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29. September 1982

38

0_H_A_L_T

DOKUMENTATION
Bush: Araber müssen Existenzrecht Israels anerkennen
- Rede des US-Vizepräsidenten vor dem Nationalen Presseklub

HINTERGRUND
USA fordern Untersuchung von Berichten über Einsatz von
Zwangsarbeitern in der UdSSR
- Erklärung des State Department USA sparen immer mehr Energie ein
- Benzinpreise sanken gegenüber Vorjahr um 12 Prozent •
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Mit Spacelab in den Weltraum
- Ulf Merbold, Nutzlastspezialist für 9. Raumtransporter-Flug

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

P
D53C

�29. September 1982

38

BUSH: ARABER MÜSSEN EXISTENZRECHT ISRAELS ANERKENNEN
Rede des US-Vizepräsidenten vor dem Nationalen Presseklub

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush hat am
23. September 1982 in einer Rede vor dem Nationalen Presseklub in Washington
mit allem Nachdruck betont, daß alle arabischen Staaten das Existenzrecht
Israels anerkennen müssen, da durch Beteiligte, "die sich weigern, die Realität
zu sehen", keine friedliche Lösung erreicht werden könne.
Die Rede des amerikanischen Vizepräsidenten hat folgenden Wortlaut:
Die Ereignisse im Libanon, die in dem grauenhaften Massaker gipfelten,
zeigen nur zu deutlich die leichtentzündliche Natur der Krise im Nahen Osten einer Krise, die schon zu lange andauert.
Vor fast 40 Jahren begrüßten die Vereinigten Staaten die Gründung Israels
als einen hoffnungsvollen Versuch, aus der Asche des Holocaust in dem gleichzeitig alten und neuen Heimatland des jüdischen Volkes einen neuen Staat aufzubauen. Die Legitimität Israels wurde proklamiert durch die Geschichte seines

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Geschichte seines eigenen Volkes, durch die Weltgemeinschaft und durch das
Blut, das Israelis in der Verteidigung ihrer neugewonnenen Heimat vergossen.
Aber diese Legitimität wurde durch die arabischen Nachbarn Israels nicht anerkannt. Tragischerweise sind die Erinnerungen an die letzten vierzig Jahre
durch fünf aufeinanderfolgende Kriege getrübt.
Die sich ständig steigernde Gewalttätigkeit im Nahen Osten muß aufhören.
Wir werden unserer ständigen Verpflichtung für die Sicherheit Israels
treu bleiben. Wir sind mit Israel durch moralische wie auch strategische
Interessen verbunden. Und was genau so wichtig ist, Israel ist die einzige
Demokratie im Nahen Osten, die sich in ihrem tagtäglichen Leben den demokratischen Prozessen und Prinzipien verschrieben hat, auf denen die Republik
Amerika beruht. Aber gerade diese Werte, die die Grundlage unseres Bündnisses
mit Israel bilden, zwingen uns, Sorgen und Bedauern über die anhaltende syrische
und israelische Besatzung eines schwachen und gespaltenen Libanon zum Ausdruck
zu bringen. Wir müssen unseren ehrlichen Abscheu und unseren ehrlichen Widerstand
zum Ausdruck bringen, wenn die Hauptstadt des Libanon selbst besetzt wird. Wir
müssen unser tiefes Entsetzen und unsere tiefe Entrüstung zum Ausdruck bringen,
wenn hilflose Frauen, Kinder und Männer in der libanesischen Hauptstadt hingemordet werden. Wir glauben, daß das Volk des Libanon eine Chance haben wird,
seine Freiheit und Identität wiederherzustellen. Aber zuerst müssen Blutvergießen und Besatzung ein Ende haben. Wir müssen mit aller Macht, die wir aufbringen können, versuchen, diesem schwer geprüften Land Frieden zu bringen.
Die Grenzen Israels müssen geschützt werden. Die Grenzen des Libanon
müssen geschützt werden. Unschuldige Israelis müssen vor Bomben, den Raketen
und dem Terror geschützt werden, unter dem sie seit der Gründung des Staates
Israel gelitten haben. Aber eine libanesische Mutter oder ein palästinensisches
Kind verdienen kein bißchen weniger Schutz. Die von Präsident Reagan vorgeschlagenen Schritte zum Frieden sind bedeutsame Wegweiser an der Straße, die zu
einem Punkt führt, an dem ein solcher Schutz nicht nur zugesagt, sondern von
allen im Nahen Osten lebenden Völkern als selbstverständlich angesehen wird.
Wir dürfen

�Wir dürfen nicht zulassen, daß die alten Leidenschaften, die durch die
drei großen Religionen im Heiligen Land geweckt wurden, den Fortbestand der
Menschheit gefährden. Die Freundschaft Amerikas zu den Völkern des Nahen Ostens
ist unverbrüchlich und stark. Vor allem unser Verhältnis zur Bevölkerung Israels
ist tief verwurzelt in den Ursprüngen, die unsere Völker im Laufe der Geschichte
geprägt haben. Uns verbindet ein gemeinsames Band der Leidenschaft zur Demokratie
und Gerechtigkeit.
Die Palästinenser sind heute in der ganzen Region verstreut. Das libanesische
Volk ist durch den Krieg entwurzelt. Das israelische Volk wird noch immer durch
militärische Aggression bedroht und lebt in der Angst vor dem Terrorismus. Vor
diesem Hintergrund der Realität in der Region erleben wir, daß die wenigen, die
die Kühnheit und den Mut besitzen, für den Frieden einzutreten, nur zu oft dasselbe
Geschick erleiden

wie diejenigen, die mit dem Schwert leben. Trotz dieser Be-

drohung braucht der Nahe Osten mehr mutige Staatsmänner, die das große Risiko
wagen, den Millionen Menschen Frieden und Würde zu bringen. Präsident Sadat mag
von Terroristen ermordet worden sein, aber der Ölzweig, den er von Jerusalem
nach Hause mitgebracht hat, hat jetzt am Nil tiefe Wurzeln geschlagen.
In einem Versuch, die Leidenschaften und Spannungen abzukühlen, und hoffentlich der Demokratie eine Chance zu geben, sind heute erneut amerikanische Schiffe
nach dem Libanon unterwegs, um Soldaten des amerikanischen Marinekorps dort
hinzubringen. Diese jungen Männer kehren in ein Land zurück, das sie erst vor
drei Wochen verlassen haben. Sie kommen nicht als Polizisten nach Beirut, sondern
in der Absicht, durch ihre Anwesenheit der libanesischen Regierung zu helfen,
ihre souveräne Macht über das Gebiet von Beirut wiederherzustellen. In diesem
Sinne werden unsere Marinesoldaten - zusammen mit ihren Partnern aus Frankreich
und Italien - die Bemühungen der Libanesen unterstützen, die Sicherheit der Bevölkerung von Beirut zu gewährleisten und der Gewalttätigkeit ein Ende zu setzen.
Ihr Aufenthalt in Beirut wird begrenzt sein. Aber ich bin überzeugt, daß sie
einen unerläßlichen Beitrag zu dem Prozeß der Wiederherstellung eines freien,
vereinten und sicheren Libanon in Frieden mit all seinen Nachbarn leisten werden.
Heute wurde

�Heute wurde im Libanon ein neuer Präsident, Amin Gemayel, in sein Amt
eingeführt. Das amerikanische Volk übermittelt ihm seine Glückwünsche und volle
Unterstützung. Wir hoffen, daß den neuen Führern die Zeit und die Unterstützung
aller Fraktionen gewährt werden, um den Wiederaufbau Beiruts und des Libanon
zu beginnen, wie auch die Chance, eine Regierung zu bilden, die für das ganze
libanesische Volk repräsentativ ist.
Frieden und Sicherheit können nicht durch militärische Macht allein gewährleistet werden. Die feige Tat der Mörder und Terroristen brütet nur mehr
Gewalt aus und verstärkt den bereits bestehenden Haß. Frieden und Sicherheit
können nur erreicht werden durch Verhandlung, durch Gespräch, durch mühselige
Tage, Wochen und Monate, in denen man sich am Konferenztisch gegenübersitzt.
Nach den Ereignissen in Beirut gibt es Leute, die glauben, daß die Spannungen zum Kriege führen werden. Wir sind vielmehr der Überzeugung, daß es an der
Zeit ist, für den Frieden zu arbeiten. Alle Parteien müssen bestimmten grundlegenden Zielen zustimmen, wenn wir dem Libanon Stabilität bringen wollen:
1. Ständige Einstellung der Feindseligkeiten,
2. Errichtung einer starken repräsentativen Zentralregierung,
3. Abzug aller ausländischen Streitkräfte: der PLO und jetzt vor allem
der syrischen und israelischen Streitkräfte,
4. Wiederherstellung der Kontrolle des ganzen Landes durch die libanesische
Regierung,
5. Herstellung von Bedingungen, unter denen der Libanon nicht länger als
ein Ausgangspunkt für Angriffe gegen Israel benutzt werden kann.
Der Libanon muß von dem Druck und der Gewalt der Kräfte von außen frei sein,
wenn er eine Chance haben soll, die demokratische Regierungsform wiederherzustellen, deren er sich in nicht so ferner Vergangenheit erfreute.
Was die

�Was die umfassendere Aufgabe angeht, der Region dauerhaften Frieden und
dauerhafte Stabilität zu bringen, so müssen alle Nationen und Parteien sich
völlig darüber im klaren sein, daß Israel dort bleiben wird. Die Vereinigten
Staaten sind der Sicherheit Israels und seinem Anspruch auf Frieden verpflichtet.
Und die Palästinenser und die arabischen Nationen müssen die Realität dieser
Situation akzeptieren.
Umgekehrt müssen Israel und die arabischen Staaten anerkennen, daß das
palästinensische Volk legitime Rechte hat, die nicht erfüllt sind. Palästinenser
können nicht länger in armseligen Lagern in der ganzen Region verstreut gehalten
werden. Dort werden nur Verhältnisse ausgebrütet, die zu tieferem Haß führen
und Enttäuschungen nähren, die junge Menschen zu Fanatikern machen.
Ironischerweise ist es vielleicht gerade Israel, das mehr als jede andere
Nation die Geschichte der ewigen Ungerechtigkeiten gegenüber einem umherziehenden und heimatlosen Volke erlebt hat. In dieser Hinsicht müssen wir auch Israel
ermutigen, zur Lösung der palästinensischen Tragödie beizutragen. Aber es kann
keine Einbahnstraße sein. Die Palästinenser müssen die Realität und die Rechtmäßigkeit Israels akzeptieren. Die Palästinenser müssen begreifen, daß die Befriedigung ihrer legitimen Rechte direkt mit ihrer Anerkennung des Existenzrechts
Israels verbunden ist.
Die jüngsten Vorschläge der arabischen Staaten in Fez stellen eine indirekte
Anerkennung Israels dar, indem der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen aufgefordert wird, den Frieden unter allen Staaten der Region zu garantieren. Aber das
ist nicht genug. Vorsichtige Hinweise, Andeutungen und verschlüsselte Aussagen
können nicht genügen, solange der Konflikt weiterschwelt. Alle arabischen Nationen
müssen mit der gleichen Klarheit wie Ägypten erklären, daß Israel ein Recht auf
Existenz hat. Der Frieden kann nicht durch Parteien erreicht werden, die wie
der Vogel Strauß sich weigern, die Realität zu sehen.
Der Vorschlag Präsident Reagans will ein Katalysator sein. Wir wollen ihn
sicherlich niemandem aufzwingen. Unsere Hoffnung besteht darin, eine breitere

- 5 -

�eine breitere Beteiligung und einen größeren Fortschritt zum Frieden im Rahmenwerk
von Camp David herbeizuführen, das durch Ministerpräsident Begin, Präsident
Sadat und Präsident Carter geschaffen wurde. Wir sind der festen Überzeugung, daß
wir einen kühnen Vorschlag unterbreitet haben - einen Vorschlag, der sowohl als
Ausgangspunkt für einen Abbau unmittelbarer Spannungen wie auch als ein Verhandlungsvorschlag benutzt werden kann, der Millionen von Menschen, die nur zu lange
Opfer des Krieges waren, Stabilität und friedliche Chancen bringen wird. Er macht
mehr als alles andere unsere Vision von einer künftigen Lösung deutlich - einer
Lösung, die die legitimen Ansprüche Israels auf sichere und verteidigungsfähige
Grenzen und die legitimen Rechte der palästinensischen Araber anerkennt und auf
sie eingeht. Es liegt nicht im Interesse Israels, über 1,3 Millionen Araber
im Westjordanland und im Gazastreifen zu herrschen.
Es ist allerhöchste Zeit, daß Israelis und Araber sich von Angesicht zu
Angesicht am Verhandlungstisch gegenübersitzen, wie sie es im Camp David taten.
Wir haben aus der jüngsten Geschichte nur zu oft schmerzlich lernen müssen,
daß das letztliche Ergebnis der Weigerung von Israelis und Arabern, sich gegenüberzusetzen, die Wiederaufnahme des Krieges war. Nach jedem der letzten fünf
Kriege haben Führer der Welt die Parteien aufgefordert, den Frieden zu bereiten.
Zuviel Blut ist vergossen worden. Zuviele Menschen haben ihr Leben verloren.
Aber schon wieder stehen wir vor der gleichen häßlichen Situation, die wir nur
zu oft in der Vergangenheit erlebt haben. Israelis, Palästinenser, Syrer, Libanesen, Jordanier - alle müssen einsehen, daß die Fortsetzung des Hasses, der
Eifersucht und der Bigotterie noch mehr Männer, Frauen und Kinder an die Schwelle
des Todes führen wird. Und nur Verhandlungen von Angesicht zu Angesicht können
diese tödlichen Mächte bezwingen.
Seit dem vorigen Wochenende habe ich mit dem Präsidenten, mit Außenminister
Shultz und anderen bei der Überprüfung des Massakers, der Situation im Libanon und
der Lage in der ganzen Region eng zusammengearbeitet. Ich kann Ihnen sagen, daß
der Präsident während dieser Zusammenkünfte mehrere große Besorgnisse äußerte.
Der Präsident

�Der Präsident ist mehr denn je entschlossen, dieser Region Frieden zu bringen.
Er ist der Überzeugung, daß die Stabilität in Beirut ein erster wesentlicher
Schritt ist; aber er ist auch der Überzeugung, daß es jetzt an der Zeit ist,
darauf hinzuwirken, daß alle ausländischen Truppen friedlich aus dem Libanon abgezogen werden. Darüber hinaus ist der Präsident besorgt über anonyme Berichte,
daß er oder irgend jemand an der Spitze dieser Administration sich in die innere
Politik Israels einmischen möchte. Ich kann nur mit allem Nachdruck unterstreichen,
daß dies nicht stimmt. Der Präsident respektiert Israel und seine demokratischen
-

Prozesse nachhaltig. Wir unsererseits werden noch härter für den Frieden arbeiten,
der die Grenzen Israels schützen wird. Und es ist jetzt an der Zeit, daß Israel
ebenfalls seine Absichten signalisiert, das Streben nach Frieden zu beschleunigen.
Der Vorschlag des Präsidenten hat zumindest vielen Menschen in der Region
neue Hoffnung gegeben. Die Eröffnungszüge Israels und der Araber waren hart.
Aber Frieden und Vernunft können die Oberhand behalten. Die Führer der Region
müssen die Tapferkeit und den Weitblick an den Tag legen, die Präsident Sadats
Reise nach Jerusalem und die Rückgabe des Sinai durch Ministerpräsident Begin
gekennzeichnet haben. Wenn sie das nicht tun, so fürchte ich, werden wir alle
erneut den Terror von Sabra und Shatilla, von Ma'alot, von München und die
wahllose Beschießung von Menschen im nördlichen Galiläa erleben. Diese schlimmen
Erinnerungen müssen in das Bewußtsein der Führer des Nahen Ostens eingebrannt
sein, wenn sie an ihre Zukunft und an den Friedensappell Präsident Reagans
denken.

- 7 -

�29. September 1982

38

USA FORDERN UNTERSUCHUNG VON BERICHTEN OBER EINSATZ
VON ZWANGSARBEITERN IN DER UDSSR
- Erklärung des State Department -

WASHINGTON -(AD) - Das amerikanische Außenministerium hat in einer
Erklärung vom 22. September 1982 darauf gedrängt, daß die internationale Gemeinschaft zahlreiche Berichte über den Einsatz von Zwangsarbeitern in der UdSSR, nicht zuletzt beim Bau von Erdgasleitungen,
einer ernsthaften Untersuchung unterziehen solle. Man habe zwar keine
unmittelbaren Beweise, so heißt es in der Erklärung, jedoch lägen so
viele Berichte von Einzelpersonen und Organisationen in Europa, Asien
und den USA vor, daß die Weltöffentlichkeit sie prüfen müsse.
Die Erklärung des amerikanischen Außenministeriums hat folgenden Wortlaut:
Wir haben in zunehmendem Maße Berichte erhalten, daß die UdSSR
eine große Anzahl von Gefangenen - einschließlich Tausender politi-

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�Tausender politischer Gefangener - eingesetzt hat, um an Großprojekten
zu arbeiten. Zumindest nach einem dieser Berichte werden beispielsweise mindestens IßO 00.0 solcher Zwangsarbeiter für schwere Infrastrukturprojekte eingesetzt, wie die Trockenlegung von Sümpfen, das
Fällen von Bäumen und den Bau von Zugangsstraßen zur Yamal-Gasröhrenleitung. Zu diesen Zwangsarbeitern gehören nach den Berichten religiöse Dissidenten und andere Gefangene aus Gewissensgründen.
Diese Berichte stammen von einer großen Vielfalt von Einzelpersonen und Organisationen in Europa, Asien und den Vereinigten Staaten.
Zu den Quellen gehören Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften,
Arbeiter, denen es gelungen ist, aus der Sowjetunion auszuwandern,
nachdem sie unter solchen Bedingungen gearbeitet hatten, sowie Briefe,
die Asien und den Westen aus der UdSSR erreichen.
Wir behaupten nicht, daß wir unmittelbare Beweise besitzen. Aufgrund der geschlossenen Natur der sowjetischen Gesellschaft und der
amtlichen Kontrolle der sowjetischen Medien mag es vielleicht niemals
einen unmittelbaren Beweis geben. Aber die Information, die von diesem
weiten Bereich sachkundiger Einzelpersonen und Organisationen - einige
davon mit Erfahrungen mit diesen Arbeitsverhältnissen aus erster Hand vermittelt wird, geht bemerkenswert ins Detail und verdient ernsthafte
Prüfung.
Zuverlässige Schätzungen setzen die Gesamtzahl der Zwangsarbeiter
in der Sowjetunion auf rund 4 Millionen an. Es ist im übrigen bekannt,
daß eye Sowjetunion eine Tradition des Einsatzes von Zwangsarbeitern
in Malsen - einschließlich politischer Gefangener - für Großprojekte,
vor allem in Sibirien hat,
wo selbst in der amtlichen Presse eingeräumt wird, daß es schwierig sei, sowjetische Arbeiter dazu zu bewegen, freiwillig dorthin zu gehen.
Um nur

�Um nur zwei Beispiele zu nennen: Man nimmt an, daß in den dreißiger Jahren etwa 250 000 Zwangsarbeiter beim Bau des BielomorskKanals umgekommen sind. Und in den siebziger Jahren waren nach Berichten Tausende von Zwangsarbeitern beim Bau der Baikal-Amur-Eisenbahn in Südostsibirien beteiligt.
Was ausländische Arbeiter angeht, so haben die amtlichen sowjetischen Medien selbst zugegeben, daß einige tausend Vietnamesen und
Arbeiter aus anderen südostasiatischen Ländern in die UdSSR gebracht
wurden, und es verlajtete, daß wahrscheinlich in naher Zukunft viele
weitere Tausend hereingebracht würden. Die Informationen über die
Natur des Programms sind fragmentarisch.
Wir wissen nicht, ob die vietnamesischen Arbeiter an der sibirischen Rohrleitung eingesetzt sind. Wir sind jedoch sehr besorgt über
Hinweise, daß Vietnamesen zur Arbeit in der UdSSR und in Osteuropa
gezwungen würden und daß ein Teil des an sie gezahlten Lohnes abgezogen würde, um die Schulden Vietnams gegenüber dem Gastland auszugleichen.
Darüber hinaus liegen uns Berichte vor, daß die sowjetischen Behörden die Möglichkeiten dieser Arbeiter einschränken, mit ihren Familien und Freunden außerhalb der UdSSR in Verbindung zu treten. Wir
sind der Überzeugung, daß es wichtig ist, daß sich die internationale
Aufmerksamkeit dieser Situation zuwendet wegen der offensichtlichen
Möglichkeit der Ausbeutung dieser Arbeiter.
Die sowjetishhe Regierung könnte zur Feststellung der Wahrheit
bezüglich dieser sehr ernsten Beschuldigungen beitragen, indem sie
eine objektive Untersuchung der Arbeitsbedingungen bei den verschiedenen Projekten in Sibirien und der Bedingungen zulassen würde, unter
denen politische Gefangene in der Sowjetunion leben und arbeiten. Wir

- 3 -

�arbeiten. Wir würden eine solche unabhängige internationale Untersuchung begrüßen, aber die Aussichten, daß eine solche Untersuchung zustande kommt, sind wahrscheinlich nicht günstig.
So sind beispielsweise in der Vergangenheit in der Internationalen
Arbeitsorganisation (ILO) Beschuldigungen des Einsatzes von Zwangsarbeitern gegen die UdSSR erhoben worden. Die sowjetischen Behörden haben sich jedoch stets geweigert, einer Mission der ILO einen Besuch
der Sowjetunion zu erlauben, um diese Beschuldigungen zu untersuchen.
Wegen der Schwere dieser Beschuldigungen und wegen der massiven
Menschenrechtsverletzungen, die damit verbunden sind, sind wir der
Überzeugung, daß die internationale Gemeinschaft eine Verpflichtung
hat, sie zu untersuchen. Die Vereinigten Staaten ihrerseits nehmen
eine gründliche Überprüfung der Informationen vor, die in dieser
Frage zur Kenntnis gebracht werden, und wie wir hören, haben mehrere
andere Regierungen ähnliche Absichten.geäußert.
So wie unsere Untersuchungen fortschreiten, werden wir - wo immer
dies möglich ist - unsere Ergebnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung
stellen. Wir hoffen, daß andere Regierungen und private Organisationen das gleiche tun werden.

+ + + + +

�•TTn7

Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

29. September 1982

38

USA SPAREN IMMER MEHR ENERGIE EIN
- Benzinpreise sanken gegenüber Vorjahr um 12 Prozent -

WASHINGTON - (AD) - Der Rückgang des Energieverbrauchs in
den Vereinigten Staaten setzte sich 1982 fort. Er lag Anfang Juni
ein Prozent unter dem Verbrauch im vorjährigen Vergleichszeitraum.
Innerhalb der letzten drei Jahre sank der Gesamtenergieverbrauch
um 7,6 Prozent, während das Bruttosozialprodukt real um 1,1 Prozent
anstieg. Wie das "Oil and Gas Journal", eine führende Zeitschrift
der amerikanischen Mineralölindustrie, kürzlich berichtete, war
im ersten Halbjahr 1982 der ölbedarf um 5,2 Prozent geringer als
im ersten Halbjahr 1981; der Verbrauch an Erdgas ging im gleichen
Zeitraum um 1,5 Prozent zurück. Bis Ende 1982 könnte in den USA
nach Schätzung der Zeitschrift der Bedarf an öl um 18,7 Prozent
seit dem Spitzenverbrauch im Jahr 1978 fallen. Damals lag der
Tagesverbrauch bei 18,8 Millionen Barrel (1 Barrel entspricht
159 Liter).
Die Inlandsproduktion

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Die Inlandsproduktion von Rohöl im ersten Halbjahr 1982
erreichte nach Angaben der Behörde für Energie-Informationen
(U.S. Energie-Ministerium) 8,66 Millionen Barrel pro Tag, d.h.
ca. 80 000 Barrel täglich mehr als im Vergleichszeitraum des
Vorjahres. Die Freigabe der Preise für amerikanisches Rohöl im
Januar 1981 und deren Angleichung an die Preise auf dem Weltmarkt
hatte eine wesentliche Intensivierung von Exploration und Förderung von Erdöl in den USA zur Folge. Dennoch dürften nach
Schätzungen des "Oil and Gas Journal" angesichts der noch immer
hohen Zinsen und der z.Zt. verhältnismäßig niedrigen ölpreise
in diesem Jahr 3,6 Prozent weniger neue Quellen in Betrieb genommen
werden als im Vorjahr, obgleich die Mineralölindustrie im ersten
Halbjahr 1982 mit 43 592 neuen Quellen 28 Prozent mehr Bohrungen
niederbrachte als während der ersten sechs Monate 1981.
Geringere Nachfrage führte trotz Abflachung der einheimischen
ölproduktion zu einem weiteren Rückgang der ölimporte, erklärte
ein Sprecher des US-Energieministeriums. Der Gesamtimport an Rohöl
und Mineralölprodukten lag im Monat August 1982 bei 4,3 Millionen
Barrel pro Tag - das waren 17 Prozent weniger als im August 1981.
Rohölimporte allein sanken im ersten Halbjahr 1982 auf täglich
3 Millionen Barrel - 29 Prozent weniger als 1981.
Wirtschaftliche Rezession und kostenbedingte Energieeinsparungen drückten auch den Verbrauch an Mineralölprodukten. Wie
das "American Petroleum Institute" berichtet, lag im Jahr 1979 der
Benzinverbrauch in den Vereinigten Staaten während der ersten
vier Monate bei durchschnittlich 7,4 Millionen Barrel pro Tag,
in den ersten vier Monaten 1982 dagegen nur noch bei 6,3 Millionen
Barrel, d.h. um 14 Prozent niedriger. Für die Raffinerien erhöhten
sich die Kosten beim Ankauf von Rohöl zwischen 1976 und 1981 um
jährlich 26,8 Prozent, während im gleichen Zeitraum der Benzinpreis
um durchschnittlich 17,9 Prozent im Jahr anstieg. Ein rapides

- 2 -

�Ein rapides Absinken der Nachfrage nach Mineralölprodukten erzwang
jedoch in Verbindung mit einem weltweiten Überangebot an öl einen
erheblichen Preisrückgang während der ersten vier Monate dieses
Jahres. Zwar stiegen die Benzinpreise in den Monaten Mai bis Ende
Juli erneut um 8,4 Prozent an, lagen aber dennoch um 7,7 Prozent
unter den Spitzenpreisen vom März 1981. Im August 1982 fielen sie
wiederum zurück. Der reale Benzinpreis liegt derzeit, inflationsbereinigt, etwa 12 Prozent unter dem des Vorjahres.
Die Vorräte an Benzin wurden im Verlauf dieses Jahres stark
vermindert. Wie von der Behörde für Energie-Informationen verlautet, sank der Bestand von 253 Millionen Barrel Ende 1981 auf
221,8 Millionen Barrel (Ende August 1982), d.h. um 12,3 Prozent.
Heizöl (Destillate) wird gegenwärtig um 22 Prozent, Schweröl um
34 Prozent weniger bevorratet als im vergangenen Jahr. Demgegenüber hielt man verhältnismäßig große Rohölvorräte. Sie lagen in
den ersten acht Monaten dieses Jahres bei 358,6 Millionen Barrel
und somit nur um 5 Millionen Barrel niedriger als im Vorjahr.
+ + +

- 3 -

�Wi//en/chaft
und Technik

•

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. September 1982

38

MIT SPACELAB IN DEN WELTRAUM
- Ulf Merbold, Nutzlastspezialist für 9. Raumtransporter-Flug

- (AD) - Als erster Ausländer wird Ulf Merbold (41), Physiker und Fachmann für Werkstoffwissenschaften am Max-Planck-Institut für Metallforschung
in Stuttgart, im September 1983 beim neunten Einsatz des amerikanischen Raumtransporters mit von der Partie sein. Das bei der Fa. ERNO in Bremen im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation ESA gebaute Weltraumlabor SPACELAB
befindet sich bei diesem Sieben-Tage-Flug zum ersten Mal an Bord. Zu seiner
"Nutzlast" gehören die Ausrüstungen für 38 wissenschaftliche Experimente.
Sie werden von Merbold und dem Amerikaner Byron K. Lichtenberg betreut,
einem Spezialisten für biomedizinische Technik. Chefpilot ist, wie schon beim
ersten Raumtransporter-Flug im April 1981, John Young, sein Kopilot wird der
amerikanische Astronaut Brewster Shaw sein. Als "Mission Specialists" wählte
das US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) die Amerikaner Owen Garriott und
Robert Parker aus. Der Physiker Garriott konnte als Wissenschaftsastronaut
beim zweiten Unternehmen SKYLAB (28. Juli bis 25. September 1973) bereits

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�bereits umfangreiche Erfahrungen in der Sonnen- und Erdbeobachtung für eine
Vielzahl spezieller Forschungsprogramme sammeln.
Das sieben Meter lange Weltraumlabor verbleibt während des Fluges in
der sog. Nutzlastbucht des Raumtransporters. Seine Druckkabine, in der die
Nutzlastspezialisten ohne Raumanzug arbeiten können, ist über einen Tunnel
vom Cockpit des Raumflugzeugs aus zugänglich. Ein weiteres Element des
SPACELAB sind offene, dem Vakuum des Weltraums ausgesetzte Plattformen,
auf denen für die Dauer des Fluges Meß- und Experimentierausrüstungen für
Direktbeobachtungen montiert sind. Das Forschungsprogramm für die erste
SPACELAB-Mission sieht Untersuchungen zur Physik der Hochatmosphäre, zur
Plasma- (d.h. Hochenergie-)Physik, zur Biologie, Medizin und Astronomie
sowie die Durchführung von Sonnen- und Erdbeobachtungen vor.
Die wissenschaftlichen Projektleiter für die einzelnen Experimente aus
Laboratorien in der ganzen Welt haben Merbold und Lichtenberg gründlich auf
ihre Aufgaben vorbereitet. Das Astronautentraining erfolgte in Einrichtungen
der NASA in Texas und Alabama.

t- + + + +

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                <text>Amerikadienst 29.09.1982</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Araber müssen Existenzrecht Israels anerkennen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Vizepräsidenten vor dem Nationalen Presseklub -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA fordern Untersuchung von Berichten über Einsatz von Zwangsarbeitern in der UdSSR&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des State Department -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA sparen immer mehr Energie ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Benzinpreise sanken gegenüber Vorjahr um 12 Prozent -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mit Spacelab in den Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ulf Merbold, Nutzlastspezialist für 9. Raumtransporter-Flug -&lt;/em&gt;</text>
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DI Ell

t

Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. Oktober 1982

39
'*
I N H A L T
&lt;\

DOKUMENTATION
Shultz: Nahostregelung lebenswichtig für den Weltfrieden
- Rede des US-Außenministers vor der UN-Vollversammlung Die amerikanische Außenpolitik auf neuem Kurs
- Von John Kornblum Direktor für mitteleuropäische Angelegenheiten im amerikanischen
Außenministerium

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Erdgasleitung:

Weißer Elefant oder Trojanisches Pferd?

- Von Wilfried Prewo Wick:

USIA um Freiheit im ideologischen Wettbewerb bemüht

Von unserer Korrespondentin Valerie Kreutzer

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Satel1i ten-Di rektempfang
- US-Bundesbehörde erteilt Privatfirma erste Genehmigung

Um Über/endung von
ßelegeKemploren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. Oktober 1982

39

SHULTZ: NAHOSTREGELUNG LEBENSWICHTIG FÜR DEN WELTFRIEDEN
- Rede des US-Außenministers vor der UN-Vollversammlung •

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister
George Shultz hat in einer Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York am 30. September 1982 nachdrücklich darauf hingewiesen, daß
es in der Welt keinen Frieden und keine Sicherheit geben könne, wenn es im
Nahen Osten nicht zu einer ausgehandelten Lösung komme.

In seiner ersten Re-

de vor den Vereinten Nationen seit seinem Amtsantritt betonte Shultz, daß
die amerikanische Außenpolitik realistisch sei. Ein wichtiges Gebot für die
ganze Welt sei die Abrüstung.
Die grundlegenden Ausführungen des amerikanischen Außenministers haben
folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, sehr geehrte Delegierte, meine
Damen und Herren!
Ich möchte zunächst unserem neuen Generalsekretär, der bereits in seiner
kurzen Amtszeit diesem Amt so viel Würde gebracht hat, meine Anerkennung zollen.

Dag Hammarskjoeld hat einmal vor der Vollversammlung erklärt, daß all

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�daß all die Worte "Unabhängigkeit, Unparteilichkeit, Objektivität" - welches
man auch wählen mag -die wesentlichen Aspekte dessen beschreiben, was ohne
Ausnahme die Haltung des Generalsekretärs kennzeichnen muß. Javier Perez de
Cuellar, ein Mann der Dritten Welt, und, wie ich voller Stolz feststellen
darf, ein Mann der Neuen Welt, hat bereits die strikte Einhaltung dieses hohen Maßstabes bewiesen.

Damit hat er die höchste Wertschätzung meiner Regie-

rung und die Dankbarkeit aller verdient, die an die Zielsetzungen der Charta
der Vereinten Nationen glauben.
Ich möchte auch Herrn Hollai aus Ungarn zu seiner Wahl als Präsident
der 37. Vollversammlung gratulieren.
Wenn ich heute vor Ihnen stehe, dann muß ich unwillkürlich an meine Beziehung zu dieser Stadt und diesem Gebäude denken.
von hier geboren.

Ich wurde vier Meilen

Ich wuchs nicht weit von hier, auf der anderen Seite des

Hudson, auf und ging dort zur Schule.

Und ich machte hier eine Besucherfüh-

rung mit - kurz nachdem dieses Gebäude im Jahr 1952 eröffnet wurde als realer Ausdruck der Hoffnung, daß man zumindest den Krieg abschaffen könne.
Als ich Anfang der fünfziger Jahre durch dieses Gebäude schritt, galt
ein großes Interesse der Öffentlichkeit dem sogenannten "Meditationsraum".
Wie ich höre, gibt es diesen Raum noch. Aber in den Jahren seither ist diese Einrichtung - die Vereinten Nationen - berühmter geworden durch Reden als
durch Meditation. In diesem Saal wurden große Ideen mit großer Beredsamkeit
vorgetragen. Es wurden ebenso Hinterhältigkeiten, Platitüden und hohle Beteuerungen der Unschuld vorgetragen - nur zu oft, um ungeheuerliche und inhumane Akte zu tarnen.
Aber wir dürfen Worte nicht lächerlich machen.

Ich bin der Überzeugung,

daß der größte Fortschritt in der Menschheitsgeschichte nicht die Erfindung
des Rades, der Elektrizität oder der Verbrennungsmaschine war.

So unerläß-

lich sie für den Fortschritt gewesen sein mögen, so war doch unsere bemerkenswerteste Leistung die langsame, mühsame aber doch triumphierende Schaffung

- 2 -

�triumphierende Schaffung der Sprache.

Es waren die Worte, die unsere Vor-

fahren aus den Fesseln der Einsamkeit erlösten.

Worte gaben uns die Mittel

an die Hand, unseren Kindern und der Zukunft das krönende Juwel der menschlichen Existenz weiterzugeben:

Wissen.

Der Kodex des Hammurabi, die Bibel,

die Lehren des Konfuzius, die Lehren des Buddha, der Koran, die Einsichten
Shakespeares ,die Überzeugungen von Mahatma Gandhi oder Martin Luther King all das wurde in Worten ausgedrückt.
Es ist zutiefst enthüllend, daß die ersten Opfer von Tyrannen Worte sind.
Niemand kennt die Bedeutung der Freiheit besser als diejenigen, die wegen dessen, was sie gesagt haben, gefangengenommen oder geschlagen, eingesperrt oder
ins Exil geschickt wurden.

Ein einziger Mensch, der seine Stimme erhebt - ein

Lech Walesa zum Beispiel - ist gefährlicher als eine Panzerdivision.
Wir alle hier - gleich, ob sie, wie ich, in einem kurzen, einstündigen
Flug hierher kamen oder von der anderen Seite des Globus, wie viele von Ihnen,
betreten dieses Auditorium wegen eines ganz bestimmten Zweckes:

Nämlich über

das zu sprechen, was für unsere Regierungen die vor uns liegenden Probleme sin
und wie wir sie lösen sollten.

Zumindest in einem Punkt können wir alle über-

einstimmen - die Probleme sind vielzähl ig und schwierig.

Ich werde nicht den

Versuch machen, in den auf mich entfallenden Minuten im einzelnen alle diese
Fragen oder auch nur die meisten von ihnen anzugehen.
Stattdessen möchte ich Ihnen eine Vorstellung von den Grundsätzen und
der generellen Linie geben, auf der sich die Vereinigten Staaten bei unseren
gemeinsamen Problemen bewegen.
Amerikaner sind aus ihrer Geschichte und aus ihrer Neigung heraus ein
praktisches und ein pragmatisches Volk - aber auch ein Volk mit einer Vision.
Es ist die Vision - normalerweise schlicht und manchmal naiv -, die uns so
oft zu Abenteuer und Leistung geführt hat.

Die Haltung von Präsident Reagan

in der Außenpolitik gründet sich voll und ganz auf den Maßstäben, die sich
aus der pragmatischen Erfahrung der Amerikaner ergeben.
schon gesagt hat:

Wie de Tocqueville

Zur Erreichung seiner Ziele verläßt sich Amerika auf die
- 3 -

�auf die Interessen des einzelnen und läßt die Stärke und die Vernunft des
Individuums uneingeschränkt herrschen. Dies gilt heute noch ebenso wie vor
150 Jahren, als es geschrieben wurde. Unser wichtigstes Instrument ist heute
wie damals die Freiheit. Unsere Gegner sind die Unterdrücker, die Totalitaristen und die Taktiker der Furcht und des Druckes.
Auf dieser Grundlage sind die Gedanken Präsident Reagans und die
seiner Außenpolitik so frei und offen, daß diejenigen von uns, die im
Kleinkram verstrickt sind, sie leicht aus den Augen verlieren können.
tut der Präsident nie; er bringt uns immer wieder zum Grundsätzlichen
Ich will heute über diese Grundsätze sprechen. Sie bestehen aus vier
die unsere Handlungen lenken:

Struktur
täglichen
Dies
zurück.
Gedanken,

- Unser Ausgangspunkt ist die Realität;
- unsere Handlungen kommen aus der Stärke - sowohl hinsichtlich der Macht
als auch der Zielsetzung;
- unsere Betonung liegt auf dem unerläßlichen Bedürfnis, den Konsens zu
fördern, zu Vereinbarungen zu gelangen und über zentrale Fragen zu verhandeln; und
- wir handeln in dem Glauben, daß Fortschritt möglich ist, auch wenn der
Weg dorthin lang und beschwerlich ist.

I. Die Realität
Wenn wir die Welt verändern wollen, müssen wir sie zunächst verstehen.
Wir müssen uns der Realität stellen - mit all ihrer Qual und all ihren Möglichkeiten. Unser Zeitalter braucht diejenigen, die, wie Perikles einst sagte,
die deutlichste Vorstellung von dem haben, was vor ihnen liegt - Ruhm genau
wie Gefahr - und die dennoch darauf zugehen.
Die Realität

�Die Realität ist weder eine Illusion noch ein Taschenspielertrick, auch
wenn viele möchten, daß wir dies anders sähen.

Die gewaltige, zermalmende

Maschinerie der sowjetischen Propaganda versucht Tag für Tag, die Realität
zu verzerren und die Wahrheit für ihre eigenen Zwecke zu verbiegen. In unserer
Welt gibt es viel zu viele Regierungen, die versuchen, die Wahrheit vor ihrem
eigenen Volk zu verhüllen.

Sie möchten die Realität einsperren, indem sie das

kontrollieren, was man lesen oder sprechen oder hören kann.

Sie möchten uns

in dem Glauben belassen, daß schwarz weiß ist und oben unten.
Ein großer Teil der heutigen Realität ist unschön.

Die Bedingungen so

zu beschreiben, wie wir sie sehen - wie ich dies heute tue, und wie es Präsident Reagan im Lauf seiner Präsidentschaft immer getan hat -, bedeutet nicht,
die Konfrontation zu suchen.

Weit davon entfernt!

Unser Ziel ist es, Mißver-

ständnisse zu vermeiden und die notwendigen Vorbedingungen für einen Wandel
zu schaffen.
Und deshalb werden wir eine Aggression, wenn wir sie sehen, auch Aggression nennen.
nen.

Wenn wir eine Subversion sehen, werden wir sie Subversion nen-

Und wenn wir eine Repression sehen, werden wir sie Repression nennen.
- Die Ereignisse in Polen zum Beispiel können nicht ignoriert oder hin-

wegerklärt werden.

Das polnische Volk möchte sein eigener Herr sein.

der systematischen Tyrannei konnten diesen Wunsch nicht unterdrücken.
auch das Kriegsrecht wird es nicht tun.

Jahre
Und

Aber im heutigen Polen muß sich die

Wahrheit im stillen Winkel verstecken.
- Wir können uns auch nicht einfach abwenden und wegschauen, während
sowjetische Divisionen in Afghanistan die gesamte Bevölkerung brutal unterdrücken.

Der Widerstand des afghanischen Volkes ist eine heldenhafte Saga un-

serer Zeiten.

Wir würdigen diese Tapferkeit herab, wenn wir nicht ihren Ur-

sprung erkennen.
- Und sowjetische Stellvertreter intervenieren in vielen Ländern, wobei
sie ein neues Zeitalter des Kolonialismus zu einem Zeitpunkt der Geschichte
- 5 -

�der Geschichte schaffen, da die Völker auf der ganzen Welt diese Last abgeschüttelt hatten.
- Wir werden auch nicht davor zurückscheuen, andere Probleme anzusprechen,
die die freie Welt und die Entwicklungswelt angehen.
- In weiten Teilen der Entwicklungswelt gibt es die Bedrohung durch eine
Vertrauenskrise in die Finanzinstitutionen und durch die beengenden Wirkungen
der vom Staat kontrollierten Volkswirtschaften.
- Die normalerweise pulsierenden Volkswirtschaften vieler westlicher
Staaten genau

wie der Handel zwischen den Haupthandelspartnern der Welt wer-

den durch Rezession und steigenden Protektionismus bedroht.
- Und die wichtigsten Bündnisse, die die Stabilität und das Wachstum
der Welt beschirmen -, die Partnerschaft auf unserer Hemisphäre, die NATO sowie die westlichen Industriedemokratien und Japan -, sind sowohl durch neue
als auch alte Belastungen herausgefordert.
Schließlich verdunkelt der Schatten des Krieges noch immer unser aller
Zukunft.
- Es gibt bei einem ständig in Frage gestellten nuklearen Gleichgewicht
des Schreckens keine letztliche Sicherheit. Zu einer Zeit, da immer mehr
Staaten den Eindruck machen, zu einem Einsatz ihrer Armeen in Schlachten bereit zu sein, deren Gründe lokaler Natur zu sein scheinen, die aber Auswirkungen auf die regionale und sogar globale Harmonie haben, herrscht auch ein
geistiger Unruhezustand.
Die Liste der Unruhen ist lang, die Gefahr der Verzweiflung groß.

Aber

es gibt auch noch eine andere Seite der derzeitigen Realität; es ist eine Realität der Hoffnung.

Wir leben in einer phantastischen Zeit der Möglichkeiten.
Die Historiker

�Die Historiker zukünftiger Zeiten werden sicherlich Großes über die
Leistungen schreiben, die von der Menschheit in der zweiten Hälfte dieses
Jahrhunderts erreicht wurden.

Wir haben die Grenzen des Denkens ausgedehnt

- in den Naturwissenschaften, in der Biologie, in der Technik, in der bildenden Kunst, der Musik und Mathematik, bei Technologie und Architektur - weit
über den Punkt hinaus, den vorauszusagen man gewagt oder auch nur gehofft
hätte.

Heute wissen wir viel über Ozeane und Wälder und geologische Schich-

ten, die die Geschichte unserer Vergangenheit in sich tragen.

Wir wissen

mehr über ein Kleinkind oder über das Gehirn, als in den Jahrtausenden vor
uns zusammengetragen wurde.

Wir sind dabei zu lernen, Nahrungsmittel für uns

alle zu produzieren; wir stehen nicht mehr hilflos vor den Gefahren von Krankheiten; und wir erforschen wie selbstverständlich unser Universum.
schäftigen uns mit der Natur der Natur selbst.
tig.

Wir be-

Die Möglichkeiten sind gewal-

Auch dies ist eine eindeutige Realität.
So zeigt uns der Realismus eine Welt in großer Unruhe, aber zugleich auch

Gründe für Hoffnung.

Aber es gibt eine notwendige Vorbedingung:

Der einzige

Weg, auf dem wir das menschliche Potential erhöhen und erweitern können, geht
über die Bewahrung, die Verteidigung und die Ausweitung der kostbarsten Vorbedingungen - Freiheit und Friede.

II. Stärke
Amerikas Verlangen nach Frieden führt uns jedoch nicht dazu, beim Aufbau
unserer Stärke zu zögern oder sie, falls notwendig, auch einzusetzen.

Ja, Klar-

heit über die Größe der vor uns liegenden Probleme führt unvermeidlicherweise
zu einer realistischen Einschätzung der Bedeutung amerikanischer Stärke.

Die

Stärke der freien Welt zwingt zu Zurückhaltung, lädt zu Entgegenkommen ein
und bietet denjenigen Sicherheit, die sich an der kreativen Arbeit beteiligen
wollen, die kostbarer Ausfluß der Freiheit ist.
Stärke bedeutet, daß die militärischen Streitkräfte sicherstellen, daß
kein anderes Land uns, unsere Interessen oder unsere Freunde bedrohen kann.
- 7 -

�bedrohen kann.

Aber wenn ich von Stärke spreche, so meine ich nicht allein

militärische Macht.

Für uns Amerikaner kommt Stärke zugleich auch aus einer

soliden wirtschaftlichen Grundlage und sozialer Vitalität sowohl zu Hause
als auch mit unseren Partnern; und, was am wichtigsten ist:

Die echte Quelle

der Stärke liegt in der moralischen Verpflichtung Amerikas.
Das Bollwerk der Stärke Amerikas ist die militärische Macht für den Frieden.
Das amerikanische Volk hat niemals Schwäche, Zögern oder Verzicht akzeptiert.

Wir werden unser Geschick nicht in die Hände von Unbarmherzigen legen.

Heute sind die Amerikaner mit Nachdruck geeint in der Notwendigkeit einer
starken Verteidigung.

Der Verteidigungshaushalt dieses Jahres wird sicherstel-

len, daß die Vereinigten Staaten ihren Freunden und Verbündeten dabei helfen,
sich selbst zu verteidigen; er wird sicherstellen, daß der Frieden von allen
deutlich als der einzig einschlagbare Kurs der Weltpolitik angesehen wird.
Hand in Hand mit militärischer Bereitschaft und militärischer Kapazität
muß die Bereitschaft gehen, diese auch für die Sache des Friedens, der Gerechtigkeit und der Sicherheit einzusetzen.

Heute helfen in Beirut die ame-

rikanische Marinesoldaten - zusammen mit unseren Verbündeten Italien und
Frankreich - der libanesischen Regierung und ihren Streitkräften, die Sicherheit der Einwohner dieser gequälten Hauptstadt sicherzustellen.

Ich sage es

mit Bedauern, daß ich gerade von dem Tod eines Angehörigen des Marinekorps und
der Verwundung mehrerer anderer durch eine Minenexplosion auf dem Beiruter
Flughafen

gehört habe.

Aber unsere Marinesoldaten stellen eine Ausweitung

amerikanischer Macht nicht zum Zweck des Krieges, sondern zur Sicherung des
Friedens dar.

Sie sind dort, um so schnell wie möglich den Augenblick herbei-

zuführen, an dem alle ausländischen Streitkräfte den Libanon verlassen.

Es muß

bald zu einer Übereinkunft über einen Zeitplan für die umfassende Anerkennung
der Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen Integrität kommen.

Der

Libanon verdient die Hilfe der ganzen Welt - um den Frieden zu sichern und
um wieder eine gedeihliche Gesellschaft aufzubauen.
Amerika wird

-

BJ

�Amerika wird auch weiterhin seine Stärke mit Klugheit, Beständigkeit
und Ausgewogenheit einsetzen.

Unsere Absicht ist es, den Respekt unserer

Gegner zu erlangen und uns das Vertrauen von Verbündeten und Partnern zu verdienen.
Der Motor der amerikanischen Stärke ist eine gesunde Wirtschaft.
In einer Zeit der Rezession werden die Industrienationen genau wie die
weniger entwickelten Länder von exzessiver Inflation, begrenzten Märkten, unausgelasteten Kapazitäten, stagnierendem Handel, wachsendem Drang nach Protektionismus und dem mächtigsten Feind der Expansion, einer durchdringenden
Unsicherheit,heimgesucht.
Die Vereinigten Staaten mit ihren gewaltigen Human- und Wissenschaftsressourcen können eine Zeit des wirtschaftlichen Haders und der wirtschaftlichen Rückschläge überstehen. Aber unsere moralische Verpflichtung und
unser Eigeninteresse erfordern von uns, unsere technologischen und produktiven Fähigkeiten einzusetzen, um im Inland dauerhaften Wohlstand zu schaffen
und im Ausland zu einer soliden Wirtschaftslage beizutragen.
Präsident Reagan hat ein mutiges Programm aufgestellt, um wieder Schwung
in die amerikanische Wirtschaft zu bringen.

Unsere Inflationsrate ist deut-

lich gesunken, und wir werden sie niedrig halten.

Dies wird dem Dollarkurs

zusätzliche Stabilität verleihen und den internationalen Finanzmärkten größere
Zuversicht geben.
Der kürzliche Fall der amerikanischen Zinsen wird sowohl im Inland wie
im Ausland zu neuen Investitionen anregen.

Einsparungen im Energiebereich

durch marktwirtschaftliche Preisgestaltung hat die Nachfrage der Vereinigten
Staaten nach Energie auf den Weltmärkten verringert.
Rezession hinter uns zu bringen.

Wir sind dabei, die

Eine wachsende und offene amerikanische Wirt-

schaft wird den andernorts produzierten Gütern und Dienstleistungen neue
Märkte bieten und neue Möglichkeiten für Auslandsinvestitionen.

Genau wie wir

von der weltweiten Erholung profitieren, werden andere durch unsere weitere
- 9 -

�unsere weitere Genesung begünstigt.
Damit dieser günstige Trend anhält, müssen wir gemeinsam die folgenden
internationalen Fragen angehen:
- Es gilt, sich den Gefahren einer protektionistischen Handelspolitik zu
widersetzen - ganz gleich, ob in Form offener Importrestriktionen oder Exportsubventionen oder durch subtilere inländische Programme. All dies kann
nur den Welthandel verzerren und das Wachstum überall schädigen. Machen wir
mit Entschlossenheit das GATT-Ministertreffen im November zu einer Gelegenheit,
bei der diesem protektionistischen Druck entgegengewirkt wird und die positiven Anstrengungen für ein offeneres Handelssystem erneut gekräftigt werden!
- Die Auswirkungen der Schulden vieler Staaten im Ausland gilt es zu
analysieren. Die drängendsten Schuldprobleme sind in den Griff zu bekommen,
wenn wir den gesunden Menschenverstand einsetzen und destabilisierende Maßnahmen vermeiden. Aber die Höhe der Auslandsschulden wird nahezu unvermeidlicherweise die verfügbaren Mittel vermindern, die in Zukunft zu Entwicklungszwecken zur Vergabe vorhanden sein werden. Wirtschaftliche Anpassungsmaßnahmen
sind notwendig. Der Internationale Währungsfonds kann bei den Anstrengungen
aller Länder entscheidende Hilfe und Führung geben, den Anpassungsprozeß so
reibungslos wie möglich zu vollziehen.
- Schließlich gilt es, die Notwendigkeit einer Verminderung staatlicher
Eingriffe in den freien Markt zu sehen. Jeder Staat hat das Recht, seine Gesellschaft in der Weise zu organisieren, wie es die Bevölkerung will; aber
zugleich dürfen ökonomische Tatbestände auch nicht ignoriert werden. Und diese Tatbestände zeigen, daß die Zwangswirtschaften dieser Erde zutiefst dabei
versagt haben, den Bedürfnissen der dort lebenden Menschen zu entsprechen.
Die in Wohlstand lebenden Industrienationen sind zugleich auch diejenigen mit
den freiesten und offensten Märkten.
Das Fundament unserer Stärke ist unser moralischer und geistiger Charakterzustand.
Die Quellen
- 10 -

�Die Quellen echter Stärke liegen tiefer als in der wirtschaftlichen
oder militärischen Macht - sie liegen in der Entschlossenheit freier Menschen,
die sich ihrer Verantwortung bewußt sind.

Die Institutionen Amerikas sind

offen, zugänglich für jedermann; die Regierung ist Diener des Volkes, diesem
verantwortlich.

Chancengleichheit, Gleichheit vor dem Gesetz, öffentliche

Geschworenengerichtsbarkeit, Glaubens-, Redens- und Versammlungsfreiheit unsere Bill of Rights, unsere Garantien für Freiheit und begrenzte Staatsvollmachten wurden in Jahrhunderten der Prüfung geschmiedet.

Und weil wir um un-

serer selbst willen für diese Werte Sorge tragen, müssen wir uns legitimerweise auch mit der Mißachtung von Freiheit, Gerechtigkeit und humanitären Grundsätzen jenseits unserer Grenzen auseinandersetzen.

Deshalb werden wir uns mit

Wort und Tat für jene einsetzen, die ihrer Überzeugung wegen eingesperrt sind,
werden gegen den Terrorismus und gegen die brutale Art und Weise auftreten,
in der die sowjetischen Überwachungsgruppen der Helsinki-Schlußakte zum Schweigen gebracht wurden.

Und deshalb sind wir auch ängstlich um eine regelmäßige

Überprüfung bemüht, wie die Menschenrechte bei uns und bei den anderen verwirklicht werden. Wir begrüßen eine Untersuchung unseres eigenen Systems.
Wir sind nicht vollkommen und wissen das, aber wir haben auch nichts zu verbergen.
Unser Glaube an die Freiheit leitet unsere Politik hier in den Vereinten
Nationen genau wie andernorts.

Deshalb werden die Vereinigten Staaten vor

diesem Forum auch weiterhin auf Fairness, Ausgewogenheit und Ehrlichkeit bestehen. Wir nehmen die Debatte über die Menschenrechte ernst. Wir bestehen
auf Ehrlichkeit im Umgang mit der Sprache; wir werden auf Widersprüche, auf
verschiedene Maßstäbe und auf Lügen hinweisen.

Und wir werden uns nicht bei

unserer Verpflichtung zur Wahrheit kompromittieren lassen.

III. Bereitschaft zur Problemlösung
In dieser Welt gibt es genug Arbeit zu tun für Realisten, Pragmatiker
und Freie. Mit einem klaren Verständnis für die schwierige Lage dieser Zeit
und mit gestärkter Fähigkeit zum Handeln bedürfen wir noch der Vision, über die
- 11 -

�über die unmittelbare Gegenwart hinauszublicken.
Wir alle hier vertreten Staaten, die die Notwendigkeit zu fairem Engagement
für die vor uns liegenden Fragestellungen und darüber hinaus der gemeinsamen
Anstrengung in Richtung auf gemeinsame Ziele hin einsehen und akzeptieren müssen. Gleich, ob wir den Versuch unternehmen, in einem regionalen Konflikt
Frieden zu schaffen oder eine Resolution über Handelsdifferenzen zu verabschieden:

Die Zeit der zwangsweise auferlegten Lösungen ist vorüber.

Eroberung,

Druck, Anpassung durch Nötigung waren in Jahrzehnten üblich, die noch nicht
lange der Vergangenheit angehören - aber nicht mehr heute. Nicht jedermann,
der möchte, daß seine Besorgnisse behandelt werden sollten, wird uns hierfür
automatisch empfänglich finden.

Aber wenn es um ordentliche Verhandlungen geht,

wird Amerika bereit sein, an der globalen Tagesordnung mitzuarbeiten - und dies
in einer Weise, daß alle am Ende besser und sicherer dastehen als zuvor.
Wir werden unsere Probleme vernünftiger und mit größerem gegenseitigem
Verständnis in den Griff bekommen, wenn wir zu der Erkenntnis gelangen, daß
sie Ausdruck des grundlegenden Dilemmas der Menschheit sind. Wir stehen nur
selten vorder schlichten Frage nach falsch oder richtig, nach gut oder böse.
Nur diejenigen, die nicht die unmittelbare Last der Verantwortung für eine Entscheidung und für eine Maßnahme tragen, können sich in den Details einer solchen
Realität ergehen. Aufgabe des Staatsmannes ist es, zwischen zwei - und mehreren - Anliegen zu vermitteln, bei denen oft genug jede ihre legitimen Ansprüche hat.
Und gerade auf dieser Grundlage sind die Vereinigten Staaten bereit, bei
der Lösung der Probleme unserer Zeit einen Versuch zu machen - das Chaos, die
Entbehrungen und die vermehrte Gefahren einer Ära zu überwinden, in der Ideologien und Kulturen zu oft aufeinanderzustoßen scheinen und die Technologien die
Gefahr mit sich bringen, unsere Kontrollinstanzen hinter sich zu lassen.
Wir unternehmen Verhandlungen und Anstrengungen, Antworten auf Fragen zu
finden, die jeden Teil dieser Erde berühren und jeden Aspekt des Lebens auf
ihr. Lassen Sie mich zusammen mit Ihnen nur zwei davon berühren.
Die Agonie

�Die Agonie des Nahen Ostens übersteigt derzeit die Fähigkeit, sie in Nachrichten-Bulletins oder Reden zum Ausdruck zu bringen; sie ist eine brennende
Wunde unseres Gewissens.
Gärung.
Hader.

Die Region befindet sich in einem Dauerzustand der

Unruhe entzündet sich zu Gewalt, Terror, Aufruhr und öffentlichem
Krieg folgt auf Krieg.

Für jedermann in diesem Raum hier ist klar,

daß es nicht wirklich zu Weltfrieden, Sicherheit und Zusammenarbeit kommen
kann, solange dieser schreckliche regionale Konflikt nicht gelöst ist.
Wir alle sind in den vergangenen Monaten Zeuge einer deutlichen Erinnerung
an die Notwendigkeit praktischer Friedensverhandlungen im Nahen Osten geworden.
Unter den Staaten dieser Welt, die Frieden brauchen und verdienen, steht Israel
sicherlich mit an vorderster Stelle.

Unter den Völkern dieser Welt, die einen

Platz brauchen und verdienen, mit dem sie sich wirklich identifizieren können,
ist der palästinensische Anspruch unleugbar.
Aber Israel kann einen dauerhaften Frieden nur in einem Kontext haben,
in dem das palästinensische Volk auch seine legitimen Rechte wiederfindet.
Desgleichen wird das palästinensische Volk nur in einem Kontext seine legitimen
Rechte erhalten können, der Israel das gibt, was zu verlangen es so offenkundig ein Recht hat - nämlich zu existieren, und zwar in Frieden und in Sicherheit
zu existieren.
Dieser komplizierteste aller internationalen Konflikte kann nicht durch
Gewalt gelöst werden; weder der Macht von Armeen noch der Gewalt von Terroristen
kann es gelingen, den Schwachen den Willen der Starken aufzuzwingen.

Der

Konflikt kann auch nicht nur einfach durch die Rhetorik selbst der sorgfältigst formulierten Dokumente geregelt werden.

Er kann nur gelöst werden

durch das Geben und Nehmen direkter Verhandlungen, die zur Schaffung praktischer Vorkehrungen an Ort und Stelle führen.
Mit anderen Worten:

Er kann nur durch harte Arbeit gelöst werden.

Für

diejenigen, die daran glauben, daß kein Widerspruch besteht zwischen Frieden
für Israel und den legitimen Rechten des palästinensischen Volkes und für diejenigen, die glauben, daß beides von entscheidender Bedeutung für den Frieden
- 13 -

�den Frieden ist und daB das eine nicht ohne das andere zu erreichen ist,
kann diese Aufgabe wahrhaft zu einer Arbeit werden, die gern getan wird.
Am 1. September hat Präsident Reagan die am arabisch-israelischen Konflikt beteiligten Parteien aufgefordert, einen Neubeginn auf dem Wege zum
Frieden im Nahen Osten zu machen.

Die Abkommen von Camp David, die fest auf

der Resolution 242 des Weltsicherheitsrates mit der Formel Frieden und Territorium ruhen, stehen auch weiterhin denen offen, die diesem Appell zustimmen,
den Weg mit uns zu gehen.

Dieser Weg wird nicht leicht sein, aber in seiner

Erklärung unterbreitete Präsident Reagan eine Reihe von Vorschlägen, die für
diejenigen, die bereit sind, sich diesem Bemühen anzuschließen, den Weg
sicherer und leichter machen.
Ich appelliere an alle Betroffenen, diesem Aufruf Präsident Reagans zuzustimmen und die Verwirklichung eines echten Friedens im Nahen Osten zu beschleunigen.
Zusätzlich zu dieser dringenden Notwendigkeit, regionale Probleme zu
lösen, gibt es ein gleichermaßen wichtiges, globales Gebot: Der weltweiten
Aufrüstung Einhalt zu gebieten und sie ins Gegenteil umzukehren. Als Amerikaner bin ich mir über die Tatsache im klaren, daß den beiden mächtgsten Nationen, den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, eine besondere Verantwortung für die Rüstungskontrolle und die Abrüstung zukommt. Und als Amerikaner
kann ich berichten, daß wir unserer Verantwortung nachkommen, eine Begrenzung
und Reduzierung konventioneller und nuklearer Waffen auf den geringstmöglichen
Stand anzustreben.
Mit diesem Ziel vor Augen hat Präsident Reagan ein umfassendes Programm
für ausgehandelte Rüstungsreduzierungen eingeleitet. In Mitteleuropa, dem
am schwersten bewaffneten Gebiet auf diesem Planeten, bemühen sich die westlichen Verbündeten um wesentliche Verringerungen der Truppen der NATO und des
Warschauer Paktes auf ein gleiches Niveau. Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir kürzlich einen neuen Vorschlag unterbreitet, der darauf abzielt, die
Wiener Gespräche über beiderseitige und ausgewogene Reduzierungen der Truppen- 14 -

�der Truppenstärken wiederzubeleben.
Auf dem Gebiet der strategischen Waffen haben die Vereinigten Staaten
ebenfalls die Initiative ergriffen, indem sie die Verringerung der Anzahl
der nuklearen Gefechtsköpfe um ein Drittel forderten, die amerikanische und
sowjetische ballistische Raketen ins Ziel tragen können.

Und bei den Genfer

Gesprächen über nukleare Mittel Streckensysteme sind die Vereinigten Staaten
sogar noch weiter gegangen, indem sie die Sowjetunion aufgefordert haben, einem kühnen Vorschlag für die Beseitigung einer gesamten Waffenkategorie aus
den Arsenalen der beiden Seiten zuzustimmen.
Aber so wichtig diese Verhandlungen auch sind, das Problem der Rüstungskontrolle kann nicht den beiden Supermächten überlassen bleiben.

Die Gefahr

der nuklearen Proliferation erstreckt sich praktisch auf die ganze Welt und
erfordert die Aufmerksamkeit und die Energie aller Regierungen.

Dies ist

nicht allein, nicht einmal in erster Linie ein Anliegen der Supermächte.
Die Nicht-Atomstaaten werden nicht sicherer sein, wenn die nukleare Einschüchterung noch zu den bereits tödlichen regionalen Konflikten hinzukommt.
Die Entwicklungsländer werden keineswegs eine größere Priorität erlangen,
wenn knappe Ressourcen und wissenschaftliches Können für Atomwaffen und Trägersysteme abgezweigt werden.
Leider wird die Aufgabe, je wichtiger sie wird, auch umso schwieriger.
Es werden immer größere Mengen gefährlichen Materials produziert, und es treten neue Lieferanten auf, die keine klare Verpflichtung zur Nichtweiterverbreitung an den Tag legen.

Aber die Technologie, die zur Schaffung dieser

Probleme beitrug, kann auch die Antworten dazu liefern.

Tatkräftige Schritte

zur Stärkung der einer Aggression entgegenstehenden Hindernisse und Schranken
sowie Maßnahmen zur friedlichen Lösung von Streitfällen können die Unsicherheiten beseitigen, die die Wurzel des Problems sind.

Die Vereinigten Staaten

werden ihrerseits darauf hinwirken, die Exportkontrollen zu verstärken, eine
größere Zustimmung zu den Sicherheitsvorkehrungen zu fördern, sinnvolle Maßnahmen zu fördern, wenn Abkommen verletzt werden, und die Internationale Atomenergiebehörde zu stärken.

(Wie unsere Aktion in Wien in der vergangenen Woche
- 15 -

�vergangenen Woche verdeutlichte, werden wir keine Versuche zur Politisierung
- und damit zur Schwächung solcher lebenswichtiger Institutionen akzeptieren.)

IV. Fortschritt
Der vielleicht allgemeingültigste Satz ,der in über zwei Jahrhunderten
des nationalen Lebens von Amerikanern geprägt wurde, lautet:
kann man nicht aufhalten."

"Den Fortschritt

Unser Volk war stets von der Überzeugung

erfüllt,

daß die Zukunft eines freien Volkes gut sein müsse.
Auch weiterhin bietet Amerika der Welt diese Vision an.

Mit einer sol-

chen Vision und mit der Freiheit, kreativ zu handeln, erfüllt, gibt es nichts,
was Menschen guten Willens zu fürchten hätten.
Ich will hier jedoch nicht behaupten, daß der Weg leicht ist oder schnell
zurückgelegt werden kann oder daß die Zukunft unbedingt hell und leuchtend
sein muß. Es gibt ein Gedicht von Carl Sandburg, in dem ein Reisender die
Sphinx auffordert, den Extrakt der Weisheit aller Zeitalter zu enthüllen.
Die Sphinx antwortet tatsächlich. Ihre Worte sind "Erwarte nicht zuviel."
Das ist ein guter Rat für uns alle. Dies bedeutet nicht, daß große
Leistungen außerhalb unserer Reichweite lägen. Wir können dazu beitragen,
konstruktivere internationale Beziehungen zu schaffen und unseren Kindern eine
bessere Lebenschance zu bieten. Es heißt jedoch auch, daß Wagnisse, Schmerzen, Kosten und vor allem Ausdauer nötig sind, um diese Leistungen zu vollbringen.
Wir müssen uns über den komplexen und beunruhigenden Charakter dieser
Welt im klaren sein. Wir sollten nicht in Bildern der Perfektion oder in unerfüllbaren Plänen schwelgen oder Lösungen nachgeben, die durch Druck erreicht wurden. Es ist die Verantwortung der führenden Politiker, nicht noch
den immer größer werdenden Appetit auf leichte Versprechungen oder großartige

�oder großartige Zusicherungen zu fördern. Die einfache Wahrheit ist vielmehr:

Wir

sehen uns der Aussicht gegenüber, daß es nur allzu wenige ent-

scheidende und dramatische Durchbrüche geben wird; wir sehen uns der Notwendigkeit gegenüber, unsere Energien und unsere Kreativität einem sich hinziehenden Kampf um den letztlichen Erfolg zu widmen.
Das ist die Einstellung meines Landes, weil wir nicht nur die Notwendigkeit, sondern auch die Möglichkeit sehen, auf breiter Front wichtige Fortschritte zu erzielen.

Zum Beispiel:

- Trotz tiefgehender Meinungsunterschiede zwischen uns und der Sowjetunion stehen Unterhändler beider Seiten in einem ernsthaften und sachlichen Bemühen um die Rüstungskontrolle.
- Präsident Reagan hat zu einer internationalen Konferenz über Militärausgaben aufgerufen.

Die Schaffung eines gemeinsamen Systems zur Er-

fassung und Offenlegung ist die Voraussetzung für ein Abkommen über die
Begrenzung oder Kürzung der Verteidigungshaushalte.
- Die Initiative für das Karibische Becken schafft die entscheidend wichtige Verbindung zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und wirtschaftlicher Freiheit.

Dies kann ein Modell werden für faire und produktive

Zusammenarbeit zwischen Volkswirtschaften, die nach Umfang und Natur
überaus unterschiedlich sind.
- Und der diplomatische Weg ist offen, um im südlichen Afrika Stabilität
und Fortschritt für Namibia durch Unabhängigkeit unter international
akzeptablen Bedingungen zu schaffen.
Realismus sowie die Bereitschaft, lange und hart für faire und frei vereinbarte Lösungen zu arbeiten - das ist unser Rezept für den Optimismus. Das
ist die Botschaft und auch das Angebot, das meine Regierung Ihnen heute unterbreitet.
Herr Präsident,
- 17 -

�Herr Präsident, Herr Generalsekretär, sehr geehrte Delegierte und Freunde:
Ich habe meine Ausführungen hier und heute mit einem informellen, persönlichen
Wort begonnen.

In diesem Geiste möchte ich auch meine Bemerkungen abschließen.

Wir müssen entschlossen und zuversichtlich sein. Wir müssen uns auf
Schwierigkeiten einstellen, aber immer optimistisch bleiben.

Nur auf diese

Weise kann das Großartige, das der menschliche Geist und die Vorstellungskraft
des Menschen hervorbringt, von all den Rassen und Nationen geteilt werden, die
wir hier in diesem Raum vertreten.
Einer meiner Vorgänger als amerikanischer Außenminister, dessen Bild in
meinem Büro hängt, hat der Welt das Wesen der Einstellung Amerikas zu den Gefahren und Zwangslagen unseres Planeten übermittelt.

Er sagte, wir würden

"mit festem Herzen und einem reinen Gewissen handeln und niemals verzweifeln."
Das hat John Quincy Adams vor etwa 150 Jahren gesagt. Ich darf Ihnen
heute persönlich versichern, daß wir in diesem Geist unsere Arbeit fortführen
werden, mit dieser Entschlossenheit und mit diesem Vertrauen in die Zukunft.

+ + + + +

18

�6. Oktober 1982

39

DIE AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK AUF NEUEM KURS
- Von John Kombi um Direktor für mitteleuropäische Angelegenheiten im amerikanischen
Außenministerium

Nachfolgend die Wiedergabe eines Vortrages, den John Kornblum am 4. Oktober
1982 im Haus Rissen in Hamburg gehalten
hat.

- (AD) - Die 37 Jahre seit Ende des Zweiten Weltkrieges waren eine Zeit
des dramatischen Wandels. Aber sie waren auch eine Ära der bemerkenswerten
Kontinuität in den grundlegenden Beziehungen zwischen den Völkern, vor allem
den Völkern der atlantischen Welt.
Ein Grundprinzip der amerikanischen Außenpolitik bleibt die Aufrechterhai tung der Sicherheit und Freiheit für die Vereinigten Staaten und für
ihre Verbündeten. Gleichzeitig suchen sie geduldig nach Lösungen der vielen
Probleme,die uns heute konfrontieren.
Um es

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Um es ganz direkt zu sagen:

Unsere Politik hat sich darauf konzentriert,

den Zusammenhang des Atlantischen Bündnisses als der stärksten Partnerschaft
demokratischer Staaten in der Welt aufrechtzuerhalten.

Es ist und bleibt un-

sere feste Überzeugung, daß der demokratische Pluralismus die beste Hoffnung
auf menschlichen Fortschritt und Gerechtigkeit für die ganze Menschheit bietet.
Von dieser Grundlage ausgehend versuchen wir, die Konfrontation mit Gegnern abzubauen und dazu beizutragen, den neuen und aufstrebenden Nationen der
sogenannten Dritten Welt Stabilität, Wachstum und Demokratie zu bringen.
Das ist eine schwierige Aufgabe.
einigten Staaten noch erschwert.

Sie wird für eine Nation wie die Ver-

Unsere Lebensweise, unsere Partnerschaft

mit Europa und unser Engagement in der Welt basieren nicht nur auf militärischer Macht oder Berechnungen des weltweiten Kräfteverhältnisses, sie basieren vielmehr auf einem Ideal - dem demokratischen Ideal, das es unserer Nation ermöglicht hat, zu ihrer heutigen Stärke zu gelangen.
Aber eine Weltmacht wird oft vor eine schwere Wahl gestellt. Es ist
nicht immer möglich, an einem reinen Ideal festzuhalten angesichts militärischer Bedrohungen, erdrückender Armut oder der Instabilität emporstrebender Gesellschaften. In Fällen, in denen unsere Gegner selbst sich nicht nach
den Spielregeln der Demokratie verhalten, müssen wir oft andere Ziele - wie
etwa die Vermeidung der Subversion oder des Zusammenbruchs befreundeter Länder - noch vor das Festhalten am reinen Ideal setzen.
Von besonderer Wichtigkeit ist die Aufrechterhaltung der Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten und des Vertrauens in sie. Eine Nation, die
keine klaren und erreichbaren Ziele aufstellt, kann nicht erwarten, die anhaltende Unterstützung von Partnern zu erhalten, so stark ihre Ideale auch
sein mögen. Und eine Nation, die keine klaren Grenzen ihrer Toleranz setzt,
kann nicht erwarten, erfolgreich mit Gegnern umzugehen, so ehrlich sie auch
Kooperation und Frieden wünscht.
Als die

�Als die Reagan-Administration im Jahr 1981 ihr Amt antrat, wurden die
Glaubwürdigkeit und Klarheit der amerikanischen Politik in der ganzen Welt
in Zweifel gezogen.
Unsere Partner waren durch große Umschwünge in den Zielen der Vereinigten Staaten verwirrt.

Sie beklagten sich laut über den Mangel an Klarheit

und Führung seitens der Vereinigten Staaten.
Unsere Gegner hatten zu glauben begonnen, daß die Vereinigten Staaten
ihre Verantwortung für die Verteidigung der - politischen und militärischen Interessen der westlichen Welt nicht mehr ernst nehmen würden.

Einige Jahre

des Schwankens und der Vernachlässigung hatten der Sowjetunion insbesondere
den Eindruck vermittelt, wir würden auf die Steigerung der militärischen
Stärke der Sowjetunion oder auf die zunehmende Subversion in der Dritten Welt
nicht reagieren.
Und schließlich hatten ein Nachlassen der Wirtschaftstätigkeit und
fragwürdige Aussichten auf Wachstum stark an dem Vertrauen unserer eigenen
westlichen Gesellschaften gezehrt. Wir begannen uns darauf zu konzentrieren,
was an unserer westlichen Demokratie falsch sein könnte, statt darauf, was
richtig ist. Oft schienen die innere Auseinandersetzung und der innere Wettstreit

über die Kooperation vorzuherrschen.

Im Westen machte sich zunehmend

ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit breit.
Angesichts dieser Situation übernahm Präsident Reagan sein Amt in der
Entschlossenheit, die negativen Trends amerikanischer Führung umzukehren.
Er sah, daß die Lage in den achtziger Jahren sich grundsätzlich von der in
den vorangegangenen Jahrzehnten unterschied.

Wir standen vor neuen Heraus-

forderungen wie wirtschaftliche Instabilität, verstärkte militärische und politische Bedrohungen durch die Sowjets und die unsichere Situation der Dritten
Welt.

Diese neue Lage hätte Unklarheit und Uneinigkeit noch verstärkt, wenn

die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten nicht zu den ursprünglichen Prinzipien ihrer Zusammenarbeit zurückgekehrt wären.
Um diesen

�Um diesen Herausforderungen zu begegnen, erstellte der Präsident folgende Prioritäten:
- Aus der Einsicht heraus, daß eine wirtschaftliche Schwäche Amerikas
unsere Bemühungen im Ausland lähmen würde, schlug er ein umwälzendes
Programm zur Wiederherstellung eines nicht-inflationären wirtschaftlichen Wachstums vor.
- Eine wesentliche Grundlage dieses Ansatzes war die Überzeugung, daß
wirtschaftlicher Wiederaufschwung von einer sofortigen Korrektur von
Mängeln unserer militärischen Position begleitet werden mußte.

