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                    <text>Information
und
Dokumentation

1
I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20

30. Mai 1979

I N H A L T

DOKUMENTATION
Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung äußert sich
positiv zu SALT II

HINTERGRUNDMATERIAL
"Bemerkenswerter Fortschritt" für das Internationale Seerecht
US-Botschafter Richardson optimistisch für nächste Plenarsitzung
in New York
- Von Hugh 0. Muir Nukleartechnische Sicherheit und nukleare Absicherungen
- Von Lawrence Scheinman -

Um Übef/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 OO
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20

30. Mai 1979

DIREKTOR DES US-AMTES FÜR RÜSTUNGSKONTROLLE UND ABRÜSTUNG
ÄUSSERT SICH POSITIV ZU SALT II

NEW YORK - (AD) - General George M. Seignious, der Direktor des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), erklärte in einer am
19. Mai 1979 in New York gehaltenen Rede, SALT II und seine Einhaltung könnten
durch unabhängige nachrichtendienstliche Möglichkeiten der Vereinigten Staaten
überprüft werden.
Seignious betonte vor der Union der amerikanisch-jüdischen Gemeinden,
eine große
Zahl hochentwickelter Systeme, darunter hochwirksame Fotokontroll Satelliten und weitgespannte Radarsysteme, würden verwendet, um den
gesamten Umfang der sowjetischen strategischen Streitkräfte und Tätigkeiten
zu überwachen. Er sagte, SALT II und die in ihm enthaltenen Kontrollen der
strategischen Systeme würden die Plattformen für SALT III und für spätere
Verhandlungen über umfassendere Beschränkungen und weitere Verringerungen
bilden.
Die Rede des ACDA-Direktors hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich über die Gelegenheit, Ihnen meine Überlegungen zum
SALT II-Vertrag mitzuteilen, der zur Unterzeichnung vorliegt.

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

�.«

.»

Dieses neue SALT-Abkommen hat viel Zeit gebraucht.
Zu Beginn meiner 32 Jahre Militärdienst lernte ich, was es bei der Truppe
bedeutet, wenn man sich darüber beklagt, daß der Soldat die Hälfte seines Lebens vergebens wartet.

Es dauerte sechs lange Jahre, um SALT II auszuarbeiten.

In beiden Fällen, bei der Armee und bei SALT, glaube ich, daß sich das Warten
doch lohnt.
Der SALT II-Vertrag ist ein gutes Abkommen zur Rüstungskontrolle.

Und

er ist gleichzeitig ein solides Abkommen für die nationale Verteidigung.

Diese

beiden Beschreibungen widersprechen sich nicht, denn Rüstungskontrolle und Landesverteidigung sind miteinander zu vereinbarende, unentbehrliche Komponenten
unserer umfassenden Sicherheit.
Ich wäre heute nicht zu Ihnen gekommen, ich hätte diese Aufgabe nicht
übernommen, wenn ich nicht zutiefst überzeugt wäre, daß SALT dem Ziel dient,
das auch für mich immer am wichtigsten war: der Sicherheit unseres Landes.
Sie können zurecht fragen: wenn SALT so gut ist, warum hat es dann so
viel Lärm und Aufregung verursacht? Warum fürchten einige vollkommen vernünftige und verantwortungsbewußte Bürger, daß SALT II zu wenig Abrüstungskontrolle
beinhaltet und in der Tat eine inhaltslose und wertlose Übung darstellt? Warum fürchten andere absolut vernünftige und verantwortungsbewußte Bürger, daß
SALT so viel Abrüstungskontrolle beinhaltet, daß dieser Vertrag eine Gefahr
für unsere nationale Sicherheit darstellt? Andere beschuldigen uns, daß wir
unsere nationale Sicherheit auf das Vertrauen in die Sowjets gründen. Wieder
andere haben Bedenken, daß SALT eine Gefahr für unsere Freunde und Verbündeten
bildet.
Ich achte die Ernsthaftigkeit aller dieser Bedenken.

Ich will mein Bestes

tun, Ihnen heute abend in aller Kürze zu erklären, warum ich glaube, daß der
SALT II-Vertrag ein verantwortungsbewußtes und kluges Unterfangen ist.
Lassen

�Lassen Sie mich erklären, warum ich glaube, daß SALT sowohl für die
Rüstungskontrolle als auch für unsere nationale Sicherheit eine herausragende
Leistung ist.

Der Vertrag hat beides:

sowohl quantitative Begrenzungen, um das Wett-

rüsten hinsichtlich der Anzahl der strategischen Systeme zu einzuschränken, als
auch qualitative Begrenzungen, um den Wettlauf der Waffentechnologie zu verlangsamen.

Er wird beide Nationen zur ausgeglichenen Gesamtbegrenzung der

strategischen Streitkräfte verpflichten - Abschußeinrichtungen für Interkontinentalraketen und unterseebootgestützte Raketen und schwere Bomber.

Zunächst wird die Grenze bei 2400 liegen und Ende 1981 auf 2250 reduziert
werden.

Die Folge dieser Begrenzungen wird der Abbau von etwa 270 operativen

sowjetischen Systemen sein.

Keines unserer Systeme wird abgebaut werden müssen,

um dieser Begrenzung zu entsprechen.

Innerhalb dieser Gesamtbegrenzung von

2250 wird es eine Reihe von gleichen Unterbegrenzungen geben, durch die die
Zahl der für Marschflugkörper mit großer Reichweite ausgerüsteten schweren
Bomber sowie die Abschußeinrichtungen für Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen
(MIRVs) eingeschränkt wird.
Jede Seite kann nur einen einzigen neuen Typ von Interkontinentalraketen
(ICBM) entwickeln.

Durch Beschränkungen, die in den Bestimmungen festgeschrie-

ben sind, werden Verbesserungen bei vorhandenen ICBMs, wie etwa ihr Wurfgewicht, Begrenzungen unterworfen.

Es wird Beschränkungen hinsichtlich der Zahl von Gefechtsköpfen geben,
die auf die verschiedenen Typen von Interkontinentalraketen disloziert werden
können.

Indem wir die Sowjetunion daran hindern, das ganze Potential ihrer

mit Mehrfachgefechtsköpfen bestückten ICBMs auszunützen, werden wir die potentielle Bedrohung unserer eigenen Abschreckungswaffen herabmindern.

Diese und andere Kontrollen im Vertrag werden uns bei Herstellung der
strategischen Stabilität helfen und den beiderseitigen Druck mildern, Schritte

- 3 -

�Schritte zu unternehmen, die das Wettrüsten anheizen würden.
Diese und andere Kontrollen im Vertrag werden die nuklearstrategischen
Möglichkeiten der beiden Länder innerhalb der hauptsächlichen Kategorien begrenzen, nach welchen wir strategische Macht messen.
Diese Kontrollen werden außerdem die Plattform für SALT III und für spätere
Verhandlungen über umfassendere Beschränkungen und weitere Verringerungen bilden.
Es ist entscheidend, daß wir alle erkennen, daß SALT ein Prozeß mit vielen
Schritten ist, bei dem jeder auf dem bisher Erreichten aufbaut.

Zusätzlich

zu diesen Kontrollen läßt SALT II uns die Möglichkeit offen, die für ein stabiles strategisches Gleichgewicht notwendigen militärischen Programme weiterzuentwickeln.
- SALT wird unsere Anstrengungen nicht verlangsamen, um eine vernünftige
Lösung für das Problem der wachsenden Verwundbarkeit unserer landgestützten
Raketen zu finden.
- Wir werden mit unseren Plänen fortfahren, einen großen Teil unserer
Bomberflotte mit zielgenauen, weitreichenden Marschflugkörpern auszustatten.
Im Rahmen von SALT werden wir mit unseren Programmen für Raketen-Unterseeboote

fortfahren;

- und natürlich wird SALT, wenn wir uns zur Entwicklung eines neuen Bombers entschließen, nicht in diese Entscheidung eingreifen.
•

Verifizierung ist eine Frage, die alle Amerikaner beschäftigt, egal,
ob sie für oder gegen SALT sind. Können wir sicher sein, daß die Sowjets
die Bestimmungen des Abkommens einhalten werden? Lassen Sie mich gleich von
Anfang an versichern, daß wir uns bei SALT weder auf Vertrauen, Glauben oder
Hoffnung noch auf die Unterschrift der Sowjets verlassen, denn es geht hier
um das überleben unserer Nation. Schlichtweg gesagt, verhandeln wir mit un-

�unserem Hauptgegner.

Aus diesem Grunde, haben wir mit aller Sorgfalt einen

Vertrag entworfen und ausgehandelt, dessen Einhaltung angemessen durch unsere
eigene nachrichtendienstlichen Fähigkeiten geprüft werden kann.

Wir werden

eine große Vielzahl von ausgeklügelten Systemen verwenden - einschließlich
extrem wirkungsvoller Fotoaufklärungssatelliten und großer, leistungsfähiger
Radaranlagen -»um den ganzen Umfang der sowjetischen strategischen Streitkräfte und Aktivitäten zu kontrollieren.

Der SALT-Vertrag enthält besondere Vorkehrungen, die es der Sowjetunion
verbieten, die Kontrolle und Verifizierung von SALT zu beeinträchtigen.

Beide

Vertragsparteien haben im Vertrag vereinbart, keine Maßnahmen zu ergreifen,
die absichtlich die Verifizierung behindern könnten.

Ohne diese Bestimmungen

wäre es viel schwieriger, die notwendigen Informationen über die sowjetischen
strategischen Programme zu sammeln.

Ohne das Verbot von Verheimlichung und

Störung wäre es für uns viel schwieriger, herauszufinden, über wieviele strategischen Raketen und Bomber die Sowjets verfügen und welches ihre militärischen
Kapazitäten und Eigenschaften sind.

Die Sowjets hätten die Möglichkeit, uns

die genaue Voraussage über Umfang und Fähigkeiten ihrer strategischen Streitkräfte zu erschweren.

Und sie würden es wahrscheinlich tun.

Aber ich sollte vielleicht die Tatsache unterstreichen, daß wir die
sowjetischen Aktivitäten in jedem Fall genau beobachten müßten - mit oder ohne
SALT.

Doch gewährleistet uns der Vertrag einen Erfolg in zwei äußerst wich-

tigen Aspekten:

einmal wird der Vertrag klare Begrenzungen der sowjetischen

Streitkräfte festlegen, die wir verifizieren müssen.

Zum anderen wird der

Vertrag es der Sowjetunion untersagen, unsere zuverlässigen Verifizierungsmöglichkeiten zu stören und absichtlich Maßnahmen zu verbergen, die unsere Fähigkeit zur Verifizierung einschränken.

Wenn wir Verletzungen vermuten, so erlaubt es SALT, die Vermutungen vor
die Ständige Beratende Kommission zu bringen, die von den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion eingerichtet wurde, um Regelverstöße zu ahnden.

Wenn wir

auch nur den leisesten Verdacht einer Vertragsverletzung haben, so können wir

- 5-

�wir dies bei den Sowjets vorbringen.

Wir haben dies in der Tat schon bei dem

SALT I-Vertrag in vielen Fällen getan.

In jedem dieser vorgetragenen Fälle

hörte entweder die entsprechende Störung auf oder zusätzliche Informationen
beschwichtigten unsere Bedenken. Die äußerste Sanktion im Fall der Ablehnung
unserer Bedenken wäre eine Zurückweisung des Vertrags; dann könnten wir alle
Schritte unternehmen, die wir zur Gewährleistung unserer Sicherheit für notwendig erachten.

Das wäre eine überaus ernste Entwicklung, und die Sowjets wis-

sen das.
Ich möchte mich nun der Sorge einiger Leute zuwenden, die davon ausgeht,
daß SALT II uns die Hände hinsichtlich der Zusammenarbeit mit der NATO bindet
oder einen Ausverkauf der Belange unserer Verbündeten darstellt.
Das stimmt einfach nicht:
- Wir haben unsere Verbündeten ausgiebig konsultiert.
- Wir haben die Sicherheitsbedenken unserer Verbündeten in unsere Verhandlungspositionen mit einbezogen.
- SALT II bringt keinerlei Einschränkungen für die Nuklearwaffen Frankreichs
und Großbritanniens.
- SALT II begrenzt keines der vielen amerikanischen Kernwaffensysteme,
die in Europa stationiert sind.
- SALT II verbietet nicht den Transfer von Marschflugkörpern und anderer
hochentwickelter Technologie.
- Und kurzfristige Begrenzungen in SALT II hinsichtlich der land- und seegestützten Marschflugkörper werden auslaufen, noch bevor wir so weit
sind, solche Waffen zu dislozieren. Wir werden Zeit genug haben, in
Einklang mit unseren europäischen Verbündeten sorgfältig zu planen,
wie wir unsere Gefechtsfeld-Nuklearwaffen in der NATO am besten modernisieren können.
Ein Beweis für die Unterstützung von SALT II durch unsere Verbündeten
wurde am 11. Mai in London geliefert, als Bundeskanzler Schmidt sehr deutlich
sagte:

Wir sind für einen raschen Ratifizierungsprozeß in Moskau und in

- 6 -

�in Washington,und die neue britische Premierministerin, Frau Thatcher, die
neben ihm stand, stimmte dem zu.

SALT II wird keine solchen konventionellen Waffen begrenzen, wie wir sie
vielleicht zur Unterstützung unserer Freunde und zur Erfüllung unserer Verpflichtungen im Nahen Osten, in Europa oder sonstwo brauchen.

Die amerikanischen

Streitkräfte in Europa oder die Sechste Flotte im Mittelmeer werden nicht begrenzt.

SALT wird uns nicht daran hindern, unseren Freunden und Verbündeten

im Ausland militärischen Beistand zu gewähren.

Die Vereinigten Staaten haben sich zu einem Drei-Milliarden-Dollar-Programm als Sicherheitsbeistand für Israel verpflichtet, das die laufende Modernisierung der militärischen Einrichtungen jenes Landes erlaubt.
wird von SALT nicht berührt.

Auch das

Die Vereinigten Staaten werden auch ihre Unter-

stützung der Friedensbewegung im Nahen Osten fortsetzen und werden geeignete
Maßnahmen ergreifen, um die völlige Einhaltung des Friedensvertrages zu gewährleisten.

Der sowjetische Physiker Andreij Sacharow schrieb vor kurzem:

"Ich

glaube, daß das Problem einer Verminderung der Gefahr der Vernichtung der
Menschheit in einem Atomkrieg absoluten Vorrang vor allen anderen Überlegungen
hat."

Er betonte jedoch anschließend, daß "eine dauerhafte internationale

Sicherheit und internationales Vertrauen unmöglich sind ohne die Beachtung
der Grundrechte des Menschen, insbesondere der politischen und der bürgerlichen
Rechte."

Dies führt mich zu einer Frage, die wir uns alle stellen:

Können wir

ein SALT-Abkommen mit den Sowjets unterzeichnen und dennoch weiterhin entweder laut heraus oder durch leise Diplomatie die Menschenrechtsverletzungen
in der Sowjetunion anprangern?

Die Antwort ist ja - und wir haben die feste

Absicht, SALT und die Menschenrechte gleichzeitig zu verfolgen.

Die

- 7 -

�Die Erfahrung der letzten drei Jahre liefert genügend Beweise dafür,
daß wir beide Dinge verfolgen und auf beiden Gebieten Erfolge haben können.
Während der SALT-Verhandlungen haben wir auch weiterhin freimütig mit den
Sowjets über die Menschenrechtsproblematik gesprochen.

In den letzten Monaten

war die Zahl der jüdischen Auswanderer aus der Sowjetunion höher als je zuvor.
Im Jahre 1978 verließen fast 30 000 jüdische Auswanderer die Sowjetunion.
Das sind doppelt so viel wie im Jahre 1976.
4400 Menschen die Sowjetunion.

Im März dieses Jahres verließen

Im April war es etwa die gleiche Anzahl.

Diese Zahlen machen deutlich, daß es keinen Konflikt zwischen den Verhandlungen
über Rüstungskontroi labkommen mit der Sowjetunion einerseits und der Verfolgung
von Menschenrechtszielen andererseits gibt, die Sie und alle Amerikaner teilen.
Im Gegenteil: die Ablehnung von SALT könnte zu einem Klima führen, in dem die
Verfolgung eben dieser wichtigen Ziele weit schwieriger wäre.
•

Am Ende meiner heutigen Ausführungen möchte ich noch auf zwei zwingende
Gebote hinweisen: Das erste und höchste Gebot ist, die Gefahr eines Atomkrieges zu verringern. Selbst ein sogenannter begrenzter sowjetischer Angriff
auf die strategischen Streitkräfte der USA könnte zu Verlusten in einer Größenordnung von etwa 20 Millionen Amerikanern führen und schließlich zum Tode vieler weiterer Millionen. Kein Mensch kann die wirklichen Folgen eines solchen
Krieges vorhersehen. Und keine Nation könnte sicher sein, in einer solchen
Feuersbrunst verschont zu bleiben. Ein Nuklearkrieg könnte viele andere Länder verwüsten - genau wie unser eigenes Land. SALT hilft dabei, das Risiko
zu vermindern, daß ein solches Ereignis je eintritt.
Das zweite Gebot ist, die Weiterverbreitung von Kernwaffen zu verhindern.
Wir leben in einer Welt, in der sich viele andere Länder Kernwaffen verschaffen
könnten. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion bemühen sich ernsthaft,
zusammen mit anderen Ländern dieser unheilvollen Entwicklung vorzubeugen, denn
eine Welt von 10 oder 15 oder 25 Nuklearmächten wäre ein Alptraum sowohl für
die militärischen Planer als auch für alle anderen Bürger. Wir müssen uns
darüber klar sein, daß die über 100 Länder, die diesen Waffen abgeschworen
haben, indem sie den Atomwaffensperrvertrag befolgen, die beiden Supermächte

�Supermächte genau beobachten, um zu sehen, ob wir tatsächlich glaubwürdig
sind hinsichtlich der eingegangenen Verpflichtung, den Umfang des Kernwaffenarsenals zu reduzieren.

Unsere dringenden Bitten werden einen hohlen Klang

haben, wenn wir nicht bereit sind, uns selbst zu kontrollieren.
Meine Damen und Herren, die Vereinigten Staaten sind eine starke Nation,
und wir sind eine große Nation.

Ich habe mein Leben in ihren Dienst gestellt.

Ich bin fest davon überzeugt, daß wir eine Nation sein können und sein werden,
die für Sicherheit und für Frieden steht.

SALT ist die Gelegenheit, ein Wett-

rüsten einzuschränken, das beides gefährdet.

- 9 -

Darum vor allem geht es bei SALT.

�20

30. Mai 1979

"BEMERKENSWERTER FORTSCHRITT" FÜR DAS INTERNATIONALE SEERECHT
US-Botschafter Richardson optimistisch für nächste
Plenarsitzung in New York

- Von Hugh 0. Muir -

- (AD) - Auf der ersten Sitzungsperiode 1979 des Plenums der Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen vom 19. März bis 27. April in Genf ist in
amerikanischer Sicht "bemerkenswerter Fortschritt" in Richtung auf eine Lösung
eines großen Teils der anstehenden Probleme erzielt worden.

Die Erörterungen

werden im Sommer in New York fortgesetzt , wo der zweite Teil der Plenartagung
am 19. Juli beginnt.

Man rechnet mit einer weiteren fünfwöchigen Sitzungsperiode

der UN-Seerechtskonferenz, die sich seit Juni 1974 um einen den heutigen Gegebenheiten Rechnung tragenden Vertrag über die Nutzung der Weltmeere befaßt.

Der Leiter der amerikanischen Delegation, Botschafter Elliot Richardson,
erklärte in einem Interview mit dem US-Amt für Internationale Kommunikation
(USICA): "Die Anzahl der offenen Fragen wurde merklich verringert.

Zwar gibt

es keine Gewähr dafür, daß alle noch bestehenden Probleme gelöst werden.

Aber

sie sind klar definiert, und es erscheint zum mindesten möglich, daß wir über
diese Hauptprobleme schon am Ende der New Yorker Tagung einen Kompromiß erreicht

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�erreicht haben werden."
Auf wenigstens vier wichtigen Gebieten sei, wie Richardson erklärte:
"Übereinstimmung auf breiterer Basis" erzielt worden.

Dies gelte für:

- Die Rechte von Staaten, die nicht ans Meer grenzen oder eine ungünstige
geographische Lage haben (z.B. Länder, deren Zugang zum offenen Meer durch
sich überlappende

Hoheitsgebiete benachbarter Klistenstaaten behindert ist),

um wie ihre Nachbarn Gebrauch von den Fischbeständen zu machen.

Hier wurde

"ein ganz wesentlicher und endgültiger Kompromiß" erzielt.
- Die Verantwortung von Ländern, Bestimmungen zum Schutz der marinen
Umwelt gegen Verschmutzung anzuwenden und sich an sie zu halten - ein Problem,
das im Zusammenhang mit der ölverseuchung durch Riesentanker-Havarien aufs
ausgiebigste in den Medien behandelt wurde. Auf diesem Gebiet wurden die Verhandlungen "praktisch abgeschlossen".
- Die Definition der äußeren Grenzen des Kontinentalschelfs, die für die
Bestimmung der Grenzlinien von Bedeutung sind, an denen die nationale Kontrolle
beginnt. Hier wurden laut Botschafter Richardson "große Schritte in Richtung
auf eine Lösung" gemacht.
- Die Kompetenz des Apparats zur Beilegung von Streitigkeiten über den
Meeresboden, insbesondere über den Zugang zu Rohstoffen unter internationalen
Gewässern. Hier 'müssen am Text noch gewisse Verbesserungen vorgenommen werden,
aber er ist um vieles besser als zuvor." Dieser Text, so unterstrich Botschafter Richardson, "bringt auch den Punkt zur Sprache, dem wir die größte
Bedeutung beimessen - die Tatsache nämlich, daß das Schiedsgericht für Streitfälle in Meeresboden-Angelegenheiten zu der Feststellung ermächtigt sein muß,
daß die Verfahrensbestimmungen der internationalen Meeresboden-Behörde ungültig sind, wenn ihr ein übermäßiger Gebrauch von Vollmachten nachzuweisen
ist."
Die

�Die ozeanischen Becken, insbesondere die Kontrolle über den Tiefseebergbau, zählten, so Richardson, nach wie vor zu den umstrittensten Themen der Konferenz, ebenso zwei weitere Schlü'sselprobleme:

(1) Die Festlegung der Meeres-

zonen-Grenzen zwischen gegenüberliegenden und benachbarten Staaten, und (2)
die Garantie der Freiheit wissenschaftlicher Forschung innerhalb der den Küstenstaaten zugestandenen Meereszonen.

Hinsichtlich der letzten beiden Punkte sah Richardson "keinerlei Hindernisse für Übereinkünfte" über Zonenabgrenzungen, "die in jedem Fall grundsätzlich bilateraler Natur sind".

Was die Meeresforschung angehe, "haben wir mei-

nes Erachtens in Genf die Grundlagen geschaffen, um nun in New York die Annahme
der Mehrzahl unserer wichtigsten Zusatzanträge unter Dach und Fach zu bringen."

Hinsichtlich des Meeresbodens gebe es jedoch vier schwierige Problemkomplexe, die die Konferenz noch zu behandeln habe:

- Das Überprüfungsmoratorium der UN-Seerechtskonferenz.

Hierbei handelt

es sich um eine von der sog. Gruppe der 77 (mit 119 Partnerländern nach der
neuesten Zählung) als Vertretern der Entwicklungsländer eingebrachten Vorschlag,
demzufolge neue Meeresbergbauprojekte einem Moratorium unterliegen sollen,
wenn z.B. in etwa 20 Jahren eine Konferenz einberufen werde, die die Meeresbergbau-Industrie zu überprüfen habe.

Durch ein solches Moratorium, so be-

tonte Richardson, werde, "wenn es zu einem Zeitpunkt kommt, an dem in der Welt
akuter Bedarf an Meeresmineralien besteht, ungebührlicher Druck auf die Überprüfungskonferenz ausgeübt".

- Fördergebühren:

Entsprechend den Vorschlägen der Dritten Welt wird

von den Bergbaufirmen eine Abgabe von 35 bis 40 Prozent ihrer Gesamteinkünfte
aus Aktivitäten gefordert, um die Beteiligung der Dritten Welt am Meeresbergbau finanzieren zu helfen.

Von den Ländern, die die Bergbaufirmen unterstützen,

wird dies als ein zu hoher Satz erachtet; sie haben einen Beitrag von 20 Prozent vorgeschlagen.

"Wir brauchen weitere Zugeständnisse zur Schaffung eines

Systems, das für Investitionen attraktiv anstatt abschreckend ist", meinte Botschafter Richardson.
- Produktionsbe-

�- Produktionsbeschrä'nkungen:

Es wurde eine Reihe komplizierter Formeln

vorgelegt, um mineralische Rohstoffe aus dem Meeresbergbau, die für die Märkte
zugelassen werden sollen»mengenmäßig zu begrenzen; dabei kamen die schwerwiegenderen Einschränkungen von Produzenten der auf dem Festland gewonnenen Mineralien.

Im Rahmen des Abbaus der sogenannten Manganknollen-Vorkommen, der gegen-

wärtig zur Diskussion steht, würden neben Mangan auch Kupfer, Kobalt und Nickel
betroffen sein.Dennoch müsse es, wie El 1iot Richardson erklärte, "Bestimmungen
geben, die gewährleisten, daß den Bergbaufirmen eine ausreichende Zahl von Verträgen zur Verfügung steht".
- Abstimmung im Exekutivrat:

Die internationale Gruppe, die den Abbau

der Meeresbodenmineralien kontrolliert - die Vereinten Nationen bezeichnen
diese Vorkommen als "das gemeinsame Erbe der Menschheit" -, soll ein aus 36
Mitgliedstaaten gebildeter Exekutivrat sein.

Dabei müsse es jedoch, wie

Richardson erklärte, "für die Bergbaufirmen und die wichtigsten Verbraucher
von Meeresmineralien einen Schutz vor einer übelwollenden Mehrheit geben" was eine Sperrminorität bei Abstimmungen erfordern würde.

Die Industrieländer

haben dafür ein System vorgeschlagen,bei dem vier Stimmen ausreichen, während
die Entwicklungsländer bis zu zehn Stimmen für einen solchen Fall vorschlugen.
Jedenfalls will die Gruppe der 77 durch den Exekutivrat, und insbesondere
durch dessen Arm auf dem Unternehmenssektor - diese "Unternehmen" würden den
Mineralabbau neben den von der Privatwirtschaft unterstützten Konsortien betreiben - die Durchsetzung der dem Ganzen zugrundeliegenden Konzeption der sogenannten neuen Weltwirtschaftsordnung erreichen.
"Sie betrachten dies als ein Instrument, das eine Beteiligung der Entwicklungsländer mit dem Einbringen des gemeinsamen Erbes verbindet", meinte
Richardson.

"Sie sehen darin eine neue Art von Teilhabe an der Ausbeutung der

Rohstoffe durch die Weltgemeinschaft, die sich von einer Ausbeutung durch Gruppen der kapitalistischen Länder unterscheidet."

�Somit gehen nach Ansicht Botschafter Richardsons die Entwicklungsländer
aus der jüngsten Konferenzperiode mit einer großen gemeinsamen Sorge hervor
- der Sorge um die Lebensfähigkeit "des Unternehmens".

Ein Hauptziel der Ent-

wicklungsländer sei es, seine Lebensfähigkeit finanziell und technologisch zu
gewährleisten, ohne von den privaten Konsortien einen zu hohen Beitrag zu fordern.

- 5 -

�30. Mai 1979

20

NUKLEARTECHNISCHE SICHERHEIT UND NUKLEARE ABSICHERUNGEN
- Von Lawrence Scheinman -

Der Verfasser leitet das Programm "Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft" an
der Cornell-Universität in Ithaca im Staate
New York. Er war zuvor Hauptreferent des
Staatssekretärs für Militärhilfe, Wissenschaft und Technologie im US-Außenministerium und ist jetzt als Berater des USAußenministeriums tätig.

Der Unfall in der Reaktorstation Three Mile Island (TMI) hat zweifellos
den Ausbau der Kernenergie in den Vereinigten Staaten zurückgeworfen.

Aber er

hat auch erneut zu Anstrengungen geführt, die Kernkraft sicherer zu machen.
Diese Anstrengungen umfassen u.a. die wiederholte Überprüfung von Sicherheitsmaßnahmen, was schon zuvor mehr Aufmerksamkeit verdient hätte, und die Erörterung von Maßnahmen zu einer strafferen Handhabung aller Phasen des nuklearen
Brennstoffkreislaufs.

Auch mögliche Verzögerungen der Anlage weiterer Atom-

kraftwerke werden,begleitet von einem Nachlassen des Drucks auf das verfügbare
Uran, gewiß wertvolle zusätzliche Zeit bringen, um den Verfahrensmodus bei
Brennstoffzyklen zu überprüfen und weitere Schutzmaßnahmen zu entwickeln.
Bis

Postfach 20 03 00
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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Bis jetzt wurden Forderungen in bezug auf die Sicherheit von Kernreaktoren
durch langwierige, umfangreiche Genehmigungsverfahren, gründliche Überwachung
durch Aufsichtsbehörden und Reserve-Sicherheitssysteme gestützt.

Bei dem Fall

"Three Mile Island" waren jedoch unvorhergesehene Ereignisse im Spiel, die
auch bei der umfassendsten Sicherheitsplanung samt dem Einbau von Sicherheitsmechanismen nicht hätten vorhergesehen werden können.
Obgleich der Unfall im TMI auch den Gesundheitsschutz der Öffentlichkeit,
Sicherheit und Umweltschutz betraf und nichts mit der Weiterverbreitung von
Kernwaffen zu tun hat, zeigt er eindringlich, wie notwendig Maßnahmen sind, die
mehr Vorsicht bei der Entwicklung und Anwendung risikoreicher nuklearer Technologien fordern.
Die Nonproliferationspolitik gründet sich darauf, daß es noch immer keine
voll wirksamen und zuverlässigen technischen Maßnahmen und, was noch wichtiger
ist, institutionellen Kontrollen für Waffenausgangsmaterialien wie Plutonium
und hoch angereichertes Uran gibt.

Die Beibehaltung der Kernenergie hängt

letztlich von einem starken Vertrauen der Öffentlichkeit zur Glaubwürdigkeit
im Umgang mit Kernkraft ab.

Deshalb sind sich die Vereinigten Staaten der Not-

wendigkeit bewußt, die kommerzielle Anwendung von Kernbrennstoffen, Anlagen
und Brennstoffzyklen, die von solchen Materialien abhängig sind, wenigstens
solange zu meiden, bis geeignete technische, institutionelle und politische
Maßnahmen ermittelt, entwickelt und am richtigen Ort eingesetzt werden können.
In den letzten Jahren hatten die Vereinigten Staaten immer wieder betont,
wie notwendig es sei, die Entwicklung und Anwendung alternativer nuklearer
Brennstoffzyklen im Lichte zahlreicher Kriterien zu bewerten, insbesondere in
bezug auf das Proliferationsrisiko, das sich aus der jeweiligen Handhabung eines Brennstoffs ergibt. Kernenergie wurde von Anfang an als eine mit Risiko
behaftete Technologie angesehen, und ihr allmähliches Vordringen in die Domäne
der Öffentlichkeit wurde an politische, institutionelle und technische Beschränkungen geknüpft, die darauf ausgerichtet waren, ihre Anwendung zu friedlichen
Zwecken von der Anwendung zu militärischen Zwecken zu trennen. Diese Trennung,

- 2 -

�Trennung, eine Voraussetzung für den Fortbestand internationaler Zusammenarbeit auf nuklearem Gebiet, wurde durch die Schaffung von Sicherungsmaßnahmen
unterstützt, für deren Durchführung die Internationale Atomenergiebehörde verantwortlich zeichnet, und sie wurde außerdem noch gestärkt durch den in weiten
Kreisen befürworteten, wenn auch nicht weltweit gültigen Nonproliferationsvertrag.
Der nukleare Brennstoffzyklus, für den diese Sicherungen galten, war der
"Einmal-Durchsatz" des Kernbrennstoffs unter Verwendung von naturlichem oder
niedrig angereichertem Uran, bei dem es weder Wiederaufarbeitung noch die Schaffung eines Plutonium-Marktes und einen Handel mit Plutonium gibt. Die Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennstoffelemente und das Verbrennen von Plutonium
in Leichtwasser-Reaktoren noch vor der Einführung von Brutreaktoren mag schließlich in Anbetracht der notwendigen Wirtschaftlichkeit gerechtfertigt sein. Was
aber bisher nicht genügend gewürdigt wurde, war die Tatsache, daß die Sicherungsmaßnahmen und institutionellen Beschränkungen, die zwar für den Zyklus mit
Einmal-Durchsatz wirksam gewesen sein mögen, sich nicht zwangsläufig auch dazu
eignen, den Risiken im Zusammenhang mit einer Ausbreitung von plutoniumproduzierenden Anlagen und fortgeschrittenen Reaktor-Technologien auf der Basis von
plutoniumhaltigen Kernbrennstoffen zu begegnen. Dies trat erst im Zuge bestimmter internationaler Ereignisse zutage.
Die Energiekrise von 1973/74 führte u.a. bei den Energie-Importländern
zu verbreiteter Unsicherheit der Energieversorgung.

Sie gab Ansporn zum Aus-

bau nuklearer Entwicklungen, insbesondere auf dem Gebiet der Schnellen Brüter,
und beschleunigte Projekte für eine baldige Rückgewinnung des Energiegehalts
verbrauchter Brennstoffelemente durch Wiederaufarbeitung in dem Bemühen, die Abhängigkeit von ausländischen Energiequellen zu verringern.

Der etwa zu diesem

Zeitpunkt durchgeführte Atombombenversuch Indiens, bei dem Plutonium verwendet
wurde, das in einem für friedliche Zwecke bestimmten, der Überwachung nicht
unterliegenden Reaktor erzeugt worden war, hob zusätzlich hervor, wie sehr man
auf Plutonium zusteuerte; von nun an war in Frage gestellt, ob die damals gültigen Schutzmaßnahmen zur Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen ausreichten.
Besorgt

�Besorgt darüber, daß die vorzeitige Kommerzialisierung von Technologien
(für die es noch keine hinreichenden Kontrollen gab) das bis dahin geschaffene
wirksame, aber zerbrechliche Schutzsystem unterminieren würde, vertraten die
Vereinigten Staaten eine Politik, die darauf abgestellt war, die Option auf
Nuklearenergie zu erhalten, gleichzeitig aber dem Verfall der bereits angewandten Beschränkungen einen Riegel vorzuschieben.

Die Vereinigten Staaten

beschlossen, landesweit die kommerzielle Wiederaufarbeitung auf unbegrenzte
Zeit zu stoppen und ihr Brutreaktorprogramm so umzubauen, daß alternative Entwicklungslinien zum Plutoniumbrü'ter Vorrang erhielten.

Auf internationaler

Ebene wurden Kontrollen für nukleare Exporte strenger gehandhabt; gleichzeitig
bemühten sich die USA um die Mitarbeit anderer Länder bei der Bewertung des
nuklearen Brennstoffzyklus, um so ein System zu schaffen, in dem die Besorgnisse aller Länder hinsichtlich Energieversorgung und Nonproliferation berücksichtigt würden.
Die USA, die sich der eindeutig supranationalen Natur und der wechselseitigen Abhängigkeit in der Anwendung der Kernenergie voll bewußt waren und
erkannt hatten, daß kein Land sich gegen die Konsequenzen ihres unsicheren
oder gefährlichen Gebrauchs andernorts abschirmen könne, hatten die Notwendigkeit hervorgehoben, daß die Völker gemeinsam dieses Ziel anstrebten. "Three
Mile Island" müßte nicht nur die Notwendigkeit für internationalen Anstrengungen zur Schaffung eines stabilen Systems bekräftigen, das Besorgnissen um die
Nonproliferation im Zusammenhang mit der berechtigten Forderung nach Deckung
des Energiebedarfs Rechnung trägt, sondern auch, wie bereits erwähnt, wertvolle zusätzliche Zeit für die Erreichung dieses Ziels verfügbar macht. Und
es sollte noch einmal die absolute Notwendigkeit weitreichender Übereinstimmung
in bestimmten Maßnahmen bekräftigen, nämlich: Verbesserung und Ausweitung
internationaler Sicherungsmaßnahmen; nach Möglichkeit Vermeidung sensitiver
Anlagen, die mit waffenfähigen Materialien zu tun haben, zusammen mit der Entwicklung institutioneller Vorkehrungen für eine wirksame multilaterale Kontrolle
in Fällen, in denen solche Anlagen nicht zu umgehen sind; und schließlich Entwicklung von Institutionen zur Ausweitung einer zuverlässigen Belieferung durch
die Gewährleistung stabiler, verläßlicher Quellen auf nicht-diskriminierender

�nicht-diskriminierender und wirtschaftlich vertretbarer Basis für alle Länder,
die sich an den Atomwaffen-Sperrvertrag halten.

Zusammen mit Maßnahmen, die

die politische und militärische Sicherheit stärken und prestigebedingten Anreizen (auch der militärischen Sicherheit) zur Proliferation entgegenwirken
kann uns ein solches System dem Ziel einer gegen die Weiterverbreitung von
Kernwaffen immunen Welt weitaus näher bringen - einer Welt, in der der Ausbau
und die Nutzung der Kernenergie den unter den Gesichtspunkten von Gesundheit,
Sicherheit und Umweltschutz notwendigen Bedingungen unterworfen ist.

Gelingt

es nicht, daß wir gemeinsam um diese Ziele ringen, könnte die Zukunft der Kernenergie - vielleicht unwiderruflich - in Frage gestellt sein.

- 5 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung äußert sich positiv zu SALT II&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Bemerkenswerter Fortschritt" für das Internationale Seerecht&lt;br /&gt;US-Botschafter Richardson optimistisch für nächste Plenarsitzung in New York&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Hugh O. Muir -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nukleartechnische Sicherheit und nukleare Absicherungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Lawrence Scheinman -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;</text>
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30. Mai 1984

INHALT

WIRTSCHAFT
US-Handelsminister weist auf starke wirtschaftliche Bindungen
zwischen Amerika und Europa hin
- Rede von Baldrige vor der amerikanischen Handelskammer in London

HINTERGRUNDMATERIAL
Die XXIII. Olympischen Spiele in Los Angeles
- (4) - "Drogendetektive" im Kampf gegen chemisch aufgeputschte
Athleten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Saturn-Ringe überraschend dünn
Nukleare Phasenanalyse
- Kostengünstiges Verfahren zur exakten Diagnose von
Herzfunktionsstörungen -

Um Uber/enduno von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�30. Mai 1984

22

US-HANDELSMINISTER WEIST AUF STARKE WIRTSCHAFTLICHE BINDUNGEN
ZWISCHEN AMERIKA UND EUROPA HIN

- Rede von Baldrige vor der amerikanischen Handelskammer in London -

LONDON - (AD) - Der Handelsminister der Vereinigten Staaten, Malcolm
Baldrige, hat in einer Rede vor der Amerikanischen Handelskammer in London am
21. Mai 1984 die starken wirtschaftlichen Bindungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Europa hervorgehoben.

Die Exporte der Europäischen Gemeinschaft

nach Amerika lägen heute um 40 Prozent höher als im Vorjahr und trügen wesentlich zum Aufschwung in Europa bei. Nur fünf Prozent dieses Handels seien umstritten und man habe bisher protektionistischen Tendenzen erfolgreich widerstanden.

Die Rede des amerikanischen Handelsministers hat folgenden Wortlaut:

Ich bin gerade von der Ministertagung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zurückgekehrt, wo wir über eine
Reihe von politischen Maßnahmen gesprochen haben, um das internationale Handels- und Finanzsystem mittelfristig zu stärken. Wir haben jenen politischen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�jenen politischen Maßnahmen besondere Aufmerksamkeit geschenkt, die den
wirtschaftlichen Aufschwung verlängern werden, der heute in all unseren
Ländern stattfindet - und zwar auf eine Weise, die dazu beiträgt, ein dauerhaftes Wachstum der Arbeitsplätze zu schaffen.

Ich bin überzeugt, daß

diese Maßnahmen eine wichtige Rolle in der Neubelebung des Verhältnisses
zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft spielen
werden.
Es ist in den letzten Monaten viel über die wirtschaftlichen Beziehungen
zwischen den USA und der EG gesagt worden, und wenn wir all den Presseberichten Glauben schenken wollten, dann haben wir nicht nur unter der Drohung
eines amerikanisch-europäischen Handelskrieges gelebt, sondern die Vereinigten Staaten haben sich auch entschlossen, Europa zugunsten Asiens aufzugeben.
Das sind völlig übertriebene Vorstellungen, und ich möchte heute dazu
etwas sagen.
Erstens, wovon man in jedem Falle ausgehen sollte, ist die absolute Bedeutung der amerikanisch-europäischen Beziehungen. Viele Europäer scheinen
zu glauben, die Vereinigten Staaten seien zu dem Schluß gekommen,daß ihre
Zukunft in Japan und den Ländern des Pazifischen Beckens liege - nicht in
Europa. Und sie folgern daraus, daß die Vereinigten Staaten bereit seien,
ohne Rücksicht auf die Belange Europas zu handeln.
Sicherlich hat das Wachstum der asiatischen Wirtschaft im letzten Jahrzehnt amerikanische Handelsinteressen berührt und einen großen Teil unserer
Aufmerksamkeit in Anspruch genommen - und damit tritt eine Veränderung der
Perspektive ein. Dies bewirkt jedoch keine Verschlechterung der amerikanischeuropäischen Wirtschaftsbeziehungen, sondern wir müssen härter daran arbeiten, unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu verbessern und die Vorteile aus
unserer starken wirtschaftlichen Interdependenz zu vergrößern.
Unsere globalen Wirtschaftsinteressen sind kein "Nullsummen-Spiel".

So

einfach läßt sich das nicht ausdrücken. Die wachsende Bedeutung Asiens verringert nicht die gegenseitige Bedeutung Europas und der Vereinigten Staaten.

Die Vereinigten Staaten sehen ihre Zukunft in Asien und in Europa - wie

auch in anderen Teilen der Welt. Wir geben niemanden auf, welche Meinungs- 2 -

�welche Meinungsverschiedenheiten wir auch haben mögen. Niemand in Europa
sollte daran zweifeln, wie ernst die Reagan-Administration diese Tatsache
nimmt.

Unser Verhältnis zur EG stellt die größte wirtschaftliche Partnerschaft
in der Welt dar. Zusammen schaffen wir A3 Prozent des Bruttosozialprodukts
der ganzen Welt. Jene, die darauf hinweisen, daß unser zweiseitiger Handel
im Werte von 90 Milliarden Dollar geringer sei als der amerikanisch-asiatische Handel, haben vergessen, das amerikanisch-europäische Investitionsverhältnis in Rechnung zu stellen. Und heute kann man nicht von Handel reden, ohne von Investitionen zu reden.

Zum Jahresende 1982 beliefen sich die amerikanischen Direktinvestitionen
in Europa auf rund 100 Milliarden Dollar - oder fast die Hälfte der amerikanischen Auslandsinvestitionen, und die europäischen Investitionen in den Vereinigten Staaten in Höhe von 68 Milliarden Dollar stellen zwei Drittel der gesamten ausländischen Investitionen in den Vereinigten Staaten dar.

Diese wirtschaftlichen Bindungen werden auf dem Hochtechnologie-Sektor
besonders deutlich.

Die Europäer ziehen Vorteile aus amerikanischen Tech-

nologien - wie Mikroelektronik, Software und Digitalschaltung - und amerikanische Firmen profitieren von der europäischen Führung auf solchen Gebieten
wie schnelle Landverkehrsmittel, elektronische Kontenführung und Videotext.

Handels- und Wirtschaftsprobleme zwischen USA und EG

Einige unserer Handelsprobleme sind ziemlich ernsthafter Natur. Sie
werden sich nicht leicht lösen lassen. So sind die Vereinigten Staaten
beispielsweise sehr besorgt über Absichten der EG, den Marktzugang amerikanischer Erzeuger von Nichtgetreide-Futtermitteln zu begrenzen. Wir haben
seit langem - und haben heute noch - große Sorgen über die landwirtschaftlichen Subventionen auf Märkten von Drittländern.

Darüber hinaus geben

jüngste Schritte der EG, den Marktzugang auf Gebieten der Hochtechnologie
zu verringern, ebenfalls Anlaß zu ernster Besorgnis.

Die Europäische Gemeinschaft wiederum ist besorgt über protektionistische
- 3 -

�über protektionistische Gesetzesvorlagen, die im amerikanischen Kongreß
eingebracht wurden, vor allem jene, die die Einfuhr von Wein und Stahl
beschränken würden. Auch die Anträge auf Anwendung der Befreiungsklausel der
Hersteller von unlegiertem Stahl und der Schuhindustrie sind Anlaß zur Sorge
in der EG. Und die EG macht sich auch Sorgen, daß das jetzt dem amerikanischen Kongreß vorliegende Gesetz über einheimische Anteile an Automobilen
den Protektionismus stärken würde, wenn es verabschiedet würde.
Unsere Aufgabe ist es, diese Probleme in befriedigender Weise zu lösen.
Wenn die Aufgabe auch schwer sein wird, so bin ich doch überzeugt, daß wir
über die Intelligenz und den Willen verfügen, sie zu lösen. Wir müssen uns
auch eine richtige Perspektive bewahren. Tatsache ist, daß nur etwa fünf
Prozent unseres Handels aktiv umstritten sind - nur fünf Milliarden Dollar
von 90 Milliarden Dollar. Unsere Aufgabe ist, dafür zu sorgen, daß diese
fünf Prozent nicht überquellen und sich auf die restlichen 95 Prozent auswirken, und das Aufkommen von protektionistischen Gefühlen zu unterdrücken.
Im großen und ganzen ist der transatlantische Handel recht offen und frei
von Schranken. Trotz unserer derzeitigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten
haben wir bisher den Forderungen nach Protektionismus auf beiden Seiten des
Atlantik erfolgreich widerstanden. Das müssen wir auch weiterhin tun.
Trotz des soliden wirtschaftlichen Aufschwungs in den Vereinigten Staaten
stehen wir in einigen Schlüsselindustrien noch immer vor ernsten strukturellen Problemen. Die wirtschaftlichen Probleme in der Europäischen Gemeinschaft sind sogar noch ernster. Während sich in Europa ein ermutigender Aufschwung abzuzeichnen beginnt, sind in der Gemeinschaft wenig Anzeichen für
einen Rückgang der Arbeitslosigkeit - von oft zweistelligen Zahlen - zu erkennen, und das ist Anlaß zu großer Sorge.
Wir haben einige wirtschaftliche Probleme gemeinsam. Wir leiden beide
unter strukturellen Problemen in unseren traditionellen Schwerindustrien.
Wir haben beide große Haushaltsdefizite. Und wir haben beide hohe Zinssätze.
Wir können diese Probleme nicht lösen, indem wir uns nach innen kehren
und unsere Märkte schützen wollen. Mehrere amerikanische Industriezweige

�amerikanische Industriezweige streben Schutz vor Importen an - und versuchen
den politischen Druck eines Wahljahres zu ihren Gunsten auszunutzen. Die
Gesetzesvorlagen für weltweite Stahlquoten und für die Forderung nach einheimischen Anteilen (bei Fahrzeugen) gehören zu den schlimmsten, die ich je
erlebt habe. Die Administration wird in ihrer Opposition gegen diese protektionistischen Forderungen nicht wankend werden - ob Wahljahr oder nicht. Protektionistische Maßnahmen würden nur zu höheren Preisen führen, Unzulänglichkeiten verewigen und unsere Handelspartner zwingen, ebenfalls zu protektionistischen Maßnahmen zu greifen.

Ich bin daher immer wieder überrascht, wenn ich höre, daß Europäer die
Vereinigten Staaten als protektionistisch bezeichnen - vor allem wenn ich Be
hauptungen höre, die Vereinigten Staaten würden Exportkontrollen als Mittel
benutzen, um amerikanischen Firmen einen Handelsvorteil zu verschaffen, indem
sie Westeuropa den Zugang zur Technologie verwehrten.

Exportkontrollen betreffen unsere eigenen Firmen und Exporte ebenso wie
europäische Firmen. Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß diese
Kontrollen notwendig sind - nicht nur für unsere Sicherheit, sondern auch für
die Sicherheit Europas.

Ich möchte hier klarstellen, daß wir nicht versuchen, den Technologietransfer zu unseren Verbündeten zu stoppen. Was wir versuchen ist, unsere
nationalen Sicherheitsanliegen mit der unbedingten Notwendigkeit offener
Märkte ins Gleichgewicht zu bringen. Und ich kann Ihnen versichern, die Vereinigten Staaten werden keine Maßnahmen ergreifen, die mit unseren Verpflichtungen im Rahmen unseres Koordinationskomitees (COCOM) nicht vereinbar wären.

Trotzdem sind einige europäische Beobachter der Ansicht, die Vereinigten
Staaten würden eine

Wirtschaftspolitik betreiben, die auf die Auswirkungen

keine Rücksicht nimmt- die diese auf Europa und die übrige Welt hätte, wobei
sie unterstellen, die hohen amerikanischen Zinsen würden Europa dazu zwingen,
gleichfalls die Zinsen hoch zu halten und die amerikanischen Zinsen würden
zur Folge haben, daß das Kapital Europa verläßt und in die Vereinigten Staaten abwandert. Dies sei ihrer Ansicht nach der Grund dafür, daß die europäischen Volkswirtschaften nicht rascher expandieren.

- 5-

Sicher erschweren

�Sicher erschweren die amerikanischen Zinssätze die wirtschaftlichen Probleme in Europa, aber auch wenn es politisch gelegen kommt, so ist es doch
unrichtig, zu behaupten, das amerikanische Haushaltsdefizit und die amerikanischen Zinsen seien der Hauptgrund für das langsame Wachstum in Europa.
Eine ganze Menge europäischer Wirtschaftsprobleme sind eindeutig hausgemacht
und sollten auch als solche angesehen werden, einschließlich natürlich mancher umfangreicher Defizite der öffentlichen Haushalte.

Lassen Sie mich darauf hinweisen, daß jüngste Erklärungen über Kapitalabflüsse aus Europa in die Vereinigten Staaten sich auf die relativ großen und ungewöhnlichen - Kapitalströme des zweiten und dritten Quartals 1983 beziehen. Die jüngsten Daten zeigen keine signifikanten Abflüsse aus Europa
zum Jahresende.

In Wirklichkeit ist die Stärke der amerikanischen Volkswirtschaft einer
der Hauptfaktoren hinter der derzeitigen wirtschaftlichen Erholung in Europa.

Die diesjährigen Exporte der Gemeinschaft in die Vereinigten Staaten

liegen um erstaunliche 40 Prozent über dem Niveau vom vergangenen Jahr. Dieser Exportaufschwung stellt 0,5 Prozent des zweiprozentigen Zuwachses des
Bruttosozialproduktes dar, den die EG für 1984 erwartet - mit anderen Worten,
etwa ein Viertel des für dieses Jahr erwarteten Gesamtzuwachses der Gemeinschaft.

Und ich meine, man sollte darauf hinweisen, daß die amerikanische Regierung bereit ist, dieses Jahr ein noch nie dagewesenes Gesamthandelsdefizit
von 115 Milliarden Dollar zu akzeptieren, ohne in größerem Maß zu protektionistischen Maßnahmen zu greifen. Dies hat den Entwicklungsländern mit ihrem
so überaus ernsten Schuldenproblem weit mehr geholfen, als dies durch irgendeine direkte Hilfsmaßnahme hätte geschehen können.

Daher sind die Unterstellungen, die Vereinigten Staaen würden die europäische Volkswirtschaft ernsthaft schwächen, unglücklich, schaffen sie doch
eine Atmosphäre der Enttäuschung in unseren Beziehungen.

Zudem stellen sie

nicht das in Rechnung, was die Vereinigten Staaten zum Vorteil Europas tun.

Ich bin der Überzeugung, daß das wichtigste, was wir für Europa tun kön-

�tun können, die Fortsetzung einer soliden, nichtinflationären Konjunkturbelebung in den Vereinigten Staaten ist. Dies aber bewirkt die Politik des
Präsidenten.

Die Vereinigten Staaten befinden sich in einer Periode der starken Expansion.

Unser Bruttosozialprodukt stieg im vergangenen Jahr um über sechs Pro-

zent, dürfte dieses Jahr um fünf Prozent und im nächsten Jahr um vier Prozent
steigen. Der Grund hierfür sind harte Entscheidungen, die der Präsident getroffen hat und zu denen er auch steht. Es liegt aber auch daran, daß die
Produktionskosten gesenkt werden konnten und die Arbeitnehmer ihre Forderungen zurückgeschraubt haben.

Das Hauptproblem ist natürlich das Haushaltsdefizit sowie die Befürchtung, daß es die Zinsen in die Höhe treiben und die Wirtschaft schädigen
könnte.
Aus mehreren Gründen heraus kann ich nicht sehen, warum das Defizit und
die Zinssätze die amerikanische Volkswirtschaft dieses Jahr bedrohen sollten.

Erstens deuten jüngste Daten darauf hin, daß sich unser Wachstum abzuschwächen beginnt, wie dies in diesem "tadium der wirtschaftlichen Expansion
typisch ist. Wir erwarten keine überhitzte Volkswirtschaft, die die Inflation und die Zinsen nach oben treiben würde.

Zweitens haben Steuergesetzänderungen sowie vermehrte Unternehmensgewinne
die Notwendigkeit für die Wirtschaft verringert, sich Gelder auf dem Kapitalmarkt zu beschaffen.

Drittens verzeichneten die einzelnen Bundesstaaten sowie die Kommunen
insgesamt ein Plus, was bedeutet, daß für den Privatsektor mehr Mittel für
Kredite bereitstehen.

Mittel- und langfristig gesehen müssen wir jedoch daran arbeiten, das
Defizit zu senken. Wir haben mit dieser Arbeit begonnen, indem wir uns mit
dem Kongreß um ein Abkommen bemühen, nunmehr eine erste Tranche von 1,4 Milliarden Dollar von dem Defizit zu begleichen. Und die erste Aufgabe der nächsten Administration - die, wie ich meine, der Anfang von Präsident Reagans
- 7 -

�Präsident Reagansweiter Amtsperiode sein wird - wird darin bestehen, dieses
Defizit noch weiter zu verringern. Das Defizit wird diesen Herbst im Wahlkampf eine der wesentlichsten Fragen sein. Und die Frage ist nicht- ob man
das Defizit auf einen Weg nach unten bringen soll oder nicht - denn jeder ist
natürlich dafür. Die Frage ist, wie man es stärker verringern kann: Durch
Kürzung der öffentlichen Ausgaben oder durch Erhöhung der Steuern. Aber ich
bin zuversichtlich, daß wir es schaffen werden.
Der Präsident steht zu seinem Wirtschaftsprogramm des stabilen Wachstums,
das sich darauf gründet, unproduktive Regelungen und Vorschriften zu beseitigen, die Steuern und die Ausgaben im Zaum zu halten und den Geldumlauf nur
moderat ansteigen zu lassen. Dies ist seit vielen Jahrzehnten seine Wirtschaftsphilosophie - und das ist der Grund, warum er als Präsident so beständig ist. Diese Beständigkeit der Zielsetzung ist für die Vereinigten Staaten
gut - und ich glaube, sie ist auch für Europa gut.
Nächsten Monat, wenn der Präsident nach London zum Wirtschaftsgipfel
kommt, wird er erneut die engen Bande der Vereinigten Staaten mit Europa
bekräftigen.

•

�30. Mai 1984

22

DIE XXIII. OLYMPISCHEN SPIELE IN LOS ANGELES
- (4) "Drogendetektive" im Kampf gegen chemisch aufgeputschte Athleten -

-(AD)- Die Olympischen Spiele in Los Angeles werden die drogenfreieste Veranstaltung dieser Art seit Jahrzehnten sein. Mittels des
ausgefeiltesten Drogentestverfahrens in den Annalen der Olympischen
Spiele wird es möglich sein, jeden Athleten ausfindig zu machen, zu
überführen und zu disqualifizieren, in dessen Organismus sich auch nur
die geringste Spur einer verbotenen Droge findet.

"Die Überprüfungen werden so gut wie unfehlbar sein," warnt Dr. Kenneth Clarke, der Leiter der Abteilung Sportmedizin des Olympischen Komitees der Vereinigten Staaten.

Könnte dies bei der Absage der Teilnahme der sowjetischen und ostdeutschen Mannschaften eine Rolle gespielt haben ?

Daß im Ostblock Drogen verwendet werden, "wird allgemein angenommen,"
sagt Clarke, obwohl ein Beweis nicht geführt werden kann. Aber "jedes
Land, dessen Sportlern es in der Vergangenheit gelungen ist, die Kontroll-

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�die Kontrollverfahren zu überlisten, sollte sich eindeutig vorsehen, wenn
es sie nach Los Angeles reisen läßt," meint Clarke.

Wie er darlegt, sind die Osteuropäer nicht die einzigen, die man im
Verdacht hat. "Jedes Land weiß, daß seine Sportler jetzt getestet werden
können. Es ist allgemein bekannt, daß die Verwendung von Drogen nicht zu
verbergen ist," sagt er.

Laut Clarke hat bereits die Drohung, daß sie getestet werden könnten,
viele Sportler vom Drogengebrauch abgehalten.

Bei der Olympiade wird jeder Medaillengewinner nach jedem Wettkampf
überprüft werden - und ebenso eine Reihe von Athleten, die man in einem
Zufallsverfahren herausgreifen wird. Wenn ein solcher Test positiv ausfällt, wird man dem oder der Betreffenden die gewonnene Medaille aberkennen - und ebenso der ganzen Mannschaft, falls es um eine Mannschaftsdisziplin geht.

Die amerikanischen Sportler werden eine doppelte Hürde zu nehmen
haben. Bei den Ausscheidungswettkämpfen für die amerikanische Olympiamannschaft wird jeder rigoros getestet werden, noch bevor er bei den
Spielen eintrifft. Jeder, der den Test nicht besteht, wird ausgeschlossen
werden.

Jeder Mannschaftsführer, Arzt oder Trainer, der dabei ertappt wird,
daß er einem Sportler beim Drogengebrauch behilflich ist oder daß er ihn
dazu ermutigt hat "zumindest" die gleichen Strafen zu gewärtigen, warnt
das Olympische Komitee der Vereinigten Staaten.

"Wie lange ein Athlet gesperrt bleibt, mag von Sportart zu Sportart
verschieden sein," meint Clarke. "Wir sagen nur: Die Mannschaftsuniform
bei den Olympischen Spielen darfst du nicht tragen."
Obwohl Clarke nur einem kleinen Teil der amerikanischen OlympiaAnwärter den Gebrauch verbotener Drogen zutraut, meint er, daß "innerhalb
dieser kleinen Gruppe wohl die meisten begriffen haben, wie die Dinge

- 2 -

�die Dinge liegen." Die, die es nicht begriffen haben, "werden es dann
eben bei der Überprüfung auf die harte Tour beigebracht bekommen," fügt
er hinzu.

Die große Mehrheit der amerikanischen Sportler befürwortet das Testverfahren. Hürdenläufer Edwin Moses drückt es so aus: "Ich meine, daß ich
von vornherein im Nachteil bin, wenn ich gegen Leute antreten muß, die
Steroide oder sonst etwas gebrauchen."
Bei Lauf- und Schwimmwettkämpfen und bei den Ausscheidungswettkämpfen
für die Winterolympiade haben sich bereits 300 amerikanische Sportler formellen Drogentests unterzogen.

"Es ist schon eine sehr positive Sache," meint Clarke. "Sie hatten es
satt, sich Anschuldigungen wegen Drogengebrauch anzuhören, nur weil sie
gewonnen hatten. Jetzt können sie den Kopf hoch tragen; niemand kann ihnen mehr vorwerfen, daß sie Drogen nehmen."

Die ersten olympischen Drogentests wurden im Jahre 1968 bei den
Spielen in Mexico City angeordnet - ein primitiver Test auf Aufputschmittel wie z.B. Amphetamine und Kokain.

In München im Jahre 1972 kamen dann anabolische Steroide hinzu. Bei
den Weltmeisterschaften in Helsinki im Sommer letzten Jahres wurden Tests
auf Steroide und Testosteron durchgeführt, aber das Laborverfahren war
noch unvollkommen. Obwohl sich Berichten in der europäischen Presse zufolge herausgestellt hatte, daß der Organismus einiger Sportler einen hohen
Testosteronspiegel aufwies, wurde offiziell keiner namhaft gemacht, weil
er den Bedingungen des Tests nicht genügt habe.

Zwei Wochen später bei den panamerikanischen Spielen in Caracas,
Venezuela, wandelte sich das Bild bei den Drogentests dann von Grund auf.

Diesmal wurden die Tests von Dr. Manfred Donike aus Köln durchgeführt. Seine von der amerikanischen Firma Hewlett-Packard hergestellten
Gaschromatographen und Massenspektrometer, die von einer eingespielten

- 3 -

�einer eingespielten Mannschaft bedient wurden, konnten noch Spuren von
Drogen in einer Größenordnung von nur einem Teil auf eine Milliarde
nachweisen.

Insgesamt wurden 15 Sportler aus zehn Ländern ertappt - und viele
andere zogen es vor, die Stadt unvermittelt zu verlassen anstatt sich dem
Test zu stellen. Einigen, darunter dem amerikanischen Gewichtheber Jeff
Michels, wurden die gewonnenen Medaillen aberkannt.

Michels wurde von den olympischen Ausscheidungswettkämpfen ausgeschlossen, obwohl er behauptete, daß die Testergebnisse falsch gewesen
seien. Es gelang ihm, eine einstweilige Verfügung zu erwirken, die es ihm
gestattete, sich an den Qualifikationswettbewerben für die amerikanische
Olympiamannschaft zu beteiligen, und er konnte sich für einen Platz als
Ersatzmann qualifizieren, den er so lange innehaben wird, bis das Gericht
zu einem endgültigen Urteil kommt. Vor den Ausscheidungswettbewerben
mußte er sich natürlich einem Test unterziehen; die Laborergebnisse liegen noch nicht vor.

"Bis zu dem Zeitpunkt war die Haltung aller Länder immer zynischer
geworden," meint Clarke. "Ganz gleich, was wir auch sagten, unsere Sportler nahmen an, daß die Haltung unserer Gesellschaft nichts als Heuchelei
sei und daß sie sie in Wirklichkeit passive ermutige."

"Nach Caracas merkten sie dann aber, daß es uns um den Schutz ihrer
Gesundheit ging," fügt Clarke hinzu.
Im November letzten Jahres wurde dann offiziell bestätigt, daß das
Labor der Universität von Kalifornien in Los Angeles den gleichen Leistungsstandard erreicht habe, wie das in Köln. "Wir fingen sofort mit
unserem Programm an," sagt Clarke.

