dezember 1979 kamen die NATO-Staaten in einem Doppelbeschluß hinsichtlich der Problematik nuklearer Mittel Streckensysteme (INF) zu einer Einigung.
In Reaktion auf die zunehmende Bedrohung durch sowjetische INF-Systeme - insbesondere die Dislozierung der neuen sowjetischen SS-20-Raketen - kamen die
Verbündeten überein, 108 PERSHING II-Raketen und 464 landgestützte Marschflug-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�landgestützte Marschflugkörper (GLCM) in Europa zu dislozieren.

Gleichzeitig

drängten die Verbündeten auf Rüstungskontroilanstrengungen, um diese und vergleichbare sowjetische INF-Raketensysteme zu begrenzen.

Am 18. November 1981 unterbreitete Präsident Reagan nach entsprechenden
Konsultationen innerhalb des Bündnisses einen weitreichenden Vorschlag als
Grundlage der amerikanischen Position bei den INF-Verhandlungen, die am 30.
November 1981 begannen.

Dieser Vorschlag forderte die völlige Beseitigung

der gesamten Klasse amerikanischer sowie sowjetischer landgestützter, weitreichender INF-Raketen - mit anderen Worten:
auf beiden Seiten.

Keinerlei Raketen dieses Typs

Die Vereinigten Staaten sind auch weiterhin der Überzeu-

gung, daß dies das beste und moralischste Ergebnis dieser Verhandlungen wäre.
Dadurch würde sowohl die Sicherheit des Ostens als auch die des Westens erhöht
werden.

Leider unterscheidet sich die sowjetische Haltung in diesen Verhandlungen hiervon sehr.

Die Sowjets weigerten sich bislang hartnäckig, unseren

"Null-Null"-Vorschlag ernsthaft in Erwägung zu ziehen oder mit einer anderen
annehmbaren Alternative zu kommen.

Die sowjetische Position in diesen Ver-

handlungen würde das derzeitige Monopol der Sowjetunion bei diesen Waffen erhalten.

Ihrem jüngsten Vorschlag zufolge würden die Sowjets weiterhin über

486 Gefechtsköpfe auf 162 SS-20-Raketen allein in Europa verfügen, während
die Vereinigten Staaten keine einzige Rakete hätten.

Hunderte von Gefechts-

köpfen auf sowjetischen SS-20-Raketen im Fernen Osten würden keinerlei Begrenzung erfahren.

Das Urteil der NATO über die derzeitige sowjetische Position in Genf
spiegelt sich im Kommunique der Verteidigungsminister der NATO wider, das am
23. März im Anschluß an ihr jüngstes Treffen in Portugal veröffentlicht wurde:

"Im Widerspruch zu kürzlich aufgestellten Behauptungen sowjetischer
Führer haben sich die sowjetischen Vorschläge seit dem Verhandlungsbeginn grundsätzlich nicht geändert.

- 2 -

Tatsächlich hätte der jüngste

�der jüngste Vorschlag der Sowjetunion folgende Konsequenzen.

Er

würde der Sowjetunion mehr SS-20-Raketen belassen, als sie bei Beginn der Verhandlungen hatte; er würde der NATO das Recht verwehren, ihr Potential zur Abschreckung dieser Bedrohung zu modernisieren; er würde der Sowjetunion eine unbegrenzte Zahl von mobilen
SS-20 ostwärts des Ural

erlauben, die weiterhin NATO-Europa be-

drohen würden; und er würde fast alle Flugzeuge der Vereinigten
Staaten vom europäischen Kontinent verbannen, die für die konventionelle Verteidigung der NATO unentbehrlich sind.

Das Ergebnis

wäre, daß das sowjetische Monopol bei den landgestützten INF-Flugkörpern größerer Reichweite aufrechterhalten bliebe, die Koppelung
zwischen dem strategischen Abschreckungspotential der Vereinigten
Staaten und der Verteidigung NATO-Europas ernsthaft untergraben
und das langfristige sowjetische Ziel der Spaltung des Bündnisses
gefördert würde."
Der neue amerikanische Vorschlag wurde nach umfangreichen Konsultationen
mit unseren NATO-Verbündeten und nach Gesprächen mit anderen Freunden, einschließlich Japans, unterbreitet.

Er wurde am 29. März auf der Abschlußsit-

zung dieser Verhandlungsrunde überreicht.

Bei Vorlage dieses Vorschlages

forderten die Vereinigten Staaten die Sowjetunion auf, ihn während der Verhandlungspause sorgfältig in Erwägung zu ziehen,und machten den Vorschlag,
daß die Delegationen ihre Verhandlungen um einige Wochen eher als vorher geplant wieder aufnehmen sollten.

Die Sowjets haben sich zu einer Wiederauf-

nahme am 17. Mai bereiterklärt.
Der neue amerikanische Vorschlag wird den Kriterien gerecht, die der
Präsident für ein Abkommen festgelegt hat:
- Gleiche Rechte und Beschränkungen für die Vereinigten Staaten und die
UdSSR;
- keine Kompensation

�- keine Kompensation für die Waffen von Drittländern;
- weltweite Höchstgrenzen;
- keine negativen Auswirkungen auf die konventionelle Verteidigungskapazität der NATO; und
- wirksame Maßnahmen zur Verifizierung.
Bei den weiteren Diskussionen über diesen Vorschlag werden die Vereinigten Staaten wie bisher so flexibel wie möglich sein, um in Genf zu einem Abkommen zu gelangen, das den oben genannten Kriterien gerecht wird.
Die Vereinigten Staaten sehen den neuen Vorschlag als einen Zwischenschritt in Richtung auf die vollständige Beseitigung der amerikanischen wie
sowjetischen landgestützten INF-Raketensysteme größerer Reichweite an.

Soll-

te ein Zwischenabkommen erreicht werden, so sind die Vereinigten Staaten der
Meinung, daß diese Verhandlungen mit dem Ziel fortgesetzt werden sollten, die
vollständige Beseitigung dieser Systeme zu erreichen.

Mit der Unterbreitung

dieser neuen Initiative bleibt der derzeitige amerikanische Vorschlag für eine
Beseitigung der gesamten Klasse landgestützter INF-Raketen größerer Reichweite
in Genf auf dem Verhandlungstisch.

Die Vereinigten Staaten sind nach wie vor

der Überzeugung, daß keine Raketen auf beiden Seiten das beste Ergebnis dieser
Verhandlungen wären.

+ + + + +

- 4-

�13. April 1983

16

VERTEIDIGUNGSSYSTEME AUF DER BASIS VON STRAHLUNGSENERGIE
Erläuterungen zu dem neuen Verteidigungskonzept Präsident Reagans

- (AD) - Zu dem von Präsident Reagan angekündigten neuen Forschungsund Entwicklungsprogramm für Abwehrsysteme gegen ballistische Waffen gehört
u.a. die Entwicklung von Defensivwaffensystemen mit sogenannter "gerichteter
Energie".

Die beiden wichtigsten Formen gerichteter Energie sind Laser- und

Partikel strahlen hoher Energiedichte.
Bei den Laserstrahlen handelt es sich um Wellen aus dem sogenannten
optischen Bereich des von Funkwellen bis zur Gammastrahlung reichenden elektromagnetischen Spektrums, dem Frequenzen vom Infrarot bis zum Ultraviolett
zugeordnet werden. Nach heutigem Verständnis ist "Licht" sowohl als Korpuskularstrahlung wie als Strahlung mit Wellencharakter zu definieren.
Den Laserstrahl kennzeichnet eine spezielle Form der Ausbildung elektromagnetischer Wellen:

Die als Energieträger fungierenden Lichtquanten

(Photonen) schwingen in gleicher Phase.

Daraus ergeben sich Wellen gleicher

und "reiner"Frequenz, die sich nicht überlagern und somit frei sind von Interferenzen.

Das Licht ist "kohärent", in einem scharf gebündelten Strahl

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�gebündelten Strahl konzentriert und im Strahlquerschnitt außerordentlich
energiereich.
Laser ist ein Kunstwort, gebildet aus den Anfangsbuchstaben von "Light
Amplification by .Stimulated Emission of Radiation", d.h. Lichtverstärkung
durch induzierte Emission von Strahlung.

Ein Lasergerät ist ein Generator,

der Licht erzeugt, welches im Weltraum kaum gestreut wird und blitzartig
riesige Entfernungen überwindet.

Und wie sein Vorläufer, der Maser (d.h. Ver-

stärkung von - niedriger frequenten - Mikrowellen durch induzierte Emission
von Strahlung), ist er geeignet, elektromagnetische Strahlung um ein Vielfaches
zu verstärken.

Beim Laser geschieht dies durch direkte Wechselwirkungen mit

fester, flüssiger oder gasförmiger Materie.
Photonen bewegen sich im Vakuum mit fast 300 000 km pro Sekunde - der
größten in der Natur zu beobachtenden Geschwindigkeit.

Diese Lichtgeschwin-

digkeit verringert sich infolge Streuung oder Brechung beim Durchgang durch
ein Medium, z.B. die irdische Atmosphäre, und Absorptionsprozesse schwächen
dabei die Intensität des Lichts. Photonen haben keine Ruhemasse - im Gegensatz zu den Energieträgern von Partikelstrahlen wie Elektronen, Protonen
oder Ionen, die außerdem elektrische Ladung besitzen.

Wenn solche Partikel-

strahlen hohe Energie gewinnen sollen, müssen sie beschleunigt werden, wie
es z.B. in Teilchenbeschleunigern mit Hilfe von Magnetfeldern geschieht. Dabei werden Werte erreicht, die der Lichtgeschwindigkeit sehr nahe kommen.
Die große Fortbewegungsgeschwindigkeit bedeutet, daß der Laser- oder
Partikel strahl einer Abwehrwaffe - im letztgenannten Fall vorzugsweise Elektronenstrahl - sein Ziel blitzartig und nahezu augenblicklich erreicht.
überwindet 1000 Meter in einer 3,7-millionstel Sekunde.

Er

Ein mit doppelter

Schallgeschwindigkeit fliegender feindlicher Bomber käme in dieser Zeit kaum
mehr als 2 Millimeter voran.

Selbst eine mit sechsfacher Schallgeschwindig-

keit sich bewegende Feindrakete hätte, bis ein in 1600 km Entfernung ausgelöster Laserblitz sie träfe, höchstens 2,7 Meter zurückgelegt.
Da die

�Da die Strahlung von Laserwaffensystemen von der Erdanziehungskraft praktisch unbeeinflußt bleibt, könnte sie mit extremer Präzsion auf Ziele gerichtet
werden und diese mit großer Genauigkeit treffen.

Wenn solche Abwehrwaffen-

systeme erst einmal voll entwickelt sind, wäre es möglich, selbst aus einer
Gruppe nicht-feindlicher Objekte einzelne, sich dazwischen bewegende Feindobjekte herauszusuchen und zu vernichten.

Auch könnte man davon ausgehen, eine

große Zahl von Ziel Objekten vernichten zu können, selbst wenn diese aus allen
Richtungen kämen.
Für jeden "Schuß" mit einem Laser- oder Partikel strahl wird verhältnismäßig wenig "Brennstoff" verbraucht, weshalb in einem Waffensystem eine Vielzahl von "Schüssen" gespeichert werden könnte. Da außerdem der Laserstrahl
durch bewegliche Spiegel gesteuert würde, wäre durch ein solches Waffensystem
die Möglichkeit gegeben, über einen weiten Sichtbereich hinweg rasch hintereinander ein Feindobjekt nach dem anderen abzuwehren.
Im Weltraum hätten Laserstrahlen nahezu unbegrenzte Reichweite. In geringeren Höhen über der Erde würden sie jedoch, wie jedes Licht, durch Wolken
und Nebel gestreut und mehr oder weniger stark absorbiert. Partikel strahlen
wiederum würden vom Erdmagnetfeld und der Gravitation beeinflußt. Jedoch soll
es bereits Forschungs- und Entwicklungsprojekte für Partikel strahl-Waffensysteme mit Wasserstoffgas geben, bei denen diese Einflüsse weniger problematisch wären.
Eine militärische Laserstation im Weltraum könnte gegnerische Raketen
großer Reichweite schon während ihres Aufstiegs ausmachen und vernichten. Sie
besäße eine wesentlich größere Effektivität als jedes bodengestützte Abwehrsystem. Ein Laserstrahl muß sein Zielobjekt mit höchster Präzision erfassen,
aber auch lange genug im Visier behalten, um sich durch die Hülle zu brennen
und wesentliche Teile wie das Leitsystem zu zerstören oder den Gefechtskopf
oder Treibstoff zur Explosion zu bringen. Ein mit hoher Geschwindigkeit auf
das Ziel auftreffender Partikel strahl würde die Metall hülle durchdringen und
dabei einen großen Teil seiner Energie auf das Zielobjekt übertragen. Zu Beginn

- 3 -

�Zu Beginn würde die Elektonik funktionsunfähig werden, dann würden - infolge
der Energieübertragung - Treib- und Explosivstoffe gezündet und Zerstörungen
am Raketenkörper verursacht.
Obgleich solche Abwehrsysteme noch nicht existieren, halten es Forscher
in privaten und regierungseigenen Instituten offenbar für möglich, daß ihre
Entwicklung in 20 bis 25 Jahren durchführbar wäre.

+ + + + +

�16

13. April 1983

SCHWERTRANSPORT IN DEN WELTRAUM
US-Raumfähre CHALLENGER vom ersten Einsatz zurück

- (AD) - Beim Einschweben über Kalifornien von den Kameras zunächst als
dunkler Schatten erfaßt, rollte wenig später eine leuchtend weiße CHALLENGER
auf der für sie vorgesehenen Betonpiste des Edward-Luftstützpunktes in der
Mojavewü'ste aus. Der erste Weltraumeinsatz der amerikanischen Raumfähre
Nummer Zwei war kurz vor Vollendung der 81. Erdumrundung am 9. April 1983
um 20.54 Uhr MEZ nach fünf Tagen, 23 Minuten und 42 Sekunden beendet.
Kommandant Paul Weitz brachte den Raumgleiter schon ca. 2 000 Meter nach
dem Aufsetzen auf der Rollbahn zum Stehen. Er und Kopilot Karo! Bobko sowie
die beiden Missionsspezialisten Story Musgrave und Donald Peterson wurden
begeistert empfangen. Am Ende des nächsten Fluges, der für Mitte Juni vorgesehen ist, soll CHALLENGER als erster Raumtransporter auf einer neu angelegten,
4,8 km langen Betonbahn nahe dem Startplatz auf dem Kennedy-Raumfahrtzentrum
in Florida landen.
Experten der NASA (US-Amt für Luft- und Raumfahrt) äußerten sich außerordentlich befriedigt über den Verlauf und die bisher zu übersehenden Ergebnisse der Mission, die sich wegen der beim Durchprüfen entdeckten technischen
Mängel um mehr als zwei Monate (vom 20. Januar bis 4. April) verzögert hatte.

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�verzögert hatte. Mit der Lösung eines Problems sind allerdings Ingenieure
in der neuen Bodenstation White Sands (New Mexico) noch beschäftigt: Es
geht um das weitere "Anheben" des von der CHALLENGER-Besatzung im Weltraum
abgesetzten TDRS-Nachrichtensatelliten auf eine Kreisbahn, die in
ca. 36 000 km Höhe über dem Äquator liegt, und schließlich um das Einsteuern
des 2,2 Tonnen schweren Roboters auf seinen vorgesehenen Standort über der
Nordostspitze von Brasilien.
Das Absetzen dieses neuartigen Nachrichtensatelliten etwa zehn Stunden
nach dem Start war eine der wichtigsten Aufgaben beim Unternehmen STS-6.
TDRS ("Tracking and Data Relay Satellite" - Satellit für Bahnbeobachtung
und Datenübermittlung) ist das erste Gerät eines Dreiersystems, das für den
Funkverkehr mit bemannten Raumschiffen eine Reihe von Bodenstationen rund um
die Erde überflüssig macht und die Kontaktmöglichkeiten mit der Besatzung
von 15 auf über 80 Prozent der für einen Erdumlauf benötigten Zeit erweitert.
Außerdem können TDRS-Satelliten die Daten von 40 unbemannten Satelliten
abfragen und Funkbefehle an sie übermitteln, wobei 26 Satelliten gleichzeitig "bedient" werden.

Der gesamte Funkverkehr läuft, wenn das mit

2,2 Milliarden Dollar entwickelte System erst einmal komplett ist, über
die Hauptstation White Sands mit ihren mehr als 400 Mitarbeitern.

Die

Projektwissenschaftler und Techniker für die in das System einbezogenen
unbemannten Satelliten erhalten so ständigen Kontakt mit "ihrem" Gerät und
brauchen nicht zu warten, bis es wieder in Sichtweite einer Bodenstation
kommt.
- Dramatische Rettungsaktion Die Aufregung war groß, als etwa sechs Stunden nach dem problemlosen
Absetzen von TDRS plötzlich der Funkkontakt mit dem Nachrichtensatelliten
abriß. Für die Funkbefehle zur Aktivierung seiner beiden Antriebsstufen
(IUS, Gewicht ca. 15 Tonnen) war eine Bodenstation der US-Luftwaffe in
Kalifornien zuständig. Die erste Stufe hatte normal gezündet. Jetzt sollte

- 2 -

�Jetzt sollte die Oberstufe zum zweiten Mal gezUndet werden, um den
Satelliten aus seiner elliptischen Aufstiegsbahn in die kreisförmige
Umlaufbahn in 36 000 km Höhe zu bringen.
Die Leute in White Sands setzten das für diesen Fall (wie für alle
erdenklichen anderen Störfälle) vorbereitete Rettungsprogramm in Gang.
Als erstes mußte festgestellt werden, ob die Oberstufe des IUS-Systems
Liberhaupt ein zweites Mal gezündet hatte und abgesprengt worden war.
Das Kontroll personal schickte "blind" Funksignale ins All, um zu versuchen,
die Verbindung mit dem Satelliten wieder aufzunehmen und seine Position zu
ermitteln.

Darüber verging nur kurze Zeit - "aber es war, als hätte es

Stunden gedauert", meinte George Harris, Flugdirektor für TDRS in White
Sands.

Ergebnis der Sondierung: Der Satellit war ins Taumeln geraten.

Auch dafür war eine über Funkbefehle zu bewerkstelligende "Kur" vorbereitet.

Es gelang den Satelliten zu stabilisieren, seine Sonnenenergie-

Kollektoren (Leistung: 1700 Watt) auszufahren, die Tests mit den drei verschiedenen Antennen durchzuführen, ihn auf Herz und Nieren durchzuprüfen,
und schließlich seine Position zur Sonne

zu fixieren.

Bei diesen

Operationen wurde das Team in White Sands von Kollegen im Goddard Space
Flight Center in der Nähe von Washington unterstützt.

Ein Rätsel ist nach

wie vor die Ursache der Störung im IUS-System, die dafür verantwortlich ist,
daß dem bisher größten Nachrichtensatelliten der Welt, der im geostationären
Orbit in 36 000 km Höhe ca. 10 Jahre lang arbeiten soll, etwa 640 km an
Höhe fehlen.
Gegenwärtig wird mit Hilfe seiner Steuerungsdüsen, die eigentlich nur
für Positionskorrekturen im Orbit gedacht sind, versucht, ihn allmählich
doch noch in die vorgesehene Bahn zu bringen.

Harris schätzt, daß darüber

Tage, vielleicht sogar ein paar Wochen vergehen und von den 585 kg flüssigen
Hydrazintreibstoff an Bord etwa 405 kg verbraucht werden.

- 3 -

Der verbleibende

�Der verbleibende Treibstoff dürfte dennoch ausreichen, um die auf zehn
Jahre angesetzten normalen Operationen durchzuführen.

Bei ihrem über-

nächsten Flug (STS-8) soll CHALLENGER den zweiten Schwertransport vornehmen.

Das Gesamtgewicht der 11 m langen Kombination TDRS-IUS beträgt

immerhin 18 Tonnen.

Für TDRS-2 ist ein Standort über Hawaii vorgesehen.

- Astronauten an der Leine Am vierten Flugtag (7. April) unternahmen Musgrave und Peterson eine
Exkursion. Mit den neuentwickelten Schutzanzügen hielten sie sich drei
Stunden und vierzig Minuten außerhalb der Druckkabine auf - verrichteten
Arbeiten mit und ohne Werkzeug, inspizierten die 18 m lange offene Ladebucht, wo der TDRS-Satellit verstaut war, und einen Teil der Außenwände
ihres Raumtransporters, über Rollen laufende 15 m lange Sicherungsleinen
am Rand der Ladebucht, an denen sie angehakt waren, bewahrten sie vor dem
Abdriften in der Schwerelosigkeit.
Vier Fernsehkameras an der CHALLENGER, dazu je eine am Schutzhelm
montierte Minikamera, übertrugen den Verlauf der Exkursion, zeigten gestochen scharf die Bewegungen der Astronauten. Aus der Druckkabine filmte
und fotografierte Kopilot Bobko den Ausflug der beiden. Er diente der
gründlichen Erprobung der (im Vergleich zu den zuletzt vor neun Jahren im
APOLLO- und SKYLAB-Programm benutzten) leichteren und sehr viel mehr
Bewegungsfreiheit gebenden Schutzanzüge. Sie sollen eine Lebensdauer von
mindestens 15 Jahren haben. Jeder hat im Tornister Vorräte an Sauerstoff,
Batteriestrom und Kühlmittel für einen Außenaufenthalt von sieben Stunden.
Der 112 kg schwere, 2,15 Millionen Dollar teure Anzug mit gut beweglichen
Hand-, Finger-, Ellbogen, Knie- und Fußgelenken besteht aus mehreren, teilweise auch aluminisierten Schichten von Teflon, Nylon, Polyurethan und
anderen Kunstfasern. Der Innendruck beträgt nur knapp ein Viertel des in
der Raumtransporterkabine herrschenden Normaldrucks. Und während dort die

- 4 -

�dort die Astronauten Luft einer an der Erdoberfläche üblichen Zusammensetzung
atmen, gibt es im Schutzanzug nur reinen Sauerstoff.

Dies erforder vor allem

vor der Exkursion ein Umstellen des Organismus auf Sauerstoffatmung, wobei
im mehrstündigen Aufenthalt in einer Luftschleuse das Blut von Stickstoff
frei gemacht werden muß.
Im Schutzhelm gibt es einen kleinen Beutel mit Trinkwasser, dazu mit
dem Mund leicht zu erreichende Happen mit Trockenfrüchten.

Jeder Raumanzug,

von dem aus auch ständiger Funksprechverkehr mit der Pilotenkabine geführt
wird, hat seinen eigenen Mikroprezessor-Computer, der alle lebenswichtigen
Funktionen überwacht. Stimmt etwas nicht, alarmiert er sofort den Träger
und kann auch Anweisungen zur Korrektur eines Problems geben.

Der erste

"Großeinsatz" für die neuen Raumanzüge ist beim Flug STS-13 im April 1984
vorgesehen, wenn ein 1980 gestarteter, nicht mehr voll funktionsfähiger
Satellit zur Sonnenbeobachtung repariert werden soll.
- Wichtige Neuerungen Die Raumfähre CHALLENGER ist um mehr als 1,1 Tonnen leichter als das
Schwesterschiff COLUMBIA!

Die Schleudersitze für den Notfall in der Start-

phase wurden samt Schienen entfernt, ebenso eine Anzahl von Testinstrumenten.
Außerdem hat der große Außentank 4,5 Tonnen weniger Gewicht, ebenso wurden
die beiden großen Feststoffraketen um 1,8 Tonnen "erleichtert". Gleichzeitig ist die Motorleistung der Haupttriebwerke vier Prozent größer als
bei der COLUMBIA.

Dadurch wurde die Aufnahmekapazität der COLUMBIA für

Nutzlasten erheblich vergrößert.
- Wissenschaftliches Programm Das schon seit einigen Raumfährenflügen laufende Elektrophorese-Projekt
zur Erprobung von Verfahren für die Gewinnung hochreiner Medikamente und
Impfstoffe in Schwerelosigkeit wurde fortgesetzt.

- 5 -

Dabei handelt es sich um

�sich um ein Gemeinschaftsunternehmen der Firmen McDonnell Douglas Aeronautics
Company und Ortho Pharmaceutical Corporation.

Drei biologische Substanzen -

Albumin, Blut und eine Blutzellenkultur - werden im elektrischen Feld bei
sogenannter Mikrogravitation getrennt. Der erzielte Reinheitsgrad ist um
ein Vierfaches höher, als er unter den an der Erdoberfläche herrschenden
Bedingungen erreicht werden kann. Außerdem ist nach bisherigen Erfahrungen
die Mengenkapazität für eine Verarbeitung im Weltraum 5000 Mal größer.
Auch die Experimente zur Herstellung einheitlich winziger Latex-Kügelchen
als Träger für bestimmte Substanzen in Medikamenten liefen beim Flug STS-6
weiter - ein Gemeinschaftsversuch von Wissenschaftlern der NASA und der
Lehigh-Universität.
Die Astronauten machten Fotos von Blitzen und Gewittern als Beitrag
zur Verbesserung von Wettersensoren in Satelliten und zur Verbesserung der
Wettervorhersage. Bei einem der drei "Getaway-Specials" (genormte Kanister
mit Experimenten von NASA-Kunden) ging es um uas Sammeln von Erfahrungen
über die Einwirkung von Schwerelosigkeit, Temperaturveränderungen und
kosmischen Strahlung auf 46 verschiedene Arten von pflanzlichen Samen ein Experiment der Fa. George W. Park Seed Company, das für die Gebühr
von 3 000 Dollar mitgenommen wurde. Am 19. April, wenn CHALLENGER nach
Florida zurücktransportiert wird, ist auch der Kanister an Bord, um von
der Fa. Park in Empfang genommen zu werden. Die Samen sollen sofort eingesetzt, ihr Keimen und das Wachsen der Pflänzchen vor allem unter dem
Gesichtspunkt von möglichen Mutationen,beschleunigtem oder verzögertem
Wachstum beobachtet werden.

+ + + + +

�16

13. April 1983

ROBOTER MIT VIELEN AUGEN
Fernerkundung aus dem Weltraum erleichtert Entwicklungsprojekte

- (AD) - Mindestens 45 Entwicklungsländer machen von der Beobachtung
und Fernerkundung ihres Gebietes durch amerikanische LANDSAT-Satelliten Gebrauch.

Dem ersten im Jahr 1972 gestarteten Gerät dieses Typs folgten in-

zwischen drei weitere, zuletzt LANDSAT 4 im Juli 1982 mit einem hochempfindlichen neuartigen Sensor an Bord.

Der sogenannte "Thematic Mapper" arbeitet

auf sieben Spektralbändern (im Gegensatz zum Multispektral-Scanner, bei dem
die aufgefangenen Lichtbündel auf vier Sensoren aufgeteilt werden) und liefert erstmals Erdaufnahmen in natürlichen Farben.

Demgegenüber sind zur Her-

stellung von Farbbildern aus den Meßdaten seiner Vorläufer Farbfilter für die
Umsetzung der Original-Schwarz-Weiß-Aufnahmen und spezielle Kopiertechniken
erforderlich.

Dank des hohen Bildauflösungsvermögens des neuen Instruments

kann man (aus 700 km Höhe) Objekte von 30'm,in Einzelfällen sogar von 12 m
Durchmesser ausmachen, während die Bildauflösung der ersten drei LANDSATSatell iten bei ca. 80 m liegt.

Auch das Unterscheidungsvermögen für Hellig-

keitsstufen ist viermal größer - allerdings befindet sich der "mapper" noch
in der Erprobung.
Für den

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Für den regulären Bilderdienst stehen die Aufnahmen von LANDSAT
allen interessierten Ländern zur Verfügung.

1-3

Die Geräte registrieren und mes-

sen die Energie (Licht- oder Wärmestrahlung), die von der Vegetation, von Landflächen und landnahen Gewässern reflektiert oder ausgesandt wird.

Welche wich-

tigen und z. T. überraschenden Erkenntnisse Entwicklungsländer durch die Auswertung von LANDSAT-Aufnahmen erzielten, wurde kürzlich auf einer internationalen Konferenz an der Columbia-Universität in New York (4. - 5. Februar 1983)
erörtert:
- In den sechziger Jahren hatte das US-Amt für Internationale Entwicklung
(AID) ein ehrgeiziges Kartierungs-Projekt der thailändischen Regierung
mittels Luftaufnahmen unterstützt. Zehn Jahre später ergab die Auswertung der LANDSAT-Bilder, daß das Land in einem einzigen Jahrzehnt 20
Prozent seines Waldbestandes verloren hatte. Strenge Gesetze und spezielle Schutzvorkehrungen sollen nunmehr die Wälder erhalten helfen.
- Professor Klaus Itten von der Universität Zürich berichtete aus Sri
Lanka, daß zwischen 1956 und 1979 etwa 50 Prozent der Wälder durch Rodungen für Reisfelder vernichtet worden waren.

LANDSAT-Fotos (die Aus-

wertung wurde mit Unterstützung schweizer Wissenschaftler vorgenommen)
hatten die Regierung alarmiert, die sich jetzt um Maßnahmen zur Verbesserung des ökologischen Gleichgewichts

bemüht. Auch Vorhersagen für

Reisernte-Erträge seien durch Fernerkundung möglich geworden.
- Weniger als 18 Prozent der Landmassen Lateinamerikas seien zuverlässig
kartiert, erklärte Pierre Adrien von der Interamerikanischen Entwicklungs
bank. So bereite die Durchführung von Entwicklungsprojekten Schwierigkeiten, weil man die vorhandenen Ressourcen nicht kenne. Von den Landflächen Perus seien 60 Prozent, von Costa Rica 40 Prozent unzureichend
kartographisch aufgenommen. In Bolivien habe sich nach Anfertigung einer
Karte für die Bodennutzung gezeigt, daß weniger als ein Prozent des kultivierbaren Bodens regulär bebaut werde. Bodenschätze: Mit der Fernerkundungstechnik seien in diesem Land u.a. Lithium- und Kaliumvorkommen

- 2 -

�und Kaliumvorkommen ausgemacht worden.

- In Pakistan wurden LANDSAT-Daten für die Suche nach einem geeigneten
Gebiet für die Anlage eines neuen Hafens in Kasin herangezogen, um den
Hafen von Karachi zu entlasten.

In vielen (.ändern bestehe dringender Bedarf an der Nutzbarmachung von
Fernerkundungstechniken zur Auffindung von Ressourcen, jedoch gelten Erziehungs- und Gesundheitswesen noch immer als vorrangig, erklärte der Syrer Abd
Al-Wahab Kabakibo.
bereits ausgiebig

Manche Länder, z. B. Indien und Brasilien, nutzen jedoch
die technischen Möglichkeiten zur Auswertung und Nutzung

der via Satelliten erlangten Bildinformationen.

Sie haben Spezialisten aus-

bilden lassen und eigenständige Programme entwickelt, die Computer-Datenverarbeitung und Pläne für eigene Satelliten umfassen.

AID gibt seit 1973 jährlich mehr als sieben Millionen Dollar für die
Unterstützung von Fernerkundungsprojekten in der Dritten Welt aus.

Alles in

allem investierten Argentinien, Brasilien, die Bundesrepublik Deutschland,
Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Schweden und die Vereinigten Staaten in
den zehn Jahren seit Beginn des LANDSAT-Programms zwei Milliarden Dollar, um
in der ganzen Welt geeignete Projekte, u.a. unter Einschaltung von AID, Weltbank, UN-Entwicklungsprogrammen, Interamerikanischer Entwicklungsbank und FAO
(UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft), auf- und auszubauen.

Einige europäische Länder erweitern gegenwärtig eigene Programme und
bieten sie gemeinsam mit den USA Entwicklungsländern an.

So wird Frankreich

im Jahr 1984 den Fernerkundungssatelliten S.P.O.T. starten.

Mitte der acht-

ziger Jahre werden der kanadische RADARSAT, ein Fernerkundungssatellit der
europäischen Raumfahrtorganisation ESA für die Rohstoffsuche und zwei japanische Satelliten hinzukommen.

Auch Indien, Brasilien, China und die UdSSR

sind dabei, entsprechende eigene Satellitensysteme zu entwickeln.

Daß die

Radar-Sondierung aus dem Weltraum sogar für die Archäologie Bedeutung haben
kann, zeigten Resultate mit einem Gerät, das die Raumfähre COLUMBIA an Bord

�an Bord hatte:

Im Jahr 1981 wurden damit unbekannte, in einigen Tausend

Jahren unter Wüstensand verschwundene Wasserläufe in der Sahara entdeckt, im
vergangenen Jahr reiche Silber- und Molybdänvorkommen auf der mexikanischen
Halbinsel Niederkalifornien.
LANDSAT 4 gibt der Fernerkundung der Erde eine neue Dimension.

Seine

besondere Stärke ist die Fähigkeit, kontinuierlich Panorama-Aufnahmen von der
Oberfläche mit sehr hohem Auflösungsvermögen zu liefern.

Da ein bestimmtes

Gebiet jeweils alle 16 Tage unter gleichen Aufnahmebedingungen überflogen und
abgetastet wird, werden z.B. Veränderungen erkennbar, die sich - etwa bei der
Vegetation durch Trockenheit und Schädlinge oder in der Belastung der Umwelt
mit Schadstoffen - in der Zwischenzeit ergeben haben oder sich gerade anbahnen.
Vincent V. Salomonson, NASA-Projektwissenschaftler für LANDSAT 4, verweist u.a.
auf die neuen Möglichkeiten infolge der Einbeziehung des mittleren Infrarotbereichs in das "thematic mapper"-Instrument.

Dank der so gewonnenen Daten sei

man jetzt in der Lage, nicht nur zwischen Wildvegetation und bebauten Feldern,
sondern zwischen Getreide- und Feldfruchtr.rten wie Mais und Reis, Reis und
Sojabohnen zu unterscheiden und deren jeweiligen Gesundheits- und Reifezustand
zu analysieren.
Im Jet Propulsion Laboratory (Pasadena, Kalifornien) sind Wissenschaftler z. Zt. dabei, LANDSAT 4-Aufnahmen und Meßciaten mit Computern unter geologischen Gesichtspunkten aufzubereiten und auszuwerten.

Die bessere Bildauf-

lösung (z. B. lassen sich Unterschiede in der Bodenart erkennen oder Asphalt
von Beton, städtische von ländlichen Baugebieten unterscheiden) will man für
die Auffindung von tonführenden Schichten nutzen.
wichtige Mineral vorkommen leichter zu lokalisieren.
industrie wäre dies von großer Bedeutung.

Wenn dies gelingt, sind
Für die Mineral- und Öl-

Zunächst gehe es aber, wie Salomonson

erklärte, noch um die Entwicklung optimaler Programme für die Auswertung und
die Interpretation

der Bilder.

Ein zweites LANDSAT-Gerät des neuen Typs soll 1935 nestartet werden.
Der Betrieb der LANDSAT-Satelliten wurde im Januar 1933 von der NASA (US-Amt
für Luft- und Raumfahrt) an die NOAA (U; -Amt für See und Atmosphäre) abgegeben,
- 4 -

�abgegeben, die auch für die amerikanischen Wetterbeobachtungssatelliten zuständig ist. Von der US-Regierung wird derzeit erwogen, beide Programme
zu privatisieren.

Einer der Interessenten ist das Unternehmen COMSAT, das

die kommerziellen amerikanischen Nachrichtensatelliten betreibt.

+ + + + +

- 5 -

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20. April 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Reagans zum Bericht über den "Heißen Draht"
- Vorschläge des US-Verteidigungsministers zur Verringerung des
Atomkriegsrisikos USA streben friedliche Lösung in Mittelamerika an
- Erklärung von Unterstaatssekretär Enders vor Senatsausschuß

HINTERGRUNDMATERIAL
Die PERSHING II-Rakete
- Von Richard Burt Unterstaatssekretär für europäische Angelegenheiten im amerikanischen
Außenministerium
Fünfzig Jahre amerikanisch-sowjetischer Dialog
- Von Arthur Hartman, Botschafter der USA in Moskau Internationale Konferenz in Atlanta befaßt sich mit Bekämpfung des
Drogenmißbrauchs

Um Übei/endung von
ßckgcKcmploren
wird gebeten

P&lt;
D 5300 Bo

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

17

20. April 1983

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT REAGANS ZUM BERICHT ÜBER DEN "HEISSEN DRAHT"
- Vorschläge des US-Verteidigungsministers
zur Verringerung des Atomkriegsrisikos -

WASHINGTON - (AD) - Anläßlich der Veröffentlichung eines Berichts des
amerikanischen Verteidigungsministeriums über Maßnahmen zur Verbesserung der
Kommunikation ziwschen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion unterstrich
Präsident Reagan in einer diesbezüglichen Erklärung am 12. April 1983, daß diese Vorschläge "in vollem Einklang mit unserem Ziel einer Verringerung der Gefahr
eines Nuklearkrieges" stehen.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich stelle mit Genugtuung die Fertigstellung des Berichts des Verteidigungsministers über direkte Kommunikationsverbindungen und andere Maßnahmen
zur Erhöhung der Stabilität fest.

Ich bin davon überzeugt, daß die Vorschläge

in diesem Bericht, der in Übereinstimmung mit dem Gesetz 97-252 erstellt wurde,
in vollem Einklang mit unserem Ziel einer Verringerung der Gefahr eines Nuklearkrieges stehen.
Der Bericht

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der Bericht des Verteidigungsministeriums empfiehlt eine Reihe von neuen
Maßnahmen.

Von besonderer Bedeutung sind jene Maßnahmen, die vorgeschlagen

wurden, um die Fernmeldeverbindungen zu verbessern und Vertrauen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zu schaffen.

Dazu gehören die zusätz-

liche Ausstattung der direkten Fernmeldeverbindung (des Heißen Drahtes) mit
einer Hochgeschwindigkeits-Teletextanlage, die es ermöglichen würde, ganze Seiten von Texten, Karten und Graphiken zu übermitteln;

Errichtung einer gemein-

samen militärischen Fernmeldeverbindung in Form einer HochgeschwindigkeitsTeletextanlage zwischen dem nationalen militärischen Kommandozentrum

der Ver-

einigten Staaten und der entsprechenden sowjetischen Stelle; und schließlich
die Verbesserung der bestehenden diplomatischen Fernmeldekanäle mit Hilfe
rascherer Datenübertragung.

Der Bericht enthält außerdem einen Vorschlag für

ein,für alle Staaten offenes Abkommen, das von den Unterzeichnerstaaten verlangt, sich im Fall eines nuklearen Vorkommnisses, bei dem eine terroristische
Grippe beteiligt ist, zu konsultieren.
Die Empfehlungen des Verteidigungsministeriums vervollständigen die
Rüstungsverminderungsvorschläge, die die Vereinigten Staaten der Sowjetunion
bereits sowohl bei den Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen
Rüstungen (START) als auch bei den Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) unterbreitet haben.
Die Initiativen vervollständigen ferner die Vertrauensbildenden Maßnahmen,
die die Vereinigten Staaten der Sowjetunion bei den START- und INF-Verhandlungen vorgeschlagen haben. Diese Maßnahmen würden die Gefahr verringern, daß
sich jemals ein Atomkrieg aus Zufall, falscher Beurteilung oder Fehlberechnung
ergeben könnte. Dazu gehören Vorschläge, wonach beide Seiten einander im voraus über alle Abschüsse von Interkontinentalraketen sowie unterseebootgestützten
und landgestützten Mittelstreckenraketen benachrichtigen sollen. Darüber hinaus
müßten alle Parteien größere militärische Manöver, bei denen Kernwaffen beteiligt sind, vorher ankündigen und Informationen in neuem Umfang und Detail über
ihre strategischen und ihre Mittelstreckenraketen austauschen. In den nächsten
Wochen werde ich den Empfehlungen des Berichts des Verteidigungsministeriums
mein ganzes Augenmerk schenken.
+ + + + +

- 2 -

�17

20. April 1983

USA STREBEN FRIEDLICHE LÖSUNG IN MITTELAMERIKA AN
Erklärung von Unterstaatssekretär Enders vor Senatsausschuß -

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für interamerikanische
Angelegenheiten im State Department, Thomas 0. Enders, hat am 12. April 1983
in einer längeren Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats betont, daß die Vereinigten Staaten ihre Bemühungen um eine friedliche Lösung
in Mittelamerika nicht aufgeben werden.

Bisher seien alle Versuche der USA,

aber auch anderer Staaten der Region, mit den Sandinisten in Nicaragua zu
einem Übereinkommen zu gelangen, fehlgeschlagen.
Die Ausführungen von Unterstaatssekretär Enders haben folgenden Wortlaut:
Seit dem Zusammenbruch des Somoza-Regimes und der Machtübernahme der
Sandinisten hat sich die amerikanische Politik gegenüber Nicaragua darauf
konzentriert, Nicaragua davon zu überzeugen:
- die Unterstützung für Aufstände in benachbarten Ländern aufzugeben;
- auf sein

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�- auf sein Streben nach einer beherrschenden Militärmacht in Mittelamerika
zu verzichten; und
- durch die Schaffung demokratischer Institutionen mit seiner eigenen Bevölkerung ins reine zu kommen.
Im Juni 1979 versprach die kurz vor der Machtübernahme stehende Junta
der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) förmlich, daß ihre Ziele demokratisch und friedlich seien.

Die Vereinigten Staaten, ja, die ganze interna-

tionale Gemeinschaft, akzeptierten dieses Versprechen und leiteten Programme
des friedlichen Wiederaufbaus ein, zu denen üblicherweise wesentliche Hilfszuwendungen außerhalb der jährlichen Haushaltszuweisungen gehören.
Im Verlauf der nächsten Monate wurde jedoch immer deutlicher, daß sich
die Sandinisten als die bewaffnete Vorhut einer mittel amerikaweiten

Bewegung

betrachteten.
Die neue Armee Nicaraguas, die Ejercito Populär Sandinista (EPS), wurde
1979 gegründet.

Bis Ende 1982 ist sie nach Auskunft ihres Befehlshabers

"viermal so groß und achtmal so stark geworden" wie die Guardia Nacional
Somozas.

Die EPS hat eine Stärke von schätzungsweise 20 000 Mann erreicht,

verstärkt durch Miliz und Reserven von rund 80 000 Mann.

In der genannten

Zeitspanne hat Nicaragua allein von der Sowjetunion militärisches Gerät und
Nachschub im Werte von schätzungsweise 125 Millionen Dollar erhalten.

Es be-

sitzt die bei weitem schwersten Panzer in ganz Mittelamerika, schwere Artillerie,Luftabwehrwaffen,Angriffshubschrauber, Raketenwerfer und Schnellboote.
Während die Piloten und Besatzungen in Bulgarien und anderen osteuropäischen
Staaten ausgebildet wurden, wurden in Nicaragua Flugplätze für moderne Düsenjäger gebaut.

Und, was noch wichtiger ist, eine große Zahl ausländischer Mi-

litär- und Sicherheitsberater kam ins Land.

Gegenwärtig dürften sich schät-

zungsweise rund 2000 Kubaner, 50 Sowjets, 35 Ostdeutsche und 50 Angehörige
der PL0 und Libyer zu Sicherheitsaufgaben in Nicaragua aufhalten.

Das ist

rund ein Berater auf 1000 Nicaraguaner.
Im Jahr

�Im Jahr 1980 brachten kubanische Agenten (so wie Castro 1978 in
Havanna die drei Hauptfraktionen der Sandinisten zusammengeführt hatte)
in Managua fünf Fraktionen der Guerilla aus El Salvador zusammen, arbeiteten einen Einigkeitspakt aus, führten dann einen gemeinsamen Befehls- und
Kontrollapparat im Gebiet von Managua ein und organisierten schließlich den
Nachschub und die Ausbildung auf nicaraguanischem Boden.

Seit diesem Zeit-

punkt kam der größte Teil der Waffen und Munition der Aufständischen in El
Salvador über Nicaragua herein.
In der Zwischenzeit errangen die Sandinisten ein Machtmonopol in Nicaragua selbst. Wahlen wurden lächerlich gemacht und verschoben.
ment der Anti-Somoza-Front nach dem anderen wurde ausgeschaltet.

Ein EleDie be-

rühmte Zeitung "La Prensa" wurde zensiert, unabhängige Rundfunk- und Fernsehstationen wurden eingeschränkt, die Gewerkschaften eingeschüchtert, der Privatsektor neutralisiert, die katholische Kirche wiederholten Provokationen und
Spaltungsversuchen unterworfen und die Miskitos und andere indianische Minderheiten in Nicaragua verfolgt.
Heute liegt die Südgrenze Nicaraguas 300 Meilen vom Panamakanal - getrennt nur durch Costa Rica, das seit fast 35 Jahren keine Armee mehr besitzt.
Seine Nordgrenze liegt 300 Meilen von Mexiko.

Dazwischen befinden sich zwei

Staaten, El Salvador und Guatemala - bereits von der Gewalt der Guerilla heimgesucht - und Honduras, dessen sich erst entwickelnde Demokratie unter täglichem Druck aus Nicaragua steht.
Man braucht nicht viel Phantasie, um zu begreifen, wie sich die sandinistische "Revolution ohne Grenzen" ausbreiten oder wie sich ihre Ausbreitung auf unsere Sicherheit auswirken könnte.
fließt durch die Karibik.

Die Hälfte unseres Handels

Und wir sind von der Stabilität unserer Nachbarn

abhängig, um das zu vermeiden, was unter bestimmten Umständen ein beispielloser Strom von Flüchtlingen nach Norden zu unserem Lande werden könnte.

Vor

allem heute, da eine sich in Schwierigkeiten befindliche Weltwirtschaft zur
Unruhe einlädt, müssen wir Demokratie und Stabilität in unserer unmittelbaren
Nachbarschaft sichern helfen.
Wir alle

�i

Wir alle haben ausbeuterische Diktaturen der Rechten wie der Linken erlebt:

Deutschland unter Hitler; die Sowjetunion unter Stalin und danach. Al-

lerdings gibt es eine Schule, die den Expansionismus linker Diktaturen auf einen
Druck von außen zurückführt.

Nach dieser Auffassung ist die Aggressivität der

Sowjetunion nichts weiter als eine Reaktion auf die Schaffung eines Netzes von
Bündnissen um sie herum:

Castro wurde durch die Konfrontation der USA zum

Kommunisten gemacht, und Vietnam wurde durch fremde Armeen radikalisiert.
Was auch für oder gegen diese Argumente sprechen mag, so möchte ich darauf hinweisen, daß der Fall Nicaragua genug Beweise liefert, um die gewöhnlich
aus dieser Behauptung resultierende Politik in Frage zu stellen - daß nämlich
linke Radikalisierung und Aggressivität durch politische Unterstützung und wirtschaftliche Hilfe seitens der Demokratien verhindert werden könne.
Nicaragua ist ein Land mit rund 2,5 Millionen Einwohnern. Seit 1979 hat
es von den Demokratien und multilateralen Einrichtungen 1,6 Milliarden Dollar
- oder 640 Dollar pro Mann, Frau und Kind - an Wirtschaftshilfe erhalten. Allein die Vereinigten Staaten stellten 125 Millionen Dollar zur Verfügung. Politisch haben solche demokratischen Staaten wie Mexiko sowie die Mitglieder
der Sozialistischen Internationale ständig Unterstützung geboten.
Und doch ist diese Zeitspanne durch den starken Aufbau der EPS, durch
die direkte Unterstützung von Gewalt in El Salvador und die Konsolidierung der
inneren Unterdrückung gekennzeichnet.
Es liegt auf der Hand, daß das konstruktive Engagement in Nicaragua
nichts bewirkt hat.
Bisher haben Verhandlungen auch nicht mehr bewirkt.
mühungen gegeben.

Es hat viele Be-

Einige davon dauern heute noch an.

Ich war an einem ersten solchen Versuch beteiligt und reiste im August
1981 nach Managua, um mir die Anliegen der Sandinisten anzuhören.
- 4 -

Sie sagten

�Sie sagten mir, daß sie sich an die Besetzung durch Soldaten des amerikanischen Marinekorps in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts erinnerten;
daß sie eine amerikanische Invasion befürchteten und deshalb eine große Armee
brauchten; und daß wir verstehen müßten, daß die salvadorianischen Guerilleros
wichtig seien als ein "Schild", um Nicaragua zu schützen.
Wir sagten also:

In Ordnung, wollen wir uns euren Anliegen zuwenden.

Laßt uns ein zweiseitiges Nichtangriffsabkommen schließen.

Die Vereinigten

Staaten könnten ihren Einfluß geltend machen, um die in Amerika im Exil lebenden Nicaraguaner zu einer Mäßigung ihres Verhaltens zu bewegen.
Vereinigten Staaten könnten ihre Wirtschaftshilfe wieder aufnehmen.

Und die
Als Ge-

genleistung baten wir die Sandinisten, die Ausbildung und Versorgung der salvadorianischen Guerilla einzustellen, dem Pluralismus in ihrem eigenen Lande
eine Chance zu geben - wie sie das der OAS im Jahr 1979 versprochen hatten und ihre Aufrüstung zu begrenzen - vielleicht durch Abkommen mit anderen mittelamerikanischen Ländern.
Wir haben diese Vorschläge schriftlich unterbreitet.

Im Oktober 1981

lehnte Managua sie formell als "steril" ab. Gleichzeitig logen die Sandinisten
bezüglich der weiteren Belieferung der salvadorianischen Guerilla und erklärten, sie würden ihre Aufrüstung niemals einschränken.
Ein zweiter Vorschlag zu verhandeln fand im Frühjahr 1982 statt, dieses Mal auf Vorschlag des mexikanischen Präsidenten Lopez Portillo.
Wiederum unterbreiteten wir schriftlich konkrete Vorschläge; dieses Mal
in acht Punkten aufgegliedert und durch unseren Botschafter in Managua überreicht.

Und wieder gab es keine konkrete Antwortend man ging auf die Punkte

nicht ein.

Nicaragua antwortete lediglich, daß, bevor eine Antwort erfolgen

könne, ein Treffen auf höherer Ebene in Mexiko stattfinden müsse.

Dieses Mal

schien es uns, als ob die Sandinisten sich den Anschein geben wollten zu verhandeln, ohne aber wirklich zu verhandeln.
Wir beschlossen,

�Wir beschlossen, es ein drittes Mal zu versuchen.

Unter Führung von

Costa Rica kam im Oktober 1982 eine Gruppe demokratischer Staaten in San Jose
zusammen, um ein umfassendes Paket von Friedensvorschlägen für Mittelamerika
insgesamt auszuarbeiten.

Lassen Sie mich kurz auf diese Vorschläge eingehen,

weil sie weiterhin das Wesentliche dessen sind, was wir und die demokratischen
Nachbarn Nicaraguas zu erreichen versuchen.
Erstens, die San Jose-Gruppe kam überein, daß das Gebiet aus der Konkurrenz zwischen Ost und West herausgenommen werden sollte. Der Weg, um das
zu erreichen, bestand nach Auffassung der Demokratien darin, daß alle ausländischen Militärberater und Ausbilder aus Mittelamerika abgezogen werden - die
Kubas,die der Sowjetunion, die Bulgariens, die Ostdeutschlands,die der PLO
und die unsrigen.
Zweitens, die mittelamerikanischen Staaten müßten einen Weg finden, ohne
Furcht miteinander zusammenzuleben. Zu diesem Zweck schlug die San Jose-Gruppe
gegenseitige und verifizierbare Abkommen über ein Verbot der Einfuhr schwerer
Offensivwaffen, den Verzicht auf die Unterstützung von Aufständischen auf Nachbarterritorium und die Einrichtung einer internationalen Überwachung der Grenzen vor.
Drittens, jeder mittelamerikanische Staat müsse einen Weg finden, um
demokratische Institutionen zu schaffen, die oppositionellen Elementen offen
sind. Mittel amerikanische Demokratien, an der Spitze Costa Rica, sprachen
sich ganz besonders klar über die Notwendigkeit der Demokratisierung aus.
Nur so könnten sie darauf vertrauen, daß sie sich nicht irgendwann in der Zukunft einem aggressiven Nachbarn gegenübersähen, der nicht von den Grenzen
gezügelt würde, die die Demokratie auferlegt.
Als Vertreter der
Nicaragua zu treten, um
sätze eintreten würde.
Vorschläge ab - mit dem

San Jose-Gruppe versuchte Costa Rica, in Kontakt zu
es zu fragen, ob es in einen Dialog über diese GrundDie Sandinisten lehnten schon die Entgegennahme der
Argument, sie hätten an ihrer Formulierung nicht mitge-

- 6 -

�nicht mitgewirkt und sähen sich daher nicht verpflichtet, sich mit ihnen zu
befassen.
Daher wird jetzt ein vierter Versuch unternommen, um zu Verhandlungen
zu kommen.

Im Januar 1983 kamen Mexiko, Kolumbien, Venezuela und Panama auf

der Insel Contadora zusammen, um eine Bemühung um Vermittlung in dem Konflikt
Mittelamerikas zu unternehmen.

Honduras, Costa Rica und El Salvador antworte-

ten, indem sie vorschlugen, daß die fünf mittelamerikanischen Staaten - einschließlich Nicaraguas - in Anwesenheit der Contadora-Gruppe zusammenkommen
sollten.

Dies würde Nicaragua

in die Lage versetzen, an der Ausarbeitung

der Vorschläge teilzunehmen - was es in San Jose nicht konnte.

Und um die

Chancen, daß Nicaragua teilnehmen würde, so groß wie möglich zu gestalten,
schlugen sie vor, daß die Vereinigten Staaten nicht anwesend sein sollten.
Das würde auch allen Behauptungen die Spitze nehmen, daß die Konferenz von
den Vereinigten Staaten beherrscht wäre.
Aber Nicaragua ging auch darauf nicht ein. Stattdessen ging es vor
den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und behauptete, es wolle mit den
Vereinigten Staaten und mit Honduras bilateral zusammenkommen, nicht regional.
Praktisch sagt Nicaragua, daß es die Beschuldigungen Nicaraguas gegen Honduras
und die Vereinigten Staaten erörtern will - aber nicht die Besorgnisse seiner
Nachbarn über die Militarisierung, Diktatur und Intervention Nicaraguas in
El Salvador.
Ich habe diese Geschichte einigermaßen ausführlich dargestellt, um
Ihnen einen Eindruck von den außergewöhnlichen Schwierigkeiten zu geben, die
damit verbunden sind, sich mit der Sandinisten-Führung auseinanderzusetzen.
Die Sandinisten haben ihre Geringschätzung gegenüber einem echten Dialog
- und echten Verhandlungen - ziemlich deutlich werden lassen.

Vor einem Monat

konnten wir sehen, wie sie den Papst in dem durchdachten Versuch der Einschüchterung unterbrachen; dem folgte ein Verbot der Ausstrahlung von Ostergottesdiensten durch die Sandinisten.

In der vergangenen Woche nannte Innen-

minister Tomas Borge in einem Interview mit dem kubanischen Fernsehen die
- 7 -

�Fernsehen die Themen, über die sein Land nicht verhandeln würde:

Er sagte,

Nicaragua werde nicht über die Prinzipien der sandinistischen Revolution diskutieren; es werde nicht in einen Dialog über die allgemeine Lage Mittelamerikas
eintreten; und es werde nicht über "Konterrevolutionäre" sprechen.

Man könnte

hinzufügen, daß die Sandinisten davor zurückscheuen, diese Fragen überhaupt offen anzugehen - weder mit dem eigenen Volk noch mit den Nachbarn Nicaraguas,
die in zunehmendem Maße besorgt sind.

Daher ist es eher traurig als überraschend,

daß Borge seinen kubanischen Fernsehzuschauern erklärt, das vorgeschlagene Treffen
der Außenminister Mittelamerikas sei "diplomatische Demagogie".
Trotz all dem werden wir nicht aufgeben.
kundig

Die Sandinisten sind offen-

noch nicht zu der Einsicht gelangt, daß sie entweder mit ihren Nach-

barn oder mit ihren inneren Kritikern zur Sache verhandeln müssen.

Vielleicht

glauben sie immer noch, daß sich etwas ändern wird, wenn sie nur geschickt genug
manövrieren, daß die Vereinigten Staaten dann ihre Unterstützung für die demokratischen Regierungen in Costa Rica, El Salvador und Honduras verringern oder
gar einstellen

und daß dann der Weg wieder offen sein wird für die "Revolution

ohne Grenzen". Wir müssen sie davon überzeugen, daß dies nicht der Fall ist,
daß die Vereinigten Staaten ihre Freunde in Mittelamerika nicht im Stich lassen
werden.

Gleichzeitig müssen wir auch weiterhin nach Wegen suchen und Möglich-

keiten vorschlagen, wie wir die alten Gegensätze überwinden können, bis die
Sandinisten uns ihre Bereitschaft anzeigen, zu einem fairen und ausgewogenen
Dialog zu kommen.
Inzwischen haben die Nicaraguaner die Sache in die eigene Hand genommen.
Die Unnachgiebigkeit der Sandinisten hat zu einem Aufruhr geführt, den die
Sandinisten selbst eine Bedrohung nennen.
Derzeit sind in Nicaragua mehrere tausend Guerillakämpfer aktiv. Enttäuschte Miskito-Indianer operieren in einem Großteil ihres Stammesgebietes
in den atlantischen Ebenen. In den östlichen und nördlichen Grenzgebieten
von Jinotega, Nueva Segovia, Madriz, Esteli und Zelaya greifen Streitkräfte
der Aufständischen Regierungsposten an und überfallen Militärkonvois. Auch
aus der Provinz Matagalpa, einem zentralen Kaffeeanbaugebiet, wird von
- 8 -

�wird von Guerillaaktivitäten berichtet.

In diesem Monat gab es zum ersten-

mal auch Berichte über bewaffnete Dissidentenbewegungen im Süden.

Wo immer

diese oppositionellen Gruppen auftauchen, scheinen sie lokale Unterstützung
zu erhalten und scheint ihre Zahl zuzunehmen.
Angesichts jüngster Beschuldigungen in den Medien werden Sie mich sofort fragen, ob diese Aufstände durch die Vereinigten Staaten bewirkt
unterstützt werden.

oder

Noch nie hat eine amerikanische Administration diese Art

von Behauptungen diskutiert - außer in den eigens zu diesem Zweck eingesetzten
Ausschüssen des Senats und des Repräsentantenhauses -, und auch diese wird es
nicht anders tun. Aber ich werde die nicaraguanischen Oppositionsbewegungen
beschreiben; dadurch sollte Ihnen deutlich werden, daß sie entstehen und zunehmen in Reaktion auf ernsteste Gründe zur Klage gegenüber den Sandinisten.
Wer sind diese Menschen, die es wagen, Managuas Ideologen herauszufordern?

Was wollen sie?

des gesagt werden:
und Seele.

Gestützt auf das, was wir wissen, kann hierzu folgen-

Es sind, dies ist das Wichtigste, Nicaraguaner mit Leib

Es gibt zwei Hauptgruppen.

