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Information
und
Dokumentation

'•TS

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30. Januar 1980

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Afghanistankrise und ihre Auswirkungen auf das Ost-West-Verhältnis
- Von Helmut Sonnenfei dt -

WIRTSCHAFT
Trends im Produktivitätswachstum in Amerika
- Ausblick auf die achtziger Jahre Von Dr. Mark Perlman

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Fahrzeugbau:

Neue Treibstoffe verlangen andere Motoren

- Rechtzeitige Planung lebenswichtig für die Industrie •
Unwirksame Pestizide
- Resistenzentwicklung bei Insekten nimmt zu -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�30. Januar 1980

7

DIE AFGHANISTANKRISE UND IHRE AUSWIRKUNGEN AUF DAS OST-WEST-VERHÄLTNIS
- Von Helmut Sonnenfeldt

Helmut Sonnenfeldt war von 1974 bis 1977
Berater im amerikanischen Außenministerium
und lehrt gegenwärtig an der Brookings
Institution in Washington.

Ober viele Jahre hinweg hat die Sowjetunion ihre wachsenden militärischen
Möglichkeiten dazu benutzt, ihren Einfluß geltend zu machen und Präsenz rund um
die Welt zu erringen. Von der Unterdrückung von Volksaufständen und Liberalisierungsbestrebungen in Osteuropa unter Militäreinsatz abgesehen, haben es die
Sowjets im allgemeinen vermieden, ihre eigenen regulären Truppen bei regionalen
Konflikten oder Aufruhr im Innern einzusetzen. Stattdessen haben sie es vorgezogen, Waffen und Ausrüstung zu liefern und Berater zu schicken. Das Kämpfen
erledigten andere, vor allem die Kubaner, deren Heimat solange durch die Sowjets
militärisch geschützt wurde.
In gewissem Sinne stellen die Ereignisse in Afghanistan den Höhepunkt dieses Trends dar, da die Sowjets nunmehr ihre eigenen Streitkräfte ganz schamlos
einsetzen.

Sie eröffnen aber auch eine neue Phase, weil die sowjetische Mili-

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�Militärmacht zum erstenmal seit Ende der vierziger Jahre in dem Versuch eingesetzt wird, die sowjetische Herrschaft über ihren bisherigen Machtbereich
auf der eurasischen Landmasse auszudehnen.

Obwohl in den Augen mancher Leute geographisch weit entlegen, hat
Afghanistan in der Tat eine strategische Lage von höchster Bedeutung.

Denn

die Tatsache, daß die stärkste Militärmacht in Eurasien dieses Land zum erstenmal in der Geschichte besetzt hält, bedeutet - sogar wenn der Widerstand andauert - ,daß die UdSSR sich nunmehr gleichzeitig entlang ausgedehnter Landmassen
zweier Länder erstreckt, von denen eines reich an lebenswichtigen ölvorräten
ist und die beide Zugang zu Seewegen bieten, die von entscheidender Bedeutung
für den Welthandel und das geopolitische Gleichgewicht der Welt sind.

Präsident Carter hat wahrscheinlich nicht unrecht, wenn er sagt, daß die
sowjetische Invasion Afghanistans die größte Bedrohung des Friedens seit dem
Zweiten Weltkrieg ist.

Es stimmt, daß die Vereinigten Staaten in Korea und

Vietnam in blutigen Kriegen kämpften, bei denen die Sowjets jedesmal unseren
Feinden Unterstützung gewährten.

Wir erlebten auch eine Reihe hitziger Kon-

frontationen wegen Berlin, dem Nahen Osten und wegen Kuba.

Aber alle diese

Konflikte und Krisen waren begrenzt.

Für einen großen Teil Südwestasiens und den Nahen Osten könnte das von
den Sowjets besetzte Afghanistan eine Bedrohung von unbestimmter Dauer darstellen, die von der Sowjetunion selbst ausgeht und durch die Stützpunkte verstärkt
wird, die bereits auf der Arabischen Halbinsel und in Ostafrika errichtet sind.
Zugleich stellt es einen weiteren Baustein des Einkreisungswalls dar, den die
Sowjets gegen China zu errichten suchen.

Ob die militärischen Optionen, die sich durch die Besetzung des Territoriums von Afghanistan eröffnen, von der sowjetischen Führung auch wahrgenommen werden, kann nicht vorausgesagt werden.

Selbst wenn dies nicht bald

geschieht, so hat sich doch die strategische Landkarte der Welt für all jene
zum Schlechteren hin verändert, die sich über die Ausdehnung des sowjetischen

- 2-

�sowjetischen Einflusses und sowjetischer Macht Sorgen machen.

Bestimmte "defensive" Motivationen mögen bei dem sowjetischen Marschbefehl eine bedeutsame Rolle gespielt haben.

Ganz generell betrachtet haben

die Sowjets schon mehrere Jahre lang besorgt beobachtet, wie ihre Hauptgegner
Kontakt miteinander aufgenommen haben.

Eine feindliche Koalition von Japan

über China bis zur NATO, Europa und den Vereinigten Staaten ist nahezu mit
Sicherheit eine echte sowjetische Angst gewesen.

Umso mehr, als Moskau in

den bewegten fünfziger Jahren das Ende der kapitalistischen Einkreisung ausgerufen hatte.

Gegenmaßnahmen verschiedenster Art - Entspannung mit dem Westen,

Drohungen wie Lockrufe gegenüber Japan, Warnungen, Eröffnungen und Gegeneinkreisung vis-5-vis China - wurden alle mit mehr oder weniger Erfolg ergriffen.

Der marxistische Staatsstreich in Afghanistan im Jahre 1978 - zunächst
zufällig, dann aber kraftvoll von Moskau unterstützt - könnte als eine zusätzliche, konkrete Antwort auf das gesehen werden, was Moskau als feindliches
westlich-chinesisches Manövrieren ansieht.

Als das neue prosowjetische Re-

gime ins Schwanken geriet und vor der wachsenden Bedrohung durch eine Widerstandsbewegung stand, die in mehreren der islamischen Volksgruppen verwurzelt
war, die sich ebenfalls Sympathien von außen erfreuten, sahen sich die Sowjets
offensichtlich gezwungen, dem Verlust ihrer Zugewinne des Jahres 1978 Einhalt
zu gebieten.

Die sowjetische Aktion könnte auch durch die Furcht motiviert sein,daß
die moslemische Bevölkerung der UdSSR selbst von dem angesteckt werden könnte,
was sich sowohl in Afghanistan als auch im Iran zutrug.

Mehr Gewicht muß je-

doch das Urteil gehabt haben, die große und mächtige Sowjetunion sei berechtigt, Ordnung in einem Land zu erzwingen, das nach sowjetischem Dafürhalten
nunmehr in den Wirkungskreis der Breschnew-Doktrin geraten war.

In diesem

Zusammenhang lohnt es sich festzuhalten, daß die Sowjets ihren Vertrag über
Freundschaft und Zusammenarbeit mit Afghanistan als legale Grundlage für ihre
neueste Intervention benützten - genauso wie sie den Warschauer Pakt als legale Rechtfertigung für ihre Intervention in Ungarn und in der Tschechoslowakei
anführten.

Verträge ähnlicher Art gibt es mit Angola, Mozambique, dem S'üd- 3 -

�Südjemen, Äthiopien, dem Irak und Vietnam - obgleich die Entfernung zwischen
diesen Ländern und der UdSSR und andere Umstände sie weniger wahrscheinlich
zu Kandidaten für die massive Art von Intervention machen dürfte, wie sie in
Afghanistan stattgefunden hat, wenn innere Unruhen diese Regime bedrohen sollten.
Letztendlich aber kann eine "defensive" Motivgruppe als machtvolleres
Stimulierungsmittel für solche Aktionen dienen als der Wunsch nach Expansion.
Und natürlich ist es für die Sowjets - nachdem sie erst einmal Blut, militärische Macht und Prestige eingesetzt haben, um die politische Orientierung
Afghanistans aufrechtzuerhalten und Widerstand gegen das dortige Regime zu
unterdrücken - kein an den Haaren herbeigezogener Schritt, über die Grenzen
dieses Landes vorzustoßen, um Afghanistan gegen äußere Angriffe - seien sie
echt oder eingebildet - zu schützen.
Was bedeuten nun diese Entwicklungen für die Entspannung und, noch allgemeiner, für die Ost-West-Beziehungen?
Afghanistan sagt uns weniger darüber, ob die Entspannung gescheitert
ist, als vielmehr, daß Entspannung - begreift man sie als eine Beziehung
gegenseitiger Zurückhaltung bei der Verfolgung von Interessen - nicht automatisch aus guten Absichten oder Kriegsfurcht oder wirtschaftlichen Notwendigkeiten oder nicht einmal aus verstärkten menschlichen Kontakten hervorgeht. Die Sowjets befinden sich in einer expansionistischen - oder imperialen - Phase ihrer Entwicklung. Sie mögen sogar glauben, daß die Zeit gegen
sie arbeitet. Ihre gegenwärtigen Sorgen umfasen das Auftreten Chinas, die zunehmenden Anstrengungen im Westen, das militärische Gleichgewicht zu korrigieren, zunehmende wirtschaftliche und demographische Probleme im Innern der
UdSSR, ein mögliches Defizit in der Energieproduktion der nächsten Jahre und
viele andere Faktoren - einschließlich des fortgeschrittenen Alters vieler
Mitglieder der sowjetischen Führung. Um mit diesen sowjetischen Impulsen und
den von ihnen ausgelösten Politiken fertigzuwerden, bedarf es einer anhaltenden Anstrengung - nicht nur der Vereinigten Staaten, sondern all derjenigen,
die sich um eine geordnetere und weniger gefährliche Welt Sorgen machen.
Daher
- 4 -

�Daher wären kurzfristig die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
sowie all diejenigen Länder, deren Interessen betroffen sind, gut beraten,
sich rasch auf den geordneten Aufbau ihrer Stärke - einschließlich der militärischen - zu konzentrieren, um dadurch die Sowjets der Risiken ihrer Abenteuer über Afghanistan hinaus bewußt zu machen.

Die schwerste Bürde fällt

dabei zweifellos den Vereinigten Staaten zu, aber die NATO-Verbündeten und
auch Japan werden für ihre eigene und die gemeinsame Verteidigung wahrscheinlich mehr tun müssen.

Militärischer und wirtschaftlicher Beistand für Pakistan

und Unterstützung für andere Nahoststaaten sollte wahrscheinlich ebenfalls
nicht ausschließlich von den Vereinigten Staaten kommen.
Rolle spielen.

Auch China muß eine

Es ist klar, daß im Fall Pakistans die Befürchtungen Indiens

n'cht übersehen werden dürfen, aber Indien fühlt sich wahrscheinlich auch
nicht allzu wohl angesichts der umfangreichen neuen Sowjetstreitkräfte in
dieser Weltgegend.
Normale Wirtschaftsbeziehungen mit der UdSSR sind unmittelbar nach der
Afghanistankrise unangemessen.

Die Vereinigten Staaten haben bereits wesent-

liche Wirtschaftsaktivitäten beschnitten.

Westeuropa und Japan zögern offen-

sichtlich mehr, die Bindungen zu zerreißen, die so mühsam mit dem Osten aufgebaut wurden und die für beide Seiten von nicht geringem Nutzen sind.

Dennoch

müssen diese Staaten sich fragen, ob solche Beziehungen tatsächlich vollkommen von den politischen Verhältnissen abgesondert werden können - und werden
sollten.

Es kann die Sowjets nicht völlig kalt lassen, wenn deutlich würde,

daß Industrie- und Technologieprojekte im Wert von Milliarden von Dollar aufs
Spiel gesetzt werden, falls sie weitere Demonstrationen des Expansionismus
durchführen.

Gleichzeitig scheint es nunmehr so, daß sich den Regierungen der demokratischen Industrieländer eine neue Gelegenheit bietet, in Zukunft einen bewußteren Einsatz der Wirtschaftspolitik als integralen Bestandteil der Gesamtanstrengungen zu planen, sich mit der Sowjetunion auseinanderzusetzen.

Vor

allem aber muß die westliche Welt einen besser koordinierten oder zumindest
sich gegenseitig verstärkenden Zugang bei ihren Wirtschaftsbeziehungen mit

- 5 -

�mit der Sowjetunion suchen.

Einer der Gründe dafür, daß die Entspannung

sich als trügerisch erwiesen hat, ist die Tatsache, daß Moskau immer irgendwelche Möglichkeiten hatte, einen Verbündeten gegen einen anderen auszuspielen.

Diese sowjetische Manövrierfähigkeit gilt es einzuschränken - auf wirt-

schaftlichem wie auf anderen Gebieten.
Langfristig ist klar, daß die Vereinigten Staaten anhaltende Anstrengungen unternehmen müssen, um ihre Streitkräfte auszubauen, damit deren Einsatz
in den vielen Teilen der Welt möglich wird, wo die sowjetische Macht sich
fühlbar machen kann.

Die Europäer mögen und müssen sich Fragen stellen, ob

und wie sie zum Schutz derjenigen Interessen außerhalb Europas beitragen können, die für sie mindestens ebenso lebenswichtig sind wie für die Vereinigten
Staaten.

Japan könnte seinerseits gezwungen sein, die Erhöhung seiner An-

strengungen zur Verteidigung des es umgebenden See- und Luftraums ins Auge zu
fassen.

Zunehmende Kontakte mit China bei Verteidigungsangelegenheiten soll-

ten von den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten sorgfältig gepflegt
werden.

Solche Verteidigungsprogramme sollten keine RüstungskontrollVerhand-

lungen ausschließen, aber es ist wichtig festzuhalten, daß daraus hervorgehende Abkommen wahrscheinlich in ihren Auswirkungen marginal sein werden und
nicht als Ersatz für zusätzliche Verteidigungsanstrengungen dienen können.
Als Schlußfolgerung kann gesagt werden, daß man Afghanistan nicht lediglich als einen "Verkehrsunfall" definieren kann, wie man 1968 einmal von der
Tschechoslowakei sagte. Es ist ein ernstes und gefährliches Ereignis. Meiner Ansicht nach hat es die ursprünglichen Prämissen einer zähen, aber flexiblen Politik gegenüber der UdSSR nicht beeinträchtigt. Es sollte jedoch ein
für allemal die Illusion beseitigen, daß die Abkommen der frühen siebziger
Jahre einen unumkehrbaren Trend zu verbesserten Beziehungen garantieren.
Ich glaube nicht, daß es zu spät ist, die wesentliche Beziehungsstruktur aufzubauen, die vor zehn Jahren entworfen wurde - in allen ihren Elementen. Aber
ich glaube auch, daß wir dazu nicht so bald wieder die Möglichkeit haben werden, wenn wir nicht jetzt sofort Schritte unternehmen, um kurzfristig die unmittelbaren Gefahrenbereiche anzugehen und langfristig das Gesamtverhältnis
mit der UdSSR zu gestalten.
+ + + + +

- 6-

�Wirt/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
30. Januar 1980

TRENDS IM PRODUKTIVITÄTSWACHSTUM IN AMERIKA
- Ausblick auf die achtziger Jahre Von Dr. Mark Perlman

Professor Dr. Mark Perlman lehrt Nationalökonomie an der Universität von Pittsburgh
und hatte früher einen Lehrstuhl an der
Johns Hopkins-Universität inne. Er hat zahl
reiche Bücher und Artikel über Wirtschaftsgeschichte, Wirtschaftsanalyse und Arbeitskraft verfaßt und ist Herausgeber des
"Journal of Economic Literature".
Das Produktivitätswachstum in den Vereinigten Staaten ging im vorigen
Jahrzehnt stark zurück und verlangsamte

sich auf etwa die Hälfte des durch-

schnittlichen Wachstums von drei Prozent während der sechziger Jahre.
letzten Jahren war die Verlangsamung sogar noch stärker.

In den

Der Rückgang der Pro-

duktivitätsrate wird als einer der Hauptfaktoren für das Sinken des Dollar,
das langsame Wirtschaftswachstum und die steigende Inflation betrachtet.
Der Zuwachs der Produktivität in der amerikanischen Wirtschaft insgesamt
ging in den Jahren 1973 bis 1977 auf jährlich 1,1 Prozent zurück, nachdem er
in den Jahren 1948 bis 1955 einen Höchststand von jährlich 3,4 Prozent erreicht
hatte.

Vom zweiten zum dritten Quartal 1979 war bei den nicht-landwirtschaft-

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�nicht-landwirtschaftlichen Privatunternehmen ein Produktivitä'tsrückgang mit
einer Jahresrate von 0,7 Prozent zu verzeichnen.

Das Produktivitätswachstum

hat sich in Amerika deutlich ungünstiger entwickelt als in anderen industriellen Volkswirtschaften, wie beispielsweise Japan, Frankreich, die Bundesrepublik
Deutschland und Kanada.
Man kann zwar Produktivität auf verschiedene Weise definieren, aber im
allgemeinen versteht man darunter das Verhältnis zwischen dem Wert der Produktion (Output) eines Betriebes oder Landes in einer bestimmten Zeitspanne zu
dem Aufwand - Eingangswert - (Input) in der gleichen Zeitspanne. Herkömmlicherweise rechnet man zur Produktion auf dem privaten Sektor nur die Güter und
Dienstleistungen, die verkauft oder auf Lager genommen werden.

Was den Ein-

gangswert betrifft, so konzentriert man sich auf den Arbeitsaufwand gemessen
in Arbeitsstunden, obwohl in jüngerer Zeit die Maßstäbe neu definiert werden
und auch Kapital und Material kosten einschließen.
Es ist außerordentlich kompliziert, die unbefriedigende Produktivitätsleistung in den Vereinigten Staaten während der letzten Zeit zu erklären, aber
die jüngste Geschichte Amerikas bietet einige Hinweise. Einigen nationalen
Zielen ist eine höhere Priorität eingeräumt worden als der Produktivität. Darüber hinaus haben andere Entwicklungen und Ereignisse einen Einfluß auf die
Produktivität ausgeübt. Zu den Ursachen für den Rückgang gehören:
Ausweitung der Arbeitsplätze
Seit dem Zweiten Weltkrieg ist eine gewaltige Ausweitung der Beschäftigtenzahl eingetreten. Vor allem die starken Geburtsjahrgänge nach dem Krieg brachteneine Schwemme junger Menschen, die sich in den Arbeitsprozeß einreihten.
Die Zahl der Beschäftigten in Amerika ist von 1960 bis 1979 um 41 Prozent gestiegen. Im Jahre 1960 gehörten 39 Prozent der Beschäftigten in die Altersklasse von 16 bis 35 Jahren; im Jahre 1979 betrug der Anteil bereits 50 Prozent. Der unverhältnismäßig große Anteil an jungen Menschen senkt den Durchschnittsstand an Fähigkeiten und Erfahrungen der Beschäftigten. Ferner trat

- 2 -

�trat ein Rückgang des Durchschnittsalters und der Erfahrung auf allen Ebenen
des Managements ein - was zu einer raschen Erhöhung der Zahl der Manager
wiederum wegen der raschen Zunahme der Beschäftigtenzahl führte.
Frauen und Minderheiten
Im Rahmen des Programms für die Gleichheit der Chancen haben Arbeitgeber
in zunehmendem Maße Frauen und Angehörige von Minderheiten eingestellt. Die
Zahl der weiblichen Beschäftigten erhöhte sich von 1947 bis 1960 um 39 Prozent.
Diese Veränderungen mögen sich zwar auf lange Sicht als vorteilhaft erweisen,
indem sie neue Leistung und Qualität bringen und besser bezahlte Arbeitsplätze
schaffen, aber die unmittelbaren Auswirkungen auf die Produktivität waren negativ. Man hat geschätzt, daß etwa 25 bis 35 Prozent des Rückgangs der Produktivitätszuwachsrate in den Jahren von 1965 bis 1973 auf die Veränderungen
in der Zusammensetzung der Beschäftigten insgesamt und das Anwachsen der Minderheitengruppen zurückzuführen seien.
Staatliche Bestimmungen
Seit Mitte der sechziger und Anfang der siebziger Jahre haben die Vereinigten Staaten eine Umweltschutzpolitik verfolgt. Dieses Programm fordert
seitens der Privatunternehmen eine Anschaffung von Kapitalgütern und hohe Berichtskosten sowie hohe Beobachtungs- und Registrierungskosten seitens der
Regierung. Das Ergebnis trägt zwar zur Verbesserung der Lebensverhältnisse
bei, bringt jedoch keinen wirtschaftlichen Nutzen. Die Kosten für die Bekämpfung von Verschmutzung dürften in den siebziger Jahren die jährliche Wachstumsrate der Produktivität um 0,1 Prozent gesenkt haben. Ferner haben auch die
Bundes- und einzelstaatlichen Behörden ihre Sicherheitsvorschriften am Arbeitsplatz verschärft, was nicht nur zusätzliches Gerät erfordert, sondern auch
wiederum dem privaten Sektor Kosten für die Berichte und dem Staat für die
Überwachung aufbürdet.

Entwicklung

�Entwicklung von Notstandsgebieten
In den Vereinigten Staaten sind große Anstrengungen unternommen worden, in
wirtschaftlichen Notstandsgebieten Arbeitsplätze zu schaffen, ohne daß dabei
immer die Effizienz berücksichtigt wurde. Auf lange Sicht treten die Kosten
einer solchen Entscheidung eben doch zutage.
Forschung und Entwicklung
Aus vielerlei Gründen haben Privatunternehmen und Regierungsstellen weniger
für Forschung und Entwicklung ausgegeben als Ende der fünfziger Jahre und in
den sechziger Jahren. Private Hochschulen hatten und haben mit Finanzproblemen
zu kämpfen, und viele Unternehmen haben entschieden, daß in einer Zeit hoher
Inflation die Erträge aus Forschung und Entwicklung zu unsicher seien.
Die Kapital läge
Es gibt Hinweise, daß amerikanische Fabriken zu alt sind; daß amerikanische Betriebe weniger produktiv sind als neue, und daß das Verhältnis von
neuen und alten Fabriken in Amerika ungünstiger ist als etwa in der Bundesrepublik Deutschland, Japan oder Frankreich. Weder die Ereignisse noch der
Kongreß haben einen Anreiz für eine massive Modernisierung geboten. Obwohl
der Bestand an investiertem Kapital pro Arbeiter - ein wichtiger Faktor für
den Produktivitätszuwachs - nicht zurückgegangen ist, wären die Kapitalanlagen
pro Arbeiter größer gewesen, wenn die Zahl der Arbeitskräfte nicht so rapide
zugenommen hätte.
Inflation
Die Auswirkung der Preisinflation, die den Arbeitnehmer in höhere Einkommensteuerklassen treibt, hat die "reale Steuerlast" wesentlich erhöht - vor
allem was die Facharbeiter angeht.

Das hat dazu geführt,daß der Arbeitsanreiz

sinkt.
Brennstoffkosten

�Brennstoffkosten

Daß die ölpreise im letzten Jahrzehnt sprunghaft angestiegen sind, ist
bekannt.

Damit sind die realen Preise für andere Formen der Energie gestie-

gen und ebenso die Inflationsrate.
ab.

Dies wiederum schreckte vor Investitionen

Die Last der Brennstoffpreise hatte auch tiefgreifende Auswirkungen auf

das Transportgeschäft und die Landwirtschaft - beide stark vom Erdöl abhängig.

Veränderungen der sektoralen Zusammensetzung der Wirtschaft

Die Produktivität in der Landwirtschaft und in der Gütererzeugung der
amerikanischen Volkswirtschaft stieg in den vierziger und fünfziger Jahren stark
an.

Aber mit dem Rückgang der Beschäftigtenzahl in diesen Sektoren in den

sechziger und siebziger Jahren war die Wahrscheinlichkeit gering geworden, die
hohen Zuwachsraten der Produktivität halten zu können.

Da aber im gleichen

Zeitraum die Zahl der Beschäftigten insgesamt gewaltig anstieg, führte das zu
einer Umverteilung des Gros der Arbeitskräfte in den Dienstleistungssektor
und den Regierungsdienst, wo es sehr viel schwieriger, wenn nicht unmöglich
ist, die Produktivität zu messen.

Daraus läßt sich unschwer erkennen, warum

die Prioritäten in den Vereinigten Staaten von heute einen negativen Effekt
auf das Produktivitätswachstum hatten.

An künftigen Trends zeichnet sich folgendes ab:

- Die Steigerung der Zahl der Arbeitsplätze verlangsamt sich.

Die geburten-

starken Jahrgänge nach dem Zweiten Weltkrieg sind fast völlig in den Arbeitsmarkt absorbiert, und die Rate des Anteils der weiblichen Beschäftigten wird
nicht mehr so stark steigen - schon allein weil ein sehr hoher Anteil erreicht ist.

- Die politischen Maßnahmen zur "verstärkten Eingliederung" dürften in
den ersten Jahren einen sehr negativen Einfluß auf die Produktivität gehabt
haben, aber man wird bereit sein, diese Programme zu verlangsamen, um künftige Belastungen der Wirtschaft zu vermeiden.

_M

�- Man übt mehr und mehr Zurückhaltung in der Verabschiedung weiterer
und strengerer Umweltschutzprogramme.

Auch die Programme für den Schutz am

Arbeitsplatz dürften ihre kostspieligste Phase erreicht haben und später nicht
mehr so teuer sein.
•

- Die Steuerpolitik kann stärker auf eine Förderung der Investitionen
in Forschung und Entwicklung in Privatunternehmen ausgerichtet werden.

Auch

Regierungsstellen könnten wieder mehr für die Forschung und Entwicklung tun,
wie etwa Anfang der sechziger Jahre.
- Es werden Steueranreize erwogen, um die Modernisierung von Fabriken
zu fördern.

Große Betriebe sind dazu übergegangen, unwirtschaftliche Betriebe

zu schließen.
- Es ist mit Programmen für die beschleunigte Einführung sicherer Kernkraftwerke und umweltfreundlicherer Kohlekraftwerke zu rechnen, was wiederum
Alternativen zu den erdölbeheizten Kraftwerken bietet.
Die Faktoren, die das Produktivitätswachstum in den - miteinander konkurrierenden - Industriestaaten beeinflussen,sind nicht überall die gleichen.

So

kamen beispielsweise in der Bundesrepublik Deutschland die geburtenstarken
Jahrgänge später als in den Vereinigten Staaten, und die deutsche Bundesregierung steht noch mehr oder weniger vor diesem Problem.
wenige

Und es gibt auch nur

Staaten, die so strenge Umweltschutzbestimmungen eingeführt haben wie

die USA.
Und der kritische

Punkt ist, ob und wann die amerikanische Wählerschaft

sich entscheidet, etwas zur Verbesserung des Produktivitätszuwachses in den
Vereinigten Staaten zu tun.

Wenn dieser Zeitpunkt gekommen ist, dann wird es

ganz schnell gehen, wie es in der Vergangenheit immer schnell gegangen ist.
+ + + + +

�I 3

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30. Januar 1980

FAHRZEUGBAU: NEUE TREIBSTOFFE VERLANGEN ANDERE MOTOREN
Rechtzeitige Planung lebenswichtig für die Industrie

- (AD) - Womit wird man in den nächsten zwanzig Jahren in Amerika
die Tanks der Autos füllen?

Der Energieexperte E. Eugene Ecklund, Chef

der Abteilung "Alternative Brennstoffe" im Bundesenergieministerium, ist
der Ansicht, daß es zunächst Mischkraftstoffe aus Mineralölprodukten und
Alkohol, später Synthesebrennstoffe aus Ölschiefer und Kohle sein werden.
Er setzt sich für eine solche Entwicklung ein - obgleich er sie noch nicht
für gewährleistet hält -, da er eine rechtzeitige Anpassung der Vereinigten
Staaten an die Realität schwindender ölreserven in der Welt für unumgänglich
hält.
Seit dem Jahr 1975 untersucht das US-Energieministerium Möglichkeiten,
Erdöl durch andere Energieträger zu ersetzen. Inzwischen stellten sich
drei brauchbare Alternativen heraus: 1) Synthetische Brennstoffe aus
Ölschiefer und Kohle, 2) Methanol (Methylalkohol) aus Kohle, und schließlich
3) Wasserstoff aus Wasser. Es dürfte jedoch, wie Ecklund vermutet,
15 Jahre dauern, bis Kohle oder Ölschiefer den Energiebedarf für Verkehrs-

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�Verkehrsmittel in den USA decken können. Mittlerweile sollten die USA
versuchen, die vorhandenen Erdölreserven durch Einsparung von Energie,
die Verwendung von Autos mit geringerem Treibstoffverbrauch und die
technische Erschließung sogenannter erneuerungsfähiger Energiequellen wie
Sonnenenergie zu strecken.
GASOHOL, der Mischkraftstoff aus Alkohol (10 Prozent) und Benzin
(90 Prozent), ist bereits recht beliebt.

Die Zahl der Tankstellen, wo

GASOHOL abgegeben wird, erhöhte sich von 200 Ende 1978 auf ca. 2 500 Anfang
1980.

Der Äthylalkohol für den neuen Kraftstoff kann durch Vergären

landwirtschaftlicher Produkte wie Getreide, vor allem Mais, Zuckerrohr
und Rüben gewonnen werden.

Im Energieministerium verlautet, daß die

kommerzielle Anwendung von GASOHOL in den nächsten paar Jahren nur deshalb
noch eingeschränkt sei, weil es vorläufig nicht genügend Destillieranlagen
gebe.

Zur Oberwindung dieses Engpasses hat die Regierung Carter eine Reihe

von Programmen, einschließlich Steuererleichterungen, vorgesehen, für die in
den achtziger Jahren Summen zwischen 8,5 und 13 Milliarden Dollar bereitzustellen wären.

Davon sollen allein drei Milliarden Dollar in der Form

von Krediten und Kreditgarantien für den Bau kleiner und mittelgroßer
Betriebe vergeben werden, die Alkohol und andere Brennstoffe aus Pflanzen
und tierischen Grundstoffen herstellen.
Im Jahr 1979 wurden in den USA etwas mehr als 300 Millionen Liter
Äthanol erzeugt, was jedoch nur für die Versorgung kleiner Absatzmärkte
ausreichte. Nach den Vorstellungen Präsident Carters soll diese Menge
bis Ende 1980 vervierfacht werden. Und im Verlauf des Jahres 1981 "dürften
wir in der Lage sein," so der Präsident, "die Äthanol Produktion auf eine
Jahresmenge von 1,89 Milliarden Liter zu steigern". Damit würden nach
Schätzungen des Energieministeriums alle verfügbaren landwirtschaftlichen
Rohstoffe aufgebraucht.
Mischkraftstoffe

�Mischkraftstoffe wie GASOHOL werden den Übergang von Kraftstoffen
auf Erdölbasis zu solchen auf der Basis synthetischer Rohöle erleichtern.
Jedoch ist man im Energieministerium der Ansicht, daß synthetische Flüssigbrennstoffe, z.B. aus Kohle, vor der Jahrhundertwende kaum in nennenswerten Mengen verfügbar sein dürften.

(Das Energieministerium läßt z.Zt.

von der Industrie in drei ersten Versuchsreihen Flüssigbrennstoffe aus
Kohle zum Betrieb von stationären Dieselaggregaten erproben.

Das Schweröl

ist nach dem SRC-Verfahren in der Pilotanlage Fort Lewis im Bundesstaat
Washington gewonnen; später soll während der 16-monatigen Versuchsphase
auch Kraftstoff aus Ölschiefer verwendet werden.

Zunächst geht es darum,

die Leistung von Dieselmotoren mit niedriger Laufgeschwindigkeit, die z.B.
für bestimmte Zwecke der Industrie oder in Kleinkraftanlagen benutzt werden,
im Betrieb mit dem neuen Treibstoff so weit wie nur irgend möglich zu
verbessern.)

Einer kommerziellen Produktion von flüssigen Brennstoffen aus

Ölschiefer stehen derzeit noch erhebliche Probleme in bezug auf Umweltbeeinträchtigung und der anzuwendenden Technik im Wege.

Und ist dann

erst einmal ein Großprojekt zur Ölschieferverwertung in Angriff genommen,
wird es etwa zehn Jahre dauern, bis ein der Brennstoffgewinnung auf
Kohlebasis vergleichbares Produktionsniveau erreicht werden kann - d.h. die
Erzeugung von 68 000 bis 137 000 Tonnen pro Tag.

Eine offenbar zwingende Notwendigkeit sind nach Meinung Ecklunds
geeignete Motoren, die mit diesen neuen Kraftstoffen betrieben werden können.
Das Interesse konzentriert sich gegenwärtig auf Gasturbinen (kontinuierliche
Verbrennung) und Stirling-Motoren (Verbrennung außerhalb des Arbeitszylinders).
Sie akzeptieren ein breites Spektrum von Kraftstoffen.

Außerdem experimentieren

Energiefachleute mit neuen Gasmotoren ähnlich dem herkömmlichen Benzinmotor,
die jedoch im Gegensatz zu diesem eine weitergestreckte Kraftstofftoleranz
aufweisen.

Man muß sich aber darüber im klaren sein, daß jeder Motor an

Leistung verliert, wenn er mit verschiedenartigen Kraftstoffen betrieben
wi rd.
Später

- 3 -

�Später könnte auch einmal Wasserstoff als Treibstoffkandidat in
Frage kommen. Ob er sich aber durchzusetzen vermag, hängt von vielen
Faktoren ab - u.a. Konkurrenzfähigkeit, allgemeiner Verfügbarkeit und
guter Speichermöglichkeit im Fahrzeug.

Die Entwicklungsarbeiten befinden

sich laut Ecklund noch im "EmbryonalStadium".

In Elektrofahrzeugen und

Fahrzeugen mit neuartigen Motoren sieht der Experte aus dem Energieministerium den Beginn revolutionärer Veränderungen, ebenso in KraftstoffMotor-Kombinationen, die notwendig wären, um z.B. reinen Alkohol, Wasserstoff oder minderwertige synthetische Brennstoffe zu verwenden.

Mischungen

aus Synthesebrennstoffen mit Rohölen aus natürlichen Quellen oder von
geringeren Anteilen Alkohol mit Benzin sind nach Meinung Ecklunds als
Entwicklungen in dieser Richtung anzusehen.

Allerdings bilde das Fest-

halten am Hergebrachten und die Höhe der notwendigen Investitionen noch
erhebliche Barrieren für einen zügigen Ausbau der neuen Techniken.

+ + + + +

�30. Januar 1980

7

UNWIRKSAME PESTIZIDE
Resistenzentwicklung bei Insekten nimmt zu

- (AD) - In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Insektenarten, die gegen mindestens ein Insektenvertilgungsmittel immun sind,
nahezu verdoppelt. Heute sind es etwa 400 Arten, denen die Chemie weitaus
weniger als in den vorangegangenen Jahrzehnten anhaben kann. Und die
Tendenz hält an - ungeachtet der vielfältigen Anstrengungen der Wissenschaftler, diese Entwicklung zu stoppen. So ist es im Labor des Entomologen
George Georghiou in einem Institut der Universität Kalifornien in Riverside
auch nichts Ungewöhnliches mehr, wenn eine DDT-Dosis, die früher 50 000
Fliegen getötet hätte, ein "modernes" Exemplar dieser Gattung nicht im
geringsten stört. "Im gleichen Tempo, in dem wir neue Chemikalien entwickeln, werden Schädlinge gegen Insektizide resistent", meint Professor
Georghiou.

Der Wissenschaftler, der sowohl die Weltgesundheitsorganisation
(WH0) als auch die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FA0)
der Vereinten Nationen berät, hat erlebt, wie sich z.B. die Resistenz

Postfach 20 03 OO
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Reistenz der Moskitos und als Folge davon das Wiederaufflammen von
Malariaerkrankungen um die ganze Welt ausbreitete.

Allein in den letzten

fünf Jahren haben sich die Fälle von Malariaerkrankungen verdoppelt und
die hohe Zahl von mehr als 200 Millionen erreicht, Malaria ist wieder
zur hartnäckigsten und häufigsten Krankheit geworden, deren Erreger
durch Insekten übertragen wird.

-

Superinsekten -

Zu Resistenz kommt es durch genetische Veränderungen, die bei
Insekten, welche die Anwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln überleben,
auf jeden Fall auftreten. Nach zehn bis 15 Generationen einer Insektenpopulation, gegen die regelmäßig das gleiche Sprühmittel angewandt wurde,
haben sich aus den überlebenden der ersten Behandlung "Superinsekten"
entwickelt, deren Erbgut nunmehr ein Gen enthält, das das ursprünglich
wirksame Gift neutralisiert. Durch solche Insekten sind inzwischen
57 Präparate, in die viele Millionen Dollar investiert worden waren,
nutzlos geworden. Außerdem stellte sich heraus, daß Populationen, die gegen
ältere Chemikalien resistent sind, auch gegen neue Gifte Immunität entwickeln. Das gilt selbst für Insektizide der sog. dritten Generation Substanzen, mit denen Insektenhormone nachgeahmt wurden und die, als Lockstoffe verwendet, die Fortpflanzung sabotieren sollten.
Angesichts solcher Erfahrungen müßten Entomologen, Agrarwissenschaftler und Chemiker lernen, die Zeit der möglichen Anwendung von
Chemikalien maximal zu nutzen, erklärt Georghiou.

"Andernfalls haben wir

bald keine Reserven und Ausweichmöglichkeiten mehr".

Versuche hätten auch

gezeigt, daß sogar Pyrethrine, natürliche Pflanzenprodukte, Resistenzentwicklungen hervorrufen.

Künstliche Imitationen davon sind in manchen

Haushalt-Sprühmitteln enthalten.

"Gewöhnlich ist es nur eine Frage der

- 2 -

�der Zeit", so Georghiou, "bis Schädlinge wie z.B. Küchenschaben gegen
ein neues Präparat resistent werden - besonders dann, wenn jemand lieber
sprüht als daß er die Küche einwandfrei sauber hält".
Georghiou verzeichnet alle greifbaren Informationen über Insektenresistenz in einem von ihm geführten Katalog.

Im Frühjahr dieses Jahres

soll ein Kompendium über Immunitätsentwicklung bei Schädlingen aus aller
Welt veröffentlicht werden.

Karten und Wandtafeln in seinem Arbeitsraum

zeigen die geographische Verteilung resistent gewordener Insekten und
der immer häufiger werdenden Populationen mit "Kreuzresistenz" - d.h.
jener Insektenstämme, die gegen mehrere Chemikalien immun geworden sind.

- Resistenz-Management Pionierarbeit leistete Georghiou für Untersuchungen, mit denen
herausgefunden werden soll, wie massive Insektenresistenz verzögert
werden kann. Jedoch steckt dieses Forschungsgebiet, wie der Entomologe
erklärt, "noch in den Kinderschuhen". Denn "Resistenz-Management", wie
er es nennt, verlange eingehende Kenntnis der Genetik, Biologie und des
Verhaltens eines Schadinsekts in freier Natur sowie sämtlicher Mechanismen
einer chemischen Einwirkung. Wenn man über dies alles genügend Informationen
habe, könne man daran gehen, ein Computermodell zu erarbeiten, das zeigt,
wie schnell sich im Rahmen einer Vielzahl der verschiedensten Bedingungen
Resistenz entwickelt.
Professor Georghiou sammelt gegenwärtig solche Daten über die
kalifornischen Moskitos, die Träger eines Erregers von Hirnhautentzündung
sind.

Der Wissenschaftler möchte es soweit bringen, daß derartige Modelle

Hilfestellung geben für die Wahl des Zeitpunktes, der Mengen, der Konsistenz
und der Art der zu verwendenden Pestizide.

- 3 -

Er zeigte bereits Wege zur

�zur Resistenzbekämpfung für den Fall auf, daß man von dem jeweiligen
Schädling nicht allzu viel weiß.

So sollte man z.B. Pestizide verwenden,

die sich im Anwendungsbereich schnell zersetzen, und man sollte "Taschen"
geringeren Befalls unbehandelt lassen - als Brutreservoir für Insekten,
die gegenüber Insektiziden noch anfällig sind.

Die zeitliche Anwendung

eines Pestizids sollte anhand detaillierter Forschungsergebnisse so gewählt
werden, daß die Ausbildung von Kreuzresistenz auf ein Mindestmaß beschränkt
wird.
"Resistenz zu verzögern oder zu verhindern ist ein Umstand, der
immer größere Bedeutung erlangt", erklärt Professor Georghiou, "weil wir
nur sehr wenig neue Chemikalien finden.

Und häufig ist durch Resistenz

bei den Schädlingen ein Präparat schon veraltet, noch ehe es die ursprüngliche
Investitionen - bei landwirtschaftlichen Pestiziden ca. 13 Millionen Dollar hereingebracht hat."
Die Kosten für Resistenz sind hoch - gleichgültig, wie man sie
mißt. Nach vorsichtigen Schätzungen dienen etwa 50 Prozent aller Insektizide,
die jährlich in den Vereinigten Staaten gekauft werden, zur Bekämpfung
resistenter Insektenarten. Diese Präparate verursachen Ausgaben in Höhe
von etwa 100 Millionen Dollar.
Inzwischen wurde am Universitätsdepartment "Nahrungsmittel und
Landwirtschaft" in Riverside aufgrund der Anregungen, die Francis A. Günther,
Professorin für Entomologie und Chemie, und der kanadische Gastforscher
B.B. Berck gaben, eine tragbare Feldausrüstung zur Messung von PestizidRückständen im Boden und auf Blattwerk entwickelt. Das RFM-Verfahren
(RFM ist die Abkürzung für "Rapid Field Method" = Schnellverfahren zur
Feldanalyse)macht es möglich, innerhalb von 30 Minuten den Pestizidspiegel einer Probe zu ermitteln. Allerdings wird es nur zur Messung der
Rückstände von Organophosphat-Pestiziden benutzt, jedoch nicht der Rückstände anderer Pestizide wie z.B. von Carbamaten.
Auch

�Auch für die Resistenzbekämpfung könnte sich die RFM-Methode als
nützlich erweisen.

Denn mit diesem Verfahren ließe sich an Ort und Stelle

die Konzentration von Rückständen eines Pestizids rasch ermitteln.

Ist

diese niedrig genug, könnte man anschließend zur biologischen Bekämpfung
der Schadinsekten übergehen und nun umgehend solche Insekten freisetzen,
die Schädlinge als Wirtskörper benutzen oder die deren natürliche Feinde
sind.

+ + + + +

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Afghanistankrise und ihre Auswirkungen auf das Ost-West-Verhältnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Helmut Sonnenfeldt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Trends im Produktivitätswachstum in Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausblick auf die achtziger Jahre -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Dr. Mark Perlman&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fahrzeugbau: Neue Treibstoffe verlangen andere Motoren&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rechtzeitige Planung lebenswichtig für die Industrie -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unwirksame Pestizide&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Resistenzentwicklung bei Insekten nimmt zu -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

iO. Januar 19&amp;?

INHALT

INFORMATION
Amerikanisch-sowjetische Abrüstungsverhandlungen beginnen am
12. März i n Genf
- Bekanntgabe des Weii3en Hauses -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Strategische V e r t e i d i g u n g s i n i t i a t i v e und die Renaissance
der Weltraumforschung
- Von Generalleutnant James A. Abrahamson Tower: USA wollen Gefahr eines Atomkriegs beseitigen
- Tower-Interview mit US-Fernsehgesellschaft NBC Richtigstellungen zur amerikanischen N i c a r a g u a - P o l i t i k
Der Jackson-Plan: Leistungen und Z i e l e
- Fakten zur M i t t e l a m e r i k a h i l f e der USA Drogenprobleme i n den Herkunftsländern
)
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Mißbildung durch Akne-Präparat

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

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Information

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. Januar 1985

AMERIKANISCH-SOWJETISCHE ABRÜSTUNGSVERHANDLUNGEN BEGINNEN AM
12. MÄRZ IN GENF

- Bekanntgabe des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus gab am 26. Januar 1985 offiziell
bekannt, daß die amerikanisch-sowjetischen

Verhandlungen über Nuklear-

und Weltraumwaffen am 12. März in Genf beginnen werden.

Dies wurde

gleichzeitig auch in Moskau mitgeteilt.

Die amerikanische Verlautbarung hat folgenden Wortlaut:

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sind übereingekommen, am
12. März 1985 in Genf Verhandlungen über Nuklear- und Weltraumwaffen zu
beginnen.

Die amerikanische Delegation wird von Botschafter Max Kampelman geleitet, der gleichzeitig die Vereinigten Staaten in einer der Gruppen bei
den Verhandlungen vertreten wird; in den anderen beiden Gruppen wird die

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�wird die amerikanische Seite durch Senator John Tower und durch Botschafter Maynard Glitman vertreten sein.

Die sowjetische Delegation wird un-

ter der Leitung von Botschafter W.P. Karpow stehen, in den beiden anderen
Gruppen wird die sowjetische Seite durch Botschafter J.A. Kwizinski und
Botschafter A.A. Obuckow vertreten sein.

* * * * *

�30. Januar 1983

DIE STRATEGISCHE VERTEIDIGUNGSINITIATIVE UND
DIE RENAISSANCE DER WELTRAUMFORSCHUNG
- Von Generalleutnant James A. Abrahamson -

-(AD)- Generalleutnant Abrahamson, der Verfasser des nachstehenden Beitrags, ist Direktor der
Organisation für die Strategische
Verteidigungsinitiative (SDI)

In den vergangenen Monaten, besonders aber in den letzten Wochen, hat
die Strategische Verteidigungsinitiative (Strategie Defense Initiative =
SDI) im Rampenlicht des öffentlichen Interesses gestanden. Sie wird auch
weiterhin starke Aufmerksamkeit finden. Ein Überblick über das, was wir
bereits unternommen haben und noch unternehmen werden, dürfte zur Untermauerung meiner These, daß die SDI auch der zivilen Nutzung des Weltraums
neue Anstöße geben wird, sinnvoll sein.

Das Ziel des SDI-Programms besteht in der Erforschung von Technologien, die uns in die Lage versetzen, Defensivsysteme zu entwickeln, die

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Telex: 8-85432

�entwickeln, die ballistische Raketen nach dem Start abfangen, zerstören
und somit daran hindern können, ihre Ziele zu treffen. Wir glauben, daß
die Technologien, um die es geht, so vielversprechend sind, daß bei kontinuierlicher Arbeit eine künftige Administration und ein künftiger Kongreß, wenn sie dies wollen, die sehr reale Möglichkeit haben werden, die
Entwicklung, den Bau und die Aufstellung eines wirksamen Abwehrsystems
gegen ballistische Raketen in die Wege zu leiten.

Ich möchte betonen, daß unsere Forschungsarbeiten sich nicht ausschließlich auf eine Verteidigung gegen Interkontinental- und unterseebootgestützte Raketen konzentrieren, sondern sich auch mit einer Verteidigung gegen die ballistischen Raketen kürzerer Reichweite befassen, die
unsere Verbündeten bedrohen. Unser Konzept einer effektiven Verteidigung
soll nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern auch ihre Verbündeten
schützen. Da eine Entscheidung seitens der Vereinigten Staaten zur Aufstellung eines hochentwickelten strategischen Verteidigungssystems aber
erst in vielen Jahren getroffen werden könnte, müssen wir auch weiterhin
sowohl die Modernisierung unseres Abschreckunsgpotentials als auch das
Ringen um faire und verifizierbare Rüstungskontrollabkommen fortsetzen.
An der Verpflichtung der Vereinigten Staaten auf diese Ziele hat die Einleitung der SDI nicht das geringste geändert.

Was unsere Forschungsarbeiten anbelangt, so sehen wir uns zwar gewaltigen Hindernissen gegenüber, aber unsere Ziele sind nichtsdestoweniger
erreichbar. Zum Verständnis der Verteidigungskonzepte und -technologien,
die untersucht werden, ist es nützlich, vier Flugphasen einer ballistischen Rakete zu unterscheiden: die Startphase, die Nachstartphase, die
Marschphase und die Endanflugphase. Jede bietet für den Einsatz von Defensivsystemen verschiedene Möglichkeiten, aber auch verschiedene Probleme. Eine hochwirksame Abwehr gegen einen massiven Raketenangriff muß aus
mehreren Verteidigungsgürteln bestehen, von denen jeder einen Teil aes
Angriffs auffängt, bis zum Schluß nur noch so wenige Gefechtsköpfe übrigbleiben, daß sie keinen militärischen Nutzen mehr haben. Jeder Gürtel des
Verteidigungssystems muß eine Reihe wesentlicher Funktionen erfüllen,
z.B. Raumüberwachung, Zielerfassung und -Identifikation sowie Trefferbewertung (die sogenannten SATKA-Funktionen); ferner Ausrichtung und Len- 2 -

�und Lenkung der Abwehrwaffen, Abfangen und Zerstören des Ziels und Uefechtsleitung. Unsere technologischen Möglichkeiten in jeder dieser Kategorien reichen z.Z. für eine solide Verteidigung gegen wahrscheinliche
Bedrohungen und zur Abwehr möglicher Gegenmaßnahmen noch nicht aus, machen aber rasche Fortschritte. Die gegenwärtig verfügbaren Technologien
könnten neue Möglichkeiten für eine aktive Verteidigung gegen ballistische Raketen eröffnen, Möglichkeiten, die vor einem Jahrzehnt noch nicht
bestanden.

Unsere SATKA-f'rogramme werden Ende der achtziger Jahre mit einer Reihe technischer Demonstrationen ihren Höhepunkt erreichen. Bei einer dieser Demonstrationen geht es um die Bewertung eines hochentwickelten Systems zur Ortung von Raketen in der Startphase. Im Rahmen einer weiteren
Demonstration sollen Flugobjekte in der Marschphase geortet und identifiziert werden, während luftgestützte optische Zusatzeinrichtungen zeigen
sollen, daß luftgestützte Infrarotsensoren Flugobjekte beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre identifizieren und erfassen kö'nnen.

Im Bereich der Richtenergie werden sich unsere technologischen Forschungsarbeiten auf Hochenergieedelgas-, Freie-Elektronen- und chemische
Kurzwellenlaser erstrecken. Umfangreiche Forschungsanstrengungen

werden

den entscheidenden Gebieten der Zielerfassung und -Verfolgung und der
Entwicklung großer optischer Sensoren von geringem Gewicht gewidmet sein.
Bei einem der interessantesten Experimente auf dem Gebiet der Richtenergie wird es darum gehen, eine Vorstellung davon zu bekommen, welche Möglichkeiten bodengestützte Laserstrahlen, die durch Spiegel im Weltraum
reflektiert werden, zum Abfangen von Raketen in der Startphase eröffnen.

Bei den Technologien im Bereich der kinetischen Energie wird das Ziel
darin bestehen, zu zeigen, daß das Abfangen von Raketen in allen vier
Flugphasen technisch machbar ist. Wir untersuchen gegenwärtig kleine inner- und außeratmosphärische Abfangsysteme mit Infrarotzielsuchköpfen und
Hochgeschwindigkeits- oder elektromagnetische Geschütze (rail guns).

Parallel zur technologischen Entwicklung im Rahmen der SDI müssen Systemanalysen durchgeführt werden; gegenwärtig könnte dies meines Erach- 3 -

�meines Erachtens das wichtigste Gebiet überhaupt sein. Arbeiten auf den
Gebieten der Gefechtsleitung

und der C3-Systeme (Kommando, Kontrolle,

Kommunikation) sind ebenfalls von großer Bedeutung. Wir müssen narrensichere strahlungsresistente Prozessoren entwickeln, die den Extrembedingungen des Weltraums und eines Atomkriegs gewachsen sind. Außerdem brauchen wir die entsprechende Software für ein integriertes Raketenabwehrsystem.

Wir sind auch dabei, umfassende Arbeiten in die Wege zu leiten, in
deren Rahmen der Aspekt der Zerstörungswirkung

und Möglichkeiten der

Zielhärtung erforscht werden sollen. Besondere Aufmerksamkeit wird auch
den logistischen Problemen der Nutzung des Weltraums gewidmet. Zu nennen
wäre in diesem Zusammenhang etwa die Bestimmung geeigneter Trägersysteme,
mittels derer weltraumgestützte Plattformen an Ort und Stelle gebracht
oder raumgestützte Systeme gewartet und versorgt werden können.

Wir erzielen ermutigende Fortschritte. Im letzten Sommer konnte die
Raketenabwehrabteilung des Heeres bei einem Test vor dem Atoll Kwajalein
im Pazifik die Attrappe eines Minuteman-Wiedereintrittsflugkörpers abfangen und zerstören und damit demonstrieren, daß die technische Möglichkeit
der Abwehr von Gefechtsköpfen in der Endanflugphase tatsächlich besteht;
eine Tatsache, die uns großen psychologischen Auftrieb gegeben hat. Wir
nennen dieses Verfahren "den Abschuß einer Gewehrkugel durch eine Gewehrkugel" .

Es ist uns auch gelungen, mit Hochenergielasern Löcher in Flugkörper
zu brennen. Die Arbeiten an unseren Hochgeschwindigkeits- oder elektromagnetischen Geschützen, die an der wehrtechnischen Erprobungsstelle Picatinny und an der Universität von Texas durchgeführt werden, verlaufen
zufriedenstellend; die Entwicklung macht große Fortschritte. Wir sind dabei, unseren Bedarf an kostengünstigen und schubstarken Startraketen zu
spezifizieren. Wir haben Typen ausgewählt, die für die erste Pnase unserer Systemaufbaustudien in Frage kommen.
Kurzum: die SDI läuft gut. Unser Programm zeigt tagtäglich, daß der
Fletcher-Ausschuß mit seiner Annahme, daß die für eine strategische Ver- 4 -

�strategische Verteidigung notwendigen Technologien entwickelt werden können, richtig lag; tatsächlich stehen diese Technologien vielfach heute
schon zur Verfügung.
In den kommenden Monaten werden wir der Nation viele weitere bedeutsame technische Erfolge melden können. Dennoch werden diese Erfolge nur
die Spitze des Eisbergs bilden. Das Ausmaß des Nutzens, den das SDI-Programm sowohl für die Verteidigung als auch im Sinne einer allgemeinen
Produktivitätsverbesserung erbringen wird, läßt sich noch gar nicht genau
ermessen und das Gefühl des Stolzes, der Hoffnung und des Optimismus, mit
dem es jeden Amerikaner erfüllen wird, natürlich noch viel weniger.

Technische Fortschritte allein können den Erfolg des SDI-Programms
jedoch noch nicht gewährleisten. Uns ist sehr wohl bewußt, daß der eigentlich maßgebende Faktor für einen Erfolg darin besteht, daß die Öffentlichkeit die dynamischen Technologien, um die es geht, besser versteht und akzeptiert. In Zusammenhang damit ist es auch erforderlich, einen möglichst effektiven und wirksamen Einsatz der für das Sül-Programm
zur Verfügung stehenden Mittel sicherzustellen. Das heißt mit anderen
Worten, daß wir uns auch weiterhin bemühen müssen, das Programm vorzeigbar zu gestalten, es erschwinglich zu halten und unsere Forschungsergebnisse in größtmöglichem Umfang der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich
zu machen. Im wesentlichen bedeutet das, dati wir dem amerikanischen Steuerzahler für seine Investitionen eine Rendite verschaffen sollten, die
über eine Stärkung der Abschreckung hinausgeht.
Diese Ziele ließen sich sehr viel leichter erreichen, wenn es möglich
wäre, die kommerziellen Möglichkeiten der Forschungsarbeiten im Rahmen
des SDI-Programms zu prüfen und auszuwerten und auch für andere Verteidigung sprog ramme

Küstenvorteile

zu

erzielen.

Wenn

sich

beispielsweise

greifbare Abfallprodukte oder mittelbare Nutzanwendungen finden ließen,
wäre dies ein großer Schritt in Richtung auf die Herstellung eines besseren Verständnisses und auf die zivile Verwertung einiger der im Rahmen
der SDI erforschten Technologien. Ganz besonders wichtig wäre es, die gegenwärtige Anwendung der Ergebnisse der früheren und noch laufenden Forschungsarbeiten, aber auch deren zukünftige Anwendungsmöglichkeiten zu
- 5 -

�Anwendungsmöglichkeiten zu umreißen und aufeinander abzustimmen und dabei
den möglichen wirtschaftlichen Nutzen für unser Volk in den Vordergrund
zu stellen.

Diese Idee ist keineswegs völlig neu. An einem entsprechenden Prozeß
sind wir alle direkt oder indirekt beteiligt. Er läuft seit Jahren. Auf
sehr vielen Fachgebieten, so u.a. denen der Elektronik, des Luftverkehrs
und der automatischen Datenverarbeitung, haben Investitionen aus dem militärischen Bereich den flexiblen, anpassungsfähigen und innovativen Teilen unserer Wirtschaft neue Anstöße gegeben. Das Raumfahrtprogramm hat
für das amerikanische Volk erheblichen Nutzen abgeworfen und wird dies
auch weiterhin tun. Sein Einfluß hat wesentlich zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit vieler Teilbereiche unserer Wirtschaft beigetragen.

Was die SDI anbelangt, so bieten die Computer-, Fernmelde-, Antriebsund Lasertechnik bestechende und bedeutsame Möglichkeiten der mittelbaren
Nutzanwendung. Insbesondere diese Bereiche erscheinen geeignet, mit der
kommerziellen Auswertung der SDI einen Anfang zu machen und zur Lösung
der in Nachbargebieten bestehenden technologischen Probleme beizutragen.
Auf diese Weise könnte man erreichen, daß sich das SDI-Programm selbst
finanziert und darüber hinaus auch anderen Verteidigungsprogrammen nutzt.
Die Kosten anderer Verteidigungsprogramme, die mit Weltraumforschung zu
tun haben, könnten erheblich gesenkt werden, wenn es uns gelänge, die
Breitenwirkung der SDI in entsprechende Bahnen zu lenken. Beispielsweise
könnten wir bei all den zahlreichen Unternehmungen Mittel einsparen, in
deren Rahmen bislang nur ein einziger Satellit eines bestimmten Typs gebaut wird. Durch eine Verbindung mit der SDI ließen sich niedrigere
Stückkosten, kürzere Entwicklunys- und Herstellungszeiten sowie eine bessere Standardisierung und Abstimmung von Systemen aufeinander erzielen.
Die Anwendung von Massenfertigungsmethoden auf den Bau von Satelliten und
eine damit wahrscheinlich verbundene radikale Kostendämpfung; der Bau von
Mehrzwecksatelliten, die durch die Verwendung von anschließbaren Modulen
vielfältig eingesetzt und auf spezielle Funktionen abgestimmt werden können; kostengünstige Energieübertragung über große Entfernung durch Laserstrahlen; von Partikelstrahlen angetriebene Raketen; Solarzellenkomplexe
im Weltraum, die Energie erzeugen und in abgelegene oder unterentwickelte
- 6 -

�oder unterentwickelte Gebiete weitergeben könnten; miniaturisierte Simultanprozeßrechner; eine sehr kostengünstige Endlagerung von Atommüll durch
Verbringen desselben in eine Bahn um die Sonne, wo er gefahrlos vernichtet werden könnte - all das kann Wirklichkeit werden, vielleicht auch das
frappierende, von Krafft Ehricke entwickelte Konzept einer gedämpften Beleuchtung der Erde (u.a. einsetzbar zur Straßenbeleuchtung) durch Reihen
von Spiegeln im Weltraum.

Vor zwölf Jahren lauschte ich Dr. Bill Price vom Wissenschaftlichen
Forschungsamt der Luftwaffe, der eine detaillierte Schilderung der Entwicklungsgeschichte des Lasers gab, um sodann darzulegen, wie er sich
dessen Anwendung in der Zukunft vorstellte. Selbst wenn man von den militärischen

Einsatzmöglichkeiten

zur

Entfernungsmessung,

Zielerfassung

oder als Waffe aLsieht, übertreffen die gegenwärtigen Anwendungsmöglichkeiten des Lasers sogar noch die Erwartungen von Bill Price. üie Lasertechnologie wird heute in Supermärkten, im Telephonverkehr, in Werken der
chemischen und der Elektronikindustrie und bei Bauprojekten eingesetzt.
Laserchirurgie wird zur Routineangelegenheit. Auch als wissenschaftliche
oder Laborinstrumente werden Laser in großem Umfang eingesetzt.

Unsere Arbeiten über Laser im Rahmen der SDi können ihnen zu noch
weiterer Verbreitung verhelfen. Es ist möglich, die Lasertechnologie zum
Bau von Fernmeldeverbindungen von nahezu unbegrenzter Bandbreite zu verwenden. Militärisch sind Laser-Fernmeldeverbindungen insofern von Interesse, als sie schwer zu stören oder abzuhören sind. Kommerziell angewendet, könnten Laser eine sprunghafte Erweiterung der Übermittlungskapazitäten und Verbindungen bewirken.
In gleicher Weise wird unser Bedarf an fortgeschrittenen hochintegrierten Schnellrechnern, wie sie vom Amt für Fortgeschrittene Verteidigungsforschungsprojekte

(Defense

Advanced

Research Projects

Agency

=

DARPA) entwickelt werden, dazu beitragen, das Wachstum im Bereich neuer
Halbleitermaterialien und -technologien in Gang zu halten. Wir glauben,
daß es ohne weiteres möglich sein müßte, Speicherchips mit einer Kapazität von 16 bis 2Ü Millionen Bits zu entwickeln, d.h., mit einer weitaus
höheren Speicherkapazität, als die Chips, die gerade erst auf den Markt
- 7 -

�den Markt kommen, aufweisen können. Gleichzeitig werden die Abmessungen
und der Energiebedarf der Anlagen weiter abnehmen.

Unsere neuen Technologien umfassen eine ganze Reihe unterschiedlicher
wissenschaftlicher und technischer Fachgebiete. Nichts wird den Arbeiten
auf diesen Gebieten einen nachdrücklicheren Aufschwung verleihen als die
SDI, und meines Erachtens eröffnen unsere Technologien bestimmten Bereichen der Privatwirtschaft ganz reale Wachstumsmöglichkeiten. Neue Produkte und Dienstleistungen können entwickelt, Produktivitätsverbesserungen
erzielt werden. Die Zukunftsperspektiven sind erregend, und selbst wenn
man den Aspekt der nationalen Sicherheit außer acht läßt, werden den Anwendungsmöglichkeiten dieser neuen Technologien, wie Krafft Ehricke sagen
würde, nur durch unsere Vorstellungskraft und durch die verfügbaren Mittel Grenzen gesetzt. Tatsächlich ist es so, daß die Entwicklung wirklich
neuartiger Bedarfsgüter, die neue Märkte schaffen und die Grundlage für
neue Industriezweige bilden, zumeist eher das Ergebnis technologischer
Durchbrüche als eine Reaktion auf eine neuentdeckte Nachfrage des Marktes
ist. In Zukunft

werden

technologische Fortschritte

sogar

einen noch

machtvolleren Faktor des Wandels bilden.

Zu den Grundzielen des am 4. Juli 1982 verabschiedeten nationalen USRaumfahrtprogramms gehört die Stärkung der Sicherheit der Vereinigten
Staaten, die Bewahrung der amerikanischen Führungsrolle in der Weltraumforschung und die Nutzung der Raumfahrt zur Erlangung wissenschaftlicher
und wirtschaftlicher Vorteile. Indem das SDI-Programm uns die Möglichkeit
eröffnet, das umfangreiche Leistungsreservoir der Privatwirtschaft anzuzapfen, gibt es uns die Chance, diese Ziele in bestimmten Aspekten zu
verwirklichen.

In diesem Sinne verstehe ich die SDI als Teil einer Renaissance der
Weltraumforschung. Die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen
des 17. Jahrhunderts bildeten die Werkzeuge, die der Mensch der Renaissance benötigte, um die letzten Relikte des Mittelalters abzustreifen. Im
2U. Jahrhundert leitete die Weltraumforschung eine neue Renaissance ein.
Indem wir uns ihr widmeten, gewannen wir neue Möglichkeiten zur Erweiterung unserer Kenntnisse über das Universum und zur Verbesserung der Le- 8 -

�der Lebensbedingungen des Menschen. Der Renaissance der Weltraumforschung
verdanken wir einen Großteil unserer Errungenschaften in der Mikroelektronik, zuverlässigere Wettervorhersagen und Warnungen vor Naturkatastrophen, kostengünstige weltweite Fernmeldeeinrichtungen und Navigationshilfen und die Möglichkeit zur Überwachung von Vorgängen auf der Erde aus
dem Weltraum, die sich als so wichtig für unsere nationale Sicherheit erwiesen hat.

Zusammen mit anderen Programmen und im Verein mit der Arbeit anderer
Regierungsbehörden könnte die SDI den Kristallisationskern einer neuen
Renaissance der Weltraumforschung bilden, einer Renaissance des 21. Janrhunderts. Die SDI wird der Entwicklung neuer Technologien einen kräftigen
Anstoß geben. Im Rahmen der SDI werden Wissenschaftler und Forscher aus
dem privatwirtschaftlichen und dem akademischen Bereich ihre Kräfte mit
denen von Regierungsbehörden vereinen; interdisziplinäre Forschung wird
ein Hauptwesenszug der SDI bleiben. Die SDI wird meines Erachtens einer
zivilen Nutzung des Weltraums auf keinen Fall im Wege stehen, sondern sie
sogar fördern und verstärken. Weiterhin glaube ich, daß unser Forschungsprogramm viel mehr als nur ein sachlich gebotenes Unternehmen darstellt
und daß das auch erkannt werden wird. Ich glaube, daß man es, wie auch
das Raumfährenprogramm, als Symbol des nationalen Stolzes verstehen wird.
Außerdem kann es so belebend auf die amerikanische Volkswirtscnaft wirken, daß es sich praktisch selbst finanziert.

Die Wirtschaftsverbände und akademischen Vereinigungen sowie deren
Gremien und Zeitschriften können dazu beitragen, die Nutzungsmöglichkeiten der im Rahmen der SDI weiterentwickelten Technologien ins öffentliche
Bewußtsein zu heben, indem sie das kommerzielle Potential dieser Technologien ausloten und fördern. Ein solcher ständiger Prozeß würde den Informationsfluß anregen und den Kenntnisstand sowohl über das SDI-Programm
als auch über die kommerziellen Verwertungsmöglichkeiten einiger der in
seinem Rahmen erforschten Technologien erhöhen.
Vor 150 Jahren machte Alexis de Tocqueville Beobachtungen, die auch
die Situation in den achtziger Jahren unseres Jahrhunderts bemerkenswert
genau kennzeichnen. Er schrieb damals: "Gegenwärtig gibt es auf der Welt
- 9 -

�der Welt zwei große Nationen, deren Ausgangspunkte zwar verschieden sind,
aber die dem gleichen Ziel zustreben. Ich meine die Russen und die Amerikaner ... Die Amerikaner kämpfen mit den Widrigkeiten der Natur; die Russen hingegen haben es mit menschlichen Gegnern zu tun. Die ersteren kämpfen gegen die Wildnis und die Unbillen der Natur, die letzteren hingegen
gegen Waffen aus Menschenhand.

Die Amerikaner gewinnen daher das, was sie erobern, mit der Pflugschar, die Russen hingegen gewinnen es mit dem Schwert ... Die Ausgangspunkte beider Völker sind verschieden, und auch ihre Wege sind nicht die
gleichen, aber jedes der beiden scheint vom Himmel dazu ausersehen worden
zu sein, die Geschicke des halben Erdballs zu lenken."

Es steht außer Frage, daß die Beobachtungen Tocquevilles noch für
lange Zeit ihre Gültigkeit behalten werden und daß die sowjetische Herausforderung bestehen bleiben wird. Ich zweifele nicht daran, daß wir ihr
begegnen können. Vielleicht wird es uns mit Hilfe der Technologien, um
die es bei der SDI geht, sogar gelingen, dieser Herausforderung eine neue
Richtung zu geben, so daß wir dann darin wetteifern werden, für alle Völker der Erde und zum dauernden Wohle der Menschheit aus der neuen Renaissance der Weltraumforschung den größtmöglichen Gewinn zu ziehen.

* * * * *

- 10 -

�30. Januar 1985

TOWIR:

USA WOLLEN GEFAHR EINES ATCMKRIEGS BESEITIGEN

- Tower-Interview mit US-Fernsehgesellschaft NBC -

WASHINGTON - (AD) - Der frühere Senator John Tower, der bei den kommenden

amerikanisch-sowjetischen

Rüstungskontrollverhandlungen

für

die

strategischen Kernwaffen zuständig i s t , betonte i n einem Interview am 23.
Januar 1985, das Hauptziel der Vereinigten Staaten s e i die
der Gefahr eines Atomkrieges.

Beseitigung

Dazu müsse vor allem zunächst die Zahl der

Nuklearwaffen v e r r i n g e r t werden.
Das I n t e r v i e w , das Tower der amerikanischen Fernsehgesellschaft NBC
gab, hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Der Präsident hat e r k l ä r t , er sähe es gerne, wenn die neue

Runde der Rüstungskontrollverhandlungen wenn möglich schon im März beginnen würde.

Sehen Sie dafür eine Chance?

ANTWORT:

S o v i e l i c h weiß, haben w i r dazu noch keine Antwort.

Ich

meine jedoch, daß es desto besser i s t , j e eher wir beginnen, denn es wird

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�denn es wird s i c h um einen langwierigen Prozeß handeln.

Aber es i s t noch

n i c h t d e f i n i t i v f e s t g e l e g t , wann wir beginnen werden.
FRAGE:

Gibt es Hinweise, wann und wo die Verhandlungen

stattfinden

werden?
ANTWORT:

Wir haben noch keine Hinweise, aber

wir

h o f f e n , dai3 es

recht bald im Frühjahr sein w i r d .
FRAGE:

Glauben S i e , daß die Verhandlungen selbst durch unsere E n t -

scheidung bedroht sein könnten, i n diesem Frühjahr mit der Erprobung des
ASAT-Systems ( A n t i s a t e l l i t e n - S y s t e m s ) zu beginnen?
ANTWORT:

N e i n , das glaube i c h überhaupt n i c h t .

I c h meine, die So-

wjets wissen ganz genau, was wir t u n , und sie sind sehr zugänglich

für

die Verhandlungen, wie das Treffen von Außenminister Shultz und Außenmin i s t e r Gromyko i n Genf gezeigt hat.

Die Sowjets sind s i c h e r l i c h

bereit,

an den Verhandlungstisch zu kommen.
FRAGE:

Sie werden die START-Verhandlungen l e i t e n und damit an der

S t e l l e von Edward Rowny a l s der Verantwortliche f ü r die Gruppe f u n g i e r e n ,
die s i c h mit strategischen Waffen befaßt.

Warum, glauben S i e , i s t

hier

eine personelle Veränderung eingetreten?
ANTWORT:

I c h möchte mich darüber n i c h t auslassen.

I c h glaube, die

ganze Idee war d i e , e i n neues Verhandlungsteam zu schicken.
Verhandlungen brachen zusammen.

Die l e t z t e n

N a t ü r l i c h haben die Sowjets die Verhand-

lungen verlassen - das möchte i c h rasch hinzufügen - und die Administrat i o n i s t von der Ansicht ausgegangen, daß w i r , da wir es mit einem Neubeg i n n zu tun haben, v i e l l e i c h t auch e i n neues Team entsenden s o l l t e n .

Ich

möchte jedoch hinzufügen, daß Ed Rowny unter sehr schwierigen Bedingungen
außerordentlich gute A r b e i t g e l e i s t e t h a t .
FRAGE:
gen:

Aber abgesehen von einem neuen Gesicht könnte man s i c h

fra-

Was können Sie Neues i n die Verhandlungen e i n b r i n g e n , was Rowny
- 2 -

�was Rowny nicht hatte?

