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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

39

DEUTSCHE EINHEIT

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Library Services
Deichmanns Aue 29
5300Bonn2

3. Oktober 1990

BUSH LEITET VERTRAG ÜBER
VEREINIGUNG DEUTSCHLANDS
DEM SENAT ZU
Erklärung des Präsidenten, Text des Schreibens

SENAT ERÖRTERT DEN VERTRAG
ÜBER DIE ABSCHLIESSENDE REGLUNG
IN BEZUG AUF DEUTSCHLAND
Anhörung von Robert Zoellick im Senat

GOLFKRISE

UNO-REAKTIONEN AUF IRAKS
AGGRESSION "BEISPIELLOS"
Rede von Präsident Bush vor der
UN-Generalversammlung
BAKER: ÜBERGANG ZUR TAGESORDNUNG
MIT DEM IRAK UNMÖGLICH
Rede vor dem UN-Sicherheitsrat

KSZE

BUSH DRÄNGT KSZE ZU KONSOLIDIERUNG
DER FREIHEIT
Ansprache beim KSZE-Treffen in New York

WETLBANK/IWF

BUSH: ERFOLG DER GATT-RUNDE
UNABDINGBAR
Rede des Präsidenten bei Weltbank und IWF

SOWJETISCHE
MILITÄRMACHT

PENTAGON: SOWJETISCHE MILITÄRMACHT
IMMER NOCH "ENORM"
Auszüge aus "Die sowjetische Militärmacht 1990"

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�DEUTSCHE

EINHEIT
3. Oktober 1990

BUSH LEITET VERTRAG ÜBER VEREINIGUNG
DEUTSCHLANDS DEM SENAT ZU
Erklärung des Präsidenten, Text des Schreibens
WASHINGTON - (AD) - In einer Zeremonie im Rosengarten des Weißen Hauses hat Präsident Bush am 25.
September 1990 ein Schreiben an den Senat unterzeichnet, in dem dieser um die Zustimmung zum Vertrag über
die Vereinigung der beiden deutschen Staaten gebeten wird.
Nachfolgend veröffentlichen wir die von Präsident Bush aus diesem Anlaß abgegebene Erklärung sowie das
Schreiben an den Senat im Wortlaut.

Herr Botschafter, ich heiße Sie nochmals im Weißen
Haus willkommen. Außenminister Baker, verehrte
Gäste, ich freue mich, Sie alle zu diesem historischen
Ereignis begrüßen zu können.
In wenigen Minuten werde ich ein Schreiben an den
Senat der Vereinigten Staaten unterzeichnen, in dem
ich um seinen Rat und seine Zustimmung zur Ratifizierung des Vertrags über die abschlie ßende Regelung in
bezug auf Deutschland bitte. Dieser Vertrag bildet den
Höhepunkt sechsmonatiger Verhandlungen zwischen
den sechs Unterzeichnerstaaten - den beiden deutschen Staaten sowie den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion. Darüber
hinaus bildet erden Höhepunkt von über vierzig Jahren
westlicher Entschlossenheit, von den dunkelsten Stunden des kalten Krieges bis zu den strahlenden neuen
Horizonten, die sich heute vor uns eröffnen.
Dieser Vertrag wird die künstliche Teilung Deutschlands und Berlins beenden. Er wird ferner die Souveränität Deutschlands über sein gesamtes Staatsgebiet
wiederherstellen und alle Rechte und Pflichten der Vier
Mächte aufheben. Dieser Vertrag macht den Weg zur
Erlangung des Ziels frei, das wir Amerikaner seit
langem mit dem deutschen Volk gemeinsam haben ein vereinigtes, demokratisches und souveränes
Deutschland.
Ich beglückwünsche Bundeskanzler Kohl und das so
lange geteilte deutsche Volk sowohl im Osten als auch
im Westen Deutschlands und in Berlin, daß sie ihren

AMERIKA DIENST 39

Traum von nationaler Selbstbestimmung so lange
lebendig erhalten haben. Zusammen mit unseren
Partnern im Atlantischen Bündnis sind wir Amerikaner
stolz darauf, Ihnen bei Ihrer langen Wacht zur Seite
gestanden zu haben. Wir sind besonders stolz darauf,
daß wir im vergangenen Jahr mit Ihnen auf das gemeinsamen Anliegen der Einheit Deutschlands hingearbeitet haben.
Unsere Politik, unser Engagement ist mit der Annäherung an dieses Ziel niemals schwankend geworden.
Heute teilen Deutsche und Amerikaner die Früchte
unserer Freundschaft, und gemeinsam mit unseren
deutschen Freunden blicken wir mit Hoffnung und
Zuversicht in die Zukunft des Neuanfangs, der durch
diesen Vertrag ermöglicht wird.
Stellvertretend für das amerikanische Volk und meine
Vorgänger im Amt des Präsidenten, die diese gemeinsame Entschlossenheit aufrechterhielten, freue ich
mich, dieses Schreiben unterzeichnen zu können, mit
dem dieses historische Dokument dem Senat zur
Beratung und Zustimmung zugeleitet wird.
Ich möchte besonders Außenminister Baker meinen
Dank aussprechen, der sich so intensiv dafür eingesetzt hat und noch einmal erklären, daß es mir ein
Vergnügen war, mit Bundeskanzler Kohl und anderen
Persönlichkeiten aus Deutschland bei dieser wichtigen
Frage zusammenzuarbeiten.
(Ende der Erklärung des Präsidenten)

Seite 1

�Text des Schreibens an den Senat:
An den Senat der Vereinigten Staaten
Ich leite hiermit den Vertrag über die abschließende
Regelung in bezug auf Deutschland und eine vereinbarte Protokollnotiz, die von den Vereinigten Staaten,
der Bundesrepublik Deutschland, der Deutschen
Demokratischen Republik, der Französischen Republik, der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
und dem Vereinigten Königreich von Großbritannien
und Nordirland am 12. September 1990 in Moskau
unterzeichnet wurden, dem Senat zur Beratung und
Ratifizierung zu. Zur Information des Senats unterbreite ich ferner einen Bericht des Au ßenministeriums
zu diesem Vertrag.
Der von mir heute unterbreitete Vertrag bildet den
Höhepunkt sechsmonatiger Verhandlungen zwischen
den sechs Unterzeichnerstaaten, die als "Zwei-plusVier"-Forum bekanntgeworden sind, das zu diesem
Zweck im Februar 1990 in Ottawa ins Leben gerufen
wurde. Mit dieser Vereinbarung wird die künstliche
Teilung Deutschlands und Berlins beendet. Sie sieht
den vollständigen Abzug aller sowjetischen Streitkräfte innerhalb der nächsten vier Jahre vor. Darüber
hinaus hebt sie sämtliche verbleibenden Rechte und
Pflichten der Vier Mächte für Berlin und Deutschland
als Ganzes auf. Sie schafft deshalb die Grundlage für
die Entstehung einer vereinten, demokratischen und
souveränen Bundesrepublik Deutschland, die in der
Lage und bereit ist, volle und aktive Partnerschaft im
Nordatlantischen Bündnis, der Europäischen Gemeinschaft und den vielen anderen Foren internationaler
Zusammenarbeit zu übernehmen, zu denen die Bundesrepublik Deutschland bereits bedeutende Beiträge
geleistet hat.
Der Vertrag legt fest, daß die gegenwärtigen Grenzen
der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen
Demokratischen Republik die endgültigen und definitiven Grenzen des vereinigten Deutschlands sein werden. Sämtliche Regelungen in bezug auf die Grenzen
Deutschlands mit Polen wurden mit Beteiligung und
Zustimmung der polnischen Regierung ausgehandelt.
Der Vertrag legt fest, daß das Recht eines vereinten
Deutschlands, Bündnissen mit allen daraus resultierenden Rechten und Pflichten anzugehören, nicht
durch irgendwelche Bestimmungen des Vertrags
beeinträchtigt werden soll.
Der Vertrag sieht den Abzug aller sowjetischen Truppen von Gebiet eines vereinigten Deutschlands bis
Ende 1994 vor. Darüber hinaus verbleiben laut Vertrag
auf Antrag der deutschen Regierung die britischen,
französischen und amerikanischen Truppen während
der Übergangszeit in Berlin. Während dieser Zeit hat
die deutsche Regierung völlig freie Hand bezüglich der
Stationierung territorialer Verteidigungseinheiten ihrer
Streitkräfte auf dem Gebiet der ehemaligen Deutschen
Demokratischen Republik. Diese Streitkräfte gehören
Seite 2

nicht der integrierten militärischen Kommandostruktur
der NATO an. Im Anschluß an den Abzug der sowjetischen Truppen im Jahr 1994 wird es keine weiteren
Begrenzungen im Hinblick auf den Standort der deutschen Streitkräfte in ganz Deutschland und ihre Integration in NATO-Strukturen geben. Nichtdeutsche
verbündete Streitkräfte und Kemwaffensysteme werden nicht auf den Territorium der heutigen Deutschen
Demokratischen Republik stationiert oder disloziert.
Die vereinbarte Protokollnotiz - die ich Ihnen ebenfalls
zur Beratung und Zustimmung vorlege - definiert
bestimmte Vorschriften für die Anwendung des Terminus "disloziert".
Der Vertrag enthält eine Reihe von im Namen eines
vereinigten Deutschlands von der Bundesrepublik
Deutschland und der Deutschen Demokratischen
Republik gegebenen Zusicherungen. Unter ihnen sind
die Bekräftigung ihres Verzichts auf nukleare, biologische und chemische Waffen sowie ihre erklärte Absicht, die Personalstärke der deutschen Streitkräfte im
Verlauf von drei oder vier Jahren auf 370 000 Mann zu
reduzieren.
Schließlich sieht der Vertrag die Aufhebung aller verbleibenden Rechte und Pflichten der Vier Mächte für
Berlin und Deutschlands als Ganzes vor.
Darüber hinaus möchte ich die Aufmerksamkeit des
Senats auf den Wortlaut von drei Briefen lenken, die im
Zusammenhang mit sich aus der Vereinigung der
beiden deutschen Staaten ergebenden Fragen ausgetauscht wurden (dem Bericht des Außenministeriums
als Anlage beigefügt). Bei dem ersten Schreiben
handelt es sich um einen Brief von Außenminister
Baker an den Außenminister der Bundesrepublik
Deutschland, Hans-Dietrich Genscher, mit Datum vom
11. September 1990. Das zweite Schreiben ist ein
Brief von Außenminister Genscher und dem Ministerpräsidenten und Au ßenminister der Deutschen Demokratischen Republik, de Maiziere, an ihre Amtskollegen bei den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen mit Datum
vom 12. September 1990. Das dritte Schreiben datiert
vom 18. September 1990 und wurde von Außenminister Genscher an seinen Amtskollegen Baker gerichtet.
In ihrem Schreiben vom 12. September an ihre Amtskollegen bei den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen übermitteln der Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, Genscher, und der Ministerpräsident undAußenminister der Deutschen Demokratischen Republik, de
Maiziere, offiziell mehrere zusätzliche Zusicherungen.
Darin enthalten ist ihre Erklärung, daß die Verfassung
eines vereinigten Deutschlands die freie demokratische Ordnung wahren und die dauerhafte Grundlage
zum Verbot von Parteien und Vereinigungen mit nationalsozialistischen Zielen bieten wird. In seinem Schreiben mit Datum vom 18. September an Außenminister
Baker stellt Au ßenminister Genscher ferner unmi ßverständlich fest, daß die Regierung eines vereinigten

AMERIKA DIENST 39

�Deutschlands die Verantwortung für die Abwicklung
ungeklärter Ansprüche gegen die Deutsche Demokratische Republik übernimmt und zwar sowohl von
amerikanischen Staatsbürgern als auch von jüdischen
Opfern des Naziregimes. In seinem Schreiben verpflichtet er seine Regierung, unmittelbar nach der
Vereinigung die unverzügliche und befriedigende Erfüllung von Ansprüchen jüdischer Opfer des Naziregimes gegen die Deutsche Demokratische Republik
anzustreben. In demselben Schreiben stellt er fest,
daß die Bundesrepublik Deutschland unmittelbar nach
der Vereinigung in Verhandlungen mit der Regierung
der Vereinigten Staaten von Amerika die Ansprüche
amerikanischer Staatsbürger, die zuvor mit der Deutschen Demokratischen Republik erörtert wurden, erledigen wird. Die in diesen beiden Schreiben enthaltenen Verpflichtungen sind ein weiterer Beweis, daß die
Regierung eines vereinigten Deutschlands die beispielhafte Bilanz der Bundesrepublik Deutschland bei
der Förderung demokratischer Werte aufrechterhalten
und weiter ausbauen wird.
Der Vertrag symbolisiert eine herausragende Errungenschaft für unsere deutschen Verbündeten, die die
Vergangenheit oder die Rolle, die Deutschland einstmals bei den Schrecken von 1933 bis 1945 gespielt
hat, nicht vergessen haben, die jedoch in über vier
Jahrzehnten unerschütterlicher Unterstützung für
Demokratie und das westliche Bündnis demonstriert
haben, was die Welt von einem vereinigten Deutschland erwarten kann.
Der Vertrag ist ferner ein Tribut an den Mut und die
Entschlossenheit des deutschen Volkes, Einheit in

*

AMERIKA DIENST 39

Frieden, Freiheit und im Einvernehmen mit seinen
Nachbarn zu erlangen.
Das Entstehen eines freien, vereinigten und demokratischen Deutschlands, das den Vereinigten Staaten
und seinen europäischen Nachbarn durch unlösbare
Bande der Freundschaft, gemeinsamer Werte und
gegenseitiger Interessen verbunden und das bereit ist,
als vollständig einbezogener Partner in einer größeren
Gemeinschaft demokratischer Nationen zu handeln,
war seit über 40 Jahren das beständige Ziel amerikanischer Außenpolitik. Kaum jemals hat ein Präsident
das Privileg gehabt, dem Senat ein Abkommen zur
Beratung und Zustimmung vorzulegen, das so uneingeschränkt unsere nationalen Ziele verwirklicht. Dieses Abkommen ist das Ergebnis jahrzehntelanger
unerschütterlicher Bestrebungen und Entschlossenheit ehemaliger Präsidenten und Kongresse sowie
unserer Verbündeten. Es ist eine Leistung, auf die wir
stolz sein können.
Es ist voll und ganz angebracht, daß die Deutschen
ihren Status als vereinigtes Land zum frühestmöglichen Zeitpunkt offiziell und unumkehrbar, ungehindert
durch heute veraltete und unnötige Rechte der Vier
Mächte erlangen, zu denen auch die Sowjetunion
gehört. Aus diesem Grund bitte ich den Senat, unverzüglich zu handeln, und über den Vertrag und die
vereinbarte Protokollnotiz zu beraten und seine Zustimmung zur Ratifizierung zu erteilen.

(Unterzeichnet) George Bush

* * *

*

Seite 3

�DEUTSCHE

EINHEIT
3. Oktober 1990

SENAT ERÖRTERT DEN VERTRAG ÜBER DIE
ABSCHLIESSENDE REGELUNG IN BEZUG
AUF DEUTSCHLAND
Anhörung von Robert Zoellick im Senat
WASHINGTON - (AD) - Robert Zoellick, Verhandlungsführer des Außenministeriums, gab dem Senat gegenüber am 28. September 1990 die Empfehlung ab, den "Vertrag über die abschlie ßende Regelung in bezug auf
Deutschland" zu ratifizieren.
In einer Anhörung vor dem Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten erklärte Zoellick, "diese Regelung
symbolisiert die Verwirklichung eines beständigen Ziels der amerikanischen Außenpolitik: die Erlangung eines
vereinigten, demokratischen, souveränen Deutschlands."
Bei der Anhörung konzentrierte sich die Aufmerksamkeit vornehmlich auf die Artikel des Vertrags, die sich auf
eine Begrenzung der deutschen Streitkräfte und den bevorstehenden Abzug sowjetischer Streitkräfte aus der
damaligen Deutschen Demokratischen Republik beziehen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Zoellicks Rede im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder,
ich danke für diese Gelegenheit, den Vertrag über die
abschließende Regelung in bezug auf Deutschland
heute vor diesem Ausschuß erörtern zu können. Insbesondere möchte ich Ihnen und Ihren Kollegen meinen Dank dafür aussprechen, daß sie diese Vereinbarung in einer Zeit dichtgedrängter Termine vorrangig
behandeln.
Es ist mir eine Ehre, dem Senat diesen Vertrag vorzulegen.
Diese Regelung symbolisiert die Verwirklichung eines
beständigen Ziels der amerikanischen Außenpolitik:
die Erlangung eines vereinigten, demokratischen,
souveränen Deutschlands.
Dieses Deutschland wird die fundamentalen politischen und wirtschaftlichen Werte der Vereinigten Staaten
teilen und ein Deutschland sein, das uns als Verbündeter zur Seite steht.

Es ist ein Triumph für den Präsidenten, der im Jahr
1948 unerschütterlich blieb, als Stalin seine Vertreter
anwies, den Alliierten Kontrollrat zu verlassen und die
Berlinblockade anordnete.
Es ist ein Triumph für den Präsidenten, der den Deutschen versicherte, sie seien nicht allein, indem er der
Welt gegenüber verkündete: "Ich bin ein Berliner."
Es ist ein Triumph für den Präsidenten, der forderte:
"Reißen Sie diese Mauer nieder."
Es ist ein Triumph für den Präsidenten, der die internationale Staatengemeinschaft bei der Unterstützung
Deutschlands anführte, als wir im vergangenen Jahr
an der Sicherstellung der friedlichen Vereinigung eines
demokratischen Deutschlands in einem ungeteilten
und freien Europa arbeiteten.
Es ist ein Triumph für diesen und alle vorherigen
Kongresse, die sich unerschütterlich gegen Aggression gewandt und für Freiheit eingesetzt haben.

Dies ist ein Triumph vierzigjähriger Arbeit.

AMERIKA DIENST 39

Seite 1

�Aber vor allem ist es ein Triumph für das amerikanische Volk, das einem ehemaligen Gegner beim Aufbau einer starken Demokratie und dem Wiederaufbau
einer florierenden Wirtschaft geholfen hat, und das
dann bereit war, gemeinsam mit dem deutschen Volk
Opfer auf sich zu nehmen, um dessen Freiheit zu
schützen. Und weil das amerikanische Volk weiß, daß
Freiheit unteilbar ist, haben auch wir niemals die
Hoffnung aufgegeben, daß ganz Deutschland eines
Tages frei sein würde.
Gelegentlich - und selbst in diesen Zeiten - behaupten
Kommentatoren und Kritiker im In- und Ausland, den
Vereinigten Staaten mangele es an Entschlußkraft
und Durchhaltevermögen. Während wir dieses Kapitel
des kalten Krieges schließen, hoffe ich, daß wir auch
etwas über den Platz der Vereinigten Staaten in der
Welt nach dem kalten Krieg sagen können: Die
Vereinigten Staaten können die Sache der Freiheit
anführen und erhalten - wenn wir geschlossen für unsere gemeinsamen Interessen eintreten.
Dieser abschließenden Regelung liegt jedoch noch
eine andere Geschichte zugrunde.
Es ist die Geschichte eines Volkes, das im Jahr 1953
den ersten Volksaufstand gegen eine neue Tyrannei
anführte.
Auch das deutsche Volk hat in der friedlichen Revolution von 1989 durchgehalten und gelitten und sich
erhoben. Sein Wunsch nach Selbstbestimmung hat
eine Mauer niedergerissen. Und das deutsche Volk ist
der Grund, warum ich Sie heute bitte, die letzten
Relikte der Rechte und Pflichten der Vier Mächte über
ein souveränes Deutschland aufzuheben.
Das Tempo der Ereignisse hat sich seit der Befreiung
des deutschen Volkes am 9. November vergangenen
Jahres erheblich beschleunigt.
Am 28. November 1989 legte Bundeskanzler Kohl
einen Ansatz dar, mit dem das Streben der Deutschen
nach Frieden und Freiheit verwirklicht werden sollte.
Sechs Tage später bekräftigte Präsident Bush seinen
Amtskollegen bei der NATO gegenüber, daß sich die
Vereinigten Staaten und die NATO seit 40 Jahren für
die Vereinigung der beiden deutschen Staaten eingesetzt hätten und wir niemals von diesem Ziel abweichen würden.
Der Präsident stellte als Leitfaden für unsere Politik
vier Prinzipien auf, die Außenminister Baker in seiner
Berliner Rede vom 12. Dezember 1989 weiter ausführte:
Erstens muß die Selbstbestimmung des deutschen
Volkes ungeachtet des Ergebnisses erfolgen.
Zweitens sollte die Wiederherstellung der Einheit im
Rahmen deranhaltenden Verpflichtung Deutschlands
gegenüber der NATO und der Europäischen Gemeinschaft erfolgen.
Seite 2

Drittens muß die Wiederherstellung der Einheit im
Interesse der allgemeinen europäischen Stabilität friedlich und schrittweise erfolgen.
Viertens sollten Grenzfragen gemäß den in der Schlußakte von Helsinki niedergelegten Grundsätzen gelöst
werden.
Diese Punkte fanden die Zustimmung der deutschen
Regierung und anderer Verbündeter, die gemeinsam
mit uns die erneuten Hoffnungen auf die deutsche
Einheit unterstützt haben.
Ich freue mich berichten zu können, daß die von uns
dem Senat unterbreitete abschließende Regelung diesen
vier Grundsätzen voll und ganz gerecht wird.
Nachdem die Vereinigten Staaten bei der Kursbestimmung im Hinblick auf die äußeren Aspekte der Vereinigung maßgeblich beteiligt waren, mußte ein Prozeß
geschaffen werden, der den entscheidenden Parteien
die Lösung der wichtigsten Fragen gestattete. Bis zum
Januar dieses Jahres hatte sich die innere Vereinigung
schon "am Boden" vollzogen. Wir wollten nichts tun,
was den Eindruck erwecken konnte, von außen würde
versucht, die Selbstbestimmung der Deutschen zu
verweigern oder zu verzögern. Der Vollzug der deutschen Einheit erforderte jedoch den vollständigen
Verzicht auf die Rechte und Pflichten der Vier Mächte.
Darüber hinaus verstärkte das Tempo der Ereignisse
"am Boden" die Ängste mancher der Vier Mächte,
insbesondere der Sowjetunion.
Um den gemeinsamen Interessen aller Parteien gerecht zu werden, brachten wir Ende Januar und Anfang
Februar dieses Jahres den Gedanken des Zwei-plusVier-Mechanismus' ins Spiel.
Am 13. Februar gaben wir in Ottawa die Einigung auf
diesen neuen Prozeß bekannt. Die "zwei" Deutschlands und ihr innerer Vereinigungsprozeß standen an
erster Stelle. Der "Zwei-plus-Vier"-Prozeß sollte es
ihnen jedoch ermöglichen, die äußeren Aspekte der
Vereinigung mit den Vier Mächten zu erörtern. Er
verschaffte uns einen Rahmen, innerhalb dessen wir
über die Aufhebung der verbleibenden Einschränkungen der Souveränität Deutschlands verhandeln und
damit die Vereinigung Deutschlands erleichtern konnten. Der Zwei-plus-Vier-Prozeß war femer flexibel
genug, um den besonderen Umständen Rechnung zu
tragen, insbesondere durch die Einladung an Polen, an
unseren Gesprächen über die Grenzen Deutschlands
teilzunehmen.
Wir haben dem Ausschuß den historischen Ablauf des
Zwei-plus-Vier-Prozesses schriftlich dargelegt, und
ich will deshalb in meiner Erklärung nicht mehr auf die
Einzelheiten eingehen. Ich wende mich nun statt
dessen der abschließenden Regelung zu, die den Höhepunkt unserer Arbeit darstellt.

AMERIKA DIENST 39

�Wir sind davon überzeugt, daß der Ihnen vorliegende
Vertrag ein gutes Abkommen ist. Sie haben den
Wortlaut des Vertrags, der vereinbarten Protokollnotiz
sowie von drei Briefen über andere Fragen von möglichem Interesse in Händen. Ich möchte kurz auf die
wichtigsten Artikel dieses Abkommens eingehen.
Die Präambel begrüßt den Entschluß des deutschen
Volkes, in einem demokratischen, vereinigten Staat zu
leben, erkennt die Veränderungen an, die zu einem
ungeteilten und freien Europa geführt haben und erläutert die Prinzipien, die den Kurs Europas nach Beendigung des kalten Krieges bestimmen sollten.
Artikel 1 bestätigt den endgültigen Charakter der Grenzen
des vereinigten Deutschlands. Der polnische Außenminister nahm an dem Treffen teil, bei dem diese
Grundsätze formuliert wurden, und am 15. September
1990 verkündete die polnische Regierung, sie sei mit
diesem Vertrag voll und ganz einverstanden.
Artikel 2 bekräftigt den Willen Deutschlands, daß von
deutschem Boden nur Frieden ausgehen wird.
In Artikel 3 bekräftigt Deutschland seinen Verzicht auf
Herstellung und Besitz von und Verfügungsgewalt
über atomare, biologische und chemische Waffen.
Der Artikel nimmt darüber hinaus Kenntnis von der in
vollem Einvernehmen mit der DDR abgegebenen
Erklärung der Bundesrepublik Deutschland, daß die
Streitkräfte des vereinigten Deutschlands innerhalb
von drei bis vier Jahren nach Inkrafttreten des ersten
KSE-Vertrags auf 370 000 Mann reduziert werden.
Artikel 4 regelt den Abzug der sowjetischen Truppen
von deutschem Boden bis zum Jahr 1994.
Artikel 5 betrifft die Stationierung von Streitkräften in
Berlin und der ehemaligen Deutschen Demokratischen
Republik. Er gestattet die Stationierung von NATOStreitkräften in der ehemaligen DDR nach dem sowjetischen Truppenabzug und erlaubt die Stationierung
deutscher Verbände der Territorialverteidigung, die
nicht in die Bündnisstrukturen integriert sind. Auf
Wunsch der deutschen Regierung werden amerikanische, britische und französische Truppen in dieser
Übergangsperiode in Berlin verbleiben. Nach diesem
Zeitraum dürfen ausländische Streitkräfte in der ehemaligen DDR weder stationiert noch dorthin verlegt
werden. In der vereinbarten Protokollnotiz wird verdeutlicht, daß alle Fragen in bezug auf die Anwendung
des Wortes "verlegt" im letzten Satz dieses Artikels
von der Regierung des vereinten Deutschlands entschieden werden.
Artikel 6 erlaubt die volle Mitgliedschaft Deutschlands
in der NATO. Er legt dar, daß das Recht des vereinigten Deutschlands auf Zugehörigkeit zu Bündnissen mit

* *

AMERIKA DIENST 39

allen sich daraus ergebenden Rechten und Pflichten
von diesem Vertrag nicht berührt wird.
Die übrigen Artikel regeln die Aufhebung der Rechte
der Vier Mächte, das Ratifizierungsverfahren, das
Inkrafttreten und die Hinterlegung der Urschrift des
Vertragstextes.
Die Begleitschreiben enthalten zusätzliche deutsche
Verpflichtungen im Hinblick auf ausstehende Forderungen amerikanischer Staatsbürger und Juden (und
zwar amerikanische Staatsbürger und Nichtamerikaner) gegen die DDR, die Erhaltung von Denkmälern für
die Opfer des Krieges und der Gewaltherrschaft, das
Verbot nationalsozialistischer Parteien und die Erörterung der von der DDR abgeschlossenen völkerrechtlichen Verträge. Ich möchte insbesondere den vom 18.
September datierten Brief von Außenminister Genscher betonen, der zur zügigen und befriedigenden
Regelung von Ansprüchen amerikanischer Staatsbürger und jüdischer Opfer des Holocaust gegen die DDR
verpflichtet.
Herr Vorsitzender, Deutschland wird sich am 3. Oktober vereinigen. Dies wird ein großer Tag für Deutschland, für seine Verbündeten und für Europa sein.
Die Parlamente der Vier Mächte haben die Ratifizierung dieses Vertrags in die Wege geleitet, der die
Rechte der Vier Mächte beendet. Das Parlament des
vereinigten Deutschlands wird sich nach der Vereinigung diesem Vertrag als absolut vordringlicher Frage
widmen. Wir hoffen, nächste Woche ein Dokument zu
unterzeichnen, das die Rechte der Vier Mächte in einer
Interimszeit zwischen der Vereinigung Deutschlands
und der Ratifizierung des Vertrags durch den letzten
Unterzeichnerstaat aufhebt.
Ich fühle mich deshalb von den Äußerungen Senator
Mitchells und einer Reihe anderer Senatoren aus
diesem Ausschuß stark ermutigt, die unser Engagement zur zügigen Behandlung dieses Vertrags teilen.
Wir möchten diese letzten Nachkriegsbeschränkungen so bald wie möglich beenden, damit wir unser
Verhältnis zum vereinigten Deutschland mit derselben
Achtung und Freundschaft beginnen können, die unsere Beziehungen auf dem langen Weg zum 3. Oktober gekennzeichnet haben.
Es ist daher ein besonderes Privileg, den Senat um
seinen Rat und seine Zustimmung zu diesem Vertrag
zu bitten, um die erfolgreiche Partnerschaft zwischen
Kongreß und Regierung zu besiegeln. Diese Partnerschaft hat dem gesamten deutschen Volk geholfen,
das Wort des ersten Kanzlers der Bundesrepublik
Deutschland neu zu fassen: Die Devise lautet nicht
länger "Freiheit über Einheit", sondern "Freiheit und
Einheit".

* *

*

Seite 3

�GOLFKRISE
3. Oktober 1990

UNO-REAKTION AUF IRAKS
AGGRESSION "BEISPIELLOS"
Rede von Präsident Bush vor der UN-Generalversammlung
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Präsident Bush zufolge war die "entschlossene Reaktion der Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen auf die unprovozierte Aggression des Irak beispiellos" und fand in der Verabschiedung von
acht wichtigen Resolutionen im Hinblick auf die Lage am Persischen Golf ihren Niederschlag.
Alle hofften, daß die zur Durchsetzung der UN-Sanktionen gegen Irak und zur Verteidigung Saudi-Arabiens in
den Golf entsandten Streitkräfte nicht eingesetzt werden müssen und "unmittelbar nach Beendigung der Mission
nach Hause zurückkehren können". Die Vereinigten Staaten strebten eine "friedliche, diplomatische Lösung"
am Golf an, erklärte Präsident Bush vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 1. Oktober 1990.
"Die Hauptaufgabe der Welt besteht vornehmlich - heute und in allen Zeiten - darin, zu demonstrieren, daß
Aggression nicht toleriert oder belohnt wird".
Bush zufolge bietet sich heute eine "echte Möglichkeit, die Vereinten Nationen ihrem eigentlichen Zweck
entsprechend zu nutzen - als Zentrum für internationale kollektive Sicherheit". Er fuhr fort, die in der Sowjetunion stattfindenden Veränderungen hätten maßgeblich zur Stärkung der Vereinten Nationen beigetragen. "Die
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen haben endlich Containment und Konfrontation überwunden, und heute
versuchen wir, das Versprechen gegenseitigen Verständnisses zu erfüllen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush im Wortlaut.

Es ist mir eine große Ehre, heute zur Eröffnung einer
historischen Sitzung der Generalversammlung der
Vereinten Nationen zu Ihnen sprechen zu können.
Vor 45 Jahren, als die Feuer eines tragischen Krieges
noch über zwei Ozeane und zwei Kontinente fegten,
begann eine kleine Gruppe von Männern und Frauen
inmitten der Ruinen nach Hoffnung zu suchen. Sie
kamen in San Francisco zusammen, ließen die Schrekken hinter sich, um eine neue Struktur zu schaffen, mit
der vielleicht ein alter Traum realisert werden könnte.
Ungeheuer idealistisch und dennoch vom Krieg geprägt, versuchten sie eine neue Art von Brücke zu
bauen, eine Brücke zwischen Nationen, eine Brücke
die dazu beitragen könnte, die Menschheit von ihrer
dunkelsten Stunde zu ihrem strahlendsten Tag zu
leiten.
Die Gründung der Vereinten Nationen verkörperte
unsere tiefsten Hoffnungen auf eine friedliche Welt.
Und im vergangenen Jahr sind wir der Verwirklichung
dieser Hoffnungen näher als jemals zuvor gekommen.
Wir wurden Zeuge, wie im Verlauf dieses von Drohungen und Stacheldraht gekennzeichneten Jahrhunderts
AMERIKA DIENST 39

der Weg für ein neues Zeitalter von Frieden, Zusammenarbeit und Freiheit freigemacht wurde.
Die Revolution von 1989 fegte mit ungeahnter Eigendynamik über die Welt hinweg, von einem neuen Wind
der Freiheit getragen, der das politische Klima von
Mitteleuropa bis nach Mittelamerika veränderte und
praktisch jeden Winkel des Globus erreichte.
Dieser Wind wurde von einer einfachen, fundamentalen Tatsache entfacht, die heute praktisch weltweit
anerkannt ist: Der menschliche Geist kann nicht für
immer und ewig eingeschlossen werden. Tatsache ist,
daß die Menschen überall auf der Welt durch dieselben
Dinge motiviert werden: Die Chance, ein erfülltes
Leben zu leben - sich selbst für ein Leben zu entscheiden, in dem sie und ihre Kinder lernen, gesund aufwachsen, ungehindert ihre Religion ausüben und durch
ihrer Hände Arbeit zu Wohlstand gelangen können.
Wir sprechen nicht von der Macht der Nationen, sondern von der Macht des einzelnen. Der Macht, Entscheidungen zu treffen, Risiken einzugehen, der Macht
zum Erfolg.

Seite 1

�Dies ist eine neue und andere Welt. Erstmals seit 1945
sehen wir eine reale Möglichkeit, die Vereinten Nationen ihrem eigentlichen Zweckentsprechend zu nutzen
- als Zentrum für internationale kollektive Sicherheit.
Die in der Sowjetunion stattfindenden Veränderungen
haben maßgeblich zur Stärkung der Vereinten Nationen beigetragen. Die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen haben endlich Containment und Konfrontation überwunden, und heute versuchen wir, das
Versprechen gegenseitigen Verständnisses zu erfüllen.
Der lange Kampf, der 45 Jahre lang Europa, unsere
beiden Nationen und einen Großteil der Welt gespalten hat, ist beendet. In den vergangenen zwei Jahren
hat sich sehr viel verändert. Die Sowjetunion hat
zahlreiche drastische und entscheidende Schritte
unternommen, um voll und ganz Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft werden zu können.
Als die Sowjetunion so vielen von uns bei der Verurteilung der irakischen Aggression zustimmte, konnte kein
Zweifel daran bestehen, daß wir in der Tat vier Jahrzehnte der Geschichte hinter uns gelassen hatten.
Wir hoffen, daß das Instrumentarium der Vereinten
Nationen nicht länger durch die Zwietracht behindert
wird, die wir im Verlauf des kalten Kriegs erleben
mußten. Nun endlich können wir neue Brücken bauen
und alte Mauern niederreißen.
In zwei Tagen wird die Welt Zeuge, wie der kalte Krieg
in Berlin offiziell beendet wird. Und in dieser Zeit der
Prüfungen muß eine grundlegende Frage gestellt
werden. Eine Frage - nicht an eine einzelne Nation sondern an die Vereinten Nationen.

Diese Frage

lautet: Können wir in einer neuen Partnerschaft der
Nationen zusammenarbeiten? Kann die kollektive
Stärke der internationalen Staatengemeinschaft, die in
den Vereinten Nationen ihren Niederschlag findet, uns
bei Abschreckung und Verteidigung gegen Aggression
vereinigen?
Denn der im kalten Krieg geführte Kampf der Ideen ist
nicht der letzte dramatische Kampf dieses Jahrhunderts. Vor zwei Monaten, in den letzten Wochen eines
der hoffnungsvollsten Sommer der Geschichte wurde
die endlose, stille Schönheit der friedlichen kuwaitischen Wüste durch Dieselgestank und den Lärm von
Panzern verpestet. Wiederum verhallte das Grollen
eines entfernten Donners im wolkenlosen Himmel.
Und wiederum erwachte die Welt, um in Gewehrläufe
zu blicken.
Aber dieses Mal war die Welt bereit. Die entschlossene Reaktion des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen auf die unprovozierte Aggression des Irak war
beispiellos. Seit der Invasion am 2. August hat der
Sicherheitsrat acht wichtige Resolutionen verabschiedet, in denen die Bedingungen für eine Lösung der
Krise festgelegt sind.
Seite 2

Das irakische Regime muß sich den Tatsachen stellen. Wie ich bereits im vergangenen Monat gesagt
habe: Die Annexion Kuwaits wird nicht Bestand haben. Das ist nicht allein die Ansicht der Vereinigten
Staaten. Es ist die Ansicht eines jeden Kuwaiters, der
Arabischen Liga und der Vereinten Nationen. Die
irakische Führung sollte wissen: Der Irak hat den Rest
der Welt gegen sich. Ich möchte diese Gelegenheit
ergreifen, die Politik meiner Regierung zu verdeutlichen. Die Vereinigten Staaten unterstützen die Anwendung von Sanktionen, um die irakische Führung
zum unverzüglichen und bedingungslosen Abzug aus
Kuwait zu zwingen. Darüber hinaus unterstützen wir
die Lieferung von Arznei- und Nahrungsmitteln für
humanitäre Zwecke, solange die Verteilung entsprechend überwacht werden kann. Wir liegen nicht mit
dem irakischen Volk im Kampf. Wir wollen nicht, daß
es leidet. Die Welt kämpft gegen den Diktator, der die
Invasion befohlen hat.
Gemeinsam mit anderen Ländern haben wir Streitkräfte zur Durchsetzung der Sanktionen, zur Abschrekkung und gegebenenfalls Verteidigung gegen weitere
Aggression in die Region entsandt. Wir handeln nicht
aus Eigennutz, und unsere Streitkräfte sollen keinen
Tag länger als nötig in Saudi-Arabien bleiben. Die
amerikanischen Streitkräfte wurden auf Bitte der saudiarabischen Regierung entsandt. Das amerikanische
Volk - und dieser Präsident - wollen, daß jeder amerikanische Soldat unmittelbar nach Beendigung der
Mission nach Hause zurückkehrt.
Darüber hinaus möchte ich nochmals betonen, daß wir
alle hier bei den Vereinten Nationen hoffen, die Streitkräfte mögen niemals zum Einsatz kommen. Wir
streben ein friedliche, diplomatische Lösung an. Und
noch etwas - ich bin fest davon überzeugt, daß es im
Anschlu ß an den bedingungslosen Abzug des Irak aus
Kuwait Möglichkeiten geben wird: Für die endgültige
Beilegung der Streitigkeiten zwischen Irak und Kuwait,
für die Staaten am Golf, ein neues Stabilitätsgefüge
aufzubauen und für alle Staaten und Völker der Region, den Konflikt zu lösen, der Araber und Israelis
trennt. Die Hauptaufgabe der Welt besteht jedoch
vornehmlich - heute und in allen Zeiten - darin zu
demonstrieren, daß Aggression nicht toleriert oder
belohnt wird.
Durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ist
der Irak von einem Geschworenengericht ihm Ebenbürtiger - den Nationen der Welt - verurteilt worden.
Heute steht das Regime isoliert und als Anachronismus da, von der zivilisierten Welt nicht durch Raum,
sondern durch Jahrhunderte getrennt.
Die unprovozierte Aggression des Irak ist ein Rückfall
in ein anderes Zeitalter, ein dunkles Relikt einer finsteren Zeit. Der Irak hat Kuwait geplündert, unschuldige
Bürger terrorisiert und selbst Diplomaten als Geiseln
genommen. Der Irak und seine Führung müssen für
diese Verbrechen der Mißachtung und Zerstörung zur

AMERIKA DIENST 39

�Rechenschaft gezogen werden. Aber diese empörende Mißachtung grundlegender Menschenrechte kam
nicht völlig überraschend. Tausende von Irakern wurden
aus politischen und religiösen Gründen exekutiert und
noch mehr durch einen völkermörderischen, gegen
Iraks kurdische Dorfbewohner geführten Krieg unter
Einsatz chemischer Waffen.

Wenn wir in die Zukunft blicken, bietet der Kalender
einen Meilenstein, eine Meßlatte, an der wir unseren
Fortschritt als internationale Staatengemeinschaft
messen können.
Das Jahr 2000 markiert einen Wendepunkt, an dem
nicht nur ein neues Jahrzehnt, nicht nur ein neues
Jahrhundert, sondern ein neues Jahrtausend anbricht.

Als internationale Staatengemeinschaft sind wir zum
Handeln verpflichtet - nicht nur, um den Einsatz unmenschlicher Waffen wie Senf- und Nervengas abzuschrecken - sondern, um solche Waffen endgültig
abzuschaffen. Aus diesem Grund habe ich vor einem
Jahr der Generalversammlung neue Vorschläge über
ein vollständiges Verbot dieser schrecklichen Waffen
unterbreitet.

In zehn Jahren, bei der 55. Sitzung der Generalversammlung, werden sich wiederum viele von uns in
diesem Saal einfinden, die Haare etwas mehr ergraut,
vielleicht mit etwas weniger schwungvollem Gang.
Aber wir werden nicht von weniger Hoffnung oder
Idealismus, oder weniger Vertrauen in den endgültigen
Triumph der Menschheit geleitet sein.

