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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

39

29. September 1993
f

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AUSSENPOLITIK

CLINTON WARNT VOR GEFAHREN
TROTZ ENDE DES KALTEN KRIEGES
Rede des Präsidenten vor der UNO

NAHER OSTEN

USA BERUFEN INTERNATIONALE
KONFERENZ ZUR FÖRDERUNG DES
FRIEDENS IM NAHEN OSTEN EIN
Rede von Außenminister Christopher

FLÜCHTLINGE

CHRISTOPHER: SCHUTZ UND RUCKFÜHRUNG SIND ZIELE DER
FLÜCHTLINGSHILFE
Rede des Außenministers vor
Rechtsausschuß des Senats

ABRÜSTUNG

HILFE FÜR GUS BEI ZERLEGUNG VON
MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN
Rede von Ashton Carter vor
Auswärtigem Ausschuß

FUHRUNGSROLLE DER USA

LAKE: WELTWEITES ENGAGEMENT DER
USA MUSS ERWEITERT WERDEN
Förderung von Demokratie und Marktwirtschaft

GESUNDHEITSREFORM

REFORM DES AMERIKANISCHEN
GESUNDHEITSWESENS
Zusammenfassung des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
•wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�AUSSENPOLITIK
29. September 1993

CLINTON WARNT VOR GEFÄHREN TROTZ
ENDE DES KALTEN KRIEGES
Rede des Präsidenten vor der UNO
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Das Ende des Kalten Krieges leite ein Zeitalter neuen Friedens und des
Wirtschaftswachstums in der Welt ein, erklärte Präsident Clinton am 27. September 1993 vor der Generalversammlung der UNO. In seiner ein breites Spektrum von Themen behandelnden Rede warnte er aber dennoch
vor "blutigen ethnischen und religiösen Konflikten und Bürgerkriegen".
Dem Präsidenten zufolge mu ß es eine der ersten Prioritäten der Vereinigten Staaten sein, die Weiterverbreitung
von Massenvernichtungswaffen atomarer, biologischer und chemischer Art zu verhindern.
Clinton betonte auch die Notwendigkeit, die Fähigkeit der internationalen Staatengemeinschaft zur Bewältigung
regionaler Konflikte zu verbessern und stellte fest, daß die Friedensmissionen der Vereinten Nationen eine neue,
vielversprechende Möglichkeit hierzu darstellen.
Der Präsident versprach, die Vereinigten Staaten würden ihrer Verantwortung in der Welt nicht ausweichen, sich
weiterhin engagieren und eine Führungsrolle übernehmen. "Wir können nicht jedes Problem lösen, aber wir
wollen eine Stütze für den Wandel und ein Zentrum des Friedens sein", so der Präsident.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Clinton vor der UN-Generalversammlung im Wortlaut.
Ich danke Ihnen. Herr Präsident, erlauben Sie mir,
Ihnen zu Ihrer Wahl zum Präsidenten der Generalversammlung zu gratulieren.

Ich verspreche Ihnen, daß meine Nation sich weiterhin
dafür engagieren wird, die Vision der UNO Realität
werden zu lassen. Der Beginn dieser Generalversammlung gibt uns die Gelegenheit, Bilanz zu ziehen,
Herr Generalsekretär, verehrte Delegierte und Gäste, wo wir als Beteiligte am Fortschritt der Menschheit und
es ist mir eine Ehre, in dieser großartigen Institution zu dem Erhalt unseres Planeten stehen.
Ihnen sprechen zu dürfen, die symbolisch für das 20.
Jahrhundert steht - für seine größten Krisen und viel- Es ist offensichtlich, daß wir an einem Wendepunkt der
Geschichte der Menschheit stehen. Jeden Tag scheiversprechendsten Bestrebungen.
nen wir von enormen und vielversprechenden ÄndeIch spreche zu Ihnen als erster amerikanischer Präsi- rungen überschwemmt zu werden. Der Kalte Krieg ist
dent, der nach der Gründung der Vereinten Nationen vorüber. Die Welt ist nicht länger in zwei bewaffnete
geboren wurde. Wie die meisten Menschen heutzuta- feindliche Lager gespalten. Dutzende neuer Demoge erlebte ich wederden erschütternden Weltkrieg, der kratien sind entstanden.
die Menschheit von der Notwendigkeit einer Organisation wie dieser überzeugte, noch die Konferenz von Es ist eine Zeit der Wunder. Wir sehen Nelson ManSan Francisco, die zu ihrer Gründung führte. Jedoch dela Seite an Seite mit Präsident de Klerk das Datum
habe ich mein Leben lang die Arbeit der Vereinten für die ersten nichtrassischen Wahlen in Südafrika verNationen verfolgt - mit Bewunderung für ihre Leistun- künden. Wirsehen Rußlands ersten vom Volk gewählgen, mit Bekümmerung über ihre Fehlschläge und mit ten Präsidenten, Boris Jelzin, der seine Nation auf der
der Überzeugung, daß unsere Generation durch kühnen Reise in die Demokratie anführt. Wir waren
gemeinsame Anstrengungen die kühnen Schritte un- Zeuge, wie eine Jahrzehnte währende Pattsituation im
ternehmen kann, die zur Erfüllung der den Vereinten Nahen Osten endete, als der israelische MinisterpräsiNationen vor 48 Jahren übertragenen Mission erfor- dent und der Vorsitzende der Palästinensischen Befreiungsorganisation Feindschaft und Mißtrauen überderlich sind.

AMERIKA DIENST 39

Seite 1

�wanden und mit ihrem Händedruck weltweit die Hoffnung auf Frieden weckten.

Die böswillige Vernachlässigung unserer Umweit bedroht
die Gesundheit und Sicherheit unserer Kinder.

Wir haben den Beginn der Zerlegung und Zerstörung
atomarer Vernichtungswaffen gesehen. Vor 32 Jahren warnte Präsident Kennedy diese Versammlung,
die Menschheit lebe unter einem Damoklesschwert,
das von einem sehr dünnen Faden gehalten werde.
Jetzt arbeiten die Vereinigten Staaten mit Rußland,
der Ukraine, Belarus und anderen zusammen, um
dieses über uns schwebende Damoklesschwert zu
entfernen und es auf ewig an einem sicheren Ort zu
verschließen. Beten wir darum, daß es für immer dort
bleiben möge.

Die Unterdrückung der Meinungsfreiheit dauert nach
wie vor in zu vielen Nationen an, und der Terrorismus,
der bereits so viele unschuldige Menschenleben gefordert hat, rückte auf erschreckende Weise in unmittelbare Nähe, als militante Fanatiker das World Trade
Center bombardierten und sogar auf diese Stätte des
Friedens einen Anschlag planten.

Auch in diesem Saal ist ein neues Zeitalter angebrochen. Die Konfrontation der Supermächte, die die
Arbeit dieser Institution fast seit ihrem ersten Tag
behindert hat, ist dem neuen Versprechen praktischer
Zusammenarbeit gewichen. Wir müssen uns heute
jedoch alle eingestehen, daß zwei mächtige Tendenzen aus unterschiedlichen Richtungen die Autorität der
Nationalstaaten überall bedrohen und ihre Fähigkeit
zur Zusammenarbeit unterminieren.

Ich versichere Ihnen: Seien es nun die Urheber dieser
Verbrechen oder die Massenmörder, die den Absturz
der Pan Am 103 verursachten - meine Regierung ist
entschlossen, diese Terroristen zur Rechenschaft zu
ziehen.
Zu diesem Zeitpunkt weltweiter Veränderungen, enormer Chancen und beunruhigender Bedrohungen müssen
wir uns alle fragen, was wir als Gemeinschaft von
Nationen tun können und sollten. Wir müssen wieder
wagen davon zu träumen, was sein könnte, damit
unsere Träume in greifbare Nähe rücken. Damit das
geschehen kann, müssen wir die Herausforderungen
der Welt als ganzes ehrlich und bereitwillig angehen.
Das war noch nie einfach.

Nationenübergreifend drängen wirtschaftliche und
technologische Kräfte auf der ganzen Erde die Welt
zur Integration. Diese Kräfte nähren einen willkomme- Als diese Organisation vor 48 Jahren gegründet wurnen Ausbruch von Unternehmertum und politischer de, waren die Nationen der Welt vom Krieg zerstört
Liberalisierung. Sie drohen jedoch auch die Abge- oder aufgrund seiner Kosten mittellos. Es bestand
schlossenheit und Unabhängigkeit der nationalen kaum Interesse an kooperativen Anstrengungen der
Volkswirtschaften zu zerstören, beschleunigen den Nationen. Die meisten Menschen wollten einfach ihr
Wandel und führen zu verstärkter Unsicherheit unter Leben weiterführen. Aber die vorausschauende
Generation führender Politiker in den Vereinigten Staaten
vielen Menschen.
und andernorts rüttelte die Welt auf. Ihre Bemühungen
Gleichzeitig fordern innerhalb einzelner Nationen wie- führten zum Aufbau der Institutionen zur Förderung
derauflebende Bestrebungen ethnischer und religi- von Sicherheit und Wohlstand nach dem Krieg.
öser Gruppen die Regierungen in einer Weise heraus,
auf die sich herkömmliche Nationalstaaten nicht leicht Heute befinden wir uns an einem ähnlichen Zeitpunkt.
Die Dynamik des Kalten Krieges treibt uns nicht mehr
einstellen können.
täglich an. Und angesichts der beängstigenden wirtDiese beiden Kräfte bilden den Kern der Herausforde- schaftlichen und politischen Zwänge, unter denen fast
rungen, mit denen nicht nur unsere Regierung, son- jede hier vertretene Nation steht, widmen viele von uns
dern auch alle internationalen Institutionen konfrontiert ihren eigenen innenpolitischen Erfordernissen und
werden. Sie verlangen von allen hier Anwesenden die Problemen verstärkte Aufmerksamkeit und Energie.
Suche nach neuen Wegen für effektivere Zusammen- Das muß auch so sein. Die Tatsache, daß jeder von
arbeit zur Verfolgung unserer nationalen Interessen uns sein wirtschaftliches Haus wieder in Ordnung
und Erörterung der Frage, ob unsere Institutionen zur bringt, darf aber nicht bedeuten, daß wir unsere FenFörderung der internationalen Zusammenarbeit die- ster zur Welt verschließen. Das Streben nach Erneuesen Zeiten angemessen sind.
rung in vielen der größten und mächtigsten Volkswirtschaftender Welt - in Europa, Japan, Nordamerika - ist
Folglich müssen wir trotz der Versprechungen dieses absolut entscheidend, denn die Weltwirtschaft wird
Zeitalters von einem neuen Frieden erkennen, daß erlahmen, wenn den führenden Industrienationen nicht
ernsthafte Bedrohungen weiterhin bestehen bleiben. die Wiederankurbelung eines robusten WirtschaftsVon Angola über den Kaukasus bis nach Kaschmir wachstums gelingt.
finden blutige ethnische und religiöse Kriege sowie
Bürgerkriege statt. Wenn Massenvernichtungswaffen Für die Wirtschaft der Industrienationen ist Wachstum
in andere Hände gelangen, können sogar kleine Kon- andernorts jedoch ebenfalls vonnöten. Der Wohlstand
flikte ein mörderisches Ausmaß annehmen. Hunger jeder unserer Nationen und Regionen hängt auch vom
und Krankheiten fordern weiterhin einen tragischen aktiven und verantwortlichen Engagement bei einer
Tribut, insbesondere unter den Kindern dieser Welt. Vielzahl gemeinsamer Anliegen ab.

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AMERIKA DIENST 39

�Beispielsweise macht ein prosperierendes und demokratisches Rußland die Welt nicht nur zu einem sichereren Ort, sondern kann auch zur Ankurbelung der
Weltwirtschaft führen. Ein gutes GATT-Abkommen
wird weltweit Millionen von Arbeitsplätzen schaffen.
Frieden im Nahen Osten, der - wie er sollte - von der
Widerrufung überholter UN-Resolutionen untermauert
wird, kann das große wirtschaftliche Potential dieser
Region freisetzen und eine ständige Quelle von Spannungen bei internationalen Angelegenheiten zum
Versiegen bringen. Und die wachsende Wirtschaftsmacht Chinas könnte, gekoppelt mit größerer politischer Offenheit, enorme Vorteile für ganz Asien und
den Rest der Welt beinhalten.

wir uns daher geduldig und entschlossen diesem Streben anschließen.

Ich möchte zunächst darlegen, wo die Vereinigten
Staaten stehen. Sie haben heutzutage bei internationalen Angelegenheiten eine einzigartige Stellung inne.
Wir sind uns dessen bewußt und begrüßen es. Ich
weiß jedoch, daß sich viele Menschen nach dem Ende
des Kalten Krieges fragen, ob die Vereinigten Staaten
sich zurückziehen oder in der Welt engagieren wollen,
und falls sie aktiv sind, welchem Zweck das dienen soll.
Auch viele Menschen in unserem Land fragen sich
das. Ich möchte diese Frage so klar und so einfach wie
möglich beantworten.

Wir werden die Konsolidierung der marktwirtschaftlichen Demokratien, wo sie Fuß fassen, unterstützen beispielsweise in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion und in ganz Lateinamerika. Und wir streben eine
Unterstützung der guten Regierungsführung an, durch
die die Vorteile von Demokratie und Wirtschaftswachstum allen Menschen gleichermaßen zugute kommen.

Heutzutage wird immer noch von manchen die Behauptung aufgestellt, die Demokratie könne auf viele
Länder einfach nicht übertragen werden und ihre jüngste Ausbreitung sei eine Irrung, ein Unfall in der
Geschichte, dessen Folgen bald behoben würden. Ich
stimme jedoch mit Präsident Roosevelt überein, der
einst erklärte: "Das Streben nach Demokratie ist nicht
einfach eine neuere Phase in der Geschichte der
Menschheit. Es ist die Geschichte der Menschheit."

Wir werden uns für die Stärkung der marktwirtschaftlichen Demokratien einsetzen, indem wir unsere WirtWir müssen unserer Öffentlichkeit die folgende Unter- schaft wiederbeleben, den Welthandel durch das GATT,
scheidung verständlich machen: Innenpolitische Er- das Nordamerikanische Freihandelsabkommen und
neuerung ist ein überfälliges Tonikum. Aber Isolatio- andere Vereinbarungen öffnen, unsere gemeinsamen
nismus und Protektionismus sind noch Gift. Wir müssen Institutionen modernisieren, zusammen mit Ihnen die
unsere Völker veranlassen, über ihre naheliegenden Frage untersuchen, ob sie den gegenwärtigen Herausforderungen entsprechen.
Ängste hinaus bis zum Horizont zu blicken.

Wir werden uns um die Verringerung der Bedrohung
durch Demokratien gegenüber feindlich gesinnten
Regimen bemühen unddie Liberalisierung nichtdemokratischer Staaten fördern, wenn sie gewillt sind, in
Frieden mit uns zu leben.

Die Vereinigten Staaten wollen weiterhin engagiert
und führend bleiben. Wir können nicht jedes Problem Als ein Land, innerhalb dessen Grenzen über 150
lösen, aber wir wollen eine Stütze für den Wandel und verschiedene rassische, ethnische und religiöse Grupein Zentrum des Friedens sein.
pen leben, wurzelt unsere Politik in dem tiefempfundeIm Zeitalter neuer Gefahren und Chancen muß es nen Respekt für alle Religionen und Kulturen der Welt
unser oberstes Ziel sein, die Weltgemeinschaft markt- - und das muß auch so sein. Wir müssen uns jedoch
orientierter Demokratien auszuweiten und zu stärken. überall dem zu Terrorismus und Haß führenden ExtreWährend des Kalten Krieges wollten wir die Gefahr für mismus widersetzen.
das Überleben freier Institutionen eindämmen. Jetzt
Wir müssen auch unser humanitäres Ziel weiterverfolstreben wir eine Erweiterung der Gruppe von Nationen
gen, das Leiden zu mildern, umweltverträgliche Entan, die unter diesen freien Institutionen leben.
wicklung zu fördern und die Gesundheits- und LebensWir träumen von einem Tag, an dem die Meinung und bedingungen auf der Welt, insbesondere für die KinEnergie jedes Menschen auf der Welt voll zum Tragen der, zu verbessern.
kommen kann, von einer Welt prosperierender Demo- Bei unseren Bemühungen - seien es Exportkontrollen,
kratien, die zusammenarbeiten und in Frieden leben. Handelsvereinbarungen oder friedenssichernde MaßHiermit möchte ich nicht einen Kreuzzug ankündigen,
um anderen unsere Lebensart oder Ansichten aufzuzwingen oder sie zur Imitation unserer Institutionen zu
bewegen. Wir wissen jedoch gut, daß auf der ganzen
Welt - von Polen bis Eritrea, von Guatemala bis
Südkorea - die Menschen die große Sehnsucht haben,
Herr ihres eigenen wirtschaftlichen und politischen
Schicksals zu sein. Wo das von besonderer Bedeutung ist und wir am meisten bewirken können, werden

AMERIKA DIENST 39

nahmen - werden wir oftmals partnerschaftlich mit
anderen und im Rahmen multilateraler Institutionen
wie den Vereinten Nationen zusammenarbeiten. Das
liegt in unserem nationalen Interesse. Wir dürfen
jedoch nicht zögern, im Alleingang zu handeln, wenn
unsere wichtigsten Interessen oder die unserer Verbündeten bedroht sind.
Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß
die Erweiterung der Gemeinschaft marktorientierter
Seite 3

�Demokratien nicht nur ihren eigenen Sicherheitsinteressen dient, sondern auch die in der Charta dieser
Organisation und ihrer Allgemeinen Erklärung der
Menschenrechte verankerten Ziele fördert. Wohlstand für alle ist eindeutig die stärkste Form präventiver Diplomatie, und die Gewohnheiten der Demokratie
sind die Gewohnheiten des Friedens.
Die Demokratie wurzelt im Kompromiß, nicht in der
Eroberung. Sie belohnt Toleranz, nicht den Haß.
Demokratien führen selten miteinander Krieg. Sie sind
verläßlichere Partner in den Bereichen Handel, Diplomatie und Umweltschutz. Und Demokratien, die die
Rechtsstaatlichkeit sowie politische, religiöse und
kulturelle Minderheiten achten, sind aufgeschlossener
gegenüber ihrem eigenen Volk und dem Schutz der
Menschenrechte.

Über 20 Nationen sind wahrscheinlich im Besitz solcher Waffen, und ihre Anzahl droht zu steigen. Diese
Waffen destabilisieren ganze Regionen. Sie könnten
einen lokalen Konflikt zu einer globalen Katastrophe
für Menschen und Umwelt machen. Wir müssen
unbedingt Wege zur Kontrolle dieser Waffen finden
und die Zahl von Staaten verringern, die sie besitzen,
indem wir die Internationale Atomenergie-Organisation unterstützen und stärken sowie andere notwendige Maßnahmen ergreifen.

Ich habe die Nichtverbreitung zu einer der obersten
Prioritäten unserer Nation erklärt. Wir beabsichtigen,
die Nichtverbreitung enger in das Gefüge unserer
Beziehungen zu den Nationen und Institutionen der
Welt einzubeziehen. Wir streben eine Welt an, die
zunehmenden Druck gegen Weiterverbreitung ausübt, jedoch weiterhin offen für Handel und TechnoloWährend wir auf diese Vision hinarbeiten, müssen wir gien der Staaten ist, die vereinbarte internationale
jedoch mit den Gewitterwolken fertigwerden, die unse- Regeln einhalten. Heute möchte ich mehrere neue
re Arbeit überschatten und den Weg zur Freiheit Maßnahmen umreißen, die unsere Regierung zur
verdunkeln können. Wenn uns nicht die Eindämmung Eindämmung der Weiterverbreitung ergreifen wird.
der Verbreitung der todbringendsten Waffen der Welt
gelingt, kann sich keine Demokratie sicher fühlen. Wir werden neue Schritte zur Kontrolle von nuklearfäWenn wir nicht die Fähigkeit zur Lösung von Konflikten higem Material unternehmen. Die wachsenden globazwischen und innerhalb von Nationen erhöhen, wer- len Arsenale von Plutonium und hochangereichertem
den diese Konflikte die Gründung freier Institutionen Uran verstärken die Gefahr von nuklearem Terrorisverhindern, die Entwicklung ganzer Regionen gefähr- mus für alle Nationen. Wir werden auf ein internatioden und weiterhin unschuldige Menschenleben for- nales Abkommen drängen, das die Produktion dieser
dern.
Waffen für immer verbietet.
Wenn wir nicht unsere Völker und unseren Planeten
durch umweltverträgliche Entwicklung schützen, werden wir die Konflikte vertiefen und die wunderbaren
Dinge verschwenden, die der Lohn unserer Mühe sein
könnten.
Ich möchte darauf eingehen, was wir meines Erachtens in jeder der drei folgenden Kategorien unternehmen sollten: Nichtverbreitung, Konfliktlösung und
umweltverträgliche Entwicklung.
Eine unserer wichtigsten Prioritäten muß die Verhinderung der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen sein, seien sie atomarer, chemischer
oder biologischer Art, sowie der ballistischen Raketen,
die Hunderte von Kilometern entfernte Bevölkerungen
treffen können.
Wir sind uns bewußt, daß das ein akutes Problem
darstellt. Wir alle werden noch von den Bildern der
kurdischen Frauen und Kinder verfolgt, die qualvoll
durch Giftgas starben. Wir sahen den Abwurf von
SCUD-Raketen während des Golfkriegs, die viel schwerwiegendere Konsequenzen gehabt hätten, wenn sie
atomwaffenbestückt gewesen wären. Und wir wissen,
daß viele Nationen immer noch der Ansicht sind, die
Entwicklung von Massenvernichtungswaffen oder der
Verkauf der erforderlichen Technologie um finanzieller
Vorteile willen läge in ihrem Interesse.

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Gleichzeitig mit der Reduzierung ihrer nuklearen Arsenale haben die Vereinigten Staaten auch Verhandlungen über ein umfassendes Verbot von Atomtests
aufgenommen. Im Sommer habe ich erklärt, daß
unsere Nation zur Erleichterung dieser Verhandlungen
ihre Tests aussetzen wird, wenn alle anderen Atomwaffenstaaten dasselbe tun würden. Angesichts der
beunruhigenden Anzeichen erneuere ich heute meinen Appell an die Atomwaffenstaaten zur Einhaltung
dieses Moratoriums, während wir ein endgültiges Verbot
von Atomtests aushandeln.
Darüber hinaus schlage ich neue Bestrebungen zur
Bekämpfung der Verbreitung biologischer und chemischer Waffen vor. Bis heute hat nur eine Handvoll
Nationen die Chemiewaffenkonvention unterzeichnet.
Ich rufe alle Nationen, einschließlich der unseren, zur
unverzüglichen Unterzeichnung dieser Vereinbarung
auf, damit sie bis zum 13. Januar 1995 in Kraft treten
kann.
Ferner streben wir die Verbesserung der Konvention
über biologische Waffen an, mit der die biologischen
Aktivitäten und Einrichtungen aller Nationen offener
für eine internationale Überprüfung gemacht werden.
Ich schlage auch neue Schritte zur Eindämmung der
Verbreitung ballistischer Raketen vor. In Zusammenarbeit mit Rußland, Argentinien, Ungarn und Südafrika
haben wir in jüngster Zeit beachtliche Fortschritte in

AMERIKA DIENST 39

�dieser Hinsicht erzielt. Wir wollen jetzt die Grundsätze
des Raketentechnologie-Kontrollsystems stärken, indem
wir es von einem Abkommen über Technologietransfer zwischen nur 23 Nationen zu einem Regelwerk
machen, das die universelle Einhaltung zwingend
vorschreibt.

unsere Mission beenden und Anarchie und Hungersnöte nicht so schnell zurückkehren, wie sie beseitigt
wurden. Viele kritisieren die UN-Friedenstruppen immsr
noch, aber die dies tun, sollten mit den Menschen in
Kambodscha sprechen, wo dank der UNO-Operationen Minenfelder zu fruchtbarem Boden für Versöhnung wurden. Die Wahlen in Kambodscha vom verWir werden auch unser System der Exportkontrollen in gangenen Mai markierten eine stolze Leistung für
den Vereinigten Staaten überarbeiten, damit es den diese kriegsmüde Nation und die Vereinten Nationen,
Realitäten der Welt nach dem Kalten Krieg Rechnung und ich freue mich, die Anerkennung der neuen Regieträgt. Wir streben die Unterstützung unserer ehema- rung Kambodschas durch die Vereinigten Staaten
ligen Gegner im Kampf gegen die Weiterverbreitung bekanntgeben zu können.
an, verhindern gleichzeitig, daß todbringende Technologien in die falschen Hände geraten und werden mit Die Friedensmissionen der UNO bergen die Hoffnung
unseren Partnern zusammenarbeiten, um veraltete auf eine Lösung der zahlreichen Konflikte dieser Epoche.
Kontrollen aufzuheben, die rechtmäßigen Handel Der Grund, aus dem wir solche Missionen unterstütungebührlich belasten sowie Wachstum und Chancen zen, ist nicht - wie einige Kritiker in den Vereinigten
auf der ganzen Welt über Gebühr beschränken.
Staaten argumentieren - die amerikanische Außenpolitik einer anderen Instanz zu übergeben, sondern die
Während wir darauf hinarbeiten, diese destruktivsten Verbesserung unserer Sicherheit, der Schutz unserer
Waffen der Welt aus Konflikten herauszuhalten, müs- Interessen und die Teilung der Kosten und Anstrensen wir auch die Fähigkeit der internationalen Staaten- gungen zur Sicherung des Friedens unter den Natiogemeinschaft verbessern, diese Konflikte selbst anzu- nen. Friedenssicherung kann kein Ersatz für unsere
sprechen. Denn wie wir alle aus leidvoller Erfahrung nationalen Verteidigungsbestrebungen sein, sondern
wissen, hat uns das Ende des Kalten Krieges nicht ein ergänzt sie in hohem Maße.
Jahrtausend des Friedens beschert. In der Tat hat es
nur zahlreiche ethnische, religiöse und territoriale Heute ist es eine weitverbreitete Tatsache, daß die
Animositäten an die Oberfläche gebracht.
Fähigkeit der Vereinten Nationen zur Friedenssicherung nicht mit der wachsenden Verantwortung und den
Der Philosoph Isaiah Berlin hat erklärt, verwundeter Herausforderungen Schritt gehalten hat. Vor nur
Nationalismus sei wie ein gebogener Ast, der so weit sechs Jahren waren weltweit 10.000 UN-Friedensnach unten gezogen wird, daß er, wenn man ihn truppen stationiert. Heute hat die UNO rund 80.000
losläßt, zurückschnellt. Die Welt von heute ist übervoll Mann zu 17 Operationen auf 4 Kontinente entsandt.
von gebogenen und zurückschnellenden Ästen, die Wenn ein Kommandeur der Friedenstruppen jedoch
verletzte Identitäten symbolisieren.
von irgendwo auf dem Globus zur Nachtzeit in New
Die Geißel bitterer Konflikte stellt hohe Forderungen York anrief, war bis vor kurzem niemand im Büro der
an die UN-Friedenstruppen. Die Blauhelme haben UNO, um den Anruf entgegenzunehmen. Wenn
häufig Wunder bewirkt - in Namibia, El Salvador, auf Menschenleben auf dem Spiel stehen, muß die UNO
den Golanhöhen und andernorts. Die UN-Friedens- in Reichweite sein.
truppen haben zur Beendigung der Kämpfe, Wieder- Wie der Generalsekretär und andere argumentieren,
herstellung der bürgerlichen Ordnung und der Veran- muß sich die UNO, wenn ihre Friedenssicherung eine
staltung freier Wahlen beigetragen.
solide Sicherheitsinvestition für unsere Nation und die
Trotz der Gefahr und Frustration dieser andauernden anderen UNO-Mhgliedstaaten sein soll, an die neuen
Tragödie haben die UN-Friedenstruppen in Bosnien Zeiten anpassen. Zusammen müssen wir die UNmutig humanitäre Hilfe geleistet. Und wenn die Kon- Friedenssicherung auf das 21. Jahrhundert vorbereifliktparteien die harten, für einen wirklichen Frieden ten. Wir müssen anfangen, die harten Fakten der
erforderlichen Schritte unternehmen, muß die interna- militärischen und politischen Analysen in jede UNtionale Staatengemeinschaft einschließlich der Verei- Friedensmission einzubringen.
nigten Staaten bei seiner effektiven Verwirklichung
behilflich sein.

In den vergangenen Wochen hat unsere Nation im
Sicherheitsrat begonnen, unbequeme Fragen zu VorIn Somalia haben die Vereinigten Staaten und die schlägen für neue Friedensmissionen zu stellen: Gibt
Vereinten Nationen bei einer überwältigenden huma- es eine echte Bedrohung des internationalen Frienitären Hilfsoperation zusammengearbeitet, buchstäb- dens? Hat die beabsichtigte Mission klare Ziele? Gibt
lich Tausende Menschenleben gerettet und die Sicher- es eine zeitliche Befristung für diejenigen, um deren
heitsbedingungen für praktisch das gesamte Land Beteiligung ersucht wird? Wieviel wird die Mission
wiederhergestellt. Heute sind UN-Friedenstruppen kosten? Von jetzt an sollten die Vereinten Nationen
aus über zwei Dutzend Nationen in Somalia stationiert diese und andere unbequeme Fragen bei jeder vorgeund einige, darunter auch tapfere Amerikaner, haben schlagenen Mission ansprechen, bevor wir abstimmen
ihr Leben dabei gelassen sicherzustellen, daß wir und bevor die Mission beginnt.
AMERIKA DIENST 39

Seite 5

�Die Vereinten Nationen können sich einfach nicht in
jedem Konflikt der Welt engagieren. Wenn das amerikanische Volk Ja zur UN-Friedenssicherung sagen
soll, müssen die Vereinten Nationen auch Nein sagen
können. Die Vereinten Nationen müssen die technischen Mittel zur Verfügung haben, um eine moderne
Friedenssicherungsoperation von Weltklasse zu leiten.
Wir unterstützen die Gründung eines echten Hauptquartiers für die UN-Friedensmissionen mit Planungsstäben, rechtzeitigem Zugang zu nachrichtendienstlichen Erkenntnissen, einer Logistikeinheit, die unverzüglich disloziert werden kann und einem modernen
Operationszentrum mit globalen Kommunikationsverbindungen.

weit. Jetzt ist es an der Zeit, auch die Funktionsweise
der Vereinten Nationen neu zu erfinden.
Ich begrüße die vom Generalsekretär unternommenen ersten Schritte, um die Bürokratie der Vereinten
Nationen abzubauen und zu reformieren. Jetzt müssen wir alle mehr tun, um Verschwendung auszurotten. Bevor diese Generalversammlung beendet ist,
sollten wir ein starkes Mandat für das Büro eines
Generalinspekteurs schaffen, das den Ruf der Härte,
Integrität und Effektivität erwirbt. Wir wollen neues
Vertrauen unter unseren Völkern aufbauen, daß die
Vereinten Nationen sich entsprechend der Erfordernisse unserer Zeit verändern.

Letztlich liegt der Schlüssel zur Reform der Vereinten
Nationen sowie zur Reform unserer eigenen RegieDie UNO-Operationen müssen nicht nur angemessen, rung in der Erkenntnis, warum wir hier sind und wem
sondern auch fair finanziert werden. Binnen der näch- wir dienen. Wir sollten uns daran erinnern, daß die
sten Wochen werden die Vereinigten Staaten ihre ersten Worte der UN-Charta nicht lauten: "Wir, die
Rechnungen für Friedensmissionen beglichen haben. Regierungen", sondern: "Wir, die Völker der Vereinten
Ich habe hart mit dem Kongreß gearbeitet, damit dies Nationen". Das bedeutet, daß in jedem Land die
geschieht. Meines Erachtens sollten die Vereinigten Lehrer, die Arbeiter, die Bauern, die Akademiker, die
Staaten bei der rechtzeitigen Leistung ihrer Zahlungen Väter, die Mütter, die Kinder - von den entferntesten
mit gutem Beispiel vorangehen, und ich werde darauf Dörfern der Welt bis zu den größten Metropolen - der
hinarbeiten, daß wir unsere Rechnungen in voller Grund sind, aus dem wir uns in diesem Saal versamHöhe begleichen. Ich bin jedoch auch entschlossen, melt haben. Ihre Zukunft steht auf dem Spiel, wenn wir
mit den Vereinten Nationen eine Reduzierung unserer handeln oder nicht handeln. Und sie sind es, die
Beiträge zu diesen Missionen auszuarbeiten.
letztlich unsere Rechnung bezahlen.
Das Beitragssystem ist seit 1973 nicht mehr geändert
worden, und jeder in unserem Land weiß, daß unser
Anteil an der Weltwirtschaft nicht mehr so groß wie
damals ist. Daher sollten unsere Beiträge meiner
Ansicht nach gesenkt werden, um der Anhebung der
Beiträge anderer Nationen Rechnung zu tragen, die
jetzt einen größeren Teil der Finanzlast übernehmen
können. Dadurch wird es für mich als Präsident
leichter sicherzustellen, da ß wir unsere Beiträge rechtzeitig und in voller Höhe entrichten.

Während wir neue Träume in diesem Zeitalter träumen, indem Wunder jetzt möglich scheinen, sollten wir
uns auf das Leben dieser Menschen konzentrieren
und insbesondere auf die Kinder, die diese Welt erben
werden. Wir sollten mit neuer Dringlichkeit arbeiten
und uns vorstellen, welche Art von Welt wirfür sie in der
kommenden Generation schaffen könnten.

Wir wollen mit neuer Energie arbeiten, um die Menschen vor Folter und Unterdrückung zu bewahren.
Wie Außenminister Christopher bei der jüngsten WieVeränderungen bei den Friedenssicherungsoperatio- ner Konferenz unterstrichen hat, sind Menschenrechnen der UNO müssen Teil eines noch umfassenderen te nicht etwas Bedingtes, durch die Kultur BegründeReformprogramms der Vereinten Nationen sein. Ich tes, sondern vielmehr etwas von Gott gegebenes
sage dies ebenfalls nicht, um die Vereinten Nationen Universelles. Diese Generalversammlung sollte endzu kritisieren, sondern um zu ihrer Verbesserung bei- lich einen Hochkommissar für Menschenrechte beruzutragen. Wie unsere Botschafterin bei den Vereinten fen. Ich hoffe, daß Sie dies bald tun werden - mit
Nationen, Madeleine Albright, dargelegt hat, haben die Nachdruck, Energie und Überzeugung.
Vereinigten Staaten stets eine Doppelrolle bei den
Vereinten Nationen als "wichtigster Freund und wich- Wir sollten auch entschieden ehrgeiziger an die Erfüllung unserer Pflicht als Hüter dieses Planeten herantigster Kritiker" gespielt.
gehen, nicht nur, um die Lebensqualität unserer BürHeute sondieren die Unternehmen auf der ganzen ger und die Qualität der Luft, des Wassers und der
Welt Wege, um vom Zeitalter der Industrialisierung Erde selbst zu verbessern, sondern auch, weil die
zum Informationszeitalter überzugehen, Dienstleistun- Ursache von Konflikten so häufig in der Vernachlässigen zu verbessern, Bürokratie abzubauen und die gung unserer Umwelt und Katastrophen wie HungersKosten zu senken. Hier in den Vereinigten Staaten nöten und Krankheiten begründet liegt.
haben unser Vizepräsident AI Gore und ich Bestrebungen in die Wege geleitet, um die Funktionsweise Im Verlauf unseres Wahlkampfs in den Vereinigten
unserer Regierung buchstäblich neu zu erfinden. Dies Staaten im vergangenen Jahr haben Vizepräsident
beobachten wir auch bei anderen Regierungen welt- Gore und ich dem amerikanischen Volk tiefgreifende
Veränderungen in der Umweltpolitik unseres Landes
Seiteß

AMERIKA DIENST 39

�versprochen. Diese Versprechen sollten gehalten
werden, und die Vereinigten Staaten werden dies
heute tun.

Um eine gesündere und wohlhabendere Welt zu
gewährleisten, müssen wir unbedingt die Bevölkerungsexplosion in den Griff bekommen. Wir können es
uns nicht leisten, daß sich die Menschheit bis Mute des
Heute arbeiten wir mit anderen Nationen zusammen, nächsten Jahrhunderts verdoppelt. Unsere Nation hat
um auf der vielversprechenden Arbeit der UNO-Kom- zumindest ihre Verpflichtung erneuert, mit den Vereinmission für umweltverträgliche Entwicklung aufzubau- ten Nationen an der Erweiterung der Familienplanung
en. Wir wollen sicherstellen, daß alle Nationen ihre im und -beratung zusammenzuarbeiten. Wir müssen
Rahmen der Globalen Klimakonvention eingegange- sicherstellen, daß es einen Platz am Tisch für jedes
nen Verpflichtungen einhalten. Wir streben den Ab- Kind der Welt gibt. Und wir können es.
schluß von Verhandlungen über eine Vereinbarung
an, die eine weitere Versteppung der Welt verhindern Bei der Gründung dieser Organisation vor 48 Jahren soll. Und wir wollen die Bestrebungen der Weltge- ebenfalls einer Zeit der Siege und Gefahren - trat eine
sundheitsorganisation bei der Bekämpfung der Seu- Generation begnadeter Politiker aus vielen Nationen
che AIDS stärken, die nicht nur Millionen Menschenle- vor, um die Bestrebungen der Welt zugunsten von
ben fordert, sondern auch die Ressourcen von Natio- Sicherheit und Wohlstand zu organisieren. Ein amerinen erschöpft, die es sich am wenigsten leisten kön- kanischer Politiker jener Epoche sagte: "Es ist an der
nen.
Zeit, daß wir uns von den Sternen leiten lassen und
nicht von den Lichtem der vorbeifahrenden Schiffe."
Wir wollen neue Verpflichtungen für die Kinder der Seine Generation entschied sich für Frieden, menschWelt eingehen. Es ist tragisch genug, daß eineinhalb liche Würde und Freiheit. Dies sind die guten Sterne,
Millionen Kinder im vergangenen Jahrzehnt infolge und sie sollten am höchsten an unserem Firmament
von Kriegen gestorben sind. Es ist jedoch weit unver- stehen.
zeihlicher, daß in dem gleichen Zeitraum 40 Millionen
Kinder an Krankheiten gestorben sind, die mit einfa- Nun hat die Geschichte uns einen Augenblick noch
chen Impfungen oder Medikamenten absolut vermeid- größerer Chancen gewährt. Wenn alte Gefahren und
bar gewesen wären. Jeden Tag - auch heute, da wir alte Mauern verschwinden, werden künftige Generauns hier versammelt haben -sterben 30.000 Kinder auf tionen jeden von uns vor allem danach beurteilen, was
der Welt an Unterernährung und Krankheiten.
wir aus diesem magischen Augenblick machen. Wir
wollen geloben, wir werden größer träumen, härter
Unser UNICEF-Direktor, Jim Grant, hat mich daran arbeiten, damit sie zu der Schlußfolgerung gelangen
erinnert, daß jedes dieser Kinder einen Namen und können, daß wir nicht nur Mauern in Schutt, sondern
eine Nationalität, eine Familie, eine Persönlichkeit und statt dessen die Fundamente für große Dinge gelegt
Potential hatte. Wir sind gegenüber den Kindern der haben, die kommen werden.
Welt verpflichtet, es besser zu machen. Ebenso wie
unsere Nation neue Reformen in die Wege geleitet hat Wir wollen sicherstellen, daß die Woge der Freiheit
um sicherzustellen, daß jedes Kind eine angemessene und Demokatie nicht durch den schneidenden Wind
Gesundheitsfürsorge hat, müssen wir mehr tun, damit des ethnischen Hasses zurückgedrängt wird. Wir
Impfstoffe und andere Medikamente für heilbare Krank- wollen sicherstellen, daß die gefährlichsten Waffen
heiten zu den Kindern auf der ganzen Welt gelangen. der Welt sicher abgebaut und den Händen gefährlicher
Dies ist die beste Investition, die wir je tätigen können. Terroristen verwehrt werden. Wir wollen sicherstellen,
daß die Welt, die wir unseren Kindern hinterlassen,
Wir können neue Wege sondieren um zu gewährlei- gesünder, sicherer und reichhaltiger ist als die heute
sten, daß jedes Kind mit sauberem, trinkbarem Was- von uns bewohnte.
ser aufwächst - dieser größten Kostbarkeit des Lebens.
Und die Vereinten Nationen können noch härter daran Ich glaube - ich weiß - daß wir gemeinsam diesen
arbeiten sicherzustellen, daß jedes Kind zumindest Augenblick der Wunder in ein Zeitalter großartiger
eine abgeschlossene Grundschulausbildung hat, und Arbeit und neuer Wunder ausdehnen können.
diese Chance gilt für Mädchen ebenso wie für Jungen.

* * * * *

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�NAHER

OSTEN
29. September 1993

USA BERUFEN INTERNATIONALE KONFERENZ
ZUR FÖRDERUNG DES FRIEDENS IM
NAHEN OSTEN EIN
Rede von Außenminister Christopher
NEW YORK - (AD) - Bei einer Versammlung des Council on Foreign Relations und der Columbia School of
International and Public Affairs erklärte Außenminister Christopher am 20. September 1993, ein weiterer Aspekt
der Bestrebungen zur Förderung der Versöhnung sei, "unsere anderen arabischen Freunde zu ermutigen, kühn
auf die Unterstützung des Friedens hinzuarbeiten".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Außenministers in wesentlichen Auszügen.

Vor einer Woche unternahm die Welt einer großen
Schritt zu einer friedlicheren Zukunft. Dieser schlichte
Händedruck zwischen einstmals unversöhnlichen
Gegnern birgt eine erlösende Kraft, die zur Heilung der
Wunden dieses häufig allzu gewalttätigen Jahrhunderts beitragen kann.

Konflikte stets den Weltfrieden bedrohen, dauerhaftes
Interesse an der Sicherheit und dem Wohlergehen
Israels und an kooperativen Beziehungen zu der arabischen Welt und dauerhaftes Interesse an den ölreserven der Region, die den Lebensnerv eines Großteils der Weltwirtschaft bilden.

Wie der Zusammenbruch des Kommunismus bekräftigt der Beginn der historischen Versöhnung zwischen
Israelis und Palästinensern unsere Überzeugung, daß
Hoffnung irgendwann an die Stelle von Verzweiflung
treten, Kooperation Konflikt überwinden kann und Frieden und Freiheit über Krieg und Tyrannei triumphieren
können.

Diese dauerhaften Interessen haben den Nahen Osten
zu einem konstanten und unerläßlichen Ziel der amerikanischen Außenpolitik gemacht.
Seh Jahrzehnten war dieses Ziel nicht greifbar. Die Region
blieb ein Pulverfaß, das drohte, uns in todbringende
Kriege zu verstricken. Diese Unbeständigkeit war
großenteils auf die Existenz einer Sowjetunion zurückzuführen, die entschlossen war, die Kräfte des RadikaHeute möchte ich Ihnen meine Gedanken über die lismus und Konflikts zu schüren. Obwohl die Sowjets
historischen Entwicklungen der vergangenen Woche keinesfalls den arabisch-israelischen Konflikt verurim arabisch-israelischen Friedensprozeß vermitteln. sacht haben, taten sie alles in ihrer Macht Stehende,
Ich werde die Ereignisse vom letzten Montag in einen damit es in der Region konstant brodelte. Ihre Politik
historischen Kontext stellen und Ihnen die von uns zu bestand in der Ermutigung Radikaler, Einschüchteunternehmenden Schritte darlegen, damit uns diese rung Gemäßigter und hinterließ Israel -abgesehen von
Chance für Frieden nicht entgleitet.
seiner Freundschaft zu den Vereinigten Staaten - in
einem einsamen Belagerungszustand.
Seit über 45 Jahren haben demokratische und republikanische Administrationen unermüdlich daran gear- Im gesamten Verlauf des Kalten Krieges gelang es nur
beitet, den Zyklus von Gewalt zwischen Israel und einem arabischen Land - Ägypten - die Mauer zu
seinen arabischen Nachbarn zu durchbrechen. Sie durchbrechen, zu deren Errichtung Moskau beigetrataten dies aus der Überzeugung heraus, daß die gen hatte. Ägypten trotzte der Ächtung, um Frieden
Vereinigten Staaten ein dauerhaftes Interesse an die- mit Israel zu schließen. Seit 14 langen Jahren hat
ser historischen und strategischen Schnittstelle ha- diese Leistung Bestand. Es war auch eine einsame
ben, dauerhaftes Interesse an einer Region, in der Leistung - bis vergangenen Montag. Das Abkommen
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Seite 1

�zwischen Israel und den Palästinensern - bei dem der
ägyptische Präsident Mubarak eine entscheidende
Rolle spielte - steht als mächtiges Symbol für den Mut
und die Vision dieser Nation.
Erst als der Kalte Krieg abzuebben begann, boten sich
neue Chancen zur Bekämpfung der Ablehnung und
der Förderung des Friedens. Dies wurde auf dramatische Weise während des Golfkriegs deutlich. Durch
die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion konnte Saddam Husseins
radikale Herausforderung entschieden zurückgewiesen werden. Ohne das Mäzenatentum der Sowjetunion entpuppte sich Saddams Kriegsoption" als überhaupt keine Option. Die überwältigende Darbietung
von Macht, Prinzipien und Führungsrolle seitens der
Vereinigten Staaten trug zu einer Verlagerung des
Kräftegleichgewichts im Nahen Osten zu Mäßigung
und einer Chance für Versöhnung bei.

- sei es mit der Vorlage des Entwurfs einer Grundsatzerklärung oder dem konstanten Drängen nach einer
Definition des Möglichen - und damit den Weg für die
Entscheidung bei den Geheimverhandlungen in Oslo
geebnet, für die wir den Norwegern soviel verdanken.
Letztlich gebührt der Triumph vom vergangenen Montag
den Parteien selbst - den Israelis und Palästinensern
- die einander entgegengekommen sind. Und das
sollte auch so sein. In der Tat lautete die Grundprämisse des Madrider Prozesses, daß direkte Verhandlungen zwischen den Parteien unabdingbar sind. Von
Anfang an haben die Vereinigten Staaten die Kommunikation über so viele Kanäle wie möglich ermutigt sowohl offiziell als auch inoffiziell, öffentlich und privat
- aus der Überzeugung heraus, daß die dauerhafteste
Lösung eine in direkten Verhandlungen geschmiedete
ist.

Es wäre ein großer Fehler, wenn Amerika sich jetzt
zurückziehen oder vor seiner gleichberechtigten und
seit langem bestehenden Rolle als Partner im Friedensprozeß zurückschrecken würde. Unsere Führungsrolle ist unerläßlich, wenn dieses historische
Abkommen sein volles Potential entfalten soll. Im
Namen von Präsident Clinton gebe ich heute unsere
Absicht bekannt, weitreichende Bestrebungen anzuführen, nicht nur, um dem Frieden eine Chance zu
geben, sondern um sicherzustellen, daß er Erfolg
haben wird. Ebenso wie die Vereinigten Staaten eine
Bei seiner Wahl hat Präsident Clinton unverzüglich die erfolgreiche internationale Koalition organisiert haben,
historische Rolle und das dauerhafte strategische In- um den Krieg am Golf zu führen, werden wir jetzt eine
teresse der Vereinigten Staaten am arabisch-israeli- neue Koalition gründen - eine Koalition, um der israeschen Friedensprozeß bekräftigt. Er sah die Chance lisch-palästinensischen Deklaration Leben einzuhaufür einen historischen Durchbruch. Am Morgen nach chen.
seiner Wahl erklärte er die Förderung des Friedens im
Nahen Osten zur obersten Priorität. Aus diesem Als einen ersten Schritt werden die Vereinigten StaaGrund unternahm er rasch Schritte, um das Vertrauen ten eine Konferenz zur Förderung des Friedens im
der entscheidenden Parteien in der Region zu gewin- Nahen Osten einberufen, die auf dem in Madrid genen und die uneingeschränkte Unterstützung der schaffenen Rahmen aufbaut. Minister Bentsen und
Vereinigten Staaten für die Sicherheit Israels zu be- ich werden zusammen mit unseren russischen Amtskräftigen. Und aus diesem Grund schickte er mich bei kollgen die Außen- und Finanzminister aus Europa,
meiner ersten offiziellen Reise ins Ausland in den Japan, Saudi-Arabien und den Golfstaaten, Kanada,
Nahen Osten. Seine Botschaft war eindeutig: Die den nordischen und anderen Ländern einladen - und
Vereinigten Staaten sind der Förderung des Friedens- natürlich die Israelis und Palästinenser. Die Weltbank
prozesses, der Wiederbelebung der Verhandlungen wird ebenfalls anwesend sein und eine führende Rolle
und der Ausweitung der amerikanischen Rolle zu bei der Koordinierung und Bereitstellung dieser Hilfe
einem gleichberechtigten Partner unerschütterlich spielen.
verpflichtet.
Der Zweck dieser Konferenz besteht in der AufbrinDie Bestrebungen des Präsidenten gründeten sich auf gung der für die Verwirklichung des Abkommens erfordie harte Arbeit seiner Vorgänger. Unsere Siege im derlichen Mittel. Die internationale StaatengemeinKalten Krieg und am Golf schufen ein Umfeld, in dem schaft muß unverzüglich Schritte unternehmen, damit
Frieden möglich wurde. Unsere Intervention im ent- das Abkommen greifbare Verbesserungen für die
scheidenden Moment in diesem Jahr zur Lösung der Sicherheit und das tägliche Leben der Palästinenser
Krise um die palästinensischen Deportierten und die und Israelis hervorbringt. Wenn Frieden erlangt werGewalt im Libanon rettete den Friedensprozeß, als er den soll, muß das Abkommen schnell und durchgreizu scheitern drohte. Im gesamten Verlauf der letzten fend Ergebnisse zeitigen.
22 Monate haben die Vereinigten Staaten sowohl
unter republikanischen als auch demokratischen Prä- Es gibt unterschiedliche Schätzungen bezüglich der
sidenten das politische Engagement aufrechterhalten für den Aufbau einer wirtschaftlichen Basis im GazaHätten wir es dabei bewenden lassen - anderen die
Arbeit überlassen, die Chance zur Realität werden zu
lassen - hätte das dramatische Ereignis vom vergangenen Montag vielleicht niemals stattgefunden. Nur
die Vereinigten Staaten konnten den Arabern und
Israelis die erforderlichen Zusicherungen geben, um
nach Madrid zu gehen und das Risiko auf sich zu
nehmen, das Tabu direkter Verhandlungen zu brechen.

Seite 2

AMERIKA DIENST 39

�streifen und Westjordanland benötigten Ressourcen.
Ersten Schätzungen der Weltbank zufolge werden
mindestens 3 Milliarden Dollar über die nächsten zehn
Jahre erforderlich sein. Ein Großteil dieser Summe
wird im nächsten Jahr als Anschubfinanzierung benötigt. Alle stimmen darin überein, daß wir unverzüglich
Schritte unternehmen müssen, um die hohe Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, die die Familien aller Hoffnungen beraubt und Extremismus schürt. Wohnungen,
Straßen und andere dauerhafte Verbesserungen
müssen schnell geschaffen werden. Darüber hinaus
müssen wir jetzt handeln, um der öffentlichen Verwaltung bei der Steuereinziehung und Sozialleistungen
behilflich zu sein.
Angesichts der Vielzahl und des Engagements unserer internationalen Partner sind wir zuversichtlich, daß
dieser Bedarf gedeckt werden kann. Und wir werden
die Geber durch unser Beispiel ermutigen. In Zusammenarbeit mit dem Kongreß werden wir voraussichtlich ein Anfangspaket in Höhe von 250 Millionen Dollar
für die ersten beiden Jahre zusammenstellen.
Bei diesen lebenswichtigen Bestrebungen müssen wir
auch den Privatsektor einbeziehen. Ein beträchtlicher
Teil des amerikanischen Anfangspakets sollte Kredite
der Entwicklungsgesellschaft OPIC und Bürgschaften
enthalten, um das Engagement des Privatsektors und
Wirtschaftswachstum anzukurbeln.
Ein weiteres M ittel kann und sollte von den Vereinigten
Staaten bereitgestellt werden. Unmittelbar nach der
Unterzeichnungszeremonie kamen der Präsident, der
Vizepräsident und ich am vergangenen Montag im
Weißen Haus mit einer Gruppe von Amerikanern
jüdischer und arabischer Abstammung zusammen.
Es war ein wirklich einzigartiges und besonderes Ereignis.
Wir waren durch ihre gemeinsamen Hoffnungen und
ihren Versöhnungswillen tief bewegt.

chenden Aufgabe im Nahen Osten dar. Wir müssen
eine umfassende Versöhnung zwischen Israel und der
übrigen arabischen Welt herbeiführen. Wir müssen
Frieden zwischen dem israelischen Volk und den
Völkern Jordaniens, Syriens und Libanons erlangen.
In den jüngsten Runden bilateraler Gespräche zwischen ihren Regierungen waren die Diskussionen
ernsthaft und konstruktiv. Ende dieses Monats werde
ich bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen mit meinen Amtskollegen aus Syrien, Jordanien,
Libanon und Israel zusammentreffen, um diese Verhandlungen in Gang zu halten und weitere Schritte zu
erörtern. Wir werden unermüdlich arbeiten um sicherzustellen, daß alle Kinder in der Region - mit Präsident
Clintons Worten - "die Zeit des Friedens" kennenlernen.
Ein werterer Aspekt unserer Bestrebungen zur Förderung einer umfassenden Versöhnung besteht darin,
unsere anderen arabischen Freunde zu ermutigen,
kühn auf die Unterstützung des Friedens hinzuarbeiten. Die Antagonisten in diesem Konflikt haben sich
mutig für die gegenseitige Anerkennung und die Beendigung des Kriegszustandes entschieden. Dieser
kühne Schritt erfordert eine ebenso kühne Antwort von
ihren Amtskollegen in der Region. Die Entscheidung
Jordaniens zur Unterzeichnung einer substantiellen
Tagesordnung mit Israel am vergangenen Dienstag ist
ein ausgezeichnetes Beispiel. Das Treffen zwischen
Ministerpräsident Rabin und König Hassan am selben
Tag in Marokko war ein vielversprechender erster
Schritt, den die Vereinigten Staaten begrüßen. Andere Nationen müssen ebenfalls die Chance zur Aussöhnung nutzen.

Nun da die Israelis und Palästinenser Zusammenarbeit zur Förderung ihres wirtschaftlichen Wohlergehens vereinbart haben, ist es unlogisch, daß die arabischen Nationen ihren Boykott Israels fortsetzen. In
Wir müssen uns ihr Talent, ihre Erfindungsgabe und jedem Moment, in dem der Boykott in Kraft ist, bestraihren guten Willen zunutze machen. In diesem Sinne fen die dafür Verantwortlichen sowohl die Palästinenwird der Präsident eine Arbeitsgruppe von Amerika- ser als auch die Israelis.
nern jüdischer und arabischer Abstammung ins Leben Der Boykott ist ein Relikt der Vergangenheit. Er ist ein
rufen, die uns bei der Entwicklung gemeinsamer Pro- Relikt, das in die Annalen der Geschichte verwiesen
jekte und der Ankurbelung von Privatinvestitionen in werden sollte - und zwar jetzt.
der Region behilflich sein soll. Wir beabsichtigen
ferner die Ernennung eines hochrangigen Koordina- Zum Frieden gehört mehr als die Unterzeichnung von
tors für die amerikanische Hilfe - wie wir es im Falle der Abkommen und das Aufbringen der Mittel. Es besteht
ehemaligen Sowjetunion getan haben.
die Notwendigkeit zu einem grundlegenden Sinneswandel dieser ehemaligen Antagonisten. Die politisch
Meine Damen und Herren: Die wirkliche Barriere für Verantwortlichen in der Region müssen diejenigen
Frieden zwischen den Israelis und Palästinensern - die ermahnen, die Gewalt als politisches Mittel eingesetzt
psychologische Barriere - ist bereits überwunden worden. haben, darauf ohne Vorbehalte und Ausnahmen zu
Verglichen mit diesem Hindernis können wir die uns verzichten.
konfrontierende Herausforderung bezüglich der Ressourcen sicherlich bewältigen. Ich bin überzeugt, daß Unverzügliches Handeln ist ebenfalls unabdingbar,
wir Erfolg haben können und werden.
um andere Relikte einer vergangenen Ära zu beseitigen, die der Versöhnung nur im Wege stehen. Das
Die Durchführung des israelisch-palästinensischen bedeutet die Widerrufung der UNO-Resolutionen bei
Abkommens stellt nur einen Teil unserer weiterrei- der nächsten Generalversammlung der Vereinten
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�Nationen, die Israels Existenzrecht in Frage stellen.
Es bedeutet auch die einstimmige Annahme des israelischen Beglaubigungsschreibens bei der diesjährigen
UNO-Generalversammlung. Und im amerikanischen
Kongreß bedeutet es die Änderung der Statuten, die
Beziehungen zur PLO untersagen.
Ich wiederhole eine schlichte aber grundsätzliche
Wahrheit: Nur ein starkes, vertrauensvolles und sicheres Israel kann Frieden schaffen. Nur ein Israel, das
sich seiner strategischen Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten sicher ist, kann die notwendigen Risiken eingehen.
Stellvertretend für Präsident Clinton und das amerikanische Volk wiederhole ich ein seit langem bestehendes Versprechen an die israelische Öffentlichkeit:
Während Sie und Ihre politisch Verantwortlichen mutig
den Weg weitergehen, für den Sie sich entschieden
haben, sollten Sie wissen, daß die amerikanische
Verpflichtung für die Sicherheit und das Wohlergehen
Israels unerschütterlich ist.

Schlußfolgerung reduziert werden: Der Kalte Krieg ist
vorüber und wir haben ihn gewonnen; jetzt kehren wir
nach Hause zurück und kümmern uns um unsere
eigenen Probleme. Wir müssen den Isolationismus
aufgrund der ihm inhärenten gefährlichen Argumentation zurückweisen. Wir müssen unsere Verpflichtung
für den Internationalismus erneuern, der uns 50 Jahre
lang so gut gedient hat.
Die Vertreter des Isolationismus mißdeuten die Geschichte dieses Jahrhunderts. Sie mißdeuten die
Zukunft unserer Wirtschaft. Sie minimieren die Bedrohung unserer Sicherheit. Und sie schätzen den Charakter unseres Volkes falsch ein.
Das Ende des Kalten Krieges hat nicht der Geschichte
ein Ende gesetzt. Es hat auch nicht die Bindungen
zwischen den Amerikanern und der Welt gelöst. Es hat
den Vereinigten Staaten jedoch eine kontinuierliche
Verantwortung - und eine einzigartige Fähigkeit - verliehen, eine Führungsrolle zu spielen.

Sie mögen sich fragen, warum wir weiterhin engagiert
bleiben müssen. Zum einen liegt das in unserem
wirtschaftlichen Interesse. Wir leben in einem Zeitalter
der technologischen Verbindungen. Große Informations- und Geldmengen können in Lichtgeschwindigkeit weltweit übertragen werden. Wie können wir in
einer solchen Welt unseren Wohlstand mehren, wenn
wir nicht an der Öffnung und Ausweitung der internationalen Märkte arbeiten? Wie können wir das für
unseren Wohlstand erforderliche weltweite WirtschaftsAllen, die bereit sind, mit uns zusammen einen neuen wachstum fördern, wenn uns kein erfolgreicher AbNahen Osten mit Frieden, Sicherheit und Wohlstand schluß der Uruguay-Runde des GATT gelingt? Und
aufzubauen, sage ich: Sie haben in den Vereinigten wie können wir hochbezahlte Arbeitsplätze für AmeriStaaten einen verläßlichen und engagierten Partner. kaner schaffen, wenn wir nicht zur Schaffung von
Denjenigen, die Zwietracht, Intoleranz und Gewalt Exportmöglichkeiten im Rahmen des NAFTA bereit
säen, sage ich: Die Vereinigten Staaten, ihre Freunde sind?
und ihre Verbündeten werden die erforderlichen Schritte unternehmen, um Ihr Vorgehen zu vereiteln.
Zum anderen müssen wir um unserer eigenen Sicherheit willen aktiv und selbstbewußt bleiben. Ohne das
Die Rolle der Vereinigten Staaten
anhaltende amerikanische Engagement während der
letzten vier Jahrzehnte befänden wir uns nicht auf dem
Diese für den Frieden im Nahen Osten bemerkenswerWeg zu einem Frieden im Nahen Osten. Das amerikate Woche führt uns die Notwendigkeit einer amerikaninische Engagement ist auch in anderen Regionen von
schen Führungsrolle in der Welt vor Augen- insbesonBedeutung, in denen unsere vitalen Interessen auf
dere in Regionen, die für uns von vitalem Interesse
dem Spiel stehen, in der Tat sind die Vereinigten
sind.
Staaten in Schlüsselregionen der Stützpunkt für FrieVor Beendigung meiner heutigen Ausführungen möch- den und Sicherheit.
te ich noch kurz zwei Bereiche ansprechen, die kürzlich in der Öffentlichkeit debattiert wurden. Der erste Wenn sich die Demokratie in der ehemaligen Sowjetbetrifft die Frage, ob Amerika eine aktivistische Au ßen- union in eine Diktatur zurückverwandelt, müssen die
politik verfolgen sollte, der zweite, ob Amerika unsere Amerikaner hierfür wahrscheinlich einen hohen Preis
Interessen im Ausland im Alleingang oder zusammen in Form einer wiederaufgelebten atomaren Bedrohung
und eines erhöhten Verteidigungshaushalts zahlen.
mit anderen Nationen schützen soll.
Wenn sich der ethnische Konflikt in Europa ausweitet,
Die erste Frage ist in Wirklichkeit Teil der jüngsten wenn die Sicherheit in Asien erneut bedroht ist, wenn
Runde einer jahrhundertealten Diskussion über Enga- sich der Terrorismus verbreitet, wenn die Weitervergement und Isolationismus. Die Vereinigten Staaten breitung von Massenvernichtungswaffen nicht kontrolhaben sich für Engagement entschieden. Die Alterna- liert wird - wenn sich eines dieser Dinge ereignet, wird
tive - Neoisolationismus - kann auf eine einfache unsere eigene Sicherheit und unsere Fähigkeit zur

Es ist ziemlich aufschlußreich, daß in dieser Zeit, in der
die gesamte Wert die Ereignisse der vergangenen
Woche würdigt, sie an Orten wie Teheran, Bagdad und
Tripolis verurteilt werden. Als Reaktion auf solch
unmäßige Worte möchte ich eindeutig klarstellen, daß
unsere Verpflichtung ungebrochen ist, darauf zu achten, daß die gemäßigten Kräfte in der Region stärker
sind als die des Extremismus.

Seite 4

AMERIKA DIENST 39

•

�Konzentration auf unsere innenpolitische Erneuerung
direkt in Gefahr geraten.
Kurz gesagt müssen wir weder aus Altruismus noch
aufgrund einer von einem Wissenschaftler als "imperialistische Versuchung" bezeichneten Motivation heraus
engagiert bleiben, sondern weil es unseren realen
Interessen schaden wird, wenn wir dem Mythos des
Isolationismus verfallen.

Hauptziel der amerikanischen Au ßenpolit ik dient - dem
Schutz der Interessen Amerikas. Dieses Land wird
seine Außenpolitik niemals einer anderen Macht oder
Person unterordnen.

Während diese vornehmlich taktische Debatte über
die Mittel des amerikanischen Engagements geführt
wurde, hat sich Präsident Clinton den wichtigsten
außenpolitischen Aufgaben gewidmet: Der Erkenntnis, daß wirtschaftliche Erneuerung für Amerikas
Die zweite zur Zeit debattierte Frage lautet, ob Ameri- Außenpolitik von fundamentaler Bedeutung ist, der
ka seine Macht im Alleingang oder zusammen mit Mobilisierung entscheidender und rechtzeitiger Hilfe
anderen - im Fachjargon unilateral oder multilateral - für die russische Demokratie als essentielle Investition
ausüben sollte. So formuliert ergibt sich eine falsche in unsere nationale Sicherheit, der Einberufung eines
Polarität. Es handelt sich hier nicht um ein "entweder NATO-Gipfels, um das Bündnis an die sicherheitspo- oder".
litischen Herausforderungen eines neuen Europas
anzupassen, der Förderung einer neuen pazifischen
Das Hauptziel unserer Außenpolitik besteht darin, die
Gemeinschaft bei gleichzeitigem Aushandeln eines
Sicherheit unserer Nation und den wirtschaftlichen
neuen Rahmenwerkes für unsere Wirtschafts- und
Wohlstand unseres Volkes zu gewährleisten - und
Handelsbeziehungen mit Japan, der Führungsrolle bei
demokratische Werte zu fördern.
den globalen Anstrengungen zur Eindämmung der
Zum Schutz dieser Interessen müssen die Vereinigten Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen.
Staaten ihre militärische Stärke beibehalten und ihre
Wirtschaft stärken, so daß sie die Option für einen Schlußfolgerung
Alleingang haben, wenn ihnen das am besten er- Unsere Führungsrolle kann auch daran gemessen
scheint. Niemand sollte Zweifel an der Entschlossen- werden, wie die Welt uns sieht. Letzte Woche würdigte
heit der Vereinigten Staaten zum Schutz ihrer lebens- der israelische Außenminister Shimon Peres unser
wichtigen Interessen haben.
Land auf ungewöhnliche Weise.
Beim Schutz unserer vitalen Interessen sollten wir
jedoch nicht den Wert der Zusammenarbeit mit anderen Nationen aus den Augen verlieren. Vom Golfkrieg
bis zur internationalen Hilfskampagne zur Unterstützung der Demokratie in Rußland waren wir Zeuge des
positiven Einflusses kollektiver Aktion auf die außenpolitischen Ziele Amerikas. Sie kann unsere Bemühungen um eine Eindämmung der Weiterverbreitung
von Massenvernichtungswaffen, einen Abbau der
Hemmnisse für den Welthandel und den Umweltschutz unterstützen. Wir haben auch gesehen, daß
kollektive Aktion eine amerikanische Führungsrolle
erfordert, jedoch nicht ersetzen kann.
Keine andere Nation besitzt unsere Militärmacht, wirtschaftliche Stärke und moralische Autorität. Diese
Aktivposten geben uns die Möglichkeit, im Notfall allein
zu handeln. Auch können wir gegebenenfalls unsere
Macht bei der Teilung der Lasten mit anderen Nationen
einsetzen. Wir sollten uns jedoch vor Augen halten,
daß unsere Fähigkeit, effektive multilaterale Reaktionen zu bewirken, oftmals von unserem Willen zum
Alleingang abhängen wird.

Aus den Geschichtsbüchern, erklärte er, "wird niemand die Vereinigten Staaten verstehen.... Sie haben
so viel Macht und eroberten dennoch kein fremdes
Gebiet. Sie haben so viel Macht und beherrschten
dennoch nicht andere Menschen. Sie haben Ihre
eigenen Probleme und haben dennoch den Problemen
anderer nie den Rücken zugekehrt."
Und Shimon Peres sagte: "Ich danke Ihnen dafür, daß
Sie so sind, wie Sie sind."
Diejenigen, die an der Notwendigkeit amerikanischen
Engagements zweifeln, sollten sich mit Shimon Peres
unterhalten.
Jene unauslöschlichen Ereignisse der letzten Jahre der Händedruck im Weißen Haus, der Fall der Berliner
Mauer und der Zerfall der Sowjetunion, Nelson Mandela beim Verlassen des Gefängnisses und beim Aufbau
eines neuen Südafrikas - sollten uns allesamt darin
bestärken, unsere internationale Rolle beizubehalten
und nicht aufzugeben.

Dieser vielversprechende Augenblick letzte Woche
vor
dem Weißen Haus sollte den Weg zu einem
Mit anderen Worten: Multilaterales Handeln ist ein
gerechten
und dauerhaften Frieden im Nahen Osten
Mittel, nicht der Zweck. Es ist eines der zahlreichen,
weisen
und
die Notwendigkeit einer kontinuierlichen
uns zur Verfügung stehenden außenpolitischen InstruFührungsrolle
Amerikas in der Welt bekräftigen.
mente. Und es ist nur gerechtfertigt, wenn es dem
* * * * *

AMERIKA DIENST 39

Seite 5

�FLÜCHTLINGE
29. September 1993

CHRISTOPHER: SCHUTZ UND RÜCKFÜHRUNG
SIND ZIELE DER FLÜCHTLINGSHILFE
Rede des Außenministers vor Rechtsausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Zwei gleichzeitige Ziele der Vereinigten Staaten bei der Reaktion auf das große
Flüchtlingselend sind Außenminister Christopher zufolge "humanitäre Hilfe und Schutz der Bedürftigen sowie
dauerhafte Lösungen, insbesondere Konfliktlösung und die Rückführung von Flüchtlingen, wenn die Umstände
es gestatten".
In einer Anhörung vordem Rechtsausschuß des Senats am 23. September 1993 zum Vorschlag des Präsidenten, im Haushaltsjahr 1994120.000 Flüchtlinge in den Vereinigten Staaten aufzunehmen, erklärte Christopher,
von der Gesamtzahl sollten 55.000 auf Bürger der ehemaligen Sowjetunion und 45.000 auf Ostasien entfallen.
Im übrigen würden die Kontingente, so Christopher, wie folgt aufgeteilt: 7.000 für Afrika, 6.000 für den Nahen
Osten und Südasien, 4.000 für Lateinamerika und die Karibik sowie eine keinem Land zugeordnete Reserve von
3.000.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Christopher im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre, heute vor diesem Ausschuß den
Vorschlag des Präsidenten zur Aufnahme von 120.000
Flüchtlingen in den Vereinigten Staaten im Haushaltsjahr 1994 erläutern zu dürfen. Meines Wissens liegt
dem Ausschuß bereits ein Bericht vor, der detaillierte
Informationen über die Aufnahme von Flüchtlingen wie
im Flüchtlingsgesetz gefordert enthält. Wir hoffen,
daß das Flüchtlingsaufnahmeprogramm für 1994 wie
bisher die breite überparteiliche Unterstützung des
Kongresses erhält.
Bevor ich mich gezielt dem Flüchtlingsaufnahmeprogramm zuwende, möchte ich jedoch kurz auf die
weltweite Flüchtlingssituation des vergangenen Jahres, derzeitige Trends und den künftigen Kurs der
amerikanischen Flüchtlingspolitik eingehen.

der Ägide des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) zur Rückkehr aller 370.000
Personen, die sich in Lagern entlang der thailändischkambodschanischen Grenze aufhielten. Eine international sanktionierte Wahl im Mai dieses Jahres verspricht Stabilität in Kambodscha und wird den repatriierten Flüchtlingen den Wiederaufbau ihrer Gesellschaft ermöglichen. In Afghanistan und Mittelamerika
kehren die Flüchtlinge weiterhin in ihre Heimat zurück,
und nach der politischen Lösung in Mosambik sind im
vergangenen Jahr spontan bis zu 200.000 Flüchtlinge
in ihr Heimatland zurückgekehrt.

Zum ersten Mal seit nahezu zwei Jahren besteht
Hoffnung, daß die Achtung der Menschenrechte und
Demokratie in Haiti wiederhergestellt wird. Die kürzliche Unterzeichnung der Vereinbarung zu den GoverPositive politische Veränderungen in mehreren Teilen nor Islands und die Einsetzung von Ministerpräsident
der Wert haben den "Druckfaktor" - die Bedingungen, Mafval ins Amt sind nicht nur ein Sieg für Demokratie
die Menschen zum Verlassen ihres Landes zwingen - in der gesamten Hemisphäre, sondern auch eine groverringert und den "Zugfaktor" - die Bedingungen, die ße Leistung der internationalen Staatengemeinschaft,
sie zur Rückkehr in ihre Heimat veranlassen - erhöht die gemeinsam und entschlossen in dieser Situation
und damit die Rückführung von Flüchtlingen in be- handelte. Die Wiedereinsetzung einer verfassungsträchtlichem Ausmaß ermöglicht. In Kambodscha mäßigen Regierung und die erneute Inangriffnahme
führten umfassende Repatriierungsbestrebungen unter der Wirtschaftsentwicklung werden zu einer BeendiAMERIKA DIENST 39

Seite 1

�gung der Verzweiflung beitragen, die so viele Haitianer chert, mu ß die illegale Einwanderung unbedingt verrinzum Verlassen ihres Landes veranlaßte.
gert werden. Der Präsident hat bereits maßgebliche
Schritte unternommen und dem Kongreß Vorschläge
Die Aussichten für Frieden im Nahen Osten waren nie unterbreitet, um die illegale Einwanderung in die Vervielversprechender. Das am 13. September 1993 in einigten Staaten effektiver in den Griff zu bekommen.
Washington unterzeichnete Abkommen ist ein erster Zu den Verbesserungen zählen verstärkte GrenzpaSchritt in einem Prozeß, der die Erfordernisse der trouillen, Verbesserung der Verfahren zur Erteilung
palästinensischen Flüchtlinge ansprechen wird. Wir von Visa, die unverzügliche Abschiebung illegaler und
befinden uns zwar erst am Anfang, und sehr viel Arbeit krimineller Fremder sowie die Erhöhung des Strafmamuß noch geleistet werden, aber die Fundamente ßes für Schlepperbanden. Gleichzeitig streben wir die
wurden gelegt. Es obliegt den Vereinigten Staaten und Sicherstellung des Schutzes für wirkliche Flüchtlinge
der übrigen internationalen Staatengemeinschaft, den an.
Palästinensern und Israelis bei der Fortsetzung des
Friedensprozesses behilflich zu sein.
Neue Ansätze zur Flüchtlingshilfe
Andererseits dauern echte menschliche Tragödien im
ehemaligen Jugoslawien und am Hörn von Afrika
unvermindert an - Tragödien, die Tausende Flüchtlinge zur Folge haben. Besonderen Anlaß zur Sorge gibt
die Zerstörung in Bosnien-Herzegowina. Dieser tragische Konflikt hat einen schrecklichen Blutzoll gefordert
und bedroht die Stabilität der gesamten Region.
In Bosnien-Herzegowina setzen wir unsere Bestrebungen zur Hilfe für über 4 Millionen Vertriebene und
Flüchtlinge in diesem Gebiet fort. Die Vereinigten
Staaten haben mehr als 350 Millionen Dollar zu den
Hilfsbestrebungen beigetragen. Wir suchen weiterhin
nach Mitteln und Wegen zur Aufstockung der Hilfsleistungen. Wir sind äußerst besorgt über den Mangel an
Finanz- und Nahrungsmitteln der im ehemaligen Jugoslawien tätigen UN-Behörden. In praktisch jedem
Szenario werden die Nahrungsmittel- und Unterkunftsprobleme angesichts des bevorstehenden Winters
eine große Herausforderung für die internationale
Staatengemeinschaft darstellen. Wirermutigen multilaterale Aktionen insbesondere seitens der europäischen Länder, die unseres Erachtens eine spezielle
Verantwortung zur Bereitstellung humanitärer Hilfe für
die Region haben.

Vor zehn Jahren gab es weltweit rund 8 Millionen
Flüchtlinge, heute sind es schätzungsweise 18 Millionen. Wir sehen uns mit komplexen humanitären
Notfällen konfrontiert. Vor zehn Jahren hatten die
meisten, denen geholfen wurde, eine internationale
Grenze überschritten, um Flüchtlinge zu werden. Heute
sind es zunehmend Vertriebene, die sich immer noch
innerhalb der Grenzen ihres Landes aufhalten, und
andere Opfer von Konflikten, die noch in ihren Häusern
leben. Dies kompliziert die Hilfsbestrebungen - und
verursacht ein Sicherheitsproblem für die Vereinten
Nationen und das in nichtstaatlichen Organisationen
tätige Personal - wie wir allzu häufig in Bosnien und
Somalia beobachten konnten.

Durch die Abteilung für humanitäre Angelegenheiten
(Department of Humanitarian Affairs - DHA) beginnt
das UN-System seine Hilfsaktivitäten bei komplexen
Notfällen effektiver zu koordinieren, und wir wurden
Zeuge der aktiven Kooperation von UN-Behörden vor
Ort. Der UNHCR, das Welternährungsprogramm,
UNICEF und die Weltgesundheitsorganisation haben
Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Reaktionsfähigkeit bei Notfällen ergriffen. Alle spielen bei der Notlage
in Bosnien eine wichtige Rolle. Weitere Arbeit ist
vonnöten, insbesondere bei der Koordinierung humaMigration
nitärer Aktivitäten mit friedenssichernden und politischen Angelegenheiten im Sitz der Vereinten NatioUnsere Politik ist auf die Flüchtlinge des Krieges in
nen. Die Erweiterung dieser Koordinierung ist ein
Bosnien-Herzegowina, aufgrund der politischen Instawichtiges außenpolitisches Ziel der Clinton-Adminibilität in Haiti und der Konflikte in Afrika wie im Südsustration.
dan ausgerichtet. Es gibt jedoch auch eine generelle
Migration weltweit infolge der Bevölkerungsexplosion, Wir sind der Ansicht, daß als Reaktion auf das große
Armut, Umweltzerstörung und anderer Faktoren. Obwohl Flüchtlingselend zwei Ziele gleichzeitig verfolgt werwir die Gewährleistung von Schutz für die vor Verfol- den müssen:
gung Fliehenden anstreben, müssen wir unsere Bestrebungen entschlossen voranbringen, um möglichen 1.
Humanitäre Hilfe und Schutz der Bedürftigen
Migranten die Entscheidung zum Verbleiben in ihrer sowie
Heimat zu ermöglichen. Die Entschlossenheit dieser
dauerhafte Lösungen, insbesondere KonfliktlöAdministration zur Ankurbelung weltweiten Wachs- 2.
sung
und
die Rückführung von Flüchtlingen, wenn die
tums - durch Bestrebungen wie das NAFTA - wird
Umstände
es gestatten.
ebenso dazu beKragen wie unsere Hilfe bei globalen
Fragen wie Bevölkerungs- und Umweltproblemen.
Wir müssen uns bewußt sein, daß die Neuansiedlung
Während legale Einwanderung einschließlich der der Flüchtlinge in Drittländern in vielen Fällen zwar
Neuansiedlung legitimer Flüchtlinge unser Land berei- eine angemessene und wichtige Option darstellt, je-

Seite2

AMERIKA DIENST 39

�doch für die überwiegende Mehrheit der weltweit nahezu
18 Millionen Flüchtlinge keine realistische Alternative
ist. Die internationale Staatengemeinschaft verfügt
jedoch über die Mittel, allen Flüchtlingen grundlegenden Schutz und Hilfe zu gewähren, und das ist ein
entscheidendes Ziel der amerikanischen Flüchtlingshilfe.
Die Aufnahme von Flüchtlingen
Wie vor diesem Ausschuß im letzten Jahr berichtet,
deuten die derzeitigen Trends darauf hin, daß die Zahl
der um dauerhafte Niederlassung in den Vereinigten
Staaten ersuchenden Menschen in den kommmenden
Jahren entscheidend absinken wird, falls keine unvorhergesehenen Ereignisse eintreten. Zum Endedieses
Haushaltsjahres werden wir unsere Verpflichtung zur
Neuansiedlung aller bekannten und berechtigten
amerikanischen Kinder asiatischer Herkunft und ihrer
Familien aus Vietnam erfüllt haben. Wir nehmen an,
daß in den nächsten zwei Jahren alle berechtigten
vietnamesischen Insassen von Erziehungslagern, das
heißt, diejenigen, die wegen ihrer Verbindung zu den
Vereinigten Staaten mehr als drei Jahre interniert
waren, in die Vereinigten Staaten kommen werden.
Auch erwarten wir, daß wir im Laufe der kommenden
zwei Jahre das Programm für die Aufnahme sowjetischer Flüchtlinge in Einklang mit den neuen Gegebenheiten in der ehemaligen Sowjetunion bringen müssen. Die Vereinigten Staaten werden in Zukunft in
Abstimmung mit der internationalen Staatengemeinschaft - wenn auch in geringerem Ausmaß - den uns
zufallenden Anteil an Flüchtlingen aufnehmen, die
keine Alternative zur Neuansiedlung besitzen. Wir
werden auch weiterhin unsere Hilfe für Schutzlose
ausweiten, die vom UN-Hochkommissar für Flüchtlinge als Personen identifiziert werden, die eine Neuansiedlung in einem Drittland benötigen.
Ich möchte kurz die jüngst im Kongreß und in der
Presse geäußerte Besorgnis über die Niederlassung
irakischer Flüchtlinge in den Vereinigten Staaten ansprechen. Erstens wird niemand in den Vereinigten
Staaten neu angesiedelt, der nicht begründete Angst
vor Verfolgung hat. Viele dieser irakischen Flüchtlinge
haben glaubhafte Beweise für Folterung und Mißhandlung. Zweitens zeigten viele der irakischen Wehrpflichtigen wenig Begeisterung für den Krieg und flohen frühzeitig aus ihrem Land - bisweilen auf Veranlassung der alliierten Streitkräfte. Diese Deserteure
widersetzten sich aktiv dem Regime und bildeten das
Korps von Freiheitskämpfern, das die Teilnahme an
der Invasion in Kuweit verweigerte und im März 1991
für den Umsturz Saddam Husseins kämpfte. Viele
waren selbst Mitglieder verfolgter ethnischer oder religiöser Minderheiten.

zusätzlichen Prüfungen bereit, um die Einreise derjenigen in unser Land zu verhindern, deren Aktivitäten
den amerikanischen Interessen zuwiderliefen. Alle
verfügbaren Beweise, einschließlich einer gerade
zusammengestellten Akte mit mehreren Hundert neuen
Fällen weisen darauf hin, daß alle aufgenommenen
Bewerber dieser humanitären Anstrengung würdig
waren. Diejenigen, die nicht unsere strengen Kriterien
erfüllen, kommen nicht für eine Neuansiedlung in
Frage. Das ist eine ehrenwerte, in vollem Einklang mit
der amerikanischen Tradition stehende Politik.
Der Vorschlag des Präsidenten für das Haushaltsjahr
1994 gestattet die finanzierte Aufnahme von 120.000
Flüchtlingen - eine Reduzierung um 2.000 im Vergleich
zum laufenden Finanzjahr. Ich freue mich berichten zu
können, daß die als Bestandteil des diesjährigen
Konsultationsprozesses verbesserte Koordinierung auf
hoher Ebene zwischen dem Außenministerium und
der für humanitäre Angelegenheiten zuständigen
Behörde uns die Bereitstellung von ausreichenden
Geldern zur Deckung der Kosten der Neuansiedlung
von bis zu 120.000 Flüchtlingen gestattet.
Seit 1990 sind für die ehemalige Sowjetunion und
Osteuropa unterschiedliche regionale Obergrenzen
festgesetzt worden. Angesichts der Krise im ehemaligen Jugoslawien und der Notwendigkeit maximaler
Flexibilität bei den Verfahren zur Aufnahme von Flüchtlingen, insbesondere aus Bosnien, schlagen wir eine
Kombination dieser beiden Obergrenzen für das
Haushaltsjahr 1994 vor.
Wir empfehlen folgende Aufteilung der Aufnahme von
Flüchtlingen: Ostasien 45.000, ehemalige Sowjetunion und Osteuropa 55.000, Naher Osten/Südasien
6.000, Afrika 7.000 und Lateinamerika/Karibik 4.000.
Zusätzlich haben wir eine keinem Land zugeordnete
Reserve von 3.000, verglichen mit 1.000 im Haushaltsjahr 1993, die nach Konsultation mit dem Kongreß für
Regionen genutzt werden könnte, bei denen sich die
vorgesehene Zahl als unzureichend erweist.

Im letzten Jahr haben wir verschiedene Programme
für die Aufnahme von Flüchtlingen begonnen oder
verbessert, insbesondere für Haitianer und Bosnier. In
der Woche nach der Amtseinführung Präsident Clintons reiste ein aus Mitarbeitern des Außenministeriums, der Einwanderungsbehörde sowie des Kongresses bestehendes technisches Team auf Anweisung des Präsidenten nach Haiti, um Möglichkeiten
zur Beschleunigung der Bearbeitungsverfahren für die
Aufnahme von Flüchtlingen zu prüfen. Diese Bemühungen unterstrichen das Engagement des Präsidenten zur Ausweitung tragfähiger Alternativen zu gefährlichen Fluchtversuchen per Boot. Auf der Grundlage
der von dem Team ausgesprochenen Empfehlungen
Wir verstehen vollkommen den Wunsch des Kongres- wurde das Programm signifikant verbessert. Wir verses nach einer Zusicherung, daß unsere Regierung doppelten die Bearbeitungskapazitäten, gestalteten
nicht solche irakischen Soldaten bei uns ansiedelt, die die Verfahren rationaler, eröffneten zwei neue Stellen
gegen unser Land gekämpft haben, und wir sind zu zur Bearbeitung von Flüchtlingsanträgen und erweiterAMERIKA DIENST 39

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�ten die Aufnahme auf die von der Küstenwache abgefangenen Haitianer. Unsere Politik gegenüber Einwanderern und Flüchtlingen aus Haiti unterliegt einer
ständigen Überprüfung, und wir werden im Zuge der
politischen Entwicklungen mit dem Kongreß über diese wichtige Frage Beratungen abhalten.
Ich habe bereits früher darauf hingewiesen, daß die
Vereinigten Staaten eine beträchtliche Menge an Geld
und Material für die Unterstützung der Bosnier eingesetzt haben, die innerhalb Bosniens vertrieben oder zu
Flüchtlingen außerhalb der bosnischen Grenzen wurden. Wir sind weiterhin der Überzeugung, daßdie Hilfe
vor Ort im Zentrum unserer Anstrengungen stehen
sollte. Wir denken nicht, daß zur Zeit eine Neuansiedlung von Flüchtlingen in großem Ausmaß erforderlich
ist. Wir sind jedoch von der Notwendigkeit überzeugt,
aus speziellen humanitären Gründen bestimmte Gruppen von Menschen aufzunehmen. Aus diesem Grund
erweiterten wir das Aufnahmeprogramm auf mehrere
vom UNHCR bestimmte besonders schutzbedürftige
Personengruppen sowie die bosnisch-muslimischen

*

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Verwandten von in den Vereinigten Staaten lebenden
Menschen. Obwohl wir hoffen, daß die Bosnier aufgrund eines Friedensabkommens in ihre Heimat zurückkehren können, mü ßte dieses Programm gegebenenfalls ohne große Vorwarnung weiter ausgeweitet
werden und wir sind bereit, Anpassungen bei den
Richtlinien zur Bearbeitung vorzunehmen, um zusätzliche Sonderfälle aufnehmen zu können.
Schlußbemerkung
Das amerikanische Flüchtlingsprogramm hat über Jahre
hinweg die breite Unterstützung beider Parteien genossen. Es gibt die wunderbare amerikanische Tradition, den Verfolgten Zuflucht zu gewähren. Diese
Tradition geht auf die Gründung unserer Nation zurück. Sie stellt eine Verbindung zwischen Generationen von Amerikanern her. Sie verstärkt unsere demokratischen Werte. Sie ist in der Tat Bestandteil unserer
nationalen Identität. Unter der Führung von Präsident
Clinton wird diese hehre Tradition fortgeführt.

* * *

*

AMERIKA DIENST 39

�ABRÜSTUNG
29. September 1993

HILFE FÜR GUS BEI ZERLEGUNG VON
MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN
Rede von Ashton Carter vor Auswärtigem Ausschuß
WASHINGTON - (AD) - Dr. Ashton B. Carter, Abteilungsleiter für nukleare Sicherheit und Nichtverbreitung im USVerteidigungsministerium, hielt am 21. September 1993 vordem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses eine Rede.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text seiner Ausführungen, die sich auf amerikanische Hilfe
für die neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion bei der Zerlegung ihrer Massenvernichtungswaffen konzentrieren.

Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder,
ich begrüße die Gelegenheit, heute zu Ihnen über
unsere Hilfe für die neuen unabhängigen Staaten der
ehemaligen Sowjetunion sprechen zu können. Meine
Kollegen haben eine umfassendere Beschreibung
unserer Hilfsleistungen gegeben. Ich werde meine
Ausführungen auf unsere Programme zur Verringerung der militärischen Gefahr für die Vereinigten Staaten durch Hilfe für die Republiken der ehemaligen
Sowjetunion bei der Zerlegung ihrer Massenvernichtungswaffen konzentrieren. Das Nunn-Lugar-Programm, für das ich im Verteidigungsministerium verantwortlich bin und das aus unserem Verteidigungshaushalt finanziert wird, ist das Instrument bei der
Umsetzung unserer Bemühungen.
Das Ende der Sowjetunion hat es uns gestattet, vom
Kalten Krieg zu wachsender Zusammenarbeit mit
Rußland, der Ukraine und den anderen neuen unabhängigen Staaten überzugehen. Es beinhaltet jedoch
auch neue und drängende Herausforderungen. Die
Verpflichtungen der Ukraine, Belarus' und Kasachstans im Rahmen des START-Vertrages zur Beseitigung ihrer Atomwaffen sowie die Verpflichtung Rußlands zur Reduzierung seines Atomwaffenarsenals
um ungefähr drei Viertel fordern von diesen Staaten
den Abbau von mehreren Hundert strategischen Offensivwaffen in den nächsten Jahren und möglicherweise von mehr als 18.000 nuklearen Gefechtsköpfen.
Ru Bland hat sich auch in der Chemiewaffenkonvention
zur vollkommenen Zerstörung seines enormen, von

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der Sowjetunion übernommenen Chemiewaffenarsenals verpflichtet.
Selbst für Staaten, die nicht mit enormen wirtschaftlichen, politischen und militärischen Umwälzungen
konfrontiert sind, wären das gewaltige Aufgaben. Die
Auflösung der Sowjetunion hat die technischen und
wirtschaftlichen Schwierigkeiten noch verstärkt. Der
damit verbundene Umbruch hat auch die Gefahr erhöht, daß Atomwaffen zum Baustein neuer Atommächte werden oder in die Hände terroristischer Vereinigungen fallen. Das Nunn-Lugar-Programm zum
gemeinsamen Abbau von Bedrohungen ist eines der
Schlüsselinstrumente, um sich diesen Herausforderungen zu stellen - die gegenwärtige und künftige
Bedrohung der Sicherheit der Vereinigten Staaten zu
reduzieren und gleichzeitig einen Beitrag zu unseren
umfassenderen Zielen der Stärkung der Demokratie
und des Übergangs zur Marktwirtschaft in den neuen
unabhängigen Staaten zu leisten.
Wir haben bei der sicheren Zerstörung der gefährlichsten Waffen der ehemaligen Sowjetunion wirkliche
Fortschritte gemacht. Noch vor kurzem vertrat man im
Kapitol und sogar in der Öffentlichkeit die Auffassung,
das Nunn-Lugar-Programm werde zu langsam durchgeführt, die Gelder nicht ausgegeben und das Ziel der
Zerlegung von Waffen in den Republiken der ehemaligen Sowjetunion werde nicht erreicht.
Das Nunn-Lugar-Programm hatte aus verschiedenen
Gründen einen langsamen Start. Die Finanzierung der
Seite 1

�Vernichtung von Waffen in der ehemaligen Sowjetunion aus unserem Verteidigungshaushalt war eine revolutionäre Idee, und wir brauchten Zeit, um uns auf die
wirksame Verfolgung dieses neuen Ansatzes einzustellen.

Weiterverbreitung dieser gefährlichen Substanzen zu
verhindern.

Belarus. Unsere diplomatischen Bemühungen in
Belarus trugen dazu bei, daß diese Republik die für die
Ratifizierung des START-Vertrages und den Beitritt
Viele der Hindemisse waren jedoch in den ehemals als atomwaffenfreier Staat zum Nichtverbreitungsversowjetischen Republiken selbst zu finden. Die entste- trag notwendigen Schritte unternahm. Im Juli beganhende Beziehung zwischen der Exekutive und der nen die Vereinigten Staaten mit der Bereitstellung
Legislative verlangsamte den Abschluß von Abkom- eines Hilfspakets von 59 Millionen Dollar an diese
men, insbesondere in Rußland und der Ukraine. kleine Nation für den Übergang zu einem Status als
Kasachstan brauchte ebenfalls viel Zeh, um Hilfsab- atomwaffenfreies Land. Da Belarus mit der Rückfühkommen mit uns auszuhandeln, jedoch aus anderen rung seiner mobilen SS-25-Raketen nach Rußland
Gründen. Zudem wurde unser Hilfsprogramm durch begann, starteten die Vereinigten Staaten ihre Hilfe für
die allgemeinen politischen Unruhen wegen der Ent- die Planung der Instandsetzung und Konversion der
scheidung der Republiken unterbrochen, wie sie sich Stützpunkte für strategische Raketentruppen für zivile
der Atomwaffen und anderen militärischen Bestände Zwecke. Auch sind wir Belarus bei der Konversion
aus dem Erbe der ehemaligen Sowjetunion entledigen seiner Rüstungsindustrie für zivile Zwecke behilflich,
können.
insbesondere der in Verbindung mit dem Nuklearkomplex stehenden Unternehmen.
Durch eine Neuorganisation der Umsetzung des NunnLugar-Programms und mit Hilfe von kreativer Diploma- Ukraine. Wir arbeiten weiterhin mit der Ukraine an der
tie begegnen wir jetzt den Hindernissen, die Fortschrit- Entwicklung eines Programms zum kooperativen
te bei diesen bedeutenden Bemühungen verlangsamt Gefahrenabbau zusammen. Im Frühjahr und Sommer
haben. Ich möchte auf unsere in Ru ßland, Belarus, der dieses Jahres haben wir konzertierte und kreative
Ukraine und Kasachstan erzielten Erfolge eingehen.
Anstrengungen unternommen, um den Ukrainern zu
zeigen, daß die Beibehaltung von Atomwaffen auf
Gerade in den letzten Monaten haben wir in Belarus ihrem Gebiet einen Rückschlag für ihre eigenen Siund Rußland mit der Unterzeichnung von Abkommen cherheitsinteressen und auch für die internationale
mit diesen beiden Republiken über neue Hilfsleistun- Sicherheit bedeuten würde.
gen für die Entmilitarisierung und Entnuklearisierung in
Höhe von 283,2 Millionen Dollar einen Durchbruch Wenn ich hiervon konzertierten Anstrengungen spreerzielt. Wir stehen kurz vor dem Abschlu ß von Abkom- che, dann meine ich das auch so. Das Verteidigungsmen über zusätzliche 200 Millionen Dollar mit der ministerium und die anderen hier insbesondere durch
Ukraine und Kasachstan. Und wir führen zur Zeit Botschafter Talbott vertretenen Behörden haben seit
Gespräche, die zu zusätzlichen Abkommen führen Beginn des Frühjahrs an einer Ausweitung unserer
könnten. Tatsächlich wird unsere Verhandlungsdele- Kontakte zur Ukraine gearbeitet. Verteidigungsminigation unter Führung von Botschafter Goodby und ster Aspin und ich sind ebenso wie Botschafter Talbott
meinem Stellvertreter Dr. Duffy heute in Kasachstan in die Ukraine gereist. Im Verteidigungsministerium
eintreffen.
haben wir den ukrainischen Verteidigungsminister
Morozow empfangen und mit einer wichtigen ukrainiRußland. Drei mit Rußland im August abgeschlosse- schen Parlamentsdelegation hier in Washington Gene Abkommen stehen in direktem Zusammenhang mit spräche geführt.
dem Abbau seiner strategischen Nuklearwaffen. Unsere
Hilfsleistungen enthalten Ausrüstungsgegenstände wie Die amerikanische Politik gegenüber der Ukraine hat
Kräne zur Demontage von Raketensilos, Plasmaschnei- sich auf eine Art und Weise entwickelt, die positive
der zum öffnen der Raketenkörper und Hydraulik- Anreize für den Abbau von Nuklearwaffen auf ukrainischeren zum Aufschneiden des Rumpfes atomwaffen- schem Gebiet betont. Dieses Frühjahr haben die
bestückter Unterseeboote. Jede Atomwaffe, die auf Vereinigten Staaten ihre Forderung nach der Ratifiziediese Weise zerstört wird, ist eine Atomwaffe, die nicht rung des START-I-Vertrages durch die Ukraine und
länger auf die Vereinigten Staaten gerichtet ist. Auch ihren Beitritt zum Nichtverbreitungsvertrag vor der
helfen wir den Russen beim Entwurf von wichtiger Bereitstellung von Nunn-Lugar-Hilfe aufgegeben. Der
Bau- und Betriebsausrüstung und stellen sie ihnen zur Grund war, daß wir der ukrainischen Regierung bei der
Verfügung, um sichere Lager für spaltbares Material - Deaktivierung ihrer Nuklearwaffen behilflich sein wollinsbesondere Plutonium - aus den atomaren Gefechts- ten, selbst wenn die politische Diskussion über den
köpfen einzurichten. Die sichere Speicherung wird Zeitpunkt für die START-Ratifizierung und den Beitritt
Unberechtigten den Zugang zu diesem explosiven zum Nichtverbreitungsvertrag noch nicht abgeschlosAtommaterial verwehren. Unsere Zählmethoden für sen war. Wir unterstützen weiterhin entschieden die
Nuklearmaterial werden den Russen auch helfen, ihr Abkommen und ermutigen die Ukrainer zu ihrer UnterPlutonium und hochangereichertes Uran gegen die zeichnung, sind jedoch der Ansicht, daß wir bei der
Nutzung für gefährliche Zwecke zu sichern und die praktischen Beseitigung der ukrainischen Waffen Hilfe
Seite 2

AMERIKA DIENST 39

�leisten sollten, wodurch die Ukraine sich dem Ziel einer des Transports von Raketen zu den Zerstörungseinatomwaffenfreien Ukraine weiter annähert.
richtungen ereignenden Unfälle beheben können.
Zur Zeit stehen wir kurz vor der Unterzeichnung eines
Rahmenabkommens mit der Ukraine über die NunnLugar-Hilfe sowie der Umsetzung der Abkommen für
Hilfsleistungen in Höhe von 175 Millionen Dollar. Der
Kern dieses Hilfspaketes sind 135 Millionen Dollar für
die Zerlegung von Trägersystemen für strategische
Nuklearwaffen auf ukrainischem Gebiet. Diese Ende
August ausgehandelten Abkommen werden jetzt in
Kiew von den einzelnen Behörden geprüft. Obwohl der
Weg hin zu Verhandlungen mit der Ukraine steinig war
und weitere Schwierigkeiten entstehen können, scheint
unsere Diplomatie Ergebnisse hervorzubringen.
Ich sollte Ihnen auch versichern, daß wir weiterhin
entschieden auf unserer Forderung für Pläne zur
Zerlegung der gesamten Nuklearsysteme auf dem
Gebiet der Ukraine bestehen. Die Ukrainer beginnen
jetzt die Deaktivierung einiger SS-19-Raketen, und wir
haben ihnen Ideen für die Zerlegung ihrer strategischen SS-24-Raketen vorgelegt. Wir erwarten, daß
die Gespräche über dieses Thema in naher Zukunft
fortgesetzt werden.

Die politisch Verantwortlichen in Kasachstan haben
die Vereinigten Staaten ferner gebeten, ihnen bei der
Beseitigung der Altlasten des sowjetischen Atomtestprogramms auf dem Erprobungsgelände in Semipalatinsk behilflich zu sein. Wir sondieren, was wir tun
können, um ihnen bei der Behebung der durch jahrzehntelange Atomversuche verursachten Schäden zu
helfen, und wir werden dieses Thema im Verlauf der
Woche mit ihnen in Almaty erörtern.
Unter dem Strich haben die Vereinigten Staaten nach
schleppenden Anfängen inzwischen ungefähr 700
Millionen der insgesamt 800 Millionen Dollar der durch
das Nunn-Lugar-Programm für die Haushaltsjahre 1992
und 93 bereitgestellten Mittel für die Entnuklearisierungs- und Entmilitarisierungsprogramme in den ehemaligen Sowjetrepubliken zugewiesen.

Da wir einen Großteil unserer Initiativen für 1992-93
bereits in die Wege geleitet haben, wenden wir uns nun
unseren Prioritäten für 1994 zu. Natürlich werden wir
uns im Haushaltsjahr 1994 vor allem auf die wirksame
Durchsetzung der bereits mit den Republiken gegrünKasachstan. Ich habe erwähnt, daß unsere SSD- deten Programme konzentrieren. Die politischen und
Verhandlungsdelegatbn heute in Kasachstan ankommt. wirtschaftlichen Unruhen in diesen neuen Staaten
Wir haben die Kasachen seit März zu einem Treffen bedeuten, daß die Vereinigten Staaten die von uns
mit uns aufgefordert, und sie haben jetzt in Gespräche initiierten Nunn-Lugar-Programme nachdrücklich voreingewilligt. Unsere Verhandlungsführer sollen ein anbringen müssen.
Rahmenhilfsabkommmen für Kasachstan zum Abschluß bringen, und wir werden Wege erörtern, wie wir Im Rahmen der Programme reisen technische ExperKasachstan bei der Zerlegung der strategischen Ab- ten in diese neuen Staaten, um mit den zuständigen
schußvorrichtungen behilflich sein können, die im Regierungsvertretern die erforderliche spezielle Hilfe
Rahmen des START-Vertrags abgebaut werden sol- zu erörtern. Ein Team von Technikern, das unser
len. Selbst wenn die Kasachen die SS-18-Raketen auf Abkommen zur Konversion der Rüstungsindustrie
ihrem Territorium zur Zerlegung nach Rußland zurück- verwirklicht, ist zum Beispiel erst letzte Woche aus
bringen, müssen die silogestützten Abschußvorrich- Belarus zurückgekehrt, wo Rüstungsindustrien betungen in Kasachstan zerstört werden. Der START- sichtigt und Gespräche mit Regierungsvertretern geVertrag und das Begleitschreiben von Präsident Na- führt wurden. Sie fanden die Möglichkeiten zur Konsarbajew zum Lissaboner Protokoll fordern die Zerstö- version von Rüstungsindustrien zu friedlichen, zivilen
rung dieser Silos, denn wenn sie intakt bleiben, könn- Aktivitäten interessant, aus denen sich Möglichkeiten
ten sie eines Tages wieder zum Abschu ß strategischer zur Zusammenarbeit mit amerikanischen Firmen ergeben könnten. Anfang Oktober wird ein Team RußRaketen verwendet werden.
land besuchen, um mit den Russen Konsultationen
Obwohl wir die Gespräche über dieses Thema mit den über das Gerät zu führen, das wir für die Zerlegung
Kasachen erst aufnehmen, erwarten wir den Abschlu ß ballistischer Raketen bereitstellen. Solche Konsultavon vier weiteren Hilfsabkommen in Almaty. Diese tionen werden im gesamten Verlauf unserer ProgramVereinbarungen beinhalten: 1. Hilfe für die Kasachen me durchgeführt. Sie gewährleisten, daß wir den
bei der Einrichtung von Kommunikationsverbindungen größtmöglichen Input von den Republiken bezüglich
zwischen unseren Regierungen zum Austausch von der Hilfe erhalten, die ihnen am nützlichsten sein wird
START- und INF-Notifizierungen. 2. Hilfe bei der und unsere Mittel effektiv eingesetzt werden.
Erarbeitung eines effektiven Exportkontrollsystems,
um die Verbreitung von Nukleartechnologien und Über die Durchführung bestehender Abkommen hinmaterialien außerhalb ihrer Grenzen zu verhindern. aus werden wir uns auf mehrere Bereiche konzentrie3. Hilfe bei der Entwicklung eines Systems zur Berech- ren, von denen einige neu in unserem Progamm für
nung und Kontrolle von Nuklearmaterial für zivile Zwecke 1994 sind. Wir werden weiterhin die Zerlegung von
und 4. die Bereitstellung einer Reaktionsfähigkeit in Nuklearwaffen in der Ukraine, Rußland und KasachNotfällen, damit sie alle sich möglicherweise während stan fördern. In diesem Zusammenhang werden wir

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Seite 3

�die Programme zur Rüstungskonversion verfolgen
sowie die Industrien und Fähigkeiten von Massenvernichtungswaffen auf zivile Programme verlagern. Wir
leiten Verhandlungen über die chemische Entmilitarisierung in Rußland in die Wege. Und wir werden die
Russen zu überzeugen versuchen, die Produktion und
Trennung von waffenfähigem Plutonium einzustellen
und ihnen technische sowie möglicherweise finanzielle Hilfe anbieten, damit sie von der Herstellung von
neuem Plutonium Abstand nehmen.
Offenkundig besteht unsere erste Priorität im Abschluß unserer Initiativen mit der Ukraine und Kasachstan. Wir werden größte Anstrengungen unternehmen, um die Abkommen zur Zerlegung strategischer
Waffen mit diesen beiden Ländern zu vervollständigen
und - wie gefordert - zu erweitem, um ihren Erfordernissen in diesem Bereich gerecht zu werden. Unser
Hilfsprogramm und die ihm zugrundeliegenden Vereinbarungen sind ein wichtiges Instrument für die
Vereinigten Staaten, um die Einhaltung der Verfügungen des START-Vertrags und des Lissaboner Protokolls durch diese Republiken zu fördern.

das Nunn-Lugar-Programm konzentriert. Wir wollen
amerikanischen Unternehmen Anreize zu Verbindungen mit russischen Firmen bieten, die ihre Produktion
vom Verteidigungsbereich zur zivilen Produktion verlagern als dem potentiell effektivsten Mittel zu Förderung von langfristigem Wirtschaftswachstum und einem beträchtlichen Abbau der Industrien, die die russische Militärmaschinerie belieferten.
Wir haben ferner gerade eine gemeinsame Kommission zur Rüstungsdiversifikation mit Rußland gegründet, die auf unserer Seite von dem Parlamentarischen
Staatssekretär im Verteidigungsministerium, William
Perry, geleitet wird. Die Kommission wird die Rüstungskonversion in Rußland fördern und Möglichkeiten für eine Beteiligung amerikanischer Firmen prüfen.

Eine weitere Priorität besteht in der Zerstörung von
Tausenden Tonnen chemischer Waffen, die sich noch
in Rußland befinden. Da es auf der Hand liegt, daß
Rußland ohne finanzielle Hilfe bei der Zerstörung
seiner Chemiewaffenbestände extreme Schwierigkeiten mit der Einhaltung der Bestimmungen der Chemiewaffenkonvention haben wird, handeln wir ein AbkomDarüber hinaus werden wir voraussichtlich unsere men über die Bereitstellung eines Labors aus, um
Hilfe für Rußland bei der Zerlegung strategischer Waffen Methoden der Beseitigung von chemischen Waffen zu
erweitern. Die Erfordernisse Rußlands auf diesem testen. Wir werden Rußland eventuell auch eine
Modellfabrik zur Verbrennung chemischer KampfstofGebiet gehen über das bereits geschlossene Abkommen hinaus und werden den zusätzlichen und bedeu- fe zur Verfügung stellen sowie andere Hilfsleistungen
in diesem Bereich anbieten.
tenden Zerlegungsbestimmungen von START II nicht
gerecht. Ferner könnte weitere Hilfe erforderlich werden, um sichere, geschützte und umweltverträgliche Ein weiteres von uns verfolgtes Ziel ist die Abschaffung
Lager für bei der Zerlegung von Nuklearwaffen freige- der Plutomium-Produktion in Rußland. Wie Sie wissen, war der Kongreßabgeordnete Markey über diesetztes spaltbares Material einzurichten.
ses Thema ebenso wie ich seit einiger Zeit besorgt. Im
Eine eng damit in Zusammenhang stehende Priorität August hat unser Vertreter bei der SSD-Delegation
für das kommende Jahr ist die Rüstungskonversion. diese Frage bei hochrangigen Vertretern des MinisteWir haben einen engen Zeitrahmen, um die Entnuklea- riums für Atomenergie (Minatom) in Moskau angerisierung der ehemaligen Sowjetrepubliken zu ermuti- schnitten. Als Ergebnis dieses Treffens hat Minatom
gen und die Verbreitung von Massenvernichtungswaf- der Aufnahme technischer Gespräche mit uns über
fen oder von Material und Technologie zu deren Bau zu Alternativen für die Einstellung der Plutonium-Produkverhindern. Angesichts des konkurrierenden wirt- tion und -trennung in Tomsk und Krasnojarsk zugeschaftlichen Drucks in diesen neuen Staaten mu ß sich stimmt. Wir hoffen, diese Gespräche werden Ende
ein Teil dieser Anstrengungen zwangsläufig auf die dieses Monats beginnen, wenn Vertreter von Minatom
Konversion der Rüstungslieferindustrie für friedliche zu einem Besuch nach Washington kommen.
zivile Zwecke konzentrieren. Besonders in Rußland
besteht starker Druck zum Export von Waffen gegen Den Vereinigten Staaten bietet sich eine ungewöhnliharte Währung statt sich der schwierigen Herausfor- che Chance, Schritte zur Beseitigung potentieller
derung des Abbaus der Rüstungsindustrie zu stellen. Bedrohungen zu ergreifen, bevor sie tatsächlich zu
Die russischen Rüstungsexporte gehen auf Märkte, einer Herausforderung unserer Sicherheit werden. Jeder
die den Vereinigten Staaten großen Anlaß zur Sorge Dollar, den wir für das Nunn-Lugar-Programm aufwenbereiten - Iran, Syrien und andere Staaten, die häufig den, reduziert die Anzahl der uns konfrontierenden
sowohl ihre Nachbarstaaten als auch die internationa- Massenvernichtungswaffen, hilft diesen Regierungen
beim Abbau des aufgeblähten Verteidigungsapparats
le Sicherheit bedrohen.
der ehemaligen Sowjetunion und verhindert, daß
Nach dem Abschluß der drei Abkommen mit Rußland nukleare und andere Massenvernichtungswaffen in
im August haben wir bereits Gespräche aufgenom- die Hände gesetzloser Staaten oder Terroristen fallen.
men, wie wir Rußland bei der Konversion seiner RüFortschritte in dieser Hinsicht werden letztlich die
stungsindustrie mit dem Schwerpunkt auf Massenver- Notwendigkeit verringern, Geld für Waffen auszugenichtungswaffen behilflich sein können, auf die sich ben, um unsere Sicherheit zu garantieren.

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AMERIKA DIENST 39

�Die Nationen haben selten die Gelegenheit, solch
präventive Schritte zur Verbesserung ihrer eigenen
Sicherheit zu ergreifen. Der Tribut gebührt den Kongreßmitgliedern, die die Klugheit zur Erarbeitung von
Gesetzen besaßen, um diese einzigartige Chance zu
nutzen. Im Verteidigungsministerium unternehmen
wir größtmögliche Anstrengungen zur Nutzung des
Programms bei der Entmilitarisierung und Entnuklearisierung der Republiken in dem engen Zeitrahmen,

der uns zur Bewältigung dieser Aufgabe zur Verfügung
steht. Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung und
wenden uns an Sie zur Bewilligung der zusätzlichen
400 Millionen Dollar für 1994, die uns die Fortsetzung
dieser wichtigen Arbeit ermöglichen.
Ich danke Ihnen und bin jetzt gerne zur Beantwortung
Ihrer Fragen bereit.

* * * *

AMERIKA DIENST 39

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�FÜHRUNGSROLLE

DER

USA
29. September 1993

LAKE: WELTWEITES ENGAGEMENT DER USA
MUSS ERWEITERT WERDEN
Förderung von Demokratie und Marktwirtschaft
Die entscheidenden Marktwirtschaften müßten
WASHINGTON - (AD) - Da das Schlüsselkonzept der
Aggression
abwehren und die Liberalisierung
Vereinigten Staaten von Demokratie und Marktwirtvon
Staaten
unterstützen, die Demokratie und
schaft weltweit stärker als je zuvor akzeptiert werde,
freien
Märkten
gegenüber feindlich gesinnt sind.
"zwingen unsdie amerikanischen Interessen und Ideale nicht nur zu Engagement, sondern auch zu einer
Die humanitäre Tagesordnung der freien Welt
Führungsrolle", stellte der Nationale Sicherheitsberamüsse nicht nur durch die Bereitstellung von
terdes Präsidenten, Anthony Lake, am 21. September
Hilfe verfolgt werden, sondern auch durch Hilfe1993 in einer Rede vor der Fakultät für moderne
stellung, damit Demokratie und Marktwirtschafinternationale Studien der Johns Hopkins University in
ten
in Regionen Fuß fassen, die Anlaß zu größWashington fest. "Wir haben die Gnade, zu einer Zeit
ter
Besorgnis
im humanitären Bereich geben.
in der mächtigsten und respektiertesten Nation der
Welt zu leben, in der die Welt sich unsere Ideale wie nie "Wir sind in ein neues Zeitalter mit relativ wenigen
zuvor zu eigen macht."
Mitteln eingetreten, um eine skeptische Öffentlichkeit
Lakes Rede war als Auslöser einer nationalen öffent- davon zu überzeugen, daß Engagement im Ausland
lichen Debatte über die Notwendigkeit des andauern- eine Investition ist, die sich bezahlt macht", so Lakes
den weltweiten Engagements der Vereinigten Staaten Beobachtung. "Aus diesem Grund ist der nationale
gedacht, die er einen Tag nach Außenminister Christo- Dialog über unseren Sinn und Zweck so wichtig."
phers Ansprache in New York zum Nahen Osten hielt.
Der Präsident wird am 27. September 1993 vor der Angesichts hoher Defizite und drängender ErforderGeneralversammlung der Vereinten Nationen aus- nisse im Inland müsse die Administration das amerikanische Engagement im Ausland "überzeugend vorführlich zur Außenpolitik sprechen.
bringen" oder sie sehe sich mit" drastischen Kürzun"Seit einem halben Jahrhundert konzentrierte sich das gen in den Bereichen Verteidigung, Nachrichtendienamerikanische Engagement in der Welt auf die Ein- ste, Friedenssicherung und bei den außenpolitischen
dämmung einer feindlich gesinnten Sowjetunion. Unsere Budgets konfrontiert", warnte er.
Bestrebungen trugen zur Blockierung des sowjetischen Expansionismus, der Beendigung der kommu- Engagement sei jedoch nicht genug, führte Lake aus.
nistischen Unterdrückung und der Erlangung eines Zusätzlich zu der breiten Akzeptanz der amerikanigroßen Sieges für die Freiheit des Menschen bei", schen Grundkonzepte - Demokratie und Marktwirtschaft - böten die Macht, Authorität u nd das Vorbild der
führte Lake aus.
Vereinigten Staaten beispiellose Chancen für eine
"Der Doktrin des Containment muß eine Strategie der Führungsrolle.
Ausweitung folgen - Ausweitung der freien Gemeinschaft demokratischer Marktwirtschaften der Welt", so Obwohl es keine "glaubwürdige Bedrohung der ExiLake. Diese Strategie habe vier Grundkomponenten: stenz der Vereinigten Staaten in absehbarer Zeit" nach
dem Zusammenbruch der Sowjetunion gebe, bestünStärkung der führenden Marktwirtschaften, den nach wie vor ernsthafte Bedrohungen. Dazu
einschließlich der Vereinigten Staaten.
zählten Terrorismus, die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, ethnische Konflikte und die weltweiNeue Demokratien und Marktwirtschaften soll- te Zerstörung der Umwelt.
ten wo immer möglich gefördert und konsolidiert
werden, insbesondere in Staaten von besonde- "Vor allem sind wir durch das schleppende Wirtschaftsrer Bedeutung und mit speziellen Chancen.
wachstum bedroht", warnte der Nationale SicherheitsAMERIKA DIENST 39

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�berater. Dieses Problem betreffe auch die Verbündeten in Europa, Kanada und Japan. "Aus diesem Grund
führen wir die Bestrebungen zu einem erfolgreichen
Abschlu ß des GATT-Abkommens bis zum 15. Dezember an." Die Beziehungen zu Europa, Kanada und
Japan seien auch von einem militärischen Problem
bezüglich der NATO betroffen.

Lake äußerte sich auch spezifisch zu verschiedenen
Ländern:

China. "Wir können Regimen, die sich anscheinend
für eine Liberalisierung entscheiden, nicht die Demokratie aufzwingen, aber wir sind vielleicht in der Lage,
einige von ihnen auf diesen Weg zu bringen und die
Strafe für Unterdrückung und aggressives Verhalten
"Bei dem von Präsident Clinton im Januar anberaum- zu erhöhen." Diese Bemühungen "haben eine besonten NATO-GipfeKreffen werden wir die Modernisie- dere Bedeutung im Hinblick auf unsere Beziehung zu
rung der NATO anstreben, so daß hinter der Auswei- China", erklärte er, da "diese Beziehung aufgrund der
tung der demokratischen Marktwirtschaften die ent- wachsenden Bedeutung Chinas als Weltmacht eine
scheidende kollektive Sicherheit bestehen bleibt", der wichtigsten ist". Es liege im Interesse "unserer
beiden Nationen, daß China seine wirtschaftliche Libeäußerte Lake.
ralisierung fortsetzt und gleichzeitig die MenschenDie Bemühungen zur Ausbreitung von Demokratie und
rechte seiner Bürger und die internationalen Regeln
Marktwirtschaft weltweit müssen auf Staaten von strades Waffenverkaufs respektiert".
tegischem Interesse für Amerika ausgerichtet sein,
beispielsweise solche mit großen Volkswirtschaften, Südafrika. Ein Schlüssel für die Nutzung des enorentscheidenden Standorten, Atomwaffen oder der men Potentials von Afrika südlich der Sahara sei ihm
Möglichkeit, daß von dort Flüchtlingsströme in die zufolge Südafrika, das seine "historische und wirklich
Vereinigten Staaten oder zu wichtigen Freunden und wunderbare Reise zu einer nichtrassischen DemokraVerbündeten fließen, so Lake.
tie" begonnen habe. "Ebenso wie unsere Strategie der
Ausweitung sich auf entscheidende Ansatzpunkte stützt,
"Wir müssen Geduld haben", warnte er. "Wir müssen
muß sich unsere Strategie gegenüber Afrika auf die
auf ungleichmäßige Fortschritte oder einen totalen
Übernahme einer internationalen Führungsrolle zur
Umschwung vorbereitet sein." In einem solchen Fall
Unterstützung des Übergangs in Südafrika konzentriemüßten die Vereinigten Staaten bereit sein, "sofort
ren. Die Folge eines Scheiterns der Demokratie in
öffentlich Stellung zu nehmen", um eine solche UmSüdafrika wäre wirklich entsetzlich", fügte Lake hinzu.
kehr festigen zu helfen, wie das in Haiti, Guatemala
und Nigeria geschehen sei. Die Strategie zur Förde- Bosnien-Herzegowina. Lake bezeichnete den bosrung der Demokratie müsse auch pragmatisch sein nischen Konflikt als "eine riesige menschliche Tragöund die Vielfalt respektieren.
die ... aufgrund von ethnischer Barbarei". Ihm zufolge
erfordere sie das Engagement der Amerikaner und
Reaktionäre Staaten wie Iran und Irak könnten zu
erhalte es auch. Gleichzeitig warnte er vor einer
Gewalt und Gesetzlosigkeit greifen, die eine BedroEskalation zu einem größeren Balkankonflikt. "Wir
hung für die Vereinigten Staaten und andere Demokrableiben weiterhin der Umsetzung eines durchführbatien darstellen und "neigen eher zur Förderung von
ren und akzeptablen Friedensabkommens verpflichTerrorismus sowie zu Schmuggel von Massenvernichtet", erklärte er. "Aber während wir gute Gründe für ein
tungswaffen und ballistischer Raketentechnologie",
dauerhaftes Engagement haben, lassen diese das
erklärte er.
amerikanische Interesse an Europa und Rußland nicht
"Unsere Politik gegenüber solchen Staaten muß, so- in Vergessenheit geraten und rechtfertigen nicht die
lange diese so handeln, in ihrer diplomatischen, militä- extremen Kosten einer unilateralem Übernahme von
rischen, wirtschaftlichen und technologischen Isolie- Verantwortung für eine Lösung".
rung bestehen", betonte er. "Wenn die Aktionen
solcher Staaten unsere Bürger, unsere Streitkräfte Somalia. "Unsere Nation hat dazu beigetragen,
und unsere vitalen Interessen direkt bedrohen, müs- Hunderttausende Menschenleben zu retten und hat im
sen wir eindeutig in der Lage sein, entschieden und im Großteil Somalias die Ordnung wiederhergestellt",
Alleingang zurückzuschlagen, wie wir es taten, als der nachdem letztes Jahr amerikanische Truppen in dieIrak den ehemaligen Präsidenten Bush zu ermorden sen Teil Afrikas entsandt wurden. Die amerikanische
Militärpräsenz sei bereits um 80 Prozent reduziert
versuchte."
worden, so Lake, der hinzufügte: "Der Abzug unserer
In den kommenden Monaten werde die Administration verbleibenden Kampftruppen ist nur eine Frage der
mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um die amerika- Zeit. Er darf jedoch nicht auf eine Art und Weise
nischen Hilfsprogramme "strategischer und effizienter erfolgen, die alles in den Gebieten jenseits von Mogaauf die Förderung von Demokratie und Märkten, dischu Erreichte zunichte macht. Und er darf nicht
umweltverträgliche Entwicklung und frühzeitige Reak- unweigerlich zu dem Chaos führen, das die menschlitionen auf soziales und wirtschaftliches Chaos auszu- che Tragödie verursachte."
richten".
* * * * *

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AMERIKA DIENST 39

�GESUNDHEITSWESEN
29. September 1993

REFORM DES AMERIKANISCHEN
GESUNDHEITSWESENS
Zusammenfassung des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Weißen Haus herausgegebene Zusammenfassung der von Präsident Clinton vorgeschlagenen Gesundheitsreform.

Der Plan für die Krankenversicherung garantiert eine
umfassende gesundheitliche Versorgung aller amerikanischen Bürger und legal in den Vereinigten Staaten
Ansässigen, ungeachtet ihrer Gesundheit und ihres
Beschäftigungsverhältnisses. Die Deckung ist uneingeschränkt: Sie läuft ohne lebenszeitliche Begrenzung und ohne Unterbrechung weiter, wenn die Amerikaner arbeitslos werden, ihren Arbeitsplatz wechseln, umziehen, krank werden oder sich in einer familiären Krise befinden.
Jeder amerikanische Bürger erhält einen Gesundheitspaß, der umfassende unwiderrufliche Leistungen
garantiert. Der Gesundheitsreform liegen die folgenden fundamentalen Prinzipien zugrunde:
Die Garantie umfassender Leistungen für alle
Amerikaner.
Effektive Schritte zur Kontrolle der steigenden
Kosten im Gesundheitswesen für Verbraucher,
Unternehmer und unsere Nation.
Verbesserte Qualität der Gesundheitsfürsorge.
Mehr Wahlmöglichkeiten für die Verbraucher.
Weniger Bürokratie und ein vereinfachtes System.
Verantwortung für die Gesundheitsfürsorge für
jedermann.

Der Plan für das Gesundheitswesen schafft Wettbewerbsanreize für die Anbieter medizinischer Leistungen anhand von Qualität, Dienstleistung und Preis.
Die Kräfte des Marktes werden freigesetzt und die
amerikanischen Verbraucher übernehmen das Ruder.
Sie können wählen, bei wem und auf welche Weise sie
sich versichern.
Der Plan ermächtigt jeden Bundesstaat, eine oder
mehrere Kaufgenossenschaften (health alliances) ins
Leben zu rufen, die für die Versicherten und Arbeitgeber in einem bestimmten Gebiet ein Versicherungsverhältnis aushandeln und abschließen. Die Versicherungspläne müssen den von der nationalen Gesundheitsbehörde festgesetzten nationalen Normen für
Deckung, Qualität und Dienstleistungen entsprechen.
Jeder Bundesstaat entscheidet jedoch über die lokalen Erfordernisse und Bedingungen.
Der Plan für die Gesundheitsreform befreit das Gesundheitssystem von viel Bürokratie und Regeln und
gestattet Ärzten, Krankenschwestern, Krankenhäusern und anderen Anbietern medizinischer Leistungen
die Konzentration auf qualitativ hochwertige Versorgung. Er schränkt Mißbrauch ein, reformiert die Gesetze
und politischen Maßnahmen zu Kunstfehlem, verbietet Versicherungspraktiken die kleine Unternehmen
benachteiligen und setzt die ersten nationalen Maßstäbe für den Schutz der Privatsphäre von Patienten
sowie der Vertraulichkeit medizinischer Informationen
und Krankenblätter.

Die Amerikaner und ihre Arbeitgeber werden aufgefordert, Verantwortung für ihre Gesundheitsfürsorge zu Größere Sicherheit
übernehmen und erhalten im Gegenzug die Garantie Der Plan für die Gesundheitsreform garantiert jedem
einer ununterbrochenen umfassenden Versorgung.
Amerikaner und jedem legal in Amerika Ansässigen
eine unwiderrufliche Versorgung im Krankheitsfall:
AMERIKA DIENST 39

Seite 1

�Die umfassenden Leistungen weisen keine zeitliche Begrenzung der medizinischen Versorgung auf und enthalten ein breites Spektrum
medizinisch notwendiger oder geeigneter Dienstleistungen.
Keine Versicherung darf einem Antragsteller
aufgrund seiner Gesundheit, seines Beschäftigungsverhältnisses oder seiner Finanzlage den
Beitritt verweigern, noch darf sie von Patienten
aufgrund ihres Alters, ihrer Gesundheit oder
eventueller Risikofaktoren höhere Beiträge
verlangen.
Alle Versicherungspläne müssen national festgelegten Qualitätsnormen entsprechen und dem
Versicherungsnehmer verläßliche Informationen
liefern, damit er seine Versicherungspläne und
deren Anbieter selbst auswählen kann.
Die Amerikaner haben eine breite Auswahl
zwischen Versicherungsplänen und Anbietern
von Leistungen.
Ältere und behinderte Amerikaner erhalten zum
ersten Mal unter Medicare bei ambulanter
Behandlung Medikamente auf Rezept sowie
erweiterte Möglichkeiten für Pflege zu Hause
und in der Gemeinde.
Selbstständige können die Gesamtkosten ihrer
Krankenversicherung von ihrer Einkommensteuer absetzen.
Arbeitnehmer über 55, die in Pension gehen
bevor sie Anspruch auf Medicare haben, erhalten umfassende Deckung für die garantierten
Leistungen, zahlen aber weiterhin nur den Arbeitnehmeranteil der Beiträge.
Neue Investitionen und Darlehen tragen zu einem
größeren Angebot und besserer Qualität der
Gesundheitsversorgung in ländlichen Gebieten
und Innenstädten bei.
Ambulante Einrichtungen in Schulen und Gemeinden erweitem das Angebot medizinischer
Versorgung in Gebieten mit unzureichenden
Gesundheitseinrichtungen.
Finanzielle Anreize und die Erweiterung der
nationalen Gesundheitsdienste sollen Gebiete
mit einem Mangel an Ärzten und Krankenschwestern attraktiver gestalten.
Kostenkontrolle

Einheitliche, umfassende medizinische Leistungen und verläßliche Informationen über Preise
und Leistungen der Versicherungspläne ermutigen zu informierter Auswahl.
Die Versicherungsnehmer können entscheiden,
ob sie weniger für kostengünstigere Versicherungspläne oder mehr für kostspieligere Pläne
zahlen wollen, was einen Anreiz für preisbewußte Entscheidungen schafft.
Festgelegte Beiträge für Versicherungspläne,
die ein Anreiz für vernünftigen Umgang mit den
Mitteln sind. Die Beiträge werden anhand der
Risikofaktoren jedes einzelnen Versicherungsnehmers errechnet.
Sollten die durch Wettbewerb und Abbau der Verwaltungslast angestrebten Einsparungen nicht zu einer
Kostendämpfung führen, wirken Begrenzungen der
Versicherungsprämien als Notbremse - oder Sicherheitsfaktor-,um die Prämien der Inflation anzupassen.
Die Gesundheitsreform senkt auch die prognostizierte
Steigerungsrate bei den Ausgaben der Regierung und
der Bundesstaaten für Medicare, Medicaid und andere
staatliche Programme. Die durch solche Schritte
eingesparten Mittel werden für andere Bereiche des
Gesundheitswesens genutzt, insbesondere die Erweiterung von Medicare-Leistungen, die Medikamente
auf Rezept und neue langfristige Pflegedienste umfassen sollen.
Der Plan zur Gesundheitsreform geht hart gegen
Anbieter und Institutionen vor, die überhöhte Beiträge
verlangen oder die Versicherungsnehmer betrügen.
Ersetzt neue Maßstäbe und verhängt härtere Strafen,
darunter:
Neue Strafen im Gesundheitswesen sowie für
die Zahlung von Bestechungsgeldern oder Geschenken zur Beeinflussung der medizinischen
Versorgung.
Neue Bußgelder für von Versicherungsträgern
fälschlich vorgelegte Ansprüche.
Strengere Beschränkungen zur Abschaffung
von Provisionszahlungen im Privatsektor und
das Verbot für Ärzte, ihre Patienten an Institutionen zu überweisen, an denen sie ein finanzielles
Interesse haben.
Strenge Rechenschaftsmaßstäbe, durch die
Fehlverhalten der Versicherungsträger und
anderer automatisch zum Ausschluß aus allen
Versicherungsplänen führen.

Der Plan für die Gesundheitsreform senkt die prognostizierte Steigerung der Kosten im Gesundheitswesen Größere Auswahl
durch verstärkten Wettbewerb auf diesem Gebiet, die
Reduzierung der Verwaltungskosten sowie strengere Der Plan zur Gesundheitsreform garantiert den VersiHaushaltsdisziplin. Die Versicherungspläne sollen er- cherungsnehmern Wahlmöglichkeiten bezüglich ihres
schwingliche, qualitativ gute Versorgung anbieten:
Seite 2

AMERIKA DIENST 39

�Versicherungsplans und verbessert die Beziehungen
zwischen Arzt und Patient.

Verstärkte Investitionen im Forschungsbereich
vertiefen das medizinische Wissen.

Die Kaufgenossenschaften bieten eine Vielzahl
konkurrierender Versicherungspläne an, unter
denen Alleinstehende und Familien ihre Gesundheitsversorgung auswählen können, wodurch die Wahlmöglichkeiten für viele Amerikaner erhöht werden.

Beitragsänderungen für Medicare und die Bereitstellung staatlicher Gelder zur Unterstützung
des Medizinstudiums bieten neue Anreize für
Ärzte, die medizinische Grundversorgung zum
Mittelpunkt ihrer Ausbildung zu machen.
Höhere Ausbildungsfonds und neue staatliche
Aktivitäten beseitigen künstliche Hindemisse
für die Ausübung des Berufs für Krankenschwestern und andere im medizinischen Bereich
Tätige.

Die Kaufgenossenschaften müssen die Option
Bezahlung für Leistung anbieten, bei der jeder
Patient einen Arzt seiner Wahl aufsuchen kann.
Der Versicherungsnehmer - nicht der Arbeitgeber - wählt unter einer Vielzahl von den Kaufgenossenschaften angebotenen Plänen seinen
eigenen Versicherungsplan aus.
Ärzte und andere Anbieter medizinischer Leistungen haben ebenfalls eine Mitsprache bei
Versicherungsplänen und Trägersystemen,
innerhalb derer sie ihrer medizinischen Tätigkeit
nachgehen.

Investitionen in das öffentliche Gesundheitswesen und die medizinische Forschung verbessern den Gesundheitsschutz für alle Amerikaner.
Abbau der Bürokratie
Der Plan für die Gesundheitsreform baut die Bürokratie ab und gestaltet Vorschriften, Abrechnung und
Berichtswesen einfacher und klarer.

Gesonderte Programme verbessern die Unterstützung der Bundesregierung für Pflege sowie
die Qualität und Zuverlässigkeit einer privaten
Pflegeversicherung.
Qualitätsverbesserung
Der Plan für die Gesundheitsreform verbessert die
Qualität der Gesundheitsfürsorge. Er legt Maßstäbe
und Richtlinien für im medizinischen Bereich Tätige
fest und führt somit zu einer Neuorientierung der
Versicherungsprogramme anhand von Leistung anstelle von Regulierung, erhöht das nationale Engagement für medizinische Forschung und fördert die
Grundversorgung und Vorsorge.
Die Versicherungspläne sind für das Angebot
angemessener, qualitativ hochwertiger Riege
verantwortlich.
Regelmäßige Befragungen über die Zufriedenheit der Versicherungsnehmer werden zur
Beurteilung der Versicherungspläne herangezogen.
Regelmäßige Veröffentlichung nützlicher und
leicht verständlicher Informationen über Qualität und Kosten ermöglichen den Versicherungsnehmern eine bewußte Auswahl unter den
Versicherungsplänen.
Ein spezieller Finanzierungsmechanismus stärkt
die Rolle von Lehrkrankenhäusem bei Forschung,
Ausbildung und spezieller Pflege.

Ein umfassendes Leistungspaket, das jeden
Amerikaner und legal in den Vereinigten Staaten Ansässigen abdeckt, verringert die Konfusion unter den Versicherungsträgern und -nehmern.
Die durch verschiedene Versicherungspolicen
mit unterschiedlichen Leistungen und Risikoauswahl verursachten Verwaltungskosten werden beseitigt.
Standardformulare für Forderungen an die
Versicherungen und Abrechnungsverfahren erleichtem den Schriftverkehr und senken die
Verwaltungskosten.
Die Verwaltungskosten für kleine Unternehmen
werden gesenkt, da diese sich regionaler Kaufgenossenschaften bedienen, die von größeren
Unternehmen profitieren.
Der Plan vereinfacht die staatlichen Bestimmungen für Medicare, Medicaid sowie die Kliniklaboratorien betreffenden Programme.
Dem Plan zufolge müssen die von der Unfallund Kraftfahrzeugversicherung abgedeckten Leistungen im Rahmen eines individuellen Plans
erbracht werden, der doppelte Erstattung und
Verschwendung verringert.
Eine Reform zur Bekämpfung von falscher ärztlicher Behandlung, einschließlich unnötiger Tests
und Verfahren, verringert das Praktizieren einer
"defensiven Medizin".

* * * * *

AMERIKA DIENST 39

Seite 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton warnt vor Gefahren trotz Ende des Kalten Krieges&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor der UNO&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA berufen internationale Konferenz zur Förderung des Friedens im Nahen Osten ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Christopher&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Flüchtlinge&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christopher: Schutz und Rückführung sind Ziele der Flüchtlingshilfe &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Außenministers vor Rechtsauschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Abrüstung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hilfe für GUS bei Zerlegung von Massenvernichtungswaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Ashton Carter vor auswärtigem Ausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Führungsrolle der USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lake: weltweites Engagement der USA muss erweitert werden &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Förderung von Demokratie und Marktwirtschaft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Gesundheitsreform&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Reform des amerikanischen Gesundheitswesens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zusammenfassung des Weißen Hauses&lt;/em&gt;</text>
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I.in;ii.t&gt;nii-nirtt«i-ilni)-

29. Oktober 1980

48

INHALT

DOKUMENTATION
USA streben Stärkung der globalen Sicherheit an
- Rede von Dr. Brzezinski vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen
in Denver Muskie nimmt zum Thema Menschenrechte und KSZE-Folgekonferenz Stellung
- Rede des US-Außenministers in Milwaukee -

INFORMATION
Ölschiefer
Energieverbrauch

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48

29. Oktober 1980

USA STREBEN STÄRKUNG DER GLOBALEN SICHERHEIT AN
*

Rede von Dr. Brzezinski vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen in Denver

DENVER, COLORADO - (AD) - Der Sicherheitsberater von Präsident Carter,
Dr. Zbigniew Brzezinski,hat am 25. Oktober 1980 in einer Rede vor dem - privaten - Rat für.Auswärtige Beziehungen in Denver betont, das Streben der USA
nach einem "regionalen Sicherheitsrahmen" im Persischen Golf entspringe der
Sorge um die globale Sicherheit.

Nach Europa und dem Fernen Osten sei der

Persische Golf und der Nahe und Mittlere Osten die dritte Region,in denen
die Vereinigten Staaten in den letzten 35 Jahren ein lebenswichtiges Interesse vertreten.
Die Ansprache Brzezinskis unter dem Titel:

"Das Streben nach globaler

Sicherheit - die dritte Phase" hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte heute Ihre Zeit in Anspruch nehmen, um über den neuesten
- und mit der größten Herausforderung verbundenen - Aspekt in dem 35jährigen
Streben Amerikas nach der Stärkung des Friedens und der globalen Stabilität
zu sprechen.

Ich möchte die Anstrengungen der Regierung Carter darlegen,

einen Rahmen für die regionale Sicherheit in dem lebenswichtigen und unru-

�unruhigen Gebiet Südwestasiens zu schaffen, das den Persischen Golf und den
Nahen und Mittleren Osten einschließt.
Diese Anstrengungen befinden sich in ihrer Anfangsphase.

Sie sind je-

doch Teil einer wesentlichen und dauerhaften Verpflichtung der Vereinigten
Staaten, in der Welt ein Klima der Stabilität zu schaffen, in dem der Wandel
sich produktiven statt zerstörerischen Zielen verschreiben kann.
Der rasche und umwälzende Wandel ist eine Realität unserer Zeit.
ist eine Entwicklung, die wir nicht umkehren können.

Er

Er kann nicht durch

bekannte und vereinfachende Theorien wegdiskutiert werden, die alle Proteste
als kommunistisch inspiriert ansehen oder alle Unruhe einer angeblichen
amerikanischen Schwäche oder Unordnung im Westen zuschreiben.
Politischer Wandel ist seiner Natur nach vielfachen Ursprungs und in
seiner praktischen Auswirkung auf die internationalen Beziehungen vielfältig.
Die Veränderungen, mit denen sich die Macht und Zielsetzung Amerikas auseinandersetzen muß, sind unter anderem demographischen, wirtschaftlichen, gesell
schaftlichen und politischen Ursprungs.

Sie entstehen zum großen Teil aus

dem dramatischen politischen Erwachen von Völkern, die einst

passive Sub-

jekte waren, heute jedoch aktive und unermüdliche Teilnehmer an einem politischen Prozeß sind, der global aber noch nicht geordnet
Wenn ein einzelnes Ereignis den Beginn dieses umfassenden Prozesses
des Wandels kennzeichnet, dann ist es das Ende des Zweiten Weltkrieges. Der
Krieg zerstörte nicht nur große europäische Mächte, sondern auch die eurozentrische Weltordnung, die den Rahmen für internationale Rivalität,aber auch
Entwicklung geboten hatte.

Aus diesem Zusammenbruch gingen die Vereinigten

Staaten als die vorherrschende Weltmacht hervor, aber nicht als die einzige.
Sie war damals - wie heute noch - mit einem Rivalen konfrontiert, nämlich der Sowjetunion.

Und dieser Rivale schien in der Lage zu sein, die

Kontrolle über Europa und Asien zu erringen, deren Verteidigung und deren
Wirtschaft damals in Trümmern lagen.
- 2 -

T

�In diesem Zusammenhang übernahmen damals die Vereinigten Staaten die
Aufgabe, die sowjetische Macht einzudämmen.

Der sowjetische Druck auf Berlin

erregte amerikanische Befürchtungen eines sowjetischen Vordringens bis zum
Atlantik.

Der kommunistische Sieg in China im gleichen Zeitraum ließ die Aus-

sicht auf eine kommunistische Herrschaft selbst über Japan erkennen.
Als Reaktion auf diese klar erkannten Herausforderungen unternahm Amerika
zwischen 1945 und 1955 die erste große Phase seines Engagements in der Welt.
Wir verpflichteten uns, Westeuropa wieder aufzubauen und seine Sicherheit zu
gewährleisten.

Aus diesem Engagement heraus entstanden der Nordatlantikver-

trag und der Marshall-Plan.

Diese zusammen ermöglichten die Wiederherstel-

lung Europas als lebensfähige Macht in der Weltpolitik.
In etwa dem gleichen Zeitraum beginnend, aber viel länger andauernd,
unternahm Amerika seine zweite große Anstrengung:
Stabilität im Fernen Osten.

die Gewährleistung der

Ausgelöst mit dem Koreakrieg fand diese Anstren-

gung auch ihren Ausdruck in dem amerikanisch-japanischen Friedensvertrag Mitte
der fünfziger Jahre und der daraus entstehenden Verteidigungszusammenarbeit.
Die Bemühungen um Stabilität im Fernen Osten zogen sich jedoch länger hinaus
und waren komplexer.
Später verwickelten uns diese Bemühungen in den schmerzlichen und schwächenden Vietnam-Konflikt.

Trotzdem konnte man Ende der siebziger Jahre mit

der Normalisierung der amerikanisch-chinesischen Beziehungen sagen, daß im
Rahmen der Sicherheitsbeziehungen mit Japan und Südkorea und einer engeren
Verständigung mit China ein lebensfähiges Abschreckungssystem entstand und
in ähnlicher Weise für eine Abschreckung der sowjetischen Ambitionen sorgte.
Damit kam es soweit, daß Frieden und Sicherheit in der Welt auf der
amerikanischen Verpflichtung für die Unabhängigkeit und Sicherheit von zwei
zentralen strategischen Zonen beruhte:

Westeuropa und Fernost.

Man betrach-

tete amerikanische Interessen als automatisch berührt, wenn eine Bedrohung
dieser beiden strategischen Zonen einträte.

Man sah die Macht Amerikas als

bereit an, jeder Drohung einer Expansion entweder nach Westen oder nach
- 3 -

�nach Osten entgegenzutreten.
Zum Teil, um diese beiden strategischen Zonen zu überwinden und an den
Flanken zu umgehen, startete die Sowjetunion unter Chruschtschow und später
unter Breschnjew eine Reihe von Manövern, vor allem in der Dritten Welt.

Die

Ausweitung des sowjetischen Einflusses nach Kuba wie in bestimmte Gebiete
Afrikas war ein teilweiser Ausdruck dieser Strategie, aber die sowjetischen
Gewinne blieben doch weitgehend marginal, schlugen gelegentlich ins Gegenteil um und reichten niemals aus, um die eine oder andere der beiden zentralen strategischen Zonen zu bedrohen.
Obwohl von einigen Leuten schon sehr viel früher erkannt, gewann in den
letzten Jahren eine dritte strategische Zone eine lebenswichtige Bedeutung
für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten:

die Region, die wir heute

als Südwestasien bezeichnen, einschließlich des Persischen Golfes und des
Nahen und Mittleren Ostens. Westeuropa und der Ferne Osten sind in ihrem
wirtschaftlichen Wohlergehen von dieser Region abhängig.

Ihre Beziehungen

zu ihr und ihren Ölvorkommen läßt sie in zunehmendem Maße zur dritten zentralen strategischen Zone werden, eine Zone von lebenswichtigem Interesse
für uns wie für unsere Hauptverbündeten.
Jahrelang wurde diese Region vor dem sowjetischen Einfluß durch eine
Kette von Staaten abgeschirmt, die sich von der Türkei über das Kaspische
Meer und über Afghanistan erstreckte, das als Pufferzone zum Schutz für das
im wesentlichen westlich ausgerichtete Pakistan diente.
punkt dieser Kette.

Iran war der Angel-

Es bot den Drehpunkt für ein Sicherheitssystem, das die

Sowjetunion vom Persischen Golf fernhielt.
In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre geriet diese Zone unter eine
wachsende Bedrohung von außen.

Sie wurde in einem gewissen Ausmaß durch das

Auftreten einer militärischen Präsenz der Sowjets in Südjemen und durch Stellvertreter in Äthiopien umzingelt.

Der Staatsstreich Tarakis in Afghanistan

im März 1978 öffnete die Tür für ein direktes sowjetisches Engagement und
dann für die militärische Besetzung des Landes durch die Sowjets Ende 1979
- 4 -

�In diesem Zusammenhang übernahmen damals die Vereinigten Staaten die
Aufgabe, die sowjetische Macht einzudämmen.

Der sowjetische Druck auf Berlin

erregte amerikanische Befürchtungen eines sowjetischen Vordringens bis zum
Atlantik.

Der kommunistische Sieg in China im gleichen Zeitraum ließ die Aus-

sicht auf eine kommunistische Herrschaft selbst über Japan erkennen.
Als Reaktion auf diese klar erkannten Herausforderungen unternahm Amerika
zwischen 1945 und 1955 die erste große Phase seines Engagements in der Welt.
Wir verpflichteten uns, Westeuropa wieder aufzubauen und seine Sicherheit zu
gewährleisten.

Aus diesem Engagement heraus entstanden der Nordatlantikver-

trag und der Marshall-Plan.

Diese zusammen ermöglichten die Wiederherstel-

lung Europas als lebensfähige Macht in der Weltpolitik.
In etwa dem gleichen Zeitraum beginnend, aber viel länger andauernd,
unternahm Amerika seine zweite große Anstrengung:
Stabilität im Fernen Osten.

die Gewährleistung der

Ausgelöst mit dem Koreakrieg fand diese Anstren-

gung auch ihren Ausdruck in dem amerikanisch-japanischen Friedensvertrag Mitte
der fünfziger Jahre und der daraus entstehenden Verteidigungszusammenarbeit.
Die Bemühungen um Stabilität im Fernen Osten zogen sich jedoch länger hinaus
und waren komplexer.
Später verwickelten uns diese Bemühungen in den schmerzlichen und schwächenden Vietnam-Konflikt.

Trotzdem konnte man Ende der siebziger Jahre mit

der Normalisierung der amerikanisch-chinesischen Beziehungen sagen, daß im
Rahmen der Sicherheitsbeziehungen mit Japan und Südkorea und einer engeren
Verständigung mit China ein lebensfähiges Abschreckungssystem entstand und
in ähnlicher Weise für eine Abschreckung der sowjetischen Ambitionen sorgte.
Damit kam es soweit, daß Frieden und Sicherheit in der Welt auf der
amerikanischen Verpflichtung für die Unabhängigkeit und Sicherheit von zwei
zentralen strategischen Zonen beruhte:

Westeuropa und Fernost.

Man betrach-

tete amerikanische Interessen als automatisch berührt, wenn eine Bedrohung
dieser beiden strategischen Zonen einträte.

Man sah die Macht Amerikas als

bereit an, jeder Drohung einer Expansion entweder nach Westen oder nach
- 3 -

�1979 und Anfang 1980.
Gleichzeitig sind die Länder dieser Region ein Beispiel für die Tatsache
des Wandels, von dem ich vorhin gesprochen habe. Jene Länder stehen in zunehmendem Maße vor einer Bedrohung von innen - die Zerbrechlichkeit örtlicher
Regime gegenüber dem Druck der Modernisierung und dem Anreiz einer islamischen
Renaissance liegt auf der Hand.
fälligste Beispiel.

Der Sturz des Schah im Iran ist das augen-

Der Krieg zwischen dem Irak und dem Iran, der vorigen

Monat begann, hat weiter zur Möglichkeit des regionalen Umsturzes beigetragen, der auf eine Reihe von Staaten im weiteren Bereich des Persischen Golfes
übergreifen und damit ein Viertel der Weltölerzeugung abschneiden könnte.
Und diese instabilen Verhältnisse bieten natürlich neue Öffnungen für das
politische und militärische Eindringen der Sowjets.
In Reaktion auf diese strategische Lage proklamierte Präsident Carter
bereits im Januar 1980 das, was man mittlerweile die Carter-Doktrin nennt:
"Jeder Versuch durch eine Macht von außen, die Kontrolle über die Region des
Persischen Golfes zu erlangen, wird als ein Angriff auf die lebenswichtigen
Interessen der Vereinigten Staaten betrachtet werden.

Und solch ein Angriff

wird durch den Einsatz aller notwendigen Mittel, einschließlich militärischer
Macht, zurückgewiesen werden."

Ergebnis und Folge dieser Erklärung war eine

neue und historisch bedeutsame Verpflichtung der Vereinigten Staaten, eine
Verpflichtung, die langfristige Auswirkungen für das Jahrzehnt der achtziger
Jahre hat.

Sie spiegelt die Erkenntnis wider, daß die zentrale Herausfor-

derung dieses Jahrzehnts wahrscheinlich ebenso umfassend und dauerhaft sein
wird wie jene, vor denen die amerikanische Führung in den ersten Jahrzehnten
nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stand.
Zu jener Zeit mußten wir Westeuropa schützen und wiederaufbauen - und
gleichzeitig die sowjetische Aggression zurückweisen.

Heute müssen wir die

richtige Mischung aus militärischen und diplomatischen Initiativen finden, um
eine Region zu sichern, die für uns absolut lebenswichtig ist, in der wir jedoch nicht automatisch die Lektionen wiederholen können, die sich aus der
Gestaltung des Atlantischen Bündnisses ergaben.
- 5 -

w-

�Wir müssen den sowjetischen Expansionismus zurückweisen; wir müssen
ein Sicherheitsrahmenwerk schaffen; wir müssen in Ruhe bei der Lösungssuche
regionaler Streitigkeiten mithelfen; und wir müssen eine Vielfalt formeller
und informeller Beziehungen in einer Region entwickeln, die gegenüber jeglicher ausländischer Präsenz empfindlich ist, wo stolze und mißtrauische
Nationen sich erst vor kurzem von kolonialistischem Einfluß befreit haben.
Demzufolge können wir in der Region um den Persischen Golf keine Nachbildung der NATO schaffen.

Dies lassen die politischen und die wirtschaft-

lichen Bedingungen der Region nicht zu. Auch die dortigen Werte und Kulturen
würden dies nicht erlauben.

Die Notwendigkeit, positiven Wandel zu unter-

stützen, anstatt Sicherheit wieder auf der Grundlage altvertrauter Muster ,
zu erlangen, macht die erneute Anwendung alter Rezepte untauglich.
Wir können aber dort auch kein Sicherheitsrahmenwerk auf eigene Faust
aufbauen.

Andere müssen helfen - nicht nur befreundete Staaten der Region,

sondern auch unsere europäischen und asiatischen Verbündeten.

Ihre eigenen,

vitalen Interessen stehen noch unmittelbarer auf dem Spiel als die unsrigen.
Dennoch müssen wir die Führung übernehmen, denn einer potentiellen sowjetischen
Bedrohung kann nur dann wirkungsvoll entgegengetreten werden, wenn wir bei
ihrer Beantwortung führen.
Ein Sicherheitsrahmenwerk für

. . .
diese Region kann nicht allein, noch nicht

einmal in seinen wesentlichen Zügen eine militärische Struktur haben - auch
wenn die militärische Komponente von entscheidender Bedeutung ist.
auch diplomatische und wirtschaftliche Komponenten aufweisen.

Es muß

Während der

vergangenen neun Monate hat die Regierung Carter eine Reihe von Initiativen
ergriffen und Schritte unternommen, die den Grundstein für eine sich entwickelnde Struktur legten, um sowohl die Unabhängigkeit der Region als auch die
Aussichten auf Frieden zu unterstützen.

Es ist erst ein Anfang, aber unser

Fortschritt ist ermutigend, und ich möchte Ihnen berichten, was bisher erzielt worden ist.

Was

�Was das Militärische angeht, so haben wir zwei entscheidende, sich ergänzende Anstrengungen fortgesetzt.
Erstens, um die Fähigkeit zu besitzen, der Sowjetunion eine glaubhafte
Abschreckung entgegenzusetzen und unseren Verbündeten in diesem Gebiet erneute Sicherheit zu geben , müssen wir in der Lage sein, rasch amerikanische
Streitkräfte in diese Region zu schaffen.

Ich betone mit Nachdruck dieses

rasche Heranschaffen amerikanischer Streitkräfte, da es nicht unsere Absicht
ist, amerikanische Landstreitkräfte dort zu stationieren oder große amerikanische Stützpunkte dort anzulegen.

Wir müssen jedoch in der Lage sein, un-

seren Freunden zu Hilfe zu kommen, wenn sie bedroht sind und wenn sie uns um
Hilfe ersuchen.
Weil in der Öffentlichkeit Zweifel laut geworden sind über die Ernsthaftigkeit der von uns in dieser Hinsicht unternommenen Anstrengungen, möchte
ich einige konkrete Details anführen.

Der Präsident hat während der letzten

neun Monate mehrfach den Nationalen Sicherheitsrat zusammenkommen lassen,
um diesen Plan weiter zu verfolgen und der Sonderausschuß dieses Rates für
Fragen der Koordinierung, dessen Vorsitzender ich bin, hat 18 Sitzungen abgehalten, um unsere Programme und den dabei erzielten Fortschritt in der Entwicklung der Konzeption eines regionalen Sicherheitsrahmenwerks und der Verbesserung unserer Fähigkeit zur raschen Dislozierung unserer Streitkräfte in
Notfällen zu erörtern.
Zur Zeit haben wir folgendes erreicht:
- Eine gemeinsame Eingreiftruppe zur raschen Dislozierung ist aufgestellt
worden.

Sitz ihres Kommandos ist die MacDill Air Force Base in Florida.

- Truppenverbände wurden zur Ausbildung für Kriseneinsätze bestimmt.
Zu ihnen gehören zweieindrittel Armeedivisionen, eine Division des Marinekorps zusammen mit mehr als vier Geschwadern von Kampfflugzeugen und drei
Flugzeugträgerkampfgruppen.
- Sieben
- 7 -

�- Sieben auf Vorausposition geschickte Schiffe mit vollmechanisierter
Ausrüstung, Munition, Treibstoff und anderen Nachschubgütern sind im Indischen
Ozean disloziert.

Sie ermöglichen es uns, eine motorisierte Brigade von

12 000 Mann in kürzester Zeit, in wenigen Tagen, in der Region aufzustellen.
- 300 Düsentransportflugzeuge und 500 Turboprop-Transportmaschinen stehen
für eine Luftbrücke zur Verfügung.
- Der Kongreß prüft das Ersuchen der Administration,acht schnelle Frachtund Truppentransportschiffe zur direkten Be- und Entladung anzukaufen, die
von der Ostküste aus in 11 - 12 Tagen den Suezkanal erreichen könnten.

Diese

Schiffe könnten in wenigen Wochen im Einsatz sein, sobald sie vom Kongreß erst
einmal bewilligt sind.
- Der Gemeinsame Eingreifverband für eine rasche Dislozierung hat bisher
drei Übungen in den Vereinigten Staaten durchgeführt.
- Einsatzübungen kleinerer Teile des Verbandes in dem Gebiet sind für
Herbst dieses Jahres vorgesehen.
- Die für den Einsatz erforderlichen Zeiten konnten bedeutend verkürzt
werden.

Die taktischen Luftstreitkräfte können innerhalb von Stunden in dem

Gebiet sein, ein

Bataillon innerhalb von 48 Stunden und eine Division inner-

halb von zwei Wochen.
- Schließlich haben wir mit vier Ländern in diesem Gebiet Abmachungen
über die Benutzung von Anlagen zur Unterstützung einer amerikanischen Präsenz
getroffen.
Ich meine,diese Liste zeigt, daß wir seit dem vorigen Dezember, als der
Präsident sich entschloß, sich um Einrichtungen in diesem Gebiet zu bemühen,
wahrhaft eine ganze Anzahl wichtiger Schritte getan haben, um die Sicherheit
der Region zu verbessern.

Kurzum, wir haben etwas getan, um die Fähigkeit

zu erlangen, amerikanische Streitkräfte rasch in diese Region zu verlegen,
- 8 -

�verlegen, falls sie bedroht wird.
Gleichzeitig muß aber erneut betont werden, daß die politischen Verhältnisse der Region sehr verschieden von denen in Europa sind.

Wir müssen stän-

dig die nationalen und politischen Empfindlichkeiten der betreffenden Länder
im Auge behalten.

Wenn man jedoch diese wichtigen Realitäten in Rechnung

stellt, so kann kein Zweifel bestehen, daß wir in den vergangenen neun Monaten einen echten Fortschritt bei der Entwicklung einer raschen Einsatzkapazität der amerikanischen Streitkräfte für

diese Region erzielt haben.

All dies, ich will es gleich hinzufügen, ist lediglich ein Anfang.
Die Region, um die es geht, wird von tiefreichenden Konflikten geschüttelt.
Diese Konflikte sind ihrem Charakter nach meist örtlichen Ursprungs, aber sie
können durch einen Feind von außen zu dessen eigenen Zwecken ausgebeutet werden.

Wir müssen uns dieser Tatsache bewußt sein und einsehen, daß es dafür

keine raschen und einfachen Lösungen gibt.

Es wird viele Jahre dauern und

einer anhaltenden politischen und militärischen Anstrengung bedürfen, um die
notwendige

Stabilität zu schaffen, damit der Druck nach Süden, der unsere na-

tionale Sicherheit bedroht, eingedämmt werden kann.

Wir unterziehen uns in

allem Ernst dieser Anstrengung in der Erkenntnis der Bedeutung dessen, worum
es geht und im Bewußtsein, daß es sich hierbei nicht um eine Frage der Parteipolitik, sondern um eine Angelegenheit der ureigensten nationalen Sicherheit
handelt.

Parallel zu unseren militärischen Anstrengungen haben wir uns bereiterklärt, bei der Verbesserung der Verteidigungskapazitäten von Ländern in dieser
Region behilflich zu sein. Wir setzen die schon seit langem gewährte Unterstützung für die Sicherheit Israels fort.

Es ist eine Tatsache, daß unsere

gesamte wirtschaftliche und militärische Hilfe für Israel während der letzten
vier Jahre sich auf fast die Hälfte der amerikanischen Hilfe an Israel seit
dessen Gründung beläuft.

Außerdem haben wir Waffen an Saudi-Arabien, Ägypten,

Jordanien und den Nordjemen geliefert.

Wir bieten militärischem Personal

aus mehreren Staaten dieser Region Ausbildung.

Soweit möglich, ziehen wir es

vor, den Staaten in der Region dabei zu helfen, sich selbst zu verteidigen.
- 9 -

�verteidigen.

Auch sie ziehen dies vor, und wir ermutigen sie dazu.

Diese beiden militärischen Anstrengungen haben Einfluß auf unsere
Möglichkeiten im Rahmen der NATO.

Daher haben wir mit der Ausarbeitung

einer Formel für eine erste Arbeitsteilung zwischen den NATO-Verbündeten
begonnen, um den Wettlauf um knappe militärische Mittel zu bremsen.
Was die wirtschaftliche Komponente unseres Sicherheitsrahmenwerks angeht,
so nimmt öl eine Schlüsselstellung ein.

Unsere Innenpolitik sowie unsere poli-

tischen Bemühungen gemeinsam mit unseren Verbündeten haben den Verbrauch vermindert, den Preisanstieg verlangsamt und Vorräte aufgebaut.

Aus diesen Grün-

den sind wir - obwohl der Iran und der Irak als Förderländer derzeit ausfallen - zuversichtlich, daß es keine unmittelbare Versorgungskrise geben
wird.
Wir haben auch die reicheren Staaten der Region dazu ermutigt, ärmeren
Ländern wirtschaftlichen und militärischen Beistand zu gewähren, um ihnen dabei zu hlefen, äußeren Anstrengungen zu widerstehen, die auf politische Destabil isierung gerichtet sind.

Wir haben unsere Verbündeten in Europa er-

sucht, eben diesen Staaten Wirtschaftshilfe zu gewähren.

Die Bundesrepublik

Deutschland hat zum Beispiel eine wesentliche Rolle dabei übernommen, solcherart Hilfe der Türkei und Pakistan zu gewähren.
So kombinieren sich Energieeinsparung und erhöhte Energieproduktion,
Wirtschaftshilfe für Staaten der Region durch Staaten der Region sowie westliche Wirtschaftshilfe, um eine Dreipunkte-Wirtschaftsstrategie für das Sicherheitsrahmenwerk zu bilden.
Der Arbeit, die in diesem Jahr geleistet wurde, um eine glaubwürdige
Struktur für regionale Sicherheit in Südwestasien zu entwickeln, kommt eine
Bedeutung zu, die über die Region selbst hinausreicht.

Auf diesem Niveau

spiegelt sich natürlich eine entscheidende amerikanische Verpflichtung wider
- eine Verpflichtung, von der wir erwarten können, daß sie sich als ebenso
dauerhaft erweisen wird, wie jene in Europa und im Fernen Osten.
- 10 -

Aber über

�über die Region hinaus bleibt das Streben nach Sicherheit ein weltweites
Anliegen.
Mit den von uns unternommenen Schritten zur Eindämmung eines möglichen
sowjetischen Vorstoßes nach Slidwestasien versetzen wir uns außerdem in eine
Lage, von der aus wir auf ein konstruktiveres und positiveres Verhältnis zur
Sowjetunion selbst hinarbeiten.

Es war die westliche - und besonders ameri-

kanische - Entschlossenheit in Europa und im Fernen Osten, die die Grundlage
bildete, auf der die Entspannung ihren Anfang nahm.

Gleichermaßen bietet uns

auch unsere Fähigkeit zur Abschreckung sowjetischen Druckes gegen diesen
dritten Bereich von lebenswichtigem westlichem Interesse die Grundlage für
einen zielbewußten Dialog mit Moskau.
Wir wollen nicht den Kalten Krieg neu beleben, indem wir den Konkurrenzkampf in eine andere Region verlegen.

Wir erstreben eine echte Verminderung

der Spannungen auf der Grundlage der Gegenseitigkeit und der wechselseitigen
Zurückhaltung.
Wir erstreben in Südwestasien ebensowenig ein Wettrüsten wie wir es auf
dem Gebiet der strategischen Waffen tun.

Im Gegenteil:

in beiden Fällen

bleibt unser Ziel und Zweck die echte Rüstungskontrolle.

Der Präsident ist

entschlossen, die Ratifizierung des SALT II-Vertrags weiterzuverfolgen.
In der Tat hat sich der Wahl kämpf zu einem gewissen Grad zu einem Referendum über diese Politik und über den festen Glauben der Regierung daran
entwickelt, daß die Kontrolle strategischer Waffen den nationalen Sicherheitsinteressen unseres Landes dient.

Einmal ratifiziert, wird SALT II die Grund-

lage für die erregende Aufgabe weiterer quantitativer und qualitativer Begrenzungen bei strategischen Waffen bilden - die Tagesordnung von SALT III.
Kurz und als Schlußfolgerung gesagt, ist unsere umfassendere Zielsetzung
die Schaffung eines beständigen Rahmenwerks der Abschreckung, damit der Frieden nicht nur bewahrt, sondern zugleich in aktive Zusammenarbeit zwischen den
bedeutendsten Staaten der Welt umgesetzt werden kann.
- 11 -

Innerhalb dieses Ge-

�Gesamtrahmens können wir uns mit den Veränderungen befassen, die unvermeidlich sind.
Wir können dabei helfen, den Prozeß globalen Wandels in Richtung auf
institutionelle Arrangements zu beeinflussen, die wir derzeit nur undeutlich
wahrnehmen und uns nur unvollkommen vorzustellen vermögen.

Wir können das

Kräftegleichgewicht nützen, um bei der Korrektur der Ungleichheit in Reichtum, Technologie, Bildung und Gesundheit zu helfen, die ansonsten unsere
Lebensweise und unser überleben gefährden würde.
Aber wir können nur dann konstruktiv diese Herausforderungen bewältigen,
wenn wir entschlossen und wirkungsvoll die Herausforderung in Südwestasien
angehen.

Sollten wir dort scheitern, könnte das Gleichgewicht der Kräfte,

auf das wir die Stabilität gründen müssen, unwiederbringlich verloren sein.
Die Abhängigkeit sowohl Westeuropas als auch des Fernen Ostens vom Gebiet des Persischen Golfs ist dergestalt, daß wir uns kein Scheitern leisten
können.

Die dritte zentrale strategische Zone ist für das überleben der

beiden anderen zwei und damit für unsere eigene Fähigkeit zur Bewahrung des
Weltfriedens von entscheidender Bedeutung.
Darum geht es. Aus diesem Grund habe ich Ihre Zeit in Anspruch genommen, um unsere Anstrengungen an diesem frühen Punkt ihrer Entwicklung
klarzustellen.

Und aus diesem Grund auch glaube ich, daß Ihr Verständnis

davon für unseren Erfolg bei dieser neuen Verpflichtung von entscheidender
Bedeutung ist.

+ + + + +

- 12 -

�29. Oktober 1980

48

MUSKIE NIMMT ZUM THEMA MENSCHENRECHTE UND KSZE-FOLGEKONFERENZ STELLUNG
- Rede des US-Außenministers in Milwaukee -

MILWAUKEE - (AD) - Am 21. Oktober 1980 ging der amerikanische Außenminister Edmund Muskie in Milwaukee auf einer von der Universität von
Wisconsin und dem "Institute of World Affairs" in Milwaukee organisierten
Veranstaltung auf das Thema Menschenrechte und KSZE-Folgekonferenz in Madrid
ein.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Ich habe heute abend eine zweifache Absicht:

zu sprechen und zuzuhören,

Ihnen also eine Gelegenheit zu geben, Fragen zu stellen.
her mit Absicht kurz fassen.

Ich werde mich da-

Aber ich möchte mit ein paar wesentlichen Be-

merkungen beginnen, die die grundlegenden Absichten unserer amerikanischen
Außenpolitik erhellen sollen.
Vor einigen Jahren stellte der französische Philosoph Andre Malraux in
einem Trinkspruch, den er im Weißen Haus während der Regierungszeit Präsident Kennedys ausbrachte, fest, daß Amerika der erste Staat auf Erden sei,
der sich bewußt um eine Idee herum ausgebildet habe.
Natürlich

�Natürlich war diese Idee die Idee der menschlichen Freiheit: die Idee
des von seinen Fesseln befreiten Ausdrucks des Einzelmenschen, die Idee der
Achtung vor der Unverletzlichkeit des Individuums, die Idee der uneingeschränkten Ausübung der politischen Rechte des Bürgers.
Diese Idee bleibt natürlich im Mittelpunkt unseres politischen Zusammenschlusses.

Sie ist es, die Amerika zur Quelle der menschlichen Befreiungs-

bewegungen macht, die es derzeit in der Welt gibt:

von der Bürgerrechtsbe-

wegung bis hin zu dem Kreuzzug für die Rechte der Frauen.
Und diese Idee der menschlichen Freiheit ist eine der treibenden Kräfte
der Außenpolitik unseres Landes.
Heute abend möchte ich kurz über unsere Außenpolitik auf dem Felde der
Menschenrechte sprechen.

Und ich möchte insbesondere auf ein bevorstehendes

Ereignis hinweisen, das für all diejenigen von uns von großer Bedeutung ist,
die sich um die Menschenrechte sorgen:

die Madrider Konferenz in diesem

Jahr, an der 33 europäische Staaten sowie die Vereinigten Staaten und Kanada
teilnehmen.

Im November werden diese Staaten beginnen, die Einhaltung der

Schlußakte von Helsinki aus dem Jahr 1975 zu überprüfen.

Die Schlußakte von

Helsinki rief die KSZE - die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa - als einen fortlaufenden Prozeß ins Leben und machte die Übereinstimmung mit bestimmten Menschenrechtsnormen zu einer Angelegenheit gemeinsamer Verpflichtungen und Belange aller 35 Signatarstaaten.
Lassen Sie mich mit einer Bemerkung über die Betonung beginnen, die Präsident Carter und seine Regierung auf die Menschenrechte als ein wesentliches
Thema der amerikanischen Außenpolitik legten.
Präsident Carter betonte in seiner Antrittsrede mit Nachdruck diesen
neuen Schwerpunkt:

"Weil wir frei sind", sagte er, "können wir gegenüber

dem Schicksal der Freiheit anderswo niemals gleichgültig sein."
Von
- 2 -

�Von Anfang an war Präsident Carter davon überzeugt, daß unsere Außenpolitik den drei wesentlichen Kategorien der Menschenrechte aktive und ausdrückliche Unterstützung gewähren sollte:
- Erstens, dem Recht auf Freiheit von Verletzungen der Person - von
Folter, willkürlicher Verhaftung oder Gefangenschaft, von Exekution
im Schnellverfahren und Verweigerung eines angemessenen Prozesses;
- zweitens, dem Recht auf die Erfüllung vitaler wirtschaftlicher Ansprüche
wie Nahrung, Unterkunft, Ausbildung und Gesundheitsfürsorge; und
- drittens, den bürgerlichen und politischen Rechten - Gedankenfreiheit,
Versammlungsfreiheit, Freizügigkeit sowie Freiheit der Rede und der
Beteiligung am politischen Prozeß.
In den vergangenen dreieinhalb Jahren sind die Menschenrechte zu einem
aktiven Punkt auf unserer diplomatischen Tagesordnung geworden.

Ernsthafte

Diskussionen über die Menschenrechte finden nunmehr zwischen uns und den Nationen statt, mit denen wir im Gespräch sind.

Und das Verhalten in der Frage

der Menschenrechte ist zu einem der Hauptkriterien für uns bei der Entscheidung geworden, ob und wie wir mit anderen Nationen in Verbindung stehen.
Wir tun dies alles nicht aus einem naiven Idealismus heraus und auch
nicht nur, weil es richtig ist.

Wir tun dies alles, weil wir innenpolitische

und internationale rechtliche Verpflichtungen haben, die Achtung vor den
Menschenrechten zu fördern.

Als Unterzeichner der Charta der Vereinten Na-

tionen und aufgrund unserer eigenen Gesetze sind wir gehalten, auf eine stärkere Beachtung der Menschenrechte durch alle Nationen hinzuarbeiten.

Wir

sind ferner davon überzeugt - und zwar in einem ganz nüchternen, praktischen
Sinn - daß wir mit dem Nachdruck, den wir auf die Menschenrechte legen, unseren eigenen nationalen Interessen dienen.
Wir sind vor allem davon überzeugt, daß die Betonung der Menschenrechte
unserem langfristigen Interesse an Frieden und Stabilität dient.
- 3 -

Wir haben

�haben gelernt, daß das lastende Schweigen der Repression keine Stabilität
ist:

Allzuoft ist es lediglich die unheilvolle Stille vor dem Sturm.
Wir sind überzeugt, daß Nationen am Aufbau einer realen Stabilität mit-

helfen können, indem sie die Ursachen der Spannung und der Zwietracht bereinigen, ehe sie zu Gewaltausbrü'chen führen.

Wir sind überzeugt, daß die Ver-

einigten Staaten, indem sie diesen Prozeß unterstützen, mit beitragen können,
zu verhindern, daß ihre langfristigen Interessen geschädigt werden - und auch
mithelfen können, das verlockende Ziel zu beseitigen, das soziale Unruhe für
eine Intervention durch unsere ausländischen Gegner bietet.
Ich könnte mehrere Fälle als Beispiel dafür anführen.
nur eines zu erwähnen:

die neue Nation Simbabwe.

Aber ich brauche

Dort wurde durch einen

Prozeß des Verhandeins und durch freie Wahlen - die von uns ohne jedes Schwanken unterstützt wurden -..-ein schrecklicher Bürgerkrieg beendet, der Politik
S;

der Vereinigten Staaten in Afrika zu neuer Glaubwürdigkeit verholfen und die
Hoffnung der Sowjetunion vereitelt, die Rassenkä'mpfe zu ihrem eigenen Zweck
ausbeuten zu können.
Wir sind zum anderen davon überzeugt, daß es für die Vereinigten Staaten
mehr Sicherheit in einer Welt geben wird, in der immer mehr Regierungen die
Rechte ihrer Völker respektieren.
Wir glauben, daß Länder,' in denen die Menschenrechte respektiert werden,
zu stärkeren Verbündeten und besseren Freunden werden.
Unsere Verbündeten in Westeuropa, die Staaten des Anden-Paktes, Japan und
Israel unterstreichen diesen Punkt.

Weil sie bestrebt sind, die Menschen-

rechte zu achten, besitzen sie eine innere Stärke und Widerstandskraft, die
es ihnen ermöglicht, zusammen mit uns den Herausforderungen zu begegnen, denen
wir uns zusammen gegenübersehen.

Und in dem Maße, in dem unsere anderen Freun-

de in der Welt sich selbst den Menschenrechten gegenüber verpflichtet sehen,
werden sie unserer Meinung nach die gleiche Art von innerer Stärke erlangen:
eine innere Stärke, die ihre Sicherheit - und die unsere - erhöht.
Wir
- 4 -

�Wir sind drittens davon überzeugt, daß unser Eintreten für die Menschenrechte den Einfluß der Vereinigten Staaten auf wichtigen Schauplätzen des
Weltgeschehens steigert.
So kann ich beispielsweise aufgrund meiner jüngsten Gespräche mit dem
Präsidenten von Nigeria bezeugen, daß unser klares Eintreten für die Menschenrechte in Simbabwe und im südlichen Afrika unser Ansehen und unsere Position
auf diesem Kontinent verbessert hat.
Und ich glaube auch, daß unsere Betonung der Menschenrechte - sowohl
innen- als auch außenpolitisch - unsere Position auf der bevorstehenden
Madrider Konferenz stärken wird.

Wir werden uns in Madrid nicht einfach nur

mit schönen Worten gerüstet an den Verhandlungstisch setzen, sondern mit
einer soliden Liste von Fällen unserer Hingabe an Menschenrechte und Menschenwürde.
Viertens unterstreicht diese erkennbare Hingabe an die Menschenrechte
den gewaltigen Unterschied in der Einstellung und im Verhalten zwischen
uns und der Sowjetunion.
Grundsätzlich halten wir die Menschenrechte deshalb hoch, weil es rechtens ist, dies zu tun, weil es mit unseren eigenen höchsten Idealen in Einklang steht, dies zu tun.

Aber unvermeidlicherweise sind Menschenrechte

und geschlossene Gesellschaften nicht miteinander zu vereinbaren.

Und heute

wird auf der ganzen Welt der Gegensatz zwischen unserem System und den geschlossenen Gesellschaften unserer Gegner auf dramatische Weise sichtbar.
Die Sowjets haben eine Abneigung gegen, ja, sie fürchten unsere Betonung
der Menschenrechte, denn sie wissen, welch gewaltige Anziehungskraft die
Freiheit für Millionen von Menschen auf der ganzen Welt hat.
Nur wenige hätten zu Beginn der siebziger Jahre voraussagen können,
welch weitreichende Wirkungen die Konferenz von Helsinki haben würde. Jahrelang hatte die Sowjetunion nach einer Konferenz über Sicherheit in Europa
gerufen, die die Vereinigten Staaten nicht mit einbezog.
- 5 -

Zu Beginn der sieb-

�siebziger Jahre griffen wir und unsere Verbündeten die Idee auf - als Teil
einer Anstrengung zur Verbesserung der Ost-West-Beziehungen, aber mit dem
festen übereinkommen, daß eine solche Konferenz auch die Vereinigten Staaten
und Kanada mit einbeziehen müßte.

Und wir bestanden des weiteren darauf,

daß die Konferenz eine ganze Bandbreite von Fragen berühren müßte, die den
einzelnen Menschen genauso wie ganze Staaten betrafen.
Im Jahr 1973 begann die Konferenz und 1975 unterzeichneten die in Helsinki
vertretenen 35 Staaten ein Dokument, das unter anderem zehn Grundprinzipien
aufstellte, die die Beziehungen zwischen ihnen regeln sollten.

Diese Prin-

zipien, denen sich die Signatarstaaten freiwillig unterwarfen, umfaßten die
Achtung vor den Menschenrechten und den Grundfreiheiten, einschließlich der
Gedanken- und Gewissensfreiheit sowie der Glaubensfreiheit und der Freiheit
zur Ausübung eines religiösen Bekenntnisses.
Die Schlußakte von Helsinki hat drei Unterabteilungen oder "Körbe":
Ein Korb betrifft die militärische Sicherheit sowie gemeinsame Anstrengungen zur Verminderung militärischer Spannungen.
Ein zweiter betrifft die Zusammenarbeit in Wirtschaft, Wissenschaft,
Technologie und bei Umweltproblemen.
"Korb 3" behandelt die wichtigen humanitären Fragen.

Aber es ist das

siebente Prinzip - die Erklärung, die die Menschenrechte betrifft -, das
wahrscheinlich zum bekanntesten und umstrittensten Einzelpunkt der Schlußakte von Helsinki geworden ist.

Dieses Prinzip fordert von den Unterzeich-

nerstaaten, sich an die Charta der Vereinten Nationen, an die Universelle
Erklärung der Menschenrechte sowie an andere internationale Menschenrechtsabkommen zu halten.

Es ist stets unsere Politik gewesen, die Menschenrechts-

prinzipien der Schlußakte von Helsinki als ebenso bindend und bedeutsam anzusehen wie all ihre anderen Grundsätze.

Es
- 6 -

�Es war und ist unser Ziel, unseren Einfluß so wirkungsvoll wie nur irgend möglich zum Tragen zu bringen, um sicherzustellen, daß alle Signatarstaaten, einschließlich der Sowjetunion, den Verpflichtungen gemäß handeln,
die sie freiwillig eingegangen sind - einschließlich der Menschenrechtsverpflichtungen, die im Prinzip zum Ausdruck gebracht wurden.
Dies ist ohne Zweifel auch unser Ziel bei der näherrückenden Konferenz
in Madrid.
Die Übereinkommen von Helsinki sind in den fünf Jahren seit ihrer Unterzeichnung zu einer echten Kraft in dieser Welt geworden, zu einem internationalen Maßstab im Umgang mit den Menschenrechten.

Sie haben das tägliche Le-

ben von Tausenden von Osteuropäern verbessert, sie haben die Gelegenheiten
zum Besuch von Verwandten vermehrt und vielen die Chance zur Auswanderung
geboten, als ihre Staaten darangingen, den Prinzipien der Schlußakte gemäß
zu handeln.

Sogar schon vor der Arbeiterbewegung des Jahres 1980 gab es zum

Beispiel bereits eine langsame, aber sichtbare Verbesserung der Menschenrechtslage in Polen.

Die Auswanderungspolitik Rumäniens ist seit Helsinki beweg-

licher, Ungarn ist bei der Lösung von Problemen der Familienzusammenführung
kooperativer geworden.
Leider ist ebenso deutlich, daß es noch immer dunkle Stellen gibt, wo
die Verpflichtungen von Helsinki ignoriert werden.
Andreij Sacharow verbannt,

In der Sowjetunion wurde

über 40 weitere Personen - Männer und Frauen,

die Mitglieder jener Gruppen waren, die die Einhaltung der Helsinki-Abkommen
überwachten und die sowjetischen Verpflichtungen in Helsinki ernstnahmen -,
wurden festgenommen; ihr einziges "Verbrechen" bestand darin, die sowjetische
Einhaltung der Abkommen zu überprüfen.

Die Auswanderung von Juden aus der

Sowjetunion ist in diesem Jahr wieder stark eingeschränkt worden.

Auch die

Angehörigen der Sekte der Nazarener stoßen auf endlose Hindernisse, wenn sie
die Sowjetunion verlassen wollen.

Für uns stehen diese Einschränkungen und

Behinderungen im Gegensatz zu dem Geist der die Freizügigkeit des Reisens
und der Auswanderung betreffenden Bestimmungen von Helsinki.