Eine

Wiederherstellung des Vertrauens in die Fähigkeit Amerikas - und des
Westens -,den Herausforderungen der achtziger Jahre zu begegnen, erforderte von uns, unsere Fähigkeit zur Aufrechterhaltung des militärischen Gleichgewichts wiederherzustellen.
- Gleichzeitig war der Präsident entschlossen, das Niveau der militärischen Konfrontation auf den niedrigstmöglichen Stand zu senken auf der Basis der Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts zwischen Ost
und West. Er schlug vor, daß sich die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion auf echte Verringerungen der Rüstungen konzentrieren sollten, statt auf eine simple Bestätigung des Status quo.
- Aus der Erkenntnis der bleibenden wichtigen Aufgaben in der Dritten
Welt verpflichtete sich der Präsident, jenen Nationen Ermutigung und
Hilfe zukommen zu lassen, die sich wahrhaft einer nationalen Entwicklung verschrieben haben. Gleichzeitig lehnte er die These ab, daß jede sogenannten "nationale Befreiungsbewegung" als positiv betrachtet
werden müsse, einfach weil sie vorgibt, gegen Ungerechtigkeit zu
kämpfen.
- Und schließlich unterstrich der Präsident - was am wichtigsten ist -»
daß die Sicherheit unserer eigenen Gesellschaft und die der ganzen
Welt nur durch die engste Zusammenarbeit der demokratischen Industrie- 4 -

�demokratischen Industriestaaten des Westens aufrechterhalten werden
kann.

Die Neubelebung der atlantischen Partnerschaft nahm den ersten

Platz auf der außenpolitischen Prioritätenliste des Präsidenten ein.

Das Bündnis
Wieviel

wir erreichen können, wird von der Gesundheit und der Vitali-

tät des Nordatlantischen Bündnisses abhängen.
Aus diesem Grunde bleibt das Nordatlantische Bündnis das Kernstück der
amerikanischen Außenpolitik.

Das war in der Vergangenheit so, das ist heute

so, und das wird auch in absehbarer Zukunft so sein.
Dafür gibt es drei Gründe:
- Erstens, die Mitglieder des Bündnisses sind nicht durch Gewalt oder
durch reine Zweckdienlichkeit vereint, sondern durch eine gemeinsame
Geschichte, Kultur, Wertskala und Interessen.
- Zweitens, die Sicherheit Westeuropas und Amerikas ist unteilbar.
- Drittens, eine Kernfrage unserer gemeinsamen Interessen bleibt die Bedrohung der westeuropäischen und amerikanischen Sicherheit durch die
Sowjetunion.
Wir sind der Überzeugung, daß das Bündnis das wirksamste und am wenigsten
kostspielige Instrument ist, um den Herausforderungen unserer gemeinsamen
Sicherheit zu begegnen.
Wir sind der Überzeugung, daß die Fragen, in denen wir unterschiedlicher
Meinung sind, auch weiterhin wesentlich weniger bedeutsam sein werden als
unser anhaltendes Engagement für die transatlantische Zusammenarbeit und
Sicherheit.
Die Verteidigung

�Die Verteidigung Europas beruht heute noch immer fest auf drei Säujlen:
Kollektive Sicherheit, nukleare Abschreckung und amerikanisches Engagement.
Wenn die Ziele des Bündnisses hin und wieder in Amerika und Westeuropa
kritisiert werden, dann deshalb, weil das Bündnis im Laufe der Jahre so gut
funktioniert hat, daß seine Kritiker seinen Erfolg einfach voraussetzen.
Aber auch eine so erfolgreiche Partnerschaft muß sich auch auf neue Gegebenheiten einstellen. Die neue Lage der achtziger Jahre verlangt eine
tiefgreifende Diskussion der Prioritäten und Methoden unserer Zusammenarbeit.
Inmitten all der dunklen und düsteren Kommentare über die Zukunft dieser Beziehungen ist es wichtig, sich daran zu erinnern, daß dies nicht das
erste Mal ist, daß eine solche Debatte stattgefunden hat. Obwohl man natürlich stets Übereinstimmung bevorzugt, muß man doch auch sehen, daß diese
Debatten im Grunde dazu dienen, das Bündnis zu revitalisieren.
Die Konzeptionen, auf denen der Westen seine Sicherheit und seine Zusammenarbeit gründet, können ihre Lebensfähigkeit nicht behalten, wenn sie
nicht immer wieder von jeder neuen Generation herausgefordert und neu belebt
werden.
Das ist die Grundlage des demokratischen Prozesses - und die Quelle
der westlichen Stärke.
Die Herausforderung besteht darin, einen neuen Konsens über die Interessen des Bündnisses zu entwickeln und dann wirkungsvollere Mittel auszuarbeiten, die diese Interessen schützen und fördern.
Die Entwicklung der internationalen Lage geht neue Wege. Das veränderte Kräfteverhältnis in Europa, das Auftreten der Sowjetunion als globale
Macht,die wachsende Stärke und der zunehmende Reichtum Westeuropas und die
zunehmende strategische Bedeutung von Ereignissen in der Entwicklungswelt all dies macht es notwendig, die Strategie und die Ziele des Bündnisses mit

�Bündnisses mit neuen Augen zu betrachten.
Sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus politischen Gründen muß der
Westen zu einem neuen Verständnis der Pflichten innerhalb des Bündnisses
gelangen, wobei Europa einen größeren Teil der Last übernehmen muß - nicht
nur bei der Bereitstellung einer angemessenen Verteidigung, sondern auch
beim Schutz der umfassenderen westlichen Interessen in der Welt.

Die Ost-West-Beziehungen
Wie in der Vergangenheit, so wird auch in Zukunft das Bemühen um ein
konstruktiveres Verhältnis zum Osten von höchster Bedeutung sein. Diese Anstrengungen stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Bemühen um Rüstungskontrolle und um ein militärisches Gleichgewicht. Diese drei Zielsetzungen
verstärken sich gegenseitig und stehen keineswegs in Konkurrenz zueinander.
Westliche Bemühungen müssen sich vor allem auf die Sowjetunion konzentrieren - nicht wegen unserer ideologischen Unterschiede, sondern weil Moskau
die größte Quelle internationaler Unsicherheit darstellt.
Die Bereitschaft der Sowjetunion, Gelegenheiten zum einseitigen Vorteil
auszunützen - sogar wenn dies die Förderung und die Ausnutzung von Gewalt und
Unruhe bedeutet -, bleibt eine große Gefahr für den Weltfrieden.
Zu lange ließen uns idealistische und wohlmeinende Hoffnungen im Glauben an eine grundlegende Änderung der sowjetischen Ziele.
Zu lange glaubten wir, daß ein Nachlassen der Spannungen in Europa uns
immun gegenüber den sowjetischen Versuchen zu einer Veränderung des Machtgleichgewichts machen würde.
Zu lange hegten wir die Hoffnung, daß der Rüstungskontroilprozeß in und
durch sich selbst dieses entscheidende Gleichgewicht bewahren würde.
Die Ergebnisse
- 7 -

�Die Ergebnisse des Jahrzehnts der sogenannten Entspannung zeigen ein anderes Bild.
Entwicklungen der letzten Jahre machen jetzt deutlich, in welchem Umfang
die ursprünglichen Hoffnungen auf Entspannung enttäuscht worden sind:
- Das vergangene Jahrzehnt sah die gewaltigste sowjetische Aufrüstung
in der Geschichte.
- Sowjetische Streitkräfte oder diejenigen von sowjetischen Stellvertretern sind in Aktion - von Afghanistan bis Kampuc^ea und Mittelamerika.
Die militärische Subversion ist zu einem Hauptwerkzeug der sowjetischen
Außenpolitik geworden.
- In Europa ist die Sowjetunion direkt für die Verhängung des Kriegsrechts und für die Unterdrückung der Demokratie in Polen verantwortlich.
- Während der Westen einseitig Zurückhaltung übte und die Dislozierung
neuer Waffen aufschob, haben die Sowjets ihre nuklearen und ihre konventionellen Streitkräfte weit über ihre legitimen Verteidigungserfordernisse hinaus ausgebaut, einschließlich der Einführung von SS-20-Raketen
in Europa - ein Schritt, der die strategische Situation in Europa gewaltig destabilisiert hat.
•

- Während die Sowjets und ihre Verbündeten öffentlich ihr Eintreten für
Frieden und Abrüstungen betonen, unterdrücken sie Friedensbewegungen
zu Hause durch Verhaftung oder Ausweisung.
Offenkundig galt es, Maßnahmen zu einer Korrektur zu ergreifen. Es ist
deutlich, daß die Taten der Sowjetunion klar im Gegensatz zu dem stehen, was
sie als ihre wohlmeinenden Absichten ausgibt.
Wir haben erkannt, daß es nicht ausreicht, gute Absichten zu verkünden
und von der anderen Seite zu erwarten, schon dies allein zu honorieren. Wir

�Wir haben eingesehen, daß sich die Hoffnungen auf Fortschritt nur dann erfüllen können, wenn es auf unserer Seite eine klare Bereitschaft gibt, auf
Verletzungen solcher Vereinbarungen zu reagieren.
Unser höchstes Ziel bleibt Abbau der Spannungen und die größtmögliche
Zusammenarbeit zwischen Ost und West.

Aber wir müssen die Ost-West-Beziehun-

gen mit Deutlichkeit so definieren, daß jede Seite die legitimen Interessen
der anderen anerkennt.
Wir müssen mit der Sowjetunion einen ständigen Dialog führen, um ihr
unsere Besorgnisse zu erklären und um unsere Einwände gegen das sowjetische
Verhalten zum Ausdruck zu bringen.
Von gleicher großer Bedeutung ist es, daß wir bereit sind, klar zu demonstrieren, daß wir sowjetische Überschreitungen nicht ignorieren werden.
Hinter unseren Einwänden muß mehr stehen als bloße Worte.
Verhalten darf nicht belohnt werden.

Unangemessenes

Der Westen kann nicht so tun, als sei

trotz sowjetischer Übertretungen nichts geschehen - und als könnte er erwarten,
dabei noch seine Glaubwürdigkeit zu behalten.
Das ist das Grundprinzip hinter der Haltung der Reagan-Administration
in den Ost-West-Beziehungen.

Wir suchen keine Konfrontation oder militärische

Überlegenheit.
Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten wünschen ein konstruktives
Verhältnis zur Sowjetunion und ihren Verbündeten. Wir möchten zu einer Ausweitung der Zusammenarbeit in allen Bereichen des beiderseitigen Interesses
gelangen.
Aber ein solches Verhältnis muß sich gründen auf ein sicheres militärisches Gleichgewicht, auf Respekt vor der Unabhängigkeit anderer, auf Enthaltsamkeit der Anwendung von Gewalt und auf Gegenseitigkeit beim Abschluß
und bei der Einhaltung von Abkommen.
Als Teil
- 9 -

�Als Teil dieser Anstrengung müssen wir Jahre der Vernachlässigung revidieren und durch die Stärkung unserer eigenen konventionellen und strategischen Position auf die sowjetische Aufrüstung reagieren.
Das ist keine starre Haltung der Konfrontation gegenüber der Sowjetunion.
Es ist eine realistische Politik, gegründet auf unserer Bereitschaft, ausgewogene, verifizierbare Rüstungskontroll- und Abrüstungsmaßnahmen zu verfolgen,
um die Notwendigkeit neuer Waffen und weiterer Streitkräfte zu vermindern.

Rüstungskontrolle
In Einklang mit dieser Haltung hat der Präsident eine Reihe von Vorschlägen unterbreitet, die dazu dienen sollen, das Gleichgewicht mit dem
Osten wieder herzustellen, den Frieden zu bewahren und vor Abenteuer in anderen Weltgegenden zu warnen.
Er hat den Bau eines neuen Bombers genehmigt, die Entwicklung neuer
seegestützter Raketen beschleunigt, die Verbesserung des strategischen Befehls- und Leitsystems der USA angeordnet und die Modernisierung unserer landgestützten Raketenstreitmacht durch die Dislozierung der MX-Raketen genehmigt.
Gleichzeitig hat er Schritte unternommen, um der Verpflichtung des Bündnisses zu bedeutsamer Rüstungskontrolle Substanz zu verleihen. Während des
vergangenen Jahres hat er ein umfassendes Programm zur Verminderung der
Rüstung in allen Bereichen - sowohl nuklear als auch konventionell - aufgestellt. Dieses Programm wurde vom gesamten NATO-Bündnis auf dem Bonner
Gipfel am 10. Juni 1982 gebilligt.
Diese Vorschläge basieren auf klaren Prinzipien: Sie müssen ausgewogen
und militärisch bedeutsam sein; sie müssen die Streitkräfte auf deutlich niedrigerem Niveau stabilisieren; und sie müssen verifizierbar sein.
Derzeit verhandeln

�Derzeit verhandeln wir mit der Sowjetunion über ein neues Abkommen
bei den strategischen Streitkräften (START),das dazu dienen soll, auf dem Erreichten der Vergangenheit aufzubauen, das aber zugleich deutlich darüber hinausgehen soll, um bedeutsame Verminderungen bei den strategischen Waffen beider Seiten zu erreichen.
Wir verhandeln ferner mit der Sowjetunion über ein Abkommen zur Beseitigung der sowjetischen nuklearen Mittelstreckenraketen (INF),die in der Lage
sind, Europa zu bedrohen - im Austausch für eine Einstellung der Pläne des
Bündnisses, amerikanische nukleare Mittel Streckensysteme (INF) in Westeuropa
zu dislozieren.
In Berlin verkündete der Präsident eine neue Initiative zur Verminderung
der Gefahr eines unbeabsichtigten Atomkrieges durch Verhandlungen mit den
Sowjets über eine Reihe von "vertrauensbildenden Maßnahmen im Nuklearbereich".
In Wien legten die westlichen Teilnehmer einen neuen Vorschlag für die
beiderseitigen und ausgewogenen Truppenverminderungen (MBFR) vor, der niedrigere Obergrenzen bei den Streitkräften der NATO und des Warschauer Paktes
bringen würde.
In enger Zusammenarbeit mit unseren Alliierten

diskutieren wir auf der

KSZE-Folgekonferenz in Madrid die Modalitäten einer Konferenz über Abrüstung
in Europa (KAE).

Wir sind bereit,einer solchen Konferenz zuzustimmen, voraus-

gesetzt, die Sowjetunion zeigt an, daß der Osten bereit ist, den bereits bestehenden Verpflichtungen gemäß der Schlußakte von Helsinki gerecht zu werden.
Diese Beispiele sind nicht vollständig, zeigen jedoch, daß die Vereinigten Staaten einen festen, aber realistischen und konstruktiven Standpunkt
einnehmen, um die Ost-West-Spannungen abzubauen.

Die Dritte

- 11 -

�Die Dritte Welt
Das Entstehen der Dritten Welt als ein Gebiet, an dem der Westen ein
entscheidend wichtiges Interesse hat,ist eine der bedeutsamsten Entwicklungen
der letzten Jahrzehnte.
In einer vergleichsweise kurzen Zeitspanne gelangte der größte Teil
der Bevölkerung, des Territoriums und der Ressourcen der Welt unter die
Kontrolle von Nationen, die völlig unabhängig vom Westen sind und - in einigen Fällen - ihm feindlich gegenüberstehen.

Unser Interesse an diesen Re-

gionen umfaßt das ganze Spektrum von Investitionen, Handel, Menschenrechten
sowie politischen, sicherheitspolitischen und strategischen Anliegen.
Ein erstes großes Gebiet beiderseitiger Interessen ist der wirtschaftliche Bereich.

Genauso wie wir den Zugang zu den Ressourcen der Dritten Welt

brauchen, so wollen die Entwicklungsländer erweiterte Märkte im Ausland und
technische Erfahrungen und fachmännisches Können des Westens.
Unser Ansatz bei diesen Problemen ist nicht auf eine einzelne Strategie
oder Ideologie fixiert. Wir glauben, daß - genau wie im Westen - die zukünftige wirtschaftliche und soziale Entwicklung auch in der Dritten Welt durch
eine Mischung von Methoden am besten garantiert werden kann. Häufig bieten
Investitionen des privaten Sektors die beste Hoffnung für die Entwicklung.
Beispiele wie Singapur, Taiwan und Brasilien zeigen, daß private Investitionen
eine wichtige Rolle bei der Ankurbelung der wirtschaftlichen Entwicklung
spielen können.
In anderen Fällen gibt es keinen Ersatz für staatliche Unterstützung
entweder direkt oder durch die bestehenden internationalen Organisationen.
Institutionen wie der Internationale Währungsfonds oder die Weltbank können
eine entscheidende Rolle dabei spielen, die erforderliche Unterstützung für
die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der aufstrebenden Länder zu gewähren.
Die Vereinigten
- 12 -

�Die Vereinigten Staaten sind bereit, mit ihren Partnern und den Nationen
der freien Welt in dem Bemühen zusammenzuarbeiten, die größtmögliche Unterstützung für die wirtschaftliche Entwicklung zu gewähren.

Wir hoffen auch,

daß die Sowjetunion und ihre Verbündeten sich endlich für die friedliche Entwicklung der Dritten Welt engagieren wird.

Wie so oft in der Vergangenheit

bewiesen worden ist, Waffenlieferungen sind kein Ersatz für echte wirtschaftliche und technische Hilfe.
Die Initiative des Präsidenten in bezug auf das Karibische Gebiet ist ein
Beispiel für jene Form gemischter Ansätze, die nach unserer Oberzeugung am
besten funktioniert.

Im Rahmen dieser Initiative sollen direkte Unterstützung

sowie Handelsvorteile gewährt und Hilfe angeboten werden, um produktive private Investitionen in der so wichtigen karibischen Region zu fördern.

Auch in

anderen Gebieten, wie dem südlichen Afrika und dem Nahen Osten, können wir auf
gute Fortschritte verweisen; die gemeinsame Friedenstruppe der USA, Frankreichs und Italiens, die sich gegenwärtig im Libanon aufhält, ist ein gutes
Beispiel dafür, wie wir und unsere Verbündeten außerhalb Europas zusammenarbeiten.
Ein zweiter großer Bereich beiderseitiger Interessen ist die Suche nach
Frieden und Sicherheit, insbesondere nach Freiheit vor ausländischer Intervention. Unser Ziel ist es, die Anwendung von Gewalt von außen in regionalen
Konflikten zu begrenzen und die Ausbeutung solcher Konflikte für einseitige
Zwecke zu verhindern.
Trotz allem hat der Westen bisher noch keine konzertierte Politik für
die Verteidigung und Förderung seiner Interessen in diesem Gebiet entwikkelt.

Obwohl der Westen sich allmählich in diese Richtung bewegt, hinkt

der Prozeß immer noch weit hinter den realen Veränderungen des Nord-Süd-Kräfte-Verhältnisses und seinem Zusammenhang mit den Ost-West-Problemen hinterher. Wir müssen zu einem gemeinsamen Verständnis der Auswirkungen der NordSüd-Fragen und der Ereignisse in der sich entwickelnden Welt für uns alle gelangen, insbesondere hinsichtlich der Versuche der Sowjetunion, jene Gebiete
direkt oder durch Stellvertreter zu durchdringen.
Abschließende Bemerkungen
- 13 -

�Abschließende Bemerkungen
Meine Ausführungen konnten notwendigerweise nur eine kurze Zusammenfassung des weltpolitischen Standpunktes der Vereinigten Staaten sein, wie
er sich gegen Ende des Jahres 1982 darstellt.
Zahlreiche Einzelheiten mußten ausgelassen werden, und viele komplizierte Probleme wurden stärker verkürzt,als dies gerechtfertigt ist.
Ich habe versucht, die grundlegenden Prinzipien darzulegen, die hinter
der Außenpolitik der Reagan-Administration stehen.
Es ist eine Politik, die auf der festen Überzeugung beruht, daß alle
Länder Zurückhaltung sowohl im Inland als auch im Ausland üben müssen, wenn
sich das internationale Klima verbessern soll.
Es ist eine Politik, die auf klaren Prinzipien basiert - auf dem Prinzip der Einigkeit unter demokratischen Nationen, auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit bei Gegnern

und vor allem auf der Respektierung der Interessen

aller souveränen Nationen, welchem politischen System sie auch angehören
mögen.
Und was vielleicht das Wichtigste ist, es ist eine Politik, die sich naturgemäß auf der amerikanischen Tradition begründet.

Sie basiert auf der

festen Überzeugung, daß die gerechteste und erfolgreichste Form des menschlichen Zusammenlebens eine Gesellschaft ist, die die frei estmögliche Entwicklung des Einzelmenschen zuläßt und das bestmögliche Anpacken eines Problems gestattet.
Sie werden daher nicht ein einziges amerikanisches Konzept für die Lösung aller Weltprobleme erkennen.

Es wird keine weltweiten Vorschläge oder

Anstrengungen geben, um alle Nationen zu einer Lösungsform zu zwingen.
Statt dessen
- 14 -

�Statt dessen möchten wir zur Vielfalt ermutigen - auch zu einer Vielfalt, die nicht notwendigerweise mit unseren Ansichten übereinstimmt -, solange diese Vielfalt keinen Übergriff auf die Rechte anderer darstellt.
Unserer Überzeugung nach bietet eine solche Strategie die beste Hoffnung auf Frieden und Fortschritt in der Welt von heute. Wir teilen diese
Ziele mit unseren Partnern und werden eng mit ihnen zusammenarbeiten. Wir
hoffen, daß unsere Gegner ebenfalls einsehen werden, daß es keine totale
Kontrolle der Welt oder ihres Umfeldes gibt; daß Toleranz und Zusammenarbeit
letztlich viel erfolgreicher sind als Kontrolle und Unterdrückung.
Die Herausforderungen der achtziger Jahre sind zu verschiedenartig und
zu kompliziert, als daß man eine einzige Antwort darauf wüßte. Wir sind bereit, eng mit allen zusammenzuarbeiten, die ehrlich die Probleme anpacken
wollen, vor denen wir heute stehen. Wir sind aber auch entschlossen, unsere
Sicherheit und unsere Lebensweise gegen all denjenigen zu verteidigen, die
sie gefährden.

+ + + + +

- 15 -

�6. Oktober 1982

39

DIE ERDGASLEITUNG: WEISSER ELEFANT ODER TROJANISCHES PFERD?
- Von Wilfried Prewo -

Wilfried Prewo ist Energiewissenschaftler
am Kieler Institut für Weltwirtschaft.
Nachdruck mit Erlaubnis des Wall Street
Journal,
(C) Dow Jones and Company, Inc., 1982,
alle Rechte vorbehalten
- (AD) - Die Befürworter des Erdgasgeschäftes mit der Sowjetunion - zu denen
europäische Gaslieferfirmen, Ausrüstungsfirmen und Banken gehören - brauchten
nur wenig konkrete Information einzusetzen, um die öffentliche Meinung in Europa
zu ihren Gunsten umzustimmen.
Uns Westeuropäern wurde gesagt, daß es sich bei der Gasleitung um ein
kommerziell solides Unternehmen handele, daß die Risiken (der Versorgung, der
Unterbrechung oder der Kürzung) entweder unbedeutend oder in den Griff zu
bekommen seien und daß - falls es noch immer Zweifel geben sollte - keine Alternativen vorhanden seien. Wir haben amerikanische Bitten beiseite geschoben, uns
das Gasgeschäft doch einmal genauer anzusehen und haben amerikanische Gegenvorschläge

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�amerikanische Gegenvorschläge zurückgewiesen. Schließlich beschimpfen wir
Ronald Reagan für seinen unerschütterlichen Versuch, das Projekt zu blockieren.
Sicherlich, bei Stil und Ton, in dem die amerikanischen Gegenargumente dargelegt wurden, gab es eine Menge Raum für Verbesserungen. Manche amerikanische
Gegenvorschläge, wiewohl gut gemeint, waren in ihrem Entwurf schlecht

und

ausgesprochen unzureichend vorgelegt: Flüssiggas von Alaska nach Europa mit
Unterseeboot-Tankern zu transportieren, kommt hiesigen Schiffsbauern (auch wenn
sie in der U-Boot-Technologie nicht völlig unerfahren sind) wie reine Zukunftsmusik vor. Und die Aufforderung an die Norweger, diese sollten, anstatt den
Russen bei ihrer Suche nach öl und Gas in der Barentsee zu helfen, auf norwegischem
Meeresboden ein umfassendes Gasförderungsprogramm in die Wege leiten, versucht
es ihnen gegenüber ebenfalls auf falsche Weise: Deren Stolz in ihre eigenen
Möglichkeiten geht so weit, daß sie zu der Befürchtung kommen, eine solche
Förderung käme letztlich einer Preisgabe gleich.
Man muß die europäische Haltung gegenüber der sowjetischen Erdgasleitung
im Kontext der amerikanischen Außenpolitik der jüngsten Vergangenheit sehen. Die
Westeuropäer, die sich noch immer nicht von dem Auf und Ab der Außenpolitik unter
Präsident Carter erholt haben, stehen jetzt erstaunt vor der Entschlossenheit und
Vorhersagbarkeit eines Präsidenten, der wie eine Neuauflage von Gary Cooper in
"Zwölf Uhr mittags" erscheint. Die Argumente und Gegenargumente hinsichtlich der
Gasleitung werden nur allzu häufig immer wieder zitiert. Was nötig ist, ist eine
klare Bewertung der Argumente, die zugunsten der Gasleitung vorgebracht werden.
Eine bessere wirtschaftliche Lage, unbedeutende Verbraucherrisiken und~lJaT
Fehlen von Alternativen. Umfang und Preise: Die Gaslieferungen gemäß den neuen
sowjetischen Gasverträgen sollen 25 Jahre lang erfolgen - von 1984 bis 2008. Die
Sowjets hatten gehofft, jährlich bis zu 40 Milliarden cbm zu verkaufen, sobald die
für 1988 geplante Plateauphase erreicht sein würde. Die Hauptabnehmer sollten die
Bundesrepublik sein (10,5 Milliarden cbm plus 0,7 Milliarden cbm für Berlin),
sowie Frankreich (8 Milliarden cbm) und Italien (8,4 Milliarden cbm), der Rest
sollte an kleinere europäische Länder gehen. Die gesamten europäischen Gaslieferungen sollten nicht in einem einzigen Vertrag zusammengefaßt werden, sondern in
einer Reihe von nationalen Verträgen.
Seit dem

�Seit dem vergangenen Jahr wurde der Gesamtumfang wegen mangelnder Nachfrage,
geringeren sowjetischen Käufen von Ausrüstungsgütern, wie dies zunächst erwartet
worden war, und Zweifeln an den politischen Folgen des Projektes zurückgeschraubt.
Die Lieferungen werden wahrscheinlich auch in der Plateauphase nicht zwei Drittel
des ursprünglich geplanten Volumens - etwa 26 Milliarden cbm pro Jahr - übersteigen.
Der von 40 Milliarden cbm auf 26 Milliarden cbm zurückgeschraubte Umfang wird
es den Sowjets erleichtern, vertragsgemäß zu liefern; diese geringeren Mengen können
mit nur einer Leitung und mit einem geringer als geplanten Druck geliefert werden,
wodurch der Bedarf an amerikanischer Kompressorentechnologie verringert wird. Jedoch
müssen die Sowjets auf ganz beträchtliche Gewinne in harter Währung verzichten, da
die größere Menge zu niedrigen Zusatzkosten hätte geliefert werden können. In der
Plateauphase dürften diese Einnahmen wahrscheinlich eher bei 5 Milliarden Dollar
als bei 10 Milliarden Dollar liegen. Daher sind die Vereinigten Staaten - auch
wenn das Embargo viel von seinem ursprünglichen Biß verloren hat - ihrem Ziel ein
gutes Stück näher gekommen, die Deviseneinnahmen der Sowjetunion zu vermindern.
Die bislang genannten Vertragspreise variieren aufgrund der Preisstruktur der Verträge und aufgrund der Veränderungen bei den Wechselkursen. Bei dem Vertrag für
deutsche Lieferungen wurden Leitpreise festgelegt, jenem Vertrag, der als erster
unterzeichnet wurde und das größte Volumen der Lieferungen abdeckt.
Der Vertrag beinhaltet einen Basispreis und einen Minimalpreis, wobei der
letztere den Sowjets eine Mindesteinnahme für ihre Investitionen garantiert. Sowohl
Basis- wie Minimalpreis wurden in Deutscher Mark festgelegt - zu 0,34 DM und
0,39 DM pro cbm. Bei einem Wechselkurs am Tag der Unterschrift entsprechen die
Basis- und Minimalpreise

(cif bis deutsche Grenze) jeweils etwa 4,70 Dollar und

5,70 Dollar je Million britischer Wärmeeinheiten (BTU). Diese Zahlen hängen auch
von dem tatsächlichen Wärmewert ab, der bisher nicht konkret genannt wurde. Der
Basispreis (Basis: 1. Juli 1981) soll nach einem Index ansteigen, der als Maßgabe
die Preise für Heizöl enthält: Rohöl (20 Prozent), schweres Heizöl (40 Prozent)
und leichtes Heizöl (40 Prozent). Diese Aufschlüsselung spiegelt den erwarteten
zukünftigen Gasverbrauch wider.
Der Minimalpreis

- 3 -

�Der Minimal preis wird nur dann angewendet, wenn der gestiegene Basispreis
niedriger als der Minimalpreis zu dem Zeitpunkt sein wird, wenn die Lieferungen
gegen 1988 die Plateauphase erreicht haben. Sollten die Energiepreise real mit
2 bis 3 Prozent jährlich steigen, so besteht wenig Gefahr, daß der Minimalpreis
den gestiegenen Basispreis übersteigt. Bei einem Basispreis von 4,70 Dollar je
Million BTU ist das sowjetische Gas auf der Grundlage seines Verbrennungsäquivalents
wettbewerbsfähig. Aber es gibt andere Aspekte, die mit in Betracht gezogen werden
müssen. Erstens waren die sowjetischen Gaslieferungen bisher antizyklisch, da sie
ihren Höhepunkt im Sommer erreichten. In der Vergangenheit haben die Sowjets im
Winter häufig ihre Lieferungen zurückgeschraubt, wobei sie technische Gründe hierfür
angaben. Die europäischen Käufer haben wenig Flexibilität bei einer Klausel, die
bei 80 Prozent der Vertragsmenge nach dem Prinzip des "Take-or-pay" geht.
Zweitens ist der sowjetische Gaspreis nicht niedrig genug, um zusätzliche
Kosten abzudecken - wie etwa die Ausweitung des derzeitigen europäischen Gassicherungssystems, das eine wesentliche Sicherung gegen Versorgungsunterbrechungen
darstellt. Da das sowjetische Gas im Gegensatz zum inländischen, holländischen oder
norwegischen Erdgas ein politisches Risiko mit sich bringt, sollten die Kosten fUr
ein Sicherungsnetz gänzlich durch den sowjetischen Erdgaspreis getragen werden.
Risiken: Die Befürworter dieses Gasgeschäftes tendieren dazu, diese Risiken
mit dem Argument zu ignorieren, daß die gesamten sowjetischen Lieferungen (bestehende "alte" Verträge mit den Sowjets plus die neuen Verträge) nicht 30 Prozent
des gesamten Gasverbrauchs übersteigen und nicht mehr als 6 Prozent des gesamten
Verbrauchs an Primärenergie ausmachen. Bei solchen Anteilsgrößen könnten, so das
Argument, Lieferungseinschnitte leicht durch unterbrechbare Verträge mit der
Industrie sowie durch Anlagen aufgefangen werden, die auf zweierlei Weise zu befeuern sind.
Dieses Argument ist irreführend. Betrachten wir die deutsche Situation. In
Bayern, der Eintrittsstelle des sowjetischen Erdgases, beläuft sich der Anteil des
Gases aus bestehenden sowjetischen Verträgen bereits auf 95 Prozent des gesamten
Verbrauchs. Sicherlich können Versorgungsunterbrechungen nicht durch unterbrechbare

- 4 -

�durch unterbrechbare Verträge aufgefangen werden.(Im Jahr 1979 stellten Verträge
dieser Art nur 11 Prozent der deutschen Käufe dar.) Daher wird es nötig sein, die
Einlagerungen für Notfälle zu erhöhen und ein erweitertes Verteilungsnetz zu bauen.
Was die deutschen Lagerungen für Krisenfälle angeht, so können sie Lieferunterbrechungen nur für wenige Tage auffangen. Derzeit betragen diese Einlagerungen
lediglich 3 Prozent des jährlichen Gasverbrauchs; durch die geplante Ausweitung
wird sich dieser Anteil auf 6 Prozent erhöhen. Dies ist eine mehr als bescheidene
Zahl, wenn man sie mit der amerikanischen vergleicht, wo die Lagerkapazitäten 25 Prozent des Jahresverbrauches noch übersteigen. Allen Beteuerungen zum Trotz hat
Europa kein gemeinsames Netz mit Querverbindungen, das ausreichend wäre, Versorgungsunterbrechungen aufzufangen. Das gegenwärtige weiträumige Transportsystem läuft in
zwei Richtungen, bedingt durch die beiden wichtigsten Gasquellen: vom Norden nach
Süden für das Gas aus dem holländischen und dem norwegischen Teil der Nordsee und
von Osten nach Westen für das sowjetische Gas. Wäre es möglich, im Falle eines
Leerlaufs der Ost-West-Leitung durch verstärkte Lieferungen aus der Nordsee zu
kompensieren? Derzeit ja, aber nicht in Zukunft: Mitte der achtziger Jahre werden
die Nord-Süd-Leitungen angefüllt sein mit zusätzlichen, vertraglich bereits vereinbarten Nordseelieferungen.
Berlin ist ein besonderer Fall. Dort ist alles Gas Stadtgas. Aber gemäß dem
neuen Vertrag ist eine Leitung geplant, die von der Tschechoslowakei aus - nahe
dem Endpunkt der Sowjetleitung - durch Ostdeutschland laufen soll. Diese Süd-NordLeitung braucht Kompressorenstationen in Ostdeutschland. Politisch motivierte
Lieferungskürzungen nach Westberlin könnten leicht mit technischem Versagen erklärt
werden. Eine Alternative zu dieser Gasleitung hätte darin bestanden, Berlin über
eine West-Ost-Leitung aus Norddeutschland zu versorgen, wobei das Gas aus Westdeutschland gekommen wäre.
Diese Leitung wäre kürzer als die, für die man sich entschieden hat, und man
hätte keine Kompressorenstationen in Ostdeutschland gebraucht. Unterbrechungen in
der Versorgung hätten nur durch einen direkten Angriff auf die Leitung geschehen
können. Wirft es nicht ein interessantes Licht auf die Intentionen der Sowjets, daß
sie (und die Ostdeutschen) uns diesen Weg verwehrt haben?
Alternativen: Es

�Alternativen: Es ist trivial festzustellen, daß es derzeit nicht möglich ist,
eine alternative Gasquelle ins Spiel zu bringen, die Gasfelder zu erschließen und
das Gas bis 1984 auf den europäischen Markt zu bringen, dem zweifelhaften Startdatum für die neuen sowjetischen Lieferungen. Aber darum geht es gar nicht. Die
Frage ist,ob, wann und zu welchem Preis Gas aus anderen Quellen zur Verfügung gestellt werden kann, um unsere erhöhte Abhängigkeit vom Sowjetgas zu verringern.
Bei dem Preisniveau des sowjetischen Gases ist es sicher wirtschaftlich, Gas
aus einer ganzen Reihe anderer Länder zu beziehen.
Auf der einen Seite wären hier die Nordsee und die neuen Gaslager vor
Nordnorwegen zu nennen, wobei dieses Gas entweder über Gasleitungen oder als
Flüssiggas nach Mitteleuropa transportiert würde. Auf der anderen Seite sind der
Südatlantik (vor den Küsten Südargentiniens oder Südchiles),die kanadische Arktik
und das Golfgebiet (Katar). In der Mitte liegt Westafrika (Kamerun, Nigeria).
überlegen wir uns zur Illustration die Wirtschaftlichkeit der Ausbeutung
von Gaslagern vor den Küsten der beiden extremen Fälle, nämlich Nordnorwegen oder
SUdatlantik. In beiden Fällen könnte das Gas vor der Küste über Leitungen an Land
gebracht werden, könnte dort verflüssigt, dann nach Westeuropa verschifft und
schließlich am zentralen Terminal wieder in Gas umgewandelt werden. Legt man einen
cif-Preis zugrunde, der dem sowjetischen Preis entspricht, und zieht die Kosten
(einschließlich eines 15prozentigen Realertrages der Investitionen) für die Wiedervergasung, den Transport, die Verflüssigung und die Gasproduktion ab, so würde im
Fall von Nordnorwegen der Nettowert im ersten Produktionsjahr auf 2,60 Dollar je
Million BTU kommen.
Für ein einziges Projekt von 5 Milliarden cbm Flüssiggas würde dies einen
Jahresertrag von 700 Millionen Dollar bedeuten, die Norwegen in Form von Gewinnanteilen und anderen Steuereinnahmen erzielen würde. Fünf Projekte dieser Größe
(insgesamt 25 Milliarden cbm) würden 3,5 Milliarden Dollar erbringen, eine Zahl,
die sich wahrscheinlich mit den Einnahmen vergleichen läßt, die die Sowjets schließlich aus der Gasleitung erzielen werden.
Was den

�Was den Fall Südatlantik mit seinen höheren Transportkosten und einer Gasförderung in einer Umgebung angeht, die genauso unfreundlich ist wie die Nordsee,
läge der Nettoertrag zunächst bei 1,20 Dollar je Million BTU (in Dollar des Jahres
1982 ausgedrückt). Für Länder wie Argentinien und Chile mit, wenn überhaupt, nur
wenigen Alternativen für die Verwendung ihres Gases, ist dies immer noch interessant.
Fünf solcher Projekte gebündelt wären notwendig, damit sich ein Gesamtvolumen
ergäbe, das den neuen sowjetischen Verträgen entspricht. Dies wäre indessen kein
Nachteil, sondern würde große Vorteile beinhalten.
Erstens vermindert eine Diversifikation der Lieferquellen das Risiko einer
Unterbrechung der Versorgung. Zweitens könnten diese Projekte schrittweise vorangetrieben werden und dadurch eine reibungslose Anpassung an die neue Versorgungslage ermöglichen. Drittens käme es dadurch zu einem echten innereuropäischen
Leitungsnetz: Das Gas aus den Golfstaaten würde in Italien angelandet und dann
nordwärts transportiert werden; das Gas aus Westafrika und Südamerika käme in
Frankreich an und ginge von dort nach Norden, Osten und Süden; und das Gas aus
Nordnorwegen käme nach Norddeutschland und von dort nach Süden und Westen.
Es ist überflüssig zu sagen, daß das neue Gasnetz weit weniger verletzlich
und dabei weit flexibler als das derzeitige System wäre. Zudem beseitigt die
geographische Diversifikation für jedes einzelne Land die Notwendigkeit, seine
Exploration zu erhöhen.
So würden zum Beispiel im Falle Norwegen zwei oder drei Projekte dieser Größe
noch immer gut innerhalb der konservativen Produktionspolitik liegen und dabei
noch auf einem neuen Technologiesektor Beschäftigungsauswirkungen hervorrufen, die
für die norwegische Regierung höchste Priorität haben. Dieser Vorschlag kommt auch
Norwegens Wunsch entgegen, neue Aktivitäten im Energiebereich in seine nördliche
Gebiete zu verlagern.
Diese Projekte sind keine Phantome. Die notwendigen Gasreserven und die
Technologie stehen zur Verfügung. Die Zeit für die Verwirklichung dieser Projekte
würde etwa acht Jahre betragen, das Minimum wären fünf Jahre. Deshalb
- 7 -

können

�Deshalb können sie nicht von Anfang an das neue Sowjetgas ersetzen.
Dies sind jedoch Überlegungen im kurzfristigen Rahmen,und wie die Sowjets
sollten auch wir uns stattdessen eine langfristige Sicht zu eigen machen: In
einigen Jahren wird es darum gehen, die Verträge für das Gas der neunziger Jahre
und später auszuhandeln. Mit ihrem dann vorhandenen vergrößerten Leitungssystem
wird die Sowjetunion um eine weitere Erhöhung ihres Marktanteiles wetteifern. Die
Sowjets hoffen darauf, daß unser Blickwinkel eng und verschwommen bleibt. Wenn die
Westeuropäer aber tief Luft holen und aktiv die Alternativen verfolgen, haben wir
eine gute Chance, daß die sowjetische Gasleitung in den neunziger Jahren eher zu
einem kostspieligen Luxus - einem Weißen Elefanten - wird als zu einem trojanischen
Pferd.
+ + +

�39

6. Oktober 1982

WICK: USIA UM FREIHEIT IM IDEOLOGISCHEN WETTBEWERB BEMÜHT
Von unserer Korrespondentin Valerie Kreutzer

CHICAGO - (AD) - Nach den Worten des Direktors des US-Informationsamtes
(USIA), Charles Z. Wick, stehen die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten
in einem Wettbewerb um "die Vorstellung vom Menschen."

In einem Gespräch mit

Zeitungsverlegern anläßlich des Abschlußbanketts des 40. Jahrestreffens des
Interamerikanischen Presseverbandes (IAPA) sagte Wick am 1. Oktober 1982:
"Der Krieg mit Raketen und der Krieg mit Waffen ist nicht der richtige
Weg, um die Unterschiede zwischen unseren beiden Gesellschaften aufzuheben.
Wenn dies je nötig wäre, würden alle Verlierer sein:
legene und die ganze Menschheit.

Der Sieger, der Unter-

Aus diesem Grund muß es zu einem Wettstreit

der Gedanken kommen, und unsere Waffen, unsere Munition sind Informationen
und Ideen."
Durch die "Stimme Amerikas" (VOA), die Teil des US-Informationsamtes
ist, würden zur Unterstützung der freien Presse und der Demokratie den Menschen Informationen zur Verfügung gestellt.

Die VOA hat 7700 Mitarbeiter und

strahlt ihre Programme über 106 Sender in 42 Sprachen aus, wobei sie pro
Woche 957,5 Stunden sendet.
Im Gegensatz

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Im Gegensatz hierzu, so sagte Wick weiter, beschäftige die Sowjetunion
für ihre Sendungen 70 000 Mitarbeiter und gebe dafür 3,4 Milliarden Dollar
aus - im Gegensatz zur VOA, die ein Jahresbudget von lediglich 100 Millionen
hat.
Die Sendungen der "Stimme Amerikas" haben sich an einer Charta des
amerikanischen Kongresses zu orientieren, die Genauigkeit, Fairness und Ausgewogenheit fordert.
"Unser Land glaubt daran, daß die beste Waffe, über die wir in dem Wettstreit der Gedanken verfügen, die Waffe der Wahrheit ist.
die VOA, stets beide Seiten eines Problems aufzuzeigen.

Demzufolge versucht

Wir sehen ein, daß

unsere Gesellschaft nicht vollkommen ist, und wir lassen dies auch andere Völker sehen, denn nur eine freie Information fördert die Demokratie", betonte
Wick.
Neben der "Stimme Amerikas" gibt USIA noch 10 Zeitschriften in 18
Sprachen heraus, unterhält 136 Bibliotheken in 192 Ländern und verwaltet das
Fulbright-Austauschprogramm. Mit Hilfe eines internationalen Besucherprogramms
erreicht das US-Informationsamt Tausende von ausländischen Besuchern. Zudem
sind nahezu 400 Politiker in 100 Ländern und 35 derzeitige Staatschefs ehemalige Teilnehmer von Programmen, die von USIA gefördert wurden.
In jüngster Zeit hat USIA nach den Worten seines Direktors auch Satelliten
eingesetzt, um seine Botschaft in die Welt hinauszutragen. Das Fernsehprogramm
"Laßt Polen Polen sein", das zur Unterstützung der polnischen Gewerkschaftsbewegung "Solidarität" in diesem Jahr ausgestrahlt wurde, hatte zum Ziel, "die
übrige Welt dazu anzuspornen, die Sowjetunion von unserer Entrüstung über die
Unterdrückung in Polen wissen zu lassen", erklärte Wick. 15 Führungspersönlichkeiten der freien Welt nahmen an dem Programm teil.
Auch die Rede von Präsident Reagan vom November letzten Jahres, in der
er die Sowjetunion dazu aufforderte, ihre Atomraketen in Europa abzubauen,
und anbot, die amerikanischen Raketen in einem zweiten Schritt ebenfalls abzu- 2 -

�ebenfalls abzubauen, wurde per Satellit übertragen.
"Meine Aufgabe besteht darin, den Menschen die Wahrheit zu sagen. Und
Wahrheit ist, daß sich die sowjetische Raketenkapazitat in Europa in einer
Position des Erstschlags und außerhalb amerikanischer Reichweite befindet",
sagte Wick.

+ + + + +

�Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. Oktober 1982

39

SATELLITEN-DIREKTEMPFANG
- US-Bundesbehörde erteilt Privatfirma erste Genehmigung -

- (AD) - Die erste Genehmigung für den Bau eines Systems zum SatellitenDirektempfang wurde jetzt von der zuständigen amerikanischen Bundesbehörde an die
"Satellite Television Corporation" erteilt, eine Tochterfirma von COMSAT
(Communications Satellite Corporation). Systeme für den Satelliten-Direktempfang
(DBS - Direct Broadcast Satellite) unterscheiden sich von den gegenwärtigen
Systemen von Nachrichtensatelliten und Bodenstationen insofern, als Satelliten
mit extrem hoher Sendeenergie die Verwendung relativ kleiner Empfangsantennen am
Boden zulassen. Die dafür erforderlichen Parabolantennen haben nur etwa 70 cm
Durchmesser, können an Wohnhäusern montiert und vom Hausbesitzer gemietet oder
käuflich erworben werden. Sie ermöglichen den direkten Empfang von speziellen
Fernsehprogrammen, die über Satelliten gesendet werden.
Die Satellite Television Corporation will ab 1986 im östlichen Teil der
Vereinigten Staaten Fernsehprogramme über drei Kanäle anbieten. Vom Jahr 1990 an
hofft das Unternehmen,das ganze Land mit Fernseh-Direktempfang via Satellit

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�via Satellit bedienen zu können. Das neue Verfahren kommt vor allem jenen Fernseh
teilnehmern in abgelegenen Gebieten zugute, die schlechten Fernsehempfang haben
und deshalb gegenwärtig auf die Kabel Verbindung zu einer großen Erdestation angewiesen sind. Die für den Direktempfang erforderlichen Frequenzbereiche sowie der
DBS-Orbit der Hochleistungssatelliten werden den Vereinigten Staaten auf einer
Regionaltagung der Internationalen Fernmeldeunion im Juni 1983 zugeteilt.
Als Gebühren für die Dienstleistungen der Satellite Television Corporation
dürften nach Schätzungen des Unternehmens etwa 25 Dollar pro Monat anfallen, was
die Programmgebühren und die Leihgebühr für die elektronischen Anlagen in und am
Haus einschließt. Die Einrichtungsgebühr dürfte 100 Dollar betragen.
Bei der US-Bundeskommission für das Fernmeldewesen sind inzwischen Anträge
auf Genehmigung von DBS-Systemen von acht weiteren amerikanischen Firmen eingegangen. Ähnliche Systeme werden derzeit in der Bundesrepublik Deutschland, in
Frankreich, Luxemburg und England entwickelt. Kanada und Japan haben bereits
umfangreiche Versuche mit Ausrüstungen für den Satelliten-Direktempfang durchgeführt.
+ + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Nahostregelung lebenswichtig für den Weltfrieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers vor der UN-Vollversammlung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Außenpolitik auf neuem Kurs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von John Kornblum -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Direktor für mitteleuropäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Erdgasleitung: Weißer Elefant oder Trojanisches Pferd?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Wilfried Prewo -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wick: USIA um Freiheit im ideologischen Wettbewerb bemüht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserer Korrespondentin Valerie Kreutzer -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Satelliten-Direktempfang&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Bundesbehörde erteilt Privatfirma erste Genehmigung -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>14. Oktober 1982

40
INHALT

i

i

INFORMATION
30. Jahrestag der Gründung des deutsch-amerikanischen
Fulbright-Programms
DOKUMENTATION
Reagan fordert Streichung der Meistbegünstigungsklausel für Polen
- Wortlaut der Rundfunkansprache des US-Präsidenten Erklärung Präsident Reagans zum Welternährungstag
- USA um weltweite Nahrungsmittel Sicherung bemüht HINTERGRUND
Die Sowjetunion in der Krise
- Dr. Richard Pipes Mitarbeiter des U.S. National Security Council
Erneute Greuel in Afghanistan
- Kommentar der Stimme Amerikas US-Staatssekretär schliesst Präventivkrieg des Westens aus

DelegeKemplaren
wird 9ebetei

�14. Oktober 1982

40

30. JAHRESTAG DER GRÜNDUNG DES DEUTSCH-AMERIKANISCHEN
FULBRIGHT-PROGRAMMS

BONN - (AD) - In der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in
Bonn fand am 4. Oktober 1982 ein Festakt aus Anlaß des 30. Jahrestages der
Gründung des deutsch-amerikanischen Fulbright-Austausch-Programms statt.
In Anwesenheit von Senator J. William Fulbright sowie deutschen und
amerikanischen Gästen würdigte Staatssekretär Dr. Hans Werner Lautenschlager im Namen des Auswärtigen Amtes die Bedeutung des Austausch-Programms
für die deutsch-amerikanischen Beziehungen.
In seiner Rede, die unter das Motto "Begegnung und Austausch" gestellt
war, unterstrich Staatssekretär Lautenschlager die gemeinsamen Grundwerte
als "Nährboden und Garanten für die deutsch-amerikanische Freundschaft."
Präsident Reagan sagte in einem Schreiben, das vom amerikanischen Botschafter Arthur F. Burns verlesen wurde: "Der dreißigste Jahrestag der Gründung des Fulbright-Programms in Deutschland ist ein wichtiger Meilenstein in

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Meilenstein in den traditionell verankerten geistigen und kulturellen
deutsch-amerikanischen Bindungen." Er bezeichnete das deutsch-amerikanische
Austausch-Programm als "das weltweit größte Programm", das er "ein Beispiel
für die Stärke der deutsch-amerikanischen Beziehungen" nannte. Präsident
Reagan erklärte weiter, "durch die Verbindungen, die wir zwischen unseren
Institutionen hergestellt haben, erweitern und stärken wir dieses Verhältnis und die transatlantischen Bindungen." Er gratulierte 'der Kommission,
ihren Freunden und allen, die ihr auf beiden Seiten des Atlantik verbunden
sind.zu ihrem unermüdlichen Einsatz, der einer so wichtigen Zielsetzung
dient."
Charles Z. Wick, der Direktor des US-Informationsamtes (USIA) und persönlicher Beauftragter Präsident Reagans für den internationalen Studentenaustausch, sagte in einem Schreiben, das von Botschaftsrat Hans N. Tuch verlesen wurde: "An diesem bedeutungsvollen Tag können die Bürger der Bundesrepublik Deutschland und der Vereinigten Staaten mit Stolz auf 30 Jahre erfolgreicher Arbeit der Fulbright-Kommission in Bonn zurückblicken." Wick
unterstrich "die wesentliche Rolle (der Kommission) bei der Förderung und
Durchführung des privaten akademischen Austausches" und nannte die Kommission
"führend in der europäisch-amerikanischen Zusammenarbeit bei Austauschvorhaben der einzelnen Länder." Er sprach der Kommission seine Glückwünsche
"für 30 Jahre ausgezeichneter Arbeit" aus und wünschte ihr "eine erfolgreiche Zukunft."
Die persönliche Grußbotschaft Präsident Reagans an die deutsch-amerikanische Fulbright-Kommission hat folgenden Wortlaut:
"Der dreißigste Jahrestag der Gründung des Fulbright-Programms in der
Bundesrepublik Deutschland ist ein wichtiger Meilenstein in den traditionell
verankerten geistigen und kulturellen deutsch-amerikanischen Bindungen. Diese traditionellen Bindungen reichen für fast drei Jahrhunderte. In der Tat
repräsentiert die nach deutschem Modell eingeführte Hochschulbildung in den
Vereinigten Staaten eine Fortsetzung der europäischen Tradition. Diese Tra-

- 2 -

�Diese Tradition stand seit ihrem Beginn im Dienst der höchsten Bestrebungen der Menschheit - dem Erwerb von Wissen, Verstehen, Frieden und Freiheit.
Das Fulbright-Programm mit der Bundesrepublik Deutschland ist weltweit
das größte Programm und ein Beispiel für die Stärke der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Wenn die Fulbright-Kommission heute das dreißigjährige
Jubiläum dieses akademischen Austauschprogramms feiert, dann nehmen wir das
zum Anlaß, die Bedeutung der deutsch-amerikanischen Beziehungen entsprechend
zu würdigen - einer Partnerschaft, die auf gegenseitigem Vertrauen und gemeinsamen politischen kulturellen und wirtschaftlichen Wertvorstellungen beruht.
Durch den Austausch von Personen, durch die Verbindungen, die wir zwischen
unseren Institutionen hergestellt haben, erweitern und stärken wir dieses
Verhältnis und die transatlantischen Bindungen. Ich gratuliere der Kommission,
ihren Freunden und allen, die ihr auf beiden Seiten des Atlantik verbunden
sind, zu ihrem unermüdlichen Einsatz, der einer so wichtigen Zielsetzung
dient."
Die Grußbotschaft von USIA Direktor Charles Z. Wick an die FulbrightKommission in Bonn hat folgenden Wortlaut:
"An diesem bedeutungsvollen Tag können die Bürger der Bundesrepublik
und der Vereinigten Staaten mit Stolz auf 30 Jahre erfolgreicher Arbeit der
Fulbright-Kommission in Bonn zurückblicken.
Im Rahmen ihres Auftrags, das gegenseitige Verständnis zwischen dem
deutschen und dem amerikanischen Volk zu fördern, vermittelt die Kommission
den Austausch von ungefähr 800 Fulbrightern pro Jahr. Sie spielt eine wesentliche Rolle bei der Förderung und Durchführung des privaten akademischen
Austausches. Sie ist führend in der europäisch-amerikanischen Zusammenarbeit
bei Austauschvorhaben der einzelnen Länder. In zunehmendem Maße erfahren die
Programme der Kommission Unterstützung durch private Initiative, so bei Vorhaben auf dem multinationalen und dem fortbildenden Sektor, sowie im Austausch von Studenten, Lehrern und Wissenschaftlern zwischen unseren beiden
Staaten&lt;

Die Kommission

�Die Kommission kann nunmehr der Zukunft im Hinblick auf bisher bereits
bewiesenen Ideenreichtum und großherzige Gesinnung von einer Position der
Stärke aus entgegenblicken. Eingedenk der Tradition des wissenschaftlichen
Austausches hoffen wir, daß die Kommission ihre Programmvorhaben weiterhin
unter Berücksichtigung der Möglichkeiten gestalten wird, die sich aus unserer fortdauernden Partnerschaft ergeben. Die Kommission kann ihrer entscheidenden Rolle bei der Erfüllung dieser wichtigen Aufgaben dadurch gerecht werden, daß sie sich weiterhin um gegenseitiges Verständnis zwischen
der kommenden Generation von Führungspersönlichkeiten in unseren beiden
Staaten bemüht.
Ich bin heute im Geiste bei Ihnen und spreche der Fulbright-Kommission
meine Glückwünsche für 30 Jahre ausgezeichneter Arbeit aus und wünsche ihr
eine erfolgreiche Zukunft."

+ + + + +

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. Oktober 1982

40

REAGAN FORDERT STREICHUNG DER MEISTBEGÜNSTIGUNGSKLAUSEL
FÜR POLEN
- Wortlaut der Rundfunkansprache des US-Präsidenten -

SANTA BARBARA, KALIFORNIEN - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in
einer Rundfunkansprache an das amerikanische Volk am 9. Oktober 1982 die
Streichung der Meistbegünstigungsklausel im Handel mit Polen als Vergeltung für das Verbot der polnischen Gewerkschaft Solidarität angekündigt.
Reagan warnte das polnische Regime, daß er noch weitere Schritte unternehmen könne, wenn die Militärdiktatur ihre, wie er sagte "Verfolgung" des polnischen Volkes fortsetze. Washington, so teilte der amerikanische Präsident
weiter mit, stehe in "dringenden" Konsultationen mit den Verbündeten über
mögliche Reaktionen auf die Maßnahme in Polen.
Der Stellvertretende Pressesprecher des Weissen Hauses, Larry Speakes,
erklärte vor Korrespondenten, die Maßnahmen des Präsidenten würden es Polen
erschweren, seine Produkte in den Vereinigten Staaten abzusetzen und harte
Währung zu verdienen. Die angekündigte Maßnahme ist die dritte Sanktion seit
Verhängung des Kriegesrechtes in Polen durch das Militärregime im Dezember
vorigen Jahres. Im Dezember 1981 und im Juni 1982 hatte Reagan unter anderem
die Aussetzung von Flugrechten, Fischereiprivilegien sowie eine Aussetzung
amtlicher Kredite und Bürgschaften verkündet.

D.

humanitäre

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�Die humanitäre Hilfe für das polnische Volk bleibt von den Sanktionen
unberührt.
Die Ansprache des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Meine amerikanischen Mitbürger!
Gestern hat die polnische Regierung, eine Militärdiktatur, einen weiteren tiefgreifenden Schritt in ihrer Verfolgung des eigenen Volkes unternommen. Sie erklärte Solidarität, die Organisation der arbeitenden Männer
und Frauen in Polen, ihre freie Gewerkschaft, als illegal.
Ich weiß, Polen ist ein weit von uns entfernt liegendes Land in Osteuropa. Und doch ist diese Maßnahme eine Sache tiefer Besorgnis für das
ganze amerikanische Volk und die freie Welt.
Seit der brutalen Verhängung des Kriegsrechtes im Dezember vorigen Jahres haben die polnischen Behörden der Welt versichert, daß sie an einer echten Aussöhnung mit dem polnischen Volk interessiert seien. Aber die gestrige
Maßnahme des polnischen Regimes enthüllt die Hohlheit seiner Versprechungen.
Indem

es die Solidarität, eine freie Gewerkschaftsorganisation, der eine

überwältigende Mehrheit der polnischen Arbeiter und Bauern angehört, als
ungesetzlich erklärt, hat das polnische Regime deutlich gemacht, daß es niemals die Absicht hatte, eines der grundlegendsten Menschenrechte wieder einzusetzen - das Recht, einer freien Gewerkschaft anzugehören.
Die sogenannte "neue Gewerkschaftsgesetzgebung", in deren Rahmen dieser Rückschritt ergriffen wurde, soll angeblich ein Ersatz für eine Struktur und einen Rahmen zur Schaffung freier Gewerkschaften in Polen sein.
Aber die freie Welt kann das nur als ein Täuschungsmanöver betrachten. Es
liegt auf der Hand, daß solche Gewerkschaften, sollten sie gegründet werden, nichts weiter als ein verlängerter Arm der kommunistischen Partei in
Polen sein werden.
Die polnischen
- 2 -

�Die polnischen Militärfülrer und ihre sowjetischen Hintermänner haben
gezeigt, daß sie weiterhin die Hoffnungen und Wünsche der Mehrheit des polnischen Volkes zertreten werden. Amerika kann angesichts dieser jüngsten
Drohungen der Repression und Akten der Repression durch die polnische Regierung nicht untätig beiseite stehen.
Ich leite daher heute Schritte ein, um so rasch wie möglich die Aussetzung der Meistbegünstigungsklausel für Polen zu erreichen. Dies wird zu
einer Erhöhung der Zölle für polnische Fertigwaren führen, die nach den
Vereinigten Staaten exportiert werden, und damit die Menge dieser Güter,
die in der Vergangenheit importiert wurden, verringern.
Das polnische Regime sollte wissen, daß wir aufgrund dieser weiteren
Repression in Polen bereit sind, weitere Schritte zu ergreifen. Wir führen
auch dringende Konsultationen mit unseren Verbündeten über Schritte, die
wir als Reaktion auf diese jüngste Gewalttat gemeinsam unternehmen könnten.
Wenn ich diese Schritte unternehme, dann möchte ich gleichzeitig, wie in
der Vergangenheit, klarmachen, daß sie sich nicht gegen das polnische Volk
richten. Wir werden der Bevölkerung Polens weiterhin durch Organisationen
wie den Katholischen Hilfsdienst und CAFE humanitäre Hilfe zukommen lassen,
wie wir das seit Verhängung des Kriegsrechts getan haben.
Und ebenso stehe ich zu meinem früheren Angebot, Wiederaufbauhilfe zu
leisten, um der polnischen Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen, wenn
Warschau dem polnischen Volk seine Menschenrechte wiedergibt.
Es gibt Leute, die sagen, die Maßnahmen der polnischen Regierung bedeuteten das Ende der Solidarität. Ich möchte das niemals glauben. Die Leute, die Polen gut kennen, sind der Meinung, daß,solange die Flamme der
Freiheit in den Herzen der polnischen Männer und Frauen so hell und intensiv
brennt wie heute, der Geist der Solidarität in Polen eine lebendige Macht
seinwird

-

Sicherlich muß

�Sicherlich muß es allen klar sein, daß Polen, solange die Militärbehörden in Warschau nichts tun, um die Solidarität wieder auf ihren rechtmäßigen und hart erkämpften Platz in der polnischen Gesellschaft einzusetzen,
weiterhin von Bitterkeit, Entfremdung, Instabilität und Stagnation heimgesucht werden wird.
Jemand hat gesagt: Wenn einem die Freiheit verwehrt wird, dann wird allen
die Freiheit verwehrt. Der heutige Kampf um die Herzen und Hirne der Menschen
basiert auf einer ganz einfachen Frage: Ist der Mensch geboren, um frei zu
sein oder um Sklave zu sein? In einem Land nach dem anderen haben die Menschen
seit langem die Antwort auf diese Frage gefunden. Wir sind aus göttlichem
Recht frei. Wir sind Herr unseres Schicksals, und wir schaffen Regierungen
nach unserem Belieben. Jene, bei denen es anders ist, begehen ein Verbrechen
und eine Sünde gegen Gott und die Menschen.
Es kann nur einen Weg aus dem heutigen Morast in Polen geben; und das
ist der, daß das Militärregime zu seinen eigenen Grundsatzerklärungen steht
- selbst angesichts des schweren Drucks von außen durch die Sowjetunion das Kriegsrecht aufzuheben, Lech Walesa und seine Kollegen freizulassen,die
heute im Gefängnis schmachten, und erneut mit der Suche nach einem sozialen
Frieden beginnen durch einen mühsamen aber echten Prozeß des Dialogs und der
Aussöhnung mit der Kirche und der Solidarität.
Ich schließe mich meinen Landsleuten, einschließlich der Millionen
von Amerikanern polnischer Abstammung, in dem Gebet an um eine baldige Rückkehr auf den Pfad der Mäßigung und persönlichen Freiheit in Polen.
Ich danke Ihnen fürs Zuhören. Ich werde nächste Woche wieder zu Ihnen
sprechen. Laßt Polen Polen sein. Gott segne Sie.

+ + + + +

�14. Oktober 1982

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT REAGANS ZUM WELTERNÄHRUNGSTAG
• USA um weltweite Nahrungsmittel Sicherung bemüht •

WASHINGTON - (AD) - In einer am 6. Oktober 1982 veröffentlichten Erklärung zum "Welternährungstag", der am 16. Oktober 1982 auf das Problem der begrenzten Nahrungsmittel Vorräte für die Weltbevölkerung aufmerksam machen soll,
unterstrich Präsident Reagan, daß die Vereinigten Staaten durch hohe Produktion, angemessene Vorratshaltung und Versorgung der Weltmärkte mit ihren
landwirtschaftlichen Produkten das ihre zur Versorgung der Weltbevölkerung
beitragen werden.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Nahrung ist die Grundlage allen Lebens. Zu den obersten Prioritäten
eines jeden Staates gehört es, eine angemessene und verläßliche Versorgung
mit Nahrungsmitteln zu erreichen und aufrechtzuerhalten.
Die Vereinigten Staaten haben stets das Prinzip verfolgt, daß ein Staat
für seine Stärke auch einer starken landwirtschaftlichen Grundlage bedarf.

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�Grundlage bedarf. Aus unserer Siedlerbewegung im Westen erwuchs ein solides
landwirtschaftliches System, das sich auf die Vorstellung vom privaten Unternehmertum und auf die Vorherrschaft des unabhängigen Familienbetriebes
gründet. Ergebnis war ein System der Nahrungsmittel Produktion, das ohne
Schwierigkeiten in der Lage ist, unsere eigene Bevölkerung zu versorgen und
zugleich den Erfordernissen gerecht zu werden, die von draußen herangetragen wurden.
Nicht alle Staaten sind mit den landwirtschaftlichen Grundlagen gesegnet, wie sie Amerika hat, aber in vielen Ländern gibt es auch nicht die Anreize, die für den Betrieb einer solch erfolgreichen Landwirtschaft nötig
sind. Die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen

(FAO) schätzt, daß zwischen 400 und 500 Millionen Menschen - vor

allem in der Dritten Welt - aus Gründen der Armut an Unterernährung leiden.
Das amerikanische Volk weiß sich seit langem dazu verpflichtet, in
Zeiten der Not die Gaben und die Technologie seiner Landwirtschaft mit anderen Ländern zu teilen. Wir haben über 30 Milliarden Dollar an Nahrungsmittelhilfe

zur Verfügung gestellt, dazu weitere 10 Millionen Dollar für
ii

Transport, seit das Programm Nahrungsmittel für den Frieden" ins Leben gerufen wurde. Zudem waren Tausende von Landwirtschaftsexperten tätig, wurde
eine Vielzahl von Ausbildungsprogrammen angeboten und die Ergebnisse unserer umfangreichen Agrarforschung zugänglich gemacht. Die Vereinigten Staaten tragen zudem das ihre bei, die weltweite Nahrungsmittelsicherung zu verbessern, indem bei Produktion und Reserveeinlagerung ein hohes Niveau beibehalten wird und ihre landwirtschaftlichen Produkte auf dem Weltmarkt zur
Verfügung gestellt werden, damit andere Länder auf diese Weise ihren Bedarf
an Nahrungsmitteln befriedigen können.
Wir sind nicht die einzigen, die die Aufmerksamkeit auf die Probleme
des Hungers in der Welt lenken, über 100 Staaten haben sich voriges Jahr
daran beteiligt, den ersten Welternährungstag zu begehen. Und wir grüßen
insbesondere die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO), die

- 2 -

�(FAO), die am diesjährigen Welternährungstag auf 37 Jahre engagierter Tätigkeit für die Beseitigung von Hunger und Unterernährung zurückblickt.
Wir wollen unsere gemeinsamen Anstrengungen fortsetzen, die Ursachen
für die Ernährungsprobleme der Welt ausfindig zu machen und uns tatkräftig
um ihre Lösung zu bemühen. Zu diesem Zweck hat der Kongreß der Vereinigten
Staaten erneut durch eine gemeinsame Erklärung reagiert, die den 16. Oktober 1982 zum Welternährungstag proklamiert.
Daher proklamiere ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, den 16. Oktober 1982 zum "Welternährungstag" und rufe die
Bürger der Vereinigten Staaten dazu auf, diesen Tag mit den entsprechenden
Feierlichkeiten und Tätigkeiten zu begehen.

+ + + + +

- 3 -

�14. Oktober 1982

40
DIE SOWJETUNION IN DER KRISE
- Dr. Richard Pipes -

Mitarbeiter des U.S. National Security Council

Nachfolgend sind Auszuege aus
einem Vortrag, den Richard
Pipes am 5. Oktober 1982 im
Amerika Haus Koeln gehalten hat

- (AD) -

.... Die Sowjetunion befindet sich heute in einer echten

Krise. Sie leitet sich von der Tatsache her, dass das vor 50 Jahren
errichtete stalinistische System nicht mehr laenger funktioniert, dass
es ruecksichtslos von elementaren Kraeften unterlaufen wird, die zu
integrieren es sich straeubt, die es aber auch nicht auszuschalten
vermag. Es ist in erster Linie eine Krise der Produktivkraefte der
Wirtschaft, gleichzeitig aber auch eine Krise des politischen Systems
und des imperialen Staatsaufbaus. Es gibt zahlreiche Hinweise, dass in
der gesamten sowjetischen Gesellschaft ein Unbehagen um sich greift selbst unter der herrschenden Elite, der sogenannten Nomenklatura: das
allgegenwaertige Gefuehl, dass "es so nicht weitergehen koenne". Das
erinnert sehr an die Grundstimmung in der russischen Gesellschaft
Mitte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, am Vorabend grosser
Ereignisse.

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�Ich moechte hier das Wesen der sowjetischen Krise kurz unter den
Gesichtspunkten der Wirtschaft, der Politik und des imperialen Regimes
beschreiben, um dann deren moegliche Loesung und die Rolle zu
skizzieren, die die Politik des Westens in diesem Prozess spielen
kann.

I. Die Wirtschaftliche Krise

Dass die Wirtschaft der Sowjetunion in Schwierigkeiten steckt, ist
selbst jedem noch so fluechtigen Zeitungsleser bekannt. Das sagen
sowjetische Behoerden und das bestaetigen die Sowjetexperten im
Westen. Der Rueckgang des Wachstums der sowjetischen Wirtschaft laesst
sich mit Zahlen belegen: Sie zeigen, dass das Bruttosozialprodukt, das
in den fuenfziger Jahren mit einer durchschnittlichen Jahresrate von
sechs Prozent zugenommen hatte, von da an stetig bis auf nunmehr zwei
Prozent zurueckgegangen ist, das heisst auf ein Drittel des frueheren
Wertes. Vorausberechnungen amerikanischer Fachleute lassen den Schluss
zu, dass das Wachstum des sowjetischen Bruttosozialprodukts noch in
diesem Jahrzehnt auf weniger als zwei Prozent zurueckgehen wird. Die
Wirtschaft der Sowjetunion kann, so wie sie gegenwaertig organisiert
ist, den Anforderungen der Militaers nur auf Kosten des Verbrauchs und
durch eine drastische Senkung der Wachstumsrate der
Kapitalgueterinvestitionen genuegen - Massnahmen, die nicht ohne
groessere langfristige soziale und wirtschaftliche Folgen bleiben
koennen.

Der Hauptschuldige an diesen unheilkuendende Zahlen ist die niedrige
Produktivitaet. Heute, 65 Jahre nach der Revolution und nach
ungeheuren Opfern an Menschenleben, durch die die Sowjetunion hoffte,
mit den Vereinigten Staaten als Industriemacht mindestens gleichziehen
zu koennen, produziert der sowjetische Arbeiter noch immer lediglich
zwei Fuenftel dessen, was sein amerikanischer Kollege produziert -

- 2-

�d.h., im Grunde nicht viel mehr, als um das jähr 1900, als Sergej
Witte die Industrialisierung Russlands einleitete. Doch 1900 war die
niedrigere Arbeitsproduktivitaet in der Industrie fuer Russland kein
ernstes Problem, weil das Land damals in Gestalt der zahllosen,
arbeitsuchenden Bauern ohne eigenen Grund und Boden ueber ein
praktisch unerschoepfliches Reservoir an billigen Arbeitskraeften
verfuegte. Heute ist dies ein sehr ernstes Problem, leidet die
Sowjetunion doch infolge sinkender Geburtenraten unter
Arbeitskraeftemangel. Ich lasse es hier mit dem Hinweis bewenden, dass
die Erwerbsbevoelkerung in den siebziger Jahren um nahezu 20 Millionen
zunahm, waehrend in diesem Jahrzehnt keine zehn Millionen hinzukommen
werden. Eine Steigerung der sowjetischen Produktion kann deshalb nicht
mehr laenger durch Erhoehung der Zahl der Erwerbstaetigen erzielt
werden, sonder erfordert Verbesserungen der Leistungsfaehigkeit;
solche aber sind nirgends zu beobachten. Die Einfuehrung moderner
Maschinen aus dem Westen in der Aera Breschnew hat keine allgemeine
Steigerung der Produktivitaet in der Industrie bewirkt. Das gleiche
gilt fuer die Landwirtschaft: Die Regierung Breschnew hat in den
letzten 17 Jahren mehr Kapital fuer die Modernisierung der
Landwirtschaft aufgewandt als alle vorausgegangen Regierungen seit
1917 zusammengenommen - wiederum ohne das erstrebte Ergebnis.

Es gibt viele Gruende fuer die niedrige Produktivitaet in der
Sowjetunion. Die uebermaessige Konzentration der Entscheidungsprozesse
ist einer von ihnen; die Ueberbewertung der politischen Loyalitaet
gegenueber der professionellen Kompetenz bei der Berufung von
Managementkraeften ist ein anderer, der sich aeusserst schaedlich
auswirkt. Der Hauptgrund aber fuer die niedrige Produktivitaet ist,
alles in allem genommen, in der Haltung der Bevoelkerung der
Sowjetunion zu finden. Verallgemeinernd laesst sich sagen, dass der
Mensch entweder aus Angst oder aus Hoffnung arbeitet: weil er
befuerchtet, eine Degradierung zu erleiden, oder weil er wuenscht,
seinen Status zu verbessern. Die stalinistische Wirtschaft stuetzte
sich in der Hauptsache auf das Prinzip der Angst. Stalin griff damit
- 3 -

�auf die Motivierung zurueck, die in Russland zur Zeit der
Leibeigenschaft bestanden hatte und darin bestand, Faulheit und
Leistungsschwaeche bei den Bauern mit Hunger und bei den
Industriearbeitern mit Einkerkerung zu bestrafen. Stalins Nachfolger
haben den Apparat des wirtschaftlichen Terrors weitgehend abgebaut,
ohne ihn allerdings durch ein System sinnvoller Anreize zu ersetzen mit dem Ergebnis, dass sich die sowjetischen Arbeiter und Bauern von
heute nicht mehr fuerchten, aber auch keinen Anlass haben, groessere
Leistungen zu erbringen....Der in der Sowjetunion zu beobachtende
Rueckgang der Produktivitaet erweist sich letzten Endes als nichts
anderes als die Rache der modernen Leibeigenen an ihrem Herren, dem
Staat.

...Neben der staatlichen Wirtschaft entwickelt sich eine
umfangreiche "zweite Wirtschaft". Sie zeigt sich in mehrfacher
Gestalt. Die produktivste Form besteht aus frei gegruendeten
Partnerschaften von Arbeitern und Bauern unter gewaehlten Vorstehern,
die sich den staatseigenen Unternehmen verpflichten und die erzielten
Gewinne unter ihren Mitgliedern aufteilen. Das ist natuerlich nichts
anderes als das traditionelle russische Artel. In der Industrie
bezeichnet man diese modernen Artel-Arbeiter als Schabaschniki, das
heisst als Freizeit- oder Schwarzarbeiter. Eine besonders wichtige
Rolle spielen sie auf dem Bausektor, wo sie, von vielen beneidet, in
dem Ruf stehen, hochgualifizierte Arbeit zu leisten: Diese "freien
Mitarbeiter", die ihre Arbeitsplaetze in den staatseigenen Betrieben
aufgegeben haben, arbeiten bis zu 15 Stunden am Tag, sieben Tage in
der Woche, und sie verdienen vier- bis fuenfmal so viel, wie normale
Bauarbeiter in staatlichen Betrieben. In manchen Fabriken ist es den
Arbeitern gestattet, Freiwilligenbrigaden zu bilden, die nicht nach
den Einheitsloehnen fuer die Erfuellung der Norm, sondern nach am
Produktionsergebnis orientierten Sondersaetzen bezahlt werden. In
diesen Arbeitsbrigaden soll die Produktivitaet doppelt so hoch sein,
wie unter den normalen Arbeitern. Solche Arbeitsgruppen sind ebenfalls
auf dem Bausektor weit verbreitet, spielen aber auch in der

�Fertigungsindustrie und im Transportwesen eine Rolle. Arbeitsbrigaden
dieser Art und Schabischniki erbringen heute in der Sowjetunion nahezu
zwei Fuenftel aller Bauleistungen. In der Landwirtschaft ist die
Ueberlegenheit privater Betriebsformen besonder augenfaellig. Auf drei
Prozent der Anbauflaeche, die die Landarbeiter frei bewirtschaften
duerfen, produzieren sie nahezu ein Drittel der gesamten Gemueseernte
der Sowjetunion; das gleiche gilt fuer Fleisch und fuer Milchprodukte.
Die Produktivitaet betraegt etwa das Achtfache der Produktivitaet auf
dem staatlichen Sektor - und das trotz der Tatsache, dass diese
Freizeitbauern hinsichtlich der Beschaffung von Futter, Duengemitteln
und Geraetschaften vollkommen von der ihnen nicht gerade
wohlgesonnenen Kolchosbuerokratie abhaengen. In den letzten Jahren
erwies sich in der Landwirtschaft die sogenannte normenfreie Anbindung
- Zusammenschluesse von Kolchosarbeitern, die nicht fuer die
Erfuellung von Normen, sondern fuer die tatsaechlich eingebrachte
Ernte bezahlt werden - als eine weitere erfolgreiche Neuerung. Die
Kombination aus freiem Zusammenschluss und Gewinnstreben fuehrt in
allen Zweigen der sowjetischen Wirtschaft zu ausserordentlichen
Ergebnissen.