Democratico Nacional (FDN).

Die eine, die größere, ist die Frente

Obgleich ihre Hauptstärke innerhalb Nicaraguas

liegt, hat die Unterdrückung durch die Sandinisten doch die meisten ihrer Führer
nach Honduras und Costa Rica vertrieben.

Das Direktorium der FDN besteht aus

Lucia Salazar, der Witwe von Jorge Salazar - einem Geschäftsmann, der sich
schon gegen Somoza gewandt hatte und der 1980 von den Sandinisten ermordet
wurde; Alfonso Callejas, einem ehemaligen Vizepräsidenten von Nicaragua, der
1978 in einem Versuch, Somoza aus dem Amt zu treiben, eindeutig mit diesem
brach; Edgar Chamorro, einer bislang unpolitischen Führungspersönlichkeit des
Privatsektors; Indalecio Rodriguez, ehemals Vizerektor der Mittelamerikanischen
Universität; Enrique Bermudez, früher Oberst der Nationalgarde, den Somoza
dadurch von Nicaragua fernhielt, daß er ihn von 1975 bis 1979 als Militärattache nach Washington schickte (und dem die Sandinisten selbst zugestanden,
er habe sich nicht an der Unterdrückung durch das Somoza-Regime beteiligt);
Marco Zeledon, einer geachteten Führungspersönlichkeit des Privatsektors, der
keinerlei Beziehungen zu den Somozas unterhielt; und Adolfo Calero, zeit seines
Lebens Gegner der Somozas und von Somoza 1978 ins Gefängnis gebracht.
Sie alle haben öffentlich erklärt, daß es ihr Ziel sei, die Demokratie

�die Demokratie nach Nicaragua zu bringen, nicht aber eine Rückkehr des Somozatums.

Soziologisch gesehen repräsentieren diese Personen die Angehörigen der

freien Berufe und der Lehrer sowie der kleinen Gewerbetreibenden und der Bauern.
Zu ihrer Gefolgschaft gehören enttäuschte Bauern, ehemalige Kleinbauern, MiskitoIndianer und andere Gruppen, die von den Ideologen Managuas vertrieben oder einfach unterdrückt wurden.

Unseren Schätzungen nach stehen in den Reihen der FDN

über tausend Guerillaangehörige; ehemalige Mitglieder der Nationalgarde - zum
größten Teil Unteroffiziere - führen viele dieser Guerilla-Einheiten an, die
meisten der Mitglieder stammen jedoch aus der Landbevölkerung oder sind ehemalige Kleinbauern.
Die Erklärungen der FDN bringen ihren Abscheu vor der Somoza-Vergangenheit zum Ausdruck und bekräftigen die nationalistischen und patriotischen Prinzipien von Sandino.

Ich bin sicher, daß sich dieser Ausschuß der Tatsache be-

wußt ist, daß die FDN am 13. Januar 1983 einen Friedensplan vorlegte, in dem
eine Einstellung der Feindseligkeiten vorgeschlagen wurde, falls unter anderem
die GRN bis September 1983 international überwachte Wahlen abhält, den Ausnahmezustand in Nicaragua beendet und die öffentliche Verwaltung von den parteilichen und ideologischen Aktivitäten trennt.
Die zweite Hauptgruppe, angeführt von Eden Pastora, der sich im Kampf
gegen Somoza hervorgetan hat, ist die ARDE - die Alianza Revolucionaria
Democratica. Zum Führungskreis der ARDE gehören so bekannte Leute wie das
ehemalige Junta-Mitglied der Nach-Somoza-Zeit Alfonso Robelo, der MiskitoIndianer-Führer Brooklyn Rivera und Fernando "Negro" Chamorro, der ebenfalls
gegen Somoza gekämpft hatte. Pastora, der der erste Vizeverteidigungsminister
der Sandinisten war, hat wiederholt auf den Betrug der Revolution hingewiesen,
die seiner Meinung nach von kubanischen Agenten verursacht wurde, um einen Ausverkauf an die Sowjetunion zu erzwingen. Die meisten ARDE-Erklärungen werden
in Costa Rica veröffentlicht. Der Friedensvorschlag der ARDE vom 2. Februar
fordert bis zum Juni 1983 Wahlen für eine Verfassungsgebende Versammlung, um
das Versprechen der sandinistischen Revolution einzuhalten.
Durch die
- 10 -

�Durch die Größe der Opposition, die ihr gegenübersteht, aus dem Gleichgewicht gebracht, hat die nicaraguanische Regierung versucht, ihre Opponenten
als "Somocistas" zu diskreditieren,und will sie dadurch mit den Verbrechen der
früheren Regierung in Verbindung bringen.

Der derzeitige Propagandaplan der

Sandinisten - wir haben das Memorandum der FSLN vom 24. März gesehen - weist
ihre politischen Kader an, "den amerikanischen Imperialismus" für die Probleme
des Landes verantwortlich zu machen, Adolfo Calero - eine Führungsperson der
Demokratisch-Konservativen Partei, mit dem sie zuvor noch verhandelt hatten und Alfonso Robelo - ein ehemaliges Mitglied ihrer eigenen Junta - als "Verräter" zu schmähen und die Opposition so darzustellen, als ziele diese gegen
Nicaragua - und nicht vielmehr gegen seine derzeitigen Herrscher.
Nun haben die Commandantes zwar bislang unsere Vorschläge nicht akzeptiert, aber ich würde sie doch gern darauf drängen - bevor sie zu weit gehen
und Calero von der FDN und Robelo von der ARDE "Verräter" nennen -, sich daran
zu erinnern, daß sie es im vergangenen Jahr auch nicht geschafft haben, ihr eigenes Volk davon zu überzeugen, daß Eden Pastora, ein Mann, der sich immer
noch stolz "einen echten Sandinisten" nennt, ein Verräter am nicaraguanischen
Volk oder an den ursprünglichen Idealen der sandinistischen Revolution sei.
Die Sandinisten behaupten, daß die einzige Alternative zu dem, was sie
geschaffen haben, "Somocismo" sei. Nichts könnte vereinfachter oder falscher
sein. Der "Somocismo" war eine ungemein personengebundene Diktatur alten Stils,
die mit Somoza starb. Sie könnte nicht wieder geschaffen werden, selbst wenn
es jemanden gäbe, der dies möchte. Die Sandinisten wissen, daß die meisten
Nicaraguaner die Demokratie, den Frieden und ein Ende des kubanischen Einflusses wollen. Tatsächlich ist dies auch das Programm, das dem nicaraguanischen Volk 1979 versprochen worden war. Und es ist das Programm, das die
Sandinisten heute immer wieder unter den Teppich zu kehren suchen, den sie
"Somocismo" nennen. Das Volk von Nicaragua kennt seine Geschichte. Auch
wir sollten es.
Noch ist

- 11 •)

:t

i

�Noch ist nicht klar, wie der Verlauf des Kampfes in Nicaragua sein wird.
Sicher ist nur:

Solange Nicaragua die legitime Opposition im Innern dazu

zwingt, zu Mitteln der Gewalt zu greifen, und solange es auch weiterhin seine
Nachbarn bedroht und destabilisiert, wird weder dieses Land selbst, noch Mittelamerika stabil werden.
Es ist vorstellbar, daß Kuba oder die Sowjetunion versucht sein könnten,
den Konflikt zu eskalieren, moderne Kampfflugzeuge oder sogar kubanische Kampftruppen herbeizuholen.

Es ist offenkundig, daß sich hieraus eine gefährliche

Lage entwickeln würde - unannehmbar nicht nur für Mittelamerika, sondern für
die amerikanischen Staaten insgesamt.

Wir haben Moskau und Havanna wissen las-

sen, wie gefährlich ein solcher Schritt sein würde.

Vorstellbar ist auch, daß

die Sandinisten in einem Versuch, die Aufmerksamkeit von ihren innenpolitischen
Problemen abzulenken, auf ihre Nachbarn
angreifen.

losschlagen und Costa Rica oder Honduras

Seit über einem Jahr bereits unternimmt Managua terroristische Ope-

rationen in San Jose

und läßt Guerillakämpfer in die nördlichen Provinzen von

Costa Rica einsickern.

Auch mit Honduras ist es bereits zu einer Reihe von

Grenzzwischenfällen gekommen.

Obgleich Journalisten, die das Gebiet bereist

haben, von keiner Aktivität auf honduranischer Seite berichten, hat Nicaragua
kürzlich seine militärischen Einheiten an der Grenze verstärkt.

Noch einmal:

Ich glaube, die Sandinisten begreifen, daß sie nichts durch einen Angriff auf
ihre Nachbarn gewinnen können.

Es ist auch wichtig zu betonen, daß alle Mittel

interamerikanischer Diplomatie, einschließlich natürlich derjenigen dieses
Landes, zur Verfügung stünden, um einen solchen Ausbruch zu verhindern.
Aber es gibt einen besseren Weg.
Verhandlung.

Und es ist der Weg über Dialog und

Wir fordern die Sandinisten auf, an das nicaraguanische Volk zu denken.
Trotz aller Auslandshilfe sind die Nicaraguaner in Stadt und Land viel schlechter gestellt als vor der Revolution.
und ihre Geistlichkeit.

Sie sind gegen den Druck auf ihre Kirchen

Sie mißtrauen dem sandinistischen Machtmonopol, und

sie haben eine Abneigung dagegen, denn sie haben schon zuvor unter einem solchen System gelebt.

Wir fordern
- 12 -

�Wir fordern die Sandinisten auf, sich Gedanken über den Aufruhr in
ihrem eigenen Land zu machen. Trotz (oder ist es wegen?) der Präsenz all
dieser bewaffneten Kubaner nimmt der Widerstand im Volk zu. Sie könnten
dann zu dem Schluß gelangen, daß der Dialog, den sie so viele Male zurückgewiesen haben, dem immer stärkeren Hader unter der Bevölkerung vorzuziehen ist.
Wir fordern die Sandinisten auf, über den Aufruhr nachzudenken, den sie
in El Salvador unterstützen. Wenn es dort legitimen Grund zur Klage gibt, so
kann dem durch demokratische Institutionen nachgegangen werden. Die internationale Gemeinschaft ist bereit und in der Lage, die Sicherheit und andere
Garantien für die Wahlen zu bieten, die auch dort die richtige Antwort wäre.
Alle Elemente der mittel amerikanischen Problematik stehen miteinander
in Beziehung. Gleich, wieviel Bodenreform, wie viele offene Wahlen oder
wieviel Verbesserung bei den Menschenrechten: Es wird kein Ende des Konflikts
in El Salvador geben, wenn Nicaragua ihn auch weiterhin schürt. Die Demokratie
wird in den Nachbarstaaten Nicaraguas nicht gedeihen, solange sie nicht auch
in Nicaragua praktiziert wird. Und Nicaragua wird nicht frei sein von der
Feindseligkeit
seines eigenen Volkes und seiner Nachbarn, solange es nicht
damit beginnt, sich um deren Sorgen hinsichtlich Demokratie und Sicherheit
zu kümmern.
Daher lautet die Antwort: Demokratisierung und Dialog zwischen den
Nachbarn. Ziel der amerikanischen Politik in diesem Gebiet ist es, Bedingungen zu schaffen, unter denen das Gebiet aus dem Ost-West-Konflikt herausgenommen werden kann, die Einfuhr von Offensivwaffen und die wechselseitige
Unterstützung für Aufruhr beendet wird und die demokratische Umwandlung der
Gesellschaften erreicht ist. Verhandlungen zwischen allen mittelamerikanischen
Staaten und Verhandlungen innerhalb der Länder könnten allen Gruppen die Möglichkeit bieten, an den Wahlurnen in einen Wettstreit einzutreten - und nicht
auf dem Schlachtfeld.
+ + + + +

- 13 -

�Hintergrundmateriell
United States Information Service
Embassy of the United States of America
20. April 1983

17

DIE PERSHING II-RAKETE
- Von Richard Burt Unterstaatssekretä'r für europäische Angelegenheiten im
amerikanischen Außenministerium

(Nachdruck mit freundlicher Genehmigung
der Washington Post)

Die Vereinigten Staaten werden, wenn es bei den Genfer Verhandlungen
zu keinem R'üstungskontrollabkommen kommt, das einen solchen Schritt unnötig
machen würde, Ende dieses Jahres mit der Dislozierung einer neuen Mittelstrekkenrakete in Europa beginnen - der PERSHING II. Wie die landgestützten Marschflugkörper, deren Dislozierung ebenfalls für dieses Jahr vorgesehen ist, hat
die PERSHING II eine Reichweite, die für Ziele in der Sowjetunion ausreicht.
Die Dislozierung der PERSHING II-Raketen würde eine amerikanische Verpflichtung gegenüber unseren NATO-Verbündeten erfüllen, um auf die massive
Aufrüstung der Sowjets mit SS-20-Raketen zu antworten.

Sie wäre natürlich

nicht nötig, wenn die Sowjets das Angebot von Präsident Reagan akzeptieren

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Reagan akzeptieren würden, diese ganze Klasse von Kernwaffen zu beseitigen.
Die Sowjetunion wünscht sich - wen wundert es - ein anderes Ergebnis:
möchte ihre Raketen behalten, und wir sollen keine dislozieren.

Sie

Die Sowjets

haben eine große politische und propagandistische Kampagne gestartet, um die
Dislozierung der PERSHING II zu verhindern.

Sie haben behauptet, diese Rakete

sei eine einmalig gefährliche Terrorwaffe; sie habe eine "Erstschlag"-Kapazität gegen die strategischen Streitkräfte der Sowjetunion; und die Sowjetunion müsse als Folge einer Dislozierung der PERSHING II eine Politik des
"Halt oder ich schieße" einführen.
Keine dieser Behauptungen hält einer ernsthaften Überprüfung stand.
Daß die Sowjetunion diese Art der

Argumentation gewählt hat, läßt je-

doch einiges davon erkennen, was sie von Westeuropa hält und in welches Verhältnis sie die Sicherheit Europas zur Sicherheit der Sowjetunion bringen
möchte.
Natürlich ist jede Nuklearrakete eine schrecklich zerstörerische Waffe, und deswegen müssen die angeblichen Besorgnisse der Sowjets über die
PERSHING II in die richtige Perspektive gerückt werden. Diese amerikanische
Rakete hat weit weniger Zerstörungskraft als die SS-20. Sie hat eine sehr
viel kürzere Reichweite: 1800 km gegenüber 5000 km. Sie ist nur mit einem
Gefechtskopf bestückt, verglichen mit den drei Gefechtsköpfen der SS-20.
Dieser eine Gefechtskopf der PERSHING II hat weniger Zerstörungskraft als
ein einziger der drei der SS-20. Die PERSHING II fliegt nicht schneller
als die SS-20. Sie könnte Ziele in der Sowjetunion nicht schneller erreichen,
als landgestützte Raketen der Sowjets heute Ziele irgendwo in Westeuropa
oder seegestützte Raketen der Sowjets heute Ziele in den Vereinigten Staaten
erreichen können. Und schließlich würde es nach Abschluß der amerikanischen
Dislozierungen nur 108 PERSHING II-Raketen mit 108 Gefechtsköpfen geben.
Heute aber gibt es schon 351 SS-20-Raketen mit 1053 Gefechtsköpfen, und die
Zahl wächst ständig weiter. Die PERSHING II hat also keinesfalls etwas einmalig Bedrohendes an sich.
Die sowjetische

�Die sowjetische Behauptung, die PERSHING II stelle eine Erstschlag-Bedrohung dar, entbehrt noch mehr der Grundlage. Rund 90 Prozent der strategischen Streitkräfte der Sowjetunion werden sich außerhalb der Reichweite der
PERSHING II befinden und ebenso die in Moskau konzentrierten Befehls- und
Kontroll Zentren. Im übrigen sind die für die Dislozierung vorgesehenen 108
PERSHING II zahlenmäßig so wenige, wenn man sie mit den gegenwärtig dislozierten 2350 strategischen Raketen der Sowjets vergleicht, daß die Vorstellung,
man könnte die PERSHING II für einen Präventivschlag gegen die strategischen
Streitkräfte der Sowjetunion benutzen, einfach lächerlich ist.
Es fällt einem daher schwer, die sowjetische Drohung, man werde aufgrund der Dislozierungen von PERSHING II zu einer Politik des "Halt oder ich
schieße" übergehen, wirklich ernstzunehmen. Wenn man die viel größere Verwundbarkeit der amerikanischen Interkontinentalraketen gegenüber den sowjetischen strategischen Raketen bedenkt, dann kann man sich kaum vorstellen, daß
Amerikaner sehr viel Mitgefühl für die verhältnismäßig kleinen Erschwernisse
aufbringen werden, die sich für die strategischen Planer der Sowjetunion aus
der PERSHING II ergeben werden.
Die sowjetischen Argumente zielen jedoch auch gar nicht darauf ab, die
Amerikaner so weit zu bringen, die Produktion der PERSHING II einzustellen.
Ihre Argumente sollen vielmehr die Europäer so weit bringen, die Dislozierung
der Rakete zu verhindern. Man hat speziell die PERSHING II für diese Bemühung
ausgesucht, weil sie im Gegensatz zu den Marschflugkörpern, deren Aufstellung
für dieses Jahr in Italien und in Großbritannien und in den folgenden Jahren in
Belgien, den Niederlanden und in der Bundesrepublik Deutschland vorgesehen ist,
nur in einem Land, nämlich in der Bundesrepublik,disloziert werden soll. Wenn
es den Sowjets gelänge, die Dislozierung von PERSHING II in der Bundesrepublik
zu verhindern, dann hätten sie ein wesentliches Element des NATO-Doppelbeschlusses vom Dezember 1979 zu Fall und sich selbst in eine viel günstigere
Position gebracht, die Dislozierung der Marschflugkörper in den anderen der
genannten Länder, einschließlich der Bundesrepublik, zu blockieren.
Die Argumente
- 3 -

�Die Argumente der Sowjets gegen die PERSHING II und gegen das ganze
Konzept der INF-Dislozierung der NATO laufen im wesentlichen darauf hinaus,
daß es für sie unannehmbar ist, vor einer Bedrohung aus Westeuropa zu stehen,
die der entspräche, die für Westeuropa von ihnen ausgeht.

Für die Sowjets

sind der Bau und die Dislozierung neuer Raketen mit der Aufgabe, Ziele in ganz
Westeuropa von sowjetischem Boden aus zu treffen, aus ihrer Sicht eigentlich
mehr oder weniger eine Selbstverständlichkeit, mit der sich Westeuropa abfinden muß. Wenn die NATO darauf reagiert, indem sie Raketen vergleichbarer Kapazität in Westeuropa stationiert, dann ist das irgendwie eine "Provokation",
die die Sowjetunion nicht akzeptieren kann.

Westeuropa müsse einsehen, darauf

besteht die Sowjetunion, daß seine Sicherheit weniger wichtig ist als die der
Sowjetunion.

Im sowjetischen Denken ist die Sicherheit F.uropas der Sicherheit

der Sowjetunion ausdrücklich untergeordnet.
Die sowjetische Auffassung von europäischer Sicherheit macht die Reaktion
der Sowjets auf den NATO-Beschluß von 1979, amerikanische Mittelstreckenraketen in Europa zu dislozieren, eher verständlich. Das gegenwärtige Ziel der
sowjetischen Politik besteht darin, den geopolitischen Vorteil der UdSSR und
ihre regionale nukleare Überlegenheit zu nutzen, um Westeuropa einzuschüchtern und die Westeuropäer zu zwingen, sich sowjetischen Interessen unterzuordnen. Die Dislozierung von insgesamt 572 neuen amerikanischen Flugkörpern, die
in der Lage sind, begrenzte Teile der Sowjetunion zu erreichen, hat auf das
amerikanisch-sowjetische Kräfteverhältnis nur wenig Auswirkung, wenn man bedenkt, daß beide Seiten über 10 000 Gefechtsköpfe besitzen, die kurzfristig
auf jeden Ort des anderen Landes abgefeuert werden können. Wenn jedoch die
Macht Amerikas mit der Sicherheit Europas fest verknüpft wird, dann wird diese
Dislozierung die Sowjetunion daran hindern, Westeuropa als nukleare Geisel zu
benutzen und ihr Ziel zu erreichen, die Unterordnung der Sicherheit Europas
unter die Sicherheit der Sowjetunion zu erzwingen.
Das ist der Grund, warum die Sowjetunion so nachhaltig auf den NATOBeschluß von 1979 reagiert hat. Das ist der Grund, warum die Sowjetunipn
sich so sehr gegen die Dislozierung von 108 PERSHING II-Raketen gewandt hat,

- 4 -

�gewandt hat, was nicht einleuchtend ist und sonst unerklärlich wäre.

Das

ist der Grund, warum Führer des Westens aus der Erkenntnis der wirklichen
sowjetischen Beweggründe heraus so viel von ihrem eigenen politischen Kapital eingesetzt haben, um die 1979 vereinbarte Entscheidung aufrechtzuerhalten.
Die Sowjetunion versucht, ihre Auffassung von der Sicherheit Europas Europa
aufzuzwingen.

Die Führer Europas sind jedoch entschlossen, endweder durch

Rüstungskontrolle oder durch Dislozierung dafür zu sorgen, daß der Sicherheit Europas keine geringere Priorität eingeräumt wird als der Sicherheit
der einen oder anderen Supermacht.

+ + + + +

- 5 -

�17

20. April 1983

FÜNFZIG JAHRE AMERIKANISCH-SOWJETISCHER DIALOG
Von Arthur Hartman, Botschafter der USA in Moskau

Der folgende Artikel wurde am 11. April 1983
amerikanischen und westeuropäischen Korrespondenten in Moskau zur Verfügung gestellt;
vorher war er der sowjetischen Parteizeitung
"Prawda" als Leserbrief angeboten worden,
die ihn jedoch nicht veröffentlichte.

- (AD) - Der November dieses Jahres bringt für die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion einen bedeutsamen Meilenstein: den 50. Jahrestag der
Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern.
Dieses Jubiläum hat natürlich für die beiden Länder eine unterschiedliche
Bedeutung. Aber wenn dieser Jahrestag eines bedeutet, dann dies: fünfzig Jahre
Dialog. Seit einem halben Jahrhundert haben meine Regierung und die Regierung
der Sowjetunion die Bedeutung der Kommunikation zwischen unseren Völkern anerkannt.
In der jüngsten Vergangenheit ist mir klar geworden, welchen Wert die
Sowjetunion - oder doch zumindest ihre einflußreichsten Sprecher - darauf legt,
dem amerikanischen Volk ihre Ansichten zu unterbreiten.

In der Presse der

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Presse der Vereinigten Staaten, über unseren Rundfunk und über unser Fernsehen
hat eine veritable Reihe der bekanntesten sowjetischen Kommentatoren, Akademiker
und anderer Persönlichkeiten bewundernswerte Arbeit dabei geleistet, die
sowjetischen Standpunkte zu wichtigen bilateralen und internationalen Fragen
darzulegen.
Wir in den Vereinigten Staaten sind schon seit langem der Ansicht, daß
eine gut informierte Öffentlichkeit Voraussetzung für eine effektive Demokratie
und eine kluge Außenpolitik ist. Die Tatsache, daß sowjetische Repräsentanten
einen solchen freien Zugang zu den amerikanischen Medien haben, ist ein Beweis
für das Festhalten Amerikas am Ideal eines freien Gedankenaustausches.
In einem echten Dialog müssen natürlich beide Seiten - nicht nur eine zu Wort kommen.

Ich hoffe daher, daß ich durch Ihre Zeitung Gelegenheit

haben werde, einige der wichtigen Fragen anzusprechen, vor denen unsere beiden
Länder stehen, und den sowjetischen Lesern die amerikanischen Ansichten darzulegen - wie auch unsere Medien die Darlegung sowjetischer Ansichten für die
amerikanische Öffentlichkeit begrüßt haben.
Was erfahren wir Amerikaner, wenn wir sowjetischen Sprechern zuhören?
Vieles und manch Kritisches zu einem Bereich von Fragen, der zu weitgehend
ist, als daß man sich in einem einzigen Artikel damit befassen könnte. Ich
möchte mich daher mit drei wesentlichen Dingen befassen, die die sowjetische
Seite immer wieder zum Ausdruck bringt:
- Erstens, daß die Vereinigten Staaten nicht nur ihr Eintreten für den
Frieden aufgegeben hätten, sondern daß sie sich vielmehr aktiv auf den Krieg
vorbereiteten;
- Zweitens, daß die Vereinigten Staaten, um ihre militärischen Vorbereitungen zu rechtfertigen, die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen künstlich
verschlechterten, indem sie nichtrelevante Fragen ins Spiel brächten;
- Drittens, daß die amerikanischen Rüstungskontrollvorschlage nicht nur

�nicht nur nicht seriös, sondern auch darauf abgestellt seien, die Sowjetunion
zu einer einseitigen Abrüstung zu veranlassen.
Wenn man solche Ansichten hört, dann - das muß ich gestehen - ist es
überaus schwer, nicht zu dem Schluß zu gelangen, daß diejenigen, die so
etwas aussprechen, uns überhaupt nicht zuhören.

Lassen Sie uns doch einmal

die Tatsachen untersuchen.
Erstens, unsere Verpflichtung, den Frieden zu wahren.

So unangenehm

dies für einige auch sein mag: Die historischen Fakten zeigen, daß die
Vereinigten Staaten bei den Bemühungen, die Gefahr eines Krieges über dreißig
Jahre hinweg zu vermindern, immer an vorderster Front standen.
Schon 1946, als die USA zwar nicht über die gewaltige militärische
Überlegenheit verfugten, die erlangen zu wollen man uns heute beschuldigt, aber
doch über das absolute Monopol an Kernwaffen und Technologie, schlugen wir
im Rahmen des Baruch-Planes vor, daß alle Aspekte der nuklearen Entwicklung
unter internationale Aufsicht gestellt werden sollten.

Die Sowjetunion

wies diesen Vorschlag zurück, und eine große Gelegenheit, das nukleare Wettrüsten im Keime zu ersticken, war vertan.
Aber unsere Haltung hat sich auch in den folgenden Jahren nicht geändert.
In Genf und in Wien hat die Regierung Präsident Reagans eine ganze Reihe von
Initiativen ergriffen, die alle darauf abzielen, den sinnlosen nuklearen
Rüstungswettlauf zu stoppen und die Möglichkeit eines Konfliktes, nuklear
wie konventionell, entscheidend zu verringern.
Die Geschichte hat uns jedoch gelehrt, daß wir uns nicht ausschließlich
auf Verhandlungen verlassen können, um den Frieden zu bewahren.

Wir, wie

auch die Sowjetunion, mußten 1941 erfahren, daß militärische Schwäche oder was andere dafür fielten - der kürzeste Weg zum Krieg sein kann.

Daher

haben wir in der gesamten Nachkriegszeit die Maßnahmen ergriffen, die nach

- 3 -

�die nach unserer Ansicht notwendig waren, um vor Angriffen auf uns und unsere
Verbündeten abzuschrecken.

Die gegenwärtige Modernisierung unserer Streit-

kräfte, die die sowjetischen Sprecher angeblich so beunruhigt, rührt aus
dieser Auffassung her und - das darf ich hinzufügen - erfolgt nach einem
Jahrzehnt der amerikanischen Zurückhaltung hinsichtlich der Dislozierung
neuer Waffensysteme.
Abschreckung.

Unser Ziel ist - wie schon in der Vergangenheit - die

Präsident Reagan hat klargemacht, daß wir keine militärische

Überlegenheit gegenüber der Sowjetunion oder irgendeinem anderen Land anstreben.
Aber wir können es uns auch nicht erlauben, der Zweitbeste zu sein.
Zweitens, die Behauptung, die Vereinigten Staaten erhöhten künstlich
die Spannungen gegenüber der Sowjetunion.

Es kann kein Zweifel bestehen, daß

es bilaterale Spannungen gibt und daß diese in den letzten Jahren größer geworden sind.

Dies rührt zum Teil aus der Tatsache her, daß die USA und die

Sowjetunion auf internationalem Gebiet Rivalen sind und es für die absehbare
Zukunft auch bleiben werden.
Das ist keine Wahl, die wir getroffen haben, sondern es ist weitgehend
ein Abbild der unterschiedlichen Grundprinzipien, auf denen unsere beiden
Länder gegründet sind. Aber es hat doch Auswirkungen darauf, wie wir uns in
der Welt zueinander verhalten.
Wir erwarten nicht, daß die Sowjetunion in ihrer Haltung gegenüber den
Vereinigten Staaten ihre Prinzipien oder Interessen aufs Spiel setzt. Aber
genauso haben wir nicht die Absicht, die unsrigen aufs Spiel zu setzen.
Was nun die Prinzipien selbst angeht, so gibt es ein Gebiet, auf dem an
unserer Entschlossenheit kein Zweifel bestehen sollte: die Frage der Menschenrechte.

Wir hören häufig, daß unsere Menschenrechtspolitik eine Einmischung

in die inneren Angelegenheiten der Sowjetunion darstelle. Wir können eine
solche Charakterisierung nicht akzeptieren, die eine grobe Unkenntnis dessen
verrät,was die Vereinigten Staaten als Volk motiviert.
Aufgrund der
- 4 -

�Aufgrund der Bedeutung, die die Menschenrechte für uns haben - denn darauf
wurde ja unsere Republik 1776 gegründet ^sympathisieren wir natürlich in der
Sowjetunion und anderswo mit all jenen, denen ihre Rechte verweigert werden.
Wir unterstützen sie und werden es immer tun.
Aber es geht hier auch um einen gleichermaßen entscheidenden - und
vielleicht auch pragmatischeren - Punkt. Wenn ein Land seinen Bürgern
systematisch die ihnen im Rahmen internationaler Abkommen zustehenden Rechte
verweigert, dann stellt sich uns ernsthaft die Frage, was es dann mit der
Verläßlichkeit eines solchen Landes als internationaler Partner auf sich hat.
Wir drängen nur darauf, daß die Sowjetunion sich an ihre internationalen Verpflichtungen auf dem Felde der Menschenrechte hält.
Ähnlich ist die Situation im Hinblick auf die Vorstellung, die wir von
unseren Interessen haben. Es wird uns oft gesagt, wir sollten es nicht zulassen,
daß kleinere regionale Konflikte sich störend auf bilaterale Anstrengungen auf
so entscheidend wichtigen Gebieten wie der Rüstungskontrolle auswirken. Ein
solches Argument können wir ebenfalls nicht akzeptieren. Wenn wir aus der
jüngeren Geschichte etwas gelernt haben, dann dies, daß die Sicherheit die
gesamte weltpolitische Situation umfaßt.
Wenn wir sehen, daß sowjetische Truppen Afghanistan besetzen, um eine
Regierung zu unterstützen, die sich offensichtlich selbst nicht halten kann wenn wir sehen, daß die Vietnamesen in Kampuchea mit sowjetischer Unterstützung
eine ähnliche Rolle spielen - wenn wir sehen, wie den polnischen Arbeitern
die Rechte verwehrt werden, die ihnen zuvor durch die eigene Regierung zugestanden wurden - wenn eine große Demokratie in Asien (Japan) von der Sowjetunion mit nuklearer Vergeltung bedroht wird, weil dieses Land seine eigene
Sicherheit gewährleisten will, dann können wir nicht umhin, gewisse Rückschlüsse
hinsichtlich der Auswirkungen solcher Maßnahmen auf unsere eigene Sicherheit
zu ziehen, und wir müssen entsprechende Schritte ergreifen. Es ist doch nur
natürlich, daß wir bemüht sein sollten, solche Fragen in den amerikanisch-

- 5 -

�den amerikanisch-sowjetischen Dialog mit einzubeziehen.
Drittens, die Frage der Aufrichtigkeit unserer Haltung in der Rüstungskontrolle.

Wenn die amerikanische Haltung so hingestellt wird, als ziele sie

auf eine einseitige Abrüstung der Sowjetunion ab, so mag das als Technik in
der Debatte ganz wirkungsvoll sein, aber es führt einen nicht an die Wurzeln
des Problems heran.
Die Vorschläge Präsident Reagans in Genf andererseits spiegeln eine
ehrliche und vernünftige Haltung wider, mit der zwei grundlegende Ziele erreicht werder sollen: Die Wahrscheinlichkeit zu verringern, daß die eine oder
die andere Seite jemals versucht sein wird, als erste Kernwaffen einzusetzen,
und zum anderen, die nuklearen Arsenale abzubauen.
Wir möchten dies auf dreifache Weise erreichen:
Erstens haben wir vorgesch^gen, daß beide Seiten die Anzahl ihrer nuklearen Gefechtsköpfe auf Interkontinentalraketen um ein Drittel verringern.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion verfügen beide gegenwärtig über
ungefähr 7 000 solcher Gefechtsköpfe - die Sowjetunion hat tatsächlich einige
hundert mehr davon.

Die neue Höchstgrenze würde also 5 000 betragen.

Wir

konzentrieren uns auf diese Raketen, weil ihre hohe Geschwindigkeit sie für
Überraschungsangriffe besonders geeignet macht.
Zweitens haben wir vorgeschlagen, daß nicht mehr als die Hälfte der
5 000 verbleibenden Gefechtsköpfe auf landgestützte Interkontinentalraketen
montiert wird.

Auch hier ist unser Leitsatz wiederum, die Versuchung, einen

Erstschlag zu führen, zu verringern.

Wegen ihrer festen Stationierung sind

solche Raketen, was ihre Zerstörung durch einen Überraschungsangriff angeht,
besonders verwundbar.

Die Versuchung, sie für den Fall einer Angriffswarnung

einzusetzen, wäre also sehr stark, und das Risiko eines zufälligen und unbeabsichtigten Abschusses wird vergrößert.

Gleichzeitig machen ihre Zielge-

nauigkeit und ihre große Nutzlast sie zu idealen Waffen für einen Erstschlag.

- 6 -

�einen Erstschlag.

Dadurch, daß beide Seiten sich weniger auf derartige Systeme

stützen, würde unser Vorschlag die Möglichkeit eines Kriegsausbruches wesentlich
verringern.
Drittens haben wir die Beseitigung einer gesamten Kategorie von Waffen
vorgeschlagen, nämlich der landgestützten Mittelstreckenraketen.

Gegenwärtig

verfügt nur die Sowjetunion über solche Systeme, deren einziger Zweck trotz
aller gegenteiligen sowjetischen Behauptungen darin besteht, eine ganze Reihe
von Ländern an den Grenzen der Sowjetunion und darüber hinaus nuklear zu
bedrohen.

Da viele dieser Staaten Verbündete oder Freunde der USA sind, rufen

diese Systeme eine ernsthafte Gefahr der Eskalation auf eine strategische
Ebene hervor.
Die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten haben ihre Absicht klargemacht, das Gleichgewicht im Hinblick auf diese Streitkräfte in Europa wiederherzustellen. Sollte es notwendig sein, so sind wir darauf vorbereitet,
entsprechende eigene Streitkräfte zu dislozieren. Wir würden jedoch vorziehen - und das haben wir immer wieder erklärt -,daß das Problem durch ein
bilaterales Abkommen zur völligen Beseitigung dieser Systeme vom Antlitz der
Erde gelöst wird.
Ein sowjetischer Kommentator hat in einem vor kurzem in Amerika veröffentlichten Artikel erklärt, daß er - wenn er auch das Gegenteil lieber
hätte - wenig Hoffnung habe, im gegenwärtigen Zeitpunkt mit den USA ins Geschäft zu kommen. Wie ich schon vorher gesagt habe, kann man da nur sagen,
daß er nicht auf das gehört hat, was wir immer wieder erklären.
Wir sind bereit, unverzüglich und in günstigem Sinne auf positive Maßnahmen der Sowjetunion zu reagieren.

Das heißt keineswegs, wie manchmal

behauptet wird, daß wir auf einseitige Konzessionen aus sind.

Es heißt

allerdings, daß wir Beweise dafür sehen möchten, daß die Sowjetunion bereit
ist, sich uns bei der Suche nach gerechten beiderseitig akzeptablen Lösungen

- 7 -

�akzeptablen Lösungen der uns konfrontierenden Probleme anzuschließen.
Sollte es diese Beweise geben, dann würden diejenigen, die der Meinung
sind, es gäbe keine Möglichkeit für bilaterale Fortschritte, überrascht sein,
wie rasch sich ihre Ansichten als irrig erweisen.

+ + + + +

8 -

�17

20, April 1983

INTERNATIONALE KONFERENZ IN ATLANTA BEFASST SICH MIT BEKÄMPFUNG
DES DROGENMISSBRAUCHS

- (AD) - Eine Zusammenarbeit der Eltern und Angehörigen von Jugendlichen auf breiter internationaler Basis lasse am ehesten hoffen, junge Menschen vor der Drogengefahr schützen zu können.

Dies war das Fazit einer Kon-

ferenz über "Drogen und Jugend" vom 7, - 9. April 1983 in Atlanta (Georgia),
an der mehr als 500 Vertreter von Elternverbänden, Pädagogen, Juristen, Arzte,
Biochemiker, Psychologen und Sozial heifer aus den Vereinigten Staaten und 12
anderen Ländern teilnahmen,

Sie wurde von PRIDE veranstaltet ("Parents'

Resource Institute on Drug Education" - Institut für Elternberatung zur Bekämpfung des Drogenproblems).

Die 1977 gegründete Organisation versorgt

Elternvereinigungen mit den neuen Informationen, einschließlich der Erkenntnisse medizinischer Forschung, über Rauschgiftmißbrauch,

Mittlerweile haben

sich ihr mehr als 3000 Vereinigungen in allen 50 amerikanischen Bundesstaaten
angeschlossen.

Juan Negrete von der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen
(WHO) gab in seinem Vortrag eine Zusammenfassung des WHO-Berichtes über Drogenabhängigkeit.

Er befaßt sich vor allem mit der Erforschung von Gesundheits-

schäden und Verhaltensänderungen als Folge des Marihuana-Konsums.

Robert

DuPont, Professor für Psychiatrie an der Georgetown Medical School (Washington),

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�Medical School (Washington), forderte, daß der Aktivierung der Eltern und
Angehörigen von Jugendlichen rund um die Welt zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs "höchste Priorität" eingeräumt werde.

Prof. DuPont ist Präsident

des Amerikanischen Rates für Marihuana und andere psychoaktive Drogen.
Drogenproblem sei "eine Weltseuche", erklärte er.

Das

Die Drogenchemie kenne

keine nationalen Grenzen.
PRIDE begann im Jahr 1977 damit, Eltern über die neuesten Erkenntnisse
zu den biologischen Auswirkungen von Marihuana und anderen Drogen auf Heranwachsende zu informieren und ihnen bei der Schaffung landesweiter Verbände
zu helfen, mit denen dem Druck und dem Einfluß jugendlicher Drogenabhängiger
auf ihre Altersgenossen begegnet werden sollte.

Diese Initiativen hätten,

so DuPont, "die Einstellung in den Vereinigten Staaten zu Drogen verändert
und die Nation in die Lage versetzt, sich mit der Rauschgiftseuche gründlich auseinanderzusetzen."
Wegen ständig wachsender Anfragen aus anderen Ländern zur Vermittlung
einschlägiger Informationen und der Bitte um Unterstützung bei der Inangriffnahme von Projekten durch Elternverbände erhielt die diesjährige PRIDE-Konferenz ausgesprochen internationalen Charakter. Nach Ansicht DuPonts komme
"die größte Bedrohung im kommenden Jahrzehnt... wahrscheinlich von Entwicklungsländern". Diese seien unglaublich anfällig und besäßen nur eine sehr
begrenzte Fähigkeit, das Problem überhaupt anzupacken. In vielen Ländern der
Dritten Welt gebe es keine Regelung des Verkehrs mit Arzneimitteln und keine
Möglichkeit zur Kontrolle verschreibungspflichtiger Präparate wie Valium, von
Schlafmitteln oder von Stimulanzien. Sie werden wie jede andere Ware frei
verkauft.
Beispielhaft für Information, Erziehung und Vorbeugung gegen die Drogen-r
gefahr seien Schweden und Norwegen, erklärte Prof. DuPont. Dies sei vor allem Nils Bejeret zu verdanken. Bejeret ist Professor für Sozialmedizin am
Karolinska-Institut in Stockholm. Er habe in zahlreichen Artikeln und wissenschaftlichen Arbeiten zum Drogenmißbrauch Wege zu dessen Kontrolle und zu

- 2 -

�und zu wirksamer Vorbeugung aufgezeigt.
Nach Ansicht von Keith Manatt Schuchard, Mitbegründerin und Forschungsdirektorin von PRIDE, sei der illegale Drogenhandel als die nahezu "größte
finanzielle Operation in der Welt einzuschätzen - größer als das öl- und größer als das Autogeschäft".
ziellen

Er entwickle sich jetzt zur wichtigsten finan-

Basis für den internationalen Terrorismus, geheime Waffenlieferungen

und Gewaltakte in der ganzen Welt.

Dennoch könne die Elternbewegung gegen

diese Macht wirksam werden, erklärte Frau Schuchard, weil ihr die Kraft des
Naturinstinkts innewohne, den Nachwuchs vor Schaden zu bewahren.

Diese Kraft

sei in jeder menschlichen Gemeinschaft lebendig.
In 15 Arbeitsgruppen wurden Sonderthemen wie die Behandlung Abhängiger,
Gruppenführung, Gesetzesvollzug oder Ideenaustausch unter Elternverbänden erörtert. Neueste Literatur, Filme und anderes Informationsmaterial stand den
Teilnehmern zur Verfügung.

- 3 -

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Information

HM

BTTT3T

•i iL

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. April 1983

18

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung des US-Präsidenten zur MX-Entscheidung
- Reagan möchte 100 "Friedenswahrer"-Raketen Shultz:

USA wollen Demokratie, Reform und Menschenrechte

in Mittelamerika

HINTERGRUNDMATERIAL
Die sowjetische Strategie in Europa
- Von Fritz W. Ermarth -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Simulatorprogramme für TDRS-Bahnkorrektur
- Rettungsaktion schwieriger als zunächst angenommen Neuartiges Antriebsaggregat für Raumtransporter-Nutzlasten

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�18

27. April 1983

ERKLÄRUNG DES US-PRÄSIDENTEN ZUR MX-ENTSCHEIDUNG
- Reagan möchte 100 "Friedenswahrer"-Raketen -

WASHINGTON - (AD) - In einer Erklärung vom 19. April 1983 stellte sich
Präsident Ronald Reagan hinter die Empfehlungen der überparteilichen
Kommission, die sich mit der Problematik der strategischen Streitkräfte auseinandergesetzt und ihm ihren Bericht vergangene Woche vorgelegt hatte.
Reagan erklärte, die Vorschläge der Kommission würden eine "stabile Abschreckung" bewahren und für die amerikanischen Verhandlungen über Rüstungsverminderungen mit den Sowjets "solide Anreize und Glaubwürdigkeit" bedeuten.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich werde noch heute dem Kongreß einen Bericht zusenden, der die
Empfehlungen der überparteilichen Kommission für die strategischen Streitkräfte unterstützt und der auf rasche Reaktion des Kongresses und auf Unterstützung durch ihn drängt.
Die Empfehlungen dieser hervorragenden Gruppe sind aus zweierlei Gründen
wichtig.

Die von ihr vorgeschlagenen Maßnahmen werden eine stabile Abschreckung

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�stabile Abschreckung bewahren und dadurch den Frieden sichern.

Und sie

werden unseren Anstrengungen zur Aushandlung von Rüstungsverminderungen, die
den Weg zu einer sichereren und friedlicheren Zukunft ebnen sollen, weitere
solide Anreize und Glaubwürdigkeit bringen.
Am 23. März habe ich zum amerikanischen Volk über unser Programm zur
Stärkung der Sicherheit dieses Landes und der unserer Verbündeten gesprochen
und eine langfristige Forschungsanstrengung angekündigt, damit eines Tages
die Bedrohung verringert wird, die die Atomraketen darstellen.
Eine Woche später habe ich in Los Angeles unsere Anstrengungen zur
Begrenzung und Verringerung dieser Gefahr mittels verläßlicher, verifizierbarer
und stabilisierender Rüstungskontroi labkommen dargelegt.
Beide Wege führen auf ein gemeinsames Ziel zu: Die Verhinderung eines
Konfliktes, Verringerung des Kriegsrisikos und Bewahrung des Friedens.
Alle amerikanischen Präsidenten haben die Erreichung dieses entscheidenden
Zieles als ihre oberste Pflicht akzeptiert. Aber die Bewahrung des Friedens
erfordert mehr als Wunschdenken und vage gute Absichten. Es bedarf der
konkreten,positiven Schritte, um die Welt von dem Gespenst eines Atomkrieges
zu befreien. Und eben darum werden wir auch weiterhin unermüdlich daran
arbeiten, eine nukleare Stabilität auf dem niedrigst möglichen Niveau zu
erreichen. Unsere Worte, unsere Politik und unser Handeln zeigen der Welt
deutlich die tiefempfundene Überzeugung unseres Landes, daß ein Atomkrieg
jedweden Umfangs eine Tragödie von noch nie dagewesenem Ausmaß wäre.
Immer wieder hat Amerika einseitig Zurückhaltung, guten Willen und eine
ernsthafte Verpflichtung zu wirksamer Rüstungskontrolle an den Tag gelegt.
Leider haben uns diese Maßnahmen allein noch nicht wirklich sicherer gemacht,
und sie haben auch die Gefahr eines Atomkrieges nicht verringert. So haben
zum Beispiel die Sowjets im vorigen Jahr mehr als 1200 Gefechtsköpfe für

- 2 -

�1200 Gefechtsköpfe für Interkontinentalraketen disloziert - mehr als das
gesamte "Friedenswahrer"-Programm vorsieht.
Die Geschichte der amerikanischen Beteiligung an der Rüstungskontrolle
zeigt uns, was möglich ist und was nicht. Tatsache ist, daß in der Vergangenheit unsere einseitige Zurückhaltung und unser einseitiger guter Wi le es
nicht vermochten, ähnliche Zurückhaltung und ähnlichen guten Willen bei der
Sowjetunion zu fördern. Und beide erbrachten auch keine sinnvolle Rüstungskontrolle. Aber die Geschichte lehrt uns zugleich, daß es zu einer stabilisierenden Rüstungskontrolle kommt, wenn die Vereinigten Staaten Entschlossenheit zeigen und stark bleiben.
Ende der sechziger Jahre unternahmen wir eine große Anstrengung, mit der
Sowjetunion einen Raketenabwehr-Raketenvertrag (ABM-Vertrag) auszuhandeln.
Nachdem die sowjetische Führung deutlich ihr mangelndes Interesse demonstriert
hatte, stimmte der Kongreß der Finanzierung eines Programms zum Bau von
Raketenabwehr-Raketen zu. Das Ergebnis war vorauszusehen. Als die Sowjets
erst einmal erkannten, daß wir damit beginnen würden, kamen sie an den Verhandlungstisch,und wir handelten eigenen "ertrag aus. Er wurde ratifiziert und
ist noch heute in Kraft.
Offensichtlich ist der beste Weg zu nuklearer Stabilität und zu einem
dauerhaften Frieden der Verhandlungsweg. Und dies ist auch der Kurs, den wir
abgesteckt haben. Und wenn wir unsere Entschlossenheit zeigen, kann er zum
Erfolg führen.
Vor diesem Hintergrund setzte ich im vergangenen Jahr eine überparteiliche
Kommission für die strategischen Streitkräfte ein und wies sie an, das
strategische Programm für die Streitkräfte der Vereinigten Staaten mit besonderer Betonung auf die Interkontinentalraketen und ihre Stationierung zu
überprüfen.
Eine hervorragende

- 3 -

�Eine hervorragende, Überpartei liehe Gruppe von Amerikanern, die entweder
in der Kommission selbst arbeiteten oder ihr als Berater dienten, hat dem
Land einen großen Dienst erwiesen,und wir alle schulden ihr große Dankbarkeit.
Brent Scowcroft, der Vorsitzende der Kommission, weitere Mitglieder der
Kommission sowie Harold Brown und die Berater sind heute hier.

Ich möchte

ihnen allen meine Anerkennung für eine schwere Aufgabe zum Ausdruck bringen,
die außerordentlich gut bewältigt wurde.
Im besten Geist der Überparteilichkeit ist die Kommission einstimmig zu
klaren und wichtigen Empfehlungen hinsichtlich einiger der schwierigsten
Fragen unserer Zeit gelangt. Während der vergangenen drei Monate kam die
Kommission zu Dutzenden von Sitzungen und in zahlreichen kleinen Konferenzen
zusammen.

Mit über 200 technischen Experten wurden Gespräche geführt,

der

Kongreß wurde eng konsultiert.
Die Mitglieder der Kommission hatten ein gemeinsames Ziel - nämlich ein
höheres Maß an nationaler Obereinstimmung hinsichtlich unserer Haltung gegenüber der Modernisierung der strategischen Streitkräfte und der Rüstungskontrolle, wobei der Bericht der Kommission dies so umschreibt: "Wenn es uns
gelingt, uns selbst bei der Behandlung dieser Fragen nicht als politische
Parteigänger oder als Kreuzzügler für eine bestimmte Lösung eines Teils dieses
zu
komplexen Problemkreises/sehen, sondern vielmehr als Bürger einer großen
Nation mit einer zur Bescheidenheit gemahnenden Verpflichtung, in der langwierigen Aufgabe fortzufahren, Frieden und Freiheit für die Welt zu sichern,
so dürfte schließlich eine gemeinsame Perspektive gefunden werden."
Diese Worte waren für die Arbeit der Kommission richtungsweisend. Es
ist meine glühende Hoffnung, daß sie uns alle leiten werden, wenn wir auf
eine Lösung einer schwierigen und langwierigen Frage hinarbeiten.
Die Kommission hat ihre Arbeit beendet und mir vorige Woche ihren Bericht

�ihren Bericht vorgelegt.

Er wurde, wie Sie wissen, sofort der Öffentlichkeit

zugänglich gemacht. Nach Durchsicht des Berichtes traf ich mit dem Nationalen
Sicherheitsrat zusammen.

Er unterstützte die Empfehlungen der Kommission

genau so wie alle Mitglieder des Gemeinsamen Stabes. Auch ich tue dies.
Als erstes drängt uns die Kommission, mit dem strategischen Modernisierungsprogramm fortzufahren, das ich Oktober 1981 angekündigt hatte.

Dies

bekräftigt, daß die Notwendigkeit für Verbesserungen bei Kommando, Kontrolle
und Kommunikation unserer strategischen Streitkräfte sowie für eine Fortführung unserer Bomber-,Unterseeboot- und Marschflugkörperprogramme fortbesteht.
Als zweites dringt die Kommission auf eine Modernisierung unserer Interkontinentalraketen-Streitmacht. Wir sollten sofort mit der Entwicklung und
der Produktion der "Friedenswahrer"-Rakete fortfahren und 100 davon in bestehenden MINUTEMAN-Silos in der Nähe des Luftwaffenstützpunktes Warren in
Wyoming dislozieren.
Gleichzeitig empfiehlt uns die Kommission, mit der Entwicklung einer
kleinen Rakete mit einem Gefechtskopf zu beginnen.

Wenn es die strategischen

und technischen Überlegungen ermöglichen, könnte diese Rakete Anfang der
neunziger Jahre einsatzbereit sein.
Nebenbei gesagt wird dieses Modernisierungsprogramm 1984 zu Einsparungen
von ungefähr 1,5 Milliarden Dollar führen - und noch mehr in den beider darauffolgenden Jahren.
Drittens empfiehlt die Kommission umfassende Forschungsanstrengungen bei
der strategischen Verteidigung und ein sorgfältiges Forschungsprogramm bei der
Silohärtung, wodurch unsere landgestützten Raketensysteme sicherer werden
sollen.
Diese Modernisierungsanstrengung ist die letzte Komponente unseres umfassenden strategischen Programms.

Es wird ein geschützteres und sichereres

- 5 -

�und sichereres Amerika bedeuten.

Und es wird für die Sowjetunion ein klarer

Beweis dafür sein, daß es in ihrem eigenen besten Interesse ist, in gutem
Glauben und mit ernsthafter Zielsetzung mit uns zu verhandeln.
All dies summiert sich zu einem wichtigen Anstoß bei Rüstungskontrolle
und Abschreckung, bei Frieden und Sicherheit jetzt und bis weit hinein in die
Zukunft.
Schließlich unterstreicht die Kommission die Notwendigkeit ehrgeiziger
Rüstungskontroll Verhandlungen - Verhandlungen, die zu Abkommen führen würden,
die ausgewogen sind, die Stabilität in Krisenzeiten fördern und sinnvolle,
verifizierbare Verringerungen zur Folge haben.
Genau dies aber sind die Ziele unserer Rüstungskontrollvorschläge, die
derzeit in Genf auf dem Tisch liegen.

Ich möchte hier noch einmal betonen,

daß wir in Genf ausgewogene, verläßliche Abkommen anstreben, die echte Verringerungen bringen.
Daher besteht die vor uns liegende Aufgabe darin, unsere Entschlossenheit,
unseren nationalen Willen und unseren guten Glauben zu demonstrieren. Dies
ist sowohl für die Aufrechterhaltung einer wirksamen Abschreckung als auch
für die Erzielung erfolgreicher Rüstungsverringerungen von entscheidender
Bedeutung. Daß wir uns hier nicht täuschen: Solange wir nicht unsere landgestützten RaketenSysteme modernisieren, hat die Sowjetunion keinen echten
Grund, sinnvolle Verringerungen auszuhandeln. Wenn wir jetzt nicht handeln,
können wir vernünftigerweise nicht erwarten, daß es bei unseren Rüstungskontroll Verhandlungen zu einem annehmbaren Resultat kommt, und wir werden
außerdem die Abschreckungssituation schwächen, die den Frieden über eine
Generation lang bewahrt hat.
Daher appelliere ich an den Kongreß, sich mir jetzt bei der Unterstützung
dieses überparteilichen Programms zur Verfolgung von Rüstungskontrollabkommen
anzuschließen, die die Stabilität fördern, um heute den Erfordernissen unserer
Interkontinentalraketen(ICBM)-Streitmacht gerecht zu werden und in Zukunft
- 6 -

�in Zukunft auf eine stabilere ICBM-Struktur hinzuarbeiten.

Um den Empfehlungen

der Kommission nachzugehen, habe ich Brent Scowcroft in seiner Eigenschaft als
Vorsitzenden gebeten, mich genauestens auf dem laufenden zu halten, während
diese Frage ihrer Lösung zugeführt wird - insbesondere in Beziehung auf die
Rüstungskontrolle.
Über ein Jahrzehnt lang haben vier Administrationen Vorschläge zur Rüstungskontrolle und -modernisierung unterbreitet. Unglücklicherweise wurde jede in
die politische Kontroverse hineingezogen. Die Kommissionsmitglieder, der Verteidigungsminister, die Chefs des Gemeinsamen Stabes und ich - alle mußten
unsere früheren Positionen aus neuer Sicht betrachten. Aber trotz der unterschiedlichen Betrachtungsweisen, die diese Gruppen in der Vergangenheit hatten,
haben wir jetzt ein Programm, das unsere einhellige Unterstützung findet.
Unterstützung durch den Kongreß und das amerikanische Volk für diese übereinstimmende Meinung wird uns in unserer gemeinsamen Suche nach Wegen einen,
unsere nationale Sicherheit zu stärken, das Kriegsrisiko zu verringern und
schließlich den Umgang der Kernwaffen zu verringern. Wir können uns keine
weiteren Verzögerungen mehr leisten. Jetzt ist die Zeit zum Handeln gekommen.
Ich danke Ihnen alle für Ihre Anwesenheit und danke der Kommission noch
einmal für ihre gute Arbeit.

+ + + + +

- 7 -

�18

27. April 1983

SHULTZ: USA WOLLEN DEMOKRATIE, REFORM UND MENSCHENRECHTE
IN MITTELAMERIKA

DALLAS, TEXAS - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz
bezeichnete es als das Hauptziel der Vereinigten Staaten, in Mittelamerika
Demokratie, Reform und den Schutz der Menschenrechte zu unterstützen. In
einer Rede vor dem privaten Rat für weltpolitische Angelegenheiten und der
Handelskammer in Dallas, Texas, am 15. April gab Außenminister Shultz einen
umfassenden überblick über die Mittelamerikapolitik der Vereinigten Staaten.
Die Rede des Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Wenn man über Mittelamerika spricht, dann muß man sich drei Fragen zuwenden:
Warum kümmern wir uns eigentlich um Mittelamerika?
Was geht dort vor?
Was sollten wir dazu tun?
Diese Fragen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Diese Fragen sind wichtig, und ich werde versuchen, sie klar und deutlich zu beantworten.
Ich meine zunächst einmal, daß niemand die Bedeutung Mittelamerikas für
die Vereinigten Staaten bestreiten kann.
Mittelamerika liegt so nahe, daß seine Schwierigkeiten automatisch auf
uns übergreifen; so nahe, daß die strategische Position seiner Länder die unsrige berührt; so eng, daß die Leiden der dortigen Völker auch uns Schmerzen
bereiten.
Ich brauche Texaner

nicht daran zu erinnern, daß nur die Stabilität

unserer Nachbarn einen beispiellosen Strom von Flüchtlingen nordwärts in

unser

Land verhindern kann. Vor allem heute, da eine in Schwierigkeiten befindliche
Weltwirtschaft die Unruhe förmlich herausfordert, müssen wir in unserer unmittelbaren Nachbarschaft Demokratie und Stabilität gewährleisten,
Ich habe das Wort "strategisch" nicht leichtfertig benutzt. Trotz der
Raketenkrise in Kuba von 1962 und trotz des Krieges zwischen Argentinien und
Großbritannien im vorigen Jahr glauben die meisten Amerikaner, daß Lateinamerika im strategischen Gleichgewicht der Welt keine Rolle spiele. Die Leute
wissen natürlich, daß Kuba in Afrika militärisch interveniert hat, aber sie
wissen wahrscheinlich nicht, daß die kubanischen Armee heute dreimal so groß
ist wie 1962 oder daß heute 40 000 kubanische Soldaten in Afrika stationiert
sind oder daß sich 2000 kubanische Militär- und Sicherheitsberater in Nicaragua
aufhalten.
Manche von Ihnen mögen auch gehört haben, daß der Verteidigungsminister
Nicaraguas am 9. April erklärte, Nicaragua würde die Annahme sowjetischer Raketen in Erwägung ziehen, wenn es darum ersucht würde.
In der großen Debatte, wie unsere Interessen am Panamakanal am besten
geschützt werden könnten, war der einzige Punkt, auf den sich alle Seiten einigen konnten, der, daß der Kanal von entscheidender Bedeutung ist und offen- 2 -

�ist und offengehalten und verteidigt werden muß. Die Sicherheit des Panamakanals wird jedoch durch die Stabilität und Sicherheit Mittelamerikas unmittelbar berührt.
Der Kanal selbst ist nur eine Strecke von 50 Meilen von Tausenden von
Meilen Seewege durch die Karibik.