Es
- 7 -

�Es ist daher ganz offensichtlich noch ein langer Weg bis zur Erfüllung
der in Helsinki proklamierten Grundsätze zu beschreiten.
Die Vereinigten Staaten werden nicht nach Madrid gehen, um dort Propaganda zu betreiben.

Auch werden wir nicht die anderen Aspekte der Abmachun-

gen von Helsinki vernachlässigen.

Aber die Verstöße gegen die Menschenrechte

zu ignorieren, die eindeutig den übereinkommen von Helsinki zuwiderlaufen,
hieße diese Übereinkommen schwächen und die Kraft und Macht der Schlußakte
von Helsinki mindern.

Die Vereinigten Staaten werden in Madrid klar heraus-

stellen, daß wir es ernst mit den Menschenrechten meinen - sei es im eigenen
Lande oder in Europa, sei es in Afghanistan oder in Ostasien, in Südafrika
oder in der Sowjetunion.
Und wir werden uns energisch allen verfahrensmäßigen Beschränkungen
widersetzen - wie etwa der willkürlichen Begrenzung der Diskussion oder anderen künstlichen Einschränkungen - die dazu bestimmt sind, eine umfassende
Diskussion aller Fragen auf der Madrider Konferenz zu verhindern.
Unsere Ziele in Madrid sind dreifacher Art:
Erstens, wir werden auf Fortschritt in bezug auf die Menschenrechte
drängen.

Wir werden dabei offen und unbeirrt überprüfen, inwieweit die

Teilnehmer an der Konferenz ihren Verpflichtungen in dieser Hinsicht nachgekommen sind.
Zweitens, wir werden uns in Madrid für vermehrte Kontakte zwischen den
breiten Schichten der Bevölkerung in Osteuropa und im Westen einsetzen.

Wir

werden uns beispielsweise speziell um einen Fortschritt bei der Lösung der
Auswanderungsprobleme und der Familienzusammenführung bemühen.

Wir werden

ferner einen Fortschritt zu erzielen suchen bei den Fällen jener, die um
ihrer politischen oder religiösen Überzeugung willen oder weil sie die Einhaltung des Helsinki-Abkommens beobachtet haben, verfolgt oder gefangengehalten werden.
Drittens,
- 8 -

�Drittens, auf dem Gebiet der Sicherheit werden wir die Möglichkeit für
weitere Maßnahmen sondieren, durch die militärische Spannungen abgebaut werden
können.

Wir sind der Auffassung, daß diese vertrauensbildenden Maßnahmen sich

auf den gesamten europäischen Kontinent, vom Atlantik bis zum Ural erstrecken
sollten.

Aber wir sind nicht an lediglich kosmetischen Maßnahmen oder Ge-

sprächen, die zu nichts führen, interessiert.

Und wir werden es nicht zulas-

sen, daß in Madrid die Diskussion über die Sicherheit von der Aufmerksamkeit
ablenken, die den Menschenrechten gebührt, oder aber sie verringert.
Der Leiter unserer Delegation, der ehemalige Justizminister Griffin Bell,
hat das kürzlich so formuliert:

Unsere Delegation für Madrid wird ein bißchen

wie der doppelgesichtige römische Gott Janus sein, der zugleich vorwärts und
rückwärts schaut.
"Wir werden unseren Blick auf die bisherigen Taten des Ostens richten
und offen über sie sprechen, und keinen Zweifel über unsere Sorge um die
Wächter von Helsinki, um Andreij Sacharow und andere Vorkämpfer für die Menschenrechte aufkommen lassen.

Wir werden auch in die Zukunft blicken und ver-

suchen, durch Verhandlungen zu konkreten Fortschritten auf allen wichtigen
Gebieten der Schlußakte zu gelangen", so sagte Bell.
Indem sie diesen Geist vertreten, können nach meiner Ansicht die Vereinigten Staaten am besten sowohl der Sache der Menschenrechte als auch dem
eigenen Interesse dienen.

Und in diesem Prozeß können wir mithelfen am Auf-

bau einer Welt, in der die Freiheit - der Traum aller Völker - für immer mehr
Menschen Wirklichkeit wird.

+ + + + +

- 9-

�29. Oktober 1980

48

ÖLSCHIEFER

- (AD) - Das von Präsident Carter gesetzte Ziel, ab 1990 täglich
400 000 Barrel (1 Barrel = 159 Liter) öl aus Ölschiefer zu gewinnen, ist
nach "allgemeinem Konsens" innerhalb der amerikanischen Mineralölindustrie
erreichbar.

Dies erklärte John M. Hopkins, der Präsident der Union Energy

Mining Division der Fa. Union Oil Company of California anläßlich einer
Pressekonferenz. Jedoch seien, wie er erklärte, exakte Angaben über Produktionsziffern erst dann möglich, wenn zur Gewinnung von Schieferöl ein
oder zwei Anlagen von kommerzieller Größenordnung in Betrieb sind.

Mit

den heute verfügbaren Technologien könne Schieferöl gegenwärtig zum Preis
von etwa 38 Dollar pro Barrel (ohne Transportkosten) produziert werden.
"Bei diesem Preis, den wir jetzt als Abgabepreis für synthetisches Rohöl
aus Ölschiefer zugrundelegen", so Hopkins, "sind die meisten Firmen der
Meinung, ein solches Engagement wirtschaftlich verkraften zu können."
Der Preis von nicht mehr preisgebundenem herkömmlichen Rohöl in vielen
Teilen des Westens der USA, wo Union Oil ihre ölfelder hat, hat bereits
38 Dollar/Barrel erreicht.
32 bis 37 Dollar pro Barrel.

Demgegenüber liegt er auf dem Weltmarkt bei
Hopkins erklärte, daß viele amerikanische

Unternehmen - seine eigene Firma eingeschlossen - die im Rahmen des Energie-

�Energiesicherungsgesetzes von 1980 angebotenen finanziellen Anreize als
Mittel zur Verringerung wirtschaftlicher Risiken und zur Finanzierung der
hohen Investitionen nutzen werden, die für den Bau und den Betrieb eines
Synthesebrennstoffwerks erforderlich sind.

Die Kosten, die (im Dollarwert

von 1980) gegenwärtig auf zwei Milliarden Dollar pro Anlage geschätzt werden,
dürften im Verlauf der nächsten sieben bis acht Jahre auf drei Milliarden
Dollar steigen.
Im Rahmen des Energiesicherungsgesetzes stellt die staatliche "Synthetic
Fuel Corporation" Kredite, Anleihegarantien, Abnahmeverträge und Abnahmegarantien bereit, um Privatfirmen zu ermutigen, großtechnische Anlagen zur
Gewinnung von Synthesebrennstoffen aus Kohle, ül, Ölschiefer, Teersanden
und anderen Quellen zu erstellen und zu betreiben.

- 2 -

�29. Oktober 1980

48

ENERGIEVERBRAUCH

- (AD) - Im ersten Halbjahr 1980 ging in den Vereinigten Staaten der
Energieverbrauch in bezug auf öl und Kernkraft zurück.

Demgegenüber nahm

er bei Kohle, Wasserkraft und Erdgas zu. Einer Erhebung des US-Energieministeriums zufolge lag er um insgesamt 3,1 Prozent unter dem Verbrauchswert
im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Den Hauptposten bildet der Rückgang im täglichen Verbrauch von Mineralölprodukten (8,4 Prozent).

An Atomstrom wurden 10,5 Prozent weniger erzeugt

als im ersten Halbjahr 1979.

Diese beiden Faktoren machen den Mehrverbrauch

an allen anderen Energieformen - bei Kohle 3,7 Prozent, Wasserkraft 1,1 Prozent, Erdgas 0,3 Prozent - mehr als wett.
Im gleichen Zeitraum ist bei der Förderung von Kohle und Rohöl aus
amerikanischen Vorkommen ein Zuwachs um 9,9 bzw. 2 Prozent zu verzeichnen.
Die Energieproduktion aus einheimischen Quellen lag im ersten Halbjahr 1980
um 3,5 Prozent über der im ersten Halbjahr 1979.

+ +'+ + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA streben Stärkung der globalen Sicherheit an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Dr. Brzezinski vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen in Denver -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Muskie nimmt zum Thema Menschenrechte und KSZE-Folgekonferenz Stellung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers in Milwaukee -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ölschiefer&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Energieverbrauch</text>
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amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

29. Oktober 1997

21

PROBLEM DES KLIMAWANDELS REFLEKTIERT
NEUE REALITÄTEN DES 21. JAHRHUNDERTS
Rede von Präsident Clinton

UMWELT

WIRTH: EUROPÄER BEFÜRWORTEN
"UNREALISTISCHE" ZIELE
Rede des Staatssekretärs für globale
Angelegenheiten

WIRTSCHAFT

DIE AUSWIRKUNGEN DER EWWU
Rede des Stellvertretenden Finanzministers

USA-DEUTSCHLAND

DEUTSCHLAND UND AMERIKA: EINE
SELBSTVERSTÄNDLICHE PARTNERSCHAFT
VOR NEUEN HERAUSFORDERUNGEN
von Botschafter John Kornblum
JOHN C. KORNBLUM IM SENDER
FREIES BERLIN
Interview mit dem amerikanischen Botschafter

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�UMWELT

29. Oktober 1997

Problem des Klimawandels reflektiert
neue Realitäten des 21. Jahrhunderts
Rede von Präsident Clinton

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die US-Präsident Clinton am 22. Oktober 1997
vor der National Geographie Society in der Bundeshauptstadt Washington hielt.

Vielen Dank Herr Murphy, Herr Vizepräsident. Ich
danke allen, die heute gekommen sind, vor allem den
Kongreßabgeordneten, den Arbeitnehmer- und
Arbeitgebervertretern, allen Mitgliedern der Administration und insbesondere den Mitarbeitern des Weißen
Hauses, die der Vizepräsident erwähnte, dem Energieminister, der Direktorin des Umweltamts (Environmental Protection Agency - EPA) und allen anderen,
die uns unterstützt haben.
Auf dem Weg hierher trafen wir führende Vertreter der
National Geographie Society, denen ich zu ihrer
jüngsten zweiteiligen Serie über das Römische Reich
gratulierte. Es ist faszinierend zu lesen, wie dieses
Imperium aufstieg, wie es sich Hunderte von Jahren
hielt, warum es fiel und welche Spekulationen darüber
angestellt werden, welche Relevanz es - wenn überhaupt - für die Vereinigten Staaten und den Westen
haben könnte.
Einer der Herren sagte: "Wir haben zu diesem Thema
viele interessante Kommentare bekommen, einschließlich eines Briefs, der sich auf eine Büste des
Kaisers Vespasian bezog. Und einer unserer Leser
fragte, warum um Himmels willen wir eine Statue von
Gene Hackman in einem Artikel über das Römische
Reich abbilden. Ich erzähle das vor allem, um folgendes zu zeigen: Je mehr sich die Dinge verändern,
desto mehr bleibt alles beim Alten.
Denn die Grundlage einer Zivilisation - all unserer
Zivilisationen - ist das ständige Streben nach Erneuerung, die Fähigkeit, abschlägige Antworten zu vermeiden und die Zukunft auf realistische und humane, aber
entschlossene Art und Weise anzugehen. Morgen ist
es sechs Jahre her, daß ich - kurz nach Beginn

AMERIKA DIENST 21

meines Präsidentschaftswahlkampfes - in meine Alma
Mater nach Georgetown zurückkehrte und eine
Vorlesungsreihe mit drei Reden hielt, in denen ich
meine Vision von Amerika im 21. Jahrhundert darlegte
- wie wir den Amerikanischen Traum für all unsere
Menschen lebendig halten könnten, wie wir die
Führungsrolle Amerikas für Frieden, Freiheit und
Wohlstand aufrechterhalten könnten, und wie wir die
Trennlinien überwinden könnten, die heute noch
verhindern, daß wir als ein Amerika geeint sind.
Gemeinsam haben wir in den letzten nahezu fünf
Jahren, in denen der Vizepräsident und ich das
Privileg hatten, an dieser Aufgabe zu arbeiten, viele
Fortschritte gemacht. An der Schwelle zu einem
neuen Jahrhundert floriert unsere Wirtschaft, wird
unser soziales Gefüge verbessert, und wir tragen dazu
bei, die Welt zu mehr Frieden und Zusammenarbeit zu
führen.
Meines Erachtens ist das großenteils darauf zurückzuführen, daß wir eine andere Philosophie über die
Rolle der Regierung hatten. Heute ist die Regierung
kleiner, zielorientierter und stärker darauf ausgerichtet,
den Menschen die nötigen Werkzeuge und Bedingungen zu bieten, die sie zur Lösung ihrer Probleme und
zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit unseren
Bürgern brauchen. Noch wichtiger ist, daß das meiner
Meinung nach darauf zurückzuführen ist, daß wir
harte, aber keine falschen Entscheidungen getroffen
haben.
Bei der Wirtschaft haben wir die Entscheidung getroffen, den Haushalt auszugleichen und in unsere
Menschen und unsere Zukunft zu investieren. Bei der
Verbrechensbekämpfung haben wir die Entscheidung

Seite 1

�getroffen, entschlossen und klug vorzugehen und das
Umfeld zu verändern, das Kriminalität hervorbringt.
Bei der Sozialhilfe haben wir die Entscheidung getroffen, daß die Menschen arbeiten müssen, wir aber auch
die Kinder von Sozialhilfeempfängern unterstützen.
Bei der Familienpolitik haben wir die Entscheidung
getroffen, Eltern bei der Suche nach mehr und besseren Arbeitsplätzen zu unterstützen und ihnen zu
helfen, ihren Kindern mehr Zeit zu widmen und Mittel
zur Verfügung zu stellen. Und bei der Umwelt haben
wir die Entscheidung getroffen, unsere Luft, unser
Wasser und unseren Boden reinzuhalten, unsere
Nahrungsmittelversorgung zu verbessern und die
Wirtschaft anzukurbeln.
Dieser vernunftbestimmte Ansatz, der in unseren
grundlegendsten Werten und unserem andauernden
Optimismus hinsichtlich der Fähigkeit freier Menschen
wurzelt, die Herausforderungen jedes Zeitalters zu
meistern, muß in die Arbeit einfließen, die noch zu
leisten ist, um den Menschen und der Welt den Weg in
ein neues Jahrhundert und ein neues Jahrtausend zu
ebnen.
Heute haben wir eine klare Verantwortung und eine
wunderbare Chance zur Bewältigung einer der
wichtigsten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts der Herausforderung des Klimawandels - durch eine
umweltfreundliche und wirtschaftsfördernde Strategie
zur Erlangung bedeutender Reduktionen von Treibhausgasen in den Vereinigten Staaten und in allen
Industrie- und Entwicklungsländern. Wenn diese
Strategie richtig durchgeführt wird, schafft sie eine
Vielzahl neuer Chancen für Unternehmer im Inland,
erhält unsere Führungsrolle im Ausland aufrecht und
setzt die Macht der freien Märkte zur Befreiung
unseres Planeten von einer inakzeptablen Gefahr ein.
Es ist eine Strategie, die unserer Verpflichtung entspricht, falsche Entscheidungen abzulehnen.
Amerika kann sich für unsere nationalen Interessen
und für die gemeinsamen Interessen der internationalen Staatengemeinschaft einsetzen. Amerika
kann heute auf Wohlstand bauen und gewährleisten,
daß unsere Kinder morgen auf einem gesunden
Planeten leben.
Das Problem des Klimawandels reflektiert in vielerlei
Weise die neuen Realitäten des neuen Jahrhunderts.
Vielen Bedrohungen der Vergangenheit konnten wir
innerhalb unserer eigenen Grenzen begegnen, aber
die Erderwärmung erfordert eine internationale
Lösung. Viele Bedrohungen der Vergangenheit kamen
von einem einzigen Feind, aber die Erderwärmung hat
Millionen Quellen. Viele Bedrohungen der Vergangenheit stellten eine offensichtliche und gegenwärtige
Gefahr dar; die Erderwärmung ist jedoch viel subtiler
und warnt uns nicht mit lärmenden Motoren oder
brennenden Flüssen, sondern mit unsichtbaren
Gasen, langsamen Veränderungen in unserer Umge-

Seite 2

bung und immer gravierenderen Klimaveränderungen,
von denen die meisten Amerikaner Gott sei Dank noch
nicht betroffen sind. Aber irren Sie sich nicht: Das
Problem ist real. Und wenn wir jetzt nicht unseren
Kurs ändern, wird das früher oder später vernichtende
Auswirkungen auf Amerika und die Welt haben.
Die überwältigende Mehrheit der Klimaforscher auf der
Welt ist zu folgender Schlußfolgerung gelangt: Wenn
die Länder der Welt nicht zur Verringerung der Emission von Treibhausgasen zusammenarbeiten, werden
die Temperaturen ansteigen und das Klima stören.
Tatsächlich vertreten die meisten Wissenschaftler die
Ansicht, daß dieser Prozeß bereits begonnen hat. Die
Zahl zerstörerischer meteorologischer Ereignisse wird
größer.
Krankheiten übertragende Insekten kommen in
Gebiete, die früher zu kalt für sie waren. Die Durchschnittstemperaturen steigen an.
Die Gletscher
beginnen zu schmelzen.
Die Wissenschaftler kennen noch nicht die genauen
Auswirkungen dieser Entwicklungen. Wir wissen
jedoch genug, um sagen zu können, daß die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre während des Industriezeitalters dramatisch angestiegen
ist; ihr Abbau wird ein Jahrhundert oder länger dauern.
Wir wissen, daß dieser Prozeß verlangsamt und
schließlich gestoppt werden muß, wenn wir weiterhin
wirtschaftliche Fortschritte machen und die Lebensqualität in den Vereinigten Staaten und auf dem
gesamten Planeten erhalten wollen. Wir wissen, was
getan werden muß.
Die Treibhausgasemissionen sind großenteils auf die
ineffiziente Verbrennung von Kohle oder Öl zur
Energiegewinnung zurückzuführen. Ungefähr ein
Drittel dieser Emissionen stammen aus der Industrie,
ein Drittel aus dem Verkehr und ein Drittel aus Wohnund Bürogebäuden. In jedem Fall ist die Umwandlung
von Brennstoff in Energie extrem ineffizient und könnte
mit Hilfe bereits existierender oder sich abzeichnender
Technologien auf eine viel sauberere Art und Weise
geschehen, die nicht die Wirtschaft schädigt, unsere
neuen Unternehmen und neuen Arbeitsplätze jedoch
stärkt. Wenn wir es richtig machen, werden wir
unseren Wohlstand nicht aufs Spiel setzen, sondern
ihn erhöhen.
Vor diesem Hintergrund möchte ich bekanntgeben,
welche Anweisungen ich unseren Unterhändlern bei
ihrem Streben nach einem realistischen und effektiven
internationalen Vertrag über den Klimawandel gebe.
Und ich kündige einen weitreichenden Vorschlag an,
der flexible marktorientierte und kostengünstige Wege
zur Erlangung bedeutender Reduktionen hier in
Amerika bietet. Ich möchte betonen, daß wir nicht erst
dann handeln dürfen, wenn der Vertrag ausgehandelt
und ratifiziert ist. In den Vereinigten Staaten wohnen

AMERIKA DIENST 21

�weniger als 5 Prozent der Weltbevölkerung, die 22
Prozent des weltweiten Wohlstands genießen, jedoch
für mehr als 25 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Wir müssen jetzt
anfangen, uns für die Zukunft zu versichern.
Bei den internationalen Klimaverhandlungen werden
die Vereinigten Staaten einen umfassenden Rahmen
mit drei Elementen anstreben, die uns zusammengenommen in die Lage versetzen, ein starkes und
widerstandsfähiges globales Abkommen auszuarbeiten. Erstens werden die Vereinigten Staaten in
Kyoto vorschlagen, daß wir uns dem bindenden und
realistischen Ziel verpflichten, die Emissionen zwischen 2008 und 2012 auf dem Niveau von 1990
einzufrieren. Und dabei sollten wir es nicht belassen.
Wir sollten uns verpflichten, die Emissionen in den
darauf folgenden fünf Jahren auf einen niedrigeren
Stand als den von 1990 zu senken, und später sollten
wir hart an weiteren Reduktionen arbeiten.
Die Industriestaaten haben bereits einmal auf freiwilliger Basis versucht, die Emissionen auf dem Stand
von 1990 einzufrieren, aber bedauerlicherweise ist das
den meisten von uns - einschließlich insbesondere der
Vereinigten Staaten - nicht gelungen. Jetzt müssen wir
uns erneut entschlossen für diese Reduktionen
einsetzen, wozu wir uns bindenden Obergrenzen
verpflichten müssen.
Zweitens werden wir flexible Mechanismen zur
Erlangung dieser Obergrenzen befürworten. Wir
schlagen ein innovatives gemeinsames System zu
ihrer Durchsetzung vor, das einem Unternehmen in
einem Land Investitionen in ein Projekt zur Verringerung von Emissionen in einem anderen Land gestattet,
die ihm im eigenen Land angerechnet werden. Und
wir schlagen ein internationales System handelbarer
Emissionszertifikate vor. Durch diese Innovationen
werden die weltweite Verschmutzung verringert, die
Kosten niedrig gehalten und auch die Entwicklungsländer beim Schutz ihrer Umwelt unterstützt, ohne daß
dies auf Kosten ihres Wirtschaftswachstums ginge.
Drittens müssen Industriestaaten und Entwicklungsländer gleichermaßen an der Bewältigung der Herausforderung des Klimawandels beteiligt sein.
Die
Industriestaaten müssen eine Führungsrolle übernehmen, aber auch die Entwicklungsländer müssen
einbezogen werden. Die Vereinigten Staaten werden
nur dann bindende Verpflichtungen eingehen, wenn
sich die wichtigsten Entwicklungsländer in bedeutendem Ausmaß an diesen Bestrebungen beteiligen.
Präsident Carlos Menem legte letzte Woche bei
meinem Staatsbesuch in Argentinien überzeugend dar,
daß ein globales Problem wie der Klimawandel eine
globale Antwort erfordert. Wenn die gesamte industrialisierte Welt ihre Emissionen während der nächsten Jahrzehnte verringert, die Emissionen der

AMERIKA DIENST 21

Entwicklungsländer jedoch mit der derzeitigen Geschwindigkeit weiter ansteigen, wird die Konzentration
von Treibhausgasen in der Atmosphäre weiterhin
zunehmen. Die Entwicklungsländer haben die Chance, in Zukunft einen anderen energiepolitischen Kurs
einzuschlagen, der ihrem Wachstumspotential und
ihren legitimen wirtschaftlichen Bestrebungen entspricht.
Was Argentinien, dem ein dramatisches Wirtschaftswachstum prognostiziert wird, erkannt hat, gilt auch für
andere Länder: Wir können und müssen bei diesem
Problem auf eine Weise zusammenarbeiten, die für
uns alle von Vorteil ist. In unserem Land müssen wir
Fortschritte machen, indem wir die ganze Macht der
freien Märkte und technologischer Innovationen
freisetzen, um die Herausforderung des Klimawandels
zu bewältigen. Ich schlage einen umfassenden Plan
vor, um Anreize zu bieten und Hindernisse zu beseitigen, damit unsere Unternehmen und unsere Bürger
neue und kreative Wege zur Verringerung der Treibhausgasemissionen finden können.
Erstens müssen wir Steuersenkungen vornehmen und
während der kommenden fünf Jahre 5 Milliarden Dollar
in Forschung und Entwicklung investieren - gezielte
Anreize zur Ermutigung der effizienten Nutzung von
Energie und zum Rückgriff auf sauberere Energiequellen.
Zweitens müssen wir die Unternehmen auffordern,
frühzeitig Aktionen zur Emissionsreduzierung zu
ergreifen und zu gewährleisten, daß sie angemessene
Anerkennung für ihre Wegbereiterfunktion bekommen.
Drittens müssen wir ein Marktsystem für die möglichst
kostengünstige Verringerung von Emissionen hier und
im Ausland schaffen - ein System, das sich unseren
Erfolg und unsere Erfahrung mit handelbaren Zertifikaten für sauren Regen zunutze macht.
Viertens müssen wir den Kauf und Verbrauch von
Energie durch die Bundesregierung, den größten
Energieverbraucher der Nation, umstrukturieren.
Durch neue Technologien, erneuerbare Energiequellen, innovative Partnerschaften mit Unternehmen aus
der Privatwirtschaft und die Bewertung der Treibhausgasemissionen von großen Projekten der Bundesregierung wird die Bundesregierung eine wichtige
Rolle dabei übernehmen, unserer Nation bei der
Erlangung ihres Ziels zu helfen. Heute verpflichte ich
die Bundesregierung als Vorableistung für unsere
Millionen Dollar umfassende Initiative zur Einführung
von Sonnenkollektoren, bis zum Jahr 2010 20.000
dieser Systeme auf den Dächern unserer Bundesgebäude zu installieren.
Fünftens müssen wir Wettbewerb in der Elektrizitätsindustrie zulassen, damit überholte Vorschriften
abgeschafft werden und die Amerikaner Milliarden

Seite 3

�Dollar sparen. Wir müssen das auf eine Art und Weise
tun, die zu noch größeren Fortschritten bei der Reinhaltung unserer Luft führt und eine bedeutende
Vorableistung zur Verringerung von Treibhausgasemissionen darstellt. Heute werden zwei Drittel der
zur Bereitstellung von Elektrizität verwendeten Energie
als Abwärme verschwendet. Das können wir viel
besser machen.
Sechstens müssen wir weiterhin die Schlüsselindustrien ermutigen, eigene Pläne für die Reduktion von
Treibhausgasen auszuarbeiten. Und wir müssen in
Zusammenarbeit mit den Regierungen der Bundesstaaten und den Kommunalverwaltungen die Hindernisse für größtmögliche Energieeinsparungen beseitigen. Die Bundesregierung kann der Industrie bei
beträchtlichen Verringerungen von Treibhausgasemissionen auf freiwilliger Basis behilflich sein, und wir
werden unsere dementsprechenden Bestrebungen
verdoppeln.
Dieser Plan ist vernünftig und solide. Da es sich um
ein langfristiges Problem handelt, das eine langfristige
Lösung erfordert, wird diese stufenweise eingeführt.
Aber wir wollen jetzt handeln. Wir beginnen mit
unserem Paket von starken marktwirtschaftlichen
Anreizen, Steuersenkungen und gemeinsamen Bestrebungen mit der Industrie. Wir wollen Anreize zu
frühzeitigem Handeln geben und eine Führungsrolle
ermutigen. Und während wir im kommenden Jahrzehnt unsere Emissionen durch diese Bestrebungen
verringern, werden wir regelmäßige Überprüfungen
vornehmen um zu sehen, was für die Umwelt, Wirtschaft und unsere nationale Sicherheit am besten
funktioniert.
Wenn wir auf ein Jahrzehnt an Erfahrungen, Daten
und technologischen Innovationen zurückblicken
können, werden wir eine umfassende Initiative zur
Einführung eines Systems handelbarer Emissionszertifikate einleiten um zu gewährleisten, daß wir
unsere bindenden Ziele erreichen. Falls die veränderten Muster des Energieverbrauchs in Amerika
dann zu Problemen führen, haben wir die moralische

heutigen sind und der die Verschmutzung um 90
Prozent reduziert. Der Durchbruch wurde durch
unsere bahnbrechende Partnerschaft mit der Automobilindustrie zur Entwicklung einer neuen Fahrzeuggeneration ermöglicht. Im Rahmen eines von der
Behörde für moderne Forschungsprodukte (Advanced
Research Products Agency) des Verteidigungsministeriums und des nationalen Instituts für Wissenschaft und Technologie (National Institute of Science
and Technology) des Wirtschaftsministeriums finanzierten Projekts wurde ein anderer Plan ausgearbeitet, der zu ähnlichen Ergebnissen führt.
Die Entdeckung des Energieministeriums hat bemerkenswerte Auswirkungen. Heute wird das Benzin in
den Verbrennungsmotoren äußerst ineffizient genutzt etwa 80 Prozent seiner Energie geht verloren. Im
Rahmen des gestern von A.D. Little and Company
bekanntgegebenen Projekts des Energieministeriums
gehen 84 Prozent des Benzins direkt in die Brennstoffzelle. Dadurch wird die Energieeffizienz gegenüber
dem traditionellen Motor um mehr als das Vierfache
erhöht.
Und ich darf vom Standpunkt all derer, die an dem
gegenwärtigen System beteiligt sind, hinzufügen, daß
der fortgesetzte Einsatz von Benzin bedeutet, daß
keines der derzeitigen Verteilersysteme verändert
werden muß. Das ist eine sehr bedeutende, aber
keinesfalls die einzige Entdeckung, die den Weg in
unsere Zukunft weist.
Ich möchte auch unterstreichen, daß die meisten der
im Rahmen der Marktmechanismen zur Erlangung
dieses Ziels verfügbaren Technologien bereits existieren - wir müssen sie nur nutzen. Beispielsweise
forderte ein Physik- und Chemielehrer namens Hector
Ibarra in West Branch, Iowa, seine Sechstklässler
dazu auf, die Experimente aus dem Klassenzimmer
praktisch anzuwenden, um ihre Schule energieeffizienter zu machen. Die Klasse erhielt ein Darlehen in
Höhe von 14.000 Dollar von einer örtlichen Bank und
ergriff einfache Maßnahmen. Die Schüler senkten den
Energieverbrauch ihrer Schule um 70 Prozent. Ihre

Verpflichtung, den betroffenen Arbeitnehmern und

Einsparungen waren so beeindruckend, daß die Bank

Unternehmen zu helfen - ebenso wie wir es heute bei
allen unseren wirtschaftlichen Veränderungen tun, von
denen die Menschen schuldlos betroffen sind.

beschloß, ihre eigene Energieeffizienz zu verbessern.

Dieser Plan setzt auf unsere Stärken - Innovation,
Kreativität, Unternehmergeist. Unsere Unternehmen
weisen durch die Entwicklung phantastischer Umwelttechnologie und die Umsetzung von Lösungen zum
Schutz der Natur bereits den Weg.

Dem Beispiel dieser Sechstklässler folgend haben
andere größere Unternehmen in Amerika ähnliche
Ergebnisse erzielt. Sie brauchen sich nur die nachweisbaren Ergebnisse von Firmen wie Southwire, Dow
Chemical, Dupont, Kraft, Interface Carpetmakers und
einer Vielzahl anderer in jeder Wirtschaftsbranche
anzuschauen um zu sehen, was getan werden kann.

Erst gestern gab Energieminister Pena einen von
seinem Ministerium finanzierten dramatischen Durchbruch bei der Brennstoffzellentechnologie bekannt ein Durchbruch, der den Weg zur Entwicklung von
Autos bereitet, die doppelt so energiesparend wie die

Unsere Industrien haben effiziente neue Kühlschränke,
Computer, Wasch- und Trockenmaschinen sowie
andere elektrische Geräte hergestellt, die sehr viel
weniger Energie verbrauchen, sparsamer und umweltfreundlicher sind. Allein die Revolution bei Beleuch-

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AMERIKA DIENST 21

�tungskörpern ist wirklich verblüffend. Eine kompakte
fluoreszierende Lampe, die von einem Menschen
während seines ganzen Lebens benutzt wird, erspart
der Atmosphäre die Emission von fast einer Tonne
C0 2 und kostet den Verbraucher weniger Geld.
Wenn jeder in den nächsten 15 Jahren nur diese
energiesparenden Produkte kaufen würde, die in den
Geschäften mit dem "Energiestern" des Umweltschutzamtes ausgezeichnet sind, würden unsere Energierechnungen während dieses Zeitraums um ungefähr
100 Milliarden Dollar schrumpfen und unsere Treibhausgasemissionen dramatisch gesenkt.
Trotz dieser Innovationen, die für alle Seiten von
Vorteil sind, und der Verpflichtungen, die buchstäblich
jeden Tag eingegangen werden, bin ich mir sehr wohl
bewußt, daß unsere Ziele und Zeitpläne von manchen
als zu ehrgeizig kritisiert werden. Und natürlich
werden andere behaupten, sie gingen nicht weit
genug. Bevor jedoch die Debatte ernsthaft beginnt,
wollen wir nicht vergessen, daß wir während der
letzten Generation im Bereich der Umwelt, auch bei
der Energieeffizienz, enorme Fortschritte gemacht
haben - zu sehr viel geringeren Kosten als man sich
hätte vorstellen können. Und dabei wurden ganz neue
Industrien aufgebaut.
Während der letzten drei Jahrzehnte, in denen unsere
Wirtschaft gewachsen ist, haben wir die Standards für
das Wasser, das unsere Kinder trinken, nach oben
und nicht nach unten geschraubt. Obwohl unsere
Fabriken ausgebaut werden, verlangen wir von ihnen
die Reinigung ihres Giftmülls. Obwohl eine Rekordzahl neuer Häuser gebaut wurde, sparen unsere
Kühlschränke mehr Energie und damit unsere Verbraucher mehr Geld.
1970, als der Smog unsere Städte erstickte, schlug die
Bundesregierung neue Autoabgasnormen vor. Viele
Umweltschützer behaupten, die Normen würden wenig
zur Verhinderung einer Katastrophe beitragen.
Industrievertreter prognostizierten, die Kosten der
Umsetzung hätten katastrophale Auswirkungen auf die
Industrie. Es stellte sich heraus, daß beide Seiten
Unrecht hatten. Beide unterschätzten die Erfindungsgabe des amerikanischen Volkes. Die Automobilhersteller halten die weitaus strengeren Emissionsvorschriften von heute mit weniger als halb so hohem
Kostenaufwand wie vorhergesagt ein, und die neuen
Kraftfahrzeuge stoßen durchschnittlich nur 5 Prozent
der Schadstoffe der 1970 gebauten Autos aus.
Wir haben dieses Muster immer wieder gesehen. Wir
sahen es, als wir uns in den siebziger Jahren gemeinsam für das Verbot des Karzinogens Vinylchlorid
einsetzten. Vertreter der Kunststoffindustrie sagten
massive Bankrotte voraus, aber die Chemiker entdeckten kostengünstigere Ersatzstoffe, und die Branche
prosperierte. Wir sahen das, als wir die Verwendung

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von bleihaltigem Benzin stufenweise verringerten. Und
wir sehen das bei unserem Programm für handelbare
Zertifikate für sauren Regen - das dem Zeitplan bereits
40 Prozent voraus ist - zu weniger als der Hälfte der in
den optimistischsten Prognosen veranschlagten
Kosten. Wir sehen das, während die Fluorchlorkohlenwasserstoffe praktisch ohne jeden Kostenaufwand auf
eine Art und Weise aus der Atmosphäre entfernt
werden, die anscheinend zu einer erneuten Verdikkung der Ozonschicht führt.
Die Lektion ist einfach: Wenn Umweltinitiativen klug
geplant sind und flexibel durchgeführt werden, kosten
sie weniger als erwartet und bieten unvorhergesehene
wirtschaftliche Chancen. Obwohl wir uns bewußt sind,
daß unsere heutige Herausforderung größer ist als
jede umweltpolitische Aufgabe der Vergangenheit,
kann der Klimawandel uns durch das einen, was
Amerika am besten kann: Wir führen Neuerungen ein,
wir konkurrieren, wir finden Lösungen für Probleme,
und wir tun das auf eine Weise, die unternehmerisches
Denken fördert und die amerikanische Wirtschaft
stärkt.
Wenn wir es richtig anstellen, wird der Klimaschutz
keine Kosten, sondern Gewinne mit sich bringen; keine
Belastungen, sondern Vorteile; keine Opfer, sondern
einen höheren Lebensstandard. Wir haben genug
Beweise dafür, daß Energieeinsparung bessere
Dienstleistungen zu niedrigeren Kosten mit höheren
Gewinnen hervorbringt. Wir müssen die Hindernisse
für das erfolgreiche Funktionieren der Märkte beseitigen und bessere Anreize für ihre Nutzung geben. Ich
fordere die amerikanischen Unternehmen zur Übernahme einer Führungsrolle auf, aber ich rufe auch die
Regierungen - auf nationaler, bundesstaatlicher und
kommunaler Ebene - dazu auf, der Wirtschaft die für
diese Arbeit erforderlichen Werkzeuge zu verschaffen
und auf allen Gebieten ein Beispiel zu geben.
Wir wollen nicht vergessen, daß es bei der uns heute
konfrontierenden Herausforderung nichfnur um Ziele
und Zeitpläne geht. Es geht um unsere grundlegenden
Werte und größten Verpflichtungen.
Ich werde heute noch die Ehre haben, mit dem
ökumenischen Patriarchen Bartholomew zusammenzutreffen - dem geistlichen Führer von 300 Millionen
orthodoxen Christen - einem Mann, der immer wieder
die dem Geschenk Gottes an die Natur innewohnenden großen Verpflichtungen betont. Er erinnert uns
daran, daß sich der erste Teil des Wortes "Ökologie"
vom griechischen Wort für Haus herleitet. Um unser
Verhalten gegenüber dem Haus zu verändern, das wir
alle bewohnen, müssen wir mit den Worten des
Patriarchen die verlorenen spirituellen Verbindungen
wiederentdecken und die menschlichen Werte bekräftigen. Er hat natürlich Recht. Es ist unsere feierliche
Verpflichtung, mit Mut und Weitblick Fortschritte zu

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�machen, damit wir unser Haus unseren Kindern und
künftigen Generationen hinterlassen können.
Sie sind hoffentlich ebenso wie ich überzeugt, daß dies
nur eine weitere Herausforderung in Amerikas langer
Geschichte ist - die wir genauso bewältigen können
wie alle früheren Herausforderungen. Sie sind hoffentlich ebenso wie ich überzeugt, daß es eindeutige
Beweise dafür gibt, daß wir das auf eine Weise tun
können, die zu Wirtschaftswachstum führt - nicht durch

abschlägige Antworten, sondern indem wir eine neue
Herausforderung der Erneuerung entschlossen und
freudig begrüßen. Wir sollten froh sein, daß wir in der
heutigen Zeit leben und diese Herausforderung
angehen können, und wir sollten das in dem sicheren
Wissen tun, daß unsere Kinder und Enkel uns dafür
dankbar sein werden.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 21

�UMWELT
29. Oktober 1997

Wirth: Europäer befürworten "unrealistische" Ziele
Rede des Staatssekretärs für globale Angelegenheiten

WASHINGTON - (AD) - Nach Ansicht des Staatssekretärs für globale Angelegenheiten im US-Außenministerium,
Timothy Wirth, befinden sich die Vereinigten Staaten und die Europäische Union im Hinblick auf die Verringerung
der Treibhausgasemissionen in einer Art "Sackgasse", weil die 15 Mitgliedstaaten der EU "unrealistische" Ziele
befürworten. Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede, die Timothy Wirth am 9. Oktober
1997 vor einem Ausschuß des Kongresses hielt.

Heute möchte ich nicht nur über den gegenwärtigen
Stand unserer Klimaverhandlungen berichten, sondern
auch drei andere Themenbereiche ansprechen:
Erstens die "bubble" der Europäischen Union, zweitens im Zusammenhang mit der Beteiligung der
Entwicklungsländer stehende Fragen und drittens die
verschiedenen Mechanismen, durch die wir den
Entwicklungsländern die entsprechenden Technologien zukommen lassen können, die ihnen bei der
Bekämpfung des Klimawandels helfen.
Zunächst möchte ich Sie auf den neuesten Stand
bringen und mich dabei besonders auf die Entwicklungen seit meinem letzten Erscheinen vor diesem
Ausschuß im Juni dieses Jahres konzentrieren.
Wir nähern uns mit großer Geschwindigkeit dem Ende
der Verhandlungen im Vorfeld der dritten Sitzungsperiode der Konferenz der Parteien, die vom 1.-10.
Dezember in Kyoto anberaumt ist. Von heute an
bleiben nur noch 64 Tage, von denen nur 18 für
offizielle Verhandlungen vorgesehen sind. Bei einigen
wichtigen Fragen wurden Fortschritte erzielt, und es
zeichnet sich eine Übereinkunft ab. Wenn wir Erfolg
haben, wird diese Übereinkunft wahrscheinlich
wesentliche Elemente des von uns unterbreiteten
Vorschlags beinhalten. Dazu zählen:
Ein Emissionsplan, der einen Ausgleich von
Fluktuationen bei meteorologischen und
ökonomischen Variablen gestattet und eine
gewisse Flexibilität bei der zeitlichen Festlegung der Emissionsreduzierungen erlaubt.

AMERIKA DIENST 21

Ein Multigasansatz, der nicht nur Kohlendioxid, sondern alle Treibhausgase beinhaltet
(obwohl es beträchtlichen Widerstand gegen
die Aufnahme von "Senken" gibt).
Ein internationales System handelbarer
Emissionszertifikate und ihre gemeinsame
Umsetzung, die beide auf eine Erhöhung der
Flexibilität abzielen, indem sie den Parteien
gestatten, Emissionen im eigenen Land gegen
Emissionsreduzierungen andernorts auszutauschen.
Mechanismen für die Überwachung und
Verifizierung des Emissionsabbaus, die
gleiche Bedingungen für alle Parteien gewährleisten.
Aktionen der Entwicklungsländer als Ergänzung zu Zielsetzungen und Zeitplänen der
Industrieländer.
Damit will ich nicht sagen, daß der endgültige Text alle
diese Elemente in der Form beinhaltet, in der sie im
Vorschlag der Vereinigten Staaten vom vergangenen
Januar unterbreitet wurden, denn das gestattet der
Verhandlungsprozeß nicht. Die Administration hat
jedoch ein von einem Großteil der Welt akzeptiertes
allgemeines Muster für weitere Fortschritte bei der
Lösung dieses gravierenden Problems vorgeschlagen:
Eine Lösung mit größtmöglicher Flexibilität bei der
Umsetzung und gleichzeitiger Gewährleistung von
Integrität und Umweltschutz bei den Emissionszielen.

Seite 1

�Die Administration hat noch keine endgültige Entscheidung über ein Ziel für die Emissionskontrolle
getroffen. Wir werden Sie über unsere in dieser
Hinsicht gemachten Fortschritte auf dem Laufenden
halten. Wir haben die in diesem Ausschuß geäußerten
Befürchtungen sowie die in der Resolution des Senats
vom Beginn des Sommers enthaltenen Anliegen zur
Kenntnis genommen. Ich möchte an dieser Stelle
nochmals betonen, daß unsere Übereinkunft die
amerikanische Wettbewerbsfähigkeit schützt und im
besten Interesse des amerikanischen Volkes liegt. Der
Präsident hat sich diesen Zielen am Montag bei der
Konferenz im Weißen Haus erneut verpflichtet, und es
sind Ziele, an denen wir während des gesamten
Verhandlungsprozesses konsequent festgehalten
haben.
Bei vielen Aspekten unseres Vorschlags sind wir
jedoch sehr deutlich gewesen, und der Konsens im
eigenen Land unterstützt diesen Ansatz. Die Administration hat diese Elemente unserer Vorschläge in
einer intensiven Runde bilateraler und multilateraler
Verhandlungen aggressiv gefördert. Der Präsident hat
den Klimawandel zu einem Thema seiner Zusammenkünfte mit ausländischen Staats- und Regierungschefs
sowie der Sitzungen am Rande der UN-Generalversammlung gemacht. Auch der Vizepräsident und die
Außenministerin haben den Klimawandel in ihren
Gesprächen zum Thema gemacht. Ich habe an
verschiedenen Treffen in Europa und Saudi-Arabien
sowie mit wichtigen Ministern aus Japan, Australien,
Kanada und Neuseeland teilgenommen und werde
diese Frage auch bei meinen Gesprächen in China
Ende des Monats ansprechen. Hochrangige Regierungsvertreter haben unsere Position in Lateinamerika

über 1990 entschieden. Um die Verhandlungen noch
komplizierter zu gestalten, bestehen die Mitgliedstaaten der Europäischen Union darauf, mit ihren Emissionen zu handeln - die sogenannte "bubble". Das
bedeutet, daß die Gesamtemissionen auf ein festgesetztes Ziel gesenkt werden können, jedes einzelne
Land diese Obergrenze aber nicht unbedingt erreichen
muß. Tatsächlich geht man davon aus, daß ein
signifikanter Anteil der gesamten Emissionsreduzierung der EU auf die Wiedervereinigung Deutschlands
und die Abschaffung von Kohlesubventionen in
Großbritannien sowie die Umstellung auf Erdgas
zurückzuführen sein wird. Obwohl wir die Schließung
ineffektiver und umweltschädigender Fabriken und die
Abschaffung von Subventionen im Energiesektor
zweifellos begrüßen, ist nicht klar, warum solche
Aktionen andere EU-Staaten von der Notwendigkeit
befreien sollen, selbst etwas zu unternehmen. Im
Rahmen des Vorschlags der EU wird von manchen
Ländern jedoch überhaupt keine Verringerung ihrer
Emissionen verlangt - und manchen wird sogar ein
Anstieg gestattet. Portugal beispielsweise wird bis
zum Jahr 2010 ein Emissionsanstieg von 40 Prozent
gegenüber 1990 erlaubt, Spanien darf seinen C0 2 Ausstoß um 17 Prozent erhöhen, und Frankreich muß
seine Emissionen lediglich auf dem Stand von 1990
einfrieren.
Der Kongreß hat umgehend einige der dieser Art von
"Lastenteilung" innewohnenden Probleme aufgezeigt.
Ich möchte mit Ihnen einige der Fragen erörtern, die
wir uns im Zusammenhang mit diesem Thema gestellt
haben:

allmählich aus, da unsere Sichtweise in das Bewußtsein der Menschen eindringt. Wir hegen weiterhin die
Hoffnung, daß unsere fortgesetzten Bestrebungen im
Vorfeld von Kyoto einen Konsens hinsichtlich unseres
Ansatzes hervorrufen werden.

Wir haben uns gefragt, in welcher Beziehung
der Vorschlag der EU zu dem internationalen
System handelbarer
Emissionszertifikate
steht. Wenn es nur ein Vorschlag ist, bei dem
jedes Land einen Einheitssatz hat und dann
auf dem Markt mit Emissionszertifikaten
handeln kann, würden wir diesen Ansatz
unterstützen.

Unsere Verbündeten bei den Verhandlungen gehören
allen Blöcken an: Unter den Industriestaaten besteht
größte Übereinstimmung mit Australien, Kanada,
Japan und Neuseeland. Diese unterstützen unsere
Vorschläge über die Flexibilitätselemente, die in Kyoto
für ein dauerhaftes, erfolgreiches und wirtschaftlich
mögliches Abkommen von großer Bedeutung sind.
Viele Länder der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropas unterstützen unsere Vorschläge ebenfalls.
Mit unseren europäischen Kollegen sind wir jedoch in
eine Art Sackgasse geraten.

Uns wurde nicht gesagt, wie die EU die Rechenschaftspflicht sicherstellen will. Welche
Erfüllungsmechanismen gibt es beispielsweise
für den Fall, daß die EU die Obergrenzen
überschreitet? Wird jeder EU-Mitgliedstaat
dieselben Verpflichtungen haben wie die
Länder außerhalb der EU? Ist jedes Land
lediglich für seinen "Anteil" verantwortlich?
Wie wird dieser festgesetzt?

und Asien dargelegt.

Unsere harte Arbeit zahlt sich

Die EU-"bubble"
Wie Sie wahrscheinlich alle wissen, hat sich die EU für
das - von vielen Analysten als unrealistisch und
unerreichbar bezeichnete - Ziel einer Verringerung der
Emissionen bis zum Jahr 2010 um 15 Prozent gegen-

Seite 2

Was für ein Beispiel gibt die EU den Entwicklungsländern? Wenn einigen Industriestaaten
ein 40-prozentiger Anstieg gestattet wird, dann
kann man von den Entwicklungsländern noch
viel weniger verlangen. Um angemessene
Maßstäbe zu setzen, müssen wir von den
Industriestaaten mehr fordern.

AMERIKA DIENST 21

�Wie werden die Mitgliedstaaten der EU einbezogen? Wenn die Zahl der Länder durch
die Aufnahme osteuropäischer Länder mit
niedrigen Emissionen vergrößert wird, wird
dann das Gesamtziel angepaßt?
Dieser Fragenkatalog gibt Ihnen hoffentlich eine Idee
von dem Ausmaß, in dem wir bei der internationalen
Debatte Antworten erwarten.
Klarheit bei diesen
Fragen ist für mögliche Übereinkünfte in Kyoto wesentlich.
Die Entwicklungsländer
Jetzt möchte ich mich einem anderen Thema widmen,
das für die Mitglieder dieses Ausschusses und andere
außerhalb dieses Raums ebenfalls von großer Bedeutung ist: Die Einbeziehung der Entwicklungsländer. Ich
möchte mich deutlich ausdrücken: Die Entwicklungsländer müssen an diesem Vertrag beteiligt sein. Das
Grundprinzip für Aktionen der Entwicklungsländer ist
klar: Obwohl sie derzeit für weniger als die Hälfte der
globalen Emissionen verantwortlich sind, wird ihr Anteil
in den nächsten Jahrzehnten anwachsen, obwohl ihre
Pro-Kopf-Emissionen weiterhin weit unter unseren
liegen. Wir müssen uns mit diesem Trend steigender
Emissionen befassen, wenn wir das Problem langfristig lösen wollen.
Meiner Ansicht nach sollte man jedoch eine andere
Sichtweise dieser Frage besser verstehen - die der
Entwicklungsländer. Betrachten wir einige Zahlen.
Dem zwischenstaatlichen Gremium für den
Klimawandel (IPCC) zufolge werden jährlich
500 Millionen Fälle von Malaria berichtet. Die
Experten sind jedoch der Ansicht, daß sich die
Malaria infolge des Klimawandels weiter
ausbreiten wird. Die meisten Malariatoten
sind Kinder unter fünf Jahren - und nahezu
alle diese Kinder leben in Entwicklungsländern.
Der Weltbank zufolge leben zwei Milliarden
Menschen von weniger als zwei Dollar täglich
und 1,3 Milliarden von weniger als einem
Dollar täglich - und alle leben in den Entwicklungsländern.
Das ist die Sichtweise der Entwicklungsländer, und
das sind die Faktoren, die sie betrachten, wenn sie die
Industriestaaten auffordern, als Erste zu handeln.
Viele nicht informierte Beobachter haben behauptet,
das derzeitige Abkommen enthalte keine Verpflichtungen für die Entwicklungsländer. Das ist nicht richtig.
Tatsächlich werden die Entwicklungsländer unter
anderem aufgefordert, eine Liste ihrer Treibhausgasemissionen aufzustellen, Maßnahmen zur Abschwächung des Klimawandels und zur Anpassung daran zu

AMERIKA DIENST 21

ergreifen, an der Entwicklung und dem Transfer von
Technologien mitzuwirken, die Klimaforschung und
entsprechende Bildung und Ausbildung zu fördern und
sich daran zu beteiligen.
Die Entwicklungsländer haben Maßnahmen zur
Erfüllung
ihrer
FCCC-Verpflichtungen
ergriffen.
Ebenso wie wir an der Verringerung unserer Emissionen arbeiten, haben die Entwicklungsländer aggressiv
Programme zur Reduzierung ihrer eigenen Emissionen
eingeleitet. Ein Teil der Bestrebungen der Entwicklungsländer ist das Ergebnis erfolgreicher Programme,
die vom Amt für internationale Entwicklung (AID), vom
U.S. Country Studies Program, von der U.S. Initiative
on Joint Implementation sowie im Zuge bilateraler und
multilateraler Schenkungen von anderen Ländern und
internationalen Organisationen durchgeführt wurden.
Viele der Ressourcen und der Anstoß für Aktionen
haben ihren Ursprung jedoch in diesen Ländern.
Während wir uns auf ein anderes Niveau internationaler Verpflichtungen zubewegen, ist es wichtig zu
verstehen, was bislang erreicht worden ist.
Verschiedene Beispiele für von den Entwicklungsländern unternommene Bestrebungen illustrieren diese
Fortschritte. Der Weltbank zufolge nahmen zwischen
1991 und 1996 die Subventionen für fossile Brennstoffe in 14 Entwicklungsländern, auf die 25 Prozent
der weltweiten Kohlendioxidemissionen entfallen, um
ungefähr 45 Prozent ab - von 60 Milliarden Dollar auf
33 Milliarden Dollar (Zum Vergleich: Die Subventionen
der OECD wurden um ungefähr 20,5 Prozent abgebaut
- von 12,5 Milliarden Dollar auf 9,9 Milliarden Dollar.)
China, das für ungefähr 12 Prozent der weltweiten
C0 2 -Emissionen verantwortlich ist, reformiert aktiv die
Energiepreise und hat die Subventionen von 37
Prozent im Jahr 1984 auf 29 Prozent 1995 gesenkt,
während die Erdölsubventionen von 5 Prozent im Jahr
1990 auf 2 Prozent 1995 gefallen sind. Ferner war
eine Steigerung der chinesischen Effektivität wesentlich: Ohne Interventionen wären die Emissionen 1990
um fast 155 Millionen Tonnen höher gewesen als mit
Hilfe politischer Maßnahmen. Und Ende 1993 wurden
12 Prozent der installierten Elektrizität mit Hilfe von
Kohle und Gas erzeugt. Viele andere Entwicklungsländer fördern ebenfalls aktiv ihre Energieeffizienz.
Beispielsweise wurde in Brasilien durch ein aggressives Programm für den Einsatz von Äthanol aus
Zuckerrohr nahezu die Hälfte des Benzins eingespart,
das ansonsten verbraucht worden wäre.
Was sagt uns das alles? Zweifelsohne sagt es uns,
daß ihre und unsere Erwartungen von unterschiedlichen Annahmen ausgehen. Wir blicken sie an und
verweisen auf die künftige Ursache des Problems; sie
blicken uns an und verweisen auf die jetzige Ursache
des Problems. Wir blicken sie an und machen uns
Sorgen über die Wettbewerbsfähigkeit; sie blicken uns
an und verweisen auf unseren so viel besseren
Lebensstil und unseren Lebensstandard - den die

Seite 3

�meisten von ihnen verzweifelt kopieren wollen, jedoch
zu hören bekommen, daß das aufgrund der Folgen für
die Umwelt für sie nicht in Frage kommt. Wie Präsident Clinton bei der Konferenz im Weißen Haus am
Montag erklärte, ist unser Problem mit China ein
nationales Sicherheitsproblem - es könnte sein, daß
China unserem Emissionsweg folgt und damit eine
Welt schaffen würde, in der wir alle nicht mehr leben
können. Wir blicken auf Kyoto und fordern, daß alle
Länder daran teilnehmen; die Entwicklungsländer
blicken auf Kyoto und stimmen zu, Aktionen durchzuführen - aber erst, wenn die Industrienationen
Schritte unternommen haben.
Historisch sind die Bündnisse der Entwicklungsländer
schwer zu durchbrechen, ungeachtet der häufig
großen Schwierigkeiten innerhalb der Gruppe. Wir
können das Bedürfnis kleiner Inselstaaten nachfühlen,
die sich durch den Anstieg des Meeresspiegels mit
ihrem Untergang konfrontiert sehen, auf aggressiven
Zielen zu bestehen. Wir können zu der Schlußfolgerung gelangen, daß es ein Fehler ist, alle Entwicklungsländer in einen Topf zu werfen - und wir können
vorschlagen, daß arme Länder, die praktisch nichts
emittieren, andere Verpflichtungen haben sollten als
die wohlhabenderen Länder, die einen beträchtlichen
Anteil an dem globalen Ganzen haben.
Wir können die Sorgen der Entwicklungsländer
ausräumen, daß Unterschiede beim Entwicklungsstand real sind, indem wir Flexibilität bei den Verpflichtungen bieten, auf deren Übernahme für sie wir
bestehen. Viele Entwicklungsländer akzeptieren, daß
sie eines Tages größere Verantwortung für den
Umgang mit dem Klimawandel übernehmen müssen sie schlagen jedoch vor, daß der geeignete Zeitpunkt
für solche Aktionen dann wäre, wenn sie eine bestimmte Schwelle der wirtschaftlichen Entwicklung
überschritten haben.
Wir können auch die Sorgen ansprechen, die Entwicklungsländer bezüglich des Ungleichgewichts bei
unseren Erwartungen zum Ausdruck gebracht haben daß von ihnen die Festlegung von Standards erwartet
wird, bevor wir unseren guten Glauben unter Beweis
gestellt haben. Dies wird am besten erreicht, wenn
unsere eigenen Programme voll finanziert werden und
wir aggressiv die Entwicklung der Technologien
anstreben, die für globale Reduzierungen erforderlich
sind.
Wir können durch unsere bestehenden bilateralen und
multilateralen Hilfsprogramme weiterhin aktive Zusammenarbeit zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern fördern. Der Beweis für den Erfolg dieser
Bestrebungen zeichnet sich in vielen Entwicklungsländern mit der Entwicklung erneuerbarer Technologien, dem Abbau von Subventionen, der Verbesserung
der Effizienz und der Umsetzung von Klimaaktionsplänen ab. Mit unserem eigenen Engagement können

Seite 4

wir demonstrieren, daß wir diese Umweltbestrebungen
zu schätzen wissen und die Vereinigten Staaten den
Ländern zur Seite stehen, die in das langfristige und
globale Wohlergehen investieren.
Letztlich sind es die Aktionen selbst, die den internationalen Erfolg bei der Bewältigung des Problems des
Klimawandels ausmachen - nicht das Instrument, das
die Verpflichtungen kodifiziert, oder der Prozeß, durch
den die Aktionen ausgelöst werden können. Echte
Emissionsreduzierungen in allen Ländern der Welt zu
den geringsten Kosten sind unsere Ziele. Es mag
auch andere geben - und wir müssen sie alle zu
unserem Vorteil nutzen.
Ich schlage nicht vor, wir sollen unsere Meinung
ändern: Daß sowohl die Industrie- als auch die Entwicklungsländer handeln müssen, um die andauernde
und potentiell katastrophale globale Erwärmung zu
verhindern. Ich sage vielmehr, wir müssen das, was
wir von den Entwicklungsländern erwarten, mit einer
realistischen und fairen Einschätzung dessen verbinden, wie sie die Welt sehen. Das Ausmaß und der
Zeitpunkt der Verpflichtungen jedes Landes müssen im
Einklang mit seinen nationalen Fähigkeiten und seinem
Entwicklungsstand stehen.
Ausgewogenheit und
Fairneß müssen bewahrt werden. Und jedes Paket,
dem wir in Kyoto zustimmen, wird sicherstellen, daß
dies geschieht.
Unser Vorschlag für die Entwicklungsländer hat drei
Teile:
1.

Erfordert eine Fortsetzung der Förderung der
Umsetzung von Verpflichtungen: Er definiert
im Einzelnen, was das bedeutet und fordert
sie außerdem zur Erhöhung ihrer Energieeffizienz, der Betonung von marktorientierter
Preisfestsetzung, dem vermehrten Einsatz von
emeuerbaren Ressourcen, der Verbesserung
ihres Transportsektors - und im allgemeinen
zu Aktionen zur Bewältigung des Klimawandels auf, die wirtschaftlich für sich allein schon
gerechtfertigt sind.

2.

Er schafft eine neue Kategorie von Ländern
(Annex B), in denen die Entwicklungsländer
freiwillig rechtlich bindende Verpflichtungen zu
Emissionsbegrenzungen oder -reduzierungen
eingehen.

3.

Er sieht vor, daß alle Parteien sich letztlich auf
Bestimmungen einigen, so daß alle Parteien
(einschließlich der Entwicklungsländer) quantitative Treibhausgasemissionsverpflichtungen
haben und es einen Mechanismus für die
automatische Anwendung progressiver Verpflichtungen für Parteien auf der Grundlage
vereinbarter Kriterien gibt.

AMERIKA DIENST 21

�Obwohl wir bei den Verfahren, mit denen jedes dieser
Elemente Teil des Kyoto-Pakets wird, zu Flexibilität
bereit sind, sind wir hinsichtlich der Substanz weiterhin
absolut überzeugt. Die Entwicklungsländer müssen
eindeutig integraler Bestandteil der nächsten Schritte
sein, damit die Vereinigten Staaten in Betracht ziehen
können, Vertragspartei zu werden. Die Vereinigten
Staaten werden keine bindenden Verpflichtungen
eingehen, bis die Entwicklungsländer angemessene
Zusagen im Hinblick auf ihre eigenen Verpflichtungen
machen.
Entwicklung der Infrastruktur
Ich möchte mich nun der umfassenderen Frage
zuwenden, wie wir die Mechanismen entwickeln
wollen, um den Entwicklungsländern die geeigneten
Technologien zu vermitteln, damit wir ihnen bei der
Bekämpfung des Klimawandels behilflich sein können.
Wir sind uns alle bewußt, daß die Emissionen der
Entwicklungsländer voraussichtlich im Rahmen ihrer
Wirtschaftsentwicklung steigen werden, wenn wir nicht
Abhilfe schaffen. Meiner Ansicht nach - und ich
glaube, das ist auch die Ansicht der meisten Mitglieder
dieses Komitees - wird es entscheidend sein, Wege
zur Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern bei
der Verringerung der Emissionen zu finden. Das muß
eine Priorität sein, unabhängig von dem Ansatz, den
wir über die Konvention oder irgendein anderes darauf
folgendes rechtliches Instrument wählen.
Was heißt das? Es heißt, wir müssen die nächsten
100 Gigawatt an energieerzeugenden Kapazitäten
aufbauen, um sauberer und effizienter zu sein. Es
heißt, wir müssen die globale Umweltfazilität voll
finanzieren. Es heißt, wir müssen versuchen, unsere
Bestrebungen zur Entwicklung von Initiativen für die
Förderung von Umwelt-Exportkrediten und -initiativen
fortzusetzen. Es heißt, wir müssen unsere Kreditvergabe über die multilateralen Entwicklungsbanken
und unsere bilateralen Hilfsprogramme rationalisieren,
um Umweltbelange abzudecken. Und es heißt, wir
müssen weiterhin Anstrengungen bei der Entwicklung
und Umsetzung der neuen Technologien der Zukunft
unternehmen.
Lassen Sie uns kurz zwei Entwicklungsländer betrachten, die am meisten emittieren: China und Indien.
Selbst nach mehr als einem Jahrzehnt außerordentlich
starken Wirtschaftswachstums ist China immer noch
ein wirklich unterentwickeltes Land. Auf Pro-KopfBasis beträgt das Bruttoinlandsprodukt rund 620
Dollar. Über 100 Millionen Chinesen haben immer
noch keine Elektrizität. In dem Versuch, die Energieknappheit im Inland zu beheben, fordert Chinas
Fünfjahresplan zusätzliche 70 Gigawatt an elektrizitätserzeugenden Kapazitäten vor dem Jahr 2001.
Das heißt, China wird in den nächsten vier Jahren
jeden Monat ein 1.000 Megawatt starkes Elektrizitätswerk hinzufügen müssen. Im Augenblick werden die

AMERIKA DIENST 21

meisten mit Kohle beheizt - die zur Zeit rund 75
Prozent der chinesischen Elektrizität erzeugt. Dennoch gibt es beträchtliche Möglichkeiten, China dabei
behilflich zu sein, mehr Gas und erneuerbare Energien
mit Gewinnchancen für amerikanische Unternehmen
einzusetzen.
Indien befindet sich in einer ähnlichen Kalamität.
Zwischen 1986 und 1995 stiegen die C02-Emissionen
um 40 Prozent, die Industrialisierung erfolgt durch
inländische Kohle. Zur Zeit hat Indien noch geringere
Pro-Kopf-Emissionen als China - und liegt nahezu
fünfmal unter dem Weltdurchschnitt von vier Tonnen
pro Person und ungefähr ein Zwanzigstel unter den
Emissionen der Vereinigten Staaten. Ebenso wie
China installiert auch Indien enorme Quantitäten neuer
energieerzeugender Kapazitäten - Pläne fordern die
Installation von 62 Gigawatt bis 2002. Ineffizienz und
schlechte Technologie beeinträchtigen die derzeitige
Infrastruktur des Landes. Zur Zeit gehen in Indien bis
zu 40 Prozent der erzeugten Elektrizität bei der
Übertragung und Verteilung verloren. Auch hier gibt es
Profitchancen für amerikanische Unternehmen.
Wir müssen Wege sondieren, um diese Länder zum
Aufbau einer klimafreundlicheren Energieinfrastruktur
zu ermutigen. Glücklicherweise stehen Möglichkeiten
zur Verfügung, in eine tragfähigere Richtung zu gehen.
Wir können beispielsweise mit den internationalen
Finanzinstitutionen (einschließlich der Weltbank und
den regionalen Entwicklungsbanken) zusammenarbeiten und von ihnen verlangen, daß sie die Auswirkungen der Finanzierung von Kraftwerken genauer
prüfen. Das könnte bedeuten, daß wir von einigen der
derzeitigen Lösungen abweichen müssen, die von den
internationalen Finanzinstitutionen als kostengünstigste angesehen wurden, weil die Schäden durch den
Klimawandel nicht in frühere Kostenrechnungen
eingegangen sein könnten. Wir würden einen intensiveren Dialog mit dem Kongreß über Wege zur Verbesserung der Kreditvergabestrategien für Energieprojekte begrüßen.
Viele der von den Entwicklungsländern durchzuführenden Aktionen werden gut für die globale Umwelt sein sie werden jedoch Geld kosten. Wir müssen die der
globalen Umweltfazilität zur Verfügung stehenden
Mittel aufstocken, die einen Teil der Kosten übernehmen möchte, um die Vorteile für die globale Umwelt zu
nutzen, die der Planet so dringend benötigt.
Wir müssen Wege sondieren, um auch unseren
Privatsektor in den Dialog einzubeziehen. Kommerzielle Energielieferanten suchen Chancen zur Energieerzeugung in Entwicklungsländern. Um das Meiste
aus diesen Möglichkeiten zu machen, benötigen wir
Mechanismen, die "Emissionsgutschriften" für solche
Investitionen von Firmen und/oder Industriestaaten
vorsehen. Wir benötigen andere Exportfinanzierungsbehörden, die Standards wie die Emissionsrichtlinien

Seite 5

�der Export-Import Bank für die von ihr unterstützten
Projekte einführen und gleichzeitig finanzielle Anreize
für amerikanische Exporteure und ausländische Käufer
bieten, die erneuerbare Energien und Technologieoptionen mit niedrigen Emissionen bei der Erfüllung
ihres Bedarfs an Energieerzeugung wählen. Maßnahmen wie die der Ex-Im Bank müssen mit der
globalen Erkenntnis und Akzeptanz starker Umweltkriterien einhergehen. Sobald unsere Firmen bewiesen haben, daß neue brennstoffeffiziente Technologien und erneuerbare Energiequellen kommerziell
tragfähig sind, können wir davon ausgehen, daß die
Entwicklungsländer diese Technologien schnell
einführen. Wir sollten auch Wege zur Ermutigung von
Forschung und Entwicklung für energieeffiziente und
erneuerbare Energien sondieren - sowohl durch
unseren Privatsektor als auch durch staatliche Finanzierung und Forschung. Die Entwicklung langfristiger Alternativen wird auf dem Weg zu einer

*

Seite 6

tragfähigen Zukunft von entscheidender Bedeutung
sein. Der Kongreß stand an vorderster Front bei der
Förderung von Investitionen des Privatsektors. Wir
würden einen weiteren Dialog darüber begrüßen, wie
unsere Umweltziele durch solche Mechanismen
vorangebracht werden können.
Es ist klar, daß diese Aktionen durchgeführt werden
müssen. Es ist jedoch ebenso klar, daß keiner dieser
wichtigen Schritte von der Administration im Alleingang
unternommen werden kann. Jeder benötigt die
Unterstützung des Kongresses. Die Aufmerksamkeit,
die der Senat dem Klimaproblem widmet, hat die
Bedeutung des Problems und die Notwendigkeit, alle
Länder in die Lösung einzubeziehen, in den Brennpunkt gerückt. Vor diesem Hintergrund müssen wir
jetzt zusammenarbeiten, um diese Lösung zu finden.
Genau das möchte ich jetzt tun.

* * * *

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�WIRTSCHAFT
29. Oktober 1997

Die Auswirkungen der EWWU
Rede des Stellvertretenden Finanzministers

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede des Stellvertretenden
US-Finanzministers Lawrence H. Summers vor dem Haushaltsausschuß des Senats vom 21. Oktober 1997.

Guten Morgen. Ich freue mich, hier zu sein. Vor
vierzig Jahren war der Zusammenschluß der europäischen Volkswirtschaften durch die Einführung einer
gemeinsamen Währung das in weiter Ferne liegende
Ziel einige europäischer Denker. Heute scheint dieses
ehrgeizige Projekt kurz vor seiner Realisierung zu
stehen - und erregt hier in den Vereinigten Staaten
große Aufmerksamkeit.
Wie Sie wissen, beschlossen die europäischen Staatsund Regierungschefs 1992 mit der Unterzeichnung
des Maastrichter Vertrags über die Europäische Union
die Einführung einer einheitlichen Währung. Der
Vertrag enthält einen Zeitplan für die Einführung der
Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion
(EWWU) bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Seitdem
ist die Umsetzung dieser Pläne ein großes Anliegen
der europäischen Politiker.
In etwas mehr als sechs Monaten kommt das Projekt
mit der Auswahl der ersten Mitglieder der neuen
Währungsunion in sein letztes Stadium. Weitere
knapp sechs Monate später, am 1. Januar 1999,
geben diese Länder die Kontrolle über ihre Währungspolitik und die Umsetzung ihrer Wechselkurspolitik an
die neue europäische Zentralbank ab, und die neue
Währung - der Euro - wird Realität.
Im Jahr 2002 könnte eine Reise durch große Teile
Westeuropas nicht mehr Gänge zum Devisenschalter
einer Bank erfordern als eine Reise quer durch die
Vereinigten Staaten.
Auf den Finanzmärkten herrscht eine wachsende und
weitverbreitete Überzeugung, daß die EWWU eingeführt wird, und daß das pünktlich geschieht. Daher ist
dies für diesen Ausschuß - und für die Vereinigten

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Staaten allgemein - ein äußerst angemessener
Zeitpunkt, Bilanz zu ziehen.
Ich möchte mich deutlich ausdrücken: Dies ist im
Grunde eine europäische Angelegenheit, die von den
Europäern entschieden wird. Die Administration hat es
nie als angemessen für die Vereinigten Staaten
erachtet, sich an Debatten darüber zu beteiligen, ob
eine einheitliche Währung das Richtige für Europa ist,
wie die Struktur einer Währungsunion auszusehen hat
und noch viel weniger, welche Länder ihr angehören
sollten. Ich werde heute nicht von diesem Ansatz
abweichen. Diese Fragen müssen von den Europäern
selbst beantwortet werden. Ich möchte jedoch erörtern, welche Auswirkungen dieses Projekt einer
einheitlichen Währung wahrscheinlich auf die amerikanische Wirtschaft haben wird.
Ich möchte mich bei meinen Ausführungen auf drei
Themenbereiche konzentrieren: Erstens, welche
Auswirkungen die Einführung einer gemeinsamen
Währung auf die Europäische Union als bedeutende
Volkswirtschaft und internationalen Partner der
Vereinigten Staaten haben könnte; zweitens, wie sie
das internationale Finanzsystem als Ganzes beeinflussen könnte und drittens, wie wir uns auf diese
Veränderung vorbereiten.
I.

Die Auswirkungen der EWWU auf Europa und seine Partner

Wie Sie wissen, sind die Beziehungen der Vereinigten
Staaten zu Europa schon seit langem der Grundstein
unserer Wirtschafts- und Außenpolitik. Wir haben das
europäische Streben nach engerer Integration von
Anfang an unterstützt. Die Gründung der Montanunion, des Gemeinsamen Marktes, des Binnenmarktes

Seite 1

�und jetzt die Pläne für eine Erweiterung der EU - all
dies haben wir gefördert, und all dies liegt in unserem
ureigenen Interesse.
Wir haben dasselbe Interesse an der Einführung einer
einheitlichen Währung wie an jeder anderen bedeutenden Entwicklung in Europa. Uns ist damit gedient,
wenn die Wirtschaft dieser Region prosperiert und die
Öffnung von Märkten sowie die Stärkung ihrer Beziehungen zur Weltwirtschaft anstrebt. Europa wird
Vorteile durch eine Wirtschafts- und Währungsunion
haben, die diese Ziele unterstützt - und wenn Europa
prosperiert, erhöht das auch den Wohlstand in den
Vereinigten Staaten.
1.1

Die EWWU und europäisches Wirtschaftswachstum

Ein schnell wachsendes Europa bietet auch einen
dynamischeren Markt für unsere Exporte - und ist
weltweit für uns ein stärkerer Partner. Im vergangenen
Jahr überstieg unser gesamter Warenhandel mit der
EU 270 Milliarden Dollar - womit die EU nur von
Kanada übertroffen wird. Mehr als die Hälfte unserer
ausländischen Direktinvestitionen - nahezu 400
Milliarden Dollar - werden in Europa getätigt. Und wir
verzeichnen dabei einen Aufwärtstrend: Zwischen
1982 und 1995 stieg die Zahl amerikanischer Investitionen in Europa durchschnittlich um ungefähr 11
Prozent - etwas schneller als unsere Investitionen in
der übrigen Welt.
Diese Zahlen zeugen von den zahlreichen Handelsund Investitionsmöglichkeiten, die das Ergebnis der
jüngsten Schritte zu engerer europäischer Integration
sind. Es lohnt sich festzustellen, daß die engere
Abstimmung der Wirtschaftspolitik der einzelnen
Länder und die veränderten Erwartungen an die
Märkte im Zuge der Vorbereitungen auf die EWWU für
viele Länder signifikante wirtschaftliche Vorteile
beinhalten. In Italien sind beispielsweise die langfristigen Zinsen seit Anfang 1993 um 5,5 Prozentpunkte gefallen, da sich das Verhältnis zwischen den
italienischen und deutschen Wertpapierkursen durch

Jahren angestiegen ist. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote in der EU betrug letztes Jahr mehr als 11
Prozent - ungefähr das Doppelte von 1979. In manchen Ländern ist jeder vierte Bürger im Alter von
Anfang Zwanzig arbeitslos, während fast die Hälfte der
Arbeitslosen seit mehr als einem Jahr keine Arbeit
mehr hat.
Teilweise als Ergebnis dieser Mängel des Arbeitsmarktes sah sich Europa in den letzten Jahren auch
mit gravierenden haushaltspolitischen Ungleichgewichten konfrontiert. Der Maastrichter Vertrag von 1992
legte Kriterien für den Beitritt zur EWWU fest, die
sicherstellen sollten, daß alle Mitglieder diese Probleme vor ihrem EWWU-Beitritt gelöst haben. Diese
Kriterien haben zahlreiche Regierungen zu beträchtlichen Fortschritten angespornt.
Der von den europäischen Staats- und Regierungschefs vergangenen Dezember in Dublin vereinbarte
Stabilitäts- und Wachstumspakt soll gewährleisten,
daß die Länder ihre Staatsverschuldung weiterhin
streng unter Kontrolle halten, wenn sie der EWWU
angehören. Aber ebenso wie die Vereinigten Staaten
sieht sich jedes europäische Land weiterhin der
Herausforderung der zunehmenden Alterung der
Bevölkerung gegenüber - einer Herausforderung für
die Rentensysteme und das Gesundheitswesen
gleichermaßen.
Die europäischen Regierungen haben wiederholt
darauf hingewiesen, daß sie die notwendigen Strukturreformen durchführen wollen, um die hohe Arbeitslosigkeit und diese drohenden finanziellen Engpässe
anzugehen. Wir haben jedoch gesehen, daß es oft
schwierig war, einen politischen Konsens über diese
Fragen zu erzielen - nicht zuletzt, weil bei vielen die
erforderlichen Reformen den Kern des sozialdemokratischen Konsenses in Europa treffen, der sich im Laufe
dieses Jahrhunderts entwickelt hat.
Die Einführung der EWWU wird es für die Regierungen
entscheidender machen, diese Strukturreformen in
Europa fortzusetzen, damit dieser Kontinent ein

die erhöhten Erwartungen an einen Beitritt Italiens

stabiles Wachstum genießen kann.

angepaßt hat.
Dieses gestärkte Vertrauen des
Marktes in die italienischen Kapitalanlagen hat die
Darlehenskosten für die Regierung beträchtlich
gesenkt und einen großen Beitrag zur wirtschaftlichen
Erholung Italiens geleistet.

Schocks für die inländische Nachfrage werden die
einzelnen Mitgliedstaaten der EWWU nicht mehr über
alle Freiheiten verfügen, mit einer Auf- oder Abwertung
ihrer Währungen oder der Senkung beziehungsweise
Erhöhung ihrer Zinssätze zu reagieren. Und angesichts der kombinierten Zwänge des Finanzstabilitätspakts, der bestehenden Schulden und Haushaltsdefizite können sie nicht länger steuerliche Anreize zur
Förderung des Wachstums geben.

Trotz aller positiven Auswirkungen dieser verstärkten
Integration zweifelt niemand daran, daß Europa immer
noch mit ernsthaften wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert ist - die gemeistert werden müssen,
wenn die EWWU erfolgreich sein soll.
An oberster Stelle der Liste steht die hohe Arbeitslosenrate in Europa, die - nur unterbrochen von
gelegentlichen Atempausen - seit den frühen achtziger

Seite 2

Im Falle eines

Sollte der Umgang mit der neuen Währung die Politiker
von der Notwendigkeit der Durchführung grundlegender Reformen ablenken, könnte die verringerte
ökonomische Autonomie der Teilnehmer zu Wachstumsverlusten führen. Das macht es um so ermutigen-

AMERIKA DIENST 21

�der, im gesamten europäischen politischen Spektrum
Stimmen zu hören, die einräumen, daß die EWWU
gelungene Strukturreformen voraussetzt und die Politik
in diese Richtung gehen sollte. Wie wir bei der
jüngsten Flut länderübergreifender Fusionen und
Akquisitionen gesehen haben, reagiert der europäische Privatsektor bereits auf die Erfordernisse der
neuen Situation. Für die Regierungen besteht die
Herausforderung darin, auf dem wachsenden Konsens
zugunsten des Wandels aufzubauen und diesen in zu
echten Strukturreformen führende Bahnen zu lenken.
1.2

Die EWWU und die Rolle Europas in der
Weltwirtschaft

Die EWWU darf die europäischen Politiker ebenso
wenig von ihren innenpolitischen Herausforderungen
ablenken wie von den Europa konfrontierenden
internationalen Herausforderungen. Von besonderer
Bedeutung in diesem Kontext ist die Erweiterung der
EU um verschiedene Länder des ehemaligen sowjetischen Blocks.
Dies ist ein ehrgeiziges Unterfangen, an dessen Erfolg
die US-Regierung interessiert ist. Obwohl die Schwierigkeiten und damit einhergehenden Kosten beträchtlich sein mögen, gilt das ebenso für die potentiellen
Ergebnisse. Die Osterweiterung bietet nicht nur die
Möglichkeit eines Transfers von Technologie und
Kapital, sondern auch von demokratischen und
marktorientierten Institutionen und Kulturen. Sie alle
würden viel dazu beitragen, den Übergang dieser
Länder zu marktwirtschaftlichen Demokratien langfristig zu festigen.
Allgemein wird es in den Jahren nach der Einführung
der EWWU für die Europäische Union sehr wichtig
sein, verbleibende Ängste über die Schaffung einer
"Festung Europa" durch die weitere Öffnung von
Märkten und die Stärkung der Verbindungen zur
Weltwirtschaft zu zerstreuen. Die EWWU wird für die
weitere Entwicklung der G-7 und die Art der Beteiligung Europas an internationalen Organisationen
wie beispielsweise dem Internationalen Währungsfonds bedeutsame Fragen auf werfen. Wir sehen einer
Zusammenarbeit mit der EU bei diesen Fragen im
nächsten Jahr nach der Auswahl der ersten Mitglieder
erwartungsvoll entgegen.
Bestrebungen zur Lösung dieser Fragen müssen ein
übergeordnetes Ziel haben: Daß Europa aus der
EWWU mit der Fähigkeit hervorgeht, bei politischen,
währungspolitischen und anderen Fragen auf der
internationalen Bühne eine aktive, konstruktive Rolle
zu übernehmen. Die logische Schlußfolgerung ist, daß
die europäischen Politiker es vermeiden müssen, sich
zu stark mit dem Aufbau und der Verfeinerung der
Architektur der Währungsunion zu befassen.

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II.

Die zukünftige Rolle des Euro im globalen
Finanzsystem

Die Einführung einer neuen europäischen Währung
am 1. Januar 1999 würde die größte Veränderung im
internationalen Währungssystem seit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems Anfang der
siebziger Jahre darstellen. Es wäre wirklich ein nie
zuvor dagewesenes Ereignis - in der europäischen
Geschichte und in der Weltgeschichte. Zweifelsohne
haben die Vereinigten Staaten großes Interesse an
den Auswirkungen eines solchen Ereignisses auf die
internationalen Finanzmärkte.
In diesem Zusammenhang wurden zwei Themenkomplexe angesprochen: Erstens die Auswirkungen der
EWWU auf die internationale Rolle des Dollar und
zweitens die möglichen Auswirkungen auf den kurzfristigen Handel und die Entwicklung der Wechselkurse. Ich möchte mich deutlich ausdrücken: Im
allgemeinen spekulieren wir nicht über die zukünftigen
Werte existierender Währungen, sei es unsere eigene
oder die anderer Länder. Diese Bescheidenheit
erstreckt sich zweifelsohne auf zukünftige Trends bei
der Bewertung von Währungen, die noch nicht existieren. Nach diesen allgemeinen Einschränkungen
möchte ich jedoch versuchen, ein paar generelle
Beobachtungen zu jedem dieser Themenkomplexe
anzustellen.
11.1

Der Dollar als Reservewährung

Man sollte sich immer wieder vergegenwärtigen, daß
der Stand des Dollar im internationalen Finanzsystem
im Vergleich zu anderen Währungen letztlich immer
stärker von den Entwicklungen in den Vereinigten
Staaten als von denen in anderen Ländern abhängt.
Man könnte sagen, der Schwarze Peter geht von uns
aus und kommt immer wieder zu uns zurück. Wenn
die Vereinigten Staaten entschiedene und glaubwürdige Maßnahmen ergreifen, bleibt der Dollar eine stabile
Währung: Das Schicksal des Dollar liegt großenteils in
unseren Händen.
Obwohl die internationale Verwendung des Dollar in
den siebziger und achtziger Jahren eine leichte
Abnahme verzeichnete, hat sie sich seitdem mehr als
stabilisiert. Im vergangenen Jahr wurden 64 Prozent
der offiziellen ausländischen Währungsreserven in
Dollar gehalten - verglichen mit ungefähr 57 Prozent im
Jahr 1990. Mit Blick auf die Zukunft erscheint der
Dollar einzigartig geeignet, von der charakteristischen
Entwicklung der Weltwirtschaft unserer Zeit und dem
Wachstum entstehender Märkte zu profitieren. Noch
offensichtlicher ist, daß ein sehr großer Teil der
internationalen Währungsreserven in Dollar gehalten
wird und die Mehrheit der grenzüberschreitenden
Transaktionen in Lateinamerika und Asien in dieser
Währung abgewickelt werden.

Seite 3

�Es ist schwierig, mit Sicherheit vorauszusagen, welche
Rolle der neugeschaffene Euro übernehmen wird.
Wer erwartet, daß er schnell an Bedeutung zunimmt,
deutet damit an, daß er die gemeinsame Währung von
Ländern sein wird, die einen beträchtlichen Teil des
globalen Output darstellen. Die Skeptiker weisen
darauf hin, daß die neue Währung keine Leistungen
vorweisen kann und die Investoren zuerst Fortschritte
bei der Preisstabilität sehen wollen, bevor sie eine
Verpflichtung eingehen. Trotz der eindeutigen Unterstützung der Mitgliedstaaten gibt es Zweifel hinsichtlich
des Funktionierens der Währungspolitik innerhalb des
neuen Systems - Zweifel, die letztlich nur von der
Erfahrung ausgeräumt werden.
Wenig Uneinigkeit besteht hinsichtlich der Frage, daß
sich internationale Devisenbestände - politische Fehler
großen Ausmaßes vorbehalten - nicht schnell ändern.
Insbesondere werden sich die europäischen Finanzmärkte nicht über Nacht verändern. Es stimmt, daß
die EWWU nahezu direkt zur Schaffung einer Vielzahl
von Vermögenswerten in Euro führen wird - das
Vielfache der derzeit in D-Mark vorhandenen. Es
erfordert jedoch Zeit, bevor dieses breite Spektrum
dem in den Vereinigten Staaten entspricht oder - vor
dem Hintergrund unterschiedlicher Ansichten über die
Kreditwürdigkeit der einzelnen Staatspapiere - der
Homogenität des amerikanischen Marktes für Staatsschulden.

keine Nation oder Region ihren Weg zu Wohlstand
abwerten kann. Im Verlauf dieses Jahrhunderts haben
wir gelernt, daß konkurrierende Abwertungen angesichts schlechter Bedingungen im Inland ein unzulänglicher Ersatz für konzertierte Anstrengungen zur
Inangriffnahme der innenpolitischen Wurzeln des
Problems sind. Das Gleiche gilt für Europa nach der
EWWU. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig,
daß das Wachstum auf festen Fundamenten steht einschließlich einer soliden und breitgefächerten
Binnennachfrage.
Und schließlich haben viele der Besorgnis Ausdruck
verliehen, daß die Finanzmärkte während der Übergangsphase zur EWWU ungewöhnlich großen
Schwankungen ausgesetzt sein könnten. In Anbetracht der Größenordnung der Veränderungen ist
dies keine unberechtigte Sorge. Wir glauben jedoch
nicht, daß es einen inhärenten Grund gibt, aus dem die
bisher angekündigten Vorbereitungen für eine einheitliche Währung eine beträchtliche Erhöhung der
Schwankungen auslösen könnten. Auf jeden Fall
sollte eine solche Erhöhung mit der Zeit abebben,
während sich die Märkte an das neue Umfeld gewöhnen.

Die wichtigsten europäischen Volkswirtschaften setzen
ihre Wechselkurse seit einiger Zeit untereinander fest,
wobei die Tendenz zu Schwankungen gering ist. In
diesem Sinne haben die Länder Europas bereits seit

Andere haben dargelegt, daß die EWWU langfristig zu
größeren Wechselkursschwankungen führen wird, weil
die Regierungen eine entspanntere Haltung gegenüber
Wechselkursfluktuationen einnehmen könnten. Die
logische Begründung ist, daß Wechselkursstörungen
auf kleine, offene Volkswirtschaften größere Auswirkungen haben. Europa ist aus einzelnen kleineren
Volkswirtschaften mit einem höheren Prozentsatz
zwischen Handel und Bruttoinlandsprodukt zusammengesetzt als die Vereinigten Staaten und ist aus
diesem Grund mehr an einer Dämpfung der Instabilität
des Wechselkursmarkts interessiert. Wenn die EWWU
eingeführt wird, werden die Mitglieder jedoch Teil einer
kollektiven Einheit sein, die ungefähr die Größe der
amerikanischen Volkswirtschaft mit einem ähnlichen
Handelsniveau haben wird. Daher wird argumentiert,
daß die europäischen Regierungen größere Wechselkursfluktuationen zulassen werden - eben weil dies ein

einigen Jahren eine gemeinsame Währungspolitik.

kleineres Problem ist.

Der generelle Ansatz jedes Landes spiegelt die
Erkenntnis wider, daß eine starke Währungspolitik
unerläßlich ist, um ein gesundes Umfeld für Investitionen und Wachstum zu schaffen - Investitionen und
Wachstum, die Europa benötigt, wenn es ernsthaft
gegen die Arbeitslosigkeit vorgehen will. Wir begrüßen
die weitverbreitete Erkenntnis der europäischen
Regierungen, daß eine solide Währungspolitik durch
ein starkes Finanzsystem und eine solide Haushaltspolitik unterstützt werden muß - und starke, unabhängige Zentralbanken voraussetzt.

Man könnte spekulieren, daß dies geschieht, und man
könnte dennoch argumentieren, daß die EWWU die
Wechselkursinstabilität tatsächlich dämpft, indem sie
die Versuchung verringert, kontraproduktive Bestrebungen zur Kontrolle der Wechselkurse zu unternehmen. Die bloße Bandbreite dieser Vorhersagen ist ein
Grund zur Vorsicht.

Selbst wenn es in den Jahren nach der EWWU
Bewegung in diese Richtung gäbe, würden unsere
Finanzmärkte zweifelsohne die liquidesten der Welt
bleiben. Vor diesem Hintergrund ist es sehr unwahrscheinlich, daß die Einführung des Euro in absehbarer
Zukunft bedeutende Auswirkungen auf die Kreditkosten in den Vereinigten Staaten haben wird.
11.2

Handel und Wechselkursschwankungen

Mit Blick auf die Zukunft sollten die Europäer sich
bewußt werden - was viele bereits getan haben - daß

Seite 4

Ich wiederhole - es ist absolut möglich, daß die EWWU
eher eine Kraft der Kontinuität sein wird. Schließlich
wird die externe Wechselkurspolitik der EWWUMitglieder wahrscheinlich der aktuellen deutschen
Politik sehr nahe sein, die auch der Japans und der
Vereinigten Staaten ziemlich ähnlich ist. Unter den

AMERIKA DIENST 21

�führenden Währungen wird es immer noch ein flexibles
Wechselkurssystem geben, das nicht auf bestimmte
Wechselkursniveaus abzielt. Und wir werden immer
noch einen effektiven Prozeß der Zusammenarbeit bei
der Währungs- und Wechselkurspolitik beibehalten,
wenn die Umstände solche Bestrebungen nahelegen.
IM.