Trotz der solchermassen erwiesenen Leistungsfaehigkeit behindern
die Buerokraten den privaten Sektor und suchen ihn abzuschnueren,
haengt doch ihr eigenes Ueberleben von der Aufrechterhaltung des
status guo ab, das heisst vom Fortbestand eines Wirtschaftssystems, in
dem politische Sicherheitserwaegungen die hoechste Rangstufe
einnehmen. Eine der Tragödien des zeitgenoessischen Russland besteht
darin, dass seine herrschende Elite ein tiefverwurzeltes Interesse an
wirtschaftlicher Ineffizienz hat - ein Phaenomen, das ohne Parallele
in der Weltgeschichte sein duerfte.

II.

Die Politische Krise

_Die politische Krise, die die Sowjetunion gegenwaertig durchmacht,
ruehrt von der Unfaehigkeit der herrschenden Schicht, der
- 5 -

�Nomenklatura, her, die Bevoelkerung davon zu ueberzeugen, dass sie ein
verlaesslicher Verwalter und wahrer Hueter der nationalen Interessen
ist. Je mehr der Zweifel hieran um sich greift, umso groesser wird die
Kluft, die die Machthaber von den Beherrschenden trennt, und umso
schwerer faellt es der Regierung, die Bereitschaft zur Mitarbeit zu
wecken - sei es durch Drohungen oder durch Versprechen. Es gibt ein
russisches Bonmot, das die derzeitigen Verhaeltnisse in der
Sowjetunion treffend umreisst, wenn es von einer Lage spricht, in der
"die Regierung nicht kann und das Volk nicht will".

Diese Vertrauenskrise hat wenig mit der Erosion der kommunistischen
Ideologie zu tun. Die kommunistische Ideologie hatte in der
Sowjetunion noch zu keiner Zeit grossen Zulauf. Sie vermochte die
Unterstuetzung einer breiten Oeffentlichkeit nur in dem Masse zu
gewinnen, in dem ihren Verfechtern deren Identifizierung mit dem
Nationalismus gelang: das heisst in dem Masse, in dem sich die
kommunistischen Machthaber ueberzeugend als Vorkaempfer der nationalen
Bedrohung der Russen zu praesentieren verstanden. Das vermochte sie am
ehesten, wenn sie "gegen auslaendische Feinde" kaempften - manchmal
echte Feinde, haeufiger aber noch Feinde, die sie eigens fuer diesen
Zweck kuenstlich konstruiert hatten. Das Problem der derzeitigen
Machthaber besteht deshalb darin, dass heute nicht nur die Intelligenz
sonder auch das Volk insgesamt immer staerker an ihrer Tuechtigkeit
und Glaubwuerdigkeit zu zweifeln beginnt.

Zentrale Ursache dieser Entwicklung ist die Korruption selbst unter
hoechsten Funktionaeren. Allen Berichten nach zu urteilen, breitet
sich das Krebsgeschwuer der Korruption, das frueher nur oertlich eng
umgrenzt auftrat, allmaehlich auf das ganze Sowjetsystem aus. Die
Folge ist, dass ohne Bestechung nichts mehr erworben oder erreicht
werden kann. Die gesetzwidrige und die institutionalisierte Korruption
in Form von Sonderprivilegien fuer die Mitglieder der Nomenklatura
vergiften die gesamte Atmosphaere. Sie veranlassen das Volk, jene, die
Macht ueber es besitzen, als ein Pack von Parasiten anzusehen, die

- 6-

�ausschliesslich auf die Befriedigung ihrer privaten Erfordernisse und
Wuensche aus sind. Der Zorn, den dieses Gefuehl ausloest, ist leicht
zu verstehen. In Polen war es die um sich greifende Korruption, die
vor drei Jahren durch die beharrliche Aufklaerungsarbeit der
Solidaritaet in der Oeffentlichkeit bekannt wurde, die die Flammen der
Rebellion unter den Arbeitern anderer Auffassung im ganzen Volk
verbreiten half. Und tatsaechlich, welche Art von Achtung konnte das
polnische Volk fuer eine Regierung hegen, deren Vertreter in der
Folgezeit in grosser Zahl unter der Beschuldigung der Bestechlichkeit
und des Diebstahls in Haft genommen wurden, darunter der
Ministerpraesident, 18 Minister, sieben stellvertretende
Ministerpraesidenten und 56 Ministerstellvertreter - ganz zu schweigen
von vielen anderen Angehoerigen der Parteihierarchie. Die Korruption
hat sich in der Sowjetunion von einer laestigen Lappalie, die die
Gesellschaft diskret zu uebersehen geneigt war, zum offenen Skandal
ausgeweitet. Selbst die Miliz, angeblich Hueter von Gesetz und
Ordnung, soll bis zum Hals in verbrecherische Machenschaften
verwickelt sein. Dieser Sachverhalt diskreditiert die Regierung in den
Augen selbst noch so unpolitischer Buerger und nimmt ihr jedes
moralische Recht, von diesen buergerliches Pflichtbewusstsein und
persoenliche Opferbereitschaft zu verlangen. Die Folgen sind
verheerend - besonders unter der Jugend, deren Gleichgueltigkeit
gegenueber staatlichen Erfordernissen und deren Zynismus den Behoerden
Anlass zu groesster Sorge bieten.

Die Angehoerigen der russischen Intelligenz sowohl in der
Sowjetunion als auch in der Emigration beurteilen die Regierung auch
nach ihrer Faehigkeit, den nationalen Interessen zu dienen. In dieser
Frage gibt es zwei klar abgegrenzte Denkschulen, die in vieler
Hinsicht den vorrevolutionaeren Tendenzen der Slawophile und der
Westorientierung gleichen. Beide stimmen darin ueberein, dass sich die
Sowjetregierung gegenueber den nationalen Erfordernissen sehr
gleichgeltig verhaelt. Der Streit zwischen beiden Richtungen
konzentriert sich auf die Frage der Beziehung Sowjetrusslands zum
- 7 -

�Westen, wobei die eine Gruppe behauptet, alle Schwierigkeiten des
Landes kaemen vom Einfluss des Westens, waehrend die andere
argumentiert, dass sie im Gegenteil von der unzureichenden
Verwestlichung Russlands herruehren.

Die Westglaeubigen sind im Ausland wohl bekannt, weil sie lange
Jahre hindurch Ziel schwerer staatlicher Verfolgung waren. Es reicht,
wenn ich hier erklaere, dass sie das Sowjetregime als Reincarnation
des moskowitischen Russland ansehen und einen Ausweg aus dessen
selbstverschuldeter Krise ohne ernsthafte Anstrengungen zur
Zivilisierung der Massen durch Wiedererweckung der Achtung vor den
Menschenrechten und vor der Rechtsstaatlichkeit, fuer undenkbar
erachten.

Weniger bekannt ist im Ausland die Gruppe der gemeinhin als
Russophile bezeichneten Anhaenger der gegensaetzlichen Meinung. Die
Haltung der Russophilen beruht auf der Praemisse, der Kommunismus sei
dem Geist der Russen und den historischen Traditionen Russlands fremd,
da es sich um eine Krankheit westlicher Herkunft handele, mit der eine
entwurzelte Intelligenz das Land infiziert habe. Um ihre These zu
stuetzen, idealisieren die Russophilen die vorrevolutionaere Zeit. Die
hauptsaechlichen Organe dieser Bewegung, die junge Garde zum Beispiel,
veroeffentlichen einen breiten Strom von Essays, Romanen und
wissenschaftlichen Monographien, die erfuellt sind mit einer Nostalgie
fuer die russische Vergangenheit und einer kaum verhohlenen Verachtung
fuer Auslaender, insbesondere fuer die Juden. Einige von ihnen scheuen
sich nicht, zu behaupten, das russische Volk sei anderen Voelkern von
seiner Veranlagung her ueberlegen, wie dies vor einem Jahrhundert auch
Fjodor Dostojewski meinte. Die sowjetischen Machthaber nahmen die
russophilen Tendenzen unter ihre eigenen Fittiche - wahrscheinlich
deshalb, weil sie diese fuer gefaehrlicher halten als die
Westorientierung und weil sie es sich nicht leisten koennen, sich
rechts ueberholen zu lassen. Das KGB hat eine besondere Vorliebe fuer
die Russophilen, deren Ideologie die Ausmerzung aller westlichen

- 8-

�Einfluesse aus dem sowjetischen Leben gebietet - eben jener
Einfluesse, die die politische Polizei als verantwortlich fuer den
gefaehrlichsten Trend im ganzen Lande haelt: die
"Verbrauchshoerigkeit", die ihrer Auffassung nach den Anstoss gibt
nicht nur zur Korrumpierung derjenigen, die Macht in Haenden halten,
sondern auch zur Entfremdung der Jugend.
Der Nationalismus gefaehrdet das Sowjetregim auch noch auf andere
Art und Weise. Die Sowjetunion ist ein multinationales Imperium, in
dem die Russen lediglich knapp mehr als die Haelfte der Bevoelkerung
stellen. Sie und die beiden anderen slawischen Voelker - die Ukrainer
und die Weissrussen - haben nach 1917 so schwere Traumata erlebt, dass
sie sich nicht mehr in ausreichendem Masse fortpflanzen. Wie koennten
sie auch angesichts der Tatsache, dass die Durchschnittsrussin im Lauf
ihres Lebens schaetzungsweise zehn Abtreibungen vornehmen Laesst. Das
Problem wird noch verstaerkt durch den Mangel an Maennern slawischer
Herkunft, der offensichtlich auf die hohen Raten an Alkoholikern,
Alkoholvergiftungen und Betriebsunfaellen zurueckzufuehren ist.
3uengste Volkszaehlungen deuten darauf hin, dass die Russen bis Ende
dieses Jahrhunderts unter der Jugend des Landes eine kleine Minderheit
sein werden, waehrend die muselmanischen zentralasiatischen Republiken
allein voraussichtlich 40 Prozent der sowjetischen Jugend stellen
werden. Was eine derartige Verlagerung des demographischen
Gleichgewichts fuer die geographische Verteilung der
Erwerbsbevoelkerung und die voelkische Zusammensetzung der Sowjetarmee
- ganz zu schweigen fuer die moralische Haltung der russischen
Bevoelkerung - bedeuten wird, kann man sich gut vorstellen.

III.

Die Imperiale Krise

_Das sowjetische System hat einen immanenten Hang zu imperialistischer
Expansion - zum grossen Teil deshalb, weil der Nomenklatura eine
legitime politische Basis abgeht, so dass sie sich nur durch
Ausweitung ihrer Machtbasis halten kann. Dieser Sachverhalt wurde von

- 9-

�Professor Michael Voslensky bewundernswert dargelegt, als er schrieb:

"Der expansionistische Drang (der Sowjetunion) ist direkter
Ausdruck der Charakteristika des Systems, vor allem aber des
Klassencharakters des Sowjetstaats. Die Politik der
Sowjetunion ist expansionistisch, weil die politische Macht
die einzige Basis der herrschenden Klasse darstellt. Die
Nomenklatura laesst sich mit der Unternehmerklasse im Westen
vergleichen. Auch diese Klasse ist expansionistisch, wenn auch

nur

auf dem Gebiet der Wirtschaft. Die Klassenbasis der Bourgoisie

ist

das Eigentum und ueber das Eigentum gewinnt sie politischen
Einfluss. Die Klassenbasis der Nomenklatura ist dagegen die
politische Macht; sie erwirbt Eigentum und Privilegien durch
(politische) Macht."

Die sowjetische Regierung legt traditionsgemaess bei
imperialistischen Abenteuern grosse Vorsicht an den Tag - aus Furcht,
dass eine Demuetigung ihrer Streitkraefte durch auslaendische Maechte
Zweifel im Denken der Sowjetbuerger erwecken koennte, ob sie wirklich
so allmaechtig ist, wie sie vorgibt. Vor einem Jahrzehnt oder so liess
Moskau diese Ruecksicht fallen. Die Niederlage Amerikas in Vietnam und
ein emotionsbeladenes Aufbegehren gegen jedwede auslaendische
Verwicklungen der Vereinigten Staaten schienen der Sowjetunion die
einzigartige Chance zu eroeffnen, sich unter geringem Risiko
strategische Brueckenkoepfe weit jenseits der sowjetischen Stammlande
zu verschaffen. Die Entscheidung, eine militaerische Weltpolitik zu
betreiben, die gegen Ende der sechziger Jahre getroffen wurde, fand
ihren Niederschlag im sowjetischen Staatshaushalt. Beginnend mit dem
neunten Fuenfjahresplan, der 1970 in Kraft getreten ist, wurden die
Haushaltmittel fuer Kapitalgueterinvestitionen und fuer den zivilen
Sektor gekuerzt und die auf diese Weise eingesparten Betraege fuer
militaerische Zwecke verfuegbar gemacht. Diese Entscheidung wurde im
zehnten Fuenfjahresplan von 1975 und im elften von 1980 bekraeftigt.
Die Tatsache, dass eine derartige Verlagerung von Haushaltmitteln auf
- 10 -

�die Militaerausgaben genau zu der Zeit erfolgte, zu der die
Vereinigten Staaten ihre Militaerausgaben kuerzten, widerlegt ja wohl
die Behauptung, die militaerischen Vorbereitungen der Sowjetunion
seien lediglich eine Reaktion auf amerikanische Massnahmen: In
Wahrheit scheinen sie von der Verlockung zur Aggression ausgeloest
worden zu sein. Unter Ausnutzung der amerikanischen Wendung nach
innen, begann sie Sowjetunion weltweit eine imperialistische Politik
zu betreiben, die hinsichtlich Intensitaet und Reichweite in der
russischen Geschichte ohne Beispiel ist. Heute unterstuetzen
sowjetische Truppen militaerische Operationen auf vier Kontinenten,
und in Afghanistan sind sie zum ersten Mal seit 1917 unmittelbar in
einen Eroberungsfeldzug verwickelt.

Welche militaerischen oder politischen Vorteile solche
anachronistischen, imperialistischen Abenteuer auch einbringen moegen
- und sie sind zweifelhaft -, fest steht, dass sie die angespannte
sowjetische Wirtschaft schwer belasten. Die sowjetischen Machthaber
begreifen allmaehlich, dass der Imperialismus, entgegen den
amateurhaften Spekulationen Lenins, kein Geschaeft ist. Die
dramatische Zunahme der sowjetischen Unterstuetzungszahlungen an
verbuendete kommunistische Laender muss sie bestuerzen. Diese
Subsidien, die sich vor 10 Jahren in der Groessenordnung von einer
Milliarde Dollar pro Jahr bewegt hatten, stiegen 1979 auf 13,6
Milliarden Dollar und 1980 auf 23,7 Milliarden Dollar an. Es muss
einigen Leuten in der sowjetischen Fuehrung aufgegangen sein, dass
ihre spaerlichen finanziellen Hilfsquellen nicht ausreichen, ein
ehrgeiziges imperialistisches Expansionsprogramm im Stile des
neunzehnten Jahrhunderts durchzustehen....Es liegen Beweise dafuer
vor, dass sich Realisten im sowjetischen politischen und
militaerischen Apparat mit diesen Tatsachen auseinanderzusetzen
beginnen. Die ungewoehnliche Passivitaet der Sowjetunion juengst im
Libanonkonflikt und die praktisch voellige Preisgabe der PLO,
Hilfsempfaenger und arabischer Degen zugleich, koennten durchaus
Manifestitionen wachsender Zweifel an der Weisheit der Entscheidung
- 11 -

�sein, ausgehend von der Basis einer ruecklaeufigen Volkswirtschaft
eine ruecksichtslose Weltpolitik zu betreiben.

IV. Zukunftsaussichten

Welcher Weg fuehrt aus der Krise heraus? Wiewohl ein gewaltsamer
Zusammenbruch des sowjetischen Regimes nicht ausgeschlossen werden
kann, ist die Wahrscheinlichkeit hierfuer doch gering. Wenn ich dies
sage, dann nicht etwa, weil ich glaube, das kommunistische Regime
halte das Land in einem unloesbaren Griff. Die Ereignisse in Ungarn,
in der Tschechoslowakei und allem voran in Polen zeigten,
beziehungsweise zeigen, dass kommunistische Kontrollen unter
Umstaenden rasch und radikal beseitigt werden koennen. Die Zweifel an
einer neuen russischen Revolution leiten sich eher von dem Eindruck
her, dass praktisch keine Gruppe in der Sowjetunion eine solche
wuenscht. Russland hat genug von Revolutionen und die Russen glauben
nicht mehr laenger, dass sie ihr Los durch radikale und gewaltsame
Veraenderungen verbessern koennten. Das ganze Konzept von der
Revolution als einer Art deus ex machina, der auf magische Weise alle
Schwierigkeiten beseitigt, das dem Mittelstand zugehoerigen
Visionaeren in unschuldigeren Laendern so anziehend erscheint, ist in
der Sowjetunion in Misskredit geraten. Die Hoffnungen der
Sowjetbuerger auf Verbesserungen ihres Loses richten sich auf die
Evolution.

Aus der Samisdat-Literatur und aus zahllosen Gespraechen, die ich
in der Sowjetunion fuehrte, kann ich bezeugen, dass ein allmaehlicher
Wandel von Vertretern aller Schattierungen der oeffentlichen Meinung
beguenstigt wird. Aus diesem Grunde sollte man die Argumente der
Befuerworter einer nachgiebigeren Haltung gegenueber der Sowjetunion
nicht allzu ernst nehmen, die besagen, eine staerker
prinzipienverhaftete Politik sei geeignet, Russland auf gefahrvolle
Weise zu "destabilisieren".

- 12 -

�Wenn nicht Revolution, dann also Reform. Reformen brauchen nicht
unbedingt von der Art einer Bewegung in Richtung auf neue und bisher
nicht erprobte Formen zu sein: Erinnern wir uns an jenen
Oxford-Theologen, den Oscar Wilde dahingehend zitiert, sein einziger
Einwand gegen den Fortschritt der Moderne gehe dahin, dass er immer
nach vorne statt nach hinten gerichtet sei. Tatsaechlich gibt es auch
einen Fortschritt nach hinten. Um ein Beispiel zu nennen, eine
"Gegenreform" der Art, wie sie Zar Alexander III Russland in den
achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts aufzwang.

Eine Option, die der sowjetischen Regierung freisteht, waere die
Rueckkehr zum Stalinismus - natuerlich keine Rueckkehr zum Grand
Guignol der dreissiger Jahre unseres Jahrhunderts und auch nicht zum
staatlich gefoerderten Personenkult, sondern zu einem Staat, dessen
Motor die Furcht ist. Es laesst sich argumentieren, dass insoweit wie
jede Liberalisierung und alle Zugestaendnisse an die Privatinitiative
zwangslaeufig den Monopolanspruch der herrschenden Elite auf die
politische Macht gefaehrden, Maengel des status quo durch den
Rueckgriff auf so schwere Strafen behoben werden muessen, wie sie
unter Stalin auf Pflichversaeumnisse gestanden hatten. Bauern also,
die nicht fuer den Staat arbeiten, moegen ruhig verhungern, und
Arbeiter, die ihren Arbeitsplatz aufgeben, haeufig zu spaet zur Arbeit
erscheinen, blau feiern oder sich trunken zur Arbeit einfinden, werden
sich alsbald in einem Arbeitslager wiederfinden.

Korrupte Beamte werden schwer bestraft. Leute mit abweichenden
Meinungen werden physisch liquidiert. In den aussenwirtschaftlichen
Beziehungen kommt es zu einer verminderten Importabhaengigkeit und
verstaerkten Autarkiebestrebungen. Verpflichtungen gegenueber der
Dritten Welt werden staerker abgebaut, waehrend die Spannungen entlang
der Grenze der Sowjetunion und ihrer osteuropaeischen Besitzungen
zunehmen.

Eine solche Option waere sicherlich denkbar: fuer konservative
- 13 -

�Kreise und insbesondere fuer das KGB ist sie sogar von grosser
Anziehungskraft, fuerchten sie doch, der derzeitige Kurs werde das
Land in einen Abgrund fuehren. Ob das realistisch ist oder nicht, ist
eine andere Frage. Eine so vielschichtige Volkswirtschaft wie die der
Sowjetunion von heute kann sich aber kaum in die Autarkie fluechten.
Unwahrscheinlich erscheint ferner, dass sie die Ernten angesichts des
Mangels an kraeftigen Maennern auf dem flachen Lande und des
Erschoepfungsgrades eines guten Teils der Boeden mit Drohungen oder
Strafen verbessern koennen. Es ist auch nicht leicht einzusehen, wie
tuechtige Arbeitskraefte in der Produktion elektronischer
Austestungen durch die rauhen Methoden, die Stalin zum Bau von
Kanaelen und Stahlhuetten befaehigten, dazu gebracht werden koennen,
mehr zu leisten als bisher. Stalins Industrialisierung wurde letzten
Endes mit Menschenleben bezahlt. Vor fuenfzig Jahren wies Russland
einen starken Ueberfluss an dieser Art von Kapital auf, heute aber
herrscht ein verzweifelter Mangel an Arbeitskraeften. Dem Land sind
die Eier ausgegangen, die es aufbrechen muesste, um das beruehmte
Omelette zu backen. Strenge Befehle, Haftstrafen und Hinrichtungen
aendern nichts an biologischen Tatsachen. Deshalb lassen sich
Verbesserungen der Produktivitaet nur durch Anreize erreichen, das
heisst durch gerade jene Methoden, die der Spekulation auf die Angst
diametral entgegenstehen.

Eine vernuenftigere Option besteht deshalb in einer liberalen
Wirtschaftsreform nach ungarischem Modell - eine Chance, die den
Verantwortlichen fuer die sowjetische Wirtschaft besonders attraktiv
erscheint. Die Tatsache, dass zwei der konservativsten sowjetischen
Dependancen, die Tschechoslowakei und Bulgarien, kuerzlich die Absicht
bekundeten, den neuen Wirtschaftsmechanismus Ungarns zu uebernehmen,
deutet darauf hin, dass die Verfechter liberaler Reformen in Moskau
einigen Erfolg haben. Die Anziehungskraft des "Gulaschkommunismus"
besteht darin, dass er die Produktivitaet zu steigern vermag ohne die
politische Autoritaet der Partei zu schwaechen oder diese der Vorteile
zu berauben, die ihr hieraus erwachsen. Eine weniger attraktive Seite

- 14 -

i

�resultiert aus der Tatsache, dass eine leistungsgemaesse Entlohnung,
Grundvoraussetzung jeder wirtschaftlichen Rationalisierung,
unausweichlich soziale Unausgewogenheiten nach sich zieht, die die
sowjetische Bevoelkerung strikt ablehnt.

In einem gewissen Sinn wird den sowjetischen Machthabern die
Beantwortung dieser Frage jedoch abgenommen und vom Leben als solchem
entschieden. Das spektakulaere Wachstum der "zweiten Wirtschaft" in
den letzten Jahren - einem dynamischen privatwirtschaftlichen Sektor
innerhalb der kommunistischen Volkswirtscaft, auf den nahezu ein
Drittel der Erzeugung von Grundnahrungsmitteln, ausgenommen Brot, und
ueber ein Drittel des Volumens im Wohnungsbau entfallen - ist eine
Realitaet, die man nur schwer ignorieren kann. Sechzig Jahre vor
Abschaffung der Leibeigenschaft in Russland begann der Anteil der
Leibeigenen an der Gesamtbevoelkerung zu schrumpfen - eine
Entwicklung, die sich ungebrochen bis zum Emanzipationserlass des
Jahres 1861 fortsetzte. In sehnlichem Sinne kann das Gedeihen eines
freien Unternehmertums innerhalb einer im wesentlichen als
Sklavenwirtschaft einzustufenden Wirtschaft als Hinweis auf die
Entstehung eines neuen Systems gewertet werden, eines neuen
Verhaeltnisses, das einige sowjetische Wirtschaftswissenschaftler als
"Partnerschaft" zwischen dem staatlichen und dem privaten Sektor der
Wirtschaft beschreiben: Mit anderen Worten hier zeigt sich etwas, was
stark an eine Mischwirtschaft erinnert.

Welchen Weg die sowjetische Fuehrung einschlagen wird, kann man
heute nicht mit Sicherheit vorhersagen. Es ist ungewiss, ob sie zum
Stalinismus zurueckkehren oder das Risiko liberaler Reformen auf sich
nehmen wird. Die Entscheidung duerfte letzten Endes von den
Persoenlichkeiten abhaengen, die gerade zur Hand sind.

Zwei Dinge aber sind sicher: Es liegt in hohem Masse im Interesse
des Westens, dass die liberalen Reformer triumphieren und dass die
Politik, die der Westen in seinen Beziehungen zur Sowjetunion
- 15 -

�verfolgt, das Ergebnis des inneren Konflikts in Russland nicht negativ
beeinflusst.

Die Annahme eines Programms liberaler Reformen wuerde die Ursachen
der Ost-West-Spannungen auf mannigfaltige Weise verringern. Sie wuerde
zwangsweise Russlands Ressourcen stark in Anspruch nehmen - eine
Verlagerung des Haushaltschwerpunktes vom militaerischen Sektor auf
den Bereich der Investitionen und des Verbrauchs bedingen. Sie wuerde
des weiteren eine betraechtliche -Verringerung der militaerischen und
anderweitiger Verpflichtungen in der Dritten Welt erforderlich machen,
die die Wirtschaft der Sowjetunion zu stark belasten und sich so
schaedlich auf deren Beziehungen zum Westen auswirken. Eine
Dezentralisierung des Managements der Wirtschaft und groessere
Zugestaendnisse an die Privatinitiative wuerden den Einfluss von
Leuten mehren, die weniger Interesse an einer Expansionspolitik haben.
Alle Erfahrungen deuten darauf hin, dass der wirtschaftliche
Pluralismus zwangslaeufig ein gewisses Mass an politischem Pluralismus
nach sich zieht, der wiederum die Politiker zur verstaerkten
Konzentrierung ihrer Energien auf die Sorgen im eigenen Land zwingt.
Ein Russland, das sich nach innen wendet, das Groesse nicht in
Eroberungen sondern im Aufbau einer selbstbewussten und lebensfaehigen
Gesellschaft sucht, wird eine weniger grosse Bedrohung fuer sich
selbst und seine Nachbarn darstellen. Im 19. Jahrhundert nannte man
eine derartige Wendung nach innen, wie sie Russland von Zeit zu Zeit
vornahm, "Recueillement". Diese Sammlungsbewegung wurde besonders von
jenen russischen Patrioten befuerwortet, die, wie sich zeigen sollte,
zur Recht fuerchteten, dass ein ungezuegelter Expansionismus in einer
Katastrophe enden werde. Was heute zu wuenschen waere, und was wir
nach Kraeften zu foerdern bestrebt sein sollten, ist ein abermaliges
russisches Recueillement groesstmoeglichen Ausmasses.

Gewisse Kreise argumentieren, das letztgenannte Ziel liesse sich am
ehesten dadurch erreichen, dass man der sowjetischen Fuehrung das
Leben leichter macht: Indem man ihr und ihren Wirtschaftspartnern

- 16 -

�billige Kredite gewaehrt; indem man ihr, wiederum ueber Kredite, die
Moeglichkeit verschafft, grosse Betraege in harter Waehrung zu
verdienen; indem man die eigenen Reaktionen auf deren weltweite
Unternehmungen auf eine verbale Missbilligung beschraenkt; und indem
man auf die sowjetische militaerische Herausforderung mit einem
Mindestmass an Abschreckung reagiert. Diese Auffassung war auch in den
Vereinigten Staaten zu hoeren; sie findet aber heute dort nur noch
wenige Anhaenger, weil die Erfahrung zeigt, dass derartige Schritte
nicht den gewuenschten Effekt zeigen. Es war vor allem in der Zeit des
Recueillement Amerikas, waehrend der siebziger Jahre also, als die
Sowjetunion besonders grosse und beachtliche Fortschritte in der
Waffentechnik erzielte und sich auf die kuehnsten Auslandsabenteuer
einliess. Heute neigen wir zu dem Schluss, dass die tieferen Wurzeln
der sowjetischen Bedrohung in dem System selbst liegen - und dass sich
daran hoechstwahrscheinlich solange nichts aendern wird, bis dieses
System einen grundlegenden Wandel von innen her erfaehrt.

Kein verantwortungsbewusster Mensch darf sich heute der Illusionen
hingeben, es stuende in der Macht des Westens, das sowjetische System
zu Versendern oder "die Sowjetwirtschaft in die Kniee zu zwingen". Das
waeren unerreichbare Ziele. Was man anstreben kann und sollte, ist,
dBS Sowjetregim dazu zu zwingen, die Konsequenzen seiner eigenen
Prioritaeten selbst zu tragen. Wir sollten es der Nomenklatura nicht
zu einfach machen, ihren Kuchen zu bekommen und ihn in Ruhe zu
verzehren oder, mit anderen Worten, ein leistungsunfaehiges System zu
stuetzen, dessen Fehler die Macht und Stabilitaet des Regimes
gefaehrden, und ihm gleichzeitig zu helfen, eine aggressive
militaerische Streitmacht aufzubauen und sie ueber die ganze Welt zu
verteilen. Jeder Versuch, der Sowjetunion aus ihren wirtschaftlichen
Schwierigkeiten herauszuhelfen, vermindert einerseits den Druck in
Richtung auf innere Reformen und andererseits die Notwendigkeit einer
weltweiten Maessigung. Um eine offenkundige Analogie anzufuehren:
Haette unsere Politik, Suedafrika zum Ablassen von der Apartheit zu
bewegen, irgend eine Erfolgschance wenn wir diesem Land staatlich
- 17 -

�subventionierte und garantierte Kredite fuer den Abbau und Absatz
suedafrikanischer Mineralstoffe gewaehren und ihnen auf Jahrzehnte
hinaus einen Markt fuer deren Absatz bieten wuerden? Sicherlich nicht.
In diesem Fall waere der Zusammenhang zwischen Wirtschaftshilfe und
der Aufrechterhaltung der Rassendiskriminierung offenbar. Warum aber
ist nicht auch im Falle der sibirischen Gasleitung klar, dass ihr Bau
mit westlicher Hilfe der Aufrechterhaltung eines verhassten und auf
gefaehrliche Weise Aggressiven totalitaeren Regimes foerderlich ist?
Die Ertraege, die der erste Strang der sibirischen Rohrleitung
abzuwerfen verspricht, werden die sowjetische Regierung in die Lage
versetzen, auslaendische Technologien in verstaerktem Umfange
einzukaufen und ihre Dependancen und Strohmaenner besser als je zu
unterstuetzen - und das mit Hilfe staatlicher Mittel aus dem Westen
und mit westlichem know how. Diese Ertraege werden es der Sowjetunion
nur leichter machen, den status quo aufrecht zuerhalten, der
andernfalls gefaehrdet ist. Das ist der Grund, warum die Vereinigten
Staaten auf die Ereignisse in Polen vom 13. Dezember 1981 so energisch
reagierten, indem sie eine Liefersperre fuer alle energiebezueglichen
Technologien verfuegten.

Die Argumente, die zugunsten einer Ausdehnung der Meistbeguenstigung auf den Handel mit der Sowjetunion vorgebracht werden,
sind gewoehnlich mit hochtrabenden politischen Begriffen gespickt, die
sich aber bei naeherem Hinsehen als Versuche zur Umdeutung normaler
Handelsinteressen erweisen, die sicherstellen sollen, dass der
Sowjetblock seine Schulden zurueckbezahlen kann und genug Devisen in
harter Waehrung uebrig behaelt, noch mehr Waren aus dem Westen zu
beziehen. Mir ist noch keine ernstzunehmende Analyse zu Gesicht
gekommen, die - nicht auf der Basis vager Hoffnungen, sondern auf der
der sowjetischen Realitaeten - ueberzeugend darlegt, dass die
Wirtschaftshilfe einen maessigenden Einfluss entweder auf das Wesen
des Sowjetregimes oder dessen internationales Verhalten ausgeuebt
habe. Es laesst sich hingegen eindeutig nachweisen, dass sie es der
Nomenklatura erlaubt, harte Entscheidugen zu umgehen. Wirtschaftshilfe

- 18 -

�bestaerkt vielmehr die sowjetischen Konservativen in dem Glauben, sie
koennten das stalinistische System intakt erhalten und gleichzeitig
ihre Macht in aller Ruhe ueber den ganzen Erdball ausbreiten. Wenn sie
unter Druck geraten, argumentieren die Verfechter freiverfuegbarer
Wirtschaftshilfe, dass uns diese mindenstens Zeit einbringe und der
Sowjetunion irgendwie die Moeglichkeit verschaffe, eines Tages ihren
Kurs zu veraendern und vernuenftig zu werden. Wie das aber geschehen
soll, hat noch niemand erklaert - wahrscheinlich deshalb, weil es
nicht zu erklaeren ist. Und was den Zeitgewinn angeht, so darf ich Sie
daran erinnern, dass Zeit, wie die Erfahrung lehrt, etwas ist, was die
Geschichte noch immer und jederzeit feilgeboten hat.

+ + + + +

- 19 -

�40

14

Oktober 1982

ERNEUTE GREUEL IN AFGHANISTAN
Kommentar der Stimme Amerikas

(AD) - Seit 1978 haben die von der Sowjetunion gestützten Machthaber
in Afghanistan immer wieder zum Terror als Mittel gegen die Zivilbevölkerung
gegriffen. Seit jenem Zeitpunkt gibt es mehr als genug glaubwürdige Beweise
für Massengräber und für grausame Angriffe auf Zivilisten, um Moskau zumindest nach einer eindeutigen Erklärung zu fragen.
So gab es in der vergangenen Woche äußerst beunruhigende Nachrichten aus
der Stadt Paghman. Unser Korrespondent in New Delhi berichtete unter Bezug auf
diplomatische Quellen, daß etwa 200 Zivilisten getötet oder verwundet wurden,
als der Marktplatz dieser weniger als 20 Kilometer nördlich von Kabul gelegenen Stadt mit Raketen und Bomben belegt wurde.
Hierbei wurden, den Berichten zufolge, Düsenjäger des sowjetischen Typs
MIG-21 sowie Hubschrauber der afghanischen Luftwaffe eingesetzt. Dieses willkürliche Bombardement von einfachen Zivilisten war eine Vergeltungsmaßnahme
dafür, daß die afghanische Widerstandsbewegung zehn sowjetische Soldaten -

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�sowjetische Soldaten - darunter vier Offiziere - gefangengenommen hatte. Die
afghanischen Freiheitskämpfer ließen wissen, sie hätten die vier Offiziere
nach Pakistan gebracht und die anderen exekutiert.
Es ist kaum anzunehmen, daß ein Luftangriff dieser Art stattfinden
konnte, ohne daß die sowjetische Invasionsarmee hiervon wußte. Ja, das Motiv läßt auf unmittelbare Komplizenschaft der Sowjetunion schließen. Aber
es gibt kein Motiv, das die Brutalität verringern oder entschuldigen würde,
modernste Waffen der mechanisierten Kriegsfü'hrung gegen ein altes Volk einzusetzen, dessen einziges Vergehen in den Augen des Kreml darin besteht, daß
es seine Freiheit wiedererlangen will. Aber Moskau scheint entschlossen zu
sein, sich voll auf den Einsatz von Gewalt zu verlassen: Erst mit dem Einsatz
von chemischen Waffen, bei denen es Verluste unter der Zivilbevölkerung geradezu geben muß - und nun dadurch, daß Unschuldige zum Ziel eines Vergeltungsschlags gemacht werden.
Dies sind desperate Taktiken. Sie sind ein deutliches Zeichen dafür,daß
es der sowjetischen Armee und der afghanischen Marionettenregierung nicht gelungen ist, den Widerstand der Bevölkerung zu unterdrücken. Dies ist in sich
selbst ein ermutigendes Zeichen. Aber es muß dafür auch ein schrecklicher Preis
gezahlt werden.

+ + + + +

�40

14. Oktober 1982

US-STAATSSEKRETÄR SCHLIESST PRÄVENTIVKRIEG
DES WESTENS AUS

WASHINGTON - (AD) - Nach den Worten des Staatssekretärs im amerikanischen Verteidigungsministerium, Fred C. Ikle, ist ein Präventivkrieg kein
Teil der nuklearen oder konventionellen Militärstrategie der Vereinigten
Staaten. Vor Auslandskorrespondenten verneinte Ikle am 8. Oktober 1982 mit
Nachdruck die Frage, ob Washington und seine NATO-Partner einen präventiven militärischen Schritt in kommunistisches Territorium hinein ergreifen
würden, wenn man der Ansicht sei, daß eine sowjetische Invasion unmittel
bar bevorstehe.
"Die klare Antwort auf diese Frage ist Nein", sagte der amerikanische
Staatssekretär. "Das Bündnis - und damit auch die Vereinigten Staaten - halten nichts von einem Präventivkrieg irgendeiner Art. Wir sind ein Verteidigungsbündnis, und die amerikanische Verteidigungspolitik ist rein defensiv,
was natürlich zusätzliche Lasten mit sich bringt. Aber es sind Lasten, die
unsere Demokratien tragen werden." Eine solche Politik bedeute, daß man beträchtliche Ausgaben für die Einsatzbereitschaft auf sich nehmen müsse,
fügte Ikle hinzu. Dies bedeute ferner, daß der Westen gezwungen sein könnte,
dem Gegner den Vorteil des ersten Schrittes überlassen zu müssen. Dies sei
besonders wichtig im nuklearen Bereich, wo die USA über Zweitschlag-Streit-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�I
Zweitschlag-Streitkräfte verfügen müßten, die nur als Antwort auf einen
nuklearen Angriff eingesetzt würden. Die Vereinigten Staaten, so unterstrich
Ikle, hätten niemals an einen Präventivkrieg gedacht, selbst nicht, als sie
ein Monopol an Atomwaffen gehabt hätten.
"Teil unserer Verteidigungspolitik", so führte der Staatssekretär aus,
"ist es, Gegenoffensiven zu planen und ins Auge zu fassen, die an anderen
Punkten als dem gegnerischen Angriffspunkt stattfinden. Aber das ist ganz
I

etwas anderes als ein Präventivangriff." Die Idee eines Gegenangriffs sei
so alt wie die Militärgeschichte überhaupt und habe wohl in jedem Krieg Anwendung gefunden.
Ikle, der vor einigen Jahren Direktor des amerikanischen Amtes für
Rüstungskontrolle und Abrüstung war, nahm auch zur Frage der amerikanischen
Stützpunkte in Spanien Stellung. Diese Stützpunkte, so sagte er, seien für
die Verteidigung Spaniens, die Verteidigung der NATO und die westlichen Interessen wichtig. Ziel und Zweck dieser Basen stünden in absoluter Übereinstimmung mit der Verteidigungspolitik der USA und der NATO, vor einem Angriff abzuschrecken.
•

In Beantwortung von Fragen der Korrespondenten wies Ikle ferner darauf
hin, daß die USA ihre Sanktionen gegen die sowjetische Erdgasleitung aufrechterhalten würden. "Wenn jedoch etwas anderes vorgeschlagen wird, was
in gleicher Weise effektiv wäre, dann würden wir gerne bereit sein, darüber zu sprechen", fügte der Staatssekretär hinzu.

,

•

«

Ikle betonte ferner, daß die amerikanische Regierung sich nach dem Wiederzusammentreten des US-Kongresses am 29. November mit allem Nachdruck
für die vorgeschlagene Truppenstärke von 350 600 amerikanischen Soldaten
in Europa einsetzen werde. Eine Reduzierung auf den Stand von 1980 würde
keine kurzfristigen Einsparungen bringen und außerdem die Interessen der
Vereinigten Staaten wie auch der NATO insgesamt schädigen.
+ + + + +

- 2 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;30. Jahrestag der Gründung des deutsch-amerikanischen Fulbright-Programms&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert Streichung der Meistbegünstigungsklausel für Polen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Rundfunkansprache des US-Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Reagans zum Welternährungstag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA um weltweite Nahrungsmittelsicherung bemüht -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Sowjetunion in der Krise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dr. Richard Pipes -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Mitarbeiter des U.S. National Security Council&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erneute Greuel in Afghanistan&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kommentar der Stimme Amerikas -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Staatssekretär schließt Präventivkrieg des Westens aus</text>
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                    <text>20. Oktober 1982

41

INHALT

DOKUMENTATION
Gedanken über das NATO-Bündnis
- Ansprache von US-Botschafter Burns vor der Kommandeurtagung
in Hagen US-Botschafter Bennett:

Zur Lage des NATO-Bündnisses

- Rede vor dem Weltpolitischen Rat von Cincinnati USA lehnen UN-Ausschluß Israels ab
- Erklärung des US-Außenministers -

HINTERGRUNDMATERIAL
Jugendaustausch-Programm findet begeisterte Unterstützung
- Von unserer Korrespondentin Dian J. McDonald -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Weltraum-Service
- US-Raumtransporter COLUMBIA nimmt Routinebetrieb auf
BERICHTIGUNG

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
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�41

20. Oktober 1982

GEDANKEN ÜBER DAS NATO-BÜNDNIS
- Ansprache von US-Botschafter Burns vor der Kommandeurtagung in Hagen

HAGEN - (AD) - Der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik
Deutschland, Arthur F. Burns, hat vor der Kommandeurtagung der Bundeswehr in
Hagen am 20. Oktober 1982 zu "Gedanken über das NATO-Bündnis" gesprochen. Die
Rede hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich sehr über Ihre Einladung, vor einer so illustren Zuhörerschaft zu sprechen.

Und ich bin besonders dankbar, wenn Sie meine An-

wesenheit hier als einen Ausdruck der hohen Achtung betrachten, die mein Land
der Bundeswehr entgegenbringt.
Im vergangenen Jahr haben schrille Stimmen in Ihrem und in meinem Lande
übertriebene Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Lassen Sie mich daher gleich
zu Beginn sagen, welch hohe Wertschätzung meine Regierung dem deutschen Beitrag zu unserer gemeinsamen Verteidigung beimißt.
Als amerikanischer Botschafter hatte ich reichlich Gelegenheit, die hervorragende Leistungsfähigkeit Ihrer Streitkräfte, den hohen Stand der Einsatzbereitschaft Ihrer Reserven und die Vielzahl von Einrichtungen kennenzulernen, die die Bundesrepublik verbündeten Truppen zur Verfügung stellt. Ich

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
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�Ich bin mir ferner der anderen Opfer bewußt, die von deutscher Seite gebracht
werden, um amerikanische Soldaten und Flieger zu unterstützen - nicht zuletzt Ihrer jüngsten Entscheidung, im Fall

eines Kriegsausbruchs 90 000

Reservisten zur Unterstützung amerikanischer Kampfeinheiten abzustellen.
Und ich brauche wohl kaum hinzuzufügen, daß meine Regierung die Tatsache
zu würdigen weiß, daß im Falle eines Krieges in Europa der überwiegende
Teil der Land-, Luft- und Seestreitkräfte der NATO - zumindest zu Anfang europäische Kräfte wären.
Aber bedauerlicherweise muß ich hinzufügen, daß viele.viefleicht die meisten Amerikaner sich des eindrucksvollen Ausmaßes der europäischen - vor
allem deutschen - Zusagen für die NATO nicht bewußt sind, genauso, wie nur
zu viele Europäer über die amerikanischen Anstrengungen in ihrem Sinne
außerhalb des NATO-Gebietes recht wenig wissen. Hauptsächlich wegen solcher
Unkenntnis auf beiden Seiten haben wir tendenziöse Debatten über Verteilung der Verteidigungslasten, militärische Strategie, Rüstungskontrolle,
Ostpolitik, Entspannung und eine Vielzahl anderer politischer und wirtschaftlicher Fragen erlebt.
Ein besonders lästiger Aspekt der transatlantischen Mißverständnisse
ist der, daß zahlreiche Regierungsvertreter wie auch ein Großteil der Öffentlichkeit nicht der unterschiedlichen Betrachtungsweise genügend Gewicht beimessen, mit der die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten an die
Weltprobleme herangehen.
Ich denke jetzt nicht an die Ursachen flüchtiger Reibungen, die immer
wieder auftreten, für ein paar Wochen oder Monate die Schlagzeilen beherrschen und dann zu jedermanns Erleichterung wieder verschwinden. Solche
vorübergehenden Meinungsverschiedenheiten - so lästig sie sein mögen bringen unseren Ländern oft gegenseitig heilsame Lehren, so wie ein reinigendes Gewitter unter Eheleuten oft den Zusammenhalt der Familie stärkt.
Im Falle

�Im Falle der Verbündeten im Nordatlantikvertrag würde ich unter der
Kategorie "vorübergehende Meinungsverschiedenheiten" einreihen: die Debatte
über die Wiederbewaffnung Deutschlands in den fünfziger Jahren; die Debatte
über die Multilaterale Streitmacht in den sechziger Jahren; die Kontroverse
über das "Jahr Europas" in den siebziger Jahren; und ich hoffe, daß wir in
nicht allzu ferner Zukunft als Beispiel für die achtziger Jahre die gegenwärtige Kontroverse über die sibirische Gasleitung anführen können.
Beispiele, wie ich sie erwähnt habe, sind leichter in den Griff zu bekommen als die Unterschiede in der Betrachtungsweise»von der ich gerade gesprochen habe. Statt kostbares politisches Kapital auf Irritationen zu verschwenden, die, wie man annehmen darf, vorübergehender Natur sind, sollten
wir uns auf die grundlegenden Unterschiede der amerikanischen und der europäischen Betrachtungsweise konzentrieren. Denn unsere vorrangige Zielsetzung
muß immer sein, auf eine konstruktive Anpassung unserer grundlegenden nationalen Interessen hinzuarbeiten.
Es gibt zumindest zwei solcher grundlegenden Unterschiede: Erstens,
die Vereinigten Staaten gehen mit einer globalen Betrachtungsweise an Weltprobleme heran - im Gegensatz zu der weitverbreiteten regionalen Sicht unserer europäischen Partner. Zweitens, die Ost-West-Beziehungen werden auf
beiden Seiten des Atlantik unterschiedlich betrachtet.
Aufgrund dieser Unterschiede in der Betrachtungsweise geraten wir hier
und da in wichtigen politischen Fragen in Gegensatz: Wie etwa bezüglich der
Art und Schwere der sowjetischen Bedrohung; der richtigen Antwort auf sowjetische Aggression, wie in Afghanistan oder Polen; der Grundsätze für den
Handel mit dem Osten; der besten Mittel und Wege, um Ländern der Dritten
Welt wirtschaftliche und politische Unterstützung zu gewähren; sowie der richtigen Antwort des Bündnisses auf Bedrohungen seiner Sicherheit außerhalb des
NATO-Gebietes, wie etwa im Persischen Golf.
Es mag

- 3 -

�Es mag unseren beiden Nationen helfen, die großen Unterschiede in der
Betrachtungsweise, von denen ich gesprochen habe, zu überwinden, wenn wir
ihre Ursprünge besser erkennen. Wollen wir daher ein wenig

innehalten und

diese Unterschiede näher untersuchen.
Da ist zunächst die Frage einer globalen gegenüber einer regionalen Betrachtungsweise internationaler Angelegenheiten. Wir Amerikaner haben keine
Schwierigkeiten, die Tendenz der Europäer zu verstehen, sich in erster Linie
um die Ereignisse in ihrem eigenen Umfeld zu kümmern. Trotzdem sind wir oft
beunruhigt über ein - wie wir es sehen - Zögern der Europäer, sich den
Auswirkungen von Ereignissen zu stellen, die außerhalb Europas geschehen.
Auf die eine oder andere Weise werden die Amerikaner immer wieder gedrängt,
"ja das Boot nicht umzukippen", wenn wir auf gefährliche Abenteuer aufmerksam machen, die die Sowjetunion oder ihre Stellvertreter in anderen Teilen
der Welt unternehmen - wie in Afghanistan, Südostasien, Polen, Teilen Afrikas
und Mittelamerika.
Tatsächlich

haben uns unsere europäischen Verbündeten immer

wieder davon in Kenntnis gesetzt, daß sie außerhalb Europas keine aktive
militärische Rolle spielen können, und daß die weltweite Krisenbeherrschung
deshalb das Aufgabengebiet der Vereinigten Staaten bleiben müsse. Aber wenn
wir dann im Einklang mit dieser großen

Verantwortung etwas tun, um der

sowjetischen Aggression zu begegnen, dann werden wir gerne für das kritisiert, was wir tun, oder dafür, wie wir das tun, oder beides.
Wenn wir beispielsweise an den Fall Afghanistan denken. Die Entscheidung
Amerikas, als Antwort auf die sowjetische Invasion Afghanistans die Sommerolympiade 1980 zu boykottieren, wurde von Europäern weitgehend als sinnloser
Symbolismus kritisiert - obwohl in aller Fairness hinzugefügt werden muß, daß
die Bundesrepublik Deutschland eines der wenigen Länder war, die sich unserem
Boykott anschlössen.
In der Folge

�In der Folge unternahmen die Vereinigten Staaten Schritte, um der
generell instabilen Lage in Südwestasien zu begegnen,

den lebenswichti-

gen Zugang Amerikas und Europas zu den Ölquellen zu schützen. Wir erhöhten unsere Flottenpräsenz im Indischen Ozean und stellten eine schnelle
Einsatzstreitmacht auf, deren Aufgabe darin besteht, sofort auf solche
Bedrohungen zu reagieren, sollten sie in dieser Region auftreten. Aber
während die Vereinigten Staaten zunächst kritisiert wurden, sie würden
auf Afghanistan symbolisch reagieren, - obwohl doch eine direkte militärische Antwort unsererseits

unmöglich war - fanden wir uns dann

der Kritik ausgesetzt, weil wir militärische Vorsichtsmaßnahmen trafen, um
vor einer weiteren Aggression abzuschrecken. Unsere militärischen Initiativen wurden von einigen Leuten als Provokation gegenüber Moskau bezeichnet, und von anderen wurden sie kritisiert, weil wir bereit seien,
der NATO zugesagte amerikanische Streitkräfte außerhalb des NATO-Gebietes
einzusetzen - und damit die Bedrohung Europas selbst zu erhöhen.
Wenn Amerikaner kritisiert werden, weil sie sich für fundamentale
westliche Interessen außerhalb Europas einsetzen, wie etwa im Persischen
Golf und dann feststellen, daß die Europäer, wenn es ihnen paßt, aus ihrem
kontinentalen Schneckenhaus herauskommen, wie im Falle El Salvador, dann
ist es nicht verwunderlich, daß sich viele Amerikaner fragen, was eigentlich die Europäer nun wirklich von ihnen erwarten.
Die Hauptursache dieser amerikanisch-europäischen Dissonanz läßt sich
meiner Meinung nach in unserer jeweiligen nationalen Geschichte finden.
Die Vereinigten Staaten von Amerika traten in das Zwanzigste Jahrhundert
als eine zwar immer mächtiger werdende, aber doch regionale Macht ein,
und die Warnung George Washingtons vor "verstrickenden Bündnissen" war
noch immer die Maxime unserer Außenpolitik.
Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges betrachteten die Amerikaner
Großbritannien, Frankreich und Deutschland als die führenden Militärmächte
der Welt. Die meisten meiner Landsleute hätten die Möglichkeit, daß die

- 5 -

�daß die Vereinigten Staaten die europäischen Mächte in dieser Rolle ablösen oder ihr Schicksal durch "verstrickende Bündnisse" mit dem Schicksal
Europas verbinden könnten, mit großem Mißtrauen betrachtet. Die Eile, mit
der wir nach dem Ersten Weltkrieg und erneut nach dem Zweiten Weltkrieg unsere Streitkräfte demobilisiert haben, ist in diesem Zusammenhang bezeichnend. Zwischen 1145 und 1948 ging die Zahl der Amerikaner in Uniform von
fast 12 Millionen auf bloße 1,3 Millionen zurück.
Vor diesem Hintergrund dürfte auf der Hand liegen, daß die derzeit
recht weitverbreitete Kritik der Europäer an den Vereinigten Staaten als
aggressive Supermacht der Harmonie im Bündnis auf zweierlei Weise schaden
muß: Erstens, diese Kritik beunruhigt viele Amerikaner, die sich verwundert
fragen, warum die Europäer den Supermachtstatus gerade der Nation schmälern
wollen, die zweimal herbeieilte, um die Freiheit in Europa wiederherzustellen. Zweitens, diese ablehnende Haltung gegenüber der Supermacht dient dazu,
die Enttäuschung vieler Amerikaner angesichts der mühsamen Rolle in der Welt
zu nähren, die augenscheinlich oft nur widerwillig von unseren Verbündeten
unterstützt wird.
Ich neige zu dem Schluß, daß die Ursachen hinter dieser Debatte global
kontra regional besser verständlich werden, wenn wir uns vor Augen halten,
daß genau in dem Zeitraum, da sich die Amerikaner ohne Begeisterung einer
Weltrolle anpaßten und gerne ruhigere Zeiten gehabt hätten, sich die Westeuropäer mit dem Verlust einer Weltrolle abfinden mußten, der sie mit Nostalgie nachtrauerten. Man kann sich nur schwer ein reicheres Feld von
gelegentlichen Mißverständnissen und gekränkten Gefühlen selbst unter Nationen vorstellen, die fest in einem Bündnis zussammengeschlossen sind.
Die drastische Veränderung der Weltmachtverhältnisse, von denen ich
gerade gesprochen habe, hatten eine direkte Auswirkung auf das zweite Gebiet des großen Mißverstehens: die Ost-West-Beziehungen.
Die Vereinigten

�Die Vereinigten Staaten haben erst seit dem Zweiten Weltkrieg Rußland
größere Bedeutung als militärische Bedrohung beigemessen. Selbst in den Tagen der "roten Gefahr" in den zwanziger Jahren wurde die

Bedrohung durch

Sowjetrußland, über die amerikanische Führer nachzudenken begannen, politisch
und nicht militärisch gesehen.
Die gewaltige politische, militärische und wirtschaftliche Macht, die
die Länder Westeuropas in den Augen Amerikas darstellten, zusammen mit der
Tatsache, daß wir und die Russen durch den halben Erdball getrennt waren,
ließ den Gedanken einer militärischen Bedrohung der Vereinigten Staaten
durch die Sowjets weit hergeholt erscheinen. Wir gingen damals davon aus,
daß Westeuropa willens sein werde, einem sowjetischen Expansionismus zu begegnen - und zwar weitgehend in der gleichen Weise, wie die Westeuropäer
heute von den Vereinigten Staaten erwarten, daß sie diese Rolle erfüllen.
So sah man fast bis Mitte der vierziger Jahre die Hauptgefahr für
Amerika aus Übersee aus Westeuropa selbst kommen und nicht aus Osteuropa.
Bis zu unserem Sezessionskrieg wurden die Briten als Hauptbedrohung angesehen, und später wurde diese Rolle dann den Deutschen, nicht den Russen,
zugeschrieben.
Es ist eine unausweichliche Tatsache, daß die Länder Westeuropas, bis
sie durch Fehleinschätzung und Selbsttäuschung Europa in den Zweiten Weltkrieg stürzten, durchaus in der Lage waren, ein Gegengewicht gegen die politische und militärische Rolle der Sowjetunion zu bilden. Am Ende dieses Krieges fanden sich jedoch die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in Mitteleuropa unmittelbar von Angesicht zu Angesicht gegenüber, während die meisten
anderen Länder auf dem Kontinent machtlos waren. Dann entwickelte sich ein
zweites Element, das eine entscheidende Auswirkung auf das Ost-West-Verhältnis hatte - die Kernwaffen.
Ich brauche vor dieser Zuhörerschaft nicht näher auf die Rolle der Kernwaffen für die Gestaltung der politischen wie auch der militärischen Aspekte

- 7 -

�militärischen Aspekte Nachkriegseuropas einzugehen. Vor 1940 hätten wahrscheinlich die meisten Amerikaner - und ich vermute auch die meisten Europäer - unter

dem Begriff "Ost-West-Beziehungen" die Beziehungen zwischen

den westlichen Nationen und etwa China und Japan verstanden. Der Gedanke,
daß eine Bruchlinie durch das Herz Europas verlaufen könnte, wäre absurd
erschienen.
Als jedoch der Krieg zu Ende war, erhielt der Begriff "Ost-West-Beziehungen" rasch eine neue Bedeutung. Mit den heraufkommenden Kernwaffen
und dem Obergewicht der Macht in den Händen der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion nahm die neugeborene Ost-West-Konfrontation eine weltweite Dimension an - die sie noch heute besitzt« Und genau hier finden wir
das Bindeglied zwischen der Ost-West-Konfrontation auf der einen und der
Debatte global kontra regional im Bündnis auf der anderen Seite.
Mehr als alle anderen Verbündeten neigen wir Amerikaner dazu, die
sowjetische Macht auf einen weltweiten Maßstab übertragen zu sehen und zu
fürchten. Sowjetische Truppen und ihre Stellvertreter tragen heute eine
militante Außenpolitik in der ganzen Welt vor. Aber nicht nur das: Sowjetische Flotten patroullieren in den Gewässern vor den amerikanischen Küsten
im Osten, Westen und in der Karibik und sowjetische Flugzeuge testen unsere
Luftverteidigung.
Ob man mag oder nicht - und wir Amerikaner mögen es nicht besonders nur die Vereinigten Staaten können in einem vergleichbaren Maße antworten.
Wir sind und bleiben das Gegengewicht.
Das ist also der Punkt, an dem die beiden grundlegenden Unterschiede
in der Betrachtungsweise der Europäer und der Amerikaner - nämlich Ost-WestBeziehungen und globale kontra regionale Strategie - zusammenkommen. Amerikaner können Ost-West-Beziehungen nicht regional sehen; sie sind notwendigerweise global. Wir sind durch kulturelle und politische Bindungen mit
Europa verbunden. Wir stellen uns nicht gerne vor, uns in eine Festung
-- 8 -

�eine Festung Amerika zu verwandeln. Und wir befürchten, daß Westeuropa,
wenn sich die Vereinigten Staaten in ein regionales Schneckenhaus zurückziehen und sich auf den amerikanischen Kontinent beschränken würden, keine
andere Wahl hätte, als seine eigene Weltanschauung an die der benachbarten
Supermacht - der Sowjetunion - anzupassen.
Ich möchte als nächstes auf einen damit zusammenhängenden Unterschied
in der Betrachtungsweise eingehen, der gegenwärtig die Länder des Bündnisses beunruhigt, nämlich unsere unterschiedlichen Auffassungen von Entspannung.
Angesichts des europäischen Unbehagens über eine mögliche Preisgabe
der Entspannung im Rahmen der amerikanischen Außenpolitik scheint es mir
nützlich, darauf hinzuweisen, daß vor einem Jahrzehnt viele Europäer in
gleicher Weise besorgt waren, daß die Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion zu eng würden.
Wie Christoph Bertram, der angesehene frühere Direktor des Internationalen Instituts für Strategische Studien in London, kürzlich bemerkte, "sind
die Europäer besorgt, wenn die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen reibungslos verlaufen, weil dies eine'Verständigung über unsere Köpfe hinweg'
bedeuten könnte... Aber sie sind noch mehr besorgt, wenn die sowjetischamerikanischen Beziehungen in Schwierigkeiten sind, und das ist durchaus
verständlich: Die Auswirkungen sind in Europa am direktesten spürbar."
Die Neigung in Europa, so fährt Bertram fort, "besteht oft darin, sich
nicht der westlichen gegen die östliche Supermacht anzuschließen, sondern
sich über beide (Supermächte) als Störenfriede der Entspannung in Europa
zu ärgern."
Niemand kann bestreiten, daß die Bundesrepublik Deutschland ein größeres Interesse am Erhalt der Entspannung hat als die Vereinigten Staaten.
Wenn man einen typischen Bundesbürger bitten würde, die Vorzüge der Ostpolitik

- 9 -

�der Ostpolitik und der Entspannung aufzuzeigen, dann könnte er auf die
Normalisierung in und um Berlin verweisen, auf verbesserte persönliche Kontakte zwischen Bürgern beider deutscher Staaten, auf die Rückführung von
einer Viertelmillion Deutschstämmiger aus Osteuropa während der letzten
s jchs Jahre, auf stärkere wirtschaftliche Verbindungen zwischen West- und
Osteuropa - kurz auf eine ganze Reihe von Entwicklungen, die dem Aufblühen
der Entspannung in den siebziger Jahren zugeschrieben werden können.
Wenn man auf der anderen Seite den amerikanischen Durchschnittsbürger
fragen würde, irgendwie zu erklären, wie die Entspannung sein Leben berührt
habe, dann würde es ihm schwerfallen, darauf zu antworten. Von einem rein
innenpolitischen Standpunkt ist es für Amerikaner schwer, ein überzeugendes Argument für die Entspannung zu finden. Und nicht nur das: Wenn Amerikaner sich der internationalen Szene zuwenden, dann bringen sie unausweichlich Enttäuschung darüber zum Ausdruck, daß Ihre Erwartungen bezüglich der
Politik der Entspannung nicht erfüllt worden seien - daß die Unterdrückung
der Menschenrechte in der Sowjetunion und ihren Vasallenstaaten nicht
geringer geworden sei, während die sowjetische Aufrüstung und das politische
Abenteurertum der Sowjets auf der ganzen Erde praktisch zugenommen habe.
Lassen Sie uns, verehrte Zuhörer, nicht vor dem Eingeständnis zurückschrecken, daß hier ein großer Unterschied in der Auffassung besteht. Meine
Regierung hat Zweifel an den Vorteilen der Entspannung bekommen. Ihre Regierung auf der anderen Seite sieht weiterhin einen Nutzen darin.
Diese beiden Standpunkte widersprechen sich nicht notwendigerweise,
aber wenn unsere beiden Länder damit leben wollen, dann müssen wir übertrieben extreme Positionen vermeiden. Wie Präsident Reagan im Juni in Berlin
erklärte: "ein einiges, entschlossenes westliches Bündnis steht bereit, sich
wenn notwendig zu verteidigen, aber wir sind ebenso bereit, mit dem Sowjetblock friedlich zusammenzuarbeiten, wenn die Führer des Ostens bereit sind,
dasselbe zu tun."
Wir dürfen

- 10 -

�Wir dürfen nicht zulassen, daß anhaltende Unterschiede in der Betrachtungsweise unter Verbündeten, wie ich sie aufgezeigt habe, die alles überragende Tatsache verdunkeln, daß die NATO über 30 Jahre lang den Frieden,
die Sicherheit, die Freiheit und das Wohlergehen ihrer Mitglieder gewährleistet hat. Wir dürfen uns vor einer Gegenüberstellung unserer Unterschiede
nicht fürchten. Im Gegenteil,

wir müssen sie erkennen und mit ihnen fertig

werden, wenn das Bündnis überleben und stark bleiben soll.
Vielleicht können wir mit der Einsicht beginnen, daß unterschiedliche
Betrachtungsweisen keinen Unterschied der moralischen oder politischen oder
philosophischen Werte bedeuten. Die NATO wurde im Jahre 1949 als ein defensives Militärbündnis gegründet, das die Vereinigten Staaten, Kanada und die
Demokratien Westeuropas verpflichtet, der sowjetischen Aggression in Europa
entgegenzutreten. Die NATO hätte jedoch während ihrer langen Geschichte nicht
lebensfähig bleiben können, wenn ihre Zielsetzung ausschließlich militärisch
gewesen wäre.
Nein, meine Herren, der Grund für das Oberleben und die Lebenskraft
des Bündnisses entspringt einer Tatsache, die über allen anderen Tatsachen
steht, - daß sie nämlich

auf den grundlegenden moralischen und politischen

Werten beruht, die Westeuropa mit den Vereinigten Staaten und Kanada gemeinsam hat, und für diese Werte eintritt. Wenn diese gemeinsamen Werte fehlen
würden, dann könnten wir in einer bedrohlichen Katastrophe schon nach einer
Stunde feststellen, daß der politische Wille zum Widerstand gegen nackte
Aggression,fehlt. Dann wäre die NATO wirklich die leere Muschel, als die sie
von einigen unzureichend informierten Kritikern bereits dargestellt wird.
Sicherlich ist die Zeit reif für einige Anpassungen der nationalen Haltungen auf beiden Seiten des Atlantik. Wollen wir doch vor allem nicht vergessen, daß die eigentliche Aufgabe der internationalen Diplomatie darin
besteht, unterschiedliche Vorstellungen und Interessen einander anzupassen, und dieses wesentliche Ziel wird am besten ohne die Fanfare der Publizität erreicht. Das recht unpassende Spektakel verschiedener nationaler
- 11 -

�verschiedener nationaler Sprecher nach Versailles in diesem Jahr, als Erklärungen abgegeben wurden, wer auf den Gipfeltreffen "gewonnen" und wer
"verloren" hat, darf sich nicht wiederholen.
Zweitens sind im Interesse der Harmonie im Bündnis bessere Konsultationsverfahren unter den NATO-Ländern notwendig. Obwohl zwar recht häufig Treffen
von Mitgliedern der außenpolitischen und verteidigungspolitischen Institutionen der NATO-Länder stattfinden, so sind sie doch nicht gründlich oder
rechtzeitig genug gewesen - vielleicht sogar nicht häufig genug -, um gelegentliche, schwere Mißverständnisse zu vermeiden. Als Neuling im diplomatischen Beruf wundere ich mich andauernd über die exzentrischen Auffassungen,
die einige der höchsten Vertreter von NATO-Staaten gelegentlich über die Interessen oder Zielsetzungen ihrer Schwesterregierungen zum Ausdruck bringen.
Drittens müssen wir uns nachdrücklicher als bisher mit Elementen der
Außenpolitik des Westens befassen, die nicht zusammenpassen. Auf der einen
Seite haben die NATO-Länder Jahr für Jahr gewaltige Mittel für unsere gemeinsame Verteidigung gegen die sowjetische Bedrohung aufgewandt. Gleichzeitig
jedoch haben wir im Westen, zum Teil durch Privatbanken und zum Teil durch
Regierungseinrichtungen, während des letzten Jahrzehnts gewaltige Summen
Geldes an die Sowjetunion und ihre Satelliten verliehen. Gelegentlich wurde
dies sogar zu subventionierten Zinssätzen getan. Angesichts des Vorrangs,
den die Sowjetunion ihren militärischen Einrichtungen einräumt, haben die
finanziellen Mittel, die wir ihr so freigebig zur Verfügung gestellt haben,
indirekt dazu beigetragen, ihre ohnehin gewaltige militärische Position zu
stärken. Und, was die Dinge noch verschlimmert, die Sowjetunion ist in ungerechtfertigtem Maße in der Lage gewesen, von ihrem Import an Technologie
und militärisch nutzbaren Produkten aus westlichen Ländern zu profitieren.
Diese Tatsachen sind durch die amerikanische Regierung nachdrücklich hervorgehoben worden, und sie werden von unseren Verbündeten heute besser verstanden als noch vor einem Jahr. Glücklicherweise gibt es neben den jüngsten Differenzen über die sibirische Erdgasleitung einige ermutigende Anzeichen, daß sich in Bälde eine übereinstimmendere Politik des Westens

- 12 -

�des Westens gegenüber dem Osten herausbilden und daß die NATO selbst
direkter in die Abstimmung der Wirtschaftspolitiken gegenüber Osteuropa
einbezogen werden dürfte.
Viertens haben die Vereinigten Staaten seit einigen Jahren die Ausweitung der NATO-Interessen über das im Vertrag formell festgelegte Gebiet
hinaus angestrebt. Diese Bemühungen stießen gewöhnlich auf beträchtlichen
Widerstand in Europa - zumindest teilweise, weil andere NATO-Länder es unerwünscht fanden, in Aktivitäten hineingezogen zu werden, die die Aufmerksamkeit von ihren zentraleren Anliegen ablenken könnten. In jüngster Zeit
sind zumindest einige unserer Verbündeten zu der Einsicht gelangt, daß Entwicklungen außerhalb des NATO-Gebietes wirklich so große Auswirkungen für
die Sicherheit des Bündnisses haben könnten, daß die Unterstützung der Vereinigten Staaten durch sie gerechtfertigt wäre. Die Taten sind jedoch hinter den Worten zurückgeblieben. Und deshalb bleibt dies ein Thema, das die
ernsteste Aufmerksamkeit der NATO-Länder verdient.
Fünftens haben die weltweiten wirtschaftlichen Schwierigkeiten der
letzten zwei oder drei Jahre unvermeidlicherweise die Spannungen im Bündnis
verschärft. Das Gespenst des Protektionismus erhebt wieder sein häßliches
Haupt in Westeuropa und in Nordamerika. Es liegt eindeutig im dauerhaften
Interesse eines jeden Mitgliedslandes des Bündnisses, nicht nur protektionistische Mittel und Wege im eigenen Bereich zu vermeiden, sondern auch auf
wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet enger mit seinen Verbündeten zusammenzuarbeiten. Eine starke und gesunde internationale Wirtschaft ist für
die weitere politische und militärische Lebenskraft der NATO von absolut
fundamentaler Bedeutung.
Sechstens nutzen wir, obwohl die kombinierte Stärke unserer Länder
gewaltig ist, unsere Aktivposten nicht in bestmögliche

Weise, um die Ziele

des Bündnisses zu erreichen. In einem seltenen Beispiel praktischer Einstimmigkeit hat der Senat der Vereinigten Staaten Anfang dieses Jahres eine

- 13 -

�Jahres eine Resolution verabschiedet, in der die Schaffung eines umfassenden Systems für eine wirksamere Zusammenfassung der gewaltigen finanziellen,
technologischen und industriellen Ressourcen der NATO gefordert wird. In
Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten für alle unsere Länder sind die
Hindernisse vor einem solchen Ziel groß, aber wir müssen es in Zukunft besser machen, wenn wir in der Lage sein wollen, uns ausreichend zu verteidigen.
Die Zeit erlaubt mit nicht, noch tiefer auf diese Überlegungen über
das NSTO-Bündnis einzugehen. Aber ich möchte diese Zuhörerschaft nicht verlassen, ohne ein Thema zu wiederholen, das ich immer wieder hervorgehoben
habe, seit ich meine Pflichten als Botschafter in Bonn übernahm - nämlich
daß wir in unseren NATO-Ländern, vor allem in Ihrem Lande und in dem meinigen, mehr tun müssen, um unseren jungen Menschen zu lehren, daß unsere gemeinsamen moralischen und politischen Werte eine große Bedeutung für ihre
eigene Zukunft und die Zukunft ihres Landes haben.
Es scheint mir, daß einige unserer jungen Bürger auf beiden Seiten des
Atlantik gelegentlich ein fast perverses Vergnügen daran finden, die Differenzen zwischen unseren Nationen zu übertreiben. Wenn sie die Werte, die
uns in der NATO miteinander verbinden,

herabwürdigen oder gänzlich ab-

lehnen, dann erfüllt mich das mit Traurigkeit. Diese Werte sind keine abstrakten Vorstellungen. Die Freiheit des einzelnen und die Herrschaft des
Rechts sind unbezahlbare Realitäten. Sie sind uns von unseren Vorfahren
unter gewaltigen Opfern an Blut und Gut weitergegeben worden. Leider
setzen viele junge Menschen in Europa und Amerika heute diese Werte als
selbstverständlich voraus - nicht nur, weil sie niemals ohne sie gelegt
haben, sondern auch, weil sie niemals wirklich herausgefordert worden sind,
zu ihrer Erhaltung beizutragen - ja, wenn notwendig, für sie zu kämpfen.
Es ist unsere gemeinsame Pflicht als Eltern, Lehrer, Politiker, und
als Bürger, dafür zu sorgen, daß die demokratischen Werte, die uns in der
nordatlantischen Partnerschaft verbinden, von jenen geschätzt werden, die in
unsere Fußstapfen treten und die einmal die Führer unserer jeweiligen Gesell -

- 14

�jeweiligen Gesellschaften sein werden. Ein gründliches Verständnis dessen,
was es bedeutet, in einer Demokratie zu leben - nicht nur ihrer Segnungen,
sondern auch ihrer Pflichten - ist wesentlich, wenn Bürger an die Werte, die
die Demokratie repräsentiert, glauben und sie erhalten sollen. Diese Werte
sind eigentlich der Mörtel, der unser Nordatlantisches Bündnis zusammenhält.
Darum ist ein Großteil meiner Energie als Botschafter daraus ausgerichtet,
die Chancen für junge Menschen in Ihrem Lande und dem meinigen zu verbessern,
dem Leben und der Kultur des jeweils anderen Landes ausgesetzt zu werden.
Ich hege die Hoffnung, daß in den kommenden Monaten und Jahren Amerikaner und Europäer - besonders die Bürger Ihres Landes und des meinigen, - die
großen Worte vermeiden werden, die auch die Leidenschaften anfachen; daß guter Wille und Vernunft vorherrschen werden, wenn es gilt, unsere Betrachtungsweisen und unsere Interessen einander anzupassen; und daß wir nie vergessen
werden, daß, solange die Nationen des Westens zusammenstehen, unsere westliche Zivilisation gesichert bleiben wird.

_ 15 _

�20. Oktober 1982

41

US-BOTSCHAFTER BENNETT: ZUR LAGE DES NATO-BONDNISSES
- Rede vor dem Weltpolitischen Rat von Cincinnati -

CINCINNATI - (AD) - Der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten im
Nordatlantikrat, Botschafter Tapley Bennett, hat sich am 14. Oktober 1982
mit einer Reihe kritischer Fragen befaßt, denen sich die Nordatlantikpaktorganisation gegenwärtig gegenübersieht.
von Cincinnati.

Er sprach vor dem Weltpolitischen Rat

Die wichtigsten Teile seiner Rede haben folgenden Wortlaut:

Ist das Bündnis in Unordnung?
Das atlantische Bündnis ist in diesem Jahr 33 Jahre alt geworden, und
es wird ihm gegenwärtig genauso viel Aufmerksamkeit zuteil wie zu irgendeiner anderen Zeit seines Bestehens. Besorgte Beobachter fragen, ob das
Bündnis sich überlebt, ob es seine Relevanz für die Sicherung unserer Art
zu leben verloren habe.

Bei vielen wird die Frage laut, ob die Verbündeten

nicht mehr Kraft und Anstrengung auf Familienstreitigkeiten verwenden als
auf die Abwehr der sehr realen Gefahren, denen wir uns alle gegenübersehen.
Die gegenwärtigen Kommentare bezüglich der NATO sind dergestalt, daß man sich

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�man sich sehr wohl fragen kann, wieviele Bürger der 16 Mitgliedstaaten noch
eine klare Vorstellung davon haben, warum das Bündnis ins Leben gerufen wurde,
wie es um die Allianz heute steht oder warum man bereit sein sollte, für das
Bündnis persönliche Opfer zu bringen.
Fragen und Zweifel dieser Art haben nicht immer einheitliche Konturen.
In vielen Fällen sind das grelle Scheinwerferlicht der Medien und die schrillen Schlagzeilen aus den verkehrten Gründen auf die NATO gerichtet.

Wir soll-

ten sorgfältig unterscheiden zwischen Problemen im Bereich der öffentlichen
Vorstellungskraft einerseits und andererseits der tatsächlichen Meinungsverschiedenheiten unter den Verbündeten, wie spezifische Probleme anzupacken
seien.
Wir müssen uns auch darüber im klaren sein, welches denn nun die eigentliche Arbeit der NATO ist. Seit ihrer Gründung im Jahr 1949 hat sich die
zentrale Zielsetzung der NATO niemals geändert: die Bewahrung des Friedens
in Freiheit durch Abschreckung und zwar durch die Mobilisierung einer ausreichenden Stärke, um eine expansionistische Sowjetunion abzuschrecken, die
eine imperialistische Herrschaft anstrebt und gegenwärtig ihre militärische
Macht in einem weltweiten Umfang zur Darstellung bringt, über eine Generation
lang hat unsere Abschreckungspolitik den Frieden im Kernstück Europas und des
atlantischen Gebietes bewahrt. Die NATO hat sich als die effektive Friedensbewegung unserer Zeit erwiesen.
Wir sind eine Organisation souveräner Gleicher. Die NATO ist kein
Bündnis, das im Gleichschritt nach einem einzigen Trommelschlag marschiert.
Wir haben uns aus unserem eigenen souveränen Willen heraus verbündet - nicht
unter Zwang, wie es in dem sowjetischen Imperium der Fall ist mit dem Warschauer
Pakt, der durch das eiserne Diktat Moskaus geleitet wird. Wir müssen Vielfalt
erwarten. Solange die Mitgliedstaaten der NATO der Entscheidung der Bevölkerung im eigenen Lande unterliegen und nicht dem autokratischen Machtspruch
von Herrschern, die den Ansichten ihrer Bürger gegenüber immun sind, solange
wird es Prüfung und Kontrolle und Debatten geben. Wir im Westen singen nicht

- 2 -

�singen nicht immer in der gleichen Tonlage, und trotzdem haben wir über 30
Jahre lang eine beständige Harmonie erzielt.
Sicherlich haben wir unsere Meinungsverschiedenheiten - und einige davon sind ernst:

Erdgasröhren, Stahlimporte, Getreideembargos, die richtige

Zuteilung nationaler Ressourcen für die Verteidigung beispielsweise.