Ich habe versprochen, die Vereinigten Staaten würden
in den ersten acht Jahren des Vertrags über ein Verbot
chemischer Waffen über 98 Prozent ihres Bestands
zerstören und 100 Prozent in 10 Jahren, wenn alle
Nationen mit C-Waffenfähigkeit den Vertrag unterzeichnen.

Ich sehe eine Welt der offenen Grenzen, des offenen
Handels und - was am wichtigsten ist - der geistigen
Offenheit. Eine Welt, die sich des gemeinsamen
Erbes erfreut, das allen Menschen auf der Welt gehört,
die nicht nur auf ihren Heimatort oder ihr Heimatland
stolz sind, sondern auf die Menschheit als Ganzes.

Wir haben dieses Versprechen eingehalten. Im Juni
haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ein
bahnbrechendes Abkommen über die Einstellung der
Produktion und die Zerstörung eines Gro ßteils unserer
Bestände unterzeichnet. Heute werden die chemischen Waffen der Vereinigten Staaten zerstört.

Ich sehe eine Welt, in der ein olympischer Geist
herrscht: Gegründet nicht auf einen Wettstreit aus
Furcht, sondern auf Freude und Ausgelassenheit und
wahres Streben nach herausragenden Leistungen.

Aber die Zeit läuft uns davon. Dies ist nicht nur ein
bilaterales Anliegen. Die Golf krise beweist, wie wichtig
gemeinsames - und unverzügliches - Handeln ist, um
ein absolutes, weltweites Verbot dieser Waffen zu
verwirklichen. Wir müssen darüber hinaus unsere
Anstrengungen verdoppeln, die Verbreitung von Kernwaffen, biologischen Waffen und ballistischen Raketen einzudämmen, die Vernichtung für weit entlegene
Völker bedeuten können.
Die Vereinten Nationen können dazu beitragen, einen
neuen Tag herbeizuführen, einen Tag, an dem diese
schrecklichen Waffen - und die schrecklichen Despoten, die sie zum Einsatz bringen - ein Relikt der
Vergangenheit sein werden. Es ist an uns, diese
dunkle Maschinerie hinter uns zu lassen, in den dunklen Zeiten, in die sie gehören und darauf zu drängen,
eine historische Entwicklung zu einer neuen Weltordnung und einem langen Zeitalter des Friedens zu
einem krönenden Abschluß zu bringen.
Wir haben die Vision einer neuen Partnerschaft der
Nationen, die über den kalten Krieg hinausgeht. Einer
auf Konsultationen, Kooperation und kollektivem Handeln
- insbesondere in internationalen und regionalen Organisationen - gegründeten Partnerschaft. Einer durch
Prinzipien und Rechtsstaatlichkeit und durch gerechte
Verteilung von Kosten und Pflichten getragenen Partnerschaft. Einer Partnerschaft, die mehr Demokratie,
Wohlstand, Frieden und weniger Waffen zum Ziel hat.

AMERIKA DIENST 39

Ich sehe eine Welt, in der die Demokratie weiterhin
neue Freunde gewinnt und alte Feinde umstimmt, in
der alle Teile Amerikas - Norden, Mitte und Süden - ein
Modell für die Zukunft der Menschheit schaffen können - die erste vollkommen demokratische Hemisphäre der Welt.
Und ich sehe eine Welt, die auf dem entstehenden
neuen Modell der europäischen Einheit aufbaut. Nicht
nur Europa, sondern die ganze Welt - "ungeteilt und
frei".
Gerade aus diesem Grund ist die Aggression am Golf
nicht nur eine Bedrohung für die Sicherheit der Region
selbst, sondern für die Vision der ganzen Welt von
unserer Zukunft. Sie droht, den Traum von einer
neuen internationalen Ordnung in einen grauenhaften
Alptraum der Anarchie zu verwandeln, wo das Gesetz
des Dschungels das Völkerrecht verdrängt.
Aus diesem Grund haben die Vereinten Nationen mit
solch historischer Einigkeit und Entschlossenheit reagiert. Und aus diesem Grund ist diese Herausforderung eine Prüfung, bei der wir nicht scheitern dürfen.
Ich bin zuversichtlich, daß wir uns durchsetzen werden. Der Erfolg wird dauerhafte Folgen haben - die
Stärkung zivilisierter Normen des internationalen Verhaltens, die Schaffung eines Präzedenzfalles für internationale Zusammenarbeit, die Verbesserung der
Aussichten unserer Vision von der Zukunft.
Es sind noch zehn Jahre bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Zehn Jahre, um die Kämpfe des 20. Jahrhunderts für immer hinter uns zu lassen. Zehn Jahre,
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�in denen wir eine neue Partnerschaft zwischen den
Nationen einleiten können. Und in diesen zehn Jahren
kommt den Vereinten Nationen von heute an eine neue
und vitale Rolle beim Aufbau dieser neuen Partnerschaft zu. Im vergangenen Jahr hat uns die Generalversammlung gezeigt, wie wir größere Fortschritte zu
pragmatischeren und erfolgreicheren Vereinten Nationen machen können. Zum ersten Mal beginnt der UNSicherheitsrat so zu funktionieren, wie es von Anfang
an gedacht war.

Wie freie Wahlen, so betrachte ich auch die allgemeine
UNO-Mitgliedschaft aller Staaten als entscheidend für
die Zukunft dieser Organisation und der neuen Partnerschaft, über die wir gesprochen haben. Zur Unterstützung dieses Prinzips und in Zusammenhang mit
Bemühungen der UNO zum Abbau regionaler Spannungen befürworten die Vereinigten Staaten uneingeschränkt die UNO-Mitgliedschaft der Republik Korea.
Wir tun dies, ohne das Endziel der Wiedervereinigung
der koreanischen Halbinsel in Frage zu stellen und
ohne eine gleichzeitige Mitgliedschaft der Volksrepublik Korea abzulehnen.

Heute ist die Zeit gekommen, alte Debatten, alte
Verfahren, alte Kontroversen und alte Resolutionen
beiseitezulegen. Es ist an der Zeit, polemische Angrif- Zur Entwicklung dieser und anderer Initiativen müssen
fe durch pragmatische Maßnahmen zu ersetzen.
wir uns alle in einem neuen Bund zusammenschließen, um die Vereinten Nationen in das 21. Jahrhundert
Wir haben bewiesen, daß die Vereinten Nationen auf zu führen. Ich rufe heute zu umfassenden und langfridie kollektive Stärke der internationalen Staatenge- stigen Bemühungen dafür auf. Wir sollten auf dem
meinschaft zählen können. Wir haben bewiesen, daß Erfolg unseres verehrten Generalsekretärs, meines
sich die Vereinten Nationen der Herausforderung von alten Freundes und Kollegen, Javier Perez de Cuellar,
Aggression stellen können, wie ihre Gründer dies aufbauen. Wir sollten nach mehr Effektivität und
erhofft hatten. Und heute in dieser Zeit der Prüfung Effizienz der Vereinten Nationen streben.
müssen wir darüber hinaus beweisen, daß die Vereinten Nationen der Ort sind, um internationale Unterstüt- Die Vereinigten Staaten verpflichten sich, ihren Teil
zung und einen Konsens zu bilden, damit die anderen beizutragen, um weltweite Sicherheit aufrechtzuerhalvor uns liegenden Herausforderungen bewältigt wer- ten und Demokratie und Wohlstand zu fördern. Meine
den.
Administration engagiert sich uneingeschränkt für die
Unterstützung der Vereinten Nationen und dafür, zu
Die Welt bleibt ein gefährlicher Ort. Unsere Sicherheit bezahlen, wozu wir uns aufgrund der Charta verpflichund unser Wohlergehen hängen häufig - zumindest tet haben. Weltfrieden und -Sicherheit - sowie internateilweise - von Geschehnissen ab, die sich weit ent- tionale Freiheit und Wohlstand - erfordern dies.
fernt zutragen. Wir brauchen ernsthafte, internationale und kooperative Bemühungen, um Fortschritte bei Die Welt muß wissen und verstehen: Von dieser
Bedrohungen der Umwelt, beim Terrorismus, bei der Stunde, von diesem Tage an, aus diesem Saal schreiBewältigung der Schuldenlast, beim Kampf gegen die ten wir nach vorn mit einer neuen Zielstrebigkeit,
Geißel des internationalen Drogenhandels und bei einem neuen Gefühl für Möglichkeiten. Wir stehen
Flüchtlings- und Friedenssicherungsbemühungen auf zusammen, sind bereit, gegen den Strom zu schwimder ganzen Welt zu erreichen.
men, Hindemisse zu überwinden, die schwierigen
Herausforderungen in Angriff zu nehmen, die sich uns
Die Welt bleibt jedoch auch ein Ort der Hoffnung. stellen werden - nicht nur als Vereinte Nationen, sonForderungen nach Demokratie und Menschenrechten dern als Nationen der Welt, die vereint stehen.
leben überall wieder auf. Diese Forderungen sind
Ausdruck der Unterstützung für die in der UNO-Charta Vom letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts soll einverankerten Werte. Sie ermutigen unsere Hoffnungen mal gesagt werden können: Dies war eine Zeit, in der
auf eine stabilere, friedlichere und wohlhabendere die Menschheit endlich mit sich ins reine kam. Als wir
Welt.
aus dem Ruß und Rauch des Industriezeitlaters heraustraten, um eine Revolution des Geistes zu verwirkFreie Wahlen sind die Grundlage demokratischer lichen und eine Reise zu einem neuen Tag, einem
Regierungen und können tiefgreifende Erfolge bewir- neuen Zeitalter und einer neuen Partnerschaft der
ken, wie wir in Namibia und Nicaragua feststellen Nationen anzutreten.
konnten. Die Zeit ist gekommen, um der Rolle der
UNO bei solchen Bemühungen eine formalere Struk- Die Vereinten Nationen erfüllen heute dieses Verspretur zu verleihen. Ich schlage deshalb heute vor, daß chen als Friedensparlament der Welt. Ich beglückdie Vereinten Nationen einen Sonderkoordinator für wünsche Sie. Ich unterstütze Sie. Und ich wünsche
Wahlhilfe ernennen, dem eine UN-Wahlkommission Ihnen Gottes Segen für die kommenden Herausfordezur Seite stehen soll, die sich aus renommierten Fach- rungen.
leuten in aller Welt zusammensetzt.
* * * * *

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AMERIKA DIENST 39

�GOLFKRISE
3. Oktober 1990

BAKER: ÜBERGANG ZUR TAGESORDNUNG
MIT DEM IRAK UNMÖGLICH
Rede vor dem UNO-Sicherheitsrat
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Angesichts der vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gegen den Irak
verhängten neuen Sanktionen erklärte US-Außenminister Baker, mit dem Regime des irakischen Präsidenten
Saddam Hussein "kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", bis seine "brutale Aggression"
gegenüber Kuwait zunichte gemacht worden sei.
"Tatsächlich kann es überhaupt keine Wirtschaftsbeziehungen mit dem Irak geben", erklärte Baker, nachdem
der Sicherheitsrat mit einer Abstimmung von 14 zu 1 Stimme seine achte Resolution seit Saddam Husseins
Invasion und Besetzung des benachbarten Kuwait am 2. August verabschiedete, in der der Irak verurteilt wird.
Die Resolution verbietet den gesamten zivilen Flugverkehr mit dem Irak und dem besetzten Kuwait, außer zu
humanitären Zwecken.
Der Irak ist "unter Quarantäne gestellt, weil seine Vorgehensweise ihn von der Staatengemeinschaft isoliert hat",
erklärt der US-Außenminister in Sicherheitsrat. "Wir befinden uns in einem Kampf, in dem unsere Willenskraft
auf die Probe gestellt wird. Wir dürfen nicht zulassen, daß unsere Hoffnungen und Wünsche vom Ehrgeiz oder

den Drohungen eines Diktators zertreten werden."
Die Verabschiedung der Resolution 670 "demonstriert erneut, daß die internationale Staatengemeinschaft bereit
ist, zugunsten der Isolation des Irak jedes Schlupfloch zu stopfen", erklärte Baker.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut.

Unsere heutige Zusammenkunft ist außergewöhnlich.
Dies ist erst das dritte Mal in der 45jährigen Geschichte
dieser Organistion, daß alle Außenminister der fünf
Ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats zusammenkommen. Die Vereinten Nationen sind kaum jemals
mit einem so dreisten Akt der Aggression konfrontiert
worden wie der irakischen Invasion in Kuwait. Kaum
jemals hat die internationale Staatengemeinschaft eine
solche Einigkeit und Entschlossenheit demonstriert,
daß Aggression nicht zum Erfolg führen sollte.

Nationen würde an Wert verlieren - genau in dem
Augenblick, in dem sie ihrer Verwirklichung näher ist
als jemals zuvor in ihrer Geschichte.

Aktionen haben Konsequenzen! Wenn die internationale Staatengemeinschaft dem Irak gestatten würde,
einen kleinen Nachbarn zu überwältigen und von der
Landkarte auszuradieren, würde damit eine verheerende Botschaft vermittelt. Die Hoffnungen der Welt
auf ein neues, friedlicheres Zeitalter nach dem kalten
Krieg würden schwinden. Die Charta der Vereinten

Elementare Gerechtigkeit und eine besonnene Verfolgung unserer eigenen Interessen haben in dieser
Angelegenheit einmalige Solidarität hervorgebracht.
Wir befinden uns in einem Kampf, in dem unsere
Willenskraft auf die Probe gestellt wird. Wir dürfen
nicht zulassen, daß unsere Hoffnungen und Wünsche
vom Ehrgeiz oder den Drohungen eines Diktators
zertreten werden.

AMERIKA DIENST 39

Im Namen der Vereinigten Staaten möchte ich dem
Rat erklären, daß wir tatsächlich Hoffnungen auf eine
bessere Welt hegen. Die Charta der Vereinten Nationen steht für die Werte des amerikanischen Volkes
und aller Menschen, die wissen, daß Macht allein kein
Recht schaffen darf.

Seite 1

�Unser Ziel muß eindeutig sein und von allen, auch der
irakischen Regierung und dem irakischen Volk richtig
verstanden werden. Die Resolutionen 660 und 662
des Sicherheitsrats weisen den Weg zur Beilegung
des Konflikts: den vollständigen, unverzüglichen und
bedingungslosen Abzug des Irak aus Kuwait, die
Wiedereinsetzung der rechtmäßigen kuwaitischen
Regierung und die Freilassung aller Geiseln. Bis dahin
wird die internationale Staatengemeinschaft mit Resolution 661 und den nachfolgenden Resolutionen für
jeden Tag, an dem die irakische Aggression andauert,
eine hohe und steigende Strafe verhängen.
Die Strafen zeigen erste Auswirkungen, und die kriegerische Sprache aus Bagdad kann die Gefahren der
Isolation nicht überdecken. Drohungen verlängern nur
unnötig die Leiden des irakischen Volkes. Der Irak ist
unter Quarantäne gestellt worden, weil seine brutale
Vorgehensweise ihn von der internationalen Staatengemeinschaft abgesondert hat. Man kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Tatsächlich kann
es überhaupt keine Wirtschaftsbeziehungen mit dem
Irak geben.
Heute unterstützen die Vereinigten Staaten zusammen mit anderen Mitgliedern dieses Rats eine neue
Resolution und zusätzliche Maßnahmen:
Erstens verweist der Rat ausdrücklich darauf, daß
Resolution 661 des UNO-Sicherheitsrats auch den
zivilen Flugverkehr umfaßt. Dies demonstriert erneut,
daß die internationale Staatengemeinschaft bereit ist,
zugunsten der Isolation des Irak jedes Schlupfloch zu
stopfen.
Zweitens kommen wir überein, Maßnahmen gegen
jede Regierung zu ergreifen, die einen Versuch zur
Aufhebung der internationalen Quarantäne unternehmen könnte. Keine Versuchung noch so minimaler
Vorteile sollte irgendeine Regierung zur Komplizenschaft mit dem irakischen Angriff auf internationale
Gerechtigkeit und Anstand veranlassen. Ich würde
sogar sagen, je effektiver die Durchführung der Sanktionen , desto wahrscheinlicher ist der friedliche Verlauf
dieses Konflikts.
Drittens erinnern wir die Regierung des Irak daran, daß
es nicht in ihrem Ermessen steht, internationale Verpflichtungen, insbesondere die humanitären Bestimmungen der vierten Genfer Konvention, zu mißachten.
Jeder Tag, an dem irakische Vertreter Grundregeln
des Anstands außer acht lassen, erschwert dem Irak
die Wiederaufnahme in der internationalen Staatengemeinschaft und die Wiedergutmachung des angerichteten Schadens. An diesem Punkt möchte ich auf die
Forderung der Arabischen Liga nach Reparationen
verweisen.
Darüber hinaus sind Tausende unschuldiger Menschen heimatlos geworden. Aus diesem Grund unterstützen die Vereinigten Staaten koordinierte und ein-

Seite 2

heitliche Bestrebungen der Flüchtlingshilfe. Die Ernennung von Saddrudin Aga Kahn ist ein wichtiger
Schritt in diese Richtung.
Viertens unterrichtet der Rat die irakische Regierung
davon, daß ihre anhaltende Nichteinhaltung weitere
Maßnahmen, unter anderem nach Kapitel VII, nach
sich ziehen wird. Die internationale Staatengemeinschaft hat eindeutig ihren Wunsch nach Ausschöpfung
aller friedlichen Möglichkeiten zur Lösung dieser Angelegenheit im Einklang mit den Prinzipien der UNOCharta zum Ausdruck gebracht. Aber wir sind uns alle
sehr wohl bewußt, daß die Charta die Möglichkeit
weiterer einzelner und kollektiver Maßnahmen in Betracht zieht, um sich gegen Aggression und eindeutige
Verletzung internationaler humanitärer Grundsätze zu
verteidigen.
Eduard Schewardnadse hat für uns alle gesprochen,
als er heute erklärt hat: "Dies ist ein massiver Affront
gegen die Menschheit. Im Lichte der jüngsten Ereignisse sollten wir diejenigen, die Aggression als akzeptables Verhalten betrachten, daran erinnern, daß die
Vereinten Nationen über die Macht zur Unterdrückung
von Akten der Aggression verfügen. Es besteht ausreichend Grund zu der Annahme, daß sie von diesem
Recht Gebrauch machen werden. Das wird geschehen , wenn die illegale Besetzung Kuwaits fortbesteht."
Es ist wichtig, zu betonen, daß die von uns verhängten
Sanktionen auf eine Umkehrung der aggressiven Politik
der irakischen Regierung abzielen. Sie richten sich
nicht gegen das irakische Volk, das gezwungen ist, mit
den Konsequenzen einer fehlgeleiteten Politik zu leben.
Der Rat erkennt, daß seine Sanktionen - wie alle
unvorhergesehenen Ereignisse - zahlreiche Mitgliedstaaten teuer zu stehen kommen können. Wir haben
die Pflicht zu gewährleisten, daß kein Land gelähmt
wird, weil es für die Grundsätze der internationalen
Ordnung einsteht. Die Vereinigten Staaten arbeiten
mit anderen Ländern an der Koordinierung internationaler Bestrebungen, um denjenigen Hilfe zu leisten,
die sie am dringendsten benötigen.
Herr Präsident, Mitglieder des Rats, das Ende des
kalten Kriegs hat viele Bedeutungen - vor allem eine
Wiedergeburt der Hoffnung. Die Horizonte der Demokratie, Menschenrechte, nationaler Würde und wirtschaftlichen Fortschritts haben sich ständig erweitert.
Das Ergebnis war auch die Wiedergeburt der Vereinten Nationen. Plötzlich scheinen die Vision der Charta
und die Verwirklichung internationaler Kooperation in
greifbarer Nähe zu liegen. In Mittelamerika, in Namibia
und vielleicht bald in Kambodscha und Afghanistan
setzt diese Organisation mit ihrem Beitrag als Friedensstifter Signale. Zumindest bringen wir erstmals
die Ausbreitung von großen und kleinen Konflikten
unter Kontrolle, die der Menschheit einen so hohen
Preis abfordern.

AMERIKA DIENST 39

�Jetzt sehen wir uns alle zusammen einer ungeheuren
Herausforderung an die Vereinten Nationen und alles,
wofür sie steht, gegenüber. Wenn die Vereinten
Nationen ihre Mission erfüllen und wenn der Frieden
Bestand haben soll, dann darf der irakische Führer von

seinem Angriff auf Anstand und menschliche Grundwerte nicht profitieren dürfen. Wir müssen das tun,
was Gerechtigkeit, Ehre und der Weltfrieden uns
abverlangen: Saddam Husseins brutale Aggression
zunichte machen.

* * * * *

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Seite 3

�KSZE
3. Oktober 1990

BUSH DRÄNGT KSZE ZU KONSOLIDIERUNG
DER FREIHEIT
- Ansprache beim KSZE-Treffen in New York NEW YORK - (AD) - Präsident Bush hat am 1. Oktober 1990 die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) aufgefordert, den Zuwachs an Freiheit zu "konsolidieren", der "in dem enormen politischen
Umbruch, der das Angesicht Europas verändert hat", seinen Niederschlag gefunden habe.
In einer Ansprache bei der ersten KSZE-Konferenz außerhalb Europas erklärte Bush vor den Außenministern
der 35 Staaten, die Schlußakte von Helsinki aus dem Jahr 1975 - die Gründungscharta der KSZE - sei "Ursprung
und Katalysator" der Veränderungen in Osteuropa gewesen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten beim New Yorker KSZE-Treffen im Wortlaut.

Stellvertretend für das amerikanische Volk ist es mir
eine große Ehre, Sie alle in den Vereinigten Staaten
willkommen zu heißen. Es ist besonders angemessen, daß diese Zusammenkunft der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa - die erste
auf amerikanischem Boden - in dieser Zeit tiefgreifender Veränderungen stattfindet. Europa tritt in ein
neues und vielversprechendes Zeitalter ein, und dasselbe gilt für die amerikanischen Beziehungen zu
Europa.
Wir Amerikaner sind mit Europa durch ein gemeinsames Erbe, eine gemeinsame Geschichte und durch
gemeinsame kulturelle Bande verknüpft. Durch das
Atlantische Bündnis und die umfassendere Partnerschaft, die unsere beiden Kontinente und unsere Völker verbinden, haben wir zusammen das Ende der
Teilung Europas bewirkt und unseren Blick auf ein
neues, ungeteiltes und freies Europa gerichtet. Zusammen können wir eine neue transatlantische Partnerschaft in der KSZE schmieden - einen Staatenbund
freier Nationen, der den zwischen uns liegenden Ozean
überbrückt.
Im vergangenen Jahr haben wir eine Welt im Wandel
erlebt. Deutschlands lang erwarteter Freudentag bildet den Höhepunkt eines Jahres der Veränderungen,
die einen Kontinent umgestaltet haben. Dieser Umbruch legt Zeugnis ab von der Macht der in der Charta
der KSZE - der Schlußakte von Helsinki - verankerten
Prinzipien. Darin - in den vor 15 Jahren in Helsinki
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niedergelegten Menschenrechten und Grundfreiheiten - erkennen wir Ursache und Katalysator dessen,
was ich als die Revolution von 1989 bezeichne.
In den dunkelsten Tagen der Diktatur strahlten diese
Prinzipien weiter - als leuchtender Stern, der gewöhnliche Menschen zu außergewöhnlichen Taten inspirierte. Denken Sie an Walesa, den Vater der Solidarität. An Sacharow - und seine unbeugsame Menschlichkeit im Angesicht der Repression. An Havel,
Mazowiecki und Antall: Unlängst noch politische
Gefangene - heute Präsident und Ministerpräsidenten
von dreien der jüngsten Demokratien der Welt. Und
Schelew, ein weiterer ehemaliger Häftling, heute Präsident Bulgariens. Denken Sie an all die Millionen
einfacher Männer und Frauen: Endlich frei, ihre Meinung zu äußern - frei, zu leben, arbeiten und glauben,
wie sie möchten.
Die KSZE hat Anteil an diesem gewaltigen Triumph
des menschlichen Geistes. Unsere Herausforderung
besteht jetzt darin, mit dem enormen politischen Umbruch
Schritt zu halten, der das Angesicht Europas verändert
hat - eine KSZE zu schaffen, die diesen großen
Zuwachs an Freiheit konsolidieren und Ost und West
einander näher bringen kann. In Ost- und Mitteleuropa soll diese KSZE dazu beitragen, schwer errungene
demokratische Prinzipien zu verankern und zu stärken. Eine KSZE, die Anteil daran hat, eine solide
Grundlage der Freiheit in dem neuen Europa zu sichern, das heute entsteht.
Seite 1

�Beim Londoner Gipfel im Juli haben die politisch Verantwortlichen des Atlantischen Bündnisses eine Reihe
von Vorschlägen unterbreitet, deren Ziel die Stärkung
der KSZE und die Bündelung ihrer Energien in neue
Richtungen ist.
Wir fordern die Mitgliedstaaten der KSZE auf:
Ein Zentrum zur Konfliktverhütung ins Leben zu
rufen - um auf dem Erfolg der KSZE bei der
Schaffung Vertrauens- und sicherheitsbildender
Maßnahmen aufzubauen, die so viel dazu beigetragen haben, das Risiko eines Krieges aus
Versehen oder aufgrund von Fehleinschätzungen zu reduzieren.
Ein kleines ständiges Sekretariat zu schaffen,
das der KSZE dienen soll - ein Sekretariat, das
einen beschleunigten Fahrplan für KSZE-Konsultationen und Folgekonferenzen unterstützen
könnte.
Ein KSZE-Wahlbüro zu schaffen - um freie und
faire Wahlen zu fördern, das grundlegende demokratische Prinzip, aus dem alle anderen folgen.
Für die Vereinigten Staaten möchte ich die Hoffnung
zum Ausdruck bringen, daß diese neuen Institutionen
- zum gegebenen Zeitpunkt - in den neuen Demokratien Mittel- und Osteuropas angesiedelt werden.
Beim Londoner Gipfeltreffen haben wir darüber
hinaus eine Einladung an die Mitgliedstaaten
ausgesprochen, eine "Europäische Versammlung" einzuberufen: ein Parlament, in dem die
wachsende Familie der Demokratien einen

gemeinsamen Kurs zu diesem neuen, ungeteilten und freien Europa ausarbeiten kann.
Heute, da wir die Vorbereitungen für einen Gipfel der
KSZE-Staaten treffen, appelliere ich an die Minister,
dieses Treffen zu einem Meilenstein in der Geschichte
der KSZE zu machen.
Aus diesem Grund möchte ich noch einen Bereich
ansprechen, in dem rasche Fortschritte entscheidende Bedeutung haben: die andauernden Verhandlungen über die konventionellen Streitkräfte in Europa.
Ein Abkommen zur Reduzierung der konventionellen
Streitkräfte bildet weiterhin den Eckpfeiler einer neuen
Sichei heitsarchitektur für Europa. Aus diesem Grund
gehen die Vereinigten Staaten davon aus, daß ein
Abkommen über die konventionellen Streitkräfte eine
Grundvoraussetzung für einen KSZE-Gipfel bildet.
Ich fordere deshalb heute die Unterhändler in Wien
auf, ihre Anstrengungen in den kommenden Wochen
zu verdoppeln. Wir müssen die noch ausstehenden
Fragen lösen und eine Übereinkunft erzielen, damit
dieses Jahr ein Gipfeltreffen stattfinden kann.
Vor 15 Jahren - in einem in Ost und West gespaltenen
Europa - bot die KSZE eine Vision eines vereinten
Europas - ungeteilt und frei. Heute, da dieses Europa
in greifbare Nähe gerückt ist, bleibt die KSZE von
entscheidender Bedeutung für all das, was Europa
werden kann.
Ich möchte Sie nochmals willkommen heißen. Möge
der Geist, der Europa auf dem Weg nach vorn geführt
hat, auch Ihre Gespräche leiten - und möge Ihrem
Treffen Erfolg beschieden sein.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 39

�IWF/WELTBANK
3. Oktober 1990

BUSH: ERFOLG DER GATT-RUNDE UNABDINGBAR
Rede des Präsidenten bei Weltbank und IWF
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge können die derzeit unter der Schirmherrschaft des Allgemeinen
Zoll- und Han&lt; Jelsabkommens (GATT) abgehaltenen Handelsgespräche der Uruguay-Runde "die Triebfeder für
Wirtschaftswachstum sein, das uns ins 21. Jahrhundert führt".
In seiner Ansprache vor der Jahresversammlung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) am
25. September 1990 forderte Bush die Nationen der Welt auf, ihren Teil beizutragen. In einem ungewöhnlich
starken Appel' für einen erfolgreichen Abschluß der Handelsgespräche warnte der Präsident, ein Scheitern der
Verhandlungen werde "unweigerlich zunehmenden protektionistischen Druck und politische Instabilität ermutigen", etwas, das - so Bush "wir uns schlecht leisten können während wir eine neue Partnerschaft der Nationen
gegen die Aggression am Persischen Golf schmieden."
Bush gab die Gründung einer neuer Finanzkoordinierungsgruppe unter dem Vorsitz des amerikanischen
Finanzministers Nicholas Brady bekannt, die Hilfsleistungen an die von der Golfkrise am meisten betroffenen
Länder weiterleiten soll. Der Präsident forderte die Bank und den Fonds darüber hinaus auf, Maßnahmen zur
Unterstützung der weltweiten Entwicklung zu freien Märkten zu erarbeiten und unterstrich das amerikanische
Engagement ;:ur Förderung von Entwicklung und Wachstum in den aufstrebenden Demokratien in Lateinamerika, Mittel- und Osteuropa, Afrika und Asien.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, auch in diesem
Jahr wieder mit Ihnen zusammenzutreffen und Sie in
Washington zu diesem bedeutsamen Ereignis willkommen heißen zu dürfen. Und es ist mir eine
besondere Ehre, heute die neuen Mitglieder aus Bulgarien, der Tschechoslowakei, Namibia und natürlich
die Gäste aus der Sowjetunion begrüßen zu können.
Ihre Anwesenheit führt uns vor Augen, wie die Ereignisse des vergangenen Jahres eine neue Partnerschaft der Nationen hervorbringen - und dies ist ein
grundlegender und in der Tat ermutigender Wandel in
der politischen und wirtschaftlichen Ordnung der Welt.
Der in den achtziger Jahren bereits starke Trend zu
demokratischer Herrschaft beschleunigte sich während der sogenannten Revolution von 1989. Die
Rechte des einzelnen wurden bekräftigt und die Rechtsstaatlichkeit besser gewahrt.
Die Freiheit, politisch Verantwortliche - und selbst
politische Systeme - zu wählen, hat in den Ländern
tiiumphiert, die noch vor einem Jahr von Einparteienregimen regiert wurden. Und im Einklang damit begann sich auch wirtschaftliche Freiheit zu entwickeln.
AMERIKA DIENST 39

Heute sehen die politisch Verantwortlichen der Welt in
den Marktkräften das Mittel zur Befriedigung der
Bedürfnisse ihrer Völker. Natürlich hat sich dieser
Wandel nicht problemlos vollzogen. Aber wie ich vor
einem Jahr - bei derselben Veranstaltung - gesagt
habe: "Die Geschworenen haben ihre Entscheidung
gefällt. Die Geschichte hat entschieden." Und heute
sind die Ergebnisse dieses weltweiten Experiments
unmißverständlich. Heute herrscht Konsens, daß
Regierungen allein keinen Wohlstand schaffen können.
Vielmehr macht Wirtschaftswachstum den einzelnen
frei - frei, Risiken einzugehen, Entscheidungen zu
treffen, seine Initiative und Fähigkeiten auf dem Markt
einzusetzen. Wir beobachten dies beispielsweise bei
der Wiederherstellung von Privateigentum in Ländern,
in denen der Staat einst jeden Aspekt des Wirtschaftslebens kontrollierte. Für effiziente Produktion ist Privateigentum immer noch der stärkste Anreiz, den es
gibt.
Zusammen mit der Verjüngung der Märkte ist die
Fähigkeit, individuelle Wirtschaftsentscheidungen zu
Seite 1

�treffen, der schnellste, wirksamste Weg, breitgefächertes Wirtschaftswachstum zu erzielen und erhalten. Aus diesem Grund leiten die politisch Verantwortlich überall auf der Welt schwierige Wirtschaftsreformen in die Wege, bauen stärkere, flexiblere Privatsektoren auf, verbessern die Effizienz und machen die
Entscheidungsfindung der Regierungen rationaler.
Dieser Prozeß erfordert Zeit. Wirtschaftliche Anpassung ist häufig schwierig. Und in den vergangenen
Monaten ist eine neue Herausforderung aufgetreten,
die diesen Prozeß des Wandels behindern könnte: Die
illegale und nicht provozierte Aggression des Irak
gegen den souveränen Staat Kuwait.
Kuwait und seinem Volk wird eindeutig der größte
Schaden zugefügt. Als die saudi-arabische Grenze
geöffnet wurde, berichteten die neu angekommenen
Flüchtlinge aus Kuwait von neuen Greueltaten und
Schrecken, denen sich das kuwaitische Volk und
Ausländer durch die Besatzungstruppen Saddam
Husseins ausgesetzt sahen.
Heute müssen andere Länder, die sich bereits mit
einem schmerzlichen wirtschaftlichen und politischen
Umbruch konfrontiert sehen, zusätzliche Härten in
Kauf nehmen. Länder, die durch die Unwägbarkeiten
der Ölversorgung, im Handel, durch die Entlassung
von Arbeitnehmern und Flüchtlingsströme erschüttert
werden, sehen sich ernsthaften Herausforderungen
gegenüber.
Diese wachsende Bürde, die auf den am härtesten
betroffenen Ländern lastet, erfordert eine großzügige
Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft. Aus
diesem Grund haben wir bereits begonnen, Finanzmittel für die Frontstaaten zu mobiliseren und verantwortungsvolle Lastenteilung unter den Gläubigerländern
sicherzustellen. Die erste Reaktion auf diese Bestrebungen war beeindruckend. Damit Verpflichtungen
jetzt in konkrete Beiträge umgemünzt werden können,
ist es mir eine Ehre, in diesem Zusammenhang die
Gründung der Golf krise-Finanzkoordinierungsgruppe
unter dem Vorsitz von Finanzminister Brady bekanntgeben zu dürfen, die wirksame, rechtzeitige und kontinuierliche finanzielle Unterstützung dieser am härtesten betroffen Länder zum Ziel hat.
Wir dürfen jedoch eine noch größere Gruppe von hier
anwesenden Ländern nicht außer acht lassen, die
unter höheren Ölpreisen und anderen wirtschaftlichen
Engpässen leiden wird.
Obwohl sich die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit zu recht auf die Länder am Krisenherd gelenkt hat,
die die schwerste Wirtschaftslast tragen, darf ich Ihnen
versichern, da ß die übrige Welt sicherlich nicht vergessen wurde und wird.
Diese Zusammenkunft führender Vertreter der Finanzwelt bietet uns eine Gelegenheit zur Erörterung,

Seite 2

wie wir zusammenarbeiten können, um die besondere
Finanzlast dieser Krise zu bewältigen, und zwar so,
daß der dramatische, weltweite Übergang zu freien
Märkten nicht gefährdet wird.
Der IWF und die Weltbank sind - angesichts ihrer
Schlüsselrolle in der Weltwirtschaft - das Instrument,
das uns allen durch diese Situation hindurchhelfen
kann, indem sie eine Kombination von politischem Rat
und Finanzhilfe bereitstellen. Die politische Führung
der UNO muß durch die wirtschaftliche Führung von
IWF und Weltbank ergänzt werden.
Finanzminister Brady wird in seiner Rede einige spezifische Vorschläge für mögliche Wege zur wirksameren Nutzung laufender IWF- und Weltbankprogramme machen. Ich möchte jedoch nochmals wiederholen: Wir sind entschlossen, den historischen Prozeß
demokratischen Wandels nicht durch das brutale
Verhalten eines Aggressors unterminieren oder die
Entwicklung zu marktorientierten Wirtschaftssystemen
aus dem Ruder laufen zu lassen.
Ich möchte mit einer Vision von der Rolle der Vereinigten Staaten und der Weltwirtschaft fortfahren, an der
wir alle teilhaben können.
Erstens sind wir der Überzeugung, daß die Vereinigten
Staaten zu wirtschaftlicher Stabilität und Wachstum
beitragen sollten. Der größte Beitrag, den die Vereinigten Staaten vielleicht zu einer gesunden Weltwirtschaft leisten können, ist, unser eigenes Haus in
Ordnung zu bringen. Unser Haushaltsdefizit muß
unter Kontrolle gebracht und abgebaut werden.
Zweitens sind die Vereinigten Staaten der Förderung
von Entwicklung und Wachstum in den aufstrebenden
Demokratien in Lateinamerika, Mittel- und Osteuropa,
Afrika und Asien aufs stärkste verpflichtet. In allen vier
Regionen arbeiten wir im Rahmen des Bradyplans an
der Linderung der Schuldenlast. Auf unserem Kontinent, wo der Schuldenüberhang Fortschritt verhindert,
haben wir die Initiative "Enterprise for the Americas" in
die Wege geleitet, um Wirtschaftswachstum durch
Ausbau von Handel und Investitionen zu fördern,
Schulden gegenüber der US-Regierung abzubauen
und Mittel für notwendige Umweltprojekte vor Ort
bereitzustellen. In Osteuropa, wo eine massive
Umstrukturierung erforderlich ist, arbeiten wir mit anderen
Nationen zusammen, um den aufstrebenden Demokratien Hilfsleistungen in Milliardenhöhe zur Verfügung zu stellen. Im immer noch unterentwickelten
Afrika haben viele der Länder mit den niedrigsten
Einkommen bereits vom Schuldennachlaß gegenüber
den Vereinigten Staaten profitiert.
Drittens verpflichten sich die Vereinigten Staaten zur
Schlüsselrolle von IWF und Weltbank bei der Verwirklichung von Wirtschaftsreformen. Reformbestrebungen können nur Erfolg haben, wenn die Länder ihren
Teil der Verantwortung übernehmen. Und das bedeu-

AMERIKA DIENST 39

�tet die Durchführung von Reformen und Privatisierung,
solide makroökonomische Maßnahmen und Strukturpolitik sowie offene Grenzen für Handel und Investitionen.
Aus diesem Grund ist Ihre Arbeit in dieser Woche in
Washington so wichtig. Seit über 40 Jahren haben der
Fonds und die Bank in aller Stille die Talente und
Energien von Industrie- und Entwicklungsländern in
den weltweiten Kampf gegen die Armut eingebracht.
Und heute, in einer Welt, die nicht mehr durch Ideologien und Supei machtblöcke geteilt ist, sind Bank und
Fonds zum Paradebeispiel internationaler Zusammenarbeit geworden. Insbesoidere würdigen wir Ihre
Arbeit an einer Studie über die sowjetische Volkswirtschaft von beispiellosem Unifang. Diese Studie bildet
die Grundlage für Wirtschafts-, Finanz- und Strukturreformen.
Im Verlauf der kommenden Woche wird ein Teil Ihrer
Aufgabe auch darin bestehen, die Zukunft ihrer beiden
renommierten Institutionen :u planen. Ich verpflichte
mich zur kontinuierlichen Unterstützung der Vereinigten Staaten füi eine Weltbank und einen IWF, die so
eindeutig unseren gemeinsamen Kampf zur Verbesserung der Lebensqualität i Her Menschen voranbringen.
Aus diesem G und unterstützen wir die IWF-Quotenaufstockung nnd verbesserte Maßnahmen im Hinblick auf die Zahlungsrückstände beim IWF. Darüber
hinaus möchten wir beide Institutionen auffordern, ihre

Aufmerksamkeit verstärkt auf die Schaffung dynamischer Privatsektoren in den Mitgliedstaaten zu konzentrieren - dem wichtigsten Stimulans zur Belebung
dieser neuen Marktwirtschaften.
Ferner möchten wir die Weltbank bitten, drei anderen
für gesundes und anhaltendes Wachstum unabdingbaren Bereichen hohe Priorität beizumessen. Erstens
dem Umweltschutz. Wie ich im letzten Jahr bereits
gesagt habe: Zerstörung der Umwelt kennt keine
Grenzen. Zweitens muß die Ausmerzung der Armut
weiterhin ein zentrales Anliegen der Bank sein. Und
drittens unterstützen wir Bestrebungen zur Integration
von Frauen in den Entwicklungsprozeß uneingeschränkt.
Nicht zuletzt müssen wir bei unserer Zukunftsplanung
am Edolg einer anderen wichtigen internationalen
Wirtschaftsinstitution zusammenarbeiten - dem GATT.
Von heute an sind es weniger als 70 Tage, die der
vierjährigen Uruguay-Runde internationaler Handelsgespräche verbleiben. Dauerhafte Reformen sind für
Industrie- und Entwicklungsländer gleichermaßen
unabdingbar. Sie sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen Runde, die neue Reoeln und Chancen für alle
Länder schafft. Diese Verhandlungen sind eine der
größten wirtschaftlichen Chancen der Welt in diesem
Jahrzehnt. Aber es bleibt noch viel zu tun.
Die Runde behandelt nicht nur Handels- sondern auch
AMERIKA DIENST 39

Wachstumsprobleme. Ui ld sie ist nicht nur eine Übung
für Bürokraten in Genf. Die Handelsgespräche sind
der "letzte Zug, der abfährt", und alle Länder der Welt
müssen aufspringen. Sie können die Triebfeder für
Wirtschaftswachstum sein, das uns ins 21. Jahrhundert führt.
Die Runde verspricht, Hemmnisse in vier entscheidenden Bereichen aus dem Weg zu räumen, die in den
vorhergehenden Runden nicht behandelt wurden:
Dienstleistungen, Investitionen, geistiges Eigentum
und Landwirtschaft. In der Tat sind Agrarreformen
nach wie vor der größte Hemmschuh und drohen die
übrigen Themen der Runde zum Scheitern zu bringen.
Wir müssen die Bauern mit den Bauern konkurrieren
lassen statt mit den tiefen Taschen der Regierungen.
Wir benötigen eine erfolgreiche Lösung der Agrarfragen, wenn wir ein Abkommen erzielen wollen.
Wenn die Länder der Welt in der verbleibenden Zeit
nicht den politischen Mut zur Bewältigung dieser schwierigen Themen aufbringen, werden wir neue Märkte für
unsere Wirtschaftstätigkeit verlieren, unseren Verbrauchern höhere Preise auferlegen und auf neue
Arbeitsplätze und höhere Einkommen für Arbeitnehmer in allen Ländern verzichten müssen.
Und das schlimmste ist, wir werden das vitale, erprobte
Gefüge internationaler Zusammenarbeit gefährden.
Ein Scheitern der Runde wird unweigerlich zunehmenden protektionistischen Druck und politische Instabilität ermutigen. Das ist etwas, was wir uns schlecht
leisten können während wir eine neue Partnerschaft
der Nationen gegen die Aggression am Persischen
Golf schmieden.
Ich bitte Sie, innerhalb Ihrer Regierungen aktiv an der
Sicherstellung des Erfolgs mitzuarbeiten. Und ich bitte
meine Amtskollegen weltweit - wie wir es beim Wirtschaftsgipfel in Houston getan haben - ihre Unterhändler anzuweisen, bis Dezember alle Aspekte der Uruguay-Runde zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen.
Bei all diesen Bestrebungen steht viel auf dem Spiel.
Vor nahezu 35 Jahren nahm Präsident Eisenhower
zum ersten Mal am Treffen von IWF und Weltbank teil.
Er sprach von den Lektionen, die er gelernt hatte,
während er einen Krieg führte, der so viele Soldaten
aus so unterschiedlichen Ländern zusammenführte.
Eisenhower stellte - so wie ich jetzt - fest, daß unter den
Teilnehmern Verbündete bei dieser vornehmen Aufgabe waren. Ich zitiere:
"Eines haben wir schnell herausgefunden: Ohne das
Herz, ohne den Enthusiasmus für die Sache, an der wir
arbeiteten, war keine Zusammenarbeit möglich. Mit
diesem Enthusiasmus - alles andere hinter das Voranbringen der Sache zu stellen -, war Zusammenarbeit
ein leichtes."