In Friedenszeiten passieren 44 Prozent der

gesamten Außenhandelstonnage und 45 Prozent des Rohöls nach den Vereinigten
Staaten die Karibik.

Im Falle eines Krieges in Europa würden 65 Prozent un-

seres Mobilisierungsnachschubs von Häfen am Golf von Mexiko in See stechen
und durch die Straße von Florida nach Europa gehen.
Während des Zweiten Weltkrieges

- nur um Sie daran zu erinnern - war

unsere Verteidigung so schwach und unsere Lebensadern so entblößt, daß in den
ersten Monaten 1942 eine Handvoll feindlicher Unterseeboote in der Karibik
und im Golf von Mexiko Hunderte, von Schiffen versenkte - und das leichter und
schneller als Hitlers ganze Flotte im Nordatlantik.

Die Karibik war ein bes-

seres Ziel für sie. Vor fast genau 41 Jahren wurde ein mexikanischer Tanker
- mit vollen Lichtern, wie das damals bei Neutralen üblich war - vor Miami
versenkt.

Im Juni jenes Jahres hat ein einziges Unterseeboot, die U-159, in

vier Tagen acht amerikanische Schiffe versenkt, zwei davon direkt vor der Einfahrt in den Panamakanal.
Und wir dürfen nicht vergessen, Hitlerdeutschland besaß keine Stützpunkte in der Karibik, ja hatte nicht einmal Zugang zu Häfen zum Tanken und
zur Versorgung.
Die meisten Amerikaner sind davon ausgegangen, wir hätten, weil die
Sowjetunion weiß, daß wir die Stationierung von strategischen Waffen auf Kuba
nicht akzeptieren werden, nichts mehr zu befürchten.
Kuba keine Kernwaffen sind.

Es ist richtig, daß auf

Und es ist richtig, daß sich die Utopie der ku-

banischen Kommunisten als eine solche wirtschaftliche Katastrophe erwiesen hat,
daß Kuba völlig von massiver sowjetischer Hilfe abhängig ist - in einer Größenordnung von vier Milliarden Dollar jährlich.

- 3 -

Aber das hat Kuba nicht abge-

�nicht abgehalten, sich als Vorkämpfer einer besseren Zukunft darzustellen und
einen Feldzug zu führen, um in Mittelamerika neue kommunistische Diktaturen zu
errichten.
Ich weiß, es gibt Leute, die glauben, daß wir in der Regierung die Gefahr übertrieben darstellen.

Ich möchte Ihnen jedoch ein Zitat verlesen:

"Der revolutionäre Prozeß in Mittelamerika ist ein einziger
Die Triumphe des einen sind die Triumphe des anderen...
wird kommen;
erleben.

die Stunde von Honduras.

Prozeß.

Die Stunde Guatemalas

Auch Costa Rica wird seine große Stunde

Der erste Ton war in Nicaragua zu vernehmen."

Falls Sie sich fragen sollten, derjenige, der das sagte, war kein Sprecher unserer Regierung.

Die vertrauensvolle Voraussage stammt von Cajetano

Carpio, dem wichtigsten Führer der Guerilla in El Salvador.

Nachzulesen in

der Ausgabe vom 25. August 1980 der mexikanischen Zeitschrift "Proceso".
Unsere Analysen, unsere Strategie und unsere Erwartungen bezüglich der
Zukunft

Mittelamerikas gehen von zwei Vorstellungen aus. Die eine ist, daß

die Demokratie nicht gedeihen kann, wenn es extreme Ungleichheiten beim Landerwerb, bei den Lebenschancen und bei der Rechtsprechung gibt.

Die zweite

Vorstellung ist die, daß Herr Carpio und seine Verbündeten solche Ungerechtigkeiten für antidemokratische Ziele ausnützen.
Ich

habe einen Terroristenführer

zitiert, weil es gerade solche Ober-

zeugungen - gestützt auf bewaffnete Gewalt - sind, die unseren Freunden in
Mittelamerika solche Sorgen machen:

In Costa Rica, wo Demokratie und Achtung

der Menschenrechte eine alte Tradition haben; in Honduras, wo demokratische
Institutionen Fuß fassen; in El Salvador, wo die Demokratie zu funktionieren
beginnt; ja selbst in Nicaragua, wo die Enttäuschung
Fragen Sie die Menschen, die dort leben.

an der Tagesordnung

Sie werden Ihnen sagen, so

wie sie es uns gesagt haben, - durch ihre Regierungen, in den öffentlichen

- 4 -

ist.

�den öffentlichen Meinungsumfragen und in den Leitartikeln ihrer Zeitungen
und Rundfunksender - daß die Revolution, derer sich Carpio rühmt, ein erschreckendes Phänomen ist:
Wohlergehens.
machen sollten.

eine direkte Bedrohung ihrer Demokratie und ihres

Sie werden Ihnen sagen, daß auch wir Nordamerikaner uns Sorgen
Nicht, weil etwa Herr Carpio morgen ein Bataillon über den

Rio Grande (die Grenze der Vereinigten Staaten, Anm. der Redaktion) führen
wird, sondern weil die Sache der Demokratie und der Menschenrechte auch unsere
Sache ist.
Ich bin ganz dieser Meinung.

Wir können nicht guten Gewissens weg-

sehen, wenn Demokratie und Menschenrechte in Ländern in Frage gestellt werden,
die nahe bei uns liegen - in Ländern, die von uns Hilfe erwarten.
Reagan hat es im vorigen Monat treffend ausgedrückt:

Präsident

"Menschenrechte heißt,

an Problemen arbeiten, nicht vor ihnen davonlaufen."
Die entscheidende Frage ist also, was sollen wir tun?
Ein Hauptelement unserer Strategie muß die Unterstützung von Demokratie,
Reform und der Schutz der Menschenrechte sein. Man kann davon ausgehen, daß
Demokratien ihre Nachbarn weniger wahrscheinlich bedrohen - oder ihre eigenen
Bürger mißbrauchen - als Diktaturen.
Der Kräfte der Demokratie gibt es viele und vielfältige.

Manche sind

tief verwurzelt, wie in Costa Rica, das seit 35 Jahren nichts anderes als Demokratie kennt. Andere sind zerbrechlicher, aber sind ständig gewachsen in
dem Maße, in dem die wirtschaftliche Entwicklung die Mittelklasse gestärkt hat
und in dem Gewerkschaften und Bauernorganisationen den Pluralismus verwirklicht
haben.

Die katholische Kirche hat ebenfalls wichtige Beiträge zur Demokratie

und zum sozialen Fortschritt geleistet.

Und das gleiche gilt für die Vereinig-

ten Staaten beispielsweise durch Kultur und in jüngerer Zeit auch durch Diplomatie.
Die Kräfte

�Die Kräfte der Diktatur bestehen aus zwei Arten.
andere ist neu.

Die eine ist alt, die

Die alte Spielart ist die der wirtschaftlichen Oligarchie,

des politischen Despotismus und der militärischen Unterdrückung.

Außer in

Costa Rica war das die traditionelle Methode des gesellschaftlichen Aufbaus
während des größten Teils der Geschichte Mittelamerikas.

Die neue Form der

Diktatur besteht in einer gelenkten Wirtschaft, einer selbsternannten elitären FUhrungsgruppe und einem Guerilla-Krieg.

Die Basis ist Nicaragua; das

Ziel ist ganz Mittelamerika.
Ehe die Sandinisten 1979 in Nicaragua an die Macht kamen, versprachen
sie freie Wahlen, politischen Pluralismus und Blockfreiheit.
alle diese Versprechen gebrochen.

Heute haben sie

Erst machten sich die Sandinisten daran,

die Demokratien aus der Regierungsjunta zu verdrängen; dann, jede politische
Opposition, alle Pressefreiheit und die Unabhängigkeit der Kirche einzuschränken; dann, Streitkräfte aufzubauen, die heute die größten in der Geschichte
Mittelamerikas sind; schließlich, sich mit der Sowjetunion und mit Kuba zur
Unterwanderung ihrer Nachbarn zu verbünden.
Das erste Ziel wurde El Salvador. Im Jahr 1980 wurden auf Anweisung
Kubas mehrere extremistische Gruppen El Salvadors in Managua zusammengeschlossen, wo sich heute noch ihr Einsatzhauptquartier befindet. Kuba und seine
Verbündeten aus dem Sowjetblock sorgten dann für Ausbildung und Nachschub,
der heimlich durch Nicaragua nach El Salvador floß, um den bewaffneten Aufstand zu schüren. Die kommunistische Intervention brachte die Guerilla zwar
nicht an die Macht, kostete aber Tausenden von Menschen das Leben und weitete
einen bereits bitteren Konflikt aus. Heute hängt El Salvador in der Schwebe,
wobei die reformwilligen Demokraten mit den Kräften der alten und neuen Diktatur kämpfen müssen.
Der Kampf um die Demokratie wird noch weiter erschwert durch das schwere
Erbe von Jahrzehnten der sozialen und wirtschaftlichen Ungerechtigkeit.

Und

in El Salvador hat - wie auch andernorts in der Welt - die Weltrezession mit
verheerender Wirkung zugeschlagen.
Wir müssen

�Wir müssen daher auch die wirtschaftliche Entwicklung unterstützen.
Unterentwicklung, Rezession - und der andauernde "Verlängerte Krieg" der
Guerilla gegen die Wirtschaft El Salvadors - verursachen menschliches Elend
und Leiden, die von den Feinden der Demokratie in zynischer Weise ausgebeutet
werden.

Drei Viertel der Mittel, die wir für die Unterstützung unserer Mittel-

amerikapolitik ausgeben, werden für Wirtschaftshilfe aufgewandt.
Wirtschaftsprogramm geht über die traditionelle Hilfe hinaus:

Und unser

Die Initiative

des Präsidenten für das Karibische Becken soll dazu dienen, Handel und Investitionen mächtige Anreize zu geben, um diesen Ländern zu helfen, ein sich selbst
erhaltendes wirtschaftliches Wachstum zu erreichen.
Aber wie alle Reformen für sich allein keinen Frieden bringen können,
solange die Guerilla der Überzeugung ist, sie könne einen militärischen Sieg
davontragen, so wird keine Wirtschaftshilfe ausreichen, solange Guerillaeinheiten Straßen, Brücken, Kraftwerke und Ernten immer wieder ungestraft zerstören können.
Wir müssen also auch die Sicherheit El Salvadors und der anderen bedrohten Ländern der Region unterstützen.
Und schließlich müssen wir, mit einer schweren, sich über die ganze
Region erstreckenden Krise konfrontiert, regionale Friedenslösungen anstreben.

Wir versuchen, die Sandinisten davon zu überzeugen, an den Verhandlungs-

tisch zu kommen - in der Bereitschaft, mit ihren Nachbarn und mit ihrer eigenen zunehmend beunruhigten Gesellschaft zu einem Einvernehmen zu kommen.
Werfen wir nun einen Blick darauf, wie diese Strategie in der Praxis
funktioniert. Zunächst El Salvador:
Grundtatsache hinsichtlich El Salvadors ist heute, daß sein Volk Frieden wünscht.

Und weil es dies will, hat es die wesentlichen Grundlagen für

nationale Versöhnung und Erneuerung geschaffen.
Erlauben Sie

�Erlauben Sie mir einige Details:
Erstens:
Menschenrechten.

Sogar inmitten des Guerillakrieges wächst die Achtung vor den
Zwar ist die Gewalt gegenüber Zivilisten noch immer hoch,

aber sie ist merklich zurückgegangen, seit wir vor drei Jahren mit unserer
Hilfe begonnen haben.

Das System der Strafverfolgung bleibt ein Hauptanlie-

gen und ich werde darauf gleich zurückkommen.
Zweitens:

Innerhalb von drei kurzen Jahren und trotz der entschiedenen

Ablehnung durch die Guerilla hat die Regierung von El Salvador über 20 Prozent des Ackerlandes neu verteilt.

Rund 450 000 Menschen - etwa jeder zehnte

El Salvadorianer - haben unmittelbar davon profitiert und haben einen persönlichen Anteil an einer sicheren Zukunft.
Drittens: Die allgemeine Wirtschaftslage ist schlecht. Allein um
dieses Jahr in etwa das Niveau zu halten, braucht El Salvador beträchtliche
Wirtschaftshilfe zur Einfuhr von Saatgut, Düngemittel und Schädlingsbekämpfungsmittel für die Landwirtschaft und Rohstoffe für die Fabriken.
Die Wirtschaftskrise rührt zum Teil von der internationalen Rezession
her, die einen Preisdruck auf die landwirtschaftlichen Exporte - Kaffee,
Baumwolle, Zucker • ausübt, von denen El Salvador hinsichtlich seiner Devisen abhängt. Aber das weit ernsthaftere Problem ist der Guerillakrieg gegen
die Wirtschaft. Teile des fruchtbaren Bodens können wegen der Guerillaangriffe
nicht bestellt werden. Durch sie wurden 55 der 260 Brücken des Landes zerstört und viele weitere wurden beschädigt. Die Wasserwerke müssen 112 Wasserversorgungsanlagen reparieren, die durch Guerillaangriffe beschädigt wurden.
249 Angriffe auf das Telefonsystem haben Schäden mit sich gebracht, die in
die Millionen Dollar gehen. In den 22 Monaten bis Ende November vorigen Jahres gab es durch die Guerilla über 5000 Unterbrechungen der Stromversorgung durchschnittlich acht pro Tag. Die gesamten Ostgebiete des Landes hatten sowohl 1981 als 1982 jährlich über ein Drittel Stromausfall. Allein 1982 zerstörte die Guerilla über 200 Busse. Weniger als die Hälfte der Eisenbahn- 8 -

�der Eisenbahnwaggons ist einsatzfähig.

Kurz:

Da sie nicht in der Lage ist,

die Loyalität des Volkes von El Salvador auf freiwilliger Basis zu erringen,
entzieht die Guerilla ihm absichtlich und systematisch Nahrungsmittel, Wasser,
Transport, Elektrizität, sanitäre Anlagen und Arbeit.
Das sind die Leute, die behaupten, ihr Ziel sei Hilfe für das gemeine
Volk.
Das bringt mich auf einen vierten Punkt.
Die drei

Bataillone Regierungstruppen, die wir ausgebildet haben, ver-

halten sich auf dem Schlachtfeld wie auch im Umgang mit Zivilisten soldatisch
einwandfrei.

Aber nur jeder zehnte salvadorianische Soldat hat unsere Ausbil-

dung erfahren - weniger als die vielen "Guerilleros", die von Nicaragua und
Kuba ausgebildet werden.
Worum es letztlich in El Salvador geht, ist die Sache der Demokratie.
Ich kann diesen Punkt nicht genug betonen.
trächtlich.

Und hier ist der Fortschritt be-

Die Verfassungsgebende Versammlung, vor einem Jahr gewählt, hat

eine neue Verfassung ausgearbeitet, hat eine gemäßigte Regierung der nationalen Einheit unterstützt und die Bodenreform fortgeführt.
Ich erinnere Sie an die Wahlen vor gerade einem Jahr mit ihren 80 Prozent Wahlbeteiligung - keine schlechte Beteiligung angesichts der gewaltsamen
Anstrengungen, mit Waffengewalt die Menschen davon abzuhalten, zu den Wahlurnen zu gehen.
Am wichtigsten ist vielleicht die Tatsache, daß die Politiker und die
Parteien, die an den Wahlen vom März 1982 teilnahmen und die nunmehr in der
Versammlung repräsentiert sind, damit begonnen haben, bei der Suche nach einer
politischen Lösung für die Probleme ihres Landes gemeinsame Ziele abzustecken.
Den konkretesten Hinweis auf das Selbstvertrauen und die wachsende
Stärke der neuen demokratischen Führer El Salvadors gab es im vergangenen
- 9 -

�im vergangenen Monit unter der Anwesenheit seiner Heiligkeit Papst Johannes
Paul II. Am 6. März kündigte der Präsident von El Salvador, Alvaro Magana,
an, daß es in diesem Jahr nationale Wahlen geben wird und daß sie allen politischen Parteien und Gruppierungen offenstünden.
Es bedarf aber einigen Vertrauens in den demokratischen Prozeß, um
solche Wahlen abzuhalten und zu sagen:

Gut, lassen wir den Wahlprozeß dar-

über entscheiden, wer Präsident sein soll.
Am 17. März schlug die Friedenskommission von El Salvador, bestehend
aus einem katholischen Geistlichen und zwei Laien, Gesetze für eine allgemeine Amnestie vor, die nunmehr der Verfassungsgebenden Versammlung
gen.

vorlie-

Und der Präsident der Verfassungsgebenden Versammlung hat die wich-

tigste politische Gruppierung der Guerilla - die Frente Democratico Revolucionario (FDR) - aufgefordert, sich an den Wahlen zu beteiligen.
Wie Präsident Reagan klargestellt hat, unterstützen wir Verhandlungen,
die darauf abzielen, die Beteiligung in den demokratischen Institutionen auszuweiten - alle Parteien dazu zu bringen, an freien und gewaltfreien Wahlen
teilzunehmen. Wir werden keine Verhandlungen unterstützen, die eben diesen
demokratischen Prozeß zerstören, der sich herauszubilden versucht; wir werden
keine Machtanhäufung hinter dem Rücken des Volkes zulassen, wie dies in
Nicaragua geschehen ist. Ich bin durch die Vorschläge schockiert, die ich
manchmal höre, wenn ich vor dem Kongreß aussage, wonach wir nämlich - nachdem wir gesehen haben, wie diese Leute mit Gewalt versuchen, die Abhaltung
von Wahlen zu verhindern - zulassen sollten, daß diese Leute mit Gewalt und
mit unserer Zustimmung mit Hilfe der Gewehre an die Regierung kommen. Das
kommt nicht in Frage! Wir werden solche Aktivitäten nicht unterstützen.
Wir werden El Salvador dabei helfen, die persönliche Sicherheit der
Kandidaten und ihrer Anhänger zu gewährleisten, Zwang und Einschüchterung
zu verhindern und dazu beitragen, den Zugang zu den Medien und eine ehrliche
Auszählung sowie - schließlich - die Achtung vor der Entscheidung des Volkes
sichern zu helfen.
Lassen Sie
- 10 -

�Lassen Sie mich einen Augenblick auf das zutiefst beunruhigende Problem
des ineffizienten Systems der
Hier muß vieles besser werden.

Strafverfolgung von El Salvador zurückkommen.
Die Gerichte müssen ihre Fälle innerhalb einer

vernünftigen Frist zu einem unparteiischen Abschluß bringen.
dies ihnen gegenüber eindeutig klarstellen.

Und wir müssen

Ich darf mitteilen, daß Justiz-

minister Bill Smith heute in El Salvador ist, und eine Gruppe von Juristen
dort war, und daß wir alles versuchen, um in dieser Hinsicht behilflich zu
sein.
Lassen Sie mich nun auf Nicaragua zu sprechen kommen.
Immer mehr Nicaraguaner kommen zu dem Schluß, daß sie in ihrem Kampf
um die Demokratie betrogen worden sind.

Der große Held der Revolution gegen

Somoza, Eden Pastora, der als "Commandante Zero" die Machtübernahme in der Nationalversammlung Somozas 1978 anführte, befindet sich heute im Exil.

Des-

gleichen Alfonso Robelo, eines der wichtigsten Mitglieder der regierenden
Junta, die Somozas Platz einnahm.

Außerdem Brooklyn Rivera, der Führer der

Miskito-Indianer; und schließlich Adolfo Calero, Geschäftsmann und SomozaGegner, der drei Jahre lang versuchte, in Nicaragua die Rolle der "loyalen
Opposition" zu spielen.

Sie und Tausende anderer innerhalb und außerhalb

Nicaraguas sind Zeuge dafür, daß das, was als eine außergewöhnliche nationale
Koalition gegen Somoza begann, unter der Manipulation einer Handvoll von Ideologen, unterstützt durch Militärberater aus Kuba und aus dem Sowjetblock, zusammengebrochen und verkümmert ist.
Aber es gibt eine Antwort auf die Probleme Nicaraguas.
El Salvador ist es eine politische Antwort.

Und wie bei

Im vergangenen Oktober forderten

acht demokratische Staaten der Region in San Jose, Costa Rica, Nicaragua auf,
den friedlichen demokratischen Gruppierungen ebenfalls

Handlungsfreiheit

zu gewähren und dadurch zu einem Ende der Guerillagewalt über die Grenzen
hinweg sowie zu einem Einfrieren des Anwachsens der militärischen Arsenale
zu gelangen.

Wie Präsident Reagan gesagt hat, unterstützen wir solche Ver-

bindungen, um die Demokratie zu stärken, der Subversion Einhalt zu gebieten,

- 11 -

�zu gebieten, den Waffenstrom zu stoppen, die Grenzen zu respektieren und
alle ausländischen Militärberater - die sowjetischen, die kubanischen,

die

ostdeutschen, die der PLO genau wie unsere eigenen - aus dieser Region entfernt zu sehen.

Die Annahme der Vorschläge von San Jose brächte eine Verrin-

gerung der Ost-West-Spannungen in Mittelamerika und würde zu einer regionalen
politischen Lösung führen.
Leider hat sich Nicaragua bislang geweigert, auch nur über diese Grundsätze zu sprechen -

genau wie es vorher unsere eigenen Anstrengungen unter-

graben hat, eine bilaterale Vereinbarung zu erreichen, durch die die beiderseitigen Besorgnisse hätten angesprochen werden können.
Unsere Verpflichtung zu Frieden und Demokratie in Mittelamerika ist
natürlich nicht nur auf El Salvador und Nicaragua begrenzt- Genau wie wir
haben auch Costa Rica und Honduras noch nicht die Hoffnung aufgegeben, daß
Nicaragua zu den Grundsätzen von Demokratie und Frieden zurückfindet, für die
sein Volk 1979 gekämpft hat. Aber als Nicaraguas unmittelbare Nachbarn erfahren sie ganz unmittelbar die Auswirkungen der Militarisierung und der zunehmenden inneren Unruhe in Nicaragua. Derzeit leben 6000 Nicaraguaner im Exil
in Costa Rica. In Honduras nimmt der Zustrom von Flüchtlingen aus Nicaragua
weiter zu. Allein im vorigen Jahr flohen etwa 15 000 Miskito-Indianer nach
Honduras, um der erzwungenen Umsiedlung durch die nicaraguanische Regierung
zu entgehen.
Bis eine friedliche Lösung gefunden ist, müssen wir Honduras und Costa
Rica auch weiterhin unterstützen. Beides sind demokratische Staaten. Beide
werden wirtschaftlich schwer durch die regionalen Unruhen und durch die weltweite Rezession getroffen. Und beide sind dem von Nicaragua aus gelenkten
Terrorismus ausgesetzt. Wir wollen diese Demokratien stärken und ihnen dabei
helfen, ihren Völkern auch inmitten der Krise dieser Region Stabilität und
Hoffnung zu bieten.
Es kann in Mittelamerika nicht über Nacht zu demokratischen Verhältnissen
kommen.

Und es kann nicht ohne anhaltende amerikanische Unterstützung zu
- 12 -

�Unterstützung zu einer Demokratie kommen. Zur Unterstützung unserer Zielsetzungen in Mittelamerika - Demokratie, Entwicklung, Gerechtigkeit und Sicherheit, um sie möglich zu machen - hat der Kongreß eine beträchtliche Wirtschaftshilfe genehmigt. Allerdings hält

die Kontroverse über militärische Hilfe für

El Salvador an - für das Land, dem im wahrsten Sinn des Wortes die Pistole auf
die Brust gesetzt wird.
Die Sicherheitshilfe, um die wir ersuchen, soll eine disziplinierte,
gutausgebildete Streitmacht erstellen helfen, die als Schild für Demokratisierung und Entwicklung dient. Wir planen keine Amerikanisierung der Kämpfe
und wir beabsichtigen nicht, moderne schwere Waffen - wie etwa Nicaraguas
sowjetische Panzer - nach El Salvador zu schicken. Wir werden den Streitkräften El Salvadors dabei helfen, ihre Mobilität zu erhöhen und im notwendigen Umfang Munition, Ersatzteile, technische Ausrüstungen und Material der
medizinischen Versorgung zu beschaffen. Aber unsere Hauptbetonung liegt auf
einer umfassenderen Ausbildung für die salvadorianischen Soldaten. Wie ich
bereits erwähnt habe, hat nur jeder zehnte Soldat unsere Ausbildung erhalten.
Diejenigen, die eine solche erhielten, erbringen eine bessere Leistung; wenn
wir also das Ausbildungsniveau verbessern, können wir auch erwarten, daß die
Leistung steigt.
Zeit ist ein wichtiger Faktor.

Um mit Senator Henry Jackson zu sprechen:

"Wenn die Wahlurnen frei und offen zugänglich sein sollen, dann muß es einen
Schutzschild geben, hinter dem das Volk an den Wahlen teilnehmen kann."
Ob wir in der Lage sein werden, diesen Schutz rechtzeitig zu stellen,
hängt vom Kongreß ab. Inmitten eines Krieges hat der Kongreß die Sicherheitshilfe auf einen Umfang beschnitten, der um zwei Drittel unter dem des vorausgegangenen Haushaltsjahres liegt. So sieht es also aus: Da steht die Armee,
sie kämpft, und plötzlich geht der Zufluß dessen, was sie zum Kämpfen braucht,
um zwei Drittel zurück. Und dann wird gesagt: "Warum ist diese Armee nicht
besser?" So etwas ist ein furchtbarer Schlag.
Die Administration
- 13 -

�Die Administration versucht, diese Mittel wieder zur Vergügung zu stellen.

Das Volk von El Salvador braucht das Vertrauen, daß wir bis zum Ende

des Kampfes zu ihm stehen, weil sonst die Hoffnung auf Demokratie nicht überleben könnte.
Lassen Sie mich zusammenfassend wiederholen, daß es für uns viele Gründe
gibt, uns darum zu sorgen, was in Mittelamerika geschieht.
Einer ist strategischer Natur.

Und wir sollten uns hieran erinnern.

Was in Mittelamerika geschieht, könnte unsere eigene Sicherheit und die unserer Freunde überall im Karibischen Becken gefährden - von Mexiko bis zum
Panamakanal.
Ein gleichwichtiger Grund ist moralischer Natur. Wie können wir im
Namen der Menschenrechte unsere Nachbarn der brutalen militärischen Machtübernahme durch eine totalitäre Minderheit überlassen? Wenn unser Anliegen die
Freiheit ist: Wird ein kommunistischer Sieg sie bringen? Wenn unser Anliegen
eine faire Rechtsprechung ist: Wird ein kommunistisches Regime eine solche
bringen? Wenn wir uns um die Armut sorgen: Wird ein kommunistisches Wirtschaftssystem Wohlstand bringen?
Das amerikanische Volk und seine gewählten Vertreter stehen vor einer
schwierigen Wahl. Es ist leicht, den Demagogen zu spielen und es ist verlockend, harte Entscheidungen zu vermeiden. Aber wenn wir uns an dieser Herausforderung vorbeidrücken, werden wir nicht nur all jene in Mittelamerika
im Stich gelassen haben, die sich nach Demokratie sehnen, sondern wir werden
uns selbst verraten haben. Wir können nicht nur im abstrakten Sinn für Freiheit und Menschenrechte sein. Wenn unsere Ideale einen Sinn haben sollen,
dann müssen wir sie verteidigen, wenn sie bedroht sind.
Stellen wir uns unserer Verantwortung.
+ + + + +

- 14 -

�18

27. April 1983

DIE SOWJETISCHE STRATEGIE IN EUROPA
- Von Fritz W. Ermarth •

Fritz Ermarth ist Experte für Verteidigungsfragen und ehemaliger Mitarbeiter
des Nationalen Sicherheitsrates der USA.

(AD) - Warum hat die Sowjetunion die gewaltige Militärmacht aufgebaut,
die sich in Europa von der Elbe bis weit hinter Moskau und von der Arktis bis
zur Türkei und dem Kaukasus erstreckt?

Was beabsichtigt sie mit dieser Darstel

lung ihrer militärischen Macht, die so viele Male größer ist als die Armee
Hitlers, die im Jahr 1941 in Rußland einfiel?

Was auch immer die Absicht ist,

für die Männer, die in Moskau die Entscheidungen treffen, muß sie überaus wichtig sein.

Denn die Sowjetunion ist ein armes Land und könnte gut und gern die

enormen Mittel, die sie in ihrer Militärmaschinerie in Europa steckt, für andere Ziele und Zwecke verwenden.
tärische Probleme:

Darüber hinaus hat Moskau noch weitere mili-

Die Sowjetunion sieht sich einem feindlich eingestellten

China sowie ihrem hauptsächlichen strategischen Nukleargegner, den Vereinigten
Staaten, jenseits des Nordpols und der Ozeane gegenüber.

Und doch ist der An-

teil ihrer militärischen Anstrengung, der gegen den alten Kontinent Europa ge-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Europa gerichtet ist - nukleare und konventionelle Streitkräfte, Armeen, Luftstreitkräfte und Marine - bei weitem der größte.
Werden all diese Streitkräfte in erster Linie benötigt, um die Sowjetunion gegen eine Invasion aus dem Westen zu verteidigen?

Eine solche Kapazität

haben sie natürlich. Aber diese Verteidigungskapazität ist ohne Frage nebensächlich und zweitrangig gegenüber dem wahren Ziel dieser militärischen Macht.
Die sowjetischen Politiker sind pragmatische Leute.

Sie wissen, daß die NATO

militärisch zu schwach ist, um realistische Offensivoperationen gegen den
Warschauer Pakt zu führen.

Im übrigen wäre es den sowjetischen Marschällen -

hätten sie einen entsprechenden Befehl erhalten - nicht schwergefallen, eine
hauptsächlich defensive militärische Position in Europa aufzubauen, die für
den Westen weit weniger beängstigend wäre, die die sowjetische Wirtschaft weit
billiger unterhalten könnte und die gegen einen westlichen Angriff absolut wirksam wäre.
Dient die sowjetische Militärmacht in Europa in erster Linie der Kontrolle
der unruhigen Bevölkerung Osteuropas und dazu, deren unpopuläre Herrscher an
der Macht zu halten? Auch dieses Ziel ist nur zweitrangig, ist Nebenwirkung
der sowjetischen Militärmacht, nicht aber Hauptziel. Was haben SS-20-Raketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen, gewaltige Luftflotten taktischer Jagdbomber und
große offensive Panzerdivisionen damit zu tun, Leute wie Lech Walesa in ihre
Schranken zu weisen? Nein, wäre die politische Kontrolle Osteuropas das Hauptziel, dann hätten die sowjetischen Marschälle eine ganz andere, ganz anders
dislozierte und viel billigere militärische Position in Europa aufgebaut.
Und zur weiteren Erleichterung ihrer Aufgabe hätten sie die Armeen ihrer osteuropäischen Satelliten nur mit Polizeiwaffen ausgerüstet statt mit Panzern,
Artillerie und Flugzeugen, den Hilfsmitteln einer generell offensiv ausgelegten Position.
Vielleicht wollen die Sowjets nur, daß ihre militärische Position ein
sichtbares Gegengewicht zur amerikanischen Militärmacht in Europa bildet, um
damit der Welt den Eindruck zu vermitteln, daß die UdSSR eine den Vereinigten
Staaten gleichwertige Supermacht ist. Wenn dem so wäre, warum haben die
- 2 -

�haben die Sowjets darauf bestanden, so viel mehr von jeder Art militari scher
Kapazität zu dislozieren,als die Vereinigten Staaten und die NATO zusammen in
Europa besitzen - mehr Soldaten unter Waffen, mehr Divisionen, mehr Panzer,
mehr Geschütze, mehr taktische und strategische Flugzeuge, mehr Raketen, mehr
Kernwaffen - alle von durchaus vergleichbarer technischer Qualität und ohne
Frage nicht als Aushängeschild gedacht.

In einigen Fällen, wie etwa bei Pan-

zern, die für offensive Operationen heute so wichtig sind, sind die Sowjets
und ihre Verbündeten der NATO zahlrenmäßig um ein Vielfaches überlegen.
Haben die Sowjets diese gewaltige Militärmaschinerie aufgebaut, um in
Westeuropa einzumarschieren und es zu erobern?

Vom rein militärischen Stand-

punkt aus gesehen ist die Antwort "Ja". Die Invasion und die Eroberung Westeuropas ist genau das, wofür die sowjetischen Streitkräfte aufgebaut, ausgebildet und disloziert worden sind.

Wenn man alle Fakten sorgsam militärisch

analysiert, kann man zu keinem anderen Schluß kommen.
Die Position der sowjetischen Streitkräfte in Europa ist darauf angelegt und ausgerüstet, rasche und weitreichende offensive Operationen durchzuführen. Die taktischen Luftstreitkräfte der Sowjets sind darauf ausgerichtet,
die Luftverteidigung der NATO auszuschalten und die Dislozierungen der NATO in
den ersten Stunden eines Angriffs unmöglich zu machen. Gemischt bewaffnete
Armeen von Panzerdivisionen und gepanzerten Infanteriedivisionen, unterstützt
von massiver Artillerie, um die Panzerabwehr der NATO auszuschalten, sind
darauf ausgerichtet, die Front der NATO zu durchbrechen und große Vormarschwege zu öffnen. Schnelle, bewegliche operative Eingreifgruppen in Divisionsstärke sind dafür ausgebildet, durch Lücken in der Vorneverteidigung zu brechen und tief in den rückwärtigen Raum der NATO einzudringen, um die Logistik der NATO und ihre Versuche zu stören, eine Verteidigung aus der Tiefe
aufzubauen.
Die Fähigkeit der sowjetischen Streitkräfte, allein schon mit konventionellen Waffen offensive Operationen durchzuführen, ist gewaltig.

Dazu

kommt jedoch die tiefgestaffelte Nuklearkapazität der Sowjets vom Gefechts-

- 3 -

�vom Gefechtsfeld bis in das Zentrum Rußlands, um, wenn möglich, vor einem
Versuch der NATO abzuschrecken, eine konventionelle Offensive durch den Einsatz von Kernwaffen zu stoppen und, wenn notwendig, einen solchen Versuch
der NATO durch einen massiven sowjetischen Präventivschlag mit Kernwaffen
gegen ein breites Spektrum von Zielen in Westeuropa niederzuschlagen.
Die militärische Doktrin und die Manöver der Sowjets in Europa legen
eindeutig den Nachdruck auf rasche Offensivoperationen, die auf entscheidende
Siege östlich, aber auch westlich des Rheins bis zum Atlantik abzielen.
Sowjetische Übungen sehen nach ersten Durchbrüchen einen Vormarsch der Streitkräfte in einem Tempo von bis zu 100 km pro Tag, ständigen Tag- und Nachteinsatz, zahlreiche Flußüberquerungen von Ost nach West und insgesamt ein Angriffstempo vor, das so schnell wäre, daß die Fähigkeit der NATO, eine Verteidigung

aufzubauen, zusammenbrechen würde. Nach der sowjetischen Doktrin

würde der Einsatz von chemischen Waffen und Kernwaffen auf dem Gefechtsfeld
zwar sehr zerstörerisch sein, aber doch am ehesten der offensiven Seite der
Sowjets nützen, die für einen Kampf unter solchen Bedingungen besser ausgerüstet ist.
Aber wie steht es denn mit der Verpflichtung der

Vereinigten Staaten,

als NATO-Mitglied und führende Nation des Bündnisses, ihre interkontinentalen
und Mittelstrecken-Kernwaffen so früh wie notwendig einzusetzen, um die UdSSR
zu zerstören, die eine Aggression gegen Europa entfesselt hat?
Diese Gefahr und ihre abschreckende Wirkung kann durch keine noch so
große Zahl von Panzern und kluge Planung der sowjetischen Seite ausgeschaltet
werden. Aber die Aufrüstung der UdSSR an eigenen interkontinentalen Nuklearstreitkräften mit Interkontinentalraketen und unterseebootgesützten Raketen
dient der Absicht der Sowjets, diese Gefahr auf immer in Schach zu halten,
oder zumindest so lange, bis die sowjetischen Armeen so weit vorgerückt sind,
daß weder eine der europäischen Regierungen, einschließlich jener mit eigenen
Nuklearstreitkräften, noch der amerikanischen Präsident einen Sinn darin sähen,
eine nukleare Katastrophe wegen eines Europa herbeizuführen, das bereits den
sowjetischen Waffen erlegen ist.
Dies zur
- 4 -

�Dies zur militärischen Seite der sowjetischen Strategie. Aber wie sieht
es mit der politischen Seite aus?

Sollen wir davon ausgehen, daß die Sowjets

planen, eines Tages einen Angriffskrieg gegen die NATO

zu entfesseln, wenn

die Computer ihres Generalstabs berechnen, die Situation sei reif?
nicht ihre Absicht ist, was wir

Wenn dies

sicherlich hoffen, warum dann diese so teure

und so destabilisierende militärische Offensivkapazitöt, deren Existenz es den
NATO-Ländern sehr schwer macht, an die Möglichkeit eines Verhältnisses echter
Entspannung und Kooperation mit dem Osten zu glauben?

Um diese Frage zu beant-

worten, bedarf es einer subtileren politischen Analyse.
Eine solche Analyse wurde uns schon oft von ernstzunehmenden Kennern
der Sowjetunion gegeben. Zu den beredtsten und überzeugendsten gehört die
eines Russen und echten Europäers, eines früheren Mitglieds des sowjetischen
Establishments, der es vorgezogen

hat, heute im Westen zu leben:

Michael S.

Voslenski, der Autor des Buches "Nomenklatura" (Die herrschende Klasse in der
Sowjetunion).

Er erinnert uns daran, daß die UdSSR von einer geschlossenen

Elitegruppe beherrscht wird, die eine herrschende Klasse in jedem Sinne des
Wortes ist, wie es Marx benutzt hat.

Diese Klasse, die Nomenklatura-Klasse,

besitzt die Produktionsmittel, beutet die Arbeiterklasse aus und kontrolliert
jeden relevanten Aspekt des sowjetischen Lebens - nicht um des wirtschaftlichen
Profits im üblichen Sinne willen, sondern um die eigene Macht und die eigenen
Privilegien auszuweiten.

In der UdSSR und im Sowjetblock strebt diese herr-

schende Klasse nach totaler Macht und betrachtet jede alternative Machtquelle
als eine tödliche Bedrohung des eigenen Fortbestandes.

Die herrschende Klasse

der politischen Bürokraten in der Sowjetunion betrachtet die Außenwelt in
gleicher Weise. Und daher strebt sie geduldig und stetig danach, ihre Macht
über die Außenwelt auszudehnen, wo immer sie das zu einem annehmbaren Risiko
tun kann.
Westeuropa stellt eine besonders schwere Herausforderung und Gefahr für
die herrschende Klasse in der Sowjetunion dar.

Kulturell, historisch und

ethnisch steht Westeuropa vielen der von Moskau beherrschten Völkern nahe.
Allein

schon durch seine Existenz demonstriert das freie Europa erfolgreich,

- 5 -

�Europa erfolgreich, daß Demokratie und Freiheit wirtschaftlichen Wohlstand
und Sicherheit hervorbringen können, und stellt damit eine Bedrohung der
Existenz der herrschenden Klasse in der Sowjetunion dar.

Wenn diese Klasse

überleben will, dann muß sie früher oder später Europa unterjochen - eine
Oberzeugung, die in Moskau seit Lenins Tagen bis heute vertreten wird.
Moskau besitzt jedoch keine wirtschaftliche,
ja nicht einmal diplomatische

ideologische,

Werkzeuge, um dieses Ziel zu erreichen, obwohl

diese Werkzeuge als Hilfsmittel angewandt werden.
zeug

kulturelle,

Das einzige wirkliche Werk-

für die Unterjochung Westeuropas zu vertretbaren Kosten ist die poli-

tische Einschüchterung, gestützt auf militärische Bedrohung.

Durch ihre ge-

waltige Aufrüstung - unterstützt durch Propaganda und Diplomatie - versuchen
die Sowjets, Verhältnisse zu schaffen, unter denen sich die Westeuropäer verpflichtet fühlen, erstens

alle Schritte zu vermeiden, die die westliche Sicher-

heit erhöhen und damit Moskau vor den Kopf stoßen würden, wie etwa die Verbesserung der nuklearen und konventionellen Streitkräfte der NATO; zweitens,
ihre Außenpolitik nach sowjetischen Wünschen auszurichten und drittens, ihre
Innenpolitik nach den Erfordernissen der herrschenden Klasse in der Sowjetunion zu gestalten.

Jenseits aller Nuancen und scharfsinnigen Analysen gibt

dies im wesentlichen die sowjetische Strategie
beschreiben, ist der Begriff "Finnlandisierung"

in Europa wieder. Um sie zu
benutzt worden.

Der Begriff

ist unzureichend, denn Finnland, das gezwungen ist, die Wünsche Moskaus bis
zu einem gewissen Grad zu erfüllen, kann noch immer seine Freiheit schützen,
weil weiterhin ein freies und mächtiges Europa, verbündet mit Amerika, existiert.
Wenn Europa in den Bann der Sowjetunion geraten sollte, dann würde sich der
Begriff Finnlandisierung wie ein anachronistischer Witz anhören.
Muß sich Westeuropa dem
Schicksal unterwerfen?

ihm

von der sowjetischen Strategie vorgesehenen

Das braucht es keineswegs.

Die Sowjets wissen, daß

neben ihrer großen militärischen Macht ihr größter Pluspunkt die öffentliche
Meinung im Westen ist, die entweder nicht genug weiß, um die Notwendigkeit des
Widerstandes gegen die sowjetische Macht zu erkennen, oder zu viel Angst hat,
die günstigen Aussichten eines solchen Widerstands zu begreifen.

Wie Voslenski,

Solschenizyn und viele andere, die die herrschende Klasse der Sowjetunion aus
- 6

�Sowjetunion aus eigener Erfahrung kennen, immer wieder sagen, wollen die
sowjetischen Machthaber den Sieg ohne Krieg.

Sie benehmen sich vorsichtig,

manchmal sogar feige, gegenüber jenen, die ihrem Druck mit ruhigem Mut und
ausreichender Stärke widerstehen.
Es ist keine Frage, daß es sich die NATO politisch und wirtschaftlich
leisten kann, militärische Verhältnisse zu schaffen, die sie gegen die
sowjetische Taktik des Crucks schützen können.

Die NATO kann ohne weiteres

modernisieren und kann damit praktisch die Nuklearstreitkräfte verringern,
die sie braucht, um der nuklearen Erpressung durch die Sowjets zu widerstehen.
Gleichzeitig kann die NATO durch den Einsatz neuer Technologien und einfallsreiche militärische Taktiken ihre konventionellen Streitkräfte stärken, um
sich gegen sowjetische Panzerarmeen und Luftflotten zu verteidigen.
für

seine militärische Sicherheit sorgt und auch eine politische

Indem er
und mora-

lische Standhaftigkeit zeigt, die die übelsten Manifestationen der sowjetischen
Macht in Osteuropa verurteilt, kann der Westen gleichzeitig die politische Entschlossenheit an den

Tag legen, die so wichtig ist, um dem sowjetischen Druck

zu widerstehen und den Weg für eine echte Entspannung bereiten.
Der Westen möchte eine Situation herbeiführen, in der das folgende Gespräch im Kreml stattfinden könnte:
Generalsekretär Andropow wendet sich seinem Verteidigungsminister Ustinow
zu und fragt:
"Können wir darauf vertrauen, die NATO in einem raschen, begrenzten
Konflikt zu besiegen?"
Ustinow antwortet:

"Leider nein".

Dann wendet sich Andropow seinem Außenminister Gromyko zu und fragt:
"Können wir

�"Können wir denn die Westeuropäer und die Amerikaner so verängstigen
oder verwirren, daß sie ihr Bündnis
Und Gromyko antwortet:

vielleicht stufenweise aufgeben?"

"Leider ist genau das

Darauf sagt Andropow abschließend:

Gegenteil der Fall."

"Wenn dem so ist, dann sollten wir

vielleicht eine Politik versuchen, die echte Entspannung und Rüstungskontrolle
anstrebt."
Die Bedingungen für ein solches Gespräch im Kreml sind derzeit nicht
ideal.

Aber wir haben noch Zeit und Gelegenheit, sie zu schaffen.

Freiheit und der Frieden selbst hängen davon ab, daß wir

- 8 -

Unsere

es rasch tun.

�27. April 1983

SIMULATORPROGRAMME FÜR TDRS-BAHNKORREKTUR
- Rettungsaktion schwieriger als zunächst angenommen -

- (AD) - Alle Antennen und nachrichtentechnische

Systeme des von der

Raumfähre CHALLENGER abgesetzten TDRS-Satelliten funktionieren gut.

Aber

die Möglichkeiten zum Einsteuern des Geräts auf seinen vorgesehenen Standort in 36 000 km Höhe über der Nordostspitze Brasiliens beurteilt jetzt das
US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) mit "vorsichtigem Optimismus".

Denn

bei dem gestörten Ablauf von Zünden und Absprengen der fast 15 Tonnen schweren
Haupttriebwerke des Nachrichtensatelliten scheinen,

so vermuten Ingenieure

und Techniker der NASA, einige Steuerungsdüsen an der Unterseite beschädigt
worden zu sein.
Mit Hilfe dieser Steuerungsdüsen, die normalerweise nur für Bahnkorrekturen und Standortveränderungen im Orbit während der mehrjährigen Betriebsdauer dienen, sollte TDRS, mit 2,2 Tonnen Masse der bisher schwerste und größte Nachrichtensatellit für die Parkbahn 36 000 km über der Erde, den restlichen
Teil des Aufstiegs überwinden.

Noch immer befindet er sich infolge der Fehl-

funktionen des eigenen Antriebssystems in der elliptischen Übergangsbahn zum
sogenannten geostationären Orbit, in dem die Umlaufgeschwindigkeit eines
Satelliten auf einer kreisförmigen Bahn der Rotationsgeschwindigkeit der Erde

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Erde entspricht.

Deshalb scheint er, von der Erdoberfläche aus gesehen,

am Himmel stillzustehen.

In einer solchen Position "übersieht" er etwa ein

Drittel der gesamten Erdoberfläche und ist umgekehrt auch aus einer so großen
Region ansprechbar.
Für das bemannte wie unbemannte Raumfahrtprogramm der
Staaten haben die auf bestimmten

Vereinigten

Positionen über dem Äquator stehenden be-

sonders leistungsfähigen"Relaisstationen" aus der neuen TDRS-Serie den Vorteil,
mit dem Raumtransporter und seiner Besatzung und mit bis zu 40 unbemannten
Satelliten (davon 26 gleichzeitig) ständig Verbindung halten zu können. Die
Funkverbindung war bisher nur im "Sichtbereich" der rund um die Erde verteilten
Bodenstationen möglich.

Für die Raumtransporter-Besatzung bedeutete dies nur

einen Anteil von 15 Prozent der für eine Erdumkreisung benötigten Zeit.
Von besonderer Bedeutung ist das TDRS-System beim Einsatz der Raumfähre in Verbindung mit dem Europäischen Weltraumlabor SPACELAB ab September
1983. Die dabei anfallende Datenflut wäre nach dem "alten" System gar nicht
zu bewältigen. Deshalb soll im August TDRS-2 mit CHALLENGER (STS-8), ein paar
Monate später noch ein drittes Gerät zur Reserve gestartet werden.
Die US-Luftstreitkräfte, auf deren Initiative das Antriebssystem für den
TDRS-Satelliten entwickelt wurde, haben jetzt gemeinsam mit der NASA eine
Kommission zur Untersuchung der Panne und Ermittlung der Schäden an TDRS
gebildet. Seinen Bericht über die möglichen Funktionsstörungen bei der
"Inertial Upper Stage" (IUS) wird der sechsköpfige Expertenausschuß in etwa
einem Monat vorlegen können. Gleichzeitig arbeiten Ingenieure und Wissenschaftler bei TRW Systems, der Herstellerfirma des TDRS-Satelliten, Computerprogramme für Simulatorversuche aus, um die gegenwärtig beobachteten Bewegungen des 100 Millionen Dollar teuren TDRS-Geräts im Weltraum besser zu
verstehen und um schließlich seine Bahn doch noch korrigieren zu können.
Darüber können noch gut drei Wochen vergehen.
TDRS ist

�TDRS ist mit 24 Steuerungsdlisen versehen, als Treibstoff dient Hydrazin.
Mit acht an den Seiten des Satellitenkörpers angebrachten Düsen wird er in der
Nord-Siidrichtung gesteuert.

Die übrigen 16 Düsen regeln die Seiten-» die Höhen-

und die Richtungsstabilität. Zwei der für

die Steuerung der Seitenstabilität

wichtigen Düsen, die an der Unterseite angebracht sind, scheinen während des
Absprengens des IUS-Systems beschädigt worden zu sein. Jetzt geht es darum,
Bewegungsimpulse durch Zünden der noch funktionsfähigen Düsen genau zu ermitteln und ihre Gesamtwirkungen zu berechnen.

+ + + + +

- 3

�Wi//en/ch&lt;ift
und Technik

»

United States Information Service
Embassy of the United States of America

18

27. April 1983

NEUARTIGES

ANTRIEBSAGGREGAT FÜR RAUMTRANSPORTER-NUTZLASTEN

- (AD) - Das amerikanische Privatunternehmer) "Orbital Systems Corporation"
entwickelt ein Antriebssystem für Nutzlasten, die von der Raumfähre im Weltraum
abgesetzt werden und höhere Umlaufbahnen erreichen sollen. Die neue "Transfer
Orbit Stage" (TOS - Transferstufe für die Beförderung einer Nutzlast in die für
sie vorgesehene Umlaufbahn) soll ab 1986 einsatzfähig sein. Dies sieht das
jetzt vom US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) mit der Firma unterzeichnete
Abkommen vor. Wie dazu Generalmajor James A. Abrahamson, der Leiter des Raumtransporterprogramms der NASA, erklärte, werde damit das von der NASA aus Bundesmitteln finanzierte TOS-Programm beendet. Die Aktion sei ein Beispiel für
die Bestrebungen der US-Regierung, die Privatwirtschaft zu ermutigen, sich bei
lohnenden Raumfahrtprojekten stärker als bisher zu engagieren.
TOS bedeutet eine Erweiterung der Angebotsbreite für den Einsatz von
Nutzlasten privater Firmen oder von Regierungen im Zusammenhang mit den Raumtransporterflügen.

Gegenwärtig

lasten zur Verfügung.

stehen der NASA zwei Antriebssysteme für Nutz-

Das eine sind "Payload Assist Modules" (PAM), wie sie

für die Weiterbeförderung des kanadischen Nachrichtensatelliten ANIK
amerikanischen privaten Nachrichtensatelliten SBS in einen
Orbit im November 1982 verwendet

und des

geostationären

wurden, nachdem die Raumfähre COLUMBIA

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Telex: 8-85432

�Raumfähre COLUMBIA die Satelliten auf ihrer Umlaufbahn abgesetzt hatte.
Das andere ist das zweistufige IUS-System, mit dem die TDRS-Satelliten ausgestattet sind.
Mit dem PAM-System läßt sich aus der Umlaufbahn der Raumfähre eine Masse
bis zu 990 kg auf eine geostationäre Bahn bringen, Kostenpunkt:

18 000 Dollar

pro Kilogramm, d.h. 17,82 Millionen Dollar für die Antriebs- und Einsteuerungsausrüstung.

Im Vergleich dazu vermag die Europa-Rekate ARIANE bis zu 945 kg

schwere Nutzlasten

bei einem Kostenaufwand von ca. 15,1 Millionen Dollar,

d.h. 16 000 Dollar pro Kilogramm Masse, zu transportieren. TOS wird in der
Lage sein, Massen bis zu 3060 kg aus dem Shuttle-Orbit auf eine geostationäre
Bahn zu bringen (Kostenpunkt: 12 000 Dollar pro Kilogramm Masse, Gesamtkosten
36,7 Millionen Dollar).

TOS ist außerdem in Verbindung mit der

neuen Version

der TITAN 34D-Trägerrakete einsetzbar, die jedoch, ebenso wie ARIANE, im Gegensatz zum Raumtransporter nicht wiederverwendbar ist, also zu den sog. Verlustgeräten zählt.

+ + + + +

- 2 -

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4. Mai 1983

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan fordert Unterstützung seiner Mittelamerikapolitik
- Rede des Präsidenten vor dem US-Kongreß Burt:

Sowjetunion braucht Anreiz für Verhandlungen

- Rede des US-Unterstaatssekretärs in Hamburg -

WIRTSCHAFT
Der Welthandel und die internationalen Finanzen
- Ein Interview mit dem Sonderbeauftragten Präsident Reagans
für Handelsverhandlungen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Mechanische Ohren lauschen ins All
- Natürliches oder künstliches Radiosignal? Verbesserte
Apparaturen sollen Unterscheidung ermöglichen -

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�19

4. Mai 1983

REAGAN FORDERT UNTERSTÜTZUNG SEINER MITTELAMERIKAPOLITIK
- Rede des Präsidenten vor dem US-Kongreß •

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 27. April 1983 in
einer Ansprache vor beiden Häusern des amerikanischen Kongresses die Unterstützung seiner Mittel amerikapolitik gefordert.

In der Rede, die vom amerika-

nischen Fernsehen übertragen wurde, betonte Reagan, es gehe um die Sicherheit
ganz Amerikas.

Wenn Mittelamerika falle, hätte das ernste Konsequenzen für

die Stellung der Vereinigten Staaten in der Welt.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
In den letzten Jahren sind mehrmals die Mitglieder des Kongresses und
ein Präsident so zusammengekommen, um eine Krise zu lösen. Ich habe um dieses Zusammentreffen heute gebeten in der Hoffnung, daß wir eine Krise verhüten
können.
Es wäre sicherlich schwer, viele Amerikaner zu finden, die sich nicht bewußt sind, um was es im Nahen Osten, im Persischen Golf oder an der NATO-Linie geht, die die freie Welt vom kommunistischen Block trennt.

Und das könnte

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�Und das könnte man auch bezüglich Asiens sagen.

Aber obwohl - oder viel-

leicht gerade weil - so viel von Ländern wie Nicaragua und El Salvador die
Rede ist und so konzertierte Propaganda getrieben wird, fällt es vielen von
uns schwer zu glauben, daß uns die Probleme im Zusammenhang mit diesen Ländern
etwas angehen.

Nur zu viele Menschen hier haben geglaubt, Mittelamerika liege

irgendwo weit unten hinter Mexiko und könne doch ganz sicherlich keine Bedrohung unseres eigenen Wohlergehens darstellen.
Darum habe ich um diese Sitzung des Kongresses gebeten.

Die Probleme

Mittelamerikas betreffen direkt die Sicherheit und das Wohlergehen unseres
eigenen Volkes.

Und Mittelamerika liegt viel näher bei den Vereinigten Staa-

ten als viele andere Unruheherde in der Welt, die uns beschäftigen.

Wenn wir

an der Wiederherstellung unserer eigenen Wirtschaft arbeiten, dann können wir
es uns nicht leisten, unsere Nachbarn im Süden aus den Augen zu verlieren.
El Salvador liegt näher bei Texas als Texas bei Massachusetts. Nicaragua
liegt so nahe bei Miami, San Antonio, San Diego und Tucson wie diese Städte
von Washington entfernt sind, wo wir heute zusammengekommen sind.
Aber die Nähe auf der Landkarte sagt überhaupt nichts über die strategische Bedeutung Mittelamerikas, das an die Karibik grenzt, unsere Lebensader zur Außenwelt. Zwei Drittel unseres Außenhandels und unseres Erdöls
passieren den Panamakanal und die Karibik. Im Falle einer Krise in Europa
würde mindestens die Hälfte unseres Nachschubs für die NATO auf dem Seewege
diese Gebiete passieren. Man sollte sich daran erinnern, daß Anfang 1942
eine Handvoll von Hitlers Unterseebooten hier mehr Tonnage versenkt hat als
im ganzen Atlantischen Ozean. Und sie tat das ohne einen einzigen Marinestützpunkt in dem ganzen Gebiet.
Heute ist die Situation anders. Kuba ist Aufnehmerland einer sowjetischen Kampfbrigade, eines Unterseebootstützpunktes, der in der Lage ist,
sowjetische Unterseeboote zu versorgen, und militärischer Luftstützpunkte,
die regelmäßig von sowjetischen Militärflugzeugen angeflogen werden.
Wegen seiner
- 2 -

�Wegen seiner Bedeutung ist das Karibische Becken ein Magnet für Abenteurer.

Wir wissen alle von den libyschen Frachtflugzeugen, die vor einigen

Tagen auf ihrem Flug nach Nicaragua - um medizinische Güter dorthin zu bringen - in Brasilien aufgetankt haben.

Die brasilianischen Behörden entdeck-

ten, daß es sich bei den sogenannten medizinischen Gütern in Wirklichkeit um
Munition handelte, und unterbanden ihre Auslieferung.

Sie mögen sich erin-

nern, daß ich, als ich vorigen Monat im Fernsehen sprach, die Luftaufnahme
eines Flugplatzes zeigte, der auf der Insel Grenada gebaut wird.

Wenn die-

ser Flugplatz fertig gewesen wäre, hätten diese Flugzeuge dort auftanken und
ihre Reise beenden können.
Wenn die Nazis im Zweiten Weltkrieg die Karibik und Mittelamerika als
von lebenswichtiger Bedeutung für unsere Interessen erkennen konnten, und
die Sowjets dies heute können, sollten wir das dann nicht auch erkennen?
Seit einigen Jahren haben die Vereinigten Staaten unter zwei Administrationen ihre Verteidigung der Freiheit im Karibischen Becken verstärkt.

Und

ich kann Ihnen heute abend sagen, daß die Demokratie in El Salvador Wurzeln
zu schlagen beginnt, das noch bis vor kurzem nur Diktatur kannte.

Die neue

Regierung beginnt, ihre Versprechen auf Demokratie, Reformen und freie Wahlen
zu erfüllen.

Es war nicht leicht, und es gab Widerstand gegen viele der ver-

suchten Reformen mit der Ermordung von Reformern.

Guerilla-Banden und Stadt-

terroristen wurden in einer weltweiten Propagandakampagne als Freiheitskämpfer dargestellt, die das Volk verträten.

Zehn Tage bevor ich mein Amt

antrat, startete die Guerilla ihre, wie sie es nannte, "Endoffensive", um
die Regierung zu stürzen.

Ihr Rundfunksender

rahlte, daß unsere neue Ad-

ministration zu spät käme, um ihren Sieg zu verhindern.

Sie haben erfahren,

daß die Demokratie nicht so leicht besiegt werden kann.
Präsident Carter zögerte nicht,
El Salvador.
kas.