Vorbereitungen auf die EWWU
Vereinigten Staaten

in den

Die EWWU ist in vieler Hinsicht ein umfangreiches und
ehrgeiziges Projekt. Allein die Größenordnung der
Veränderungen gibt Grund zur Sorge, daß etwas
falsch laufen könnte, jedoch keinen Grund, daß etwas
falsch laufen wird. Das Finanzministerium, die Bundeszentralbank und andere Behörden beobachten die
Entwicklungen sorgfältig, haben jedoch keinen Anlaß
zu der Vermutung, daß die Ereignisse eine ungewöhnliche Reaktion unsererseits erfordern werden.

Informationsmanagement sehr viel tun - Arbeit, die
angesichts der Nähe der EWWU wahrscheinlich in den
kommenden Monaten beschleunigt werden muß.
Es wurde beispielsweise Besorgnis über die speziellen
Schwierigkeiten bei der Vorbereitung von Computersystemen für die EWWU geäußert - Probleme, die in
vieler Hinsicht denen für das Jahr 2000 vorhergesehenen vergleichbar sind. Diese Probleme und durch die
Einführung einer einheitlichen Währung aufgeworfene
Rechtsfragen könnten erforderlich machen, daß Bankund Wertpapieraufsichtsbeamten die Aufmerksamkeit
auf das Problem lenken und sicherstellen, daß die
Firmen zur Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber Kunden
und Handelspartnern bereit sind. Obwohl ich den
amerikanischen Unternehmen nicht garantieren kann,
daß die EWWU wie versprochen eingeführt wird,
möchte ich ihnen raten, vorbereitet zu sein.
IV.

Die europäischen Regierungen, die Zentralbanken und
der Privatsektor treffen praktisch alle Vorbereitungen
für dieses Projekt. Vertreter des Finanzministeriums
und der Bundeszentralbank kommen mehrere Male
pro Jahr auf vielen Ebenen mit ihren europäischen
Amtskollegen zusammen. Es überrascht nicht, daß die
EWWU im vergangenen Jahr ein wichtiges Thema
dieser Diskussionen war. Ich möchte hinzufügen, daß
die Regierung der Vereinigten Staaten bei den meisten
Vorbereitungen für die EWWU keine direkte Rolle
spielt.
Für Privatunternehmen, die aktiv am internationalen
Handel, an Finanztransaktionen beteiligt oder in
Europa tätig sind, ist es anders. Sie müssen in den
Bereichen Rechnungs- und Finanzwesen sowie

*

AMERIKA DIENST 21

Schlußfolgerung

Ich möchte mit dem Punkt abschließen, mit dem ich
begonnen habe. Die Vereinigten Staaten haben ein
starkes wirtschaftliches und sicherheitspolitisches
Interesse an einem stabilen und wohlhabenden
Europa - das unser Interesse an einer Europäischen
Wirtschafts- und Währungsunion weckt, die der Region
die Stärke und das Vertrauen vermittelt, die sie
benötigt, um die Reformen und die weitere Integration
ihrer Wirtschaft in die der übrigen Welt fortzusetzen.
Ich sage gerne, wenn die EWWU für Europa funktioniert, wird sie auch für die Vereinigten Staaten funktionieren. Je mehr die einheitliche Währung Europa bei
der Entwicklung einer robusten und gesunden, für die
Weltmärkte offenen Wirtschaft behilflich ist, desto
willkommener wird das Projekt sein.

* * *

*

Seite 5

�USA-DEUTSCHLAND
29. Oktober 1997

Deutschland und Amerika:
Eine selbstverständliche Partnerschaft
vor neuen Herausforderungen
von Botschafter John Kornblum
DESSAU - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des amerikanischen Botschafters John Kornblum bei
der vierten American Business Conference in Schloß Köthen am 17. Oktober 1997.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
zu unserer vierten American Business Conference
möchte ich Sie herzlich begrüßen. Der Aufbau Ost und
die Förderung amerikanischer Investitionen in den
neuen Bundesländern bleibt uns ein wichtiges
Anliegen. Diese Konferenz soll in Zusammenarbeit mit
unseren deutschen Partnern amerikanischen Firmen
neue attraktive Betätigungsfelder in den neuen
Bundesländern aufzeigen und das schon beträchtliche
amerikanische Engagement im Osten Deutschlands
festigen.
Die Tatsache allein, daß wir uns zum vierten Mal
treffen, zeigt, daß wir nach dem Ende des Kalten
Krieges dabei sind, neue Tradition zu entwickeln. Wir
alle, Sie und ich, wirken an der Neudefinition unserer
Beziehungen mit.
Das Neue stellt sich nicht zufällig und spontan ein. Es
bedarf der Überlegung und Reflexion. Wir müssen die
Richtung angeben, aus der wir kommen und in die wir
gehen möchten.
Natürlich nehmen die Wirtschaftsbeziehungen nach
Ende des Kalten Krieges einen neuen Stellenwert ein.
Diese Konferenz und Ihre Anwesenheit sind der beste
Beleg dafür. Doch werden auch sie nur florieren, wenn
sie in einen Rahmen des historischen Bewußtseins der
politischen
Bedeutung
unserer
Kooperation
eingebunden sind.
Aus diesem Grund möchte ich den Auftakt zur
diesjährigen Konferenz in Sachsen-Anhalt zum Anlaß
nehmen, nicht nur über die Wirtschaftsbeziehungen
zwischen unseren Nationen, sondern über unser

AMERIKA DIENST 21

Verhältnis in seiner ganzen Breite und in seinem
historischen Kontext zu sprechen.
Ich betrachte Deutschland und Amerika als
selbstverständliche Partner. Das galt für die Zeit des
kalten Krieges und das gilt auch heute.
Darum
entbehrt auch all das Gerede und Geraune um eine
Entfremdung zwischen Deutschland und Amerika nach
Ende des Kalten Krieges jeglicher Grundlage.
Warum sind wir selbstverständliche Partner? Natürlich
spielt hier die Geschichte eine Rolle. Wir waren dies
nicht immer, wie zwei Weltkriege in diesem
Jahrhundert gezeigt haben. Aber der demokratische
Wiederaufbau Deutschlands und das Zusammenstehen während der kommunistischen Bedrohung
haben unsere Nationen sehr nahe gebracht.
Sicherlich hat sich in dieser Zeit die viel beschworene
Wertegemeinschaft gebildet.
Aber was die
Selbstverständlichkeit der Partnerschaft in der
Nachkriegszeit begründet hat, ist - so glaube ich - der
pragmatische Umgang mit diesen Werten im
politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Alltag.
Dieser Pragmatismus, der in Amerika vielleicht schon
seit Pioniertagen verankert ist und ja auch in einer
philosophischen Schule Ausdruck gefunden hat, ist
unseren Völkern gemeinsam.
Seit wir ihn in der
Nachkriegszeit als Basis des gemeinsamen Handelns
entdeckt haben, hat er uns erlaubt, ohne ideologische
Grundsatzstreitigkeiten zu tragfähigen Lösungen aller
dringlicher Probleme zu kommen.
Ich kenne jedenfalls keine andere Nation, mit der wir
selbst bei Meinungsverschiedenheiten im Einzelnen so

Seite 1

�schnell zu tragfähigen und zukunftsweisenden
Lösungen kommen können. Diese Fähigkeit macht
Deutschland und die USA zu selbstverständlichen
Partnern.
Die Liste von Erfolgen, mit der ich diese These
belegen könnte, ist lang. Sie reicht von der Abwehr
kommunistischer Pressionen wie der Berlin-Blockade
in der unmittelbaren Nachkriegszeit bis zur
Zusammenarbeit bei der Erweiterung der NATO heute.
Aber der größte Erfolg der pragmatischen
Partnerschaft ist die Wiedervereinigung Deutschlands
gewesen.
Daran müssen wir uns bei dieser
Konferenz erinnern, denn ohne diesen Erfolg wären
wir heute nicht hier. Die deutsche Wiedervereinigung
hat sicherlich viele Väter: Die völlige Diskreditierung
des Totalitarismus, sein wirtschaftlicher Zusammenbruch und der Mut und die Entschlossenheit der ihm
unterworfenen Bürger, ihn mit friedlichen Mitteln zu
beseitigen.
Bundeskanzler Kohls Entschlossenheit, die deutsche
Einheit herbeizuführen und die vorausschauende
Politik von Michael Gorbatschow sind sicherlich
entscheidende Faktoren gewesen.
Aber ohne
amerikanisches Zutun wäre die Vereinigung auch nur
schwer vorstellbar gewesen.
Die Vereinigten Staaten hatten keine Bedenken oder
Furcht vor einem wiedervereinten Deutschland. Ja,
wir Amerikaner waren davon überzeugt, daß die
Wiedervereinigung ein berechtigtes Anliegen ist und
daß sie dem Frieden in Europa dienen würde.
Wir haben den Wiedervereinigungsprozeß deshalb
vorbehaltslos unterstützt. Wir wollten ihn aber auch
steuern und in einem stabilen Rahmen halten, der die
Interessen aller Beteiligten berücksichtigt. Dies haben
wir zuerst durch die Prinzipien getan, die Präsident
Bush Ende 1989 formuliert hat, wozu vor allem das
Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes und
der Vollzug der Vereinigung im Rahmen der deutschen
Mitgliedschaft in der NATO und anderen europäischen
Organisationen gehörten.
Zweitens, haben wir einen Verhandlungsrahmen
vorgeschlagen, die sogenannten Zwei-Plus-VierVerhandlungen, die das internationale Fundament für
den Vereinigungsprozeß legten. Die amerikanische
Präsenz und strategische Partizipation waren damit
gesichert. Und schließlich konnten wir auch Rußland
dafür gewinnen.
Deutsche und Amerikaner zogen hierbei von Anfang
an an einem Strang. Unsere enge Zusammenarbeit
mündete in eine pragmatische Strategie zur
Überwindung der Teilung Deutschlands.

Seite 2

Als jemand, der sein ganzes professionelles Leben an
der Überwindung des europäischen Totalitarismus
gearbeitet hat, erfüllt mich dieser Erfolg mit großer
Genugtuung und Stolz. Die deutsche Vereinigung hat
in eindrucksvoller Weise die Selbstverständlichkeit
unserer Partnerschaft bestätigt.
Ich habe viel Verständnis für die praktischen
Probleme, die das Zusammenwachsen der beiden
Hälften Deutschlands mit sich bringt. Ich habe aber
überhaupt kein Verständnis für Kleinmut und
Wehleidigkeit.
Die Vereinigung hat nämlich das
geschaffen, was Deutsche und Amerikaner als
wesentliche Voraussetzung ihrer Partnerschaft und der
Organisation des gesellschaftlichen Lebens ihrer
Länder ansehen: Freiheit für alle Menschen in
Deutschland und Europa.
Nur in Freiheit sind politische Selbstbestimmung und
sinnvolles Zusammenleben möglich, nur in Freiheit
sind produktive wirtschaftliche Betätigung und
Prosperität möglich, nur in Freiheit kann sich kulturelle
Kreativität entfalten.
Ich werde nicht so schnell vergessen, wie ich in den
achtziger Jahren nach Dessau kam und dort das
Bauhaus suchte.
Kein Hinweisschild machte auf
diese
zentrale
Institution
der
westlichen
Architekturgeschichte aufmerksam. Man mußte sich
mühevoll
durchfragen,
um
das
offizielle
Schweigegebot der kommunistischen Machthaber zu
durchbrechen.
Heute sind Dessau und das Bauhaus wieder Teil der
freien Welt, wie die neuen Bundesländer Teil der
freiheitlichen Demokratien und einer freiheitlichen
Wirtschaftsordnung sind. Möglich wurde dies auch
durch die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit
zwischen Deutschland und Amerika.
Mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der wir die
deutsche Vereinigung bewältigt haben, müssen wir
auch die zukünftigen Aufgaben anpacken.
Dazu
gehört auch der wirtschaftliche Wiederaufbau in den
neuen Bundesländern, der ja schon in erstaunlichem
Maße fortgeschritten ist.
Ich war letzte Woche mit Kanzler Kohl bei der
Einweihung der Guardian Glas-Fabrik, die viele von
ihnen heute auch besucht haben. Ich denke, daß sie
nicht umhin konnten, von der zukunftsweisenden
Modernität der Anlagen beeindruckt zu sein. Hier in
den neuen Ländern entstehen augenblicklich die
modernsten Industriestrukturen in Europa. Und das
sollte uns Hoffnung geben.
Amerikanische Firmen sind an dem industriellen
Aufbauprozeß als größter ausländischer Investor an
vorderster Front beteiligt. Die Zahlen brauche ich hier
nicht zu wiederholen. Das Opel-Werk ist eines der

AMERIKA DIENST 21

�modernsten in Europa und der ganzen Welt.
Der
Landmaschinenhersteller Case wird in Sachsen sein
Zentrum für die Erschließung des osteuropäischen
Marktes einrichten.
Guardian
und
Case
folgen
dem
Beispiel
herausragender Firmen wie Dow Chemical, Advanced
Micro Devices und Morrison-Knudsen.
Ich bin mir
sicher, daß sie nicht die letzten sein werden.
Wir wissen natürlich alle, daß es noch viel zu tun gibt,
insbesondere was den Arbeitsmarkt und eine
nachhaltige, sich selbst tragende, industrielle Struktur
anbelangt.
Aber die enormen Fortschritte, die der Aufbau Ost
sieben Jahre nach der Vereinigung gebracht hat, sind
unübersehbar: Die neuen Länder bieten eine moderne
Infrastruktur, in einigen Bereichen sogar moderner als
im
Westen,
die
Produktivität
hat
erheblich
zugenommen, und die Qualität der Produkte braucht
keinen Vergleich mehr zu scheuen.
Auch dem
Raubbau an der Umwelt ist ein Ende gesetzt worden.
Das reale Bruttoinlandsprodukt ist seit 1991 um 39
Prozent gestiegen, die Lebensverhältnisse der Bürger
haben sich dem westlichen Niveau stark angenähert.
Die neuen Länder sind ein höchst attraktiver Markt mit
zahlungskräftigen Konsumenten.
Was Investoren vor allem aber anziehen sollte, ist die
Tatsache, daß die neuen Länder in den letzten sieben
Jahren einen grundlegenden und schmerzlichen
Strukturwandel durchgemacht haben. Hier im Osten
war man bereit, Wandel unter großen Opfern zu
akzeptieren, der in den alten Bundesländern auf
großen Widerstand gestoßen wäre.
Darum sind ständiges Klagen, Wehleidigkeit und
Nostalgie völlig fehl am Platz. Hier sind Menschen,
die veränderungsbereit sind, die offen sind für neue
betriebliche Strukturen, neue Vertriebsformen und vor
allem für neue Ideen. Hier gibt es die Bereitschaft,
Risiken und Wagnisse einzugehen. Die neuen Länder
sind nicht die Region der Stagnation in Deutschland,
sondern der Veränderung!
Welche Rolle können die Vereinigten Staaten beim
wirtschaftlichen
Aufbauprozeß
in
den
neuen
Bundesländern spielen? Es dürfte uns allen klar sein,
daß staatliche Hilfe und Staatsinterventionen nicht die
Antwort sein können. Die Hauptlast, aber auch die
Hauptchancen, müssen von privaten Unternehmen
getragen werden. Ich glaube, daß dies auch der
langfristige Trend der deutschen Politik gegenüber den
neuen Bundesländern ist - selbst bei Fortbestand der
effektiven staatlichen Förderungsprogramme.

Dienstleistungsorientierung und eine flexible Mischung
von Vermarktungs- und Herstellungsmethoden. Sie
sind deshalb besonders in der Lage, Anstöße für neue
Strategien zu geben, internationale Märkte zu
erschließen und so die neuen Länder besser in den
globalen Markt zu integrieren.
Einen großen Beitrag zum Wiederaufbau
in
Ostdeutschland
könnten
vor
allem
kreative
Finanzierungsintrumente leisten, insbesondere die
größere Verfügbarkeit von Wagnis- und Risikokapital.
Amerikanische Finanzinstitute und Investitionsbanken
haben große Erfahrung auf diesem zukunftsträchtigen
Gebiet.
In den Vereinigten Staaten gehen etwa 60 Prozent des
Risikokapital in Zukunftindustrien, in den Hightech- und
Biotechbereich. Das heißt, die Verfügbarkeit des
Risikokapitals schafft die Industrien der Zukunft. Da in
den neuen Bundesländern die Verfügbarkeit von
Risikokapital ein besonderes Problem ist, denke ich,
daß amerikanische Bankhäuser und Investoren mit
ihrer Bereitschaft, Risiken einzugehen und ihren
kreativen Finanzierungsmechanismen eine besonders
nützliche Rolle spielen können.
Die Mobilisierung von Risikokapital ist deshalb eines
der wichtigen Themen unserer Konferenz.
Ein
anderes Thema werden Investitionen in den
Umweltschutz sein. Trotz sehr großer Fortschritte
bleibt die Umweltsanierung in Ostdeutschland ein
wichtiger Bestandteil des Aufbau Ost. Beispiele sind
die
vielen
Industriebrachen,
die
enormen
Umweltschäden,
die
die
Besatzungstruppen
hinterlassen haben, und die Konsequenzen der
Braunkohleförderung im Tagebau. Hier geht es nicht
nur darum, die Umweltschäden zu beseitigen, sondern
Gebiete für Neuinvestitionen und Industrieansiedlung
zu erschließen.
Amerikanische Firmen können hier maßgeschneiderte
Lösungspakete anbieten, die sich auf innovative
integrierte
Umwelttechnologie
stützen,
die
Verschmutzung an der Quelle bekämpft, anstatt teure
Nachrüstungsverfahren
zu
benutzen.
Für
amerikanische Firmen bieten sich die neuen
Bundesländer als ein wichtiger Standort an, um auch in
Osteuropa
Fuß zu fassen, wo der
größte
Nachholbedarf an Umwelttechnologie besteht.
Die neuen Bundesländer sind ein attraktiver Standort.
Wie
verträgt
sich
diese
Aussage
mit
der
Standortdebatte? Lassen Sie mich nur soviel hierzu
sagen. Ich habe wenig Anlaß für eine Standortschelte.
Das deutsche Wirtschaftsmodell ist eines der
erfolgreichsten in der modernen Wirtschaftsgeschichte
gewesen. Angesichts des globalen Wettbewerbs sind
Anpassungen sicherlich erforderlich.

Amerikanische Firmen bieten innovative Produktionsund Herstellungsverfahren, eine starke Kunden- und

AMERIKA DIENST 21

Seite 3

�Deutschland ist dabei, eine Vielzahl von Maßnahmen
zur Verbesserung der Standortbedingungen zu
ergreifen. Der Bundeskanzler selbst hat die Initiative
ergriffen, um ein Finanzmarktförderungsgesetz und
eine Aktienrechtsreform auf den Weg zu bringen. Er
war dabei sehr offen für amerikanische Anregungen.
Deutschland wird ein besserer Standort.
Gleichzeitig liegt mir nichts ferner, als ein
amerikanisches Modell zu propagieren oder für alle
gültige Patentlösungen aus Amerika anzubieten. Die
haben wir nicht. Unsere Länder haben alle spezifische
Probleme und ihre eigenen Traditionen und
Erwartungen. In Deutschland etwa ist das Bedürfnis
nach kollektiver sozialer Absicherung höher entwickelt
als in den USA. Das muß man respektieren. Zur
selbstverständlichen Partnerschaft gehört eben auch,
daß jeder seine eigenen Lösungswege bei der
Bekämpfung von wirtschaftlichen Problemen geht.
Wichtig ist nur, daß das endlose Reden und
Debattieren aufhört und Handeln an die Stelle von
Worten tritt. Belastend für unser Verhältnis wäre nur
ein Deutschland, das in politische Lähmung verfällt.
Doch ist diese Gefahr sehr gering. Auf meinen Reisen
und bei meinen Gesprächen in Deutschland treffe ich
nur auf Menschen in der Politik und in der Wirtschaft,
die veränderungswillig sind. Ich habe keine Zweifel
daran, daß Deutschland die Herausforderungen der
Zukunft meistern wird.
Wie sollen sich unsere Beziehungen in der Zukunft
entwickeln? Die Basis ist gelegt und tragfähig, die
Beziehungen, wie ich sie beschreibe, sind
selbstverständlich geworden. Gerade deshalb aber
dürfen sie nicht in Routine erstarren. Sie brauchen
ständig neue Impulse - aus der Politik, aus der
Wirtschaft und aus der Kultur.
Die neuen Länder sind ohne Zweifel eine Tatsache,
die uns veranlassen sollte, ausgetretene Routinepfade
zu verlassen und neue Wege zu beschreiten. Wenn
es um neue Formen der wirtschaftlichen Kooperation,
des wissenschaftlichen Austauschs oder der
Zusammenarbeit im Umweltschutz geht, dann sollen
die neuen Länder an vorderster Front stehen.
Die Wiedervereinigung hat den Horizont der
deutsch-amerikanischen Beziehungen erweitert und
für neue Handlungsfelder gesorgt. Dies wird sich noch
mehr mit dem Umzug der Regierung und unserer
Mission nach Berlin zeigen, wenn die neuen Länder
praktisch vor unserer Haustür liegen.
Deutschland und Amerika werden weiterhin in
selbstverständlicher Partnerschaft verbunden bleiben,
aus dem einfachen Grund, daß es häufig kein
besseres Tandem bei der Lösung vieler Probleme gibt.
Dies hat sich gerade bei grundlegenden

Seite 4

außenpolitischen
Fragen erwiesen, wie der
Friedenserhaltung in Bosnien, der Erweiterung der
NATO oder der Zusammenarbeit bei der Stabilisierung
der Ukraine.
Das gilt auch für neue Herausforderungen wie den
Klimaschutz, die Bekämpfung des internationalen
Verbrechens, der Bestechung und des Drogenhandels.
Die Aufrechterhaltung eines freien
Welthandelssystems, die Vermeidung von Finanzkrisen im internationalen Weltwährungssystem und die
Förderung von Marktwirtschaft und Demokratie in
Rußland und den anderen Staaten der ehemaligen
Sowjetunion sehen Deutschland und Amerika als
Projekte von überragendem gemeinsamen Interesse.
Natürlich wird es manchmal
innenpolitische
Widerstände geben.
Die "Innenpolitiker" haben
gelegentlich andere, aber durchaus
legitime
Prioritäten. Das gilt für den amerikanischen Kongreß
wie für den Bundestag und die dort vertretenen
Parteien. Aber seit dem Zweiten Weltkrieg haben die
innenpolitisch orientierten Kräfte verstanden, daß sie
nicht die Agenda in den internationalen Beziehungen
bestimmen können. Ihren Anliegen und Bedenken
muß Rechnung getragen werden, aber sie sind weise
genug, auf beherrschenden Einfluß zu verzichten.
Das gilt für unsere beiden Nationen und sichert unsere
Handlungsfähigkeit.
Die Vereinigten Staaten haben immer den
europäischen Integrationsprozeß unterstützt, weil er
ein unverzichtbarer Garant der Stabilität in Europa ist.
Dazu gehört das Ziel, eine gemeinsame Währung
einzuführen. Wir wünschen, daß Europa enger
zusammenwächst und noch effizientere Märkte
hervorbringt.
Unsere Unternehmen haben vom Binnenmarkt
genauso profitiert wie europäische Unternehmen. Wir
hoffen, daß die Kooperationsfähigkeit in der
internationalen Währungspolitik voll erhalten bleibt.
Auch dies ist ein Gebiet, wo Deutschland und Amerika
identische Interessen haben.
Als größtes und wichtigstes Mitgliedsland in der EU hat
Deutschland so viel Gewicht, daß wir auf einen Dialog
mit Deutschland in EU-Angelegenheiten gar nicht
verzichten können. Starke Beziehungen zwischen den
USA und Deutschland stärken auch die Europäische
Union. Es gibt kein Nullsummenspiel zwischen guten
deutsch-amerikanischen Beziehungen und guten
Beziehungen zwischen der EU und den USA.
Vielmehr sind beide feste Bestandteile eines
lebendigen transatlantischen Verhältnisses.
Vor uns stehen große Aufgaben. Meiner Ansicht nach
können diese Aufgaben nur zu einer Intensivierung der
Beziehungen führen.
Die Agenda wird sich
ausweiten, nicht schrumpfen.
Die Schwerpunkte

AMERIKA DIENST 21

�werden sich dabei möglicherweise etwas verschieben.
Wirtschaftsfragen werden einen größeren Stellenwert
einnehmen. Aber an der Zentralität und an der
Selbstverständlichkeit der Beziehungen wird sich
nichts ändern.
Unsere Beziehungen werden bei sich verändernden
Problemen und Herausforderungen immer wieder
Neudefinitionen unterworfen sein, aber keiner
Grundrevision, sondern einem ständigen Prozeß des

"finetuning". Dieses "finetuning" ist kein natürlicher
Prozeß, dem wir ausgesetzt sind, sondern wir alle
können ihn aktiv gestalten. Diese Konferenz ist eine
von vielen Gelegenheiten, an ihm mitzuwirken, und wir
sollten diese Gelegenheit heute und morgen nicht
verstreichen lassen.
Ich danke Ihnen und wünsche unserer Konferenz den
besten Erfolg.

* * * * *

AMERIKA DIENST 21

Seite 5

�USA-DEUTSCHLAND
29. Oktober 1997

John C. Kornblum im Sender Freies Berlin

Interview mit dem amerikanischen Botschafter

BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview, das der Botschafter der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, am 30. September 1997 nach seinem
Antrittsbesuch beim Regierenden Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen, im Sender Freies Berlin gab.

Frage: Neuer Amerikanischer Botschafter in Deutschland, John Kornblum. Was macht eine Metropole aus,
und wie weit sind wir hier in Berlin von wahrer Internationalität noch entfernt? Oder sind wir sogar schon
Mittelpunkt für Wissenschaft, Kultur und Ideen Europas?
John Kornblum, der neue Botschafter der Vereinigten
Staaten in Deutschland, Jahrgang 1943, Großeltern
aus Ostpreußen Ende des vorigen Jahrhunderts nach
den Vereinigten Staaten ausgewandert. Europa,
Deutschland und besonders Berlin sind der Dreh- und
Angelpunkt einer Karriere, die Mitte der sechziger
Jahre in Hamburg begonnen hatte als amerikanischer
Vizekonsul. Jetzt muß man ganz lange ausholen:
Mitwirkender sind Sie gewesen beim Aushandeln des
Viermächteabkommens, politischer Chef der Berliner
US-Mission, Amerikas Botschafter bei der NATO,
KSZE, Leiter der Abteilung für europäische und
kanadische Angelegenheiten im State Department,
Chefunterhändler für Bosnien und jetzt in Deutschland.
Herr Kornblum, Peter Ustinov, der Spötter, hat kürzlich
gesagt, Diplomaten sind nichts anderes heutzutage
mehr als Oberkellner, denen es erlaubt ist, sich hin
und wieder zu setzen. Ist das tatsächlich eine stimmende Beschreibung?
Kornblum: Nein, ist es nicht. Bei der Bewirtung von
Gästen haben wir doch viel zu tun. Ich habe das
gerade heute in Berlin noch mal gesehen. Aber ich
behaupte - und ich glaube, ich habe auch Recht Botschafter und Diplomaten sind sogar wichtiger
geworden.

AMERIKA DIENST 21

Frage: Warum?
Kornblum: Weil durch die Medien - durch Fernsehen,
aber auch zunehmend durch das Internet - die Kommunikation zweifellos schneller wird. Aber das heißt,
die Möglichkeiten von Mißverständnissen werden
ebenfalls größer. Man sieht also - und es ist mir auch
bei Bosnien mehrmals passiert - man sieht ein Zweisekundenstück auf CNN und sagt: Aha, da ist etwas
passiert. Und wenn man schnell schaltet und sagt,
dann sagen wir denen die Meinung, ohne einen
Botschafter oder jemand anderen vor Ort, ohne
jemanden, der vielleicht doch Cocktailpartys gegeben
hat oder, wenn er gut ist, Essen gegeben hat oder
Gespräche mit den Menschen geführt hat, ein wenig
Vertrauen gewonnen hat. Wenn man das alles nicht
hat, dann kann man sehr sehr schnell zu Mißverständnissen und teilweise zu großen Konfrontationen
kommen. Also Botschafter sind sehr wichtig, aber sie
müssen natürlich ihre Aufgabe verstehen.
Frage: Heutzutage telefoniert Helmut Kohl mit Bill
Clinton direkt. Sie tauschen sich aus. Was hat der
Botschafter da für eine Rolle?
Kornblum: Der Botschafter hat da folgende Rolle:
Erstens, in diesem Fall, Helmut Kohl gut zu kennen,
die Agenda auch gut zu kennen, Bill Clinton auf diesen
Anruf vorbereitet zu haben. Auch nachher, nachdem
das Gespräch vorbei ist - sie reden sehr selten länger
als fünf oder vielleicht zehn Minuten - die Vereinbarungen durchzuführen oder auch die Differenzen
irgendwie zu glätten. Wie gesagt, die Existenz eines
Telefons bedeutet nur, daß die führenden Staatsleute

Seite 1

�öfter miteinander reden können. Aber es ist auch nicht
ihre Rolle, nachher die Arbeit zu machen.
Frage: Willy Brandt hat 1989 gesagt: "Nichts mehr
wird so sein, wie es war." Das ist eingetreten. Welche
Rolle hat Deutschland unter den neuen Bedingungen
aus der Sicht der Vereinigten Staaten?
Kornblum: Ich glaube, man muß die ganze Sache in
einem möglichst großen Kontext sehen. Man kann
nicht sagen, welche genaue Aufgabe Deutschland jetzt
hat. Das geht nicht. Deutschland ist, wie wir wissen,
in diesem Jahrhundert ein dramatisches Land gewesen, ein Land mit sehr vielen Höhepunkten, aber auch
den wahrscheinlich tiefstmöglichen Tiefpunkten. Und
das ist teilweise auf Entwicklungen innerhalb Deutschlands zurückzuführen, aber auch auf die ganze
europäische Konstruktion. Was ist für Amerika jetzt
am Ende des Jahrhunderts wichtig? Wir wollen
erstens natürlich, daß es Frieden gibt. Wir wollen, daß
es einen demokratischen Frieden gibt. Wir wollen
auch, daß die Völker Europas - nicht nur bis zur Oder,
sondern bis Moskau - in Demokratie, Frieden und
Wohlstand leben. Um all dies zu erreichen, muß es
Zusammenarbeit und Stabilität geben. Und wenn wir
unsere Agenda zusammenstellen, müssen wir fragen,
welche Punkte für uns wichtig sind. In sehr vielen
Fällen - nicht immer, es gibt auch Bereiche, wo
Deutschland nicht so direkt beteiligt ist - in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ist Deutschland einer
der wichtigsten Partner, die wir haben.
Frage: Deutschland mußte in der Vergangenheit - die
Bundesrepublik Deutschland, die alte - außenpolitische
Aktionsräume eigentlich nicht durchmessen. Sie war
ein Trittbrettfahrer, nicht zuletzt der Vereinigten
Staaten. Jetzt kommt eine eigene Verantwortung auf
dieses Land zu. Wenn Sie jetzt, der Sie Deutschland
sehr gut kennen, die mentale Situation der Deutschen
heute einschätzen: Sind sie für diese größere Verantwortung, die sie wahrnehmen müssen, gerüstet?
Kornblum: Es wäre auch nicht richtig, wenn Deutschland auf einmal eine andere Verantwortung bekommen
würde.
Deutschland hatte immer eine wichtige
Verantwortung. Sie war nur anders definiert. Die
Tatsache, daß das Land in Demokratie und Freiheit
wiederaufgebaut ist, war auch schon eine wichtige
Aufgabe für Europa. Es ist zehn Jahre her, seit ich
Berlin im Sommer 1987 verlassen habe. Wenn ich
jetzt hierher komme, spüre ich, rieche ich ein Land,
das neu gemacht wird. Hier in Berlin natürlich eine
Stadt, die vor unseren Augen neu gebaut wird. Aber
auch Deutschland wird kräftig durchgeschüttelt. Und
ich glaube, da ist ein Prozeß im Gange, bei dem man
nicht weiß, was am Ende herauskommt. Aber man
kann sehen, daß Deutschland Schritt für Schritt eine
andere Rolle für sich definiert, und daß die Erfüllung
dieser Rolle auch vorangeht, z.B. die Rolle der Bundeswehr in Bosnien. Ein sehr gutes Beispiel.

Seite 2

Frage: Ist Deutschland heute eine Großmacht?
Kornblum: Nein, Deutschland ist keine Großmacht.
Ich glaube, es gibt - wenn ich das sagen darf und es
sich nicht anmaßend anhört - im Moment nur eine
richtige Großmacht auf der Welt: die Vereinigten
Staaten. Das wird womöglich nicht immer so bleiben.
Aber für diese Phase, nach dem Ende des Kalten
Krieges, gibt es nur ein Land, das selbstbewußt seine
Ressourcen, geografische Position etc. einsetzt, um
eine wichtige Rolle in der Welt zu spielen. Europa
könnte eine Großmacht sein. Deutschland ist ein sehr
wichtiger Bestandteil von Europa.
Frage: Ist der Eindruck richtig, daß die Vereinigten
Staaten darauf aus sind, den ostmitteleuropäischen
Raum besonders der Bundesrepublik zuzuteilen und
allein das Verhältnis zu Rußland zu betreiben?
Kornblum: Nein. Diese These habe ich nie gehört.
Nein. Was wir wollen - und Präsident Clinton hat das
gleich am Anfang seiner Amtszeit gesagt - wir wollen,
daß Europa, und dazu gehört auch Rußland, integriert
wird. Das heißt nicht, daß alles EU wird. Oder alles
NATO wird. Sondern daß Europa ein integriertes
Gefühl von Frieden und Freiheit und auch Wohlstand
hat. Und daß die Beziehungen unter den europäischen Staaten organische und natürlich auch positive
werden. Mitteleuropa - Mittel- und Osteuropa, wie man
öfter sagt - ist sehr wichtig für Deutschland, weil es
natürlich immer dazugehört hat. Und es wurde
künstlich abgeschnitten, wegen der Linien, die am
Ende des Krieges gezogen wurden. Wichtig ist, daß
Ost- und Mitteleuropa jetzt in ein gemeinsames Europa
integriert werden. Und wichtig ist auch, daß Rußland
ein Gefühl der Offenheit hat. Daß Rußland auch sieht,
daß man eine Partnerschaft mit ihm haben möchte und
daß es keine künstlichen Grenzen gibt zwischen
irgendeinem Europa und einem Rußland. Und wir
müssen alle daran arbeiten. Da ist keine Frage von
irgendeiner Reservierung Rußlands für die Vereinigten
Staaten. Ganz im Gegenteil. Wir wollen das zusammen mit unseren europäischen Partnern machen.
Frage: Ist imperiale Bestrebung Rußlands mit Demokratie vereinbar?
Kornblum: Ich würde sagen, daß imperiales Bestreben, wenn es so verstanden wird, wie ich das verstehe, sehr selten mit Demokratie vereinbar sein kann,
weil Demokratie einem solchen Verhalten normale
Grenzen setzt. Aber ich sehe im Moment kein imperiales Bestreben Rußlands. Ich glaube, Rußland ist mit
sich selbst beschäftigt. Rußland muß auch eine sehr
sehr unsichere und teilweise sehr schlimme Vergangenheit überwinden. Wir werden in den nächsten
Jahren, ich weiß nicht wie lange, sehen, daß Rußland
sehr mit sich selbst beschäftigt sein und Partnern auch
etwas mißtrauisch gegenüberstehen wird. Und das ist
auch der Sinn unserer gemeinsamen Beziehungen,

AMERIKA DIENST 21

�zwischen Deutschland, Europa, Amerika und Rußland,
daß wir ihnen ein wenig die Wege glätten. Daß wir
ihnen durch die Grundakte NATO-Rußland nicht nur
schöne Worte, sondern auch eine konkrete Partnerschaft bieten.
Frage: Warum ist eine NATO-Erweiterung aus Sicht
der Vereinigten Staaten nötig?
Kornblum: Die NATO hat immer verschiedene Rollen
gespielt. Eine der wichtigsten Rollen war als Grundlage für die anderen Arten von Integration in Europa.
Durch Sicherheit, durch Partnerschaft und auch durch
Integration. Wenn wir das ernst meinen, wenn wir
sagen, daß die ursprünglichen Ziele der atlantischen
Partnerschaft auch in Europa ausgeweitet werden
müssen, dann ist es auch von Bedeutung, daß die
wichtigsten Institutionen, das heißt NATO und EU in
diesem Sinne, nicht geschlossen bleiben. Daß wir
nicht sagen, hier ist der Westen, hier soll alles Teil des
Westens sein, nur nicht Teil unserer Institutionen
werden. Daß man auch ein dynamisches Gefühl hat.
Daß diese Prinzipien auch dynamisch sind. Und
deshalb ist eine Erweiterung der NATO, aber auch der
EU - diesen Herbst werden wahrscheinlich die ersten
Schritte beschlossen - nicht nur praktisch notwendig
oder gut, sondern auch symbolisch und idealistisch
sehr wichtig. Daß wir zeigen, daß unser Westen keine
künstlichen Grenzen gezogen hat.
Frage: Gehört Rußland zu Europa?
Kornblum: Rußland ist teils europäisch, teils nicht.
Wie die Vereinigten Staaten. Ich finde es sowieso
nicht richtig, hier irgendwelche willkürlichen Grenzen
zu ziehen. Europa hat ein Bewußtsein, und dieses
Bewußtsein wird sich entwickeln.

Kornblum: Sie haben Willy Brandt zitiert: "Nichts wird
mehr so sein, wie es war." Wenn das so ist - und ich
persönlich meine, daß das so ist - dann wird es
natürlich eine längere Phase des Umbruchs geben,
gewaltige Veränderungen geben, neue Beziehungen
geben, und man kann nicht erwarten, daß das sehr
einfach ist. Ich zitiere auch Beispiele aus meiner
eigenen Vergangenheit, aber auch aus der deutschamerikanischen Vergangenheit, um diesen Punkt
teilweise zu unterstreichen. Wenn wir hier vor zehn
Jahren gesessen hätten - was wir beide eigentlich
auch getan haben - wie war die Diskussion in Deutschland über Amerika? Arbeitslosigkeit, Inflation, Kriminalität, Umweltschäden etc. etc. Man hat sogar von
manchen in Europa einen gewissen mitleidenden Ton
gehört, als solche Dinge diskutiert wurden. Ich werde
nie vergessen, wie ich hier in Berlin ein Pressegespräch hatte. Ich sagte, wir sind mitten in einem
Umwälzungsprozeß. Und eine Sache, die bei uns
völlig geändert wird, ist diese bürokratisierte Stadt.
Europa ist sehr bürokratisiert, und Sie werden sehen,
daß das geändert werden muß. Sie haben gelacht. Ich
sage das jetzt sehr offen. Sie haben gelacht. Sie
erwiderten: "Sie meinen, wir sind überbürokratisiert?"
Wir haben den Weg gefunden. Was meine ich damit?
Was ich damit meine ist, wir Amerikaner haben eine
lange, schmerzhafte Phase hinter uns. Mit großen
Konfrontationen. Und jetzt stehen wir am Ende der
neunziger Jahre sehr gut da. Aber es hat uns sehr
sehr viel gekostet. Diese Phase hat, ich würde sagen,
in Europa zehn Jahre später angefangen. Sie sind
noch in der ersten Halbzeit. Und das wird auch enorm
viele Schwierigkeiten bringen, sehr viel Konfrontation,
sehr viel Debatte. Und es bleibt natürlich offen, wie
das am Ende aussehen wird. Aber daß sich hier Dinge
ändern, ist klar. Ist man darauf vorbereitet? Ich würde
sagen, nein. Man ist nie auf solche Umwälzungen
vorbereitet.

Frage: Welches Bewußtsein hat Europa?
Frage: Sind Sie zuversichtlich?
Kornblum: Das werden wir sehen. Europa hat
mindestens ein Bewußtsein als ein Kulturland, als eine
Idee, als eine Geschichte. Rußland ist teils europäisch, teils nicht. Wichtig ist, daß diese Ideale, die auch
sehr stark durch die Vereinigten Staaten vertreten
werden, nicht anderen verschlossen bleiben.
Frage: Was ist Deutschland heute mental für Sie? Ich
komme noch mal darauf zurück, Sie haben vorhin
gesagt, Sie spüren, dieses Land ist in einem Umbruch,
hier verändert sich enorm viel. Hat der Botschafter der
Vereinigten Staaten den Eindruck, daß die Deutschen
auf diese neue Situation eingestellt sind?
Kornblum: Ich würde sagen, wahrscheinlich nein.
Aber das wundert mich auch nicht.
Frage: Warum nicht?

AMERIKA DIENST 21

Kornblum: Im Grunde ja. Wenn ich dieses Land
sehe, wenn ich die Talente und das hier aufgebrachte
Kapital - ich meine jetzt finanziell, aber auch menschlich - sehe, dann glaube ich nicht, daß Deutschland
eine schlechte Zukunft hat. Ich glaube, daß es jetzt
nicht unbedingt klar ist, wie diese Zukunft aussehen
wird und wie erfolgreich sie sein wird. Da ist doch
Arbeit zu leisten, ohne Frage. Ich will das jetzt hier
nicht alles schönmalen. So meine ich das nicht. Ich
meine nur, daß solche Änderungen immer Schweiß
und Blut kosten.
Frage: Wenn die Deutschen unter jetzt normalen
Bedingungen in einer Situation hektischen Stillstands,
wie man ihn vielleicht beschreiben könnte, ihre
Interessen definieren, dann werden sie in Kollision
kommen mit anderen. Und die Gefahr besteht - und
das ist glaube ich auch eine Befürchtung in diesem
Lande - daß sie von der Vergangenheit eingeholt

Seite 3

�werden. Daß ihnen etwas entgegengestellt wird: Da
war doch was, 1933-45, und daß das auch instrumental benutzt werden kann.
Kornblum: Ich würde nicht sagen, daß diese Gefahr
nicht besteht. Aber diese Gefahr besteht seit Anfang
der Bundesrepublik. Und es hat auch Kapitel gegeben, wo diese Gefahr vielleicht stärker gesehen wurde
als andere. Aber bis jetzt hat die Bundesrepublik
dieses Schicksal, wenn Sie wollen, sehr gut gehandhabt. Das war, gebe ich zu, in der meisten Zeit
auf der Basis der alten Bundesrepublik. Jetzt gibt es
das vereinigte Deutschland. Man wird meines Erachtens jetzt sehen müssen, daß es konkrete Probleme gibt, die man anpacken muß. Und diese Probleme
können nur in den seltensten Fällen allein gelöst
werden - vor allem für ein Land wie Deutschland, das
bei seinen 82 Millionen Einwohnern immer noch
verhältnismäßig begrenzt in seinen Möglichkeiten ist
und wo das nur zusammen mit anderen gemacht
werden kann. Und ich sehe keinen Grund zu fürchten,
daß die politische Führung in diesem Land das anders
sieht.
Frage: Sie haben von draußen zugesehen, wie die
Deutschen den Streit um die Hauptstadt ausgefochten
haben. Was war denn Ihre Reaktion auf diesen Streit?
Kornblum: Ich kann Ihnen die amerikanische Reaktion beschreiben. Das ist noch wichtiger als meine.
Man hat es nicht verstanden. Aber ich glaube, daß es
zu verstehen ist, wenn man die Geschichte betrachtet.
Aber für Amerikaner, Engländer, Franzosen, andere wenn man 50 Jahre lang versucht hat, wiedervereinigt
zu sein und die Hauptstadt wieder zu errichten - war
das eine klare Sache. Und es wurde bei uns sehr viel
darüber berichtet und nicht immer ganz verstanden,
worum es sich handelte.
Frage: Was ist diese Stadt heute, wenn sie wieder
politisches Zentrum werden wird in absehbarer Zeit?
Wie wird sich diese Stadt, die Sie ja in- und auswendig
kennen aufgrund Ihrer langjährigen Aufenthalte hier in
Berlin, wie wird sich die Stadt verändern? Gibt es eine
Prognose von Ihnen?

Frage: Berlin war die Grundlage für die deutschamerikanische Freundschaft. Es war auch die Grundlage für die deutsch-amerikanischen Beziehungen.
Die Blockade als ein ganz wesentlicher Punkt für
dieses Verhältnis. Ist diese Stadt heute gerüstet für die
neue Zeit, die auf sie zukommt? Ich meine damit, Herr
Kornblum, in der Vergangenheit war diese Stadt - der
Westteil der Stadt - nicht in den Blutkreislauf der alten
Bundesrepublik Deutschland einbezogen. Sehen Sie
hier die Ressourcen für das Bild, was Sie gerade
beschrieben haben?
Kornblum: Ja doch, ich sehe sie. Ich bin völlig Ihrer
Meinung, ich würde das vielleicht sogar noch stärker
sagen. Zwei Ereignisse - die Berliner Wahl im Oktober
1946, die nicht gerade so ein riesiges historisches
Ereignis für viele ist. Aber ich habe mich ziemlich in
die Sache vertieft: Es hat viele beeindruckt in Amerika,
daß alle Berliner so gewählt haben und auch so
demokratisch gewählt haben so kurz nach dem Krieg.
Und zweitens die Blockade und die Reaktion der
Berliner auf die Blockade. Und danach die Luftbrücke.
Das hat mehr als nur Freundschaft zementiert, was es
bestimmt auch getan hat. Es hat für die Vereinigten
Staaten auch eine Grundlage für ein Engagement in
Europa geschaffen. Weil es sehr wichtig war. Und es
hat - wie Sie eben angedeutet haben - zu einer ganz
besonderen Beziehung geführt. Ich bin jetzt einer, der
glaubt, Berlin braucht sich nicht zu rüsten für eine neue
Beziehung zu den USA oder eine neue Rolle in
Europa. Berlin braucht eine neue Rolle nicht einstudieren. Berlin wird einfach Berlin sein. Und, wie
gesagt, eine kritische Größe. Und diese kritische
Größe wird eine Rolle für Berlin definieren. Ich weiß
nicht genau, wie das aussehen wird. Aber es wird da
sein. Und mich interessiert es nicht so sehr, wie diese
Stadt vorbereitet ist. Sie wird einfach da sein und eine
sehr große Rolle spielen.

Was hat sie für Fähigkeiten,

was hat sie für Nachteile?
Kornblum: Es gibt Städte auf der Welt - und interessanterweise teilweise völlig unabhängig von ihrer
geografischen Lage, ihrer Kultur, ihrer Sprache - die
einfach eine Größe erreichen, wo sie sich selbst
produzieren. Wirtschaft, Kultur, Menschen, Ideen,
Streitereien. Sie werden eine Kultur für sich. Wir
haben New York. Ich glaube, Amerika hat mindestens
drei davon. New York, Chicago, und neuerdings Los
Angeles. Berlin ist eine solche Stadt. Daß Berlin jetzt
wieder eine Stadt in einem vereinigten Land ist, mit
den ganzen Potentialen, die hier sind, auch mit offenen
Grenzen nach Osten und Süden - und Westen natürlich - macht sie zu einer sogenannten kritischen Masse

Seite 4

und einem unheimlichen Anziehungspunkt. Die Stadt
wird Impulse geben und wird mitten in Europa wenn
nicht der einzige Platz, bestimmt der wichtigste Platz,
wo Kultur, Ideen und auch Streitereien produziert
werden.

Frage: Die deutsch-amerikanischen Beziehungen der
Vergangenheit waren ganz besonders geprägt durch
personale Beziehungen, die bestanden. Von Leuten
hier zu den Vereinigten Staaten dort. Diese personalen Beziehungen lassen sich nicht beliebig konservieren, weil die Umstände sich ändern, auch die Leute
nicht mehr da sind. Gibt es da ein Vakuum?
Kornblum: Vielleicht im Moment, weil wir so zwischen
zwei Phasen sind. Aber die Tatsache, daß die Bundesregierung hier sein wird, die Tatsache, daß Berlin
sich wieder als eine Stadt entwickelt, wird meiner
Meinung nach zu einer neuen Art von persönlichen
Beziehungen führen. Es gibt sie teilweise schon, ich
kenne junge Menschen, oder jüngere Menschen in der

AMERIKA DIENST 21

�Geschäftswelt oder der Kunst oder der Architektur. Ich
kenne zwei junge Architekten in Washington. Sie
haben an sich nichts mit Deutschland zu tun, aber sie
fahren alle zwei Jahre nach Berlin, nur um zu sehen,
was hier passiert. Wie wird diese neue Art von
Beziehungen aussehen? Sie wird wahrscheinlich in
Zukunft nicht mehr so strukturiert sein.
Frage: Auch nicht mehr so gefühlsbetont?
Kornblum: Ja, mag sein. Das kommt darauf an, was
Sie mit gefühlsbetont meinen. Es wird nicht so sehr
gefühlsbetont in dem Sinne, daß man sagt, dies sind
ganz besondere Beziehungen für uns. Es wird aber
vielleicht sogar noch gefühlsbetonter, wenn man sagt,
um das so salopp auszudrücken: "Mensch, das ist ein
toller Platz."
Frage: Die Deutschen haben eine Befürchtung, die in
diesem Land kursiert: Sie sagen, jetzt gibt es nur noch
eine Weltmacht - das sind die Vereinigten Staaten und diese Weltmacht orientiert sich hin in den pazifischen Raum, weg von dem europäischen Kontinent.
Ist der Eindruck stimmend?
Kornblum: Es stimmt, daß Asien wichtiger wird. Es
stimmt auch, daß man an der Westküste eine Orientierung nach diesem neuen Asien spürt. Aber ich glaube,
es handelt sich wieder um die Frage, was gute,
wichtige Beziehungen in dieser neuen Zeit bedeuten.
Vor dem Fall der Mauer waren Beziehungen unter
Staaten, unter Ländern, unter Völkern ein bißchen
stilisiert, wie man sagt. Man interessierte sich für
Europa. Wenn man sich nicht für Europa interessierte,
hatte das - vielleicht nur im Hinterkopf - die Bedeutung,
die ganze Friedensstruktur würde nicht mehr bestehen. Jetzt befinden wir uns in einer ganz offenen,
vielfältigen Welt. Was mich in den letzten Jahren
immer wieder interessiert hat, auch bei meiner Arbeit in
Washington, war, wie unwichtig es war, diese Vision
zu haben, und wie wichtig es war, einfach die Aufgaben zu erfüllen. Und wie ich am Anfang unseres
Gesprächs gesagt habe: Bei den Aufgaben, die wir
uns selber stellen - und mit "wir" meine ich die Vereinigten Staaten - müssen wir uns fragen: Was wollen
wir für die Gesundheit, für die Sicherheit unseres
Volkes erreichen? Die überwiegende Mehrzahl dieser
Interessen fließen durch Europa. Und das wird meiner
Meinung nach auch in Zukunft so sein.
Frage: Es gibt zwei verschiedene Versionen. Die
eine sagt, John Kornblum habe Ronald Reagan 1987
bei seiner Rede vor dem Brandenburger Tor den Satz
"Mr. Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!"
hineingeschrieben. Andere sagen, nein, das hat er
nicht getan. Welche ist denn richtig?

Frage: Wenn Sie heute zurückschauen: Gab es für Sie
einen Zeitpunkt, oder vielleicht sogar ein dauerndes
Gefühl, diese Situation in diesem Deutschland im
allgemeinen, und in diesem Berlin im besonderen, wird
sich eines Tages ändern, möglicherweise sogar bis hin
zu einer deutschen Wiedervereinigung?
Kornblum: Ja, das ist immer schwierig zu beantworten, ohne dabei zu übertreiben. Aber ich habe
immer daran geglaubt, daß es sich ändern würde, und
zwar aus verschiedenen Gründen. Nicht nur, weil ich
da emotionell engagiert war, sondern weil ich die Lage
doch sehr gut kennengelernt habe und mir irgendwie
klar war, daß diese Teilung, dieser Kalte Krieg sich
nicht ewig halten könnte. Gab es Zeitpunkte? Ich
glaube, es gab zwei für mich. Einmal war Solidarnosc
Anfang der achtziger Jahre, die Gewerkschaftsbewegung in Polen, wo ganz klar war, daß sich das
dortige System nicht halten konnte. Und zweitens
interessanterweise, noch viel subtiler, Sommer 1986.
Damals begann ich, nebenbei gesagt, den ReaganBesuch zu konzipieren. Die Mauer bestand, Sie
erinnern sich, seit 25 Jahren. Und es hat ziemlich viele
Gedenktage und Fernsehsendungen gegeben. Ich
habe mehrere Interviews im Fernsehen gegeben deutsch-amerikanische, englische. Und als man die
Lage dort und auch die Reaktion des Ostens, also der
DDR, betrachtete, war ganz klar - nicht daß da irgendwie Aufruhr gewesen wäre oder Opposition - daß diese
Mauer zunehmend unbedeutend wurde. Und sozusagen der Lage nicht mehr gerecht wurde. Und
irgendwie bekam ich in dem Sommer das Gefühl,
diese Mauer wird sich nicht lange halten.
Frage: Wann zieht der Botschafter John Kornblum in
die neue Botschaft Amerikas am Pariser Platz?
Kornblum: Die Amerikanische Botschaft wird ab
Sommer 1999 in Berlin voll funktionieren. Wir sind
schon hier. Aber ab Sommer 1999 wird es keine
Amerikanische Botschaft Bonn mehr geben. Wann wir
in das neue Haus ziehen, ist noch nicht klar, aber ich
würde sagen, es wird kurz nach der Jahrtausendwende sein.
Frage: Für die deutsch-amerikanischen Beziehungen
war das Aspen Institute in Berlin eine wichtige Institution. Es gibt es weiterhin. Sein letzter Leiter ist
leider verstorben - ein Kollege von Ihnen. Was wird
aus dem Institut?
Kornblum: Erstens ist es nicht meine Verantwortung.
Aber ich weiß, daß der Vorstand nach einem neuen
Direktor sucht. Und ich glaube, wenn sie diese Person
finden, werden sie die Aktivitäten des Instituts sehr
unterstützen. Ich kann nur sagen, daß ich dieses
Institut weiterhin sehr stark unterstützen werde.

Kornblum: Ich habe versucht, in diese Debatte nicht
hineingezogen zu werden, weil es keinen Sinn hat.
Man weiß, was man gemacht hat.

AMERIKA DIENST 21

Seite 5

�Frage: Als amerikanischer Botschafter in Deutschland, herzlich willkommen hier in Berlin, in Deutschland. Vielen Dank für das Gespräch.

Kornblum: Herzlichen Dank,

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 21

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                <text>&lt;strong&gt;1. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Problem des Klimawandels reflektiert neue Realitäten des 21. Jahrhunderts&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wirth: Europäer befürworten "unrealistische" Ziele&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Staatssekretärs für globale Angelegenheiten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Auswirkungen der EWWU&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Finanzministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Deutschland&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Deutschland und Amerika: eine selbstverständliche Partnerschaft vor neuen Herausforderungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Botschafter John Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;John C. Kornblum im Sender Freies Berlin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit dem amerikanischen Botschafter&lt;/em&gt;</text>
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29. November 1972

48

Inhalt
INFORMATION:
Elliot L. Richardson zum neuen amerikanischen Verteidigungsminister
vorgesehen
Caspar W. Weinberger soll Ministerium für Gesundheit, Erziehung und
Sozialfragen übernehmen
Roy L. Ash soll neuer Direktor des Amtes für Planung und Haushalt
werden
Washington unterstreicht Bedeutung der Konsultationen mit den NATOVerbündeten
Von Marie H.König

L
DOKUMENTATION:
Schreiben Nixons zur Eröffnung von SALT II
-Wortlaut-

WIRTSCHAFT:
USA werden nachdrücklich auf Lösung der anstehenden Handelsprobleme
hinarbeiten
-Intensive Vorbereitungen WashingtonsVon Eugene Brake
WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Pakt zum Schutz der Ozeane
-91 Länder einigten sich auf internationale KonventionLaborsynthese von Lanosterin gelungen

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Ab/1972

ELLIOT L.RICHARDSON ZUM NEUEN AMERIKANISCHEN VERTEIDIGUNGSMINISTER VORGESEHEN

WASHINGTON --(AD)«- Zum neuen Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten
hat Präsident Nixon am 28. November den jetzigen Gesundheits-, Erziehungsund Sozialminister Elliot L. Richardson vorgesehen. Richardson soll die
Nachfolge von Melvin R. Laird antreten, der das Amt des Verteidigungsmi~
nisters seit dem 20.Januar 1969 innehat.
Richardson war am 24. Juni 1970 von Präsident Nixon an die Spitze des
Ministeriums für Gesundheit, Erziehung und Sozialfragen berufen worden, nachdem er seit Januar 1969 Staatssekretär im amerikanischen Außenministerium
gewesen war.
Am 20. Juli 1920 in Boston, Massachusetts, geboren, hat Richardson an
der Harvard-Universität studiert und dort 1941 den Grad eines Bachelor of
Arts und 1947 den eines Bachelor of Laws erworben. Im Kriege diente er als
Oberleutnant bei der US-Armee und nahm u.a. an der Landung der alliierten
Truppen in der Normandie teil. Nach einer dreijährigen Assistententätigkeit
an einem Bundesberufungsgericht bei Richter Learned Hand und am Obersten

-l-

�Obersten Bundesgericht bei Oberrichter Felix Frankfurter praktizierte er,
seit 1949 Mitarbeiter einer angesehenen Anwaltskanzlei in Boston

und seit

1950 zu den Gerichten von Massachusetts zugelassen, bis 1956 als Anwalt, Zwischendurch war Richardson 1952 an der Harvard-Universität als Lektor und
Chefredakteur der juristischen Fachzeitschrift "Havard Law Review" und 1953
bis 1954 als Referent des republikanischen Senators Leverett Saltonstall tätigIm Jahre 1957 berief ihn Präsident Eisenhower als Unterstaatssekretär
für Gesetzgebungsfragen in das Gesundheits-, Erziehungs-und

Sozialministerium.

Zwei Jahre später übernahm Richardson das Amt des Anklagevertreters der Bundesgerichtsbarkeit in seinem Heimatstaat. 1961 fungierte er kurze Zeit als Sonderreferent im Justizministerium und wurde noch im gleichen Jahr Teilhaber seiner
alten Bostoner Anwaltskanzlei. Von 1965 bis 1969 war er erst stellvertretender
Gouverneur und später Justizminister von Massachusetts, bis ihn Präsident Nixon
kurz nach seinem Amtsantritt als Staatssekretär und Ministerstellvertreter
ins Außenministerium berief. Elliot Lee Richardson ist verheiratet und hat
zwei Söhne und eine Tochter.

i I I H-

Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von Elliot Lee
Richardson zur Verfügung.

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48/1972

CASPAR W.WEINBERGER SOLL MINISTER FÜR GESUNDHEIT, ERZIEHUNG
UND SOZIALFRAGEN WERDEN

WASHINGTON --(AD)-- Caspar W. Weinberger, der bisherige Direktor des wichtigen Amtes für Planung und Haushalt, ist von Präsident Nixon am 28. November ausersehen worden, das Amt des Gesundheits-, Erziehungs-und Sozialministers zu übernehmen. Er wird damit die Nachfolge Elliot L.Richardsons
antreten, der im neuen Kabinett Nixon als Verteidigungsminister vorgesehen
ist.
Weinberger hatte am 16. Mai 1972 das Amt für Planung und Haushalt übernommen, nachdem er seit

1. Juli 1970 stellvertretender Direktor dieses zu

diesem Zeitpunkt neugeschaffenen zusammengefaßten Amtes gewesen war.
Am 18. August 1917 in San Francisco geboren studierte Weinberger in
Harvard, wo er 1938 den akademischen Grad eines Bachelor of Arts erwarb, um
dann 1941 an derselben Universität sein juristisches Examen abzulegen. Er
diente vier Jahre in der US-Armee und wurde 1945 als Hauptmann entlassen. Anschließend trat er in den Justizdienst ein, um dann ab 1947 als Rechtsanwalt
zu praktizieren.
Im

-1-

�Im November 1952 w u r d e er in das Parlament des Staates K a l i f o r n i e n g e w ä h l t und hatte eine führende R o l l e in der republikanischen P a r t e i in diesem
Staat inne. Im S t a a t s p a r l a m e n t befaßte er sich vor allem m i t F r a g e n der R e g i e r u n g s o r g a n i s a t i o n und w u r d e 1955 v o n den P a r l a m e n t s J o u r n a l i s t e n zum fähigsten A b g e o r d n e t e n g e w ä h l t .
Nach einer e r f o l g r e i c h e n T ä t i g k e i t als A n w a l t und P u b l i z i s t v o n 1959
b i s 1968 ernannte ihn G o u v e r n e u r R e a g a n A n f a n g 1968 zum Direktor der Finanzen des S t a a t e s K a l i f o r n i e n . E n d e 1969 w u r d e W e i n b e r g e r in die Bundeshandelskommission berufen.
W e i n b e r g e r ist v e r h e i r a t e t und hat einen S o h n u n d eine T o c h t e r .

I1 H I

A u f A n f o r d e r u n g stellen w i r Ihnen gerne eine P o r t r ä t a u f n a h m e v o n C a s p a r W.
W e i n b e r g e r zur V e r f ü g u n g .

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48/1972

ROY L.ASH SOLL NEUER DIREKTOR DES AMTES FÜR PLANUNG UND HAUSHALT
WERDEN

WASHINGTON — ( A D ) - - Der kalifornische Industrielle Roy L. Ash ist von Präsident Nixon zum Direktor des Amtes für Planung und Haushalt in der neuen USRegierung ausersehen worden, die im Januar in ihr Amt eingeführt werden soll.
Ash ist seit 1961 Präsident der Litton Industries Inc. Er gehört zu den
Mitbegründern dieser Gesellschaft und war seit 1953 Mitglied des Direktoriums.
Von April 1969 bis Mai 1971 war Ash Vorsitzender des Beirates des Präsidenten
für die Reorganisation der Regierung. In dieser Zeit hat der Beirat Präsident
Nixor. zahlreiche Empfehlungen für eine Straffung der Regierungsarbeit, darunter auch für die Umbildung des früheren Budgetamtes in das heutige Amt für
Planung und Haushalt, vorgelegt.
Ash wurde am 20. Oktober 1918 in Los Angeles geboren und studierte an
der Harvard Universität Wirtschaftswissenschaften. Von 1936 bis 1942 und von
1947 bis 1949 was Ash für die Bank of America tätig, und von 1949 bis 1953
war er Leiter der Finanzabteilung der Hughes Aircraft Company. Während des
zweiten Weltkrieges diente er bei der amerikanischen Luftwaffe und schied 1945
als Hauptmann aus.
Ash

�Ash ist ferner Direktor der Bank America Corporation, der Bank of America,
der Global Marine Inc. und der Pacific Mutual Life Insurance Company sowie
Ko-Vorsitzender der japanisch-kalifornischen Gesellschaft. Ferner gehört er
dem Kuratorium des California Institute of Technology, des Komitees für wirtschaftliche Entwicklung und des Urban Institute sowie dem Exekutivausschuß
des amerikanisch-japanischen Beirats an.
Ash ist verheiratet und hat fünf Kinder.

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48/1972

WASHINGTON UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DER KONSULTATIONEN MIT
DEN NATO-VERBÜNDETEN

Von Marie H.König

WASHINGTON --(AD)-- Weil in Kreisen der Nordatlantischen Versammlung die Ansicht vertreten wird, daß eine Ausweitung der "streng bilateralen Diplomatie" zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion potentielle Gefahren
für die westliche Solidarität mit sich bringen könnte, ist es wichtig, sich da
in die Erinnerung zurückzurufen, was der amerikanische Außenminister William
P.Rogers im Mai in Bonn auf der Ministerratstagung der NATO gesagt hat.
Außenminister Rogers war damals direkt von den Gipfelgesprächen, die
Präsident Nixon in Moskau geführt hatte, nach Bonn gekommen und hatte auf den
geheimen Sitzungen der Minister immer wieder unterstrichen, "daß der Erfolg
unseres Besuches in Moskau nicht im geringsten auf Kosten unserer Verbündeten
gegangen ist". Und ein wichtiger Punkt, den Rogers herausstellte, war, daß die
sowjetischen Gesprächspartner höflich aber fest zurückgewiesen worden seien,
wenn immer die Sowjets Präsident Nixon oder ihm eine Möglichkeit anboten,
einseitig für die NATO zu sprechen. Von amerikanischer Seite sei dabei betont

�betont worden, daß Moskau und Washington nicht über das Schicksal Europas entscheiden könnten. Moskau, so erklärte Rogers damals, sei davon unterrichtet worden, daß die USA mit ihren Verbündeten umfassende und ständige Konsultationen
über alle Fragen führen würden, die die Sicherheit Europas berühren.
Außenminister Rogers bereitet sich gegenwärtig auf eine neue NATO-Ministerratstagung vor, die im Dezember in Brüssel stattfinden wird. Wie der Sprecher
des amerikanischen Außenministeriums, Charles Bray, dieser Tage vor Korrespondenten betonte, wird Rogers auf der Konferenz eingehende Konsultationen mit den
übrigen Außenministern führen und zwar gerade zu dem Zweck, die Politik der NATO
im Hinblick auf die beiden wichtigen, für 1973 vorgesehenen Ost-Westkonferenzen
aufeinander abzustimmen.
Der amerikanische Außenminister wird zu einem entscheidend wichtigen Zeitpunkt in Brüssel sein, denn die vorbereitenden Gespräche für eine Konferenz über
Europäische Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) haben soeben zwischen
Vertretern von 34 Ländern in Helsinki begonnen, und am 31. Januar 1973 sollen
ebenfalls vorbereitende Gespräche für eine Konferenz mit den kommunistischen
Ländern Europas über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung(MBFR)
aufgenommen werden.
Auf eine am 23. November von der Nordatlantischen Versammlung in Bonn angenommene Resolution angesprochen, in der auf potentielle Gefahren für die westliche Solidarität angesichts der amerikanisch-sowjetischen Geheimdiplomatie verwiesen worden war, erwiderte Bray, daß die Vereinigten Staaten gerade dieser Frage,
nämlich Politik und Konsultationen zwischen den USA und den übrigen Mitgliedern
des Bündnisses zu harmonisieren, große Bedeutung beimessen. Bereits während der
ersten Runde der Verhandlungen über eine Reduzierung der Strategischen Rüstungen
(SALT I) hätten die Vereinigten Staaten strikt diesen Weg verfolgt.
Von

-2-

�Von Seiten des amerikanischen Außenministeriums wurde in diesem Zusammenhang darauf verwiesen, daß die Nordatlantische Versammlung, die sich aus Paria»
mentarier der NATO-Mitgliedsstaaten zusammensetzt und beratende Funktionen ausübt, offensichtlich nicht auf dem laufenden darüber sei, welche eingehende
Konsultationen Washington ständig mit den europäischen Hauptstädten führe. Zum
Beispiel schließt der stellvertretende amerikanische Außenminister John Irwin
in diesen Tagen in Washington mit den Botschaftern der NATO-Länder eine Gesprächsrunde über die bevorstehenden Verhandlungen für eine Truppenreduzierung
ab. Und im Oktober hatte Irwin in Paris Konsultationen über Amerika und Europa
betreffende Fragen geführt. Während der Moskauer Gipfelkonferenz hat Außenminister Rogers ständig die Botschafter der verbündeten Länder über das Konferenzgeschehen auf dem laufenden gehalten. Präsident Nixon selbst hat in seiner
Rede vor dem amerikanischen Kongreß nach seiner Rückkehr aus Moskau unter anderem erklärt: "...Wir müssen fest zu unseren NATO-Partnern stehen, wenn Verhandlungen mit dem Ziel einer neuen Entspannung und einer beiderseitigen Verringerung
der Streitkräfte in Europa positive Ergebnisse bringen sollen. Die Erhaltung
der Stärke, der Integrität und Festigkeit unserer Bündnisse in der freien Welt
ist die Grundlage, auf der alle unsere anderen Initiativen für Frieden und
Sicherheit in der Welt basieren müssen."

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48/1972

SCHREIBEN NIXONS ZUR ERÖFFNUNG VON SALT II
-Wortlaut«
GENF--(AD)-- Präsident Nixon hat in einen» Schreiben an den amerikanischen

Chefdelegierten bei den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen über eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen (SALT), Botschafter Gerard Smith,
seine Überzeugung zum Ausdruck gebracht, daß SALT II zu einem "erneuten
Erfolg" führen werde. Das zu Beginn der neuen Verhandlungsrunde in Genf am
21. November veröffentlichte Schreiben hat folgenden Wortlaut:
"Sehr geehrter Herr Botschafter!
Vor drei Jahren sind Sie und Ihre Kollegen in die wohl kritischsten
Verhandlungen in unserer Geschichte eingetreten. Damals bestand nur eine geringe Garantie, daß wir einen gemeinsamen

Boden für Gespräche finden würden,

geschweige denn ein Übereinkommen über Fragen, deren letzter Konsequenz man
sich in der Nachkriegszeit nicht gestellt hatte und die die lebenswichtigen
Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion berührten.

Der

-1,

�Der erfolgreiche Abschluß der am 26

Mai unterzeichneten Abkommen war

ein Meilenstein nicht nur in den amerikanisch sowjetischen Beziehungen, sondern
auch in der umfassenderen Anstrengung, eine friedlichere Welt zu schaffen.
Diese abkommen, so wichtig sie auch sind, dürfen nicht Anlaß zur Selbstgefälligkeit sein. Wir haben einen ersten Schritt getan und die Grundlage für
neue Abkommen gelegt. Jetzt stehen Sie vor einer Aufgabe, die in vieler Hinsicht noch komplizierter und schwieriger ist, da beide Seiten jetzt gezwungen
sein werden, in einem endgültigen Abkommen langfristige Verpflichtungen für
ein

stabiles strategisches Verhältnis "ür dieses Jahrzehnt und darüber hinaus

einzugehen.
In meinem Schreiben an Sie vor drei Jahren habe ich darauf hingewiesen,
daß niemand den Ausgang der Verhandlungen voraussehen könne, aber zugleich habe
ich meiner Überzeugung Ausdruck verliehen, daß eine Kontrolle der Rüstungen
im beiderseitigen Interesse unseres Landes und der Sowjetunion läge. Wir haben
in den letzten drei Jahren erfahren, daß solche beiderseitigen Interessen in
der Tat bestehen.
Was durch die SALT-Abkommen und auch durch die Grunds.-^ze er eicht wurde,
die heute unsere Beziehungen zur UdSSR .^stimmen, bringt mich zu der Überzeugung, daß Ihre gegenwärtigen Bemühungen zu e • .iem erneuten Erfolg führen werden.
Wenn Sie und Ihre sowjetischen Kollegen jetzt in eine neue Gesprächsrunde
eintreten, dann begleiten Sie die Hoffnungen des ganzen amerikanischen Volkes
- ja die Hoffnungen der ganzen Menschheit.

uochachtun,gsvoll
gez. Richard Nixon "

H H-l-

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USA WERDEN NACHDRÜCKLICH AUF LÖSUNG DER ANSTEHENDEN HANDELSPROBLEME
HINARBEITEN
-Intensive Vorbereitungen WashingtonsVon Eugene Brake

WASHINGTON --(AD)—Amerikanische Regierungskreise stellen bei jeder Gelegenheit heraus, daß die Nixon-Administration in den kommenden Monaten und Jahren
nachdrücklich auf eine Lösung der anstehenden Handelsprobleme hinarbeiten
wird.
Die wichtigsten Handelsverhandlungen sind die, die im kommenden Jahr auf
weltweiter Ebene aufgenommen werden und zu einem weiteren Abbau aller Handelsschranken - der zoll-und der nicht-zollursächlichen - führen sollen.

Die ame-

rikanische Regierung hat hierfür umfassende Vorbereitungen in Angriff genommen, und in Kreisen des amerikanischen Handels setzt man große Erwartungen und
Hoffnungen auf diese Gespräche, die das in der Kennedy-Runde der sechziger
Jahre erreichte Maß an Handelsliberalisierung noch wesentlich erweitern sollen.
Dieser weltweiten Verhandlungsrunde werden jedoch andere Handelsgespräche
noch vorangehen. Diese Zollausgleichsverhandlungen sollen im Rahmen des

-1-

�des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) geführt werden und betreffen
die sich aus der Erweiterung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG)
ergebenden Fragen sowie die Auswirkungen der besonderen Handelsvereinbarungen
zwischen der EWG und den ihr nicht als Vollmitglied angehörenden Ländern auf
den Handel mit Drittländern.
Wenn ein Land, das einer Zollunion beitritt, deswegen Zölle oder andere
Handelsschranken erhöhen muß, so fordern die GATT-Bestimmungen, daß die NichtMitgliedsstaaten für die Schädigung ihrer Handelsinteressen kompensiert werden
müssen. Da die Vereinigten Staaten gewillt sind, ihre Rechte und die anderer
Nicht-Mitgliedsstaaten zu wahren, dürften harte Verhandlungen bevorstehen. Die
wünschenswerte Lösung der Kompensationsfrage - vom Standpunkt der Vereinigten
Staaten wie auch der anderen Länder, die mit der EWG hierüber in Verhandlungen
eintreten wollen - wären wahrscheinlich Maßnahmen, um die besondere Situation
zu korrigieren, die diese Probleme geschaffen hat, und das in früheren Verhandlungen geschaffene Gleichgewicht von Rechten und Pflichten wiederherzustellen.
Wo zum Beispiel die Agrarpolitik der EWG die Ausweitung der amerikanischen
Getreideexporte beeinträchtigt hat, könnte eine modifizierte Politik eingeschlagen werden, die das Einkommen der Bauern in der EWG wirksam schützen würde,
ohne daß die Landwirte anderer Länder einen Teil ihrer potentiellen Absatzmärkte verlieren.
Und wo die besonderen Handelsvereinbarungen der EWG mit Nicht-Mitgliedsstaaten zu einer Diskriminierung amerikanischer Waren führen, ließe sich das
Ausmaß solcher Diskriminierung auf verschiedene Weise verringern. Beispielsweise könnten die Gegenpräferenzen in den Abkommen zwischen der EWG und einigen
Entwicklungsländern aufgehoben werden, nach denen diese Länder Industrieerzeugnissen der EWG einen niedrigeren Zollsatz einräumen müssen als gleichen Importen aus den USA, Japan oder anderen Nicht-Mitgliedsländern.
Sollten

-2-

�Sollten die europäischen Länder nicht bereit sein, spezifische, korrigierende Maßnahmen zu ergreifen, so könnten sie auf andere Weise Kompensationen
gewähren. So könnten sie die Zölle für andere Erzeugnisse senken, die für die
USA von besonderem Interesse sind, und dadurch die durch Gegenpräferenzen sich
für den US-Handel ergebenden Verluste kompensieren.
Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß beide Seiten gewillt sind, ernsthaft
zu verhandeln. Europäische Sprecher scheinen zu akzeptieren, daß sie anderen
Ländern Kompensationen schuldig sind. Allerdings dürfte es darüber, wo und wie
solche Kompensationen erfolgen sollen,harte Verhandlungen geben.
Die Aussicht auf ein konstruktives Ergebnis wird durch die Bereitschaft
aller großen Handelsnationen, im kommenden Jahr eine umfassende, weltweite
Runde von Handelsgesprächen aufzunehmen, nur vergrößert. Ein Abbau oder eine
Beseitigung zahlreicher Handelsschranken auf weltweiter Ebene würde an sich
schon ausreichen, um zahlreiche Klagen über eine Handelsdiskriminierung auszuräumen. Würde bei einzelnen Erzeugnissen überhaupt kein Zoll mehr erhoben
werden, so könnte es bei diesen Erzeugnissen auch keine Diskriminierung durch
Zölle mehr geben.
Die Ergebnisse dieser beiden bevorstehenden Verhandlungsrunden könnten
also die Exportmöglichkeiten aller Länder verbessern, während der Welthandel
sich aufgrund der weltweiten Handelsliberalisierung weiter ausweitet. Und
ein solches konstruktives Ergebnis - nicht eine sterile Konfrontation - streben
die Vereinigten Staaten mit ihrer neuen dynamischen Handelspolitik an.

-B-f-f

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48/1972

PAKT ZUM SCHUTZ DER OZEANE,

91 Länder einigten sich auf internationale Konvention

--(AD)-- Vor zwei Jahren forderte der US-Präsidialbeirat für Umwelthygiene
die amerikanische Regierung auf, sich auf internationaler Ebene dafür einzusetzen, daß der Verseuchung der Ozeane Einhalt geboten werde. In den Vereinigten Staaten wurden daraufhin Gesetze vorbereitet, die eine weitere Verseuchung
durch das Versenken von Abfällen aus amerikanischen Quellen unterbinden sollten. Die Maßnahmen dienten auf der Stockholmer "UN-Konferenz über die menschliche Umwelt" (Juni 1972) als Modell für ein ähnliches internationales Programmi das bis Ende 1972 Rechtskraft erlangen soll.
Mitte November wurde darüber in London Einigung erzielt. 91 Länder, unter ihnen alle seefahrenden Nationen, stimmten einer globalen Konvention zu,
die Russell E. Train, der Leiter der US-Delegation, als einen "historischen
Schritt zur Kontrolle weltweiter Meeresverschmutzung" bezeichnete. Aufgrund
dieser Konvention sind die Regierungen dafür verantwortlich, welche Art von
Abfällen in welchen Mengen und an welcher Stelle ins Meer geleitet werden.
Bei

i

�Bei manchen Substanzen besteht ein absolutes Verbot zur Abfallbeseitigung in
den Ozeanen. Zu ihnen gehören z,B

bestimmte Schädlingsbekämpfungsmittel, schwer

abbaufähige Öle und Koststoffmassen, stark radioaktive Abfälle sowie Kadmium und
Quocksilberund deren Verbindungen. Abfälle, die giftige Stoffe wie Blei, Chrom,
Arsen, Zyanide und Fluoride enthalten, dürfen nur mit Sondergenehmigung ins Meer
gebracht werden, alle übrigen Substanzen fallen unter ein allgemeines Genehmigungsverfahren.
Die Vereinbarungen von London berücksichtigen im wesentlichen die Ziele,
die die Vereinigten Staaten zum Schutz der Meere anstreben. So verbietet das
von Präsident Nixon am 28. Oktober 1972 unterzeichnete Gesetz das Versenken oder
Ablassen jeglicher Stoffe für radiologische, chemische oder biologische Waffen
oder stark radioaktiver Abfälle amerikanischer Herkunft im Meere. In den neuen
amerikanischen Bestimmungen ist auch die verschmutzende Wirkung anderer Abfallprodukte berücksichtigt - z.B, von Industrieabfällen, Klärschlamm, festen
Materialien und von Baggergut. Die Ablagerung solcher Produkte wird nach der
Untersuchung ihrer Auswirkungen von der US-Bundesbehörde für Umweltschutz geregelt.
Der "Pakt von London" tritt in Kraft, sobald er von mindestens 15 Signatarmächten ratifiziert worden ist

Diese verpflichten sich, "alle praktikablen

Schritte zu tun, um die Verschmutzung der Meere durch Abfallprodukte und andere
Stoffe zu verhindern, welche zwangsläufig Gefahren für die menschliche Gesundheit schaffen, die Nahrungskette und Lebewesen im Meer schädigen, Naturschönheiten zerstören oder anderweitig die rechtmäßige Nutzung der Meere beeinträchtigen." Wo in Sonderfällen eine Beseitigung gefährlicher Substanzen im Meer
unumgänglich ist, muß dies der Behörde oder Organisation, die beauftragt wird,
Informationen über die Meeresverschmutzung zu veröffentlichen, sofort gemeldet
werden. Die Durchsetzung der einzelnen Punkte der Konvention ist Sache der
Regierungen.
Die

T2-

�Die Konvention allein könnte allerdings die Probleme der Meeresverschmutzung
nicht lösen. Sie muß deshalb zusammen mit den übrigen Abmachungen wirksam werden, die durch internationale Gremien wie IMCO (Intergovernmental Consultative
Organization - Zwischenstaatliche Konsultativorganisation) insbesondere zur
Bekämpfung der Ölpest bereits durchgesetzt worden sind. Die USA stehen derzeit
inmitten der Vorbereitungen für die nächste IMCO-Konferenz im Herbst 1973.
Auf dieser soll eine neue Konvention angenommen werden, die sehr strenge Maßstäbe in bezug auf das Ablassen von Öl und Versenken gefährlicher Substanzen
im Meer sowie für die Konstruktion von Schiffen anlegt, mit denen solche Stoffe
transportiert werden.

�. amerika dienst
United

States

53 B o n n - B a d
Tel:

Information

Godesbergl,

89-3240

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Wissenschaft
und
Technik

T e I e x : 08 - 8 54 32

48/1972

LABORSYNTHESE VON LANOSTERIN GELUNGEN

--(AD)-- Chemikern der Stanford Universität ist es zum ersten Mal gelungen,
eine der kompliziertesten biochemischen Reaktionen unter Laboratoriumsbedingungen zu simulieren. Prof. Eugene van Tamelen und Richard Anderson, einer
seiner Doktoranden, beschreiben in der Zeitschrift der "American Chemical
Society" (Ausgabe vom 15. November 1972) Reaktionsabläufe, die über Lanosterin zur Bildung der pflanzlichen und tierischen Steroide führen.
Bisher glaubte man, die Synthese von Lanosterin sei nur in Anwesenheit
von Enzymen möglich, die im Organismus als Katalysatoren fungieren. Die Natur
setzt ein ganzes System von Enzymen ein, um aus einem verhältnismäßig einfachen Molekül, nämlich Squalenoxid, Lanosterin zu produzieren. Dieses ist
die Muttersubstanz für zahlreiche wichtige Verbindungen - insbesondere für
Cholesterin und eine Gruppe von Körpern, zu der z.B, Vitamin D-Varianten,
Sexualhormone und Nebennierenrinden-Hormone wie Cortison gehören. Normalerweise gewinnt man alle synthetischen Hormone, auch die Bestandteile der Kontrazeptiva, aus natürlichen Steroiden. Nach den Angaben der Stanford-Wissenschaftler ist es bisher bei Abwesenheit von Enzymen nicht gelungen, aus Squalenoxid
Lanosterin aufzubauen. Die beiden Chemiker fanden jedoch ein nahezu identisches
Molekül, ein "Pseudo-Squalenoxid", Dieses Molekül führt in Verbindung mit
Enzymen oder - im Labor - mit einer Reihe von sauren Katalysatoren zum
Lanosterin-System.
Nach

-l-

�Nach Ansicht van Tamelens bedeutet dies einen wichtigen Schritt für die
organische Chemie. "Es gibt wenig Fälle, in denen man in einer einzigen Reaktion
mit so wenig Aufwand so viel erreichen kann", meint er. Die Aufdeckung der Rolle
des Squalenoxids bei der Biosynthese der Steroide ist ebenfalls Arbeiten von
Wissenschaftlern der Stanford-Universität zu verdanken.
Ob den neuen Experimenten und deren Ergebnissen kommerzielle Bedeutung zukommt, vermag van Tamelen noch nicht zu beurteilen. Aber sie lassen nunmehr bemerkenswerte Schlußfolgerungen auf Evolutionsprozesse zu. Höhere Lebensformen
könnten ohne Lanosterin überhaupt nicht existieren. Aus spektrographischen
Untersuchungen ist bekannt, daß es schon vor 2,5 Milliarden Jahren auf der Erde
Steroide gab. Nach Meinung van Tamelens ist anzunehmen, daß sich diese Substanzen
spontan bildeten - und das bedeutet, daß vorher chemische Prozesse ohne Enzyme
am Werk waren. "Nachdem wir jetzt wissen, was ohne ein Enzym zustandegebracht
werden kann, sind wir auch eher in der Lage, seine reale Bedeutung zu erfassen
und abzugrenzen."
Die neuesten Ergebnisse stellen den Höhepunkt zehnjähriger Forschungsarbeit
dar. Dem Bericht van Tamelens zufolg e wurde das gleiche Verfahren nicht nur bei
Squalenoxid, sondern bei verschiedenen Ausgangsmaterialien angewandt, um mit
einfachen Mitteln noch kompliziertere Verbindungen zu gewinnen als Lanosterin
es ist. Dazu gehörten z.B. Beta-und Deltaamyrin (zwei sehr komplizierte Pflanzenprodukte) und Tetrahymanol, das normalerweise in Protozooen enthalten ist.

-2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Elliot L. Richardson zum neuen amerikanischen Verteidigungsminister vorgesehen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Caspar W. Weinberger soll Ministerium für Gesundheit, Erziehung und Sozialfragen übernehmen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Roy L. Ash soll neuer Direktor des Amtes für Planung und Haushalt werden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Washington unterstreicht Bedeutung der Konsultationen mit den NATO-Verbündeten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Marie H. König&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schreiben Nixons zur Eröffnung von SALT II&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA werden nachdrücklich auf Lösung der anstehenden Handelsprobleme hinarbeiten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Intensive Vorbereitungen Washingtons -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pakt zum Schutz der Ozeane&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 91 Länder einigten sich auf internationale Konvention -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Laborsynthese von Lanosterin gelungen</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28

29. November 1978

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Carter legt seine außen- und innenpolitischen Ziele dar
- Fernsehinterview mit Bill Moyers HINTERGRUNDMATERIAL
Die Endergebnisse der US-Wahlen vom 7. November 1978
- Liste der Gouverneure der 50 Einzel Staaten der USA - Der neue Senat der Vereinigten Staaten - Das neue Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten WIRTSCHAFT
Schwerpunkt Kohle im US-Energieprogramm
- Energieminister Schlesinger äußert sich zum neuen Gesetz WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Atomkraftnutzung mit mehr politischer Sicherheit
- INFCE-Konferenz hält Jahrestagung in Wien Doppelrendezvous mit dem Planeten Venus
- Zwei amerikanische PIONIER-Sonden kurz vor dem Ziel

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�n
m m

ST 4itt

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. November 1978

28

PRÄSIDENT CARTER LEGT SEINE AUSSEN- UND INNENPOLITISCHEN ZIELE DAR
Fernsehinterview mit Bill Moyers

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 13. November in
einem längeren Interview im öffentlichen (d.h. nicht von Privatgesellschaften, sondern von der öffentlichen Hand getragenen) Fernsehen der
Vereinigten Staaten seine außen- und innenpolitischen Ziele dargelegt.
Das Interview mit dem bekannten amerikanischen Journalisten Bill Moyers,
der früher selbst als Pressereferent im Weißen Haus tätig gewesen war, ist
als "Halbzeitstand" in der Amtszeit Präsident Carters von besonderer
Bedeutung.

Wir geben im folgenden den vollen Wortlaut des Interviews

wieder.

Frage: Herr Präsident, Sören Kierkegaard, ein Philosoph, den Sie
gelesen und auch zitiert haben, hat einmal einen Essay geschrieben, in
dem er zur Selbstprüfung auffordert. Bekenntnisse und Prüfung sind in
Ihrer Kirche seit langem Brauch - wennschon für gewöhnlich nicht m

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�im Fernsehen.
Mit Ihrer Erlaubnis möchte ich einige Fragen zur Selbstprüfung stellen.
Wenn es unter Ihren Anhängern eine einhellige beherrschende Kritik der
Carter-Administration gibt, so lautet sie, daß es während der ersten achtzehn Monate kein beherrschendes Thema, keine Vision von dem, was Sie zu tun
beabsichtigen, gegeben hat.

Werden Sie in den nächsten zwei Jahren versuchen,

eine Carter-Vision des Landes zu gestalten?
Antwort:

Ich glaube, es war ebenfalls Kierkegaard, der gesagt hat,

daß jeder Mensch ein Einzelner, eine Ausnahme, ist, und die Vielfalt der
Aufgaben und Verantwortungen, die ein Präsident hat, die gleichen Probleme,
denen sich unsere Nation stellen muß, führen meiner Ansicht nach dazu,
daß recht oft ein gewisser zentraler Brennpunkt fehlt.
Wir befassen uns mit dem Problem einer starken nationalen Verteidigung,
machen uns einige Sorgen über die Absichten potentieller Gegner, wie etwa
der Sowjetunion,und sind zu gleicher Zeit mit aller Kraft darum bemüht,
eine geraeinsame Grundlage zu finden, die die Gewähr für den Frieden
zwischen uns sowie für eine bessere Freundschaft und einen Abbau des
Mißtrauens bieten kann.
Zur gleichen Zeit befassen wir uns mit SALT (Verhandlungen über eine
Begrenzung der strategischen Rüstungen), versuchen Frieden zu schaffen im
Nahen Osten, auf Zypern, in Namibia, Rhodesien und Nicaragua, sind bemüht,
in unserem Lande die Führungsrolle zu übernehmen, wie sie die übrige Welt
immer wieder erwartet, und dann natürlich auf dem Gebiet der innenpolitischen
Probleme in ihrem ganzen Umfang - der Versuch, die Landwirtschaft stark zu
erhalten, die Exporte zu steigern, die Preise durch ein Anti-Inflationsprogramm zu stabilisieren, den notwendigen Forderungen vieler Interessengruppen in unserem Land, die durchaus guten Willens sind, gerecht zu
werden.
'••&lt;•"'+

Diese weitumfassenden
,7*w
• • *

.

.