Einige

der Differenzen hinsichtlich unserer Vorstellungen und Ansätze rühren aus
einfachen geographischen Fakten her.

Die Einwohner Berlins oder eines Dorfes

zehn Meilen von der Grenze der Tschechoslowakei entfernt mögen sich unmittelbarer bedroht fühlen als ein Mensch, der im Ohio-Tal lebt, obwohl in Wahrheit
alle unter der gleichen strategischen Bedrohung leben.
Was jedoch die wahre Natur der Bedrohung angeht, der sich der Westen
gegenübersieht,gibt es in den Gremien des Bündnisses keine Meinungsunterschiede.
Die Anerkennung der Notwendigkeit einer angemessenen Verteidigung des Westens
ist unser gemeinsamer Nenner...

Das ständige Bemühen um Obereinstimmung ist

das Kennzeichen unseres demokratischen Bündnisses.

Von Anfang an hat es sich

mit großen und kleinen Fragen gleichermaßen befaßt - von der politischen Handhabung der Ost-West-Beziehungen und der Aufrechterhaltung einer wirksamen Abschreckung bis hinunter zu unklaren bürokratischen Anliegen.

Die Rolle der Kernwaffen
Im Mittelpunkt der gegenwärtigen Besorgnisse und Kontroversen steht die
Rolle der Kernwaffen bei der Bewahrung des Friedens und der Freiheiten des
Westens.

Diese Frage, mit all ihren moralischen und technischen Implikationen,

bereitet den Politikern Sorgen seit der Feuerball sich im Jahr 1945 nach der
ersten Kernexplosion über Alamagordo erhob.
Die selbsternannten Friedensbefürworter

haben kein Monopol für die

nukleare Angst. Wir alle teilen die Angst vor einer ungezügelten Kernkraft,
und vielleicht keiner mehr als jene die Entscheidung treffenden Politiker, die
in der Lage sind, dieses schreckliche Potential voll zu erkennen.
- 3 -

Aber nach-

�Aber nachdem die Kernwaffen nicht mehr aus der Welt zu schaffen sind, stellt
sich die Frage: Wie kann die Nuklearwaffen-Kapazität des Ostens und des
Westens am wirksamsten ausgeglichen werden, um zur Wahrung des Friedens beizutragen?
Eine kluge und einsichtsvolle Politik der Vereinigten Staaten und der
NATO hat sich der nuklearen Kräfte bedient, um sie mehr als eine Generation
lang für die Interessen des Friedens zu nutzen. Ja, wir sind schon zu abhängig von der nuklearen Abschreckung geworden.

In einer kürzlich vorgenommenen,

nüchternen Bewertung der Strategie und Ziele der NATO kam General Bernard W.
Rogers, der frühere Stabschef der US-Armee und jetzige NATO-Oberbefehlshaber
in Europa, zu folgender Feststellung:

"Die NATO hat ihre Verteidigung auf

die nukleare Antwort ausgerichtet, weil unsere Länder nicht bereit waren, die
Kosten einer glaubwürdigen konventionellen Kapazität zu zahlen...

Unsere Bür-

ger müssen die Implikationen einer niedrigen Nuklearschwelle der NATO verstehen, wenn sie die Opfer aufbringen sollen, die für eine Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen bis zu dem Punkt nötig sind, an dem wir eine vernünftige
Aussicht auf eine erfolgreiche konventionelle Verteidigung haben würden..."
Glücklicherweise werden hier in den USA und in den mit uns verbündeten
Ländern Maßnahmen getroffen, um dieses Ungleichgewicht zu korrigieren. Wir
akzeptieren nicht das Ergebnis einer sorglosen und sich irrenden Politik der
letzten 15 Jahre. Wir vernachlässigten unsere konventionelle Verteidigung, während die Sowjetunion die Periode der Entspannung dazu benutzte, ihre Streitkräfte auf eine Höhe und Kapazität zu bringen, die weit über die Erfordernisse
einer Macht hinausgehen, die sich ausschließlich zur Selbstverteidigung verpflichtet hat. Wir haben nicht sorgfältig genug zugehört, als Breschnew 1967
erklärte: "Die Entspannung beseitigt auch nicht im geringsten... die Gesetze
des Klassenkampfes." Die sowjetische Aufrüstung geht heute unbarmherzig
weiter, und wir im Westen müssen das Spiel des Aufholens spielen.
Lassen Sie mich noch ein Wort zu jenen sagen, die ihre Besorgnis über
die Kernwaffen dadurch zum Ausdruck bringen, daß sie ein Einfrieren der nuklearen Rüstung verlangen, wordurch unser Land und seine Verbündeten in eine1 Po- 4 -

�eine Position der Unterlegenheit gebracht und damit jeder Druck auf die Sowjets
beseitigt würde, über sinnvolle Rüstungsverminderungen zu verhandeln.

Es

scheint mir, daß jene besorgten Bürger es uns übrigen schuldig sind, ihre
Energie und Entschlossenheit auf die Unterstützung der Anstrengungen zu verwenden, die konventionelle Verteidigung des Bündnisses zu stärken und damit
praktische Schritte zur Beseitigung der nuklearen Lasten zu ergreifen, die
wir alle tragen.

Es genügt einfach nicht, mit frommklingenden Worten gegen

dieses oder jenes Verteidigungsprogramm zu sein.
nicht selbstverständlich.

Der Frieden ist nun einmal

Man muß arbeiten - und schwer arbeiten -, um eine

vernünftige und wirksame Verteidigung zum Schutz der Werte zu erreichen, die
wir alle hochhalten.

Jenen, die das Geld für andere Zwecke ausgeben wollen,

möchte ich sagen, daß ohne die Basis der nationalen Sicherheit kein anderer
Sektor unseres nationalen Lebens bestehen könnte.

Wenn die Sicherheit ver-

wirkt ist, dann ist auch alles andere verloren.
Unter den NATO-Verbündeten besteht heute völlige Übereinstimmung darüber, daß verstärkte konventionelle Streitkräfte und modernisierte nukleare
Mittelstrecken- und strategische Systeme notwendig sind, um die Situation auszugleichen, die durch ein jahrzehntelanges Anwachsen der sowjetischen Verteidigungsprogramme entstanden ist.

Während dieses Zeitraums unternahm der Westen

Anstrengungen, um die Ost-West-Spannungen abzubauen, aber die Sowjetunion übertraf die Vereinigten Staaten allein auf dem Gebiet der strategischen Streitkräfte um 130 Milliarden Dollar.

Bemühungen um die Abrüstung
Zur gleichen Zeit, da der Westen seine Stärke wiederaufbaut, führen die
Vereinigten Staaten ernsthafte Verhandlungen mit der Sowjetunion über eine
Rüstungsverminderung.

In Genf laufen die START-Gespräche bezüglich der stra-

tegischen Kernwaffen, und gleichzeitig finden seit November vergangenen Jahres
getrennte Verhandlungen bezüglich der sowjetischen Mittelstreckenraketen statt,
die das Territorium unserer westeuropäischen Verbündeten bedrohen.

In Wien

haben die westlichen Unterhändler einen Vertrag unterbreitet, der die Anzahl

�die Anzahl der konventionellen Streitkräfte der NATO und des Warschauer Paktes
vermindern und ausgleichen würde.
Die Vereinigten Staaten haben sich zu wirklichen Rüstungsreduzierungen
verpflichtet - nicht zu Gesprächen nur um der Gespräche willen. Präsident
Reagan hat den Sowjets ein tiefgreifendes Abkommen über die strategischen
Rüstungen vorgeschlagen und eine bisher noch nicht dagewesene Null-Lösung bei
den Mittelstreckenraketen gefordert. Gemäß dieser Null-Lösung würde die NATO
auf die Dislozierung von 572 landgestützten Marschflugkörpern und PERSHING IIRaketen in Westeuropa verzichten, wenn die Sowjetunion ihre SS 20-, SS 4- und
SS 5-Raketen abbaut, die zusammengenommen mit mehr als 1000 bereits montierten nuklearen Gefechtsköpfen bestückt sind und mit ihrer gewaltigen Nukleardrohung ganz Europa abdecken. Die amerikanischen Vorschläge sind faire, ernstgemeinte und neue Ansätze für die Erreichung eines verminderten Niveaus der
Gefahr. Sie haben die Zustimmung unserer überaus besorgten Verbündeten. Sie
verdienen die ganze Unterstützung der Öffentlichkeit, und sie sind eine ernsthafte und positive Antwort seitens der sowjetischen Unterhändler wert. Die
westlichen Verhandlungsführer in Genf und Wien müssen durch Entschlossenheit
und Einigkeit des Westens unterstützt werden.
Im Westen befinden wir uns in der paradoxen Situation, daß wir heute
rüsten müssen, damit wir morgen abrüsten können. Wenn wir bei der Erreichung
der Rüstungsverminderung, die wir alle wünschen, erfolgreich sein wollen, dann
müssen wir in den Verhandlungen ein ausgleichendes Gegengewicht militärischer
Trümpfe zum Anbieten haben. Die Sowjets sind uns in bestimmten wesentlichen
Waffenkategorien heute voraus, und sie würden überaus erfreut sein, wenn sie
diesen Vorteil "einfrieren" könnten. Niemand hat dies deutlicher zum Ausdruck
gebracht, als der sowjetische Verhandlungsführer in Genf der kürzlich sagte:
"Man muß verstehen, daß wir Sowjets weder Idealisten noch Philanthropen sind."
Es entspricht nicht der Praxis sowjetischer Unterhändler, etwas für
nichts zu geben. So ist die Sowjetunion beispielsweise erst nach der Entscheidung der NATO vom Dezember 1979, mit dem Programm für Mittelstreckenraketen
als Gegengewicht zu den sowjetischen SS 20-Raketen voranzuschreiten, schließ

�voranzuschreiten, schließlich bereit gewesen, an den Verhandlungstisch zu
kommen.

Wenn die Entscheidung vom Dezember 1979 nicht verwirklicht würde,

dann wäre dies ein entscheidend wichtiges Versagen der westlichen Entschlossenheit ;es würde dem Westen ernsthafte Nachteile einbringen und jeden Anreiz für
die Sowjets beseitigen, über eine Verminderung der uns alle bedrohenden Raketen zu verhandeln.

Die Frage des Nicht-Ersteinsatzes
In gleicher Weise ist der kürzliche Vorschlag, die Vereinigten Staaten
sollten eine Politik des Nicht-Ersteinsatzes nuklearer Waffen proklamieren,
sehr gegen die westlichen Interessen gerichtet.

Zunächst einmal muß der Aus-

gangspunkt für eine Debatte über die Strategie des Bündnisses darauf beruhen,
wie man am wirksamsten den Ausbruch eines Krieges bei gleichzeitiger Sicherung
unserer Freiheit verhindern kann.

Würde eine solche Politik dazu beitragen,

den Krieg zu verhindern, oder würde sie ihn wahrscheinlicher machen?
Die meisten erfahrenen Beobachter sind der Meinung, daß eine solche Politik des Westens angesichts des ungeheuren Übergewichts der sowjetischen Stärke
auf dem Gebiet der konventionellen Rüstung eine offene Einladung an die Sowjets
zu konventioneller Aggression darstellen würde.

Ein Verzicht auf nukleare Ab-

schreckung würde, wie ihre Befürworter erkennen, einen massiven Ausbau der
konventionellen Streitkräfte der NATO erforderlich machen - einen Ausbau von
einer Größenordnung, die vermutlich die finanziellen Ressourcen übersteigen
würde, die unsere Wähler zu unterstützen bereit sind, insbesondere in diesen
Zeiten der weitverbreiteten wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Sollte die NATO

ihre Ziele bei der konventionellen Stärke nicht erreichen, würde dies die
Glaubwürdigkeit des Vorschlages unterminieren.
Andererseits würde - von der finanziellen Last einmal ganz abgesehen der Verzicht auf eine mögliche nukleare Option den Sowjets die Wahl der Strategie überlassen.

Er würde ihnen gestatten, ihr Risiko zu begrenzen - ob nun

im Hinblick auf einen allgemeinen Angriff auf den Westen oder hinsichtlich
- 7 -

�oder hinsichtlich eines mehr begrenzten Schrittes gegen Berlin oder die türkischen Meerengen.
Wi

Er würde die Schwelle der militärischen Aktionen senken.

wir in Afghanistan erlebt haben, hat die sowjetische Bereitschaft zu mi-

litärischen Aktionen in den letzten Jahren zugenommen, wenn die Risiken geringer erscheinen.
Wenn wir schon über die Frage des Nicht-Ersteinsatzes sprechen sollen,
warum dann nicht gleich über alle Waffen sprechen?

Wie Verteidigungsminister

Weinberger ausgeführt und wie auch der norwegische Außenminister kürzlich in
einer Rede in Oslo unterstrichen hat, in der er sich gegen den gegenwärtigen
Nicht-Ersteinsatz-Vorschlag wandte, hat die NATO mit Nachdruck erklärt, daß
sie nicht als erste Gewalt irgendwelcher Art anwenden werde.

In der Erklärung

von Bonn, die die Chefs der verbündeten Regierungen am 10. Juni dieses Jahres
abgaben, wird unmißverständlich dargelegt, daß die NATO ihre Waffen - nuklear
wie konventionell - nicht zum Einsatz bringen wird, es sei denn
auf einen Angriff.

als Reaktion

Und um Verteidigungsminister Weinberger zu zitieren:

"Die

nukleare Abschreckung mag eine unpopuläre Vorstellung sein, aber man kann doch
nicht die Tatsache übersehen, daß sie funktioniert hat."

Die Natur der Bedrohung
Ob die sowjetische Politik ihren Ursprung hat in einem Gesamtplan, der
darauf abzielt, ihr System weltweit auch Andersdenkenden aufzuerlegen, ob sie
einem opportunistischen Angriff auf Ziele entspringt, die sich gerade günstig
ergeben, oder ob sie letztlich herrührt aus dem historischen paranoischen Argwohn der Russen hinsichtlich aller Dinge jenseits ihrer Grenzen, braucht uns
hier nicht im einzelnen zu beschäftigen. Aber selbst wenn die wohlwollendste
Auslegung der jüngsten sowjetischen Maßnahmen angewendet würde, müßte man doch
nach der Gefahr fragen, die davon für Afghanistan ausgeht - jenem unglücklichen
Land, das von etwa 100 000 sowjetischen Soldaten mit Blut durchtränkt wird...
Und man könnte auch nach der Gefahr für die polnischen Gewerkschaftler fragen,
die nach einer lebenswerteren Gesellschaftsform streben, während sie gleichzeitig den imperialistischen Forderungen der Sowjetunion an ihre Gesellschaft
- 8 -

�ihre Gesellschaft entgegentreten.
Wir müssen uns mit den sowjetischen Kapazitäten befassen.

In dem Jahr-

zehnt nach Vietnam haben die Vereinigten Staaten die Wehrpflicht aufgegeben
und die Höhe ihrer Verteidigungsausgaben sowie den ganzen Umfang der Verteidigungseinrichtungen verkleinert.

In einer Zeit, die durch die Bemühungen

des Westens um eine Verminderung der Spannungen gekennzeichnet war, hat die
Sowjetunion allein im Hinblick auf die strategischen Streitkräfte 130 Milliarden Dollar mehr aufgewandt als die USA.

In diesem Zeitraum hat die Sowjet-

union allein zehn Versionen von drei neuen ballistischen Interkontinentalraketen disloziert, während die Vereinigten Staaten keine neuen Nuklearsysteme
disloziert haben und dies auch nicht tun werden, bis die MX-Rakete später in
diesem Jahrzehnt zur Verfügung steht. Während die Vereinigten Staaten kein
neues mit ballistischen Raketen bestücktes Unterseeboot gebaut haben, hat die
Sowjetunion 60 neue oder verbesserte strategische U-Boote in Dienst gestellt.
Und im Rahmen eines Raketenprogramms, das trotz der Erklärung Breschnews vom
vergangenen Frühjahr bezüglich eines einseitigen Moratoriums fortgesetzt wird,
verfügen die Sowjets jetzt über mehr als 1000 nukleare Gefechtsköpfe für Mittelstreckenraketen, womit sie Ziele in ganz Europa treffen können.
hat demgegenüber

Der Westen

keine vergleichbare Kapazität und wird sie auch nicht haben

- es sei denn, es kommt bei einem Mißerfolg in Genf zu der geplanten Dislozierung von PERSHING

II und landgestützten Marschflugkörpern Mitte der achtziger

Jahre.
Im Zuge des Anwachsens der sowjetischen Streitkräfte um ein Drittel auf
4,8 Millionen Soldaten - mehr als das Doppelte der unsrigen - und der Erhöhung
der Militärausgaben der Sowjetunion um mehr als 50 Prozent sowie der Entsendung
einer modernen Kriegsmarine in Gewässer, in denen sich bisher die sowjetische
Flotte nicht befand, zeigte Moskau eine immer stärker werdende Neigung, seine
neue militärische Stärke für politische Ziele einzusetzen, entweder direkt
oder durch Stellvertreter, von Mittelamerika bis nach Polen und weiter bis nach
Südostasien, von Afghanistan bis nach Äthiopien und Angola.
Aber so

�Aber so breitangelegt die sowjetische Bedrohung ist, sie ist im wesentlichen eindimensional.

Wir müssen uns über eines im klaren sein:

Der kom-

munistische Staat zeigt sich als ein gewaltiger Fehlschlag außer auf einem
Gebiet

- einem wichtigen Gebiet:

dem Gebiet der militärischen Macht.

Auf

diesem Felde hat sich die Sowjetunion zu einer Supermacht entwickelt - und zu
einer gefährlichen, die gekennzeichnet ist durch das Fehlen einer jeden wirklichen Zurückhaltung in bezug auf ihre totalitäre Macht, sofort und unvermittelt zuzuschlagen, wenn sie sich aufgrund ihrer gewaltigen inneren Belastungen dazu gezwungen fühlt.

Wir sehen uns einem System mit einer im Sterben lie-

genden Ideologie gegenüber, einem riesigen Land, das nicht in der Lage ist,
sich selbst zu ernähren, einer Regierung, die niemals legitime Mittel zur Nachfolge entwickelt hat, die an die Stelle der Abhängigkeit von mörderischen Intrigen in düsteren Kremlkorridoren treten könnten, um die Staatsmacht weiterzugeben, der Führung eines Bündnisses unterdrückter und unzuverlässiger Satelliten.

Sechseinhalb Jahrzehnte nach einer Revolution, die Brot und Freiheit

versprach, hat das sowjetische Volk weder das eine noch das andere.

Das

sowjetische System produziert Panzer (leider mit Hilfe westlicher Technologie),
aber keine Lebensmittel.
heit.

Es produziert Mauern und Flüchtlinge, aber keine Frei-

Ja, wer kann an dem Ausgang wirklich freier Wahlen auch nur zweifeln,

sollten sie in Staaten abgehalten werden können, die unter der Herrschaft des
Kreml stehen?

Hoffnungen für die Zukunft
Ich habe keine Zweifel daran, daß die Völker der Sowjetunion und ihrer
Satelliten sich nicht weniger nach Frieden sehnen, als wir es hier im Westen tun.
Wir können die Sowjets nicht dazu zwingen, entweder Idealisten oder Philanthropen
zu sein, aber wir können fordern, daß sie Realisten sind. Wir können dies tun
- und dies geschieht ja auch seitens unserer Verbündeten und der USA -, indem
wir die notwendige Verteidigung aufbauen, während wir gleichzeitig verhandlungsfähige und echte Vorschläge für eine Rüstungsverminderung auf den Tisch legen.
+ + + + +
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United States Information Service
Embassy of the United States of America

20. Oktober 1982

41

USA LEHNEN UN-AUSSCHLUSS ISRAELS AB
- Erklärung des US-Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben unterstrichen, daß
sie sich aus der Vollversammlung der Vereinten Nationen zurückziehen und
ihre Zahlungen an die Vereinten Nationen einstellen würden, sollte ein Vorschlag über einen Ausschluß Israels aus dieser Organisation zur Verabschiedung
gelangen.
In einer am 16. Oktober 1982 vom amerikanischen Außenministerium veröffentlichten Erklärung stellte Außenminister Shultz zudem fest, die amerikanische Reaktion würde auch gegenüber der Internationalen Fernmeldeunion (ITU),
einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen, dieselbe sein, da auf deren
Vollversammlung in Nairobi derzeit ein ähnlicher Schritt in Erwägung gezogen
wird.
Der Ausschluß Israels aus diesen Organisationen, so erklärte Shultz,
"stünde im Gegensatz zu den Prinzipien der Vereinten Nationen", und die Vereinigten Staaten betrachteten diese Drohungen "mit großer Besorgnis".
Der Text

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�Der Text der Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Es gab in jüngster Zeit in der Vollversammlung der Vereinten Nationen
in New York und auf der Generalkonferenz der Internationalen Fernmeldeunion
in Nairobi Vorschläge gegen die weitere Beteiligung Israels an diesen Organisationen.

Die Vereinigten Staaten betrachten diese Drohungen mit großer

Besorgnis.
Der Ausschluß Israels aus der Vollversammlung oder der Internationalen
Fernmeldeunion würde unter diesen Umständen im Gegensatz zu den Prinzipien
der Vereinten Nationen stehen.

Im Fall der Vollversammlung wäre dies eine

eindeutige Verletzung der Charta der Vereinten Nationen.

Ein solcher Schritt

zerstörte die eigentliche Zielsetzung der Vereinten Nationen - die Beilegung
von Streitigkeiten zwischen Staaten -, indem weiterer Konflikt und weitere Uneinigkeit geschaffen würden.

Dies würde dem gesamten System der Vereinten

Nationen einen schweren Schaden zufügen und uns allen schaden.
Der Ausschluß Israels aus den Organen der Vereinten Nationen wäre zugleich ein schwerer Rückschlag für den Fortschritt in Richtung auf einen Frieden im Nahen Osten, dem sich die Vereinigten Staaten und praktisch alle Mitglieder der Vereinten Nationen verpflichtet haben.

Es wäre eine tragische

Ironie, wenn Schritte dieser Art gegen Israel gerade zu einem Zeitpunkt Erfolg hätten, da es neue Hoffnung auf Fortschritt im Nahen Osten gibt.
Die Vereinigten Staaten haben stets deutlich gemacht, daß jeder Angriff
auf Israels Recht zur Beteiligung in welcher Organisation der Vereinten Nationen
auch immer im Erfolgsfall ernste Konsequenzen für unsere eigene weitere Beteiligung und unsere Unterstützung haben würde. Als Beweis für unsere Entschlossenheit zur Begegnung solcher Schritte zogen wir unsere Delegation aus der Konferenz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) nach einer ungerechtfertigten Zurückweisung der israelischen Akkreditierung am 24. September ab, kündigten eine Überprüfung unserer Beteiligung an der IAEA an und suspendierten
unsere Beteiligung an einer ganzen Reihe von Aktivitäten der Behörde.
Bis ein

�Bis ein Ergebnis unserer Überprüfung vorliegt, werden wir keine weiteren
Zahlungen an die IAEA vornehmen.
Sollte es zu ähnlichen Schritten auch bei anderen Organisationen der
Vereinten Nationen kommen, werden wir dieselben Maßnahmen auch dort ergreifen.
Sollte Israel von der Vollversammlung ausgeschlossen werden, würden die
Vereinigten Staaten ihre Beteiligung in der Versammlung einstellen und Zahlungen an die Vereinten Nationen zurückhalten, bis Israels Recht auf Beteiligung wiederhergestellt ist.
Wir würden auch unsere Delegation von der Generalversammlung der Internationalen Fernmeldeunion in Nairobi zurückziehen, sollte Israel ausgeschlossen werden,und würden weitere Zahlungen an diese Organisation zurückhalten.
Die ITU, die IAEA und andere technische Sonderorganisationen dürfen nicht
durch solche politische Angriffe auf die Rechte der Mitgliedstaaten untergraben oder zerstört werden.
Wir vertrauen darauf, daß die Mehrheit der Mitgliedstaaten der Vereinten
Nationen und aller ihrer Einrichtungen die ernsten Gefahren aller weiterer Angriffe auf Israels Recht auf Beteiligung an den Körperschaften der Vereinten
Nationen erkennt

und sich dafür einsetzt, daß diese Initiativen abgewendet

werden.

- 3 -

�20. Oktober 1982

41

JUGENDAUSTAUSCH-PROGRAMM FINDET BEGEISTERTE UNTERSTÜTZUNG
- Von unserer Korrespondentin Di an J. McDonald -

WASHINGTON - (AD) - Die Initiative Präsident Reagans für einen internationalen Jugendaustausch entwickelt sich zu einem "ungemein großzügigen
Programm", das schon jetzt auf eine positive, ja, begeisterte Reaktion seitens der anderen Teilnehmerstaaten blicken kann.
Charles Z. Wick, Direktor des US-Informationsamtes (USIA) und persönlicher Repräsentant des Präsidenten für Organisation und Durchführung des
neuen Austauschprogramms, kam am 13. Oktober 1982 im Verlauf eines Fernsehinterviews zu dieser Beurteilung.
Im Rahmen dieses Jugendaustausches sollen in den kommenden drei Jahren
insgesamt rund 40 000 Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren aus den auf dem
Versai11 er Gipfeltreffen vertretenen Staaten an dieser Aktion teilnehmen dies würde einen Anstieg um 25 000 junge Teilnehmer bedeuten. Dabei werden
sowohl Schüler den regelmäßigen Schulbetrieb miterleben, als auch Jugendliche, die bereits im Arbeitsleben stehen, Erfahrung in Unternehmen und land-

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�und landwirtschaftlichen Betrieben sammeln. In bestimmten Fällen kann der
Aufenthalt auch das erste Studienjahr an der Universität einschließen.
Die amerikanische Regierung hat für die nächsten drei Jahre für das
Projekt 10 Millionen Dollar bereitgestellt, und auch die Beiträge aus dem
Privatbereich sollen sich auf rund 15 Millionen Dollar belaufen.
Wick erklärte, die langfristige Zielsetzung der Initiative bestehe
darin, die Möglichkeiten zu vergrößern und zu verbessern, die ein Austauschprogramm für das gründlichere

Verständnis zwischen Staaten und Menschen

bietet.
Wie Wick ausführte, können die 15- bis 19jährigen Schüler, die in die
Vereinigten Staaten kommen, mit ihrer auf diese Weise stark verbesserten
Kenntnis

des Englischen auch später zu Studium und Forschung in die USA

zurückkehren.
Das Programm selbst besteht aus einem einjährigen Aufenthalt bei einer
amerikanischen Familie, wodurch dem Besucher die Gelegenheit geboten wird,
über Sitten und Gebräuche in den USA und über den Pluralismus der amerikanischen Gesellschaft mehr zu erfahren.
Wick verwies darauf, daß das Austauschprogramm hauptsächlich von Privatorganisationen durchgeführt wird, die bereits ihre Fähigkeit unter Beweis
gestellt haben, Gastfamilien für ausländische Besucher und junge Bewerber
für Auslandsprogramme auszuwählen. Hierzu gehören die Programme des
"American Field Service", "Experiment in International Living", "Friendship
Force", sowie "People-to-People International".
Die Initiative des Präsidenten strebt des weiteren an, die Unterstützung
in den amerikanischen Gemeinden für den internationalen Austausch zu fördern,
mehr amerikanische Familien dazu zu bringen, ausländische Studenten aufzunehmen und zu freiwilligen Anstrengungen von Gesellschaften und Privatorganisationen anzuregen.

F,-n

�Ein aus Führungskräften amerikanischer Unternehmen bestehender Präsidialrat wurde ins Leben gerufen, um die Unterstützung durch den Privatsektor noch weiter zu beleben.
Beim US-Informationsamt wurde ein Büro für Jugendaustausch mit dem notwenigen Personal ausgestattet, das über Mittel verfügen wird, die im Rahmen
der Initiative gemeinnützigen Organisationen zukommen sollen.
Für den Erfolg der Initiative des Präsidenten ist es notwendig, daß die
Gemeinden in den Vereinigten Staaten bereit sind, mehr Austauschschüler aufzunehmen. Um dieses Ziel zu erreichen, führt die Charles F. Kettering-Stiftung ein Projekt mit 19 amerikanischen Städten durch, um herauszufinden, wie
die Gemeinden am besten auf diese internationalen Austauschprogramme reagieren können. Die Kettering-Stiftung beabsichtigt die Veröffentlichung eines
Handbuchs - gestützt auf die Erfahrungen mit den Gemeinden des Projektes -,
durch das sich all jene Gemeinden informieren können, die sich an der
Initiative des Präsidenten beteiligen wollen.

- 3 -

�41

20. Oktober 1982

WELTRAUM-SERVICE
US-Raumtransporter COLUMBIA nimmt Routinebetrieb auf
Von G. Weiss

(AD) — Mit dem fünften Flug der COLUMBIA, der für den 11.-16. November 1982 vorgesehen ist, beginnt der Routineeinsatz des ersten wiederverwendbaren Raumtransporters der Welt. Das neuartige amerikanische Fluggerät steht
für Dienstleistungen besonderer Art zur Verfügung - etwa als Transportmittel
für Satelliten, die bisher zum Start eigene, nicht wiederverwendbare Trägerraketen benötigten, oder als Forschungs- und Experimentierstation für Untersuchungen außerhalb des Einflußbereichs der an der Erdoberfläche herrschenden Schwerkraft. Es dient als Observatorium für die Fernerkundung der Erde,
für die Beobachtung der Gestirne und des kosmischen Raums (unbeeinträchtigt
von möglichen Störungen durch die Erdatmosphäre), und es wird fliegender Inspektions- und Wartungsbetrieb für Satelliten sein, die die Erde umkreisen.
Zivile und militärische Stellen, Unternehmen der Wirtschaft und Forschungsinstitute innerhalb wie außerhalb der Vereinigten Staaten geben ihre Aufträge zur Mitnahme von Nutzlasten, die dann während des Fluges von besonders ausgebildeten Wissenschaftlern und "Missionsspezialisten" betreut werden. Viele Versuchsanordnungen arbeiten jedoch vollautomatisch, so daß sich

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�daß sich eine Wartung erübrigt. Entsprechend geringer sind die Gebühren,
die der Auftraggeber für den Weltraumservice zu bezahlen hat.
Hauptaufgabe beim Flug STS-5 wird es sein, zwei kommerzielle Nachrichtensatelliten in den Weltraum mitzunehmen und in der Umlaufbahn der
COLUMBIA in knapp 300 km Höhe abzusetzen. Von dort aus steigen die unbemannten Geräte, die je 3,5 Tonnen Masse haben, mit der Schubkraft eigener
Bordtriebwerke zum vorgesehenen Standort auf. Er liegt im sogenannten geostationären Orbit, 36 000 km über der Erde. Außerdem hat die COLUMBIA u.a.
drei Experimente amerikanischer Oberschüler, sowie einen Spezialbehälter
mit der deutschen Versuchsausrüstung MAUS an Bord. Auftraggeber ist das
Bundesministerium für Forschung und Technologie. Bei dem Experiment, einer
Entwicklung von Dr. Günter Otto von der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR) in Porz b. Köln, handelt es sich um
ein Spezialgebiet der Materialforschung (MAUS ist die Abkürzung für "materialwissenschaftliches autonomes Experiment unter Schwerelosigkeit"). Man will
herausfinden, wie sich die beiden unterschiedlichen Metalle Gallium und
Quecksilber beim Aufheizen bis auf 220 Grad Celsius und anschließender Abkühlung verhalten - d.h. wie sie sich unter "Mikrogravitation" (hundertprozentig ist die Schwerkraft auch im Weltraum nicht ausgeschaltet) miteinander vermischen und beim Abkühlen entmischen. Der Ablauf des Experiments
wird auf einem Röntgenfilm festgehalten. Seine Auswertung nach der Rückkehr
ermöglicht die Rekonstruktion der Verteilung der Metallpartikel in den verschiedenen Mischungsphasen an Hand von Schwarz und Weiß sowie der Graustufen auf dem Film.
Die Testflüge des Raumtransporters sind seit Juli 1982 abgeschlossen.
Dennoch wird das bevorstehende Unternehmen wiederum völlig neuartige Erfahrungen bringen: Zum ersten Mal befinden sich vier Mann an Bord, während die
Besatzung bisher aus jeweils nur zwei Mann bestand. Chefpilot Vance D. Brand
und Kopilot Robert F. Overmyer sind für den flugtechnischen Teil, die Wissenschaftsastronauten Joseph Allen und William Lenoir für die Nutzlasten
verantwortlich. Die beiden letztgenannten "Mission Specialists" werden die

- 2 -

�werden die ersten Astronauten sein, die an Bord der Raumfähre Arbeiten
außerhalb der schützenden Druckkabine ausführen. Sie tun dies, wie bei
Außenbordmanövern üblich5 im Weltraumanzug. Bei diesem handelt es sich
um eine Neuentwicklung, die leichter ist und mehr Bewegungsfreiheit gibt
als der Druckanzug, den die APOLLO-Astronauten auf dem Mond trugen.
In jedem Anzug ist ein Lebenserhaltungssystem eingebaut, über Funk
stehen die Wissenschaftsastronauten mit den Piloten in ständiger Verbindung. Die Dauer eines Außenaufenthalts ist auf jeweils sechs Stunden
begrenzt, weil dann wichtige Komponenten des Lebenserhaltungssystems fast
aufgebraucht sind. Allen und Lenoir werden am vierten Flugtag den Druckanzug anlegen. Ehe sie jedoch die offene Ladebucht, in der sie eine Reihe von
technisch-praktischen Versuchen ausführen, betreten, atmen sie ca. dreieinhalb Stunden lang den reinen Sauerstoff aus dem Lebenserhaltungssystem ein.
Dem Körper soll Zeit gegeben werden, sich von der Normalluft der Druckkabine
des Raumflugzeugs, die nahezu identisch ist mit der Luftzusammensetzung an
der Erdoberfläche, auf Sauerstoffatmung umzustellen.
Während ihres dreistündigen Außenaufenthalts sind sie an 15 m langen
Sicherheitsleinen mit dem Raumflugzeug verbunden, damit sie, was ja im
schwerelosen Zustand denkbar wäre, nicht abdriften können. Sie werden u.a.
Werkzeugsätze und technische Hilfen ausprobieren, wie sie bei künftigen
Einsätzen z.B. für die Wartung und Bedienung von Nutzlasten oder zur Reparatur von Satelliten gebraucht werden, die man zu diesem Zweck aus dem
Orbit an Bord holt.
Lenoir wird alles, was sein Kollege Allen in den drei Stunden tut, mit
einer auf seinem Helm befestigten Kamera filmen. Beide haben "Weltraumspaziergänge" und das Arbeiten im Druckanzug in einem riesigen Wassertank im
Raumfahrtzentrum von Houston geübt. Inwieweit Schwerelosigkeit unter Wasser
scheinbar ähnlichen Bedingungen im Weltraum entspricht, wollen sie nun
selbst beurteilen. Künftige

Astronauten sollen die Gewißheit haben, daß

beim Unterwassertraining die tatsächlichen Bedingungen im Weltraum gut
simuliert werden.

_ C0LUMBIA

als

�- COLUMBIA als Startbasis Das Verfahren wurde bisher noch nie praktiziert - nämlich ein bemanntes Raumfahrtgerät als Basis für den Start von Erdsatelliten zu benutzen.
Die beiden Nachrichtensatelliten, die vor dem COLUMBIA-Start als Fracht mit
in der Ladebucht des Raumtransporters verstaut wurden, sind Eigentum der
amerikanischen Firma "Satellite Business Systems" und des kanadischen Unternehmens "Telesat Canada". Sie tragen die Bezeichnungen SBS-3 (dritter
Satellit der Firma "Satellite Business Systems"

für geschäftliche Kommu-

nikation) und ANIK-C. ANIK-C ist der erste von drei Nachrichtensatelliten,
die für den inländischen Fernmeldedienst in Kanada bestimmt sind. Beide Firmen zahlen an die NASA j«j acht Millionen Dollar an Gebühr für den Start der
Satelliten, die bei der "Hughes Aircraft Company" in Kalifornien gebaut wurden.
Acht Stunden nach dem Start der COLUMBIA in Kap Canaveral steigt SBS-3
langsam aus der geöffneten Ladebucht, nachdem der Satellit in seinem Transportbehälter auf einem Drehtisch in Rotation versetzt und durch einen Federmechanismus gelöst wurde. Er vollführt 50 Umdrehungen pro Minute, was zur
Drallstabilisierung ausreicht und das Einsteuern des Geräts auf den vorgesehenen "Standort" im 36 OOO-km-Orbit in der richtigen Achsenposition erleichtert. Zehn Jahre soll er funktionsfähig bleiben.
Das gleiche Verfahren wird am zweiten Flugtag zum Start von ANIK-C
angewandt, In beiden Fällen muß ca. 40 Minuten zuvor Astronaut Overmyer
den Raumtransporter in eine Position manövrieren, von der aus der in den
Weltraum zu entlassende "Fluggast" nach Zünden seines eigenen Triebwerks
über eine stark elliptische Transfer-(Übergangs-) Bahn sein Standortgebiet
erreicht. Dies spielt für die Benutzung des Satelliten innerhalb des dafür
vorgesehenen Sende- und Empfangsgebietes eine sehr große Rolle. Die 36 000km-Bahn erlaubt die "Stationierung", weil ein Satellit in dieser Höhe mit
derselben Geschwindigkeit um die Erde kreist, in der sich ein darunter liegender Punkt auf, der Erdoberfläche mit der Erddrehung weiterbewegt. Der Sa-

�Der Satellit scheint deshalb für den Benutzer auf der Erde stillzustehen
und steht Tag und Nacht zur Verfügung.
Ca. 15 Minuten nach dem Absetzen eines Satelliten werden an der COLUMBIA
kleine Düsentriebwerke aktiviert, um zwischen beiden mindestens 12 bis 16 km
Sicherheitsabstand zu schaffen. Denn jeder der beiden Nachrichtensatelliten
(Höhe jeweils 6 m, Durchmesser knapp 2 m) hat etwa 2500 kg Festtreibstoff
für den Aufstieg sowie - für kleine Korrekturmanöver in der Umlaufbahn 150 kg von dem Flüssigtreibstoff Hydrazin an Bord.
- Kein Schichtdienst Die vier Astronauten haben nicht vor, Schichtdienst zu leisten. Vielmehr wollen sie zur gleichen Zeit schlafen, arbeiten, die Mahlzeiten einnehmen. In der Raumfähre gibt es keine eigenen Schlafquartiere. Aber Vance Brand
meint, "Wir werden schon ein bequemes Plätzchen finden". Allerdings werde es
bei vier Leuten an Bord "zum Gedränge am Fenster" kommen, und am Wasserhahn
werde man wohl oder übel anstehen müssen. "Aber wir sind ja nicht gezwungen,
auf dem Fußboden zu bleiben." Man könne in der Kabine umherschweben, das
schaffe Platz für die andern.
Mit einer Anzahl von Experimenten, die die NASA mit auf den Weg gibt,
werden Untersuchungen aus der Zeit der Testflüge fortgesetzt. Sie gelten vor
allem den unter verschiedenen Bedingungen innen und außen auftretenden Temperaturen, der Frage des günstigsten Heizsystems, der Aufheizung in der
Start- und Landephase, den Flugeigenschaften und dem Leistungsvermögen
des Raumtransporters sowie den Umweltbedingungen für die Nutzlasten in der
Ladebucht.
Zum ersten Mal soll die Weltraumfähre vollautomatisch landen. In 6100
Metern Höhe schalten die Flugastronauten auf Automatik um. Jedoch beobachten
Vance Brand und

Robert Overmyer sehr genau die Anzeigeinstrumente. Sollten

- 5 -

�Sollten dabei irgendwelche unerwarteten Probleme auftreten, würde Brand
sofort wieder auf manuelle Steuerung gehen und das Raumflugzeug landen.
Dem Flugplan zufolge soll die COLUMBIA am 11. November 1982 um 13:19
Uhr MEZ in Kap Canaveral starten und am 16. November 1982 um 15:32 Uhr im
Flughafenbereich Edwards Air Force Base in Kalifornien zur Erde zurückkehren. Anschließend wird sie vorübergehend aus dem Verkehr gezogen, weil für
ihren nächsten Einsatz mit dem in Bremen gebauten Weltraumlaboratorium
(SPACELAB)an Bord Umbauten notwendig sind. Dies wird dann der neunte Flug
eines amerikanischen Raumtransporters sein. Für die Flüge sechs, sieben
und acht (STS-6 im Januar 1983) ist CHALLENGER, die zweite Raumfähre der
USA, vorgesehen.

+ + + + +

�BERICHTIGUNG
In Amerika Dienst Nr. 35 vom 8. September 1982
ist

unter der Überschrift:

DOKUMENTATION
Reagan fordert Neubeginn im Nahen Osten
- Fernsehrede des US-Präsidenten vom 1. September 1982 auf Seite 7 durch einen übermittlungsfehler ein Absatz ausgelassen
worden.
Nach dem zweiten Absatz ..., "daß sie diese Tatsache anerkennen."
muß es heißen:
"Ich habe den heroischen Überlebenskampf Israels persönlich verfolgt
und unterstützt, seit der Staat Israel vor 34 Jahren gegründet wurde. In
den Grenzen vor 1967 war Israel an seiner engsten Stelle kaum zehn Meilen
breit. Der größte Teil der israelischen Bevölkerung lebte im Bereich der
Artillerie feindlicher arabischer Armeen. Ich denke nicht daran, Israel zu
bitten, wieder unter solchen Umständen zu leben."
Hier wieder aufnehmen:
"Der Krieg im Libanon..."

+ + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gedanken über das NATO-Bündnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache von US-Botschafter vor der Kommandeurtagung in Hagen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Botschafter Bennett: Zur Lage des NATO-Bündnisses&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor dem Weltpolitischen Rat von Cincinnati -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA lehnen UN-Ausschluss Israel ab&lt;br /&gt;- Erklärung des US-Außenministers -&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jugendaustausch-Programm findet begeisterte Unterstützung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserer Korrespondentin Dian J. McDonald -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltraum-Service&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Raumtransporter COLUMBIA nimmt Routinebetrieb auf -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. Oktober 1982

42

INHALT

WIRTSCHAFT
Malcolm Baldrige zum amerikanisch-europäischen Stahl abkommen
- Erklärung des amerikanischen Handelsministers US-Währungsexperte sieht keine Krise im internationalen Bankensystem

HINTERGRUNDMATERIAL
Rostow: Landgestützte Raketen bewirken politische Instabilität
USA drängen auf Stärkung der COCOM-Exportkontrollen
- Von unserem Korrespondenten Elez Biberaj 300 Jahre deutsche Siedlungsarbeit in Amerika
- Gemeinsame Resolution des US-Kongresses -

BEILAGE
SONDERDIENST
Mittelamerika: Der Weg zum Frieden
- Von Thomas 0. Enders -

Um Übcr/cndung von
ßclcgcxcmplorcn
wird t)cbctcn

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�42

27. Oktober 1982

MALCOLM BALDRIGE ZUM AMERIKANISCH-EUROPÄISCHEN STAHLABKOMMEN
- Erklärung des amerikanischen Handelsministers -

WASHINGTON - (AD) - Im Gegenzug zu freiwilligen Verminderungen der
europäischen Stahlexporte in die Vereinigten Staaten haben sich die amerikanischen Stahl firmen bereiterklärt, ihre Klage gegen 40 europäische Stahlwerke fallenzulassen.

Dies teilte Malcolm Baldrige, der Handelsminister

der Vereinigten Staaten, am 21. Oktober 1982 mit.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Wie der Präsident heute morgen angekündigt hat, haben wir mit Erfolg
die Rücknahme der Ausgleichszoll- und Dumpingklage der amerikanischen Stahlindustrie gegen rund 40 europäische Firmen ausgehandelt.

Der Widerruf kam

nach schwierigen, monatelangen Verhandlungen, die als Resultat ein Abkommen
gemäß unserer Handelsgesetze für Stahl erbrachten, dem beide Parteien den
Vorzug vor einer Fortführung der Klage geben.

Die Vereinbarungen decken über

90 Prozent der europäischen Stahlexporte in die Vereinigten Staaten ab.
Diese Lösung hat viele Vorzüge.

Erstens wird sie eine Hilfe für die

Beschäftigungslage in der amerikanischen Stahlindustrie sein, die ernsthaft

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�die ernsthaft geschädigt worden war.

Zweitens wird sie die subventionierte

Ausfuhr der Arbeitslosigkeit bei der europäischen Stahlindustrie in unser
Land beenden.

Schließlich beseitigt sie die größten Reibungen zwischen den

Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft und zeigt, daß wir in
einer Atmosphäre der Zusammenarbeit, des gegenseitigen Verständnisses und
der Freundschaft gemeinsam auf eine gütliche Lösung schwieriger Streitfälle
hinarbeiten können.

Die europäische Einigkeit wurde durch die Beteiligung

der Bundesrepublik Deutschland, Luxemburgs und der Niederlande an dieser Vereinbarung gestärkt, da es in diesen Ländern nur wenig oder gar keine Subventionen gibt.
Die größten Produzenten der amerikanischen Stahlindustrie haben uns
alle darüber informiert, daß diese Regelung es ihnen erlaubt, ihre Klage zurückzuziehen.
Spezialstähle, die etwa fünf Prozent des Gesamtvolumens ausmachen, wurden in die Vereinbarungen nicht mit einbezogen, da die meisten dieser Firmen
ihre Klagen gemäß Abschnitt 310 des Handelsgesetzes von 1974 eingebracht haben, was bedeutet, daß separate Vereinbarungen erreicht werden müssen. Die
Administration ist tief besorgt über den bedrängten Zustand der amerikanischen
Industrie für SpezialStähle. Die von dieser Industrie eingebrachten Antidumping- und Ausgleichszollklagen und Klagen, die noch folgen mögen, werden
verfolgt werden, außer wenn diese Fälle zurückgezogen werden. Und ich weiß,
daß Botschafter William Brock (der amerikanische Sonderbeauftragte für Handel sverhandlungen) dasselbe bei dem gemäß Abschnitt 301 eingebrachten Petitionen der Industrie für Spezialstähle tut.
Die Regelungen, die heute verkündet wurden, werden der Stahlindustrie
helfen, auch wenn sie sicherlich nicht die Antwort auf alle Probleme dieser
Industrie sind. Anstiege der Produktivität haben nicht mit den Lohnerhöhungen Schritt gehalten und die Programme der Unternehmensmodernisierung müssen
fortgesetzt werden.
Dies war

�Dies war ein langer, beschwerlicher Weg. Alle Parteien haben hart dafür gearbeitet, daß dieses Abkommen erzielt wurde. Ober 70 Personen in diesem Ministerium allein haben sich zehn Monate lang nur mit diesen Fällen beschäftigt, und ich möchte diese Gelegenheit benutzen, ihnen für ihre Pflichterfüllung zu danken.

- 3 -

�Oktober 1982

US-WÄHRUNGSEXPERTE SIEHT KEINE KRISE IM INTERNATIONALEN BANKENSYSTEM

WASHINGTON - (AD) - Der Staatssekretär für Währungsfragen im amerikanischen Finanzministerium, Beryl Sprinkel, hat nachdrücklich bestritten, daß
das internationale Bankensystem in einer Krise stecke oder eine solche bevorstehe.

In einer Ansprache auf einer amerikanischen Börsenkonferenz in

Washington am 20. Oktober 1982 wandte sich Sprinkel ferner gegen eine zu große
Quotenerhöhung im Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie gegen eine Politik
der aktiven Intervention auf den Devisenmärkten.
Nachfolgend die wesentlichen Auszüge aus der Ansprache des amerikanischen
Staatssekretärs:
Die marktorientierte Einstellung der Reagan-Administration zu internationalen Währungsfragen hat eine recht bemerkenswerte Abkehr von der früheren
amerikanischen Politik gebracht und hat sich gelegentlich von der derzeitigen
Politik einiger unserer Verbündeter unterschieden.

Eine solch tiefgreifende

Veränderung vorzunehmen ist in vieler Hinsicht schwierig - es erfordert Entschlossenheit, sie in die Tat umzusetzen; Glaubwürdigkeit, um sie durchführbar zu machen; und eine aufnahmebereite und kooperative Haltung seitens unserer Verbündeten, um Mißverständnisse hinsichtlich unserer Methoden und Ziele
zu vermeiden...
Glücklicherweise sind

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�Glücklicherweise sind jetzt zu unseren guten Absichten die entsprechende Beharrlichkeit und deutliche Leistung gekommen.

Die Inflation der Ver-

braucherpreise beläuft sich bisher in diesem Jahr nur auf eine Jahresrate
von 5,1 Prozent, und wir erwarten ohne weiteres, daß sich diese Leistung auch
im kommenden Jahr halten läßt.

Die Zinssätze für kurzfristiges Geld sind au-

genfällig von ihren Höchstsätzen heruntergekommen, und die Zinssätze für langfristiges Geld folgen jetzt diesem Abwärtstrend, da sich die längerfristigen
Inflationserwartungen von Verleihern und Leihern der Realität unserer Zusage
und unseres Erfolges anpassen.

Eine Arbeitslosenrate von über 10 Prozent

ist sicherlich ein hoher Preis dafür, wie man die Dinge auch betrachtet - im
Sinne verlorener Arbeitsplätze, verlorener Produktion und der Bedrängnis für
Familien und Unternehmen im ganzen Lande...
Wenn wir jetzt beginnen, eine Bilanz zu ziehen, was es uns gekostet
hat, die Inflation unter Kontrolle zu bekommen, dann dürfen wir nicht vergessen, warum wir das alles getan haben. Wir dürfen nicht vergessen, welche
Dringlichkeit das amerikanische Volk und unsere Verbündeten noch vor zwei Jahren der Aufgabe beimaßen, die Inflationsrate in den Vereinigten Staaten zu
senken. Wir haben alle die Stagflationären Folgen der früheren Wirtschaftspolitik erlebt. Die Sparrate war rückläufig, die Investitionstätigkeit stagnierte, der Produktivitätszuwachs verlangsamte sich und die Arbeitslosenrate
ging nach oben. Man erkannte in weiten Kreisen die Gefahr, die eine chronische Inflation für die amerikanische Wirtschaft darstellen würde, und man
war sich weithin darüber einig, daß die Kontrolle der Inflation die Kosten
wert wäre und die oberste Priorität erhalten sollte. Die Kosten waren hoch
- höher als notwendig - aber die Erfolge waren auch bedeutsam und werden im
Laufe der Zeit immer größer werden. Nachdem wir nun schon den Preis gezahlt
haben, wäre es eine Schande, wenn wir jetzt den Rückzug antreten würden und
das bereits gewonnene Gelände in Zukunft erneut erobern müßten.

Aber das ist genau das, was einige Beobachter jetzt vorschlagen - eine
Politik des rascheren Geldmengenwachstums, um den wirtschaftlichen Wiederaufschwung anzuregen.

In Erwiderung darauf kann ich nur wiederum auf den hohen

Preis hinweisen, den wir bereits bezahlt haben, um das Maß an Preisstabilität

�an Preisstabilitä't zu erreichen, das wir heute haben.

Wenn wir die Schleusen

der Inflation wieder öffnen würden, dann wäre die Glaubwürdigkeit der Antiinflationspolitik irreparabel angeschlagen, und die Kosten, die Inflation jemals wieder unter Kontrolle zu bringen, würden unsere jüngsten Erfahrungen
zu einem Kinderspiel machen...
Unser Erfolg bei der Senkung der Inflationsraten und Zinssätze bringt
bedeutsame Vorteile für die internationale Arena mit sich.

Die direkten Vor-

teile liegen auf der Hand - niedrigere Dollarkreditkosten für alle Kreditnehmer auf internationalen Finanzmärkten, einschließlich der Kreditnehmer aus
Entwicklungsländern, und Beseitigung einer der Ursachen für den Aufwärtsdruck
der Zinssätze in anderen Ländern.

Beides trägt zur Stärkung der Aussichten

der Weltwirtschaft bei.
Fallende amerikanische Zinssätze bringen aber auch noch einen wichtigen
indirekten Nutzen mit sich.

So wie unsere Zinssätze in den letzten Monaten

gesunken sind, so sind die ausländischen Zinssätze nicht annähernd so gesunken.

Gleichzeitig blieb der Kurs des amerikanischen Dollar an den Devisen-

märkten sehr stark, trotz der Bewegung der Zinssatzdifferenzen gegenüber
Dollarguthaben.

Diese Ereignisse bestätigen eine Botschaft, die wir schon

seit einiger Zeit begreiflich machen wollen.

Während hohe amerikanische Zins-

sätze eine ziemlich negative Auswirkung auf andere Länder gehabt und zu einer
ohnehin schwierigen Weltlage beigetragen haben, sind doch die Probleme einer
jeden unserer Volkswirtschaften in erster Linie ein Ergebnis unserer jeweiligen Strukturprobleme, der Wirtschaftspolitik und des Standes der Wirtschaftstätigkeit im eigenen Lande.

Wir bedauern die zusätzlichen Probleme, die der

Umstellungsprozeß in den Vereinigten Staaten unseren Verbündeten bereitet hat,
und wir haben alles in unseren Kräften Stehende getan, um diese Periode der
Anpassung so rasch wie möglich hinter uns zu bringen.

Aber wir waren schon

immer der Meinung, daß alle unsere Regierungen besser daran wären, wenn sie
die Antworten innerhalb und nicht außerhalb ihrer eigenen Volkswirtschaften
suchen würden...
Wechsel kurspolitik
- 3 -

�Wechsel kurspolitik
Wenn mein Name mit irgendeinem Problem im internationalen Bereich in
Verbindung gebracht wird, dann darf ich davon ausgehen, daß es sich um die
amerikanische Wechsel kurspolitik handelt.

Zum Zeitpunkt, als diese Administra-

tion ihr Amt übernahm, verfolgte die amerikanische Regierung eine Politik der
häufigen großangelegten Intervention auf den Devisenmärkten.

Während der

letzten sechs Monate der vorigen Administration kauften die Vereinigten Staaten den Gegenwert von fast acht Milliarden Dollar an ausländischen Währungen
an, und in den ersten Wochen der Reagan-Administration wurde für weitere 600
Millionen Dollar angekauft.
An diesem Punkt haben wir eine "Auszeit" gefordert, um unsere Interventionspolitik zu überprüfen.

Als Ergebnis dieser Überprüfung richteten

wir unsere gegenwärtige Politik der Minimalintervention ein - d.h. wir intervenieren nur, wenn es notwendig ist, um eine ernsthafte Unordnung der Devisenmärkte zu verhindern.

Die den amerikanischen Interventionsoperationen zu-

grunde liegende Maxime bleibt die gleiche

wie während der gesamten Periode

der floatenden Wechselkurse - d.h. wir stehen bereit, in Erfüllung von Artikel IV des IWF-Abkommens zu intervenieren, um unordentliche Marktverhältnisse zu verhindern.

Aber die Anwendung dieser Politik hat sich wesentlich

geändert.
Diese Änderung hat im Ausland Kontroversen ausgelöst, vor allem in den
ersten Stadien. Als sich ihre Währungen gegenüber dem Dollar abschwächten,
baten uns einige unserer Wirtschaftspartner, uns die Sache noch einmal zu
überlegen und sich ihnen in der Politik der massiven Intervention zum Schutz
ihrer Währungen anzuschließen. Ein sogar noch weitergehendes Argument basierte auf Befürchtungen hinsichtlich der Unbeständigkeit der Kurse. Man behauptete, daß eine aktivere Einstellung der Vereinigten Staaten zur Intervention
den Umfang und das Tempo kurzfristiger Wechselkursbewegungen verringern würde.
Unsere Antwort war, daß wir die Lehren aus den früheren Erfahrungen
mit der Intervention nicht in den Wind schlagen konnten.
- 4 -

Intervention kann

�Intervention kann gelegentlich eine Rolle spielen, wenn es um ernsthafte
Episoden der Marktunordnung geht.

Aber unsere Erkenntnisse aus der jüngsten

Entwicklung besagen, daß eine aktivere Interventionspolitik - eine Politik,
die auf die Fixierung oder Manipulation der Wechselkurse abzielt - wohl kaum
Erfolg hat.
Wir räumen ein, daß es noch immer Meinungsverschiedenheiten bezüglich
der Wirksamkeit der Intervention gibt.

Aus diesem Grunde haben wir auf dem

Wirtschaftsgipfel vorgeschlagen, daß eine gründliche internationale Studie
über die Auswirkungen der Intervention
genheit erstellt werden sollte.

auf den Devisenmärkten in der Vergan-

Diese Studie wird gegenwärtig unter den Auspi-

zien einer von den nationalen Regierungen ernannten Expertengruppe durchgeführt.

Sie ist beauftragt, die Beweise und die kollektiven Erfahrungen über

die negativen und positiven Auswirkungen der Intervention zusammenzutragen
und den Ministern einen Bericht vorzulegen.

Ihr Bericht soll nicht dazu die-

nen, zu diktieren oder zu verordnen, wie die künftigen Interventionspolitiken
der beteiligten Länder aussehen sollen - er ist vielmehr als ein Beitrag zu
den anhaltenden Diskussionen dieses Themas auf politischer Ebene gedacht.

Die gegenwärtige finanzielle Herausforderung
Während der letzten zwei Monate waren die Zeitungen voll von düsteren
und schrecklichen Berichten über die Aussichten des internationalen Bankensystems.

Sehr viel ist geschrieben und gesagt worden über die Möglichkeit

einer weitverbreiteten Rückzahlungsunfähigkeit von Krediten, die einen Zusammenbruch des Bankensystems auslösen würde.
Belastungen gegeben, und es besteht Anlaß zu

Es hat ohne Zweifel schwere
Besorgnis, aber nach meiner Mei-

nung wird in vielen Kommentaren die Gefahr übertrieben.

Wir stecken nicht

in einer Krise, und wir glauben auch nicht, daß eine Krise unmittelbar bevorsteht.

Das Bankensystem ist widerstandsfähig und in der Lage, mit solchen

Herausforderungen fertig zu werden.
Die Situation

�Die Situation in Mexiko ist zwar noch nicht beigelegt, aber die rasche
und wirksame Reaktion führender privater und amtlicher Kreise zeigt die Fähigkeit des Finanzsystems, mit sehr schwierigen Situationen fertig zu werden.
Allgemeiner gesprochen, die Kreditnehmerländer zeigen eine größere Bereitschaft,
Anpassungsmaßnahmen vorzunehmen.

Wenn man, wie ich, davon ausgeht, daß wir

all unsere gegenwärtigen Schwierigkeiten erfolgreich überwinden werden, dann
kann man daraus eine wertvolle Lehre ziehen.

Um ihre Kreditwürdigkeit zu

erhalten, müssen Kreditnehmerländer sicherstellen, daß sie in Zukunft größeren
Wert auf Zahlungsbilanzanpassungen legen und eine diszipliniertere Wirtschaftspolitik verfolgen.

Die Kreditgeber werden dazu beitragen, daß dies geschieht,

wenn sie bei ihren Kreditentscheidungen größere Vorsicht und Umsicht walten
lassen.
Auf der anderen Seite bin ich der Auffassung, daß es etwas Positives
ist, wenn die Kreditgeber sich der Gefahren stärker bewußt geworden sind, dem
"Herdentrieb" zu unterliegen, der leicht dazu führt, in guten Zeiten überoptimistische Verleihtätigkeit zu veranlassen und überschnelle Vorsicht, wenn
die Zeiten schlecht werden.

Verantwortungsbewußte Eigeninteresse setzt vor-

aus, daß Kreditgeber gut daran tun, in ihrer Kreditgewährung zu allen Zeiten
eine normale Vorsicht walten zu lassen und sicherzustellen, daß ihre Erträge
ein genaues Spiegelbild ihrer Risiken sind.

Der Internationale Währungsfonds
Irgendwie ist zu Anfang dieser Administration in der öfentlichkeit die
Vorstellung aufgetaucht, wir lehnten den Internationalen Währungsfonds (IWF)
ab.

Nichts könnte der Wahrheit ferner liegen.

Es ist richtig, daß wir be-

trächtliche Zeit und Mühe aufwandten, um Mittel und Wege zu prüfen, um den
IWF wirkungsvoller zu gestalten.

Aber der Grund dafür lag darin,daß wir der

grundsätzlichen Überzeugung sind, daß er eine wesentliche und erfolgreiche
Komponente des internationalen Währungssystems ist...
Angesichts des

�Angesichts des großen Finanzierungsbedarfs von Zahlungsbilanzdefiziten
vieler Länder und der vielen Belastungen des Finanzsystems werden die Mittel
des IWF ausgeweitet werden müssen. Eine zu große Erhöhung der Quoten würde
jedoch den Fonds unter Druck setzen, seine Konditionen abzuschwächen, und
drohen, den IWF von einer Währungseinrichtung in eine Entwicklungsbank zu
verwandeln - und damit möglicherweise in einen Motor der Weltinflation. Die
Vereinigten Staaten unterstützen eine angemessene Quotenerhöhung im IWF bei
den gegenwärtigen Verhandlungen: eine Erhöhung, die den Fonds in die Lage
versetzt, den derzeitigen Zahlungsbilanzfinanzierungsbedarf seiner Mitglieder
unter normalen Bedingungen zu decken...
Darüber hinaus haben wir, als eine Ergänzung zur Quotenerhöhung, den
Gedanken einer neuen ständigen Kreditvereinbarung im IWF ins Spiel gebracht,
die dazu dienen soll, den Fonds mit einer Bereitschaftskreditlinie auszustatten, um mit außergewöhnlichen Umständen fertig werden zu können, die das internationale Währungssystem ernsthaft bedrohen könnten. Es sind gewisse Befürchtungen aufgetaucht, daß wir diesen Vorschlag als Ablenkungstaktik benutzen könnten, um die vorgesehene Quotenerhöhung hinauszuzögern oder zu verringern. Deshalb möchte ich ganz klar machen, daß wir an eine Fazilität denken,
die, wenn sie eingeführt wird, eine zusätzliche Sache und kein Ersatz für eine
ausreichende Quotenerhöhung wäre...

- 7 -

�42

27. Oktober 1982

ROSTOW: LANDGESTÜTZTE RAKETEN BEWIRKEN POLITISCHE INSTABILITÄT

DEN HAAG - (AD) - Der Direktor des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), Eugene Rostow, der eine Reihe westeuropäischer
Länder, darunter auch die Bundesrepublik Deutschland, besuchte, erklärte am
20. Oktober 1982 vor der Presse in Den Haag, die Zusammensetzung des sowjetischen Waffenarsenals und der Stand des nuklearen Kräfteverhältnisses zwischen den USA und der Sowjetunion verursachten "eine tiefgreifende Änderung
in der Politik Westeuropas und Amerikas". Auf die schwebenden amerikanischsowjetischen Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) eingehend sagte Rostow: "Wir sind der Auffassung, und wir sind nach zehnmonatigen Erfahrungen bei den INF-Verhandlungen mehr denn je überzeugt, daß die
landgestützten Raketen wegen ihrer Zerstörungskraft, ihrer Geschwindigkeit,
ihrer Unverwundbarkeit durch die Abwehr und natürlich - im sowjetischen Falle ihrer großen Zahl ein besonderes Problem für die politische Instabilität darstellen."
Rostow fügte hinzu, daß gerade die Zahl der sowjetischen Raketen im Verhältnis zu irgendeiner

vergleichbaren amerikanischen Waffe die ersteren zu

einem "Instrument des politischen Zwangs und der politischen Drohung" mache.
Auf die Frage nach den Gründen für seine Besorgnis - nachdem die Europäer

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�die Europäer 20 Jahre mit Raketen vom Typ SS-4 und SS-5 gelebt hätten - wies
Rostow auf die große Mobilität der neuen SS-20, ihre große Zahl und auf ihre
sehr viel größere Zerstörungskraft hin.

"Es sind vor allem die Zahl wie auch

die technischen Eigenschaften der Waffe, die sie zu einer so schwerwiegenden
militärischen und politischen Macht werden lassen."
Auf die Frage, warum die britischen und französischen Raketen nicht in
die INF-Verhandlungen aufgenommen würden, erklärte Rostow, dies sei nicht möglich, da diese Raketen für einen völlig anderen Zweck vorgesehen seien und
letztlich Instrumente der nationalen Sicherheit dieser Länder seien.

Sie

unterstünden weder der NATO-Kontrolle noch der amerikanischen Kontrolle und
stellten Garanten der Souveränität Großbritanniens und Frankreichs dar.

"Sie

stellen", so fuhr Rostow fort, "in keiner Weise eine Bedrohung der Sowjetunion
dar".

Im übrigen habe die Sowjetunion kein Recht, für sich das Privileg zu

fordern, gleichstarke Streitkräfte zu besitzen, wie alle anderen Länder zusammen.

Wer dies fordere, "fordert das Recht, über alle anderen zu herrschen".

Das Ziel des amerikanisch-sowjetischen Gleichgewichts wäre nach Auffassung Rostows, wenn es erzielt wird, "ein gewaltiger Beitrag zur Stabilität
der Weltpolitik, und das ist unser Ziel bei den Verhandlungen", so betonte er.
Als der Direktor des Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung nach den
Friedensbewegungen in Westeuropa gefragt wurde, erwiderte er, er teile die Besorgnisse Präsident Reagans. "Ich glaube, wir teilen die Prämissen dieser Bewegungen", so erklärte Rostow, "wenn es um den Schrecken eines Atomkrieges
und den ernsthaften Wunsch nach Verhütung eines Atomkrieges geht. Wir sind
jedoch der Meinung, daß die angewandten Methoden, die vorgeschlagenen Methoden - wie etwa einseitige Abrüstung und Einfrieren auf dem heutigen Stand nicht geeignet sind, um diese Ziele zu erreichen, sondern nur das sowjetische
Machtstreben weiter zu ermutigen und zu verewigen." Solche Demonstrationen
regten zwar die Debatte über diese unendlich wichtigen Probleme an, "aber wir
stimmen nicht mit den Heilmitteln überein, die da vorgeschlagen werden."
+ + + + +

- 2-

�27. Oktober 1982

42

USA DRÄNGEN AUF STÄRKUNG DER COCOM-EXPORTKONTROLLEN
Von unserem Korrespondenten Elez Biberaj

WASHINGTON - (AD) - In einem Versuch, das Problem des wachsenden Abflusses westlicher Technologie in den Griff zu bekommen, drängt die ReaganAdministration ihre Verbündeten, ihre Exportkontrollpolitik gegenüber der
Sowjetunion zu verstärken.

Durchlässige Stellen dieser Art könnten, wie aus

amerikanischen Regierungskreisen verlautet, die Verteidigungsindustrie und
die Militärkapazitäten der UdSSR verbessern und damit eine Bedrohung der
Weltsicherheit darstellen.
Das Thema multilateraler Exportkontrollen wurde auf einem Treffen des
Koordinierungskomitees für den Ost-West-Handel (COCOM) vom 4. bis 5. Oktober
1982 in Paris von den Delegationen der Vereinigten Staaten, Westeuropas und
Japans behandelt.

Das Treffen signalisierte den Beginn einer wahrscheinlich

einjährigen Überprüfung der COCOM-Liste für Produkte und Technologie, die
mit einem Embargo belegt sind.
COCOM ist eine informelle Organisation, der die NATO-Mitglieder - außer
Island - und Japan angehören.

Das Komitee wurde 1949 gegründet, um die natio-

nalen Exportkontrollen für strategische Güter in Staaten des Ostblocks zu

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�Ostblocks zu koordinieren.

Es basiert weder auf einem formellen Vertrag

noch einem Regierungsabkommen und hat auch keine formelle Beziehung zur NATO
oder zu anderen Organisationen.

Es arbeitet gemäß einer freiwilligen Absprache

der Mitgliedstaaten und Entscheidungen werden stets einstimmig getroffen.

Die

Liste der Güter wird alle drei Jahre einer Oberprüfung unterzogen.
Seit Amtsantritt der Reagan-Administration haben die Vereinigten Staaten
ihre Untersuchung der Problematik eines Technologietransfers in die Sowjetunion
und in die mit ihr verbündeten Staaten des Warschauer Paktes verstärkt und
ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck gebracht, daß wegen der "gähnenden Löcher"
in der derzeitigen COCOM-Struktur durchlässige Stellen in großem Umfang vorhanden sind.

Auf dem Wirtschaftsgipfel in Ottawa im Juli 1981 forderte Prä-

sident Reagan eine Verstärkung der multilateralen Kontrollen bei kritischer
Technologie und Ausrüstung.

Es wurde ein Obereinkommen darüber erzielt, die

bestehenden Kontrollen zu überprüfen; außerdem wurde im Januar 1982 das erste
COCOM-Treffen auf Ministerebene seit Ende der fünfziger Jahre abgehalten.
"Wichtige Fortschritte sind gemacht worden.

Nunmehr gibt es seitens

unserer COCOM-Partner eine politische Verpflichtung, die als Grundlage dafür
dienen wird, die internationalen Kontrollanstrengungen zu stärken und auf kritische Technologien und Ausrüstung zu konzentrieren", erklärte Lawrence Brady,
Unterstaatssekretär im Handelsministerium.
Die Reagan-Administration bemüht sich um größere Anstrengungen der
COCOM-Mitgliedstaaten bei Exportkontrollen. Hauptziel der Vereinigten Staaten
bei der derzeitigen Überprüfung der COCOM-Liste ist es, wirklich sicherzustellen, daß militärisch wichtige Ausrüstungsgüter und Technologien auf die
Embargoliste gelangen, während umgekehrt Exportgüter von der Liste gestrichen
werden sollen, die nicht länger mehr als sensitiv angesehen werden. Dabei
wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, es könne bereits in naher Zukunft bei
diesen Fragen ein Konsens zwischen den COCOM-Mitgliedern erzielt werden.
Zwar stellten amerikanische Regierungsstellen fest, daß die nationalen
Kontrollen bei diesen Gütern in den vergangenen Jahren "recht wirkungsvoll"
- 2 -

�"recht wirkungsvoll" gewesen seien, es wurde jedoch gleichzeitig der Besorgnis
Ausdruck verliehen, daß die Sowjetunion und ihre Verbündeten im Warschauer
Pakt an Ausrüstung und Technologie von militärischer und strategischer Bedeutung herangekommen seien, indem Exportkontrollen verletzt wurden oder weil
derzeit manche dieser Güter überhaupt nicht kontrolliert werden.
Im Verlauf einer Anhörung vor einem Untersuchungsausschuß des Senats
erklärte Brady am 12. Mai 1982, daß aufgrund der "kurzsichtigen" Lizenzpolitik der Entspannungsära die Sowjetunion und ihre Verbündeten "Erfahrung in
den Bereichen Elektronik, Computerwissenschaft, Produktionstechniken, Luftfahrt und einer ganzen Reihe anderer Bereiche sammelten, die von unschätzbarem Wert für ihr Militär - und deshalb ein ungeheurer Schaden für unsere
eigenen Interessen sind..."
über drei Jahrzehnte lang haben die Vereinigten Staaten Exportkontrollen
gegenüber den kommunistischen Staaten durchgeführt, um sicherzustellen, daß
diese Exporte nicht die nationale Sicherheit und die außenpolitischen Interessen der Vereinigten Staaten beträchtlich schädigen oder den Preis und die
Verfügbarkeit von solchen Rohstoffen nicht negativ beeinflussen, die es nur
in geringer Menge gibt.
Ende der vierziger Jahre führten die Vereinigten Staaten zum erstenmal
Exportkontrollen gegen die Sowjetunion und andere kommunistische Staaten einim Anschluß an eine Periode sowjetischer Expansion im östlichen Mitteleuropa.
1949 verabschiedete der amerikanische Kongreß das Exportkontrollgesetz, das
die Ausfuhr aller Güter verbot, die eine Bedrohung der nationalen Sicherheit
darstellten.
Danach wurden die amerikanischen Exportkontrollen im dem Maß modifiziert, in dem sie gewandelte Vorstellungen von den Bedürfnissen der nationalen
Sicherheit widerspiegelten, wobei sie mehr oder minder restriktiv waren in dem
Maß, in dem die Beziehungen zum Sowjetblock Perioden der Konfrontation und
der verstärkten Zusammenarbeit erlebten.
Während der
- 3 -

�Während der siebziger Jahre gab es Erleichterungen bei den amerikanischen
Exportkontrollen für den nationalen Sicherheitsbereich sowie bei den C0C0MVerfahren, verfolgten doch die Vereinigten Staaten und ihre westlichen Verbündeten gegenüber der Sowjetunion eine Politik der Entspannung. Der Handel
mit der UdSSR belebte sich unter der Annahme, daß verstärkte Handelsbeziehungen die Sowjetunion dazu bringen könnten, ihr Verhalten sowohl auf internationaler als auch auf nationaler Ebene zu mäßigen.
Indessen brachten verstärkte Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und
West die Sowjetunion nicht von ihrem Abenteurertum ab, wie dies durch den Einsatz kubanischer Truppen in Afrika durch Moskau und durch die sowjetische Invasion in Afghanistan bewiesen wurde. Zugleich wurde deutlich, daß die Sowjetunion den Handel mit dem Westen dazu nützte, ihre militärischen Kapazitäten
zu verstärken.
Im Gefolge der sowjetischen Invasion Afghanistans waren die Vereinigten
Staaten darum bemüht, Exportkontrollen bei Gütern, die für die nationale
Sicherheit von Bedeutung waren, zu verstärken und ihren Verkauf an die Sowjetunion einzuschränken.
Gemäß dem Exportgesetz von 1979 und der hierdurch dem Präsidenten zugewiesenen Vollmacht, kontrolliert das amerikanische Handelsministerium den
Export strategischer Güter und technischer Daten.
Dieses Exportgesetz sieht die Kontrolle für strategische Güter und Technologie vor, die "einen bedeutsamen Beitrag zum militärischen Potential eines
anderen Landes oder einer Vereinigung von Ländern leisten und die sich als
schädlich für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten erweisen würden."
Die vom Handelsministerium kontrollierten strategischen Güter sind auf
der "Commodity Control List" (CCL) zusammengefaßt. Die meisten der Produkte,
die rein militärische Anwendung haben oder speziell für den militärischen Einsatz entworfen sind, tauchen auf der "U.S.-Munitions List" auf, die vom Außen- 4 -

�vom Außenministerium geführt wird.
Die meisten Exporte laufen unter der "allgemeinen Lizenz-Vollmacht", die
eine Ausfuhr erlaubt, ohne daß vom Exporteur verlangt wird, einen Lizenzantrag
zu stellen.

Güter, die auf der CCL-Liste stehen und einer förmlichen Erlaubnis

bedürfen, welche den Export eines bestimmten Produktes an einen namentlich genannten Empfänger in einem bestimmten Land und zu eindeutigem Gebrauch freigibt, fallen unter drei Kategorien:
- Güter, die potentiell beträchtlich zu den militärischen Kapazitäten eines
möglichen Gegners beitragen. Die meisten dieser Güter werden multilateral
durch COCOM kontrolliert. Einige wenige Produkte werden unilateral kontrolliert, weil sie entweder einzig in den Vereinigten Staaten zu haben sind oder
weil sie als besonders sensitiv angesehen werden und dadurch einer strengeren
Kontrolle bedürfen, als COCOM dies angemessen scheint.
- Objekte, die aus außenpolitischen Gründen einer Kontrolle unterliegen
wie etwa Geräte und Einrichtungen auf dem Nuklearsektor, kriminaltechnisches
Gerät; außerdem Kontrollen im Zusammenhang mit Gesetzgebungsvorbehalten im
Bereich der Menschenrechte, des internationalen Terrorismus und anderen Problemkreisen.
- Erdöl- und erdölbezogene Produkte, die aufgrund ihrer Knappheit kontrolliert werden.
Das Exportgesetz gibt dem Präsidenten die Vollmacht, "den Export aller
Güter oder Technologien zu verbieten oder zu beschneiden, die der Gesetzgebung
der Vereinigten Staaten unterliegen oder von einer Person exportiert werden,
die der Gesetzgebung der Vereinigten Staaten unterliegt." Die Formulierung
"Person, die der Gesetzgebung der Vereinigten Staaten unterliegt" soll alle
ausländischen Zweigstellen oder Tochterfirmen inländischer Konzerne einschließen,
die von diesen kontrolliert werden.
Am 29. Oktober

�Am 29. Oktober 1981 verhängte die Reagan-Administration Sanktionen
für den Export von Erdöl- und Erdgasausrüstung und entsprechender, fortschrittlicher Technologie in die Sowjetunion - in Reaktion auf die Rolle,
die die UdSSR bei der Verhä'ngung des Kriegsrechts in Polen gespielt hatte.
Zudem wurde die Lizenzerteilung bei kontrollierten Exporten in die Sowjetunion suspendiert.
Angesichts mangelnder echter Verbesserung der internen Lage Polens
weiteten die Vereinigten Staaten im Juni 1982 die Sanktionen aus und schlössen den Export von Ausrüstung und Technologien ein, die zwar ausländischen
Ursprungs sind, aber von Auslandsfirmen kommen, die amerikanischen Firmen ge
hören oder von ihnen kontrolliert werden, sowie ausländische Produkte, die
auf amerikanischer Technologie basieren, die einem Lizenz- oder Patentabkommen unterworfen sind. Die Reagan-Administration erklärte, daß diese Exportkontrollmaßnahmen notwendig seien, um die außenpolitischen Interessen der
Vereinigten Staaten zu fördern.