Das Labor der Universität von Kalifornien wird alle Tests für die
amerikanischen Ausscheidungswettkämpfen für die olympischen Spiele und
auch für die olympischen Spiele selbst durchführen; Köln wird nötigenfalls Hilfestellung leisten.
Dr. Don Catlin

�Dr. Don Catlin ist der Leiter des neuen, mit einem Kostenaufwand von
zwei Millionen Dollar errichteten Labors, dessen Mitarbeitern vom Internationalen Olympischen Komitee offiziell die Rolle von "Doping-Detektiven" bei den Sommerspielen zugewiesen worden ist.
F. Don Miller, der geschäftsführende Direktor des amerikanischen Olympischen Komitees, sagt: "Wir müssen diese Gefahr ein für allemal beseitigen und das Image des "chemisch aufgeputschten Athleten" aus der Welt
schaffen. Wir wollen die beste Olympiamannschaft der Geschichte aufstellen, eine Mannschaft, die über alle Zweifel erhaben ist." Er hat "dem Drogengebrauch den Krieg erklärt" und allein für das erste Jahr des Programms Mittel in Höhe von 250 000 Dollar bereitgestellt.

Eine der ersten Entscheidungen, die getroffen wurden, war, jedes Mitglied der amerikanischen Mannschaft für die Winterolympiade zu testen,
und zwar bevor er oder sie auch nur das Flugzeug nach Sarajevo besteigen
konnte.
"Wir haben vollkommen freie Hand," sagt Clarke. "Wir haben die modernste Ausrüstung der Welt. Das Labor der Universität von Kalifornien bekommt seine Gelder vom Organisationskomitee für die olympischen Spiele in
Los Angeles. Wir sind im Vorteil weil die Spiele in unserem Land stattfinden."
Die meisten anderen Labors haben ihren Sitz in Europa. Wie Clarke
sagt, gibt es in Skandinavien zwar modern eingerichtete Labors, denen
aber die gewaltigen Geldmittel fehlen, die für das amerikanische Programm
zur Verfügung stehen.

"Wir würden anderen Labors in jeder erdenklichen Weise helfen, ihre
Leistungsfähigkeit zu steigern," beteuert Clarke. Die Vereinigten Staaten
seien ganz besonders bemüht, Afrika und Lateinamerika bei der Entwicklung
eigener wirksamer Testprogramme behilflich zu sein. "Wir hoffen, daß das
Internationale Olympische Komitee den Labors überall auf der Welt Geldmittel zukommen lassen wird, so daß alle Sportler getestet werden können,"
erklärt Clarke.
Das Gefährliche

�Das Gefährliche an den Drogen ist nicht einfach nur der Vorteil, den
sie denen, die sie gebrauchen, im Wettkampf verschaffen - oder auch
nicht. Das eigentliche Problem liegt in der Gefährdung der Gesundheit der
Sportler.

"Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind dies alles jedoch ziemlich akademische Fragen," sagt Clarke. "Diejenigen, deren Organismus jetzt nicht sauber ist, werden ihn bis zu den olympischen Ausscheidungswettkämpfen oder
bis zu den eigentlichen Spielen auch nicht mehr sauber bekommen."

Wie Clarke meint, gibt es nur einen Weg, das Testsystem zu überlisten: Er besteht darin, ganz einfach keine der Drogen zu nehmen, die auf
der schwarzen Liste stehen.

+ ++ ++

- 6-

�22

30. Mai 1984

SATURN-RINGE ÜBERRASCHEND DÜNN

- (AD) - Für die Signale, die die Raumsonde VOYAGER 1 aus einer Position 200 000 km jenseits des Planeten Saturn zur Erde schickte, war das
Ringsystem ein Störfaktor. Diesen Funkschatten nutzten Prof. G. Leonard
Tyler und Howard A. Zebker, beide vom Department für Elektrotechnik der
Stanford-Universität, für ein neues Verfahren zur Dickenmessung der Saturn-Ringe. Die Physiker kamen zu dem Ergebnis, daß zum Beispiel der Außenring A höchstens 45 m, der planetennahe Ring C sogar nur 9 m dick sein
könne.

Entgegen früheren Meßergebnissen mit stationären Fernrohren, die

Dicken bis zu 1260 m vermuten ließen, hatten die von den beiden VOYAGERSonden übermittelten Daten schon bald vermuten lassen, daß diese Werte
viel zu hoch angesetzt waren.

Der Außenring hat 274 000 km Durchmesser, was dem Zehnmillionenfachen
seiner Dicke entspricht. Die mehr oder weniger deutlich voneinander abgesetzten Ringe - zwölf, in Tausende von Segmenten unterteilt, wurden bisher ausgemacht - scheinen aus Milliarden von Eisbrocken zu bestehen, deren Größe von der eines kleinen Kieselsteins bis zu neun Meter großen
Blöcken reicht. Die meisten dürften zwischen drei und sieben Zentimeter

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Telex: 8-85432

�sieben Zentimeter Durchmesser haben. Obgleich die Partikel deutlich eingegrenzt sind, befinden sie sich nicht alle in derselben Ebene. Zebker
nimmt als Ursache einen Kopplungseffekt mit einer äußeren Kraft an. Die
Störungen könnten sich durch Satelliten des Saturn, das Innere oder das
Magnetfeld des Planeten, vielleicht auch durch das Eindringen von
Meteoriten in den Ringbereich ergeben.

Es sei anzunehmen, so Prof. Tyler, daß die Dicke der Ringe um den Planeten ziemlich konstant sei. Man habe Dickengrenzen an einer Anzahl von
Punkten ausgemacht; der Bereich liege überall unter der Grenze von 150
bis 180 m.

Andere Wissenschaftler errechneten, daß die einzelnen Parti-

kel auf ihrer Bahn um den Saturn eine "Lebensdauer" von 100 000 bis eine
Million Jahren haben. Sie schmelzen nicht, kollidieren aber ständig mit
anderen Partikeln und werden dadurch aufgebrochen oder allmählich zermahlen.

Aber zu einem späteren Zeitpunkt können Partikel auch wieder zusam-

menkommen, sich an andere anlagern und wachsen - ein ständiger Zyklus des
Ab- und Aufbaus.
Für die Farbunterschiede gibt es noch keine zufriedenstellende Erklärung.

Zebker vermutet unterschiedliche Spurenelemente innerhalb eines,

jeden Ringes, andere Forscher nehmen das Vorhandensein mehrerer verschiedener chemischer Verbindungen an. Auch könnten die leichten Farbunterschiede nur oberflächlicher Natur sein und vielleicht nur für die äußerste Schicht der Partikel gelten. Als interessant wird die Feststellung gewertet, daß die offenbar zwischen den Ringen vorhandenen Bänder
mit den gleichen Partikeln angefüllt sind, diese jedoch eine ganz andere
Verteilung haben. Die Partikel, die das Ringsystem bilden, rotieren
nicht als Masse, sondern einzeln um den Planeten; die Umlaufgeschwindigkeit ist im inneren Bereich höher als bei größerem Abstand vom Saturn.
Da das Ringsystem zur Ebene des Sonnensystems geneigt ist, wird je nach
"Jahreszeit" einmal die eine und dann die andere Oberfläche von der Sonne
angestrahlt. Ein Saturnjahr dauert ca. 29,5 Erdenjahre.

Die von VOYAGER übermittelten, auf ihrem Weg zur Erde von den
Ringpartikeln gestörten Funksignale wurden in Madrid empfangen und dort
auf Magnetbändern aufgezeichnet.

Im Jet Propulsion Laboratory (Pasadena,
- 2 -

�Laboratory (Pasadena, Kalifornien) wurden die Magnetbandaufnahmen zunächst für die Computerauswertung aufbereitet. Seit Mitte 1981 befassen
sich die Wissenschaftler an der Stanford-Universität mit der Analyse.
Wenn VOYAGER 2 im Januar 1986 am Planeten Uranus eintrifft, sollen Messungen zur Untersuchung des Uranus-Ringsystems nach dem gleichen Verfahren
wie bei Saturn durchgeführt werden.

*

�22

30. Mai 1984

NUKLEARE PHASENANALYSE

Kostengünstiges Verfahren zur exakten Diagnose von
Herzfunktionsstörungen -

- (AD) - Eine genaue Diagnostik bei bestimmten Funktionsstörungen in einzelnen Herzabschnitten, die bisher nur durch Einführen eines Katheders über
eine Vene ins Herz, eventuell kombiniert mit Kontrastmitteldarstellungen, möglich war, erlaubt das nicht-invasive Verfahren der sogenannten nuklearen Phasenanalyse. Zunächst für Forschungszwecke entwickelt, wurde es unter der Leitung von Dr. Michael W. Dae am Klinikum der Universität von Kalifornien in San
Francisco und an einigen Zentren in den Vereinigten Staaten erprobt. Angesichts der guten Ergebnisse wird jetzt in San Francisco mit der klinischen Anwendung begonnen.

Die Technik ist in zwei Abhandlungen beschrieben, die Mitarbeiter Dr. Daes
zur Tagung der American Federation for Clinical Research" in Carmel, Kalifornien, einreichten.

Die schwache Strahlung eines in ein Blutgefäß einge-

spritzten radioaktiven Isotops, das in die Herz- und Lungenregion gelangt,
wird von einer Spezialkamera erfaßt. Aufgrund der Verteilung bzw. Anreiche-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�bzw. Anreiche ung des Indikators im schlagenden Herzen lassen sich beispielsweise anomale Kontraktionsvorgänge mit zu raschem oder unregelmäßigem Herzschlag (hervorgerufen durch elektrische Überleitungsstörungen) beobachten.
Ebenso ist der Grad von Herzfunktionsstörungen besser zu erkennen, die durch
geschädigte und undichte Herzklappen verursacht werden. Wie Dr. Dae erklärte,
existierten keine anderen nicht-invasiven Diagnoseverfahren, die die visuelle
Beobachtung und Analyse erlauben.

+ + + + +

- 2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Handelsminister weist auf starke wirtschaftliche Bindungen zwischen Amerika und Europa hin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Baldrige vor der amerikanischen Handelskammer in London -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die XXXIII. Olympischen Spiele in Los Angeles&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- (4) - "Drogendetektive" im Kampf gegen chemisch aufgeputschte Athleten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Saturn-Ringe überraschend dünn&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nukleare Phasenanalyse&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kostengünstiges Verfahren zur exakten Diagnose von Herzfunktionsstörungen -&lt;/em&gt;</text>
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Rede von Präsident George Bush
anläßlich seines Besuchs in der Bundesrepublik Deutschland
am30./31.Mail989
in der Rheingoldhalle in Mainz

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Für ein ungeteiltes freies Europa

Vielen Dank Herr Bundeskanzler. Herr Oberbürgermeister, verehrte Gastgeber.
Ich möchte ebenfalls den beiden amerikanischen
und deutschen Orchestern und dem Chor für ihre mitreißenden Darbietungen danken.
Ihnen. Herr Bundeskanzler, gebührt mein besonderer Dank, daß Sie mich bei meinem ersten Staatsbesuch in der
Bundesrepublik Deutschland in diese schöne alte Stadt eingeladen
haben. Soeben haben Herr Kohl und ich beim NATO-Gipfel in Brüssel
unsere Beratungen beendet, und damit sind ausgezeichnete Arbeitsbeziehungen zwischen uns in unserer Eigenschaft als Bundeskanzler
und Präsident aufgenommen worden.
Es heißt, hier in Mainz an den Ufern des Rheins und im Herzen der Weinberge und Dörfer sei die deutsche Seele zuhause.
Mainz ist also der geeignete Ort für die Ansprache eines amerikanischen Präsidenten an die Bundesbürger.
Heute möchte ich nicht nur über unsere gemeinsame Verteidigung, sondern über unsere gemeinsamen Werte sprechen.

Ich möchte

nicht nur Fragen anschneiden, die den Verstand betreffen, sondern
an die im Innersten gehegten Hoffnungen appellieren.

Die erste Aufgabe der NATO
Erst
deutschen

heute morgen waren Barbara und
Studentengruppe

beeindruckt

die einen Teil ihrer Studienzeit
bracht hatten.

-

ich von einer

klugen

kleinen

jungen Menschen,

in den Vereinigten Staaten ver-

Ihr Wissen über mein Land und die Welt war. gelin-

de gesagt, eindrucksvoll.

Leider

scheinen

jedoch viele Menschen

im Westen - Amerikaner und Europäer gleichermaßen - die Lektionen
- 1 -

�unseres gemeinsamen Erbes und dessen, wie die Welt in ihrer heutigen Gestalt zustandegekommen ist. vergessen zu haben. Das kann
und darf nicht sein. Wir müssen uns vor Augen führen, daß die
jetzt in Amerika und Europa heranwachsende Generation ein größeres
Erbe antritt, als es jeder Generation vor ihr hinterlassen wurde Frieden. Freiheit und Wohlstand.
Dieses Erbe ist möglich, weil sich vor vierzig Jahren die
Länder der westlichen Welt in einer großen gemeinsamen Sache - der
NATO - zusammengeschlossen haben.
Zuerst gab es die Vision und
damit ein Konzept von freien Völkern, die in Europa und Nordamerika zum Schutz ihrer Werte zusammenarbeiten. Dann wurden die Risiken und Lasten aufgeteilt und der sowjetische Expansionismus realistisch eingeschätzt. Schließlich war man entschlossen, über alte Feindschaften hinwegzusehen. Das NATO-Bündnis leistete nichts
Geringeres als Westeuropa den Weg zu bereiten, um jahrhundertelange Rivalitäten zu begraben und ein Zeitalter der Versöhnung und
des Wiederaufbaus einzuleiten. Dies war eine zweite Renaissance
Europas.
Wie Sie wissen, ist dies nicht nur der 40. Jahrestag des
Bündnisses. Es ist auch der 40. Jahrestag der Gründung der Bundesrepublik Deutschland - einer Republik, die aus der Hoffnung geboren wurde, aber auch Herausforderungen bestehen mußte. Auf dem
Höhepunkt der Berlinkrise forderte Ernst Reuter die Deutschen auf.
Standhaftigkeit und Vertrauen zu zeigen, und das haben sie getan mutig und großartig.
Die im Verlauf der Geschichte oftmals unter Beweis gestellten Gaben des deutschen Volkes kommen in diesem Zeitalter des
Friedens zum Tragen. Die Bundesrepublik nimmt in der Technologie
eine Spitzenstellung ein und ist viertgrößte Wirtschaftsmacht der
Welt. Aber noch wichtiger ist die Tatsache, daß Sie der Welt ein
Zeichen gesetzt haben, indem Sie sich wirkungsvoll für Grundwerte
wie Menschenrechte, Demokratie und Freiheit einsetzen. Die Amerikaner und die Bundesrepublik waren immer enge Freunde und Verbündete.
Heute übernehmen wir darüber hinaus noch eine
Aufgabe - als Partner in einer Führungsrolle.
- 2 -

gemeinsame

�Und natürlich ist diese Führungsrolle fest mit einem weiteren Element verbunden - Verantwortung.
Und unsere Verantwortung
besteht darin, daß wir vorausschauen und die Verheißungen der Zukunft verwirklichen können.

Die zweite Aufgabe der NATO:

Ein ungeteiltes und freies Europa

Ich habe in jüngster Zeit darauf verwiesen, daß wir an der
Schwelle

zu einem

neue Politik

neuen

gegenüber

Zeitalter

der

stehen.

Sowjetunion

Und

ich habe unsere

als Überwindung

des Con-

tainment bezeichnet.
Seit vierzig Jahren liegt die Saat der Demokratie in Osteuropa brach, begraben unter der im Kalten Krieg gefrorenen Erde der
Tundra.
Seit vierzig Jahren wartet die Welt auf ein Ende des Kalten
Krieges.
Jahrzehntelang und immer wieder wurde der schöpferische
Geist des Menschen Opfer von Krisen und Unterdrückung.
Und die Welt hat lange gewartet.
Aber
ewig

der

verwehrt

Zeit ist reif.

leidenschaftliche
werden.

Die Welt

Wunsch
hat

nach Frieden

kann nicht

lange genug gewartet.

Die

Europa muß frei und ungeteilt sein.

Für die Gründerväter des Bündnisses war diese Hoffnung ein
ferner Traum. Jetzt ist diese Hoffnung die neue Aufgabe der NATO.
Wenn sich alte Gegner wie Großbritannien und Frankreich oder
Frankreich und Deutschland versöhnen können - warum können es dann
nicht die Länder in Ost und West? In Osteuropa weisen uns tapfere
Zeitgenossen den Weg. Nehmen wir Polen, wo die Gewerkschaft Solidarität und die Katholische Kirche zugelassen worden sind.
Die
Kräfte der Freiheit treiben den sowjetischen Status quo in die Defensive.
- 3 -

�Im Westen hatten wir Erfolg, weil wir unseren Werten und unserer Vision treu geblieben sind. Aber auf der anderen Seite des
rostigen Eisernen Vorhangs konnte die Vision nicht verwirklicht
werden.
Der

Kalte Krieg

begann

mit

der

Teilung Europas.

Er

kann

nur beendet werden, wenn die Teilung Europas aufgehoben ist.
Diese Politik eines geteilten Europas steht heute auf dem
Prüfstand.
Und unsere Hoffnungen sind besonders hochfliegend,
weil die Teilung Europas nicht von Armeen in Frage gestellt wird,
sondern von der Verbreitung von Ideen, die genau hier ihren Ursprung hatte. Ein Sohn der Stadt Mainz. Johannes Gutenberg, hat
durch die Macht des gedruckten Wortes den Verstand der Menschen
beflügelt.
Dieselbe befreiende Macht tritt heute auf hundert verschiedene Arten zutage. Mit Hilfe der "Stimme Amerikas" und der "Deutschen Welle" sind wir in der Lage. Millionen von Menschen in Osteuropa und auf der ganzen Welt aufzuklären. Durch Fernsehsatelliten können wir Zeuge von Ereignissen in den Danziger Werften und
auf dem Platz des Himmlischen Friedens werden. Aber die Impulse
für Freiheit gehen nicht nur vom gedruckten Wort, dem Radio oder
dem Fernsehschirm aus. Sie entstehen aus der Macht einer einzigen Idee - der Demokratie.
Diese eine Idee fegt über Eurasien hinweg.
Diese eine
Idee bewirkt einen Umbruch in der kommunistischen Welt von Budapest bis Peking. Für die führenden Politiker Osteuropas gibt es
keine Freiheit um der Freiheit willen. Aber was ihre Beweggründe
auch sein mögen - sie setzen eine Kraft frei, die sie nur sehr
schwer kanalisieren oder kontrollieren können - den Hunger der
unterdrückten Völker nach Freiheit, von der sie einen Vorgeschmack
bekommen haben.
Nirgendwo tritt dies deutlicher zutage als in Osteuropa, der
Wiege des Kalten Krieges.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges hat die

sowjetische Armee in Polen die freien Wahlen verhindert, die
- 4 -

�Stalin in Jalta versprochen hatte. Heute unternehmen die Polen
ihre ersten Schritte in Richtung auf die so lang versprochenen und
so lang verschobenen freien Wahlen. Und in Ungarn können wir endlich die Chance eines Wettbewerbs mehrerer Parteien an der Wahlurne feststellen.
In meiner Eigenschaft als Präsident werde ich alles in meiner Macht Stehende
europas

zu

Deutschland

tun. um die geschlossenen Gesellschaften Ost-

öffnen.
und

alle

Wir

streben

Länder

die

Selbstbestimmung

Osteuropas

ruhen und uns nicht beirren lassen.

an.

Wir

für

werden

ganz
nicht

Die Welt hat lange genug ge-

wartet.
Aber die Reise der Demokratie nach Osteuropa ist nicht einfach. Intellektuelle wie der tschechische Dramatiker Vaclav Havel
arbeiten immer noch im Schatten der Unterdrückung. Unfreiheit beherrscht immer noch das Leben zu vieler Völker Osteuropas. Barrieren und Stacheldraht schließen immer noch viele Länder ein.
Wenn ich in diesem Sommer nach Polen und Ungarn reise, werde ich
diese Botschaft übermitteln:
Es kann kein gemeinsames europäisches Haus geben, wenn sich nicht all seine Bewohner von Raum zu
Raum frei bewegen können.
Und ich werde noch eine Botschaft mit dorthin nehmen: der
Weg der Freiheit führt in ein größeres Haus - ein Haus, in dem
West und Ost zusammentreffen, ein demokratisches Haus - den Staatenbund freier Nationen.
Ich habe angekündigt, daß wir mit den positiven Schritten
der Sowjetunion gleichziehen würden. Aus diesem Grunde habe ich
am 12. Mai die Bereitschaft bekundet, den Sowjets gegenüber vorläufig die Aussetzung der Jackson-Vanik Handelsbeschränkungen in
Betracht zu ziehen, wenn sie im Gegenzug ihr Ausreiseverfahren
lockern. Deshalb habe ich auch am Montag verkündet, daß die Vereinigten Staaten bereit sind, die Regel "ohne Ausnahme" fallenzulassen, die unser Konzept zur Kontrolle von Technologieexporten in
die Sowjetunion geleitet hat - das heißt, ich habe Sanktionen aufgehoben, die als Reaktion auf den Einmarsch in Afghanistan verhängt worden waren.
- 5 -

�In demselben Geist habe ich vier Vorschläge unterbreitet, um
die tragische Teilung Europas zu beseitigen und dazu beizutragen,
daß Europa frei und ungeteilt sein wird.

Pluralismus
Erstens schlage ich vor. daß wir den KSZE-Prozeß stärken und
ausbauen, um in Osteuropa freie Wahlen und politischen Pluralismus
zu fördern.

Unsere Erwartungen sollten in dem Maße steigen wie

die Kräfte von Freiheit und Demokratie in Osteuropa zunehmen.
Die Verbindung der vereinzelten Freiheitsbestrebungen in
Osteuropa ist eine große Aufgabe für die westlichen Demokratien.
Dabei müssen insbesondere die großen politischen Parteien im
Westen eine historische Verantwortung übernehmen - den tapferen
Menschen mit Rat und Tat zur Seite stehen, die erstmals repräsentative politische Parteien in Osteuropa gründen und mit der Förderung von Freiheit und Demokratie den Eisernen Vorhang öffnen
wollen.

Glasnost für Berlin
Diese Öffnung hat bereits begonnen. Die Grenze aus Stacheldraht und Minenfeldern zwischen Ungarn und Österreich wird Fuß um
Fuß. Meile um Meile beseitigt. Ebenso wie in Ungarn müssen diese
Schranken in ganz Osteuropa fallen. Berlin muß die nächste Station sein.
An keinem andern Ort wird die Teilung zwischen Ost und West
deutlicher sichtbar als in Berlin. Dort trennt eine brutale Mauer
Nachbarn und Brüder.
Diese Mauer steht als Monument für das
Scheitern des Kommunismus. Sie muß fallen.
Glasnost mag

ja ein russisches Wort sein. Offenheit

ist ein westliches Konzept.
einer freien Stadt besessen.

jedoch

West-Berlin hat immer die Offenheit
Unser Vorschlag würde ganz Berlin zu
- 6-

�einem Zentrum des Handels zwischen Ost und West machen - einem Ort
der Zusammenarbeit, nicht der Konfrontation. Wir bekräftigen erneut unsere Verpflichtung zu der im Jahr 1987 von den Westmächten
verkündeten Initiative zur Stärkung von Freiheit und Sicherheit in
dieser geteilten Stadt. Dies ist also mein zweiter Vorschlag bringt Glasnost nach Ost-Berlin.

Die Rettung der Umwelt in Europa
Meine Generation kann sich noch an ein vom Krieg zerstörtes
Europa erinnern. Natürlich hat Europa schon vor langer Zeit seine
stolzen Städte wiederaufgebaut und seine majestätischen Kathedralen restauriert. Welch eine Tragödie wäre jedoch eine neuerliche
Verwüstung Ihres Kontinents, dieses Mal durch eine subtilere und
heimtückischere Gefahr - durch vergiftete Flüsse und sauren Regen.
Die Vereinigten Staaten sind in Alaska mit einer Umwelttragödie konfrontiert worden. Die Länder von Frankreich bis Finnland
haben unter Tschernobyl gelitten. Die Bundesrepublik Deutschland
unternimmt heute Anstrengungen zur Rettung des Schwarzwalds. Und
durch all diese Ereignisse haben wir eine schreckliche Lektion gelernt: Die Zerstörung der Umwelt macht nicht vor Grenzen halt.
Mein dritter Vorschlag zielt also auf die Zusammenarbeit
bei Umweltproblemen ab. wobei die Vereinigten Staaten und Westeuropa dem Osten entgegenkommen sollten. Da in Ost und West noch
viel getan werden muß. fordern wir Osteuropa auf. sich mit uns in
diesem gemeinsamen Kampf zusammenzuschließen. Wir können technische Ausbildung. Hilfe bei der Ausarbeitung von Gesetzen und Vorschriften sowie neue Technologien zur Bewältigung dieser Probleme
anbieten. Ich lade die Umweltexperten und Ingenieure aus Osteuropa zu Besuchen im Westen ein, um unser gemeinsames Wissen zum Erfolg dieser wichtigen Sache zu nutzen.
Mein vierter Vorschlag, eigentlich ein Paket von Vorschlägen, betrifft ein weniger militarisisertes Europa - den am stärksten bewaffneten Kontinent der Welt. Nirgendwo tritt dies deutli- 7 -

�eher zutage als in den beiden Teilen Deutschlands. Aus diesem
Grunde hat unser Bestreben um einen Rüstungsabbau, der unsere Sicherheit nicht gefährdet, eine besondere Bedeutung für die Bundesbürger .
Denjenigen, die über unser maßvolles Tempo in der Rüstungskontrolle ungeduldig sind, möchte ich mit allem Respekt vorschlagen, sich auf eine Lehre der Geschichte zu besinnen:
und

Stärke

sind.

Katalysator

und

Voraussetzung

für

daß Einheit

Rüstungskontrolle

Wir waren stets der Überzeugung, daß eine starke Verteidi-

gung des Westens der beste Weg zum Frieden ist.

Die Erfahrung von

vierzig Jahren hat gezeigt, daß wir recht hatten.
Aber wir haben mehr getan als lediglich den Frieden zu bewahren.

Durch unsere Einigkeit haben wir die Sowjets davon über-

zeugt, daß

ihre Aufrüstung

teuer

und

sinnlos war.

Wir

sollten

ihnen keinerlei Anreize geben, sich erneut der Politik der Vergangenheit zuzuwenden.

Wir sollten ihnen allen Grund geben, um der

Menschheit willen das Wettrüsten einzustellen.
Die Vereinigten Staaten sind sich in dieser Ära der Verhandlungen und bewaffneter Lager der Tatsache bewußt, daß die Bundesrepublik Deutschland eine besondere Last trägt.
Zwar befindet
sich im Atomzeitalter jedes Land an der Frontlinie. Aber nicht
alle freien Nationen müssen die Spannungen routinemäßiger militärischer Aktivitäten oder die dauernde Präsenz ausländischer
Streitkräfte ertragen. Wir wissen um diese besonderen, von dieser
notwendigen Präsenz hervorgerufenen Bedingungen.
Um die von den bewaffneten Lagern in Europa hervorgerufenen
Belastungen einschneidend
für

zu reduzieren, müssen wir uns energisch

solide, verifizierbare

Vereinbarungen

zwischen

der

NATO und

dem Warschauer Pakt einsetzen.
Am Montag habe ich meinen Kollegen in Brüssel erklärt, daß
ich große Hoffnungen für die Zukunft der Verhandlungen über konventionelle Waffen in Europa hege.

Ich habe Ihnen einen Vorschlag

zur Erzielung drastischer Reduzierungen in naher Zukunft vorgelegt.
- 8 -

�Wie Sie wissen, hat der Warschauer Pakt nun wichtige Elemente unseres westlichen Ansatzes bei den neuen Verhandlungen über
konventionelle Waffen in Wien akzeptiert. Der Ostblock räumt ein.
daß bei den konventionellen Streitkräften der beiden Bündnisse ein
substantielles Ungleichgewicht besteht. Er hat sich der Position
der NATO weiter angenähert, indem er unsere ersten Vorschläge zu
den konventionellen Streitkräften größtenteils angenommen hat.
Diese ermutigenden Schritte haben eine Gelegenheit zu kreativem
und entschlossenem Handeln eröffnet. Wir werden diese Gelegenheit
nicht ungenutzt verstreichen lassen. .
Unser Vorschlag enthält mehrere bedeutsame Initiativen:
Ich schlage vor. daß wir den Osten auf seine Zustimmung zu
den vom Westen vorgeschlagenen Obergrenzen bei Panzern und
Schützenpanzern "festnageln". Wir sollten ferner Übereinstimmung über eine gemeinsame zahlenmäßige Obergrenze für
die Artillerie anstreben, die zwischen den Beständen der
NATO und des Warschauer Pakts liegt, vorausgesetzt, daß die
Definitionsprobleme gelöst werden können. Und die abgebauten Waffen müssen vernichtet werden.
Wie sollten unser gegenwärtiges Angebot auf sämtliche landgestützten Kampfflugzeuge und Hubschrauber erweitern, indem
wir vorschlagen, daß beide Seiten in diesen Kategorien auf
ein Niveau reduzieren, das 15 Prozent unter den gegenwärtigen Gesamtstärken der NATO liegt. Angesichts der zahlenmäßigen Überlegenheit des Warschauer Pakts würde dieser weit
umfangreichere Reduzierungen vornehmen müssen als die NATO,
um ein Gleichgewicht auf diesen niedrigeren Niveaus herzustellen. Auch in diesem Fall müssen die abgebauten Waffen
vernichtet werden.
Ich schlage eine 20prozentige Reduzierung bei den Kampftruppen der US-Stationierungsstreitkräfte und eine sich daraus
ergebende Obergrenze der von den Vereinigten Staaten und den
Sowjets außerhalb ihres nationalen Hoheitsgebiets in der Zone vom Atlantik bis zum Ural stationierten Land- und Luft- 9-

�Streitkräfte von etwa 275 000 Mann vor. Mit dieser Reduzierung auf ein Gleichgewicht und ein faires, ausgewogenes Niveau der Stärke würden die Sowjets dazu gezwungen, die Zahl
der in Osteuropa stationierten Soldaten der Roten Armee von
600 000 um 325 000 zu verringern.
Diese abgezogenen
Streitkräfte müssen demobilisiert werden.
Schließlich appelliere ich an Präsident Gorbatschow, das
Tempo zur Erzielung dieser Vereinbarungen zu beschleunigen. Es gibt keinen Grund für den von Moskau vorgeschlagenen Zeitrahmen von fünf bis sechs Jahren. Ich schlage
einen wesentlich ehrgeizigeren Zeitplan vor. Wir sollten
ein Abkommen innerhalb von sechs Monaten bis zu einem Jahr
und die Verwirklichung der Reduzierungen bis spätestens 1992
oder 1993 anstreben.
Zusätzlich zu meinen Vorschlägen im Hinblick auf die konventionellen Waffen müssen wir und die Sowjets uns meines Erachtens
um mehr Offenheit in unseren militärischen Aktivitäten bemühen.
Ich möchte deshalb meinen Vorschlag wiederholen, daß die Sowjetunion und ihre Verbündeten ihren Himmel für gegenseitige, unbewaffnete Aufklärungsflüge mit kurzer Vorwarnung öffnen, um militärische Aktivitäten zu beobachten.
Satelliten sind ein sehr
wichtiges Mittel zur Verifizierung von Rüstungskontrollvereinbarungen. Sie bieten uns jedoch keine kontinuierliche Erfassung der
Sowjetunion. Eine Politik des offenen Himmels würde beide Seiten
einer totalen kontinuierlichen Erfassung näherbringen und gleichzeitig ein Symbol für größere Offenheit zwischen Ost und West darstellen.
Dies sind meine Vorschläge zur Schaffung eines weniger militarisierten Europas. Noch vor kurzer Zeit wären sie zu revolutionär gewesen, um in Betracht gezogen zu werden. Doch heute könnten
wir uns in der Tat an der Schwelle zu einem noch ehrgeizigeren Abkommen in Europa befinden, als irgend jemand für möglich gehalten
hätte.
Wir müssen uns jedoch auch Herausforderungen außerhalb des
- 10 -

�traditionellen Bereichs der NATO stellen. Jedes Land des Westens
ist mit der weltweiten Verbreitung todbringender Technologien konfrontiert, darunter ballistische Raketen und chemische Waffen.
Wir müssen die Verbreitung dieser wachsenden Bedrohungen gemeinsam
eindämmen. Wir sollten so bald wie möglich mit einer weltweiten
Ächtung chemischer Waffen beginnen.

Schlußbemerkunqen
Mehr politische Freiheit im Osten, ein Berlin ohne Mauer,
eine sauberere Umwelt, ein weniger militarisiertes Europa - dies
sind jedes für sich schon ehrenwerte Ziele. Zusammengenommen sind
sie Merkmale einer umfassenderen Vision - eines Europas, das frei
und im Frieden mit sich selbst lebt. Die Sowjets sollten wissen,
daß unser Ziel nicht darin besteht, ihre legitimen Sicherheitsinteressen zu untergraben. Unser Ziel ist es. sie schrittweise davon zu überzeugen, daß ihre Definition von Sicherheit überholt ist
und ihre innersten Ängste unbegründet sind.
Westeuropa wird im Jahr 1992 mit einem großen Schritt institutionalisieren, was faktisch bereits seit Jahren vollzogen wurde
- Grenzen, die Menschen. Waren und

Ideen offenstehen.

Zwischen

Ihnen gibt es keinen Schatten eines Verdachts, keine tiefsitzenden
Ängste.

Die Möglichkeit eines Krieges innerhalb des Westens ist

für unsere Bürger schlicht undenkbar.
tegration

von Nationen

Eine solche friedliche In-

in eine Weltgemeinschaft

bedeutet

jedoch

nicht, daß irgendein Land seine Kultur, geschweige denn seine Souveränität aufgeben müßte.
Dieser Prozeß der Integration, eine subtile Verflechtung gemeinsamer Interessen, der in Westeuropa so kurz vor seiner Vollendung steht, hat nun endlich auch im Osten begonnen. Wir möchten
den Staaten Osteuropas zu einer Erkenntnis verhelfen, die sich in
Westeuropa schon vor langer Zeit durchgesetzt hat. Die Grundlage
dauerhafter Sicherheit erwächst nicht von Panzern. Truppen oder
Stacheldraht.
Sie wird auf gemeinsame Werte und Vereinbarungen
gegründet, die freie Völker verbinden.

- 11 -

�Die Nationen Osteuropas entdecken aufs Neue ihr glanzvolles
nationales Erbe. Mögen die grauen Gesellschaften des Ostens erneut in den Farben nationaler Kultur erstrahlen. Möge Europa von
einem Frieden der Spannungen zu einem Frieden des Vertrauens finden, einem Frieden, in dem die Völker des Ostens und des Westens
frohlocken können, auf einem Kontinent, der vielfältig ist und
doch eine Einheit bildet.
Vierzig Jahre des Kalten Kriegs waren ein Prüfstein für unsere Entschlossenheit und die Stärke unserer Werte.
erste

Aufgabe

der NATO

nahezu

vollendet.

Nun ist die

Aber wenn wir

unsere

europäische Vision verwirklichen wollen, wird uns die Herausforderung der

nächsten vierzig Jahre

meinsam werden wir

diesem Ruf

nicht weniger

folgen. Die Welt

abverlangen.
hat

lange

Gegenug

gewartet.
Vielen Dank für

Ihre Einladung nach Mainz, Gott segne Sie

alle.

- 12 -

�</text>
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                <text>Rede von Präsident George Bush &lt;br /&gt;&lt;em&gt;anläßlich seines Besuchs in der Bundesrepublik Deutschland am30./31.Mail989 in der Rheingoldhalle in Mainz&lt;/em&gt;</text>
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Sonderdienst
30. Mai 1989

Tischrede des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika,
GEORGE BUSH,
in der Redoute in Bonn-Bad Godesberg,
30. Mai 1989

* * *

Baker:

Gipfeltreffen hat Geschlossenheit der NATO bekräftigt
- Pressekonferenz in Königswinter -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�30. Mai 1989

Tischrede des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika,
GEORGE BUSH,
in der Redoute in Bonn-Bad Godesberg,
30. Mai 1989

Herr Bundeskanzler,
und Herren,

meine

Damen

Deutschland
Bündnisses.

und

des

Atlantischen

Ich hätte mich über meinen ersten
Besuch als Präsident hier zu jedem
Zeitpunkt gefreut, denn ich habe Ihr
wunderbares Land schon häufig besucht. Und stets waren meine Frau
und ich von der uns entgegengebrachten Freundlichkeit beeindruckt.

Über vier Jahrzehnte hinweg haben
sich diese Ereignisse gegenseitig positiv beeinflußt.
Heute ist eine
NATO ohne ein demokratisches Deutschland kaum vorstellbar. Denn die Geschichte
Ihrer Republik
war und
bleibt ein Erfolg, der seinesgleichen
sucht. Ebenso ist eine Bundesrepublik ohne die NATO kaum vorstellbar.
Denn dieses Bündnis war und bleibt
eine Zitadelle der Freiheit im Zentrum der amerikanischen Außenpolitik.

Dieser Besuch hat jedoch eine besondere Bedeutung. Er fällt nämlich
mit zwei Jahrestagen zusammen, die
für unsere beiden Länder von großer
Tragweite sind:
Dem 40. Jahrestag
der
Gründung
der
Bundesrepublik

Die Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen in der Nachkriegszeit ist eine Geschichte entschlossener und starker Verbündeter,
die durch die Werte des Glaubens, der
Familie, der Menschenrechte und der

es ist uns eine große Ehre, hier
in diesem prachtvollen Saal vom Bundeskanzler und Ihnen allen so herzlich empfangen zu werden.

�Demokratie verbunden sind. Und wirtschaftlichen, kulturellen und militärischen Banden, die unsere Demokratien miteinander verknüpfen. Ein gemeinsames Engagement für die Sache
des Friedens - auch darin sind wir
vereint - und in dem Wissen, daß die
Einheit des Westens für diese Sache
von zentraler Bedeutung ist.
Im Jahr 1989 sind wir unseren
Zielen Frieden und europäische Aussöhnung näher als je zuvor seit Gründung der NATO und der Bundesrepublik.
Aber wir werden sie nur verwirklichen, wenn wir die Grundsätze aufrechterhalten, die unsere Freundschaft und das Atlantische Bündnis
über vierzig Jahre hinweg geleitet
haben.
Der Wind des Wandels weht in Osteuropa, auch in der Sowjetunion.
Dies geschieht
teilweise deshalb,
weil Gorbatschow eingesehen hat, daß
unsere Gesellschaft im Gegensatz zu
seiner funktioniert.
Wir begrüßen
diesen Wandel und sind bereit, über
die Politik des Containment hinaus
eine Politik zu verwirklichen, die um
die Integration der Sowjetunion in
die
internationale
Staatengemeinschaft bestrebt ist. Wir fühlen uns
durch die Veränderungen in Osteuropa,
insbesondere in Polen und Ungarn, ermutigt. Um tiefgreifende wirtschaftliche und politische Reformen zu fördern, werden wir mit einer aktiveren
Einbeziehung der Regierungen und Völker Osteuropas antworten.
Und wenn Hoffnung auf ein Ende
der Teilung Europas besteht, dann
deshalb, weil wir vierzig Jahre lang
zur Verteidigung unserer Freiheit bereit waren.
In Zukunft müssen wir aus der
Vergangenheit lernen. Diese Vergangenheit lehrt uns, daß die Aufrechterhai tung einer starken Verteidigung
die größte Hoffnung auf eine Aufhebung der Teilung und Gewährleistung
der Freiheit Europas birgt.
Denn
Frieden durch Stärke wird der Sowjetunion einen anhaltenden Anreiz bieten, ihre Sicherheit durch Demokrat!-

sierung und Wirtschaftsreform zu festigen. Die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten haben die gemeinsame
Vision eines weniger militarisierten
Europas, in dem sich nicht länger
diesseits und jenseits von Stacheldraht und Mauern große Armeen gegenüberstehen. Aus diesem Grunde habe
ich gestern beim NATO-Gipfel meine
Initiative zur konventionellen Rüstungskontrolle vorgelegt. Wir streben ein Europa ohne Schranken an, das
durch freie Märkte und Demokratie
vereinigt ist.
Und es ist mir eine Ehre, heute
abend eine Neuigkeit ankündigen zu
dürfen. Schon bald werden Bürger der
Bundesrepublik Deutschland, die als
Touristen
oder Geschäftsleute die
Vereinigten Staaten besuchen, kein
amerikanisches Visum mehr benötigen.
Dies ist ein kleiner Beweis für die
immer engeren Beziehungen zwischen
unseren beiden Ländern.
Vor vierzig Jahren war die Welt
vom vielleicht besten Beweis für
Deutschlands Mut beeindruckt. Er ist
vielfach als "Wiege deutsch-amerikanischer Freundschaft" bezeichnet worden. Natürlich spreche ich hier von
der Berliner Luftbrücke.
Zusammen
haben wir als Verbündete den Kräften
der Tyrannei
widerstanden.
Heute
müssen und werden wir erneut zusammenstehen.
Einzeln können wir keinen Erfolg
haben.
Zusammen können wir nicht
versagen. Und in diesem Sinne bitte
ich unsere Gäste, ihr Glas zu erheben,
- Auf die Bundesrepublik Deutschland am 40. Jahrestag ihrer Gründung und auf die deutsch-amerikanische Freundschaft,
- Auf das dauerhafteste Bündnis in
der Geschichte der Menschheit,
- Auf die Gesundheit meines Freundes und Kollegen, Bundeskanzler
Kohl.
* * * * * *

�30. Mai 1989

BAKER:

GIPFELTREFFEN HAT GESCHLOSSENHEIT DER NATO BEKRÄFTIGT
- Pressekonferenz in Königswinter -

KÖNIGSWINTER - (AD) - In einer Pressekonferenz während des Besuchs von USPräsident Bush in der Bundesrepublik Deutschland hat der amerikanische Außenminister James Baker am 30. Mai 1989 erklärt, der NATO-Gipfel am 29. und 30.
Mai 1989 in Brüssel habe "bewiesen, daß in der NATO Geschlossenheit herrscht".
Baker ging insbesondere auf Bushs neue Abrüstungsinitiative ein.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Pressekonferenz im Wortlaut:

Außenminister Baker:
Ich möchte zunächst eine kurze Erklärung abgeben und werde danach gerne Ihre
Fragen beantworten. Wir haben gerade
ein sehr produktives Gipfeltreffen
abgeschlossen, das erste dieser Präsidentschaft.
Wie Sie wissen, hat
der Präsident davon gesprochen, daß
wir in dieser Zeit grundlegenden Wandels
in unseren Beziehungen zur
Sowjetunion über die Politik des
Containment
hinausgehen
sollten.
Meines Erachtens haben wir jetzt eine
Grundlage für die Bewältigung dieses
Wandels.
Dieser Gipfel hat unter Beweis
gestellt, daß in der NATO Geschlossenheit herrscht.
Wir haben eine
Initiative im Bereich der Rüstungskontrolle erlebt. Wie wir schon frü-

her erklärt hatten, haben wir schon
seit geraumer Zeit politische und
wirtschaftliche Erfolge zu verzeichnen. Die Werte des Westens setzen
sich durch.
Und heute können wir
auch eine Initiative in der Sicherheitspolitik anbieten.
Frage:
Herr Außenminister. was
haben die Amerikaner - vom amerikanischen Standpunkt aus betrachtet aufgegeben, um heute diese Übereinkunft (zu den Kurzstreckenraketen SNF) zu erzielen?
Antwort:
Nun, ich würde es
nicht so ausdrücken, obwohl jede Vereinbarung ein Kompromiß ist. Wie Sie
wissen, haben wir zu dieser Frage vor
dem Brüsseler Gipfel über zwei Monate
hinweg Gespräche geführt.
Während

�dieser Diskussionen haben die Vereinigten Staaten ihre Bereitschaft zu
verstehen gegeben, den Stationierungsbeschluß zu vertagen - Produktion und Stationierung des LanceNachfolgesystems bis Ende 1991, Anfang 1992 - sowie die Bereitschaft,
Verhandlungen über SNF grundsätzlich
zu akzeptieren.
Wir hatten dies bereits vor unserer Ankunft in Brüssel angedeutet.
Wir mußten einen Weg für eine Sprachregelung finden, mit der keiner der
von uns bewahrten Grundsätze verletzt
würde.
Ich möchte diese Grundsätze
hier erwähnen, da sie durchaus von
Interesse sein könnten.
Wir wollten die Position bewahren, daß wir trotz einer eventuellen
Bereitschaft zu Verhandlungen nach
einem gewissen Zeitraum und vorbehaltlich bestimmter Bedingungen bei
solchen Verhandlungen keine Null-Lösung, keine totale oder vollständige
Beseitigung dieser Raketen anstreben
werden.
Wir haben diese Position
aufrechterhalten.
Ferner wollten wir nicht in die
Lage kommen, verhandeln zu müssen,
bevor wir mit der Verwirklichung
eines Abkommens über die konventionellen Streitkräfte beginnen.
Und
dies kommt auch größtenteils in der
Sprachregelung zum Ausdruck.
Und drittens wollten wir keine
Zweifel daran aufkommen lassen, daß
ein Abkommen über die konventionellen
Streitkräfte verwirklicht werden müßte, bevor wir mit der Umsetzung von
im Rahmen eines Abkommens über Kurzstreckenraketen vereinbarten Reduzierungen beginnen können.
Gibt es dazu eine Zusatzfrage?
Frage: Ja. War das nicht von
Anfang an die Position der Vereinigten Staaten, daß Sie nicht vor einem
Abkommen über konventionelle Streitkräfte über die SNF verhandeln würden?
Antwort:

Das

ist

richtig.
- 2

Nicht, bevor die Durchführung eines
Abkommens über die konventionellen
Streitkräfte in greifbare Nähe gerückt ist. Was wir hier erreicht haben, ist eine Erklärung
derzufolge
wir keine Verhandlungen über atomare
Kurzstreckensysteme aufnehmen werden,
bevor nicht die Umsetzung des Abkommens über die konventionellen Streitkräfte eingeleitet worden ist. Ich
kann dies selbst nicht als große Veränderung interpretieren.
Frage:
Herr Außenminister, das
klingt so, als sei alles schon vor
langer Zeit klar gewesen, aber es
gibt zumindest einen Bericht, demzufolge der Präsident mit den Ergebnissen der strategischen Bestandsaufnahme überhaupt nicht zufrieden war, daß
er in den letzten Tagen von einigen
Vertretern des Pentagon und einigen
zivilen Mitarbeitern eine neue Bestandaufnahme angefordert hat, die
dann ziemlich rasch zusammengestellt
wurde und daß das, was er dann auf
dem NATO-Gipfel vorgelegt hat, das
Produkt dieser Überprüfung gewesen
sei...

^

Antwort: Das ist einfach nicht
zutreffend. Das ist gänzlich falsch.
Frage: Was ist denn geschehen?
Antwort: Was meinen Sie damit?
Die Ausgangsfrage betraf die Kurzstreckensysteme. Worüber möchten Sie
sprechen? Konventionelle...
Frage:
Lassen Sie mich deutlicher werden. Hat der Präsident in
letzter Minute einige wichtige Korrekturen an seiner Bewertung, was die
Vereinigten Staaten im Hinblick auf
diese Raketen und die Truppenreduzierung
tun
könnten,
vorgenommen?
Mulroney und andere wurden ja augenscheinlich etwas davon überrascht.
Antwort:
Ich möchte dazu sagen, daß zwar eine Beziehung zur
Durchführung
besteht, beide Dinge
aber voneinander getrennt sind. Die
Initiative
zu den konventionellen
Streitkräften wurde innerhalb einer

v,

�sehr kleinen Gruppe dieser Administration diskutiert, und dies begann
schon in den ersten Tagen dieser Administration.
Das Abkommen über die atomaren
Kurzstreckensysteme ist mit den Fragen der Modernisierung und Verhandlungen verbunden. Die Gespräche über
dieses Thema haben wir mit unseren
Verbündeten im Rahmen meiner ersten
Reise in die NATO-HauptStädte im Februar aufgenommen. Beide Dinge wurden
auf getrennten Wegen verfolgt und waren in keiner Weise miteinander verbunden.
Frage:
War dies
tens kein Wendepunkt?

Ihres

Erach-

Antwort:
Nein, die Vorschläge
über konventionelle Streitkräfte sind
bereits in den Anfangstagen dieser
Administration
von
einer
kleinen
Gruppe in dieser Regierung erörtert
worden.
Frage:
Herr Außenminister, ist
es keine Frage der Auslegung verschiedener Parteien, ob jemals eine
Null-Lösung bei den Kurzstreckenraketen ausgehandelt werden kann?
Antwort:
Nein, es ist keine
Frage der Auslegung. Meiner Ansicht
nach ist der Begriff "teilweise" klar
definiert und bedeutet keine vollständige Beseitigung. Aber dabei muß
es nicht bleiben. Das ist in Paragraph 48 der Vereinbarung festgelegt.
Wenn Sie sich darüber hinaus Paragraph 45 - insbesondere den letzten
Satz - ansehen, so wird darin Bezug
auf die betroffenen Nuklearstreitkräfte genommen, und es werden land-,
see- und luftgestützte Systeme angeführt, einschließlich der "landgestützten Raketen unter den gegenwärtigen Bedingungen und soweit in Europa gegebenenfalls erforderlich ist".
Dazu können Sie auch Paragraph 63
prüfen. Unserer Meinung nach liegt
es also auf der Hand, daß es keine
Null-Lösung geben wird.

Frage:
Ja, aber wie sieht es
in Zukunft aus?
"Gegebenenfalls"
kann auch nur ein paar Jahre bedeuten.
Antwort:
Wenn Sie eine Ankündigung von mir wünschen, daß es keine
ausdrückliche Erklärung gibt, derzufolge dies nicht von unbegrenzter
Dauer ist, werde ich diese nur zu
gern abgeben. Aber Tatsache ist, daß
abgebrochene Verhandlungen kein Ei—
gebnis zulassen, das zu einer NullLösung führt oder diese Raketen vollständig beseitigt.
Frage:
Könnten Sie uns noch
etwas über die Verhandlnugen der vergangenen Nacht berichten, die sich
auf den "teilweisen" Aspekt konzentrierten und eine dritte Null-Lösung
ausschlössen. Sollte damit der Bundesregierung
ein
etwas
größerer
Spielraum zugestanden werden. Können
Sie uns etwas dazu sagen?
Antwort: Es sollte nicht in so
harten Worten ausgedrückt werden,
weil diese Worte der Bundesregierung
gegenüber zu stark sind.
Und aus
diesem Grunde haben wir uns auf diese
Sprachregelung geeinigt.
Frage:
Herr Außenminister, zurück zu der Frage der Überprüfung.
Viele von uns haben die Reden des
Präsidenten in den vergangenen Wochen
gehört und dabei vernommen, wie er
mit dem Wort "Vorsicht" umgegangen
ist. Er hat über Besonnenheit gesprochen. Und jetzt haben wir einen
ganz eindeutigen Vorshlag, der sich
von seinen Reden sehr zu unterscheiden scheint. Die Frage, die wir uns
jetzt stellen, lautet, ob hier eine
Kursänderung zu beobachten ist?
Antwort:
Nein, dies ist keine
Kursänderung. Besonnenheit und Realitätssinn werden weiterhin Leitlinien
dieser
Beziehungen
bleiben.
Aber die Tatsache, daß der Präsident
einen eindeutigen Vorschlag unterbreitet hat, bedeutet keineswegs eine
Abkehr von Besonnenheit und Realitätssinn, wenn Sie den Vorschlag eingehend betrachten. Dieser Vorschlag

�schafft ein Gleichgewicht bei der gesamten
Bandbreite
konventioneller
Waffen, außer den Seestreitkräften,
die davon nicht betroffen sind. Er
schafft einen Gleichstand angesichts
des ungeheuren Ungleichgewichts, der
dem Ostblock Vorteile verschafft.
Wenn wir also über Reduzierungen
sprechen - über die Reduzierung um
29 000 Soldaten, oder wenn wir den
Abbau von 750 oder 800 Kampfflugzeugen erörtern, müssen wir uns vor Augen führen, welche viel umfangreicheren Reduzierungen der Ostblock vornehmen muß. Es bandelt sich hierbei
um 300 000 Soldaten und Tausende von
Flugzeugen. Das ist keineswegs ein
unbesonnener Vorschlag.
Frage: Sie bezeichnen dies als
Ergebnis der Überprüfung, aber nicht
als Kursänderung. Der Präsident bat
der
Überprüfung
zugestimmt,
und
selbst bekundet, es habe ...
Antwort:
Nein, das habe ich
nicht gesagt.
Der Präsident, wie
auch wir alle, war mit der Überprüfung sehr zufrieden. Diese besondere
Initiative fand auf einer anderen
Ebene statt. Sie durchlief nicht die
Dienstwege. So kann ich es am besten
erklären.
Alle mit diesen Dingen befaßten
Dienststellen in unserer Bundesregierung haben diesen Vorschlag geprüft.
Aber er wurde nicht zur allgemeinen
Überprüfung freigegeben, sondern auf
einer höheren Regierungsebene behandelt.
Frage:
Ich denke, Sie haben
zugestimmt, daß die deutsche Bundesregierung den von Ihnen und dem Präsidenten in Kennebunkport unterbreiteten
Gegenvorschlag
grundsätzlich
akzeptiert hat.
Der Präsident hat
sogar heute morgen in seiner Pressekonferenz den Begriff "eindeutig"
verwendet. Und dennoch hat die Bundesregierung ihn, als sie zuerst davon Kenntnis erhielt, zurückgewiesen.
Es wird vielfach behauptet, SNF-Gespräche könnten demnach möglicherwei-

se erst
im nächsten
Jahrhundert
stattfinden.
Und jetzt haben sie
denselben Vorschlag akzeptiert. Was
ist geschehen? War es der konventionelle
Rüstungskontro]lvorsch]ag
des Präsidenten oder die Tatsache,
daß die Vertreter der Bundesrepublik
sich im NATO-Rat in einer sehr kleiner Minderheit sahen oder beides?
Antwort:
Beides
stimmt
zum
Teil. Beim Gipfel gab es die Haltung, daß die Vereinigten Staaten
noch vor ihrem Eintreffen dort entgegenkommend waren. Wie ich Ihnen berichtet habe, was dies Thema einer
zweimonatigen Übung. Und viele Verbündete nahmen die Position ein, daß
wir so entgegenkommend waren, die
veränderten Bedingungen anzuerkennen,
dabei Flexiblität zu beweisen und
dennoch unsere Abschreckung zu schützen. Und viele der Verbündeten waren
wohl der Ansicht, daß wir diesen Ansatz verfolgt hatten.
Das war jedoch nicht der einzige
Grund. Ich bin der Meinung daß die
Initiative über konventionelle Rüstungskontrolle Eingang in die deutsche Denkweise gefunden hat, obwohl
sie dazu selbst befragt werden sollten. Aber die Tatsache, daß wir eine
Initiative und damit einen Rüstungskontrollvorschlag über konventionelle
Streitkräfte unterbreitet haben, der
zumindest die Möglichkeit eines Abschlusses vor Jahresfrist zuläßt,
wird jetzt auch von ihnen erwogen.
Frage:
Herr Außenminister, Sie
haben erklärt, daß keine Kursänderung
stattgefunden hat, aber hat nicht
eine Veränderung im Denken des Präsidenten stattgefunden? In seiner Rede
in Texas am 12. Mai schien er die Betonung auf eine Reibe von einseitigen
Schritten zu legen, die die Sowjets
unternehmen sollten, einschließlich
eines einseitigen Truppenabbaus vor
einem Schritt unsererseits, und in
seinem Vorschlag gestern hat er von
beiderseitigen
Reduzierungen
gesprochen.
Antwort:

Ich

denke,

es

gibt

�4

immer noch Schritte, die er zunächst
von den Sowjets vorgenommen sehen
möchte. Wir würden gern beobachten
können, daß sich das neue Denken in
vielen Teilen der Welt auch in Taten
und nicht nur in Worten manifestiert.
Sie sollten die Tatsache, daß der
Präsident einen eindeutigen Vorschlag
zur konventionellen Rüstungskontrolle
unterbreitet hat, nicht als Kursänderung oder Richtungswechse] deuten, weil dieser Vorschlag sehr gut
für ....

*

Frage: Ich habe es als Veränderung im Denken bezeichnet.
Antwort:
Bedenken
Sie
aber
bitte: dieser Vorschlag ist für die
Vereinigten Staaten von großem Nutzen. Deshalb hat er ihn unterbreitet. Es handelt sich hierbei nicht
um etwas, was wir für die Sowjetunion
tun. Das ist von unserem Standpunkt
aus betrachtet sehr positiv.
Im
Westen wird es uns besser gehen, und
wir werden sicherer sein, wenn die
Sowjets ihn akzeptieren. Und übrigens haben wir gerade davon Kenntnis
erhalten, daß Schewardnadse diesen
Vorschlag als sehr ernsthaft, positiv
und substantiell bezeichnet und darauf hingewiesen hat, er würde ernsthaft in Erwägung gezogen, und das ist
sehr gut.

i)

Frage:
Ich möchte eine kurze
Anschlußfrage stellen. Bei dem gestrigen Informationsgespräch bezeichneten Regierungsvertreter den sowjetischen Vorschlag als einen Grund dafür, daß wir jetzt von ihrer Ernsthaftigkeit überzeugt seien und dies
auch der Anlaß für die jüngste Reaktion des Präsidenten war.

J

Antwort: Sie meinen die sowjetische Antwort auf den ursprünglichen
NATO-Vorschlag zu den konventionellen
Streitkräften? Ja.
Frage: Die Antwort auf den ursprünglichen Vorschlag der NATO. Es
schien, als habe sich hier etwas bewegt.

Antwort: Richtig.
Frage: Ich meine, streiten Sie
ab, daß es keinen Wandel im Denken
oder Verhalten gab?
Antwort:
Aber nein.
Ich sage
nur, daß keine tiefgreifende Veränderung stattgefunden hat. Aber die in
diesem Zusammenhang angestellten Erwägungen des Präsidenten liegen weit
zurück und datieren noch vor der
sowjetischen Antwort auf den ursprünglichen Vorschlag der NATO zu
konventionellen Rüstungen.
Frage:
Herr Außenminister, Sie
erklären, dieses Abkommen im konventionellen Bereich könnte binnen eines
Jahres erzielt werden. Ist es möglich oder denkbar, daß SNF-Verhandlungen noch vor der Modernisierungsentscheidung im Jahr 1992 stattfinden?
Besteht da die entfernteste
Möglichkeit?
Und möchten Sie auf
diese Art und Weise Verhandlungen mit
der Sowjetunion aufnehmen?
Antwort: Das ist eine Möglichkeit. Meiner Ansicht nach ist die
Einjahresfrist
optimistisch,
aber
nicht unrealistisch.
Frage:
Möchten Sie Verhandlungen dieser Art mit der Sowjetunion
führen, bei denen die Modernisierungsfrage ausgeklammert bleibt und
aus diesem Grund kein Druck auf die
Sowjets ausgeübt wird, die dann denken, sie werden diese Raketen bekommen und können weiterhin ihr politisches Spiel mit der Bundesrepublik
treiben?
Antwort:
Verhandlungen
aufzunehmen, bedeutet noch lange nicht,
daß man nachgibt. Und die Entscheidung über die Modernisierung fällt im
Jahr 1992. Wir sprechen also von
einem Zeitraum von 14 bis 17 Monaten.
Abgesehen davon sind hier Bestimmungen enthalten, denen zufolge unsere
derzeitigen Streitkräfte auf dem neuesten Stand gehalten werden müssen,
und das werden wir tun. Diese Waffen
werden also weiterhin
stationiert

- 5 -

�bleiben.
Frage:
Aber das erfordert Mode rniserung, da sie Mitte der neunziger Jahre veraltet sein werden.
Antwort:
Mitte der neunziger
Jahre, also ungefähr 1996 - ja. Aber
wir sprechen nicht über diesen Zeitraum. Wir werden die Frage der Modernisierung im Jahr 1992 erneut
überprüfen.
Frage:
Aber um Waffen zu unterhalten, müssen sie modernisiert
werden. Trifft das nicht zu?
Antwort:
Nein, eine Modernisierung ist nicht erforderlich. Im
Augenblick unterhalten wir 88 Waffensysteme und haben bei jedem einzelnen
Gipfeltreffen vereinbart, daß diese
Systeme auf dem neuesten Stand gehalten werden. Wir halten sie instand
und auf dem neuesten Stand und das
werden wir auch weiterhin tun. In
diesem Kommunique ist nichts enthalten, das uns davon abhalten könnte.
Frage:
Besteht hier nicht ein
Widerspruch, wenn es keinen Modernisierungsbeschluß gibt?
Antwort:
Die
Modernisierung
bezieht sich auf ein neues System,
die Entwicklung eines Lance-Nachfolgesystems. Bis wir diesen Beschluß
fassen, werden wir unsere Lance-Raketensysteme auf dem neuesten Stand
halten.
Frage:
Herr Außenminister,
Präsidenten zufolge können Sie
sagen, wer dafür verantwortlich
daß das Wort "teilweise" in dem
munique unterstrichen wurde.

dem
uns
war,
Kom-

Antwort: Wir.
Frage:
Staaten?

Wir,

Antwort:
Ja
einigten Staaten.
Frage: Warum?

die
wir,

Vereinigten
die

Ver-

Antwort:
Weil wir aus dem in
der ersten Frage erörterten Grund
eine gewisse Betonung auf dieses Wort
legen wollten.
Frage:
Herr Außenminister, was
muß vor einem Modernisierungsbeschluß
geschehen?
Müssen Fortschritte bei
den Gesprächen erzielt werden? Muß
tatsächlich ein Abbau der konventionellen Waffen erfolgen?
Antwort:
Es muß genug politische Unterstützung für den Modernisierungsbeschluß der NATO im Jahr
1992 geben.
Frage: Und was wird diese Entscheidung auslösen?
Antwort:
Nun, das hängt von
den weltweiten sicherheitspolitischen
Entwicklungen ab. Wir müssen prüfen,
ob das neue Denken Bestand hat, abwarten, ob die Sowjetunion weiterhin
auf den Westen zugeht, beobachten, ob
der Osten nach wie vor einen Schritt
in Richtung
auf westliche Werte
macht. Alle diese Aspekte fließen in
das politische Kalkül ein, ob es im
Jahr 1992 ausreichende Unterstützung
für diesen Beschluß geben wird.
Frage:
Ein Vertrag über den
Abbau konventioneller Rüstungen wäre
also nicht unbedingt Voraussetzung?
Antwort:
Nein, es gibt keine
solche Bedingung oder Einschränkung.
Frage: Werden Sie sich vor der
dritten Verhandlungsrunde im September mit Außenminister Schewardnadse
treffen?
Antwort:
Bisher
beabsichtige
ich nicht, mich vor September mit ihm
zu treffen. Sie dürfen nicht vergessen, daß es sich hierbei um Entscheidungen des Bündnisses handelt. Der
Vorschlag über einen Truppenabzug betrifft amerikanische und sowjetische
Streitkräfte
und
würde
natürlich
einen bilateralen Dialog gestatten,
aber wir würden dazu sehr enge Konsultationen mit dem Bündnis bevorzugen.