*

•••

•

•

•

•

•

- 2 -

"

"

"

'

�Diese weitumfassenden und höchst unterschiedlichen Verantwortlichkeiten auf einen kleinen Nenner zu bringen, ist somit nahezu unmöglich.
Ich glaube, daß in einigen Fällen auch bei früheren Präsidenten die von
ihnen ausgehenden Anstöße erst in der Retrospektive in ein einfaches
Schlagwort zusammengefaßt wurden.

Ich weiß, daß Roosevelts "New Deal"

mit seiner Amtszeit identifiziert wird, als er aber den Ausdruck in einer
Rede brauchte, hatte er keine Ahnung, daß er damit den exakten Begriff
für das schaffen würde, was er seinem Land brachte.
Ich glaube also, daß nur dann, wenn man eine Administration unter
einem, wenn auch nur geringen historischen Abstand sieht, ein zentrales
Thema in den Blick gelangen kann. Wir sind bemüht, das Vertrauen in die
Regierung wiederherzustellen. Wir bemühen uns um eine Stärkung des Weltfriedens, lenken die Aufmerksamkeit auf die Menschenrechte und wollen
beispielhaft zeigen, was ich in meinem Wahl kämpf und auch seitdem ich in
meinem Amt bin, zum Ausdruck zu bringen versuchte, daß meine Partei und das,
wofür ich stehe, eine Verbindung von Mitgefühl und Kompetenz in der
richtigen Form sind.
Bisher waren wir nicht in der Lage, diese Kluft in adäquater Weise
zu überbrücken. Ich glaube, daß wir einen Schritt in der richtigen
Richtung getan haben, aber ein oder zwei Sätze oder ein kurzes, geschicktes
Schlagwort zu finden, um eine Administration in ihrem formativen oder auch
selbst in ihrem produktiven Stadium zu identifizieren, das ist nahezu
unmöglich.
Frage:

Wenn ich es Ihnen in einer anderen Weise darstellen darf, es

ist einmal gesagt worden, daß jede große neue Gestalt in der Literatur
unsere Vorstellung von Literatur verwandelt.

Ich glaube, das gleiche

gilt wahrscheinlich auch für die Präsidentschaft.
von dem, was das Land überhaupt ist.

Sie repräsentiert etwas

Sie sind der jüngste Repräsentant

dieser Tradition und ich wüßte gern, ob Sie jetzt nach zwei Jahren in
der Administration wissen, was Sie gern hinterlassen würden.
Antwort:
- 3 -

�Antwort:

Ich glaube nicht, daß sich meine Ziele sehr verändert

haben, seit ich daran dachte, mich für die Präsidentschaft zu bewerben,
also vier Jahre, bevor ich gewählt wurde, und in den letzten beiden Jahren.
Es gibt keinen Zweifel, daß unsere Nation schweren Schaden genommen
hat durch den Vietnamkrieg und durch die Watergate-Skandale und die CIAEnthüllungen,und ich glaube, daß die Menschen in unserem Lande auch
mißtrauisch wurden und anzunehmen begannen, daß viele in entscheidenden
Positionen stehenden Vertreter der Öffentlichkeit unehrlich seien, nicht
geradeheraus mit der Wahrheit hervortreten und daß unser Land bei der
großen Mehrheit der Nationen der übrigen Welt keinen Respekt mehr fand.
Es gab bei unseren eigenen Verbündeten und Freunden Bedenken, daß
wir für solche einträten, die die Personifizierung der Menschenrechtsverletzungen waren, und ich denke, daß wir in all dieser Hinsicht, wie
die Leute unsere Regierung beurteilen, sei es vom Standpunkt des
amerikanischen Bürgers oder der führenden Vertreter und Bürger ausländischer
Staaten, einen guten Fortschritt in der Richtung auf das Ziel hin gemacht
haben, das rechte Bild einer guten Nation mit Integrität und Zielsetzung
und Offenheit und auch mit einem Präsidenten, der wirklich für das Volk
selbst spricht, wiederhergestellt haben.
Ein Problem ergab sich, daß bei der Offenheit, die ich zu schaffen
versuchte, in. der Debatte über komplizierte Dinge die Klarheit ausblieb.
M e einfachsten Entscheidungen, die ich zu treffen habe, sind - wie ich
in vergangener Woche vor dem FFA-Konvent in Kansas City sagte - diejenigen
über die ich am wenigsten weiß, und daß, je mehr man über das Thema weiß,
über all die Komplexitäten auf beiden Seiten, die detai 11 ief.ten;:urid.verwickelten Argumente es um so schwieriger ist, eine Entscheidung zu treffen.
Wenn man über eine Sache nicht viel weiß, dann kann man eine sehr
rasche und leichte Entscheidung fällen. Aber ich denke, daß wir bei der
Korrektur einiger der Mängel, die in unserer Regierung bestanden, gute

- 4 -

�gute Fortschritte gemacht haben, und ich glaube, die Geschichte wird uns
nun mit Wohlwollen betrachten.
Frage:

Während Sie reden, fällt mir ein, daß seit 1960 kein Präsident

mehr zwei Amtsperioden im Weißen Haus bis zum Ende durchgestanden hat.
Kennedy wurde gewählt und ermordet, Johnson wurde gewählt und verlor
das Vertrauen, Nixon wurde gewählt und endete in Schimpf und Schande,
Ford wurde ernannt und verlor die Wahl. Möchten Sie der erste Präsidnet
sein, der seit 1960 zwei Amtsperioden zu Ende bringt?
Antwort: Darüber habe ich noch nicht entschieden. Ich möchte dieser
Ehre wert sein und wenn ich mich entschließe, mich 1980 zur Wiederwahl zu
stellen, dann beabsichtige ich auch zu gewinnen. Aber in kann verstehen,
warum es für einen Präsidenten schwierig ist, zwei Amtsperioden durchzustehen.
Man ist die Personifizierung der Probleme, und selbst wenn man ein Problem
erfolgreich angeht, wird man mit ihm identifiziert. Und das ist es, was
die Verantwortung der Präsidentschaft ausmacht.
Frage:

Herr Präsident, ist das der Grund warum sich das gestörte

Verhältnis zur Präsidentschaft in immer stärkerem Maße ausgebreitet hat?
Seit etwa fünfzehn Jahren hat man fast den Eindruck, als ob das amerikanische
Volk oder wesentliche Vertreter des amerikanischen Volkes sich in aller
Stille immer mehr von der Präsidentschaft distanziert haben und in ihr
nicht mehr das Symbol der Nation als Ganzes sehen.
Antwort:

Das mag wohl stimmen, aber es gibt da besondere Umstände

hinsichtlich der Präsidenten, die Sie erwähnten.

Kennedy wurde ermordet.

Ich glaube nicht, daß das irgendeine direkte Beziehung zur Präsidentschaft
als solcher hatte. Das war einfach ein tragisches Ereignis, das - so hoffe
ich - sich nicht wiederholen wird.
In Johnson

- 5 -

�In Johnson sah das Land meiner Ansicht nach denjenigen, der in erster
Linie verantwortlich war für die Fortsetzung des Vietnam-Krieges und dieser
Krieg lag wie eine Zentnerlast auf seinem Nacken und zog ihn nieder.
Ich denke, er hat das beste, was er konnte, getan, um den Krieg
zu beenden und ich weiß, daß er persönlich wegen der Verluste amerikanischer
Menschenleben in Vietnam sehr gelitten hat.
Nixon, sein Nachfolger hatte allerdings das besondere Problem mit Watergate und Ford wurde mit der Begnadigung Nixons identifiziert und hatte nicht
genug Zeit, wie ich meine, um sich selbst zu etablieren

und im Amt zu

bleiben.
Das waren also besondere Umstände, aber ich glaube nicht, daß es im
Amt selbst liegt, daß man aus ihm wegen irgendwelcher widriger Ereignisse
herausgedrängt wird.
Frage:

Sie stimmen also nicht einem Ihrer Vorgänger zu, der sagte,

daß es ein glänzendes Elend sei?
Antwort: Nein, ich glaube, es war Präsident Nixon, der sagte, es
sei ein glänzendes Elend, nein ich habe mich nicht elend gefühlt in diesem
Amt. Ich möchte auch darauf hinweisen, daß es freiwillig ist. Niemand
ist meines Wissens bisher gezwungen worden, Präsident zu sein, und in der
Tat, trotz der schwierigen Aufgaben und Probleme und der gelegentlichen
Enttäuschungen und Kritiken, mir gefällt es.
Frage:
Antwort:

Was ist das schwerste daran?
Ich glaube das schwerste daran ist der Versuch, in hartem

Widerstreit miteinander stehende Ideen höchst ehrenwerter Menschen in das
richtige Verhältnis zueinander zu bringen.
gar nicht bis auf meinen Tisch.

Die leichten Probleme kommen

Wie Sie wissen, werden die leichten

- 6 -

�leichten Probleme im Leben von jedem Einzelnen oder innerhalb der Familie
oder vielleicht im Rathaus oder einem Amtsgebä'ude oder dem Parlament eines
Bundesstaates gelöst. Die aber, die sich nach allen intensiven Anstrengungen nicht lösen lassen, die kommen hierher ins Weiße Haus zur
Lösung, und das sind dann ganz andere Probleme.
Und ich glaube, der Versuch, diese miteinander in Konflikt stehenden
Ideen zueinander in ein Verhältnis zu bringen, ist vielleicht die schwerste
Aufgabe für einen Präsidenten.

- Das amerikanisch-sowjetische Verhältnis Frage: Sie haben vor nicht allzulanger Zeit gesagt: "Ich empfinde
mein Leben jetzt, als befände ich mich in einer schweren Prüfung mit Fragen,
die vielfache Möglichkeiten der Beantwortung bieten, bei der man mir Dinge
vorlegt, und ich habe die schwierige Entscheidung zu treffen."
Können Sie dafür ein Beispiel geben?
Antwort:

Ich habe nichts gefunden, was leicht ist an diesem Amt.

Aber ich habe auch nicht erwartet, daß es leicht sein würde, als ich hierher
kam.

Ich erwähnte ein Beispiel bereits früher:

Die Tatsache, daß wir sehr

besorgt um den Schutz der Sicherheit unserer Nation sein und jede Eventualität
bedenken müssen, wenn wir mit der Sowjetunion zu keinem Fortschritt in
Richtung auf den Frieden gelangen.
Zur gleichen Zeit aber müssen wir jede Möglichkeit erkunden, um ein
friedliches Verhältnis zur Sowjetunion zu haben, um Spannungen abzubauen und
um eine gemeinsame Grundlage zu finden, auf der wir in der Zukunft tatsächlich
eine Freundschaft aufbauen können.

Und dies beides, die beiden Seiten dieser

Möglichkeit, sind nicht nur außerordentlich schwierig, sondern stehen allem

- 7 -

�allem Anschein nach in Widerstreit miteinander.
Frage:

Worauf zielen die Sowjets Ihrer Meinung nach ab?

Sehen Sie

in der Sowjetunion eine in erster Linie defensive Macht, die ihre eigene
Position in der Welt zu festigen sucht, oder sehen Sie in ihr eine aggressive
Macht, die bemüht ist, ihre Position in der Welt auszuweiten?
Antwort:

Um einmal überaus großmütig zu sein - aber auch nicht zu

weit vom Punkte abzukommen - ich glaube, daß die Sowjets vor allem Frieden
und Sicherheit für ihr eiqenes Volk wollen, und sie übertreiben zweifellos
jede scheinbare Drohung gegen sie und müssen es, um sicher zu sein, daß
sie in der Lage sind, sich selbst zu schützen.

Gleichzeitig, wie es mit

uns der Fall ist, möchten sie gern ihren Einfluß bei anderen Völkern
in der Welt ausweiten, im Glauben, daß ihr Regierungssystem, ihre Weltanschauung

das Beste seien.

Das heißt, wir müssen für die Zukunft bei bestehendem Frieden zwischen
uns planen, mit ihnen in Konkurrenz zu stehen und in der Lage zu sein,
zugleich aggressiv und erfolgreich zu konkurrieren.
Aber ich möchte sagen, daß dieses ihre beiden Grundmotive sind,
so wie auch bei uns, Sicherheit für sich selbst und den eigenen Einfluß
in der übrigen Welt soweit wie möglich zum Tragen zu bringen.
Frage:

Nun gibt es Leute, die der Meinung sind, daß es das Ziel

der Sowjets sei, uns gegenüber sowohl in bezug auf herkömmliche als auch
auf strategische Waffen eine Überlegenheit zu erlangen, und daß wir uns
daher nicht damit zufriedengeben

sollten, ein Gleichgewicht zu erzielen,

sondern daß wir ihnen gegenüber überlegen sein sollten.
die Alternativen, über die man spricht.
Antwort:

Das sind praktisch

Was haben Sie dazu zu sagen?

Sie werden uns weder in nationaler noch in der gesamten

militärischen Stärke überlegen sein.

Wir sind wirtschaftlich gesehen bei

- 8 -

�bei weitem die stärkere Nation.

Unsere Produktivitätskapazität ist

der sowjetischen überlegen und wird es meiner Meinung nach immer sein.
Wir stützen uns auf ein lebendiges, dynamisches gesellschaftliches
und politisches System, das auf Freiheit und Individualität basiert, sowie
auf eine gemeinsame Zielsetzung, die von unserem Volk getragen wird und
ihm nicht durch eine autokratische Regierung auferlegt wurde.

Ich meine,

daß die Tatsache, daß wir keine Kontrolle über irgendein Volk in der Welt
wünschen, uns einen Wettbewerbsvorteil gibt, wann immer irgendwo eine neue
Regierung entsteht

oder wann immer wir nach Freunden suchen.

uns mehr als der Sowjetunion.

Man vertraut

Die Sowjets geben mehr als doppelt so viel

ihres Bruttosozialprodukts für militärische Dinge aus, aber wir sind
dennoch weitaus stärker, und wir werden zumindest zu unseren Lebzeiten immer
stärker sein als sie.
Wir sind von Freunden und Verbündeten umgeben;

Kanada im Norden,

Mexiko im Süden, zwei offene und zugängliche Ozeane im Osten und Westen.
Wenn wir die Dinge aus der Perspektive des Kreml betrachten, dann sehen
sich die Sowjets fast einer Milliarde Chinesen gegenüber, die eine starke
Animosität und ein starkes Mißtrauen gegenüber den Sowjets und gegenüber
dem Westen haben.

In Osteuropa können sich die Sowjets auf ihre Verbündeten

und Freunde nicht annähernd so verlassen, wie das bei unseren Verbündeten
der Fall ist.

Moskau hat auch Schwierigkeiten hinsichtlich eines unge-

hinderten Zugangs zu den Ozeanen, das Klima bei ihnen ist nicht so gut
wie bei uns, ihr Land ist nicht so produktiv wie unseres.
Wenn es also in der Gegenwart oder in der Zukunft um eine Herausforderung
seitens der Sowjetunion geht, dann meine ich, daß unser Land gut dabei
wegkommt, und dafür danke ich Gott.
Frage:

Aber sind Sie denn der Meinung, daß die Einstellung, daß wir

die Nummer eins seien, die jetzt viele Leute geräuschvoll zum Ausdruck

�Ausdruck bringen, eine gesunde Einstellung ist?
Kann denn dieses ganze Problem, daß man Nummer eins sein müsse,
jemals zu etwas anderem führen

als zu einer zunehmenden Eskalation der

Spannungen und zu zunehmenden Ausgaben für die Rüstung?
Antwort:

Was den Bereich der Kernwaffen angeht - und hier ist, wie

Sie wissen, unser Wettstreit mit den Sowjets am direktesten - so haben
beide Seiten die Konzeption eines ungefähren Gleichgewichts akzeptiert wir sind in etwa gleichwertig.
wir haben mehr davon.

Die Sowjets haben größere Gefechtsköpfe,

Wir haben drei unterschiedliche Trägersysteme für

die Gefechtsköpfe, die sich gegenseitig ergänzen - wenn es jemals soweit
kommen sollte, aber ich glaube nicht, daß es jemals soweit kommen wird.
Wir haben eine weitaus höher entwickelte elektronische Technologie,und
unsere Überwachungssysteme sind vermutlich genauso gut, wenn nicht besser
als die sowjetischen.
Unsere Unterseeboote laufen leiser als die ihren.

Wir verfügen über

den Vorteil des gewaltigen Reservoirs eines freien Unternehmertums, das
voller Innovation ist und uns voranbringt.

Bei uns ist das Zusammenspiel

zwischen der Produktion ziviler oder friedlicher Güter auf der einen Seite
und militärischer Güter auf der anderen Seite weitaus enger.
Ich meine also, daß im Falle der Nuklearwaffen ein Gleichgewicht
besteht, und die Sowjets erkennen das an und wir auch.
Beide Seiten sind sich darüber im klaren, daß keiner den anderen
angreifen kann, ohne ungestraft davonzukommen. Wir können - sollte das
sein müssen - einen Angriff seitens der Sowjetunion verkraften und könnten
dann immer noch ihr Land zerstören, und die Sowjets wissen das ebenso wie
wir.
Ich bin also der Meinung, daß diese schreckliche Gewißheit der gegen-

- 10 -

�gegenseitigen Zerstörung einen Angriff verhindern wird.

Wir haben nicht

die Absicht - und auch nicht die Sowjets -, die Fähigkeit zu entwickeln,
das andere Land zu zerstören, ohne selbst durch nukleare Kräfte zerstört
zu werden.
Was nun die Frage der landgestützten Waffen angeht, so haben die
Sowjets - wie ich bereits vorher sagte - verletzliche Grenzen. Sie haben
Nachbarn, denen sie nicht so gut vertrauen können, wie es bei uns der Fall
ist, und auf dem nuklearen Felde sehen sie sich sogar drei weiteren
Nuklearmächten gegenüber, die im Falle einer Krise potentielle Gegner
sein könnten: den Chinesen, den Briten und den Franzosen - und dann
noch uns. Uns steht keiner von diesen als potentieller Gegner gegenüber.
Aber ich glaube, daß eine Nation, die sich übertrieben stark gibt, die
behauptet, sie sei so mächtig, daß sie das andere Land beherrschen oder
zerstören könnte, sich in das eigene Fleisch schneiden würde, und ich
glaube auch nicht, daß wir oder die Sowjets eine solche Kapazität entwickeln
könnten, selbst wenn wir dies wollten.

- Iran Frage: Lassen Sie mich noch einmal auf die Gleichung zurückkommen,
daß es mehrere Lösungen für schwierige Fragen gibt, und sie auf andere
derzeitige und sehr brennende Fragen anwenden. Die eine davon ist der
Iran. Welche Möglichkeiten sehen Sie da?
Antwort:

Wir sehen, wie Sie wissen, in dem Schah einen Freund,

einen loyalen Verbündeten, und das gute Verhältnis, das der Iran heute
zu den anderen Demokratien der Welt, den westlichen Mächten hat,ist
überaus konstruktiv und wertvoll.

Wenn es also einen starken und unabhängigen

Iran in diesem Raum gibt, dann ist dies ein sehr stabilisierender Faktor,
und wir würden es sehr, sehr ungern sehen, wenn dieses Land durch Gewalt

- 11 -

�Gewalt zerstört und die Regierung mit all den unabsehbaren Folgen gestürzt
würde.

Der Schah ist in erster Linie innerhalb des Iran kritisiert worden,

weil er versucht hat, das Land zu demokratisieren und weil er in rascher
Folge soziale Reformen eingeführt hat.
Einige seiner innenpolitischen Gegner sind nicht mit der Art und Weise
einverstanden, in der dies geschah, oder sie sind der Meinung, daß dies
nicht schnell genug - oder gar zu schnell - geschah, und sie beklagen, daß
der Schah im Zuge der Modernisierung des Iran mit hergebrachten religiösen
und sozialen Sitten und Gebräuchen gebrochen habe.
Frage:

Er wird aber auch kritisiert, weil er die Politik eines

Polizei Staates führe?
Antwort:

Das ist absolut richtig.

Ich glaube, diese Kritik gegenüber

dem Schah war zu hören, manchmal vielleicht gerechtfertigt.
Einzelheiten nicht.

Ich kenne die

Aber ich meine, es kann kein Zweifel daran bestehen,

daß der Iran große soziale Fortschritte erreicht hat und auch Fortschritte
hinsichtlich der freien Meinungsäußerung.

So hat der Schah noch in den

letzten Monaten das Parlament ermächtigt oder angewiesen, seine Erörterungen
in aller Öffentlichkeit und auch im Fernsehen durchzuführen - etwas, was
selbst wir in unserem Lande nicht tun.
Frage:

Glauben Sie, dies alles kommt zu spät?

Antwort: Ich hoffe nicht. Ich weiß nicht, was letztlich eintreten
wird. Ich möchte hoffen, daß bald eine Koalitionsregierung gebildet werden
kann. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es dort eine quasi Militärregierung.
Der Schah hat erneut seine Verpflichtung bekräftigt, offene und demokratische
Wahlen durchzuführen - vielleicht in sechs oder acht Monaten. Ich hoffe,
daß dies möglich sein wird.
Wir möchten, daß das iranische Volk seine Ansichten klar zum Ausdruck

- 12 -

�Ausdruck bringen kann und daß es eine Regierung hat, die intakt ist und
die Ansichten der Mehrheit klar zum Ausdruck bringen kann.
Frage: Aber können wir irgend etwas tun, um eine solche Entwicklung
zu fördern, oder sind unsere Hände gebunden?
Antwort:

Nein, wir werden nicht versuchen, uns in die inneren Angelegen-

heiten des Iran einzumischen.
Frage: Wir haben aber doch dazu beigetragen, daß er an die Macht kam.
Meinen Sie jetzt, daß wir nichts tun können, um ihn an der Macht zu halten?
Antwort:
Frage:

Ich glaube, diese Entscheidung muß das iranische Volk treffen.
Schmerzt es manchmal, wenn Sie sich zurückhalten müssen und

nichts tun können, wo Sie doch genau wissen, daß in einem Teil der Welt,
der jenseits Ihrer Einflußnahme steht, große Dinge auf dem Spiele stehen?
Antwort: Wir haben in gar keiner Weise die Absicht, uns in die inneren
Angelegenheiten eines anderen Landes hineinziehen zu lassen, es sei denn,
unsere eigene Sicherheit wäre direkt bedroht, und das ist eine Denkweise,
die ich zum Ausdruck gebracht habe, seit ich mich im nationalen politischen
Bereich betätige.
Ich bin der Meinung, daß wir harte Lektionen lernen mußten, und zwar
in Vietnam und anderswo. Und wir haben uns immer bemüht, unseren Verbündeten und Freunden gegenüber loyal zu sein; die Mehrheitsherrschaft
auf der Basis eine Person eine Stimme; die demokratischen Verfahren und
den Schutz der Menschenrechte zu fördern.
Ohne Zweifel waren wir nicht immer erfolgreich bei dem Versuch, andere
Völker zu ermutigen, es unseren Normen und Leitsätzen gleich zu tun, aber
ich bin doch der Meinung, daß wir bei diesem Bemühen Beharrlichkeit bewiesen

- 13 -

�bewiesen haben.
Frage:

Aber das ist genau der Punkt, wo in manchen Kreisen dieses

Landes Kritik laut wird dahingehend, daß die Sowjets beispielsweise ein
Interesse daran hätten, was im Iran passiert, und daß sie in ihrer Bewegungsfreiheit - heimlich oder offen - unbehindert seien, während wir wenn wir die von Ihnen vertretene Haltung verfolgen - gebunden seien und
nichts tun könnten, obwohl wir doch - heimlich oder öffentlich - in dieser
Angelegenheit eine harte Position beziehen und erklären sollten, daß wir
zwar den Schah nicht besonders lieben, aber ihn doch an der Macht haben
wollen.

Sie sagen, dieser Zeitpunkt sei vorüber und daß wir das nicht tun

könnten?
Antwort: Nein. Wir haben durch meine eigenen öffentlichen Erklärungen
sowie durch die von Außenminister Vance klargestellt, daß wir den Schah
und die gegenwärtige Regierung unterstützen, wobei wir uns darüber im klaren
sind, daß wir keinerlei Kontrolle über die Entscheidungen haben, die
letztlich das iranische Volk treffen muß, und auch nicht auf die Stabilität
in diesem Gebiet; wenn der Terrorismus, die Gewalt und die Anarchie im
Gefolge eines völligen Sturzes der iranischen Regierung Erfolg hätten, dann
wäre dies eine Bedrohung für den Frieden.
Uns liegen beispielsweise keinerlei Beweise dafür vor, daß die Sowjets
versuchten, die bestehende Regierungsstruktur im Iran zu zerstören, oder
daß sie eine Quelle der Gewalt in diesem Lande darstellten. Ich meine,
sie sind sich darüber im klaren, daß sie eine sehr lange Grenze mit dem
Iran haben und daß eine stabile Regierung - wer auch immer deren führende
Politiker sein mögen - für sie nur von Wert sein könnte.
Das kann sich durchaus ändern.

Sollte es sich herausstellen, daß

der Schah sehr schwach ist und daß andere Kräfte vielleicht an die Macht
kommen könnten, dann ist es durchaus möglich, daß die Sowjets diese ihre

- 14 -

�ihre Haltung ändern.

Aber das sind die Dinge, wie sie jetzt stehen.

- Der Nahe Osten und Camp David Frage:

Was haben Sie denn zum Nahen Osten zu sagen, Herr Präsident?

Antwort: Ich habe hunderte von Stunden für die Vorbereitung sowie für
die direkten Verhandlungen mit den Führern des Nahen Ostens, insbesondere
Ägyptens und Israels,verwandt,und auch Außenminister Vance hat unter Aufgabe
eines Teils seiner anderen Verpflichtungen für die Außenpolitik versucht,
einen erfolgreichen Abschluß der Verhandlungen über einen Friedensvertrag
herbeizuführen.
Und auch hier haben wir keinerlei Machtbefugnisse über jemand anderen.
Wir können keinen Druck ausüben, um die Israelis und die Ägypter zu einer
friedlichen Regelung der Streitfälle zu veranlassen, die sie trennen.
Der Rahmen von Camp David, fast ein Wunder, was einen Abschluß angeht,
- und es scheint jetzt im Rückblick ein größeres Wunder zu sein, als zur
Zeit seines

Zustandekommens - bildet eine vernünftige Basis zwischen Ägypten

und Israel.

Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß beide Länder aus einem

Frieden den größten Nutzen ziehen würden.
Frage: Und dennoch scheinen sich die Gespräche heute in einer Sackgasse
zu befinden?
Antwort: Die gegenwärtigen Meinungsverschiedenheiten sind - verglichen mit den Vorteilen die erzielt werden können - relativ unbedeutsam.
Die Vorteile sind im Vergleich mit den Meinungsverschiedenheiten so überwältigend, daß ich hoffe, daß die Ägypter und die Israelis Fortschritte in
Richtung auf den Frieden machen werden.
Frage:
- 15 -

�Frage:

Was steht denn diesen Fortschritten heute entgegen?

Antwort:

In Camp David haben wir einen Rahmen geschaffen.

Dieser

enthielt eine ganze Menge an Substanz, aber er erforderte dennoch Verhandlungen über Details und spezifische Fragen, und es gibt eben keine
Möglichkeit, einen Friedensvertrag mit all den Einzelheiten und den detaillierten Absprachen, mit den vereinbarten Landkarten, skizzierten Linien
und Zeitplan abzuschließen, ohne weit über das hinaus zu gehen, was der
Rahmen von Camp David darlegte.
Es haben also beide Seiten voneinander zusätzliche Sicherheiten gefordert, die über das hinausgehen, was speziell in Camp David vereinbart
wurde.

Und ich denke doch, daß die beiden Regierungen in einigen Fällen

- ja in manchen Fällen - eine ziemlich gute Übereinkunft erreicht haben.
Was nun weiterhin geschehen wird, weiß ich nicht, wir hoffen daß
beide Seiten weiterhin auf die Erreichung eines Abkommens hinarbeiten
werden, daß sie darauf hinarbeiten werden, einander zu verstehen,und die
Konsequenzen eines Fehl Schlages gegen die Vorteile eines Erfolges abwägen,
und daß beide flexibel sind.
Es handelt sich um uralte Argumente, um historisches Mißtrauen, das
nicht leicht zu überwinden ist, und was daran so frustrierend ist, ist
die Tatsache, daß wir an diesen Verhandlungen teilhaben, daß wir jedoch
Israel nicht veranlassen können, die ägyptischen Forderungen anzunehmen oder umgekehrt. Wir müssen danach trachten, einige dieser Forderungen
abzuschwächen und unseren Einfluß geltend zu machen. Ich weiß wirklich
nicht, was hier geschehen wird. Wir beten darum,daß diese Abkommen zustande kommen.
Frage:

Ersuchen Sie beide Seiten darum, weitere Konzessionen zu

machen?
Antwort:

- 16 -

�Antwort:

Ja, Tag und Nacht.

Wir ersuchen beide Seiten, doch auf jeden Fall konstruktiv zu handeln,
nicht auf einer festgefahrenen Position zu beharren, die Verhandlung fortzusetzen, auf unseren Vorschlag einzugehen und diesen Kompromissen zuzustimmen.
Das waren und sind unsere Bemühungen, die auf einer konstanten Basis
forgesetzt werden.

Ich glaube, es wäre einfach schrecklich, wenn wir kein

friedliches Abkommen zwischen Israel und Ägypten erreichen könnten.
Frage:

Und was würde dann geschehen?

Antwort: Dann würden unsere Kinder, unsere Enkelkinder, zukünftige
Generationen auf diese Zeit zurückblicken und sagen, daß kleine, winzige
technische Dinge, Sätze, die Formulierung von Vorstellungen, legalistische
Einzelheiten, die zu jener Zeit angesichts eines Abkommens zwischen Ägypten
und den Israelis von überragender Wichtigkeit schienen, absolut keinerlei
geschichtliche Bedeutung haben. So stehen im Grunde die Probleme.
Frage:

Wollen Sie damit sagen, daß der Engpaß von heute aufgrund von

technischen Dingen und nicht aufgrund von wesentlichen Grundsatzfragen
entstanden ist?
Antwort:

Ja!

Verglichen mit den Prinzipien, über die bereits Einigung

erzielt worden ist, sowie mit dem Gesamtbereich der Dinge sind die Meinungsverschiedenheiten jetzt relativ unbedeutsam.
Frage: Ägypten möchte die gegenwärtigen Verhandlungen, so wie ich
es sehe, mit der zukünftigen Lösung der Probleme des Gazastreifens und
des Westufers verbunden wissen. Wer ist nun eigentlich eigensinniger?
Antwort:

Ich möchte nicht damit anfangen, zu sagen, wer nun eigentlich

- 17 -

�eigentlich eigensinniger ist.

Ich meine, beiden Seiten muß eine ent-

sprechende Eigensinnigkeit zugeschrieben werden.
Frage: Sie sprachen von Enkelkindern; und nach Camp David haben Sie
gesagt, daß ein kritischer Augenblick dadurch überwunden werden konnte,
daß jemand an gerade diese Enkelkinder gedacht habe. Könnten Sie sich dazu
näher äußern?
Antwort:
zuzumessen;

Es ist vielleicht ein Fehler, dieser Sache zuviel Bedeutung
aber während der letzten Verhandlungsstunden in Camp David,

als es den Anschein hatte, daß alles zusammenbrechen würde, schickte mir
Ministerpräsident Begin einige Fotografien von sich und mir und Präsident
Sadat hinüber mit der Bitte, sie zu signieren.
Zu dieser Zeit ging es gerade um Jerusalem, das sich als ein fast
unüberwindbäres Hindernis erwies und worüber wir später übereinkamen, es
nicht in das Rahmenwerk einzuschließen. Und statt meiner Unterschrift
unter diese Fotos zu setzen, wie es Präsident Sadat getan hatte, schickte
ich meine Sekretärin, Susan Clough hinüber und erhielt von einem seiner
Berater die Namen all seiner Enkel. Ich widmete diese Fotos dann persönlich
all seinen Enkeltöchtern und Enkelsöhnen, unterzeichnete und trug sie dann
zu ihm hinüber - und zwar in einem der angespanntesten Augenblicke -, ich
überreichte ihm die Fotos, und er begann, über den Zusammenbruch der Verhandlungen zu sprechen. Dann blickte er auf die Fotos und sah, daß ich
alle Namen seiner Enkelkinder darauf geschrieben und sie signiert hatte;
und dann begann er mir von seinem Lieblingsenkel zu erzählen sowie über die
Eigenheiten der verschiedenen anderen Enkelkinder und wir hatten ein ziemlich
gefühlsbetontes Gespräch über die Vorteile, die sich für meine beiden
Enkel sowie seine Enkelkinder ergeben könnten, wenn wir den Frieden erreichten.
Ich glaube, das löste die bestehende Spannung, die zu dem damaligen Zeitpunkt zu einem Hindernis für jede Art von Lösung hätte werden können.

Frage:

Welche Schlüsse ziehen Sie nun daraus hinsichtlich der Natur

- 18 -

�Natur dieser Probleme und ihrer Lösung?
Antwort: Sehen Sie, wenn Sie die Probleme unter dem Gesichtspunkt
betrachten, welche Wirkung sie auf die Menschen haben, auf kleine Kinder,
auf Familien, ja auf den Verlust des Lebens, dann erlangen Abkommen, die
Notwendigkeit für Abkommen, eine alles überragende Bedeutung. Wenn die
internationalen Anwälte nun die Dinge in die Hand nehmen und sich mit den
technischen Einzelheiten befassen - mit der Frage beispielsweise, ob ein
bestimmtes Ereignis sich in neun Monaten oder achteinhalb Monaten oder zehn
Monaten vollziehen soll oder noch früher, ob beispielsweise diese Demarkationslinie um einen bestimmten Hügel herumgeführt oder über ihn hinweggehen soll,
oder ob die Beobachtungstürme 150 Fuß hoch, 200 Fuß hoch, oder 125 Fuß hoch
sein sollen, dann erlangt die menschliche Dimension offensichtlich überragende Bedeutung, aber wenn dann wiederum die Verhandlungsführer sich an
einen Tisch setzen und mit ihren Gesprächen beginnen, besteht die Tendenz,
daß die menschliche Dimension immer geringer wird und daß man sich an den
legal istischen Einzelheiten, an dem Vertragstext sowie exakten Zeitplänen
festbeißt und historische Perspektiven keine Bedeutung mehr haben.

Ein weiteres Problem - und zwar eines der ernsthaftesten - war, daß
es in Camp David keine täglichen Presseunterrichtungen gab; und von dieser
Absprache gingen wir auch hier in Washington aus, als die Gespräche begannen,
daß nämlich keine Seite direkte Erklärungen gegenüber der Presse abgeben würde.
Wie Sie wissen, ist diese Absprache nicht eingehalten worden, und das hat
für uns weitere gewaltige und unnötige Probleme geschaffen.
Frage:

Sie meinen, daß es auf beiden Seiten undichte Stellen gab?

Antwort: Nicht nur undichte Stellen, sondern fast jeden Tag sehe
ich im Fernsehen Interviews von zumindest einer der beiden beteiligten
Seiten. In Camp David arbeitete ich ferner direkt mit den Staatschefs zusammen.
Hier in Washington arbeiten wir mit den Verhandlungsführern zusammen, und
diese wiederum berichten ihre Entscheidungen zurück an ihren Staatschef oder

- 19 -

�oder an das Kabinett, das Kabinett stößt sie wieder um, veranlaßt die
Verhandlungsführer zu einer Änderung des Textes oder auch nur eines Wortes,
und praktisch sind es dann die radikalsten Mitglieder der Regierungen, die
den Haupteinfluß auf den Verhandlungsprozeß ausüben - statt daß man die
Staatschefs in einer Entfernung von etwa 100 Metern hat (wie in Camp David)
und sie ein für alle mal diese Fragen lösen können.
Ich bin also der Meinung, daß die Nachfolgekonferenz von Camp David
viel mehr Zeit in Anspruch nimmt und weitaus frustrierender ist, als dies
in Camp David der Fall war, wo wir drei in erster Linie die Verhandlungen
geführt haben.
Frage:

Wenn ich das Logbuch von Camp David lese, dann ergibt sich

daraus, daß sie insgesamt 27 1/2 Stunden mit Sadat und 29 Stunden mit Begin
sowie 9 Stunden mit Sadat alleine und 6 Stunden mit Begin alleine verbracht
haben, wobei sonst niemand im Raum war - so wie es bei Roosevelt und
Churchill der Fall war.
Glauben Sie, daß Sie die meisten dieser größeren Fragen, denen wir uns
gegenüber sehen, lösen könnten, wenn Sie die Leute in einen Raum bekämen
und mit ihnen sprechen könnten? Man hat gesagt, daß Lyndon Johnson weitaus
mehr hätte erreichen können, hätte er nur die Leute einen nach dem anderen
überzeugen können, statt zum Fernsehen und zu öffentlichen Reden Zuflucht
zu nehmen.
Glauben Sie, daß andere Probleme, vor denen Sie stehen, gelöst werden
könnten, wenn Sie sich sozusagen Auge in Auge mit dem Gegner aussprechen
könnten?
Antwort:

Ich könnte keinen Erfolg garantieren, aber ich meine doch,

daß die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges ohne Frage größer wäre.

- 20 -

�- Die Amtseinführung Frage:

Das führt uns auf etwas zurück, was Sie auch schon vorhin

sagten, daß nämlich alles, was Sie tun, niemals in einem Sinne gesehen wird,
wie Sie es zu tun versuchen, daß Sie für viele Menschen in vielerlei Weise
erscheinen.

Wie lösen Sie diese Widersprüche?

Antwort: Das kann nicht ausbleiben. Das schwierigste Problem, mit
dem ich fertig werden muß, besteht darin, daß ich mich für die Menschen in
aller Welt nicht als einschichtigen oder ganz einfachen Charakter oder
Person darstelle.
Die Tagesordnung eines durchschnittlichen Arbeitstages für mich ist
unglaublich vielschichtig, und ich muß von einem Thema zum anderen übergehen, von innenpolitischen zu außenpolitischen Fragen, von einem Land zum
anderen, von einem Problem zum anderen.

Und es ist mir einfach nicht

möglich, in wenigen Worten zu sagen, was ich an diesem oder jenem Tag getan
habe, sodaß dieser vielschichtige Eindruck unausweichlich eintritt.
Das einzige, was ich nach meinem eigenen Wissen und Gewissen tun
kann, ist, jedes Problem um seiner selbst willen zu bedenken und eine
Entscheidung zu treffen, die nach meiner Überzeugung zu dem gegebenen
Zeitpunkt die beste für mein Land und für mein Volk ist.
Es ist natürlich ein Vorteil, gute Berater zu haben, und ich habe
gute Berater.
Ich bin kritisiert worden, weil ich mich zu sehr in die Einzelheiten
eines Problems einließe, aber das ist nun einmal meine Art, und ich glaube,
das zahlt sich gelegentlich sehr gut aus, da ich dadurch in der Lage bin,
die Vielschichtigkeit eines Problems zu verstehen, wenn die endgültige
Entscheidung getroffen werden muß. Ich brauche mich dann nicht ausschließlich
auf meine Berater zu verlassen, die nicht über das Wissen verfügen, das ich

- 21 -

�ich als Präsident allein haben kann.
Aber das ist wohl eine unerfüllbare Hoffnung eines jeden Politikers,
wie ich vermute, von allen bewundert zu werden, allein

eine klare Vor-

stellung von allen Themen zu haben, alles fein verpackt und verschnürt
zu haben, so daß es ohne jeden Zweifel von allen Seiten geprüft werden
kann, seinen Charakter von allen klar erkannt und die universelle Billigung
aller Menschen zu haben, die man vertritt.

All das sind unerfüllbare

Träume.
Frage:

Pat Cadell - er ist einer Ihrer Mitarbeiter - hielt vor kurzem

eine Rede, in der er erklärte, ein Präsident könne Erfolg haben, auch
wenn er wenig leiste, weil die Menschen draußen davon ausgingen, daß er
nicht viel leisten könne. Glauben Sie, daß das stimmt?
Antwort:
Frage:

Ich hoffe, daß ich den Beweis dafür nicht anzutreten brauche!
Wie ich hörte, wurden Sie, da wir von Details sprechen,

kritisiert, weil Sie die Liste geführt hätten, wer wann die Tennisplätze des Weißen Hauses benutzen darf.
Antwort:
Frage:
Antwort:

Tun Sie das noch?

Nein, und ich habe das übrigens auch niemals getan.
Das war also eine Falschmeldung?
Ja, ganz sicherlich.

Frage: Ernsthaft gesprochen, ist der Job zu groß? Ist die amerikanische
Regierung, die heute ein 500 Milliarden Dollar-Unternehmen ist, zu groß,
als daß sie von einem einzigen Chef gemanaged werden könnte?
Antwort: Nein, ich möchte nicht tauschen - ich sage das in dem
Bewußtsein, daß natürlich nicht eine Person alles tun kann. Aber der

- 22 -

�der Aufbau der amerikanischen Regierung ist noch immer der beste, den ich
mir vorstellen kann.

Es besteht eine gewaltige Aufteilung der Verantwortung

unter den verschiedenen Zweigen der Bundesregierung, eine angemessene Aufteilung der Verantwortung zwischen mir und den Gouverneuren der Einzelstaaten und den Bürgermeistern und den Kreisverwaltungen auf der kommunalen
Ebene, zwischen der Regierung und den einzelnen Bürgern.
Dieses Kräfteverhältnis hat sich historisch entwickelt, und es hat
sich, wie ich meine, zu dem gegenwärtigen Stand der Dinge entwickelt,
weil man in jedem Falle, in dem eine Änderung eingetreten ist, die Dinge
erprobt und sich die beste Lösung durchgesetzt hat. Aber es wäre ein
schwerer Fehler, eine solche Regierung, sagen wir mit Hilfe eines Ausschusses,
leiten zu wollen. Und ich bin sehr dankbar, daß ich die Mitglieder meines
Kabinetts selbst einstellen und entlassen kann. Ich berate mich mit meinem
Kabinett, und ich höre den Mitgliedern meines Kabinetts zu, aber die
Entscheidung treffe ich alleine. Ich brauche nicht abstimmen zu lassen
und mich nach einer Mehrheit in meinem eigenen Kabinett zu richten, und
wenn man sich vorstellen würde, daß es eine Dreipersonen-Präsidentschaft
gäbe, eine Person, die sich vielleicht um die Außenpolitik kümmert, eine
um die innenpolitischen Fragen und eine, die an der Spitze der Verwaltung
selbst stünde, dann wäre das sicherlich sehr viel schlechter als der
jetzige Zustand.

Ich finde unsere verfassungsmäßige Regelung gut. Wir haben eine
Exekutive mit verfassungsmäßig begrenzter Macht und eine Stimme, mit der
wir die Erwartungen und Hoffnungen unseres Landes richtig und genau, wie
ich glaube, unserem Volk zu Ausdruck bringen können.
Frage:
Antwort:

War Camp David der bisherige Höhepunkt Ihrer Regierungszeit?
Ich möchte sagen, die ersten zwölfeinhalb Tage waren

wahrscheinlich der Tiefpunkt meiner Regierungszeit, der letzte halbe
Tag in Camp David war einer der Höhepunkte.

- 23 -

Das ist alles schwer zu

�zu sagen.
Frage:

Was war für Sie der Tiefpunkt?

Waren Sie sich beispielsweise

in diesem Sommer der zunehmenden Zweifel an Ihrer Fähigkeit als Präsident
bewußt?
Antwort:

Es gab eine Flut von Nachrichten und Aufhängern in den

Wochenblättern und Leitartikeln überall im Lande, die eine Besorgnis
über meine Fähigkeit zum Ausdruck brachten, die Regierung zu leiten.
Ich weiß nicht, ob sie mehr verurteilend oder kritisch waren als
über frühere Präsidenten bis zurück zu Abraham Lincoln und noch weiter
zurück.

Jeder Präsident ist als unfähig und sogar als miserabel kritisiert

und abgetan worden.
Frage: Die Meinungsumfragen über Sie sind in diesem Sommer auch
sehr tief gesunken.
Antwort: Sie sind nicht so tief gefallen wie beispielsweise bei
Harry S. Truman während dessen Regierungszeit, aber sicherlich tiefer,
als ich es gerne gehabt hätte. Ich habe mir jedoch darüber niemals ausgesprochene Sorgen gemacht, denn ich konnte in dem Entwicklungsstadium
beispielsweise feststellen, daß in meinem Umgang mit dem Kongress Fortschritte in bezug auf Entschlüsse eintraten, die schließlich zu Entscheidungen führten, die zeigten, daß der 95. Kongreß auf eine sehr gute
Leistungsbilanz zurückblicken kann.
Und ich glaube, in den Konfrontationen mit dem Kongreß - als wir
uns über zwei oder drei Fragen stritten - habe ich mich durchgesetzt,
weil ich glaube, daß ich recht hatte und Prinzipien aufgestellt habe,
die für die Zukunft gut sein werden.
Aber ich habe auch niemals an meiner eigenen Entschlossenheit

- 24 -

�Entschlossenheit gezweifelt. Ich erkenne durchaus meine eigenen Grenzen
und Fehler. Ich bin nicht allwissend, und ich bin sicherlich nicht
allmächtig. Ich habe eine begrenzte Macht, begrenzte Vollmachten, und ich
versuche, die dem Amt selbst innewohnenden Mängel zu überwinden, so gut
ich kann.
Frage: In Kreisen, in denen ich mich umgehört habe, gibt es Leute,
die gesagt haben, daß Jimmy Carter ein Energiegesetz akzeptiert habe, das
nicht seinen Wünschen entsprach, daß Jimmy Carter sich mit einem Steuergesetz zufriedengegeben habe, das seinen Überzeugungen zuwiderlief, daß
Jimmy Carter einem aggressiven Kampf um eine Reform des Wohlfahrtsprogramms
ausgewichen sei, daß er beim Krankenhauskostendämpfungsgesetz verloren
habe, daß er im Bildungswesen nicht vorankomme. In gewisser Weise sagten
die Leute, daß Jimmy Carter, der versprochen habe, Befähigung und Leistungsfähigkeit in die Regierung zu bringen, an jeder Front gescheitert sei und
sich mit Kompromissen zufriedengebe, die er vorher nicht wollte. Und daraus
ist, wie ich glaube, die Vorstellung von einem schwachen Präsidenten entstanden - von einem Präsidenten, der an einer Front nach der anderen
Niederlagen erleidet.
Antwort:

Das endgültige gesetzgeberische Pensum, wie es verabschiedet

wurde, ist, wie ich meine, ein großes Verdienst des Kongresses und zeigt
eine gute Verträglichkeit zwischen den Parlamentariern und mir und darf
uns alle mit Stolz erfüllen.
Die Tatsache, daß nur sehr wenige Mitglieder des Kongresses bei der
letzten Wahl unterlagen - im Vergleich zu früheren "Zwischenwahlen" ist gut. Wir haben noch immer mehr als 60 Prozent Demokraten im Repräsentantenhaus, über 60 Prozent im Senat und, wie ich glaube, auch rund
60 Prozent bei den Gouverneuren. Das ist doch eine Bestätigung für die
Leistungen der Demokratischen Partei.
•

•

Aber ich glaube, ich muß fairerweise sagen, daß es Zeiten gab, jijn

- 25 -

�in denen ich Kompromisse unterhalb der Schwelle dessen abschließen mußte,
was ich vom Kongreß gefordert hatte.
Energiegesetzes

Wir haben etwa 65 Prozent des

erreicht, das wir dem Kongreß ursprünglich unterbreitet

hatten, vor allem was die Einsparung von Importöl angeht - d.h. etwa
2,5 Millionen Barrel pro Tag statt der 4,5 Millionen Barrel wie vorgesehen.
Ich hätte gerne alles erreicht.
werde

Aber ich bin ja noch im Amt, und ich

später versuchen, noch einiges mehr zu erreichen.

- Die Steuergesetzgebung Frage: Nehmen wir einmal das Steuergesetz; während des Wahl kämpfes
haben Sie erklärt, unser Steuersystem sei eine Schande für die Menschheit.
Das Steuergesetz, das Sie jetzt unterschrieben haben, ist ein Gesetz, das
den großen Steuerzahlern den größten und den kleineren Steuerzahlern den
kleineren Abschlag gewährt. Haben Sie dieses Gesetz mit ruhigem Gewissen
unterzeichnet?
Antwort:

Das ist nicht ganz fair, denn obwohl das Gesetz hinter den

Reformen zurückgeblieben ist, für die ich eingetreten bin, bringt es doch
wesentliche Steuererleichterungen für alle Steuerzahler, und es ist ein
einigermaßen ausgewogenes Gesetz, soweit das möglich ist.
Es war notwendig, daß ein Gesetz verabschiedet wurde - und verglichen
mit der Version, die das Repräsentantenhaus verabschiedet hat, oder
verglichen mit der Version, die der Senat verabschiedet hat, ist der
Kompromiß, der erreicht wurde, besser als jede der beiden vorigen Versionen.
Wenn ich mein Veto gegen das Gesetz eingelegt hätte, nachdem der
Kongreß es mir zugeleitet hatte, dann hätte das mit Wirkung vom 1.1. des
neuen Jahres ein gewaltiges Mehr an Steuern für das amerikanische Volk

- 26 -

�Volk bedeutet - nicht nur ein Verlust einer Steuersenkung von rund
20 Milliarden Dollar, die wir erreicht haben, sondern auch den Verlust
von rund 13 Milliarden Dollar an Steuersenkungen, die im vorigen Jahr
beschlossen worden sind.
Das war also ein Fall, bei dem die Entscheidung schwierig war.

Als

ich wenige Tage vor der Vertagung des Kongresses mit den führenden
Vertretern des Repräsentantenhauses und des Senats zusammentraf - AI Ullman
im Haus und Russell im Senat - habe ich ihnen erklärt:
akzeptieren, und das werde ich nicht akzeptieren".
meinen Vorstellungen gefolgt.

"Das werde ich

Sie sind im wesentlichen

Wenn es auch hinter dem zurückgeblieben ist,

was ich gerne gehabt hätte, so wäre doch mein Veto gegen das Gesetz ein
ganz schwerer Fehler gewesen.

- Die Demokratische Partei Frage:

Die Erläuterung, die rationelle Erklärung, die in Washington

für eine ganze Reihe von Kompromissen notwendig ist, bringt mich zu der
Frage, welchen Weg die Demokratische Partei nach Ihrer Auffassung einschlagen wird.

Wie Sie wissen, haben die Demokraten eine Tradition, die

Macht der Regierung zu benutzen, um die Unausgewogenheiten und die Ungerechtigkeiten der kapitalistischen Wirtschaft zu korrigieren, Neuland
zu betreten, auszugleichen und Risiken zu übernehmen.

Republikaner werden

im allgemeinen gewählt, um zu managen, zu stabilisieren, die Zügel nur
leicht anzuziehen.
Howard Baker - der Fraktionsführer der republikanischen Minderheit
im Senat - erzählt in der ganzen Stadt herum: "Die Demokraten singen
unser Lied, ein republikanisches Lied". Und viele Leute sagen, was da
in Washington neugeboren worden ist, sei eine konservative Administration
mit einem demokratischen Präsidenten und republikanischen Institutionen.

- 27 -

�Institutionen.

Glauben Sie, das könne man so sagen?

übernimmt die

Demokratische Partei tatsächlich das Gedankengut der Republikaner?
Antwort:

Nein, das glaube ich nicht.

Die Demokratische Partei war

immer eine Partei des Mitgefühls und der Sorge um die Bevölkerung unseres
Landes.

Wir waren schon immer darauf aus, jemandem eine helfende Hand zu

reichen, der keine ausreichende Chance im Leben hatte, auf eigenen Füßen
zu stehen, seine eigenen Entscheidungen zu treffen, sein eigenes Schicksal
zu meistern, eine Bildung zu erhalten, wo sie fehlt, eine bessere Gesundheitsfürsorge, eine bessere Ernährung, eine gesicherte Altersversorgung,
bessere Straßen zu erhalten.

Das sind die Dinge, die die Demokratische

Partei schon immer auf ihre Fahnen geschrieben und für die sie sich immer
eingesetzt hat.
Ich habe das schon sehr früh in meiner Regierungstätigkeit als
Gouverneur von Georgia erkannt, daß wir als Demokraten einen unverdienten
Ruf hatten, in Geldsachen nicht verantwortungsbewußt und in der Verwaltung
nicht kompetent zu sein.

Eine meiner großen Kampagnen während meiner

Zeit als Gouverneur war eine Reorganisation der Regierung, eine Einschränkung
der Bürokratie, eine Senkung der Steuern, eine saubere Haushaltsführung,
und meinen Wahl kämpf um die Präsidentschaft habe ich mit diesem Programm
bestritten.

Und wir haben bemerkenswerte Erfolge zu verzeichnen, seit ich

hier in Washington bin.
Wir werden das Haushaltsdefizit um über die Hälfte dessen gesenkt
haben, was der republikanischen Administration zur Verfügung stand,
als sie aus dem Amt ging.
Wir werden eine Reform des öffentlichen Dienstes (Civil Service)
verabschiedet haben, um zur Abwechslung einmal die Bürokratie in den
Griff zu bekommen. Wir haben 28 bis 30 Milliarden Dollar an Steuersenkungen erreicht. Gleichzeitig hatten wir die größte Anweisung er-

- 28 -

�erhöhter Mittel für ein besseres Bildungswesen, das das Land je gebabt hat.
Wir haben in fast beispielloser Weise Städten und Gemeinden Hilfe
zuteil werden lassen. Wir haben ein Wohnungsbauprogramm von über zwei
Millionen Einheiten pro Jahr aufrechterhalten, Es ist uns durch eine
straffe Verwaltung der finanziellen Mittel gelungen, eine Versorgung unseres
Volkes mit guten Dienstleistungen mit einem sparsamen Haushalt, einer
Senkung der Defizite und einer Senkung der Steuern zu kombinieren. Und
es ist meiner Ansicht nach nicht unvereinbar, diese beiden Dinge miteinander
zu kombinieren.
Man kann ein Kind nicht mit Unfähigkeit, Verschwendung
und Korruption ausbilden. Man kann einen Hungrigen nicht mit Unfähigkeit,
Verschwendung oder Korruption speisen. Und ich glaube, daß die Demokraten
jetzt zurecht einen Ruf der kompetenten Verwaltung gewonnen haben, dessen
sie sich früher nicht erfreuten.
Ich kann durchaus verstehen, daß sich die Republikaner jetzt beklagen,
denn sie können nicht mehr erfolgreich behaupten, daß die Demokraten nicht
gleichzeitig mitfühlend, besorgt und kompetent sein könnten.
Frage: Wenn Sie ein schwarzer Teenager in einem Getto wären, wenn
Sie einer der Millionen von Menschen wären, die in unserer Wirtschaft
überzählig sind, die in unserer Wirtschaft, in unserer Gesellschaft keine
positive Rolle haben, hätten Sie dann aus den Ergebnissen der Wahl am
7. November großen Mut geschöpft?
Antwort: Das ist schwer zu sagen, wenn man die Ergebnisse analysiert.
Die Republikaner haben einige Sitze im Repräsentantenhaus dazugewonnen ich glaube etwa ein Dutzend - und einige wenige Sitze im Senat. Natürlich
dürfte es niemanden ermutigen, daß die Republikaner mehr Sitze haben.

- 29 -

�- Die wirtschaftlichen Aussichten Frage:

Ich meine jetzt mehr das Vokabular, das viele Demokraten be-

nutzen - das fast jeder benutzte - da wird von Einschränkungen, Auffanglinien, Steuersenkungen usw. gesprochen, was alles zusammen eine völlig
andere Einstellung zur Regierungsmacht bedeuten würde, als es die traditionelle demokratische Einstellung war.
Antwort:

Ich weiß jetzt, was Sie meinen.

Das ist natürlich schwer

zu sagen, denn für eine bestimmte Person, die keine Arbeit hat, ist das
wichtigste, einen Arbeitsplatz zu finden.
In den letzten 20 Monaten etwa haben wir in der amerikanischen Wirtschaft
netto fast sieben Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen. Wir haben die
Arbeitslosenrate um rund 25 Prozent gesenkt.
Was die Landwirtschaft angeht, so haben wir deren Einkommen gesteigert das Nettoeinkommen um rund 25 Prozent - und wir halten zusätzliche Verpflichtungen für eine bessere Bildung, bessere

Wohnungen usw. aufrecht.

Nun herrscht allerdings allgemein die Ansicht unter jenen, die zu den
ganz untersten Einkommensgruppen gehören, und unter jenen im Ruhestand
lebenden Personen, deren Einkommen festliegt, daß die größte Bedrohung
unseres Landes die Inflation sei. Ich glaube, die Kandidaten für den
Kongreß und die Anwärter auf Gouverneursposten hatten sehr wohl erkannt,
daß der Bekämpfung der Inflation eine sehr hohe Priorität eingeräumt
werden mußte.
Damit verbunden ist eine sehr knappe Haushaltsführung, ein Abbau
der Defizite und eine Demonstration unserer Wirtschaft gegenüber der
Regierung und gegenüber dem Privatsektor, daß wir eine verantwortungsbewußte Geldpolitik betreiben.
Ich glaube,

- 30 -

�Ich glaube, auf lange Sicht ist es im Leben eines Menschen ebenso
wichtig, die Inflationslast zu erleichtern wie die Löhne zu erhöhen oder
den Preis für verkaufte Erzeugnisse.
Auf der Kontrolle der Inflation liegt wohl ein neuer Schwerpunkt, was
aber nicht heißt, daß wir das Streben nach neuen Arbeitsplätzen, nach
einem besseren Leben für die Menschen, die in unserem Lande wohnen, aufgegeben hätten.
Frage: Aber es ist doch wahrscheinlich so, daß bei einem Erfolg
Ihres Kampfes gegen die Inflation einige Menschen ihren Arbeitsplatz
verlieren, oder nicht?
Antwort: Ich glaube nicht, daß dies der Fall sein wird. Auf jeden
Fall ist so etwas nicht vorgesehen. Ich glaube, daß die Zahl der Arbeitsplätze in jedem Jahr, in dem ich im Amt bin, zunehmen wird. Das Tempo
der Zunahme mag vielleicht nachlassen und sich einpendeln, aber ich glaube
nicht, daß es einen Nettoverlust in der Zahl der Arbeitsplätze in unserem
Lande geben wird.
Frage:

Eine ganze Reihe privater Wirtschaftsexperten sagt für 1980

eine Abwärtsbewegung voraus. Wie können Sie das vermeiden, wenn Sie
wirklich den Druck auf Zinssätze und auf den Wohnungsbau und den Druck
zur Beendigung des Wachstums der Inflationsrate aufrechterhalten?

Haben

Sie da einen neuen Trick auf Lager?
Antwort:

Nein, hier gibt es keine Tricks, und auch hier wiederum

handelt es sich um eine schwierige Entscheidung, die wohl ausgewogen sein
muß.

Aber ob wir es uns leisten können, die gewaltigen Defizite zu er-

höhen, indem wir Geld ausgeben, das wir gar nicht haben, und meinen, dem
amerikanischen Volk damit etwas Gutes zu tun, ist eine schwierige Frage.
Ich glaube nicht, daß wir das können.
Ich meine,
- 31 -

�Ich meine, wir brauchen sorgfältige Haushaltsführung, genauer gezielte Dienstleistungen der Regierung, um den Ansprüchen jener gerecht
zu werden, die sie am dringendsten brauchen - kombiniert mit einer Wiederherstellung des Vertrauens in die Fähigkeit unserer Regierung, mit
fiskalischen, währungspolitischen und administrativen Aufgaben fertig
zu werden.
Und es gibt Zeiten, in denen diese Dinge in einem Gegensatz zueinander stehen, aber wir haben jetzt zehn Jahre lang eine Inflation erlebt, die im Schnitt etwa 6,5 Prozent betrug, und ich glaube, daß fast
alle Wirtschaftler - selbst jene, die meinen, wir könnten im nächsten Jahr
eine Rezession erleben - sich darüber einig sind, daß wir etwas tun müssen,
um die Inflationsrate zu senken.
Frage:

Einige Ihrer Mitarbeiter, mit denen ich heute Vormittag ge-

sprochen habe, erklärten mir, daß sie eine neue Haltung Ihrerseits spürten,
einen neuen Geist des Vertrauens, und sie schreiben das der Tatsache zu,
daß Sie in Ihrem Geist einige sehr harte Entscheidungen an der Inflationsfront getroffen haben und bei diesen Entscheidungen bleiben werden.
das richtig?

Ist

Stimmen die Vorstellungen dieser Leute?

Antwort: Ich habe nicht das Gefühl, daß ich heute kompetenter oder
aggressiver oder meiner selbst sicherer wäre als früher. Seit ich im
Amte bin, haben wir einige sehr schwierige Entscheidungen treffen müssen.
Ich habe den Eindruck, daß jeden Tag schwierige Entscheidungen getroffen werden mußten.
Aber je länger ich im Amt bin, desto eher weiß ich natürlich, was
notwendig ist. Ich begreife den Aufbau der Regierung besser. Ich kenne
die führenden Persönlichkeiten in Washington und außerhalb Washingtons
besser, die mithelfen, die Politik unseres Landes und die Zukunft unseres
Landes zu gestalten.
Der 95. Kongreß
- 32 -

�Der 95. Kongreß hat seine Arbeit abgeschlossen.

Er hat, glaube ich,

600 oder 700 Gesetze verabschiedet, die meine eigenen Programme klären
helfen.

Wir versuchen, das Beste aus den Entscheidungen des Kongresses

zu machen, und ich bin mir sicherlich über die Möglichkeiten und die
Grenzen des Präsidentenamtes besser im klaren.

- Kritik an der Presse Frage:

Was haben Sie von Washington gelernt?

Antwort: Ich mag Washington sehr gerne. Wir waren, das ist wohl das
Geringste, was man sagen kann, Neulinge hier. Ich kannte die führenden
Mitglieder des Kongresses nicht. Ich kannte die Vertreter der Massenmedien
nicht - außer denen, die mich im Wahl kämpf begleiteten. Und sie kannten
mich nicht. Ich mußte viel lernen, was die bürokratische Struktur der
Regierung angeht. Ich hatte natürlich keinen Zugang zu den Geheimnissen
der nationalen Verteidigung oder der internationalen Beziehungen, und
ich habe etwa 18 Monate nicht nur als Präsidnet, sondern auch als Schüler
gebraucht, um zu erfahren, was ich vorher nicht wußte.
Es hat meinerseits keine großen Enttäuschungen gegeben. Ich habe
gestern einigen Journalisten beim Essen erzählt, daß es zwei Dinge
gab, die für mich eine unangenehme Überraschung waren. Eines war die
Untätigkeit des Kongresses, daß es so lange dauert, bis eine komplizierte
Vorlage durch den Kongreß gegangen ist, und das andere war die Verantwortungslosigkeit der Presse.
Frage:
Antwort:

Verantwortungslosigkeit?
Ja!

- 33 -

�Frage:
Antwort:

Was meinen Sie damit?
Sehr oft waren Berichte unrichtig.

Wenn ich daran denke,

daß oft eine einfache Recherche der Tatsachen durch einen Anruf oder eine
persönliche Nachfrage eine schwere Verzerrung des Berichts hätte verhindern
können.

Und es herrscht auch ein Gefühl des Zweifels oder sogar des

Zynismus hinsichtlich der Regierung und hinsichtlich ihrer Programme und
Vorschläge, was sicherlich durch die Erfahrungen von Vietnam hervorgerufen
wurde, durch die Tatsache, daß die Öffentlichkeit während Watergale getäuscht
wurde, und vielleicht sogar vom CIA, wie ich vorhin andeutete.
Viel davon wurde sicherlich auch durch meine Unzugänglichkeit verursacht und dadurch, daß ich die Presse nicht kannte und die Presse mich
nicht kannte.

In den letzten Monaten haben wir Schritte getan, um sicher-

zustellen, daß wir einander besser verstehen, damit ich die Möglichkeit
habe und meine Kabinettsmitglieder die Möglichkeit haben, dem amerikanischen
Volk die Fakten durch die Presse klar zu vermitteln und umgekehrt.
Frage:

Ist das das Werk Ihres Medienzars, Mr. Rafshoon?

Was hat er Ihnen geraten, wie Sie richtig ankommen?
Antwort: Wir waren alle gemeinsam der Überzeugung, daß wir einen
klaren Zugang zur Öffentlichkeit durch die Presse brauchten - unverzerrt,
wahr. Nicht, daß wir versuchen wollten, Fehler zu vertuschen; sondern
daß alle jene, die berichten, wirklich wissen, daß sie Zugang zu mir oder
zu Jody Powell, zu Hamilton Jordan, zu Mitgliedern meines Kabinetts oder
anderen haben, daß sie anrufen und fragen können, ob das oder jenes stimmt
oder nicht.
Wir sind uns alle darüber im klaren, was für verheerende Folgen eine
irreführende Erklärung oder eine falsche Erklärung hätte, denn dadurch
würde unsere Glaubwürdigkeit erschüttert, und wir haben alles in unseren

- 34 -

�unseren Kräften stehende getan, um das zu verhindern.
Aber ich glaube, wir haben in dieser Hinsicht einige Fortschritte
erzielt, und ich verstehe heute den Kongreß sehr viel besser.

Ich kenne

das Tempo, mit dem man bei der Behandlung einer Vorlage im Kongreß rechnen
muß.

Ich verstehe die Kompliziertheit des Ausschuß-Systems, das gegenseitige

Verhältnis zwischen Repräsentantenhaus und Senat.
Und ich glaube, daß es uns auch sehr viel besser gelingt, der Presse
Zugang zu den Fakten zu verschaffen.
Frage:

Die Stunde ist um, sollen wir aufhören?

Antwort:
Frage:

Ich glaube, wir hören besser auf, wenn die Stunde um ist.
Im Namen des öffentlichen Fernsehens danke ich Ihnen, daß Sie

sich diese Zeit genommen haben.
Antwort:

Ich danke Ihnen, Bill.

+ + + ++

- 35 -

�29. November 1978

28

DIE ENDERGEBNISSE DER US-WAHLEN VOM 7. NOVEMBER 1978

LISTE DER GOUVERNEURE DER 50 EINZELSTAATEN DER USA
DER NEUE SENAT DER VEREINIGTEN STAATEN
DAS NEUE REPRÄSENTANTENHAUS DER VEREINIGTEN STAATEN

WASHINGTON - (AD) - Im folgenden bringen wir nach Staaten geordnet
eine Aufstellung der Namen der Gouverneure der 50 Einzelstaaten der
Vereinigten Staaten von Amerika (18 wurden neu gewählt), eine Liste der
Senatoren (ein Drittel wurde neu gewählt) und eine Liste der Mitglieder
des Repräsentantenhauses.
(D) bedeutet Mitglied der Demokratischen Partei
(R) bedeutet Mitglied der Republikanischen Partei
(N) bedeutet neugewählt.
(Da alle Mitglieder des Repräsentantenhauses zur Wahl standen sind alle
nicht mit (N) gezeichneten wiedergewählt worden)

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�LISTE DER GOUVERNEURE DER 50 EINZELSTAATEN der USA
32 Demokraten, 18 Republikaner

STAATEN

NAMEN

Alabama

Forrest James (D) (N)

Alaska

Jay Hammond (R)

Arizona

Bruce Babbitt (D)

Arkansas

Bill Clinton (D) (N)

California

Edmund G. Brown, Jr. (D)

Colorado

Richard D. Lamm (D)

Connecticut

Ella T. Grasso (D)

Delaware

Pierre S. Du Pont (R)

Florida

Robert Graham (D) (N)

Georgia

George Bushbee (D)

Hawaii

George R. Ariyoshi (D)

Idaho
Illinois
Indiana
Iowa
Kansas

John V. Evans (D)
James R. Thompson (R)
Otis R. Bowen (R)
•

Robert D. Ray (R)
John Carlin (D) (N)

Kentucky
Louisiana
Maine
Maryland
Massachusetts
Michigan

Julian Carroll (D)

Minnesota

Albert Quie (R) (N)

Mississippi

Charles C. Finch (D)

Missouri

Joseph P. Teasdale (D)

Edwin W. Edwards (D)
Joseph Brennan (D) (N)
Harry R. Hughes (D) (N)
Edward King (D) (N)
William G. Milliken (R)

�STAATEN

NAMEN

Montana

Thomas L. Judge (D)

Nebraska

Charles Thone (R) (N)

Nevada

Robert List (R) (N)

New Hampshire

Hugh Gallen (D) (N)

New Jersey

Brendan T. Byrne (D)

New Mexiko

Bruce King (D) (N)

New York

Hugh L. Garey (D)

North Carolina

James B. Hunt, Jr. (D)

North Dakota

Arthur A. Link (D)

Ohio

James A. Rhodes (R)

Oklahoma

George Nigh (D) (N)

Oregon

Victor Atiyeh (R) (N)

Pennsylvania

Richard Thornburgh (R) (N)

Rhode Island

J. Joseph Garrahy (D)

South Carolina

Richard Riley (D) (N)

South Dakota

William Janklow (R) (N)

Tennessee

Lamar Alexander (R) (N)

Texas

William P. Clements (R) (N)

Utah

Scott M. Matheson (D)

Vermont

Richard A. Snelling (R)

Virginia

John Dal ton (R)

Washington

Dixy Lee Ray (D)

West V i r g i n i a

John D. Rockefeller 4th (D)

Wisconsin

Lee Sherman Dreyfus (R) (N)

Wyomi ng

Ed Herschier (D)

- 3-

�DER NEUE SENAT DER VEREINIGTEN STAATEN
58 Demokraten, 41 Republikaner, 1 Unabhängiger

STAATEN

NAMEN

Alabama

Howell Heflin (D) (N); Donald Steward (D) (N)

Alaska
Arizona

Theodore Stevens (R); Mike Gravel (D)
Barry Goldwater (R); Dennis Deconcini (D)

Arkansas

Dale Bumpers (D); David Pryor (D) (N)

California
Colorado

Alan Cranston (D); S.I. Hayakawa (R)
Gary Hart (D); William L. Armstrong (R) (N)

Connecticut

Abraham A. Ribicoff (D); Lowell P. Weicker, Jr., (R)

Delaware

William V. Roth Jr. (R); Joseph R. Biden, Jr. (D)

Florida

Lawton Chiles (D); Richard Stone (D)

Georgia
Idaho

Herman E. Talmadge (D); Sam Nunn (D)
Daniel K. Inouye (D); Spark M. Matsunaga (D)
Frank Church (D); James A. McClure (R)

Illinois

Charles H. Percy (R); Adlai E. Stevenson (D)

Indiana

Birch Bayh (D); Richard C. Lugar (R)

Iowa

John C. Culver (D); Roger Jepsen (R) (N)

Kansas
Kentucky
Louisiana
Maine
Maryland
Massachusetts
Michigan

Bob Dole (R); Nancy Kassebaum (R) (N)
Walter Huddieston (D); Wendel 1 H. Ford (D)
Russell B. Long (D); J. Bennet Johnston (D)
Edmund S. Muskie (D); William S Cohen (R) (N)
Charles MCC. Mathias (R); Paul S. Sarbanes (D)
Edward M. Kennedy (D); Paul E. Tsongas (D) (N)

Minnesota
Mississippi

Rudy Boschwitz (R) (N); David Durenberger (R) (N)
John C. Stennis (D); Thad Cochran (R) (N)

Missouri

Thomas F. Eagleton (D); John C. Danforth (R)

Hawaii

Donald W. Riegle, Jr. (D); Carl Levin (D) (N)

- 4 -

�STAATEN

NAMEN

Montana

John Melcher (D); Max Baucus (D) (N)

Nebraska

Edward Zorinsky (D); J.J. Exon (D) (N)

Nevada
New Hampshire

Howard W. Cannon (D); Paul Laxalt (R)
John A. Durkin (D); Gordon Humphrey (R) (N)

New Jersey

Harrison A. Williams (D); Bill Bradley (D) (N)

New Mexiko
New York

Pete V. Domenici (R); Harrison H. Schmitt (R)
Jacob K. Javits (R); Daniel P. Moynihan (D)

North Carolina

Jesse Helms (R); Robert Morgan (D)

North Dakota

Milton R. Young (R); Quentin N. Burdick (D)

Ohio
Oklahoma

John Glenn (D); Howard M. Metzenbaum (D)

Oregon
Pennsylvania

Mark 0. Hatfield (R); Bob Packwood (R)
Richard S. Schweiker (R); J. John Heinz 3rd (R)

Rhode Island
South Carolina

Claiborne Pell (D); John H. Chafee (R)
Strom Thurmond (R); Ernest F. Hollings (D)

South Dakota
Tennessee
Texas

George S. McGovern (D); Larry Pressler (R) (N)

Utah
Vermont
Virginia
Washington
West Virginia
Wisconsin

Jake Garn (R); Orrin G. Hatch (R)
Robert T. Stafford (R); Patrick J. Leahy (D)
Harry F. Byrd, Jr. (U); John Warner (R) (N)
Warren G. Magnuson (D); Henry M. Jackson (D)
Jennings Randolph (D); Robert C. Byrd (D)
William Proxmire (D); Caylord Nelson (D)

Wyoming

Malcolm Wallop (R); Alan K. Simpson (R) (N)

Henry Bellmon (R); David Boren (D) (N)

Howard H. Baker, Jr. (R); James R. Sasser (D)
John G. Tower (R); Lloyd M. Bentsen (D)

- 5 -

�DAS NEUE REPRÄSENTANTENHAUS DER VEREINIGTEN STAATEN
276 Demokraten, 159 Republikaner

ALABAMA
Jack Edwards (R)
William Dickinson (R)
Bill Nichols (D)
Tom Bevill (D)
Ronnie Flippo (D)
John Buchanan (R)
Richard Shelby (D) (N)
ALASKA
Don Young (R)
ARIZONA
John Rhodes (R)
Morris K. Udall (D)
Bob Stump (D)
Eldon Rudd (R)
ARKANSAS
Bill Alexander (D)
Edwin R. Bethune, Jr. (R) (N)
John P. Hammerschmidt (R)
Beryl Anthony (D) (N)

- 6 -

�CALIFORNIA
Harold T, Johnson (D)
Don H. Clausen (R)
Robert T. Matsui (D) (N)
Vic Fazio (D) (N)
John L. Burton (D)
Phillip Burton (D)
George Miller (D)
Ronald V. Dellums (D)
Fortney H. Stark (D)
Don Edwards (D)
Leo J, Ryan (D)
Paul McCloskey (R)
Norman Y. Mineta (D)
Norman Shumway (R) (N)
Tony Coelho (D) (N)
Leon Panetta (D)
Charles Pashayan (R) (N)
Bill Thomas (R) (N)
Robert J. Lagomarsino (R)
Barry M. Goldwater Jr. (R)
James C. Corman (D)
Carlos J. Moorhead (R)
Anthony Beilenson (D)
Henry A. Waxman (D)
Edward R. Roybai (D)
John H. Rousselot (R)
Robert K. Dornan (R)
Julian Dixon (D) (N)
Augustus F. Hawkins (D)
George E. Danielson (D)
Charles H. Wilson (D)
Glenn M, Anderson (D)

Wayne Grisham (R) (N)
Dan Lungren (R) (N)
Jim Lloyd (D)
George E. Brown Jr. (D)
Jerry Lewis (R) (N)
Jerry M. Patterson (D)
William Dannemeyer (R) (N)
Robert E. Badham (R)
Bob Wilson (R)
Lionel Van Deerlin (D)
Clair Burgener (R)

- 7 -

�COLORADO
Patricia Schroeder (D)
Timothy Wirth (D)
Ray Kogovsek (D) (N)
James Johnson (R)
Ken Kramer (R) (N)
CONNECTICUT
William R. Cotter (D)
Christopher J. Dodd (D)
Robert N. Giaimo (D)
Stewart B. McKinney (R)
William Ratchford (D) (N)
Anthony Moffett (D)
DELAWARE
Thomas Evans (R)
FLORIDA
Earl Hutto (D) (N)
Don Fuqua (D)
Charles Bennett (D)
Bill Chappell (D)
Richard Kelly (R)
C.W. Young (R)
Sam Gibbons (D)
Andy Ireland (D)
Bill Nelson (D) (N)
L.A. Barans (R)
Dan Mica (D) (N)
Ed Stack (D) (N)
William Lehman (D)
Claude Pepper (D)
Dante Fascell (D)
- 8 -

�GEORGIA
Bo Ginn (D)
Dawson Mathis (D)
Jack Brinkley (D)
Elliott Levitas (D)
Wyche Fowler (D)
Newt Gingrich (R) (N)
Larry McDonald (D)
Billy Lee Evans (D)
Ed Jenkins (D)
Doug Barnard (D)
HAWAII
Cecil Heftel (D)
Daniel Akaka (D)
IDAHO
Steven D. Symms (R)
George V. Hansen (R)
ILLINOIS
Bennett Stewart (D) (N)
Morgan F. Murphy (D)
Martin Russo (D)
Edward J. Derwinski (R)
John G. Fary (D)
Henry J. Hyde (R)
Cardiss Collins (D)
Dan Rostenkowski (D)
Sidney R. Yates (D)
Abner Mikva (D)
Frank Annuzio (D)
Phillip M. Crane (R)

Robert McClory (R)
John N. Erlenborn (R)
Tom Corcoran (R)
John B. Anderson (R)
George M. 0"Brian (R)
Robert H. Michel (R)
Tom Railsback (R)
Paul Findley (R)
Edward Madigan (R)
Daniel B. Crane (R) (N)
Melvin Price (D)
Paul Simon (D)

- 9 -

�INDIANA
Adam Benjamin Jr. (D)
Floyd J. Fithian (D)
John Brademas (D)
J. Danforth Quayle (R)
Elwood Hillis (R)
David Evans (D)
John R. Myers (R)
H. Joel Deckard (R) (N)
Lee H. Hamilton (D)
Philip R. Sharp (D)
Andrew Jacobs Jr. (D)
IOWA
James A.S. Leach (R)
Tom Tauke (R) (N)
Charles E. Grassley (R)
Neal Smith (D)
Tom Harkin (D)
Berkley Bedell (D)
KANSAS
Keith G. Sebelius (R)
Jim Jeffries (R) (N)
Larry Winn Jr. (R)
Dan Glickman (D)
Robert Whittaker (R) (N)

- 10 -

�KENTUCKY
Carroll Hubbard Jr. (D)
William H. Natcher (D)
Romano L. Mazzoli (D)
Gene Synder (R)
Tim Lee Carter (R)
Larry Hopkins (R) (N)
Carl D. Perkins (D)
LOUISIANA
Bob Livingston (R)
Lindy Boggs (D)
David Treen (R)
Claude Leach (D) (N)
Jerry Huckaby (D)
W. Henson Moore (R)
John Breaux (D)
Gillis Long (D)
MAINE
David F. Emery (R)
Olympia Snowe (R) (N)
MARYLAND
Robert Bauman (R)
Clarence Long (D)
Barbara Mikulski (D)
Majorie Holt (R)
Gladys Spellman (D)
Beverly Byron (D)
Parren Mitchell (D)
Michael Barnes (D) (N)

- 11 -

�MASSACHUSETTS
Silvio 0. Conte (R)
Edward Boland (D)
Joseph Early (D)
Robert Drinan (D)
James Shannon (D) (N)
Nicholas Mavroules (D) (N)
Edward Markey (D)
Thomas P. O'Neill Jr. (D)
Joe Moakley (D)
Margaret Heckler (R)
Brian Donnelly (D) (N)
Gerry Studds (D)
MICHIGAN
John Conyers (D)
Carl Pursei 1 (R)
Howard Wolpe (D) (N)
David Stockman (R)
Harold Sawyer (R)
Bob Carr (D)
Dale Kildee (D)
Bob Traxler (D)
Guy Vander Jagt (R)
Don Albosta (D) (N)
Robert Davis (R) (N)
David Bonior (D)
Charles Diggs (D)
Lucien Nedzi (D)
William Ford (D)
John Dingell (D)
William Brodhead (D)
James Blanchard (D)
William Broomfield (R)
- 12 -

�MINNESOTA
Arien Erdahl (R) (N)
Tom Hagedorn (R)
Bill Frenzel (R)
Bruce Vento (D)
Martin Sabo (D) (N)
Richard Nolan (D)
Arlan Stangeland (R)
James Oberstar (D)
MISSISSIPPI
Jamie L. Whitten (D)
David R. Bowen (D)
G.V. Sonny Montgomery (D)
Jon Hinson (R) (N)
Trent Lott (R)
MISSOURI
William Clay (D)
Robert A. Young (D)
Richard A. Gephardt (D)
Ike Skelton (D)
Richard Bolling (D)
E. Thomas Coleman (R)
Gene Taylor (R)
Richard H. Ichord (D)
Harold L. Volkmer (D)
Bill D. Burlison (D)
MONTANA
Pat Williams (D) (N)
Ron Marlenee (R)

- 13 -

�NEBRASKA
Douglas Befeuter (R) (N)
John Cavanaugh (D)
Virginia Smith (R)
NEVADA
Jim Santini (D)
NEW HAMPSHIRE
Norman D'Amours (D)
James Cleveland (R)
NEW JERSEY
James J. Florio (D)
William J. Hughes (D)
James J. Howard (D)
Frank Thompson Jr. (D)
Millicent Fenwick (R)
Edwin B. Forsythe (R)
Andrew Maguirel (D)
Robert A. Roe (D)
Harold C. Hollenbeck (R)
Peter W. Rodino Jr. (D)
Joseph G. Minish (D)
Matthew J. Rinaldo (R)
Jim Courter (R) (N)
Frank J. Guarini (D) (N)
Edward J. Patten (D)
NEW MEXIKO
Manuel Lujan Jr. (R)
Harold Runnels (D)

- 14 -

�NEW YORK
William Carney (R) (N)

Frank Horton (R)

Thomas Downey (D)

Barper Conable (R)

Jerome Ambro (D)

John Lafalce (D)

Norman Lent (R)

Henry Nowak (D)

John Wydler (R)

Jack Kemp (R)

Lester Wolff (D)

Stanley Lundine (D)

Joseph Addabbo (D)
Benjamin Rosenthal (D)
Geraldine Ferraro (D) (N)
Mario Biaggi (D)
James Scheuer (D)
Shirley Chisholm (D)
Stephen Solarz (D)
Frederick Richmond (D)
Leo Zeferetti (D)
Elizabeth Holtzman (D)
John Murphy (D)
S. William Green (R)
Charles Rangel (D)
Theodore Weiss (D)
Robert Garcia (D)
Jonathan Bingham (D)
Peter Peyser (D) (N)
Richard Ottinger (D)
Hamilton Fish (R)
Benjamin Gilman (R)
Matthew McHugh (D)
Samuel Stratton (D)
Gerald Solomon (R) (N)
Robert McEwen (R)
Donald Mitchell (R)
James Hanley (D)
Gary Lee (R) (N)
15 -

�NORTH CAROLINA
Walter B. Jones (D)
L.H. Fountain (D)
Charles Whitley (D)
Ike Andrews (D)
Stephen L. Neal (D)
Richardson Preyer (D)
Charles Rose (D)
W.G. Hefner (D)
James G. Martin (R)
James T. Broyhill (R)
Lamar Gudger (D)
NORTH DAKOTA
Mark Andrews (R)
OHIO
Willis D. Gradison (R)
Thomas A. Luken (D)
Tony P. Hall (D) (N)
Tennyson Guyer (R)
Delbert L. Latta (R)
William H. Harsha (R)
Clarence J. Brown (R)
Thomas N. Kindness (R)
Thomas L. Ashley (D)
Clarence E. Miller (R)
J. William Stanton (R)
Samuel L. Devine (R)
Donald J. Pease (D)
John F. Sieberling (D)
Chalmers P. Wylie (R)

Ralph Regula (R)
John M. Ashbrook (R)
Douglas Applegate (D)
Lyle Williams (R) (N)
Mary Rose Oakar (D)
Louis Stokes (D)
Charles A. Vanik (D)
Ronald Mottl (D)

16

�OKLAHOMA
James R. Jones (D)
Mike Symar (D) (N)
Wes Watkins (D)
Tom Steed (D)
Mickey Edwards (R)
Glenn English (D)
OREGON
Les Aucoin (D)
AI Ullman (D)
Robert Duncan (D)
James Weaver (D)
PENNLYLVANIA
Michael Meyers (D)

Joseph Gaydos (D)

William H. Gray III (D) (N)

Don Bailey (D) (N)

Raymond F. Lederer (D)

Austin J. Murphy (D)

Charles F. Dougherty (R) (N)

William F. Clinger (R) (N)

Richard T. Schulze (R)

Marc L. Marks (R)

Gus Yatron (D)

Eugene Atkinson (D) (N)

Robert W. Edgar (D)
Peter H. Kostmayer (D)
Bud Shuster (R)
Joseph M. McDade (R)
Daniel J. Flood (D)
John P. Murtha (D)
Lawrence Coughlin (R)
William S. Moorhead (D)
Donald L. Ritter (R) (N)
Robert S. Walker (R)
Allen E. Ertel (D)
Dough Walgren (D)
William Goodling (R)
- 17

�RHODE ISLAND
Fernand J. St Germain (D)
Edward P. Beard (D)
SOUTH CAROLINA
Mendel J. David (D)
Floyd Spence (R)
Butler Derrick (D)
Carroll A Campbell Jr. (R) (N)
Ken Holland (D)
John Jenrette Jr. (D)
SOUTH DAKOTA
Leo K. Thorsness (R)
James Abnor (R)
TENNESSEE
James H. Quillen (R)
John Duncan (R)
Marilyn Lloyd (D)
Albert Gore (D)
Bill Boner (D) (N)
Robin Beard (R)
Ed Jones (D)
Harold Ford (D)

- 18 -

�TEXAS
Sam Hall Jr. (D)
Charles Wilson (D)
James M. Collins (R)
Ray Roberts (D)
James Mattox (D)
Phil Gramm (D) (N)
Bill Archer (R)
Bob Eckhardt (D)
Jack Brooks (D)
J.J. Pickle (D)
Jim Wright (D)
Jack Hightower (D)
Joe Wyatt (D) (N)
E. Kika De La Garza (D)
Richard White (D)
Charles Stenholm (D) (N)
Mickey Leland (D) (N)
Ken Hance (D) (N)
Henry Gonzales (D)
Tom Loeffler (R) (N)
Ron Paul (R) (N)
Abraham Kazen (D)
Martin Frost (D) (N)

UTAH
Gunn McKay (D)
Dan Marriott (R)
VERMONT
James Jeffords (R)

- 19 -

�VIRGINIA
Paul THble (R)
6. William Whitehurst (R)
David E. Satterfield (D)
Robert H. Daniel Jr. (R)
W.Co Dan Daniel (D)
M„ Caldwell Butler (R)
Jo Kenneth Robinson (R)
Herbert E. Harris (D)
William C„ Wampler (R)
Joseph Fisher (D)
WASHINGTON
Joel Pritchard (R)
AI Swift (D) (N)
Don Bonker (D)
Mike McCormack (D)
Thomas Foley (D)
Norman Dicks (D)
Mike Lowry (D) (N)
WEST VIRGINIA
Robert H. Mollohan (D)
Harley 0, Staggers (D)
John M„ Slack (D)
Nick Joe Rahall III (D)

- 20 -

�WISCONSIN
Les Aspin (D)
Robert Kastenmeier (D)
Alvin Baldus (D)
Clement Zablocki (D)
Henry Reuss (D)
William Steiger (R)
David Obey (D)
Tobias Roth (R) (N)
F. James Sensenbrenner (R) (N)
WYOMING
Dick Cheney (R) (N)

+ + + + +

- 21 -

�Wirt/choft
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28

29. November 1978

SCHWERPUNKT KOHLE IM US-ENERGIEPROGRAMM
Energieminister Schlesinger äußert sich zum neuen Gesetz -

- (AD) - "Energisch, aber fair" werden laut Energieminister James R.
Schlesinger die neuen Verordnungen durchgesetzt, die helfen sollen, die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von Importöl zu verringern. Sie sind
darauf abgestellt, die Industrie und die Versorgungsbetriebe zu veranlassen,
weniger öl und Erdgas und dafür mehr Kohle aus den riesigen Naturvorräten der
USA einzusetzen. Sofern z.B. keine Ausnahmegenehmigung des Energieministeriums vorliegt, dürfen den Bestimmungen zufolge neue Kraftwerke und neue Betriebe der Großindustrie weder Gas noch öl als Primärenergie verwenden. Und
Ausnahmen sollen nur dann zugelassen werden, wenn die Nutzung von Alternativbrennstoffen um mehr als 50 Prozent teurer käme als die Verwendung von Dl
oder Gas. Zuwiderhandlungen werden mit einer Geldstrafe bis zu 10 Dollar pro
Barrel öl (159 Liter) und bis zu drei Dollar pro 1000 Kubikfuß (ca. 28,3 cbm),
die widerrechtlich verbraucht wurden, geahndet. Nach diesen Anordnungen für
völlig neu errichtete Betriebe werden in Kürze auch die ähnlich gearteten
Bestimmungen für in der Umstellung begriffenen Anlagen sowie für die bestehenden Betriebe veröffentlicht.

Minister

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D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Minister Schlesinger erwartet seitens der Industrie "eine weitgehende
Einhaltung der Vorschriften".

Seinen Schätzungen zufolge könnten auf diese

Weise bis zum Jahr 1985 ca. 400 000 Barrels Importöl pro Tag eingespart werden; wichtige Faktoren dafür seien jedenfalls das Verhalten der Industrie,
die wirtschaftliche Wachstumsrate der USA und das Ausmaß der Schaffung neuer
Betriebskapazitäten bis zu dem genannten Zeitpunkt.