Er bewilligte Waffen und Munition für

Die Guerilla-Offensive schlug fehl, nicht aber der Wille Ameri-

Jeder Präsident, der sein Amt ausübte, seit dieses Land globale Ver-

antwortungen übernommen hat, wußte, daß diese Verantwortungen nur erfüllt

- 3 -

�nur erfüllt werden konnten, wenn wir eine überparteiliche Außenpolitik verfolgten.
Wie ich eben gesagt habe, hält die Regierung von El Salvador ihre Versprechen, wie etwa das Landreformprogramm, durch das Tausende von Pächtern
zu Landbesitzern werden.

In etwas über drei Jahren wurden 20 Prozent des

landwirtschaftlich nutzbaren Landes in El Salvador an über 450 000 Menschen umverteilt; d.h. etwa einer von zehn Salvadorianern hat direkt von diesem Programm profitiert.
El Salvador hat seine Bestrebungen um die Schaffung einer geordneten
und demokratischen Gesellschaft fortgesetzt. Die Regierung hat freie Wahlen
zugesagt. Am 28. März 1982, vor etwas über einem Jahr, hat das leidende Volk
von El Salvador nach monatelangerr, Wahlkampf einer Vielfalt von Kandidaten
die Chance gehabt, zu wählen - die Art von Regierung zu wählen, die es wollte. Plötzlich wurden die sogenannten Friedenskämpfer in den Bergen als das
entlarvt, was sie wirklich sind - eine kleine Minderheit, die nach der Macht
für sich und ihre Hintermänner strebt, nicht nach Demokratie für das Volk.
Die Guerilla drohte jedem den Tod an, der zur Wahl ging. Sie zerstörte Hunderte von Bussen und Lastwagen, um die Menschen daran zu hindern, zu den Wahllokalen zu gelangen. Ihre Parole war brutal: "Wähle heute, stirb heute
abend". Aber am Wahltag trotzten überraschenderweise 80 Prozent der Wahlberechtigten allem Hinterhalt und Gewehrfeuer und gingen meilenweit, um die
Freiheit zu wählen.

Dem können wir niemals den Rücken kehren.

Mitglieder dieses Kongresses, die als Beobachter nach El Salvador reisten,
erzählten mir von einer Frau, die auf dem Weg zum Wahllokal durch Gewehrfeuer
verwundet wurde und sich weigerte, aus der wartenden Schlange herauszutreten
und ihre Wunde verbinden zu lassen, bevor sie gewählt hatte. Einer anderen
Frau wurde von Guerilleros gesagt, sie würde getötet, wenn sie von der Wahl
zurückkomme.

Sie sagte darauf zu den Guerilleros:

"Ihr könnt mich töten,

ihr könnt meine Familie töten, ihr könnt meine Nachbarn töten, aber ihr könnt
uns nicht alle töten". Als die wirklichen Friedenskämpfer von El Salvador

- 4 -

�El Salvador erwiesen sich die Menschen jenes Landes - die jungen, die alten
und alle anderen - über eine Million von ihnen aus einer Gesamtbevölkerung
von fünf Millionen.

Die Welt sollte diesen Mut anerkennen und nicht zulas-

sen, daß er geschmälert oder vergessen wird.

Hier kann ich nur noch einmal

guten Gewissens sagen, daß wir dem niemals den Rücken kehren können.
Die demokratischen politischen Parteien und Gruppierungen in El Salvador
kommen in dem gemeinsamen Ziel zusammen, eine politische Losung für die Probleme ihres Landes zu finden.

In diesem Jahr werden neue nationale Wahlen

abgehalten, die für alle politischen Parteien offenstehen.

Die Regierung

hat die Guerilla dazu eingeladen, an diesen Wahlen teilzunehmen und bereitet
derzeit ein Amnestiegesetz

vor.

Das Volk von El Salvador verdient seine

Freiheit, und es verdient zu seinem Schutz unsere moralische und materielle
Unterstützung.
Ja, noch gibt es große Probleme hinsichtlich der Menschenrechte, hinsichtlich des Systems der Rechtsprechung und hinsichtlich der Gewalt gegen
die Zivilbevölkerung.

Und wie das übrige Mittelamerika steht auch El Salvador

vor schwerwiegenden wirtschaftlichen Problemer'. Aber zusätzlich zum Problem
der Preise bei den wichtigsten landwirtschaftlichen Exporten, die durch die
Rezession gedrückt werden, kommt die Tatsache, daß El Salvadors Wirtschaft
mutwillig sabotiert wird.
Heute kann aufgrund der unbarmherzigen Guerillaangriffe in El Salvador
ein großer Teil des nutzbaren Bodens nicht mehr kultiviert werden; nur noch
weniger als die Hälfte der Eisenbahnwaggons kann noch eingesetzt werden;
Brücken, Wasserleitungen, Telefon- und Stromsysteme wurden zerstört oder beschädigt.

In einem Zeitraum von 22 Monaten gab es 5000 Unterbrechungen bei

der Stromversorgung.

Eine Region war vier Monate ohne Elektrizität.

Ich glaube, Außenminister Shultz hat es kürzlich sehr treffend ausgedrückt: "Da sie nicht in der Lage ist, die Loyalität des Volkes von El Salvador
auf freiwilliger Basis zu erringen, entzieht die Guerilla ihm absichtlich und
- 5 -

�absichtlich und systematisch Nahrungsmittel, Wasser, Transport, Elektrizität,
sanitäre Anlagen und Arbeit.

Das sind die Leute, die behaupten, ihr Ziel sei

Hilfe für das Volk."
Sie will keine Wahlen, denn sie weiß, daß sie dabei verlieren würde.
Aber die vorigen Wahlen haben gezeigt, daß der Wunsch des Volkes von El
Salvador nach Demokratie nicht besiegt werden kann.
Die Guerilla:

Das sind keine in Schlachtordnung aufgestellte Bauern,

mit Musketen ausgerüstet.

Es sind professionelle Leute, manchmal mit besserer

Ausbildung und mit besseren Waffen, als die Soldaten der Regierung sie haben.
Die Bataillone von El Salvador, die amerikanische Ausbildung genossen haben,
verhalten sich auf dem Schlachtfeld und im Umgang mit der Zivilbevölkerung
korrekt.

Aber bislang haben wir nur so viel Geld zur Verfügung gestellt, um

jeden zehnten salvadorianischen Soldaten auszubilden - und das sind weniger
als die Zahl der Guerilleros, die von Nicaragua und Kuba ausgebildet werden.
Und lassen Sie mich auch ein klares Wort über Nicaragua sagen - ein Land,
das an El Salvador grenzt. 1979, als die neue Regierung nach einer Revolution
die Geschäfte in Nicaragua übernahm, durch die das autoritäre Regime Somozas
gestürzt wurde, hoffte jedermann auf ein Gedeihen der Demokratie. Auch wir in
den Vereinigten Staaten. Im Januar 1981 beliefen sich unsere Nothilfe und
unsere Mittel für den Wiederaufbau an Nicaragua auf 118 Millionen Dollar mehr, als jedes andere Industrieland zur Verfügung stellte. In der Tat gaben
die Vereinigten Staaten in den ersten beiden Jahren der Sandinisten-Herrschaft
direkt oder indirekt an Nicaragua fünfmal mehr Hilfe, als sie in den beiden
Jahren vor der Revolution gegeben hatten. Kann irgendjemand Zweifel hegen
hinsichtlich der Großzügigkeit und des guten Glaubens des amerikanischen Volkes?
Dies waren kaum Maßnahmen eines Landes, das unversöhnliche Feindschaft
gegen Nicaragua hegt. Und doch behandelt uns die Regierung von Nicaragua wie
einen Feind. Sie weist unsere wiederholten Friedensanstrengungen zurück.
Sie bricht ihre Versprechen gegenüber uns und der Organisation amerikanischer

- 6 -

�Organisation amerikanischer Staaten sowie» was am bedeutsamsten ist, gegenüber dem Volk von Nicaragua.
Kaum war der Sieg errungen, hinderte eine kleine Clique jene anderen,
die gleichfalls an der Revolution teilgenommen hatten, daran, ihre Stimme in
der Regierung zu Gehör zu bringen.

Humberto Ortega, der Verteidigungsminister,

erklärte, daß der Marxismus-Leninismus die Leitlinie sei - und so geschah es.
Die Regierung Nicaraguas hat eine neue Diktatur errichtet; sie weigert
sich, die Wahlen abzuhalten, die sie versprochen hat; sie hat die Kontrolle
über die meisten Medien ergriffen und unterwirft alle Medien einer strengen
Zensur; sie verwehrt den Bischöfen und Priestern der römisch-katholischen
Kirche das Recht, während der heiligen Woche im Radio Messen abzuhalten; sie
beleidigte den Papst und machte sich über ihn lustig; sie hat die Miskito-Indianer aus ihrer Heimat vertrieben, ihre Dörfer niedergebrannt, ihre Ernten
zerstört und sie dazu gezwungen, in Internierungslagern fernab ihrer Heimat
zu leben; sie schreitet gegen den Privatsektor und gegen freie Gewerkschaften
ein; sie hieß Aktionen der Straße gegen die unabhängige Menschenrechtskommission Nicaraguas gut und trieb den Direktor dieser Kommission ins Exil.
Kurz: Ist es nach all diesen Akten der Unterdrückung durch die Regierung ein Wunder, daß sich eine Opposition formiert? Im Gegensatz zur Propaganda sind diejenigen, die sich gegen die Sandinisten wenden, keine hartnäckigen Anhänger des früheren Somoza-Regimes. Vielmehr sind viele von ihnen
Helden, die im Kampf gegen Somoza neben den Sandinisten kämpften, um die Regierung Somozas zu stürzen. Jetzt wird ihnen jede Beteiligung an der neuen
Regierung verweigert, weil sie ernsthaft für Nicaragua Demokratie wollten und dies auch jetzt noch tun. Wieder andere sind Miskito-Indianer, die um
ihre Heimat, ihren Boden und ihr Leben kämpfen.
Aus der sandinistischen Revolution in Nicaragua wurde schließlich nichts
anderes als die Auswechselung eines autokratischen Herrschers durch einen anderen, und noch immer hat das Volk keine Freiheit,

- 7 -

keine demokratischen Rechte

�demokratischen Rechte - aber mehr Armut.

Noch schlimmer als ihr Vor-

gänger hilft diese Regierung Kuba und den Sowjets dabei, unsere Hemisphäre
zu destabilisieren.
Währenddessen sieht sich die Regierung von El Salvador, die alle Anstrengungen unternimmt, um Demokratie, freie Gewerkschaften, Religionsfreiheit und
eine freie Presse zu garantieren, den Angriffen einer Guerilla ausgesetzt,
die derselben Philosophie verpflichtet ist, wie sie in Nicaragua, Kuba und,
ja, auch in der Sowjetunion herrscht.
kel Nicaraguas.

Gewalt ist der wichtigste Exportarti-

Es ist der Gipfel der Heuchelei, wenn die nichtgewählte

nicaraguanische Regierung uns unterstellt, wir strebten ihren Sturz an, während sie gleichzeitig alles in ihrer Macht Stehende tut, um die gewählte Regierung von El Salvador zu stürzen.

Die Guerillaangriffe werden von einem

Hauptquartier in Managua aus gelenkt - der Hauptstadt Nicaraguas.
Aber lassen Sie mich deutlich sein hinsichtlich der amerikanischen Haltung gegenüber der Regierung von Nicaragua. Wir wollen nicht ihren Sturz.
Wir wollen sicherstellen, daß sie ihre Nachbarn nicht durch den Export von
Subversion und Gewalt ansteckt. In Einklang mit amerikanischem und internationalem Recht ist es unsere Absicht, den Waffenstrom nach El Salvador,
Honduras, Guatemala und Costa Rica zu verhindern. Wir haben versucht, mit
der Regierung Nicaraguas ins Gespräch zu kommen, aber sie setzt ihre Anstrengungen fort, Gewalt zu säen.
Wir wollen nicht - und wir werden nicht - die nicaraguanische Regierung
vor dem Zorn ihres eigenen Volkes schützen. Aber wir sollten auf diplomatischem Weg eine Alternative anbieten. Und während Nicaragua sei e Optionen
abwägt, können und werden wir - mit allen Mitteln der Diplomatie
alle Länder Mittelamerikas vor der Gefahr eines Krieges schützen.
Sogar Costa Rica, Mittelamerikas älteste und stärkste Demokratie, mit
seiner Regierung, die so friedfertig ist, daß sie nicht einmal eine Armee
unterhält, ist Ziel der Einschüchterung und der Bedrohung durch Nicaraguas
- 8 -

�durch Nicaraguas Diktatoren.
Die Nachbarn Nicaraguas wissen, daß die Versprechen der Sandinisten
auf Frieden, Bündnisfreiheit und Nichtintervention nicht eingehalten worden
sind.

Rund 36 Militärstützpunkte wurden

errichtet - nur 13 gab es in den

Jahren Somozas.
Die neue Armee Nicaraguas zählt 25 000 Mann, unterstützt durch eine Miliz von 50 000. Es ist dies die größte Armee in Mittelamerika, ergänzt durch
2000 kubanische Militär- und Sicherheitsberater. Sie ist mit den modernsten
Waffen ausgerüstet, mit Dutzenden von sowjetischen Panzern, 800 Lastwagen vom Sowjetblock geliefert - mit sowjetischen 152-mm-Haubitzen, 100 Flugabwehrkanonen sowie Flugzeugen und Hubschraubern. Außerdem gibt es noch Tausende
von zivilen Beratern aus Kuba, der Sowjetunion, aus Ostdeutschland, Libyen
und von der PLO. Und wir werden angegriffen, weil wir 55 Militärausbilder
in El Salvador haben.
Das Ziel der professionellen Guerillabewegungen in Mittelamerika ist
ebenso einfach wie unheilvoll - Destabilisierung der gesamten Region vom
Panamakanal bis Mexiko. Wenn Sie dieses mein Argument bezweifeln, so bedenken Sie doch, was Cayetano Carpio, der jetzt tote salvadorianische Guerillaführer, Anfang des Monats gesagt hat. Carpio sagte, daß nach dem Fall von
El Salvador Nicaragua und El Salvador "Arm in Arm für die völlige Befreiung von Mittelamerika kämpfen werden." Nicaraguas diktatorische Junta, die
selbst den Krieg von Basen in Honduras und Costa Rica aus führte und dadurch
an die Macht kam, behauptet heute gern, sie werde von Kräften angegriffen,
die in Honduras ihre Stellungen hätten. Tatsache ist, daß Nicaraguas Regierung Honduras bedroht - und nicht umgekehrt.
Es ist Nicaragua, das schwere Panzer nahe an die Grenze verlegt hat,
und Nicaragua spricht von Krieg.

Es war der nicaraguanische Rundfunk, der am

8. April die Schaffung eines neuen, vereinten revolutionären Koordinierungsausschusses ankündigte, um den marxistischen Kampf in Honduras voranzutreiben.
Nicaragua, unterstützt
- 9 -

�Nicaragua, unterstützt durch die Waffen und die anderen militärischen
Mittel, die der kommunistische Block bereitstellt, unterdrückt sein eigenes
Volk, weigert sich, Frieden zu schließen und fördert einen Guerillakrieg gegen El Salvador.
Die Worte von Präsident Truman sind heute noch genauso passend wie 1947,
als auch er vor einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses sprach:
"In diesem Augenblick der Weltgeschichte muß fast jedes Land zwischen
alternativen Lebensformen entscheiden.

Und oft genug ist diese Wahl

nicht frei.
Die eine Lebensform gründet sich auf den Willen der Mehrheit und zeichnet sich durch freie Institutionen, repräsentative Regierung, freie
Wahlen, Garantien der Freiheit des einzelnen, Rede- und Religionsfreiheit sowie Freiheit von politischer Unterdrückung aus.
Die zweite Lebensform gründet sich auf den Willen einer Minderheit,
der der Mehrheit gewaltsam aufgezwungen wurde. Sie verläßt sich auf
Terror und Unterdrückung, auf eine kontrollierte Presse und einen
kontrollierten Rundfunk, auf vorbestimmte Wahlen und auf die Unterdrückung der persönlichen Freiheiten.
Ich bin der Meinung, daß es die Politik der Vereinigten Staaten sein

muß, freie Völker zu unterstützen, die den Versuchen der Unterwerfung
durch bewaffnete Minderheiten oder durch Druck von außen widerstehen.
Ich bin der Oberzeugung, daß wir den freien Völkern helfen müssen,
ihr eigenes Geschick auf ihre eigene Weise zu bestimmen.
Ich bin der Oberzeugung, daß unsere Hilfe in erster Linie Wirtschaftsund Finanzhilfe sein sollte, die für die wirtschaftliche Stabilität und
für ordnungsgemäße politische Abläufe von entscheidender Bedeutung sind.
... Der Zusammen_ 10 -

�... Der Zusammenbruch der freien Institutionen und der Verlust der Unabhängigkeit wäre nicht nur für sie katastrophal, sondern für die ganze
Welt.

Entmutigung und mögliches Versagen würde rasch das Los für die

benachbarten Völker sein, die sich darum bemühen, ihre Freiheit und ihre Unabhängigkeit zu bewahren."
Die Staaten Mittelamerikas sind kleiner als die Länder, die Ursache
für diese Botschaft von Präsident Truman waren.

Aber es geht politisch und

strategisch um das gleiche. Wird unsere Reaktion - in wirtschaftlicher, sozialer, militärischer Hinsicht - ebenso angemessen und erfolgreich sein wie
Mr. Trumans mutige Lösungen für die Probleme Europas in der Nachkriegszeit?
Manche Leute haben die Erfolge jener Jahre vergessen - und die Jahrzehnte des Friedens, des Wohlstands und der freiheit, die dadurch möglich
wurden.
Manche Leute reden, als ob die Vereinigten Staaten nicht zu wirkungsvollem Handeln im internationalen Rahmen fähig wären, ohne einen Krieg zu
riskieren oder jenen zu schaden, denen wir helfen wollen.
Sind Demokratien dazu aufgefordert, passiv zu bleiben, während die
Bedrohungen ihrer Sicherheit und ihres Wohlstandes sich häufen?

Müssen wir

die Destabilisierung einer ganzen Region vom Panamakanal bis nach Mexiko
und zu unserer südlichen Grenze einfach hinnehmen?

Müssen wir einfach zu-

sehen, während unabhängige Staaten dieser Hemisphäre in das aggressivste
Imperium einbezogen werden, das die moderne Welt kennt?
Müssen wir einfach abwarten, während Mittelamerikaner aus ihren Häusern
vertrieben werden - wie die über eine Million Menschen, die aus Afghanistan
geflohen sind, oder jene eineinhalb Millionen, die aus Indochina geflohen
sind, oder die mehr als eine Million Kubaner, die aus Castros karibischem
Utopia geflüchtet sind? Müssen wir durch unsere Unterlassung dem Volk von
El Salvador nur die Wahl lassen, aus seiner Heimat zu fliehen und einen

- 11 -

�und einen weiteren, tragischen menschlichen Exodus herbeizuführen?
Ich glaube nicht, daß eine Mehrheit im Kongreß oder im Land zu Passivität, Resignation, Defätismus rät - angesichts dieser Herausforderung für
Frieden und Sicherheit in unserer eigenen Hemisphäre.
Ich glaube nicht, daß eine Mehrheit im Kongreß oder im Land bereit ist,
passiv zuzuschauen, während die Menschen Mittelamerikas dem Totalitarismus
ausgeliefert und wir selbst neuen Gefahren gegenüber verletzlich werden.
Erst letzte Woche wiederholte ein Vertreter der Sowjetunion Breschnews
Drohung, Atomraketen in dieser Hemisphäre zu dislozieren - fünf Minuten von
den Vereinigten Staaten entfernt.

Wie ein Echo bestätigte Nicaraguas

"Commandante", Daniel Ortega, daß sein Land, würde es darum ersucht, überlegen würde, ob es solche Raketen akzeptieren sollte.

Soviel man hört,

überdenken sie das heute vielleicht doch noch einmal.
Bevor ich weitergehe, möchte ich noch zu jenen etwas sagen, die die
Erinnerung an Vietnam wachrufen: Es wird nicht daran gedacht, amerikanische
Kampftruppen nach Mittelamerika zu schicken; sie werden nicht gebraucht ja, man hat von dort keine angefordert. Alles, was unsere Nachbarn von uns
wollen, ist Hilfe bei Ausbildung und bei Waffen, um sich selbst zu schützen,
während sie sich ein besseres, freieres Leben schaffen.
Wir müssen weiterhin zum Frieden unter den Ländern Mittelamerikas ermutigen. Wir müssen die regionalen Bemühungen unterstützen, die jetzt im
Gange sind, um Lösungen regionaler Probleme herbeizuführen.
Wir können nicht sicher sein, ob die marxistisch-leninistischen Gruppen, die glauben, der Krieg sei ein Instrument der Politik, sich so leicht
entmutigen lassen werden. Wichtig ist, daß nicht wir entmutigt werden, bevor sie entmutigt sind. Sonst wird die Freiheit der Region verloren sein
und unsere Sicherheit in einer Weise geschädigt werden, daß es kaum vorstell -

- 12 -

�kaum vorstellbar ist.
Wenn Mittelamerika fällt, was wären dann die Folgen für unsere Stellung in Asien und in Europa und für Bündnisse wie die NATO?

Wenn die Ver-

einigten Staaten nicht in der Lage wären, auf eine Bedrohung nahe ihrer eigenen Grenzen zu reagieren, warum sollten Europäer oder Asiaten glauben,
daß wir uns ernsthafte Gedanken über Bedrohungen machen, die gegen sie gerichtet sind?

Wenn die Sowjets davon ausgehen könnten, daß nichts außer

einem direkten Angriff auf die Vereinigten Staaten eine amerikanische Reaktion auslösen könnte, welcher Verbündete, welcher Freund wird uns dann noch
trauen?
Der Kongreß trägt sowohl die Macht als auch die Verantwortung für unsere Außenpolitik mit.
Heute abend möchte ich Sie, den Kongreß, auffordern, sich mir in einer
kühnen und großzügigen Anstrengung zur Lösung der Probleme von Frieden und
Armut, Demokratie und Diktatur in der Region anzuschließen. Folgen Sie mir
in einem Programm, das auf kurze Sicht einen kommunistischen Sieg verhindert,
aber weit darüber hinausgeht, um für die unterprivilegierten Menschen dieses
Gebietes die Realität des gegenwärtigen Fortschritts und die Aussicht auf
weiteren Fortschritt zu sichern.
Legen wir die Grundlagen für eine überparteiliche Anstrengung, um die
Unabhängigkeit und die Freiheit der Länder Mittelamerikas aufrechtzuerhalten.
Wir werden in Mittelamerika vier Grundziele anstreben:
- Erstens, als Antwort auf Jahrzehnte der Ungerechtigkeit und Gleichgültigkeit werden wir Demokratie, Reform und menschliche Freiheit unterstützen.

Das bedeutet, daß wir unsere Hilfe, unsere Überzeugungskraft

und unsere legitimen "Hebel" einsetzen, um menschliche, demokratische
Systeme zu unterstützen, wo sie bereits bestehen, und Ländern auf ihrem

- 13 -

�auf ihrem Weg zu dem Ziel zu helfen, diesen Prozeß so rasch abzuschließen, wie menschliche Institutionen geändert werden können.

Wahlen - in

El Salvador und auch in Nicaragua - müssen allen offen stehen und fair
und sicher sein.

Hier muß die internationale Gemeinschaft helfen.

Wir

werden an den Menschenrechtsproblemen arbeiten, nicht vor ihnen davonlaufen.
- Zweitens, als Antwort auf die Herausforderung der weltweiten Rezession
und im Fall von El Salvador auf die nicht nachlassende Kampagne der
wirtschaftlichen Sabotage durch die Guerilla werden wir die wirtschaftliche Entwicklung unterstützen. Das Verhältnis unserer Wirtschaftshilfe zur Militärhilfe ist zwei zu eins. Rund 77 Cent von jedem Dollar,
den wir dieses Jahr in dem Gebiet ausgeben, werden für Nahrungsmittel,
Düngemittel und andere wichtige Dinge für das wirtschaftliche Wachstum
und die Entwicklung ausgegeben werden. Und unser Wirtschaftsprogramm
geht über die traditionelle Hilfe hinaus: Die bereits im Repräsentantenhaus eingebrachte Initiative für das Karibische Becken sieht mächtige
Handels- und Investitionsanreize vor, um diesen Ländern dabei zu helfen,
ein sich selbst tragendes wirtschaftliches Wachstum ohne den Export amerikanischer Arbeitsplätze zu erreichen. Unser Ziel muß es sein, sich
auf unsere gewaltige und wachsende Technologie zu konzentrieren, um Gesundheitsfürsorge, Landwirtschaft und Industrie zu fördern, um sicherzustellen, daß wir, die wir diese voneinander abhängige Region bewohnen,
uns besser kennen- und verstehenlernen, ohne unsere unterschiedlichen
Identitäten aufzugeben und unter Achtung unserer unterschiedlichen Traditionen und Institutionen.

- Drittens, als Antwort auf die militärische Herausforderung aus Kuba
und Nicaragua - auf ihren bewußten Einsatz von Gewalt zur Ausbreitung
der Tyrannei - werden wir die Sicherheit der bedrohten Länder der Region unterstützen. Wir betrachten Sicherheitshilfe nicht als Selbstzweck, sondern als einen Schutzschild für Demokratisierung, wirtschaftliche Entwicklung und Diplomatie. Noch so viele Reformen werden keinen

- 14 -

�werden keinen Frieden bringen, solange die Guerilla glaubt, mit Gewalt
siegen zu können.

Noch so viel Wirtschaftshilfe wird nicht ausreichen,

wenn Guerillaeinheiten immer wieder ungestraft Straßen, Brücken, Kraftwerke und Ernten zerstören.

Aber mit besserer Ausbildung und materieller

Unterstützung können sich unsere Nachbarn der Guerilla erwehren und der
demokratischen Reform genug Zeit geben, Wurzeln zu schlagen.
- Viertens, wir werden Dialog und Verhandlungen unterstützen - sowohl
unter den Ländern der Region als auch innerhalb jedes Landes, über Bedingungen für die Teilnahme an Wahlen kann man reden.
ein leuchtendes Beispiel der Demokratie.

Costa Rica ist

Honduras hat den Schritt von

der Militä'rherrschaft zu einer demokratischen Regierung getan.
hat sich dem gleichen Weg verschrieben.

Guatemala

Die Vereinigten Staaten werden

auf eine politische Lösung in Mittelamerika hinarbeiten, die den Interessen des demokratischen Prozesses dient.
Um diese diplomatischen Ziele zu unterstützen, biete ich folgende Zusagen:
- Die Vereinigten Staaten werden jedes Abkommen unter mittel amerikanischen
Ländern über den Abzug aller ausländischen Militär- und Sicherheitsberater und Truppen - unter voll verifizierbaren Bedingungen und auf der
Basis der Gegenseitigkeit - unterstützen,
- Wir wollen oppositionellen Gruppen helfen, sich in allen Ländern in
den politischen Prozeß einzureihen und mit Wahlzetteln statt mit Kugeln
zu konkurrieren.
- Wir werden jedes verifizierbare: auf der Basis der Gegenseitigkeit
beruhende Abkommen unter mittelamerikanischen Ländern über den Verzicht
der Unterstützung von Aufständischen auf Nachbarterritorien unterstützen.
- Und schließlich

- 15 -

�- Und schließlich wollen wir Mittelamerika dabei helfen, sein kostspieliges Wettrüsten zu beenden, und werden jedes verifizierbare, auf der
Basis der Gegenseitigkeit beruhende Abkommen darüber unterstützen, keine
Offensivwaffen einzuführen.
Um uns auf dem Weg zu diesen Zielen rascher voranzubringen, gebe ich
heute abend meine Absicht bekannt, einen Sonderbotschafter als meinen persönlichen Vertreter für Mittelamerika zu ernennen.
den Außenminister Bericht erstatten.

Er oder sie wird mir durch

Die Aufgabe des Botschafters wird es

sein, den Bemühungen von Regierungen der Region, dem unruhigen Gebiet Frieden
zu bringen, die Unterstützung der Vereinigten Staaten zu verleihen und eng
mit dem Kongreß zusammenzuarbeiten, um die engstmögliche, überparteiliche Koordination unserer Politik gegenüber der Region zu gewährleisten.
Um was ich bitte, ist die rasche Billigung der vollen Wiedereinsetzung
von Mitteln für entscheidend wichtige laufende Wirtschafts- und Sicherheitshilfeprogramme durch den Kongreß, damit die Völker Mittelamerikas der von
außen unterstützten Aggression paroli bieten können. Darüber hinaus ersuche
ich um eine rasche Behandlung des zusätzlichen Antrages für diese gleichen
Gebiete, um uns über das laufende Haushaltsjahr hinwegzuhelfen und um eine
baldige und günstige Behandlung meiner Anträge für das Haushaltsjahr 1984
durch den Kongreß. Und schließlich möchte ich darum ersuchen, daß der überparteiliche Konsens, der im vorigen Jahr hinsichtlich der Handels- und Steuerbestimmungen der Initiative für das Karibische Becken im Repräsentantenhaus
bestand, wieder zustandekommt, um diesen lebenswichtigen Vorschlag vor das
Plenum beider Häuser zu bringen. Und, wie ich bereits sagte, der größte
Teil dieser beantragten Mittel, ist für wirtschaftliche und humanitäre Hilfe
vorgesehen, nicht für Militärhilfe.
Was die Administration im Namen der Freiheit Mittelamerikas fordert,
ist im Verhältnis zu dem,was auf dem Spiele steht, ganz wenig, ja minimal.
Der Gesamtbetrag der beantragten Hilfe für ganz Mittelamerika beträgt für
1984 rund 600 Millionen Dollar; das ist weniger als ein Zehntel dessen,

- 16 -

�Zehntel dessen, was Amerikaner in diesem Jahr für Mlinzvideospiele ausgeben
werden.
Zusammenfassend möchte ich Ihnen heute abend sagen, daß außer Frage
steht:

In Mittelamerika geht es um die nationale Sicherheit aller amerika-

nischen Staaten. Wenn wir uns dort nicht verteidigen können, können wir
nicht erwarten, uns anderswo durchzusetzen.

Unsere Glaubwürdigkeit würde

zusammenbrechen, unsere Bündnisse würden einstürzen und die Sicherheit unseres Heimatlandes würde gefährdet.
Wir haben ein lebenswichtiges Interesse, eine moralische Pflicht und
eine feierliche Verpflichtung.
Das ist keine Frage der Parteipolitik. Das ist die Frage, ob wir unserer moralischen Verpflichtung gegenüber uns selbst, unseren Freunden und
der Nachwelt nachkommen. Diese Pflicht ist uns allen auferlegt - dem Präsidenten, dem Kongreß und dem Volke. Wir müssen sie gemeinsam erfüllen.
Wer unter uns möchte die Verantwortung dafür tragen müssen, daß wir unserer
gemeinsamen Verpflichtung nicht nachgekommen sind?

+ + + + +

- 17 -

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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19

4. Mai 1983

BURT: SOWJETUNION BRAUCHT ANREIZ FÜR VERHANDLUNGEN
- Rede des US-Unterstaatssekretärs in Hamburg -

HAMBURG - (AD) - Der Unterstaatssekretä'r für europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Richard Burt, erklärte am 25. April 1983 in Hamburg, die Dislozierung neuer amerikanischer Raketen in Europa
sei "der beste und einzige Weg", um die Sowjets dazu zu bewegen, in gutem
Glauben über Rüstungskontrolle zu verhandeln. Auf einer von der amerikanischen Zeitschrift Time Magazine veranstalteten Konferenz über das Atlantische Bündnis hob Burt hervor, daß die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten an beiden Teilen des NATO-Doppelbeschlusses festhalten würden.
Die Ausführungen des amerikanischen Unterstaatssekretärs haben folgenden Wortlaut:
Diese Konferenz könnte zu keiner passenderen Zeit stattfinden.

Und die

Notwendigkeit, die transatlantischen Entwicklungen mit Sorgfalt zu betrachten, könnte nicht größer sein. Als ehemaliger Journalist bin ich mir darüber
im klaren, daß jene außerhalb der Regierung eine einmalige Möglichkeit haben,
die Ebbe und Flut der laufenden Entwicklungen zu beobachten.

Als Regierungs-

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�Als Regierungsvertreter bin ich mir jedoch auch darüber im klaren, daß diese
Gelegenheit nicht immer so genutzt wird, wie sie genutzt werden könnte. Aus
diesem Grunde verdienen das Time Magazine und die Organisatoren dieser Konferenz unseren aufrichtigen Dank und unsere höchste Wertschätzung.

Jene von

uns, die mitten im täglichen Getriebe des politischen EntScheidungsprozesses
stecken, brauchen die Kritik und die Vision von Menschen wie Ihnen und solche
Zusammenkünfte.

Wenn die Dinge nicht in das richtige Licht gerückt werden,

dann sind wir wahrscheinlich weniger in der Lage, geschichtliche Kräfte zu
gestalten, als durch sie gestaltet zu werden.
Ich glaube, wir sind an einem kritischen Scheideweg in den Annalen des
Atlantischen Bündnisses angelangt.

Lassen Sie mich ganz rasch hinzufügen, daß

das nicht daher kommt, daß wir etwa in einer tiefen Krise steckten, wie manche uns glauben machen wollen., Wir stehen vielmehr inmitten einer großen Debatte, wie man es nennen könnte.

Es ist eine Debatte, bei der es um das ei-

gentliche Wesen des Atlantischen Bündnisses geht - um seine Zielsetzung, seine Gestalt und seine Zukunft.
Es ist wohl kaum das erstemal, daß sich das Bündnis in den schmerzlichen Zuckungen der Selbstprüfung und der Selbstkritik befindet.
nis ist sogar mitten aus der Kontroverse entstanden.

Das Bünd-

Die ganze Vorstellung

eines Engagements in den Angelegenheiten Europas in Friedenszeiten ging gegen den Strich der amerikanischen Geschichte,

Dem Nachkriegsamerika lag al-

les daran, seine Jungs wieder nach Hause zu holen und sich einen bequemen
Frieden in Wohlstand zu schaffen.
Aber die Gründungsjahre des Bündnisses waren auch für die Europäer nicht
leicht. An erster Stelle im Denken eines jeden standen Wiederaufbau und Wiederaufschwungt

Die Bewaffnung zur Verhütung eines weiteren Krieges forderte

Mittel, die nur zu knapp waren.

Bande des Vertrauens mit Feinden von gestern

zu schaffen, forderte den geistigen Mut, nach vorn zu blicken statt zurück.
Aber auf beiden Seiten des Atlantik trafen die ungewöhnlichen Männer der unmittelbaren Nachkriegsperiode schwere und manchmal unpopuläre Entscheidungen.

- 2 -

�unpopuläre Entscheidungen.

In den Vereinigten Staaten hatten zwei Welt-

kriege nur zu deutlich die Torheit des Isolationismus gezeigt. Man begriff,
daß George Washingtons berühmte Verfügung gegen den Abschluß "verstrickender
Bündnisse" keinen Ewigkeitswert hatte.

In Europa begriff man, daß die Sicher-

heit des Kontinents vor der entstehenden sowjetischen Bedrohung einen ständigen Zusammenschluß mit einer außerhalb des Kontinents liegenden Macht erforderte. Aus dieser doppelten Einsicht entstand das Bündnis. Die erste
Debatte war entschieden.
Das Bündnis der fünfziger Jahre war ein überwältigend von den Vereinigten Staaten beherrschtes Bündnis. Die Abschreckung hing von der nuklearen
Überlegenheit der Vereinigten Staaten ab, um ein Gegengewicht gegen die Rote
Armee zu bieten, die niemals demobilisiert wurde.

Die Entscheidungen wurden

meist in Washington getroffen und durch die NATO in Paris weitergegeben.
Meist war es so, daß wir sprachen und die Europäer zuhörten; wir führten,
Europa folgte.
In den sechziger Jahren wurde immer deutlicher, daß eine solche Formel
nicht mehr paßte.

Europa lag nicht mehr am Boden. Der wirtschaftliche

Wiederaufschwung war gelungen.

Das Bündnis beruhte nicht länger auf einer

einfachen Sicherheitsgarantie, sondern hatte sich zu einer echten militärischen Koalition mit integrierten nationalen Streitkräften entwickelt.
Und die Europäer waren immer weniger bereit, die amerikanische Führung fraglos hinzunehmen.

Die Bedingungen für eine zweite große Debatte waren ent-

standen.
Viele der Belastungen, die diese Entwicklungen mit sich brachten,
traten

im

nuklearen Bereich auf.

Damals wie heute traf die Nuklearpolitik

den Kern des Bündnisses.
In der Nukleardebatte der sechziger Jahre ging es um zwei Hauptfragen.
Das Problem war einmal ein militärisches.

Die amerikanische Garantie war

nicht mehr so überzeugend angesichts der großen Schritte, die die Sowjets

- 3 -

�die Sowjets zum Ausbau ihres nuklearen Arsenals unternahmen.

Wie konnte die

strategische Abschreckung der Vereinigten Staaten einen Ausgleich für konventionelle Schwäche bieten und gleichzeitig vor den strategischen Streitkräften
der Sowjets abschrecken?

Und das Problem war auch ein politisches.

Die Euro-

päer wollten ein Mitspracherecht bei den Entscheidungen hinsichtlich der Kernwaffen, bei denen es um Leben und Tod ging.
Was Washington zur Lösung dieser Probleme vorschlug - die Multilaterale
Nuklearstreitmacht der NATO, kurz MLF - trug nur zur Verschärfung der Spannungen bei.
fekt.

Glücklicherweise hatte die letztliche Lösung den gegenteiligen Ef-

Die 1967 vom Bündnis formell eingeführte Doktrin der flexiblen Ant-

wort (flexible response) sah ein Kontinuum an - konventionellen, taktisch
nuklearen und strategisch nuklearen - Streitkräften vor, durch das die Abschreckung auf allen Ebenen aufrechterhalten werden konnte, und es wurde eine
neue Einrichtung, die Nukleare Planungsgruppe, geschaffen.

An der Gestal-

tung der Nuklearpolitik sollte es nun eine verantwortliche Mitwirkung geben.
Die grundlegende atlantische Solidarität wurde aufrechterhalten.
Aber nach bester Tradition Hegelscher Logik hat die Synthese von gestern
der Antithese von heute Raum gegeben. Darin liegt eine gewisse Ironie. In
den siebziger Jahren ließen die Besorgnisse der Europäer erkennen, daß man
ein Nachlassen der Verpflichtung der Vereinigten Staaten sah, die amerikanische
Nukleargarantie aufrechtzuerhalten. In den achtziger Jahren betrachten die
sich am lautesten artikulierenden Elemente in Europa mit Alarm die Bemühungen der Vereinigten Staaten, die Glaubwürdigkeit eben dieser Nukleargarantie
zu gewährleisten. Also hören wir 1983 wieder einmal von vielen Seiten, daß
das Bündnis nicht länger relevant oder lebensfähig oder gar beides sei; daß
nur eine Radikal Operation das Leben des Patienten retten könne. Wenn ich die
Zeichen der Zeit richtig erkenne, dann ist eine dritte große Debatte im Gange.
Die Gründe dafür, daß dies gerade jetzt geschieht, sind vielfältig:
Erstens, der Lauf der Zeit hat den ersten atlantischen Impuls gedämpft; das
Bündnis scheint bezüglich der Anliegen junger Menschen mit Vorstellungen, die

- 4 -

�Vorstellungen, die durch die Erfahrungen geprägt sind, welche sich grundsätzlich von denen der Nachkriegszeit unterscheiden, nicht mehr so relevant.
Zweitens, die europäischen Staaten und Institutionen haben in Kapazität,
Wohlstand und Unabhängigkeit Fortschritte gemacht.

Es gibt viele Leute auf

beiden Seiten des Atlantik, die das Bündnis als einen Anachronismus betrachten - als Produkt einer Ära amerikanischer Stärke und europäischer Schwäche,
die nicht länger existiert.
Drittens, amerikanische und europäische Interessen sind nicht immer identisch, ja, sie ergänzen sich manchmal nicht einmal. Häufig sind wir wirtschaftliche Konkurrenten. Wir haben oft unterschiedliche Auffassungen über
die Dritte Welt oder regionale Krisen. Gelegentlich beurteilen wir die Sowjetunion, die Bedrohung, die sie darstellt, und wie wir die Ost-West-Beziehungen
am besten in den Griff bekommen körnen, unterschiedlich.
Viertens, eine sich hinziehende Periode wirtschaftlicher Rezession verstärkte die Konkurrenz um Haushaltszuteilungen.

Der Anspruch auf höhere Ver-

teidigungsmittel und die Entscheidung, wieviel jedes Mitglied des Bündnisses
aufbringen sollte, sind zunehmend umstritten.
Und fünftens, die Verlagerung im militärischen Gleichgewicht und das Entstehen einer strategischen Parität zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion haben vor allem erneut die Frage der amerikanischen Zuverlässigkeit aufgeworfen.

Die Glaubwürdigkeit der strategischen Abschreckung der

Vereinigten Staaten wird manchmal bezweifelt.

Das Entstehen der sowjetischen

Überlegenheit auf dem Gebiet der nuklearen Mittel Streckensysteme hat neue
Fragen bezüglich der Verkopplung der Verteidigung Europas und der strategischen Abschreckung der Vereinigten Staaten aufgeworfen.

Daß aus solchen

Umständen eine große Debatte über die Zukunft des atlantischen Bündnisses entsteht, sollte eigentlich nicht verwunderlich sein; es wäre sogar verwunderlicher, wenn sie nicht stattfände.

Es ist nicht überraschend, daß wir oft

die Herausforderungen für das atlantische Grundmodell von allen Seiten des

- 5 -

�Seiten des politischen Spektrums kommen sehen.

Vertreter auf beiden Seiten

des Atlantik nehmen teil, und ich möchte gerne meinen bescheidenen Beitrag zu
dieser Debatte leisten.
In den Vereinigten Staaten ist es wichtig, daß wir kein Wiederauferstehen des traditionellen Isolationismus erleben.
Amerika

Der Begriff der Festung

wird nicht als ein Modell amerikanischen Wohlergehens herausgehoben.

Diese Vorstellung ist vielleicht einfach zu sehr in Mißkredit geraten, um
noch eine große Anziehungskraft zu haben.

Wahrscheinlich haben die meisten

von uns einfach die Erkenntnis akzeptiert, daß die Vereinigten Staaten von der
übrigen Welt zu abhängig und in einer gegenseitigen Abhängigkeit sind, um diese vereinfachte und gefährliche Option zu verfolgen.

Aber es gibt noch andere

Herausforderungen für die atlantische Verbindung.
So gibt es beispielsweise eine amerikanische Lehrmeinung, die als "globaler Unilateralismus" bekanntgeworden ist. Anhänger dieser Lehre beginnen mit
einer Hervorhebung des globalen Ausmaßes der amerikanischen Interessen. Sie
weisen auf den weiten Bereich möglicher Bedrohungen der Vereinigten Staaten
hin. Und sie wollen die amerikanische Verpflichtung gegenüber Europa abbauen,
damit unsere Flexibilität, anderswo zu handeln, größer würde.
Diese Einstellung ist voller Fehler. Nicht alle Interessen sind lebenswichtig und nicht alle Interessen sind gleich. Das Gleichgewicht der Macht
in Europa ist von zentraler Bedeutung für die Stabilität in der Welt, und das
amerikanische Engagement in Europa ist von zentraler Bedeutung für das dortige
Gleichgewicht. Darüber hinaus kann der ganze Bereich unserer kommerziellen
und kulturellen Bindungen nicht durch andere ersetzt werden, und wir können
auch nicht darauf verzichten. Die Wirklichkeit ist, daß es keinen billigen
Weg gibt, diese Interessen zu schützen. Wenn die Abschreckung glaubwürdig
sein soll, dann erfordert dies eine starke kontinentale Verpflichtung der Vereinigten Staaten, und es erfordert auch, daß wir gemeinsam in einer echten Koalition handeln. Eine zweite Herausforderung ist Ihnen vielleicht bekannter.
Weil es keinen besseren Ausdruck dafür gibt, nenne ich sie "atlantische Rekon-

- 6 -

�"atlantische Rekonstruktion".
Sie

manifestiert sich an verschiedenen Orten - vor allem im Kongreß

und in den Medien - und auf verschiedene Weise, indem beispielsweise angedroht wird, Truppen abzuziehen oder keine Mittel für Verteidigungsprogramme
bereitzustellen, die von entscheidender Bedeutung für die Verteidigung Europas
sind.
Die Wurzeln dieser amerikanischen Bewegung finden sich in dem Boden der
Verärgerung und des Ressentiments.

In den Vereinigten Staaten wächst

die Überzeugung, daß die Europäer nicht ihren Anteil leisten, sei es
sich selbst zu verteidigen oder die gemeinsamen Interessen in der ganzen Welt
zu verteidigen.

Mit dieser Auffassung ist gelegentlich die Überzeugung ver-

bunden, daß die Verpflichtung Europas zur Entspannung seine Verpflichtungen
gegenüber dem Bündnis bei weitem überwiegt; daß sich Europa mehr Sorgen um
sein wirtschaftliches Wohlergehen als um die westliche Verteidigung macht.
Die Rekonstruktionisten wollen diesem angeblichen "Trittbrettfahren"
ein Ende bereiten.

Sie wollen Europa ein Signal geben, sich um eine größere

europäische Verteidigungsanstrengung zu bemühen.
Wie es oft der Fall ist, stimmen weder die Analysen noch die Rezepte.
Daß wir alle mehr tun müssen, um die Abschreckung zu stärken, liegt auf der
Hand.

Es muß mehr getan werden, und die Reagan-Administration hat schwer ge-

arbeitet, um die Verteidigungsausgaben auf beiden Seiten des Atlantik zu erhöhen.

Gleichzeitig haben wir versucht, falschen Vorstellungen bezüglich der

Beiträge der Bündnispartner zur gemeinsamen Verteidigung zu begegnen.

So ist

beispielsweise nicht genügend bekannt, daß im Falle eines Konfliktes in Europa
90 Prozent der Landstreitkräfte der NATO und 75 Prozent ihrer See- und Luftstreitkräfte europäische Streitkräfte wären.
Und dann gibt es jene, die behaupten, daß wir die Situation verbessern
könnten, indem wir die amerikanischen Anstrengungen beschneiden.

Ich hege

keinen Zweifel, daß die Vereinigten Staaten, wenn sie in Europa weniger täten,
- 7 -

�weniger täten, tatsächlich "ein Signal setzen" würden.
falsche Signal, das zum falschen Ergebnis führen würde.

Leider wäre es das
Im Namen der Erhö-

hung der Abschreckung und der Verteidigung könnten jene, die den Beitrag
Amerikas beschneiden möchten, genau das Gegenteil erreichen.

Ein Abbau der

amerikanischen Stärke und die Infragestellung der amerikanischen Verpflichtung
sind wohl kaum die richtigen Mittel und Wege, um Frieden und Stabilität zu fördern.

Auf dieser Seite des Atlantik findet eine noch größere Debatte statt.

Damit mußte man rechnen, wenn man bedenkt, wie die Menschen hier unmittelbar
von den Fragen berührtwerden.

Lassen Sie mich kurz darauf eingehen, was ich

als die Hauptalternativei betrachte, die geboten werden.
Drei Lehrmeinungen scheinen zu dominieren.
mit der Neutralität vertauschen.

Die erste würde das Bündnis

Menche gehen sogar so weit, daß sie glauben,

dieser Neutralismus könne ganz Europa - West und Ost - einschließen.

Es wird

argumentiert, daß ein Europa ohne Zugehörigkeit zum einen oder anderen Block
und ohne bedeutsame Streitkräfte ein sichererer Hafen werde und weniger wahrscheinlich in eine Konfrontation zwischen den beiden Supermächten hineingezogen würde»

Etwas unterschiedlich wird behauptet, daß Europa - und vor al-

lem Deutschland - seinen wichtigsten Beitrag zum Frieden leisten könnte, wenn
es als Brücke zwischen den beiden Supermächten diene und der einen über die
andere Aufschluß gäbe.
Das sind romantische Vorstellungen. Ein schwaches und neutrales Westeuropa würde mit oder ohne seine östlichen Nachbarn in den Bann der stärksten
europäischen Kontinentalmacht, der Sowjetunion, geraten. Was wir für den Frieden brauchen, ist weniger eine Brücke als ein Bollwerk. Unsere Probleme mit
der UdSSR werden nicht durch einen Mangel an Kommunikation verursacht, obwohl
Kommunikation natürlich wichtig ist. Unsere Probleme mit der UdSSR werden
durch einen Mangel an sowjetischer Zurückhaltung, Achtung und Respekt vor
den Interessen und dem Wohlergehen anderer hervorgerufen.
In Anerkennung dieser Realitäten argumentieren andere wiederum für ein
starkes und von den Vereinigten Staaten unabhängiges Europa, das in der Lage

- 8 -

�der Lage wäre, selbst voll für seine eigene Sicherheit zu sorgen.

Es wird

ein Bild der militärischen Einheit Europas projiziert, das sich an die politische Zusammenarbeit und wirtschaftliche Integration Europas anlehnt.

Bei

diesem Modell wäre Europa in der Lage, aus einer Position der Stärke heraus
zwischen den beiden Großmächten zu vermitteln und die eine abzuschrecken, ohne
an die andere gebunden zu sein.
Interessen nützen würde.

Uns wird gesagt, daß dies den europäischen

Ich kann diese Denkrichtung nicht besser beschrei-

ben als mit einem Zitat von Hedley Bull von der Universität Oxford.

Er sagt:

"Der Kurs, den die westeuropäischen Staaten jetzt erforschen sollten, könnte
'europaistisch' genannt werden.

Dabei müßten die Staaten Westeuropas sich

enger aneinander schließen, ihre Verteidigungsanstrengungen erhöhen und Schritte in Richtung auf eine Verringerung ihrer militärischen Abhängigkeit von
Amerika unternehmen."
Aber auch Professor Bulls Vorstellung mangelt es an Realismus.

Dem der-

zeitigen Europa fehlt die erforderliche politische Grundlage für die Erstellung eines solchen kollektiven Managements seiner Sicherheit.

Unklar ist,

ob die europäischen Staaten bereit wären, die notwendigen politischen Verpflichtungen einzugehen und die notwendigen wirtschaftlichen Investitionen
zu tätigen.

Und es ist überhaupt nicht sicher, ob das Auftauchen eines unab-

hängigen, bewaffneten Europas - bewaffnet mit konventionellen wie mit nuklearen Waffen - ohne Krise oder gar Konflikt vor sich gehen könnte.
Tatsächlich könnten die Sicherheit und die Stabilität, die wir alle
kennen und derer wir uns derzeit alle erfreuen, durch eine solche Entwicklung
gefährdet werden.
Eine dritte Variante ist in den Vorschlägen enthalten, die derzeit von
den Oppositionsparteien in Nordeuropa ausgehen.

In vieler Hinsicht sind die-

se Ideen Spiegelbild der Vorschläge, die von den amerikanischen Rekonstruktionisten angeboten wurden.
Die europäischen

- 9 -

�Die europäischen Rekonstruktionsten haben mehrere Ziele: Verminderung
des Einflusses der Vereinigten Staaten, Verringerung der Möglichkeit eines
Atomkrieges in Europa, Betreiben einer unabhängigeren Politik gegenüber Moskau
und Förderung der europäischen Interessen in der ganzen Welt nach eigenem Gutdünken.

Ihr Ziel ist nicht, das Bündnis zu verlassen, sondern vielmehr, es von

innen heraus zu verändern.
Aber sogar eine solche "reformistische" Politik hat ihre großen Schwierigkeiten, ja, sie stützt sich auf einige der schlechtesten Aspekte der eben besprochenen beiden Alternativen.

Wir sollten uns hier nicht täuschen.

konventionelle Verteidigung bedarf der Stärkung.

Die

Aber kraftvollere Anstren-

gungen bei der konventionellen Verteidigung machen die Atomwaffen weder irreievant noch überflüssig.

Die sowjetischen Vorteile bei den konventionellen

wie bei den nuklearen Waffen müssen ausgeglichen werden - bei Dislozierungen,
bei Rl'stungsverringerungen oder bei beidem.

Die Verbindung zwischen den Streit-

kräften in Europa und der strategischen Abschreckung der Vereinigten Staaten
muß aufrechterhalten werden.

Gleichzeitig werden sich Verbesserungen bei den

konventionellen Streitkräften als kostspielig erweisen, Obereinstimmung hinsichtlich eines größeren Anstiegs der Verteidigungsanstrengungen muß erst noch
erreicht werden.

Und eine stärkere europäische Unabhängigkeit von den Ver-

einigten Staaten birgt Risiken; die Europäer können nicht wählen, wann sie
sich der Früchte des Bündnisses erfreuen wollen und wann nicht.

Es gibt Raum

für Meinungsverschiedenheiten und für unterschiedliche Ansichten innerhalb
des Bündnisses, aber nicht für selektive Verpflichtung.
Neutralismus, bewaffnete Unabhängigkeit, Rekonstruktion - dies sind
grundsätzlich die drei europäischen Alternativen zum derzeitigen "atlantischen"
Rahmenwerk der westlichen Sicherheit.

Alle drei Varianten durchziehen ver-

schiedene Themenkreise, die gleichfalls die derzeitige atlantische Brücke in
entscheidender Weise verändern würden.
Die Antiatomströmung ist ein solcher Gedanke. Ziel ist eine Verringerung
oder, wenn möglich, eine Beseitigung der Atomwaffen in Europa und damit der Gefahr eines Atomkrieges. Die glühendsten Verfechter dieser Position würden dies
- 10 -

�würden dies auch einseitig tun in der Hoffnung, eine ähnliche sowjetische Zurückhaltung zu bewirken und Waffen zu beseitigen, die abgeschossen werden
könnten oder gegen die wiederum andere abgeschossen werden könnten.
Aber ich stimme den Beobachtungen von Harold Brown über den amerikanischsowjetischen Rüstungswettbewerb zu:
Sowjetunion.

"Wenn wir etwas bauen, baut es auch die

Aber wenn wir nichts bauen, baut die Sowjetunion trotzdem."

Zu-

dem würden einseitige Maßnahmen des Westens unsere besten Möglichkeiten für
sinnvolle RüstungskontrollVerhandlungen untergraben.
der:

Und noch schwerwiegen-

Einseitige atomare Abrüstung würde die Abschreckung gefährden und zu-

gleich die Verletzbarkeit des Westens erhöhen.
Es kann auch keine Politik des "Nichtersteinsatzes" von Kernwaffen geben.
Folge wäre auch hier die Abkopplung und dadurch eine Untergrabung, nicht eine
Erhöhung, der Abschreckung.

Es ist die Aussicht auf den Einsatz von Kernwaf-

fen und auf das volle Gewicht der amerikanischen Macht, die zur Wahrung des
Friedens in Europa beitragen.
Wunschdenken hinsichtlich des Nichteinsatzes von Atomwaffen ist nicht genug. Deklarationen sind lediglich Worte. Dagegen sind die konventionellen,
die chemischen und die atomaren Kapazitäten der Sowjets real und nehmen zu.
Würde das Bündnis eine Politik des Nichtersteinsatzes von Atomwaffen betreiben, so würde sich die Gefahr eines konventionellen Krieges - der in unserem
Zeitalter unglaublich zerstörerisch wäre - erhöhen - und damit zugleich die
Möglichkeit einer nuklearen Tragödie. Im Zweiten Weltkrieg kamen über 50 Millionen Menschen um; wir können keine Politik betreiben, die die Gefahr eines
konventionellen Krieges in Europa - von einem Atomkrieg ganz zu schweigen vergrößern würde.
Schließlich gibt es diejenigen, die innerhalb des Bündnisses oder des
"Atlantischen Hauses" bleiben wollen und all ihre Hoffnungen auf die Rüstungskontrolle setzen - sei das Allheilmittel für Europas Dilemma nun irgendeine
Version des Einfrierens von Kernwaffen oder breiter angelegte Verhandlungen.

- 11 -

�angelegte Verhandlungen.

Nur die Rüstungskontrolle, so wird gesagt, bietet

die Möglichkeit, die Bedrohung zu begrenzen, den Waffenumfang und die damit
verbundenen Ausgaben zu verringern und eine erneuerliche Entspannung zu fördern.
Aber solche Hoffnungen können nicht in der Isolation gedeihen.

Die

Rüstungskontrolle wird nur dann vorangehen, wenn die Sowjets einen Anreiz
zu Verhandlungen haben; hierzu ist auf unserer Seite eine solide militärische
Grundlage erforderlich.

Man kann von der Rüstungskontrolle auch nicht erwar-

ten, daß sie die sowjetische Führung dazu bringt, die Anwendung von Gewalt
aufzugeben:

Die sowjetische Politik im Innern wie im Ausland hängt zu sehr

von ihr ab.

Die Rüstungskontrolle bietet die Möglichkeit, unsere Sicherheit

und die Abschreckung zu stärken; sie kann jedoch nicht an die Stelle unserer
kollektiven Anstrengungen treten, eben dieses zu tun.
In normaleren Zeiten wären Debatten über verschiedene Konzeptionen der
Sicherheit des Bündnisses willkommen, über Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg
könnten wir vielleicht einen neuen Konsens finden. Aber 1983 ist keine normale Zeit, Ganz im Gegenteil: 1983 könnte sich als das wichtigste Jahr in
der Geschichte des Atlantischen Bündnisses seit seiner Gründung erweisen.
Der Grund hierfür liegt auf der Hand. Die Entschlossenheit und die
Glaubwürdigkeit des Bündnisses werden in einem Maße auf die Probe gestellt,
wie dies in keinem anderen Jahr seit 1949 der Fall war. Die Art und Weise,
wie wir den Beschluß vom Dezember 1979 über die nuklearen Mittel Streckenwaffen
durchführen, wird große Auswirkungen auf unsere Zukunft haben. Diejenigen,
die ihre abstrakten oder idealisierten Vorstellungen darüber anbringen, wie die
atlantischen Beziehungen am besten strukturiert sein sollten, um das Ergebnis
der INF-Debatte zu bestimmen, sollten dies nur in voller Erkenntnis dessen
tun, was auf dem Spiel steht. Es ist nicht überraschend, daß eine gewisse
Versuchung besteht. Es gibt Kreise in den Vereinigten Staaten, die sich fragen, warum wir uns so sehr darum bemühen sollten, zur Durchführung dieses Beschlusses zu kommen. Sie sind unglücklich darüber, daß so viele Aspekte der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen zur Geisel der INF-Entscheidung gemacht
- 12 -

�INF-Entscheidung gemacht werden, und erwähnen die Möglichkeit, daß die Dislozierung der amerikanischen Raketen in Europa die Gefahr eines direkten sowjetischen Atomangriffs auf ihre Heimat Amerika vergrößern könnte,
Auf dieser Seite des Atlantik gibt es jene •• besonders die neuen Neutralisten -die genau das Gegenteil behaupten.