�Frage:
Aber
direkter
Dialog
würde sie auch nicht unbedingt beschleunigen.
Sobald also die offizielle Sprachregelung
im September
vorliegt, könnte man wirklich Fortschritte machen?
Antwort:
Wir
würden
diesen
Vorschlag sehr gerne bei der Wiederaufnahme der Verhandlungen am - wenn
ich mich richtig erinnere - 7. September - auf den Verhandlungstisch
legen. Aber hierbei handelt es sich
um ein Maßnahmenpaket.
Wir unterbreiten diesen Vorschlag nicht mit
dem Gedanken, daß der Osten sich dann
das herauspickt, was ihm gefällt und
das andere übrigläßt. Natürlich müssen noch einige Probleme gelöst werden.
Es gibt Zählvorschriften, insbesondere für Flugzeuge, aber auch
für Artillerie. Es gibt noch Fragen
bezüglich
der
Demobilisierung
und
Außerdienststellung
der
abgebauten
Truppen.
Diese Fragen bedürfen der
Erörterung, aber wir hoffen, einen
solchen Vorschlag bei der Wiederaufnahme der Wiener KSE-Verhandlungen am
7. September unterbreiten zu können.
Herr Außenminster,
dieses Gespräch.

wir

* * * * * *

danken

für

�</text>
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                <text>Tischrede des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, George Bush&lt;br /&gt;&lt;em&gt;in der Redoute in Bonn-Bad Godesberg,&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;30. Mai 1989&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;Baker: Gipfeltreffen hat Geschlossenheit der NATO bekräftigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz in Königswinter&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

21

Embassy o.moun
iör-erry Services
DJchmatW Aue 29
5300 Bonn 2

30. Mai 1990

GIPFELTREFFEN

BUSH: NATO-MITGLIEDSCHAFT EINES
VEREINIGTEN DEUTSCHLANDS KEINE
BEDROHUNG FÜR DIE SOWJETUNION
Interview des Präsidenten mit
dem sowjetischen Fernsehen

OST-WEST-BEZIEHUNGEN

ERFOLGREICHE STARTHILFE
FÜR OSTEUROPA
Rede des stellvertretenden
US-Außenministers Eagleburger

GEMEINSAME WERTE ALS BINDEGLIED
DER OST-WEST-BEZIEHUNGEN
Rede von Botschafter Walters
bei der University of Maryland

LATEINAMERIKA

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

FREIHEIT AUCH AUF DEM
AMERIKANISCHEN KONTINENT
AUF DEM VORMARSCH
Rede von Präsident Bush beim
Council of the Americas

Postfach 20 0300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�GIPFELTREFFEN
30. Mai 1990

BUSH: NATO-MITGLIEDSCHAFT EINES
VEREINIGTEN DEUTSCHLANDS
KEINE BEDROHUNG FÜR DIE SOWJETUNION
Interview des Präsidenten mit dem sowjetischen Fernsehen
WASHINGTON - (AD) - In einem am 24. Mai 1990 mit Valentin Zorin vom sowjetischen Fernsehen geführten
Interview erklärte Präsident Bush, ein vereinigtes Deutschland würde "ein stabiles Europa erhalten, wie es auch
die Sowjets begrüßen sollten". Bush erklärte ferner, die NATO-Mitgliedschaft eines vereinigten Deutschlands
stelle keine Bedrohung für das sowjetische Volk dar.
"Es bestehen bei dieser Frage Meinungsverschiedenheiten mit den Sowjets", erklärte Bush, "aber ich spreche
mir aus der Seele, weil ich meine feste Meinung zu dem Thema habe. Und er wird seine Meinung dazu vertreten.
Aber ich möchte die Meinungsverschiedenheiten beilegen. Das sind meine Erwartungen."
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview im Wortlaut.

Frage: Herr Präsident, die amerikanisch-sowjetischen
Gipfeltreffen haben dazu beigetragen, daß sich die
politische Lage der Welt drastisch verändert hat.
Wodurch werden Ihrer Ansicht nach Ihre bevorstehenden Gespräche mit Präsident Gorbatschow gekennzeichnet, und was erwarten Sie von dieser Zusammenkunft?
Bush: Eine Besonderheit besteht darin, daß die
beiden Länder, die für den Weltfrieden besonders
hohe Verantwortung tragen, in einem günstigen Klima
zusammentreffen, um weltpolitische Probleme zu
besprechen. Ich erhoffe mir Fortschritte bei den
strategischen Waffen. Ich wünsche mit größere Fortschritte bei konventionellen Waffen. Ich bin überzeugt
davon, daß wir etwas erreichen werden, das die Welt
als Durchbruch bei chemischen Waffen betrachten
wird.
Ich wünsche mir für den Gipfel, mich mit Herrn Gorbatschow zusammensetzen und mit ihm meine Wünsche
und die Wünsche der Vereinigten Staaten im Hinblick
auf ein Europa nach einer Wiedervereinigung beider
deutscher Staaten erörtern zu können. Ich möchte
Herrn Gorbatschow - mit dem ich offen reden kann,
weil er ein Mann ist, mit dem man das kann - davon
überzeugen, daß eine Präsenz der Vereinigten Staa-

AMERIKA DIENST 21

ten in Europa, ein vereinigtes Deutschland, ein Deutschland in der NATO nicht nur keine Bedrohung für die
Sowjetunion darstellen, sondern ein stabiles Europa
erhalten, wie es auch die Sowjets begrüßen sollten.
Es bestehen bei dieser Frage Meinungsverschiedenheiten mit den Sowjets, aber ich spreche mir aus der
Seele, weil ich meine feste Meinung zu dem Thema
habe. Und er wird seine Meinung dazu vertreten. Aber
ich möchte die Meinungsverschiedenheiten beilegen.
Das sind meine Erwartungen.
Dann gibt es noch eine Reihe regionaler Fragen und
viele ökonomische Probleme zu lösen. Und dann gibt
es noch eine schwierige Frage, die ich nicht unter den
Teppich kehren möchte - das Problem der baltischen
Staaten und die Schwierigkeiten mit Litauen. Er muß
verstehen, unter welchem Druck sich ein amerikanicher Präsident befindet, bis Selbstbestimmung dort
sichtbar wird und sich entwickelt.
Das ist eine umfangreiche Tagesordnung, und ich
freue mich auf unsere Zusammenkunft.
Frage: Bestimmte Kreise in den Vereinigten Staaten
behaupten, die Schwierigkeiten in der Sowjetunion
machen eine Gesprächsführung aus einer Position der
Stärke heraus möglich. Teilen Sie diese Auffassung?
Seite 1

�Antwort: Wenn Sie mit einem der wichtigsten Politiker
der Welt zusammentreffen, stellt sich nicht die Frage,
wer stärker oder schwächer ist, wer die größeren oder
kleineren Probleme hat. Es stellt sich die Frage nach
der Pflicht - und ich spreche hier von mir -, all diese
Punkte anzusprechen und ihn in strittigen Punkten
davon zu überzeugen, daß unsere Haltung richtig ist.
Genau das wird er auch versuchen.
Dazu möchte ich ein Beispiel anführen. Wenn ich mit
dem Spitzenpolitiker eines kleinen Landes der dritten
Welt zusammentreffe, hat es keinen Sinn, erklären zu
wollen, wer größer oder stärker, Gewinner oder Verlierer ist. Im Umgang mit ihm geht es um Respekt. Und
im Hinblick auf die Sowjetunion und die Vereinigten
Staaten, die traditionell als die beiden Supermächte
gelten, wird diesem Treffen besondere Bedeutung
beigemessen. Dabei möchte ich nichts anders tun, als
das sowjetische Volk und seinen Präsidenten mit dem
ihnen gebührenden Respekt behandeln.
Bei einigen Fragen bestehen große Meinungsverschiedenheiten. Aber wir sind vernünftig. Wir streben
lediglich nach Frieden und Wohlstand für die Menschen in der Sowjetunion. Und davon möchte ich
Herrn Gorbatschow überzeugen.
Frage: Hen Präsident, wie ist Ihre persönliche Beziehung zu Präsident Gorbatschow, und in welcher Weise
werden Ihre Gespräche davon geprägt?
Antwort: Ich gehe davon aus, daß sie Erfolg haben
werden. Warten Sie, bis ich ihn treffe, weil ich es Ihnen
dann sagen kann. Es kann sehr wohl zu Auseinandersetzungen kommen, weil Meinungsverschiedenheiten
bestehen. Aber ich habe dem amerikanischen Volk
erklärt, daß ich respektiere, was Herr Gorbatschow
getan hat - seine Art und Weise, mit den dramatischen
Veränderungen in Osteuropa umzugehen. Ich respektiere, was er im Hinblick auf Perestrojka und Glasnost
versucht hat - eine einmalige Offenheit, von der niemand vor ein paar Jahren auch nur zu träumen gewagt
hätte.
Es gibt einige Kritiker in diesem Land, denen zufolge
ich Herrn Gorbatschow zuviel Bedeutung beimesse.
Aber ich kenne ihn. Ich bin zuversichtlich, daß wir
offene Gespräche führen können. Er verdient Lob für
das, was er getan hat. Und wo Meinungsverschiedenheiten bestehen, werden wir versuchen, diese auszubügeln.
Von unserem Standpunkt aus betrachtet, haben wir
also ein gutes persönliches Verhältnis.
Aber Gorbatschow kann die außenpolitischen Initiativen der Sowjetunion nicht darauf gründen, daß ich
Präsident bin, und ich kann die außenpolitischen Initiativen der Vereinigten Staaten nicht darauf ausrichten,
daß er dort dieses Amt innehat. Hier geht es um
prinzipielle Fragen. Es trifft jedoch zu, daß wir dort
einen Mann haben, mit dem ich in neuer Offenheit,
Seite 2

sozusagen Glasnost zwischen uns, sprechen kann.
Das verbessert meines Erachtens die Situation. Ich
freue mich also darauf, ihn zu treffen, und ich werde
ihm sagen, wo es zwischen uns unterschiedliche
Meinungen gibt.
Frage: Sie sprechen von Perestrojka. Sie haben
häufig ihre Unterstützung der Perestrojka in der Sowjetunion bekundet. Von welchen Vorstellungen lassen Sie sich dabei leiten?
Antwort: Meines Erachtens werden Wirtschaftsreformen und das gesamte Spektrum der von Gorbatschow
beabsichtigten Reformen eine wohlhabendere Sowjetunion und eine friedlichere Welt hervorbringen. Wir
gehen davon aus, daß Marktwirtschaften sowie freie
Märkte und Wahlmöglichkeiten im ökonomischen
Bereich den Menschen zum Vorteil gereichen. Und
von einem Erfolg der Perestrojka erwarte ich Vorteile
für mein Land. Je mehr Handel wir haben, desto
besser.
Es gibt einige Probleme. Es bestehen Probleme im
Baltikum, die eine völlige Offenheit verhindern. Es gibt
Probleme, weil unserer Meinung nach zunächst Reformen in die Tat umgesetzt werden müssen, bevor wir
einen vollständigen Austausch ökonomischer Interessen haben können.
Wenn ich also an Perestrojka denke, so an dramatische Reformen und Veränderungen, die wir begrüßen
und fortgesetzt sehen möchten. Und ich möchte Ihren
Zuschauern gegenüber wiederholen, was ich bereits
dem amerikanischen Volk gesagt habe, daß wir ein
Interesse am Erfolg der Perestrojka haben. Sie liegt in
unserem Interesse. Wir tun dies nicht, weil wir plötzlich
nur an jemand anderen denken. Meines Erachtens
liegt sie auch im Interesse des sowjetischen Volkes.
Meine Aufgabe besteht zuerst darin, für die nationale
Sicherheit der Vereinigten Staaten und das Wohlergehen des Volkes draußen vor diesem Fenster zu sorgen. Und der Erfolg der Perestrojka würde dem auf
vielfältige Weise nützen. Darüber hinaus tragen wir
beide - Gorbatschow und ich - Verantwortung für ein
breites Spektrum von Tagesordnungspunkten, einschließlich des Weltfriedens.
Ich habe Enkel, und er hat Familie, und wir können uns
darüber auf menschlicher Ebene unterhalten. Was
sollen wir tun, um die Welt etwas sicherer zu machen?
Wenn wir streiten, dann in freundlicher Atmosphäre.
Er ist ein harter Bursche. Ich kenne ihn lange genug,
um zu wissen, daß er seine Vorstellungen überzeugend darlegt. Nun, ich kann dasselbe tun. Und es ist
wichtig, daß ich ihm gegenüber offen sein kann - ich
lege meine Gedanken und unsere Politik dar. Ich
möchte, daß Sie das verstehen. Ich möchte, daß Sie
verstehen, daß diese Politik nicht darauf ausgerichtet
ist, die Lage für die Sowjetunion zu verschlimmern.
Wenn Sie meinen Rat annehmen, Sir, wird sich die
Lage der Sowjetunion wesentlich verbessern.

AMERIKA DIENST 21

»
*

�Frage: Vielen Dank, Herr Präsident. Ich weiß, wie
beschäftigt Sie sind und danke Ihnen vielmals dafür.

vor seinem führenden Vertreter an diesen Gipfel herangehen werde und dabei in dem Bewußtsein handele, daß wir in diesen Gesprächen Erfolg haben müsAntwort: Ich danke Ihnen. Sie können Ihren Zu- sen, um die Rüstungskontrolle voranzubringen, um
schauern in der Sowjetunion versichern, daß ich voller zwischen uns die bestmögliche Formel nicht nur für die
Respekt für das sowjetische Volk, voller Achtung vor Stabilität Europas, sondern der ganzen Welt auszuarden durchgeführten Veränderungen und mit Respekt beiten. Ich freue mich auf diesen Besuch.

* * * * *

AMERIKA DIENST 21

Seite 3

�OST-WEST-BEZIEHUNGEN
30. Mai 1990

ERFOLGREICHE STARTHILFE FÜR OSTEUROPA
Rede des Stellvertretenden US-Außenministers Eagleburger
WASHINGTON - (AD) - Bei einem Seminar des Bretton Woods-Komitees zum Thema "Der Finanzbedarf
Osteuropas - Die Rolle des Westens" erklärte der Stellvertretende US-Außenminister Lawrence S. Eagleburger
am 23. Mai 1990 den anwesenden Wirtschaftswissenschaftlern und Vertretern aus Industrie und Finanzwelt, die
westlichen Länder hätten den aufstrebenden Demokratien Osteuropas "erfolgreiche Starthilfe" geleistet.
Eagleburger zufolge ist dies in der Geschichte des Industriezeitalters eine "einmalige Chance". "Wir können
entweder den Übergang zu freien Märkten und Demokratie in Osteuropa und anderen Ländern zum Erfolg führen
oder die Möglichkeit in Kauf nehmen, daß die heutigen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen
wieder in ihren alten Zustand der sicherheitspolitischen Herausforderung zurückfallen."
Der Stellvertretende Außenminister stellte die Prognose auf, diese Art des Übergangs sei für viele Jahre
"vorrangiges Ziel der amerikanischen Außenpolitik weltweit".
Eagleburger erläuterte in diesem Zusammenhang den dreistufigen Ansatz der Vereinigten Staaten zu den
"revolutionären Umständen" in Osteuropa:
kurzfristig - humanitäre Soforthilfe,
mittelfristig - Förderung von politischem Pluralismus und marktorientierten Volkswirtschaften,
langfristig - mehr Wirtschaftshilfe für diejenigen Länder, die zur Umwandlung in eine freie
Marktwirtschaft bereit sind.

Nachfolgend veröffentlichen wir Eagleburgers Rede im Wortlaut:

Vor ein paar Tagen hat mich mein Freund Henry Owen
gebeten, bei diesem wichtigen Seminar eine 15minütige Rede über die Osteuropa-Hilfe der Vereinigten
Staaten zu halten. Diejenigen, die der Regierung den
Vorwurf machen, sie täte zuwenig für Osteuropa,
werden denken, 15 Minuten seien zu lang für das, was
ich zu sagen hätte. Sie werden mich - heute auf
Krücken - vielleicht sogar als Sinnbild für unsere Politik
betrachten. Aber ich bin auf dem Wege der Besserung, und was den Vergleich betrifft, so lernen wir
gerade zusammen mit den Osteuropäern bei dieser
einmaligen Gelegenheit, einen Schritt nach dem anderen zu setzen.
Tatsache ist, daß alles, was wir jetzt in Osteuropa
unternehmen, nie zuvor versucht oder geleistet wor-

AMERIKA DIENST 21

den ist - nie zuvor sind zentralisierte Kommandowirtschaften in freie Marktwirtschaften und totalitäre Willkürregime in demokratische Staaten mit rechtsstaatlichen Prinzipien verwandelt worden. Infolgedessen
haben wir - offen gesagt - ebenso wie unsere Freunde
und Partner in Ost- und Westeuropa viele Hindernisse
überwinden müssen. Unweigerlich haben wir Fehler
gemacht - zuviel an einer Stelle ausgegeben - zuwenig
an anderer, unnötig doppelte Arbeit geleistet und es an
Koordination fehlen lassen.
Ich möchte Ihnen kurz einige der Lektionen darlegen,
die wir bereits gelernt haben, vertrete aber grundsätzlich die Auffassung, daß wir uns im Hinblick auf unsere
Bestrebungen, in Osteuropa einen 50jährigen Zeitrückstand aufzuholen, noch in einem frühen, experi-

Seite 1

�mentellen Stadium befinden. Aber es sollte kein
Zweifel daran bestehen, daß wir sehr großes Interesse
an einem erfolgreichen Ergebnis dieser Bemühungen
haben. Wir wollen in der Tat dasselbe Ziel erreichen,
das wir in zwei Weltkriegen in Europa und währenddes
von John F. Kennedy so bezeichneten "langen Kampfes im Zwielicht" des kalten Krieges verfolgt haben: ein
demokratisches und stabiles Europa, das mit sich
selbst und mit der Außenwelt in Frieden lebt.
Der Unterschied besteht heute natürlich darin, daß
sich unsere Mittel zur Erlangung dieses Ziels plötzlich
gewandelt haben. Dank der Beharrlichkeit westlicher
Demokratien in den vergangenen 45 Jahren konnten
wir an den Punkt gelangen, an dem tiefgreifende und
schwierige Herausforderungen an die Sicherheit nunmehr einzig politischen oder wirtschaftlichen Herausforderungen gewichen sind. Das trifft nicht nur für
Europa, sondern auch für einen großen Teil der Welt
zu, wo der ideologische Kampf des letzten Jahrhunderts zugunsten von Demokratie und freiem Unternehmertum aufgegeben wurde.
Kurz, wir befinden uns an einem Zeitpunkt einmaliger
Chancen in der Geschichte des Industriezeitalters.
Wir können entweder den Übergang zu freien Märkten
und Demokratie in Osteuropa und anderen Ländern
zum Erfolg führen oder die Möglichkeit in Kauf nehmen, daß die heutigen politischen und wirtschaftlichen
Herausforderungen wieder in ihren alten Zustand als
sicherheitspolitische Herausforderung zurückfallen.
Das ist Neuland, und die vor uns liegenden Aufgaben
sind keineswegs einfach. Es ist wichtig und ernüchternd, sich zu vergegenwärtigen, daß wir den ideologischen Kampf weltweit teilweise aufgrund des eindeutigen Scheiterns der Systeme unserer Gegner gewonnen haben. Unsere Aufgabe wird ungeheuer kompliziert durch das Vermächtnis, das diese gescheiterten
Systeme ihren Nachfolgern hinterlassen haben: massive
Schulden, eine veraltete industrielle Basis, die geschädigte Umwelt sowie politischen Dogmatismus und
Intoleranz. Das schlimmste Vermächtnis ist jedoch
möglicherweise psychologischer Art - eine Abhängigkeit von staatlich vergebenen oder subventionierten
Arbeitsplätzen, Waren und Dienstleistungen und das
damit einhergehende Fehlen unternehmerischer Fähigkeiten.
Wenn man diesem Vermächtnis im Falle der Länder
der dritten Welt noch die Last der Überbevölkerung
und die massiven Einkommensunterschiede hinzufügt, ergibt sich ein besseres Bild vom Umfang der
Herausforderung, der sich der Westen in den nächsten
zehn Jahren und darüber hinaus gegenübersehen
wird. Was wir heute in Osteuropa beobachten, ist
lediglich eine erste Vorahnung von einem außenpolitischen Ansatz, wie wir ihn im 21. Jahrhundert benötigen werden.

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Wir im Westen müssen uns als Regierung und Öffentlichkeit der Tatsache bewußt sein, daß ein Scheitern
der weltweiten Hinwendung zu Demokratie und freien
Märkten unseren Interessen einen ernsthaften und
nicht akzeptablen Schlag versetzen würde. In Europa
würden erneut die Tage des Taktierens mit dem Gleichgewicht der Kräfte im Umfeld eines schwachen und
instabilen osteuropäischen Ländergefüges heraufbeschworen und lang unterdrückte ethnische Konflikte
im Kontext wirtschaftlichen Niedergangs verschärft. In
den Industrieländern wären die Auswirkungen eines
gescheiterten Übergangs mindestens ebenso gravierend und könnten ernsthafte Implikationen haben,
wenn man die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und die Möglichkeit grenzenloser Einwanderungswellen bedenkt.
Mit anderen Worten, wir müssen die Übergangsphase
meistern, denn die erfolgreiche Abwicklung des Übergangs wird viele Jahre lang vorrangiges außenpolitisches Ziel der Vereinigten Staaten weltweit sein. Meiner
Ansicht nach haben wir Osteuropa erfolgreiche Starthilfe geleistet. Obwohl die bisherigen Leistungen sich
angesichts dessen, was für uns auf dem Spiel steht,
relativ bescheiden ausnehmen, möchte ich nochmals
auf das zurückkommen, was ich eingangs erklärt
habe: wir müssen einen Schritt nach dem anderen
setzen, und wir können die vielschichtigen und vielfältigen Probleme des Übergangs zur Marktwirtschaft in
Osteuropa - ganz zu schweigen vom Rest der Welt nicht mit einem Schlag lösen.
Zunächst müssen wir Amerikaner uns selbst ein Bild
von dem grundlegend anderen, aber nicht minder
schwierigen Charakter der Lasten und Pflichten machen, die wir in der neuen Welt übernehmen müssen.
Als nächstes gilt es - nicht etwa über Nacht - unsere
Mittel so einzusetzen, daß wir unseren Prioritäten
gerecht werden .Und drittens - das betrifft insbesondere den Kongreß - müssen wir bei der Durchführung
der Au ßenpolitk für unsere Nation ein verfassungsmäßiges Gleichgewicht herstellen, damit die Exekutive
über die erforderliche Flexibilität verfügt, um Ressourcen den sich schnell verändernden Anforderungen
und Bedingungen anpassen zu können.
Unser Ansatz für die sich nunmehr in Osteuropa
vollziehenden revolutionären Veränderungen deckt drei
Bereiche ab. Erstens sind wir kurzfristig bereit, humanitäre Soforthilfe zu leisten, um dem Mangel am Notwendigsten, wie Nahrungs- und Arzneimitteln, abzuhelfen.
Zweitens wollen wir mittelfristig eine Reihe von Schritten zur Förderung von politischem Pluralismus und
freier Marktwirtschaft unternehmen. Wir sind bereit,
allen Ländern der Region, die beim Übergang zu
Demokratie, freien Märkten und einer sauberen Umwelt

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�Unterstützung brauchen, praktische Hilfe zu leisten.
Darüber wollen wir unbedingt unsere bilateralen Handels- und Investitionsbeziehungen mit denjenigen
Ländern, die die Bestimmungen der amerikanischen
Gesetzgebung erfüllen, normalisieren.
Und drittens wollen wir langfristig unsere Wirtschaftshilfe in der Übergangsphase auf diejenigen Länder
erweitern, die bereit sind, den hohen und schmerzlichen Preis für eine echte freie Marktwirtschaft zu
zahlen. Dies umfaßt finanzielle Hilfe für glaubwürdige
Programme der Stabilisierung und strukturellen Anpassung, im Sinne der von uns eingerichteten Unternehmensfonds für Polen und Ungarn. Darüber hinaus
wollen wir die Europäische Bank für Wiederaufbau und
Entwicklung unterstützen. Und wir vertreten die Auffassung, daß internationale Finanzinstitutionen wie
IWF und Weltbank wichtige Hilfestellung bei der Integration der osteuropäischen Länder in die Weltwirtschaftsgemeinschaft leisten können.
Vielfach ist Kritik laut geworden, daß die Regierung
keine Pläne für Osteuropa hat. Diesen Vorwurf nehme
ich an. Tatsächlich möchte ich darauf hinweisen, daß
wir keinen sorgfältig ausgearbeiteten Plan haben dürfen und können, der einzelne Entwicklungen in jedem
Land antizipieren würde. Die Zeit der Pläne und
grandiosen Planspiele ist vorbei. Jeder, der im letzten
Jahr Pläne für die Region gehabt hätte, hätte sie
inzwischen viele Male ändern müssen. Was wir vor
allem benötigen, ist eine Vorstellung vom einzuschlagenden Kurs und eine gute Übersicht, wie wir dorthin
kommen. Die haben wir meiner Ansicht nach. Darüber
hinaus müssen wir flexibel - und fähig genug - sein, um
auf neue Ereignisse zu reagieren.
Das soll nicht heißen, unser Ansatz ist perfekt. Ich
habe bereits darauf verwiesen, daß wir uns in einer
experimentellen Phase befinden. Wenn Sie über den
Weg nachdenken, den wir in Zukunft - nicht nur in
Osteuropa, sondern auch in Lateinamerika und andernorts - einschlagen müssen, befinden wir uns noch
immer im Trainingslager - um einen Begriff aus dem
Sport zu verwenden. Aber wir sind weit genug, um
einige erste Beobachtungen gemacht zu haben. Dabei
ist mir insbesondere ein Bereich aufgefallen, in dem wir
etwas verbessern können - bei der Koordination unserer Osteuropahilfe.
Ich denke dabei zunächst an die Probleme der Koordination innerhalb der US-Regierung, ein Bereich, für
den ich mitverantwortlich bin. Mehr als 25 Regierungsbehöiden sind in der einen oder anderen Form an der
Hilfe für die Länder Mittel- und Osteuropa beteiligt.
Einige dieser Behörden beschäftigen sich auch sonst
mit Außenpolitik und sind daher mit einem internationalen Umfeld vertraut. Dennoch sind es in den meisten
Fällen innenpolitische Behörden, die an der Hilfe beteiligt werden. Sie spielen eine wichtige Rolle, die inter-

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ministerielle Koordination ist jedoch schwierig, zumal
alle um beschränkte Ressourcen konkurrieren. Ich
denke, meine Kollegen aus Westeuropa verfügen da
über ähnliche Erfahrungen.
Noch schwieriger ist die Koordination von Aktivitäten
auf dem Privatsektor, zu denen gewinnorientierte
Geschäfte gehören, Vorschläge für praktische Hilfe
mit staatlicher Förderung und der Einsatz freiwilliger
Helfer. Im Hinblick auf gewinnorienierte Geschäfte
können wir Beistand leisten, weil solche Unternehmen
für erfolgreiche Reformen in Mittel- und Osteuropa
unabdingbar sind. Aber es ist nicht Aufgabe der
Regierung, ein Unternehmen einem anderen vorzuziehen und zu subventionieren.
Um staatliche Finanzierung nachsuchende Gruppen
des Privatsektors sind in der Regel die schwierigste
Kategorie, mit der wir umgehen. Sowohl wir als auch
die Regierungen Mittel- und Osteuropas sind mit einer
Vielzahl von Vorschlägen des Privatsektors überzogen worden, technische Hilfe zu leisten. Diese Vorschläge sind von höchst unterschiedlicher Güte, und
wir müssen Mittel und Wege finden, die guten von den
schlechten zu trennen.
Schließlich stellen die freiwilligen Helfer ein großes
ungenutztes Potential dar. Wir sind jetzt bestrebt, im
Rahmen des kürzlich vom Präsidenten ins Leben
gerufenen Bürgerkorps Demokratie in den Vereinigten
Staaten eine Freiwilligenhilfe zu organisieren. Wir
wollen ein Zentrum schaffen, in dem alle technischen
Fähigkeiten und Dienstleistungen verzeichnet werden, die der amerikanische Privatsektor leisten kann.
Dann werden wir in der Lage sein, diese Fähigkeiten
und Dienstleistungen mit den Bedürfnissen der Länder
Mittel- und Osteuropas in Einklang zu bringen.
Angesichts der Koordinationsschwierigkeiten zwischen
US-Regierung und Privatsektor möchte ich noch auf
einen Faktor hinweisen, der uns nicht beschämen
sollte. Freie Marktwirtschaften wie unsere sind einfach
nicht vereinbar mit der Gewährung zentralisierter,
koordinierter Hilfe. Die Tugend, die wir in Osteuropa zu
fördern suchen - einen Privatsektor mit freier Marktwirtschaft - bringt es mit sich, daß eine Vielzahl unterschiedlicher Gruppen innerhalb und außerhalb der
Regierung um die beschränkten Ressourcen kämpft.
Wir müssen mit diesen Problemen fertigwerden und
die Hilfe so gut wie möglich zu lenken suchen, indem
wir bei wichtigen Initiativen politische Prioritäten setzen und eine Führungsrolle übernehmen. Wir können
den Prozeß jedoch nicht streng kontrollieren und sollten das auch nicht tun.
Bei all diesen nationalen Koordinierungsproblemen
denken wir manchmal - zu Unrecht -, internationale
Koordination sei faktisch unmöglich. Sicherlich war es
für die G-24 nicht leicht, Hilfsprogramme zu koordinie-

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�ren. Tatsächlich ist es unmöglich, einer Gruppe in
einem Land erklären zu wollen, sie dürfe sich an
landwirtschaftlichen, nicht aber an ökologischen Programmen beteiligen. Jedes Geberland hat ein großes
Spektrum von Interessengruppen, die in Mittel- und
Osteuropa beteiligt werden wollen, und es ist - obgleich
wünschenswert - nicht praktikabel, Verantwortungsbereiche aufzuteilen. Das hei ßt nicht, daß wir es unter
bestimmten Umständen nicht doch versuchen sollten,
es wird nur schwierig sein.
Die G-24 hat jedoch als Schnittstelle für Informationen
eine wichtige Rolle gespielt. Darüber hinaus war sie
bei Projekten hilfreich, die ein Land allein nicht bewältigen konnte. Zum Beispiel war unsere Zusammenarbeit beim polnischen Stabilisierungsfonds sehr erfolgreich. Meiner Ansicht nach könnten wir ebenfalls ein
größeres gemeinsames internationales Projekt in den
Bereichen Umwelt oder Gesundheitswesen auf regionaler Ebene in Angriff nehmen.
Zum Schluß möchte ich noch zwei Punkte ansprechen. Erstens ist es wichtig, daß wir soviel Hilfe wie
möglich in Form von Zuschüssen und nicht als Kredite
vergeben. Kredite erhöhen lediglich die bereits große
Schuldenlast der Länder Mittel- und Osteuropas.
Zweitens müssen Mittel- und Osteuropa selbst nach
der Bildung neuer Regierungen ihre eigenen Prioritäten aufstellen und den Geberländern den Kurs mitteilen, den sie einschlagen wollen.
Um dem Charakter dieser Zusammenkunft und den
Diskussionsthemen Rechnung zu tragen, habe ich
meine Rede auf einige allgemeine Beobachtungen
über die Bestrebungen des Westens beschränkt, den

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wirtschaftlichen Wiederaufbau und die Konsolidierung
der Demokratie in Osteuropa zu fördern. Ich möchte
meine Ausführungen jedoch nicht beenden, ohne
nochmals meine Meinung zum Ausdruck zu bringen,
daß der westliche Privatsektor direkt an dieser großen
Reformbewegung teilhaben muß, wenn diese Erfolg
zeitigen soll. Aber Privatuntemehmen wollen mehr als
die Überzeugung, Almosen zu geben oder ein Abenteuer zu bestehen. Westliche Unternehmer werden
sich davon überzeugen wollen, daß in Osteuropa
echte Gewinnmöglichkeiten bestehen. Wir in der
Regierung müssen unsererseits alles in unserer Macht
Stehende tun, um Ost- und Mitteleuropäer davon zu
überzeugen, daß sie in der gesamten Region ein
gerechtes Umfeld und ein attraktives Investitionsklima
schaffen müssen. Letztlich werden die Mittel der
Region Vorteile bringen, die aus Privatinvestitionen
stammen, und mit ihnen werden die unternehmerischen Fähigkeiten und die Marktpsychologie den
Übergang zum Erfolg führen.
Ich habe eingangs bereits darauf verwiesen, daß die
Herausforderung der Förderung des Übergangs von
einer konfliktreichen Welt in eine Welt, die sich der
Förderung der Demokratie und dem Erfolg der freien
Marktwirtschaft verschrieben hat, für uns und unsere
Außenpolitik der kommenden Jahre höchste Priorität
hat. Wenn wir in Osteuropa die Übergangsphase
meistern, dann ist das nicht nur als Einzelfall wichtig
sondern auch im Hinblick auf die Veränderungen in
anderen Ländern - und für alle bevorstehenden Veränderungen.

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�OST-WEST-BEZIEHUNGEN
30. Mai 1990

GEMEINSAME WERTE ALS BINDEGLIED DER
OST-WEST-BEZIEHUNGEN
Rede von Botschafter Walters bei der University of Maryland
HEIDELBERG - (AD) - In seiner Rede anläßlich der Examensfeier bei der University of Maryland in Heidelberg
erläuterte Botschafter Walters am 27. Mai 1990 drei Bereiche, denen in der Wertegemeinschaft von Amerikanern
und Westdeutschen große Bedeutung zukommt - eine demokratische Regierung, ein föderales System und der
tiefe Glaube an den Wert des einzelnen.
Botschafter Walters erklärte, "je mehr gemeinsame Werte wir entdecken und je mehr Elemente wir in unserem
Erbe und unserer Zivilisation als gleich oder miteinander vereinbar identifizieren, desto aussichtsreicher
erscheint auf lange Sicht die Aufrechterhaltung gemeinsamer Interessen und einer starken Beziehung." Wenn
diese Beziehung erhalten werden soll, müssen Walters zufolge "künftige Generationen in Amerika und Deutschland gleichermaßen diese Werte und ihren Stellenwert in den deutsch-amerikanischen Beziehungen verstehen,
pflegen und schützen".
Diese Herausforderung gab er den Absolventen der University of Maryland mit auf den Weg.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Walters' Rede im Wortlaut:

Ich betrachte es als großes Privileg, diesen wichtigen
Tag in Ihrem Leben mit Ihnen hier in Heidelberg
begehen zu können. Ich bin hocherfreut und fühle
mich geehrt, gemeinsam mit Au ßenminister Genscher
den Titel eines Doktors der Rechte von der University
of Maryland verliehen zu bekommen.
Die University of Maryland kann stolz auf den Beitrag
sein, den sie in über 35 Jahren für das amerikanische
Bildungswesen erbracht hat. Daß sie Zehntausenden
von Amerikanern, die in Übersee ihrem Land dienten,
Weiterbildungsmöglichkeiten bot, macht ihren Beitrag
so einzigartig. Arnold Toynbee würdigte einst das
Überseeprogramm der University of Maryland als
"amerikanische Leistung, von der der Rest der Welt
viel lernen kann".
Sie, die Absolventen des Jahrgangs 1990, können
stolz darauf sein, diese Tradition fortzuführen, ebenso
wie ich stolz darauf bin, zu der langen Reihe prominenter Persönlichkeiten zu gehören, die hierher eingeladen wurden. Seinen Namen auf einer Liste zu sehen,
die mit Konrad Adenauer beginnt - er sprach zum
ersten Abschlußjahrgang der University of Maryland
im Jahr 1951 - und die auch John J. McCIoy, Arnold

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Toynbee, Margaret Mead, Ludwig Erhard, Helmut
Kohl und Hans-Dietrich Genscher umfaßt, ist eine
große Ehre.
Sie als Absolventen haben wie wir alle das Glück, in
einer Zeit historischen Wandels in Europa zu sein.
Dieser Satz ist gewiß nichts Neues, und er ist ja in der
Tat schon zu einer stereotypen Redewendung geworden. Wir stoßen nahezu jeden Tag in den Medien
darauf. Aber ich war bereits 1945 und in den folgenden
äußerst schwierigen Jahren hier. Damals diente ich
meinem Land, wie die meisten von Ihnen heute, in
Uniform. Ich sah die Zerstörungen und bewegte mich
zwischen den Trümmern. Das Ausmaß der Zerstörung spottet jeder Beschreibung. Ganze Städte, in
denen einst Hunderttausende gelebt, gearbeitet und
ihre Kinder aufgezogen hatten, lagen in Schutt und
Asche. Es gab keine Gebäude oder Bäume mehr und
kaum noch Lebenszeichen. Stattdessen glichen viele
der großen städtischen und industriellen Zentren
Deutschlands einer Mondlandschaft. Ich besuchte die
Überlebenden, von denen viele in schuttbedeckten
Kellern lebten und mutig versuchten, sich eine neue
Existenz aufzubauen.

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�Damals in diesen ersten Nachkriegsjahren war es mir
offengestanden unmöglich, zu glauben, daß Deutschland zeit meines Lebens wiederaufgebaut würde.
Aber, wie Sie sehen, geschah genau das - zumindest
im Westen. Die westliche Hälfte - die Bundesrepublik
Deutschland - wurde nicht nur wiederaufgebaut, sondern sie stieg aus den Ruinen zur viertstärksten Volkswirtschaft der Welt, zu einer Spitzenstellung in der
Technologie und einer Demokratie auf der Basis von
Freiheit und Werten des einzelnen auf. Es war ein
Wunder. Mit Hilfe des Marshallplans und hinter dem
Schild der NATO blühte die Bundesrepublik Deutschland auf, und ein neues Kapitel der Geschichte begann. Die Bundesrepublik Deutschland wurde für den
Rest der Welt zu einem Modell für Freiheit und Wohlstand, ein Licht der Hoffnung fürdiejenigen Deutschen
und Osteuropäer, die weit weniger Glück hatten. Dieses
Licht leuchtete während des gesamten kalten Krieges,
in jenen langen, spannungsgeladenen Monaten der
Berlin-Blockade und durch nahezu drei Jahrzehnte
hindurch, in denen die Berliner Mauer wie eine häßliche Narbe die grausame und künstliche Teilung Deutschlands und ganz Europas symbolisierte.
Heute wird Europa vom Gefühl des Optimismus und
der Hoffnung bestimmt. Dagegen wurden vergangene
Abschlußfeiern in Deutschland durch Bilder von Wachtürmen, Wachhunden und Maschinengewehren überschattet. Viele von Ihnen waren beim Bau der Berliner
Mauer im August 1961 noch nicht geboren. Jene
häßliche Narbe, die das Gesicht Europas verunzierte,
war ein Götzenbild staatlich verhängter Tyrannei.
Und heute hat die Welt in nur wenigen Monaten ein
neues Gesicht bekommen, in dem sich eine neue
Realität widerspiegelt - von Deutschen in Ost und
West, die einander auf die Krone der Mauer halfen,
dem neuen Symbol einer menschlichen Brücke zwischen den Nationen. Die Botschaft dieses Ereignisses, die über Satellit Zuschauer in der ganzen Welt
erreichte, hatte einen eindeutigen Symbolgehalt und
rührte an verschüttete Emotionen. Die Freiheit hatte
gewonnen, jenes Licht der Hoffnung war nicht ausgelöscht worden.
Nirgends in der Welt von heute - oder selbst in der
Geschichte der Menschheit - haben die Bestrebungen
der Menschen so rasch und so sicher über kalten
Beton triumphiert wie in Berlin. Ich war stolzer Zeuge,
als Außenminister Genscher Präsident Bush im vergangenen November ein Stück der Berliner Mauer
überreichte, das an die Macht der Freiheit erinnert, daß
die Freiheit die Macht besitzt, Mauern zwischen den
Menschen zum Einsturz zu bringen.
Ebenso anrührend wie die Szenen beim Fall der Berliner Mauer war es für mich persönlich im vergangenen
November, zu beobachten, wie DDR-Bewohner die
Glienicker Brücke überquerten. Es ist der Ort, an dem
zahlreiche treue Diener der Vereinigten Staaten, die in

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den Jahren des kalten Krieges schon für tot erklärt
worden waren, den Weg in die Freiheit gingen. Es war
äußerst bewegend, zu sehen, wie Westdeutsche ihre
Landsleute auf dem Weg über diese Brücke umarmten.
Wir stehen an der Schwelle eines neuen Zeitalters in
den deutsch-amerikanischen Beziehungen, und ich
möchte Ihnen kurz erläutern, welches meines Erachtens die grundlegendsten Elemente dieses neuen
Verhältnisses sein werden.
Ich erwähnte bereits Konrad Adenauer, den ersten
Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er war
zweifellos einer der größten Staatsmänner aller Zeiten. Vor 34 Jahren gab Bundeskanzler Adenauer in
einer Rede an der Yale-Universität eine Erklärung über
die Rolle der NATO ab, die sich als prophetisch erwiesen hat. Er sagte:
"Höchste Wachsamkeit und berechtigtes Mißtrauen gegenüber der Politik der Sowjetunion
schließen jedoch nicht aus, daß der Westen
bereit sein muß, seine Politik laufend daraufhin
zu überprüfen, ob sie den weltpolitischen Entwicklungen angepaßt ist."
Ich spreche häufig über die politischen, ökonomischen
und militärischen Aspekte der deutsch-amerikanischen
Beziehungen und darüber, wie sie sich im Hinblick auf
die von Adenauer prognostizierten neuen Entwicklungen entfalten sollten. Ich möchte jedoch nun über
etwas wesentlich Grundlegenderes sprechen als über
politische, wirtschaftliche und militärische Maßnahmen. Ich möchte über gemeinsame Werte unserer
beiden Nationen sprechen und über die zentrale Rolle
dieser gemeinsamen Werte für die Zukunft.
Es waren in der Tat die NATO und 40 Jahre des
Weitblicks, Mutes und der Beharrlichkeit ihrer Mitgliedstaaten, die die Idee des freien Europas von heute erst
möglich machten.
Und es war der Erfolg der Marktwirtschaften, der
letzlich die Völker der ganzen Welt überzeugte, dem
Marxismus-Leninismus eine Absage zu erteilen. Der
Marxismus-Leninismus, was immer er auch bezweckte, ist tot. Es waren aber die auf Freiheit und Individualismus basierenden gemeinsamen Ideale der freien
Gesellschaften, die den Anstoß zu der heute so bezeichneten "friedlichen Revolution" in Osteuropa gaben.
Zu Beginn der neunziger Jahre liegt die Zukunft der
deutsch-amerikanischen Beziehungen in jenen gemeinsamen Idealen und Werten. Während meine
Generation, die die Zerstörung und den Wiederaufbau
Deutschlands erlebte, von Ihrer abgelöst wird, besteht
die Herausforderung für Ihre Generation - und mein
Appell an Sie, den Abschlußjahrgang 1990 - darin,
diese gemeinsamen Ideale und Werte, die unsere
beiden großen Nationen miteinander verbinden, zu
verstehen und zu stärken.

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�Bei der Diskussion über die Zukunft der deutschamerikanischen Beziehungen können wir eine Prämisse aufstellen. Je mehr gemeinsame Werte wir entdekken und je mehr Elemente wir in unserem Erbe und
unserer Zivilisation als gleich oder miteinander vereinbar identifizieren, desto aussichtsreicher erscheint auf
lange Sicht die Aufrechterhaltung gemeinsamer Interessen und einer starken Beziehung. Lassen Sie uns
also einige der wichtigsten Elemente unseres gemeinsamen Erbes untersuchen.
Wenn wir mit der Geographie und den geschichtlichen
Ursprüngen unserer beiden Nationen beginnen, könnten wir sehr leicht versucht sein, danach zu fragen, was
wir überhaupt gemeinsam haben. Die Vereinigten
Staaten sind ein Land, das sich zwischen zwei Weltmeeren erstreckt, die unsere natürlichen Grenzen
bilden und uns Schutz gewähren. Deutschland ist
relativ klein - etwa von der Größe Oregons -, befindet
sich in der Mitte Europas und hat keinerlei natürliche
Grenzen, die es oder - das muß auch gesagt werden
- seine Nachbarn schützen. Die Unterschiede könnten
nicht größer sein, und diese Unterschiede haben sicherlich unsere historische Entwicklung beeinflußt.
Die frühe amerikanische Geschichte zeichnete sich
durch ein ausgeprägtes Gefühl der Abgeschiedenheit
von der alten Welt im Hinblick auf politische und
religiöse Überzeugungen aus. Es gab - und viele
fürchten, es bestünde immer noch - eine amerikanische Option des Isolationismus und Unilateralismus,
die seit George Washingtons Warnung vor "verstrik-

kenden Allianzen" und James Monroes Erklärung der
westlichen Hemisphäre zum "Sperrgebiet", für künftige europäische Eroberungen fester Bestandteil amerikanischen politischen Denkens war. Für Deutschland gab es in seiner ganzen Geschichte nie einen
Moment der "splendid Isolation". Die Einheit war
zerbrechlich. Seine Nachbarn hatten ein starkes Interesse daran, was sich in der Mitte Europas abspielte.
Bündnisse wurden geschmiedet, in denen ein deutscher Staat gegen den anderen stand. In Zeiten der
Schwäche war Deutschland Ziel ausländischer Interventionen, und in Zeiten der Stärke war es eine Bedrohung für seine Nachbarn.
Was haben wir gemeinsam? Was verbindet uns
miteinander und wird in den kommenden Jahren eine
solch große Bedeutung haben? Welche Traditionen
werden von Amerikanern und Westdeutschen geteilt?
Ich meine, es gibt drei von entscheidender Bedeutung:
eine demokratische Regierung, ein föderales System
und einen tiefen Glauben an den Wert des einzelnen.
Das Jahr 1776 war ein wichtiges Jahr in der Geschichte, nicht nur, weil es die erste Erklärung der Unabhängigkeit von der Kolonialherrschaft hervorbrachte, sondern
weil es - mit der Niederschrift der amerikanischen
Verfassung ein Jahrzehnt später - der modernen
Demokratie und dem Rechtsstaat den Weg bereitete.
Obwohl Deutschland im 19. Jahrhundert weiterhin von

AMERIKA DIENST 21

Königen und Fürsten regiert wurde, entwickelte sich
eine Bewegung von Anhängern einer verfassungsmäßigen Ordnung, die in der Revolution von 1848 und
schließlich in der Weimarer Verfassung von 1919zum
Ausdruck kam. Als im Jahr 1948 die Begründer der
Bundesrepublik das Grundgesetz entwarfen, konnten
sie sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in
Deutschland auf einen großen Schatz an Erfahrungen
mit Verfassungen zurückgreifen.
Dabei stand den Politikern von 1948 das Beispiel der
Vereinigten Staaten am deutlichsten vor Augen. Sie
wollten einen föderativen deutschen Staat, der die
Regierung mit der notwendigen innen- und außenpolitischen Macht ausstattete, aber auch ein System der
"checks and balances" zwischen einzelnen Regierungsstellen sowie der Regierung und den Ländern,
um die Auferstehung der Diktatur zu verhindern. Sie
hatten Erfolg. Heute funktioniert in der Bundesrepublik
die Symbiose zwischen Bundesregierung und Landesregierungen. Ebenso wie die Deutschen vertreten
auch wir Amerikaner die Auffassung, daß eine weit
oben angesiedelte Autorität nicht viel für eine Regierung des Volkes und für das Volk tun kann. Vielmehr
müssen die Menschen selbst dem Staat Autorität
verleihen - in ihren Familien, Gemeinden, Landkreisen
und Ländern. Dieser gemeinsame Glaube an den
Förderalismus ist einer unserer wichtigsten Werte.
Eine andere Dimension dieser Philosophie - und der
wichtigste unserer gemeinsamen Werte - ist der Glaube an den Menschen selbst. An Menschenrechte und
die politische Reife des einzelnen. Die ersten zehn
Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung und die
ersten 17 Artikel des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland stellen diesen Glauben unter den
Schutz der Verfassung. Diese Überzeugung ist tief in
der Geschichte verwurzelt, von den griechischen Philosophen über frühchristliche Theologen und Kants
kategorischem Imperativ bis zur amerikanischen
Unabhängigkeitserklärung, die das Recht des einzelnen auf Leben, Freiheit und Streben nach Glück proklamiert. Ein wichtiger Faktor des Individualismus,
dem wir unseren heutigen Wohlstand verdanken, ist
unser Glaube an die Kreativität des Menschen. Die
Pioniere, die völlig auf sich selbst gestellt, den amerikanischen Westen erforschten, gehören dazu. Ebenso die Entdecker des Atoms, die lange Nächte in ihren
Labors verbrachten und die Pioniere von heute, die
dem Weltall seine Geheimnisse zu entreißen suchen.
Beide Gesellschaften wurden in dem Glauben gegründet, daß der schöpferische Mensch Lösungen für alle
Probleme - heute und morgen - finden wird.
Die Macht dieser gemeinsamen Werte und der Mut, sie
zu schützen, hat Westeuropa 45 Jahre Frieden und
Wohlstand gesichert, den längsten konfliktfreien Zeitraum in der neueren Geschichte dieses Kontinents.
Bei dieser langen Friedenszeit können Sie sich als
Universitätsabsolventen heute vielleicht keinen ande-

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�ren Zustand vorstellen. Natürlich kann man von Ihrer
und auch von den nächsten Generationen kaum erwarten, daß sie die Ängste meiner Altersgenossen
nachvollziehen können. Aber unsere Erwartungen an
diesen sich schnell verändernden Teil der Welt dürfen
nicht so hochgeschraubt werden, daß wir vergessen,
wie es dazu kam und was auf dem Spiel steht.
Ebenso wie sich die 1945 entstandene Nachkriegsordnung schnell zu einem neuen und anderen System
veränderte, werden sich auch die Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten, wie
sie sich nach dem Krieg entwickelten, höchstwahrscheinlich wandeln. Natürlich müssen bestimmte
wichtige Punkte beibehalten werden, wenn sich die
Beziehungen positiv entwickeln sollen. Denn unsere
Beziehungen zu Deutschland unterscheiden sich grundlegend von den zynischen Machtbündnissen der Vergangenheit. Sie basieren auf etwas anderem als der
Wahrnehmung einer gemeinsamen Bedrohung - sie
sind ein Band der Verwandtschaft, die sich aus gemeinsamen Werten ergibt.

Wenn wir ins 21. Jahrhundert blicken, müssen sich
Amerikaner und Deutsche gleichermaßen vergegenwärtigen, daß unsere wichtigsten Bande nicht die
militärischen, politischen oder wirtschaftlichen Bündnisse selbst sind, sondern gemeinsame Werte auf der
Basis von Demokratie, Wahlfreiheit und dem Wert des
einzelnen. Wenn diese Beziehungen erhalten werden
sollen, müssen künftige Generationen in Amerika und
Deutschland gleichermaßen diese Werte und ihren
Stellenwert in den deutsch-amerikanischen Beziehungen verstehen, pflegen und schützen.
Diese Herausforderung stelle ich Ihnen als Absolventen der University of Maryland. Diese Werte sind unser
gemeinsames Erbe. Sie sind es, die wir schützen und
fördern müssen. Diesen Schatz müssen wir für unsere
Kinder, die Amerikaner und Deutschen künftiger
Generationen hüten.
Ich möchte nochmals darauf verweisen, wie stolz ich
auf den von Ihnen verliehenen Titel bin und auch
darauf, diese Ehre mit Herrn Genscher teilen zu dürfen.
Ich danke Ihnen. Gott segne Sie.

* *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 21

�LATEINAMERIKA
30. Mal 1990

FREIHEIT AUCH AUF DEM AMERIKANISCHEN
KONTINENT AUF DEM VORMARSCH
- Rede von Präsident Bush beim Council of the Americas WASHINGTON - (AD) - In seiner Rede beim Council of the Americas erklärte Präsident Bush am 22. Mai 1990,
das "große Drama Demokratie" vollziehe sich dem auf Osteuropa gerichteten Blick der Weltöffentlichkeit zum
Trotz auch in der westlichen Hemisphäre.
Bush erläuterte ferner, seit dem vergangenen Jahr habe Freiheit auf dem Kontinent "ungeheuren Einfluß"
gewonnen, da die Diktaturen in Panama, Nicaragua, Paraguay und Chile von frei gewählten Regierungen
abgelöst worden sind.
"In allen Ländern Amerikas", erklärte der Präsident, "leben jetzt mehr Menschen unter frei gewählten
Regierungen als je zuvor - und wir sind dem Tag näher denn je, an dem alle Menschen in Amerika, im Norden
wie im Süden, in Freiheit leben werden".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush im Wortlaut.

Ich freue mich über die Gelegenheit, vor diesem einllu ßreichen Gremium zu sprechen - das Pionierleistungen im Privatsektor vollbracht hat, um Handel und
Investitionen zwischen den Vereinigten Staaten und
Lateinamerika anzukurbeln. Und ich freue mich über
dieses Treffen insbesondere nach diesem Jahr beeindruckender Veränderungen.

t

i

In den letzten zwölf Monaten schienen bisweilen die
Augen der Welt ausschließlich auf Osteuropazu ruhen
- auf den fast unglaublichen Veränderungen, die dort
stattgefunden haben. Unsere Freunde in Lateinamerika haben die Entwicklung dieser historischen Ereignisse voller Aufmerksamkeit und Ehrfurcht verfolgt.
Aber - wie ich weiß - auch mit einer gewissen Sorge,
daß mit dem aktiven Einsatz in Osteuropa das Interesse der Vereinigten Staaten an Lateinamerika schwinden könnte.
Ich bin heute hierhergekommen, um Ihnen - wie auch
den vielen politisch Verantwortlichen in Lateinamerika,
mit denen ich zusammengetroffen bin - zu versichern,
daß durch die Ereignisse des letzten Jahres das
Interesse der Vereinigten Staaten an dieser Region
gestiegen und unser Wunsch stärker geworden ist,
eine neue Partnerschaft mit den aufstrebenden Kräften der Freiheit aufzubauen.

AMERIKA DIENST 21

Tatsache ist, daß sich das große Drama Demokratie
auf unserem eigenen Kontinent vollzieht.
Denken Sie nur an den ungeheuren Einfluß, den die
Freiheit in diesem Jahr gewonnen hat. Als ich im Mai
letzten Jahres an dieser Stelle eine Rede hielt, bereitete sich das panamaische Volk gerade auf die Wahlen
vor - trotz der Tatsache, daß der Diktator Panamas
diese zu verhindern suchte. In Nicaragua tobte der
Bürgerkrieg, die Sandinisten regierten, und die tapferen Mitglieder der nicaraguanischen Opposition standen erst am Anfang ihres langen Weges, der in diesem
Jahr zum überwältigenden Sieg der Demokratie führte.
In Mittelamerika sind es Nicaragua und Panama. In
Südamerika Paraguay und Chile. Und in ganz Amerika
leben heute mehr Menschen unter frei gewählten
Regierungen als je zuvor - und wir sind dem Tag näher
denn je, an dem alle Menschen in Amerika, im Norden
wie im Süden, in Freiheit leben werden.
Sogar in Haiti, wo es soviel Leid und soviele Unruhen
gab, hat die provisorische Regierung ihre Absicht
bekundet, freie Wahlen durchzuführen. Am Donnerstag (24. Mai 1990) werde ich im Weißen Haus die
Präsidentin Ertha Trouillot treffen, und sicherlich wird
in der Diskussion zur Sprache kommen, wie wir die

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�Demokratie in Haiti fördern können. In ganz Lateinamerika gibt es nur noch Kuba - Castros Inselgefängnis, das völlig isoliert ist und nicht mit der demokratischen Entwicklung Schritt halten kann. Aber heute dem Tag, an dem wir des Jahrestags der Unabhängigkeit Kubas gedenken - glaube ich mit Sicherheit sagen
zu können, daß auch in Kuba der Traum der Demokratie nur aufgeschoben - aber niemals zerstört - werden
kann.

Tausenden unabhängiger und unternehmerisch begabter Menschen, die ohne Zustimmung des Staates
Geschäfte machen.

Wenn wir in den Vereinigten Staaten unsere mittelund südamerikanischen Nachbarn in der Reihe der
Demokratien wilkommen heißen, müssen wir ihnen
unsere Hilfe - und noch mehr - anbieten. Wir müssen
ihnen den Respekt zollen, den sich freie Länder entgegenbringen und Ihnen partnerschaftlich die Hand reichen.

Lateinamerika schlägt bereits diesen Weg ein. In
Brasilien und Bolivien, Argentinien, Venezuela, Mexiko, Costa Rica und Jamaica macht die freie Marktwirtschaft Fortschritte und schafft Raum, damit Privatinitiative Fuß fassen und sich verbreiten kann. Wenn sie
Erfolg haben und nach einer möglicherweise schwierigen Übergangszeit die Früchte ernten können, werden
andere Länder nachfolgen.

Ich habe mich für die Intensivierung unserer Verbindungen eingesetzt. Allein in diesem Jahr bin ich beim
Drogengipfel der Andenstaaten in Cartagena mit den
Präsidenten Barco, Paz und Garcia zusammengetroffen. In Washington waren die Präsidenten Perez und
Paz, Cristiani und Endara, Collar de Mello, Calderon
und Callejas sowie Premierminister Manley meine
Gäste. In jedem Fall habe ich die Gespräche sehr
optimistisch beendet. Und meiner Ansicht nach hat
jeder dieser Staatsmänner das Weiße Haus in dem
Bewußtsein verlassen, daß sich die Vereinigten Staaten in nie dagewesenem Umfang für die Zukunft des
Kontinents engagieren.
Trotz der unterschiedlichen Bedingungen in den einzelnen Ländern wissen wir, daß unsere Herausforderungen Konsolidierung der Demokratie und Beschleunigung der Entwicklung heißen.
Das heißt, wir müssen die geistige Revolution fördern,
die jetzt über Lateinamerika hinwegfegt - eine Abkehr
von den überkommenen stalinistischen Doktrinen. Weg
von den Diktaturen der Rechten und Linken. Hin zur
Demokratie - einer gewählten Regierung, freiem Unternehmertun. Hin zur echten politischen und wirtschaftlichen Macht des Volkes.
Das bedeutet, wir müssen - in vielen Fällen zum ersten
Mal - Reformen für echte freie Marktwirtschaft fördern.
Auch in Ländern ohne kommunistische Herrschaft gab
es kein freies Unternehmertum. Die Realität sah so
aus, daß Volkswirtschaften oftmals so organisiert waren,
daß sie den Wohlstand der Machtelite sicherten und es
keine Aufstiegsmöglichkeiten für diejenigen gab, die
bereit waren, hart zu arbeiten.
Der peruanische Wirtschaftswissenschaftler Hernando de Soto beschreibt das Labyrinth bürokratischer
Hindernisse, die sich dem Unternehmer in den Weg
stellten und das Wirtschaftswachstum in seinem Land
lähmten. De Soto verweist ferner darauf, wie sehr die
Hauptstadt Lima ihre wirtschaftliche Vitalität dem von
ihm sc genannten 'informellen Sektor' verdankt - den

Seile :i

De Sotos Rezept - und meines - heißt Befreiung dieser
wirtschaftlichen Kräfte. Freisetzung der Millionen Funken
Energie und Unternehmergeist. Durch Anreize sollten
die Erwerbstätigen zur Arbeit beflügelt werden, damit
sie und ihre Familien es besser haben.

Wir in den Vereinigten Staaten müssen alles in unserer
Macht Stehende tun, um die Zukunft freier Märkte auf
dem amerikanischen Kontinent zu gewährleisten - weil
unser Land ein Interesse an der wirtschaftlichen Stabilität dieser Region hat. Wir wissen, daß Lateinamerikas Anteil am gesamtamerikanischen Handel seit
Ende der siebziger Jahre von 10 Prozent aller USExporte auf 7 Prozent sank. Dennoch belief sich im
vergangenen Jahr der bilateralen Handel zwischen
den Vereinigten Staten und Lateinamerika auf über
100 Milliarden Dollar. Wenn dieser Handel zunimmt,
wird auch die Verbindung zwischen unserem Wohlstand und dem Wohlstand unserer lateinamerikanischen Partner enger werden.
Zur Verdeutlichung dieses Punkts möchte ich ein paar
Zahlen nennen. Im vergangenen Jahr verzeichnete
die kolumbianische Wirtschaft ein Wachstum von 3
Prozent. Amerikanische Exporte nach Kolumbien
stiegen um 9 Prozent. Mexikos Wirtschaft verzeichnete Zuwachsraten von 3 Prozent, und US-Exporte stiegen um 21 Prozent. In Chile, wo die Wachstumsrate
sich insgesamt auf 10 Prozent beläuft, stiegen die USExporte um das Dreifache dieses Prozentsatzes - um
mehr als 30 Prozentpunkte.
Der wirkungsvollste Weg zur Gewährleistung des
erweiterten Handels zwischen den Vereinigten Staaten und Lateinamerika besteht für alle Länder der
Hemisphäre in der Förderung einer erfolgreichen
Uruguay-Runde. Unsere lateinamerikanischen Handelspartner werden von der ehrgeizigen Tagesordnung der Runde, unter anderem den Vorschlägen für
deutliche multilaterale Zollsenkungen, profitieren. Wir
engagieren uns für den Ausbau des Handels und die
Liberalisierung von Investitionen und bemühen uns um
die Unterstützung Lateinamerikas für diese wichtigen
Zielsetzungen.
Darüber hinaus hat die im Frühjahr vergangenen Jahres
ausgebaute Schuldenstrategie marktorientierte Wirt
schaftsreformen in Lateinamerika bestärkt. Mit Markt-

AMERIKA DIENST 21

�wirtschaften läßt sich die notwendige Grundlage für
eine Demokratie schaffen.
Aus diesem Grund bin ich so erfreut, über die von uns
im vergangenen Jahr mit dem Brady-Plan erzielten
Fortschritte zu berichten. Mexiko, Venezuela und
Costa Rica haben sich mit ihren Gläubigern auf Wege
zum Schuldenabbau geeinigt - damit ihre Bestrebungen zur Umstrukturierung ihrer Volkswirtschaften in
freie Marktwirtschaften zum Erfolg geführt werden.
Nur der freie Markt führt langfristig zu dauerhaftem
Wachstum.
Wir alle wissen, daß der Privatsektor eine entscheidende Rolle spielt. Die Nutzung neuer Investitionschancen ist gut für die Wirtschaft - aber zu diesem
kritischen Zeitpunkt gibt es noch etwas, das darüber
hinausgeht. Etwas, das sich nicht einfach an der Höhe
des BSP messen läßt. Die Rolle, die der Council of the
Americas spielen kann - beim Ausbau des Handels
und der Stärkung des Privatsektors - leistet nicht nur
einen Beitrag zum Wirtschaftswachstum, sondern auch
zum Gedeihen der Demokratie.
Auch der Staat hat eine wichtige Rolle zu spielen insbesondere in den schwierigen Tagen des Übergangs von der Diktatur zur Demokratie. Aus diesem
Grund habe ich den Kongreß aufgefordert, 800 Millionen Dollar Soforthilfe für Panama und Nicaragua zur
Verfügung zu stellen. Diese Hilfe ist von entscheidender Bedeutung. Vor über einer Woche erhielt ich ein
Schreiben von Präsidentin Chamorro, die zu diesem
Zeitpunkt gerade drei Wochen im Amt war, in dem sie
mir mitteilte, daß Nicaragua bankrott ist. Und trotzdem
sitzt diese Soforthilfe jetzt schon seit über zwei Monaten in den Mühlen des Kongresses fest. Um Ihnen eine
Idee vom Umfang dieses Problems zu geben: Im März
beantragte ich beim Kongreß 800 Millionen Dollar für
Panama und Nicaragua und bat dabei, diese Vorlage
bis zum 5. April abschließend zu behandeln. Heute
schreiben wir den 22. Mai, und die Mittel für Panama
und Nicaragua sind um 80 Millionen Dollar reduziert
worden - und dies, obwohl der Etat um 1,4 Milliarden
Dollar zusätzlich aufgestockt wurde. Es scheint so, als
ob der Kongreß diese Woche endlich diese äußerst
wichtige Maßnahme behandeln wird.
Für das Volk von Nicaragua und Panama hängt die
Demokratie in der Schwebe. Deshalb möchte ich dem
Kongreß sagen: Das Schicksal der Freiheit liegt in
Ihren Händen. Tun Sie ein Werk der Demokratie - und
verabschieden Sie dieses Soforthilfepaket jetzt.