Die Regierung Carter

strebe an, daß das verfügbare Gas (ca. 28 Milliarden cbm aus einheimischen
Quellen

in diesem Jahr) so rasch wie möglich mit besserem Nutzeffekt einge-

setzt werde; dabei bleibe allerdings das langfristige Ziel, nämlich die Verlagerung auf Kohle und andere ausreichend vorhandene Energiequellen, unangetastet.

Bis es soweit sei, könnten Industrie- und Versorgungsbetriebe, die

noch auf Erdgas-Verbrauch eingerichtet seien, diese Energiequelle weiterhin
nutzen, solange die gegenwärtigen Vorräte dies zuließen.

Der "gespaltene

Erdgas-Markt" bis zum Inkrafttreten des neuen Energiegesetzes mit unterschiedlichen Preisen und Versorgungslagen innerhalb einzelner Bundesstaaten
im Gegensatz zum Erdgas-Handel zwischen den Bundesstaaten habe überaus ungünstige Auswirkungen auf die Situation im Erdgas-Bereich gehabt, ebenso wie
das Gas-Spargesetz von 1974, das viele Firmen gezwungen habe, von Gas auf
Importöl überzugehen.

+ + + + +

�Wi//en/choft
und Technik

I

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28

29. November 1978

ATOMKRAFTNUTZUNG MIT MEHR POLITISCHER SICHERHEIT
- INFCE-Konferenz hält Jahrestagung in Wien -

- (AD) - Eine erste umfassende Bilanz zieht nach mehr als 100 Sitzungen
ihrer acht technischen Arbeitsgruppen die "Internationale Konferenz über die
Bewertung von Kernbrennstoffzyklen" (INFCE - International Nuclear Fuel Cycle
Evaluation) seit dem 27. November 1978 in Wien.

Das Gremium, auf Initiative

Präsident Carters im Jahr 1977 ins Leben gerufen, hat die Aufgabe, in zunächst
auf zwei Jahre befristeten Bemühungen Mittel und Wege zu suchen, um die nukleare Proliferation, d.h. die Ausbreitung von Kernwaffen, unter Kontrolle zu
bringen.
Am Sitz der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien erörtern z.Zt. die Delegierten der 53 INFCE-Mitgliedstaaten aus Ost und West,
Nord und Süd die bisher definierten diffizilen

politischen und technischen

Probleme, die sich aus der genannten Zielsetzung ergeben und für die Lösungen
gesucht werden sollen.

Albert Carnesale, Mitglied der amerikanischen Delegation,

umriß kürzlich auf einer Tagung des amerikanischen "Atomic Industrial Forum"
in Washington die wichtigsten Fragen, die nach Ansicht der amerikanischen Regierung geklärt werden müssen, über die aber bei den Mitgliedstaaten die Meinungen geteilt sind.

Zu ihnen zählen z.B.
- die

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Tel: 02221-89 32 40
Telex: 0 8 - 8 5 4 3 2

�- die Wachstunisrate für die Kernkraft;
- die Notwendigkeit für zusätzliche Staaten, eigene Urananreicherungsbetriebe zu errichten;
- die Bedingungen, die von Lieferländern von Kernbrennstoffen gestellt

.

werden;
- die Vorteile und Kosten der Wiederverwendung von Kernbrennstoff in
Leichtwasser-Reaktoren (gegenwärtig arbeiten alle nach dem System der
Einmal-Verwendung);
- Sicherheits- und Proliferationsrisiken einer langfristigen Lagerung
verbrauchter Brennstoffelemente;
- Vor- und Nachteile des Atommüll-Managements im Fall einer Wiederaufarbeitung;
- notwendige Anlaufzeiten für die kommerzielle Anwendung von Reaktorsystemen modernster Konstruktion; und
- Zeitplan für die Kommerzialisierung des Brutreaktors.
Carnesale hob hervor, daß die Vereinigten Staaten ungeachtet ihrer Vorbehalte gegenüber Brutreaktoren nicht beabsichtigen, die INFCE-Konferenz dazu
zu bewegen, die Weiterentwicklung dieses Typs zu blockieren. "Vielmehr ergeben sich Differenzen in erster Linie darüber, wie eine spätere Realisierung
des Brüterreaktor-Programms aussehen, in welchem Tempo der neue Reaktortyp
in weiteren Ländern eingeführt und nach welchen Richtlinien die Brutreaktorökonomie gehandhabt werden soll." Keinesfalls sei INFCE dazu da, den Brüter
zu stoppen. Denn wenn dem so wäre, hätte die INFCE-Konferenz nicht 53 Mitgliedstaaten, unter ihnen die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich und die
Sowjetunion.
Die Frage, ob die USA eine INFCE—Empfehlung für die Schaffung multinationaler Wiederaufbereitungszentren unterstützen würden, beantwortete Carnesale
damit, daß dies trotz der gegenwärtig von den USA an den Tag gelegten Zurückhaltung hinsichtlich jeder Art von Wiederaufbereitung von nuklearem Abbrandmaterial von den bestehenden Alternativen abhänge. "Wenn man die Wahl hat
zwischen Wiederaufbereitungsanlagen unter nationaler Kontrolle", so Carnesale,

�Carnesale, "die in immer mehr Ländern errichtet werden, und der Schaffung
multinationaler Anlagen, so braucht man kein politisches Genie zu sein, um
zu dem Schluß zu kommen, daß ein Betrieb unter wirksamer multinationaler
Kontrolle besser wäre.

Und wenn wir Brütertechnologien anstreben, die eine

umfassende Wiederaufbereitungs-Industrie erfordern, so würden selbstverständlich multinationale Wiederaufbereitungsanlagen ernsthaft in Erwägung gezogen."

Carnesale, amerikanischer Delegationsleiter bei dem aus 22 Nationen bestehenden Technischen Koordinierungsausschuß für die acht Arbeitsgruppen der
INFCE, erinnerte daran, daß Begriffe wie "waffenfähiges Material", "Widerstand gegen Proliferation" und "Möglichkeiten zur Aufdeckung" längst Eingang
in die Verhandlungssprache gefunden haben.

So sei es auch nicht verwunderlich,

daß auf der letzten Sitzung des Koordinierungsausschusses im Oktober 78 die
ausführlichste Diskussion dem Thema gilt, wie das Risiko einer Proliferation
zu bewerten sei.

Dennoch sollte man sich im klaren sein, daß es weder Aufgabe der INFCE
ist, sich nur mit der friedlichen Anwendung der Atomenergie zu befassen, noch
sich ausschließlich um die Gefahr der Weiterverbreitung von Kernwaffen zu
kümmern.

Statt dessen habe INFCE Mittel und Wege zu erkunden, wie die Atom-

energie eingesetzt werden könne, um den Energiebedarf der Welt zu decken, und
wie gleichzeitig Vorsorge zu treffen sei, die damit zwangsläufig verbundene
Gefahr einer Proliferation nuklearer Waffen auf ein Mindestmaß zu reduzieren.
Es hieße jedoch zu viel erwarten, nähme man an, daß INFCE das Problem des möglichen Mißbrauchs von Einrichtungen, die für den nuklearen Brennstoffzyklus
bestimmt sind, aus der Welt schaffen könne.

Denn kein Mitgliedstaat sei ver-

pflichtet, sich z.B. bei abweichender Meinung gegenüber den von der Mehrzahl
geäußerten Ansichten diesen zu beugen.

Er könne frei entscheiden, welchen Weg

er gehen wolle, da INFCE in erster Linie für Studien technischer und analytischer
Natur, jedoch nicht als Verhandlungsforum zuständig sei.

+ + + + +

- 3 -

�1
»

3

Wi//cn/choft
vt\d Technik
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29. November 1978

28

DOPPELRENDEZVOUS MIT DEM PLANETEN VENUS
Zwei amerikanische PIONIER-Sonden kurz vor dem Ziel -

(AD) - Die beiden interplanetaren US-Sonden PIONIER-VENUS I und
PIONIER-VENUS II, die am 20. Mai und 8. August 1978 am Kap Canaveral
gestartet wurden, werden Anfang Dezember ihr Ziel erreichen. PIONIERVENUS I, über eine halbe Tonne schwer und mit Instrumenten für 12 Experimente an Bord, soll am 4. Dezember 1978 in eine stark exzentrische Umlaufbahn um den Planeten Venus eintreten. Der tiefste Punkt wird nur 150 km
über der Oberfläche, der höchste dagegen 66 000 km weit draußen im Weltraum liegen. Bei einer um 15 Grad zur Planetenachse geneigten Bahnebene
durchläuft der Satellit auch alle jene Zonen, wo mögliche Wechselwirkungen
von Sonnenwind und solaren Partikelwolken mit der Planeten-Umwelt, insbesondere der Ionosphäre, zu erfassen sind. Seine wichtigsten Aufgaben
werden sein, die Hochatmosphäre zu analysieren, die Bewölkung samt ihren
Veränderungen fortlaufend zu beobachten, mittels Radar die dichte
Wolkenhülle zu durchdringen, um die Planetenoberfläche zu sondieren, und
schließlich das Gravitationsfeld des Planeten zu vermessen, woraus sich
Hinweise auf Massenanomalien und damit bis zu einem gewissen Grad auf

Postfach 20 03 00
l»MciMl:fT7riW

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�I

auf den Aufbau des Planetenkörpers ergeben könnten.

Einen ganzen "Venustag"

lang (ihm entsprechen 243 Erdentage, die die Venus für eine einzige Umdrehung um ihre Achse braucht) soll der PIONIER-Orbiter die Venus beobachten.

Die Konstrukteure von Hughes Aircraft Co. in El Segundo

(Kalifornien), die im Auftrag der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA
das Satellitenpaar entwickelten und bauten, sind jedoch überzeugt, daß
die "aktive Lebensdauer" wesentlich größer sein wird.
Im Vergleich dazu kurzlebig, für die Wissenschaft aber kaum weniger
bedeutsam,wird PIONIER-VENUS II mit vier Abstiegssonden sein, die an
weit auseinanderliegenden Stellen der Planetenoberfläche niedergehen.
Der Sonenträger, "Bus" genannt, stieß bereits am 15. November in ca.
11 Millionen km Entfernung von der Venus das erste, 318 kg schwere
Forschungsgerät aus.

Seine sieben Instrumente sammeln Daten über Zu-

sammensetzung und Struktur der Atmosphäre, Zusammensetzung und Art der
Wolken und die Wärmebilanz des Planeten.

Am 19. November lösten sich bei

einem Abstand von 9,3 Millionen km von der Venus auch die drei identischen
kleineren, je 91 kg schweren Abstiegssonden vom "Bus" ab, die mit den
Bezeichnungen "Tag", "Nacht" und "Norden" unterschieden werden.

Sie

dienen der Durchführung von jeweils drei Experimenten, um bestimmte
Meßdaten über Lufthülle und Wolken einschließlich ihrer Struktur zu bekommen.
Der "Bus" schließlich soll mit seinen Instrumenten Auskunft über die
Zusammensetzung der Ionosphäre, die Dichte der Hochatmosphäre und die
Verteilung ihrer Bestandteile geben.
Für die vier "Töchter" ist der 9. Dezember 1978 der kritische Tag,
an dem sie innerhalb vom 11 Minuten nacheinander in die Atmosphäre der
Venus eintauchen.

Während die drei kleinen Sonden ungebremst zu Boden

stürzen, entfaltet die große Sonde ca. 67 km über der Oberfläche einen
Fallschirm, der die Meßdauer verlängern soll. Jede Sonde dürfte ca.
57 Minuten lang Meßdaten übermitteln, bis Hitze (ca. 470°C) und Druck
(ca. 90 mal höher als auf der Erde) an der Oberfläche und die Wucht des
Aufpralls sie zerstören.

Ob der "Bus" ebenfalls zu Boden stürzt oder

- 2 -

�'

oder aber nach Passieren der oberen Luftschichten wieder in den Weltraum
geschleudert wird, hängt vom Winkel seines Eintritts in die VenusAtmosphäre ab.

Er wird ca. 90 Minuten nach seinen vier Tochtersonden

die Lufthülle der Venus erreichen. An Bord von Orbiter und "Bus" befindet sich auch je ein Instrument deutscher Wissenschaftler, das in Freiburg bzw. an der Universität Bonn in Zusammenarbeit mit dem Max-PlanckInstitut für Kernphysik in Heidelberg entwickelt wurde.
Mit dem PIONIER-VENUS-Projekt wollen die Forscher der NASA versuchen, Antworten auf zahlreiche Fragen zu finden. Weshalb sind Erde
und Venus, enge Nachbarn im Weltraum und von ähnlicher Größe und Masse,
so verschiedener Natur? Weshalb ist die Venusatmosphäre, die vermutlich
zu 95 Prozent aus Kohlendioxid besteht, so anders als die Lufthülle der
Erde? Welches sind neben Wasserdampf und Kohlendioxid, die von sowjetischen
Sonden gemessen wurden, ihre Bestandteile in den oberen und unteren Luftschichten, und wie sind sie verteilt? Man weiß bereits, daß es auch Stickstoff und Argon, Salzsäure, Sauerstoff, Kohlenmonoxid und Fluorwasserstoffsäure gibt. Enthalten bestimmte Wolken schweflige Säure, wie es
den Anschein hat? Gibt es mehrere, verschieden geartete Schichten von
Wolken? Wie steht es mit Luftzirkulation und Turbulenzen?
Aus den MARINER 10-Untersuchungen vom Jahr 1974 ist z.B. bekannt,
daß die Venus ein sehr stürmischer Planet ist, auf dem heiße Winde aus
der Äquatorzone spiralähnlich mit hoher Geschwindigkeit zu den kühleren
pol nahen Breiten strömen. Die Wissenschaftler haben noch keine Erklärung
dafür, weshalb es auf der Erde so viel, auf der Venus so wenig Wasser
gibt. Und sie wollen u.a. wissen, ob der hohe Druck und die hohe Temperatur
in oberflächennahen Luftschichten womöglich die Folge eines "Gewächshauseffektes" sind,den Meteorologen der Erde prophezeien, falls die Erdatmosphäre weiterhin und in ständig steigendem Maße mit Kohlendioxid
angereichert wird.
Aufgrund von Radaruntersuchungen amerkikanischer Radioteleskope und

- 3 -

�und von einem Foto, das eine sowjetische Landesonde zur Erde funkte, wissen
wir, daß auf der Venus hohe Gebirge und mit Felsbrocken übersäte Gebiete
zu finden sind - ganz ähnlich wie auf dem Mars.
zu erkennen.

Auf dem Foto sind Schatten

Sie lassen vermuten, daß die Wolkenhülle Lücken hat, die das

Sonnenlicht durchdringen kann.

Und die "Radarkarte" von weiten Teilen

der Venus-Nordhalbkugel gibt mehrere Gebiete an, deren Beschaffenheit auf
vulkanische Aktivität schließen läßt.

Der neue Vorstoß zur Venus mit den

amerikanischen PIONIER-Sonden könnte helfen, manche Geheimnisse zu entschlüsseln, die dem Schwestergestirn der Erde eigen sind.
der Menschen beschäftigt es schon seit Jahrtausenden.

+ + + + +

Die Phantasie

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter legt seine außen- und innenpolitischen Ziele dar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fernsehinterview mit Bill Moyers -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Endergebnisse der US-Wahlen vom 7. November 1978&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Liste der Gouverneure der 50 Einzelstaaten der USA -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Der neue Senat der Vereinigten Staaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Das neue Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schwerpunkt Kohle im US-Energieprogramm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Energieminister Schlesinger äußert sich zum neuen Gesetz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Atomkraftnutzung mit mehr politischer Sicherheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- INFCE-Konferenz hält Jahrestagung in Wien -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doppelrendevous mit Planeten Venus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Zwei amerikanische PIONIER-Sonden kurz vor dem Ziel -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
^7

C&amp;

29. November 1989

43
•

INHALT

DOKUMENTATION
Walters: Gorbatschow bleibt an der Macht
- Fersehtnterview mit dem amerikanischen Botschafter Bush strebt sowjetische Zusage zur Fortsetzung der Reformen an
- Ansprache des US-Präsidenten zum amerikanischen Erntedankfest
Bush; In Malta keine Überraschungen zu erwarten
- Gespräch mit Reportern im Weißen Haus -

HINTERGRUND
US-Delegation stellt sich in Polen den Herausforderungen der
Geschichte
- von Landwirtschaftsrainister Clayton Yeutter Der Schlüssel zum Handel mit Osteuropa
- von Robert A. Mosbacher Malta leitet neues Kapitel der Nachkriegsgeschichte ein
- Hintergrundartikel zum Treffen von Malta -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

VON**

29. November 1989

43
WALTERS:

GORBATSCHOW BLEIBT AN DER MACHT

- Fernsehinterview mit dem amerikanischen Botschafter WASHINGTON - (AD) - In einem Fernsehinterview der Sendung "John McLaughlin's
One-on-One" erklärte der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in
der Bundesrepublik Deutschland, Vernon Walters, am 26. November 1989, der sowjetische Präsident Gorbatschow werde nicht gestürzt, denn "es gibt keine annehmbare Alternative für ihn". (...)
"Man hat es mit dem alten System versucht, und es funktioniert nicht, Er ist die einzige Hoffnung", erklärte Walters.
Zu dem für den 2. und 3. Dezember vorgesehenen Treffen der Präsidenten Bush
und Gorbatschow vor der Küste Maltas bemerkte Walters, Gorbatschow werde wahrscheinlich eine Reduzierung amerikanischer und sowjetischer Streitkräfte in
Europa "auf etwa 200 000" vorschlagen.
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview in Auszügen.
Frage:
Hat
die
Bundesrepublik
jetzt, da sich die Sowjets aus Osteuropa zurückziehen, in Frieden das
Ziel erreicht, das von Deutschland in
zwei Kriegen angestrebt wurde - die
Vorherrschaft in Europa? Bringt ein
wiedervereinigtes
ungeteiltes
Deutschland dem Land den Status einer
Supermacht?
Ist die Bundesrepublik
heute, zumindest in wirtschaftlicher
Hinsicht, bereits eine Supermacht?
Was sagt ein amerikanischer Botschafter dazu, der sich mit den Deutschland betreffenden Fragen auskennt?
Präsident Bush hat gerade in einer
Rede eine neue Partnerschaft mit der
Sowjetunion beschrieben.
Sie sind
relativ konservativ und haben viel
Geschichte miterlebt.
Denken Sie,
daß wir jetzt an dem Punkt sind, wo

United States Information Service
Embassy of the United States of America

der Präsident der Vereinigten Staaten
über eine Partnerschaft mit der Sowjetunion, nicht mehr nur als Alliierte - er geht eindeutig darüber
hinaus - sprechen sollte?
Antwort: Das hängt ganz davon ab,
wie Sie "Partnerschaft" definieren
und was der Präsident damit meint.
Für ihn bedeutet es Zusammenarbeit
mit den Sowjets in einer Reihe von
Bereichen. Zunächst den Truppenabzug
in den Nachbarstaaten. Die Wiederherstellung der Demokratie der Osteuropa. Unterstützung für einen Meinungsumschwung bei den Chinesen. Dabei haben wir viel zu gewinnen.
Partnerschaft bedeutet nicht, daß man
unbedingt gleiche Wertvorstellungen
hat. Partnerschaft bedeutet, daß man
in bestimmten Bereichen zusammenar-

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�beitet. Zum Beispiel haben wir mit
den Sowjets zu meiner Zeit als Botschafter bei den Vereinten Nationen
im Bereich der Verbreitung von Kernwaffen eng zusammengearbeitet.
Es
geschehen viele Dinge.
Aber der
Punkt ist, daß eine Partnerschaft,
die es vorher nicht gab, ermöglicht
wird, weil unser System nicht in
Zweifel gezogen wird. Im Gegensatz
zum System in der Sowjetunion.
Frage:
Sie haben kürzlich - vor
vier Monaten - die Sowjetunion besucht.
In welchem Zustand befindet
sich das Land?
Antwort:

In Unordnung.

Frage: Sprechen Sie von einem zerbröckelnden Imperium?
Antwort: Ich spreche von Menschen,
die ehemals überzeugt waren, sie seien die tapfersten, die kühnsten, die
besten, stärksten, die klügsten, die
Zukunft gehöre unweigerlich ihnen und
die nunmehr zu der Erkenntnis gelangen, daß sie in großen Schwierigkeiten sind und Hilfe brauchen, wenn sie
sich daraus befreien wollen.
Frage: Denken Sie, daß die Vereinigten Staaten ihnen helfen werden?
Antwort:
In
einigen
Bereichen
schon, aber meiner Ansicht nach ist
das nicht unsere Aufgabe. Es kann
ihnen nur dadurch geholfen werden,
daß sie ihr System ändern.
Frage: Es ist die Rede davon, daß
wir ihnen Kohle und Nahrungsmitteln
liefern sollen. Halten Sie das für
eine gute Idee?
Antwort: Ich weiß nicht. Ich müßte die Umstände näher kennen, unter
denen wir diese Hilfe leisten.
Frage:
Was denken Sie über die
Wiedervereinigung
beider
Teile
Deutschlands? Ist sie wahrscheinlich
oder möglich?
Antwort:

darauf verwiesen - und ich habe im
Juni erklärt-, daß es den Vereinigten
Saaten entgegenkäme, wenn sie friedlich vollzogen würde und alle Menschen
dahinterstünden.
Friedlich
heißt mit Zustimmung der Sowjetunion. Sie haben 16 Divisionen in der
DDR stationiert, und man muß eine Einigung mit ihnen erzielen. Sind wir
auf dem Weg in die richtige Richtung? Ich denke schon. Was die Zustimmung des Volkes angeht, so bin
ich der Ansicht, daß jeder, der die
Szenen gesehen hat, die sich in den
letzten Wochen in Berlin abspielten,
erkennen konnte, in welchem Verhältnis die Deutschen zueinander stehen.

Der Präsident hat im Mai

Frage: Treibt uns die Wiedervereinigung Deutschlands in die Richtung
der Entmilitarisierung von NATO und
Warschauer Pakt? Mit anderen Worten,
wenn es ein ungeteiltes Deutschland
gibt, wie kann dann der Eckpfeiler
des Warschauer Pakts mit seinen taktischen Atomwaffen es auf eine Machtprobe mit seinem wiedervereinigten
Nachbarn, der Bundesrepublik als dem
Eckpfeiler der NATO, ankommen lassen? Sicherlich müssen diese beiden
Blöcke entmilitarisiert werden, bevor
es zu einer Wiedervereinigung kommen
kann. Ist das richtig?
Antwort: Nein. Ich denke, Sie haben das Pferd vom Schwanz her aufgezäumt. Das müssen wir nicht. Entmilitarisierung steht am Ende und nicht
am Anfang des Prozesses. Die Bundesrepublik strebt die Europäische Gemeinschaft partnerschaftlich mit den
anderen Ländern Europas an. Die anderen Länder Europas wollen diese Gemeinschaft unter allen Umständen bilden. Für sie ist es ein Schutz vor
einem sehr mächtigen Deutschland.
Und alle, die nachdenken, verstehen,
daß sie uns brauchen, und daß die
einzige Möglichkeit, uns und die in
Europa beteiligten Kanadier zu behalten die NATO weder marode noch überholt ist.
Frage:
Finden Sie nicht, daß die
Deutschen im Hinblick auf ihre Wiedervereinigung
recht
schizophren

- 2 -

�sind? Sie streben sie an, aber nicht
jetzt.
Sie wollen sie nicht, bis
zwischen der DDR und der Bundesrepublik ein Zustand vernünftigen wirtschaftlichen Gleichgewichts besteht.
Sonst wird die Bundesrepublik aus der
DDR eine wirtschaftliche Kolonie machen. Die DDR wird der Sozialhilfeempfänger der Bundesrepublik werden.
Wie denken Sie darüber?
Antwort: Ich denke nicht, daß sich
daran etwas ändern wird. Ich denke
nicht, daß das richtig ist. Die DDR
kann mit ihrem gegenwärtigen System
keinen
Zustand
wirtschaftlichen
Gleichgewichts erreichen.
Frage:
Wann wird
Ihrer Ansicht
nach die Wiedervereinigung stattfinden?
Antwort:
Dazu
möchte
nicht endgültig äußern ...

ich

mich

Frage: Nun, Sie haben vor vier Monaten eine Vorhersage gewagt und sie
ist eingetroffen. Wann wird sie also
stattfinden?
Antwort:
Die mir gestellte Frage
lautete, ob sie in absehbarer Zukunft
stattfinden würde. Das habe ich bejaht und erklärt, meiner Ansicht nach
fände sie in absehbarer Zukunft unter
den vom Präsidenten näher erläuterten
Bedingungen statt. Sie kann friedlich und mit Zustimmung aller Menschen vollzogen werden. Nun muß die
Zustimmung aller eingeholt werden.
Es muß in der DDR eine freie Regierung geben, die freie Wahlen abhalten
wird.
Und wenn diese freien Wahlen abgehalten werden, werden in diesem Jahr
auch Wahlen in der Bundesrepublik
stattfinden. Es wird zwei neue Parlamente geben. Sie werden vielleicht
entscheiden, was sie tun wollen, aber
erkennen, daß sie nichts tun können,
wenn sie nichts zu den 16 sowjetischen Divisionen in der DDR unternehmen. Die Sowjets werden also einbezogen werden müssen, sonst gibt es
keine Möglichkeiten.
Und sie sind

bereit, dafür einen
Preis zu zahlen.

ziemlich

hohen

Frage:
Aber
die Sowjets wollen
keine Wiedervereinigung zwischen Ost
und West. Sie wollen keine Neufestsetzung der politischen Grenzen.
Antwort: Es gibt viele Dinge, die
die Sowjets in Osteuropa nicht zulassen wollen. Denken Sie, sie wollten
die Ereignisse in Polen zulassen?
Oder in der DDR?
Oder sie freuen
sich über das, was in der Tschechoslowakei geschieht? Oder mit Schiwkow in Bulgarien? Sicherlich nicht.
Frage:
Wie Sie sicherlich wissen,
gibt es in Washington Gerüchte, denen
zufolge die Sowjets die nicht reformorientierte Führung Jakes in der
Tschechoslowakei auf Reformkurs bringen wollen.
Antwort: Die Sowjets erkennen, daß
Reformen weitreichender sein müssen
als ihre normale Auffassung von der
systemimmanenten Reform.
Wenn in
Prag 500 000 Menschen auf die Straße
gehen, muß sich sehr viel ändern.
Aber das ist nicht mein Problem, denn
ich bin nicht der amerikanische Botschafter in der Tschechoslowakei.
Frage:
Wie
beurteilen Sie Genschers Äußerungen zur NATO? Er hat
erklärt, die Stationierung - oder Modernisierung - der Kurzstreckenraketen sei "lächerlich".
Wenn er es
nicht selbst gesagt hat, dann einer
seiner engsten Mitarbieter. Wie denken Sie darüber?
Antwort:
Meines Erachtens ist es
nicht richtig. Einer seiner Mitarbeiter hat das gesagt. Ich habe das
nicht aus seinem Mund gehört. Er hat
erklärt, wenn wir ein Abkommen darüber erzielen, soll es 1992 wieder
erörtert werden. Bis dahin bleiben
die Kurzstreckenraketen in der Bundesrepublik. Und das Thema wird 1992
wieder aufgenommen werden.
Frage:
Wenn in einer Woche der
Gipfel stattfindet, wird Gorbatschow

- 3 -

�Ihrer Ansicht nach einen konkreten
Vorschlag unterbreiten, den er ja immer auf Lager hat. Und wie wird dieser Vorschlag aussehen?
Antwort:
Ich weiß nicht genau,
aber ich würde vorschlagen, weit über
das hinauszugehen, was heute im Hinblick auf die Reduzierung konventioneller Streitkräfte im Gespräch ist,
weil er weiß, daß er sie nur über die
Weichsel bringen muß, während wir sie
über den Atlantischen Ozean transportieren müssen, was ein großer Unterschied ist.
Frage:
Präsident Bush fordert ein
Niveau von 275 000 Soldaten, was bei
den US-Streitkräften eine Reduzierung
von 30 000 Soldaten bedeuten würde.
Antwort: Bei den Sowjets wären es
hingehen mehrere hunderttausend. Die
Sowjets haben sehr viel mehr Soldaten
als wir.
Frage: Allein in der DDR haben sie
400 000. Denken Sie, daß Gorbatschow
dem zustimmen und auf einen Stand von
etwa 200 000 reduzieren wird?
Antwort:
Das
ist wohl richtig.
Sein Vorschlag könnte lauten, auf etwa 200 000 zu reduzieren, aber das
ist meinerseits reine Spekulation.
Darüber liegen mir keine Informationen vor, aber das sähe ihm ähnlich.
Frage:
Welche anderen Vorschläge
könnte er Ihrer Ansicht nach unterbreiten?
Antwort
Er
könnte
eine
engere
WirtSchaftszusammenarbeit
anstreben,
die er dringend benötigt. Wir haben
über viele Jahre hinweg das Bruttosozialprodukt der Sowjetunion maßlos
überschätzt.
Sie unterhält umfangreichere Streitkräfte als wir und erwirtschaftet ein Bruttosozialprodukt,
daß nicht einmal halb so groß ist wie
unseres. Da bleibt nur wenig für die
Zivilbevölkerung übrig, und er ist
darüber sehr besorgt und möchte etwas

dagegen unternehmen. Wenn er klug
ist, unternimmt er auch etwas dagegen.
Frage:
Ist es Ihrer Ansicht nach
nicht seine Strategie, die Länder des
Ostblocks abzukoppeln, so daß sie in
ihren Volkswirtschaften Marktmechanismen entwickeln, mit denen sie wieder auf den rechten Weg finden und
die Konsumgüter produzieren können,
die er zum überleben braucht?
Antwort:
Nein.
Meiner
Ansicht
nach geht es ihm vor allem um den Zugang zu westlicher Technologie, die
er nur in einem weniger spannungsgeladenen Umfeld erhalten kann.
Sie
haben, indem sie sie gestohlen oder
ausspioniert haben, herausgefunden,
daß sie westliche Technologie nicht
befriedigend kopieren können. Um das
zu tun, brauchen sie einen besseren
Zugang. Und den bekommen sie nur,
wenn es weniger Spannungen gibt.
Darüber hinaus herrscht bei ihnen
dieselbe Haltung vor wie im Britischen Weltreich nach Kriegsende: daß
das Imperium zu teuer wird. Und wenn
sie eine ausgedünnte Armee haben,
wird ihnen das mehr Mittel zur Entwicklung des Landes verschaffen. Zum
Beispiel verlangt ihr Fünf jahresplan,
daß noch etwa 112 000 Straßenkilometer gebaut werden, was bis jetzt noch
nicht geschehen ist. Es gibt mehr
ausgebaute Kilometer Autobahn in Belgien als in der Sowjetunion. Und wie
gelangen die Nahrungsmittel zur Bevölkerung, wenn keine Straßen gebaut
werden? Straßen kosten Geld.
Frage: Sind Sie zufrieden, daß der
kalte Krieg beendet ist?
Antwort:
Meiner Ansicht nach ist
er noch nicht beendet, aber der Vorteil liegt ganz klar bei uns. Ein
Deutscher hat es so formuliert, daß
der lange Konflikt zwischen Karl Marx
und Ludwig Erhardt zugunsten Ludwig
Erhardts entscheiden wurde, der in
Deutschland als Begründer der Marktwirtschaft gilt. Meiner Ansicht nach

- 4 -

�ist der Marxismus ein Phänomen dieses
Jahrhunderts, das mit dem Ende des
Jahrhunderts verschwinden wird.
Frage:
Freuen Sie sich über die
enge Beziehung zwischen George Bush
und Helmut Kohl?
Antwort: Enge Beziehung? Die Bundesrepublik ist - ebenso wie Frankreich und Großbritannien ein gleichberechtigter Bündnispartner.
Viele
verstehen nicht, daß die NATO nicht
nur ein militärisches Bündnis zum
Zweck der Abwehr eines Angriffs ist.
Es ist vielmehr ein Bündnis von Völkern mit gleichen Wertvorstellungen.
Frage:
Die Bundesrepublik Deutschland ist das wirtschaftlich stärkste
Land in Europa. Ihr Bruttoinlandsprodukt beläuft sich auf 1,4 Billionen Dollar, die Hälfte des japanischen. Wenn wir uns mit Fragen der
Europäischen Gemeinschaft beschäftigen, so neigen wir eher dazu, uns der
Bundesrepublik anzunähern - weg von
Margaret Thatcher mit ihrer anti-europäischen Haltung. Erkennen Sie die
enorme Machtverlagerung
in dieser
Hinsicht?
Antwort:
Nun, das Bruttosozialprodukt der Vereinigten Staaten ist höher als das der Bundesrepublik, Japans und der Sowjetunion zusammengenommen.
Wir
sind
keine
kleine
Macht.
Wir müssen uns über diese
Länder, deren BSP ein Viertel oder
ein Fünftel des unsrigen beträgt,
keine Sorgen machen. Im Hinblick auf
die wirtschaftliche Gefahr übertreiben Sie.
Frage: Ja, aber wir sind auch noch
mit 2,8 Billionen Dollar verschuldet. Beeindruckt Sie das überhaupt
nicht?
Antwort: Es beeindruckt mich schon
etwas, aber im Verhältnis zu unserem
Bruttosozialprodukt liegt diese Verschuldung niedriger als in den meisten anderen Ländern.

Frage:
Herr Botschafter, der Eckpfeiler der von Präsident Bush vorgeschlagenen neuen Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion ist Michail Gorbatschow.
Michail Gorbatschow war die treibende
Kraft hinter den Veränderungen in der
sowjetischen Innen- und Außenpolitik
und damit auch hinter dem Wiederaufleben der Freiheit in Osteuropa, aber
in diesem Winter hat er harte Zeiten
vor sich und könnte vielleicht sogar
an den Rand einer Katastrophe steuern. In der Sowjetunion besteht nahezu überall ein Mangel an Heizöl und
Nahrungsmitteln.
Ethnische und nationalistische Unruhen sowie Arbeitskämpfe greifen um sich. Die Perestrojka führt nicht schnell genug zu
Ergebnissen, was diesen Monat zu einer
Sonderkonferenz
sowjetischer
Wirtschaftsexperten geführt hat, um
die Wirtschaftsreformen wiederzubeleben.
Wird Gorby durchhalten?
Antwort: Ja.
Frage: Warum?
Antwort: Weil es für ihn keine annehmbare Alternative gibt.
Jedenfalls nicht für diejenigen, die in
der Sowjetunion Einfluß haben.
Es
gibt keine annehmbare Alternative.
Man hat es mit dem alten System versucht, und es funktioniert nicht. Er
ist die einzige Hoffnung.
Frage: Ligatschow.
Antwort:
Was hat er anzubieten?
Zu den alten Methoden zurückzukehren,
die sie dahin gebracht haben, wo sie
jetzt sind? Nein.
Frage:
Die
bremsen.
Antwort:
Frage:

- 5 -

Entwicklung

etwas

zu

Nein, nein.
Sie

sind

überzeugt

davon,

�daß er durchhalten wird?
Antwort:
Es gibt eine Wellenbewegung in der Geschichte.
Die Geschichte hat ein solches Tempo angenommen, daß sie nicht mehr aufzuhalten ist. Innerhalb von Wochen geschehen Dinge, die vormals Jahre oder
Monate in Anspruch nahmen. Und die
Veränderungen in der Sowjetunion werden tiefgreifend sein, weil Gorbatschow eine lebensfähige Wirtschaft
will. Er möchte ein Land schaffen,
das ein Bruttosozialprodukt in der
Höhe erwirtschaftet, wie wir es einmal fälschlicherweise angenommen haben.
Frage: Als Reagan Gorbatschow sah,
schätzte er diesen Mann ein. Und es
ist Ronald Reagans Verdienst, eine
Wende um 180 Grad gemacht zu haben.
Er erkannte damals, daß Gorbatschow
tun könnte, was Reagan von ihm wollte, und er hat darauf reagiert. Meines Erachtens ist noch nicht ausreichend gewürdigt worden, wie sehr er
Gorbatschow verstanden hat. Empfinden Sie es nicht als bemerkenswertes
Phänomen, wie sehr es Reagan gelungen
ist, sich in Gorbatschow hineinzuversetzen?
Antwort:
Nein.
Aber er hat sich
auf vor die Mauer gestellt und erklärt: "Herr Gorbatschow, reißen Sie
diese Mauer nieder." Meiner Meinung
nach ereignete sich in Reykjavik
nocht etwas wesentlich bedeutsameres. Gorbatschow versuchte, uns zu
übertölpeln, damit wir SDI aufgeben
würden, von dem viele in den Vereinigten Staaten annahmen, es werde
ohnehin nicht funktionieren. Das ist
nicht so wichtig. Was zählte, war
die Tatsache, daß Gorbatschow dachte,
es würde funktionieren. Und als er
nach Hause zurückkehrte und erklärte,
die Vereinigten Staaten würden es
nicht aufgeben, was werden wir tun was wird es uns kosten, mit ihnen
Schritt zu halten? Da entnahm er den
Antworten, daß ihm nicht so viel Geld
zur Verfügung stand. Und das ist einer der Gründe, warum wir heute an
dLesem Punkt stehen. Dies resultiert

aus unserer Standhaftigkeit, aus der
Geschlossenheit des Bündnisses, aus
40 Jahren der Einmütigkeit, daraus,
daß 16 Länder über 40 Jahre hinweg
alle wichtigen Entscheidungen einmütig gefällt haben. Und sie sind sich
darüber im klaren, daß sie es mit
starken Vereinigten Staaten von Amerika zu tun haben, die ihr Verteidigungspotential erneuert haben und
nicht unter Druck gesetzt werden können.
Frage:
Ja, aber leider hat
NATO jetzt ihren Nutzen verloren.

die

Antwort:
Das ist eine Illusion.
Das wird jetzt vielfach behauptet.
Ich gehörte zur ursprünglichen Gruppe, die mit Eisenhower nach Europa
ging. Das waren 11 Personen im Jahr
1951. Und seither haben Leute versucht, die Beerdigung der NATO zu
feiern.
Frage:
Der
einzige
unmittelbare
Vorteil der NATO besteht darin, daß
sie dem Warschauer Pakt seine Berechtigung liefert, was von Gorbatschow
derzeit benötigt wird, um seinen
rechten Flügel ruhigzustellen.
Er
kann auf Ungarn verweisen und sagen
"Ungarn ist ein Mitglied des Warschauer Pakts". Er kann auf Polen
mit seinem demokratischen Oberkomando
verweisen und sagen, daß Polen Mitglied des Warschauer Pakts ist. Er
wird auch sagen, daß die DDR im Warschauer Pakt ist. Und damit wird er
gegenüber seinem rechten Flügel Zeit
gewinnen.
Das ist gegenwärtig der
Vorteil der NATO - Gorbatschow zu erlauben, dies zu tun und den Prozeß zu
verlangsamen, um ihn in den Griff zu
bekommen. Was halten Sie davon?
Antwort: Meines Erachtens ist diese Ansicht unrealistisch. Jedermann
weiß, daß der Warschauer Pakt ein
künstliches Gebilde war, dem niemand
außer der Sowjetunion freiwillig beigetreten ist. Das gilt nicht für die
NATO.
Die Länder des Warschauer
Pakts teilen nicht die gleichen Werte. Die Länder der NATO tun dies.
Menschen mit den gleichen Werten nei-

- 6 -

�gen dazu, über einen längeren Zeitraum zusammenzuhalten. Engländer und
Portugiesen waren über 600 Jahre lang
verbündet, und die Briten haben dies
im Zweiten Weltkrieg geltend gemacht,
um Stützpunkte auf den Azoren zu bekommen. Wenn man ein solches Bündnis
hat, möchte man daran festhalten.
Die NATO ist ein unerläßliches Bindeglied, um nach Verwirklichung des europäischen Binnenmarkts die Vereinigten Staaten und Kanada mit Europa zu
verbinden.
Frage:
Der europäische Binnenmarkt
im Jahr 1992 wird die NATO noch überflüssiger machen. Was sagen Sie dazu?

Frage:
Nehmen wir einmal an, Sie
hätten die Möglichkeit, George Bush
zu beraten, was sie ja auch zweifelsohne häufig tun, und George Bush würde fragen: "Was meinen Sie, Vernon?
Soll ich daraus ein Junktim machen?
Mit anderen Worten: Gorbatschow erklärt mir gegenüber, er benötige Nahrungsmittel und Kohle.
Sollte ich
ihm entgegnen, daß wir ihnen mit
Technologietransfer aus der Patsche
helfen, falls sie sich nicht länger
in Belange unserer nationalen Sicherheit einmischen, und der Preis dafür
wäre die Einstellung der Hilfe für
Ortega und Castro? Würden Sie mir
dazu raten?" Ist das die Art von Rat,
den sie ihm geben würden?

Antwort: Unsinn.
Frage: An der Spitze der kommunistischen Partei in der DDR steht Egon
Krenz. Wird er den 15. Dezember politisch überleben - oder wird er auch
noch in einem Jahr im Amt sein?
Antwort:
Er kann heilfroh
wenn er dann noch im Amt ist.

sein,

Frage:
Wird Ministerpräsident Hans
Modrow in einem Jahr noch im Amt sein?
Antwort:
Er kann heilfroh
wenn er dann noch im Amt ist.

sein,

Frage:
Schließen
Sie aus Ihren
Quellen, daß Gorbatschow Präsident
Bush versichern wird, daß er die Lieferungen von Waffen oder anderen Ressourcen an Daniel Ortega und Castro
einstellen wird?

Antwort:
Nun, zunächst einmal berate ich ihn nicht über Fragen in
dieser Region.
Mein Spezialgebiet
ist Deutschland. Wenn ich aber darüber (mit Gorbatschow) sprechen würde, so würde ich Ihm wahrscheinlich
sagen - natürlich weiß ich nicht, was
Präsident Bush ihm sagen wird -, aber
ich würde sagen: "Also, wenn Sie gute Beziehungen mit mir wünschen, dürfen Sie mir keine Schwierigkeiten in
Regionen bereiten, die für mich wichtig sind. Wenn Sie so etwas wie eine
neue Partnerschaft anstreben, müssen
Sie in diesem Bereich flexibel sein.
Und wenn Sie nicht flexibel sind, ist
es sehr schwierig für mich, flexibel
zu sein."

* * * * *

Antwort:
Gorbatschow ist ein sehr
gut informierter Mann. Meines Erachtens weiß er, daß ein Problem, das
diese Partnerschaft vergiften kann,
eine Fortführung der Schwierigkeiten
wäre, die in einer für uns lebenswichtigen - und für sie völlig unwichtigen - Region aus rein ideologischen Gründen zu einem Zeitpunkt geschaffen werden, an dem meiner Meinung nach ihre Ideologie zusammenbricht.
- 7 -

�AMERIKA DIENST
^7

^

£*

Dokumentation

43

29. November 1989
BUSH STREBT SOWJETISCHE ZUSAGE ZUR FORTSETZUNG DER REFORMEN AN
- Ansprache des US-Präsidenten zum amerikanischen Erntedankfest -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat am 22. November 1989, dem Vorabend des
amerikanischen Erntedankfestes, in einer landesweit von Rundfunk und Fernsehen
ausgestrahlten Rede erklärt, er strebe bei seinem Treffen mit dem sowjetischen
Staats- und Parteichef Gorbatschow am 2. und 3. Dezember eine feste Zusage der
Sowjets für die Fortführung des Reformprozesses in Osteuropa an. Die Vereinigten Staaten stünden diesem historischen Prozeß wohlwollend gegenüber.
"Wir werden ihm zusichern, daß die Vereinigten Staaten die Reformen nicht als
Gegner begrüßen, der seinen Vorteil sucht, sondern als Volk, das Hilfe anbietet."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.
Wie viele von Ihnen werde ich den
morgigen Tag im Familienkreis verbringen. Wir werden ein Dankgebet
sprechen, den Truthahn teilen und
Gott für seine vielen Segnungen danken - und für unser großartiges Land.
An diesem Feiertag unterbricht auch
der Kongreß seine Sitzungen. Ich habe mit dem Kongreß zusammengearbeitet
- meine Hände über Parteigrenzen hinweg ausgestreckt und Gesetzentwürfe
vorangetrieben, die der auf unseren
Straßen herrschenden Furcht vor Verbrechen und Drogen ein Ende setzen
sollen. Wir haben Methoden zur Reinigung von Luft, Wasser und Boden
vorgeschlagen. Wir haben uns mit den
Gouverneuren zusammengeschlossen, um
einen historischen Vertrag zur Verbesserung unserer Schulen zu verab-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schieden. Was mir jedoch besonders
zu Herzen geht, ist die Tatsache, daß
so viele Amerikaner dem Ruf zum
Dienst an der Gemeinschaft - den tausend Punkten des Lichts - gefolgt
sind, ihre Ärmel aufgekrempelt und
sich für diejenigen eingesetzt haben,
die alle Hoffnung verloren haben, für
die Hilflosen - jeder Freiwillige ist
ein Licht der Hoffnung für jemanden,
der den Halt verloren hat.
Dies wird ein ganz besonderes Erntedankfest sein.
Es bezeichnet ein
außergewöhnliches Jahr. Bevor jedoch
unsere Familien sich am morgigen Tag
zu Tisch begeben, werden wir noch aus
einem
anderen Grund Dank sagen:
überall auf der Welt werden morgen
neue Pilger auf einer Reise zur Freiheit sein, und für viele von ihnen

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�ist dies nicht eine Reise an irgendeinen weit entfernten Ort, sondern in
eine von ihnen selbst geschaffene
Welt.
An anderen Erntedankfesten lebte die
Welt im Schatten der Wachttürme,
Wachhunde und Maschinengewehre. Viele unter Ihnen waren noch nicht geboren, als im Jahr 1961 die Berliner
Mauer errichtet wurde. Heute aber
sehen wir ein neues Bild von der
Welt, das eine neue Realität widerspiegelt, das Bild von Deutschen aus
Ost und West, die einander auf die
Berliner Mauer helfen - eine menschliche
Brücke
zwischen
Nationen.
Ganze Völker gehen überall in Osteuropa mutig auf die Straße und fordern
Freiheit, reden von Demokratie. Dies
ist nicht das Ende des Buches der Geschichte, aber es ist das Ende eines
der traurigsten Kapitel seiner Geschichte.
Schon bald nach Öffnung der Mauer
rief mich Bundeskanzler Kohl an und
bat mich, Ihnen, dem amerikanischen
Volk, seinen Dank auszusprechen. Er
erklärte, daß dieser bemerkenswerte
Wandel in Osteuropa ohne die standhafte Unterstützung der Vereinigten
Staaten nicht stattgefunden hätte.
Dies ist ein passendes Lob von einem
guten Freund. 40 Jahre lang haben
wir in unserem Engagement für die
Freiheit nicht nachgelassen.
Wir
danken unseren Männern und Frauen in
Uniform. Ebenso sollten wir unseren
führenden Nachkriegspolitikern danken. Sie haben mit dem Marshall-Plan
zum Wiederaufbau
eines Kontinents
beigetragen, und wir haben einen
Schild - die NATO - geschaffen, hinter dem sich Europäer und Amerikaner
eine Zukunft in Freiheit aufbauen
konnten.
In vielen dieser 40 Jahren wurde die
Probe der Entschlossenheit des Westens, des Wettstreits zwischen Freien und Unfreien, von einer Insel der
Hoffnung hinter dem Eisernen Vorhang
symbolisiert: Berlin.
In den vierziger Jahren blieb West-

Berlin frei, weil Harry Truman erklärte: Hände weg. In den fünfziger
Jahren verlieh Eisenhower diesen Worten Nachdruck. In den sechziger Jahren schöpften die Berliner Mut, als
Präsident Kennedy erklärte: Ich bin
ein Berliner. In den siebziger Jahren unterstützten die Präsidenten
Nixon, Ford und Carter Berlin - indem
sie an der NATO festhielten. Und in
den achtziger Jahren besuchte Ronald
Reagan Berlin, um auszurufen: Reißt
diese Mauer nieder.
Heute stehen wir an der Schwelle der
neunziger Jahre. Zu Beginn dieses
neuen Jahrzehnts möchte ich Präsident
Gorbatschow die Hand reichen und ihn
auffordern, mit mir zusammenzuarbeiten, um die letzten Schranken gegen
eine neue Welt der Freiheit zu beseitigen. Laßt uns die Politik des Containment überwinden und den kalten
Krieg ein für allemal beenden.
Wir können ein solch kühnes Unternehmen in Angriff nehmen, weil die Vereinigten Staaten stark sind und 40
Jahre der Hartnäckigkeit und Geduld
sich endlich auszahlen. In jüngster
Zeit hat die stille Diplomatie, die
Arbeit hinter den Kulissen, zu Ergebnissen geführt. Wir können uns heute
eine neue Welt mit einem neuen Europa
vorzustellen wagen, die auf dem Fundament der Demokratie aufbaut.
Diese neue Welt nahm gerade Konturen
an, als meine Präsidentschaft mit
diesen Worten begann: "Die Tage der
Diktatoren sind gezählt." Im Laufe
des Frühjahrs und Sommers haben wir
den Völkern der Welt erklärt, an was
die Vereinigten Staaten glauben und
wie die Vereinigten Staaten sich die

Zukunft vorstellen. Die Vereinigten
Staaten glauben, daß "in Osteuropa
die Zeit für die Idee der Freiheit
reif ist". Die Vereinigten Staaten
wünschen den Erfolg von Präsident
Gorbatschows Reformen, die wir unter
dem Begriff der Perestrojka kennen.
Und die Vereinigten Staaten möchten,
daß die Sowjets sich uns auf dem Weg
"über die Politik des Containment
hinaus" zu einer neuen Partnerschaft

- 2 -

�anschließen. Einige haben sich gefragt, ob all dies realistisch sei.
Nun, obwohl wir uns noch immer auf
dem im vergangenen Frühjahr eingeschlagenen Kurs befinden, entwickeln
sich die Dinge schneller, als irgendjemand sich hätte vorstellen oder
vorhersagen können.

*

Schauen Sie sich in der Welt um - in
den Entwicklungsländern fordern die
Menschen Freiheit. Polen und Ungarn
sind heute Demokratien in den Kinderschuhen - Polen hat eine nichtkommunistische Regierung, und in Ungarn
werden bald freie Wahlen abgehalten.
In der Sowjetunion schaffen die Reformkräfte unter Michail Gorbatschow
beispiellose Offenheit und Veränderungen.
Aber nirgends auf der Welt von heute
- oder selbst in der Geschichte der
Menschheit - haben die Herzen der
Menschen so rasch - so sicher - über
kalten Stein triumphiert wie in Berlin, ja sogar in ganz Deutschland.
Um die Worte des großen Dichters Robert Frost zu umschreiben: Es gibt
sicherlich in uns etwas, das Mauern
verabscheut.
Als ich im vergangenen Mai in Mainz
zum deutschen Volk sprach, habe ich
den Abbau der Grenzen zwischen Ungarn
und Österreich begrüßt und erklärt:
"Berlin muß die nächste Station
sein." Und das Volk der Bundesrepublik Deutschland schloß sich uns bei
der Forderung nach einem ungeteilten,
freien Europa an.
Erst gestern überreichte mir der Bundesaußenminister ein Stück der Berliner Mauer - es liegt jetzt auf meinem
Schreibtisch als Erinnerung an die
Macht der Freiheit, Mauern zwischen
den Menschen niederzureißen.
Ich erinnerte mich wieder an die Zeit
vor sieben Jahren, als ich die kleine
deutsche Stadt Modlareuth besuchte,
die auch Klein-Berlin genannt wird.
Es ist eine geteilte Stadt, deren
kopfsteingepflasterte
Straßen
mit
Stacheldraht und Beton verbarrika-

diert sind - auf der einen Seite
Freiheit, auf der anderen Verzweiflung. Ich sprach nicht einmal 150
Meter von den bewaffneten Wachposten
auf ihren Türmen entfernt mit einigen
Einwohnern. Eines Tages möchte ich
nach Klein-Berlin zurückkehren, um zu
sehen, daß Familien wieder vereinigt
zu werden und sich einstmals getrennte Nachbarn wieder treffen.
Der Wandel vollzieht sich rasch. Und
mit diesem Wandel die dramatische Bestätigung der wirtschaftlichen und
politischen Institutionen des freien
Europa. Das jetzt neuentstehende Europa wird auf dem Fundament demokratischer Werte errichtet und muß darauf
errichtet
werden.
Aber je
schneller die Geschwindigkeit, umso
reibungsloser muß der Ablauf erfolgen. Dies ist schließlich eine ernste Angelegenheit.
Der von uns aufgebaute Frieden muß
sich von dem harten, freudlosen Frieden zwischen zwei bewaffneten Lagern
unterscheiden, mit dem wir soviel Erfahrung haben. Die Narben des Konflikts, der vor fünfzig Jahren begann, ziehen sich quer über den Kontinent. Die vor uns liegende historische Aufgabe besteht darin, diese
alte Wunde zu heilen.
Unser Besuch in Polen und Ungarn im
vergangenen Juli hat mich in der Auffassung bestärkt, daß wir auf dem
richtigen Weg sind - daß endlich die
Möglichkeit für grundlegende Veränderungen besteht. Ich konnte Akte der
Wiedergutmachung und Aussöhnung unmittelbar beobachten.
In Warschau
habe ich bei meinem Diner für General
Jaruselski und die Führer der Gewerkschaft Solidarität eine Frau getroffen, die unter großem Risiko für ihre
Person an der Freilassung inhaftierter Mitglieder der Solidarität gearbeitet hatte.
Sie wurde gefragt:
"Wie ist es möglich, sich nach so
kurzer Zeit mit den Männern an einen
Tisch zu setzen, die diese Verhaftungen angeordnet haben - ganz ohne Bitterkeit?"
Sie antwortete darauf:
"Unsere Freude über die Ereignisse

- 3 -

�heute ist stärker als die Erinnerung."
Ich wünsche mir, Sie hätten das erleben können, denn es war außerordentlich. Die alten Gegensätze schmolzen
dahin, als sich einstige Gegner oftmals mit Tränen in den Augen erhoben
und ihr Glas auf die Zukunft erhoben.
Unsere Gäste wußten, daß die Geschichte sie danach beurteilen würde,
wie gut sie zusammenarbeiten. Ganz
Europa steht nunmehr im Zeichen der
Kooperation, und das Ergebnis tritt
klar zutage: Polen und Ungarn wandeln sich.
Sie verdienen unsere Unterstützung,
und sie werden sie bekommen. Wir haben unseren Worten Taten folgen lassen. Mit neuen Krediten und Förderprogrammen sowie amerikanischen Expertengruppen wollen wir helfen, den
Übergang zu einer freien Marktwirtschaft zu vollziehen und amerikanischen Investitionen sowie dem Handel
mit Polen und Ungarn den Weg zu bereiten. Jetzt können die Menschen In
diesen Ländern erwarten, daß sie
durch harte Arbeit ein besseres Leben
erwirtschaften.
Dieselben Winde der Veränderung fegen
über unsere Hemisphäre hinweg, und
Demokratie verwandelt auch den amerikanischen Kontinent mit erstaunlicher
Geschwindigkeit.
Bedauerlicherweise
gibt es noch Ausnahmen - Panama, Nicaragua und Kuba.
Und die beiden
letztgenannten halten die Stellung
gegen ihr eigenes Volk nur aufgrund
der massiven Unterstützung mit Waffen
und Nachschub von ihren kommunistischen Verbündeten. Wenn ich Präsident Gorbatschow treffe, werde ich
ihn bitten, gemeinsam mit uns allen
Menschen Lateinamerikas Freiheit und
Demokratie zu bringen.
Wenn wir also die Ereignisse in Osteuropa feiern, sollten wir daran denken, daß es zwischen Ost und West immer noch Mauern gibt. Es sind die
unsichtbaren Mauern des Mißtrauens.
Die Mauern des Zweifels, der Mißverständnisse und Fehleinschätzungen.

Es war vergangenen Sommer in Osteuropa, als ich den Entschluß faßte, mich
persönlich dafür einzusetzen, daß
diese letzten Schranken fallen.
Im vergangenen Mai habe ich fünf
Punkte entworfen, die Präsident Gorbatschow erfüllen sollte, wenn wir
dieses neue Denken ernst nehmen sollen: Erstens die Reduzierung der sowjetischen Streitkräfte, zweitens Unterstützung der Selbstbestimmung in
Osteuropa,
drittens
Zusammenarbeit
mit uns an der Beendigung regionaler
Konflikte, viertens Erlangung eines
dauerhaften Pluralismus' und die Achtung der Menschenrechte und fünftens
die gemeinsame Lösung weltpolitischer
Probleme, einschließlich des internationalen Drogenhandels und der Gefahren für die Umwelt. Es gibt immer
noch ernstliche Probleme, insbesondere regionale Konflikte. Die Sowjetunion hat in diesen fünf Bereichen
Fortschritte erzielt. Das ist unbestreitbar.
Ich habe Präsident Gorbatschow eingeladen, mich in - von heute ab - zehn
Tagen zu treffen. Dies ist ein erstes Treffen - zur Sondierung. Es
ist kein Treffen für eingehende RUstungskontrollverhandlungen, die am
besten beim Gipfel im kommenden Jahr
erörtert werden.
Ich möchte, daß Präsident Gorbatschow
die Position der Vereinigten Staaten
genau kennt. Um es nochmals klarzustellen - Amerika steht zu Freiheit
und Demokratie.
Wir treffen nicht
zusammen, um die Zukunft Europas
festzulegen - schließlich bestimmen
die Völker Europas selbst über ihre
eigene Zukunft. Obwohl unseren Verbündeten kaum Überraschungen bereitet
werden dürften, werden wir keine Gelegenheit auslassen, um Frieden und
Freiheit zu fördern. Und diejenigen,
die unsere überlegte Vorgehensweise
In Zweifel ziehen, müssen verstehen,
daß eine Zeit historischer Veränderungen nicht die Zeit für Rücksichtslosigkeit ist.
Der Frieden, die
Freiheit und die Sicherheit unserer
Freunde in Europa sind uns viel zu

�wichtig.
Wir werden uns um Präsident Gorbatschows Zusicherung bemühen, daß dieser Reformprozeß in Osteuropa anhalten wird. Und wir werden ihm zusichern, daß die Vereinigten Staaten
Reformen nicht als Gegner begrüßen,
der seinen Vorteil sucht, sondern als
Volk, das Hilfe anbietet. Unser Ziel
besteht darin, daß sich dieser historische Vormarsch der Freiheit ausbreitet, vertieft und - dauerhaft
ist. Ihr friedlichea Vorrücken und
ihre Akzeptanz in der Sowjetunion ermutigen uns sehr. Wir dürfen nun
auch bei anderen Problemen hoffen unserer Umwelt, unserem gemeinsamen
Kampf gegen Drogen wie auch bei Menschenrechten und den noch bestehenden
regionalen Konflikten.
Unmittelbar nach meinem Treffen mit
Präsident Gorbatschow werde ich mich
zu Konsultationen mit unseren NATOPartnern nach Brüssel begeben - zu
dem Bündnis, das dem Westen 40 Jahre
Freiheit garantiert hat. Ich werde
ihnen versichern, daß ungeachtet der
Dramatik des Wandels in Osteuropa
oder in der Sowjetunion selbst die
Vereinigten Staaten weiterhin fest zu
ihren Freunden und Verbündeten stehen.
Denn in einem neuen Europa kann sich
die Rolle der Vereinigten Staaten
zwar der Form nach, nicht aber in ihren Grundsätzen ändern. Schließlich
stationiert die Sowjetunion weiterhin
Hunderttausende Soldaten in ganz Osteuropa. Sehen Sie sich nur Karten an
und betrachten Sie die Geschichte:
dann werden Sie sehen, daß diese Präsenz, mit dem natürlichen geographischen Vorteil der Sowjets, nicht ausser acht gelassen werden darf. Auch
wenn also auf beiden Seiten die
Streitkräfte erheblich reduziert werden - in der Tat ein nobles Ziel werden wir in Europa bleiben, so lange unsere Freunde dies wünschen und
brauchen.
Vor Malta werden Michail Gorbatschow
und ich die Arbeit von Jahren aufnehmen. Wir können den Völkern Osteuropas zu einem neuen Schicksal in einem
friedlichen, ungeteilten und freien

Europa verhelfen. Ich werde Präsident Gorbatschow, dem dynamischen sowjetischen Reformpolitiker gegenüber
den Wunsch der Vereinigten Staaten
zum Ausdruck bringen, daß das sowjetische Volk seine Bestimmung erfüllt.
Und ich werde ihm versichern, daß es
keinen größeren Befürworter der Perestrojka gibt als den Präsidenten der
Vereinigten Staaten.
Unser Treffen wird auf Schiffen
stattfinden, die in einer Meerenge
vor Anker liegen, die seit mehr als
zweitausend Jahren ein Schiffahrtsweg
für den Handel war und in der viele
Konflikte stattgefunden haben. Dieser Hafen wurde von Cäsaren und Sultanen, Kreuzrittern und Königen erobert. Seine Festungsanlagen und Aussichtstürme zeigen ein Meer, das zum
Grab der Schiffe verlorener Imperien
geworden ist - Sklavengaleeren, Galeonen, Schlachtschiffe und Zerstörer
liegen. Diese Schiffe sollten einstmals dauerhafte Imperien schützen.
Sie liegen jetzt auf dem Grund des
Meeres und wachen über die Korallenriffe.
Wenn die Jahrtausende uns also eine
Lektion erteilen, dann vielleicht
diese: Echte Sicherheit wird nicht
durch Imperien oder Dominanz erzielt.
Echte Sicherheit kann nur durch das
zunehmende Vertrauen freier Menschen
hervorgebracht werden.
Es ist gesagt worden, Frieden sei
nicht das Werk eines einzelnen Tages
oder das Ergebnis einer einzigen Tat.
Dennoch trägt jede konstruktive Maßnahme dazu bei, jede Unterlassung
verhindert ihn. Es wird am Ende so
sicher Frieden geben wie ein Kind
heranwächst - langsam, bis wir eines
Tages mit ungläubigem Staunen feststellen, daß das Kind nahezu erwachsen ist.
Wir hegen die Hoffnung, daß Malta eine solche konstruktive Maßnahme ist die Pilger auf ihrer Reise in eine
neue Welt der Freiheit führt.

- 5 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
r

^?

^

Dokumentation

Jy

29. November 1989

43
BUSH:

IN MALTA KEINE ÜBERRASCHUNGEN ZU ERWARTEN

- Gespräch mit Reportern im Weißen Haus WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge wird das Treffen mit Präsident Gorbatschow vor Malta "die ganze Bandbreite von Themen" abdecken, aber keine für
die Verbündeten der Vereinigten Staaten überraschenden Ergebnisse bringen. In
einem kurzen Pressegespräch mit Journalisten im Weißen Haus versuchte Bush am
28. November 1989 Spekulationen zu zerstreuen, wonach seine Gespräche substantielle Verhandlungen über die Reduzierung der konventionellen Streitkräfte in
Europa und andere RUstungskontrollthemen werden könnten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Fragen und Antworten in leicht gekürzter
Fassung:
Frage: Wie steht es mit dem Gipfeitreffen, Herr Präsident?

und sein
möchten.

Antwort:
Ich bin froh, daß Sie
mich danach gefragt haben. Als ich
meine Absichten definiert habe, habe
ich erklärt, daß keine feste Tagesordnung besteht, daß ich bereit bin,
über die ganze Bandbreite von Themen
zu sprechen. Und genau das wird geschehen. Und nun gibt es alle Arten
von völlig aus der Luft gegriffenen
Spekulationen, wonach alles anders
sein soll. Ich bin also froh über
diese Frage, denn ich kann sagen, daß
wir ein gutes, solides Team versammelt haben, um mit Präsident Gorbatschow über alles zu sprechen, was er

Dabei wird jedoch kein Abkommen herauskommen, das unsere Verbündeten
überraschen würde. Wir sind Teil eines Bündnisses, und dieses Bündnis
ist sehr stark. Und es wird auch
nach dem Treffen stark sein, weil ich
unsere Partner nicht überraschen werde. Die Überraschung wird vielleicht
für manche darin bestehen, daß es
keine geben wird.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

fähiges

Team

anschneiden

Frage:
Nein.
Die Frage lautet:
Sie haben die Einschränkung gemacht,
daß Sie die NATO informieren werden,
aber gehen Sie nicht dorthin mit ir-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�gendetwas Konkretem in der Hand? Ich
meine, werden Sie sich nur dort hinsetzen und zuhören?
Antwort: Nein. Es gibt ein breites Spektrum von Bereichen, in denen
wir die Beziehungen verbessern können. Ich bin sehr besorgt über die
Vorgänge in Mittelamerika, und ich
werde Gorbatschow auffordern, zu tun,
was schon lange hätte getan werden
müssen - die Unterstützung für diejenigen einzustellen, die die Revolution schüren und sie in diese Hemisphäre exportieren.
Zufälligerweise erhielt ich heute einen Telefonanruf von Präsident Arias
aus Costa Rica, und ich werde auf
Wunsch von Arias gegenüber Gorbatschow zur Sprache bringen, daß die
Sowjetunion ihre Unterstützung für
Fidel Castro einstellt,* der Arias zufolge durch seine Unterstützung der
FMLN unmittelbar für den Export der
Revolution verantwortlich ist. Und
das war eine offene Bitte des Friedensnobelpreisträgers.
Wir werden also auf jeden Fall auch
unsererseits andere Themen aufwerfen. Ich werde mit meinen eigenen
Ideen dorthin reisen und dabei das
weiterführen, was der Außenminister
in sehr konstruktiver Weise bei seinen Gesprächen mit Schewardnadse getan hat.
Frage: Wird es angesichts des raschen Wandels zu Truppenreduzierungen
kommen?
Antwort:
Wir möchten unsere Verbündeten nicht übergehen. Verteidigungsminister Cheney überprüft gegenwärtig die Anforderungen für die Verteidigung - aber das ist ein gutes
Thema, denn ich werden kein Rüstungskontrollabkommen abschließen.
Wenn wir uns also im allgemeinen mit
den politisch Verantwortlichen der
Sowjetunion über unsere Bestrebungen
für ein Verteidigungssystem unterhalten wollen, wie es vielleicht in zehn
Jahren aussieht, so werden wir das

natürlich tun. Wir möchten, daß weit
weniger als 15 Prozent oder 17 Prozent des sowjetischen Bruttosozialprodukts für Verteidigung aufgewendet
werden.
Selbstverständlich
werden
wir darüber sprechen. Es ist sehr
wichtig, daß wir darüber sprechen.
Aber das meine ich gar nicht, wenn
ich von übersteigerten Erwartungen in
bezug auf irgendeine Vereinbarung
spreche. Es wird keine Vereinbarung
solcher Art geben. Zu einer Vereinbarung gehören zwei Partner.
Frage: Besteht eine der Ideen, die
sie zum Gipfel mitnehmen - Sie sprachen gerade von Ideen - darin, wesentlich einschneidendere Reduzierungen bei den konventionellen Streitkräften vorzunehmen als diejenigen,
die Sie in Brüssel vorgeschlagen haben?
Antwort: Wie ich schon sagte, gehören zu einer Vereinbarung zwei
Partner. Wir müssen dorthin reisen
und seine Pläne mit ihm besprechen
und dürfen das Bündnis nicht durch
einseitige Verpflichtungen festlegen.
Frage: Aber Sie sind bereit, über
einschneidendere Kürzungen zu sprechen als früher?
Antwort: Ich bin bereit, über alles zu reden. Darin liegt ja der
Sinn dieses Treffens. Deshalb habe
ich es ja als Treffen bezeichnet, bei
dem wir ohne feste Tagesordnung über
alles sprechen können.
Frage: Die Ereignisse in Osteuropa
scheinen sich weitgehend selbständig
zu entwickeln. Meinen Sie, daß Sie
als Präsident eine größere Rolle bei
der Gestaltung dieser Entwicklungen
spielen sollten, oder denken Sie, daß
Europa hier die Führungsrolle übernehmen sollte?
Antwort: Meines Erachtens wird die
Führungsrolle von den Völkern dieser
Länder übernommen. Und ich habe bereits mit allen Staats- oder Regierungschefs der NATO-Partner gespro-

- 2 -

�chen. Ohne mich hier selbst in den
Vordergrund schieben zu wollen, haben
mir nahezu alle versichert, daß sich
ihres Erachtens die Vereinigten Staaten in dieser Situation richtig verhalten. Wir wissen die Haltung der
Vereinigten Staaten gegenüber diesen
Veränderungen, den umsichtigen Ansatz, zu schätzen.
Und das wurde
wiederholt zum Ausdruck gebracht.
Ich habe mit jedem Staats- oder Regierungschef der NATO-Partner telefoniert. Ich bin also davon überzeugt,
daß sie unsere Haltung unterstützen.
Was gegenwärtig in der Tschechoslowakei geschieht, was in Polen geschehen
ist und weiterhin geschieht, die Ereignisse in der DDR und in Ungarn,
all das geht von der dortigen Bevölkerung aus. Es kommt nicht von irgend jemandem auf der anderen Seite
der Welt, der diktiert, wie schnell
der Wandel sein sollte oder was dazu
gehören sollte.
Wir haben in zahlreichen Reden eine
breite Perspektive davon entwickelt,
welche Entwicklung die Welt unserer
Meinung nach nehmen sollte. Wir haben schon vor Monaten darüber gesprochen, und es wurde kaum zur Kenntnis
genommen.
Aber unsere Verbündeten
haben es verstanden. Sie verstanden
sehr wohl, wenn wir von einem ungeteilten, freien Europa sprachen oder
als ich in einem Interview mit David
Frost erklärte, daß die Berliner Mauer noch während meiner Präsidentschaft fallen werde.
Ich denke also, daß unsere Haltung
gegenüber der gegenwärtigen Entwicklung korrekt ist. Und ich sage dies
aufgrund der Reaktionen unserer Verbündeten. Wir sind Teil eines Bündnisses, und dieses Bündnis wird weiterhin Bestand haben.
Und es ist
sehr wichtig, daß die Bündnispartner
wissen, daß ich mich dort nicht aus
dem Fenster lehnen und sie überrollen
werde, indem ich sie auf irgendetwas
verpflichte. Auf diese Weise bleibt
ein Bündnis nicht stark und kann ein
dauerhafter Wandel nicht bewirkt werden.

Frage:
Herr Präsident, Sie haben
gesagt, in Malta wird es keine Vereinbarung geben. Es hat aber Berichte gegeben, wonach Sie Präsident Gorbatschow eine Unterschreitung der
Obergrenze von 275 000 Mann für die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion vorschlagen werden.
Antwort:
gesehen.
Frage:
heit?

Ich

habe

Entsprechen

solche

sie

Berichte

der

Wahr-

Antwort: Nein. Ich habe Ihnen erklärt, daß wir nicht mit spezifischen
Vorschlägen dorthin reisen. Wenn wir
irgend etwas derartiges besprechen
wollen, werden wir es tun. Aber das
möchte ich ja gerade klarstellen. Es
gibt keine Rüstungskontrollvorschläge. Ich habe Herrn Gorbatschow handschriftlich versichert - höchstpersönlich, damit er weiß, daß das von
mir kommt und nicht von der Bürokratie -, daß dies nicht der Gipfel für
ein Rüstungskontrollabkommen ist.
Wir haben ein Treffen vereinbart, einen Gipfel, auf dem wir nach Konsultationen
mit
unseren
Verbündeten
Fortschritte erzielen möchten.
Es
kann darüber also meines Erachtens
keine Mißverständnisse geben.
Ich habe etwas darüber
einer der sowjetischen
klärt hat, und daraus
daß wir ziemlich auf
Wellenlänge liegen.

gelesen, was
Sprecher erentnehme ich,
der gleichen

Frage:
Was ist Ihre Reaktion auf
den Kohl-Vorschlag zur Wiedervereinigung?
Antwort:
Ich werde bald mit ihm
sprechen und möchte doch gern bis dahin abwarten und von ihm genaueres
darüber erfahren.
Frage:
Sie haben Ihre Besorgnis
über die Vorgänge in Mittelamerika
erwähnt. Sie haben von den Sowjets
Zusicherungen erhalten, sie würden
den Waffennachschub abschneiden.

- 3 -

�Antwort:
Sie haben die Waffenlieferungen an Kuba nicht eingestellt.
Und wie Präsident Arias sagte, gibt
es einen bestimmten Hauptverantwortlichen für die Unterstützung der
FMLN, der versucht, die Demokratie in
Mittelamerika im Keim zu ersticken,
El Salvador die Demokratie vorzuenthalten - und das ist Fidel Castro.
Und der hat Ortega in diese Strategie
einbezogen.
Wir müssen diese Probleme also behandeln, und ich gehen davon aus, daß
die Sowjets dazu bereit sind. Wenn
Sie einen Gesprächspunkt wollen, wenn
sie eine Erklärung des Präsidenten
wollen, so bin ich nicht die Art von
Mann, der dorthin fährt und dies verweigern würde. Jetzt haben Sie eine
Schlagzeile.
Frage: Nun, sind Sie ein Mann, der
gegen die Angriffe auf Kirchen in El
Salvador protestieren wird?
Antwort: Ich bin ein Mann, der zunächst die Fakten anfordert.
Und
wenn dort in irgendeiner Weise die
Rechte von Amerikanern beeinträchtigt
werden, werde ich dagegen scharf protestieren. Und wenn Amerikaner sich
an Versuchen beteiligen sollten, eine
Regierung mit Waffengewalt zu stürzen, werde ich auch dies nicht mit
Wohlwollen betrachten. Ich werde also auf die Einhaltung der Menschenrechte und die Tatsache achten, daß
jeder Amerikaner von den Behörden
rechtlich
einwandfrei
behandelt
wird. Versuche, eine frei gewählte
Regierung zu stürzen, werde ich jedoch nicht unterstützen. In dieser
Hemisphäre findet eine Entwicklung
zur Demokratie statt, und dieser Anruf von Oscar Arias hat mich sehr
stark beeindruckt.

* * * * *

�AM
Hintergrundmaterial

29. November 1989

43

US-DELEGATION STELLT SICH IN POLEN DEN HERAUSFORDERUNGEN DER GESCHICHTE
- Von Landwirtschaftsminister Clayton Yeutter -

WASHINGTON - (AD) - Vor zwei Wochen
bereiteten der amerikanische Kongreß
- und mit ihm die amerikanische Öffentlichkeit - dem Führer der polnischen Gewerkschaft Solidarität, Lech
Walesa, einen "ruhmreichen Empfang".
Die Ovationen galten natürlich der
Persönlichkeit des Mannes und dem,
was er getan hat, um die Reformen
einzuleiten, die sich heute mit so
großer Geschwindigkeit in ganz Osteuropa vollziehen.
Aber in gewissem
Sinne wurde damit auch dem polnischen
Volk Beifall gezollt, das nicht zuließ, daß ihm durch Totalitarismus
das Rückgrat gebrochen wurde oder das
Feuer der Demokratie und Freiheit erlöschen konnte.
Die Vereinigten Staaten haben traditionell enge Beziehungen zu Polen -

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Embassy of the United States of America

Abstammung, Kultur und gemeinsame
Werte verbinden uns.
Aus diesem
Grund nehmen wir an den gegenwärtigen
Ereignissen in Polen großen Anteil und engagieren uns auf nationaler
Ebene, um die Hoffnungen des polnischen Volkes auf größere politische
Unabhängigkeit
und
wirtschaftliche
Freiheit erfüllen zu helfen.
Der Delegation, die morgen unter meiner Leitung nach Polen reist, gehören
auch die Minister Dole und Mosbacher
sowie der Vorsitzende des Rates der
Wirtschaftsberater, Boskin, an.
Es
handelt sich dabei im wesentlichen um
eine
Untersuchungskommission,
die
sich auf die Wirtschaftsreformen der
neuen Regierung konzentrieren wird und darauf, wie Programme und Investitionen der Regierung und des Pri-

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Telex: 8-85432

�vatsektors der Vereinigten Staaten
die Reformen unterstützen können.
Alle Mitglieder der Delegation engagieren sich für den Übergang der polnischen Wirtschaft von einem von
Planwirtschaft gelähmten System zu
einer Volkswirtschaft, die dem freien
Unternehmertum und der Kreativität
des polnischen Volkes Spielraum verschafft. Zentrale Planung kann es,
selbst wenn sie sich größter und modernster Computer bedienen sollte,
niemals mit einem Markt aufnehmen, in
dem das Angebot den sich wandelnden
Bedürfnissen des Verbrauchers gerecht
wird. Unsere Delegation wird insbesondere Wirtschaftssektoren untersuchen,
auf
denen
amerikanisches
Know-how und amerikanische Erfahrungen viel bewirken können - die Landwirtschaft, Unternehmensführung, Industrie und Finanzwesen.
Ich möchte insbesondere auf den großen Anteil von Fachleuten aus der
Privatwirtschaft an dieser Delegation
hinweisen.
Mit uns reisen zwanzig
Vertreter aus Gewerkschaft und Industrie, Wirtschaftswissenschaftler und
andere FUhrungskräfte des Privatsektors, etwa von den Banken und aus der
Agrarwirtschaft.
Wir werden unmittelbar nach unserer Ankunft in Polen
Arbeitsgruppen bilden, um festzustellen, inwieweit die Reformen und Verbesserungen in verschiedenen Sektoren
einander beeinflussen und in welchem
Verhältnis sie zum strukturellen, makroökonomischen und Preisreformprogramm Polens insgesamt stehen.
Dieser ersten Reise werden weitere
Besuche amerikanischer Fachleute folgen, die einzelne Sektoren der polnischen Wirtschaft untersuchen sollen.
Darüber hinaus prüfen Ökonomen der
Regierung die strukturellen Herausforderungen in der Wirtschaft, denen
sich Polen jetzt und in den kommenden
Jahren stellen muß, damit die Vereinigten Staaten so effektiv wie möglich helfen können.
Die Delegation tritt ihre Reise an
einem wichtigen Punkt in der Ge-

schichte Osteuropas - und der Welt
schlechthin - an. Dessen sind sich
alle Delegationsmitglieder bewußt und nehmen diese Herausforderung an.
Wir wissen, wie Lech Walesa dem amerikanischen Kongreß vor zwei Wochen
mitteilte, daß "jetzt der Zeitpunkt
gekommen ist, an dem Osteuropa Investitionen erwartet", die in etwa die
Form des Marshallplans haben könnten,
mit dem die Volkswirtschaften Westeuropas nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut wurden.
Der Marshallplan war tatsächlich etwas Besonderes und mehr als nur materielle Hilfe. Allein als solche wäre
er ein kolossaler Fehlschlag geworden.
Sein ungeheurer Erfolg kann
darauf zurückgeführt werden, daß er
Anreize geschaffen hat, Schranken in
Europa abzubauen, die wirtschaftliche
Aktivitäten und Wachstum hätten behindern können. Es war der Marshallplan, der den Regierungen Europas den
Antrieb gab, zusammenzuarbeiten, den
grenzüberschreitenden Fluß von Handelswaren und Ressourcen zuzulassen,
Verkehrssysteme und Stromnetze zu
verbinden und wirtschaftliche und politische Beziehungen zu entwickeln,
die dem Fortschritt Auftrieb verleihen würden.
Die von mir geleitete Polen-Delegation ist natürlich nicht mit einem
Marshallplan - nicht einmal mit dem
Bruchteil eines Marshallplans - zu
vergleichen. Wir sind eine Untersuchungskommission. Aber wir werden in
der polnischen Wirtschaft nach denselben Verbindungen suchen, mit denen
der Marshallplan seine Wirkung erzielt hat.
Was Polen leistet, hat im wahrsten
Sinne des Wortes historischen Charakter. Es birgt nicht nur die Hoffnung
auf einen friedlichen Übergang zu einer demokratischen Regierung in diesem einen Land, sondern auf den Anfang vom Ende der Teilung Europas hin
zu einem ungeteilten und freien Europa.
Das ist beispiellos.
Niemals
zuvor hat ein Land eine erfolgreiche
Umwandlung von einem staatlich kon-

�trollierten wirtschaftlichen und politischen System zu einem System des
politischen Pluralismus, der Demokratie und freien Marktwirtschaft vollzogen.
Unsere Delegation tritt morgen ihre
Reise nach Polen an, und wir fühlen
uns geehrt, die Möglichkeit zu haben,
bei dieser Umwandlung helfen zu können.

* * * * *

- 3 -

�hmisu&amp;xMtuMliSi
Hintergrundmaterial

43

29. November 1989

DER SCHLÜSSEL ZUM HANDEL MIT OSTEUROPA
von Robert A. Mosbacher -

Der Autor des nachstehenden Artikels, der am 27. November 1989 in der Washington Post erschien, ist Wirtschaftsminister der Vereinigten Staaten von
Amerika.
Erst kürzlich bin ich von Sondierungen in Osteuropa zurückgekehrt. Dabei habe ich die Überzeugung gewonnen, daß der Schlüssel zu einer Verbesserung der Ost-West-Handelsbeziehungen in sechs Grundvoraussetzungen
liegt:
- Das Wachstum des Ost-West-Handels
muß sich auf solide wirtschaftliche
Entscheidungen gründen. Wir können
amerikanische Unternehmen nicht zwingen, im Osten wirtschaftlich tätig zu
werden, und es ist Aufgabe der dortigen Regierungen, attraktive und profitable Rahmenbedingungen zu schaffen.
Nur aufgrund solcher Ermutigung
wird es zu realen Investitionen und
in deren Gefolge zur Schaffung von

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Arbeitsplätzen, Bildung von Kapital
und Erhöhung des Lebensstandards kommen.
- Investitionen, darunter auch Gemeinschaftsunternehmen, müssen eine
Schlüsselrolle bei der Entwicklung
der
Wirtschaftsbeziehungen
einnehmen.
Die wirksamste langfristige
Hilfe, die von den Vereinigten Staaten angeboten werden kann, sind Direktinvestitionen amerikanischer Unternehmen.
Die Beteiligung des
Privatsektors bringt
schaftliches Know-how
rische Dynamik ein chen Elemente für den

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amerikanischen
Kapital, wirtund unternehmedie unerläßliÜbergang zu ei-

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Telex: 8-85432

�ner Marktwirtschaft westlichen Stils.
Das kürzlich von General Electric angekündigte
Gemeinschaftsunternehmen
mit der ungarischen Tungsram Co. im
Volumen von 150 Millionen Dollar ist
ein herausragendes Beispiel für die
Chancen privatwirtschaftlicher Partnerschaften in Osteuropa.
- Um Investitionen zu fördern, müssen
Polen und andere osteuropäische Länder ihr Rechts-, Rechnungs- und Bankwesen dem heutigen Stand angleichen.
Zum Beispiel können Unternehmen in
Polen gegenwärtig keine Akkreditive
erhalten.
Girokonten, wie wir sie
kennen, existieren nicht, und das
Rechnungswesen ist mit dem internationalen Zahlungssystem, wie es von
allen
Industriestaaten
verwendet
wird, nicht vereinbar. Dies sind nur
einige Probleme, die wir mit einem
Wirtschafts- und Handelsabkommen zu
lösen hoffen.
- Für die Entwicklung von Märkten benötigen Käufer und Anbieter Zugang zu
korrekten Wirtschaftsdaten. Die Vereinigten Staaten können Hilfe anbieten, um Statistiken über Verbraucherpreise, Handel und Arbeitslosigkeit
korrekt und rasch zu erstellen.
- Unser Engagement für die Menschenrechte ist integraler Bestandteil unserer Handelspolitik. Politische und
wirtschaftliche Freiheit gehen Hand
in Hand, und grundlegende Verbesserungen im Ost-West-Handel werden solange anhalten, wie der Fortschritt
bei den Menschenrechten andauert.
- Während wir ein starkes Wachstum
des nichtstrategischen Handels begrüßen,
ermutigen
und
unterstützen,
bleiben
die
Sicherheitsbedürfnisse
des Westens jedoch von übergeordneter
Bedeutung.
Wir werden mit unseren
Verbündeten zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß nur lebenswichtige
Technologien der Kontrolle unterliegen. Die Exportkontrollen für solche
Güter werden bestehen bleiben.

Innerhalb dieses Rahmens werden wir
Osteuropa dabei helfen, ein wettbewerbsfähiges ,
marktwirtschaftlich
orientiertes Wirtschaftsystem - den
Schlüssel zur Integration in die
Weltwirtschaft - zu entwickeln. Wir
werden ferner dazu beitragen, amerikanischen Unternehmen neue Investitions- und Exportchancen zu eröffnen.
Bei seinem Gespräch im amerikanischen
Wirtschaftsministerium vor einer Woche hat Lech Walesa die amerikanischen Unternehmer aufgefordert, Vorschläge für eine Zusammenarbeit zu
unterbreiten, die für beide Seiten
vorteilhaft ist. Dies ist eine Herausforderung, die bewältigt werden
kann und muß.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VON**

29. November 1989

43

MALTA LEITET NEUES KAPITEL DER NACHKRIEGSGESCHICHTE EIN

- Hintergrundartikel zum Treffen von Malta WASHINGTON - (AD) - Der Beginn eines
neuen Kapitels in der Geschichte der
Nachkriegszeit wird formell eingeleitet, wenn die Präsidenten Bush und
Gorbatschow am 2. und 3. Dezember
1989 in Malta zusammentreffen.
Die beiden Präsidenten werden sich
auf Kriegsschiffen vor Malta einfinden, um über Frieden zu sprechen und
neue Prioritäten ihrer jeweiligen außenpolitischen Konzepte zu erörtern,
um damit das Werk der unbeugsamen Polen, Ungarn, DDR-Bürger und der Menschen in der Tschechoslowakei, Litauen, Estland, Lettland, der Ukraine
und Rußland zu vollenenden. Sie werden über das Zeitalter des Wandels
sprechen, in dem Krieg zunehmend
schwerer vorstellbar und Demokratie
zum Kredo des ausgehenden 20. Jahr-

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hunderts wird. Weitere Themen werden
Rüstungskontrollverhandlungen
und
auch die Frage sein, ob die Verhandlungsspositionen insbesondere bei den
Gesprächen
über
konventionelle
Streitkräfte nicht von den Ereignissen überholt worden sind.
Das erste der insgesamt fünf Gespräche wird am 2. Dezember auf dem sowjetischen Kreuzer Slava stattfinden,
der mit Atomwaffen bestückt werden
kann, für weitere Gespräche steht der
amerikanische Lenkwaffenkreuzer USS
Belknap zur Verfügung. Beide Schiffe
liegen bei Marsaxlokk vor Anker. In
Anwesenheit
ihrer engsten Berater
werden beide Präsidenten ein zweistündiges Gespräch führen und sich
dann zu einer einstündigen privaten
Unterredung zurückziehen.
Vor dem

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�Mittagessen in der Offiziersmesse ist
ein Spaziergang an Deck der Slava
vorgesehen. Programmgemäß soll Bush
daraufhin auf die Belknap zurückkehren, um sich zurückziehen zu können,
bevor er sich zu weiteren Gesprächen
wieder auf der Slava einfindet. Bush
wird Gorbatschow und seine Delegation
zu einem Arbeitsessen an Bord der
Belknap einladen.
Am 3. Dezember
wird Gorbatschow sich zur dritten Gesprächsrunde auf der Belknap einfinden. Vor dem Mittagessen ist eine
Besichtigung des Schiffes vorgesehen. Geplant ist eine zweite private
Unterredung, worauf eine gemeinsame
Presseerklärung folgen soll. Zum Abschluß der zweitägigen Gespräche wird
jeder der beiden Präsidenten eine
Pressekonferenz geben.
Als Ort der Gespräche wurde ein Land
ausgewählt, in dem stumme Zeugen von
der Sinnlosigkeit
der Zwangsherrschaft künden. Malta wurde bereits
in vorchristlicher Zeit von den Phöniziern erobert, später kamen dann
die Römer, die Araber, die Normannen,
Franzosen und die Briten. Türken und
Nazis unternahmen entsprechende Versuche, die Malta jedoch abwehren
konnte. Präsident Bush hat bereits
darauf verwiesen, daß beide Schiffe
über den Wracks von Sklavengaleeren
und Galeonen, Schlachtschiffen und
Zerstörer liegen, die "einstmals dauerhafte Imperien schützen" sollten,
jetzt aber nur noch " über die Korallenriffe wachen".
Das lehrt uns dem Präsidenten zufolge
eine einfache Lektion:
"Echte Sicherheit wird nicht durch Imperien
oder Dominanz erzielt. Echte Sicherheit kann nur durch das zunehmende
Vertrauen freier Menschen hervorgebracht werden."
Im Mittelpunkt der Gespräche wird der
Übergang von der so unsicher mit Armeen aus Panzern und Raketen durch
Pufferstaaten konstruierten Sicherheit zu der Sicherheit stehen, die
durch den frei fließenden Austausch
von Ideen, Kultur, Menschen und Waren
gekennzeichnet ist.
Bush wird si-

cherlich Gorbatschow gegenüber dessen
Toleranzspielraum zu den Veränderungen in Osteuropa und innerhalb der
Sowjetunion ansprechen.
Es heißt,
daß Gorbatschow Bush um Zusicherung
bitten wird, daß der Westen die Zeit
des Wandels nicht für seine eigene
Machterweiterung
ausnutzt und auf
Bushs Worte zurückkommen, daß die
Vereinigten Staaten
"die Reformen
nicht als Gegner begrüßen, der seinen
Vorteil sucht, sondern als Volk, das
Hilfe anbietet."
Der sowjetische
Präsident könnte ferner um Hilfe für
seine marode Wirtschaft bitten, aber
eher in Form von Know-how als Entwicklungshilfegeldern.
Bush hat seit dem letzten Frühjahr
vorsichtig - oder wie er sagt, wohlüberlegt - an Washingtons Umgang mit
den Veränderungen gearbeitet und auch
in einer Reihe von Reden zu den außenpolitischen Grundsätzen seiner Administration Stellung genommen. Zunächst erklärte er gegenüber polnischstämmigen
Amerikanern
im
Hamtramck (Michigan), die Vereinigten
Staaten würden mit moralischer Unterstützung und Direktinvestitionen Polen und Ungarn bei der Durchführung
ihrer Wirtschaftsreform helfen. Bush
bekräftigte beide Versprechen be*
seinen Reisen in beide Länder im Sommer dieses Jahres.
Der Präsident hat nicht nur Pakete
der Wirtschaftshilfe für jedes Land
geschnürt, sondern auch beim Pariser
Weltwirtschaftsgipfel die Zustimmmung
der westlichen Industriestaaten für
gemeinsame Maßnahmen der westlichen
Welt eingeholt, um Warschau und Budapest beim Übergang von der Planwirtschaft zur freien Marktwirtshaft zu
helfen.
Zumindest in Polen riefen
Bushs Versprechen zur Hilfe eine Beschleunigung
der
politischen
und
wirtschaftlichen Reformen hervor, und
früher als erwartet übernahm die Gewerkschaft Solidarität Aufgaben in
der Regierung.
In mehreren der im Frühjahr gehaltenen Reden, unter anderem in der unvergeßlichen Rede in der Mainzer

- 2 -

�Rheingoldhalle verlieh Bush der amerikanischen Hoffnung Ausdruck, daß
Europa wieder ungeteilt sein, in einer freien Staatengemeinschaft leben
und die Narben des Krieges und der
Teilung beseitigt und Freizügigkeit
auf dem Kontinent wieder an der Tagesordnung sein mögen.
In Budapest erhielt Bush erste Beweise dafür, daß diese Hoffnung Wirklichkeit werden könnte - Teile des
Stacheldrahts, die einstmals Ungarn
und Österreich voneinander getrennt
hatten. Die Ungarn hatten als Beitrag zum Zeitalter der Veränderungen
ihren Teil des Eisernen Vorhangs aufgerollt, der sich von Stettin an der
Ostsee bis nach Triest an der Adria
erstreckt hatte. Und erst vor einigen Tagen übergab Bundesaußenminister
Genscher Bush ein Stück aus der Berliner
Mauer,
des
schrecklichsten
Teils des Eisernen Vorhangs.
Schließlich hat Bush auch bei der A
and M University von Texas und gerade
erst in seiner Rede an die Nation zum
Erntedankfest erneut Amerikas einhellige Unterstützung für die Reformbestrebungen Gorbatschows bekräftigt.
Wie Bush am 22. November erklärte,
gibt es keinen größeren Befürworter
der Perestrojka als den Präsidenten
der Vereinigten Staaten.
Das Zeitalter der Veränderungen ist
jetzt schon längere Zeit im Gange ob man von seinen Anfängen - beim
Gipfel in Reykjavik - oder von einem
späteren Zeitpunkt an - der Öffnung
der Berliner Mauer - rechnet. In
Reykjavik waren das Weiße Haus und
der Kreml der Vereinbarung über ein
Verbot aller ballistischen Atomwaffen
sehr nah. Die Öffnung der Berliner
Mauer signalisierte die Erkenntnis
eines der strengsten kommunistischen
Regime, daß es sich dem Willen des
Volkes, zumindest dieses Mal, nicht
widersetzen kann - weder mit Peitschen, noch mit Gummiknüppeln oder
Panzern.