+ + + + +

�42

27. Oktober 1982

300 JAHRE DEUTSCHE SIEDLUNGSARBEIT IN AMERIKA
- Gemeinsame Resolution des US-Kongresses -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Kongreß hat eine gemeinsame Resolution verabschiedet, in der der Beginn deutscher Siedlungsarbeit in Amerika
vor 300 Jahren gewürdigt und das kommende Jahr zum Jahr des Gedenkens an dieses Ereignis proklamiert wird.
Die von beiden Häusern des Kongresses verabschiedete Resolution hat folgenden Wortlaut:

Gemeinsame Resolution
zur Proklamierung des Zeitraums 1. Januar 1983 - 31. Dezember 1983 zum Gedenkjahr des Beginns deutscher Siedlungsarbeit in Amerika vor 300 Jahren.
In Anbetracht der Tatsache, daß sich am 6. Oktober 1983 der Beginn deutscher Siedlungsarbeit in Amerika - und zwar in Philadelphia, Pennsylvania zum 300. Male jährt;
angesichts des'sen,

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�angesichts dessen, daß mit diesem Datum die unschätzbaren menschlichen,
wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Beiträge für dieses
Land seitens Millionen deutscher Einwanderer im Laufe der letzten drei Jahrhunderte begannen;
nachdem die Vereinigten Staaten von Amerika und die Bundesrepublik
Deutschland heute ihre enge Freundschaft fortführen, die auf den gemeinsamen
Werten der Demokratie, der garantierten Freiheit des Einzel menschen, der Duldung persönlicher Meinungsunterschiede und der Ablehnung des Totalitarismus
gründet, und
nachdem es angebracht ist, dieses historische Ereignis in einer Weise
zu begehen, die die deutsch-amerikanische Freundschaft würdigt und die demokratischen Werte, die uns verbinden, in den Mittelpunkt stellt, sei es vom
Senat und Repräsentantenhaus des hier versammelten Kongresses der Vereinigten
Staaten von Amerika beschlossen, daß der Zeitraum, der am 1. Januar 1983
beginnt und am 31. Dezember 1983 endet, hiermit zum Gedenkjahr des Beginns
deutscher Siedlungsarbeit in Amerika bestimmt wird und daß der Präsident ermächtigt und ersucht wird, eine Proklamation zu erlassen, in der die Bevölkerung der Vereinigten Staaten aufgefordert wird, dieses Jahr mit angemessenen
Feiern und Aktivitäten zu begehen.
Als konkreten Beweis unserer Verpflichtung für ein dauerhaftes deutschamerikanisches Verhältnis und als feierlichen Auftakt dieses Gedenkjahres
unterstützen wir nachhaltig die Initiative des Präsidenten für den Jugendaustausch und insbesondere das Konzept eines deutsch-amerikanischen Schüleraustausches, wie er von den Mitgliedern des Kongresses der Vereinigten Staaten
und des Deutschen Bundestages gefördert wird, und sprechen uns mit Nachdruck
für einen Aufenthalt in Gastfamilien des jeweiligen Landes aus.

+ + + + +

- 2 -

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                    <text>27. Oktober 1982

MITTELAMERIKA: DER WEG ZUM FRIEDEN
- Von Thomas 0. Enders

Rede des Unterstaatssekretärs für
Interameri kanisehe Angelegenheiten
vor dem Commonwealth Club, San Franzisko,
am 20. August 1982

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�SAN FRANZISKO (AD) - Mit jeder neuen Krise zeigen sich die Hindernisse,
die einem Frieden in Mittelamerika entgegenstehen, mit verschärfter Deutlichkeit. In Mittelamerika gibt es - sowohl zwischen den einzelnen Staaten als
auch innerhalb dieser Staaten - tiefe politische Gräben. Gewaltige wirtschaftliche Schwierigkeiten erschüttern zusammen mit der weltweiten Rezession die
Volkswirtschaften, die schon durch die hohen ölpreise und durch interne Ineffizienz geschäwcht sind. Und zu Bruchstellen führen auch die sozialen Spannungen, wobei das Bevölkerungswachstum die öffentlichen Einrichtungen aufs
Höchste belastet und die Erwartungen der Öffentlichkeit weit über das hinausschießen, was aufgrund der historischen Gegebenheiten möglich ist.
Aber die gewaltsamen Verstrickungen, die schon so viele Menschenleben
gefordert haben, verweisen direkt auf zwei extreme Methoden zur Lösung dieser
Probleme.

Die eine ist die der gewaltsamen Rechten, nämlich die sozioökono-

mischem Probleme zu ignorieren und - sollte dies unmöglich sein - diejenigen
niederzuschießen, die die Botschaft der Verzweiflung überbringen.

Die andere

ist die der gewaltsamen Linken, nämlich die Ungerechtigkeiten übergroß darzustellen und Konfrontationen zu provozieren, damit ihr Vorgehen, sich den Weg
an die Macht frei zuschießen, den Anstrich des Vernünftigen erhält.
Die Hartnäckigkeit, mit der die extremistischen Minderheiten versuchen,
die Probleme der Region unter Einsatz von Gewalt zu lösen, beherrscht das Bild,
das die Welt draußen von Mittelamerika hat. Aber die Wirklichkeit Mittelamerikas in den vergangenen drei Jahren ist vielmehr die, daß erst die Rechte
und jetzt auch die Linke ständig an Boden bei jenen verlieren, die der Überzeugung sind, daß Demokratie und Herrschaft des Rechts - und nicht Gewalt - der
einzig mögliche Weg zum Fortschritt sind.
Ein Überblick

�Ein Überblick
Ich möchte in aller Kürze diesen Weg aufzeigen.

Er bietet eine Mög-

lichkeit für echte Chancen, die sich jetzt abzeichnen, um ein Ende der Gewalt
zu erreichen und Frieden zu schaffen.

Wir waren es gewohnt, Mittelamerika als

eine Häufung von verachtenswerten Diktaturen anzusehen.

Und nimmt man Costa

Ricas stabile Demokratie aus und akzeptiert das etwas grobe Stereotyp, dann
stimmte das ja auch.

Das bedeutet nicht, daß es kein wirtschaftliches Wachstum

oder sozialen Wandel gegeben hätte.

Ja, oft genug kam es zum Zusammenprall

zwischen kräftigem Wirtschaftswachstum und sozialem Wandel einerseits und starren, unbeweglichen und manchmal repressiven politischen Institutionen andererseits.
Die alte Ordnung zerbrach mit der Flucht Somozas im Juli 1979.
Jahre lang hatten die Somozas Nicaragua beherrscht.

über 40

Aber Schritt für Schritt

verlor das Regime an Unterstützung - durch die Kirche, die Presse, die Geschäftswelt, die freien Berufe.

Und viele der Söhne und Töchter dieser Schichten gin-

gen in die Berge oder auf die Straße, so daß das Regime zuletzt Krieg gegen
sein eigenes Volk führte.
Nur ein paar Monate später wurde das repressive Regime des General Romero
in El Salvador, das das Land seit den dreißiger Jahren beherrscht hatte und
letztes Glied in einer Reihe von Militärregierungen war, von einer Gruppe junger
Offiziere gestürzt, die sich zur Schaffung demokratischer Institutionen und
zur Reform des furchtbar ungerechten Systems des Landbesitzes verpflichtet
hatten.
Es ist eine der bedauerlichen Regeln der Geschichte, daß Extremismus
neuen Extremismus ausbrütet.

Statt in der Schwächung der traditionellen Dik-

taturen eine Möglichkeit zur Errichtung einer Demokratie zu sehen, steigerten
der Fall Somozas und die Probleme anderer etablierter Regierungen nur den
Appetit der Radikalen - mit Motivationen, die von der Utopie bis zum Zynismus
reichten.

In Nicaragua begann eine entschlossene Gruppe marxistisch-leni-

nistischer Ideologen,

mit kubanischer Hilfe ihr Machtmonopol zu konsolidie- 2 -

�zu konsolidieren und das größte militärische Machtinstrument in der Geschichte
Mittelamerikas aufzubauen.
In der Überzeugung, daß ihre eigene Macht nur durch die Installierung
ähnlicher Regierungen in Mittelamerika gesichert würde, verbanden sich Nicaraguas neue caudillos mit Kuba, um die gewaltsame Linke in El Salvador auszubilden und mit Material zu versorgen, unternahm diese doch den Versuch, die
Macht durch Ausnutzung jener Wirren zu ergreifen, die durch den Zusammenbruch
der traditionellen Ordnung und die Reformanstrengungen der neuen Regierung freigesetzt worden waren.
Die gewaltsame Linke Mittelamerikas stürmte die Bühne mit dem Anspruch,
die Geschichte selbst sei auf ihrer Seite.
tische Vorteile.

Diese Behauptung hatte zwei prak-

Der eine war psychologischer Natur.

Die Kombination von

Uninformiertheit und Abscheu, mit der die Welt draußen Mittelamerika betrachtete, ermöglichte es den hauptsächlich in den Künsten des Terrors ausgebildeten Männern und Frauen, sich selbst als Befreier darzustellen.
militärischer Natur.

Der andere war

Die Streitkräfte der Regierung waren sicherlich autori-

tär, aber sie waren zugleich auch schwach, an die Kasernen gebunden und auf
internationaler Ebene isoliert.

Von 1979 an wurden die Armeen Nicaraguas,

El Salvadors und Guatemalas von der amerikanischen Ausbildung und von amerikanischen Lieferungen abgeschnitten.
Rica über keine Armee.

Damals, genau wie heute, verfügte Costa

Im Gegensatz hierzu konnten sich die Guerillastreit-

kräfte auf örtliche Entfremdung, starke Unterstützung durch Kuba - bei Ausbildung, Waffen und Propaganda - sowie auf die Hilfe von Terroristen aus Südamerika und sogar aus dem Nahen Osten verlassen.
Die Ironie des Schicksals wollte es, daß diese Vorteile sich ins Gegenteil verkehrten.

Zu sehr davon überzeugt, daß ihre Sache bei der Öffentlichkeit

Anklang fände, und zu großes Vertrauen auf Waffenlieferungen von außen brachte
die Guerilla von El Salvador dazu, bei ihrer Strategie den militärischen Weg
einzuschlagen.

Im Frühjahr 1981 startete sie eine "Schlußoffensive", die

kläglich scheiterte.

Im März 1982 versuchte sie, Wahlen zu verhindern und pro-

vozierte stattdessen eine massive Wahlbeteiligung, durch die all das zurückge- 3 -

�das zurückgewiesen wurde, wofür die Guerilla stand.

Und wenn auch noch

immer ein großer Prozentsatz ihrer Mitglieder weiterkämpft, so hat sie sich
doch als eine destruktive Minderheit enthüllt, die von der salvadorianischen
Gesellschaft abgelehnt wird.
Ähnliche Fehleinschätzungen haben auch die Herrschaft der Sandinisten
in Nicaragua moralisch in Mißkredit gebracht.

Mit der Zeit stießen die San-

dinisten all diejenigen zur Seite, deren Opfer dazu beigetragen hatten,
Somoza zu Fall zu bringen - die freie Presse, die Kirche, die politischen
Parteien, die Gewerkschaften und den Privatsektor.

Rund 2000 Militär- und

Sicherheitsberater aus Kuba und aus dem Ostblock sind zur Führung des Regimes
gestoßen.

Die Enttäuschung macht sich inzwischen auch unter den Helden der

Sandinista - wie etwa bei Eden Pastora, dem "Commandante Cero" - breit, kommt
es doch nun sogar zu offener Unterdrückung der religiösen Führung und der
ethnischen Minderheiten - ausgerechnet jener Gruppen, deren Schutz das Wesen
des Pluralismus ausmacht.
holen.

Die Geschichte

fängt an, sich selbst zu wieder-

Wahlen wurden verschoben, immer häufiger kommt es zu Demonstrationen,

und einige Gruppen greifen sogar schon zu den Waffen.

Das neue Regime

Nicaraguas verwandelt sich in eine neue Diktatur, wiederum gestützt auf eine
privilegierte und bewaffnete Kaste.

Wie schon das Regime Somozas fängt auch

die jetzige Regierung Nicaraguas an, einen Krieg gegen ihr eigenes Volk zu beginnen.

Alternativen zur Gewalt
Dort, wo die gewalttätige Linke über den Isthmus hinwegstürmt, zieht
auch ihr

traditioneller Rivale, die gewalttätige Rechte, ihren Vorteil daraus.

Als vor fast drei Jahren die Militärregierung von El Salvador gestürzt wurde,
kam es zu Herausforderungen der neuen reformerischen Junta nicht nur durch
die Guerilla der extremen Linken, sondern auch durch die extreme Rechte mit
ihren Todesschwadronen und einigen Elementen der Sicherheitskräfte.
gebnis war eine Explosion der Gewalt.

Das Er-

Vor 18 Monaten verloren zwischen 600

und 2000 Zivilisten pro Monat ihr Leben - je nachdem, welche Zahlen welcher
- 4 -

�Zahlen welcher Seite man für richtig hält.

Das Land lag in der Agonie poli-

tischer Gewalt.
Diese Krankheit ist noch immer nicht geheilt.
Ansteckungsgefahr in den Griff bekommen.

Aber man hat ihre tödliche

In den vergangenen Monaten beliefen

sich die Todesfälle in der Zivilbevölkerung auf etwa 300 bis 500 im Monat wiederum hängen diese Zahlen davon ab, wem man Glauben schenken soll - und
scheinen ständig weiter zurückzugehen.

Sicherlich, noch immer ist dies ein

furchtbarer Blutzoll in einem Land, das nur fünf Millionen Einwohner hat, aber
300 bis 1500 Tote im Monat weniger sind ein Schritt in die richtige Richtung,
das ist nicht zu bestreiten.
Warum geht die politisch motivierte Gewalt in El Salvador zurück? Teilweise ist dies wohl auf die Tatsache zurückzuführen, daß die neue Reformregierung sich konsolidiert, allmählich die Gewalttätigkeit der Guerilla eingedämmt und ihre Autorität über die Sicherheitskräfte erhöht hat, wobei schrittweise ein Klima geschaffen wurde, in dem die Gewalt immer weniger nützt, auch
wenn sie noch nicht in ausreichendem Maß abgeschreckt, kontrolliert und bestraft wird.
Aber vielleicht kommt noch etwas viel Wichtigeres hinzu.

Die sich lang-

sam entwickelnden demokratischen Institutionen bieten - als Mittel des politischen Ausdrucksvermögens - eine Alternative zur Gewalt.

In den Märzwahlen

stellten sich sechs Parteien, von der extremen Rechten bis Mitte links, in
einem Wahlkampf, der zwar nicht gänzlich gewaltfrei war, aber doch auch nicht
entscheidend von Gewaltanwendung geprägt war.

Die neue Demokratie in El

Salvador tut, was ihr zu tun aufgegeben wurde - ein funktionierendes politisches System zu schaffen, in dem sich ein breites Spektrum von Kräften und
Fraktionen betätigen kann.
Gleichzeitig bot eine breitangelegte Bodenreform zum erstenmal den
campesinos eine echte Beteiligung am gesellschaftlichen Leben an.

Rund 20

Prozent des nutzbaren Bodens ging von etwa 2000 bisherigen Besitzern, viele
von ihnen lebten nicht einmal auf ihrem Eigentum, auf 60 000 arme Landarbeiter
- 5 -

�arme Landarbeiter und deren Familien über.
Die vielleicht einschneidendste Maßnahme in Richtung auf einen Fortschritt ist die Umwandlung des Militärs: Aus einer Institution, die dem
Status quo verschrieben war, wird eine, die an der Spitze der Bodenreform
steht und die konstitutionelle Demokratie unterstützt.
Dieser Wandel hin zur Demokratie beschränkt sich nicht auf El Salvador.
Im November 1981 brachte eine gewaltige Wahlbeteiligung in Honduras nach vielen
Jahren der Militärherrschaft eine neue demokratische Regierung an die Macht.
Im Februar dieses Jahres bestätigte ein ähnlicher Wahlausgang die Demokratie
in Costa Rica und brachte die sozialdemokratische Opposition an die Regierung.
Es war kein Zufall, daß - genau wie in El Salvador - praktisch weder im demokratischen Costa Rica noch in Honduras die extreme Linke bei den Wahlen Unterstützung in der Öffentlichkeit fand.
Inzwischen verdrängte in Guatemala ein Staatsstreich eine repressive
Regierung, die von der organisierten Guerilla mit immer bedenkenloserer Gewalt bekämpft wurde. Und obgleich die neue Regierung noch immer eine Militärregierung ist, so gingen die Mißbräuche staatlicher Stellen doch stark zurück,
sind Wahlen zu einer verfassungsgebenden Versammlung im Gespräch und wurden
die alten Feindseligkeiten und das bisherige Mißtrauen gegen die Landbevölkerung
von Anstrengungen abgelöst, ihnen die Mittel bereitzustellen, ihre Gemeinschaften
zu entwickeln und zu verteidigen.
Mit einem Wort, es gibt jetzt Alternativen zu den gewalttätigen Extremen,
wie sie Mittelamerika in der Vergangenheit kannte.

Die Rolle der Vereinigten Staaten
Die Vereinigten Staaten haben bei der Förderung solcher Alternativen eine
überaus wichtige Rolle gespielt.

Etwas verspätet vielleicht und zunächst un-

gleichmäßig, aber mit einer Beständigkeit, die angesichts der Tatsache umso
- 6 -

�Tatsache umso eindrucksvoller ist, daß wir unter zwei doch recht verschiedenen
amerikanischen Administrationen unseren grundlegenden Kurs beibehalten haben,
legten wir unser ganzes Gewicht in die Waagschale für das Wohlergehen und die
Sicherheit unserer Nachbarn.
Unsere Anstrengungen konzentrierten sich dabei zum größten Teil auf den
wirtschaftlichen und politischen Bereich.

Nicht weniger als 85 Prozent aller

vom Kongreß gebilligten oder von ihm geforderten Hilfsmittel für die Haushaltsjahre 1981 bis 1983 sind wirtschaftlicher Natur.

Um die Länder Mittelamerikas

in die Lage zu versetzen, in Zukunft auf eigenen Beinen zu stehen, schlug der
Präsident ein innovatives Programm der Zollkonzessionen und der Steueranreize
vor - die Initiative für das Karibische Becken -, die derzeit dem Kongreß zur
Begutachtung vorliegt.

Ihre Verabschiedung würde für Vertrauen und Frieden in

dieser Region einen entscheidenden Impuls bedeuten.
Von gleicher Wichtigkeit ist unser politisches Engagement. Die Agrarreform war eine Idee El Salvadors, aber sie hätte 1980 nie einen erfolgreichen
Beginn erlebt, wenn wir sie nicht unterstützt hätten. Und sie hätte sehr wohl
dieses Frühjahr sterben können, wenn wir nicht unsere Unterstützung fortgesetzt hätten. Die Wahlen in Honduras und in El Salvador entwickelten sich
gleichfalls aus lokalen Bestrebungen - aber auch sie hätten leicht in die falsche Richtung gehen können, hätten wir uns nicht so sehr dafür eingesetzt.
Und schließlich sind die Menschenrechte kein Import aus den Vereinigten Staaten:
Es ist die überwältigende Mehrheit der Mittelamerikaner selbst, die sich nach
einem Ende der Rechtlosigkeit sehnt. Aber wir sind der Überzeugung, daß unser
ständiger Einsatz eine Hilfe dabei war, daß es dort Fortschritte bei der Eindämmung der Mißbräuche im Bereich der Menschenrechte gab.
Gleichzeitig haben wir aber auch die legitimen Ansprüche im Bereich der
Sicherheitshilfe nicht übersehen.

Angesichts der Guerillaoffensive in El

Salvador und in der Erkenntnis, daß ein kommunistisches Netz Waffen und Munition zur Unterstützung dieser Offensive ins Land brachte, bewilligte Präsident
Carter Militärverkäufe an El Salvador.
weiterhin Militärhilfe.

Präsident Reagan gewährt ebenfalls

Dabei handelt es sich hier ebenfalls um weit geringere
- 7 -

�weit geringere Mittel als etwa bei der Wirtschaftshilfe und in anderen Bereichen.
Wir haben weder den Wunsch noch die Absicht, den Konflikt zu verlängern
oder auszuweiten - im Gegenteil.

Aber wir können und werden nicht untätig

beiseitestehen und - weder in El Salvador noch andernorts - zusehen, wie international anerkannte Regierungen bei ihren Reformen, die wir unterstützen, unausgebildete Rekruten mit unzureichender Ausrüstung in den Kampf gegen eine
Guerilla schicken müssen, die in Kuba ausgebildet und von außen versorgt und
koordiniert wird.
Aus dem gleichen Grund leisten wir begrenzte Militärhilfe auch an Honduras,
das zu einem neuen Ziel des Terrors und der bewaffneten Einschüchterung durch
Kuba und Nicaragua geworden ist.

Sogar Costa Rica, ein Land ohne jede Armee,

ist an uns herangetreten, um über Sicherheitshilfe zu sprechen.

Auch das Volk

dort fürchtet die Bedrohung durch ein aggressives Nicaragua, dessen militärische
Macht rasch zunimmt und das dazu entschlossen ist, die gewalttätige Revolution
zu exportieren.

Was zu tun bleibt
Wenngleich schon viel erreicht wurde, so bleibt doch noch viel zu tun.

In

El Salvador muß die demokratische Umwandlung zu einem erfolreichen Ende kommen,
Präsidialwahlen müssen abgehalten, das Rechtssystem muß wieder erneuert, die
Bodenreform verteidigt werden, Gewalt und Zerstörung müssen ein Ende haben und
die noch immer gefährliche Guerilla gilt es davon zu überzeugen, daß sie nicht
mit Waffengewalt an die Macht kommen kann, sondern daß sie um diese Macht an
den Wahlurnen ringen muß.
In Guatemala muß mit der demokratischen Umwandlung begonnen werden, müssen die Übergriffe gegen Indianer und andere Landbewohner aufhören und müssen
die campesinos in die Lage versetzt werden, sich in Frieden zu entfalten.
In Honduras

�In Honduras und Costa Rica, in El Salvador und Guatemala müssen schwache,
bankrotte oder fast bankrotte Volkswirtschaften wieder in Schwung gebracht
werden; man muß ihnen dabei helfen, wieder für neue Investitionen und Handel
attraktiv zu werden.
In Nicaragua gilt es, einen Weg zu finden zurück von einer immer größeren
Macht- und Militärkonzentration - und weg von der immer stärkeren Unterdrückung
der eigenen Bürger und der immer höheren Gefahr für die Nachbarländer.
Von all diesen Problemen ist Nicaragua das quälendste.

Es war die neue

Regierung der Sandinisten, die den Konflikt in Mittelamerika dadurch ausweitete,
daß sie die Gewalt in El Salvador unterstützte.

Daniel Ortega, einer der Füh-

rer der Sandinista, hat einmal zu mir gesagt, daß die FMLN (die Farabundo
Marti National Liberation Front), die Guerilla-Koalition in El Salvador,
"nuestro escudo",

Nicaraguas Schild

sei.

Und so hat die Unterstützung für

die Sandinisten bisher auch nicht nachgelassen.

Das Hauptquartier der FMLN

befindet sich in Nicaragua; sie erhält logistische Unterstützung von Nicaragua,
vor allem durch Lieferungen per Flugzeug und per Schiff, aber auch auf dem Landweg.

Und auch ihre Ausbildungslager befinden sich in Nicaragua.
Und jetzt überzieht Nicaragua auch Costa Rica und Honduras mit Gewalt.

Während immer mehr Bürger Nicaraguas mit ihren Füßen abstimmen - 13 000
Miskito- und Sumo-Indianer und Tausende von ehemaligen Sandinisten sind jenen
in den Schutz der Nachbarländer gefolgt, die ebenfalls gegen die Sandinisten
stehen -, fängt Managua an, seine Nachbarn zu bedrohen und Druck auf sie auszuüben.

Im Stadtzentrum von San Jose organisierten Angehörige des nicaragua-

nischen Geheimdienstes, die von der Botschaft ihres Landes aus tätig sind, den
Terrorismus, einschließlich der Sprengung des Büros einer Luftlinie, während
die Truppen Nicaraguas das Territorium Costa Ricas unsicher machen und Kleinbauern bedrohen, und nicaraguanische Flugzeuge den Luftraum des Landes verletzen.

In Tegucigalpa legte die von den Sandinisten unterstützte salvadoria-

nische FMLN das Elektrizitätssystem der Hauptstadt durch eine Sprengung lahm,
während Nicaragua Honduras offen bedroht, indem es seine Armee und Miliz mobilisiert und Truppen entlang der Grenze zu Honduras verlegt.
Was kann
- 9 -

�Was kann getan werden, um Alternativen zu dieser unverantwortlichen
Ausbreitung der Gewalt zu entwickeln und zu fördern?

Es ist offensichtlich,

daß es keine Alternative zu militärischer Bereitschaft und zur Aufrechterhaltung der Sicherheit gibt, solange gewalttätige Minderheiten von innen - oder
feindliche Nachbarn von außen - sich das Recht zur Anwendung von Gewalt anmaßen.

Die Vereinigten Staaten werden ihren Freunden in dieser Region dabei

helfen, sich selbst gegen diese beiden Bedrohungen zu verteidigen, solange es
notwendig ist.
Aber diese Reaktion allein ist nicht ausreichend.

Wir müssen alle Mög-

lichkeiten zur Aussöhnung und zum Frieden auszuschöpfen suchen.

Seine Heilig-

keit Papst Johannes Paul II. betonte dieses moralische Gebot kürzlich in Briefen an die Bischöfe Nicaraguas und El Salvadors.
er zu Versöhnung und Einigkeit auf.

In beiden Schreiben rief

Der Brief an Nicaragua wurde von den

Sandinisten zensiert, die zunächst offiziell seine Veröffentlichung verhinderten, dann jedoch ihre Meinung änderten. In seinem Brief an El Salvador erklärte der Papst, nachdem er die "neuen institutionellen Perspektiven, die
sich jüngst durch die Wahlen eröffnet haben", erwähnte, daß "eine unabdingbare Voraussetzung für eine Schlichtung die Einstellung aller Feindseligkeiten
und der Verzicht auf den Einsatz von Waffen" ist.
Das ist kein unmöglicher Traum. Möglichkeiten stehen zur Verfügung, um
der Vision des Papstes Substanz zu verleihen. Am deutlichsten zeigen sich die
Möglichkeiten für eine Aussöhnung in El Salvador. Aus den Qualen dieses Landes erstand eine verfassungsgebende Versammlung, eine vorläufige Koalitionsregierung und eine Verpflichtung zu weiterer Demokratisierung. Ein Teil der
Kräfte, die bisher an gewaltsamen Lösungen Gefallen gefunden hatten - vor allem die Kräfte der extremen Rechten -, fängt an, sich an das Gesetz zu halten
und am politischen Prozeß teilzunehmen. Andere - hauptsächlich von der extremen Linken - wiederum müssen noch einen Weg finden, um von ihrer Verpflichtung zur Gewalt loszukommen.
Die neue Regierung in El Salvador hat die Chance erkannt.

Am 3. Au-

gust fanden sich die Führer der politischen Parteien auf Anregung von Präsi- 10 -

�von Präsident Magana zusammen, um einen gemeinsamen Plan zu verabschieden,
der die Uneinigkeit in El Salvador zu einem Ende bringen soll.

Eins der

wichtigsten Elemente dieses Plans ist die Schaffung einer neuen Friedenskommission.

Diese Kommission soll Institutionen, Gruppen und angesehene Persön-

lichkeiten umfassen, die die Voraussetzungen für den Frieden untersuchen und
Lösungen vorschlagen sollen.

Gemeinsam mit ähnlichen neuen Kommissionen für

Menschenrechte und für den politischen Prozeß ist die Friedenskommission ein
weiterer, wichtiger Schritt in Richtung auf eine nationale Aussöhnung.
All dies sind überaus positive Zeichen. Wichtig ist, daß ernsthafte
Anstrengungen unternommen werden. Eine Amnestie muß echte Sicherheit bieten
- mit Beteiligung der Kirche und internationaler Organisationen. Und ein
Dialog muß aus Reden und Zuhören bestehen, wobei den Kritikern Gelegenheit
geboten wird, weiter zu erklären, wie sie sich an den neuen demokratischen
Institutionen beteiligen könnten. Die Vereinigten Staaten hoffen sehr, daß
die neue Regierung in diesem so überaus wichtigen Bereich rasch und einfallsreich vorangeht.

Regionalvorschläge
Den Frieden auf einer regionalen Basis zu schaffen, ist sogar noch schwieriger. Die Ordnung unter den Staaten macht Ordnung innerhalb der Staaten ebenso notwendig wie Vereinbarungen, die deren territoriale Integrität und nationale Identität respektieren. Die Regionalisierung der Spannungen kommt von
den Krisen überall in dieser Gegend.
Auch hier gibt es Grundlagen für Fortschritte. Zwar sind die Probleme
zu vielschichtig, um raschen, einfachen Lösungen zugänglich zu sein. Aber es
gibt eine Vielzahl von Einzelvorschlägen und von Möglichkeiten, um bestimmte
Aspekte des Problems in den Griff zu bekommen.
Honduras hat einen Vorschlag unterbreitet, der Frieden mit Nicaragua
bringen könnte, wobei ein Ende des Eindringens über die Grenze hinweg gefordert
- 11 -

�hinweg gefordert wird, ein Einfrieren der Importe schwerer Waffen sowie eine
umfassende Verifizierung.

Diese Vorschläge wurden von den Partnern Honduras

unterstützt, die der demokratischen Gemeinschaft Mittelamerikas angehören
- Costa Rica und El Salvador.
Auch die Vereinigten Staaten haben Vorschläge vorgelegt.

Seit fast

einem Jahr und besonders intensiv seit April versuchen wir, Nicaragua in einen
Dialog einzubinden.

Wir versuchen, auf die Besorgnisse Nicaraguas zu reagie-

ren und dabei zugleich auch die seiner Nachbarn sowie unsere eigenen im Auge
zu behalten.
Die Sandinisten sagen uns, sie befürchteten eine Invasion durch die Vereinigten Staaten.

Daher haben wir ihnen vorgeschlagen, ein formelles Nicht-

angriffsabkommen zu erarbeiten.

Die Sandinisten sagen zu uns, Anhänger Somozas

würden in den Vereinigten Staaten ausgebildet, um in Nicaragua einzufallen.
Wir haben ihnen versichert, daß wir das Neutralitätsgesetz voll in Anwendung
bringen, das es zu einem Verbrechen macht, von den Vereinigten Staaten aus
einen Angriff gegen ein anderes Land vorzutragen oder zum Zweck eines solchen
Angriffs zu konspirieren.
Die Sandinisten sagen uns, wir würden den Konflikt regionalisieren und
Honduras, El Salvador und Costa Rica als Basen für solcherlei, gegen sie
gerichtete Aktionen vorbereiten. Daher haben wir den Vorschlag gemacht, daß
alle Länder in Mittelamerika übereinkommen sollten, die Anzahl ihrer jeweiligen ausländischen Militär- und Sicherheitsberater zu begrenzen und daß alle
Länder sich dazu verpflichten sollten, keine weiteren schweren Offensivwaffen
zu importieren. Beide Verpflichtungen müßten natürlich einer internationalen
Kontrolle unterliegen.
Nicaragua müßte außerdem für die Besorgnisse Verständnis aufbringen,
die seine Nachbarn und wir haben.

Wir haben darauf gedrängt, daß Nicaragua

sich nicht länger in den Konflikt in El Salvador einmischt.

Die Sandinisten

sagen, sie wüßten nichts von einer solchen Beteiligung, seien jedoch hierzu
bereit.wenn wir ihnen nur die Informationen geben würden, die wir darüber
- 12 -

�wir darüber haben.

Bei unserem jüngsten Meinungsaustausch schlugen wir vor,

daß eine Verlegung der gemeinsamen Guerillahauptquartiere aus Nicaragua ein
guter Ausgangspunkt wäre und boten den Sandinisten unsere Hilfe dabei an,
sie ausfindig zu mache.

So war zum Beispiel der Punkt, von dem aus Guerilla-

operationen in El Salvador gelenkt wurden, noch jüngst in einem Vorort von
Managua.

Wir sind sicher, daß er ausfindig gemacht werden könnte, auch wenn

er innerhalb Nicaraguas hin und herverlegt wird.

Wir warten noch immer auf

eine Antwort Nicaraguas.
Desgleichen muß Nicaragua seine Terrorakte und anderen aggressiven
Aktionen gegen Honduras und Costa Rica einstellen.
Außerdem haben wir auf eine zweite Problematik hingewiesen, die die
Nachbarn Nicaraguas ebenfalls tief beunruhigt. Es handelt sich dabei um den
Trend in der Organisation und der Anwendung der Staatsgewalt in Nicaragua.
Natürlich ist es Sache Nicaraguas, darüber zu entscheiden .welche Regierungsform das Land wünscht. Niemand bestreitet das. Wir nicht; und Nicaraguas
Nachbarn auch nicht.
Aber wir meinen, wir alle haben ein Recht zu der Frage, welche Sicherheiten man uns gibt, daß die Versprechen hinsichtlich der Nichteinmischung
auch gehalten werden, wenn die Staatsgewalt in Nicaragua weiterhin in den
Händen einer kleinen, von Kuba beratenen, marxistisch-leninistischen Elite
verbleibt, die über eine immer größere Militärmacht verfügt und allen Formen
des sozialen Lebens feindlich gegenübersteht, ausgenommen der von ihr dominierten Form? Und wir haben auch ein Recht zu der Frage, was unter diesen
Bedingungen aus den international anerkannten Menschenrechten wird? Solche
Fragen sind in keinster Weise eine Verteidigung des diskreditierten Systems
eines Somoza oder eine Rückwendung dorthin. Aber eine Antwort darauf könnte
gegeben werden durch die Erfüllung der Verpflichtungen zur Demokratie und
zum Frieden in dieser Region, wie sie von den Sandinisten ursprünglich selbst
eingegangen wurden.
Die Notwendigkeit
- 13 -

�Die Notwendigkeit zum Handeln
Dies sind einige der Vorstellungen, die wir vorgetragen haben - nicht
im Sinne einer ärztlichen Verordnung, sondern um einen Dialog einzuleiten,
der auf eine Antwort stößt und ein entsprechendes Klima schafft.

Es gibt

nicht den einen Weg, der den Frieden in Mittelamerika garantiert.

Aber un-

sere gemeinsame Erfahrung zeigt, daß an vier Fronten gehandelt werden muß:
- In allen Staaten ist ein Prozeß der Versöhnung notwendig, bei dem die
Gegner an Stelle des bewaffneten Wettstreits den politischen Wettstreit
suchen.

Dazu gehört, wie seine Heiligkeit der Papst angedeutet hat,

ein Verzicht auf Gewalt und eine Beteiligung am staatsbürgerlichen
Entscheidungsprozeß.

Angesichts der tiefen Gräben in allen Ländern

erfordert dies den Respekt vor oder die Gründung demokratischer oder
zumindest pluralistischer Institutionen und die Ermutigung zu intensiver Mitarbeit in ihnen.
- Der Export von Subversion unter den Staaten sollte aufhören.

Dies

bedeutet die Beseitigung der Hauptquartiere, der logistischen Unterstützung und der Ausbildungslager von Guerillabewegungen, die außerhalb ihres Heimatlandes eingerichtet sind - sowie ein umfassende Verifizierung solcher Schritte.
- Es sollte Schluß sein mit der umfangreichen Aufrüstung, die eine Bedrohung des jeweiligen Nachbarn darstellt und das bisherige militärische
Gleichgewicht der Region durcheinanderbringt.

Es scheint, daß der ein-

fachste Weg hierzu eine Verpflichtung aller Länder in diesem Gebiet wäre,
keine weiteren Waffen wie Panzer oder Kampfflugzeuge zu beschaffen auch dies natürlich unter entsprechender Kontrolle.
- Schließlich sollte die Beteiligung des Auslands begrenzt werden - insbesondere im Bereich der Sicherheitsfragen -, damit die Region zu ihrem
eigenen, friedlichen Gleichgewicht findet.

Jedes Land sollte eine Ober-

grenze für die Anzahl fremder Militär- und Sicherheitsberater und aus- 14 -

�und ausländischer Truppen festlegen, die der Gegenseitigkeit und der
umfassenden Verifizierung unterliegen müßte.

Warum wäre hier nicht

Null die richtige Obergrenze?
Eine ganze Reihe demokratischer Länder - die Vereinigten Staaten,
Honduras, Costa Rica und andere - haben im vergangenen Jahr den Versuch gemacht, in einen Dialog mit Nicaragua einzutreten; bisher mit wenig Erfolg.
Aber wir sollten diesen Gedanken nicht aufgeben. Vielmehr sollten die demokratischen Länder zusammenfinden und sehen, ob sie nicht eine gemeinsame
Haltung erarbeiten können. Die Bausteine für einen Frieden sind vorhanden.
Die Frage ist, wie man sie zusammensetzen sollte.
In der Vergangenheit haben die Vereinigten Staaten im allgemeinen Mittelamerika vernachlässigt - und nur Truppen geschickt, wenn die Lage prekär
wurde. Heute sind die amerikanischen Truppen keine Lösung mehr. Nützen kann
nur noch eine anhaltende amerikanische Verpflichtung - nicht nur dabei, wenn
es um Hilfe geht, die Gewalt zu besiegen oder die Volkswirtschaften wieder in
Ordnung zu bringen und zu entwickeln, sondern wenn es darum geht, die demokratischen Institutionen zu fördern. Denn unsere Erkenntnisse des 20. Jahrhunderts sagen uns, daß Regierungen, die sich in Wahlen dem Volk stellen müssen, nicht lange dessen Menschenrechte mit Füßen treten können. Und sie bedrohen auch nicht oft ihre Nachbarn.
Ich gestehe Ihnen zu, daß dies eine gewaltige Aufgabe ist. Aber in
einer Region, die für uns wegen ihrer strategischen Lage, ihrer Nähe und wegen unserer menschlichen Bindungen zu ihr so wichtig ist, gibt es keinen anderen Weg. Wir können nicht einfach vor den Problemen davonlaufen.

- 15 -

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Infoimatio
und
Dokumente! io
United States Information Service
Embassy of the United States of America

3. November 1982

43

h

INHALT

DOKUMENTATION
Weinberger:

Nukleares Einfrieren würde Abschreckung schwächen

- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 28. Oktober 1982 US-Sicherheitsberater umreißt außenpolitische Ziele der
Reagan-Admi ni strati on

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Ernährung und Krebs
- Ein Faktor von vielen, der die Gesundheit beeinflußt -

/

Wachstumsfaktor für Knochenzellen
- Protein-Wirkstoff aus menschlichem Knochengewebe isoliert
Von G. Weiss

Um Über/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�43

3. November 1982

WEINBERGER: NUKLEARES EINFRIEREN WÜRDE ABSCHRECKUNG SCHWÄCHEN
- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 28. Oktober 1982 -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
Weinberger hat am 28. Oktober 1982 i'iterstrichen, daß ein Einfrieren der
Nuklearwaffen

das Risiko eines Krieges nicht vermindern, sondern eher

Verhandlungen über einen Rüstungsabbau verhindern könnte. Weinberger
traf diese Feststellung auf einer Pressekonferenz in Washington. Er
äußerte sich ferner zur Situation im Libanon, wobei er darauf hinwies,
daß die Vereinigten Staaten sich zur Unterstützung des Wiederaufbaus
der wirtschaftlichen und militärischen Stärke des Libanon verpflichtet
hätten; allerdings müsse die genaue Rolle der USA noch festgelegt werden.
Im folgenden Auszüge aus der Pressekonferenz:
Frage: Sie haben erklärt, daß die Sowjets eine überlebensfähige
Streitmacht hätten. Die meisten ihrer Gefechtsköpfe befinden sich auf
landgestützten Raketen. Wollen Sie damit sagen, daß wir heute in unserem
Arsenal über keine Waffen verfügen, die die sowjetischen Interkontinentalraketen (ICBM) in ihren Silos angreifen können?
Antwort: Nicht

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�Antwort: Nicht in einem hohen Maß an Zuversicht hinsichtlich der verbunkerten Silos, über die die Sowjets verfügen. Sie haben ihre Silos verbunkert, wie sie auch die meisten ihrer Ziele verbunkert haben. Bei uns
ist das nicht der Fall. Mit der Durchschlagskraft und der Genauigkeit,
über die wir verfügen, könnten wir keine große Zuversicht haben, jene Art
von Schaden zuzufügen, wie er für die Aufrechterhaltung einer Abschreckung
wichtig ist. Es geht hier nicht darum, das zum Einsatz bringen zu können.
Es geht vielmehr darum, daß wir die Fähigkeit besitzen, reagieren zu können, sollten die Sowjets einen Erstschlag führen - und zwar in einer Weise, die sie davon überzeugen würde, daß der Schaden, den sie hinnehmen
müßten, so groß wäre, daß sie dies an einem Erstschlag hindert. Deshalb
sind wir so besorgt über eine Aushöhlung und Unterminierung (unserer Position), und deshalb sind wir der Überzeugung, daß wir das strategische
Rüstungsprogramm des Präsidenten durchführen müssen.

Frage: Was haben Sie zu den Behauptungen des sowjetischen Staats- und
Parteichefs Leonid Breschnew zu sagen, daß die Vereinigten Staaten verantwortlich seien für den Krieg im Libanon und für die Probleme, die es
jetzt in Afrika, Asien und Mittelamerika aufgrund der aggressiven Politik
der US/1 gäbe; er hat erklärt, daß "die Vereinigten Staaten die Welt in die
Flammen eines Atomkrieges zu stürzen drohen".
Antwort: Ganz offensichtlich haben wir zu jeder dieser Erklärungen
eine ganz andere Meinung als die Sowjetunion. Nehmen wir doch nur den
Libanon. Ich meine, diese (sowjetische) Erklärung wird durch ihre eigene
Absurdität beantwortet. Wir tun doch alles, was in unseren Kräften steht,
um diese Angelegenheit zu einem Ende zu bringen und im gesamten Nahen
Osten den Frieden wiederherzustellen. Die sowjetischen Bemühungen zielen
nicht in diese Richtung.
Frage: Glauben Sie, daß die auf ein nukleares Einfrieren gerichteten
Bewegungen von Leuten ausgenutzt werden, die Amerika schächen würden?
Antwort: Ich

�Antwort: Ich meine, in erster Linie sollte man sich im Hinblick auf
die Bewegungen für ein nukleares Einfrieren darüber Sorgen machen, daß
einige Leute hier in den USA und im Ausland den Eindruck gewinnen könnten,

daß Amerika nicht mehr den Willen und die Entschlossenheit oder die

Fähigkeit hätte, eine ausreichende Abschreckungsstärke zu bewahren.
Die Probleme hinsichtlich eines Einfrierens betreffen all die Fragen,
die ich gerade dargelegt habe. Es gibt allgemein die falsche Vorstellung, daß beide Seiten einander zerstören könnten, daß jeder Über die
gleich

Anzahl von Gefechtsköpfen verfügte, und was damit noch zusammen-

hängen mag. Bei all dem wird völlig die Wirksamkeit der Abschreckung
übersehen - die einzige Möglichkeit, wie man wirklich diese Fragen beurteilen kann.
Die Wirksamkeit unserer Abschreckung ist aufgrund der Modernisierung
unterhöhlt worden, mit der die Sowjets ihre Systeme ausgestattet haben,
während bei uns dies nicht der Fall war. Wir verfügen heute über Systeme,
die allzu verwundbar sind gegenüber einem Erstschlag der Sowjets, und es
ist von entscheidender Bedeutung, daß wir sie so schnell wie möglich wieder aufbauen. Deshalb wäre ein Einfrieren so gefährlich. Ich spreche hier
überhaupt nicht über Motive. Es sind die Ergebnisse, die mir Sorge bereiten.
Frage: Ganz abgesehen von der technischen Frage der Veralterung dieser
Waffensysteme oder von politischen Fragen: Die katholischen Bischöfe dieses Landes haben einen Hirtenbrief verfaßt, in dem erklärt wird, daß
Kernwaffen schon von Grund aus sowie der Besitz dieser Waffen durch und
durch unmoralisch seien. Wenn auch die Bischöfe sagen, daß ein gewisses
Maß an Abschreckung gegenwärtig toleriert werden müsse, so erklären sie
doch auch, daß neue strategische Systeme eine Sünde darstellten, Stimmen
Sie dem zu?
Antwort: Die

�Antwort: Die Bischöfe haben mir und sicherlich auch vielen anderen
Leuten eine Kopie dieses Entwurfes zugesandt - es ist ein Entwurf. Sie haben
um Stellungnahme ersucht, und wir begrüßen das - die Gelegenheit, dazu
etwas zu sagen. Und wir werden auf viele der Punkte verweisen, die ich
hier heute dargelegt habe, daß nämlich ein Einfrieren zu diesem Zeitpunkt unserer Meinung nach die Gefahr eines Krieges erhöhen würde. Wir
denken dabei natürlich auch daran, daß seine Heiligkeit, der Papst, in
einer Botschaft an die Vereinten Nationen zu verstehen gegeben hat, daß
die Abschreckung eine moralische Politik darstellt.
Frage: Wollen Sie sagen, die Sowjetunion könnte uns bei einem Erstschlag einen so großen Schaden zufügen, daß wir nicht mehr zurückschlagen könnten?
Antwort: Was ich gesagt habe: Das Wesen der Abschreckung besteht
darin, der anderen Seite unsere Fähigkeit zu verdeutlichen, daß nach
einem Erstschlag der Schaden, der ihr zugefügt würde, so unannehmbar
hoch wäre, daß sie auf einen solchen Erstschlag verzichtet. Ich habe
keine mathematische Formel oder Regel, die mir die hierfür notwendigen,
genauen Zahlen sagt. Aber die Sicht der Sowjetunion ist von höchster Bedeutung - genau wie unsere eigene Perspektive, unsere eigene Fähigkeit,
einen Erstschlag dieser Art mit unserem zwanzig Jahre alten Raketensystem
in ungehärteten Silos und unseren zwanzig Jahre alten Bombern zu überstehen, die gegen eine sehr starke Luftverteidigung anzugehen hätten. All
dies sind für mich eindeutige Hinweise darauf, daß wir alles tun müssen,
um unsere Stärke wiederzugewinnen und sicherzustellen, daß wir über eine
angemessene, wirksame Abschreckung verfügen. Und das ist genau das, was
wir versuchen.
Frage: Gibt es Ihrer Meinung nach bei der sowjetischen Einstellung
Aspekte, die Ihnen den Eindruck vermitteln, die Sowjets seien der Meinung, sie könnten mit einem Erstschlag Erfolg haben?
Antwort: Ich
- 4

�Antwort: Ich sehe bei dem, was sie schreiben und was sie tun, Hinweise
darauf, daß sie in zunehmendem Maße zu glauben beginnen, ein Atomkrieg
sei zu gewinnen. Sie tun eine ganze Menge für den Zivilschutz, und man kann
darüber streiten, ob er wirkungsvoll ist oder nicht; aber dennoch bleibt
die Tatsache bestehen, daß sie es tun, und das ist in sich selbst ein wichtiger Punkt.
Frage: Es wird jetzt größerer Wert darauf gelegt, die konventionellen
Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der NATO in Europa auszubauen,
um damit die Abhängigkeit von den taktischen Kernwaffen zu verringern.
Welche Auswirkung würde dies auf Überlegungen hinsichtlich der Dislozierung von Gefechtsköpfen mit erhöhter Strahlung (Neutronenwaffe) haben?
Antwort: Alles, was wir im konventionellen und im strategischen Bereich innerhalb der NATO oder andernorts tun, hat zum Ziel, vor einem Angriff, einem Krieg, abzuschrecken, zeigt sich doch im konventionellen
Bereich ein Ungleichgewicht, das schwer zugunsten der Sowjets wiegt. Zur
Abschreckung braucht man genug Streitkräfte, damit die andere Seite weiß,
im Falle eines Angriffes wäre sie einem Vergeltungsschlag ausgesetzt, den
sie nicht erleiden möchte und den sie als zu schwer erachtet. Deshalb ist
es notwendig, die konventionellen Streitkräfte ebenso wie die strategischen
auszubauen. Ein anderer Aspekt kommt hinzu: Viele glauben, wenn man die
konventionellen Streitkräfte auf ein relatives Niveau der Gleichheit bzw.
ein Niveau relativer Abschreckungsfähigkeit anhebe, vermindere sich dadurch die Notwendigkeit oder die Möglichkeit jeder Art von Eskalation zu
Kernwaffen. Daher ist es aus beiden Gründen wichtig, die konventionellen Streitkräfte in der NATO und in anderen Weltgegenden auszubauen, wo
eine Disparität besteht. Die Neutronenwaffe ist lediglich eine Waffe, die
beträchtliche Kapazitäten gegen Panzer hat und über die in diesem Zusammenhang in allen NATO-Ländern Überlegungen angestellt werden.
Frage: Der

�Frage: Der Präsident hat einen Verfassungszusatz über einen ausgewogenen Haushalt vorgeschlagen. Er hat auch deutlich gemacht, daß er die
Steuern nicht weiter erhöhen will. Ist es angesichts dieser Ziele möglich, den Ausbau der Verteidigung in dem Maße beizubehalten, wie Sie
es gern hätten? Es scheint, daß irgendjemand hier etwas geben muß.
Antwort: Erinnern Sie sich daran, daß der Kongreß dem Präsidenten
zu keiner Zeit die Verringerungen bei den Ausgaben, die nicht mit der
Verteidigung zusammenhängen,gewährte, die er angestrebt hatte. Dies war
von Anfang an eines der Probleme, die mehr oder weniger Libersehen wurden.
Das Programm des Präsidenten war ein Programm, bei dem es um beträchtliche
Verringerungen bei den Zuwachsraten der Ausgaben ging - und nicht sehr
viele davon wurden vom Kongreß auch tatsächlich akzeptiert. Die Antwort
auf den anderen Teil Ihrer Frage ergibt sich schon ganz einfach aus der
Tatsache, daß man etwas tun muß, um Sicherheit, Freiheit und Frieden des
Landes zu gewährleisten. Wir sind völlig davon überzeugt, daß w v
Frieden und Freiheit underes Landes in Gefahr bringen, wenn wir nicht
wieder genügend Stärke gewinnen, damit unsere Abschreckung wirksam ist
und auch als wirksam erachtet wird. Es ist von entscheidender Bedeutung,
daß wir nur nicht so angesehen werden, als würden wir nichts tun, sondern
daß wir auch tatsächlich und rechtzeitig wieder genügend Stärke erlangen.
Das andere Problem ist, daß all diese Dinge Zeit brauchen und solche Ausgaben in einer freien, offenen, demokratischen Gesellschaft nie populär
sind. Dennoch ist es von entscheidender Bedeutung, daß man sie nicht nur
ein oder zwei Jahre lang, sondern fünf, sechs oder sieben Jahre lang vornimmt. Das ist der Preis, den wir dafür bezahlen, daß wir unsere Streitkräfte in den siebziger Jahren vernachlässigt haben. Erinnern wir uns
doch daran, daß in jener Zeit die Verteidigungsausgaben um real 19 Prozent zurückgingen, während die anderen Ausgaben um 112 Prozent in die Höhe
gingen. Dabei gab es in der Sowjetunion keinerlei Rückgang, dort gingen
die Verteidigungsausgaben weiter in die Höhe.
Meine knappe Antwort auf Ihre Frage wäre also, daß ich der Meinung

- 6 -

�der Meinung bin, wir haben das zu tun, was der Präsident in seinem Rüstungsnachholprogramm dargelegt hat. Ich glaube, es ist aufzubringen,und die
Wirtschaft kann es ohne Schwierigkeiten tragen. Erinnern Sie sich daran,
welch trübe Voraussagungen von manchen Leuten gemacht wurden, was alles
bei höheren Verteidigungsausgaben geschehen würde: Einmal hieß es, daß dies
die Inflation nur noch verstärken würde - und wir haben trotz zwei Jahren
höherer Verteidigungsausgaben eine niedrigere Inflation. Zum anderen hieß
es, daß dann die Zinsen nie sinken würden - und trotz höherer Verteidigungsausgaben sinken sie. Die Menschen machen sich zurecht über die Arbeitslosigkeit Sorgen. Aber die Verteidigungsausgaben verursachen keine Arbeitslosigkeit. Ich glaube also, die Volkswirtschaft kann sie tragen, die Erfordernisse des Landes, ja, die Ansprüche der Freien Welt erfordern sie.
Eines noch: Ich hoffe, Sie haben nicht den Eindruck, wir ignorierten die
Stimmen für ein Einfrieren der Kernwaffen oder lachten darüber. Das wäre
völlig falsch. Wir machen uns darüber sehr viele Gedanken. Wir glauben
jedoch, daß diesp Haltung falsch ist, weil sie unserer Meinung nach die
Gefahr eines Krieges erhöht. Wir werden auch weiterhin versuchen, klarzustellen, daß wir der Meinung sind, die Verabschiedung eines Vorschlages
zum Einfrieren würde das Risiko und die Gefahr eines Krieges erhöhen und
würde die Sowjets dazu ermutigen, dem Verhandlungstisch fernzubleiben
und all das zu tun, was Herr Breschnew gestern gesagt hat.

+ + + + +

�3. November 1982

43

US-SICHERHEITSBERATER UMREISST AUSSENPOLITISCHE ZIELr
DER REAGAN-ADMINISTRATION

SAN DIEGO, KALIFORNIEN - (AD) - Der Sicherheitsberater Präsident
Reagans, William Clark, hat in einer Rede vor Geschäftsleuten in Kalifornien erneut betont, daß Präsident Reagan von der Notwendigkeit und Möglichkeit einer Verringerung der Kernwaffen auf einen gleichen Stand zwischen den USA und der UdSSR überzeugt ist. Ein Einfrieren auf dem gegenwärtigen Niveau würde jedoch den Sowjets jeden Anreiz zur Beteiligung an
ernsthaften Abrüstungsverhandlungen nehmen.
Die Rede des Beraters für nationale Sicherheit hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir eine besondere Ehre, heute zu Ihnen sprechen zu dürfen.
Ich will versuchen, Ihnen einen Bericht über den Stand der Bemühungen des
Präsidenten zu geben, die Führungsrolle der Vereinigten -taaten bei der
Lösung vieler schwieriger Probleme der Weltpolitik wiederherzustellen.
Um dies richtig beurteilen zu können, scheint es mir nützlich, die Tages-

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�die Tagesordnung aufzuzeigen, vor der wir standen, als der Präsident sein
Amt übernahm und an das Klima zu erinnern, in dem wir arbeiten mußten.
Wie Sie wissen, waren die siebziger Jahre kein glückliches Jahrzehnt jedenfalls gemessen an dem Glück, das Amerika in der Weltpolitik hatte. Das
war die Folge vieler Faktoren. Zu dem politischen Erbe des Vietnam-Krieges
gehörten unter anderem eine ernsthafte Infragestellung der Zuverlässigkeit
der Vereinigten Staaten als Verbündeter. Ein getrennter und damit nicht in
Zusammenhang stehender Faktor war die dramatische und ganz deutliche Expansion der militärischen Macht der Sowjets. Dieser militärische Aufstieg wurde von einer erhöhten Bereitschaft der Sowjets begeleitet, bei der Ausdehnung ihres Einflusses über ihre Grenzen hinaus Risiken einzugehen. Ihre
Förderung kubanischer Aktivitäten in Angola und ihr sichtbares Vorgehen bei
ihren subversiven Bemühungen in Äthiopien und Südjemrn waren Ausdruck immer
größerer Kühnheit der Sowjets angesichts des Fehlens eines erkennbaren amerikanischen Widerstandes. Dieser Trend des Zögerns und der Unsicherheit
unsererseits stellte unsere Zielsetzung und Entschlossenheit bei unseren
Freunden in Europa und auch andernorts in Frage.
Ein weiterer wichtiger Faktor war eine wesentliche Steigerung unserer
Abhängigkeit und die unserer Verbündeten von überseeischen Ressourcen für
den Betrieb unserer Wirtschaft. Die Auswirkungen dieser und anderer Ereignisse im eigenen Land - auf die wir keine erkennbare Antwort gaben - führten uns an den Rand der wirtschaftlichen Katastrophe.
Diese Ereignisse und Tendenzen führten dazu, daß die Vereinigten Staaten vom Ausland - von der Sowjetunion wie auch von unseren Freunden - als
eine absteigende Nation betrachtet wurden. Wir wurden als unzuverlässig
und im Grunde als unfähig angesehen, unsere eigenen oder die Probleme unserer Freunde zu lösen.
Die große Aufgabe, vor der Präsident Reagan zu Beginn seiner Administration stand, war es, die westliche Welt wieder hinter sich zu sammeln,
- 2 -

�zu sammeln, indem er zeigte, daß die Vereinigten Staaten erneut die führende
Rolle bei der Lösunn dieser Probleme und eine positive Rolle in der Weltpolitik spielen können.

Ordnung im eigenen Haus
Angesichts dieser Tagesordnung steckte der Präsident seinen Kurs in
Richtung auf grundlegende Ziele ab, die einzeln und kollektiv darau-' abzielten, wieder ein größeres Maß an Stabilität und Frieden innerhalb der internationalen Gemeinschaft herzustellen und wirtschaftliches Wachstum und
Entwicklung zu fördern. Es gab zwingende innenpolitische Gründe, das Hauptaugenmerk auf die Wiederherstellung der wirtschaftlichen Stabilität im eigenen Land zu richten. Unsere Wirtschaft und das amerikanische Volk waren mit
Zinssätzen von über 20 Prozent und einer zweistelligen Inflation am Punkt
des Zusammenbrechens angelanf+. Tatsache ist, daß keine Nation die Achtung
anderer erringen kann, wenr sie ihre eigenen Probleme nicht zu i^sen imstande ist. Und richtig ist auch, daß die Leitstellung des Dollar

und Viel-

falt und Kapazität der amerikanischen Industrie für einen anhaltenden internationalen Wiederaufschwung wesentlich sind.
Aus all diesen Gründen hat sich der Präsident daran gemacht, unser eigenes Haus in Ordnung zu bringen.

Wir können heute befriedigt feststellen,

daß wir eindeutig einen Umschwung erzielt haben. Wer hätte noch vor 20 Monaten geglaubt, daß die Zinssätze um 50 Prozent sinken und daß die Inflation
um

einen noch größeren Prozentsatz zurückgehen würde. Das ist ein Fort-

schritt, und wie der Präsident betont hat, haben wir noch mehr auf Lager,
wenn wir nur den Kurs halten.

Neubau der Grundlagen
Die zweite wesentliche Aufgabe für die EHaltung des Friedens war die
Wiederherstellung der Grundlage der Stärke, auf der das Konzept der Ab-

- 3 -

�Konzept der Abschreckung beruht. Aus einer ganzen Anzahl von Gründen hatten
es die Vereinigten Staaten zugelassen, daß ihre Investitionen in die Verteidigung

während der ganzen siebziger Jahre real ständig zurückgingen.

Wir hatten seit Ende der sechziger Jahre keine einzige neue Rakete entwickelt, unsere neuesten B 52-Bomber waren über 20 Jahre alt. Auf der anderen Seite beträgt das Durchschnittsalter sowjetischer Systeme weniger als
fünf Jahre.
Dieser Rückgang fand zu einer Zeit statt, in der die Sowjetunion die
augenfälligste Expansion militärischer Macht in der Geschichte der Menschheit noch beschleunigte. Die UdSSR zog - gemessen an den Verteidigungsausgaben - im Jahr 1971 an den Vereinigten Staaten vorbei. Im Verlauf dieser
Dekade übertrafen die militärischen Investitionen der Sowjets die unsrigen
um über 200 Milliarden Dollar.
Diese dramatische Expansion sowjetischer Macht wurde durch die ganz
augenfällige Steigerung der sowjetischen Bereitschaft, Risiken bei Abenteuern einzugehen, wie ich sie bereits erwähnt habe - in Entwicklungsländern von Afrika bis Afghanistan - in politische Wirkung umgesetzt.
Aufgrund der Initiativen des Präsidenten ist das Wiederaufbauprogramm
jetzt gut in Gang gekommen und wenn wir die Entschlossenheit zeigen, es auch
in den kommenden Jahren fortzuführen, dann bestehen alle Aussichten, daß
eine wirksame Abschreckung bestehen bleibt und daß der Frieden für unsere
eigene Generation und für künftige Generationen bewahrt werden kann.

Gegenseitigkeit und Zurückhaltung
Ein weiteres wichtiges Ziel war nach Auffassung des Präsidenten die
Wiedererrichtung einer festen Basis für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen. Im Laufe seines ersten Amtsjahres machte der Präsident der
sowjetischen Führung deutlich, daß er bereit sei, ernsthaft mit ihr an der

- 4 -

�an der Lösung des ganzen Bereiches internationaler Probleme auf der Grundlage der Gegenseitigkeit und der Zurückhaltung zu arbeite". Gleichzeitig
machte er jedoch genauso deutlich, daß er angesichts sowjetisch inspirierter
Repression, Subversion oder direkter Aggression nicht schweigen werde sei es, daß sich derlei in Polen, Mittelamerika oder Afghanistan zuträgt.
Dies ist das Gebiet, auf dem der Präsident für seine Maßnahmen - vor allem
für die Sanktionen, die er nach der sowjetisch inspirierten Unterdrückung
in Polen verhängte - Kritik erfuhr. Für den Präsidenten bedeuteten jene
Ereignisse vor Weihnachten letzten Jahres eine erneute Bestätigung dafür,
daß die

Sowjetunion ihren Anspruch auf die Weltrevolution nicht aufgege-

ben hat, vor allem die Revolution jenseits ihrer Grenzen. Es steht den
Sowjets sicherlich frei, diese Wahl zu treffen; aber es ist etwas anderes,
wenn sie sie verwirklichen wollen. Die Chance, sich der Vorteile eines
freien Handels und friedlichen Verkehrs innerhalb der internationalen Gemeinschaft zu erfreuen, ist eine Option, die sie ohne Frage beeinflussen
können.
Solange die Sowjetunion weiterhin von ihrer Bevölkerung Entbehrungen
verlangt und ihre Ressourcen in eine massive Aufrüstung steckt, werden
die Vereinigten Staaten - und das ist das Mindeste - nicht zu diesem Prozeß beitragen, indem s^'e* Technologie, Hardware und Kredite liefern, um den
Sowjets ihre Aufgabe zu erleichtern. Wir dürfen, wie wir meinen, bei diesen
Bemühungen vernünftigerweise die Unterstützung anderer Nationen erwarten,
die mit uns unsere Werte und unsere Grundsätze teilen.

Rüstungskontrolle
Im Nuklearzeitalter - und vor allem nach einem Jahrzehnt einer so erstaunlichen Vergrößerung der sowjetischen Arsenale - muß es die oberste
Priorität eines jeden amerikanischen Präsidenten bleiben, einen Konflikt
zu verhindern, und den Stand der nuklearen Rüstung zu verringern. Dieses

- 5 -

�verringern. Dieses Anliegen wird heute von immer mehr Amerikanern zum Ausdruck gebracht, und das zunehmende öffentliche Interesse an der Kontrolle
von Kernwaffen ist ein außerordentlich gesundes und begrüßenswertes Phänomen. Es kann dazu dienen, dem amerikanischen Volk Einsicht in die Grundkonzepte und Systeme zu vermitteln, die die Stabilität oder Instabilität
des Friedens im Atomzeitalter bestimmen. Während der letzten 37 Jahre ist
das Thema der strategischen Kernwaffen mit Geheimniskrämerei, Fachausdrucken
und hochfliegenden Konzepten umgeben worden, die die meisten Menschen kaum
verstehen konnten. Das Ergebnis war jedoch, daß das amerikanische Volk in
der wichtigsten Frage der öffentlichen Politik seiner Generation uninformiert blieb. Schon allein aus diesem Grunde bedeutet die derzeitige Debatte
eine sehr nützliche Übung.
Lassen Sie mich einen Moment abschweifen, um Ihnen ein paar Beispiele
für jene Art von Fehlinformationen zu geben, die die Haltung in der Öffentlichkeit in dieser Frage fehlgeleitet haben. Wenn ich Sie fragen würde,
ob die Vereinigten Staaten heute mehr Sprengkraft (Megatonnage) besitzen
als vor 20 Jahren oder weniger, dann bin ich sicher, daß die meisten von
Ihnen antworten würden, daß wir heute mehr haben. Die Wahrheit ist jedoch,
daß der heutige Stand weniger als die Hälfte von dem beträgt, was während
der Kennedy-Administration vorhanden war. Und wenn ich Sie in ähnlicher
Weise fragen würde, ob wir heute mehr oder weniger Gefechtsköpfe besitzen
als vor zehn Jahren, dann bin ich sicher, würden die meisten antworten, daß
wir sicherlich mehr haben. In Wirklichkeit ist es aber so, Haß wir im Verlauf der letzten zehn Jahre die Zahl der Gefechtsköpfe in unserem Arsenal
um etwa ein Drittel gesenkt haben.
/
Mir geht es jedoch nicht darum, mit Statistiken zu argumentieren. Der
Präsident ist der Oberzeugung, daß das Niveau in jedem Fall noch zu hoch
ist und daß wir alles in unserer Macht Stehende tun müssen, um es herabzusehen. Diespm 7iel hat die Anweisung des Präsidenten gedient, eine wohlüberlegte, gerechte Rüstungskontrollposition auszuarbeiten, mit der wir
die Sowjetunion zu einem ernsthaften Programm der Verringerungen bewegen

- 6 -

�Verringerungen bewegen wollen. Diese Anweisung sollte zwei Zwecken dienen:
Erstens sollte sie die strategischen Waffen in den Griff bekommen und zweitens sollte sie einen Abbau der Mittel Streckenwaffen bewirken, wie etwa
der sowjetischen SS-20, die unsere Freunde in Europa und anderswo bedrohen.
Was die Mittel Streckenwaffen angeht, so hat der Präsident der Sowjetunion vorgeschlagen, daß wir auf die Dislozierung entsprechender Gegenwaffen
verzichten werden, wenn sie dem Abbau aller ihrer landgestützten Raketen zustimmt, deren Zahl sich global auf über 300 belauft. Mit anderen Worten, wir
schlagen eine Null-Lösung vor. Unsere Verhandlungsführer sitzen jetzt in
Genf mit ihren sowjetischen Kollegen zusammen und bemühen sich, diese von
den Vorteilen einer solchen Lösung nicht nur für ihre Sicherheit, sondern
für die ganze Menschheit zu überzeugen. Wir hoffen, daß sie bald die Klugheit dieses Vorschlages erkennen werden.
Bezüglich der strategischen oder interkontinentalen Waffen hat der
Präsident dramatische Verringerungen auf einen zahlenmäßigen Gleichstand
auf beiden Seiten vorgeschlagen - in etwa eine Verringerung der Zahl der
Gefechtsköpfe um ein Drittel und eine Verringerung der dislozierten RaketenAbschußeinrichtungen auf die Hälfte des gegenwärtigen Standes in den USA,
Auch hier geben sich unsere Verhandlungsführer in Genf alle Mühe, um eine
sowjetische Zustinrniuog. zu diesem Vorschlag zu erreichen.
Im Zusammenhang mit diesen Verhandlungen ist es angebracht, über einen
Vorschlag zu sprechen, der sowohl von Breschnew als auch einer großen Zahl
wohlmeinender Leute in unserem Lande vorgebracht worden ist. Sie haben gefordert, daß wir ein sofortiges Einfrieren der Produktion, Erprobung und
Dislozierung von Kernwaffen vornehmen. Dieser Vorschlag für ein Einfrieren
ist gerade durch seine Einfachheit so attraktiv geworden, vor allem für
jene, die sich von der erkannten Kompliziertheit des Problems haben abschrecken lassen. Aber es bedarf nicht mehr als des gesunden Menschenverstandes, um die Haken an der Sache zu erkennen.
Wenn Sie

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�Wenn Sie beispielsweise gefragt würden, ob Sie für ein einseitiges Einfrieren sind, dann würden Sie, wie ich meine, sicherlich mit Nein antworten.
Aber wenn wir die sowjetische Einhaltung eines bilateralen Abkommens über
ein Einfrieren nicht verifizieren könnten, dann würde das praktisch auf eine
Zustimmung zu einem einseitigen Einfrieren hinauslaufen. Wie könnten wir
sicher sein, daß sich die Sowjetunion an den Vorschlag für ein Einfrieren
hielte? Unsere Erfahrungen"auf diesem Gebiet sind, offen gesagt, nicht sehr
ermutigend und infolgedessen steht es uns gut an, den guten Glauben der Sowjets nicht als selbstverständlich vorauszusetzen, wenn der Spielraum für
Irrtümer nur sehr klein ist.
Abgesehen von der Frage der Verifizierung darf man auch vernünftigerweise fragen, ob es sinnvoll wäre, ein bestehendes Ungleichgewicht einzufrieren, das sich aus einem Jahrzehnt sowjetischer Aufrüstung und amerikanischen Rückgangs ergeben hat. Auch hier ist es nützlich, sich das bestehende Ungleichgewicht auf dem Gebiet der Mittel Streckenwaffen vor Augen zu halten. Ich habe bereits erwähnt, daß die Sowjetunion heute mehr als 300 SS-20Raketen besitzt, die Ziele in ganz Westeuropa und in vielen anderen Teilen
der Welt erreichen können. Weder die Vereinigten Staaten noch irgendeiner
unserer Verbündeten besitzen entsprechende landgestützte Systeme, die die
Sowjetunion erreichen könnten. Ein Ungleichgewicht von 300 zu Null, das
auf 600 zu Null anwächst, wenn andere landgestützte Mittelstreckenraketen
der Sowjets eingeschlossen werden, ist weder fair, noch stellt es einen
Beitrag zu einem stabilen Frieden dar. Aus diesem Grunde verhandeln wir in
Genf in einer Anstrengung, die Sowjets zum Abbau dieser Systeme zu bewegen.
Und dies führt mich zu meinem dritten Punkt. Wie würde sich ein Einfrieren auf unsere Hoffnungen auf Fortschritt bei diesen Rüstungskontroll Verhandlungen auswirken? Um das zu beantworten, brauche ich Sie nur in die
Position der Sowjetunion zu versetzen. Wenn Sie in einer Position sind,
in der das Kräfteverhältnis 600 zu Null zu Ihren Gunsten besteht, und die
andere Seite zustimmen würde, dieses Ungleichgewicht einzufrieren, welchen
Anreiz hätten Sie dann wirklich, die Verhandlungen fortzusetzen?
-Kurz gesagt
- 8 -

�Kurz gesagt, weil ein sofortiges Einfrieren auf dem derzeitigen Stand
außerordentlich problematische Verifizierungsfragen aufwirft, weil es ein
Einfrieren eines großen Ungleichgewichts bedeuten würde und weil es der
Sowjetunion jeden Anreiz nehmen würde, über Verringerungen zu verhandeln,
würde dies nicht zu einer wirksamen Rüstungskontrolle beitragen. Und genau
aus diesem Grund hat der Präsident vorgeschlagen, daß wir erst die Kernwaffen auf einen gleichen Stand senken, bevor wir sie einfrieren.
Präsident Reagan ist zutiefst überzeugt, daß wir mit Ausdauer unc Ernsthaftigkeit der Zielsetzung Abkommen erreichen können, die den Umfang der
nuklearen Arsenale auf beiden Seiten echt verringern werden. Er wird in
dieser seiner Überzeugung bestärkt durch den Verlauf von Verhandlunnen, die
bisher stattgefunden haben, und mit Ihrer Unterstützung wird er weiterhin
einen erfolgreichen Abschluß dieser Verhandlungen anstreben.

Beziehungen zu den Entwicklungsländern
Das fünfte Ziel dieser Administration in der Außenpolitik ist die
Schaffung einer neuen Grundlage für unsere Beziehungen zu den Entwicklungsländern der Welt. Der Ansatz des Präsidenten stützt sich stark auf die Anstrengungen des privaten Sektors. Dies wird am deutlichsten sichtbar in dem
Programm, das als Initiative für das Karibische Becken bekanntgeworden ist.
Im Rahmen dieses Programms hat der Präsident eine Kombination von Handel,
Hilfe und Investitionsanreizen in eine sorgfältig ausgewogene Bemühung
zusammengestellt, um die Anstrengungen der Bevölkerung der karibischen Region zur Selbsthilfe zu erleichtern. Wir hoffen, daß wir während der Sondersitzung des Kongresses, die im kommenden Monat beginnt, die gesetzliche
Grundlage für die Handels- und Steuerbestimmungen dieses Programms erreichen, die Anreize für amerikanische Unternehmen bieten, in der Karibik zu
investieren. Durch diesen Prozeß, zusammen mit bescheidener Hilfe und verbessertem Zugang zu überseeischen Märkten, glauben wir, der Bevölkerung
dieses Gebietes, die so lange in Verzweiflung gelebt und eine ständige

- 9 -

�eine ständige Verschlechterung der Handelsbedingungen ohne Aussicht auf
Änderung erleb

hat, neue Hoffnungen zu geben.