Seite 3

�Wie die Geschlossenheit in den Vereinten Nationen in
den vergangeren zwei Monaten belegt hat, ist der
weltweite Enthusiasmus für die vornehme "Sache"
von heute - die Sache, die ich als "neue Partnerschaft
der Nationen" bezeichnet habe - nicht nur beispiellos

sondern wahrhaft bemerkenswert. Und ich bitte Sie,
bei ihren Sitzungen in dieser Woche solchen Enthusiasmus aufzubringen, um die für den Erfolg erforderlichen neuen Ebenen der Zusammenarbeit hervorzubringen.

* * * * *

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Saite 4

\M ?F 'KA DIENST 39

�SOWJETISCHE

MILITÄRMACHT
3. Oktober 1990

PENTAGON: SOWJETISCHE MILITÄRMACHT
IMMER NOCH "ENORM"
- Auszüge aus "Die sowjetische Militärmacht 1990" WASHINGTON - (AD) - Die sowjetische Militärmacht ist "enorm und weiterhin gegen die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten gerichtet". Dieses Fazit zieht US-Verteidigungsminister Cheney im Vorwort des jährlichen
Pentagon-Berichts über die sowjetische Militärmacht, der am 25. September 1990 der Öffentlichkeit vorgestellt
wurde. Cheney zufolge "deutet alles darauf hin, daß sich an dieser Tatsache nichts ändern wird".
Obwohl es "in bezug auf die künftige Tendenz der sowjetischen Bedrohung sicherlich Anlaß zu Optimismus gibt",
so Cheney, "lassen die Fakten lediglich den Schluß zu, daß die Sowjetunion eine enorme militärische
Supermacht bleibt. Die Absichten dieses Regimes verändern sich. Aber Absichten allein reichen nicht aus, um
dramatische Veränderungen bei unserem Grad der Einsatzbereitschaft zu unterstützen."
Im Schlußkapitel des Pentagon-Berichts wird festgestellt, daß die freie Welt heute "möglicherweise vor ihrer
schwersten und ernsthaftesten Bewährungsprobe steht: Wie soll sie auf ein sich rasch veränderndes Umfeld
reagieren, in dem sich die Bedrohungen, auf die unsere sicherheitspolitische Haltung über 40 Jahre lang
zugeschnitten war, verringert haben, während neue Instabilität und potentielle Gefahren neue Anforderungen
stellen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem Vorwort zu "Die sowjetische Militärmacht 1990" und dem
Schlußkapitel mit dem Titel "Aussichten für die Zukunft".

(Vorwort von Verteidigungsminister Cheney)
Die neunte Ausgabe von "Die Sowjetische Militärmacht" wird in einer Zeit beispielloser wirtschaftlicher
und politischer Unruhen in der Sowjetunion veröffentlicht. Diese Unruhen haben ein ungewöhnlich hohes
Maß an Unsicherheit über den künftigen Kurs der
enormen Militärstruktur des Kreml ausgelöst. Jeder
maßgebliche Bericht über die Streitkräfte Moskaus
und die von ihnen ausgehende Bedrohung erfordert
eine wesentlich stärkere Genauigkeit und Bereitschaft,
Nuancen wahrzunehmen, als jemals zuvor. Weder
diejenigen, die fest daran glauben, daß die Sowjets
keine westlichen Interessen mehr bedrohen, noch
diejenigen, die die sowjetische Bedrohung als weitgehend unverändert betrachten, werden sich durch "Die
sowjetische Militärmacht 1990" bestätigt fühlen.
Das uneinheitliche Bild der Bedrohung umfaßt wesentlich mehr als die Sowjetunion selbst. Mit der sich
verringernden Möglichkeit eines weltweiten Konflikts

AMERIKA DIENST 39

nehmen die Gefahren in den Entwicklungsländern zu.
Herausforderungen unserer nationalen Sicherheit
werden diffuser und komplexer. Die Instabilität im
Nahen Osten und andernorts, Terrorismus, Rauschgifthandel und Verbreitung von Waffen gehören zu den
Bedrohungen, die wir bei der Umstrukturierung unserer Verteidigung berücksichtigen müssen.
Gleichzeitig ist es ein Gebot der Klugheit, daß wir uns
auf die gefährlichste Herausforderung unserer nationalen Sicherheit konzentrieren. Die Militärmacht der
Sowjetunion ist enorm und bleibt weiterhin gegen die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten gerichtet.
Alles deutet darauf hin, daß sich an dieser Tatsache
nichts ändern wird. Darüber hinaus ist die Bedrohung
nicht mehr eindeutig umrissen. Die Folgen des Wandels in der Sowjetunion sind noch ungewiß.
Eine Einschätzung der sowjetischen Macht wird schwieriger, die Notwendigkeit verstärkt sich, den Modifizierungen der sowjetischen Militärdoktrin und militäri-

Seite 1

�sehen Fähigkeiten breiteren Raum zu geben. In
einigen Fällen ist der Wandel grundlegender Natur. So
hat zum Beispiel aufgrund des Zusammenbruchs der
sowjetischen Kontrolle über Osteuropa und der mangelnden Bereitschaft des Kreml, die Praktiken der
Vergangenheit fortzusetzen und seine Macht mit Gewalt
aufrechtzuerhalten, im Warschauer Pakt ein Auflösungsprozeß eingesetzt. Infolgedessen hat sich die
Drohung eines Überraschungsangriffs auf die NATO
drastisch verringert. Zur Verteidigung der Handlungsweise seiner Regierung, die es Osteuropa gestattete,
seinen eigenen Weg zu gehen, erklärte der sowjetische Außenminister Schewardnadse: "Ein Block, den
man mit Gewalt davon abhalten muß, sich aufzulösen,
war bei ernsten Angelegenheiten keine Stütze und
kann dies auch in Zukunft nicht sein." Der vorliegende
Bericht beschreibt im Detail, was sich in bezug auf das
sowjetische Einsatzkonzept in Europa verändert hat
und was nicht. Darüber hinaus wird der Charakter der
sowjetischen Bedrohung gegenüber der NATO erörtert.
In anderen Fällen bietet die sowjetische Militärmacht
jedoch weiterhin einen bedrohlichen Anblick. Dies wird
nirgends deutlicher als bei den strategischen Nuklearstreitkräften und der strategischen Verteidigungsfähigkeit. Die Sowjets setzen die Modernisierung ihrer
strategischen Streitkräfte fort, die eine auf die Bedrohung unserer strategischen Streitkräfte ausgerichtete
Doktrin unterstützen. Die öffentlichen Äußerungen
Präsident Gorbatschows über Reformen stehen im
Hinblick auf die strategischen Streitkräfte in krassem
Gegensatz zu den tatsächlich durchgeführten militärischen Stationierungen. Dies ist keine Überraschung.
Wenn ihre militärischen Fähigkeiten nicht durch das
umfangreichste Atomwaffenarsenal der Welt gestützt
würden, könnte die Sowjetunion nicht mehr als Supermacht gelten. Obwohl Gorbatschow von Umgestaltung spricht, kann er sicherlich nicht die Absicht hegen,
sein Land zu einer zweitklassigen Macht zu reformieren.
Die sowjetische Bedrohung wandelt sich, aber sie
verschwindet nicht. Bei der Beobachtung dieses
Wandels kommt der emotionslosen Analyse höhere,
nicht etwa geringere Bedeutung zu. Die sowjetische
Militärmacht 1990 erörtert deshalb das ganze Spektrum von Faktoren, die auf die sowjetischen Streitkräfte Einfluß ausüben.
Seit der letzten Ausgabe haben wir zusätzliche Erkenntnisse über den Charakter des sowjetischen Militärs gewonnen. "Glasnost im militärischen Bereich" ist
nicht weit genug gegangen, aber es besteht bei der
politischen und militärischen Führung größere Bereitschaft, Probleme und Meinungsverschiedenheiten
öffentlich zu erörtern. Dies mag der Reformatmosphäre oder der Tatsache zuzuschreiben sein, daß die
Schwierigkeiten so groß sind, daß man sie einfach
nicht geheimhalten kann.

Seite 2

So wird zum Beispiel die innenpolitische Unterstützung für den Militärdienst zunehmend in Frage gestellt.
Hauptsächlich aufgrund der baltischen Sezessionsbewegungen, der Kampagnen gegen das Militär und die
Wehrpflicht sowie des offenen Widerstandes einiger
Regierungen (etwa von Armenien) gegen die Wehrpflicht, drücken sich mehr und mehr Sowjetbürger vor
der Wehrpflicht. So gab Verteidigungsminister Jasow
zu, daß zum Einberunfungstermin im Frühjahr mehrere tausend Rekruten nicht angetreten waren. In Armenien kam fast niemand seiner Wehrpflicht nach.
Darüber hinaus bestehen innerhalb des sowjetischen
Militärs eindeutig Meinungsverschiedenheiten über eine
Vielzahl grundsätzlicher Fragen, darunter der Verfall
des sowjetischen Einflusses in Osteuropa, das Tempo
der Reformen in der militärischen Struktur und Glasnost selbst. Viele der jüngeren und mittleren Offiziere
möchten am liebsten die Wehrpflicht überhaupt abschaffen und das Militär von polizeilichen Aufgaben im
Innern entbinden. Elemente des sowjetischen Oberkommandos hingegen lehnen viele Reformbestrebungen Präsident Gorbatschows ab. Wie der vorliegende
Bericht zeigt, ist vieles, was einstmals in bezug auf das
sowjetische Militär als selbstverständlich galt, heute
Gegenstand offener Debatten. Es ist unklar, wie diese
Debatten ausgehen werden.
Ein weiterer Bereich, über den wir neue Erkenntnisse
gewinnen, ist die Verteidigungslast für die sowjetische
Wirtschaft. Schätzungen der Nachrichtendienste zufolge sind die sowjetischen Verteidigungsausgaben in
den vergangenen 25 Jahren kontinuierlich gestiegen
und erreichten in den achtziger Jahren einen Anteil von
1 5 - 1 7 Prozent am geschätzten Bruttosozialprodukt
(BSP). Dagegen vertraten die Sowjets offiziell die
Position, daß die Verteidigungsausgaben - und damit
auch die Belastungen - wesentlich niedriger lägen.
Selbst der von Gorbatschow im Jahr 1989 bekanntgegebene "revidierte" Verteidigungshaushalt (mit dem
die früheren Zahlen vervierfacht wurden) würde bedeuten, daß die Sowjets 9 Prozent ihres BSP für
Verteidigungszwecke aufwenden. Erst kürzlich deuteten die Sowjets an, daß die Lasten in Wirklichkeit höher
liegen. Präsident Gorbatschow hat selbst Ausgaben
zwischen 13 und 15 Prozent des BSP für Verteidigungszwecke zugegeben, während einige sowjetische Wirtschaftswissenschaftler spekuliert haben, daß
die Lasten noch erheblich höher liegen und vielleicht
bis zu 25 Prozent des sowjetischen BSP betragen
könnten.
Dies sind furchteinflö ßende Zahlen für eine Regierung,
die ihren Bergleuten noch nicht einmal genug Seife
liefern kann. Dagegen wurden in den Vereinigten
Staaten in einem Zeitraum beispiellosen Wirtschaftswachstums zwischen 5 und 6 Prozent des BSP für
Verteidigungszwecke bereitgestellt.
Es gibt Hinweise, wonach dieses erstaunliche Ausmaß sowjetischer Ausgaben verringert wird. Zu BeAM ERIKA DIENST 39

�ginn des Jahres 1989 kündigte Präsident Gorbatschow Ausgabenreduzierungen von 14,2 Prozent bis
1991 an. Wir schätzen, daß die sowjetischen Militärausgaben im Jahr 1989 real um 4 bis 5 Prozent gefallen
sind. Selbst angesichts dieser Kürzungen sind die
sowjetischen Verteidigungsaufwendungen höher als
zu dem Zeitpunkt, an dem Gorbatschow an die Macht
kam. Noch wichtiger ist die Tatsache, daß die Ausgaben auf einem Niveau verharren, das eine erhebliche
Modernisierung der sowjetischen Streitkräfte erlauben
wird.
Diese Modernisierung ist besonders bemerkenswert
im Hinblick auf das Atomwaffenarsenal und die strategische Verteidigungsfähigkeit Moskaus. Die sowjetische Interkontinentalstreitmacht (ICBM) wird von Grund
auf verbessert. Dazu gehört die fortgesetzte Stationierung der SS-24, einer mit Mehrfachgefechtsköpfen
ausgerüsteten Rakete, von der es sowohl eine stationäre als auch eine mobile Version gibt, der mobilen
SS-25 und der neuen Version der SS-18, die mit zehn
Gefechtsköpfen ausgerüstet ist. Durch die verbesserte Überlebensfähigkeit der mobilen Systeme, die bei
der neuen SS-18 mit grö ßerer Sprengkraft und Zielgenauigkeit einhergeht, werden die Sowjets eine glaubwürdige Erstschlagfähigkeit gegenüber den amerikanischen silogestützten ICBMs und nicht in Alarmbereitschaft befindlichen Streitkräften beibehalten, selbst
wenn ein START-Vertrag unterzeichnet wird.
Die Modernisierung der Bomberstreitkräfte des Kremls
schließt neue BEAR-H und BLACKJACK-Maschinen
ein, die mit Marschflugkörpern mit verlängerter Reichweite ausgerüstet sind. In der Gesamtzahl der sowjetischen Bomberflotte werden wir wahrscheinlich eine
Verringerung beobachten, da veraltete Bomber außer
Dienst gestellt werden und der Schwerpunkt auf qualitative Verbesserungen, etwa bei den Marschflugkörpern, verlagert wird.
Dasselbe gilt für die sowjetische U- Bootstreitmacht mit
ballistischen Systemen. Die Stationierung der DELTA
IV und TYPHOON, die mit jeweils 16 oder 20 Atomraketen bestückt sind, untermauert die Gesamttendenz
zu Qualität anstatt Quantität.
Die sowjetischen Investitionen in strategische Verteidigungssysteme liegen etwa auf dem gleichen Niveau
wie die Investitionen in offensive Nuklearprogramme.
Die Sowjets haben ihren Schutzgürtel um Moskau zur
Verteidigung gegen ballistische Raketen zu einem
zweistufigen System modernisiert, das in der ganzen
Welt seinesgleichen sucht. Darüber hinaus unterhält
Moskau eine Antisatelliten-Fähigkeit, darunter Systeme, die Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen zerstören können.
Forschungsarbeiten über moderne Systeme, wie etwa
Laser, unterstreichen das starke sowjetische Interesse an der militärischen Nutzung des Weltraums. Betrachtet man den anscheinend scharfen Wettbewerb

AMERIKA DIENST 39

um Mittel für die Verteidigung, so sind die sowjetischen
Ausgaben für strategische Verteidigung in der Tat
beeindruckend und deuten auf ein beständiges Engagement zur Entwicklung eines umfassenden Raketenabwehrsystems hin.
Keine gründliche Analyse des sowjetischen Militärs
kann ein einfaches Bild der gegenwärtigen Bedrohung
vermitteln. Debatten über die Zukunft der kommunistischen Partei, die Struktur der Wirtschaft und das
Militär sind weitverbreitet. In einer solchen Atmosphäre ist es schwer vorauszusagen, was im nächsten
Monat, geschweige denn im nächsten Jahr geschehen
wird. In bezug auf die sowjetische Militärmacht gibt es
jedoch einige grundlegende Schritte, die der Kreml
selbst angesichts dieser Ungewißheit ergreifen könnte, um den Westen von der Ernsthaftigkeit seines
Wunschs nach Abbau der Bedrohung zu überzeugen.
Die Vereinigten Staaten würden es beispielsweise
begrüßen, wenn sich die Sowjetunion weniger auf das
Militär stützen würde. Das würde ein Militär erfordern,
das nur über einen vernünftigen Teil des nationalen
Reichtums verfügt. Darüber hinaus sollte der Kreml
seine massiven Militärhilfeprogramme einstellen, die
sich im vergangenen Jahr auf insgesamt 15 Milliarden
Dollar beliefen und Regimen in Afghanistan, Nordkorea, Libyen, Angola, Vietnam, Syrien und besonders
Kuba zugutekommen. Letzteres liegt nur 90 Meilen
von der amerikanischen Küste entfernt. Dies würde
erheblich dazu beitragen, uns zu überzeugen, daß es
der Kreml mit dem "neuen Denken" ernst meint und
seine inneren wirtschaftlichen Probleme in Angriff nimmt,
anstatt weiterhin seine traditionellen geopolitischen
Manöver zu verfolgen.
Jede ernsthafte Analyse des sowjetischen Militärs
enthüllt sowohl ein Bild intensiver innerer Debatten und
ungewisser Absichten als auch von Wandel und Instabilität. Was nicht enthüllt wird, auch wenn wir uns das
sehnlichst wünschen, ist eine ausgedünnte sowjetische Streitkräftestruktur und eine schwächer werdende Bedrohung. Die Wahrheit ist jedoch wesentlich
komplexer. Sicherlich gibt es in bezug auf die künftige
Tendenz der sowjetischen Bedrohung Anlaß zu Optimismus. Die Fakten lassen jedoch lediglich den Schluß
zu, daß die Sowjetunion eine enorme militärische
Supermacht bleibt. Die Absichten dieses Regimes
verändern sich. Aber Absichten allein reichen nicht
aus, um dramatische Veränderungen bei unserem
Grad der Einsatzbereitschaft zu unterstützen. Wir
müssen grundlegende und dauerhafte Veränderungen sowohl bei den Fähigkeiten als auch im Charakter
der sowjetischen Militärmacht feststellen.
(Ende des Vorworts von Verteidigungsminister Cheney)
(Beginn des Schlußkapitels)
Heute steht die freie Welt möglicherweise vor ihrer
schwersten und ernsthaftesten Bewährungsprobe: Wie
Seite 3

�soll sie auf ein sich rasch veränderndes Umfeld reagieren, in dem sich die Bedrohungen, auf die unsere
sicherheitspolitische Haltung über 40 Jahre lang zugeschnitten war, verringert haben, während neue Instabilität und potentielle Gefahren neue Anforderungen
stellen. Die Herausforderung ist so schwerwiegend,
weil die Fragen so komplex und paradox sind, sie ist
ernst, weil eine falsch kalkulierte Antwort eine Weltordnung hervorbringen könnte, die unsere Bestrebungen
nach einem zunehmend friedlichen und sicheren internationalen Umwelt zunichte machen könnte. Ungefähr die einzige Gewißheit, die wir gegenwärtig haben,
ist die Gewißheit weiterer Veränderungen.
Die Rolle der Sowjetunion in einer zunehmend unsicheren Welt ist schwer vorherzusagen. Mehr als vier
Jahrzehnte lang waren die Sowjetunion, ihre Verbündeten und Stellvertreter Hauptbedrohung für Weltfrieden und Sicherheit. Moskau hat seine Macht zur
Einschüchterung, Aggression, versuchter Beherrschung
und Expansion eingesetzt. Echte und dauerhafte
Veränderungen in der sowjetischen Bedrohung können nur aus einer grundlegenden Abkehr Moskaus von
der historischen Anlehnung an Gewalt und deren
Androhung als Instrumente der Außenpolitik entstehen. Dies wäre, um die Worte von Präsident Gorbatschow zu benutzen, eine "revolutionäre Transformation" des sowjetischen Staates.
Im vergangenen Jahr sind ermutigende Ereignisse
eingetreten, die darauf hindeuten, daß sich die Sowjetunion in Richtung einer solchen revolutionären Transformation bewegt, jedoch steckt dieser Prozeß noch in
den Kinderschuhen, und das Endergebnis ist weiterhin
unklar. Die Sowjetunion sieht sich auf dem Weg zu
dieser Umwandlung in ein dauerhaft weniger bedrohliches Land mit erheblichen Hindernissen konfrontiert.
Jahrzehnte wohlbegründeten Argwohns haben im
sowjetischen Volk und auch in der internationalen
Staatengemeinschaft ihre Spuren hinterlassen.
Die sowjetische Militärmacht 1990 beschreibt die vielen Bereiche, in denen sich Veränderungen der sowjetischen Politik, Doktrin und Beziehungen mit der übrigen Welt vollzogen haben. Es ist jedoch noch nicht
klar, in welchem Maß diese Veränderungen dauerhafte Reformen bedeuten. Die grundsätzliche Frage
lautet, ob die Sowjetunion eine Regierung schaffen
wird, die wirklich ihren Bürgern gegenüber und dem
Prinzip der Rechtsstaatlichkeit gemäß rechenschaftspflichtig ist - im Hinblick auf Freiheit, demokratischen
Pluralismus und die allgemeine Achtung der Menschenrechte.
Obwohl es nicht möglich ist, die künftige Form und
Richtung der sowjetischen Politik vorherzusagen, lassen sich eindeutige Veränderungen ausmachen, von
denen einige positive, andere unbekannte Folgen haben
werden:

Seite 4

Reduzierungen und Abzug von Streitkräften
haben zusammen mit der fortschreitenden
Auflösung des Warschauer Pakts die Fähigkeit
der Sowjets erheblich verringert, einen multinationalen, unverstärkten konventionellen Angriff
auf Westeuropa durchzuführen.
Die sowjetische Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen über
wichtige Abkommen birgt große Chancen zur
Reduzierung der strategischen, konventionellen und chemischen Bedrohung.
Das Aufleben nationalistischer Gefühle in der
Sowjetunion und das damit einhergehende Unabhängigkeitsstreben einiger Republiken stellt
den künftigen Zusammenhalt der UdSSR selbst
in Frage.
Die radikale Umwandlung, die ein fehlgeschlagenes wirtschaftliches und politisches System
auffangen mußte, spaltet die kommunistische
Partei.
Die Sowjets haben einen konstruktiveren Ansatz in bestimmten Bereichen ihrer Außenpolitik
demonstriert, wie der Abzug sowjetischer Truppen aus Afghanistan und die Reduzierung der
Unterstützung für zahlreiche radikale Regime in
Ländern der Dritten Welt bewiesen haben.
Trotz aller positiven Anzeichen für Veränderungen
bleiben beunruhigende Aspekte bestehen.
Die Sowjetunion modernisiert weiterhin ihr strategisches Atomwaffenarsenal, was im allgemeinen zu noch einsatzfähigeren Streitkräften führt.
Die Sowjets sind nach wie vor die einzige Macht
auf der Welt, die in der Lage ist, die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten zu zerstören.
Infolge grundlegender geographischer und
demographischer Gegebenheiten im Verbund
mit immer noch massiven Militärausgaben verfügt die Sowjetunion über das größte militärische Potential, das jemals ein einzelnes Land
auf dem eurasischen Kontinent besessen hat,
geeignet, um eine Armee von etwa drei Millionen Mann und Waffen mit Tausenden von nuklearen Gefechtsköpfen zu unterhalten.
Die Sowjets stellen weiterhin etwa 15 Milliarden
Dollar zur Verfügung, um die bedrohlichen Aktivitäten einiger Vasallen, wie etwa Kuba, Afghanistan, Vietnam, Kambodscha und Äthiopien zu
unterstützen.
Diese Faktoren haben in der Tat bedeutende Auswirkungen. Wir werden Zeuge eines Übergangs von der
bipolaren Konfrontation, von der die internationalen

AMERIKA DIENST 39

�Beziehungen der Nachkriegszeit geprägt waren. Obwohl
sich die Vorwarnzeit eines konventionellen sowjetischen Angriffs auf Westeuropa erheblich verlängert
hat, stellt der Umfang der verbleibenden militärischen
Fähigkeiten der Sowjets eine ernsthafte Bedrohung für
unsere Zukunftsplanungen dar. Es gibt nach wie vor
unterschiedliche Quellen militärischer Bedrohungen.
Die sowjetische Militärmacht muß vor dem Hintergrund dieser Realitäten bewertet werden. Die Demokratisierung Osteuropas und die zunehmende Auflösung des Warschauer Pakts sind positive Entwicklungen, aber es ist nicht klar, welche Auswirkungen die
anhaltende Modernisierung der strategischen Atomwaffenarsenale der Sowjets und die inneren Unruhen
in der Sowjetunion auf die Sicherheit des Westens
haben. Die unmittelbare Bedrohung eines sternförmig
ausgeführten Angriffs des Warschauer Pakts, der die
NATO in den Atlantik stößt, besteht fast nicht mehr.
Was bleibt, ist eine Sowjetunion mit modernen, zunehmend einsatzfähigen konventionellen und nuklearen
Waffen und der Fähigkeit zu chemischer und biologischer Kampfführung. Diese Waffen werden von einer
Regierung kontrolliert, die sich zunehmenden Herausforderungen im Inland gegenübersieht und die bei
offensiven Operationen nicht auf Unterstützung ihrer
ehemaligen Verbündeten zählen kann. Eine Reaktion
auf die Bedrohung wird nunmehr verkompliziert durch
den unsicheren Fortgang der Ereignisse in der Sowjetunion. Die Reaktion des Westens muß von einer
Vision geleitet sein, die auf den Lehren der Geschichte
basiert. Sie wird moderne, flexible und sichere Streitkräfte erfordern, die in der Lage sind, auf Unerwartetes
zu reagieren.

*

AMERIKA DIENST 39

Das neue Umfeld bedeutet für die Vereinigten Staaten
und den Westen neue Chancen und neue Risiken. Wir
haben die Möglichkeit, zur Verfestigung positiver
Tendenzen für Freiheit und Zusammenarbeit beizutragen zu helfen und negative Trends in günstigere Ergebnisse umzuwandeln. Dennoch bleiben Risiken bestehen im Hinblick auf die massive militärische - konventionelle und nukleare - Fähigkeit, die von einem Sowjetstaat kontrolliert wird, der sich tiefgreifenden Problemen gegenübersieht.
Unsere eigene Sicherheitspolitik muß dieser Unsicherheit Rechnung tragen. Einseitige westliche Abrüstung, die unsere Flexibilität im Umgang mit schwierigen Szenarien unter instabilen neuen Bedingungen
internationaler Sicherheit beseitigt, würde die weltweite Abschreckung schwächen und der Instabilität auf
der Welt Vorschub leisten.
Dies ist ein außergewöhnlicher Augenblick in der
Geschichte. Von den Vereinigten Staaten oder der
Sowjetunion getroffene Entscheidungen werden den
Kurs der Weltpolitik bestimmen. Die Entscheidungen
von heute werden die Aussichten für Sicherheit und
Entwicklung der Freiheit der nächsten Generationen
bestimmen. Die Vereinigten Staaten müssen weiterhin positive Veränderungen fördern und gleichzeitig
die Fähigkeit und Flexibilität behalten, in einem Augenblick der Unruhe und Unsicherheit mit immer noch
ungeheuren militärischen Fähigkeiten der Sowjets
fertigzuwerden - und sie abzuschrecken.

*

Seite 5

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Deutsche Einheit&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush leitet Vertrag über Vereinigung Deutschlands dem Senat zu&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten, Text des Schreibens&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Senat erörtert den Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung von Robert Zoellick im Senat&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;UNO-Reaktionen auf Iraks Aggression "beispiellos"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Bush vor der UN-Generalversammlung&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker: Übergang zur Tagesordnung mit dem Irak unmöglich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor dem UN-Sicherheitsrat&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. KSZE&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Bush drängt KSZE zu Konsolodierung der Freiheit&lt;br /&gt; &lt;em&gt;Ansprache beim KSZE-Treffen in New York&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Weltbank/IWF&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Bush: Erfolg der GATT-Runde unabdingbar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten bei Weltbank und IWF&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Sowjetische Militärmacht&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pentagon: Sowjetische Militärmacht immer noch "enorm"&amp;nbsp; &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus "Die sowjetische Militärmacht 1990"&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Unfted States Information Sende»
Embassy of the United States of Americ»
Libpsry Services
Deichmanns Aue 29

5300 Bonn 2

26. September 1990

38

GOLFKRISE

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche
und politische Maßnahmen

NATO

TAFT ERÖRTERT EUROPAISCHE
SICHERHEITSSTRUKTUR
Rede von Botschafter Taft bei der NATO

IWF/WELTBANK

VEREINIGTE STAATEN PRÜFEN LINDERUNG
DER SCHULDENLAST FÜR ÄRMERE LÄNDER
Rede von Finanzminister Brady beim
Gemeinsamen Entwicklungsausschuß

OSTEUROPA

INITIATIVEN DES PRÄSIDENTEN FÜR
MITTEL- UND OSTEUROPA
Der neueste Stand

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
26. September 1990

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen
Die nachfolgende Übersicht über die von der internationalen Staatengemeinschaft als Reaktion auf die Invasion
des Iraks in Kuwait ergriffenen Maßnahmen stützt sich auf am 21. September 1990 verfügbare Informationen
und ist gegebenenfalls unvollständig.

NATO
Die 16 Bündnispartner nehmen unmittelbar nach der
irakischen Invasion Kuwaits noch immer andauernde
Konsultationen auf. Die Außenminister treffen am 10.
August 1990 im NATO-Hauptquartier zusammen, um
die Reaktion der Bündnispartner auf die Krise zu
erörtern und die Verpflichtung der NATO zur Verteidigung der Türkei im Falle eines Angriffs durch den Irak
zu bekräftigen. Die wichtigsten Ausschüsse der NATO
kommen weiterhin regelmäßig - zum Teil täglich zusammen, um die Maßnahmen zu koordinieren, Informationen und nachrichtendienstliche Erkenntnisse
auszutauschen.
NATO-Mitgliedstaaten
Belgien
Entsendung von zwei Minensuchbooten und einem
Versorgungsschiff ins Mittelmeer, Ölembargo, Einfrieren der irakischen und kuwaitischen Vermögenswerte.
Bereitstellung von 30 Tonnen Zucker und Mehl, 20 000
Tonnen Weizen und zwei C-130 für den Rückflug
ägyptischer Flüchtlinge aus Kuwait.
Bundesrepublik Deutschland
Entsendung von Minensuchbooten und einem Versorgungsschiff zum Schutz der Seewege ins Mittelmeer
und Angebot zusätzlicher Luft- und Seetransportunterstützung. Angebot an die Vereinigten Staaten zur
Nutzung von Stützpunkten für Operationen gegen den
Irak. Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte. Am 16. August 1990 stellt die Bundespost
alle Brief- und Paketsendungen an Irak und Kuwait
ein. Die Bundesregierung und führende WirtschaftsAMERIKA DIENST 38

verbände versprechen, alles in ihrer Macht Stehende
zu tun, um das Embargo gegen den Irak "wasserdicht"
zu machen. An Flüchtlingshilfe stellt die Bundesrepublik 4,5 Tonnen an Nahrungsmitteln, 55 Zelte und zwei
Krankenwagen bereit.
Dänemark
Erlaubt die Nutzung seiner Handelsschiffe im Golf als
Versorgungsschiffe der multinationalen Streitmacht in
Saudi-Arabien. Unterstützt Sanktionen der EG gegen
den Irak; ölembargo. Das dänische Parlament genehmigt die Entsendungen einer Korvette in den Golf.
Geplante Unterstützung der Flüchtlinge in Jordanien in
Höhe von 830 000 Dollar.
Frankreich
Präsident Mitterand verkündet am 15. September 1990
die Entsendung von 4 000 Mann Bodentruppen nach
Saudi-Arabien als Vergeltung für den irakischen Angriff auf die Residenz des französischen Botschafters
in Kuwait. Geplante Aufstockung der französischen
Marine im Golf, Verstärkung zweier Kriegsschiffe im
Golf durch bereits entsendete Marineeinheiten einschließlich einem Flugzeugträger. Order an die 3 000
Mann starke Marine, gegebenenfalls Gewalt zur Durchsetzung des Embargos anzuwenden. Landgestützte
Aufklärungseinheiten des französischen Heeres sind
Teil eines Truppenkontingents, das die Regierung auf
die arabische Halbinsel entsenden will. Geplante
Entsendung einer nachrichtendienstlichen Einheit des
Heeres in die Vereinigten Arabischen Emirate. Frankreich schließt sich der UNO-Resolution über wirtschaftliche Sanktionen gegen den Irak an. Öl- und
Waffenembargo, Einfrieren der irakischen Vermögens-

Seite 1

�werte, Unterbindung des Handels mit Ausnahme von
Arznei- und Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke.
Das französische Außenministerium fordert die uneingeschränkte Durchsetzung des Embargos. Vier französische Gewerkschaften (CFDT, CFTC, CGC und
FEN) verurteilen die Festsetzung von Ausländem durch
den Irak und fordern ihre unverzügliche und bedingungslose Freilassung. Drastische Einschränkung
der Bewegungsfreiheit einer Gruppe irakischer Offiziere und Staatsbürger aus Sicherheitsgründen, die in
Frankreich in der Bedienung von militärischem Gerät
und Radaranlagen ausgebildet wurden.

Island
Erklärung der uneingeschränkten Unterstützung der
UNO-Sanktionen gegen den Irak.
Italien

Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte, Erlaubnis zum Überfliegen für Kriegsflugzeuge der
Vereinigten Staten und verbündeter Länder auf dem
Weg in den Golf. Uneingeschränkte Zusammenarbeit
bei Flugzeugstationierungen (Landung/Auftanken).
Bereitstellung der Hafenanlagen für verbündete Seestreitkräfte. Griechenland stellt der multinationalen
Streitmacht drei Schiffe für den Transport von Kriegsgerät zur Verfügung.

Vollständiges Handelsembargo. Einfrieren irakischer
und kuwaitischer Vermögenswerte. Entsendung von
fünf Schiffen ins östliche Mittelmeer. Geplante Entsendung von drei Schiffen in den Golf. Verbot irakischkuwaitischer Luft- und Seetransportdienste. Erlaubnis der Nutzung von US-Stützpunkten in Italien. Bereitstellung von 40 Tonnen an Hilfsgütern einschließlich Decken, Wasserkanistern, Müdcontainern, Zeltplanen, Werkzeugen und Küchengerät als Flüchtlingshilfe. Vereinbart die Bereitstellung von zivHen Transportschiffen zur Verlegung amerikanischer Truppen
und Versorgungsgüter. Genehmigt Hilfsleistungen in
Höhe von 160 Millionen Dollar für Länder, die unmittelbar von der Blockade des Iraks betroffen sind. Gibt die
geplante Entsendung eines Geschwaders von acht
"Tornados" und eines vierten Schiffes in den Golf
bekannt.

Großbritannien

Kanada

Die in den Golf entsendeten britischen Marine- und
Luftwaffeneinheiten belaufen sich am 14. September
1990 auf insgesamt 4 000 Mann. Die Unterstützung
mit Material umfaßt folgende Posten: Königliche Marine
- ein Zerstörer, zwei Fregatten bereits im Golf, drei
Minensuchboote, ein Zerstörer auf dem Weg. Königliche Luftwaffe - ein Geschwader Jaguar-Kampfbomber, VC 10-Tankflugzeuge und Nimrod-Seepatrouillenflugzeuge, alle mit Bodenunterstützungspersonal
der Königlichen Luftwaffe. Darüber hinaus gibt der
britische Verteidigungsminister King am 14. September die Absicht bekannt, die 7. Panzerbrigade mit über
6 000 Mann aus der Bundesrepublik nach SaudiArabien zu entsenden. Die Brigade "Wüstenratten"
wurde im Nordafrikafeldzug des Zweiten Weltkriegs
berühmt. Großbritannien wird Schiffe im Golf abfangen, die versuchen, die UNO-Sanktionen gegen den
Irak zu umgehen. Öl- und Waffenembargo, Einfrieren
der kuwaitischen und irakischen Vermögenswerte.
Verpflichtung zu militärischer Unterstützung der Vereinigten Staaten in Saudi-Arabien, Angebot an die Vereinigten Staaten zur Benutzung der Stützpunkte für
Operationen gegen den Irak. Entsendung eines Zerstörers aus Großbritannien und dreier Minenräumschiffe aus dem östlichen Mittelmeer zur Verstärkung
von drei britischen Kriegsschiffen im Persischen Golf.
Verpflichtung zur Bereitstellung von 980 000 Dollar an
Flüchtlingshilfe für das Internationale Komitee vom
Roten Kreuz. Premierministerin Thatcher verspricht
Zahlungen an einen von den Vereinigten Staaten
gegründeten Fonds zur Verteilung der Kosten der
Golfoperation gegen den Irak.

Premierminister Mulroney gibt am 14. September 1990
die Entsendung eines CF-18-Geschwaders an den
Golf bekannt und verspricht Hilfsleistungen in Höhe
von 75 Millionen Dollar für die Türkei, Ägypten und
Jordanien. Entsendung von zwei Zerstörern und einem Versorgungsschiff zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht im Golf. Abbruch der Wirtschaftsund Handelsbeziehungen mit Irak. Verpflichtung zur
Bereitstellung von 2,2 Millionen Dollar in bar, die als
Flüchtlingshilfe zwischen dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz und zwischenstaatlichen Organisationen aufgeteilt werden sollen.