ANTWORT:

Ich möchte keinen Vergleich dieser Art anstellen.

sicherlich nicht die Erfahrungen in Verhandlungen, die er hat.
che nicht russisch, er spricht diese Sprache.

Ich habe
Ich spre-

Ich bin mit strategischen

Waffen in meiner früheren Eigenschaft als Vorsitzender des Militärausschusses einigermaßen vertraut, und ich habe mich in den 24 Jahren meiner
Mitgliedschaft im Senat mit strategischen Fragen befaßt.
akademische Erfahrungen in Außenpolitik.

Ich habe einige

Das sind, wie ich meine, wohl

die wesentlichen Aspekte meiner einschlägigen Erfahrungen, die mir in
diesem Falle sehr nützlich sein dürften.

FRAGE:

Sie haben sicherlich die Kritik gehört, daß das Verhandlungs-

team mit Ihnen, Max Kampelman und Maynard Glitman als Falken eingeschätzt
wird.

Halten Sie dieses Urteil für richtig?

ANTWORT: Nein, ich glaube nicht, daß es stimmt.

Ich glaube, daß wir

alle - gleichgültig, wie uns die Journalisten einschätzen, ob sie uns als
Falken oder als Tauben oder was auch immer einschätzen - die potentielle
Bedrohung durch einen Atomkrieg beseitigen wollen.

Und ich meine, auf

der nationalen Tagesordnung steht an oberster Stelle das Streben, die Arsenale der schrecklichen, destabilisierenden Waffen, die beide Supermächte besitzen, so weit abzubauen, daß wir die Gefahr eines Atomkrieges auf
ein Minimum bringen.

FRAGE:

Ich glaube, darin sind wir uns alle einig.

Würden Sie nicht zugeben wollen, daß Ihre Kritiker Anlaß ha-

ben, sich zu wundern, wenn Sie erklären, wie Sie das kürzlich auf einer
Pressekonferenz getan haben, daß Sie sich meßbaren Verringerungen verpflichtet fühlen, während Ihre ganze Tätigkeit im Senat einen ständigen
Einsatz für unsere Aufrüstung hier manifestierte?

ANTWORT:

Ich bin gar nicht der Meinung, daß hier ein Widerspruch be-

steht. Es hat sich bei uns ja nicht um eine einseitige Aufrüstung gehandelt.

Es war vielmehr die Antwort auf eine rastlose Aufrüstung der So-

wjetunion während der letzten 25 Jahre.
- 3 -

Wir haben nur darauf reagiert.

�darauf reagiert.

Wir wären Narren gewesen, wenn wir es nicht getan hät-

ten.

FRAGE:

Mit welcher Einstellung gehen Sie in diese Verhandlungen?

Gehen Sie mit dem Wunsch nach einem Abkommen oder gehen Sie als jemand,
der das tut, was der Präsident sagt?

ANTWORT:

Ich habe die Absicht, mich nach den Anweisungen des Präsi-

denten zu richten.

Wir wollen wesentliche Verringerungen der Rüstungen.

Wir werden, dessen bin ich sicher, kein Abkommen eingehen, das der Sicherheit der Vereinigten Staaten abträglich ist - -das ist nicht das Ziel.
Das Ziel besteht darin, die Arsenale an Kernwaffen bis auf einen Punkt
abzubauen, an dem wir sicher sein können, daß es keinen Atomkrieg geben
wird und die ganze Welt freier atmen kann.

FRAGE:

Sie sind jemand, der bezüglich der sowjetischen Motive immer

sehr argwöhnisch war.

Was, glauben Sie, sind die Ziele der Sowjets bei

diesen Verhandlungen?

ANTWORT:

Ich möchte keine Spekulationen über die sowjetischen Ziele

anstellen, und ich glaube, es wäre nicht angebracht, wenn ich zu diesem
Zeitpunkt darüber spekulieren würde.

FRAGE:

Die Sowjets haben erklärt, es müsse eine Verknüpfung zwischen

diesen Verhandlungen bestehen - daß der Fortschritt auf einem Gebiet von
dem Fortschritt auf einem anderen Gebiet abhängig sei. Sehen Sie das auch
so?

ANTWORT:

Ich meine, wir müssen das, was die Sowjets sagen, so neh-

men, wie es gesagt ist - also ihre Vorstellung vom Verlauf dieser Verhandlungen.

Aber ich meine, es wäre nicht angebracht, jetzt Spekulatio-

nen darüber anzustellen, wie diese Verhandlungen dann schließlich verlaufen werden.

FRAGE:

Haben Sie keinerlei Anweisungen so oder so erhalten, was die
- 4 -

�was die Verknüpfung anbetrifft, oder überhaupt keine Richtlinien?
ANTWORT:

Zu diesem Zeitpunkt gehen wir von getrennten Verhandlungen

in drei verschiedenen Kategorien aus.
FRAGE:

Fühlen Sie sich persönlich betroffen, da3 Sie, der Sie doch

nach Berichten für den Posten des Botschafters in der Bundesrepublik
Deutschland ausersehen waren, für Ihren jetzigen Posten deshalb ausgewählt wurden, um die Unterstützung im Senat aufrechtzuerhalten?
ANTWORT:

Ich fühle mich persönlich nie betroffen.

Ich stehe jetzt

seit über 30 Jahren im öffentlichen Leben, und mir machen Kritik oder
Kommentare irgendwelcher Art selten etwas aus.

* * * * *

- 5-

�30. Januar 1985

RICHTIGSTELLUNGEN ZUR AMERIKANISCHEN NICARAGUA-POLITIK

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz hat
bei seinem Besuch in der nicaraguanischen Hauptstadt Managua am 1. Juni
1984 die vier Grundforderungen der Politik der Vereinigten Staaten gegenüber Nicaragua bekräftigt:

- Einstellung der Unterstützung Nicaraguas für die Rebellen, die den
Sturz der rechtmäßigen Regierung von El Salvador anstreben;

- Beendigung der Abhängigkeit Nicaraguas von Kuba und dem Sowjetblock
in militärischer Hinsicht;
- Verringerung der militärischen Stärke Nicaraguas zur Wiederherstellung des militärischen Gleichgewichts in der Region; und

- Einhaltung der ursprünglichen Versprechungen der Sandinisten, Nicaragua eine demokratische Regierung zu geben.

Das

amerikanische

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Telex: 8-85432

�Das amerikanische Außenministerium

ist bemüht, zahlreiche

falsche

Vorstellungen bezüglich der Nicaragua-Politik der Vereinigten Staaten zu
berichtigen:

ERSTE FALSCHE VORSTELLUNG:

Die amerikanische Feindseligkeit gegen-

über den Sandinisten in Nicaragua habe diese in die Arme Kubas und der
Sowjetunion getrieben.

RICHTIGSTELLUNG:

Die Feindseligkeit der Sandinisten gegenüber den

Vereinigten Staaten begann schon, bevor sie an die Macht kamen.

Schon

vor ihrer Machtübernahme hieß es in ihrer Parteihymne, die Vereinigten
Staaten seien der "Feind der Menschheit".
noch gesungen.

Diese Hymne wird auch heute

Es ist erwiesen, daß die engen Bindungen Nicaraguas an

Kuba und die Sowjetunion schon vor der Verschlechterung der Beziehungen
zu den Vereinigten Staaten eintraten.

Innerhalb einer Woche nach der Machtübernahme der Sandinisten hatte
Kuba ca. 100 Mann Militär und Sicherheitsberater in Nicaragua stationiert.

Drei Monate später, im Oktober 1979, waren es schon 2UU Mann.

Heute befinden sich 2500 bis 3500 kubanische Militär- und Sicherheitsberater in Nicaragua und mindestens 100 aus der Sowjetunion und anderen
Ostblockstaaten;

dazu noch etwa 50 Berater aus Libyen und von der PLO.

Als die Sandinisten im Juni 1979 - also noch vor ihrer Machtübernanme
- der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) versprachen, ein demokratisches, blockfreies Regime mit einer gemischten Wirtschaft zu errichten, unterstützten die Vereinigten Staaten eine Resolution der OAS,
in der die Ablösung des Somoza-Regimes in Nicaragua gefordert wurde.

Die ersten Lebensmittelspenden, die in dem vom Bürgerkrieg verwüsteten Nicaragua nach dem Fall Somozas eintrafen, waren Hilfslieferungen der
amerikanischen Regierung im Werte von mehreren Millionen Dollar.

Die Vereinigten Staaten übernahmen eine führende Rolle in dem inter- 2 -

�dem internationalen Bemühen, der sandinistischen Regierung zu helfen.
Allein in den ersten 18 Monaten des Sandinisten-Regimes bewilligten die
Vereinigten Staaten rund 118 Millionen Dollar für bilaterale Wirtschaftshilfe und unterstützten die Umschuldung Nicaraguas mit privaten Banken.
Die Vereinigten Staaten setzten sich ferner für den Zustrom von rund 1,6
Milliarden Dollar von internationalen Kreditgebern und westlichen Demokratien ein.

In diesem Zeitraum haben die Vereinigten Staaten Nicaragua mehr Unterstützung gewährt als irgendein anderes Land.

Die amerikanische Regie-

rung hat sogar Entwicklungshelfer des Friedenskorps angeboten - ein Angebot, das von den Sandinisten abgelehnt wurde.

Erst als sich herausstellte, daö die Sandinisten die Rebellen in El
Salvador unterstützten, stoppte die Carter-Administration die Hilfszahlungen.

Im Oktober 198C unter Präsident Carter sowie im August 1981 und April
1982 unter Präsident Reagan versuchten die Vereinigten Staaten, Nicaragua
dazu zu bewegen, die Unterstützung für die Guerilla in El Salvador einzustellen. Nicaragua lehnte diese diplomatischen Demarchen ab.

ZWEITE FALSCHE VORSTELLUNG:

Die Feindseligkeit der Vereinigten Staa-

ten gegenüber den Sandinisten sei schuld an dem Ausnahmezustand in Nicaragua und der Aufhebung der bürgerlichen Grundfreiheiten durch das sandinistische Regime.

RICHTIGSTELLUNG:

Der Hirtenbrief der katholischen Bischöfe in Nica-

ragua vom 22. April 1984 zeigt, daß diese Behauptung der Sandinisten
falsch ist.

In dem Hirtenbrief heißt es: "Es ist unehrlich, ständig die

Aggression und die Gewalt im eigenen Lande einer ausländischen Aggression
zuzuschreiben.

Es ist sinnlos, die Übel der Vergangenheit für alles ver-

antwortlich zu machen, ohne die Probleme der Gegenwart zu erkennen."

Die Sandinistische

�Die Sandinistische Front für Nationale Befreiung (FSLN), d.h. die Regierung, benutzt die Vereinigten Staaten als Vorwand, um das eigene Volk
zu unterdrücken. Selbst in den ersten zwei Jahren des sandinistischen Regimes, als noch relativ aufrichtige Beziehungen zu den Vereinigten Staaten bestanden, hatte die nicaraguanische Regierung bereits damit begonnen, ihre Kritiker ins Gefängnis zu werfen, die Presse zu zensieren, die
katholische Kirche, die Unternehmer und die Gewerkschaften anzugreifen
sowie den Miskito-, Rama- und Sumo-Indianern übel mitzuspielen.
Bereits zwei Monate nach dem Sieg im Juli 1979 arbeitete das Nationaldirektorium der Sandinisten ein Papier aus - "Analyse der Lage und der
Aufgaben der sandinistischen Volksrevolution";

auch als 72-Stunden-Doku-

ment bekannt -, in dem es heißt, das Ziel des Direktoriums bestehe darin,
die Revolution im Innern zu konsolidieren und einen "revolutionären Internationalismus" zu schaffen.

In diesem Dokument wird ganz offen zuge-

geben, daß das Ziel Export der Revolution in die Nachbarländer ist.
Dieses Dokument ist nur einer der vielen Beweise, daß sich in Nicaragua ein diktatorisches Regime nicht deswegen entwickelt, weil die Vereinigten Staaten daran schuld wären, sondern weil die Führung der Sandinisten von Anfang an die Absicht hatte, ein marxistisch-leninistisches
Regime zu errichten. Diese Führung hat aus ihrer politischen Überzeugung
übrigens nie ein Hehl gemacht.
Zwischen 1979 und 1982 - also schon, bevor die antikommunistische Guerillatätigkeit gegen die Sandinisten an Bedeutung gewann - wurden viele
repressive Maßnahmen getroffen. So verboten beispielsweise 1981 die Sandinisten mehrfach die unabhängige Zeitung "La Prensa" und drohten allen
Personen Strafen an, die "falsche Wirtschaftsnachrichten" verbreiteten.
Ferner wurden prominente Mitglieder der .größten bürgerlichen Vereinigung
(COSEP) verhaftet. Ende 1981 und Anfang 1982 zwangen die Sandinisten etwa 10 000 Miskito-Indianer, ihre angestammte Heimat zu verlassen und in
weit abgelegene Lager zu ziehen. Auch die Gewerkschaften litten unter der
Repression. So griff beispielsweise im März 1980 Comandante Borge persönlich ein, um mißliebige Führer der Gewerkschaft des Hotels Interconti- 4 -

�Hotels Intercontinental durch andere zu ersetzen.

DRITTE FALSCHE VORSTELLUNG:

Nicaragua habe Ende 1983 mehrere posi-

tive Schritte unternommen, um seine Beziehungen zu den Vereinigten Staaten zu verbessern;

diese Bemühungen seien jedoch von den Vereinigten

Staaten zurückgewiesen worden.

RICHTIGSTELLUNG:

Die Vereinigten Staaten haben diplomatische Initia-

tiven ergriffen, um Probleme in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
aus dem Wege zu räumen.

Die Regierung Nicaragua hat zwar Erklärungen ab-

gegeben, sie wolle ihre Beziehungen zu den Vereinigten Staaten verbessern, sie hat aber keinerlei konkrete Schritte unternommen, um solche
Probleme, wie die kubanisch-sowjetische Präsenz, die Unterdrückung der
Kirche und die Pressezensur zu beheben.

Diplomatische Initiativen der Vereinigten Staaten

Die amerikanische Regierung hat zahlreiche leitende Regierungsvertreter entsandt, um beide Länder angehende Probleme zu erörtern:

- Der amerikanische Sonderbotschafter für Mittelamerika, Harry Shlauderman, ist seit dem 25. Juni 1984 mindestens viermal mit dem Vizeaußenminister Nicaraguas, Victor Huge Tinico, in Mexiko und anderswo
zusammengetroffen.

- Außenminister George Shultz besuchte am 1. Juni 1984 Managua und
setzte Botschafter Shlauderman zum Leiter der Verhandlungen mit Nicaragua ein.
- Unterstaatssekretär Langhorne Mothey und Botschafter Shlauderman besuchten am 4. April 1984 Nicaragua.

- Außenminister George Shultz erklärte am 5. Dezember 1983, daß er die
- 5 -

�daß er die Ankündigung der Sandinisten begrüße, Wahlen abzuhalten und
eine Amnestie für die Rebellen auszurufen. Er gab weiter seiner Hoffnung Ausdruck, daß sich diese Ankündigungen erfüllen möchten.

'Kubanische Verbindung' ,Zensur und Kirche
Die Regierung von Nicaragua erklärte Ende 1983, sie werde die Zahl
der kubanischen Militärberater verringern, die strikte Pressezensur lokkern, der Opposition politische Rechte gewähren und Wahlen planen.

Die

Tatsachen sehen jedoch anders aus:
- Einige Kubaner verließen Nicaragua, weil sie abgelöst - nicht abgebaut - wurden.

Viele der ausreisenden Kubaner waren in Wirklichkeit

Lehrer und andere Zivilangestellte, die in Ferien fuhren. Es ist erwiesen, daß die Zahl der kubanischen Militär- und Sicherheitsberater,
die in Nicaragua tätig sind, seit 1983

nicht kleiner, sondern größer

geworden ist.
- Am 50. Jahrestag des Todes von Augusto Sandino, nach dem sich die
Sandinisten nennen, verboten die Zensoren einen Leitartikel in "La
Prensa", in dem es hieß, daß Sandino ein Patriot, aber kein Kommunist
gewesen sei. Im übrigen nahm die Zensur weiter zu, und "La Prensa"
wurde 1984 mindestens elfmal verboten.
- Der Hirtenbrief vom Ostersonntag 1984 wurde in "La Prensa" völlig
zensiert wiedergegeben, nachdem die Sandinisten das Angebot der katholischen Bischöfe für einen Dialog abgelehnt hatten.
- Am 10. Juli 1984 wies das sandinistische Regime nach einer von Erzbischof Obando y Bravo geführten Demonstration in Managua zehn ausländische Geistliche aus. Einige dieser Geistlichen waren überhaupt
nicht an der Demonstration beteiligt, die für Monsignore Luis Amado
Pena stattfand, der unter Hausarrest gestellt wurde. Die Sandinisten
erklärten, sie wollten den Geistlichen vor einem "Sondergericht" we- 6 -

�"Sondergericht" wegen "konterrevolutionärer Tätigkeit" anklagen - Beschuldigungen, die nach Auskunft der katholischen Kirche frei erfunden sind.

- Die Sandinisten verhafteten am 29. April 1984 einen prominenten Journalisten von "La Prensa" und später auch einen Fotografen; Berichte
darüber fielen der Zensur zum Opfer.

- Nach dem Anschlag auf Eden Pastora am 30. Mai 1984 durfte "La Prensa"
am nächsten Tag nicht erscheinen.

Politik und Wahlen

Nach vielem Hin und Her gab die sandinistische Regierung schließlich
bekannt, am 4. November 1984 sollten Wahlen stattfinden.

Die Führung der

FSLN erklärte jedoch von Anfang an, es werde sich nicht um "bürgerliche"
Wahlen handeln, sondern es gehe nur darum, "die Revolution zu bestätigen".

Die Regierung senkte das Wahlalter auf 16 Jahre, um den indoktrinierten und in sandinistischen Jugendorganisationen zusammengefaßten Jugendlichen eine Stimme zu geben.

Die nicaraguanische Regierung hat den Zugang der Opposition zu Presse, Rundfunk und Fernsehen sowie deren Versammlungsmöglichkeiten weitgehend eingeschränkt.

VIERTE FALSCHE VORSTELLUNG:

Die Vereinigten Staaten unterstützten

undemokratische und repressive Kräfte in Nicaragua.
RICHTIGSTELLUNG:

Erstens, die Antisandinisten sind Nicaraguaner, die

eher ihr Leben riskieren, als unter dem sandinistischen Regime zu leben.
Diese Bürger Nicaraguas haben erkannt, welche Richtung die Sandinisten
einschlugen, und waren über die gebrochenen Versprechungen enttäuscht.
- 7 -

�Versprechungen enttäuscht.

Die Antisandinisten sind keine Konterrevolu-

tionäre, sondern sie versuchen, die ursprünglichen Ziele der Revolution
wiederherzustellen.

Viele von ihnen hatten schon gegen Somoza gekämpft.

Zweitens, in ihrem Schreiben an die OAS im Jahr 1979 hatte die FSLN
demokratische Reformen und die Achtung der Menschenrechte versprochen.
In Wirklichkeit hat sie die persönlichen Freiheiten eingeschränkt.
Drittens, die marxistisch-leninistischen Elemente in der Koalition
der Kräfte, die Somoza stürzten, konnten ihre Macht vor allem deswegen
konsolidieren, weil sie die einzigen waren, die Waffen besaßen.
Viertens, wirtschaftlicher

und

diplomatischer Druck

allein

haben

nicht ausgereicht, um eine Änderung der Politik des sandinistischen Regimes herbeizuführen.

Der Verlust der amerikanischen Wirtschaftshilfe

wurde durch Hilfe aus Mexiko, Europa und dem Ostblock ausgeglichen.
Fünftens, solange das Regime in Managua auf keine bewaffnete innere
Opposition stieß, hatte es keinen - wirtschaftlichen oder politischen Preis für die Unterstützung von Terror und Gewalt in den anderen Ländern
Mittelamerikas zu bezahlen.
Sechstens, erst nachdem die Sandinisten zu begreifen begannen, daß
durch den Kampf gegen die Opposition im eigenen Lande ein Preis zu bezahlen war, begannen sie, Bereitschaft zu Verhandlungen mit ihren mittelamerikanischen Nachbarn zu signalisieren.
Siebtens, die Sandinisten haben öffentlich zugegeben, daß sie Hilfe
von vielen Spendern in Europa und auf dem amerikanischen Kontinent erhalten.

FÜNFTE FALSCHE VORSTELLUNG:

Die Vereinigten Staaten versuchten, Ni-

caragua wirtschaftlich abzuwürgen.
RICHTIGSTELLUNG: Die

�RICHTIGSTELLUNG:

Die amerikanische Regierung hat Nicaragua während

der ersten 18 Monate des sandinistischen Regimes mehr Hilfe zukommen lassen als irgendein anderes Land.

Die Vereinigten Staaten hofften, einer

reformistischen, demokratischen und blockfreien Regierung zu helfen, die
die Menschenrechte und die Selbstbestimmung ihrer Nachbarn achtet.

Erst

als Nicaragua begann, den Terrorismus und die Guerilla in Mittelamerika
zu unterstützen, ließen die Vereinigten Staaten ihre Hilfe für Nicaragua
Ende 1980 auslaufen.

Der amerikanische Kongreß machte die Wirtschaftshilfe für Nicaragua
von der vom Präsidenten gestellten Bedingung
nicht die Subversion exportiere.

abhängig, daß Nicaragua

Nach mehreren vertraulichen Warnungen

stellte die Reagan-Administration im April 1981 die amerikanische Wirtschaftshilfe ein.

Wir haben uns auch gegen einige multilaterale Anleihen an Nicaragua
gewandt, weil die sandinistische Wirtschaftspolitik nicht zu wirtschaftlichem Wachstum führen kann.

Diese Auffassung wird von anderen Ländern

geteilt, vor allem, da Nicaragua hohe Auslandsschulden hat.

Die FSLN-Regierung hat im übrigen willkürliche, in einigen Fällen
sogar ungesetzliche, wirtschaftliche Maßnahmen getroffen.

So wurde bei-

spielsweise Privateigentum konfisziert und Führungspersönlichkeiten des
Privatsektors wegen ihres Widerstandes gegen die Politik der Regierung
inhaftiert.

Die Vereinigten Staaten erlauben Nicaragua trotzdem auch heute noch,
etwa 15 bis 20 Prozent seiner Exporte in Amerika abzusetzen.

SECHSTE FALSCHE VORSTELLUNG:

Der amerikanische Druck auf Nicaragua

habe die sandinistische Regierung gezwungen, zum eigenen Schutze starke
Streitkräfte aufzubauen.
RICHTIGSTELLUNG:

Die Vereinigten Staaten waren bestrebt, ein Gleich-

gewicht der militärischen Macht zwischen Nicaragua und seinen Nachbarn in
- 9 -

�Nachbarn in Mittelamerika auf dem niedrigstmöglichen Niveau herzustellen.
Das Schwergewicht der amerikanischen Hilfe für Mittelamerika liegt auf
Wirtschaftshilfe.
Die Sandinisten begannen schon 1979 und 1980, den Aufbau starker
Streitkräfte zu planen, als die Vereinigten Staaten mit weitem Abstand
die größte Quelle an Wirtschaftshilfe waren.
Der Zustrom kubanischer und sowjetischer Militärberater nach Nicaragua und dessen rasche Aufrüstung gingen amerikanischen Forderungen voraus.
Die Vereinigten Staaten widersetzen sich jeder Ausweitung der sowjetisch-kubanischen Macht in Mittelamerika.
Wir und die Nachbarn Nicaraguas sind zutiefst besorgt über das Anwachsen der militärischen Macht dieses Landes. Allein 1983 erhielten die
Sandinisten militärische Lieferungen aus dem Ostblock im Werte von 100
Millionen Dollar.
Wir haben die Sandinisten immer wieder aufgefordert, ihre ursprünglichen Zusagen einzuhalten, eine freie, pluralistische Gesellschaft aufzubauen sowie den Export der Revolution und der Bedrohung der Stabilität
des ganzen Gebietes durch ihre militärische Macht einzustellen.

* * * * *

- 10 -

�30. Januar 1985

DER JACKSON-PLAN: LEISTUNGEN UND ZIELE
- Fakten zur Mittelamerikahilfe der USA -

WASHINGTON - (AD) -

Ein Jahr nach Veröffentlichung des Berichtes

der Nationalen Überparteilichen Kommission für Mittelamerika - deren Vorsitz der ehemalige amerikanische Außenminister Henry Kissinger innehatte
- wurde bereits eine Vielzahl der darin geforderten Hilfsprogramme ins
Leben gerufen. Die über 30 Empfehlungen der Kommission - übergreifende
Ziele sind weitere Demokratisierung der Region, wirtschaftliches Wachstum
sowie Entwicklung im humanitären und im sicherheitspolitischen Bereich schlugen sich im nach dem verstorbenen Senator Henry Jackson benannten
Jackson-Plan nieder.
Zu den wesentlichsten, bereits verwirklichten Empfehlungen gehören:

Verstärkte Wirtschaftshilfe:
Im August vorigen Jahres stimmte der Kongreß einer zusätzlichen Hilfe

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�zusätzlichen Hilfe für Mittelamerika, Belize und Panama in Höhe von 370
Millionen Dollar zu und brachte damit die Regionalhilfe für 1984 auf insgesamt rund 850 Millionen Dollar. Mehr als die Hälfte dieser Mittel diente dazu, zur Stabilisierung der Volkswirtschaft dieser Länder beizutragen. Der Gesamtbetrag enthielt auch Nahrungsmittelhilfe sowie Mittel für
bestimmte Entwicklungsprojekte, von denen eine ganze Reihe von der Kommission empfohlen worden waren und die durch das Amt für Internationale
Entwicklung (AID) verwaltet werden.

Im Jahr 198A beliefen sich die Beträge für die jeweiligen Staaten auf:

— Belize, 14 Millionen Dollar;
—

Costa Rica, 181,3 Millionen Dollar;

— El Salvador, 329,4 Millionen Dollar;
—

Guatemala, 49.1 Millionen Dollar;

— Honduras, 172,3 Millionen Dollar;
—

Panama, 46,6 Millionen Dollar;

— Regionale Programme, 57,9 Millionen Dollar.

Im Oktober vergangenen Jahres bewilligte der Kongreß l,ol Milliarden
Dollar an Wirtschaftshilfe für Mittelamerika im Jahr 1985. Etwa die Hälfte dieses Betrages dient der wirtschaftlichen Stabilisierung; das übrige
Geld kommt der Nahrungsmittelhilfe und speziellen Programmen zugute.

1985 werden die mittelamerikanischen Staaten erhalten:
-— Belize, lo Millionen Dollar;
—

Costa Rica, 208 Millionen Dollar;

— El Salvador, 322,4 Millionen Dollar;
—

Guatemala, 73,1 Millionen Dollar;

— Honduras, 138,4 Millionen Dollar;
—

Panama, 39,8 Millionen Dollar;

— Regionalprogramme, 218,6 Millionen Dollar.

Die

Reagan-Administration

�Die Reagan-Administration hofft, daß die für 1985 bewilligten Mittel
als erster Teil der für insgesamt fünf Jahre vorgesehenen 8 Milliarden
Dollar an Hilfs- und Darlehenszusagen dienen werden. Die Summe entspricht
dem, was die Kommission für einen Aufschwung der unter einer externen Depression leidenden Volkswirtschaften Mittelamerikas für notwendig erachtet; dadurch soll auch das Ziel der Kommission erreicht werden, das
Pro-Kopf-Einkommen der Region wieder auf das Niveau von 1980 anzuheben.

Handelskreditgarantien:

Der Kongreß bewilligte darüber hinaus die von der Kommission geforderten 300 Millionen Dollar an Handelskreditgarantien, um der mittelamerikanischen Wirtschaft die Einfuhr von dringend notwendigen Gütern zu ermöglichen. Diese Garantien stehen nunmehr mittelamerikanischen Importeuren zur Verfügung.
Militärhilfe:

Auch die Empfehlung der Kommission zur Erhöhung der Militärhilfe für
El Salvador, das sich einem Guerilla-Aufstand gegenübersieht, wurde vom
Kongreß gutgeheißen. Allerdings beliefen sich die 316 Millionen Dollar an
Militärhilfe für Mittelamerika 1984 - einschließlich der Erhöhung für El
Salvador - auf erheblich weniger als der Betrag, der für die Wirtschaftshilfe der Region zur Verfügung gestellt wurde.

Die Militärhilfe für 1984 sieht im einzelnen folgendermaßen aus:

— Belize, 550 000 Dollar;
—

Costa Rica, 9.1 Millionen Dollar;

— El Salvador, 196,5 Millionen Dollar;
—

Honduras, 77,5 Millionen Dollar;

— Panama, 13,5 Millionen Dollar;
— Regionalprogamme, 18,5 Millionen Dollar.

AIP-Programme:
- 3-

�AIP-Programme:
Vielö der Vorschläge des Berichtes zur Verbesserung der Gesundheitsund Ausbildungsbedingungen in Mittelamerika sowie zur Verbesserung der
Landwirtschaft und der Infrastruktur sind in den Programmen enthalten,
die vom US-Amt für Internationale Entwicklung (AID) verwaltet werden.
Das Amt verwaltet außerdem von der Kommission empfohlene Programme
zur Stärkung der demokratischen Institutionen und des Privatsektors der
Region, zur Erleichterung der Bodenreform in El Salvador sowie für die
Unterstützung von Menschen, die durch die Unruhen ihre Heimat verloren
haben.
Die AID-Stellen vor Ort in den Empfängerländern sind gleichfalls mit
den Landesregierungen und dem jeweiligen Privatsektor hinsichtlich der
Schritte im Gespräch, die für die Förderung des Wachstums des Privatsektors am wirkungsvollsten sein könnten. Dieser als "politischer Dialog"
bezeichnete Prozeß unterstützt die Empfehlungen der Kommission, die wirtschaftlichen Reformen in den mittelamerikanischen Staaten zu ermutigen.

Handelsinitiativen:
Der Abbau von amerikanischen Restriktionen bei Importen aus der Region, wie er von der Kommission als Weg empfohlen wurde, um die Märkte
für mittelamerikanische Produkte auszuweiten, hat für die amerikanische
Regierung noch immer Priorität.
So sucht das Amt des amerikanischen Sonderbeauftragten für Handelsverhandlungen nach einer Möglichkeit im Rahmen des GATT, um die Quoten
für Textileinfuhren aus dem Karibischen Becken aufzustocken.

William

Brock, der

amerikanische

�William Brock, der amerikanische Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen, hat auch die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft daraufhin
angesprochen, Mittelamerika in das Präferenzprogramm der EG mit einzubeziehen, das diese im Rahmen der Konvention von Lome den Entwicklungsländern anbietet, und das derzeit noch auf die ehemaligen europäischen
Kolonien in Afrika, Asien und in der Karibik beschränkt ist. Allerdings
wurde diesem Ersuchen bislang noch nicht entsprochen.

Künftige Hilfen;
Während die ersten Schritte des Berichts mittlerweile verwirklicht
wurden, betont man in der Administration, daß die Verpflichtung auch
andauert und zusätzliche Initiativen ergriffen werden, um Mittelamerika
auch weiterhin zu helfen.
"Ich kann die Garantie geben, daß mit Zusammentritt des Kongresses in
diesem Monat der Kampf um die Vision der Kommission - und Präsident Reagans - weitergeht," betonte Langhorne A. Motley, Unterstaatssekretär für
interamerikanische Angelegenheiten, kürzlich in einem Schreiben an die
costaricanische Tageszeitung "La Nacion".
In diesem Schreiben wies Motley auf die Notwendigkeit hin, die Bewilligung des Kongresses für Mittel über mehrere Jahre hinweg zu erhalten,
damit die Hilfe für Mittelamerika auch über einen längeren Zeitraum hinweg gewährt werden könne, um auf diese Weise die Empfehlung der Kommission verwirklichen zu können, daß die amerikanische Verpflichtung verläßlich und vorhersagbar sein muß.

* * * * *

- 5-

�30. Januar 1985

DROGENPROBLEME IN DEN HERKUNFTSLANDERN

WASHINGTON- (AD) - Die Herkunftsländer und wichtigsten Regionen für
den Nachschub von Heroin, Kokain und anderen illegalen Drogen, beginnen
selbst immer häufiger gegen den Drogenhandel einzuschreiten.

Der Grund:

Sie erkennen, daß auch innerhalb ihrer Grenzen die Zahl der Drogensüchtigen zunimmt oder Gewalttätigkeiten gegen die Ordnungshüter und Mitbürger
unerträglich werden. "Sobald man den zuständigen Stellen klarmachen kann,
daß Drogen nicht nur für andere Länder in der Welt, sondern auch für das
eigene Volk ein ungemein schwieriges Problem darstellen, werden sie aktiv", sagt Sterling Johnson Jr. vom Rauschgiftdezernat der Stadt New
York.

Er konnte auf einer vom US-Informationsamt (USIA) veranstalteten

Studienfahrt mit Beamten in Pakistan, Argentinien, Jamaika und auf den
Bahamas viele der Probleme erörtern, die inzwischen auch den Herkunftsländern von Drogen zu schaffen machen.

Auf einer Pressekonferenz, die Mitte Januar 1985 in Washington stattfand, berichtete Johnson u.a. über energische Maßnahmen Pakistans gegen
den Drogenhandel.

Sie wurden durch den rasanten Anstieg der Zahl Heroin-

süchtiger im eigenen Land ausgelöst.

"Im Jahr 1980 wußte man in Pakistan

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�in Pakistan von zwei Heroinabhängigen - 1983 waren es 150 UOU, und im
Jahr 1984 dürfte die Zahl auf 300 000 angestiegen sein", sagte der Jurist. "Vor allem Angehörige der Mittel- und Oberschicht sind betroffen...
Die Regierung ist äußerst besorgt.

Ungeachtet aller Maßnahmen scheinen

die Suchtprobleme i.nmer schlimmer zu werden."

Die pakistanische Regierung sei sehr daran interessiert, Angehörige
der Polizei und der Rauschgiftfahndung in den Vereinigten Staaten ausbilden zu lassen.

Auch die in den USA nicht nur auf kommunaler, sondern

auch auf Bundesebene angewandten gesetzlichen Maßnahmen zur Beschlagnahme
von Geld, Häusern, Autos und anderen Sachwerten, die mit Drogenhandel erworben wurden, gelten als Modell für Aktionen, die Pakistan jetzt einzuführen gedenkt.

Kolumbien gehe, wie Johnson weiter berichtete, ebenfalls härter gegen
die Drahtzieher des Rauschgiftgeschäfts vor.

Seit der Ermordung des ko-

lumbianischen Justizministers im April 198a durch Drogenhändler wurde der
Rechtsvollzug erheblich gestrafft.

Auch sei die Regierung jetzt eher zur

Zusammenarbeit bereit, was u.a. die kürzlich erfolgte Auslieferung von
vier Drogenhändlern an die Vereinigten Staaten zeige.

Allerdings stünden

nunmehr Nachbarländer, in die sich kolumbianische Drogenhändler abgesetzt
haben, vor neuen Schwierigkeiten.

So käme es heute nach den Angaben der

argentinischen Polizei "häufiger zu Verbrechen als in der Zeit der Militärdiktatur, was manche Leute dem Drogenhandel zuschreiben".

Allgemein habe sich, so Johnson, die Erkenntnis durchgesetzt, daß
Drogen nicht als amerikanisches Problem zu betrachten seien.

Die Mei-

nung, "... wäre bei euch nicht die Nachfrage da, gäbe es auch keine Lieferquellen", habe sich von Grund auf geändert.

In den Herkunftsländern

der Drogen beginne man einzusehen, daß "wir alle im gleichen Boot sitzen"
und daß sie nicht minder betroffen sind.

Die Bereitschaft zur Zusammen-

arbeit sei ein wichtiger Faktor, weltweit den Kampf gegen Drogen erfolgreicher zu führen.
* * * * *

- 2-

�Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. Januar 1985

MISSBILDUNG DURCH AKNE-PRAPARAT

- (AD) - Zusammenhänge zwischen der Einnahme eines gegen Akne verordneten Präparats und Mißbildungen bei Neugeborenen wurden durch eine Studie aufgedeckt, die gemeinsam von Wissenschaftlern der Universität Kalifornien und des Zentrums zur Überwachung von Krankheiten (CDC) in Atlanta
(US-Bundesstaat Georgia) durchgeführt wurde. Dr. Ira T. Lott (Assistenzprofessorin für Neurologie und

Pädiatrie, Irvine) und Dr. Edward

J.

Lammer (Epidemiologe, CDC) berichteten auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Kinderneurologie im Oktober 1984 über die Ergebnisse ihrer Untersuchungen.

Es handelt sich um das rezeptpflichtige Präparat "Accutane" (chemische Bezeichnung: Isotretinoin), das seit September 1982 auf dem Markt
ist. Gehirn, Augen, Ohren, Gesicht und Herz können von den Mißbildungen
betroffen sein. Einer der ersten Fälle im Zusammenhang mit Accutane wurde
1983 bekannt. Die 16jährige Mutter hatte, wie sich bei den Ermittlungen
der Ärzte in Orange County (Kalifornien) herausstellte, im ersten Drittel
der Schwangerschaft das Medikament eingenommen. Inzwischen wurden mehr

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�wurden mehr als 20 Babies ausfindig gemacht, deren Mißbildungen auf
Accutane zurückzuführen sind.

In der Studie sind 152 Frauen erfasst, die zwischen September 1982
und Juli 1984 Accutane im ersten Drittel der Schwangerschaft eingenommen
haben. Die Bundesbehörde zur Überwachung von Lebens- und Arzneimitteln
(FDA) hatte aufgrund der Beobachtungen von Entwicklungsanomalien bei der
Nachkommenschaft von Versuchstieren vor der Zulassung des Präparats ausdrücklich darauf hingewiesen, daß es Schwangeren nicht verordnet werden
sollte. Ein entsprechender Vermerk ist in der den Ärzten zugänglichen Literatur und im Beipackzettel enthalten. Jedoch begeben sich gerade junge
Mädchen unter 20 häufig wegen Akne in ärztliche Behandlung. Diese könne
zu einem ernsten Risiko werden, wenn die Patientinnen entweder von einer
bereits eingetretenen Schwangerschaft nichts wissen, sie nicht zugeben
wollen oder während der Zeit der Behandlung schwanger werden, erklärte
Prof. Lott. Deshalb sei besondere Wachsamkeit bei der Anwendung des Präparats geboten.

*****

- 2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetische Abrüstungsverhandlungen beginnen am 12. März in Genf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bekanntgabe des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Strategische Verteidigungsinitiative und die Renaissance der Weltraumforschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Generalleutnant James A. Abrahamson -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tower: USA wollen Gefahr eines Atomkrieges beseitigen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Tower-Interview mit US-Fernsehgesellschaft NBC -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Richtigstellung zur amerikanischen Nicaragua-Politik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Jackson-Plan: Leistungen und Ziele&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fakten zur Mittelamerikahilfe der USA -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Drogenprobleme in den Herkunftsländern&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Missbildung durch Akne-Präparat</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

30. Januar 1991

Unfted States Information S?-v!ö8
Embassy oi !f;a United S:;^:::. oi America

libtary Services
Deichmanns Aue 29

530G Bonn 2

BERICHT ZUR LAGE
DER NATION

BUSH VERSPRICHT ERFOLG DER
KOALITION AM GOLF
Bericht des Präsidenten zur Lage der Nation

GOLFKRISE

BUSH VERSPRICHT AUSSERSTE
ANSTRENGUNGEN ZUR BESEITIGUNG
DER ÖLKATASTROPHE IM PERSISCHEN GOLF
Pressekonferenz des Präsidenten
WIE DER IRAK SEINE
KRIEGSMASCHINERIE AUFBAUTE
Hintergrundinformation zu Iraks Militärapparat

GOLFKRISE/KSZE

MARESCA: DIE WELT HAT
SADDAM HUSSEIN GEWARNT
Botschafter Maresca bei der KSZE

WIRTSCHAFT

GREENSPAN: ENDE DER REZESSION IN DEN
USA GEGEN MITTE DES JAHRES ERWARTET
Rede des Direktors der US-Bundesbank
im Kongreß

BALTIKUM

DIE SITUATION IM BALTIKUM
Amerikanische Pressestimmen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-33923 66
Telex: 8-85432

�BERICHT ZUR LAGE DER NATION
30.Januar 1991

BUSH VERSPRICHT ERFOLG
DER KOALITION AM GOLF
Bericht des Präsidenten zur Lage der Nation
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush verprach am 29. Januar 1991, die Bestrebungen der Koalition am
Persischen Golf "werden erfolgreich sein" und erklärte, die Aggression des irakischen Präsidenten Saddam
Hussein "wird sich nicht behaupten".
In seinem Bericht zur Lage der Nation konstatierte Bush, Saddam Husseins "nichtprovozierte Invasion" Kuwaits
"hat alles verletzt, was der internatioalen Staatengemeinschaft heilig ist. Die Welt hat erklärt, seine Aggression
werde sich nicht behaupten - und sie wird sich nicht behaupten."
Der Präsident erklärte ferner, es ermutige ihn, daß die Vereinigten Staaten nicht allein die finanzielle Belastung
des Kampfes um die Befreiung Kuwaits von der irakischen Besetzung tragen müssen.
"Im vergangenen Jahr haben unsere Freunde und Verbündeten den größten Teil der Kosten für die Operation
Wüstenschild getragen, und da ich inzwischen Zusagen im Umfang von über 40 Milliarden Dollar für die ersten
drei Monate des Jahres 1991 erhalten habe, bin ich zuversichtlich, daß sie während der Durchführung von
Operation Wüstensturm eingehalten werden," bemerkte Bush.
Die Rede des Präsidenten ging auf die Entwicklungen am Persischen Golf ebenso ein wie auf das Verhältnis
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, die Handelsbeziehungen, die US-Wirtschaft und andere
innenpolitische Themen, einschließlich Bürgerrechten, Verbrechensbekämpfung und Gesundheitswesen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Bericht des Präsidenten zur Lage der Nation im Wortlaut.

Herr Präsident, Herr Vorsitzender, verehrte Abgeordnete des amerikanischen Kongresses. Ich trete vor
dieses Haus des Volkes, um zu Ihnen und allen
Amerikanern zu sprechen, weil wir uns in einer entscheidenden Stunde befinden.
Auf der anderen Seite des Erdballs führen wir in der
Luft, zu Wasser und zu Lande einen großen Kampf.
Wir wissen, warum wir dort sind. Wir sind Amerikaner
und damit Teil eines übergeordneten Ganzen.
Seit zweihundert Jahren haben wir für die Freiheit hart
gearbeitet. Und heute abend führen wir die Welt in der
Machtprobe einer Bedrohung gegen Anstand und
Menschlichkeit.
Es steht mehr auf dem Spiel als nur ein kleines Land
- eine große Idee: eine neue Weltordnung, in der
unterschiedliche Nationen in einer gemeinsamen Sache
zusammenstehen, um die universellen Hoffnungen
der Menschheit zu verwirklichen: Frieden und Sicherheit, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit. So sieht eine
AMERIKA DIENST 4

Welt aus, für die es sich zu kämpfen lohnt und die der
Zukunft unserer Kinder wert ist.
Die internationale Staatengemeinschaft ist einmütig
zusammengetreten, um die gesetzlose Aggression zu
verurteilen und zurückzuschlagen. Saddam Husseins
nichtprovozierte Aggression - seine ruchlose, systematische Vergewaltigung eines friedlichen Nachbarn hat alles verletzt, was der internationalen Staatengemeinschaft heilig ist.
Die Welt hat erklärt, seine
Aggression werde sich nicht behaupten - und sie wird
sich nicht behaupten.
Gemeinsam sind wir der Falle der Beschwichtigung,
des Zynismus und der Isolation entgangen, die für
Tyrannen eine große Versuchung darstellt. Die Welt
hat Saddam Husseins Invasion mit 12 UNO-Resolutionen beantwortet, beginnend mit der Forderung nach
dem unverzüglichen und bedingungslosen Abzug des
Irak und untermauert von Streitkräften aus 28 Ländern
in 6 Kontinenten. Mit wenigen Ausnahmen hält die
Welt jetzt zusammen.
Seite 1

�Das Ende des kalten Kriegs war ein Sieg für die ganze
Menschheit. Vor anderthalb Jahren habe ich in Deutschland erklärt, unser Ziel sei ein ungeteiltes und freies
Europa. Heute ist Deutschland vereinigt. Europa ist
ungeteilt und frei geworden - und Amerikas Führungsrolle hat es möglich gemacht.
Unsere Beziehungen zur Sowjetunion sind nicht nur
für uns, sondern für die ganze Welt von Bedeutung.
Diese Beziehungen haben uns geholfen, diese und
andere historische Veränderungen zu gestalten. Aber
wie viele andere Länder sind auch wir tief besorgt über
die Gewalt im Baltikum, und diese Sorge haben wir
auch der sowjetischen Führung übermittelt.
Unsere Leitlinie ist einfach: unser Ziel besteht darin,
den Völkern im Baltikum bei der Realisierung ihrer
Hoffnungen zu helfen, nicht die Sowjetunion zu bestrafen. Bei unseren jüngsten Gesprächen mit der sowjetischen Führung haben wir Vorträge gehört, die bei
ihrer Umsetzung in die Tat zum Abzug einiger Teile der
sowjetischen Streitkräfte, einer Wiederaufnahme des
Dialogs mit den Teilrepubliken und zu einer Abkehr von
Gewalt führen würden.
Wir werden genau beobachten, wie sich die Situation
entwickelt. Und wir werden unsere Kontakte mit der
sowjetischen Führung pflegen, um weiteres Engagement für Demokratisierung und Reform zu fördern.
Wenn möglich möchte ich ein dauerhaftes Fundament
für amerikanisch-sowjetische Kooperation undfüreine
friedlichere Zukunft der gesamten Menschheit schaffen.
Der Triumph demokratischer Ideen in Osteuropa und
Lateinamerika - und der anhaltende Kampf für Freiheit
in anderen Teilen der Welt - sind eine Bestätigung für
die Klugheit unserer Staatsgründer.
Heute abend arbeiten wir gemeinsam, um einen anderen Sieg zu erringen - einen Sieg über die Tyrannei und
brutale Aggression.
Gemeinsam treten wir in das letzte Jahrzehnt des 20.
Jahrhunderts ein und sind dankbar für die Wohltaten,
die uns zuteil werden, sind uns standhaft in unserem
Ziel unserer Schwierigkeiten bewußt und tragen die
Verantwortung für unsere Pflichten im In- und Ausland.
Seit zweihundert Jahren dient Amerika der Welt als
leuchtendes Beispiel für Freiheit und Demokratie. Seit
Generationen übernimmt Amerika die Führungsrolle
im Kampf um die Erhaltung und Ausdehnung der
Wohltaten der Freiheit. Und heute, in einer sich rasch
verändernden Welt, ist die Führungsrolle Amerikas
unabdingbar. Amerika weiß, daß eine Führungsrolle
auch Belastungen mit sich bringt und Opfer fordert.
Aber wir wissen, warum die Hoffnungen der Menschheit auf uns gerichtet sind.

Seite 2

Wir sind Amerikaner. Wir haben eine einzigartige
Verantwortung, die harte Arbeit der Freiheit zu leisten.
Und wenn wir das tun, funktioniert Freiheit.
Die Überzeugung und der Mut, wje wir sie heute am
Persischen Golf beobachten, zeigen ganz einfach den
amerikanischen Charakter in Aktion. Der unbeugsame Geist, der zu diesem Sieg für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt beiträgt, ist derselbe Geist, der uns
die Macht und die Möglichkeit gibt, unseren größten
innenpolitischen Herausforderungen gerecht zu werden.
Wir sind entschlossen und erfinderisch. Wenn wir
selbstlos dem Bösen in einem so weit entfernten Land
die Stirn bieten können, dann können wir ganz sicher
dieses Land zu dem machen, was es sein sollte.
Wenn Ihnen jemand erzählt, Amerika habe seine besten
Tage hinter sich, sehen sie das falsch.
Heute abend trete ich vor dieses Haus und vor das
amerikanische Volk mit einem Aufruf zur Erneuerung.
Dies ist nicht nur ein Aufruf zu neuen Regierungsinitiativen, sondern ein Appell für neue Initiative der Regierung, unserer Gemeinden und von jedem Amerikaner
- sich auf das nächste amerikanische Jahrhundert
vorzubereiten.
Amerika hat immer ein Beispiel gegeben. Wer von uns
wird dieses Beispiel geben? Wer von unseren Bürgern
wird uns in das nächste amerikanische Jahrhundert
führen? Jeder, der einen Schritt nach vorn macht und
einen Süchtigen bewegt, Drogen aufzugeben. Der
einen Jugendlichen in Not davon überzeugt, nicht
aufzugeben - der einen AIDS-Kranken tröstet - der
einem hungrigen Kind hilft.
Die Hoffnung auf ein erneuertes Amerika liegt in Reichweite. Wir können einen Sinn und die Erfüllung finden,
indem wir uns einem höheren Ziel verschreiben einem leuchtenden Ziel, der Entfachung tausender
Lichter. Es wird von allen ausgedrückt, die die unwiderstehliche Macht einer Kinderhand kennen, die Macht
eines Freundes, der einem zur Seite steht, die großzügige Geste eines Freiwilligen, eine Idee, die ganz
einfach richtig ist.
Die vor uns liegenden Probleme mögen anders sein,
aber der Schlüssel zu ihrer Lösung bleibt derselbe: es
ist der einzelne, der einen Schritt nach vorn macht.
Und unser Staatenbund wird von von allen gebildet, er
ist die Summe unserer Freundschaften, Ehen, Familien und Gemeinden.
Wir alle haben etwas zu geben. Wenn Sie lesen
können, suchen Sie jemanden, der es nicht kann.
Wenn Sie einen Hammer haben, suchen Sie einen
Nagel. Wenn Sie keinen Hunger haben, nicht einsam
oder in Schwierigkeiten sind - suchen Sie jemanden,
dem Sie helfen können.

AMERIKA DIENST 4

�Treten Sie der verantwortungsbewußten Gemeinschaft
bei. Leisten Sie die harte Arbeit des Friedens. Dadurch definiert sich unser Staatenbund.
Seit Gründung unserer Nation war "Wir, das Volk"
Quelle unserer Stärke. Was die Regierung allein
leisten kann, ist begrenzt - aber die Möglichkeiten des
amerikanischen Volkes kennen keine Grenzen.
Wir sind eine Nation, die von steinhartem Realismus
und klarsichtigem Idealismus geprägt ist. Wir sind
Amerikaner: Wir sind ein Land, das an seine Zukunft
glaubt. Wir sind ein Land, das die Zukunft gestalten
kann.
Und wir haben angefangen, genau das zu tun - durch
Stärkung der Macht und Wahlfreiheit des einzelnen
und der Familie.
Gemeinsam haben wir in den letzten zwei Jahren das
Geld für die Kinderbetreuung direkt den Eltern und
nicht mehr der Bürokratie zukommen lassen. Wir
haben das Potential behinderter Amerikaner freigesetzt. Die Kreativität der Marktwirtschaft in den Dienst
der Umwelt und der sauberen Luft gestellt. Und wir
haben es ermöglicht, daß mehr Amerikaner ein eigenes Haus besitzen können.
Die Stärke der Demokratie liegt nicht in der Bürokratie.
Sie liegt bei den Menschen und ihren Gemeinden. Bei
allem, was wir tun, müssen wir das Potential unserer
wertvollsten Ressourcen freisetzen - unsere Bürger.
Wir müssen Familien, Gemeinden, Bezirken, Städten,
Staaten und Institutionen aller Art wieder die Macht
geben, ihr eigenes Schicksal zu bestimmen und ihnen
die Freiheit und Chancen einräumen, die starkes Wirtschaftswachstum bieten. Darum geht es in Amerika.
Ich weiß, daß heute abend in einigen Teilen dieses
Landes Menschen in echter wirtschaftlicher Not sind.
Ich höre sie.
Anfang dieses Monats schrieb mir Kathy Blackwell aus
Massachusetts einen Brief darüber, was bei einer
wirtschaftlichen Flaute passieren kann: "Mir tut das
Herz weh, und ich denke, Sie sollten es wissen - Ihr
Volk hier draußen leidet großen Schmerz."
Ich verstehe das. Und ich bin nicht unrealistisch im
Hinblick auf die Zukunft. Aber es besteht Grund zum
Optimismus über unsere Wirtschaft.
Erstens müssen wir keine zweistellige Inflation bekämpfen. Zweitens müssen die meisten Industrieunternehmen ihre Produktion nicht erheblich drosseln,
weil sie keine großen Lagerbestände angesammelt
haben. Und drittens exportieren wir stetig und in
gewohntem Umfang. Tatsächlich exportieren amerikanische Unternehmen in nie dagewesenem Maße.
Diese Zeit muß man im richtigen Blickwinkel sehen.
Seit 1981 haben wir gemeinsam fast 20 Millionen

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Arbeitsplätze geschaffen, die Inflation und die Zinssätze halbiert.
Es stimmt, daß die größte wirtschaftliche Expansion
der Geschichte in Friedenszeiten zeitweise unterbrochen ist. Aber unsere Wirtschaft ist immer noch
doppelt so groß wie die unseres größten Konkurrenten.
Wir werden diese Rezession hinter uns bringen und bald - wieder auf den Wachstumskurs zurückkehren.
Wir werden den Weg zu einem neuen Expansionsrekord einschlagen und die Stärke im Wettbewerb erlangen, die uns ins nächste amerikanische Jahrhundert
führt.
Wir sollten unsere Bestrebungen heute auf die Förderung des Wirtschaftswachstums richten, in die Zukunft
investieren und dem einzelnen Macht und Chancen
geben.
Dabei müssen wir mit der Kontrolle der Bundesausgaben beginnen. Aus diesem Grund unterbreite ich einen
Haushalt, der den Ausgabenzuwachs unter der Inflationsrate hält. Und deshalb haben wir, trotz allen
Wehklagens bei der Haushaltsdebatte im letzten Jahr,
durchführbare Ausgabenkürzungen verabschiedet, so
daß künftige Debatten über die Ausgaben ein Kampf
der Ideen sind, kein Machtkampf.
Trotz aller Kontroversen hat die Haushaltsvereinbarung der Bundesregierung schließlich einen Mechanismus zur gleichzeitigen Anhebung von Ausgaben
und Steuern (pay-as-you-go-plan) auferlegt - und das
Schuldenwachstum um nahezu 500 Milliarden Dollar
gesenkt. Damit werden Mittel zum Sparen und für
Investitionen zur Schaffung von Arbeitsplätzen frei.
Wir wollen noch mehr tun. Mein Haushalt umfaßt auch
steuerfreie Sparguthaben für Familien, straffreie Auszahlungen aus der Rentenkasse für Ersteigentümer
von Häusern und zur Vermehrung von Arbeitsplätzen
und Wachstum eine gesenkte Steuer für langfristige
Kapitalerträge.
Ich weiß, daß wir über die Auswirkungen eines Anreizes für Kapitalerträge unterschiedlicher Meinung sind.
Deshalb fordere ich heute abend die Kongre ßabgeordneten und die Notenbank auf, gemeinsam mit uns unter Leitung von Alan Greenspan - eine Untersuchung durchzuführen, um unsere technischen Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen, so daß wir eine
Rückkehr zu unproduktivem Zank zwischen den Parteien vermeiden können.
Aber ebenso wie unsere Bestrebungen jetzt und in
Zukunft Wirtschaftswachstum hervorbringen, müssen
sie von langfristigen Investitionen für das nächste
amerikanische Jahrhundert begleitet sein.
Das erfordert einen zukunftsorientierten Aktionsplan und genau den werden wir dem Kongreß übergeben.

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�Wir haben eine Reihe detaillierter Vorschläge erarbeitet:
Einen Haushalt, der Investitionen in Amerikas Zukunft
fördert- in Kinder, Ausbilung, Infrastruktur, das Weltall
und Hochtechnologie.
Gesetze, die - aufbauend auf der Partnerschaft mit 50
Gouverneuren beim Bildungsgipfel - Leistung im Bildungswesen fördern, im Rahmen derer Eltern die
Schulen ihrer Kinder wählen können und dazu beitragen, daß Amerika in Mathematik und Naturwissenschaften die Nummer 1 wird.
Einen Plan für ein neues nationales Autobahnnetz eine wichtige Investition für unser Verkehrsnetz.
Ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm mit einem Rekordumfang an Investitionen der Bundesregierung und einen Steuerfreibetrag zur Förderung privater Forschung und Entwicklung und Schaffung von
Arbeitsplätzen.
Ein umfassendes nationales Energieprogramm, das
Erhaltung und effektive Nutzung von Energie ebenso
fordert wie stärkere Entwicklung und umfangreicheren
Einsatz alternativer Brennstoffe.
Einen Reformplan für die Banken für den Übergang
des amerikanischen Finanzwesens ins 21. Jahrhundert - so daß unsere Banken sicher bleiben und
weiterhin Kredite an Fabriken und Unternehmen zur
Schaffung von Arbeitsplätzen und an Hauskäufer
vergeben können. Ich denke, man war zu pessimistisch. Gesunde Banken sollten mehr Kredite bereitstellen und die Zinssätze sollten - jetzt - sinken.
Zusätzlich zu diesen Vorschlägen müssen wir der
Tatsache Rechnung tragen, daß unsere wirtschaftliche Stärke von unserer Wettbewerbsfähigkeit auf den
Weltmärkten abhängt. Wir müssen das Exportvolumen der Vereinigten Staaten weiter aufstocken. Ein
erfolgreicher Abschuß der Uruguay-Runde von Welthandelsgesprächen wird mehr Arbeitsplätze und größeres reales Wachstum - für alle Nationen - schaffen.
Sie und ich wissen, wenn die Spielregeln stimmen,
können die amerikanischen Arbeitnehmer und Landwirte es mit jedem zu jeder Zeit und an jedem Ort
aufnehmen.
Mit dem mexikanischen Freihandelsabkommen und
unserer Initiative zur Unternehmensförderung in allen
Ländern Amerikas können wir unseren Partnern helfen, ihre Wirtschaft zu stärken und auf dem gesamten
Kontinent eine Freihandelszone zu schaffen.
Die Haushaltsvorlage enthält ferner einen Aktionsplan, der jedem einzelnen hier in unserem Land mehr
Macht und Chancen bieten will. Dies bedeutet neue
Initiativen zur Schaffung von Arbeitsplätzen in unseren
Stadtkernen durch Ermutigung von Investitionen in

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Gewerbegebiete. Es bedeutet ferner Mietermitbestimmung und Eigentumsförderung im öffentlichen
Wohnungsbau. Die Freiheit der Wahl sollte nicht das
Privileg der Wohlhabenden sein. Sie ist das Geburtsrecht jedes Amerikaners.
Bürgerrechte sind ebenso entscheidend bei der Gewährleistung gleicher Chancen. Jeder von uns trägt
die Verantwortung, sich gegen Rassismus, Bigotterie
und Haß auszusprechen. Wir werden die bestehenden Statuten weiterhin vehement durchsetzen, und ich
werde den Kongreß nochmals auffordern, die Gesetze
gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz ohne unfaire
Bevorzugung zu verbessern.
Wir sind ferner entschlossen, ein weiteres grundlegendes Bürgerrecht zu schützen - Kriminalität und Furcht
zu bekämpfen, die in unseren Städten umgeht. Der
Justizminister wird in Kürze eine Zusammenkunft der
Strafverfolgungsbeamten unseres Landes zur Verbrechensbekämpfung einberufen. Um zu ihrer Unterstützung beizutragen, benötigen wir eine strenge Gesetzgebung zur Verbrechensbekämpfung - und wir brauchen sie jetzt.
Bei der Verbrechensbekämpfung werden wir unsere
nationale Strategie zum Kampf gegen den Drogenmißbrauch voll und ganz verwirklichen. Jüngste Statistiken belegen, daß wir Fortschritte machen, aber es
bleibt noch viel zu tun. Wir werden nicht ruhen, bis wir
allen Drogenhändlern für immer das Handwerk gelegt
haben.
Gesundheit ist das Recht und die Verantwortung jedes
Amerikaners. Aus diesem Grund schlagen wir ein
aggressives Programm neuer Vorsorgeinitiativen vor für Kleinkinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere
Mitbürger - um ein gesünderes Amerika zu schaffen
und die Kostenexplosion im Gesundheitswesen einzudämmen.
Es ist an derzeit, den Mitbürgern ein größeres Mitspracherecht bei der Regierung einzuräumen, indem wir
das Ideal des bürgernahen Politikers wiederbeleben,
der dient und nicht nur sein Amt verteidigt. Einer der
Gründe für die starke Befürwortung begrenzter Amtszeiten ist, daß das amerikanische Volk zunehmend
über den Einfluß des Geldes in der Politik besorgt ist.
Wir müssen über die nächste Wahl hinausblicken und
zukünftige Generationen im Auge behalten. Es ist an
der Zeit, nationales Interesse über Einzelinteresse zu
stellen - und politische Aktionskomitees vollständig
abzuschaffen.
Damit gäbe es größere Konkurrenz bei den Wahlen,
und dem einzelnen würde mehr Macht verliehen. Und
wo Macht nicht direkt in die Hände des einzelnen
gelegt werden kann, sollte sie dem Volk nähergebracht
werden - weiter entfernt von Washington.

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�Die Bundesregierung behandelt staatliche Programme zu häufig, als seien sie in Washington, von Washington und für Washington gemacht. Einmal eingeführt, scheinen Bundesprogramme unsterblich zu
werden.
Es ist an der Zeit für eine dynamischere Programmfolge: Einige Programme sollten erweitert werden. Andere
abgebaut. Einige sollten beendet, und wieder andere
sollten der Zuständigkeit der Bundesstaaten übergeben werden.
Mein Haushaltsentwurf enthält eine Liste von eventuell
abzustoßenden Programmen, die sich insgesamt auf
über 20 Milliarden Dollar belaufen. In Zusammenarbeit mit dem Kongreß und den Gouverneuren schlage
ich vor, daß wir Programme im Wert von mindestens
15 Milliarden Dollar aussuchen und sie mit einem vollständig finanzierten - einmaligen konsolidierten
Zuschuß an die Bundesstaaten übergeben, damit diese
sie flexibel verwalten können.
Der Zweck dieser Übung liegt auf der Hand. Sie
gestattet der Bundesregierung eine Reduzierung der
laufenden Kosten und den Bundesstaaten eine flexiblere und effizientere Verwaltung. Macht und Entscheidungsfindung werden dem Volk nähergebracht.
Und sie bekräftigt eine Leitlinie dieser Administration:
Würdigung und Ermutigung des Innovationsgeistes
von "Bundesstaaten als Versuchslabors".
Diese Nation wurde von politisch Verantwortlichen
gegründet, die erkannten, daß die Macht in die Hand
des Volkes gehört. Sie planten für die Zukunft. Das
müssen auch wir tun - hier und in der übrigen Welt.
Als Amerikaner wissen wir, daß es Zeiten gibt, in
denen wir einen Schritt nach vorn machen und unsere
Verantwortung übernehmen müssen, die Welt aus
dem dunklen Chaos der Diktatoren in eine vielversprechendere Zukunft besserer Tage zu führen.
Vor nahezu 50 Jahren haben wir den langen Kampf
gegen aggressiven Totalitarismus aufgenommen. Heute
befinden wir uns in einer weiteren entscheidenden
Stunde für die Vereinigten Staaten und die Welt.
Niemand leistet mehr harte Arbeit für die Freiheit als
jeder Soldat und jeder Seemann, jeder Marineinfanterist, Flieger und Küstenwachmann - jeder Mann und
jede Frau, die heute am Persischen Golf dienen.
Jeder von ihnen hat sich freiwillig zur Verteidigung
dieser Nation bereiterklärt - und jetzt führen sie einen
mutigen Kampf, um für die Vereinigten Staaten, die
Welt und zukünftige Generationen einen gerechten
und dauerhaften Frieden zu erlangen.
Unsere Verpflichtung ihnen gegenüber muß ihrer
Verpflichtung gegenüber ihrem Land entsprechen. Sie
sind die Besten, die Amerika hat.

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Wir wollten den Krieg am Golf nicht. Wir haben hart
daran gearbeitet, Krieg zu vermeiden. Zusammen mit
der Arabischen Liga, der Europäischen Gemeinschaft
und den Vereinten Nationen haben wir über fünf Monate
lang versucht, alle diplomatischen Kanäle auszuschöpfen. UNO-Generalsekretär Perez de Cuellar, die
Präsidenten Gorbatschow, Mitterrand, Özal, Mubarak
und Bendjedid, die Könige Fahd und Hussein, die
Premierminister Major und Andreotti - um nur einige zu
nennen - haben alle an einer Lösung gearbeitet. Aber
immmer wieder hat Saddam Hussein den Kurs der
Diplomatie und des Friedens rundweg abgelehnt.
Die Welt weiß sehr wohl, wie und wann dieser Konflikt
begann: Er begann am 2. August, als Saddam Hussein in einen kleinen, wehrlosen Nachbarstaat einmarschierte und ihn sich einverleibte. Und ich bin sicher,
wie er enden wird. Damit der Frieden obsiegt, werden
wir dort ausharren.
Es ist mir eine Freude, heute abend berichten zu
können, daß wir auf Kurs liegen. Iraks Fähigkeit zur
Kriegführung wird zerstört. Unsere Investitionen, unsere
Ausbildung und Planung - all dies macht sich bezahlt.
Die Zeit wird Saddam Hussein nicht retten.
Unser Ziel am Persischen Golf ist und bleibt: den Irak
aus Kuwait zu vertreiben, die rechtmäßige Regierung
Kuwaits wiedereinzusetzen und Stabilität und Sicherheit in dieser entscheidenden Region zu gewährleisten.
Ich möchte eindeutig klarstellen, was ich unter Stabilität und Sicherheit in der Region verstehe. Wir wollen
nicht die Vernichtung des Irak, seiner Kultur oder
seines Volkes. Wir wünschen vielmehr, daß der Irak
seine riesigen Ressourcen nicht zur Zerstörung einsetzt oder in den Dienst eines ehrgeizigen Tyrannen
stellt, sondern zur Schaffung eines besseren Lebens
für sich und seine Nachbarn. Unser Ziel ist ein Persischer Golf, an dem nicht länger Konflikt die Regel ist,
wo die Starken weder versucht noch fähig sind, die
Schwachen einzuschüchtern.
Die meisten Amerikaner wissen instinktiv, warum wir
am Golf sind. Sie wissen, wir mußten Saddam Hussein jetzt aufhalten - nicht später. Sie wissen, dieser
brutale Diktator wird alles tun, jede Waffe einsetzen
und jede Greueltat begehen - gleichgültig, wie viele
Unschuldige leiden müssen.
Sie wissen, wir müssen sicherstellen, daß die Kontrolle
über die Ölreserven der Welt nicht in seine Hände fällt,
nur um weitere Aggression zu finanzieren. Sie wissen,
daß wir einen neuen, dauerhaften Frieden schaffen
müssen - nicht auf Wettrüsten und Konfrontation,
sondern auf gemeinsame Prinzipien und Rechtsstaatlichkeit gegründet.

Seite 5

�Und wir alle erkennen, daß unsere Verantwortung als
Katalysator für Frieden in der Region nicht mit der
erfolgreichen Beendigung dieses Krieges endet.
Demokratie birgt das unveräußerliche Recht des konstruktiven Widerspruchs - und wir haben hier in unserem Land anderslautende Meinungen vernommen einige unbesonnen, die meisten verantwortungsbewußt. Aber die Tatsache, daß alle das Recht haben,
ihre Meinung auszusprechen, ist ein Grund, warum wir
seit 200 Jahren in Ziel und Grundsätzen übereinstimmen.
Unser Fortschritt in diesem großen Kampf ist das
Ergebnis jahrelanger Wachsamkeit und der unerschütterlichen Verpflichtung zu einer starken Verteidigung.
Angesichts beachtlicher technologischer Fortschritte
wie der Patriot-Rakete können wir uns heute gegen
Angriffe ballistischer Raketen auf unschuldige Bürger
verteidigen.
Mit Blick auf die Zukunft habe ich verfügt, daß unser
SDI-Programm sich erneut darauf konzentriert, Schutz
vor begrenzten Angriffen mit ballistischen Raketen zu
gewähren - gleichgültig welcher Herkunft. Wir wollen
ein SDI-Programm verfolgen, das jeder zukünftigen
Bedrohung der Vereinigten Staaten, unserer Streitkräfte in Übersee und unserer Freunde und Verbündeten gewachsen ist.
Dank der amerikanischen Arbeitnehmer hat uns die
Qualität der amerikanischen Technologie in die Lage
versetzt, erfolgreich mit schwierigen militärischen Situationen fertig zu werden und den Verlust an Menschenleben so gering wie möglich zu halten. Wir
haben unseren Männern und Frauen unser Bestes
gegeben. Und sie verdienen es.
Wir alle bewahren einen Platz in unserem Herzen für
die Familien unserer am Golf dienenden Männer und
Frauen. Sie sind heute abend hier durch Frau Schwarzkopf vertreten. Wir sind General Schwarzkopf und
allen, die mit ihm dienen, zu großem Dank verpflichtet.
Und den Familienangehörigen möchte ich sagen, unsere
Streitkräfte werden keinen Tag länger als zur Beendigung ihrer Mission nötig am Golf bleiben.
Der Mut und der Erfolg der Piloten - aus Kuwait, SaudiArabien, Frankreich, Kanada, Italien, Katar und Bahrain - sind Beweis dafür, daß sich die internationale
Staatengemeinschaft zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg einig ist. Die bisher als Idealvorstellung
geltende Führungsrolle der Vereinten Nationen bestätigt jetzt die Vision ihrer Gründer.
Es berührt mich tief, daß wir die finanzielle Belastung
dieses Kampfes nicht allein tragen müssen. Im vergangenen Jahr haben unsere Freunde und Verbündelen den größten Teil der Kosten für die Operation
Wüstenschild übernommen, und da ich inzwischen

Seite 6

Zusagen im Umfang von über 40 Milliarden Dollar für
die ersten drei Monate des Jahres 1991 erhalten habe,
bin ich zuversichtlich, daß sie während der Durchführung von Operation Wüstensturm eingehalten werden.
Aber die Welt wundert sich vielleicht, was der irakische
Diktator wohl denkt. Wenn er glaubt, Vorteile zu
erlangen indem er unschuldige Zivilisten in Israel und
Saudi-Arabien zur Zielscheibe macht, liegt er ganz
falsch. Wenn er denkt, seine Sache durch tragischen
und verabscheuungswürdigen Umweltterrorismus
vorantreiben zu können, liegt er ganz falsch. Und
wenn er glaubt, durch brutalen Umgang mit den Kriegsgefangenen der Verbündeten Vorteile erlangen zu
können, liegt er ebenfalls falsch.
Wir werden im Golf Erfolg haben. Und wenn wir das
tun, wird dies ein für allemal eine Warnung der internationalen Staatengemeinschaft für jeden Diktator oder
Despoten - der Gegenwart oder Zukunft - sein, der
gesetzlose Aggression in Betracht zieht.
Die Welt kann deshalb diese Gelegenheit ergreifen,
um die langgehegte Hoffnung auf eine neue Weltordnung zu erfüllen - in der Brutalität nicht zum Ziel führt
und Aggression auf kollektiven Widerstand stößt.
Die Vereinigten Staaten übernehmen einen großen
Teil der Führungsrolle in diesem Bestreben. Unter den
Ländern der Welt verfügen lediglich die Vereinigten
Staaten über die moralische Standfestigkeit und die
Mittel zu ihrer Durchsetzung. Wir sind das einzige
Land auf der Welt, das diese Friedensstreitkräfte
zusammenbringen konnte.
Dies ist die Last der Führungsrolle - und die Stärke, die
Amerika zum Symbol der Freiheit in einer Welt macht,
die sich auf der Suche befindet.
Dieses Land hat Krieg niemals als ruhmreiche Angelegenheit angesehen. Unser Volk wollte niemals die
Vorzüge von Heimat und Arbeit zugunsten ferner
Länder und tödlicher Konflikte aufgeben. Wenn wir in
Empörung kämpfen, dann nur, weil wir überhaupt
kämpfen müssen. Und wir alle streben eine Welt an,
in der wir niemals wieder kämpfen müssen.
Jeder von uns wird für sich selbst den Wert dieses
großen Kampfes erkennen. Jeder Verlust an Menschenleben liegt au ßerhalb unseres Ermessens. Aber
der Preis, um den wir die Augen vor der Aggression
verschließen würden, liegt außerhalb der Vorstellungskraft des Menschen überhaupt.
Wir wissen eins: Unsere Sache ist gerecht. Unsere
Sache ist moralisch, und unsere Sache ist richtig.
Künftige Generationen sollen die Belastungen und die
Vorzüge der Freiheit erkennen. Wir können ihnen
sagen, daß wir aufgestanden sind, als uns die Pflicht
rief.