Friedensstiftung
Das sechste Ziel der Außenpolitik Reagans - und vielleicht ihr Kernstück - betrifft unsere Verantwortung als Friedensstifter. Seit den ersten
Tagen dieser Administration hat der Präsident ein Maximum an Anstrengungen
darauf verwandt, das Prestige und die Ressourcen Amerikas für die Beilegung
von Streitigkeiten in der ganzen Welt einzusetzen. Gerade in jüngster Zeit
haben wir außerordentliche intensive Anstrengungen darauf verwandt, den
Friedensprozeß im südlichen Afrika und im Nahen Osten zu fördern.
Länger, als sich irgendeiner von uns erinnern kann, haben die Menschen
im Nahen Osten von einem Krieg zum anderen gelebt, ohne daß es eine wirkliche Aussicht auf eine andere Zukunft gegeben hätte. Weil wir die moralische Verpflichtung und wichtige Interessen in dem Gebiet haben, hat der
Präsident seine persönliche Aufmerksamkeit auf die Geschichte dieser Auseinandersetzung und all die damit zusammenhängenden komplexen Dinge konzentriert.
Die-Ergebnisse seiner Analyse kamen in seiner Ansprache an das amerikanische
Volk am 1. September zum Ausdruck. Kurz gesagt hat der Präsident jeder der
drei in der Region vorhandenen Kräfte eine ganz einfache Frage gestellt:
Israel, das in 34 Jahren fünf Kriege erlebt hat, fragte er: Wie ist Eure
Sicherheit am besten gewährleistet? Durch Aufrechterhaltung der Kontrolle
über Gebiete mit der praktisch sicheren Erwartung eines Krieges alle paar
Jahre? Oder ist Eure Sicherheit nicht besser gewährleistet, wenn man eine
politische Abmachung mit den Nachbarn erreicht?
Die PLO, die in den letzten 12 Jahren dreimal verheerende Niederlagen
erlebt hat, fragte der Präsident: Ist die bewaffnete Auseinandersetzung
wirklich der beste Weg, um die Identität der Palästinenser herzustellen?
Und die

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�Und die arabischen Staaten des Gebietes fragte er: Hat die Konfrontation mit Israel während der letzten Generation wirklich Euren Interessen
gedient?
&lt;
Der Präsident ist zutiefst überzeugt, daß wir vor einer historischen
Chance stehen, die wir nicht verpassen dürfen. In dem Meinungsaustausch,
den er seit dem 1. September geführt hat, haben wir von vielen Seiten ermutigende Zeichen bekommen. Er hofft, daß es uns in den nächsten Wochen gelingen wird, die Wiedereröffnung der Gespräche für die Schaffung von Übergangsvereinbarungen für das Westjordanland und den Gaza-Streifen durch
einen Prozeß, an dem andere arabische Länder beteiligt sein müssen, zu erreichen. Die Völker dieses Gebietes können dieses dunkle Kapitel ihrer Geschichte zu einem Ende bringen und eine neue Ära der Entwicklung und der
Prosperität erwarten. Der Präsident hat seine größten Bemühungen zugesagt,
um diesen Traum verwirklichen zu helfen.
In einigen anderen Teilen der Welt kann man leichthin vom Weltfrieden
sprechen, denn der Frieden in den Teilen ist eine Realität - eine Realität,
die mehr oder weniger als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt wird. Im
Nahen Ost ist der Weltfrieden ein schwergewichtiges Wort, denn die Realität
scheint außer Reichweite. Wir in den Vereinigten Staaten müssen uns immer
wieder daran erinnern, wie wichtig es ist, einen perfekten Frieden zu gestalten, der nur ein Ziel sein mag, wenn wir bei der Verfolgung dieses Zieles in der Lage sind, den Frieden, den wir besitzen, zu erhalten oder zu
verbessern.
Ich möchte noch kurz auf en"ne damit zusammenhängende Sache kommen. In
einer Rede vor zwei Tagen hat Leonid Breschnew die obersten s wjetisehen
Militärs angesprochen. Er sprach von Hingabe der Sowjetunion an -inen Frieden, der durch amerikanisches "Abenteurertum" bedroht werde. Wir sehen den
Zweck seiner Rede darin, die sowjetischen Militärs zu bestärken, daß sie
weiterhin ihren begünstigten Platz in der sowjetischen Gesellschaft behalten

- 11 -

�Gesellschaft behalten werden. Seine Bemerkungen über verbesserte sowjetischchinesische Beziehungen sollten den Eindruck verbesserter internationaler
Beziehungen erwecken. Mit all dem mußte man rechnen.
*
&lt;; Abe£.die Sowjetunion als den Anwalt eines wahren Friedens darzustellen,
der durch die Vereinigten Staaten bedroht wird, ist kaum überzeugend. Wenn
die Sowjetunion ständig Jahr für Jahr rund 15 Prozent ihr 's Bruttosozialprodukts, das das zweieinhalbfache unseres eigenen beträgt, in die Rüstung
steckt, dann geschieht dies nicht darum, weil sie vor eirier Bedrohung von
außen steht, sondern weil sie diese Art von Streitkräften braucht, um ihre
eigene Bevölkerung unter Kontrolle zu halten, ihre Nachbarn einzuschüchtern
und imperialistische Abenteuer im weit entfernten Afrika, Mittelamerika und
Südostasien zu unterstützen.
Auch wenn Breschnew nicht für ein Amt kandidiert, so ist er doch ein
Politiker, und sein Appell an den Nationalismus und Militarismus muß in diesem Sinne interpretiert werden. Aber wie können wir völlig unbegründete
Beschuldigungen ernstnehmen, die eindeutig nichts anderes sind als ein Vorwand für die weitere Intensivierung der bereits gewaltigen Aufrüstungsanstrengungen der Sowjetunion?
Die Vereinigten Staaten können sich hier sehen lassen. Sie haben ihre
nukleare Macht nicht benutzt, als sie sich eines nuklearen Monopols erfreuten. Sie haben immer wieder echte Vorschläge für Rüstungsbegrenzungen und
Verringerungen angeboten. Sie haben sich genau an die Bestimmungen von Verträgen und Obereinkommen gehalten. Sie haben - ohne Gegenleistung von Moskau - jahrelang ihren Militärhaushalt gesenkt. Das entscheidende Ziel unserer gegenwärtigen militärischen Anstrengung ist die Gewährleistung einer
glaubwürdigen Abschreckung angesichts des überall sichtbaren militärischen
w

Vordringens der Sowjetunion während der Jahre amerikanischer Zurückhaltung.
Wir brauchen uns wegen unserer Rolle im Dienste des Friedens nicht zu
entschuldigen, die wir weiterhin spielen.
+ + + + +

�Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

3. November 1982

43

ERNÄHRUNG UND KREBS
Ein Faktor von vielen, der die Gesundheit beeinflußt

- (AD) - Obgleich wenig darüber bekannt ist, wie und weshalb bestimmte
Organe bzw. Gewebe des menschlichen Körpers von Krebs befallen werden, ist
die Wissenschaft heute "überzeugt, daß durch Veränderungen von Ernährung
und Umweltbedingungen zumindest das Auftreten einiger spezifischer Krebserkrankungen verringert würde. Faktoren, die möglicherweise Krebs erzeugen
(Cancerogene), kann der einzelne täglich ausgesetzt sein. Zu diesen gehören
z.B. bestimmte chemische Verbindungen in Insektiziden, Reinigungsmitteln
und in Substanzen, die die Haltbarkeit der Lebensmittel verlängern. Speisen,
Getränke, bestimmte Genußmittel wie Zigaretten sowie die Art der Ernährung
können ebenso eine Rolle spielen wie der Arbeitsplatz - etwa im Bergbau,
in einer Textilfabrik oder in einem photographischen Betrieb.
Auf dem im September 1982 in Seattle (US-Bundesstaat Washington) abgehaltenen 13. Internationalen Krebskongreß wurde unter vielen anderen Fragen
im Zusammenhang mit Krebs auch das Problem der richtigen Ernährung behandelt,

zu dem zahlreiche neue Studien vorliegen. "Schon binnen kurzem wäre

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�kurzem wäre es in Amerika möglich, die Gesamtzahl der Krebserkrankungen um
ein Drittel zu verringern, wenn die Ernährungsgewohnheiten geändert würden",
meinte der international bekannte Krebsforscher Dennis Burkitt. Für ein
weiteres Drittel sei Zigarettenrauchen verantwortlich - deshalb sei die
Einschränkung des Zigarettenkonsums dringendes Gebot.

In der Statistik

sind nicht die Erkrankungen, sondern nur die Todesfälle durch Krebs erfaßt.
Die Anzahl betrug 1979 fast 404 000 - d.h. 183,5 auf 100 000 Einwohner.
Genaue Angaben für die letzten Jahre liegen noch nicht vor.
Burkitt befaßt sich derzeit mit der Frage, inwieweit sich eine an Ballaststoffen reiche Nahrung günstig auswirken könne. Er halte zwar nicht
viel davon, daß die Ernährungsweise bei bereits manifest gewordenem Krebs
noch hilfreich sein könne, erklärte er. Jedoch sei erwiesenermaßen die
Häufigkeit von Krebs im Verdauungstrakt bei Bevölkerungsgruppen mit einer
Ernährung, die viel Faserstoffe und Stärke, dagegen wenig Fette enthält,
ganz allgemein geringer. Fett sei ein krebsauslösender, dazu das Immunsystem
schwächender Faktor, während Ballaststoffe eine Schutzwirkung hätten.
Magen- und Darmkrebs, Brust- und Prostatakrebs sowie Diabetes sind Krankheiten, die häufig mit der "westlichen Zivilisation" in Zusammenhang gebracht werden. Viele Wissenschaftler sind überzeugt, daß eine übermäßig
kalorienreiche Ernährung die Menschen krebsanfälliger macht.
Ernest Wynder, der Präsident der "American Health Foundation" in New
York, verwies darauf, daß die zunehmende Krebshäufigkeit bei Japanern, die
auswandern oder Ernährungsweise und Lebensstil ändern, ein Beispiel für
die potentiell schädlichen Einflüsse der westlichen Zivilisation sei.
Mundhöhlen-, Kehlkopf- und Speiseröhrenkrebs könnten mit Alkoholkonsum,
Brustkrebs mit zu großen Mengen von gesättigten und ungesättigten Fettsäuren aus der Nahrung und Darmkrebs mit dem Säurespiegel im Kot in Zusammenhang gebracht werden (ballaststoffreiche Kost neutralisiert diese Säuren).
Gleichzeitig kritisierte

- 2 -

�Gleichzeitig kritisierte Wynder aber die große Zahl von Untersuchungen,
die Krebs zu ganz bestimmten Nahrungsmitteln in Beziehung setzen. "Wir dürfen nur solche Stoffe nennen, deren krebsverursachende Wirkunq beim Menschen nachgewiesen ist", meinte er. Beispielsweise stünden Saccharin, Haarfärbemittel und Kaffee, denen cancerogene Wirkungen zugeschreiben worden
waren, in einer sehr schwachen oder überhaupt keiner direkten Beziehung zu
Krebs.
Andererseits gibt es ganz eindeutige Hinweise auf krebserreqende Nahrungs- und Genußmittel, wie eine umfassende Studie aus Japa» zeigt: die
Gefahr, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken, nimmt mit höherem Konsum von
Reiswein und Zigaretten zu. Diese Krebsart ist in einigen Gebieten Japans
auffallend häufig. Auch ein haferschleimähnliches Gericht aus Reis mit Tee
im Raun. Wakayama und der Genuß von speziell zubereitetem Schweinefleisch
im Gebiet von Nagoya

erhöhe laut Prof. Kunio Aoki von der Univertität

Nagoya das Risiko, Speiseröhrenkrebs zu bekommen.
- Kochmethoden Die Methoden der Speisenzubereitung scheinen eine wichtige Rolle zu
spielen, wie Wissenschaftler der Universität Kalifornien in Berkeley, insbesondere die Professoren Bruce Arnes und Leonard Bjeldanes, berichten.
Die Wirkungen gekochter Speisen auf die chemischen Vorgänge im Organismus
seien zwar überaus komplex und schwer zu erfassen. Jedoch gebe eine Reihe
von Studien deut'iche Hinweise, daß z.B. hohe Temperaturen und lange Kochzeiten bei Nahrungsmitteln wie Rindfleisch und Eiern Substanzen hervorbringen, die bei bakteriellen Testzeller. zu ausgedehnten Mutationen (Veränderungen der Erbsubstanz) führen. In oft wiederkehrender und entsprechend
hoher Dosierung könnten solche Substanzen ein Faktor sein, der zur Erkrankung an Krebs führt oder genetische Krankheiten auslöst.
Braten im Herd und auf dem Rost sowie grillen entwickeln die stärkste
Aktivität, gefolgt von backen und rösten. Andererseits entwickeln sich

- 3 -

�entwickeln sich nur sehr wenig Mutagene bei Zubereitungsverfahren, die
dem Nahrungsmittel die eigenen Säfte erhalten - z.B. nur leicht garen,
dämpfen, sieden oder kochen im Mikrowellenherd. Gewisse Nahrungsmittel,
etwa Gemüse wie Broccoli oder Rosenkohl, scheinen den Organismus sogar
mit Substanzen zu versorgen, die mutagene Stoffe abzuwehren vermögen.
Zu der oft geäußerten Vermutung, daß Vitamin A (von Vitamin C einmal abgesehen) die Krebsgefahr deutlich verringern könne - eine Reihe
von Forschergruppen präsentierten vorläufige Ergebnisse von Studien mit
bestimmter obst- und gemüsereicher Kost - gibt es noch keine gesicherten
Erkenntnisse. Allerdings scheint das Pro-Vitamin Beta-Karotin, die wichtigste Verbindung zur Bildung von Vitamin A, eine Rolle zu spielen, um den
Körper gegen Krebs (Mutation von Körperzellen mit Bildung bösartiger Tumoren) zu schützen. Nach den bisherigen Beobachtungen von Bruce Arnes,
der vor einigen Jahren den Bakterientest zur Mutagenitätsprüfung ("ArnesTest") entwickelt hat, könnten neben Beta-Karotin auch die Vitamine "E"
und "C" eine gewisse Schutzwirkung für die Körperzellen haben. Entsprechende Langzeituntersuchungen am Menschen durchzuführen sei jedoch kaum
möglich, weil kontrollierte Bedingungen für das Experiment nicht eingehalten werden könnten. Der Einfluß nicht ausschaltbarer anderer Faktoren wie
etwa der von Viren, von anderen krebserzeugende' Substanzen oder von Faktoren, an die der Forscher gar nicht denkt oder die er nicht kennt, verfälsche das Ergebnis.
In seinen jüngsten Studien befaßte sich Arnes mit dem Fettstoffwechsel
im Körper. Es zeigte sich, daß die Aufspaltung (Oxydation) der Fette zur
Bildung endogener (körpereigener) Substanzen führt, die mutagene und cancerogene Wirkungen haben. Wenn Fett im Körper "ranzig wird", also aufgespalten wird, werden Kombinationen von SauerstoffVerbindungen freigesetzt,
die gefährlich sein können. Arnes entwickelte, wie er berichtet, einen
neuen Stamm von Testbakterien, die auf solche Sauerstoffmoleküle reagieren,
welche im menschlichen Urin festgestellt werden. Im menschlichen Organismus
gibt es laut Arnes Substanzen, die vor diesen Sauerstoffmolekülen schützen

- 4 -

�Sauerstoffmolekülen schützen und sie ausschleusen.
Gegenwärtig untersucht Bruce Arnes mögliche Zusammenhänge zwischen Krebs
und Altern auf der Basis der Zelle, um natürliche, krebserregend: sowie körpereigene Faktoren ausfindig zu machen, die gegen Krebs schützen. Dies sei
ein weiterer Weg» das Entstehen von Krebs und seine Ausbreitung im Körper
eher zu erfassen und zu verstehen.
In der Diskussion wurde immer wieder hervorgehoben, daß eine mit Überlegung zusammengestellte, wohlausgewogene Kost am wichtigsten sei. Dazu gehöre die Aufnahme von Vitaminen aus Lebensmitteln - z.B. aus grünem und
gelbem Gemüse als Quelle für Beta-Karotin -, weil viele Wissenschaftler
der Ansicht sind, daß auch andere Nährstoffe in winziger Dosi? aus natürlichen Nahrungsmitteln zusammen mit Beta-Karotin eine Schutzwirkung haben.
Umweltgifte in Luft, Wasser, Nahrung und am Arbeitsplatz spielen mit
Sicherheit eine große Rolle im Zusammenhang mit Erkrankungen an Krebs.
Die wenigsten der zahllosen neuen chemischen Stoffe, insbesondere Syntheseprodukte aus der organischen Chemie, wurden auf chronische Effekte, aber
auch nicht auf ökologische Auswirkungen getestet. Was die "petrochemische
Ära" seit den dreißiger Jahren hervorgebracht hat, versuchte kürzlich Prof.
Samuel Epstein von der Universität Illinois zu veranschaulichen: im Jahr
1940 produzierte die amerikanische Industrie 450 000 Tonnen synthetischer
organischer Stoffe. Bis zum Jahr 1975 war die Jahresproduktion um das
Drei hundertfache größer und belief sich bereits auf 135 Millionen Tonnen.
Von Mnkraut- und SchädlingsVertilgungsmitteln bis hin zu pharmazeutischen
Produkten und Materialien für unzählige andere Verwendungszwecke kommt ihnen
eine wichtige und vorteil bringende Rolle zu - aber manche Synthesestoffe
und Produkte bergen für den Konsumenten, den Arbeiter und die Umwelt Gefahren, die erkannt werden müssen und denen wir nachzugehen haben. Prof,
Takashi Sugimura vom Krebsforschungsinstitut Tokio erwähnte auch Gefahren
aus der Natur, beispielsweise durch Toxine in Pflanzen und deren-Umwandlungsprodukte bei der Speisenzubereitung sowie im Stoffwechsel. Aber -- die

- 5 -

�Aber - die vom Menschen mit der Technik, insbesondere der chemischen Industrie in die Welt gebrachten Gefahren seien zweifellos ein Belastungsfaktor für die menschliche Gesundheit, der mehr als bisher Beachtung finden müsse.
+ + + + +

�43

3. November 1982

WACHTUMSFAKTOR FÜR KNOCHENZELLEN
Protein-Wirkstoff aus menschlichem Knochengewebe isoliert
Von G. Weiss

- (AD) - Ursache der meisten Erkrankungen des Skelettsystems ist nach
ärztlichen Beobachtungen eine anomale Entwicklung der Knochenzellen. Im
ständigen Umbau der Knochensubstanz wachsen die im einen Fall zu schnell,
im anderen zu langsam. Seit langem wird nach einem "Faktor" gesucht, der
möglicherweise das Wachstum der Knochenzellen stimuliert und deren Neubildung und Aufbau im Gleichgewicht mit der Zerstörung durch die sogenannten
Osteoklasten hält.
Dr. John R. Farley und Dr. David J. Baylink von der Universität Loma
Linda in Kalifornien glauben, einen Wirkstoff gefunden zu haben, der beim
Menschen eine Schlüsselfunktion in diesem Prozeß haben könnte. Es handelt
sich um ein Protein mit dem Molekulargewicht 83 000. Die Wissenschaftler
isolierten es aus menschlichem Knochengewebe, das bei Operationen, insbesondere

bei Ersatz des Hüftkopfes durch eine Endoprothese, reseziert wor-

den war. In der amerikanischen Zeitschrift "Biochemistry" (Ausgabe vom

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Telex: 8-85432

�(Ausgabe vom 16. Juli 1982) berichteten sie über Versuche an tierischen
und menschlichen Knochenzellkulturen mit diesem Protein, das sie "hSGF"
("human skeletal growth factor" - Wachtumsfaktor im menschlichen Skelett)
nennen.
Farley und Baylink konnten auf mehrjährigen Studien aufbauen, die teils
von ihnen selbst, teils von Kollegen in anderen Instituten und Kliniken
an tierischen Knochen und Knochenzellen durchgeführt worden waren. Dabei
ergab sich, daß SGF schon in geringer Konzentration das Wachstum von embryonalen Hühnerknochen um fast das Dreifache gegenüber nicht behandelten Kulturen, bei menschlichen Knochenzell-Kulturen sogar um mehr als das Zehnfache
steigert. Aber erst mit den jüngsten Arbeiten und Experimenten wurde zum
ersten Mal eindeutig das Vorhandensein des Wirkstoffes im menschlichen Organismus nachgewiesen. Er scheint an die Knochenzellen gekoppelt zu sein.
Denn andere Zelltypen, beispielsweise Hautzellen, zeigten keinerlei Reaktionen.
Nach Ansicht von Farley und Baylink wird das SGF-Protein aus zerstörten
Knochenzellen freigesetzt, deren Bestandteile der Körper wieder resorbiert.
So fördert es das Wachstum der sog. Osteoblasten (an Zytoplasma reiche Knochenneubildungszellen), aus denen sich neue Osteozyten (Knochenzellen) entwickeln. Im gesunden Erwachsenen bleibt die Knochenmasse ungeachtet der
ständigen Ab- und Aufbauprozesse weitgehend konstant. Sie verringert sich
jedoch z.B. bei Knochenschwund (Osteoporose), einer im Alter häufig auftretenden Knochenerkrankung. Bei Patienten mit Paget'Krankheit dagegen nimmt
sie vor allem an den langen Röhrenknochen, am Schädelknochen und an den
Rückenwirbeln bei gleichzeitiger Knochendeformation oft erheblich zu.
Interessanterweise konnten die Wissenschaftler bei Paget'-Patienten
einen z.T. erheblich höheren hSGF-Spiegel im Blut nachweisen, als er bei
gesunden Erwachsenen üblich ist. Das sei, so Baylink, zu erwarten gewesen, weil in diesen Fällen der Knochenabbau sehr viel intensiver als beim
Gesunden vor sich gehe. Dadurch würden erhöhte Mengen des SGF-Proteins

- 2 -

�des SFG-Proteins freigesetzt, was die Knochenneubildung verstärkt stimuliere.
Im Gegensatz dazu müßte der SGF-Spiegel bei Patienten mit Osteoporose niedriger als normal sein. Seine Bestimmung könnte schließlich dem Arzt helfen,
Osteoporose schon im Frühstadium und nicht erst bei Auftreten typischer
Schmerzsymptome, nach einem spontanen Knochenbruch oder an Hand von Röntgenaufnahmen zu erkennen, was meist erst dann geschieht, wenn die Krankheit
schon weit fortgeschritten ist. Könnte aber die Behandlung schon im Frühstadium einsetzen, wäre mit weitaus besseren Ergebnissen zu rechnen, die
außerdem in kürzerer Zeit erzielt würden.
Eine ganze Reihe von Knochenerkrankungen dürfte physiologisch gesehen,
die Folge unvollständiger Aufbauprozesse, unzureichender Speicherung des
Wirkstoffes oder nicht voll funktionsfähiger Rezeptoren für

ihn sein.

Alles in allem seien jedoch, wie Baylink erklärte, noch weitere Studien
erforderlich,'um Wirkungen und Funktionen des hSGF-Proteins im Detail zu
erforschen. Noch werden die Schlußfolgerungen, die Farley und Baylink
aus ihren bisherigen Versuchsergebnissen zogen, von manchen Kollegen skeptisch beurteilt. "Hinsichtlich der Funktion des SGF-Proteins haben auch
wir Vorbehalte", räumt Baylink ein. "Zum allermindesten kommt ihm aber
eine gewisse Funktion bei der Heilung eines Knochenbruchs zu."

+ + + + +

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weinberger: Nukleares Einfrieren würde Abschreckung schwächen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 28. Oktober 1982 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Sicherheitsberater umreißt außenpolitische Ziele der Reagan-Administration&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ernährung und Krebs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Faktor von vielen, der die Gesundheit beeinflusst -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wachstumsfaktor für Knochenzellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Protein-Wirkstoff aus menschlichem Knochengewebe isoliert -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;</text>
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nroffltciuon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

10. November 1982

44

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan bekräftigt US-Unterstützung für Frieden in Lateinamerika
- Briefwechsel mit Bürgern Venezuelas Reagan und Shultz: Die Demokratie muß gefördert werden
- "Konferenz über freie Wahlen" in Washington -

WIRTSCHAFT
Das Welthandelssystem in der Krise: USA streben auf GATT-Konferenz
politische Lösungen an
- Von unseren Sonderkorrespondenten Robin Newman und Jon Schaffer •
USA schaffen Zusatzkapazitäten für Kohleexport

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Energiespartrend bleibt - aber mehr Strombedarf
- Leichtindustrie gewinnt immer mehr an Bedeutung -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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�44

10. November 1982

REAGAN BEKRÄFTIGT US-UNTERSTÜTZUNG FÜR FRIEDEN IN LATEINAMERIKA
- Briefwechsel mit Bürgern Venezuelas -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat einer Gruppe venezolanischer
Bürger versichert, daß die Vereinigten Staaten die Bemühungen von Ländern in
Mittelamerika und der Karibik um die Verringerung von Spannungen unterstützen,
die den Frieden gefährden. Diese Erklärung ist in der Antwort auf ein Schreiben
enthalten, das etwa 200 venezolanische Bürger an den amerikanischen Präsidenten
gerichtet hatten und in dem deren Besorgnisse über die Situation in dieser
Region zum Ausdruck kommen.
Reagan verwies in seiner Antwort auf die wirtschaftliche, soziale und
politische Unterentwicklung dieses Gebietes sowie auf die Ausbeutung dieses
Zustandes durch Kuba, Nicaragua und die Sowjetunion. Dies seien die eigentlichen
Ursachen für den Konflikt in Mittelamerika.

Gleichzeitig hob er die Initiative

der USA für das karibische Becken sowie die Beteiligung Washingtons an der im
vergangenen Monat in Costa Rica abgehaltenen Konferenz über die Koordinierungsbemühungen für regionalen Frieden und Demokratie hervor.
Das Schreiben

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�Das Schreiben der venezolanischen Bürger an Reagan hat folgenden Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Präsident,
angesichts der Gefühle eines breiten Sektors der Bevölkerung von Venezuela
möchten wir Ihnen gegenüber unsere tiefe Sorge über die zunehmende Gefahr eines
weiteren Weltenbrandes zum Ausdruck bringen, der - wenn er eintreten sollte die Vernichtung der Menschheit mit sich bringen und jedem alle Chancen nehmen
würde, Sieger zu sein.
Im Rahmen dieser Besorgnisse erscheint uns als Lateinamerikaner die gegenwärtig in Mittelamerika und der Karibik bestehende Situation erfüllt zu sein
mit ernsthaften Bedrohungen, die letztlich sogar den Weltfrieden gefährden
könnten. Aus diesem Grunde lehnen wir jede Form von Intervention ab, die die
Selbstbestimmung der Menschen dieser Region bedroht und ihren Fortschritt sowie
die allgemeine und demokratische Entwicklung behindert.
Dies sind die Gründe, die uns bewegen, Sie angesichts der wichtigen
Position, die Sie innehaben, zu ersuchen, sorgfältig und entschlossen der Gefahr
eines weiteren Weltkrieges entgegenzuwirken und damit die Menschheit zu retten,
die Perspektiven für eine Welt frei von Spannungen zu erhalten und es einem
jeden zu ermöglichen, den sicheren Weg des Friedens und des sozialen Fortschrittes zu gehen.

Die Antwort Präsident Reagans hat, wie vom Weißen Haus veröffentlicht,
folgenden Wortlaut:

Ich habe

�Ich habe sorgfältig das kürzlich von zahlreichen venezolanischen
Intellektuellen, führenden Politikern und anderen Personen des öffentlichen
Lebens an mich gerichtete Schreiben bezüglich der Bedrohungen des Weltfriedens
und der gegenwärtigen Situation in Mittelamerika und der Karibik gelesen.
Die Bevölkerung und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika
teilen diese Besorgnisse.
Das Hauptziel meiner Administration - wie auch jeder anderen amerikanischen
Administration seit dem Zweiten Weltkrieg - ist die Verhinderung eines Atomkrieges. Zweimal in meinem Leben habe ich mitansehen müssen, wie die Welt in
Kriege gestürzt wurde, die Millionen an Menschenleben kosteten. Diese Erfahrungen
haben mich davon überzeugt, daß es die größte Aufgabe Amerikas ist, die Welt
zu ermutigen, den Weg des Friedens zu gehen, und sicherzustellen, daß unser Land
sowie alle, die unser Streben nach Frieden und Freiheit teilen, in Sicherheit
leben können.
Seit meiner Amtsübernahme habe ich mich um praktische Maßnahmen bemüht,
um das Risiko eines solchen Krieges zu vermindern und das zerstörerische Potential
und den kostspieligen Wettlauf hinsichtlich der nuklearen Arsenale zu begrenzen.
Im vorigen Jahr habe ich Präsident Brechnew geschrieben und ihn dringlich aufgefordert, sich mir bei diesem Vorhaben anzuschließen, und vorgeschlagen, daß wir
mit Verhandlungen zur Verringerung der Kernwaffen und zur Stärkung des Friedens
beginnen.
Im November vorigen Jahres habe ich den Beginn von Gesprächen mit der
Sowjetunion angeboten, um einen Weg für die Beseitigung der landgestützten
nuklearen Mittel Streckensysteme zu finden. Wir verhandeln gegenwärtig in Genf
mit der Sowjetunion über diesen Vorschlag, der die Sowjets auffordert, ihre
mehr als 600 in Stellung gebrachten derartigen Systeme abzubauen, wofür die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten zusagen würden, keine ähnlichen Systeme
in Europa zu installieren.
Im Mai

- 3 -

�Im Mai habe ich dann einen weitreichenden Ansatz in bezug auf die
nukleare Rüstungskontrolle vorgeschlagen - eine phasenweise Verminderung der
strategischen Waffen, beginnend mit denjenigen, die am gefährlichsten und am
destabilisierendsten sind, den Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen und insbesondere den ballistischen Interkontinentalraketen. In einer zweiten Phase
werden wir dann noch weitere Verminderungen im zerstörerischen Potential der
Nuklearstreitkräfte anstreben. Auch über diese Vorschläge verhandeln wir gegenwärtig mit der Sowjetunion in Genf.
Diese Verhandlungen sowie andere Gespräche, die entweder schon im Gange
sind oder noch von uns vorgeschlagen werden, bieten uns die historische Gelegenheit, das Rahmenwerk des Friedens zu stärken und die Kriegsgefahr zu vermindern. Mit der Unterstützung unserer Freunde und Verbündeten werden wir
alles in unserer Macht Stehende tun, um dieses Ziel zu erreichen.
Für den Konflikt in Mittelamerika gibt es zwei fundamentale Ursachen:
die wirtschaftliche, soziale und politische Unterentwicklung und die gewaltsame Ausbeutung dieser Unterentwicklung durch Kuba, Nicaragua und die Sowjetunion. Um dieser Region den Frieden zu bringen, müssen unserer Auffassung nach
beide Ursachen beseitigt werden.
Gemeinsam mit Venezuela, Kolumbien, Mexiko und Kanada versuchen wir, durch
die Initiative "Karibisches Becken" in Mittelamerika und der Karibik die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Kein regionales Ziel hat eine größere
Priorität als die Verabschiedung dieser Gesetzgebung, um Handels- und Investitionsanreize für die wirtschaftliche Entwicklung zu bieten. Unser Kongreß hat
bereits die Bereitstellung von 350 Millionen Dollar an zusätzlichen Mitteln
für den Notfall gebilligt, und diese Gelder werden gegenwärtig den Empfängerregierungen zur Verfügung gestellt.
Die Entwicklung demokratischer Institutionen als Ergänzung des wirtschaftlichen Wachstums ist ein paralleles Ziel, dem wir uns in gleicher Weise verschrieben haben. Wir haben den augenfälligen Trend zur Demokratie in Mittel-

- 4 -

\

�in Mittelamerika und der Karibik unterstützt und sind durch ihn ermutigt.
Honduras und El Salvador haben im vergangenen Jahr freie und faire Wahlen abgehalten, wie auch die traditionell demokratischen Länder Costa Rica und Kolumbien.
Die Demokratie in Venezuela ist nach unserer Beurteilung ein wertvolles Modell,
das in seiner Resonanz einfach zwingend ist. Der Trend zur Demokratie auch in
anderen Teilen der westlichen Hemisphäre - wir begrüßen die Rückkehr Boliviens
zur demokratischen Herrschaft - hat unsere volle Unterstützung.
Wir sind auch bemüht, die demokratische politische Entwicklung dadurch zu
unterstützen, daß wir unsere Mittel und Möglichkeiten in den Dienst der
Schaffung von Kernzellen der Demokratie stellen. So findet beispielsweise in
dieser Woche hier eine Konferenz über freie Wahlen statt, zu der demokratische
Vertreter aus allen Teilen der Welt eingeladen worden sind.
Unsere Diplomatie hat die Bemühungen von Ländern in dieser Region unterstützt, die auf eine Verminderung der den Frieden bedrohenden Spannungen abzielen.
Wir sind

Teilnehmer der

Konferenz,

die Costa Rica am 4. Oktober einberufen

hat, um die Bemühungen um regionalen Frieden und Demokratie zu koordinieren. Wir
hoffen, daß diese Konferenz lur Entschärfung der Spannungen in der Region beitragen wird.
Ich glaube, daß zahlreiche Venezolaner unsere Besorgnisse in dieser Hinsicht
teilen. Die Initiative Ihres Präsidenten wie auch des mexikanischen Präsidenten
Lopez Portillo war ein konstruktiver Schritt in der gleichen Richtung. Wir sind
der Auffassung, daß die regionalen Anstrengungen, mit denen auf der Konferenz von
San Jose begonnen wurde, die Sache des Friedens, die wir beide unterstützen,
voranbringen werden.
Wenn wir uns mit der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung befassen,
dann können wir nicht die legitimen Sicherheitserfordernisse von Ländern
ignorieren, die durch Unterstützung des Aufruhrs im Innern vom Ausland her
bedroht sind. Die Vereinigten Staaten gewähren den Regierungen von El Salvador

- 5 -

�von El Salvador und Honduras ein geringes Maß an militärischer Ausrüstung und
Ausbildung; rund 85 Prozent unserer Hilfe für diese Länder sind jedoch wirtschaftlicher Natur.
Die Verpflichtung zur Demokratie, eine autarke Wirtschaftsentwicklung und
die Nichteinmischung, die wir an den Tag legen, ist jedoch nicht charakteristisch
für die Handlungen Nicaraguas, Kubas und der Sowjetunion. Unterstützt von der
Sowjetunion, haben Kuba und Nicaragua den Aufständischen in El Salvador ständig
Hilfe gewährt. Sowohl Costa Rica als auch Honduras sind von terroristischen
Angriffen heimgesucht worden, die von Nicaragua aus unterstützt wurden.
Nicaragua hat ein militärisches Potential aufgebaut, das in keinem Verhältnis
zu seinen objektiven Verteidigungserfordernissen steht. Die eigentliche Ursache
der so großen Besorgnisse hinsichtlich der Region ist die Aufrüstung Kubas;
diese Aufwendungen hätten besser für die wirtschaftliche Entwicklung statt
für die Beschaffung von Waffen eingesetzt werden sollen.
Unsere beiden Völker, die Blut und Anstrengung gegeben haben, um die
Demokratie zu erlangen, zu sichern und zu fördern, wissen sehr wohl um die
Bedeutung der Demokratie und des Rechts der freien Entscheidung. Venezolaner
und Amerikaner teilen gleichermaßen den Wunsch nach Frieden und Freiheit nicht nur in dieser Region der Welt, sondern in allen Teilen der Erde. Wenn
wir unsere Anstrengungen fortsetzen, dann können wir die Sache des Friedens
voranbringen.
+ + +

�44

11. November 1982

REAGAN UND SHULTZ: DIE DEMOKRATIE MUSS GEFÖRDERT WERDEN
- "Konferenz über freie Wahlen" in Washington -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Präsident Ronald Reagan und USAußenminister George Shultz haben sich mit Nachdruck für eine Förderung der
Demokratie in aller Welt eingesetzt. Beide Politiker sprachen anläßlich einer
"Konferenz über freie Wahlen", die vom 4. bis 6. November 1982 in Washington
stattfand.
Die Ansprache des amerikanischen Präsidenten hat in ihren wichtigsten Auszügen folgenden Wortlaut:
... Wir sind heute hier, um eine gemeinsame Vision zu feiern - die Vision
einer Welt, in der das Recht auf Selbstregierung offen anerkannt wird, in der
der Staat nicht als der Herr, sondern als der Diener des Menschen angesehen
wird. Insbesondere beschäftigt sich diese Konferenz mit freien Wahlen, der
eigentlichen Grundlage der Demokratie. Es gibt kein eindrucksvolleres Symbol
der Demokratie als das Bild des Bürgers, der seinen Stimmzettel abgibt, seinen
Kandidaten wählt und dabei mit über sein eigenes Geschick abstimmt. ...
Der freie

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�Der freie Fluß der Gedanken und der offene Wettbewerb der Ideen sind die
Seele unserer freien Gesellschaften. Welch ein gewaltiger Unterschied ist dies
gegenüber jenen Staaten dieser Welt, wo das Volk keine eigene Rolle hat, sondern
in Schwäche darauf warten muß, bis eine kleine Gruppe von Menschen ihren Machtkampf hinter verschlossenen Türen beendet hat und dann herrscht, ohne auch nur
irgendjemandem verantwortlich zu sein.
*

Aber noch etwas anderes führt uns heute zusammen. Es ist die Freude, die
wir teilen über die Möglichkeiten für die Verbreitung der Demokratie, das Ge4

fühl der Hoffnung für die Zukunft. Einer meiner Vorgänger in diesem Amt hat
diese Freude geteilt. General Eisenhower schrieb in seinem Tagebuch weniger
als ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: "Das Wirkungsvollste, was
wir für unsere Sicherheit tun können, besteht darin, in jedem Land, wo es eine
Möglichkeit dafür gibt, eine demokratische Regierungsform zu fördern. Wir
müssen aktiv dabei helfen, andere zur Demokratie zu führen, und mehr noch:
Wir müssen ein Beispiel für den Wert der Demokratie sein."
Nun, ich weiß nicht, wie man die Herausforderung besser in Worte fassen
könnte, vor der die Teilnehmer dieser Konferenz und die freien Menschen allerorts stehen, als dies in den Worten Dwight Eisenhowers gesagt wird.
Die Abhaltung dieser Konferenz ist ein Beweis für die wachsende Kraft
der demokratischen Ideale. Ihre Ausstrahlungskraft haben mich veranlaßt, im
Juni dieses Jahres vor dem britischen Parlament davon zu sprechen, daß wir
an einem Wendepunkt angelangt sind - daß wir jetzt den Augenblick erleben, wo .
die Zeit, die Umstände und der gesunde Instinkt aufrechter und anständiger
Menschen zusammenwirken können, um der Geschichte eine neue Richtung zu geben,,
um ein neues und hoffnungsvolleres Leben für künftige Generationen zu schaffen.
Einige mögen diese Prognose als allzu optimistisch ansehen. Ich unterschätze
keineswegs die Möglichkeiten der Unterdrückung seitens der Diktaturen von links
oder rechts oder die zerstörerischen Auswirkungen des Terrorismus. Aber die
unvergänglichen demokratischen Ideale und die demokratische Bewegung - sie
sind stärker. Jedes Land, das Sie hier vertreten, zeigt ein nicht auslöschbares

- 2 -

�nicht auslöschbares Streben, sein eigenes Schicksal zu gestalten. Es ist
einfach unsere Pflicht, gegen das Böse und gegen die Grausamkeit eines Mißbrauchs der staatlichen Macht aufzustehen. Wenn wir nicht mit Nachdruck dagegen angehen, wenn wir nicht die anständigen Impulse der Menschheit und unsere
eigenen tiefsten Überzeugungen unterstützen, dann würde eine Art Auszehrung
und Verkümmerung einsetzen, und auch wir könnten dann letztlich den Glauben
an die Ausstrahlungskraft und die Stärke unserer Überzeugungen verlieren.
Diese Konferenz ist ein weiterer Schritt hinsichtlich unserer Unterstützung
der demokratischen Bewegung. Sie bietet die Gelegenheit, gegenüber der Welt
darauf hinzuweisen, daß die Demokratie dem Volk eines jeden Landes die Chance
bietet, seinen eigenen Kurs zu verfolgen. Es ist eine Gelegenheit zu zeigen,
wie freie Wahlen einem Volk das Steuer des Staates fest in die Hand geben, wie
der freie Wettbewerb der Ideen an der Wahlurne die Stabilität und Flexibilität
fördern, die so notwendig für den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt
sind, wie freie Wahlen in aller Welt den sicheren Weg zur Unterstützung von
Institutionen und der Politik des Volkes bilden, wie die Verläßlichkeit gewählter
Vertreter die sicherste Garantie dafür ist, daß der Wille des Volkes respektiert
wird und daß die Früchte des Wachstums nicht nur einigen wenigen zugute kommen.
Die Verwirklichung all dieser Dinge ist ein mächtiges Gegenmittel gegenüber
jenen, die argumentieren, daß die Macht des Staates sowie die bewaffnete Macht
die einzigen Mittel für sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt darstellen.
Immer wieder haben wir gesehen, daß die demokratischen Staaten, die sich auf
die Initiativen des eigenen Volkes stützen, ihre Volkswirtschaften und ihre
Gesellschaften viel weiter entwickeln als die zentralisierten Staaten. Wir
dürfen nicht die Aufgabe unterschätzen, der wir uns bei der Unterstützung des
Wachstums der Demokratie gegenübersehen.
Demokratie kann nicht von außen auferlegt werden, und sie entwickelt sich
häufig nur nach geduldigen und allmählichen Schritten. Sie muß das Produkt freier
Institutionen sein - der Kirchen, der Gewerkschaften, einer unabhängigen Justiz
sowie der Presse. Und dieser kraftspendende und lebensverjüngende Prozeß wird

- 3 -

�Prozeß wird durch den Bürger verkörpert, der an der Wahlurne seine Stimme
abgibt - das ist das Thema dieser Konferenz. ...
Der amerikanische Außenminister führte aus:
... Präsident Reagan kündigte die Pläne für diese Konferenz in seiner
Rede vor dem britischen Parlament im vorigen Juni an. In dieser Rede bot der
Präsident an, sich allen Staaten anzuschließen, die sich in einer weltweiten
Kampagne für einen friedlichen, demokratischen Wandel einsetzen.
Heute sind hier viele Mitglieder der "Kampagne für die Demokratie" versammelt, von der der Präsident sprach - Männer und Frauen, die dazu beigetragen
haben, in ihren eigenen Ländern demokratische Institutionen zu schaffen, und
die dabei helfen wollen, daß auch andere Völker die Grundlagen für ihre
politische Freiheit legen können. Diese Konferenz wird das Erreichte begutachten
und Überlegungen darüber anstellen, was wir gemeinsam tun können, um die Ausbreitung der Demokratie zu unterstützen.
Wir sind nicht hier, um andere Länder herauszufordern, sondern um erneut
ein Angebot zu machen, unsere Erfahrungen zu teilen, die wir darin haben, wie
Freiheit funktioniert. Unser Ziel ist nicht die Kritik, sondern die Überlegung
darüber, was wir tun können, um anderen Nationen bei der Verwirklichung ihrer
demokratischen Hoffnungen zu helfen.
Betrachten wir in diesem Zusammenhang drei Aktionsbereiche: Wir sollten
jenen Ländern konkrete Hilfe geben, die an der Abhaltung freier Wahlen
interessiert sind. Wir können anderen dabei helfen, aus unseren Erfahrungen zu
lernen und die anfänglichen Hindernisse bei der Schaffung einer Demokratie
auf der Grundlage von Wahlen zu überwinden. Mehrere Regierungen und Privatorganisationen sind bereits intensiv dabei, technische Hilfe bei der Verbesserung des Wahlprozesses zu bieten. Und weitere stellen sich nunmehr der
Herausforderung.
Vor einem

�Vor einem Monat beschlossen acht Länder Mittelamerikas, der Karibik und
der Anden in San Jose, ein regionales Wahlinstitut als Teil ihres Programmes
für Frieden und Demokratie in Mittelamerika einzurichten. Andere Staaten und
andere Regionen könnten diesem Beispiel folgen. Diese Konferenz könnte Überlegungen darüber anstellen, welche zusätzlichen Programme am wirkungsvollsten
wären und wie die verschiedenen Anstrengungen zur Unterstützung der Verbreitung
freier Wahlen zu besserer wechselseitiger Wirkung gebracht werden könnten.
Zweitens müssen wir uns aktiver für das Recht auf freie Wahlen einsetzen
und immer wieder betonen, daß politische Freiheit ein Thema der Menschenrechte
ist.
Der Einzelmensch hat ein Recht darauf, am Regierungsprozeß teilzuhaben genau wie er ein Recht auf Schutz vor staatlicher Willkür hat.
Dabei geht es nicht um die Frage, wie dieses Recht gesetzt werden könnte,
denn es existiert bereits. Frage ist, wie es in der Praxis in größtmöglichem
Umfang verwirklicht werden kann.
Wir müssen die Diskussionen und die Aktivitäten im Bereich der Menschenrechte so ausweiten, daß positive Schritte zur Förderung freier Institutionen
eingeschlossen werden. Nur die freien, demokratischen Institutionen - einschließlich freier Wahlen, der Presse und der Gewerkschaften - können die
immer wiederkehrenden Menschenrechtsverletzungen überwinden, die individuelle
Freiheit sicherstellen

und das Recht auf Selbstregierung gewährleisten.

Drittens können wir mehr dabei tun, den Erfolg der Demokratie in die
Öffentlichkeit zu tragen und die Aufmerksamkeit auf den Vergleich zwischen den
Leistungen demokratischer und nichtdemokratischer Länder zu lenken.
Die Demokratien erfreuen sich - von wenigen Ausnahmen abgesehen - größeren
Friedens, größeren Wohlstands und größerer Stabilität als die Staaten, in
denen es keine Demokratie gibt. Vor allem die jungen Demokratien können eine

- 5 -

�können eine besondere Rolle dabei spielen, die anderen erkennen zu lassen,
daß eine demokratische Regierung sowohl wünschenswert als auch funktionsfähig
ist. Die Erfahrungen und der Erfolg der jungen Demokratien kann lehrreich
und ermutigend für jene sein, die noch nicht solcher politischer Freiheit
teilhaftig sind.
Meine Damen und Herren, vor Ihnen liegt eine große Herausforderung. Sie
sollen sich darüber Gedanken machen, wie die Menschen der demokratischen Welt
dazu beitragen können, die Freiheit jenen Millionen zu bringen, denen noch
nicht erlaubt ist, ihre eigene Führung selbst zu wählen. Wir hoffen auf Ihre
frischen, kreativen und konkreten Ideen, die unsere Überzeugungen in Verpflichtungen und Taten umsetzen.
+ + +

- 6 -

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10, November 1982

44

DAS WELTHANDELSSYSTEM IN DER KRISE: USA STREBEN
AUF GATT-KONFERENZ POLITISCHE LÖSUNGEN AN
Von unseren Sonderkorrespondenten Robin Newman und Jon Schaffer

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten erwarten, daß auf der Ministertagung des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT), die vom 24. bis 26
November in Genf stattfindet, ein entscheidender politischer Beschluß gegen
den Protektionismus im Handel getroffen und ein Arbeitsprogramm für die achtziger
Jahre verabschiedet wird, um die Handelsliberalisierung weiter zu fördern. In
amtlichen amerikanischen Kreisen rechnet man mit einer Ministererklärung zum
Abschluß der GATT-Konferenz.
Die Delegation der Vereinigten Staaten wird von dem amerikanischen Sonderbeauftragten für HandelsVerhandlungen, William E. Brock, geleitet werden. Es
handelt sich um die erste GATT-Ministertagung seit 1973. Im Laufe der Handelsverhandlungen im Rahmen des GATT - Kennedy-Runde und Tokio-Runde - kam es zu Abkommen über Zoll Senkungen und einen Abbau der nicht-tarifä'ren Handelsschranken.
Viele Länder schützen jedoch weiterhin ihre Binnenmärkte" gegen internationale

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�gegen internationale Konkurrenz, indem sie protektionistische Maßnahmen ergreifen,
die außerhalb des GATT-Rahmens fallen oder außerhalb von GATT-Verpflichtungen
Hegen.
Nach Auffassung der amerikanischen Regierung müssen die Minister hier eine
eindeutige und nachhaltige Erklärung

abgeben, die klarstellt, daß Unternehmer

und Geschäftsleute gegen Protektionismus geschützt werden. Die Vereinigten
Staaten hoffen, daß die Minister vor allem zur Lösung der Probleme auf den
Gebieten der Sicherheitsbestimmungen,derLandwirtschaft, der Regelung von Streitfällen und der Beziehungen zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern
beitragen werden. Hier haben sich in der Vergangenheit die größten Schwierigkeiten
ergeben.
Das GATT hat bereits Regeln über die Anwendungen von Sicherheitsbestimmungen
aufgestellt, aber, so heißt es in Washington, Regierungen haben diese Regeln
nach Belieben angewandt, um Exportbeschränkungen zu verhängen. "Wir hoffen", so
erklärte ein amerikanischer Regierungsvertreter, "daß die Minister diesen Maßnahmen ein Ende bereiten und auch einen Prozeß einleiten werden, sie einer
internationalen Disziplin zu unterwerfen."
Die GATT-Regelungen bezüglich der Landwirtschaft haben sich schon immer
von denen für den industriellen Handel unterschieden, vor allem was die Exportsubvention landwirtschaftlicher Erzeugnisse anbetrifft. Hier hoffen die Vereinigten Staaten, daß es den Ministern gelingen wird, "die Regeln für die Landwirtschaft in stärkere Übereinstimmung mit den Regeln zu bringen, die für den
Handel mit industriellen Erzeugnissen gelten".
In amtlichen Kreisen in Washington ist man ferner besorgt, daß die Verfahren
und Möglichkeiten für die Beilegung von Streitfragen im GATT nicht gut funktionieren und eine Reihe von Fällen seit Jahren ansteht. "Die Minister müssen die
Anwendung der Verfahren des GATT für die Beilegung von Streitfällen verbessern
und klarmachen, daß Länder nicht einfach Berichte von Untersuchungsausschüssen
blockieren können, weil ihnen die Ergebnisse nicht gefallen", heißt es dazu in
Washington.
Sehr viel
- 2 -

�Sehr viel liegt den Vereinigten Staaten daran, die Handelsbeziehungen
zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern zu verbessern - vor allem
durch eine Nord-Süd-Verhandlungsrunde über Marktzugang. Den Entwicklungsländern
müsse ein bevorzugter Zugang zu den Märkten in den Industriestaaten geboten
werden, und die Entwicklungsländer müßten die Schranken gegen Einfuhren aus
Industriestaaten abbauen. "Die Vereinigten Staaten hoffen, daß sich die Minister
auf ein Datum für den Beginn solcher Verhandlungen über Handelsliberalisierung
einigen werden", heißt es dazu in Washington.
In Washington hofft man ferner, daß die Ministertagung eine Tagesordnung
für die künftige Arbeit des GATT aufstellen wird, wobei vor allem an drei Gebiete gedacht ist: Dienstleistungen für den Handel (Versicherungen usw.);
handelsbezogene Leistungserfordernisse und Handel mit hochtechnologischen Gütern.
"Das oberste Ziel der Vereinigten Staaten auf der kommenden Ministertagung
ist es, das multilaterale Handelssystem zu liberalisieren, indem das GATT gestärkt und gleichzeitig sichergestellt wird, daß es den Erfordernissen der Handelswelt mindestens für den Rest der achtziger Jahre entspricht", erklärte ein
Regierungsvertreter in Washington.
Im Zusammenhang mit einer Gesetzesvorläge im amerikanischen Kongreß, nach
der kein ausländisches Kraftfahrzeug in den Vereinigten Staaten verkauft werden
dürfte, wenn nicht die meisten seiner Teile und Arbeitsanteile in den USA erbracht worden sind, werden die amerikanischen Delegierten dieses Problem auf
der GATT-Konferenz zur Sprache bringen. Die Reagan-Administration hat sich entschieden gegen diese Gesetzesvorlage gewandt. Ähnliche protektionistische Versuche werden jedoch auch in anderen Ländern beobachtet. Es gibt nach einer
kürzlichen Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mindestens 13 Arten von handelsbezogenen Investitionsbedingungen,
doch werden die Vereinigten Staaten auf der kommenden GATT-Konferenz nur zwei
von ihnen, die Bestimmungen über den "einheimischen Anteil" und die "Exporterfordernisse", ansprechen.
In amerikanischen

- 3 -

�In amerikanischen Regierungskreisen räumt man ein, daß man kein rechtes
Verständnis für die weltweiten HandelsVerzerrungen habe, die aus diesen
Praktiken entstehe. Amerikanische RegierungsVertreter rechnen mit zwei ernsten
langfristigen Auswirkungen, wenn diese Art von Investitions- oder Verhaltensweisen weiter ungehindert andauert.
Wenn, erstens, Länder Leistungserfordernisse verlangen, um einheimische Hersteller zu fördern, gleichgültig, ob sie diese Erzeugnisse aus dem Ausland
billiger einführen könnten, dann bedeutet dies letztlich ein verringertes
Wachstum des Welthandels und der Welterzeugung, wobei die am wenigsten entwickelten Länder den höchsten Preis bezahlen.
Zweitens, alle Entwicklungsländer werden darunter leiden, wenn alle
Industrieländer mit ähnlichen Forderungen zurückschlagen. In diesem Falle würden
die Investitionen der Industrieländer von den Niedrigkosten-Ländern in die
Verbraucherländer umgelenkt werden.
In amtlichen Kreisen in Washington wird erklärt, daß die Vereinigten Staaten
möglicherweise ein Arbeitsprogramm in drei Phasen vorschlagen werden. Als erstes
würden die GATT-Mitglieder gebeten, das Sekretariat über die Anwendung von
Leistungserfordernissen in Kenntnis zu setzen, damit eine Liste aller Arten
von Maßnahmen und des Umfangs der Maßnahmen aufgestellt werden könnte.
In der zweiten Phase würde untersucht, welche Verzerrungen des Handels durch
solche Maßnahmen hervorgerufen werden.
In der Abschlußphase würde man das gegenwärtige GATT-System daraufhin über- •
prüfen, ob es bereits Werkzeuge gibt, um mit den Fragen der handelsbezogenen
Investitionen fertigzuwerden, und ob es neuer Instrumente bedarf.
Die Verhandlungen in Genf werden nach amerikanischer Auffassung nicht ganz
leicht werden; die Vereinigten Staaten werden jedoch versuchen, zu Lösungen beizutragen, die einer Liberalisierung des Welthandels dienen.
+ + +

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10. November 1982

USA SCHAFFEN ZUSATZKAPAZITÄTEN FÜR KOHLEEXPORT

- (AD) - Angesichts der Preissteigerungen beim Bezug von öl und Gas und
der zeitweiligen Unsicherheit» insbesondere in der Verfügbarkeit von Ol, griff
die Industrie weltweit wieder mehr auf Kohle als Energieträger zurück. Die
Vereinigten Staaten als ein Land mit überaus reichen Kohlevorkommen erwiesen
sich in dieser Situation als der zuverlässigste Kohlelieferant. Die ReaganAdministration ist bemüht, gemeinsam mit der Privatwirtschaft, den Verwaltungen
der Bundesstaaten und Kommunen für eine weitere Verbesserung der Infrastruktur
zu sorgen, um den Kohletransport im Lande zu erleichtern und die Hafenkapazitäten für die Kohleverfrachtung zu erweitern. Die Vereinigten Staaten sollen
ein führendes Kohleexportland werden - ein Land mit Reserven, die bei der
gegenwärtigen Abbauaktivität etwa 500 Jahre reichen dürften.
Für den Weltmarkt ist Kohle aus den USA schon seit langem ein wichtiger
Faktor, insbesondere für die Versorgung mit Hüttenkohle. Inzwischen konzentriert
sich aber, international gesehen, das Interesse immer mehr auf Heizkohle für
Kraftwerke und Kesselanlagen der Industrie. Der Absatz solcher Heizkohle nahm
infolge der politischen Unsicherheit in Mittelost und der Verdoppelung der

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�Verdoppelung der Weltölpreise im Jahr 1979 rapide zu. Obgleich auch in den
Vereinigten Staaten die Produktionskosten für Kohle in den letzten 15 Jahren
merklich anstiegen, haben sie sich jetzt stabilisiert. Gemessen an der
produzierten Wärme kostet amerikanische Kohle als "Rohstoff" nur ein Drittel
dessen, was für öl aufgewendet werden muß.
Die weltweite Rezession hat die Nachfrage nach Kohle etwas gedämpft.
Dies dürfte sich aber deutlich ändern, wenn die wirtschaftliche Erholung
erst einmal in Gang gekommen ist. Das Absacken der Kohleförderung in Polen
könnte in Verbindung mit Arbeiterproblemen bei den australischen und südafrikanischen Bergwerksunternehmen viele Länder veranlassen, ihre Kohle künftig
aus den Vereinigten Staaten als dem zuverlässigsten Lieferanten für hochwertige
Kohle zu beziehen. Dort befinden sich ca. 25 Prozent der Weltvorkommen - mit
abbauwürdigen Reserven von schätzungsweise 430 Milliarden Tonnen in den Ostund Mittelweststaaten sowie in einigen westlichen Regionen.
Daß die Privatwirtschaft mit Hunderten von Unternehmen im Kohlebergbau
auf Bedarf im Ausland rasch reagieren kann, bewies sie 1980, als die Exporte
plötzlich auf 85 Millionen Tonnen Kohle (gegenüber 62 Millionen Tonnen im Jahr
davor) anstiegen. Den Hauptanteil hatte übrigens Heizkohle - ein Anzeichen
dafür, daß Kohle Erdöl ersetzen soll. Gegenwärtig exportieren die USA etwa
12 Prozent ihrer Jahresförderung.
Für eine beträchtliche Expansion gibt es genügend Spielraum. Die Marktforschungsfirma "Predicasts, Inc." in Cleveland, Ohio, bezeichnete kürzlich
eine jährliche Wachstumsrate der amerikanischen Kohleförderung von fünf
Prozent in den Jahren von 1983 bis 1995 als realistische Erwartung. Danach
dürfte den Schätzungen des Unternehmens zufolge der Jahresausstoß fast 1,5
Milliarden Tonnen Kohle erreichen - mehr als das Doppelte als die gegenwärtige
Förderleistung im Jahr. Obgleich der Inlandsverbrauch etwa im gleichen Ausmaß
steige und 1995 bei 1,3 Milliarden Tonnen liegen dürfte, stünden bis dahin pro
Jahr 225 Millionen Tonnen Kohle für den Export zur Verfügung. Dies ist mehr als
die doppelte Menge der Kohle, die im Jahr 1981 (110 Millionen Tonnen) von den

- 2 -

�von den USA exportiert wurde. Die US-Regierung verpflichtete sich im vergangenen Jahr, "die vertraglichen Abmachungen im Kohlehandel nicht zu unterbrechen, wenn sie nicht durch einen ernsten nationalen Notstand dazu gezwungen wird". .
Vom Kohlereichtum der USA und der Leistungsfähigkeit der privaten Bergwerksunternehmen einmal abgesehen, sind das relativ gute Klima zwischen den
Sozialpartnern sowie die guten Möglichkeiten für den Transport der Kohle von
den Bergwerken und ihre Verladung auf Schiffe mitbestimmend für den guten
Ruf der Vereinigten Staaten als zuverlässiges Lieferland, Per Bahn und auf
Wasserwegen wird die Kohle in erster Linie zu den Häfen Baltimore (Maryland)
und Hampton Roads (Virginia) an der Ostküste, nach Mobile (Alabama)und New
Orleans (Louisiana) an der Golfküste sowie nach Long Beach-Los Angeles in
Kalifornien und zu anderen Häfen im Westen gebracht. Zwar seien manche Schleusenanlagen an Flüssen und Kanälen veraltet, und einige Eisenbahngesellschaften
konnten bisher wegen finanzieller Schwierigkeiten noch keine technischen Verbesserungen vornehmen, wie ein Regierungsbeamter einräumt. Jedoch seien eine
ganze Anzahl von Eisenbahngesellschaften "in aggressiver Weise" dabei,
ihre Anlagen und ihren Betrieb zu verbessern. Beim Transportwesen im Inland
ergeben sich ohnehin keine größeren Hindernisse für das Kohleexportprogramm.
Die amerikanischen Häfen werden ausgebaut. Jedoch wurde das Tempo infolge
der hohen Kosten für diese Projekte und gleichzeitig der schwächeren Kohlenachfrage aus dem Ausland vorübergehend gebremst. Von 1980 bis 1982 wurden in
wichtigen Häfen der Atlantik-, Golf- und Westküste mehr als 50 Projekte zur
Verladung oder Lagerung von Kohle angekündigt und vorgeschlagen. Im US-Schifffahrtsamt errechnete man die gegenwärtige Kapazität für die Kohleverladung auf
146 Millionen Tonnen; das US-Handelsministerium gab die Prognose, daß sich
diese Zahl bis 1985 auf mehr als 450 Millionen Tonnen erhöhen werde. Dem erwarteten Auslandsbedarf könnte damit leicht Rechnung getragen werden.

Ein Engpaß

- 3 -

�^

Ein Engpaß ergebe sich noch, wie ein Regierungssprecher erklärte, aus dem
Fehlen von Tiefwasserhäfen an der Ost- und Westküste für Kohle-Großtransportschiffe. Auch seien viele Kanäle nicht tief genug angelegt. Akut ist das Problem
vor allem im Bereich Hampton Roads-Norfolk, von wo aus die Hälfte der amerikanischen Exportkohle verschifft wird - auch die für Asien bestimmten Lieferungen.
Je stärker Japan und andere ostasiatische Importländer Kohle aus dem
Westen der Vereinigten Staaten in Anspruch nehmen, desto weniger dürfte das
Kanalproblem noch Bedeutung haben. Denn der Hafenkomplex Los Angeles-Long Beach, (
von wo aus die größten Mengen Exportkohle an der amerikanischen Westküste verschifft werden, verfügt über einen natürlichen Kanal, der auch größere Kohlenschiffe aufnehmen kann. In den nächsten fünf bis sieben Jahren dürften zumindest
einige der Ostküstenhäfen genügend große Tiefen für Großtransportschiffe erhalten. Sowohl die Regierung als auch der Kongreß suchen nach Mitteln und Wegen,
um ausreichend tiefe Schiffahrtswege für die großen Seefahrzeuge zu schaffen,
die in zunehmendem Maß im Welthandel mit Kohle eingesetzt werden. In der
Zwischenzeit wollen die Vereinigten Staaten die Kohleverladung von der Bahn
aufs Schiff vereinfachen und durch Innovationen in der Schiffskonstruktion den
Mangel an Tiefwasserhäfen vorläufig überbrücken.
Während die amerikanischen Kohleexportstellen darauf bedacht sind, mehr
Kohle schneller umzusetzen, schließt die Reagan-Administration jegliche Art von
Subventionen aus. Vielmehr werden die Kohlepreise auch weiterhin vom Wettbewerb
unter den Hunderten von Firmen bestimmt, die in der "National Coal Association"
(NCA) zusammengeschlossen sind. Carl Bagge, der Präsident der NCA, riet vor
kurzem den Partnerfirmen, ihre Exportpreise niedrig zu halten. Bruce C. Wilson
vom Verband der Kohleexporteure faßte die wichtigsten Beweggründe für den Kauf »
amerikanischer Kohle durch die Kunden in Obersee folgendermaßen zusammen: "Die
Vereinigten Staaten verfügen über die Reservebasis, über eine wettbewerbsfähige
Kohleindustrie mit der erforderlichen Technologie und den notwendigen geschulten
Arbeitskräften, die unterstützt wird von einem angemessenen Transportsystem und
vom politischen Klima - alles notwendige Dinge, um dem Weltbedarf an Kohle nachzukommen."
+ + +

- 4-

�Wi//en/chcift
und Technik

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United States Information Service
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10. November 1982

44

ENERGIESPARTREND BLEIBT - ABER MEHR STROMBEDARF
Leichtindustrie gewinnt immer mehr an Bedeutung

- (AD) - Nach Meinung von Dr. James Edwards, dem bisherigen Energieminister der Vereinigten Staaten, dürfte sich das Sparverhalten auf dem Energiesektor in Amerika erst dann ändern, wenn die Wirtschaft deutliche Zeichen einer
Verbesserung der Lage erkennen läßt. Vorläufig sei auch kaum mit einer Änderung der öl preise zu rechnen.
Vor dem Nationalen Presseclub erklärte Edwards am 28. Oktober 1982,
daß die USA "noch nicht begonnen haben, auf energie-effizientere Technologien
überzugehen.

Erst im nächsten Jahrzehnt und in der Folgezeit werden wir den

Nutzeffekt zunehmend steigern.

Und je weiter die Wirtschaft ihren Verlagerungs-

prozeß von der Schwer- zur Leichtindustrie voranbringt, desto weniger Energie
benötigt die Industrie künftig zum Produzieren.

Die alte Zeit ist vorbei -

ein für allemal... Der Spartrend bleibt."
Einsparung von Energie sei der Hauptgrund dafür, daß die Energiepreise
in den Vereinigten Staaten zurückgehen, obgleich natürlich internationale Entwicklungen nicht ohne Einfluß seien.

Aber "in dem einen Jahr 1978-79 stiegen

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�1978-79 stiegen die Energiepreise um 130 Prozent - und dieser Umstand zwang
die Amerikaner, Energie zu sparen".
Edwards zitierte aus einem am 28. Oktober 1982 vom US-Energieministerium
veröffentlichten neuen Bericht, demzufolge die USA von der im Jahr 1981 verbrauchten Energie 88 Prozent selbst produzierten.

Die restlichen 12 Prozent

wurden importiert; im Jahr 1977 waren es noch 24 Prozent.
Die Studie verweist auf den Rückgang des Inlandsverbrauchs und den Anstieg der inländischen Energieproduktion.

Sie gibt eine Übersicht zur gegen-

wärtigen Energiesituation sowie zur voraussichtlichen Entwicklung bis zum
Jahr 2000:

Während in den kommenden 18 Jahren der Energieverbrauch in Amerika

um weniger als 30 Prozent steigen dürfte, sei im gleichen Zeitraum mit einer
Zunahme der inländischen Energieproduktion um etwa 35 Prozent zu rechnen.
"Stabile ölpreise haben geholfen, die Inflation zurückzuschrauben",
erklärte Edwards.

"Die Aufhebung der Preisbindung hat den amerikanischen

Glauben an den freien Markt erneuert.

Sofern es im Mittleren Osten

nicht zu

unvorhergesehenen Ereignissen kommt, dürfte in den nächsten paar Jahren der
ölpreis stabil bleiben."

Die Menge strategischer Erdölreserven sei unter der

Reagan-Administration mehr als verdreifacht worden - von 90 Millionen Barrel
im Dezember 1980 auf gegenwärtig 289 Millionen Barrel.

Diese Reserven seien

eine enorme Hilfe, den Schock einer unerwarteten künftigen Versorgungskrise
zu mildern.

Wenn es nicht zu einer solchen Unterbrechung komme, reichten die

amerikanischen und weltweiten Reserven in Verbindung mit den sich entwickelnden
Technologien aus, um auch längerfristig den geschätzten Energiebedarf zu dekken - "vorausgesetzt, daß marktbedingte Behinderungen ihre Anwendung nicht
einschränken".
Ein weiterer bedeutsamer Fortschritt sei die Öffnung der Schelfgebiete
und des Landbesitzes der öffentlichen Hand für die öl- und Gasexploration.
Das Santa-Maria-Becken vor der kalifornischen Küste besitze ein enormes Reservepotential, das bereits mit dem der Prudhoe-Bucht in Alaska verglichen werde.

- 2 -

�verglichen werde.

An Pachtgebühren für die Erschließung des Schelfgebiets

der "New Beaufort Sea" (Alaska) seien zwei Milliarden Dollar als Einnahmen
für das US-Finanzministerium zu erwarten - weitaus mehr, als zuvor angenommen.
Als wichtige Zukunftsaufgaben nannte Edwards die Preisfreigabe bei Erdgas und den Bau von mehr Kernkraftwerken.

"Je weiter die Verlagerung von der

Schwerindustrie auf hochwertige Verfahrens- und Feintecznik voranschreitet,
desto mehr wird Elektrizität als Primä'renergie gebraucht", meinte Edward.
"Wir müssen sehr leistungsfähig sein,und es gibt keine Technologie, die so
leistungsfähig oder so sauber oder so sicher wie Kernenergie ist."
Dr. James Edwards trat am 5. November sein neues Amt als Präsident der
Medizinischen Universität von Südkarolina an.