Griechenland

Seite 2

t

Luxemburg
Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte.
Niederlande

«

Uneingeschränkte Finanzsanktionen gegen den Irak,
Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte. Geplante Entsendung von zwei Fregatten in den
Golf. Verpflichtung zur Bereitstellung von 1,1 Millionen
Dollar, von denen die Hälfte als Flüchtlingshilfe für die
Maßnahmen unter der Schirmherrschaft der EG verwendet werden. Angebot für zusätzliche Schutzausrüstung gegen chemische und biologische Kampfführung.
Norwegen
Entsendung eines Kriegsschiffs der Küstenwache zur
Versorgung der dänischen Korvette, die es in den GoK

AMERIKA DIENST 38

t

�begleiten wird. Angebot von Dekontaminierungsgerät
für den Bedarfsfall sowie Schutzgerät gegen C-Waffen
an die Golfstreitmacht. Entsendung eines Schiffs zur
ständigen NATO-Streitmacht im Atlantik und Angebot
der Bereitstellung von zwei weiteren Schiffen für die
NATO-Streitkräfte im Atlantik und Ärmelkanal, um die
Verlegung verbündeter Schiffe in den Golf auszugleichen. Voraussichtliche Aufstockung der Flüchtlingshilfsleistungen an Jordanien über die anfänglichen,
schon bereitgestellten 343 000 Dollar hinaus. Handelsembargo mit Ausnahme von Arznei- und Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke; Ölembargo.
Umfassende Sanktionen, die Seetransporte ausdrücklich einschließen. Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte. Bereitstellung von 40 Tonnen
hochproteinhaltiger Kekse als Fluchlingshilfe.
Portugal
Erlaubnis zur Nutzung amerikanischer Stützpunkte in
Portugal, Öl- und Waffenembargo. Embargo bei Dienstleistungen wie Schiffswartung. (Die Wartung eines
irakischen Schiffs in Portugal war vorgesehen).
Spanien
Handelsembargo. Spanien unterstützt den Transit
amerikanischer Militärflugzeuge auf dem Weg in die
Golfregion. Geplante Entsendung einer Fregatte zur
Straße von Hormus und zweier Korvetten zur Patrouille im Roten Meer in Koordination mit anderen Marineeinheiten der Westeuropäischen Union.
Türkei
Einfrieren irakischer Vermögenswerte. Verweigert die
Verladung irakischen Öls am Ende der irakischen
Pipeline. Untersagt die Entladung zweier Schiffe mit
Nahrungsmitteln für den Irak im südlichen Hafen Mersin.
Handelsembargo mit Ausnahme von Nahrungs- und
Arzneimitteln. Das Parlament ermächtigt die Regierung im Falle eines Angriffs durch den Irak zur
Kriegserklärung, zur Entsendung von Kampftruppen
und zum Einsatz ausländischer Truppen auf türkischem Hoheitsgebiet.
Vereinigte Staaten
Entsendung amerikanischer Militäreinheiten nach SaudiArabien, um dieses Land gegen einen möglichen irakischen Angriff zu schützen. Zur Zeit befinden sich neun
Kriegsschiffe und zwei Flugzeugträger im Golf. Verhängung eines vollständigen Embargos gegen den
Irak und das besetzte Kuwait sowie gegen kommerzielle Nahrungsmittellieferungen. Aussetzung der
Kredite, Anleihen und Zuschüsse. Modifizierung des
Embargos, so da ß es das Verbot von Exporten an jede
vom Irak - direkt oder indirekt - aus betriebene oder von
der irakischen Regierung kontrollierte oder in deren
Besitz befindliche Körperschaft einschließt. Einfrieren
der irakischen und kuwaitischen Vermögenswerte.
Amerikanische Zollbeamte beschlagnahmen für den

AMERIKA DIENST 38

Irak und Kuwait bestimmte Ersatzteile, Satelliten- und
Computergeräte. Das FBI versiegelt die Büros der
irakischen Fluggesellschaft in New York, Detroit und
Los Angeles. Die Vereinigten Staaten planen das
Abfangen irakischer Öllieferungen in die Golfregion als
Unterstützung der UNO-Sanktionen. Als Reaktion auf
die illegale Schließung der amerikanischen Botschaft
in Kuwait durch den Irak weisen die Vereinigten Staaten 36 der 55 zuvor an der irakischen Botschaft in
Washington akkreditierten Personen aus. Die Vereinigten Staaten leisten Flüchtlingshilfe in Höhe von 1
Million Dollar einschließlich Zelten, Wasserkanistern,
Nahrungsmitteln sowie Beiträgen an die Internationale
Organisation für Auswanderung. Die Vereinigten Staaten
leiten Initiativen zur Unterstützung der durch die Golfkrise wirtschaftlich betroffenen Länder sowie zur Verteilung der Kosten der Militäroperationen im Golf in die
Wege.
Andere europäische Nationen
Andorra
Verbietet Importe und Exporte jeglicher Vermögenswerte aus und in den Irak und Kuwait, sowie die
Bereitstellung von Dienstleistungen und Krediten.
Bulgarien
Unterbindung aller Lieferungen militärischer Güter an
den Irak und Erweiterung der Wirtschaftssanktionen.
Deutsche Demokratische Republik
Geplante Beteiligung an Wirtschaftssanktionen. Nur
Nahrungs- und Arzneimittel für humanitäre Zwecke
werden weiterhin geliefert.
Finnland
Unterstützung der Resolution des UNO-Sicherheitsrats über Sanktionen, vollständige Durchführung der
UNO-Maßnahmen einschließlich eines uneingeschränkten Handelsembargos. Ernennung des finnischen
Botschafters bei der UNO zum Leiter der Gruppe von
Ländern, die die Einhaltung der UNO-Sanktionen gegen
Irak überwachen. Verpflichtung zur Zahlung von 135 000
Dollar an Flüchtlingshilfe an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz.
Irland
Ölembargo.
Jugoslawien
Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait, fordert
den Irak auf, alle Truppen aus Kuwait abzuziehen.
Weigerung, die irakische Annexion Kuwaits anzuerkennen. Unterstützt die Wirtschaftssanktionen der
UNO gegen den Irak. Einstellung aller Lieferungen in
den Irak, Aussetzung von Importen aus dem Irak,
Reduzierung jugoslawischer Arbeitskräfte in Irak und
Kuwait, Einfrieren irakischer Vermögenswerte.
Seite 3

�Liechtenstein
Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte, Handelsembargo mit Ausnahme von Arznei- und
Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke.
Malta
Keine Vergabe von Aus- oder Einfuhrgenehmigungen
für Handel mit Irak und Kuwait, vor Verhängung der
Sanktionen erteilte Genehmigungen werden widerrufen.
Österreich
Durchsetzung der UNO-Wirtschaftssanktionen gegen
den Irak, Waffenembargo, Einfrieren irakischer Vermögenswerte. Geplante Erlaubnis zum Überfliegen
amerikanischer Militärflugzeuge über Österreich.
Polen
Waffenembargo.
N.B.: Der polnischen Botschaft in der Bundesrepublik
Deutschland zufolge hält sich Polen auch in allen
anderen Bereichen strikt an die Sanktionen der UNO.

verwirklichen. Verabschiedung einer gemeinsamen
Erklärung mit Japan am 5. September mit der Aufforderung an den Irak, alle ausländischen Geiseln freizulassen und seine Truppen aus Kuwait abzuziehen.
Tschechoslowakei
Waffenembargo, Verurteilung der irakischen Aggression. Verzögerung der Abreise des neuen tschechoslowakischen Botschafters im Irak nach Bagdad.
Durchführung der UNO-Sanktionen einschließlich
Unterbindung aller Exporte und Importe aus und nach
Irak und Kuwait.
Ungarn
&gt;
Öl- und Handelsembargo.
Vatikan
Lobt die Resolution der Vereinten Nationen zu den
Sanktionen gegen den Irak.
Zypern
Unterstützung der Sanktionen gegen Irak.

Rumänien

Andere Organisationen - regional und international

Wird U NO-Sanktionen gegen den Irak befolgen.

Arabische Liga

Schweden

Die arabische Liga spricht sich (mit 12:3 Stimmen von
20 Mitgliedstaaten) für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus, um das
Land gegen eine mögliche irakische Aggression zu
schützen. Jordanien, Mauretanien und der Sudan
stimmen für die Resolution, machen jedoch "Bedenken" geltend. Der Irak, Libyen und die PLO stimmen
dagegen. Der Jemen und Algerien enthalten sich.
Tunesien ist nicht vertreten. Die Resolution bekräftigt
darüber hinaus die Resolutionen 660,661 und 662 des
UNO-Sicherheitsrats.

Verbot von Aus- und Einfuhren nach oder aus Kuwait
und Irak, mit Ausnahme von Waren für humanitäre
oder medizinische Zwecke sowie Presseerzeugnissen. Verbot der Lieferung von Waren für Wirtschaftsaktivitäten, die im Irak oder Kuwait oder von dort aus
betrieben werden. Verbot von Maßnahmen, die Geschäfte mit dem Irak oder Kuwait fördern würden, wie
etwa Instandsetzung, Be- oder Entladen; Einstellung
des Zahlungs- und Kreditverkehrs mit Irak und Kuwait.
Zahlt 8,7 Millionen Dollar in bar für die Flüchtlingshilfe.
Schweiz
Öl- und Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten, Beschränkungen für den sonstigen Handel.
Die Schweiz beteiligt sich zum ersten Mal an UNOWirtschaftssanktionen. Entsendet ein Hilfsteam für
Flüchtlinge.
Sowjetunion
Verurteilung der Annexion Kuwaits durch den Irak,
Waffenembargo. Entsendung zweier Kriegsschiffe in
den Golf. Würde unter Aufsicht der Vereinten Nationen die Abriegelung des Golfs für irakische Schiffe in
Erwägung ziehen. Erlaß eines Dekrets an alle Ministerien und Behörden, die für den Handel mit dem Irak
oder sonstige Beziehungen mit diesem Land zuständig sind, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um
die Wirtschaftssanktionen der Vereinten Nationen zu

Seite 4

*

Europarat
Beim Außenministertreffen des Europarats wird am
12. September eine Resolution verabschiedet, in der
die irakische Verletzung des Völkerrechts und die Geiselnahme verurteilt werden. Er fordert die Anwendung
der UNO-Sanktionen gegen den Irak durch alle Staaten und appelliert an die Mitglieder des Europarats,
Ländern beizustehen, die unbeabsichtigt von diesen
Sanktionen betroffen sind. Die Erklärung widmet sich
besonders humanitären Problemen der zahlreichen
Menschen, die durch die Krise zur Flucht gezwungen
wurden und bedauert die Weigerung des Iraks, mit
dem IKRK zusammenzuarbeiten.
Europäische Gemeinschaft
Die EG erklärt am 17. September die Ausweisung aller
irakischen Militärattaches sowie die Einschränkung
der Bewegungsfreiheit der anderen irakischen Diplo-

AM ER»KA Dlfi'MST 38

«

»

�maten, die in den Hauptstädten der 12 Mitgliedstaaten
akkreditiert sind. Verhängt allgemeines Embargo gegen
den Handel mit Irak und dem besetzten Kuwait. Einfrieren von Vermögenswerten auf ihrem Hoheitsgebiet
sowie Einstellung jeglicher Zusammenarbeit mit Irak
und dem besetzten Kuwait. Unterstützt die Resolutionen 660, 661, 662, 664, 665, 666 und 667 des UNOSicherheitsrats. Über die Botschafter der gegenwärtigen Präsidentschaft (Irland, Italien und Luxemburg)
hat die EG Demarchen in Bagdad unternommen, um
die bedingungslose Freilassung der Ausländer in Irak
und Kuwait zu unterstützen. Die EG stellt 27 Millionen
Dollar in Form von Transport, Nahrungsmitteln und
humanitärer Hilfe für Flüchtlinge bereit.
Europaparlament
Verabschiedung einer Resolution am 14. September,
in der "die Invasion und Annexion Kuwaits durch den
Irak... und die gezielte Geiselnahme von Ausländern
durch den Irak energisch verurteilt" wird. Die Resolution fordert "den unverzüglichen Rückzug der irakischen Truppen aus Kuwait, um dessen legitime Autorität und Souveränität wiederherzustellen...".
Golf-Kooperationsrat
Verurteilung der irakischen Aggression gegen Kuwait
und Forderung nach Rückzug der irakischen Truppen.
Hat Truppen in Saudi-Arabien stationiert. Saudi-Arabien bittet die Vereinigten Staaten und andere Länder
um militärische Hilfe zur Verteidigung gegen eine
mögliche irakische Aggression. Saudi-Arabien verpflichtet sich darüber hinaus zu höherer Ölförderung,
um die Produktionsausfälle im Irak und in Kuwait
wettzumachen. Verweigert einem irakischen Tanker
das Anlegen an einem saudischen Verladeterminal im
Roten Meer. Die Vereinigten Arabischen Emirate
öffnen ihre militärischen Einrichtungen für die multinationale Streitmacht und verweigern einem irakischen
Tanker die Einfahrt in den Hafen von Dubai. Katar stellt
seine militärischen Einrichtungen der multinationalen
Streitmacht zur Verfügung. Berichten zufolge öffnen
auch Bahrain und Oman ihre militärischen Einrichtungen. Der Golf-Kooperationsrat ist eine regionale Organisation, die aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Bahrain, Oman, Katar und Kuwait
besteht.
Internationale Arbeitsorganisation
Die Internationale Arbeitsorganisation, eine Unterorganisation der UNO, appelliert an den Irak, unverzüglich Schritte zur Freilassung aller in Irak und Kuwait
festgehaltenen ausländischen Arbeitnehmer zu ergreifen.
Bewegung der Blockfreien

Nordischer Rat
Verabschiedung einer Erklärung, in der die irakische
Weigerung, Staatsbürgern der nordischen Staaten
und anderen Ausländern das Verlassen des Irak und
Kuwaits zu gestatten, scharf verurteilt und festgestellt
wird, daß "die Entscheidung des Irak eine Verletzung
des Völkerrechts und der UNO-Menschenrechtserklärung darstellt". Der Nordische Rat ist eine regionale
Organisation, die sich aus Vertretern Dänemarks,
Finnlands, Islands, Norwegens und Schwedens zusammensetzt.
Die nordischen Außenminister
Verabschiedung einer Erklärung zur Golfkrise am 11.
September, in der "die brutale Invasion und der Versuch der Annexion Kuwaits" scharf verurteilt und die
Rolle des UNO-Sicherheitsrats bei der Aufrechterhaltung des internationalen Drucks auf den Irak hervorgehoben werden.
OPEC
Verständigung auf einen Plan, der den OPEC-Mitgliedern eine Erhöhung ihrer Produktion über die vereinbarten Quoten hinaus gestattet, um den durch das
Embargo gegen den Irak verursachten Ausfall von 4
Millionen Barrel täglich wettzumachen. Saudi-Arabien
und Venezuela haben ihre ölproduktion bereits erhöht. Die Vereinigten Arabischen Emirate, Nigeria,
Gabun und Ecuador werden ihre Fördermenge wahrscheinlich in Kürze erhöhen. Der Iran und Libyen
stimmen gegen die Resolution, planen jedoch angeblich auch eine Erhöhung ihrer eigenen Produktion.
Organisation Amerikanischer Staaten
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Ablehnung der Annexion Kuwaits. Unterstützt alle
diesbezüglichen Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats gegen den Irak. Weist die Benutzung ausländischer Geiseln in Bagdad als "menschliche Schutzschilde im Konflikt" zurück. Bietet ihre guten Dienste
für die in Irak und Kuwait festgehaltenen Staatsbürger
aus Mitgliedstaaten an. Die OAS ist eine regionale
Organisation mit Vertretern der Karibikstaaten sowie
aller Staaten Mittel-, Süd- und Nordamerikas außer
Kuba.
Koordinationsrat der Gewerkschaften des Südlichen Afrikas
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UNO-Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak. Bittet die Gewerkschaften des südlichen Afrikas, jeglichen Bruch des Embargos zu melden und zu verurteilen.

Verurteilung des Einsatzes von Gewalt durch den Irak
sowie Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.

AMERIKA DIENST 38

Seite 5

�Vereinte Nationen

Afghanische Interimsregierung

Der UNO-Sicherheitsrat verabschiedet Resolutionen,
in denen die irakische Invasion in Kuwait verurteilt und
der unverzügliche Rückzug der Invasionsstreitkräfte
gefordert, ein Handels- und Finanzembargo gegen
den Irak und Kuwait angeordnet, die irakische Annexion von Kuwait für null und nichtig erklärt, die Freilassung aller Ausländer durch den Irak verlangt und der
internationalen Staatengemeinschaft das Recht gegeben wird, das Wirtschaftsembargo gegen den Irak
durchzusetzen, indem die Schiffahrt nach und aus
diesem Land unterbunden wird. Die UNO legt enge
Grenzen für die Lieferung humanitärer Güter in den
Irak und das besetzte Kuwait fest. Verurteilung des
Irak aufgrund von Gewalttaten gegen ausländische
Botschaften und deren Personal im besetzten Kuwait.

Das Kabinett der AIG beschließt formell die Entsendung eines Kontingents von 2 000 Mujahedin nach
Saudi-Arabien zur Verstärkung der multinationalen
Streitmacht.

Westeuropäische Union
Die Außen- und Verteidigungsminister der neun Mitgliedstaaten der WEU erörtern während eines Treffens in Paris am 18. September weitere Möglichkeiten
zur Koordinierung ihrer Maßnahmen am Golf. Sie
verurteilen "uneingeschränkt die jüngsten Angriffe des
Irak auf das Völkerrecht und die Unverletzlichkeit von
Personen" und verleihen ihrer Entschlossenheit Ausdruck, das vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
verhängte Embargo mit all seinen Elementen anzuwenden und für seine Anwendung zu sorgen. Bei
früheren Maßnahmen verständigen sich die neun WEUMitgliedstaaten darauf, die Marineoperationen im Nahen
Osten auszuweiten und "ihre Operationen eng miteinander abzustimmen". Darüber hinaus erklären sie
sich bereit, zusammen mit den Vereinigten Staaten
Verantwortung für die Durchsetzung der UNO-Sanktionen gegen den Irak zu übernehmen. Vier WEUMitglieder - die Niederlande, Belgien, Italien und Spanien - sowie Griechenland, das kein Mitglied der WEU
ist, kündigen die Entsendung von Kriegsschiffen in den
Nahen Osten an, die sich den bereits dort stationierten
französischen und britischen Einheiten anschließen
sollen. Die WEU ist eine politische Organisation mit
Vertretern aus Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Luxemburg,
den Niederlanden, Portugal und Spanien.

Argentinien
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Befolgt die
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Stellt finanzielle Transaktionen mit Irak und Kuwait ein. Entsendet
zwei Kriegsschiffe mit zwei Flugzeugen, einer Infanterieeinheit sowie Luftwaffen- und Kommunikationspersonal an den Golf, um das UNO-Embargo gegen den
Irak zu unterstützen.
Aruba
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak.
Australien
Teilnahme am gemeinsamen Marineeinsatz. Entsendung zweier Lenkwaffenfregatten und eines Versorgungsschiffs zum Persischen Golf. Zusage, den Golf
für irakische Schiffe abzuriegeln, um die UNO-Sanktionen zu unterstützen, ö l - und Waffenembargo.
Einfrieren von Vermögenswerten.
Bahamas
Einfrieren irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte.
Bahrain
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Bahrain die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den Rückzug der Invasionstruppen.
Gestattet die Benutzung seiner Luftstützpunkte durch
die multinationale Streitmacht.
Bangladesh
Prinzipielle Entscheidung, bei einer Konfrontation mit
dem Irak Truppen nach Saudi-Arabien zu entsenden.
Belize

Nichteuropäische Staaten
Ägypten
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der Resolutionen 660, 661 und 662 des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen und spricht sich für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus. Hat bereits 5 000 Soldaten zur Verstärkung
der multinationalen Streitmacht nach Saudi-Arabien
geschickt. Geplant ist die Entsendung von zusätzlichen 15 000 Soldaten zusammen mit Panzern und
Schützenpanzern.

Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.
Benin
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Rückzug der Invasionstruppen.
Bermuda
Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak an. Verhängt eigene Finanzsanktionen.
-

Seite 6

AMERIKA DK N'ST 38

�Bolivien

Iran

Unterstützt die Sanktionen der Vereinten Nationen
gegen den Irak.

Ablehnung der Annexion Kuwaits durch den Irak. Der
Iran erklärt, die Ölförderung ankurbeln zu wollen, um
die Ausfälle im Irak und in Kuwait auszugleichen.

Brasilien
Öl- und Waffenembargo. Abbruch sämtlicher Handelsbeziehungen, einschließlich von Nahrungsmittellieferungen.
Chile
Wirtschaftssanktionen, Waffenembargo.
China

Jamaica
Verurteilt die Invasion und befolgt die UNO-Sanktionen gegen den Irak. Unterstützt die von der Organisation Amerikanischer Staaten ins Leben gerufene Initiative, im Rahmen derer die irakische Invasion in Kuwait
auf das schärfste verurteilt wird.
Japan

Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Abzug der Truppen.

Ölembargo, Einstellung des Handels und der Hilfe.
Wird Nahrungsmittel, Wasser, Arzneimittel und 100
Ärzte und Krankenpfleger zur arabischen Halbinsel
entsenden. Liefert Geräte wie Kühlschränke und
Klimaanlagen, um die befreundeten Truppen am Golf
vor der Hitze der Wüste zu schützen. Finanziert das
Chartern nichtjapanischer Flugzeuge und Schiffe, die
Nachschub und Helfer, militärische Ausrüstung und
Soldaten an den Golf transportieren. Leistet der
Türkei, Ägypten und Jordanien finanzielle Hilfe, um
wirtschaftliche Härten auszugleichen, die durch Maßnahmen gegen die irakische Invasion in Kuwait hervorgerufen wurden. Leistet einen Beitrag von zunächst 10
Millionen Dollar für die Versorgung kuwaitischer Flüchtlinge in Jordanien. Veröffentlicht am 5. September
1990 gemeinsam mit der Sowjetunion eine Erklärung,
mit der die Aufforderung an den Irak ergeht, alle
ausländischen Geiseln freizulassen und seine Truppen aus Kuwait abzuziehen.

Guatemala

Jemen

Verbietet Exporte nach und Importe aus dem Irak,
stoppt alle finanziellen Transaktionen, Zahlungen und
Kredite an den Irak und Kuwait.

Hält die UNO-Sanktionen gegen den Irak ein.

Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UNO-Resolutionen gegen den Irak.
Waffenembargo.
Costa Rica
In Unterstützung der UNO-Resolutionen gegen den
Irak verurteilt Costa Rica den irakischen Einmarsch in
Kuwait, die Annexion Kuwaits und die irakische Anordnung zur Schließung der Botschaften.
Cote d'lvoire
Öl- und Handelsembargo.
Gambia

Haiti
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Honduras
Lehnt die irakische Invasion in Kuwait ab und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.
Hongkong
Friert irakische und kuwaitische Vermögenswerte ein.
Indien

Jordanien
Beteiligt sich an den UNO-Sanktionen gegen den Irak.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNOResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus, jedoch unter "Vorbehalten".
Katar
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Katar die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den Abzug der Invasionstruppen.
Stimmt zu, der multinationalen Streitmacht seine militärischen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen.

Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Premierminister Singh erklärt, Indien werde zu seiner
in den Vereinten Nationen gegebenen Zustimmung zu
Wirtschaftssanktinoen gegen den Irak stehen.

Vizepräsidentschaft des UNO-Sanktionsausschusses,
der die Einhaltung der Sanktionen überwacht.

Indonesien

Korea (Rep.)

Einstellung des Handels mit dem Irak, Ölembargo.

Waffen- und Ölembargo, Einstellung des Handels außer

AMERIKA DIENST 38

Kolumbien

Seite 7

�mit Gütern für medizinische oder humanitäre Zwecke.

Neuseeland

Kuba

Verbot von Exporten in den Irak, geplantes Verbot der
Importe. Umleitung der Nahrungsmittellieferungen,
die sich auf dem Weg in den Irak befinden. Ölembargo,
friert irakische Vermögenswerte ein. Stellt den Vereinten Nationen für den Einsatz am Golf zwei Transportflugzeuge zur Verfügung. Spendet Milchpulver für
Flüchtlinge aus Irak und Kuwait. Bietet dem Internationalen Roten Kreuz eine zivile medizinische Versorgungseinheit für den Einsatz in Saudi-Arabien an.

Befolgung der UNO-Sanktionen gegen den Irak.
Libanon
Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNOResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus.
Macao

Nicaragua

Befolgt die UNO-Sanktionen.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.

Malaysia

Nigeria

Unterstützt die UNO-Resolution über Sanktionen gegen
den Irak. Wird seine Maßnahmen mit den Sanktionen
abstimmen, friert kuwaitische Vermögenswerte ein.
Wird die Ölproduktion auf 10 000 Barrel pro Tag
steigern, um den Bedarf der Länder zu decken, die von
irakischem und kuwaitischem Öl abhängen. Spendet
für die Flüchtlingshilfe in Jordanien Nahrungsmittel im
Wert von 100 000 Dollar.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwaits und forciert
den Truppenabzug, plant eine Steigerung der ölförderung um 200 000 Barrel pro Tag (vorbehaltlich der
Zustimmung anderer OPEC-Staaten).

Malediven
Fordern den Abzug irakischer Truppen aus Kuwait.

Oman
Die omanische Botschaft in Kuwait bleibt geöffnet, und
das Sultanat erkennt die irakische Besetzung Kuwaits
in keiner Weise an. Oman hat der Arabischen Liga und
den UNO-Resolutionen seine Unterstützung versichert, verurteilt die irakische Invasion und fordert den
Abzug der Invasionstruppen.

Mauritius
Pakistan
Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits, fordert den Abzug der Invasionstruppen und die
Freilassung aller Ausländer im Irak und in Kuwait.
Unterstützt und befolgt die Resolutionen des UNOSicherheitsrats zum Irak und hat konkrete Maßnahmen ergriffen, um alternative Versorgungsquellen von
bisher aus Kuwait importiertem Öl zu sichern.
Marokko
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNOResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Hat Truppen nach Saudi-Arabien entsandt und beteiligt sich damit an der multinationalen
Streitmacht. Weist zwei irakische Beamte aus Marokko aus, als Vergeltung für die irakische Entscheidung
zur Schließung der marokkanischen Botschaft in Kuwait
und die Festsetzung seiner Diplomaten im Irak.
Mexiko
Plant die Steigerung der Ölförderung um 100 000
Barrel pro Tag in den nächsten zwei Monaten.
Nepal

Bekundet seine Absicht zur Durchführung der UNOSanktionen gegen den Irak. Entsendet ein Kontingent
von 1 800 Soldaten seines Heeres nach Saudi-Arabien, unter anderem ein verstärktes Infanteriebataillon
und ein provisorisches Unterstützungsbataillon.
Panama
Unterstützt Sanktionen. Verbietet Handelsschiffen die
Ladung oder Entladung jeder Art von Waren aus dem
Irak oder Kuwait. Die Bankaufsichtsbehörde hat Vorschriften für die Behandlung irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte veröffentlicht. Der irakischen
Schiffahrt wird die Durchquerung des Panamakanals
gestattet.
Papua Neuguinea
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits aufs schärfste
und unterstützt die UNO-Resolutionen, mit denen die
Souveränität und Integrität Kuwaits wiederhergestellt
werden sollen.
Paraguay
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.

Seite 8

AMERIKA DIENST 38

�Philippinen
Erkennen den bindenden Charakter der Sanktionen
an, Ölembargo.
Salomonen
Führen Wirtschaftssanktionen gegen den Irak durch.
Saudi-Arabien
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats hat Saudi-Arabien die irakische Invasion in
Kuwait verurteilt und den Abzug der Invasionstruppen
gefordert. Es erging die Bitte an die Vereinigten
Staaten und andere Länder um Unterstützung zur
Verteidigung Saudi-Arabiens. Plant die Ankurbelung
der Ölförderung, um die Ausfälle im Irak und in Kuwait
auszugleichen. Weist einen irakischen Tanker ab, der
an einem saudischen Hafen im Roten Meer anlegen
wollte. Stellt 60 Millionen Dollar für Flüchtlingshilfe zur
Verfügung. Will die im Land entstehenden Kosten der
auf saudischem Territorium stationierten US-Soldaten
übernehmen, unter anderem für Treibstoff, Wasser,
Transport sowie andere Kosten.
Senegal

chen Schritte unternehmen, um die Bestimmungen
der Resolution einzuhalten", die Wirtschaftssanktionen gegen den Irak fordern.
Sudan
Der Sudan "zollt der Charta der Vereinten Nationen
Respekt und bekundet seine Verpflichtung zu den
Resolutionen" 660, 661, 663 und 665.
Surinam
Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits. Führt die UNO-Resolutionen 661 und 665
ebenso durch wie das Wirtschafts- und Finanzembargo gegenüber dem Irak.
Syrien
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNOResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Syrien unterhält 4 000 Soldaten der
Bodentruppen in Saudi-Arabien und den Vereinigten
Arabischen Emiraten als Teil der multinationalen Streitmacht. Zusätzlich werden 10 000 Soldaten und 300
Panzer entsandt.

Gewährt seine "vorbehaltlose Zustimmung" zu den
Maßnahmen, die Saudi-Arabien und andere Golfstaaten zum Schutz ihrer Sicherheit gegen eine mögliche
irakische Aggression unternommen haben. Plant die
Entsendung von Truppen nach Saudi-Arabien.

Taiwan

Simbabwe

Bekundet seine Ablehnung der irakischen Invasion in
Kuwait und fordert den unverzüglichen Abzug der
Invasionstruppen.

Stellt den Handel mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait ein, setzt alle bilateralen Abkommen mit dem
Irak außer Kraft, unter anderem das Sechsjahresabkommen über Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Abkommen über kulturelle, technische
und bildungspolitische Zusammenarbeit. Die Maßnahmen bleiben in Kraft bis sich der Irak aus Kuwait
zurückzieht.
Singapur
Verbietet Exporte nach und Importe aus dem Irak und
aus Kuwait. Allen Banken und Finanzinstitutionen wird
der Transfer irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte ohne vorherige Zustimmung der Finanzbehörden in Singapur verboten. Transaktionen der legitimen
Eigentümer kuwaitischer Vermögenswerte, die bestimmte Kriterien erfüllen, sind erlaubt. Die Reeder in
Singapur wurden instruiert, sich an die UNO-Sanktionen zu halten. Die Hafenbehörde von Singapur sperrt
alle Schiffe unter irakischer Flagge aus.

Spricht sich für die Unterstützung der UNO-Sanktionen gegen den Irak aus, Ölembargo.
Tansania

Togo
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Trinidad/Tobago
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die
UNO-Resolutionen 660, 661 und 662.

Tunesien
Fordert den Abzug irakischer Truppen aus Kuwait.
Uruguay
Präsident LaCalle verhängt ein Dekret zur Durchführung der UNO-Sanktionen gegen den Irak. "Kompetente Behörden" werden instruiert, die effektive Durchführung der Sanktionen zu gewährleisten.

Sri Lanka

Vereinigte Arabische Emirate

In einem Brief an den Generalsekretär der Vereinten
Nationen hat die Regierung Sri Lankas betont, sie sei
sich "ihrer Verpflichtungen gemäß der Charta der
Vereinten Nationen bewußt und wird alle erforderli-

Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrates verurteilen die Vereinigten Arabischen
Emirate die irakische Invasion in Kuwait und fordern
den Abzug der Invasionstruppen. Gewähren den US-

AMERIKA DIENST 38

Seite 9

�Truppen Zugang zu militärischen Einrichtungen. Ver- Venezuela
hindern das Anlegen eines irakischen Tankers im
Hafen von Dubai, um die UNO-Sanktionen gegen den Wird die UNO-Sanktionen gegen den Irak unterstützen. Plant die Steigerung der ölförderung um 400Irak zu unterstützen.
500 000 Barrel pro Tag, wobei Konsultationen mit den
OPEC-Staaten stattfinden.
Vanuatu
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und forciert
den Abzug der Invasionatruppen. Erklärt die vollständige Einhaltung aller UNO-Sanktionen gegen den Irak.

* *

Seite 10

AMERIKA DIENST 38

�NATO
26. September 1990

TAFT ERÖRTERT EUROPÄISCHE
SICHERHEITSSTRUKTUR
Rede von Botschafter Taft bei der NATO
BRÜSSEL- (AD) - Im Rahmen der Konferenz "Atlantische Sicherheit: Die NATO im Umbruch" hielt der Ständige
Vertreter beim Nordatlantikrat, Botschafter William Taft, am 20. September 1990 eine Rede über die Aufgaben
der NATO in einer sich verändernden Welt und legte in diesem Zusammenhang die Bedingungen einer neuen
Sicherheitsstruktur für Europa dar. Die Konferenz wurde unter anderem veranstaltet von der US-Vertretung bei
der NATO, dem Stabschef des Heeres und dem Institut für Nationale Strategische Studien an der National
Defense University.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Tafts Rede im Wortlaut.

Gemeinsam mit Generalsekretär Wörner möchte ich
Sie zur sechsten Jahrestagung der Institute für Strategische Studien willkommen hei ßen, die unter anderem
von der US-Vertretung bei der NATO veranstaltet wird.
Darüber hinaus freue ich mich, daß auch das Büro des
Stabschefs der US-Army und das Institut für Nationale
Strategische Studien an der National Defense University beteiligt sind.
Im vergangenen Jahr hat die NATO voller Hoffnung für
die Zukunft ihr 40jähriges Bestehen gefeiert. Diese
Hoffnungen sind heute weitgehend verwirklicht, auch
wenn wir immer wieder Feuerproben bestehen müssen. Wir haben einen Entwicklungsprozeß durchlaufen. Tatsächlich hat ein Umbruch stattgefunden. Aber
diese Umstrukturierung ist noch nicht beendet. Wir
begrüßen Ihre Beteiligung und Ihren Beitrag bei der
Weiterentwicklung einer Institution, die sich zum Ziel
gesetzt hat, "die Freiheit, das gemeinsame Erbe und
die Zivilisation" unserer Völker zu schützen.
Eindrücke der letzten Jahrzehnte
Heute und morgen sollten wir über die Zukunft sprechen, wie sich die Architektur in Europa darstellen wird
und auf welche Weise sich bestehende und neue
Institutionen an die neuen Zeiten anpassen müssen.
Es könnte dabei von Nutzen sein, sich einige Bilder aus
der Vergangenheit ins Gedächtnis zurückzurufen. Ich
möchte Ihnen einige vor Augen führen, die mir gerade
einfallen.

AMERIKA DIENST 38

Als erstes Bild steht mir Polen im Sommer 1980 vor
Augen. Nach der Entscheidung der Regierung, die
Fleischpreise zu erhöhen, kommt es zu Streiks. Arbeiter in Gdansk und anderen Städten fordern Lohnerhöhungen. Noch vor Ende des Sommers wird Lech
Walesa zum Führer eines Streikkomitees gewählt. Die
Solidarität ist geboren.
Ich erinnere mich auch an ein anderes Bild. Der
gesundheitlich angeschlagene Breschnew, dem Andropow, Tschernenko und 1985 Gorbatschow folgen ein Mann, mit dem wir, wie Margaret Thatcher gesagt
hat, ins Geschäft kommen können.
Das nächste Bild aus meinem Gedächtnis zeigt Washington im Dezember 1987. Reagan und Gorbatschow unterzeichnen den INF-Vertrag - den ersten
Vertrag zwischen Supermächten, mit dem eine ganze
Waffenkategorie beseitigt wird.
Ein Jahr später, im Dezember 1988, schlägt die NATO
eine 50prozentige Reduzierung von Panzern und Artillerie in Europa vor. Gorbatschow spricht bei den
Vereinten Nationen und kündigt den einseitigen Abzug
von 50 000 Soldaten aus Osteuropa an.
Im Mai 1989 feiern westliche Staats- und Regierungschefs beim NATO-Gipfel das 40jährige Bestehen der
NATO und fordern ein Ende der Teilung Europas.
Kurz darauf wird die Geschichte gewaltig beschleunigt, nachdem sich Tausende von DDR-Bürgern, von
Seite 1

�mehr als einem ungewöhnlich warmen September
getrieben, zu einer Verlängerung ihres Urlaubs in
Ungarn entschließen.

Im Dezember 1989 steht Schewardnadse auf der
Schwelle des NATO-Hauptquartiers und verurteilt den
kommunistischen Machthaber Rumäniens für die brutale
Unterdrückung seines Volkes.

aber nicht nur das. Es besteht die Notwendigkeit zu
handeln, um die Situation zu nutzen, die sich uns auf
so dramatische Weise stellt. Und unser Denken, wie
gründlich es auch sein mag, muß sich den Ereignissen
anpassen und berücksichtigen, ob sich eine bestimmte Politik bewährt oder nicht. Im vergangenen Jahr hat
sich angesichts des schnellen Laufs der Geschichte
ein flexibler, pragmatischer Ansatz bewährt, und das
wird auch weiterhin der Fall sein. Wir sollten also bei
allem Nachdenken flexibel bleiben.

Im Frühjahr 1990 kommen die NATO-Verteidigungsminister in Kananaskis überein, daß die Bedrohung
geringer geworden ist und entschließen sich zu einer
Überprüfung der Nuklearpolitik. Bald darauf vereinbaren sie in Brüssel eine Überprüfung der Militärstrategie
und kommen zu dem Schluß, daß die Einsatzbereitschaft verringert werden kann. Beim Außenministertreffen in Turnberry im Juni wird den Mitgliedstaaten
des Warschauer Pakts eine symbolische Hand der
Freundschaft ausgestreckt.

Die Hauptmerkmale unseres Ansatzes für die neue
atlantische Architektur hat Außenminister Baker im
Dezember letzten Jahres in Berlin dargelegt, und sie
finden sich auch im Kommunique des NATO-Ministertreffens wieder, das zur gleichen Zeit stattfand. Wir
betrachten die NATO, die Europäische Gemeinschaft
und die KSZE als wichtigste Institutionen für eine neue
Ordnung auf dem Kontinent, wobei die NATO eine
politischere Ausrichtung haben und die KSZE stärker
institutionalisiert werden soll.

November 1989 - die Berliner Mauer fällt. Das Ende
der Teilung Europas ist in Sicht.