*

AMERIKA DIENST 21

Ich begann meine heutigen Ausführungen mit den
Veränderungen, die die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf Europa lenkten. Die Anziehungskraft
dieser Vorgänge beruht teilweise darauf, das sie in
eindringlichen persönlichen Schicksalen zum Ausdruck
kommen - wie die Geschichte des Dramatikers und
Dissidenten, der heute Staatspräsident ist. Des Elektrikers, der zum Symbol der Hoffnungen seines Volkes
auf Freiheit wurde. Der Vormarsch der Demokratie hat
auch in Lateinamerika Helden hervorgebracht - und
heute möchte ich mit dreien dieser Helden aus einem
einzigen Land schließen - aus Lateinamerikas jüngster
Demokratie: Nicaragua.
Vier Jahre lang - von 1979 an, dem Jahr, in dem die
Sandinisten an die Macht kamen - war Enrique Dreyf us
Vorsitzender des Obersten Rats für Privatwirtschaft
Nicaraguas - eine private Gruppe, die in vielen Punkten
dieser hier vergleichbar ist. Seine Kritik an der sandinistischen Herrschaft brachte ihn auf die schwarze
Liste der Sandinisten, und schließlich landete er im
Gefängnis. Heute, nachdem die Sandinisten von der
Macht vertrieben wurden, ist er nicht nur ein freier
Mann - er ist der neue Außenminister Nicaraguas.
Im Jahr 1985 wurde Sofonias Cisneros von Angehörigen der sandinistischen Sicherheitskräfte zusammengeschlagen, weil er die Politisierung der Schulen durch
die Sandinisten kritisiert hatte. Heute ist er Bildungsminister.
Am 10. Juli 1988 wurde die Oppositionsführerin Myriam Arguello geschlagen und mitten in der Nacht von
der sandinistischen Polizei aus ihrem Haus geholt - ihr
wurde der Prozeß gemacht, und sie wurde zu sechs
Monaten Gefängnis verurteilt. Heute ist Myriam Arguello Präsidentin der frei gewählten Nationalversammlung.
Dies sind drei Geschichten, die auf sehr persönliche
Weise den wahrhaft revolutionären Wandel unterstreichen, der sich nicht nur in Nicaragua, sondern in ganz
Lateinamerika vollzogen hat. Ein Wandel, der ohne
jeden Zweifel beweist, daß die Zeit der Diktatoren
abgelaufen und der Tag der Demokratie gekommen
ist.
Wir in den Vereinigten Staaten müssen alles in unserer
Macht Stehende tun, um dazu beizutragen, die Freiheit, den Frieden und den Wohlstand, die wir genießen, auf dem gesamten amerikanischen Kontinent
sicherzustellen.

* * *

*

Seite 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. Gipfeltreffen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: NATO-Mitgliedschaft eines Vereinigten Deutschlands keine Bedrohung für die Sowjetunion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview des Präsidenten mit dem sowjetischen Fernsehen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Ost-West-Beziehungen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erfolgreiche Starthilfe für Osteuropa &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des stellvertretenden US-Außenministers Eagleburger&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame Werte als Bindeglied der Ost-West-Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Walters bei der University of Maryland&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Lateinamerika&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Freiheit auch auf dem amerikanischen Kontinent auf dem Vormarsch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Bush beim Council of the Americas&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30. Juni 1982

25
INHALT
t

•

INFORMATION
Außenminister Haig zurückgetreten, Shultz zum Nachfolger nominiert
- Erklärungen Reagans und Haigs Ein neuer Anfang in Genf
- Erklärung des US-Delegationsleiters zu den START-Verhandlungen DOKUMENTATION
Der neue Sicherheitsrahmen der NATO
- Vortrag von US-Unterstaatssekretär Burt vor der Friedrich-EbertStiftung HINTERGRUNDMATERIAL
George Shultz - designierter Außenminister der Vereinigten Staaten
Edward L. Rowny - Delegationsleiter bei den Genfer START-Verhandlungen
Washington sieht in neuen Sanktionen nichts überraschendes
- Von unserem Korrespondenten Thomas Eichler WIRTSCHAFT
US-Finanzminister rechnet mit Konjunkturauftrieb nach dem 1. Juli
US-Regierung befürwortet kommerzielle Produktion synthetischer
Brennstoffe

Um Uber/endung von
DckgcKcmplofcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�30. Juni 1982

25

AUSSENMINISTER HAIG ZURÜCKGETRETEN, SHULTZ ZUM NACHFOLGER NOMINIERT
- Erklärungen Reagans und Haigs -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan gab am 25. Juni 1982 "mit großem
Bedauern" den Rücktritt von Außenminister Alexander Haig bekannt und schlug
George P. Shultz als dessen Nachfolger vor.
Vor der Presse gab Präsident Reagan dazu folgende Erklärung ab:
Meine Damen und Herren,
Ich möchte eine sehr kurze Bekanntgabe machen und ich werde anschließend
keine Fragen beantworten. Für nächste Woche ist eine Pressekonferenz vorgesehen.
Es handelt sich um eine Bekanntgabe, die ich mit großem Bedauern vornehme es handelt sich um ein Mitglied unserer Administration, das diesem Lande 40 Jahre
lang weit über die normale Pflichterfüllung hinaus gedient hat; das mir gut
und treu gedient hat, dessen Weisheit und Rat ich geachtet und bewundert habe,
seit unsere Administration im Amt ist, das aber jetzt zurücktritt und nach all

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�nach all dieser großen Zeit zurücktritt und aus dem Regierungsdienst ausscheidet.
Ich habe mit großem Bedauern den Rücktritt von Außenminister AI Haig angenommen.
Ich nominiere zu seinem Nachfolger - und dieser hat angenommen - George
Shultz. Das ist der Inhalt der Bekanntmachung. Und ich wiederhole, ich tue dies
mit großem Bedauern.
Das Schreiben des Präsidenten an Außenminister Haig, in dem er dessen
Rücktritt angenommen hat, hat folgenden Wortlaut:
Lieber AI,
Mit dem tiefsten Bedauern nehme ich Ihr Rücktrittsschreiben an. Fast 40
Jahre lang haben Sie sich dem Dienst an unserem Lande verschrieben. In diesem
Zeitraum wurde Ihre Karriere durch eine Folge von Posten gekennzeichnet, die
das höchste Maß an persönlichem Opfer, Mut und Führungsstil verlangen. Als Soldat
und Staatsmann haben Sie angesichts von Herausforderungen enormer Komplexität
und Gefahr ein Maß an Brillianz und Leistung gezeigt, das in unserer Geschichte
selten erreicht wurde. Bei jeder Gelegenheit haben Sie eine geistige Qualität
bewiesen, die von entscheidender Bedeutung für die Lösung der schmerzlichsten
Probleme waren, vor denen wir in der letzten Generation standen - Abschluß des
Vietnamkrieges, Übergang der Exekutivgewalt in einer Zeit des nationalen Traumas
und in jüngerer Zeit Frieden unter Nationen.
Die Nation steht tief in Ihrer Schuld. Wenn Sie die Regierung verlassen,
möchte ich Sie meiner tiefen persönlichen Wertschätzung versichern und Ihnen
im Namen des amerikanischen Volkes meinen Dank und meine Achtung aussprechen.
Sie haben die große Freundlichkeit, weiterhin Ihren Rat anzubieten und Sie
dürfen versichert sein, daß ich in den nächsten Jahren auf Sie zurückkommen
werde. Nancy schließt sich meinen herzlichsten persönlichen Wünschen für Sie
und Pat an.
Mit vorzüglicher Hochachtung
gez. Ronald Reagan
Haig verlas

�Haig verlas vor Mitarbeitern im amerikanischen Außenministerium sein Rücktrittsschreiben an Präsident Reagan, nachdem dieser den Rücktritt Haigs bekanntgegeben hatte. Haig machte im Außenministerium folgende Ausführungen:
Meine Damen und Herren,
ich möchte Ihnen den Wortlaut des Schreibens verlesen, das ich heute an
Präsident Reagan gerichtet habe.
Sehr geehrter Herr Präsident,
Ihr Amtsantritt am 20. Januar 1981 brachte eine Chance für eine neue,
zukunftsorientierte Außenpolitik auf den Eckpfeilern von Stärke und Mitgefühl.
Ich glaube, wir teilten eine Auffassung von Amerikas Rolle in der Welt als
Führer freier Menschen und Inspiration für alle. Wir waren einig, daß Folgerichtigkeit, Klarheit und Beharrlichkeit der Zielsetzung für den Erfolg wesentlich seien. In diesem Geiste verpflichtete ich mich, Ihnen als Außenminister
zu dienen.
In den letzten Monaten ist mir klargeworden, daß die Außenpolitik, die wir
zusammen eingeschlagen haben, von dem sorgsamen Kurs abwich, den wir abgesteckt
hatten. Unter diesen Umständen halte ich es für notwendig, Sie um die Annahme
meines Rücktritts zu bitten. Ich werde immer das Vertrauen zu schätzen wissen,
das Sie in mich gesetzt haben. Es war eine große Ehre, in Ihrer Administration
dienen zu dürfen und ich wünsche Ihnen für die Zukunft allen Erfolg,
Mit vorzüglicher Hochachtung
gez. Alexander Haig
Ich freue mich außerordentlich, meine Damen und Herren, daß Mr. Shultz, ein
alter Freund, den ich seit Jahren kenne, das Ersuchen des Präsidenten angenommen
hat, meinen Posten zu übernehmen. Was ich selbst von George (Shultz) weiß, und
seine Erfahrung, sein berufliches Können und seine Integrität wecken in mir

- 3 -

�in mir das höchste Vertrauen, daß unserem Land, dem amerikanischen Volk und
unserem Präsidenten mit seiner Amtsübernahme gut gedient ist.
Während der letzten 18 Monate habe ich stets eine ganz tiefe Hochachtung
und Bewunderung der Fähigkeiten und Hingabe der Mitarbeiter im Auswärtigen
Dienst und der Angestellten des Außenministeriums gehegt. Sie sind und bleiben
absolute Spitze.
Ich habe meine Mitarbeiter hier im Ministerium gebeten, dem Präsidenten
und meinem Nachfolger so fähig und loyal zu dienen, wie sie mir gedient haben,
und mehr als das kann das amerikanische Volk nicht verlangen.
Ich habe dem Präsidenten darüber hinaus versichert, daß ich so lange auf
meinem Posten bleiben werde, wie dies notwendig ist, um eine geordnete Übergabe
an meinen Nachfolger sicherzustellen.
Und schließlich, meine Damen und Herren von der Presse, möchte ich jedem
von Ihnen für den Professionalismus und die Objektivität danken, die Sie mir und
den Geschäften des Ministeriums gegenüber an den Tag gelegt haben, und Sie dazu
beglückwünschen, wenn Sie Ihre Rolle im Dienste des amerikanischen Volkes erfüllen.
Ich danke Ihnen.
+++++

�25

30. Juni 1982

EIN NEUER ANFANG IN GENF
Erklärung des US-Delegationsleiters zu den START-Verhandlungen

GENF - (AD) - Der Beginn der amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen Über
eine Verringerung der strategischen Rüstungen - kurz START genannt - stellen
einen neuen Anfang in den Bemühungen der Vereinigten Staaten um Rüstungskontrolle auf strategischem Gebiet dar, die seit vielen Jahren andauern. START
baut zwar auf dem SALT-Prozeß auf (SALT = Strategie Arms Limitations Talks =
Verhandlungen über die Begrenzung der strategischen Rüstungen), geht jedoch
von völlig neuen Vorschlägen von Präsident Reagan aus, die die amerikanische
Verhandlungsdelegation unter Leitung von Botschafter Edward Rowny mitgebracht
hat.
Reagan, der das nicht ratifizierte SALT II-Abkommen kritisierte, war mit
Begrenzungen nicht zufrieden, sondern wollte einen dramatischen Abbau der gefährlichen strategischen Waffen. Auf der anderen Seite würde ein Einfrieren
oder Moratorium, wie es die Sowjetunion vorschlägt, den gegenwärtigen hohen
Stand der Rüstung und damit die sowjetische Überlegenheit festschreiben. Moskau
hätte praktisch keinen Anreiz, an den Verhandlungstisch zu kommen.
Generalsekretär Breschnew

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Generalsekretär Breschnew hat den amerikanischen Vorschlag, in einer
ersten Phase die Zahl der interkontinentalen Gefechtsköpfe um ein Drittel zu
senken und dann über weitere Verringerungen der Raketenkapazität zu sprechen,
zwar als schief, aber doch als einen Schritt in die richtige Richtung bezeichnet. Nach amerikanischer Auffassung ist der Vorschlag des Präsidenten
jedoch ausgewogen und bietet auch der Sowjetunion viele Vorteile. Daher gehen
die Vereinigten Staaten, wie ihr ChefUnterhändler sagte, mit Hoffnung in diese
Verhandlungen.
"Ich freue mich", so erklärte Botschafter Edward Rowny am 26. Juni 1982
bei seiner Ankunft in Genf, "den Sowjets die Vorschläge von Präsident Reagan
für eine wesentliche Verringerung der strategischen Nuklearwaffen auf einen
gleichen Stand vorzulegen. Ich bin der festen Überzeugung, daß unsere Vorschläge
eine Chance für unsere beiden Länder bieten, sich in dem ernsthaften Bemühen
zu vereinen, die Drohung eines Atomkrieges zu verringern.
Wir werden wesentliche, verifizierbare Verringerungen der am meisten
destabilisierenden Systeme, d.h. der ballistischen Raketen wie auch der Zahl
der Gefechtsköpfe, die sie mitführen, sowie ihres Zerstörungspotentials, vorschlagen. Der durch ein solches Abkommen erreichte Gleichstand auf niedrigerer
Ebene kann nur zur Stabilität beitragen.
Botschafter Paul Nitze, der die Delegation bei den Verhandlungen über
nukleare Mittel Streckensysteme (INF) leitet, und ich werden eng zusammenarbeiten.
START und INF zusammen mit den Wiener Verhandlungen über eine Verringerung der
konventionellen Streitkräfte (MBFR) sowie unser Streben nach einem Verbot
chemischer Waffen hier in Genf stellen eine breitangelegte, ernsthafte Bemühung
der Vereinigten Staaten dar, für Frieden und Stabilität in der Welt zu arbeiten.
Ich habe kürzlich hier in Europa Konsultationen mit einer Reihe unserer Verbündeten und mit dem Nordatlantikrat geführt. Ich habe starke Unterstützung für
unsere START-Vorschläge gefunden.
Ich komme

�Ich komme mit keinerlei Illusionen hierher, daß die Aufgabe leicht sein
könnte. Aber wir kommen mit einem guten, gerechten Vorschlag und mit gutem
Glauben, daß die sowjetische Seite es uns gleichtun wird. Wir hoffen, zu
einem Abkommen gelangen zu können, das zum Segen der ganzen Menschheit sein
wird."
+++++

- 3 -

�30. Juni 1982

25

DER NEUE SICHERHEITSRAHMEN DER NATO
Vortrag von US-Unterstaatssekretär Burt vor der
Friedrich-Ebert-Stiftung -

BONN - (AD) - Der Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten
im amerikanischen Außenministerium, Richard R. Burt, hat auf einer Arbeitstagung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn am 26. Juni 1982 ausführlich zu
den Problemen des Atlantischen Bündnisses Stellung genommen und erneut die
Notwendigkeit eines gemeinsamen Sicherheitsrahmens unterstrichen.
Die Rede des Unterstaatssekretärs hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte der Friedrich-Ebert-Stiftung danken, daß sie die Reihe der
schon zur Tradition gewordenen Arbeitstagungen über die europäisch-amerikanische Sicherheit fortführt.

Ihre Initiative, führende Politiker und Sicher-

heitsexperten von beiden Seiten des Atlantik zusammenzubringen, ist in dieser Zeit neuer Herausforderungen für die Sicherheitsinteressen des Bündnisses
von besonderer Wichtigkeit.
In diesem Jahr findet diese Tagung zu einem besonders geeigneten Zeitpunkt statt. Sie schließt sich unmittelbar an eine Periode ungewöhnlich konzentrierter und produktiver Aktivitäten innerhalb des Bündnisses an. Vor
einem Jahr war das Bündnis in tiefgehende Diskussionen und gelegentlich hitzige Debatten über den künftigen Kurs der Sicherheitspolitik des Westens
verstrickt.

Auf dieser Seite des Atlantik kritisierten viele Europäer die

neue amerikanische Administration, daß sie die Besorgnisse ihrer Verbündeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ihrer Verbündeten nicht beachte. Sie gaben der Befürchtung Ausdruck, die
Vereinigten Staaten neigten einem "weltweiten Unilateralismus", einem "NeoIsolationismus" oder Schlimmerem zu.

In den Vereinigten Staaten war die

Kritik an unseren europäischen Verbündeten ebenso vernehmbar. Man beschuldigte die Europäer, sie seien in einer Kirchturmspolitik befangen, nicht
willens, die Verteidigungslasten zu" tragen und unfähig, die Bedrohung aus
dem Osten zu begreifen.
Beobachter auf beiden Seiten des Atlantik versicherten, der Westen
ermangele einer Gesamtstrategie, um so unterschiedliche Aktivitäten wie
Abrüstungsverhandlungen, die Beilegung von Krisen in der Dritten Welt und
Maßnahmen gegen die politische und wirtschaftliche Instabilität in Osteuropa zu einem Ganzen zu integrieren.

Einige gingen sogar so weit zu behaup-

ten, die Interessen der atlantischen Völker gingen inzwischen so weit auseinander, daß es nicht mehr möglich sei, eine gemeinsame Grundlage für diesbezügliche Bündnisanstrengungen zu finden.
Die Ereignisse des vergangenen Jahres haben jedoch gezeigt, daß das Grundgefüge der NATO und der atlantischen Partnerschaft fest sind. Präsident Reagans
Europa-Reise und der Bonner Gipfel zeigten, wie erfolgreich sich der Westen
den im Wandel begriffenen Verhältnissen anzupassen versteht. Die Intensität
der transatlantischen Debatte vom vergangenen Jahr ist ein Spiegelbild der
Wichtigkeit der Probleme, vor die wir uns gestellt sehen. Die Erfahrungen
aus dem vergangenen Jahr zeigen" aber auch einmal mehr, daß die NATO ihre Stärke gerade aus der Vielfalt zieht." Dieser Prozeß der Debatten, Diskussionen
und Konsultationen führte somit nicht zu einem Durcheinander, sondern wies
vielmehr auf einen neuen Konsens bezüglich der Sicherheitspolitik des Westens
hin. Wichtig ist, die Elemente dieses neuen" Konsens zu definieren, damit
wir gemeinsam darangehen können, ihn noch zu vertiefen.
Die Hauptelemente dieses Konsens spiegeln die großen Fragen wider, die
während der letzten 12 Monate unter den NATO-Mitgliedsstaaten zur Erörterung
gestanden haben:
- Bestätigung, daß
- 2 -

�- Bestätigung, daß die Aufrechterhaltung des militärischen Gleichgewichts die Grundlage für die Diplomatie der Verbündeten sein muß.
- Erneute Entschlossenheit, konstruktivere Beziehungen zur Sowjetunion
anzustreben - allerdings in klarerer Erkenntnis der Grundvoraussetzungen
für einen Erfolg des Westens.
- Übereinstimmung über einen neuen Ansatz zur Rüstungskontrolle, der
mit unseren militärischen Anstrengungen vereinbar und diesen förderlich ist
und darauf abzielt, eine echte Verminderung des Maßes der militärischen Konfrontation zwischen Ost und West herbeizuführen.
- Tieferes Verständnis für die Zusammenhänge zwischen den Bündnisinteressen und Entwicklungen in anderen Teilen der Welt.
- Größere Aufgeschlossenheit für die praktischen Realitäten unserer Partnerschaft, einschließlich einer breiteren Mitwirkung aller Verbündeten an Entscheidungen, die die Interessen des Bündnisses berühren.
Dieser Konsens bietet den Rahmen für unsere gemeinsamen Anstrengungen,
den schwierigen Herausforderungen der achtziger Jahre zu begegnen. Er beruht
auf gemeinsamen Wertvorstellungen und Zielen. Er geht davon aus, daß unsere
Entschlossenheit, unsere demokratische Lebensform zu verteidigen, das Fundament unserer Partnerschaft bleibt.
Er beruht aber auch auf der Einsicht, daß wir nicht damit rechnen
können, in jedem Detail unserer jeweiligen Politik übereinzustimmen.

Ein

Wiederauftreten der Debatte über spezifische Fragen, wie wir sie gegenwärtig
bezüglich des Osthandels erleben, sollte uns nicht Anlaß zu der Befürchtung
geben, wie dies vor 12 Monaten bei vielen der Fall gewesen zu sein schien,
daß keine gemeinsame Basis für eine Zusammenarbeit mehr existiere.
Wenn wir auf die Ergebnisse des Bonner Gipfels zurückblicken, dann müssen
wir erkennen, daß der Entscheidungsprozeß im Bündnis immer vor dem Hintergrund
- 3 -

�dem Hintergrund innerwestlicher Spannungen stattfindet, die wir erfolgreich
in den Griff zu bekommen verstehen, nie aber gänzlich ausräumen.

Solche

Spannungen sind ein Wesensbestandteil einer Partnerschaft wie der unsrigen.
über 30 Jahre lang ist es nun schon eine der Hauptaufgaben der Bündnisführung, sie in schöpferische Debatten zu lenken.
Die NAJ0 ist schließlich ein" Bündnis von 16 Nationen, deren Interessen
von jeweils unterschiedlichen wirtschaftlichen, politischen, kulturellen
und geographischen Gegebenheiten diktiert werden.

Sie ist ein Bündnis aus

Völkern, die durch 6000 km Ozean voneinander getrennt sind.

Seine schwie-

rigste Aufgabe war es schon immer, auf dauerhafte und verläßliche Weise die
Grundlagen für eine echte kollektive Sicherheit zu schaffen und die Macht
Amerikas mit der Sicherheit Europas zu verknüpfen.
SEit 30 Jahren vollbringt das Bündnis dieses Kunststück vermittels
des Prozesses der Risikoteilung, durch den jedem Mitgliedstaat die Segnungen des Friedens zuteil werden, indem er sich bereit findet, mit den anderen auch die Konsequenzen eines Krieges zu teilen. Wenn das Konzept der
Risikoteilung auch sehr einfach ist, so ist seine praktische Handhabung doch
komplex und dem Wandel unterworfen. So wie sich das Wesen der Bedrohung
der Sicherheit des Westens im Laufe der Jahre verändert hat, so hat sich auch
die Art und'Weise geändert, wie'das Bündnis seine Verteidigung organisiert
und die Verantwortung für sie unter den Mitgliedern aufteilt. Die Debatten
im Westen über die Dislozierung von Kernwaffen, den Stand und die Strategie
konventioneller Streitkräfte, die Ost-West-Beziehungen und das Verhalten der
Sowjets in der Dritten Welt sind nur die sichtbaren Manifestationen dieses
häufig unsichtbaren Prozesses der konstanten stetigen Neudefinierung und Neuverteilung der Risiken.
Verbunden, wenn auch-nicht identisch mit diesem Prozeß des Risikoteilens
ist die Lastenteilung. Hier haben wir es mit greifbaren Dingen zu tun:
Finanziellen Mitteln, Menschen, und der Bereitstellung von Einrichtungen.
Aber auch hier gibt es keine endgültige Antwort, nur ein ständig sich neu

�sich neu bildendes Gleichgewicht unter Verbündeten unterschiedlicher und sich
wandelnder Kapazitäten.

So beschuldigten die Europäer Amerika vor einem Jahr-

zehnt, es würde, abgelenkt vom Vietnam-Krieg der europäischen Verteidigung
nicht genügend Aufmerksamkeit widmen. Und in jüngerer Zeit haben die Amerikaner die Frage gestellt, warum ein Europa, das ein amerikanisches Ausmaß an
Produktivität und Verbrauch erreicht hat, nicht auch ein amerikanisches Ausmaß an Ressourcen auf seine eigene Verteidigung verwenden kann.
In der Gestaltung der Beziehungen des Westens zur Sowjetunion gibt es
ebenfalls ein ständig sich neu bildendes Gleichgewicht von Regeln und Verantwortlichkeiten.

In der Blütezeit der amerikanisch-sowjetischen Entspan-

nung fürchtete Europa ein amerikanisch-sowjetisches Kondominium.

Als später

das sowjetische Verhalten eine Verschlechterung der Ost-West-Beziehungen verursachte, machte sich Europa Sorgen wegen der Konsequenzen der amerikanischsowjetischen Spannungen.
Und schließlich unterliegen Qualität und Au/smaß der durch die Vereinigten
Staaten im Bündnis ausgeübten Führung der ständigen Überprüfung durch das
Bündnis und erfordern fortgesetzte Anpassungen. Wenn die Signale aus Washington
schwach sind, bringt Europa Befürchtungen über einen Mangel an klarer und
fester amerikanischer Führung zum Ausdruck.

Wenn die Signale stark sind, pro-

testiert Europa gegen eine amerikanische Hegemonie.

Eine wirklich befriedi-

gende Ausgewogenheit ist ein notwendiges, aber unerreichbares Ziel.
Vor diesem Hintergrund ständiger Debatten innerhalb unseres Bündnisses
müssen wir die Leistungen des vergangenen Jahres bemessen. In diesem Zeitraum hat das Bündnis ein neues Gleichgewicht auf jedem dieser Gebiete erzielt,
ein Gleichgewicht,das meiner Überzeugung nach enger mit den veränderten
äußeren Realitäten und mit den sich entwickelnden Kapazitäten der einzelnen
Verbündeten übereinstimmt.
Wir haben zwar Fortschritte in der Definition der Grundlagen für unsere
Zusammenarbeit in einem Zeitalter des Wandels gemacht, aber wir müssen auch
erkennen, daß wir erst ein Stück des Weges auf unser Ziel hin zurückgelegt
- 5 -

�hin zurückgelegt haben.

Wir müssen jetzt unsere interne Übereinkunft auf

den Wesenskern unserer wichtigsten Aufgaben aufwenden:

Die Ost-West-Be-

ziehungen und die gemeinsame Verteidigung.
Ost-West-Beziehungen
Schon in den fünfziger Jahren betonte die Bündnisdoktrin den Zusammenhang zwischen den politischen, wirtschaftlichen, humanitären und militärischen
Aspekten der Sicherheit.

Damals wie heute war der Westen überzeugt, daß die

erste Verteidigungslinie die Stärke unserer Gesellschaften und die Attraktivität der demokratischen Lebensform seien.

Wir waren auch überzeugt, man

dürfe nicht zulassen, daß die Teilung Europas eine ständige militärische Konfrontation zwischen Ost und West diktiere.

Die Bündnisdoktrin hat immer ver-

sucht, die Konfrontation in Europa durch Bemühungen um die Verringerung des
Standes der Rüstungen und durch Überwindung der Trennung der Menschen auf dem
Kontinent zu überwinden.
Der Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zum Bündnis im Jahr 1955
gab der Verpflichtung der NATO zur Verringerung der Spaltung in Europa eine
neue Dimension. Diesen Besorgnissen hat natürlich schon immer ein wichtiges
menschliches Element innegewohnt - ein Element, das man in Deutschland am
stärksten gespürt hat. Aber unserem Wunsch, die Kontakte zwischen Ost und
West zu erweitern, haftet auch ein wichtiger Sicherheitsaspekt an. Ein geteiltes Europa kann niemals ein stabiles Europa sein. Die fortgesetzte Verweigerung, den Menschen in Osteuropa und in der DDR die Grundfreiheiten zu
gewähren, wird eine ständige Ursache der Spannungen auf dem europäischen Kontinent sein.
Während der siebziger Jahre rückten die Anstrengungen, zu einer Rüstungsbeschränkung zu gelangen, und die politischen Bemühungen um die Verminderung
der Spannungen an die Spitze der Liste der Bündnisanstrengungen zur Gewährleistung der Sicherheit in Europa.

Aber keine dieser politischen Zielsetzun-

gen war je als Selbstzweck gedacht.

Und wir wollten auch nicht von unserem

ständigen grundlegenden Ziel der Beibehaltung unserer Lebensform gegenüber der
- 6 -

�gegenüber der Feindseligkeit aus dem Osten ablassen. Wenn die Sowjets eine
Bereitwilligkeit zeigten, ehrlich mit dem Westen in dem Bemühen zusammenzuarbeiten, konkrete Schritte vorwärts auf dem Weg zu einer echten Verminderung
der Spannungen zu unternehmen, waren wir stets willens, uns diesen Bemühungen anzuschließen.

Wenn aber das sowjetische Verhalten die Sicherheit des

Bündnisses zu gefährden schien, stimmten wir von Anfang an darin überein,
daß unsere Strategie geändert werden müsse, um der neuen Situation Rechnung
zu tragen.
Allem voran aber bedeutete "Entspannung" nach amerikanischer Vorstellung,
daß Ost und West trotz ihrer philosophischen und politischen Unterschiede
aufrichtig auf das Ziel hinarbeiten, das militärische Gleichgewicht zu stabilisieren, die Schranken für menschliche Kontakte zu überwinden und zur größtmöglichen Offenheit zwischen unseren Gesellschaften zu ermutigen.

Diese De-

finition wurde in der Schlußakte von Helsinki klar formuliert.
Im Laufe der Jahre hat der Westen einige bemerkenswerte Erfolge in seinen
Bemühungen errungen, ein stabileres und konstruktiveres Verhältnis zum Osten
herzustellen.

Schon 1954 zeigten die Verhandlungen über den österreichischen

Staatsvertrag und der Abzug der sowjetischen Truppen aus jenem Land den Wert
von Geduld, Festigkeit und Einigkeit des Westens. Anfang der siebziger Jahre
führten ähnliche Anstrengungen des Westens zum Viermächte-Abkommen über Berlin
und anderen Vereinbarungen, die die menschlichen Kontakte zwischen Ost und
West erheblich verbessert haben.

Wenn wir einig waren, hatten wir Erfolg.

Unsere Einigkeit war weniger deutlich, als sich viele der ersten Hoffnungen auf Entspannung nicht verwirklichten.

Trotz all unserer Anstrengungen

übte die Sowjetunion keine Zurückhaltung, vor allen Dingen nicht in Gebieten
außerhalb Europas. Aber auch in Europa selbst ließ es die Sowjetunion an der
Ausführung vieler der Bestimmungen im übereinkommen von Helsinki fehlen; und
ein Jahrzehnt intensiver Rüstungskontrollverhandlungen trug nicht dazu bei,
der militärischen Expansion der Sowjets Einhalt zu gebieten oder sichtbar
zu verlangsamen.

Unsere Reaktion auf ein solches Verhalten war gelegentlich

verwirrt, unkoordiniert und selbststrittig.
- 7 -

Wir waren nicht in der Lage,

�der Lage, eine gemeinsame Strategie zu formulieren, um den neuen Herausforderungen zu begegnen, die durch das sowjetische Verhalten entstanden waren.
Dieses Versagen- brachte neue Belastungen für unsere Partnerschaft.

Das

westliche Versagen, eine Zurückhaltung der Sowjets sicherzustellen, führte zu
Verlust an Vertrauen in die Aussichten der Entspannung, vor allem in den Vereinigten Staaten, wo das schlechte Verhalten der Sowjets in der Dritten Welt
deutlicher gespürt wurde. Noch schlimmer war ein beunruhigender Niedergang
des Glaubens an uns selbst. Die Differenzen im Westen bezüglich solcher Ereignisse

wie die sowjetische Invasion Afghanistans, führten viele unserer

Bürger zu der Auffassung, daß die NATO ihren Weg verloren habe und nicht länger in der Lage sei, ausreichend auf diese, sie konfrontierenden Herausforderungen zu reagieren.

Das Versagen, der zentralen Herausforderung unserer

Sicherheit - den Beziehungen zur UdSSR - zu begegnen, führte zu Zweifel über
andere Ziele. Wir erleben als Folge dieser Entwicklung ein Anwachsen der
Friedensbewegung in Europa, und in Amerika können die erneuten Forderungen
nach Abbau der amerikanischen Streitkräfte in Europa zu einem wesentlichen
Ausmaß durch diesen Verlust an Glauben erklärt werden.
Die hieraus resultierende Debatte ist lebhaft und freimütig. Wir haben
diese Diskussion nicht unterdrückt, sondern zu einer offenen Behandlung der
Fragen ermutigt. Das Ergebnis ist, wie es auf dem Bonner Gipfeltreffen zum
Ausdruck kam, ein erneuter Glaube an unsere Fähigkeit, mit den Herausforderungen fertigzuwerden, die sich durch das sowjetische Verhalten ergeben. Wir
sind vereint in unserer Entschlossenheit, konstruktivere Beziehungen zur
Sowjetunion anzustreben. Aber wir gehen auf dieses Ziel auf der Basis eines
klareren Verständnisses der Vorbedingungen für den Erfolg zu, die da sind
Geduld des Westens, Festigkeit des Westens und vor allem Einigkeit des Westens
- und eine stärkere Erkenntnis, daß das Ziel echter Entspannung die Herstellung eines globalen Musters sowjetischer Zurückhaltung und Verantwortlichkeit
sein muß.
Verbesserungen der

- 8 -

�Verbesserungen der Verteidigung
In deutlicheren Worten bekräftigte der Bonner Gipfel, daß die Basis
für die Diplomatie der Verbündeten die Aufrechterhaltung eines militärischen
Gleichgewichtes sein muß.

Das Gipfeltreffen bekräftigte die weitere Gültig-

keit der NATO-Abschreckungsstrategie der flexiblen Antwort (flexible response)
und unterstrich den wesentlichen Beitrag, den jedes Element der NATO-Triade
- Strategische Streitkräfte, nukleare Streitkräfte in Europa und konventionelle
Streitkräfte in Europa - leistet.
über diese Bekräftigungen hinaus hat das Gipfeltreffen besonderen Nachdruck auf die Notwendigkeit von Verbesserungen der konventionellen Verteidigung gelegt.

Dies ist ein"Gebiet, das nur zu oft durch die nachrichtenträch-

tigere und laute Debatte über Nuklearfragen in den Hintergrund gerückt wird.
Und doch ist die konventionelle Stärke das Fundament der Sicherheit des Bündnisses und die bestmögliche Garantie gegen einen Konflikt in Europa, sei er
nuklear oder konventionell.

In den letzten Monaten ist über die Frage der

Förderung der konventionellen Kapazität der NATO debattiert worden, wobei manche Beobachter meinen, daß dies zu einer wesentlichen Revision der Nukleardoktrin des Bündnisses führen könnte.

Verfechter einer Doktrin der "Nicht-

Erstanwendung" argumentieren, daß ausreichende konventionelle Streitkräfte
an die Stelle unseres gegenwärtigen Vertrauens auf die nukleare Abschreckung
treten könnten. Andere, einschließlich einer hervorragenden Gruppe deutscher
Spezialisten, die in der Ausgabe der Zeitschrift "Foreign Affairs" von diesem
Monat schreiben, haben darauf hingewiesen, daß ein Verzicht auf die nukleare
Option die Sicherheit Europas nicht fördern würde und sogar einen Krieg - einen
schrecklichen konventionellen Krieg - denkbarer machen könnte. Sie weisen
ferner ganz richtig darauf hin, daß es die Strategie der nuklearen Abschreckung
ist, die Verbesserungen der konventionellen Streitkräfte in Europa militärisch
wünschbar und politisch vertretbar macht.

Die Antwort für die NATO ist ein-

deutig, ein gesundes Gleichgewicht zwischen konventionellen und nuklearen
Streitkräften aufrechtzuerhalten.

Eine Ausweitung der konventionellen Streit-

kräfte kann nicht all unsere Probleme
- 9 -

lösen, aber ohne Verbesserungen der

�Verbesserungen der konventionellen Streitkräfte kann unsere Abschreckungsstä'rke nicht aufrechterhalten werden-.

Kurz gesagt, die deutsche "Vierer-

bande" und nicht ihre amerikanischen Kollegen sehen es richtig.
In den letzten Wochen haben die Kämpfe im Südatlantik und im Nahen Osten
neue Lehren mit sich gebracht, die die militärischen Planer"erst richtig einzuschätzen beginnen.

Beide dieser Konflikte haben" gezeigt, daß militärische

Kapazität mehr denn je ein'Verschmelzungsprodukt'von Technologie, Ausbildung
und Moral ist. HochtechnologTsche-Waffen*funktionieren, wie wir gesehen haben,
mit verheerender Wirkung.

Es ist keine" Frage," daß'der Westen seine technolo-

gische Führung aufrechterhalten muß. Es gibt keine Möglichkeit der Verteidigung für billiges Geld.
Aber diese

Konflikte haben auch gezeigt, daß der entscheidende Faktor

heute ebenso wie stets in der Geschichte'Ausbildung und Moral sind. Letztlich kann sich eine Nation eine1 ausreichende"Verteidigung nicht allein mit
Geld erwerben.

Sie kann nur sicherstellen, daß die Qualität ihrer Streit-

kräfte die besten geistigen und moralischen Aspekte ihrer Gesellschaft widerspiegelt.
Sicherlich ist keine militärische Einrichtung der Welt ein besseres
Beispiel dieses Verschmelzungsproduktes von Technologie, Ausbildung und Moral
als die Bundeswehr. Keine Streitmacht ist ein besserer Ausdruck der höchsten
geistigen und moralischen Aspekte der Gesellschaft, die sie verteidigt. Gerade um diese Leistung anzuerkennen und zu weiteren solchen Anstrengungen im
ganzen Bündnis zu ermutigen, hat das Gipfeltreffen beschlossen, seine Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit von Verbesserungen der konventionellen Streitkräfte zu konzentrieren.
Aber unsere Strategie ist und bleibt, den Krieg zu vermeiden und es herrscht
im Bündnis allgemeine Übereinkunft darüber, daß die Gefahr eines Atomkrieges
nicht wirklich beseitigt werden kann, wenn wir nicht damit anfangen, die nuklearen Arsenale in Ost und West tatsächlich zu verringern.
Rüstungskontrolle

�Rüstungskontrolle
Die Bonner Gipfelkonferenz erkan-nte-diese Tatsache an und brachte sie
formell in einem neuen Konsens-über RlistUfigsiojntroTtB zum Ausdruck.

Ich habe

an die Enttäuschung der siebziger Jahre erinnert, die die Illusionen bezüglich
der Möglichkeit zerstörte, zu bedeutsamen Rüstungskontroi labkommen mit der
Sowjetunion zu gelangen.

Diese Enttäuschungen entstanden aus dem Versagen

bestehender Abkommen, der Aufrüstung Einhalt zu gebieten, und aus dem zunehmender Beweis, daß die Sowjetunion nicht alle Abkommen, die sie unterzeichnete, voll erfüllte.
Wir sind durch eine notwendige Periode der Reflektion über die Lehren
der Vergangenheit und intensiver Konsultationen im Bündnis über einen Kurs
für die Zukunft gegangen.

Als Ergebnis haben die Vereinigten Staaten ein um-

fassendes neues Programm in Angriff genommen, um dem Wettrüsten Einhalt zu
gebieten und es umzukehren.

Diese Bemühung konzentriert sich auf Ziele, die

von Präsident Reagan im vorigen November zuerst umrissen worden sind.

Mit

dieser neuen Anstrengung streben wir insbesondere nach:
- Abkommen, die den Stand der Rüstungen verringern und nicht lediglich
den gegenwärtigen Stand legitimieren;
- Abkommen, die zu einem gleichen Stand der Rüstungen auf beiden Seiten
führen;
- Abkommen, die verifiziert werden können.
In Bonn hat das Bündnis diese Ziele gebilligt und ein umfassendes und
integriertes Programm entworfen, um sie zu erreichen. Zu diesem Programm
gehören:
- Ein in Phasen ablaufendes Programm zum Abbau strategischer Waffen.

In

der ersten Phase schlagen die Vereinigten Staaten eine Verringerung der Zahl
ballistischer Gefechtsköpfe auf rund 5000 auf jeder Seite vor.
- 11 -

Nicht mehr

�Nicht mehr als die Hälfte der verbleibenden Gefechtsköpfe wären auf landgestützten Raketen disloziert.

Eine zweite Phase würde sich darauf konzentrie-

ren, die Gesamtzerstö'rungsmacht beider Seiten auf einen gleichen Stand zu
verringern, einschließlich einer beiderseitigen Höchstgrenze für das Wurfgewicht ballistischer Raketen.
- Ein Vorschlag, um die Zahl der nuklearen Mittelstreckenraketen auf
Null zu reduzieren.

Die Vereinigten Staaten würden auf die Dislozierung von

PERSHING II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern verzichten, wenn die
Sowjets ihre SS-20-, SS-4- und SS-5-Raketen abbauen.
- Ein Vorschlag, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion Mittel
und Wege prüfen sollten, um die Gefahr eines Krieges aus Zufall oder Fehleinschätzung zu verhindern.

In seiner "Berlin-Initiative" gab der Präsident be-

kannt, daß er sich in Kürze mit konkreten'Vorschlägen an die Sowjetunion wenden werde.
Zu diesen Vorschlägen gehören:
- Verbesserte Kommunikation/möglicherweise durch Verbesserung des
"heißen Drahtes".
- Ankündigung großer strategischer Übungen.
- Vorherige Ankündigung von Abschüssen von Interkontinentalraketen
innerhalb wie auch außerhalb von nationalen Grenzen.
- Ein neuer Vorschlag des Bündnisses zur Neubelebung der MBFR-Verhandlungen in Wien, die jetzt in ihrem neuenten Jahr sind. Der Vorschlag sieht
ein einziges Abkommen vor mit mehreren Stadien der Verringerung und Verifizierung durch Inspektionen an Ort und Stelle, ständige Eintritts- und Austrittspunkte mit Beobachtern, Datenaustausch" und eine Verpflichtung, die nationalen technischen Methoden der Verifizierung" nicht" zu stören.
Verhandlungen über

�Verhandlungen über all die oben erwähnten Vorschläge haben entweder
bereits begonnen oder werden in Kürze beginnen.

Die Vereinigten Staaten

haben sich verpflichtet, diese Unternehmungen zum Erfolg zu führen.

Wir

werden ernsthaft und realistisch mit"dem Ziel verhandeln, Abkommen zu erreichen, die die legitimen Sicherheitsinteressen beider Seiten in Rechnung
stellen.
Auf strategischem Gebiet beispielsweise bietet unsere Position eine
gerechte Grundlage für starke Verringerungen "auf beiden Seiten.

Es handelt

sich nicht um ein einseitiges'Rezept für eine einseitige Abrüstungder Sowjets,
wie Moskau das behauptet. Wir haben beschlossen, uns auf Gefechtsköpfe als
die wesentliche Zähleinheit zu konzentrieren, da Gefechtsköpfe ein sinnvolleres Maß strategischer Kapazität sind als Trägerwaffen allein, auf die man
sich in SALT I und SALT II konzentrierte.
Hinter unserer Einstellung steht ein einfaches, aber wichtiges Konzept,
daß nämlich Verringerungen strategischer Waffen sich auf die Beseitigung der
am meisten destabilisierenden Waffen konzentrieren sollten.
Dies wird nicht zu einer diskriminierenden Behandlung der Sowjets führen, wie dies Außenminister Gromyko kürzlich in New York behauptet hat.

Im

Gegenteil, es besteht derzeit eine annähernde Gleichheit der Zahl amerikanischer
und sowjetischer Gefechtsköpfe ballistischer Raketen - beide Seiten besitzen
rund 7500 -, so daß Verringerungen auf 5000 eine gleiche Auswirkung auf beide Seiten hätten.

Es ist richtig, daß die Sowjets größere Kürzungen ihrer

Interkontinentalraketenstreitmacht vornehmen müßten als die Vereinigten Staaten, da sie sich stärker auf landgestützte Raketen stützen.

Aber die Vereinig-

ten Staaten werden ihr Programm für unterseebootgestützte Raketen in einem
ähnlichen Maße zurückschrauben müssen und nicht nur unmodern gewordene Unterseeboote außer Dienst stellen müssen, wie die Sowjets behauptet haben.
Darüber hinaus sind wir der Überzeugung, daß angesichts der destabilisierenderen Natur landgestützter Raketen - auf der einen Seite ihre Verwundbarkeit gegenüber einem Präventivschlag, auf der anderen Seite ihre größere
- 13 -

�ihre größere Treffsicherheit für die Durchführung eines solchen Angriffs besondere Restriktionen für Interkontinentalraketen gerechtfertigt sind.
Selbst sowjetische Fachleute geben zu, daß die Verwundbarkeit von Interkontinentalraketen ein immer ernsteres Problem für die UdSSR wird und daß
das langfristige Interesse Moskaus in einer Verlagerung des Nachdrucks auf
seegestützte Systeme liegt.
Eine weitere sowjetische Behauptung ist, daß der amerikanische Vorschlag schwere Bomber und Marschflugkörper von der Begrenzung ausschließen
würde.

Auch hier haben die Sowjets des Präsidenten eigene Worte ignoriert,

daß von den Verhandlungen "nichts ausgeschlossen, ist". Wir sind bereit,
gleiche Begrenzungen für Bomber, einschließlich von Bombern, die mit Marschflugkörpern bestückt sind, bei den START-Verhandlungen zu akzeptieren.

Auf

der anderen Seite sind wir der Überzeugung, daß ballistische Raketen eine
größere Bedrohung für die Stabilität darstellen als jene niedrig fliegenden
Zweitschlagsysteme, und daß daher den ballistischen Raketen bei den Verhandlungen Priorität eingeräumt werden sollte.
Lassen Sie mich hinzufügen, daß wir nicht überrascht sind, daß Moskau
unsere Vorschläge scharf kritisiert hat. Die sowjetische Erfahrung mit ihrer
Offensive, die Entscheidung der NATO über nukleare Mittel Streckensysteme (INF)
von 1979 zum Scheitern zu bringen, hat sie ermutigt, eine ähnliche öffentliche
Diplomatie auf die START-Verhandlungen zu verwenden. Aber die Sowjets haben
sich sorgfältig gehütet, unsere Vorschläge kategorisch abzulehnen und wir bleiben hinsichtlich der langfristigen Aussichten für die START-Verhandlungen optimistisch.
Unsere Bemühungen um die START-Verhandlungen und die INF-Verhandlungen
bestärken sich gegenseitig, um die Aussichten auf Fortschritt in beiden Verhandlungen zu fördern.

In der Vergangenheit haben die Sowjets ihre Weigerung,

bei den strategischen Systemen größere Kürzungen zu akzeptieren, damit begründet, daß die amerikanischen Mittel Streckensysteme dann zu einer stärkeren Bedrohung der UdSSR würden, wenn die Zentral Systeme verringert werden. In den
INF-Verhandlungen haben wir'jedoch angeboten, völlig auf die Dislozierung der
- 14 -

�Dislozierung der Mittel Streckensysteme zu verzichten, die die größte Besorgnis
Moskaus erregen, und damit den Sowjets diese Ausrede für eine Ablehnung wesentlicher Verringerungen bei den START-Verhandlungen genommen.
Wegen des auf der Hand liegenden Zusammenhangs zwischen den Themenbereichen beider Verhandlungen haben wir sorgfältig darauf geachtet, daß die
Einstellungen zu beiden Verhandlungen miteinander übereinstimmen:

Beide stre-

ben wesentliche Verringerungen an und konzentrieren sich zunächst auf die am
meisten destabilisierenden Waffenarten; beide benutzen Gefechtsköpfe als die
Hauptzähleinheit und beide basieren auf dem Grundsatz gleicher Höchstgrenzen
und Rechte für beide Seiten. Wir werden unsere Positionen in beiden Verhandlungsgremien eng im Hinblick darauf koordinieren, daß wir in beiden so rasche
Fortschritte wie möglich machen werden.
Aber wir sollten uns bezüglich dessen, was für einen Erfolg bei diesen
Verhandlungen notwendig ist, nicht täuschen.

Das vielleicht bisher wich-

tigste amerikanisch-sowjetische Rüstungskontroi labkommen ist der ABM-Vertrag
(Vertrag über Raketenabwehr-Raketensysteme) von 1972. Moskau wäre jedoch niemals in dieses Abkommen eingetreten, hätten die Vereinigten Staaten nicht mit
der Dislozierung ihres eigenen ABM-Systems begonnen.

Ebenso säßen wir nicht

am Verhandlungstisch in Genf und würden über INF verhandeln, wenn es nicht den
NATO-Beschluß

vom Dezember 1979 gegeben hätte. Die Lektion ist eindeutig:

Wenn Verhandlungen Erfolg haben sollen, dann müssen wir den Sowjets Anreize
geben, ernsthaft zu verhandeln.

Es ist daher ein zwingendes Gebot, daß wir

mit dem Fortgang der INF-Verhandlungen die Vorbereitungen für die Dislozierung
in Europa weiterführen.

Und es ist ebenso notwendig, daß die Vereinigten Staa-

ten, wenn sie in die START-Verhandlungen eintreten, ihre Verpflichtung gegenüber dem strategischen Modernisierungsprogramm von Präsident Reagan erfüllen.
Ereignisse in der Dritten Welt
So wichtig die Rüstungskontroilanstrengungen auch sind, die auf eine Stabilisierung der militärischen Lage in Europa abzielen, so dürfen wir doch
nicht vergessen, wie sehr die Interessen des Bündnisses durch Ereignisse außer- 15 -

�Ereignisse außerhalb Europas beeinflußt werden.

In der interdependenten

Welt der achtziger Jahre können wir nicht länger mit jener künstlichen Trennung der westlichen Interessen in solche leben» die den NATO-Vertrag berühren und solche, die ihn nicht berühren.

Ich schlage natürlich nicht vor, das

formelle Vertragsgebiet des NATO-Vertrags über seinen derzeitigen Bereich
hinaus auszuweiten.

Ich stelle lediglich fest, daß Entwicklungen in Dritt-

ländern - wie etwa den Staaten des Persischen Golfes - unmittelbare Auswirkungen auf unsere gemeinsame Sicherheit haben.

Und wie oben erwähnt, gefähr-

det unsere Unfähigkeit, wirksam auf das schlechte Verhalten der Sowjetunion
in diesen Gebieten zu reagieren, nicht nur unsere weiter gefaßten Interessen,
sondern schädigt zugleich auch die gesamte Glaubwürdigkeit des Bündnisses
als einer gegenseitigen Sicherheitspartnerschaft.
Das ist der Grund, warum dfe Vereinigten Staaten so eindringlich vor
den sowjetischen Aktivitäten in den Ländern der sogenannten Dritten Welt
warnen.

Das ist auch der Grund für unser

Argument, daß die indirekte Inter-

vention der Sowjetunion durch Stellvertreter in Gebieten wie dem südlichen
Afrika oder Mittelamerika Anlaß zu unmittelbarer Besorgnis für unser Bündnis
ist.
Das auf dem NATO-Gipfel vereinbarte Dokument über die Verteidigung
spiegelt die vermehrte Erkenntnis innerhalb des Bündnisses darüber wider,
daß eine engere Zusammenarbeit notwendig ist, um Stabilität in anderen kritischen Regionen der Welt"zu garantieren.
Dieser Konsens bringt die Auffassung zum Ausdruck, daß das Bündnis - wohl
oder übel - in-zunehmendem Maß"durch Ereignisse außerhalb des Vertragsbereichs beeinflußt wird.

Die Staaten mit direkten" Interessen außerhalb der

Bündnisgrenzen unterstrichen~ihre besondere Verantwortung zur Vertiefung
von Koordination und Kooperation im Interesse der gemeinsamen Verteidigung.
Ein neuer

- 16 -

�Ein neuer Führungsstil
Der sich herausbildende Konsens zu den Problemkreisen, die ich ausgeführt habe, ist - wie ich meine - zum Teil auch Ergebnis eines neuen Stils
der amerikanischen Führung, die sich besser auf die Erfordernisse der achtziger Jahre ausrichtet.

In einer Welt, die komplexer und gefährlicher ist

denn je, bedarf das Bündnis gerade jetzt einer tatkräftigen Führung.

Doch

müssen die Vereinigten Staaten diese Führung angesichts stärkerer und selbstbewußterer Verbündeter anders ausüben, als sie dies in der Vergangenheit
getan haben.

Konsultationen dürfen nicht nur ein Mittel sein, die Verbünde-

ten über Entscheidungen zu informieren, die in Washington getroffen werden,
sondern tatsächlich Mittel zur Formulierung gemeinsamer Entscheidungen.
Wir haben solche Konsultationen erreicht - und durch sie die Ergebnisse,
die ich genannt habe. Um nur ein Beispiel zu erwähnen, mit dem ich besonders
vertraut bin: Die Sonderberatungsgruppe der NATO (SCG) führte im Rahmen der
Vorbereitung der Genfer Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme
(INF) über mehrere Monate hinweg einen Meinungsaustausch von einer Intensität
und Produktivität durch, wie dies bislang noch nicht der Fall gewesen war.
Der große Anklang, den die amerikanische Position bei diesen Verhandlungen
findet, und die solide Unterstützung durch die westlichen Regierungen für
diese Position sind sprechender Beweis für die Qualität dieses Konsultationsprozesses.
Ein anderes Beispiel betrifft'die westlichen Reaktionen auf die Verhängung des Kriegsrechts in Polen.
ten unserer Reaktion überein.
lig schwierig.
stellte:

Hier stimmten wir nicht in allen EinzelheiUnsere Konsultationen waren lang und zeitwei-

Doch wie Außenminister Haig in Brüssel am 15. Januar fest-

Das Bündnis wankte nicht bei seiner Verurteilung der Ereignisse vom

13. Dezember.

Wir waren vereint in unserer Entschlossenheit, in angemessener

Weise auf eine Rücknahme der Verfügungen zu drängen.
Die von

- 17 -

�Die von den einzelnen Mitgliedern des Bündnisses ergriffenen Maßnahmen
unterschieden sich je nach Perspektive, Möglichkeiten und geographischer Lage.
Unser Ziel war dabei, wie es Außenminister Haig nannte, parallele Schritte
auf ein gemeinsames Ziel hin.

Ich glaube, daß das Bündnis angesichts der

komplizierten Materie, um die es dabei ging, einen bemerkenswerten Erfolg
bei der Formulierung einer gemeinsamen Position hatte.
Ein Bereich, wo es Meinungsverschiedenheiten gab, waren die Wirtschaftssanktionen gegenüber Polen und der Sowjetunion.

Andere Verbündete, einschließ-

lich der Bundesrepublik Deutschland, haben sich den Vereinigten Staaten bei
der Verhä'ngung solcher Sanktionen angeschlossen, wobei man gerechterweise sagen muß, daß die von den Vereinigten Staaten auferlegten am schärfsten waren.
Dem ist auch richtig so.

Als stärkstes Mitglied des Bündnisses liegt es

an den Vereinigten Staaten, durch Ausübung des größten Drucks die Ernsthaftigkeit unserer gemeinsamen Besorgniszu demonstrieren.

Wir sollten uns jedoch

hinsichtlich des Zweckes solcher Maßnahmen nicht durcheinanderbringen lassen
- einschließlich der erweiterten Sanktionen, die Präsident Reagan am 18. Juni
billigte.
Die Vereinigten Staaten wollen keinen Wirtschaftskrieg mit der Sowjetunion. Unsere Sanktionen stellen den klugen Einsatz einer der wenigen uns
zur Verfügung stehenden Mittel dar, das sowjetische Verhalten direkt zu beeinflussen. Die schon bislang üblichen Exportkontrollen der NATO-Mitglieder
zeigen, daß wir schon seit langem die wichtige Rolle erkennen, die Handelsfragen in unserer gesamten Sicherheitspolitik spielen. Präsident Reagan hat
der Sowjetunion klargemacht, daß er bereit ist, normale Wirtschaftsbeziehungen
zu unterhalten. Aber normale Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Sowjetunion
und dem Westen sind derzeit nicht angebracht, besonders nicht, solange die
Unterdrückung in Polen andauert. Präsident Reagan hat deutlich gesagt, daß
die Zeit für Beweise eines Fortschritts in Richtung auf Versöhnung in Polen
gekommen ist. Die amerikanischen Sanktionen dienen diesem Ziel. Wir müssen
jedoch über das aktuelle Sanktionsproblem hinausblicken und sehen, daß es für

- 18 -

�es für den Westen an der Zeit ist, eine gemeinsame und umfassende Strategie
für die Wirtschaftsbeziehungen zum Osten auszuarbeiten.

Wir sind der Meinung,

daß der Versailler Gipfel ein sehr bedeutsamer erster Schritt in diese Richtung war, indem er sich auf die Frage westlicher Kredite an die Sowjets konzentrierte. Hier gab es zum erstenmal einen Konsens des Bündnisses hinsichtlich der Notwendigkeit kommerzieller Klugheit bei den Finanzgeschäften mit
den Sowjets.

Die Verbündeten stimmten auch in bezug auf verbesserten Informa-

tionsaustausch innerhalb der OECD über alle Aspekte der Wirtschafts- und Finanzbeziehungen mit der Sowjetunion und Osteuropa und einer regelmäßigen Überprüfung dieser Beziehungen überein.

Wir sind daher der Oberzeugung, daß die

Grundlage für weiteren Fortschritt bei der Kreditfrage geschaffen ist.

Es wäre

ein großer Fehler, wenn wir zulassen würden, daß unsere gegenwärtigen Meinungsverschiedenheiten über die Sanktionsentscheidung konkrete Schritte in
der Kreditfrage behindern.
Wachstum, Wandel und Lebenskraft der westlichen Institutionen
Was wir im Verlauf des vergangenen Jahres bei der Schaffung eines neuen
Konsens im Bündnis über die wichtigsten Fragen der westlichen Sicherheit erreicht haben, ist jedoch noch zerbrechlich und der Erosion ausgesetzt.

Noch

gibt es Bereiche der Meinungsverschiedenheit; neue Herausforderungen werden
auftreten.

Aber das Bündnis hat in einer Zeit des raschen Wandels seine Fä-

higkeit zur Anpassung bewiesen.
Eine solche Anpassung ist stets schmerzlich und wird dies auch weiterhin
bleiben. Und doch gibt es keinen besseren Beweis für die Lebenskraft unserer
Institutionen als diese Fähigkeit, mit dem inneren und äußeren Wandel Schritt
zu halten.
Die Welt hat sich wahrhaftig seit dem Bestehen unseres Bündnisses gewaltig verändert.

In den vergangenen 30 Jahren hat sich das amerikanisch-

sowjetische Kräfteverhältnis von eindeutiger amerikanischer Überlegenheit
zur Parität verschoben und bewegt sich in wichtigen Bereichen auf sowjetische
Überlegenheit hin.

Das Kräfteverhältnis innerhalb des Westens hat sich ebenso
- 19 -

�sich ebenso dramatisch verschoben - von einer Zeit, da Amerika die Hälfte
der Güter dieser Welt produzierte und konsumierte bis zur Gegenwart, da Europa es Amerika gleichtut, was wirtschaftliche Stärke anbelangt.

Das Nord-

Süd-Verhältnis hat sich jedoch am deutlichsten verschoben - von einer Zeit
der kolonialen Bevormundung zur Gründung von über hundert unabhängigen Staaten, die jetzt einen großen Teil der Rohstoffe dieser Welt kontrollieren und oft genug dem Westen mißtrauisch oder feindlich gegenüberstehen.
Der Anpassungsprozeß der westlichen Institutionen an diese Veränderungen
läuft schon seit vielen Jahren, hat aber in letzter Zeit an Schwung gewonnen.
Es ist dieser Prozeß, der die Debatten innerhalb des Westens hervorruft, die
bisweilen als Zeichen der Krise oder sogar als Zeichen des bevorstehenden Zusammenbruchs des Bündnisses angesehen werden.

Aber solange die Staaten des

Westens zeigen - wie wir dies im vergangenen Jahr getan haben -, daß sie die
Fähigkeit besitzen, durch solche Debatten zu neuer Übereinstimmung, zu neuen
Wegen für gemeinsames Handeln zu gelangen, brauchen wir uns um die Gesundheit
des Bündnisses oder der Gesellschaften, die es verteidigt, keine Angst zu
machen.
Wie es bei jeder Vereinbarung unter demokratischen Staaten der Fall ist,
kann auch ein solcher Konsens keine Übereinstimmung in allen Punkten bedeuten.
Die NATO hat nie versucht, alle Mitglieder in ein einziges weltpolitisches
Konzept zu pressen oder einen einzigen Weg zur Verwirklichung unserer Zielsetzungen festzulegen.
Unsere Stärke liegt darin, daß wir trotz unserer Verschiedenheit eine gemeinsame Vorstellung von der Gesellschaft und ihren Zielen haben. Wir wissen,
wofür wir stehen. Wir wissen auch, wogegen wir sind.
uns über 30 Jahre lang gut gedient.

Diese Grundlage hat

Die Ereignisse der vergangenen Monate

haben deutlich gezeigt, daß sie uns ebenso gut in der vor uns liegenden Zeit
der Veränderungen dienen wird.
Dieses neue Rahmenwerk für die achtziger Jahre erkennt für die NATO die
Notwendigkeit an, sich den verändernden Umständen anzupassen.

Es verbindet

�Es verbindet die Verteidigungserfordernisse des Bündnisses mit den bisherigen
Anstrengungen zur Verringerung von Spannungen und zur Sicherung des Friedens.
Vor allem aber bietet dieses neue Rahmenwerk eine solide Grundlage für eine
der wichtigsten Aufgaben, vor denen die Führer der NATO in den achtziger Jahren stehen - unseren jüngeren Generationen klarzumachen, daß die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit heute noch genauso groß ist wie vor über 30 Jahren,
als unsere Partnerschaft gegründet wurde.
Es ist mir eine besondere Ehre, meine erste Rede in meiner neuen Eigenschaft auf einer Konferenz zu halten, die von der Friedrich-Ebert-Stiftung
unterstützt wird.