Ihrem Argument zufolge würden die

neuen, auf dem Kontinent stationierten amerikanischen Waffen die Vereinigten
Staaten in die Lage versetzen, einen nuklearen Schlagabtausch zwischen Ost
und West auf Europa zu lokalisieren oder zu begrenzen.

Andere argumentieren

lediglich, daß die neuen Raketen nicht notwendig sind, weil die Sowjetunion
nicht beabsichtige, ihr derzeitiges INF-Monopol auszunützen; eine weitere Variante bilden jene, die bereit sind, unbegrenzt lange auf Rüstungskontrolle
zu warten, um die Sicherheitsprobleme zu lösen, die durch die Dislozierung
der SS-20 aufgetreten sind.

In jedem Fall ist man bestrebt, sich von der

Durchführung des Beschlusses von 1979 zurückzuziehen.
Einstellungen ist offenkundig.

Das Trügerische dieser

Die Vereinigten Staaten können nicht mehr lan-

ge in einer Welt sicher sein, in der

Westeuropa es nicht ist. Jene Amerika-

ner, die die amerikanische Nukleargarantie schwächen oder beseitigen wollen,
würden die Aussicht auf Stabilität und Frieden überall gefährden.

Um das

Risiko für sich selbst zu verringern, hätten sie es für alle erhöht.
Auch die europäischen Gegner der Dislozierung haben unrecht.

Nicht die

Begrenzung oder die Lokalisierung eines nuklearen Schlagabtausches auf Europa
wäre die Folge der amerikanischen Raketen, sondern vielmehr seine Verhinderung.
Denn tatsächlich tragen wir doch zu einem Teil durch die Drohung mit einer Eskalation und umfassender amerikanischer Einbeziehung dazu bei, Stabilität und
Abschreckung in Europa zu fördern.

Es gibt keinen besseren Beweis für diese

Tatsache als den jüngsten Kommentar von Verteidigungsminister Ustinow, daß
die Sowjetunion auf einen Schlag seitens amerikanischer Systeme in Europa mit
einem unmittelbaren Angriff auf die Vereinigten Staaten reagieren würde.
dies nicht Ankopplung ist, dann weiß ich nicht, was es überhaupt ist.
Diejenigen, die

- 13 -

Wenn

�Diejenigen, die behaupten, man brauche keine neuen Dislozierungen - sei
es, weil sie sich auf den guten Willen der Sowjets oder auf die Aussichten
der Rüstungskontrolle verlassen -, täuschen sich ganz einfach selbst.

Es ist

vielleicht wahr, daß Westeuropa mit einem Übergewicht an sowjetischer Macht
leben könnte; aber zu erwarten, daß die Sowjets nicht jeden Vorteil für ihre
eigenen paranoischen politischen Zwecke ausnützen, bedeutet, alle Lektionen
der Geschichte zu ignorieren.

In ähnlicher Weise kann man von der UdSSR nicht

erwarten, beim Fehlen aller Anreize ernsthaft zu verhandeln.

Die Dislozierung

- als Absicht oder als Tatsache - bleibt für uns der beste und einzige Weg,
die Sowjets dazu zu bringen, in gutem Glauben an Verhandlungen teilzunehmen.
Kurz gesagt:

Die Durchführung des INF-Doppelbeschlusses ist zum Eckstein

der westlichen Sicherheit in den achtziger Jahren geworden.

Dieser Beschluß

hat auch weiterhin eine solide politische und eine solide militärische Begründung.

Er wurde in Reaktion auf eine nichtprovozierte sowjetische Aufrüstung

gefaßt, die noch immer unvermindert anhält.

Er stellt die fortdauernde Ver-

pflichtung des Bündnisses zu einem Konzept der Abschreckung dar, gegründet
auf der Vorstellung, daß amerikanische Macht - mit Europa verknüpft - der
beste Weg ist, um Stabilität und Frieden Europas zu fördern.

Die Verpflich-

tung der Reagan-Administration und der Regierungen des Bündnisses zur Durchführung beider Teile des Doppelbeschlusses von 1979 - Rüstungskontrolle und,
falls nötig, Dislozierung - ist nunmehr unerschütterlich.
Meine Unterstützung für Entscheidungen, die vor rund dreieinhalb Jahren
gefällt wurden, sowie meine Kritik der verschiedenen Alternativen innerhalb
des Bündnisses sollten nicht als Selbstgefälligkeit ausgelegt werden. Die
Brüchigkeit der verschiedenen von mir beschriebenen Alternativen sollte nicht
als totale Ablehnung ihrer Gültigkeit betrachtet werden, genauso wenig, wie
es als völlige Bekräftigung des Status quo angesehen werden sollte. Wenn ich
ein altes amerikanisches Sprichwort für meine heutigen Zwecke hier modifizieren darf, so möchte ich lediglich davon abraten, das Bündnis stärker zu
reparieren, als es geschädigt ist, oder, um ein anderes Bild zu wählen, ich
dränge Sie darauf, keine Medikamente zu verwenden, die gefährlicher sind als
die Krankheit.
Dies soll
- 14 -

�Dies soll nicht heißen, daß wir auf der Stelle stehenbleiben.
darf der Reform.

Und es bedarf der engen Konsultationen.

Es be-

Wir müssen nicht

nur unsere nukleare Abschreckung verbessern, sondern auch unsere konventionellen Streitkräfte.

Es muß mehr dafür getan werden, die gemeinsamen Inter-

essen außerhalb des formellen Vertragsgebietes zu sichern.

Wir müssen sicher-

stellen, daß unsere Handelsbeziehungen mit dem Osten in Einklang mit unseren
politischen und sicherheitspolitischen Erfordernissen stehen.

Und wir müssen

auch weiterhin einfallsreich und beweglich sein bei unserer Suche nach sinnvollen Rüstungskontrollabkommen.
Aber wir müssen vorsichtig dabei sein, wie wir vorgehen. Europa ist in
den 30 Jahren seit dem Zweiten Weltkrieg ein bewaffneter Konflikt erspart
geblieben. Wir haben ein Maß an Wohlstand und an Freiheit erlangt, wie es in
der Geschichte ohne Beispiel ist. Es steht zu viel auf dem Spiel, um übereilt oder unbesonnen vorzugehen. Das Bündnis und das zugrundeliegende atlantische Modell bzw. seine Struktur bleibt relevant und lebensfähig. Nur
innerhalb seines Rahmens können wir die Kräfte des Westens in einer Weise
nutzbar machen, die die Wirksamkeit so groß und die Last unserer freien Gesellschaft und ihrer angespannten Volkswirtschaften so gering wie möglich sein
läßt.
Es gibt einen schönen

Satz in dem Roman "Der Leopard" des italienischen

Autors Giuseppe di Lampedusa.

"Wenn wir wollen, daß die Dinge so bleiben,

wie sie sind, dann müssen sich die Dinge ändern."

Das ist recht wahr.

In

der Tat besteht die Geschichte des Bündnisses aus einer Reihe von Anpassungen
an sich entwickelnde

Umstände.

Das Bündnis des Jahres 1983 ist nicht das

Bündnis von 1949.
Aber es muß auch Grenzen für unsere anderen Wege geben.

Das Wesentliche

des atlantischen Modells, welches das Bündnis darstellt, hat uns gut gedient
und sollte erhalten bleiben.

Das Bündnis kann auch weiterhin unsere Inter-

essen schützen, wenn wir hinsichtlich dessen, was wir bewahren, ebenso klug
sind wie hinsichtlich dessen, was wir verändern.
+ + + + +

- 15 -

�19

4. Mai 1983

DER WELTHANDEL UND DIE INTERNATIONALEN FINANZEN
Ein Interview mit dem Sonderbeauftragten Präsident Reagans
für Handelsverhandlungen -

WASHINGTON - (AD) - In einem Interview, das
der Sonderbeauftragte Präsident Reagans für
Handelsverhandlungen, William E. Brock, unserem Washingtoner Korrespondenten Jon
Schaffer gegeben hat, verwies er auf die Notwendigkeit, den Welthandel und die internationalen Finanzen stärker als bisher miteinander
zu verknüpfen und den Handlungsspielraum des
GATT auszuweiten. Den Ausführungen Brocks
kommt angesichts der Tagung der Wirtschaftsund Finanzminister von sieben großen Exportländern in Paris am 11. und 12. Mai und dem
Weltwirtschaftsgipfel in Williamsburg vom
28. bis 30. Mai besonderes Gewicht zu. Durch
Stärkung des -institutionellen Rahmens für den
Welthandel und die internationalen Finanzströme, des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) U nd des Internationalen Währungsfonds (IWF) sollte in der ganzen Welt
ein besseres allgemeines Wirtschaftsklima geschaffen werden, das den Warenaustausch zwischen
den Völkern begünstigt und damit die unerläßliche Voraussetzung für die Beseitigung der
weltweiten Arbeitslosigkeit schafft.
Das Interview Brocks hat, um einige weniger
bedeutende Fragen und Antworten gekürzt, folgenden Wortlaut:

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�FRAGE: Vor einigen Monaten erklärte Präsident Reagan, protektionistische
Maßnahmen gefährdeten die wirtschaftliche Erholung in aller Welt und den Weltfrieden.

Wieviel politisches Kapital würde die Regierung Reagan aufwenden,

um den Kongreß am Erlaß protektionistischer Gesetze zu hindern?
ANTWORT: Meinem Dafürhalten nach

sind wir bereit, so gut wie alles

politische Kapital aufzuwenden, über das wir verfügen, um nicht nur unser Land,
sondern die ganze Welt auf dem Weg zu wirtschaftlicher Erholung zu halten.
Der Protektionismus kann unsere Bemühungen, die Beschäftigung ohne
Inflation wieder auf den früheren Stand zu bringen, sowohl in unserem Lande
als auch in der ganzen Welt mit einem Schlag zunichtemachen.

Deshalb werden

wir jede nur erdenkliche Anstrengung unternehmen, um sicherzustellen, daß der
Kongreß keine aggressiven protektionistischen Gesetze erläßt, die unseren
Handelspartnern - und offen gesagt - langfristig auch den Vereinigten Staaten
Schaden zufügen.
FRAGE: Einschließlich der Einlegung des Vetos durch den Präsidenten?
ANTWORT: Ja, wenn es notwendig werden sollte. Meiner Meinung nach hat
der Präsident dies bereits demonstriert: Vor genau einem Jahr hat er ein
anderes protektionistisches Gesetz mit seinem Veto belegt.
FRAGE: Beamtete und auch private Handelsanalytiker sind übereinstimmend
der Auffassung, daß kurzfristig die größten Gewinne aus der Liberalisierung
des internationalen Handelssystems über bilaterale - nicht multilaterale Anstrengungen zu erreichen sind. Trifft dies Ihrer Auffassung zu? Besteht
nach Auffassung der Administration die Notwendigkeit einer Alternative zum
Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT)?
ANTWORT: Das GATT hat mehr als jede andere Institution dazu beigetragen,
eine explosionsartige Expansion des Welthandels herbeizuführen.

Das war

�Das war nachgerade fantastisch.

Die Wachstumsraten des Welthandels waren weit

höher als die der Weltproduktion, und das hat sehr zum Wohlergehen dieses
Landes und vieler anderer Länder beigetragen.
Somit geht unsere Ansicht über das GATT dahin, daß wir im gegenwärtigen
Augenblick jeden Versuch unterlassen sollten, eine Ersatz-Institution zu schaffen,
sondern dafür sorgen müssen, daß GATT besser- funktioniert.

Was immer wir tun

können, um das GATT zu unterstützen und zu stärken, wird getan; und wir werden
unsere Handelspartner ermutigen, sich uns hierin anzuschließen.
Sicherlich wird man Handelsproblemen in der Größenordnung der Schwierigkeiten, die wir gegenwärtig mit unseren Freunden in Europa im Agrarhandel haben,
kurzfristig am ehesten durch ein bilaterales Vorgehen bereinigen können einfach weil in den multilateralen Institutionen keine ausreichenden Verfahrensregeln hierfür bestehen.
Das aber macht es erforderlich, daß wir zwei Dinge allen anderen voran
tun: Erstens, kurzfristige Probleme in bilateralen Konsultationen auf dem
Verhandlungswege lösen, und zweitens gleichzeitig auf eine Stärkung der
Verfahrensregeln hinarbeiten, damit derartige Probleme erst gar nicht mehr
auftreten oder raschestens auf multilateralem Wege gelöst werden können.
FRAGE: Können Sie uns Ergänzendes zu Berichten von Gesprächen zwischen
unserem Land und seinen Verbündeten über Vorschläge für ein "GATT-Plus" oder
"Super-GATT" sagen oder diese richtigstellen?
ANTWORT: Gewiß, man wirft heute mit solchen Worten herum.

Wir haben den

Hang, allen Dingen ein Etikett anzuhängen: "Super-GATT", "GATT-Plus",
"Tagung gleichgesonnener Länder" - und anderes mehr.

Die Gefahr besteht meiner

Meinung nach darin, daß die Völker solchen Worten letztlich mehr Bedeutung
beimessen als den Zielen.
Im Grunde

- 3 -

�Im Grunde genommen sind sich die Vereinigten Staaten wohl darüber im
klaren, daß die internationalen Strukturen und Institutionen des Handels und
der Finanzen gestärkt und verbessert werden müssen.

Wir führen intern viele

Gespräche über die Frage, wie sich das bewerkstelligen läßt. Wir sind noch
nicht sicher, ob wir eine einfache und klare Antwort finden werden. Wir haben
auch diesbezüglich Gespräche mit einigen unserer Handelspartner eingeleitet.
Diese Gesprächsrunden werden in den nächsten Monaten an Intensität gewinnen,
wenn die unterschiedlichen Methoden zur Behandlung dieses Problemkreises zur
Sprache kommen.
Das besagt nicht, wir hätten uns bereits für die Schaffung eines "SuperGATT" oder eine Art "GATT-Plus" entschieden. Wichtiger scheint mir zu sein,
daß wir uns intern verpflichtet fühlen, das GATT, den Internationalen Währungsfonds sowie das Verhältnis zwischen beiden und die Einsicht seitens der internationalen Handelswelt zu stärken, daß wir alle mehr leisten müssen als in der
Vergangenheit, wenn wir sicherstellen wollen, daß die Welt mit der Liberalisierung des Handels fortfährt. Nur so können wir neue wirtschaftliche Möglichkeiten und neue Arbeitsplätze schaffen und mit den Schuldenproblemen fertig
werden, unter denen die Entwicklungsländer leiden. Wir müssen das alles zudem
möglichst rasch tun.
FRAGE: Sind dies die Probleme, über die die Wirtschafts- und Finanzminister
der sieben Gipfelländer auf ihrer Tagung in Paris vom 11. bis 12. Mai sprechen
werden.
ANTWORT: Das sind ihrem Wesen nach vorbereitende Gespräche, Sondierungen:
Wir werden eine Menge Fragen stellen. Wir haben auch eigene Vorstellungen
entwickelt, glauben aber nicht, daß der Zeitpunkt für unser Land gekommen ist,
konkrete Vorschläge vorzulegen.
Wir möchten Verständnis für das Ausmaß der Probleme wecken, vor die sich
andere Länder gestellt sehen; wir wollen herausfinden, wie wir uns gegenseitig

- 4 -

�uns gegenseitig multilateral in dem Wissen um den grundlegenden Zweck einer
Ausweitung des Handels bestärken können.
Wir alle sehen uns im eigenen Land mit dem Protektionismus konfrontiert.
Es gibt kein Land, das frei von protektionistischen Pressionen ist. Wie
können wir diese gemeinsam verringern?

Und sollten nicht die Finanz-, die

Wirtschafts- und die Außenminister sämtlich letztlich in diese Art von Unternehmen involviert werden, wenn es darum geht, uns gegenseitig in dem Willen
zu bestärken, negativen Pressionen zu widerstehen?
Die Art von Fragen, die wir einander zu stellen beabsichtigen,und die
Gebiete, auf denen wir nach Fortschritten streben werden, sind ziemlich
offenkundig.
Erstens - und damit möchte ich keinerlei Priorität zum Ausdruck bringen wie steht es um die offensichtlich ständig an Bedeutung zunehmenden Beziehungen
zwischen Handel, Finanzen und Währung. Die Schuldenkrise der weniger entwickelten
Länder rückte, wenn nichts anderes, so doch mindestens dieses Faktum in den
Blickpunkt des Interesses.
Sind unsere internationalen Institutionen hinreichend etabliert und koordiniert, um mit Problemen dieser Art fertig zu
werden?
Zweitens müssen wir unser Augenmerk meiner Auffassung nach auf den multinationalen Entscheidungsprozeß innerhalb des GATT konzentrieren.

Zwischen dem

GATT und der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) besteht ein ständiger
Spannungszustand.

Sollten sich diese beiden Instutionen nicht gegenseitig

stärken, statt miteinander in Konkurrenz zu treten?

Können wir eine Methode

entwickeln, um den Entscheidungsprozeß in Institutionen wie dem GATT generell
zu verbessern?
Das sind grundlegende Fragen, auf die sich keine sehr leichten Antworten
finden lassen dürften.
FRAGE: In den letzten
- 5 -

�FRAGE:

In den letzten Wochen haben mehrere hohe amerikanische Regierungs-

beamte erklärt, die von einem GATT-Gremium getroffene Weizenmehl-Entscheidung,
die gegen die Vereinigten Staaten ergangen ist, bedeute, daß im Handel mit
Agrarerzeugnissen "das Gesetz des Dschungels" herrsche. Werden Agrarsubventionen zur Alltagspraxis auch in den Vereinigten Staaten, oder gibt es eine
andere Methode zur Lösung dieses Problems, die bisher noch nicht ausprobiert
wurde?
ANTWORT:

Sie werden bemerkt haben, daß ich sehr lange pausierte, um

diese Fragen zu beantworten.

Ich glaube nicht, daß es eine ausgemachte Sache

ist, daß wir uns umfassender Agrarsubventionen bedienen werden. Aber unsere
Optionen sind gegenwärtig äußerst begrenzt.

Es wächst in diesem Land das Ge-

fühl, daß wir mehr und mehr benachteiligt werden und daß wir uns im Wettbewerb
immer stärker anstrengen müssen.
Es gibt zwei Auswege aus dieser Lage. Wir können entweder der Praxis
anderer Länder folgend unsere Zuflucht zu umfangreichen aktiven und unverblühmten staatlichen Interventionen in Gestalt von Prämien und Beihilfen nehmen oder kurzfristig einen vorübergehenden Waffenstillstand vereinbaren, in
dem beide Seiten gewisse Konzessionen machen, um einen Handelskrieg zu vermeiden. Und wir können uns mit unseren Handelspartnern darauf einigen, in
vernünftiger Zeit bessere internationale Regeln zustandezubringen, um zu verhindern, daß sich dergleichen jemals wiederholt.
Ich halte die letzte Methode - bilaterale Verhandlungen und multilaterale
Verbesserungen der Regeln - für die bessere.
Ich bin nicht sicher, ob es dazu kommen wird. Es könnte sein, daß einige
Länder ihren eigenen Vorstellungen so stark verhaftet sind, daß sie auf ihnen
bestehen und wir deshalb zu keiner Lösung gelangen können. Wir werden uns sehr
anstrengen, das Problem zu lösen. Wenn es uns nicht gelingt, haben wir, die
Vereinigten Staaten, meines Erachtens wenigstens hinreichend klar gemacht, daß
wir unsere Lebensinteressen verteidigen, ja verteidigen müssen.
FRAGE:
- 6 -

Die

�FRAGE:

Die Vereinigten Staaten führen Klage darüber, daß die Subven-

tionierung der Landwirtschaft in der Europäischen Gemeinschaft aufgrund der
"gemeinsamen Agrarpolitik" den Vereinigten Staaten auf ihren traditionellen
Märkten erhebliche Marktanteile gekostet hat. Würden sich die Vereinigten
Staaten damit zufrieden geben, wenn sich die Europäische Gemeinschaft bereit
erklärte, ihre Beihilfe so weit zu begrenzen, daß die Amerikaner ihre durchschnittlichen Marktanteile aus der Vergangenheit erfolgreich behaupten könnten.
ANTWORT: Da wir zur Zeit sehr intensive und, wie ich meine, auch sehr
konstruktive Gespräche führen, zögere ich etwas, hier zu erklären, was, kurzfristig gesehen, ausreichend sein mag oder nicht.
Es besteht kein Zweifel an der Geschlossenheit der amerikanischen Haltung hierzu - offen gesprochen, besteht kein Zweifel an unserer Entschlossenheit, dieses Problem zu lösen. Weil wir aber dieserhalb in reichlich delikate Erörterungen verwickelt sind, möchte ich hier lieber nicht allzu deutlich werden, sondern lieber auf den grundlegenden Punkt zurückkommen, daß
wir seit einiger Zeit schon das Gefühl haben, es gäbe überhaupt keine Entschuldigung für die seit 30 Jahren geübte Praxis, die Landwirtschaft insoweit als Stiefkind des Welthandels zu behandeln, als man den Agrarhandel
überall ausklammert und keinerlei wirksame Regeln für ihn aufstellt.
Wenn wir jüngst so verärgert über die Weizenmehlentscheidungen des GATT
waren, so deshalb, weil das GATT-Gremium

effektiv feststellte, die Vereinig-

ten Staaten wären im Recht, sich dann aber weigerte, für Abhilfe zu sorgen.
Das aber läßt es zweifelhaft erscheinen, ob das GATT der Verantwortung nachzukommen bereit ist, die ihm von den 85 Signatarstaaten des GATT-Vertrages
auferlegt wurde, oder nicht.
Es kann in dem bisherigen Rahmen so nicht weitergehen.
geschehen.

Es muß etwas

Entweder müssen wir bessere Regeln aufstellen oder der Apparat

wird aus den Fugen geraten.
FRAGE:

Wollen

�FRAGE:

Wollen Sie damit sagen, daß wir auf andere kurzfristige Lösun-

gen in dem Gedanken eingehen werden, wir müßten uns mit einer kurzfristigen
Lösung als Schritt in Richtung auf eine langfristige Bereinigung des Problems
abfinden?
ANTWORT:
FRAGE:

Ja, das trifft weitgehend zu.
Könnte die Lösung in einer Aufteilung von Märkten bestehen?

ANTWORT:

Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Vereinigten Staaten -

sei es auch nur auf Zeit - einer Aufteilung von Märkten zustimmen, die besagt, auf diesen Gebieten dürfen wir mit anderen in Wettbewerb treten und auf
anderen nicht.

Ich würde jedenfalls zaudern, das zu tun.

FRAGE: Die amerikanische Regierung hat in den letzten Monaten heftige
verbale Attacken gegen das Herauspicken einzelner Industrien als Angriffsziele geführt, wie es insbesondere von der japanischen Industrie praktiziert
wird.
Gegen welche industrielle Zielpraktiken wendet sich die Administration
speziell, und was sollten andere Länder nach Ansicht der Vereinigten Staaten
dagegen unternehmen?
ANTWORT:

Wir sorgen uns, daß der Begriff "industrielle Zielpraktiken"

dahingehend ausgelegt wird, die Regierungen seien ermächtigt, auf den internationalen Märkten so zu intervenieren, daß andere Handelspartner benachteiligt werden. Ein Beispiel wäre die Gewährung beträchtlicher staatlicher Zuschüsse, selbst auf den Gebieten der Forschung und Entwicklung. Die Bildung
von Kartellen kann manchmal ernste Handelsverzerrungen hervorrufen. In diese
Reihe gehören Verstaatlichungen, wenn sie den Zweck verfolgen, einen Deckmantel für die Einschleusung massiver staatlicher Mittel abzugeben, um einen
andernfalls unwirtschaftlichen Anteil von Auslandsmärkten für sich zu gewinnen.
Diese industriellen
- 8-

�Diese industriellen Zielpraktiken sind eine neue Taktik, die immer
stärker in den Vordergrund tritt - eine Taktik, die hinreichend kompliziert
ist und zahlreiche Überlegungen und Gespräche erforderlich macht.

Wir haben

noch keine gute Abwehr dagegen entwickelt - und machen uns dieserhalb Sorgen.
Es ist nach unserem Dafürhalten an der Zeit, die gelbe Warnflagge zu hissen
und darauf hinzuweisen, daß hier Vorsicht geboten ist, weil es sonst zu
unnötigen Spannungen kommen wird.
FRAGE:

OECD-Generalsekretär Van Lennep sprach von der Bedrohung durch

eine "Kettenreaktion von Abwehrmaßnahmen" in den Handelsbeziehungen.

Halten

Sie das für wahrscheinlich?
ANTWORT:

Diese Möglichkeit besteht immer.

Noch haben wir den kritischen

Punkt nicht erreicht; unser vielleicht größtes Ziel ist es, sicherzustellen,
daß es eben nicht dazu kommt...
FRAGE: Können Sie angesichts der anhaltenden Arbeitslosigkeit in Europa
und in den Vereinigten Staaten und der starken protektionistischen Pressionen
einen Grund anführen, der die Entwicklungsländer zur Erwartung besserer Märkte
für ihre Produkte in den Industriestaaten als in den letzten Jahren berechtigt?
ANTWORT: Ja. Es wäre äußerster Wahnsinn seitens der industrialisierten
Welt, ihre Märkte für die Produkte der Entwicklungsländer zu sperren. Die
sich hieraus ergebende Bedrohung unseres Wohlergehens wäre schrecklich. Die
Vereinigten Staaten verkaufen heute mehr in die Entwicklungsländer und tätigen
mehr Handel mit Entwicklungsländern als mit Europa und Japan zusammen; 39
Prozent unserer Ausfuhren gehen in Entwicklungsländer.
Unser Finanzsystem wird durch die Verschuldung der Dritten Welt stärkstens
belastet.

Zu glauben, daß die einzelnen Länder ihre Schulden bezahlen können,

wenn sie keine Absatzmärkte für ihre eigenen Produkte finden, ist unrealistisch
und deshalb einfach falsch.
Wir müssen
- 9 -

�Wir müssen nicht nur einige unserer Handelspartner, sondern auch gewisse Leute im eigenen Land davon überzeugen, daß jeder Versuch, die Absatzmöglichkeiten für Entwicklungsländer zu beschneiden, uns größeren Schaden
zufügt als ihnen.
Es gibt nur eine Methode, aus der Rezession herauszukommen:
zu treiben.

mehr Handel

Und es gibt nur eine Methode, die Schuldenkrise zu lösen:

mehr

Handel zu treiben.
Die Alternative dazu wäre, was 1930 geschah:

Wachsender Protektionismus

und anschließende weltweite Depression.
FRAGE:

Die Administration wird dieses Jahr, so weit ich weiß, eine

Erneuerung der amerikanischen Handelspräferenzen für Entwicklungsländer
unter dem GSP-Programm (Generalized System of Preferences) und einige Änderungen desselben fordern.

Können Sie uns sagen, um welche Änderungen es

sich handeln soll?
ANTWORT:

Wir stehen noch mitten in den internen Erörterungen der Frage,

wie wir das am besten vertreten können, was meiner Auffassung nach ein wohlbegründetes Ziel der Administration darstellt, nämlich die Ausweitung des GSPSystems.
Wir meinen, dieses Programm käme den Entwicklungsländern ebenso zugute
wie uns:

Keiner wäre der Verlierer.

Es bestehen jedoch schwere Pressionen in diesem Land, einfach jede Art
von Präferenzen abzuschaffen, und wir müssen uns über diese Pressionen klar
werden und eine Methode finden, ihnen wirksam entgegenzutreten.
Kurzfristig unterliegen wir hierin politisch der Hitze des Augenblicks,
dem Druck der Arbeitslosigkeit.

Das trifft für alle Länder der Erde zu.
Unsere Einstellung
- 10 -

�Unsere Einstellung zu GSP basiert in erster Linie auf der Überzeugung,
daß es in unserem nationalen Interesse liegt, das GSP-System auszuweiten.
Wir müssen es aber in gewisser Hinsicht modifizieren.

Wir hoffen, daß wir

nicht nur einen Wandel herbeiführen, sondern einen positiven oder progressiven Wandel, der sich nicht für irgendwelche Entwicklungsländer als eine Art
Strafmaßnahme
FRAGE:

auswirkt...
Werden Sie auf die Idee von Nord-Süd-Handelsverhandlungen zurück-

kommen, die wir auf der GATT-Ministertagung im November vergangenen Jahres
präsentiert haben?
ANTWORT:

Sicherlich.

FRAGE: Ist dies heute noch eine lebenskräftige Idee? Meines Wissens
haben die Entwicklungsländer den amerikanischen Vorschlag zurückgewiesen.
ANTWORT: Während die meisten Entwicklungsländer auf der Ministertagung
unseren Vorschlag zu begrüßen schienen, weil sie größtenteils von ihm profitiert hätten, reagierten einige wenige unter ihnen nervös, weil er ihrer Meinung nach irgendwelche Gefahren für sie mit sich bringe. Deshalb hinderten
sie das GATT daran, wirksame Schritte zu unternehmen. Natürlich haben sie
die Möglichkeit, das GATT zu blockieren, wenn sie dies wünschen. Das ändert
aber nichts an der amerikanischen Politik. Wir können diesen Kurs auch aus
eigener Kraft verfolgen.
FRAGE:
ANTWORT:
tun sollten.

Auf bilateraler Basis statt in einem multilateralen Rahmen?
Durchaus möglich.

Ich sehe keinen Grund, warum wir das nicht

Letzten Endes können wir, falls wir diesen Kurs einschlagen,

auch dessen Richtigkeit beweisen.

Er könnte auch auf multilateraler Basis

größere Unterstützung finden.
Bedenken Sie:

- 11 -

�Bedenken Sie:

Es gab in den GATT-Gesprächen in Genf auf Seiten der

meisten Länder sehr wenig Widerstand gegen diese Idee.

Die Mehrheit von

ihnen schien diesen Vorschlag für sehr ansprechend zu halten, würde er doch
zu einer beträchtlichen Steigerung des Welthandels führen.

Genau das glau-

ben wir auch.
Es trifft zu, daß das GATT als Organisation auf einen allgemeinen Konsens
angewiesen ist:

Deshalb können zwei oder drei Länder das GATT daran hindern,

eine positive Entscheidung zu fällen, besitzen sie doch eine wirksame VetoGewalt.
FRAGE:

Die Industrieländer drängen die Entwicklungsländer auf eine

weitere Liberalisierung des Handels - auch wenn sie gleichzeitig anerkennen,
daß die Schuldensituation der weniger entwickelten unter ihnen eine Einschränkung der Einfuhren erforderlich macht.

Reicht der bestehende insti-

tutionelle Apparat aus, um mit diesen Problemen fertigzuwerden?
ANTWORT: Nein. Ich habe schon auf den Zusammenhang zwischen Handel
und Finanzen hingewiesen. Nach meinem Dafürhalten müssen wir uns ernsthaft
um eine Methode bemühen, diese beiden noch enger miteinander zu verknüpfen.
Wenn beispielsweise Restriktionen des Internationalen Währungsfonds gegen
ein Land verhängt werden, um den Ausgleich seiner Zahlungsbilanz zu erzwingen, sollte das GATT meines Erachtens in irgendeiner Form hinzugezogen werden, um sicherzustellen, daß die von dem besagten Land zu unternehmenden
Schritte die geringstmöglichen - und nicht die größtmöglichen - Handelsverzerrungen hervorrufen...
FRAGE:

Halten Sie den Rückgang des Welthandels vom vergangenen Jahr

für eine Folge der weltweiten Rezession, oder war er auf die Zunahme der protektionistisehen Pressionen in den letzten Jahren zurückzuführen?
ANTWORT: Er war eindeutig eine Folge der Rezession. Es ist äußerst
gefährlich, das Ausmaß des Rückgangs des Welthandels einem Phänomen wie dem

- 12 -

�wie dem Protektionismus anzulasten.

Noch schlimmer aber ist es, daß der

Rückgang des Welthandels den Grad der Verschuldung der Entwicklungsländer
verschärfte.

FRAGE:

Die Ursache hierfür aber war er nicht.

Welche Vorhersage würden Sie angesichts der derzeitigen Schulden-

probleme der Entwicklungsländer und der nur langsamen Verbesserung der Konjunktur in Europa für die Entwicklung des Welthandels im Jahr 1983 treffen?

ANTWORT:

Er wird wahrscheinlich ziemlich stabil sein.

Der amerikanische

Aufschwung kommt ziemlich gut voran und scheint sich über 1983 hinaus auch
im Jahr 1984 fortzusetzen.

Das ist gut, weil unser Aufschwung doch zur Wiederbelebung des Wachstums
auch in jenen Ländern beitragen wird.

Unsere Volkswirtschaft ist die größte

und auch die kräftigste, und sie übt auf alle anderen Länder Einflüsse aus,
die sehr,sehr beträchtlich sind.

Aber die Entwicklung verläuft nur langsam und schmerzlich, weil einige
Länder rascher aus der Misere herauskommen werden als andere.
zerrungen geben.

Es wird Ver-

Das Schuldenproblem verschärft die Schwierigkeiten einiger

Entwicklungsländer erheblich und erlegt ihrer Fähigkeit, einen raschen Wandel
herbeizuführen, enge Grenzen auf.

Wenn wir aber vorsichtig vorgehen und

internationale Institutionen wie den Weltwährungsfonds mit ausreichenden
Mitteln ausstatten, dann werden wir die Schuldensituation einigermaßen bewältigen - so wie wir sie im vergangenen Jahr bewältigt haben.

So können wir aus

der derzeitigen Misere herauskommen und in zwei Jahren in weit gesünderen
Verhältnissen leben.

+ + + + +

- 13 -

�Wi//cn/chaft
und Technik

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

19

4. Mai 1983

MECHANISCHE OHREN LAUSCHEN INS ALL
Natürliches oder künstliches Radiosignal? Verbesserte Apparaturen
sollen Unterscheidung ermöglichen -

- (AD) - Die Suche nach Signalen außerirdischer Zivilisationen, von der
in den letzten Jahren kaum mehr die Rede war, hat durch die Bewilligung für
das NASA-Budget von jährlich mindestens 1,5 Millionen Dollar in den kommenden
fünf Jahren zur Weiterführung von Experimenten neue Publizität erlangt.
Inzwischen setzten sich prominente Wissenschaftler aus zahlreichen Ländern
für ein systematisches, weltweit abgestimmtes Programm ein. Der hohe Stand
der Technologie, Radiosignale aus dem Kosmos zu empfangen - selbst wenn die
Quelle Tausende von Lichtjahren entfernt sei -, rechtfertige den Versuch.
Ein derartiges Programm sei außerdem geeignet, der Computertechnik neue Fortschritte zu bringen.
Das vor mehr als zwei Jahrzehnten begonnene Experiment SETI ("Search for
Extraterrestrial Intelligence" - Suche nach außerirdischen Zivilisationen)
wird nun mit verbesserten Apparaturen fortgesetzt.

Seit dem 2. März 1983

lauscht ein Radioteleskop des Oak Ridge-Observatoriums der Harvard-Universität,
30 km nordwestlich von Boston im US-Bundesstaat Massachusetts, auf Signale aus
dem All.

Die Leitung dieses auf vier Jahre angesetzten Projekts, das zunächst

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: Ö-85432

�das zunächst mit privaten Geldern, u.a. von der Internationalen Planetaren
Gesellschaft, finanziert wird, haben der Physiker Paul Horowitz (HarvardUniversität) und der Astrophysiker Carl Sagan (Cornell-Universität, New York)
übernommen.
Am "mechanischen Ohr", einer Parabolantenne von 25 m Durchmesser, wurde
ein von Horowitz konstruierter koffergroßer Empfänger installiert, der mit
einem Computersystem verbunden ist. Er vermag Signale auf 128 000 schmalen
Frequenzbändern gleichzeitig aufzunehmen, wobei das Firmament abschnittweise
beobachtet wird.

Vorgesehen ist, mit dem "Ohr" in Richtung von zwei Milliarden

der etwa drei Milliarden Sterne unserer Milchstraße zu lauschen.

Falls irgend-

wo auf deren Planeten intelligente Lebewesen existieren, wäre es denkbar, daß
sie künstlich erzeugte Radiosignale senden.

Die an SETI interessierten

Wissenschaftler sind sich jedenfalls darüber einig, daß Funksignale am ehesten
von der Existenz außerirdischer Zivilisationen Kunde geben könnten.

Horowitz

will sich dabei auf "magische Frequenzen", zu denen beispielsweise die
natürliche Abstrahlung von Radiosignalen durch angeregte Wasserstoffatome zählen,
konzentrieren.

Er ist überzeugt, daß eine hochentwickelte außerirdische

Zivilisation vermutlich solche Frequenzen benutzen würde, weil es in diesem
Teil des Radiospektrums wenig Interferenzen gebe.
Es sei jedoch ungemein schwierig, so Dr. Stuart Bowyer von der Universität
Berkeley (Kalifornien) auf der Dezember-Tagung der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft in Boston, aus dem Wust von kosmischen Radiosignalen von Signalen aus irdischen Störquellen einmal ganz abgesehen - solche herauszufinden, die zumindest "verdächtig" sind, künstlich erzeugt worden zu sein.
Am universitätseigenen Hat Creek-Radioobservatorium habe man bei den regulären
Messungen 35 Tage lang eine automatische Aufzeichnungsapparatur zugeschaltet.
Von zehn Millionen Radiosignalen erschienen jedoch nur zehn Signale einer
näheren Analyse wert. Sie könnten aber nur dann als möglicher Indikator für
eine Botschaft aus fremden Welten angesehen werden, wenn sie an dem gleichen
Punkt, wo man sie entdeckte, wiederholt zu beobachten seien. Die Widrigkeiten

- 2 -

�Die Widrigkeiten, eine "Funkbotschaft" überhaupt zu erfassen, seien im
wahrsten Sinn des Wortes astronomisch.

Denn diese müßte auf der richtigen

Frequenz zum richtigen Zeitpunkt in ganz bestimmter Richtung ausgeschickt
werden, um auf der Erde empfangen werden zu können.
Laut Donald Devincenti, Direktor für Forschung und Technologie der
NASA-Abteilung für Biologie und Medizin, befindet sich das SETI-Projekt des
US-Amtes für Luft- und Raumfahrt gegenwärtig in der Forschungs- und Entwicklungsphase.

Innerhalb weniger Monate könne der Prototyp für ein SETI-System

mit einem Radioteleskop kombiniert werden. Jedoch sei wohl erst in etwa
fünf Jahren mit zuverlässigen Angaben zu rechnen, ob man es mit natürlichen
oder künstlichen Signalen zu tun habe.

In Zusammenarbeit mit dem Ames-Labo-

ratorium der NASA (Mountain View, Kalifornien) entwickelt z.Zt. eine Forschergruppe der Stanford-Universität unter der Leitung von Prof. Alan Peterson
einen "Vielkanal-Analysator" für Radiowellen mit dem bis zu 74 000 Kanäle
voneinader getrennt und die Signale untersucht werden sollen.

Das Prototyp-

Gerät wird zunächst am Goldstone-Observatorium der NASA (Kalifornien), einer
Station des "Deep Space Network" der Vereinigten Staaten, erprobt, und dann
am größten Radioteleskop der Welt (Arecibo in Puerto Rico) getestet.

In

etwa fünf Jahren könnten sechs solcher Maschinen mit Kapazitäten von zehn
bis hundert Millionen Kanälen zur Verfügung stehen.
- "Leben im Universum" "Leben im Universum" wurde an der Stanford-Universität im Februar 1983
sogar in den jährlich abgehaltenen naturwissenschaftlichen Grundkurs für
Kliniker einbezogen.

Er umfasste Themen wie "Die biogenen Elemente von Ver-

bindungen: Vom Sternenstaub zu den Planeten", "Suche nach anderen Planetensystemen", "Chemische Evolution und der Ursprung des Lebens", "Entstehung
und Evolution molekularer Asymmetrie", "Biologie im Präkambrium: Evolution
komplexer Lebensprozesse", "Suche nach außerirdischer Intelligenz".
Aus Entwicklungen

- 3 -

�Aus Entwicklungen von Kollegen des Nobelpreisträters Joshua Lederberg,
der in den fünfziger Jahren den Begriff "Exobiologie" prägte, gingen Roboter
für die Erforschung von Planeten unseres Sonnensystems wie des Planeten Mars
(Projekt VI KING) hervor. Einige dieser Instrumente werden heute in Biologie
und Medizin eingesetzt und leisten wertvolle Dienste.
Dr. Edward Rubenstein, zuständig für die Weiterbildung graduierter
Mediziner, und Dr, John Billingham, Leiter der Abteilung "Extraterrestrische
Forschung" am Ames-Laboratorium, erläuterten den Hörern die Gründe für die
Präsentation der Themen, die auch für Spezialisten auf medizinischen Fachgebieten Bedeutung haben: Die Erde sei nichts Außergewöhnliches, ein kleiner
Planet eines unter dem Durchschnitt rangierenden Sterns in unserem Milchstraßensystem.

In wissenschaftlicher Sicht sei Leben das Endergebnis von

Reaktionen chemischer Stoffe, angeregt durch die Energie eines Sterns, in
bestimmter Art und Weise gemischt.
sei dies auch andernorts denkbar.

Wenn Leben auf der Erde existieren könne,
"Ein Lehrgang für Kliniker sollte die

Diskussion nicht auf neueste wissenschaftliche Fortschritte in Bezug auf
jene Probleme beschränken, die zur Medizin direkte Verbindung haben", erklärte
Rubenstein.

Arzte seien vor allem dann an Forschungsgebieten außerhalb der

Medizin interessiert, wenn diese einen tiefgreifenden Bezug zur Biologie hätten.
Dr. Billingham erklärte u.a. die technischen Aufgaben des "VielkanalAnalysators" (MultiChannel Spectrum Analyzer). "Wir wissen nicht, auf welchen
Frequenzen wir suchen sollen - aber wir kennen den Spektralbereich, der am
besten geeignet wäre: Es ist das Mikrowellenfenster", meinte er. Dies sei
ein sehr weiter Bereich mit etwa 10 Milliarden Kanälen. Keine Maschine der
Welt sei in der Lage, auf so vielen Kanälen gleichzeitig zu "lauschen".
Deshalb solle das Prototyp-Gerät von Dr. Peterson in Verbindung mit einem
ausgeklügelten Datenverarbeitungssystem zunächst einmal dazu beitragen,
natürliche von möglicherweise künstlich erzeugten Radiosignalen aus unserem
Milchstraßensystem unterscheiden zu helfen.

+ + + + +

- 4-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert Unterstützung seiner Mittelamerikapolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Präsidenten vor dem US-Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Burt: Sowjetunion braucht Anreiz für Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Unterstaatssekretärs in Hamburg -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Welthandel und die internationalen Finanzen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Interview mit dem Sonderbeauftragten Präsident Reagans für Handelsverhandlungen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mechanische Ohren lauschen ins All&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Natürliches oder künstliches Radiosignal? Verbesserte Apparaturen sollen Unterscheidung ermöglichen -&lt;/em&gt;</text>
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11, Mai 1983
I N H A L T

DOKUMENTATION
Erklärung Reagans zur Freeze-Resolution des Kongresses
Aktuelle Entwicklungen des Atlantischen Bündnisses
- Von Botschafter Tapley Bennett -

WIRTSCHAFT
US-Außenminister umreißt Fragen des Ost-West-Handels
- Shultz bei der OECD in Paris -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Physik im Dienst der Medizin
- "SQUID"-Apparatur mißt Eisenspiegel

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40

�11. Mai 1983

ERKLÄRUNG REAGANS ZUR FREEZE-RESOLUTION DES KONGRESSES

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 5. Mai 1983 mit
Genugtuung festgestellt, daß eine große Zahl von Kongreßmitgliedern die Gefahren
erkannt habe, die mit einem sofortigen Einfrieren der Kernwaffen verbunden wären.
Die Resolution, die das amerikanische Repräsentantenhaus am 4. Mai verabschiedet
hatte und in der ein beiderseitiges Einfrieren der Kernwaffen in den Vereinigten
Staaten und in der Sowjetunion gefordert wird, stelle, so betonte Reagan, jedoch
"keine Antwort auf die Rüstungskontrolle dar, die ich verantwortungsbewußt
unterstützen könnte".
Die vom Weißen Haus veröffentlichte Erklärung des Präsidenten hat folgenden
Wortlaut:
Vor fast zwei Monaten begann das Repräsentantenhaus eine ernsthafte Debatte
über alternative Wege zur Rüstungskontrolle.

Die Debatte, eine der längsten

in der Geschichte des Repräsentantenhauses, hat nicht nur das Verständnis für
diese Fragen vertieft, sondern auch klargemacht, daß die Fragen selbst äußerst
komplex sind.

Es gibt keine leichten Antworten auf die Frage der Rüstungs-

kontrolle.
Während der Debatte

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Während der Debatte begannen mehr und mehr Mitglieder des Repräsentantenhauses einzusehen, daß ein sofortiges Einfrieren - das zwar äußerlich ansprechend
zu sein scheint - grundlegende Fehler hätte,

über 30 Jahre lang haben wir den

Weltfrieden bewahrt, weil die Vereinigten Staaten wirksame Abschreckungsstreitkräfte unterhalten.
gefährden.

Wir dürfen unsere Fähiakeit, den Frieden zu erhalten, nicht

Ebensowenig können wir die Vereinigten Staaten auf eine Position

der Unterlegenheit festlegen.

Und wir dürfen keine Schritte unternehmen, die

die hoch sensitiven RüstungskontrollVerhandlungen in Genf stören würden.
Ich freue mich, daß eine große Zahl von Mitgliedern des Kongresses die
Gefahren erkannt hat, die mit einem einfachen Einfrieren verbunden wären, und
Änderungen durchgesetzt hat, die eine Verbesserung der endgültigen Resolution
bewirkten, die vom Repräsentantenhaus verabschiedet wurde.

Besonders begrüßens-

wert war die Levitas- Änderung, weil sie die Bedeutung der Rüstungsverringerung
für die Erreichung echter Rüstungskontrolle hervorhebt.
Die Quintessenz der gestern abend verabschiedeten Resolutioi. ist zwiespältig,
ja innerlich so widersprüchlich, daß eine Interpretation schwer fällt. So
fordert die Resolution beispielsweise ein Einfrieren, während sie gleichzeitig
die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung einer Gleichwertigkeit und ein stabiles
internationales Gleichgewicht unterstreicht. Diese Administration stimmt - wie
sie das schon so oft zum Ausdruck gebracht hat - zu, daß die Aufrechterhaltung
eines Rüstungsgleichgewichts wesentlich ist. Alles in allem stellt die endgültig vom Repräsentantenhaus verabschiedete Resolution - wenn auch mit großen
Verbesserungen - keine Antwort auf die Rüstungskontrolle dar, die ich verantwortungsbewußt unterstützen könnte.
Sollte diese Debatte jetzt im Senat weitergehen, dann bin ich sicher, daß
die Zweifel an und die Opposition gegenüber einem einfachen Einfrieren jetzt
weiter wachsen werden. In der Zwischenzeit wird diese Administration sich am
Verhandlungstisch mit allem Nachdruck für Rüstungsverringerungen einsetzen, die
nach meiner Meinung die beste und wahre Hoffnung auf Frieden und Stabilität
darstellen.
+ + + + +

�Dokumentation

1

United States Information Service
Embassy of the United States of America
11. Mai 1983

AKTUELLE ENTWICKLUNGEN DES ATLANTISCHEN BÜNDNISSES
- Von Botschafter Tapley Bennett •

HEIDELBERG - (AD) - Der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten im
Nordatlantikrat, Botschafter Tapley Bennett, hat am 11. Mai 1983 in Heidelberg
ein positives Bild des Atlantischen Bündnisses gezeichnet. Auf einer Veranstaltung der Deutschen Atlantischen Gesellschaft betonte Botschafter Bennett
jedoch die Notwendigkeit, daß das Bündnis "standhaft an seinem Doppelbeschluß
festhält". Nur dann seien Fortschritte bei den R'üstungskontrollVerhandlungen
mit den Sowjets zu erwarten.
Die Rede von Botschafter Tapley Bennett hat folgenden Wortlaut:
Das Atlantische Bündnis ist in das 35. Jahr seines Bestehens eingetreten.
Seit über einer Generation hat es jetzt den Frieden in Europa bewahrt - ein
beispielloser Rekord in modernen Zeiten. Es ist ein demokratisches Bündnis
souveräner Staaten, und in einem Bündnis von 16 freien und demokratischen Mitgliedstaaten muß es unausweichlich nationale Unterschiede geben. Aber heute
erfreut sich die NATO einer ausgezeichneten politischen Gesundheit. Das Bündnis
hält sich in dieser gegenwärtigen Periode der Bewährung sehr gut, was sowohl
die militärischen als auch die wirtschaftlichen Aspekte unserer transatlantischen
Beziehung angeht.
Mitte 1982 beherrschten wirtschaftliche Spannungen zwischen Europa und

^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ .: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Schlagzeilen der westlichen Presse. Es schien ungewöhnlich schwierig, die
Differenzen zu überbrücken, die die westeuropäischen Staaten mit ihren starken
Verpflichtungen zur "Ostpolitik" und "Entspannung" von den Bemühungen Washingtons
trennten, in die Abwicklung des Handels mit der Sowjetunion größeren Realismus
und größere Vorsicht einzubringen - Kontrollen im Handel mit Waren einzuführen,
die direkt zur Stärkung der militärischen Macht der Sowjets beitragen und
umgekehrt zusätzliche Verteidigungsausgaben der westlichen Länder verursachen,
um das stetige Anwachsen der sowjetischen Rüstung auszugleichen.

Kenner atlan-

tischer Angelegenheiten behaupteten, daß die NATO "in Unordnung" sei. Sie hatten
nicht recht - denn selbst auf dem Höhepunkt der Kontroverse über die Erdgasleitung
verliefen die politischen und sicherheitspolitischen Funktionen des Bündnisses
völlig normal. Man kam jedoch in der NATO zu der wachsenden Einsicht, daß die
Meinungsverschiedenheiten über die Erdgasleitung unter Kontrolle gebracht werden
mußten, weil sie sonst früher oder später durchaus einen negativen Einfluß auf
den Zusammenhalt des Bündnisses haben könnten.

Hier erwiesen sich die außergewöhnlich guten Kenntnisse von Außenminister
Shultz in internationalen Wirtschaftsfragen als besonders nützlich, als es galt,
Mittel und Wege zur Überwindung dieser Belastungen zu finden - zuerst durch
sondierende Erörterungen mit seinen Kollegen im Bündnis bei den informellen
Gesprächen der NATO-Außenminister auf dem Oktober-Treffen in La Sapiniere in
Kanada und dann später im Laufe seines Europa-Besuches im Rahmen der NATO-Ministertagungen im Dezember und seinen anschließenden Besuchen in Hauptstädten von
Bündnisländern. Man kam dann überein, eine Reihe von Studien über Probleme des
Ost-West-Handels bei den geeigneten internationalen Einrichtungen in Brüssel und
Paris durchzuführen, und dies ermöglichte es Washington, die amerikanischen
Sanktionen im Zusammenhang mit der Erdgasleitung aufzuheben. Aber darüber hinaus
gab die Entscheidung, die Ost-West-Studien in Angriff zu nehmen, den nordamerikanisch-westeuropäischen Beziehungen gerade rechtzeitig Auftrieb, um die Einigkeit
des Bündnisses zu Beginn dieses kritischen Jahres zu fördern, in dessen Mittelpunkt
die Rüstungskontroll Verhandlungen in Genf und Raketenfragen stehen - die Durchführung des NATO-Doppelbeschlusses von 1979. In vielen Aspekten der Ost-West-

- 2 -

�der Ost-West-Studien sind gute Fortschritte erzielt worden, und die Ergebnisse
werden den Teilnehmern des Wirtschaftsgipfels in Williamsburg und den kommenden
Ministertagungen der OECD und der NATO in Paris in Bälde zur Verfügung stehen.
Der Besuch von Vizepräsident Bush Anfang dieses Jahres in Europa und seine
Gespräche mit wichtigen Führern des Bündnisses ließen Einigkeit des Willens
und der Zielsetzung erkennen, beide Teile des INF-Beschlusses vom Dezember 1979
standhaft durchzuführen - also in Genf ernsthaft mit den Sowjets auf der Basis
der Rüstungskontrollvorschläge zu verhandeln, durch die versucht werden soll,
den Stand der INF-Konfrontation so niedrig wie möglich zu halten, mit dem Endziel
der Null-Lösung für beide Seiten; und zweitens im Falle, daß die Genfer Verhandlungen zu keinen Ergebnissen führen, mit der Dislozierung der PERSHING II-Waffen
und der landgestützten Marschflugkörper zu beginnen. Man darf nicht vergessen,
daß die PERSHING II-Raketen an die Stelle der PERSHING I-Raketen in der Bundesrepublik treten und nicht zusätzlich disloziert werden.

Ferner dürfen wir nicht

die Tatsache übersehen, daß die Entscheidung der NATO von 1979 zum Abzug von
1000 nuklearen Gefechtsköpfen aus Europa geführt hat. Die NATO wird also am Ende
dieses Programms, sollte seine Durchführung notwendig werden, weniger Kernwaffen
auf europäischem Boden haben als 1976.
Vizepräsident Bush hat die Auffassungen der Verbündeten nach Washington
mitgenommen, daß Präsident Reagan eine Modifizierung der Nul1-Nu!1-Option ins
Auge fassen sollte, die den Verzicht der NATO auf die Dislozierung aller amerikanischen PERSHING II- und landgestützten Marschflugkörper im Austausch für die
sowjetische Beseitigung der SS-20 - nicht lediglich ihrer Neudislozierung in
die östlichen Gebiete der Sowjetunion, von wo sie leicht an die westliche Front
zurückverlegt werden könnten

- anbot. Am 30. März 1983 gab der Präsident

bekannt, daß er den westeuropäischen Forderungen nach einer "Zwischenlösung" für
die INF-Dislozierung der NATO nachkommen würde - so wie die Vereinigten Staaten
auf die Anliegen im Bündnis eingegangen waren, die zuerst von dem damaligen
Bundeskanzler Schmidt 1977 zum Ausdruck gebracht worden waren, innerhalb der
NATO zusammenzuarbeiten, um das Gleichgewicht der Macht in Europa wiederherzustellen, das durch die sowjetische Aufrüstung mit der SS-20 umgestoßen worden war.
An diesem entscheidenden

�An diesem entscheidenden Punkt ist es von lebenswichtiger Bedeutung, daß
das Bündnis standhaft an seinem Doppelbeschluß festhält - in dem Teil der
Rüstungskontrolle, um festzustellen, ob es möglich sein wird, mit den Sowjets
zu Abkommen zu gelangen, um den Stand der INF-Konfrontation zu senken, wo ein
Gleichgewicht gewährleistet werden muß; und in dem Teil der Dislozierung, um
die Entschlossenheit zu zeigen, die notwendig ist, um unseren sowjetischen Verhandlungspartnern klarzumachen, daß bei den Genfer Verhandlungen ein ausgewogenes
und verifizierbares Ergebnis erreicht werden muß.
Die INF-Frage ist zwar das bei weitem überragende Problem des Bündnisses
im gegenwärtigen Zeitpunkt, aber wir führen mit der NATO auch enge Konsultationen
über den Fortschritt bei den Verhandlungen über die Verringerungen der strategischen Rüstungen (START) und bei den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen (MBFR) durch.

Bei diesen drei Verhandlungen geht es

um die Triade der NATO-Streitkräfte - strategisch-nukleare, nukleare Mittelstreckensysteme und konventionelle Streitkräfte - die entscheidend wichtig sind,
um unserer Strategie der "flexiblen Antwort" Glaubwürdigkeit zu verleihen - der
Strategie der Abschreckung, die den Frieden in Europa erhalten hat.
Die Verbündeten haben in allen diesen Verhandlungsbereichen richtungsweisende
Vorschläge unterbreitet. Bei den START-Verhandlungen in Genf hat sich die Aufmerksamkeit weitgehend auf amerikanische Vorschläge für umfangreiche Verringerungen der amerikanischen und sowjetischen strategischen Systeme konzentriert,
vor allem der höchst destabilisierenden landgestützten Interkontinentalraketen.
Die VereinictBn Staaten haben eine Verringerung der gegenwärtigen Zahl der
Gefechtsköpfe um etwa ein Drittel und ein Abkommen über eine niedrigere Zahl der
Trägerwaffen gefordert. Bei den MBFR-Verhandlungen in Wien steht bei den Verbündeten ihr Vertragsentwurf vom Juli 1982 im Mittelpunkt der Erörterungen.
Die Verbündeten wollen den Stand der konventionellen Streitkräfte, was die Zahl
der Soldaten in Heer und Luftwaffe angeht, auf beiden Seiten verringern. Die
engen und häufigen Konsultationen über diese Frage im Nordatlantikrat waren
erschöpfend und umfassend. Sie sind für alle von uns wertvoll,-und hier sind
die Bundesrepublik Deutschland und die Vereinigten Staaten besonders engagiert.
Auf der Madrider

�Auf der Madrider Nachfolgekonferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa - der Überprüfung der Schlußakte von Helsinki von 1975 - arbeiten die

Ver-

bündeten zusammen, um den Entwurf des Schlußdokuments zu verbessern, den die
neutralen und blockfreien Staaten vorgelegt haben. Alle Verbündeten kamen vor
der Wiederaufnahme der Madrider Verhandlungen im November vorigen Jahres überein,
daß in dem Schlußdokument, das von den neutralen und blockfreien Staaten unterbreitet wurde, mehrere

Änderungen vorgenommen werden müßten, bevor die Verhand-

lungen, die im Herbst 1980 begannen, zu einem annehmbaren Abschluß gebracht
werden können.
Die Vereinigten Staaten stehen fest hinter dem übereinkommen des Bündnisses
vom November vorigen Jahres und sind nach wie vor besorgt, daß die Sowjetunion
weiterhin bewußt einen weiten Bereich von Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki
verletzt. Wir sind besonders besorgt darüber, daß sich die Sowjets weigern, die
Menschenrechtsbestimmungen der Übereinkommen von Helsinki einzuhalten oder sich
an Geist oder Buchstaben der Bestimmungen über den Gewaltverzicht zu halten, wie
dies durch das Verhalten der Sowjets gegenüber ihren Nachbarn in Afghanistan und
Polen zum Ausdruck kommt.
Bezüglich Polens hat das Bündnis auf die Verhängung des Kriegsrechts vom
Dezember 1981 reagiert, indem es eine Sondersitzung der Außenminister im Januar
1982 einberufen hat, auf der man sich einigte, drei Kriterien für eine Rückkehr
zu normalen Beziehungen des Westens zu Warschau anzuwenden:

Erstens, Freilassung

aller Internierten; zweitens, Aufhebung des Kriegsrechts; und drittens, Wiederaufnahme des Dialogs zwischen dem Regime, den Kirchen und der Gewerkschaft
Solidarität.