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�Sie sollen wissen, daß wir als verantwortungsbewußte
Gemeinschaft alles für Amerika und die Welt getan
haben.

daß wir im In- und Ausland über den Willen verfügen,
das zu leisten, was geleistet werden muß - harte Arbeit
für die Freiheit.

Der Wind des Wandels weht aus unserer Richtung.
Die Kräfte der Freiheit sind vereint. Wir treten zuversichtlicher als je zuvor in das nächste Jahrhundert ein,

Möge Gott die Vereinigten Staaten von Amerika schützen.

* * * * *

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Seite 7

�GOLFKRISE
30. Januar 1991

BUSH VERSPRICHT ÄUSSERSTE ANSTRENGUNGEN
ZUR BESEITIGUNG DER ÖLKATASTROPHE IM
PERSISCHEN GOLF
Pressekonferenz des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) -Am 25. Januar 1991 versprach Präsident Bush, "alle Anstrengungen zu unternehmen",
um die weitere Einleitung von Öl in den Persischen Golf zu unterbinden, die der Irak durch Sabotage an den
wichtigsten Pumpstationen für Kuwaits Supertanker verursacht hat.
Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus erklärte Bush, "ich kann Ihnen versichern", daß alle Wissenschaftler, Öl- und Militärexperten aus Saudi-Arabien, Kuwait und den Vereinigten Staaten "in sehr engen Konsultationen stehen".
Darüber hinaus bekundete Bush seine Absicht, den Kongreßabgeordneten Edward Madigan aus Illinois zum
Landwirtschaftsminister zu nominieren. Er soll an die Stelle Clayton Yeutters treten, der zum Vorsitzenden des
Nationalen Komitees der Republikaner ernannt worden ist.
Im Rahmen der Pressekonferenz ging der Präsident ferner auf die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, die
Lage im Baltikum und die Probleme am Persischen Golf ein.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz in wesentlichen Auszügen.

Bush: Ich möchte diese Pressekonferenz mit der
Ankündigung beginnen, daß ich meinen guten Freund
undhervorragendenn Kongreßabgeordneten, Edward
Madigan, zum neuen Landwirtschaftsminister nominieren möchte. Ed Madigan ist seit 19 Jahren Mitglied
des Repräsentantenhauses. Er ist mit allen landwirtschaftlichen Fragen bestens vertraut und rangältestes
Mitglied der Minderheitspartei im Landwirtschaftsausschuß des Repräsentantenhaus. Ich kenne ihn seit
langem. Ich habe ihn als Freund und Führungspersönlichkeit in unserer Partei sowie als Mensch schätzengelernt, dem die Landwirtschaftspolitik unserer Regierung und die Landwirte in Amerika am Herzen liegen.
Er kennt die Landwirte in Illinois genau. Er kennt ihre
Bedürfnisse, ihre Sorgen und - was am wichtigsten ist
- ihre Hoffnungen für die Zukunft der Landwirtschaft.
Dies sind keine leichten Zeiten für die kleinen Landwirte, aber es sind wichtige Zeiten. In der Nahrungsmittelproduktion gelten wir - die Vereinigten Staaten - der
Welt als Vorbild. Dennoch haben amerikanische
Bauernfamilien nicht immer den Wohlstand genossen,
den sie verdienen. Meiner Ansicht nach ist Ed Madi-

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gan der Mann, der sich dieser Probleme annehmen
kann. Er setzt sich für die Sache ein und wird ihr im
Wei ßen Haus Gehör verschaffen, wenn wir die Zukunft
der amerikanischen Landwirtschaft erörtern...
Frage: Herr Präsident, was können Sie bei der Einleitung von Öl in den Golf durch den Irak unternehmen?
Wie kann sie gestoppt werden?
Antwort: Im Augenblick wird viel unternommen, um
herauszufinden, mit welchem Verfahren man dieser
Katastrophe Herr werden und die Ölpest stoppen
kann.
Saddam Hussein verblüfft weiterhin die Welt. Erst
benutzt er diese Scud-Raketen, die überhaupt keinen
militärischen Wert haben. Dann spielt er mit dem
Leben von Kriegsgefangenen, läßt sie aufmarschieren
und droht sie als menschliche Schutzschilde einzusetzen. Offensichtlich sind sie brutal behandelt worden.
Jetzt nimmt er sogar schwere Umweltschäden in Kauf
und läßt Unmengen Öl abfließen. Davon hat er überhaupt keine militärischen Vorteile. Es wird ihm überhaupt nicht helfen...

Seite 1

�Frage: Wird damit die Invasion nicht verhindert?
Antort: Ganz und gar nicht. Es hat damit überhaupt
nichts zutun. Deshalb weiß ich nicht, was das soll. Die
ganze Welt ist über ihn empört. Aber um auf Ihre Frage
zurückzukommen - vor etwa zwei Stunden sind Besprechungen beendet worden. Ein Kurs, über den ich
keinen Kommentar abgeben möchte, steht kurz vor
der Vereinbarung. Genaueres kann ich dazu noch
nicht sagen, aber ich kann Ihnen versichern, daß alle
Anstrengungen unternommen werden, um den weiteren Ölfluß in den Golf zu stoppen und zu verhindern,
da ß er weiter südwärts zieht. Das ist nicht einfach, weil
dieser Mann Kuwait besetzt hält und die Anlagen dort
in dieser Weise benutzt. Aber ich kann Ihnen versichern, daß die Wissenschaftler, die Öl- und Militärexperten zusammen mit den Saudis, den Kuwaitis und
der amerikanischen Seite in sehr engen Konsultationen stehen.
Frage: Sprechen Sie hier von einem Vergeltungsschlag?
Antwort: Nein, ich spreche gerade davon, was wir mit
diesem Ölteppich machen können. Darauf können wir
später eingehen.
Frage: Herr Präsident, Sie haben neulich gesagt,
niemand wäre böse darum, wenn Saddam Hussein zur
Rechenschaft gezogen würde. Denken Sie dabei an
ein Kriegsgerichtsverfahren für Saddam Hussein?
Können Sie eindeutig sagen, daß Saddam Hussein
nicht erlaubt wird, an der Macht zu bleiben, wenn all
dies vorüber ist?
Antwort: Nein. Ich bleibe nach wie vor bei unseren
Zielsetzungen. Sein Vorgehen ist ein eindeutiger
Bruch der Genfer Konvention, und wir müssen abwarten, wie sich das alles weiterentwickelt. Wir müssen
abwarten, wie Kuwait nach der Befreiung und der Irak
aussehen. Aber unsere Ziele bleiben dieselben.
Frage: Sie haben darauf hingewiesen, daß Saddam
Hussein viel unternommen hat, von dem eigentlich
nichts als militärische Offensive zu bezeichnen ist.
Ziehen Sie daraus den Schluß, daß er nicht kämpfen
wird?

Antwort: Nein, diese Schlußfolgerung ziehe ich
überhaupt nicht, weil die Scud-Raketenangriffe natürlich eine unmittelbare Vergeltung herausfordern, wenn
man die mobilen Abschußvorrichtungen finden kann.
Diese Nachforschungen führen wir weiterhin durch,
wie ich bereits erklärt habe.
Frage: Was tut er dann?
Antwort: Meiner Ansicht nach geht es ihm darum, in
einigen der Länder um Unterstützung zu werben, in
denen sie ihm vermutlich zuteil wird. Mit den Angriffen
auf Israel will er die Koalition spalten und in Teilen der
Welt antiisraelische Stimmungen schüren.

Seite 2

Was er damit bezwecken will, daß er die Ölreserven
abfließen läßt, weiß ich nicht, es sei denn, er will SaudiArabien oder jemand anderem seine Stärke beweisen.
Ich weiß auch nicht, was er bezweckt, wenn er auf
brutale Weise amerikanische Gefangene - auch britische Kriegsgefangene oder einen italienischen Piloten
- vorführt. Das ist meiner Meinung nach keine Vorführung, die ihm irgendwo eine gute Meinung einbringt.
Frage: Herr Präsident, viele Amerikaner möchten
wissen, warum Sie nicht Saddam Hussein selbst als
Zielscheibe nehmen, da alle Probleme immer wieder
auf ihn zurückzuführen sind. Besteht ein Zusammenhang mit den Komplikationen, die sich ergeben haben,
als Manuel Noriega zur Strecke gebracht werden
sollte?
Antwort: Dabei gab es keine Komplikationen. Es hat
sechs oder sieben Tage gedauert, aber es gab keine
Komplikationen. Auch keine Peinlichkeiten. Es gab
einen Mann, der aufgrund seiner Verbechen in diesem
Land gesucht wurde. Er sitzt jetzt im Gefängnis und
wird eines Tages vor dem Richter stehen. Ich möchte
mich also gegen den Begriff verwahren - es gab keine
Komplikationen. Aber wir haben unser Ziel abgesteckt. Unsere Koalitionspartner befinden sich im
Einklang mit diesen Zielen, und auch wir werden diese
Ziele beibehalten.
Frage: Aber warum haben Sie es nicht auf Saddam
Hussein abgesehen?
Antwort: Weil wir unser Ziel klar abgesteckt haben.
Diese Ziele sind mit der Koalition abgestimmt, und wir
werden uns daran halten - genau deshalb.
Frage: Eine andere Frage. Hat es heute für Sie
geringere Bedeutung, Gorbatschow beim politischen
Überleben zu helfen? Sind Sie von seiner Vorgehensweise im Baltikum so enttäuscht, daß Sie jetzt anders
darüber denken?
Antwort: Ich bin vom sowjetischen Vorgehen im
Baltikum enttäuscht, weil der Einsatz von Gewalt kein
Weg ist, um dieses Problem zu lösen. Und ich hatte
Gelegenheit, darüber mit dem Präsidenten zu sprechen, so daß ich die Schwierigkeiten kenne, denen er
sich gegenübersieht. Aber ich habe die Tatsache nicht
aus den Augen verloren, daß Gorbatschow als Katalysator vieler Veränderungen in Osteuropa fungiert und
die Wiedervereinigung Deutschlands gefördert hat,
die natürlich im Interesse der Deutschen und der
Vereinigten Staaten liegt. Er hat auch dazu beigetragen, daß wir bei der Krise am Persischen Golf eine
gemeinsame Basis haben.
Aber die Probleme im Baltikum und der Einsatz von
Gewalt dort bereiten uns große Schwierigkeiten. Die
Gespräche zwischen Baker und Bessmertnych werden eine große Bandbreite von Themen behandeln.
Es gibt Themen, bei denen wir eine breite gemeinsame

AMERIKA DIENST 4

�Basis haben, solche, bei denen unsere gemeinsamen
Ziele noch nicht verwirklicht sind und Bereiche, in
denen wir unterschiedlicher Meinung sind. An diesem
Punkt werde ich ansetzen, um herauszufinden, was
getan werden muß. Und genau das werden die
Sowjets meiner Ansicht nach auch tun.
Frage: Die Berichte aus Israel legen jetzt die Vermutung nahe, daß die Verletzten und vielleicht sogar
Toten unter der Zivilbevölkerung auf Patriot-Raketen
zurückzuführen sein könnten, die ihre Ziele verfehlt
haben oder - wenn sie trafen - zumindest Trümmer der
Rakete herunterfielen. Damit stellt sich erneut die
Frage nach der Funktionstüchtigkeit von Patriot-Raketen und ob Sie nun zusätzliche Maßnahmen in Erwägung ziehen, um dieses offensichtlich anhaltende
Problem in den Griff zu bekommen?
Antwort: Natürlich befassen wir uns die ganze Zeit
damit und wollen Mittel und Wege zu seiner Bewältigung finden. Wir möchten Wege finden, um diese
brutalen, sinnlosen, militärisch wertlosen Angriffe auf
die Zivilbevölkerung zu beenden.
Frage: Können Sie einen Anhaltspunkt geben, wieviel
Vertrauen Sie in die Israelis setzen, daß sie weiterhin
Zurückhaltung üben? Offensichtlich ist es heute nicht
leichter für sie als vorher.
Antwort: Ich bin nicht sicher, ob uns bereits alle
Einzelheiten über diesen letzten Angriff zur Verfügung
stehen. Ich setze nach wie vor großes Vertrauen in die

Patriot. Sie funktioniert außerordentlich gut. Ich
möchte lieber keinen Kommentar dazu abgeben, ob es
sich um Trümmer der Abfangrakete handelte oder
nicht, weil wir es einfach noch nicht sicher wissen.
Frage: Nochmals zu Saddam Hussein. Wäre es
angesichts der Aussage Ihrer Befehlshaber, sie hofften, diese Armee trete eher den Rückzug an als
Kämpfe zu führen, die in eine blutige Bodenoffensive
münden, militärisch nicht durchaus angebracht, Saddam Hussein ins Visier zu nehmen?
Antwort: Saddam Hussein ist nicht unser Ziel. Ich
habe unsere Ziele dargelegt, und ich möchte dem
britischen Premierminister Major nochmals beipflichten, daß niemand Saddam Hussein hinterherweinen
würde. Wir haben unsere Ziele artikuliert, und wir
stehen dazu.
Aber wer weiß, was geschieht, wenn er heute gehen
würde? Ich wünschte mir, was ich wieder und wieder
gesagt habe - daß wir mit der irakischen Bevölkerung
nicht im Streit liegen - würde im Irak Resonanz finden.
Wir möchten keinen destabilisierten Irak, wenn dies
alles vorüber ist. Genausowenig wünschen wir jedoch
eine Fortsetzung seiner Aggression. Wir werden eine
Fortsetzung dieser Brutalität nicht dulden. Daher
sehen wir uns mit einer Mischung von Problemen
konfrontiert. Diese Probleme beziehen sich jedoch
nicht auf die Bevölkerung in den Straßen von Bagdad.
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Frage: Herr Präsident, einige Fragen zu den Auswirkungen der Golfkrise auf unsere Innenpolitik. Erstens,
können Sie den Amerikanern in etwa sagen, was
dieser Krieg kosten wird, insbesondere, da Sie und
Außenminister Baker sich an die Verbündeten und
Koalitionspartner wenden, damit sie einen Teil der
Kosten übernehmen? Wie lauten Ihre Prognosen?
Was können Sie dem amerikanischen Volk sagen?
Und zweitens, wie antworten Sie Clayton Yeutter und
den anderen, die versuchen, dieses Thema politisch
gegen viele Demokraten auszuschlachten, die sich
gegen die Resolution zum Einsatz von Gewalt ausgesprochen haben?
Antwort: Den ersten Teil der Frage möchte ich dem
Pentagon zur Beantwortung überlassen. Es wird noch
gerechnet. Die Zahlen werden dem amerikanischen
Kongreß natürlich vorgelegt, der nicht nur das Recht
auf Information sondern vor allem die Pflicht bezüglich
der Finanzierung dieser Angelegenheiten hat. Ich bin
mit der Zusammenarbeit und Beteiligung des Auslands außerordentlich zufrieden. Ich glaube, Außenminister Baker wird heute eine Erklärung über die
Beteiligung Kuwaits abgeben oder hat dies bereits
getan. Gestern haben Sie vernommen, zu welcher
Beitragsaufstockung Japan bereit ist. Dies begrüßen
wir. Aller Voraussicht nach werden wir in der nächsten
Woche mehr derartige Informationen erhalten.
Die außerordentlich wichtige Lastenverteilung funktioniert also ziemlich gut. Der Kongreß ist daran sehr
interessiert und ich natürlich auch. Wir werden diese
Zahlen zusammen mit der Kostenrechnung dem
Kongreß vorlegen. Ich kann Ihnen die Zahlen jedoch
nicht im einzelnen nennen.
Frage: Würden Sie bitte den zweiten Teil der Frage
beantworten?
Antwort: Ja, natürlich. Ich vertrete die Ansicht, daß
es sich hierbei nicht um eine Parteiangelegenheit
handelt. Meines Erachtens hat Lee Hamilton diese
Frage sehr gut beantwortet. Er sagte, er werde seine
Stimme in jeder Hinsicht verteidigen. Und ich glaube,
jeder sieht es so. Ich kann mich nicht genau erinnern,
was Clayton Yeutter sagte, daher möchte ich dazu
nicht Stellung nehmen. Heute hat er erklärt, er habe
keinerlei Absicht, den Krieg zu einer Parteiangelegenheit zu machen, da wir von beiden Häusern des
Kongresses starke Unterstützung erhalten haben. Es
handelt sich um eine überparteiliche Sache.
So habe und werde ich mich verhalten. Natürlich
werden immer wieder Stimmen gegen uns in dieser
Sache laut. Wenn ich etwas derartiges höre, denke ich
jedoch nicht, daß die Demokratische Partei oder Clayton Yeutter dies zu einem Parteiproblem machen
wollen.
Frage: Beabsichtigen Sie, in Ihrem Haushaltsentwurf,
den Sie im Februar vorlegen werden, den Vorschlag
zur Kapitalertragssteuer zu wiederholen?
Seite 3

�Antwort: Warten Sie ab.
Frage: Wenn Sie Dienstag nacht (29. Januar) Ihren
Bericht zur Lage der Nation im großen Saal des
Repräsentantenhauses bei einer gemeinsamen Sitzung von Senat und Repräsentantenhaus vorlegen
werden, böte sich angesichts all der anwesenden
Mitglieder des Kabinetts und Obersten Gerichtshofs,
der Diplomaten, Ihrer Frau und Ihnen eine ausgezeichnete Gelegenheit für Terroristen, wenn sie durchkommen könnten. Warum verlesen Sie den Bericht zur
Lage der Nation nicht einfach im Weißen Haus?
Antwort: Viele Präsidenten haben den Bericht zur
Lage der Nation von Boten hierhin schicken lassen.
Ich weiß nicht, ob jemals einer ihn vom Weißen Haus
aus verlesen hat. Aber wenn ich zum Kapitol gehe,
habe ich uneingeschränktes Vertrauen in den Sicherheitsapparat dieses Landes. Ich mache mir überhaupt
keine Sorgen.
Ich weiß, daß dieser Mann Terrorismus gefördert hat,
und wir werden uns weiterhin in jeder erdenklichen
Weise dagegen schützen. Aber das Kapitol der Vereinigten Staaten wird ein sicherer Ort sein. Ich bin
darüber überhaupt nicht beunruhigt. Vielleicht sollte
ich das sein - ich bin jedoch nicht unbedingt fatalistisch
in dieser Angelegenheit, weil ich denke, wir machen
alles, um das Kapitol des Volkes sicher zu machen.

Das Leben geht werter. Die Priorität besteht darin,
diesen Krieg richtig zu Ende zu bringen. Wir werden
jedoch im Hinblick auf unsere innenpolitische Tagesordnung nicht alles auf Stop stellen. Wir werden auch
nicht alle Freizeitvergnügungen auf Eis legen - ich
nenne nur Super Bowl. Und ich werde aus Angst vor
Saddam Hussein nicht mein Leben ändern. Dies ist
meiner Meinung nach ein gutes, eindeutiges Signal für
alle Amerikaner rund um den Erdball.
Ich gebe zu, er handelt irrational. Was heute geschehen ist, beunruhigt mich sehr, weil es jeder Rationalität
entbehrt. Es sieht nach Verzweiflungstat aus. Es sieht
aus, als ob er in den letzten Zügen liegt. Es entspricht
keinerlei militärischer Doktrin. Aber es entspringt
einem kranken Gehirn. Und dennoch lassen wir uns
von dieser frevelhaften Tat nicht lähmen. Genausowenig wie durch die Bombardierung der Wohngebiete
oder die brutale Zurschaustellung amerikanischer
Kriegsgefangener. Das hat mich wirklich bis ins Mark
getroffen. Sein Tun ist wirklich ungeheuerlich.
Frage: Herr Präsident, könnte das Öl nicht amphibische Landungen erschweren? Ergibt das militärisch
keinen Sinn?
Antwort: Nein, das trifft nicht zu.

* * * * *

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�GOLFKRISE
30. Januar 1991

WIE DER IRAK SEINE KRIEGSMASCHINERIE
AUFBAUTE
Hintergrundinformation zu Iraks Militärapparat

WASHINGTON - (AD) - Seit über zwanzig Jahren hat
der Irak systematisch eine mächtige Kriegsmaschinerie mit konventionellen und nichtkonventionellen (chemischen, biologischen und nuklearen) Waffen sowie
massiven Bodentruppen aufgebaut. Dank dieser zielstrebigen Bemühungen ist der Irak aus dem achtjährigen Krieg mit Iran mit einem breiten Spektrum der
modernsten strategischen Fähigkeiten in der arabischen Welt hervorgegangen.

ein breitgefächertes Arsenal ballistischer Raketen
aufgebaut. Seine wichtigsten Raketensysteme, die AIHussein und Al-Abbas, sind modifizierte SCUD-BRaketen mit verlängerter Reichweite, die der Irak
durch Modernisierung der von der Sowjetunion gelieferten Raketen produziert. Sowohl AI-Hussein als
auch Al-Abbas bieten Langstrecken-Schlagfähigkeit
und können vermutlich mit konventionellen und chemischen Gefechtsköpfen bestückt werden.

Außenminister Baker erklärte in einer Anhörung vor
dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses im Dezember 1990, Iraks Präsident Saddam Hussein
"hat die sechstgrö ßte Armee der Welt aufgebaut..., die
fünftgrößte Panzerwaffe und ballistische Rakten stationiert." Der Pentagon-Sprecher Pete Williams fügte
im Januar hinzu, "Schätzungen der Vereinigten Staaten zufolge beläuft sich die Zahl der irakischen Truppen jetzt auf 545 000 Mann und 4 200 Panzer."

"Die vom Irak erworbenen chemischen und biologischen Waffen und seine in greifbare Nähe gerückte
Fähigkeit zur nuklearen Kriegführung sind Teil einer
komplizierten Geschichte, die 1974 begann und noch
nicht richtig erzählt wurde", schreibt ein Sonderkorrespondent der renommierten britischen Tageszeitung
The Independent.

Mitte der siebziger Jahre leitete der Irak nukleare und
chemisch-biologische M1 MO-Waffenprogramme in die
Wege und erwarb Angriffssysteme wie die sowjetische
SCÜD-B-Rakete. Heute bilden chemische Waffen ein
Schlüsselelement der Fähigkeiten des Irak bei strategischen Waffen.
Die chemische Fähigkeit des Irak hängt von der Effektivität seiner Trägersysteme ab. Saddam Hussein hat
anhaltende und systematische Versuche zur Beschaffung militärischer Ausrüstung, Abschuß- und Trägersysteme für Gefechtsköpfe unternommen, die zur
Verwirklichung dieses Ziels von entscheidender Bedeutung sind.
Dank umfangreicher Käufe vornehmlich aus Europa
stammender ausländischer Technologie hat der Irak

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"Die Entscheidung zur Beschaffung dieser Waffen
enstand in den Köpfen eines im Jahr 1974 gebildeten,
aus drei Männern bestehenden Ausschusses unter
Leitung des damaligen Vizepräsidenten Saddam
Hussein", so The Independent. Dem Bericht zufolge
ist von den dreien heute nur noch Saddam Hussein am
Leben.
Laut The Independent warb der Irak zwischen 1974
und 1977 über 4 000 Wissenschaftler mit Kenntnissen
in Atom-, Bio-, chemischen und verwandten Wissenschaften aus Marokko, Algerien, Syrien, den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Kanada und Brasilien zur
Teilnahme an gesamtarabischen militärischen Forschungsprojekten an.
Den Sturz des Schahs von Persien im Jahr 1979
nutzend, strebte der Irak Zugang zu den Seehäfen am
Persischen Golf an, forderte Souveränität über den

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�Wasserweg zwischen Iran und Irak - das Schatt-al
Arab - und den Abzug des Iran von den umstrittenen
Inseln im Golf. Der Irak griff Iran 1980 an, um eine
diplomatische Vereinbarung mit militärischen Mitteln
rückgängig zu machen.
Zu Beginn des Kriegs engagierte die irakische Regierung den weltberühmten Artillerieexperten Gerald V.
Bull, der sein Leben lang vom Bau einer "Superkanone" - einer riesigen Haubitze - besessen war, die
Satelliten ins All oder Artilleriegranaten Tausende von
Meilen entfernt in feindliches Gebiet schießen konnte.
Obwohl dieser Traum nicht zu verwirklichen war, entwarf Bull einige der wirksamsten Artilleriegeschütze
der Welt.
Als in Kanada geborener Astrophysiker hatte Bull
früher Forschungsverträge mit der US-Army, dem
kanadischen Verteidigungsministerium und der McGill
Universität. Ehemaligen Geschäftspartnern zufolge
trennte er sich in den siebziger Jahren vom Pentagon
und baute Firmen auf, um verbesserte Versionen der
von ihm für eine Reihe ausländischer Regierungen,
einschließlich Iran, Chile, Taiwan und China, entwikkelten Technologie zu verkaufen.
Über seine eigene Firma in Quebec - Space Research
Corporation - und eine belgische Tochtergesellschaft
- European Poudreries Reunies de Belgique - konnte
Bull sein bestes Gefechtsfeld-Artilleriegeschütz produzieren, die GC-45-Kanone, die Geschosse 25 Meilen mit einem doppelt so hohen Wudgewicht wie dem
der von den westlichen Armeen eingesetzten Kanone
abfeuern kann.
"Kurz nach Ausbruch des iranisch-irakischen Kriegs
schickte die irakische Regierung ein Privatflugzeug
nach Genf... um Bull nach Bagdad zu bringen", erklärt
Lawrence Surtees, Korrespondent des Toronto Globe and Mail. So begann eine lange Verbindung
zwischen Bull und der irakischen Regierung und ihrem
damaligen Verteidigungsminister Saddam Hussein.

*

Seite 2

"Bull stand nahezu zehn Jahre lang in Geschäftsverbindungen mit dem Irak - sechs Jahre länger als
frühere Berichte angaben", so der Journalist von Toronto
Globe and Mail unter Berufung auf ein unveröffentlichtes Manuskript über Bulls Leben, das von einem
engen Freund und Kollegen angefertigt wurde - Donald
Mordeil - dem verstorbenen Dekan der Fakultät Maschinenbau an der McGill Universität in Montreal.
Der Irak ist nur einer von vielen Staaten, die im Besitz
der von Bull entwickelten Kanonen sind. Zu seinen
Kunden zählen bekanntermaßen sein Geburtsland
Kanada, die Vereinigen Staaten, Südafrika, Iran, Chile, Taiwan, China und Libyen.
Die beuruhigendsten der von Gerald Bull von Mitte
1981 bis zu seinem Tod am 22. März 1990 entwickelten Kanonen sind seine 300 155mm Haubitzen modernisierte Versionen der von Bull in den siebziger
Jahren entwickelten GC-45-Kanone. 200 dieser GHN-45 genannten und in Österreich hergestellten Kanonen wurden 1985 über Jordanien zum Einsatz im
iranisch-irakischen Krieg in den Irak transportiert. Die
übrigen 100 wurden in Südafrika hergestellt, wo sie
unter dem Namen G-5 verkauft werden. Militärexperten zufolge kann die G-5 mit einem taktischen Atomsprengkopf, chemischen Granaten oder jeder 155mm
Standardgranate der NATO bestückt werden.
Ebenso beunruhigend sind modifizierte Bull-Raketengefechtsköpfe, mit denen die Reichweite irakischer
SCUD-Raketen verlängert wurde.
Darüber hinaus hat Bull zwei moderne Artilleriesysteme auf Selbstfahrlafetten für die Iraker entworfen: das
210mm AI Fao und das 155mm Majnoon. Mit einem
Gewicht von 48 Tonnen kann AI Fao vier 109 Kilogrammgranaten pro Minute über eine Reichweite von
35 Meilen aus seinem 11 Meter langen Geschützrohr
abfeuern. Die Iraker behaupten, daß AI Fao und
Majnoon eine Höchstgeschwindigkeit von 72 bis 88
Stundenkilometern auf der Straße ereichen können.

* * *

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�GOLFKRISE / KSZE
30. Januar 1991

MARESCA: DIE WELT HAT SADDAM HUSSEIN
GEWARNT
Botschafter Maresca bei der KSZE
WIEN - (AD) - Botschafter John Maresca erklärte am 28. Januar 1991, die Welt habe den irakischen Präsidenten Saddam Hussein gewarnt, sie werde "nicht länger tatenlos zusehen, wie er brutale militärische Gewalt zum
Zweck der Eroberung einsetzt und alle Bestrebungen um eine friedliche Lösung mit Mißachtung straft".
In einer Plenarsitzung beim Treffen hoher Beamter der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) konstatierte Maresca im Hinblick auf die irakische Invasion Kuwaits im August vergangenen
Jahres und die darauffolgenden Kampfhandlungen im Golf: "All unsere Anstrengungen in diesem Forum werden
natürlich vom Golfkrieg überschattet, in dem eine Reihe von hier vertretenen Ländern damit befaßt sind, einen
skrupellosen Tyrannen aus einem Land zu vertreiben, das er mit der ruchlosesten militärischen Aggression
erobert hat, die seit vielen Jahren in der Welt stattgefunden hat."
Botschafter Maresca erklärte ferner, "obwohl der Golf krieg eigentlich außerhalb des KSZE-Gebiets stattfindet,
sind wir alle davon betroffen. Wie die Erklärung unserer Außenminister in New York von Oktober vergangenen
Jahres zeigt, stimmen unsere Länder überein, daß Kuwait seinen Bürgern zurückgegeben werden und seine
rechtmäßige Regierung wiedererhalten muß, wie es auch in zahlreichen UNO-Resolutionen gefordert wird."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Botschafter Maresca im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, dies ist das erste Treffen des Ausschusses Hoher Beamter, wie in die Charta von Paris
verankert. Wir betrachten dies nicht nur als wichtigen
Schritt im KSZE-Prozeß und erste Zusammenkunft im
Programm regelmäßiger politischer Konsultationen
zwischen den 34 Teilnehmerstaaten. Unserer Ansicht
nach sollte dieses konsultative Programm jetzt seinen
Platz als zentrale Institution der KSZE einnehmen und
unser wichtigstes Diskussionsforum sein.
Aus diesem Grund begrüßen wir auch die von Ihnen,
Herr Vorsitzender, vorgeschlagene Tagesordnung. Sie
spiegelt überzeugend das diesem Ausschuß von der
Pariser Charta verliehene Mandat wider und wird für
unsere künftigen Treffen ein nützliches Vorbild sein.

Reihe von hier vertretenen Ländern damit befaßt sind,
einen skrupellosen Tyrannen aus einem Land zu vertreiben, das er mit der ruchlosesten militärischen
Aggression erobert hat, die seit vielen Jahren in der
Welt stattgefunden hat. Die an dieser gemeinsamen
Arbeit Beteiligten haben den irakischen Präsidenten
Saddam Hussein gewarnt, die Welt werde nicht länger
tatenlos zusehen, wie er brutale militärische Gewalt
zum Zweck der Eroberung einsetzt und alle Bestrebungen um eine friedliche Lösung mit Mißachtung
straft.

Der erste Punkt auf unserer Tagesordnung - die Prüfung aktueller Fragen - ist für unsere Arbeit ein unerläßlicher Ausgangspunkt, insbesondere in diesen
unruhigen Zeiten rapide Veränderungen.

Obwohl der Golfkrieg eigentlich außerhalb des KSZEGebiets stattfindet, sind wir alle davon betroffen. Wie
die Erklärung unserer Au ßenminister in New York von
Oktober vergangenen Jahres zeigt, stimmen unsere
Länder überein, daß Kuwait seinen Bürgern zurückgegeben werden und seine rechtmäßige Regierung
wiedererhalten muß, wie es auch in zahlreichen UNOResolutionen gefordert wird.

All unsere Anstrengungen in diesem Forum werden
natürlich vom Golfkrieg überschattet, in dem eine

Die KSZE steht für die Rechte aller Bürger: ihre
Menschenrechte und ihr Recht auf Wahl ihrer eigenen

AMERIKA DIENST 4

Seite 1

�Regierungen. Dies ist die zentrale Aussage der KSZE
seit Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki im
Jahr 1975. Als wichtigste Leistung hat die Schlußakte
anerkannt, daß solche Rechte grenzübergreifend sind
und im berechtigten Interesse aller Länder, aller
Menschen und aller Regierungen liegen.

Darüber hinaus haben wir die Ereignisse im Baltikum
beim KSZE-Treffen über die friedliche Beilegung von
Konflikten in Valletta angesprochen, weil wir unsere
Überzeugung bekräftigen wollten, das Problem der
Baltenstaaten müsse auf friedlichem Wege und durch
Verhandlungen gelöst werden.

Dieses grundlegende Konzept wurde im November
vergangenen Jahres von einer neuen Generation Staatsund Regierungschefs in der Charta von Paris bestätigt
und gutgeheißen.

Herr Vorsitzender, ich möchte unsere Position eindeutig darlegen. Wir haben die sowjetischen Bestrebungen um eine Hinwendung zu Reformen begrüßt. Wir
betrachten die Politik von Glasnost und Perestrojka als
positive Entwicklungen, die den Wunsch der sowjetischen Regierung und des Volkes widerspiegeln, mit
den wichtigsten Entwicklungen in Europa Schritt zu
halten. Aber die jüngsten Ereignisse im Baltikum
scheinen eine Abkehr von Glasnost und Perestrojka zu
dokumentieren, zurück zu der repressiven Politik, wie
wir sie in der Vergangenheit beobachten konnten.

Aus diesem bemerkenswerten Dokument ein Zitat.
"Menschenrechte und Grundfreiheiten sind allen
Menschen von Geburt an eigen; sie sind unveräußerlich und werden durch das Gesetz gewährleistet. Sie
zu schützen und zu fördern ist vornehmste Pflicht jeder
Regierung. Ihre Achtung ist wesentlicher Schutz gegen
staatliche Übermacht. Ihre Einhaltung und uneingeschränkte Ausübung bilden die Grundlage für Freiheit,
Gerechtigkeit und Frieden.
Demokratische Regierungen gründen sich auf den
Volkswillen, der seinen Ausdruck in regelmäßigen,
freien und gerechten Wahlen findet. Demokratie beruht auf Achtung vor dem einzelnen und Rechtsstaatlichkeit. Demokratie ist der beste Schutz für freie
Meinungsäußerung, Toleranz gegenüber allen gesellschaftlichen Gruppen und Chancengleichheit für alle.
Die Demokratie, ihrem Wesen nach repräsentativ und
pluralistisch, erfordert Verantwortlichkeit gegenüber
der Wählerschaft, Bindung der staatlichen Gewalt an
das Recht sowie eine unparteiische Rechtspflege.
Niemand steht über dem Gesetz."
Was sollen wir im Lichte dieser Verpflichtungen von
einer Regierung halten, die militärische Gewalt einsetzt, um Druck auf eine frei gewählte Regierung
auszuüben, die Maschinengewehre und Panzer gegen Zivilisten einsetzt und Greueltaten nicht scharf
verurteilt oder die erforderlichen Schritte unternimmt,
um Verbrecher zur Rechenschaft zu ziehen?
Viele der hier vertretenen Länder haben die sowjetische Regierung um eine Erklärung für die vielen
Menschenrechtsverletzungen gebeten, die eindeutig
in den letzten Wochen im Baltikum stattgefunden
haben. Die Vereinigten Staaten haben am 25. Januar
im Rahmen der menschlichen Dimension der KSZE
ein solches Gesuch unterbreitet. Dazu haben wir
gemäß dem KSZE-Prozeß das Recht.
Praktisch alle Teilnehmerstaaten haben einen vor zwei
Wochen an dieser Stelle unterbreiteten Vorschlag
unterstützt, eine Sondersitzung zur Erörterung dieser
beunruhigenden Ereignisse einzuberufen. Dies fand
ebenfalls im Einklang mit den vereinbarten KSZEVerfahren statt, wurde aber vom Vertreter der UdSSR
blockiert, der als einziger einen Konsens verhindert
hat.

Seite 2

Die internationale Staatengemeinschaft ist allgemein
entrüstet über die Massaker sowjetischer Soldaten in
Vilnius und Riga und den anhaltenden Druck auf die
rechtmäßigen Regierungen aller drei Baltenstaaten.
Solche Akte sind Abbild der vergangenen Tyrannei
und passen nicht in die Welt von heute. Wir fordern die
sowjetische Regierung auf, diese Situation unverzüglich zu korrigieren, jeglichen Einsatz von Gewalt zu
verdammen und die Verantwortlichen des Massakers
zur Verantwortung zu ziehen. Der Einsatz von Gewalt
kann Streitfälle dieser Art nicht lösen - das kann nur
friedlicher Dialog.
Außenminister Baker hat erst kürzlich daran erinnert,
daß die Vereinigten Staaten die Annexion der Baltenstaaten durch die Sowjetunion infolge des berüchtigten Hitler-Stalin-Pakts niemals anerkannt haben.
Darüber hinaus gibt es Präsident Bush zufolge keine
Rechtfertigung für den Einsatz von Gewalt gegen die
Zivilbevölkerung.
Es würde uns interessieren, eine sowjetische Erklärung zu den jüngsten Ereignissen im Baltikum zu
erhalten.
Herr Vorsitzender, ich werde allen Delegationen die
Erklärung der US-Regierung zu diesem Thema zugänglich machen, weil es meiner Ansicht nach für alle
Anwesenden nützlich ist, unsere Meinung zu kennen.
Als Beispiel möchte ich in diesem Zusammenhang die
einstimmig von beiden Häusern unseres Kongresses
verabschiedeten Resolutionen anführen, in denen die
sowjetische Vorgehensweise in Vilnius und Riga verurteilt wird. Solche Resolutionen sind höchst außergewöhnlich und spiegeln ein ungeheures Ausmaß der
Besorgnis in der Öffentlichkeit wider, sogar in einer
Zeit, da Washington sich vornehmlich auf den Golfkrieg konzentriert.
Darüber hinaus sind wir in tiefer Sorge über einen
möglichen Einsatz von Gewalt in Jugoslawien. Wir
haben bei zahlreichen Gelegenheiten erklärt, daß wir

AMERIKA DIENST 4

�jeglichen Einsatz von Gewalt, Einschüchterung oder
Aufwiegelung zur Beilegung dieser Art von Streitigkeiten scharf verurteilen und fordern die friedliche Schlichtung der gegenwärtigen Differenzen. Die Vereinigten
Staaten unterstützen voll und ganz Einheit, demokratische Veränderungen, Achtung der Menschenrechte
und marktwirtschaftliche Reformen in Jugoslawien.

Unserer Meinung nach muß Demokratie im Einklang
mit der Schlußakte von Helsinki und der Charta von
Paris das dauerhafte Fundament für eine vereinigte,
wohlhabende und freiwillig beschlossene jugoslawische Union sein.
Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen.

* * * *

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�WIRTSCHAFT
30. Januar 1991

GREENSPAN: ENDE DER REZESSION IN DEN USA
GEGEN MITTE DES JAHRES ERWARTET
Rede des Direktors der US-Bundesbank im Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Dem Direktor der amerikanischen Bundesbank, Alan Greenspan, zufolge konnte die
amerikanische Wirtschaft den durch die irakische Invasion Kuwaits im August verursachten Ölschock auffangen
und wird die Rezession voraussichtlich bis Mitte des Jahres überwunden haben.
"Hätten keine anderen Ereignisse stattgefunden, könnte man gut und gerne ein Rechenexempel anstellen,
demzufolge sich die Wirtschaft gegen Mitte des Jahres auf dem Tiefstand befindet und dann einen Aufschwung
erlebt", erklärte Greenspan am 22. Januar 1991 im Kongreß.
Ein langer Krieg mit dem Irak würde jedoch teuer und könnte "die Wirtschaft schwächen", so Greenspan vor dem
Haushaltsausschuß des Repräsentantenhauses.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Alan Greenspan im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, heute vor diesem Ausschuß sprechen zu dürfen.
Wie Sie wissen, wird die Bundesbank ihren Halbjahresbericht zur Geldpolitik dem Kongreß im nächsten
Monat vorlegen. Der Bericht wird die Ziele der Bundesbank für 1991 sowie unsere Wachstums- und Inflationserwartungen im einzelnen darlegen. Sie werden
sicherlich verstehen, daß ich diese Prognosen selbst
unter normalen Umständen nur ungern vorwegnehme.
Wir sind jedoch von normalen Umständen weit entfernt
und werden uns zweifelsohne in einer besseren Position für einen präziseren Ausblick befinden, sobald
einige der mit dem Golfkonflikt verbundenen Unwägbarkeiten behoben worden sind. Wir können uns heute
jedoch konstruktiv mit einigen anderen Erwägungen
auseinandersetzen, die Auswirkungen auf unsere
Wirtschaftslage und den richtigen politischen Kurs
unter den aktuellen Umständen haben.
Alles deutet darauf hin, daß die Wirtschaftstätigkeit im
4. Quartal 1990 beträchtlich nachgelassen hat. Bei
meiner Rede vor dem Bankenausschuß des Respräsentantenhauses im November habe ich festgestellt,
daß die Gesamtproduktion in den Monaten Oktober
und November rückläufig war. Der Einbruch hielt bis in
den Dezember an. Auf dem Arbeitsmarkt nahm die
Zahl der Erwerbstätigen insgesamt nach noch höheAMERIKA DIENST 4

ren Zahlen in den vorausgegangenen Monaten um
weitere 75 000 ab, und die Arbeitslosenquote der
zivilen Erwerbspersonen stieg weiter auf 6,1 Prozent.
Die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes sank
weiterhin rapide, und der Industrieproduktionsindex
fiel Schätzungen zufolge um weitere 0,6 Prozent.
Mit dem Einbruch der Industrieproduktion vom Dezember beträgt die Abnahme seit September insgesamt 3 Prozent. Nahezu die Hälfte davon ist auf die
Kürzung der Produktion von Fahrzeugen und -teilen
zurückzuführen. Darüber hinaus verlief auch die
Herstellung von Baumaterialien außergewöhnlich
schwach, und in anderen Bereichen wurden ebenfalls
Einsparungen vorgenommen.
Die Ereignisse am Persischen Golf waren eindeutig
der ausschlaggebende Faktor für das merkliche Nachlassen der Wirtschaftstätigkeit im vergangenen Herbst.
Insbesondere der Preisanstieg bei Rohöl hinterließ
einen spürbaren Einschnitt im real verfügbaren Einkommen der Haushalte und trug somit zur Zurückhaltung bei Ausgaben für ein breites Spektrum von Waren
und Dienstleistungen bei. Darüber hinaus schränkten
zahlreiche Firmen, deren Gewinnspanne bereits durch
höhere Energiekosten unter Druck geraten war, die
Produktion ein, um einen Überhang an LagerbestänSeite 1

�den zu vermeiden. Als Reaktion auf eine tatsächliche
oder erwartete verringerte Nachfrage als Folge des
Energiepreisanstiegs haben sie ferner ihre Investitionspläne beschnitten.
Der durch die Golfkrise verursachte Schaden ging
jedoch über den direkten Effekt höherer Ölpreise hinaus. Die enorme Unsicherheit über das Wie und Wann
ihrer Beilegung trug zu einem beträchtlichen Vertrauensschwund bei Verbrauchern und Unternehmen
bezüglich der Wirtschaftslage bei. Angesichts solcher
Unwägbarkeiten neigen Hersteller wie Konsumenten
dazu, von ihren normalen Aktivitäten abzuweichen
während sie auf eindeutigere Signale der Wirtschaftsentwicklung warten und vermeiden Verpflichtungen,
die nur unter Kosten rückgängig gemacht werden
könnten.
Natürlich war die Golf krise nicht der einzige Faktor, der
die Wirtschaftstätigkeit hemmte. Erkenntnisse belegen, daß insbesondere die Banken - zusammen mit
anderen Kreditgebern - ihre Konditionen und andere
Bedingungen der Kreditvergabe verschärft haben, und
einige Kreditnehmer stie ßen zweifelsohne auf größere
Schwierigkeiten, finanzielle Mittel zu erhalten. Solche
Schwierigkeiten sind auf dem gewerblichen Immobilienmarkt am offenkundigsten, erstrecken sich jedoch
auch auf Kredite für eine Vielzahl anderer Zwecke.
Eine Prognose der Wirtschaftslage ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein besonders riskantes Unterfangen und nicht nur wegen der enormen Unsicherheit im
Zusammenhang mit dem Krieg am Persischen Golf.
Zweifelsohne waren die Informationen über die Wirtschaftstätigkeit in den vergangenen Wochen außerordentlich dürftig. Soweit wir es beurteilen können,
enthalten die jüngsten Statistiken einige Hinweise, daß
die Auswirkungen des anfänglichen Schocks vom
vergangenen August im großen und ganzen das System durchlaufen haben, und der Druck auf die Wirtschaftstätigkeit nachlassen könnte. Dennoch müssen
wir auch der Möglichkeit Rechnung tragen, daß die
Tätigkeit insgesamt weiterhin rückläufig ist, bevor ein
Aufschwung stattfindet. Ein solches Ergebnis könnte
erfolgen, wenn sich beispielsweise eine ernsthafte
Strukturkrise in einigen Teilen des Landes auf Regionen ausdehnt, in denen die Wirtschaftstätigkeit stärker
ist oder - alternativ - das Vertrauen von Verbrauchern
und Unternehmen durch die Ereignisse vom letzten
August so erschüttert wurde, daß weitere Ausgabenkürzungen bevorstehen.
Zweifelsohne werden die Probleme auf dem Immobilienmarkt eine Zeitlang nachteilige Effekte auf die
Wirtschaft haben, insbesondere angesichts der Rolle,
die sie bei der Verschärfung der Schwierigkeiten gespielt haben, mit denen sich die Finanzinstitutionen
konfrontiert sehen. Auf dem privaten Wohnungsmarkt
scheinen Sorgen über Häuserpreise sowie um den
Arbeitsplatz und gesichertes Einkommen potentielle
Käufer abzuschrecken - obwohl Häuser angesichts

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der niedrigen Hypothekenzinsen heute erschwinglicher sind als vor einiger Zeit. Im gewerblichen Bereich
ist der Überhang an leerstehenden Büro- und Geschäftsräumen trotz der heute geringen Bautätigkeit
immer noch gravierend. Bewilligte Ausgaben für Nichtwohngebäude machen nur 1 Prozent des Bruttosozialprodukts (BSP) aus, und daher sind die direkten Auswirkungen selbst drastisch verminderter Bautätigkeit
auf die Wirtschaftstätigkeit insgesamt begrenzt. Da
der aktuelle Besitz an Nichtwohngebäuden jedoch
einen solch großen Anteil des Bestands an Vermögenswerten ausmacht, die finanziert werden müssen,
bedeutet ein einschneidender Wertverlust dieser
Gebäude beträchtliche Verluste für die Bilanzen der
Banken und anderer Finanzinstitutionen mit Auswirkungen, die nicht nur die Bauwirtschaft betreffen.
Gleichzeitig berechtigen andere Faktoren zu Optimismus bei Prognosen für die Wirtschaftstätigkeit. Erstens sollte die Abwertung des Dollars im Verlauf des
letzten Jahres das Exportvolumen ankurbeln, selbst
angesichts einer Verlangsamung wirtschaftlicher
Expansion im Ausland. Darüber hinaus sollte sie zu
einer Beschränkung der Importe beitragen und damit
einen Teil der Binnennachfrage auf amerikanische
Hersteller verlagern. Das soll jedoch nicht hei ßen, daß
der niedrigere Dollar nur ein Segen ist: Er verschärft
den Inflationsdruck und könnte zu Instabiität auf den
Finanzmärkten beitragen.
Ein Aspekt der bisherigen Entwicklungen, der für die
Wirtschaftstätigkeit besondere Vorteile verspricht, ist
die offensichtliche Geschwindigkeit, mit der die Hersteller auf die erwartete geringere Nachfrage reagiert
haben. Die verfügbaren Daten sind dürftig und bedürfen der Überarbeitung, aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt scheint es nur vereinzelt Überhänge an Lagerbeständen zu geben, die besser in den Griff zu bekommen sind, als dies bei Konjunktureinbrüchen der Vergangenheit der Fall war. Wenn der Umsatz anhält und ich bin nicht sicher, daß wir davon ausgehen
können -, könnte der größte Teil der Produktionsanpassung hinter uns liegen. Eine verstärkte Endnachfrage würde darüber hinaus wahrscheinlich rasch eine
Belebung der Produktion zur Folge haben.
Die Autohersteller sind ein Paradebeispiel für dieses
Verhalten: Sie haben die Produktion schnell drastisch
gekürzt, obwohl die Verkaufszahlen nur mäßig gesunken und die Bestände bei den Händler verglichen mit
der Vergangenheit nicht extrem hoch waren. Zweifelsohne war die tatsächliche Nachfrage schwächer als
die angegebenen Verkaufszahlen, die beachtliche Käufe
gro ßer Mietwagenfirmen enthielten, und die Bestandszahlen müssen im Licht der Tatsache ausgewertet
werden, daß viele dieser Fahrzeuge in nur wenigen
Monaten als "Jahreswagen" wieder auf den Markt
kommen. Die Drosselung der Automobilherstellung
Ende letzten Jahres war jedoch prompt und beträchtlich. Bei ansonsten gleichbleibenden Werten war sie
groß genug, um die jährliche Zuwachsrate des realen
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�BSP im 4. Quartal um über 2 Prozentpunkte zu reduzieren. Die gute Nachricht ist, daß Kürzungen bei der
Automobilherstellung, den aktuellen Produktionsplänen tür das 1. Quartal nach zu urteilen, größtenteils wenn nicht sogar ganz - hinter uns liegen.
Abgesehen von den mit den Energiepreisen einhergehenden Unwägbarkeiten scheinen sich die Aussichten
im Hinblick auf die Inflation in den vergangenen Monaten verbessert zu haben. Relativ viele Anzeichen
deuten auf nachlassenden Druck bei Löhnen und
Gehältern hin, und ein weiterer Rückgang der Inflation
in diesem Bereich scheint im Zusammenhang mit der
Flaute wahrscheinlich, die sich in den vergangenen
Monaten auf dem Arbeitsmarkt abzeichnete. Darüber
hinaus lag der Inflationssockel bei den Verbraucherpreisen in den vergangenen Monaten unter dem zu
Beginn des Jahres verzeichneten Sockel.
Vor diesem Hintergrund hat die Bundesbank eine
Reihe der in den vergangenen anderthalb Jahren
ergriffenen Maßnahmen erweitert, um der Geldpolitik
Vorschub zu leisten. Infolgedessen ist der Tagesgeldsatz seit dem Frühjahr 1989 von etwa 10 Prozent auf
6,75 Prozent und damit durchschnittlich um rund 3
Prozentpunkte gefallen. Andere kurzfristige Raten
sind ebenfalls merklich gefallen, und die langfristigen
Raten für Schatzanleihen befinden sich am unteren
Ende der Skala für das vergangene Jahr.
Die Durchführung der Geldpolitik in diesem Zeitraum
erforderte ein sorgfältiges Abwägen der Notwendigkeit, einerseits auf Signale des merklichen Rückgangs
der Wirtschaftstätigkeit zu reagieren und andererseits
den inflationären Druck einzudämmen. Die zwischen
Juni und Dezember 1989 unternommenen ersten Schritte
zur Erleichterung waren zum größten Teil eine Reaktion auf Entwicklungen, die auf eine mögliche Abschwächung der Inflation hindeuteten, da sich die
Anzeichen für ein langsameres Wirtschaftswachstum
mehrten und der Geldzuwachs gemessen am üblichen
Jahresumfang schleppend blieb. Die Politik wurde
insgesamt in der ersten Hafte des Jahres 1990 kaum
verändert, da die Wirtschaftstätigkeit - wenn auch
gebremst - belebt wurde, aber dennoch waren die
Informationen über die Inflation enttäuschend.
Mitte des Jahres gab es Hinweise auf eine Abschwächung der Inflation nach dem anfänglichen plötzlichen
Anziehen, und vorliegende Informationen deuteten auf
eine Stagnation der Wirtschaftstätigkeit hin. Darüber
hinaus legte eine Beschränkung bei der Kreditbeschaffung der Banken - teilweise signalisiert durch
einen verzögerten Geldzuwachs - die Vermutung nahe,
daß die Kreditbedingungen strenger als beabsichtigt
waren, und die Politik wurde infolgedessen im Laufe
des Sommers geringfügig gelockert.
Weitere Maßnahmen sind angesichts Ihrer steuerpolitischen Schritte im vergangenen Herbst, der schwächeren Volkswirtschaft, anhaltender Probleme der

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Kreditbeschaffung und langsamen Wachstums der
Geldbestände getroffen worden. Zu ihnen zählen eine
Senkung des Diskontsatzes Mitte Dezember um einen
halben Prozentpunkt auf 6,5 Prozent, der Abbau bestimmter notwendiger Reserven und andere Operationen, mit denen Reserven verfügbarer gemacht werden sollten.
Erwartungsgemäß werden unsere bis heute getroffenen Maßnahmen der Wirtschaftstätigkeit in den kommenden Quartalen Vorschub leisten. Dabei wissen wir
nicht, ob weitere politische Anpassungen notwendig
werden, weil Entscheidungen dieser Tragweite von
sich abzeichnenden Tendenzen auf den Finanzmärkten und der Wirtschaft abhängen. Im Hinblick darauf
wollen wir sicherstellen, daß sich Geld und Kredite auf
angemessenem Wachstumskurs befinden. Wir sind
insbesondere besorgt über die Stagnation der Geldmenge in den vergangenen Monaten, und unsere
jüngste Maßnahme wurde größtenteils durch weitere
Anzeichen schwachen Geldwachstums bewirkt. Darüber hinaus beobachten wir die Kreditlandschaft eingehend und werden die Wirtschaftsdaten weiterhin auf
Anzeichen einer sich verschärfenden Rezession hin
prüfen. Gleichzeitig müssen wir alles daransetzen,
eine allzu stimulierende Politik zu vermeiden. Das
Ausmaß der wirtschaftlichen Flaute ist historisch betrachtet nicht groß, und eine zu aggressive Niedrigzinspolitik könnte sich letzten Endes als kontraproduktiv erweisen. Unser Ziel sollte darin bestehen, eine
dauerhafte Gesundung zu fördern und nicht nur Ungleichgewichte zu stützen, die zum nächsten Rückgang der Wirtschaftstätigkeit führen.
Auch die Haushaltsexperten müssen sich in den
kommenden Monaten auf schwierige Entscheidungen
gefaßt machen. Ich nehme an, daß die wirtschaftlichen Prognosen der Haushaltsbehörde des Kongresses (CBO) und der Administration sowohl im 4. Quartal
1990 als auch im 1. Quartal 1991 einen Rückgang
beim realen BSP aufweisen. In diesem Fall muß der
Senat - und das Repräsentantenhaus kann - eine
gemeinsame Entschließung erwägen, in der die Durchführungsbestimmungen des Gesetzes zur Abstimmung des Haushalts ausgesetzt werden.
Die Abstimmmung über eine Aufhebung der Durchführungsbestimmungen ohne zwingende Beweise einer
tiefgreifenden oder anhaltenden Rezession wäre ein
Fehler. Sie haben zusammen mit der Regierung im
vergangenen Jahr lange und hart gearbeitet, um ein
annehmbares Paket aus Ausgaben, Steueränderungen und Reformen des Haushaltsprozesses zusammenzustellen. Mit Inkrafttreten der Haushaltsvereinbarung haben Sie den Finanzmärkten eine gewisse
Garantie für Stabilität und künftige Erleichterungen bei
der Kreditaufnahme der Bundesregierung gegeben.
Ein Unterlaufen dieser Zusage könnte sich nachteilig
auf die langfristigen Zinssätze auswirken, und sie
würde damit wirkungslos.

Seite 3

�Ich bin mir darüber im klaren, daß Sie wahrscheinlich
erheblichem Druck ausgesetzt sein werden, Maßnahmen zu ergreifen, die letztlich das Haushaltsdefizit
steigern würden. Besorgnis über die Angemessenheit
einer zurückhaltenden Steuerpolitik in einer Zeit schwacher Wirtschaftsleistung ist verständlich. Dennoch
muß sie gegen die Vorteile abgewogen werden, die
sich aus der Zustimmung zu einer Haushaltsstrategie
zugunsten langfristiger Erfordernisse in der Wirtschaft
ergeben. Diesen Erfordernissen wird man am besten
gerecht, wenn man sicherstellt, daß das zugrundeliegende oder "strukturelle" Defizit weiterhin rückläufig
ist, auch wenn das tatsächliche Defizit zeitweise von
den Auswirkungen der schwachen Wirtschaft aufgebläht wird.
Darüber hinaus wird der Haushalt, auch ohne politische Maßnahmen, einen stark stabilisierenden Effekt
auf die Wirtschaft haben - was bei Ausarbeitung des
neuen Haushaltsverfahrens eindeutig beabsichtigt war.
Unter anderem beseitigt die gesetzlich verfügte Konzentration auf Abbau des Defizits und nicht so sehr die
Höhe des Defizits selbst die Notwendigkeit, daß politische Anpassungen die Auswirkungen veränderter
wirtschaftlicher Gegebenheiten ausgleichen, und damit
können die automatischen Stabilisatoren wie beabsichtigt funktionieren.
Darüber hinaus sind die bisherigen Anzeichen für die
Durchführung einer willkürlichen antizyklischen Haushaltspolitik nicht ermutigend. In der Vergangenheit
haben wir oftmals Programme verabschiedet, mit denen
die Wirtschaft stimuliert werden sollte, die jedoch erst
spät nach dem Einsetzen des Aufschwungs in die Tat
umgesetzt wurden. Wenn die vorherrschende wirtschaftliche Prognose für 1991 in etwa stimmt, könnte
die Ergreifung stimulierender Maßnahmen jetzt zu
einer Wiederholung dieses Musters führen. In diesem
Fall würde wenig zur Lösung unserer gegenwärtigen
Schwierigkeiten erreicht und gleichzeitig die Aussichten für zunehmende Kapitalbildung sowie Produktivitätssteigerungen zunichte gemacht.
Ferner unterliegt die Operation Wüstensturm nicht der
Kürzung der Verteidigungsausgaben, die im Haushaltsjahr 1991 zweifellos erheblich höher sein werden
als letzten Herbst vorhergesagt. Erwartungsgemäß
werden sich andere Länder an den Kosten für den
Krieg beteiligen, und ihr Beitrag wird die Auswirkungen
auf das Haushaltsdefizit dämpfen helfen. Aber ungeachtet wer dafür zahlt - die Ausgaben für neu produzierte Inlandsgüter im Rahmen von Wüstensturm werden
das BSP der Vereinigten Staaten steigern.
Darüber hinaus müssen die Probleme des Einlagensicherungssystems behandelt werden, denn auch sie
zeitigen Auswirkungen auf den Haushalt und komplizieren die Auslegung der Steuerpolitik. Nach dem
neuen Haushaltsverfahren werden die Nettoaufwendungen für Einlagensicherungen weiterhin in den offiziellen Haushaltszahlen enthalten sein und auch in die

Seite 4

umfassenderen Maßnahmen des Gesamthaushalts
einbezogen werden. Die Einbeziehung der Einlagensicherung in den Gesamthaushalt reduziert seinen
Nutzen als Indikator für die Auswirkungen des Bundeshaushalts auf die Wirtschaft. Da Einlagensicherungen
die Anreize für leitende Angestellte von Finanzinstitutionen verändern, hatten sie zweifellos erhebliche
Auswirkungen auf die Wirtschaft an sich, aber die
tatsächlichen Auszahlungen haben geringe Nebeneffekte auf Kreditmärkte, Zinssätze oder Wirtschaftstätigkeit.
Deshalb sollte sich die Aufmerksamkeit auf Haushaltszahlen konzentrieren, die keine Einlagensicherung
enthalten. Dies ist die alternative Berechnung des
Defizits, wie sie von der Haushaltsbehörde des Kongresses in ihrer Zwischenbilanz der Haushaltsvereinbarung von 1990 vorgestellt wurde und das Defizit, wie
es in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
(National Income and Product Accounts - NIPA) aufgenommen ist. Obwohl der Haushalt in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung dem Gesamthaushalt
in vieler Hinsicht ähnelt, behandelt er die Kreditvergabe- und Finanzaktivitäten der Bundesregierung in einer
Weise, die für die Analyse des Verhältnisses von Sparund Investitionstätigkeit und die Auswirkungen der
Steuerpolitik auf die Wirtschaftstätigkeit nützlicher ist.
Insbesondere zeigt er die im Laufe finanzieller Transaktionen gezahlten oder erhaltenen Zinsen, aber er
schließt die Transaktionen selbst aus.
Im Prinzip erfaßt die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung das derzeitige Volkseinkommen und die Produktion und schließt daher Transaktionen aus, die im
wesentlichen ein Austausch von Aktiva und Passiva
sind. Solche Transaktionen wirken sich auf die Vergabe und Verteilung von Einnahmen und Produktion aus
und können damit erhebliche Auswirkungen auf die
Wirtschaft haben, werden aber angemessener innerhalb eines Rahmens analysiert, wie ihn der Finanzmarkt steckt. Ausgaben für Einlagensicherungen sind
im wesentlichen eine Begleichung früher eingegangener finanzieller Verpflichtungen. Sie stellen kein laufendes Einkommen für ihre Empfänger dar, denn die
Anleger werden nicht in dem Moment reicher, in dem
ihre Bank oder Sparkasse von der Regierung übernommen wird. Deshalb werden sie nicht von NIPA
erfaßt.
Die Kreditreformbestimmungen im Abstimmungsgesetz zum Haushalt verbessern im Gesamthaushalt die
Offenlegung neuer Kredite und Kreditbürgschaften
und schließen eine konzeptionelle Lücke zwischen
den beiden Haushaltsberechnungen. Das Gesetz
weist ferner die Haushaltsbehörde (Office of Management and Budget - OMB) und die CBO an, die haushaltsmäßige Behandlung von Einlagensicherungen zu
untersuchen, die derzeit noch auf Barzahlungsbasis
abgewickelt wird. Ausgaben für Einlagensicherungen
verursachten eine umfangreiche Abweichung zwischen
den Defiziten, wie sie im Haushaltsjahr 1990 in der
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�volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und im Gesamthaushalt errechnet worden waren, und sie werden zweifellos auch 1991 und 1992 stark voneinander
abweichen. Deshalb ist es von besonderer Bedeutung, die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung zu
beobachten und zu verstehen, die insbesondere auf
die Bereitstellung von Informationen ausgerichtet ist,
wie sich die Steuerpolitik auf die Wirtschaft auswirkt.

In der gegenwärtigen Lage gibt es viele Unsicherheitsfaktoren, und das Risiko politischer Fehler ist groß. Wir
müssen natürlich die Ereignisse am Persischen Golf
und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft aufmerksam
verfolgen. Darüber hinaus müssen wir aber sicherstellen, daß unsere Politik mit der Verwirklichung unserer
wirtschaftlichen Ziele auf lange Sicht im Einklang steht.

* * * * *

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�BALTIKUM
30. Januar 1991

DIE SITUATION IM BALTIKUM
Amerikanische Pressestimmen
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus Leitartikeln in der amerikanischen
Tagespresse zur Situation in Estland, Lettland und Litauen.

The New York Times
Erst Litauen, jetzt Lettland - aber die Welt ist vom
Golfkrieg gelähmt. Obwohl der Kreml wiederum todbringende Gewalt einsetzt, sieht er sich mit empörtem
Widerstand von innen konfrontiert.
In der gesamten Sowjetunion erheben sich mutige
Bürger zu Tausenden, um gegen die Kehrtwendung
zur Unterdrückung zu demonstrieren...
Die Demonstranten sind für Michail Gorbatschow eine
Warnung, daß der Einsatz von Gewalt durch eine
diskreditierte Partei, den Militär- und Sicherheitsapparat die Sowjetunion nicht regierbarer macht.
Gorbatschow hat am Dienstag (22. Januar) darauf
bestanden, daß er mißverstanden wird und immer
noch beabsichtigt, auf Reformen zu drängen.
Es fällt schwer zu verstehen, wie er Reformen erzielen
kann, wenn er genau die Menschen entfremdet, die er
benötigt, um sie hervorzubringen.

die mit den Folgen leben müssen. Es ist ebenfalls eine
Tragik für die Vereinigten Staaten, die so viel Hoffnung
auf Gorbatschow und ein neues Zeitalter amerikanisch-sowjetischer Zusammenarbeit gesetzt haben.
Ist dieses Zeitalter jetzt zu Ende? Das könnte wohl der
Fall sein, wenn die neue Dynamik der sowjetischen
Innenpolitik zu einer Diktatur führt - mit oder ohne
Gorbatschow.
In der Zwischenzeit sollten die Vereinigten Staaten
alles in ihrer Macht Stehende tun, um Gorbatschow
und die übrige sowjetische Führung zu überzeugen,
daß der von ihm eingeschlagene Kurs im Baltikum
moralisch falsch und zum Scheitern verurteilt ist. Die
Bush-Administration sollte jedoch der Versuchung
widerstehen, die Tragödie im Baltikum für eine Vergeltung zu nutzen, die nicht zum gewünschten Ziel führen
wird. Solche Gesten könnten lediglich der KGB- und
Militärfaktion Munition liefern, die eine Zusammenarbeit zwischen Ost und West verhindern und die Sowjetunion wieder in die Konfrontation und den kalten
Krieg treiben will...

The Washington Post
...Gorbatschow sieht offensichtlich keine Diskrepanz
zwischen seinem Aufruf zur Achtung von Bürgerrechten im Nahen Osten und seinem verabscheuungswürdigen Vorgehen in den Baltenrepubliken. Nach sechs
Jahren vielbejubelter innen- und außenpolitischer
Reformen ist ein Träger des Friedensnobelrepreises
von seinem hohen moralischen Sockel gestürzt und
hat sich als so schwach erwiesen wie die von ihm
regierte marode Nuklearmacht. Dies ist eine Tragödie
für die Menschen im Baltikum und in der Sowjetunion,

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Vertrauensvolle Zusammenarbeit kann nur in einem
Umfeld gedeihen, in dem gleiche Verhaltensregeln
gelten. Dies ist die Botschaft, die Amerikaner dem
Kreml eindringlich vermitteln sollten - sicherzustellen,
daß die stark vertretenen Verfechter des harten Kurses die Bedeutung verstehen, die den Ereignissen im
Baltikum von den Vereinigten Staaten beigemessen
wird. Die krasse Alternative bestünde in der Verweigerung amerikanischer Wirtschaftshilfe, auch wenn damit
die sowjetische Beteiligung am Golf gefährdet würde.
Damit wäre niemandem von uns gedient.

Seite 1

�The Christian Science Monitor
Michael Gorbatschow führt einen Nervenkrieg - auch
mit Waffen - gegen die um ihre Unabhängigkeit kämpfenden Balten. Da der russische Bär jetzt die Türen in
Lettland eintritt, scheint es, daß Moskau die Unterdrükkung und Kontrolle aller drei Baltenrepubliken ins Auge
gefaßt hat.
Diese Entwicklung wird von neuen Angriffen auf liberale Strömungen und Glasnost begleitet. Die Presse hat
weniger Freiheiten. Sieben wichtige Berater Gorbatschows und Mitbegründer der Perestrojka wurden am
Samstag ihrer Ämter enthoben.
Wo ist der Westen? Vor dem Fernseher und beobachtet Angriffe von Scud-Raketen im Nahen Osten...
Gorbatschow stellt sich beim Kernproblem des Nationalitätenkonflikts stockstaub. Der sowjetische Präsident könnte mit dem von sowjetischem Öl, Gas, Handel,
von Nahrungsmitteln und wahrscheinlich auch sicherheitspolitisch abhängigen Baltikum einen Kompromiß
eingehen. Er könnte eine Abmachung treffen, die den
Interessen beider Seiten Rechnung trägt. Statt dessen zwingt er zu einem Handel, der mit Blut bezahlt
werden muß. Die Abspaltungsversuche der Moldaurepublik, der Ukraine und Aserbaidschans erleichtern
die Sache nicht unbedingt.
Die liberalen Kräfte in der Sowjetunion müssen unterstützt werden. Boris Jelzin gilt jetzt als Held. Der
Präsident der russischen Republik ist ein Fürsprecher
der Demokratie im Baltikum - er flog nach Estland, um
einen Vertrag zu unterzeichnen, demzufolge die Vereinten Nationen im Baltikum intervenieren sollten.
Das ist mehr als der Westen getan hat. Präsident Bush
war beschäftigt. Wenn er jedoch nicht vorsichtig ist,
wird er den Niedergang der neuen Weltordnung, wie er
sie 1989 übernommen hat, ebenso erleben wie den
Untergang des Baltikums. Klingt das nicht nach Breschnew?
Das Weiße Haus muß mehr tun. Die russische Aggression darf sich nicht behaupten.
The Baltimore Sun
...In Litauen wird eine demokratisch gewählte Regierung mit eigener Verfassung allmählich von Fallschirmjägern gestürzt, die dem Ruf einer zweifelhaften Gruppe moskautreuer Kommunisten folgen. Solche "Hilferufe" von Kollaborateuren gehören in der Sowjetunion
von der Annexion der baltischen Staaten 1940 bis zu
den Invasionen in Ungarn, der Tschechoslowakei und
Afghanistan zur Standardtaktik. Ihre gegenwärtige
Wiederholung schockiert Millionen im Westen besonders, weil sie ihre Hoffnung auf Gorbatschow gesetzt
haben.
Wenn Präsident Gorbatschow mit der mörderischen
Operation der Fallschirmjäger nicht einverstanden war,
Seite 2

hatte er reichlich Gelegenheit, das zu sagen. Statt
dessen versuchte der Kremlchef zu erklären, daß der
Einsatz militärischer Gewalt von einem Befehlshaber
vor Ort angeordnet worden war und er erst später
davon erfahren hatte. Dagegen erklärte der Kommandant Wladimir N. Uschkocknik, er habe seine Befehle
vom Präsidenten erhalten.
Eindeutig trägt Gorbatschow die volle Verantwortung
für das Blutvergießen und die groben Gesetzesverstöße, die jetzt das gesamte Gebäude des Rechtswesens
erschüttern, mit dem verhindert werden sollte, daß die
Sowjetunion jemals wieder in die Willkür des Stalinismus zurückfällt...
Zu einer Zeit, da die Aufmerksamkeit der Welt auf die
Krise am Persischen Golf gerichtet ist, wird um die
Sowjetunion gekämpft. Es ist ein Kampf zwischen
Reformern und Reaktionären - mit Gorbatschow in
seiner neuen Rolle als trauriges Beispiel eines Mannes, der seine professionellen Ideale verrät.
The Wall Street Journal
Am Samstag (12. Januar) haben hochrangige Vertreter des Weißen Hauses Journalisten gegenüber erklärt, die ins Baltikum entsandten sowjetischen Truppen dienten nur der Einschüchterung der Bürger Litauens. Michail Gorbatschow habe nicht die Absicht,
"tatsächlich Blut zu vergießen". Nur wenige Stunden
später eröffneten sowjetische Panzer das Feuer...
Gorbatschows westliche Anhänger argumentieren, daß
ohne ihn Chaos herrschen würde. Inzwischen sollte
klar sein, daß Gorbatschow kein Chaos verhindert - er
verursacht es. Litauen war ein friedlicher und um
Verständigung mit Moskau bestrebter Ort, bevor seine
Truppen dort einfielen. Und natürlich ist die Regierung
Litauens durch Wahlen ins Amt gekommen - im Gegensatz zu Gorbatschow.
Wir halten Gorbatschow nicht für eine blutrünstige
Figur im Stil Stalins und Saddam Husseins. Aber er ist
eindeutig um die Erhaltung des sowjetischen Imperiums und dessen Kontrolle durch die Kommunistische
Partei bestrebt. Er hat sich gegneüber wirtschaftlichen
Reformen aufgrund des Widerstands der Partei abwartend verhalten. Jetzt hat er nach Unabhängigkeit
strebende Balten in dem verzweifelten Versuch getötet, die Macht der Partei zu erhalten...
Gorbatschow selbst hat den Grundstein für dieses
scharfe Vorgehen mit der Forderung gelegt, daß die
Litauer "die Einsetzung der Präsidialregierung" fordern - eine Absurdität. Der Zeitpunkt war günstig
gewählt, denn er fiel genau mit dem Ultimatum am Golf
zusammen, und das Ziel war aus strategischen Gründen gewählt, um allen Unabhängigkeitsbewegungen
der Republiken eine Botschaft zu übermitteln. Andere
Republiken wurden gewarnt, daß sie die nächsten sein
werden...