Ich arbeite mit der Stiftung und vielen ihrer Mitarbeiter

seit Jahren zusammen.
Demokratie - ein

Ich bewundere schon seit langem Ihren Dienst an der

Dienst, der von Präsident Reagan in seiner Westminster-

Rede besonders anerkannt wurde.

Durch Ihre Anstrengungen haben Sie viel zur

Verbreitung der Demokratie in der ganzen Welt beigetragen.

Mit Ihren Schwester-

organisationen hier in der Bundesrepublik dienen Sie als ein Modell für eine
ähnliche Organisation, die jetzt in den Vereinigten Staaten gegründet wird.
Es ist dies die Art von Dienst an der Demokratie und von Solidarität mit
dem demokratischen Ideal, die die Grundlage der Sicherheitspolitik der NATO
bildet.
nicht

Solange wir uns an diese schlichte Tatsache erinnern, werden wir
irregehen.

+ + + + +

- 21 -

�30. Juni 1982

25

GEORGE SHULTZ - DESIGNIERTER AUSSENMINISTER DER VEREINIGTEN STAATEN

WASHINGTON - (AD) - George Shultz, auf den die Wahl Ronald Reagans für
den Posten des amerikanischen Außenministers nach dem Rücktritt von Alexander
Haig gefallen ist, kann eine glänzende Karriere vorweisen - sowohl im öffentlichen Dienst als auch im akademischen Bereich und in der Geschäftswelt.
Shultz, derzeit noch Präsident der Firma Bechtel, einer weltweit tätigen
Baufirma mit Sitz in San Franzisko, diente bereits in früheren republikanischen
Regierungen - als Finanzminister
Management und Haushalt

von 1972 bis 1974, als Direktor des Büros für

von 1970 bis 1972, und als Arbeitsminister

von 1969

bis 1970.
Während des Wahlkampfes um die Präsidentschaft diente Shultz dem damaligen
Kandidaten Reagan als wichtigster Berater für Wirtschaftsfragen. Zu Beginn der
Regierungszeit Ronald Reagans stand Shultz selbst mit an oberster Stelle als
Kandidat für den Posten des Außenministers, entzog sich jedoch damals Überlegungen
in dieser Richtung. Reagan ernannte ihn daraufhin zum Vorsitzenden des Sachverständigenrates für Wirtschaftspolitik.
Shultz trat

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Shultz trat im Jahr 1974 als Vizepräsident der Geschäftsführung in die
Firma Bechtel ein und wurde 1981 in die Position befördert, die er derzeit
innehat.
In den fünfziger und sechziger Jahren diente er in der amerikanischen Regierung auf vielfältige Weise, einschließlich als Berater im Beirat des Präsidenten für Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Beziehungen, Berater des Arbeitsministers
und Vorsitzender der Arbeitsgruppe für den öffentlichen Dienst.
Shultz wurde am 13. Dezember 1920 in New York geboren. Im Jahre 1942 erhielt er sein erstes Diplom in Wirtschaftswissenschaften an der Universität
Princeton und 1949 promovierte er an der Technischen Hochschule von
Massachusetts (MIT) in Betriebswirtschaft.
Im Zweiten Weltkrieg diente Shultz im amerikanischen Marinekorps, und
nach dem Krieg nahm er eine Lehrtätigkeit an der Technischen Hochschule von
Massachusetts (MIT) auf. Im Jahre 1957 wurde er als Professor an die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität von Chicago berufen, der er
von 1962 bis zu seiner Berufung zum Arbeitsminister sieben Jahre später als
Dekan vorstand.
Shultz hat zahlreiche Bücher und Artikel auf seinem Fachgebiet verfaßt
und gehörte dem Aufsichtsrat verschiedener großer Firmen an.
Die Zeitschrift "Forbes" bezeichnet Shultz als "eine der solidesten
Figuren im öffentlichen Leben Amerikas ... einer der wenigen lebenden Amerikaner,
die sich auf drei Gebieten hervorgetan haben: im akademischen Leben, im Regierungsdienst und in der Wirtschaft."
Shultz ist mit der geborenen Helena O'Brien verheiratet und hat fünf Kinder.
+++++

- 2 -

«r

�T

Hintergrund
materiell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

25

30. Juni 1982

EDWARD L. ROWNY •• DELEGATIONSLEITER BEI DEN GENFER START-VERHANDLUNGEN

Botschafter Edward L. Rowny, der die Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen
über die Verringerung der strategischen Rüstungen (START) als Delegationsleiter
in Genf vertritt, zeigt sich hinsichtlich eines raschen Fortschritts dieser Verhandlungen als "vorsichtig optimistisch". In einem Interview kurz nach Bekanntgabe des Verhandlungsbeginns - dem 29. Juni 1982 - erklärte Rowny: "Ich habe
sechseinhalb Jahre SALT-Verhandlungen mitgemacht, und ich werde alles in meiner
Macht Stehende tun, damit die jetzigen Verhandlungen zu einem rascheren Ende
kommen."
Ein Grund für die Hoffnung, daß die neuen amerikanisch-sowjetischen Gespräche
schneller zu Ergebnissen führen werden, liegt sicherlich in der umfassenden Erfahrung auf dem Gebiet der Rüstungskontroll Verhandlungen, die Rowny dort einbringen wird. Als er im April 1981 von Präsident Reagan zum ChefUnterhändler
der amerikanischen Delegation für RüstungskontrollVerhandlungen ernannt wurde,
war Rowny bereits seit langem für solche Gespräche eingetreten, hatte jedoch auch
deutliche Kritik am SALT II-Vertrag geübt, der von Präsident Carter zwar unterzeichnet, vom amerikanischen Senat jedoch nicht ratifiziert worden war. Aufgrund

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Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�war. Aufgrund seiner Überzeugung, daß der Vertrag der Sowjetunion einen strategischen Vorteil über die Vereinigten Staaten geben würde, verließ er das SALT-IIVerhandlungsteam kurz vor der Vertragsunterzeichnung in Wien im Juni 1979. Noch
im selben Jahr wurde Rowny für den Außenpolitischen Ausschuß des Senats als
Sonderberater für die damalige republikanische Minderheit tätig. Er war davon
überzeugt, daß die Sowjetunion auch dann weiter mit den Vereinigten Staaten
verhandeln würde, wenn der Senat den SALT-II-Vertrag ablehnen würde: "Sie
braucht ihn meiner Meinung nach mehr als wir. Und deshalb wird sie an den Verhandlungstisch

zurückkehren. Es bedarf lediglich der Willenskraft, diese

Situation auch herbeizuführen."
Rowny, 1917 in Baltimore im amerikanischen Bundesstaat Maryland geboren,
war in seinem Berufsleben beides: Wissenschaftler und Soldat.
Bevor er zur Militärakademie West Point kam, schloß er seine Studien 1937
an der Johns Hopkins Universität mit einem Bachelor of Arts ab. Während des
Zweiten Weltkriegs diente er in Nordafrika und in Italien, wo er erst ein
Infantriebataillon, dann ein Regiment befehligte.
Nach dem Krieg schickte ihn das Pentagon zur Yale-Universität, wo er 1949
sein Abschlußexamen ablegte. Danach ging er als Planungsoffizier in den Fernen
Osten und wurde während des Koreakriegs zum offiziellen Sprecher von General
Macarthur ernannt.
Während der sechziger Jahre stellte er eine Gruppe zusammen, die sich mit
der Untersuchung und Bewertung von Operationen gegen Aufständische in Vietnam
befaßte. Im Jahre 1965 wurde er Kommandierender General der 24. Infantriedivision
der amerikanischen Armee in Augsburg.
Gegen Ende der sechziger Jahre kehrte er ins Pentagon zurück und wurde
Stellvertretender Direktor der Abteilung für Forschung und Entwicklung im
Verteidigungsministerium. Im Jahre 1971 wurde er Stellvertretender Vorsitzender

- 2 -

�Stellvertretender Vorsitzender des Militärausschusses der NATO in Brüssel
und saß auch der MBFR-Gruppe der NATO vor.
Im Jahre 1977 verlieh die American University in Washington Rowny einen
Doktortitel für internationale Studien.
Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Heeresdienst und der anschließenden
Tätigkeit beim Außenpolitischen Senatsausschuß wurde Rowny Mitarbeiter des
Woodrow Wilson Center an der Smithsonian Institution in Washington, von wo aus
er von Präsident Reagan zum Chef der Rüstungskontroll Verhandlungen berufen wurde.
+++++

- 3 -

�25

30. Juni 1982

WASHINGTON SIEHT IN NEUEN SANKTIONEN NICHTS ÜBERRASCHENDES
- Von unserem Korrespondenten Thomas Eichler -

WASHINGTON - (AD) - Amerikanischen Regierungsvertretern zufolge bedauern die Vereinigten Staaten die Reaktionen ihrer Verbündeten auf die
jüngste Entscheidung Präsident Reagans, die Restriktionen hinsichtlich des
Verkaufs von öl- und Gastechnologie an die Sowjetunion auszuweiten, sei
dieser Schritt doch unternommen worden, um das Bündnis zu stärken.
Ein leitender Regierungsvertreter in Washington erklärte im Auslandspressezentrum des US-Amtes für Internationale Kommunikation (USICA) am 25.
Juni 1982 vor Reportern, daß die Restriktionen in der Absicht erfolgt seien,
"unsere Fähigkeit zu stärken, uns mit dem Gegner, der Sowjetunion, auseinanderzusetzen, während wir in die Verhandlungen eintreten."
Die Administration kündigte am 18. Juni 1982 an, daß sie die bestehenden Restriktionen für Exporte in die Sowjetunion dahingehend modifizieren
werde, daß nicht nur Erzeugnisse amerikanischer Firmen eingschlossen seien,
sondern auch jene, die im Ausland von Firmen hergestellt werden, die sich in
amerikanischem Besitz befinden, bei denen es sich um von amerikanischer Seite kontrollierte Tochterfirmen handelt oder um ausländische Firmen, die ameri-

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�die amerikanische Technologie in Lizenz einsetzen.

Die ursprünglichen Restrik-

tionen wurden im Dezember vorigen Jahres als Reaktion auf die Rolle der Sowjetunion bei der Unterdrückung der Bürgerrechte in Polen verfügt.
Der Regierungsvertreter erklärte:

"Der Präsident traf im Dezember eine

Entscheidung, und er verwies darauf, daß er diese Entscheidung weiterverfolgen werde, bis bestimmte Maßnahmen ergriffen würden.

Und er steht zu seinem

Wort."
Er fügte hinzu, daß Präsident Reagan bei seiner Entscheidung eine Reihe
von Faktoren zu berücksichtigen hatte, vor allem "die Tatsache, daß er Verhandlungen (über Kernwaffen) mit der Sowjetunion führt, die von gewaltiger Bedeutung für das gesamte westliche Bündnis sind."
Betont wurde in diesem Zusammenhang auch, daß es sich bei diesen Restriktionen um Sanktionen mit beschränkter Zielsetzung handle, die darauf ausgerichtet seien, einen ganz bestimmten Handlungsablauf zu erreichen.

Es handle

sich um "einen Versuch, bei den Sowjets Bewegung hervorzurufen, sowie die
Aussöhnung, die Erneuerung und die Reformen in Polen herbeizuführen, von denen
wir wissen, daß sie von der überwältigenden Mehrheit des polnischen Volkes gewünscht werden."
Es ist den Worten des amerikanischen Regierungsvertreters zufolge ein
"zufälliges Zusammentreffen", daß eine Reihe amerikanischer Maßnahmen im Handelsbereich gleichzeitig ergriffen wurden und dadurch im Ausland die irreführende Vorstellung amerikanischer Anmaßung entstanden sei. So seien z.B. die
jüngsten amerikanischen Entscheidungen hinsichtlich der Stahleinfuhren wegen
der im Januar festgelegten Fristen getroffen worden; die Administration habe
keine Kontrolle über den Zeitpunkt gehabt.
Bestätigt wurde, daß die neuen Restriktionen lediglich das abschließende Element eines von Präsident Reagan im Dezember angekündigten Paketes seien.
In den darauffolgenden Monaten habe es unter den Verbündeten eine Reihe von
Gesprächen gegeben, bei denen die Vereinigten Staaten die Politik der Administra- 2 -

�der Administration hinsichtlich von Sanktionen gegen die Sowjetunion darlegten.
Regierungsvertreter in Washington räumten ein, daß es unmittelbar vor Ankündigung der neuen Restriktionen keine Konsultationen gegeben habe, fügten
jedoch hinzu, es sei höchst unwahrscheinlich, daß die Führungsspitzen der Bündnisländer die amerikanischen Absichten mißverstehen konnten.
Der letzte; Schritt sei stets eine mögliche Option gewesen und daher auch
keine Überraschung.

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�Wirt/choft
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Embassy of the United States of America

30. Juni 1982

25
US-FINANZMINISTER RECHNET MIT KONJUNKTURAUFTRIEB
NACH DEM 1. JULI

WASHINGTON - (AD) - Steigende Umsätze und den raschen Lagerabbau im Einzelhandel, fallende Inflationsraten und eine leichte Zunahme des Bruttosozialproduktes wertet Finanzminister Regan als Hinweise auf einen bevorstehenden
Wirtschaftsaufschwung.
Die Grundlagen für eine Belebung der Wirtschaftstätigkeit in den Vereinigten Staaten verfestigen sich mehr und mehr. Als neue Stützen des Aufschwungs
kommen hinzu: die am 1. Juli in Kraft tretenden Steuersenkungen und die zu erwartenden Senkungen des Defizits für das am 1. Oktober 1982 beginnende Haushaltjahr 1983. Dies stellte der amerikanische Finanzminister Donald Regan am
21. Juni 1982 in Washington in einer Rede vor dem Verband amerikanischer Buchprüfer (National Association of Accountants) fest.
Regan verwies im Lauf in seiner Ansprache auch auf weitere Anzeichen einer
bevorstehenden Tendenzwende:
- Die Zunahme der Einzelhandelsumsätze und der Neubaubeginne sowie einen
raschen Lagerabbau, die darauf hindeuten, daß die Rezession ausläuft.
-

Die private

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�- Die private Spartätigkeit zeigt nach Jahren einer rückläufigen Tendenz
erstmals wieder einen leichten Anstieg.
Die wichtigsten Passagen aus der Rede des amerikanischen Finanzministers
haben folgenden Wortlaut:
"Die Aussichten auf einen Wirtschaftsaufschwung sind ausgezeichnet...
In den ersten vier Monaten des Jahres 1982 hielt sich die Inflationsrate
auf 1,5 Prozent; sie zeigt damit einen weit stärkeren Rückgang als ihn selbst
die größten Optimisten unter uns vorherzusagen gewagt hätten, als der Präsident vor knapp einem Jahr sein Wirtschaftsprogramm in Gang setzte. Dies allein
hat einige Milliarden Dollar an zusätzlicher Kaufkraft in die Kassen des Einzelhandels geschleußt. Im Mai stieg dieses wichtigste Barometer der Wirtschaft
um 1,5 Prozent - das entspricht der zweitgrößten monatlichen Zunahme innerhalb
der letzten eineinhalb Jahre. Nach einem kräftigen Anstieg im April läßt die
Belebung der Einzelhandelsumsätze im Mai vermuten, daß die stark publizierten
Steuersenkungen im Juli im Verein mit ausgeprägten Preisrückgängen die Verbraucher aus ihrer Winterlethargie locken werden.
Der Absatz der amerikanischen Automobilindustrie auf dem Binnenmarkt stieg,
auf Jahresbasis umgerechnet, von 5,5 Millionen Einheiten im April auf 6,3
Millionen im Mai. Auch auf dem privaten Bausektor, der mit am stärksten von der
Rezession betroffen wurde, kann man ermutigende Anzeichen beobachten. Die Zahl
der Neubaubeginne erhöhte sich gegenüber dem Vormonat um 22 Prozent. Der Lagerabbau erreichte im ersten Quartal 1982 ein Rekordvolumen von 39 Milliarden
Dollar.
Alle dieses Anzeichen deuten darauf hin, daß die Rezession ausläuft...
Unter den derzeitigen Umständen zeigt sich an vielen Entwicklungen, wieviel besser die Verbraucher als manche zynische Kritiker begriffen haben, daß
sich eine Konjunkturbelebung anbahnt, die von einem Dollar angthelzt wird,

�angeheizt wird, der nicht mehr von zweistelligen Inflationsraten ausgehöhlt
wird. So erhöhte sich der Index des Verbrauchervertrauens in die Wirtschaft,
der

von der privaten Wirtschaftsforschungsorganisation Conference Board ge-

führt wird, allein im Mai um über vier Punkte - ein ermutigender Hinweis
darauf, daß die breite Masse ebenfalls mit einem baldigen Wirtschaftsaufschwung
rechnet...
Damit stehen .die Verbraucher aber keineswegs allein da. Wall Street
Journal, Amerikas angesehenste Wirtschaftszeitung, berichtete kürzlich, daß
42 von 44 privaten Organisationen, die sich mit der Erstellung von Wirtschaftsprognosen befassen, mit einem unmittelbar bevorstehenden Konjunkturaufschwung
rechnen. Eine ähnliche Studie des Amerikanischen Verbandes der in der Wirtschaft
tätigen Volkswirte (National Association of Business Economists) zu einer kaum
weniger optimistischen Einschätzung der kurz- und langfristigen Konjunkturaussichten.
Woher diese relative Einmütigkeit nach vielen Monaten verwirrender und oftmals widersprüchlicher Zahlen? Mir scheinen hierfür drei Faktoren maßgeblich:
Allem voran sind die am 1. Juli fälligen Steuersenkungen zu nennen. Vor
einem Menschenalter senkte der Kongreß die Einkommensteuersätze und die breite
Masse reagierte mit einer Erhöhung der Spartätigkeit bei gleichzeitigem Anstieg
der Verbraucherausgaben. Dieses Mal verspricht diese Injektion angesichts noch
größerer Steuernachlässe bei rückläufigen inflationären Erwartungen noch weit
belebendere Wirkungen zu zeitigen.
Die Inflation als solche - oder vielmehr die wachsende Überzeugung, daß
es uns gelungen ist, ihr Zügel anzulegen - ist der zweite Faktor, der zur Beschleunigung der Wirtschaftstätigkeit beiträgt. Im März dieses Jahres erlebten
wir erstmals in 17 Jahren einen Rückgang des Verbraucherpreisindex, während
der Herstellerpreisindex im Mai 1982 keine Veränderung gegenüber April auswies.
Das bestätigte die Auffassung derjenigen unter uns, die zwar nicht meinen, wir
hätten der Inflation schon das Rückgrat gebrochen, die sich aber sicher sind,
daß wir sie gebändigt haben.

So

- 3 -

ver treten

�So vertreten heute zahlreiche Beobachter die Meinung, die Inflationsrate
sei inzwischen auf weniger als sechs Prozent zurückgegangen. Sie stimmen darin
mit den meisten Prognosen für die zweite Jahreshälfte und das kommende Jahr
überein. Das bedeutet, daß die Arbeitskosten unter Kontrolle gebracht werden
konnten. Der Rückgang der Inflation wiederum wird sich in einer relativen Zunahme der Kaufkraft in Händen der Verbraucher niederschlagen.
Bei den Nahrungsmittel preisen wird mit nur geringen Korrekturen nach oben
gerechnet. Die Produktivität dürfte Hand in Hand mit dem verfügbaren Einkommen
steigen. Und der Energiebedarf - eine Variable, die viele Wirtschaftswissenschaftler als das spitze Ende eines neuen inflationären Keils ansehen - wird voraussichtlich keine größeren Veränderungen aufweisen, vor allem dann nicht, wenn
der irakisch-iranische Krieg zu Ende geht und sich damit die Wahrscheinlichkeit
eines Zusatzangebots von drei bis vier Millionen Barrel (159 Liter) Rohöl auf
den Weltmärkten abzeichnet.
Es reicht nicht aus, die Inflation zu bändigen - die Verbraucher müssen zu
der Überzeugung gelangen, daß dem auch tatsächlich so ist.
Die Psychologie spielt eine wichtige Rolle auch in dem Versuch, die Zinssätze von ihrem derzeitigen Höhenflug wieder auf die Erde zurückholen. Wenn sich
auf den Geldmärkten erst einmal die Überzeugung durchsetzt, die.Inflation sei
besiegt, und wenn die Haushaltdefizite der Bundesregierung wirklich zurückgehen,
dann werden die derzeitigen Zinssätze - die übrigens um 25 Prozent niedriger
liegen als zur Zeit des Amtsantritts von Präsident Reagan, woran ich Sie erinnern darf - von sich aus abbröckeln.
Und es gibt noch einen dritten Faktor, der nur allzu oft von jenen übersehen wird, die wirtschaftshemmende Indexziffern auf Zeiträume vorhersagen,
die nicht weiterreichen, als das Auge sehen kann. Ich spreche von der persönlichen Sparrate in unserem Lande. Sie überstieg früher, zuletzt.im Jahre 1975,
den Satz von acht Prozent des verfügbaren Einkommens. Bis 1980 war sie auf 5,6
Prozent abgesunken, um Anfang 1981 - vor Einleitung der Steuersenkungen und

�Steuersenkungen und Ausgabenk'ürzungen der Bundesregierung als den Kernstücken
des Wirtschaftsprogramms des Präsidenten - ihrem Tiefstpunkt von 4,6 Prozent
zuzustreben.
In den acht Monaten, die seit dem Anlaufen von Präsident Reagans Wirtschaftsprogramm verstrichen sind, hat sich die Sparrate auf durchschnittlich 5,8
Prozent erhöht - nach einem Durchschnitt von 5,1 Prozent in den ersten drei Quartalen von 1981. Das läßt den Schluß zu, daß mindestens ein Teil des zusätzlichen
verfügbaren Verbrauchereinkommen gespart wird. Infolgedessen rechnen wir mit
einem um 60 Milliarden Dollar höherem Sparaufkommen allein in diesem Jahr - eine
Ziffer, die bis 1984 voraussichtlich auf 260 Milliarden Dollar steigen dürfte.
Wir hoch auch immer das Spar-Mehraufkommen ausfallen wird, fest steht schon heute,
daß die Intensivierung des Sparwillens, die die Wirtschaftspolitik des Präsidenten bewirkt hat, die Haushaltdefizite mehr als wettmachen wird - vor allem unter den Juristen Plänen, die in Kürze im Kongreß zur Sprache kommen sollen.
Die genannten drei Faktoren - die Steuersenkungen zum 1. Juli, der anhaltende Rückgang der Inflation und die Aussicht auf ein beträchtlich höheres Sparaufkommen - bereiten die Grundlage für einen wirtschaftlichen Aufschwung.
Ein erster Beleg hierfür findet sich in einem heute veröffentlichten Bericht,
demzufolge das Bruttosozialprodukt im zweiten Quartal um 0,6 Prozent zugenommen
hat. Die Umrisse eines Aufschwungs zeichnen sich mithin ab. Und nach meinem Dafürhalten gebietet uns kluges Management, wie in der Vergangenheit, unsere wirtschaftliche Lage auch in Zukunft laufend zu analysieren, uns stets Rechenschaft
zu legen, inwieweit wir die Ziele unserer Wirtschaftspolitik zu erreichen vermochten und wie sich unsere Vermögenslage darstellt sowie darauf zu achten,
ob nicht irgendwo Hilfen gebraucht werden, die wir eigens zu diesem Zweck entwickeln müssen.
Dieser Prozeß wurde, wie Sie wissen, vor anderen Foren bereits eingeleitet.
Gesetzesvorschläge für Änderungen beim Zentralbankenrat liegen vor. Von Zeit zu
Zeit

werden auch Rufe nach Lohn- und Preiskontrollen, nach Kreditbeschränkungen

- 5 -

�nach Kreditbeschränkungen, Kontrolle der Gewerkschaften und nach anderen denkbaren raschen Lösungen laut. Jedermann sorgt sich wegen der hohen Zinssätze
und jedermann möchte gern den ersten Schluck aus der Flasche mit der heilsamen Medizin tun...
Gestatten Sie mir, daß ich Ihnen die Zielsetzungen der Wirtschaftspolitik
des Präsidenten ins Gedächtnis zurückrufe:
- Wir wollen die Inflation verringern und die Zinsen senken.
- Wir wollen Anreize für ein anhaltendes Wirtschaftswachstum bieten.
- Wir wollen dem Anstieg der Staatsausgaben Grenzen setzen.
- Wir wollen das Übermaß an staatlicher Reglementierung abbauen.
- Und wir wünschen ein langsames aber stetiges Wachstum der Geldmenge.
Schon ein erster flüchtiger Blick auf diese Liste läßt erkennen, daß
hinsichtlich zweier oder dreier dieser Punkte Verbesserungen angezeigt scheinen. Allem voran bei den Zinssätzen. Und wenn nun beim Bruttosozialprodukt
eine Wende eintritt, wird es umso wichtiger, daß auch die Zinssätze wieder
fallen. Wir werden die hieraus resultierende Stärke im Sommer und Herbst
brauchen, um dem Auftrieb weitere Nahrung geben und ein solides wirtschaftliches Wachstum in Gang bringen zu können.
\

An zweiter Stelle rangiert die Geldpolitik. Das vom Bundeszentralbankenrat
(Bundesbank) verfügte Geldmenge^wachstum war alles andere als stetig. Das
ständige Auf und Ab hat Unsicherheit in allen Kreisen hervorgerufen. Es ist
an der Zeit, daß wir einige ernste Fragen bezüglich der Art zu stellen, wie
die Durchführung dieser Politik durch den Zentralbankenrat funktioniert. Wir
haben die Politik des Zentralbankenrates beharrlich unterstützt, können uns
aber mit deren Durchführung nicht einverstanden erklären.
Hier aber

�Hier aber möge die Feststellung genügen, daß wir sämtliche Aspekte unserer
Politik zu überprüfen gedenken. Wir wünschen eine umfassende Übersicht, die uns
zeigt, welchen Weg wir bisher zurückgelegt haben und wohin uns unser Weg in Zukunft führen wird. Statt Anlaß zur Besorgnis zu geben, sollte eine solche Obersicht vielmehr eine Beruhigung sein.
Ich habe auf meinem Schreibtisch eine Untersuchung der Wirtschaftsmaßnahmen, die von anderen Administrationen ergriffen wurden, um mit Problemen aller
Art fertigzuwerden. Da sind einmal die Preiskontrollen von 1971, die nur wenig
zur Milderung der Inflation beizutragen vermochten und vom raschen Wachstum der
Geldmenge ausgehöhlt wurden. Da sind die Kreditbeschränkungen von 1980 die uns
den schärfsten vierteljährlichen Rückgang des Bruttosozialproduktes in der gesamten Nachkriegszeit einbrachten.
Es scheint mir nur logisch, wenn wir ähnliche Fehler nicht noch einmal zu
machen wünschen - wenn wir sicherstellen wollen, daß sämtliche Optionen und
neuen Initiativen und deren Folgen durchdacht werden, sollten im Zusammenhang
mit unserer grundlegenden Politik irgendwelche neuen Initiativen notwenig werden. Und ich unterstreiche die Bedingungsform in meinem letzten Satz...
Eine politische Feststellung kann ich mit Gewißtheit treffen: daß der
Präsident an diesem Kurs festhalten wird, der uns den Zugang zur Prosperität
offenhält und eine breite Streuung der Segnungen einer freien Wirtschaft gewährleistet. Und dieser Kurs umschließt die Grundprinzipien des Wirtschaftsprogramms des Präsidenten, das uns, davon bin ich fest überzeugt, in eine
hellere wirtschaftliche Zukunft führen wird.

+ + + + +

- 7 -

�Ulift/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30. Juni 1982

25

US-REGIERUNG BEFÜRWORTET KOMMERZIELLE PRODUKTION
SYNTHETISCHER BRENNSTOFFE

(AD) — Die Reagan-Administration hat die Verpflichtung der US-Regierung
bekräftigt, sich für den Aufbau einer Synthesebrennstoff-Industrie zur Schaffung einer zuverlässigen Alternative für Importöl einzusetzen. Wie Edward E.
Noble, der Vorsitzende des Direktoriums der staatlichen Gesellschaft für Synthetische Brennstoffe (SFC - Synthetic Fuels Corporation), vor einem Kongreßausschuß erklärte, sei der Aufbau einer leistungsfähigen Industrie für die Produktion synthetischer Brennstoffe von "enormen" strategischem Wert. Aus diesem
Grund müsse die US-Regierung einen Teil der finanziellen Risiken übernehmen,
die sich in der Anfangsphase ergeben.
Es sei notwendig, so Noble, daß die Vereinigten Staaten ihre Fähigkeit
unter Beweis stellen, Synthesebrennstoffe auf kommerzieller Basis zu Preisen
zu produzieren, die im Rahmen der Gesamtwirtschaft tragbar sind. Da Planung,
Entwurf und Bau einer entsprechenden Anlage acht bis zehn Jahre erforderten,
habe man bei Synthesebrennstoff-Projekten ohnehin größere Zeiträume zu berück-

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�Zeiträume zu berücksichtigen. Jedoch solle die staatliche Organisation SFC nur
die "absolut notwendigen" Mittel bereitstellen, um den kommerziellen Einsatz
synthetischer Brennstoffe zu fördern. Sobald dieser Prozeß in Gang gekommen
sei, dürften die marktwirtschaftlichen Gegebenheiten ausreichen, um die Entwicklung der neuen Industrie zum Abschluß zu bringen.
Die Stellungnahme Edward E. Nobles vom 9. Juni 1982 vor dem Unterausschuß
des US-Repräsentantenhauses für Umwelt, Energie und natürliche Hilfsquellen
ist im Folgenden auszugsweise wiedergegeben:
Der strategische Wert, der sich aus der Fähigkeit der Volkswirtschaft zur
Produktion synthetischer Brennstoffe zu erschwinglichen Preisen ergibt, ist
enorm groß. Vielleicht brauchen wir nicht unbedingt ein Produktionsniveau von
vielen Millionen Barrel pro Tag, und wir brauchen auch nicht mit den täglich
variierenden Niedrigstpreisen für öl zu konkurrieren. Was wir als Nation tun
müssen, ist die Demonstration der Fähigkeit zur Produktion synthetischer Brennstoffe im kommerziellen Maßstab zu Preisen, die im Rahmen unserer gesamten Wirtschaft tragbar sind. Sind wir erst einmal so weit gekommen, können wir als Nation und führende Weltmacht frei unsere Interessen ohne Furcht oder Bedrohung
verfolgen.
Wenn es also für die Nation so eindeutig in strategischer wie wirtschaftlicher Hinsicht von Vorteil ist, synthetische Brennstoffe zu entwickeln, stellt
sich die Frage: Weshalb haben wir dies noch nicht getan, insbesondere angesichts
der erklärten nationalen Verpflichtung? Ich glaube, die Antwort liegt in unseren
unrealistischen Erwartungen hinsichtlich der Zeit und der konzentrierten Anstrengungen, die notwendig sind, um eine neue, marktfähige Industrie aufzubauen.
Es bedurfte mehr als eines Jahrzehnts von beharrlichem nationalen Engagement, um einen Menschen zum Mond zu bringen. Eine ähnliche Zeitspanne und ähnliche gemeinsame Anstrengungen werden erforderlich sein, um die verschiedenen
Technologien im kommerziellen Maßstab zu erproben, um das Management- und Fachkräftepotential zu entwickeln und um die für eine Synthesebrennstoff-Industrie

- 2 -

�Synthesebrennstoff-Industrie notwendige Infrastruktur zu schaffen. Im übrigen
vermögen wir nur durch Kontinuität und Absehbarkeit von Politik und Programmen
der Bundesregierung bei den Investoren das für das Wachstum der jungen Industrie so lebenswichtige Vertrauen zu erringen.
Hinsichtlich marktfähiger synthetischer Brennstoffe haben wir es mit
einem Gebiet zu tun, auf dem es noch keine wesentlichen Erfahrungen gibt. Gegenüber den Mitgliedern dieses Ausschusses oder des Kongresses brauche ich ganz
gewiß nicht die vielen Ungewißheiten zu erwähnen - von der Wirtschaftlichkeit
bis zur Technologie und den Auswirkungen auf die Umwelt -.welche Investitionen
seitens der Privatwirtschaft für bahnbrechende Synthesebrennstoff-Werke erschweren. Und außer diesen schon bekannten Ungewißheiten gibt es ja auch noch
das im Hintergrund lauernde Hemmnis von staatlichem Reglement und der Besteuerung, vor allem dann, wenn sich die Industrie als erfolgreich erweist.
So bietet also im gegenwärtigen Zeitpunkt die Entwicklung einer Synthesebrennstoff-Industrie große Vorteile für die Nation, aber große Risiken für jene
in der Privatwirtschaft, die investieren würden. Aus diesem Grund kann ich heute
Ihnen gegenüber nach gründlichem Abwägen der Situation der sich entwickelnden
Industrie ohne Vorbehalt sagen: Das nationale Engagement für synthetische Brennstoffe muß erhalten bleiben.
Die Frage, weshalb die Entwicklung synthetischer Brennstoffe nicht schneller vor sich ging, ist wohl damit zu beantworten, daß eine "schnelle" Entwicklung nicht möglich ist, daß wir jedoch stetigen und verantwortungsbewußten Fortschritt verzeichnen. Das Engagement muß langfristig sein, weil Planung, Entwurf und Bau jedes einzelnen Synthesebrennstoff-Werks acht bis zehn Jahre erfordert. (Das ist nicht zwangsläufig gleichbedeutend damit, daß wir ein Bundesprogramm für neue Projektvorlagen und Prämienleistungen über ein Jahrzehnt
fortführen müßten. Aber wir müssen das im Energiesicherungs-Gesetz gegebene
Versprechen erfüllen, indem wir zusammen mit privaten Förderern einige der
immensen Risiken teilen, die sich aus dem Bau der ersten Anlagen ergeben.)
Seit einigen
- 3 -

�Seit einigen Jahren ist das US-Energieministerium auf dem Gebiet der Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen zur beschleunigten.Entwicklung synthetischer Brennstoffe aktiv tätig. Die Studie zur Durchführbarkeit und die bei
Kooperationsabkommen vom Energieministerium zugeteilten Mittel stimulierten und
unterstützten Programme der Privatindustrie, die Marktfähigkeit synthetischer
Brennstoffe zu sondieren.
•

Infolge dieser gemeinsamen Anstrengungen von Bund und Industrie und des
Interimprogramms für alternative Brennstoffe, das der Tätigkeitsaufnahme der
SFC vorausging, haben wir jetzt in den Vereinigten Staaten zwei großtechnische
Synthesebrennstoff-Werke in Bau. Beide berichten von einem im allgemeinen termingemäßen Fortgang der Arbeiten unter Einhaltung des gesetzten finanziellen
Rahmens. Wie Sie wissen, werden die Arbeiten an einem dritten Projekt, COLONY
(Schieferölwerk in Colorado) gegenwärtig eingestellt. Aber das federführende
Unternehmen, EXXON, hat seiner Überzeugung Ausdruck gegeben, daß alternative
Brennstoffe "zur Deckung des künftigen Brennstoffbedarfs der USA notwendig sind".
•

Auf der Vorbereitungsarbeit des US-Energieministeriums aufbauend, hat die
Gesellschaft für Synthetische Brennstoffe zwei allgemeine Ausschreibungen zur
Einreichung von Vorschlägen in Angriff genommen. Von der ersten Ausschreibung
stehen gegenwärtig fünf Projekte in der Phase zwei hinsichtlich einer möglichen finanziellen Förderung in intensiver Prüfung. Ende dieses Monats läuft
die Frist zur Entscheidung der Frage ab, ob die Vorschläge der ersten Serie
von Erfordernissen im Rahmen der Grundbedingungen für die Phase zwei genügen.
Diese betreffen die Technologie-Genehmigung für die Projekte, Management,
Vermarktung und gewisse andere Erfordernisse.
Bei der SFC gingen außerdem 35 Vorschläge auf die zweite allgemeine Ausschreibung ein, die am 1. Juni 1982 ablief. Sie zeigen eine große Vielfalt in
bezug auf Grundstoffe, Technologie und Standorte. Unter ihnen sind sieben Vorschläge über Schieferölprojekte, neun für die Ausbeutung von Teersänden, neun
über Kohleverflüssigung, fünf über Kohlevergasung und einer über ein Projekt
zur Verwertung einer Kohle-Öl-Mischung. Die anderen vier Vorschläge nennen
- 4 -

�Vorschläge nennen keine spezielle Kategorie. Unsere Mitarbeiter haben mit der
gründlichen Analyse der 35 Eingaben begonnen und werden dem Direktorium so bald
wie möglich Empfehlungen unterbreiten. Aber ich möchte hier doch gerne unsere
Überzeugung zu Protokoll geben, daß die Zahl und die Vielfalt der eingereichten
Projektvorschläge ein nach wie vor bestehendes großes Interesse der privaten Befürworter an der Entwicklung synthetischer Brennstoffe erkennen läßt.
*

Die Vorhersage des künftigen Bedarfs, der Versorgung und der Preise für Energie im nationalen wie im weltweiten Rahmen ist stets eine dubiose Angelegenheit.
Ich ziehe es vor, mich an Fakten zu halten. Eine Tatsache ist die, daß die Versorgung mit herkömmlichem öl ihre Grenze hat. Eine zweite ist der Umstand, daß dieses öl zum großen Teil aus Gebieten kommt, die - aus verschiedenen internen und
weltpolitischen Gründen - auch künftig nicht zur Ruhe kommen werden. Darüber hinaus hängen Stabilität und Verhalten vieler dieser ölreichen Länder in hohem Grade
davon ab, wie sie die Vereinigten Staaten sehen - unsere Erfordernisse, unsere
Verpflichtungen, und unsere Entschlossenheit.
Es wurde gefragt: Ist dies die richtige Zeit für Synthesebrennstoffe? Darauf
möchte ich nachdrücklich mit "Ja" antworten. Es ist an der Zeit, mit kommerziellen
Projekten voranzukommen. Wir werden, wenn wir die ersten Anlagen bauen, auf Probleme stoßen; und diese werden die Aufmerksamkeit auf sich lenken, Ideen hervorbringen und Wettbewerb stärken. Ich bin fest davon überzeugt, daß gut geplante,
gut konstruierte und geführte Projekte wirtschaftlich lebensfähig sein können.
.

Außerdem bin ich überzeugt, daß sich gegenseitige Anregungen aus den Projekten
ergeben, während sie sich entwickeln. Vor allem aber werden wir unsere Fähigkeit

•

beweisen, synthetische Flüssigbrennstoffe und Synthesegas zu produzieren, wenn
es und in welchem Umfang dies erforderlich ist, und damit für die übrige Welt
ein Zeichen setzen...
Wie es bei allen Pionierleistungen der Fall ist, haben die Befürworter des
Synthesebrennstoff-Projekts gewisse Schwierigkeiten, das notwendige Ridikokapital
zusammenzubekommen. Hauptaufgabe der SFC ist es, Anreize zu schaffen, um diese Kapitalbildung zu unterstützen. Indem wir gewisse Verbindlichkeiten bei Projekten

- 5 -

�Projekten übernehmen, die wir technisch und wirtschaftlich für realisierbar
halten, schaffen wir für diese Projekte die Möglichkeit, Interesse zur Finanzierung mit Marktmitteln zu wecken.
Ich zweifle nicht daran, daß letzten Endes die Marktwirtschaft die Entwicklung von Synthesebrennstoffen unterstützen wird. Wenn wir aber den Prozeß beschleunigen und so die mit fortdauernder Abhängigkeit von ölimporten verbundenen
Wirtschafts- und Verteidigungsprobleme auf ein Mindestmaß beschränken wollen,
ist eine gewisse Form von Regierungshilfe notwendig. Der Kongreß hat die Gesellschaft für Synthetische Brennstoffe als Instrument für diese Hilfe ausersehen.
In meiner - früher von Zweifeln beherrschten - Sicht bin ich jetzt überzeugt, daß
der Kongreß Recht hatte mit seiner Beurteilung, daß Land brauche die Möglichkeit
zur Produktion synthetischer Brennstoffe, und die Gesellschaft sei das richtige
Instrument zur Förderung dieser Entwicklung. Ich bin auch weiterhin entschlossen,
nicht mehr Geld als unbedingt notwendig für das Ingangsetzen der einschlägigen
Industrie zu riskieren. Und wir werden, entsprechend dem vom Kongreß erteilten
Mandat, die Unterstützung beenden. Sobald wir dies verantworten können.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Haig zurückgetreten, Shultz zum Nachfolger nominiert&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärungen Reagans und Haigs -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein neuer Anfang in Genf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Delegationsleiters zu den &amp;nbsp;START-Verhandlungen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der neue Sicherheitsrahmen der NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vortrag von US-Unterstaatssekretär Burt vor der Friedrich-Ebert-Stiftung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;George Shultz - designierter Außenminister der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Edward L. Rowny - Delegationsleiter bei den Genfer START-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Washington sieht in neuen Sanktionen nichts überraschendes&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Korrespondenten Thomas Eichler -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Finanzminister rechnet mit Konjunkturauftrieb nach dem 1. Juli&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Regierung befürwortet kommerzielle Produktion synthetischer Brennstoffe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;</text>
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30. Juni 1993

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LUFTANGRIFF ANTWORT AUF IRAKISCHES
MORDKOMPLOTT
Ansprache Präsident Clintons an die Nation

ANGRIFF AUF HERZSTÜCK DES
IRAKISCHEN TERRORISMUS
Erklärung des US-Verteidigungsministers

DIE AMERIKANISCHE MILITARAKTION
GEGEN DEN IRAKISCHEN TERRORISMUS
Eine Übersicht der amerikanischen
Regierung

MENSCHENRECHTE

WIENER DOKUMENT BETONT ALLGEMEINGÜLTIGKEIT DER MENSCHENRECHTE
Shattuck zum Abschluß der Weltkonferenz
über Menschenrechte

UNO

USA MUSSEN BEI UNO-FRIEDENSSICHERUNG FÜHRENDE ROLLE ÜBERNEHMEN
Erklärung von Botschafterin Albright
vor Kongreßausschuß

START II

CIA-DIREKTOR WOOLSEY ZUR ÜBERWACHUNG VON START II
Stellungnahme vor Senatsausschuß

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�HANDEL

SENATOREN ÄUSSERN SICH ZUR
URUGUAY-RUNDE
Brief des Finanzausschusses an Clinton

FRAUEN

DURCHBRUCH FÜR FRAUEN AUF
MENSCHENRECHTSKONFERENZ
Frauenfragen im Rampenlicht

GESELLSCHAFT

DIE GENERATION DES BABY-BOOMS
WIRD ÄLTER
von Marc Leepson

THEMENINDEX

DER AMERIKA DIENST
I.Halbjahr 1993

�IRAK
30. Juni 1993

LUFTANGRIFF ANTWORT AUF
IRAKISCHES MORDKOMPLOTT
Ansprache Präsident Clintons an die Nation
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat das Mordkomplott des Irak gegen Präsident Bush als "Anschlag
gegen unser Land und gegen alle Amerikaner" bezeichnet. Man habe "eine solche Aktion gegen unser Land"
nicht unbeantwortet lassen können.
"Seit den ersten Tagen unserer Revolution hat Amerikas Sicherheit von der Eindeutigkeit dieser Botschaft
abgehangen: Trampelt nicht auf uns herum", erklärte Clinton in einer landesweit übertragenen Fernseh- und
Rundfunkansprache. Er habe deshalb am Freitag (25. Juni) einen Angriff mit Marschflugkörpern auf das
Hauptquartier des irakischen Geheimdienstes angeordnet, um "Saddam Hussein von der Unterstützung solch
gesetzlosen Verhaltens in der Zukunft abzuschrecken".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.
Meine amerikanischen Mitbürger, heute abend möchte ich zu Ihnen über einen Angriff der Regierung des
Irak gegen die Vereinigten Staaten und die Maßnahmen sprechen, die wir soeben ergriffen haben, um
darauf zu antworten.
Im vergangenen April hat die kuwaitische Regierung
einen vermutlich geplanten Autobombenanschlag zur
Ermordung des ehemaligen Präsidenten George Bush
bei seinem Besuch in Kuwait-Stadt aufgedeckt. Die
kuwaitischen Behörden nahmen 16 Verdächtige fest,
darunter zwei irakische Staatsbürger. Im Anschluß an
diese Festnahmen habe ich unsere eigenen Nachrichtendienste und Ermittlungsbehörden angewiesen, eine
gründliche und unabhängige Untersuchung durchzuführen. In den vergangenen Wochen haben Vertreter
dieser Behörden ein Spektrum nachrichtendienstlicher Informationen geprüft, sind nach Kuwait und an
andere Orte gereist, haben die Verdächtigen intensiv
vernommen und die forensischen Beweise eingehend
untersucht. Am vorigen Donnerstag haben Justizministerin Reno und CIA-Direktor Woolsey mir ihre Erkenntnisse vorgelegt.
Aufgrund ihrer Ermittlungen ergeben sich zwingende
Beweise dafür, daß es in der Tat ein Komplott zur
Ermordung des ehemaligen Präsidenten Bush gegeben hat und daß dieses Komplott, das den Einsatz
eines im Irak hergestellten mächtigen Sprengsatzes
einbezog, vom irakischen Geheimdienst geleitet und
verfolgt wurde.

AMERIKA DIENST 26

Wir sollten von solchen Taten nicht überrascht sein,
kommen sie doch von einem Regime wie dem Saddam
Husseins, das durch Greueltaten geherrscht und seine
eigenen Bürger abgeschlachtet hat, in zwei Nachbarländer eingefallen ist, weitere angegriffen, chemische
Kriegführung eingesetzt sowie Krieg gegen die Umwelt geführt hat. Saddam hat wiederholt den Willen
und das Gewissen der Völkergemeinschaft verletzt,
aber dieser Versuch der Rache eines Tyrannen an
dem Führer der weltweiten Koalition, die ihn im Krieg
besiegte, ist besonders verabscheuungswürdig und
feige. Wir danken Gott, daß er erfolglos war.
Die Behörden, die ihn zunichte machten, genießen die
Hochachtung aller Amerikaner. Es ist klar, daß dies
kein impulsiver oder zufälliger Akt war. Es war ein vom
irakischen Regime ersonnener, gut durchdachter Plan,
der sich gegen einen früheren Präsidenten der Vereinigten Staaten aufgrund der von ihm als Präsident
ergriffenen Maßnahmen richtete. Damit war der irakische Anschlag auf Präsident Bush ein Anschlag gegen
unser Land und gegen alle Amerikaner. Wir konnten
eine solche Aktion gegen unser Land nicht unbeantwortet lassen, und das haben wir auch nicht getan.
Seit den ersten Tagen unserer Revolution hat Amerikas Sicherheit von der Eindeutigkeit dieser Botschaft
abgehangen: Trampelt nicht auf uns herum. Eine
feste und angemessene Reaktion war unerläßlich, um
unsere Souveränität zu schützen, denjenigen eine
Botschaft zu senden, die staatlich geförderten Terro-

Seite 1

�rismus einsetzen, weitere Gewalttaten gegen unser
Volk abzuschrecken und die Erwartung zivilisierten
Verhaltens zwischen Nationen zu bekräftigen.
Deshalb habe ich am Freitag angeordnet, daß unsere
Streitkräfte das Hauptquartier des irakischen Geheimdienstes in Bagdad mit Marschflugkörpern angreifen.
Diese Flugkörper wurden heute nachmittag um 16.22
Uhr östlicher Zeit gestartet. Sie trafen vor etwa einer
Stunde ein. Ich habe diese Aktion mit der Führung des
Kongresses sowie mit unseren Verbündeten und Freunden in der Region erörtert, und ich habe eine Sondersitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen
beantragt, um das Verbrechen des Irak bloßzustellen.
Diese Aktionen richteten sich gegen die irakische
Regierung, die für das Mordkomplott verantwortlich
war. Saddam Hussein hat wiederholt bewiesen, daß
er zu Terrorismus oder Aggression greifen wird, wenn
man ihm nicht Einhalt gebietet. Unsere Absicht war es,
die Fähigkeit des Irak zur Unterstützung von Gewalt
gegen die Vereinigten Staaten und andere Nationen
anzugreifen sowie Saddam Hussein von der Unterstützung solch gesetzlosen Verhaltens in der Zukunft
abzuschrecken.

Nation, Gruppe oder Person zu vermitteln beabsichtigen, die unsere führenden Vertreter oder unsere Bürger schädigen möchte, sollte kein Zweifel bestehen:
Wir werden den Terrorismus bekämpfen. Wir werden
Aggression abschrecken. Wir werden unser Volk
schützen.
Die Welt hat wiederholt klargestellt, was der Irak tun
muß, um in die Völkergemeinschaft zurückzukehren,
und der Irak hat dies wiederholt verweigert. Wenn
Saddam und sein Regime weitere illegale, provokative
Aktionen planen sollten, können sie unserer Antwort
gewiß sein.
Den Männern und Frauen in unseren Streitkräften
sowie unseren Nachrichtendiensten und Ermittlungsbehörden, die die Untersuchung und unsere militärische Reaktion durchgeführt haben, möchte ich mitteilen: Sie haben meine Dankbarkeit und die Dankbarkeit
aller Amerikaner. Sie haben einen schwierigen Auftrag mit Mut und Professionalismus ausgeführt.

Abschließend möchte ich dem ganzen amerikanischen
Volk noch folgendes sagen: Obwohl der Kalte Krieg
geendet hat, ist die Welt nicht frei von Gefahr, und ich
bin entschlossen, die erforderlichen Schritte zu unterDeshalb haben wir unsere Aktion gegen eine mit der nehmen, um die Sicherheit unseres Landes zu bewahirakischen Unterstützung des Terrorismus in Verbin- ren. Wir werden unsere Streitkräfte kampfbereit haldung gebrachte Anlage gerichtet und gleichzeitig alles ten. Wir werden uns dafür einsetzen, entstehende
Erdenkliche getan, um Verluste an unschuldigen Bedrohungen abzuwenden, und wir werden Maßnahmen ergreifen, wenn Maßnahmen erforderlich sind.
Menschenleben so gering wie möglich zu halten.
Das genau haben wir auch heute getan.
An der Botschaft, die wir mit diesen Aktionen Saddam
Hussein, dem Rest der irakischen Führung und jeder Ich danke Ihnen, und Gott segne Amerika.

Seite 2

AMERIKA DIENST 26

�IRAK
30. Juni 1993

ANGRIFF AUF HERZSTÜCK DES
IRAKISCHEN TERRORISMUS
Erklärung des US-Verteidigungsministers
Zu Beginn einer Pressekonferenz am 26. Juni 1993 gab Verteidigungsminister Les Aspin die folgende Erklärung
ab.

WASHINGTON - (AD) -"... General Powell und ich
werden Ihnen heute abend einige zusätzliche Informationen geben, aber da die Operation erst vor kurzem
beendet wurde, haben wir noch keine Ergebnisse
vorliegen. Wir hoffen, daß wir Ihnen am morgigen Tag
mehr sagen können, wahrscheinlich jedoch erst am
Nachmittag.
Tomahawk-Marschflugkörper von Kriegsschiffen der
US-Marine waren auf die irakische Geheimdienstzentrale gerichtet. Diese Operation sollte eine entschiedene und unmißverständliche Antwort der Vereinigten
Staaten auf den Versuch des Irak darstellen, den
ehemaligen Präsidenten George Bush im April dieses
Jahres während seines Besuchs in Kuwait zu ermorden. Der Attentatsversuch war nicht der Akt einer
kleinen Gruppe Unabhängiger. Alle Beweise deuten
darauf hin, daß es sich um das Werk des irakischen
Geheimdienstes (Iraqi Intelligence Service - IIS) handelt und um eine Aktion, die von höchster Ebene der
irakischen Regierung genehmigt worden sein mußte.
Nach einer Überprüfung des Beweismaterials wies
Präsident Clinton das Verteidigungsministerium an,
eine Reihe von Optionen zu entwickeln. Der Präsident
entschied sich dann für eine dieser Optionen, die das
Ziel sein würde - eine Option, die die Behörde treffen
würde, die unseren Erkenntnissen zufolge direkt für
die Planung und Ausführung dieses Verbrechens
verantwortlich ist. Wir werden auf diesem Schaubild
einige Gründe dafür geben, warum wir die irakische
Geheimdienstzentrale als Ziel ausgewählt haben.
Der irakische Geheimdienst ist die größte nachrichtendienstliche Organisation des Irak. Er ist verantwortlich
für die Untersuchung und Verfolgung jeder vermeintlichen Illoyalität. Er ist ebenfalls verantwortlich für die
Überwachung irakischer Bürger und ihrer politischen
Aktivitäten sowie die Bekämpfung irakischer Dissidenten und Oppositioneller im Ausland.
AMERIKA DIENST 26

Der irakische Geheimdienst ist die Behörde, die für
Terroranschläge im Ausland die Hauptverantwortung
trägt - und in diesem Fall hat er wieder einen Versuch
unternommen.
Der irakische Geheimdienst hat zahlreiche verdeckte
Aktivitäten durchgeführt, einschließlich von Attentaten, zuerst gegen irakische politische Dissidenten,
dann gegen abtrünnige Wissenschaftler und Kurdenführer. Er hat eine Terrorkampagne in Kuwait durchgeführt, Autobomben im Nordirak gelegt und die UNOHilfskonvois sowie Mitarbeiter der UNO angegriffen.
Und jetzt ist da natürlich der Attentatsversuch auf den
ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten.
Das Herzstück des irakischen Geheimdienstes ist ein
großes, mehrstöckiges Gebäude - das Hauptquartier
in Bagdad. Dieses Gebäude war das Ziel des gerade
beendeten Angriffs. Darin befinden sich die Büros
seines Direktors, und es ist der Brennpunkt aller
Operationen des IIS im Inland und in ÜberseeS Es ist
das Zentrum der Operationsplanung, von Verhören,
des Kommunikationswesens und der Computeroperationen.
Durch die Wahl dieser Einrichtung für den heutigen
Angriff haben wir eine angemessene Antwort gegeben, die den Irak eine Zeitlang zu künftigen Aktionen
dieser Art unfähig machen wird. Und wir sind der
Ansicht, daß das irakische Volk und seine Führung
diesen Angriff richtig einschätzen werden - als einen
lediglich gegen das Regime, das für den Angriff auf
Präsident Bush verantwortlich ist, und nicht gegen das
irakische Volk gerichteten Angriff.
Die Aktion des heutigen Abends wurde ausschließlich
von den amerikanischen Streitkräften durchgeführt.
Das Verbrechen war gegen die Vereinigten Staaten
gerichtet, und wir entschieden uns, darauf zu reagieren und unser Recht auf Selbstverteidigung gemäß
Seite 1

�Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen geltend
zu machen.
Ein Verhalten wie der Attentatsversuch gegen Präsident Bush konnte nicht unbeantwortet bleiben. Wenn
das Regime in Bagdad in dem Glauben gelassen wird,
daß es sich der Verantwortung für eine solche Verhaltensweise entziehen kann, dann wird es nur zu einer
Wiederholung ermutigt.

Die einseitige Aktion des heutigen Abends mindert in
keiner Weise die Unterstützung der Vereinigten Staaten für Maßnahmen der Koalition oder für die Autorität
der Vereinten Nationen.
Uns liegen zwar noch keine spezifischen Ergebnisse
dieser Operation vor, ich möchte jedoch darauf hinweisen, daß das Können und professionelle Verhalten des
amerikanischen Militärs dem Präsidenten die Vielzahl
von Optionen gaben, die er benötigte, um angemessen auf diesen Angriff auf einen ehemaligen Präsidenten reagieren zu können..."

* * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 26

�IRAK
30. Juni 1993

DIE AMERIKANISCHE MILITÄR AKTION GEGEN
DEN IRAKISCHEN TERRORISMUS
Eine Übersicht der amerikanischen Regierung
WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Regierung hat am 27. Juni 1993 dem UN-Sicherheitsrat die folgende
Übersicht mit dem Titel "Die Militäraktion der Vereinigten Staaten gegen den irakischen Terrorismus am 26. Juni
1993" übergeben.
Zu Beginn eines dreitägigen Besuches des ehemaligen Präsidenten George Bush in Kuwait-Stadt am 14.
April 1993 vereitelten die kuwaitischen Behörden ein
tenoristisches Komplott. Dabei stellten sie eine mächtige Autobombe sowie weiteren Sprengstoff sicher und
nahmen 16 Verdächtige fest, die von zwei irakischen
Staatsbürgern angeführt wurden.

hergestellt haben. Gewisse Baumuster dieser Sprengsätze wurden ausschließlich bei Vorrichtungen angetroffen, die mit dem Irak in Verbindung stehen, und
nicht bei Vorrichtungen, die von anderen terroristischen Gruppen benutzt werden.

2. Nach Aufassung der Sachverständigen enthielten
auch andere in Zusammenhang mit diesem Komplott
In den beiden folgenden Monaten haben Ermittlungs- sichergestellte Sprengsätze, darunter "kubische
teamsdes FBI und der Nachrichtendienste eine gründ- Bomben", Komponenten, die von der- oder denselben
liche Untersuchung dieser Operation durchgeführt. Person(en) gebaut wurden, die bereits früher sicherAufgrund dieser Untersuchung sind das Justizministe- gestellte Bomben der Iraker hergestellt haben.
rium und der Nachrichtendienst CIA zu dem Schluß
gelangt, daß der Irak die terroristische Operation geplant, 3. Die Autobombe selbst besaß ungeheure Vernichausgerüstet und geleitet hat, die im April in Kuwait das tungskraft. Es handelte sich um eine äußerst raffinierLeben von Präsident Bush bedrohte. Darüber hinaus te Vorrichtung, die einen komplizierten Herstellungssind unsere Nachrichtendienste aufgrund aller ihnen prozeß erforderte und in dem Fahrzeug gut versteckt
zur Verfügung stehenden Beweisquellen der festen war. Sie enthielt etwa 80 Kilogramm Sprengstoff. Sie
Überzeugung, daß dieses Mordkomplott vom iraki- war so konstruiert, daß sie über eine Fernbedienung,
schen Geheimdienst (IIS) geleitet und betrieben wur- einen Zeitzünder oder manuell gezündet werden konnte. Die Sachverständigen sind zu dem Schlu ß gelangt,
de.
daß diese Bombe stark genug war, um Menschen in
Zu den Beweisen, die als Grundlage für diese Schlüs- einem Radius von etwa 400 Metern zu töten.
se herangezogen werden, gehören folgende EinzelB. Die Verdächtigen
heiten:
1. Das FBI hat die 16 zur Zeit in Kuwait vor Gericht
stehenden Verdächtigen eingehend vernommen. Die
1. Eine in einem Toyota Landau iser versteckte Bombe beiden Hauptverdächtigen - Ra'ad al-Asadi und Wali
wurde von den Verdächtigen in der Nacht des 13. April al-Ghazali - sind irakische Staatsbürger. Sie erklärten
1993 überdie irakisch-kuwaitische Grenze geschmug- dem FBI, daß sie in Basra (Irak) angeworben und dort
gelt. Diese Bombe und die anderen beschlagnahmten von Personen Befehle erhalten hätten, die sie für
Sprengsätze wurden von Sachverständigen des FBI Angehörige des irakischen Geheimdienstes hielten.
persönlich untersucht. Nach dem Urteil dieser Experten wurden Schlüsselkomponenten, darunter der fern- 2. Diese Verdächtigen erklärten dem FBI, ihre irakigesteuerte Zünder, der Plastiksprengstoff, die Zünd- schen Auftraggeber hätten ihnen die Autobombe und
kapsel, die integrierten Schaltkreise und die Verdrah- die anderen Sprengsätze am 10. April 1993 in Basra
tung von der- oder denselben Person(en) gebaut, die übergeben.
bereits früher beschlagnahmte Bomben der Iraker
A. Forensische Erkenntnisse

AMERIKA DIENST 26

Seite 1

�3. Einer der Verdächtigen, al-Ghazali, sagte aus, ersei ten, Präsident Bush werde persönlich für den Krieg
ausdrücklich für die Ermordung von Präsident Bush in verantwortlich gemacht. Man werde ihn jagen und
Kuwait-Stadt angeworben worden.
bestrafen, selbst nach seinem Ausscheiden aus dem
Amt. Verschiedene geheime nachrichtendienstliche
4. Der andere Hauptverdächtige, al-Asadi, teilte dem Quellen belegen die Schlußfolgerung, daß die irakiFBI mit, seine Aufgabe sei es gewesen, al-Ghazali und sche Regierung den Anschlag auf Präsident Bush
die Autobombe zur Universität von Kuwait (wo Präsi- angeordnet hat.
dent Bush und der Emir von Kuwait auftreten sollten)
zu führen und kleinere Sprengsätze an anderen Stel- 2. Aufgrund aller ihr zur Verfügung stehenden Beweilen in Kuwait zu plazieren.
se ist sich die CIA sehr sicher, daß die irakische
Regierung auf höchster Ebene ihren Geheimdienst
C. Nachrichtendienstliche Bewertung
angewiesen hat, den ehemaligen Präsidenten Bush
bei dessen Besuch in Kuwait vom 14.-16. April 1993 zu
1. Während und unmittelbar nach dem Golfkrieg ließ
ermorden.
Saddam - durch seine kontrollierten Medien - verbrei-

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Seite 2

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AMERIKA DIENST 26

�MENSCHENRECHTE
30. Juni 1993

WIENER DOKUMENT BETONT ALLGEMEINGÜLTIGKEIT DER MENSCHENRECHTE
Shattuck zum Abschluß der Weltkonferenz über Menschenrechte
Wl EN - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation bei der Wertkonferenz über Menschenrechte in Wien,
John Shattuck, hat bei der Schlußsitzung am 25. Juni 1993 erklärt, das von der Konferenz erarbeitete "starke,
zukunftsorientierte Dokument" bekräftige "die Allgemeingültigkeit der Menschenrechte und die grundlegenden
Prinzipien, für die mein Land eintritt".
Shattuck verwies darauf, "die Aufmerksamkeit, die diese Konferenz den Rechten von Frauen, Minderheiten und
der Urbevölkerung gewidmet hat, beweist, daß Menschenrechtsprinzipien auf neue Bereiche ausgedehnt
werden". Die Konferenz habe ferner "Neuland betreten, indem sie die tiefgehende Beziehung zwischen
Menschenrechten, Demokratie und Entwicklung aufzeigte".
Nachfolgend veröffentlichen wir Shattucks Stellungnahme im Wortlaut.