Vor dem Hintergrund dieser drei Kriterien verfolgt das Bündnis

auch weiterhin die Ereignisse in Polen mit großer Aufmerksamkeit.
Das Bündnis hat überdies die sogenannte "Prager Erklärung" geprüft, die
auf dem Gipfeltreffen des Warschauer Paktes im Januar veröffentlicht wurde.
Diese Erklärung scheint in gewissem Maße eine Antwort auf Appelle an den Osten
zu sein, die auf dem Gipfeltreffen in Bonn im Mai 1982 von der NATO ausgingen.
Das Kernstück der Prager Erklärung, nämlich der Vorschlag für einen Nichtangriffspakt

- 5 -

�einen Nichtangriffspakt zwischen Ost und West, ist nichts Neues.

Zumindest seit

1958, also vor 25 Jahren, haben die Sowjets wiederholt diese Idee vorgebracht.
Aber was sollen wir heute davon halten, wo die Rote Armee in Afghanistan praktisch
eine Agression durchführt?

Darüberhinaus unterstützen die Sowjets ohne Zögern

die Aggression vietnamesischer Streitkräfte gegen ihre Nachbarn in Südostasien,
und in der westlichen Hemisphäre helfen die Sowjets dem marxistisch orientierten
Regime in Nicaragua bei dessen Bemühen, die demokratisch gewählte Regierung in
El Salvador zu stürzen.

Ohne Frage sollten wir in der NATO uns Zeit nehmen und

unsere Augen offen halten, wenn wir die Prager Erklärung bewerten.

Zweifellos

wird das Kommunique zum Abschluß der NATO-Ministerratssitzung in Paris im Juni
im Lichte der gegenwärtigen Gegebenheiten in angemessener Weise auf die Vorschläge des Warschauer Paktes eingehen.
Wegen der potentiell gefährlichen Herausforderung der lebenswichtigen
Interessen des Bündnisses in Regionen der Welt außerhalb des Vertragsgebietes
der NATO, hat die Allianz seit 1980 in zunehmendem Maß damit begonnen, Mittel
und Wege der Zusammenarbeit zu erwägen, um mit solchen Herausforderungen fertigzuwerden. Obwohl unsere Hauptsorge sich im Augenblick auf die Bedrohung Westeuropas durch die SS-20-Raketen konzentriert, die mehr als 1000 Gefechtsköpfe
tragen, werden wir uns vielleicht demnächst überaus ernsthaft damit befassen
müssen, wie wir dem Problem der Herausforderungen außerhalb unseres Vertragsgebietes begegnen können. Insbesondere gibt es Gründe für legitime Besorgnisse
hinsichtlich der westeuropäischen und amerikanischen strategischen Interessen
in Südwestasien. Die großangelegte sowjetische Truppendislozierung in Afghanistan
ist ein Beweis für die Bereitschaft Moskaus, bewaffnete Macht in diesem Gebiet
einzusetzen. Das fundamentalistische iranische Regime des Ayatollah Khomeini
setzt inzwischen seine Bemühungen fort, die irakische Regierung zu stürzen
und droht damit, den benachbarten arabischen Staaten, die immer noch einen
Großteil des Öls für Westeuropa liefern,Khomeinis Version des Islam aufzudrängen.
Es liegt also auf der Hand, daß die Verbündeten auf mögliche zukünftige Krisen
in diesem überaus unruhigen Teil der Welt vorbereitet sein müssen.
Dieser kurze Überblick

�Dieser kurze überblick kann natürlich kaum auch nur einige der immer
stärker werdenden politischen Herausforderungen erfassen, denen sich das Bündnis
gegenübersieht.

Der Westen wird auch weiterhin auf unbegrenzte Zeit in einem sich

hinziehenden politischen und militärischen Wettstreit mit dem sowjetischen Imperium
leben.

Anstrengungen und Zurückhaltung auf beiden Seiten sind notwendig, um eine

Entspannung zu erreichen, die die Interessen beider respektiert.

Die bittere

Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, daß wir im Westen den Worten des Staatsund Parteichefs Breschnew nicht genug Aufmerksamkeit zollten, der im Jahre 1967
erklärte: "Entspannung bedeutet nicht im geringsten, daß die Gesetze des Klassenkampfes abgeschafft werden".

Trotz der unnachgiebigen militärischen Aufrüstung

der Sowjets - weit über die Erfordernisse einer Verteidigungsposition hinaus bin ich zuversichtlich, daß die NATO über die Fähigkeit und über den politischen
Willen verfügt, sich weiterhin wirksam für das übergreifende Ziel einzusetzen:
Die Wahrung des Friedens in Freiheit.
Es sollte mit größtem Nachdruck unterstrichen werden, daß das Bündnis nicht
nur besteht, um den Frieden zu sichern, sondern um auch unsere Freiheiten zu
bewahren. Irgendwie gibt es auch Frieden in Osteuropa, aber das ist ein Friede
unter schwerster Repression. Dies ist das Faktum, das die NATO am meisten
vom Warschauer Pakt unterscheidet, wo die fundamentalen Freiheiten unter sowjetischer Vorherrschaft systematisch unterdrückt werden. Das gegenwärtige Drama
in Polen ist nur das jüngste, augenfälligste Beispiel für den unauslöschlichen
menschlichen Wunsch nach Freiheit in Osteuropa. Es sind nun 15 Jahre ins Land
gegangen seit dem kurzen Prager Frühling, als Dubcek versuchte, ein größeres
Maß an Freiheit für das tschechoslowakische Volk zu erlangen, und wegen seiner
Bemühungen ausgeschaltet wurde. In dem davorliegenden Jahrzehnt kämpfte Ungarn
für die Freiheit. Die Freiheitskämpfer wurden auch dort in brutaler Weise
unterdrückt -- und man sollte sich daran erinnern, daß Andropow damals der
sowjetische Botschafter in Budapest war. Ja, Anstrengungen, auch nur ein
bißchen an fundamentaler Freiheit zu erlangen, werden in allen Staaten des
Warschauer Paktes deutlich, auch in der Sowjetunion des Dr. Sacharow. Diese
anhaltenden Auseinandersetzungen sind ein Beweis für die endemische politische

- 7 -

�endemische politische Schwäche im sowjetischen System.

Die Unterdrückung und

die politische Stagnation in den Ländern jenseits der Elbe stehen in krassem
Gegensatz zur Vitalität unseres Bündnisses demokratischer Nationen.
Zusammenfassend möchte ich - da ich mich jetzt darauf vorbereite, meine
Mission bei der NATO nach über sechs Jahren zu beenden - sagen, daß ich optimistisch bin hinsichtlich der Zukunft des westlichen Bündnisses.

Unsere Mitglied-

staaten, deren Bevölkerung und industrielle Stärke zusammengenommen

die mensch-

lichen und materiellen Ressourcen des Warschauer Paktes weit übertreffen, müssen
nur den Willen aufbringen, der sowjetischen Herausforderung zu begegnen.

Es

ist eine entschlossene Herausforderung - daran besteht kein Zweifel - aber wir
können und müssen Moskau unmißverständlich klarmachen, daß ein Angriff auf die
NATO, auf welcher Ebene auch immer, einen unannehmbaren Preis für die Sowjetunion mit sich bringen würde.

Es ist die Abschreckung, die den Frieden wahrt.

Ich habe überhaupt keinen Zweifel hinsichtlich des Endergebnisses eines friedlichen Wettstreits zwischen Ost und West.
Wenn wir uns der Zukunft mit Realismus stellen und unsere Ressourcen klug
einsetzen, haben wir allen Grund, zuversichtlich zu sein, daß die NATO - bereits
jetzt das erfolgreichste Bündnis in der Weltgeschichte - auch weiterhin die
Vorteile der Freiheit und der Demokratie für die Generationen bewahren kann,
die nach uns kommen. Der Freiheit gehört die Zukunft - vorausgesetzt wir halten
uns immer vor Augen, daß der Preis der Freiheit stete Wachsamkeit ist.

+ + + + +

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

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20

11. Mai 1983

US-AUSSENMINISTER UMREISST FRAGEN DES OST-WEST-HANDELS
- Shultz bei der OECD in Paris -

PARIS - AD - Der amerikanische Außenminister George Shultz hat am
9. Mai 1983 auf der Ministertagung der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris dazu aufgerufen, den Handel
mit dem Osten auf kommerzieller Basis zu betreiben. Es gehe nicht um einen
- sinnlosen - Wirtschaftskrieg gegen die Sowjetunion, sondern um die Erhaltung der Gesundheit der internationalen Wirtschaft und der Sicherheit
und Prosperität der demokratischen Nationen. Aus amerikanischen Regierungskreisen verlautet in diesem Zusammenhang, daß die Vereinigten Staaten
einen "Dialog" in Fragen des internationalen Handels und keine spezifischen
Verpflichtungen anstrebten. Wo kein Konsens existiere, könne man kein Übereinkommen aufzwingen.
An der Ministertagung der OECD nahmen auf amerikanischer Seite neben
Außenminister Shultz Finanzminister Donald Regan, Handelsminister Mal com
Baldrige, der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten, Martin
Feldstein, sowie der Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen, William
Brock, teil.Brock warnte vor einem neuen Protektionismus, denn der Wiederaufschwung der Weltwirtschaft sei mit einer Liberalisierung des Handels
verknüpft.
Die Ausführungen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Ausführungen des amerikanischen Außenministers haben folgenden
Wortlaut:
Ich freue mich, nach zehn Jahren wieder einmal bei der Organisation
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu sein. Ich begrüße diese Gelegenheit, Ihnen die Auffassung meiner Regierung bezüglich
der heutigen Zusammenkunft mitzuteilen.
Wir kommen in einer Zeit der Hoffnung für die Weltwirtschaft zusammen.
Wie Finanzminister Regan dargelegt hat, ist der wirtschaftliche Wiederaufschwung im Gange. Nach einigen sehr schwierigen Jahren der Rezession und
der Schwierigkeiten in all unseren Ländern stehen die Vereinigten Staaten
im Jahre 1983 vor einem eindeutigen und wesentlichen Wachstum. Wir wissen,
daß der Aufschwung in Amerika - wie in der Vergangenheit - ein wichtiger
Faktor für den Anreiz des Wiederaufschwungs im ganzen OECD-Gebiet und in
der Entwicklungswelt sein wird. Nachdem wir die Inflation aus unserem System herausgepreßt haben - und wenn wir alle die notwendige Disziplin in unserer nationalen Politik üben - könnte die Welt vor einer langen Periode anhaltender, nichtinflationä'rer Expansion stehen.
Dieser Trend des Aufschwungs hat eine symbolische wie auch eine wirtschaftliche Bedeutung: Er erinnert uns an die außerordentliche Elastizität
der freien politischen und wirtschaftlichen Institutionen, über die wir alle
verfugen. Trotz aller zeitweiligen Rückschläge haben die freien Wirtschaften seit 1945 eine Generation des Wachstums und der Prosperität hervorgebracht, die in der Geschichte beispiellor ist. Auf der anderen Seite dieses
so grausam geteilten (europäischen) Kontinents sind die wirtschaftlichen
Probleme struktureller und systematischer Natur. Die mangelnde Leistung
liegt in der Sache; die Innovation wird gehemmt; die Stagnation ist allgemein verbreitet; und jede wirksame wirtschaftliche Reform würde den Griff
der starren zentralen politischen Kontrolle lockern und kommt daher nicht
in Frage. Unsere wirtschaftlichen Probleme sind hauptsächlich Probleme der

2-

�Probleme der Selbstdisziplin, des besser^

Managements der Hausnalts-

und Währungspolitik; die Probleme der anderen liegen in der

Sache und

sind grundsätzlicher Natur.
Daraus ergeben sich zwei Schlußfolgerungen: Erstens, die demokratischen Industriestaaten, die in dieser Organisation vertreten sind, dürfen
nicht vergessen, daß sie ein kostbares Erbe haben; und zweitens, daß wir
alle, wie mir scheint, eine besondere Verantwortung haben, das Problem der
Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West mit einiger Vorsicht anzupacken.
Es ist kein Zufall, daß die Ministertagung im Mai vorigen Jahres und
die Staats- und Regierungschefs auf dem Wirtschaftsgipfel im vorigen Jahr
übereinkamen, daß die OECD Aie wirtschaftlichen und finanziellen Beziehungen zwischen Ost und West prüfen solle.
Ich freue mich, sagen zu können, daß seither die OECD und die Internationale Energieagentur (IEA) wertvolle Forschungsarbeit und Analysen geleistet haben, die unser Verständnis des Ost-West-Handels und seine Auswirkungen erweitern.

Wir appellieren an diese Organisationen, ihre wichtige

Arbeit fortzusetzen. Ich werde gleich auf Gebiete für künftige Untersuchungen zu sprechen kommen. Lassen Sie mich zunächst die Auffassungen meiner
Regierung zu den Hauptpunkten darlegen, um die es geht.

Das Problem des Ost-West-Handels
Wenn das Verhältnis zwischen Ost und West ein normales Verhältnis zwischen Staaten wäre, dann säßen wir nicht hier, um über dieses Thema zu
sprechen. Solange die gegenwärtigen Verhältnisse bestehen, sind diese Beziehungen nicht normal und können nicht als normal behandelt werden - aus
vielen wirtschaftlichen und politischen Gründen. Es geht nicht darum,
einen "Wirtschaftskrieg" gegen die Sowjetunion zu führen, was sinnlos wäre,

- 3 -

�sinnlos wäre, sondern unter den einzigartigen Bedingungen des Ost-WestVerhältnisses die Gesundheit der internationalen Wirtschaft zu bewahren,
die wesentlich ist.
Natürlich gibt es Sicherheitsbedenken. Wir haben aus der Erfahrung
gelernt, daß manche wirtschaftlichen Transaktionen mit der Sowjetunion und
Osteuropa strategische Vorteile weitergeben, Engpässe in der Verfügbarkeit
von Ressourcen beheben oder gar Abhängigkeiten schaffen können. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten prüfen einige dieser Fragen in anderen
Gremien.
Aber die Anliegen, die wir in der OECD vorbringen wollen, sind ganz
richtige wirtschaftliche Anliegen. Die Bemerkung des Generalsekretärs zu "
diesem Thema, die ich begrüße, bietet eine ausgezeichnete Analyse der Komplikationen, die der Ost-West-Handel im Weltwirtschaftssystem verursacht.
Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß die wirtschaftlichen Beziehungen zum Osten zumindest nach gesunden wirtschaftlichen Prinzipien abgewickelt werden müssen, damit sie nicht die Sicherheit oder die Prosperität demokratischer Nationen gefährden. Die OECD muß eine legitime und wesentliche Rolle bei der Schaffung und Aufrechterhaltung solcher Prinzipien spielen. Es ist recht und billig, hier der sehr guten Studie über die
Sicherung der Energieversorgung Hochachtung zu zollen, die gerade von der
OECD und der IEA gemeinsam fertiggestellt wurde. Ich hoffe, daß wir auf dieser Sitzung diese Studie billigen werden.
Jede Problemanalyse muß mit der Einsicht beginnen, daß ein fundamentaler Unterschied zwischen dem Weltmarkt auf der einen und den gelenkten
Planwirtschaften und den Staatshandelssystemen des Ostens auf der anderen
Seite besteht, lit einigen Ausnahmen ging es bei dem Ost-West-Handel
traditionell erweise um den Austausch von relativ fortschrittlicher Technologie gegen Rohstoffe und Halbfertigfabrikate aus dem Osten. Die Maschinen und Ausrüstungen, die wir ihnen verkaufen, bringen ihnen mehr als nur
eine einfache Aufstockung ihrer Kapitalgüter. Diese höchst modernen Erzeug-

- 4-

�modernen Erzeugnisse unserer technologischen Entwicklung enthalten einen
Teil unseres geistigen Kapitals, der dem Osten einen bestimmten Vorteil
vermittelt - einen Vorteil, der durch die Rohstoffe und Halbfertigfabrikate, die wir dafür erhalten, nicht ausgeglichen wird. Die Unfähigkeit
des Ostens, d^'e Fähigkeiten dieses Geräts voll auszunutzen, unterstreicht
nur dieses Ungleichgewicht.
Es besteht also eine grundsätzliche Unverträglichkeit zwischen den
Wirtschaften des Ostens und des Westens. Wie der Generalsekretär ausführte,
liegen die Hauptursachen für den niedrigen Stand des Ost-West-Handels in
den strukturellen Unzulänglichkeiten der zentralen Wirtschaftsplanung der
Kommunisten. Aus diesem Grunde hat sich zwischen Ost und West nicht das
Maß an Ergänzung und Interdependenz entwickelt, wie es sich zwischen Nord
und Süd entwickelt hat - und kann sich wahrscheinlich auch nicht entwickeln.
Es ist einfach eine Tatsache, daß im Osten hergestellte Fertigwaren häufig
im Westen nicht konkurrenzfähig sind, und die Kapazität der Länder des
Ostens, zusätzliche Rohstoffe zu exportieren, ist begrenzt.
Diese Fakten legen den Schluß nahe, daß der Ost-West-Handel seinen geringen Umfang beibehalten hätte, gäbe es nicht die Subventionen und die anderen Formen politischer Intervention, die ihn auf ein künstlich überhöhtes
Niveau brachten. Den Gesetzen des verhältnismäßigen Vorteils zufolge ist eine
solche Praxis ihrer Definition nach ineffizient und verzerrt das richtige
Funktionieren der Weltwirtschaft. Daher ist das dringlichste Problem, vor
dem wir heute stehen, nicht die den Ost-West-Handel beschränkende politische Einmischung, sondern die ihn aufrechterhaltende politische Einmischung.
Sollten die in dieser Organisation vertretenen Regierungen unterschiedliche Vorstellungen von den politischen Implikationen des Ost-West-Handels
haben, so würde der gerechteste - und wirtschaftlich effizienteste - Kompromiß in der Übereinkunft bestehen, solide wirtschaftliche Prinzipien
herrschen zu lassen.
Solide wirtschaftliche
- 5 -

�Solide wirtschaftliche Prinzipien sagen uns auch etwas über das
Schuldenproblem. Die Schwierigkeiten der Ostländer bei

ihrem Schulden-

dienst dem Ausland gegenüber werden verstärkt, wenn nicht hervorgerufen,
durch ihre Unfähigkeit, auf den Weltmärkten wettbewerbsfähig zu sein. Im
Rückblick wird deutlich, daß in den siebziger Jahren bei der Kreditvergabe an bestimmte osteuropäische Länder mehr Klugheit hätte walten sollen.
Die Gesamtverschuldung der Sowjetunion und Osteuropas an harten Währungen
stieg von 8 Milliarden Dollar 1971 auf 90 Milliarden Dollar 1981 - eine
Zuwachsrate von 24 Prozent jährlich.
Heute sind wir uns der Gefahren einer solchen überzogenen Aufblähung
voll bewußt und haben eint Lektion dadurch gelernt: Wir sollten im Hinblick auf unsere Wirtschaftsbeziehungen mit dem Osten die gleichen vorsichtigen Handels- und Finanzkriterien anwenden, die wir auch bei allen
anderen gesellschaftlichen Unternehmungen anlegen. Daß diese Risiken noch
immer vorhanden sind, zeigt das Zögern des Privatsektors bei neuen Finanzierungen. Bisweilen gibt es gute Gründe für finanzielle Unterstützung
bestimmter östlicher Länder durch den Westen. Als generelle Regel gilt jedoch, daß der sicherste Weg der ist, die Tatsache anzuerkennen, daß es
seinen Preis hat, wenn dieserart wirtschaftliche Aktivität künstlich und
unter Nichtachtung der Urteilskraft des Marktes von Regierungen stimuliert
wi rd.
Ein drittes Problem der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West
besteht in dem Versuch der Staatshandelsländer des Ostens, ihre monopolistische Macht dazu einzusetzen, die Lage zu ihrem Vorteil zu verändern, indem
sie westliche Lieferer gegeneinander ausspielen, um Vorzugskredite, Rückkauf svereinbarungen und andere spezielle Vorteile zu erhalten. Diese gegen
den Wettbewerb gerichteter Praktiken können unsere Länder gewaltig schädigen. Wir alle müssen Mittel und Wege finden, um mit diesem Problem fertig
zu werden - ohne natürlich selbst zu wettbewerbsverzerrenden Praktiken zu
greifen, die das Wirtschaftssystem nur noch weiter beeinträchtigen würden.

Angesichts dieser
- 6 -

�Angesichts dieser Herausforderungen, die der Handel mit dem Osten
stellt, kann die OECD viel tun, um uns dabei zu helfen, unsere Interessen
und unsere Volkswirtschaften zu schützen. Lassen Sie mich in dieser Hinsicht
einige konkrete Vorschläge machen.

Die OECD und ihr Arbeitsprogramm
Im Verlauf des vergangenen Jahres haben diese Organisation und ihre
Ausschüsse in diesem Bereich viel nützliche Arbeit geleistet. Ich habe bereits
den vorzüglichen Bericht der gemeinsam von der OECD und der IEA erarbeiteten Studie über Energiesicherheit erwähnt. Und Fortschritte wurden auch in
Richtung auf die Entwicklung eines neuen Konsens bei der Exportkreditpolitik erzielt.
Die Anmerkungen des Generalsekretärs zum Thema des Ost-West-Handels
und der entsprechenden Finanzbeziehungen sind eine wertvolle Zusammenfassung des derzeitigen Zustandes dieser Beziehungen. Seine wirtschaftliche
Analyse ist ausgewogen und objektiv, sicher verankert in den Ergebnissen
des Handelsausschusses. Die Schlußfolgerungen sind zwingend und erhellen
die Tatsache, daß die Regierungen bei ihrer Ost-West-Wirtschaftspolitik
Vorsicht walten lassen müssen.
Wir unterstützen mit Nachdruck die Schlußfolgerungen des Generalsekretärs sowie seine Vorschläge für die weitere, von dieser Organisation
zu leistende Arbeit.
Bei der Überwachung der Verhaltensmuster und der Trends bei den Handels- und Finanzbehiehungen des Westens mit dem Osten spielt die OECD
eine wesentliche Rolle. Nur wenn den Regierungen diese Art von Informationen zur Verfügung

stehen, könne

vir ,amit beginnen, die kommerziel-

len Vorteile abzuwägen und zu überlegen, welche Schritte unternommen
werden können, um die westlichen Interessen zu schützen. Zum Beispiel:

- 7 -

�Zum Beispiel:
- Die östlichen Länder versuchen angesichts ausbleibender Exporte, ihren
immer größeren Anteil an Importen mit Kompensationsgeschäften oder mit
Tauschvereinbarungen zu bezahlen. Wir alle haben ein Interesse daran»

daß diese ineffizienten Praktiken durch die OECD überwacht werden.

- Ich habe bereits die

ersuche der Staatshandelsländer erwähnt, um

spezieller Vorteile willen die West-Lieferer gegeneinander auszuspielen. Um sich gegen solche Manipulationen zu schützen, haben die Vereinigten Staaten darauf hingewiesen, daß es im allgemeinen Interesse
der westlichen Staaten liege, Informationen über größere Projekte auszutauschen, die mit dem Osten geplant sind. Dabei braucht es nicht
um eigentumsrechtliche Informationen zu gehen. Wir sind der Meinung,
daß die OECD für eine solche

Rolle die richtige S eile und hierfür

bestens geeignet ist.
.:;• hoffen, daß ^iie OECD nicht vor dieser, von mir beschriebenen aktiveren Rolle zurückschreckt. Der Stab der OECD-Experten ist eine einmalige
Hilfsquelle. Er sollte nicht auf das simple Sammeln und die einfache Analyse von Daten beschränkt sein. Wir sollten uns ständig darum bemühen, Art
und Umfang von Informationen zu erweitern, die wir gemeinsam zum Thema
Ost-West-Handel haben, um dadurch in die Lage zu gelangen, die jeweiligen
Vorteile für Ost und West zu beurteilen. Wir werden dann in der Lage sein,
Unausgewogenheiten in diesem Handel zu korrigieren und - einzeln wie kollektiv - Politiken zu formulieren, die unsere gemeinsamen Interessen schützen.
Frau Vorsitzende, wir hoffen, daß als Schritt in diese Richtung
eindeutige Schlußfolgerungen aus den heutigen Gesprächen gezogen werden
und sich in unserem Kommunique widerspiegeln. Wir sind der Meinung, daß
die vom eneralsekretär in seinem Vortrag vorgeschlagenen Schlußfolgerungen ein guter Ausgangspunkt für unsere Diskussionen sind. Wir unter-

- 8 -

�Wir unterstützen auch die Vorschläge des Generalsekretärs für die Stärkung des Arbeitsprogramms der Organisation, die auf eine Verbesserung der
Qualität unserer Urteile und unserer politischen Schlußfolgerungen abzielen.
Frau Vorsitzende, diese außergewöhnliche Organisation demokratischer
Nationen gibt Raum für eine Vielzahl unterschiedlicher Einstellungen hinsichtlich des Themas der Beziehungen mit dem Osten.
Es wird hier keine Einstimmigkeit bezüglich der sicherheitspolitischen, der politischen oder auch nur der wirtschaftlichen Dimensionen des
Problems geben. Dies ist auch nicht der Zweck dieser Organisation. Aber
für uns alle gelten dieselben wirtschaftlichen Tatsachen. Wir stehen vor
einem gemeinsamen Problem, und es gibt vieles, was wir zusammen tun können,
•,rn imsere gemeinsamen Interessenund das Wohlergehen unserer Völker zu
schützen. Dies erfordert ganz einfach die Klugheit. Wir alle kennen den
alten Ausspruch: Caveat emptor: Käufer, sei wachsam! Auch manche Verkäufer
sollten wachsam sein.
Wenn man alles zusammennimmt, so haben wir in diesem Saal weit mehr
gemein als uns trennt. Wir teilen die Hingabe an wirtschaftliche und politische Freiheit, an das Wohlergehen unserer Völker und an die Sache de.
Friedens. Wir haben inzwischen gelernt, daß in einer interdependenten Weltwirtschaft keine Nation allein mit den Herausforderungen fertig werden kann.
Und andererseits kann viel durch Zusammenarbeit erreicht werden. Die Vereinigten Staate sind bereit, hier mit Ihnen in diesem Geist zusammenzuarbeiten.
+ + + + +

- 9 -

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Uliz/cn/chofl
vnö Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

20

11. Mai 1983

PHYSIK IM DIENST DER MEDIZIN
"SQUID"-Apparatur mißt Eisenspiegel -

- (AD) - Ausrüstungen zur Erzeugung starker Magnetfelder und die Analyse
natürlicher Magnetfelder, im menschlichen Körper sind für die moderne Medizin
Hilfsmittel, um Funktionen und Fehlfunktionen von Leber, Herz, Gehirn und von
Nervenzellen besser zu verstehen. Auf der Tagung der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft (American Institute of Physics) in Baltimore (Maryland)
vom 18. - 21. April 1983 berichtete Dr. David E. Farrell von der Case Western
University (Cleveland, Ohio), daß man im "Memorial General Hospital" in
Cleveland durch Magnetfeldmessungen mit der "SQUID"-Apparatur bei Patienten
mit Lebererkrankungen das in der Leber gespeicherte Eisen exakt bestimme.
("SQUID" ist die Abkürzung für "Superconducting Quantum Interference Device";
die hochempfindliche Apparatur zur Erfassung von Feldstärken selbst schwächster
Magnetfelder wurde in den siebziger Jahren für Präzisionsmessungen in der experimentellen Physik entwickelt.)
Der gesunde menschliche Körper enthält ca. vier Gramm Eisen.

Etwa 120

bis 300 Milligramm davon sind in der Leber gespeichert, während der Rest als
Bestandteil des Hämoglobins (Farbstoff der roten Blutzellen) und des Myoglobins

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�des Myoglobins (roter Farbstoff der Muskulatur) den Organismus mit Sauerstoff
versorgt.

Ein zu niedriger Eisenspiegel ist häufig das Anzeichen für innere

Blutungen, falsche Ernährung, unzureichende Verwertung der Nahrung oder Erkrankungen wie z.B. Krebs. Eine zu hohe Konzentration dieses lebenswichtigen
Elements kann auf gewisse, meist genetisch bedingte Krankheiten hindeuten.
Zu diesen zählt z.B. Hämochromatose; es kommt dabei zu pathologischen Eisenablagerungen im Körper infolge einer Fehlregulation der Eisenaufnahme in der
Form einer zu starken Resorption dieses Spurenelements.
Bisher war die Leberbiopsie (Entnahme einer Gewebeprobe aus der Leber)
die einzige Möglichkeit, für diagnostische Zwecke den Eisengehalt dieses Organs zu ermitteln. Jedoch gibt die Untersuchung der Probe nur Auskunft über
die lokale Konzentration im Entnahmebereich. Farrell und seine Kollegen in
Cleveland haben inzwischen bei 130 Patienten, insbesondere in Fällen zu hoher
Resorption, die SQUID-Messung durchgeführt. Die neue Methode habe, wie
Farrell betonte, den großen Vorteil, daß man damit die gesamte Leber abrasten
könne und der Vorgang nur 30 Minuten dauere. Auf den operativen Eingriff
zur Vornahme einer Biopsie könne ganz verzichtet werden.
Bei weiterer Verbesserung der Meßempfindlichkeit könnte das Verfahren
nach Meinung Farrells auch zur Erkennung und Diagnose von Anämien eingesetzt
werden. Bei Patinenten, die wegen Blutverlust, Anämien und anderen, mit
dem Eisenspiegel in Zusammenhang stehenden Problemen im Krankenhaus behandelt werden müssen, könnte künftig innerhalb weniger Minuten schon unmittelbar nach der Aufnahme die exakte Eisenbestimmung durchgeführt werden.

Zellen werden magnetisch markiert
Dr. Joseph Brain von der Akademie für öffentliches Gesundheitswesen
an der Harvard-Universität in Cambridge (Massachusetts) schloß kürzlich eine
Studie ab, bei der mit Hilfe von mikroskopisch kleinen Eisenpartikeln herausgefunden werden sollte, über welche Wege die Lungen sich selbst reinigen.

- 2 -

�selbst reinigen.

Zunächst in Tierversuchen, dann auch am Menschen wurde

eine pulverisierte Eisenverbindung, insgesamt etwa ein Milligramm, zum Inhalieren gegeben.

Die winzigen Staubpartikel sickern in die fein verästel-

ten Lungenwege des Bronchiensystems ein.

Durch ein relativ schwaches Magnet-

feld, das man am Probanden vorbei führt, werden die Eisenoxidteilchen in der
Lunge magnetisiert.

Die magnetischen Eigenschaften, die sie dann zeigen,

vermag ein SQUID-Gerät zu "lesen".

Mit Hilfe dieses Verfahrens läßt sich

der Weg dieser Partikel verfolgen - wie sie von den Makrophagen (Zellen, die
leicht fremde Körperchen, Erreger und andere Zellen aufnehmen) aufgesaugt,
die Lungenwege nach außen bis zum hinteren Rachen transportiert und dann hinunter

geschluckt werden,

über Magen und Darm verlassen sie schließlich den

Körper mit den Ausscheidungen.

Die Methode demonstrierte eindrucksvoll die

Aktivität der Makrophagen bei dem Reinigungsprozeß, erklärte Brain.

Sie

könne der Medizin helfen, Lungenerkrankungen als Folge von Zigarettenrauchen
oder Einatmen von kieselsäurehaltigem Staub und Asbeststaub, das bestimmte
Berufskrankheiten verursacht, besser zu verstehen.

Auch vermittle sie mehr

Erkenntnisse über Krankheiten, die zu anomaler Funktion von Makrophagen in
der Lunge und in anderen Organen, wie z.B. der Leber, führen.

Die magnetische Markierung sei, wie Brain berichtete, in mancherlei
Hinsicht oft günstiger als die radioaktive Markierung (Verwendung von Radioisotopen ) , weil die magnetisierten Partikel über einen längeren Zeitraum
verfolgt werden könnten.

Radioisotope mit sehr kurzer Halbwertszeit dagegen

(bei manchen beträgt diese z.B. nur eine Minute) seien dann für diagnostische
Zwecke bald wertlos, so daß bei langwierigen Beobachtungen der Patient stets
von Neuem einer, wenn auch schwachen, Radioaktivität ausgesetzt werden müsse.

Dr. John Wikswo von der Vanderbilt-Universität in Nashville (Tennessee)
entwickelte Verfahren zur Messung natürlicher Magnetfelder in verschiedenen
Teilen des Körpers, wobei die Tatsache genutzt wird, daß Elektrizität und
Magnetismus verwandte Phänomene sind.

Wikswos Methode zufolge werden die Er-

gebnisse der Messung elektrischer Felder im Körper (Bioelektrizität) unter
Verwendung eines SQUID-Geräts mit Magnetismus verglichen.

Der Chirurg kann

auf diese Weise beispielsweise den Schädigungsgrad und das Sprossen neuer
- 3 -

�Sprossen neuer Fasern von verletzten Nerven besser erkennen, ohne das empfindliche Gewebe direkt sondieren oder freilegen zu müssen.

Indem man eine

magnetische Meßvorrichtung nahe dem Bereich stationiert, in dem die Verletzung liegt, läßt sich der elektrische Impuls und somit die Funktion des Nerven an Hand des resultierenden Magnetfeldes messen.
Wikswo verwies darauf, daß es in den Vereinigten Staaten bei schätzungsweise 30 Prozent aller Industrieunfälle zu Schäden an Gliedmaßen komme und
bei etwa der Hälfte dieser Fälle wichtige Nervenleitungen zerstört oder beeinträchtigt seien.

Er hoffe, das Magnetmeßverfahren eines Tages auch beim

Herzen, der "elektrischen Batterie" des Körpers, anwenden zu können.
Versuche an der Universität New York demonstrierten, daß das menschliche
Gehirn nach Magnetfeldern "kartiert" werden könne. Wie Dr. Lloyd Kaufman
berichtete, führte man z.B. Magnetfeldmessungen mit SQUID in der Zeit durch,
in der die Versuchsperson optischen oder akustischen Reizen ausgesetzt wurde.
Dabei konnten die Zonen im Gehirn exakt ermittelt werden, in denen die Reaktionen auf solche Reize entstehen.
Das Gehirn ist ja ein ungemein komplexes System, von dem aus Denken,
Wahrnehmungen, Empfindungen und Bewegung bestimmt werden. Therapien für Erkrankungen können nur dann wirksam sein, wenn der Arzt genau die Region im
Gehirn kennt, von der die Erkrankung oder Fehlfunktionen ihren Ausgang nehmen. Nach Ansicht Kaufmans ergebe sich z.B. die Möglichkeit, aufgrund seiner
Untersuchungen die Quelle und die Ursache von Sensibilitätsstörungen, wie
sie bei älteren Menschen häufig auftreten, herauszufinden, oder die Epilipsiebehandlung zu verbessern.

+ + + + +

- 4-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Reagans zur Freeze-Resolution des Kongresses&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aktuelle Entwicklungen des Atlantischen Bündnisses&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Botschafter Tapley Bennett -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Außenminister umreißt Fragen des Ost-West-Handels&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Shultz bei der OECD in Paris -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Physik im Dienst der Medizin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- "SQUID"-Apparatur misst Eisenspiegel -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I

United States Information Service

21

18.Mai 1983

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan: USA sind dem Ziel der Nichtweiterverbreitung von
Kernwaffen verpflichtet
- Botschaft des Präsidenten an den amerikanischen Kongreß
Schreiben Reagans an Mitglieder des Senats zum Thema
Rüstungskontrolle
- Wortlaut Ziel der Sowjetunion ist die Zerstörung der NATO
- US-Verteidigungsminister Weinberger im Gespräch mit
europäischen Journalisten Offener Brief Trudeaus zur Erprobung der Marschflugkörper
in Kanada
- Wortlaut -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Katalysatortyp steigert Ausbeute an synthetischen
Kohlenwasserstoffen

Um Uber/endung von
ßckgcHcmpfcwcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40

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1

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

21

18. Mai 1983

REAGAN: USA SIND DEM ZIEL DER NICHTWEITERVERBREITUNG VON
KERNWAFFEN VERPFLICHTET
• Botschaft des Präsidenten an den amerikanischen Kongreß

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 11. Mai 1983 unterstrichen,
daß die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen (Nonproliferation) ein grundlegendes Sicherheitsziel der Vereinigten Staaten ist.
In einer Botschaft an den amerikanischen Kongreß erklärte der Präsident,
seine Regierung habe dieses Ziel aktiv verfolgt, indem die wesentlichen Maßnahmen zur Nichtweiterverbreitung verstärkt und neue Mittel und Wege erarbeitet wurden, um diese Interessen der USA zu fördern.
Die Botschaft Reagans, die dem Kongreß zusammen mit einem Bericht über
die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen übermittelt wurde, hat folgenden
Wortlaut:
Die Verhinderung der Weiterverbreitung von Kernwaffen ist ein seit langem bestehendes und grundlegendes Sicherheitsziel.

Meine Regierung ist

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Meine Regierung ist diesem Ziel mit allem Nachdruck verpflichtet und hat es
aktiv verfolgt, indem sie die wesentlichen Maßnahmen zur Nichtweiterverbreitung verstärkt und neue Mittel und Wege erarbeitet hat, um unsere Interessen
der Nichtweiterverbreitung gegebenenfalls zu fördern.
Wie ich in meiner Erklärung vom 31. März betont habe, müssen die Bemühungen, der Weiterverbreitung von Kernwaffen Einhalt zu gebieten, verstärkt
werden, soll die Rüstungskontrolle umfassend sein und die Sicherheit der Welt
gefördert werden.

Wir setzen unsere Anstrengungen mit anderen Ländern im Hin-

blick auf die Notwendigkeit dringender Schritte fort, die Maßnahmen gegen eine
Weiterverbreitung von Kernwaffen zu stärken.
Die Maßnahmen der amerikanischen Regierung bezüglich der Nichtweiterverbreitung und der friedlichen nuklearen Zusammenarbeit im Jahr 1982 sind
in dem Bericht aufgeführt, der aufgrund des Abschnittes 601 des Gesetzes über
die nukleare Nichtweiterverbreitung aus dem Jahr 1978 (Public Law 95-242)
vorgelegt werden muß.
Der Bericht wurde vom Außenministerium in Zusammenarbeit mit anderen
zuständigen Ministerien und Behörden erstellt.

+ + + + +

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Sl

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

21

18. Mai 1983

SCHREIBEN REAGANS AN MITGLIEDER DES SENATS ZUM THEMA ROSTUNGSKONTROLLE
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 12. Mai 1983 in
einem Schreiben an die Senatoren Charles Percy, Sam Nunn und William
Cohen erklärt, daß das Prinzip einer beiderseitigen Rüstungsverringerung
- Verschrottung einer höheren Anzahl alter Waffen als die Anzahl der neu
dislozierten - nützlich sei, wenn es flexibel formuliert und angewandt
sowie im Kontext des modifizierten START-Vorschlags ausgehandelt werde.
Das Schreiben des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich danke Ihnen für Ihren jüngsten Brief zum Thema unseres strategischen Modernisierungsprogramms und seines Verhältnisses zu unseren Rüstungsvorschlägen. Ihr Schreiben zeigt jenen überparteilichen Geist, der
meiner Meinung nach dazu beitragen wird, unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen: Die Sicherstellung wirksamer Abschreckungsstreitkräfte und ausgeglichene und verifizierbare Rüstungsverringerungen.
Grundlegendes Ziel der Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen, die
die Rüstungsverringerung betreffen, und insbesondere bei unserer Haltung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�unserer Haltung in den START-Verhandlungen, ist es, Vereinbarungen anzustreben, die die Sicherheit und die Stabilität durch eine Verringerung
des Gesamtumfangs der Streitkräfte erhöhen und gleichzeitig die für eine
glaubwürdige Abschreckung notwendige Modernisierung der amerikanischen
Streitkräfte erlauben würde.
Wie Sie wissen, hat die Scowcroft-Kommission festgestellt, daß Elemente unserer START-Vorschläge mit den Ergebnissen der Kommission in
Einklang stehen und diese unterstützen. Ich stimme von ganzem Herzen dem
zentralen Thema der Kommission hinsichtlich der Rüstungskontrolle zu:
Erzielen einer Stabilität auf dem niedrigstmö'glichen Umfang der Streitkräfte.
Die Empfehlungen der Scowcroft-Kommission zu Modernisierung und Rüstungskontrolle stehen in organischer Beziehung zueinander. Unsere Maßnahmen im Hinblick auf diese Empfehlungen müssen gleichermaßen umfassend sein.
Aus diesem Grund wird derzeit von mir eine Überprüfung unseres START-Vorschlags in der Absicht durchgeführt, Änderungen zu entwerfen, wie sie notwendig sind, um die von mir geteilte Haltung der Kommission widerzuspiegeln.
Um nur ein Beispiel zu nennen: Der Bericht der Kommission empfiehlt,
daß die vorgeschlagene Begrenzung bei den dislozierten ballistischen Raketen, wie sie derzeit in der amerikanischen START-Position enthalten ist,
einer Überprüfung unterzogen wird, da sie nicht in Einklang mit der wünschenswerten Entwicklung in Richtung auf kleine Interkontinentalraketen
(ICBM) mit nur einem Sprengkopf steht.
Zur Einarbeitung dieser und anderer Empfehlungen der Kommission in
unsere Position hinsichtlich der Rüstungsverringerungen steht uns eine
ganze Reihe von alternativen Möglichkeiten zur Verfügung. Bei der Modifizierung unseres START-Vorschlags werde ich auch weiterhin Stabilität
auf dem niedrigstmöglichen Streitkräfteumfang anstreben.
Die von

�Die von meiner Administration vorgeschlagene Dislozierung der
"Friecenswahrer"-Raketesteht im Einklang mit der langfristigen Zielsetzung
des Berichtes der Scowcroft-Kommission. Die "Friedenswahrer"-Rakete, disloziert in einer Mischung mit kleinen ICBM mit nur je einem Gefechtskopf,
würde es uns ermöglichen, die Wirksamkeit unserer Abschreckung beizubehalten und die Stabilität zu erhöhen.
Lassen Sie mich gleichzeitig betonen, daß wir keine Erstschlagkapazität anstreben. Zu diesem Zweck haben wir die von uns für eine Dislozierung geplante Menge von "Friedenswahrer"-Raketen auf ein Mindestmaß begrenzt, wie sie nötig ist, um die Wirksamkeit unserer Abschreckung zu garantieren - nichts weiter.Unsere Aufgabe war

natürlich viel leichter,

wenn die Sowjets einer Zusammenarbeit mit uns zustimmen würden, um das Verhältnis von treffgenauen Gefechtsköpfen zu Raketensilos zu verringern.
Es liegt auf der Hand, daß der Gesamtumfang der "Friedenswahrer"Dislozierung im Einklang mit den Erfordernissen unserer nationalen Sicherhiet von den strategischen Programmen der Sowjets und von den Vereinbarungen über Rüstungsverminderungen beeinflußt wird.
Außerdem bin ich mir voll der zentralen Rolle bewußt, die die kleinen, nur mit einem Gefechtskopf bestückten ICBM bei dem in dem Bericht
der Scowcroft-Kommission empfohlenen Gesamtmodernisierungsprogramm spielen.
Wir werden sogleich eine umfassende Anstrengung unternehmen, um den Vorschlag einer kleinen, nur mit einem Gefechtskopf ausgerüsteten Interkontinentalrakete mit höchster Priorität zum Tragen zu bringen.
Bei ihren Erwägungen hinsichtlich der Durchführung des ICBM-Modernisierungsprogramms in seinen wesentlichen Teilen kam die Scowcroft-Kommission zudem zu der Ansicht, daß in den kommenden Monaten eine Reihe von
Entscheidungen - sowohl der Exekutive als auch des Kongresses - notwendig
seien, um die künftige Gestalt unserer ICBM-Streitmacht festzulegen.
Weiterhin stellte
- 3 -

�Weiterhin stellte sie fest, daß nicht alle diese Entscheidungen im
Jahre 1983 getroffen werden könnten oder sollten. Die wohl abgewogene Art
der Entscheidungsfällung, wie sie von einer Reihe von Kongreßmitgliedern
vorgeschlagen wurde, steht voll in Einklang mit den Intentionen des Berichtes der Scowcroft-Kommission. Ich bin mir völlig der Tatsache bewußt,
daß ein dauerhafter Konsens bei einer solch wichtigen Frage sorgfältig
hergestellt werden muß, und ich beabsichtige, mir die Zeit zu nehmen, um
einen solchen dauerhaften Konsens zu schaffen.
Ich möchte jedoch alle Betroffenen darauf hinweisen, daß sie an eines
denken sollten: Wenn wir unsere kritischen Elemente des Entscheidungsfindungsprozesses unnötig lange währen lassen, so werden wir die Sowjets nur
dazu ermutigen, die Verhandlungen zu verzögern, während sie gleichzeitig
mit ihren eigenen Waffenmodernisierungsprogrammen fortfahren.
Um dies zu verhindern, erbitte ich vom Kongreß ein deutliches Zeichen
der Unterstützung, um die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten zu signalisieren. Hierzu gehört die offenkundige Notwendigkeit, rasch die Mittel
zu bewilligen, um die "Friedenswahrer"-Raketen zu beschaffen. Gemeinsam
sollte dies erreichbar sein, während gleichzeitig unserem beiderseitigen
Wunsch entsprochen wird, die Probleme de; Dislozierung, wann immer möglich,
auf sorgfältige, überlegte Weise zu lösen.
Sie haben erwähnt, daß bestimmte zusätzliche Initiativen dabei hilfreich sein könnten, uns auf unsere Ziele der Sicherheit und Stabilität bei
einem verminderten Streitkräfteumfang hinzuführen. Eine der hervorstehendsten dieser Initiativen ist der Gedanke eines "garantierten Abbaus".
Das Prinzip eines beiderseitigen Abbaus, wenn flexibel formuliert
und angewendet sowie im Kontext unseres modifizierten START-Vorschlags
ausgehandelt, wäre ein nützliches Mittel, um die Verringerung zu erreichen,
die wir alle anstreben.
Es würde

�Es würde, wenn korrekt angewendet, unsere Absicht unterstützen, die
Anzahl der Gefechtsköpfe bei ballistischen Raketen auf beiden Seiten zu
begrenzen und beide Seiten dazu zu bringen, dieses Niveau im Laufe der
Zeit stetig und beträchtlich herabzusetzen.
Es könnte von beiden Seiten flexibel und mit einem vernünftigen Spielraum angewendet werden, um die Streitkräfte ausgewogen zu machen, die disloziert und reduziert werden. Je nach Notwendigkeit würden variable Bezugsgrößen eher zu stabilisierenden als zu weniger stabilisierenden Systemen
ermutigen.
Es könnte auch in Verbindung mit einer vereinbarten Untergrenze angewendet werden, die - wäre sie einmal erreicht - eine Aufhebung der AbbauVereinbarung und damit Neuverhandlungen auslösen würde.
Wie auch Sie darauf hinweisen, muß ein jegliches Konzept des Abbaus
die Bedeutung der strategischen Modernisierung und die Notwendigkeit anerkennen, während des Abbauprozesses ein Gleichgewicht aufrechtzuerhalten,
um der Tatsache der Asymmetrie zwischen den amerikanischen und den sowjetischen Streitkräften Rechnung zu tragen.
Erforderlich wären natürlich auch Vereinbarungen über wirksame Verifizierungsmaßnahmen - einschließlich Zähl regeln für alle Systeme.
Meine Administration untersucht derzeit die Struktur eines Abbau-Vorschlags, der diesen Kriterien gerecht und ein START-Abkommen erleichtern
würde, das beträchtliche Verringerungen bei den Nuklearwaffen umfaßt. Ich
werde mit Ihnen und Ihren Kollegen bei der Entwicklung eines solchen Vorschlags zusammenarbeiten.
Zum Schluß möchte ich noch den ganz außergewöhnlichen Beitrag erwähnen, den die Scowcroft-Kommission geleistet hat. Er bot die Gelegenheit für die überparteiliche Analyse einer überaus schwierigen Frage als

- 5 -

�Frage als ersten Schritt in Richtung auf die notwendige Liberparteiliche
Unterstützung der dringend notwendigen Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte.
Ohne Einzelheiten oder den zeitlichen Ablauf vorzuschreiben, unterbreitet der Bericht der Kommission Richtungen, die bei der weiteren Entwicklung unserer ergänzenden Strategie für die Rüstungsverringerung eingeschlagen werden könnten. Kurzfristig werden weiterführende Vereinbarungen,
zu denen Mitglieder der Kommission herangezogen werden, sowie eine enge
Koordination mit dem Kongreß sowohl technisch als auch politisch äußerst
hilfreich sein, wenn es darum geht, diese Entwicklung zu Ende zu denken.
Wir werden natürlich sorgfältig abwägen, um herauszufinden, welche Vereinbarungen unseren gemeinsamen Zielen am besten gerecht werden.
In dieser Hinsicht scheint mir ein Ausschuß überparteilicher Zusammensetzung und mit wechselnder Besetzung das Beste zu sein, um in diesem
Bereich Rat und Kontinuität sicherzustellen.
Ich werde, auf der Erfahrung der Scowcroft-Kommission aufbauend, mit
dem Kongreß zusammenarbeiten, um den Konsultativ- und Beratungsprozeß zu
stärken und zu ergänzen, damit im Bereich der Rüstungskontrollinitiativen
ein dauerhafter, nationaler, überparteilicher Konsens sichergestellt wird
- ein Konsens, der es verdient, von einer Administration zur nächsten gewahrt zu werden.
+ + + + +

- 6 -

�18. Mai 1983

ZIEL DER SOWJETUNION IST DIE ZERSTÖRUNG DER NATO
US-Verteidigungsminister Weinberger im Gespräch mit
europäischen Journalisten

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
W. Weinberger erklärte bei einem Informationsgespräch mit eurnDäischen
Korrespondenten am 27. April 1983 in Washington, das größte Ziel der Sowjetunion sei die Zerstörung des Atlantischen Bündnisses.

Weinberqer

gab seiner Überzeugung Ausdruck, daß Moskau "nahezu alles tun werde",
um die Dislozierung von neuen Raketen des Typs PERSHING II und von bodengest'ützten Marschflugkörpern in Europa zu verhindern, die zur Modernisierung des Waffenarsenals der NATO vorgesehen sind.
Die Sowjetunion, betonte Weinberger in einem Gespräch mit den
Journalisten, möchte ihr Monopol bei den weitreichenden Mittelstreckenraketen aufrechterhalten.
Die Fragen der Journalisten und die Antworten Weinbergers haben,
um einige weniger wesentliche Fragen und Antworten gekürzt, folgenden
Wortlaut:
Frage: Gestatten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Frage: Gestatten Sie mir, einen Satz aus Vizepräsident Walter
Mondales gestriger Ansprache vor Zeitungsverlegern herauszugreifen, in
der er sagte, das atomare Wettrüsten könne niemals gewonnen werden. Meine
Frage geht dahin: Fassen Sie je den Stop eines solchen Wettrüstens ins
Auge, oder werden sie ihn je ins Auge fassen? Wenn ich das frage, möchte
ich damit nicht Antwort: Ob ich was je ins Auge fassen werde?
Antwort: Eine Art von Stop, wenn Sie es so wollen, der Eskalation des Antwort: Des Wettrüstens?
Frage: Ja!
Antwort: Ja, gewiß. Wir haben zwei Punkte in Genf auf dem Verhandlungstisch; Vorschläge, die die weitere Ansammlung von Kernwaffen auf beiden Seiten beenden oder ganz erheblich vermindern würden; und das gilt auch für konventionelle Waffen und für Mittelstreckenraketen. Dies sind Methoden, das
Wettrüsten aufzuhalten. Aber man kann solche Verhandlungen nur mit Erfolg
führen, wenn man über genügend Stärke verfügt, um den Sowjets einen Anreiz
fü; Reduzierungen zu bieten, Ich bin der festen Meinung, daß dies möglich
ist. Ich meine, es muß geschehen. Und ich möchte sehr hoffen, daß die Sowjets in einigen dieser Verhandlungen eine entgegenkommendere Haltung einnehmen werden, als bisher ....
Frage: Ich möchte Ihnen eine Frage im Zusammenhang mit dem Problem der
Gefechtsköpfe stellen, die unter anderem von der Scowcroft-Kommission aufgeworfen wurde. Viele Leute meinen, daß es im gegenwärtigen Augenblick
ein wesentlicher Fortschritt wäre, wenn man sich angesichts der Situation
bei der Kernwaffen auf Raketen mit nur einem Gefechtskopf einigen würde.
Damit würden die Kernwaffenarsenale wesentlich verringert und gleichzeitig die Stabilität verbessert werden. Was ist Ihre Meinung hierzu?
Antwort: Es

�Antwort: Es handelt sich um die kleine, mit nur einem Gefechtskopf
ausgestattete Rakete, nicht wahr?
Frage: Nicht nur das, sondern darüber hinaus auch um andere Raketen
mit nur einem Gefechtskopf.
Antwort: Mit nur einem Gefechtskopf.
Frage: Fortfall der MIRVs, der Mehrfachgefechtsköpfe?