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�Saddam Hussein stellt immer noch das vordringlichste
Problem der Welt dar. Vielleicht sollte es keine umfangreichen Bestrebungen geben, um davon abzulenken. Aber westliche Spitzenpolitiker können der Hilfe
für die Sowjetunion zweite Priorität einräumen. Sie
können ebenfalls bestätigen, daß Gorbatschow nicht
länger die Interessen von Freiheit und Demokratie
vertritt. Das bedeutet, die Kommunistische Partei
abzuschreiben und diplomatische Kontakte mit den
demokratischen Alternativen insbesondere in den
Baltenrepubliken aufzunehmen.
Unsere Aufgabe besteht nunmehr darin, Gorbatschow
und den Kommunisten den Abgang zu erleichtern. Der
Status quo ist lediglich ein Rezept für noch mehr
Massaker.
Seattle Times
Die Seattle Times erhielt eine Reihe von Leserbriefen
zur Lage in Litauen. Nachfolgend einige Auszüge:
Das Überleben der Demokratie in Litauen wurde durch
das Massaker an unbewaffneten Zivilisten in Vilnius
aufs Spiel gesetzt. Die frei gewählte Regierung Litauens ist durch das barbarische Eingreifen sowjetischer
Panzer und Fallschirmjäger bedroht... Wenn wir nicht
mehr tun als Herrn Gorbatschow für diese unverantwortlichen, brutalen Akte auf die Finger zu klopfen,
wird die Bush-Administration als Präsidentschaft in die
Annalen der Geschichte eingehen, die Demokratie in
Litauen verkauft hat, während sie amerikanisches Blut
für Öl vergoß.
Es scheint, als ob Gorbatschow von dieser einzigartigen Möglichkeit zur Wiederherstellung von "Recht und
Ordnung" in den baltischen Ländern profitiert. Während sich die übrige Welt auf den Nahen Osten konzentriert, marschierten sowjetische Truppen in Litauen als
warnendes Beispiel für andere aufsässige Sowjetrepubliken ein, die es wagen, Moskau in die Quere zu
kommen.
Ist Bush einen weiteren schändlichen außenpolitischen Handel eingegangen? Ebenso wie Franklin D.
Roosevelt, der einen Handel mit dem größten Tyrannen dieses Jahrhunderts - Stalin - abmachte und im
Anschluß daran Millionen von Osteuropäern über 45
Jahre lang zu Sklaven machte, hat auch Bush die
Freiheit einer weiteren Generation von Befürwortern
des Kapitalismus verschachert, um Gorbatschows
Unterstützung für seine Golfpolitik zu gewinnen...
The Sacramento Bee
Es war unvermeidbar, daß Michail Gorbatschow gegen die baltische Unabhängigkeitsbewegung scharf
durchgreifen würde. Er bedurfte keines außergewöhlichen taktischen Gespürs, um zu erkennen, daß der
geeignete Zeitpunkt gekommen war, als die gesamte
Aufmerksamkeit der übrigen Welt und insbesondere
der amerikanischen Medien und Regierung - berüch-

AMERIKA DIENST 4

tigt dafür, daß sie sich auf nicht mehr als eine Sache
konzentrieren können - auf den Golfkrieg gelenkt war.
Er mußte scharf durchgreifen, denn ein anderes Vorgehen hätte für ihn bedeutet, die Unterstützung der
entscheidenden Elemente des Machtmonopols zu
verlieren: in der Armee, der Polizei und im Parteiapparat. Das hat nichts damit zu tun, ob er ein bewundernswerter Bursche ist oder den Nobelpreis verdient oder
unseres Dankes für das würdig ist, was er bisher
erreicht hat. Er hat praktisch keine Alternative zu
seinem jetzigen Vorgehen...
Ein revolutionärer Prozeß treibt den Machthaber automatisch zum rechten Flügel, ebenso wie jede Krise im
Machtzentrum neue Fraktionen zur Linken absplittert
und jede darauffolgende Herausforderung radikaler
wird...
Im Fall der baltischen Republiken ist der richtige Kurs
unmißverständlich. Bei Gorbatschow und der sowjetischen Regierung und Armee darf auch nicht der
geringste Zweifel aufkommen, daß die westliche Hilfe
an die Sowjetunion absolut gebunden ist: Sie hängt
voll und ganz von der Fortführung des friedlichen
Reformkurses in der Sowjetunion ab, bei dem alle
Konflikte durch Verhandlung und Schlichtung gelöst
werden.
Der sowjetischen Regierung muß deutlich gesagt
werden, daß offiziell geschürte Gewalt in den baltischen Staaten und politische Manipulationen der althergebrachten und schändlichen Art, die "nationale
Rettungskomitees" erfinden, um Interventionen der
sowjetischen Armee gegen "bourgeoise" nationalistische Kräfte "zu erbitten", mit guten Beziehungen zum
Westen nicht in Einklang zu bringen sind...
The Houston Post
Heute wird Litauen, eine der zivilisiertesten und wohlhabendsten Regionen der Sowjetunion, von Unsichtbaren regiert.
Die Gruppe bezeichnet sich selbst als "Nationales
Rettungskomitee", aber wenn von ihr irgendeine Rettung ausgeht, geht sie an den tapferen Litauern vorbei,
die dem brutalen Vorgehen des Militärs am Sonntag
(13. Januar) widerstanden haben...
Der sowjetische Präsident Gorbatschow unterstützt
die blutige militärische Besetzung der litauischen Fernsehanstalt, während er leugnet, sie befohlen zu haben.
Das ist kein Trost. Wenn er lügt, hat er seinem in den
vergangenen Jahren so sorgfältig aufgebauten Image
der Offenheit einen ziemlichen Schlag versetzt. Spricht
er die Wahrheit, dann hat er die Kontrolle über sein
Militär mehr oder weniger verloren...
Was die Administration tun sollte - aber wahrscheinlich
nicht tut - ist, Gorbatschow zu sagen, daß seine
schwer erkämpften amerikanischen Hilfsleistungen in

Seite 3

�Form von Agrarprodukten in Milliardenhöhe gestrichen sind. Im selben Atemzug sollten wir ihm klarmachen, daß die Versorgung im Austausch für glaubwürdige Zusagen einer besseren Behandlung der leidenden Bevölkerung durch Moskau wieder aufgenommen
werden kann. Obwohl die Vereinigten Staaten Gorbatschows lang erkämpften Reformen Erfolg wünschen,
braucht er uns sehr viel nötiger als wir ihn...
Detroit Free Press
Moskaus Druck auf die baltische Unabhängigkeitsbewegung hält an, trotz wenig überzeugender Versuche
Präsident Gorbatschows, die jüngsten brutalen Akte in
Vilnius nicht der Roten Armee zuzuschreiben. Was wir
in Litauen beobachten, ist militärisches Eingreifen im
Stile Jaruzelskis, nur in Zeitlupe - wahrscheinlich in der
Hoffnung, die Art von scharfer westlicher Reaktion zu
vermeiden, die polnische Generäle bei der Niederschlagung der Solidarität im Jahr 1981 so verblüffte.
Mitten im Krieg mit dem Irak ist dies wohl der schlechteste Moment für die Bush-Administration, etwas gegen
die sich abzeichnende Tragödie im Baltikum unternehmen zu wollen. Die amerikanische Reaktion auf die
Niederschlagung und die insgesamt schärfere Gangart bei Gorbatschows Innenpolitik muß jedoch über
eine verbale Verurteilung hinausgehen.
Angesichts so vieler Kräfte im Spiel könnte eine starke
westliche Reaktion auf die Entwicklungen in Litauen
Eindruck auf den Kreml machen - und wahrscheinlich
einen echten Unterschied bewirken.
Chicago Tribüne
Blutiger Mord. Das ist der einzig richtige Ausdruck für
das Eingreifen der sowjetischen Armee am Wochenende des 12. und 13. Januar in Vilnius, in der Absicht,
die litauischen Unabhängigkeitsbestrebungen niederzuschlagen und gleichzeitig eine Warnung an gleichgesinnte Verfechter der Unabhängigkeit in anderen
sowjetischen Republiken auszusprechen.
Michail Gorbatschow - gleichgültig, ob er das Eingreifen befahl oder nicht - muß die Verantwortung dafür
tragen, weil er es unvermeidbar machte. Selbst nach
dem Eingeständnis, daß die Sowjetunion Litauen und
die anderen baltischen Staaten unrechtmäßig annektiert hatte, bestimmte er Konditionen für ihre Unabhängigkeit, die nicht erfüllt werden konnten und zwangsläufig zu Frustration, Widerstand und Konflikt führen,
mußten.
Dennoch ist Präsident Bush gut beraten, sich Forderungen nach einer Bestrafung Gorbatschows durch
die Absage des Gipfeltreffens am 11. Februar in Moskau
zu widersetzen. Die wichtigsten Gipfelthemen - Verträge über Rüstungskontrolle und Streitkräftereduzierungen - sind für eine noch immer von Nuklearwaffen
überschattete Welt von zu großer Bedeutung. Und die
erst vor kurzem bewilligte Nahrungsmittelhilfe wieder

Seite 4

zu entziehen, hieße, die Bedingungen weiter zu verschlechtern, die einen Großteil der sowjetischen Unruhen ausgelöst haben.
Ob dieses Eingreifen die Wiederkehr des Stalinismus
signalisiert oder nicht, scheint es - wie der litauische
Außenminister bekräftigte - definitiv das Ende der Ära
Gorbatschow von Reform und Liberalisierung anzudeuten...
Es stellt sich die Frage, ob die Ereignisse von Vilnius
Gorbatschow und die alten Löwen der Roten Armee,
des KGB und der Kommunistischen Partei zu gewalttätigem Vorgehen in anderen rebellierenden Republiken einschließlich Lettland und Estland ermutigen
werden? Oder könnten sie zu der Einsicht gelangen,
daß durch ihr Vorgehen in Vilnius Märtyrer für die
Sache geschaffen wurden, die sie zu unterdrücken
hofften?
Was Präsident Bush anbetrifft, so könnte er in Moskau
sehr viel Schlimmeres tun als zwei Sätze seiner Rede
vom Sonntag (13. Januar) zu wiederholen:
"Rechtmäßigkeit wird nicht durch Gewalt geschaffen.
Sie wird durch den Konsens des Volkes durch Offenheit und die Achtung der grundlegenden Menschenund politischen Rechte erlangt."
The Arizona Republic
Bei den Nürnberger Prozessen machten ehemalige
SS-Angehörige ihre Vorgesetzten für die von ihnen
begangenen Greueltaten verantwortlich. Der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow beschuldigt seine "Untergebenen" für die Morde in Litauen. Er habe
zu dem Zeitpunkt geschlafen - sagt er -, und der Befehl,
auf unbewaffnete Zivilisten zu schießen, sei von dem
Ortskommandeur erteilt worden.
Er kann sich nicht reinwaschen. Gorbatschow ist
entlarvt worden. Einzig sein Stil unterschied ihn von
seinen Vorgängern. Nun hat sich selbst der gewandelt. Am Mittwoch (16. Januar) hat Gorbatschow
tatsächlich die sowjetische Legislative aufgefordert,
vorübergehend die Kontrolle über die Medien zu übernehmen...
Wir hätten auf den verstorbenen Andrej Gromyko
hören sollen. Als Gromyko Gorbatschow als Generalsekretär nominierte, warnte er, der neue Staatsmann
habe ein "breites Lächeln, aber ein Gebiß aus Stahl"...
Gipfeltreffen können abgesagt, ein Getreideembargo
verhängt, Resolutionen verabschiedet und der Verkauf technischen Geräts begrenzt, aber die Richtung
der sowjetischen Führung kann wohl nicht geändert
werden...
In der Ansprache anläßlich der Verleihung des Nobelpreises an Gorbatschow im vergangenen Jahr zitierte
das norwegische Nobelpreiskomitee Gorbatschows

AMERIKA DIENST 4

�"führende Rolle im Friedensprozeß" und erklärte, dieser
Prozeß, "zu dem Gorbatschow so maßgeblich beigetragen hat, eröffnet der internationalen Staatengemeinschaft neue Möglichkeiten zur Lösung der drängenden Probleme über ideologische, religiöse, historische und kulturelle Grenzen hinweg".

Die Überschreitung der Grenzen, die Gorbatschow
jetzt mit seinen Panzern vollzogen hat, zeitigen sehr
viel größere Wirkung. Das Nobelpreiskomitee sollte
den Preis und das damit verbundene Geld zurückverlangen...

* * * * *

AMERIKA DIENST 4

Seite 5

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cimGrikci
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

V„N 4

Z12462 C

02

30.Januar 1998

LAGE DER NATION

CLINTON: USA HABEN DIE MACHT UND
DIE PFLICHT, EIN NEUES ZEITALTER DES
FRIEDENS ZU SCHAFFEN
Bericht zur Lage der Nation

GESELLSCHAFT

DER EINSATZ FÜR DIE BURGERRECHTE
Rede von Vizepräsident AI Gore

USA-EUROPA

DEUTSCHLAND, AMERIKA UND DIE
VOLLENDUNG EUROPAS
Rede von Botschafter John C. Kornblum

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�LAGE

DER

NATION
28.Januar 1998

Clinton: USA haben die Macht und die Pflicht,
ein neues Zeitalter des Friedens zu schaffen
Bericht zur Lage der Nation

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den von Präsident Clinton am 27. Januar 1998 vor dem
Kongreß vorgetragenen Bericht zur Lage der Nation im Wortlaut.

Mr. Speaker, Herr Vizepräsident, Mitglieder des 105.
Kongresses, verehrte Gäste, meine amerikanischen
Mitbürger.
Seitdem wir das letzte Mal in dieser Kammer zusammengetroffen sind, hat Amerika zwei Patrioten und
herausragende Regierungsvertreter verloren. Obwohl
sie auf verschiedenen Seiten des Ganges saßen,
teilten die Abgeordneten des Repräsentantenhauses
Walter Capps und Sonny Bono tiefempfundene
Gefühle für dieses Haus und ein unerschütterliches
Engagement für die Verbesserung des Lebens aller
unserer Bürger. In den vergangenen Wochen wurden
Nachrufe auf sie gehalten. Wir sollten den heutigen
Abend damit beginnen, ihren Familien und Freunden
die Botschaft zu übermitteln, daß wir ihrer gedenken
und ihnen für den Dienst an unserer Nation danken.
Seit 209 Jahren ist es die Pflicht des Präsidenten,
Ihnen über die Lage der Nation zu berichten. Aufgrund
der harten Arbeit und hohen Zielsetzungen des
amerikanischen Volkes sind dies gute Zeiten für
Amerika. Wir haben über 14 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen, die niedrigste Arbeitslosenquote
seit 24 Jahren, den niedrigsten Inflationssockel seit 30
Jahren, steigende Einkommen, und wir haben die
höchste Zahl von Eigenheimbesitzern in der Geschichte. Die Verbrechensrate ist in fünf aufeinander folgenden Jahren enorm gesunken. Und die Zahl der
Sozialhilfeempfänger ist auf dem niedrigsten Stand seit
27 Jahren. Unsere Führungsrolle in der Welt ist
unbestritten. Meine Damen und Herren, die Lage
unserer Nation ist gut.
Da das 20. Jahrhundert nur noch knapp 700 Tage hat,
ist dies nicht die Zeit, sich auszuruhen. Es ist die Zeit,

AMERIKA DIENST 02

aufzubauen - das Amerika aufzubauen, das in greifbare Nähe gerückt ist: Ein Amerika, in dem jeder die
Chance hat, mit harter Arbeit voranzukommen; in dem
jeder Bürger in einer sicheren Gemeinde leben kann;
in dem die Familien stark und Schulen gut sind und
alle jungen Menschen das College besuchen können;
ein Amerika, in dem Wissenschaftler Heilung für
Krankheiten von Diabetes über Alzheimer bis zu AIDS
finden; ein Amerika, in dem jedes Kind mit einem
Computer arbeiten und jedes Buch lesen kann, das je
geschrieben wurde, jedes Gemälde sehen kann, das
je gemalt wurde, jede Symphonie hören kann, die je
komponiert wurde; in dem die Regierung Chancen
bietet und die Bürger der Verantwortung gerecht
werden, etwas an ihre Gemeinden zurückzugeben; ein
Amerika, das die Welt zu neuen Höhen des Friedens
und Wohlstands führt.
Das ist das Amerika, das wir aufzubauen begonnen
haben; das ist das Amerika, das wir unseren Kindern
hinterlassen können - wenn wir uns zusammenschließen, um die vor uns liegende Arbeit zu beenden.
Wir wollen unsere Nation für das 21. Jahrhundert
stärken.
Die Amerikaner haben selten in so vieler Hinsicht und
in so kurzer Zeit solche Veränderungen durchlebt.
Ruhig, aber mit zunehmender Kraft hat sich der Boden
unter unseren Füßen verlagert, während wir in das
Informationszeitalter, eine globale Wirtschaft und eine
wirklich neue Welt eingetreten sind.
Seit fünf Jahren haben wir jetzt die Herausforderungen
dieser Veränderungen bewältigt, wie es die Amerikaner an jedem Wendepunkt getan haben: Indem sie die
Idee von Amerika selbst erneuert haben - den Kreis

Seite 1

�der Chancen erweitert, die Bedeutung unserer Freiheit
vertieft und eine perfektere Union geschmiedet haben.

unsere Entschlossenheit bewahren, werden wir auf
lange Sicht ausgeglichene Haushalte haben.

Wir haben für das Informationszeitalter eine neue Art
von Regierung geschaffen. Ich danke dem Vizepräsidenten für seine Führungsrolle und dem Kongreß für
seine Unterstützung beim Aufbau einer Regierung, die
schlanker, flexibler und ein Katalysator für neue Ideen
ist - und vor allem eine Regierung, die dem amerikanischen Volk die Instrumente an die Hand gibt, die es
benötigt, um das meiste aus seinem Leben zu machen.

Wir dürfen nicht wieder unkluge Ausgaben tätigen oder
ungezielte Steuersenkungen vornehmen, die zu einem
erneuten Defizit führen könnten. Im vergangenen Jahr
haben wir gemeinsam ein Gesetz über gezielte
Steuersenkungen erlassen, so daß die typische
Familie der Mittelschicht jetzt die niedrigsten Steuersätze seit 20 Jahren hat. Mein Plan für den Ausgleich
des Haushalts im nächsten Jahr enthält sowohl neue
Investitionen als auch neue Steuersenkungen, die auf
die Erfordernisse von Arbeitnehmerfamilien zugeschnitten sind: Ausbildung, Kinderbetreuung, Umweltschutz.

Wir sind über die sterile Debatte zwischen denjenigen
hinausgekommen, die sagen, die Regierung sei der
Feind, und denjenigen, die sagen, die Regierung sei
die Antwort. Meine amerikanischen Mitbürger, wir
haben eine Mittelweg gefunden. Wir haben die
kleinste Regierung seit 35 Jahren - aber eine progressivere. Wir haben eine kleinere Regierung - aber eine
stärkere. Wir bewegen uns stetig auf ein noch stärkeres Amerika im 21. Jahrhundert zu: Eine Volkswirtschaft, die Chancen bietet, eine in Verantwortung
wurzelnde Gesellschaft und eine Nation, die als eine
Gemeinschaft lebt.
Erstens streben die Amerikaner in dieser Kammer und
im ganzen Land eine neue Strategie für Wohlstand an:
Haushaltsdisziplin, um die Zinssätze zu senken und
Wachstum anzukurbeln; Investitionen in Bildung und
Ausbildung, in Wissenschaft, Technologie und das
Transportwesen, um unser Volk auf die neue Weltwirtschaft vorzubereiten; neue Märkte für amerikanische
Produkte und amerikanische Arbeitnehmer.
Als ich mein Amt antrat, wurde das Defizit für 1998 auf
357 Milliarden Dollar prognostiziert, Tendenz steigend.
In diesem Jahr soll sich unser Defizit auf 10 Milliarden
Dollar belaufen, Tendenz fallend. Drei Jahrzehnte
lang standen die Präsidenten vor Ihnen und haben vor
dem Schaden gewarnt, den Defizite für unsere Nation
darstellen. Heute Abend stehe ich vor Ihnen um
bekanntzugeben, daß das Haushaltsdefizit - einstmals
so unbegreiflich hoch, daß es 11 Nullen am Ende hatte
- schlicht und einfach Null sein wird. Ich werde dem
Kongreß für 1999 den ersten ausgeglichenen Haushalt
seit 30 Jahren vorlegen. Und wenn wir an der Haushaltsdisziplin festhalten, können wir den Haushalt in
diesem Jahr ausgleichen - vier Jahre vor der gesetzten
Frist.
Sie alle können darauf stolz sein, denn rote Zahlen in
schwarze zu verwandeln, ist kein Wunder. Es ist das
Produkt harter Arbeit des amerikanischen Volkes und
von zwei visionären Aktionen des Kongresses - der
mutigen Abstimmung 1993, die zu einem Abbau des
Defizits um 90 Prozent führte, und das von diesem
Kongreß verabschiedete wahrlich historische Abkommen beider Parteien über einen ausgeglichenen
Haushalt. Hier die wirklich gute Nachricht: Wenn wir

Seite 2

Aber seien es Steuersenkungen oder Ausgaben - ich
bitte Sie alle, diesen Test zu bestehen: Billigen Sie nur
die Prioritäten, die tatsächlich umgesetzt werden
können, ohne dem Defizit einen Pfennig hinzuzufügen.
Wenn wir den Haushalt für das nächste Jahr ausgleichen, werden wir den Prognosen zufolge in den
unmittelbar darauffolgenden Jahren einen beträchtlichen Überschuß haben. Was sollen wir mit diesem
vorhergesagten Überschuß tun?
Ich habe eine
einfache Antwort: Zuerst muß die Sozialversicherung
gerettet werden.
Heute Abend schlage ich vor, daß wir 100 Prozent des
Überschusses - das ist jeder Pfennig des Überschusses - zurücklegen, bis wir alle notwendigen
Maßnahmen zur Stärkung des Sozialversicherungssystems für das 21. Jahrhundert ergriffen haben. Wir
wollen allen Amerikanern - ob sie 70 oder 50 sind - ,
die heute Abend zusehen, sagen, es wird die Sozialversicherung geben, wenn Sie sie brauchen. Wir
wollen diese Zusage machen: Zuerst die Sozialversicherung. Lassen Sie uns das gemeinsam tun.
Ich möchte auch sagen, daß alle Amerikaner, die uns
heute Abend zusehen, eingeladen werden sollten, sich
an dieser Diskussion zu beteiligen, sich diesen
Themen offen zu stellen und einen echten Konsens zu
bilden, wie wir vorgehen sollten. Wir werden mit der
Einrichtung parteiunabhängiger Foren in jeder Region
des Landes beginnen - und ich hoffe, daß die Gesetzgeber beider Parteien sich beteiligen werden. Wir
werden im Dezember im Weißen Haus eine Konferenz
über Sozialversicherung abhalten. Und in einem Jahr
werde ich die Vorsitzenden des Kongresses einberufen, um historische, überparteiliche Gesetze zu
formulieren, damit etwas Bahnbrechendes für unsere
Generation geschaffen werden kann - ein Sozialversicherungssystem, das im 21. Jahrhundert stark it.
In einer Volkswirtschaft, die Chancen honoriert,
müssen alle Amerikaner die Früchte des Wohlstands
ernten können. Weil die Zeiten gut sind, können wir es
uns leisten, einen einfachen, vernünftigen Schritt zu

AMERIKA DIENST 02

�unternehmen, um Millionen von Arbeitnehmern zu
helfen, die darum kämpfen, ihre Familie zu ernähren:
Wir sollten den Mindestlohn erhöhen.
Das Informationszeitalter ist vor allem ein Bildungszeitalter, in dem die Bildung bei der Geburt beginnen
und das gesamte Leben lang andauern muß. Von
diesem Podium aus habe ich letztes Jahr gesagt, daß
Bildung unsere höchste Priorität sein muß. Ich habe
einen 10-Punkte-Plan umrissen, der uns voranbringen
soll, und an alle appelliert, daß Parteipolitik an der
Schultür haltmachen muß. Seit damals hat dieser
Kongreß über parteipolitische Grenzen . hinweg
zusammen mit dem amerikanischen Volk in dem
wichtigsten Jahr für Bildung seit einer Generation
reagiert - wir haben die Wahlmöglichkeiten zwischen
öffentlichen Schulen verbessert und den Weg zur
Gründung von 3.000 neuen Schulen geebnet, die
höchste Standards setzen und erfüllen; wir arbeiten
auf die Vernetzung aller Klassenzimmer im Land mit
der Datenautobahn hin und haben uns zur Ausdehnung von Head Start auf eine Million Kinder
verpflichtet; wir haben das Programm "Amerika liest" in
die Wege geleitet und buchstäblich Tausende von
Coilegestudenten in unsere Grundschulen geschickt
um sicherzustellen, daß alle unsere Achtjährigen lesen
können.
Im vergangenen Jahr habe ich 220.000 neue Pell
Grant-Stipendien für besonders begabte Studenten
vorgeschlagen, und Sie haben sie genehmigt. Bei
Krediten für Studenten, die bereits billiger und leichter
zurückzuzahlen sind, können Sie jetzt die Zinsen
steuerlich absetzen. Familien in ganz Amerika können
jetzt ihre Ersparnisse in neue steuerfreie private
Rentenkonten einzahlen. Und in diesem Jahr wird
Familien für die ersten beiden Collegejahre ein
Steuerfreibetrag in Höhe von 1.500 Dollar eingeräumt ein HOPE-Stipendium, das praktisch die gesamten
Studiengebühren für ein Gemeindecollege abdeckt.
Und für das 13. und 14. Schuljahr, die weiterführende
Schule und die berufliche Ausbildung gibt es einen
lebenslangen "Lernkredit". Sie haben das genehmigt,
und Sie sollten sehr stolz darauf sein.
Und aufgrund dieser Aktionen habe ich jeder Familie,
die uns heute Abend zuhört, etwas zu sagen: Ihre
Kinder können auf ein College gehen. Wenn Sie ein
Kind aus einer bedürftigen Familie kennen, sagen Sie
ihm, es soll nicht aufgeben - es kann aufs College
gehen. Wenn Sie ein junges Ehepaar kennen, das
Schwierigkeiten hat, seine Rechnungen zu bezahlen
und sich Sorgen macht, daß es seine Kinder nicht aufs
College schicken kann, sagen Sie ihm, es soll nicht
aufgeben - seine Kinder können aufs College gehen.
Wenn Sie jemanden kennen, der einen Beruf ohne
Aufstiegsmöglichkeiten hat und fürchtet, er könne die
notwendige Ausbildung für einen besseren Beruf für
den Rest seines Lebens nicht bezahlen, sagen Sie
ihm, er soll nicht aufgeben - er kann aufs College

AMERIKA DIENST 02

gehen. Aufgrund dessen, was getan worden ist,
können wir das College im 21. Jahrhundert so universell wie die High Schoo1 heute machen. Und das,
meine Freunde, wird da.c Gesicht und die Zukunft
Amerikas verändern.
Wir haben die Türen des besten Systems der Welt für
weiterführende Bildung weit geöffnet. Jetzt müssen wir
auch unsere öffentlichen Grund- und Oberschulen zu
den besten der Welt machen, indem wir den Standard,
die Erwartungen und die Rechenschaftspflicht verbessern.
Dank der Aktionen dieses Kongresses im letzten Jahr
werden wir bald zum ersten Mal einen landesweiten
freiwilligen Test haben, der sich auf die nationalen
Standards der 4. Klasse im Lesen und der 8. Klasse in
Mathematik stützt. Die Eltern haben ein Recht zu
wissen, ob ihre Kinder das Grundwissen beherrschen.
Und jeder Elternteil kennt bereits den Schlüssel: Gute
Lehrer und kleine Klassen.
Heute Abend schlage ich die erste landesweite
Bestrebung zur Verkleinerung der Klassen in den
ersten Schuljahren vor.
Mein ausgeglichener Haushalt wird zur Einstellung von
100.000 neuen Lehrern beitragen, die einen staatlichen Eignungstest bestanden haben. Mit diesen
Lehrern werden wir tatsächlich in der Lage sein, in
ganz Amerika die Klassen im 1., 2. und 3. Schuljahr
auf durchschnittlich 18 Schüler pro Klasse zu verkleinern.
Wenn meine Rechnung stimmt, benötigen mehr Lehrer
für kleinere Klassen mehr Klassenzimmer. Daher
schlage ich auch eine Steuersenkung für den Bau von
Schulen vor, um den Gemeinden bei der Modernisierung oder dem Bau von Schulen zu helfen.
Wir müssen auch größere Rechenschaftspflicht
fordern. Wenn wir ein Kind von Klasse zu Klasse
versetzen, das nicht mitkommt, tun wir dem Kind
keinen Gefallen. Es ist an der Zeit, die "soziale"
Versetzung in Amerikas Schulen abzuschaffen.
Im vergangenen Jahr wurde in Chicago diese Entscheidung getroffen - unsere Kinder zu fördern. In
Chicago wurde die "soziale" Versetzung abgeschafft
und eine obligatorische Sommerschule eingeführt, um
den Schülern zu helfen, die aufholen müssen. Ich
schlage vor, anderen Gemeinden behilflich zu sein,
dem Beispiel Chicagos zu folgen. Wir wollen zu ihnen
sagen: Hört auf, Kinder zu versetzen, die nicht lernen,
und wir werden Ihnen die Instrumente an die Hand
geben um sicherzustellen, daß sie es tun.
Ich bitte diesen Kongreß auch, unsere Bestrebungen
an Colleges und Universitäten zu unterstützen,
benachteiligte Kinder ab der 6. Klasse einzubeziehen,

Seite 3

�damit ihnen die erforderliche Anleitung und Hoffnung
gegeben wird, daß auch sie aufs College gehen
können.
An der Schwelle zum 21. Jahrhundert fordert die
globale Wirtschaft von uns nicht nur im Inland, sondern
auf allen Märkten der Welt Chancen zu suchen. Wir
müssen diese globale Wirtschaft gestalten, nicht vor
ihr zurückschrecken. In den vergangenen fünf Jahren
haben wir den Weg zur Öffnung neuer Märkte mit 240
Handelsabkommen angeführt, die ausländische
Hemmnisse für Produkte mit der stolzen Aufschrift
"Made in the USA" abbauen. Heute ist ein Drittel
unseres Wirtschaftswachstums auf Exporte in Rekordhöhe zurückzuführen. Ich möchte, daß das so weitergeht, weil das der Weg für weiteres Wachstum in den
Vereinigten Staaten und die Förderung einer sichereren und stabileren Welt ist.
Unabhängig von Ihrer Sichtweise wissen Sie alle, daß
dies meines Erachtens eine große Chance für Amerika
ist. Ich weiß, daß es Widerstand gegen umfassendere
Handelsabkommen gibt. Ich habe sorgfältig zugehört
und glaube, daß der Widerstand in zwei Ängsten
begründet ist: Erstens, daß unsere Handelspartner
niedrigere Umwelt- und Arbeitsnormen haben werden,
die ihnen einen unfairen Vorteil auf unserem Markt
verschaffen und ihren eigenen Bürgern nicht entgegenkommen, selbst wenn es mehr Geschäftstätigkeit gibt. Und zweitens, daß mehr Arbeitnehmer hier
ihren Arbeitsplatz verlieren werden und von neuem
anfangen müssen, wenn wir unser Handelsvolumen
erhöhen. Meines Erachtens sollten wir die Förderung
von Arbeitnehmer- und Umweltnormen auf der ganzen
Welt anstreben. Ich habe immer wieder klargemacht,
daß dies Teil unserer Handelsagenda sein sollte. Aber
wir können die Entscheidungen anderer Länder nicht
beeinflussen, wenn wir ihnen die Botschaft senden,
daß wir vor Handel mit ihnen zurückschrecken.
In diesem Jahr werde ich dem Kongreß einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung der unerträglichsten Arbeitspraxis - der Kinderarbeit - vorlegen und andere
Nationen bitten, unserem Beispiel zu folgen. Wir
sollten auch den Amerikanern Hilfe und Hoffnung
bieten, die vorübergehend hinter dem globalen Markt
oder dem Vormarsch der Technologie herhinken, was
nichts mit Handel zu tun haben muß. Aus diesem
Grund haben wir die Mittel für die Ausbildung von
umgesetzten Arbeitnehmern seit 1993 mehr als
verdoppelt - und wenn mein neuer Haushalt verabschiedet wird, werden wir die Mittel verdreifachen.
Deswegen müssen wir schneller mehr tun, um den
Arbeitnehmern zu helfen, die ihren Arbeitsplatz aus
welchem Grund auch immer verlieren.
Wie Sie wissen, sind wir Gemeinden in einer besonderen Weise behilflich, wenn ihre Militärstützpunkte
schließen. Wir sollten ihnen auf die gleiche Weise
helfen, wenn ihre Fabriktore schließen. Ich bitte den

Seite 4

Kongreß wiederum um die Fortsetzung seiner überparteilichen Arbeit, um das Gewirr von Ausbildungsprogrammen, das wir heute haben, in einem einzigen
Gl-Gesetz für Arbeitnehmer zusammenzufassen einem einfachen Ausbildungsstipendium, damit die
Menschen auf eigene Initiative schnell eine neue
Arbeit, ein höheres Einkommen und eine vielversprechendere Zukunft erhalten.
Wir alle wissen, daß Wandel in allen Lebenslagen
nicht einfach ist, aber wir müssen entscheiden, ob wir
ihn aufhalten und vor ihm zurückschrecken oder seine
Vorteile genießen wollen. Halten Sie sich das ganze
Bild hier vor Augen: Während wir Hunderte neuer
Handelsabkommen schließen, schaffen wir Millionen
neuer Arbeitsplätze.
In diesem Jahr werden wir neue Partnerschaften mit
Lateinamerika, Asien und Europa eingehen. Und wir
sollten das neue Gesetz über den Handel mit Afrika
verabschieden - es hat die Unterstützung beider
Parteien. Ich werde auch meinen Antrag für ein Fasttrack-Verhandlungsmandat erneuern, das für die
Öffnung neuer Märkte und die Schaffung von mehr
neuen Arbeitplätzen erforderlich ist, und das jeder
Präsident seit zwei Jahrzehnten hat.
Ob es uns gefällt oder nicht - die Volkswirtschaften der
Welt sind in zumeist positiver Weise immer enger
verflochten und interdependent. Heute kann eine
Wirtschaftskrise in einem Land die Volkswirtschaften
überall betreffen. In den vergangenen Monaten haben
Thailand, Indonesien, Südkorea und andere Länder
ernsthafte Finanzprobleme gehabt.
Warum sollten Amerikaner darüber besorgt sein?
Erstens sind diese Länder unsere Kunden. Wenn sie
eine Rezession erleben, können sie die Waren nicht
kaufen, die wir ihnen verkaufen möchten. Zweitens
sind sie auch unsere Konkurrenten. Wenn also ihre
Währungen an Wert verlieren, dann wird der Preis für
ihre Waren sinken und sie werden unsere und andere
Märkte mit sehr viel billigeren Waren überschwemmen,
was für uns den Wettbewerb stark erschwert. Und
schließlich sind sie unsere strategischen Partner. Ihre
Stabilität stärkt unsere Sicherheit.
Die amerikanische Wirtschaft ist weiterhin gesund und
stark, und ich möchte, daß das so bleibt. Aber weil die
Turbulenzen in Asien Auswirkungen auf alle Volkswirtschaften der Welt einschließlich der unseren haben
werden, ist es das Richtige für Amerika, diese negativen Auswirkungen so weit wie möglich abzuschwächen - und das Richtige für eine sicherere Welt.
Unsere Politik ist klar: Keine Nation kann sich erholen,
wenn sie sich nicht reformiert. Aber wenn Nationen
bereit sind, ernsthafte Wirtschaftsreformen durchzuführen, sollten wir ihnen dabei behilflich sein. Daher
fordere ich den Kongreß auf, die Verpflichtung der

AMERIKA DIENST 02

�Vereinigten Staaten gegenüber dem Internationalen
Währungsfonds zu erneuern. Und ich denke, wir
sollten allen Menschen, die wir hier zu vertreten
versuchen, sagen, daß die Vorbereitung auf einen weit
entfernten Sturm, der unsere Küsten erreichen kann,
sehr viel klüger ist als den Donner zu ignorieren, wenn
die Gewitterwolken schon direkt über einem sind.
Eine starke Nation ruht auf dem Fels der Verantwortung. Eine in Verantwortung wurzelnde Gesellschaft muß als erstes den Wert der Arbeit, nicht die
Sozialhilfe fördern. Wir können stolz sein, daß wir
nach Jahrzehnten der Schuldzuweisungen und des
Scheiterns gemeinsam das alte Sozialhilfesystem
abgeschafft haben. Und jetzt gibt es anstelle von
Sozialhilfeschecks Gehaltsschecks.
Nach einer Rekordabnahme der Zahl von Sozialhilfeempfängern über vier Jahre hinweg habe ich unsere
Nation im vergangenen Jahr aufgefordert, bis zum
Jahr 2000 weitere 2 Millionen Amerikaner von Sozialhüfe unabhängig zu machen. Ich freue mich, berichten
zu können, daß wir auch dieses Ziel erreicht haben zwei volle Jahre vor der gesetzten Frist.
Das ist eine große Leistung, die Summe vieler Akte
des Muts, Durchhaltevermögens und der Hoffnung des
Einzelnen. 13 Jahre lang war Elaine Kinslow aus
Indianapolis, Indiana, zwischenzeitlich von Sozialhilfe
abhängig. Heute ist sie Lieferantin bei einer kleinen
Transportfirma. Sie hat genug Geld gespart, um mit
ihrer Familie in eine gute Gegend zu ziehen, und sie
hilft anderen Sozialhilfeempfängern, eine Arbeit zu
finden. Elaine Kinslow und ihresgleichen sind die
echten Helden der Revolution im Sozialwesen. Es gibt
Millionen wie sie in ganz Amerika. Und ich freue mich,
daß sie heute Abend mit der First Lady zusammentreffen kann. Elaine, wie sind stolz auf Sie. Bitte
stehen Sie auf.
Wir alle haben noch sehr viel mehr zu tun, um der
Sozialhilfereform zum Erfolg zu verhelfen - mit Kinderbetreuung, Hilfestellung für Familien, damit sie in die
Nähe offener Stellen ziehen können, der Forderung an
mehr Unternehmen, bei unserem Programm "von der
Sozialhilfe zur Arbeit" mitzumachen und einer Erhöhung der Unterhaltszahlungen für Kinder von Eltern,
die eine Pflicht zur Unterstützung ihrer Kinder haben
und mit der Sozialhilfe Mißbrauch treiben. Ich möchte
dem Kongreß auch für die Wiedereinführung einiger
der Vergünstigungen für Einwanderer danken, die
legal hier sind und hart arbeiten - und ich hoffe, Sie
werden diese Arbeit in diesem Jahr beenden.
Wir müssen es allen hart arbeitenden Familien ermöglichen, ihre wichtigsten Pflichten zu erfüllen. Vor
zwei Jahren haben wir garantiert, daß Amerikaner ihre
Krankenversicherung behalten können, wenn sie den
Arbeitsplatz wechseln. Letztes Jahr haben wir die
Gesundheitsfürsorge auf bis zu 5 Millionen Kinder

AMERIKA DIENST 02

ausgedehnt. Dieses Jahr bitte ich den Kongreß, die
nächsten historischen Schritte zu unternehmen.
160 Millionen unserer M&gt; ürger haben eine private
Krankenversicherung, die Finanzierung und medizinische Versorgung integriert. Solche Versicherungen
sind billiger und können die medizinische Versorgung
verbessern.
Aber medizinische Entscheidungen
sollten von den Ärzten getroffen werden, nicht den
Sachbearbeitern der Versicherung. Ich fordere diesen
Kongreß auf, parteipolitische Grenzen zu überwinden
und ein Verbrauchergesetz zu verabschieden. In
diesem Gesetz soll stehen: Sie haben das Recht, über
alle medizinischen Optionen informiert zu werden,
nicht nur die billigste. Sie haben das Recht auf den
Arzt Ihrer Wahl und die medizinische Betreuung, die
Sie benötigen. Sie haben das Recht auf Versorgung
auf der Intensivstation, wo immer und wann immer sie
diese benötigen. Sie haben das Recht auf vertrauliche
Behandlung Ihres Krankenblatts.
Herkömmliche
Krankenversicherung mit freier Arztwahl oder die auf
Gesundheitsbetriebe beschränkte Krankenversicherung - jeder Amerikaner verdient qualifizierte medizinische Versorgung.
Millionen Amerikaner zwischen 55 und 65 haben ihren
Krankenversicherungsschutz verloren. Einige sind im
Ruhestand, andere arbeitslos; einige verlieren ihren
Krankenversicherungsschutz, wenn ihr Ehegatte in
den Ruhestand geht. Nach lebenslanger Arbeit haben
sie niemanden, an den sie sich wenden können.
Daher bitte ich den Kongreß: Gestatten Sie diesen hart
arbeitenden Amerikanern, sich in das MedicareSystem einzukaufen. Das fügt dem Defizit keinen
Rennig hinzu - aber der Seelenfrieden, den es mit sich
bringt, wird unbezahlbar sein.
Als nächstes müssen wir den Eltern helfen, ihre Kinder
vor der gravierendsten Gesundheitsbedrohung zu
schützen, der sie sich gegenübersehen: Einer Epidemie von rauchenden Teenagern, die durch Marketingkampagnen in Höhe von mehreren Millionen Dollar
gefördert wird. Ich appelliere an den Kongreß: Lassen
Sie uns ein überparteiliches, umfassendes Gesetz
erlassen, das die öffentliche Gesundheit verbessert,
unsere Tabakanbauer schützt und die Art und Weise
ändert, in der Tabakunternehmen immer weiter
Geschäfte machen. Lassen Sie uns das Erforderliche
tun, um die Zahl rauchender Teenager zu verringern.
Lassen Sie uns den Preis für Zigaretten in den nächsten zehn Jahren um bis zu 1.50 Dollar pro Packung
erhöhen, mit Strafen für die Tabakindustrie, wenn sie
weiterhin an unsere Kinder vermarktet.
Wie an jedem Tag werden Morgen 3.000 Kinder
anfangen zu rauchen, und 1.000 werden infolgedessen sterben. Dieser Kongreß soll als der Kongreß
im Gedächtnis bleiben, der ihr Leben gerettet hat.

Seite 5

�In der neuen Weltwirtschaft arbeiten die meisten Eltern
härter denn je. Sie sehen sich einem konstanten
Kampf ausgesetzt, ihre Pflichten als gute Arbeitnehmer
und ihre noch wichtigeren Pflichten als gute Eltern
unter einen Hut zu bringen. Das Gesetz über Krankenurlaub aus familiären Gründen war der erste
Gesetzentwurf, dem ich als Präsident 1993 Gesetzeskraft verleihen durfte. Seit damals haben es rund 15
Millionen Menschen in Anspruch genommen, und ich
habe viele von ihnen überall in diesem Land getroffen.
Ich bitte Sie, das Gesetz auf weitere 10 Millionen
Arbeitnehmer auszudehnen und die Eltern zu beurlauben, die ihre Kinder zum Arzt bringen oder deren
Lehrer aufsuchen müssen.
Kinderbetreuung ist die nächste Hürde, die wir überwinden müssen, wenn die Menschen zu Hause und
bei der Arbeit Erfolg haben sollen. Im vergangenen
Jahr war ich Mitveranstalter der allerersten Konferenz
über Kinderbetreuung im Weißen Haus mit einem
unserer herausragendsten Experten - Amerikas First
Lady. Aus allen Teilen Amerikas hörten wir dieselbe
Botschaft unabhängig von Region oder Einkommen
oder politischer Überzeugung: Wir müssen die Qualität
unserer Kinderbetreuung verbessern.
Wir müssen sie sichern.
schwinglicher gestalten.

Und wir müssen sie er-

Mein Plan sieht folgendermaßen aus: Hilfe für die
Familien, um Kinderbetreuung für eine weitere Million
Kinder zu finanzieren. Stipendien für Kinderbetreuer
und eine Überprüfung ihrer Vorgeschichte sowie ein
neuer Schwerpunkt auf frühem Lernen. Steuervorteile
für Unternehmen, die ihren Mitarbeitern Kinderbetreuung anbieten. Und ein höherer Steuerfreibetrag für die
Kinderbetreuung in Arbeitnehmerfamilien. Wenn Sie
meinen Plan annehmen, bedeutet daß, daß eine
vierköpfige Familie mit einem Einkommen von 35.000
Dollar und großen Ausgaben für Kinderbetreuung der
Bundesregierung keinen Pfennig mehr an Einkommensteuer zahlt.
Für mich ist das aufgrund meiner eigenen Erfahrung
ein so wichtiges Thema. Ich habe mich oft gefragt, wie
meine Mutter als junge Witwe in die Schule gehen,
lernen und sich dann zu Hause wieder um mich hätte
kümmern können, wenn meine Großeltern mich nicht
versorgt hätten. Meine Mutter und ich hatten wirklich
großes Glück. Wie viele andere Familien hatten nie
eine solche Chance? Die Wahrheit ist: Wir kennen
die Antwort auf diese Frage noch nicht. Wir wissen
jedoch, wie die Antwort lauten sollte: Keine einzige
amerikanische Familie sollte sich jemals zwischen dem
Arbeitsplatz, den sie braucht, und dem Kind, das sie
liebt, entscheiden müssen.
Eine verantwortungsbewußte Gesellschaft muß
sichere Straßen, sichere Schulen und sichere Wohngegenden bieten. Die von uns verfolgte Strategie

Seite 6

beinhaltet mehr Polizisten, härtere Bestrafung, bessere
Vorbeugung, Partnerschaften mit den örtlichen
Strafverfolgungsbehörden und Bürgervereinigungen
zur Verbrechensbekämpfung in den am stärksten
betroffenen Gegenden. Ich kann Ihnen heute Abend
berichten, daß es funktioniert. Die Zahl der Gewaltverbrechen ist gesunken, es gibt weniger Raubüberfälle,
weniger tätliche Angriffe, weniger Einbrüche - und das
seit fünf aufeinander folgenden Jahren in ganz Amerika. Wir müssen unsere bereits angefangene Arbeit
beenden, 100.000 weitere Polizisten einzustellen.
Heute bitte ich den Kongreß um die Annahme eines
Gesetzes über Jugendkriminalität, das mehr Staatsanwälte und Bewährungshelfer vorsieht, um gegen
Gangs, Waffenbesitz und Drogen vorzugehen und das
gewalttätigen Jugendlichen auf Lebenszeit den Besitz
von Waffen verbietet. Und ich bitte Sie um eine
dramatische Erhöhung unserer Unterstützung für
Programme zur Betreuung von Jugendlichen Nachmittags nach der Schule. Meines Erachtens sollte jeder
Amerikaner wissen, daß Jugendkriminalität meistens
zwischen 15.00 und 20.00 Uhr stattfindet. Wir können
so vielen unserer Kinder von vornherein Schwierigkeiten ersparen, wenn wir ihnen die Möglichkeit geben,
sich an anderen Orten als der Straße aufzuhalten.
Und das sollten wir tun.
Der Drogenmißbrauch nimmt ab. Ich danke General
McCaffrey für seine Führungsrolle. Und ich danke
diesem Kongreß für die Verabschiedung des größten
Etats zur Drogenbekämpfung in der Geschichte. Ich
bitte Sie, sich gemeinsam mit mir an bahnbrechenden
Bestrebungen zu beteiligen, mehr als 1.000 neue
Grenzpolizisten einzustellen und modernste Technologien einzusetzen, um Drogen den Weg über unsere
Grenzen zu versperren.
So gut Polizisten, Staatsanwälte und Präventionsprogramme aus sein mögen - sie können nichts
bewirken, wenn unser Gerichtswesen nicht funktioniert. Derzeit gibt es eine große Zahl unbesetzter
Stellen in unseren Bundesgerichten. Der Vorsitzende
des Obersten Bundesgerichts formulierte es folgendermaßen: Es kann nicht auf unbegrenzte Zeit Leerstellen
im Justizwesen geben, ohne daß die Qualität der
Rechtsprechung leidet. Ich bitte den US-Senat, diese
Bitte zu erhören und eine Entscheidung über die
Ernennung der hochqualifizierten Kandidaten zu
treffen - wie auch immer die Entscheidung ausfallen
mag.
Wir müssen nicht nur in unserem Land, sondern auf
der ganzen Welt verantwortungsbewußt handeln. Am
Vorabend eines neuen Jahrhunderts haben wir die
Macht und die Pflicht, ein neues Zeitalter des Friedens
und der Sicherheit zu schaffen. Aber täuschen Sie
sich nicht: Die Chancen von heute sind nicht die
Garantien von Morgen. Amerika muß den vergifteten
Appellen des extremen Nationalismus widerstehen.

AMERIKA DIENST 02

�Wir müssen das unheilige Bündnis aus neuen terroristischen Bedrohungen, internationalen Verbrechern
und Drogenschmugglern bekämpfen. Diese Verbrecher des 21. Jahrhunderts leben von Technologie
und dem freien Fluß von Informationen, Ideen und
Menschen. Und sie werden um so tödlicher, wenn
ihnen Massenvernichtungswaffen in die Hände fallen.
Zur Bewältigung dieser Herausforderungen wirken wir
an der Formulierung von internationalen Verkehrsregeln für das 21. Jahrhundert mit - zum Schutz
derjenigen, die der Gemeinschaft der Nationen
beitreten, und zur Isolierung derjenigen, die das nicht
tun. In wenigen Tagen werde ich den Senat um seinen
Rat und seine Zustimmung zur Aufnahme Ungarns,
Polens und der Tschechischen Republik als neueste
Mitglieder in die NATO bitten. 50 Jahre lang hat die
NATO den Kommunismus eingedämmt und die
Sicherheit Amerikas und Europas gewährleistet. Jetzt
haben diese drei ehemals kommunistischen Staaten
Ja zur Demokratie gesagt. Ich bitte den Senat, Ja zu
ihnen zu sagen - als unseren neuen Verbündeten.
Durch die Aufnahme neuer Mitglieder und die enge
Zusammenarbeit mit neuen Partnern, einschließlich
Rußlands und der Ukraine, kann die NATO dazu
beitragen sicherzustellen, daß Europa im 21. Jahrhundert ein Bollwerk des Friedens ist.
Als nächstes werde ich den Kongreß um fortgesetzte
Unterstützung für unsere Truppen und ihre Mission in
Bosnien bitten. Weihnachten sind Hillary und ich in
Begleitung von Senator Dole und seiner Gattin sowie
einer überparteilichen Delegation des Kongresses
nach Sarajevo gereist. Wir sahen Kinder auf den
Straßen spielen, auf denen sie vor zwei Jahren vor
Heckenschützen und Granaten in Deckung gehen
mußten. In den Geschäften gibt es wieder Lebensmittel, und in den Cafes werden lebhafte Unterhaltungen geführt. Die Fortschritte dort sind unverkennbar aber sie sind noch nicht unumkehrbar.
Um Fuß zu fassen, bedarf der noch brüchige Frieden
in Bosnien auch nach Beendigung der NATO-Mission
im Juni der Unterstützung durch Truppen der Vereinigten Staaten und des Bündnisses. Meiner Meinung nach formulierte Senator Dole es am besten, als
er erklärte: "Es ist, als befände man sich kurz vor dem
Ende der letzten Halbzeit eines Fußballspiels und
würde in Führung liegen. Jetzt ist nicht der richtige
Zeitpunkt, das Spielfeld zu verlassen und sich den
Sieg zu verscherzen."
Ich wünschte, Sie alle hätten unsere Truppen in Tuzla
sehen können. Sie sind sehr stolz auf das, was sie in
Bosnien leisten. Und wir alle sind sehr stolz auf sie.
Einer dieser tapferen Soldaten sitzt heute Abend
neben der First Lady - Feldwebel Michael Tolbert,
dessen Vater ein hochdekorierter Vietnam-Veteran
war. Nach dem Collegebesuch in Colorado trat er dem

AMERIKA DIENST 02

Heer bei. Vergangenes Jahr leitete er eine Infanterieeinheit, die einen Mob von Extremisten von der
Erstürmung eines Rundfnksenders abhielt, der in
Bosnien die Stimme von D nokratie und Toleranz ist.
Vielen Dank, Feldwebel folbert, für alles, was Sie
getan haben.
In Bosnien und weltweit erfüllen unsere Männer und
Frauen in Uniform ihre Mission immer gut. Wir müssen
dafür Sorge tragen, daß sie gut ausgebildet und
einsatzbereit sind, ihre Lebensqualität verbessert wird
und sie die Waffen des 21. Jahrhunderts haben, die für
den Sieg über jeden Feind erforderlich sind.
Ich bitte den Kongreß, gemeinsam mit mir eine ehrgeizige Agenda zu verfolgen, um die ernsthafte
Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen zu
verringern. Dieses Jahr liegt ein umfassendes Atomtestverbot in Reichweite - vier Jahrzehnte, nachdem es
von Präsident Eisenhower erstmals vorgeschlagen
wurde. Durch die Einstellung von Nukleartests können
wir zur Verhinderung der Entwicklung neuer und noch
gefährlicherer Waffen beitragen und ihre Produktion in
Nichtnuklearstaaten erschweren.
Ich freue mich, bekanntgeben zu können, daß vier
ehemalige Vereinigte Stabschefs - die Generäle John
Shalikashvili, Colin Powell, David Jones und Admiral
William Crowe - diesen Vertrag befürworten. Und ich
bitte den Senat, ihm in diesem Jahr zuzustimmen.
Gemeinsam müssen wir auch den neuen Gefahren in
Form von chemischen und biologischen Waffen
begegnen und die verbrecherischen Staaten, Terroristen und organisierten Verbrecher ächten, die deren
Beschaffung anstreben. Saddam Hussein hat den
größten Teil dieses Jahrzehnts und einen Großteil der
Mittel seiner Nation nicht für die Verbesserung der
Lebensbedingungen des irakischen Volkes verwendet,
sondern für die Entwicklung atomarer, chemischer und
biologischer Waffen - und ihrer Trägersysteme. Die
UN-Inspekteure haben wirklich beachtliche Arbeit
geleistet und mehr irakische Waffenarsenale gefunden
und vernichtet, als während des ganzen Golfkriegs
zerstört wurden. Jetzt will Saddam Hussein verhindern, daß sie ihre Mission beenden.
Ich spreche im Namen aller hier Anwesenden Republikaner und Demokraten gleichermaßen - wenn
ich Saddam Hussein sage: Sie müssen sich dem
Willen der Welt beugen. Und wenn ich ihm sage: Sie
haben schon vorher Massenvernichtungswaffen
eingesetzt. Wir sind entschlossen, Ihre Fähigkeit
zunichte zu machen, sie erneut einzusetzen.
Vergangenes Jahr ratifizierte der Senat die Chemiewaffenkonvention, um unsere Soldaten und Bürger vor
Giftgas zu schützen. Jetzt müssen wir handeln, damit
Krankheit nicht als Waffe des Krieges und des Schrekkens eingesetzt wird. Die Konvention über biologische

Seite 7

�Waffen ist seit 23 Jahren in Kraft. Die Regeln sind gut,
aber ihre Durchsetzung ist unzureichend. Wir müssen
die Konvention durch ein neues internationales
Inspektionssystem stärken, um Betrug aufzudecken
und abzuschrecken.
In den kommenden Monaten werde ich unsere Sicherheitsstrategie mit alten Verbündeten in Asien und
Europa sowie neuen Partnern von Afrika über Indien
bis Pakistan, von Südamerika bis China verfolgen.
Und von Belfast über Korea bis zum Nahen Osten wird
Amerika weiterhin denjenigen zur Seite stehen, die
sich für den Frieden einsetzen.
Schließlich ist es höchste Zeit, unsere Schulden bei
den Vereinten Nationen zu begleichen. Wir arbeiten
mit anderen Nationen verstärkt an der Erreichung
gemeinsamer Ziele. Wenn Amerika eine Führungsrolle übernehmen soll, müssen wir mit gutem Beispiel
vorangehen. In Bosnien wird wieder deutlich, daß die
Verbündeten, die unsere Ziele teilen, auch unsere
Lasten teilen. In dieser neuen Ära werden unsere
Freiheit und Unabhängigkeit durch unsere zunehmende Interdependenz mit anderen Nationen tatsächlich
gestärkt, nicht geschwächt. Aber wir müssen das
Unsrige tun.
Unsere Gründerväter brachten Amerika auf den
stetigen Kurs zu einer "perfekteren Union". Ich sage
Ihnen allen: Diese Reise können wir nur zusammen
machen - als eine Gemeinschaft. Erstens müssen wir
weiterhin unsere Regierung reformieren - das Instrument unserer nationalen Gemeinschaft. Jeder
weiß, daß Wahlen zu teuer geworden sind, was zu
einem Wettkampf bei der Wahlkampffinanzierung
geführt hat. In diesem Jahr wird der Senat am 6. März
endlich über eine Reform der Wahlkampffinanzierung
beider Parteien abstimmen, die von den Senatoren
McCain und Feingold vorgeschlagen wurde. Um mich
deutlich auszudrücken: Gegen McCain und Feingold
zu stimmen bedeutet, für illegale Wahlkampfspenden
und den Status quo zu stimmen. Ich bitte Sie, unsere
Demokratie zu stärken und das Gesetz über eine
Reform der Wahlkampffinanzierung in diesem Jahr zu
verabschieden.

Mindestens ebenso wichtig ist, daß wir in diesem Jahr
den wahren Grund für den explosionsartigen Anstieg
der Wahlkampfkosten ansprechen müssen - die
großen Kosten der Werbung in den Medien. An die
Zuhörer zu Hause gerichtet - das ist der Grund für den
ganzen Ärger. Ich werde die Fernmeldebehörde
offiziell bitten, den Kandidaten freie oder kostengünstigere Sendezeiten anzubieten, die sich freiwillig an
die Ausgabenobergrenze halten. Der Äther ist ein
öffentliches Treuhandgut, und die Sendeanstalten
müssen uns auch bei diesen Bestrebungen zur
Stärkung unserer Demokratie unterstützen.

Seite 8

Unter der Führung von Vizepräsident Gore haben wir
die Zahl unserer Regierungsmitarbeiter um 300.000
verringert, 16.000 Seiten Vorschriften abgeschafft,
Hunderte von Programmen eingestellt und die Arbeit
praktisch jeder Regierungsbehörde verbessert. Aber
wir können noch mehr tun. Wie jeder Steuerzahler bin
ich empört über Berichte von Mißbrauch durch die
Finanzbehörde. Hier brauchen wir Veränderungen:
Neue Gremien zur Vertretung der Interessen unserer
Bürger, stärkeres Eintreten für den Steuerzahler,
telefonische Beratung rund um die Uhr. Vergangenes
Jahr verabschiedete das Repräsentantenhaus mit
überwältigender überparteilicher Mehrheit umfassende
Reformen der Finanzbehörde. Dieser Gesetzentwurf
darf nicht im Senat liegenbleiben. Heute bitte ich den
Senat: Folgen Sie dem Beispiel des Repräsentantenhauses und machen Sie die Verabschiedung des
überparteilichen Gesetzespakets zu Ihrem ersten
Tagesordnungspunkt.
Ich hoffe wirklich, daß ich vor dem Ende meiner
Ausführungen auch noch etwas finde, bei dem ich
sagen kann "Folgen Sie dem Beispiel des Senats",
damit ich keine Schwierigkeiten bekomme.
Eine Nation, die als Gemeinschaft lebt, muß alle ihre
Gemeinschaften schätzen. In den letzten fünf Jahren
haben wir uns dafür eingesetzt, den zündenden
Funken privaten Unternehmertums in unsere Innenstädte und armen ländlichen Gebiete zu bringen - mit
Gemeindeentwicklungsbanken, mehr Geschäftskrediten in armen Wohngegenden und der Beseitigung
von Altlasten auf verschmutztem Gelände, damit es
erschlossen werden kann. Unter der beständigen
Führung des Vizepräsidenten schlagen wir vor, die
Zahl der Wirtschaftsförderungszonen zu verdreifachen,
um Anreize für Investitionen in diesen Gebieten zu
geben.
Ferner sollten wir arme Familien stärker unterstützen,
damit sie sich ein eigenes Heim leisten können. Und
wir sollten den Bau von Häusern für einkommensschwache Familien mit steuerlichen Anreizen fördern.
Letztes Jahr ergriff dieser Kongreß entschiedene
Maßnahmen, um dem District of Columbia zu helfen.
Wir wollen unsere Entschlossenheit erneuern, unsere
Hauptstadt zu einer großartigen Stadt für alle zu
machen, die hier leben oder sie besuchen. Unsere
Städte sind lebhafte Zentren riesiger Einzugsgebiete.
Sie sind immer noch das Eingangstor für neue Einwanderer aus allen Kontinenten, die hierher kommen,
um ihren eigenen Amerikanischen Traum zu verwirklichen. Wir wollen sicherstellen, daß unsere
Städte stark ins 21. Jahrhundert gehen. Sie sind ein
sehr wichtiger Bestandteil unserer Zukunft.
Unsere Gemeinden sind nur so gesund, wie die Luft,
die unsere Kinder atmen, das Wasser, das sie trinken,
die Erde, die wir ihnen hinterlassen. Letztes Jahr

AMERIKA DIENST 02

�führten wir die schärfsten Kontrollen zur Bekämpfung
von Smog und Ruß ein, die es je gegeben hat. Wir
ergriffen Maßnahmen zum Schutz der Nationalparks
Yellowstone, Everglades und Lake Tahoe. Wir
räumten jeder Gemeinde größere Rechte zur Beschaffung von Informationen über die Giftstoffe ein, die
unsere Kinder gefährden. Erst gestern trat unser Plan
für Nahrungsmittelhygiene in Kraft, der die Verbraucher unter Nutzung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse vor Gefahren wie Colibakterien und Salmonellen
schützt.
Heute bitte ich Sie, mit mir eine neue Initiative zur
Reinhaltung des Wassers einzuleiten - weitreichende
Bestrebungen zur Säuberung unserer Flüsse, Seen
und Küstengewässer im Interesse unserer Kinder.
Unsere übergeordnete umweltpolitische Herausforderung am heutigen Abend ist das weltweite
Problem des globalen Klimawandels, der Erderwärmung - die sich zusammenbrauende Krise, die weltweites Handeln erfordert. Die große Mehrheit der
Wissenschaftler ist zu dem eindeutigen Schluß
gelangt, daß irgendwann im nächsten Jahrhundert
unser Klima gestört wird und unsere Kinder und Enkel
in Gefahr geraten, wenn wir die Treibhausgasemissionen nicht verringern. Im Dezember letzten Jahres war
Amerika weltweit führend bei der Erlangung eines
historischen Abkommens, das unsere Nation zur
Verringerung der Treibhausgasemissionen durch neue
Marktkräfte, neue Technologien und Energieeffizienz
verpflichtet. Es liegt an uns, jetzt und hier zu handeln.
Ich schlage Steuersenkungen sowie Forschungs- und
Entwicklungstätigkeit in Höhe von 6 Milliarden Dollar
vor, um Innovation, emeuerbare Energiequellen,
kraftstoffsparende Autos und energieeffiziente Häuser
zu fördern.
Jedes Mal, wenn wir im Interesse unserer Umwelt
gehandelt haben, sagten uns die Pessimisten, das
würde der Wirtschaft schaden. Nun, heute haben wir
die stärkste Wirtschaft seit einer Generation und die
sauberste Umwelt seit einer Generation. Wir haben
immer einen Weg gefunden, Umweltschutz und
Wirtschaftswachstum in Einklang zu bringen. Und das
werden wir auch beim Problem der Erderwärmung tun.

unsere Unterschiede nachzudenken, sondern muß
lauten, auf unseren gemeinsamen Werten aufzubauen.
Wir alle halten Familie und Glauben, Freiheit und
Verantwortung in Ehren. * ir alle wollen, daß unsere
Kinder in einer Welt aufwaci isen, in der sie die Chance
haben, ihre Begabungen voll zu entfalten.
Ich habe eine nationale Rasseninitiative ins Leben
gerufen, die uns helfen soll, unsere gemeinsamen
Interessen anzuerkennen und die ungleichen Chancen
zu überwinden, die uns von der Möglichkeit trennen,
ein Amerika zu werden. Zunächst müssen wir uns
bewußt machen, was noch überwunden werden muß.
Die Diskriminierung irgendeines Amerikaners ist
unamerikanisch. Wir müssen die Gesetze entschlossen durchsetzen, die Diskriminierung verbieten. Ich
bitte Sie um Ihre Hilfe, damit der Rückstand bei der
Kommission für Chancengleichheit am Arbeitsplatz
aufgearbeitet werden kann. 60.000 unserer Mitbürger
warten auf Gerechtigkeit, und wir sollten jetzt handeln,
damit ihr Warten ein Ende hat.
Wir sollten uns auch bewußt werden, daß die größten
Fortschritte, die wir bei der Gestaltung eines Amerikas
machen können, die Fortschritte sind, die wir im
Interesse aller Amerikaner, ungeachtet ihrer Rasse,
machen. Wenn wir allen Amerikanern die Tür zum
College öffnen, wenn wir das Verbrechen von unseren
Straßen verbannen, wenn wir allen Menschen einen
Arbeitsplatz anbieten, wenn alle Eltern die benötigte
Kinderbetreuung haben, dann tragen wir dazu bei, eine
Nation zu werden.
Wir in dieser Kammer und in dieser Regierung müssen
alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um die
beständige amerikanische Herausforderung zu
bewältigen, ein Amerika zu schaffen. Wir werden
jedoch nur dann Fortschritte machen, wenn sich alle
Mitbürger - einschließlich aller Zuschauer zu Hause für diese Sache engagieren.

Schließlich bedeutet Gemeinde, den amerikanischen
Werten gemäß zu leben - dem weltweit vernommenen
Ideal, daß wir alle gleich geschaffen sind. Im Verlauf
unserer Geschichte haben wir dieses Ideal nicht immer
in Ehren gehalten und ihm nicht immer entsprochen.
Oft ist es einfacher zu glauben, unsere Unterschiede
seien wichtiger als unsere Gemeinsamkeiten. Es mag
einfacher sein, aber es ist falsch.

Wir müssen zusammen arbeiten, zusammen lernen,
zusammen leben, zusammen Dienst tun. In der
Schmiede des gemeinsamen Unternehmens können
alle Amerikaner jedweder Herkunft eine gemeinsame
Identität formen. Wir sehen das heute am Militär der
Vereinigten Staaten, am Peace Corps, am AmeriCorps. Wo Menschen aller Rassen und Herkunft bei
einem gemeinsamen Unternehmen zusammenkommen und eine faire Chance erhalten, leisten wir
gute Arbeit. Durch gemeinsame Werte, bedeutende
Chancen, ehrliche Kommunikation und Dienst an der
Gemeinschaft können wir verschiedene Menschen in
Freiheit und gegenseitigem Respekt einen. Wir sind
viele, aber wir müssen eins werden.