Die Weltkonferenz über Menschenrechte hat ein starkes, zukunftsorientiertes Dokument hervorgebracht,
das die Allgemeingültigkeit der Menschenrechte und
die grundlegenden Prinzipien, für die mein Land eintritt, bekräftigt. Die Wiener Erklärung verweist auf die
Erkenntnis der internationalen Staatengemeinschaft,
daß diese Werte von allen Menschen geteilt werden.
Die Aufmerksamkeit, die diese Konferenz den Rechten von Frauen, Minderheiten und der Urbevölkerung
gewidmet hat, beweist, daß Menschenrechtsprinzipien auf neue Bereiche ausgedehnt werden und daß
der Schutz des einzelnen für die Menschenrechtsgemeinschaft von übergeordneter Bedeutung bleibt. Die
Konferenz hat darüber hinaus Neuland betreten, indem sie die tiefgehende Beziehung zwischen Menschenrechten, Demokratie und Entwicklung aufzeigte.
Femer hat die Konferenz signalisiert, daß grobe Verletzungen wie Folter, das Verschwindenlassen von
Menschen, Hinrichtungen ohne Gerichtsverfahren und
willkürliche Verhaftungen eingestellt werden müssen.
Die in dem Dokument zum Ausdruck gebrachte Verpflichtung zu verbesserter Durchführung sowie verstärkter Beratung und technischer Zusammenarbeit,
die durch ein finanziell gut ausgestattetes Zentrum für
Menschenrechte unterstützt wird, wird in den kommenden Jahren große Fortschritte bei der Effektivität
der UN-Menschenrechtsmechanismen nach sich ziehen. Wir freuen uns, daß die Konferenz empfohlen
hat, die Generalversammlung der Vereinten Nationen
möge sich vordringlich mit der Einsetzung eines HoAMERIKA DIENST 26

hen Kommissars für die Förderung und den Schutz der
Menschenrechte befassen. Diese weitreichenden
Aktionsziele werden nur dann verwirklicht werden,
wenn sich die internationale Staatengemeinschaft für
diese Errungenschaft engagiert. Die Vereinigten Staaten sind stolz darauf, diese Errungenschaft mit in die
Wege zu leiten.
Die Beteiligung nichtstaatlicher Organisationen (NGOs)
hat einen enormen Beitrag zur Arbeit der Konferenz
geleistet und das Schlußdokument bereichert. Wir
sind zuversichtlich, daß die NGOs eine noch wichtigere Kraft für Gerechtigkeit und Freiheit weltweit werden,
da sie die Stimmen einer mächtigen Basisbewegung
für Menschenrechte und Demokratie repräsentieren.
Herr Vorsitzender, wir haben nach wie vor Bedenken
im Hinblick auf Sprachregelungen, die in einigen Teilen
des Dokuments anzutreffen sind, insbesondere gegen
jede Andeutung, daß eine ausländische Besatzung in
jedem Fall eine Verletzung von Menschenrechten
darstellt und die Tatsache, daß diese Konferenz die
Pressefreiheit nicht so nachdrücklich unterstützt hat,
wie wir uns dies gewünscht hätten.
Herr Vorsitzender, wir sind der Überzeugung, daß die
Pressefreiheit gemeinsam mit der Meinungsfreiheit
den Kern des demokratischen Prozesses bildet. Paragraph 26 fordert die Staaten auf, Freiheit und Schutz
der Presse im Rahmen der nationalen Gesetzgebung
zu garantieren. Obwohl diese Bestimmung als im
Einklang mit den internationalen Normen für eine freie
Seite 1

�Presse verstanden werden kann und trotz der nachhaltigen Bekräftigung des Prinzips der Allgemeingültigkeit in dieser Erklärung sind wir der Auffassung, die
Konferenz hätte ein umfassenderes und weitreichenderes Prinzip im Hinblick auf die Pressefreiheit artikulieren können und sollen. Mit Bestürzung nehmen wir
überdies die Auslassung eines Hinweises auf den
Antisemitismus zur Kenntnis, der gemeinsam mit
anderen Formen von Rassismus und Rassendiskriminierung unserer Ansicht nach eine schwerwiegende
Verletzung der Menschenrechte darstellt.
*

Seite 2

*

Wir gratulieren Ihnen, Herr Vorsitzender, ebenso wie
Generalsekretär Fall und Botschafter Saboia, der so
geschickt den Entwurfsausschuß geleitet hat, und
Frau Warsazi, die Vorsitzende des Hauptausschusses
war, sowie allen Konferenzteilnehmern, dem Sekretariat, den für die Konferenz verantwortlichen Beamten
sowie den Vertretern unseres Gastlandes und dieser
Stadt für die hervorragende Arbeit, die sie alle geleistet
haben.

*

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AMERIKA DIENST 26

�UNO
30. Juni 1993

USA MÜSSEN BEI UNO-FRIEDENSSICHERUNG
FÜHRENDE ROLLE ÜBERNEHMEN
Erklärung von Botschafterin Albright vor Kongreßausschuß
WASHINGTON - (AD) - Die friedenssichernden Maßnahmen der Vereinten Nationen sind fürdie amerikanischen
Interessen von lebenswichtiger Bedeutung, so UNO-Botschafterin Madeleine Albright, und die Vereinigten
Staaten müssen bei diesen Bemühungen eine führende Rolle übernehmen.
"Wenn wir uns Scheuklappen aufsetzen, uns nur auf unsere innenpolitische Tagesordnung konzentrieren und
das Gemetzel zu unserer Linken und den entfernten Konflikt zu unserer Rechten nicht sehen wollen, wird der
Preis dieses fehlenden Engagements schließlich mindestens in einer zusätzlichen finanziellen Belastung
bestehen, die wir zu tragen haben." Wahrscheinlicher sei jedoch, "daß zu den Kosten die Entsendung
amerikanischer Streitkräfte und damit einhergehend mögliche Verluste an Menschenleben gehören werden",
erklärte Albright am 24. Juni 1993 vor einem Kongreßausschuß.
Sie äußerte, "falsche Vorstellungen" in der amerikanischen Öffentlichkeit von den Vereinten Nationen und ihrer
Rolle bei der Friedenssicherung könnten die amerikanische Politik "in die falsche Richtung" lenken, falls diese
nicht angefochten werden.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der vorbereiteten Erklärung von Botschafterin Albright.

Ich möchte einige falsche Vorstellungen von den Vereinten Nationen und der Friedenssicherung ansprechen, die - meiner Ansicht nach fälschlicherweise - die
öffentliche Diskussion in diesem Land über seine Rolle
im UN-System bestimmen.
Es handelt sich kurz gesagt um Mythen über die
Vereinten Nationen, die entkräftet werden müssen,
bevor sie uns während dieses turbulenten neuen Zeitalters in der Weltpolitik in die falsche Richtung lenken:
Mythos Nr. 1: Die UN-Friedenssicherung hat nichts
mit dem nationalen Interesse der Vereinigten Staaten
zu tun. Ich glaube, daß meine Aussage vor diesem
Unterausschu ß vom 3. Mai diesem Märchen ein Ende
setzte. Die Friedenssicherung ist zu einem wichtigen
Instrument geworden, um drei grundlegende, in unserem nationalen Interesse liegende Gebote zu erfüllen,
die wirtschaftlicher, politischer und humanitärer Art
sind. Ich bin in meiner jüngsten Rede vordem Council
on Foreign Relations näher darauf eingegangen. Die
Welt bleibt weiterhin ein gefährlicher Ort.
Stellen Sie sich jedoch einen Moment vor, wie der
Verteidigungshaushalt der Welt und der Vereinigten
Staaten heute aussähe, wenn es keine friedenssichernden Operationen der UNO gäbe, und welch
AMERIKA DIENST 26

einen Anreiz das daraus resultierende Machtvakuum
für eine Intervention durch Nachbarstaaten oder
Möchtegern-Regionalmächte bieten würde. Wir sehen uns zunehmend dem oft gewalttätigen Ausbruch
lokaler oder regionaler Streitigkeiten gegenüber, die
die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit erfordern.
Und in dieser neuen Welt sind die Friedenssicherung
und die moderne Verantwortung für die kollektive
Sicherheit für unsere eigene Sicherheit von essentieller Bedeutung.
Mythos Nr. 2: Wenn die Vereinten Nationen eine
Sicherheitsoperation durchführen, können die Vereinigten Staaten "aussteigen". Wenn der Tenor lautet
"Die UNO soll das regeln", kann das fürdie Vereinigten
Staaten keine Untätigkeit bedeuten. Dieses Land ist
Teil des UNO-Systems - wir sind tatsächlich ein einflußreiches Mitglied und sollten das auch weiterhin
bleiben - und unsere Teilnahme und führende Rolle
sind für die Arbeit der Vereinten Nationen von lebenswichtiger Bedeutung. Die Alternativen - glückselige
Isolation oder der kostspielige Dienst als Weltpolizist sind unrealistisch und nicht akzeptabel. Die Operation
in Somalia ist ein gutes Beispiel dafür, daß eine
fortgesetzte Rolle der Vereinigten Staaten - gering im
Vergleich zu unserem anfänglichen UNITAF Einsatz -

Seite 1

�ein integraler Bestandteil der Formel "Die UNO soll das der UNO zu verbessern. Am 28. Mai einigte sich der
regeln" ist.
Sicherheitsrat auf eine Liste von Reformen bei der
Friedenssicherung, und die Pläne zu deren UmsetMuthos Nr. 3: Friedenssichemde Operationen grün- zung werden uns vom Generalsekretär im September
den auf einem Konsens, vermeiden Gefahren und vorgelegt werden. Innerhalb unserer Regierung hat
verlängern lediglich die Konflikte zwischen Regierun- die Administration seit Februar eine intensive intermigen. Viele friedenssichernde Operationen, insbeson- nisterielle Überprüfung sowohl der amerikanischen
dere in der heutigen Zeit der gescheiterten GesellRolle bei der Friedenssicherung als auch der Plaschaften, finden im Rahmen interner Konflikte oder nungs- und Leitungsfähigkeiten der Vereinten NatioAnarchie statt und sind somit nicht abhängig von nen bei der Friedenssicherung durchgeführt. Wir erkonventionellen Vorstellungen von der Zustimmung warten den baldigen Abschluß dieses Überprüfungsjeder Konfliktpartei. Auch sind friedenssichernde verfahrens. Schließlich hoffen wir, daß im September
Operationen keinesfalls ohne Risiko. Im Laufe der eine Sitzung des Sicherheitsrates auf Ministerebene
Geschichte der UNO wurden 925 Blauhelmsoldaten stattfindet, um die Friedenssicherung zu überprüfen.
im Einsatz getötet, 528 davon starben im Verlauf noch
andauernder Operationen. 53 britische, 49 französiMythos Nr. 5: Die innenpolitische Tagesordnung in
sche, 43 irische, 35 kanadische und 10 amerikanische den Vereinigten Staaten hindert uns daran, eine freie
Soldaten starben in Erfüllung ihrer Pflicht. Im ehema- und sichere Welt zu führen und zu gestalten. Dies ist
ligen Jugoslawien wurden 43 Blauhelmsoldaten getöim besten Fall ein logischer Fehler und im schlechtetet. 186 B lau helme opferten auf Zypern ihr Leben. Das sten eine katastrophale öffentliche Politik. Die StabiMassaker in Somalia vom 5. Juni war eine deutliche lität der Weltwirtschaft sowie der regionalen und der
Erinnerung daran, wie ungeschützt einige Blauhelm- Weltpolitik ist tief in den amerikanischen Interessen
soldaten in der sehr feindlichen Umgebung sind, in die und unserer Wirtschaft verankert. Wenn wir uns
sie entsandt werden.
Scheuklappen aufsetzen, uns nur auf unsere innenpolitische Tagesordnung konzentrieren und das GemetDie Hälfte (14) der 28 friedenssichernden Operationen zel zu unserer Linken und den entfernten Konflikt zu
in der Geschichte der UNO wurden innerhalb von ein unserer Rechten nicht sehen wollen, wird der Preis
oder zwei Jahren nach ihrem Beginn beendet. Einige dieses fehlenden Engagements schließlich mindefriedenssichernde Operationen mögen vielleicht zu stens in einer zusätzlichen finanziellen Belastung
einer Pattsituation beitragen, aber die Alternative wäre bestehen, die wir zu tragen haben. Wahrscheinlicher
oftmals ein blutiger und kostspieliger Konflikt - der die ist jedoch, daß zu den Kosten die Entsendung ameriGefahr einer Eskalation beinhaltet, die niemand wünscht. kanischer Streitkräfte und damit einhergehend mögliche Verluste an Menschenleben gehören werden.
Mythos Nr. 4: Friedenssicherung ist zu kostspielig und
Präsident Clinton und Außenminister Christopher haben
leidet unter Betrug und Mißmanagement. Ich habe
stets anerkannt, daß Außen- und Innenpolitik untrennhäufig zu den Ad-hoc-Ansätzen Stellung genommen,
bar miteinander verbunden sind. Je eher wir alle diese
von denen Operationen zur Friedenssicherung beGrundtatsache verstehen, desto eher werden wir die
herrscht werden. "Improvisation" ist der Begriff, derdie
Friedenssicherung durch die UNO als kleines aber
Probleme der Friedenssicherung am besten umschreiwichtiges Teil in den Gesamtbestrebungen anerkenben könnte. Und obgleich das Potential für Betrug und
nen, weltweit Stabilität und Wohlstand hervorzubrinMißmanagement besteht, wie dies in jeder großen
gen sowie Demokratien und ihre für gewöhnlich marktOrganisation der Fall ist, betreffen die drängendsten
orientierten Volkswirtschaften zu fördern.
Probleme der UN-Friedenssicherung den rein improvisierenden Charakter des Systems. Dies führt einer- All dies verweist auf die Tatsache, daß wir in einem
seits zu großen Lücken in der institutionellen Fähigkeit großen Dialog stehen, dessen Ausgang noch niemand
und andererseits zu Ineffizienz. Tatsächlich leistet der mit Gewißheit vorhersagen kann. In unseren Bemükleine Friedenssicherungsstab im UNO-Hauptquartier hungen, einen Plan dafür zu entwerfen, welche Rolle
hervorragende Arbeit, und derzeit werden Schritte die Vereinigten Staaten in diesem neuen Zeitalter
unternommen, um seinen Umfang und seine Effektivi- spielen sollten, können wir den Pflichten einer Supertät zu steigern. Die für Friedenssicherungsoperatiomacht nicht entsagen. Wir können nicht "altes Dennen ausgegebenen Millionen - im Jahr 1993 insgesamt ken" benutzen, um unsere Haltung zu Friedenssicheüber 3 Milliarden Dollar - müssen an den wesentlich rungsoperationen und -missionen von heute und in der
höheren Kosten gemessen werden, die entstehen, Zukunft festzulegen. Die beitragenden Länder sind mit
wenn man Konflikte weiter schwären und explodieren einem völlig neuen Problemspektrum konfrontiert,
läßt.
darunter die Entsendung von Truppen bei innenpolitischen Konflikten sowie der Schutz humanitärer HilfsIch möchte hinzufügen, daß sich die Administration an
konvois. Wir benötigen mehr Köpfe, die sich kühn über
führender Stelle bemüht, durch die Verwirklichung
die Konventionen der Vergangenheit hinwegsetzen
wichtiger Initiativen bei den Vereinten Nationen und
und die Macht dieser Nation ins 21. Jahrhundert fühinnerhalb unserer Regierung die Friedenssicherung
ren.
* * * * *
Seite 2

AMERIKA DIENST 26

�START

II
30. Juni 1993

CIA-DIREKTOR WOOLSEY ZUR
ÜBERWACHUNG VON START II
Stellungnahme vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Stellungnahme, die von CIA-Direktor R. James
Woolsey am 24. Juni 1993 bei einer Anhörung des Auswärtigen Ausschusses des Senats zum START-II -Vertrag
abgegeben wurde.

Herr Vorsitzender, Mitglieder dieses Ausschusses, ich
freue mich über diese Gelegenheit, heute vor Ihnen
über die Fähigkeit der Nachrichtendienste sprechen zu
können, den START-II-Vertrag zu überwachen. Dies
ist ein historisches Abkommen, weil es nicht nur ballistische Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen - MIRVed ICBMs - beseitigt, sondern auch den
Abbau der schwersten und zerstörerischsten ICBMs
im Arsenal der ehemaligen Sowjetunion fordert: der
SS-18.
Zu Beginn möchte ich jedoch eine wichtige Unterscheidung treffen. Ich bin bereit, zu Ihnen heute über unsere
Fähigkeit im Hinblick auf die Bestimmungen des STARTI-Vertrags zu sprechen. Dabei handelt es sich um
unsere Fähigkeit zur Entdeckung von Aktivitäten, die
im Gegensatz zu den vertraglichen Verpflichtungen zu
stehen scheinen.
Ich werde jedoch keine Urteile im Hinblick auf die
Verifizierung abgeben - eine Funktion, die dazu dient,
die Einhaltung vertraglicher Bestimmungen zu bewerten und die von den zuständigen politischen Gremien
mit Unterstützung der Nachrichtendienste erfüllt wird.
Nach dieser Einleitung möchte ich Sie über unsere
grundsätzliche Bewertung der Aussichten für die
Überwachung des START-Il-Vertrags in Kenntnis
setzen. Wie beim START-I-Vertrag ist das Vertrauen,
das wir in die Überwachung bestimmter Verfügungen
des Vertrags haben, unterschiedlich. Obwohl die
Nachrichtendienste in der Lage sein werden, viele
Bestimmungen des Vertrags mit einem hohen Maß an
Sicherheit zu überwachen, wird unsere Fähigkeit in
einigen Bereichen problematisch sein. Insgesamt
jedoch haben wir in den Nachrichtendiensten Vertrauen in unsere Fähigkeit, die Aufgaben zu erfüllen, die
uns diesem Abkommen gemäß zufallen.

AMERIKA DIENST 26

Ich möchte Ihnen nun erläutern, wie wir zu unserem
Gesamturteil gelangt sind. Insbesondere möchte ich
darüber sprechen, wie die Nachrichtendienste die
politischen Entscheidungsträger während der Verhandlungen über den Vertrag unterstützt haben, sowie über
die wichtigsten nachrichtendienstlichen Überwachungsaufgaben und unsere Fähigkeit, bedeutsame Fälle
potentieller russischer Betrugsmanöver zu entdecken.
Ich werde mit einer Erörterung einiger Herausforderungen abschließen, vor denen die Russen bei der
Verwirklichung von START II stehen.
Nachrichtendienstliche Unterstützung
Die Nachrichtendienste haben in allen Phasen des
Vertrags eine aktive Rolle bei der polnischen Unterstützung gespielt - von der Konzipierung einer amerikanischen Verhandlungsposition bis zum Genfer Treffen vom Dezember 1992, bei dem die Einzelheiten von
START II den letzten Schliff erhielten.
Es ist zutreffend zu sagen, daß unsere Unterstützung
in zwei Bereichen besonders wichtig war. Erstens
halfen wir den politischen Entscheidungsträgem, die
Folgen des Zerfalls der Sowjetunion zu verstehen - die
Folgen nicht nur für ihre Kemwaffeninfrastruktur, sondern
auch für die Verhandlungsposition der Russen.
Zweitens spielten die Nachrichtendienste eine aktive
Rolle, indem sie dazu beitrugen, den Vertrag auf eine
Art und Weise zu gestalten, die sowohl unsere Überwachungsfähigkeiten ergänzt als auch Betrugsversuche der Russen behindert.
In diesem Zusammenhang haben wir uns zum Beispiel
besonders auf die SS-18-Raketensilos konzentriert.
Wir betonten dabei die Bedeutung vertraglicher Bestimmungen, die uns die Überwachung der Umrüstung
von SS-18-Raketensilos zur Aufnahme einer kleineren
Seite 1

�Rakete mit einem Einfachgefechtskopf gestatten würde.
Femer wurden Vertragsbestimmungen entwickelt, die
gewährleisten, daß nach der Umrüstung jeder Versuch Rußlands, die mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstete SS-18 erneut in diesen Silos zu stationieren,
ein langer, kostspieliger und wahrnehmbarer Prozeß
sein würde.
Überwachungsaufgaben
Die vollständige Verwirklichung von START II wird
sieben bis zehn Jahre dauern. In diesem Zeitraum
werden die Nachrichtendienste gefordert sein, dramatische Reduzierungen und zahlenmäßige Begrenzungen von Raketen, U-Booten und Bombern zu überwachen. Darüber hinaus werden wir extrem technische
Beschränkungen der Leistungsfähigkeit von Raketen
sowie Verbote im Hinblick auf die Standorte dieser
Raketen und deren Systemkomponenten überwachen.
Ich möchte kurz einige unserer neuen Aufgaben laut
START II benennen. Dazu gehören:
Überwachung einer Reduzierung der russischen
Kernwaffen auf ein Niveau von 3.000 bis 3.500
Gefechtsköpfen.
Überwachung eines Verbots von Produktion,
Flugerprobung und Stationierung von MIRVed
ICBMs.
Überwachung der Umrüstung einiger SS-ISSilos zur Aufnahme einer kleineren Rakete mit
einem Einfachgefechtskopf.

chung von bereits stationierten Waffen geht, wie der
silogestützten ICBMs, der unterseebootgestützten
ballistischen Raketen und schweren Bomber. Wir
haben ein hohes Maß an Vertrauen in unsere Fähigkeit
zur Überwachung von Waffenreduzierungen - einschließlich der Beseitigung der SS-18. Darüber hinaus
vertrauen wir auf unsere Fähigkeit, das Verbot von
strategischen Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen
zu überwachen.
Unsere Zuversicht in die Überwachung einer Reihe
dieser Aktivitäten wird durch neue Bestimmungen
über Vor-Ort-Inspektionen im START-Il-Vertrag gestärkt. Dafür möchte ich folgende Beispiele anführen:
Wir hätten das Recht, die Zerstörung aller angemeldeten SS-18-Rugkörperzellen und -Startbehälter zu beobachten.
Wir hätten das Recht, die zur Aufnahme der
kleineren Rakete umgerüsteten SS-18-Silos zu
beobachten und zu vermessen.
Wir hätten ebenfalls das Recht, zusätzliche
Inspektionen von umgerüsteten SS-18-Silos vorzunehmen, um unter anderem zu bestätigen,
daß die neue in dem Silo gelagerte Rakete einen
Einfachgefechtskopf hat.
Und wir hätten das Recht, zu besonderen Zeiten
schwere Bomber zu inspizieren, um zu gewährleisten, daß sie nicht dafür ausgelegt sind, mehr
als die zulässige Höchstzahl von Kernwaffen
tragen zu können.

Überwachung der Umrüstung einiger MIRVed

In einigen Bereichen von START II - wie bei der
Überwachung der Raketenproduktion - werden unsere
Unsicherheiten größer sein. Einige Einrichtungen
werden
ständiger Vor-Ort-Inspektion unterliegen, und
Überwachung der Zahl von Kernwaffen auf
unser
Vertrauen
in die Überwachung der Raketenprorussischen schweren Bombern sowie die Geduktion
in
diesen
Einrichtungen wird selbstverständwährleistung, daß die als Träger von konventiolich hoch sein. Umgekehrt werden wir jedoch weniger
nellen Waffen umgerüsteten keine Kernwaffen
Vertrauen in unsere Schätzungen bezüglich der Rakemit sich führen oder auf nukleare Aufträge
tenproduktion in Einrichtungen haben, bei denen kein
ausgerichtet werden.
ständiges Inspektionsregime vorhanden ist.
Überwachungserkenntnisse
Angesichts der historischen Schwierigkeiten bei der
Wie ich bereits erklärte, ist unsere Fähigkeit zur Über- Kontrolle der Raketenproduktion, als wir kein Recht
wachung bestimmter Verfügungen von START II un- auf die Durchführung von Inspektionen hatten, sind wir
terschiedlich ausgeprägt, aber insgesamt sind wir daher nicht sicher, wieviele Raketen von den Russen
zuversichtlich, daß wir die Fähigkeit zur Überwachung produziert, aber nicht disloziert wurden. Folglich sind
des Vertrags besitzen. Dieses Urteil basiert auf einer wir uns der Möglichkeit bewußt, daß einige nicht
Vielzahl von Faktoren, nicht zuletzt auf unserer großen angemeldete Raketen an uns unbekannten Orten lagern.
Erfahrung. Über drei Jahrzehnte lang haben wir Daten Obwohl der START-Il-Vertrag uns nicht bei der Kläüber die sowjetischen strategischen Streitkräfte ge- rung dieser Unsicherheiten hilft, haben wir unseres
sammelt und analysiert sowie andere Rüstungskon- Erachtens genügend Informationen um beurteilen zu
können, daßdie Russen kein umfassendes Programm
trollabkommen überwacht.
für die Lagerung von Hunderten oder mehr nicht angeOhne sicherheitsempfindliche Quellen und Methoden meldeter und nicht stationierter strategischer ballistipublik zu machen, kann ich sagen, daß unsere Zuver- scher Raketen haben.
sicht am höchsten sein wird, wenn es um die ÜberwaICBMs vom Typ SS-19 zur Aufnahme eines Einfachgefechtskopfs.

•

Seite 2

AMERIKA DIENST 26

�Potential für Betrugsmanöver

dem in den beiden Verträgen geforderten Abbau. Die
in Zusammenhang mit der Verschrottung dieser AusAls wir die Möglichkeiten für die Umgehung von START rüstung und Modernisierung der verbleibenden StreitII untersuchten, widmeten wir den Szenarien besonde- kräfte stehenden Kosten werden die angeschlagene
re Aufmerksamkeit, die theoretisch für die Russen russische Wirtschaft noch zusätzlich belasten. Darüsowohl möglich als auch attraktiv erschienen sowie ber hinaus wird die Bereitschaft Rußlands, sich an die
denjenigen, die die größte Bedrohung für unsere Bestimmungen des START-Il-Vertrages zu halten,
Überwachungsfähigkeiten darstellen. Wir berieten vom Erfolg seines Modernisierungsprogramms sowie
auch mit dem Büro der Vereinigten Stabschefs und seiner Fähigkeit zur Schaffung einer einsatzfähigen
anderen Experten um sicherzustellen, daß wir Szena- strategischen Truppe für die Zukunft abhängen.
rien einbezogen, die für unsere Militärplaner die größte
Bedeutung haben.
Die Beziehungen zwischen Rußland und der Ukraine
drohen auch, die Fortschritte Rußlands bei der InkraftEbenso wie unter dem START-I-Vertrag sind die setzung der START-Bestimmungen zu behindern.
möglicherweiserisikoreichstenSzenarien diejenigen, Rußland hat Vorbedingungen für den Austausch von
die die heimliche Produktion und Dislozierung mobiler Ratifizierungsurkunden für START I und die RatifizieRaketen und ihrer Abschußrampen implizieren. Der rung von START II gestellt: Weißrußland, Kasachstan
START-Il-Vertrag hat diese Besorgnis weder verschärft und die Ukraine sollen den START-I-Vertrag ratifizienoch abgebaut.
ren sowie dem Nichtverbreitungsvertrag (NW) als
Bei der Untersuchung der Szenarien sowie unserer nuklearwaffenfreie Staaten beitreten.
Möglichkeiten zur Aufdeckung des Potentials für Betrugsversuche zogen wir auch die verstärkte Offenheit
der Russen - insbesondere in aggressiveren Bereichen - in Betracht sowie die Möglichkeit weiterer
verfassungsmäßiger Reformen. Wir sind der Ansicht,
daß solche Entwicklungen nicht nur heimliche Aktionen der Regierung erschweren, sondern auch die
Vertuschung eines absichtlichen Betruges erschweren. Unseres Erachtens werden angesichts solcher
Reformen weder Rußland noch die anderen Staaten
der ehemaligen Sowjetunion in der Lage sein, ein
raffiniertes Betrugsprogramm einzuleiten oder in die
Tat umzusetzen. Auch würde wohl der Versuch, eine
kleine Anzahl von Waffen zu verstecken, zwar nicht
auffallen, ihnen jedoch kaum Vorteile verschaffen.

Zur Zeit scheint die Ukraine der Staat zu sein, der am
stärksten motiviert ist, strategische Streitkräfte zu halten
- und sie ist auch der Staat, der am ehesten zu ihrer
Unterhaltung in der Lage ist. Während Präsident
Krawtschuk weiterhin darauf besteht, daß die Ukraine
atomwaffenfrei wird, fordert eine beträchtliche Zahl
von Parlamentsabgeordneten, daß die Ukraine die
Kontrolle über die auf ihrem Territorium stationierten
Nuklearwaffen übernimmt. Die Haltung und Aktionen
der Ukraine könnten Kasachstan beeinflussen, das
sein Interesse daran bekundet hat, einige der SS-18Silos und -Raketen als Träger für Raumkapseln zu
nutzen.

Bislang waren Rußland und die Ukraine noch nicht in
der Lage, ihre Differenzen über die Kontrolle strategiDie Herausforderung an Rußland bei der Imple- scher Nuklearwaffen auf ukrainischem Territorium
mentierung von START II
beizulegen. Die Präsidenten Jelzin und Krawtschuk
waren
optimistisch angesichts des Ergebnisses ihres
Herr Vorsitzender, in den letzten Minuten habe ich
jüngsten
Gipfels, auf dem Jelzin sich bereiterklärte,
über die Fähigkeit der Nachrichtendienste gesproder
Ukraine
noch vor der Ratifizierung von START I
chen, die Durchführung von START II zu überwachen.
durch
Kiew
Sicherheitsgarantien zu geben und ihr
Nun möchte ich mich auf einige der wichtigsten politieinen
Beitritt
zum Nichtverbreitungsvertrag zu ermögschen und militärischen Fragen beziehen, denen sich
lichen.
Die
Einzelheiten
der von Rußland abgegebeRußland und die anderen Republiken der ehemaligen
nen
Garantien
müssen
jedoch
noch mit der Ukraine
Sowjetunion gegenübersehen - Fragen, die einen diausgearbeitet
werden,
und
frühere
Bemühungen in
rekten Einfluß auf die Fähigkeit Rußlands haben,
dieser
Hinsicht
waren
erfolglos.
diesen Vertrag in Kraft zu setzen.
Ru ßland sieht sich der nie dagewesenen Herausforde- Wir sind uns auch bewußt, daß eine weitere Verzögerung gegenüber, die in den beiden START-Verträgen rung der Ratifizierung von START I durch die Ukraine
geforderten Einschränkungen in Kraft zu setzen. Es ist den russischen Zeitplan für die völlige Implementieeine Ironie, daß einer der Faktoren, die die Implemen- rung der beiden START-Verträge umwerfen und die
tierung des START-Il-Vertrages komplizieren können, Rußland zur Reduzierung seiner strategischen StreitRu ßlands eigener ehrgeiziger Plan ist, einen noch über kräfte zur Verfügung stehende Zeit verkürzen wird.
den in START I und START II hinausgehenden Abbau Selbst nach Inkrafttreten des Vertrages könnte Rußvon Waffen und Raketensystemen vorzunehmen. land sich weiterhin besorgt die Frage stellen, ob die
Rußland plant beispielsweise die Verschrottung Hun- Ukraine wirklich ihre gesamten strategischen und
derter von Raketen und Sprengköpfen zusätzlich zu nuklearen Waffen verschrottet hat.

AMERIKA DIENST 26

Seite 3

�Schlußbemerkung

Verfügung stehender technischer Hilfsmittel zur
Sammlung von Informationen so wachsam wie möglich zu sein - und sicherzustellen, daß wir weiterhin die
Unabhängigkeit und Fähigkeit bewahren, die Implementierung des Vertrages zu überwachen.

Herr Vorsitzender, zum Abschluß meiner Ausführungen möchte ich nochmals betonen, daß wir in den
Nachrichtendiensten zuversichtlich sind, daß wir mit
Hilfe der von uns in unseren Haushaltsvorlagen angeforderten Mittel und Instrumente in der Lage sein Zum jetzigen Zeitpunkt haben die Nachrichtendienste
werden, die uns unter diesem Vertrag zufallenden diese Fähigkeit - und sie sind darauf eingestellt und
Kontrollfunktionen zu erfüllen.
bereit, die mit der Kontrolle der START-Verträge einhergehenden Herausforderungen anzunehmen.
Ebenso wie bei anderen Rüstungskontrollverträgen
werden wir in gewissem Ausmaß von den Informatio- Ich möchte dieser Einschätzung jedoch eine wichtige
nen zur Vertragsüberwachung abhängen, die uns Einschränkung hinzufügen: Unsere Einschätzung und
Rußland zur Verfügung stellt. Wir müssen jedoch unser umfassendes Vertrauen in die Kontrolle des
sorgfältig darauf achten, daß wir nicht in zu große START-II-Vertrages hängt großenteils von den Mitteln
Abhängigkeit von solchen Informationen gelangen. und Instrumenten ab, die uns zur Verfügung gestellt
Angesichts des Potentials an Instabilität in jenem Teil werden. Es ist nur fair zu sagen: Wenn unsere
der Weh besteht die einzig vernünftige Möglichkeit für Fähigkeiten durch eine Kürzung unserer Mittel unteruns darin, weiterhin mit Hilfe der Vielzahl uns zur miniert werden, könnte unser Vertrauen in die Kontrolle dieses Vertrages schwinden.
*

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 26

�HANDEL
30. Juni 1993

SENATOREN ÄUSSERN SICH ZUR URUGUAY-RUNDE
Brief des Finanzausschusses an Clinton
WASHINGTON - (AD) - Die Mitglieder des Finanzausschusses des Senats haben Präsident Clintons Antrag auf
Verlängerung des "Fast-Track"-Mandats für Handelsgespräche zugestimmt und beschlossen, im Zuge dieser
Entscheidung dem Präsidenten ein Schreiben zu übersenden, in dem sie ihre Ansichten zu den amerikanischen
Zielen im Hinblick auf die seit langem auf der Stelle tretende Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche
darlegen.
Nachfolgend veröffentlichen wir das Schreiben vom 23. Juni 1993 im Wortlaut.
Der Finanzausschuß hat die Fortschritte in den Verhandlungen der Uruguay-Runde seit ihrer Einleitung in
Punta del Este im September 1986 intensiv beobachtet. Wie Sie wissen, hat der Kongreß im Allgemeinen
Handels- und Wettbewerbsgesetz von 1988 die wichtigsten Verhandlungsziele für die Runde festgelegt.
Diese waren und sind nach wie vordie Meßlatte, ander
wir das Ergebnis dieser Verhandlungen beurteilen
werden.

offenerem, gleichmäßigerem und auf Gegenseitigkeit
beruhendem Zugang für amerikanische Exporteure
von Waren und Dienstleistungen führen muß. Im
Hinblick auf Fertigwaren sollten die Vereinigten Staaten ein Abkommen anstreben, das tarifäre und nichttarif äre Hemmnisse für amerikanische Exporte abbauen
und Zölle beseitigen wird, wo unsere Privatwirtschaft

eine solche Maßnahme befürwortet und wichtige
Handelspartner dem zustimmen.

Seither haben sich die Verhandlungen jedoch weiterentwickelt, und die Probleme sind eindeutiger definiert
worden. Insbesondere hat GATT-Direktor Arthur Dunkel
im Dezember 1991 seinen "Entwurf der Schlußakte"
vorgelegt, und dieses Dokument ist seitdem zur überwiegenden Verhandlungsgrundlage geworden.

Bei den Verhandlungen über den Handel mit Dienstleistungen sollten die Vereinigten Staaten wesentliche
Marktzugangsverpflichtungen anstreben, die unseren
Firmen nationale Behandlung, Niederlassungsfreiheit
und gleichwertige Wettbewerbschancen gewähren.
Ländern, die solche Verpflichtungen nicht eingehen,
sollten die Vorzüge des Dienstleistungsabkommens
Während der Kongre ß den Antrag des Präsidenten auf verwehrt werden. Über eine erhebliche Reduzierung
Verlängerung der Verhandlungsvollmacht und "Fast- bestehender Handelsschranken hinaus sollte die Runde
Track"-Verfahren für die Uruguay-Runde behandelt, femer Regeln festsetzen, um zu verhindern, daß die
ist es deshalb angemessen, angesichts von spezifi- Länder neue Schranken aufrichten.
schen Fragen, die im Entwurf der Schlußakte angesprochen oder nicht aufgegriffen werden, erneut über Marktzugang ist auch ein wichtiges Ziel bei den Verunsere Ziele nachzudenken. Nachfolgend haben wir handlungen über den Agrarhandel, in denen wir beunsere Ansichten zu den Zielen dargelegt, die die deutsame Verpflichtungen anstreben sollten, die
Vereinigten Staaten unseres Erachtens im Hinblick auf Exportchancen für amerikanische Erzeuger erweitern
sieben Schlüsselbereiche der Verhandlungen verfol- werden. Darüber hinaus sollten wir uns einen wesentgen sollten. Der Ausschuß beabsichtigt, jedes endgül- lichen Abbau von Exportsubventionen und landwirttige Abkommen der Uruguay-Runde an diesen sowie schaftlichen Stützungsprogrammen zum Ziel setzen,
an den im Handelsgesetz von 1988 formulierten Zielen die durch die Förderung von Überproduktion und
zu messen.
Dumping überschüssiger Erzeugnisse auf dem Weltmarkt die Weltmarktpreise verzerren. Ferner sollten
Während die Verhandlungen über Marktzugang im wir sicherstellen, daß ungerechtfertigte sanitäre und
Vorfeld des im Juli stattfindenden Treffens der Ent- phytosanitäre Maßnahmen beschränkt werden, bei
scheidungsträger der G-7-Länder weiter fortschreiten, gleichzeitiger Bewahrung unseres Rechts, legitime
bekräftigt der Ausschuß erstens seine seit langem Maßnahmen zum Schutz von Gesundheit, Hygiene
bestehende Überzeugung, daß die Uruguay-Runde zu und Umwelt aufrechtzuerhalten.
AMERIKA DIENST 26

Seite 1

�Auch die Verhandlungen über staatliche Beschaffungen bieten eine Chance, den Marktzugang für amerikanische Unternehmen zu verbessern. Neben der
Bestrebung, die Hemmnisse auf Auslandsmärkten
abzubauen, sollten sich die Vereinigten Staaten darum
bemühen, den Geltungsbereich des staatlichen Beschattungskodex zu erweitem sowie Fairneß und
Transparenz von Verwaltungsverfahren zu steigern.
Der Ausschuß geht nach wie vor davon aus, daß die
Vereinigten Staaten einen nachhaltigeren GATTMechanismus zur Schlichtung von Streitfällen anstreben sollten, der innerhalb von festgelegten Fristen die
unverzügliche und effektive Durchsetzung unserer
Rechte gewährleistet. Gleichzeitig müssen wir die
Fähigkeit beibehalten, unsere Handelsgesetze zu
benutzen, um die Verletzung von Handelsabkommen
zu korrigieren und auf die unfairen Handelspraktiken
unserer Konkurrenten einzugehen. In diesem Zusammenhang ist der Ausschuß der Ansicht, daß Schlichtungsausschüsse, die über Klagen bezüglich unserer
Maßnahmen zur Verhängung von Antidumping- oder
Ausgleichszöllen verhandeln, daran gehindert werden
sollten, das Urteil der amerikanischen Internationalen
Handelskommission, des Handelsministeriums oder
amerikanischer Gerichtshöfe durch ihr eigenes Urteil
zu ersetzen.
Der Ausschuß ist der festen Überzeugung, daß unsere
Gesetze zur Verhängung von Antidumping- und Ausgleichszöllen als effektive Instrumente zur Bekämpfung unfairen Dumpings und unfairer staatlicher Subventionen bewahrt werden müssen. Wir sind insbesondere besorgt über die im Entwurf der Schlußakte
enthaltenen Bestimmungen über Klageberechtigung,
Kumulierung, Kosten/Nutzen-Methodologien, Mindestausnahmen, nichteinklagbare Subventionen und die
Beendigung von Antidumping- und Ausgleichszollordnungen. Wir sollten verschärfte Disziplinen gegen
Export- und Binnensubventionen (darunter Kapitalinfusionen, Subventionen für natürliche Ressourcen und
regionale Subventionen) sowie effektive Maßnahmen
anstreben, um die Umgehung von Antidumping- und
Ausgleichszollordnungen sowie das Dumping über
Drittländer zu verhindern. Gleichzeitig sollten wir auf
größere Transparenz bei den von unseren Handelspartnern ergriffenen Antidumping- und Ausgleichszollmaßnahmen sowie auf die Klarstellung wichtiger Regeln
und verschärfte Verfahrensnormen drängen, um den
*

Seite 2

*

Mißbrauch dieser Regeln gegen amerikanische Exporteure zu verhindern.
Bei den Verhandlungen über geistiges Eigentum sollte
unser Hauptziel unseres Erachtens ein Abkommen
sein, das angemessenen Schutz und effektive Durchsetzung aller Arten von Rechten an geistigem Eigentum sicherstellt. Wir gehen jedoch davon aus, daß der
Entwurf der Schlußakte in mehrfacher Hinsicht unzureichend ist. Die Übergangsfristen sollten - insbesondere im Hinblick auf die Entwicklungsländer - verkürzt
werden. Das Abkommen sollte einen frühzeitigen
Patentschutz für Produkte umfassen, die vor der
Markteinführung auf Gesetzeskonformität geprüft
werden müssen. Die Regeln über die Anwendung der
Lizenzpflicht sollten gestärkt werden. Darüber hinaus
sollte das Abkommen vertragliche Arrangements und
Transfers uneingeschränkt anerkennen sowie amerikanischen Eigentümern von Rechten an geistigem
Eigentum die umfassende nationale Behandlung zusichern.
Abschließend sind wir im Hinblick auf die Verhandlungen über Textilien und Bekleidung der Auffassung, die
Vereinigten Staaten sollten gewährleisten, daß alle
Länder gleichwertigen Zugang zu ihren Binnenmärkten bereitstellen und Maßnahmen verwirklicht werden
sollten, um handelsverzerrende Maßnahmen wie
Umschlag über Drittländer, Falschdeklaration, Schmuggel und andere Formen der Umgehung von Handelsbestimmungen zu verhindern. Ferner sind wir der
festen Überzeugung, daß jedes Land, das sich nicht an
das Rahmenabkommen der Uruguay-Runde hält, keinen
Nutzen aus dem Auslaufen des Mehrfaserabkommens (MFA) ziehen sollte. Darüber hinaus fordern wir
Sie auf, bei allen Verhandlungen über Zollsenkungen
in den Bereichen Textil und Bekleidung die wichtige
handelsliberalisierende Wirkung des Auslaufens des
MFA sowie die Auswirkungen auf die Umwelt zu
berücksichtigen.
Wir fordern Sie auf, bei Ihren Bemühungen, die Uruguay-Runde bis zum Jahresende abzuschließen, diese Ziele gemeinsam mit den im Handelsgesetz von
1988 enthaltenen Zielen im Auge zu behalten. Wir
sehen der Zusammenarbeit beim weiteren Fortschreiten dieser Verhandlungen gerne entgegen und stehen
bereit, Ihnen jede Hilfe und jeden Rat zu geben, die Sie
für nützlich halten mögen.
*

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AMERIKA DIENST 26

�FRAUEN
30. Juni 1993

DURCHBRUCH FÜR FRAUEN
AUF MENSCHENRECHTSKONFERENZ
Frauenfragen im Rampenlicht
WIEN - (AD) - Hunderte von Frauenrechtsgruppen aus
der ganzen Welt sind Feiice Gaer, einem Nichtregierungsmitglied der US-Delegation zufolge die "dynamischste Kraft" auf der von den Vereinten Nationen
veranstalteten Weltkonferenz über Menschenrechte.

Christopher vor den Konferenzteilnehmern aus mehr
als 180 UNO-Mitgliedstaaten. "Dies ist jedoch in allzu
vielen Teilen der Weh, wo Frauen einzig aufgrund ihres
Geschlechts Diskriminierung und Vorurteilen ausgesetzt sind, nach wie vor eine unerfüllte Vision."

"Sie stellen die am besten organisierte Gruppe dar und
sind am stärksten auf ihr Ziel ausgerichtet: Frauenfragen in den Mittelpunkt der Tagesordnung für die
Menschenrechte zu stellen", so Gaer, geschäftsführende Direktorin des Jacob Blaustein Instituts für
Menschenrechte in einem Interview während der
zweiwöchigen Konferenz.

Einige Teilnehmerstaaten der Konferenz hatten versucht, das Prinzip der Universalität der Menschenrechte unter dem Vorwand zu unterminieren, die spezifische historische und kulturelle Situation müsse in
Betracht gezogen werden. Frauengruppen halten
jedoch die Errichtung von kulturellen Begrenzungen
oder wirtschaftlichen Vorbedingungen für die Gewährleistung von Menschenrechten für besonders frauenfeindlich.

Die Bemühungen der Frauen, so Gaer, stehen jetzt in
Einklang mit denen der US-Regierung, die "sich gewandelt" und die Integration von Frauenfragen im
gesamten UNO-System zu einem wichtigen Ziel dieser Konferenz gemacht hat.

"Wenn Männer über kulturellen Relativismus sprechen, wollen sie den Frauen mit dem Argument ihre
Rechte verweigern, daß es um eine Frage der kulturellen Identität geht", so Hamida Mirabet Labidi, eine
Frauengruppen sammelten sich unter dem Slogan Juristin aus Tunesien. Obwohl Tunesien fortschrittli"Frauenrechte sind Menschenrechte" u nd richteten die che Gesetze zum Schutz der Frauen hat, so Labidi,
allgemeine Aufmerksamkeit auf Fragen wie Gewalt drängen die islamischen Extremisten in ihrem Land auf
gegen Frauen, sexuelle Ausbeutung, Verstümmelung eine Umkehrung der Gewährung von Frauenrechten.
der Geschlechtsorgane, Kindesmord an weiblichen
Nachkommen, politische und wirtschaftliche Diskrimi- Wie viele andere Frauen auf dieser Konferenz erklärte
nierung sowie Mißbrauch innerhalb der Familie.
Labidi, sie sei nach Wien gekommen, um Gruppen aus
anderen Ländern zu treffen und von ihren Erfahrungen
Gaer zufolge war die Wiener Konferenz bereits in zu lernen. Nichtstaatliche Organisationen (NGOs) aus
vielerlei Hinsicht ein Sieg für die Frau: "Die Schlußer- allen Teilen der Welt treffen sich im Erdgeschoß des
klärung der Weltkonferenz wird ein wirklicher Meilen- Gebäudes, in dem die UNO-Konferenz stattfindet.
stein für Frauenrechte sein. Sie stellt tatsächlich einen
Durchbruch dar, und Frauen werden damit zu einem Ein Blick auf die sechsseitige Liste der Aktivitäten der
festen Bestandteil der Tagesordnung."
nichtstaatlichen Organisationen für einen Konferenztag macht deutlich, daß ein Drittel der dort stattfindenAußenminister Christopher hatte in einer Rede zu den Aktivitäten sich auf Frauenrechte bezieht. GrupBeginn der Konferenz die Notwendigkeit der Gewähr- pen von Frauen, die in einem muslimisch beherrschten
leistung von Frauenrechten als ein "moralisches Gebot" Staat leben (Women Living under Muslim Law) bis hin
bezeichnet.
zum Menschrechtsrat der asiatischen Frauen (Asian
Diejenigen, die die Charta der Vereinten Nationen Women's Human Rights Council) nehmen an Workentwarfen, "waren entschlossen, ein Dokument zu shops und Diskussionen über eine Vielzahl von Theverfassen, das Frauen ebenso wie Männer schützen men teil - aber das übergreifende Thema, das alle
und ihnen zu Sebstbestimmung verhelfen sollte", erklärte Frauengruppen vereint, ist die Frage, wie Gewalt
gegen Frauen verhindert werden kann.
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Seite 1

�"Wenn Sie nach einem Thema suchen, das wirklich
universal ist, dann ist es Gewalt gegen Frauen", erklärte das amerikanische Delegationsmitglied Arvonne
Fräser. Eine auf der Konferenz verteilte Übersicht des
US-Außenministeriums macht deutlich, daß Gewalt
gegen Frauen selten als Menschenrechtsverletzung
betrachtet wird, "obwohl Mißbrauch solcher Größenordnung gegen jede andere Gruppe auf der Wert als
wichtiger humanitärer Notstand anerkannt worden wäre".
Um die Aufmerksamkeit der internationalen Öffentlichkeit auf diese Frage zu lenken, organisierte ein Bündnis verschiedener Frauengruppen am zweiten Konferenztag eine 11 stündige internationale Gerichtsverhandlung über die Verletzung von Frauenrechten.
Mehr als eintausend Menschen hörten die Zeugenaussagen von 33 Frauen, einschließlich einer Pakistanerin, die erzählte, wie sie von ihrer eigenen Familie
angezündet wurde, einer koreanischen "comfort woman"
(Bezeichnung für Frauen, die im Zweiten Weltkrieg
von den japanischen Besatzern zur Prostitution gezwungen wurden, Anm. d. Red.) und einer Afroamerikanerin, die von Körperverletzung zu Hause durch
ihren ehemaligen Ehemann, einen Polizisten, erzählte.
Frauen aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Somalia
und anderen Kriegsgebieten erklärten, daß im Namen
der "Verbesserung der Moral" und der "ethnischen
Säuberung" Kriegsverbrechen gegen Frauen begangen wurden. Die dem Gericht vorgelegten Beweismaterialien umfaßten auch ein Dokument aus dem Iran,
das die Größe der Steine festlegt, mit denen des
Ehebruchs schuldige Frauen gesteinigt werden sollen.
Anfang dieses Jahres beschloß die UNO-Menschenrechtskommission prinzipiell die Ernennung eines UNOSonderberichterstatters über Gewalt gegen Frauen;
hierbei handelt es sich um eine von den Vereinigten
Staaten unterstützte Maßnahme, die in dem letzten
Entwurf für eine Erklärung der Weltkonferenz befürwortet und begrüßt wird. Die Vereinigten Staaten
möchten, daß das Mandat des Sonderberichterstatters auch das Recht enthält, Körperverletzung innerer * *

Seite 2

halb der Familie, Vergewaltigung, Kindesmord an
weiblichen Nachkommen, "Tötungen um der Ehre
willen", "Mitgift-Morde" sowie andere im Zusammenhang mit Traditionen und Gebräuchen stehende Praktiken zu untersuchen.
Die Frauengruppen begrüßten auch die Ankündigung
Außenminister Christophers, die Clinton-Administration werde auf die Ratifizierung der Internationalen
Konvention über die Beseitigung aller Formen von
Diskriminierung gegenüber Frauen drängen, nachdem der Senat eine andere UNO-Konvention über
rassische Diskriminierung ratifiziert hat.
Die Konvention über die Beseitigung aller Formen von
Diskriminierung gegenüber Frauen ist das wichtigste
internationale Rechtsinstrument zum Schutz der
Menschenrechte der Frau. Verfassungsmäßige, legislative und andere in der Konvention beschriebene
Maßnahmen haben das Ziel, durch Gleichstellungsmaßnahmen Chancengleichheit zu erreichen, Schwangere und Mütter zu schützen, gleiche Arbeitsplatzchancen zu bieten sowie Gleichheit vor dem Gesetz zu
garantieren.
Bis heute haben 120 Länder die Konvention ratifiziert
und sind somit rechtlich verpflichtet, ihre Bestimmungen in die Tat umzusetzen. Aber Verfechter von
Frauenrechten weisen darauf hin, daß viele Staaten
den Vertrag an Vorbehalte gebunden haben, die so
grundlegend sind, daß sie im Prinzip seinem Ziel
widersprechen.
Zusätzlich haben Gaer zufolge viele Staaten, die die
Konvention unterzeichneten, keine gutentwickelten
Rechtssysteme, und Frauen haben keinen Regreßanspruch auf die Inkraftsetzung der Gesetze.
"Der Unterschied zu den Vereinigten Staaten ist der:
Wenn wir einen Vertrag unterzeichnen, bedeutet das,
daß wir ihn auch wirklich in die Tat umsetzen werden",
so Gaer. "Genauer gesagt sind wir damit in einer
Position, mit anderen Staaten darüber zu sprechen,
wie sie die Frauen in ihren Gesellschaften behandeln."

*

4t

AMERIKA DIENST 26

�GESELLSCHAFT
30. Juni 1993

DIE GENERATION DES BABY-BOOMS WIRD ÄLTER
von Marc Leepson
Die Generation des Baby-Booms (in Deutschland allgemein als die "geburtenstarken Jahrgänge" bezeichnet)
hatte dem Autor zufolge "enormen Einfluß auf praktisch jeden Aspekt der amerikanischen Gesellschaft". Der
nachfolgende Beitrag untersucht die Kräfte, von denen diese Generation geprägt wurde, sowie den Einfluß, den
die "Baby-Boomer" auf das politische und gesellschaftliche Leben in den Vereinigten Staaten gehabt haben. In
einem Anhang werden bekannte Vertreter dieser Generation genannt.
Marc Leepson lebt als freier Schriftsteller in der Bundeshauptstadt Washington. Er war zuvor Mitarbeiter beim
Congressional Quarterly sowie Kolumnist beim Magazin American PolHics. Der 1945 Geborene gehört somit
fast auch zur "Baby-Boom"-Generation.
Man hat sie unter anderem die Dr.-Spock-Generation,
die Fernsehgeneration, die Pepsi-Generatbn, die Rockand-Roll-Generation, die Jetzt-Generation, die Generation der 60er, die Woodstock-Generation, die Vietnam-Generation und die Yuppie-Generation genannt.
Am häufigsten jedoch werden die 76 Millionen Amerikaner, die in den 18 Jahren (1946-64) nach dem
Zweiten Weltkrieg geboren wurden, als Baby-BoomGeneration bezeichnet.
Diese Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge
haben enormen Einflu ß auf praktisch jeden Aspekt der
amerikanischen Gesellschaft ausgeübt, und zwar aus
einem einzigen Grund: Sie sind die zahlenmäßig
größte Generation der amerikanischen Geschichte.
"Wenn in einem Jahrhundert die Geschichte unserer
Zeit geschrieben wird, könnte durchaus gesagt werden, daß der Baby-Boom einer der mächtigsten und
dauerhaftesten Einflüsse auf diese Nation gewesen
ist", äußerten die Demographen Leon F. Bouvier und
Carol J. De Vita in einem unlängst vom privaten
gemeinnützigen Population Reference Bureau veröffentlichten Bericht. Die Angehörigen dieser Generation wurden "von Schriftstellern, Wissenschaftlern,
Planern, Politikern, Marketing-Fachleuten und der
populären Presse für die Probleme der Nation gescholten, für ihre Erfolge anerkannt, beobachtet, untersucht, analysiert und eingehend geprüft".
Die Bedürfnisse der geburtenstarken Jahrgänge haben seit den frühen fünfziger Jahren, als ihre ersten
Angehörigen in Rekordzahlen eingeschult wurden,
wichtige Segmente der amerikanischen Gesellschaft
geprägt. Als der älteste Teil der Generation das
Jugendalter erreichte, drückte er dem Jahrzehnt der
AMERIKA DIENST 26

sechziger Jahre, als ein "Jugendbeben" die gesamte
soziale Landschaft der Vereinigten Staaten erschütterte und alles - von Frisuren bis zum Lebensstil beeinflußte, einen unauslöschlichen Stempel auf. Als
die "Boomer" in den siebziger Jahren ins Erwerbsleben
eintraten, hatten sie am meisten unter den Wirtschaftsproblemen dieses Jahrzehnts zu leiden. Als die älteren
Angehörigen dieser Generation dagegen in das mittlere Lebensalter und die jüngeren in die Erwerbsbevölkerung eintraten, profitierten viele von ihnen besonders stark vom Wirtschaftsboom der achtziger Jahre.
Als der 46jährige (Geburtsdatum: 19. August 1946)
Bill Clinton am 20. Januar 1993 den Amtseid des
Präsidenten ablegte, übernahm er als erster Angehöriger der geburtenstarken Jahrgänge das höchste
politische Amt des Landes. "Vierzig Jahre lang, von
Dwight Eisenhower [Präsident von 1953 bis 1961] bis
zu George Bush [1989-1993] war die Präsidentschaft
das Monopol von Männern, die im Zweiten Weltkrieg
die Uniform des Landes getragen hatten", stellte der
Veteran unter den politischen Kolumnisten, David Broder,
fest. "Sie alle hatten persönliche Erinnerungen an die
Große Depression. Sie alle hatten teil an der verbindenden Erfahrung der nationalen Mobilisierung gegen
den Nazismus, Faschismus und das kaiserliche Japan."
Clintons Generation, fügte Broder hinzu, hat ein unterschiedliches Konglomerat an "prägenden Ereignissen" vorzuweisen, darunter die Bürgerrechts-, Frauen- und Umweltbewegung sowie anhaltende nationale
Auseinandersetzungen über das Recht auf Schwangerschaftsabbruch und über den Vietnamkrieg von
1965-1973. Baby-Boomer - die etwa ein Drittel der
Seite 1

�amerikanischen Bevölkerung stellen - haben darüber
hinaus ein neues und äußerst verschiedenes Geflecht
von sozialen und kulturellen Faktoren geprägt - und
sind von diesem geprägt worden. Clintons Wahl, so
der Kulturkritiker Hai Hinson, bekräftigte "einen grundlegenden Wandel im kulturellen Temperament des
Landes", der sich "überall, am auffälligsten jedoch in
der populären Kultur" feststellen lasse - "im Femsehen, auf Schallplatten, in Magazinen, in der Werbung
und natürlich in den Spielfilmen".

mindestens ein vierjähriges Collegestudium abgeschlossen hatten, stieg von etwa 10 Prozent in den fünfziger
Jahren auf 16 Prozent im Jahr 1970 bis auf 23 Prozent
im Jahr 1980. Damit wurden die Angehörigen der
geburtenstarken Jahrgänge zur gebildetsten Generation in der amerikanischen Geschichte. Als die ersten
"Baby-Boomer" ihr Collegestudium abschlössen,
beeinflußten sie die amerikanische Gesellschaft und
Kultur in den sechziger Jahren auf eine Art und Weise,
die weiterhin ihren Nachhall findet.

Der Boom beginnt

Die Sechziger

Der amerikanische Baby-Boom war kein isoliertes
Phänomen. In der gesamten Geschichte der Menschheit und weltweit sind die Geburtenraten im Anschluß
an Kriege normalerweise gestiegen. Ein gewisser
Baby-Boom fand in den ersten Jahren nach dem
Zweiten Weltkrieg in der Tat auch in anderen Teilen der
Welt statt, als die Geburtenraten in den späten vierziger Jahren in ganz Westeuropa ebenso wie in Australien, Kanada und Neuseeland beträchtlich anstiegen.
Diese Entwicklung endete in Europa jedoch 1950, als
die Geburtenraten stark zu sinken begannen.