Die Tatsache, daß ein neues Zeitalter
begonnen hat, liefert den Beweis dafür,
daß
diplomatische
Theorien
manchmal verwirklicht werden können.
Die. Theorie wurde vor mehr als 40
Jahren von einem früheren amerikanischen Botschafter in Moskau aufgestellt. Als George Kennan die Welt
der späten vierziger Jahre betrachtete, sah er eine stalinistische Sowjetunion, die den Geist und den
Buchstaben des Abkommens von Jalta
zerschlagen hatte. Stalin hatte die
in Osteuropa versprochenen freien
Wahlen durch Gewehre und Kugeln ersetzt und schien die Absicht zu haben, seinen Einfluß auf Griechenland
und die Türkei auszudehnen. Es wurde
sogar befürchtet, er habe Pläne mit
Westeuropa.
Aber Kennan konnte auch beobachten,
daß Stalin zwar über eine Planwirtschaft herrschte, die Waffen liefern
konnte, um Völker zu unterdrücken und
Nachbarn zu bedrohen, sein System
aber nicht imstande war, dem Volk
langfristig das Lebensnotwendigste zu
liefern.
Kennan riet im Westen zu Geduld. Er
war davon überzeugt, daß der Kommunismus scheitern und Opfer seiner eigenen innenpolitischen Widersprüche
werden würde. Seine Aggression sollte von westlichen Ländern im Zaum gehalten werden, die über Mittel zur
Kriegführung verfügten, auch wenn ihr
Bestreben der Frieden war, gestützt
vom Zusammenhalt der gemeinsamen politischen Ziele, die zu verteidigen
man bereit war und mit einem gemeinsamen Drang nach Freiheit ausgerüstet, das man als Recht und die Bestimmung der Menschheit ansah.
Auf der Grundlage dieser Politik des
Contaiment wurde der Nordatlantikvertrag geschlossen, und die Vereinigten
Staaten und ihre Freunde haben - zumeist erfolgreich - versucht, einen
Damm gegen die Flut der kommunistischen Bedrohung zu errichten.

- 3-

�Und genau wie Kennan vorhersagte,
wurde der Kommunismus von Praktikern
beurteilt und für mangelhaft befunden, erst in der Sowjetunion und China, jetzt in Ungarn und Polen.
Es ist die Aufgabe von Bush und Gorbatschow - und die Aufgabe aller Länder und Völker in Ost und West - die
jetzt mit der Berliner Mauer und dem
Eisernen Vorhang in Schutt und Asche
liegende alte Ordnung durch eine
"neue Partnerschaft" zu ersetzen, die
sich den wichtigen Problemen unserer
Zeit widmet: Umwelt, Erwärmung des
Erdklimas, Drogen, Hunger, Krankheit
und Menschenrechte.

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Walters: Gorbatschow bleibt an der Macht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fersehinterview mit dem amerikanischen Botschafter&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; Bush strebt sowjetische Zusage zur Fortsetzung der Reformen an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des US-Präsidenten zum amerikanischen Erntedankfest&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush: in Malta keine Überraschungen zu erwarten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gespräch mit Reportern im Weißen Haus&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Delegation stellt sich in Polen den Herausforderungen der Geschichte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Landwirtschaftsrainister Clayton Yeutter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der Schlüssel zum Handel mit Osteuropa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Robert A. Mosbacher&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Malta leitet neues Kapitel der Nachkriegsgeschichte ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hintergrundartikel zum Treffen von Malta&lt;/em&gt;</text>
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25

29. Dezember 1976

Inhalt
DOKUMENTATION:
Harold Brown: Der neue Verteidigungsminister der USA
Griffin Bell: Der neue Justizminister der USA
Cecil Andrus: Der neue Innenminister der USA
Robert Bergland: Derjieue Landwirtschaftsminister der USA
Juanita M. Kreps^ Die neue Handelsministerin der USA
F. Ray Marshall: Der neue Arbeitsminister der USA
Joseph A. Califano: Der neue Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialmini_s_ter der USA
Patricia Harris: Die neue Wohnungsbauministerin der USA
Charles Schultze: Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten
Theodore C. Sorensen: Der neue Leiter des Zentralamtes für Nachrichten
und Abwehr (CIA)
Andrew Young: Der neue UN-Botschafter der USA
Zbigniew Brzezinski: Der neue Sicherheitsberater Carters
James Schlesinger: Der neue Berater Carters für Energiefragen

HINTERGRUNDMATERIAL:
Aktionsprogramm Energie
Appell an den US-Kongreß und die neue Regierung der Vereinigten Staaten

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Mehr Geld für Grundlagenforschung
Schwerpunkte: Landwirtschaft, Erdbebenvorhersage, Weltraumforschung

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

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25/1976

HAROLD BROWN: DER NEUE VERTEIDIGUNGSMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Der designierte Präsident der USA, Jimmy Carter,
hat den Nuklearphysiker und früheren Luftwaffenminister Dr. Harold Brown
zum neuen Verteidigungsminister der USA ernannt.

Damit kehrt der bisherige

Präsident des California Institute of Technology ins Pentagon zurück, wo er
während der sechziger Jahre bereits in führenden Positionen tätig war.

Die Rückkehr ins Verteidigungsministerium stellt das jüngste Kapitel
in der brillanten Karriere Dr. Browns dar, der schon in seiner Jugend als
Wunderkind galt.

Er wurde am 19. September 1927 in New York geboren, besuch-

te eine höhere Schule für Begabte,die er schon mit 15 Jahren abschloß, und
studierte dann an der Columbia-Universität, an der er mit 21 Jahren promovierte.

Der junge Physiker war einer der neuen Männer, die Präsident John F.
Kennedy zu Beginn seiner Regierungszeit nach Washington holte.

Er war dem

Kennedy-Team als Direktor eines großen Waffenentwicklungs- und Forschungsprojekts in Kalifornien aufgefallen, das gemeinsam von der Amerikanischen
Atomenergiekommission (AEC) und dem Lawrence-Strahlungslaboratorium
ben wurde.

betrie-

Hier hatte es Brown innerhalb von zehn Jahren vom Leiter einer

Arbeitsgruppe bis zum Direktor gebracht.

Im Pentagon war Dr. Brown zunächst

von 1961 - 1965 Direktor der Forschungs- und Entwicklungsabteilung und wurde

- 1 -

�wurde dann von Präsident Lyndon B. Johnson zum Luftwaffenminister berufen
- einen Posten, den er von 1965 - 1969 innehatte.
Aber selbst nachdem Brown das Verteidigungsministerium verlassen hatte,
war er immer wieder für die amerikanische Regierung tätig.

So gehörte er der

US-Delegation bei den Verhandlungen über eine Begrenzung der Strategischen
Rüstungen - SALT - an und stand später bei der zweiten Runde dieser Gespräche
der amerikanischen Abrüstungsbehörde als Berater zur Verfügung.

Brown unter-

stützte nachdrücklich das 1972 unterzeichnete SALT I-Abkommen, das er als einen
"wesentlichen ersten Schritt" zur Förderung der Sicherheit beider Seiten und
der ganzen Welt bezeichnete. Allgemein wird erwartet, daß Brown - der zwar
als vorsichtiger Verfechter der Rüstungskontrolle gilt - auch auf ein baldiges
Abkommen mit der Sowjetunion in der gegenwärtigen SALT-Runde drängen wird.
Dr. Brown war im Pentagon tätig, als der damalige Verteidigungsminister
Robert McNamara das Verteidigungsministerium nach den Maßstäben eines Managers

•

reorganisierte. Mit ähnlichem dürfte jetzt zu rechnen sein, und hier befindet
er sich in voller Übereinstimmung mit Carter, der sich während seines Wahlfeld- "
zuges verpflichtet hat, unproduktive Ausgaben aus dem Pentagon-Budget herauszustreichen.
Anläßlich der Ankündigung seiner Ernennung sagte Brown: "... Eine Regierung hat keine größere Verpflichtung als die Wahrung des Friedens und der
Sicherheit ihres Volkes. Wir müssen über eine starke Verteidigung verfügen,
die es möglich macht, diese Funktion zu erfüllen und unseren lebenswichtigen
außenpolitischen Verpflichtungen voll nachzukommen. Dies muß von unserem eigenen Volk sowie von der übrigen Welt so verstanden werden."
Er ist seit 1953 mit Colene D. McDowell verheiratet; das Ehepaar hat
zwei Töchter.

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25/1976

GRIFFIN BELL: DER NEUE JUSTIZMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Griffin Boyette Bell ist seit 111 Jahren der erste
SUdstaatler, der auf den Posten des amerikanischen Justizministers - Attorney
General - berufen wurde. Der 58jährige hat sich in 15 Jahren als Bundesrichter in seinem Heimatstaat Georgia einen Namen in der Verbrechensbekämpfung
gemacht und sich gleichzeitig für eine klare Anwendung und Verwirklichung der
Bürgerrechtsgesetze eingesetzt.
Bell wurde von Präsident Kennedy als Bundesrichter in Georgia eingesetzt und leitete auch die Kommission für Verbrechensbekämpfung und Strafvollzug in Atlanta.

Seine Ernennung zum Justizminister fand zwar nicht den unge-

teilten Beifall der Vereinigung zur Förderung Farbiger (NAACP), doch hat er
sich den Ruf erworben, keine Diskriminierungen am Arbeitsplatz zu dulden. Was
die Aufhebung der Rassentrennung an Schulen anbetrifft, so gilt er als gemässigt bis konservativ.
Bei der Nominierung des neuen Justizministers

auf der Pressekonferenz

am 20. Dezember betonte der designierte Präsident Carter, daß sich Bell auf
dem Gebiet des Bürgerrechts "ausgezeichnet" bewährt habe.

Bell versprach,

alles in seiner Macht stehende zu tun, um den Grundsatz zu verwirklichen, daß
vor dem Gesetz jeder gleich ist.
Griffin

�Griffin Boyette Bell wurde am 31. Oktober 1918 in Americus im Staate
Georgia, etwa 15 Kilometer von dem Heimatort Jimmy Carters entfernt, geboren.
Er studierte Jura am Southwestern College in Americus und an der Merger-Universität in Macon in Georgia.

Von 1941 bis 1946 diente er in der amerika-

nischen Armee und erwarb 1948 an der Merger-Universitat den akademischen Grad
eines Bachelor of Law.
Bereits 1947 wurde er zur Anwaltskammer des Staates Georgia zugelassen
und praktizierte zunächst in Savannah und Rome, Georgia, um dann 1953 in eine
bekannte Anwaltsfirma in Atlanta, der Hauptstadt Georgias, einzutreten.
Im Jahre 1959 wurde Bell Personalchef des damaligen Gouverneurs des
Staates, S. Ernest Vandiver, der 1960 vor dem Parlament von Georgia erklärte,
er werde sich der Aufhebung der Rassentrennung an den Schulen seines Staates
widersetzen.

Die Auswirkungen dieser Erklärung seines Gouverneurs blieben

zum Teil an Bell hängen.

Im Jahre 1960 beteiligte sich Bell führend am Prä-

sidentschaftswahlkampf Kennedys in Georgia und wurde im folgenden Jahr, nachdem Kennedy Präsident geworden war, von diesem als Richter am Appelationsgericht des Fünften Bezirks eingesetzt.

In den sechziger Jahren hat Bell dann

für die gerichtliche Durchsetzung der Aufhebung der Rassentrennung an zahlreichen Schulen in Georgia gesorgt.
Am 1. März 1976 hat Bell in seinem Schreiben an Präsident Ford seinen
Rücktritt eingereicht, da die Arbeit an den Bundesgerichten in einem Umfang
zugenommen habe, daß keine Zeit für die notwendige gründliche Behandlung eines
jeden einzelnen Falles mehr bleibe - eine Beschwerde, die von zahlreichen Bundesrichtern

geführt wird.

Bell hat sich wiederholt für die Berufung von Schwarzen auf hohe Posten
im Justizministerium eingesetzt, da die USA ein Land mit vielen Rassen seien
und das Ministerium dies widerspiegeln müsse.
Er ist Mitglied verschiedener juristischer Verbände und Organisationen und
mit der geborenen Mary Foy Powell verheiratet; das Ehepaar hat einen Sohn.
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25/1976

CECIL ANDRUS: DER NEUE INNENMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Mit der Ernennung des Gouverneurs des Staates Idaho,
Cecil Andrus, hat der designierte Präsident der USA, Jimmy Carter, einen engen
Freund und dezidierten Verfechter des Umweltschutzes in sein Kabinett berufen.
Die beiden Männer sind seit Anfang der siebziger Jahre miteinander befreundet, und wenn Gouverneur Andrus zunächst auch die Bemühungen von Senator
Frank Church aus Idaho um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der
Demokraten förderte, so unterstützte er dann doch mit großem Nachdruck den
Wahl feidzug Carters, nachdem Senator Church das Rennen aufgegeben hatte. Carter
wiederum hatte zuvor Gouverneur Andrus unterstützt, als dieser sich 1974 um
eine zweite Amtszeit als Gouverneur bewarb.
In vieler Hinsicht denken beide Politiker in der gleichen Richtung, was
besonders während der Amtszeit Carters als Gouverneur von Georgia und der von
Andrus als Gouverneur von Idaho deutlich wurde. So reorganisierte Andrus die
Staatsbürokratie seines Bundesstaates und reduzierte die Anzahl der Behörden
von 268 auf 20. Ähnlich verfuhr Carter in Georgia. Beide gelten auch fiskalisch als konservative Politiker, die um einen Abbau der Regierungsdefizite
bemüht sind.
Einen
- 1 -

�Einen besonderen Namen hat sich Andrus jedoch als Verfechter des Umweltschutzes gemacht.

Er hat sich in seinem Staat gegen verschiedene Projekte ge-

wandt, die der Umwelt geschadet hätten.

So konnte auf seine Initiative hin ein

riesiges Waldgelände in Idaho erhalten werden, das jetzt der Bevölkerung für
Erholungszwecke zur Verfügung steht
Nationalparks einbezogen wurde.

und das in das System der amerikanischen

Bei all diesem Einsatz um die Erhaltung der

Umwelt muß Andrus dennoch als Pragmatiker angesehen werden, der immer bestrebt
ist, die Interessen der Umweltschützer mit denen der Industrie und Wirtschaft
in Einklang zu bringen.

So trat er beispielsweise für die Errichtung eines re-

gionalen Stromnetzes ein, das Atomstrom benutzt, um den Bedarf decken zu können.
Der fast zwei Meter große Gouverneur wurde am 25. August 1931 in Hood
River im Staate Oregon geboren.
ging jedoch - bevor er
Marine.

Er besuchte die Staatsuniversität von Oregon,

einen Abschlußgrad erworben hatte - zur amerikanischen

Unter anderem war er in Korea eingesetzt.

Nach seiner Entlassung aus der Marine zog Andrus in den Staat Idaho
und ging in die Politik.
von Idaho.

Mit 29 Jahren gewann er einen Sitz im Staatssenat

Im Jahre 1966 bewarb er sich dann zum erstenmal - erfolglos - um

das Amt des Gouverneurs.

Vier Jahre später gelang ihm dann der Sprung in

dieses höchste Amt des Staates, wobei er eine fast 25jährige Vorherrschaft
der Republikaner durchbrach.
Andrus ist mit Carol May verheiratet; das Paar hat drei Töchter.

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25/1976

ROBERT BERGLAND: DER NEUE LANDWIRTSCHAFTSMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Der Kongreßabgeordnete Robert Bergland, den der
designierte Präsident der USA, Jimmy Carter, zu seinem Landwirtschaftsminister berufen hat, ist selbst Farmer und tritt mit Nachdruck für eine neue
Agrarpreispolitik ein, die er im Interesse sowohl der Farmer als auch der
Verbraucher liegend ansieht. Sollte seine Politik verwirklicht werden eine Entscheidung, die der Zustimmung des Kongresses bedarf - dann dürfte
dies nachhaltige Auswirkungen auf die Preise haben, die sowohl die einheimischen als auch die ausländischen Verbraucher für amerikanische Agrarerzeugnisse zu zahlen haben.
Obwohl Bergland seine Politik als grundsätzlich marktorientiert ansieht, ist er der Meinung, daß es einen völlig freien Markt für Agrarprodukte
nicht gibt. "Außerhalb unserer Grenzen gibt es keinen freien Markt", so erklärte er, "da alle anderen getreideexportierenden Länder ihre Getreidepreise regulieren".
Der aus dem Staate Minnesota stammende Abgeordnete hat schon vor seiner
Tätigkeit als Mitglied des Agrarausschusses des Repräsentantenhauses jahrelange Erfahrungen in der Landwirtschaftspolitik sammeln können.

Unter Land-

wirtschaftsminister Orvilie Freeman in den Administrationen der Präsidenten
Kennedy und Johnson war Bergland von 1963 - 1968 als Direktor des Stabili-

�Stabilisierungs- und Konservierungsamtes der Regierung für den Mittelwesten
tätig.
Bergland wurde am 22. Juli 1928 in Roseau im Staate Minnesota geboren.
Als Sohn norwegischer Einwanderer absolvierte er die Universität von Minnesota
und heiratete 1950 Helen Grahm, "ein Mädchen aus dem Heimatort". Sie erwarben
eine Farm von 113 Hektar und schufen sich praktisch aus dem Nichts eine Existenz.
Als sich die Eltern B^rglands 1960 aufs Altenteil zurückzogen, übernahm er
die 242 Hektar große Farm seines Vaters, auf der in erster Linie Weizen angebaut wird.

Sie wird jetzt von seiner Tochter - das Ehepaar hat sieben Kinder -

und deren Mann bewirtschaftet.
Nach seiner Tätigkeit für das Landwirtschaftsministerium in den sechziger
Jahren bewarb sich Bergland um einen Sitz im Repräsentantenhaus.

Sein erster

Anlauf im Jahre 1968 schlug fehl, aber in den darauffolgenden Jahren gewann er
die Wiederwahl stets mit großer Mehrheit.
Während des Wahlfeldzuges um die Präsidentschaft des Jahres 1976 war
Bergland als landwirtschaftlicher Berater von Senator Walter Mondale tätig,
der der designierte Vizepräsident der USA ist.

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25/1976

JUANITA M. KREPS: DIE NEUE HANDELSMINISTERIN DER USA

WASHINGTON - (AD) - Mrs. Juanita Morris Kreps, die der designierte
Präsident der USA, Jimmy Carter zur Handelsministerin ernannt hat, ist es
gewohnt, Ehren in Bereichen einzuheimsen, die bis vor kurzem als den Männern vorbehalten galten. Sie ist nicht nur das erste weibliche Mitglied
des Kabinetts Carter, sondern war auch die erste Frau, die an der Duke-Universität in Durham im Staate North Carolina einen Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften erhielt und Vizepräsidentin dieser Hochschule wurde. Außerdem war sie die erste Direktorin der New Yorker Börse und der J.C. Penny
Company. Ganz zu schweigen davon, daß sie dem Vorstand von drei großen
amerikanischen Gesellschaften angehört: der Eastman Kodak, den R.J. Reynolds
Industries und der North Carolina National Bank.
Als Expertin für Fragen der Arbeitsmarktpolitik und für wirtschaftliche
Probleme der Alten sieht Carter in ihr eine Wissenschaftlerin, die die besten
Eigenschaften für ihr neues Amt mit sich bringt.
Auf der Pressekonferenz vom 20. Dezember, in deren Verlauf ihre Ernennung bekanntgegeben wurde, erklärte Mrs. Kreps im Hinblick auf ihren neuen
Aufgabenbereich: "Mir scheint, daß die amerikanische Wirtschaft heute weltweit auf die Probe gestellt wird. Ihre Antwort auf diese Herausforderung betrifft unser aller Leben sowie das Leben der Menschen in aller Welt. Die
- 1 -

�Die Hauptrolle des Handelsministeriums, wie ich sie sehe, besteht darin,
jene Aktivitäten nach besten Kräften zu unterstützen, die zur Verbesserung
des Loses der Menschheit beitragen.

Ich werde mit Nachdruck an diesem Be-

mühen teilhaben."
Mrs. Kreps wurde am 11. Januar 1921 in Lynch, Kentucky, geboren.

Sie

besuchte das Berea College und wechselte dann an die Duke-Universität über,
an der sie auch promovierte. Zehn Jahre lang lehrte sie dann an der
Dennison-Universität in Ohio und kehrte 1955 an die Duke-Universität zurück.
Sie ist Verfasserin mehrerer Bücher und hat eine große Anzahl von Artikeln
über wirtschaftliche Probleme der Frauen, der Jugendlichen und der Alten geschrieben.
Mrs. Kreps ist mit einem Wirtschaftsprofessor verheiratet, der an der
Universität von North Carolina lehrt.

Das Ehepaar hat drei Kinder.

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25/1976

F. RAY MARSHALL: DER NEUE ARBEITSMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Dr. F. Ray Marshall, am 21. Dezember von dem designierten eiierikam'sehen Präsidenten Jimmy Carter zum Arbeitsminister berufen, ist der festen Überzeugung, daß es in den Vereinigten Staaten niemals eine dauerhafte Prosperität geben wird, solange nicht alle wichtigen
Bevölkerungsgruppen an dieser Prosperität teilhaben. Carter bezeichnete den
48jährigen Wirtschaftswissenschaftler aus Texas als "jung, tatkräftig, einen
guten Manager und sehr kompetent". Obwohl manche Gewerkschaftskreise vielleicht eine andere Wahl bevorzugt hätten, gilt er als akzeptabel, da er
seine ganze Tatkraft einsetzen wird, um neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Dr. Marshall, zuletzt Professor für Volkswirtschaft und Direktor des
Instituts für Arbeitsmarktfragen an der Universität von Texas in Austin,
tritt vor allem für ein von der Regierung und der Privatwirtschaft finanziertes Ausbildungsprogramm für rassische Minderheiten ein, bei denen traditionell die größte Arbeitslosigkeit herrscht. Bei seiner Nominierung erklärte Dr. Marshall, er sei sich der "gewaltigen Aufgaben" bewußt, vor denen
er und die Carter-Administration stünden, wenn es gilt, die Arbeitslosigkeit
und die rassische Diskriminierung abzubauen und die Produktivität zu steigern,
ohne die Inflation anzuheizen. Diese Aufgaben seien von der Regierung allein
nicht zu lösen, sondern erforderten die Zusammenarbeit des öffentlichen und
des privaten Sektors.
Am
- 1 -

�Am 22. August 1928 in Oak Grove in Louisiana geboren, riß Marshall
mit 15 Jahren aus einem baptistischen Waisenhaus aus und trat - im Zweiten
Weltkrieg - in die amerikanische Marine ein.

Nach seiner Entlassung schloß

er seine Schulausbildung ab und studierte am Millspas-College in Jackson,
Mississippi,und dann an der Staatsuniversitä't von Louisiana in Baton Rouge
(der Hauptstadt dieses Staates), wo er den akademischen Grad eines Master
of Arts in Betriebswissenschaft erwarb.

Im Jahre 1955 promovierte er an

der Universität von Kalifornien in Berkeley zum Dr. rer.

pol.

Dr. Marshall setzte seine wissenschaftlichen Arbeiten in Finnland und
dann an der Harvard-Universität fort und nahm anschließend seine Lehrtätigkeit an der Universität von Mississippi, der Universität von Louisiana und
schließlich an der Universität von Texas auf.

Er hat zahlreiche Bücher und

Artikel über Arbeitsfragen vor allem im Zusammenhang mit Minderheiten veröffentlicht.
Dr. Marshall ist mit Patricia Williams verheiratet, das Ehepaar hat
fünf Kinder.

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25/1976

JOSEPH A. CALIFANO: DER NEUE GESUNDHEITS-, ERZIEHUNGS- UND
SOZIALMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Joseph A. Califano, der 45jährige Anwalt aus
Washington, den der designierte Präsident Jimmy Carter zum neuen Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialminister ernannt hat, hat sich bereits in
den sechziger Jahren einen Namen als Verfechter der sozialen Gerechtigkeit
gemacht. Als Sonderberater des Weißen Hauses von 1965 - 1968 war er hauptverantwortlich für Präsident Johnsons "Große Gesellschaft" - jenes Programm,
das auf eine Hebung des Lebensstandards der Armen in den USA abzielte.
Zu den wichtigsten Gesetzen, die Califano in jenen Jahren ausgearbeitet
hat, gehören das Gesetz für gleiche Beschäftigungsbedingungen, das Modellstädtegesetz sowie das Gesetz zur Verbesserung der Verkehrssicherheit in den
Großstädten. Maßgebend war er auch an der Konzipierung des Programms "Krieg
gegen die Armut" beteiligt. Bei all diesen Vorhaben war Califano immer bestrebt, eine größtmögliche Beteiligung der Wirtschaft und des freien Unternehmertums sicherzustellen.
Wenn die USA ihre sozialen Probleme bewältigen wollen, so hat Califano
wiederholt erklärt, müssen sie auf ihre innenpolitischen Erfordernisse ebensoviel

geistige und finanzielle Hilfsquellen in Friedenszeiten verwenden wie

auf die militärischen in Kriegszeiten.

Die nobelste Aufgabe einer modernen

�modernen Gesellschaft, so erklärte er anläßlich seiner Ernennung, sei es,
für die Gesundheit der Bevölkerung zu sorgen, der Jugend eine echte Ausbildung zu garantieren sowie die Alten und Armen mit Respekt zu behandeln.
Joseph Califano wurde am 15. Mai 1931 in Brooklyn, New York, als Sohn
eines italienisch-amerikanischen Vaters und einer Mutter irischer Abstammung

geboren.

Er besuchte das Holy Cross-College in Worchester, Massachusetts,

und studierte dann an der Harvard-Universität Rechtswissenschaften.

Nach

seiner Dienstzeit in der amerikanischen Marine - er war in der Militärgerichtsbarkeit in Washington eingesetzt - trat er in das bekannte New Yorker
Anwaltsbüro des früheren Gouverneurs Thomas E. Dewey ein.
Nachdem Califano einige Zeit in der Reformbewegung der Demokratischen
Partei New Yorks tätig gewesen war,ging er 1961 nach Washington, wo er Sonderberater des damaligen Leiters der Rechtsabteilung im US-Verteidigungsministerium, Cyrus Vance, wurde.

Als Vance 1962 den Posten des Armeeministers

übernahm, folgte ihm Califano und wurde Leiter der Rechtsabteilung der Armee.
Im Jahre 1964 ernannte ihn der damalige Verteidigungsminister Robert McNamara
zu seinem Sonderberater und Verbindungsmann zum Weißen Haus.
Nach der Wahl Präsident Johnsons im Jahre 1964 siedelte Califano ins
Weiße Haus über, wo er als Nachfolger des zum Sprecher des Weißen Hauses berufenen Bill Moyers Referent für Gesetzgebungsfragen und Hauptberater Johnsons
für diesen Aufgabenbereich wurde. Für die enge Zusammenarbeit zwischen dem
Präsidenten und ihm steht der Satz Johnsons: "Wenn Joe spricht, dann ist es
meine Stimme, die Sie hören."
Als Johnson sich 1968 nicht mehr um die Wiederwahl bewarb, schied
Califano aus dem Regierungsdienst aus und eröffnete ein eigenes Anwaltsbüro
in Washington.
Califano ist mit Gertrude Zawacki verheiratet; das Ehepaar hat drei
Kinder.
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25/1976

PATRICIA HARRIS: DIE NEUE WOHNUNGSBAUMINISTERIN DER USA

WASHINGTON - (AD) - Der designierte Präsident der USA, Jimmy Carter,
hat die bekannte Washingtoner Anwältin und frühere erste schwarze Botschafterin Amerikas, Patricia Harris, zur neuen Ministerin für Wohnungsbau und
Städteplanung ernannt. Sie hat damit Gelegenheit, das in der Praxis zu beweisen, was sie ihre Studenten immer gelehrt hat: daß das Studium der Jurisprudenz viele Türen öffnet.
Mrs. Harris ist der Oberzeugung, daß eine Ausbildung als Jurist zur
Flexibilität und Anpassungsfähigkeit einer Person wesentlich beiträgt- Als
Ministerin für Wohnungsbau und Städteplanung wird sie diese Anpassungsfähigkeit nun auf einem Gebiet zu beweisen haben, von dem Carter während seines
Wahl feidzuges gesagt hat, daß ihm seine Administration besondere Aufmerksamkeit schenken werde. Die Notwendigkeit, Wohnungen für Familien zu schaffen,
sowie die Bedürfnisse der amerikanischen Städte, so sagte Carter, machten
besondere Anstrengungen des Bundes erforderlich.
Patricia Harris wurde am 3. Mai 1924 in Mattoon, Illinois, als Tochter
eines Speisewagenkellners geboren. Sie wuchs in Chicago auf und besuchte
dort eine höhere Schule. Beim Schulabgang wurden ihr fünf Universitätsstipendien angeboten; sie entschied sich für die Howard-Universität in
Washington, die vorwiegend von Schwarzen besucht wird. Nach Beendigung ihres
- 1 -

�ihres Studiums, das sie als Bachelor of Arts mit summa cum laude abschloß,
kehrte sie für zwei Jahre nach Illinois zurück, wo sie an der Universität von
Chicago tätig war.

Washington lockte jedoch wieder; 1949 ging sie an die

dortige American University.

Gleichzeitig hatte sie den Posten eines stell-

vertretenden Direktors des Amerikanischen Rates für die Menschenrechte inne.
Von 1953 - 1959 war Mrs. Harris als Exekutivsekretär einer NegerstudentinnenVerbindung tätig.

Im Jahre 1955 heiratete sie einen Washingtoner Juristen,

William Beasley Harris, der damals zum Lehrkörper der Howard-Universität gehörte.
Zum Teil auf Drängen ihres Ehemannes und zum Teil aufgrund ihres wachsenden Interesses an der Jurisprudenz schrieb sie sich an der juristischen
Fakultät der George Washington-Universität ein. Im Jahre 1960 schloß sie
ihr Jurastudium als Beste in einer Klasse von 94 ab.
Nach einjähriger Tätigkeit als Staatsanwältin im amerikanischen Justizministerium schloß sie sich dem Lehrkörper der Howard-Universität an und erhielt eine Professur für Rechtswissenschaften.
Unter den Administrationen Kennedy und Johnson gehörte Mrs. Harris
verschiedenen Kommissionen an, die für die Förderung der Frauenrechte eintraten. Im Jahre 1965 ernannte sie Präsident Johnson dann zur amerikanischen
Botschafterin im Großherzogtum Luxemburg; damit wurde Mrs. Harris die erste
schwarze Botschafterin der USA. Nach zwei erfolgreichen Jahren in Luxemburg,
wo auch ihr Ehemann als Rechtsberater des State Department tätig war, kehrte
das Paar nach Washington zurück. Mrs. Harris nahm ihre Lehrtätigkeit an der
Howard-Universität wieder auf, die allerdings nach kurzer Zeit schon wieder
unterbrochen wurde, als Präsident Johnson sie zum Mitglied der amerikanischen
Delegation bei den Vereinten Nationen ernannte.
An die Howard-Universität zurückgekehrt, wurde sie 1969 Dekan der
juristischen Fakultät, trat von diesem Posten jedoch schon nach einem Monat

- 2 -

�Monat wieder zurück, weil sie sich den Forderungen schwarzer Studenten
nach einer größeren Mitspracherolle nicht beugen wollte.
Mrs. Harris war Mitglied der Washingtoner Anwaltsfirma Fried, Frank,
Harris, Shriver und Kampelmann.

Sie ist Inhaberin von 30 Auszeichnungen.

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25/1976

CHARLES SCHULTZE: VORSITZENDER DES WIRTSCHAFTSBEIRATES DES PRÄSIDENTEN

WASHINGTON - (AD) - Charles Schultze, der Mann, den sich Carter als Vorsitzender seines Wirtschaftsbeirates ausgesucht hat,nannte als erste Priorität, "die Wirtschaft wieder auf den Kurs eines soliden anhaltenden Aufschwungs
zu bringen." Schultze gilt als Liberaler, aber auch als Verfechter einer vorsichtigen Ausgabenpolitik. Sein Hauptkampf hat immer der Inflation gegolten,
die er als Hauptiibel der Wirtschaft bezeichnet, das alle anderen Übel - vor
allem die Arbeitslosigkeit - nach sich zieht.
Der 52jährige liberale Demokrat hatte Posten bei demokratischen und republikanischen Administrationen inne. So gehörte er dem Wirtschaftsbeirat
von Präsident Eisenhower an und war später bei Präsident Johnson Direktor
des Budget-Amtes. Als führendes Mitglied der renommierten BrooKings Insitution
war er auch als Berater führender demokratischer Politiker tätig.
Seine Hauptsorge gilt der Erhöhung des ülpreises durch die OPEC, wobei
er bei der vorigen großen Preiserhöhung dafür eintrat, die Profite der ülgesellschaften durch eine sogenannte Windfall Tax - eine Steuer gegen Spekulationsgewinne - abzuschöpfen. Er gilt als hervorragender Fachmann für Wirtschaftsfragen.
Charles Schultze wurde am 12. Dezember 1924 in Alexandria im Staate
Virginia, nicht weit von der amerikanischen Bundeshauptstadt, geboren. Im
- 1 -

�Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er in der amerikanischen Armee in Europa und
erhielt hohe Tapferkeitsauszeichnungen.
Mit dem Amtsantritt Nixons schied Schultze aus dem Regierungsdienst aus,
und seine wirtschaftspolitischen Auffassungen standen meist im Gegensatz zu
denen Nixons und Fords und deren Berater.

Er warf den Republikanern vor, daß

sie nach Beendigung des Vietnam-Krieges ihre Verteidigungsausgaben nicht senkten, und er warnte vor der Einführung neuer Programme ohne eine gründliche
Analyse ihrer Wirtschaftlichkeit.
Politiker.

Er kritisierte jedoch auch demokratische

So widersetzte er sich dem von Senator Hubert Humphrey einge-

brachten Vollbeschä'ftigungsgesetz im Juli 1976. Wenn die Arbeitslosigkeit
zu rasch und zu stark gesenkt würde, dann führe das zu einer Beschleunigung
der Inflation, solange keine wesentlichen neuen Instrumente zu ihrer Kontrolle
vorhanden seien.
Schultze hat sich wiederholt für gezielte Maßnahmen zum Abbau der
Jugendarbeitslosigkeit und der strukturell bedingten Arbeitslosigkeit eingesetzt. In erster Linie muß nach seiner Auffassung jedoch der Kampf gegen
die Inflation geführt werden, und zwar gerade solange die Arbeitslosigkeit
hoch sei. Er warnte vor allgemeinen Versprechungen von Kürzungen und Regierungsausgaben und tritt für eine Belebung der Konjunktur durch Steuererleichterungen ein.

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25/1976

THEODORE C. SORENSEN: DER NEUE LEITER DES ZENTRALAMTES FÜR
NACHRICHTEN UND ABWEHR (CIA)

WASHINGTON - (AD) - Die Benennung Theodore C. Sorensens als künftiger
Leiter des Zentralamtes für Nächrichten und Abwehr (Central Intelligence Agency
- CIA) durch den designierten Präsidenten Jimmy Carter bringt einen der
engsten Berater des ermordeten Präsidenten John F. Kennedy in den Staatsdienst zurück.

Sorensen, 48 Jahre alt, war ein persönlicher Freund Kennedys und hat
viele seiner Reden verfaßt.

Schon zu der Zeit, als Kennedy noch dem Senat

angehörte und an dem Buch "Profile in Courage" (deutsche Ausgabe: Zivilcourage) arbeitete, war ihm Sorensen bei der Material Sammlung behilflich.
In dem Präsidentschaftswahlfeldzug 1960 half er Kennedy bei der Abfassung
zahlreicher Wahlreden und Stellungnahmen zu Einzelthemen.

Nach dem Wahlsieg

holte dieser ihn als persönlichen Berater in das Weiße Haus.

Anläßlich der Bekanntgabe seiner Nominierung zum Chef des CIA durch
Carter erklärte Sorensen, er sei sich der "schweren Verantwortung" bewußt,
die die Stellung eines Leiters des Nachrichten- und Abwehrdienstes der USA
mit sich bringe,und habe sich nicht um die Übernahme dieser Verantwortung
bemüht.

"Da dieses Amt aber von zentraler Bedeutung für die Aufrechterhal-

tung des Weltfriedens ist, konnte ich es meiner Auffassung nach nicht ab- 1 -

�ablehnen," fügte er hinzu.
Theodore Chaikin Sorensen wurde am 8. Mai 1928 in Lincoln, Nebraska,
geboren. Sein Vater war ein Liberal-Republikaner dänischer Herkunft und
zeitweilig Chef der Justizverwaltung des Staates Nebraska. Seine Mutter,
eine fanatische Frauenrechtlerin und Pazifistin, war russisch-jüdischer Abkunft. Die Mittelinitiale "C" aller fünf Sorensen-Geschwister erinnert an
ihren Mädchennamen.
Vater Sorensen nahm seinen Sohn Ted wiederholt auf politische Versammlungen mit und veranlaßte ihn nicht selten, vom Rednerpult herab selbst "ein
paar Worte" an das jeweilige Publikum zu richten.

Das Haus der Sorensen, in

dem liberale Zeitschriften und Bücher jederzeit zur freien Benutzung herumlagen, war ein Treffpunkt liberaler Kreise, die hier oft lebhafte Debatten
über aktuelle politische Probleme führten.

Das alles blieb - ebenso wie das

Bekenntnis der Familie zu den Lehren der unitarischen Kirche - nicht ohne
Einfluß auf den Heranwachsenden.
Nach Abschluß der Oberschule in Lincoln im Jahre 1945 konnte Sorensen
auf Grund eines Stipendiums die Universität von Nebraska beziehen, an der er
1949 das erste Abschlußexamen ablegte, um anschließend an der juristischen
Fakultät der gleichen Universität, wiederum mit einem Stipendium ausgezeichnet, sein Fachstudium zu betreiben. Im Jahre 1951 promovierte er dort als
Jahrgangsbester zum Bachelor of Laws. Die erste Stat; . seines Berufslebens war die Stellung des Rechtsberaters einer damals kleinen Bundesbehörde,
die später im Zuge einer Umorganisierung zum Ministerium für Gesundheits-,
Erziehungs- und Sozialfragen erweitert werden sollte. Diese Stelle gab er
jedoch bald wieder auf, um sich einem Forschungsstab eines Kongreßausschusses
als wissenschaftlicher Mitarbeiter anzuschließen. Als der Forschungsstab
seine Tätigkeit 1953 einstellte, zeigte sich der inzwischen verstorbene Senator Paul Douglas aus Illinois von den Leistungen Sorensens so sehr beeindruckt, daß er ihn dem neugewählten Senator John F. Kennedy aus Massachusetts
als Referenten empfahl.
Von

�Von der gemeinsamen Liebe zu Büchern und zur Politik beflügelt, arbeiteten die beiden Männer äußerct harmonisch und auch erfolgreich zusammen.
Dank seiner bemerkenswerten analytischen Fähigkeiten entwickelte Sorensen
eine besondere Vorliebe für die Bearbeitung von Gesetzesvorlagen, die Abfassung von kritischen Studienberichten und die Beschaffung von Material für
die Ausarbeitung von Reden und Zeitschriftenartikeln.
Nach der Ermordung Präsident Kennedys im November 1963 blieb Sorensen
nur noch kurze Zeit auf seinem Posten als Präsidentenberater im Weißen Haus.
Er trat im Januar 1964 zurück, um fortan als Rechtsanwalt zu fungieren - ohne
sich allerdings auf diesen Beruf allein zu beschränken. Im Jahre 1965 veröffentlichte er eine Biographie des ermordeten Präsidenten unter dem Titel
"Kennedy" (deutsch 1966: Kennedy), auf die er 1969 "The Kennedy Lenacy"
(deutsch 1969: Das Vermächtnis der Kennedys) folgen ließ. Im Wahljahr 1968
beteiligte er sich an dem infolge seiner Ermordung nur kurzen Wahlkampf von
Senator Robert F. Kennedy, einem Bruder des Präsidenten John F. Kennedy und
ehemals Justizminister unter diesem.
Im Jahre 1970 bewarb sich Sorensen vergeblich um den einstigen Senatssitz von Robert F. Kennedy im Staat New York. Er kehrte deshalb an seinen
Schreibtisch - als Rechtsanwalt wie als politischer Schriftsteller - zurück.
Sein jüngstes Buch "Watchmen in the Night" Presidential Accountability after
Watergate" (Wachleute in der Nacht: Die Pflicht des Präsidenten zur Rechenschaftslegung in der Zeit nach Watergate).
Sorensen ist mit Gillian Martin verheiratet; das Ehepaar hat vier Kinder.

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ANDREW YOUNG: DER NEUE UN-BOTSCHAFTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Zum neuen Chefdelegierten der Vereinigten Staaten
bei den Vereinten Nationen hat der designierte Präsident Jimmy Carter den
44jährigen Schwarzen Andrew Young berufen. Young hat sich als Mitarbeiter
von Martin Luther King in den sechziger Jahren einen Namen in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung gemacht. Er war der erste und einzige Schwarze
aus dem Staate Georgia seit 1871, der einen Sitz im Repräsentantenhaus errungen hat. Seinen Posten bei der Weltorganisation bezeichnete er als "glänzende Chance und Selbstmordjob".
Auf der Pressekonferenz am 16. Dezember, als Carter die Nominierung von
Young bekanntgab, erklärte dieser, sein Entschluß, als Botschafter zu den Vereinten Nationen zu gehen, sei vor allem auf seine Oberzeugung zurückzuführen,
daß die Vereinigten Staaten eine wichtige Rolle in Afrika zu spielen hätten.
Young, der als attraktiv und freimütig angesehen wird, hat durch seinen
Einsatz für den Präsidentschaftskandidaten Carter diesem sicherlich Stimmen
der schwarzen Bevölkerung gebracht. Auf den Posten bei den Vereinten Nationen
angesprochen, zeigte er zunächst eine Neigung, auf seinem gewählten Posten
im Kongreß zu bleiben. Eine Reise durch mehrere Länder Afrikas mit einer
Kongreß-Delegation überzeugte ihn jedoch, daß er bei den Vereinten Nationen
eine nützliche Rolle spielen könne - nicht zuletzt, um auf eine Mehrheitsregierung in Südafrika hinzuwirken.
Andrew
- 1-

�1
Andrew Jackson Young wurde am 12. März 1932 in New Orleans im Staate
Louisiana als Sohn eines Zahnarztes und einer Lehrerin geboren und wuchs
in einer vorwiegend weißen Nachbarschaft auf.

Als "reicher Leute Kind" be-

trachtet, zog es ihn zu dem Beruf des Geistlichen, da er in diesem Beruf die
größte unabhängige Wirkungsmöglichkeit bei seinen schwarzen Mitbürgern sah.
Er studierte an der hauptsächlich von Schwarzen besuchten Howard-Universität
in Washington und am Theologischen Seminar in Hartford, Connecticut.
Als junger Geistlicher wirkte er in kleinen Gemeinden in Südgeorgia
und kam mit der Arbeit von Dr. Martin Luther King in Berührung.

Der 29-

jährige Geistliche der Vereinten Kirche Christi trat 1961 dem BürgerrechtsAusbildungsprogramm bei, wo er mit seiner damaligen Verlobten und heutigen
Frau Jean schwarze Mitbürger auf die Prüfungen zur Erlangung des Wahlrechtes
vorbereitete.
King.

Bald wurde er zu einem der wichtigsten Mitarbeiter von Dr.

Er erlebte die Ermordung des bekannten amerikanischen Bürgerrechtlers

und Geistlichen am 4. April 1968 persönlich mit und führte die Arbeit Dr.
Kings zwei Jahre weiter.
Im Jahre 1970 kam er zu der Überzeugung, daß er das Vermächtnis seines
großen Vorbildes am besten erfüllen könnte, wenn er sich der Politik zuwandte.
Bei den Wahlen 1970 kandidierte er in Georgia für einen Sitz im Repräsentantenhaus in Washington in einem Wahlbezirk, in dem 60 Prozent Weiße leben. Ironischerweise verlor er wegen der schwachen Wahlbeteiligung der Schwarzen. Bei
den gleichen Wahlen gewann Jimmy Carter im zweiten Anlauf den Posten des Gouverneurs von Georgia. Young ließ sich nicht entmutigen und arbeitete bis zur
nächsten Wahl intensiv in Bürgerrechtsfragen und gewann die Wahl 1972 mit
52,9 Prozent. Seine Wiederwahl 1974 und 1976 brachte ihm überwältigende
Mehrheiten.
Seine Oberzeugungen schöpft Young nicht zuletzt aus den Schriften
Ghandis.

Das alte Motto "Auge um Auge, Zahn um Zahn", so erklärt Young, läßt

uns am Ende blind und ohne Zähne.

Er tritt vielmehr für eine Politik der

Versöhnung auf der Basis der Menschenrechte für alle ein.
Mit

�*

Mit seiner Frau Jean, die ebenfalls in der Bürgerrechtsbewegung außerordentlich aktiv ist, hat er vier Kinder.

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ZBIGNIEW BRZEZINSKI: DER NEUE SICHERHEITSBERATER CARTERS

WASHINGTON - (AD) - Als sich Jimmy Carter im Oktober auf die wichtige
Fernsehdebatte mit Präsident Ford über die Außenpolitik und die nationale Verteidigung vorbereitete, rief er einen bekannten amerikanischen Sowjetologen,
Professor Zbiqniew Brzezinski von der New Yorker Columbia-Universität, zu
sich nach San Francisco, um sich umfassend über weltpolitische Fragen unterrichten zu lassen. Jetzt hat der designierte Präsident diesen Mann mit dem
schwer aussprechbaren Namen, Sohn eines früheren polnischen Diplomaten und
schon während des Wahlfeldzuges einer der einflußreichsten Berater Carters,
mit dem überaus wichtigen Posten des Beraters für Fragen der Nationalen Sicherheit betraut. Dieses Amt hatte während der Nixon-Administration Außenminister
Kissinger inne.
Bei der Ankündigung dieser Berufung anläßlich einer Pressekonferenz
Carters am 16. Dezember meinte Brzezinski, er sei zutiefst überzeugt, daß
sich die USA als Nation zwei fundamentalen Alternativen gegenübersähen: dem
Gebot verstärkter internationaler Zusammenarbeit oder der Gefahr verstärkter
weltweiter Unruhe.

Er sähe seine Hauptverantwortung darin, den Entscheidungs-

prozeß in der Außenpolitik zu fördern.

Dieser Prozeß, so fügte Brzezinski

hinzu, betreffe natürlich in erster Linie den Präsidenten aber auch vor allem
dessen außenpolitischen Hauptberater, den Außenminister der USA, sowie den
Verteidigungs- und Finanzminister und andere Kabinettsmitglieder.
Diese
- 1 -

�J
Diese Bereitschaft, seinen eigenen Beitrag herunterzuspielen, ist
charakteristisch für die Bescheidenheit des neuen Sicherheitsberaters. Einem
Reporter, der ihn nach seiner Vertrautheit mit Carter während dessen Wahlfeldzug befragte, sagte er, seiner Meinung nach sei seine Rolle durch die Medien erheblich übertrieben dargestellt worden.

Tatsache sei vielmehr, daß

andere einen weitaus größeren Einfluß gehabt hätten als er.
Das Interesse Brzezinskis am Kommunismus und an osteuropäischen Fragen
ist nicht zuletzt mit seiner Herkunft zu erklären.

Er wurde am 28. März 1928

als Sohn eines polnischen Diplomaten in Warschau geboren.

Den größten Teil

seiner frühen Kindheit verlebte er mit seinem Eltern in Frankreich und Deutschland, wo er Privatschulen besuchte.

Brzezinski begleitete seine Eltern 1938

nach Kanada, wo sein Vater am polnischen Konsulat in Montreal tätig war.

Als

in Polen die Kommunisten die Macht übernahmen, blieb die Familie in Kanada.
Weitere schulische Stationen Brzezinskis waren katholische Ausbildungsinstitute in Kanada, die McGill-Universität in Montreal sowie die Harvard-Universität in den USA an der er 1953 promovierte und einen Lehr- und Forschungsauftrag erhielt.

Er gehörte dem Lehrkörper dieser renommierten Hochschule bis

1960 an und ging dann an die New Yorker Columbia-Universität. Im Jahre 1961
übernahm er die Leitung des neugegründeten Instituts für Fragen des Kommunismus an dieser Universität und erwarb sich in den darauffolgenden Jahren den
Ruf eines Experten für osteuropäische Angelegenheiten.

Im Jahre 1961 war er

einer der wichtigsten außenpolitischen Berater des neugewählten Präsidenten
John F. Kennedy, und von 1966 bis 1968 gehörte er dem politischen Planungsstab des State Department an.

In dieser Eigenschaft unterstützte er nach-

drücklich die Präsenz der USA in Vietnam.
Im Jahre 1973 vertrat Brzezinski in einem Artikel, der in der bekannten
Zeitschrift "Foreign Affairs" erschien, die Ansicht, daß die Auseinandersetzung mit der kommunistischen Welt ein Hauptproblem der USA bleibe, führte
jedoch gleichzeitig die Fragen der Entwicklungsländer sowie die Aufrechterhaltung der Beziehungen zu den Industrienationen als zwei weitere wichtige
Gebiete an.

Um sich mit diesen Problemen effektiver auseinandersetzen zu_
- 2 -

�zu können, schlug Brzezinski eine engere Zusammenarbeit zwischen Nordamerika,
Westeuropa und Japan vor.

Er war Mitbegründer der "Trilateralen Kommission",

einer privaten Gruppe zur Förderung dieses Zieles, der auch Jimmy Carter als
Mitglied angehörte, und hier begann bereits die enge Zusammenarbeit beider
Männer.
Brzezinski hat sich häufig über die Bemühungen der USA ausgesprochen,
die Beziehungen zur Sowjetunion zu verbessern; in einem Interview mit der
"New York Times" kurz vor den Wahlen unterstrich er jedoch, daß er die Entspannung nicht ablehne. Man müsse allerdings zu einer umfassenderen Entspannung gelangen, so meinte er, und man dürfe nicht eine Detente akzeptieren,
in der die Sowjets die Spielregeln festlegten und die Prioritäten setzten.
In einer Rede vor dem Nationalen Demokratischen Frauenclub, ebenfalls
kurz vor der Wahl »forderte Brzezinski Vorverhandlungen über ein Abkommen zur
Begrenzung strategischer Waffen zwischen den USA und der Sowjetunion, das die
Anzahl der strategischen Bomber, der nuklearen Sprengköpfe sowie der Raketen
auf beiden Seiten reduziere.
Seit Jjni 1955 ist Brzezinski mit Emilie Benes, einer Großnichte des
ehemaligen tschechoslowakischen Präsidenten Eduard Benes, verheiratet. Sie
haben drei Kinder.

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JAMES SCHLESINGER: DER NEUE BERATER CARTERS FÜR ENERGIEFRAGEN

WASHINGTON - (AD) - James R. Schlesinger, der Mann, den der designierte Präsident der USA zu seinem Hauptberater für Energiepolitik ernannt
hat, verfügt über einen größeren Bereich an Erfahrungen im Regierungsdienst
als jeder andere, der in die neue Administration berufen worden ist. Die
Ernennung Schlesingers gilt als sicheres Anzeichen dafür, daß Carter einen
größeren Nachdruck auf den Energiebedarf der Nation und die damit zusammenhängenden Probleme legen wird, als dies bisher der Fall war.
Nahezu sieben Jahre,von 1969 - 1975,war Schlesinger - übrigens die
einzige Persönlichkeit aus der Nixon- und Fordära, die Carter in seine Administration berufen hat - in einer Reihe von hohen Regierungspositionen
tätig, und auf jedem dieser Posten wurde seine Arbeit als brillant und effektiv gelobt. Zunächst war er Stellvertretender Direktor der alten BudgetAbteilung, dann siedelte er in die US-Atomenergie-Kommission über, wurde
dann Leiter des Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr (CIA), um schließlich das Verteidigungsministerium zu übernehmen.
Im Jahre 1975 wurde Schlesinger von Präsident Ford aus dem Amt des
Verteidigungsministers im Zuge einer umfassenden Regierungs-Reorganisation
entlassen.

Ford hat niemals im einzelnen seine Gründe dafür dargelegt,

außer daß er seinen eigenen Mann, Donald Rumsfeld, auf diesem Posten haben
- 1 -

�haben wollte. Allerdings hatte Ford, als er noch Vizepräsident war, einmal erklärt, er würde Schlesinger wegen dessen schlechten Beziehungen zum
Kongreß entlassen.
James Rodney Schlesinger wurde am 15. Februar 1929 in New York City geboren.

Er schrieb sich 1946 an der Harvard-Universität ein, studierte Wirt-

schaftswissenschaften und schloß sein erstes Examen 1950 summa cum laude ab.
Sechs Jahre später erwarb er den Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften an
der Harvard Universität.
Bis 1963 lehrte er dieses Fach an der Universität von Virginia und
übernahm dann eine Tätigkeit bei der Rand Corporation, der renommierten "DenkFabrik" für nationale Sicherheit, wobei er sich vor allem mit der nuklearen
Waffentechnik und mit strategischen Analysen befaßte.

Auf diesem Gebiet hatte

er sich bereits vorher durch Vorträge sowie durch sein 1960 veröffentlichtes
Buch "The Political Economy of National Security" (Die politische Ökonomie
der Nationalen Sicherheit) einen Namen gemacht.
:

Sein umfassendes Wissen auf den Gebieten der Wirtschaft, der Kernenergie,
der nationalen Sicherheit und der Verteidigung gab ihm das erforderliche Rüstzeug für seine erfolgreiche Arbeit auf den hohen Regierungsposten in der
Budget-Abteilung, der Atomenergie-Kommission,dem CIA und dem Verteidigungsministerium, auf die er von Präsident Nixon während dessen Administration berufen wurde.
Nach seiner Entlassung als Verteidigungsminister unter Präsident Ford
arbeitete Schlesinger am "Center for International Studies" der Johns HopkinsUniversität und trat während der Präsidentschaftswahlen 1976 als Berater
Carters in Erscheinung.
In seiner Ernennung zum Berater für Energiefragen des neuen Präsidenten
sieht Schlesinger eine "herausfordernde Aufgabe".

Er werde sich bemühen, den

"Enthusiasmus und die Energie des amerikanischen Volkes" für die Lösung der
2 -

�der auf diesem Gebiet sich stellenden Probleme zu mobilisieren.

Es gelte,

den Anstieg des Gesamtenergieverbrauchs und vor allem das Anwachsen der Rohölimporte zu begrenzen, um die Gefahr allzugroßer Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von ausländischen Energiequellen zu verringern.

In diesem Sinne

werde er daher auch bestrebt sein, die Entwicklung von Automobilen mit geringerem Benzinverbrauch in den Vereinigten Staaten zu fördern.
In der amerikanischen Öffentlichkeit gilt Schlesinger als pfeifenrauchender Intellektueller, der eigentlich mehr im Hörsaal der Universität
als im bürokratischen Gewirr der Verwaltungsorganisationen zu Hause ist und
auf politischem Parkett leicht die Geduld verliert. Dieses Bild geht auf
Vorfälle im Jahre 1975 zurück, als Schlesinger weitere Kürzungen seines bereits vom Weißen Haus gestutzten Verteidigungshaushalts durch das Repräsentantenhaus mit scharfen öffentlichen Attacken gegen diese Maßnahmen der Legislative beantwortete. Die sich daraus entwickelnde Kontroverse zog ihm
den Zorn vieler Kongreßmitglieder zu, sicherte ihm aber auch auf vielen Seiten den Respekt wegen seiner unerschrockenen und klaren Haltung, die die
"Dinge in die richtige Perspektive" setze.
Wie der designierte amerikanischen Präsident Carter ist auch Schlesinger
ein starker und intensiver Bücherleser. Er ist mit Rachel Mellinger verheiratet. Das Ehepaar hat acht Kinder.

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25/1976

AKTIONSPROGRAMM ENERGIE
Appell an den US-Kongreß und die neue Regierung der
Vereinigten Staaten

- (AD) - Zum Schutz der amerikanischen Wirtschaft gegen die Auswirkungen weiterer Ülpreis-Erhöhungen und möglicher künftiger Störungen in der
Versorgung mit Import-Energierohstoffen sei ein "Aktionsprogramm Energie"
eine der vordringlichen Aufgaben der Regierung Carter. Diese Ansicht vertraten der US-Handelsminister Elliot Richardson und der Leiter der US-Energiebehörde Dr. Frank Zarb bei Anhörungen vor dem Unterausschuß für Energie
und Strom des US-Kongresses in ihrer Funktion als Vorsitzender bzw. Leitender
Direktor des Präsidialrates für Energierohstoffe (ERC). In einem inzwischen
auch der Öffentlichkeit übergebenen Situationsbericht ("Perspektiven der
Energiepolitik") sind die wichtigsten Aufgaben zusammengefaßt, die nach Ansicht von Richardson und Zarb sofort in Angriff genommen werden sollten:
1) Steigerung der amerikanischen Kohleproduktion von ihrem gegenwärtigen Stand von ca. 608 Millionen Tonnen pro Jahr auf mehr als 900 Millionen
Tonnen bis Mitte der achtziger Jahre.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen

bereits bewilligte Programme zur Kohlenutzung voll durchgeführt werden. Außerdem sei eine engere Zusammenarbeit von Bundesregierung, den Regierungen der
einzelnen Bundesstaaten, kommunaler Verwaltungen und den Vertretern von
Bürgerinitiativen erforderlich.

Aueinandersetzungen über Umweltfragen müßten
- 1-

�müßten beigelegt werden.

Auch seien größere Anstrengungen zu unternehmen»

um synthetische Brennstoffe aus Kohle zu gewinnen.
2) Ausweitung der einheimischen ölförderung in den neuen Feldern
Alaskas und der äußeren Schelfgebiete sowie intensivere Nutzung erschlossener Vorkommen.

Dies erfordere allerdings beschleunigte Verfahren zur Auf-

hebung der öl Preiskontrollen unabhängig von der Frage, ob ein "Mischpreis"
auf nationaler Ebene einzuführen sei.

Unnötiges Reglement seitens des Staa-

tes müsse abgeschafft werden, bessere Beziehungen zwischen lokalen Verwaltungen und der Erdölindustrie seien zu fördern.
3) Steigerung der amerikanischen Erdgasproduktion.

Diese sei nur in

Verbindung mit Maßnahmen des US-Kongresses zur Aufhebung der Preiskontrolle
bei neuen Erdgasquellen und rascher Lösung des Problems des Gastransports
von Alaska nach den übrigen 48 kontinentalen Bundesstaaten möglich.
4) Steigerung der Anwendung regenerationsfähiger Energiequellen wie
Sonnen- und Windenergie sowie Erdwärme.

Auf diesen Gebieten sollten For-

schung und Entwicklung Teil des Gesamtenergieplanes sein.
5) Aufbau einer strategischen ölreserve im Umfang von mindestens 500
Millionen Faß. Zu den bisher erzielten Fortschritten zählt u.a. die Bewilligung von Mitteln durch den US-Kongreß zur Anlage eines Grundstocks an ölreserven von 40 Millionen Faß. Nach Meinung von hohen Beamten der Regierung
Ford müsse jedoch zum Schutz gegen mögliche Unterbrechungen der Belieferung
mit öl das Programm rasch zu Ende geführt werden.
6) Verringerung der Wachstumsrate für den Energiebedarf von bisher
3,5 Prozent im Jahr auf 2,5 Prozent.

Da die technischen Möglichke*ten zur

Einsparung von Energie zum großen Teil bereits ausgeschöpft werden, dürfte
es jedoch schwierig sein, dies ohne Preiserhöhungen oder restriktive Maßnahmen wie verordnete Verbrauchseinschränkungen zu erreichen.

Die

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i
Die Frage der Energiepolitik erfordert dem ERC-Bericht zufolge 1977
und 1978 Maßnahmen seitens der Regierung.
der Energiefinanzierung sei zu klären.

Auch die Rolle der Regierung in

Zum Abbau der Abhängigkeit von Im-

portöl sei außerdem internationale Zusammenarbeit unerläßlich.

Handelsminister Richardson schlägt vor, daß alle Regierungsressorts
gemeinsam Management-Pläne für den Fall eines neuen ölembargos ausarbeiten.
Dabei müsse auch die optimale Nutzung der strategischen ölreserven im Hinblick auf das Programm der Internationalen Energiebehörde und auf mögliche
Maßnahmen zur Verbrauchseinschränkung analysiert werden.

Präsident Carter

sollte vom Kongreß ermächtigt werden, im Fall einer Unterbrechung der Versorgung mit Energierohstoffen oder bei starken Preiserhöhungen Notstandssteuern oder Gebühren auf Erdölprodukte zu erheben und diese Produkte für
bestimmte Verbrauchergruppen zu rationieren.

Der Rat für Energierohstoffe habe, wie Richardson erklärte, zahlreiche
Wege zur Organisation des Energiesektors sondiert.

Jedoch sei die Organi-

sation allein kein Ersatz für die Prozesse, die eine verantwortungsbewußte
und substantielle Entwicklung der Energiepolitik gewährleisten.

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25/1976

MEHR GELD FÜR GRUNDLAGENFORSCHUNG
Schwerpunkte: Landwirtschaft, Erdbebenvorhersage, Weltraumforschung

- (AD) - Eine Anhebung der Etats für Grundlagenforschung auf Schwerpunktgebieten um drei Prozent zusätzlich zum Inflationsausgleich schlägt Präsident Ford für den Haushalt 1978 vor.

Besonders berücksichtigt werden sol-

len neben der Energieforschung bestimmte Projekte der Weltraumforschung samt
Erderkundung aus dem Weltraum,

Erdbebenvorhersage und Agrarforschung.

Auf dem letztgenannten Gebiet sind Projekte interessant, die neue Wege
zur Stickstofffassimilierung eröffnen könnten und das Ziel haben, Eigenschaften von Hülsenfruchtpflanzen eines Tages auch auf wichtige Getreidesorten
wie Mais und Weizen zu übertragen.

Wenn es gelänge, deren Erbstruktur so zu

verändern, daß auch sie, beispielsweise in Verbindung mit Bodenbakterien,
Luftstickstoff in Ammoniak umwandeln, würde der Weltbedarf an Kunstdünger
rapide sinken.

Dr. Guyford Stever, Vorsitzender des Präsidialbeirats für

Wissenschaft und Technologie und Direktor der Nationalen Wissenschaftsstiftung der USA, hält angesichts der überragenden Leistungen der amerikanischen
Agrarforschung in der Vergangenheit Erfolge in dieser Richtung für durchaus
denkbar.

Ein Sonderfonds von 20 - 25 Millionen Dollar soll künftig eine Mög-

lichkeit schaffen, daß sich Wissenschaftler nicht nur im Rahmen des konventionellen Bewilligungssystems, sondern auch direkt an höchster Stelle um
- 1-

�um Forschungsgelder bemühen können. Dadurch würden mit höherer Wahrscheinlichkeit die besten Ideen unbürokratisch gefördert.
Die Forschungsmittel für die Erdbebenvorhersage (bisher ca. 20 Millionen Dollar) sollen mindestens verdoppelt werden, wobei der Steigerungsbetrag in erster Linie für die Entwicklung neuer Instrumente, Verfahren und
Ideen zur Erkennung und Auswertung bestimmter Phänomene, die Erdbeben ankündigen, verwendet würde.

Einschlägige Studien in Japan, China, der UdSSR und

den USA haben bereits gezeigt, daß es vor einem Erdbeben zu mancherlei Veränderungen kommt. Jetzt gilt es, sie rechtzeitig zu erfassen und richtig zu
interpretieren, um, ähnlich wie in der Wettervorhersage, eine Erdbeben-"Vorwarnung" geben zu können.
Beispielsweise wurde in einem 7200 qkm großen Gebiet im Räume Los
Angeles in Kalifornien seit den sechziger Jahren ein "Anschwellen" der Oberfläche um ca. 25 cm beobachtet. Geologen sind der Auffassung, daß eine solche Bodenhebung Spannungen im Erdinnern anzeigt, die sich vor einem Erdbeben
aufbauen. In Japan gingen 1964, in Kalifornien 1972 derartige Erscheinungen
einem Erdbeben voraus.
Zu den neuen Programmen, die für die Raumfahrt empfohlen werden, gehört
ein 2,4 m-Hochleistungsteleskop, das mit dem Raumtransporter auf eine Erdumlaufbahn gebracht werden soll. Es würde Anstronomen in allen Ländern zum
Studium von Himmelsobjekten,die von der Erdoberfläche aus überhaupt nicht zu
beobachten sind, zur Verfügung stehen.
Nunmehr soll auch für die Erforschung des Planeten Jupiter, wie zuvor
schon bei Mond und Mars, ein Orbiter eingesetzt werden.

Der Start zu dem

zwei Jahre dauernden Anflug zum größten Planeten unseres Sonnensystems ist
Ende 1981 geplant.

Nach dem Einschwenken des Roboters in eine Jupiter-Um-

laufbahn würde sein Orbit von Zeit zu Zeit geändert, damit die Sonde nach
und nach die 13 Jupitermonde möglichst nahe passiert.

Vor allem interessieren

die vier großen, von Galilei entdeckten Monde, die ungefähr so groß sind wie

�•

wie der Planet Merkur.

Der Orbiter soll außerdem eine Sonde absetzen, mit

der die dichte und turbulente Atmosphäre untersucht und die ersten direkten
Messungen von Temperaturen und Zusammensetzung der unterschiedlich gefärbten
Wolkenbänder vorgenommen werden sollen.
Mit einem verbesserten Satelliten zur Erdfernerkundung wird das Projekt
LANDSAT ausgeweitet, an dem schon heute mehr als 50 Länder teilnehmen. In
den USA haben die LANDSAT-Meßdaten zur Vorhersagen der Getreideernte, insbesondere der Weizenernte, eine mehr als 90prozentige Übereinstimmung mit dem
tatsächlichen Ernteertrag gezeigt. Die Meßdaten aus der Beobachtung der
sowjetischen Weizenernte, die amerikanische LANDSAT-Wissenschaftler auf Ersuchen der UdSSR sammelten, stimmten mit den in der UdSSR angestellten Vorausberechnungen ebenfalls gut überein. Solche Studien erleichtern gerade angesichts der Bedeutung der beiden Länder für den Weltgetreidemarkt eine ausgewogene Disposition. Der Einsatz von Fernerkundungssatelliter für Aufgaben
der Land- und Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft, des Umweltschutzes und der
Rohstoffsuche entwickelt sich gegenwärtig zu einem der wichtigsten Anwendungsgebiete der Raumfahrttechnologie.

+ + + + +

Ä

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Harold Brown: Der neue Verteidigungsminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Griffin Bell: Der neue Justizminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Cecil Andrus: Der neue Innenminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Robert Bergland: Der neue Landwirtschaftsminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Juanita M. Kreps: Die neue Handelsministerin der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;F. Ray Marshall: Der neue Arbeitsminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Joseph A. Califano: Der neue Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Patricia Harris: Die neue Wohnungsbauministerin der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Charles Schultze: Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Theodore C. Sorensen: Der neue Leiter &amp;nbsp;des Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr (CIA)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Andrew Young: Der neue UN-Botschafter der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zbigniew Brzezinski: Der neue Sicherheitsberater Carters&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;James Schlesinger: Der neue Berater Carters für Energiefragen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aktionsprogramm Energie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Appell an den US-Kongress und die neue Regierung der Vereinigten Staaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mehr Geld für Grundlagenforschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Schwerpunkte: Landwirtschaft Erdbebenvorhersage, Weltraumforschung&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amcrika
dicrv&gt;t

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

29. Dezember 1997

25

UMWELT

CLINTON: ABKOMMEN VON KYOTO IST
GUT FÜR DIE UMWELT UND HAT SOLIDE
WIRTSCHAFTLICHE GRUNDLAGE
Erklärung des Präsidenten

AUSSENPOLITIK

ALBRIGHT ERÖRTERT NATO-ERWEITERUNG,
BOSNIEN UND IRAK
Rede beim Ministertreffen des Nordatlantikrates

BOSNIEN

INTERNATIONALE STAATENGEMEINSCHAFT
WILL IN BOSNIEN IHREN KURS FORTSETZEN
Stellungnahme von Botschafter Robert S. Gelbard

USA-DEUTSCHLAND

REFLEXIONEN
ZUR
DEUTSCH-AMERIKANISCHEN PARTNERSCHAFT
Rede vor der American Chamber of Commerce
in Germany
DEUTSCHLAND UND AMERIKA: EINE
SELBSTVERSTÄNDLICHE PARTNERSCHAFT
von Botschafter John C. Kornblum

THEMENINDEX

DER AMERIKA DIENST

1997

Mit dieser letzten Ausgabe des Jahres 1997
wünscht die Redaktion des Amerika Dienst allen
Lesern ein friedliches und erfolgreiches neues Jahr.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�UMWELT

29. Dezember 1997

Clinton: Abkommen von Kyoto ist gut für die Umwelt
und hat solide wirtschaftliche Grundlage
Erklärung des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine von Präsident Clinton am 10. Dezember 1997
abgegebene Stellungnahme über das auf der Klimakonferenz von Kyoto erzielte Abkommen zur Verringerung der
Treibhausgasemissionen.

Ich freue mich sehr, daß die Vereinigten Staaten mit
anderen Nationen der Welt ein historisches Abkommen über beispiellose Maßnahmen zur Bekämpfung der weltweiten Klimaerwärmung geschlossen
haben. Diese Übereinkunft ist gut für die Umwelt und
hat eine solide wirtschaftliche Grundlage. Sie spiegelt
das Engagement unserer Generation wider, im
Interesse zukünftiger Generationen zu handeln.
Keine Nation engagiert sich stärker für dieses Ziel als
die Vereinigten Staaten. In Kyoto bestand unsere
Aufgabe darin, andere Nationen zu überzeugen,
Gemeinsamkeiten zu finden, damit wir realistische und
erreichbare Verpflichtungen zur Verringerung der
Treibhausgasemissionen eingehen können. Diese
Aufgabe wurde erfüllt. Die amerikanische Delegation
unter Leitung von Vizepräsident Gore und der kompetenten Führung von Staatssekretär Stuart Eizenstat hat
den Weg gewiesen. Die durch die Anwesenheit von
Vizepräsident Gore geschaffene Dynamik trug zu

einem erfolgreichen Abschluß der Verhandlungen bei,
und ich danke dem Vizepräsidenten dafür.
Ganz besonders freue ich mich, daß das Abkommen
das Engagement der Vereinigten Staaten widerspiegelt, dieses schwierige Problem mit Hilfe der
Instrumente des freien Marktes zu lösen.
Es liegen immer noch große Herausforderungen vor
uns, insbesondere bei der Einbeziehung der Entwicklungsländer. Es ist von elementarer Bedeutung, daß
diese Nationen sich wirkungsvoll beteiligen, damit wir
globale umweltpolitische Herausforderungen wirksam
angehen können. Aber die Industrienationen sind
zusammengekommen und haben einen großen Schritt
unternommen, und das ist ein wirklicher Fortschritt.
Abschließend möchte ich Ministerpräsident Hashimoto
und dem japanischen Volk für ihre großes Engagement danken.

* * * * *

AMERIKA DIENST 25

Seite 1

�AUSSENPOLITIK

29. Dezember 1997

Albright erörtert NATO-Erweiterung, Bosnien und Irak
Rede beim Ministertreffen des Nordatlantikrates

BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede, die US-Außenministerin
Madeleine Albright am 16. Dezember 1997 beim Ministertreffen des Nordatlantikrates im NATO-Hauptquartier in
Brüssel hielt.

Herr Generalsekretär, Herr Ehrenpräsident, verehrte
Amtskollegen, meine Damen und Herren, ich freue
mich außerordentlich, im Namen der Vereinigten
Staaten zu Ihnen sprechen zu dürfen.
Ich werde heute unter anderem vom amerikanischen
NATO-Botschafter, Robert Hunter, begleitet, für den
dies das letzte Ministertreffen des Nordatlantikrates ist.
Botschafter Hunter hat es der NATO durch seine
herausragende Arbeit ermöglicht, weltweit das Bündnis
Nummer eins zu bleiben und gleichzeitig neue Mitglieder vom gesamten Kontinent einzubeziehen.
Meines Erachtens ist unser Erfolgsgeheimnis während
dieser Zeit ziemlich einfach gewesen. Wir sind nicht
einfach auf Nummer Sicher gegangen. Bei jeder
Entscheidung haben wir uns für den weitblickendsten
Weg entschieden.
Heute treffen wir hier zusammen und haben bereits mit
der Erweiterung unseres Bündnisses begonnen,
während wir gleichzeitig eine Partnerschaft mit Rußland und der Ukraine bilden, wichtige Bande zu
anderen europäischen Demokratien anknüpfen, die
komplexeste Militäroperation in der Geschichte der
NATO durchführen und ihre internen Strukturen
anpassen, damit sie die Herausforderungen einer
drastisch veränderten Welt bewältigen kann. Aufmerksame Kritiker haben bezweifelt, ob wir zu diesen
Schritten bereit sind, und praktisch niemand glaubte,
daß wir alle fünf auf einmal unternehmen können.
Jedesmal haben wir der Versuchung widerstanden,
Taten durch Worte zu ersetzen und schwierige
Entscheidungen aufzuschieben.

Unsere unmittelbare Tagesordnung beinhaltet die
Erfüllung der von unseren führenden Politikern beim
Madrider Gipfel eingegangenen Verpflichtungen. Ich
freue mich sagen zu können, daß wir diese Versprechen halten. Ich bin zuversichtlich, daß beim
nächsten Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs 1999 die Zeit für weitere Schritte gekommen ist.
Vor zwei Wochen billigten unsere Verteidigungsminister eine neue Kommandostruktur für die NATO,
die die Zahl der Kommandostellen von 65 auf 20
verringert. Wir haben den Weg für die vollständige
Integration Spaniens in die NATO geebnet. Und wir
begrüßen die Entscheidung Frankreichs, sich einer
umfassenden Teilnahme an den Aktivitäten des
Bündnisses noch weiter anzunähern.
Heute findet das erste Ministertreffen des Ausschusses für die Partnerschaft zwischen der NATO und der
Ukraine statt. Unsere Herausforderung wird darin
bestehen, die vor uns liegenden Chancen zu ergreifen
und auf der leisen Erfolgsgeschichte aufzubauen, die
sich bei der neuen, besonderen Partnerschaft mit der
Ukraine abzeichnet.
Morgen werden wir erneut mit Rußland im Ständigen
Gemeinsamen Rat als Teil eines Prozesses zusammentreffen, der von historischer Bedeutung, aber
zunehmend auch geschäftlich orientiert und in seiner
Umsetzung sogar Routine ist. Wir setzen unsere
praktische tägliche Zusammenarbeit mit Rußland fort,
um das gegenseitige Mißtrauen der Vergangenheit zu
überwinden.
Ferner werden wir morgen im Euro-Atlantischen
Partnerschaftsrat mit all unseren neuen Partnern

AMERIKA DIENST 25

Seite 1

�zusammentreffen. In Zukunft wird viel von dem, was
die NATO leistet, in Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des EAPR erfolgen, der immer wichtiger wird.
Und natürlich werden wir in wenigen Stunden mit der
Tschechischen Republik, Ungarn und Polen ihre
NATO-Beitrittsprotokolle unterzeichnen. Dies ist ein
weiterer Schritt bei dem Prozeß, der noch viele Jahre
auf unserer Tagesordnung stehen wird.
Die heutige Unterzeichnung ist nicht nur eine Zeremonie, und sie ist weit mehr als eine bürokratische
Formalität.
Wir unterzeichnen jetzt die Beitrittsprotokolle, weil die
NATO entschieden hat, daß die Tschechische Republik, Ungarn und Polen bereit zur Übernahme ihrer
Verpflichtungen als Verbündete sind. Aufgrund der
Stärke und Verläßlichkeit ihrer Demokratien fügen sie
sich nahtlos in die europäische Hauptströmung ein.
Ihre Volkswirtschaften wachsen. Ihre militärische
Infrastruktur ist fortgeschrittener, als viele von uns
erwartet haben. Sie haben - großenteils dank der
Partnerschaft für den Frieden - gute Fortschritte bei der
Anpassung ihrer Streitkräfte an die Normen und
Verfahren der NATO gemacht. Wir sind zuversichtlich,
daß sie mit der Zeit ausgereifte militärische Fähigkeiten entwickeln werden.
Gleichzeitig geben die Tschechische Republik, Ungarn
und Polen uns heute ihr Wort, daß sie genau wissen,
was von ihnen als NATO-Verbündete erwartet wird.
Diese Nationen akzeptieren eine grundlegende
Veränderung ihrer nationalen Identität. Jahrzehntelang
haben sie von der freien Welt Bekräftigung und
Unterstützung ihrer Suche nach Freiheit und Unabhängigkeit erwartet. Jetzt übernehmen sie zum
ersten Mal die Verantwortung für die Freiheit und
Sicherheit anderer. Wir zählen in Zukunft auf ihren
Beistand in Stunden der Not und in den Zeiten, wenn
andere Nationen unsere Bekräftigung und Unterstützung erwarten.
Diesen Monat haben wir auch ein Abkommen über die
Konsequenzen der Erweiterung für unsere Mittel
geschlossen. Wir haben die kluge Entscheidung
getroffen, das Abkommen auf eine Einschätzung der
militärischen Erfordernisse einer größeren NATO und
die damit einhergehenden neuen Sicherheitsverpflichtungen zu stützen. Wir haben jetzt eine klare
Vorstellung davon, was die derzeitigen und zukünftigen Verbündeten der NATO zur Erfüllung dieser
Verpflichtungen tun müssen und wie hoch die gemeinsam getragenen Kosten einer erweiterten NATO sein
werden.
Durch die Zustimmung zu den Kostengutachten der
NATO haben wir Schätzungen und Prognosen in
Verpflichtungen umgewandelt, denen jeder von uns

Seite 2

jetzt nachkommen muß. Ferner haben wir bekräftigt,
was unsere Staats- und Regierungschefs in Madrid
erklärt haben: Die Kosten einer erweiterten NATO sind
real, denn jede echte Sicherheit hat ihren Preis.
Großenteils aufgrund der von unseren zukünftigen
Verbündeten getroffenen Vorbereitungen werden diese
Kosten zu bewältigen sein. Sie werden getragen. Und
sie werden gerecht verteilt.
Unsere nächste Herausforderung wird darin bestehen,
die Ratifizierung der NATO-Erweiterung durch unsere
Parlamente zu gewährleisten. Wir dürfen nicht das
Ergebnis dieses Prozesses vorschnell beurteilen oder
als selbstverständlich hinnehmen. Präsident Clinton
und ich haben intensiv mit Kongreßabgeordneten
beider Parteien zusammengearbeitet und wissen, daß
unsere Debatten im Kongreß und unsere öffentliche
Debatte in den nächsten Wochen lebhafter werden.
Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, daß auch das
Votum aller sechzehn Parlamente nicht das Ende
unserer Bestrebungen markiert, sondern bestenfalls
ihren Beginn. Wir müssen hart daran arbeiten sicherzustellen, daß die Tschechische Republik, Ungarn und
Polen umfassend und erfolgreich in unser Bündnis
integriert werden.
Ferner müssen wir auch immer daran denken, daß
unsere führenden Politiker zugesagt haben, die Türen
der NATO immer für neue Mitglieder offen zu halten.
Und sie haben diese Verpflichtung untermauert, indem
sie einer Intensivierung des Dialogs der NATO mit den
Nationen zustimmten, die eine Mitgliedschaft anstreben.
Im Januar sollte ein neues Stadium des Dialogs
beginnen. Wir müssen beim Washingtoner Gipfel zur
Überprüfung und Erwägung neuer Schritte in diesem
Prozeß bereit sein, und dasselbe gilt für unsere
Partner.
Das Grundprinzip der nächsten Runde der NATOErweiterung ist genau dasselbe wie das der ersten
Runde: Die Erweiterung wird zur Abschreckung
externer Bedrohungen der transatlantischen Gemeinschaft beitragen. Sie wird das Gebiet in Europa
erweitern, in dem es keine Kriege gibt. Sie wird den
dazu bereiten Ländern einen Anreiz zur Intensivierung
ihrer Reformen und zur Zusammenarbeit mit all ihren
Nachbarn geben. Sie wird unser Bündnis durch die
Aufnahmefähiger neuer Mitglieder stärken, die unsere
Interessen und Werte teilen. Und sie wird die politische Einheit Europas stärken und seine historischen
Spaltungen noch weiter verringern.
Wir sollten die nächste Runde der NATO-Erweiterung
genauso angehen wie die erste.
Ferner sollten wir vermeiden, gegenüber bestimmten
Ländern bestimmte Verpflichtungen einzugehen; es

AMERIKA DIENST 25

�besteht kein Grund, Erwartungen zu wecken, indem
wir parteiisch sind oder davon auszugehen, daß
unsere Parlamente immer allem zustimmen. Ebenso
wie in der Vergangenheit müssen wir darauf bestehen,
daß die verbleibenden Beitrittskandidaten den objektiv
höchsten Standards entsprechen, bevor sie zum
Beitritt eingeladen werden - daß sie die höchsten
Hürden für Reformen überwinden, die Bereitschaft zur
Erfüllung der gesamten Pflichten der Mitgliedschaft
zeigen und beweisen, daß ihre Aufnahme den strategischen Interessen der NATO dient.
Gleichzeitig sollten wir weiterhin deutlich machen, daß
jede an einer Mitgliedschaft interessierte europäische
Demokratie für eine Mitgliedschaft in Frage kommt,
ungeachtet ihrer Geschichte oder Geografie. Und wir
müssen weiterhin betonen, daß die Frage nicht lautet,
ob die NATO neue Mitglieder aufnimmt, sondern nur,
wann und wie das geschieht. Zu einer anderen Runde
"vielleicht" zu sagen, ist nicht viel besser, als ein Nein.
Angesichts der in ganz Zentral- und Osteuropa bereits
erzielten Fortschritte können wir alle zuversichtlich
sein, daß die erste Runde nicht die letzte ist - und das
auch sagen.
Fortschritte müssen verantwortungsvoll und überlegt
gemacht werden, aber sie müssen erfolgen. Wir
benötigen einen Prozeß, innerhalb dessen beitrittswilligen Kandidaten genau gesagt wird, was sie tun
müssen und welche Veränderungen erforderlich sind,
um ihre Mitgliedschaft zu ermöglichen. Das ist der
Zweck - der ganz praktische Zweck - des intensivierten
Dialogs.
Natürlich ist die NATO bei weitem nicht das einzige
Instrument, das wir für den Aufbau eines geeinten,
freien und friedlichen Europas benötigen. Angesichts
der Erweiterung der Europäischen Union, der wachsenden Bedeutung der OSZE und unserer gemeinsamen Bestrebungen zur Förderung der Integration in
Nord- und Südosteuropa werden auf dem Gebiet des
gesamten Baltikums, der Ägäis und des Atlantiks alte
Hindernisse für Zusammenarbeit und Handel abgeschafft.
Wir dürfen auch nicht vergessen, daß die gefährlichste
Bedrohung unserer Vision in den europäischen
Nationen lauert, die sich der Integrationsbewegung
noch widersetzen - Nationen, in denen demokratische
Prinzipien noch attackiert werden, beispielsweise
Belarus und Serbien, und in denen noch Konflikte
schwelen, einschließlich Bosniens.
Dies war für den Friedensprozeß in Bosnien ein
ermutigendes Jahr, großenteils weil unsere Truppen
ihre Arbeit mit gewohnter Kompetenz und Energie
erledigen.
Ganz im Gegensatz zu den von manchen befürchteten
endlosen Schwierigkeiten waren wir zur Verringerung

AMERIKA DIENST 25

der Truppenpräsenz in der Lage, während der Friedensprozeß Fuß faßte. Meines Erachtens bildet sich
unter den Bosniern allmählich ein Konsens - wenn
nicht über einen Zustand von Harmonie und Verständnis, der ideal wäre, so doch über einen Zustand
der Sicherheit und Normalität, den jede zerstörte
Gesellschaft zunächst einmal anstreben muß.
Vergangenen Monat hielten die bosnischen Serben
Parlamentswahlen ab, bei denen die Wähler Wahlmöglichkeiten und die Unabhängigen eine Stimme
hatten. Und die Partei an der Macht verlor fast die
Hälfte ihrer Sitze. Bei den Kommunalwahlen im
Oktober stimmten nahezu 150.000 Bosnier über
ethnische Grenzen hinweg ab und machten deutich,
daß sie nicht durch permanente Trennlinien von ihrer
Heimat getrennt werden möchten.
Die paramilitärische Polizei wurde der Kontrolle der
SFOR unterstellt. Wir haben dafür gesorgt, daß
aufhetzende Rundfunk- und Fernsehsendungen
eingestellt werden und die Reichweite der unabhängigen Medien vergrößert wird. In den Gebieten, die das
Daytoner Abkommen umsetzen, beschleunigt sich die
wirtschaftliche Erholung. Flüchtlinge kehren in verschiedene Gemeinden zurück, auch wenn dieser
Prozeß quälend langsam verläuft.
Zusätzlich haben sich 20 mutmaßliche Kriegsverbrecher dem Kriegsverbrechertribunal gestellt -12 seit
unserem letzten Ministertreffen. Das hat den Mitteln
des Tribunals eine willkommene Belastung auferlegt und ich freue mich bekanntgeben zu können, daß wir
wie versprochen dem Tribunal die jetzt benötigten
Mittel zur Verfügung stellen werden, damit die Gerichtsverfahren zügig stattfinden können. Die Vereinigten Staaten werden einen Beitrag in Höhe von
einer Million Dollar leisten. Damit sowie mit einer
großzügigen Spende der niederländischen Regierung
wird für das Tribunal bis Anfang kommenden Frühjahrs
ein neuer Gerichtssaal gebaut.
Trotz der Leistungen der letzten beiden Jahre bleibt
noch viel zu tun, bevor wir zuversichtlich sein können,
daß der Frieden in Bosnien sich selbst erhalten wird.
Dabei waren wir uns folgender Tatsache bewußt: So
hartes auch ist, in einem Land, das einen Bürgerkrieg
überlebt hat, eine multiethnische Gesellschaft wiederherzustellen - die Alternative würde noch größere
Gefahren und Kosten beinhalten.
In der Vergangenheit kannte Bosnien Frieden in
Einheit. Es hat Krieg mit Uneinigkeit erlebt. Was es
nie erlebt hat, ist Frieden in Uneinigkeit. Der Versuch,
Dayton durch eine Teilung Bosniens zu ersetzen,
würde unsere Last keinesfalls erleichtern, denn solch
ein historisch unnatürlicher Staat könnte nur von oben
oktroyiert werden. Es müßten Grenzen neu gezogen
und von unseren Truppen patrouilliert werden, die

Seite 3

�niedergelassene Bevölkerung würde entwurzelt und
Flüchtlinge müßten erneut aus ihren wiedergewonnenen Häusern vertrieben werden.
Eine Teilung Bosniens ist nicht nur falsch, sie ist auch
unrealistisch. Aus diesem Grund ziehen wir die Wahl
zwischen Risiken und Pflichten vor, die wir und die
Parteien in Dayton befürwortet haben, denn diese
Wahl hat mehrere Ziele, die lohnend und erreichbar
sind.
Seit Dayton unterstützen die Vereinigten Staaten eine
effektive NATO-Mission in Bosnien. Wir tun das aus
dem Grund, weil es nicht den amerikanischen Interessen dient, wenn im Herzen von Europa Aggression
ungehemmt, Haß ungezügelt und Völkermord unbemerkt und ungestraft bleibt. Es hätte auch nicht
unseren Interessen gedient, wenn die NATO ein
Bündnis geworden wäre, das sich hypothetischen
zukünftigen Herausforderungen mutig stellt, gleichzeitig aber vor den realen Herausforderungen der
Gegenwart davonläuft.
Die Anpassung und Erweiterung der NATO wären sinnlose theoretische
Übungen, wenn wir das Bündnis nicht an die Arbeit
gesetzt hätten, als seine Interessen und Werte bedroht
waren.
Jetzt lautet die Frage, ob in Bosnien nach dem Abschluß der SFOR-Mission militärische Präsenz
benötigt wird, und falls ja, welcher Art sie sein sollte.
Weder die NATO noch die Vereinigten Staaten haben
endgültige Entscheidungen getroffen. Das Bündnis
prüft jetzt aber verschiedene Optionen, falls wir uns
entschließen sollten, über den Juni 1998 hinaus zu
bleiben.
In den kommenden Monaten wird Präsident Clinton
weiterhin triftige Gründe dafür vorlegen, daß unser
Engagement in Bosnien den amerikanischen Interessen dient. Der US-Kongreß wird entsprechende
Fragen über die Natur unseres Engagements und die
Rolle unserer Verbündeten stellen.
Ich habe kein Problem damit, den Beitrag der Europäer
zu Bosnien zu loben. Unsere Verbündeten hatten
schon lange vor den Vereinigten Staaten Truppen vor
Ort, und seit Dayton gehen wir dieselben Risiken ein.
Es gibt jedoch eine Frage, die ich nicht beantworten
kann, und die lautet, warum die Vereinigten Staaten 90
Prozent des Geldes für die Ausbildung und Ausrüstung
der bosnischen Polizei bereitgestellt haben, wenn
Recht und Ordnung für jede vernünftige Strategie zur
Beilegung des Konflikts so entscheidend sind.
Eine unserer wichtigsten Herausforderungen besteht
in der Aufstellung einer zivilen Polizei in Bosnien, die
professionell und effektiv ist und das Vertrauen aller
Volksgruppen besitzt. Solange die Bosnier bei ihrer
öffentlichen Sicherheit von anderen abhängig sind,
können wir Bosnien nicht ohne die Sorge verlassen,

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daß die öffentliche Sicherheit zerstört wird. Und ohne
öffentliche Sicherheit gibt es keinen einfachen Weg zur
Erreichung entscheidender Ziele, beispielsweise der
Rückkehr der Flüchtlinge aus Westeuropa.
Wir müssen der IPTF die Mittel und das qualifizierte
Personal geben, das sie benötigt, um die Polizei vor
Ort auf einen europäischen Standard zu bringen. Die
IPTF muß bereit sein, ihr Mandat entschlossen zu
erfüllen. Wir müssen akzeptieren, daß ihre Arbeit
bestenfalls Zeit braucht.
Wenn wir die Möglichkeiten zur Unterstützung der
IPTF prüfen, können wir uns auch die in vielen Ländern vorhandenen Fähigkeiten in Form von Gendarmen und Karabiniers ansehen. Solche Kräfte könnten
die Flexibilität der SFOR erhöhen und die Implementierung des Daytoner Abkommens sowie den Schutz der
Truppe verbessern.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin das Ihre tun.
Aber in so wichtigen Bereichen wie diesen müssen
auch andere Bündnismitglieder weitaus mehr unternehmen. Das wird das Vertrauen unseres Kongresses
stärken, daß Europa und die Vereinigten Staaten sich
fair und effektiv die Last der Erhaltung des Friedens in
Bosnien teilen.
Es ist auch aus anderen Gründen wichtig, daß wir
unserer gemeinsamen Verantwortung in Bosnien
nachkommen.
Wir werden in Europa vielleicht nicht erneut mit einer
Herausforderung wie Bosnien konfrontiert. Tatsächlich
macht unsere Integrationsstrategie das weniger
wahrscheinlich. Aber die Vereinigten Staaten und
Europa werden sich zweifelsohne außerhalb der
europäischen Grenzen Herausforderungen stellen
müssen. Unsere Nationen haben gemeinsame globale
Interessen, die von uns fordern, daß wir mit demselben
Ausmaß an Solidarität zusammenarbeiten, das wir auf
diesem Kontinent seit langem bewahrt haben.
Meines Erachtens haben wir gegenseitige Verpflichtungen als Verbündete und Freunde, für deren Erfüllung wir uns härter einsetzen müssen.
In diese Kategorie fällt meines Erachtens die Verpflichtung der Vereinigten Staaten, ihre Außenstände
bei internationalen Organisationen wie den Vereinten
Nationen zu begleichen - nicht zuletzt, weil wir unseren
engsten Verbündeten eine noch größere Last auferlegen, wenn wir nicht zahlen. Ich kann nur sagen,
daß ich im kommenden Jahr keine höhere Priorität
habe als die Lösung dieses Problems, wobei ich zur
Überarbeitung des Beitragsschlüssels der UNO mit
Ihnen sowie mit unserem Kongreß zusammenarbeiten
werde.