Was muß unsere Generation heute tun, damit Amerika
wirklich eine Nation wird? Unsere Vielfalt wird immer
größer. Glauben wir, daß wir eine Nation werden
können? Die Antwort kann nicht darin bestehen, über

In diesem Geist wollen wir den Blick auf das neue
Jahrtausend richten. Wie werden wir diesen Übergang
markieren? Er ereignet sich nur einmal alle tausend
Jahre. Dieses Jahr haben Hillary und ich das Jahr-

AMERIKA DIENST 02

Seite 9

�tausendprogramm des Weißen Hauses ins Leben
gerufen, um Kreativität und Innovation der Vereinigten
Staaten zu fördern und unser Erbe und unsere Kultur
bis ins 21. Jahrhundert zu bewahren. Unsere Kultur
lebt in jeder Gemeinde, und jede Gemeinde hat Orte
von historischem Wert, die unsere Geschichte als
Amerikaner erzählen. Wir sollten sie schützen. Ich
schlage eine Partnerschaft zwischen dem öffentlichen
und dem Privatsektor vor, um unsere Künste und
Geisteswissenschaften zu fördern und das Jahrtausend zu feiern, indem wir die großen und kleinen
Schätze Amerikas bewahren.
Während wir die Vergangenheit ehren, wollen wir uns
die Zukunft vorstellen. Halten Sie sich vor Augen, daß
sich der Gesamtvorrat an menschlichem Wissen jetzt
alle fünf Jahre verdoppelt. In den achtziger Jahren
entdeckten Wissenschaftler das Gen, das zystische
Fibrose verursacht - sie brauchten dazu neun Jahre.
Vergangenes Jahr lokalisierten Wissenschaftler das
Gen für die Parkinsonsche Krankheit - in nur neun
Tagen. In einem Jahrzehnt werden "Genchips" einen
Weg für die Prävention von Krankheiten während
eines ganzen Menschenlebens weisen. Bald werden
wir in der Lage sein, am Muttertag alle Telefongespräche über ein Faserkabel abzuwickeln, das nicht dicker
ist als ein menschliches Haar. Ein 1998 geborenes
Kind könnte im 22. Jahrhundert noch leben.
Heute schlage ich als Teil unseres Geschenks an das
Jahrtausend einen Forschungsfonds für das 21.
Jahrhundert für bahnbrechende wissenschaftliche
Untersuchungen vor - die größte Finanzspritze in der
Geschichte der nationalen Gesundheitsinstitute, der
nationalen Stiftung für die Wissenschaft und des
nationalen Krebsforschungsinstituts.
Wir haben bereits Gene für Brustkrebs und Diabetes
entdeckt. Ich bitte Sie um Unterstützung für diese
Initiative, damit unsere Generation endlich den Krieg
gegen den Krebs gewinnt und eine Revolution in
unserem Kampf gegen alle tödlichen Krankheiten
anfängt.
So wichtig dieser ganze wissenschaftliche Fortschritt
auch ist, wir müssen weiterhin sicherstellen, daß die
Wissenschaft der Menschheit dient und nicht umgekehrt. Wir müssen den Mißbrauch von Genversuchen
verhindern und sicherstellen, daß sie nur zum Wohle
aller Amerikaner gemacht werden. Und wir müssen
den ethischen Konsens der Wissenschafts- und
Religionsgemeinschaften ratifizieren und das Klonen
von Menschen verbieten.
Wir sollten die Menschen auf der ganzen Welt in die
Lage versetzen, den weiten Raum des Cyberspace zu
erforschen. Halten Sie sich vor Augen, daß bei
meinem ersten Bericht zur Lage der Nation nur eine
Hand voll Physiker das World Wide Web nutzten.
Buchstäblich nur eine Hand voll Menschen. Heute

Seite 10

surfen in Schulen, Bibliotheken, zu Hause und am
Arbeitsplatz jeden Tag Millionen und Abermillionen von
Amerikanern im Internet. Wir müssen Eltern die
notwendigen Mittel geben, damit sie ihre Kinder vor
ungeeignetem Material im Internet schützen können.
Wir müssen aber auch sicherstellen, daß wir das
explodierende globale Wirtschaftspotential des Internet
schützen. Wir können das Erforderliche tun und
trotzdem unsere Kinder schützen.
Zuerst bitte ich den Kongreß um Unterstützung für den
Aufbau der nächsten Internetgeneration. Es ist einfach
überlastet. Und die nächste Generation des Internet
wird tausendmal schneller sein als die jetzige.
Während wir diesen Cyberspace in einem neuen
Jahrhundert erkunden, erforschen wir auch neue
Grenzen im Weltraum. In ihrer gesamten Geschichte
hatte die Menschheit nur einen Platz, den sie ihre
Heimat nannte - die Erde. Anfang dieses Jahres,
1998, werden Männer und Frauen aus 16 Staaten
einen Standort im All errichten - die internationale
Weltraumstation.
Mit deren riesigen Ausmaßen
brechen Wissenschaftler und Ingenieure tatsächlich in
unbekannte Meere grenzenloser Geheimnisse und
unbeschränkter Möglichkeiten auf.
Und im Oktober wird ein echter amerikanischer Held ein kampferprobter Pilot von 149 Kampfmissionen und
einer fünfstündigen Weltraumfahrt, die die Welt
veränderte - ins All zurückkehren. Gute Reise, John
Glenn. John, mit Ihnen reisen die Hoffnungen der
Vereinigten Staaten. Und auf ihrer Uniform werden sie
wieder die amerikanische Flagge tragen, welche die
direkte Verbindung zwischen den Taten Amerikas in
der Vergangenheit und dem Mut Amerikas für die
Zukunft symbolisiert.
Vor nahezu 200 Jahren veranlaßte eine zerfetzte
Flagge, deren breite Streifen und helle Sterne noch
durch den Rauch der erbitterten Schlacht zu erkennen
waren, Francis Scott Key dazu, ein paar Worte auf den
Rücken eines Briefumschlags zu schreiben - Worte,
die unsere Nationalhymne wurden. Heute ist diese
Flagge zusammen mit der Unabhängigkeitserklärung,
der Verfassung und der Bill of Rights nicht weit von
hier entfernt zu besichtigen. Sie sind die Schätze
Amerikas, und wir müssen sie für alle Zeiten bewah-

Ich bitte alle Amerikaner um Unterstützung für unser
Projekt zur Restaurierung all unserer Schätze, damit
die Generationen des 21. Jahrhunderts die Bilder und
Worte sehen können, die den alten und beständigen
Ruhm Amerikas bilden - eines Amerikas, das mit
jedem Zeitalter weiter nach oben steigt, jeder Herausforderung die Stirn bietet, mit Menschen, die Großes
leisten und noch größere Chancen haben, die immer
die Weisheit und Stärke hatten, als eine Nation
zusammenzukommen - um die Chancen zu erweitern,

AMERIKA DIENST 02

�die Bedeutung unserer Freiheit zu vertiefen und die
"perfektere Union" zu bilden. Das soll unser Geschenk
an das 21. Jahrhundert sein.

Gott schütze Sie, und Gott schütze die Vereinigten
Staaten von Amerika,

* * * * *

AMERIKA DIENST 02

Seite 11

�GESELLSCHAFT
28.Januar 1998

Der Einsatz für die Bürgerrechte
Rede von Vizepräsident AI Gore

ATLANTA - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die Vizepräsident AI Gore am Martin Luther KingTag, einem Nationalfeiertag der Vereinigten Staaten, am 19. Januar 1998 in Dr. Kings früherer Kirche, der
Ebenezer Baptist Church in Atlanta (Georgia) hielt.

Heute gedenken wir Martin Luther Kings und widmen
uns erneut seiner Arbeit. Vor 30 Jahren wurde in den
ersten Nachrufen auf Dr. King an das erinnert, was die
Brüder Josephs im 1. Buch Mose sagen: "Seht! Da
kommt dieser Träumer. Und nun kommt, und laßt uns
ihn töten und ihn in eine der Wassergruben werfen...
Dann laßt uns sehen, was aus seinen Träumen
werden wird."
30 Jahre später lautet die Frage immer noch: Was wird
aus Dr. Kings Traum?
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, daß einige der
modernen Apostel der Apathie Dr. Kings Worte jetzt
zur Untermauerung ihrer eigenen Überzeugung
zweckentfremden, der Kampf für Gerechtigkeit, in den
er uns führte, sei nahezu beendet und es sei an der
Zeit, daß unsere Politik - um ihre Worte wiederzugeben
- "farbenblind" werde.
Lassen Sie uns am Anfang beginnen: Was ist Rassismus? Ist es lediglich ein Gedankenfehler, eine falsche
Schlußfolgerung, die auf einer fehlerhaften Logik
basiert, welche - wenn sie erst einmal korrigiert wird aus der menschlichen Gesellschaft verbannt werden
kann? Oder ist es etwas Tiefergehendes und Machtvolleres, Bedrohlicheres und Dauerhafteres?
Dr. King lehrte uns, daß wir Menschen anfällig für die
Sünde des Rassismus sind. Als junger Mann studierte
er die Lehren des Theologen Reinhold Niebuhr, der
geschrieben hatte, es sei dumm, den Rassismus als
"bloßes Überbleibsel der Barbarei zu betrachten,
während er in Wirklichkeit eine Quelle ständiger
Konflikte im menschlichen Leben ist". Niebuhr kritisierte diejenigen, die "zu der falschen Schlußfolgerung

AMERIKA DIENST 02

gelangten,... rassische Vorurteile seien eine Form der
Ignoranz, die allmählich durch Aufklärung überwunden
werden könne. Rassische Vorurteile sind tatsächlich
eine Form von Irrationalität", äußerte er, "aber sie sind
nicht so kapriziös wie die modernen Universalisten
annehmen."
Wie kommt es, daß die menschliche Natur diese
ständige Anfälligkeit für die Sünde des Rassismus
schafft?
Erstens lehrt uns die Bibel mit den Worten des Apostels Johannes: "Wenn wir erklären: 'Wir haben keine
Sünde', führen wir uns selbst irre, und die Wahrheit ist
nicht in uns."
Die Bibel lehrt aber auch, daß wir die Fähigkeit haben,
das Gute über das Böse siegen zu lassen. Wir
müssen uns entscheiden. Mit den Worten einer
berühmten Hymne:
"Für jeden Menschen und jede Nation
kommt der Moment der Entscheidung
im Kampf zwischen Wahrheit und Lüge
für das Gute oder das Böse."
Darüber hinaus liegt es in der Natur des Menschen,
sich mit denen zusammenzuschließen, die wie wir
aussehen. Das steht auch schon in den Apokryphen
geschrieben.
Selbst wenn wir wissen, daß Vielfalt eine bereichernde
und edle Stärke ist und eine integrierte Gesellschaft
schafft, ist es dumm und naiv zu denken, unsere
Unterschiede würden verschwinden und keine Ansprüche mehr an uns stellen. Tatsächlich besteht

Seite 1

�unsere Herausforderung darin, unsere Unterschiede
zu würdigen und zu feiern, bevor wir sie überwinden
können, um die gemeinsame Basis zu finden, die wir
als Kinder Gottes haben.
Das heißt nicht, daß wir Unterschiede ignorieren. Das
wäre sehr gefährlich. John Hope Franklin lehrte, die
wichtigste Lektion seiner langen wissenschaftlichen
Tätigkeit sei, daß Rasse immer präsent ist. Es wäre
naiv, das Gegenteil vorzutäuschen. Wenn Rasse
entsprechend anerkannt wird und man vernünftig
damit umgeht, können Rassenschranken überwunden
werden.
Es ist jedoch alles andere als einfach, Unterschiede
anzuerkennen und zu feiern, während sie gleichzeitig
überwunden werden müssen. Denn Unterschiede
zwischen den Menschen lösen automatisch den
Impuls aus zu vergleichen und mögliche individuelle
Gefühle des Einzelnen von Unsicherheit, Alleingelassensein oder Verlust zu verstärken.
Warum hat Kain Abel umgebracht? Er fühlte sich
zurückgesetzt, weil Gott nicht so wohlwollend auf seine
Opfergaben blickte wie auf die von Abel. "So geschah
es,... daß Kain dann über Abel, seinen Bruder, herfiel
und ihn tötete."
Warum wurde Joseph in seinem farbenfrohen Mantel
von seinen Brüdern in eine Wassergrube geworfen
und dem Tode überlassen? Sie fühlten sich zurückgesetzt, weil ihr Vater zu ihnen ein anderes Verhältnis
hatte als zu Joseph. Warum bringen auf den Straßen
so viele junge Männer, die ein unerfülltes Leben führen
und eine geladene Pistole haben, ihre Brüder um? Sie
sagen uns immer wieder, ihre Brüder hätten sie
mißachtet. Und oft haben sie wirklich das Gefühl, ihre
Väter hätten sie mißachtet, da sie ihre Mütter und sie
im Stich ließen.
Wer sich schnell zurückgesetzt fühlt, hat oft ein
geistiges Vakuum in seinem Leben, weil er sich von
der Liebe Gottes abgeschnitten fühlt. Falsche Götter
bahnen sich einen Weg in die leeren Herzen dieser
Menschen. Diese suchen in primitiven Formen der
Gruppenidentifikation Achtung und den Sinn des
Lebens. Rivalisierende Gangs haben rivalisierende
Farben. Der kleine Unterschied zwischen einem
blauen und einem roten Halstuch hat zum sinnlosen
Verlust vieler Menschenleben geführt.
Was ist der Unterschied zwischen Hutus und Tutsis?
Ausländer, die Ruanda besuchen, können die beiden
kaum auseinanderhalten. Ihre kleinen Unterschiede
dienten jedoch als Auslöser für einen entsetzlichen
Völkermord.
Schauen Sie sich Bosnien an. Auch dort können
Außenseiter die einzelnen Volksgruppen nicht unterscheiden. Betrachten Sie sich Nordirland, den Nahen

Seite 2

Osten, Tschetschenien, Nagorny-Karabach sowie
Hunderte anderer Konflikte, mit denen die Landkarte
unserer zerrissenen Welt übersät ist. An all diesen
Orten haben geringfügige Unterschiede als Entschuldigung für eine Entfesselung des Bösen gedient,
das in der Seele des Menschen auf der Lauer liegt.
Manchmal scheint es tatsächlich so zu sein, daß die
Gewalt um so explosiver ist, je kleiner die Unterschiede sind. Zu Beginn dieses Jahrhunderts lehrte
uns unser größter Wissenschaftler, Albert Einstein,
daß sich die mächtigste und zerstörerischste Kraft auf
der Erde im kleinsten Teilchen - dem Atom - befindet.
Es ist für unsere Zukunft ebenso wichtig, unsere
Anfälligkeit für Rassismus unter Kontrolle zu bringen
wie das Atom unter Kontrolle zu halten.
Unsere Nation wurde auf der Basis eines hochentwickelten Verständnisses der menschlichen Natur
gegründet, das unsere Anfälligkeit für die Sünde in
Betracht zog. Aus diesem Grund haben wir ein
ausgewogenes Regierungssystem, eine Verfassung,
die weltweit den Menschen als Vorbild dient, die auf
der Suche nach Freiheit sind.
Einer unserer Gründerväter, James Madison, schrieb
folgende Worte: "So groß ist der Hang der Menschheit
zu gegenseitigen Animositäten, daß ... die frivolsten
und ausgefallensten Unterschiede ausreichen, ihre
unfreundlichen Leidenschaften anzustacheln und
äußerst gewalttätige Konflikte auszulösen.
Die
latenten Gründe ... sind in der Natur des Menschen
verborgen und können nicht beseitigt werden. Die
einzige Abhilfe besteht darin, die Auswirkungen zu
kontrollieren. Die Mehrheit muß unfähig gemacht
werden, Schemata der Unterdrückung einzuführen."
Während wir uns im Lauf unserer Geschichte für die
Vollendung unserer Union einsetzten, wurde unser
nationales Gewissen durch Sklaverei und andere
Symptome von virulentem Rassismus besudelt:
Als die Cherokee-Indianer gezwungen wurden, ihren
schicksalhaften Pfad der Tränen zu gehen. Als die
Amerikaner mexikanischer Herkunft gewaltsam von
ihren Farmen und Ranches vertrieben wurden. Als
irische Einwanderer auf der Flucht vor Hungersnot in
Boston Schilder mit der Aufschrift sahen "Kein Zutritt
für Hunde oder Iren". Als unschuldige und loyale
Amerikaner japanischer Herkunft zu Beginn des
Zweiten Weltkriegs gefangengenommen wurden, und
als den hispanischen Helden des Zweiten Weltkriegs die zur Beendigung des Holocaust von Millionen
europäischer Juden und des Massenmords an
Hunderttausenden von Chinesen beigetragen hatten ein Begräbnis auf Militärfriedhöfen in unserem Land
verweigert wurde.
Aber nach diesem Krieg, in dem Amerikaner jeder
rassischen und ethnischen Herkunft gemeinsam

AMERIKA DIENST 02

�gegen die rassistische Führung des nationalsozialistischen Deutschlands und des imperialistischen Japans
kämpften, wurden Minderheitengruppen ermutigt,
darauf zu drängen, daß Amerika unseren Werten
gemäß lebt. Thurgood Marshall war ein führender
Vertreter dieser Forderung in unseren Gerichten. Und
die von Dr. King angeführte Massenbewegung gab uns
die Chance, die Seele unserer Nation zu retten, und es
wurden viele Fortschritte gemacht.
Jetzt hören wir in Amerika jedoch Stimmen, die
argumentieren, der Kampf Dr. Kings sei beendet - und
wir wären im gelobten Land. Vielleicht lassen sie sich
vom bevorstehenden Beginn des neuen Jahrtausends
nur mitreißen und geben sich der Illusion hin, wenn der
Kalender das Jahr 2000 anzeigt, wäre der Mensch
perfekt.
Wer jetzt ein Ende der Maßnahmen zur Förderung der
Chancengleichheit fordert, behauptet, es seien so viele
Fortschritte erzielt worden, daß weitere Bestrebungen
nicht gerechtfertigt seien. Diese Menschen sind sich
jedoch nicht bewußt, daß die Geschichte des Rassismus sich über nahezu 400 Jahre erstreckt.
Als ich acht Jahre alt war, lebte ich mit meiner Familie
in Carthage (Tennessee) in einem kleinen Haus an der
Fisher Avenue, das an einem Hügel lag. Oben auf
dem Hügel stand ein großes altes Herrenhaus. Eines
Tages wechselte dieses seinen Besitzer, und die
Nachbarn wurden zu einer Hausbesichtigung eingeladen. Mein Vater sagte zu mir: "Komm, mein Sohn,
ich möchte Dir etwas zeigen." Und so gingen wir den
Hügel hinauf und betraten das Haus durch die Vordertür.
Anstatt sich wie die anderen Gäste im Salon, dem
reichverzierten Speisezimmer oder dem wunderbaren
Treppenhaus aufzuhalten, ging mein Vater mit mir in
den Keller und zeigte mir die dunklen Steinmauern und die kalten Eisenringe, die dort in Reih und Glied
an der Wand befestigt waren.
Eisenringe, um Sklaven zu fesseln.
Wir haben Ägypten verlassen, aber erzählen Sie mir
nicht, wir seien in Kanaan angekommen.
Sagen Sie mir nicht, unsere andauernde Anfälligkeit für
den Rassismus sei plötzlich verschwunden und wir
lebten jetzt in einer farbenblinden Gesellschaft.
Was würde Dr. King sehen, wenn er hier bei uns wäre,
aus dieser Kirche ginge und uns auf eine Besichtigungstour durch das Amerika des Jahres 1998
mitnehmen würde?
Ich glaube, Dr. King wäre stolz, daß wir in den vergangenen 30 Jahren das Gefälle zwischen den Einkommen der Schwarzen und Weißen um die Hälfte

AMERIKA DIENST 02

reduziert haben. Ich glaube aber auch, er würde uns
daran erinnern, daß schwarze und hispanische
Haushalte durchschnittlich immer noch nur ein Zehntel
des Einkommens weißer Haushalte haben.
Ich glaube, er wäre stolz, daß die Beschäftigungsrate
der Afroamerikaner auf dem höchsten, und die Armut
unter Afroamerikanern auf dem niedrigsten Stand in
der Geschichte ist. Dank Präsident Clinton profitieren
alle Amerikaner von einer stärkeren Volkswirtschaft.
Ich glaube aber auch, er würde uns daran erinnern,
daß Afroamerikaner ungefähr 62 Cents von jedem
Dollar verdienen, den ein weißer Amerikaner verdient.
Er würde uns daran erinnern, daß die Arbeitslosenquote der Schwarzen immer noch doppelt so hoch wie die
Arbeitslosenquote der Weißen ist.
Ich glaube, Dr. King wäre stolz, daß die Kluft zwischen
Schwarzen und Weißen, die ihren Abschluß an einer
weiterführenden Schule machen, praktisch nicht mehr
existiert - und mehr Afroamerikaner als je zuvor in der
Geschichte der Vereinigten Staaten zum College
gehen. Ich glaube aber auch, er würde uns daran
erinnern, daß die Rate der Schulabbrecher unter
Hispanoamerikanern immer noch acht Punkte höher
ist, kaum die Hälfte die weiterführende Schule beendet
und noch weniger zum College geht.
Ich glaube, wenn er heute hier wäre, wäre er stolz, daß
diese Administration mehr Schwarze, mehr Hispanier,
mehr Amerikaner asiatischer Abstammung und mehr
Indianer ins Kabinett, als Richter und in andere hohe
Positionen berufen hat als je zuvor in unserer Geschichte. Ich glaube aber auch, er würde uns daran
erinnern, daß Frauen an so vielen Orten und in so
vielen Berufen immer noch nicht in Führungspositionen
gelangen.
Ich glaube, er wäre stolz zu sehen, wie viel wir getan
haben, um Diskriminierung aus unseren Gesetzen zu
verbannen. Ich glaube aber auch, er würde uns
sagen, daß wir immer noch sehr viel tun müssen, um
Diskriminierung aus unseren Herzen zu verbannen.
Und ich glaube, er würde uns sagen, daß wir immer
noch sehr viel tun müssen, um die Gesetze in die
Praxis umzusetzen, die in unseren Büchern stehen.
Aus diesem Grund freue ich mich, heute bekanntgeben
zu dürfen, daß Präsident Clinton und ich im Rahmen
dieser Initiative zur Rassenfrage die größte Zunahme
bei der Durchsetzung unserer Bürgerrechte in nahezu
zwei Jahrzehnten vorschlagen. Durch neue Reformen
und ein verstärktes Engagement für die Durchsetzung
versuchen wir, Diskriminierung von vorneherein zu
verhindern und diejenigen zu bestrafen, die am
Arbeitsplatz, in der Ausbildung, bei der Wohnungsvergabe und Gesundheitsfürsorge Menschen diskriminieren oder den Zugang von Behinderten beschränken.

Seite 3

�Ich glaube, Dr. King wäre stolz darauf, wie vielfältig die
amerikanische Kultur geworden ist - Menschen aller
Rassen und ethnischen Zugehörigkeit hören die Musik
des anderen, lesen die Bücher des anderen, leben und
arbeiten zusammen. Ich glaube aber auch, er wäre
enttäuscht darüber, wie destruktiv und gefährlich ein
Teil unserer Kultur geworden ist - Pistolen, Drogen und
Gewalt gegen Frauen treten zu häufig an die Stelle von
Familie, Glaube und Gemeinschaft. Ich glaube, er
fände die Zahl zerrütteter Familien und das Versagen
zu vieler Väter, die Verantwortung für ihre Kinder zu
übernehmen, inakzeptabel. Ich denke, es würde ihm
das Herz brechen, wenn er die Zerstörung in so vielen
innerstädtischen Gemeinden sähe, in denen immer
noch Pappe vor den Fenstern und Türen einiger
Gebäude klebt, die vor drei Jahrzehnten in Wut und
Schmerz niedergebrannt wurden.
In dem Film "Grand Canyon" blickt der von Danny
Glover gespielte Darsteller über den verwüsteten Teil
von South Central Los Angeles und sagt: "So sollte es
nicht sein."
Vor 2000 Jahren erklärte Apostel Paulus, warum es so
ist: "Alle haben sich abgewandt, gemeinsam haben sie
Unrecht getan."
Daher ist es angemessen, daß wir uns an diesem Tag
auf all die Arbeit konzentrieren, die noch getan werden
muß.
Ich glaube, Dr. King würde uns auffordern, uns an die
Arbeit zu machen, und er wäre stolz darauf, daß sein
Geburtstag für Menschen aller Rassen, Glaubensrichtungen und Hautfarben ein Tag der nationalen
Versöhnung und des Dienstes am anderen ist. Ich
glaube aber auch, er wäre wirklich überrascht, daß
einige, die seine Agenda ablehnen, seine Worte und
Sätze im Munde führen, während sie versuchen,
Chancengleichheit zunichte zu machen.
Die Formulierung "das Wesen unseres Charakters"
erhält eine andere Bedeutung, wenn sie von Leuten
benutzt wird, die vorgeben, das sei alles, was wir für
eine farbenblinde Gesellschaft benötigen. Sie benutzen ihre Farbenblindheit wie ein Jäger den Sichtschutz
bei der Entenjagd. Sie verstecken sich hinter dieser
Formulierung und hoffen, daß wir - wie die Enten nicht hindurchsehen können.
Sie befürworten berufliche Gleichstellung, wenn
jemand so talentiert ist wie ein Fußballspieler, der aus
40 Metern Entfernung ein Tor schießt. Aber sie
befürworten Gleichstellung nicht, wenn jemand "nur"
das Potential zu einer Führungspersönlichkeit in seiner
Gemeinde hat und Menschen zusammenbringt oder
das Potential hat, Kinder zu unterrichten, die nach
Wissen hungern, oder Familien zu heilen, die medizinische Versorgung benötigen. Daher sage ich: Wir
erkennen Eure Farbenblindheit.

Seite 4

Amazing Grace rettete ein armes Wesen wie mich, das
farbenblind war, jetzt aber sehen kann.
Das Lukasevangelium erzählt uns von Jesu Reaktion
auf Menschen, die sich bewußt weigern, das Offenkundige vor ihren Augen zu sehen: "Wenn ihr eine
Wolke in westlichen Gegenden aufsteigen seht, sagt
ihr sogleich: 'Es kommt ein Sturm', und es wird so sein.
Und wenn ihr seht, daß Südwind weht, sagt ihr: 'Es gibt
eine Hitzewelle', und es trifft ein. Heuchler, das
Aussehen der Erde und des Himmels wißt ihr zu
beurteilen, doch wie kommt es, daß ihr diese besondere Zeit nicht zu beurteilen wißt?"
"Denn nicht wie der Mensch sieht, sieht Gott, denn der
Mensch sieht das, was vor dem Auge erscheint; Gott
aber, er sieht, wie das Herz ist."
Ich glaube, Gott hat einen Plan für die Vereinigten
Staaten von Amerika - und das seit der Gründung
unseres Landes.
Unsere Mission ist immer gewesen, die Sache der
Freiheit voranzubringen und zu beweisen, daß religiöse, politische und wirtschaftliche Freiheit das natürliche
Geburtsrecht aller Männer und Frauen sind, und daß
die Freiheit einen größeren Teil des menschlichen
Potentials freisetzt als jede andere Organisationsform
der menschlichen Gesellschaft.
Ich glaube in meinem tiefsten Inneren, daß unsere
Nation auch eine andere, eng damit in Zusammenhang
stehende Mission hat - die wir nicht ganz verstanden
haben, als wir jeden Sklaven als drei Fünftel einer
Person zählten - eine Mission, die wir am Vorabend
des schrecklichen Bürgerkriegs dunkel zu erahnen
begannen.
Ich glaube, daß Gott den Menschen unserer Nation
nicht nur eine Chance, sondern eine Mission gegeben
hat, um den Männern und Frauen auf der ganzen Welt
zu beweisen, daß Menschen unterschiedlicher rassischer und ethnischer Herkunft, aller Glaubensrichtungen und Überzeugungen nicht nur zusammen leben
und arbeiten, sondern sowohl sich selbst als auch
unsere gemeinsame Sache bereichern und veredeln
können.
Als Kinder haben wir in der Schule etwas über den
kleinsten gemeinsamen Nenner gelernt - Amerika ist
ungefähr der größte gemeinsame Nenner.
Aus diesem Grund liebte Dr. King dieses Land. Er
sprach oft von "der Herrlichkeit Amerikas, mit all ihren
Fehlern". Während des Busboykotts in Montgomery
sagte er zum Beispiel: "Wir haben nicht Unrecht.
Wenn wir Unrecht haben, dann hat die Verfassung der
Vereinigten Staaten Unrecht. Wenn wir Unrecht
haben, dann hat Gott der Allmächtige Unrecht."

AMERIKA DIENST 02

�Als das Oberste Bundesgericht dann die Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln aufhob, sagte
Dr. King: "Das war kein Sieg für Farbige. Oh nein,
schmälert den Sieg nicht so. Das war ein Sieg für
Gerechtigkeit und Goodwill!"
Und von den Stufen des Lincoln Memorial inspirierte er
die Nation mit seinem Traum, daß Amerika "gemäß der
wahren Bedeutung seines Bekenntnisses leben wird".
Er war ein Patriot, der - wie viele von uns heute immer glaubte, daß Amerika in der Tat, mit Lincolns
Worten "die letzte, größte Hoffnung" der Menschheit
ist. Lassen Sie uns also ebenso wie wir diejenigen der
Apathie bezichtigen, die uns sagen, unsere Arbeit sei
getan, diejenigen verurteilen, die Haß auf Amerika
verbreiten - die Jünger der Teilung, die eine separatistische Philosophie predigen und Menschen anderer
Rasse als "Teufel" bezeichnen. Ihnen empfehle ich
die Worte von Dr. King: "Laßt uns nicht unseren Durst
nach Freiheit stillen, indem wir aus dem Becher der
Bitterkeit und des Hasses trinken."
Die Alternativen zu Bitterkeit und Haß sind Verständnis
und Einfühlungsvermögen. Und wir müssen uns der
Herausforderung gleichermaßen mit unseren Herzen
und unseren Köpfen stellen. Wir müssen, mit Niebuhrs
Worten, "jede Facette der Bildung und jede Ressource
der Religion" nutzen, um Verständnis und gegenseitigen Respekt zu fördern. Und in unseren Herzen
müssen wir Einfühlungsvermögen nähren.
1957 zitierte Dr. King Gandhi mit den Worten: "Die
Anziehungskraft der Vernunft kommt eher vom Kopf,
aber die Ergründung des Herzens kommt vom Leiden.
Es öffnet das innerste Verständnis des Menschen."
Dr. King sagte über seinen Ansatz zu der weißen
Mehrheit: "Im ganzen Süden muß der Neger an den
Punkt gelangen, an dem er zu seinem weißen Bruder

*

AMERIKA DIENST 02

sagen kann: Wir werden Deiner Fähigkeit, Leiden zu
verursachen, unsere Fähigkeit, das Leiden zu beenden, entgegenstellen. Wir werden Deiner physischen
Kraft die Kraft unserer Seele entgegenstellen. Wir
werden Dich nicht hassen, aber wir werden Deine
bösen Gesetze nicht befolgen."
Viele machten sich darüber lustig, daß er sich auf das
verließ, was er als die "Waffe des gewaltfreien Protests" bezeichnete. Aber die weiße Mehrheit begann
seine Menschlichkeit und die Gerechtigkeit seiner
Sache durch die "Kraft seiner Seele" zu verstehen.
Mein Glaube lehrt, daß die Welt durch die Bereitschaft
Jesu Christi verändert wurde, am Kreuz zu leiden.
Leiden verbindet uns und ermöglicht uns zu sehen,
was wir alle gemeinsam haben und was unsere
Aufgabe ist.
Im Matthäusevangelium sagte Jesus: "Du sollst den
Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen
und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen
Sinn. Dies ist das größte und erste Gebot. Das
zweite, ihm gleiche, ist dieses: Du sollst deinen
Nächsten lieben wie dich selbst."
Lassen Sie uns also nicht in unserer Wohltätigkeit
nachlassen, während wir die unvollendete Agenda von
Dr. King in Angriff nehmen. Lassen Sie uns seinen
Traum zu unserem Aktionsplan machen. Und erinnern
Sie sich stets an die Worte der Hymne, die er liebte:
"Für Christus gibt es nicht Osten oder Westen,
nicht Süden oder Norden,
sondern nur eine große Gemeinschaft der Liebe
auf der ganzen weiten Welt.
Reicht Euch die Hand, Jünger des Glaubens,
was immer Eure Rasse sein mag,
der meinem Vater als ein Kind dient,
wird sicher mit mir verwandt sein."

* * *

*

Seite 5

�USA-EUROPA

28.Januar 1998

Deutschland, Amerika und die Vollendung Europas
Rede von Botschafter John C. Kornblum

FREIBERG - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Botschafter der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, am 26. Januar 1998 bei der Atlantik Brücke hielt.

Ich freue mich, in einer Stadt mit einer so reichen
Tradition und Geschichte vor Ihnen eine Rede halten
zu dürfen. Dies ist mein erster Besuch in Freiberg.
Obwohl meine Verbindung zu Deutschland schon seit
ziemlich langer Zeit besteht, konnte ich aufgrund des
Kalten Krieges Teile Deutschlands auf dieser Seite der
Trennlinie nicht so gut kennenlernen wie die auf der
anderen. Aber seit meiner Ankunft in Deutschland im
August vergangenen Jahres habe ich viele Orte in den
neuen Bundesländern besucht. Das gab mir die
Gelegenheit, ein anderes und sich immer noch
veränderndes Deutschland zu entdecken.
Heute Abend möchte ich über Deutschland, Amerika
und die Vollendung Europas sprechen. Was verstehen wir unter der Vollendung Europas? Im umfassendsten Sinne verstehen wir darunter die Beendigung
der Abgrenzung Europas entlang einer unnatürlichen
und ahistorischen Ost-West-Trennlinie. Es bedeutet,
daß Orte, denen Demokratie und Pluralismus verwehrt
wurden, in Freiheit leben können. Und es bedeutet die
Ausweitung von Stabilität, so daß Nationen prosperieren können - sowohl politisch als auch wirtschaftlich.
Ich freue mich, dieses Thema in Sachsen anzusprechen, weil dies eines der ältesten regierten Gebiete
der Welt ist und Sie die Bedeutung von Demokratie
und Rechtsstaatlichkeit zu würdigen wissen.
Ich freue mich jedoch noch mehr, hier zu sein, weil ich
der Überzeugung bin, daß die neuen Bundesländer
eine wichtige Rolle bei der Überwindung der Teilung
Europas gespielt haben. Sie spielen auch bei der
Vollendung Europas eine wichtige Rolle.
Der Zusammenbruch des Systems, das Deutschland
und Europa so viele Jahrzehnte geteilt hat, erfolgte

AMERIKA DIENST 02

aufgrund des Muts und Optimismus von Menschen in
beiden Blöcken, daß die Demokratie überdauern
könnte und sollte. Der Fall der Berliner Mauer und die
Rufe "Wir sind das Volk" wurden weder von den auf
beiden Seiten massierten Armeen herbeigeführt, die
auf den Beginn des unvermeidlichen Krieges warteten,
noch durch ein mysteriöses, historisches Ende der
kommunistischen Idee. Die Berliner Mauer wurde
durch den ununterdrückbaren menschlichen Wunsch
nach Freiheit durchbrochen und dann niedergerissen.
Der Historiker John Lewis Gaddis hat die Revolutionen
von 1989 mit einer Verlagerung der tektonischen
Platten der Erde verglichen: Diese politischen Unruhen waren nur Manifestationen der zugrundeliegenden
Trends, die so viele Jahrzehnte lang unter der Oberfläche gehalten wurden. Ebenso wie ein Erdbeben
ausbricht, wenn der angestaute Druck zu stark wird,
waren die Revolutionen von 1989 Eruptionen nach den
Jahren der Massenfrustration in der gesamten Region.
Mit anderen Worten: Der Kalte Krieg war kein permanentes Merkmal der internationalen Landkarte. Er war
nicht unumkehrbar, wie die sogenannten Realpolitiker
manchmal argumentierten. Er war in der Tat eine
Anomalie.
Die Wiedervereinigung Deutschlands war ein sehr
bedeutendes Ziel der Vereinigten Staaten. Unser
Glaube an Ihre Zukunft war stets unerschütterlich.
Unser Beitrag zur Verwirklichung unserer gemeinsamen Vision war groß und entschlossen.
Im Dezember 1989 definierte Präsident Bush einen
Rahmen, der dem Prozeß Inhalt und ein Ziel verlieh.
Erstens wollte Bush, daß das deutsche Volk diese
Entscheidung selbst traf. Welche Entscheidung auch

Seite 1

�immer getroffen würde - sie würde respektiert. Er
erklärte auch, daß die Wiedervereinigung im Rahmen
des Prozesses der Mitgliedschaft Deutschlands in der
NATO und anderen europäischen Organisationen
erfolgen sollte. Er wollte, daß der Prozeß schrittweise
stattfand. Und schließlich wollte er, daß sich die
Wiedervereinigung auf der Grundlage der Prinzipien
von Helsinki vollzog. Diese Prinzipien gewährleisteten,
daß die Wiedervereinigung friedlich erfolgte und für
alle Beteiligten akzeptabel wäre.

definieren - die Vision eines zum ersten Mal in seiner
Geschichte in Demokratie und Frieden vereinten
Europas. Die Vision einer Welt, die durch die Methoden und Überzeugungen der Demokratie geeint ist.
Durch Toleranz, Vielfalt und Offenheit. Einer Welt, in
der den vielfältigen Herausforderungen der Gesellschaft und Technologie mit offenem demokratischem
Austausch begegnet wird. Einer Welt, in der die Völker
das Recht haben, ihre eigene Zukunft in Sicherheit und
Zusammenarbeit in die Hand zu nehmen.

Die Vereinigten Staaten unterstützen die Wiedervereinigung Deutschlands nach wie vor. In Anbetracht
der Entscheidung der Bundesregierung für Berlin wird
die Amerikanische Botschaft nächstes Jahr nach Berlin
umziehen.

Das ist die Vision von Europa, die Präsident Clinton in
seiner historischen Rede im Januar 1994 in Brüssel
darlegte. Der Präsident forderte die Integration ganz
Europas in eine demokratische Völkergemeinschaft.
Er sagte voraus, daß die Gemeinschaft mit den
Vereinigten Staaten zusammenarbeiten würde, um
eine euroatlantische Gemeinschaft von Nationen und
Völkern zu bilden, die sich der Bewahrung der Errungenschaften von Demokratie und der Befreiung
Europas von der ständigen Angst vor Konflikt verschrieben hatte, die die Geschichte dieses Kontinents
einen Großteil dieses Jahrhunderts kennzeichnete.

Im Privatsektor haben sich amerikanische Unternehmen als der größte Block ausländischer Investoren in
den neuen Bundesländern herauskristallisiert. Die
Aktivitäten amerikanischer Firmen bei der Beseitigung
von Altlasten und der Schaffung von Arbeitsplätzen in
Ostdeutschland waren bemerkenswert. Sie unterstreichen das amerikanische Engagement in Deutschland und verleihen den seit jeher getätigten amerikanischen Investitionen in Westdeutschland neuen
Schwung.
Die Investitionen von Dow Chemical in Leipzig haben
beispielsweise zur Ansiedlung zusätzlicher amerikanischer Familien dort geführt und der Internationalen
Schule neuen Schwung verliehen. Das ist ein Beispiel
für den Wirtschaftspfeiler der deutsch-amerikanischen
Beziehungen, der nicht nur Handel und Gewinne
hervorbringt, sondern auch persönliche Kontakte
zwischen Menschen und Familien. Ich kann mir kaum
einen besseren Weg vorstellen, um die deutschamerikanische Partnerschaft aufzubauen und zu
stärken.
Der neue Halbleiterbetrieb des amerikanischen
Konzerns Advanced Micro Devices (AMD) im Norden
von Dresden ist ein weiteres Beispiel für eine Investition, die Amerikaner in die neuen Länder gebracht
hat. Die Internationale Schule in Dresden wurde
übrigens von AMD gegründet.
Insgesamt haben seit der Wiedervereinigung über 240
amerikanische Firmen mehr als 12 Milliarden Dollar im
Ostteil Deutschlands investiert und Zehntausende von
Arbeitsplätzen geschaffen oder gesichert.
Hier in Freiberg unterhält die Bergakademie kooperative Beziehungen zu sechs amerikanischen Universitäten.
Das sind nur einige wenige Anzeichen, daß Deutschland und Amerika in einer unentbehrlichen Partnerschaft verbunden sind. Diese Partnerschaft gestattet
uns, gemeinsam eine neue strategische Vision zu

Seite 2

Wir haben bereits damit begonnen, die Grundlagen für
die Zukunft zu legen - durch unsere Unterstützung der
Bestrebungen zur Erweiterung der NATO und der
Europäischen Union. Hinzu kommt die Erfüllung des
Versprechens der Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa. Diese Schritte erfolgten
nicht automatisch. Denken Sie nur an einige der
Debatten zu Beginn der neunziger Jahre: "NATO, was
nun?" war damals eine gängige Frage. Die Entscheidung für die Erweiterung wurde erst getroffen,
nachdem diese schwierige Diskussion zu dem Schluß
gelangte, daß eine erweiterte NATO bei weitem das
vielversprechendste Instrument sei, um die Stabilität
und Sicherheit Europas zu bewahren.
Ebenso wie die NATO hat die Europäische Union die
Notwendigkeit erkannt, die neuen Demokratien
einzubeziehen. So wie die Aussicht der NATOErweiterung die Länder Zentraleuropas veranlaßt hat,
sich gegenseitig als potentielle Verbündete statt als
Gegner zu sehen, hat auch die Aussicht auf die EUMitgliedschaft diese Länder ermutigt, die erforderlichen
und manchmal schmerzlichen politischen Schritte zu
unternehmen, um ihre neuen Marktwirtschaften und
Rechtssysteme auf den richtigen Weg zu bringen.
Eine Orientierung nach außen wird der EU in den
kommenden Jahren am besten dienen. Das gilt nicht
nur für Zentraleuropa, sondern auch für die Türkei - ein
Land, das die strategische Entscheidung, sich nach
Westen zu orientieren, Anfang dieses Jahrhunderts
getroffen hat. Die Türkei und die EU haben gleichermaßen ein Interesse an der Stärkung ihrer Beziehungen. Und wir alle haben ein Interesse an der Entwicklung der Türkei als einem starken, wohlhabenden,
säkularen und demokratischen Staat.

AMERIKA DIENST 02

�Das letzte Jahrzehnt hat in unterschiedlicher Weise
gezeigt, wie sich Länder schnell umgestalten können.
Im Falle dessen, was wir einstmals als Osteuropa
bezeichneten, haben wir gesehen, wie autoritäre
Systeme zu Demokratien wurden - Länder, in denen
sich die Regierungen durch normale, demokratische
Mittel verändern.
Obwohl die Bilanz des Wandels unter den neuen
Demokratien positiv war, gab es auch negative
Beispiele des Wandels. Ich denke dabei an Bosnien,
ein Land, das von einer Aggression erfaßt wurde, wie
sie Europa seit dem Zweiten Weltkrieg nicht erlebt
hatte. Das Atlantische Bündnis stellte sich der Herausforderung und setzte der Aggression ein Ende. Der
Fall Bosnien zeigt jedoch, wie schnell Stabilität Unordnung und Blutvergießen weichen kann. Wir
müssen unsere Methoden der Konfliktverhütung
verbessern und perfektionieren. Die OSZE ist eine
Ressource, die besser genutzt werden kann und sollte.
Sie sollte darauf hinarbeiten, den Ausbruch ethnischer
Spannungen und Gebietseroberungen zur Vergangenheit werden zu lassen.
Wir können alle dankbar sein, daß die Revolutionen
von 1989 mit nur wenig Blutvergießen stattfanden und
Demokratie und Stabilität zur Folge hatten. Aber
Demokratie und Stabilität sind nicht statisch; wir alle
müssen uns für ihren Erhalt einsetzen. Aus diesem
Grund ist die Integration dieser neuen Demokratien in
unsere wichtigsten europäischen und transatlantischen
Institutionen von entscheidender Bedeutung.
Aufgrund seiner geografischen Lage und seiner
Interessen ist Deutschland der natürliche Fürsprecher
und Partner der zentraleuropäischen Staaten, die sich
Europa jetzt wieder anschließen. Andere wichtige
Faktoren beinhalten Ihre Erfahrung hier in den neuen
Bundesländern mit Wiederbelebung und Erneuerung.
Diese gibt Deutschland besonders guten Einblick in die
Schwierigkeiten, mit denen diese neuen "marktwirtschaftlichen Demokratien" konfrontiert sind. An all
diesen Orten konzentrierte man sich während des
letzten Jahrzehnts vorwiegend auf dieselben oder
ähnliche Themen: Demokratisierung, Wirtschaftsreformen und Beseitigung der Altlasten, um nur einige
zu nennen.
Deutschlands führende Rolle in der Europäischen
Union, in der NATO und anderen wichtigen Institutionen macht es zu einem Schlüsselpartner für die
Staaten Zentraleuropas. Deutschland, Polen und
Dänemark leiteten vor kurzem ein Austauschprogramm für ihre Streitkräfte ein, das den Weg für ein
spezielles multinationales Korps innerhalb der NATO
ebnet. Diese Art von Einbeziehung und Interaktion ist
ein Multiplikator der Stabilität in Europa.
Sie ist aber auch ein großer Schritt zum Heilen alter
Wunden. Von besonderer Bedeutung sind die Bestre-

AMERIKA DIENST 02

bungen Deutschlands und Polens, neue Verbindungen
anzuknüpfen. Die neuen engen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen zeigten sich daran, daß
der polnische Außenminister Dariusz Rosati den
polnischen Nationalfeiertag am 3. Mai vergangenes
Jahr nicht in Polen, sondern in Deutschland feierte.
Das beweist, wie weit Polen und Deutschland bei der
Erneuerung ihrer Beziehungen gekommen sind.
Sachsen, Ungarn und die Tschechische Republik
unterhalten ebenfalls lebhafte Beziehungen mit
häufigen hochrangigen Besuchen aus beiden Ländern
hier in Sachsen.
Die Ausweitung von Stabilität und Wohlstand nach
Osten ist eine der größten Chancen der Berliner
Republik. Ebenso wie die Vereinigten Staaten vor
fünfzig Jahren Deutschland und dem übrigen Westeuropa durch den Marshallplan beim Wiederaufbau
nach dem Zweiten Weltkrieg halfen, hat Deutschland
als führendes Mitglied der wichtigsten Institutionen
Europas heute die Chance, zur Förderung von Sicherheit und Wohlstand im Osten beizutragen.
Die Vereinigten Staaten setzen sich auch für die
Ausweitung von Stabilität in dem neuen, geeinten
Europa ein. Amerikanische Unternehmen tätigen
große Investitionen in die Zukunft der Volkswirtschaften in ganz Zentraleuropa. Die US-Regierung
arbeitet in der baltischen Region darauf hin, daß
Estland, Lettland und Litauen die bestmöglichen
Kandidaten für unsere wichtigen multilateralen Institutionen werden. Wie wir in der am 16. Januar
unterzeichneten Charta über die Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und den baltischen
Staaten erklärten, haben die Vereinigten Staaten "ein
reales, profundes und dauerhaftes Interesse an der
Unabhängigkeit, Souveränität, territorialen Integrität
und Sicherheit" der baltischen Staaten. Kein Land
sollte aufgrund seiner Geschichte oder Geografie
diskriminiert werden. Das kann und sollte ein Leitprinzip sein, während wir uns für die Vollendung
Europas einsetzen, indem wir neue Nationen aus dem
Osten willkommen heißen.
Die Vereinigten Staaten sehen auch vielversprechende
Möglichkeiten in der regionalen Zusammenarbeit auf
Gebieten wie der Beseitigung von Altlasten, der
Bekämpfung des organisierten Verbrechens und
Drogenschmuggels. Es kann und sollte viele verschiedene gleichgerichtete Aktivitäten geben, um
regionale Kooperation zu stärken, und es werden
bereits große Fortschritte gemacht: Das deutschpolnisch-dänische Korps, der Rat der Ostseeanrainerstaaten, das Weimarer Dreieck und natürlich die
großen Dachorganisationen der regionalen Zusammenarbeit wie die OSZE.
Ich möchte hinzufügen, daß der menschliche Aspekt
dieser Bande für Amerikaner ebenso wichtig ist wie für
die Deutschen. Amerikaner haben einen natürlichen

Seite 3

�Hang, diese einst abgeschnittenen Teile Europas zu
erkunden. Viele Amerikaner haben dort ihre kulturellen Wurzeln. Nicht nur, daß 60 Millionen Amerikaner
deutscher Abstammung sind; Millionen andere haben
ihre Wurzeln in der jetzigen Tschechischen Republik,
der Slowakei, Polen, Ungarn und den baltischen
Staaten.
Diese Verbindungen bieten die Chance, die kulturellen
und historischen Reichtümer in diesen Teilen der Welt
wiederzuentdecken, die so lange von Kontakten
abgeschnitten waren. Die Wiederentdeckung und das
erneute Zusammenfügen der Teile Europas, die einst
voneinander getrennt waren, sowie der Kulturaustausch zwischen Zentral-/Osteuropa und Westeuropa
ist hier derzeit eine der interessantesten Entwicklungen. Europa und die Welt werden durch diese
Erfahrung bereichert.
Deutschland und Amerika arbeiten nicht nur zusammen, um die Errungenschaften der neuen Demokratien zu sichern, sondern auch, um auf globaler
Ebene Einfluß auszuüben. Zur Erlangung des Ziels
der Ausweitung von freiem Handel setzen wir uns für
gerechtere Wettbewerbsbedingungen ein: Wir wollen
der internationalen Wirtschaftsbestechung ein Ende
setzen - einer Praxis, die genau die Grundsätze
unterminiert, für die unsere Länder stehen. Wir haben
Fortschritte bei der Verringerung der Duplizität von
Tests gemacht, damit die Produkte für die Verbraucher
billiger werden. Und beim Klimagipfel von Kyoto
haben wir einen ersten wichtigen Schritt zur Bekämpfung des Klimawandels unternommen.
Innovation und neue Technologien sind die treibende
Kraft bei dem, was jetzt als die "neue Weltwirtschaft"
bezeichnet wird - ein Begriff, der Globalisierung
umfaßt, sich aber auch auf den neuen Kontext bezieht,
in dem Unternehmen auf der ganzen Welt Geschäfte
tätigen.
Die Veränderungen bei Handel und Technologie
haben jedoch nicht nur Auswirkungen auf unsere
Geschäftsbeziehungen. Sie beeinflussen auch unsere
Gesellschaften. Das Internet ist überall. Vor zwanzig
Jahren hätten die meisten sich nur sehr schwer
vorstellen können, daß wir von unserem Wohnzimmer
aus Verbindung zu Computern auf der ganzen Welt
aufnehmen können. Heute hingegen ist es schwierig,
sich vorzustellen, daß wir nicht die E-mail benutzen

* *

Seite 4

oder im Web surfen können.
sozialen Interaktion geworden.

Es ist Teil unserer

Daß unser Planet immer kleiner wird, hat auch Auswirkungen auf die Arbeit von jemandem wie mir.
Einmal können Informationen natürlich Grenzen
überschreiten und den Weg durch geschlossene
Gesellschaften nehmen. Wie jemand einmal sagte:
Wir sprechen nicht mehr von einer Revolution von
oben oder unten, sondern von einer Revolution von
außerhalb. Eine weitere Auswirkung ist, daß die
Bedrohungen der nuklearen Weiterverbreitung, die
Aktionen verbrecherischer Staaten und der Terrorismus ebenfalls näherrücken.
Diese Dinge bedrohen nicht nur einzelne Länder,
sondern die gemeinsame Lebensweise vieler Länder.
Die beste Verteidigung besteht darin, sich der Konstruktion zu bedienen, die die Lebensweise und
Interessen Deutschlands, der Vereinigten Staaten und
der übrigen transatlantischen Gemeinschaft verkörpert.
Dieses Gebilde besteht aus Organisationen wie der
NATO, der OSZE, der neuen transatlantischen Agenda
sowie einer Vielzahl bilateraler und persönlicher
Beziehungen und Freundschaften, die im Lauf der
Jahrzehnte aufgebaut wurden.
Abschließend möchte ich noch die Bedeutung der
deutsch-amerikanischen Partnerschaft für den Prozeß
der Umgestaltung und Erweiterung unserer Institutionen ansprechen. Die deutsch-amerikanische Partnerschaft ist ein großer Erfolg und ist selbstverständlich
geworden. Das bedeutet nicht, daß wir einander als
selbstverständlich hinnehmen sollten. Vielmehr heißt
es: Wir haben ein so hohes Maß an Verständigung, so
viele gemeinsame Ziele und Interessen, daß es
manchmal schwierig ist, von zwei verschiedenen
Einheiten zu sprechen.
Die deutsch-amerikanische Partnerschaft ist die
treibende Kraft in der transatlantischen Welt. Ohne
unsere enge Zusammenarbeit wäre im vergangenen
Jahrzehnt vieles nicht erreicht worden. Zusammenarbeit ist für uns der Schlüssel zum Erfolg im nächsten
Jahrhundert.
Ich wünsche uns für die Zukunft weiterhin Erfolg sowie
die Kreativität und den Mut, die hierzu erforderlich sind.
Vielen Dank.

* *

*

AMERIKA DIENST 02

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                <text>&lt;strong&gt;1. Lage der Nation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: USA haben die Macht und die Pflicht, ein neues Zeitalter des Friedens zu schaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht zur Lage der Nation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Gesellschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Einsatz für die Bürgerrechte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Vizepräsident Al Gore&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Deutschland, Amerika und die Vollendung Europas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter John C. Kornblum&lt;/em&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Aus der medizinischen Forschung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erziehung zu richtigem Sehen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Schielen kann auch bei Erwachsenen behoben werden&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bekämpfung entzündlicher Erkrankungen der Atemwege&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. US-Politik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tradition stärker als Stimmzahlen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interessante Entscheidung des US-Repräsentantenhauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Kerigan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Völkerverständigung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erziehung, die Aufgabe der Gegenwart&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das neue Center for International Education in New York&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nationalkonferenz der Christen und Juden verlieh "Preis der Brüderlichkeit"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Kurznachrichten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kunsterziehung für Kinder&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Gedenktage im April 1962&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA wünschen internationale Zusammenarbeit in der Weltraumforschung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;gekürzte Fassung einer Ansprache vom 19. März 1962, die Botschafter Francis T.P. Plimpton, der stellvertretende Leiter der US-Delegation bei den Vereinten Nationen und Vertreter der Vereinigten Staaten im UN-Ausschuss für die friedliche Nutzung des Weltraums, vor diesem Ausschuss gehalten hat&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>30. März 1983

14

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan fordert Verteidigungsprogramm für die Zukunft
- Rede des US-Präsidenten vom 23. März 1983 Das Atlantische Bündnis:

Die Tatsachen und Lehren der Geschichte

- Berlin-Rede des Stellvertretenden US-Außenministers -

INFORMATION
William Ruckeishaus Direktor der Umweltschutzbehörde

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
CHALLENGER-Start für 4. April vorgesehen

Um Uber/endurtQ von
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14

30. März 1983

REAGAN FORDERT VERTEIDIGUNGSPROGRAMM FÜR DIE ZUKUNFT
- Rede des US-Präsidenten vom 23. März 1983 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan forderte in einer vielbeachteten Fernsehrede an das amerikanische Volk am 23. März 1983 ein intensives Forschungsprogramm auf dem Gebiete der Verteidigung, das eines Tages
offensive Atomraketen unwirksam und überflüssig machen soll.

Diese neue Ver-

teidigungstechnik werde jedoch erst im kommenden Jahrhundert wirksam werden,
und deshalb müsse sich der Westen für die nächste Zukunft weiterhin auf eine
wirksame Abschreckung verlassen.

Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich danke Ihnen, daß Sie sich heute abend Zeit für mich nehmen.

Das

Thema, das ich mit Ihnen besprechen möchte, Frieden und Sicherheit, ist sowohl aktuell als auch wichtig - aktuell, weil ich eine Entscheidung getroffen habe, die für unsere Kinder im 21. Jahrhundert neue Hoffnung bietet eine Entscheidung, auf die ich gleich eingehen werde - und wichtig, weil
es um eine sehr große Entscheidung geht, die Sie für sich selbst treffen
müssen.

Dabei geht es um die grundsätzliche Pflicht, die jeder Präsident

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�jeder Präsident und jeder Mensch hat - die Pflicht, den Frieden zu schlitzen und zu stärken.
Anfang dieses Jahres habe ich dem Kongreß einen Verteidigungshaushalt
vorgelegt, der meinem besten Urteil und dem bestem Wissen der Experten
und Spezialisten, die mich beraten, bezüglich dessen entspricht, was wir und
unsere Verbündeten tun müssen, um unsere Völker in den kommenden Jahren zu
schützen.
Dieser Haushalt ist mehr als nur eine lange Liste von Zahlen, denn
hinter all diesen Zahlen steht die Fähigkeit Amerikas, die größte aller
menschlichen Tragödien zu verhindern und unsere freie Lebensform in einer
manchmal gefährlichen Welt zu bewahren. Er ist Teil eines sorgfältigen
langfristigen Planes, Amerika nach zu vielen Jahren der Nachlässigkeit und
der Fehler wieder stark zu machen. Unsere Anstrengungen, die Verteidigung
Amerikas wieder aufzubauen und den Frieden zu stärken, begannen vor zwei
Jahren, als wir eine wesentliche Erhöhung des Verteidigungsprogramms forderten. Seither sind die Beträge für diese zunächst geforderten Erhöhungen
durch Verbesserungen im Management und in der Beschaffung sowie durch andere
Einsparungen um die Hälfte verringert worden. Der Haushaltsvoranschlag,
der jetzt dem Kongreß vorliegt, ist bis an die Grenzen der Sicherheit gestrafft worden. Weitere tiefe Einschnitte können nicht gemacht werden, ohne
die Sicherheit der Nation ernsthaft zu gefährden. Die Entscheidung liegt
bei den Männern und Frauen, die Sie in den Kongreß gewählt haben - und das
heißt, die Entscheidung liegt bei Ihnen.
Ich möchte Ihnen heute abend darlegen, um was es bei dieser Verteidigungsdebatte geht
vorliegende

und warum ich überzeugt bin, daß der jetzt dem Kongreß

Haushaltsantrag notwendig und verantwortungsbewußt ist und Ihre

Unterstützung verdient.

Und ich möchte Ihnen für die Zukunft Hoffnung

machen.
Aber lassen

�Aber lassen Sie mich zuerst erklären, um was es bei der Verteidigungsdebatte nicht geht.

Es geht nicht um ein Ausgabenzahlenspiel.

Ich weiß,

daß Sie in den letzten Wochen mit Zahlen und Prozentzahlen überschüttet
worden sind.

Manche Leute sagen, wir brauchten nur eine fünfprozentige Er-

höhung unserer Verteidigungsausgaben.

Der sogenannte "Alternativhaushalt",

der von Liberalen im Repräsentantenhaus unterstützt wird, würde die Zahl sogar auf zwei bis drei Prozent senken und unsere Verteidigungsausgaben in
den nächsten fünf Jahren um 163 Milliarden Dollar kürzen.

Das Problem mit

all diesen Zahlen ist, daß sie uns wenig genug über die Art von Verteidigungsprogramm sagen, das Amerika braucht, oder über Vorzüge im Sinne der
Sicherheit und Freiheit, die unsere Verteidigungsanstrengung für uns erkauft.
Was bei dieser ganzen Debatte offensichtlich außer acht gelassen wird,
ist die einfache Tatsache, wie ein Verteidigungshaushalt zustande kommt.
Er wird nicht dadurch aufgestellt, daß man entscheidet, eine bestimmte Menge
Dollar auszugeben. Die großen Töne, die gelegentlich zu vernehmen sind
und mit denen behauptet wird, die Regierung versuche ein Sicherheitsproblem
einfach durch Geldausgeben zu lösen, bedeuten nichts anderes als Lärm aus
Unwissenheit heraus.
Wir beginnen damit, uns zu überlegen, was getan werden muß, um den
Frieden zu sichern, und prüfen alle möglichen Bedrohungen unserer Sicherheit.

Dann müssen wir uns auf eine Strategie zur Stärkung des Friedens und

der Verteidigung gegen all diese Bedrohungen einigen.

Und schließlich müs-

sen unsere Verteidigungseinrichtungen dahingehend überprüft werden, festzustellen, was notwendig ist, um uns gegen irgendeine oder alle dieser potentiellen Bedrohungen zu schützen.

Am Schluß wird ausgerechnet, was es kostet,

all diese Ziele zu erreichen, und das Ergebnis ist der nationale Verteidigungshaushalt.
Es ist logisch nicht möglich, einfach zu sagen, wir wollen soundsoviel x Milliarden Dollar weniger ausgeben.

Man kann höchstens sagen, auf

welchen Teil unserer Verteidigungsmaßnahmen wir nach unserer Meinung ver-

- 3 -

�Meinung verzichten könnten und noch immer gegen alle Ernstfälle gesichert
wären.

Jeder, der im Kongreß für eine Kürzung der Verteidigungsausgaben

um einen bestimmten Prozentsatz oder um eine bestimmte Dollarsumme eintritt,
sollte sagen müssen, welchen Teil unserer Verteidigung er streichen möchte;
und er sollte freimütig genug sein, zuzugeben, daß diese Kürzungen eine Kürzung

unserer Verpflichtung gegenüber unseren Verbündeten oder ein größeres

Risiko oder beides zusammen bedeuten würden.

Die Verteidigungspolitik der Vereinigten Staaten basiert auf einer
einfachen Prämisse:

Die Vereinigten Staaten beginnen keinen Krieg. Wir

werden niemals ein Aggressor sein.

Wir halten unsere Stärke aufrecht, um

vor einer Aggression abzuschrecken und uns gegen sie zu verteidigen - um
die Freiheit und den Frieden zu erhalten.

Seit dem Anbruch des Atomzeitalters haben wir danach gestrebt, das Risiko eines Krieges zu verringern, indem wir eine starke Abschreckung aufrechterhalten und indem wir eine echte Rüstungskontrolle anstreben. "Abschreckung" bedeutet einfach:

Sicherstellen, daß jeder Gegner, der an einen

Anqriff auf die Vereinigten Staaten oder unsere Verbündeten oder unsere lebenswichtigen Interessen denkt, zu dem Schluß kommt, daß die Risiken für ihn
alle möglichen Gewinne überwiegen.
angreifen.

Wenn er das begreift, dann wird er nicht

Wir erhalten den Frieden durch unsere Stärke; Schwäche lädt nur

zur Aggression ein.

Diese Strategie der Abschreckung hat sich nicht geändert.
niert weiterhin.

Sie funktio-

Aber was es braucht, um die Abschreckung aufrechtzuerhal-

ten, hat sich geändert.

Es bedurfte einer ganz anderen Art von Streitkräften,

um vor einem Angriff abzuschrecken, als wir noch sehr viel mehr Kernwaffen
besaßen als irgendeine andere Atommacht.

Es bedarf einer ganz anderen Streit-

macht heute, da die Sowjets beispielsweise über genügend treffsichere und
mächtige Kernwaffen verfügen, um praktisch alle unsere landgestützten Raketen
zu vernichten.

Damit soll nicht gesagt werden, daß die Sowjetunion einen

Krieg gegen uns plant.

Und ich glaube auch nicht, daß ein Krieg unausweich-

- 4 -

�Krieg unausweichlich ist - ganz im Gegenteil.

Aber was wir einsehen müssen,

ist die Tatsache, daß unsere Sicherheit darauf basiert, daß wir vorbereitet
sind, allen Bedrohungen zu begegnen.

Es gab eine Zeit, da wir uns auf Küsten-

befestigungen und Geschützbatterien verließen, weil beim damaligen Stand der
Bewaffnung jeder Angriff von See gekommen wäre.

Wir leben heute in einer

anderen Zeit, und unsere Verteidigung muß auf der Erkenntnis und dem Bewußtsein beruhen, wie im Atomzeitalter der Stand der Rüstungen anderer Länder
ist.

Wir können uns den Glauben nicht leisten, niemals bedroht zu werden.
Allein in meinem Leben hat es zwei Weltkriege gegeben.

Wir haben sie nicht

angefangen, ja, wir taten alles, was wir nur konnten, um nicht in sie hineingezogen zu werden.

Aber wir waren für beide schlecht vorbereitet - wären

wir besser vorbereitet gewesen, hätte der Frieden vielleicht bewahrt werden
können.

Seit 20 Jahren häuft die Sowjetunion eine gewaltige militärische Macht
an.

Und sie hörte damit auch dann nicht auf, als ihre Streitkräfte alle An-

forderungen einer legitimen Verteidigungskapazität überstiegen.

Und sie hat

damit immer noch nicht aufgehört, auch jetzt noch nicht.

Während der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte haben die Sowjets ein umfangreiches Arsenal neuer strategischer Kernwaffen aufgebaut - Waffen, die
die Vereinigten Staaten direkt treffen können.

Um ein Beispiel zu nennen:

Die Vereinigten Staaten führten ihre letzte

neue Interkontinentalrakete (ICBM),die MINUTEMAN III, im Jahr 1969 ein, und
derzeit bauen wir unsere sogar noch älteren TITAN-Raketen ab.
die Sowjetunion in eben diesen Jahren getan?

Was aber hat

Nun, seit 1969 hat die Sowjet-

union fünf neue Klassen von ICBM gebaut und diese achtmal verbessert. Als
Ergebnis dessen sind ihre Raketen viel schlagkräftiger und treffsicherer, als
sie es noch vor einigen Jahren waren - und sie fährt damit fort, noch weitere
zu entwickeln,

während unsere in immer größerem Maß veraltet sind.
Gleiches hat
- 5-

�Gleiches hat sich in anderen Bereichen zugetragen.

Im gleichen Zeit-

raum hat die Sowjetunion vier neue Klassen von unterseebootgestützten
ballistischen Raketen und über 60 neue Raketen-Unterseeboote gebaut.

Wir

bauten zwei neue Typen unterseebootgestützter Raketen und zogen dabei zehn
Unterseeboote von ihrer strategischen Mission ab. Die Sowjetunion hat über
200 neue BACKFIRE-Bomber gebaut, und ihr brandneuer BLACKJACK-Bomber ist
derzeit in der Entwicklung.

Wir haben keine neuen Langstreckenbomber mehr

gebaut, seit unsere B-52 vor etwa einem Viertel Jahrhundert disloziert wurden, und wir haben bereits mehrere 100 davon aufgrund ihres Alters aus dem
Dienst gezogen.

Trotz all

dem, was viele Leute glauben, kosten unsere stra-

tegischen Streitkräfte lediglich etwa 15 Prozent des Verteidigungshaushaltes.
Ein weiteres Beispiel dafür, was sich derzeit zuträgt: 1978 hatten die
Sowjets 600 landgestützte nukleare Mittelstreckenraketen und fingen damit an,
die SS-20 hinzuzufügen - eine neue, überaus treffsichere, mobile Rakete mit
drei Gefechtsköpfen. Wir hatten überhaupt keine. Seither haben die Sowjets
ihre Führung ausgebaut. Ende 1979, als Generalsekretär Breschnew erklärte,
"es existiert jetzt ein Gleichgewicht", verfügten die Sowjets über mehr als
800 Gefechtsköpfe. Wir hatten noch immer keine. Diesen Monat vor einem Jahr
schlug Herr Breschnew ein Moratorium, ein Einfrieren, bei der Dislozierung
der SS-20 vor. Aber vergangenen August waren aus ihren 800 Gefechtsköpfen
über 1200 geworden. Wir hatten noch immer keine. Das ist schon ein "Einfrieren". Zu diesem Zeitpunkt kündigte der sowjetische Verteidigungsminister
Ustinow an, daß "auch weiterhin eine annähernde Gleichheit der Streitkräfte
existiert". Doch noch immer fügen ihnen die Sowjets durchschnittlich drei
neue Gefechtsköpfe pro Woche hinzu; sie haben jetzt 1300. Diese Gefechtsköpfe können ihre Ziele innerhalb von wenigen Minuten erreichen. Und wir
haben noch immer keine. Bislang sieht es so aus, als sei die sowjetische
Definition von Parität mit Glück irgendwo zwischen 1300 und Null zu finden zu ihren Gunsten.
Zusammen mit unseren NATO-Verbündeten beschlossen wir daher 1979, beginnend in diesem Jahr, als Abschreckung gegenüber ihren SS-20 und als An-

�als Anreiz für die Sowjetunion, uns in ernsthaften RlistungskontrollVerhandlungen entgegenzukommen, neue Waffen zu dislozieren. Wir werden mit dieser
Dislozierung gegen Ende dieses Jahres beginnen.

Gleichzeitig sind wir jedoch

bereit, unser Programm zu streichen, wenn die Sowjets ihre Waffen abbauen.
Das ist es, was wir die Null-Lösung genannt haben. Jetzt sitzen die Sowjets
am Verhandlungstisch - und ich glaube, man kann zurecht sagen, daß sie ohne
unsere geplanten Dislozierungen nicht dort säßen.
Wenden wir uns jetzt den konventionellen Streitkräften zu. Seit 1974
haben die Vereinigten Staaten 3050 taktische Kampfflugzeuge gebaut.
satz hierzu hat die Sowjetunion doppelt so viele hergestellt.

Im Gegen-

Bei den An-

griffs-Unterseebooten haben die Vereinigten Staaten 27 von Stapel gelassen,
die Sowjetunion 61. Bei den gepanzerten Fahrzeugen haben wir, einschließlich
der Panzer, 11 200 gebaut, die Sowjetunion 54 000 - ein Verhältnis also von
5 : 1 zu ihren Gunsten.

Die Artillerie schließlich:

Hier haben wir 950

Artillerie- und Raketenabschußgeräte gebaut, während die Sowjets mehr als
13 000 herstellten - ein erschreckendes Verhältnis von 14 : 1.
Es gab eine Zeit, da wir in der Lage waren, die größeren sowjetischen
Zahlen durch höhere Oualität auszugleichen. Aber heute bauen sie Waffen,
die genau so technisch ausgeklügelt und modern sind wie die unsrigen.
Mit der Zunahme ihrer militärischen Stärke wurden die Sowjets dazu ermutigt, sie auch auszuweiten. Sie dehnen ihren militärischen Einfluß auf eine
Weise aus, die eine unmittelbare Herausforderung unserer vitalsten Interessen
und der unserer Verbündeten bedeutet. Die folgenden Luftaufnahmen, die meisten
davon bis heute geheim, verdeutlichen diese Tatsache in bezug auf ein Gebiet,
das von entscheidender Bedeutung - und unserem Land sehr nahe - ist: Mittelamerika und das Karibische Becken. Es sind keine dramatischen Aufnahmen,
aber ich glaube, sie können dazu beitragen, Ihnen ein besseres Verständnis
von dem zu vermitteln, worüber ich spreche.
Diese Einrichtung des sowjetischen Nachrichtendienstes für das Sammeln
von Informationen

weniger als 100 Meilen von unserer Küste entfernt ist die
- 7 -

�ist die größte ihrer Art auf der ganzen Welt. Hektar um Hektar von Antennenfeldemund Monitorstationen sind auf amerikanische Militäreinrichtungen und
Vorgänge von hohem Geheimhaltungswert ausgerichtet.

In dieser Anlage in

Lourdes auf Kuba sind 1500 sowjetische Techniker beschäftigt, und die Satelliten-Bodenstation ermöglicht die direkte Kommunikation mit Moskau.

Die Anlage

- m i t einer Größe von 28 Quadratmeilen - wurde im vergangenen Jahrzehnt hinsichtlich ihrer Größe und Leistungsfähigkeit um mehr als 60 Prozent ausgeweitet.
Im Westen Kubas sehen wir hier diesen Militärflugplatz mit seinen modernen, in der Sowjetunion gebauten MIG-23 Flugzeugen.

Die Sowjetunion be-

nutzt diesen kubanischen Flugplatz für ihre eigenen Langstrecken-Spionagemissionen, und zu Beginn dieses Monats begannen zwei moderne sowjetische
Flugzeuge zur Bekämpfung von Unterseebooten von dort aus zu operieren.

Die

sowjetischen Waffenexporte nach Kuba in den vergangenen zwei Jahren lassen
sich in ihrem Ausmaß lediglich mit der Zeit der kubanischen Raketenkrise von
vor 20 Jahren vergleichen.
Das dritte Foto, das als einziges aus dieser Serie bereits veröffentlicht wurde, zeigt sowjetische Militärmaterial, das nach Mittelamerika gebracht wurde. Dieser Flugplatz mit seinen MIG-8-Hubschraubern, seinen Flugabwehrgeschützen und seinen Flugzeugschutzbunkern ist nur eine aus einer Reihe
von militärischen Anlagen in Nicaragua, die sowjetisches Material erhalten
haben, das über Kuba dorthin gelangt ist, und zeigt die massive militärische
Aufrüstung, die in diesem Land betrieben wird.
Auf der kleinen Insel Grenada am südlichen Ende der Karibischen Kette
sind die Kubaner mit sowjetischer Finanzierung und Unterstützung dabei, einen
Flugplatz mit einer Landebahn von 10 000 Fuß Länge zu bauen. Grenada hat
noch nicht einmal eine Luftwaffe. Wozu dient er also? Die Karibik ist eine
sehr wichtige Durchgangsstraße für unseren internationalen Handel und für militärische Kommunikationslinien, über die Hälfte aller amerikanischen öleinfuhren geht durch die Karibik. Der rasche Ausbau des militärischen Potentials
Grenadas steht in keinem Verhältnis zu welcher Bedrohung auch immer, der sich
- 8 -

�der sich dieser Inselstaat mit seinen weniger als 110 000 Einwohnern konfrontiert sehen könnte, und steht in völligem Widerspruch zu den Verhaltensmustern anderer Staaten der östlichen Karibik, von denen die meisten völlig
unbewaffnet sind.