Im Juli 1990 treffen sich die Staats- und Regierungschefs in London. In einer weitreichenden Erklärung
laden sie die Länder Osteuropas und die Sowjetunion
zur Aufnahme normaler diplomatischer Beziehungen
mit der NATO ein. Das Bündnis gelobt, den in Europa
40 Jahre lang genossenen Frieden zu einer Partnerschaft mit früheren Gegnern ausbauen zu wollen. Die
Antwort kommt schnell und fällt positiv aus. Die
Sowjetunion stimmt der Mitgliedschaft eines vereinten
Deutschlands in einer neuen NATO zu.
Am 2. August fällt Saddam Hussein in Kuwait ein. Am
nächsten Tag verurteilt die NATO die Invasion und
nimmt intensive politische Konsultationen auf, die den
ganzen Tag dauern.
Am 12. September unterzeichnen die beiden deutschen Staaten und die Alliierten des Zweiten Weltkriegs einen Vertrag, der die Souveränität eines vereinten Deutschlands wiederherstellt.
Die Umgestaltung der NATO ist im Augenblick unserer
Zusammenkunft bei dieser Konferenz in vollem Gange. Zur gleichen Zeit im letzten Jahr haben wir den
ersten osteuropäischen Teilnehmer bei unserer Jahrestagung begrüßt. In diesem Jahr freuen wir uns,
Wissenschaftler und Regierungsvertreter aus der
Sowjetunion, Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien
und der Tschechoslowakei - und einen Teilnehmer,
der immer noch einen DDR-Pass besitzt - begrü ßen zu
können.
Ein Aktionsplan
Ich habe uns diese Bilder nicht nur vor Augen geführt,
um uns an den schnellen Lauf der Geschichte zu
erinnern, sondern um uns die Möglichkeiten zu vergegenwärtigen, die vor uns liegen. Dies ist eine Zeit, um
besonnene Überlegungen für die Zukunft anzustellen,

Seite 2

Die vom Außenminister geforderte neue, politischere
NATO hat sich in den vergangenen neun Monaten
rasch zu der ganz anderen Institution von heute entwickelt. Sie bleibt grundlegendes Sicherheitsforum für
Nordamerika und Europa, aber auch wenn sie ihren
Mitgliedstaaten in einer immer noch unsicheren Welt
weiterhin kollektive Sicherheit bietet, wird sie doch
zunehmend zum wichtigsten Ort sicherheitspolitischer
Diskussionen zwischen Ost und West.
Auch die EG und die KSZE entwickeln sich weiter,
obwohl ich glaube, mit Fug und Recht sagen zu
können, in weniger dramatischem Tempo als die NATO.
Die Aufgaben, mit denen sich die EG im Hinblick auf
ihre Struktur konfrontiert sieht, sind extrem vielschichtig, und ihre Lösung wird noch einige Zeit beanspruchen.
Diese internen Probleme müssen gelöst werden, bevor
eine weitergehende Definition für das Verhältnis der
EG zum übrigen Europa gefunden werden kann. Dies
kam zumindest teilweise darin zum Ausdruck, daß die
Aufnahme neuer Mitglieder zunächst vertagt wurde.
Wie ich bereits feststellte, unterstützen die Vereinigten

Staaten seit langem und weiterhin einen stärkeren
wirtschaftlichen und politischen Zusammenschluß
Europas. Darüber hinaus unterstützen sie auch eine
sicherheitspolitische Rolle der EG. Insbesondere fördern wir eine sicherheitspolitische Perspektive, die
nach au ßen gerichtet ist und nicht nur Europa, sondern
auch dessen NATO-Partner umfaßt.
Die NATO hat in Europa die Praxis entwickelt und
gepflegt, eine kontinentale Perspektive in die Sicherheitspolitik einzubringen. Im weiteren Verlauf hat sie
darüber hinaus einen nicht unbedeutenden Beitrag zur
Verwirklichung eines vereinten Europas geleistet, wie
es die EG darstellt. In diesem Sinn war die NATO stets

AMERIKA DIENST 38

�eine Ergänzung und kein Konkurrent der EG - und
meines Erachtens wird dieser ergänzende Charakter
auch in Zukunft bestehen bleiben.
Ich möchte die präzise Rolle der EG zu diesem Zeitpunkt nicht definieren - ich möchte hier überhaupt
nichts präjudizieren, sondern nur anregen und prüfen-, aber im Hinblick auf die EG gibt es den weiteren
Grund, daß solche Angelegenheiten besser den Europäern selbst überlassen werden sollten. Ich würde
jedoch eine Evolution der EG im sicherheitspolitischen
Bereich begrüßen, da Europa seine militärische Identität innerhalb des Bündnisses weiterentwickelt.
Auf der anderen Seite verdient die KSZE ein paar
Worte mehr. Die Artikel 21 und 22 der Londoner
Erklärung haben eine ehrgeizige Rolle für die KSZE
definiert, einschließlich jährlicher Treffen der Staatsund Regierungschefs, eines ständigen Sekretariats,
eines Mechanismus' zur Beobachtung von Wahlen,
der Einrichtung eines Zentrums zur Konfliktverhinderung und eines parlamentarischen Gremiums.
Die Vereinigten Staaten stehen voll und ganz hinter
diesem Ansatz zur Stärkung einer Institution. Diese
kann weiterhin die sicherheitspolitische Rolle der NATO
ergänzen, indem sie Mittel und Wege zur Förderung
von Dialog und Zusammenarbeit zwischen den Unterzeichnern der KSZE-Schlußakte bereitstellen kann.
Darüber hinaus kann sie die Prinzipien der Schlußakte
in die Praxis umsetzen, da wir die vergangene politische Teilung Europas überwinden.
Ausblick in die Zukunft
Wir haben Sie natürlich hierher eingeladen, um nach
vorne zu blicken, nicht zurück. Was den Blick in die
Zukunft angeht, so bin ich optimistisch für Europa und
die Welt.
Selbst angesichts der Herausforderung für den Westen am Golf, wer kann sich an einen solch hoffnungsvollen Augenblick erinnern? An eine Zeit, in der die
Institutionen, die für Stabilität in der Welt sorgen,
zielbewußter und effizienter zusammengearbeitet hätten:
UNO, NATO, EG und WEU. Dies ist auch eine Zeit, in
der Europa bald ungeteilt und frei sein wird.
Unser Erfolg bei der Schaffung einer dauerhaften,
stabilen weltweiten Sicherheitsstruktur wird nur von
unserer Vorstellungskraft begrenzt. Um uns dabei zu
helfen, die Angewohnheiten der Vergangenheit und
bürokratische Trägheit abzustreifen, laden wir Sie
dazu ein, diese Phantasie hier bei dieser Konferenz mit
einem Plan für die Zukunft anzuregen.
Dieser Plan sollte meines Erachtens folgende Elemente umfassen:
Eine stärkere europäische Rolle in der Sicherheitspolitik;

AMERIKA DIENST 38

aktive, auf Konsultation gegründete Beziehungen mit den Staaten Osteuropas;
regelmäßige Konsultationen mit den anderen
demokratischen Industriestaaten, einschließlich
Japans;
die Entwicklung eines Konsenses über die
Behandlung von Bedrohungen außerhalb des
Bündnisgebiets;
verbesserte Zusammenarbeit bei militärischer
Forschung, Entwicklung und Beschaffung;
Verbesserung des Krisenmanagements der
NATO.
Obwohl es mir zeitlich nicht gestattet ist, auf diese
Elemente im einzelnen einzugehen, bin ich zuversichtlich, daß Sie sie während Ihrer Gespräche nicht außer
acht lassen werden. Ich möchte gleichwohl zwei
dieser Bereiche kurz erörtern.
Erstens, Konsultationen mit den Ländern Osteuropas.
Seit dem Londoner Gipfel hat das Bündnis zur Förderung der Verpflichtung, normale diplomatische Verbindungen zu diesen Staaten herzustellen, mehrmals
osteuropäische Vertreter ins NATO-Hauptquartier
eingeladen. Darüber hinaus hat die amerikanische
Vertretung zu verschiedenen Anlässen Informationsgespräche angeboten, und dasselbe trifft auch auf
andere Missionen zu. Wir erwarten, daß die NATO in
Zukunft ihre Kontakte ausweiten wird, obwohl wir zum
gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sicher sind, wie weit
und wie schnell dies gehen wird. Das wird teilweise
von unseren Gesprächspartnern abhängen.
Ich hoffe jedoch, daß wir zumindest weit über den
Gedanken hinausgehen, diese neuen Freunde lediglich über die wichtigsten Entwicklungen auf dem laufenden zu halten. Diese Verbindungen dienen sicherlich einem weitergehenden Zweck - in Kontakt zu
bleiben, bevor wichtige Schritte unternommen werden
und aus Konsultationen mit unseren Gesprächspartnern Nutzen zu ziehen, bevor Entscheidungen gefällt
werden.
Das erscheint mit jedenfalls als Zweck solcher Verbindungen - die Entwicklung eines echten Dialogs über
europäische Sicherheitsfragen, die uns ebenso sehr
angehen wie die Staaten, mit denen wir nun kooperieren möchten, anstatt gegeneinander zu arbeiten. In
diesem Geist möchte ich erklären, wie sehr wir die
Beiträge der hier anwesenden osteuropäischen und
sowjetischen Teilnehmer begrüßen. Ihre Beteiligung
wird uns helfen, eine gemeinsame Zukunft zu schaffen.
Ich möchte darüber hinaus kurz auf die Konsultationen
mit anderen Nicht-NATO-Staaten eingehen. Wie Sie
wissen, haben die US-Mission und die NATO dieses

Seite 3

�Frühjahr eine große japanische Delegation zu einer
Konferenz über weltweite Sicherheitsfragen eingeladen. Es war die erste Veranstaltung ihrer Art. Es mag
ein Klischee sein, von einer kleiner werdenden Welt zu
sprechen, aber die Ereignisse am Golf erinnern uns
heute daran, daß wir global betrachtet verletzlich sind
und daß wir weltweite Pflichten haben.
Im Zuge der Umstrukturierung der NATO erscheint es
mir notwendig, daß ihre Vision über die traditionelle
Rolle hinaus erweitert werden muß. Wir müssen über
den Atlantik hinausgehen, um die gewonnene und
bewahrte Freiheit aufrechtzuerhalten. Wir sollten Japan
und andere demokratische Industriestaaten in unsere
Diskussionen über die Weltsicherheit einbinden. Deshalb
begrüße ich die japanische Vertretung bei dieser
Konferenz.
Schluß
Abschließend möchte ich sagen, daß wir eine Sicherheitsstruktur in Europa anstreben, die Probleme bei
ihrer Entstehung lösen kann, bevor sie sich zu Krisen
entwickeln. Wir streben Freiheit in Stabilität an. Und
was wir für diese Stabilität benötigen, ist eine veränderte NATO, wie sie sich nun entwickeln muß, eine

*

Seite 4

*

gestärkte und umfassend integrierte EG sowie einen
KSZE-Prozeß, der selbst die seit Helsinki erzielten
beträchtlichen Errungenschaften übertrifft.
Ich habe vorgeschlagen, wir sollten uns nicht zu ausführlich mit der Definition von Grenzen und Funktionen
zwischen diesen Institutionen beschäftigen, die in diesen
neuen Zeiten noch vielfach unerprobt sind. Wir können die Freiheit nicht dadurch gewährleisten, daß wir
unseren Horizont beschränken. Ebenso wenig können wir die Stabilität garantieren, indem wir starre
Formen anordnen. Stattdessen streben wir eine reiche, locker miteinander verbundene und dynamische
Beziehung zwischen diesen Institutionen an - ein System,
das Erschütterungen abfedern kann.
Wir sollten mit dem gelegentlichen Ausfall einer Komponente, die sich einer bestimmten Aufgabe widmet,
rechnen und gleichzeitig die Integrität des Ganzen
gewährleisten. Mit Logik können wir nur einen Anfang
machen, das Ziel werden wir durch Erfahrung erreichen.
Alle Ihre Beiträge - planerische Modifikationen, strukturelle Verbesserungen, erweiterte Funktionen - sind
willkommen und werden sorgfältig geprüft werden.

*

*

AMERIKA DIENST 38

�I W F/ W E LT BANK
26. September 1990

VEREINIGTE STAATEN PRÜFEN LINDERUNG DER
SCHULDENLAST FÜR ÄRMERE LÄNDER
Rede von Finanzminister Brady beim Gemeinsamen
Entwicklungsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Dem US-Finanzminister Nicholas Brady zufolge werden die Vereinigten Staaten
zusätzliche Optionen prüfen, um die Schuldenlast der Entwicklungsländer zu lindern, "einschließlich der
jüngsten Vorschläge über Hilfe für die ärmsten Länder".
In einer Rede - die der Unterabteilungsleiter im Finanzministerium, John Niehuss, am 24. September 1990 in
Bradys Namen beim Gemeinsamen Entwicklungsausschuß des Internationalen Währungsfonds und der
Weltbank hielt - forderte Brady unter anderem Brasilien auf, "seine Zahlungsrückstände bei den Geschäftsbanken zu bewältigen und ein IWF-Programm zu verabschieden", um "eine solide Grundlage für Verhandlungen mit
den Gläubigerbanken zu schaffen".
Der Finanzminister forderte die Weltbank auf, eine aktivere Rolle bei der Entwicklung des Privatsektors zu
übernehmen. Er appellierte ferner an Sie, neue Programme zum besseren Schutz der tropischen Regenwälder
zu entwickeln.

Nachfolgend veröffentlichen wir Bradys Rede im Wortlaut.

Einführung
Beim Frühjahrstreffen des Entwicklungsausschusses
habe ich vorgeschlagen, daß der Ausschuß bei dieser
Tagung das Problem der Förderung des Privatsektors
anspricht, weil dieser Frage im Prozeß der Gesamtentwicklung entscheidende Bedeutung zukommt. Ich
danke dem Vorsitzenden und den Mitgliedern für ihre
Bereitschaft zur Erörterung dieses Themas. Ich möchte
diese Gelegenheit ergreifen, um die Auffassung der
Vereinigten Staaten darzulegen, welche Rolle die
Weltbankgruppe und der IWF zu Beginn der neunziger
Jahre bei der Förderung des Privatsektors spielen
können. In diesem Zusammenhang möchte ich auch
den Stand der verbesserten Schuldenstrategie und
Umweltprobleme ansprechen.
Privatsektor
Ich denke, wir sind uns einig, daß der Privatsektor eine
entscheidende Rolle im Prozeß der Entwicklung spielen muß. Wir stimmen wohl auch überein, daß wir die
Rolle der Weltbankgruppe stärken müssen, wenn es

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darum geht, den Privatsektor in Entwicklungsländern
zu fördern. Tatsächlich fordert das im Frühjar 1990
veröffentliche Kommunique "die Weltbankgruppe und
den Fonds auf, ihre Bestrebungen zur Förderung der
Entwicklung des Privatsektors weiter auszubauen".
Das Kommunique verweist ferner darauf, daß "Mitglieder die Bank beauftragten, bei ihrer Vorgehensweise der Entwicklung des Privatsektors hohe Priorität
einzuräumen, den Umfang ihrer Maßnahmen in diesem Bereich zu erweitern, und sich dabei gegebenenfalls neuer Ansätze und Instrumente zu bedienen..."
Wir wünschen uns, daß Weltbank und IWF diesem
Mandat ernsthaft und schnell entsprechen. Wir unterstützen nach wie vor die Arbeit beider Institutionen,
wünschen uns aber eine stärkere Förderung der Entwicklung des Privatsektors.
Die Aufgabe des IWF besteht darin, einen Grundstein
zu legen, indem er einzelnen Ländern hilft, ein solides
makroökonomisches Umfeld zu schaffen, in dem die
marktorientierte Entwicklung des Privatsektors gefördert und nicht durch unangemessene staatliche Politik
vereitelt wird.
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�Im Einklang mit dem in diesem Kommunique festgelegten Mandat für die Weltbank würde ich es begrüßen, wenn die Entwicklung des Privatsektors in den
neunziger Jahren Vorrang bei der Arbeit der Weltbank
hätte. Dieser Schwerpunkt würde die Impulse aus
Osteuropa, Lateinamerika und anderen Ländern aufgreifen, als effektivstes Mittel zur Gewährleistung wirtschaftlichen Wohlstands Volkswirtschaften zu öffnen
und privates Unternehmertum zu fördern. Das Papier
des Entwicklungsausschusses zum Privatsektor stellt
die Frage, ob die Weltbankgruppe in den Bereichen
eine aktive Role bei der Förderung des Privatsektors
spielen sollte, in denen der Staat dominiert. Diese
Frage kann mit einem klaren Ja beantwortet werden.
Dennoch müssen wir mehr tun als nur die Bedeutung
des Privatsektors anzuerkennen. Wir müssen Maßnahmen ergreifen, die sicherstellen, daß die Weltbankgruppe bei der Förderung des Privatsektors einen
umfassenden und schlüssigen Ansatz verfolgt. Darüber hinaus muß es eine eindeutige Leitung geben, die
den innerhalb der Weltbankgruppe vorhandenen umfangreichen und ergiebigen Schatz der Ressourcen
und Instrumente koordiniert und sichtbar macht. Die
Bank könnte unter anderem folgende Maßnahmen
ergreifen, um dem Privatsektor größere Priorität einzuräumen und innerhalb ihrer Organisation die Vorgehensweise zu verbessern:
Sie könnte den Aktionsplan zur Entwicklung des
Privatsektors bestätigen und energischere
Schritte zu seiner Durchführung ergreifen, so
daß die Belange des Privatsektors in allen Bereichen der Weltbank berücksichtigt werden.
Sie könnte die Auswirkungen der bestehenden
Aktivitäten der Bank auf dem Privatsektor durch
bessere Koordination von Programmen der Internationalen Finanz-Korporation (IFC), der
Multilateralen
Investitionsgarantie-Agentur
(MIGA), des Beratungsdienstes für Auslandsinvestitionen (FIAS) und eigener Kreditvergabeaktivitäten der Bank maximieren.
Stärkere Betonung des Privatsektors bei den
Forschungsarbeiten sowie der makroökonomischen und sektoralen Tätigkeit der Bank.
Stärkung und Beschleunigung von Programmen, einschließlich einer stärkeren Betonung
von Krediten für den Investitionssektor, mit denen
Hemmnisse abgebaut und ein Klima geschaffen
wird, das privaten Investitionen im In- und Ausland
förderlich ist. Damit würde Präsident Bushs
Initiative "Enterprise for the Americas" sowie
die von der Interamerikanischen Entwicklungsbank im Bereich Investitionsreformen geleistete
Arbeit ergänzt.
Verbesserung von Effizienz und internationaler
Wettbewerbsfähigkeit der Finanzsektoren und

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Kapitalmärkte der Entwicklungsländer, um im
Inland angelegte Ersparnisse wirksamer zu
mobilisieren und für internationale Anlagen attraktiv zu werden, die zur Finanzierung von
Investitionen und Wachstum des Privatsektors
erforderlich sind.
Überprüfung des Humankapitals der Bank, um
einen qualifizierten Mitarbeiterstab mit solider
Erfahrung im Privatsektor und wirtschaftlichen
Fachkenntnissen aufzubauen.
Verstärkte Konzentration auf Maßnahmen des
Privatsektors in den länderspezifischen Kreditvergabestrategien der Bank. Es muß sichergestellt werden, daß bei Gesprächen des zuständigen Ausschusses die Entwicklung des Privatsektors angemessen berücksichtigt wird, und
zwar systematisch über die ganze Bandbreite
der Programme der Weltbankgruppe.
Schritte, mit denen sichergestellt wird, daß die
Kreditvergabe der Bank die Entwicklung privater Märkte nicht durch subventionierte Kredite
oder eine Verfestigung nicht konkurrenzfähiger
öffentlicher Unternehmen untergräbt.
Förderung der Privatisierung öffentlicher Unternehmen und Einstellung der Unterstützung für
Industrien im Staatsbesitz in Bereichen, in denen
der Privatsektor solche Dienste erfüllen kann.
Die IFC sollte in diesem Bereich eine aktivere
Rolle spielen. (Die Kreditvergabe der Bank ist
häufig dazu benutzt worden, die Effizienz staatlicher Unternehmen zu verbessern, ohne den
letzten Schritt einer Überleitung dieser Unternehmen in private Hände zu tun.)
Überprüfung der Kreditvergabe der Bank an
Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen (DFIs),
wobei eine stärkere Beteiligung der IFC berücksichtigt werden muß.
Berücksichtigung der Interessen des Privatsektors bei Weltbankmissionen durch verstärkte
Kontakte der Weltbankmitarbeiter.
Fortsetzung der bereits angelaufenen Gespräche über den Schwerpunkt der IFC-Maßnahmen und ihren Kapitalbedarf in den neunziger
Jahren.
Dies sind nur einige Vorschläge. Ich fordere die Bank
und den Fonds auf, jetzt in diesem Bereich zu handeln.
Schulden
Darüber hinaus sind starke Privatsektoren, attraktive
Investitionsregelungen und die Rückkehr privaten
Fluchtkapitals unerläßlich, damit die Entwicklungsländer ihre Schuldenlast bewältigen können. Wir sind
erfreut über die Fortschritte, die im Rahmen der inter-

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�nationalen Schuldenstrategie erzielt wurden und plädieren dafür, sie weiterzuverfolgen.
Im vergangenen Jahr haben sechs Länder ihre Reformbemühungen intensiviert und im Rahmen der
verbesserten Schuldenstrategie Abkommen mit den
Handelsbanken geschlossen. Mehrere andere Länder
- darunter Bolivien, Ecuador, Polen und Uruguay haben Gespräche mit den Handelsbanken aufgenommen. Wir ermutigen sie zum baldigen Abschluß von
Vereinbarungen. Die Maßnahmen Brasiliens zur
Bewältigung seiner Zahlungsrückstände bei den Handelsbanken und zur Verabschiedung eines IWF-Programms werden ebenfalls eine solide Grundlage für
Verhandlungen mit den Gläubigerbanken schaffen.
Die Kombination von Reduzierung der Schulden bei
den Handelsbanken und wichtigen Wirtschafts- und
Investitionsreformen haben in mehreren Ländern zu
beachtlichen Ergebnissen geführt. Mexiko, Chile und
Venezuela ernten bereits die Früchte in Form neuer
Investitionszuflüsse.
Darüber hinaus tragen wir den Bedürfnissen von Staaten Rechnung, die hauptsächlich bei staatlichen Gläubigern verschuldet sind. Die amerikanische Initiative
"Enterprise for the Americas" wird einen drastischen
Abbau von Schulden derjenigen lateinamerikanischen
und karibischen Länder gegenüber den Vereinigten
Staaten zur Folge haben, die einschneidende Wirtschafts- und Investitionsreformen einleiten. Die Initiative wird ferner die Erweiterung des Handels ermutigen
und den Schutz der Umwelt unterstützen. Ebenso begrü ßen wir die jüngste Vereinbarung des Pariser Clubs
über die Verlängerung von Fälligkeiten und Umschuldungsaktionen für hochverschuldete Länder mit niedrigem mittlerem Einkommen. Wir engagieren uns
darüber hinaus für die Untersuchung weiterer Optionen zur Bewältigung der Schuldenlast, einschließlich
jüngster Vorschläge zur Hilfe an die ärmsten Staaten.
Zahlungsrückstände bei den multilateralen Entwicklungsbanken
Wir danken der Weltbank sowie der Afrikanischen,
Asiatischen und Interamerikanischen Entwicklungsbank für das Papier über Maßnahmen und Verfahren
zur Behandlung von Zahlungsrückständen bei den
multilateralen Entwicklungsbanken. Die Vereinigten
Staaten haben einige Vorschläge zur Verbesserung
von Maßnahmen der Weltbank im Hinblick auf die
Zahlungsrückstände unterbreitet und hoffen, daß diese Angelegenheit weiterverfolgt wird.
Umwelt
Zum Thema Umwelt beglückwünschen wir den Bankvorstand zum ersten Jahresbericht über die Umwelt.
Dieser Bericht ist umfassend. Er belegt eindeutig, daß
die Bank in einer zunehmenden Zahl von Bereichen
Fortschritte erzielt hat und bei der Bewältigung von
Umweltproblemen immer aktiver und effektiver wird.
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Über die Durchführung von Analyseverfahren zur
Schadwirkung von Stoffen sowie die Aufstockung an
Personal und intensivierte Ausbildung zur Bearbeitung
von Umweltfragen sind wir besonders erfreut.
Wir würden es begrüßen, wenn die Bank bei der
Erarbeitung neuer Programme zum besseren Schutz
der tropischen Regenwälder eine wesentlich aktivere
und innovativere Rolle spielen würde:
bei der Reform und Verbesserung der Aktionsplans zu tropischen Regenwäldern,
bei der Überarbeitung ihrer eigenen Maßnahmen, so daß Erhaltung und Gründung von Institutionen größere Aufmerksamkeit gewidmet wird,
bei der Entwicklung von Normen zur Bewertung
von Projekten, die negative Auswirkungen auf
tropische Regenwälder haben könnten,
bei der unverzüglichen Erarbeitung eines umfassenden Pilotporgramms in Brasilien, und
bei häufigerem Schuldennachlaß als Ausgleich
für die Erhaltung tropischer Regenwälder.
Ferner vertreten wir die Auffassung, daß die Bank
Energiesparprogrammen im kommenden Jahr höhere
Priorität einräumen sollte. Neues Personal mit besonderer Erfahrung und Fachwissen in diesem Bereich
sollte eingestellt werden. Das Verwaltungsprogramm
für den Energiesektor sollte im Hinblick auf eine Betonung der Minimalkostenplanung in den Schuldnerländern und umfassendere Anwendung erneuerbarer
Ressourcen neu belebt und verbessert werden. Diese
Aktivitäten sollten sich entschieden wirksamer in den
Darlehensprogrammen der Bank niederschlagen.
Es herrscht weitgehende Übereinstimmung über die
Notwendigkeit, beim Schutz von Wäldern und der
Förderung von Energiesparmaßnahmen raschere
Fortschritte zu erzielen. Beim Wirtschaftsgipfel in
Houston maßen die Staats- und Regierungschefs diesen
Bereichen hohe Priorität bei. Wir fordern die Bank auf,
einen Bericht über ihre Fortschritte in diesen zwei
Bereichen zu erarbeiten und ihn bei unserer
Frühjahrstagung zur Disposition zu stellen.
Schlußbemerkung
Abschließend möchte ich meinen Appell an die Weltbankgruppe und den IWF wiederholen, ihre Bemühungen auf dem Privatsektor zu intensivieren und den
Privatsektor zum Schlüsselthema der neunziger Jahre
zu machen. Die Bank hat mit ihrem Aktionsplan zur
Entwicklung des Privatsektors einen Anfang gemacht,
aber es muß noch mehr getan werden, um sicherzustellen, daß das Ziel der Entwicklung des Privatsektors
systematisch und automatisch in alle Bankaktivitäten
integriert wird. Hiermit habe ich einige Bereiche angesprochen, denen die Bank vermehrte Aufmerksamkeit
widmen könnte. Ich hoffe, dieser Ausschuß, die Bank
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�und der Fonds werden andere spezifische und innovative Wege aufzeigen, um die Entwicklungsbestrebungen der Weltbankgruppe für den Privatsektor zu verbessern.

Zum Thema Umwelt beglückwünsche ich die Bank zu
der von ihr bisher geleisteten Arbeit und fordere sie auf,
mehr zu tun, insbesondere in den Bereichen Schutz
der tropischen Regenwälder und Energieeinsparung.

Im Hinblick auf die Schuldenprobleme müssen wir
weiterhin zusammenarbeiten, um die Schuldenlast der
Entwicklungsländer weiter zu reduzieren.

* * * * *

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�OSTEU ROPA
26. September 1990

INITIATIVEN DES PRÄSIDENTEN FÜR
MITTEL- UND OSTEUROPA
Der neueste Stand
Die US-Regierung hat zur Förderung von Demokratie und freier Marktwirtschaft in Mittel- und Osteuropa
beispiellose Initiativen für den öffentlichen und den Privatsektor ins Leben gerufen. Die nachfolgend veröffentlichte neueste Ausgabe der Reihe "Focus on Central and Eastern Europe", die über den neuesten Stand dieser
Initiativen berichtet, wurde am 7. September 1990 vom US-Außenministerium herausgegeben.

Bulgarien
Rechtsstaatlichkeit

Ein Seminar für Führungskräfte

Am 1. August 1990 trafen sich fünfzig Juristen, Mitglieder der internationalen Vereinigung für Menschenrechtsgesetzgebung, zu Gesprächen über amerikanische Hilfe bei der Erarbeitung rechtsstaatlicher Grundlagen für Mittel- und Osteuropa. Den Vorsitz dieser
Gespräche führten der Abteilungsleiter für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten, Richard
Schifter, und der Stellvertretende Leiter des US-Informationsamtes (USIA), Walter Raymond. Beide Vorsitzende betonten die Notwendigkeit zur Förderung
besonderer Bedürfnisse der Länder Mittel- und Osteuropas. Darüber hinaus wiesen sie darauf hin, daß
Verfassungsgesetze, Strafrecht und Verwaltungsrecht
vorrangig bearbeitet werden sollten.

Die USIA-Außenstelle in Sofia und das bulgarische
Ministerium für au ßenwirtschaftliche Zusammenarbeit
veranstalteten vom 28. Mai bis 8. Juni 1990 ein Seminar für Führungskräfte, an dem vier Wirtschaftsexperten aus den Vereinigten Staaten und 35 Vertreter aus
der bulgarischen Industrie teilnahmen.

Journalisten untersuchen die amerikanische freie
Presse
Fünfzehn Journalisten aus Mittel- und Osteuropa haben
an einem von USIA und den amerikanischen Zeitschriftenverlegern geförderten Austauschprogramm
teilgenommen. Sie haben ein zehnwöchiges Praktikum in den Zeitschriftenredaktionen der führenden
Verlagshäuser in New York absolviert, wo sie die
Arbeit der amerikanischen freien Presse aus erster
Hand kennenlernen konnten. Zum Abschluß ihres
Programms trafen die Journalisten in Washington den
Direktor von USIA, Bruce Gelb, und hochrangige
Vertreter von National Endowment for Democracy,
U.S. News and World Report und National Geographie.

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Ungarn
Ungarische Parlamentarier besuchen die Vereinigten
Staaten
Sechs ungarische Parlamentarier besuchten im August mit einem USIA-Stipendium die Vereinigten Staaten, um dort etwas über Kommunalverwaltungen zu
lernen. USIA-Vertreter informierten die Gruppe über
die Bedeutung, die der Stärkung der Kommunalverwaltung in Mittel- und Osteuropa von der US-Regierung beigemessen wird. Die USIA-Vertreter verwiesen auf den Wunsch der US-Regierung, in Ungarn das
Gegenstück zu dem bereits in Polen mit dem Minister
für die Reform der Kommunalverwaltungen Jerzy
Regulski ins Leben gerufenen Programm zu schaffen.
Polen
Ausbildung von Angestellten im Dienstleistungsbereich
Die polnische Regierung prognostiziert, daß 10 Prozent der Arbeitnehmer bis Ende des Jahres 1990
arbeitslos sein werden. Um den Polen bei der Bewäl-

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�tigung ihrer zahlreichen Probleme im Zusammenhang
mit der Arbeitslosigkeit zu helfen, veranstaltet das USArbeitsministerium ein Ausbildungsprogramm auf freiwilliger Basis für künftige Berater. Es wird in erster
Linie solche Berater ausbilden, die Arbeitslosen als
Anlauf-und Informationsstelle dienen. Zu den Teilnehmern werden Mitglieder der Gewerkschaft Solidarität,
Beamte der Arbeitsämter und ehrenamtliche Helfer
der Kirchen zählen. Ihre Ausbildung wird Probleme
betreffen wie finanzielle Schwierigkeiten, Lebensmittelknappheit, psychischen Stress, Partnerschaftsprobleme, Alkohol- und Drogenmißbrauch, Bedarf des
öffentlichen Nahverkehrs und Arbeitsplatzbeschaffung.
Bei dem Projekt handelt es sich um ein Joint Venture
des Arbeitsministeriums, der AFL-ClOund Union Way
International, und es funktioniert ähnlich wie das Beraterprogramm des Gewerkschaftsdachverbandes AFLCIO, in dessen Rahmen vierzig Jahre lang Freiwillige
in den Vereinigten Staaten ausgebildet wurden. Soeben ist eine Planungsgruppe aus Polen zurückgekehrt,
und die Ausbildung soll bald beginnen.
Technologietransfer bei moderner Bautechnik für
Polen
Als Teil gemeinsamer Bestrebungen des US-Arbeitsministeriums, der dem Dachverband AFL-CIO angeschlossenen Gewerkschaft des US-Baugewerbes und
der Gewerkschaft Solidarität wurde in Praga (einem
Vorort von Warschau) ein neues Ausbildungszentrum
für Bauberufe errichtet. Im Zentrum wird auf der Basis
des Technologietransfers für Bauberufe ausgebildet.
Die erste Phase des Programms findet vom 4. September bis zum 7. November statt. Zehn polnische
Handwerker werden zu einer dreimonatigen Ausbildung die Vereinigten Staaten besuchen, dann in
Begleitung von fünf amerikanischen Handwerkern der
Gewerkschaft nach Polen zurückkehren, die den Polen bei der Ausbildung weiterer Handwerker helfen
werden. Der Coca-Cola-Fonds für Ausbildung im
gewerblichen Bereich stellt den polnischen Arbeitern
für ihren Aufenthalt in den Vereinigten Staaten Stipendien im Umfang von 150 000 Dollar zur Verfügung.
Neueste Entwicklungen in der ungarischen Wirtschaft
Das BSP sank im Jahr 1989 um 1,8 Prozent. Die
Industrieproduktion in den Staatsbetrieben lag in der
ersten Hafte des Jahres 1990 um 8 bis 10 Prozent
niedriger als vor einem Jahr. Für 1990 prognostiziert
die ungarische Regierung einen Rückgang des BSP
um 2 Prozent.
Die Verbraucherpreise stiegen 1989 um 18 Prozent.
Der Verbraucherpreisindex stieg 1989 um 18 Prozent.
Er war in der ersten Hafte des Jahres 1990 um 28

*

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Prozent höher als vor einem Jahr.
Die offizielle Arbeitslosenquote betrug 1989 weniger
als 0,5 Prozent. Die Arbeitslosigkeit steigt und wird
erwartungsgemäß Ende 1990 2 Prozent betragen.
Handel in harter Währung und Schuldenlast
Ungarn verzeichnete 1989 einen Handelsüberschuß
in harter Währung von 660 Millionen Dollar und ein
Leistungsbilanzdefizit von 1,4 Milliarden Dollar. In der
ersten Hafte des Jahres 1990 hatte Ungarn einen
Handelsüberschuß von 550 Millionen Dollar und einen
Leistungsbilanzüberschuß von 200 Millionen Dollar.
Ein Rückgang sowjetischer Ölexporte und höhere
Ölpreise auf dem Weltmarkt werden sich in der zweiten
Hälfte des Jahres 1990 negativ auf die Zahlungsbilanz
auswirken.
Ungarns Bruttoverschuldung beträgt etwa 20 Milliarden Dollar, davon 2 Milliarden Dollar bei internationalen Finanzinstitutionen, 2 Milliarden Dollar an bilateralen staatlichen Schulden, 15 Milliarden bei den Handelsbanken und 500 Millionen an sonstigen privaten
Schulden. Schuldendienst wird im Umfang von 40
Prozent geleistet. Die Devisenreserven betragen etwa
1 Milliarde Dollar.
Handel mit der UdSSR
Ungarn importiert den größten Teil seines Öls, mehr
als die Hälfte von Gas, Elektrizität und Rohstoffen
sowie bestimmte Maschinen und Geräte aus der UdSSR.
Ungarn exportiert Maschinen, Geräte, Busse, Verbrauchsgüter und landwirtschaftliche Produkte.
Durch die Umstellung der Wirtschaft auf harte Währung wird sich das Austauschverhältnis im Außenhandel für Ungarn 1991 um etwa 1 Milliarde bis 2 Milliarden
Dollar verschlechtem, wobei 720 Millionen Dollar durch
Ungarns Vorrat an sowjetischen Rubeln ausgeglichen
werden kann.
Der Stand der Reformen in der Wirtschaft
Die Regierung drängt auf schnelle Durchführung von
Reformen. Schwache internationale Finanzen und
eine Aversion gegen Umsetzungen wirken Sofortmaßnahmen entgegen.
Die Privatisierung wird zu Anfang im Einzelhandel und
der verbraucherorientierten Dienstleistungen und in
etwa 40 Großbetrieben aus verschiedenen Branchen
stattfinden. Die Privatisierung von Agrarflächen wird
auf der Basis der Eigentumsverhältnisse von 1947
stattfinden. Private Unternehmensgründungen werden unterstützt. Die volle Konvertibilität des Forint soll
in drei Jahren hergestellt sein.

*

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19. September 1990

GOLFKRISE

BUSH: EINMALIGES AUSMASS DER
ZUSAMMENARBEIT GEGEN DEN IRAK
Pressekonferenz mit regionalen Medienvertretern
VEREINIGTE STAATEN BEFRIEDIGT ÜBER
WELTWEITEN DRUCK AUF IRAK
Pressekonferenz von US-Außenminister Baker
DEMOKRATEN UNTERSTÜTZEN BUSHS
POLITIK GEGENÜBER DEM IRAK
Erklärung von Richard Gephardt

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
19. September 1990

BUSH: EINMALIGES AUSMASS DER
ZUSAMMENARBEIT GEGEN DEN IRAK
Pressekonferenz mit regionalen Medienvertretern
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge steht der irakische Diktator Saddam Hussein gegen ein
"Ausmaß an weltweiter Zusammenarbeit... das einfach einmalig ist".
Vor regionalen Medienvertretern erklärte Bush am 17. September 1990, daß Angehörige von Streitkräften "aus
vier Kontinenten Verteidigungsstellungen bezogen haben", um weitere irakische Aggressionen abzuschrecken.
Darüber hinaus habe der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen den Irak erneut für sein kriegerisches Verhalten
gerügt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz des Präsidenten in gekürzter Fassung.

Bush: Ich möchte zunächst eine Erklärung abgeben
und werde dann gerne Ihre Fragen beantworten.
Ich habe gerade von Verteidigungsminister Cheney
und Roger Porter erfahren, daß Sie sowohl die internationale Lage als auch Haushaltsfragen erörtert haben.
Wenn Sie gestatten, möchte ich dazu noch ein oder
zwei Anmerkungen machen und danach auf Ihre Fragen eingehen. Wie ich dem amerikanischen Volk und
dem Kongreß bereits am Dienstag (11. September) in
meiner Ansprache vor beiden Häusern erklärt habe, ist
das Ausmaß der weltweiten Zusammenarbeit gegen
die irakische Aggression einfach einmalig. Über 20
Nationen haben sich uns angeschlossen. Bis heute
haben auf Bitten König Fahds von Saudi-Arabien
Streitkräfte aus vier Kontinenten Verteidigungsstellungen bezogen.
In den vergangenen Tagen haben wir gehört, daß
Großbritannien eine ganze Panzerbrigade - die berühmten Wüstenratten - entsenden wird. Frankreich
hat angekündigt, daß es auch eine bedeutende Landstreitmacht entsenden wird. Japan und die Bundesrepublik Deutschland haben erklärt, sie würden Milliardenbeträge für die multilateralen Bemühungen und
damit zusammenhängende Maßnahmen aufbringen,
um wirtschaftliche Einbußen der am stärksten betroffenen Staaten zu mildern - für die Staaten, die die
UNO-Sanktionen befolgen. Am vergangenen Wo-

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chenende hat der UNO-Sicherheitsrat Saddam Hussein für das empörende Eindringen in diplomatische
Vertretungen in Kuwait erneut scharf verurteilt.
Damit die Vereinigten Staaten ihre Pflichten im Ausland erfüllen können, müssen die Vereinigten Staaten
stark und vital bleiben. Wie ich bereits in der vergangenen Woche sagte, sind unsere weltweite Führungsrolle und unsere Stärken im Innern miteinander verknüpft und verstärken einander. Deshalb habe ich ein
großes Interesse an den gegenwärtig stattfindenden
Haushaltsverhandlungen und fordere die Unterhändler von Kongreß und Administration auf, ihre Anstrengungen zur Erlangung eines Haushaltsabkommens zu
verdoppeln.
Ich stelle mir einen wachstumsorientierten Haushalt
vor - auch diesen Punkt habe ich in meiner Rede im
Kongreß vergangene Woche betont. Einen Haushalt,
der Anreize wie die Senkung der Kapitalertragsteuer
enthält, die meiner festen Überzeugung nach zur
Schaffung neuer Arbeitsplätze beiträgt. Darüber hinaus muß der Kongreß echte Ausgabenkürzungen
verfügen. Nicht diese Art von oberflächlichen Kürzungen, mit denen die Ausgaben nie in dem Maß gesenkt
werden, wie es auf dem Papier steht. Der Kongreß
muß sicherstellen, daß eine Reform des Haushaltsverfahrens stattfindet. Sein Fünfjahresplan muß sich als
absolut durchsetzbar erweisen.

Seite 1

�Schließlich muß der Kongreß einen mehrjährigen
Verteidigungshaushalt beschließen, der den Bedürfnissen dieses Landes gerecht wird. Nicht nur in bezug
auf die Verbesserung der Ost-West-Beziehungen,
sondern auch angesichts unserer umfassenderen
Pflichten in anderen Teilen der Welt - Pflichten, die uns
die Golfkrise erneut vor Augen geführt hat.

hende Beziehungen, und meines Erachtens stellen
sich die französische Regierung und der französische
Präsident die Frage: Warum um alles in der Welt
benimmt er sich so? Es besteht also eine Ungewißheit, auf die er vielleicht angespielt hat. Ich hatte
jedoch nicht das Gefühl, daß keine Chance mehr für
eine friedliche Lösung besteht.

Ich habe bereits früher eine klare Entscheidung über
ein umfassendes 500-Milliarden-Dollar-Paket zur
Reduzierung des Haushaltsdefizits mit oder ohne ein
Haushaltsabkommen bis zum 28. September gefordert. Unser Land ist nur noch 13 Tage von den
drastischen Konsequenzen der Zwangskürzungen
entfernt, die erforderlich werden, wenn der Kongreß
bis dahin keinen Haushalt vorlegen kann.

Frage: Haben die Äußerungen von General Dugan
Sie in eine schwierige Verhandlungsposition gegenüber dem Irak gebracht, und wieviel Schaden hat er
angerichtet?