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan bekräftigt US-Unterstützung für Frieden in Lateinamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Briefwechsel mit Bürgern Venezuelas -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan und Shultz: Die Demokratie muss gefördert werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- "Konferenz über freie Wahlen" in Washington -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Welthandelssystem in der Krise: USA streben auf GATT-Konferenz politische Lösungen an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unseren Sonderkorrespondenten Robin Newman und Jon Schaffer -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA schaffen Zusatzkapazitäten für Kohleexport&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Energiespartrend bleibt - aber mehr Strombedarf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Leichtindustrie gewinnt immer mehr an Bedeutung -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>nrofffiacion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

17. November 1982

45
INHALT
DOKUMENTATION

Erklärung Präsident Reagans bei der Begrüßung von Bundeskanzler Kohl
Erklärung Präsident Reagans bei der Verabschiedung von Bundeskanzler Kohl
Reagan hebt Sanktionen gegen Bau der Erdgasleitung auf
- Rundfunkansprache des US-Präsidenten Reagan: USA weiterhin an Verbesserung der Beziehungen zur UdSSR
interessiert
- Pressekonferenz des US-Präsidenten Erklärung Ronald Reagans zum Jahrestag der Solidarität
- 10. November ein Meilenstein im Kampf um die Freiheit Erklärung der Internationalen Gewerkschaftsbewegung zu Polen
- Forderung nach Wiederherstellung der gewerkschaftlichen Rechte in Polen
HINTERGRUNDMATERIAL
Gemeinnützige Organisationen der USA:

Hilfe für das polnische Volk

- Von unserem Korrespondenten Elez Biberaj WISSENSCHAFT UND TECHNIK
COLUMBIA vom ersten kommerziellen Einsatz zurück
- Fremdaufträge ausgeführt - Reichhaltiges Arbeitsprogramm öl- und Gasexploration Schwerpunkt bei Investitionen
Schiffsfunk über INTELSAT V

Belegexemplaren
wird gebeten

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Telex: 8-85432

�17. November 1982

Nr. 45

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT REAGANS BEI DER BEGRÜSSUNG VON
BUNDESKANZLER KOHL

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat bei der Begrüßung von
Bundeskanzler Helmut Kohl bei dessen Ankunft im Weißen Haus am 15. November 1982 folgende Erklärung abgegeben:
Bundeskanzler Kohl, Frau Kohl, im Namen des amerikanischen Volkes
ist es für Nancy und mich eine Ehre und Freude, Sie in Washington willkommen zu heißen. Vor meinen Besuch in der Bundesrepublik Deutschland in
diesem Jahr half Bundeskanzler Kohl, der damals noch nicht das hohe Amt
bekleidete, das er heute innehat, mehrere Kundgebungen zu organisieren.
Er wollte uns wissen lassen, daß wir willkommen seien, und allen Amerikanern den ehrlichen, guten Willen des deutschen Volkes versichern.
Bundeskanzler Kohl, ich schätze diese wunderbare Geste sehr hoch. Wie
ich hörte, haben in Bonn rund 75 000 Menschen an der Kundgebung teilgenommen, und auf einem der Transparente war zu lesen: Sag etwas Gutes über
Amerika! Heute sind bestimmt alle Amerikaner glücklich, dieses Kompliment

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�dieses Kompliment zurückzugeben, denn es gibt sicherlich sehr viel Gutes
zu sagen über Sie, Herr Bundeskanzler, über das deutsche Volk und über
das starke Band, das uns verbindet.
Eine kürzliche Studie hat ergeben, daß heute mehr Amerikaner ihre
Herkunft in Ihr Land zurückverfolgen können als in irgendein anderes
Land. Deutsche Einwanderer brachten die harte Arbeit und Entschlossenheit auf, die einen großen Teil des Mittleren Westens besiedelte und
rauhes Land an den neuen Grenzen, wie das in den Dakotas, eroberte und
auf diesem Land wunderbare Ernten reifen ließ, die halfen, die Welt zu
ernähren. In anderen Industrien halfen deutsche Energie und deutscher
Einfallsreichtum, die Fabriken und Betriebe zu bauen, die unseren Lebensstandard hochschnellen ließen und das Schicksal des Mannes auf der
Straße von einem Leben der Schinderei zu neuem Fortschritt erhob im
Einklang mit der Würde und Achtung des Einzel menschen. Aber wie Sie
wissen, Herr Bundeskanzler, war es nicht nur einfach harte Arbeit, die
Amerika aufgebaut hat. Hier gab es Freiheit - Freiheit, zu der deutsche
Einwanderer viel beigetragen haben.
Einer der ersten Präzedenzfälle der Pressefreiheit beispielsweise
wurde geschaffen, als Peter Zenger, ein deutscher Einwanderer, in seiner Zeitung sich offen gegen den Mißbrauch der Macht durch einen öffentlichen Bediensteten aussprach. Als die Geschworenen Peter Zenger freisprachen, machten sie die Pressefreiheit zu einem Eckpfeiler unseres
demokratischen Systems. Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, als sich
die Unruhe in ganz Westeuropa ausbreitete, waren wir das Aufnahmeland
vieler politischer Flüchtlinge, die große Beiträge zur Freiheit in
Amerika geleistet haben. Einer der bedeutsamsten, Carl Schurz, war eines
der Gründungsmitglieder der Republikanischen Partei. Hier sehen Sie,
Herr Bundeskanzler, einen Grund, warum ich persönlich so dankbar bin.
Zu Ihrer

�Zu Ihrer Begrüßung weilt unter uns heute eine Gruppe junger Menschen
aus Ihrem Lande, die die Herbstmonate bei amerikanischen Familien in
Virginia verbringen. Sie sind Teil unseres Jugendaustauschprojekts zwischen unseren beiden Ländern,und diese Art von Verbindungen läßt viel
für die Zukunft hoffen.
Die Zukunft unserer beiden Länder hängt so sehr von Freundschaft
und gemeinsamen Werten ab. In diesen unsicheren Zeiten, in denen eine
Macht im Osten eine massive Kriegsmaschine weit über alle legitimen
Verteidigungserfordernisse hinaus aufgebaut hat, müssen die westlichen
Demokratien zusammenstehen, wenn unsere Freiheit und der Frieden in der
Welt erhalten werden sollen.
Das deutsche Volk steht an der Frontlinie der Freiheit. Als ich vor
einigen Monaten in Ihrem Lande war, rief ich Ihren Bürgern zu, "Sie
sind nicht allein. Wir sind mit Ihnen". Heute, Herr Bundeskanzler, kann
ich Ihnen sagen, daß wir glücklich sind, daß das deutsche Volk mit uns
ist.
Die westlichen Demokratien und die künftige Freiheit der Menschheit und der Frieden der Welt wären weit weniger sicher, wenn dem nicht
so wäre. Ihr persönlicher Einsatz und der Ihrer Regierung für die
Erfordernisse unseres Bündnisses werden hier ebenso geschätzt wie die
Tiefe, die Sie der Bedeutung unseres Vertrages verleihen. In Wahrheit,
wie Sie kürzlich bemerkt haben, sind wir kein Militärbündnis. Die Waffengemeinschaft, so sagten Sie, ist da, um die Gemeinschaft der Ideen
zu verteidigen. Der wichtige Punkt ist, daß wir gemeinsame Ideen haben
bezüglich der Menschenrechte, der Bürgerrechte, unserer moralischen Werte,
unserer moralischen Gesetze.
Ich freue mich auf unsere heutigen Gespräche. Ich gehe davon aus,
daß es auf einem Treffen der Führer der zwei großen Nationen, deren
Interessen so ineinander verwoben sind, viele lebenswichtige Fragen zu

- 3 -

�Fragen zu erörtern gibt. Wie unter allen guten Freunden werden wir gelegentlich unterschiedlicher Meinung sein, aber in freien Gesellschaften sind wir Differenzen gewöhnt, wie auch eine friedliche Beilegung,
um unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen.
Wenn wir heute hier stehen, dann bin ich sicher, daß unsere gemeinsamen Interessen, unsere gemeinsame ZukunftsVision und unsere gemeinsame
Verpflichtung zur menschlichen Freiheit alle Differenznn zwischen unseren
Ländern überwinden werden. Unsere Regierungen werden in engster Konsultation und in einem Geist der Freundschaft und Offenheit arbeiten.
Wir danken Ihnen, daß Sie gekommen sind,und 1m Namen
nischer, Volkes: Willkommen.
+ + + + +

- 4 -

des amerika-

�Nr. 45

17. Novemberi98Z

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT REAGANS BEI DER VERABSCHIEDUNG VON
BUNDESKANZLER KOHL

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat bei der Verabschiedung von Bundeskanzler Helmut Kohl am 15. November 1982 vor dem Weißen
Haus folgende Erklärung abgegeben:
Bundeskanzler Kohl und ich haben gerade eine Reihe von Gesprächen
abgeschlossen, die sich auf einen weiten Bereich politischer, sicherheitspolitischer und wirtschaftlicher Fragen von beiderseitigem Interesse für beide Länder erstreckten.
Wir waren uns einig, daß enge Konsultationen wie in der Vergangenheit notwendig sind, und wir haben die volle Absicht, im engen Kontakt
zu bleiben. Ich möchte diese Gelegenheit benutzen, um bekanntzugeben,
daß im Rahmen unserer Initiative zur Verstärkung der Kontakte zwischen
dem deutschen und dem amerikanischen Volk eine hochrangige Kommission
für die amerikanisch-deutschen Drei hundertjahrfeiern gebildet worden
ist. Diese Gruppe wird die vielen Aktivitäten anläßlich der Feier des
drei hundertsten Jahrestages der Ankunft der ersten deutschen Siedler

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�deutschen Siedler in Amerika in Germantown, Pennsylvanien, koordinieren.
Bundeskanzler Kohl und ich sind gerade mit mehreren Amerikanern zusammengetroffen, die jetzt hinter uns stehen und sich bereiterklärt haben,
diese Anstrengung zu unterstützen. Wir werden ihren Fortschritt genau
verfolgen.
Im Jahre 1983 werden wir der zahllosen Beiträge gedenken, die unsere
Mitbürger deutscher Abstammung zur amerikanischen Gesellschaft geleistet
haben - einschließlich der unseres Außenministers Shultz, dessen Vorfahren aus Südwestdeutschland kamen. In vielen Gemeinden in beiden Ländern
sind Veranstaltungen zur Feier des Jahrestages geplant. Die Kommission
wird mich während der ganzen Gedenkfeiern vertreten, und ihren Vorsitz
wird der frühere Leiter unseres nationalen Sicherheitsrates, Richard
Allen, innehaben; Charles Wick, der Direktor des amerikanischen Informationsamtes, Bundesrichter Warren Burger und andere prominente Amerikaner
haben sich zur Mitarbeit bereiterklärt.
Einer der Höhepunkte der Feierlichkeiten wird im Oktober 1983 in
Philadelphia mit einem Galabankett stattfinden, an dem Bundespräsident
Carstens und ich teilzunehmen hoffen. Auch der Kongreß der Vereinigten
Staaten gedenkt dieses Anlasses. Der Senat hat eine jetzt dem Repräsentantenhaus vorliegende gemeinsame Resolution verabschiedet, durch die
1983 zum deutsch-amerikanischen Drei hundertjahr-Gedenkjahr proklamiert
wi rd.
Ich bin sicher, daß die Feiern zum Gedenken der tiefen und dauerhaften Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern ein großer Erfolg sein
werden. Und lassen Sie mich noch einmal sagen, daß es mir ein großes Vergnügen war, Bundeskanzler Kohl wieder in unserem Lande zu begrüßen.
+ + + + +

- 2 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

17. November 1982

Nr. 45

REAGAN HEBT SANKTIONEN GEGEN BAU DER ERDGASLEITUNG AUF
- Rundfunkansprache des US-Prä'sidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Rundfunkansprache an das amerikanische Volk am 13. November 1982 die Sanktionen
gegen den Bau der sowjetischen Erdgasleitung nach Europa aufgehoben.
Diese seien nicht mehr notwendig, so erklärte der amerikanische Präsident, weil man sich unter den westlichen Verbündeten auf langfristige
Einschränkungen im strategischen Handel mit der Sowjetunion geeinigt
habe.
In Regierungskreisen in Washington wird betont, daß ein Übereinkommen zwischen den Vereinigten Staaten, den europäischen NATO-Ländern und
Japan erreicht worden sei, das striktere Kontrollen des Handels mit strategischen Gütern, einheitlichere Kreditkonditionen sowie eine Pause in
der Unterzeichnung neuer Lieferverträge für Erdgas während einer dringenden Studie über alternative Energiequellen im Westen vorsehe. All das
signalisiere der Sowjetunion, daß die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten sich in weitgehender Übereinstimmung über die fundamentalen

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�die fundamentalen Aspekte der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Ost
und West befänden.
Die Rundfunkansprache des amerikanischen Präsidenten hat folgenden
Wortlaut:
Während des Wahl kämpfes vor zwei Jahren habe ich von der Notwendigkeit gesprochen, daß die Vereinigten Staaten in ihrem Verhältnis zur
Sowjetunion wieder das Gleichgewicht herstellen. Zu viele Jahre lang
haben wir stillgehalten, während die Sowjets ihre militärische Stärke
erhöht und ihren Einfluß von Afghanistan bis Äthiopien und darüber hinaus erweitert haben.
Ich brachte die Überzeugung zum Ausdruck, die Sie offensichtlich geteilt haben, daß es für die Vereinigten Staaten an der Zeit war, einen
neuen Kurs abzustecken.
Seit jener Zeit haben wir uns an den Aufbau unserer Verteidigungsstreitkräfte gemacht, um unsere Sicherheit zu erhöhen und damit die Aussichten auf Frieden zu stärken. Wir haben noch einen weiten Weg zu gehen,
aber die Tatsache, daß wir einen neuen Kurs eingeschlagen haben, hat uns
in die Lage versetzt, das umfassendste Vorschlagspaket für Rüstungsverringerung und -kontrolle in über einem Vierteljahrhundert vorzulegen.
Ich war schon immer der Überzeugung, daß die Sowjets, wenn sie wissen,
daß es uns mit der Aufrechttrhaltung unserer Sicherheit ernst ist, eher
bereit wären, ernsthaft zu verhandeln. Ich werde in naher Zukunft mehr
im Detail zu Ihnen über diese Frage der Rüstungskontrolle und - was noch
wichtiger ist - Rüstungsverringerung sprechen.
Aber hier und heute habe ich Ihnen so etwas wie eine Nachricht mitzuteilen. Das Kräfteverhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion kann nicht allein in Waffen und Bombern gemessen werden.
Die Stärke jeder Nation hängt in einem großen Maße auch von ihrer wirt-

- 2 -

�ihrer wirtschaftlichen Stärke ab.
Leider haben die Wirtschaftsbeziehungen des Westens zur UdSSR nicht
immer den nationalen Sicherheitszielen des Bündnisses gedient. Die Sowjetunion

steht

vor ernsten wirtschaftlichen Problemen. Aber wir, und da-

mit meine ich alle Länder der freien Welt, haben den Sowjets geholfen,
daß sie in mancher Hinsicht nicht vor eine harte wirtschaftliche Wahl gestellt wurden, indem wir ihnen Vorzugsbedingungen im Handel eingeräumt,
den Erwerb militärisch relevanter Technologie erlaubt und einen Markt
für ihre Energieressourcen geboten haben, selbst dann, wenn dies eine
übermäßige Abhängigkeit schuf.
Indem wir ihnen eine solche Vorzugsbehandlung eingeräumt haben, haben wir unsere eigenen Probleme verschärft und eine Situation geschaffen,
in der wir mehr Geld für unsere eigene Verteidigung ausgeben müssen, um
mit den sowjetischen Kapazitäten Schritt zu halten, deren Aufbau wir unterstützt haben.
Seit meiner Amtsübernahme habe ich gegenüber unseren Verbündeten immer wieder die Wichtigkeit unserer wirtschaftlichen und auch unserer politischen Beziehungen zur Sowjetunion hervorgehoben.
Auf dem Wirtschaftsgipfel in Ottawa im Juli 1981 habe ich gegenüber
den Staats- und Regierungschefs der anderen wichtigen Länder des Westens
und Japans meine Überzeugung zum Ausdruck gebracht, daß wir einfach nicht
so weitermachen könnten wie bisher. Ich schlug vor, einen neuen Satz von
Regeln für die wirtschaftlichen Beziehungen zur Sowjetunion aufzustellen,
der unsere Sicherheitsanliegen an die erste Stelle rücken würde. Es ist
mir damals nicht gelungen, ein übereinkommen über eine gemeinsame Politik
zu erreichen.
Dann verhängte im Dezember 1981 die polnische Regierung auf sowjetischen Druck hin das Kriegsrecht über das polnische Volk und verbannte die

- 3 -

�verbannte die Gewerkschaft Solidarität. Diese Maßnahmen zeigten ganz
deutlich, daß unsere Hoffnungen auf eine Mäßigung im sowjetischen Verhalten wohl kaum in Erfüllung gingen. Als Antwort auf jene Maßnahmen verhängte ich ein Embargo über bestimmtes ül- und Gasgerät, um unseren nachhaltigen Widerstand gegen solche Maßnahmen zu demonstrieren und den
Sektor der sowjetischen Wirtschaft zu bestrafen, der so stark von Hochtechnologie abhängt - von der viel aus dem Vereinigten Staaten kommt.
Im Juni dieses Jahres habe ich unser Embargo, das für amerikanische
Unternehmen und ihre Erzeugnisse galt, auch auf Tochtergesellschaften
amerikanischer Unternehmen im Ausland und auf ausländische Lizenznehmer
amerikanischer Unternehmen ausgedehnt. Es ist kein Geheimnis, daß unsere
Verbündeten dieser Maßnahme nicht zustimmten. Wir verstärkten unsere
Konsultationen mit ihnen in dem Bestreben, eine dauerhafte, realistische
und sicherheitsbewußte Wirtschaftspolitik gegenüber der Sowjetunion zustandezubringen. Diese Konsultationen haben sich über Monate hingezogen.
Ich freue mich, heute bekanntgeben zu können, daß die demokratischen
Industriestaaten heute vormittag ein sachliches Übereinkommen über einen
Aktionsplan erreicht haben. Das Übereinkommen, zu dem wir gelangt sind,
zeigt, daß das westliche Bündnis grundlegend einig ist und die Absicht
hat, strategische Fragen in Rechnung zu stellen, wenn Entscheidungen
über den Handel mit der UdSSR getroffen werden.
Wir sind als Ergebnis übereingekommen, keine Handelsvereinbarungen
einzugehen, die zum militärischen oder strategischen Vorteil der UdSSR
beitragen oder dazu dienen, der stark militärisch ausgerichteten sowjetischen Wirtschaft Vorzugshilfe zu gewähren. Wenn wir diese Prinzipien in
die Praxis umsetzen, werden wir den Handel mit hochtechnologischen Erzeugnissen, einschließlich jener, die für die öl- und Erdgasförderung
eingesetzt werden, höchste Aufmerksamkeit schenken. Wir werden ferner
eine dringliche Studie über westliche Energiealternativen sowie auch
über die Frage der Abhängigkeit von Energieeinfuhren aus der Sowjetunion
durchführen.
D a r U b e r hinaus

�Darüber hinaus haben wir uns auch auf folgende Sofortmaßnahmen
geeinigt:
- Erstens hat jeder Partner bekräftigt, daß keine neuen Kontrakte
für den Kauf von sowjetischem Erdgas unterzeichnet oder gebilligt
werden, solange unsere Studie alternativer westlicher Energiequellen läuft.
- Zweitens, wir und unsere Partner werden die bestehenden Kontrollen
für den Transfer strategischer Güter nach der Sowjetunion verschärfen.
- Drittens, wir werden ohne Verzug Verfahren für die Überprüfung der
Finanzbeziehungen zur Sowjetunion einführen und daran arbeiten, unsere Exportkreditpolitiken zu harmonisieren.
Das Übereinkommen, das wir und unsere Partner erreicht haben, und
die Maßnahmen, die wir ergreifen, spiegeln unsere allseitige Entschlossenheit wider, die Schwierigkeiten zu überwinden und unseren Zusammenhalt zu stärken. Ich bin der Überzeugung, daß dieses neue Übereinkommen
ein Sieg für alle Verbündeten ist. Es schafft eine vielbenötigte Politik auf wirtschaftlichem Gebiet, die unsere Politik auf dem Gebiet der
Sicherheit ergänzt.
Wie ich bereits erwähnt habe, haben die Vereinigten Staaten Sanktionen gegen die Sowjetunion verhängt, um zu demonstrieren, daß die sowjetische Politik der Unterdrückung einen hohen Preis fordern würde. Nachdem wir jetzt ein Abkommen mit unseren Verbündeten erreicht haben, das
stärkere und wirksamere Maßnahmen vorsieht, besteht keine weitere Notwendigkeit für diese Sanktionen mehr, und ich hebe sie heute auf.
Der Prozeß der Wiederherstellung eines angemessenen Gleichgewichtes
in den Beziehungen zur Sowjetunion ist noch nicht beendet. Es wird Zeit

- 5 -

�wird Zeit brauchen, um die Verluste der vergangenen Jahre aufzuholen.
Aber wenn wir zusammen handeln, dann machen wir und unsere Verbündeten
große Fortschritte, und ich bin glücklich, sagen zu können, daß die
Aussichten auf Frieden günstiger sind.
Ich bin gerade aus der Sowjetbotschaft, wo ich mich in das Kondolenzbuch für Präsident Breschnew eingetragen habe, zurückgekehrt. In
der Sowjetunion kommen neue Führer an die Macht. Wenn sie verantwortungsbewußt handeln, werden sie eine entgegenkommende und positive
Antwort aus dem Westen erhalten.

+ + + + +

- 6 -

�17. November 1982

Nr. 45

REAGAN: USA WEITERHIN AN VERBESSERUNG DER BEZIEHUNGEN ZUR UDSSR
INTERESSIERT
- Pressekonferenz des US-Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat auf seiner Pressekonferenz am 11. November 1982 betont, daß die Vereinigen Staaaten auch
nach dem Tode von Staats- und Parteichef Leonid Breschnew weiterhin an
einer Verbesserung der Beziehungen zur Sowjetunion interessiert seien.
Der Präsident nahm zu einer ganzen Reihe außen- und innenpolitischer
Fragen Stellung. Nachfolgend wesentliche Auszüge aus der Pressekonferenz:
Ehe ich Ihre Fragen beantworte, möchte ich Ihnen kurz mitteilen, was
ich über die wichtigen Ereignisse denke, von denen wir heute gehört haben.
Aus Moskau haben wir vom Tode Präsident Breschnews erfahren - eines Mannes, der über zwei Jahrzehnte lang eine wichtige Rolle in der Weltpolitik
gespielt hat. Hier im Weißen Haus bin ich mit Botschafter Habib zusammengetroffen und habe mit ihm über unsere Pläne gesprochen, zum Frieden im
Nahen Osten beizutragen, wo sich die Chancen für einen Frieden durch die
jüngsten Entwicklungen in der Region grundlegend verbessert haben. Und

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�haben. Und heute wurde ferner erfolgreich die Raumfähre gestartet.
Wieder einmal werden wir die Möglichkeiten der Menschheit erweitern,
die menschliche Erfahrung durch die friedliche Erforschung des Weltraums
zu vertiefen.
Diese Ereignisse könnten einen entscheidenden Einfluß auf unsere Zukunft haben - eine Zukunft, der wir mit Vertrauen und Entschlossenheit entgegensehen. Wenn wir daraus eine Lehre ziehen können, dann die, daß wir ein freies Volk - immer auf den Wandel gefaßt sein müssen, damit wir,
wenn er eintritt, bereit sind, neue Herausforderungen und Chancen zu
meistern. Unser Regierungssystem ist einzigartig und bestens in der Lage,
sich dem Wandel anzupassen und ohne Unterbrechung oder Bruch der Kontinuität der Zielsetzung voranzuschreiten.
Ich möchte meine Absicht unterstreichen, weiterhin an einer Verbesserung unserer Beziehungen zur Sowjetunion zu arbeiten. Unsere beiden Nationen tragen eine gewaltige Verantwortung, die wir nicht auf die leichte
Schulter nehmen. Vor einigen Monaten haben wir ernsthafte und weitreichende
Vorschläge unterbreitet, um den Stand der nuklearen und konventionellen
Streitkräfte zu verringern. Ich möchte erneut bekräftigen, daß wir weiterhin jeden Weg zum Fortschritt in diesen Bemühungen beschreiten werden.
Aber wir dürfen uns nicht selbst täuschen. Frieden ist das Produkt von
Stärke - und nicht von Schwäche -, des Realismus und nicht der falschen
Hoffnungen.
Heute gedenken wir der amerikanischen Veteranen - Männer und Frauen,
die durch ihren Mut und ihre Hingabe unsere Freiheit und Unabhängigkeit
geschützt haben. Im Gefolge der Ereignisse in der Sowjetunio; hoffen wir
weiterhin auf bessere Beziehungen. Im Bewußtsein unserer nationalen Interessen und entschlossen, ein freies Volk zu bleiben, kann ich mir keinen
besseren Tag denken als den Tag der Kriegsveteranen, um uns erneut dem

�erneut dem Frieden zu verschreiben und die Dinge zu tun, die notwendig
sind, um den Frieden und unsere Freiheit zu erhalten.
FRAGE: Herr Präsident, wer wird die amerikanische Delegation zur
Beisetzung von Leonid Breschnew leiten? Wenn Sie nicht gehen, wer dann?
Und abgesehen von Ihren persönlichen Friedenshoffnungen, haben Sie Grund
zu der Annahme, daß wir in den nächsten Monaten erleben könnten, daß die
neue sowjetische Führung ihre Muskeln spielen läßt und eine Periode erhöhter Spannungen eintreten wird?
ANTWORT: Lassen Sie mich Ihre letzte Frage zuerst beantworten. Nein,
ich erwarte in der Übergangsphase nichts Derartiges. Und wir können sicherlich hoffen, daß nichts Derartiges eintreten wird. Aber was die Beisetzung anbetrifft, so haben wir noch keine amtliche Mitteilung erhalten, obwohl wir in direkter Verbindung miteinander stehen. Es geht einfach darum, sich die Terminpläne anzusehen, und mein eigener Terminkalender sieht den Besuch eines Staatschefs in der nächsten Woche vor, und
man war der Meinung, daß es besser wäre, wenn George (Bush) die Delegation leiten würde. Aber es wird sich um eine angemessene und sehr hochstehende Delegation handeln.
FRAGE: Also wird der Vizeprädident die Delegation leiten?
ANTWORT: Daran denken wir heute. Aber es ist noch keine endgültige
Entscheidung getroffen worden, weil wir, wie gesagt, noch auf eine Mitteilung über die Beisetzung warten.
FRAGE: Wenn es eine Periode der Spannungen gibt, wie werden Sie
darauf reagieren?
ANTWORT: Wir haben schon früher Perioden der Spannung erlebt, und weder Sie noch ich können das im voraus sehen oder schon vorher sagen, wie
die Antwort ausfallen würde. Aber wir dürfen nie vergessen, daß unser Ziel

- 3 -

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unser Ziel die Suche nach Frieden ist und bleibt und wir den besten Weg
finden müssen, um ihn zu erreichen. Im übrigen glaube ich, daß wir diese
Suche auch ohne meine Teilnahme an der Beisetzung fortsetzen können.
FRAGE: Herr Präsident, die polnische Regierung hat bekanntgegeben,
daß sie Lech Walesa freilassen wird. Und Sie haben davon gesprochen, daß
Breschnew tot ist und eine neue sowjetische Führung zur Macht kommt. Haben Sie irgendwie daran gedacht, daß dies ein gute Zeitpunkt für Sie sein
könnte, einen großen Schritt zu tun - und wenn auch nur einen symbolischen Schritt -, der zu einem Abbau der Spannungen zwischen Ost und West
führen würde. Und denken Sie daran, irgendeine Initiative zu ergreifen,
die der Welt ein Signal geben würde, daß Sie gerne so etwas täten?
ANTWORT: Wir haben das auf dem Gebiet der stillen Diplomatie versucht, wir haben"es auf der Gipfelkonferenz versucht, wir haben es auf
der NATO-Konferenz versucht. Wir sind willens und bereit - und das ist
Ihnen bekannt - alles zu versuchen, um zu einfem besseren Verhältnis zu
gelangen. Aber dazu bedarf es der Taten und nicht nur der Worte. Zehn
Jahre lang basierte die Entspannung auf ihren Worten, und es gab keine
Taten, um diese Worte zu untermauern. Wir brauchen Taten von ihnen - es
gehören immer zwei zum Tanzen - die zeigen, daß sie auch tanzen wollen.
FRAGE: Aber wären Sie in diesem Stadium, an diesem Scheidewege, bereit, den ersten Schritt zu tun?
ANTWORT: Es gibt Leute, die meinen, ich hätte mit der Aufhebung des
Getreideembargos den ersten Schritt getan. Was haben wir dafür bekommen?

V'
• • ~~
FRAGE: Herr Präsident, ich möchte auf die Fragendes Vfrteidigungs*•• :.-."*••-^,
haushaltes kommen. Eine Reihe von Republikanern, nicht nur die, die zu
der Politik der Vergangenheit zurückkehren möchten, haben vorgeschlagen,
•
daß bei den Ausgabenkürzungen, die im nächsten Haushalt notwendig-sein
werden, auch das amerikanische Verteidigungsministerium beteiligt sein
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�beteiligt sein solle. Und einige haben sogar erklärt, daß auf lange
Sicht der Verteidigungshaushalt gesünder sein werde, wenn die Wirtschaft
gesünder sei. Haben Sie die Möglichkeit völlig ausgeschlossen, daß Sie
Ihre Forderungen nach einem erhöhten Verteidigungshaushalt etwas modifizieren könnten - vielleicht nur in diesem einen Jahr, wenn die Wirtschaft nicht so läuft, wie Sie es gerne hätten?
ANTWORT: Es handelt sich hier nicht um einen Haushalt, in dem man
nur für ein Jahr etwas tun könnte. Hier handelt es sich um Waffensysteme
usw., also um Dinge, die nicht von heute auf morgen kommen. Man kann nicht
einfach einen Lieferanten anrufen und sagen, ich möchte es in vier Wochen haben. Und wir dürfen nicht vergessen, daß der größte Anteil am Verteidigungshaushalt für die Menschen aufgebracht wird ...
Ich möchte sagen "Ja", wir suchen, ob Einsparungen gemacht werden können, ohne das zu verzögern oder zurückzuhalten, was wir als notwendige
Verbesserungen ansehen, die wir vornehmen müssen, um das Fenster der
Verwundbarkeit zu schließen, das wir übernommen haben. Das können wir
nicht tun. Die erste und wichtigste Funktion der Bundesregierung ist die
Gewährleistung der Sicherheit.
FRAGE: Herr Präsident, Israel ignoriert weiterhin Ihre Forderung nach
einer Einstellung der Siedlungstätigkeit im Westjordanland. Wie sehr
schadet es dem Friedensprozeß, daß Isreel diese Forderung einfach ignoriert, und was gedenken Sie dagegen zu tun?
ANTWORT: Ministerpräsident Begin kommt hierher, und ich bin sicher,
daß er und ich darüber, wie auch über andere Themen, sprechen werden.
Wir betrachten es als ein Hindernis für die Bemühungen um das Zustandekommen eines Friedens.
Es liegt auf der Hand, daß die Lösung-4m Nahen Osten auf der Linie
unserer früheren Vorschläge liegen muß. Das heißt, die arabischen Staaten

- 5 -

�arabischen Staaten und die arabischen Führer und die Israelis müssen am
Verhandlungstisch zusammengebracht werden, um die Differenzen unter ihnen
auszuräumen. Und das beginnt damit, daß das Existenzrecht Israels anerkannt wird. Ich bin noch immer optimistisch, und deswegen kehrt auch Botschafter Habib dorthin zurück.
FRAGE: Sind Sie bereit, mehr zu tun, als nur mit Ministerpräsident
Begin zu sprechen? Sind Sie bereit, Sanktionen in Erwägung zu ziehen,
um einen Wandel in der Politik Israels zu erzwingen?
ANTWORT: Ich glaube nicht, daß es eine gute Diplomatie wäre, Drohungen
auszusprechen oder so etwas, und ich glaube nicht, daß es nötig wäre.
Ich glaube, wir sind uns alle darüber im klaren, daß das oberste Ziel der
Frieden ist.
FRAGE: Sir, Sie bezeichnen sich gerne als Optimisten - als einen Mann,
der Chancen sieht statt Probleme. Ich hätte in diesem Zusammenhang gerne
gewußt, wie Sie die Chancen sehen, die die Vereinigten Staaten jetzt mit
dem Tode Breschnews haben?
ANTWORT: Ich glaube nicht, daß der Tod von Präsident Breschnew ein
Faktor bezüglich unserer Chancen ist. Ich bin schon seit langem der Ansicht, daß wir eine Chance haben, weil zwar die ganze Welt, einschließlich
der Sowjetunion und unserer selbst, sich in einer tiefen Rezession befindet und schwere wirtschaftliche Probleme hat, daß es mir aber scheint,
daß wir aus diesen Schwierigkeiten in einem kooperativen Sinne leichter
herauskommen könnten - daß wir viel besser daran wären, wenn wir uns entschließen würden, uns zu vertragen, statt daß der eine eine aggressive
Politik verfolgt und der andere dieser widerstehen muß.
Ich bin also optimistisch und werde weiterhin optimistisch sein, daß
wir zusammenkommen können.
FRAGE: Herr Präsident, Sie haben kürzlich erklärt, daß Ihrer Ansicht

�Ihrer Ansicht nach eine Reihe aufrichtiger Amerikaner, die ein Einfrieren nuklearer Waffen unterstützen, von jenen manipuliert würden, die eine
Schwächung Amerikas wollen. Können Sie uns das ein wenig näher erläutern?
Haben Sie Beweise für eine ausländische Einmischung in die amerikanische
Friedensbewegung?
ANTWORT: Ja, es gibt eine Menge Beweise. Dies ist sogar von einigen
Ihrer Kollegen veröffentlicht worden. Es ist keine Frage, daß die Sowjetunion Vorteile in ein^r Friedensbewegung erblickt, die sich um die Idee
eines nuklearen Einfrierens kristallisiert, da sie uns ja voraus sind.
Ich bin sicher, daß manche Leute, die hiermit zu tun haben, aufrichtig
und voller guter Absichten sind und praktisch das gleiche sagen wie ich,
daß wir nämlich eine Verminderung dieser Kernwaffen herbeiführen müssen.
Und darüber versuchen wir ja gegenwärtig in Genf zu verhandeln.

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Aber zunächst ein Einfrieren vorzunehmen und dann doch zu glauben,

r
daß wir unsere Sache nicht geschwächt hätten, eine Verringerung zu erreichen, wo doch die andere Seite so weit voraus ist, ist doch so abwegig;
das macht doch wirklich keinen Sinn.
Was nun die Organisation einiger dieser großen Demonstrationen wie
in New York und anderswo anbetrifft, so gibt es keinen Zweifel, daß Leute aus dem Ausland entsandt wurden, die anheizen und dazu beitragen sollten, daß eine solche Bewegung entsteht und am Leben bleibt.
FRAGE: Ist das das ganze Ausmaß der Einmischung, soweit Sie es wissen, oder ging es dabei auch um Geld oder noch um andere Möglichkeiten,
wodurch sich eine sowjetische Einmischung manifestiert haben könnte?
ANTWORT: Ich kann über das, was ich gesagt habe, nicht hinausgehen,
weil ich keine Geheimdienstfragen erörtern möchte, und das wäre ja dann
der Fall.
FRAGE: Herr

�FRAGE: Herr Präsident, Sie erinnern sich sicherlich daran, daß Sie
im Juni in Berlin über die Gefahr eines Atomkrieges durch Zufall gesprochen und den Gedanken vorgetragen haben, daß dies vielleicht eine neue
Initiative sein könnte, die die Regierung im Hinblick auf die Rüstungskontrolle in Erwägung ziehen würde. Ich möchte gerne wissen, ob Sie in
Ihren Planungen für das nächste Jahr irgendwelche Rüstungskontroll initiativen in Arbeit haben?
ANTWORT: Alle diese Dinge laufen, und deshalb gibt es ja im Augenblick drei Verhandlungsgruppen: eine für die konventionelle Rüstung,
eine für die strategischen Raketen und eine dritte für die nuklearen Mittelstreckensysteme - für die Null-Lösunq, von der ich vor einem Jahr gesprochen habe. Haben Sie etwas Geduld: Demnächst werde ich in einer breitangelegten Rede erneut auf diesen Themenkreis eingehen.
FRAGE: Herr Präsident, im September haben Sie erklärt, Sie könnten
nicht genau sagen, wie lange die amerikanischen Marinesoldaten im Libanon
bleiben werden. Das war vor nunmehr, sechs-Wochen. Meinen Sie nicht, daß
es jetzt angebracht wäre, der amerikanischen Öffentlichkeit einen Hinweis
darauf zu geben, wie lange diese Soldaten noch dort bleiben werden?
ANTWORT: Ich wünschte, ich könnte dies. Dies ist einer der Gründe,
warum (Sonderbotschafter) Phil Habib dorthin zurückkehrt und die Verantwortung für das Geschehen übernimmt. Der vorgeschlager« Plan erfordert
natürlich von der neuen Regierung im Libanon eine Stabilisierung der Situation und die Fähigkeit, ihre eigenen Grenzen zu sichern. Dies macht
natürlich den schnellstmöglichen Abzug aller fremden Truppen aus dem Libanon erforderlich. Und deshalb befindet sich unsere multinationale
Streitmacht dort. Ich kann Ihnen kein genaues Datum angeben, aber ich
kann Ihnen sagen, daß wir bemüht sind, so schnell wie möglich die Dinge
voranzubringen, die getan werden müssen: die Wunden zu heilen, das libanesische Volk zusammenzubringen, damit es die Kontrolle hat, aber all
dies hängt natürlich auch davon ab, daß die drei ausländischen Gruppen die PLO, die Syrer und die Israelis - aus dem Libanon abziehen. Und
- 8 -

�abziehen. Und wir drängen darauf so schnell wie möglich.
FRAGE: Wenn ich diesen Gedanken weiterverfolgen darf: Gibt es irgendeinen Grund zu der Annahme, daß unsere Truppen bis Weihnachten wieder
zu Hause sind?
ANTWORT: Darüber kann ich keine Spekulationen anstellen. Ich kann
es Ihnen einfach nicht sagen. Aber das eine weiß ich: Wir glauben, daß
unser Plan funktioniert

Ob er nun so schnell funktioniert, wie wir uns

das wünschen, muß abgewartet werden. Aber wichtig ist meiner Meinung nach,
daß diese multinationale Streitmacht dort ist, um einen Beitrag zum Zustandekommen des Friedens zu leisten. Und ich glaube, es ist überaus
wichtig, dafür zu sorgen, daß diese Aufgabe vollbracht wird, und meiner
Meinung nach verstehen sie (die Soldaten) dies auch.
FRAGE: Ich möchte noch einmal auf Israel und mögliche Sanktionen zurückkommen. Ist es vorstellbar, daß die Vereinigten Staaten ihre Hilfe
für Israel zurückschrauben und zwar in einem direkten Verhältnis zu den
Kosten, die Israel zur Errichtung neuer Siedlungen im Westjordanland aufbringen muß - und all dies als ein Mittel, um jenes Einfrieren zu erreichen, um das Sie sich bemühen?
ANTWORT: Diese Frage so oder so zu beantworten, wäre nicht sehr nützlich in der gegenwärtigen Situation, wo ein so großer Fortschritt mit
den arabischen Staaten erreicht worden ist, wo das Ungewöhnliche, Einzigartige eingetreten ist, daß Vertreter der Arabischen Liga hier sind, um
mit mir zusammenzutreffen - wie vor einigen Tagen - und für Israel die
Notwendigkeit besteht, sich darüber klar zu werden, daß es auch eine Rolle
spielen muß, um Verhandlungen zu ermöglichen. Diese Rolle muß erkannt
werden als eines der Probleme Präsident Gemayels bei dem Vorhaben, die
Moslem-Gruppen in seinem Lande zu versöhnen. Ich glaube nicht, daß Drohungen der einen oder anderen Art überhaupt nützlich sein können.
FRAGE: Herr

- 9 -

�FRAGE: Herr Präsident, in zwei Wochen werden die Vereinigten Staaten
ihren Thanksgiving n ay feiern. Angesichts des Ablebens von Breschnew werden unwillkürlich Vergleiche zwischen den beiden Systemen angestellt.
Könnten Sie sich eine Minute Zeit nehmen und den Amerikanern sagen, warum
sie zu diesem Zeitpunkt für ihre Segnungen und ihr Glück besonders dankbar
sein sollten, und würden Sie auch einen Vergleich zwischen den beiden
Systemen ziehen?
ANTWORT: Ja, weil ich glaube, daß dieser Vergleich so offenkundig ist "ian braucht nicht einmal das eigene Land dafür heranzuziehen. Nehmen Sie
doch einfach einige der jüngeren Länder und der Entwicklungsländer. Diejenigen, die unsere Lebensart gewählt haben, die freie Lebensart, den freien
Handel, die Demokratie, sind hinsichtlich des Lebensstandards, des Glückes
ihrer Menschen den Ländern so überaus weit voraus, die sich für das andere
System entschieden haben - für die kontrollierte, autoritäre Lebensart.
Und ich glaube - Lincoln hat dies schon einmal gesagt, und es gilt heute
mehr denn je -, dies ist die letzte und zugleich beste Hoffnung der Menschen
auf Erden. Wir sind freier als jedes andere Volk, wir haben mehr als alle
anderen erreicht. Als ich kürzlich hier in diesem Raum umherblickte, als
die Repräsentanten aus aller Welt versammelt waren, um unsere Wahlen zu
beobachten, um zu erfahren, wie sie in ihren eigenen Ländern auf anderen
Kontinenten über diese Art von Freiheit berichten könnten, da dachte ich
an die Vielfalt des ethnischen Erbes der Amerikaner: Wir alle leben hier
heute voller Stolz als Amerikaner zusammen trotz aller Unterschiede der
Geburt. Das ist wirklich unvergleichlich, und dafür müssen wir dankbar
sein.
+ + + + +

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Nr. 45

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

17. November 1982

ERKLÄRUNG RONALD REAGANS ZUM JAHRESTAG DER SOLIDARITÄT
10. November ein Meilenstein im Kampf um die Freiheit -

WASHINGTON - (AD) - In einer Erklärung zum zweiten Jahrestag der formellen Anerkennung der Gewerkschaft Solidarität durch die polnischen Behörden wandte sich der amerikanische Präsident am 10. November 1982 gegen
die Meinung, die polnische Regierung habe diese Bewegung zerstören können.
Vielmehr, so Reagan, würden die "selbsternannten Vertreter der Arbeiter
nie mehr vorgeben können, sie repräsentierten jemend anderen als lediglich
sich selbst."
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Heute ist der zweite Jahrestag eines wichtigen Meilensteins in dem
langen Kampf der Menschheit um die Freiheit. Zum ersten Mal seit 1971
wurde im November 1980 eine kommunistische Regierung dazu gezwungen, eine
freie Gewerkschaft, die So!idaritäj^formel 1 anzuerkennen. Zu diesem noch
nie dagewesenen Schritt kam es durch eine gewaltlose Revolution von Millionen polnischer Arbeiter, die nicht länger mehr den Zwang und die Mißwirtschaft tolerieren konnten.
Viele hofften

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
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Telex: 8-85432

�Viele hofften, daß dieses Ereignis ein neues Kapitel in der Entwicklung kommunistischer Regime sein würde, daß es zeigte, daß sie letztlich
die Grenzer erkannten, die es für die Anwendung von Gewalt gegen das
eigene Volk

gibt und daß Zusammenarbeit der Unterdrückung vorzuziehen

ist. Unglücklicherweise war - wie wir jetzt sehen - die offizielle Anerkennung der Solidarität vor zwei Jahren lediglich ein taktischer Zug
seitens der in Panik geratenen kommunistischen Führung, um Zeit zu gewinnen.
Die polnische Regierung weigert^sich in enger Zusammenarbeit mit
Moskau hartnäckig, die Vereinbarungen vom 10. November 1980 in die Tat
umzusetzen. Stattdessen tat sie alles in ihrer Macht Stehende, um die
Gewerkschaft durch eine Verleumdungs- und Provokationskampagne zu diskreditieren. Diese Kampagne erreichte ihr Ziel nicht. Schließlich ging
die polnische

Führung in Verzweiflung und unter intensivem sowjetischen

Druck dazu über, die Solidarität zu liquidieren, deren Vorstellung von
der Selbstbestimmung des Arbeiters alle kommunistischen Regime in Gefahr
brachte.
Man sagt, daß die polnische Regierung durch ihre Kriegserklärung
gegenüber ihrem eigenen Volk die Solidarität zerstört habe. Dem ist
nicht so. Man kann die Protestierenden einsperren, man kann Demonstranten niederknüppeln oder mit Tränengas und Wasserwerfern auseinandertreiben, aber das Gespenst bleibt: Nie wieder werden die selbsternannten
Vertreter der Arbeiter mehr vorgeben können, sie repräsentierten jemand
anderen als lediglich sich selbst.
Unser Herz schlägt mit dem tapferen polnischen Volk. Durch seinen
Kampf für Freiheit und soziale Gerechtigkeit gegen einen übermächtigen
Gegner kämpft es für eine Sache, die die ganze Menschheit mit ihm teilt.
+ + + + +

- 2 -

�Nr. 45

17. November 1982

ERKLÄRUNG DER INTERNATIONALEN GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG ZU POLEN
- Forderung nach Wiederherstellung der gewerkschaftlichen Rechte in Polen -

BRÜSSEL - (AD) - Die internationale Gewerkschaftsbewegung hat erneut ihre "tiefe Überzeugung" zum Ausdruck gebracht, daß die ernste
politische und wirtschaftliche Krise, vor der der polnische Staat steht,
erst dann überwunden werden kann, wenn die gewerkschaftlichen Rechte in
Polen wiederhergestellt worden sind.
In einer gemeinsamen, am 10. November 1982 in Brüssel veröffentlichten Erklärung forderten der Internationale Bund Freier Gewerkschaften
(ICFTU), die World Confederation of Labor (WCL) und die European Trade
Union Confederation (ETUC) zugleich die Wiederaufnahme des Dialogs zwischen der polnischen Regierung und der Gewerkschaft Solidarität, die im
vergangenen Monat in Polen verboten worden war.
Die Erklärung wiederholte die "Forderung der internationalen Gewerkschaftsbewegung nach sofortiger Aufhebung des Kriegsrechts, der sofortigen und bedingungslosen Freilassung aller internierter und verhafteter

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�und verhafteter Gewerkschaftler, nach einer umfassenden Amnestie für
jene, die wegen ihrer gewerkschaftlichen Tätigkeit verurteilt wurden,
sowie Maßnahmen, die den Zugang des polnischen Volkes zu freier und
pluralistischer Information sicherstellen."
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
::

Am 10. November 1982 wurde in Brüssel ein Sondertreffen zum Thema
Solidarität gemeinsam vom ICFTU, der WCL und der ETUC organisiert, um
darüber zu sprechen, wie die internationale Gewerkschaftsbewegung am
angemessensten und wirksamsten etwas gegen die anhaltende Verletzung
der Menschenrechte und der Gewerkschaftsrechte in Polen unternehmen
kann.
Das Treffen, das auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Moment stattfand, da die Solidarität gegenüber den polnischen Autoritäten ihre Anerkennung erkämpfte, wurde von den Führungspersonen der den oben erwähnten internationalen Verbänden angeschlossenen Organisationen sowie von
Vertretern der internationalen Gewerkschaftssekretariate, der internationalen Gewerkschaftsföderationen und der europäischen Gewerkschaftsausschüsse besucht.
Das Treffen brachte seine volle Unterstützung für die Maßnahmen zum
Ausdruck, die heute in Polen und überall auf der Welt ergriffen werden,
um die Unterstützung der Arbeiterschaft für die Solidarität zu demonstrieren. Es unterstützte den Aufruf des Koordinierungsbüros der Solidarität
im Ausland nach weiterer Hilfe und nach weiteren Aktionen, besonders am
13. Dezember 1982. Das Treffen verurteilte auf das Schärfste das Kriegsrecht in jenem Land, wo demokratisch gewählte Gewerkschaftsführer noch
immer interniert sind und wo die staatlichen Stellen zu ständiger Repression und Drohung gegenüber jenen greifen, die die Grundprinzipien verteidigen, die sowohl in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der
Vereinten Nationen und in den Konventionen der Internationalen Arbeits-

- 2 -

�Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) enthalten sind.
Auf dem Treffen wurden nachdrücklich die jüngsten Angriffe auf die
Rechte der polnischen Arbeiter verurteilt - vor allem die Verabschiedung
der neuen Gewerkschaftsgesetzgebung, die neben anderen Verletzungen der
Menschen- und Gewerkschaftsrechte die Auflösung ihrer unabhängigen und
selbstregierten Organisation, der Solidarität,- vorsieht.
Außerdem wurde auf das Schärfste die Zustimmung des polnischen Parlamentes (Sejm) zu einem Gesetz über "soziales Parasitentum" verurteilt,
das im Widerspruch zur ILO-Konvention 105 erlaubt, Arbeitslose zu Zwangsarbeit abzustellen, einschließlich derjenigen, die wegen ihrer Gewerkschaftstätigkeit den Arbeitsplatz verloren hatten.
Die internationale Gewerkschaftsbewegung möchte erneut ihre tiefe
Überzeugung zum Ausdruck bringen, daß die ernste politische und wirtschaftliche Krise, vor der der polnische Staat steht, erst, dann überwunden werden kann, wenn die in den ILO-Konventionen niedergelegten Gewerkschaftsrechte, die auch von der polnischen Regierung ratifiziere wurden,
wiederhergestellt sind und der Dialog mit der Solidarität wieder aufgenommen wird.
Das Treffen wiederholte aus diesem Grunde die Forderung der internationalen Gewerkschaftsbewegung nach sofortiger Aufhebung des Kriegsrechts,
der sofortigen und bedingungslosen Freilassung aller Internierten und
verhafteten Gewerkschaftler, nach einer allgemeinen Amnestie für jene,
die wegen ihrer gewerkschaftlichen Tätigkeit verurteilt wurden, sowie
Maßnahmen, die den Zugang des polnischen Volkes zu freier und pluralistischer Information sicherstellen.
Die internationale Gewerkschaftsbewegung besteht erneut darauf, daß
die Verhandlungen zwischen den polnischen Autoritäten und den demokratisch

�den demokratisch gewählten Repräsentanten der polnischen Arbeiter auf
der Basis der Abkommen von Danzig, Jasztrzebie und Stettin wiederaufgenommen werden.
Angesichts der fortlaufenden Weigerung der polnischen Autoritäten,
diesen grundlegenden Forderungen zu entsprechen, rief das Treffen seine
Mitgliedsorganisationen dazu auf, ihre Aktionen zu intensivieren, die
darauf abzielen, in Polen den vollen Respekt für die Menschen- und Gewerkschaftsrechte zu erhalten. Hierzu gehört insbesondere:
- der anhaltende und verstärkte Protest zur Unterstützung der Sache
der polnischen Arbeiterschaft und ihrer Gewerkschaftsorganisation
Solidarität;
- Intervention bei den jeweiligen Regierungsstellen mit der Forderung
nach Maßnahmen hinsichtlich der Menschenrechtslage und der Situation
der Gewerkschaftsrechte in Polen bei Umgang und diplomatischen Beziehungen mit der polnischen Regierung;
- Bestehen darauf, daß jede Wirtschaftshilfe und jeder Kredit für die
polnische Regierung im Lichte des vollen Respekts vor den Menschenrechten, den bürgerlichen und den gewerkschaftlichen Rechten neu
verhandelt wird;
- Verstärkung der Anstrengungen, dem polnischen Volk humanitäre Hilfe zu gewähren, und Sicherstellung, daß diese Hilfe auch tatsächlich jenen Teil der Bevölkerung erreicht, der ihrer wirklich
bedarf;
- umfassende Unterstützung der von den Repräsentanten der Solidarität
auperhalb Polens unternommenen Anstrengungen, die durch das in
Brüssel ansässige "Auslandsbüro Solidarätt" in Übereinkunft mit
dem vorläufigen Koordinierungsausschuß in Polen koordiniert werden

- 4 -

�koordiniert werden und die darauf abzielen, den Aktivitäten der
Solidarität in Polen zu helfen und die internationale öffentliche
Meinung auf die Lage in diesem Land zu lenken;
- dauerndes Vorsprechen bei polnischen Botschaften in de* jeweiligen
Ländern, Protest gegen die Verletzung der Menschen- und Gewerkschaftsrechte und Forderung nach Information Über das Verbleiben
von verhafteten, internierten oder verschwundenen Gewerkschaftlern;
- weitere Anstrengungen hinsichtlich einer Rechtshilfe für diejenigen,
die wegen ihrer gewerkschaftlichen Tätigkeit vor Gericht gestellt
wurden, wobei diese Hilfe die Entsendung von internationalen Beobachtern zu solchen Gerichtsverhandlungen einschließt;
- Ansuchen bei den entsprechenden UNO-Behörden zur Entsendung einer
Expertenkommission zwecks Untersuchung des Gesundheitszustandes
und der allgemeinen Internierungsbedingungen von polnischen Gewerkschaftsangehörigen, einschließlich Lech Walesas.
Dei weiteren wurde auf dem Treffen vorgeschlagen:
- Verurteilung der Positionen und Haltung, die hinsichtlich der Entwicklung der Freiheiten der Gewerkschaften und der Autonomie der
Gewerkschaftsbewegung in Polen vom Weltgewerkschaftsbund (WFTU)
und den ihm angeschlossenen Organisationen eingenommen wurde;
- Überprüfung der - falls vorhandenen - Beziehungen zu Organisationen, die noch nicht eindeutig zugunsten der Solidarität und gegen
die Verletzung der Menschenrechte und der Gewerkschaftsfreiheiten
in Polen Stellung bezogen haben; Verwendung bestehender Kontakte
um die Anerkennung der Solidarität und ihre Unterstützung als repräsentative Gewerkschaftsorganisation in Polen;
- ständige Klarstellung

- 5 -

�- ständige Klarstellung, daß jegliche Entwicklung der Beziehungen
durch bilaterale oder multilaterale regionale Treffen von Fortschritten in Richtung auf die Freilassung aller verhafteten Solidaritäts-Angehörigen und von der Entwicklung eines Dialogs zwischen den Vertretern der Solidarität und den polnischen Autoritäten
abhängt;
- Einfrieren der Vorbereitungen für die nächste europäische Regionalkonferenz, die im Rahmen der ILO organisiert würde, bis die in dieser Erklärung niedergelegten Bedingungen erfüllt sind.
Schließlich brachte das Brüsseler Treffen die Überzeugung zum Ausdruck,
daß ein jegliches Nachlassen des Druckes der internationalen Gewerkschaften von den polnischen Behörden in ihrer Unterdrückungskampagne gegen die
polnischen Arbeiter nur ausgenützt würde.
Die internationale Gewerkschaftsorganisation wird deshalb ihre Aktionen auf der Ebene der zwischenstaatlichen Organisationen fortsetzen und
weiter verstärken, in der Absicht, die Grundrechte und -freiheiten der
polnischen Arbeiterschaft zu verteidigen und zu fördern. Besondere Betonung wurde auf die wichtige Arbeit gelegt, die die ILO in ihrer Eigenschaft als weltweiter Schützer der gewerkschaftlichen Rechte und Freiheiten leistet, sowie auf die Schritte, die von den internationalen Gewerkschaftsorgani.sationen ergriffen werden, damit sie in die Lage versetzt
werden, in dieser Hinsicht eine gleichfalls entscheidende Rolle zu spielen.
Die Sekretariate von ICFTU, WCL und ETUC werden auch weiterhin die
Lage in Polen genau beobachten und sich hinsichtlich der weiteren Entwicklung konsultieren, sobald dies erforderlich sein sollte.

+ + + + +

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

17. November 1982

Nr. 45

GEMEINNÜTZIGE ORGANISATIONEN DER USA: HILFE FÜR DAS POLNISCHE VOLK
- Von unserem Korrespondenten Elez Biberaj -

WASHINGTON - (AD) - Angesichts der sich immer weiter verschärfenden
wirtschaftliche,! Krise in Polen unternehmen die Hilfs- und Wohlfahrtsorganisationen in den Vereinigten Staaten alles, um der polnischen Bevölkerung zu helfen.
Die Reagan-Administration, die die staatliche Hilfe an Polen wegen
der Unterdrückung des polnischen Volkes unterbrochen hat, stellte klar,
daß sie nichts gegen solcherlei private Hilfe einzuwenden hat, solange
diese auch wirklich die Menschen erreicht und nicht in staatlichen Lagerhallen Polens endet.
Die amerikanischen Gruppen haben bereits jetzt beträchtliche Hilfe
geleistet; zu den wichtigsten gehören CARE, Katholisches Hilfswerk,
Polnisch-Amerikanischer Kongreß (PAC), Projekt Hoffnung und das amerikanische Rote Kreuz.
CARE begann

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Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�CARE begann sein Hilfsprogramm für Polen im Juli 1981 in Reaktion
auf die sich immer rascher verschlechternde Lebensmittel läge und auf
die Unfähigkeit der polnischen Regierung, die notwendigen Nahrungsmittel
zu transportieren.

und
ein
für
und

Nach Gesprächen mit polnischen Regierungsvertretern schlössen CARE
das polnische Gesundheits- und Sozialministerium am 12. Juni 1981
verlängerbares Einjahresabkommen, das zusätzliche Nahrungsmittel
die älteren Menschen, für Schwangere, für Mütter mit Kleinkindern
für Kinder bis zum Schul eintritt vorsah.

Im Haushaltsjahr 1982 genehmigte der Kongreß 70 Millionen Dollar an
Hilfsgeldern für das polnische Volk, die über CARE und andere Hilfsorganisationen weitergeleitet wurden. Der Anteil für CARE belief sich auf
etwa 25 Millionen Dollar.
CARE-Vertretern zufolge lagen bis zum 23^April 1982 die Privatmittel,
die in den Vereinigten Staaten und anderen westlichen Staaten bereitgestellt—/
wurden, bei Über 4,1 Millionen Dollar.
Bis Dezember 1981 hatte CARE etwa 100 000 Lebensmittelpakete nach Polen geschickt. Vom Januar bis zum Oktober 1982 wurden pro Monat rund
50 000 Pakete nach Polen versandt.
Ende 1981 stellte die amerikanische Regierung 28,6 Millionen Kilo
Getreide und Gemüse aus dem Programm "Nahrungsmittel für den Frieden"
zur Verfügung, die von CARE nach Polen gebracht wurden.
Zwischen Juli 1981 und April 1982 schickte CARE über
mittelpakete im Wert von 1,7 Millionen Dollar in über 35
Städte. -Jedes dieser Pakete wiegt etwa 11 kg und ehthält
Trockenmilch, Speiseöl, Dosenrindfleisch, Zucker, Linsen

140 000 Lebenspolnische
Reis, Mehl,
und Erbsen.

CARE verteilte

�CARE verteilte außerdem 40 Tonnen Weizenproteinkonzentrat, 28 000 Kisten
Babynahrung und eine beträchtliche Menge an gängigen Arzneimitteln.
Das amerikanische Landwirtschaftsministerium stellte etwa 30 Millionen Kilo überschüssiger Milchprodukte für Polen zur Verfügung, die im Rahmen eines öffentlichen Vorschulspeisungsprogramms verteilt wurden. CARE,
überwacher dieses Programms, hat inzwischen bereits rund 28 000 Tonnen
Butter, Käse und Milchpulver verteilt. Diese Produkte haben einen Wert
von fast 32 Millionen Dollar.
Eine andere Hilfsorganisation, das Katholische Hilfswerk

mit Sitz in

New York, hat zwischen Juli 1981 und Oktober 1982 etwa 78 Millionen Kilo
Nahrungsmittel und andere Hilfsgüter für rund 47 Millionen Dollar geschickt.
Die von den katholischen Hilfsdiensten weitergeleiteten Hilfssendungen kommen aus drei Quellen: Privatspenden von Nahrungsmittel Produzenten,
Käufe der US-Commodity Credit Corporation - die überschüssige Produkte
zu reduzierten Preisen ver' auft - und Spenden der amerikanischen Regierung
im Rahmen ihres Programms "Nahrungsmittel für den Frieden".
Bis zum 14. April 1982 beliefen sich die privaten Geldspenden auf
6 Millionen Dollar.
Eine weitere Organisation, die amerikanische Privathilfe kanalisiert,
ist der Polnisch-Amerikanische Kongreß (PAC). PAC-Sprechern zufolge wurden
zwischen April 1981 und Oktober 1982 3,4 Millionen Kilo Nahrungsmittel
im Werte von 7,1 Millionen Dollar nach Polen gesandt. PAC schickte außerdem 70 000 Kilo Kleider im Wert von 4,1 Millionen Dollar und Medikamente
für über 10 Millionen Dollar. Dazu gehören Kleider, Schuhe, Antibiotika,
Insulin, Aspirin, bis hin zu Einrichtungsgegenständen für Krankenhäuser.
Auch "Projekt Hoffnung" arbeitet eng mit dem PAC zusammen: Zwischen
Juni 1981 und Dezember 1981 wurden in diesem Rahmen Medikamente für über

- 3 -

�für über drei Millionen Dollar verschifft. Seit Verhängung des Kriegsrechtes erhielten 20 polnische Krankenhäuser durch "Projekt Hoffnung"
medizinische Geräte und Medikamente im Wert von über 2 Millionen Dollar.
Zur Unterstützung dieser Arbeiten gab auch die amerikanische Regierung
noch 5 Millionen Dollar. Im kommenden Jahr sollen einem Sprecher dieser
Organisation zufolge rund 18 Millionen Dollar an Material nach Polen
gehen.
Das amerikanische Rote Kreuz erbrachte für das polnische Volk allein
zwischen Dezember 1981 und Juli 1982 rund 700 000 Dollar an Barmitteln,
Kleidungsstücke und Medikamente für fast 100 000 Dollar. Ober das Rote
Kreuz hat auch hier die amerikanische Regierung noch einmal 200 000 Dollar
- für Polen gegeben.
1

+ + + + +

- 4 -

�17. November 1982

COLUMBIA VOM ERSTEN KOMMERZIELLEN EINSATZ ZUROCK
- Fremdaufträge ausgeführt - Reichhaltiges Arbeitsprogramm -

- (AD) - "Scharfe Bremsung"

war der letzte Programmpunkt für Vance

Brand, als die COLUMBIA am 16. November 1982 um 15.34 Uhr MEZ auf einer Hartpiste des Edwards-Flugplatzes der US-Luftstreitkräfte in der Mojave-Wüste von
Kalifornien aufgesetzt

hatte.

Nach fünf Tagen, zwei Stunden und 14 Minuten

Weltraumflug war der Raumtransporter mit seiner vierköpfigen Besatzung vom
fünften Einsatz zurückgekehrt.

In Kalifornien ging gerade die Sonne auf.

So erlebten, anders als beim Start am 11. November am Kap Canaveral, nur vereinzelt

Zuschauer die Landung mit.

Ober die Landetechnik sollen noch mehr Erfahrungen gesammelt werden.
Auf das ursprünglich vorgesehene Verfahren, nämlich vollautomatische Landung
auf einem Salzseebett in Kalifornien, war schon kurz vor dem Start verzichtet
worden. Das Sicherheitsrisiko war zu groß, weil in den Trainingssimulatoren
die Mikrowellensysteme der Autolander unterschiedliche Werte anzeigten, die
nicht in Übereinstimmung zu bringen waren. So kam der Raumtransporter vom
ersten "kommerziellen" Flug wiederum manuell und nur in der allerletzten
Phase von Instrumenten gesteuert zur Erde zurück.
Chefpilot Vance

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�Chefpilot Vance Brand (51), Kopilot Bob Overmyer (46) ebenso wie die
beiden Nutzlastspezialisten Joseph P. Allen (45) und William B. Lenoir (43)
sind begeistert von den Eigenschaften des Fluggeräts und den Möglichkeiten,
die es für wissenschaftliche und technische Aktivitäten im Weltraum bietet.
Die Liste der zu erledigenden Arbeiten war lange genug, und an Bequemlichkeiten für die Besatzung mangelte es offensichtlich.

Aber:

"Wir wußten ja,

daß wir eine Art Camping-Tour vor uns hatten", meinte Bob Overmyer.

Denn

erst der zweite Raumtransporter, CHALLENGER, der im Januar 1983 zum ersten
Flug starten soll, ist für mehr als zwei Mann Besatzung ausgelegt.

In der

COLUMBIA mußten sich die beiden Wissenschaftler, der Physiker Allen und
Elektrotechnikspezialist Leonir, tagsüber mit zusammenklappbaren Notsitzen
begnügen.

Für die von allen vier Astronauten gleichzeitig eingehaltenen

Ruhepausen hatte man nur zwei Schlafsäcke an Bord.

Deshalb machten es sich

Chefpilot und Kopilot in der "Nacht" auf ihren Cockpitsitzen bequem.

Weltraumkrankheit
Ein wichtiges Experiment, das Arbeiten in der offenen Ladebucht im
neuen Weltraumanzug, mußte gestrichen werden.

Die Ausrüstung hat offenbar ei-

nige technische Mängel, was Allen und Leonir während des mehrstündigen Aufenthalts in der Luftschleuse, bei dem der Körper vor dem Ausstieg von Raumluft- auf reine Sauerstoffatmung umgestellt wird, noch rechtzeitig feststellten.

Die Aktion war bereits um 24 Stunden verschoben worden, weil Lenoir

zum ursprünglich vorgesehenen Termin an der berüchtigten "Weltraumkrankheit"
litt.
Diese Attacke stand nicht im Programm. Alle vier hatten zu Beginn des
Fluges Medikamente genommen, die möglicherweise auftretende Symptome von
"Reisekrankheit" mildern oder überhaupt unterdrücken sollen. Nach den bisherigen Erfahrungen der NASA kommt es bei 30 bis 50 Prozent der Astronauten
in der ersten Flugphase unter Schwerelosigkeit zu Unpäßlichkeit bis Übelkeit-Symptomen der "Weltraumkrankheit". Nach der Anpassung des Organismus

- 2 -

�des Organismus an die veränderten Schwerebedingungen ist normalerweise
nichts mehr davon zu bemerken.

Mediziner und Physiologen der NASA wollen

aber jetzt mit Hilfe von Experimenten genauer herausfinden, wodurch und wann
sie ausgelöst werden.

Gerade bei den relativ kurzen Raumtransporterflügen

- vorläufig sind nur fünf bis sieben Tage dafür angesetzt - spielen die auslösenden Faktoren eine wichtige Rolle, weil naturgemäß die Leistungsfähigkeit durch die Erkrankung beeinträchtigt wird.
Die von Dr. Gerald A. Soffen, dem NASA-Direktor für medizinische und
biologische Wissenschaften, und einigen Kollegen ausgearbeiteten Experimente
begannen mit dem soeben beendeten Flug STS-5.

Im Mitteldeck des ORBITER

hatte Joe Allen bei Eintritt des schwerelosen Zustandes seine Augenbewegungen durch speziell dafür angelegte Elektroden zu registrieren.

Denn die

Augenbewegungen erlauben vermutlich einige Rückschlüsse auf Anpassungsreaktionen des Nervensystems auf Schwerkraftbedingungen, die anders sind als die
gewohnten an der Erdoberfläche.

Nach dem Ende der Anpassungsphase sollten

sowohl Allen als auch Lenoir die Elektroden anlegen, während des Rückkehrmanövers bis zur Landung war nur noch Lenoir beauftragt, das Experiment
fortzusetzen.

Dr. Soffen will wissen, wie sich das Anwachsen der Gravitation

von nahezu Null im Orbit auf 1 g (1 g entspricht der Schwerkraft an der Erdoberfläche) auf die Augenbewegungen auswirkt.
Auf diese Weise hoffen die Forscher zumindest einige Indikatoren dafür
zu bekommen, welche Faktoren an der Weltraumkrankheit beteiligt sind und
welche nicht.

Die Messungen werden systematisch weitergeführt.

Nur durch

Tests im Weltraum, nicht auf der Erde, im Labor oder in Flugzeugen, sei es
möglich, ausreichende Erkenntnisse zu gewinnen, um die Krankheit besser zu
beherrschen.meint Soffen.

Amerikanische wie sowjetische Raumfahrer haben

z. B. die Erfahrung gemacht, daß durch mögliches Einschränken von Kopfbewegungen zu Beginn des Fluges die Schwere der Symptome gemildert oder ihr Auftreten überhaupt verhindert werden könne.

Seit Jahren gibt es eine Anzahl

von Theorien zu der Frage, was denn die Weltraumkrankheit eigentlich auslöst
und wann sie auftritt.

Aber wie widersprechen einander, wie Soffen erklärt,

und niemand habe bisher einen Beweis für die Richtigkeit der einen oder der
- 3 -

�oder der anderen Theorie erbringen können.

Es sei an der Zeit, den Dingen

auf den Grund zu kommen.

Leuchteffekt
Die Beobachtungen des Verhaltens von Material und Gesamtkonstruktion
bei viel und wenig Sonneneinstrahlung durch Flugmanöver, die schon bei den
Testflügen eine wichtige Rolle spielten, wurden weitergeführt, ebenso eine
Anzahl wissenschaftlicher Experimente.

Eines davon galt der Aufklärung des

Leuchteffekts am Raumtransporter, den zum ersten Mal Lousma und Fullerton
während des dritten Fluges im März 1982 bei Dunkelheit bemerkten.

Inwieweit

man der rätselhaften Erscheinung durch die Auswertung der nun mit Spezialkameras gemachten Fotos und durch die Untersuchung von Proben bestimmter Materialien auf die Spur kam, wird sich erst herausstellen.

Eine der Hypothesen

geht dahin, daß es sich um ein Phänomen sog. Chemolumineszenz handeln könne:
Auf den Raumgleiter aufprallende Sauerstoffatome vereinigen sich zu Sauerstoffmolekülen.

Sobald sie sich wieder von dessen Oberfläche lösen, kommt

es zu einem Verlust an kinetischer Energie unter Abgabe von Photonen - d.h.
von Licht.

Es wird u.a. vermutet, daß aus bestimmten Isoliermaterialien

am Raumtransporter infolge leichter Zersetzungsprozesse in der kosmischen
Umwelt Sauerstoff aussickert.

Start von kommerziellen Satelliten
Die wichtigste Aufgabe für die Besatzung beim Unternehmen STS-5 war
allerdings das Absetzen zweier kommerzieller Nachrichtensatelliten. Zum
ersten Mal in der Geschichte der Raumfahrt wurde ein bemanntes Fluggerät als
Basis in der Erdumlaufbahn für den Start unbemannter Satelliten verwendet.
Bereits acht Stunden nach dem Eintritt der COLUMBIA in den Orbit in 296 km
Höhe, der einer perfekten Kreisbahn um die Erde entsprechen mußte, wurde
während der fünften Erdumkreisung SBS-3 abgesetzt. Es kam darauf an, daß
dies an einem ganz bestimmten Punkt über dem Indischen Ozean geschah und
- 4 -

�geschah und daß seine Triebwerke - die COLUMBIA hatte sich inzwischen in 26 km
Sicherheitsabstand begeben - zu einem bestimmten Zeitpunkt gezündet wurden.
Rund 57 Stunden später erreichte der Satellit, der von dem privaten amerikanischen Unternehmen "Satellite Business Systems" (SBS) betrieben wird, seinen
"Standort" in der 36 000 km-Bahn.

"Standort" deshalb, weil in dieser Erdent-

fernung die Umlaufzeit genau der Zeit für eine Umdrehung der Erde um die eigene
Achse entspricht.

Der Satellit scheint also für den Beobachter auf der Erde

stillzustehen und steht als Relaisstation einem Tausende von Kilometern großen
Bereich Tag und Nacht zur Verfügung.
Genau 24 Stunden später folgte - nach dem gleichen Verfahren gestartet ANIK-C.

ein kommerzieller Nachrichtensatellit von TELESAT Canada.

Auch er

"steht" jetzt in 36 000 km Höhe und ist für den innerkanadischen Fernmeldeverkehr bestimmt.

Bei voller Auslastung kann er 21 504 Telefongespräche oder

32 Fernsehprogramme gleichzeitig übertragen.
SBS bezahlte acht Millionen Dollar an die NASA als Startgebühr, TELESAT
Canada - wegen des höheren Gewichts von ANIK-C - fast neun Millionen.

Eldon

Thompson, der Präsident von TELESAT Canada , nennt knapp 34 Millionen Dollar
an Gesamtkosten, einschließlich Versicherung, Zusatzausrüstungen und Verpakkung.

Dies sei aber nur etwas mehr als die Hälfte dessen, was im August 1982

für den Start eines anderen ANIK-Satelliten mit einer DELTA-Rakete an die NASA
zu zahlen war.

die DELTA-Rakete ist, wie alle Satellitenträger vor dem Raum-

transporter, ein sog. Verlustgerät und nicht wiederverwendbar.

Die Start-

gebühren im August beliefen sich auf 66 Millionen Dollar - ein Preis, der
laut Thompson etwa dem vergleichbar sei, den ein Start mit der

Europa-Rakete

ARIANE ksoten würde.
Die Aufträge zum Absetzen der beiden Nachrichtensatelliten bestimmten
sogar die Startzeit der COLUMBIA.
nur für 33 Minuten geöffnet.

Das sog. Startfenster war am 11. November

Wäre durch Schwierigkeiten während des Count-

down diese Frist überschritten worden, hätte sich erst 24 Stunden später wieder
eine Startmöglichkeit ergeben.

Aufträge für das Absetzen weiterer Nachrichten-

satelliten im Weltraum vom Raumtransporter aus liegen bereits vor:
- 5 -

Im Januar

�Im Januar 1983 nimmt die Raumfähre CHALLENGER einen Nachrichtensatelliten
der NASA mit, der zusätzliche Funkkontakte zwischen den Bodenstationen des
US-Bundesamtes für Luft- und Raumfahrt (NASA) und bemannten wie unbemannten
Satelliten auf Erdumlaufbahnen ermöglicht. Im April 1983 ist - wiederum
von CHALLENGER aus - der Start eines weiteren ANIK-Satelliten sowie des Nachrichtensatelliten PALAPA-1 für die Republik Indonesien vorgesehen. Und
beim dritten Einsatz der CHALLENGER im Juli 1983 werden sich ein zweiter
Nachrichtensatellit der NASA sowie INSAT-1B, ein Fernmelde- und Wetterbeobachtungssatellit für Indien, an Bord befinden.

- 6 -

�T

Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

17. November 1982

Nr. 45

ÖL- UND GASEXPLORATION SCHWERPUNKT BEI INVESTITIONEN

- (AD) - Das Gros der Investitionen von den 26 größten amerikanischen
Mineral öl firmen in den Jahren 1974 - 1980 wurde zur Exploration neuer ölund Gasvorkommen eingesetzt. Dies geht aus einer Studie hervor, die von
der Abteilung Energie-Informationen (EIA) des US-Energieministeriums veröffentlicht wurde.
Die Aktivitäten erreichten im Jahr 1980 mit 12 000 Explorationsbohrungen zum ersten Mal in 20 Jahren wieder den Stand von 1960, nachdem von
1956 ab ein Abwärtstrend eingesetzt hatte, der bis zum ölpreisschock im
Jahr 1973 unverändert anhielt.
Im Jahr 1980 wandten die 26 Unternehmen mehr als 37 Milliarden Dollar
für Explorationen auf. Davon wurden 26 Milliarden Dollar in die Sondierung
auf amerikanischem Territorium gesteckt (gegenüber 11 Milliarden Dollar im
Jahr 1974), die restlichen Summen waren für entsprechende Aktivitäten in
zahlreichen Gebieten im Ausland bestimmt.
Der zweibändige

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der zweibändige Bericht mit Finanzstatistiken trägt den Titel "Energy
Company Development Patterns in the Postembargo Era" (Erschließungsaktivitäten von Energie-Unternehmen in der Zeit nach dem Embargo). Aus ihm geht
u.a. hervor, daß die 26 größten amerikanischen Unternehmen auf dem Energie-sektor eine wichtige Rolle dabei spielten, durch Steigerung ihrer Uran- und
Kohleproduktion zu einer vermehrten und die Versorgungssicherheit verbessern
den Diversifizierung der Erzeugung von Primärenergie beizutragen.
Die Auslandsinvestitionen dieser Unternehmen machten zwischen 197*
und 1980 ungefähr ein Drittel aller Investitionen auf dem Erdölsektor aus.
Der größte Anteil entfiel auf Explorations- und Erschließungskosten in Kanada und im Nordseegebiet. Bei der Auslandsförderung und dem Import von
Rohöl lösten sie sich weitgehend von der Abhängigkeit von Versorgungsquellen in Mittelost.

+ + + + +

- 2 -

�Wi//enschaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

Nr .

45

17. November 1982

SCHIFFSFUNK OBER INTELSAT V
novsb ti •
.

- (AD) - Der jüngste Nachrichtensatellit der INTELSAT V-Serie, der
Ende September 1982 von der NASA in Kap Canaveral gestartet wurde, dient
als erstes Intelsat-Gerät auch der Schiffahrt als Relaisstation für den
Sprech- und Funkverkehr mit dem Festland. Allein für diesen Zweck stehen
an Bord des Satelliten 50 Watt Nutzleistung zur Verfügung - zusätzlich zu
der Energie, die für die Übertragung von Farbfernsehprogrammen auf zwei
Kanälen und für 12 000 Telefonsprechkreise gebraucht wird.
•

Das private Konsortium INTELSAT, dem 100 Länder angeschlossen sind,
betreibt gegenwärtig 17 Satelliten für den internationalen Fernmeldeverkehr einschließlich Datenübermittlung, Fernseh- und Rundfunkübertragungen. Die vier nächsten INTELSAT V-Satelliten (sie werden alle von der
Firma Ford Aerospace and Communications Corporation gebaut) sind ebenfalls
für den Schiffsnachrichtenverkehr ausgerüstet, der im L-Band-Frequenzbereich erfolgt. Die entsprechender

Bordsysteme werden an INMARSAT (Inter-

national Maritime Satellite Organization) vermietet. Sie ermöglichen einem
Schiff von fast jeder Position aus, mit nahezu jedem gewünschtem Partner

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�über Telefon, Fernschreiber oder Faksimile-Bildübertragung in Verbindung
zu treten. Auf diese Weise soll das Nachrichtenwesen auf See einschneidend
verbessert werden.
Die Organisation INMARSAT wurde im Jahr 1979 gegründet und nahm im
Februar die Tätigkeit auf. Derzeit gehören ihr 37 Länder als Mitgliedstaaten an. Durch die Einbeziehung von Satelliten sollen auch das Meldewesen
für Seenotfälle, die Möglichkeiten zur Hilfeleistung bei Katastrophen
sowie für Sturm- und Eiswarnungen verbessert werden. Außerdem dürfte das
Management in der Handelsschiffahrt und bei Meeresbergbauunternehmen davon
profitieren. Denn der Kontakt mit ölbohrinseln, die Wettervorhersage, die
Übermittlung von Telefongesprächen, Fernschreiben und von Daten zwischen
Schiffen bzw. Bohrstationen auf See und mit Kommunikationspartnern an Land
wird nun sehr viel einfacher und sicherer. Gegenwärtig sind ca. 1 300 Schiffe mit INMARSAT-Systemen ausgerüstet.
Der neue INTELSAT V-Satellit wurde zunächst über Fucino (Italien) im
erdsynchronen Orbit stationiert, weil diese Bodenstation die notwendigen
Tests durchführt. Sobald sie beendet sind, erfolgt die "Versetzung" über
den Indischen Ozean auf eine Position am 63. Längengrad. Die kommerzielle
Nutzung soll Anfang Dezember 1982 beginnen.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Reagans bei der Begrüßung von Bundeskanzler Kohl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Reagans bei der Verabschiedung von Bundeskanzler Kohl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan hebt Sanktionen gegen Bau der Erdgasleitung auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rundfunkansprache des US-Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA weiterhin an Verbesserung der Beziehungen zur UdSSR interessiert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des US-Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Ronald Reagans zum Jahrestag der Solidarität&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 10. November ein Meilenstein im Kampf um die Freiheit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung der Internationalen Gewerkschaftsbewegung zu Polen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Forderung nach Wiederherstellung der gewerkschaftlichen Rechte in Polen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gemeinnützige Organisation der USA: Hilfe für das polnische Volk&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Korrespondenten Elez Biberaj -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;COLUMBIA vom ersten kommerziellen Einsatz zurück&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fremdaufträge ausgeführt - Reichhaltiges Arbeitsprogramm -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Öl- und Gasexploration Schwerpunkt bei Investitionen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schiffsfunk über INTELSAT V</text>
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                    <text>nrormouon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

24. November 1982

46/A

INHALT

DOKUMENTATION
USA zu Neuregelung des Verhältnisses zur UdSSR bereit
- Pressekonferenz des US-Außenministers vom 18. November 1982 Die amerikanische Abschreckungsstrategie als Friedensstrategie
- Brief des Sicherheitsbeauftragten des Präsidenten an die
Amerikanische Bischofskonferenz INFORMATION
Donald Hodel - neuer amerikanischer Energieminister
WIRTSCHAFT
Beryl Sprinkel:

Wirtschaftsprogramm der Reagan-Administration

wird weiterverfolgt
- "Wall Street Week"-Interview mit Finanzstaatssekretär (Auszüge)
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Rehabilitation
- Hilfe zur Selbsthilfe und zu weniger Abhängigkeit -

Um Übei/endung von
ßeleQCKcmplarcn
uiifd gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�46

24. November 1982

USA ZU NEUREGELUNG DES VERHÄLTNISSES ZUR UDSSR BEREIT
Pressekonferenz des US-Außenministers vom 18. November 1982 -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz hat
auf einer Pressekonferenz am 18. November 1982 betont, daß die Vereinigten
Staaten bereit seien, die Probleme mit der Sowjetunion zu lösen, daß sie jedoch eine Änderung des sowjetischen Verhaltens in wichtigen Fragen als Beweis
dafür erwarteten, daß auch Moskau an besseren Beziehungen zu den Vereinigten
Staaten interessiert sei. Man erwarte nicht nur Worte, sondern auch Taten.
Die Pressekonferenz des amerikanischen Außenministers hat - mit wenigen
Auslassungen innenpolitisch orientierter Fragen - folgenden Wortlaut:
FRAGE: Nachdem jetzt in der Sowjetunion eine neue Führung angetreten
ist und Sie mit dem neuen Führer, Jurij Andropow, zusammengetroffen sind,
können Sie uns etwas über die Chancen für verbesserte amerikanisch-sowjetische
Beziehungen sagen und sich zu unserer Strategie im Umgang mit Moskau in der
Nach-Breschnewära äußern?
ANTWORT: Erstens,

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�I

ANTWORT:

Erstens, ich glaube, es ist wichtig, darauf hinzuweisen,

daß wir auch bisher eine Politik gegenüber der Sowjetunion hatten.

Diese Po-

litik ist richtig und wird auch weiterhin richtig sein.
Diese Politik ist zunächst einmal realistisch bezüglich dessen, was sich
hinsichtlich der militärischen Kapazität, deren Anwendung, der Menschenrechtsaspekte und anderer Dinge abspielt.
Zweitens, sie ist sich der Bedeutung unserer eigenen Stärke und der
Stärke unseres Bündnisses angesichts des sowjetischen Verhaltens völlig bewußt.
Drittens, wir sind immer bereit, an Problemen zu arbeiten und zu versuchen, Probleme zu lösen.

Die Vereinigten Staaten standen immer an der Spitze,

wenn es darum ging, zu einer Lösung der vielen Probleme in der Welt beizutragen.
Und schließlich wissen wir, daß Chancen für eine bessere Welt bestehen,
wenn Probleme gelöst werden können.
Mit dem Antreten einer neuen Führung in der Sowjetunion hat der Präsident eine Reihe von Erklärungen abgegeben, die, so möchte ich sagen, den dritten
Punkt in dieser Reihe besonders unterstreichen. Aber ich glaube, wir dürfen
nicht vergessen, daß es die ganze Reihe von Punkten gibt. Wir sind bereit, Probleme zu lösen, an Problemen zu arbeiten, aber wir sind auch weiterhin realistisch
bezüglich der Dinge, um die es bei der Lösung von Problemen geht; was wir erwarten, sind nicht einfach Worte, sondern Taten, und das wird unsere Haltung sein.
FRAGE: Herr Außenminister, was würden Sie bezüglich eines bedeutungsvollen Signals der neuen Führung im Kreml, zu einem deutlichen Signal in Richtung einer Erleichterung der Beziehungen sagen?
ANTWORT:

Immer und überall höre ich das Wort "Signal".

Das fängt bei

kleinen Dingen an, die die Art und Weise berühren, wie man behandelt wird und ich möchte sagen, daß der Vizepräsident und ich und Botschafter Hartman
während unseres kurzen Besuches in der Sowjetunion mit großer Höflichkeit be- 2 -

�Höflichkeit behandelt wurden.
und vielleicht ist es eines.

Es gibt Leute, die sagen, dies sei ein Signal,
Aber ich meine, die Dinge, die wir nach all den

Signalen wirklich erwarten, ist eine wesentliche Änderung im Verhalten in
wichtigen Fragen.
Wir führen derzeit aktive Verhandlungen über RüstungsVerringerungen in
Genf und in Wien.

Wir führen zusammen mit unseren europäischen Verbündeten in

Madrid aktive Diskussionen mit der Sowjetunion und mit anderen.

Es gibt also

zwei oder drei Rahmen, innerhalb derer derzeit Gespräche stattfinden und wo
wir eine Bewegung nach vorne begrüßen würden.
Das sind also die Dinge, die wir gerne erleben möchten. Signale sind
schön und gut, und Hinweise, daß Leute bereit sind, sich an den Tisch zu setzen und ernsthaft zu verhandeln,sind schön und gut, und wir haben selbst solche Signale gegeben. Wenn die Dinge jetzt weitergehen, dann werden wir - wie
ich meine - nach sachlichen Antworten Ausschau halten.
FRAGE:

Würden Sie innerhalb der absehbaren Zukunft - Sie sprechen von

Zusammenkünften und an den Tisch setzen - irgendeine Art Gipfelkonferenz erwarten?
ANTWORT: Der Präsident ist immer zu einem Gipfeltreffen bereit gewesen,
wenn durch ein solches Treffen wirklich etwas erreicht werden kann. Ein Treffen um eines Treffens willen bringt im Grunde nichts. Es muß, wie ich meine,
eine Aussicht auf echte positive Ergebnisse bestehen. Das ist der Standpunkt
des Präsidenten gewesen und ist sein Standpunkt auch heute.
FRAGE:

Könnten Sie etwas näher umreißen, welche Schritte die Vereinigten

Staaten von der Sowjetunion in den Foren erwarten, die Sie gerade erwähnt haben,
oder anderswo, bevor verbesserte Beziehungen eintreten können, und welche spezifischen Schritte die Vereinigten Staaten zu unternehmen bereit wären, um die
Beziehungen zu verbessern.
ANTWORT:

Was

�ANTWORT:

Was die Einzelheiten der Schritte angeht» so werden wir unsere

Verhandlungen natürlich in jenen Foren führen.