Antwort: Sie sollten sich allem voran, meine ich, die grundlegenden
Kriterien vor Augen halten, die der Präsident aufgestellt hat. Sie besagen,
daß wir nachdrücklich für eine Verringerung der Kernwaffen, in der Tat aller Waffen, auf einen Umfang sind, der uns die Parität oder Gleichgewichtig
keit einbringt und vollkommen verifizierbar ist. Das Abgehen von den Gefechtsköpfen, von Mehrfachgefechtsköpfen, und der Übergang auf Einzelgefechtsköpfe wurde als ein Schritt empfohlen, der durch die Scowcroft-Kommission sehr sorgfältig und gründlich sondiert werden müsse; und das geschieht gegenwärtig. Wir verfügen im Augenblick über keine leichte,

mobile

Rakete mit nur einem Gefechtskopf. Wir müßten eine solche von interkontinentaler Reichweite erst noch entwicklen. Man wird - wie wir hoffen - die
Scowcroft-Kommission, will sagen ihren Bericht, akzeptieren. Und wir werden mit der Entwicklungsarbeit beginnen. Dabei ist zu bedenken, daß die
Zahl der Gefechtsköpfe mehr oder weniger eine Funktion der Zahl der Ziele
ist. Deshalb gilt es, den Blick auf die Zahl der Ziele zu richten, die zu
erfassen sind, um eine wirksame Abschreckung aufrechtzuerhalten. Das soll
nicht besagen, daß wir je auf diese Ziele zu feuern oder sie je zu treffen
wünschen. Wir müssen aber in der Lage sein, die andere Seite zu überzeugen.
Die Abschreckung besteht darin, was sich die Sowjets vorstellen. Die Sowjets müssen sich also vorstellen können, daß wir über die Fähigkeit
verfügen, ihnen nach einem Ertsschlag durch sie - wir würden einen Erstschlag nie ausführen - hinreichend Schaden zuzufügen vermögen. Aber auch
- 3 -

�Aber auch nach einem Erstschlag durch sie, darüber müssen sie sich klar
sein, verfügen wir über genügend Stärke, über genügend Vergeltungsstärke,
um ihnen so großen Schaden zuzufügen, daß sie den Erstschlag besser unterlassen. Das läßt sich auf mehreren Wegen dartun. Es läßt sich über Mehrfachgefechtsköpfe erreichen oder über eine größere Zahl von Raketen mit
Ei nzelgefechtsköpfen.
Raketen mit Einzelgefechtsköpfen bieten in einem gewissen Sinne mehrere Vorteile, insofern als jede einzelne Rakete ein weniger kostspieliges
Ziel darstellt als eine Rakete mit zehn Gefechtsköpfen - oder im Falle der
Sowjetunion mit 20 Gefechtsköpfen. Das also kann man als einen Vorteil
ansehen.
Die wirkliche Lösung ist aber meiner Meinung nach sogar einfacher.
Sie ist vielleicht schwerer zu erreichen, ja sie wird sicher schwerer zu
erreichen sein. Eine wirkliche Lösung liegt darin, eine drastische Verminderung der Atomrüstung auf beiden Seiten - der Gefechtsköpfe, der Traglasten und der Sprengkraft zu erreichen - was nach meinem Dafürhalten die
wirksamste Methode zur Bemessung und Verwirklichung wäre drastische Verringerung auf beiden Seiten bis herab zu dem Punkt zu erreichen, an dem
Gleichheit eintritt und an dem sie verifizierbar werden. Das aber bedeutet
Verifizierung an Ort und Stelle, die wir immer angeboten haben und in die
die Sowjets nie eingewilligt haben. Das ist die Methode, nach der wir
meiner Meinung nach einen wirklichen Fortschritt im Abbau der Bedrohung
durch diese Waffen erlangen können.
Und was die Langstreckenraketen auf lange Sicht angeht,- und damit gehe ich weit von Ihrer spezifischer Frage ab - steht alles in den Sternen.
Und damit meine ich die Zahl der Jahre, die es dauern wird - dies und
nichts anderes - bis es uns, wie wir zuversichtlich hoffen, gelingen wird,
eine brauchbare Verteidigung gegen diese Ar + von Raketen zu entwickeln,
und daß diese Verteidigung zuverlässig genug ist, um die Bedrohung, die

- 4 -

�Bedrohung, die sie in die Welt getragen haben, den Terror und die Schrekken abzuwenden. Das ist eine Frage, an der wir weiter arbeiten müssen
und auf di\ wir uns weiter konzentrieren müssen. Wir sind uns aber darüber
im klaren, daß sie erst in einer Reihe von Jahren akut wird, daß wir gegenwärtig über eine solche Möglichkeit nicht verfügen und daß wir unsere Abschreckungskräfte als einen strategischen Schirm die ganze Zeit über beibehalten werden. Wir arbeiten daran, und wir haben eine Menge Arbeit
geleistet. Auch die Sowjets haben eine Menge Arbeit geleistet;

es han-

delt sich um ein erreichbares Ziel, nicht aber um ein Ziel, das wir schon
erreicht haben.
Ich halte den Aufruf des Präsidenten, weitere Schritte zu unternehmen
und diesem Projekt höhere Priorität einzuräumen, für äußerst wichtig. Hier
zeigt sich uns eine Angelegenheit, die ihn - wie ich weiß - seit Jahren,
seit vielen Jahren schon interessiert: die Verteidigung. Das ist einer der
Gründe, aus denen er sich für die Methode der Stationierung in dichten Bündeln entschieden hatte, weil diese Methode angesichts des derzeitigen Standes der Abwehr ballistischer Raketen die ist, die sich am besten für Verteidigungszwecke eignet. Das liegt aber alles weit weg von unserer Ausgangsfrage nach den Raketen mit nur einem Gefechtskopf. Die Beschränkung auf
nur einen Gefechtskopf ist eine weitere Methode, die Abschreckung zu gewährleisten; sie erfordert allerdings sehr weiträunige Dislozierungen und
eine sehr große Zahl von solchen Raketen. Wir müßten dann aber unsere Haltung in einigen der Gespräche über den Rüstungsabbau, bei denen man sich
bisher auf Startanlagen anstatt auf die Zahl der Gefechtsköpfe konzentrierte, in mancher Hinsicht ändern.
Frage: Herr Minister, ich habe eine Frage. Trifft die Feststellung zu,
daß die Doktrin der flexiblen Antwort aufgrund des relativ niedrigen Grades des Vorbereitetseins der NATO auf dem Gebiet der konventionellen
Waffen Schwachstellen aufweist?
Antwort: Die

�Antwort: Die NATO bedarf größerer Stärke im Bereich der konventionellen Verteidigung. Das ist einer der Gründe dafür, daß wir nach neuen Technologien suchen, sehen wir doch darin eine Möglichkeit, die Stärke im konventionellen Bereich zu mehren, ohne die Mannschaftsstärken zu erhöhen
und sehr große stehende Heere zu erhalten, was die Völker in unserer Art
von Ländern, was unsere Gesellschaften nicht so gerne hätten. Wir brauchen aus einer Reihe von Gründen eine stärkere konventionelle Verteidigung.
Einer von ihnen ist genau der gleiche, der für die Abschreckung gilt und das schon, wie ich meine, seit Jahren. Eine der großen Stärken der
NATO besteht darin, daß sie ein Maß an Abschreckungsstärke beibehalten hat,
sowohl bei den strategischen als auch bei den konventionellen Waffen, das
vor einem Krieg abzuschrecken vermochte - und zwar seit 34 Jahren.
Von entscheidender Bedeutung ist, daß dies weiter so bleibt.
Gefährlich ist, daß die Sowjets, sollten sie auf irgendeinem Gebiet
einen hinreichenden Vorsprung erlangen, meinen könnten, das Risiko eines
Vorstoßes wäre nicht allzu groß. Man muß diese Dinge ständig vom Standpunkt
der sowjetischen Planer aus betrachten: Was reicht aus, sie davon zu überzeugen, daß sie einen Erstschlag besser nicht auslösen sollten.
Das andere Problem, das mit dem Versäumnis einhergeht, hinreichende
konventionelle Stärken aufrechtzuerhalten, ist die Tatsache, daß viele Leute in der Vergangenheit meinten, die sowjetische konventionelle Stärke sei
so groß, daß ein sowjetischer Angriff mit konventionellen Waffen in kurzer
Zeit schor zu einer Entgegnung mit nuklearen Waffen eskalieren müsse; das
wiederum wollen wir auf keinen Fall. Wir wollen ein hinreichendes Maß an
konventioneller Stärke aufrechterhalten - vor Ort und auch interkontinental -, damit es zu einem derartigen Angriff erst gar nicht kommt.
Frage: Darf ich Ihnen zwei Fragen stellen, als eine Art Anschlußfrage
im Zusammenhang mit Ihrem Wunsch, unsere konventionelle Verteidigung zu
stärken: Welches Ergebnis erwarten Sie von der Überprüfung der taktischen
nuklearen Arsenale, die die NATO gegenwärtig hinsichtlich der vorhandenen

�der vorhandenen Typen, der Bestände und der Zeitplanung unternimmt - können Sie dazu etwas sagen?
Antwort: Ich halte es für wichtig, daß man die Kapazitäten in allen
Bereichen überprüft. Eine fortgesetzte Überprüfung ist angezeigt. Ich halte jede uns zu Gebote stehende neue Technologie als Stärkung unserer konventionellen Bewaffnung für wichtig, um unsere Streitkräfte auf diese Art
und Weise gewissermaßen multiplizieren zu können; das ist die wohl beste
Methode. Was die taktischen Nuklearwaffen angeht, so haben die Sowjets
solche. Wichtig ist, daß auch wir moderne und wirksame Waffen in diesem Bereich bereithalten - nicht notwendigerweise in großen Mengen oder so.
Was wir aber tun müssen - und hier handelt es sich um einen fortwährend notwendigen Prozeß der Überprüfung - was wir also tun müssen ist, das
aufrechtzuerhalten, was ich diese schrecklichen Gleichungen nenne. Wir müssen fortgesetzt überprüfen, was die Sowjets haben. Nicht wir haben diese
Welt geschaffen. Wir verbergen nichts, und wir in der NATO hegen keine aggressiven Wünsche oder Absichten. Wir müssem versuchen, manchmal fast täglich, eine Gesamtrechnung aufzustellen, was wir auch tatsächlich zu tun versuchen: Grad der Stärke, Ausmaß der Abschreckung, Stärke der Vergeltung
und alles, was notwendig ist, einen eventuellen Angriff zum Stillstand zu
bringen - und das auf allen Ebenen. Die Sowjets haben sehr große taktische
Gefechtsfeld-Nuklearkapazitäten. Wir müssen dem etwas entgegenzusetzen haben. Wir wissen, daß sie einige Verträge auf dem Gebiet der chemischen und
biologischen Kriegführung gebrochen haben, und deshalb müssen wir, zögernd
zwar, auch auf diesem Gebiet gewisse Kapazitäten unterhalten.
Ich kann Ihnen keine spezifischen Zahlen nennen. Ich möchte nur sicherstellen, daß sich die Überprüfung der Stärken durch die NATO an der
Vorstellung dessen orientiert, was wir bedürfen, um einen Grad der Vergeltungsstärke aufrechtzuerhalten und leider so gut wie fortwährend, weil die
Sowjets sehr viel auf diesem Gebiet investieren. Diese Überprüfung hält

- 7 -

�Diese Überprüfung hält nun schon seit über 21 Jahren an, und nichts deutet darauf hin, daß wir sie je einstellen könnten. Was auch immer geschieht, die Wirtschaft, die Gallup-Umfragen bezüglich der Sowjetunion
oder die Anhörungen

durch den Kongreß und alle diese Dinge, sie kennen

keinen Stillstand. Und deshalb haben wir diese Überprüfungen als Fakcor
in unsere Gleichungen von den Entgegnungsmöglichkeiten einbezogen.
Frage: Darf ich Ihnen noch die andere Frage zum Thema der Mittelstreckenraketen stellen? Welche Faktoren sehen Sie als entscheidend für
die zeitliche Abfolge und die Art einer ernsthaften sowjetischen Eingehung auf unseren Vorschlag einer Zwischenlösung,auf die sogenannten Interimsvorschläge, vor? Wie meinen Sie, daß sich die Dinge hier entwickeln
werden?
Antwort: Ich weiß nicht. Voraussagen sind sehr schwer zu treffen.
Ich kann noch nicht einmal vorhersagen, was der Kongreß tun wird, ganz
zu schweigen, was die sowjetischen Verhandlungsführer tun werden?
Frage: Verzeihung. Was ich meine ist, daß jeder VerhandlungsfUhrende eine gewisse Vorstellung davon haben muß, was sein Gegenüber am Verhandlungstisch denkt.
Antwort: Nähme ich an den Verhandlungen teil - und nach meinem Dafürhalten denken einige unserer Leute so -, ginge ich davon aus, daß praktisch nichts geschehen wird, bis die bodengestützten Marschflugkörper und
die PERSHING II disloziert sind, daß die Sowjets am Verhandlungstisch bleiben und reden werden, daß sie uns aber nicht auf nützliche oder wirksame
Art und Weise entgegenkommen werden. Bisher jedenfalls haben sie das
nicht getan. Eine weitere Runde steht uns ja noch im Mai bevor. Ich hoffe,
daß ich mich irre - es würde mich freuen, sollte ich mich irren -, aber
nach meinem Dafürhalten sind die bisherigen öffentlichen Verlautbarungen
zu der vom Präsidenten vorgeschlagenen Zwischenlösung, der InterimsMethode, zur Erreichung der Null-Lösung nicht besonders günstig ausgefallen.

- 8 -

�günstig ausgefallen. Es gibt eine Menge Leute, die da meinen, Hauptziel
der Sowjets sei es, die Dislozierung der als Gegengewicht zur SS-20 vorgesehenen Waffen zu verhindern. Werden diese wirklich disloziert, und es ist
ganz klar, daß die Dislozierung nach Plan erfolgt, werden wir vielleicht
tatsächlich eine Art Gegenvorschlag erhalten. Das scheint logisch, weil die
Sowjets von einer Vereinbarung über eine Verminderung ihrer SS-20 etwas
profitieren müssen. Sie besitzen gegenwärtig nach der letzten von uns publizierten Zählung 351 SS-20 Raketen, und es kommen immer neue dazu. Jede von
ihnen hat drei Gefechtsköpfe. Sie sind sämtlich motorisiert und wiederverwendungsfähig. Die Sowjets haben es nicht nötig, irgendeiner Regelung zuzustimmen oder irgendwelche Verminderung vorzunehmen, solange es keine Gegenwaffe gibt; und es gibt sie wirklich nicht. Deshalb meine ich, daß wir diese
Dislozierungen vornehmen und klarmachen müssen, daß sie planmäßig voranschreiten, ehe wir auf etwas wie eine vernünftige oder nützliche entgegenkommende Antwort rechnen können.
Das diesbezügliche große Ziel der Sowjets steht vollkommen im Einklang
mit dem, was sie immer beabsichtigt haben. Sie versuchen, die NATO zu zerstören - schon von ihrer Gründung an, da dies eines ihrer Hauptprinzipien
ist. Die Versuche, die Vereinigten Staaten von Europa abzukoppeln, sind ein
weiterer Teil ihrer diesbezüglichen Anstrengungen. Sie versuchen ferner,
die Dislozierung jeder möglichen Gegenwaffe zu blockieren, um ihr Monopol
auf dem Gebiet der Mittelstreckenraketen aufrecherhalten zu können. Das
ist noch immer ihr Ziel, das zu verfolgen, sie nicht müde werden. Sie ändern
ihre Politik nicht alle drei oder vier Jahre und sie bewegen sich direkt auf
diesem Pfad voran
Frage: Ich möchte Sie nach zwei Dingen fragen. Begrüßen Sie die Tendenz, von der in Frankreich und in Europa sehr viel die Rede ist, nämlich
die europäischen Verteidigungskapazitäten von Jahr zu Jahr aufzustocken,
damit in Europa immer weniger von den Vereinigten Staaten abhängig wird,
und glauben Sie, daß die neuen französischen Militärprogramme in diesem
Rahmen einen Weg in diese Richtung oder einen Weg zurück in die NATO dar-

- 9-

�NATO darstellen?
Antwort: Zum ersten Teil der Frage scheint mir wichtig, daß wir alle
mehr hinsichtlich unserer Selbstverteidigung tun sollten, mehr, um uns
selbst stark zu machen, und mehr auch, um wirksame Verteidigungskräfte
aufzubauen. Nach meinem Dafürhalten bietet die NATO eine vorzügliche
Möglichkeit hierzu. Sie funktioniert und sie ist ein starkes Bündnis aus
freien, souveränen Ländern. Es wird natürlich immer Meinungsverschiedenheiten geben; das war in den 34 Jahren ihres Bestehens so und wird auch
in Zukunft so sein. Die NATO ist ein starker freier Zusammenschluß unabhängiger selbständiger Länder und als solches ein Bollwerk des Friedens
in Europa.
In dem Ausmaß, in dem ein Mitgliedland seine eigene Stärke mehrt,
ist dem meines Erachtens nur Beifall zu zollen. Ich sehe dies aber nicht
als einen Weg an, der die Vereinigten Staaten in die Lage versetzt, sich
zurückzuziehen oder irgendetwas derartiges zu tun. Ich glaube wir werden
uns immer, wir werden uns immer gegenseitig brauchen. Ich kann mir nicht
vorstellen, daß die Vereinigten Staaten in einer Welt fortbestehen könnten,
in der Europa überrannt worden ist. Und ich halte es für wichtig, daß jeder von uns auf einer völlig unabhängigen, aber in die Wechselseitigkeit
eingebundenen Basis die Verteidigung aller zu stärken hilft. In dem Maße,
in dem ein Land seine eigene Verteidigung stärkt, verbessert es seine
eigene Situation, gewiß aber auch die Weltsituation.
Nach meinem Dafürhalten besteht die wirksamste Methode, dies zu tun,
in einem geeinten und starken Bündnis, und ich meine und hoffe, daß wir
in Einsicht und Stärke fortbestehen und weiter wachsen können. Darin
liegt meines Erachtens für uns alle die beste Hoffnung, das abzuschrekken, was sich als eine gewaltige und rasch wachsende Stärke der Sowjets
auf allen Gebieten erwiesen hat, vor allem auf dem Gebiet der offensiven
Stärke, und so halte ich dafür, daß damit alles gesagt ist
Frage: Kennen
-10-

�Frage: Kennen Sie die genaue Zahl der SS-20, die gegen Ziele in
Europa und Asien gerichtet sind?
Antwort: Es gab nach unserer letzten, der Öffentlichkeit mitgeteilten Zählung 351 SS-20 mit je drei Gefechtsköpfen. Inzwischen wurden es
mehr. Neue SS-20 werden in stetig gleicher Zahl disloziert. Einige von
ihnen stehen östlich des Urals und sind gegenwärtig gegen Asien gerichtet. Die Mehrzahl von ihnen aber steht in Gebieten, von denen aus sie jedes Ziel in Europa zerstören können. Sie sind motorisiert und können innerhalb weniger Stunden an einen anderen Ort verbracht werden. Ihr tatsächlicher momentaner Standort ist mithin nicht so wichtig. Zudem besteht
noch die Möglichkeit der Wiederverwendung. Ältere Zählungen sind mithin
nicht gerade sehr relevant.
Die SS-20 ist eine tödliche Waffe, eine sehr zielgenaue Waffe, eine
Waffe ohne Gegenwaffe mit vergleichbarer Reichweite im Bereich der Mittelstreckenraketen und so halte ich es für entscheidend wichtig, daß wir
ein Gegengewicht für sie schaffen und daß wir die entsprechenden Raketen
so schnell wie möglich an Ort und Stelle bringen.
Die Bedrohung aber ist eine Bedrohung für ganz Europa. Sie ist eine
Bedrohung, die potentiell und tatsächlich heute auch gegen Asien disloziert ist. Die genaue Zahl an diesem oder jenem Ort ist wegen ihrer Mobilität irrelevant. SS-20 können rasch von einem Ort an einen anderen verlegt werden, und alle Angebote, eine gewisse Zahl von ihnen aus Europa
fortzuschaffen und nur auf Ziele in Asien zu richten, sind nicht nur irrelevant, sondern beunruhigen verständlicherweise die Asiaten.
Frage: Wie ernst ist Ihrer Meinung nach dip von den sowjetischen
Medien ausgesprochene Drohung, Raketenabschußbasen unweit der Vereinigten Staaten zu errichten, sofern die amerikanischen Raketen in Europa
disloziert werden und wie würden die Vereinigten Staaten und die NATO
auf diese Bedrohung reagieren oder antworten, sollte sie Wirklichkeit

- 11 -

�sie Wirklichkeit werden?
Antwort: Das sind Drohungen, die zuvor schon mehrmals ausgesprochen
worden sind, und ich habe keine Vorstellung davon, welcher Ernst ihnen zukommt. Wie schon gesagt, die Sowjets tun nach meinem Dafürhalten fast alles,
um die Dislozierung von Gegenwaffen zur SS-20 zu blockieren, weil sie ihr
Monopol behalten wollen. Wenn sie das sagen, versuchen sie allem voran jede
mögliche Art von Opposition dagegen auszulösen. Und nun erklären sie vor
einer Reihe unterschiedlicher Foren - offiziell und inoffiziell, abgesehen
davon, daß, wie ich vermute, alles, was von dort kommt, offiziell ist daß es zu weiteren Dislozierungen kommen werde, wenn die Dislozierung in
Europa erfolgt. Ich sehe keine Möglichkeit zu beurteilen, wie ernst dies
ist.
Und was das angeht, was wir tun würden, wenn die Sowjets mehr täten
als nur davon sprechen, darf ich sagen: Wir haben eine solche Situation
schon einmal gemeistert und ich kann mir vorstellen, daß wir abermals damit fertig werden.

+ + + + +

- 12-

�21

18. Mai 1983

OFFENER BRIEF TRUDEAUS ZUR ERPROBUNG DER MARSCHFLUGKÖRPER IN KANADA
- Wortlaut -

- (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut eines offenen
Briefes des kanadischen Ministerpräsidenten Trudeau an die Öffentlichkeit
seines Landes, der am 10. Mai 1983 in zahlreichen Zeitungen Kanadas erschien.
Er befaßt sich mit der vorgesehenen Erprobung von Marschflugkörpern in
Kanada.
Der offene Brief hat folgenden Wortlaut:
In den letzten Monaten habe ich eine große Anzahl von Briefen und Petitionen erhalten, in denen gegen die eventuelle Erprobung von Marschflugkörpern in Kanada protestiert wird.

Weil es mir physisch unmöglich ist, all

denen persönlich zu antworten, die mir ihre Besorgnisse ausgedrückt haben,
erwiderte ich darauf in aller Öffentlichkeit, als ich im vergangenen Monat
anläßlich eines Essens zu Ehren von Vizepräsident Bush dazu Stellung nahm.
Weil diese ganze Frage auch weiterhin schwer auf dem Gewissen von Vertretern der Regierung und der Öffentlichkeit lastet, habe ich mich jetzt

�mich jetzt entschlossen, mich direkt mit Hilfe eines offenen Briefes an
die Kanadier zu wenden.

Zweck dieses Briefes ist es, die Position der kana-

dischen Regierung zur Erprobung der Marschflugkörper sowie zu der weitergehenden Frage der Abrüstung darzulegen.
Einleitend möchte ich darauf hinweisen, daß die Freiheit, solche Fragen zu erörtern und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, unserer Demokratie
ihre Größe und Stärke verleiht; aber genau diese Freiheit kann uns angesichts
des sowjetischen Totalitarismus verwundbar erscheinen lassen.
In den letzten Jahren hat die Sowjetunion Hunderte von neuen SS-20-Raketen disloziert - jede mit drei nuklearen Gefechtsköpfen ausgestattet und
in der Lage, alle großen Städte in Westeuropa zu erreichen.

Und dennoch

hat es keinen bedeutsamen Protest der öffentlichen Opposition gegeben - weder innerhalb noch außerhalb der Sowjetunion.
Daß die sowjetische Bevölkerung gegen diese Maßnahme ihrer Führung nicht
protestiert hat, überrascht niemanden.

Was allerdings überrascht, ist die

Tatsache, daß diejenigen Kreise im Westen, die gegen neue Kernwaffen opponieren, relativ schweigsam waren im Hinblick auf die Stationierung der SS-20.
Ganz im Gegenteil:

Sie gehen nunmehr auf die Straße, um gegen die mögliche

Dislozierung von amerikanischen PERSHING II-Raketen und von Marschflugkörpern
zu protestieren, die Europa gegen die sowjetische Nukleardrohung schützen
sollen.
Was in Kanada insbesondere überrascht, ist die Tatsache, daß die Demonstranten gegen die mögliche Erprobung von Marschflugkörpern auf kanadischem Territorium protestieren, aber nicht dagegen, daß ähnliche Raketen
bereits in der Sowjetunion erprobt werden, wie dies im Dezember letzten
Jahres von Generalsekretär Andropow bestätigt worden ist.
Weil die Menschen in der freien Welt nicht die Macht haben, die Führung der Sowjetunion zu beeinflussen, liegt die Versuchung sehr nahe, ihre

�nahe, ihre Ängste und Besorgnisse mit aller Kraft gegen die einzigen Entscheidungsträger zu richten, die sensitiv gegenüber der öffentlichen Meinung sind, nämlich gegen die führenden Politiker der demokratischen Länder.
Nachdem sie zu der Überzeugung gelangt sind, daß es nutzlos ist, die SS-20Raketen zu verurteilen, finden diese Menschen es meiner Ansicht nach einfacher, sie schlicht zu vergessen.

Das merkwürdige Ergebnis dieser Vergeß-

lichkeit ist, daß es jetzt irgendwie möglich wird, die Sowjetunion nicht als
Aggressor hinzustellen, sondern als unschuldige Zielscheibe,, Dies zeugt von
einer merkwürdigen Bewußtseinsstörung und bedeutet eine völlige Umkehr der
Rollen - und die sowjetische Führung war sehr schenll dabei, dies für ihre
eigenen Zwecke auszunutzen.
Sie hofft offenbar, daß einseitige Informationen und einseitige Proteste zu einer einseitigen Abrüstung des Westens führen werden.

Ja, es gibt

schon in der öffentlichen Meinung Westeuropas Teile, die sich diese Politik
zu eigen gemacht haben.
Während der ersten Sondersitzung der Vereinten Nationen über Abrüstung
habe ich im Namen Kanadas eine Strategie des Im-Keine-Erstickens vorgeschlagen.

Diese Strategie sollte - selbst schon im Laboratorium - die Entwicklung

neuer Kernwaffensysteme zunichte machen.

Es lag auf der Hand, daß mein Vor-

schlag für beide Seiten oder für keine Gültigkeit haben mußte.

Ganz ohne

Frage wollte ich mit meinem Vorschlag nicht andeuten, daß der Westen einseitig abrüsten sollte.
Weil diese Strategie, die Dinge im Keime zu ersticken, von der Sowjetunion abgelehnt wurde, wie ja die anhaltende Dislozierung von SS-20-Raketen
zeigt - einer Waffe, die den SS-4- und den SS-5-Raketen weit überlegen ist -,
konnte natürlich nicht darauf gedrängt werden, daß die NATO-Länder allein
diese Strategie akzeptieren. Deshalb haben wir uns der Strategie des Doppelbeschlusses unserer NATO-Partner angeschlossen. Die beiden Teile des Beschlusses zielen einmal auf Verhandlungen über die Beseitigung der sowjetischen SS-20-Raketen und zum anderen auf die Vorbereitung der Dislozierung

- 3 -

�der Dislozierung neuer amerikanischer Raketen in Europa ab, um erstens die
Sowjets zu ernsthaften Verhandlungen zu drängen und um zweitens unsere europäischen Verbündeten nicht in einer verwundbaren Position zu belassen, sollten die Verhandlungen über die nuklearen Mittel Streckensysteme fehlschlagen.
Nachdem wir unsere Unterstützung für den Doppelbeschluß erklärt haben,
sollte Kanada seinen fairen Anteil an den Lasten tragen, die eine solche Politik dem NATO-Bündnis auferlegt.
Es ist kaum fair, sich auf den Schutz des Westens durch die Amerikaner
zu verlassen, sich andererseits aber zu weigern, sie zu unterstützen, wenn
sich die Dinge schwierig gestalten.

So gesehen grenzt der Antiamerikanismus

einiger Kanadier an Heuchelei. Sie sind zwar bestrebt, Schutz unter dem
amerikanischen Schirm zu suchen, möchten diesen Schirm aber nicht mithalten.
Wenn wir moralische Prinzipien hinsichtlich dieser Frage anwenden wollen, dann kann man sich sehr leicht in Positionen gefangen finden, die entweder zu kompliziert oder zu einfach sind. Die erstere kann uns lähmen, mit
der zweiten können wir uns etwas vorgaukeln.
In die Falle der Überkompliziertheit geraten jene, die darauf beharren, daß keine moralische Position gültig sei, die nicht jeden nur möglichen
künftigen Durchbruch auf dem Gebiete der nuklearen Waffentechnologie in Rechnung stellt und jede mögliche künftige Schwierigkeit bei der Aufdeckung der
Aktionen der anderen Seite. In die Falle der Übervereinfachung geraten jene,
die sich damit zufriedengeben, nur darüber zu sprechen, wieviel Schüsseln
voll Reis für die Kosten einer Rakete beschafft werden könnten, oder die die
Regierungen dafür verurteilen, daß sie überhaupt etwas für die Verteidigung
ausgeben.
Ich bestreite nicht, daß es ein Element der Wahrheit und der Gültigkeit
in einer bedingungslosen pazifistischen Position gibt.

Ich sage lediglich,

daß es allzu einfach ist, die reale, komplizierte und oft unmoralische Welt

- 4 -

�unmoralische Welt zu ignorieren, auf die unsere moralischen Entscheidungen
angewandt werden müssen.

Der Papst selbst hat dieser Tatsache in einer Bot-

schaft Rechnung getragen, die er im Juni vergangenen Jahres an die zweite
Abrüstungssondersitzung der Vereinten Nationen sandte.

"Unter den gegenwär-

tigen Verhältnissen", so schrieb er, "mag die auf Gleichgewichtigkeit gestützte Abschreckung - sicherlich nicht als Selbstzweck, sondern als Schritt
in Richtung auf eine progressive Abrüstung - immer noch als moralisch akzeptabel beurteilt werden."
Ich glaube, daß die sowjetischen Völker genauso den Frieden wünschen
wie die Völker der freien Welt.
schwer bewaffnet sind.

Aber ich weiß auch, daß die Sowjets überaus

Unter diesen Umständen wäre es nahezu selbstmörde-

risch für den Westen, eine Politik der einseitigen Abrüstung zu verfolgen
oder eine Politik, die die Entwicklung neuer Mittel der Selbstverteidigung
gegen die sowjetischen SS-20 im Keime ersticken würde.

Dies ist eine Art

der heroischen moralischen Entscheidung, die zwar ein Einzelmensch in seinem
persönlichen Leben trifft - aber hat irgendjemand das Recht, diese Entscheidung einer gesamten Nation oder der Gemeinschaft freier Länder aufzuerlegen?
Wenn es um die Entscheidung zwischen Standhaftigkeit oder Schwäche angesichts des Totalitarismus geht, dann sollte uns die Geschichte gelehrt haben,
daß die Weigerung, sein Leben für die Verteidigung der Freiheit zu riskieren,
bedeutet, den Verlust der Freiheit zu riskieren - ohne jede Garantie, daß
man dadurch sein Leben rettet.
Aus diesem Grunde hat die kanadische Regierung sich entschieden - nicht
ohne Besorgnisse oder ohne die volle Erkenntnis des Risikos -, sich unseren
NATO-Partnern bei der Verfolgung einer Politik der Stärke gegenüber der Sowjetunion anzuschließen.
Bei der Unterstützung des Doppelbeschlusses des Atlantischen Bündnisses
werden wir darauf bestehen, daß Fortschritte gleichzeitig im Hinblick auf
beide Teile dieses Beschlusses gemacht werden.

- 5 -

Diese Kombination von Stand-

�von Standhaftigkeit der Zielsetzung und der Bereitschaft, zu verhandeln,
scheint Früchte zu tragen, wie das jüngste Angebot von Generalsekretär
Andropow zeigt, die Anzahl der Gefechtsköpfe wie der Raketen in Rechnung
zu stellen.
Müssen wir nun annehmen, daß diese neue Flexibilität Andropows ein
ehrliches Zeichen des guten Willens ist?

Müssen wir ernsthaft glauben,

daß bei zwei Gelegenheiten seit dem Dezember vergangenen Jahres die Sowjets
öffentlich eine Reduzierung ihrer nuklearen Streitkräfte in Erwägung gezogen hätten, falls wir in unserer Entschlossenheit nachgelassen hätten?
Für mich ist die Antwort klar.

Es ist absolut wichtig, daß die Ver-

einigten Staaten mit ihren Anstrengungen fortfahren, über die Beseitigung
der SS-20-Raketen im Austausch gegen die Nichtdislozierung neuer amerikanischer Raketen in Europa zu verhandeln, oder zumindest doch über eine kleinere Anzahl von Raketen auf beiden Seiten.
Ich hoffe, daß meine Darlegung unserer Politik deutlich gemacht haben
wird, daß, wenn wir einer Zusammenarbeit bei der Erprobung des Leitsystems
der Marschflugkörper zustimmen, dies aufgrund unserer Solidarität mit den
anderen westlichen Demokratien geschieht - in einer Welt, die sich gegenüber der von uns vorgeschlagenen Strategie, diese Dinge im Keime zu erstikken, taub gezeigt hat.
Nachdem ich dies ausgeführt habe, möchte ich jedoch hinzufügen, daß
wir die Hoffnung auf die Beendigung des nuklearen Wettlaufs nicht aufgeben
sollten. Alle Menschen der Welt, ob sie nun Freunde oder Gegner sind, wollen ihr eigenes Leben sowie das Leben jener, die sie lieben, erhalten. Wenn
die Entdeckung der schrecklichen Geheimnisse des Atoms uns die Macht verleiht, unseren gesamten Planeten zu zerstören, dann gibt es doch noch eine
größere und mächtigere Kraft, die ihn retten kann:
Kindern und die Liebe zum Leben.

Unsere Liebe zu unseren

Daher bin

�Daher bin ich weiterhin der Überzeugung, daß unsere Strategie des
Im-Keime-Erstickens die beste Strategie ist.
gern sich, sie jetzt zu akzeptieren.

Die Großmächte der Welt wei-

Aber das wird uns nicht davon abhal-

ten, bei jeder sich bietenden Gelegenheit unseren Vorschlag zu wiederholen,
bis die Anerkennung seiner Wahrheit uns alle von moralischen Nöten und von
Furcht befreit.

+ + + + +

7 -

�18. Mai 1983

NEUER KATALYSATORTYP STEIGERT AUSBEUTE AN SYNTHETISCHEN
KOHLENWASSERSTOFFEN

- (AD) - Die Kohlehydrierung zur Gewinnung von synthetischen ölen
und von Benzin aus Kohle, eine Erfindung des deutschen Chemikers und Nobelpreisträgers Friedrich Bergius aus dem Jahr 1912, erhielt erst nach der
Einführung von Katalysatoren in den Prozeß durch Fischer und Tropsch im
Jahr 1925 und die technischen Weiterentwicklungen der Folgezeit wirtschaftliche Bedeutung. Während des Zweiten Weltkrieges war in Deutschland Kohle
die wichtigste Quelle für Kraftfahrzeug- und Flugzeugtreibstoffe, die nach
dem Fischer-Tropsch-Verfahren erzeugt wurden. Wie kürzlich Robert Huggins,
Professor für Werkstoffwissenschaften und Werkstoff techni'- an der StanfordUniversität (Kalifornien),erklärte, verlange heute der große Bedarf nicht
nur an öl und Treibstoffen, sondern auch an synthetischen Fasern und anderen Materialien neue Anstrengungen, um die Kohle als chemischen Grundstoff
besser zu nutzen. "Fast alle Synthesefasern werden derzeit aus Erdöl hergestellt. Wird dieses knapp, brauchen wir andere Ausgangsmateri lien sowohl für Fasern als auch für Kunststoffe."

Eine ganz wichtige Rolle in der sog. Kohleverflüssigung spielt der
Katalysator, der beim Fischer-Tropsch-Verfahren aus Nickel besteht, übri

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�besteht, übrigens kommen alle wichtigen Katalysatoren aus einer Gruppe
chemischer Elemente, die leicht Elektronen aufnehmen oder abgeben; es sind
Elemente der sog. Nebengruppe im periodischen System. In Anwesenheit von
Nickel werden Moleküle von Kohlenmonoxyd und Wasserstoff in großer Zahl
aufgebrochen, und Einzelatome von Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauersotff
lagern sich an der Oberfläche des Katalysators ab. Normalerweise gehen diese
Atome dann ohne besondere Schwierigkeiten Verbindungen ein und bilden Kohlenwasserstoffe (mit Methan als einfachster Verbindung) sowie Wasser.
An diesem Punkt setzten die neuen Entwicklungen von Professor Huggins
und seinem ehemaligen Schüler und jetzigen Mitarbeiter Turgut Gus ein mit
dem Ziel, die Ausbeute an Kohlenwasserstoffen zu vergrößern. Als Katalysator benutzten sie einen ""ig. Ionenleiter - einen Feststoff mit besonderer
Kristallstruktur, in dem Ionen (Atome mit elektrischer Ladung) den Stromfluß besorgen. Im Gegensatz dazu tun dies bei den Metallen und Halbleitern
die sehr viel kleineren Elektronen.
Huggins legt eine Spannung am Ionenleiter an. Dies bewirkt, daß die
an der Oberfläche des Nickelkatalysators haftenden Sauerstoffatome eine
elektrische Ladung bekommen, noch ehe sie Zeit hätten, sich mit Wasserstoff zu Wasser zu verbinden. Sie werden zu Sauerstoffionen. Man kann sie
nun von der Nickeloberfläche lösen und durch Anlegen einer elektrischen
Spannung durch den Ionenleiter "hindurchziehen". Schließlich werden sie
als Sauerstoffgas auf der anderen Seite freigesetzt.
Dieses kontinuierliche Entfernen oder "Pumpen" von Sauerstoff von der
Katalysatoroberfläche steuert den Umfang der Gesamtreaktion. Mit relativ
niedriger Spannung an der "Ionenpumpe" läßt sich die KohlenwasserstoffProduktion außerordentlich beschleunigen. Ein weiterer Vorteil dieses Verfahrens besteht darin, daß neben Kohlenwasserstoffen reiner Sauerstoff
als Nebenprodukt anfällt. Dieser ist, technisch gesehen, sehr viel wertvoller als das bei dem alten Verfahren anfallende Wasser.
Allerdings ist
- 2 -

�Allerdings ist der neue Prozeß nach Meinung von Professor Huggins
von einer kommerziellen Anwendung noch weit entfernt. Das Hauptproblem
liege gegenwä'rtig darin, daß der bisher benutzte Ionenleiter nur bei Temperaturen über 600 Grad Celsius optimal funktioniert.Aber in diesem Temperaturbereich sind mit Ausnahme von Methan alle Kohlenwasserstoffe instabil. Desha"^ müssen Ionenleiter-Materialien gefunden werden, die bei niedrigeren Temperaturen einsatzfähig sind, um die Gewinnung schwererer Produkte
zu ermöglichen.
Das zum Teil mit Geldern der Nationalen Forschungsstiftung (NSF) der
USA finanzierte Projekt geht auf Forschungen von Professor Huggins zur
katalytischen Zersetzung von Stickoxyden in Auspuffgasen zurück.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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nroimocion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

22

25. Mai 1983

I N H A L T

DOKUMENTATION
Ikle: Sowjetunion bringt jährlich 100 neue Objekte in den
Weltraum
- Darlegung des Staatssekretärs im US-Verteidigungsministerium
vor Senatsausschuß -

HINTERGRUNDMATERIAL
Unannehmbare Einmischung:

"Aktive Maßnahmen" der Sowjets

- Von Lawrence S. Eagleburger Staatssekretär für Politische Angelegenheiten im amerikanischen
Außenministerium
»

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Sorgfältige Schwangerenbetreuung bei Diabetes
- Angeborene Defekte gehen merklich zurück -

Um Übcr/cn Jung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Dokumentation

l

United States Information Service
Embassy of the United States of America

22

25. Mai 1983

IKLE: SOWJETUNION BRINGT JÄHRLICH 100 NEUE OBJEKTE IN DEN WELTRAUM
- Darlegung des Staatssekretärs im US-Verteidigungsministerium
vor Senatsausschuß -

WASHINGTON - (AD) - Der Staatssekretär für politische Angelegenheiten
im amerikanischen Verteidigungsministerium, Fred Ikle, erklärte am 18, Mai
1983 vor dem außenpolitischen Ausschuß des US-Senats, daß die Sowjetunion
in den vergangenen Jahren fast 100 neue Objekte jährlich in den Weltraum
transportiert habe. Diese Zahlen zeigten deutlich, welche Bedeutung Moskau
seinen Weltraumprogrammen beimesse.
Die Ausführungen Ikles haben folgenden Wortlaut:
Ich begrüße die Gelegenheit zur Diskussion über die Bedeutung, die der
Weltraum und die jüngste Initiative des Präsidenten über die Verteidigung
mit ballistischen Raketen für die nationale Sicherheit haben.
Die technologischen Revolutionen bei der potentiellen Nutzung des Weltraums haben der nationalen Verteidigung neue Möglichkeiten - wie auch neue
Drohungen - gebracht. Sowohl die Streitkräfte der Vereinigten Staaten als
auch die der Sowjetunion setzen Satellitensysteme ein.
Die militärischen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
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Telex: 8-85432

�Die militärischen Weltraumobjekte der Vereinigten Staaten dienen der
Unterstützung militärischer Operationen - bei Kommunikation, Kommando und
Kontrolle, bei Warnung, Navigation und bei Wettervorhersagen.

Die Weltraum-

systeme werden in der Tat in zunehmendem Ma3 für Kommando, Kontrolle und
Kommunikation eingesetzt.
Unsere Satelliten, die Raketenstarts signalisieren, sowie unsere strategischen Warnsysteme leisten einen Beitrag zu unserer nuklearen Abschrekkung.

Weltraumsysteme ermöglichen es uns auch, die Einhaltung von Rüstungs-

kontroll Vereinbarungen zu überwachen.
Es bedarf nicht des Hinweises, daß die militärische Nutzung des Weltraums durch die Vereinigten Staaten in Einklang mit dem Völkerrecht steht.
Unsere militärischen Weltraumprogramme sind nicht lediglich eine Reaktion auf die Weltraumaktivitäten der Sowjetunion, sondern sind Ergebnis unserer ständigen Überlegungen hinsichtlich der Art und Weise, wie wir die
Ziele unserer nationalen Sicherheit am besten erreichen. Wir sehen den Weltraum als ein Gebiet, in dem militärische Unterstützungsoperationen durchgeführt werden können. Obgleich unsere Programme keine Reaktion auf die sowjetischen sind, müssen wir selbstverständlich die sowjetischen Weltraumaktivitäten in Rechnung stellen. Wie in anderen Bereichen auch, unterscheidet
sich die sowjetische Haltung hinsichtlich des Weltraums von der unseren erheblich.

Die sowjetischen Weltraumaktivitäten
Mit der Entwicklung und der Bereitstellung einer orbitalen Antisatellitenwaffe vor über einem Jahrzehnt hat die Sowjetunion ein deutliches Zeichen dafür gesetzt, daß sie den Weltraum als eine Arena der Kriegsführung ansieht.
In den

�In den vergangenen zehn Jahren hat die UdSSR jährlich über 75 Weltraumobjekte gestartet, vier bis fünfmal mehr als die Vereinigten Staaten. Während der letzten Jahre stieg die Zahl sogar auf annähernd 100 pro Jahr.
Die jährliche Nutzlast, die die Sowjets in eine Erdumlaufbahn brachten, ist
mit 660 000 Pounds zehnmal größer als die der Vereinigten Staaten.
Diese Anstrengungen spiegeln die Bedeutung wider, die die Sowjets
ihren Weltraumprogrammen beimessen. Allerdings könnten sie ebenso eine gewisse technologische Schwäche hinsichtlich der Dauerhaftigkeit und Flexibilität ihrer Weltraumobjekte widerspiegeln. Die militärischen und militärbezogenen Raumfahrtprogramme der Sowjetunion reichen von ausgedehnten bemannten
Missionen bis zu meteorologischen Kommunikations-, Navigations-, Aufklärungs-, überwachungs-, Ziel- und Antisatellitenmissionen.
Seit dem erfolgreichen Start des SPUTNIK I im Jahre 1957 haben die Sowjets sin tatkräftiges und methodisches Programm der Nutzung des Weltraums
für militärische Zwecke verfolgt. Zum erstenmal zeigte sich die Nutzung des
Weltraums für militärische Zwecke durch die Sowjetunion im Jahr 1961 beim
Start ihres ersten Fotcaufklärungssatelliten. über die sechziger und siebziger Jahre hinweg weiteten sich die militärischen Weltraumprogramme der
Sowjetunion sowohl hinsichtlich des Umfangs als auch der Anzahl aus. Mittlerweile sind aus diesen Programmen reife, integrierte Systeme für die direkte und indirekte Unterstützung der sowjetischen Streitkräfte geworden, die
die Fähigkeit haben, die niedrigfliegenden Satelliten der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten zu bedrohen.
Ständig befinden sich zwischen 70 und 110 Satelliten auf ihrer Umlaufbahn, wobei über die Hälfte hauptsächlich militärischen Zwecken dient. Etwa
85 Prozent aller sowjetischen Weltraumstarts sind hauptsächlich militärische oder militärisch-zivile Missionen.
Es hat

�Es hat den Anschein, als entwickelten die Sowjets ein wiederverwendbares Raumfahrtsystem, dem der amerikanischen Weltraumfähre ähnlich, sowie ein kleineres Weltraumflugzeug. Probeflüge dieses kleineren Flugapparates in Erdumlaufbahn haben bereits stattgefunden. Diese Systeme könnten
innerhalb eines Jahrzehnts in regulärem Einsatz sein und werden die militärische Flexibilität und Kapazität der sowjetischen Weltraumanstrengungen weiter vergrößern.
Die bemannten Weltraumflüge der Sowjets werden immer umfangreicher
und stellen das weitläufigste Element des sowjetischen Raumfahrtprogramms
dar. Nachdem die Sowjets in den frühen sechziger Jahren eine ganze Reihe
von

Erstflügen schafften - einschließlich des ersten Menschen im Welt-

raum -, wurde das bemannte Programm der Sowjetunion zeitweilig von den bemannten Programmen der Vereinigten Staaten Ende der sechziger Jahre überflügelt.

Seit 1971 haben die Sowjets sieben Raumstationen in eine Erdum-

laufbahr gebracht. Die erste bemannte Raumstation - SALYUT I - wurde 197i
gestartet. Ein zweiter Typ davon wurde 1973 gestartet. Beide waren in der
Lage, militärische Forschungen durchzuführen. 1977 hatten die Sowjets die
Fähigkeit entwickelt, die Besatzung ihrer SALYUT-Raumstationen neu zu versorgen und auszutauschen. Dreimal haben die Sowjets bemannte Missionen
durchgeführt, die bis zu sechs Monaten dauerten. Mit der Beendigung einer
211-Tage-Mission im Jahre 1982 schafften die Sowjets eine neue Höchstleistung.
Das sowjetische Engagement im Hinblick auf das bemannte Weltraumprogramm wächst weiter. Die Entwicklung einer großen, bemannten Raumstation
bis etwa 1990 zur Erlangung einer militärischen Präsenz im Weltraum ist
unserer Meinung nach eines der Ziele der neuen schubkräftigen Startsysteme, die sich derzeit in der Entwicklung befinden. Die Sowjets werden
außerdem weitere Hilfssysteme von großer Schubleistung einsetzen, um noch
größere Raumstationen und Raummodule vor Ende des Jahrhunderts in eine
Umlaufbahn zu bringen. Diese Raumstationen könnten über 100 Tonnen wiegen

- 4 -

�Tonnen wiegen und in der Lage sein, eine größere Mannschaft über einen
längeren Zeitraum hinweg ohne Neuversorgung aufzunehmen.
Die Einführung, Anwendung und bekannte zukünftige Entwicklung von
sowjetischen Weltraumwaffensystemen weisen auf ein koordiniertes Programm
hin, das folgendes umfaßt:
- Die derzeitige Generation von AntiSatellitenkörpern, die jetzt einsatzfähig sind und dazu entworfen wurden, Satelliten in niedriger
Umlaufbahn zu zerstören.
- Ein sehr umfangreiches Forschungsprogramm über gelenkte Energie, einschließlich der Entwicklung von Laserstrahlwaffensystemen, die entweder auf dem Erdboden disloziert oder an Bord der nächsten Generation
der sowjetischen AntiSatellitensysteme oder auf bemannte sowjetische
Weltraumstationen verbracht werden könnten.
Das bereits aufgestellte sowjetische Antisatellitensystem hat die Fähigkeit, amerikanische Weltraumsysteme in erdnaher Umlaufbahn zu zerstören.
Die Sowjets veranstalten alle Jahre Tests, um den Satellitenabfang zu proben
und das Antisatellitensystem zu verfeinern. Wir sind der Überzeugung, daß
eines der Ziele des sowjetischen Weltraumwaffenprogramms die Entwicklung
und Dislozierung von im Weltraum stationierten Lasern ist.
Die Sowjets könnten den prsten Prototypen einer kleinen, im Weltraum
stationierten Antisatelliten-Laserwaffe Ende der achtziger oder Anfang
der neunziger Jahre starten. Ein System, das in der Lage wäre, andere
Satelliten im Abstand von einigen tausend Kilometern anzugreifen, könnte
in den neunziger Jahren möglich sein. Im Weltraum stationierte ABM-Systeme könnten in den neunziger Jahren erprobt werden, würden allerdings
wahrscheinlich nicht vor der Jahrhundertwende einsatzbereit sein.
Seit Anfang

�Seit Anfang der sechziger Jahre haben die Sowjets ihre Anstrengungen
bei der Foto- und Elektronikaufklärung im Weltraum ständig verstärkt. Jedes Jahr werden mehr als 50 dieser Satelliten gestartet, um die Streitkräfte mit täglichen Informationen auf dem Laufenden zu halten. Das Raumfahrtprogramm des sowjetischen Militärs spiegelt zudem die immer stärkere
Nutzung des Weltraums für weltweite Überwachung und Vorwarnung wider. Durch
diese im ,feltraum stationierten Systeme haben die Sowjets einen erheblichen Teil der Streitkräfte der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
unter Beobachtung. Die Überwachungssatelliten umfassen ein System, mit dem
Abschüsse von Interkontinentalraketen entdeckt werden können, sowie Meeresüberwachungssysteme wie die beiden atomangetriebenen Satelliten, die während
ihres Funktionsendes und ihres Wiedereintritts in die Erdatmosphäre 1978
und Anfang 1983 weltweiten Alarm hervorriefen.
Die sowjetischen Anstrengungen auf dem Gebiet der Beobachtung werden
allen Erwartungen zufolge zu einem Mehrfachsatellitensystem der Aufklärung,
Beobachtung und Angriffswarnung gegen ballistische Raketen strategischer
wie nichtstrategischer Art und möglicherweise auch gegen Bomber führen.
Die Sowjets verstärken auch ihren Einsatz von Weltraumsystemen zum
Zweck von Kommando, Kontrolle und Kommunikation. Seit dem Start ihres
ersten Fernmeldesatelliten Mitte der sechziger Jahre hat die UdSSR ihre
Programme für Kommunikationssatelliten zur Unterstützung ihrer politischen Führung sowie ihrer militärischen, diplomatischen und nachrichtendienstlichen Missionen verbessert und ausgeweitet.
Die Sowjets führen eine ehrgeizige Ausweitung ihres Kommunikationssatellitenprogramms durch, das ihre weltweite Kommando-, Kontroll- und
Kommunikationskapazität beträchtlich verbessern wird. Im Lauf der nächsten zehn Jahre werden die Sowjets eine noch fortgeschrittenere Serie
von Kommunikationssatelliten entwickeln und dislozieren, von denen
einige, von bemannten Kommando- und Kontroll Plattformen in Erdumlaufbahn

- 6 -

�in Erdumlaufbahn übermittelte Daten weitergeben könnten.

Die Weltraumaktivitäten des amerikanischen Verteidigungsministeriums
Gestatten Sie mir, nun auf unsere eigenen Aktivitäten einzugehen. Im
Dienst unserer nationalen Sicherheit beschafft und betätigt das Verteidigungsministerium Weltraumsysteme und betreibt weltraumbezogene Forschung
und technologische Entwicklungsprojekte.
Wie erwähnt, bringt die sowjetische Entwicklung einer einsatzfähigen
AntiSatellitenkapazität die Möglichkeit mit sich, daß der Weltraum zu
einem feindlichen Umfeld wird. Aus diesem Grund bestimmt die Weltraumpolitik des Verteidigungsministeriums, daß die militärischen Weltraumsysteme,
einschließlich der wesentlichen Bodenelemente wie der Objekte im Weltraum,
auf ihrer Erdumlaufbahn so entworfen, entwickelt und betrieben werden,
daß ihre Überlebensfähigkeit und ihre Dauerhaftigkeit verstärkt werden.
Seit 1977 ist es die Politik der Vereinigten Staaten, die Entwicklung
einer einsatzfähigen, nichtnuklearen Antisatellitenkapazitat zu verfolgen.
Wenn wir eine glaubwürdige Vergeltungskapazität besitzen, dann sind wir
besser in der Lage, vor Angriffen gegen unsere Weltraumsysteme abzuschrekken.
Wir sind derzeit Signarstaat von wenigstens drei Verträgen, die gewisse militärische Aktivitäten im Weltraum berühren: Dem Weltraumvertrag,
dem Teil Verbotsabkommen für Nuklearversuche und dem Raketen-Abwehrraketenvertrag (ABM-Vertrag). Unsere vertraglichen Verpflichtungen umfassen:
- Haftung bei Schäden durch Tätigkeiten im Weltraum;
- Aufrechterhaltung des sicheren Zugangs zum Weltraum und zu Operationen in ihm;
- Nichteinmischung in
- 7 -

�- Nichteinmischung in die nationalen technischen Mittel der Verifizierung (ABM-Vertrag, SALT I, SALT II).
- Der Weltraumvertrag verbietet außerdem die Errichtung von Militärstützpunkten, von militärischen Installationen und Befestigungen auf
dem Mond und

anderen Himmelskörpern sowie die Erprobung jedweder

Waffentypen sowie das Abhalten von militärischen Manövern daselbst.
Dieser Vertrag verbietet außerdem das Einbringen in die Erdumlaufbahn, die Installation auf dem Mond oder anderen Himmelskörpern oder
die Stationierung im Weltraum von jedwedem Objekt, das Atomwaffen oder
irgend andere "Waffen der Massenvernichtung" trägt. Die Erprobung
oder das Einbringen von Waffen, die konventionelle Explosivstoffe mit
sich führen, in eine Erdumlaufbahn ist nicht verboten.
- Der ABM-Vertrag von 1972 verbietet die Entwicklung, Erprobung und
Dislozierung von weltraumgestützten ABM-Systemen und Teilen davon
(Artikel V ) . Sollte eine zukünftige Technologie neue ABM-Systeme hervorbringen, die "sich auf andere physikalische Prinzipien stützen" wie etwa Laser- oder Teilchenstrahlen gegenüber jenen, die in den
derzeitigen Systemen verwendet werden - so die Übereinkunft, so würde in Einklang mit den Zusatzbestimmungen des Vertrags eine Begrenzung solcher Systeme vor ihrer Dislozierung erörtert werden.
Lassen Sie mich zum Abschluß ein paar Worte über die Initiative des
Präsidenten auf dem Gebiet der strategischen Verteidigung sagen. Der Präsident hat beschlossen, daß wir ein Programm in Angriff nehmen, das der
sowjetischen Raketenbedrohung mit Maßnahmen begegnet, die defensiven Charakter haben. Er ordnete eine umfassende und intensive Anstrengung an, um
ein langfristiges Forschungs- und Entwicklungsprogramm in Richtung auf
das Ziel zu entwerfen, die Bedrohung aus der Welt zu schaffen, die die
Atomraketen darstellen. Diese Entwicklung könnte - ja, sollte - durch
Rüstungskontrollmaßnahmen vervollständigt werden.
In Einklang

�In Einklang mit der Entscheidung des Präsidenten hat das Verteidigungsministerium in Zusammenarbeit mit anderen Behörden eine doppelte
Anstrengung angeregt: Einerseits die Erforschung und die Klassifizierung
entsprechender Technologien, andererseits die Entwicklung und Festlegung
von politischen und strategischen Optionen.
Uns geht es nicht um ein einziges System des Abfangens und der Verteidigung gegen jedweden Raketenangriff. Unsere Forschung richtet sich auf die
Analyse eines Verteidigungsnetzwerkes - einer Reihe von Systemen, die sich
nicht notwendigerweise auf die gleichen technischen oder physikalischen
Prinzipien stützen-, das in seiner Gesamtheit für uns und unsere Verbündeten eine wirksame Verteidigung gegen Atomraketen bietet. Wir sind uns der
Tatsache voll bewußt, daß es sich hierbei um eine langfristige Anstrengung
handelt, deren Früchte möglicherweise erst im nächsten Jahrhundert zur Verfügung stehen.
Da es sich um eine solche langfristige Anstrengung handelt, müssen wir
uns - wie der Präsident erklärt hat - darüber im klaren sein, daß wir uns
in der Zwischenzeit auch weiterhin auf die Abschreckung verlassen müssen,
um den Frieden zu bewahren. Wir müssen - und wir wollen - auch weiterhin
vertraglich vereinbarte Verringerungen bei den Kernwaffen verfolgen, die
ausgewogen und verifizierbar sind. Da unsere Suche nach defensiven Technologien das Ziel hat, die Bedrohung durch die ballistischen Raketen zu
vermindern, steht sie in vollem Einklang mit den Rüstungsverringerungsanstrengungen, die wir derzeit bei den START-Verhandlungen verfolgen.
Sie unterstützt jene Anstrengungen, indem sie die Aussicht bietet,
daß die Wirksamkeit und die Rolle der ballistischen Raketen in Zukunft
deutlich verringert wird. Die Initiative des Präsidenten ist natürlich
auch in völliger Übereinstimmung mit den bestehenden Rüstungskontrollvereinbarungen. Während der ABM-Vertrag zwar die Entwicklung, die Erprobung oder die Dislozierung von ABM-Systemen verbietet, so erlaubt er

- 9 -

�erlaubt er doch die Forschung.
Das Wesentliche der Entscheidung des Präsidenten hinsichtlich der
strategischen Verteidigung besteht in meiner Sicht darin, daß sie andere
Wege eröffnet, um den Frieden im Atomzeitalter zu wahren. Die Nachfolger
von Präsident Reagan - im nächsten Jahrzehnt oder im ersten Jahrzehnt
des nächsten Jahrhunderts - sollten ihre Optionen nicht durch die strategischen Vorstellungen eingeengt wissen, die in den siebziger Jahren Mode
waren.
Unsere strategische Planung war viel zu sehr durch den Gedanken eingeschränkt, daß Defensivsysteme schlecht seien und wir für unbegrenzte
Zeit in eine Konfrontation der allgewaltigen, offensiven Raketenstreitkräfte eingebunden sein könnten und müßten. Wir schulden es der nächsten
Generation, entschlossen die Suche nach besseren Alternativen aufzunehmen.

+ + + ++

- 10 -

�22

25. Mai 1983

UNANNEHMBARE EINMISCHUNG:
"AKTIVE MASSNAHMEN" DER SOWJETS
von Lawrence S. Eagleburger
Staatssekretär für Politische Angelegenheiten
im amerikanischen Außenministerium

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der "NATO REVIEW"

Seit einiger Zeit ist der sowjetische Begriff "Aktive Maßnahmen" Aktivnyye Meropriyatiya - in das Bewußtsein der Öffentlichkeit gerückt.
Dieser Begriff schließt eine ganze Reihe von Techniken der Irreführung
ein - wie sogenannte Frontgruppen (d.h. Gruppen, die nach außen nicht als
kommunistisch erscheinen), Falschinformationen, Fälschungen, Pressemanipulation und sogenannte Einflußagenten (d.h. politische Einflußnahme).
All das gehört routinemäßig zur Außenpolitik der Sowjetunion. In keiner
anderen Sprache läßt sich die Bedeutung des Begriffs "aktive Maßnahmen" "Active Measures" - genau wiedergeben. Am nächsten kommt vielleicht

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�kommt vielleicht der Begriff "psychologische Kriegführung" aus dem Zweiten
Weltkrieg.
Aktive Maßnahmen werden gegen praktisch alle Länder außerhalb des
Sowjetblocks angewandt - Länder wie Nordkorea und China sind ebenso Ziel
dieser Maßnahmen wie NATO-Länder. Zur Illustration nur einige wenige
Beispiele solcher Tätigkeiten, die in der Öffentlichkeit bekannt wurden:
- Ein sowjetischer Botschafter wurde 1980 aus Neuseeland ausgewiesen,
nachdem er dabei ertappt worden war, daß er der dortigen moskautreuen kommunistischen Partei Geld gab.
- Ein französischer Autor und Journalist wurde verurteilt, weil er
fast 20 Jahre lang als sowjetischer Einflußagent tätig war.
- Eine großangelegte Falschinformationskampagne in den Medien wurde
unternommen, um die von den Vereinigten Staaten geförderten Bemühungen zur Lösung des Namibia-Konflikts zunichte zu machen.
- Allein 1982 wurden über ein Dutzend Fälschungen - meist von amerikanischen Dokumenten oder Schreiben - aufgedeckt.
- Eine Kampagne in den Medien - z.T. mit heimlich untergeschobenen Berichten und Fälschungen - sollte den Eindruck erwecken, die Vereinigten Staaten hätten den Staatsstreichversuch im Novembe
1981 auf den Seychellen unterstützt.
- Rundfunkstationen gaben vor, für oppositionelle politische Fraktionen in China und im Iran zu sprechen, sendeten aber in Wirklichkeit
von unbekannten Orten in der Sowjetunion aus.

- 2 -

�Aus der Sicht des Fachmanns
Die obige Liste von öffentlich bekanntgewordenen aktiven Maßnahmen
ließe sich lange fortsetzen, aber den Geheimdiensten in der ganzen Welt
sind noch sehr viel mehr Fälle bekannt, die die Öffentlichkeit nicht erfahren hat, entweder weil empfindliche Quellen nicht bloßgestellt werden sollen oder weil politische oder diplomatische Überlegungen gegen
eine Veröffentlichung sprechen.
Aktive Maßnahmen sind auch kein neues Mittel im politischen Repertoire der Sowjets. Schon in den zwanziger Jahren infiltrierten politische
Agenten der Sowjets russische Emigrantenorganisationen und brachten sie
zum Streit untereinander. In den dreißiger Jahren manipulierten sowjetische Agenten eine ganze Reihe von Frontgrupper.. in denen die Hand Moskaus
geschickt verborgen blieb, bis es im August 1939 zum Hitler-Stalin-Pakt
kam. Zu jener Zeit sprach ein altgedienter Organisator in der Komintern,
Willi Mlinzenberg, von diesen Gruppen zynisch als "Klubs der Unschuldigen". Eine sowjetische Falschinformationskampagne bald nach dem Zweiten
Weltkrieg versuchte die Vereinigten Staaten der "bakteriologischen Kriegführung" im Korea-Krieg zu beschuldigen.
Gelegentlich erhalten wir einen kleinen Einblick in die aktiven Maßnahmen von sowjetischer Seite. Eine solche Gelegenheit bot sich, als
der ehemalige KGB-Major Stanislaw Lewtschenko überlief, der von 1975 bis
1979 die aktiven Maßnahmen in Japan koordinierte - offiziell als Korrespondent für die Zeitschrift "Neue Zeiten" tätig - und eine Zeitlang
der Stellvertretende Leiter der KGB-Gruppe für aktive Maßnahmen in Japan.
Lewtschenko beschreibt in seinen vor einiger Zeit veröffentlichten Aussagen vor dem amerikanischen Kongreß mehrere erfolgreiche Fälschungen
und Falschinformationen. Er erklärt, daß der KGB in den siebziger Jahren die Politik in Japan durch zahlreiche Einflußagenten beeinflußt
hat, einschließlich eines früheren Kabinettsministers, Mitgliedern des

- 3 -

�Mitgliedern des Parlaments und prominenter Journalisten. Nach Schätzungen Lewtschenkos hat der Resident des KGB in Tokio im Jahr einige hundert
Anweisungen für aktive Maßnahmen erhalten. Von diesen ist es nach Lewtschenko gelungen, etwa ein Drittel erfolgreich durchzuführen.
Ein weiterer Überblick bietet die Aufdeckung der heimlichen Beziehungen zwischen dem KGB und dem Autor und Journalisten Arne Herloev Petersen durch dänische Behörden. Im ~ommer 1981 gaben die Sowjets Petersen
das Geld, für das dieser eine Reihe von Anzeigen aufgab, in denen dänische
Künstler ihre Unterstützung für eine Nordische Kernwaffenfreie Zone zum
Ausdruck brachten. In einem anderen Fall überbrachte Petersen der nordkoreanischen Botschaft außenpolitische Dokumente, die ihm die sowjetische
Botschaft lieferte und die er auf Anweisung der Sowjets als v i einer amerikanischen Quelle stammend deklarierte. In einem weiteren typ-sehen Zug der
Falschinformation veröffentlichte Petersen eine Broschüre, in der er die
britische Premierministerin Margaret Thatcher angriff. Den Text dieser
Broschüre erhielt er jedoch von der sowjetischen Botschaft. Wie in der dänischen Stellungnahme zu diesem Fall erklärt wird, war es für diese Anstrengungen zur Beeinflusssung der öffentlichen Debatte typisch, daß die sowjetische Herkunft verheimlicht wurde, um ihre Wirksamkeit nicht zu verringern. Als Geheimkontakt Petersens wurde der KGB-Offizier Wladimir
Merkulow - Zweiter Sekretär an der Sowjetbotschaft in Kopenhagen - enttarnt und

,n Oktober 1981 als persona non grata aus Dänemark ausgewiesen.