AMERIKA DIENST 25

�Unsere größte Verpflichtung besteht jedoch darin
zusammenzuhalten, wenn unsere wichtigsten Sicherheitsinteressen bedroht sind. Das taten wir 40
Jahre lang an der Fulda Gap. Das tun wir jetzt in
Bosnien. Das taten wir im Golfkrieg, obwohl die NATO
dort offiziell nicht führend war, und das tun wir auch
jetzt noch in der Golfregion.
Während des Kalten Krieges waren wir durch unser
herausragendes Interesse an der Eindämmung der
Sowjetunion geeint, und wir ließen nicht zu, daß
andere Überlegungen dieses schmälerten.
Viele Menschen sind der Ansicht, daß wir nicht länger
eine solche einigende Bedrohung haben. Ich bin der
Meinung, daß das doch der Fall ist, und die NATO
erkannte das schon vorher: Wir müssen die Verbreitung von atomaren, chemischen und biologischen
Waffen stoppen. Wir müssen die explosive Mischung
aus Technologie und Terror beseitigen - die Möglichkeit, so unwahrscheinlich sie auch erscheinen mag,
daß Massenvernichtungswaffen in die Hände von
Menschen fallen, die keine Skrupel haben, sie einzusetzen.
Diese Bedrohung kommt großenteils aus dem Nahen
Osten und Eurasien, weshalb Europa besonders
gefährdet ist. Es handelt sich um das wichtigste
Sicherheitsanliegen unserer Zeit, das nicht gegen
konkurrierende politische oder ökonomische Überlegungen abgewogen werden kann.
Wir müssen gemeinsam mehr darüber nachdenken,
wie wir im Rahmen und außerhalb des Bündnisses mit
dieser Bedrohung umgehen können. Eine größere
NATO befaßt sich nicht automatisch damit. Wir sollten
diese Überlegungen berücksichtigen, wenn wir das
strategische Konzept des Bündnisses den aktuellen
Gegebenheiten anpassen.
Ein Teil unserer übergeordneten Herausforderung
besteht darin, möglichst hohe Standards gegen die
Weiterverbreitung zu setzen um sicherzustellen, daß
die Regeln des internationalen Systems von dessen
Freunden aufgestellt werden, nicht von seinen Feinden. Mit der unbefristeten Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags, der Inkraftsetzung der Chemiewaffenkonvention und der Unterzeichnung des Vertrags
über ein umfassendes Atomtestverbot (CTB-Vertrag)
durch mehr als 145 Staaten haben wir einen guten
Anfang gemacht. Jetzt besteht ein entscheidender
nächster Schritt darin, dem Vertrag über biologische
Waffen Biß zu geben, indem wir ein bindendes Protokoll zu seiner Umsetzung verabschieden.
Tatsächlich besteht unsere größte Herausforderung in
der Befolgung der von uns aufgestellten Regeln, und
das ist eine Frage des politischen Willens.

AMERIKA DIENST 25

Im Fall des Irak haben unsere Nationen harte Sanktionen, Inspektionen und ein Überwachungsregime
unterstützt, um Saddam Hussein davon abzuhalten,
jemals wieder Massenvernichtungswaffen zu besitzen
oder einzusetzen.
Wie die jüngste Mission von
Botschafter Butler zeigte, haben wir noch nicht die
erforderlichen Zusicherungen bekommen, bedingungslosen und ungehinderten Zugang zu allen Einrichtungen im Irak zu erhalten, was weiterhin unser übergeordnetes Ziel ist.
Bei anderen Problemen sind wir nicht immer einer
Ansicht, insbesondere im Hinblick auf die Schaffung
eines angemessenen
Gleichgewichts
zwischen
Sanktionen und Diplomatie.
Ich weiß, daß manche Europäer das Gefühl haben, die
Vereinigten Staaten würden allzu schnell unilateral
handeln und allzu schnell Sanktionen verhängen.
Entsprechend haben manche Amerikaner das Gefühl,
die Vereinigten Staaten würden allzu oft bei schwierigen Fragen den Kopf hinzuhalten, während andere die
Wirtschaftsverträge erhalten - daß unsere Bereitschaft,
Verantwortung für Frieden und Sicherheit zu übernehmen, es anderen erleichtert, sich vor ihrer Verantwortung zu drücken.
Diese Ansichten sind wichtig. Ich bin jedoch der
Meinung, daß wir darüber hinausblicken und den
Wunsch der Vereinigten Staaten erkennen müssen,
möglichst in Abstimmung mit unseren Verbündeten zu
handeln, und daß wir auch dem Beitrag Europas zu
globalem Frieden, Sicherheit und Entwicklung Rechnung tragen müssen.
Wir dürfen nie vergessen, daß wir einander brauchen,
daß wir gegenseitige Verpflichtungen und grundlegend
gleiche Interessen haben.
Bosnien hat uns daran erinnert, daß es keine größere
Bedrohung Europas gibt, die nicht auch eine Bedrohung für Amerika darstellt. Und ebenso gibt es
keine Bedrohung Amerikas, die nicht auch eine
Bedrohung für Europa ist. Wir sind alle Mitglieder
eines Bündnisses, das die Sicherheit der Menschen in
Paris, Oslo und Rom zu einem Interesse und Verantwortungsbereich der Vereinigten Staaten macht,
ebenso wie es die Sicherheit der Einwohner von New
York und Los Angeles zu einem europäischen Anliegen und Verantwortungsbereich macht.
Wenn die Welt eine von Prinzipien geleitete, zielgerichtete Führung zur Bekämpfung von Aggression,
Weiterverbreitung und Terror benötigt, müssen die hier
vertretenen Nationen andere Anliegen beiseite lassen
und die Führung übernehmen, denn nur wenige
andere können und werden das tun. Jeder von uns
muß so handeln, als ob die Sicherheit der Welt von
unseren individuellen Aktionen abhinge, denn sehr oft
ist das der Fall.

Seite 5

�Vor einiger Zeit hatte ich eine Anhörung im US-Senat
über die NATO-Erweiterung. Ich beendete meine
Ausführungen damit, daß ich sagte, wenn wir im
gesamten Spektrum menschlicher Aktivitäten etwas
erreichen wollen - vom Familienleben über die Nachbarschaft bis zur nationalen und Weltpolitik - schließen
wir uns zuerst einmal mit denen zusammen, deren
Werte und Ansichten wir teilen.
In einer Welt, in der das Negative uns oft das Positive
vergessen läßt, kann es sich niemand von uns leisten,
seine Freunde zu vergessen oder diejenigen als

*

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selbstverständlich hinzunehmen, auf die wir uns
verlassen können.
Aus diesem Grund pflegen die Vereinigten Staaten ihre
Beziehungen zu Europa, und aus diesem Grund
glauben wir an dieses Bündnis. Ich habe als Außenministerin keinen größeren Wunsch als die Vertiefung
und Ausweitung unserer Partnerschaft - einer Partnerschaft, in der wir immer in der Lage sein müssen, auf
Sie zu zählen, und in der Sie - hier auf diesem Kontinent und weltweit - immer auf uns zählen können.

* * *

*

AMERIKA DIENST 25

�BOSNIEN
29. Dezember 1997

Internationale Staatengemeinschaft will
in Bosnien ihren Kurs fortsetzen
Stellungnahme von Botschafter Robert S. Gelbard

BONN - (AD) - Botschafter Robert S. Gelbard, der Sonderbeauftragte des Präsidenten und der Außenministerin
für die Implementierung des Friedensabkommens von Dayton, erklärte am 10. Dezember 1997 bei der
Jahresvollversammlung des Friedensimplementierungsrates für Bosnien und Herzegowina in Bonn, die
internationale Staatengemeinschaft wolle ihren Kurs im ehemaligen Jugoslawien beibehalten. Nachfolgend
veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Stellungnahme von Botschafter Gelbard.

Zuerst möchte ich unseren deutschen Gastgebern für
die Veranstaltung dieser wichtigen Konferenz unseren
Dank aussprechen. Ferner danke ich dem Hohen
Repräsentanten, Carlos Westendorp, im Namen der
Vereinigten Staaten für seine unermüdlichen Bestrebungen zur vollständigen Implementierung des
Friedensabkommens von Dayton. Die Entscheidung
des Friedensimplementierungsrates, dem Hohen
Repräsentanten die Befugnis zu bindenden Interimsentscheidungen beim gesamten Spektrum ziviler
Implementierungsfragen zu verleihen, ist ein zusätzlicher Beweis für die entschiedene Unterstützung der
Schlüsselrolle des Hohen Repräsentanten durch die
internationale Staatengemeinschaft.
Die Anwesenheit von Vertretern so vieler Staaten
diese Woche hier in Bonn unterstreicht das langfristige
Engagement der Völkergemeinschaft für Bosnien und
die Verwirklichung der Vision des Daytoner Abkommens von einem Staat in Bosnien, der sich aus
zwei multiethnischen Einheiten zusammensetzt. In
Sintra legte der Lenkungsausschuß des Friedensimplementierungsrates einen Plan für die Beschleunigung der Implementierung des Friedens vor. Seitdem
wurden beachtliche Fortschritte erzielt, die jedoch noch
nicht ausreichen. Die Vereinigten Staaten und die
anderen Mitglieder der internationalen Staatengemeinschaft sind in zunehmendem Maße frustriert über die
Obstruktionspolitik, die alle Parteien bei der Erfüllung
ihrer Verpflichtungen im Rahmen des Friedensabkommens betreiben.

AMERIKA DIENST 25

Die Botschaft der Bonner Konferenz an die Parteien ist
unmißverständlich: Macht weitere Fortschritte. Stoppt
diese inakzeptable Verzögerungstaktik. Setzt das
Abkommen wie versprochen um. Die internationale
Unterstützung wird daran gebunden sein, ob die
Parteien ihren Verpflichtungen nachkommen.
Heute haben wir uns auf weitere spezifische Maßnahmen geeinigt, um die Befolgung des Abkommens
zu gewährleisten:
Sollten die Parteien sich bei bedeutenden zivilen
Implementierungsfragen nicht einigen, wird der Hohe
Repräsentant im Rahmen des Friedensabkommens
seine volle Amtsgewalt nutzen, bindende Interimsentscheidungen zu treffen.
Der Hohe Repräsentant wird gegen Regierungsmitglieder vorgehen, die ohne guten Grund nicht an
Zusammenkünften teilnehmen oder die Verpflichtungen des Friedensabkommens zur Sicherstellung
seiner Implementierung verletzen.
Das Büro des Hohen Repräsentanten wird sich mit
Unterstützung der Arbeitsgruppe für die Rückkehr der
Flüchtlinge insbesondere auf die Rückkehr der
Flüchtlinge und Vertriebenen in Minderheitengebiete
konzentrieren, und die internationale Staatengemeinschaft wird die Mittel für die erforderliche Unterbringung, für Arbeitsplätze und vor allem die Gewährleistung der Sicherheit bereitstellen.

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�Im Hinblick auf die Sicherheit bestand bei zwei Punkten ein klarer Konsens. Der erste war, daß die
Präsenz bewaffneter Streitkräfte unter Führung der
NATO in Bosnien den größten Beitrag zur Sicherheit in
der Region seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens geleistet hat und das kurz- und mittelfristig
weiterhin tun wird. Die Konferenz begrüßte die Pläne
der NATO, Optionen für eine multinationale Nachfolgetruppe der SFOR zu prüfen, die ein sicheres Umfeld für
die zivile Implementierung in Bosnien über den Juni
1998 hinaus schaffen würde.

Die jüngsten Wahlen in der Republika Srpska haben
zu der unbedingt notwendigen Verstärkung der
politischen Pluralität geführt, die den Einfluß der
Hardliner in Pale unweigerlich verringern wird. Die
Konferenz befürwortete die Fortsetzung der erfolgreichen Rolle der OSZE bei der Veranstaltung und
Überwachung der Wahlen in Bosnien, einschließlich
der für September 1998 anberaumten nationalen
Wahlen. Die Menschen in Bosnien müssen ihre
Politiker sorgfältig danach beurteilen, ob diese ihre
Lebensumstände verbessern.

Damit in Zusammenhang stand der Konsens über die
Bedeutung der Reform des Polizeiwesens. Der
Stellvertretende Außenminister Strobe Talbott formulierte es gestern folgendermaßen: Die "Zusammenstellung einer Polizei, die dem Volk und der Idee
gegenüber loyal ist, Bosnien als Ganzes zu sehen, und
nicht loyal gegenüber einem feindlichen Lager von
Nationalisten und Extremisten" ist die einzige langfristige Garantie für Sicherheit und eine Rückkehr der
Rechtsstaatlichkeit, die in diesem Teil der Welt allzu
lange gefehlt haben. Der Prozeß der Übergabe der
Verantwortung für die Sicherheit von der SFOR auf die
örtliche Polizei muß beschleunigt werden, und die IPTF
wird zur Erreichung dieses Ziels die Verwendung der
Mittel von der Überwachung auf die Ausbildung der
örtlichen Polizei verlagern.

Den Menschen in Bosnien durch Wahlen mehr
Befugnisse zu geben, wird durch das Engagement der
internationalen Staatengemeinschaft voll unterstützt,
die Bestrebungen zur Einführung freier und unabhängiger Medien zu fördern. Wie Sie wissen, hat der Hohe
Repräsentant entschiedene Maßnahmen zur Einstellung des Sendebetriebs in Pale ergriffen, denn Pale
weigert sich, seine ungenauen und aufhetzenden
Fernsehsendungen einzustellen. Gleichzeitig hat sich
der Hohe Repräsentant für die Einrichtung und
Stärkung partei- und regierungsunabhängiger Medien
eingesetzt, beispielsweise Radio FERN und Open
Broadcast Network. Das Büro des Hohen Repräsentanten wird seine Bestrebungen zur Umstrukturierung
anderer Medien fortsetzen und arbeitet dabei gut mit
dem serbischen Fernsehnetz zusammen, das seinen
Sitz in Banja Luka hat.

Bei Fragen der wirtschaftlichen Umstrukturierung
bestand ein klarer Konsens darüber, daß die internationalen Geber zwar viel zur Wiederankurbelung der
Wirtschaft in Bosnien unternommen haben, die
Politiker in Bosnien aber nicht das Ihre tun, um die
Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Die Umsetzung der
für ein IWF-Abkommen erforderlichen Wirtschaftsgesetze, die Gründung der notwendigen öffentlichen
Einrichtungen zur Herstellung funktionierender Infrastrukturverbindungen zwischen den einzelnen
konstituierenden Einheiten, beispielsweise die Eisenbahn, und der Fortgang der Privatisierung sind allesamt stark im Rückstand. Die Parteien werden die
Unterstützung der internationalen Staatengemeinschaft verlieren, wenn sie diese Probleme nicht auf
eigene Faust lösen.
Das Büro des Hohen Repräsentanten wird die Korruption in beiden konstituierenden Einheiten des Staates
überwachen. Es werden staatliche Einnahmen für
korrupte und illegale Praktiken abgezweigt. Die
internationale Staatengemeinschaft hat ganz deutlich
gemacht, daß eine Fortsetzung dieser Praktiken
Bosnien die Unterstützung der Geberländer kosten
wird.
Ich möchte nicht den Eindruck hinterlassen, die
Konferenz hätte sich ausschließlich auf die negativen
Aspekte der Situation in Bosnien konzentriert. Es gibt
verschiedene positive Entwicklungen, auf denen die
Staatengemeinschaft aufbauen möchte.

Seite 2

Erstmals erlebten wir vor kurzem, wie sich eine
ansehnliche Zahl angeklagter Kriegsverbrecher dem
Kriegsverbrechertribunal in Den Haag stellte - großenteils dank der Hilfe der kroatischen Regierung. Die
internationale Staatengemeinschaft wich nicht von
ihrer Meinung ab, daß diejenigen, die Kriegsverbrechern in Belgrad und Pale Schutz gewähren, in der
Völkergemeinschaft weiterhin isoliert bleiben sollten.
Im Rahmen der Konferenz wurde ein seit langem
fälliges Abkommen über Paßangelegenheiten und
Staatsbürgerschaft geschlossen, und wir erwarten,
daß die Parteien auf dieser Leistung aufbauend
Einigung über andere heikle politische Themen
erzielen, beispielsweise einheitliche Nummernschilder
und eine Nationalflagge.
Eine letzte gute Nachricht ist die erfolgreiche Implementierung der Rüstungskontrollvereinbarungen
unter Absatz II und IV des Daytoner Abkommens.
Unter der Leitung der OSZE wurden bereits 6.600
schwere Waffen zerstört. Jetzt können wir der letzten
Rüstungskontrollvereinbarung des Daytoner Abkommens unter Absatz V über die regionale Stabilisierung unsere Aufmerksamkeit widmen. Der erfolgreiche Abschluß dieser Verhandlungen wird einen
wesentlichen Beitrag zur Schaffung eines stabilen
militärischen Gleichgewichts in der Region leisten.
Schließlich widmete die Konferenz den wachsenden
Problemen im Kosovo besondere Aufmerksamkeit.

AMERIKA DIENST 25

�Die internationale Staatengemeinschaft vertritt übereinstimmend die Ansicht, daß die jugoslawische Föderation ihre im Daytoner Abkommen eingegangene
Verpflichtung zur Verbesserung der Menschenrechtssituation nicht länger aufschieben kann. Daß die
Föderation die Konferenz unüberlegterweise verlassen
hat, wird die Entschlossenheit des Friedensimplementierungsrates keineswegs vermindern. Im Gegenteil:
Der Unwille der Serben, sich ernsthaft mit dieser Frage
zu befassen, wird die Spannungen nur noch verschärfen. Wie der Stellvertretende Außenminister
Talbott gestern erklärte, werden die Vereinigten

*

AMERIKA DIENST 25

Staaten und ihre europäischen Partner weiterhin auf
einen Dialog zwischen Belgrad und Pristina hinarbeiten.
Ich möchte die Bedeutung der Konferenz auf dem
Petersberg folgendermaßen zusammenfassen: Die
Völkergemeinschaft wird im ehemaligen Jugoslawien
ihren Kurs fortsetzen. Wir werden uns weiterhin
umfassend engagieren und die Implementierung des
Daytoner Abkommens zu Ende bringen. Die Gegner
von Dayton werden uns nicht aussitzen können.

*

Seite 3

�USA-DEUTSCHLAND
29. Dezember 1997

Reflexionen zur deutsch-amerikanischen
Partnerschaft
Rede vor der American Chamber of Commerce in Germany

BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in der
Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, vor der American Chamber of Commerce in Germany am 9.
Dezember 1997 in Berlin gehaltene Rede.

Ich freue mich sehr, an Ihrem traditionellen Weihnachtsgansessen teilnehmen zu können.
Charles Dickens hat einmal gesagt: "Zügle den
Appetit, und du hast die menschliche Natur besiegt."
Da ich mich dieser Herausforderung nur ungern stellen
möchte, versuche ich, meine Ausführungen heute
Abend kurz zu halten.
Die Weihnachtszeit ist eine wundervolle Jahreszeit.
Es ist eine Zeit, in der wir an das Jahr zurückdenken,
das gerade zu Ende geht. Es ist eine Zeit für Familien.
Es ist eine Zeit, in der man dem gedrängten Terminkalender eine Atempause gönnen sollte. Und es ist eine
Zeit zu planen und auf das zu blicken, was das
nächste Jahr bringen könnte.
Auch die Amerikanische Botschaft in Deutschland
befindet sich inmitten solcher Gedankengänge. In den
vergangenen Jahren hat sich die Welt dramatisch
verändert - und es steht noch mehr bevor. Die
wichtigen Pläne für die Umstrukturierung der offiziellen
amerikanischen Präsenz in Deutschland sind Ihnen
bekannt. Die zentralen Funktionen der Botschaft
werden schrittweise nach Berlin verlegt. Viele unserer
wichtigen Büros sind bereits hier. Der endgültige
Umzug findet mit der Ankunft der Bundesregierung im
Sommer 1999 statt.
Gleichzeitig wird eine beträchtliche Zahl unserer
Mitarbeiter nach Frankfurt umziehen. Sie sind für
regionale und Unterstützungsfunktionen zuständig.
Sie müssen nicht in Berlin sein. Effektivität, Nähe zu
Transportverbindungen und Logistik sind in Frankfurt

AMERIKA DIENST 25

am ehesten gegeben. Wir werden auch weiterhin
wichtige Büros in Hamburg, Düsseldorf, München und
Leipzig haben.
Die Funktionen der Konsulate und Wirtschaftsabteilungen werden erweitert. Wir suchen neue Wege, um
unsere Geschäfte in einem Zeitalter raschen Wandels
zu tätigen. Insbesondere hoffen wir auf die Zusammenarbeit mit unseren Freunden in der Wirtschaft, um
die neuen Chancen zu nutzen, denen Sie sich gegenübersehen.
Kontinuität und Wandel sind konstante Begleiter im
diplomatischen Leben. Unser Leitprinzip muß Kontinuität sein. Nationen und Völker prosperieren bei
Stabilität und werden durch Wandel häufig verwirrt.
Aber Wandel kann auch befreiend sein. Unsere
eigene Nation ist auf den Prinzipien von Dynamik und
Wandel gewachsen.
Die nahezu revolutionären
Veränderungen des vergangenen Jahrzehnts haben
unserer euroatlantischen Welt mehr Freiheit und
Chancen gebracht als zu jeder anderen Zeit in der
Geschichte.
Unsere Arbeit heute besteht darin, die bedeutenden
Leistungen der atlantischen Partnerschaft zu bewahren und gleichzeitig sicherzustellen, daß wir die
Herausforderungen des Wandels bewältigen. Trotz
der dramatischen politischen Unruhen der neunziger
Jahre ist die vor fünfzig Jahren geschaffene Grundlage
der Partnerschaft fest geblieben. Die Klugheit unserer
Vorgänger wurde durch die rasche Anpassung
atlantischer Institutionen an das neue Zeitalter unter
Beweis gestellt. Meine letzte Amtszeit hier, im Berlin

Seite 1

�der achtziger Jahre, fand in einer anderen Welt statt.
Die Alliierten Streitkräfte haben die Stadt verlassen.
Sowjetische Truppen bedrohen nicht länger Ihre
Freiheit. Statt dessen treffen wir Vorbereitungen, um
Polen, die Tschechische Republik und Ungarn als
neue Mitglieder der NATO willkommen zu heißen. Wer
hätte das für möglich gehalten? Das ist die Kontinuität
eines demokratischen Europas. Die NATO ist weiterhin der Beschützer der Freiheit. Aber es gibt auch
Veränderungen.
Zentraleuropa tritt endlich der
atlantischen Gemeinschaft bei, von der es vor fünfzig
Jahren so grausam ausgeschlossen wurde.

lichen Problemen niemals alleine stellen muß, oder
daß sie nicht zu schädlichem Wettbewerb führen, wie
es in der Vergangenheit häufig der Fall war. Sie in
Europa suchen jetzt Lösungen für alle großen Herausforderungen der Zukunft. Die Vereinigten Staaten sind
nach wie vor ein Befürworter der europäischen
Integration - sowohl der etablierten Integration der
Europäischen Union als auch der unerläßlichen
Integration von Zentral- und Osteuropa in die demokratische Staatengemeinschaft. Zusammen sind die
NATO und die EU die entscheidende Basis für diese
Bestrebungen.

Ich weiß, daß es in Deutschland große Besorgnis über
die beiden Zielsetzungen von Kontinuität und Wandel
gibt. Im letzten Jahrzehnt hat es so viele Veränderungen gegeben, daß viele Menschen wohl nicht noch
mehr Unsicherheit ertragen können. Gleichzeitig
bewegt sich die Welt noch schneller als man erwartet
hatte. Neue Begriffe wie "Globalisierung" und "Datenautobahn" scheinen die gewohnte Lebensweise zu
unterminieren.

Aber auch Deutschland, Europa und die Vereinigten
Staaten bleiben natürliche Partner bei diesen Bestrebungen. Wir sehen uns mit gemeinsamen Herausforderungen konfrontiert. Wir haben ein gemeinsames
Erbe. Und wir haben durch Zusammenarbeit bei der
Bewältigung der wichtigsten Fragen unseres Zeitalters
große Leistungen erzielt.

Europa ist nicht allein in der Sorge über die Auswirkungen des Wandels. Die Vereinigten Staaten
haben eine lange Periode schmerzlicher Umgestaltung
hinter sich.
Unsere Volkswirtschaft und unsere
Gesellschaft sind jetzt so stark und gesund wie zu
jeder Zeit in unserer Geschichte. Die Arbeitslosenquote ist auf dem niedrigsten Stand seit 24 Jahren. Es
werden weiter Arbeitsplätze geschaffen und Innovationen eingeführt. Vor 15 Jahren wurde die amerikanische Volkswirtschaft beinahe als Modell für andere
abgeschrieben.
Aber wir sind unserer eigenen
Geschichte und Kultur treu geblieben. Wir sind auf
amerikanische Art vorgegangen, aber wir haben nie
die Bedeutung unserer Partner vergessen.
Die Geschichte gibt mir Vertrauen in Deutschlands
Fähigkeit zum Wandel. Welches andere Land hat in
nur wenigen Generationen eine so tiefgreifende
Umgestaltung durchgemacht? Welches andere Land
hätte so gut mit dem riesigen Projekt der deutschen
Wiedervereinigung umgehen können? Und nicht
zuletzt möchte ich den Pioniergeist und Fleiß der
Deutschen bei der Verwirklichung des großen Unternehmens der europäischen Integration erwähnen - der
Wirtschafts- und Währungsunion.
Ich bin der festen Überzeugung, daß Deutschland
auch diese Phase der Umstrukturierung meistern wird.
Die Debatten werden erhitzt sein, und es fallen Kosten
an. Aber ebenso wie die Vereinigten Staaten ihrer
Geschichte und ihren Traditionen gefolgt sind, um
stärker und wohlhabender zu werden, wird das auch
Deutschland tun.
Was diesem Prozeß zum Erfolg verhelfen wird, ist die
Unterstützung der Partner.
Die europäische Integration gewährleistet, daß man sich diesen schmerz-

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Unsere vornehmlich innenpolitischen Tagesordnungen
dürfen uns nicht von dieser wichtigen transatlantischen
Agenda ablenken. In der Tat ist genau das Gegenteil
der Fall. Wir haben sehr viel mehr Grund, wann immer
möglich zusammenzuarbeiten und voneinander zu
lernen, um diese Übergänge der Welt nach dem Kalten
Krieg und der Globalisierung so reibungslos wie
möglich zu gestalten. Bundespräsident Herzog traf
diesen Punkt genau, als er sagte: "Wir stehen vor
ähnlichen Problemen und ähnlichen Herausforderungen. Also sollten wir auch den Versuch unternehmen,
sie gemeinsam zu lösen."
Die deutsch-amerikanische Partnerschaft ist eine
natürliche Partnerschaft, weil unsere beiden Länder so
viele gemeinsame Interessen und Ziele haben. Ein
Bereich, in dem Deutschland und die Vereinigten
Staaten meines Erachtens in der Zukunft etwas
bewirken können, ist Zusammenarbeit bei der Stärkung von Demokratie und freiem Handel auf der
ganzen Welt. Indem wir uns gegenseitig unterstützen
und den Sieg der Demokratie in die Praxis umsetzen,
können wir ihn für wirklich positive Zwecke nutzen sowohl für unsere beiden Länder als auch in der
Zukunft für die übrige Welt.
In vieler Hinsicht bringt die deutsch-amerikanische
Führungsrolle die transatlantischen Beziehungen
voran, und das ist ein gutes Muster für die Zukunft. Es
ist ein mächtiger Mechanismus: Transatlantische
Fortschritte kurbeln globalen Fortschritt an.
Mein Ziel als Botschafter ist, zur Definition dieser
gemeinsamen Agenda beizutragen. Die Zustimmung
zu gemeinsamen Zielen bedeutet nicht, daß wir immer
dieselbe Meinung zu wichtigen Themen haben werden. Amerika und Deutschland werden ihre Interessen
auf der Grundlage ihrer Traditionen und ihres Geschäftsgebarens verfolgen.
Unsere Prioritäten

AMERIKA DIENST 25

�festzusetzen wird uns dabei behilflich sein, die vor uns
liegenden wirklichen Probleme besser zu verstehen.
Durch die Definition dessen, was wir tun sollten,
können wir besser verstehen, was wir zusammen tun
können.
Geschäftsleute sehen sich regelmäßig mit solchen
Fragen konfrontiert. Sie bieten ein Produkt oder eine
Dienstleistung an. Sie haben Ziele - Verkauf, Investitionen, Produktentwicklung. Aber Sie sehen sich
auch Einflüssen ausgesetzt, die manchmal nicht ihrer
direkten Kontrolle unterliegen. Um auf einem unsicheren Markt Erfolg zu haben, setzen Sie Prioritäten,
definieren Ziele und verfeinern die Methoden zu ihrer
Erlangung.
Das müssen Nationen und Regierungen zunehmend in
ihren Beziehungen untereinander tun.
Vor zwei
Jahren vereinbarten Präsident Clinton und seine
europäischen Amtskollegen in Madrid, einen transatlantischen Markt anzustreben. Keinen formellen
gemeinsamen Markt oder einen offiziellen freien Markt,
sondern einen Markt von Produkten und Ideen, die frei
in einer zunehmend integrierten transatlantischen Welt
konkurrieren könnten. Dieses Ziel wurde beim US-EUGipfeltreffen vergangene Woche in Washington
bekräftigt.
Amerika und Europa befassen sich zunehmend unter
Marktbedingungen miteinander. Nicht nur bei Geschäften, sondern auch bei gemeinsamen politischen
Projekten wie den Herausforderungen der Umwelt
oder den Bedrohungen durch verbrecherische Staaten
wie Iran und Irak. Wir sind nicht immer einer Meinung.
Ebenso wie die Citibank oder die Deutsche Bank

manchmal glauben, ihr jeweiliger Ansatz zu Bankgeschäften sei der beste, ist auch die Diskussion von
Lösungen in der politischen Welt ein Ideenwettbewerb.
Der wichtige Schritt nach vorne der vergangenen
Jahre ist, daß der Ideenwettbewerb jetzt auf einem
freien und demokratischen Markt stattfindet.
Er
gründet nicht auf militärischer Konfrontation oder
zusammenprallenden Ideologien. Deutschland und
Amerika sind das Rückgrat dieses Ideenmarktes. Wir
haben die Erfahrung, die Stärke und die Verpflichtung,
ihn für jeden funktionieren zu lassen.
Ich bin stolz, daß die amerikanische Geschäftswelt
weiterhin an vorderster Front dieser Bestrebungen
steht. Ihr Engagement in Deutschland war seit den
frühen Tagen der Nachkriegszeit eine der Grundlagen
der atlantischen Partnerschaft. Ihre Bereitschaft, in
den neuen Ländern zu investieren, hat zur Stärkung
Deutschlands und Europas beigetragen. Und ich
hoffe, Sie stellen voller Stolz fest, daß mit einer in ganz
Europa etablierten Demokratie selbst unverbesserliche
Diplomaten wie ich die Offenheit und Fairneß des
Marktes als das Prinzip unserer Zielsetzungen annehmen.
Ich freue mich wirklich sehr, heute Abend bei Ihnen zu
sein und alte Freundschaften zu erneuern und eine
noch produktivere Partnerschaft mit Ihnen zu beginnen. Ich versichere Sie meines persönlichen Engagements und der Unterstützung der US-Botschaft in
Deutschland bei unseren gemeinsamen Bestrebungen.
Wir bauen gemeinsam eine großartige Zukunft auf,
und es ist mir ein Vergnügen, Sie auf dieser Reise
begleiten zu können.

*

AMERIKA DIENST 25

*

Seite 3

�USA-DEUTSCHLAND
29. Dezember 1997

Deutschland und Amerika: Eine
selbstverständliche Partnerschaft
von Botschafter John C. Kornblum

DÜSSELDORF - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Botschafter der Vereinigten Staaten
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, am 17. Dezember 1997 vor der SteubenSchurz-Gesellschaft im Industrie-Club Düsseldorf gehalten hat.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
vielen Dank für die Gelegenheit, heute Abend vor der
Steuben-Schurz-Gesellschaft eine Rede halten zu
dürfen. Ihre Gesellschaft ist einer der größten und
renommiertesten deutsch-amerikanischen Clubs in
diesem Land. Und sie ist ein wichtiger Katalysator, um
Deutsche und Amerikaner zusammenzubringen.
Sie haben mich gebeten, heute Abend über die
deutsch-amerikanischen Beziehungen zu sprechen.
Allein schon die Tatsache, daß das Thema hierzulande
auf soviel Interesse stößt, unterstreicht die große
Bedeutung unserer Beziehungen. Dies unterstreicht
unser jeweiliges nationales Wohlbefinden. Das ist
nicht schwer zu verstehen: Die Beziehungen unserer
Länder zueinander beruhen auf einer selbstverständlichen Partnerschaft, die die Wirren der Zeiten
bestanden und zum Allgemeinwohl beigetragen hat.
Aber was meine ich mit selbstverständlicher Partnerschaft? Es gibt viele Elemente. Natürlich haben wir
gemeinsame Werte - die Unterstützung von Demokratie, Frieden und Stabilität. Aber ich führe diese
Selbstverständlichkeit nicht nur auf unsere gemeinsame Wertebasis zurück, sondern auf den pragmatischen Umgang mit diesen Werten.
Durch die enge Zusammenarbeit nach dem Ende des
Zweiten Weltkriegs haben Deutsche und Amerikaner
die Fähigkeit entwickelt, in allen wichtigen Fragen zu
tragfähigen und zukunftsweisenden Lösungen zu
kommen, auch wenn es einzelne Meinungsverschiedenheiten geben mag. Diese pragmatische
Fähigkeit macht Deutschland und Amerika zu selbstverständlichen Partnern.

AMERIKA DIENST 25

Neulich besuchte mich der Chef der NASA, Herr
Goldin, und wir führten hier in Bonn einige Gespräche.
Anschließend erzählte er mir, daß seine Gespräche,
besonders bei seinen Besuchen in Europa, normalerweise mit einem Vortrag seines Partners beginnen, in
dem ihm gesagt wird, was er alles zu tun habe. In
Bonn war genau das Gegenteil der Fall. Man fing
sofort mit einem Austausch über Möglichkeiten,
Probleme und gemeinsame Projekte an. Herr Goldin
wird uns im Januar erneut besuchen, um diese Art von
Partnerschaft zu vertiefen - eine sehr zukunftsweisende Partnerschaft.
Diese Selbstverständlichkeit der Partnerschaft zeigt
sich auch in den Wirtschaftsbeziehungen. Wir teilen
die gleichen Annahmen über die Gestaltung des
Wirtschaftslebens. Wir treten gemeinsam für freie
Märkte, einen freien Welthandel und den Ausbau
multilateraler Institutionen ein. Unsere Länder standen
bei der Liberalisierung des Welthandels immer an
vorderster Front.
Unsere Beziehungen müssen angesichts sich verändernder Probleme und Herausforderungen immer
wieder neu definiert werden. Wie können wir diese
einzigartige Partnerschaft auf neue Weise umsetzen?
Welche neuen Herausforderungen können wir zusammen angehen? Wie können Deutschland und die
Vereinigten Staaten effektiver kooperieren, um die
transatlantischen Beziehungen noch stärker zu
machen? Wenn ich hin und wieder von einer Neudefinition unserer Beziehungen spreche, denke ich an die
Früchte der Bewältigung dieser Herausforderungen.
Ich habe bereits erwähnt, daß es in unseren Beziehungen viele gemeinsame Werte und Ansätze gibt. Es ist
jedoch auch richtig, daß wir uns mit sehr ähnlichen

Seite 1

�Problemen konfrontiert sehen. Nehmen Sie zum
Beispiel die industrielle Umstrukturierung. Die Vereinigten Staaten haben in den vergangenen 20 Jahren
eine längere Periode der Deindustrialisierung erlebt.
Vieles davon mag Ihnen bekannt vorkommen. Die
traditionellen Sektoren hatten ihre Wettbewerbsfähigkeit verloren. Politiker auf der nationalen und insbesondere auf der kommunalen Ebene wußten nicht,
wie sie mit den Problemen umgehen sollten, die durch
die Arbeitslosigkeit verursacht worden waren. Die
Arbeitslosenquote in den größten Industriegebieten lag
damals bei fast 20 Prozent. Sie erinnern sich vielleicht, daß man Amerika als Auslaufmodell bezeichnet
hat. Man behauptete, unsere fröhliche, offene Art sei
nicht geeignet für die neuen komplizierten Herausforderungen der neuen Zeit.
In der Zwischenzeit hat sich die Lage entscheidend
geändert. In der vergangenen Dekade haben wir eine
drastische Abkehr festgestellt von einer Produktionswirtschaft, die sich auf natürliche Ressourcen und nicht
qualifizierte Arbeitskräfte stützte, hin zu einer Wirtschaft, die auf moderner Technologie, Information und
qualifizierten Arbeitskräften basiert.
Diese neue
Wirtschaft verändert sich ständig. Der amerikanische
Management-Experte Peter Drucker schätzt, daß sich
in dieser neuen wirtschaftlichen Umgebung jeder alle 4
bis 5 Jahre neues Wissen aneignen muß, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Sowohl die Firma als auch
deren Angestellte müssen diesen dauernden Übergang von überholten Ideen, veralteten Techniken und
Fähigkeiten regelmäßig planen und ein Klima ständiger
Lernprozesse schaffen.
Sogenannte "Knowledge workers" sind diejenigen,
deren Wert für die Wirtschaft in ihren Kenntnissen liegt,
und nicht darin, was sie mit ihren Händen tun können.
Diese "Knowledge workers" bilden bereits ungefähr ein
Drittel der heutigen Arbeitskräfte in den Vereinigten
Staaten, oder mindestens so viele, wie es früher
Fabrikarbeiter gab. Sie benötigen eine bestimmte
Ausbildung, die Fabrikarbeiter nicht haben. Und sie
müssen ebenso theoretische wie analytische Kenntnisse erwerben und anwenden.
Es ist ein faszinierendes Phänomen. Und wie Peter
Drucker argumentierte, hat der gesamte Prozeß die
Denkweise von Karl Marx auf den Kopf gestellt. Das
heißt, die "Arbeiter" besitzen jetzt die Produktionsmittel, weil die Produktionsmittel jetzt der Bestand an
Wissen in ihren Köpfen sind.
Der Wettbewerb in der informationsorientierten
Wirtschaft wird nicht auf niedrigen Lohnkosten,
sondern eherauf dem Umfang und der Nützlichkeit der
angewendeten Kenntnisse basieren. Gleichzeitig wird
das traditionell hierarchische System in der Industrie
zwangsläufig stark dezentralisiert. Dies ermöglicht
schnelle Entscheidungen und reduziert die Anzahl der
Managementebenen.
In dieser sich schnell verändernden Umgebung
können weder die wirtschaftspolitischen Entschei-

Seite 2

dungsträger noch die Firma oder der Angestellte selbst
sich die traditionelle Ansicht der Langlebigkeit leisten.
Auf allen drei Ebenen müssen permanent die Zielsetzungen, die Fähigkeiten und die Interessen neu
bewertet werden. Die Behörden dürfen nicht mehr so
denken: Hier wurde immer Stahl produziert, und hier
wird es immer so bleiben. Sie werden immer öfter
fragen: Wie können wir - mit den Fähigkeiten unserer
Arbeitskräfte und den Möglichkeiten unserer Infrastruktur - am besten unsere Wirtschaft organisieren? Was für eine Vision unserer wirtschaftlichen
Zukunft (und nicht der Vergangenheit) haben oder
wollen wir?
Sowohl die Firmen als auch die einzelnen Angestellten
werden zunehmend fragen: "Was kann ich am besten?
Was kann ich damit tun? Und gibt es einen Markt
dafür?"
Das ist tatsächlich eine neue Weise, die Wirtschaftsprozesse zu definieren. Es ist auch (wenn das alles
realisiert wird) eine neue Organisationsform für die
Wirtschaft.
Firmen werden definitiv kleiner und spezialisierter, und
ihre "Knowledge workers" werden ebenso spezialisierte wie informationsorientierte Arbeitsnischen aufbauen.
Viele dieser Spezialisten werden den traditionellen
Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Status nicht länger behalten. (Der Unterschied zwischen Unternehmern und
Arbeitern wird immer kleiner.) Statt dessen werden sie
als Unternehmer oder Berater fungieren und sich
einerseits an der Bewegungsfreiheit, die dieser Status
mit sich bringt, erfreuen, und andererseits die Unsicherheit erfahren, ihre eigene Personalabteilung zu
sein und ihre eigenen Nebenkosten verwalten zu
müssen.
Aber die Attraktivität, sein eigener Boß zu sein, nimmt
zweifelsohne zu. Viele von Ihnen haben vielleicht die
Ausgabe der Zeitschrift Focus vom 1. Dezember mit
"25 Geschäftsideen, die wirklich funktionieren" auf der
Titelseite gesehen. Das sind neue Ideen, die einen
Bedarf auf dem Markt decken sollen.
Deswegen lernt man immer öfter Leute kennen, die
nicht nur ihren eigenen Arbeitsplatz, sondern auch
ihren eigenen Beruf geschaffen haben. Diese Leute
haben entschieden, einen Beruf zu finden oder zu
schaffen, der ihren persönlichen Interessen und
Fähigkeiten entspricht. In Deutschland gibt es ein
großes Potential für die Schaffung von Arbeitsplätzen
im Dienstleistungssektor. Die berühmte Soziologin
Prof. Dr. Elisabeth Noelle-Neumann hat neulich in der
Frankfurter Allgemeine Zeitung genau das geschrieben. Ich zitiere: "Würde man den Bedarf an Dienstleistungen analysieren wie einen Zukunftsmarkt und
die Bereitschaft zu Dienstleistungen anregen, so stieße
man auf ein großes Potential von Arbeitsplätzen."
Es überrascht daher nicht, daß sich in den Vereinigten
Staaten ein Großteil dieser neuen Aktivitäten im
Dienstleistungssektor vollzieht. Der Dienstleistungs-

AMERIKA DIENST 25

�sektor ist sicherlich für die wachsende Spezialisierung
verantwortlich, von der ich schon gesprochen habe.
Der Erfolg dieses Sektors wird meiner Meinung nach in
Europa häufiger mißverstanden als verstanden.
Sogar das Wort "Dienstleistung" hat irgendwie einen
negativen Beiklang. Der amerikanische Generalkonsul
in Leipzig erzählte mir vor kurzem, daß vor einigen
Monaten nach einer Rede ein Mann die Hand hob und
sagte: "Ich verstehe nicht, wie Sie die Worte 'hochqualifiziert' und 'Dienstleistung' in einem Satz sagen
können." Dieses Fehlempfinden unterstreicht die
grundlegende Haltung hier in Deutschland. Die
meisten Services sind tatsächlich hochqualifiziert, ob
sie das Entwickeln von Software beinhalten oder die
Beratung über Risikokapital oder nur, wie man eine
besser schmeckende Marmelade kocht.
Service bedeutet nicht unbedingt, daß man dem
Kunden "dient" wie ein Kellner im Restaurant, sondern,
daß man etwas Wirtschaftliches leistet, das nicht in
einer industriellen Fabrik produziert wird. Zum Servicesektor gehören jetzt 80 Prozent der Arbeitsplätze
in den Vereinigten Staaten. Diese Statistik erklärt
auch, wie die Wellen des "Business Cycle" so erfolgreich geglättet worden sind: Im Vergleich zu den
traditionellen Industrien geht es im Servicesektor jetzt
weniger um den Aufbau oder den Abbau von Beständen. Beim letzten wirtschaftlichen Rückgang in den
Vereinigten Staaten 1991 ist die industrielle Produktion
um 3,4 Prozent gesunken, aber die Serviceproduktion
ist auf dem vorherigen Niveau geblieben.
Bei den besten Unternehmern ist eine Fusion von
Industrie und Service verwirklicht worden. Die neuesten Entwicklungen in der Technologie haben z.B. eine
neue Personalisierung der Services ermöglicht. Der
Computerhersteller Dell bietet seinen Kunden Computer nach Maß an. Levi's bietet Jeans nach Maß an; die
Läden schicken die Maße des Kunden über Internet
zum Produktionszentrum; zehn Tage später bekommt
der Kunde seine Jeans, die etwa 50 Prozent mehr als
normale Jeans kosten. Die besten Couturiers können
jetzt Anzüge nach Maß anbieten, die wesentlich billiger
als vorher sind, weil die Maße, persönlichen Details
des Kunden usw. per Computer gespeichert werden
können. "Have it your way", ruft die Werbung einer
Fast-Food-Kette. Dieser Slogan ist das Modell der
Personalisierung und der Flexibilität des amerikanischen Servicebereichs.
Ich werde oft gefragt, ob die derzeitigen wirtschaftlichen Erfolge in den Vereinigten Staaten als ein Rezept
zur Lösung des Arbeitslosenproblems in Europa
übernommen werden können. Eine andere häufige
Frage ist, ob sogenannte "amerikanische Verhältnisse"
zu unannehmbaren Konsequenzen im Bereich sozialer
Gerechtigkeit führen könnten. Einige der Lehren
unserer jüngsten Geschichte könnten bestimmt
übertragen werden. Aber zur gleichen Zeit sollte klar
sein, daß es kein allgemeingültiges Modell für die Welt
und für andere Nationen gibt. Jeder muß sich nach

AMERIKA DIENST 25

seinen Traditionen auf seine eigene Weise entwickeln.
Was aber wahrscheinlich weltweit gilt, sind die enormen Veränderungen in der Weltwirtschaft, die ein
größeres Maß an Flexibilität und Offenheit verlangen.
Und diese Flexibilität und Offenheit sind Eigenschaften
der amerikanischen Gesellschaft. Um unsere Erfahrungen zu übertragen, müssen wir die kulturellen
Grundsätze einer bestimmten Gesellschaft verstehen
und berücksichtigen.
Die Flexibilität als Lebensstil ist Teil der amerikanischen Tradition. Sie hier in Europa sind für Ihre
genaue Arbeit und hohe Qualität bei hochwertigen
Produkten bekannt. Dagegen ist Flexibilität hier etwas
weniger vorhanden. Man hat immer noch die Tendenz, bei berechenbaren und bekannten Strukturen zu
bleiben.
In den Vereinigten Staaten haben wir eine Anzahl von
Veränderungen im Charakter der Arbeit als selbstverständlich akzeptiert, die anderswo auf der Welt noch
keine weite Resonanz gefunden haben. Es gibt einige
Bereiche, in denen die Vereinigten Staaten an vorderster Front des Wandels stehen. Ich habe heute Abend
bereits einige Beispiele erwähnt, wie die Verlagerung
von der Schwer- zur Leichtindustrie und das Wachstum des Dienstleistungssektors.
Ich glaube, für Amerikaner ist es auch leichter, sich zu
ändern. Der Autor Herman Melville sagte, die Amerikaner seien "Pioniere", die durch eine "Wildnis unversuchter Dinge" gehen. Vielleicht ist dieser Pioniergeist der Grund, weshalb Veränderungen für Amerikaner weniger problematisch erscheinen und weshalb
Amerikaner bereitwillig Chancen im Wandel sehen.
Ich erzähle Ihnen diese Beispiele, weil sie vielleicht
erklären können, was in meinem Land geschehen ist
und geschieht. Dies sind amerikanische Verhältnisse,
die für die amerikanische Realität zugeschnitten
waren. Es besteht eine große Zurückhaltung, den
Staat oder die Regierung eine größere Rolle in seinem
Leben spielen zu lassen. Es gibt auch viele Veränderungen in Deutschland. Und ich erzähle die
amerikanischen Erfahrungen nicht, um Ihnen zu
sagen, daß Sie sie nachahmen sollten, sondern um
klarzustellen, daß unser Weg auf dem Fundament der
amerikanischen Kultur basiert.
Es gibt jetzt in Deutschland viele Bestrebungen,
ähnliche Prozesse durchzuführen. Und wenn man
bedenkt, was alles in diesem Land passiert ist, was wir
alles zusammen erreicht haben - das Ende des Kalten
Krieges, die Wiedervereinigung Deutschlands, die
Erweiterung der NATO, die neue technologische
Zusammenarbeit etc. - wird man sehen, daß wir durch
die selbstverständliche Partnerschaft von Deutschland,
Europa und Amerika unsere gegenseitigen Stärken
nutzen können.
Der jüngste US-EU-Gipfel war eine Demonstration
unserer Bemühungen, gemeinsame Lösungen - auch
im Wirtschafts-, Handels- und Technologiebereich - zu

Seite 3

�finden. Ein Schlüsselelement der weltweiten Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und der EU
ist intensivierte diplomatische Zusammenarbeit. Die
Vereinigten Staaten und die EU arbeiten beispielsweise zusammen, um den Wiederaufbau und die
Versöhnung in Bosnien zu unterstützen und die
erforderlichen Reformen in der Ukraine zu fördern. Die
Friedensimplementierungskonferenz in der vergangenen Woche in Bonn war ein weiteres Beispiel für die
Bedeutung einer Konzertierung unserer Bestrebungen
in Bosnien.
Der Abschluß der Klimakonferenz in Kyoto letzte
Woche ist ebenfalls ein Beispiel für das, was wir
erreichen können, wenn wir gemeinsames Terrain
finden - selbst bei einem schwierigen Problem wie
Treibhausgasemissionen. Ich weiß, daß die amerikanische Position hier in Deutschland zum Teil eine
negative Presse erhalten hat, und es steht außer
Frage, daß die Verhandlungen in Kyoto hart waren.
Das Abkommen ist jedoch ein großer Schritt nach
vorne. Es setzt bindende Obergrenzen fest und
beinhaltet alle sechs Treibhausgase, nicht nur einige.

Seite 4

Vizepräsident Gore faßte die Leistung ist einem Satz
zusammen, als er sagte, "das Abkommen fordert von
uns, das zu tun, was wir versprochen haben, statt
etwas zu versprechen, das wir nicht tun können". Und
das spiegelt den amerikanischen Ansatz wider: Unsere
Ziele müssen realistisch und erreichbar sein.
Die Konferenz von Kyoto und alle unsere multilateralen
Bestrebungen, Veränderungen in der Welt zu bewirken
- sei es die Friedenssicherung in Bosnien oder die
Erweiterung der Gemeinschaft stabiler und sicherer
Demokratien in Europa - all diese Bestrebungen
stehen für eine solide Basis gemeinsamer Interessen.
In den deutsch-amerikanischen Beziehungen ist diese
Grundlage gemeinsamer Interessen eine der stärksten
der Welt. Das ist es, was unsere Partnerschaft so
selbstverständlich macht.
Ich bin zuversichtlich, daß unsere Partnerschaft noch
mehr erreichen kann. Ich habe sehr hohe Erwartungen
an die USA, aber auch an Deutschland. Anders
gesagt: Ich glaube, daß das Beste noch vor uns liegt.
Ich danke Ihnen.

AMERIKA DIENST 25

�THEMENINDEX

29. Dezember 1996

DER AMERIKA DIENST
1997

Abrüstung
Amtseinführung
Außenpolitik
Bosnien
Datenautobahn
EAPR
Einwanderung
Elektronischer Handel
Frauen
Gesellschaft
Globalisierung
G-8
Handel
Lage der Nation
Marshallplan
Medien
Menschenrechte
Naher Osten
NATO
OSZE
Politik
Porträt
Telekommunikation
Terrorismus
Thanksgiving
Umwelt
USA-Deutschland
USA-Europa
USA-Rußland
Vereinte Nationen
Wirtschaft
WTO
Zivilangelegenheiten
4. Juli

AMERIKA DIENST 25

02,03,07, 17, 18
Sonderdienst 22. Januar 1997
01.02.04.07, 10, 12,25
11, 15,20,24,25
05,23
11
09
13
06, 14
12, 13, 16, 17
20
12
15, 18
03
08, 11, 13, 17
08
08
16, 18, 19
01,04,08,09, 11, 13, 14, 15, 18,19
05
05, 19
01,02,07, 16
04,05, 16
12, 14
23
05, 13, 15,20,21,24,25
03, 05, 06, 09, 10, 14, 15, 21, 22, 23,
24,25
06, 10,19,22,24
06
14, Sonderdienst 24. September, 18
02.03.04.08, 10, 12,21,22,23
17
15
13

Seite 1

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                <text>&lt;strong&gt;1. In Ungarn verlor der Kommunismus seine Schlacht gegen die Intellektuellen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Die Wissenschaft notiert&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Medizin kennt keine Wunderdrogen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das Für und Wider der Antibiotica-Therapie&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Agrarprodukte für eine Milliarde Dollar fließen in die Auslandshilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dreiecksgeschäfte mit der Bundesrepublik Deutschland&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Liste der Gedenktage im Februar 1957&lt;/strong&gt;</text>
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30. Januar 1974

Inhalt

WIRTSCHAFT:
USA heben Kapitalverkehrskontrollen auf
-Wortlaut der amtlichen ErklärungenShultz begrüßt Aufhebung der Kapitalverkehrskontrollen
-AuszügeDie Olpreise erschüttern das Gefüge der Wirtschaft
Von Eugene Brake

HINTERGRUNDMATERIAL:
Hoffnung auf Energiekonferenz von Washington
-Internationale Zusammenarbeit wichtiger denn je
Von G. Weiss

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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2/1974

USA HEBEN KAPITALVERKEHRSKONTROLLEN AUF
- Wortlaut der amtlichen Erklärungen -

WASHINGTON --(AD)°- Die Vereinigten Staaten haben am 29. Januar die bestehenden Kapitalverkehrskontrollen aufgehoben. Die einzelnen Maßnahmen wurden
in Erklärungen des Finanzministeriums, des Handelsministeriums sowie des Federal Reserve Board (Bundesbank) bekannt gegeben.

Die Erklärung des Finanzministeriums über die praktische Aufhebung der
Maßnahmen zur Verhinderung des Kapitalabflusses hat folgenden Wortlaut:

"Das Finanzministerium, das Handelsministerium und der Federal Reserve
Board haben, wie aus den gesonderten Erklärungen der drei Behörden hervorgeht, koordinierte Maßnahmen ergriffen, durch die die Beschränkungen des
Kapitalabflusses aus den Vereinigten Staaten, wie sie in verschiedener Form
seit 1963 bestanden haben, praktisch aufgehoben werden.

Die Maßnahmen sind angebracht angesichts der jüngsten Verbesserung der
amerikanischen Zahlungsbilanzposition, der starken Position des Dollar auf

-1-

�auf den Devisenmärkten und des Wunsches, staatliche Beschränkungen des Kapitalabflusses nach Orten des Bedarfs in einer Zeit zu vermeiden, in der
sich die Zahlungsbilanzposition zahlreicher Länder durch die Auswirkungen
der gestiegenen Erdölpreise stark verändert haben.

Auch wenn die Programme für eine aktive Einschränkung eingestellt worden sind, werden zur Zeit bestimmte Normen für eine Berichterstattung beibehalten werden, um die Überwachung der Zahlungsbilanzflüsse und der internationalen Transaktionen amerikanischer Geschäftsleute und Finanzinstitute zu
unterstützen."

Die Erklärung des Finanzministeriums zur Senkung der Zinsausgleichssteuer (IET) auf Null hat folgenden Wortlaut:

"Das Finanzministerium gibt bekannt, daß der Satz der Zinsausgleichssteuer (IET) auf Null herabgesetzt worden ist. Gemäß dem vom Präsidenten unterzeichneten Regierungserlaß wird der Null-Satz vom 29. Januar 1974 an für
den Handel mit und den Erwerb von ausländischen Aktien und Schuldverschreibungen gelten.

Aufgrund des Gesetzes über die Zinsausgleichssteuer ist der Präsident
ermächtigt, den IET-Satz auf Null herabzusetzen, sobald ein solcher Schritt
mit den Zahlungsbilanzzielen der Vereinigten Staaten zu vereinbaren ist. Die
IET ist seit Juli 1963 in Kraft und soll dazu beitragen, den Kapitalabfluß
aus den Vereinigten Staaten in Wertpapierinvestitionen in anderen Industrie-

-2-

�t
\
Industriestaaten einzuschränken. Der Steuersatz ist verschiedentlich geändert worden. Die letzte derartige Änderung trat am 1. Januar 1974 in Kraft,
als der Steuersatz bei ausländischen Aktien von 11,25 auf 3,75 Prozent und
bei ausländischen Schuldverschreibungen von 0,75 auf 0,25 Prozent pro Jahr
herabgesetzt wurde.
Die Finanzverwaltung wird in Verlautbarungen Richtlinien bezüglich der
J.
Auswirkung dieses Erlasses auf die Berichterstattung sowie über Bestimmungen
zu seiner Einhaltung veröffentlichen."

Die Erklärung des Handelsministeriums über die Aufhebung der Beschränkungen für direkte Privatinvestitionen im Ausland hat folgenden Wortlaut:

"Der Direktor des Amtes für Direkte Auslandsinvestitionen (OFDI) im
amerikanischen Handelsministerium, Robert H. Enslow, hat heute bekannt gegeben, daß die von diesem Amt vorgenommenen Kontrollen für direkte Auslandsinvestitionen mit sofortiger Wirkung aufgehoben sind. Diese Maßnahme schließt
auch die Aufhebung der Kontrollen von Rückzahlungen ausstehender Auslandskredite ein, die am 26. Dezember 1973 bekannt gegeben worden waren.

Das vom OFDI überwachte Programm für direkte Auslandsinvestitionen war
aufgrund der Verschlechterung der amerikanischen Zahlungsbilanzposition am
1. Januar 1968 eingeführt worden.
c

•

•&lt;

Mr. Enslow hat erklärt, daß Direktinvestoren Berichte über die Einhaltung der Bestimmungen für direkte Auslandsinvestitionen im Jahre 1973 vor-

-3-

�t
vorlegen müssen. Das Amt wird in Kürze vereinfachte Formulare herausgeben,
die dazu dienen sollen, bei einer beträchtlich reduzierten Zahl von Direktinvestoren wirtschaftliche Informationen über die derzeitige und die künftige Investitionstätigkeit im Ausland für statistische Zwecke einzuholen."

Die Erklärung des Federal Reserve Board über die Aufhebung der freiwilligen Beschränkungen für Auslandskredite von Banken hat folgenden Wortlaut:

"Der Board of Governors des Federal Reserve System hat heute die Aufhebung seiner Richtlinien für eine freiwillige Einschränkung von Auslandskrediten (VFCR) mit sofortiger Wirkung bekannt gegeben. Das Programm hatte den
Zweck, die Auslandskredite und die Auslandsinvestitionen von Banken und anderen .Finanzierungsinstituten einzuschränken.

Die heutige Bekanntgabe erfolgt im Einklang mit den Maßnahmen des Finanzministeriums, die Zinsausgleichssteuer auf Null zu senken, und des Handelsministeriums, seine Beschränkungen für direkte Auslandsinvestitionen aufzuheben. Der Federal Reserve Board hat auf Ersuchen der Regierung das VFCR-Programm seit Anfang 1965 durchgeführt.

Bei der Bekanntgabe seiner Maßnahme hat der Federal Reserve Board erklärt, daß er die Banken und die übrigen Finanzinstitute ersuchen wird, die
Berichterstattung über Auslandskredite und Auslandsinvestitionen an den Board,
allerdings in wesentlich reduziertem umfang, 1974 fortzusetzen. "
+-H-

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2/1974

SHULTZ BEGRÜSST AUFHEBUNG DER KAPITALVERKEHRSKONTROLLEN
- Auszüge -

WASHINGTON —(AD)-- Der amerikanische Finanzminister George Shultz hat
die am 29. Januar bekanntgegebene Aufhebung der Kapitalverkehrskontrollen
begrüßt. In einer Rede in Washington betonte der Minister, dieser Schritt
werde zu ausländischen

Investitionen in den Vereinigten Staaten ermutigen

und amerikanischen Bürgern wieder die Möglichkeit zu Investitionen im Ausland geben. Wörtlich erklärte Shultz unter anderem:

"Die vom Präsidenten am 15. August 1971 eingeleitete Reform unserer
Wirtschaftspolitik bringt dem Land weiterhin greifbare Vorteile. Mit der
endgültigen Aufhebung aller Zahlungsbilanzkontrollen für Auslandsinvestitionen und Auslandskredite amerikanischer Bürger ist in diesem Prozeß ein weiterer wichtiger Punkt erreicht worden. Die Probleme, die sich aus diesen
Kontrollen für unsere eigenen Finanzmärkte ergaben, sind im Herbst letzten
Jahres in Gesprächen mit maßgebenden Finanzexperten wiederholt vorgebracht
worden.
Als

�Als vor einem Jahr ein internationales Abkommen über weitere Maßnahmen
auf den Devisenmärkten bekannt gegeben wurde, war eine öffentliche Verpflichtung eingegangen worden, die Kontrollen bis Ende 1974 auslaufen zu lassen.
Seit diesem Zeitpunkt sind wir ganz allmählich vorgegangen, um Störungen auf
den Devisenmärkten sowie Mißverständnisse bei unseren Handelspartnern zu vermeiden. Wir konnten jedoch das Endziel viele Monate vor der gesetzten Frist
erreichen.

Als wir seinerzeit noch an einen Wechselkurs gebunden waren, der den
damaligen wirtschaftlichen Gegebenheiten nicht mehr entsprach, hatten diese
Kontrollen einen Zweck und bewirkten eine gewisse Einschränkung des Dollarabflusses. Doch diese Wirkung war wahrscheinlich weitaus geringer, als die Statistiken auf den ersten Blick zu zeigen schienen. Denn bei einem großen Teil
der von Geschäftsleuten aufgrund des Programms im Ausland und nicht in den
USA aufgenommenen Gelder handelte es sich wahrscheinlich um amerikanisches Kapital, das trotz dieses Programms seinen Weg ins Ausland gefunden hatte.
Gleichgültig, wie groß die Beschränkungen wirklich waren, der Preis war hoch.

!

Er bedeutete einen Verlust an Freiheit für Amerikaner. Die Freiheit, sein

Geld dort zu investieren, wo man glaubt, daß die Aussichten am günstigsten
sind, ist vielleicht nicht die allerwichtigste, aber ich freue mich, daß sie
Jetzt wiederhergestellt worden ist.

Weiter entstanden echte Verwaltungskosten für die Regierung und es entstanden noch größere Verwaltungskosten für unsere Firmen.
Es

2-

�Es entstanden Verluste an Einkommen und Arbeitsplätzen in unserer Finanzwelt. Es war meiner festen Überzeugung nach kein Zufall, daß das außerordentlich starke Anwachsen der internationalen Finanztätigkeit in London
und an bestimmten anderen traditionellen Finanzzentren im letzten Jahrzehnt
mit der Periode der Einschränkung der konkurrierenden Tätigkeit unserer Finanzinstitute zusammenfiel.

Ich bin der Überzeugung, daß jetzt, da die Kontrollen aufgehoben sind,
unsere Institute in der Lage sein werden, höhere Einkommen zu erzielen und
mehr Arbeitsplätze für Amerikaner zu schaffen, indem sie mehr Leistungen aller Art auf Wettbewerbsbasis anbieten können - für Mittel, die aus den Vereinigten Staaten abfließen, für Mittel, die zur Reinvestition im Ausland nach
den Vereinigten Staaten hereinfließen, und für Mittel, die aus dem Ausland
in die amerikanische Wirtschaft fließen.

Als wir die Kontrollen noch hatten, versuchten wir, ausländische Investoren davon zu überzeugen, daß die Kontrollen ihr Interesse an den Vereinigten Staaten nicht mindern sollten. Was wir sagten, klang nicht ganz überzeugend. Offensichtlich zögerten viele Investoren, in einem Land zu investieren, das einen Zaun brauchte, um das Geld im Lande zu halten. Sie befürchteten, daß die Kontrollen eines Tages verhindern könnten, daß sie ihr Geld aus
dem Lande herausbekämen, wenn sie es wollten. Unsere neuen Maßnahmen dürften
diese Befürchtungen zerstreuen. Das Ergebnis unserer Beseitigung der Kontrollen für den Abfluß für Investitionszwecke wird wahrscheinlich gleichzeitig

-3-

�gleichzeitig eine Zunahme der Zuflüsse von Investitionen in unsere Wirtschaft bedeuten. Wir haben damit den ohnehin bereits attraktiven Investitionschancen eine weitere Attraktion hinzugefügt. Und wir haben einen Schritt getan, der unsere Kapitalmärkte und unsere Finanzwelt erweitern und auffrischen
wird."

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2/1974

DIE ÖLPREISE ERSCHÜTTERN DAS GEFÜGE DER WIRTSCHAFT
Von Eugene Brake

WASHINGTON --(AD)— Äußerungen maßgebender Staatsmänner während und nach
der kürzlichen Sitzung des Zwanziger Ausschusses in Rom lassen erkennen,
daß sich die Finanzminister der Teilnehmerstaaten zumindest in einem Punkt
einig waren, nämlich daß der plötzliche Anstieg der Exportpreise für Erdöl
enorme Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben wird.

Und besonders stark hiervon werden die Entwicklungsländer betroffen
sein. Der amerikanische Finanzminister George Shultz hat gerade dieses
Problem sehr treffend umrissen, als er nach seiner Rückkehr nach den USA
vor Korrespondenten erklärte: Die Vereinigten Staaten werden die Bemühungen
des Internationalen Währungsfonds (IWF) unterstützen, einen tragbaren Weg
zur Finanzierung der gestiegenen Importkosten des Erdöls zu finden. Allerdings sind die Vereinigten Staaten nicht der Ansicht, daß die Finanzierung
selbst bereits eine Lösung darstellt - für die meisten Entwicklungsländer
dürfte dies noch keine Lösung des Problems sein.
Sollten
-1-

�Sollten die Erdölpreise sich auf dem hohen Stand halten, der kürzlich
von den erdölexportierenden Ländern festgesetzt worden war, und sollten
- was zweifelhaft erscheint - die importierenden Länder das nunmehr so teuer
gewordene Erdöl in den gleichen Mengen wie vorher einführen, dann würden sich
riesige Devisenbeträge in den Tresoren der erdölexportierenden Länder ansammeln. Nach übereinstimmender Meinung der Experten können diese Länder nicht
alle diese Gelder für vermehrte Warenimporte benutzen. Soll ein Ausgleich erzielt werden, so kann dies nur durch Kapitalflüsse, d.h. durch Investitionen
der Erdölländer in anderen Teilen der Welt, geschehen. Hierfür bieten sich
vor allem die Industriestaaten des Westens und Japan an..
Shultz räumt zwar ein, daß, trotz all der Warnungen auf der Konferenz
von Rom vor den schwerwiegenden Erschütterungen, die die plötzlichen und
drastischen Preiserhöhungen für Erdöl der Weltwirtschaft gebracht haben,
sich bisher noch kein Erdölland freiwillig erboten hat, die Preisforderungen
zurückzuschrauben. Trotzdem bleibt der amerikanische Finanzminister zuversichtlich, daß die Marktkräfte bereits innerhalb weniger Jahre einen Rückgang
der Erdölpreise von ihrem derzeitigen hohen Stand

erzwingen werden. Die Nach-

frage, so erklärte Shultz, werde aus dem einfachen Grunde zurückgehen, weil
zahlreiche Importländer die hohen Preise auf die Dauer nicht zahlen können.
Gleichzeitig werde ein größeres Angebot auf den Markt drücken, da eine Nutzung
anderer Energiequellen, zum Beispiel ein Abbau der Ölschiefervorkommen, zu
kostendeckenden Preisen nunmehr möglich geworden sei. Auf die Frage eines Korrespondenten, ob dann nicht mit plötzlichen Preisunterbietungen seitens der
erdölexportierenden Länder zu rechnen sei, sagte der Minister lediglich, das
amerikanische Volk müsse sich klar darüber sein, welche Folgen solche Be-2-

�Bemühungen, die Abhängigkeit von ausländischen Energiequellen zu verringern,
nach sich ziehen können. Und es müsse bereit sein, einen höheren Preis für
eine gesicherte Energieversorgung zu zahlen.
Shultz deutete in diesem Zusammenhang an, daß auf ein in seiner Art
variables Abschöpfungssystem zurückgegriffen werden könnte, um sicherzustellen, daß sich die Projekte zur Erschließung anderer Energiequellen nicht eines
Tages als unwirtschaftlich erweisen, falls die Erdölländer überraschend ihre
Preise wieder senken sollten. Dem amerikanischen Finanzminister dürfte dabei
eine variable Abgabe vorschweben, die auf alle Erdölimporte erhoben wird, sobald ein bestimmter Schwellenpreis unterschritten ist. Die Importabgabe würde
dem Differenzbetrag zwischen dem Schwellenpreis, der eine wirtschaftliche
Nutzung einheimischer Energiequellen gewährleisten soll, und dem niedrigeren
Weltmarktpreis entsprechen. Allerdings warnte der Minister vor jeder übereilten Festsetzung dieses Schwellenpreises, da die Vereinigten Staaten sonst möglicherweise unnötige und kostspielige Verpflichtungen auf sich nehmen würden.
In seinem Gespräch mit den Korrespondenten stellte Shultz ferner folgende Punkte heraus:
-- In der derzeitigen Stärke des US-Dollar kommt zum Teil die Auffassung
zum Ausc'.iruck, daß die Investitionen der erdölexportierenden Länder eher in den
Vereinigten Staaten als in anderen Ländern erfolgen werden. Diese Auffassung
trifft wahrscheinlich zu, doch hat die Börse, wie so häufig, auch hier übertrieben.

Die

-3-

�Die gestiegenen Erdölpreise werden sich nicht so stark auf die amerikanische Binnenwirtschaft wie auf die übrigen Volkswirtschaften auswirken, doch
dürften die negativen Auswirkungen auf die amerikanische Zahlungsbilanz vielfach unterschätzt werden. Zweifellos werden die von den erdölexportierenden
Ländern festgesetzten höheren Erdölpreise zu einer Stärkung des US-Dollar
beitragen; die Frage ist nur, wie weit die Festigung des Dollarkurses gehen
wird.
-- Die Entscheidung der französischen Regierung, den Wechselkurs des
Franc freizugeben, zeigt, wie stark sich die Erhöhung der Erdölpreise auf die
Weltwirtschaft ausgewirkt hat.

-- Die Freigabe des Wechselkurses des Franc und die durch die Erhöhung
des Erdölpreises herbeigeführte Situation beweisen, wie wichtig es ist, daß
alles für eine baldige Reform des internationalen Währungssystems getan
wird.
•H+

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2/1974
HOFFNUNG AUF ENERGIEKONFERENZ VON WASHINGTON
- Internationale Zusammenarbeit wichtiger denn je Von G. Weiss

--(AD)-- Mehr und bessere internationale Zusammenarbeit bei der Einsparung
von Energie, in der Energieforschung, der Preispolitik, der Ölexploration
und der Währungspolitik erhofft die amerikanische Regierung von der Konferenz, zu der Präsident Nixon die wichtigsten Ölverbraucherländer für den
11. Februar 1974 nach Washington eingeladen hat. Systematische Zusammenarbeit
und Koordination von Maßnahmen, die die Energiekrise überwinden helfen sollen,
ist aber keineswegs nur für die hochindustrialisierten Staaten von Bedeutung.
Für die Entwicklungsländer, die selbst über wenig oder kein Öl verfügen,
werden sie sogar lebenswichtig sein.

Die Welt muß sich darüber klar werden, daß die Situation nach dem
23. Dezember 1973, der Teheran-Konferenz der ölproduzierenden Länder aus dem
Gebiet des Persischen Golfes, nicht mehr die gleiche ist wie zuvor. Schah
Mohammed Reza Pahlevi forderte damals die Industrieländer auf, neue Energie-

-1-

�Energiequellen zu suchen, denn "die Ära ihres gewaltigen Fortschritt auf
der Basis ... billiger Energie ist zu Ende".

Darauf gilt es sich auf weite Sicht einzustellen, auch wenn hier und
dort Tagesereignisse die Lage vielleicht in etwas rosigerem Licht erscheinen
lassen. Vor einer Energiekrise, die nicht zuletzt eine Folge unvorstellbarer
Bedarfssteigerung in den letzten 15 Jahren und gleichzeitig bedenkenloser,
ja verschwenderischen Konsums ist, wurde von Kennern der politischen und
wirtschaftlichen bezw. entwicklungstechnischen Lage in Förder» wie Verbraucherländern lange genug gewarnt. Jetzt ist es erforderlich, ein internationales Konzept für die Energiepolitik zu finden, das sowohl die Interessen der
Industriestaaten als auch der Entwicklungsländer und der ölproduzierenden
Staaten berücksichtigt. Blockbildungen, gleich welcher Interessengruppen, würden nur in eine Sackgasse führen und für die Zukunft außerordentlich gefährlich sein.

Der amerikanischen Regierung ist daran gelegen, der Tendenz zur "Kartell"-Bildung entgegenzuwirken. Denn die Zeit drängt, in Forschung und Entwicklung, Industrie und Wirtschaft - einschließlich des Arbeitsmarktes- die
notwendige Schwerpunktverlagerung für eine Umstellung auf Energiequellen
vorzunehmen, die gleichwertig neben dem Öl rangieren und in bezug auf Rohstoffversorgung weniger störanfällig und manipulierbar sind.

Der Bedarf an Energie wird weiter rapide ansteigen. Deshalb sollte eine
weitsichtige Planung z.B. auch die Voraussetzungen dafür schaffen, daß

�daß Doppelgleisigkeit bei Neuentwicklungen vermieden und eine vernünftige
Arbeitsteilung angestrebt wird.

- Einsparungen als wirksame Sofortmaßnahme -

Die Erfahrungen der USA seit dem Herbst 1973 haben gezeigt, daß Sparmaßnahmen, die sowohl von den Behörden verordnet als auch auf freiwilliger
Basis durchgeführt wurden, kurzfristig zur Entspannung der schwierigen Energieversorgungslage beitragen können. In seiner jüngsten Energiebotschaft an
den US-Kongreß verweist Präsident Nixon darauf, daß im Dezember 1973 der Verbrauch an Benzin 9 Prozent niedriger war als erwartet. In den Neuenglandstaaten z.B. wurden 16 Prozent weniger Heizöl als im Vorjahr verbraucht. Berichten der Versorgungsunternehmen zufolge ging im ganzen Land der Verbrauch
an Erdgas um 6 Prozent, an Strom um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück.
Allerdings spielte dabei die günstige Witterung eine nicht unerhebliche Rolle.
Die Einsparungsvorschriften für die Bundesbehörden brachten im dritten Quartal
1973 einen im Vergleich zu den Vorausberechnungen um 20 Prozent niedrigeren
Gesamtverbrauch.

Dennoch wird das Defizit an Öl im ersten Quartal 1974 mit ca. 2,7 Millionen Barrel pro Tag (1 Barrel • 159 Liter), für den Rest des Jahres mit 3 Millionen Barrel pro Tag angenommen. 1973 bezogen die USA 35 Prozent ihres Öls und
ihrer Mineralölprodukte aus dem Ausland. Würde die Tendenz wie vor Beginn des
Ölembargos anhalten, so müßte 1980 fast die Hälfte der zur Bedarfsdeckung benötigten Mengen importiert werden. Schon angesichts der inzwischen eingetre-

�eingetretenen Preisentwicklung und den daraus sich ergebenden Gefahren für
die Handelsbilanzen müßte dies, so Präsident Nixon, zu untragbaren Verhältnissen führen. Um das Land so weit wie nur irgend möglich von Fremdenergie
unabhängig zu machen, sollen jetzt die einheimischen Vorkommen an Öl und Kohle
maximal verwertet, die Anwendung von Kernenergie ausgeweitet und neue, "unkonventionelle" Quellen wie Erdwärme, Sonnen-und Windkraft, vielleicht auch
die Energie chemischer Reaktionen für die technische Nutzung erschlossen werden.

- 1,8 Milliarden Dollar für die Forschung -

Die Erfüllung dieser Forderung setzt jedoch erhebliche Anstrengungen von
Forschung und Entwicklung voraus. Ca. 1,8 Milliarden Dollar sind allein im
Haushaltsjahr 1974/75 dafür vorgesehen und werden u.a. verteilt auf
Kerntechnik und Forschung, incl. Brutreaktorentwicklung

725 Millionen

Vergasung und Verflüssigung von Kohle, Verbesserung der
Fördertechniken und Rekultivierungsmaßnahmen

427 Millionen

wirtschaftlich tragbarer Umweltschutz in bezug auf Energiewirtschaft, insbesondere Ausfiltern von Schwefeldioxid

179 Millionen

Kernfusion

169 Millionen

rationellere Energieverwendung

116 Millionen

Sonnenenergie

50 Millionen

geothemische Energie

45 Millionen

bessere Nutzung von Erdöl-und Erdgasquellen, Lagerstättenforschung, Erschließung von Ölschiefervorkommen

42 Millionen.
Die

-4-

�Die Aufstellung zeigt deutlich, wo in der nächsten Zukunft die Schwerpunkte liegen werden, um - nach heutiger Sicht - zu einer zufriedenstellenden mittel-und langfristigen Energiepolitik zu kommen. Sie läßt gleichzeitig
erkennen, auf wie vielen Gebieten eine internationale Zusammenarbeit vor
allem unter den in Forschung und Technik führenden Ländern möglich wäre.
Amerikanische Experten verweisen darauf, daß in den USA der Zuwachs des
Energiebedarfs noch ein gutes Jahrzehnt lang weitgehend durch Öl - oder,
besser gesagt,die zahlreichen Erdölprodukte - gedeckt werden müsse. Denn erst
Mitte der achtziger Jahre dürften andere Energieträger wie Kernenergie das
erforderliche Wachstumspotential aufweisen, um die Versorgung merklich zu
entlasten. Gegenwärtig tragen die 37 Atomkraftwerke der Vereinigten Staaten
ca. fünf Prozent zur Stromerzeugung bei. Im Verlauf des Jahres 1974 sollen
weitere 21 Kernkraftwerke an das Versorgungsnetz angeschlossen werden. Man
schätzt, daß im Jahre 1987 ein Viertel des in den USA verbrauchten Stromes
aus Atomkraftwerken kommen wird.

- Energiesituation in den letzten zwei Jahrzehnten -

In den Vereinigten Staaten begann Anfang der fünfziger Jahre das Öl
die Kohle als primäre Energiequelle zu verdrängen. Bis 1972 war der Ölverbrauch auf 16,3 Millionen
gestiegen,

Barrel pro Tag (Kraftstoff: 6,7 Millionen Barrel/Ta

was 46 Prozent des Gesamtkonsums an Energie ausmachte. Der

Höhepunkt der Ölexploration in den USA wurde aber bereits 1956 erreicht. Im

�Im Jahre 1972 betrug die Zahl der Versuchsbohrungen nur noch 40 Prozent der
von 1956. Der Industrie fehlte der wirtschaftliche Anreiz, sich stärker um
die Neuerschließung einheimischer Quellen zu bemühen. Auch war dies technisch
sehr viel schwieriger geworden. Man mußte in immer größere Tiefen gehen und
außerdem strenge Umweltschutz-Vorschriften beachten, was zum Bau neuer Raffinerien auf amerikanischem Territorium nicht ermutigte.

Das Desinteresse der Industrie in den sechziger Jahren ist auch insofern
verständlich, als der Rohölpreis ab Pumpstation bei ständig steigendem allgemeinem Preisindex relativ stabil blieb, was schließlich

einem Absacken

der Rohölpreise gleichkam. Gegenwärtig liegen die Investitionen für eine neue
Quelle auf dem Festland bei ca. 100 000 Dollars im Schelfgebiet vor den Küsten
bei mehr als 500 000 Dollar, und in Alaska sind sogar Beträge bis zu zwei
Millionen Dollar keine Seltenheit. Dort aber werden mehr als 40 Prozent der
amerikanischen Reserven an Erdöl und Erdgas vermutet. In den nächsten Jahren
ist der Bau von Fernleitungen für den Transport von Öl und Gas aus Alaska vorgesehen. Gleichzeitig soll die Raffineriekapazität im Inland, die am 1. Januar 1973 bei 13,4 Millionen Barrel pro Tag lag (sie wurde z.B.1972 um 2,2 Prozent ausgeweitet - gegenüber einem Anstieg des Inlandsbedarfs an Mineralölprodukten um 6 Prozent im gleichen Zeitraum) erheblich vergrößert werden.

Bei Erdgas, das derzeit 32 Prozent des amerikanischen Energiebedarfs
deckt, besteht seit 1967 ein Defizit zwischen der Auffindung neuer Vorkommen
(Alaska ist hier nicht berücksichtigt) und der Inanspruchnahme der erschlossenen Quellen. Die Billigpreispolitik der Regierung und der besondere Vorteil

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�Vorteil des Erdgases, ein "sauberer" und damit umweltfreundlicher Brennstoff
zu sein, führten dazu, daß zwischen 1966 und 1973 der Jahresverbrauch von
473 Milliarden auf 694 Milliarden Kubikmeter anstieg. Im-gleichen Zeitraum
gingen aber die nachgewiesenen Reserven um 21 Prozent zurück.

Kohle macht 89 Prozent der gesamten amerikanischen Reserven an fossilen
Brennstoffen aus, trug aber beispielsweise im Jahre 1972 nur zu 17 Prozent
zur Deckung des Gesamtenergiebedarfs der USA bei. Leider ist diese relativ
billige einheimische Energiequelle, von deren Gesamtvorräten wahrscheinlich
erst 10 Prozent sicher erkundet sind, auch die Ursache schwieriger Umweltprobleme. Denn ein Teil der bisher erschlossenen Kohlevorkommen, vor allem
in den Oststaaten der USA, enthält bis zu fünf Prozent Schwefel. Die Bestrebungen der Forschung gehen u.a. dahin, ca. 90 Prozent der schädlichen Gase
wie Schwefeldioxid zu eliminieren. Aber noch keines der technisch möglichen
Verfahren hat sich bisher als wirtschaftlich vertretbar erwiesen.

Verschärfte Vorschriften über Umweltschutz, Erhöhung der Grubensicherheit
und Gesundheitsschutz für die Bergleute sind mit daran beteiligt, daß die
Kohle gegenwärtig nicht die ihr eigentlich zukommende prominente Rolle spielt.
Die Produktivität im Bergbau ging innerhalb von drei Jahren (1969-1972) von
19,9 auf 17,5 Tonnen pro Mann und Tag zurück. Jetzt soll jedoch alles unternommen werden, um die seit 1970 rückläufige Förderung von Stein-und Braunkohle (1972: ca. 542 Millionen Tonnen; Januar bis Oktober 1973: ca. 445 Millionen
Tonnen) erheblich zu steigern. Die Sollzahl für 1980 wurde auf 740 Millionen

-7-

�Millionen Tonnen Kohle vorausberechnet, was 9,1 Millionen Barrel Öl pro
Tag entspräche. Etwa zwei Drittel davon dürften von den Energieversorgungsunternehmen verbraucht werden. Um dies aber zu erreichen, bedarf es neuer
Investitionen in der Größenordnung von vielen Milliarden Dollar.

-8-

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