Die sowjetisch-kubanische Militarisierung Grenadas kann,

kurz gesagt, also nur als Machtprojektion in diese Region angesehen werden.
Und es ist die wirtschaftliche und strategische Bedeutung dieses Gebiets, die
uns den Versuch unternehmen läßt, den Regierungen in El Salvador, Costa Rica,
Honduras und anderen Staaten bei ihrem Kampf um Demokratie gegen die Guerilla
zu helfen, die von Kuba und Nicaragua unterstützt wird.
Diese Aufnahmen geben nur einen kleinen Teil der Geschichte wieder.
Ich wünschte, ich könnte Ihnen mehr zeigen, ohne unsere sensitivsten Nachrichtenquellen und -methoden zu kompromittieren.

Aber die Sowjets unter-

stützen auch die kubanischen Mil itärstreitkrä'fte in Angola und Äthiopien.
Sie haben Basen in Äthiopien und im Südjemen, nahe den ölfeldern des Persischen Golfs. Sie haben den von uns in Cam Ranh Bay in Vietnam gebauten
Hafen übernommen, und nunmehr ist die sowjetische Marine - zum erstenmal
in der Geschichte - eine Kraft, mit der im Südpazifik zu rechnen ist.
Manche mögen noch immer fragen, ob die Sowjets wohl jemals ihre gewaltige Militärmacht einsetzen würden? Nun, auch hier: Können wir uns den
Glauben leisten, sie würden es nicht? Da ist Afghanistan, und auch in Polen
verwehren die Sowjets dem Volk, seinen freien Willen zu äußern, und zeigen dadurch der ganzen Welt, wie ihre militärische Macht auch dazu verwendet werden
könnte, andere einzuschüchtern.
Die letzte Tatsache ist, daß die Sowjetunion etwas aufbaut, was man nur
als offensive Militärmacht ansehen kann.

Sie baut auch weiterhin weit mehr

Interkontinentalraketen, als sie überhaupt zur Abschreckung eines Angriffs
benötigt.

Ihre konventionellen Streitkräfte sind nicht so sehr zur Abwehr

eines Angriffes ausgebildet und ausgerüstet, als vielmehr dafür, plötzliche
Überraschungsangriffe zu ermöglichen.
Unsere NATO-

�Unsere NATO-Verbündeten haben eine große Verteidigungslast auf sich
genommen - einschließlich der Wehrpflicht in den meisten Ländern.

Wir ar-

beiten mit ihnen und anderen Freunden überall auf der Welt dabei zusammen,
noch mehr zu tun.

Unsere Verteidigungsstrategie bedeutet, daß wir Streit-

kräfte brauchen, die sehr beweglich sind - Streitkräfte, die über die Ausbildung und die Einsatzbereitschaft verfügen, auf jeden Krisenfall zu reagieren.
Jedes einzelne Objekt unseres Verteidigungsprogramms - unsere Schiffe,
unsere Panzer, unsere Flugzeuge, unsere Mittel für Ausbildung und für Ersatzteile - ist für den einen wichtigen Zweck gedacht: den Frieden zu bewahren.
Unglücklicherweise hat ein Jahrzehnt der Vernachlässigung unserer Streitkräfte unsere Fähigkeit, dies auch zu tun, in Frage gestellt.
Als ich im Januar 1981 mein Amt antrat, war ich entsetzt über das, was
ich vorfand: Amerikanische Flugzeuge, die wegen fehlender Ersatzteile, wegen Mangel an ausgebildetem Personal, wenen fehlendem Treibstoff und Munition
für wichtige Übungen nicht fliegen,und Schiffe, die desv/egen nicht in See
stechen konnten. Unvermeidliches Ergebnis all dessen war eine schlechte
Moral unserer Streitkräfte, Schwierigkeiten bei der Pekrutierung vielversprechender junger Amerikaner für den Dienst in Uniform und Schwierigkeiten
dabei, unser Militärpersonal mit der größten Erfahrung davon zu überzeugen,
seinen Dienst fortzusetzen.
Es erhob sich somit die konkrete Frage, wie gut wir eine Krise überstehen könnten. Und es war offenkundig, daß wir mit einem umfassenden Modernisierungsprogramm beginnen mußten, um sicherzustellen, daß wir vor einer
Aggression abschrecken und den Frieden in den kommenden Jahren bewahren könnten.
Es mußten sofort Schritte unternommen werden, um die grundsätzliche Einsatzbereitschaft und das Standvermögen unserer konventionellen Streitkräfte
zu verbessern, damit sie mit einer Krise fertig werden v/ürden - und dadurch
zu deren Verhütung beitragen könnten. Wir mußten verlorene Investitionsjahre
aufholen, indem wir einen langfristigen Plan zur Vorbereitung unserer Streit- 10 -

�unserer Streitkräfte darauf

verwirklichten, den militärischen Fähigkeiten

unserer Gegner entgegenzuwirken, die diese für die Zukunft entwickelten.
Ich weiß, daß Sie alle den Frieden wollen - und das will auch ich.
Ich weiß auch, daß viele von ihnen ernstlich daran glauben, daß ein Einfrieren der Kernwaffen der Sache des Friedens dienlich wäre. Aber ein solches
Einfrieren zu diesem Zeitpunkt würde uns weniger sicher - und nicht sicherer machen und würde die Gefahr eines Krieges erhöhen, aber nicht vermindern. Es
wäre zu einem großen Teil unverifizierbar und würde unsere Verhandlungen über
eine Rüstungsverringerung ernsthaft untergraben. Es würde die Sowjets für
ihre massive militärische Aufrüstung belohnen und uns gleichzeitig daran hindern, unsere veralteten und immer verwundbareren Streitkräfte zu modernisieren. Warum sollten sie mit ihrer derzeitigen Überlegenheitsmarge Rüstungsverringerungen zustimmen - wissend, daß wir daran gehindert wären, gleichzuziehen?
Glauben Sie mir, es war nicht angenehm für jemanden, der nach Washington
mit dem Entschluß kam, die öffentlichen Ausgaben zu senken, aber wir mußten
mit der Aufgabe vorangehen, unsere Verteidigung zu reparieren, oder wir hätten
unsere Fähigkeit verloren, jetzt und in Zukunft vor Konflikten abzuschrecken.
Wir mußten jedwedem Gegner demonstrieren, daß eine Aggression keinen Erfolg
haben kann und daß die einzig wirkliche Lösung in einer konkreten, ausgewogenen und wirksam verifizierbaren Rüstungsverringerung besteht • der Art, wie
wir sie derzeit in Genf erarbeiten.
Dank Ihrer starken Unterstützung und dank der überparteilichen Unterstützung durch den Kongreß

haben wir damit begonnen, einen Umschwung herbei-

zuführen-. Schon lassen sich einige sehr ermutigende Ergebnisse erkennen.

Die

Rekrutierung von qualifizierten Bewerbern und der Verbleib bei den Streitkräften nehmen gewaltig zu - immer mehr Schul- und Hochschulabgänger wählen die
militärische Karriere, und immer mehr erfahrenes Militärpersonal entscheidet
sich dafür, zu bleiben.

Unsere Männer und Frauen in Uniform bekommen endlich

die Werkzeuge und die Ausbildung, die sie brauchen, um ihre Arbeit zu tun.
Fragen Sie
- 11 -

�Fragen Sie nach im Lande, vor allem unter den jungen Menschen, und ich
glaube, Sie werden eine völlig neue Haltung gegenüber dem Dienst für ihr Land
finden.

Dies spiegelt mehr wider als nur bessere Bezahlung, bessere Aus-

rüstung und bessere Führung.

Sie haben, das amerikanische Volk hat diesen

jungen Menschen ein Zeichen gegeben, daß es wieder eine Ehre ist, die Uniform
zu tragen.

Das ist nicht etwas, was man mit Haushaltszahlen messen kann, aber

es ist ein sehr realer Teil der Stärke unserer Nation.
Es wird noch länger dauern, die Art von Ausrüstung zu schaffen, die
wir brauchen, um den Frieden auch in der Zukunft zu bewahren, aber wir haben
einen guten Anfang gemacht.
Wir haben 21 Jahre lang keinen neuen Langstreckenbomber mehr gebaut.
Jetzt bauen wir die B-l. Wir haben seit 17 Jahren kein neues strategisches
Unterseeboot mehr vom Stapel gelassen. Jetzt bauen wir pro Jahr ein TRIDENTUnterseeboot. Unsere landgestützten Raketen sind in zunehmendem Maß von den
vielen, riesigen, neuen sowjetischen Interkontinentalraketen gefährdet. Wir
sind dabei, herauszufinden, wie wir dieses Problem lösen. Gleichzeitig führen wir die START- und INF-Verhandlungen mit dem Ziel, umfangreiche Verringerungen bei den strategischen Arsenalen und den nuklearen Mittel Streckensystemen auf beiden Seiten zu erreichen.
Wir .laben ebenfalls mit der seit langem erforderlichen Modernisierung
unserer konventionellen Streitkräfte begonnen. Die Armee erhält ihren ersten
neuen Panzer seit 20 Jahren. Auch die Luftstreitkräfte werden modernisiert.
Wir bauen ferner unsere Flotte wieder auf, die von 1000 Schiffen Ende der sechziger Jahre auf 453 Schiffe im Laufe der siebziger Jahre geschrumpft war.
Unser Land benötigt eine überlegene Marine, um unsere Streitkräfte und unsere lebenswichtigen Interessen in Übersee unterstützen zu können. Wir sind
jetzt dabei, eine Flotte von 600 Schiffen zu schaffen und die amphibische
Kapazität unserer Marineinfanteristen zu verstärken, die im Augenblick für
die Sache des Friedens im Libanon Dienst tun. Und wir bauen eine reale Kapazi
tat zur Unterstützung unserer Freunde in dem überaus wichtigen Bereich des
Indischen Ozeans und des Persischen Golfs auf.
Dies alles
- 12 -

�, Dies alles ist eine größere Anstrengung, und sie ist nicht billig.
Sie kommt zu einer Zeit, da unser Haushalt unter manch anderem Druck steht
und das amerikanische Volk während der Rezession bereits große Opfer bringen
mußte.

Aber wir dürfen uns nicht durch jene in die Irre führen lassen, die

die Verteidigung wieder einmal zum Sündenbock des Bundeshaushaltes machen
möchten.
Tatsache ist, daß wir in den letzten Jahrzehnten eine dramatische
Verlagerung in den Ausgaben der amerikanischen Steuerzahler erlebt haben.
Noch 1955 betrugen die Personal kosten etwa 20 Prozent des Bundeshaushaltes.
Im Verlaufe von nahezu drei Jahrzehnten stiegen diese Ausgaben ständig, und
in diesem Jahr werden sie sich auf 49 Prozent des Haushaltes belaufen.

Dem-

gegenüber nahm die Verteidigung im Jahr 1955 mehr als die Hälfte des Bundeshaushaltes ein.

1980 waren diese Ausgaben auf 23 Prozent gesunken.

Selbst

mit der Erhöhung, um den ich in diesem Jahr ersuche, wird die Verteidigung
nur 28 Prozent des Haushaltes ausmachen.
Die Forderungen nach einer Verminderung des Verteidigungshaushaltes
sehen rein zahlenmäßig ganz gut aus. Solche schönen Reden haben die Demokraten
in den dreißiger Jahren veranlaßt, die Verteidigung zu vernachlässigen, und
haben den Weg für die Tragödie des Zweiten Weltkrieges geebnet.

Wir dürfen

es nicht zulassen, daß sich durch Apathie oder Vernachlässigung dieses schreckliche Kapitel der Geschichte wiederholt.
Deswegen spreche ich heute abend zu Ihnen - um Sie mit allem Nachdruck
aufzufordern, Ihren Senatoren oder Kongreßabgeordneten zu sagen, daß Sie wissen, daß wir mit dem Wiederaufbau unserer militärischen Stärke fortfahren
müssen.
Wenn wir mittendrin aufhören, dann geben wir damit Freunden und Gegnern
gleichermaßen ein Signal des Nachlassens, des verminderten Willens.

Freie

Menschen müssen sich freiwillig, durch die offene Debatte und mit demokratischen Mitteln den Herausforderungen entgegenstellen, die durch die totalitären Mächte aufgrund von Zwang entstehen.
Es liegt
- 13 -

�Es liegt an uns - an unserer Zeit -,eine Entscheidung zu treffen zwischen der schweren, aber notwendigen Aufgabe, den Frieden und die Freiheit
zu bewahren, und der Versuchung, unsere

Pflicht einfach zu verleugnen und

das Beste zu hoffen, während die Feinde der Freiheit Tag für Tag stärker
werden.
Die Lösung liegt durchaus in unserer Reichweite.

Um sie jedoch zu er-

reichen, gibt es einfach keine Alternative, als weiterhin in diesem Jahr,
mit diesem Haushalt, die Mittel zur Verfügung zu stellen, die wir zur Wahrung des Friedens und zur Sicherung unserer Freiheit benötigen.
Bisher habe ich Ihnen heute abend meine Gedanken über die Probleme der
nationalen Sicherheit dargelegt, denen wir uns gemeinsam stellen müssen. Meine
Vorgänger im Weißen Haus sind bei anderen Gelegenheiten vor Ihnen erschienen,
um Ihnen die von der sowjetischen Macht ausgehende Bedrohung aufzuzeigen, und
haben Maßnahmen vorgeschlagen, um dieser Bedrohung zu begegnen. Aber seit
der Existenz von Kernwaffen richteten sich diese Maßnahmen in immer stärkerem
Maße auf die Abschreckung vor einer Aggression durch die Ankündigung der
Vergeltung. Diese Methode, Stabilität durch Offensivandrohung zu erreichen,
hat funktioniert. Uns und unseren Verbündeten ist es gelungen, über drei
Jahrzehnte hinweg einen Atomkrieg zu verhindern. In den letzten Monaten jedoch haben meine Berater, insbesondere auch die Chefs des gemeinsamen Stabes,
die Notwendigkeit unterstrichen, aus einer Zukunft auszubrechen, die sich im
Hinblick auf unsere Sicherheit ausschließlich auf offensive Vergeltung stützt.
Im Verlauf dieser Diskussionen wurde ich immer fester davon überzeugt,
daß der menschliche Geist in der Lage sein müsse, sich darüber zu erheben,
mit anderen Nationen und Menschen dadurch umzugehen, daß man ihre Existenz
bedroht. Aus diesem Gefühl heraus bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß
wir jede Möglichkeit zum Abbau der Spannungen und zur Einführung einer größeren
Stabilität im strategischen Kalkül beider Seiten gründlich prüfen müssen.
Einer der wichtigsten Beiträge, die wir leisten können, ist natürlich eine
Senkung des Standes aller Rüstungen, vor allem der Nuklearrüstungen. Wir
führen derzeit eine Reihe von Verhandlungen mit der Sowjetunion, um eine
- 14 -

�um eine beiderseitige Verringerung der Waffen zu erreichen.

Ich werde Ihnen

morgen in einer Woche über meine Überlegungen in dieser Hinsicht berichten.
Wenn sich die Sowjetunion unseren Bemühungen anschließen wird, große
Rüstungsverringerungen herbeizuführen, dann wird es uns gelungen sein, das
nukleare Gleichgewicht zu stabilisieren.

Trotzdem wird es weiterhin notwen-

dig sein, sich auf das Schreckgespenst der Abschreckung zu verlassen - auf
die gegenseitige Bedrohung, und das ist ein schlimmer Kommentar zum Zustand
des Menschen.
Wäre es nicht besser, Menschenleben zu retten, als sie zu rächen? Sind
wir nicht in der Lage, unsere friedlichen Absichten zu demonstrieren, indem
wir all unsere Fähigkeiten und unseren 'Einfallsreichtum einsetzen, um eine
wirklich dauerhafte Stabilität zu erreichen? Ich glaube, wir können es,
ja wir müssen es!
Nach sorgfältiger Konsultation mit meinen Beratern, einschließlich der
Chefs des gemeinsamen Stabes, bin ich zu der Überzeugung gekommen, daß es
einen Weg gibt. Teilen Sie mit mir eine Vision der Zukunft, die Hoffnung
bietet.

Sie besteht darin, daß wir ein Programm in die Wege leiten, um der

schrecklichen sowjetischen Raketenbedrohung mit Maßnahmen zu begegnen, die
defensiv sind.

Wollen wir uns auf eben die Stärken unserer Technologie be-

sinnen, die unsere große industrielle Basis hervorgebracht und uns die Lebensqualität geschenkt hat,

der

wir uns heute erfreuen.

Wie wäre es, wenn freie Menschen sicher leben könnten in dem Wissen,
daß ihre Sicherheit nicht auf der amerikanischen Drohung einer sofortigen
Vergeltung beruht, um vor einem sowjetischen Angriff abzuschrecken; daß wir
strategische Raketen abfangen und vernichten könnten, bevor sie unseren Boden oder den unserer Verbündeten erreichen?
Ich weiß, daß das eine gewaltige technische Aufgabe ist - eine Aufgabe,
die nicht vor Ende dieses Jahrhunderts bewältigt sein dürfte.

Und doch hat

die derzeitige Technologie einen Stand der Verfeinerung erreicht, daß es
- 15 -

�daß es durchaus vernünftig ist, wenn wir uns an diese Aufgabe machen.

Es

wird jahrelanger, vielleicht jahrzehntelanger Anstrengungen auf vielen Gebieten bedürfen.

Es wird Fehlschlage und Rückschläge geben, aber es wird

auch Erfolgs und Durchbrüche geben.

Und während wir an diesen Dingen arbei-

ten, müssen wir in der Erhaltung der nuklearen Abschreckung und der Aufrechterhai tung einer soliden Fähigkeit für die flexible Antwort konstant
bleiben.

Aber ist das nicht alle die Investitionen wert, die die freie Welt

wegen der Drohung eines Atomkrieges machen muß?

Wir wissen, daß es das wert

ist.
In der Zwischenzeit werden wir weiterhin wirkliche Verringerungen der
Kernwaffen anstreben, indem wir aus einer Position der Stärke heraus verhandeln, die nur durch eine Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte
gehalten werden kann. Gleichzeitig müssen wir Schritte unternehmen, um das
Risiko eines konventionellen militärischen Konflikts zu verringern, der zu
einem Nuklearkrieg eskalieren könnte, indem wir unsere nichtnuklearen Kapazitäten stärken. Amerika besitzt - heute - die Technologien, um ganz bedeutsame Verbesserungen der Wirksamkeit unserer konventionellen, nichtnuklearen
Streitkräfte zu erreichen. Wenn wir diese neuen Technologien kühn nutzen,
können wir einen etwaigen Anreiz, den die Sowjetunion haben könnte, mit einem
Angriff auf die Vereinigten Staaten oder ihre Verbündeten zu drohen, wesentlich verringern.
Wenn wir unser Ziel der Defensivtechnologien verfolgen, dann sind wir
uns darüber im klaren, daß unsere Verbündeten sich auf unsere strategische
Offensivmacht stützen, um vor einem Angriff gegen sie abzuschrecken. Ihre
lebenswichtigen Interessen und die unsrigen sind unauflöslich miteinander
verbunden - ihre Sicherheit und die unsrige sind eins. Und kein Wandel in
der Technologie wird diese Tatsache ändern. Wir müssen und werden unsere Ver
pflichtungen weiterhin erfüllen.
Ich bin mir völlig darüber im klaren, daß Verteidigungssysteme Grenzen
haben und bestimmte Probleme und Unsicherheiten aufwerfen. Wenn sie mit
Offensivsystemen gepaart werden, dann könnten sie als Nährboden einer aggres- 16 -

�einer aggressiven Politik betrachtet werden, und das will niemand.
Aber unter genauer Berücksichtigung all dieser Überlegungen rufe ich
die Gemeinschaft der Wissenschaftler, die uns die Kernwaffen gegeben haben,
auf, ihre großen Talente der Sache der Menschheit und des Weltfriedens zu
widmen; uns die Mittel an die Hand zu geben, um diese Kernwaffen unwirksam
und übet flüssig zu machen.
Heute abend unternehme ich - in Übereinstimmung mit unseren Verpflichtungen des ABM-Vertrages (Vertrag über Raketen-Abwehrraketen) und eingedenk
der Notwendigkeit enger Konsultationen mit unseren Verbündeten - einen ersten
wichtigen Schritt. Ich gebe die Anweisung zu einer umfassenden und intensiven Anstrengung, ein langfristiges Forschungs- und Entwicklungsprogramm auszuarbeiten, um unserem Endziel näher zu kommen, die Bedrohung durch strategische
Nuklearraketen zu beseitigen. Das würde den Weg für Rüstungskontrollmaßnahmen
zur Beseitigung der Waffen selbst ebnen. Wir erstreben weder militärische
Überlegenheit noch politische Vorteile. Unser einziges Ziel - das alle Menschen
teilen - ist das Streben nach Mitteln und Wegen, um die Gefahr eines Atomkrieges
zu verringern.
Meine amerikanischen Landsleute, wir nehmen heute eine Sache in Angriff,
die die Verheißung in sich trägt, den Kurs der menschlichen Geschichte zu verändern.

Es wird Risiken geben, und Ergebnisse brauchen ihre Zeit.

bin sicher, mit Ihrer Unterstützung werden wir es schaffen.

+ + + + +

- 17 -

\ber ich

�14

30. März 1983

DAS ATLANTISCHE BÜNDNIS: DIE TATSACHEN UND LEHREN DER GESCHICHTE
- Berlin-Rede des Stellvertretenden US-Außenminisrers -

BERLIN - (AD) - Der stellvertretende US-Außenminister, Kenneth
W. Dam, der sich gegenwärtig auf einer Europareise befindet, gab
am 25. März 1983 in einer Rede vor der Atlantik-Brücke und dem
American Council on Germany in (Isrlin einen Überblick über die
Bündnispolitik der Vereinigten Staaten. Die Rede hat folgenden
Wortlaut:
Wie i le wissen, feiern wir in diesem Jahr den 300. Jahrestag
der deutschen Einwanderung in die Vereinigten Staaten, was ein
Ausdruck der Wertschätzung des gewaltigen Beitrags ist, den
Deutsche für Amerika geleistet haben.
Deutsche, die sich in meinem Lande niederließen, haben dessen Literatur, Kunst, Wissenschaft, Gelehrsamkeit, Industrie,
Handel, Religion, Philosophie, Küche und alle Dimensionen des
amerikanischen Lebens bereichert - ganz abgesehen vom amerikanischen Bier. Im 19. Jahrhundert entstanden in Amerika Universitäten
und Hochschulen nach dem Muster von Einrichtungen der höheren Bildung in Deutschland. Erfinder wie George Westinghouse und Karl
Steinmetz, Unternehmer wie John Jacob Astor, Staatsmänner wie Carl
Schurz - die Liste ließe sich beliebig fortsetzen - haben den Stempel ihres Genies aufgedrückt. Es ist besonders angebracht, vor der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�vor der Atlantik-Brücke darauf hinzuweisen, daß ein Gebiet, auf
dem deutschstämmige Ingenieure einen besonders bemerkenswerten
Beitrag geleistet haben, der Brückenbau war.
Dieses Erbe ist nur ein Ausdruck von vielen dafür, daß
Deutschland, Europa und Amerika heute das Produkt einer
gemeinsamen Geschichte sind und vor einem gemeinsamen Schicksal
stehen.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird das

durch nichts deutlicher symbolisiert als durch die Stadt
Berlin.

Es ist eine zutiefst bewegende Erfahrung für jeden

Amerikaner, diese Stadt zu besuchen.

Für alle Menschen meiner

Generation bleibt Berlin immer die Stadt der Luftbrücke, die
Stadt, die so grausam durch eine Mauer geteilt ist, die den
moralischen und politischen Kampf unserer Zeit so augenfällig
macht; die Stadt, wo Präsident Kennedy vor 20 Jahren meine
Landsleute erneut verpflichtete, zur Erhaltung der Freiheit
ihrer tapferen Bewohner beizutragen.
Deutschland und Berlin bedeuten einen wichtigen Abschnitt
meines Lebens. Ich habe hier gelebt, und meine Erfahrungen
haben sich tief in meine Erinnerung eingegraben. Ich werde
niemals ein friedliches Wochenende vergessen, das ich 1961 nur eine Woche vor dem Mauerbau - in Berlin verbrachte. Und
ich werde auch nicht den Sommer 1976 vergessen, den ich in
Zehlendorf verbrachte, als mein fünfjähriger Sohn jeden Morgen
an der Mauer entlanggehen musste, um zu seinem Kindergarten zu
kommen.
Für einen Amerikaner bedeutet ein Aufenthalt in Berlin
nicht nur, von einigen Illusionen über die Welt Abschied nehmen
zu müssen, sondern auch neuerwachten Stolz auf den Mut und den
Glauben an die Sache der Freiheit, den unsere deutschen Freunde
bewiesen haben.

Aus all diesen -

historischen, politischen,

moralischen und persönlichen - Gründen bin ich stolz, auf

- 2 -

�stolz, auf dieser Konferenz in dieser Stadt sprechen zu dürfen.
Das Atlantische Bündnis:

Vergangenheit und Zukunft

Dieses Jahr feiern wir auch das 34. Jahr eines gemeinsamen
historischen Unterfangens - unseres Atlantischen Bündnisses.
"Es liegt auf der Hand, daß der Atlantikpakt keine
Inprovisation ist", so sagte einst Aussenminister Dean Acheson,
"er ist eine Feststellung von Tatsachen und Lehren der
Geschichte."

Acheson wusste, daß die Tatsachen und Lehren der

Geschichte nur Richtschnur zum Handeln sind; sie garantieren
noch kein Handeln.

Acheson, der an der Schaffung des

Bündnisses mitwirkte, wusste, daß es geschaffen werden musste.
Es kam nicht von allein; es bedurfte der Klugheit und einigen
Mutes, es zustande zu bringen.

Jetzt, in einer neuen Ära der

Geschichte, liegt es an uns, die gleiche Klugheit und den
gleichen Mut zu beweisen, um seinen Fortbestand zu sichern.
Ich bin heute hier, um Sie der anhaltenden Verpflichtung
meines Landes zu versichern, mit all seinen Verbündeten daran
zu arbeiten, unsere gemeinsame Sicherheit, Freiheit und das
gemeinsame Wohlergehen für die kommenden Generationen zu
gewährleisten.
Aber wir können nicht umhin, uns daran zu erinnern, daß die
Geschichte von vielen Bündnissen zu berichten weiss, die längst
vergangen sind.

Thukydides schrieb einsichtsreich über die

Probleme und die Unsicherheit von Zusammenschlüssen.

Seit den

Anfängen des europäischen Staatensystems bedeutete das
Überleben in einer Welt konkurrierender Mächte, daß das Konzept
der Souveränität sich wohl oder übel mit der Notwendigkeit von
Bündnissen abfinden musste.

Die Geschichte der europäischen

Diplomatie ist voller Beispiele von Bündnissen, die gebildet
wurden, um unterschiedlichen politischen, militärischen oder

- 3 -

�militärischen oder

sogar religiösen Zielen zu dienen.

Und

viele von ihnen hielten nicht lange.
Im Vergleich dazu stellt das Atlantische Bündnis eine
bemerkenswerte, ja einzigartige Leistung dar.

Es ist ein

freiwilliger Zusammenschluss von Demokratien, die sich
vereinigt haben nicht nur zu dem Zweck, ihr Territorium,
sondern auch ihre Grundsätze und Werte zu verteidigen, die eine
ganze Zivilisation versinnbildlichen.

Artikel 2 des

Nordatlantikvertrages nennt als gemeinsame Zielsetzungen nicht
nur die kollektive Sicherheit, sondern auch die Festigung
freier Institutionen , die Förderung der Voraussetzungen für
Stabilität und Wohlergehen, die Beseitigung von Gegensätzen in
ihrer internationalen Wirtschaftspolitik sowie die Förderung
der wirtschaftlichen Zusammenarbeit.

In der ersten Zeit nach

dem Weltkrieg sahen sich die westlichen Demokratien
Herausforderungen gegenüber, die gegen all
Zielsetzungen gerichtet waren.

diese gemeinsamen

Ihre Reaktion war schöpferisch

und mutig.
So hatte zum Beispiel der Marshall-Plan weit mehr als
lediglich ökonomische Bedeutung.

Die Führer Europas und der

Vereinigten Staaten nahmen sich eine der bitteren Lektionen zu
Herzen, die der Friede nach dem Ersten Weltkrieg gelehrt hatte,
und erinnerten sich daran, daß die wirtschaftliche
Wiedergesundung Deutschlands von entscheidender Bedeutung für
die wirtschaftliche - und politische - Wiedergesundung des
übrigen Europas war.

Sie erkannten, daß die europäische

Wirtschaft ein geographisches Ganzes war und nicht einfach nur
auf der Grundlage des nationalstaatlichen Denkens
wiederaufgebaut werden konnte.

Die amerikanische

Wirtschaftshilfe wurde unter der Bedingung zur Verfügung
gestellt, daß die europäischen Staaten bei ihrer Zuweisung
zusammenarbeiteten.

Als Antwort schufen sie die ersten

- 4 -

�die ersten Institutionen der wirtschaftlichen Integration
Europas.

Unsere Führer schufen auch die NATO unter denselben

kooperativen Vorstellungen, um so einen Schutzschild gegen
Aggression ins Leben zu rufen.

Hinter diesem Schild begann und

beschleunigte sich der wirtschaftliche Wiederaufschwung.

Diese

Nachkriegsordnung in Europa sicherte der Freien Welt eine
beispiellose Ära der Sicherheit, des Wohlstandes und des
menschlichen Fortschritts.
Aus den Tatsachen und Lehren dieses Teils der jüngeren
Geschichte ergibt sich zweierlei.

Zum einen:

Unsere

wirtschaftlichen, politischen und militärischen
Herausforderungen sind miteinander eng verwoben.
wichtigere Lehre ist die:

Eine noch

Die Demokratien können nur dann

solch gewaltige Herausforderungen bestehen, wenn sie den
Weitblick und Willen besitzen, gemeinsam zu handeln.

Trotz

dieses stolzen historischen Hintergrundes - und vielleicht auch
wegen der Selbstgefälligkeit, die ein solcher Erfolg mit sich
brachte - ist das Bündnis heute das Ziel von Kritik und von
nicht geringem Pessimismus.

Eine Generation nach seiner

Gründung fragen manche Leute, ob es noch den radikal neuen
Bedingungen angemessen sei.

Andere wiederum fragen, ob seine

Mitglieder noch immer die gemeinsamen Interessen an vielen
Fragen teilen.

Manche zweifeln daran, daß die freien Nationen

noch den Willen haben, ihre Solidarität zu bewahren.

Die

Gefahren, vor denen wir heute stehen, scheinen nicht so
dramatisch wie die wirtschaftliche Verwüstung, die politische
Instabilität und die offenen militärischen Bedrohungen, die uns
ursprünglich Ende der vierziger Jahre zusammenführten.

Und

dennoch könnten sie gerade aus diesem Grund heimtückischer und
nicht weniger bedrohlich für unsere Lebensweise und für die uns
allen gemeinsamen Werte sein.

Wir müssen uns bewußt zu neuer

Hingabe aufraffen, um diese neuen Gefahren bewältigen zu
können.

Wenn wir so tun, als ob nichts wäre, dann könnte das

- 5 -

�könnte das fatal sein.
Wie Ende der vierziger Jahre erstrecken sich die Probleme, vor
denen wir stehen, auf weite Bereiche:
Im Bereich der Wirtschaft stehen wir vor der Gefahr eines
wachsenden Protektionismus, zunehmender Schulden, niedrigen
Wachstums und erschreckend hoher Arbeitslosigkeit.
Im Bereich der Sicherheit müssen wir auf eine beispiellose
militärische Aufrüstung der Sowjets reagieren.
Im Bereich der Politik gab es bei zu vielen Fragen
Meinungsverschiedenheiten.

Hier besteht die Notwendigkeit,

eine neue gemeinsame Strategie auszuarbeiten, um der
sowjetischen Herausforderung zu begegnen und die uns allen
gemeinsamen Werte zu sichern.
Unsere Aufgabe ist es, diese Probleme mit Nüchternheit,
Vernunft und Kreativität anzupacken.

Unsere Aufgabe ist es,

sicherzustellen, daß unsere Vielfalt unser Bündnis bereichert,
anstatt es zu schwächen.
selbst lösen.

Die Probleme werden sich nicht von

Dennoch bin ich zuversichtlich, daß wir durch

staatsmännisches Handeln und durch eine gemeinsame Anstrengung
diese Hindernisse überwinden können - genau wie wir so viele
andere überwunden haben.

Dies erinnert mich an eine Zeile aus

Lessings "Minna von Barnhelm":

"Mann spricht selten von der

Tugend, die man hat; aber desto öfter von der, die uns fehlt."
Lassen Sie mich nun auf die drei Problemkreise eingehen,
vor denen wir stehen - die wirtschaftlichen, die militärischen
und die politischen - sowie auf deren inneren Zusammenhang, um
dann einige Vorschläge zu machen, wie wir sie gemeinsam einer
Lösung zuführen können.

�zuführen können.
Die wirtschaftliche Dimension
Das tägliche Leben unserer Bürger wird durch unsere
Probleme im wirtschaftlichen Bereich auf das Unmittelbarste
berührt.

Wir kommen jetzt aus einer Rezession heraus, die 17

Monate dauerte.

Die Rezession war die längste seit Ende des

Zweiten Weltkriegs.

Die Wirtschaftstätigkeit in Nordamerika

und Europa ging zurück; Japans industrielle Produktion flachte
ab; das Wachstum in mehreren Entwicklungsländern stagnierte
unter dem Gewicht von 700 Milliarden Dollar internationaler
Schulden.

Die Arbeitslosigkeit ging steil in die Höhe - in den

24 Industrieländern der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sind 32 Millionen
Menschen ohne Arbeit.
Wir wissen alle, daß diese wirtschaftlichen Schwierigkeiten
Not verursacht haben.

Und was ebenso bedeutsam ist:

Sie haben

in einigen Ländern das demokratische System belastet und in
anderen politische Umwälzungen hervorgerufen.
Protektionistischer Druck und Handelsstreitigkeiten haben die
politischen Bande zwischen alten Verbündeten auf die Probe
gestellt.

In einigen Ländern haben die wirtschaftlichen

Belastungen die Fähigkeit - oder zumindest die Bereitschaft geschwächt, auf die gefährliche militärische Aufrüstung der
Sowjetunion zu reagieren, und haben zu etwas geführt, was
manche unter uns als ein unglückliches Maß an Abhängigkeit vom
Handel mit Osteuropa und der Sowjetunion erachten.
In der siebziger Jahren waren die Demokratien nach dem
ersten Ö'lschock klug genug, in einem beachtlichen Maß
zusammenzuarbeiten.

Bei fallenden Wachstumsraten, bei

steigender Inflation, bei zunehmender Arbeitslosigkeit und bei

- 7 -

�und bei explodierenden Energiekosten überstanden wir die
Umwandlung des internationalen Währungssystems von festen zu
floatenden Wechselkursen.

Wir haben Vorkehrungen dafür

getroffen, wie in Krisenzeiten die Energievorräte aufgeteilt
werden.

Wir sind - wie unvollkommen auch immer - mit den

Auswirkungen der gewaltigen Verschiebungen bei der Verteilung
der Reichtümer dieser Welt fertig geworden, die aus dem Anstieg
des Ölpreises herrührten.
Heute stehen wir nach der durch den zweiten Ölschock
hervorgerufenen Wirtschaftskrise vor der Aussicht auf eine
anhaltende, langfristige Wiedergesundung.
In einigen der wichtigsten Industrieländer erkennen wir die
ersten Anzeichen eines neuen kraftvollen und nichtinflationären
Wachstum. So ging zum Beispiel in den Vereinigten Staaten die
Inflation - am Verbraucherpreisindex gemessen - von 12,4
Prozent im Jahr 1980 auf lediglich 3,8 Prozent in den diesen
Januar abgelaufenen 12 Monaten zurück. Die Primarate liegt
nunmehr bei 10,5 Prozent - bei etwa der Hälfte gegenüber ihrem
jüngsten Höchststand von 21,5 Prozent. Die Firmenaufträge
stiegen im Januar um 2,4 Prozent, während seit einem Jahr der
Überhang bei den Lagerbeständen Schritt für Schritt
zurückgeht. Schließlich hat der Aktienindex von Dow-Jones zum
erstenmal in der Geschichte die 1100-Grenze überschritten.
Der kürzliche Rückgang bei den Ölpreisen wird uns allen
dabei helfen, unsere Gewinne gegenüber der Inflation zu
konsolidieren, und dies sogar, während wir in eine
wirtschaftliche Expansionsphase eintreten. Aber unsere
Aussichten auf Wiedergesundung werden durch zwei drohend
aufragende Probleme verdunkelt, die allein durch kooperative
Maßnahmen aus der Welt geschafft werden können.

- 8 -

�werden können.
Das erste ist das Schuldenproblem.
Anfang gemacht.

Wir haben einen guten

Die Fälle Brasilien, Mexiko und Argentinien

haben gezeigt, daß die Schuldenlast in den Griff zu bekommen
ist.

Eine erfolgreiche Strategie umfaßt eine Kombination

kurzfristiger Überbrückungsfinanzierung sowie
Anpassungsprogramme, die in Verbindung mit dem Internationalen
Währungsfonds (IWF) und den Handelsbanken durchgeführt werden.
Um die für ein künftiges Wirtschaftswachstum so
lebensnotwendigen Mittel bereitzustellen, unterstützen die
Vereinigten Staaten mit Nachdruck die vorgeschlagene Erhöhung
der IWF-Quoten um 47,5 Prozent. Wir drängen darauf, daß diese
Quotenerhöhung 1983 - anstatt 1985 - in Kraft treten soll. Wir
unterstützen gleichfalls die Aufstockung der Allgemeinen
Kreditvereinbarungen (General Arrangements to borrow - GAB) von
7 Milliarden Dollar auf 19 Milliarden Dollar. Diese
aufgestockten Mittel werden all den IWF-Mitgliedern zur
Verfügung stehen, deren Liquiditätsprobleme das Finanzsystem
als Ganzes bedrohen. Wir fordern die Privatbanken auf, auch
weiterhin durch ein ausreichendes Maß an privater Kreditvergabe
ihr Teil dazu beizutragen, die Liquidität der Kreditnehmer jnd dadurch die Chancen auf eine Erholung - nicht abzuwürgen.
Das zweite - und schwerwiegendere - Problem, vor dem wir
stehen, ist die Gefahr des Protektionismus.

Das Volumen des

Welthandels stagnierte 1981 und ging 1982 um geschätzt zwei
Prozent zurück.

Wir wissen alle, daß Protektionismus den

Handel noch zusätzlich behindern, die Wiedergesundung
sabotieren und die Arbeitslosigkeit erhöhen würde.

In den

Vereinigten Staaten hängt jeder siebente Arbeitsplatz vom
Export ab.

In Europa ist das Verhältnis noch krasser.

Die Aussicht auf Erholung wird von konzertiertem Handeln
- 9 -

�konzertiertem Handeln zur Bewahrung des offenen Handelssystems
abhängen.

Die Ministertagung des Allgemeinen Zoll - und

Handelsabkommens (GATT) im November vorigen Jahres hat das
GAfT-System zusammengehalten und es in eine, wenn auch noch so
langsame, Bewegung in positive Richtung versetzt.

Die Minister

verpflichteten sich, davon Abstand zu nehmen, irgendwelche
Maßnahmen zu ergreifen oder beizubehalten, die mit dem GATT
unvereinbar sind.
Die Reagan-Administration wird mit ihren Partnern daran
arbeiten, daß bei dieser Verpflichtung zu offenem Handel aus
Worten auch Taten werden. Wir werden jedoch die
handelsverzerrenden Praktiken anderer Staaten nicht einfach
hinnehmen - besonders auf dem Sektor der Landwirtschaft und der
Dienstleistungen, wo wir uns vergleichsweise gewisser Vorteile
erfreuen. Die Vereinigten Staaten sehen keinen Unterschied
zwischen dem Handel auf diesen Sektoren und dem Handel mit
anderen Gütern. Wir betrachten den massiven Einsatz von
landwirtschaftlichen Subventionen in der Europäischen
Gemeinschaft als unfairen Wettbewerb. Während die Preise für
landwirtschaftliche Erzeugnisse in den Vereinigten Staaten seit
1973 real zurückgegangen sind, hat der Gemeinsame Markt die
Preise von einigen wesentlichen Erzeugnissen auf einen Preis
hochgetrieben, der um das Doppelte über dem in den Vereinigten
Staaten liegt. Die sich dadurch ergebenden Überschüsse werden
dann mit Hilfe von Subventionen exportiert. Die Vereinigten
Staaten haben auf diese Praxis mit ernsthaften Verhandlungen
und mit selektiven Maßnahmen geantwortet - so haben wir
kürzlich subventioniertes Weizenmehl nach Ägypten verkauft.

Es ist offensichtlich, daß es für das Problem des Handels
mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen keine einseitige Lösung
gibt.

Die Sicherung der Einkommen der Landwirte ist für

jedermann ein schwieriges Problem.

Wir müssen in unseren

Anstrengungen fortfahren, eine für alle Seiten annehmbare

- 10 -

�Seiten annehmbare Lösung zu finden.

üas Problem des

Protektionismus ist ein wirtschaftliches Problem.

Aber es ist

auch eine politische Forderung, es zu lösen, bevor es
grundlegendere gemeinsame Interessen bedroht.

Das ist der

konstruktive Geist, in dem meine Regierung an diese Probleme
herangeht.

Ich bin zuversichtlich, daß unsere Partner ein

Gleiches tun werden.
Verteidigung, Sicherheit und Frieden
Unser wirtschaftliches Wohlergehen lässt sich nicht von der
weitergefassten Frage unserer Sicherheit trennen.
Inmitten all der historischen Veränderungen, die in der
Generation seit Gründung des Bündnisses stattgefunden haben,
bleibt die Tatsache bestehen, daß der Frieden in Europa die
Aufrechterhaltung des Gleichgewichts der Kräfte erfordert. Die
anhaltende Notwendigkeit der kollektiven Sicherheit wird von
der Realität, nicht von Gefühlen diktiert. Die zentrale
Prämisse des Nordatlantikvertrages, wie sie in Artikel 5 zum
Ausdruck kommt, bleibt weiterhin gültig: Ein bewaffneter
Angriff gegen ein Mitglied des Bündnisses wird als ein Angriff
gegen alle angesehen.
Diese gegenseitige Verpflichtung hat seit über drei
Jahrzehnten den Frieden bewahrt.

Seit 38 Jahren erfreut sich

der europäische Kontinent eines Friedens in Freiheit und eines
beispiellosen Wohlstandes.

Man muss weit zurückgehen in der

Geschichte Europas, um einen so langen Zeitraum zu finden, in
dem kein einziger, noch so kleiner, Krieg auf diesem Kontinent
ausgetragen wurde.
Sie und ich wissen sowohl intuitiv als auch
verstandesmässig, daß dies kein Zufall ist.

Man kann sich

nicht ernsthaft mit den Erfahrungen der Menschheit hinsichtlich
- 11 -

�Menschheit hinsichtlich der Beziehungen unter Nationen
befassen, ohne zu erkennen, daß ein Gleichgewicht der Kräfte
eine Voraussetzung für Stabilität ist.

Wenn man jetzt, nach 38

Jahren des Friedens, sagen wollte, man könne in den
Anstrengungen zur Aufrechterhaltung des militärischen
Gleichgewichts nachlassen, dann würde man ein gefährliches
Experiment vorschlagen.

Die Beweislast müsste bei denen

liegen, die die Verhältnisse, welche den Frieden eine ganze
Generation lang bewahrt haben, aufheben oder grundlegend ändern
wollen.

Die NATO hat sich jedenfalls als die wahre

Friedensbewegung erwiesen.
Auf der anderen Seite dürfte auf der Hand liegen, daß ein
Gleichgewicht der Kräfte, so notwendig es ist, allein nicht
genügt.

Die Demokratien des Westens haben seit langem in

vielen Erklärungen des Bündnisses deutlich gemacht, daß wir zu
einem Abbau der Spannungen mit unseren Gegnern auf der Basis
echter Gegenseitigkeit bereit sind.

Wir Verbündeten haben uns

einem stabilen militärischen Gleichgewicht verschrieben, um
jede Versuchung oder jeden Anreiz zur Aggression zu
verhindern.

Aber wir sind auch zu einem konstruktiven Dialog

mit unseren Gegnern bereit, um die Ursache von Spannungen und
das Risiko der Aggression zu beseitigen.

Präsident Reagan hat

sich den anderen Staats- und Regierungschefs auf dem Bonner
NATO-Gipfel in der Erklärung angeschlossen, in der der Wunsch
des Westens zum Ausdruck kommt, "durch Dialog, Verhandlungen
und beiderseits vorteilhafte Zusammenarbeit ein konstruktives
Ost-West-Verhältnis herzustellen, soweit dies durch das
sowjetische Verhalten ermöglicht wird."
Das Schreckgespenst der thermonuklearen Waffen gibt unserem
Zeitalter eine ganz neue Qualität.

Präsident Reagan hat

bekräftigt, daß "ein Nuklearkrieg nicht gewonnen werden kann
und niemals geführt werden darf."

Zu diesem Zweck hat er das

kühnste und umfassendste Programm für die nukleare
- 12 -

�die nukleare Rüstungskontrolle angeboten, das je unterbreitet
wurde.
Im Jahre 1931 schlug Präsident Reagan die völlige
Abschaffung einer ganzen Klasse von weiterreichenden,
landgestützten INF-Raketen vor.

Dieser Vorschlag wurde in

Unterstützung des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 vorgelegt,
eine Begrenzung der sowjetischen INF-Streitkräfte zu erreichen
und Gegenkräfte zu dislozieren, sollte es bei den Verhandlungen
nicht gelingen, die sowjetische Bedrohung zu beseitigen.

Wir

sind zutiefst überzeugt, daß die völlig Beseitigung dieser
ganzen Waffenklasse das beste und moralischste Ergebnis der
Genfer INF-Verhandlungen wäre.

Trotzdem hat Präsident Reagan

deutlich gemacht, daß unser Vorschlag kein "Alles-oder-Nichts"Vorschlag ist, und er hat unsere Verhandlungsführer angewiesen,
"in Genf jede vorgeschlagene Lösung zu prüfen", die mit den von
unseren Verbündeten unterstützten Prinzipien in Einklang
steht.
Diese Prinzipien besagen, daß ein faires Abkommen auf einem
Gleichstand der amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte
fussen muss; daß die britischen und französischen nationalen
strategischen Systeme per definitionem nicht Teil der
Verhandlungen sind; daß Vorschläge, die die sowjetische
Bedrohung lediglich von Europa nach Asien verlagern würden,
nicht als annehmbar betrachtet werden; und daß schliesslich ein
faires Abkommen wirksame Verifizierungsmassnahmen enthalten
muss und nicht unsere Fähigkeit untergraben darf, die NATO mit
konventionellen Streitkräften zu verteidigen.
Präsident Reagan hat auch einen weitreichenden Vorschlag
für die Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen
Rüstungen (START) unterbreitet.

Er schlug vor, die

strategischen Arsenale um über die Hälfte und die Zahl der
Raketengefechtsköpfe um ein Drittel zu verringern mit gleichen

- 13 -

�mit gleichen festgelegten Höchstgrenzen der verbleibenden
Waffen auf beiden Seiten.

Diese starken Kürzungen würden sich

vor allem auf die bedrohlichsten Systeme - landgestützte
Interkontinentalraketen - konzentrieren.

Die START- Vorschläge

des Präsidenten würden die Stabilität fördern, indem für jeden
Angreifer der Anreiz verringert würde, einen Erstschlag ins
Auge zu fassen, der den Gegner entwaffnen würde.

Auf der

anderen Seite liegt, wie der Präsident gesagt hat, alles auf
dem Tisch.

Wir sind bereit, jeden vernünftigen Gegenvorschlag

zu prüfen.
Wir haben auf vielen anderen Gebieten grosse
Rüstungskontrollinitiativen vorgetragen:
Im vorigen Sommer haben die NATO-Verbündeten in Wien einen
umfassenden neuen Vorschlag für die beiderseitige und
ausgewogene Verringerung der konventionellen Streitkräfte in
Europa (MBFR) unterbreitet.
Im Juni vorigen Jahres schlug der Präsident hier in Berlin
ein Paket von Maßnahmen für die vorherige Ankündigung von
Versuchsstarts von Raketen und grosser Manöver vor.

Ferner

regte er Maßnahmen für einen verstärkten Austausch von
Informationen über strategische und INF-Streitkräfte an.
Erst kürzlich haben die Vereinigten Staaten im
40-Nationen-Abrüstungsausschuss (in Genf) einen Vorschlag für
ein totales Verbot chemischer Waffen unterbreitet.
Die Erfahrung lehrt, daß die Sowjets umsonst keine
Zugeständnisse machen.

Nur wenn sie erkennen, daß der Westen

entschlossen ist, seine eigenen Modernisierungspläne zu
verfolgen - ob auf dem Gebiet der strategischen Streitkräfte

- 14 -

�strategischen Streitkräfte oder der Mittelstreckensysteme werden die Sowjets einen Anreiz haben, ein Abkommen über einen
niedrigeren, aber gleichen Stand auszuhandeln.

Die Vereinigten

Staaten sind dabei, ihre strategischen Streitkräfte zu
modernisieren, was wesentlich ist, um den Sowjets einen Anreiz
zu bieten, bei START ernsthaft zu verhandeln.

Das Bündnis ist

verpflichtet, INF-Raketen zu dislozieren, wenn in Genf kein
Abkommen erreicht wird.

Diese Verpflichtung muss

aufrechterhalten werden.

Sie bietet die besten Aussichten für

ein wirksames INF-Abkommen.
Die politische Dimension
Es ist natürlich, daß freie Nationen, die sich freiwillig
zusammengeschlossen haben, zu manchen Problemen
unterschiedliche Ansichten haben.

Unsere Vielfalt ist eine

Quelle unserer Lebenskraft; die Freiheit, Meinungsverschieden heiten zu haben, ist eine der Freiheiten, die wir verteidigen.
Die NATO ist nicht der Warschauer Pakt.

Innerhalb einer freien

Gesellschaft werden verschiedene Ansichten vertreten.

Aber an

einem gewissen Punkt gibt es dann eine Lösung und eine
gemeinsame Politik, oder aber die Gesellschaft wird von ihren
Herausforderungen überwältigt.

Dasselbe gilt für ein Bündnis.

Einmütigkeit ex ante ist nicht zu erwarten, aber eine Einigung
auf eine gemeinsame Politik nach einer freien Debatte ist von
entscheidender Bedeutung.
Dieser Grundsatz wird in den kommenden Jahren im Hinblck
auf viele Fragen auf die Probe gestellt werden.

Der

Ost-West-Handel, der in der jüngsten Vergangenheit eine
entscheidende Frage gewesen ist, ist eines der wichtigen
Themen, die gegenwärtig geprüft werden.
wir nicht ausweichen.

Dieser Frage können

Das ist ein Thema, das an dem

- 15 -

�an dem entscheidend wichtigen Schnittpunkt der
wirtschaftlichen, militärischen und politischen Dimensionen des
Bündnisses steht.

Es ist unsinnig, das militärische Potential

eines Gegners zu stärken, dem gegenüber wir Milliarden
ausgeben, um uns zu verteidigen.

Es ist von entscheidender

Bedeutung, in dieser strategischen Frage einen neuen Konsens
formulieren.
Zusammenfassung
Unser Bündnis hat so lange bestanden, glaube ich, weil die
Demokratien trotz aller Streitigkeiten wissen, daß sie
letztlich gemeinsame Werte haben.

Es sind die hervorragenden

moralischen und politischen Ideale, zu deren Verteidigung unser
Bündnis geschaffen wurde - Redefreiheit, Religionsfreiheit,
Versammlungsfreiheit, die Rechte des einzelnen, die Konzeption,
daß die Macht von der Zustimmung der Regierten herrührt.

Wie

Präsident Reagan vor fast einem Jahr in London erklärt hat:
"Die letzte Entscheidung in dem gegenwärtigen Ringen in der
Welt wird nicht von Bomben und Raketen herbeigeführt. Sie
läuft vielmehr auf eine Bewährungsprobe des Willens und der
Ideen hinaus, auf die Erprobung der geistigen
Entschlußkraft und der Werte, die wir schätzen, des
Glaubens, den wir hochhalten, und der Ideale, denen wir uns
weihen."
Bei einer solchen Bewährungsprobe, davon bin ich überzeugt,
wird der Westen obsiegen. Diese Konferenz hier zeigt unsere
Ideale in der Praxis - die unbehinderte offene Debatte freier
Männer und Frauen über wichtige Fragen der öffentlichen
Politik. Diejenigen, die die Mauer gebaut haben, wissen, wie
mächtig diese Ideale sind. Sie haben keinen Zweifel an der Art

- 16 -

�der Art einer Gesellschaft, in der zu leben Männer und Frauen
sich entscheiden würden, wenn man ihnen eine solche Wahl
ließe.

Der Geist der Freiheit ist stärker als jeder, der ihn

unterdrücken möchte.
Wir haben ein Recht, zuversichtlich zu sein. Aber wir
haben auch eine schwere Pflicht. Die Geschichte kennt sowohl
die Tragödie als auch die Hoffnung. Wenn Völker in ihrer
Wachsamkeit nachgelassen haben, wenn Nationen selbstgefällig
wurden, wenn Bündnisse aufgrund fehlender Entschlossenheit
geschwächt wurden, dann ist in der Geschichte stets die
Dunkelheit angebrochen.
Das Nordatlantische Bündnis wird mit wirtschaftlichen,
militärischen und politischen Problemen ringen müssen, die
manchmal zwischen uns stehen werden.

Wir müssen uns unseren

Problemen stellen und sie lösen.
Vor einer Generation haben die Menschen dieser Stadt alle
freien Völker gelehrt; was es heißt, Mut zu zeigen. Und andere
demokratische Länder - und ich sage mit Stolz, darunter auch
mein Land - haben Berlin nicht im Stich gelassen. Auch heute
ist es nicht genug, zu wissen, was unsere Pflicht ist. Es
kommt darauf an, daß wir sie erfüllen.

- 17 -

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14

Information
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. März 1983

WILLIAM RUCKELSHAUS DIREKTOR DER UMWELTSCHUTZBEHÖRDE

- (AD) - Mit der Berufung von William Ruckeishaus zum neuen Chef der
amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA wurde dem Nachfolger von Ann Burford,
die am 9. Mä'rz 1983 zurücktrat, dieses Amt zum zweitenmal übertragen. Er
hatte die Behörde aufgebaut und von ihrer Gründung im Jahr 1970 bis 1973
schon einmal geleitet. Seit 1975 war er Vizepräsident von Weyerhaeuser
Company, einem der größten Unternehmen der Welt für Holzprodukte mit Sitz
im US-Bundesstaat Washington. Beeindruckt von dem Engagement Präsident
Reagans für die Funktionsfähigkeit der EPA entschloß sich Ruckeishaus,wie
er am 22. März in Washington vor EPA-Mitarbeitern erklärte, kurzfristig zur
Annahme des Angebots. Ihm sei genügend freie Hand bei der Durchführung der
notwendigen Aufgaben zugesichert worden. Wichtigster Daseinszweck der Umweltschutzbehörde sei der Schutz menschlichen Lebens und der Schutz dessen,
was Leben erhalte - und das sei die natürlich Umwelt. Das könne nicht in
einem Vakuum geschehen. Vielmehr müsse "dieser Schutz mit unseren gesellschaftlichen Zielen in Einklang gebracht werden und unsere Wirtschaft sowie
die Produktion ausreichender Energie in geeigneter Form einbeziehen".

William Ruckeishaus

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�William Ruckeishaus äußerte die Überzeugung, daß die Art und Weise, wie
eine freie Gesellschaft die chronischen Probleme modernen Daseins wie Umweltverschmutzung, die Nutzung natürlicher Hilfsquellen bis zu ihrer Erschöpfung
und Übervölkerung angehe, darüber entscheide, ob sie sich ihre Freiheit bewahre.

"Diese chronischen und hartnäckigen Probleme können zu äußerst konträ-

ren Meinungen führen und eine sehr emotionale Angelegenheit werden... Was
jetzt nottut, ist, die Dinge besser in den Griff zu bekommen", erklärte
Ruckeishaus.
William Ruckeishaus (50) wurde nach dem Amtsantritt der Regierung Nixon
Anfang 1969 als Unterstaatssekretär in das US-Justizministerium berufen und
im November 1970 zum Leiter der neugeschaffenen Umweltschutzbehörde bestellt.
In der EPA sollten alle einschlägigen Aufgabenbereiche zusammengefaßt werden,
die bis dahin auf eine ganze Anzahl von Behörden verteilt waren. Mit Umweltschutz und Schadstoffkontrollen wurde Ruckeishaus Anfang der sechziger Jahre
vertraut, als er - hoher Beamter im Justizministerium des Bundesstaates
Indiana - den Entwurf für das staatliche Gesetz von 1963 zur Reinhaltung der
Luft ausarbeitete und Gerichtsverfahren gegen Firmen und Stadtverwaltungen
aufgrund von Verstößen gegen die entsprechenden Bestimmungen einzuleiten
hatte.

Im Jahr 1973 war William Ruckeishaus außerdem amtierender Direktor

des Bundeskriminalamtes (FBI) und stellvertretender Justizminister der Vereinigten Staaten.

Nach Meinungsverschiedenheiten mit dem damaligen Präsidenten

Nixon im Zusammenhang mit der Watergate-Affäre trat er im Oktober 1973 zurück.
William Ruckeishaus studierte an den Universitäten Princeton und Harvard
Rechtswissenschaften. Im. Jahr 1960 wurde er zum stellvertretenden Justizminister des Bundesstaaten Indiana ernannt und war ab 1963 Oberster Rechtsberater
des Ministeriums. Sein Einstieg in die Politik begann 1966 mit einem eindrucksvollen Votum für ihn bei der Wahl zum Repräsentantenhaus von Indiana. Schon
während seines ersten Jahres als Abgeordneter wurde er zum Fraktionsführer
der Parlamentsmehrheit gewählt - ein Novum in der parlamentarischen Praxis.
Im Jahr 1968 bewarb er sich als Konkurrent von Birch Bayh um einen Sitz im
US-Senat. Damals gewann sein Mitbewerber die Wahl.
Im Jahr

�Im Jahr 1962 heiratete William Ruckeishaus, dessen erste Frau Anfang
1961 verstorben war, Jill Elizabeth Strickland.
Töchter und zwei Söhne hervor.

+ + + ++

- 3 -

Aus dieser Ehe gingen drei

�•ITraT

Uli//cn/ch(ifl
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. März 1983

14

CHALLENGER-START FÜR 4. APRIL VORGESEHEN

- (AD) - Die amerikanische Raumfähre CHALLENGER soll am 4. April 1983
zu ihrem Jungfernflug starten.

Der ursprünglich für Ende Januar vorgesehene

Termin mußte verschoben werden, nachdem zunächst technische Mängel an den
drei Haupttriebwerken des zweiten US-Raumtransporters entdeckt worden waren
und nach einem heftigen Sturm am Kap Canaveral Ende Februar Sand- und Staubpartikel an der Nutzlast festgestellt wurden.
Bei dieser Nutzlast handelt es sich um einen kostspieligen und fUr künftige bemannte wie unbemannte Raumfahrtprojekte wichtigen Nachrichtensatelliten.
Der TDRS (Tracking and Data Relay Satellite - Satellit für Bahnbeobachtungen und Datenübermittlung) ist das erste Gerät für ein neues System,
das in Verbindung mit nur einer großen Bodenstation die kontinuierliche Beobachtung der Raumfähre und ihrer Besatzung während einer Flugmission ermöglicht. Die Mängel an den Triebwerken - Haarrisse in Treibstoffleitungen für
Wasserstoff- und Sauerstoffgas sowie an einem Wärmeaustauscher - wurden durch
Austauschen bestimmter Segmente beseitigt. Der Chef des Raumtransporterprogramms der NASA (US-Bundesamt für Luft- und Raumfahrt), Generalmajor James A.
Abrahamson, ist zuversichtlich, daß CHALLENGER nunmehr am 4. April um 19.30
Uhr MEZ vom Kennedy-Raumfahrtzentrum (Florida) aus zu ihrem ersten Flug

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ersten Flug starten kann.

Die Ergebnisse der zahlreichen Tests» die in den

letzten Tagen durchgeführt wurden, seien ausgezeichnet.
Der Flug soll fünf Tage dauern.
Paul J. Weitz.

Chefpilot ist der erfahrene Astronaut

Sowohl für den Kopiloten Karol J. Bobko als auch für die

beiden Wissenschaftsastronauten Donald H. Peterson und Story Musgrave wird
das Unternehmen STS-6 der erste Raumflug sein. Musgrave, ursprünglich Herzspezialist und Chirurg, und Peterson, Ingenieurwissenschaftler mit den Fachgebieten Kerntechnik und Raumfahrtgerätekonstruktion, sollen den "Weltraumspaziergang" in der geöffneten Ladebucht nachholen, der beim Flug STS-5 im
November 1982 gestrichen werden mußte.

- 2 -

�</text>
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'VON

4

30. März 1988

13

INHALT

DOKUMENTATION
Entschlossenheit der Contras schuf Friedensvereinbarung
- Erklärung von Außenminister George Shultz START-Abkommen beim Gipfel in Moskau noch immer möglich
- Fernsehinterview mit Botschafter Max Kampelman WIRTSCHAFT
Reagan stellt Veto gegen protektionistisches Handelsgesetz
in Aussicht
- Rede bei der Reynolds Metals Company in Richmond -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
30. März 1988

13

ENTSCHLOSSENHEIT DER CONTRAS SCHUF FRIEDENSVEREINBARÜNG FÜR NICARAGUA
- Erklärung von Außenminister George Shultz -

WASHINGTON - (AD) - Die Sechs-Punkte Vereinbarung zwischen den Sandinisten
und dem nicaraguanischen demokratischen Widerstand "ist das Ergebnis der Entschlossenheit und Opferbereitschaft der Freiheitskämpfer in all den Jahrendes
Kampfes."
Dies erklärte der amerikanische Außenminister Shultz am 24. März
und hob gleichzeitig hervor, die Vereinigten Staaten betrachteten die Vereinbarung als "einen wichtigen Schritt vorwärts". Er drängte den amerikanischen
Kongreß zur sofortigen Bereitstellung von Finanzhilfen an die Contras und fügte hinzu, daß "es absolut keine Rechtfertigung für die andauernden Waffenlieferungen" der Sowjetunion und ihrer Verbündeten an die Sandinisten gäbe.
Nachstehend geben wir die Erklärung des Außenministers vollständig wieder:

Nicaragua,
Die Anführer des nicaraguanischen
Widerstands kamen gestern auf nicaraguanischem Boden mit Mitgliedern des
sandinistischen Regimes zusammen und
erzielten eine Vereinbarung, in der
folgende Punkte enthalten sind:
- Sofortige
Einstellung
aller
Feindseligkeiten für einen Zeitraum von 60 Tagen ab dem 1. April,
- Verhandlungen auf höchster Ebene
am 6. April über die Bedingungen
für einen eindeutig festgelegten
Waffenstillstand,
- Durchführung
Amnestie,

einer

stufenweisen

- Maßnahmen zur Verwirklichung des
politischen Dialogs und umfassender politischer Rechte und
- Maßnahmen zur Verifizierung
ses Abkommens.

die-

Diese Vereinbarung ist das Ergebnis der Entschlossenheit und Opferbereitschaft
der
Freiheitskämpfer
in
all den Jahren des Kampfes, einschließlich ihres heldenhaften Widerstands gegen eine sandinistische Offensive mit dem Ziel ihrer Vernichtung in der vergangenen Woche. Ihre
Stärke und Ausdauer hat diese Chance
für Frieden und Freiheit geschaffen.
Wir betrachten diese Übereinkunft als
einen wichtigen Schritt vorwärts.

- Anerkennung der Redefreiheit in

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Es bleibt noch viel zu tun, um
diese Chance vollständig zu nutzen.
Diese Vereinbarung sieht eine Fortdauer der Finanzhilfe an die Freiheitskämpfer vor.
Eine solche ist
jedoch nicht vorhanden.
Der Kongreß
sollte diese finanzielle Unterstützung sofort und noch vor der Osterpause bereitstellen, um die Freiheitskämpfer während der weiter laufenden Verhandlungen zu unterstützen.
Wir werden uns mit den Freiheitskämpfern und den vier Demokratien beraten, wie die Vereinigten Staaten
die Aussichten auf Freiheit und Frieden in Nicaragua am besten fördern
können. Andere Nationen müssen ebenfalls eine positive Rolle spielen.
So wie die Waffenstillstands-Vereinbarung derzeit keine weitere amerikanische Militärhilfe vorsieht, gibt
es auch absolut keine Rechtfertigung
für die Fortsetzung jeglicher Waffenlieferungen
der Sowjetunion, Kubas
oder des Ostblocks an Nicaragua.
Die gestrige Vereinbarung sieht
die Wiederaufnahme der Verhandlungen
für den 6. April in Managua vor. Die
Rückkehr der Anführer des nicaraguanischen Widerstands nach Managua wird
ein Triumph für ihre Sache sein.
Die Vereinigten
Staaten werden
sich auch weiter unnachgiebig für
Frieden und Freiheit in Mittelamerika
einsetzen.

* * * * *

- 2

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VoN^

30. März 1988

13

START-ABKOMMEN BEIM GIPFEL IN MOSKAU
NOCH IMMER MÖGLICH
- Fernsehinterview mit Botschafter Max Kampelman

WASHINGTON - (AD) - Dem Rüstungskontrollbeauftragten der Vereinigten Staaten, Botschafter Max Kampelman zufolge ist die Unterzeichung eines START-Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion beim im Mai anberaumten Gipfeltreffen in Moskau noch immer "möglich".
Bei einem Fernsehinterview am 26. März erklärte Kampelman, "zahlreiche
ernsthafte Probleme stehen noch an", bevor der Vertrag von den beiden Nationen
unterzeichnet werden kann. Beide Länder würden es jedoch "vorziehen", im Mai
oder Juni ein Abkommen zu erzielen.
Kampelman erörterte ferner die amerikanisch-sowjetische Position bezüglich
SDI, Afghanistan, Mittelamerika und dem Nahen Osten.
Nachfolgend bringen wir das Fernsehinterview in wesentlichen Auszügen.
Frage:
Herr Botschafter, Sie sind
bereits Anfang Dezember
in dieser
Fernsehsendung
aufgetreten.
Damals
vertraten Sie die Auffassung, es bestünde eine fast 50prozentige Chance,
daß die Vereinigten Staaten einen
Vertrag mit der Sowjetunion in die
Wege leiten würden, mit dem die Interkontinentalraketen um die Hälfte
reduziert würden. Möchten Sie diese
Aussage revidieren?
Antwort:
Meine von Ihnen zitierte
Prognose war, daß wir einen guten Anfang gemacht haben. Und ich bin immer
noch
dieser
Auffassung.
ich
möchte mich jedoch nicht dahingehend
festlegen, daß das Abkommen im Mai
oder Juni unterschriftsreif sein wird.
Frage:

Was steht dem im Wege?

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Antwort:
Die Vielschichtigkeit
gesamten Problems.

des

Frage:
Trifft es zu, daß die seegestützten
Marschflugkörper
(SLCMs)
das Hauptanliegen der Sowjets sind
und sie - im Gegensatz zu uns - diese
Marschflugkörper in das Abkommen einbeziehen
wollen?
Die Vereinigten
Staaten wünschen dies besonders in
Anbetracht des INF-Vertrages nicht,
der zu einem gewissen Unbehagen in
Europa geführt hat, und aus diesem
Grund sind wir von diesen SLCMs in
höherem Maße als vorher abhängig?
Antwort:
Das wirkliche Problem bei
den
seegestützten
Marschflugkörpern
ist, wie man ein Abkommen verifizieren kann. Die Sowjets sind der Mei-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nung, sie können es verifizieren.
Sie haben uns Vorschläge unterbreitet, die von unseren Wissenschaftlern
geprüft wurden.
Sie ergeben keinen
Sinn.
Hierbei handelt es sich also
um ein äußerst wichtiges Problem, für
das es noch keine Lösung gibt. Wenn
- wie Sie sagen - die Sowjets dies
zur
Bedingung
machen, glaube
ich
nicht, daß wir darauf eingehen werden. Meines Wissens handelt es sich
hierbei nicht um eine Bedingung. Ich
habe in den Verhandlungen mit den
Sowjets die Erfahrung gemacht, daß
sie häufig Bedingungen stellen.
im
Verlauf
unserer
Zusammenarbeit hat
sich jedoch anhand der gemachten Erfahrungen gezeigt, daß sie die Bedingung entweden zurücknehmen oder modifizieren, so daß ich ...
Frage:
nicht?
Antwort:
lungen.

Das gilt auch

Das

ist Teil

für uns, oder

von Verhand-

Frage:
Ja - so sind wir anscheinend bei SDI verfahren. Die Strategische Verteidigungsinitiative ...
Antwort:
Frage:

Im Gegenteil.
Nein?

Antwort:
Nein.
Beim
SDI-Programm
bestehen wir noch immer darauf, daß
kein Abkommen irgenwelche negativen
Auswirkungen
auf unser
SDI-Prgramm
haben darf.
Frage;
Gut - aber wir haben zugestimmt - korrigieren Sie mich, falls
dies nicht zutrifft - wir haben zugestimmt, daß SDI jetzt an das STARTAbkommen geknüpft ist.
Antwort:

Nun ...

Frage:
Diese
Administration
hat
bislang die Position vertreten, daß
SDI unabhängig und nicht Teil des
START-Abkommens ist.
Antwort:
Das ist noch immer unsere
Position.
wir fahren zweigleisig.