Die unverhältnismäßig hohe Zahl junger Leute hatte
tiefgreifende Auswirkungen in den instabilen sechziger
Jahren, einer Zeit, in der "es fast schien, daß Amerika
zur Filiarchie wurde", so der Historiker William Manchester in seinem Buch The Glory and the Dream
(1974). In den ersten Jahren ihres Erwachsenenlebens waren viele Baby-Boomer in den sechziger und
frühen siebziger Jahren voller Verachtung für die sozialen,
religiösen, moralischen und politischen Werte der
Generation ihrer Eltern. Einige schlugen eine Laufbahn in der Wirtschaft aus, um für den sozialen Wandel
zu arbeiten. Sie schlössen sich Bewegungen für
Die Demographen hatten für die Vereinigten Staaten Bürger- und Persönlichkeitsrechte, für Umweltschutz
einen ähnlich kurzlebigen Anstieg der Geburtenraten und Frauenrechte, gegen den Vietnamkrieg und andenach dem Krieg prophezeit. Tatsächlich kam es ren Bewegungen an, die sich gegen das Establishjedoch in den Worten von Bouvier und De Vita zu "einer ment richteten.
beispiellosen, eineinhalb Jahrzehnte währenden Fruchtbarkeitsexplosion", die schon bald "Anpassungen in Viele Angehörigen dieser Generation aus allen soziaunseren Schulen, Arbeits-, Wohnungs- und Verbrau- len Schichten blieben jedoch den Werten ihrer Eltern
chermärkten sowie bei staatlichen Programmen" er- treu. Andere aber - vorwiegend der Mittelschicht
forderten. Die Geburtenraten schössen von 85,9 (pro entstammende weiße Teenager und junge Erwachse1.000 Frauen im gebärfähigen Alter) im Jahr 1945 auf ne - folgten den Schlagworten der Subkultur der sech101,9 im folgenden Jahr bis auf den Rekordstand von ziger Jahre (etwa "tune in, tum on, drop out") und
122,7 auf dem Höhepunkt des Baby-Booms 1957 lehnten die Moral des Establishments ab. Diese
empor. Auch in Kanada, Australien und Neuseeland sogenannten Hippies kleideten sich radikal anders,
blieben hohe Geburtenraten bis in die frühen sechziger lebten in Wohngemeinschaften oder in aller Offenheit
Jahre bestehen.
als unverheiratete Paare zusammen, propagierten
den Konsum von Drogen wie Marihuana und LSD und
Die erste - und von einigen Beobachtern als wesent- wandten sich von Christen- und Judentum ab, um sich
lichste betrachtete - Auswirkung der geburtenstarken mit fernöstlichen Religionen wie Buddhismus und HinJahrgänge auf die amerikanische Gesellschaft trat duismus zu beschäftigen.
Anfang der fünfziger Jahre ein, als ihre Angehörigen
das öffentliche Schulsystem des Landes überschwemm- Die Hippies waren die sichtbarsten Vertreter der sogeten. So stieg beispielsweise die Zahl der Grundschüler nannten Subkultur, einer Bewegung, mit der sich auch
(Alter von 5-12) von 1950 bis 1970 um über 60 Prozent viele andere, weniger radikale Angehörige dieser
(von 23 auf 37 Millionen). Die Zahl der Besucher Generation identifizierten. "Wir waren frei zu experihöherer Schulen verdoppelte sich von 1950 bis 1975. mentieren, und alles schien möglich: Alles konnte
Dieser starke Zustrom von Schülern führte Mitte der verändert werden", kommentierte der Journalist und
fünfziger Jahre in den Grundschulen und in den sech- Autor Charles Kaiser in seinem 1988 erschienenen
ziger Jahren in den weiterführenden Schulen landes- Buch 1968 in America, dessen Untertitel - Music,
weit zu einer ernsten Überlastung sowie einem Mangel Politics, Chaos, Counterculture and the Shaping
of a Generation - einen Hinweis auf den Einflu ß dieser
an Lehrern und Klassenräumen.
Generation auf die amerikanische Gesellschaft der
In den sechziger Jahren überschwemmten die gebur- sechziger Jahre enthält. "Selbst wenn wir es gewollt
tenstarken Jahrgänge dann die Colleges. Von 1957 hätten, konnten wir die Leistungen unserer Eltern nicht
bis 1975 vermehrte sich die Zahl der Collegestudenten nachahmen, da wir keine Wirtschaftskrise erlebten,
sprunghaft von etwa 3 Millionen auf rund 11 Millionen. die wir überwinden mußten (oder eine Nazi-BedroDer Prozentsatz junger Erwachsener (Alter 25-29), die hung, die wir besiegen mußten)", schrieb Kaiser. "Das
Seite 2

AMERIKA DIENST 26

�Fehlen einer offenkundigen wirtschaftlichen Heraus- Die überwältigende Mehrheit der Männer und Frauen,
forderung zwang uns, darüber nachzudenken, wie wir die in Vietnam dienten, entstammten Familien der
unteren Mittel- oder der Arbeiterschicht. Nur ein
uns selbst neuerfinden könnten."
geringer Anteil der privilegierten Schichten nahm am
Gegen Ende der sechziger Jahre, so Kaiser, waren Krieg teil. Viele der 16 Millionen, die nicht im Militär
viele Angehörige dieser Generation von einer "Malai- dienten, wählten gut durchdachte Wege, wie die Anse" betroffen. Zu den Ursachen dieses Unbehagens nahme von Beschäftigungen, die vom Wehrdienst
gehörten "das Fehlen religiöser Überzeugungen, eine ausgenommen waren, die Verlängerung ihrer akadeungewollte Gewöhnung an die nukleare Katastrophe, mischen Ausbildung, Heirat und Kinder, um dem
eine unerwartete Vertrautheit mit dem politischen Mord Wehrdienst zu entgehen. Andere unternahmen drasti- die Ermordung von Malcolm X1965 ebenso wie die sche Schritte und wählten das Exil im Ausland oder
John F. Kennedys 1963 - sowie ein Verlangen nach gingen ins Gefängnis, anstatt den Wehrdienst abzuleiIdealismus, der von Kennedys Präsidentschaft am sten.
dauerhaftesten in Erinnerung blieb".
Viele derjenigen, die während der Vietnam-Ära im
Diese "grundverschiedenen Elemente", schrieb Kai- Militär dienten, unterstützten das amerikanische Vorser, "verstärkten zwei scheinbar gegensätzliche, prak- gehen in Vietnam. Andere unterstützten den Krieg
tisch jedoch einander ergänzende Impulse: Den Wunsch zwar nicht, besaßen aber nicht die Mittel, um dem
nach Schaffung unserer eigenen Kulturen, unserer Dienst zu entgehen, oder dienten gegen ihren Willen.
eigenen Welt, in der wir uns von der Welt unserer
Eltern zurückziehen konnten, sowie die Notwendig- Die Präsidentschaftswahl von 1992 bewies Hoagland
keit, uns höheren Anliegen zu widmen, Kreuzzügen, zufolge, daß es "politisch in Amerika immernoch keine
die uns die Chance geben würden, uns als moralische Verjährungsfrist" für den Vietnamkrieg gibt. Hoagland
Menschen zu definieren."
bezog sich auf den vom dem damaligen Präsidenten
George Bush (der im Zweiten Weltkrieg gedient hatte)
Der wichtigste Kreuzzug war für viele Baby-Boomer gegen Bill Clinton im Präsidentschaftswahlkampf 1992
die Ablehnung der amerikanischen Beteiligung am geführten "Generationskrieg", wie es der politische
Vietnamkrieg. Der Krieg begann in großem Maßstab Beobachter Sidney Blumenthal vom Magazin The
1965 und erreichte seinen Höhepunkt 1969, als 550.000 New Yorker bezeichnete. "Ich meine, es ist falsch,
amerikanische Soldaten in Südostasien gegen das gegen sein eigenes Land zu demonstrieren oder
kommunistische Nordvietnam und seinen südvietna- Demonstrationen gegen sein eigenes Land im Ausmesischen Verbündeten, den Vietcong, kämpften. Der land zu organisieren", erklärte Bush in einer PräsidentVietnamkrieg war der längste und seit dem Amerikani- schaftsdebatte im Hinblick auf Clintons gegen den
schen Bürgerkrieg von 1860-65 umstrittenste Krieg in Krieg gerichtete Aktivitäten, als dieser an der Univerder amerikanischen Geschichte.
sität von Oxford in England studierte. "Ich bin der
Überzeugung", erklärte Bush ebenfalls im Wahlkampf,
Die nationale Debatte über den Krieg "traumatisierte "daß der Dienst in Uniform ein gutes Kriterium füreinen
[die] Nation, zerstörte das Leben von Millionen Ameri- Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist."
kanern, führte für [Präsident Lyndon] Johnson und die
Demokraten zum Verlust des Weißen Hauses [in den Tatsächlich erwies sich die "generationsorientierte"
Wahlen von 1968] und hat immer noch starken Einllu ß Strategie Meinungsumfragen zufolge als weitgehend
auf die Weltpolitik", schrieb der politische Kommenta- erfolglos, hauptsächlich deshalb, weil die meisten
tor Jim Hoagland Mitte 1992. Zu diesem Zeitpunkt Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge Sympawurde die Frage der Kriegsgegnerschaft des damali- thie für Clintons Umgehung des Wehrdienstes und für
gen Kandidaten Clinton zu einem Phänomen, das seine Ablehnung des Krieges empfanden. So erklärHoagland als "einen unwahrscheinlichen Prüfstein" im ten mehr als zwei Drittel der in einer Meinungsumfrage
Präsidentschaftswahlkampf bezeichnete.
von The Washington Post zwei Wochen vor der
Präsidentschaftswahl Befragten, ihrer Meinung nach
Das Thema von Clintons Umgehung des Wehrdienhätten Clintons Ansichten zu Vietnam und sein nichtstes - unter männlichen amerikanischen Collegeabsolgeleisteter Wehrdienst im Wahlkampf überhaupt kein
venten in den sechziger Jahren ein alltägliches PhänoThema sein dürfen.
men - schlug 1992 politische Wellen. Nahezu 27
Millionen Amerikaner erreichten während des Viet- Dies steht in krassem Gegensatz zur öffentlichen
namkrieges das wehrfähige Alter. Mehr als 60 Prozent Meinung in früheren Präsidentschaftswahlen. "Für
dieser Gruppe - rund 16 Millionen - leisteten keinen [Präsident] Kennedy waren der Militärdienst und die
Wehrdienst. Von den fast 11 Millionen, die sich Teilnahme an Kampfhandlungen [im Zweiten Weltfreiwillig meldeten oder einberufen wurden, dienten krieg] eine Referenz für nationale Führungsqualitäetwa 2,7 Millionen in Vietnam. Mit anderen Worten: ten", so der politische Kolumnist Mark Shields. "FairerRund 90 Prozent der jungen Männer, die für Kampfein- weise läßt sich jedoch sagen, daß sich Männer im
sätze in Vietnam in Frage kamen, entzogen sich mittleren Alter aufgrund ihrer persönlichen Erfahrung
diesem Dienst.

AMERIKA DIENST 26

Seite 3

�wesentlich stärker mit Bill Clinton identifizieren" als mit den Vereinigten Staaten. Clinton, Vizepräsident Albert
Gore und die anderen Angehörigen dieser Generation
denen, die in Vietnam gedient haben.
werden zumindest in den kommenden beiden Jahr"Baby-Boomer" in wirtschaftlich schlechten und zehnten das Schicksal des Landes bestimmen. "Für
guten Zeiten
die nächsten 20 Jahre", so Bouvier und De Vita,
"werden die geburtenstarken Jahrgänge nicht nur die
Präsident Nixon schaffte zu Beginn des Jahres 1973
Grundlagen für ihren eigenen Ruhestand und die Jahre
die entzweiende Wehrpflicht ab, und in demselben
danach, sondern auch für die Zukunft der Nation
Jahr beendeten die Vereinigten Staaten ihre erfolglose
schaffen."
militärische Intervention in Vietnam. Mit dem Abflauen
der politischen Leidenschaften gingen die "Baby-Boo- ZurZeit beginnen fürdie ersten Vertreter der geburtenmer" in großer Zahl auf Arbeitsplatzsuche. In 13 starken Jahrgänge die produktivsten Arbeitsjahre,
aufeinanderfolgenden Jahren - von 1968 bis 1980 - während in den Vereinigten Staaten eine Zeit wirttraten jedes Jahr rund zwei Millionen Amerikaner neu schaftlicher Ungewißheit herrscht. In naher Zukunft
ins Erwerbsleben ein. Obwohl Millionen neuer Arbeits- werden die Kinder dieser Generation erwachsen werplätze geschaffen wurden, wurde der Arbeitsmarkt von den, und ihre Eltern werden in den Ruhestand treten.
den Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge "Sowohl direkt als auch indirekt", stellen Bouvier und
überschwemmt. Die daraus folgende Belastung der De Vita fest, werden die geburtenstarken Jahrgänge
Wirtschaft brachte für viele "Baby-Boomer" in den "die Tagesordnung im Hinblick auf Entscheidungen
siebziger Jahren hohe Arbeitslosenquoten, verbreitete des Landes im Bildungswesen, bei Maßnahmen zur
Unterbeschäftigung, schwaches Produktivitätswach- Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bei Rentenpolitik
stum und auch in anderer Hinsicht wirtschaftlich schwe- und Gesundheitswesen bestimmen."
re Zeiten mit sich.
Es ist nicht leicht, eine genaue Prognose darüber
"Als die ersten Baby-Boomer [im Jahr 1973] zur Er- abzugeben, wie diese Tagesordnung aussehen wird.
werbsbevölkerung stießen, hatten wir das ölembargo Ein Grund ist, daß die Angehörigen der geburtenstarder OPEC", erklärte Paul Light, ein Politologieprofes- ken Jahrgänge zwar eine Altersstufe und viele Lebenssor an der Un iversity of Minnesota. "Danach hatten wir erfahrungen gemeinsam haben, diese Gruppe jedoch
eine Rezession nach der anderen. Wir hatten die aus Personen besteht, deren Positionen, Lebenstile
Hyperinf lat ion der späten siebziger Jahre und dann ein und politische Überzeugungen erheblich voneinander
Jahrzehnt der Schrumpfung... Als Generation sind sie abweichen. Als Beispiel mögen die letzten beiden
außergewöhnlich anfällig für kurzfristige Wirtschafts- Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten AI Gore und
kräfte."
sein Vorgänger Dan Quayle dienen, die beide den
geburtenstarken Jahrgängen angehören.
Wirtschaftlich verbesserte sich die Lage für viele
Angehörige der geburtenstarken Jahrgänge in den Gore, der in Vietnam gedient hat, ist ein liberaler
frühen achtziger Jahren - einer Zeit, in der viele ehema- Demokrat, der viele der aktivistischen politischen und
lige Anhänger der Subkultur sich enthusiastisch die sozialen Ansichten der frühen "Baby-Boomer" vertritt.
wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Werte der Der ehemalige US-Senator aus Tennessee setzt sich
Mitte zu eigen machten. "Viele Boomer, die als Twens offen für den Umweltschutz ein. Während seiner
die Gründung einer Familie aufgeschoben hatten, gesamten politischen Laufbahn vertrat Gore überdies
begannen damit in den frühen achtziger Jahren. Tat- zahlreiche populistische Anliegen, darunter eine höhesächlich produzierten die Boomer in der Mitte des re Besteuerung der besonders Wohlhabenden, EinJahrzehnts ihren eigenen kleinen Baby-Boom (von sparungen im Verteidigungshaushalt sowie staatliche
Demographen als 'Miniboom' bezeichnet)."
Arbeitsbeschaffungsprogramme.
Im selben Jahrzehnt trat der sogenannte Yuppie auf der junge, aufstiegsbereite "Baby-Boomer", der in der
allgemeinen Hochkonjunktur von Mitte bis Ende der
achtziger Jahre den wirtschaftlichen Jackpot gewann.
Viele "Boomer" durchliefen eine Metamorphose "von
J'accuse zu Jacuzzi", erklärte der ehemalige Anführer
der studentischen Antikriegsbewegung Todd Gitlin zu
der Neigung seiner Generation, sich vom aktiven
Kämpfer gegen das Establishment zum gierigen Konsumenten teurer Luxusgüter zu entwickeln.

Quayle, ein ehemaliger US-Senator aus Indiana, der
während des Vietnamkriegs in der Nationalgarde (einer
auf Teilzeitbasis funktionierenden Reservetruppe) seines
Staates diente, ist sozial und politisch ein konservativer Republikaner. Gemeinsam mit seiner Frau Marilyn
vertritt Quayle viele soziale und politische Ideen, die
besonders von der Generation seiner Eltern befürwortet werden. "Vor zwanzig Jahren galt es für Frauen als
unpassend zu sagen, daß sie heiraten wollten... oder
zu sagen 'ich liebe meinen Mann, ich liebe meine
Kinder1", erklärte Marilyn Quayle während des PräsiDie neunziger Jahre und danach
dentschaftswahlkampfs, die sich trotz eines abgeDie Wahl Präsident Clintons im Jahr 1992 symbolisier- schlossenen Jurastudiums entschied, sich voll und
te den Aufstieg seiner Generation in die obersten ganz ihrem Mann und der Familie zu widmen, anstatt
Ränge der politischen und wirtschaftlichen Macht in Jura zu praktizieren.
Seite 4

AMERIKA DIENST 26

�Neben den Differenzen zwischen gleichaltrigen BabyBoomern gibt es in dieser Generation eine weitere
Kluft: zwischen den frühen Baby-Boomern wie Präsident Clinton, die Mitte bis Ende der vierziger Jahre
geboren wurden und denen, die 10 bis 15 Jahre später
auf die Welt kamen. "In den Jahren 1946,1947 und
1948 geborene Personen wuchsen gegenüber den
1964 geborenen mit sehr unterschiedlichen [Erfahrungen] auf, so De Vita in einem Interview. "Obwohl die
geburtenstarken Jahrgänge demographisch betrachtet von 1946 bis 1964 reichen, haben wir es im Hinblick
auf den Einfluß individueller Lebenserfahrung und den
Einfluß bestimmter Dinge auf das Leben mit einer
älteren und einer jüngeren Hälfte dieser Generation zu
tun."

Darstellende Künste
1946 Gregory Hines, Tänzer, Schauspieler
1947 Kevin Kline, Schauspieler
1947 Peter Serkin, Pianist
1947 David Letterman, Moderator von Fernsehtalkshows, Komödiant
1950 William Hurt, Schauspieler
1950 Whoopi Goldberg, Schauspielerin, Komödiantin
1954 Oprah Winfrey, Moderatorin von Fernsehtalkshows

Die wichtigste Frage besteht vielen Beobachtern zufolge darin, ob die vielfältige Gruppe der Baby-Boomer 1955 Kevin Costner, Schauspieler
bei der Übernahme wichtiger nationaler Führungspositionen politisch, sozial und kulturell mit einer Stimme 1957 Spike Lee, Regisseur, Drehbuchautor, Schauspieler
spricht. Wahrscheinlich ist, daß es keine einheitliche
Stimme geben wird. Schon aufgrund ihrer beispiello- 1958 Madonna, Sängerin, Tänzerin, Schauspielerin
sen Zahl werden die Baby-Boomer jedoch weiterhin
einen tiefgreifenden Einfluß auf das Geflecht der 1958 Prince, Sänger, Songschreiber
amerikanischen Gesellschaft haben.
1962 Paula Abdul, Tänzerin, Sängerin
"Vielleicht keine Generation in der Geschichte", so
Bouvier und De Vita, "hatte soviel Einfluß auf den 1962 Tom Cruise, Schauspieler
Verlauf der menschlichen Entwicklung (oder wird jemals
1963 Whitney Houston, Sängerin
soviel Einfluß haben)."
Sport
Bekannte Angehörige der Baby-Boom-Generation

1947 Kareem Abdul-Jabbar, Basketballspieler
1955 Moses Malone, Basketballspieler

Nachfolgend veröffentlichen wir eine Liste bekannter
Angehöriger der Baby-Boom-Generation in Amerika.
Angegeben wird das Geburtsjahr (und in Klammem
das Todesjahr):

1955 Edwin Moses, Läufer

Politik

1963 Michael Jordan, Basketballspieler

1946 David Stockman, ehemaliger Haushaltsdirektor
der Regan-Administration

Medien

1946 William Clinton, US-Präsident
1947 Carol Moseley Braun, US-Senatorin

1959 John McEnroe, Tennisspieler

1946 Sandy Woodruff, Rundfunkjournalistin
1948 Bryant Gumbel, Rundfunkjournalistin
1950 Jane Pauley, Fernsehjournalistin

1947 Mark Rudd, prominentes Mitglied der Bewegung gegen den Vietnamkrieg

Wirtschaft

1947 Dan Quayle, US-Vizepräsident, 1989-93

1955 Steven Jobs, Gründer von Apple Computer

1948 Albert Gore Jr., US-Vizepräsident

1955 William Gates, Gründer von Microsoft Computers

1948 Clarence Thomas, Richter am Obersten Bundesgericht,

1952 Christie Hefner, Zeitschriftenverlegerin

1948 Hillary Rodham Clinton, Rechtsanwältin, First
Lady der Vereinigten Staaten

Literatur

1951 Lee Atwater, Spitzenwahlkampfberater der
Republikaner (1992 verstorben)

1947 Tom Clancy, Romanautor

AMERIKA DIENST 26

1947 Stephen King, Romanautor

Seite 5

�1947 Ann Beattie, Verfasserin von Kurzgeschichten,
Romanautorin

1947 Dave Barry, Humorist
1949 Mary Gordon, Romanautorin

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 26

�THEMENINDEX
30. Juni 1993

DER AMERIKA DIENST
I.Halbjahr 1993
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst (1. Halbjahr 1993) erschienen sind. Angegeben
ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMA

NUMMER DER AUSGABEN

Holocaust-Museum

17

AID

20

Afroamerikaner

5

ILO

23

Amtseinführung

3, Sonderdienst

IWF

18

Außenpolitik

2,3,4,9,11,13,22

Irak

2, 3, 26

Bosnien

2,7,9,16,17 ,18 ,19,
20,21

Jefferson

16

KSZE

22

Chemische Waffen

2

Kongreß

15

Kriegsverbrechen

8,22

Demographie

20
Lage der Nation

Sonderdienst

Einwanderung

22,23
Marshall-Zentrum

23

Frauen

7, 8, 26

Martin Luther King

3,15

Friedenssicherung

25

Medien

11,12,13,15

Menschenrechte

4,5,6,7,8,10,24,26

Militärmacht

2

NAFTA

13

G-7

16

GATT

7,23

Gesellschaft

4,26

NATO

13,19,24,25

Handel

7,8,10,17, 18, 19,
21,22,26

Naher Osten

6,17

Hochgeschwindigkeitszüge

18

Nationaler Sozialer Dienst

19

AMERIKA DIENST 26

Seite 1

�Nichtverbreitung

12,24

Technologie

8

Terrorismus

11,18

OECD

tt

Thurgood Marshall

4

Porträt

1,2,7,18,22

UNO

4, 24, 26

US-Militär

5

Regionale Konflikte

16

USA-Afrika

21

Rundfunk

25

USA-Deutschland

5,24

Rußland

11,12,13 ,14,16,17

USA-EG

5

USA-Europa

10

SDI

20

USIA

21

Somalia/Bosnien

25

Umwelt

17,18, 23, 25

START II

1,20,21, 26

Serbien

13

Verteidigung

10,25

Sicherheit

20

Somalia

2,19,24

Wirtschaft

5,9,12

Wissenschaft

15

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 26

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                <text>&lt;strong&gt;1. Irak&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Luftangriff Antwort auf irakisches Mordkomplott&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache Präsident Clintons an die Nation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Angriff auf Herzstück des irakischen Terrorismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des US-Verteidigungsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Militäraktion gegen den irakischen Terrorismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht der amerikanischen Regierung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wiener Dokument betont Allgemeingültigkeit der Menschenrechte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Shattuck zum Abschluss der Weltkonferenz über Menschenrechte&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. UNO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA müssen bei UNO-Friedenssicherung führende Rolle übernehmen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Botschafterin Albright vor Kongressausschuss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Start II&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;CIA-Direktor Woolsey zur Überwachung von Start II&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme vor Senatsausschuss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Senatoren äußern sich zur Uruguay-Runde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Brief des Finanzausschusses an Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Frauen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Durchbruch für Frauen auf Menschenrechtskonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Frauenfragen im Rampenlicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Gesellschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Generation des Baby-Booms wird älter&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Marc Leepson&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;8. Themenindex&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Amerika Dienst&lt;br /&gt;&lt;em&gt;1. Halbjahr 1993&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation

31
I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

35

30. J u l i 1980

&lt;N

I N H A L T

INFORMATION
USA ergreifen weitreichende Maßnahmen gegen Putsch in Bolivien
- Erklärung von Außenminister Muskie -

DOKUMENTATION
Carter: Entschlossenes Handeln notwendig
- Erklärung des Präsidenten zum Bericht "Die Welt im Jahre 2000'
"Die Welt im Jahre 2000"
- Ergebnisse und Schlußfolgerungen des "Global 2000 Report"
Mondale e_rl_äutert Afrika-Politik der USA
- Ansprache des amerikanischen Vizepräsidenten in Nigeria -

HINTERGRUNDMATERIAL
US-Delegierter hofft auf Einigung auf der Genfer Seerechtskonferenz
- Wortlaut eines USICA-Interviews mit Botschafter Richardson -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Information

i 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30. Juli 1980

35

USA ERGREIFEN WEITREICHENDE MASSNAHMEN GEGEN PUTSCH IN BOLIVIEN
- Erklärung von Außenminister Muskie -

WASHINGTON

- (AD) - Die Vereinigten Staaten haben am 25. Juli 1980

weitere weitreichende Maßnahmen gegen den Militärputsch in Bolivien ergriffen.

Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie teilte in einer

Erklärung mit, daß die USA ihre Militärberatergruppe aus Bolivien zurückziehen, ihr Botschaftspersonal in La Paz wesentlich verringern und alle
wirtschaftlichen Hilfsprojekte einstellen würden.
Bereits am 23. Juli hatte das amerikanische Außenministerium in
einer Erklärung die militärische Führung Boliviens aufgefordert, die
Menschenrechte in diesem Lande zu respektieren, und davor gewarnt, daß
die Vereinigten Staaten ihre laufenden Wirtschaftsprogramme mit Bolivien
wesentlich reduzieren könnten.
Außenminister Muskie hatte seine Erklärung persönlich vor der
Presse verlesen, um den Ernst der amerikanischen Besorgnis über den
Rückschlag für die Demokratie in Bolivien zu unterstreichen. Die Militär-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�.•

'

Militärberatergruppe der USA in Bolivien setzt sich aus sechs Mann
militärischem Personal und zwei Angestellten des amerikanischen Verteidigungsministeriums zusammen.

Zum gegenwärtigen Stab der amerikanischen

Botschaft gehören 112 Personen,
Ein Vertreter des State Department teilte in diesem Zusammenhang mit,
daß bisher noch kein Datum für die Rückkehr von US-Botschafter Weismann
nach La Paz festgesetzt worden sei. Er gab ferner bekannt, daß sich in
der amerikanischen Botschaft in der bolivianischen Hauptstadt kein
Asyl suchender befinde.
Die Mitteilung des amerikanischen Außenministers erfolgte zu einem
Zeitpunkt, da der Rat der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS)
in Washington tagt, um über eine Resolution zu beraten, in der der Putsch
in Bolivien verurteilt wird.
Die Erklärung, die Außenminister Muskie vor der Presse verlas, hat
folgenden Wortlaut:
"Wir sind zutiefst besorgt über den Putsch in Bolivien und die sich
daran anschließenden Entwicklungen. Der demokratische Prozeß Boliviens
ist stark gehemmt worden. Der Wille des bolivianischen Volkes, der bei
den kürzlichen Wahlen frei zum Ausdruck kam, ist in flagranter Weise
verletzt worden. Wir bedauern diese Maßnahmen. Wir sind der Überzeugung,
daß der demokratische Prozeß wiederaufgenommen werden und der Wunsch des
bolivianischen Volkes zum Ausdruck kommen sollte. Wir bedauern ferner die
Verletzung der Rechte von hunderten von politischen, religiösen und gewerkschaftlichen Führern, die von dem neuen Regime festgehalten werden.
Wir stehen mit anderen Ländern in Konsultationen. Unsere Auffassungen
werden sowohl in der westlichen Hemisphäre als auch anderswo auf der Welt
weitgehend geteilt. Am bemerkenswertesten dabei ist, daß die Anden-Staaten d_i_e

- 2 -

�die Initiative ergriffen haben, um die Situation in Bolivien vor die
Organisation der Amerikanischen Staaten zu bringen.

Mit allem Nachdruck

unterstützen wir diese Initiative.
Wir unsererseits haben verschiedene Schritte ergriffen, um unsere
Besorgnisse über die Entwicklungen in Bolivien zu unterstreichen. Wir
haben unsere Militärhilfe eingestellt. Wir sind keine neuen Verpflichtungen
hinsichtlich der Wirtschaftshilfe eingegangen. Wir haben unseren Botschafter
zu Konsultationen zurückberufen.
Wir haben heute die Entscheidung getroffen, unsere Militärgruppe
aus Bolivien abzuziehen und unser Botschaftspersonal wesentlich zu reduzieren.
Darüber hinaus haben wir unsere gegenwärtigen Wirtschaftshilfsprogramme
im Hinblick auf wesentliche Kürzungen überprüft. Ich habe heute die
Einstellung aller Projekte der Wirtschaftshilfe angeordnet, wo dies unter
den bestehenden Abkommen nur immer möglich ist. Die einzige Ausnahme
bilden die Programme der humanitären Unterstützung, wie NahrungsmittelProgramme, die von privaten freiwilligen Stellen durchgeführt werden.
Diese Maßnahmen sollen den Ernst unserer Besorgnisse über die Situation
in Bolivien unterstreichen. Die Vereinigten Staaten können diesen Versuch,
den Willen des bolivianischen Volkes zu vereiteln, nicht unterstützen.
Sein Weg, in Richtung auf eine stabile demokratische Herrschaft war nicht
einfach. Aber das Volk hatte sein Bestreben, diesen Weg zu verfolgen,
unter Beweis gestellt. Wir verurteilen diesen Versuch, das Volk zu zwingen,
die Uhr zurückzudrehen."
In der am 23. Juli veröffentlichten Erklärung des State Department
hatte es unter anderem hinsichtlich der Verletzung der Menschenrechte in
Bolivien geheißen:
Das
- 3 -

�"... Das Außenministerium ist weiterhin zutiefst besorgt über den
Putsch vom 17. Juli und die darauffolgenden Entwicklungen in Bolivien.
Wir sind besonders beunruhigt über Berichte, die uns durch eine Anzahl zuverlässiger Quellen zugegangen sind, von weit verbreiteten, ja brutalen
Verletzungen der Menschenrechte, die diesen Berichten zufolge von den
bolivianischen Streitkräften in ihrer Operationszentrale in den Miraflores-Kasernen von La Paz begangen werden.

Es heißt, daß häufiges und

brutales Schlagen, Folter und die Verweigerung notwendiger medizinischer
Versorgung üblich sind.

Wir verfügen über Berichte, wonach Hunderte von

Meischen an verschiedenen Orten im ganzen Land gefangengehalten werden.
Diese Berichte beschäftigen uns zutiefst.

Wir drängen nachhaltig darauf,

daß die Rechte aller Bolivianer respektiert werden und die Führung des
bolivianischen Militärs sicherstellt, daß diese Verletzungen der Menschenrechte aufhören - wann immer und wo immer sie sich ereignen mögen..."

+ + + + +

�Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

35

30. Juli 1980

CARTER:

ENTSCHLOSSENES HANDELN NOTWENDIG

Erklärung des Präsidenten zum Bericht "Die Welt im Jahre 2000"

WASHINGTON - (AD) - Jimmy Carter hat die USA und alle Länder zu
einem entschlossenen Handeln aufgefordert, um die großen Zukunftsaufgaben
zu bewältigen.

Der Präsident hatte amerikanische Regierungsstellen kurz

nach seiner Amtsübernahme angewiesen, einen zukunftsweisenden Bericht
über die Entwicklung der Welt bis zum Jahre 2000 auszuarbeiten, der unter
dem Titel "The Global 2000 Report to the President" am 24. Juli 1980
veröffentlicht wurde.
Die Erklärung des Präsidenten zu dem Bericht hat folgenden Wortlaut:
Kurz nach meiner Amtsübernahme im Jahre 1977 habe ich den Rat für
Umweltqualität, das Außenministerium und andere Regierungsbehörden
angewiesen, eine Studie über die tiefgreifenden Veränderungen zu erstellen, die im Hinblick auf unsere Weltbevölkerung, die natürlichen
Ressourcen und die Umwelt bis zum Ende dieses Jahrhunderts stattfinden
könnten.
Noch

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�Noch nie zuvor hat unsere Regierung oder irgendeine Regierung versucht, einen so umfassenden, langfristigen Ausblick auf mit einander in
Zusammenhang stehenden Fragen, wie Weltbevölkerung, Landwirtschaft,
Wasserwirtschaft, Forstwirtschaft, Energiebedarf und die gesamte Umweltqualität der Erde zu geben, auf der wir leben»
Die Studie "Die Welt im Jahre 2000" ist jetzt abgeschlossen.

Ihr

Bericht projiziert die Bedingungen auf der Erde, die sich bis Ende
dieses Jahrhunderts entwickeln könnten, wobei sie davon ausgeht, daß
die gegenwärtigen Trends und Verhaltensweisen in der ganzen Welt anhalten.
Viele der Ergebnisse des Berichtes müssen für uns alle Anlaß zu großer
Sorge sein. Diese Ergebnisse zeigen Entwicklungen bezüglich der Bevölkerung und der Ressourcen der Welt auf, die wir beheben können, wenn
wir ihnen sofort Beachtung schenken. Wir werden die Informationen des
Berichtes "Die Welt im Jahre 2000" dazu benutzen, unsere öffentliche
Politik wo immer möglich danach auszurichten.

Darüber hinaus müssen wir

die ernsten aufgeworfenen Fragen weiterhin analysieren«
Es ist wichtig zu begreifen, daß die in dem Bericht projizierten
Bedingungen keineswegs unausweichlich sind.

Diese Projektionen sollten

und können vielmehr rechtzeitige Warnungen sein, die die Länder der Welt
auf die Notwendigkeit eines nachhaltigen und entschlossenen Handelns
auf nationaler und internationaler Ebene hinweisen.
Die Vereinigten Staaten stehen in ihrer Antwort auf Fragen der
Weltbevölkerung, der natürlichen Ressourcen und der Umwelt nicht allein.
Die Erklärung auf dem kürzlichen Gipfeltreffen in Venedig verpflichtete
die westlichen Industrieländer zur Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern in der Bewältigung der weltweiten Ernährungs-, Energie- und
Bevölkerungsprobleme. Die auf dem Gipfeltreffen vertretenen Länder kamen
über die Notwendigkeit eines besseren Verständnisses für die Auswirkungen
der Verfügbarkeit von Ressourcen und des Bevölkerungswachstums auf die

�die wirtschaftliche Entwicklung überein.

In den Vereinten Nationen

werden viele der in dem Bericht "Die Welt im Jahre 2000" angeschnittenen
Grundprobleme bei der Formulierung einer neuen internationalen Entwicklungsstrategie herangezogen.
Eine Reihe amerikanischer und internationaler Antworten auf kritische
weltweite Fragen ist bereits im Gange, So hat beispielsweise unsere
Regierung seit der Konferenz der Vereinten Nationen über die menschliche
Umwelt im Jahre 1972 aktiv zu ener Reihe von Weltkonferenzen über diese
Fragen und die Folgetätigkeiten beigetragen.
Trotzdem bin ich wegen der Bedeutung, des Umfangs und der Vielfalt
der in dem Bericht aufgezeigten Aufgaben der Auffassung, daß Amerika
eine besondere Führung bei der Inangriffnahme weltweiter Bedingungen
übernehmen muß. Ich ernenne daher heute eine Präsidial-Arbeitsgruppe
für weltweite Ressourcen und Umwelt, deren Vorsitz der Vorsitzende des
Rates für Umweltqualität übernimmt und der der Außenminister, der Berater
des Präsidenten für innenpolitische Angelegenheiten, der Direktor des
Amtes für Wissenschafts- und Technologiepolitik sowie der Direktor des
Amtes für Verwaltung und Haushalt angehören. Die Arbeitsgruppe wird mir
so bald wie möglich mit Empfehlungen für Maßnahmen auf Problemgebieten
berichten, die vorrangige Aufmerksamkeit erfordern. Ich weise andere
Bundesbehörden an, mit der Arbeitsgruppe zusammenzuarbeiten.
Ich weise ferner das Außenministerium an, die in dem Bericht "Die
Welt im Jahre 2000" aufgezeigten Fragen und Probleme in allen geeigneten
internationalen Zusammenkünften anzuschneiden, und ich werde sie auch
selbst anschneiden. So habe ich beispielsweise in meiner zweiten Umweltbotschaft vom August vorigen Jahres meiner Besorgnis über den Verlust
tropischer Wälder Ausdruck veHiehen, Als Sofortmaßnahme für dieses
kritische Problem weise ich alle zuständigen Bundesbehörden an, innerhalb
von 60 Tagen auf den Bericht der interministeriellen Arbeitsgruppe für

- 3 -

�für tropische Wälder, der mir im vorigen Monat vorgelegt wurde, zu antworten.

In ihren Antworten werden die Bundesstellen im Detail die Schritte

darlegen, die sie unternehmen werden, um die Empfehlungen des Berichtes
zu verwirklichen.

Nach Eingang dieser Berichte wird die interministerielle

Arbeitsgruppe für tropische Wälder als ein Organ der Präsidialarbeitsgruppe
für weltweite Ressourcen und Umwelt arbeiten. Und schließlich ersuche ich
die Kommission für die achtziger Jahre, diesen weltweiten Problemen
sorgfältige Aufmerksamkeit zu schenken.
In unserem 20. Jahrhundert bleiben uns noch weniger als zwanzig
Jahre.

Jetzt ist die Zeit, auf die Welt zu blicken, die wir im Jahre

2000 haben und künftigen Generationen hinterlassen wollen.

Es ist meine

feste Oberzeugung, daß wir eine Zukunft aufbauen können, in der alle
Menschen ein volles, anständiges Leben in Harmonie mit einem gesunden
und bewohnbaren Planeten leben können. Und ich bin ebenso überzeugt,
daß die Fähigkeiten, die Erfahrung, der Weitblick und der Mut des amerikanischen Volkes heute die Vereinigten Staaten zu einem natürlichen Führer
machen, wenn es gilt, den Kurs der Menschheit zu einer besseren Welt von
morgen abzustecken und zu steuern.

�3
3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30. Juli 1980

35

"DIE WELT IM JAHRE 2000"
Ergebnisse und Schlußfolgerungen des "Global 2000 Report"

WASHINGTON - (AD) - Die von Präsident Carter 1977 angeregte
Studie über die Lage im Jahr 2000, die unter der Federführung des Außenministeriums und des Rates für Umweltqualität (Council on Environmental
Quality) erarbeitet wurde, ist am 24. Juli 1980 in Washington vorgelegt
worden. Der Bericht kommt zu der Schlußfolgerung, daß - abgesehen von
umwälzenden Fortschritten in der Technologie das Leben für die meisten
Menschen auf der Erde im Jahr 2000 schwieriger sein wird, als es derzeit
ist.
Nachstehend geben wir den Wortlaut des Kapitels "Wesentliche Ergebnisse und Schlußfolgerungen" des Berichts wieder.
Wenn die gegenwärtigen Trends anhalten, wird die Welt im Jahr 2000
dichtbesiedelter, verschmutzter, ökologisch instabiler und gegenüber
Zersetzungsprozessen anfälliger sein als die Welt, in der wir derzeit
leben. Starke Spannungen hinsichtlich Bevölkerung, Ressourcen und Umwelt

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�Umwelt sind deutlich erkennbar.

Trotz höherer materieller Produktion

werden die Menschen dieser Welt in vieler Hinsicht ärmer sein, als sie
es heute sind.
Für Hunderte Millionen der erschreckend Armen wird die Aussicht
auf Nahrungsmittel und andere Lebensnotwendigkeiten keineswegs besser
sein; für viele sogar noch schlechter.

Abgesehen von umwälzenden Fort-

schritten in der Technologie wird das Leben für die meisten Menschen auf
der Erde im Jahr 2000 schwieriger sein, als es derzeit ist, solange die
Staaten dieser Welt nicht entschlossen handeln, um die gegenwärtigen
Trends umzukehren.
Dies ist im wesentlichen das Bild, das sich aus den Projektionen
der amerikanischen Regierung über wahrscheinliche Veränderungen bei
Weltbevölkerung, Ressourcen und Umweltbedingungen gegen Ende des Jahrhunderts ergibt, wie sie in der Global 2000 Studie dargelegt werden.
Es wird nicht vorhergesagt, was geschehen wird.

Vielmehr werden Be-

dingungen vorgeführt, die sich wahrscheinlich so weiterentwickeln werden,
wenn es keine Änderungen in der öffentlichen Politik, den Institutionen
und der Beschleunigung des technologischen Fortschritts und wenn es
keine Kriege oder andere tiefgreifende Veränderungen gibt.

Eine sorg-

fältigere Bewußtwerdung der Natur der derzeitigen Entwicklungsrichtungen
könnte indessen Änderungen hervorrufen, die diese Trends umkehren und mit
ihnen die projizierten Ergebnisse.
.-.

Die wesentlichen Ergebnisse
Der rasche Anstieg der Weltbevölkerung wird sich bis zum Jahr 2000
kaum verändern.

Die Weltbevölkerung wird von 3 Milliarden im Jahr 1975

auf 6,350 Milliarden im Jahr 2000 ansteigen - ein Zuwachs um mehr aU.

- 2 -

�als 50 Prozent.

Die Zuwachsrate wird nur unmerklich abnehmen: von 1,8

Prozent jährlich auf 1,7 Prozent.

In reinen Zahlen ausgedrückt wird die

Bevölkerung im Jahr 2000 rascher zunehmen als heute - um 100 Millionen
jedes Jahr im Vergleich zu 75 Millionen im Jahr 1975.

90 Prozent dieses

Zuwachses werden in den ärmsten Ländern auftreten.
Obgleich die Volkswirtschaften der Entwicklungsländer wahrscheinlich
mit rascheren Zuwachsraten expandieren als jene der Industriestaaten,
bleibt doch das Bruttosozialprodukt per capita in den meisten Entwicklungsländern niedrig. Das Durchschnitts-Bruttosozialprodukt per capita wird
voraussichtlich in manchen Entwicklungsländern (vor allem in Lateinamerika)
kräftig ansteigen, aber in den großen und dichtbevölkerten Staaten
Südasiens bleibt es unter 200 Dollar pro Jahr - in Dollarwerten des Jahres
1975 gerechnet. Die bereits bestehende große Lücke zwischen den reichen
und den armen Ländern wird noch größer.
Den Projektionen zufolge wird die Nahrungsmittelproduktion global
im Lauf der 30 Jahre von 1970 bis 2000 um 90 Prozent ansteigen. Dies
bedeutet einen Zuwachs um weniger als 15 Prozent für den genannten Zeitraum hinsichtlich der globalen Bevölkerungszahl. Denn der Hauptanteil
dieses Zuwachses geht in Länder, die bereits hinsichtlich ihres Nahrungsmittelverbrauchs per capita relativ weit vorne liegen. Währenddessen
wird sich der Pro-Kopf-Verbrauch in SUdasien, im Mittleren Osten und
in den Entwicklungsländern Afrikas kaum verbessern - oder sogar unter das
derzeitige, unangemessene Niveau sinken. Gleichzeitig kann man davon ausgehen, daß sich die Realpreise für Nahrungsmittel verdoppeln.
Ackerland wird es um das Jahr 2000 nur zweimal so viel geben wie
jetzt, so daß eine erhöhte Nahrungsmittel Produktion aus vermehrten Erträgen kommen muß.

Die meisten Elemente, die derzeit zu höheren Erträgen

beisteuern - Düngemittel, Schädlingsbekämpfungsmittel, Energie für Bewässerung und Treibstoff für die Maschinen - hängen in hohem Maß von Dl

- 3 -

�öl und Gas ab.
Im Verlauf der neunziger Jahre wird die Erdölförderung nach geologischen
Schätzungen ihre maximale Förderkapazitä't erreichen, aber auch rasch steigende
ölpreise mit sich bringen.

Die Studie geht davon aus, daß die reicheren

Industriestaaten in der Lage sein werden, über genug öl und andere
kommerzielle Energieversorgung zu verfügen, um sich der steigenden Nachfrage in den neunziger Jahren anzupassen.

Durch die erwarteten Preisan-

stiege wenden viele der Entwicklungsländer auch zunehmende Schwierigkeiten
bei der Deckung ihrer Energiebedürfnisse haben.

Für ein Viertel der

Menschheit, das in erster Linie auf Holz als Energieträger angewiesen ist,
sind die Aussichten erschreckend.

Die Nachfrage nach Holz wird noch vor

Ende des Jahrhunderts das verfügbare Angebot um etwa 25 Prozent übersteigen.
Obgleich die nichterneuerungsfähigen Energiequellen der Welt - wie
Kohle, öl, Gas, Ölschiefer, Teersand und Uran - noch theoretisch für Jahrhunderte reichen, sind sie doch nicht gleichmäßig verteilt; außerdem
schaffen sie schwierige wirtschaftliche Probleme und Umweltprobleme;
auch sind sie sehr verschieden, was Zugänglichkeit für Förderung und
Verwendung angeht.
Die mineralischen Ressourcen, die nicht dem Brennstoffbereich zugehören, scheinen im großen und ganzen auszureichen, um die projizierte
Nachfrage bis zum Jahr 2000 zu befriedigen; allerdings sind weitere
Funde und Investitionen nötig, um die Reserven auf diesem Stand zu halten.
Zudem werden die Förderkosten mit den Energiepreisen steigen und manche
dieser Bodenschätze unwirtschaftlich machen. Das Viertel der Weltbevölkerung, das in den Industriestaaten lebt, wird auch weiterhin drei
Viertel der Mineralförderung der Welt absorbieren.
Regionaler

�Regionaler Wassermangel wird problematischer werden.

Im Zeitraum

von 1970 bis 2000 wird allein der Zuwachs der Bevölkerung so viel Wasser
erfordern, daß sich die Nachfrage danach in fast der hä'lfte der Welt
verdoppeln wird.

Eine noch stärkere Zunahme wäre erforderlich, um den

Lebensstandard zu verbessern.

In vielen Entwicklungsländern werden die

Wasservorräte aufgrund der extensiven Abholzung im Jahr 2000 noch weit
unberechenbarer.

Die Entwicklung neuer Möglichkeiten der Wasserversorgung

wird praktisch überall teurer.
Umfangreiche Waldverluste werden auch in den nächsten zwanzig Jahren
andauern, da die Nachfrage nach Holzprodukten und Brennholz ansteigt.
Die bisher zunehmenden Lager von Nutzholz in kommerziellen Ausmaßen werden
den Projektionen nach um 50 Prozent per capita zurückgehen. Die Wälder
dieser Welt verschwinden derzeit mit einer Rate von 18-20 Millionen Hektar
pro Jahr (ein Gebiet von der halben Größe Kaliforniens), wobei der größte
Teil davon in den feuchten Regenwäldern von Afrika, Asien und Südamerika
zu verzeichnen ist. Die Projektionen zeigen an, daß im Jahr 2000 etwa
40 Ptozent des Waldes, der die Entwicklungsländer noch bedeckt, verschwunden sein werden.
Ernste Verschlechterungen des landwirtschaftlich nutzbaren Bodens
werden weltweit auftreten angesichts der Erosion, des Verlusts an Organstoffen, der Verwüstung, der Versalzung, der Verlaugung und Versumpfung.
Schon jetzt werden Wiesen und Felder von annähernd der Größe von Maine
jedes Jahr zu unfruchtbarem Land; die Verbreitung wüstenähnlicher Bedingungen
nimmt wahrscheinlich zu.
Die Konzentration von Kohlendioxyd und Sauerstoffzerstörenden Chemikalien in der Atmosphäre wird wahrscheinlich mit einer Schnelligkeit
zunehmen, die das Klima der Welt und die äußere Atmosphäre im Jahr 2050
deutlich verändern könnte. Versauerter Regen aufgrund erhöhter Verbrennung
fossiler Brennstoffe (vor allem Kohle) bedroht die Seen, den Boden und

- 5 -

�und die Ernte.

Radioaktive und andere gefährliche Stoffe schaffen in immer

mehr Ländern Gesundheits- und Sicherheitsprobleme.
Das Aussterben von Pflanzen-

und Tierarten wird dramatisch zunehmen.

Hunderttausende von Arten - unter Umständen bis zu 20 Prozent aller Arten werden unwiederbringlich verlorengehen, da ihre Wohnräume, besonders in
den tropischen Wäldern, verschwinden.
Die Zukunft, wie sie in den Projektionen der amerikanischen Regierung
aufgezeichnet wird und wie sie oben kurz dargestellt wurde, könnte dabei
sogar noch die anstehenden Probleme unterbewerten.

Die zur Durchführung

der Studie zur Verfügung stehenden Methoden führten zu bestimmten Lücken
und Unvereinbarkeiten, die die Tendenz haben, einen optimistischen Eindruck
zu geben.

So nehmen zum Beispiel die meisten der Einzelprojektionen bei

den verschiedenen untersuchten Sektoren - Nahrungsmittel, Bodenschätze,
Energie u.s.w. - an, daß genügend Kapital, Energie, Wasser und Land in
jedem dieser Sektoren verfügbar sein wird, um die Bedürfnisse zu befriedigen, ohne auf konkurrierende Bedürfnisse anderer Sektoren zu achten.
Besser übereinstimmende, besser miteinander verbundene Projektionen
würden ein noch eindringlicheres Bild der sich verstärkenden Zwänge
bieten, während die Welt sich dem 21. Jahrhundert nähert.

Schlußfolgerungen
Bei der derzeitigen und projizierten Wachstumsrate würde die Weltbevölkerung im Jahr 2030 10 Milliarden und Ende des 21. Jahrhunderts
annähernd 30 Milliarden zählen. Diese Zahlen entsprechen ziemlich genau
den Schätzungen der Nationalen Akademie der Wissenschaften in den Vereinigtet
Staaten hinsichtlich der maximalen Aufnahmefähigkeit der gesamten Erde.
Schon die Bevölkerung im Saharagürtel von Arika und am Himalayagebirge Asiens

- 6 -

�Asiens hat die Aufnahmefähigkeit der unmittelbar betroffenen Gebiete
überschritten und eine Erosion der Kapazität des Landes ausgelöst, das
Leben zu erhalten.

Die daraus rührende Armut und schlechte Gesundheit

haben die Anstrengungen zur Verringerung der Fruchtbarkeit weiter erschwert.

Wenn dieser Kreislauf miteinander zusammenhängender Probleme nicht

bald aufgebrochen wird, wird der Bevölkerungszuwachs in solchen Regionen
unglücklicherweise durch andere Ursachen als die rückgängigen Geburtenraten verlangsamt werden:

Hunger und Krankheit werden mehr Neugeborene

und Kleinkinder fordern,und immer mehr derjenigen, die überleben, werden
durch falsche Ernährung in ihrer Kindheit geistig und körperlich behindert
sein.
In der Tat sind die Probleme der Erhaltung der Aufnahmefähigkeit
der Erde und die Bewahrung der Möglichkeit eines annehmbaren Lebens für die
Menschen, die sie bewohnen, gewaltig und stehen unmittelbar vor uns.
Dennoch gibt es Grund zur Hoffnung. Es muß unterstrichen werden, daß die
Projektionen der Global 2000 Studie auf der Annahme beruhen, daß die
nationalen Politiken hinsichtlich Bevölkerungstabilisierung, Konservierung
von Ressourcen und Schutz der Umwelt im wesentlichen bis zum Ende des
Jahrhunderts unverändert bleiben. In der Tat aber beginnen sich diese
Politiken zu ändern. In manchen Bereichen werden Wälder nach der Abholzung
angepflanzt. Manche Staaten ergreifen Maßnahmen,um Bodenverluste und
Versteppung zu vermindern. Das Interesse an Energieeinsparung wächst,
und gewaltige Summen werden für die Erforschung von Alternativen zur ölabhängigkeit investiert. Die Notwendigkeit der Familienplanung wird
langsam besser verstanden. Die Wasserversorgung wird verbessert, und
Systeme zur Abfallverwertung werden installiert. Ertragreicher Samen
ist in großen Mengen verfügbar, und Samenbanken breiten sich aus. Manche
Landschaftsstriche mit ihren Tier- und Pflanzenarten werden unter Naturschutz gestellt. Natürliche Feinde und ausgewählte Schädlingsbekämpfungsmittel ersetzen wieder Pestizide mit Nachwirkung und Zerstörungsfähigkeit.

Wir
- 7 -

�Wie ermutigend diese Entwicklungen auch sind, so sind sie doch bei
weitem nicht angemessen, um den globalen Herausforderungen gerecht zu
werden, die diese Studie projiziert.

Energische, entschlossene neue

Initiativen sind notwendig, wenn zunehmende Armut und menschliches Leiden,
der Verfall der Umwelt sowie internationale Spannungen und Konflikte verhindert werden sollen.

Es gibt keine raschen Lösungen.

Die Lösungen der

Probleme Bevölkerung, Ressorcen und Umwelt sind komplex und langfristig.
Diese Probleme sind unentwirrbar verbunden mit einigen der kompliziertesten
und hartnäckigsten Probleme der Welt - Armut, Ungerechtigkeit und sozialem
Konflikt.

Neue und einfallsreiche Ideen und die Bereitschaft, sie in die

Tat umzusetzen, sind entscheidend.
Die erforderlichen Veränderungen gehen weit über die Fähigkeit
und Verantwortung dieses oder jenes einzelnen Staates hinaus. Ein Zeitalter von noch nicht dagewesener Zusammenarbeit und Verpflichtung ist von
entscheidender Bedeutung. Aber es gibt Gelegenheiten - und guten Grund für die Vereinigten Staaten, die Führung unter den Nationen zu ergreifen.
Eines der wichtigsten Erfordernisse für dieses Land muß eine sorgfältige
Beurteilung seiner Außen- und Innenpolitik hinsichtlich Bevölkerung,
Ressourcen und Umwelt sein. Die Vereinigten Staaten, die die stärkste
Volkswirtschaft der Welt haben, können von ihrer Politik erwarten, bedeutsamen
Einfluß auf die weltweiten Entwicklungen zu nehmen. Ein gleich wichtiges
Erfordernis für die Vereinigten Staaten ist die großzügige und gerechte
Zusammenarbeit mit anderen Ländern - besonders im Bereich des Handels,
der Investitionen und der Hilfe -, um Lösungen für die vielen Probleme
zu suchen, die sich jenseits unserer Landesgrenzen ausdehnen. Es gibt
viele noch zu ergreifende Gelegenheiten zur Zusammenarbeit mit anderen
Staaten in der Anstrengung, Armut und Hunger zu erleichtern, die Bevölkerung zu stabilisieren und die wirtschaftliche Produktivität und das
Umweltbewußtsein zu stärken. Mehr Zusammenarbeit unter den Staaten ist
auch notwendig, um die internationalen Mechanismen zum Schutz und zur
Nutzung der "globalen Gemeingüter" - der Meere und der Atmosphäre - zu_

�zu stärken.
Um sich den Herausforderungen zu stellen, die in dieser Studie
beschrieben werden, müssen die Vereinigten Staaten ihre Fähigkeit zur
Identifizierung auftauchender Probleme und zur Beurteilung alternativer
Antworten verbessern.

Während sie sich der derzeitigen Kapazitäten der

Regierung für langfristige, globale Analysen bediente und diese auswertete,
traf die Studie auf schwerwiegende Unvereinbarkeiten bei Methoden und
Postulaten, die von den verschiedenen Behörden zur Erstellung ihrer
Projektionen angewandt werden.

Die Studie selbst machte einen Anfang

damit, diese Unzulänglichkeiten ausoer Welt zu schaffen.

Sie stellt

die ersten Umweltprojektionen d&amp;r Regierung dar und liefert die bisher
übereinstimmendste Sammlung globaler Projektionen aller amerikanischen
Behörden.

Dennoch enthalten die Projektionen noch immer schwerwiegende

Lücken und Widersprüche, die berichtigt werden müssen, wenn die Fähigkeit
der Regierung zur Analyse verbessert werden soll.

Es muß gesagt werden,

daß derzeit die Bundesbehörden nicht immer in der Lage sind, Projektionen
von der Qualität zu liefern, wie sie für langfristige Entscheidungen
im politischen Bereich notwendig sind.
Obgleich begrenzte Ressourcen in manchen Fällen ein mitwirkender
Faktor sein können, so besteht das Hauptproblem doch im Mangel an
Koordination. Die amerikanische Regierung benötigt einen Mechanismus zur
ständigen Überprüfung der Postulate und Methoden, derer sich die Bundesbehörden bei ihren Projektionsmodellen und zur Sicherstellung dafür bedienen, daß diese Modelle stichhaltig, folgerichtig und gut dokumentiert
sind. Die verbesserten Analysen, die sich daraus ergeben könnten, würden
nicht nur ein besseres Verständnis der auftretenden Probleme und Möglichkeiten
bieten, sondern wären auch ein besseres Mittel zur Bewertung alternativer
Antworten und eine bessere Grundlage für Entscheidungen von weltweiter
Bedeutung, die der Präsident, der Kongreß und die Bundesregierung als
ganzes treffen müssen.
Mit
- 9 -

�Mit ihren Einschränkungen und ungefähren Annäherungen sollte die
Global 2000 Studie nur als eine Erkundung der Zukunft angesehen werden;
dennoch werden ihre Schlußfolgerungen unterstützt durch ähnliche Ergebnisse
anderer Globalstudien der jüngsten Zeit, die im Verlauf der Arbeiten zur
Studie untersucht wurden.

All diese Berichte stimmen hinsichtlich der Natur

der Probleme und der Bedrohungen, die sie für das künftige Wohlergehen
der Menschheit darstellen, überein.

Die verfügbaren Beweise lassen keinen

Zweifel daran, daß die Welt - einschließlich dieses Landes - in den unmittelbar vor uns liegenden Jahrzehnten vor gewaltigen, drängenden und komplexen
Problemen steht.

Rascher und tatkräftiger Wandel in der öffentlichen

Politik auf der ganzen Welt ist nötig, um diese Probleme zu vermeiden
oder so gering wie möglich zu halten, bevor sie überhaupt nicht mehr in
den Griff zu bekommen sind.
Maßnahmen erforderlich.

Lange Anlaufzeiten sind für wirkungsvolle

Wenn die Entscheidungen hinausgeschoben werden,

bis die Probleme noch drängender geworden sind, wird die Auswahl an
wirkungsvollen Maßnahmen stark eingeschränkt sein.

+ + + + +

- 10 -

�30. Juli 1980

35

MONDALE ERLÄUTERT AFRIKA-POLITIK DER USA
Ansprache des amerikanischen Vizepräsidenten in Nigeria

LAGOS

- (AD) - Im Verlauf eines Staatsbanketts, das der nigerianische

Vizepräsident Alex Ekwueme zu Ehren des amerikanischen Vizepräsidenten
Walter Mondale am 22. Juli 1980 in Lagos gab, ging dieser auf die Grundlagen und Ziele der amerikanischen Afrikapolitik ein.
Die Rede Mondales hat folgenden Wortlaut:
Man hat mir gesagt, daß jetzt in Nigeria das meistverkaufte Buch
die nigerianische Verfassung ist; dies beweist etwas, woran ich schon
immer geglaubt habe: die Freiheit mag eine Last sein, aber es ist eine
ruhmvolle Last. Und es gibt kein Volk auf Erden, das sich weigern würde,
diese Last auf die Schultern zu nehmen. Die Demokratie mag Lärm machen,
aber es ist das Geräusch des menschlichen Geistes; und es gibt kein Volk
auf Erden, das unter seiner Befreiung leiden müßte. Die Entwicklung mag
schwierig sein, aber es ist eine Aufgabe für den Menschen; und es gibt
keine Gesellschaft auf Erden, deren Menschenrechte sie nicht beschleunigen

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Telex: 08-85432

�beschleunigen würden.
Lassen Sie mich daher zu Beginn den Übergang Nigerias zur Demokratie
begrüßen und die Weisheit aller Nigerianer, sie zu erzielen.

Lassen

Sie mich nicht nur Ihre Rückkehr zu einer Zivilregierung feiern, sondern
zugleich den Prozeß, durch welchen sie eine solche erreichten.
Unsere Freude über Nigerias neue Demokratie unterstreicht den grundlegenden Wechsel in Amerikas Beziehungen zu Afrika.

Als Präsident Carter

und ich 1977 unser Amt antraten, waren wir entschlossen, unsere Außenpolitik
auf der Grundlage der demokratischen Wertvorstellungen Amerikas aufzubauen.
Wir schätzen die Gerechtigkeit.

Und daher verpflichteten wir unser

Land zu einem Afrika, das frei von Rassismus und Unterdrückung ist.
'

i

•

Wir schätzen die Würde des Menschen. Und daher verpflichteten wir unser
Land zu einem Afrika, das frei von Entbehrungen und von Leiden ist.
Wir schätzen den Frieden. Und daher verpflichteten wir unser Land
zu einem Afrika, das frei von Krieg und ausländischer Beherrschung ist.
Diese drei Ziele - Menschenrechte, wirtschaftlicher Fortschritt und
Frieden - wurden vor zwei Jahren hier in Lagos von Präsident Carter
unterstrichen, beim ersten Staatsbesuch eines amerikanischen Präsidenten
in Afrika. Und als er dies tat, wurde er mit Worten begrüßt, die freundlich
und deutlich waren. "Das nigerianische Volk", so sagte man ihm, "hat
es gelernt, politische Verkündigungen an ihren Ergebnissen zu messen und
nicht an den Aussichten."
Dies war ein angemessener Standpunkt. Und heute abend ist ein
angemessener Augenblick, diese Ergebnisse zu bewerten - und die Arbeit
zu überschauen, die vor uns liegt.
Erstens:
- 2 -

�Erstens:

die Menschenrechte.

Für die Vereinigten Staaten ist es

keine Frage, ob wir uns um die Förderung der Gerechtigkeit in Afrika
bemühen sollten, sondern wie wir dies tun können.
Heute abend tun wir einen historischen Schritt nach vorn - Mehrheitsregierung und Unabhängigkeit für das Volk von Simbabwe.

Dies war eine

Leistung, auf die die afrikanischen Regierungen, die britische Regierung
und alle Einwohner von Simbabwe stolz sein sollten.

Und ich bin stolz

darauf, daß mein Land fest zu dem Ihren und zu den anderen hielt.

Denn

heute bestimmt das Volk von Simbabwe über seine eigene Zukunft - frei von
äußerer Einmischung, sei es durch seine Nachbarn oder durch andere
Kontinente.
Während all der Jahre der Anstrengung um eine Lösung hielten die
Vereinigten Staaten an ihrer Politik der Unterstützung freier und fairer
Wahlen fest, die für alle Parteien offen sein sollten; an ihrer Politik
der Unterstützung einer demokratischen und fairen Verfassung und einer
Regelung durch Verhandlungen, die sich auf diese Prinzipien stützte.
Präsident Carter bestand auf fortgesetzten amerikanischen Sanktionen
gegenüber Rhodesien bis zu dem Augenblick, da ein unparteiischer Wahlprozeß seinen Anfang nehmen würde.

Es gab heftigen Druck zur Abkehr von

diesem Kurs, wir sollten unsere Prinzipien über Bord werfen und unsere
Interessen unter einem kurzsichtigen Gesichtspunkt betrachten.

Beide,

Präsident und Kongreß, weigerten sich.
Wir wissen, daß es in unserem eigenen nationalen Interesse liegt,
weitere Fortschritte in Simbabwe zu unterstützen.

Die Vereinigten Staaten

haben sich zu umfangreicher Hilfe für Simbabwe verpflichtet, denn wir
glauben, daß seine Zukunft dabei helfen wird, über die Zukunft des südlichen
Afrika zu entscheiden.
Einer

- 3 -

�Einer unserer Partner bei der Suche nach Frieden in Simbabwe war
Sir Seretse Khama aus Botswana.

Er war ein begnadeter, feinfühliger

Führer des modernen Afrika - der Vater eines nichtrassistischen und
demokratischen Staates in einer bewegten Region, die bisher noch zu wenig
von beiden Eigenschaften kannte.

Wir alle trauern um sein Ableben.

Aber wir feiern auch eine Sache, für die er sich einsetzte - demokratische
Regierung in Afrika.

Wir begrüßen die Rückkehr zu Zivilregierungen in

Nigeria, Ghana und Obervolta sowie die Demokratisierungsbewegung in anderen
Staaten dieser Region.

Wir heißen die verstärkte Betonung der Menschen-

rechte in vielen afrikanischen Staaten und in den Gremien der Organisation
für afrikanische Einheit (OAU) willkommen.
für die Zukunft von Simbabwe an.

Wir bieten unsere Unterstützung

Aber wir müssen uns auch um solche

Bereiche kümmern, wo die Menschenrechte mit Füßen getreten werden.
Ungerechtigkeit, die sich auf rassische Diskriminierung gründet,
gilt Menschen und Frauen in aller Welt als abscheulich. Aus diesem
Grund sind die Probleme im südlichen Afrika von besonderer Bedeutung.
Wir sind der Meinung, daß ein Abkommen über einen Plan für Frieden
und Gerechtigkeit in Namibia, gegründet auf faire und öffentliche Wahlen,
in Reichweite ist. Der vom Generalsekretär der Vereinten Nationen vorgeschlagene Plan hat breite afrikanische Unterstützung gefunden und auch
das Einverständnis der Organisation des südwestafrikanischen Volkes
(SWAPO). Südafrika hat den Plan akzeptiert - stimmt aber noch nicht der
Art und Weise zu, wie er durchgeführt werden soll.
Nun ist die Zeit für Südafrika gekommen, Vertrauer in den von ihm
akzeptierten Plan zu setzen. Wenn es dies nicht tut, wenn es stattdessen
auf seine eigenen Versionen besteht und den Konflikt auch in die Anliegerstaaten hineinträgt, wäre die Gelegenheit für einen Frieden verloren,
würde der Konflikt andauern. Wir drängen Südafrika dazu, auf den Erfahrungen

- 4 -

�Erfahrungen mit Simbabwe aufzubauen und hinsichtlich der Namibia-Frage
vorwärts und nicht rückwärts zu gehen, solange es noch Zeit ist.
Ereignisse auch innerhalb Südafrikas erregen unsere Bedenken.

Im

Mai 1977 traf ich in Wien mit dem damaligen Ministerpräsidenten Vorster
zusammen.

Ich gab ihm in den klarsten Worten zu verstehen, daß die

Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern von dem Fortschritt in Richtung
auf umfassende Menschenrechte und umfassende politische Beteiligung aller
Menschen in Südafrika abhängen würden.

Ich brachte unsere tiefe Hoffnung

zum Ausdruck, daß sich die südafrikanische Regierung bald mit den repräsentativen Führern aus allen Schichten der Gesellschaft Südafrikas zusammensetzen möge, um die Zukunft des Landes festzulegen.
Ich wiederhole diesen Appell heute - denn die Uhr in Südafrika tickt.
Wir setzen uns nicht für eine simple Formel ein. Wir wissen, daß es
keine einfache Antwort gibt. Wir sehen die Notwendigkeit, ein Problem zu
lösen. Und wir glauben, daß nur Schwarze und Weiße, die miteinander sprechen
und miteinander denken, dessen Lösung finden können.
Ein bedeutender afrikanischer Dichter hat geschrieben "who would
bring life's memory back to the men of gutted hopes?" (Wer vermag die
Erinnerung an das wahre Leben jenen zurückzugeben, deren Hoffnungen
zerstört wurden?) Wir glauben, daß es noch immer für die Männer und Frauen
Südafrikas Hoffnung gibt.