Wir in der Administration sind bereit, unseren Teil
beizutragen. Ich bin zuversichtlich, daß der Kongreß
seinen Teil beitragen wird. Ich habe mit Freude
festgestellt, daß wir in den jüngsten Haushaltsgesprächen Fortschritte erzielt haben, aber es ist jetzt wirklich
an der Zeit, zu einer Übereinkunft zu kommen. Ich
denke, daß wir dies dem amerikanischen Volk schulden. An beiden Fronten geschieht also eine ganze
Menge. Das sind die Ausführungen, die ich machen
wollte. Ich werde jetzt gerne ein paar Fragen beantworten.
Frage: Um auf das Thema Irak zurückzukommen nach dem Eindringen in die Residenz des französischen Botschafters am Freitag (14. September) wurde
der französische Präsident Mitterrand mit den Worten
zitiert: "Der Irak gibt keine Anzeichen, die auf die
Vermeidung eines militärischen Konflikts hinauslaufen." Der französische Präsident will damit anscheinend sagen, daß unsere Chancen, eine bewaffnete
Auseinandersetzung durch Gespräche zu vermeiden,
immer geringer werden. Könnten Sie dazu bitte Stellung nehmen?
Antwort: Ich habe gestern (16. September) von Camp
David aus mit ihm gesprochen. Es war ein gutes
Gespräch. Wie ich bereits andeutete, befinden wir uns
bei den meisten Aspekten dieses Problems in Übereinstimmung. Wir waren sehr dankbar, daß Frankreich
Maßnahmen ergriffen hat. Ich hatte bereits ein paar
Tage zuvor mit ihm telefoniert, um ihm unser Mitgefühl
zu dem Übergriff auf die Botschaft mitzuteilen. Ich
muß sagen, daß er mir bei den zwei Kontakten in den
vergangenen beiden Wochen nicht das Gefühl vermittelte, er habe die Hoffnung auf eine friedliche Lösung
aufgegeben.
Wenn man aber dann Aktionen sieht, wie die gegen die
französische Botschaft, dann fragt man sich, welche
Motive dahinterstehen. Historisch gesehen, unterhielt
Frankreich ziemlich enge Beziehungen zum Irak. Man
hat dort jedoch keine Terrorhandlungen oder einige
der Geschehnisse im iranisch-irakischen Krieg gutgeheißen. Aber Frankreich hat dort seit langem beste-

Seite 2

Antwort: Nein, das ist nicht der Fall. Ich habe dazu
nichts zu sagen, außer, daß ich unseren Verteidigungsminister uneingeschränkt unterstütze. Er wird
bei einer in wenigen Minuten stattfindenden Pressekonferenz mehr über die Einzelheiten sagen können.
Meines Erachtens können wir dies zum gegenwärtigen
Zeitpunkt jedoch noch nicht abschließend beurteilen.
Frage: Dazu noch eine Zusatzfrage. Sind unsere
Truppen heute aufgrund dieser Äußerungen stärker in
Gefahr?
Antwort: Ich würde nicht sagen, daß wir heute
weniger gut in der Lage sind, unsere Truppen in SaudiArabien zu schützen. Wir werden das tun, und ich bin
darüber nicht besorgt.
Frage: Sind Sie der Ansicht, daß das amerikanische
Volk die Politik in der Golf krise ebenso stark unterstützen würde wie zu Beginn, wenn Tausende dabei
umkämen, was ja im Falle von Kämpfen wahrscheinlich wäre?
Antwort: Das weiß ich nicht. Ich tendiere jedoch zu
der Überzeugung, daß wir einen sehr guten Anfang
gemacht haben. Ich meine, daß Ihre Hypothese
darauf anspielte. Ich möchte jedoch keine Vorhersage
darüber wagen, wie das amerikanische Volk darauf
reagieren würde.
Ich bin alt genug, um mich an einen ganz klaren Fall zu
erinnern, unter anderen Umständen und zu einer anderen
Zeit - den Zweiten Weltkrieg. Viele der hier Anwesenden sind zu jung, um sich an die Auswirkungen zu
erinnern, die dieser Krieg auf die amerikanische öffentliche Meinung hatte. Es gab jedoch viel Leid und
Trauer. Jeder identifizierte sich mit den Familien, die
Angehörige verloren hatten. Aber das Land blieb
ziemlich geschlossen.
Zum jetzigen Zeitpunkt gehe ich davon aus, daß das
amerikanische Volk angesichts dieser Aggression eine
außergewöhnliche Geschlossenheit zeigt. Es wäre
jedoch zu hypothetisch, wenn ich Aussagen machen
würde, die darüber hinaus gehen.
Frage: Es wird auch der Gedanke ins Spiel gebracht,
daß die amerikanische Öffentlichkeit lang andauernde
Pattsituationen traditionell nicht unterstützt. Wird die

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�Unterstützung allmählich geringer werden, wenn sich
dies zu einem langen Sitzkrieg entwickelt?
Antwort: Ich weiß es nicht. Ich lese eine Menge
Prognosen von Leuten, die das behaupten, aber ich
hoffe, daß das nicht geschieht. Aber auch dies ist ein
wenig hypothetisch, denn man muß auch immer berücksichtigen, was sonst noch geschieht. Aber was
heißt zu lange? Ich denke über diese Fragen nach,
aber ich kann es nicht definieren. Ich möchte, daß
diese Soldaten so bald wie möglich da herauskommen. Ich möchte, daß sie alle da heraus kommen. Und
doch kann ich nicht sagen, wann das der Fall sein wird.
Was wir versuchen, sind diese umfassenden weltweiten Bemühungen auf der diplomatischen Seite. Und
ich möchte, daß das funktioniert. Man hat ja verschiedene interessante Gesprächspartner - Regierungschefs, die einem auf verschiedene Art und Weise
erklären, wie effektiv die Sanktionen ihrer Meinung
nach sein werden. Einige sind absolut davon überzeugt, daß diese Sanktionen nicht nur funktionieren,
sondern kurzfristig sehr effektiv sein werden. Andere
meinen, es werde länger dauern. Ich glaube jedoch, es
wäre nicht gut, mich in eine solche Debatte einzulassen, weil ich selber nicht genau sagen kann, wie lange
diese Art von Unterstützung anhalten wird.
Frage: Das Wall Street Journal hat kürzlich berichtet, daß sich noch am Tage vor der irakischen Invasion
in Kuwait Mitglieder Ihrer Administration hinter den
Kulissen gegen einen Gesetzentwurf des Kongreßabgeordneten Howard Berman gewendet hätten, der die
Iraker auf die Finger geschlagen hätte - darin wurden
Sanktionen wegen ihres zunehmend aggressiven
Verhaltens vorgeschlagen. Dieser Gesetzentwurf und
weitere Beispiele der Unterstützung des Irak durch die
Administration - bedauern Sie diese Dinge angesichts
der Invasion?
Antwort: Sicherlich, im Lichte dieser Invasion. Es
bestanden jedoch Gründe zu der Annahme, daß dieses Verhalten durch verbesserte Beziehungen mit
dem Westen modifiziert würde. Angesichts der Invasion bedaure ich es natürlich. Wenn jeder im nachhinein urteilen könnte, dann würde jeder über viele Dinge
anders urteilen. Aber ich bin nicht sicher, daß das die
Absicht Saddam Husseins zur Annexion Kuwaits
geändert hätte.

Frage: Aber wenn Saddam Hussein nicht zurechnungsfähig ist, kann er dann überhaupt logisch oder
rational auf das Embargo reagieren?
Antwort: Das ist eine gute Frage. Und ich weiß nicht,
wie man darauf antworten sollte, weil er eindeutig
irrational handelte, wenn er geglaubt hat, sich damit
den Zorn der Vereinigten Staaten und 20 anderer
Länder - tatsächlich der ganzen Welt in den Vereinten
Nationen - zuzuziehen.
Aber ich bin davon überzeugt, daß die Sanktionen in
gewissem Sinne greifen. Ich kann Ihnen nicht definitiv
sagen, wie effektiv sie in diesem Augenblick sind. Wir
wollen sie in jedem Fall strenger anwenden, gemeinsam mit anderen Ländern, um diesem Ansatz die
bestmögliche Erfolgschance zu sichern, und dann
werden wir weitersehen. Es könnte ihm außer Kontrolle geraten, weil niemand seiner Wirtschaft den absoluten Stillstand bescheren will. Und Sie sollten daran
denken, daß 90 Prozent seiner Deviseneinkünfte aus
dem Ölgeschäft stammen, und das hat sich noch
verschärft. Tatsächlich denke ich, daß es keine Ausnahmen dazu gibt.
Frage: Sind Sie der Ansicht, daß vielleicht ein Luftembargo Saddam Hussein dazu bringen kann, rationaler
auf die Sanktionen zu reagieren?
Antwort: Ich kann Ihnen nicht mit Sicherheit sagen,
wieviel auf dem Luftweg geliefert wird. Wir wollen auf
jeden Fall die UNO-Sanktionen verschärfen, so daß
überhaupt nichts geliefert wird. Das ist relativ schwierig, wenn Sie an die Überflüge denken und daran, daß
einige Länder eher bereit sind als andere, die Sanktionen zu umgehen. Aber ich weiß, daß Francois Mitterand dazu Stellung genommen hat, und das verstehe
ich. Ich bin bereit, mit jedem zusammenzuarbeiten,
um diese zusätzliche Hürde bei den Sanktionen aufzustellen.
Frage: Dazu noch eine Frage: Denken Sie, daß Ihre
Botschaft an das irakische Volk dort Auswirkungen auf
die öffentliche Meinung hat? Berichten zufolge hatten
die Trickfilme mehr Zuschauer.

Frage: Unterlag die amerikanische Politik einer Fehleinschätzung?

Antwort: Es war eine gute Übung für die Demonstranten, die aufgefordert worden waren zu demonstrieren,
bevor sie gehört hatten, was ich sagen wollte. Es hielt
sie in Bewegung, und sie schrien gegen die Vereinigten Staaten. Wenn ihnen das geholfen hat, ihre
Frustrationen loszuwerden, umso besser.

Antwort: Ich glaube nicht, daß dies auf einer Fehleinschätzung durch die amerikanische Politik beruhte.
Ich glaube, es wurde durch eine Fehleinschätzung von
Saddam Hussein verursacht. Und ich denke, daß die
Bevölkerung der Vereinigten Staaten das voll und
ganz versteht.

Was damit objektiv bewirkt wurde, ist eine Botschaft an
die anderen arabischen Länder, daß nicht Saddam
Hussein und der Rest der arabischen Welt gegen die
Vereinigten Staaten kämpft, sondern daß es um etwas
anderes geht. Wenn das auch nur zwei irakische
Bürger hören, war es die Mühe wert. Wer weiß? Die

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Seite 3

�Wahrheit ist gut, und es ist gut, ihr im Irak Gehör zu
verschaffen. Sie bekommen so wenig davon. Meiner
Ansicht nach war es der Mühe wert. Und es wurde mir
berichtet, daß die Reaktion in anderen Bereichen ganz
gut war. Es ist noch zu früh, um Beurteilungen
abzugeben. Aber ich denke, sie waren vielleicht ein
bißchen in Sorge darüber, weil die Demonstranten mit
ihren fertigen Schildern - zumindest nach meinen
Informationen - bereits zu ihrem Sammelpunkt marschierten, bevor sie überhaupt wu ßten, was ich sagen
wollte. Woher wollten sie wissen, was ich sagen
wollte?
Frage: Sind Sie im Hinblick auf die Frage der nationalen Einheit als Reaktion auf die Golfkrise besorgt, daß
die politischen Auseinandersetzungen über den Haushaltsgipfel sich verselbständigen?
Antwort: Nein. Das ist eine gute Frage. Ich sehe
dafür überhaupt keine Anzeichen. Und das ist meiner
Ansicht nach sehr gut.. Es eint Liberale, Konservative,
Demokraten und Republikaner. Die Unterstützung ist
vorhanden, und ich sehe keine Anzeichen dafür, daß
Äußerungen über den Gipfel, beim Gipfel oder im
Rahmen der Gipfeltreffen die Unterstützung zum Beispiel im Kongreß oder im amerikanischen Volk beeinträchtigt haben. Und ich denke, das darf auch nicht
geschehen.
Frage: Wie denken Sie über Irans scheinbar enge
Beziehungen zum Irak und deren Auswirkungen auf
die Lage im Golf?
Antwort: Der Iran hat fast alles, was er wollte, vom
Irak bekommen. Das hat jedoch nicht Saddam Husseins Position im Irak gefestigt. Hunderttausende
Menschen mußten auf beiden Seiten ihr Leben lassen.
Und der Sieg geht jetzt an den Iran.
Wir erhielten indirekt die Zusage vom Iran, daß sie die
Einhaltung und Durchführung dieser Sanktionen wünschen. Bis ich sehe, daß der Iran diese Sanktionen
verletzt, werde ich nicht glauben können, daß sie
geheime Verbindungen zur Umgehung der Sanktionen eingegangen sind.
Frage: Auch nicht aufgrund der Erklärung iranischer
Geistlicher, der Fundamentalisten, daß jetzt die Zeit
gekommen ist, um einen Heiligen Krieg gegen die
Vereinigten Staaten zu führen?
Antwort: Niemand hat behauptet, daß zwischen
einzelnen Gruppen im Iran und den Vereinigten Staaten Harmonie und Freundlichkeit aufkommen werden.
Aber lesen Sie seine Worte aufmerksam. Experten
haben mich darauf aufmerksam gemacht, daß er nicht
zum Djihad aufgerufen hat. Aber man muß es sehr
sorgfältig analysieren. Es wird Gruppierungen innerhalb des Iran geben, die sich weiterhin allen Verbesserungen in den Beziehungen zwischen Iran und den
Vereinigten Staaten widersetzen werden, und wir
verstehen das.
Seite 4

Aber das wichtigste ist meiner Ansicht nach im Augenblick, daß der Iran das tut, wozu er sich öffentlich
bekannt hat, und das ist die Einhaltung der internationalen Sanktionen. Das haben sie in der Öffentlichkeit
bekanntgegeben.
Frage: Sie haben mit Befriedigung darauf verwiesen,
daß unsere Freunde und Verbündeten auf der ganzen
Welt uns im Golf helfen, und auch jene Länder, die ihre
Verfassung daran hindert - wie Deutschland und Japan - Soldaten zu entsenden, haben Geld bewilligt.
Zur gleichen Zeit sind die Kostenvoranschläge für
unsere Präsenz ebenso schnell gestiegen wie die Zahl
unserer Soldaten, und Verteidigungsminister Cheney
hat darauf verwiesen, daß die Stationierungen noch
nicht beendet sind. Sollten wir als Steuerzahler nicht
besorgt darüber sein, daß für die Krise am Persischen
Golf gewissermaßen ein Blankoscheck ausgestellt
wurde?
Antwort: Wissen Sie, was ich darüber denke? Ich
denke, das amerikanische Volk will, daß ich genau das
tue, was wir gegenwärtig tun sollten, um unsere vier
Ziele dort zu erfüllen. Und wenn das hei ßt, wir müssen
andere um Hilfe bitten, um bestimmte Aspekte auf eine
Weise abzudecken, die Lasten verteilt, werden wir das
tun. Aber meiner Ansicht nach hat das amerikanische
Volk Vertrauen in die von uns getroffenen Entscheidungen, und ich denke nicht, daß es alle Bemühungen
zunichte machen will, auch wenn die Haushaltslage
gegenwärtig kompliziert ist.
Frage: Die Bürgermeister von Großstädten haben
über eine Friedensdividende gesprochen. Es könnte
sich dabei um ein Phantom handeln.
Antwort: Ich war immer der Ansicht, es handele sich
hierbei um ein Phantom, weil ich nicht die Meinung
vertrete, daß man eine Dividende haben kann, wenn
man mit Verlust arbeitet. Und wir haben ein ungeheures Defizit. Ich hoffe also, sie haben die Annahme
aufgegeben, es stehe viel Geld zum Ausgeben zur
Verfügung. Aber ich denke, ein Bürgermeister einer
Gro ßstadt würde sich hier ungeachtet der Schwere der
Probleme in seiner Stadt neben mich stellen und
erklären, daß wir die militärischen Bestrebungen nicht
verringern wollen. Wenn wir schon Menschen dorthin
entsenden, sollten wir das tun, was notwendig ist, um
ihnen volle Unterstützung zu leisten. Genau so würden sie reagieren.
Frage: Zu Beginn der Krise wurden Forderungen laut,
sie sollten die Ölreserve für strategische Zwecke
anzapfen, um den Ölpreis niedrig zu halten. Wie soll
Ihrer Ansicht nach diese Ölreserve angemessen genutzt werden, und sind Sie zufrieden mit ihrem jetzigen
Stand?
Antwort: Wenn es echte Engpässe bei einem Produkt gibt oder ein bestimmtes Ereignis auf einen
Engpaß schließen läßt, sollte die ölreserve für strate-

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�gische Zwecke genutzt werden. Meiner Meinung nach
besteht zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein solcher
Engpaß.
Es heißt, daß eine demonstrative, wenn auch nicht
umfassende Nutzung dieser Reserve einen Markt
beruhigen könnte, der starken Schwankungen unterworfen ist. Wir würden dazu sagen, die Spekulanten,
die mit dem Ölpreis bis in den Oktober hinein spekulieren, sollten das auf eigenes Risiko tun. Und man
könnte das Argument vorbringen, was ich auch in
meiner Regierung und im Kongreß höre, daß das
Anzapfen einer kleinen Menge Spekulationen in Zukunft vorbeugen könnte. Dieses Argument entbehrt
nicht einer gewissen Logik. Aber der Grund, warum wir
nicht auf die Ölreserve für strategische Zwecke zurückgegriffen haben, ist, daß wir keinen Engpaß sehen. Wenn es ihn geben würde, dann zu einer Zeit, in
der wir über ausreichende Vorräte verfügen.
Sie sehen also, daß die Fluktuation nicht von den
Kräften des Marktes oder Angebot und Nachfrage
diktiert wird, sondern von Spekulationen, was in Zukunft sein könnte, und ich denke, das würde sich auch
nicht durch Rückgriffe auf die Ölreserve für strategische Zwecke regeln lassen. Es gibt andere Umstände,
unter denen man eindeutig darauf zurückgreifen müßte.
Ich denke, wenn wir Saudi-Arabien unverteidigt gelassen hätten und wenn Saddam Hussein Panzer von
Kuwait City an die südliche Grenze entsandt und damit
etwa Dharan eingeschlossen hätte, wäre damit eine
Situation geschaffen, wo die Vorräte auf dem Markt
noch einige Tage ausreichen würden, aber es wäre ein
echter Notfall. In einem solchen Fall würde jeder
Präsident auf die Ölreserve für strategische Zwecke
zurückgreifen.

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Frage: Wer trifft die Entscheidung, wie Truppen aus
anderen Ländern in Saudi-Arabien stationiert werden?
Wo die Syrer stationiert werden? Die Ägypter? Franzosen? Briten? Wird es ein einziges Kommando
geben?
Antwort: Angesichts der Größenordnung der USStreitkräfte gibt es aktive Konsultationen mit unserem
dortigen Oberbefehlshaber General Schwarzkopf. Wir
haben diesem Offizier nicht das Recht entzogen,
Kontrolle über US-Streitkräfte auszuüben, und das
haben die Franzosen - die noch nicht in vollem Umfang
dort stationiert sind -, die Briten oder andere auch nicht
getan. Aber es findet eine enge Koordinierung mit dem
Gastgeberland statt.
Aber ich möchte die Bedeutung von General Schwarzkopf bei der Streitkräftestationierung auch nicht herunterspielen. Sicherlich kann er die Wüstenratten nicht
an einen bestimmten Punkt befehligen. Aber in enger
Zusammenarbeit mit seinem Amtskollegen bei den
britischen Streitkräften sind all diese Punkte durch
eingehende Konsultationen geklärt worden, im Einklang mit einem Gesamtplan, den wir mit den Befehlshabern der Streitkräfte in der Region erarbeitet haben.
Es handelt sich hierbei also um koordinierte Bestrebungen. Und ich möchte nicht zögern, den Eltern oder
Familien der Kinder dort zu sagen, wenn etwas geschehen sollte, das Kampfhandlungen erfordert, wird
die Kommandostruktur reibungslos und einwandfrei
funktionieren. Wir werden auch nicht abwarten müssen, bis jemand anders die Entscheidungen trifft, ob
eine Provokation vorliegt.

Seite 5

�GOLFKRISE
19. September 1990

VEREINIGTE STAATEN BEFRIEDIGT ÜBER
WELTWEITEN DRUCK AUF IRAK
Pressekonferenz von US-Außenminister Baker
BONN - (AD) - Bei einer Pressekonferenz auf dem Flughafen Köln/Bonn erklärte US-Außenminister Baker am
15. September 1990, seinen Reisen in den Nahen Osten und Europa sei ein hohes Maß an Erfolg beschieden
gewesen. Sie haben Baker zufolge das Ziel verfolgt, mehr multinationale Unterstützung dafür zu gewinnen, den
Irak zum Abzug aus Kuwait und zur Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung zu zwingen. "Die einfache
Aussage, wir sind mit den Ergebnissen der Reise zufrieden, wäre ... eine Untertreibung", erklärte Baker.
Baker erörterte die finanziellen und militärischen Zusagen, die er auf seinen Reisen erhielt und verwies darauf,
Saddam Hussein sei nunmehr signalisiert worden, daß "seine Isolierung und der auf ihn ausgeübte Druck"
zunehmen werden.
Der US-Außenminister hatte zum Zeitpunkt seiner Pressekonferenz gerade Gespräche mit Bundeskanzler
Helmut Kohl und Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher abgeschlossen. Er berichtete von der Zusage
Deutschlands, 3,3 Milliarden DM an wirtschaftlicher und finanzieller Hilfe zur Verfügung zu stellen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz im Wortlaut.

Meine Damen und Herren, wie Präsident Bush eindeutig erklärt hat, wollen wir diesen Konflikt vorzugsweise
mit diplomatischen Mitteln lösen. Dazu benötigen wir
weiterhin die internationale Solidarität. Der einmalige
internationale Konsens muß beibehalten, und Sanktionen müssen in vollem Umfang durchgeführt werden.
Darüber hinaus muß die Verantwortung gerecht aufgeteilt werden.
Unsere Reise hatte zum Ziel, den internationalen
Konsens zu stärken und Maßnahmen zu seiner Erhaltung zu ergreifen. Darüber hinaus wollten wir Saddam
Hussein signalisieren, da ß seine Isolierung und der auf
ihn ausgeübte Druck eher zu- als abnehmen wird.
Die einfache Aussage, wir sind mit den Ergebnissen
der Reise zufrieden, wäre meines Erachtens eine
Untertreibung. Wir haben finanzielle Zusagen erhalten, mit denen die Belastung derjenigen Länder verringert wird, die bei der Durchführung der Sanktionen
einen sehr hohen Preis zahlen. Ihre Handlungsweise
läßt sich deshalb eher aufrechterhalten.
Wir haben von den Ländern der Region ebenso wie
von unseren europäischen Verbündeten einmalige
militärische Zusagen erhalten - Soldaten, Schiffe,
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Flugzeuge und andere Unterstützung. Und mit dieser
Unterstützung sind auch politische Verpflichtungen
eingegangen worden - Verpflichtungen, kein Ende der
Krise zu akzeptieren, das nicht Iraks bedingungslosen
Abzug und die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen
Regierung Kuwaits vorsieht sowie Verpflichtungen,
weitere Schritte in Erwägung zu ziehen.
Die internationale Staatengemeinschaft hat dem Begriff
"geteilte Pflichten" echte Bedeutung verliehen. Wir
vermitteln gemeinsam den Eindruck, daß in diesem
neuen Zeitalter eine Teilung der Pflichten über Bündnisse hinaus stattfindet, alte Freunde und andere
Staaten einbezieht.
Um Ihnen einen Eindruck davon zu vermitteln, wie die
internationale Staatengemeinschaft diesen einmaligen Konsens verwirklicht und weiterhin Druck auf
Saddam Hussein ausübt, möchte ich Ihnen kurz die
mir gegebenen Zusagen darlegen.
Wir waren natürlich zuerst in den Golf Staaten - wo die
Führungen Saudi-Arabiens, Kuwaits und der Vereinigten Arabischen Emirate für das laufende Jahr ingesamt 12 Milliarden Dollar an Beiträgen zugesagt haben.
Seite 1

�Damit wird sowohl ein Zuschuß zu den Verteidigungsausgaben der Vereinigten Staaten als auch Wirtschaftshilfe für die wichtigen Anrainerstaaten - insbesondere
Ägypten und die Türkei - geleistet, ferner andere
wichtige Länder, die Truppen bereitstellen oder von
den durch die irakische Agression entstandenen wirtschaftlichen Erschütterungen stark betroffen sind.
Wir haben soeben unsere Gespräche mit den Spitzen
der Bundesregierung beendet, und wie ich Ihnen bereits vor dem Haus des Bundeskanzlers andeutete,
hat die Bundesregierung für das laufende Jahr 1990
Wirtschaftshilfe und Zuschüsse zu den Militärausgaben im Umfang von 3,3 Milliarden DM bewilligt, eine
Maßnahme und eine Verpflichtung, die wir als sehr
positiv und sehr großzügig betrachten und mit der wir
sehr zufrieden sind.
Die Europäische Gemeinschaft wird erwartungsgemäß bald ihr Engagement durch ihre Beiträge und die
ihrer Mitgliedstaaten bekunden.
Wie Sie wissen, hat uns die italienische Regierung in
Rom erklärt, den Anrainerstaaten zunächst 145 Millionen Dollar an bilateraler Wirtschaftshilfe gewähren zu
wollen.
Damit betragen die von uns erhaltenen Zusagen einschließlich der Unterstützung zu den US-Verteidigungsausgaben und Wirtschaftshilfe an die Anrainerstaaten
insgesamt über 16 Milliarden Dollar. Wenn Sie dazu
noch den Beitrag Japans von 4 Milliarden Dollar zählen, ergibt sich ein Gesamtbetrag von mehr als 20
Milliarden Dollar.
Ich möchte in diesem Zusammenhang kurz auf die
militärischen Angebote eingehen. Wie Sie wissen,
wird Großbritannien zusätzlich zu den dort bereits
befindlichen Flugzeugen und Schiffen der Royal Navy
Bodentruppen in Form einer Panzerbrigade und eines
dritten Tornadogeschwaders nach Saudi-Arabien
entsenden. Frankreich hat heute erklärt, eine leichte
Panzerbrigade und darüber hinaus Kampfflugzeuge
zu entsenden. Das geschieht zusätzlich zu Kampfhubschraubern und Kommandos, die bereits in der
Region sind und zusätzlich zu der bereits erheblichen
Präsenz der französischen Marine im Golf.
Kanada hat gestern angekündigt, zusätzlich zu den
beiden bereits entsandten Zerstörern ein Geschwader
von CF-18-Flugzeugen zu entsenden, Italien schickt
ein Geschwader von 8 Tornados und eine weitere
Fregatte zusätzlich zu den anderen bereits entsandten
Schiffen. Wie Sie von meinem Besuch in Ägypten
wissen, wird das Land zwei Divisionen in Saudi-Arabien stationieren. Unser Aufenthalt in Damaskus hat
deutlich gemacht, daß Syrien mindestens eine Streitmacht in Divisionsstärke entsenden wird.
Die Ihnen hier dargelegte Zusammenfassung zeigt
eindeutig, daß die ganze Welt auf eine nie dagewesene Art und Weise auf die irakische Aggression reagiert.
Seite 2

Diese Sache ist einmalig und vermittelt meiner Ansicht
nach eine klare Botschaft. Sie lautet, daß die Welt
diese Aggression nicht tolerieren wird.
Frage: Herr Außenminister (unverständlich) des
massiven Einsatzes von Ländern auf der ganzen Welt
macht der Irak weiter. Er hat Botschaften besetzt. Ist
dieses Problem ohne Krieg zu lösen?
Antwort: Nun, ich habe ganz am Anfang meiner
Erklärung bekundet, daß wir es eindeutig vorziehen,
dieses Problem ohne Krieg zu lösen. Wir stellen uns
eine diplomatische, politische und friedliche Lösung
vor. Ich habe aber auch zu Beginn meiner Ausführungen erklärt, daß dies von einer strengen Durchführung
der Sanktionen und der Aufrechterhaltung dieses einmaligen Konsenses abhängt. Mir scheint jedoch aus
den dargelegten Fakten eindeutig hervorzugehen, daß
wir uns in diese Richtung bewegen.
Frage: (Unverständlich). Wenn Sie eine militärische
Entscheidung treffen müßten, wie wird sich diese
logistisch darstellen, wenn so viele Streitkräfte beteiligt
sind?
Antwort: Viele Streitkräfte sind bereits dort. Inzwischen sind 26 Nationen in der Region - mit Schiffen,
Flugzeugen oder Bodentruppen - präsent, und die
Führungs- und Kommunikationsmodalitäten müssen
auf dem Boden organisiert werden. Im Hinblick auf die
frühzeitig dort eingetroffenen Streitkräfte sind diese
Führungs- und Kommunikationsmodalitäten verwirklicht worden. Was diejenigen betrifft, die noch dort
eintreffen werden, so wird sich dies finden.
Frage: Haben Sie mit Assad die Integration seiner
Streitkräfte erörtert?
Antwort: Ich habe weder mit Präsident Mubarak noch
mit Präsident Aassad die Einzelheiten der Führungsund Kommunikationsmodalitäten erörtert. Das fällt in
den Zuständigkeitsbereich der Militärs untereinander,
wenn sie dort mit den Bodentruppen zusammentreffen.
Frage: Herr Außenminister, Präsident Mubarak hat
vergangenen Samstag andeuten wollen, obwohl Ägypten, Saudi-Arabien und einige andere Länder den
diplomatischen Weg einschlagen wollen, könne dies
nicht immer so weitergehen. Haben Sie einen bestimmten Zeitrahmen, innerhalb dessen Saddam
Hussein zeigen muß, daß er die Sanktionen spürt und
eine Lösung auf dem Verhandlungswege anstrebt?
Wie sieht dieser Zeitrahmen in etwa aus?
Antwort: Wir haben von Anfang an erklärt, daß es
keinen solchen Zeitrahmen gibt, aber ich muß Ihnen
sagen, daß ich persönlich der Ansicht bin, die Dinge
nehmen den richtigen Kurs. Wenn Sie die Unterstützung aus allen Teilen der Welt betrachten, in Form
politischen Engagements, militärischer und wirtschaftlicher Zusagen, scheinen die Dinge den Verlauf zu

AMERIKA DIENST 37

�nehmen, wie ihn diejenigen, die diese Aggression
umkehren wollen, anstreben.
Frage: Herr Außenminister, wir haben zunehmend
Grund zu der Annahme, daß der Iran nunmehr eine
Reihe von Schritten entgegen dem internationalen
Konsens - zumindest symbolisch - unternimmt, die
dem Irak dienen. Es gibt Gerüchte, das Land hätte auf
dem Weltmarkt mehr Nahrungsmittel und Getreide
erwerben wollen, als es benötigt. Können Sie uns
etwas dazu sagen, oder sind Sie der Ansicht, daß sie
eventuell mit dem Konsens brechen wollen, und wie
stehen Sie dazu ...?
Antwort: Ich habe bereits klar zum Ausdruck gebracht, daß wir das Embargo genau beobachten. Wir
glauben, daß es grundsätzlich greift. Wir waren uns
aber immer im klaren, daß es Schlupflöcher gibt. Das
traf von Anfang an zu, aber es greift unserer Ansicht
nach. Wir haben erklärt, daß die Erklärungen der
iranischen Regierung weiterhin die Invasion verdammen, den Abzug den Iraks fordern und darauf hinweisen, daß die iranische Regierung die UNO-Resolutionen einzuhalten gedenkt.
Frage: Sie haben viel Zeit und Mühe darauf verwandt,
um Unterstützung zu bitten und Druck auf Saddam
Hussein auszuüben. Könnten Sie uns sagen, ob bei
Ihren Zusammentreffen auch die Möglichkeit diplomatischer Lösungen zur Sprache kam?
Antwort: Wir haben darüber gesprochen, daß eine
friedliche und politische Lösung vorzuziehen ist. Wir
müssen jedoch von Anfang an klar definieren, was wir
damit meinen. Wir meinen damit nicht, daß Umfang
und Tragweite der einstimmig verabschiedeten Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats preisgegeben, verwässert oder in irgendeiner Form verringert werden.
Eine conditio sine qua non ist also der Rückzug des
Irak und die Wiedereinsetzung der legitimen Regierung von Kuwait. Alle Regierungen, mit denen wir
gesprochen haben, sind ausnahmslos und uneingeschränkt unserer Meinung.
Frage: Sind Sie der Ansicht, daß es noch zu früh und
weiterer Druck erforderlich ist, bevor er vielleicht Fühler
ausstrecken kann oder die Möglichkeit eines Rückzugs, eines Auswegs anbietet?
Antwort: Ich glaube, niemand kann mit Sicherheit
voraussagen, welche Maßnahmen er ergreift. Es ist
wohlbekannt, daß er ziemlich unberechenbar ist, und
die Ereignisse in Kuwait sind dafür ein schlagender
Beweis.
Frage: Sie werden in etwa einer Woche an der
Generalversammlung der Vereinten Nationen teilnehmen. Wegen des Zeitpunkts wird dies für Sie eine
ungewöhnliche Möglichkeit sein, Leute zu treffen, mit
denen Sie sich auf einer solchen Reise vielleicht nicht
treffen können. Denken Sie zur Zeit an Schritte, die
nach Ansicht der Vereinigten Staaten von den VereinAMERIKA DIENST 37

ten Nationen entweder im Rahmen der Generalversammlung oder im Sicherheitsrat unternommen werden sollten...?
Antwort: Nein, wir werden mit unseren Partnern im
UNO-Sicherheitsrat in enger Verbindung bleiben.
Darüber hinaus werden wir weiterhin in engem Kontakt
mit einer ganzen Reihe anderer UNO-Mitgliedstaaten
stehen. Gegenwärtig denken wir nicht an bestimmte
Schritte, obwohl ich in den vergangenen Tagen einige
Dinge genannt habe, die zu einem künftigen Zeitpunkt
vielleicht erwogen werden sollten.
Frage: Herr Minister, wenn man die enormen Anstrengungen betrachtet, die Sie und andere investiert
haben, um an diesen Punkt zu gelangen, wie lange läßt
sich dies vernünftigerweise aufrechterhalten? Wie Sie
im Verlauf dieser Reise angedeutet haben, gehen
einige der Leute, mit denen Sie gesprochen haben,
davon aus, daß sich dies nicht langfristig aufrechterhalten läßt und daß langfristig - oder selbst kurzfristig
- eine Militäraktion erforderlich ist. Wie lange können
Sie solch enorm konzentrierte Anstrengungen aufrechterhalten, wie Sie sie bisher zustande gebracht
haben?
Antwort: Angesichts einiger der eingegangenen
Verpflichtungen - politischer, militärischer und wirtschaftlicher Art -, über die ich Ihnen gerade berichtet
habe, können wir sie weitaus länger aufrechterhalten,
als viele zu Anfang dachten. Ich bin offengestanden
der Meinung, daß sich die Dinge zugunsten derjenigen
entwickeln, die eine Umkehrung der Aggression erwirken möchten. Und ich gehe davon aus, daß sich die
Dinge zugunsten derjenigen entwickeln, die eine friedliche und politische Lösung wünschen. Aber wir haben
andere Optionen nicht ausgeschlossen und werden
dies auch nicht tun.
Frage: Entnehmen Sie den während Ihrer Reise von
den NATO-Staaten getroffenen Maßnahmen sowie
Ihren Gesprächen mit NATO-Vertretern, daß es in der
NATO einen Einstellungswandel gegenüber einem
Engagement bei Ereignissen in der dritten Welt gibt?
Das ist ja bis jetzt von den Franzosen blockiert worden,
aber die Franzosen selbst sind plötzlich ungemein
aktiv.
Antwort: Würde ich jetzt mit ja antworten, so würden
morgen die Schlagzeilen lauten "NATO-Verantwortung außerhalb des Bündnisgebiets". Ich werde also
dazu nicht Stellung nehmen.
Frage: Das haben Sie gerade getan.
Antwort: Nein, das habe ich nicht getan. Ich gehe
nämlich davon aus, daß viele NATO-Mitglieder der
Ansicht sind, daß die NATO außerordentlich gut und
effektiv funktioniert hat, indem sie sich an ihr Mandat
hielt und daß eine Erweiterung dieses Mandats ziemlich umfangreiche Debatten und Konsultationen voraussetzen würde. Ich werde Ihnen nicht sagen, daß
Seite 3

�dies niemals geschehen kann, aber darauf wurde ja
bereits angespielt. Ich kann Ihnen jedoch nicht mitteilen, daß ich dies zum jetzigen Zeitpunkt als Bestrebung innerhalb des Bündnisses empfinde.

andere Maßnahme, an die ich mich gegenwärtig nicht
erinnere. Ich habe jedoch dazu Stellung genommen
und möchte Sie auf das Protokoll verweisen. Ich
stimme dem also nicht zu.

Frage: Ein Schiff mit Nahrungsmitteln ist gegenwärtig
auf dem Weg in den Irak, mit Nahrungsmitteln, die
unter Aufsicht der Vereinten Nationen verteilt werden
sollen. Der Irak sagt, er werde die Verteilung von
Nahrungsmitteln durch eine internationale Behörde
nicht erlauben. Wenn es wirklich zu einer Krise kommt,
bei der Menschen verhungern, sollten Nahrungsmittel
dann nicht auf jeden Fall verteilt werden?

Frage: Behaupten Sie denn, daß die Berichte unzutreffend sind, daß April Glaspie Saddam Hussein nicht
den Eindruck vermittelt hat, wir betrachteten dies als
innerarabische Angelegenheit und daß sie nicht die
Sprachregelung verwendet hat, wie berichtet wurde?
Wollen Sie sagen, daß sie nicht auf Ihre Anweisung hin
gehandelt hat, oder wollen Sie sagen, daß sie Ihren
Anweisungen folgte und daran nichts Schlechtes war?

Antwort: Nun, es gibt eine Ausnahme aus humanitären Gründen. Meines Wissens ist diese Schiffsladung
mit Nahrungsmitteln aufgrund von Maßnahmen des
Sanktionsausschusses der Vereinten Nationen unterwegs. Die Aktion des Sanktionsausschusses ist jedoch auf Lieferung und Verteilung unter internationaler
Aufsicht beschränkt, und meines Erachtens sollte das
Mandat des Sanktionsausschusses geachtet und befolgt
werden. Ich möchte nicht auf hypothetische Fragen
antworten - was geschieht, wenn der Irak daran festhält, keine internationale Aufsicht zu gestatten, ob wir
dann trotzdem Nahrungsmittel liefern werden. All dies
ist Spekulation, wir sind noch nicht soweit.

Antwort: Ich möchte nur sagen, daß die Andeutung,
die Vereinigten Staaten hätten direkt oder indirekt zu
der irakischen Aggression gegen Kuwait beigetragen,
absurd ist. Zum Inhalt diplomatischer Korrespondenz
gebe ich keinen Kommentar ab.

Frage: Unsere Botschafterin in Bagdad, April Glas
pie, ist zu Hause in Washington wegen eines Fernschreibens und ihres Gesprächs mit Saddam Hussein
eine Woche vor der Invasion ins Kreuzfeuer der Kritik
geraten. Sie soll dort unabsichtlich den Eindruck
erweckt haben, daß sich die Vereinigten Staaten einer
irakischen Invasion in Kuwait nicht in den Weg stellen
würden. Ich bin sicher, Sie haben die Berichte gesehen und frage Sie nun, wie Sie darauf reagieren?
Antwort: Meine Reaktion ist identisch mit der des
Weißen Hauses. Meiner Ansicht nach ist die Frage
absurd. Botschafter Glaspie ist eine engagierte Beamtin, die hervorragende Arbeit für ihr Land geleistet hat,
und ich meine, es ist einfach lächerlich, in irgendeiner
Weise zu behaupten, die Vereinigten Staaten hätten
zu der irakischen Invasion in Kuwait beigetragen.
Frage: Man könnte die Frage etwas anders formulieren. Würden Sie nicht zustimmen, daß es vor der
Invasion am 2. August Punkte gab, daß das Wirtschaftsministerium und verschiedene Teile der Regierung - vielleicht sogar Teile des Außenministeriums nicht eine solch harte Haltung gegenüber Saddam
Hussein einnahmen, wie dies später der Fall war?
Antwort: Ich glaube nicht, und ich habe dies vor dem
Kongreß erklärt, und Sie waren ja dort möglicherweise
anwesend. Ich habe drei bestimmte Maßnahmen
angeführt, die wir noch vor den ersten Anzeichen eines
militärischen Aufmarschs getroffen hatten. Wir hatten
Exportkontrollen für den Irak eingeführt. Wir hatten
Schritte eingeleitet, um den Transport oder Export
dieses Ofens zu untersagen, und da war noch eine
Seite 4

Frage: Haben Sie im Rahmen Ihrer Gespräche der
vergangenen 11 Tage irgendwelche Länder- die Europäer, die Bundesrepublik Deutschland, die EG oder
sonst jemanden - gebeten, Hilfsmittel für Syrien ebenso wie für die Türkei Und Ägypten abzuzweigen?
Antwort: Nein, das habe ich nicht getan, weil ich
zunächst prüfen und herausfinden möchte, ob wir
angesichts der Tatsache, daß dieses Land auf der
Terrorismusliste steht, eine solche Maßnahme im
Rahmen geltenden Rechts treffen können. Und zweitens, ob dies als eine politische Angelegenheit ein
Schritt ist, den wir tun sollten. Ich habe mit den Sowjets
über Transportmöglichkeiten für die syrische Division
gesprochen.
Frage: Herr Außenminister, in Ihrer Rede bei der
NATO schlugen Sie vor, daß die NATO-Staaten den
Ländern Osteuropas helfen sollten, die ähnlich wie
Ägypten und die Türkei wirtschaftlich betroffen sind.
Haben Sie diesen Punkt während Ihrer Reise energisch verfochten und ist ein Teil dieser von Ihnen
erwähnten 20 Milliarden Dollar für Polen, Ungarn oder
andere Staaten vorgesehen?
Antwort: Keiner der von mir erwähnten Beiträge ist
bisher für diese Länder vorgesehen, aber ich denke,
ein Teil dieser Gesamtsumme ist noch nicht verplant.
Wir haben über die Schwierigkeiten gesprochen, die
sich für einige der Staaten Mittel- und Osteuropas aus
der Einhaltung der Sanktionen ergeben.
Frage: Während Ihrer gesamten Reise haben Sie zumindest bis heute - kein einziges Mal Jordanien als
einen der Anrainerstaaten genannt, die von dieser
Hilfe profitieren sollen. Ganz gewiß nicht in Zusammenhang mit den arabischen Staaten, die Sie besucht
haben. Betrachten die Vereinigten Staaten Jordanien
in diesem Sinne als Anrainerstaat, der Hilfe verdient,
was ist unsere Haltung? Warum wurde das Land von
der Liste entfernt?

AMERIKA DIENST 37

�Antwort: Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß sich Jordanien in einer besonder schwierigen Lage befindet. Wir gehen davon aus, daß Jordanien aufgrund seiner geographischen Lage Nachteile
entstehen. Wir betrachten Jordanien als hilfswürdig,
wenn das Land weiterhin die Sanktionen befolgt und
die volle Durchsetzung der Resolutionen des UNOSicherheitsrats verlangt. Für Jordanien wurden Hilfsmittel der Europäischen Gemeinschaft, insbesondere
aus der Bundesrepublik Deutschland, sowie Mittel aus
Japan vorgesehen.