Wir verhandeln
über beide Themenkomplexe und wir verhandeln gleichzeitig über sie.
So sind wir seit
drei Jahren verfahren. Wir sind bereit, einen START-Vertrag zu unterzeichnen, ohne Weltraum und Verteidigung miteinzubeziehen.
Frage:
Ich möchte mich vergewissern, daß ich das richtig verstanden
haben.
In dieser Woche veröffentlichten Berichten zufolge haben sich
die Vereinigten Staaten zu dem Passus
bereiterklärt, daß SDI an ein STARTAbkommen gekoppelt wird. Und Sie sagen, dies sei nicht der Fall.
Antwort:
Dies ist nicht der Fall.
Praktisch gesehen - ich möchte natürlich auch wenn ich zu ihnen und zu
dem amerikanischen Volk spreche, ganz
genau sein - praktisch gesehen haben
wir keine Einwände dagegen, über beide
Themenkomplexe
gleichzeitig
zu
verhandeln und eine Einigung zu erzielen.
Was uns betrifft, so sind
wir äußerst zufrieden, daß der STARTVertrag jetzt in Kraft tritt, ohne in
den Bereichen Weltraum und Verteidigung auf eine Entscheidung zu warten,
sofern wir dort Einigung erzielen.
Sollten die Sowjets darauf bestehen,
daß sie über beide Themenbereiche
verhandeln wollen, werden wir an beiden arbeiten.
Frage:
Im Zusammenhang mit SDI besteht nach wie vor das Problem, ob
der ABM-Vertrag die Stationierung von
SDI so kontrolliert, daß die Vereinigten Staaten keine Sensoren ins All
abschießen, die anfliegende Raketen
aufspüren können. Wir - also die Administration - haben die Position bezogen, daß der ABM-Vertrag, eng ausgelegt, die Stationierung dieser Sensoren ausschließt.
Zeigen die Vereinigten Staaten Nachgiebigkeit bei
diesem Thema?
Antwort:
Nein,
überhaupt
nicht.
Meiner Meinung nach müßten in Wirklichkeit die Sowjets zustimmen, daß
der Sensor
selbst kein ABM-System
ist.
Der ABM-Vertrag bestimmt, daß
kein ABM-System oder eine Komponente

- 2 -

�stationiert werden darf.
Und offen
gesagt, in meinen Gesprächen mit den
Sowjets habe ich nicht den Eindruck
gewonnen, den Sie vermitteln, daß sie
der Überzeugung sind, die Stationierung aller Sensoren sei im Rahmen des
ABM-Vertrages vertragswidrig.
Frage:
Michail
Gorbatschow
hat
diesen Monat eine Gruppe amerikanischer
Senatoren bei sich begrüßt,
Botschafter Kampelman.
Erinnern Sie
sich an dieses Treffen?
Antwort:
Ja sicher, ich habe auch
mit den Senatoren nach ihrer Rückkehr
gesprochen.
Frage:
Berichten
zufolge
hat
er
den Senatoren gegenüber erklärt, er
wolle einen Vertrag in diesem Jahr
unterzeichnet haben, bei diesem Gipfeltreffen, und er sei sich dabei
voll und ganz der Tatsache bewußt,
daß er während der Amtszeit Ronald
Reagans nicht mehr ratifiziert würde.
Verstehen Sie seine Erklärungen auch
so?
Antwort:
Nein.
Ich verstehe dies
so, daß er es für möglich hält und es
vorziehen würde, wenn der Vertrag zum
Gipfeltreffen unterzeichnungsreif wäre. Dies entspricht unserer Haltung.
Wir halten dies für möglich.
Wir
würden es vorziehen, wenn ein Vertrag
im Rahmen des Gipfels unterzeichnet
würde. Dies ist aber keine Bedingung
unsererseits, und ich halte dies auch
nicht für eine Bedingung der Sowjets.
Ich kann jedoch nur für die Vereinigten Staaten sprechen.
Die Vereinigten Staaten werden sich nicht vom Kalender leiten lassen. Wir haben eine
Präferenz, aber diese wird nicht unsere Haltung in der Substanz beeinflussen.
Wenn wir bis zum Gipfeltreffen einen in unserem Interesse
liegenden
Vertrag bekommen können,
dann wären wir sehr froh darüber.
Wenn nicht, warten wir bis zum Sommer
und bis zum Herbst.
Frage:
Führende Mitglieder
dieser
Administration
George
Shultz,
Ronald Reagan selbst, Howard Baker -

spielen
die Wahrscheinlichkeit
der
Unterzeichnung eines Vertrage? über
ICBMs während des Gipfels herunter.
Sie erklären, es sei unwahrscheinlich, nicht wahr?
Antwort:
Nein, das Wort "unwahrscheinlich" vernehme ich nicht. Ich
erkenne
ein
Herunterspielen,
kein
"unwahrscheinlich". Und dies ist ein
Unterschied.
Lassen Sie mich dies
einmal kurz erklären.
Wir glauben
nicht - und wir meinen, auch das amerikanische Volk
sollte dies nicht
glauben -, daß Erfolg oder Mißerfolg
des Gipfels von der Unterzeichnung
eines Stücks Papier abhängen.
Und
das Herunterspielen hängt mit diesem
Anliegen zusammen.
Die realistische
Vorstellung geht davon aus, daß wir
noch eine Menge ernster Probleme haben, aber die Anweisung des Präsidenten an die Verhandlungsführer
ist
ganz klar: Versuchen Sie, das höchste Ziel zu erreichen. Versuchen Sie
es, wenn Sie können. Wenn Sie eine
in unserem Interesse liegende Vereinbarung erreichen können, dann tun Sie
das bis zum Gipfel. Wenn nicht, dann
werden wir weiter daran arbeiten.
Frage:
Nun, warum will der Präsident dann ein Gipfeltreffen jetzt,
wenn es - wie Sie es auszudrücken belieben - wenig wahrscheinlich, nicht
wahrscheinlich oder unwahrscheinlich
ist, daß dort ein Vertrag unterzeichnet wird - warum will er den Gipfel
jetzt?
Antwort:
Ich
glaube, Ihre
Frage
macht deutlich, warum wir versuchen,
diese Frage herunterzuspielen.
Ihre
Frage unterstellt nämlich, der einzige zweck dieses Gipfels bestehe in
der Unterzeichnung eines Stücks Papier. Ich würde eher davon ausgehen,
daß die Zeit für ein Gipfeltreffen
gekommen
ist, wenn man ernsthafte
Meinungsverschiedenheiten hat - das
heißt aber nicht, daß solche gegenwärtig bestehen. Es macht Sinn, wenn
die politisch Verantwortlichen
der
zwei
großen, militärisch
mächtigen
Länder ...

- 3 -

�Frage:
... ein geselliges
mensein veranstalten.
Antwort:
Miteinander
die
besprechen, wie wir es tun.

Beisam-

Probleme

Frage:
Sind sie sich der Tatsache
bewußt, daß im Juni, kurz nach dem
Gipfel, das Plenum der Kommunistischen Partei in Moskau tagen wird?
Antwort:
ich bin
und ganz bewußt.

mir

dessen

voll

Frage:
Sie sind sich dessen voll
bewußt.
Und
Sie
wissen,
daß
Gorbatschow in diesem Plenum hart bedrängt werden wird.
Und wenn er zu
diesem Plenum in seinem Gepäck das
Gipfeltreffen mit Ronald Reagan mitbringt, dann bekommt er einen guten
Start, mit Rückenwind sozusagen. Also hilft der Gipfel Gorbi, nicht wahr?
Antwort:
Wir hoffen, er wird unseren Beziehungen insgesamt förderlich
sein und auch den Vereinigten Staaten
helfen.
Frage:
Sie sagten fast "wir
fen, er würde Gorbi helfen"...

hof-

Antwort:
Nein,
was
ich
meinte,
war, daß wir hoffen, er würde uns wie
auch ihm helfen.
Frage:
Meine Behauptung geht doch
dahin, daß Ronald Reagan Gorbi auf
dem entscheidenden Juni-Plenum der
Kommunistischen Partei helfen will.
Und deshalb findet dieses Gipfeltreffen wirklich statt.
Was sagen Sie
dazu?
Antwort:
wirklich - nun, es mag
stimmen, daß er Herrn Gorbatschow
helfen möchte - ich weiß das nicht.
Es mag stimmen.
Wenn ja, nun gut.
Es ist jedoch falsch von Ihnen, anzunehmen, daß der Präsident der Vereinigten Staaten nach Moskau reist, um
dem Generalsekretär der Kommunistischen Partei zu helfen ...
Frage:
Trotz der
Tagesordnung
für

Tatsache, daß die
den
Gipfel
sehr

dürftig zu sein scheint?
Antwort:
Oh, Sie sollten nicht annehmen, daß die Tagesordnung dürftig
ist ...
Frage:
Es
ist
eine
ungewöhnlich
dürftige Tagesordnung, nicht wahr?
Antwort:
Nein, das stimmt nicht.
Erstens, die Tagesordnung ist noch
nicht fertiggestellt. Ich war an den
Gesprächen
über diese
Tagesordnung
beteiligt.
Es ist eine umfassende
Tagesordnung. Sie beinhaltet Gespräche über die Menschenrechte.
Nun,
wir hoffen, daß die Afghanistan-Frage
bis dahin gelöst sein wird.
Falls
nicht, dann wird Afghanistan dazugehören. Sicherlich wird der Golf auf
der Tagesordnung stehen. Alle regionalen Probleme werden dazugehören.
Ich hoffe, daß Mittelamerika besprochen wird - ich denke, dies wird der
Fall sein.
Dazu werden bilaterale
Probleme gehören. Es ist keine dürftige Tagesordnung.
Frage:
Besteht
ein
Junktim
zwischen Afghanistan und dem START-Vertrag? D.h., Ronald Reagan sagt der
Sowjetunion "Wenn ihr ein START-Abkommen mit mir abschließen wollt,
dann müßt ihr zuerst aus Afghanistan
abziehen."
Ist das Teil des Geschäfts?
Antwort:
Nein, nein.
Wir sollten
uns darüber im klaren sein, daß wir
das START-Abkommen nicht so betrachten, als ob wir damit den Sowjets
einen Gefallen täten. Wir sind für
ein START-Abkommen, weil es für uns
vorteilhaft ist.
Und wenn es uns
einen Vorteil bietet, warum sollten
wir es dann an irgendetwas anderes
koppeln?
Dies ist dieselbe Antwort
wie auf ihre Frage nach dem Weltraum.
Wenn es nicht in unserem Interesse
liegt, dann wollen wir es nicht.
Frage:
Können Sie vorhersagen, ob
die Sowjets ihre Truppen aus Afghanistan abziehen werden?
Antwort:

Ich

glaube,

daß

sie

das

�ungeachtet der Tatsache tun werden,
ob die Vereinigten Staaten dabei als
Garant auftreten oder nicht.
Frage:
In Nicargua haben Contras
und Sandinisten einen sechzig Tage
währenden
Waffenstillstand
unterzeichnet, in der Hoffnung und dem guten Glauben, daß der in einen lang
anhaltenden Frieden münden wird. Haben Sie den Eindruck, daß die Sowjets
bei den Sandinisten ihren diplomatischen Einfluß geltend gemacht haben,
um diesen Waffenstillstand hervorzubringen?
Antwort:
Ich weiß es nicht, und
ich habe keinen Grund zu dieser Annahme.
Ich hoffe es. ich weiß jedoch, daß die Sowjets seit der Übereinkunft von Guatemala, mit deren
Hilfe Frieden in der Region geschaffen werden soll, 200 Millionen Dollar
gezahlt haben.
im vergangenen Jahr
haben sie und ihre Verbündeten nahezu
eine Milliarde Dollar dorthin geleitet,
im Kongreß verhandeln wir nur
über die Kleinigkeit von 30 oder 40
Millionen Dollar, und dabei geht es
um unseren Hinterhof Nicaragua. Die
Sowjets verursachen weiterhin Unruhe
in der Region, und das gefällt mir
nicht.
Frage:
Wissen Sie etwas über ein
Abkommen zwischen den Supermächten,
wonach die Sowjets dem Abzug ihrer
Truppen vorbehaltlich der Entscheidung der Reagan-Administration, den
Contras keine Hilfe mehr zu gewähren,
aus Afghanistan zustimmen?
Antwort:
es nicht.

Ein

solches

Abkommen

gibt

Frage:
Ich möchte das Thema Naher
Osten anschneiden.
Einer der Bestandteile des Friedensplans im Nahen
Osten ist eine internationale Friedenskonferenz, an der die Sowjetunion
teilnehmen wird. Damit wird ihr diplomatisches Mitspracherecht zum Nahen Osten eingeräumt.
Gleichzeitig
versuchten die Vereinigten Staaten im
Rahmen der Iran-Contra Affäre - wenn
auch in guter Absicht - Kommunika-

tionskanäle mit demlran zu erschliessen, um den Sowjets den Zugriff auf
den Iran zu versperren. Darüber hinaus haben wir im Persischen Golf 11
umgeflaggte
kuwaitische Tanker, um
der sowjetichen Präsenz im Persischen
Golf
entgegenzutreten.
zum
einen
drängen wir die Sowjets durch eine
Seitentür aus dem Nahen Osten heraus,
und zum anderen öffnen wir ihnen Tür
und Tor, indem wir ihnen einen Platz
bei der internationalen Friedenskonferenz im Nahen Osten einräumen. Wie
ist das zu erklären?
Antwort:
Ich glaube nicht, daß ihre Frage auf das eingeht, was wir
hier unter internationaler Konferenz
verstehen.
Wir sprechen nicht von
einer internationalen Konferenz, die
den Sowjets Tür und Tor öffnet. Bei
der Konferenz werden keine Entscheidungen getroffen. Die Konferenz wird
weder Probleme lösen noch Empfehlungen aussprechen.
Sie zielt vielmehr
darauf ab, einen internationalen Rahmen zu schaffen, der sich aus den
fünf
ordentlichen
Mitgliedern
des
Sicherheitsrats zusammensetzt - einen
internationalen Rahmen, in dem Jordanien und Israel verhandeln können.
Wir würden es vorziehen, wenn Jordanien und Israel auf direkten Wege
verhandeln könnten.
Jordanien sagt
dazu, "Entschuldigung, aber wir haben
zuviele Probleme hier".
Inoffiziell
vertreten sie wahrscheinlich die Auffassung, "Sehen Sie doch, wieviele
Menschen ermordet werden. Wir brauchen
internationale
Deckung".
Wir
antworten darauf, "Wenn Sie Deckung
brauchen, haben wir dagegen nichts
einzuwenden, aber sie bietet keinen
Ersatz für direkte Verhandlungen".
Frage:
Vielen
Dank.
Lassen
Sie
mich zu meinem Ausgangspunkt zurückkommen. Mein Argument ist, daß diese
Administration Gorbatschow voll und
ganz für sich eingenommen hat, und es
ist eine Übereinkunft erzielt worden,
derzufolge unseren strategischen und
nationalen Interessen am besten durch
Gorbatschow gedient ist, und aus diesem Grunde wollen wir ihm helfen. Um
nochmals seine Präsenz bei der inter-

- 5 -

�nationale Friedenskonferenz des Nahen
Ostens anzusprechen: wie Sie es auch
immer
erklären wollen, Gorbatschow
wird damit geholfen, weil er es in
der Sowjetunion als Erfolg verbuchen
kann.
In Armenien gibt es Unruhen.
1987 haben Radio Free Europe und Radio Liberty Ort, Zeit und Datum der
Demonstrationen gegen die Sowjetunion
in Armenien, Lettland, Litauen und
Estland ausgestrahlt. In diesem Jahr
sind alle Übertragungen eingestellt.
Bei SDI haben Sie einige Schritte zurück gemacht.
Bei ABM verfolgt man
einen weniger harten Kurs, und es
werden Kompromisse eingegangen. Ihre
Tagesordnung für diesen Gipfel umfaßt
vergleichsweise wenige Punkte.
Und
es wird vielfach die Ansicht vertreten, diese Administration wolle sicherstellen, daß es mit Gorbatschow
nicht so geht wie mit Chruschtschow.
Können Sie darauf näher eingehen?
Frage:
Leider vermengen Sie hier
Wahrheiten mit Halbwahrheiten.
Bei
ABM gibt es keine Kompromisse, die
unseren Interesse zuwiderlaufen. Wir
opfern unser SDI-Programm nicht, ich
möchte das an dieser Stelle eindeutig
klarstellen.
Es ist nicht korrekt,
wenn hier alles in einen Topf geworfen wird. Gorbatschow ist eine Realität, er ist der Generalsekretär.
Wir sind nicht daran interessiert, in
Diskussionen
darüber verwickelt zu
werden, ob er der Beste ist oder ob
der Nächste besser sein wird.
Das
geht uns nichts an, und es steht
nicht in unserer Macht, das zu ändern.

* * * * *
- 6

�AMERIKA DIENST
'VON

Wirtschaft

*

30. März 1988

13

REAGAN STELLT VETO GEGEN PROTEKTIONISTISCHES HANDELSGESETZ IN AUSSICHT
- Rede vor Metallarbeitern in Richmond -

RICHMOND - (AD) - Präsident Reagan hat erneut sein Veto gegen ein Handelsgesetz für den Fall angedroht, daß es "obligatorische Vergeltungsmaßnahmen
oder automatische Schutzregelungen" enthält, die seiner Meinung nach gegen das
Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) verstoßen und "den Präsidenten
zwingen könnten, Handelskriege vom Zaun zu brechen".
In einer Rede vor Beschäftigten der Reynolds Metals Company in Richmond
erklärte Reagan am 28. März ferner, er würde es vorziehen, zusammen mit den
Mitgliedern des Kongresses an der Erstellung eines "akzeptablen" Gesetzes arbeiten, "das unser gegenwärtiges Gesetz wirklich verbessert".
Die Ausführungen des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:

Die Vereinigten Staaten befinden
sich nun im 64. Monat stetigen wirtschaftlichen
Aufschwungs.
Es ist
dies die längste Aufschwungphase in
der Geschichte unserer Nation, die
den bisherigen Rekord bereits jetzt
um sechs Monate schlägt und unvermindert anhält: Das Bruttosozialprodukt
ist im gegenwärtigen Quartal um fast
5 Prozent und im gesamten Jahr 1987
um gesunde 4 Prozent gewachsen. Ein
solches
Wachstum
im fünften
Jahr
eines Aufschwungs ist wahrscheinlich
ebenfalls rekordverdächtig.

ser
daß
eine
sagt
sen

Ich denke jedoch, daß keiner die64 Monate verstrichen ist, ohne
irgendein Experte oder Politiker
drohende Katastrophe vorhergehätte. Manchmal würden wir dieVoraussagen zufolge Glück haben

United States Information Service
Embassy of the United States of America

und mit einer Rezession davonkommen.
Anderen
zufolge
bekämen
wir eine
Große Depression.
Es
tut
mir
leid,
aber
mir
scheint, daß diese Leute den Bezug
zur Realität verloren haben: Während
der Großen Depression wurde die Vorhersage, daß "der Wohlstand kurz bevorsteht", zur Zielscheibe der Kritik. Das Gegenteil trifft heute zu.
Wir haben während des längsten und
kräftigsten Aufschwungs in der Geschichte vernommen, daß "das Unglück
kurz bevorsteht".
Nichts ist für unsere Administration vordringlicher als der Schutz
der wirtschaftlichen Sicherheit der
Vereinigten Staaten.
Seit fast acht
Jahren setzen wir uns für politische

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�Schritte ein, die diese Sicherheit
verbessern.
ich werde jederzeit unser Programm niedriger Steuern, freien und fairen Handels, verringerter
Staatsausgaben
und der Reduzierung
von Bundesvorschriften den Rufen unserer Gegner nach mehr Protektionismus, höheren Steuern und umfangreicher
staatlicher
Ausgabenprogramme
entgegenstellen.
Ich vermute, daß
Sie über diese beiden Ansätze in den
kommenden Monaten noch mehr hören
werden.
Tatsächlich muß man unseren Kritikern ein Verdienst anrechnen. Sie
arbeiten an dem vielleicht größten
Trugbild der Geschichte.
Das Trugbild entwickelt sich weiter, obwohl
es auf Gegenbeweise trifft - aber die
Legendenerzähler
geben
nicht
auf.
Die drei großen Trugbilder heutzutage
sind
die
Deindustrialisierung
der
Vereinigten Staaten, der Abstieg der
Mittelstandes und der Verlust amerikanischer Arbeitsplätze.
Realität hingegen ist die Schaffung von über 15 1/2 Millionen neuen
Arbeitsplätzen seit Beginn der wirtschaftlichen
Gesundung,
und
diese
neuen Arbeitsplätze sind - in Umkehrung des Trends der späten siebziger
Jahre - besser und höher bezahlt.
Realität ist, daß nach Jahren hoher
Inflation, in denen die Amerikaner
ihre Kaufkraft bis zur Unkenntlichkeit schwinden sahen, das Realeinkommen des Durchschnittsamerikaners seit
fünf Jahren beständig gestiegen ist.
Realität ist, daß die Exporte von
Fertigungsgütern steigen, die Produktivität in der verarbeitenden Industrie ihren höchsten Stand erreicht
hat und rapide zunimmt.
Seit 1980
ist die Produktivität im amerikanischen
Fertigungssektor
dreimal
so
stark gestiegen wie in den vergangenen sieben Jahren.
Ein bundesdeutscher Fachmann aus der verarbeitenden
Industrie hat es prägnant formuliert:
"Die Vereinigten Staaten sind das beste Land der Welt im Hinblick auf ihre Fertigungskosten."
Und der Wirtschaftswissenschaftler Warren Brooks

erklärte im Rahmen seiner Prognosen,
daß wir eine Verlagerung zu einer exportorientierten
Wirtsrhaft
erleben
werden, 1988 "könnte mit einem Knall
enden".
Man sollte annehmen, dies gebe in
Washington Anlaß zum Jubeln.
Nicht
bei unserer
Kritikern.
Sie sagen
seit fünf Jahren die Katastrophe in
der Wirtschaft vorher. Sie haben gewartet. Sie haben Geduld walten lassen. Jetzt haben sie die Gelegenheit
ergriffen - und dem Kongreß ein Handelsgesetz vorgelegt, das die Produktivität erstickt, die amerikanische
Wettbewerbsfähigkeit zerstört und all
ihre Visionen vom Jüngsten Tag Wirklichkeit werden läßt. Mit dem offensichtlichen Versuch, die 'europäische
Krankneit' zu importieren, haben sie
Bestimmungen europäischen Stils verfaßt, mit dem Amerikas erstes nationales Gesetz zur Einschränkung des
Rechts
eines
Unternehmens
auf
Schließung seiner Einrichtungen und
Verlegung seines Betriebs geschaffen
würde.
Ein
weiteres
Beispiel
liefert
Honda, das gerade seine ersten Fahrzeuge von Amerika nach Japan exportiert hat.
Mit Hilfe ausländischer
Investitionen sind in Amerika neue
Arbeitsplätze geschaffen worden, und
es kann mehr exportiert werden. Damit ist ebenfalls ein Beitrag zu der
von mir bereits angesprochenen höheren Produktivität der amerikanischen
verarbeitenden
Industrie
geleistet
worden. Was wird also im Kongreß als
Zusatz zum Handelsgesetz vorgeschlagen?
Eine neue Offenlegungspflicht,
die ausländische Investitionen dämpfen und davon abhalten würde, in dieses Land zu fließen.
Aber die vielleicht größte Gefahr
besteht
in obligatorischen Vergeltungsmaßnahmen
oder
automatischen
Schutzregelungen, die von mir oder
von zukünftigen Präsidenten Maßnahmen
erfordern, die eine direkte Verletzung des GATT darstellen und dem nationalen Interesse ernsthaft zuwiderlaufen würden. Wenn diese in Kraft

�treten, könnte damit das internationale Handelssystem geschwächt und der
Präsident
gezwungen
werden,
einen
Handelskrieg vom Zaun zu brechen. Es
ist auf jeden Fall ein schlechter
Vorschlag,
aber
er
ist
besonders
schlecht angesichts der Tatsache, daß
amerikanische Exporte steigen und die
verarbeitende
Industrie
exportiert
wie nie zuvor, und aus diesem Grudne
auch gegen Vergeltungsmaßnahmen extrem verwundbar ist.
Es wird zuviel darüber geredet,
wie Amerika wettbewerbsfähiger werden
könnte, aber dieselben Leute unterstützen
Bestimmungen
im Handelsgesetz, die die Wettbewerbsfähigsten in
unserem Team auf die Strafbank setzen
würden. Es wird darüber geredet, wie
Arbeitsplätze erhalten werden können
und gleichzeitig werden Bestimmungen
unterstützt,
mit
denen
potentiell
Tausende, wenn nicht Millionen amerikanischer Arbeitsplätze zerstört werden.
Sie haben wahrscheinlich gelesen,
daß
das
Handelsgesetz
gute
Fortschritte macht - daß viele protektionistische Bestimmungen über Bord
geworfen wurden. Und das entspricht
in mancher
Hinsicht der Wahrheit.
Aber es gibt noch viel zu tun, bis
diese Gesetze für die amerikanische
Wirtschaft mehr Gutes als Schlechtes
bedeuten.
Ich werde dagegen gegebenenfalls
mein Veto einlegen. Nur die Ausmerzung sämtlicher störender Bestimmungen wird ein Gesetz hervorbringen,
das ich unterzeichnen kann. Ich werde nicht zulassen, daß die wachstumsorientierte amerikanische Wirtschaft
zerstört wird.
Aber ich erarbeite
lieber
mit Kongreßabgeordneten
ein
nicht nur 'akzeptables' Gesetz, sondern ein Gesetz, mit dem unser gegenwärtiges Gesetz eindeutig verbessert
wird.
Es gibt so viele positive Dinge,
die wir erreichen können. Eine neue
Verhandlungsvollmacht, mit der wir
auch in Zukunft Vereinbarungen wie

das
Freihandelsabkommen
mit
Kanada
schaffen können, isr wichtia.
wir
haben
ein neues Weiterbildungsprogramm für Arbeitnehmer empfohlen, die
mit der steigenden Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft ersetzt wurden.
Und es sind viele bestehende
amerikanische Gesetze reformiert worden, wie etwa diejenigen zum Schutz
von Patenten und Copyrights, die Rationalisierung von Exportkontrollbestimmungen, mit denen unsere Exportfähigkeit gefördert werden kann.
Mit der weiteren Arbeit des Kongresses an diesem Gesetz möchte ich
bemerken, daß am Super Tuesday diejenigen eines Besseren belehrt wurden,
deren Prognosen zufolge der Protektionismus im Süden Zuspruch erfahren
würje.
Ich habe oft über Senator Reed
Smoot und den Abgeordneten Willis
Hawley gesprochen, deren gleichnamiges
Gesetz
zum
Zusammenbruch
des
Welthandelssystems und zur Großen Depression
in
Amerika
geführt
hat.
Beide waren der Ansicht, etwas Demagogie im Handel sei gute Politik.
Damit
gelangten
sie
in
di&gt;? Geschichtsbücher.
Aber man führt sich
zu wenig vor Augen, daß beide zwei
Jahre später
ihrer A'mter enthoben
wurden, als die Wähler Zeit hatten,
die Auswirkungen ihres Gesetzes wahrzunehmen.
Protektionismus
ist
nicht
nur
gleichzusetzen mit schlechter Wirtschaft, sondern auch mit schlechter
Politik.
Das amerikanische Volk hat
beschlossen, eine Große
Depression
ist genug und wird den Handelsdemagogen keine zweite Chance geben.
Die Geschichte weist in die entgegengesetzte Richtung - mehr Handel,
nicht weniger; wachsende Zusammenarbeit, nicht Isolationismus und Vergeltung; ein expandierendes weltweites Netz an Investition, Produktion
und Kommunikation, nicht merkantilistische Volkswirtschaften, die hinter
Zollschranken verkümmern. Aus diesem
Grund haben wir auf eine neue GATT-

- 3 -

�Runde gedrängt, die nun in die Wege
geleitet wurde, um das ehrgeizigste
multinationale Programm in der Geschichte des Handels zu erörtern.
Und wie bereits erwähnt, ist dies
auch der Grund, warum wir ein historisches
Handelsabkommen
mit Kanada
geschlossen haben, das Arbeitsplätze,
Wachstum und größere Chancen auf beiden Seiten der Grenze schafft.
Der Umgestaltungsprozeß bei Reynolds Aluminium ist Teil eines umfassenden Prozesses. Die Weltwirtschaft
befindet sich inmitten eines tiefgreifenden Wandels.
Er wurde als
"Informationszeitalter",
"ComputerZeitalter" und "technologische Revolution"
bezeichnet.
Amerika
kann
diese Herausforderung entweder annehmen - wie Sie hier bei Reynolds es
getan haben - oder wir können uns aus
dem
Wettbewerb
herauskatapultieren
und folglich den Anschluß an die sich
uns bietenden neuen Chancen verpassen.
Abschließend möchte ich ein Beispiel anführen, das diesen tiefgreifenden
Wandel
verdeutlicht.
Die
Triebkraft der technologischen Revolution ist die fast täglich zu beobachtende Revolution in der Halbleitertechnik.
Um das Ausmaß des Wandels zu verdeutlichen, den unsere Generation durchlaufen hat, stellt ein
Wissenschaftler
folgenden
Vergleich
an:
"Wenn die Auto.nobilindustrie so
schnelle
und
weitreichende
Fortschritte gemacht hätte wie die Halbleitertechnik in den vergangenen 20
Jahren, würde ein Rolls Royce heute
weniger als drei Dollar kosten, 1
Million Kilometer pro Liter fahren,
genügend
Pferdestärken
haben,
um
einen Ozeandampfer anzutreiben, und
sechs Rolls Royce würden auf einen
Stecknadelkopf passen."
Dies ist mehr als nur eine Explosion der Produktivität.
Die im mysteriösen Bereich der Quantenphysik
eingesetzten Computer von heute signalisieren
einen
Quantensprung
in
eine neue Weltwirtschaft.

Reynolds hat diesen Quantensprung
für sich und die amerikanische Wettbewerbsfähigkeit
arbeiten
lassen.
Amerika ist noch immer führend bei
Innovationen
und
Unternehmergeist,
und wenn wir konkurrenzfähig sein
wollen - woran ich keine Zweifel habe
- werden wir diejenigen sein, die den
Weg in das neue Jahrhundert und die
neue Weltwirtschaft weisen werden.

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Entschlossenheit der Contras schuf Friedensvereinbarung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Außenminister George Shultz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;START-Abkommen beim Gipfel in Moskau noch immer möglich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fernsehinterview mit Botschafter Max Kampelman&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan stellt Veto gegen protektionistisches Handelsgesetz in Aussicht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede bei der Reynolds Metals Company &lt;br /&gt;in Richmond&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C

30. März 1994

13

NORDKOREA

PERRY: "ZUR ZEIT KEINE KRISE"
Vereinigte Staaten ergreifen
"wohlüberlegte" defensive Maßnahmen

UNO

USA ARBEITEN AUF GLAUBWÜRDIGE, KOSTENGÜNSTIGE UN-FRIEDENSSICHERUNG HIN
Rede von Botschafterin Albright
vor Kongreß-Unterausschuß

CHEMIEWAFFEN

HOLUM DRANGT AUF FRÜHZEITIGE
RATIFIZIERUNG DER
CHEMIEWAFFENKONVENTION
Erklärung von ACDA-Direktor John Holum

AUSSENPOLITIK

CLINTON SOLLTE NICHT UNTERSCHÄTZT
WERDEN
von Samuel R. Berger

FILM

ZEHN OSCARS FÜR SPIELBERGS FILME
Oscar-Verleihung 1994

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�NORDKOREA
30. März 1994

PERRY: "ZUR ZEIT KEINE KRISE"
Vereinigte Staaten ergreifen "wohlüberlegte" defensive Maßnahmen
WASHINGTON - (AD) - US-Verteidigungsminister William J. Perry erklärte am 25. März 1994 vor Journalisten,
zur Zeit gebe es "keine militärische Krise" zwischen den Vereinigten Staaten, ihrem südkoreanischen Verbündeten, und Nordkorea.

Gleichzeitig ließ Perry verlauten, die Vereinigten Staaten ergriffen "wohlüberlegte" defensive Maßnahmen
für den Fall, daß der immer wieder aufflammende
Disput mit Nordkorea erneut eskalieren sollte.
Perry machte seine Ausführungen zu Nordkorea bei
einer im Pentagon anberaumten Pressekonferenz, bei
der er eigentlich die Journalisten über seinen jüngsten
Besuch in Rußland, Kasachstan, der Ukraine und
Belarus informieren wollte - den vier neuen unabhängigen Staaten (NUS), die nach dem Zusammenbruch
der Sowjetunion deren Atomwaffen erbten.
Nach einer kurzen Analyse seiner Reise in die NUS
beantwortete Perry jedoch fast ausschließlich Fragen
zu der Besorgnis der Vereinigten Staaten über die
Weigerung Nordkoreas, angemessene internationale
Inspektionen des Nuklearprogramms des kommunistischen Landes zuzulassen.
"Nordkorea verfügt über eine Armee mit einer Million
Soldaten. Zusätzlich hat das Land die Möglichkeit zur
Entwicklung einer Atombombe, und seine Regierung
ist unberechenbarund instabil", legte Perry die besorgten Überlegungen der Vereinigten Staaten dar.
Die Möglichkeit, daß Nordkorea über Anlagen zum
Bau von Atomwaffen verfügt, "verschärft die gegenwärtige Situation", so Perry.

Perry wollte keine weiteren Einzelheiten zu den Vorbereitungen der Vereinigten Staaten zur Erhöhung der
Verteidigungsbereitschaft geben. "Wir können unsere
militärische Eventualfallplanung einfach nicht in der
Öffentlichkeit erörtern", teilte er mit.
"Wir bemühen uns weiterhin um eine Lösung auf
diplomatischer Ebene. Wir haben noch nicht aufgegeben. Sollte das scheitern, müssen Sanktionen meines
Erachtens der nächste Schritt sein."
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen debattiert
zur Zeit über eine Resolution, die Nordkorea zur Umkehr
seiner Haltung zu internationalen Inspektionen aufruft.
Sollten sich die Vereinten Nationen zur Verhängung
von Sanktionen gegen Nordkorea entschließen, könnten diese "ziemlich nachteilig" sein, so Perry.
Zuvor hatte Perry seine Reise in die ehemalige Sowjetunion als "pragmatische Partnerschaft in Aktion" bezeichnet. Ziel der Reise sei die Beschleunigung der
Konversion strategischer Waffen zu friedlichen Zwekken gewesen.
Während seines Besuchs wurden Perrys Angaben
zufolge Abkommen über Hilfe für die Konversion von
Rüstungsgütern im Wert von mehr als 165 Millionen
Dollar geschlossen.

Präsident Clinton ordnete am 21. März die Entsendung
eines Bataillons von Patriot-Abwehrraketen nach
Südkorea an, die "zur Zeit stattfindet". Die Raketen
werden per Schiff transportiert und in ungefähr einem
Monat stationiert.

"In Rußland trafen wir mit Verteidigungsminister Gratschow zusammen und sprachen über die geplante
Partnerschaft für den Frieden. Erteilte mit, Rußland
werde der Partnerschaft beitreten und der NATO bis
Ende des Monats einen Antrag auf Mitgliedschaft
vorlegen", so Perry.

"Sollte es eine militärische Konfrontation mit Nordkorea geben, wären taktische Luftstreitkräfte der größte
Beitrag, den die Vereinigten Staaten zur Abwehr leisten könnten", erläuterte der Verteidigungsminister.
"Das wäre eine Frage von wenigen Tagen."

Die "Partnerschaft für den Frieden" ist ein Vorschlag
der Vereinigten Staaten, der Mitgliedern des ehemaligen Warschauer Pakts eine eingeschränkte Mitgliedschaft im Nordatlantischen Verteidigungsbündnis
gestattet.

AMERIKA DIENST 13

Seite 1

�"In der Ukraine besuchten wir eine Abschußvorrichtung für ballistische Interkontinentalraketen, an der
früher SS-19 und SS-24 auf die Vereinigten Staaten
gerichtet waren".

"Es war für mich eine erstaunliche Erfahrung, dort zu
stehen und die Kontrollvorrichtungen der Raketen zu
betrachten, die jede größere Stadt der Vereinigten
Staaten zerstören konnten", äußerte er.

"Hier findet der Abbau statt", teilte Perry mit. Die
Ukraine habe unter dem zwischen ihr, Rußland und
den Vereinigten Staaten geschlossenen Abkommen
bereits 120 Gefechtsköpfe nach Rußland zur Zerlegung geschickt.

Dem Verteidigungsminister zufolge war sein Besuch
der ehemaligen sowjetischen Abschußrampe bei Baikonur in Kasachstan "ein sehr bewegendes persönliches Ereignis", weil er einen Großteil seiner beruflichen Laufbahn die Einrichtung aus der Entfernung
untersucht hatte und jetzt aus nächster Nähe sehen
Zwei ukrainische Soldaten hätten Perry in den Schacht
konnte.
begleitet um ihm zu demonstrieren, wie die Rakete
abgeschossen werden konnte.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 13

�UNO
30. März 1994

USA ARBEITEN AUF GLAUBWÜRDIGE,
KOSTENGÜNSTIGE UN-FRIEDENSSICHERUNG HIN
Rede von Botschafterin Albright vor Kongreß-Unterausschuß
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten unterstützen Friedenssicherungsoperationen der Vereinten
Nationen, "weil sie zu einer weniger gewalttätigen, stabileren und demokratischeren Welt beitragen", erklärte die
Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, Madeleine Albright, am 22. März 1994 vor
einem Unterausschuß des Repräsentantenhauses.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafterin Albright im Wortlaut.

Politik der Administration
Wie Sie wissen, Herr Vorsitzender, befindet sich die
Administration im letzten Stadium einer einjährigen
Überprüfung der Friedenssicherungspolitik. Diese Politik

zielt nicht auf eine Erweiterung der UN-Friedenssicherung, sondern deren Korrektur ab. Wir erachten die
Friedenssicherung der UNO nicht als Kernstück unserer nationalen Sicherheitsstrategie, sondern als einen
Beitrag dazu. Wir sehen sie als einen Weg, Krisen zu
entschärfen und größere Katastrophen durch einen
Friedensbruch zu verhindern, die Stabilität bedrohen,
Leiden erzeugen und unsere Ressourcen aufzehren.
Wir werden uns stets das Recht vorbehalten, im Alleingang oder durch ein Bündnis wie die NATO zu handeln. Wir wollen jedoch das Vertrauen haben, daß die
Vereinten Nationen die Arbeit in kostengünstiger Weise
und einem absehbaren Zeitrahmen leisten können,
wenn wir die Entscheidung treffen, die Unterstützung
einer UN-Friedensmission liege im Interesse des
amerikanischen Volkes.
Während des Kalten Krieges war die Rolle der Vereinten Nationen bei der Friedenssicherung marginal. In
den vergangenen Jahren hat sie rasch zugenommen,
die Institution großen Belastungen ausgesetzt und
einen dramatischen Anstieg der Kosten und Risiken
von Friedenssicherung mit sich gebracht.

nicht? Welche Kriterien waren beispielsweise für die
vorige Administration maßgeblich, alssiefürdie Unterstützung neuer Operationen im ehemaligen Jugoslawien, in Somalia, Angola, El Salvador, Kambodscha,
der Westsahara, Mosambik und Kuwait stimmte? Und
welche Kriterien wandten die anderen Mitglieder des
Sicherheitsrats an? Es gab keine eindeutige Antwort.
Das haben wir geändert. U nseres Erachtens hängt der
Wert der UN-Friedenssicherung nicht von der Zahl der
angestrebten Missionen ab, sondern davon, wie gut
jede Mission durchgeführt wird. Wir bestehen also
darauf, daß die Schlüsselfragen vorher gestellt werden und nicht nachdem neue Friedenssicherungsverpflichtungen eingegangen worden sind. Zu diesen
Fragen zählen:
Gibt es eine reale Bedrohung für internationalen
Frieden und die Sicherheit?
Hat die vorgesehene Friedenssicherungsmission eindeutige Ziele und kann ihr Umfang klar
umrissen werden?
Wenn die Operation der Friedenssicherung und
nicht der Durchsetzung des Friedens dient, wurde
ein Waffenstillstand vereinbart, und haben die
Konfliktparteien einer UN-Präsenz zugestimmt?

Rigorosere Entscheidungsfindung

Stehen die zur Durchführung der Mission erforderlichen Ressourcen zur Verfügung?

Kurz nach meiner Ankunft in New York im vergangenen Jahr habe ich mir die Frage gestellt: Welche
Kriterien haben wir bei der Entscheidung benutzt, ob
wir eine Friedensmission unterstützen sollen oder

Kann ein Ende der UN-Beteiligung ausgemacht
werden?

AMERIKA DIENST 13

Was geschieht, wenn wir nicht handeln?
Seite 1

�Unsere neue Politik bewirkt bereits etwas. Zum Beispiel haben wir unsere Unterstützung für potentielle
Missionen in Georgien und Liberia von größeren Fortschritten bei den Friedensverhandlungen abhängig
gemacht. Wir unterstützen eine verstärkte UN-Polizeipräsenz in Mosambik, aber unter der Bedingung, daß
die zusätzlichen Kosten ausgeglichen werden. Wir
bestehen darauf, daß in alle Friedenssicherungsmissionen genehmigende oder erweiternde Resolutionen
ein festgesetzter Zeitrahmen aufgenommen wird, damit
die Last des Beweises bei denjenigen liegt, die eine
Erweiterung statt einer Beendigung befürworten. Wir
hoffen einen Präzedenzfall geschaffen zu haben, indem wir Zypern und Kuwait zur Begleichung eines
maßgeblichen Teils der Kosten von Friedenssicherungsoperationen auf ihrem Territorium ermutigen.
Wir verlassen uns soweit wie möglich auf regionale
Organisationen wie die Wirtschaftsgemeinschaft
westafrikanischer Staaten und die KSZE. Und wir
überprüfen regelmäßig den Stand aller UN-Operationen um zu entscheiden, ob ihre Ziele erreicht werden
oder erreicht werden können.

Verbesserungen bei Planung, Ausbildung, Fernmeldewesen, Nachrichtendiensten und öffentlichen Angelegenheiten.
Unser Ziel dabei besteht nicht in der Schaffung einer
Art von globalem Oberkommando, sondern vielmehr
in der Verbesserung der Effizienz bis zu dem Punkt, an
dem UN-Friedenssicherung glaubwürdig, kostengünstig und professionell ist. Wir sind zum Beispiel
entschlossen, die Wiederholung einer Situation wie
vor kurzem zu verhindern, als der UN-Vertreter im
ehemaligen Jugoslawien über drei Stunden für die
Genehmigung der Luftüberwachung zur Verteidigung
der UNO-Truppen benötigte.
Herr Vorsitzender, die UN-Friedenssicherung hat
zweifelsohne noch viel Arbeit vor sich, aber Reformen
werden gemacht, Lektionen gelernt und Fortschritte
erzielt.
Der Wert der Friedenssicherung

Natürlich wäre all dies nicht von Bedeutung, wenn
sorgfältig definierte und gut durchgeführte UN-FrieIch muß auch feststellen, daß trotz der schrecklichen densoperationen nicht dem besten Interesse unserer
Gewalttaten in diesen Staaten bisher keine UN-Opera- Menschen dienen würden. Diese Administration vertionen für Burundi, Sudan, Nagornyi Karabach, Tad- tritt ebenso wie vorige Administrationen die Auffasschikistan, Afghanistan oder Sierra Leone vorgeschla- sung, daß sie dies tun, und wir denken, die meisten
gen worden sind. Dies bedeutet keine Gefühllosigkeit Amerikaner stimmen dem zu.
seitens der internationalen Staatengemeinschaft,
sondern ist vielmehr die Anerkennnung der Grenzen Erstens möchte ich den Sachverhalt in die richtige
dessen, was eine UN-Friedensoperation in Ermange- Perspektive rücken. Die Welt wendet jedes Jahr rund
lung des demonstrierten Willens der kämpfenden 9 Milliarden Dollar für Streitkräfte auf. Die Vereinten
Parteien, sich für Verhandlungen statt Waffen zu ent- Nationen geben ungefähr ein Drittel davon für Friedenssicherung aus. Hier in den Vereinigten Staaten
scheiden, erreichen kann.
veranschlagen wir für jeden für Friedenssicherung
Fähigkeiten zur Erweiterung
aufgewendeten Dollar 300 Dollar für die Verteidigung.
Der jüngste, teils durch das Ende des Kalten Krieges
Wir arbeiten ferner darauf hin, die genehmigten UN- herbeigeführte Anstieg der Kosten für FriedenssicheOperationen effizienter und effektiver zu gestalten.
rung ist weit geringer als die durch die Lockerung der
Spannungen
zwischen Ost und West ermöglichten
Wir haben beispielsweise folgende Vorschläge unterEinsparungen.
breitet:
Ein einheitliches Budget für Friedenssicherung,
um das derzeitige Ad-hoc-System zu ersetzen.
Reformen bei der Beschaffung, die Wettbewerbsfähigkeit und Kostenersparnisse durch
optimale Betriebsvergrößerung gewährleisten.
Die Entwicklung einer computergestützten Datenbank, die eine Standardisierung der Kosten,
rasche und genaue Haushaltsprognosen gestatten sowie Überschätzungen verhindern
würden.
Ein schnell stationierbares Hauptquartier mit
logistischer Unterstützung, damit die Vereinten
Nationen rechtzeitig auf Notfälle reagieren
können.

Seite 2

Zweitens sind die Vereingten Staaten eines der fünf
Länder mit einem Vetorecht zu jeder UN-Friedenssicherungsoperation. Ich kann Ihnen versichern, daß
wir unseren Einfluß geltend machen und wenn nötig
unser Veto einlegen werden, um Operationen zu stoppen, die unseren Interessen zuwiderlaufen würden.
Ich kann Ihnen auch versichern, daß unser kontinuierliches Vetorecht nicht verhandelbar ist.
Drittens ein kleiner, aber nicht unwichtiger Punkt. Im
Jahr 1993 kaufte das UNO-Hauptquartier Waren und
Dienstleistungen in Höhe von über 250 Millionen Dollar
von amerikanischen Lieferanten - 36 Prozent des
Gesamtwerts der Beschaffungen des UNO-Hauptquartiers für die Friedenssicherung.
Viertens besteht, wie Außenminister Christopher in
der vergangenen Woche bestätigte, der Hauptgrund

AMERIKA DIENST 13

�für die Unterstützung bestimmter UN-Friedensoperationen in dem Beitrag, den sie zu Zielen von direktem
Interesse für uns leisten.
Herr Vorsitzender, ich erinnere mich, daß die Mitglieder der Anhörung im vergangenen Jahr verständlicherweise skeptisch über die Aussicht demokratischer
Wahlen in Kambodscha waren. Ich muß zugeben, ich
ebenfalls. Aber in Zusammenarbeit mit dem mutigen
kambodschanischen Volk überwanden die Vereinten
Nationen enorme Schwierigkeiten. Das Ergebnis war
eine Wahl mit einer Beteiligung von über 90 Prozent,
der Amtsantritt einer konstitutionellen Regierung, die
Rückführung Hunderttausender Flüchtlinge und eine
drastische Schwächung der Roten Khmer.
In El Salvador trugen die Vereinten Nationen zur
Beendigung eines Konflikts bei, der70.000 Menschenleben forderte. Beobachter aller Seiten stimmen überein,
daß nur die Vereinten Nationen so erfolgreich bei der
Überwachung der Menschenrechte, der Zuweisung
der Verantwortung für begangene Greueltaten, der
Verifizierung der Durchführung des Friedensabkommens und der Bereitung des Weges für die Wahlen am
vergangenen Wochenende sein konnten, die - trotz
einiger signifikanter Probleme - immer noch die freiesten und friedlichsten in der Geschichte des Landes
waren. Wir erinnern uns, daß unsere Gesellschaft im
letzten Jahrzehnt einen hohen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Preis bezahlte, als wir mit einer
unilateralen Reaktion auf die Konflikte in El Salvador
und andernorts in Mittelamerika kämpften.
In Zypern haben die Vereinten Nationen den Ausbruch
eines Krieges zwischen NATO-Partnern verhindert.
Durch die Präsenz der Vereinten Nationen auf den
Golanhöhen haben sie zur Erhaltung des Friedens
zwischen Israel und Syrien beigetragen.
In Namibia waren sie bei der Schaffung eines Außenpostens der Demokratie und Stabilität in einem strategischen Teil Afrikas behilflich.
In Mosambik bereiten die Vereinten Nationen Wahlen
für diesen Herbst und die Demobilisierung der Gruppen vor, die einen blutigen Bürgerkrieg führten.
Die Wahlbeobachter der Vereinten Nationen werden
im nächsten Monat in Südafrika vor Ort sein. Ihre
Mission besteht in der endgültigen Beendigung der
Apartheid und der Ermutigung eines erfolgreichen
Übergangs zu demokratischer Herrschaft. (Imübrigen
bestehen wir darauf, daß die Kosten dieser Mission
vom regulären UN-Budget getragen werden, statt vom
Etat für die Friedenssicherung).
Die UN-Sanktionen gegen den Irak harten zusammen
mit der UN-Präsenz an der kuwaitischen Grenze die
Ambitionen Saddam Husseins unter Kontrolle.
In Kroatien und Makedonien tragen die UN-Truppen
zur Verhinderung eines größeren Balkankrieges bei.
AMERIKA DIENST 13

In Bosnien arbeiten die Vereinten Nationen partnerschaftlich mit der NATO zusammen, um in Sarajevo
zumindest die Andeutung eines normalen Lebens zu
schaffen, den Flughafen von Tuzla zu öffnen, die
Versorgung mit humanitären Hilfsgütem für die Bedürftigsten aufrechtzuerhalten und Fortschritte für einen
ausgehandelten Frieden zu ermutigen.
Wir unterstützen diese Operationen, weil sie zu einer
weniger gewalttätigen, stabileren und demokratischeren Welt beitragen. Die Geschichte warnt uns, daß
größere Mächte oftmals in einen Kampf kleinerer
Mächte hineingezogen werden und nicht eingedämmte Aggression häufig zu noch mehr Aggression führt.
Es ist weitaus wirksamer und weniger gefährlich, die
Symptome globaler Unruhen bei ihrem Erscheinen zu
behandeln als abzuwarten, bis die Konsequenzen des
Konflikts in unmittelbare Nähe gerückt sind.
In dem Maße, in dem zukünftige Missionen erfolgreich
sind, werden sie die von uns geförderten Ziele zu
weitaus geringeren Kosten als bei einem Alleingang
derVereinigten Staaten erreichen. Wenn wir unilateral
handeln, tragen wir sämtliche Kosten und Risiken.
Wenn die Vereinten Nationen intervenieren, fällt die
Hauptlast anderen zu. Zu den derzeit 70.000 weltweit
stationierten UN-Blauhelmen steuern die Vereinigten
Staaten weniger als 5 Prozent bei. Amerika trägt 30
Prozent der Gesamtkosten, und wir haben zugesagt,
alles in unserer Macht Stehende zu unternehmen, um
diese Zahl bis Anfang 1996 auf 25 Prozent zu senken.
Die Kosten der Friedenssicherung: Der amerikanische Beitrag
Die Vereinigten Staaten waren und sind bei der UNFriedenssicherung der größte Geldgeber, und das
sollte niemand vergessen. Diese Tatsache spiegelt
unsere Position als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats und als führende Wirtschafts- und Militärmacht der Welt wider.
Das System für die Festsetzung der Kosten der Friedenssicherung wurde 1973 mit Unterstützung der
Vereinigten Staaten geschaffen. Diesem System
entsprechend müssen weniger entwickelte Nationen
nur einen Bruchteil ihres Anteils an den Kosten für die
Friedenssicherung im regulären UN-Haushalt zahlen.
Die Differenz wird von den Ständigen Mitgliedern des
Sicherheitsrats beglichen, was ihre besondere Verantwortung für friedenssichernde Operationen demonstriert.
Den Veränderungen in der Weltwirtschaft entsprechend stieg der von uns geschätzte Anteil an den
Kosten der Friedenssicherung in den vergangenen
Jahren von ungefähr 28 auf über 30 Prozent. Der
Zusammenbruch der Sowjetunion und der daraus
resultierende Rückgang an Beiträgen aus dieser Quelle
führte dazu, daß die Vereinten Nationen unsere Veranlagung sogar auf 31,7 Prozent anhoben. Wir haben
jedoch deutlich gemacht, daß wir diese jüngste VeränSeite 3

�derung nicht akzeptieren und lediglich einem Anteil
von 30,4 Prozent zustimmen, worauf auch unsere
Haushaltsplgnung basiert. Die Administration ist der
Ansicht, daß die Quote von 30,4 Prozent immer noch
zu hoch ist und gesenkt werden sollte.
Wir stellten fest, daß eine vor 20 Jahren niedriger
veranschlagte Anzahl von Ländern sich seit dieser Zeit
eines beträchtlichen Wirtschaftswachstums erfreut.
Es wäre gerechter, wenn diese Staaten zur Friedenssicherung zumindest einen ebenso großen Beitrag
leisten würden wie zu anderen Aufwendungen der
UNO.

te wichtiger Länder. Wir führen in New York und im
Ausland Konsultationen. Wir stellen fest, daß die
Generalversammlung im Frühjahr und Herbst dieses
Jahres unser Ersuchen um eine Veränderung des
derzeitigen Verteilungsschlüssels prüfen wird. Ich
kann Ihnen versichern, daß wir Sie weiterhin über alle
Entwicklungen auf dem laufenden halten werden.
Der Haushalt der Administration

Erfolgreiche Friedenssicherungsoperationen der Vereinten Nationen dienen unseren Interessen. Sie werden jedoch wahrscheinlich eher Erfolg haben, wenn
wir unserer Verpflichtung zu ihrer Finanzierung vollDeutschland und Japan entrichten jetzt zur Friedens- ständig nachgekommen sind und andere mit ihren
sicherung einen ihrer regulären Quote entsprechen- Zahlungen in Verzug geratene Mitgliedstaaten dazu
den Beitrag, der primär auf ihrem Anteil am weltweiten auffordern, ebenso zu handeln.
Einkommen basiert. Unter dem jetzigen System müßten
sie mehr bezahlen, wenn sie Ständige Mitglieder des Der Haushaltsentwurf des Präsidenten umfaßte 670
Millionen Dollar an zusätzlichen Ausgleichszahlungen,
Sicherheitsrats würden, was wir unterstützen.
um dem Großteil unserer Verpflichtungen für das
Vor zwanzig Jahren stimmten die Vereinten Nationen Haushaltsjahr 1994 nachzukommen. Da diesem Erzu, den amerikanischen Beitrag auf 25 Prozent des suchen nicht stattgegeben wurde, müssen wir jetzt regulären Haushalts zu begrenzen - deutlich weniger mit Ihrer Hilfe - einen anderen Weg finden, um dieses
als die 31,5 Prozent, die wir derzeit beisteuern. Ziel Geld aufzutreiben. Wir haben Ihren Unterausschuß
war es, eine übermäßige Abhängigkeit der Vereinten auch um die Bewilligung von 533 Millionen Dollar für
Nationen von einer einzigen Finanzquelle zu vermei- das Haushaltsjahr 1995 gebeten. Darunter fallen 288
den. Ein ähnlicher Gedanke könnte jetzt die Vereinten Millionen Dollar an zusätzlichen Zahlungen für unsere
Nationen vielleicht dazu bringen, den prozentualen geschätzten Erfordernisse im Finanzjahr 1994. Dazu
Anteil der Vereinigten Staaten an den Kosten der kommt noch ein Antrag von 75 Millionen Dollar an
freiwilligen Beiträgen für die Friedenssicherung, den
Friedenssicherung auf 25 Prozent zu begrenzen.
wir dem Unterausschuß für Auslandsoperationen vorEine Senkung des amerikanischen Beitrags zur Frie- legen.
denssicherung erfordert offensichtlich geschickte diplomatische Bemühungen. Lediglich den besonderen Da wir der Ansicht sind, daß das Außen- und VerteidiVerteilungsschlüssel abzuschaffen, würde beispiels- gungsministerium "gemeinsam" die Verantwortung für
weise nur dazu führen, daß mehr als zwei Drittel der Friedenssicherung tragen sollten, ersucht die AdminiUN-Mitgliedstaaten fünf- oder zehnmal so viel für die stration auch um eine Bewilligung in Höhe von 300
Friedenssicherung zahlen müßten wie zur Zeit.
Millionen Dollar für einen neuen Posten des Verteidigungsministeriums zur Friedenssicherung. Diese Zahl
Die Beibehaltung des derzeitigen Systems und gleich- basiert auf Schätzungen der Kosten friedenssichernzeitige Festsetzung der Höchstgrenze der amerikani- der Operationen, für die innerhalb der US-Regierung
schen Veranschlagung auf 25 Prozent würde die von das Verteidigungsministerium verantwortlich ist - die
den vier anderen Ständigen Mitgliedern des Sicher- Operationen, bei denen Kampfhandlungen oder die
heitsrats getragenen Kosten erhöhen.
Entsendung amerikanischer Kampfeinheiten wahrscheinlich sind. Das Außenministerium wird natürlich
Ich fürchte, wenn wir uns aus Frustration zu unilateraseine traditionelle diplomatische Verantwortung für
lem Handeln entschließen, werden wir letztlich nur
alle friedenssichernden Operationen und Aktivitäten
unseren eigenen Zahlungsrückstand erhöhen, für andere
beibehalten.
einen nachteiligen Präzedenzfall schaffen und möglicherweise unsere Führungsrolle bei den Vereinten
Nationen unterminieren.

Diese Haushaltsforderungen umfassen nicht die
möglichen Kosten neuer oder erweiterter Operationen
In Anbetracht dieser Schwierigkeiten prüfen wir aktiv an Orten wie Georgien oder Bosnien. Im vergangenen
unsere Optionen zur Erzielung einer niedrigeren Ver- Jahr machte die Administration den Vorschlag, einen
Fonds für eventuelle Friedenssicherungsoperationen
anschlagung.
zu errichten, was abgelehnt wurde. Wir haben keine
Wirhaben den Generalsekretär von unserer- und Ihrer andere Wahl, als unsere Forderungen weiterhin an die
- Entschlossenheit in Kenntnis gesetzt, dafür zu sor- geänderten Gegebenheiten anzupassen. Wir würden
gen, daß unsere Quote auf ein vernünftigeres Niveau uns über Anregungen Ihrerseits freuen, wie wir mit
herabgestuft wird. Daraufhin entsandte der General- diesen möglichen Kostensteigerungen umgehen könsekretär Emissäre zu Konsultationen in die Hauptstäd- nen.
Seite 4

AMERIKA DIENST 13

�Ich bitte Sie um Ihre Zustimmung zu unseren Haushaltsanträgen für die Friedenssicherung und unterstreiche dabei folgende drei Punkte:

zuversichtlich sagen könnte, daß wir unsere Rechnungen vollständig und prompt bezahlen. Das gilt sowohl
im Hinblick auf die Frage des Generalinspekteurs - auf
die Herr Bennet noch zu sprechen kommen wird - als
Erstens werden keine friedenssichernden Operatio- auch auf eine Senkung des amerikanischen Anteils an
nen beschlossen, wenn sie nicht von den UN-Mitglied- den Kosten der UN-Friedenssicherung.
staaten finanziell unterstützt werden. Die derzeitigen
finanziellen Engpässe komplizieren die Bestrebun- Eine angemessene Rolle für den Kongreß
gen, effizient zu planen, Reformen durchzuführen und
die für langfristige Einsparungen erforderlichen Inve- Amerika kann allein durch vollziehende Maßnahmen
stitionen zu tätigen. Die Vereinten Nationen sind mit keine fü hrende Rolle in internationalen Organisationen
ihren Zahlungen an die Truppen entsendenden Staa- spielen. Der Kongreß muß ebenso wie der Präsident
ten bereits in Verzug geraten. Wir wissen, daß einige eine bedeutende Rolle spielen, denn der Kongreß ist
Länder die UNO bereits davon in Kenntnis gesetzt ebenso wie der Präsident dem Volk gegenüber veranthaben, daß sie für zukünftige Operationen keine Trup- wortlich. Herr Vorsitzender, ich versichere Ihnen, daß
pen bereitstellen werden, bis die alten Rechnungen wir im Hinblick auf Finanzierung und Politik mit Ihnen
beglichen sind. Das erschwert die Suche nach zusätz- und Ihrem Unterausschuß zusammenarbeiten möchlichen Streitkräften für Orte wie Bosnien sowie die ten. Wir haben enge und regelmäßige Konsultationen
Aufrechterhaltung einer angemessenen Truppenprä- über alle Aspekte unserer Friedenssicherungspolitik
senz in Ländern wie Somalia. Das wiederum gefährdet begonnen und werden sie beibehalten.
den Erfolg solcher Operationen und setzt die dorthin
zur Friedenssicherung Entsandten größerer Gefahr In diesem Sinne werde ich meine Ausführungen mit
einem Zitat aus einer hervorragenden Studie zur Frieaus.
denssicherung beenden, die unter der SchirmherrZweitens ist es nicht schwierig, sich Situationen vorzu- schaft des Stimson Centers und mit Beteiligung von
stellen, in denen wir alle die Wahl treffen müssen, Representative Rogers vorbereitet wurde. Diese
entweder eine für unsere Interessen wichtige Opera- Schlußfolgerung ist auch eine gute Zusammenfastion abzulehnen oder uns für eine Operation zu ent- sung der Einstellung der Administration zur Friedensscheiden, für die uns die nötigen Gelder fehlen. Wir sicherung:
haben beispielsweise großes Interesse daran, daß die
Die Vereinigten Staaten können bei der Bewilligung
Konflikte in der ehemaligen Sowjetunion auf eine die
neuer friedenssichemder UN-Operationen so hart sein,
Vollständigkeit der neuen unabhängigen Staaten
wie sie wollen, und bei der Entscheidung über die
bewahrende Weise gelöst werden. Die Beteiligung der
Teilnahme amerikanischer Streitkräfte so wählerisch,
UNO ist ein Weg zur Erreichung dieses Ziels. Wenn
wie sie wünschen. Wird jedoch die Fähigkeit der UNO
die UN-Mitgliedstaaten jedoch keine Truppen stellen
zu friedenssichernden Operationen erfolgreich veraus Furcht, dafür nicht finanziell entschädigt zu werbessert, wird dasfürdie Vereinigten Staaten eine neue
den, besteht diese Option nicht mehr. So werden
sicherheitspolrtische Option darstellen, die nach Ermeiner Meinung nach große historische Fehler beganmessen der US-Regierung genutzt werden kann und
gen.
uns gestattet, die Notwendigkeit einer Entscheidung
Drittens könnte meine Fähigkeit zur Förderung unse- zwischen unilateralen Aktionen oder hilflosem und
rer reformorientierten Tagesordnung bei den Verein- untätigem Zusehen bei internationalen Konflikten und
ten Nationen entscheidend erhöht werden, wenn ich Greueltaten zu vermeiden.

*

AMERIKA DIENST 13

* * *

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Seite 5

�CHEMIEWAFFEN
30. März 1994

HOLUM DRÄNGT AUF FRÜHZEITIGE RATIFIZIERUNG
DER CHEMIEWAFFENKONVENTION
Erklärung von ACDA-Direktor John Holum
WASHINGTON - (AD) - Die frühzeitige Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention (CW-Konvention) wird "einen
äu ßerst wichtigen Präzedenzfall in der Rüstungskontrolle und eine sicherere Welt für uns alle schaffen", erklärte der
Direktor des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung (U.S. Arms Control and Disarmament Agency - ACDA)
John Holum am 22. März 1994 vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats.
Er rief den Senat dazu auf, zügig seine Zustimmung zur Ratifizierung der CW-Konvention zu geben, damit sie zum
frühestmöglichen Zeitpunkt - im Januar 1995 - in Kraft treten kann.
Schnelles Handeln, so Holum, "wird anderen Ländern - Freunden und vor allem Gegnern - die unmißverständliche
Botschaft senden, daß die Vereinigten Staaten es ernst meinen" und "hinter einem neuen globalen Regime stehen,
das chemischen Waffen ein für allemal die angebliche Legitimität abspricht und ihre Weiterverbreitung stoppt".
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem vorbereiteten Redetext von Direktor Holum.

Die Bedrohung durch Chemiewaffen
Die Ausschußmitglieder sind sich der mit Chemiewaffen einhergehenden Gefahren sehr wohl bewußt.
Während der Verhandlungen über die Konvention
konzentrierten wir uns auf die Notwendigkeit, die von
der Sowjetunion ausgehende Gefahr für die Vereinigten Staaten und die NATO zu beseitigen. Die Sowjetunion existiert nicht mehrund das Risiko, daß Rußland
die von der Sowjetunion geerbten Chemiewaffen gegen
die Vereinigten Staaten und die NATO einsetzt, hat
sich erheblich verringert. Die weltweite Bedrohung ist
jedoch angestiegen, und die Bedrohung durch Chemiewaffen ist heutzutage weitaus vielfältiger und
geographisch verstreuter als in der Vergangenheit.
Wir benötigen die Konvention wegen des russischen
Arsenals dieser Waffen, aber auch - vielleicht noch
mehr - als entscheidendes Werkzeug zur Beseitigung
anderer Chemiewaffenarsenale und zur Verhinderung
der Weiterverbreitung von Chemiewaffen.
Ungefähr 25 Nationen werden derzeit verdächtigt, sich
entweder im Besitz von Chemiewaffen oder der Fähigkeit zu ihrer Herstellung zu befinden. Dazu zählen der
Irak und Libyen, die nicht wegen ihrer Zurückhaltung
bekannt sind. Chemiewaffen werden als "Atombombe
der armen Länder" bezeichnet, weil sie aus Chemikalien hergestellt werden können, die zwar in vielen
Fällen einer Kontrolle unterliegen, aber dennoch käuflich erworben werden können. Heute werden die aus
AMERIKA DIENST 13

Chemiewaffen resultierenden Gefahren durch die
Produktion und potentielle Weiterverbreitung ballistischer Raketen verschärft, die einen Chemiewaff engefechtskopf Hunderte von Kilometern weit tragen können. Im Gegensatz zu der Hemmschwelle beim Einsatz von Atomwaffen ist diese beim Einsatz von Chemiewaffen erfahrungsgemäß weitaus niedriger.
Im 20. Jahrhundert wurden Atomwaffen nur einmal
eingesetzt - zur Beendigung des Kriegs im Pazifik.
Während dieses Zeitraums haben verschiedene Länder jedoch wiederholt zur Erreichung ihrer militärischen oder politischen Ziele Chemiewaffen verwendet. Im Ersten Weltkrieg wurde gegen unsere Soldaten Giftgas eingesetzt. Chemiewaffen wurden in den
dreißiger Jahren in Äthiopien, in den vierziger Jahren
in der Mandschurei und in den sechziger Jahren im
Jemen eingesetzt. Im Krieg zwischen Iran und Irak
wurden Chemiewaffen zur Alltäglichkeit. Saddam
Hussein bekämpfte 1989 die Rebellion der Kurden mit
Chemiewaffen. Und erst kürzlich im Golfkrieg sahen
sich unsere eigenen Soldaten der möglichen Bedrohung durch Chemiewaffen von seiten des Irak gegenüber.
Es ist von Bedeutung, daß drei Viertel der 25 Staaten
mit der Fähigkeit zum Bau von Chemiewaffen die CWKonvention unterzeichnet haben. Wir streben auch
ihre Ratifizierung sowie schließlich ihre universelle
Einhaltung an.
Seite 1

�Schlüsselelemente der CW-Konvention
Die CW-Konvention ist sowohl ein Abrüstungs- als
auch ein Nichtverbreitungsvertrag. Sie schafft einzigartige globale Normen gegen Chemiewaffen, die mit
der Zeit zur Beseitigung dieser ernsten Bedrohung für
unser Land und den Weltfrieden beitragen werden:
Präsident Clinton hat bereits betont, daß die
CW-Konvention eine ganze Kategorie von Massenvernichtungswaffen verbietet. Sieuntersagt
nicht nur jeglichen Einsatz dieser abscheulichen
Waffen, sondern praktisch auch alle anderen im
Zusammenhang mit Chemiewaffen stehenden
Aktivitäten. Darunter fallen ihre Beschaffung,
Entwicklung, Produktion, Lagerung, Beibehaltung und Verlegung durch eine Partei vom Tag
des Inkrafttretens der Konvention an.
Sie fordert die komplette Zerstörung von Chemiewaffen und ihrer Produktionseinrichtungen,
mit Ausnahme von Einrichtungen, deren Konversion für friedliche Zwecke die internationale
für die CW-Konvention zuständige Organisation explizit gestattet.
Sie untersagt jegliche militärische Vorbereitung
für den Einsatz von Chemiewaffen.
Sie stellt den ersten Rüstungskontrollvertrag
mit bedeutenden Auswirkungen auf den Privatsektordar. Aus diesem Grund ist die chemische
Industrie ausführlich konsultiert und an jeder
Phase der Verhandlungen beteiligt worden.
Sie ist der erste Rüstungskontrollvertrag, der
eine Strafe gegen Länder verhängt, die ihm
nicht beitreten.

jetzt in die Lage versetzen, heimliche Bestrebungen im
Chemiewaffenbereich zu identifizieren und entdekken. Im umfassendsten Sinne schaffen wir ein Netz
von Abschreckung, Entdeckung und möglichen Sanktionen, das den Anreiz fürden Bau chemischer Waffen
verringert.
Die Konvention verlangt auch von anderen Ländern
die sichere und umweltverträgliche Zerstörung ihrer
Chemiewaffenarsenale. Wir werden uns während
dieses Prozesses davon überzeugen können, daß
andere Länder ihren umweit- und sicherheitspolitischen Verpflichtungen nachkommen.
Schutz sicherheitsempfindlicher und vertraulicher
Informationen
Das Verifizierungsregime der CW-Konvention schafft
ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen der Notwendigkeit zur Überprüfung der Vertragseinhaltung einerseits und dem Schutz sicherheitsempfindlicher staatlicher sowie eigentumsrechtlicher, nicht mit Chemiewaffen in Zusammenhang stehender Informationen
andererseits. Insbesondere die Bestimmungen der
Konvention über Ad-hoc-lnspektionen gestatten den
Vertragsparteien den Schutz solcher Informationen
durch die Regelung des Zugangs zu sicherheitsempfindlichen staatlichen oder privaten Einrichtungen.
Alle Inspektionen zur Verifizierung der Einhaltung der
CW-Konvention werden im Einklang mit der amerikanischen Verfassung durchgeführt. Die Gesetzgebung
zur Umsetzung der Konvention soll sicherstellen, daß
derartige Aktivitäten ohne Verletzung des verfassungsmäßigen Schutzes durchgeführt werden.
Vertraglich festgelegte Sanktionen

Wenn ein Land die Verpflichtungen der CW-Konvention nicht einhält, kann es mit gravierenden Strafen
Die Konvention enthält ein einzigartiges Verifizierungs- belegt werden. Eine Verletzung der Konvention geht
regime, das mit Bestimmungen für den Umgang mit mit einem spürbaren politischen Preis einher. In Fällen
Parteien gekoppelt ist, die ihren Verpflichtungen nicht ernsthafter Verletzungen kann die CW-Organisation
nachkommen. Die CW-Konvention ist der erste mul- die Verhängu ng kollektiver Sanktionen gegen ein Land
tilaterale Vertrag, der eingehende, kurzfristig anbe- empfehlen, das illegale Aktivitäten mit chemischen
raumte Ad-hoc-lnspektionen angegebener und nicht Waffen durchführt. In besonders gravierenden Fällen
muß sie die Angelegenheit der UN-Generalversammangegebener Lagerstätten verlangt.
lung und dem Sicherheitsrat zur Kenntnis bringen.
Durch die geforderten Angaben und Routineinspektio- Einzelpersonen und Unternehmen unterliegen ebennen werden Informationen über die Chemiewaffenfä- falls den Verboten der Konvention und können vor
higkeiten und Zerstörungstätigkeit anderer Staaten nationalen Gerichten angeklagt werden.
verfügbar. Wenn wir als Ergebnis dieser und durch
nachrichtendienstliche Mittel erworbener Informatio- Besorgnis über Staaten, die der Konvention nicht
nen ein anderes Land der illegalen Chemiewaffenakti- beitreten
vitäten verdächtigen, können wir unter dem Vertrag Ich möchte eine Frage aufwerfen: Warum sollten wir
Ad-hoc-lnspektionen vor Ort einleiten.
die CW-Konvention ratifizieren und unsere Chemiewaffen
aufgeben, wenn wir nicht sicher sein können,
Obwohl kein Vertrag hundertprozentig verifizierbar ist,
daß
auch
die Staaten beitreten, die uns den größten
wird die CW-Konvention das Risiko der Aufdeckung
Anlaß
zur
Sorge bereiten? Die Antwort auf diese
erhöhen und damit zur Abschreckung von illegalen
Frage
hat
drei
Teile. Erstens haben wir bereits die
Chemiewaffenaktivitäten beitragen. Ihre BestimmunEntscheidung
zur
Beseitigung eines Großteils unseres
gen zu Angaben und Inspektion werden uns besser als
Verifizierung

Seite 2

AMERIKA DIENST 13

�Chemiewaffenarsenals getroffen. Der Kongreß hat
das Verteidigungsministerium angewiesen, unseren
Bestand an mit Chemiewaffen bestückten Einzelgefechtsköpfen zu zerstören und Pläne zur Vernichtung
aller anderen von der CW-Konvention verbotenen
chemiewaffenfähigen Materialien zu erarbeiten. Wenn
wir einseitig unsere eigenen Chemiewaffen zerlegen,
ist es angebracht, auch die Zerstörung der Chemiewaffen anderer Länder anzustreben. Die Konvention
erlegt allen Parteien bindende Verpflichtungen auf,
dem Beispiel der Vereinigten Staaten Folge zu leisten.
Die Konvention ist also äußerst wertvoll, selbst wenn
einige wenige radikale Staaten anfänglich nicht beitreten.