Und noch immer ist Zeit - für Versöhnung,

für Fortschritt, für Vernunft. Aber die Zeit verrinnt.
Unser zweites Ziel in Afrika ist der wirtschaftliche Fortschritt:
Freiheit von Bedürftigkeit und menschlichem Leiden.
Seit dem Amtsantritt Präsident Carters hat sich die amerikanische
Wirtschaftshilfe für Afrika verdoppelt - auf mehr als 1 Milliarde Dollar
pro Jahr.
. Wi£
.-

- 5 -

�Wir haben uns mit dieser Hilfe auf die Menschen konzentriert Menschen, die sauberes Wasser und Nahrungsmittel benötigen,
Gesundheitsvorsorge, Wohnung und Ausbildung brauchen.

die ordentliche

Wir unterstützen die

besonderen Anstrengungen, um jenen zu helfen, die gezwungen sind, ihre
Heimat wegen Trockenheit oder Krieg zu verlassen.

Und wir haben zu

regionale Wirtschaftskooperation ermutigt, wie etwa bei der ECOWAS
(Economic Community of West African States - Wirtschaftsgemeinschaft der
Westafrikanischen Staaten).
Viel von unserer Hilfe fließt in die Landwirtschaft.

Hunger bringt

nicht nur Leiden für Millionen mit sich; er macht ein Volk auch verletzbar
gegenüber politischer Manipulation.

Eine starke Landwirtschaft bringt

nicht nur Millionen ein wohlanständiges Leben, sie stärkt auch ihre
Freiheit.

Alle Menschenrechte sind miteinander verbunden - und Freiheit

von Bedürftigkeit stärkt die Freiheit von Unterdrückung.
Die Landwirtschaftsabkommen, die wir während dieses Besuchs zu
unterzeichnen hoffen, werden Nigerias "Grüne Revolution" fördern. Und
sie werden nicht nur Zusammenarbeit zwischen unseren Regierungen, sondern
auch zwischen unseren Geschäftsleuten und Experten im technischen Bereich
bedeuten.
Denn Hilfe allein kann nicht die Ressourcen und die Technologie
bereitstellen, die nötig sind, um Afrikas umfangreichen Entwicklungserfordernissen zu entsprechen. Heutzutage suchen sogar marxistische
Führet in Afrika offen verstärkte Handels- und Investitionsbindungen
mit den industrialisierten Demokratien. Wir heißen diesen Pragmatismus
willkommen, und wir ermutigen die amerikanische Geschäftswelt, darauf
zu antworten, damit amerikanisches Kapital, Technologie und Märkte in
diesem Entwicklungsprozeß eine Rolle spielen können.
Für

- 6 -

�\

Für die Entwicklung noch bedeutsamer - letztlich sogar bedeutsamer
als der Transfer von Gütern und von Kapital - ist die Gemeinsamkeit der
Ideen.

Aus diesem Grund haben wir in unseren Gesprächen hier und in unseren

Programmen den Austausch von Experten im technischen Bereich und andere
gemeinsame Ausbildungsunternehmen so betont.
Denn von all den Werten, die wir Amerikaner mit den Nigerianern
teilen, umschreibt kein anderer deutlicher unseren Nationalcharakter als
unser gemeinsamer Glaube an die Erziehung. Der ausgebildete Verstand
ist unsere beste Quelle. Heute studieren mehr als 20 000 Nigerianer in
Amerika - die zweitgrößte Gruppe ausländischer Studenten in unserem Land.
Sie bereichern uns; sie bereichern Sie; und sie beweisen, daß Wissen
ein Schatz ist, der wächst, wenn man ihn teilt.
Amerikas drittes Ziel für Afrika ist Frieden:

Freiheit von der

Vergeudung durch den Krieg, Freiheit von äußerer Beherrschung und
militärischer Intervention.
Ich habe über aktive Unterstützung für friedliche Lösungen in
Simbabwe und Namibia gesprochen.
Lassen Sie mich auch sagen, daß die Vereinigten Staaten Ihre Anstrengungen und jene von anderen Staaten in der OAU (Organisation für
afrikanische Einheit) unterstützen, um Lösungen für Konflikte auf diesem
Kontinent - im Tschad, in der Westsahara und anderswo - zu finden, Lösungen,
die durch Verhandlungen zustande kommen.
Wir respektieren den Status der Unabhängigkeit und der Blockfreiheit
der Staaten dieser Region.

Wir wenden uns gegen militärische Inter-

vention in Afrika von außen.
Am

- 7 -

�Am Hörn von Afrika und anderswo haben wir gesehen, daß militärische
Intervention aus dem Ausland nur die Spannungen verstärkt, die Konflikte
verlängert und den eingesessenen Völkern das Recht verwehrt, ihre eigenen
Lösungen zu finden, sowie das Recht der Afrikaner bedroht, frei zu leben.
Aus all diesen Gründen heraus haben die Vereinigten Staaten es nicht
nur unternommen, den Staaten in Afrika dabei behilflich zu sein, ihre
Gesellschaften aufzubauen und ihre Institutionen zu stärken; wir haben
uns auch dazu verpflichtet, befreundeten Nationen dabei zu helfen, sich
selbst gegen äußere Einmischung zu stärken.

Und wir sind bereit, dieser

Verpflichtung zu entsprechen.
Wir müssen noch weit gehen, um unsere Ziele zu erreichen.

Aber wie

Präsident Franklin Roosevelt einmal sagte: "Die demokratische Regierung
hat eine ihr innewohnende Fähigkeit, ihr Volk gegen Katastrophen zu
schützen, die vormals als unvermeidlich angesehen wurden, und Probleme
zu lösen, die einst als unlösbar galten."
Und daher möchte ich heute abend über unsere Anstrengungen als
Amerikaner und Nigerianer, als Amerikaner und Afrikaner folgendes sagen:
Wir Demokratien werden stärker werden - nicht weil wir unsere Meinungsverschiedenheiten unterdrücken, sondern weil wir sie schätzen. Wir
werden reicher werden - nicht weil wir die persönliche Freiheit zerstampfen,
sondern weil wir sie respektieren. Wir werden gerechter werden - nicht weil
wir unsere Ungleichheiten verleugnen, sondern weil wir uns ihnen stellen.
Meinungsverschiedenheiten machen uns vielleicht manchmal zu Nationen
mit heiserer Stimme, aber wir schätzen den Geist höher ein als die Stille.
Die Freiheit macht uns vielleicht manchmal zu widerspenstigen Staaten, aber
wir schätzen eine offene Gesellschaft mehr als eine unterdrückte. Das
Eingeständnis unserer Ungerechtigkeiten macht uns manchmal vielleicht zu
ungeduldigen Nationen - aber wir würden lieber unsere Sehnsüchte zugeben

- 8 -

�zugeben als einer unverrichteten Arbeit den Rücken zuzuwenden.
Andere Staaten mögen sich einem anderen Kurs zuwenden.

Sie kon-

solidieren ihre Stärke, indem sie die Freiheit ihrer Völker unterdrücken.
Sie vergrößern ihren Reichtum, indem sie die Würde ihrer Völker schmälern.
Sie posaunen ihre Leistungen hinaus, indem sie die Unzufriedenheit ihrer
Völker dämpfen.
Aber wir glauben, und wir sehen es in Simbabwe, daß die Demokratie
ein Mittel zum Frieden ist.

Wir glauben, daß wie in Nigeria die Demokratie

ein Mittel zur wirtschaftlichen Entwicklung ist.

Und wir glauben, wie

in Afrika, in den Vereinigten Staaten und in der ganzen Welt, daß die
Demokratie mehr als jede andere Waffe das beste Arsenal der nationalen
Sicherheit ist.
Gesegnet sind diejenigen von uns, die sich der Demokratie erfreuen.
Und diejenigen, die noch nicht frei sind, dürfen nicht die Hoffnung verlieren.

"Haltet die Träume fest", sagt Langston Hughes, ein schwarzer

amerikanischer Dichter, "denn,wenn die Träume sterben, wird das Leben ein
Vogel sein mit gebrochenen Schwingen, der nicht mehr fliegen kann."
Jene Träume werden nicht sterben, weder hier in Nigeria, noch
sonstwo auf diesem Kontinent, der so reich ist, so schön und so voll
des Versprechens nach Menschlichkeit.

+ + + + +

- 9 -

�35

30. Juli 1980

US-DELEGIERTER HOFFT AUF EINIGUNG AUF DER GENFER SEERECHTSKONFERENZ
- Wortlaut eines USICA-Interviews mit Botschafter Richardson -

GENF - (AD) - Der amerikanische Delegierte auf der Dritten Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen, Botschafter Elliot L. Richardson,
hat in einem vcr Beginn der Konferenz am 28. Juli 1980 veröffentlichten
Interview mit dem US-Amt für Internationale Kommunikation (USICA) die
Hoffnung ausgesprochen, daß es zu einer Einigung über die noch umstrittenen
Fragen der Ausbeutung der Schätze des Meeresbodens kommen werde. Die
Konferenz in Genf, die bis zum 29. August dauern soll, ist die insgesamt
neunte Verhandlungsrunde. Richardson betonte, daß es außer dem Abbau
von Bodenschätzen auf dem Meeresgrund kaum noch strittige Fragen gebe.
Die Verabschiedung eines amerikanischen Gesetzes über Meeresbodenbergbau,
so unterstrich Richardson, brauche einer Einigung auf der Konferenz
nicht im Wege zu stehen.
Das Interview mit Botschafter Richardson hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�FRAGE:

Herr Botschafter, was,glauben Sie, wird auf dieser Runde der

Seerechtskonferenz geschehen?
ANTWORT:

Wir können damit rechnen, daß die Sitzungsrunde wichtige

Fortschritte in der Lösung der relativ wenigen substantiellen Fragen
machen wird, die noch offen stehen.

Die einzige Frage, die in diesem

Stadium wirklich noch in der Schwebe ist, ist, ob wir eine endgültige
Revision des Entwurfs des Seerechtsvertrages erreichen können oder ob
einige Fragen an eine weitere Sitzung der Konferenz im nächsten Jahr
verwiesen werden müssen.

Aber es ist wirklich noch zu früh, etwas über

das Tempo des Fortschritts zu sagen, den wir auf dieser Sitzung erzielen
können.

Die meisten Beteiligten sind der Meinung, daß eine echte Chance

besteht, die Verhandlungen nach über sieben Jahren Dauer zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen, und daß mit Entschlossenheit und harter Arbeit
die Chance genutzt und zum Wohle aller in Genf vertretener Länder genutzt
werden kann.
FRAGE:

Welches sind die Hauptfragen, die noch offen stehen?

ANTWORT: Diese zerfallen in drei Hauptkategorien: Fragen bezüglich
der Ausbeutung der Ressourcen des Meeresbodens, vor allem des Abbaus der
polymetallischen Knollen, die Nickel, Kupfer, Kobalt und Mangan enthalten;
wesentliche Fragen bezüglich anderer Gebiete des Textentwurfes eines
Seerechtsvertrages; und die Abschlußklauseln des Textes bezüglich der
Unterzeichnung, Ratifizierung und des Inkrafttretens des Vertrages und
möglicher Änderungen.
Genau gesehen ist die Zahl der Probleme außerhalb des MeeresbodenBergbaus bemerkenswert klein.

Und es ist außerordentlich wichtig, daß

die Delegation der Vereinigten Staaten keine Änderungen der nicht mit
dem Meeresboden zusammenhängenden Fragen anstrebt, die im Vertragstext
bereits ausgehandelt sind.

Die Vereinigten Staaten betrachten all diese

- 2 -

�diese Bestimmungen als zufriedenstellend.

Aber das bedeutet nicht, daß sie

auf der Konferenz nicht weiter erörtert werden.
Die Festlegung von Grenzen zwischen gegenüberliegenden Staaten
und Anrainerstaaten ist eines der Gebiete, auf dem seit Ende der letzten
Sitzungsrunde, als der derzeitige Seerechtsvertrags-Verhandlungstext
veröffentlicht wurde, ein bedeutsames Maß an Unzufriedenheit bei einigen
Ländern entstanden ist. Ferner gibt es einige Kritik seitens einiger
weniger Länder an den Bestimmungen an dem Regime für die wissenschaftliche Meeresforschung, die von den Vereinigten Staaten als zu den wesentlichen Fortschritten der letzten Sitzungsrunde gehörend gerechnet werden.
Es muß noch ein Punkt bezüglich der Jurisdiktion über den Festlandsockel
über 200 Meilen hinaus geklärt werden. Und es wird wahrscheinlich einige
Versuche geben, Fischerei rechte über Bestände zu erlangen, die über die
Grenze der exklusiven Wirtschaftszone von 200 Meilen hin- und zurückwandern.
FRAGE: Welche Fragen des Meeresboden-Bergbaus müssen von der
Konferenz noch gelöst werden?
ANTWORT: Die wichtigste Einzelfrage, vor der die Konferenz steht,
ist der Entschluß über das Entscheidungsverfahren im Rat der Internationalen
Meeresboden-Behörde. Das ist das Gremium, das die Ausbeutung der Ressourcen
des Meeresbodens in den Ozeanen jenseits der Grenzen der nationalen
Jurisdiktion regeln wird. Darüber hinaus wird die Konferenz sich darüber
einigen müssen, wie die Internationale Meeresboden-Behörde in der ersten
Zeit nach Inkrafttreten des Seerechtsvertrages finanziert werden soll.
Dann tritt auch immer wieder das Problem der Beteiligung von Unabhängigkeitsbewegungen, wie etwa die PLO, an den Einkünften aus dem Abbau
am Meeresboden in qroßen Tiefen auf - ferner einige Restprobleme bezüglich
der Erfordernisse des Lizenzzwangs für die Technologie des Meeresboden-Berg-

- 3 -

�Bergbaus.
FRAGE:

Welche Auswirkung auf die laufenden Verhandlungen wird die

amerikanische Gesetzgebung über den Meeresboden-Bergbau haben, die
Präsident Carter am 28. Juni unterzeichnet hat?
ANTWORT:
anzustellen.

Es ist wirklich nutzlos, darüber im Augenblick Spekulationen
Aber es lohnt sich zu unterstreichen,daß es mir gelungen ist,

das Einverständnis potentieller Meeresboden-Bergbaufirmen zu einem einseitigen Moratorium für den Meeresboden-Bergbau in dem Gesetz zu erlangen,
das den Meeresboden-Bergbau in kommerziellem Umfang bis nach dem
1. Januar 1988 verbietet.

Wir sind auch seit der Unterzeichnung des Ge-

setzes durch Präsident Carter mt

anderen Delegationen in Kontakt getreten,

um ihnen zu erklären, daß dieser Aufschub reichlich Gelegenhat bieten
dürfte, daß der Vertrag in Kraft treten kann und daß das Gesetz nicht als
eine Bedrohung der Ziele der Konferenz betrachtet werden sollte.
FRAGE:

Welcher Zeitraum wird zwischen der Unterzeichnung eines

Seerechtsvertrages und seinem Inkrafttreten notwendig sein?
ANTWORT: Natürlich kann niemand mit völliger Sicherheit einen
erfolgreichen Abschluß der Verhandlungen, ja gar ein Inkrafttreten des
Seerechtsvertrages voraussagen. Wir hoffen jedoch, daß das Datum vom
1. Januar 1988 einen Anreiz für die prompte Ratifizierung des abgeschlossenen
Seerechtsvertrages bieten wird. Und die Vereinigten Staaten werden in
den Schlußklauseln Bestimmungen anstreben, die zu einer baldigen Ratifizierung ermutigen. Unter anderem treten die Vereinigten Staaten dafür ein,
daß nur 50 Staaten einen Seerechtsvertrag ratifizieren müssen, damit er
in Kraft treten kann, und nicht 70, wie es im gegenwärtigen Vertragsentwurf vorgesehen ist.
FRAGE:

�FRAGE:

Was, glauben Sie, wird in der Meeresboden-Bergbauindustrie

in der unsicheren Periode zwischen der Unterzeichnung des Vertrages und
seinem Inkrafttreten geschehen?
ANTWORT: Das ist für diese Firmen ein echter Anlaß zur Sorge. Es
ist richtig, daß während dieses Zwischenzeitraums voraussichtliche Investoren
nicht sicher sein können, daß ein Vertrag in Kraft treten wird, oder wenn
er in Kraft tritt, wann das sein wird. Wir haben deshalb versucht, das
Problem dadurch in den Griff zu bekommen, daß wir für den Investor die
Zusicherung zu erhalten suchen, daß er ein Vorzugsrecht für die Ausbeutung
eines Vorkommens erhalten wird, die er sich in dem Zwischenzeitraum
reserviert hat, und zwar im Rahmen eines Sonderverfahrens, das als "Vorbereitender Investitionsschutz" (Preparatory Investment Protection) bezeichnet wird. Dieses Verfahren, das die Vereinigten Staaten vorgeschlagen
haben, wird einer Gesellschaft, die die Exploration eines bestimmten
Vorkommens in vollem Umfang eingeleitet hat, das Recht geben, einen
Kontrakt für diese Vorkommen zu beantragen, wenn der Vertrag in Kraft
tritt. Das bedeutet, daß sich Gesellschaften sicher fühlen können, wenn
sie solche Investitionen vornehmen, die nur für dieses bestimmte Vorkommen
getätigt werden können, wie etwa die Anpassung ihres Geräts für das Vorkommen und die detaillierte Vermessung des Vorkommens. Ohne solche Zusicherungen bestünde das Risiko einer Auflösung der amerikanischen Meeresboden-Bergbauindustrie.

FRAGE: Welche Auswirkungen wird der Abbau von Mineralien aus dem
Meeresboden in großer Tiefe auf die Produzenten solcher Mineralien auf dem
Festland haben?
ANTWORT:

Die Produzenten solcher Mineralien auf dem Festland haben

gewisse Besorgnisse geäußert hinsichtlich der Konkurrenz seitens des
Meeresboden-Bergbaus.

Diese Besorgnisse haben zu der Formulierung

einer sogenannten "Produktionshöchstgrenze" hinsichtlich der aus dem

- 5 -

�dem Meeresboden abgebauten Mineralien geführt, um die traditionellen
Produzenten auf dem Festland gegen eine Meeresboden-Konkurrenz zu schützen.
Die Produktionshöchstgrenze sichert in der Praxis zu, daß den Festlandproduzenten zumindest ihre gegenwärtigen Märkte für diese Mineralien garantiert
werden, plus einem wesentlichen Anteil des zukünftigen Nachfragezuwachses
für Nickel. Nickel ist der treibende Faktor hinter dem Umfang des Meeresboden-Bergbaus, da Nickel das wichtigste Metall ist, das man in den Knollen
findet.

Der Entwurfstext beinhaltet Bestimmungen für einen Fonds, mit

dessen Hilfe die Industrie auf dem Festland entschädigt werden soll, die
unter Umständen unter der Meeresboden-Konkurrenz zu leiden hat.

Dies trifft

insbesondere auf die Kobaltproduzenten zu, da nur etwa 20 000 Tonnen
gegenwärtig im Jahr produziert werden und schon vier Meeresbodenprojekte
den gegenwärtigen Bedarf an Kobalt decken könnten.
FRAGE:

Wie wird der Seerechtsvertrag - wenn überhaupt - zur Nahrungs-

mittelversorgung der Welt beitragen, beispielsweise durch seine Auswirkungen
auf die Fischerei?
ANTWORT:

Ein solcher Beitrag wird sich in erster Linie aus einer

vernünftigen Erhaltung und Regulierung der Fischbestände ergeben, die
durch diesen Vertrag geschaffen würden.

Der Vertrag wird die Hauptver-

antwortung für die Regulierung der Grundfischbestände den Küstenstaaten
übertragen.

Für die Wanderfische, wie beispielsweise den Thunfisch,

sieht der Vertrag die Schaffung regionaler Gremien für diese Bestände vor.
In beiden Fällen ist im Hinblick auf dieses Ziel die Rede von einem
"optimal tragbaren Ertrag", und danach richtet sich, welcher Anteil an
Fischbeständen sicher eingebracht werden kann, während gleichzeitig
sichergestellt wird, daß ausreichende Bestände erhalten bleiben, um die
Fortpflanzung der Fischarten zu gewährleisten.
FRAGE:

Könnten Sie kurz die wesentliche politische und wirtschaftliche

Bedeutung des Vertrages umreißen:
ANTWORT:
- 6 -

�•»

ANTWORT:

Der Vertrag legt die Jurisdiktion über zumindest ein Drittel

der verbleibenden öl- und Erdgasreserven der Welt fest.
-

Er legt die Struktur fest, innerhalb derer der Abbau des Bedarfs
von zumindest tausend Jahren an Nickel, Mangan, Kupfer und Kobalt
durchgeführt werden kann.

-

Er wird die Beweglichkeit von Luft- und Seestreitkräften sowie
das Tempo berühren, mit dem diese Kräfte in entlegene Gebiete der
Welt verlegt werden können.

-

Er stellt einen wesentlichen Fortschritt in Richtung auf die Schaffung
eines umfassenden Systems zum Schutze der marinen Umwelt gegen
vom Festland und von der Schiffahrt ausgehende Quellen der Verschmutzung dar.

-

Er festigt den Rahmen, innerhalb dessen die wissenschaftliche
Meeresforschung durchgeführt werden kann, die von so entscheidender
Bedeutung für das Wissen um marine Ressourcen und das Verständnis
für das Klima der Erde sowie die ozeanischen Strömungen ist.

-

Und zusätzlich zu all diesen Punkten wird der Vertrag einen
wesentlichen Beitrag leisten zur Errichtung der Herrschaft des
Rechts an Stalle der Gefahren eines Konflikts in mehr als zwei
Dritteln der Oberfläche der Erde.

+ + + + +

- 7 -

�</text>
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United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Nummer

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

Telex:08-85432

35

30. August 1972

Inhalt

INFORMATION:
Nixon ordnet weiteren Truppenabzug aus Vietnam an
USA streben gerechtere Verteilung der UN-Beiträge an
Von unserem Sonderkorrespondenten
Klimaanlagen und Kältetechnik
-Fachausstellung und Tagung im US-Handelszentrum in FrankfurtI

HINTERGRUNDMATERIAL:
An der Verteidigung scheiden sich die Geister
-Gegensätzliche Auffassungen Nixons und McGoverns-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Zentralinstitut für Bautechnik
Strömungsforschung
Gewitterwolken werden geimpft

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�i amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g i ,

8 9 - 3 2 4 0

S

Postfach

Telex:

e

Information

300

0 8 R 54 3 2

35/1972

NIXON ORDNET WEITEREN TRUPPENABZUG AUS VIETNAM AN

SAN CLEMENTE, KALIFORNIEN - ( A D ) - Präsident Nixon hat einen weiteren Abzug amerikanischer Truppen aus Vietnam angeordnet, durch den die genehmigte Truppenstärke bis zum 1. Dezember auf 27 000 Mann reduziert werden soll.
Dies gab der Sprecher des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, am 29. August
in San demente bekannt, wo sich Präsident Nixon gegenwärtig aufhält. Ziegler
wies darauf hin, daß die sogenannte genehmigte Truppenstärke normalerweise
etwas höher liege als die tatsächliche. So befänden sich gegenwärtig 37 000
US-Soldaten in Vietnam - eine Zahl, die um 2 000 Mann niedriger sei als die
genehmigte Truppenstärke am 1. September.
Ziegler erklärte vor der Presse, daß eine amerikanische Resttruppe solange in Südvietnam verbleiben werde, bis eine Regelung auf dem Verhandlungswege
erreicht worden sei

oder bis alle Kriegsgefangenen frei gelassen und über die

Vermißten Auskünfte erteilt worden seien. Der Pressesekretär kündigte an, daß
Präsident Nixon vor dem nächsten Zieldatum, dem 1. Dezember, eine weitere Erklärung zur amerikanischen Truppenstärke in Vietnam abgeben werde; diese Mitteilung werde jedoch nicht vor den Präsidentschaftswahlen am 7. November erfolgen.
In

-1-

�In Beantwortung von Fragen unterstrich Ziegler, daß sich die Hauptaufgabe
der noch verbleibenden Truppen auf den Nachschub und die Versorgung erstrecken
werde. Amerikanische Erdkampftruppen seien nicht mehr in Südvietnam.
Die jüngste Ankündigung bedeutet, daß Präsident Nixon bis zum 1. Dezember
die amerikanische Truppenstärke in Südvietnam seit seinem Amtsantritt am 20.
Januar 1969 um 95 Prozent reduziert haben wird. Damals waren 549 500 amerikanische Soldaten in Vietnam stationiert.
Der Pressesekretär des Weißen Hauses wies darauf hin, daß die USA ihre
Truppen in Thailand sowie die Marineeinheiten vor der Küste Vietnams seit der
nordvietnamesischen Invasion am 30. März verstärkt hätten, um der damit gegebenen Bedrohung entgegenwirken zu können. Nach der massiven Verletzung der entmilitarisierten

Zone durch Hanoi habe Präsident Nixon die Entsendung von wei-

teren 12 000 Mann nach Thailand und die Abstellung von 20 000 Mann für die
Marineeinheiten vor der vietnamesischen Küste angeordnet. Gegenwärtig befinden sich 42 000 bis 44 000 amerikanische Soldaten in Thailand und 35 000 bis
39 000 vor der Küste Vietnams. Diese Einheiten werden von der jüngsten Reduzierung nicht betroffen.

f-H-H-

�\ amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

8 9 - 3 2 4 0

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35/1972

USA STREBEN GERECHTERE VERTEILUNG DER UN-BEITRÄGE AN
Von unserem Sonderkorrespondenten

VEREINTE NATIONEN,NEW YORK --(AD)-- Die Vereinten Nationen haben gegenwärtig
132 souveräne Mitglieder, die in der Vollversammlung alle das gleiche Stimmrecht haben. Das Budget der Weltorganisation wird jedoch allein zu 65 Prozent
von fünf dieser Mitgliedstaaten - und zu rund 32 Prozent von einem der Mitglieds
länder, nämlich den Vereinigten Staaten - getragen. Wenn man bedenkt, daß
über 60 der kleinen Mitgliedstaaten nicht mehr als ein Zwanzigstel eines
Prozents des Gesamthaushalts tragen, dann darf es nicht verwundern, daß man
sich in den Vereinigten Staaten - in der Regierung, im Kongreß und in der
Öffentlichkeit - Gedanken darüber macht, ob der hohe amerikanische Beitrag
heute noch gerechtfertigt ist.
Präsident Nixon hat in seinem außenpolitischen Bericht zu Anfang dieses
Jahres darauf hingewiesen, daß es für die Weltorganisation selbst auf die
Dauer nicht von Vorteil sein kann, wenn sie finanziell zu sehr auf ein bestimmtes Mitglied angewiesen ist. Zu dem regulären Haushalt der Vereinten Nationen

i-

�Nationen für das Jahr 1972 haben die USA allein 31,52 Prozent oder 64 Millionen
Dollar beigetragen, und in früheren Jahren betrug der Prozentsatz bis zu 39
Prozent.
Die Vereinigten Staaten haben jetzt begonnen, mit anderen Mitgliedsstaaten über eine Neuregelung der Beitragsveranlagung zu sprechen, wobei man von
amerikanischer Seite eine Maximalrate von 25 Prozent anstrebt, die den heutigen
Verhältnissen sicher angepaßt wäre.
Nixon hat bereits in seinem außenpolitischen Bericht darauf hingewiesen,
daß die Zahlungsfähigkeit eines Landes nicht die einzige Richtschnur sein könne,
da Vernunft und politischer Realismus dagegen sprächen, daß ein Mitglied einen
unverhältnismäßig hohen Beitrag leiste. Schließlich sei der Mindestbeitrag
auch nicht allein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten festgelegt worden.
Als die Vereinten Nationen zu Kriegsende die Beiträge festsetzten, lag es
auf der Hand, daß die Vereinigten Staaten allein mindestens so viel bezahlen
konnten wie alle anderen zusammen. Jedoch schon damals erkannte man in der
Vollversammlung die Gefahr einer zu großen Abhängigkeit und setzte das Limit
auf 40 Prozent. Im Jahre 1948 wurde beschlossen, daß kein Land mehr als ein
Drittel des Gesamtbeitrages aufbringen solle und dürfe, und im Jahre 1957 wurde
mit wachsender Mitgliederzahl die Beitragsgrenze schließlich auf 30 Prozent
festgelegt - wobei der amerikanische Beitrag de facto auch weiterhin über diesem Prozentsatz lag.
Die Kommission, die Präsident Nixon für den 25. Jahrestag des Bestehens
der Vereinten Nationen einsetzte, empfahl bereits im Jahre 1971 eine Senkung
der Beitragsrate auf 25 Prozent. Die Empfehlungen der Kommission unter Leitung
des früheren amerikanischen Chefdelegierten bei den Vereinten Nationen, Henry
Cabot Lodge, sind mittlerweile Bestandteil der Außenpolitik der Nixon-Administration geworden. Amerikanische Diplomaten bemühen sich in den Hauptstädten

-2-

�Hauptstädten der Welt und in den Vereinten Nationen um Unterstützung für eine
Reduzierung des Höchstbeitrages - wobei nicht an eine Anhebung des Mindestbeitrages gedacht ist, wie ihn viele der kleinen Mitglieder bezahlen. Der Ausgleich
könnte vielmehr durch eine Erhöhung des Beitrages einiger wirtschaftlich erstarkter Mitgliedsländer erreicht werden.
Eine Neuverteilung der Beiträge müßte natürlich zunächst einmal von der
Vollversammlung der Vereinten Nationen gebilligt werden. Zuvor bedarf es eines
Beschlusses des Beitragsausschusses, der im Frühjahr kommenden Jahres zusammentritt und die Beiträge für drei Jahre festsetzt. Diese Entscheidung muß dann
von der Vollversammlung - im Jahre 1973 - bestätigt werden, und die neuen Beiträge würden dann mit dem Jahre 1974 wirksam. Wie aus amerikanischen Kreisen
bei den Vereinten Nationen verlautet, denkt man in dem Ausschuß an eine Aufstockung der Beiträge unter anderem für Japan und Australien. Auch die Volksrepublik China dürfte etwas mehr zur Kasse gebeten werden als das ausgeschlossene
Formosa.
Die Vereinigten Staaten würden auch bei einer Neufestsetzung der Beitragshöchstgrenze auf 25 Prozent bei weitem den größten Beitrag zur Weltorganisation
leisten. Ihr Beitrag würde auch dann noch um 50 Prozent höher liegen als der
des nächsthöheren Beitragszahlers, nämlich der Sowjetunion. Und schließlich darf
man nicht vergessen, daß hier zunächst nur von dem Beitrag zum regulären Budget
die Rede war. Die gewaltigen Zuwendungen der USA zu den verschiedenen Sonderorganisationen der Vereinten Nationen betragen ein Vielfaches dieses Betrages,und
die Vereinigten Staaten bringen rund 40 Prozent der Mittel für das gesamte System
der Vereinten Nationen auf- Mittel, die schließlich jedes Jahr vom amerikanischen
Kongreß bewilligt werden müssen. So haben die USA im Jahre 1971 die stattliche
Summe von über 433 Millionen Dollar für die Vereinten Nationen insgesamt aufgebracht.
Die

�Die amerikanische Mission bei den Vereinten Nationen hat in diesem Zusammenhang eine interessante Aufschlüsselung des Beitrages der USA veröffentlicht:
1 9

7 1
US-Beitrag
(in Tausend Dollar)

Prozentsatz

Vereinte Nationen

56 312

31,5

Ernährungs-u.Landwirtschaftsorganisation(FAO)

10 083

31,6

115

8,1

Internationale Atomenergiebehörde (IAEA)

3 977

31,5

Internationale Zivilluftfahrtorganisation(ICAO)

2 167

30,9

Gemeinsames Finanzierungsprogramm

1 773

39,1

Internationale Arbeitsorganisation (ILO)

3 908

25

Reguläres Budget(Voranschlag)

Zwischenstaatliche Konsultativorganisation für
die Seefahrt (IMCO)

Internationale Fernmeldeunion (ITU)
UNESCO
Weltpostverein
Weltgesundheitsorganisation (WHO)
Weltwetterdienst (WMO)
Gesamt:

703

11,6

12 018

29,8

80

4,2

23 741

30,9

774

23,9

115 651

UN-Streitmacht auf Zypern

4 800

38,7

19 7 1

-4-

�19 7 1
Freiwillige Beiträge zu Programmen
der Vereinten Nationen

US-Beitrag
(in Tausend Dollar)

Prozentsatz

1 550

36,9

Kinderhilfsfonds (UNICEF)

15 886

38,8

Entwicklungsprogramm

86 268

34

Weltlebensmittelprogramm (FAO)

54 56o

51,7

Fonds für Rauschgiftbekämpfung

2 000

70,9

14 500

50

IAEA Betriebskosten

Bevölkerungsfragen

1 000

19,2

Humanitäre Hilfe für Indien

90 875

37,1

Humanitäre Hilfe für Ostpakistan

18 920

UNRWA

23 200

54,3

I n s t i t u t für Ausbildung und Forschung

400

38,3

Freiwilligenprogramm

200

79,1

S o n d e r b e i t r ä g e für Vietnam

950

76,9

Krebsforschung der WHO

312

15,5

Sonderprogramm der WHO

469

36,9

Programme des Hochkommissars für Flüchtlinge

F r e i w i l l i g e s Unterstützungsprogramm der WHO

1 500

Gesamt:

312 59o

Gesamtbeitrag zum regulären Budget

115 651

UN-Streitmacht auf Zypern
Gesamtaufwendungen der USA

4 800

433 041

nicht ver fügbar

30

�B E R I C H T I G U N G

In der Tabelle: "Freiwillige Beiträge zu Programmen der Vereinten
Nationen" auf Seite 5 muß der letzte Posten richtig heißen:

Freiwilliges Unterstützungsprogramm für den WMO
(Weltwetterdienst)

1 500

30

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KLIMAANLAGEN UND KÄLTETECHNIK
-Fachausstellung und Tagung im US-Handelszentrum in Frankfurt -

--(AD)-- Vom 11. bis 15. September 1972 veranstaltet das US-Handelszentrum in
Frankfurt am Main eine Fachausstellung zum Thema "Klimatechnik-Kältetechnik" ,
auf der über 30 amerikanische Hersteller Anlagen, Geräte und Bauteile aus
ihren neuesten Produktionsserien zeigen. Die Mehrzahl der ausstellenden Unternehmen, die in Deutschland noch nicht vertreten sind, sucht

Kontakte zu

Vertriebsfirmen bezw. Lizenznehmern. Ein angegliedertes Tagungsprogramm behandelt praktische Anwendungsbeispiele und spezielle Geräteentwicklungen.
Kostenlose Unterlagen können beim US-Handelszentrum, 6000 Frankfurt am
Main, Bockenheimer Landstraße 2-4, angefordert werden. Telefon 72 08 Ol,
Telex 416535.

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35/1972

AN DER VERTEIDIGUNG SCHEIDEN SICH DIE GEISTER
-Gegensätzliche Auffassungen Nixons und McGoverns-

CHIKAGO --(AD)-- Der wohl entscheidenste Unterschied in den politischen Auffassungen Präsident Nixons, des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
zur Wiederwahl, und seines demokratischen Herausforderers, Senator George
McGovern,liegt auf dem Gebiet der Verteidigung und der militärischen Verpflichtungen der Vereinigten Staaten.
Die gegenwärtigen Verteidigungsausgaben der USA liegen bei jährlich 80
Milliarden Dollar, und Präsident Nixon möchte sie in etwa auf diesem Stand halten.
Senator McGovern dagegen möchte sie über einen Zeitraum von drei Jahren um mindestens 30 Milliarden Dollar kürzen. Die Unterschiede in den Auffassungen beider Kandidaten kommen vielleicht am deutlichsten in den Reden zum Ausdruck,die
sie dieser Tage vor dem großen amerikanischen Veteranenverband "American Legion"
gehalten haben.
McGovern führte am 23. August in Chikago unter anderem aus:
"....Die Streitkräfte sind heute in dem längsten Krieg unserer Geschichte
gebunden. Der Höchststand unserer Streitkräfte in Südostasien ist zwar seit 1969
um eine halbe Million Mann gesenkt worden, jedoch wurden im gleichen Zeitraum

�Zeitraum über eine Million Mann dorthin geschickt, um dort zu kämpfen. Und es
sind immer noch zu Lande und zur See über 140 000 Mann....
Amerikaner werden für eine gute Sache kämpfen und sterben; das haben wir
immer getan. Die Armee, die so kämpft, wird ihre Offiziere achten und wird bei
der Bevölkerung in der Heimat geehrt und bewundert werden. Unsere gegenwärtigen
Probleme entstanden aus der Tatsache, daß die Soldaten aufgefordert wurden
- und immer noch aufgefordert werden - weiterhin in einem Krieg zu kämpfen,
an den die Nation nicht länger glaubt.
Ein Krieg ist niemals fair. Wir werden von den Männern und Frauen in unseren Streitkräften immer mehr fordern, als wir ihnen geben können. Aber als
Mindestes können wir ihnen eine Aufgabe geben, die der Ehre und Würde ihres
Dienstes entspricht - eine Aufgabe, ihrer eigenen Selbstachtung als Menschen
gerecht zu werden - eine Aufgabe, die sie stolz als amerikanische Aufgabe bezeichnen können.
Der Krieg in Vietnam ist keine solche Aufgabe und kann es auch nicht sein.
General Thieu ist keinen weiteren Tropfen amerikanischen Blutes wert oder auch
nur eines Gramms an Leiden und Sorgen seitens unserer Kriegsgefangenen und ihrer
Angehörigen. Und je eher wir der Bombardierung und der Beschießung Einhalt gebieten und unsere Männer nach Hause bringen können, desto eher können sich unsere Streitkräfte wieder den echten Erfordernissen unserer Sicherheit und unseres
Landes zuwenden.
Wir müssen begreifen lernen, daß jeder Dollar, den wir für die Zerstörung
Vietnams ausgeben, uns der Mittel beraubt, die wir zum Aufbau Amerikas brauchen..
Ich bin gegen die Bombardierung Vietnams, nicht nur, weil ich überzeugt bin,
daß sie falsch ist, nicht nur, weil ich der Überzeugung bin, daß sie militärisch
unwirksam ist, sondern auch, weil sie Verschwendung ist....
Laßt

-2-

�Laßt uns aufhören, Asien zu bombardieren, und anfangen, Amerika aufzubauen.
Das ist der einzige Weg, das Töten zu beenden, und es ist der einzige Weg, die
Freilassung unserer Kriegsgefangenen zu erreichen. Unsere gegenwärtige Politik
befreit die Gefangenen nicht, sie sperrt sie vielmehr noch enger ein und vergrößert jede Woche die Zahl derer, die abgeschossen und gefangengenommen werden...
Es war bisher nicht Tradition, daß Präsidentschaftskandidaten ihre militärischen Vorstellungen im einzelnen darlegten, bevor sie gewählt wurden. Aber das
Militärprogramm hat einen so lebensentscheidenden Einfluß auf unsere Wirtschaft
und nimmt einen so hohen Anteil unserer Regierungstätigkeit in Anspruch, daß die
Öffentlichkeit wissen sollte, welche Absichten ich habe.
Erstens mache ich folgende Zusage: Solange ich Präsident der Vereinigten
Staaten wäre, würde Amerika niemals zu einer zweitklassigen Macht werden. Wir sind
die stärkste Nation der Welt und werden es bleiben.
Ich habe meinen Verteidigungsvorstellungen mehr Zeit und Mühe gewidmet als
irgendeinem anderen Teil meiner Vorbereitungen für die Präsidentschaft. Ich habe
die Sicherheitserfordernisse unseres Landes sorgfältig durchkalkuliert. Es gibt
keine einzige Möglichkeit, die nicht in diese Überlegungen einbezogen worden ist.
Mein Budget hält an einer festen Verpflichtung zur konventionellen Verteidigung
und zur nuklearen Abschreckung fest. Es bietet ausreichende Sicherheit gegen einen
Angriff, indem die Nation mehr und nicht weniger der nuklearen Systeme erhält, auf
die wir für die garantierte Zerstörung jedes potentiellen Gegners angewiesen sind.
Darf ich Ihnen nur ein Beispiel geben: Mein Budget würde uns genug Feuerkraft geben, um Rußland und China gleichzeitig zwanzigfach zu zerstören, und ich
würde selbstverständlich mein Verteidigungsbudget ständig mit unseren militärischen Befehlshabern überprüfen und jedwede Veränderungen vornehmen, die durch
neue Verhältnisse und neue Techniken erforderlich würden.
Ich

-3-

�Ich versichere Ihnen, daß es keiner feindlichen Macht je gelingen wird,
dieses Land zu bedrohen, wenn ich Präsident wäre. Keine ausländische Macht wird
uns herumschubsen. Wir werden immer genügend Macht haben, einem Angriff, der Drohung mit einem Angriff oder der auf diplomatischem Wege vorgenommenen Erpressung
zu widerstehen.
Wer jedoch jemals Soldat war, der weiß, daß unsere militärischen Ausgaben
durch Verschwendung und Unwirksamkeit durchlöchert werden. Wir brauchen eine unbesiegbare und unverletzbare Verteidigung. Aber wir müssen auch den hochfliegenden militärischen Geldausgebern Zügel anlegen, die glauben, daß die Grenze der
Himmel sei, und die in flagranter Weise die Blankoschecks mißbraucht haben, die
ihnen in der Vergangenheit vom Kongreß und von der Bevölkerung ausgestellt worden sind. Wir haben heute mehr Offiziere, um 2,5 Millionen Mann zu befehligen,
als wir im zweiten Weltkrieg hatten, um 12 Millionen Mann zu befehligen, und
manche von uns glaubten damals schon, wir hätten zu viele Offiziere. Die Führer,
die unsere Streitkräfte schwächen würden, sind nicht jene, die die Verschwendung
in unserem Verteidigungshaushalt beseitigen würden. Es sind nicht jene, die Geld
für unsere Städte bereitstellen oder die Steuerlasten des Eigenheimbesitzers
oder des kleinen Geschäftsmannes oder des Arbeiters an der Maschine erleichtern
würden. Die Führer, die unserer Verteidigung schweren Schaden zugefügt haben,
sind jene Männer, die unsere militärische Macht für Zwecke benutzt haben, die
unser Volk abgelehnt hat.
Die Gefahr des Isolationismus kommt nicht von jenen, die eine vernünftige
Politik in Indochina wollen. Die Gefahr kommt nicht von jenen, die daran zweifeln,
ob es notwendig ist, daß unser Land ganz Asien und Afrika und Lateinamerika und
Europa unter der Fuchtel hält. Die Gefahr kommt von jenen, die an einer Politik
festhalten, von der das amerikanische Volk weiß, daß sie in Geld und Leben gemessen

töricht, unnütz und teuer ist. Das sind diejenigen, die einen wahrhaft

katastrophalen Rückzug aus der Welt heraufbeschwören...."
Präsident

�Präsident Nixon führte am 24 August zu diesem Thema unter anderem aus:
"... Meine Richtschnur ist gewesen und wird auch weiterhin sein, daß Amerika
niemals die zweitstärkste Nation der Welt werden wird. Solange ich Präsident bin,
wird Amerika mit unseren Gegnern niemals aus einer Position der Schwäche heraus
verhandeln müssen....
Damit will ich keinen Augenblick sagen, daß wir nicht so viel Geld wie möglich bei unserer nationalen Verteidigung einsparen und so viel Geld wie nur möglich für andere lebenswichtige nationale Erfordernisse bereitstellen sollten.
Wir haben bei unseren Militärausgaben gespart und werden auch weiterhin sparen, wann und wo wir das ohne Gefahr tun können. Aber ich habe niemals die Sicherheit des amerikanischen Volkes unter der falschen Flagge der Sparsamkeit aufs
Spiel gesetzt und werde das auch niemals tun. Ein dauerhafter Friede gründet
sich nur auf Stärke.
Sparsamkeit immer - Schwäche niemals. Sehen Sie sich das bisher Geschehene
an, und Sie werden erkennen, daß wir bereits wesentliche und gefahrlose Sparmaßnahmen eingeführt haben. Es ist uns gelungen, die Verteidigungsausgaben auf ein
sicheres Minimum zu verringern, ohne unsere Sicherheit infragezustellen oder unsere vertraglichen Verpflichtungen zu verletzen.
Wir haben die Gesamtstärke unserer Streitkräfte erfolgreich um fast ein
Drittel verringert. Wir haben überseeische Stützpunkte geschlossen, die für unsere nationale Sicherheit nicht länger von entscheidender Bedeutung sind, ohne dadurch das Vertrauen unserer Verbündeten zu untergraben. Und es ist uns gelungen,
jene Verbündeten dazu zu bewegen, einen größeren Anteil an der Last der Verteidigung der freien Welt zu übernehmen als in der Vergangenheit.
Wenn

-5-

�Wenn Sie einmal die Tatsachen von der Wahlkampfrhetorik trennen, dann werden
Sie erkennen, daß der Verteidigungshaushalt für 1973 nur 6,4 Prozent des geschätzten Bruttosozialproduktes ausmacht - daß er unserem Lande die kleinste wirtschaftliche Belastung durch irgendeinen Verteidigungshaushalt seit über 20 Jahren
auferlegt. Das ist echter Fortschritt.
Ich bin jedoch sicher, daß ich für die große Mehrheit der Amerikaner spreche, wenn ich erkläre, daß ich in unserem Verteidigungsprogramm eine klare Linie
ziehe zwischen Maßnahmen, die ins Fleisch schneiden, und solchen, die das Fett beseitigen.
Wenn wir jedoch - wie manche das vorschlagen - die Entwicklung unserer Minuteman III und der Poseidon-Raketen-Programme einstellen - Programme, die für eine
glaubwürdige Verteidigung notwendig sind und Programme, die bereits vom Kongreß
gebilligt worden sind - dann würde Amerika die zweitstärkste Macht der Welt.
Wenn wir unsere strategische Bomberstreitmacht um 60 Prozent amputieren wenn wir die Entwicklung des B 1-Bombers einstellen und die Zahl unserer Flugzeugträger von 16 auf 6 verringern - dann würde Amerika die zweitstärkste Macht
der Welt.
Wenn wir in einer Zeit, da die Sowjetunion aktiv mit dem größten Flottenaufbau in der ganzen Geschichte beschäftigt ist, unsere Flottenstärke drastisch kürzen würden, dann würde Amerika die zweitstärkste Macht der Welt.
Wenn wir einen großen einseitigen Truppenabzug der NATO vornehmen - einen Abzug, der unsere Kapazität in Europa und im Nahen Osten ernsthaft schwächen würde dann würden wir das Vertrauen unserer Freunde hintergehen und die Hoffnungen auf
ein Abkommen zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt über beiderseitige Truppenverringerungen zerstören....
Was jedoch am wichtigsten ist, wenn wir einseitig die B 1-und MIRV-Programme
aufgeben würden, wie manche das vorschlagen, dann könnten wir niemals hoffen,

-6-

�hoffen, einen weiteren Fortschritt in der Rüstungsbegrenzung mit der Sowjetunion erzielen zu können. Eine Sowjetunion, die sich einem Amerika gegenübersieht,
das selbst einseitig seine militärische Stärke vermindert, hätte keinerlei Anreiz, ihre eigenen Programme zu verringern.
Schwäche ist ein Risiko, das wir niemals eingehen dürfen. Gerade weil diese
Administration nicht unverantwortlich gehandelt hat, weil diese Administration
in ihrer Verteidigungspolitik ruhig und vernünftig und in ihren Beziehungen zu
anderen Nationen offen und frei geblieben ist, stehen wir heute an der Schwelle
einer friedlicheren und sichereren Ära für die ganze Menschheit
Ich bin dankbar für die Art und Weise, in der das amerikanische Volk und
ganz besonders Gruppen wie die American Legion während der schwierigen, aber erfolgreichen Politik der Beendigung des Krieges in Vietnam auf ehrenhafte Weise
ihre Regierung unterstützt haben. Als Ergebnis ist es uns möglich gewesen, eine
halbe Million amerikanischer Soldaten aus Vietnam heimzuholen - und wir haben das

getan, ohne unsere Verbündeten zu verkaufen, ohne vor unseren Gegnern zu kapitulieren und ohne unsere Gefangenen und Vermißten aufzugeben....
Wollen wir uns nichts vormachen. Die Freiheit ist noch nicht sicher vor ihren Gegnern, und selbst unter unseren Verbündeten muß noch manche echte Differenz
ausgeräumt werden. Ich habe jedoch Grund zu berechtigtem Optimismus gefunden
- für eine vorsichtige, bedachte Hoffnung für die Zukunft. In Peking, in Moskau
und in den Hauptstädten unserer Verbündeten in der ganzen Welt habe ich den
Wunsch nach Frieden vorgefunden. Es sind nicht die gleichen Gründe oder dieselben Bedingungen, die in jedem dieser Zentren der Welt den Frieden wünschenswert
machen. Aber er wird in einem solchen Maße gewünscht, daß wir eine Basis haben,
auf der wir aufbauen können, wenn Amerika nicht nachgibt oder schwach wird....

Der

-7-

�Der Frieden wird nicht Wirklichkeit werden, wenn wir den zwar ehrenhaften,
aber fehlgeleiteten Stimmen jener nachgeben, die sagen, wir sollten Amerika heute schwächen und naiv auf Frieden für morgen hoffen. Der Frieden kann jedoch
Wirklichkeit werden, wenn wir weiterhin eine vernünftige, verantwortungsbewußte
Außenpolitik verfolgen, wenn wir Amerika stark genug erhalten, um diese Politik
glaubwürdig zu machen..."

-8-

�" amerika dienst
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ZENTRALINSTITUT FÜR BAUTECHNIK
"National Bureau of Standards" koordiniert Forschung und
Entwicklung auf dem Bausektor

--(AD)-- Beim "National Bureau of Standards" (NBS), dem amerikanischen Bundesamt für Materialprüfung und technische Normen, wurden mit der Schaffung des
Zentralinstituts für Bautechnik in Gaithersburg (Maryland) alle Einzelabteilungen des NBS, die sich in irgendeiner Form mit dem Bauwesen befassen, unter einem Dach vereint. Baustoffe und Materialforschung, Städte-und Regionalplanung, Bodenmechanik, Wohnungsbau, Behörden-und Krankenhausbau fallen ebenso darunter wie die Auswertung Von Modellprojekten, bei denen die fabrikmäßige
Herstellung von kompletten Wohnungen, Büroetagen und Reihenhäusern, die nur
noch montiert zu werden brauchen, eine immer wichtigere Rolle spielt.
Im laufenden Haushaltjahr stellt das US-Handelsministerium 8,7 Millionen Dollar für das Zentralinstitut zur Verfügung, das gegenwärtig etwa 25o
Mitarbeiter hat. Sie vertreten als Spezialisten 2o verschiedene Disziplinen
-vom Architekten, Statiker und Werkstoffphysiker bis zum Soziologen.

Einer

der Schwerpunkte ist gegenwärtig das Projekt FEEDBACK. Dabei geht es um die

-l-

�die Auswertung der Modelle für den Wohnungs-, Siedlungs-und Städtebau, die im
Rahmen der "Operation Breakthrough" (»Operation Durchbruch") errichtet worden
sind. In einer Vielzahl von Interviews werden die Erfahrungen der Herstellungsund Montagefirmen sowie der Bewohner der neuen Städte oder Stadtteile erfaßt,
um Mittel und Wege zu notwendigen und optimalen Verbesserungen zu finden.
Gespannt erwartet man z.B. die Ergebnisse des "Breakthrough" - Modells
von Jersey City. Dort wird der gesamte Strom an Ort und Stelle erzeugt, Abwärme
wird für Wohnungs-und Warmwasserheizung sowie für Kühlzwecke genutzt. Ziel des
Unternehmens: Rationelle Nutzung der Energiereserven, größere Zuverlässigkeit
der Dienstleistungen, weniger Lärm und Verschmutzung.
Die heute üblichen Werkstoffe - vom Bau-und Möbelmaterial bis zu den Haushaltswaren und Anstrichen - werden keineswegs als der Weisheit letzter Schluß
betrachtet. Das Institut für Bautechnik bemüht sich z. B. gegenwärtig, sämtliche
im Handel befindlichen Anstrichfarben auf ihre Giftigkeit (etwa wegen ihres Bleigehalts) oder auf Auswirkungen in der Form allergischer Erscheinungen bei den
Personen zu prüfen, die damit leben. Andere Untersuchungen konzentrieren sich
u.a. auf die Gefahren

der Ausbreitung von Rauch und Feuer, auf die Erstel-

lung von Fundamenten, auf Materialien für Rohrleitungen, Isoliereigenschaften
ganzer Gebäude gegen Wärme und Kälte, Rentabilitätsstudien bei Wohnungsbauprojekten, beschleunigte Alterung von Baukomponenten. Der letztgenannte Punkt ist
im Zusammenhang mit den Bemühungen von Bedeutung, die Entwicklung von Slums
künftig unmöglich zu machen. Die ursprünglichen 22

"Breakthrough"-Projekte

wurden inzwischen offiziell um die Sonderprogramme Qualitätskontrolle, Produktionsplanung, Planung für Verkehrswesen und Transportfragen sowie Kostenberechnung erweitert. Dabei ist es selbstverständlich und notwendig, daß das Zentralmstitut eng mit der Industrie, mit Regierungsbehörden, Berufsverbänden, Gewerkschaften, Verbrauchern, Normenausschüssen, Medizinern und Forschungsinstituten der Universitäten im ganzen Land zusammenarbeitet. Die experimentellen

-2-

�experimentellen Untersuchungen werden zum größten Teil in den NBS-Uboratorien
von Gaithersburg, manche jedoch auch von mobilen Laboratorien an Ort und Stelle
oder an Spezialinstituten in anderen Bundesstaaten durchgeführt.

+++

-3-

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STROMUNGSFORSCHUNG
Sprechende Flaschenpost-Farbmarkierung-Tiefenströmung
elektrisch gemessen
--(AD)-- Einfache Treibbojen, die mit Kleinsendern versehen sind, werden am
Ozeanographischen Institut Woods Hole (Massachusetts, USA) entwickelt. Die
nach einem bestimmten Programm abgestrahlten Signale sollen noch im Umkreis
von mehr als 400 km empfangen werden können, so daß festlandnahe Oberflächenströmungen im Meer auch von Küstenstationen aus zu überwachen sind.
Das vom amerikanischen Handelsministerium finanzierte Projekt soll die
Strömungsforschung wirtschaftlicher gestalten. Bisher konnten mit den herkömmlichen Methoden - Suche nach angetriebener Flaschenpost

"in d e r Küste, ihre

zufällige Bergung durch Schiffe oder ihre Lokalisierung mittels Radar von
Schiffen oder Flugzeugen aus - durchschnittlich nur 10 Prozent der Markierobjekte wieder ausfindig gemacht werden. An der amerikanischen Ostküste ist das
Beobachtungsergebnis in der kalten Jahreszeit wegen der starken Nordwestwinde,
die die Behälter aus der Strömungszone treiben,sogar noch magerer. Ein weiterer
Nachteil der einfachen Driftbojen ergibt sich aus der Tatsache, daß sie nach
dem Einsetzen ins Wasser auf ihrem Weg nicht verfolgt werden können. Dies ist
jedoch für viele Einzelprobleme, angefangen von der Überwachung südwärts treibender Eisberge bis zur Klärung der Frage des Transports von Fischlaich durch

-1-

�durch Meeresströmungen, von großer

Bedeutung.

Das geplante neue System der

"sprechenden Flaschenpost" könnte bei geringem finanziellen Aufwand detaillierte Ergebnisse über einen langen Zeitraum bringen.
Es würde allerdings nicht ausreichen, um großflächige Störungen innerhalb
einer Meeresströmung, wie sie z.B. in den letzten Monaten im Golfstrom durch
Kaltwasserwirbel auftraten, zu überwachen. Deshalb wurde von Bord des Forschungsschiffes MT MITCHELL aus einer der riesigen Wirbel mit orangegelbem Farbstoff zusätzlich markiert, nachdem im Zentrum und in den Randzonen bereits Blechfässer
und Kleinbehälter als Treibbojen ausgesetzt worden waren.
Die drei bisher in diesem Jahr ermittelten Kaltwasserwirbel rotieren entgegen dem Uhrzeigersinn und haben 120 bis 160 km Durchmesser. Am schnellsten wandert Wirbel Nr. 2; er zieht mit 3,2 km Geschwindigkeit pro Tag an der Ostseite
des Golfstroms nach Südwesten und befindet sich derzeit im Grenzgebiet der amerikanischen Bundesstaaten Georgia und Florida. Dr. Philip Richardson (Universität
Rhode Island) schätzt, daß die Wassermasse etwa der Wassermenge entspricht,die
der warme Golfstrom in ca. 10 Tagen am Cape Hatteras (Nordkarolina) vorbeiführt.
Die Oberflächentemperatur des Wirbels liegt mit 18 Grad Celsius um 4,5 Grad C
niedriger als die des umgebenden Meerwassers. Wirbel Nr.l, der bereits Anfang
des Jahres beobachtet wurde, reichte nach Schätzung Richardsons von der Wasseroberfläche bis in 3 000 m Tiefe, ehe er am Kontinentalsockel entsprechend der geringeren Abfalltiefe aufzusteigen begann. Anfang April 1972 wurde er vor Kap Kennedy geortet, war jedoch wenig später nicht mehr ausfindig zu machen. Nach Ansicht
der Wissenschaftler entstehen solche Kaltwasser-"Taschen" durch die unvorhersehbaren Änderungen des Weges, den die aus der karibischen See und dem atlantischen
Äquatorialstrom gespeiste warme Meeresströmung vor der Ostküste Floridas und
bis Cape Hatteras nimmt, ehe sie als "Golfstrom" weiter nach Nordosten durch den
Atlantik bis zu den Küsten Europas und Skandinaviens zieht. Warmwasserzungen be-

-2-

�beginnen kalte Wasseraassen aus dem Norden zu umschließen, wobei diese in langsame Rotation geraten

Wenn ein solcher Wirbel den Golfstrom durchbricht, wird

das eingeschlossene kalte Wasser nach Süden bis in die Sarg.sso See transportiert. In mehrjährigen Beobachtungen will man herausfinden, ob bezw. welche Auswirkungen auf Klima und Wettergeschehen an der amerikanischen Ostküste durch
solche Kaltwassermassen zu erwarten sind.
Die Geschwindigkeit einer Tiefenströmung konnte Dr. Robert R. Harvey von
der Universität Hawai erstmals indirekt mit Hilfe eines bei 3 000 m Wassertiefe
südwestlich der Hawai-Insel Oahu am Pazifikboden

verankerten Instruments

durch Messung des vertikalen elektrischen Feldes ermitteln. Dazu wird die elektrische Leitfähigkeit des Meerwassers auf Grund seines Gehalts an Metallionen
und gelösten Salzen in Verbindung mit dem erdmagnetischen Feld genutzt.
Die Bewegungen der Wassermassen mit Flut, Ebbe, Wellen und Strömungen führen
zu einer Art Dynamo-Effekt insofern, als ein elektrischer Leiter (das Meerwasser),
der durch ein Magnetfeld '[Erdmagnetfeld) geführt wird, ein elektrisches Feld in
einer Richtung erzeugt, die senkrecht zur Bewegungsrichtung des leitfähigen Mediums und zum Magnetfeld steht. Dr. Harvey erklärt das Meßprinzip des unter seiner
Mitwirkung konstruierten Geräts folgendermaßen: Die in Ost-West-Richtung sich bewegende Meeresströmung schneidet das in dem betreffenden Raum in Nord-Süd-Richtung orientierte eLdmagnetische Feld. Dadurch wird ein vertikales elektrisches
Feld erzeugt. Mit den Meßdaten für das(durch das Instrument ermittelte) elektrische Feld und der erdmagnetischen Feldstärke ist nach Harvey die Bewegungskomponente der Strömung nach Richtung und Geschwindigkeit rechnerisch zu ermitteln.

-3-

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GEWITTERWOLKEN WERDEN GEIMPFT

--(AD)-- Durch das "Impfen" von Gewitterwolken mit dünnen, aluminiumüberzogenen Nylonfäden wollen Wissenschaftler des amerikanischen Instituts für
Physik und Chemie der Atmosphäre-APCL (Boulder, Colorado) versuchen, starke
luftelektrische Spannungen abzuschwächen und Blitzentladungen weitgehend zu
verhindern. Das auf sechs Wochen angesetzte Feldexperiment im Nordosten des
Bundesstaates Colorado basiert, wie Dr, Heinz Kasemir vom APCL erklärte, auf
Erfahrungen, die bei den ersten Versuchen dieser Art in den Jahren 1965-66
gesammelt wurden. Man wird in einem ca. 500 qkm großen Gebiet das Phänomen
der Korona-Entladung, das z.B. auch beim sogenannten Elmsfeuer in Erscheinung
tritt, für die elektrische Abschwächung von Gewitterfronten nutzen. Am Boden
wurde ein Netz von Beobachtungsstationen geschaffen, die die elektrische Feldstärke und jeden Blitzschlag im Umkreis bis zu 80 km registrieren.
Zu einem Blitzschlag kommt es bei der plötzlichen Entladung zwischen zwei
Gebieten mit unterschiedlicher elektrischer Ladung. Wenn dies jedoch geschieht,
ist das elektrische Feld in den "Gewitterzellen" mindestens 500 000 Volt/Meter
stark. Wird nun ein elektrisch leitfähiges Objekt in ein solches elektrisches
Feld eingebracht, entwickelt es einen positiven und einen negativen Pol. Elektrisch geladene Teilchen (Ionen) werden an den Polen gleicher Ladung abgestoßen;

-l-

�abgestoßen; solche Ionenströme erhöhen die elektrische Leitfähigkeit der Atmosphäre. Sie verursachen auch, wie dies gelegentlich bei Gewitter zu beobachten
ist, die schwachen Leuchterscheinungen an Tragflächenspitzen von Flugzeugen, an
Schiffsmasten und an Baumkronen. Luft ist ja normalerweise ein sehr schlechter
Leiter, woraus sich auch die Tatsache erklärt, daß sich darin so starke elektrische Felder aufbauen können.
Der mit 10 cm langen aluminisierten Nylonfäden künstlich erzeugte KoronaEffekt wird jedoch vom Erdboden aus nicht sichtbar sein. Er tritt dann auf, wenn
das elektrische Feld stärker ist als 30 000 Volt/Meter. Deshalb setzen die Wissenschaftler, die unterhalb der Gewitterwolken Patrouille fliegen, die Verteiler
für die Nylonfäden erst in Aktion, wenn ihre Geräte höhere Meßwerte anzeigen.
Bei der ersten Versuchsserie im Jahre 1965 gelang es z.B. mit diesem Verfahren,
eine Gewitterzelle von 300 000 Volt/Meter elektrischer Feldstärke völlig zu neutralisieren.

Hill

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