Aber wenn man in Verhandlungen

begriffen ist, dann ist selbstverständlich der Prozeß des Gebens und Nehmens
etwas, das was man erwartet und spürt. Wir würden auf solche Zeichen und diese Art von Bewegung warten, aber ich möchte nicht versuchen, auf irgendeinen
bestimmten Punkt näher einzugehen.
FRAGE:

Herr Außenminister, verschiedene sowjetische Sprecher haben am

letzten Wochenende behauptet, die Vereinigten Staaten benützten den Handel
als politische Waffe. Sind Sie der Meinung, daß die Vereinigten Staaten dies
getan haben?

Sind Sie der Meinung, daß die Vereinigten Staaten den Handel

als Teil eines größeren politischen Bildes betrachten, und können Sie sich den
Handel losgelöst von der Politik denken?
ANTWORT: Wir müssen unsere Beziehungen zur Sowjetunion in all ihren
Dimensionen sehen, wie Sie wissen, und wenn sie auch nicht alle eng miteinander verflochten sind, so stehen sie doch sicherlich in einer Beziehung zueinander.

Die Sanktionen gegen die Rohrleitung waren ein Punkt.

Und irgend-

wie gehört dieser Punkt zur politischen Dimension einer wirtschaftlichen Beziehung.

Und in den Gesprächen mit unseren Freunden in Europa und Japan haben wir

uns genau mit diesem Punkt befaßt, um zu sehen, ob wir einen besseren strategischen Sinn in unseren wirtschaftlichen Beziehungen zur Sowjetunion und ihren
Satelliten entwickeln können - und ich glaube, wir können das, und wir sind
auf dem besten Wege, es zu tun.
Das bedeutet nicht, daß der gesamte Handel einer solchen Art von Überprüfung unterliegt, aber in bestimmten kritischen Kategorien und Aspekten glauben wir, daß es sein muß.
FRAGE:

Diesen Monat reisen Sie mit Präsident Reagan in ein Gebiet vol-

ler finanzieller Probleme und Krisen.

Ich frage mich, an was Sie denken, was

die Situation nach Ihrem Besuch erleichtern könnte?
ANTWORT:

Das

�ANTWORT:

Das Gebiet von Süd- und Mittel amenka ist nicht nur voller

Probleme wie die meisten Gebiete der Welt, sondern es ist auch voller Chancen,
voller Menschen, und es liegt in unserer Nachbarschaft.

Ich bin sicher, was

der Präsident unterstreichen und unterstützen möchte, wenn er durch diese Länder reist, ist die Unterstützung der Idee der Demokratie, die Unterstützung
frei gewählter Regierungen und die Unterstützung wirtschaftlicher Entwicklungen.

Wie Sie wissen, haben wir versucht, hilfreich zu sein,und sind in ei-

nigen der finanziellen Schwierigkeiten, die Sie erwähnt haben, hilfreich gewesen, und vor allem auf dem Gebiet des Friedens und der Sicherheit, auf dem
wir große Anstrengungen unternommen haben.
Ich halte es für bemerkenswert, daß unsere Hemisphäre im Vergleich zu anderen Teilen der Welt über einen langen Zeitraum hinweg ausgesprochen friedlich war, und das war ein sehr wichtiger und nützlicher Faktor in der Entwicklung der Vereinigten Staaten und der Entwicklung anderer Länder unserer Hemisphäre. Das ist etwas Wichtiges und Lohnendes, was wir auch in Zukunft
unterstützen werden.
FRAGE: Herr Außenminister, werden Sie dem Präsidenten raten, als ein
Mittel zur Erleichterung einiger ihrer diplomatischen Probleme sowohl mit den
Europäern als auch mit der Sowjetunion den Zuwachs der Verteidigungsausgaben
zu kürzen?
ANTWORT: Sicherlich nicht. Ich halte es für ganz wesentlich, daß wir
die Stärke unserer Verteidigungsposition aufrechterhalten. Das bedeutet natürlich, daß wir unseren Verteidigungshaushalt überprüfen müssen. Dort braucht
es keine unnötigen Ausgaben und all das zu geben. Aber ich halte es für wesentlich, daß wir die Stärke unserer Verteidigungsposition aufrechterhalten,
wie sie der Präsident angesetzt hat.
FRAGE:

Herr Außenminister, könnten Sie uns etwas sagen, wie Sie die

jüngsten diplomatischen Kontakte zwischen der Sowjetunion und China beurteilen?
ANTWORT:

Natürlich

�ANTWORT:

Natürlich haben diese Entwicklungen stattgefunden.

sie beobachtet und darüber gelesen.

Wir haben

Ich bin natürlich nicht eingeweiht und

weiß auch nicht genau, was vorgeht.
Ich kenne einige der Besorgnisse, die die Chinesen haben.

Sie sind be-

sorgt über die sowjetische Präsenz in Afghanistan und haben dies zum Ausdruck
gebracht.

Sie sind besorgt über das Verhalten der sowjetischen Stellvertreter-

staaten Vietnam und Kampuchea.
FRAGE:

Herr Außenminister, in Beantwortung einer früheren Frage schienen

Sie einige Hoffnung zum Ausdruck zu bringen, daß irgendwann
vereinbart werden könnte.
ANTWORT:

ein Gipfeltreffen

Möchten Sie sagen, daß das jetzt verfrüht wäre?

Die Diskussion über ein Gipfeltreffen ist irgendwie aus der

Luft gegriffen, so wie ich es sehe.

Es hat keine direkten Gespräche mit sowje-

tischen Vertretern gegeben, von denen ich wüßte.

Es kam in meinen Gesprächen

mit Außenminister Gromyko in New York nicht zur Sprache, die vor einigen Monaten
stattgefunden haben, und es kam nicht zur Sprache in den Treffen des Vizepräsidenten mit Andropow.
Das heißt nicht ja, und das heißt nicht nein, und das ist genau das, was
ich gesagt habe.

Wenn etwas Positives und Konstruktives erreicht werden kann,

dann ist der Präsident immer bereit, aber es liegt ihm nichts an einer Reise
oder an einem Treffen um einer Reise oder eines Treffens willen.
FRAGE: Gelten diese gleichen Kriterien auch für Ihre eigenen Treffen mit
Außenminister Gromyko, und haben Sie für die nahe Zukunft schon Zusammenkünfte
geplant?
ANTWORT:

Wir haben für die nahe Zukunft keine Treffen geplant, aber es

ist immer vorstellbar, daß eines stattfinden könnte.
FRAGE:

Herr Außenminister, um noch einmal auf die Frage des Handels mit

der Sowjetunion zurückzukommen:

Sehen Sie die Möglichkeit, daß ein freierer
- 6 -

�ein freierer Handel mit den Vereinigten Staaten die Sowjetunion dazu bringen
könnte, sich in einer Weise zu verhalten, wie Sie es gerne hätten - und wie
dies von bisherigen Administrationen auch angedeutet wurde?
ANTWORT:

Ich glaube, es lohnt sich nicht, an diese Dinge im Sinne des

Dies-Für-Das heranzugehen.

Man muß das Gesamtbild der Beziehungen sehen, in

seiner ganzen Kompliziertheit und in seiner ganzen Wechselseitigkeit, mit seinen vielen wichtigen Dimensionen.
FRAGE:

Handel ist davon eine, aber eben nur eine.

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion scheinen derzeit das

auszutauschen, was man vielleicht als versöhnliche "Stimmungsmusik" bezeichnen
könnte, wobei jede Seite darauf wartet, daß die andere bestimmte Schritte unternimmt.

Wie lange kann man einfach nur Musik machen?

ANTWORT:

Wir müssen sehen, was sich ergibt.

Ich war ja bei dem Begräbnis

und stand 2 1/2 Stunden lang auf dem Roten Platz und sah, was da vorging.

Na-

türlich gibt es diese Stimmungsmusik, auf die sich jeder zu konzentrieren
scheint - insbesondere auf die Erklärungen des Präsidenten und die Erklärungen
der anderen Seite.
Aber es gibt auch andere "Stimmungsmusik".
rend.

Und die war ziemlich schockie-

Ich weiß nicht, wie viele von Ihnen das Begräbnis am Fernsehen sahen,

aber nachdem Breschnew beerdigt war und die Mitglieder des Politbüros wieder
auf ihrer Tribüne standen, da war es so, als habe jemand an einem Schalter gedreht,
denn plötzlich erklang kämpferische Musik, und es gab einen langen Truppenaufmarsch.

Ich dachte, dies war auch "Stimmungsmusik".

Da haben wir wieder alle diese Dimensionen, und wir müssen an die militärische Stärke der anderen denken und daran, daß wir nicht zulassen, daß das,
was Sie vielleicht ganz angemessen als "Stimmungsmusik" bezeichneten, uns
täuscht und uns unsere Überzeugung raubt, daß wir das Notwendige für unsere eigene Verteidigung tun müssen.
FRAGE:
- 7 -

Es kommen

�FRAGE:

Es kommen derzeit aus dem Nahen Osten Berichte darüber, daß

die PLO gegenseitige Anerkennung mit Israel sucht und die Vereinigten Staaten
eine Rolle der PLO in dem Friedensprozeß akzeptieren sollten, sei es eine unabhängige Rolle oder im Rahmen einer arabischen Delegation.

Glauben Sie, daß

eine gegenseitige Anerkennung seitens der PLO ein Schritt vorwärts ist? Und
würden die Vereinigten Staaten in dem Verhandlungsprozeß einen Platz der PLO
unterstützen?
ANTWORT:

Die Position der Vereinigten Staaten wurde oft genug von Prä-

sident Reagan klargestellt, auch in seiner jüngsten Erklärung vor der Presse
und in direkten privaten Gesprächen mit vielen Leuten, und sie bleibt die
gleiche.

Die Vereinigten Staaten werden keine direkten Gespräche mit der Füh-

rung der PLO haben, solange diese nicht das Existenzrecht Israels anerkennt
und nicht die Resolutionen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen als
Grundlage für Verhandlungen akzeptiert.
Was die Haltung Israels hinsichtlich der PLO angeht, so spreche ich nicht
für Israel.

Israel spricht für sich selbst.

FRAGE: Herr Außenminister, könnten Sie uns Ihre Einschätzung der gegenwärtigen Anstrengungen geben, die ausländischen Streitkräfte aus dem Libanon
abzuziehen? Ist es noch realistisch, zu erwarten, daß dies noch bis zum Ende
dieses Jahres geschehen könnte?
ANTWORT: Wir wünschen und arbeiten an einem raschen Abzug aller ausländischen Streitkräfte. Die Gespräche hierüber und die Ausarbeitung eines funktionsfähigen Plans fanden eine Menge Aufmerksamkeit. All dies geht nicht so
rasch, wie wir es gerne hätten, aber es hat bereits eine Reihe von Gesprächen
gegeben, und ich glaube, die Konzeption steht. Wir drängen auf einen möglichst
raschen Abzug aller ausländischen Streitkräfte, damit der Libanon wieder zu
einem Land wird, das die Kontrolle über sich selbst erhält und dies auf der
Grundlage der Versöhnung der verschiedenen religiösen Gruppen tut und dadurch
wieder die Fähigkeit bekommt, sich selbst zu regieren.
Noch einmal:
- 8 -

�Noch einmal:
FRAGE:

Es wird nicht leicht sein, aber wir arbeiten daran.

Haben Sie nicht auch den Eindruck, daß eine der Schwierigkeiten

in dem israelischen Wunsch nach einer politischen Komponente der Lösung des
Problems zu sehen ist?
ANTWORT:

Wie sieht hier die amerikanische Position aus?

Da gab es zunächst den Gedanken eines Friedensvertrages.

Wir sind der Meinung, daß Friedensverträge zwischen Israel und seinen Nachbarn höchst wünschenswert sind.

Darum geht es ja letztlich überhaupt beim

Friedensprozeß.
Andererseits muß ein Friedensvertrag, um überhaupt etwas zu bedeuten,
freiwillig von einem Land ausgehandelt werden, das auch die Chance hatte, im
Innern einen Konsens hierüber zu entwickeln.
Unsere Position ist, daß es noch verfrüht wäre, den Libanon zu einem
solchen Vertrag oder zu etwas Gleichwertigem zu drängen.

Dies wäre einfach

keine realistische Position.
Um noch einmal zu meiner Ausgangserklärung zurückzukommen: Unsere^Meinung nach ist ein Zustand des Friedens und der normalen Beziehungen zwischen
allen Staaten des Nahen Ostens höchst wünschenswert, und hierum geht es bei
den Friedensbemühungen letztlich.
FRAGE:

Herr Außenminister, als Sie über die speziellen Schritte sprachen,

die die Sowjets ergreifen könnten, nannten Sie die beiden Rüstungskontroll Verhandlungen in Genf, die MBFR-Gespräche in Wien und die KSZE-Konferenz in Madrid.
Sie haben nicht die Regionalthemen erwähnt, die in der Vergangenheit auf Ihrer
Wunschliste standen.
ANTWORT:

Sie stehen auf der Liste der Dinge, die uns beschäftigen.

Aber

wir führen mit den Sowjets keine Gespräche etwa über Afghanistan.
Außer den Gesprächen mit ihrer Führung haben wir keine anderen direkten

�anderen direkten Kontakte, es gibt sonst nichts an Verhandlungen von der Art
wie Genf.

Deshalb habe ich dazu auch nichts gesagt.

FRAGE:

Aber hätte ein sowjetischer Rückzug aus Afghanistan nicht Kon-

sequenzen - ich möchte ungern das Wort "Signal" benützen?

Wäre es nicht zu-

mindest ein Zeichen, daß sie an besseren Beziehungen interessiert sind?
ANTWORT:

Das wäre natürlich Teil einer konstruktiven Verhaltensweise.

Würde so etwas passieren, so würde sich das zusammen mit anderem zu einer Möglichkeit verbesserter Beziehungen addieren.
FRAGE:

Wenn die Sowjets ihre Truppen entlang der chinesischen Grenze

verringern würden, wäre dies in Ihren Augen ein negativer oder ein positiver
Schritt?
ANTWORT:

Das ist eine Frage zwischen Chinesen und Russen, ich möchte

hierzu nichts bemerken.
FRAGE:

Herr Außenminister, Sie trafen letzte Woche mit dem ägyptischen

Außenminister zusammen.

Wie sehen Sie die Verschlechterung der Beziehungen

zwischen Ägypten und Israel, und was wollen die Vereinigten Staaten tun, um
dies zu ändern?
ANTWORT: Das Verhältnis zwischen Israel und Ägypten könnte besser sein,
und es gibt auch Zeichen, daß dies möglich ist, vor allem wenn man dies im
Kontext mit Fortschritt in anderen Problemenbereichen des Nahen Ostens sieht
- etwa mit einem Plan für den Abzug aller ausländischen Streitkräfte aus dem
Libanon und Bewegung bei der Friedenssuche insgesamt.
FRAGE: Herr Außenminister, darf ich daran eine Frage anschließen?
Als Khamal Hassan Ali in der vergangenen Woche mit Reportern sprach, erklärte
er, daß seiner Ansicht nach das Siedlungsproblem im Westjordanland so drohende
Konturen annimmt, daß dadurch einige der gemäßigten arabischen Staaten davon
abgehalten würden, sich dem Friedensprozeß anzuschließen. Sind Sie auch
- 10 -

�Sie auch dieser Meinung?
ANTWORT:

Dies ist ganz sicherlich ein großes Hindernis, und, wie ich

schon zuvor sagte, halte ich dies in keiner Weise für konstruktiv, um den Friedensprozeß voranzubringen.
Aus meinen Gesprächen mit Vertretern aus all den betroffenen Ländern habe
ich jedoch den Eindruck gewonnen, daß der Friedensprozeß überaus lebendig und
daß man sich im Nahen Osten allgemein darüber im klaren ist, daß der Friede von
entscheidender Bedeutung ist.
Das ist heute jedem klar. Und irgendwie glaube ich, daß wir bei der
Bedeutung eines solchen Zieles, das die Leute anstreben, erreichen wollen und
an das sie glauben, auch in der einen oder anderen Weise einen Weg zur Verwirklichung finden werden, wenn wir uns mit allen Kräften darum bemühen. Aber,
wie schon gesagt, dies ist nicht einfach.
FRAGE: Sie sprechen oft davon, daß es nötig sei, die Leute an einen
Tisch zu bringen. Sind Sie diesem Ziel nähergekommen? Zum Beispiel die
Jordanier?
ANTWORT:

Was heißt denn schon näher?

Ich würde sagen, wir arbeiten

daran, und ich glaube, auf Seiten der arabischen Gemeinschaft sind die Dinge
in diesem Zusammenhang doch sehr in Bewegung geraten.

Dies zeigte sich in

dem Besuch von König Hassan und des ihn begleitenden Ministerpräsidenten.
Ich meine also, daß dies ein echter Fortschritt ist.
FRAGE: Herr Außenminister, erwarten Sie, daß Frankreich sich in Kürze
dem alliierten Abkommen über den Ost-West-Handel anschließen wird, das gerade
ausgearbeitet wird? Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um das zu erreichen?
ANTWORT:

Ich glaube, wir müssen jetzt damit aufhören, dauernd zu fra-

gen, ob denn nun ein Übereinkommen besteht oder nicht.
- 11 -

Wir müssen anfangen,

�müssen anfangen, es auszuführen.
FRAGE:

Herr Außenminister, können Sie sich noch einmal formell mit dem

Vorschlag befassen, den Sie gestern der Organisation Amerikanischer Staaten
(OAS) unterbreitet haben, daß alle ausländischen Militärberater in Mittel amerika und auch diese Länder übereinkommen, keine größeren Offensivwaffen
zu importieren?
ANTWORT:

Aber gewiß,

über diese von den Vereinigten Staaten ausgehen-

den Vorstellungen wurde gestern ja nicht zum ersten Mal gesprochen, und in zunehmendem Maße wird dies diskutiert.
sition.

Ich meine, wir haben da eine gute Po-

Es geht eine Menge Anreiz davon aus, und wir werden auch weiterhin

darüber sprechen.

Aber das ist ja nur ein Weg:

Es gibt noch andere, um in

Mittelamerika ein größeres Gefühl der Stabilität zu entwickeln.

Wenn wir die

von uns angestrebte wirtschaftliche Entwicklung erreichen und das Gefühl der
persönlichen Sicherheit und der Menschlichkeit dort haben, dann wünschen wir
natürlich eine weitaus größere Stabilität in diesem Gebiet, als wir sie jetzt
haben.

Dafür haben wir uns immer eingesetzt.
FRAGE:

Herr Außenminister, noch ein Wort der Klärung, bevor diese

Pressekonferenz beendet ist:

Wollen Sie den Eindruck hinterlassen, daß die

amerikanische Position darin besteht, daß die Sowjets den ersten wesentlichen
Schritt tun müssen, bevor es eine wirkliche Änderung in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen geben kann?
ANTWORT: Wir suchen nach Änderungen des Verhaltens oder nach Anzeichen
einer Bereitschaft, darüber zu sprechen. Wir haben unsere Bereitschaft erklärt, dies zu tun. Ich meine, wenn man auf die Probleme blickt, vor denen
wir stehen, dann sieht man, daß diese Probleme im großen und ganzen von den
Sowjets geschaffen wurden. Was also erforderlich erscheint, ist, daß sie
(die Sowjets) in dieser Hinsicht weniger kreativ sind. Aber wir sind bereit,
darüber zu sprechen und zu versuchen, die Dinge sorgfältig und ernsthaft anzugehen.
+ + + + +

- 12 -

�1I I I I T »

ITTTTJ
46

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

24. November 1982

DIE AMERIKANISCHE ABSCHRECKUNGSSTRATEGIE ALS FRIEDENSSTRATEGIE
Brief des Sicherheitsbeauftragten des Präsidenten an die
Amerikanische Bischofskonferenz -

WASHINGTON - (AD) - Der Berater Präsident Reagans für
Fragen der Nationalen Sicherheit, William P. Clark,
erklärte in einem Schreiben vom 16. November 1982
an den Vorsitzenden der Amerikanischen Bischofskonferenz,
den Erzbischof von Cincinnati, Joseph L. Bernardin, die
amerikanische Abschreckungsstrategie sei nicht Selbstzweck, sondern Mittel zur Verhinderung eines Krieges. Er
versicherte in dem Brief - einer erbetenen Stellungnahme
zu einem vom ad hoc-Ausschuß für Fragen von Krieg und
Frieden erstellten und der Amerikanischen Bischofskonferenz
zugeleiteten zweiten Entwurf zu einem Hirtenbrief an die
Katholiken in den Vereinigten Staaten - die Entscheidungen der amerikanischen Regierung bezüglich der nuklearen
Rüstung und der Verteidigungsposition der USA seien von
moralischen Erwägungen geleitet und so zwingend wie nur
irgendwelche Entscheidungen, vor die sich die Menschheit
je gestellt sah.
Die Amerikanische Bischofskonferenz, die gegenwärtig in
Washington tagt, beschäftigt sich auch mit dem genannten
Entwurf zu einem Hirtenbrief zur Frage der moralischen
Berechtigung der Abschreckung. Die Stellungnahme Clarks,
in der alle, dem genannten Entwurf entnommenen Zitate mit
Anführungszeichen gekennzeichnet sind, hat folgenden
Wortlaut:
Gestatten Sie

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Gestatten Sie mir, die Gelegenheit zu einer Entgegnung auf die Frage
nach unserer Auffassung zum zweiten Entwurf des Hirtenbriefes, der kürzlich
vom ad hoc-Ausschuß zu Fragen von Krieg und Frieden zur Vorlage bei der
Amerikanischen Bischofskonferenz ausgearbeitet wurde, auch im Namen Präsident
Reagans, Außenminister Shultz, Verteidigungsminister Weinberger, des Direktors
der Abrüstungsbehörde, Rostow, und anderer Angehöriger der Regierung, wahrzunehmen. Ich darf Ihnen versichern, daß wir beide Entwürfe mit großem Interesse
und großer Sorgfalt gelesen haben.
Als Beamte, Bürger und Laien teilen wir das tiefe Interesse an Ihrer
Antwort auf die in dem Briefentwurf aufgeworfene Frage, "ob und wie unsere
religiös-moralischen Traditionen mithelfen können, die Bedrohung abzuschätzen,
zu beurteilen, zu beschränken und möglicherweise zu beseitigen, die die
nuklearen Arsenale der Welt für die Familie des Menschen bedeuten". Wir stellen
fest, daß Sie sich in dem Versuch, diese Frage zu beantworten, auf ein "breites
Spektrum von Beratern unterschiedlicher Auffassungen" stützen, um das Wesen
der WaffenSysteme, der militärischen Doktrinen und Konsequenzen zu untersuchen.
Wir anerkennen die Ernsthaftigkeit und Schwierigkeit der Aufgabe, die Sie sich
selbst gestellt haben, nämlich "gemeinsam mit Vertretern des Staates" zu versuchen, "einen moralischen Kurs für die vielschichtige Debatte über die
staatliche Politik festzulegen". Sicherlich müssen alle bewußt zusammenarbeiten,
wenn wir "in den langfristigen Anstrengungen fortfahren wollen, die notwendig
sind, um die Welt auf dem Weg zu einem stabilen und gesicherten Frieden voranzubringen".
Gerade wegen der Zielsetzungen, die Ihr Ausschuß zu der Zeit zum Ausdruck
brachte, lieferten wir damals, als der erste Entwurf des Hirtenbriefes Anfang
des Jahres zirkuliert wurde, in Erwiderung Ihres Ersuchens eingehende Kommentare.
Abschriften unserer vorausgegangenen Korrespondenz schließe ich zur Kenntnisnahme durch Ihren Ausschuß bei. Wir waren damals der Auffassung, unsere Kommentare
würden vom Ausschuß in Fortführung seiner wichtigen Arbeit vollständig gewürdigt
werden. Wir gingen in unserer Stellungnahme bis in Einzelheiten, weil wir un-

- 2 -

�weil wir uneingeschränkt anerkannten, daß, eben weil diese Fragen sehr vielschichtig sind und ernsthafte moralische Dilemmas berühren, "die Möglichkeit
des Friedens angesichts der bestehenden Hindernisse und der gegen ihn gerichteten Angriffe fortgesetzt geschützt und bewahrt werden muß".
Meines Erachtens stimmen wir darin überein, daß es Zweck jeder moralischen
Verteidigungstheorie ist, "nicht in erster Linie den Krieg zu legitimieren,
sondern ihn zu verhindern", und das ist natürlich das, was die amerikanische
Abschreckungspolitik zu erreichen sucht. Meiner Überzeugung nach stimmen wir
ferner darin überein, daß alle Vorschläge und Empfehlungen zu Veränderungen
an strategischen Systemen oder Doktrinen, unabhängig davon, ob sie von der
amerikanischen Regierung oder von Ihrem Ausschuß ausgehen, "im Lichte dessen"
beurteilt werden sollten, "ob sie den Fortschritt in Richtung auf die Rüstungskontrolle oder Abrüstung wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher machen".
Unserer Überzeugung nach stehen unsere Waffensysteme (die nicht als "Erstschlag"
-Systeme entwickelt wurden), unsere Abschreckungsposition (die auf Verteidigung
abgestellt ist) und unsere Initiativen auf dem Gebiet der Rüstungsbeschränkung
(die auf einschneidende und verifizierbare Verringerungen abzielen) im Einklang
mit dieser Forderung.
Weil wir uns in das tiefe Gefühl der Verantwortlichkeit für den Schutz
unseres Volkes und unserer Werte teilen, begrüßen wir das Engagement der
katholischen Bischöfe für die Bemühungen, eine wirksame Rüstungskontrolle
sicherzustellen und das Kriegsrisiko zu verringern. Um so mehr bedauern wir
es deshalb, daß der jüngste Entwurf des Ausschusses noch immer grundlegende
Mißinterpretationen amerikanischer Politiken widerspiegelt und im Grunde die
weitreichenden amerikanischen Vorschläge auch weiterhin übergeht, die gegenwärtig Gegenstand der Verhandlungen mit der Sowjetunion über erhebliche Verringerungen der Kernwaffenarsenale, über die Verringerung der konventionellen
Streitkräfte und über eine Vielfalt von Verifizierungs- und vertrauensbildenden
Maßnahmen als Mittel zur weiteren Verminderung des Kriegsrisikos sind. Wenn
mithin im Entwurf des Ausschusses Alternativen zu den derzeitigen nuklearen
Arsenalen und Strategien gefordert werden, so geschieht dies ohne den Bürger,

- 3 -

�den Bürger, der sich um die Fragen von Krieg und Frieden sorgt, auch nur die
geringsten Informationen über die Initiativen an die Hand zu geben, die die
Vereinigten Staaten unternehmen, um die Welt der Abrüstung, dem Frieden und
der Aussöhnung näherzubringen.
Die Ihnen zugeleiteten früheren Kommentare der Administration, zum
Beispiel mein Brief an ein Mitglied des Papst-Johannes-Paul-II.-Zentrum für
Gebet und Friedensstudien, Botschafterin Cläre Boothe Luce, enthielten eine
Übersicht über eine Reihe dieser Rüstungskontrollinitiativen und suchten die
fehlerhaften Darstellungen der amerikanischen nuklearen Strategie richtigzustellen. Wir halten die in Praxis erfolgte Auslassung dieser Perspektiven angesichts der erklärten Absicht des Hirtenbriefs für irreführend, nämlich
"unsere Argumente in diesem Hirtenbrief detailiert und nuanciert darzulegen",
damit "dieser Hirtenbrief in seiner Mannigfaltigkeit als Rahmen für die Gewissensbildung" dienen kann, und um "gemeinsam zu lernen, wie man richtige
und verantwortliche, moralische Urteile fällt".
Was den ersten Hirtenbriefentwurf des Ausschusses angeht, so beunruhigt
es mich besonders, daß ich bei der Lektüre des zweiten Entwurfs keine
der ernsthaften Rüstungskontrollbemühungen der Vereinigten Staaten und auch
keine unserer größeren diesbezüglichen Initiativen und laufenden amerikanischsowjetischen Verhandlungen im Text beschreiben oder auch nur angedeutet fand.
Unsere Vorschläge zielen nicht auf eine Einfrierung der derzeitigen hohen
Obergrenzen ab. Eine solche Einfrierung würde den Anreiz für die Erreichung
von Verringerungen beseitigen und auf jeden Fall umfassende vorausgehende Verhandlungen erforderlich machen, um Übereinstimmung darüber zu erzielen, welche
Zahl und Art von Systemen einzufrieren wären und auch darüber, wie sich derartige Einfrierungen wirksam verifizieren ließen. Unsere Initiativen sind
Initiativen, die auf die Verminderung, wenn nicht gar die Eliminierung der
am stärksten destabilisierend wirkenden Systeme gerichtet sind. Sie schließen
neue Schritte zur Verifizierung und neue vertrauensbildende Maßnahmen ein, die
den Zweck verfolgen, Vertrauen zu schaffen und die Einhaltung der zu vereinbarenden Regelungen sicherzustellen.
Weil diese
- 4 -

�Weil diese wichtigen Initiativen und Verhandlungen in diesem Entwurf
zu einem Hirtenbrief abermals unerwähnt blieben, obwohl sie so deutlich den
Hoffnungen all derjenigen entsprechen, die sich um den Abbau der Arsenale,
die Verringerung des Kriegsrisikos und den Fortschritt auf dem Weg zum Frieden
sorgen, möchte ich sie für Sie hier noch einmal summarisch darstellen. Ich tue
dies in der erneuten Hoffnung, daß die Kommentare, die Ihr Ausschuß auf eigenes
Ersuchen von Vertretern der amerikanischen Regierung erhält, von diesem sorgfältig geprüft werden, so wie er bittet, daß sein Entwurf von anderen
"respektvoll in Erwägung gezogen werde".
Die RüstungskontroiIbemühungen dieser Administration schließen folgende
größere Initiativen ein:
- In den amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über die Verringerung der
strategischen Rüstungen (Strategie Arms Reduction Talks- START), die am
30. Juli 1982 begonnen haben, schlagen wir vor, mit einer Verminderung der
Zahl der Gefechtsköpfe auf boden- und seegestützten ballistischen Raketen und
der am stärksten destabilisierend wirkenden Systeme auf beiden Seiten zu beginnen und die bodengestützten ballistischen Raketen auf etwa die Hälfte des
derzeitigen Standes auf amerikanischer Seite zu verringern. In einer zweiten
Phase schlagen wir vor, das zerstörerische Potential der verbleibenden Raketen
auf ein gleiches Niveau zu verringern, das niedriger ist, als das derzeitige,
wobei wir gleichzeitig auch andere strategische Systeme hier mit einbeziehen
können.
- In den amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über nukleare Mittel streckenräketeri

(Intermediate-Range Nuklear Forces - INF), die am

30. November 1981 begonnen haben, schlagen wir vor, mit der vollständigen
Eliminierung der am stärksten destabilisierend und bedrohend wirkenden Raketen
durch beide Seiten zu beginnen - den bodengestützten Raketensystemen. Wir und
unsere NATO-Verbündeten bieten an, unsere Pläne für die Dislozierung amerikanischer (GB) Pershing-Raketen und bodengestützter Marschflugkörper im Austausch
für die dementsprechende Demontage von Sowjetraketen der Typen SS-20, SS-4 und

- 5 -

�Typen SS-20, SS-4 und SS-5 aufzugeben. Andere Elemente des Gleichgewichts
könnten im Anschluß daran begrenzt werden.
- In den multilateralen Verhandlungen über eine beiderseitige und ausgewogene Verminderung der Streitkräfte (Mutual and Balanced Force Reductions MBFR) schlagen die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten den Ländern
des Warschauer Paktes größere einleitende Verringerungen an militärischem
Personal bis auf gemeinsame Höchstgrenzen und einen umfassenden Katalog an
neuen Verifizierungsmaßnahmen vor.
- Auf dem Gebiet der Einschränkung von nuklearen Tests und Tests mit
chemischen und biologischen Waffen nehmen die Vereinigten Staaten aktiv an den
Diskussionen im Abrüstungsausschuß in Genf teil, in denen es darum geht, Verfahren zur Verifizierung und Überwachung der Einhaltung entsprechender Abkommen
zu entwickeln, die derartige Begrenzungen tatsächlich wirksam machen könnten.
Natürlich fühlen wir uns am stärksten durch den eingehenden und inhumanen
Einsatz toxischer und chemischer Stoffe gegen verteidigungslose Populationen
in Afghanistan, Laos und Kambodscha beunruhigt.
In allen laufenden RüstungskontrollVerhandlungen und -erörterungen unterstreichen wir die Bedeutung beträchtlicher einleitender Verminderungen und
wirksamer Verifizierungs- und vertrauensbildender Maßnahmen. Ihr Ausschuß wird
sicherlich erkennen, daß die Vorschläge der Administration in bezug auf
nukleare Verringerungen eindeutig mit den Empfehlungen des Hirtenbriefes betreffs
der Begrenzung der Kernwaffenarsenale übereinstimmen, und daß die anderen
multilateralen Bemühungen, an denen wir uns gegenwärtig beteiligen, sehr eng
mit der Forderung des Hirtenbriefs übereinstimmen, Bemühungen zu unternehmen,
'die auf eine Verminderung und Begrenzung der konventionellen Streitkräfte und
die Schaffung von Vertrauen zwischen möglichen Gegnern, insbesondere in Gebieten
größerer militärischer Konfrontation, abzielen sowie auch nach Schritten, um
zu einem wirksamen Verbot des Einsatzes von chemischen und biologischen
Waffen zu gelangen".
Ich glaube

- 6 -

�Ich glaube auch weiterhin, daß sich die Bischofskonferenz im Verlauf der
Überprüfung neuer Entwürfe für einen Hirtenbrief anhand einer klaren Darlegung
dieser Initiativen zu einem starken Eintreten für sie bestimmen lassen wird.
Wie ich in meinen Kommentaren zum ersten Entwurf anführte, wäre

eine solche

Unterstützung äußerst hilfreich, wenn es darum geht, der Welt Amerikas Ernsthaftigkeit in den einschlägigen Bemühungen klarzumachen und insbesondere den
Anreiz für die Sowjets zu verstärken, den von uns angestrebten Verringerungen
und verifizierbaren Begrenzungen zuzustimmen.
Wenn ich Sie dringend ersuche sicherzustellen, daß künftige Entwürfe des
Ausschusses eine Darlegung der bedeutenderen amerikanischen Rüstungskontroi 1initiativen enthalten, über die gegenwärtig verhandelt wird, und, wie ich hoffe,
ein Eintreten für dieselben erkennen lassen, halte ich auch die Feststellung
für besonders wichtig, daß die Abschreckungsposition, auf die sich die Streitkräfte unserer Völker und unsere Nuklearstrategien stützen, in dem Hirtenbrief
als moralisch vertretbar beurteilt wird. Es ist ganz klar, daß die Beurteilung,
die in dem Brief als im Sinne der Ansichten von Papst Johannes Paul II. und
der Bischofskonferenz bezeichnet wird, das fortgesetzte Bedürfnis und die
Moralität der Aufrechterhaltung wirksamer nuklearer Abschreckungskräfte stützt.
Diese Einschätzung des Hirtenwortes ergibt sich daraus, daß eine nukleare Abrüstung abgelehnt wird, wir aber stattdessen gedrängt werden, wirklich effektive
Rüstungsbegrenzungsvereinbarungen der Art anzustreben, um die wir uns gegenwärtig
tatsächlich bemühen. Ich halte dies für eine Tatsache, die von entscheidender
Bedeutung für gewissenhafte Kleriker, Laien und Bürger ist und die diese verstehen sollten.

Lassen Sie mich das, was ich mit vorstehenden Ausführungen meine, noch
weiter erklären. In dem Hirtenbrief stellen die Bischöfe fest: "Wir befürworten
keine Politik der einseitigen Abrüstung." Sie argumentieren des weiteren, "die
Vereinigten Staaten wären" angesichts der selbständigen amerikanischen Rüstungskontrollinitiativen im Falle des Ausbleibens "einer angemessenen Erwiderung
nicht mehr länger an die bisher unternommenen Schritte gebunden". Papst Johannes
Paul II. wird mit seiner Botschaft vom 13. Dezember 1981 zitiert, in der er zum

- 7 -

�er

zum Ausdruck brachte, wir müßten, wie wir dies bereits getan haben, in

Richtung auf die "Verringerung der Nuklearwaffen" voranmachen, "während wir
auf deren vollständige Eliminierung in der Zukunft warten, die von allen Beteiligten gleichzeitig aufgrund ausdrücklicher Vereinbarungen und unter der
Verpflichtung zur Duldung wirksamer Kontrollen durchgeführt werden". Papst Johannes Paul II. wird ein zweites Mal zitiert mit seiner Ansprache vor den
Vereinten Nationen vom Juni 1982 anläßlich einer Sondersitzung über Abrüstungsfragen, in der er betonte, daß "die Abschreckung, die sich auf ein Gleichgewicht stützt, gewiß kein Selbstzweck ist, aber als Schritt in Richtung auf
eine fortschreitende Abrüstung noch als moralisch annehmbar beurteilt werden
kann". Kardinal Kroll wird mit einer Erklärung namens der Bischofskonferenz
zitiert, derzufolge "es von höchster Bedeutung ist, daß die Verhandlungen zu
bedeutenden und anhaltenden Verringerungen führen", und daß die katholische
Moral lehre, solange die Hoffnung hierauf besteht, es zulasse, den Besitz
von Nuklearwaffen zum Zwecke der Abschreckung auf die Dauer als das geringere
von zwei Übeln zu tolerieren.

In Anerkennung dessen, daß unseren Abschreckungsstreitkräften die entscheidende positive Rolle zukommt, einen Krieg zu verhindern, spiegelt der
Hirtenbrief die Folgerung der Bischöfe wider, daß, "so eindeutig unbefriedigend
die Abschreckungsposition der Vereinigten Staaten auch ist, der Einsatz von
Kernwaffen durch irgendeine der Nuklearmächte doch vom moralischen Standpunkt
aus ein noch weit größeres Übel wäre". Alles in allem sind die Bischöfe, wie
es in dem Brief heißt, "der Auffassung, daß der Besitz von Kernwaffen als
nötige Abschreckung toleriert werden kann, solange sinnvolle Anstrengungen
unternommen werden, zu einer multilateralen Abrüstung zu gelangen."
Während wir ernsthaft mit dem Ziel verhandeln, die einschneidenden Verringerungen und wirksamen Begrenzungen der Arsenale des Krieges zu vereinbaren,
die wir alle wünschen, gibt es eindeutig zu verstehen, daß unsere Streitkräfte
so bewaffnet und organisiert sind, daß sie vor einem Angriff und vor Gewalt abschrecken und einen Krieg verhindern. Es ist unsere Politik, und die unserer
Verbündeten, keine Streitkräfte einzusetzen, ob nukleare oder nicht-nukleare,

- 8 -

�oder nicht-nukleare, es sei denn, für Zwecke der Abschreckung und der Verteidigung gegen Aggressionen, Wir müssen deshalb angesichts des beispiellosen
sowjetischen militärischen Aufbaus der letzten zehn Jahre und länger sicherstellen, daß unsere Abschreckungsstreitkräfte hinreichend stark und glaubwürdig bleiben, um eine wirksame Abschreckung aufrechtzuerhalten.
Der Entwurf des Hirtenbriefes beschreibt weder die Tatsache noch die
Auswirkungen des sowjetischen Aufbaus, mit dem wir uns konfrontiert sehen
und der weit über ihre Verteidigungserfordernisse hinausgeht. Und er beschreibt
auch keine der vielen einseitigen Initiativen, die die Vereinigten Staaten im
letzten Jahrzehnt zur Rüstungsbegrenzung ergriffen haben, wie die Reduzierung
unseres Verteidigungshaushaltes, in realer Kaufkraft ausgedrückt, und die
Eliminierung oder das Hinauszögern wichtiger amerikanischer militärischer
Modernisierungsprogramme. Das sind bedeutende Faktoren, die der Ausschuß bei
einer künftigen Einschätzung der Dinge berücksichtigen sollte.

Der Hirtenbrief-Entwurf erinnert den Leser daran, daß im Hirtenbrief der
Bischöfe von 1980, den Marxismus betreffend, die wichtigsten Unterschiede
zwischen der christlichen Lehre und dem Marxismus dargelegt wurden. Darin
wird auch festgestellt, daß "die Tatsache einer sowjetischen Bedrohung und
die Existenz eines sowjetischen imperialen Drangs nach Hegemonie, mindestens
in Gebieten von größerem strategischen Interesse, nicht zu leugnen ist". Der
Brief erinnert an repressive sowjetische Praktiken in Osteuropa und seit
jüngerer Zeit auch in Afghanistan und Polen. Es hätte die Rede auch von Südostasien, Afrika und Zentralamerika sein können - von Gebieten also, in denen
die militärische Macht der Sowjetunion und ihrer Verbündeten mit Waffengewalt
immer stärker ausgeweitet wurde. In diesem Zusammenhang fordert der Entwurf zu
dem neuen Hirtenbrief die Gläubigen dringend auf, "romantische idealistische
Vorstellungen von den sowjetischen Absichten und Möglichkeiten" zurückzuweisen,
und erklärt, daß'sich die Amerikaner keine Illusionen über das sowjetische
System der Repression und dessen Mangel an Respekt vor den Menschen machen" sollten.
Die Bischofskonferenz

_ 9 .

�Die Bischofskonferenz muß wissen, daß unsere Entscheidungen bezüglich der
nuklearen Rüstung und unserer Verteidigungsposition von moralischen Überlegungen geleitet und ebenso dringend sind, wie alle anderen, vor die sich die
Menschheit gestellt sieht. Die Strategie der Abschreckung, auf die sich unsere
Politik stützt, ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um den Krieg zu
verhindern und die Werte zu erhalten, die wir achten: individuelle Freiheit,
Religionsfreiheit, Freiheit des Gewissens und der Meinungsäußerung, Achtung
vor der Heiligkeit menschlichen Lebens und die Herrschaft des Rechts durch
repräsentative Institutionen. Als Amerikaner gehören wir zu den wenigen Glücklichen in der Welt, die sich dieser Segnungen erfreuen.
Diese Traditionen und Werte werden von der Sowjetunion nicht geteilt,
die das Recht des Individuums den Erfordernissen des totalitären Staates unterordnet. Stimmen einzelner, einschließlich jener, die die freie Religionsausübung fordern oder die sich um die Bewahrung des Friedens sorgen, werden
kompromißlos unterdrückt - sowohl innerhalb der Sowjetunion als auch in jenen
Ländern, auf die es seinen Zugriff ausgedehnt hat. Unterdrückung ist in vielen
Teilen der Welt an der Tagesordnung; die Sowjetunion aber hat sie in ihr
militärisches Arsenal und in ihr militantes Dogma einbezogen, die den Frieden
und die Freiheit überall auf der Erde bedrohen.
Wir vertrauen darauf, daß die Bischöfe in ihrem Studium der Probleme des
Rüstungsabbaus, der Verhinderung von Kriegen und der Förderung eines echten
Friedens fortfahren werden und daß ihnen dabei die Bedeutung aufgeht, die den
Bemühungen um mehr Unterstützung für den internationalen Rahmen von Recht und
Gesetz zur Kenntnis zukommt, die in der Charta der Vereinten Nationen und in
der Vereinbarung von Helsinki proklamiert wurde. Wenn wir darauf hinarbeiten,
die Risiken und die Ursachen von Kriegen zu vermindern, dann haben wir ein
mehr als gerechtfertigtes Interesse an der Erhaltung der Tradition der Freiheit;
wir tragen eine moralische Verantwortung für künftige Generationen. Als Erben
der Tradition der Freiheit müssen wir die Last ihrer Erhaltung und ihres
Wachstums auf uns nehmen.
Wir glauben,

- 10 -

�Wir glauben, daß wir durch die Aufrechterhaltung einer wirksamen Abschreckung und unser Bemühen um wirksame Rüstungskontrollen den Frieden und
mit ihm auch die grundlegenden Werte der westlichen Zivilisation erhalten
helfen, in die auch Sie sich mit uns teilen. Wir würden es begrüßen, wenn
wir Gelegenheit erhielten, diese entscheidend wichtigen Fragen mit Ihnen
und Ihren Kollegen zu erörtern. Wir bitten Sie, unsere Kommentare zu wägen
und weiterzuverbreiten. Wir setzen unsere ernsthaften Bemühungen, einem
echten Frieden näherzukommen, in der Oberzeugung fort, daß die Abkehr von
einem Kurs, der den Frieden mehr als drei Jahrzehnte des Kernzeitalters hindurch bewahren half, darauf hinausliefe, die Risiken eines Krieges zu vermehren und die Sache der Freiheit überall auf der Welt zu gefährden.
Mit vorzüglicher Hochachtung
(gez.) William P. Clark
+ + +

- 11 -

�DONALD HODEL - NEUER AMERIKANISCHER ENERGIEMINISTER

WASHINGTON - (AD) - Donald Hodel, seit Januar 1981 Stellvertretender
Innenminister und Staatssekretär im amerikanischen Innenministerium, wurde
von Präsident Reagan an die Spitze des vor fünf Jahren geschaffenen Energieministeriums der Vereinigten Staaten berufen. Sein Vorgänger, Dr. James
Edwards, folgte einem Ruf an die Medizinische Universität South Carolina,
wo er das Amt des Präsidenten übernahm. Bis zur Bestätigung durch den amerikanischen Senat führt Hodel kommissarisch die Amtsgeschäfte des Energieministers.
Donald Hodel studierte an der Universität Oregon Rechtswissenschaften
und spezialisierte sich nach Abschluß des Studiums im Jahr 1960 auf die Fachgebiete "natürliche Hilfsquellen" und "Energie" im Hinblick auf Rechtsfragen,
Beratung, Interessen von Industrie und Regierung. Von 1969 bis 1972 war
Hodel Stellvertretender Direktor, von 1972 bis 1977 Direktor des regierungseigenen Wasserkraftwerk-Komplexes für den Nordwesten der USA mit Sitz in
Bonneville (Oregon). Von dort aus wird das größte Starkstrom-Oberlandnetz
der freien Welt betrieben. Von 1977 bis 1981 leitete er ein eigenes Industrieberatungsunternehmen. In dieser Zeit war er auch Berater der "Nationalen Kommission für gesicherte Stromversorgung" und Delegierter der Vereinigten Staaten für die Weltenergie-Konferenz. Hodel ist 47 Jahre alt.
+ + + ++

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�24. November 1982

46

BERYL SPRINKEL: WIRTSCHAFTSPROGRAMM DER REAGAN-ADMINISTRATION
WIRD WEITERVERFOLGT
• "Wall Street Week"-Interview mit Finanzstaatssekretär (Auszüge)

WASHINGTON - (AD) - Beryl Sprinkel, der für Währungsfragen zuständige
Staatssekretär im amerikanischen Finanzministerium, nahm in einem Interview
im Rahmen des Rundfunkprogramms

i:

Wall Street Week" am 5. November 1982 zum

Wirtschaftsprogramm der Reagan-Administration Stellung. Der Staatssekretär
unterstrich dabei, daß die Regierung angesichts der überstandenen Rezession
und des für das kommende Jahr zu erwartenden realen Wirtschaftswachstums von
3,5 bis 4 Prozent "im wesentlichen den Kurs beibehalten" wird.
Die wichtigsten Auszüge haben folgenden Wortlaut:
FRAGE: Mit einer Arbeitslosigkeit, die seit vier Jahrzehnten noch nie so
hoch war: Sind wir hinsichtlich der Arbeitsplätze auf dem richtigen Weg?
ANTWORT: Im wesentlichen, ja. Die gute Nachricht - der steigenden Aktienkurse - ist symbolisch für meine Sicht der Zukunft. Wir haben die schwere

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�die schwere Arbeit hinter uns, die Inflation und die Zinsen zu senken, und
wir wissen, daß der nächste Schritt Wertsteigerung bei den Aktien, Steigerung
der Produktion und der Beschäftigung sowie ein Rückganq der Arbeitslosigkeit
ist. Wir haben den schmerzlichsten Teil hinter uns, Ich freue mich jetzt wirklich sehr auf den erfreulichen Teil und glaube, daß er uns unmittelbar bevorsteht.
FRAGE: Die meisten Wirtschaftsexperten stimmen darin überein, daß der
Trend bei der Arbeitslosigkeit im nächsten Jahr nach unten geht, aber es
herrscht auch Übereinstimmung, daß es nur ein leichter Abwärtstrend sein wird.
Was halten Sie davon?
ANTWORT: Es handelt sich hierbei leider um einen Indikator, der immer
etwas nachhinkt - aber eben nicht für immer. In der Frühphase eines Wiederaufschwungs kommen auch wieder viele derjenigen auf den Arbeitsmarkt zurück, die
bislang entmutigt waren. Dadurch werden auch sie zu den Arbeitslosen hinzugerechnet, obgleich insgesamt die Arbeitsplätze zunehmen. Zudem steigt auch die
Produktivität, so daß man einen höheren Ausstoß pro Arbeitnehmer hat. Des
weiteren stellen Unternehmer auch nicht sofort Leute ein, wenn die Auftragslage
sich verbessert, weil man sich seiner Sache noch nicht sicher ist. So lassen
sie lieber Überstunden arbeiten. All diese Aspekte wirken verlangsamend auf
die rückgehende Arbeitslosigkeit ein. Deshalb spreche ich auch nicht von einem
raschen, völligen Rückgang der Arbeitslosigkeit, sondern bin eben der Überzeugung,
daß wir den Höhepunkt überschritten haben und hier ein Abwärtstrend einsetzt.
FRAGE: Sicherlich war die beste Nachricht im ökonomischen Bereich die
hinsichtlich der Inflation und der Zinssätze. Dies ist sicherlich zu einem
großen Teil der Bundesbank zu verdanken. Sie waren während der letzten Jahre
ihr gegenüber sowohl kritisch als auch positiv eingestellt. Wie ist Ihre Meinung
über das Erreichte?
ANTWORT: Hinsichtlich der Verringerung der Geldzuwachsrate und ihres Beitrags zur Senkung der Inflation und der Zinsen hat sie hervorragende Arbeit
geleistet. Das ganze war äußerst schwierig und hatte auch unangenehme Auswirkungen

- 2 -

�unangenehme Auswirkungen - etwa bei der Schaffung von Einkommen, wobei die
Wirtschaft weiter zurückgeworfen wurde als vielleicht notwendig gewesen wäre.
Auch hatten wir im Durchschnitt höhere Zinsen, als der Fall gewesen wäre,
wenn wir einen beständigeren Kurs gehabt hätten» Insgesamt hat sie also ihre
Aufgabe erfüllt. Wir hätten weniger Kummer gehabt, wenn wir die Politik verfolgt hätten, die immer wieder von dieser Administration vorgeschlagen wurde,
nämlich einen ganz graduellen Rückgang des Geldzuwachses.
FRAGE: Manche von denen, die genau an der Stelle saßen, an der Sie jetzt
sitzen, haben gesagt, daß man mit dem stetigen Geldmengenwachstum ein Ziel
setzt, das nicht erreicht werden kann. Sie sagten: Erstens wissen wir nicht,
was Geld ist, und zweitens ist es auch unmöglich, es so genau zu kontrollieren.
Wie reagieren Sie hierauf?
ANTWORT: Sicher, die Bundesbank kann die verschiedenen Geldmengen nicht
mit aller Präzision kontrollieren. Worauf ich von Anfang an gedrängt habe, war,
daß man sich auf das Kontrollieren dessen konzentrieren sollte, was die Bundesbank kontrollieren kann - also aie monetäre Basis und die Bankreserven. Es
steht außer Zweifel, daß dies kontrolliert werden kann. Leider hatten wir
große Ausschläge bei den Faktoren, die sie kontrollieren kann, eben den Reserven
und der monetären Basis.
FRAGE: Wenn Sie das (dem Bundesbankchef) Paul Volcker sagen: Hört er?
ANTWORT: Er hört mir zu, aber manchmal stimmen wir darin überein, nicht
übereinzustimmen ...
FRAGE: Wir haben über ein wichtiges Gebiet noch nicht gesprochen: Die Weltwirtschaft, den Welthandel und die Versäumnisse mancher Staaten bei ihren
Schulden. Wie sehen Sie das?

ANTWORT: Hier geht

- 3 -

�ANTWORT: Hier geht es um zweierlei. Manche Stimmen sind der Meinung, man
brauche eine Neubelebung, und alle Probleme erledigten sich von selbst. Ich
glaube, das wäre die falsche Richtung. Wir würden die gleichen, sich beschleunigenden Inflationsprobleme und hohen Zinsen bekommen, die wir zuvor hatten. Das
andere Problem besteht in dem Versuch, einige der Staaten allmählich zu
disziplinieren, die in Schwierigkeiten geraten sind, indem sichergestellt
wird, daß der Internationale Währungsfonds genug Mittel hat, diesen Ländern bei
ihrer Anpassung behilflich zu sein, indem es zu einer Zusammenarbeit mit den
verschiedenen Zentralbanken und letztlich natürlich mit den Handelsbanken
kommt. Da gibt es keine rasche Lösung. Wir versuchen, alle diese Probleme dann
anzugehen, wenn sie auftreten. Man kann sie sicher in den Griff bekommen, aber
es ist eben schwierig. Und das wichtigste dabei ist, sicherzustellen, daß wir
dem Internationalen Währungsfonds die angemessenen Geldmittel zur Verfügung
stellen. Und hieran arbeiten wir jeden Tag.
FRAGE: Die Inflationsrate ist nach unten gegangen, die Zinsen ebenfalls.
Dennoch verstärkt sich die Rezession, werden die Defizite größer und liegt die
Arbeitslosigkeit bei 10,4 Prozent. Rund 11,5 Millionen Menschen sind ohne
Arbeit, genug, um zweihundert Fußball Stadien bis zum Rand

zu füllen. An

welchem Punkt werden Präsident Reagan und seine Mitarbeiter, wie etwa Sie
selbst, die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik aufgeben und eine praktische
Haltung einnehmen, in dem Versuch, diese schrecklichen Probleme in den Griff
zu bekommen?
ANTWORT: Wir haben eine praktische Methode. Es gibt keinen Zweifel, daß
das Programm im wesentlichen funktioniert. Nicht alle Ziele können gleichzeitig
und ohne Schmerzen erreicht werden. Ich wünschte, es wäre so. Aber es gibt
keinen Staat, der nicht ohne Schwierigkeiten von Inflation und hohen Zinsen
herunterkam. Wir verlangen von der Bundesbank kein monetäres Nullwachstum,
sondern einen bescheidenen Geldmengenzuwachs. Wir beseitigen nicht die öffentlichen Ausgaben, wir verlangsamen nur die Zuwachsrate. Das sich hieraus ergebende
Stimulans wird groß genug sein, um Privatausgaben und Produktion zu erhöhen
und die Arbeitslosigkeit zu senken. Ich hoffe, Sie fragen mich in einem Jahr

-

4

-

�einem Jahr noch einmal, ob ich recht gehabt habe. Ich bin sehr zuversichtlich,
daß ich recht habe.
FRAGE: Wie sieht Ihrer Meinung nach die Wirtschaft 1983 aus - hinsichtlich
Inflation, hinsichtlich Zinsen und hinsichtlich Arbeitslosigkeit?
ANTWORT: Erstens, die Zinsen. Die Zinsen sind ein ganzes Stück zurückgegangen. Dennoch sind sie immer noch ungewöhnlich hoch im Vergleich zur derzeitigen Inflationsrate. Der reale Zinssatz ist, der heutigen Inflationsrate
angepaßt, immer noch hoch, und deshalb erwarte ich einen weiteren Rückgang bis
in den einstelligen Bereich. Bei der Inflationsrate sind wir jetzt bei etwa
5 Prozent. Der eine wird sagen, etwas höher, der andere, etwas niedriger. Ich
würde also erwarten, daß sie im kommenden Jahr noch etwas zurückgehen wird.
Also können wir eine niedrigere Inflation, niedrigere Zinsen und gleichzeitig
jedoch eine expandierende Wirtschaft erwarten. Ich erwarte keine hochschnellende Wirtschaftsentwicklung. Wir brauchen auch keine massiven Stimulantia, die
uns nur wieder in die inflationäre Zwangslage bringen. Ich würde von 3,5 bis
4 Prozent realem Wachstum sprechen.
FRAGE: Ist die Rezession vorüber?
ANTWORT: Das werden wir immer erst dann genau wissen, wenn das Ganze
Geschichte geworden ist, denn die Zahlen ändern sich immer wieder. Sie ist
entweder vorüber oder sehr bald vorüber; ich würde sagen: sie ist vorüber.
+ + +

- 5 -

�46

24. November 1982

REHABILITATION
Hilfe zur Selbsthilfe und zu weniger Abhängigkeit
Von G. Weiss

- (AD) - "Rehabilitation: Wiederherstellung bzw. Herstellung eines
höchstmöglichen Grades an Lebenstüchtigkeit und Erwerbsfä'higkeit bei körperlich, psychisch oder geistig geschädigten Menschen und deren Eingliederung
oder Wiedereingliederung in das gesellschaftliche Leben. Rehab. erfolgt durch
medizinische, pädagogische, technische und soziale Maßnahmen." So erklärt
das Lexikon in Kurzfassung einen Begriff, der in den Jahren des wirtschaftlichen Wohlstandes viel gebraucht, gelegentlich auch strapaziert wurde. In
vereinzelt gigantischen Ausmaßen wurden Zentren gebaut, um Behinderte aufnehmen, zum Teil auch behandeln und soweit wie möglich auf das Berufsleben
vorbereiten zu können. Badeorte und Spezialkliniken hatten Hochkonjunktur,
ebenso Berufe wie Physio-, Ergo-, Beschäftigungs- und Sprachtherapeuten,
Psychotherapeuten, Sonderpädagogen und Sozialarbeiter spezieller Fachrichtungen. Viele Tausende von Behinderten erhielten Gelegenheit - und viele
haben sie genutzt -, sich ein sinnvolles Leben, möglichst frei von Abhängigkeiten, aufzubauen.

Jetzt, da der

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Telex: 8-85432

�Jetzt, da der Wind schärfer weht, wird "Rehabilitation" zurückhaltender
gehandhabt.

Manche der als notwendig erachteten Programme werden eingeschränkt,

zum Teil in Frage gestellt.
einigten Staaten zu erkennen.

Diese Tendenz ist heute in Europa wie in den VerUnd vielleicht ist es auch an der Zeit, sich

mehr als bisher Gedanken darüber zu machen, was wirklich notwendig ist, wie
Notwendiges aufrechterhalten, verbessert und noch ausgebaut werden kann, was
aber andererseits weniger wichtig ist oder gar zu Mißbrauch der vielfältigen
Leistungen verleitet.

Kriegs- und Polioopfer gaben den Anstoß
Erste Anstöße zu einer gezielten Rehabilitation ergaben sich diesseits
und jenseits des Atlantik durch Bemühungen, die Opfer des Zweiten Weltkrieges
und die vielen Opfer der Polioepidemien in den vierziger und fünfziger Jahren
- vom Kleinkind bis zum Erwachsenen im leistungsfähigsten Alter - angemessener
zu versorgen.

Schon damals war man in den Vereinigten Staaten vielerorts

überzeugt, daß mit einer Therapie im Team, zu dem sich Ärzte, Krankengymnasten,
Beschäftigungstherapeuten, Techniker, Schul- und Berufspädagogen, bald auch
Psychologen und Sozialarbeiter zusammenfanden, mehr zu erreichen sei. An die
Stelle wenig oder nicht koordinierter Stufenbehandlung nach zunächst medizinischen und dann arbeitstechnischen Gesichtspunkten traten erste Versuche einer
Ganzheitstherapie, die dem Patienten in seiner Gesamtpersönlichkeit galt.
Es entstanden ein paar regionale Therapiezentren mit Mitarbeitern, die
außer ihrem Fachwissen eine gute Portion Begeisterung für die Sache und viel
Einfallsreichtum mitbrachten.

Die finanzielle Grundlage war durch private

Initiativen, die in den USA ohnehin eine wichtige Rolle spielen - allen voran "March of Dimes" (Pfennigparade) -, sowie durch die Förderung von Stiftungen und staatlichen oder kommunalen Stellen gesichert.
Rückblickend kann man sagen, daß Einrichtungen wie das Institut für Rehabilitationsmedizin der Universität New York unter der Leitung von Dr. Howard
A. Rusk für die Entwicklung und den heutigen Stand der medizinischen Rehabi- 2 -

�medizinischen Rehabilitation, der physikalischen Medizin, der Sonderpädagogik
bis hin zur beruflichen und sozialen Rehabilitation körperlich schwer behinderter Menschen tonangebend wurden.

Ihre Pionierarbeit hat viel dazu beige-

tragen, daß diese Menschen nicht mehr zu Inaktivitä't und Isoliertsein verurteilt sind, sondern an Schul-, Hochschul- und Berufsausbildung, am Arbeitsund Familienleben, am menschlichen Miteinander aktiv teilnehmen können.

Und

ihre Art, das Dasein zu meistern, hat sich oftmals als eine Bereicherung für
das Leben anderer erwiesen.

Latente Fähigkeiten
Bei diesem Personenkreis kommt es vor allem darauf an, latente Fähigkeiten zu fördern, die man als Gesunder an sich kaum entdeckt und schon gar
nicht entwickelt. Denn in dem doch weitgehend "genormten" Alltag werden sie
nicht gebraucht. Die Natur hat aber im Menschen enorme körperlich und
geistig-seelische Reserven gespeichert, die zur Kompensation verlorengegangener oder infolge von Schädigungen irgendwelcher Art nicht entwickelter Fähigkeiten eingesetzt werden können. Bei der auch von Nicht-Medizinern mitgetragenen Suche nach Lösungen für die speziellen Probleme der großen Zahl
von Patienten, die durch Krankheit, Verwundung, Unfall, Mißbildungen oder
bei der Geburt erlittene Schädigungen behindert waren, begann man, solche
Fähigkeiten zu erfassen und zu nutzen.
Der Blinde "sieht" ja mit seinem übernormal ausgebildeten Gehör und
Tastsinn.

Der Gehörlose lernt, das Sehvermögen so zu schärfen, daß er seinem

Gesprächspartner Worte von den Lippen abliest.
keln viel Kraft in den Armen.

Querschnittgelähmte entwik-

Armlose vermögen durch den Gebrauch ihrer

Füße - zum Essen und Trinken, zum Anziehen, zum Schreiben, auch zum Tasten vieles zu tun und aus ihrer Umwelt zu erfahren, was dem anderen der Gebrauch
seiner Hände vermittelt.

Je nach der individuellen Behinderung und geistigen

Konstitution werden Art und Umfang der Kompensation unterschiedlich ausfallen.
Und nicht immer und überall dürfte die Umgebung bereit sein, solche kompensatorischen Fähigkeiten als zwar andersgeartete, aber zum Gewohnten gleich- 3 -

�Gewohnten gleichwertige Aktivitäten zu akzeptieren.

Auf diesem Gebiet wie

überhaupt in einer positiven Wertung von "Anderssein" ist noch viel Entwicklungsarbeit zu leisten.

Als ein Beitrag dazu war das von den Vereinten Na-

tionen für 1981 proklamierte "Internationale Jahr der Behinderten" gedacht.
Aber kaum weniger notwendig ist Entwicklungsarbeit bei einem Teil der
Behinderten selbst.
vität

Resignation wie Auflehnung gegen das Schicksal, Aggressi-

und Anspruchsdenken gegenüber der Umwelt führen nicht weiter.

Vielmehr

sollten sie sich bemühen, ihre Situation zu akzeptieren, die ihnen verbliebenen
Möglichkeiten zu erkennen, Fähigkeiten aufs Beste zu entwickeln und mit ihnen
ihr Leben zu gestalten.

So können sie mithelfen, die Verständigung mit der

Umwelt zu verbessern.

Es kann jeden treffen
Amerikanischen Statistiken zufolge erleiden in den Vereinigten Staaten
jedes Jahr etwa 10 000 - meist junge - Menschen durch Verkehrs- oder Sportunfälle Wirbel Säulenverletzungen mit schweren Lähmungsfolgen.

(Von 105 000

Unfällen mit tödlichem Ausgang im Jahr 1980 waren 52 600 Verkehrsunfälle;
bei den meisten war Alkohol im Spiel.)

150 000 der etwas über zwei Millionen

Verkehrsunfallopfer trugen bleibende Schäden davon - im Vergleich dazu 80 000
durch Arbeitsunfälle, 90 000 durch Unfälle im Haus, 60 000 durch Unfälle anderer Ursachen außer Haus.

Unfall Verletzungen führten in dem genannten Jahr

zu 22,7 Milliarden Dollar Verlust an Arbeitseinkommen, zu 10,3 Milliarden
Dollar medizinischen Kosten und zu 16,6 Milliarden Dollar Aufwendungen an Versicherungsleistungen.
Für den einzelnen kann ein Unfall die radikale Veränderung seines Lebens
von einer Sekunde zur anderen bedeuten. Persönliche Wünsche, unbekümmertes
Pläneschmieden - das alles gilt plötzlich nichts mehr. Wichtig ist nur noch,
aus Hilfslosigkeit und Abhängigkeit irgendwie herauszukommen. Meist ohne
Vorwarnung kommt auch der Schlaganfall. In zunehmendem Maße treten sogar bei
jüngeren Menschen Embolien im Gehirn auf. Zwei Millionen neuer Fälle wurden
- 4 -

�Fälle wurden 1980 in den USA registriert.

Nach der Akutversorgung hängt

es sehr oft vom Rehabilitattionsprogramm und dessen Durchführung ab, ob und
inwieweit Lähmungserscheinungen verringert werden können.
Chronische Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen bilden angesichts
der hohen Zahl von Patienten das Problem Nummer Eins in der Rehabilitationsmedizin, gefolgt von Krankheiten des sog. rheumatischen Formenkreises samt
Arthrosen und von Krebs.

Die Fortschritte der Medizin in diesem Jahrhundert

haben dazu geführt, daß sich das Schwergewicht von den akuten auf chronische
Krankheiten verlagerte.

Sie machten im Jahr 1980 etwa 90 Prozent, um die

Jahrhundertwende nur etwa 15 Prozent aller Krankheiten aus.

Chronische Stoff-

wechsel- und Nierenkrankheiten, die früher einem Todesurteil gleichkamen, sind
dank konsequenter medizinisch-rehabilitativer Maßnahmen zu beherrschen.

Dem

Patienten ermöglichen sie ein fast normales Dasein.
Alle diese Entwicklungen tragen natürlich zur "Kostenexplosion im Gesundheitswesen" bei. Wie der amerikanische Gesundheitsminister Dr. Everett
Koop kürzlich in einem Interview mit "U.S. News &amp; World Report" erklärte,
erwartet ja jeder Patient die bestmögliche, aber keine zweitklassige Behandlung. In einem Land mit hochqualifizierter Technik finden die neuesten
Verfahren wie z.B. die überaus kostspielige Computer-Tomografie sehr schnell
Eingang in die Praxis. Diese Methode, bei der neuerdings nicht mehr mit
Röntgenstrahlen, sondern mit elektromagnetischen Resonanzeffekten oder Protonenstrahlen gearbeitet wird, erlaubt von außen die eingehende Untersuchung kleinster
Gewebeabschnitte im Gehirn, die Inspizierung von Körperhöhlen oder Organen
und sogar die Beobachtung des Herzens in einzelnen Aktionsphasen. Die junge
Ärztegeneration sei, so Dr. Koop, in dieser technologischen Explosion aufgewachsen und gewohnt, die besten und teuersten diagnostischen Verfahren bei geringstem Zeitaufwand anzuwenden.
Angaben der Amerikanischen Krebsgesellschaft zufolge ist jedes Jahr mit
etwa 770 000 Neuerkrankungen zu rechnen.

Bei mehr als der Hälfte der Krebs-

patienten sei eine erfolgreiche Behandlung möglich und die Lebensspanne nicht
verkürzt.

Die meisten Krebspatienten brauchen allerdings Rehabilitation in
- 5 -

�Rehabilitation in medizinischer wie psychischer Hinsicht - ein noch relativ
neuer Aufgabenbereich der Medizin.

Die Therapie ist entweder auf Wiederher-

stellung gerichtet, um dem Patienten zu helfen, sein Leben ähnlich weiterzuführen wie vor der Erkrankung, oder sie muß ihn unterstützen, eine durch unumgängliche chirurgische Eingriffe eingetretene Behinderung z.B. mit bestmöglicher Prothesenversorgung oder mit anderen technischen Hilfen zu mildern.

Angeborene Behinderungen
Von den 31,5 Millionen Behinderten in den Vereinigten Staaten leiden
etwa 15 Millionen an Folgen angeborener körperlicher oder geistiger Schäden.
Manche Anomalien sind aufgrund genetischer Tests bereits im Mutterleib feststellbar.

Aber auch von der Erbsubstanz her gesunde Babies können mit Miß-

bildungen zur Welt kommen - Herz, Gehirn, Augen und andere Organe, Gaumen,
Blutgefäße und Nervensystem
lungshemmung betroffen sein.
bei fast drei Prozent.

oder Gliedmaßen können infolge einer EntwickDie Häufigkeit unter den Neugeborenen liegt

Aber nur für knapp ein Drittel der Geburtsfehler sind

außer den genetischen Ursachen andere auslösende Faktoren erwiesen, die schon
während der ersten zwei Schwangerschaftsmonate das Schicksal des Kindes prägen.
Zu ihnen gehören die Rötelninfektion, eine mit hohem Fieber verbundene Erkrankung, übermäßiger Alkoholgenuß (durchschnittlich eines von 750 Neugeborenen
hat typische alkoholbedingte Schädigungen verschiedener Schweregrade), Einwirkung intensiver Strahlung oder bestimmter chemischer Stoffe.
Zu den letztgenannten Ursachen zählte das Schlafmittel Contergan mit
seinem Wirkstoff Thalidomid.

Einige weitere Medikamente, auch Drogen, der

nicht ärztlich überwachte Gebrauch der Pille und zu frühe Schwangerschaften
nach deren Absetzen, Vitaminmangel, Bestandteile von Insektiziden und Herbiziden stehen im Verdacht, teratogene (angeborene) Schädigungen hervorzurufen.
Eindeutige Beweise stehen jedoch noch aus.
Von der Contergan-Katastrophe waren allein in der Bundesrepublik mehr
als 2600 Kinder, weitere Hunderte in einigen anderen europäischen Ländern be- 6 -

�Ländern betroffen.

(Die USA blieben weitgehend verschont; die Arzneimittel -

behörde FDA hatte das Präparat nicht zugelassen.)

So sahen sich hier Ende

der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre mit der plötzlichen Häufung,
Schwere und Vielfalt von Mißbildungen Ärzte und Kliniken Problemen gegenüber, die es in solcher Form nur ganz vereinzelt, in diesem Ausmaß noch nie
gegeben hatte.

Wie war den Kindern, wie ihren verzweifelten Eltern zu helfen?

In dieser Notsituation waren Anregungen von besonderem Gewicht, die
Kontakten deutscher Wissenschaftler mit Klinikteams und Kollegen in einigen
amerikanischen Rehabilitationsinstituten zu verdanken waren. Sie führten etwa
ab Mitte der fünfziger Jahre in Deutschland zu einer einschneidenden Verbesserung der Prothesenversorgung bei Kindern, die bis dahin eher nur eine Kopie
der Versorgung bei Erwachsenen gewesen war. In einer seiner zahlreichen Veröffentlichungen zum Thema der Gliedmaßenschädigungen beim Kind weist Prof.
Ernst Marquardt (Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg) auf die bei
ersten Besuchen in den USA gemachte Beobachtung hin, daß bei armlosen Patienten, die nicht durch einen Unfall, sondern von Geburt an geschädigt sind,
körpereigene kompensatorische Funktionen ganz besondere Bedeutung haben.
Demgegenüber sind Kunstglieder, d.h. Prothesen, die technisch noch so vollkommen sein mögen, stets nur von begrenztem Wert. Diese Erfahrung hat sich
z. B. in den Spezialkliniken für Patienten mit amputierten und fehl gebildeten Gliedmaßen (jeder amerikanische Bundesstaat verfügt über mindestens eine
derartige Institution) immer wieder bestätigt.
So erhielt in den Bemühungen um eine bestmögliche Therapie für die
Contergan-Patienten zunächst das Training restlicher und potentieller Fähigkeiten Vorrang vor koorektiven Maßnahmen, einschließlich z. T. sehr komplizierter chirurgischer Eingriffe. Kinder, die ohne Arme oder mit stark verkürzten Armen und Stummel fingern geboren wurden, lernten schon im Säuglingsund Kleinkindalter, Beine und Füße als Arm- und Handersatz zu nutzen. Dies
gibt ihnen auch im späteren Leben eine Unabhängigkeit, die von einem Erwachsenen nach Armamputation nie zu erreichen ist. Auf die Armprothese wird
dennoch nicht verzichtet - die Versorgung mit einfachen Hilfsmitteln beginnt,
sobald das Baby sitzen kann. Bei entsprechendem Training kommt es dann zu
- 7 -

�dann zu einer optimalen Kombination natürlicher und prothetischer Funktionen,
die später der Behinderte einsetzt, wie es die Situation gerade erfordert.
Ein wichtiges Resümee Prof. Marquardts aufgrund vieler Jahre der Erfahrung mit - meist jugendlichen - Patienten, die durch Unfall, Krankheit oder
von Geburt an behindert sind, ist die Forderung, stets die funktionelle Beziehung aller vorhandenen Bewegungsorgane zueinander zu berücksichtigen.
Chirurgische Korrekturen, die in erster Linie nach kosmetischen Gesichtspunkten
vorgenommen werden, können unter Umständen auf lange Sicht mehr schaden als
nützen.

Dies ist ein Grundsatz, der ganz allgemein für die Therapie bei

schweren körperlichen Schäden auch im Hinblick auf Spätauswirkungen mehr Bedeutung haben könnte, als es bei oberflächlicher Betrachtung den Anschein hat.
Ziel der von Marquardt vertretenen Ganzheitstherapie, in die die familiäre Umwelt des Patienten einbezogen wird, ist die jeweils dem Alter, der
körperlichen und geistigen Entwicklung entsprechende Selbständigkeit.

Art

und Umfang dieser Therapie, dazu die Entwicklung neuer Operationstechniken,
die in bestimmten Fällen die Voraussetzung für den Gebrauch von Arm- und Beinprothesen deutlich verbessern, haben weltweit Anerkennung gefunden.

Prof.

Marquardt, Ehrenmitglied der amerikanischen "Association of Children
Prosthetic and Orthotic Clinics", war zur diesjährigen Gemeinschaftstagung
dea "American Congress of Rehabilitation Medicine" (ACRM) und der "American
Academy of Physical Medicine and Rehabilitation" (AAPMR) Anfang November in
Houston vom ACRM eingeladen, den Festvortrag zu halten.

Für seine "ermuti-

genden und wegweisenden Beiträge zur physikalischen Medizin" wurde ihm die
Coulter-Medaille dazu der "Gold Key Award" verliehen.

Mit diesem Preis wür-

digte der Kongreß in besonderer Weise "außerordentliche Verdienste um die
Sache der Rehabilitationsmedizin".

+ + + + +

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 24.11.1982</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA zu Neuregelung des Verhältnisses zur UdSSR bereit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des US-Außenministers vom 18. November 1982 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Abschreckungsstrategie als Friedensstrategie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Brief des Sicherheitsbeauftragten des Präsidenten an die Amerikanische Bischofskonferenz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Donald Hodel - neuer amerikanischer Energieminister&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Beryl Sprinkel: Wirtschaftsprogramm der Reagan-Administration wird weiterverfolgt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- "Wall Street Week"- Interview mit Finanzstaatssekretär (Auszüge) -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rehabilitation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Hilfe zur Selbsthilfe und zu weniger Abhängigkeit -&lt;/em&gt;</text>
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