über das Verbot von Chemiewaffen ausgesetzt. Wir
hoffen, daß die Staaten sich mit der Zeit der hohen
politischen und wirtschaftlichen Kosten eines Geächtetendaseins bewußt werden und die Mitgliedschaft
anstreben.
Das Entmilitarisierungsprogramm der Vereinigten Staaten

Unsere eigenen Verpflichtungen im Rahmen der
Konvention können sicher und fristgerecht eingehalten werden. Die Gefahr eines Lecks oder der Verseuchung durch die Lagerung hochtoxischer Chemiewaffen wiegt mögliche Risiken bei der Zerstörung unserer
Chemiewaffenbestände auf. Der nationale ForschungsZweitens sind wir überzeugt, daß die Antwort auf den rat gab diese Beurteilung in seinem Bericht über das
Einsatz chemischer Waffen nicht in Vergeltung mit Grundprogramm des US-Heeres (Army Baseline Prodenselben Mitteln bestehen darf, sondern vielmehr in gramm) über die Zerstörung unserer Chemiewaffen in
einem breiten Spektrum defensiver Maßnahmen - wie Hochtemperatur-Verbrennungsanlagen im vergangeFiltersystemen für Panzer und leichten Schutzanzü- nen Monat ab. Der nationale Forschungsrat erklärte:
gen - gekoppelt mit einer starken Verteidigung. Der "Das Grundprogramm hat sich als sicheres und effekGolfkrieg bot eine überzeugende realistische Gele- tives Entsorgungssystem des Bestands erwiesen...
genheit zur Demonstration, daß das amerikanische Verzögerungen bei der Entsorgung können nur das
Militär zur Abschreckung einer Bedrohung mit chemi- bereits bestehende Risiko versehentlichen Austretens
schen Waffen oder einer Reaktion darauf mit einer erhöhen ... und das Risiko der Entsorgung verschärüberlegenen konventionellen Streitmacht und Strate- fen, während der Zustand der Kampfstoffe und Munition sich weiterhin verschlechtert... Der Ausschuß
gie ausgezeichnet in der Lage ist.
vertritt die Auffassung, daß das Entsorgungsprogramm
Die US-Regierung ist sich seit langem der Notwendig- beschleunigt abgewickelt werden sollte."
keit der Beibehaltung unserer defensiven Chemiewaffenprogramme sowie der Notwendigkeit zur Hilfe für Zweifelsohne wird das Grundprogramm ein ernsthafLänder bewußt, die mit Chemiewaffen bedroht oder tes Risiko für die Gesundheit der Menschen und die
angegriffen werden. Die CW-Konvention gestattet Qualität unserer Umwelt beseitigen. Die Prüfung der
ausdrücklich beide Maßnahmen. Viele Länder sehen Zerstörung chemischer Waffen in naher Zukunft durch
diese Bestimmungen als einen maßgeblichen Anreiz, das Grundprogramm ist daher gleichermaßen gute
der Konvention beizutreten. Ich kann Ihnen versi- Umwertpolitik wie Rüstungskontrolle.
chern, daß die Vereinigten Staaten defensive Schutz- Unterstützung durch beide Parteien und entscheimaßnahmen entwickelt haben und dies auch in Zu- dende Wahlkreise
kunft tun werden, die unsere Streitkräfte gegen alle
Bedrohungen mit Chemiewaffen uneingeschränkt Herr Vorsitzender, ich möchte betonen, daß die Beschützen.
strebungen zur Ratifizierung ein anschauliches Beispiel der Überparteilichkeit und Kontinuität sind. Es
Der dritte Teil meiner Antwort auf die Frage, warum wir war nicht zuletzt Präsident Bushs großes persönliches
die CW-Konvention ratifizieren sollten, selbst wenn Engagement für das Verbot chemischer Waffen, das
einige Staaten nicht beitreten, lautet: Durch die Fest- die Vereinigten Staaten zum Abschluß dieses Versetzung einer globalen Norm gegen chemische Waf- trags bewegte, den die Vereinigten Staaten sieben
fen wird die Konvention den Vereinigten Staaten und Tage vor Beendigung seiner Amtszeit unterzeichneder internationalen Staatengemeinschaft effektivere ten. Präsident Clinton hat die Konvention ebenfalls zur
Druckmittel gegen radikale Regierungen zur Aufgabe außenpolitischen Priorität seiner Administration erihrer Chemiewaffenfähigkeiten an die Hand geben. klärt und dies in seiner Rede vor den Vereinten NatioDie CW-Konvention enthält darüber hinaus spezifi- nen im September vergangenen Jahres sowie in seische Verfügungen über die Bestrafungen von Län- nem Bericht zur Lage der Nation im Januar unterstridern, die nicht beitreten. Der Konvention nicht beitre- chen.
tende Staaten werden vom Handel zwischen den
Vertragspartnern mit bestimmten Chemikalien ausge- Schlußbemerkung
schlossen, die nicht nur für die Produktion von Chemiewaffen, sondern auch für die industrielle Entwick- Ich möchte meine heutigen Ausführungen mit dem
lung und das Wachstum von Bedeutung sind. Diese Punkt abschließen, mit dem ich begonnen habe - der
Staaten werden bald als Parias angesehen und inter- Bedrohung der Sicherheit unserer Nation und des
nationalem Druck zur Einhaltung der globalen Norm Weltfriedens durch chemische Waffen. Herr Vorsitzender, indem wir gemeinsam mit anderen Ländern
AMERIKA DIENST 13

Seite 3

�Chemiewaffen verbieten, haben wir eine wesentliche
Bedrohung der Zeit nach dem Kalten Krieg direkt in
Angriff genommen. Die Konvention wird auf lange
Sicht radikale Staaten von der Beschaffung und dem
Einsatz chemischer Waffen gegen unschuldige Menschen abhalten.

der abhalten, diesen gefährlichen Weg einzuschlagen.

Ich fordere den Senat zur eingehenden Beratung über
die Chemiewaffenkonvention und unverzüglichen
Zustimmung zur Ratifizierung auf. Andere Nationen
werden auf den Senat als deutliches Anzeichen des
Die Konvention wird chemische Waffen durch Engagements der Vereinigten Staaten fürdie Konvendie Festsetzung einer globalen Norm, die ihre tion und ihres möglichst baldigen Inkrafttretens blikEntwicklung, Produktion, Beschaffung, Lage- ken. Promptes Handeln des Senats wird anderen
rung, Beibehaltung, Verlegung und ihren Ein- Ländern - Freunden und vor allem Gegnern - die
unmißverständliche Botschaft aussenden, daß die
satz verbietet, ihrer Berechtigung berauben.
Vereinigten Staaten es ernst meinen. Sie werden
Sie wird die Verbreitung chemischer Waffen schlüssig beweisen, daß die Vereinigten Staaten voll
durch das Verbot verhindern, daß Vertragspar- und ganz hinter einem neuen globalen Regime stehen,
teien anderen bei ihrer Beschaffung behilflich das chemischen Waffen ein für allemal die angebliche
sind.
Legitimität abspricht und ihre Weiterverbreitung stoppt.
Die Führungsrolle der Vereinigten Staaten in dieser
Sie wird den künftigen Einsatz chemischer Waffen Angelegenheit wird die Wirksamkeit unserer anderen
durch die mögliche Verhängung von Sanktionen Rüstungskontrollbestrebungen verbessern - einschließgegen sie einsetzende Länder und die Bereit- lich eines umfassenden Teststoppvertrags und unbestellung von Hilfe für die Opfer stoppen.
grenzter Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags.
Sie wird im Völkerrecht eine Grundlage für die
Handhabung von CW-Programmen schaffen, Kurzum, die frühzeitige Ratifizierung der CW-Konvendie die globale und regionale Sicherheit bedro- tion wird die Führungsrolle der Vereinigten Staaten
untermauern, einen äußerst wichtigen Präzedenzfall
hen.
in der Rüstungskontrolle und eine sicherere Welt für
Schließlich wird die CW-Konvention die vielen uns alle schaffen.
zur Produktion von Chemiewaffen fähigen Län-

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AMERIKA DIENST 13

�AUSSENPOLITIK
30. März 1994

CLINTON SOLLTE NICHT UNTERSCHÄTZT WERDEN
von Samuel R. Berger
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen von Samuel R. Berger, dem Stellvertretenden
Nationalen Sicherheitsberater des Weißen Hauses herausgegebenen Artikel, der erstmals am 13. März 1994
in der Washington Post erschien.

Les Gelb vom Council on Foreign Relations verleiht
seiner Bestürzung darüber Ausdruck, daß die Außenpolitik der Clinton-Administration in der amerikanischen Öffentlichkeit populärer ist als unter "den Experten und Gelehrten" (Outlook, 5. März). Was für eine
wunderbare, ermutigende Kritik.

meinschaft demokratischer Marktwirtschaften zu vergrößern. Seit seiner Amtsübernahme hat der Präsident bei allen drei Zielen Fortschritte gemacht.

Er verabschiedete das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA und verhalf den seit sieben
Jahren festgefahrenen Handelsgesprächen des GATT
Zudem behauptet Gelb, Präsident Clinton sei der Welt zu einem erfolgreichen Abschluß. Er richtete die
gegenüber gleichgültig und die Administration verfolge Aufmerksamkeit unserer Nation auf Asien, die Region
keine außenpolitische Strategie. Diese Behauptung der Welt mit dem dynamischsten Wachstum. Er führte
sollte einmal untersucht werden.
historische Vereinbarungen über die Beseitigung der
Atomwaffen in der Ukraine, Belarus und Kasachstan
Erstens sollte die triviale Kritik entkräftet werden, der herbei. Er stand an der Spitze der Bestrebungen, eine
Präsident wende keine Zeit für die Außenpolitik auf. Partnerschaft für den Frieden im Rahmen der NATO
Seit seinem Amtsantritt traf Präsident Clinton mehr als zu schaffen, die Osteuropa stärker in die sicherheitshundertmal mit führenden Politikern anderer Länder politische Zusammenarbeit der NATO einbindet. Er
zusammen, hielt mehr als ein Dutzend wichtiger au- wies das Verteidigungsministerium an, eine grundleßenpolitischer Reden, stattete acht Ländern einen gende Überprüfung unserer Verteidigungsfähigkeit
Staatsbesuch ab, traf bei drei Gipfeln mit Präsident durchzuführen - die erste umfassende Überprüfung
Jelzin zusammen, führte erstmals die Staats- und seit dem Ende des Kalten Krieges. Er gewann neue
Regierungschefs der asiatisch-pazifischen Staaten Unterstützung für die Reformen in der ehemaligen
zusammen, berief einen NATO-Gipfel ein und kündig- Sowjetunion. In kritischen Augenblicken verlieh er
te ein Gipfeltreffen der Länder des gesamten amerika- dem Nahostfriedensprozeß Beständigkeit und Initiatinischen Kontinents an. Wenn der Präsident versucht, ve.
nicht an der außenpolitischen Front tätig zu werden,
versagt er bei diesem Bemühen ganz kläglich.
Nach einjähriger frustrierender Arbeit zur Beendigung
des Konflikts in Bosnien und Milderung des Leidens
Zweitens soll die Behauptung unter die Lupe genom- der Opfer hat die führende Rolle des Präsidenten in der
men werden, Präsident Clinton habe in seinem ersten NATO jetzt zu einer Atempause für Sarajevo geführt,
Amtsjahr keine außenpolitischen Errungenschaften den Verhandlungen neuen Schwung verliehen und ein
zu verzeichnen. Von Beginn seines Wahlkampfes an Abkommen zwischen Bosniern und Kroaten hervorgeund während seiner ganzen bisherigen Amtszeit hat bracht, um wirklichen Frieden zu schaffen.
der Präsident deutlich gemacht, daß die Interessen
der Vereinigten Staaten in drei strategischen Zielen Diese Aktionen spiegeln die Entscheidungen eines
zusammengefaßt werden können: Die Wirtschaft zum Präsidenten wider, der versteht, daß in diesem neuen
Mittelpunkt der Außenpolitik zu machen, unsere Streit- Zeitalter Engagement im Ausland und Stärke im eigekräfte und Sicherheitspolitik an die neuen strategi- nen Land mehr als je zuvor miteinander verbunden
schen Gegebenheiten anzupassen und die Weltge- sind.

AMERIKA DIENST 13

Seite 1

�Der vielleicht größte von Gelb geäußerte Vorwurf
besagt, daß der Präsident - selbst wenn er Engagement zeige - keine außenpolitischen Überzeugungen
besitze. Wiederum belehren uns die Tatsachen eines
Besseren. Überzeugungen werden in Krisenzeiten auf
die Probe gestellt. Und der Präsident hat bei jeder
Gelegenheit den Test bestanden.

gestalten? Die Verabschiedung des NAFTA sendete
ein eindeutiges Signal an die Welt, daß Amerika sich
weiterhin engagiert.

Als unsere Soldaten im Herbst vergangenen Jahres in
Somalia Verluste zu beklagen hatten, die Amerikas
Entschlossenheit auf die Probe stellten, widersetzte
sich der Präsident entschieden den Rufen nach einem
Abbruch des Unternehmens. Präsident Clinton verstärkte unsere Truppen und gewährleistete die erforderliche Unterstützung. Aufgrund der Leistung der
Truppen - und der Führungsstärke des Präsidenten wurde den Somaliern eine ernsthafte Chance zum
Wiederaufbau ihrer Zukunft gegeben.

Präsident Clinton hielt diesen Meinungsumschwung
auf. Er hat sein Land bewegt. Vom NAFTA bis zum
Kampf um die Hilfe für Rußland artikuliert Präsident
Clinton, warum es für diejenigen außerhalb des Elfenbeinturms auf internationales Engagement ankommt,
warum Handelsabkommen bessere Arbeitsplätze
bedeuten, warum der Erfolg der russischen Reformen
eine sicherere Zukunft bedeutet, warum eine wiederbelebte NATO uns sicherer macht. Er weiß um die
Notwendigkeit, erneut eine Lanze für Internationalismus zu brechen. Und das tut er.

Dies war eine Leistung mit enormen Konsequenzen.
Wir müssen uns vor Augen führen, daß zur Zeit der
Amtsübernahme des Präsidenten viele Menschen das
Verhältnis zwischen Innen- und Außenpolitik als NullAls am 3. Oktober vergangenen Jahres die russische summenspiel zu sehen begonnen hatten: Jeder Tag,
Demokratie von ehemals kommunistischen verschwö- den sich ein Präsident mit auswärtigen Angelegenheirerischen Putschisten bedroht wurde, handelte Präsi- ten befaßte, wurde als Tag betrachtet, der nicht zur
dent Clinton unverzüglich zur Unterstützung der russi- Schaffung von Arbeitsplätzen und Wachstum im Inschen Reformkräfte durch die Amerikaner. Sein In- land verwendet wurde. Wie die Experten mit berechstinkt demonstriert das eindeutige, dauerhafte Interes- tigter Sorge feststellten, befanden wir uns kurz vor
se unserer Nation an einem demokratischen Rußland, einem Umschwung der öffentlichen Meinung zu Isolationismus.
das in Frieden mit seinen Nachbarn lebt.

Als sich der Druck nach weiteren Kürzungen des für
unsere Sicherheit unabdingbaren Verteidigungshaushalts verstärkte, hätte ein sich nur mit innenpolitischen
Initiativen befassender Präsident vielleicht unsere
nationale Sicherheit unterbewertet. Präsident Clinton
tat das nicht. Er wandte sich strikt gegen weitere
Kürzungen, weil unser Militär seiner Ansicht nach in
der Lage sein muß, die gesamte Bandbreite von
Bedrohungen in diesem Bereich zu bewältigen.
Und als sich intensiver Widerstand gegen das Nordamerikanische Freihandelsabkommen breitmachte,
hätte ein Präsident "ohne Entschlußkraft" seine Unterstützung für das Abkommen auf ein Minimum begrenzt. Dieser Präsident verteidigte seine Position und
stellte seine Führungsstärke unter Beweis. Er überzeugte die Unentschlossenen mit stichhaltigen und leidenschaftlichen Argumenten.
Die Debatte überdasNAFTA war ein Wendepunkt. Es
ging nicht nur um die Schaffung einer Freihandelszone
mit Mexiko. Es ging in der Tat um sehr viel mehr als
Wirtschaft. Grundsätzlich gesehen, war es eine historische Entscheidung: Würden sich die Vereinigten
Staaten mit dem Ende des Kalten Krieges und angesichts tiefgreifender Veränderungen nach innen wenden oder die Veränderungen der Welt zu ihrem Vorteil

Hat diese Administration alle Antworten auf die sich
wandelnde Welt? Nein. Wir befinden uns zweifelsohne in einer Zeit im Fluß, die von großer Unsicherheit
gekennzeichnet ist. Ebenso wie in der Nachkriegszeit
ist die Schaffung einer neuen Zeit nicht eine Sache von
sechs Tagen. Es kann Jahre dauerhafter öffentlicher
Unterstützung erfordern, bis Schlüsselaspekte unseres Engagements Fuß fassen. Müssen wir mehr zum
Aufbau dieser Unterstützung unternehmen? Definitiv.
Und natürlich ist Erfolg bei auswärtigen Angelegenheiten nie garantiert. Der heutige Kampf um die Zukunft
der Reformen in Rußland ist unsicher und unberechenbar. Trotz des im Weißen Haus gefeierten Durchbruchs im vergangenen Jahr kann keiner davon ausgehen, daß der Frieden im Nahen Osten über Nacht
kommt.
Konstant bleiben die amerikanischen Interessen. Im
vergangenen Jahr hat Präsident Clinton bei der Verfolgung dieser Interessen energische Führungsstärke
bewiesen. Und aufgrund seiner Führungsrolle ist
unsere Nation heute sicherer. Das amerikanische
Volk scheint das besser zu verstehen als einige Experten und Gelehrte.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 13

�FILM
30. März 1994

ZEHN OSCARS FÜR SPIELBERGS FILME
Oscar-Verleihung 1994
Am Ende war die "Liste" lang, umfassend und wirklich stellung und erhielt die begehrte Trophäe für die Verkörperung einer etwas weltfremden, stummen, per
verdient.
Heiratsannonce vermittelten schottischen EhepartneSchindlers Liste, Steven Spielbergs ergreifende, in rin im Neuseeland des 19. Jahrhunderts in Das Piano.
schwarzweiß gedrehte Darstellung eines Kapitels im Und Tommy Lee Jones, einer der handwerklich besten
europäischen Holocaust-dem methodischen Genozid Schauspieler Hollywoods, wurde endlich für seine
der Nazis an Juden und anderen Menschen im Zweiten Arbeit als verbissener Detektiv in Auf der Flucht
Weltkrieg - beherrschte die 66. Oscar-Verleihung am ausgezeichnet, einem der spannendsten Thriller des
21. März 1994. Der Film gewann sieben Oscars, unter Jahres 1993.
anderem als bester Film, fürdie beste Regie, das beste
Drehbuch und die beste Original-Filmmusik.
In einer Nacht weniger Überraschungen war die Kategorie der besten Nebendarsteller das einzig wirklich
Genau 20 Jahre nach seinem ersten Filmdrama The Aufregende. Trotz der überragenden Darstellung von
Sugarland Express erhielt Spielberg endlich die Emma Thompson in Im Namen des Vaters, von
künstlerische Anerkennung der Academy of Motion Hunter in Die Firma (eine seltene DoppelnominiePicture Arts and Sciences, die er die ganze Zeit rung), von Wiona Ryder in Zeit der Unschuld und
während "der längsten Durststrecke meines Lebens", Rosie Perez in Furchtlos, ging die Trophäe an die
wie er es bezeichnete, gesucht hatte. Seine vorheri- Neuseeländerin Anna Paquin. Die 11 jährige Paquin ist
gen Filme, die Milliarden Dollar für die Studios einspiel- die zweitjüngste Oscarpreisträgerin (Tatum O'Neal
ten und Millionen Kinofans unterhielten, wurden im gewann den Oscar mit 10) und wurde für ihre beeingroßen und ganzen bei den Oscar-Verleihungen igno- druckende Verkörperung von Hunters Tochter in Das
riert.
Piano ausgewählt. Die kurze Atemlosigkeit der kleiDieses Mal gewann er nicht nur mit Schindlers Liste, nen Paquin als sie zum Podium ging, um die Auszeichauch sein ebenfalls 1993 in die Kinos gekommener nung von Schaupieler Gene Hackman entgegenzuKassenschlager Jurassic Park wurde mit drei Oscars nehmen, unterstrich ihre Überraschung.
für Spezialeffekte ausgezeichnet.

In gewisser Weise war der Erfolg der romantischen
Komödie
Belle Epoque, Spaniens Beitrag zur KateIn einem Jahr spannender, provokativer Filme - fraglos
gorie
der
fremdsprachigen Filme, unerwartet, angeeinem der besten für Qualitätsfilme in den vergangesichts
überzeugender
anderer Favoriten, von denen
nen Jahren-ragte die Geschichte von Oskar Schindler
drei
aus
Asien
kamen
Lebe wohl meine Konkubine
besonders heraus, einem Nazi-Geschäftsmann, der
(Hongkong),
Das
Hochzeitsbankett
(Taiwan) und
durch das "Mysterium des Guten", wie Schauspieler
Der
Duft
von
grünen
Papayas
(Vietnam)
- sowie
Richard Dreyfuss es bei der Zeremonie beschrieb,
Englands
Beitrag
in
walisischem
Dialekt
Hedd
Wyn.
über 1.200 Juden vor dem sicheren Tod rettete.
Unter der Regie von Fernando Trueba hat Belle EpoSchindlers Liste war jedoch nicht der einzige Erfolg que bereits neun entsprechende Auszeichnungen in
bei der Oscar-Verleihung, die von Los Angeles welt- Spanien gewonnen.
weit live über Satellit übertragen wurde.
Im Gegensatz zu der Zeremonie von 1993, bei der
Tom Hanks gewann den ersten Oscar seiner Karriere einige Teilnehmer kontroverse politische Erklärungen
für seine beeindruckende Darstellung eines AIDS- abgaben, war die Oscar-Verleihung von 1994 eher
infizierten Rechtsanwalts in Philadelphia, der hart- zurückhaltend, wenn auch feierlich und manchmal
näckig gegen die Entlassung aus einer Anwaltssozie- wirklich bewegend. In hohem Maße war dies eine
tät kämpft, während die Krankheit seinen Körper zer- direkte Folge der Themen, mit denen sich die von der
stört. Die zum ersten Mal mit einem Oscar geehrte Kritik besonders gelobten Filme des Jahres 1993
Holly Hunter ist bekannt für ihre ausdrucksvolle Dar- befaßten. Die Ernsthaftigkeit der abstimmenden
AMERIKA DIENST 13

Sehe 1

�Academy-Mitglieder erstreckte sich in der Tat sogar Die Erinnerung war letztlich auch das Thema von
auf Kategorien wie Dokumentarfilme. Hier gingen die Spielbergs Worten bei der Entgegennahme des OsTrophäen an Filmemacher, die Träume und Hoffnun- car. Alserauf der Bühne den Oscarfürdiebeste Regie
gen junger schwarzer Grundschüler erforschten (I Am entgegennahm, ordnete er diesen Sieg in den historiThe Promise) sowie an Defending Our Lives, der schen Zusammenhang ein und sprach von dem Überden nicht allzu leisen Kampf von Opfern häuslicher lebenden des Holocaust, der die Geschichte dem
Schriftsteller Thomas Keneally erzählte, der dann das
Gewalt behandelt.
Buch schrieb, von dem Studioboß bei Universal PicPaul Newman umschrieb diesen Geist, als er den tures, der Spielberg auf das Buch aufmerksam geJean-Hersholt-Preis für humanitäres Engagement - macht hatte, von den 92 Tage dauernden Dreharbeieinen der beiden Ehren-Oscars (den anderen erhielt ten in Polen und den sechs Millionen, "die das nicht
Deborah Kerr für ihr Lebenswerk) - für seine humani- mehr erleben können".
tären Bestrebungen im Laufe der Jahre zur Unterstützung von Kinderhilfsprogrammen und Bedürftigen Einige Minuten später kehrte er mit den Ko-Produzenentgegennahm.
ten Lustig und Jerry Axelson auf die Bühne zurück und
nahm den Oscar für den besten Film entgegen.
"Meines Erachtens werden wir allzuoft daran erinnert,
was in diesem Land nicht funktioniert", äu ßerte er, "und "Ich rufe alle Lehrer, die diesen Film sehen, eindringnicht oft genug an das, was funktioniert". Ich halte die lich auf: Lassen Sie bitte nicht zu, daß der Holocaust
Vereinigten Staaten für das großzügigste Land der zu einer Fu ßnote der Geschichte wird. Bitte lehren Sie
Erde. In unserer Nation sind meiner Meinung nach das in Ihren Schulen. Es gibt 350.000 Zeitzeugen, die
Künstler und Entertainer... die freigebigste Gruppe in ihr Leben der Erinnerungs- und Aufklärungsarbeit
den Vereinigten Staaten - nicht nur im Hinblick auf widmen wollen. Hören Sie bitte auf die Worte, auf die
Geld, sondern auf Inspiration, Mühe, Zeit, Engage- Echos und die Geister."
ment und Risiko."
Oscar-Verleihung 1994
Dieses Jahr versagten mehr Mitwirkenden vor Rührung die Stimme und es wurden mehr echte Tränen Bester Film:
vergossen als üblich - in gewisser Weise ein schwei- Schindlers Liste
gender Tribut an diejenigen, die entweder durch Krank- Bester Hauptdarsteller:
heit oder politische Verfolgung zu früh starben.
Tom Hanks in Philadelphia
Mit dem Oscar für den besten Hauptdarsteller in der
Hand grüßte Tom Hanks diejenigen, die wie die von Beste Hauptdarstellerin:
ihm verkörperte Figur unter AIDS leiden. "Wir kennen Holly Hunter in Das Piano
ihre Namen. Auf jedes rote Band, das wir heute abend
Bester Nebendarsteller:
tragen, kommen tausend", teilte er mit.
Tommy Lee Jones in Auf der Flucht
"Sie alle ruhen bei unserem gnädigen Schöpfer, in
seiner heilenden Umarmung, die ihr Fieber kühlt, sie Beste Nebendarstellerin:
reinigt und ihnen eine einfache, selbstverständliche Anna Paquin in Das Piano
Wahrheit von Augen führt... die von klugen, toleranten
Männern vor 200 Jahren in Philadelphia niederge- Beste Regie:
schrieben wurde."(Ein ironischer Hinweis auf den Titel Steven Spielberg für Schindlers Liste
des Films, der Bezug nimmt auf das "unveräußerliche"
Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück, Bester fremdsprachiger Film:
das in der in Philadelphia von den Gründervätern der Belle Epoque
Vereinigten Staaten verfaßten Unabhängigkeitserklärung niedergeschrieben wurde).
Bestes Original-Drehbuch:
Jane Champion für Das Piano
"Ich war die Nummer 83317". Mit dieser sachlichen
Feststellung nahm der Überlebende des Holocaust Bestes Drehbuch nach Vorlage:
Branko Lustig seinen Oscar als Ko-Produzent von Steven Zaillian für Schindlers Liste
"Schindlers Liste" entgegen und sprach die Hoffnung
aus, er habe "seine Pflicht gegenüber den unschuldi- Beste Kamera:
gen Opfern des Holocaust erfüllt".
Janusz Kaminski in Schindlers Liste
"Der Weg von Auschwitz auf diese Bühne ist lang. Im
Lager starben die Menschen vor meinen Augen. Ihre
letzten Worte waren: "Du sollst von meinem Mord
Zeugnis ablegen. Sage der Welt, wie ich starb. Halte
die Erinnerung wach."
Seite 2

Bester Schnitt:
Michael Kahn in Schindlers Liste

AMERIKA DIENST 13

�Beste Original-Filmmusik:
John Williams in Schindlers Liste

Beste Tontechnik:
Jurassic Park

Bester Titelsong:
Bruce Springsteen in Philadelphia

Beste Bildtechnik:
Jurassic Park

Bester Dokumentarfilm:
I Am The Promise: The Children of Stanton
Elementary School

Bestes Make-up:
Mrs. Doubtfire
Bester Kurzfilm:
Schwarzfahrer

Bester Dokumentar-Kurzfilm:
Defending our Lives

Bester Trickfilm:
The Wrong Trousers

t

Beste Kostüme:
Gabriella Pescucci in Zeit der Unschuld

i

Beste Ausstattung:
Alan Starski und Ewa Braun in Schindlers Liste
Bester Ton:
Jurassic Park

Jean-Hersholt-Preis für humanitäres Engagement:
Paul Newman
Oscar für das Lebenswerk:
Deborah Kerr

* * * *

AMERIKA DIENST 13

*

Seite 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. Nordkorea&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Perry: "Zur Zeit keine Krise"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vereinigte Staaten ergreifen "wohlüberlegte" defensive Maßnahmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. UNO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA arbeiten auf glaubwürdige, kostengünstige UN-Friedenssicherung hin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafterin Albright vor Kongreß-Unterausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Chemiewaffen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Holum drängt auf frühzeitige Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von ACDA-Direktor John Holum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton sollte nicht unterschätzt werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Samuel R. Berger&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Film&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zehn Oscars für Spielbergs Filme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Oscar-Verleihung 1994&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I a

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30. April 1980

22

INHALT

INFORMATION
Carter nominiert Senator Muskie zum neuen US-Außenminister
Dokumentation
US-Außenminister Vance tritt zurlick
- Warren Christopher wird Amtierender Außenminister Präsident Carter nimmt zu dem gescheiterten Befreiungsversuch im
Iran Stellung
- Erklärung vom 25. April 1980 Brown erläutert fehlgeschlagene Geiselbefreiung
- Erklärung des US-Verteidigungsministers HINTERGRUNDMATERIAL
Langfristige Wissenschaftsprogramme zum überleben
- US-Außenministerium befaßt sich mit Forschungsaufgaben von weltweiter
Bedeutung Biomasse - eine respektable Energiequelle
- Internationale Konferenz in Atlanta (USA) -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Information
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22

30. April 1980

CARTER NOMINIERT SENATOR MUSKIE ZUM NEUEN US-AUSSENMINISTER

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 29. April 1980
Senator Edmund Muskie zum Nachfolger für den zurückgetretenen amerikanischen
Außenminister Cyrus Vance nominiert, Diese Nominierung bedarf noch der
Bestätigung durch den Senat der Vereinigten Staaten.
Muskie gehört der Demokratischen Partei an und ist für den Bundesstaat Maine im Senat, Er war lange Zeit Mitglied des Außenpolitischen Ausschusses des Senats und war von seiner Partei im Jahre 1968 als Vizepräsidentschaftskandidat aufgestellt worden.
Zu seinen weiteren politischen Tätigkeitsbereichen gehörten der einflußreiche Haushaltsausschuß des Senats, dessen Vorsitzender er bis zu seiner
Ernennung zum Außenminister war; der Unterausschuß für Rüstungskontrolle,
dessen Vorsitz er ebenfalls innehatte; der Ausschuß für Umweltfragen sowie
der Politische Ausschuß der Demokratischen Partei, dem er als Mitglied
angehört. Zusammen mit dem demokratischer, Kandidaten Humphrey verlor er
1968 die Wahlen nur knapp gegen die damaligen republikanischen Kandidaten

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D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 08-85432

�Kandidaten Richard Nixon und Spiro Agnew..

Im Jahre 1972 bewarb er sich

selbst um das Amt des Präsidenten.
Muskie, auch außer"!ich eine imponierende Gestalt mit seinen 1.93 Metern,
begann seine politische Karriere In der Legislative des Bundesstaates Maine,
einem ländlichen und dünn besiedelten Gebiet im Mordosten der USA, wo man
vor Muskie nur selten einen Demokraten wählte.

Zwei Wahlperloden lang

war er Gouverneur und wurde im Jahr 1958 zum erstenmal in den amerikanischen
Senat gewählt

Seither gelang ihm alle sechs Jahre die Wiederwahl,

Im Februar 1979 ernannte Präsident Carter ihn zu seinem Sonderbotschafter
für

Polen, um Gesprächs mit. dem polnischen Parteichef Edward Gierek über

Wirtschaftsfragen und den SALT II-Vertrag zu führen

Im Verlauf dieser

Reise besuchte Muskie auch die Bundesrepublik Deutschland, Portugal, Spanien
und Belgien.
Muskie wu'-de am 28 März 1914 als zweites -./on sechs Kindern in
Rumford in Maine geboren; seine Eltern waren polnische Emigranten. Er
studierte am Betes College in Maine und schloß sein Jurastudium an der
Corne7!-Universität in New Yo^k ab. Er ist verheiratet jnd Vater von
fünf Kindern,
Unmittelbar nach seiner Wahl daraufhin angesprochen, ob er den Posten
übernommen habe, weil er Präsident Carters Außenpolitik unterstütze oder
ob er lediglich auf den Druck dei" Ereignisse reagiere, antwortete Muskie,
die Zeiten forderten "von uns allen eine Antwort, wenn wir gerufen werden".
Er vermied jeden Hinweis auf die aktuelle Lage,machte jedoch klar, daß er
den Posten nicht angenommen hätte, wenn er nicht noch immer an friedliche
Mittel zur Lösung der Krise im Iran glaube.

+ + + + +

�a

i

i

Dokumentation
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22

30. April 1980

US-AUSSENMINISTER VANCE TRITT ZUROCK
Warren Christopher wird Amtierender Außenminister

WASHINGTON

- (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance

ist am 28. April 1980 von seinem Amt zurückgetreten, weil er die Entscheidung
Präsident Carters, eine militärische Rettungsaktion für die Geiseln in
Teheran zu unternehmen, nicht unterstützen könne.
persönliche Verbundenheit mit Carter.

Er betonte jedoch seine

Der Präsident nahm das Rücktritts-

gesuch von Vance "mit Bedauern" an.
Mit der Leitung des Auswärtigen Amtes der Vereinigten Staaten wurde
der bisherige Stellvertretende amerikanische Außenminister Warren Christopher
betraut. Vance hatte Christopher bereits Ende 1976 zu seinem Stellvertreter
ernannt. Christopher, 54, war Anfang der sechziger Jahre Berater im
amerikanischen Außenministerium gewesen. Er stammt aus Scranton,' North
Dakota, hat Jura studiert, war zunächst als Mitarbeiter für einen Richter am
Obersten Bundesgericht tätig und trat dann in ein Anwaltsbüro in Los Angeles
ein. Er war Mitarbeiter von Vance, als dieser Ende der sechziger Jahre
für Präsident Johnson die durch die Rassenunruhen ausgelöste Krise in

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�in Detroit beilegte,, Der damalige Justizminister holte Christopher in
sein Ministerium, wo er Stellvertretender Justizminister wurde.
Das vom 21„ April datierte und am 28 „ April 1980 veröffentlichte Rücktritts
gesuch von Außenminister Vance hat folgenden Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Präsident,
ich hege für Sie tiefsten Respekt und Bewunderung, und schweren
Herzens reiche ich meinen Rücktritt ein.
Ehre, Ihnen und unserem Land zu dienen,

Es war ein Privileg und eine große
Mit Stolz und Befriedigung blicke

ich auf die vielen Maßnahmen und neuen Richtungen, die unsere Außenpolitik
unter Ihrer Führung gekennzeichnet haben.

Der Panamakanal-Vertrag, die

Camp-David-Abkommen, der ägyptisch israelische Friedensvertrag, die
Normalisierung der Beziehungen mit der Volksrepublik China, die Stärkung
unserer Streitkräfte und unserer Bündnisse, die Aushandlung des SALT IIAbkommens, die Schlichtung in der Zimbabwe-Frage sowie der neue Schwung
und die neue Richtung, die unsere Beziehungen mit den Staaten der Dritten
W e U erhalten haben, sind einige dieser wesentlichen Schritte.
Ich weiß um das sorgfältige Abwägen bei Ihrer Entscheidung hinsichtlich
des Iran.

Ich wünschte, ich könnte Sie dabei unterstützen»

Aber aus den

besprochenen Gründen heraus kann ich es nicht.
Es wäre Ihnen in den kommenden Wochen und Monaten nicht gut gedient
mit einem Außenminister, der Ihnen nicht die öffentliche Unterstützung bei
einem Problem und einer Entscheidung von so außergewöhnlicher Bedeutung
bieten könnte - gleichgültig, wie unveränderlich meine Unterstützung bei
anderen Fragen auch weiterhin wäre oder wie loyal ich mich Ihnen gegenüber
als unserer Führungsspitze verhielte» Eine solche Situation wäre unhaltbar&gt;und unser Verhältnis, das ich so sehr schätze, würde fortwährend darunter
leiden.
Ich
- 2 -

�Ich werde Ihnen stets dankbar sein, daß ich die Möglichkeit hatte,
unter Ihnen zu dienen.

Ich werde für Sie stets tiefsten Respekt und Zu-

neigung hegen, und Sie wissen, daß Sie bei der Führung unserer Nation mit
meiner Unterstützung rechnen können.
Ergebenst
Ihr
gez. Cyrus Vance

In seiner Antwort nahm Präsident Carter am 28. April 1980 das Rücktrittsgesuch von Außenminister Vance an.
Das Schreiben hat folgenden Wortlaut:
An Außenminister Vance,
mit Bedauern nehme ich Ihren Rücktritt an, aber auch mit tiefer Bewunderung für Ihren hingebungsvollen und wirkungsvollen Dienst für mich
und unser Land.
Wie in Ihrem Brief erwähnt wird, gab es unter Ihrer Führung als
Außenminister bemerkenswerte Leistungen.

Ich teile Ihren Stolz über das

Erreichte.
Da Sie meine Entscheidung hinsichtlich der Rettungsaktion im Iran
nicht unterstützen konnten, haben Sie die korrekte Entscheidung getroffen,
zurückzutreten. Ich weiß, daß es sich hier für Sie um eine Angelegenheit
des Prinzips handelt,und ich respektiere die Gründe, die Sie mir darlegten.
Sie verlassen Ihren Posten unter der Bewunderung und mit den besten
Wünschen einer dankbaren Nation.

Unsere enge Freundschaft und Partnerschaft

3 -

�Partnerschaft in schwierigen Zeiten waren für mich stets eine Quelle der
Stärke und der Beruhigung.
Ich freue mich auch weiterhin auf Ihren Rat und Beistand in Fragen,
die bedeutsam für die Vereinigten Staaten sind, für unser Land, dem Sie so
gut gedient haben.
Ihr Freund
gez.
Jimmy Carter

+ + + + +

.

•

- 4 -

�3
I 3

H

Dokumentation

CO

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30. April 1980

PRÄSIDENT CARTER NIMMT ZU DEM GESCHEITERTEN BEFREIUNGSVERSUCH
IM IRAN STELLUNG
- Erklärung vom 25. April 1980 -

WASHINGTON

- (AD) - Präsident Carter hat am Morgen des 25. April 1980

dem amerikanischen Volk in einer Fernseherklärung das Scheitern der geplanten
Rettungsaktion für die Geiseln im Iran mitgeteilt.

Enttäuschung über das

Mißlingen und Bewunderung für den Mut des Rettungsteams mischten sich
dabei mit der Entschlossenheit, die "unversehrte Freilassung" der Geiseln
"zum frühestmöglichen Zeitpunkt herbeizuführen."
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Am späten gestrigen Abend habe ich eine sorgfältig geplante Operation
abgebrochen, die im Iran im Gang war, um unsere Rettungsmannschaft für
einen späteren Rücktransport der amerikanischen Geiseln in Stellung zu
bringen, die dort seit dem 4. November gefangen gehalten werden.

Das

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Das Versagen von Geräten in den Rettungshubschraubern machte es notwendig, das Unternehmen zu beenden.

Während unser Team sich gemäß meiner

Anordnung zurückzog, stießen zwei unserer amerikanischen Flugzeuge nach
dem Wiederauftanken an einem abgelegenen W'üstenort im Iran am Boden zusammen.
Weitere Informationen über diese Rettungsaktion werden dem amerikanischen
Volk zugänglich gemacht,sobald dies angemessen ist.
Es gab keine Auseinandersetzung, es gab keinen Kampf.

Aber zu meinem

tiefen Bedauern wurden acht Besatzungsmitglieder der beiden kollidierenden
Flugzeuge getötet und mehrere andere Amerikaner bei diesem Unfall verletzt.
Unsere Leute wurden sofort aus dem Iran ausgeflogen.

Die Verwundeten

erhielten ärztliche Behandlung und werden wohl bald genesen.
Es liegt uns kein Beweis dafür vor, daß irgendwelche iranischen
Regierungsvertreter oder Behörden von dieser Operation Kenntnis hatten - dies
war erst mehrere Stunden nach dem Rückzug aller Amerikaner aus dem Iran der
hall.
-

Unser Rettungsteam wußte, und ich wußte, daß die Operation sicherlich
schwierig und mit Gewißheit gefährlich sein würde. Wir waren alle davon
überzeugt, daß die Rettungsaktion, hatte sie erst einmal begonnen, ausgezeichnete Erfolgsaussichten gehabt hätte.
Es waren alles Freiwillige; sie waren alle außerordentlich gut.ausgebildet.
Ich traf mit ihren Führern zusammen, bevor sie dieses Unternehmen in
Angriff nahmen.
Sie wußten um meine Hoffnungen und um diejenigen aller Amerikaner,
die sie mit sich trugen.

�Den Familien der Getöteten und Verwundeten möchte ich die Bewunderung
zum Ausdruck bringen, die ich für den Mut ihrer Lieben fühle, und die Sorge,
die ich persönlich für ihr Opfer hege.
Die Mission, die sie durchführen sollten,war eine humanitäre Mission.
Sie richtete sich nicht gegen den Iran.
Volk des Iran.

Sie richtete sich nicht gegen das

Sie wurde ohne jedes Gefühl der Feindschaft gegen den Iran

oder sein Volk unternommen.

Sie forderte keine iranischen Opfer.

Die Planung dieser Rettungsanstrengung begann kurz nach der Besetzung
unserer Botschaft; aber aus einer Reihe von Gründen heraus wartete ich bis
zu diesem Zeitpunkt mit der Verwirklichung dieser Rettungspläne.
Um durchgeführt werden zu können, mußte diese komplexe Operation
das Ergebnis intensiver Planung, intensiver Ausbildung und wiederholter
Übung sein.
Allerdings war eine Lösung dieser Krise durch Verhandlungen und mit
freiwilligen Schritten seitens der iranischen Vertreter damals offensichtlich vorzuziehen; dies ist heute so und wird so bleiben.
Dieser Rettungsversuch mußte auf mein Urteil darüber warten, ob die
iranischen Behörden diese Krise durch ihre eigene Initiative lösen konnten
oder wollten.
Angesichts des ständigen Autoritätsverfalls im Iran und der zunehmenden
Gefahr für die Sicherheit der Geiseln selbst und der zunehmenden Erkenntnis,
daß ihre baldige Freilassung höchst unwahrscheinlich war, traf ich die
Entscheidung, die Pläne für die Rettungsoperation anlaufen zu lassen.
Dieser Versuch wurde zu einer Notwendigkeit und zu einer Pflicht. Die
Bereitschaft unserer Einsatzgruppe, die Rettung zu unternehmen, machte ihn
auch voll durchführbar. Dementsprechend traf ich die Entscheidung, unsere

- 3 -

�unsere von langer Hand vorbereiteten Pläne ins Werk zu setzen.
Ich befahl diese vorbereitete Rettungsmission, um amerikanisches Leben
zu retten, um Amerikas nationales Interesse zu schützen und um die Spannungen
in der Welt zu vermindern, die zwischen vielen Staaten mit dieser fortdauernden Krise entstanden waren.
Es war meine Entscheidung, die Rettungsaktion zu versuchen.

Es war

meine Entscheidung, sie abzubrechen, als sich Probleme bei der Bereitstellung
unseres Rettungsteams für eine spätere Rettungsoperation einstellten.

Die

volle Verantwortung liegt bei mir.
Nach diesem Versuch machen wir auch weiterhin die Regierung des Iran
verantwortlich für die Sicherheit und die baldige Freilassung der amerikanischen
Geiseln, die nun schon so lange festgehalten werden.

Die Vereinigten

Staaten bleiben entschlossen, ihre unversehrte Freilassung zumfrühestmöglichen Zeitpunkt herbeizuführen.
Als Präsident weiß ich, daß unsere ganze Nation wie ich eine tiefe
Dankbarkeit für die tapferen Männer fühlt, die bereit waren, ihre
amerikanischen Landsleute aus der Gefangenschaft zu befreien. Und als
Präsident weiß ich auch, daß die Nation nicht nur meine Enttäuschung darüber
teilt, daß die Rettung wegen mechanischer Schwierigkeiten nicht durchgeführt werden konnte, sondern auch meine Entschlossenheit zum Schutz und
zur Befreiung aller unserer Geiseln. Es gab schon vorher Enttäuschungen.
Wir werden in unseren Anstrengungen nicht erlahmen. Im Verlauf dieser
außergewöhnlich
schwierigen Periode haben wir jeden möglichen Weg zur
Freilassung der Geiseln verfolgt und werden dies auch weiterhin tun.
Während dieser Anstrengungen war
die Unterstützung durch das amerikanische
Volk und durch unsere Freunde auf der ganzen Welt ein entscheidendes Element.
Wir werden fortfahren, um zusammen mit anderen Staaten und mit iranischen
Vertretern eine rasche Lösung der Krise - ohne den Verlust von Menschenleben
und mit friedlichen und diplomatischen Mitteln - zu suchen. Vielen Dank.

+ + + + +

�31
I 3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30. April 1980

22

BROWN ERLÄUTERT FEHLGESCHLAGENE GEISELBEFREIUNG
- Erklärung des US-Verteidigungsministers -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister
Harold Brown gab am 25. April 1980 Einzelheiten des fehlgeschlagenen
Versuchs zur Rettung der Geiseln in Teheran bekannt. Brown brachte
seine Enttäuschung über den Fehlschlag zum Ausdruck, betonte jedoch, daß
die Vereinigten Staaten auch weiterhin alles tun würden, um die Geiseln
zu retten.
Auf einer Pressekonferenz im amerikanischen Verteidigungsministerium
gab Brown einleitend folgende Erklärung ab:
Wie Sie bereits wissen, haben wir in der vorigen Nacht (24. April)
den Abbruch einer Operation im Iran angeordnet, die im Gange war, um eine
Rettung unserer Geiseln vorzubereiten. Der Präsident hat bereits den
allgemeinen Hintergrund dargestellt, und der Chef des Gemeinsamen Stabes
(der amerikanischen Streitkräfte) und ich sind bereit, Einzelheiten hinzuzufügen.
Lassen

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Telex:08-85432

�Lassen Sie mich zu Beginn sagen, daß wir alle stolz sein dürfen
auf die tapferen Männer, die diese Mission unternommen haben.
Mut und Geschick gezeigt.

Sie haben

Und wir sind voll Trauer um die acht Männer,

die ihr Leben gegeben haben in dem Versuch, ihre amerikanischen Mitbürger
zu retten.
Darf ich Ihnen einen kurzen Überblick über die Ereignisse geben,
bevor ich Ihre Fragen beantworte.
Am späten Abend und frühen Morgen des 24. und 25. April iranischer
Zeit unternahmen rund 90 amerikanische Soldaten zusammen mit den Flugzeugbesatzungen eine Operation, um eine Rettung der amerikanischen Bürger vorzubereiten, die als Geiseln in Teheran festgehalten wurden.
Die acht Hubschrauber und dazugehörende Transportflugzeuge waren
auf dem Weg zu einem abgelegenen Landeplatz 200 Meilen von Teheran entfernt
in der iranischen Wüste, der zum Auftanken benutzt werden sollte.
Von dem Erfolg dieser und anderer Schritte abhängend, sollte eine
spätere Entscheidung darüber getroffen werden, ob die eigentliche Rettungsoperation fortgesetzt werden sollte.
Da wir wußten, daß der lange und anstrengende Flug die Kapazität
der Hubschrauber auf eine harte Probe stellen würde, haben wir im Obermaß
vorgesorgt, um zu gewährleisten, daß wir weitermachen konnten, wenn einige
von ihnen unbenutzbar werden sollten.
Zwei der Hubschrauber hatten unterwegs Probleme.

Einer landete

in der Wüste, und seine Besatzung wurde von einem anderen Hubschrauber
aufgenommen, der dann zu dem Ort für das Auftanken weiterflog.

Der

zweite Hubschrauber hatte Schwierigkeiten, kehrte um und landete an Bord
des Flugzeugträgers Nimitz im Arabischen Meer.

- 2 -

Bei Eintreffen an dem

�dem Landungsort in der Wüste traten bei einem dritten Hubschrauber ernste
hydraulische Funktionsstörungen auf, die ihn außer Betrieb setzten.

Der Operationsplan sah eine Beendigung der Mission vor, wenn zu diesem
Zeitpunkt weniger als sechs Hubschrauber einsatzbereit waren.

Daher

beschlossen wir, den Rest der Operation einzustellen und alle Soldaten
abzuziehen.

Als die Flugzeuge in völliger Dunkelheit den Abflug vorbereiteten,
stießen ein Hubschrauber und ein Flugzeug vom Typ C-130 zusammen.
gerieten sofort in Brand.

Beide

Acht unserer Männer wurden getötet, und vier

weitere erlitten Verbrennungen,

Um die sichere Evakuierung des Restes

der Gruppe zu gewährleisten, wies der Befehlshaber am Ort seine Männer an,
die Hubschrauber zu verlassen und mit den verbleibenden Flugzeugen des
Typs C-130 abzufliegen.

Damit blieben zurück die vier einsatzbereiten

Hubschrauber, der Hubschrauber, bei dem hydraulische Funktionsstörungen
aufgetreten waren, und die brennenden Wracks eines Hubschraubers und eines
Flugzeuges vom Typ C-130.

Zu keinem Zeitpunkt der Mission trafen wir auf iranische Streitkräfte.
Jedoch wurden etwa 50 iranische Zivilisten, die zum Zeitpunkt der Landung
der ersten C-130 in einem Bus vorbeikamen, am Ort festgehalten.

Als die

Entscheidung getroffen wurde, die Rettungsanstrengung zu beenden, wurde
allen Zivilisten erlaubt, den Ort zu verlassen, ohne daß ihnen ein Leid
geschah.

Wie Sie aus dieser Darstellung ersehen können, war die Mission komplex
und schwierig - aber nach dem Urteil des Gemeinsamen Stabes und nach
meinem Urteil war sie operativ durchführbar.

Dieses Urteil reifte nach

gründlicher Prüfung, zu der viele praktische Übungen gehörten.

Unser

Plan war sorgfältig durchdacht, und die Ausbildung war erschöpfend.
Plan sah die Möglichkeit der Beendigung der Operation aufgrund

- 3 -

Der

irgendwelcher

�irgendwelcher Schwierigkeiten vor, wie etwa mechanisches Versagen oder
Entdeckung der Mission durch die Iraner.
Der Flug zum Sammelpunkt und das Auftanken selbst waren mit beachtlichem
Erfolg durchgeführt worden, aber wir kamen aufgrund aufgestellter, vorher
gründlich durchdachter Kriterien zu dem Schluß, daß die Zahl der ausgefallenen Hubschrauber die Chance für einen späteren Erfolg bis zu einem
Punkt verringert hatte, die eine Beendigung der Mission diktierte.
Ich glaube, Sie werden begreifen, warum wir versuchen mußten, diese
schwierige Mission zu unternehmen.

Nach unserer Meinung stellte sie den

besten Kurs des Handelns dar, um unsere Geiseln schnell aus dem Iran herauszubringen.

Und es war auch der Kurs, der das geringste Risiko mit sich

brachte, dem iranischen Volk Schaden zuzufügen, und das geringste Risiko,
Instabilität in dieser unruhigen Region zu verursachen.
Wir sind enttäuscht, daß die Mission fehlgeschlagen ist. Wir sind
betrübt über den Verlust des Lebens unserer acht amerikanischen Mitbürger.
Aber niemand möge an unserer Entschlossenheit zweifeln, und niemand möge
die Bedeutung dieser Ereignisse falsch einschätzen. Wir werden nicht
ruhen, bis wir die Freilassung der Geiseln sichergestellt haben."
Auf Fragen von Korrespondenten
dementierte Brown, daß zehn Amerikaner umgekommen seien und weitere
zehn noch durch die Wüste irrten;
betonte er, daß das Unternehmen als erfolgreich durchführbar angesehen wurde;
stellte er fest, daß kein anderes Land und keine andere Regierung
in der gesamten Region über die Mission informiert worden war;
daß
- 4 -

�daß die Einsatzgruppe aus Angehörigen aller vier Teil Streitkräfte
(Heer, Luftwaffe, Marine und Marinekorps) zusammengesetzt war;
daß es sich bei allen um Freiwillige handelte;
daß Hubschrauber des Typs RH-53 eingesetzt waren;
daß die Hubschrauber von einem Flugzeugträger aus gestartet und per
Schiff in die Region gebracht worden waren;
daß, wie bisher, keine Option zur Befreiung der Geiseln ausgeschlossen
werden könne;
daß der Entschluß zur Vorbereitung der Mission vor zwei Wochen, der
Entschluß zum Einsatz selbst am selben Tag getroffen worden sei, weil alle
diplomatischen Bemühungen bisher versagten und man nicht in absehbarer
Zeit mit einer Freilassung rechnen konnte und die Sicherheitslage im Iran
immer unsicherer wurde;
daß Planung und Ausbildung seit November vorigen Jahres im Gange
waren;
daß es sich nicht um einen Angriff auf den Iran, sondern um eine
Rettungsmission handelte;
daß sechs Transportmaschinen

vom Typ C-130 beteiligt waren und daß

die amerikanischen Flugzeuge keine iranischen Hoheitsabzeichen und die
beteiligten Soldaten keine Uniform trugen, die iranischen Uniformen ähnlich
gesehen hätten.
Der amerikanische Verteidigungsminister unterstrich, daß die letzte
Entscheidung und Verantwortung für die Operation beim Präsidenten der
Vereinigten Staaten lag.
+ + + + +

�30. April 1980

22

LANGFRISTIGE WISSENSCHAFTSPROGRAMME ZUM ÜBERLEBEN
US-Außenministerium befaßt sich mit Forschungsaufgaben
von weltweiter Bedeutung

- (AD) - Immer mehr "Säureregen", Vernichtung von Waldbeständen,
das Dahinschwinden und die übermäßige Inanspruchnahme natürlicher Rohstoffe
sind einige der Probleme, mit denen sich die politischen Planer im USAußenministerium befassen müssen. Die Probleme ergeben sich nahezu zwangsläufig aus der Tatsache, daß die Weltbevölkerung rapide zunimmt, immer
mehr Ballungsräume mit Riesenstädten und wachsender Industrialisierung
entstehen und der Pro-Kopf-Verbrauch stark ansteigt. Die dadurch bedingte
Umweltbelastung ist besorgniserregend, die Rohstoffbasis schrumpft immer
mehr. Dies alles seien Fragen von weltweiter Bedeutung und Gegenstand
eingehender Untersuchungen von Experten im US-Außenministerium, wie Botschafter
Thomas R. Pickering kürzlich vor zwei Ausschüssen des US-Kongresses darlegte. Pickering, Unterstaatssekretär im US-Außenministerium, ist als Leiter
der "Abteilung Weltmeere und internationale Umwelt- und Wissenschaftsfragen
(OES)" u.a. für die Durchsetzung der Direktive des US-Kongresses verantwortlich, einer langfristigen Planung auf dem Gebiet von Wissenschafts-,

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�Wissenschafts-, Technologie- und Außenpolitik mehr Aufmerksamkeit zu
widmen.
Pickering äußerte sich u.a. zu folgenden Problemen:
-

Sä'ureregen. Regen, mit Schwefel, Stickstoff und Kohlendioxid
aus den Verbrennungsprodukten fossiler Brennstoffe vermischt,
tötet Süßwasserfische, wenn er in Seen und Flußläufe gelangt,und
kann Bäume in ihrem Wachstum verkümmern lassen.
Schädliche Auswirkungen wurden bereits in Skandinavien, Kanada
und in den Vereinigten Staaten beobachtet.

Pickering forderte

deshalb verstärkte wissenschaftliche Untersuchungen im Zusammenhang
mit dieser Entwicklung.

Die Vereinigten Staaten haben inzwischen

mit der UN-Wirtschaftskommission für Europa eine "Konvention über
grenzüberschreitende Luftverschmutzung" ausgearbeitet; mit Kanada
wurden Verhandlungen über mögliche Gegenmaßnahmen aufgenommen.
-

Vernichtung von Wäldern. Jede Minute werden 20,23 Hektar Waldland auf der Erde zerstört - das heißt, 1 213 Hektar in der Stunde.
Dies bezeichnete Pickering als ein "ernstes weltweites Problem",
was seine Abteilung veranlaßt habe, eine detaillierte Studie
zur "Internationalen Politik für den Tropenwald " auszuarbeiten,
die Präsident Carter im Mai vorgelegt werde.

-

Beseitigung toxischer Substanzen und Abfälle. Das US-Außenministerium
bereitet zusammen mit anderen amerikanischen Behörden einen Maßnahmenkatalog zur "Harmonisierung von Bestimmungen in den Vereinigten
Staaten" vor, insbesondere in bezug auf den Export toxischer
Substanzen und Abfälle. Das US-Außenministerium erschwert in
jeder Hinsicht Aktionen amerikanischer Firmen, anderen Ländern
hohe Geldsummen für die Deponie von Abfällen auf deren Territorium

�Territorium zu bezahlen.
- Zunahme der Weltbevölkerung, "übermäßiges Bevölkerungswachstum
in vielen Teilen der Welt kompliziert amerikanische und internationale Anstrengungen immer mehr und erschwert es außerordentlich»
ein breites Spektrum globaler Probleme - einschließlich wirtschaftlicher Entwicklung, Arbeitslosigkeit, Hunger und Unterernährung,
Umwelt und Energie, Rohstoffnutzung - in Angriff zu nehmen", erklärte
Botschafter Pickering. Unter Einschaltung verschiedener internationaler
Organisationen weite das US-Außenministerium seine Unterstützung
von Aktionen auf den Gebieten der Familienplanung aus. Außerdem
sondiere das State Department Möglichkeiten "für eine wichtige
neue internationale Anstrengung zur Ausweitung der primären Gesundheitsdienste" in der Dritten Welt.
-

Allgemeine Wissenschaft und Technologie. Wie Präsident Carter bereits
erklärt habe, "ist es von wesentlicher Bedeutung, daß wir auf weite
Sicht unsere Beziehungen auf wissenschaftlichem und technologischem
Gebiet mit anderen Ländern pflegen". Die Regierung sei, so
Pickering, in der Entwicklung solcher Beziehungen zu China, Japan
und einer Anzahl von Ländern in Lateinamerika aktiv geworden. OES
unterstützt die neue UN-Organisation, die für die Stärkung internationaler Zusammenarbeit bei der Anwendung von Wissenschaft
und Technik auf Entwicklungsprobleme geschaffen wurde. Außerdem
sind die Vorbereitungen für eine große internationale Weltraumkonferenz im Jahr 1982 in vollem Gang, auf der Fernerkundung aus
dem Weltraum, die Verwendung sog. geostationärer Umlaufbahnen,
der Direktempfang von Funk- und Fernsehsatelliten und die Ausarbeitung von "Grundsätzen für die Verwendung von nuklearen Kraftquellen im Weltraum" erörtert werden.
Kernkraft

�-

Kernkraft und Alternativenergien.

Ein praktikables und dauer-

haftes Gleichgewicht zwischen der Notwendigkeit des fortgesetzten
Ausbaus der Kernkraft als Energiequelle und der Notwendigkeit einer
Verhinderung der Ausweitung von Nuklearsprengkörpern zu schaffen,
ist ein wichtiges Aufgabengebiet des US-Außenministeriums. Gleichzeitig fördert es auch die Nutzung nicht-nuklearer Energie durch
Zusammenarbeit mit anderen Ländern, u.a. mit Japan, Italien, der
Bundesrepublik Deutschland, Kanada, Mexiko, Israel, Venezuela,
Brasilien und Marokko.
-

Weltmeere. Nach den Aussagen Pickerings trug die 10. Konsultativkonferenz der Mitgliedstaaten des Antarktisvertrags im Jahr
1979 dazu bei, Hindernisse für ein internationales Abkommen über
antarktische marine Nahrungsreserven aus dem Wege zu räumen. Auch
hinsichtlich der mineralischen Rohstoffe in der Antarktis wurden
Fortschritte erzielt. OES-Mitarbeiter befassen sich außerdem mit
der öl Verseuchung der Meere, den Problemen des Seerechtsvertrags,
der von einer Anzahl anderer Länder (jedoch nicht von den USA)
vorgenommenen Ablagerung nuklearer Abfälle in den Weltmeeren,
Energieprojekten zur Nutzung von Temperaturunterschieden im Meer
sowie dem Fragenkomplex "Ressourcen der Arktis", um nur einige
der Spezialgebiete aufzuführen.

Im Juni 1980 wird der Bericht über eine umfassende Studie veröffentlicht,
der den Titel trägt: "Global 2 000". Er ist als eine Art Handbuch für
vernünftige Programmplanungen in den kommenden Jahrzehnten gedacht.

+ + + + +

�30. April 1980

22

BIOMASSE - EINE RESPEKTABLE ENERGIEQUELLE
Internationale Konferenz in Atlanta (USA)

- (AD) - Etwa 2 000 Delegierte aus 40 Ländern nahmen am Weltkongreß
über Bioenergie teil, der vom 21.-24. April 1980 in Atlanta (Georgia)
stattfand.

In zahlreichen Referaten und Diskussionen wurden Möglichkeiten

und bisherige Erfahrungen zur Gewinnung flüssiger, gasförmiger und fester
Brennstoffe aus pflanzlicher Materie und organischen Abfällen erörtert.
Technisch ausgereifte Verfahren für die Umwandlung beispielsweise von
Zuckerrohr und Zuckerrüben, Getreide und Pflanzenzellulose in Alkoholtreibstoff sind bereits verfügbar.

Brennbare organische Abfälle können in Gas

umgewandelt, getrocknet oder unter Druck zu anderen gasförmigen Brennstoffen
und zu festem, brikettiertem Brennmaterial verarbeitet werden.

Organischer

Abfall in damit stark angereicherten Abwässern wird unter anaeroben Bedingungen (d.h. unter Sauerstoffabschluß) von Bakterien zersetzt, die
Methan - den Hauptbestandteil im Erdgas - produzieren.
Zahlreiche Länder, unter ihnen Brasilien, China, Frankreich, Kanada,
Schweden, Finnland, die Philippinen, Indonesien, Ghana, Neuguinea und die

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�die Vereinigten Staaten, hatten interessante Programme vorzustellen.

So

beginnen jetzt in Brasilien, das bereits eine Benzin-Alkohol-Mischung als
Kraftstoff verwendet, Kraftfahrzeuge vom Fließband zu rollen, die mit
reinem Alkohol betrieben werden.

Bis 1985 hofft das Land, 10 Milliarden

Liter Äthanolkraftstoff aus Zuckerrohr produzieren zu können (gegenwärtig
sind es ca. 4 Milliarden Liter pro Jahr).

Lourival do Monaco, Koordinator

für Biomasse-Projekte im brasilianischen Ministerium für Industrie und
Handel, berichtete, daß durch die neue Industrie bereits 150 000 neue
Arbeitsplätze geschaffen worden seien.
In der Volksrepublik China, "dem größten Biogas-Produzenten der Welt",
gibt es Dr. Wu Wen vom Institut für Biogas-Entwicklung zufolge z.Zt. sieben
Millionen Faul anlagen zur Gewinnung von Methan. In Behältern von ca.
10 cbm Rauminhalt wandeln Bakterien Dung, organische Abfälle und z.T.
Haushaltmüll in Gas für Kochzwecke, Beleuchtung und Stromerzeugung um.
Jährlich werden derzeit über 500 Millionen Kubikmeter Methan auf diese
Weise gewonnen. Man hoffe, den Bestand an solchen Zersetzungsanlagen pro
Jahr um eine Million vergrößern zu können. Die Anschaffungskosten pro
Stück liegen bei etwa 50 Dollar; mit einer Anlage lasse sich der Energiebedarf einer vierköpfigen Familie decken.
Untersuchungen in Schweden deuten darauf hin, daß das Land seinen
gesamten Energiebedarf aus Biomasse decken könnte. Gegenwärtig bezieht
Schweden acht Prozent seiner Energie aus organischen Stoffen - insbesondere
aus der Zellstoffverarbeitenden Industrie, wo Abfallprodukte zur Erzeugung
von Prozeßwärme für die Papierherstellung und Stromgewinnung verwendet
werden.
Frankreich deckt 1,7 Prozent des Energiebedarfs aus biologischen
Quellen - ein Anteil, der bis 1985 verdoppelt werden soll. Im laufenden
Jahr beabsichtigt die Regierung, 8-10 Millionen Dollar für Forschungs- und
Entwicklungsausrüstungen aufzuwenden, mit denen die verschiedenen Verfahren

- 2 -

�Verfahren zur Nutzbarmachung von Bioenergie demonstriert werden sollen.
Kanada möchte soviel Energie aus organischer Materie erzeugen, daß
bis zum Jahr 2020 ca. 20 Prozent des gesamten Energiebedarfs damit gedeckt
werden (gegenwärtig sind es 5 Prozent).
Das US-Energieministerium steckt in diesem Jahr 57 Millionen Dollar
in Forschung und Entwicklung für die Biomasse-Verwertung. Präsident
Carter setzte für Ende 1981 als Jahresproduktionssoll für Äthylalkohol
fast 1,9 Milliarden Liter an. Im Holz der Wälder, in Ernterückständen bzw.
Abfällen aus der Landwirtschaft und anderen Bereichen hätten die Vereinigten
Staaten theoretisch das 25fache dessen an Energie zur Verfügung, was sie
gegenwärtig verbrauchen. Der gegenwärtige Verbrauch an Energie aus Biomasse
hilft knapp 50 Millionen Tonnen öl einzusparen, während der jährliche
Gesamtverbrauch an Energie in den USA dem Äquivalent von 1,88 Milliarden
Tonnen öl entspricht.
Referenten wiesen darauf hin, daß wenigstens 12 Millionen der rund
520 Millionen Hektar Grasland- und Waldfläche in den Vereinigten Staaten
von sog. Energiefarmen genutzt werden könnten, die Pflanzen speziell für
die Energiegewinnung anbauen. Peter Schauffler, der Koordinator der Bioenergie-Konferenz, schätzte,daß diese Farmen das 10 - 15fache der Energie
produzieren würden, die sie selbst verbrauchen. Auch die amerikanische
Holzverwertungsindustrie erzeugt etwa die Hälfte ihres Energiebedarfs aus
der Verwertung von Prozeßabfällen selbst. Will man Müll, andere Abfälle und
Abwässer für die Alkohol gewinnung verwenden (knapp 38 Milliarden Liter
Alkohol pro Jahr ließen sich daraus erzeugen), so wären dafür 200 bis 300
Produktionsanlagen erforderlich. Kostenpunkt: 20 Milliarden Dollar.
Zahlreiche Wissenschaftler warnten aber auch davor, mit der
industriellen Nutzbarmachung von Biomassen zur Energieerzaigung die Produktion
von Getreide für Nahrungszwecke in den Hintergrund treten zu lassen. David

- 3 -

�David Freeman, der Vorsitzende der TVA (Tennessee Valley Authority), ist
zwar optimistisch hinsichtlich der Erzeugng von "Organokraft", verlangt jedoch
gleichzeitig, daß "dies nicht auf Kosten der Nahrungsversorgung einer von
Hunger geplagten Welt" geschehen dürfe. Vielmehr müsse größeres Gewicht:
auf Forschungen gelegt werden, die auf die Extraktion von Alkohol aus
Bäumen und landwirtschaftlichen Abfällen abzielen.

Es dürfte nicht zu-

gelassen werden, daß die Erschließung der Bioenergie Acker- und Weideland
verdrängt.

Und es sei sicherzustellen, daß Bioenergie-Programme von

intensiven Programmen zur Wiederaufforstung und Bekämpfung von Bodenerosion
begleitet werden.

Die Alkohol Produktion müsse in wirtschaftlich arbeitenden

Destillierbetrieben durchgeführt werden - in Betrieben, die Abwärme statt
fossile Brennstoffe als Prozeßenergie verwenden und Rückstände der Alkoholproduktion der Landwirtschaft wieder als Viehfutter zuführen.

Die Stand-

ortwahl für die neuen Betriebe solle unter Berücksichtigung der regionalen
Gegebenheiten vorgenommen werden; Bioenergieanlagen sollte man klein und
weit gestreut halten, aber nicht in der Form großer Zentren installieren,
um zu verhindern, daß lokale Ressourcen zu stark in Anspruch genommen werden.

•

+ + + + +

�</text>
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        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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                <text>Amerikadienst 30.05.1958</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>30.05.1958</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Der Kampf um die Einheit Europas&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Professor Zurcher von der New York University unterstreicht die Einzigartigkeit der europäischen Integrationsbestrebungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Atom - Wissenschaft - Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Erkenntnisse über den Radioaktiven Zerfall der Neutronen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mittwochs ist Maltag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurse für die Kunsterziehung der Hausfrauen machen Schule&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Geldpreise für Samuel Barber und Arthur Honegger&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Friedrich Gulda spielt Jazz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;im Rahmen der "Music-USA"-Reihe der "Stimme Amerikas"&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower schlägt Sachverständigen-Besprechungen in Genf vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut des Schreibens Präsident Eisenhowers an den sowjetischen Ministerpräsidenten Chruschtschow, überreicht in Moskau am 24. Mai 1958&lt;/em&gt;</text>
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