Antwort: Ich weiß es nicht. Wir müssen abwarten.
Wir haben früher bereits erklärt, daß die Haltung der
Sowjetunion in dieser Angelegenheit von uns und allen
anderen beteiligten Länder begrüßt wurde. Die Sowjets haben öffentlich erklärt, daß sie nur unter dem
Kommando der Vereinten Nationen Truppen in die
Region entsenden würden. Und das haben sie uns
auch in vertraulichen Gesprächen erklärt. Ich meine
also, daß wir abwarten müssen. Die Sowjets haben
jedoch politisch mit uns zusammengearbeitet, und
offengestanden können wir nicht mehr verlangen.

Frage: Wie beurteilen Sie die Chancen für eine
Beteiligung der Sowjetunion an den militärischen
Bemühungen zu Lande - entweder durch Streitkräfte
oder vielleicht Transportmittel?

Frage: Haben Sie um Hilfe beim Luft- und Seetransport gebeten, und haben sie darauf geantwortet?

*

AMERIKA DIENST 37

Antwort: Nur, daß sie darüber nachdenken würden.

* * *

*

Seite 5

�GOLFKRISE
19. September 1990

DEMOKRATEN UNTERSTÜTZEN BUSHS POLITIK
GEGENÜBER DEM IRAK
Erklärung von Richard Gephardt
WASHINGTON - (AD) - Die demokratische Mehrheit im amerikanischen Kongreß hat am 11. September erklärt,
sie unterstütze die Politik Präsident Bushs gegenüber der Aggression des Iraks. Der Vorsitzende der
demokratischen Fraktion im Repräsentantenhaus stellte in diesem Zusammenhang fest: "Der Präsident hat um
unsere Unterstützung gebeten. Er hat sie." Man könne und werde es "den Invasionstruppen eines fanatischen
Regimes nicht gestatten, die Hälfte der Erdölreserven zu kontrollieren, die für die Weltwirtschaft lebenswichtig
sind".
Die Erklärung von Gephardt hat folgenden Wortlaut.

Ich bin gebeten worden, die Antwort der Demokraten
auf die Ansprache des Präsidenten bekanntzugeben.
Heute abend in dieser Krise sind wir jedoch weder
Republikaner noch Demokraten. Wir sind nur Amerikaner, und darauf sind wir stolz.
Der Präsident hat um unsere Unterstützung gebeten.
Er hat sie. Die Bemühungen werden nicht leicht sein.
Sie schließen Lasten und mutige Taten ein, und dies
vielleicht in größerem Ausmaß, als wir uns das heute
vorstellen können. Das Ende des "langen Kampfes im
Zwielicht", wie Kennedy es nannte, hat der Dunkelheit
von Aggressionen und Konflikten kein Ende gesetzt.
Als Amerikaner treten wir jedoch mit einem bemerkenswerten Maß an Entschlußkraft und Zuversicht in
diese neue Welt ein. In unserem eigenen Land sind
das Gefühl der Geschlossenheit und das Fehlen einer
breiten Opposition gegen diese Aktion am Persischen
Golf Beweise für unsere machtvolle, instinktive Überzeugung, daß diese Sache es wert ist, sich dafür
einzusetzen und zu kämpfen.
Wir setzen uns ein - und werden gegebenenfalls
kämpfen -, weil ein lebenswichtiges nationales Interesse auf dem Spiel steht. Wir können und werden es den
Invasionstruppen eines fanatischen Regimes nicht
gestatten, die Hälfte der Erdölreserven zu kontrollieren, die für die Weltwirtschaft lebenswichtig sind.
Und doch geht es hier um mehr als um nationale
Interessen, so wichtig diese auch sein mögen. Die

AMERIKA DIENST 37

amerikanische Außenpolitik hatte stets eine moralische Komponente, und das muß auch in Zukunft der
Fall sein. Bisweilen wurde dies als Schwäche kritisiert,
aber in Wahrheit ist es unsere größte Stärke. Wenn
unsere Politik einen moralischen Kern hat, erlangen
wir dadurch eine unerschütterliche Entschlossenheit,
die sich auf die Tatsache gründet, daß wir für etwas
einstehen, an das wir glauben.
Wir stehen deshalb heute nicht einfach wegen des Öls
am Golf oder um Emire und Könige zu retten, sondern
um die unerläßlichen Grundwerte einer stabileren und
menschenwürdigeren Welt zu verteidigen. Wir verteidigen Grundrechte - von Familien auf Unverletzlichkeit
der Wohnung, von Nationen auf Sicherheit innerhalb
ihrer Grenzen, von Einzelpersonen auf Freizügigkeit
und Reisen ohne Furcht.
Der Tyrann, der Kuwait verwüstet hat, hat auch seine
eigenen Bürger mit Giftgas ermordet, er hat Pläne zur
Beschaffung von Atomwaffen geschmiedet, Völkermord gegen eine Minderheit begangen und jetzt Tausende von Männern, Frauen und Kindern als Geiseln
genommen.
Ihm auf dem Bildschirm zuzuschauen, wie er die Köpfe
von als Geiseln genommenen Kindern streichelt, erschüttert und empört uns.
Fest, eindeutig und umißverständlich müssen wir
Saddam Hussein sagen: Laß unsere Menschen gehen. Laß Kuwait gehen. Und wenn Sie einen Krieg

Seite 1

�vom Zaun brechen, sollen Sie wissen, daß wir ihn bis
zum Ende führen werden.
Wir haben in der Vergangenheit bereits erfahren, daß
die großen Konflikte, die sich auf die gesamte Welt
ausbreiten, aus kleinen, ungeahndeten Aggressionen
entstehen. Hätte die zivilisierte Welt weggeschaut,
dann hätte die irakische Kriegsmaschinerie die gesamte arabische Halbinsel überrollen können. Es
wäre nur eine Frage der Zeit gewesen, bis der Irak
ballistische Raketen mit chemischen, biologischen und
nuklearen Gefechtsköpfe besessen hätte, die Israel,
Ägypten und selbst Europa erreichen können.
Jetzt aber haben auch andere Staaten rechtzeitig
gehandelt. Zu ihnen gehört die Sowjetunion, ein Land,
das wir in den Jahren des kalten Krieges nicht oft
gelobt haben. Vom Gipfel in Helsinki, auf dem Präsident Gorbatschow und Präsident Bush ihre gemeinsame Entschlossenheit bekundeten, konnten wir über
den heute auf den Nahen Osten fallenden Schatten
des Krieges hinweg eine neue Weltordnung erblicken,
in der die Starken zusammenarbeiten, um Aggressionen abzuschrecken und aufzuhalten.
Genau dies war Franklin Roosevelts und Winston
Churchills Vision vom Frieden für die Nachkriegszeit.
Ihre Hoffnung, die in nahezu fünfzig Jahren des kalten
Krieges in den Hintergrund getreten war, ist in dieser
neuen, nachkommunistischen Ära zu neuem Leben
erwacht.
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin die führende
Kraft - die einzige Macht, die in der Lage ist, eine große
und weltweite Allianz von der Größenordnung aufzubieten, wie wir sie bei der Operation Wüstenschild
erleben. Es reicht jedoch nicht aus, wenn andere
Staaten unser Engagement teilen. Sie müssen auch

die Lasten teilen.
Wenn Bangladesh Truppen bereitstellt, um dem Verderben Einhalt zu gebieten, so sollten unsere mächtigen und wohlhabenden Verbündeten dasselbe tun.
Wenn Japan, die Bundesrepublik Deutschland und
andere NATO-Länder wesentlich stärker vom ö l des
Nahen Ostens abhängig sind als wir, dann können und
sollten sie zur Verteidigung ihrer eigenen vitalen Interessen am Persischen Golf beitragen.
Wenn Länder wie Ägypten an unserer Seite stehen
können, wenn junge Amerikaner an der Frontlinie nur
wenige Meilen von der Bedrohung durch Giftgas entfernt stehen, dann ist das Mindeste, was Japaner und
Deutsche tun können, uns zu unterstützen - und nicht
nur mit Worten. Sie müssen auf unsere möglichen
Opfer an Menschenleben zumindest mit eigenen finanziellen Opfern reagieren.
Wir stehen dort, weil es richtig ist. Es ist jedoch ebenso
richtig, unseren Freunden zu sagen, daß auch sie sich
internationaler Verwerflichkeit und Aggression in den

Seite 2

Weg stellen müssen. Die Vereinigten Staaten werden
ihren Teil dazu beitragen - und wir werden auch darauf
bestehen, daß andere Länder ihren Anteil an diesem
Kampf tragen.
Wir haben unsere Aufgabe noch nicht erfüllt, aber wie
machtvoll sind die Anzeichen für den Anbruch einer
neuen Welt. Heute erleben wir, wie ägyptische und
saudische Soldaten ungarische Gasmasken tragen
oder russische Gewehre, wie sie neben dem Gefreiten
aus Pittsburgh in der Wüste stehen, der in Israel
hergestellte ABC-Schutzkleidung trägt. Die Infamie
Saddam Husseins hat uns in der Tat zu Vereinten
Nationen gemacht.
Damit die Vereinigten Staaten aber letztlich ihrer
Führungsrolle in der Welt gerecht werden können,
müssen wir unsere Wirtschaft in Ordnung bringen.
Denn, wie ein anderer Präsident uns einmal in Erinnerung rief: "Wir können nicht im Ausland stark sein,
wenn wir zu Hause schwach sind."
Seit über einem Jahrzehnt gibt es in den Vereinigten
Staaten keine tragfähige Energiepolitik. Es ist an der
Zeit, für Energiesicherheit zu sorgen - mehr Produktion
und mehr Energieeinsparung, mehr Unterstützung für
neue Brennstoffe. Unser Ziel kann jedoch nicht darin
bestehen, die Vereinigten Staaten reif für den Isolationismus zu machen. Stattdessen müssen wir die
Fähigkeit der Vereinigten Staaten sicherstellen, in
Übersee zu handeln, ohne größere Schäden durch ein
ölembargo zu erleiden. Unser Land muß nicht auf
Dauer mit der Wahl konfrontiert sein, einer Aggression
entgegenzutreten oder lange Schlangen an den Tankstellen zu erdulden.
Wirtschaftliche Stärke erfordert darüber hinaus Maßnahmen gegen das Haushaltsdefizit. Um dem Präsidenten bei der Erarbeitung eines Haushalts zu helfen,
haben wir Demokraten Kürzungen bei bestimmten
Inlandsprogrammen angeboten, während wir gleichzeitig versuchen, die wichtigsten zu schützen. Aber wir
werden niemals die Sache der Arbeitnehmerfamilien
aufgeben. Sie haben am wenigsten von den achtziger
Jahren profitiert, und sie sollten nicht diejenigen sein,
die in den neunziger Jahren am meisten opfern müssen. Sie zahlen bereits an den Staat, ihre Schüler- und
Studentendarlehen wurden bereits gekürzt, und ihre
Söhne und Töchter sind am Persischen Golf in Gefahr.
Auch Präsident Bushs Verpflichtung zur Erhöhung von
Steuern muß mit dem Maßstab der Fairneß betrachtet
werden. Die arbeitende Bevölkerung, die von den
Steuererleichterungen der Vergangenheit fast keine
Vorteile hatte, darf nicht aufgerufen werden, den
Löwenanteil an den Steuererhöhungen von heute zu
tragen. Ebenso wie wir die reichen Nationen auffordern, ihren fairen Anteil zur Abschreckung der Aggression beizutragen, müssen wir die reichen Amerikaner
auffordern, ihren fairen Anteil zu tragen, um eine
Rezession abzuwenden und unsere Schulden zu senken.

AMERIKA DIENST 37

�Darüber hinaus müssen wir energisch an die Gestaltung der Verteidigungspolitik herangehen, die wir heute
benötigen - eine Politik, die zeitgemäßer und reaktionsfähiger ist.
Wir können und werden uns die Systeme leisten, die
für eine Operation im Stile von Wöstenschild entscheidend sind: Panzer, präzisionsgesteuerte Raketen und
schneller Seetransport.
Aber Krieg der Sterne, der B-2 Bomber und die MXRakete sind kostspielige Systeme, die für den kalten
Krieg geplant waren, den wir bereits gewonnen haben.
Wir können und müssen den Teil des PentagonHaushalts reduzieren, der lediglich ein Schattenboxen
mit der Vergangenheit darstellt.
Für uns alle gilt heute abend jedoch die größte Sorge
den grundsätzlichsten Realitäten - den Hunderten von
amerikanischen Familien, die einen Angehörigen haben,
der als Geisel festgehalten wird, den 100 000 jungen
Amerikanern in Uniform: Töchtern, Söhnen, Ehemännern, Ehefrauen und Freunden, die so rasch nach
Saudi-Arabien entsandt wurden. Bei einer Reise in
dieses Land konnte ich vor wenigen Tagen selbst
feststellen, wie sie den weglosen Wüstensand zu einer
Frontlinie der internationalen Verteidigung machten.
Ich sprach mit einem Soldaten, der mir beschrieb, wie
Telefonleitungen in der saudischen Sonne zerschmolzen. Piloten erzählten mir, daß die Temperaturen im
Cockpit bis zu 60 Grad Celsius erreichen.
Ein anderer junger Mann wollte eigentlich am nächsten
Sonntag heiraten. Diese Hochzeit muß warten. Bevor
er seiner Braut zuprostet, muß er jeden Tag über 20

*

AMERIKA DIENST 37

*

Liter Wasser trinken, nur um in der unbarmherzigen
Hitze zu überleben.
Keiner von den jungen Soldaten, mit denen ich sprach,
hatte Zweifel an seinem Auftrag. Sie stellen sich auf
Probleme wie das Eindringen von Sand in Maschinen
oder Getriebe mit jener bemerkenswerten amerikanischen Improvisationsgabe ein und reagieren auf
Rückschläge mit ihrem unverwüstlichen amerikanischen Humor. Am meisten machen sie sich darüber
Sorgen, daß ihre Familien sich Sorgen machen.
Randy King aus Arkansas überreichte mir eine hingekritzelte Botschaft für seine Mutter: "Mir geht's gut.
Keine Probleme. Schreib bitte. Ich liebe Dich, Randy."
Und Ronald Lloyd aus Idaho sprach für die meisten
Soldaten, als er mich bat, seiner Familie auszurichten,
sie solle "Briefmarken und Plätzchen schicken - und
von beidem jede Menge".
Ihr Mut gebietet unsere Unterstützung. Wir werden als
eine unteilbare Nation hinter ihnen stehen.
Wir werden andere Länder dazu auffordern, mit ihrer
Entschlossenheit und Opferbereitschaft gleichzuziehen.
Wir werden versuchen, diese Krise auf friedlichem
Wege zu bewältigen, aber ohne Beschwichtigungspolitik.
Und wenn unsere Soldaten kämpfen müssen, dann
werden wir sicherstellen, daß sie gewinnen.

Heute abend gilt unsere gemeinsame Entschlossenheit und unser Gebet ihnen und unserem Land.

*

*

Seite 3

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&lt;§ntassy of the United States of America
Libtsry Services
Deichmanns Aue 29

0
*

cimGrikci
dienet

6300 Bonn 2
U. S. I nformation Service
Embassy of the United States of America

12. September 1990

36

GOLFKRISE

BUSH: IRAKISCHE AGGRESSION "WIRD NICHT
BESTAND HABEN"
Rede im Kongreß
BAKER: JEDE AGGRESSION AM GOLF
ZUM SCHEITERN VERURTEILT
Pressekonferenz des US-Außenministers
in Brüssel

DEUTSCHLANDPOLITIK

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

EIN GEEINTES DEUTSCHLAND
IM EUROPÄISCHEN KONTEXT
Rede von Botschafter Walters in München

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFK RISE
36

12. September 1990

BUSH: IRAKISCHE AGGRESSION
"WIRD NICHT BESTAND HABEN"
Rede im Kongreß
»
WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor beiden Häusern des Kongresses hat Präsident Bush am 11.
September 1990 erklärt, "eine neue Partnerschaft der Nationen" stehe gemeinsam gegen die irakische
Besetzung Kuwaits. Er bekräftigte, daß die Vereinigten Staaten diese Aggression nicht hinnehmen werden.
Bush forderte erneut den "unverzüglichen und bedingungslosen" Rückzug des Iraks und die Wiederherstellung
der rechtmäßigen Regierung in Kuwait. Darüber hinaus erklärte der Präsident: "Wir erleben heute einen
einzigartigen und historischen Moment. Die Krise am Persischen Golf, so ernst sie ist, bietet auch eine seltene
Gelegenheit, einer historischen Periode der Zusammenarbeit näherzukommen. Aus diesen schwierigen Zeiten
... kann eine neue Weltordnung entstehen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Herr Präsident, Herr Vorsitzender, Mitglieder des
Kongresses, verehrte Gäste, liebe amerikanische
Mitbürger,
wir haben uns heute abend hier versammelt, um die
bedeutsamen und tragischen Ereignisse am Persischen Golf zu erörtern. Nach Verhandlungen und
Versprechungen des irakischen Diktators Saddam
Hussein, keine Gewalt anzuwenden, überfiel in den
frühen Morgenstunden des 2. August eine mächtige
irakische Armee den vertrauensvollen und erheblich
schwächeren Nachbarstaat Kuwait. Innerhalb von
drei Tagen standen 120 000 irakische Soldaten mit
850 Panzern in Kuwait und marschierten nach Süden,
um Saudi-Arabien zu bedrohen. Das war der Zeitpunkt, an dem ich beschloß, dieser Aggression entgegenzutreten.
Heute halten die mutigen Angehörigen unserer Streitkräfte in jenen fernen Wüsten und auf fernen Meeren
Wache, Seite an Seite mit Streitkräften aus über 20
anderen Ländern.
Sie gehören zu den besten Männern und Frauen der
Vereinigten Staaten von Amerika. Und sie leisten
hervorragende Arbeit.
Diese tapferen Amerikaner waren augenblicklich be-

AMERIKA DIENST 36

reit, ihre Ehegatten und Kinder zurückzulassen, um an
einer Front zu dienen, die eine halbe Weltreise entfernt
liegt. Sie erinnern uns daran, worin die Stärke der
Vereinigten Staaten liegt. Das tun sie.
Unter den schwierigen Bedingungen am Golf ist die
Moral unserer Soldaten außergewöhnlich gut. Im
Angesicht der Gefahr sind sie mutig, gut ausgebildet
und engagiert.
Ein Soldat, der Obergefreite Wade Merrit aus Knoxville
in Tennessee, der heute in Saudi-Arabien stationiert
ist, schrieb seinen Eltern von seinen Ängsten, seiner
Liebe zu seiner Familie und seinen Hoffnungen auf
Frieden. Er schrieb aber auch: "Ich bin stolz auf mein
Land und seinen festen Standpunkt gegenüber einer
unmenschlichen Aggression. Ich bin stolz auf meine
Armee und ihre Männer. ... Ich bin stolz darauf,
meinem Land zu dienen."
Wade, ich möchte Ihnen nur sagen, daß die Vereinigten Staaten stolz auf Sie sind. Unser Dank gebührt
jedem Soldaten, Matrosen, Marineinfanteristen und
Flieger, der am Persischen Golf im Dienste des Friedens steht.
Ich möchte darüber hinaus dem Vorsitzenden der
Vereinigten Stabschefs, General Powell, den Stabschefs selbst, unserem Kommandeur am Persischen
Seite 1

�Golf, General Schwartzkopf, und den Männern und
Frauen des Verteidigungsministeriums danken - Sie
haben eine solch hervorragende Arbeit geleistet.

zu vereiteln.

Ich wünschte, ich könnte sagen, ihre Arbeit sei getan.
Wir alle wissen jedoch, daß dies nicht der Fall ist.

Wir erleben heute einen einmaligen und außerordentlichen Moment. Die Krise am Persischen Golf, so ernst
sie ist, bietet auch eine seltene Gelegenheit, einer
historischen Periode der Zusammenarbeit näherzukommen. Aus diesen schwierigen Zeiten kann unser
fünftes Ziel - eine neue Weltordnung - entstehen: eine
neue Ära, freier von der Bedrohung des Terrorismus,
stärker im Streben nach Gerechtigkeit und sicherer in
der Suche nach Frieden. Ein Zeitalter, in dem die
Staaten der Welt, Ost und West, Nord und Süd, in
Harmonie gedeihen und leben können.

Wenn es jemals an der Zeit war, sein Land über sich
selbst zu stellen und Patriotismus über eine Partei,
dann ist diese Zeit jetzt gekommen. Ich möchte allen
Amerikanern für ihre Unterstützung unserer Streitkräfte und ihres Auftrags danken, besonders den in diesem Hause versammelten.
Diese Unterstützung wird in der kommenden Zeit noch
wichtiger sein.
Heute abend möchte ich Ihnen deshalb erläutern, was
auf dem Spiel steht - was wir gemeinsam unternehmen
müssen, um zivilisierte Werte in der ganzen Welt zu
verteidigen und unsere wirtschaftliche Stärke im Inland zu erhalten.
Unsere Ziele am Persischen Golf sind eindeutig, sie
sind definiert und allseits bekannt:
Der Irak muß sich vollständig, unverzüglich und
bedingungslos aus Kuwait zurückziehen.
Die rechtmäßige Regierung Kuwaits muß
wiederhergestellt werden.
Die Sicherheit und Stabilität des Persischen
Golfs muß gesichert werden.
Amerikanische Bürger im Ausland müssen
geschützt werden.
Dies sind nicht nur unsere Ziele. Sie wurden vom
UNO-Sicherheitsrat in den vergangenen Wochen fünfmal
gebilligt. Die meisten Länder teilen unsere Sorge um
Prinzipien, und zahlreiche Staaten haben ein Interesse
an der Stabilität des Persischen Golfs. Es handelt sich
eben nicht, wie Saddam Hussein es gerne hätte, um
die Vereinigten Staaten gegen den Irak. Der Irak steht
gegen die Welt.
Wie Sie wissen, bin ich gerade von einem sehr produktiven Treffen mit dem sowjetischen Präsidenten Gorbatschow heimgekehrt. Ich freue mich, daß wir zusammenarbeiten, um ein neues Verhältnis aufzubauen. Unsere gemeinsame Erklärung von Helsinki hat
der Welt gegenüber unsere gemeinsame Entschlossenheit bekräftigt, der irakischen Bedrohung des Friedens entgegenzutreten. Ich zitiere: "Wir sind gemeinsam der Überzeugung, daß die Aggression des Iraks
nicht toleriert werden darf. Eine friedliche Weltordnung
ist unmöglich, wenn größere Staaten ihre kleineren
Nachbarn verschlingen können."
Es ist eindeutig, daß sich kein Diktator mehr auf die
Ost-West-Konfrontation verlassen kann, um eine
gemeinsame Aktion der UNO gegen eine Aggression

Seite 2

Eine neue Partnerschaft der Nationen hat begonnen.

Hunderte von Generationen haben diesen verschlungenen Pfad zum Frieden gesucht, während Tausende
von Kriegen tobten. Heute kämpft eine neue Welt
darum, geboren zu werden. Eine Welt, die sich von der
uns bekannten stark unterscheidet. Eine Welt, in der
die Herrschaft des Rechts das Gesetz des Dschungels
ablöst. Eine Welt, in der die Nationen ihre gemeinsame Verantwortung für Freiheit und Recht anerkennen.
Eine Welt, in der der Starke die Rechte des Schwachen achtet.
Die vor uns liegende Prüfung ist groß - und das gleiche
gilt für den Einsatz, der auf dem Spiel steht. Dies ist der
erste Angriff auf die von uns angestrebte neue Welt,
die erste Prüfung unseres Muts. Hätten wir nicht mit
klarer Entschlossenheit auf diese erste Provokation
reagiert und würden wir unsere Entschlossenheit nicht
weiterhin unter Beweis stellen, wäre dies ein Signal für
gegenwärtige und potentielle Despoten in der ganzen
Welt.
Die Vereinigten Staaten und die Welt müssen gemeinsame lebenswichtige Interesse verteidigen. Und sie
werden es tun.
Die Vereinigten Staaten und die Welt müssen die
Herrschaft des Rechts unterstützen. Und sie werden
es tun.
Die Vereinigten Staaten und die Welt müssen sich
gegen Aggressionen zur Wehr setzen. Und sie werden es tun.
Und noch eines - beim Streben nach diesen Zielen
werden sich die Vereinigten Staaten nicht einschüchtern lassen.
Lebenswichtige Grundsatzfragen stehen auf dem Spiel.
Saddam Hussein versucht tatsächlich, einenStaat von
der Landkarte zu tilgen.
Wir übertreiben nicht. Und wir übertreiben auch nicht,
wenn wir sagen: Saddam Hussein wird scheitern.
Darüber hinaus stehen lebenswichtige Wirtschaftsinteressen auf dem Spiel. Der Irak selbst kontrolliert
etwa 10 Prozent der Welterdölreserven. Mit Kuwait

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�kontrolliert der Irak die doppelte Menge. Ein Irak, dem
es gestattet wäre, Kuwait zu schlucken, würde die
wirtschaftliche und militärische Macht, aber auch die
Arroganz besitzen, seine Nachbarn einzuschüchtern
und unter Druck zu setzen - Nachbarn, die den Löwenanteil der übrigen Welterdölreserven kontrollieren. Wir
können es nicht zulassen, daß solch lebenswichtige
Bodenschätze von jemandem beherrscht werden, der
so rücksichtslos handelt. Und wir werden es nicht
zulassen.
Die jüngsten Ereignisse haben eindeutig gezeigt, daß
es für die amerikanische Führungsrolle keinen Ersatz
gibt. Im Angesicht der Tyrannei sollte niemand Zweifel
an der amerikanischen Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit haben.
Niemand sollte an unserer Ausdauer zweifeln. Wir
werden unseren Freunden zur Seite stehen.
Auf die eine oder andere Weise muß der Führer des
Iraks diese grundsätzliche Wahrheit lernen.
Von Beginn an haben wir uns Hand in Hand mit
anderen darum bemüht, eine möglichst breite internationale Reaktion auf die irakische Aggression herbeizuführen. Das Ausmaß der weltweiten Zusammenarbeit und Verurteilung des Iraks ist einmalig.
Streitkräfte von Ländern aus vier Kontinenten sind dort
auf Bitten König Fahds von Saudi-Arabien anwesend,
um oinen Angriff abzuschrecken und. falls nötig, abzuwehren. Moslems und Nicht-Moslems, Araber und
Nicht-Araber, Soldaten aus vielen Ländern stehen
Seite an Seite, entschlossen gegen die Ambitionen
Saddam Husseins.
Wir können nun auf fünf Resolutionen des UNOSicherheitsrats bauen, in denen die irakische Aggression verurteilt, der unverzügliche und bedingungslose
Abzug des Iraks und die Wiederherstellung der rechtmäßigen Regierung Kuwaits gefordert und der zynische und egoistische Versuch des Iraks, Kuwait zu
annektieren, kategorisch abgelehnt wird.
Schließlich haben die Vereinten Nationen die Freilassung aller ausländischen Staatsbürger verlangt, die
gegen ihren Willen und unter Verletzung des Völkerrechts festgehalten werden. Es spricht jedem menschlichen Anstand Hohn, diese Menschen als "Gäste" zu
bezeichnen. Sie sind Geiseln, und die ganze Welt
weiß es.
Premienninisterin Thatcher hat es treffend gesagt:
"Wii schachern nicht um Geiseln. Wir werden nicht auf
das Niveau herabsinken, daß wir Menschen als Tauschobjekte benutzen. Niemals."
Natürlich sind wir mit unseren Herzen bei den Geiseln
und ihren Familien. Aber unsere Politik kann sich nicht

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ändern, und sie wird sich nicht ändern. Die Vereinigten
Staaten und die Welt werden sich nicht erpressen
lassen.
Heute sind Vereinte Nationen in greifbare Nähe gerückt, die so handeln, wie sich das ihre Gründer
vorgestellt hatten. Vieles davon verdanken wir der
hervorragenden Führung von Generalsekretär Perez
de Cuellar. Die Vereinten Nationen verleihen ihren
Worten durch Maßnahmen Nachdruck. Der Sicherheitsrat hat bindende Wirtschaftssanktionen gegen
den Irak verhängt, mit denen der Irak um die Beute
seiner illegalen Eroberung gebracht werden soll. Der
Sicherheitsrat hat femer den entscheidenden Schritt
unternommen, den Einsatz aller notwendigen Mittel zu
billigen, um die Einhaltung der Sanktionen zu gewährleisten.
Zusammen mit unseren Freunden und Verbündeten
befinden sich heute Schiffe der amerikanischen Marine auf Patrouille in nahöstlichen Gewässern. Sie
haben bereits über 700 Schiffe gestoppt, um die
Sanktionen durchzusetzen. Drei führende Politiker in
der Region, mit denen ich gestern gesprochen habe,
versicherten mir, daß die Sanktionen funktionieren.
Der Irak fühlt den Druck.
Wir hoffen weiterhin, daß die Führung des Iraks noch
einmal nachrechnen wird, was ihre Aggression sie
gekostet hat. Das Land ist vom Welthandel abgeschnitten. Es ist nicht in der Lage, sein Öl zu verkaufen. Und nur ein Bruchteil der Waren kommt durch.
In den Vereinigten Staaten können die tatsächlichen
Kosten unserer Führungsrolle äußerst hoch sein. Aus
diesem Grund sind Außenminister Baker und Finanzminister Brady mit Staats- und Regierungschefs aus
aller Welt zusammengetroffen, um zu unterstreichen,
daß die Lasten dieser gemeinsamen Bemühungen
geteilt werden müssen. Wir sind bereit, unseren
Beitrag und noch mehr zu leisten, um diese Last zu
tragen, aber wir bestehen darauf, daß auch andere
ihren Anteil übernehmen.
Die meisten unserer Freunde und Verbündeten haben
darauf positiv reagiert. Um die Kosten zu bestreiten,
haben sich die Führungen Saudi-Arabiens, Kuwaits
und der Vereinigten Arabischen Emirate bereit erklärt,
unsere dort stationierten Truppen mit soviel Nahrungsmitteln und Treibstoff zu versorgen, wie sie benötigen.
Darüber hinaus wird den tapferen Staaten an der
Frontlinie, wie etwa der Türkei und Ägypten, großzügige Hilfe geleistet.
Es rührt mich persönlich, berichten zu können, daß
diese internationale Reaktion auch die bedürftigsten
Opfer dieses Konflikts einbezieht - die Flüchtlinge. Wir
haben unsererseits 28 Millionen Dollar Hilfe bereitgestellt. Das ist jedoch nur ein Teil von dem, was benötigt

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�wird. Ich möchte in diesem Zusammenhang insbesondere auf Saudi-Arabien, Japan und einige europäische
Länder verweisen, die uns bei diesen humanitären
Bestrebungen unterstützt haben.
Darüber hinaus müssen auch die Belastungen im
Energiebereich getragen werden. Die ölproduzierenden Länder fangen bereits den Produktionsausfall im
Irak und in Kuwait auf. Mehr als die Hälfte des Ausfalls
konnte ersetzt werden. Wir können mit hervorragender Kooperation rechnen. Wenn die Förderländer,
einschließlich der Vereinigten Staaten, weiterhin Schritte zum Ausbau der Öl- und Gasförderung unternehmen, können wir die Preise stabil halten und uns vor
Härten schützen. Darüber hinaus haben wir zusammen mit unseren Verbündeten die Möglichkeit, ö l aus
unserer Treibstoffreserve für strategische Zwecke
abzuleiten, wenn die Umstände dies erfordern. Ich
habe bereits darauf verwiesen, wie wichtig Sparsamkeit ist, um unseren Energiebedarf so gering wie
möglich zu halten. Wir müssen aus einer größeren
Bandbreite unserer Energiequellen Nutzen ziehen:
Kohle, Erdgas, Wasser und Atomkraft. Unsere Vernachlässigung dieser Bereiche hat dazu geführt, daß
wir abhängiger von ausländischem Öl sind als je zuvor.
Außerdem sollte niemand es auch nur wagen, von
dieser Krise zu profitieren.
Ich kann nicht vorhersagen, wie lang es dauern wird,
um den Irak von einem Abzug aus Kuwait zu überzeugen. Sanktionen werden Zeit brauchen, bevor ihre
beabsichtigte Wirkung durchschlägt. Wir werden
weiterhin alle Optionen mit unseren Verbündeten
erwägen, aber eins sollte klar sein: Wir werden diese
Aggression nicht dulden.
Unser Interesse und unser Engagement im Golf haben
keinen vorübergehenden Charakter. Sie bestanden
bereits vor der Aggression Saddam Husseins und
werden sie überdauern. Lange nachdem all unsere
Truppen zurückkehren, werden die Vereinigten Staaten Hilfe für die Länder am Persischen Golf als permanente Aufgabe betrachten. Unsere Aufgabe besteht
unter anderem darin, eine künftige Aggression abzuschrecken. Unsere Aufgabe ist es, unseren Freunden
bei ihrer Selbstverteidigung zu helfen. Und wir wollen
die Weiterverbreitung chemischer und biologischer
Technologie sowie ballistischer Raketen und vor allem
Nukleartechnologie einzudämmen.
Ich möchte aber betonen, daß die Vereinigten Staaten
dem irakischen Volk nicht feindlich gegenüberstehen.
Unser Streit betrifft den irakischen Diktator und seine
Aggression. Die Annexion Kuwaits wird dem Irak nicht
gestattet werden. Das ist keine Drohung oder Großtuerei, sondern Tatsache.
Unsere Fähigkeit, als Großmacht im Ausland etwas
bewirken zu können, hängt von unserem Verhalten im
Inland ab. Unsere Wirtschaft, unsere Streitkräfte,
unsere Energieabhängigkeit und unser Zusammen-

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halt bestimmen, ob wir unseren Freunden helfen und
uns unseren Gegnern stellen können.
Wenn Amerika führen will, muß es stark und vital
bleiben. Unsere Führungsrolle in der Welt und unsere
innenpolitische Stärke beruhen auf Gegenseitigkeit
und verstärken sich gegenseitig; sie sind seit jeher eng
verknüpft.
Um unsere Führungsrolle zu erhalten, müssen wir
unser Haushaltsdefizit ansprechen - nicht nach der
Wahl oder im nächsten Jahr, sondern jetzt.
Höhere ölpreise verlangsamen unser Wachstum, urtd
höhere Verteidigungsausgaben würden unser Defizitproblem nur verschlimmern. Dieses Defizit ist bereits
umfangreicher als es sein sollte - geschätzte 232
Milliarden Dollar im nächsten Jahr. Es muß - und wird
- abgebaut werden.
Meine Freunde im Kongreß, wir müssen noch in diesem Monat gemeinsam handeln - bevor das nächste
Haushaltsjahr am 1. Oktober beginnt - um das wirtschaftliche Haus Amerikas in Ordnung zu bringen. Die
Situation im Golf läßt uns zu der Erkenntnis gelangen,
daß wir wirtschaftlich verwundbarer sind als wir das
jemals hätten sein sollen. Die Amerikaner dürfen nie
mehr in eine - wirtschaftliche oder militärische - Krise
geraten und dabei in solchem Maße abhängig von
ausländischem ö l sein und eine so überwältigende
Schuldenlast tragen.
Die meisten Amerikaner sind der endlosen Kämpfe im
Kongreß und zwischen den einzelnen Bereichen der
Regierung über Haushaltsprobleme müde. Es ist an
derZeit, daß wir zusammenhalten - und unsere Aufgabe erfüllen. Es ist an uns, dies wieder in den Griff zu
bekommen.
Diese Aufgabe besteht aus vier Teilen.
Erstens: Der Kongreß sollte noch in diesem Monat im
Rahmen eines Haushaltsabkommens wachstumsorientierte Steuermaßnahmen verabschieden - um
eine Rezession in naher Zukunft zu vermeiden und um
langfristig Spareinlagen, Investitionen, Produktivität
und Wettbewerbsfähhigkeit zu steigern. Diese Maßnahmen umfassen die Ausweitung von Anreizen für
Forschung und Entwicklung, Steuererleichterungen
für Hauskäufer, die Einrichtung von steuerlich begünstigten Sparplänen für Familien, Anreize für die Schaffung von Gewerbegebieten und Initiativen zur stärkeren Ölförderung im Inland sowie eine Senkung der
Kapitalertragssteuer.
Zweitens: Der Kongreß sollte noch in diesem Monat
ein durchdachtes mehrjähriges Verteidigungsprogramm
verabschieden - das nicht nur die Verbesserung der
Ost-West-Beziehungen, sondern unsere umfassendere Verantwortung widerspielt, mit den permanenten
Risiken gesetzloser Aktionen und regionaler Konflikte
fertigzuwerden. Auch angesichts unserer Verpflich-

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�tungen am Golf kann ein fester Verteidigungshaushalt
real reduziert werden, und wir sind bereit, das zu
akzeptieren. Aber einen Abbau der Verteidigung über
einen Punkt hinaus, an dem unsere Sicherheit bedroht
wird, kann ich niemals akzeptieren.

Sie muß das Wachstum der verdeckten Staatsschulden ansprechen.

Die Welt ist immer noch gefährlich. Zumindest das ist
eindeutig. Die Stabilität ist nicht gesichert. Amerikanische Interessen sind weitreichend. Die wechselseitige Abhängigkeit ist gestiegen. Regionale Instabilität
kann weltweite Auswirkungen haben. Dies ist nicht die
Zeit, um Amerikas Fähigkeit zum Schutz seiner lebenswichtigen Interessen zu aufs Spiel zu setzen.

Ich fordere den Kongreß auf, mir ein umfassendes
Fünfjahresprogramm zum Defizitabbau als Gesetzespaket an die Hand zu geben - inklusive Maßnahmen,
die gewährleisten, daß es vollständig durchgeführt
werden kann. Amerika ist der halbherzigen Defizitreduzierungen, des Ich-verspreche-heute-und-zahlemorgen müde. Genug ist genug. Es ist Zeit für ein
Programm, das glaubwürdig und reell ist.

Drittens: Der Kongreß sollte noch in diesem Monat
Maßnahmen zur Förderung der heimischen Energiegewinnung und -einsparung verabschieden, um die
Abhängigkeit von ausländischem Öl zu vermindern.
Diese Maßnahmen sollten meine Vorschläge einbeziehen, die Anreize für inländische Öl- und Gasgewinnung zu erhöhen, auf andere Treibstoffe auszuweichen und die Entwicklung der Energievorkommen in
Alaska ohne Schaden für die Tierwelt zu beschleunigen.
Wie Sie wissen, haben die Vereinigten Staaten zurZeit
des Ölembargos Anfang der siebziger Jahre fast 6
Millionen Barrel Öl pro Tag importiert. Vor der irakischen Invasion in diesem Jahr waren die Ölimporte der
Vereinigten Staaten auf fast 8 Millionen Barrel pro Tag
gestiegen. Wir haben die falsche Richtung eingeschlagen. Wir müssen jetzt etwas unternehmen, um
diesem Trend gegenzusteuern.
Viertens: Der Kongre ß sollte noch in diesem Monat ein
Fünfjahresprogramm verabschieden, im Rahmen
dessen die geschätzte Schuldenlast und das Defizit
um 500 Milliarden Dollar - eine halbe Billion - reduziert
werden kann. Wenn wir gemeinsam mit dem Kongreß
bis Ende des Monats ein zufriedenstellendes Programm erarbeiten können, können wir die Axt der
"Zwangsmaßnahmen" - einschneidende Kürzungen,
die unsere militärische Fähigkeit bedrohen und erhebliche Störungen im Inland hervorrufen würden - abwenden.
Ich möchte dem amerikanischen Volk mitteilen können, daß wir das Defizitproblem ein für allemal gelöst
haben. Damit ich das tun kann, muß eine Haushaltsvereinbarung folgende Bedingungen erfüllen:
Sie muß die von mir empfohlenen Maßnahmen umfassen, um das Wirtschaftswachstums anzukurbeln und
die Abhängigkeit von ausländischem Öl zu verringern.
Sie muß gerecht sein. Alle sollten einen Beitrag
leisten, aber die Belastung sollte nicht für bestimmte
Programme oder Personengruppen überdurchschnittlich ausfallen.

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Sie muß den Haushaltsprozeß reformieren und weiterhin muß sie reell sein.