Großer bürokratischer Unterbau
Die aktiven Maßnahmen werden von einem
Unterbau in der UdSSR getragen. Das geheime
ist der Dienst A des Ersten Chefdirektorats
KGB. Im Außendienst kann jeder KGB-Offizier
Durchführung aktiver Maßnahmen herangezogen

- 4 -

großen organisatorischen
Organ der aktiven Maßnahmen
(Auslandsgeheimdienst) des
oder Geheimagent für die
werden, und in den größeren

�den größeren KGB-Residenzen, wie in Tokio, gibt es Spezialgruppen, die sich
mit diesen Geheimoperationen befassen. Die Techniken aktiver Maßnahmen
sind integraler Bestandteil der Ausbildung aller KGB-Offiziere.
Bei der Ausarbeitung dieser Operationen arbeitet der Dienst A eng mit
der Internationalen Abteilung und der Internationalen Informationsabteilung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei zusammen. Andere Elemente ues sowjetischen Apparates, wie Zeitschriften, Rundfunkstationen,
und die amtliche Luftverkehrsgesellschaft Aeroflot, werden je nach Bedarf
herangezogen.
Die Internationale Informationsabteilung überwacht die sowjetische
Propagandatätigkeit im Ausland und ist damit von entscheidender Bedeutung
für die Durchführung aktiver Maßnahmen. So verbreitet beispielsweise die
sowjetische Propagandamaschinerie üblicherweise irreführende oder tendenziöse Berichte, die von Agenten des KGB in der ausländischen Presse untergebracht worden waren. Diese Technik erlaubt es den sowjetischen Propagandisten, Falschinformationen die größte Verbreitung zu verschaffen, deren
angebliche Echtheit kaum in Zweifel gestellt wird, da sie ja aus ausländischen - und daher ganz offensichtlich unvoreingenommen - Presseorganen
stammen. Die Propagandaorgane unterstützen die Durchführung aktiver Maßnahmen auch dadurch,daß sie Themen der Kampagnen der Frontgruppen laut
hinausposaunen. Publikationen wie "New Times" (Neue Zeiten) stehen ebenso
voll im Dienst der Sache wie Radio Moskau und der angeblich nichtamtliche
Sender Frieden und Fortschrift.
Die Internationale Abteilung ist zuständig für die Verbindung zu den
kommunistischen Frontorganisationen im Ausland. Sie insinuiert oder befiehlt kommunistischen Parteien im Ausland, politische und propagandistische Maßnahmen zur Unterstützung bestimmter Kampagnen aktiver Maßnahmen
durchzuführen. Frontgruppen, wie die verschiedenen sowjetischen Freundschaftsgesellschaften, die Solidaritätsorganisation afro-asiatischer Völker

- 5 -

�afrc asiatischer Völker und der Weltgewerkschaftsbund werden über die
entsprechenden sowjetischen Organisationen durch die Internationale Abteilung kontrolliert.
Eine Frontorganisation, der Weltfriedensrat (WPC), wurde aus Frankreich und ös^rreich wegen Tätigkeiten gegen das Gastland ausgewiesen.
Schließlich gelang es ihm 1957, in Helsinki ein Hauptquartier zu errichten. Seit über 30 Jahren sind die Stellungnahmen des Weltfriedensrates
zu internationalen Fragen im^er wieder deckungsgleich mit dem Standpunkt
der Sowjetunion: Der Weltfriedensrat hat die früheren militärischen Interventionen der Sowjets in Ungarn und in der Tschechoslowakei ebenso gebilligt wie die sowjetische Invasion und Besetzung /""ghanistans. Die Unterstützung sowjetischer Aggressionen hat den Weltfriedensrat nicht abgehalten, bei einer Reihe von "Friedens"-Bewegungen als sowjetisches trojanisches Pferd zu dienen - angefangen von dem Stockholmer Appell zum "Verbot der Bombe" im Jahre 1950 über die Kampagne gegen die "Neutronenbombe"
im Jahre 1977 bis zur heutigen Agitation gegen die INF-Modernisierung.
Da der Großteil der Mittel des Weltfriedensrates aus sowjetischen
Quellen kommt, haben die Anhänger einiger nichtkommunistischer Friedensbewegungen praktisch indirekt sowjetische Unterstützung angenommen, indem sie die Mitwirkung des WPC bei ihren Tätigkeiten akzeptiert haben.
Es ist bedrückend, daß Moskau in der Lage ist, sich in die öffentliche Debatte im Westen über diejenigen Verteidigungsmaßnahmen einzumischen, die
notwendig sind, um der sowjetischen Bedrohung zu begegnen, und das noch
mit Hilfe so durchsichtiger Medien wie des Weltfriedensrates.

Die Wirkung aktiver Maßnahmen
Wie wirksam sind die aktiven Maßnahmen? Diese Frage ist nicht leicht
zu beantworten. Es ist nicht nur unmöglich, ein kontrolliertes Experiment
durchzuführen, sondern die in den aktiven Maßnahmen innewohnende Täuschung

- 6 -

�innewohnende Täuschung erschwert jede Beurteilung. Im übrigen werden aktive
Maßnahmen nicht für sich allein angewandt, sondern koordiniert mit anderen
Elementen der sowjetischen Außenpolitik, wie diplomatischen, handelspolitischen, informationspolitischen und militärpolitischen Tätigkeiten. Es ist
nicht leicht, den Beitrag der aktiven Maßnahmen zum Gesamtergebnis isoliert
darzustellen.
Daß die sowjetische Führung an die Wirksamkeit glaubt, liegt auf der
Hand. Es bedarf eines großen Aufwandes an Menschen und Geld, um eine weltweite Infrastruktur von Frontorganisationen und Agenten für aktive Maßnahmen
aufzubauen und zu betreiben. Wir gehen davon aus, daß die sowjetische Kampagne gegen die "Neutronenbombe" - die die Sowjets als eine ihrer erfolgreichsten betrachten - rund 100 Millionen Dollar gekostet hat. Aus sowjetischer Sicht war dieses Geld gut angelegt. Es ist der UdSSR gelungen, die
öffentliche Debatte über dieses Thema in ihrem Sinn zu beeinflussen und die
Aufmerksamkeit von der massiven sowjetischen Bedrohung der Sicherheit Europas durch die konventionellen Streitkräfte des Warschauer Paktes abzulenken
- eine Bedrohung, der die Waffen mit verstärkter Strahlung (Neutronenwaffe)
so wirksam begegnen kann. Aber abgesehen von den finanziellen Kosten sind
die Sowjets auch bereit, Prestige und guten Willen aufs Spiel zu setzen, da
ihre Beteiligung an aktiven Maßnahmen zwangsläufig immer wieder ans Tageslicht kommen muß. Dieser indirekte Preis, den die Sowjets bezahlen müssen,
geht über eine momentane Verärgerung hinaus. Auf lange Sicht erhöhen diese
fiachenschaften zur Täuschung und Manipulation die Enttäuschung über da: sowjetische Modell.
Auch wenn die Sowjets offensichtlich glauben, daß das Spiel den Einsatz
wert sei, sollten wir doch versuchen, zu einem eigenen unabhängigen Urteil
zu kommen. Aktive Maßnahmen sind keine Wundermittel, und es ist keineswegs so, daß die ganze Welt nach einer heimlichen sowjetischen Pfeife tanzt.
Moskau beherrscht die politischen Prozesse in den westlichen Demokratien
nicht. Trotzdem sind die beharrlichen Versuche der Sowjets, unser politi-

- 7 -

�unser politisches Geschehen zu beeinflussen, nicht immer ohne Wirkung.
Dies gilt besonders, wenn aktive Maßnahmen der Sowjets darauf ausgerichtet
sind, die ernsthaften Besorgnisse nichtkommunistischer Kritiker der amtlichen Politik westlicher Regierungen aufzublähen und in die richtigen
Kanäle zu lenken. Solche Bemühungen dienen weiter dazu, interne Spaltungen in unseren Gesellschaften zu verschärfen - ein altes sowjetisches
Ziel.
In den Entwicklungsländern ist die Wirkung größer. Die dortigen Regierungen - oft instabil, wirtschaftlich unter Drucl und ohne bewährte politische Institutionen - sind der heimlichen Manipulation gegenüber anfälliger.
Abgesehen von dem gelegentlichen Beitrag aktiver Maßnahmen zu den Bemühungen, eine Moskau hörige Regierung an die Macht zu bringen, tragen diese
Techniken dazu bei, die Unsicherheit legitimer Regierungen zu erhöhen und
die Aufmerksamkeit ihrer Führer von ihrer Hauptaufgabe - der Entwicklung abzulenken. Der zerbrechliche Zustand der freien Presse in vielen Ländern
und die einfache Tatsache, daß Journalismus in den weniger entwickelten
Ländern oft ein wenig einträglicher Beruf ist, bietet gute Ansatzpunkte für
sowjetische Manipulationen.

Steter Tropfen höhlt den Stein
In Industrieländern wie in Entwicklungsländern haben, abgesehen von
dem Erfolg oder Mißerfolg bestimmter aktiver Maßnahmen, diese eine aushöhlende Wirkung auf die politischen Systeme offener Gesellschaften. Die
Verwirrung, die durch Manipulation der Medien, Fälschungen, gezielte Gerüchte, gefälschte Quellenangaben von Rundfunksendungen und die Tätigkeit
von Einflußagenten hervorgerufen wird, kann mit der Zeit das Vertrauen
der Öffentlichkeit in politische Institutionen und Prozesse untergraben.
Angesichts dessen

- 8 -

�Angesichts dessen, was die Geschichte bisher gezeigt hat, und aufgrund des großen bürokratischen Apparates, der hinter diesen Tätigkeiten
steht, dürfen wir nicht davon ausgehen, .aß sich das sowjetische Programm
der aktiven Maßnahmen nach Schwankungen des internationalen Klimas richten
wird. Sie ließen

beispielsweise auf dem Höhepunkt der Entspannungsperiode

in den siebziger Jahren nicht merklich nach. Die Anwendungen dieser offensiven Techniken, die Ländern schaden sollen, die die Sowjets als Gegner
ansehen, sind eher ein Hinweis auf den Grad der unterschwelligen Feindseligkeit. Die aktiven Maßnahmen müssen ein Anlaß zur Sorge für das Bündnis
sein. U^ekehrt würde die Einstellung dieser Tätigkeiten ein wesentliches
Hindernis für bessere Beziehungen beiseite räumen.
Bevor wir uns der Frage zuwenden, wie wir den aktiven Maßnahmen der
Sowjets begegnen können, ist es angebracht, über eine Haltung zu sprechen, die nach Auffassung der amerikanischen Regierung wenig nützlkch ist.
Gemeint ist die "Na-wenn-schon"-Reaktion auf sowjetische aktive Maßnahmen, die meist in solchen Formulierungen zum Ausdruck kommt: "Wir alle
wissen, daß die Sowjets schmutzige Tricks anwenden, das ist nichts Neues.
Warum sollen wir uns also darüber aufregen?" Das heiß' nichts anderes, als
daß es naiv wäre, sich wegen solcher Tätigkeiten Sorgen zu machen, da sie
ein unabänderliches, aber triviales Element des internationalen Verhaltens
der Sowjets darstellen.
Diese Einstellung bedeutet ein voreiliges Urteil über die Frage der
Bedeutung sowjetischer aktiver Maßnahmen, und da man die Bedeutung von
vornherein bestreitet, steht sie einer realistischen Beurteilung im Wege.
Aktive Maßnahmen beinhalten per definitionem Täuschung, und ihre Wirksamkeit und Ernsthaftigkeit sind von Zeit zu Zeit und von Ort zu Ort unterschiedlich. Nur eine sorgfältige Untersuchung kann zu einem ausgewogenem
Urteil führen. Eine Verniedlichung des Problems gefährdet die notwendigen
Anstrengungen, um die Wirksamkeit sowjetischer aktiver Maßnahmen einzudämmen .
Es lohnt
- 9 -

�Es lohnt sich, einen Blick auf die deutliche Unausgewogenheit der
Lage in Ost und West bezüglich aktiver Maßnahmen zu werfen. Das straff
kontrollierte politische System der Sowjets läßt wenig Raum für heimliche
Manipulationen. Es würde Einflußagenten wohl kaum gelingen, in die Strukturen des "demokratischen Zentralismus" einzudringen und diese fehlzuleiten.
Die kontrollierte Presse der UdSSR bietet kaum Möglichkeiten für einen Einfluß von außen. Westliche Gesellschaften sind dagegen für alle möglichen
politischen Einflüsse offen - einschließlich jener, die in trügerischer
Absicht im Dienste der sowjetischen Außenpolitik eingebracht werden. In
den Ländern des Westens unterliegen die Durchführungen der meisten aktiven
Maßnahmen nicht einmal strafrechtlicher Verfolgung - aus Angst, damit könnten der legitimen politischen Betätigung Grenzen gesetzt werden. Und wenn
im übrigen eine heimliche Bemühung in der totalitären Gesellschaft der
Sowjetunion fehlschlüge, dann gäbe es - im Gegensatz zum Westen - keine politische Opposition, die sich die Verlegenheit der Machthaber zunutze machen könnte, und eine gehorsame Presse würde der Öffentlichkeit eine solche
Schande vorenthalten. Die Antwort auf jene berühmte Reaktion, "das tun
doch alle", ist, daß aktive Maßnahmen ein Gebiet sind, auf dem der Westen
nicht effektiv konkurrieren kann.
In Demokratien - ganz sicherlich in den Vereinigten Staaten - sind alle
Meinungen, auch solche, die für Standpunkte eintreten, die den Standpunkten
von ausländischen Gegnern entsprechen, vom Gesetz unbedingt und völlig geschützt. Bemühungen, Interventionen durch aktive Maßnahmen einzudämmen,
sollten sich, außer in Fällen ungesetzlicher Handlungen zugunsten einer
ausländischen Macht, auf ausländische Einflußagenten konzentrieren und
nicht auf eigene Staatsbürger, die exotische Meinungen vertreten. Wir betrachten sogar die freie Konkurrenz der Ideen - woher sie auch stammen mögen - nicht nur als einen fundamentalen Anziehungspunkt unserer Gesell"
schaften, sondern auch als das Lebenselixier demokratischer Kraft. Daß
die Sowjetunion und ihre Stellvertreter zu aktiven Maßnahmen greifen, ist
ein stillschweigendes Eingeständnis ihrer Schwäche. Weil eben ihre Ideolo-

- 10 -

�ihre Ideologie nicht aus sich selbst überzeugen kann, müssen sie im Wettbewerb in der internationalen Arena so stark zu Täuschung und psychologischer
Kriegführung greifen.

Notwendigkeit beharrlicher Antwort
Die vernünftigste Reaktion auf die aktiven Maßnahmen der Sowjets ist,
daß wir ausgewogen bleiben. Es wäre sicherlich ebenso unklug, die Bedrohung
zu ignorieren als von der Vorstellung einer ganz großen sowjetischen Verschwörung besessen zu sein, die unsere wichtigen politischen Prozesse manipuliere. Wir dürfen nicht vergessen, daß aktive Maßnahmen nur ein Aspekt
unserer komplexen Beziehung zur Sowjetunion sind.
Grundlage einer vernünftigen Antwort auf aktive Maßnahmen muß sein,
daß wir das Problem erkennen. Dazu gehört die Sammlung und Analyse von reT
levanten Informationen. Das ist keineswegs nur eine Sache der Geheimdienste, da die aktiven Maßnahmen sowohl politische als auch psychologische Aspekte
haben. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, daß aktive Maßnahmen über
Landesgrenzen hinweg wirken. Eine Fälschung, die den Interessen eines bestimmten Landes schaden soll, kann auf der anderen Seite des Globus auftauchen. Falschinformationskampagnen zielen auf die Medien vieler Länder.
Diese und andere Probleme sind jedoch keine unüberwindlichen Hindernisse
für ein viel besseres Verständnis des weltweiten Musters der aktiven Maßnahmen. Wir müssen nur unsere Antennen richtig auf die Herausforderung
ausrichten.
Da die Sowjets die aktiven Maßnahmen zu einem regulären Instrument
ihrer Außenpolitik gemacht haben, müssen wir de. Ganze als ein langfristiges Problem betrachten. Plötzliche Begeisterung, ihre schmutzigen Tricks
aufzudecken, gefolgt von Zeiten der Apathie, sind keine Antwort. Eine vernünftige und wirksame Antwort muß beharrlich und anhaltend sein. Das wird
am besten erreicht durch eine wachsende Aufklärung der Öffentlichkeit

- 11 -

�der Öffentlichkeit und einen zunehmenden Konsens über die Bedeutung dieser
Tätigkeiten. Auch Regierungen haben die Pflicht, ihre Souveränität vor
Verzerrungen durch aktive Maßnahmen zu schützen, indem sie die ausländischen
Instrumente der Intervention enthüllen und entfernen - wie etwa den Diplomaten, der seinen Status mißbraucht, oder den ausländischen Journalisten,
der als Deckadresse für Falschinformationstätigkeit dient.
Aber unsere Antwort darf sich nicht auf eine wirksame Abwehr beschränken, so wichtig diese ist. Wir müssen aktiven Maßnahmen dadurch begegnen,
daß wir sie öffentlich enthüllen. Das sind Krankheiten, die nur im Dunkeln
gedeihen, und Sonnenlicht ist das beste Desinfektionsmittel. Die Regierungen sollten die Öffentlichkeit soweit wie möglich an unseren wachsenden
Erkenntnissen der sowjetischen Praxis teilhaben lassen. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß solche Enthüllungen sowjetischer Manipulationen ein
Höchstmaß an Genauigkeit haben müssen.
Publizität dient mehreren Zwecken. Unsere Öffentlichkeit braucht die
besten Informationen, um ihren demokratischen Pflichten nachkommen zu können. Darüber hinaus hilft die Erkenntnis sowjetischer Praktiken unseren
Bürgern, daß sie nicht Opfer spezifischer aktiver Maßnahmen werden. Publizität schwächt auch den Anreiz für die Sowjets, da sie zunehmende Enthüllungen fürchten müssen. Umgekehrt würde einf stillschweigende Hinnahme des
sowjetischen Einsatzes aktiver Maßnahmen die UdSSR zu immer kühneren Aktionen ermutigen.
Zusammengefaßt kann man sagen, die Sowjetunion setzt aktive Maßnahmen in großem Umfang ein und hat einen großen bürokratischen Apparat für
die Durchführung dieser Maßnahmen geschaffen. Wenn sie auch keine unmittelbare, tödliche Bedrohung des Westens darstellen, so sind die aktiven Maßnahmen doch schädlich - in welchem Ausmaß läßt sich nicht ohne weiteres
feststellen. Welche Gefahr die aktiven Maßnahmen auch darstellen, ihr anhaltender Einsatz allein ist ein offensichtliches Hindernis für bessere

- 12 -

�für bessere Beziehungen zur Sowjetunion. Wir sind uns zwar darüber im klaren,
daß die aktiven Maßnahmen nur ein Aspekt unseres komplexen Verhältnisses
sind, aber der gesunde Menschenverstand gebietet uns, diesen Übergriffen
nicht nur durch wirksame Abwehr, sondern auch dadurch entgegenzutreten,
daß wir unsere Bürger so umfassend wie möglich über diese Täuschungspraktiken informieren, denen sie ausgesetzt sind. So sehr wir auch wünschten,
die aktiven Maßnahmen würden aus der Außenpolitik verschwinden, so müssen
wir doch als Realisten mit den Folgen dieser feindseligen sowjetischen
Tätigkeiten leben und sie, so gut wir können, eindämmen.

+ + + + +

- 13 -

�22

25. Mai 1983

SORGFÄLTIGE SCHWANGERENBETREUUNG BEI DIABETES
- Angeborene Defekte gehen merklich zurück -

- (AD) - Obgleich angeborene Defekte und Mißbildungen bei Babies diabetischer Frauen zwei- bis fünfmal häufiger als bei Babies nicht zuckerkranker Mütter zu beobachten waren, ist Diabetes heute kein Grund mehr,
von einer Schwangerschaft abzuraten, "ei richtiger Betreuung der werdenden Mutter, so Dr. Larry Cousins, Gynäkologe am Klinikum der Universität
Kalifornien in San Diego, und bei sorgfältiger Überwachung der Entwicklung des Kindes sei kaum mehr mit Anomalien zu rechnen. Diese betrafen in
erster Linie Gehirn, Wirbelsäule, Herz, Nieren und Skelett sowie lebenswichtige Stoffwechselprozesse.
Dr. Cousins macht aber besonders darauf aufmerksam, daß bei nichtdiabetischen Frauen eine Schwangerschaft Zuckerkrankheit auslösen könne*
Schwangerschaftsdiabetes sei eine Folge der hormonalen Veränderungen in
dieser Zeit und verschwinde in den meisten Fällen nach der Entbindung
wieder. Aber die Erkrankung sei oft das Anzeichen für eine genetisch bedingte Disposition für Zuckerkrankheit und ein Signal, daß diese im späteren Lebensalter manifest werden könne. Auf jeden Fall sollten stets

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
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Telex: 8-85432

�sollten stets Tests auf Schwangerschaftsdiabetes durchgeführt und eine
entsprechende Behandlung eingeleitet werden.
Am Universitätsklinikum in San Diego werden regelmäßig Informationsprogramme über "Schwangerschaft" und "Diabetes der Frau" angeboten, in
denen u.a. Schwangerschaftsdiabetes und Risikoschwangerschaften eingehend
erörtert werden. Es gibt keine klinischen Symptome dafür, daß sich bei
einer Fr u Schwangerschaftsd'abetes entwickelt. Jedoch können gewisse Faktoren wie Korpulenz, familiär gehäuftes Auftreten von Diabetes, Lebensalter (älter als 25 Jahre) oder die Tatsache, daß die Schwangere bereits
sehr schwere Babies von mehr als 3 800 Gramm Gewicht zur Welt gebracht hat,
ein erhöhtes Risi«o bedeuten. Eine Schwangerschaft diabetischer Frauen
verlangt eine besonders sorgfältige Überwachung von Mutter und Kind und
Vorsorge für spezielle Maßnahmen zur Geburt. Häufig wird noch vor Ablauf
der normale; 40-Wochen-Frist die Geburt künstlich eingeleitet.
Laut Cousins sei bei angemessener vorgeburtlicher Betreuung zu vermeiden, daß Babies diabetischer Mütter zu groß und zu schwer werden, was
die Geburt kompliziert. Die schwangeren Diabetikerinnen erhalten regelmäßige diätetische Beratung, ihre medikamentöse Behandlung ist ganz auf
die jeweiligen individuellen Gegebenheiten zugeschnitten. Auch werden die
Frauen gründlich darin unterwiesen, zu Hause den Blutzuckerspiegel regelmäßig zu kontrollieren. Für die Untersuchung der Neugeborener steht ein
Team besonders geschulter Ärzte zur Verfügung.

- Eltern lernen Mund-zu-Mund-Beatmung Babies, die auf der Frühgeborenen-Intensivstation des Universitätsklinikums gepflegt werden mußten, dürfen von ihren Eltern erst dann nach
Hause genommen werden, wenn diese einen Spezialkursus über Herzmassage

- 2 -

�über Herzmassage

und Mund-zu-Mund-Beatmung erfolgreich absolviert haben.

Wenn Säuglinge das Leben in einer Intensivstation beginnen, haben sie gewöhnlich Untergewicht, sind nicht voll entwickelt und sehr krankheitsanfällig. Tod während des ersten Lebensjahres ist bei ihnen doppelt so häufig wie bei gesunden Babies; bei Frühgeborenen ist der sogenannte plötzliche Kindstod sogar achtmal häufiger.
Entgegen anfänglicher Bedenken bei Ärzten und Schwestern, daß eine
Schulung der Eltern in Wiederbelebungsmaßnahmen bei Atem- oder Herzstillstand solcher gefährdeten Babies sie noch mehr verunsichern oder verängstigen könne, erwiesen sich als völlig unbegründet. Vielmehr ist gerade
dieses Programm eine wichtige psychologische Hilfe. Die Eltern haben nun
die Gewißheit, im Notfall zunächst selbst das Richtige zun zu können, bis
der Arzt eintrifft oder die weitere Behandlung in der Klinik gesichert ist.
Im Verlauf der letzten Monate wurde im Einzugsbereich des Klinikums sieben
Babies auf diese Weise das Leben gerettet. Die Methode ist speziell auf
die Gegebenheiten bei dem winzigen Körper abgestellt. Die Eltern der Babies erlernen die Technik überraschend schnell und erweisen sich in der
Regel in der Anwendung als sehr geschickt.

+ + + + +

- 3 -

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 25.05.1983</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ikle: Sowjetunion bringt jährlich 100 neue Objekte in den Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Darlegung des Staatssekretärs im US-Verteidigungsministerium vor Senatsausschuss -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unannehmbare Einmischung: "Aktive Maßnahmen" der Sowjets&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Lawrence S. Eagleburger -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Staatssekretär für Politische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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23

1. Juni 1983

I N H A L T

DOKUMENTATION

Reagan: Sowjets sollen Rüstungsverminderungen zustimmen
- Erklärung des US-Präsidenten zur Bewilligung von MX-Geldern
Weinberger gibt Überblick über die amerikanische
Verteidigungspolitik

HINTERGRUNDMATERIAL
Kernwaffen:

Der Trend zeigt abwärts

- Von Gregory S. Jones -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Bioelektrisches Feld leitet den Hai zur Beute

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Dokumentation

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

23

1. Juni 1983

REAGAN: SOWJETS SOLLEN RÜSTUNGSVERRINGERUNGEN ZUSTIMMEN
- Erklärung des US-Präsidenten zur Bewilligung von MX-Geldern -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat die Sowjetunion am
25. Mai 1983 in einer Erklärung aufgefordert, sich den USA in ihren Bemühungen um eine Rüstungskontrolle anzuschließen und gerechten und verifizierbaren Verringerungen der nuklearen Arsenale zuzustimmen. Gleichzeitig
begrüßte er die Einigkeit Amerikas in Verteidigungsfragen, wie sie durch
die Bewilligung von 625 Millionen Dollar für die Weiterentwicklung der
MX-Rakete durch den amerikanischen Kongreß zum Ausdruck kam. Nach dem Repräsentantenhaus hatte auch der Senat am 25. Mai 1983 mit 59 gegen 39
Stimmen die vom Präsidenten beantragten Mittel bewilligt.
Präsident Reagan gab dazu folgende Erklärung ab:
Mein Gruß gilt den republikanischen und demokratischen Mitgliedern
des Repräsentantenhauses und des Senats, die einen entscheidenden historischen Beitrag zur Sicherheit unserer Nation geleistet haben. Dank ihrer erfreut sich heute Amerika einer neuen überparteilichen Einigkeit,
die uns stärker und sicherer machen kann als zuvor.
Wenn wir

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wenn wir uns jetzt auf Williamsburg vorbereiten, um mit anderen Führern der freien Welt zusammenzukommen, dann kann ich mir keine erfreulichere Botschaft vorstellen, die ich ihnen bringen könnte, als die, die der
Kongreß mir gerade gegeben hat: geschlossene Stimmen des Vertrauens in
die Empfehlungen der Scowcroft-Kommission für die Modernisieruna unserer
strategischen Streitkräfte und das Weitergehen auf dem Wege zu

echten

Rüstungsverminderungen.
In den kommenden Wochen werden die Mitglieder des Kongresses ersucht
werden, ihre Stimmen von gestern und heute zu bekräftigen. Ich sichere
ihnen meine volle Kooperation und Konsultation r". Ich verpflichte mich
ferner, auch weiterhin in dem Streben nach einer Verringerung der nuklearen Arsenale eng mit dem Kongreß zusammenzuarbeiten.
Wir kennen die vor uns liegende Aufgabe. Wir haben unsere Einigkeit
und unseren Mut gezeigt. Wir haben Grund, auf eine sicherere und friedlichere Zukunft zu hoffen. Mein tiefster Wunsch ist die schließliche Beseitigung von Kernwaffen. In diesem Geiste appelliere ich an die Sowjets,
sich uns in Genf bei diesem ersten gewaltigen Schritt anzuschließen
einem gerechten und verifizierbaren Abkommen, das den Stand der nuklearen
Arsenale auf beiden Seiten wesentlich verringert.
Es ist an der Zeit für Fortschritte bei den Verhandlungen. Die Bürger der Welt wollen nichts mehr - und sie verdienen nicht weniger.

+ + + + +

�amIE RlIK h
I D l ElN2ST3

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

23

1. Juni 1983

WEINBERGER GIBT ÜBERBLICK ÜBER DIE AMERIKANISCHE VERTEIDIGUNGSPOLITIK

BONN - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar Weinberger
hat am 30. Mai 1983 in einer Ansprache auf einer Veranstaltung der Deutschen
Gesellschaft für Auswärtige Politik in Bonn die Grundlinien der Verteidigungspolitik der Vereinigten Staaten dargelegt.
Die Rede Weinbergers hat folgenden Wortlaut:
Ich fühle mich zutiefst durch die Einladung geehrt, vor einer so hervorragenden Gruppe führender Persönlichkeiten aus Regierung, Wirtschaft und aus
dem akademischen Leben der Bundesrepublik Deutschland zu sprechen. So viele
von Ihnen verdienten eine besondere Erwähnung, da3 ich meine ganze Redezeit
auf ihre Begrüßung verwenden könnte. Das werde ich nicht tun, aber nehmen Sie
bitte zur Kenntnis, wie sehr ich Ihr Interesse schätze, gemeinsam die Fragen
anzugehen, vor denen wir im Atlantischen Bündnis stehen.
Ich möchte heute über ein Thema sprechen, das für jeden Mann, jede Frau
und jedes Kind heute wie für alle künftigen Generationen von größter Bedeutung ist, nämlich über die Drohung eines Atomkrieges. Seit fast 40 Jahren

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�40 Jahren leben wir in einer Welt mit Kernwaffen und haben versucht, einen
Weg zur Verhütung eines Atomkrieges zu finden.

Und es ist uns gelungen.

Aber heute stehen wir vor Entscheidungen neuer Art über Kernwaffen, und
wieder fragen wir uns, wie wir auch weiterhin einen Atomkrieg verhüten können.
Es ist wichtig, daß wir uns diese Fragen stellen, denn die Entscheidungen, die
wir treffen werden, dürften aller Wahrscheinlichkeit nach den Kurs der Geschichte der Menschheit bestimmen.

Es ist auch wichtig, daß wir - als Einzel-

personen, als Nationen und als Bündnis - die verschiedenen Lösungen, die für
diese Fragen angeboten werden, sorgfältig prüfen, denn wir können es uns nicht
leisten, Fehler zu machen.

Wenn es um die Verhütung eines Atomkrieges geht,

können wir uns keinen Fehlerspielraum leisten.
Wir haben in letzter Zeit genug Bilder vom Krieg gesehen und viele von
uns haben zu ihren Lebzeiten viel zu viel vom Krieg selbst erlebt.

Ich

möchte daher lieber die Vision vom Frieden aufzeigen, auch wenn ich sie in
einer unbestreitbar turbulenten Welt zu einem höchst gefährlichen Zeitpunkt
unserer Geschichte anbiete.
Im ersten Teil von Homers Ilias trifft Hektor sein Weib Andromache mit
ihrem Kind Astyanax auf den Mauern Trojas.

Erschreckt durch die Rüstung

und den Helm seines Vaters beginnt der kleine Sohn zu weinen.

Hektor nimmt

seinen Helm ab und die Eltern lachen, als der Sohn seinen Vater erkennt;
dann hebt Hektor Astyanax hoch, hält ihn über seinen Kopf und die Familie erlebt einen Augenblick gemeinsamen Friedens.
Das ist ein Bild vom Leben, wie wir es uns wünschen - nicht das schreckliche Gemetzel, das sich auf den Ebenen vor Troja abspielte, ja nicht einmal
den glorreichen Ruhm jener Helden, die die J ü a s preist. Der Kontrast, den
uns Homer mit diesen Szenen von Krieg und Frieden zeigen will, ist so lebendig wie die Wahl, die jede Generation treffen mußte.
Wir haben

j

�wir haben uns für den Frieden entschieden - nicht, weil wir Amerikaner
oder Deutsche sind.

Wir wollen Frieden, weil wir Bürger demokratischer Län-

der und zivilisierte Völker sind.
Gewalt anwenden.

Wir werden niemals die ersten sein, die

Wir lehnen den Krieg als bewußtes Instrument der Außenpoli-

tik ab, weil wir ihn moralisch ablehnen.

Der Krieg hindert den

Menschen

daran, sein Leben in der Weise zu führen, wie unsere demokratischen Regierungen es zu schützen und zu fördern berufen sind.

Als zivilisierte Menschen

lehnen wir den Krieg ab, weil er Soldaten und Zivilisten in gleicher Weise
tötet und verstümmelt und das Leben selbst zerstört.
Die Politik der amerikanischen Regierung und die Politik des NATO-Bündnisses besteht darin, vor Kriegen jeder Art, aber vor allem vor einem Atomkrieg abzuschrecken.

Präsident Reagan hat es in einer Rundfunkansprache an

das amerikanische Volk so ausgedrückt:

"Jene, die Amerika im Atomzeitalter

regieren, und wir, die wir es heute regieren, mußten und müssen erkennen,
daß ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals geführt werden darf."
Es ist jetzt unsere Pflicht, unser Äußerstes zu tun, um einen solchen Krieg
zu verhüten.

Und Präsident Reagan hat bei mehreren Gelegenheiten betont:

Niemand spürt mehr als er die Notwendigkeit des Friedens.
Aber Frieden ist ein Ziel.

Frieden ist das, auf was wir am Ende unserer

Reise hoffen; er beschreibt weder die Schritte, die wir tun müssen, noch die
Wege, denen wir folgen sollten, um jenes Ziel zu erreichen.
Präsident Reagan, seine Administration und die Vereinigten Staaten von
Amerika sind unwiderruflich verpflichtet, gleichzeitig zwei Wege zum Frieden
zu verfolgen - Abschreckung und Rüstungsverringerung, denn das sind die beiden
einzigen Wege, die es gibt.
Seit das Zeitalter der Kernwaffen angebrochen ist, haben die Vereinigten Staaten und unsere NATO-Verbündeten danach gestrebt, den Krieg zu verhüten, indem wir davor abschreckten, daß er jemals beginne. Wir besitzen
Kernwaffen, um vor einem Krieg abzuschrecken - sei er konventionell oder
nuklear -, der gegen uns oder unsere Verbündeten geführt werden sollte. Aber

�sollte.

Aber um erfolgreich vor einem Krieg abzuschrecken, müssen wir die

Fähigkeit besitzen, gegen jeden potentiellen Aggressor zurückzuschlagen, und
diese Fähigkeit muß erkennbar sein.
ist ganz einfach:

Der Gedanke, auf dem Abschreckung beruht,

Es geht darum, die Kosten des Anzetteins eines Atomkrieges

für einen Aggressor zu hoch anzusetzen, als daß sie durch einen möglichen Vorteil, den er zu erreichen hoffen könnte, gerechtfertigt würden.

Wenn die

sowjetische Führung im voraus weiß, daß ein Angriff auf die Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten eine rasche nukleare Vergeltung bringen könnte,
dann wird sie erst gar nicht angreifen.

Sie würde davor abgeschreckt, jemals

einen Atomkrieg zu beginnen.
An unserer Politik der Abschreckung ist nichts Neues.

Sie wird durch

die politischen Prozesse der demokratischen Staaten, die sie schützt, seit
mindestens 1950 gebilligt.

Und - was am bedeutsamsten ist - sie funktioniert.

Sie funktionierte angesichts großer internationaler Spannungen, in die die
Großmächte verwickelt waren und sie hat angesichts des Krieges selbst funktioniert.
Zwar hat die Politik der Abschreckung ihre zeitliche Bewährungsprobe
und die Bewährungsprobe ihrer Nützlichkeit bestanden. Aber in dem Maße, in
dem sich das Streben der Sowjets nach nuklearer Überlegenheit zu realisieren
begann, haben sich die Dinge geändert, die wir tun müssen, um die Abschreckung
aufrechtzuerhalten. Die militärische Fähigkeit, die wir brauchten, um vor
dem Krieg unter ganz bestimmten Bedingungen abzuschrecken, ist nicht die
gleiche, die wir benötigen, um unter einer veränderten Bedingungslage vor
einem Krieg abzuschrecken. Abschreckung ist ein dynamischer, kein statischer
Zustand.
Wenn die Abschreckung auch in Zukunft erfolgreich sein soll, dann müssen
wir Schritte ergreifen, um die sowjetische Aufrüstung auszugleichen und das
nukleare Gleichgewicht wiederherzustellen, das nach unserer Überzeugung den
Frieden erhalten hat.

Wenn wir jetzt nicht unser Arsenal modernisieren, wie

die Sowjets das seit über 20 Jahren getan haben, dann hätten wir in wenigen
Jahren nicht mehr die Fähigkeit zur Vergeltung.
- 4 -

Und ohne diese Fähigkeit

�diese Fähigkeit hätten wir nicht länger die Gewähr, daß wir vor einem Krieg
abschrecken könnten.
Dann wäre die Sowjetunion in einer Position, uns zu bedrohen oder tatsächlich anzugreifen - in der Gewißheit, daß wir zu einer Antwort nicht mehr
in der Lage wären.

Wir haben in Polen, in Afghanistan, in Osteuropa und an-

derswo erlebt, daß die Führung der Sowjetunion nicht zögert, Schwäche auszunützen.

Wir dürfen nicht zulassen, daß die sowjetischen Führer denken, sie

könnten einen Atomkrieg mit uns anfangen und ihn gewinnen oder uns mit der
Androhung eines Atomkrieges erpressen - im Wissen, wir wären gezwungen, uns
ihren Forderungen zu beugen.
Das bringt mich auf den gleichermaßen wichtigen Weg zum Frieden - ausgehandelte Rüstungsverringerungen. Wir sind uns im klaren, daß es nicht
leicht sein wird, mit der Sowjetunion echte und bedeutsame Rüstungsverringerungen zu erreichen, damit wir beide weitaus niedrigere Bestände besäßen
und miteinander pari stünden. Wir sind während der letzten 15 Jahre alle
Zeuge der Schwierigkeiten gewesen, Rüstungskontroi labkommen zu erreichen.
Es gibt zwei Schritte, um echte Rüstungsverringerungen zu erreichen:
Erstens, beide Seiten müssen bereit sein, zu verhandeln, und zweitens, beide
Seiten müssen überzeugt sein, daß es in ihrem eigenen Interesse liegt, in
Verhandlungen einzutreten.

Das ist keine einfache Sache. Wir haben das zu

Anfang der Carter-Administration erlebt, als Außenminister Vance mit einem
Vorschlag für eine Verringerung der Kernwaffen nach Moskau reiste.

Die

Sowjets haben sich geweigert, überhaupt darüber zu sprechen und wir haben
diese Weigerung akzeptiert. Aber im vorigen Jahr, als Präsident Reagan
trotz der Proteste einiger Leute, die ihn an die Carter-Vorschläge erinnerten und warnten, die Sowjets würden nicht einmal an den Verhandlungstisch
kommen, sehr viel weitreichendere Rüstungsverringerungsvorschläge anbot,
willigten die Sowjets ein, zu verhandeln.
Heute sitzen die Sowjets mit uns in Genf am Verhandlungstisch und sprechen
über die Verringerung und schließliche Beseitigung der bedrohlichsten und de-

�bedrohlichsten und destabilisierendsten nuklearen Mittelstreckensysteme in
Europa - der landgestützten Raketen, vor allem der mobilen sowjetischen
SS-20-Rakete.

Und sie kommen auch in Genf mit uns zusammen, um über wesent-

liche Verringerungen unserer strategischen Nuklearstreitkräfte zu sprechen.
Dieser Wandel in der Haltung der Sowjets ist auf die Tatsache zurückzuführen, daß sie jetzt Anreize für Verhandlungen haben.

Die von der NATO ge-

plante Dislozierung von PERSHING II-Raketen und Marschflugkörpern in Europa
hat der Sowjetunion eindeutig einen Anreiz geboten, über Verringerungen der
nuklearen Mittel Streckensysteme zu verhandeln.

Und die Pläne der Vereinigten

Staaten für die Modernisierung unserer strategischen Nuklearstreitkräfte haben
der Sowjetunion einen Anreiz geboten, über Verringerungen unserer strategischen
Nuklearstreitkräfte zu verhandeln.
Aber sich zu Verhandlungen zusammenzusetzen, ist nur der erste Schritt.
Der zweite besteht darin, die Verhandlungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt
mit Abkommen abzuschließen, die die Zahl der Kernwaffen auf beiden Seiten
wesentlich verringern und die ausreichende Mittel der Verifikation enthalten
- die Gewähr, daß beide Seiten sich an die Bestimmungen der Abkommen halten.
Die gegenwärtig geführten Verhandlungen werden nicht die von uns gewünschten
Ergebnisse bringen, wenn die Sowjets keinen Anreiz haben, zu Abkommen zu gelangen. Darum müssen wir unser Programm zur Wiederherstellung unserer Verteidigung, nicht der Überlegenheit, fortsetzen. Wenn wir jetzt, noch vor
der, von der NATO geplanten Dislozierung von Mittelstreckenraketen oder vor
der Modernisierung der strategischen Nuklearstreitkräfte der Vereinigten Staaten Halt machen würden, dann würden wir damit den Sowjets ein deutliches Signal geben. Wir würden ihnen damit sagen, daß sie keinen Grund hätten, mit
uns zu einer Übereinkunft zu gelangen, ihre Waffen zu verringern, weil wir
einseitig auf die Waffen verzichtet hätten, die sie am meisten fürchten.
Warum sollten sie dann gleichzeitig mit uns ihre Streitkräfte ändern,
d.h. verringern wollen?

Wenn wir zuließen, daß das gegenwärtige Ungleichge-

wicht zu ihren Gunsten fortbesteht, dann hätten die Sowjets nicht den geringsten Anreiz, die großen und bilateralen Verringerungen vorzunehmen, die

�vorzunehmen, die wir haben müssen, v/enn wir die heute bestehende Gefahr
verringern wollen.
Aus diesen Gründen haben wir in der NATO beschlossen, unsere Nuklearstreitkräfte zu modernisieren und das nukleare Gleichgewicht wieder herzustellen - nicht, weil wir eine Aufrüstung um der Aufrüstung
willen wollen oder weil wir glauben, ein Atomkrieg könne gewonnen werden. Wir unternehmen diese Schritte, weil wir der Überzeugung sind,
daß sie, indem sie diese schrecklichen Gleichungen ausgeglichen halten,
unsere Fähigkeit stärken werden, vor dem Krieg abzuschrecken. Ich gebe
zu, daß die Abschreckung ein Weg ist, der schwer zu gehen ist - es ist
ein unbequemer Weg zur Erhaltung des Friedens. Aber die Abschreckung
hat während der letzten 38 Jahre funktioniert und sie funktioniert
auch heute. Damit ist die Aufrechterhaltung der Abschreckung - so schwierig das auch sein mag - nicht nur ein politisches Gebot, sie ist auch
ein moralisches Gebot.
Aber gleichzeitig werden die Vereinigten Staaten und die NATO einen
zweiten Weg zum Frieden verfolgen und im gesamten Waffenbereich auf
echte, bedeutsame und verifizierbare Rüstungsverringerungsabkommen mit
der Sowjetunion drängen.
Ich bringe Ihnen heute eine Botschaft von Präsident Reagan - eine
feierliche Verpflichtung, der wir uns alle anschließen: ich selbst,
wie auch Außenminister Shultz und die ganze amerikanische Regierung.
Sie lautet, daß Präsident Reagan persönlich und zutiefst der Verringerung der Kernwaffen verpflichtet ist. Rü'stungsverminderung und Aufrechterhai tung der Abschreckung wiegen in seinem Denken gleich schwer.
Und er wird alles in seiner Macht Stehende tun, um eine beiderseitige
Verringerung der nuklearen Rüstungen zu erreichen. Ich habe mit einem
Bild aus der Ilias angefangen. Es gibt, wie ich meine, eine weitere Metapher in der Reaktion von Astyanax auf seinen behelmten Vater. Und

- 7 -

�Vater. Und zwar die, daß die jungen und vielleicht sogar die nicht mehr
ganz so jungen gelegentlich nicht erkennen können, was sie eigentlich
schützt. Wir sind zu alt und wie ich hoffe, zu weise, als daß wir beim
Anblick unserer Beschützer zu weinen anfangen. Und wir sind zu jung,
um unsere Hoffnungen der Verzweiflung oder unsere Grundsätze der Angst
zu unterwerfen.

j

Die Ilias ist das erste große literarische Werk in einer langen
, Tradition, die über die Zeiten hinweg bis zu uns reicht. Sie ist ein
Buch vom Krieg, aber sie stellt den Krieg in Frage, sie stellt die Politik in Frage und sie stellt das Leben in Frage. Dieses Infrcgestellen ist
eines der nobelsten Merkmale unserer Zivilisation und ist an meiner Alma
mater, Harvard, unter der Rubrik "gesunde Skepsis" niedergelegt. Andere
nennen es Freiheit. Wir sind es unseren Vorvätern und dem vor uns liegenden Zeitalter schuldig, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um sicherzustellen, daß diese Zivilisation erhalten bleibt - und erhalten bleibt in
Frieden und Freiheit.
Ich danke Ihnen.
+ + + + +

- 8 -

i

�23

1. Juni 1983

KERNWAFFEN: DER TREND ZEIGT ABWÄRTS
- von Gregory S. Jones -

Der Autor, der sich bei dem kalifornischen Forschungsunternehmen Pan
Hen&gt;-ir+TCS m-jt d e r Analyse langfristiger politischer Entwicklungen beschäftigt, verweist darauf, daß die
Vereinigten Staaten seit 1967 für jede neue Kernwaffe zwei alte außer
Dienst gestellt haben. Dieser Abwärtstrend, so der Autor, verringert di'
Möglichkeit einer nuklearen Auseinandersetzung.
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Los Angeles Times. (C)
Gregory S. Jones.

"Dieser Wahnsinn muß aufhören!" - das ist die Überzeugung, die im
Mittelpunkt der gegenwärtigen Antiatombewegung steht und Ergebnis der
weitverbreiteten Ansicht ist, daß wir uns immer mehr auf die nukleare
Vernichtung zubewegen. Ein Großteil der Motivation der Bewegung für
ein Einfrieren der Kernwaffen entstammt dem Versuch, diesen Trend auf-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Trend aufzuhalten und dafür zu sorgen, daß alles nicht noch schlimmer
wird. Aber es sind eben doch keine Verrückten, die die Verantwortung
für unsere Nuklearprogramme tragen. Veränderungen bei unseren Nuklearsystemen seit Mitte der fünfziger Jahre haben vielmehr die Möglichkeit
einer Atomkatastrophe vermindert. Ein Einfrieren der Kernwaffen wäre
unsinnig, denn es w;jrde uns daran hindern, uns eben jene Optionen offenzuhalten, die die Möglichkeit eines Krieges noch weiter verringern
sollen.
Die Meinung, daß die nukleare Vernichtung immer wahrscheinlicher
werde, gründet sich zum Teil auf die Vorstellung, daß wir uns in einem
atomaren Wettrüsten befanden, dessen Ergebnis eine ständige Zunahme
der Anzahl und der Zerstörungskraft (der Megatonnen) der amerikanischen
Kernwaffen sei. Das ist von der Wahrheit weit entfernt. Im Jahr 1980
verfügten die Vereinigten Staaten über annähernd 25 Prozent weniger
Kernwaffen, als sie auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung im Jahr 1967
hatten. Das Megatonnengewicht der amerikanischen Kernwaffen betrug im
Jahr 1980 etwa ein Viertel dessen des Jahres 1960. Das ist eine bedeutsame Tatsache, da das Megatonnengewicht von Kernwaffen in unmittelbarer
Beziehung zu den apokalyptischen Auswirkungen eines Atomkrieges steht.
Dieser Trend ist weithin unbemerkt geblieben, zum Teil wohl wegen
der Tendenz, sich auf die Nuklearsysteme zu konzentrieren, die aufgestellt werden, und dabei jene zu ignorieren, uie abgebaut wurden. So
sind die Vereinigten Staaten derzeit dabei, 54 alte und störanfällige
TITAN II-Raketen außer Dienst zu stellen, wobei diese Tatsache bei weitem
nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat wie der Plan 100 MXRaketen zu bauen. So überraschend es auch klingen mag: Seit 1967 haben
die Vereinigten Staaten in etwa für jede Kernwaffe, die sie ihrer Streitmacht hinzufügten, zwei Kernwaffen außer Dienst gestellt. Diese neuen
Waffen sind im Durchschnitt von geringerer Reichweite, weitaus gesicherter gegenüber einer ungewollten Zündung und gegenüber mißbräuchlichem Einsatz und wurden auf viel über!ebensfähigeren Nuklearsystemen

- 2 -

�überlebensfähigeren Nuklearsystemen disloziert als die Waffen, deren
Ersatz sie sind.
Ein weiterer Grund dafür, daß der Abwärtstrend bei unseren Nuklearstreitkräften unbeachtet beblieben ist

liegt darin, daß man dazu neigt,

die Aufmerksamkeit auf den Zugang zu konzentrieren, während gleichzeitig
die Tatsache außer acht gelassen wird, daß die Anzahl der Waffen bei allen Kategorien der taktischen wie der strategisch-defensiven Kernwaffen
zurückging. Dies hat unter dem Strich zu einer Verringerung bei der Gesamtzahl aller Waffen geführt. Da zu diesen abnehmenden Kernwaffenkategorien auch jene gehören, die bei einem Atomkrieg am ehesten zum Einsatz
gelangen würden, wird deutlich, daß das Militär sich in immer geringerem
Maße auf Kernwaffen stützt.
Die Ursachen dafür, daß man sich in immer geringerem Umfang auf
Kernwaffen stützt, sind komplex und vielgestaltig. So machten es die
technischen Verbesserungen möglich, daß die Wirksamkeit konventioneller Waffen erhöht wurde und diese nunmehr eine Reihe von Aufgaben erfüllen könnten, bei denen es bislang der Kernwaffen bedurft hätte. Viele Tausende von Kernwaffen bei der Luftabwehr und für den Flotteneinsatz wurden auf diese Weise ersetzt.
Ein Einfrieren der Kernwaffen würde daher die Möglichkeit eines
Atomkrieges sogar erhöhen, da dadurch die Tendenz zum Stillstand käme,
sich in immer geringerem Maße auf Kernwaffen zu stützen. Ein Einfrieren würde auch viele konventionelle Waffensysteme behindern, da sie ja
für den Einsatz von Kernwaffen verwendet werden könnten. So würde ein
Einfrieren zum Beispiel die Entwicklung der Marschflugkörper verhindern, wobei doch gerade die sehr ziel genauen Marschflugkörper uns die
Möglichkeit geben könnten, viele unserer weitreichenden Kernwaffen
durch konventionelle Waffen zu ersetzen. Außerdem würde ein Einfrieren uns davon abhalten, die Sicherheit und die Überlebensfähigkeit
unserer Kernwaffen zu erhöhen. Diejenigen, die der Meinung sind, daß
- 3 -

�sind, daß wir uns in einem immer hektischeren Atomwaffen-Wettlauf befinden, werden wahrscheinlich behaupten, daß die Sowjetunion früher oder
später die gleichen Verbesserungen durchführen wird. Aber wenn die
Sowjets viele ihrer Kernwaffen durch konventionelle ersetzen und ihre
Atomwaffen sicherer und überlebensfähiger machen, so ist dies alles
nur gut.
Dieses Argument ist der Reagan-Administration ebensowenig vertraut
wie ihren Anfiatomkritikern. Die Administration argumentiert, wir müßten unsere Streitkräfte modernisieren, bevor es ein Einfrieren geben
kann. Aber genauso, wie der technologische Wandel es in der Vergangenheit möglich machte, unsere Nuklearsysteme zu verbessern, so wird künftiger technologischer Wandel Möglichkeiten bieten, sie noch weiter zu
verbessern. Es ist klar, daß ein Einfrieren der Kernwarfen zu keinem
Zeitpunkt sinnvoll ist.
Das bedeutet nicht, daß alles, w=s in der Vergangenheit getan wurde, und alles, was für die Zukunft vorgeschlagen is + . auch notwendigerweise stets von Nutzen ist. So ist es zum Beispiel in einer Zeit, in
der die Verwundbarkeit von landgestützten Raketen es für besonders angeraten erscheinen läßt, sie mobil zu machen, schwer, den Bau einer so
unbeholfenen Rakete wie der MX zu rechtfertigen. Eine viel kleinere Rakete mit einem einzigen Gefechtskopf dürfte wahrscheinlich eine bessere
Alternative sein.
Wichtigster Punkt ist jedoch, daß keine Verrückten für die Entscheidungen über unsere Kernwaffen zuständig sind. Diese Entscheidungen werden von Männern und Frauen getroffen, die versuchen, die uns zur Verfügung stehenden Optionen so zu nützen, daß wir uns immer weniger auf
Kernwaffen zu stützen brauchen und dafür über sicherere, ü^erlebensfähigere und weniger zerstörerische Systeme verfügen. Es liegt jetzt an
jenen, die sich für ein Einfrieren der Kernwaffen stark machen, sich
diesem Prozeß anzuschließen
+ + + + +

- 4-

�»

Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

23

1. Juni 1983

BIOELEKTRISCHES FELD LEITET DEN HAI ZUR BEUTE

- (AD) - Die Ergebnisse neuer Verhaltensstudien an Haien und anderen
Knorpelfischen, zu denen z.B. auch Rochen und Stechrochen gehören, zeigen,
daß im Nahbereich das von der Beute erzeugte bioelektrische Feld deren
genaue Lokalisierung ermöglicht. Wie Adrianus J Kalmijn vom ScrippsInstitut der Universität Kalifornien in San Diego bei Untersuchungen im
Labor und auf See nachweisen konnte, haben diese Meerestiere einen ganz
besondere: "Spürsinn" für noch so schwache elektrische Felder. Er hilft
ihnen nicht nur, die Beute exakt aufzuspüren, sondern auch, sich im Meer
zu orientieren.
Bei Experimenten im Meer mit Klein- und Blauhaien wurden zum Anlocken
der Tiere und Auslösen von Attacken Spannungsfelder künstlich erzeugt.
Die Haie reagierten bereits dann überaus empfindlich, wenn der Spannungsunterschied im Feld nur ein Fünftausendstel Mikrovolt pro Zentimeter betrug. Alle im Wasser lebenden Tiere haben ein bioelektrisches Feld. Die
besondere Empfindlichkeit der Knorpelfische dafür befähigt sie selbst
dann zum Aufspüren der Beute, wenn sie sich im Sand vergraben hat. Auch
habe es den Anschein, so Kalmijn, daß das "elektrische Organ" diesen Tieren Informationen über die Driftströmung im Meer vermittelt. Bei Labor-

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�Bei Laborversuchen fanden z.B. Stechrochen exakt zu bestimmten Nahrungsquellen, wenn sie durch elektrische und magnetische Felder "geleitet"
wurden, die den natürlichen Feldern im Meer ähnlich waren. Weitere Experimente auf See sollen nun helfen, das Ausmaß zu ermitteln, in dem Knorpelfische diese Fähigkeiten zur Orientierung in Bezug auf Meeresströmungen
und als "Navigationshilfe" benutzen.
Die Tiere erfassen die schwachen, niederfrequenten elektrischen Felder
mit Hilfe der hochempfindlichen Sensororgane in der weit vorgezogenen Kegelschnauze, die über ein Netzwerk von Hautporen direkten Kontakt nach
außen haben. Während zahlreicher Experimente steuerten Haie direkt auf die
EVktroden zu, mit denen das bioelektrische Feld von Beutetieren simuliert
wurde. "Damit konnten wir gut demonstrieren", berichtete Kalmijn, "daß
durch den Geruch angelockte Haie ihre Beute mit Hilfe ihres "elektrischen
Spürsinns" endgültig lokalisieren und dann angreifen. Das ist nicht nur
unter besonders günstigen Laborbedingungen der Fall, sondern gilt auch für
die sehr viel komplizierteren Umweltbedingungen im Meer. Auf größere Entfernung wurden die Tiere vom Geruch geleitet. In geringem Abstand jedoch
erwiesen sich bioelektrische Felder als sehr viel stärkerer Reiz. Haie
scheinen nach Aufnahme einer Geruchsspur sich über das elektrische Sensororgan genauere "Informationen" zu verschaffen, um ihre Beute exakt auszumachen und sich ihrer dann mit einer schnellen Bewegung zu bemächtigen."
Die Forschungsergebnisse von Kalmijn, über die die Universität Kalifornien in einer Pressemitteilung berichtete, deuten auch darauf hin, daß
Angriffe von Haien auf Menschen und Unterwasserausrüstungen ebenfalls
durch elektrische Felder, die den bioelektrischen Feldern üblicher Beutetiere ähnlich sind, insbesondere nach einer Verletzung der Haut, im Wasser
bioelektrische Felder, die Haie spätestens in 90 bis 100 cm Abstand erfassen. Die galvanischen Felder metallischer Objekte im Meerwasser sind
gewöhnlich noch stärker. Die Tiere werden durch sie entweder angezogen,
oder sie verlieren die Orientierung.
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