Schließlich muß das Programm zum Defizitabbau
zwar neue Einnahmequellen erschließen, aber jede
Maßnahme vermeiden, die das Wirtschaftswachstum
bedroht oder uns in die Tage zurückversetzt, als
Einkommenssteuern bestrafenden Charakter hatten.
Das ist ein Weg, den wir nicht einschlagen sollten.
Ich bin mit den jüngsten Fortschritten sehr zufrieden,
auch wenn es dabei nicht immer reibungslos zuging.
Aber jetzt ist es an der Zeit, etwas zu tun.
Ich hoffe, daß wir einen verantwortungsbewu ßten Plan
ausarbeiten können. Aber mit oder ohne Vereinbarung vom Haushaltsgipfel fordere ich beide Häuser
des Kongresses auf, bis zum 28. September eine klare
und eindeutige Entscheidung über ein Paket zum
Defizitabbau im Umfang von 500 Milliarden Dollar zu
treffen.
Wenn der Kongreß mir keinen Haushalt geben kann,
werden die Amerikaner unweigerlich harte Zwangsmaßnahmen hinnehmen müssen.
Ich hoffe und vertraue jedoch darauf, daß der Kongreß
das tun wird, was er tun muß. Wir in der Exekutive
werden das unsrige tun.
Unsere Fähigkeit, unseren Pflichten im Ausland nachzukommen, hängt letztlich auch vom politischen Willen
und vom Konsens im Inland ab. In Demokratien - wo
wir nur mit der Zustimmung der Regierten regieren - ist
es niemals einfach Und obwohl freie Menschen in
einer freien Gesellschaft ein Recht auf Differenzen
haben, haben Amerikaner in Zeiten, wo sie angegriffen
oder herausgefordert wurden, immer zusammengestanden.
Wieder einmal sind Amerikaner hervorgetreten, um
mit ihren Familien einen tränenreichen Abschied zu
feiern, bevor sie zu feindlichen und fernen Ufern aufbrachen. In diesem Augenblick dienen sie gemeinsam
mit Arabern, Europäern, Asiaten und Afrikanern, um
den Grundsatz und den Traum von einer neuen Weltordnung zu verteidigen. Deshalb schwitzen sie und
quälen sich im Sand und der Hitze und der Sonne.

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�Wenn man sich trotz aller Gegensätze zusammenschließen kann, wenn alte Gegner wie die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten für eine gemeinsame
Sache kämpfen, dann können wir, die wir das Glück
haben, in diesem Hause - aus Demokraten, Republi-

kanern, Liberalen und Konservativen - anwesend zu
sein, erst recht zusammenfinden, um unsere Pflicht
hier zu erfüllen.
Ich danke Ihnen, guten Abend und Gott schütze Amerika.

* * * *

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*

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�GOLFKRISE
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12. September 1990

BAKER: JEDE AGGRESSION AM GOLF
ZUM SCHEITERN VERURTEILT
Pressekonferenz des US-Außenministers in Brüssel
BRÜSSEL - (AD) - Au ßenminister Baker zufolge ist der Überfall des Iraks auf Kuwait ebenso wie alle zukünftigen
Aggressionen Bagdads am Golf zum Scheitern verurteilt. "Saddam Husseins Aggression gegen Kuwait kann
nicht Bestand haben, und die Welt mu ß sicher sein, daß er auch in Zukunft zu keinerlei Aggressionen in der Lage
ist," erklärte Baker am 10. September 1990 nach einer Sondersitzung des Nordatlantikrats in Brüssel.
Darüber hinaus stellte Baker klar, daß "die Kosten für die Vereitelung der irakischen Aggression zweifelsohne
von uns allen getragen werden müssen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz von Außenminister Baker in leicht gekürzter Fassung:
BAKER: Bevor ich Ihre Fragen entgegennehme,
möchte ich Ihnen kurz die wichtigsten Punkte unserer
heutigen Gespräche erläutern.
Erstens, wie ich vergangene Woche vor dem Kongreß
und heute vor dem Nordatlantikrat erklärt habe, sind
wir der Meinung, daß die nichtprovozierte Invasion und
andauernde Besetzung Kuwaits durch den Irak ein
politischer Prüfstein für das Funktionieren der Welt
nach dem kalten Krieg ist.
Die Art und Weise, in der wir und eine Koalition
demokratischer Staaten reagieren, wird ein Maßstab
dafür sein, wie gut sich die westlichen Sicherheitsorganisationen, also NATO und WEU, auf die Gefahren
von heute und die Bedrohungen von morgen einstellen
können.
Zweitens habe ich die Mission zur Teilung von Verantwortung erläutert, mit der unser Finanzminister und ich
uns in der vergangenen Woche befaßt haben. Wir
bezeichnen diese Mission aus gutem Grund als "Teilung von Verantwortung".
Die Kosten für die Vereitelung der irakischen Aggression müssen zweifelsohne von uns allen getragen
werden. Die übergeordnete Verantwortung für den
Aufbau einer friedlicheren Welt rechtfertigt solche Lasten
durchaus.
Meine Reise in die Goifstaaten und nach Ägypten war
- so denke ich - besonders produktiv: politisch, militärisch und wirtschaftlich. Ich fand eine regionale Koalition vor, die sich entschlossen der irakischen Aggres-

AMERIKA DIENST 36

sion entgegenstellt. In Ägypten ist Präsident Mubarak
sowohl politische als auch militärische Verpflichtungen
eingegangen, um eine regionale Allianz gegen Saddam Hussein zu unterstützen. Die Golfstaaten haben
ein besonders wichtiges Engagement zugesagt.
Nachdem ich während meiner Anreise zur NATO
soeben mit unseren Botschaftern in Saudi-Arabien
und den Vereinigten Arabischen Emiraten gesprochen
habe, freue ich mich, ankündigen zu können, daß sich
Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen
Emirate verpflichtet haben, bis zum Jahresende annähernd 12 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen.
Dazu gehört auch Wirtschaftshilfe an Länder wie Ägypten
und die Türkei, die beim Wirtschaftsembargo gegen
den Irak an vorderster Front stehen.
Nahezu die Hälfte dieser 12 Milliarden Dollar wird
eingesetzt, um die Kosten des amerikanischen militärischen Engagements am Golf zu tragen. Ein erheblicher Teil dieses Beitrags wird in materiellen Leistungen bestehen: Treibstoff, Wasser, Verpflegung und
anderes unentbehrliches Material.
Damit komme ich zu einer meines Erachtens zentralen
Tatsache bei der Teilung von Verantwortung, nämlich,
daß Geld allein nicht ausreichend ist. Die zugesagten
Milliarden Dollar können nicht hoch genug veranschlagt werden, aber alles Geld der Welt kann nicht die
Luft- und Seetransportfähigkeiten ersetzen, die heute
benötigt werden, um schwer bewaffnete Einheiten zu
ihrem Einsatzort und Flüchtlinge nach Hause zu transportieren. Die demokratischen Industriestaaten Europas und Asiens, die umfangreiche Luft- und See-

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�transportfähigkeiten besitzen, können helfen, indem
sie Schiffe und Flugzeuge für diesen lebenswichtigen
Bedarf zur Verfügung stellen. Von meinen hier versammelten Kollegen habe ich heute morgen vernommen, daß die Bereitschaft zu einer positiven Antwort in
diesem Bereich besteht.
Drittens habe ich das gestrige Treffen Präsident Bushs
mit Präsident Gorbatschow erläutert. Ich möchte
zunächst feststellen, daß die Sowjets in der weltweiten
Koalition, die Saddam Hussein erfolgreich isoliert hat,
stets sehr verläßliche Partner waren.
In seinen Gesprächen mit Präsident Bush bekräftigte
Präsident Gorbatschow sein Engagement für die
Vereitelung der irakischen Aggression. Es bestanden
wirklich keine substantiellen Meinungsverschiedenheiten über die Bewältigung des Golfkonflikts zwischen den beiden Präsidenten. Insbesondere möchte
ich hier die sowjetische Unterstützung für den Grundtenor hervorheben, wie er in der gestrigen gemeinsamen Erklärung zum Ausdruck kommt: "Nichts unterhalb der vollständigen Erfüllung der Resolutionen des
UNO-Sicherheitsrats ist akzeptabel." Auch hier am
Konferenztisch der NATO haben sich unsere Kollegen
ausnahmslos hinter dieses Prinzip gestellt, das Teillösungen ausschließt.
Zum Schluß habe ich meine Kollegen auf die Notwendigkeit hingewiesen, in die Zukunft zu blicken. Wenn
unsere kurzfristigen Ziele erfüllt und insbesondere
dieser besondere Fall der irakischen Aggression gelöst ist, werden wir weiterhin zusammenstehen, um
jede zukünftige Aggression des Iraks zu verhindern.
Sicherlich werden die friedliebenden Regierungen am
Persischen Golf und die internationale Staatengemeinschaft kreative, multilaterale Vereinbarungen in
Erwägung ziehen müssen, um sich gegen künftige
Aggressionen abzusichern.
Zusammen mit den Ständigen Mitgliedern des UNOSicherheitsrats müssen die Regierungen in der Region
einschneidende international gebilligte Maßnahmen
und Verfahren prüfen, um die von den irakischen
Massenvernichtungswaffen ausgehende Bedrohung
zu verringern. Der Nichtverbreitungsvertrag muß
eindeutig gestärkt werden, und möglicherweise werden weitere Maßnahmen erforderlich sein, wenn ein
Gesetzloser wie Saddam Hussein in wenigen Jahren
in den Besitz von Atomwaffen gelangen kann.
Die Grundlinie ist also ganz klar folgende: Saddam
Husseins Aggression gegen Kuwait kann nicht Bestand haben, und die Welt muß sicher sein, daß er
auch in Zukunft zu keinerlei Aggressionen in der Lage
ist.
Frage: Herr Außenminister, zunehmende Erwartungen deuten darauf hin, daß Sie Syrien besuchen
werden. Können Sie uns über den Zweck dieses
Besuchs Auskunft geben und erklären, ob die Syrer
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Militär- oder Finanzhilfe odereine Kombination daraus
erhalten werden? Die Ägypter haben eine solche
Kombination bekommen. Die Saudis werden Waffen.
erhalten. Sie haben gerade von der Verbreitung von
Waffen gesprochen. Eines der Länder, über die sich
die Vereinigten Staaten in der Vergangenheit in Zusammenhang mit der Verbreitung von Waffen Sorgen
machten, war Syrien. Könnten Sie dazu Stellung
nehmen?
Antwort: Um auf den Kern der Frage einzugehen, so
liegen mir Informationen vor, daß einige Golfstaaten
Syrien gegenüber bereits gewisse Verpflichtungen
eingegangen sind. Zweitens hat der Präsident mich
gebeten, nach Damaskus zu reisen, und ich werde von
Moskau aus dorthin fliegen, wahrscheinlich am Donnerstag abend. Die Gespräche werden dann am
Freitag stattfinden.
Meines Erachtens gibt es keinen schlagenderen Beweis
für die Isolation Saddam Husseins in der arabischen
Welt als die Ablehung des irakischen Überfalls auf
Kuwait durch Syrien. Das Land hat bedeutende Streitkräfte für den multinationalen Truppenaufmarsch bereitgestellt. Diese Präsenz ist wichtig. Die Haltung des
Landes in dieser Frage ist sicherlich bedeutsam, da es
an den nördlichen Irak angrenzt und über substantielle
Streitkräfte verfügt.
Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und Syrien waren in der Vergangenheit nicht gut, und
wir würden eine Verbesserung dieser Beziehungen
begrüßen. Eine solche Verbesserung hängt jedoch
noch von anderen Faktoren ab als von der Tatsache,
daß wir uns heute in dieser Frage auf der gleichen
Seite befinden. Wir haben weiterhin bestimmte Differenzen mit Syrien, und wir erwarten, daß diese Differenzen ebenso wie unser beiderseitiges Interesse
daran zur Sprache kommt, die Isolation Saddam
Husseins aufrechtzuerhalten und diese nichtprovozierte Aggression zunichte zu machen.
Frage: Worum werden Sie Hafis al-Assad bitten?
Wollen Sie irgendetwas Bestimmtes von ihm? Was ist
der wirkliche Zweck Ihrer Reise?
Antwort: Wie ich bereits andeutete, sind wir der
Meinung, daß die Position Syriens in dieser ganzen
Angelegenheit sehr wichtig ist. Das Land hat Truppen
in die Region entsandt. Offengestanden sind wir sehr
an der syrischen Einschätzung der Lage und insbesondere der Position von anderen arabischen Ländern
interessiert. Der Präsident war der Ansicht, daß es ein
wichtiger Zeitpunkt sei, um einen direkten Dialog mit
der Führung Syriens aufzunehmen.
Frage: Um zu unterstreichen, was er getan hat?
Antwort: Nun, Syrien hat sehr zu den internationalen
Bemühungen beigetragen, Saddam Hussein zu isolieren. Das Land hat die UNO-Resolutionen offen unterstützt, und es unterstützt heute die Tatsache der
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5

�amerikanischen Präsenz in Saudi-Arabien. Es ist
wichtig, daß wir ein direktes Gespräch über die Lage
am Golt und darüber tühren, wie wir zusammenarbeiten könnten, um gemeinsame Ziele zu erreichen.
Frage: Das US-Außenministerium hat Syrien aut die
Liste von Staaten gesetzt, die den Terrorismus unterstützen. Syrien ist vom US-Außenministerium und
dem CIA der Verwicklung in den Bombenanschlag auf
eine Maschine der Pan Am bei Lockerbie bezichtigt
worden. Bis heute entsprach es der Politik des Außenministeriums, Syrien zu isolieren. Ich verstehe nicht,
wie Sie - weil das Land uns in dieser einen Frage
unterstützt - plötzlich all das beiseiteschieben können,
eine Kehrtwendung machen und Syrien durch Ihren
Besuch aufwerten - den ersten Besuch eines hochrangigen US-Vertreters seit Jahren.
Antwort: Ich habe gerade erklärt, daß wir weiterhin
Schwierigkeiten mit Syrien haben. Sie haben auf
einige der wichtigsten Probleme verwiesen, und wir
wei den diesen Besuch nutzen, um diese Probleme zur
Sprache zu bringen. Mir scheint es außerordentlich
wichtig zu sein, daß wir in einer Lage, wie wir sie am
Golf derzeit haben, mit einem wichtigen arabischen
Land zusammenarbeiten, das in diesem Fall dieselben
Ziele verfolgt wie wir. Das bedeutet nicht, daß die
früher belasteten Beziehungen über Nacht gut werden, und es bedeutet nicht, daß wir nicht auch weiterhin einige Meinungsverschiedenheiten haben werden.
Ich bin ziemlich sicher, daß Syrien auch weiterhin
einige Probleme mit den Vereinigten Staaten haben
wird. Aber bei diesen Fragen und zu diesem äußerst
wichtigen Problem, was getan werden muß, um die
nichtprovozierte Aggression durch den Irak zu vereiteln, verfolgen wir dieselben Ziele.
Frage: Werden Sie Syrien unter anderem darum
bitten, die PFLP-GC auszuweisen, jene terroristische
Gnippe, die für den Anschlag auf die Pan Am-Maschine verantwortlich ist?
Antwort: Wir werden mit den Syrern weiterhin über
die PFLP-GC sprechen, und wir werden ihnen weiterhin die Probleme erläutern, die sich für uns aus der
Anwesenheit dieser Gruppe in Syrien ergeben sowie
die Schwierigkeiten, die uns die Präsenz der Gruppe
überhaupt bereitet. Ich möchte Sie daran erinnern,
daß ich vor einem Jahr bei den Vereinten Nationen ein
Gespräch mit dem syrischen Außenminister hatte und
daß wir die Syrer auch weiterhin durch unseren Botschafterin Damaskus über unsere Haltung in Kenntnis
setzen. Wir unterhalten ja Beziehungen mit Syrien.
Frage: Haben Sie Ihre Partner heute um die Entsendung von Bodentruppen gebeten? Haben Sie dabei
um die Entsendung eines symbolischen Kontingents
gebeten, oder was genau haben Sie gewollt? Und wie
war die Reaktion darauf, welche Reaktion hatten Sie
sich erhofft?

AMERIKA DIENST 36

Antwort: Erstens sollten wir uns alle der Tatsache
bewußt sein, daß zwei NATO-Länder eine erhebliche
landgestützte Präsenz in der Region unterhalten: die
Vereinigten Staaten von Amerika und die Türkei. Zwei
weitere NATO-Länder haben ebenfalls Bodentruppen
in der Region: Großbritannien und Frankreich. Ich
habe erklärt, daß wir zusätzliche Bodentruppen in der
Region begrüßen würden, wenn andere am Konferenztisch vertretene Länder es als angemessen betrachten würden, sie zu entsenden. Wir würden dies
begrüßen, selbst wenn es sich nur um symbolische
Kontingente handelte. Dies waren meine Worte.
Frage: Herr Au ßenminister, vielleicht konnten Sie das
Interview des NATO-Oberbefehlshabers, General
Galvin, in einer Londoner Zeitung lesen, der es jetzt als
unvermeidlich bezeichnete, daß die NATO ihre Operationen nach außerhalb ihres Bündnisgebiets in die
Region verlagern müsse. Sind Sie der Meinung, daß
die NATO direkt in die neuen Sicherheitsvereinbarungen nach Bewältigung der Irak-Krise, die Sie vorhin
erwähnten, eingebunden werden sollte?
Antwort: Ich habe das Interview mit General Galvin
nicht gelesen. Ich möchte hier nur darauf verweisen,
daß die rechtliche Frage, ob es sich bei der Irak-Krise
um eine Angelegenheit handelt, die außerhalb des
Bündnisgebiets der NATO liegt, nicht zur Sprache
gekommen ist. Es gab eine breite Diskussion über die
Krise. Vollständige Konsultationen. Sie sind über
unsere Bitten informiert. Einige standen mit den
NATO-Streitkräften im Mittelmeer in Zusammenhang,
einige mit AWACS, einige mit einer Vielzahl anderer
Dinge.
Niemand war jedoch der Meinung, es sei unangemessen, daß wir uns treffen, um über die Reaktion auf
diese Krise zu sprechen. Man kann einzeln reagieren
und kollektiv, indem man Konsultationen und politische Diskussionen über die Bedeutung der Krise und
unsere Reaktion darauf abhält. Das haben wir gemeint, das haben wir im Verlauf des vergangenen
Jahres gemeint, wenn wir gesagt haben, die politische
Komponente des Bündnisses sollte gestärkt werden,
und genau das findet jetzt statt.
Ich habe General Galvins Erklärung nicht kommentiert. Ich möchte dies nicht tun, weil ich sie nicht
gelesen habe. Ich möchte Ihnen jetzt noch die Liste
unserer Anfragen vorlesen.
Erstens haben wir im Hinblick auf militärische Aktivitäten darum ersucht, daß der Oberausschuß für Zivile
Verteidigungsplanung, vielleicht in Zusammenarbeit
mit der WEU, die ziemlich umfangreichen Beiträge für
den Luft- und Seetransport koordiniert. An dieser
Stelle möchte ich noch anmerken, daß mir am Konferenztisch heute weitere Luft- und Seetransportkapazitäten angeboten wurden, die über frühere Offerten
hinausgehen.

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�Zweitens habe ich um eine Erweiterung des Einsatzbereichs des Marineeinsatzverbands für das Mittelmeer nach Osten gebeten, um eine Präsenz im östlichen Mittelmeer zu gewährleisten und damit zum
Schutz der Flanken beizutragen.

Dänemark hat mir während des Treffens eine Notiz
zukommen lassen, derzufolge das Land zwei Frachter
für den Transport ägyptischer Truppen bereitstellen
werde. Und das sind die einzigen Angebote, die ich
hier mit gutem Gewissen bekanntgeben kann.

Im Hinblick auf die Zusammenarbeit bei der Aufklärung
habe ich eine Erweiterung des AWACS-Erfassungsbereichs in der südlichen Region vorgeschlagen, die
sich auf die Stationierungen in der Türkei stützen kann.

Frage: Gerade haben Gespräche zwischen Bagdad
und Teheran stattgefunden. Ich würde gern erfahren,
ob die amerikanische Regierung die Möglichkeit einer
Aufhebung des Embargos durch den Iran in Erwägung
gezogen hat?

In bezug auf die Türkei haben wir die Mitgliedstaaten
gebeten, sich soweit wie möglich daran zu beteiligen,
um die gegenwärtigen Bemühungen zur Erleichterung
der wirtschaftlichen Belastungen zu unterstützen, die
der Türkei durch die Krise entstehen.
Was Ägypten betrifft, so haben wir die Mitgliedstaaten
darum gebeten, auf bilateraler Grundlage Wirtschaftsund Militärhilfe zu leisten, Transportkapazitäten und
logistische Unterstützung für den Transport ägyptischer Streitkräfte nach Saudi-Arabien bereitzustellen.
Darüber hinaus haben wir Luft- und Seetransportkapazität für diejenigen Länder erbeten, die um solche
Hilfe zur Evakuierung ihrer Flüchtlinge aus Jordanien
ersuchen.
Sodann haben wir die Mitgliedstaaten aufgefordert,
den Staaten Mittel- und Osteuropas, deren Volkswirtschaften durch die Einhaltung der Sanktionen geschädigt werden, weitere Wirtschaftshilfe zu gewähren.
Zum Schluß haben wir alle Mitgliedstaaten gebeten,
ihre Bemühungen zur Einhaltung der Sanktionen noch
zu verstärken, damit das Embargo so undurchlässig
wie möglich ist. Möchten Sie, daß ich auch noch die
Dinge aufzähle, die am Konferenztisch zusätzlich
genannt wurden?
Frage: Ja.
Antwort: Im Hinblick auf die Bundesrepublik Deutschland hat deren Außenminister von zusätzlicher Luftund Seetransportkapazität gesprochen.
Von den Niederlanden wurde zusätzliches Material
zum Schutz vor chemischer und biologischer Kriegführung genannt.
In bezug auf Belgien war die Rede von belgischen
Flugzeugen für Ägypten, zum Heimtransport von Flüchtlingen aus Kuwait. Femer von zusätzlicher Nahrungsmittelhilfe an Ägypten, insbesondere der Lieferung von
20 000 Tonnen Weizen.
Norwegen erklärte, es werde zusätzliche humanitäre
Hilfe für Flüchtlinge bereitstellen und nach parlamentarischen Konsultationen auf unsere speziellen Wünsche eingehen. Die griechische Handelsmarine stellt
drei Schiffe für den Seetransport im Rahmen der
multinationalen Bemühungen zur Verfügung.

Seite 4

Antwort: Der Iran hat konsequent erklärt, daß er die
UNO-Resolutionen zu befolgen gedenkt. Der Iran
steht mit dem Irak in Friedensverhandlungen oder kurz
vor deren Abschlu ß. Die arabischen Regierungen, mit
denen wir gesprochen haben, gehen nicht davon aus,
da ß die alte Feinschaft verschwunden ist, daß die alten
Animositäten ausgeräumt wurden. Sie sind deshalb
der Meinung, daß sich der Iran auch weiterhin an den
internationalen Konsens halten und das Embargo
beachten wird.
Frage: Bei ihren Äußerungen über chemische und
biologische Massenvernichtungswaffen im Irak - ich
nehme an, das schlie ßt atomare Waffen ein - haben sie
zwei Dinge gesagt. Eines war die Verwendung des
Wortes einschneidend - einschneidende international
sanktionierte Verfahren. Ferner haben sie am Ende
dieser Äußerung etwas über andere Mittel gesagt, die
über die Vereinbarungen zur Nichtverbreitung hinausgehen. Können Sie erklären, was Sie mit einschneidenden Maßnahmen meinen und was diese anderen
Mittel sein könnten?
Antwort: Wenn ich im einzelnen hätte erläutern
wollen, was diese anderen Mittel sind, so hätte ich das
im einzelnen dargelegt und nicht im allgemeinen. Ich
möchte darauf nicht näher eingehen. Ich möchte
lediglich sagen, daß es nun an der Zeit ist, uns Gedanken darüber zu machen, wie wir in Zukunft im Hinblick
auf andere Länder eine Wiederholung dieser Ereignisse verhindern können oder daß er sich eine atomare
Fähigkeit verschafft. Weithin wird ja angenommen,
daß er nicht mehr weit davon entfernt ist. Einschneidend, damit meine ich Vor-Ort-Inspektionen und ähnliche Dinge. Wir müssen uns einfach Gedanken
darüber machen, wie wir der Weiterverbreitung von
atomaren, chemischen und biologischen Waffen sowie
Raketensystemen in der ganzen Welt Einhalt gebieten
können.
Frage: Vor wenigen Tagen hat der dänische Außenminister nach dem Treffen der EG-Außenminister in
Rom erklärt, Europa sollte sich jetzt zusammenreißen
und bereit sein, in Zukunft gemeinsam militärisch zu
handeln und die Rolle des Weltpolizisten nicht länger
nur den Vereinigten Staaten zu überlassen. Was
halten sie von dieser Erklärung?

AMERIKA DIENST 36

�Antwort: Wir begrüßen die Bemühungen aller, die
uns bei der Lösung dieses Problems helfen wollen, und
so weit ich sagen kann, arbeitet die internationale
Staatengemeinschaft ausgesprochen gut zusammen,
wobei nahezu alle Staaten je nach ihren Fähigkeiten
substantielle und bedeutsame Beiträge leisten. Ich
werde nachher mit der EG sprechen. Wir haben heute
morgen den italienischen Außenminister gehört, der
sowohl als Außenminister Italiens als auch aufgrund
der gegenwärtigen EG-Präsidentschaft seines Landes Stellung genommen hat. Ich gehe davon aus, daß
man dort einige wichtige Dinge beschließen wird, aber
es ist natürlich ihre Sache zu verkünden, welche
Schritte das sein werden.
Frage: Ich möchte noch einmal auf Syrien zurückkommen, denn soweit ich sagen kann, hat jeder hier auf die
eine oder andere Weise versucht, anzudeuten, daß
wir, wenn wir Syrien in unseren Schirm einbeziehen, in
gewisser Weise eine Linie überschreiten - denn in der
Tat ist doch Syrien ebenso wie der Irak ein gesetzloser
Staat, der bereits wesentlich länger auf unserer Terrorismusliste steht als der Irak. Das dortige Regime hat
in der Stadt Hama 20 000 seiner eigenen Bürger
massakriert. Und wenn man jetzt sozusagen erklärt,
Syrien beteilige sich irgendwie an der internationalen
Koalition gegen den Irak aufgrund seiner Besorgnis
über das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit, so ist dies
wirklich unaufrichtig. Dieses Regime hat eine...
Antwort: Das habe ich nicht behauptet. Sie haben
niemals eine solche Behauptung von mir vernommen.
Frage: Aber ich meine, sind Sie nicht besorgt...
Antwort: Ich sage nur, daß sie da sind.
Frage: Sie sind da, aber machen Sie sich keine
Sorgen darüber, da ß wir dadurch, da ß wir sie einbeziehen, unsere eigene moralische Glaubwürdigkeit in
dieser Frage schwächen?
Antwort: Ich weiß nicht, was sie mit "einbeziehen"
meinen. Wir werden uns zusammensetzen und mit
ihnen direkte Gespräche führen, ebenso wie wir mit
einer Reihe anderer Regierungen gesprochen haben,
mit denen wir weniger formelle Beziehungen unterhaltei i als sie mit Syrien schon seit langem bestehen. Wir
sprechen mit Vietnam. Wir sprechen mit Phnom Penh.
Wir reden mit vielen Leuten aus vielen unterschiedlichen Gründen. Und ich habe Ihnen gegenüber die
Gespräche qualifiziert, die ich in Syrien führen werde.
Frage: Um noch einmal auf Ihre Bemerkung über die
Isolierung des Iraks zurückzukommen. An der anderen Flanke des Iraks befindet sich der Iran, und ich
frage mich, ob die von Ihnen erläuterten Prinzipien
über Gespräche mit Syrien auch auf den Iran zutreffen? (unverständlich) ein Signal an den Iran zu senden, daß wir diese Hürden dort überwinden möchten?

AMERIKA DIENST 36

Würden wir beispielsweise in Betracht ziehen, iranisches Öl zu kaufen? Wie steht es mit der Geiselfrage
als noch zu lösendem Problem?
Antwort: Wir würden alle Maßnahmen des Iran
begrüßen, die zur Isolierung des Iraks beitragen. Darauf
können Sie wetten. Wurde dem Iran diese Botschaft
übermittelt? Darauf können Sie wetten. Würden wir
heute nach Teheran reisen? Nein. Aus Gründen, die
jedermann gut bekannt sind, unterhalten wir mit dem
Iran überhaupt keine Beziehungen. Wir haben Beziehungen zu Syrien, obwohl diese nicht gut sind. Wir
haben dort eine Botschaft. Wir haben schon seit
langem einen Botschafter dort, und das ist eine völlig
andere Lage. Wir haben jedoch Kanäle, über die wir
mit dem Iran sprechen, und ich möchte feststellen, daß
wir die Tatsache begrüßen, daß der Iran sich zur
Einhaltung der Sanktionen der internationalen Staatengemeinschaft gegen den Irak und der UNO-Sanktionen bekannt hat.
Frage: Als Sie diese Botschaft sandten, haben Sie
danach über diese Kanäle eine Antwort vom Iran
erhalten?
Antwort: Ja.
Frage: Und wie lautete diese Botschaft?
Antwort: Vielen Dank für Ihre Botschaft.
Frage: Zur Frage der Bodentruppen haben Sie uns
lediglich mitgeteilt, was Sie im Rat erklärt haben,
nämlich, daß Sie eine zusätzliche Präsenz begrüßen
würden, selbst wenn sie nur symbolisch wäre. Haben
Sie am Tisch eine Antwort, irgendwelche Reaktionen
vernommen?
Antwort: Wir haben über bilaterale Kanäle Antworten
erhalten, und ich habe lediglich erwähnt, daß wir
zusätzliche Bodentrupen begrüßen würden. Zwei
Länder unterhalten bereits erhebliche landgestützte
Kampftruppen in der Region. Ich erwähnte die Vereinigten Staaten und die Türkei. Auch Großbritannien
und Frankreich haben dort Bodentruppen. Wir würden
weitere landgestützte Streitkräfte begrüßen, selbst
wenn sie nur symbolisch wären.
Frage: Welche Antworten haben Sie bilateral erhalten?
Antwort: Wir befinden uns noch im Diskussionsprozeß.
Frage: Berichten zufolge haben die Sowjets einen
neuen KSE-Vorschlag unterbreitet, der wesentlich
niedrigere Streitkräfteniveaus vorsieht. Sind Sie darüber informiert? Werden Sie darüber in Moskau
sprechen? Nehmen Sie diesen Vorschlag ernst? Und
wie wird er Ihre Bemühungen beeinflussen, einen
Vertrag noch dieses Jahr zu erreichen?

Seite 5

�Antwort: Ich habe diesen Vorschlag nicht gesehen.
Ich kenne ihn nicht. Vor nicht allzu langer Zeit gab es
Andeutungen, daß sie ein Niveau für die - amerikanischen - Truppen definieren würden, das sie für angemessen halten. Vielleicht haben sie das in Wien
getan. Ich habe diesen Vorschlag noch nicht gesehen.
Durch die zwischen der Bundesrepublik Deutschland
und der Sowjetunion getroffenen Vereinbarungen
über den Umfang der Bundeswehr und den vollständigen Abzug der sowjetischen Truppen aus Deutsch-

land sind die Beschlüsse von Ottawa überholt worden.
Diese Beschlüsse sind nicht mehr gültig. Wir, die
Vereinigten Staaten und die Sowjets, haben darüber
gesprochen, zuletzt in Irkutsk. Die Frage der amerikanischen Truppenstärke ist noch nicht gelöst. Möglicherweise werden die Sowjets einseitig Ideen im Hinblick darauf präsentieren, was ihrer Meinung nach ein
angemessener Umfang unserer Streitkräfte sein sollte. Ich nehme an, daß wir darüber in Moskau sprechen
werden, wenn sie in dieser Beziehung etwas vorgelegt
haben.

*

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*

AMERIKA DIENST 36

�DEUTSCHLANDPOLITIK
12. September 1990

EIN GEEINTES DEUTSCHLAND
IM EUROPÄISCHEN KONTEXT
Rede von Botschafter Walters
MÜNCHEN - (AD) - Anläßlich einer lägung der Katholischen Akademie in Bayern erklärte Botschafter Walters
am 7. September 1990 in München, die Entwicklung einer neuen Politik hänge "vielleicht in geringerem Maße
von uns ab als von der Rolle, die ein neuvereintes Deutschland in der Welt spielen will - ein Thema, das sicher
in den kommenden Monaten debattiert werden wird und auch im Hinblick auf die gegenwärtige Krise am Golf
höchst aktuell ist". Botschafter Walters zufolge ist es in diesem Zusamenhang besonders wichtig, "Institutionen,
die zum Erfolg unserer Politik beigetragen haben, neu zu gestalten und den neuen Realitäten in Europa
anzupassen".
Walters nahm insbesondere auch zur Vereinigung beider deutscher Staaten Stellung und bekundete seine
Zuversicht, daß der östliche Teil Deutschlands in nicht allzu ferner Zukunft an der florierenden Wirtschaft der
Bundesrepublik teilhaben wird. Der Botschafter erklärte: "Darüber hinaus müssen wir Sorge tragen, daß die
politische Mauer, die 45 Jahre lang Ost und West voneinander trennte, nicht durch eine wirtschaftliche Mauer
ersetzt wird. Diese wirtschaftliche Führungsrolle sollte und wird die Bundesrepublik Deutschland meines
Erachtens nicht ausschlagen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Walters's Rede im Wortlaut. (Es gilt das gesprochene Wort)

Es ist mir eine besondere Ehre, als Teilnehmer an
dieser Vortragsreihe zur aktuellen politischen Lage in
Ihrer schönen Stadt zu weilen. Insbesondere freue ich
mich über die Gelegenheit, diese Konferenz mit einer
Rede über ein geeintes Deutschlands im europäischen Kontext eröffnen zu dürfen.
In gewisser Weise habe ich hier in Schwabing erst
Freundschaft mit Deutschland und seinen Menschen
geschlossen. Nach einem Skiunfall landete ich hier im
Krankenhaus und entschloß mich, in der langen Zeit
der Genesung Deutsch zu lernen. In dieser Zeit
machte ich die erste Bekanntschaft mit den Freuden
und Unwägbarkeiten Ihrer Sprache. Inzwischen habe
ich all die kleinen Eigenarten akzeptieren gelernt, aber
Sie müssen zugeben, daß es für einen Ausländer
schwierig ist, eine Sprache zu begreifen, in der, grammatisch gesehen, "die Männlichkeit" weiblichen Geschlechts, "der Feminismus" aber männlich ist. Um
die Verwirrung zu erhöhen, ist "das Weib" sächlich,
obwohl dies dem Selbstverständnis der deutschen
Frauen bestimmt nicht entspricht.
AMERIKA DIENST 36

Ebenso wie eine gemeinsame Sprache verbindet,
können gemeinsame Werte und Grundsätze Menschen zusammenführen. Deshalb freue ich mich
besonders, bei der Katholischen Akademie über ein
Thema sprechen zu dürfen, das uns alle gleichermaßen angeht: die Bewahrung des Friedens in Europa.
Vierzig Jahre lang hat man ein solches Thema relativ
sicher bearbeiten können, weil die amerikanische
Deutschlandpolitik demselben Grundmuster folgte.
Unsere Politik basierte auf der Annahme ständiger
Konfrontation zwischen Ost und West, der erfolgreichen Zusammenarbeit westlicher Demokratien und
dem besonderen Verhältnis zur Bundesrepublik, wie
es sich nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt hatte.
Dieses Verhältnis besteht natürlich ebenso weiter wie
die Zusammenarbeit. Aber eine Grundvoraussetzung
unserer Politik hat sich glücklicherweise überholt. Die
Teilung Deutschlands und Europas ist beendet, und
damit ist zum Teil auch dieser Politik die Basis entzogen. Die Entwicklung einer neuen Politik hängt viel-

Seite 1

�leicht in geringerem Maße von uns ab als von der Rolle,
die ein neuvereintes Deutschland in der Welt spielen
will - ein Thema, das sicher in den kommenden Monaten debattiert werden wird und auch im Hinblick auf die
gegenwärtige Krise am Persischen Golf höchst aktuell
ist.
Diese neuen Gegebenheiten erfordern jedoch wahrscheinlich keine neue amerikanische Deutschlandpolitik - wie ich sie definiert habe. Es ist meines Erachtens
viel wichtiger, Institutionen, die zum Erfolg unserer
Politik beigetragen haben, neu zu gestalten und den
neuen Realitäten in Europa anzupassen.
Wie Sie wissen, war ich sowohl beobachtend als auch
aktiv an manchen großartigen Ereignissen im Europa
des zwanzigsten Jahrhunderts beteiligt, aber die Zeit,
in der wir heute leben, ist wirklich einzigartig. Ich
möchte Ihnen heute sowohl aus dem Blickwinkel eines
amerikanischen Bürgers als auch aus der Perspektive
des Regierungsvertreters darlegen, wie wir die jetzige
Situation in Europa einschätzen und welchen Kurs wir
in bezug auf diese Institutionen steuern werden.
Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, seit die Völker
Osteuropas eines nach dem anderen auf friedliche Art
und Weise ihre stalinistische und kommunistische
Vergangenheit zugunsten von Freiheit und freier
Marldwirtschaft abgeschüttelt haben. Aber diese atemberaubenden Ereignisse scheinen heute bereits weit
zurückzuliegen.
Es dauerte mehr als vierzig Jahre, bis die unmenschliche Teilung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg
überwunden werden konnte. Ich muß Ihnen ferner in
aller Bescheidenheit sagen, daß ich sehr stolz auf die
führende Rolle bin, die mein Land beim Zustandekommen dieser positiven Entwicklung gespielt hat. Viele,
die in den vergangenen 45 Jahren unsere Politik
kritisierten, hatten im letzten Jahr Grund, sich von der
Klugheit des von uns gesteuerten Kurses zu überzeugen. Einige waren ehrlich genug, mir das einzugestehen. Wir haben erreicht, was der chinesische Philosoph Sun Tsu vor 2 000 Jahren als den größten aller
Siege bezeichnete: Einen Gegner zu besiegen, ohne
gegen ihn zu kämpfen.
Der kalte Krieg ist jetzt vorbei. Demokratie ist jetzt die
gewählte Regierungsform aller Menschen in Osteuropa, einschlie ßlich der Sowjetunion, die immer noch mit
ihrem Übergang zu einer neuen Gesellschaftsform zu
kämpfen hat.
Wir im Westen erkennen, daß Michail Gorbatschow
eine entscheidende Rolle gespielt hat, indem er eine
Dynamik in Gang setzte, mit der die politische Landschaft Osteuropas verändert werden konnte. Aber der
Versuch, sein eigenes Land zu einer glaubwürdigen
Demokratie westlicher Art umzugestalten, ist Herrn
Gorbatschow bei weitem noch nicht gelungen. Auch
die Perestrojka kam nicht aus heiterem Himmel. Sie ist

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vielmehr die Politik eines klugen und kreativen Politikers, aber auch das Ergebnis zweier anderer Faktoren: der Unmöglichkeit, ein stolzes Volk dauerhaft zu
unterjochen und der Entschlossenheit und Opferbereitschaft des Westens, sich der Ausbreitung des
Kommunismus zu widersetzen. Die Bereitschaft des
amerikanischen Volkes, jährlich zur Verteidigung der
Freiheit 300 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen,
hat Gorbatschow eindeutig gezeigt, daß sein Land mit
dieser Entschlossenheit nicht konkurrieren kann.
Was die Wirtschaft betrifft, muß der Kreml noch einen
weiten Weg zurücklegen, bevor er die Perestrojka
verwirklicht und das sowjetische Volk überzeugt hat,
daß sie funktioniert. Im Zuge der neuen Offenheit
treten lang unterdrückte Konflikte zwischen einzelnen
Volksgruppen zutage, und die vor langer Zeit zwangsweise erfolgte Neugliederung der Republiken bedroht
gegenwärtig den Zusammenhalt der Sowjetunion.
Ungeachtet der Ergebnisse von Gorbatschows Experiment können wir sicher sein, daß die Gestalt der
künftigen Sowjetunion erhebliche Auswirkungen auf
die Sicherheitsinteressen Europas und damit auch auf
die der Vereinigten Staaten haben wird. Auch wenn
sich die Sowjetunion in einzelne Staaten aufspalten
sollte, würde allein Rußland weiterhin eine wichtige
Rolle im militärischen Kräftegleichgewicht Europas
spielen. General De Gaulle hat dazu erklärt, die
Geographie sei eine der Konstanten der Geschichte,
und deshalb wird Europa immer mit einem großen,
mächtigen Land an seiner Ostgrenze rechnen müssen.
Die Vereinigten Staaten und tatsächlich die gesamte
westliche Welt haben stets betont, daß zwischen der
Teilung Berlins, Deutschlands und Europas ein enger
Zusammenhang besteht. Es ist weder eine Überraschung noch ein Zufall, daß die Wiedervereinigung an
all diesen Fronten gleichzeitig stattfindet. Wir haben
unser politisches Ziel der Überwindung dieser Spaltungen erreicht - mit Beharrlichkeit, Entschlossenheit und
einem festen Glauben an unsere Gesellschaften und
gemeinsamen Werte.
Wir in den Vereinigten Staaten sind sehr stolz darauf,
bei der Bestimmung des Kurses der Ost-West-Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg eine führende
Rolle gespielt zu haben. Wir haben nicht nur viel Geld
in den Wiederaufbau Europas und die Sicherheit
Deutschlands gesteckt, sondern auch uns selbst eingebracht. Wir haben die Freude geteilt, die in den
Tagen nach dem 9. November in Deutschland zu
spüren war, als die Mauer fiel und die Deutschen nach
so vielen Jahren der Trennung wieder vereint waren.
Wir haben immer hinter Ihnen gestanden und stehen
Ihnen weiterhin auf dem komplexen Pfad zur Einheit
bei. Manche behaupten, daß die Wiedervereinigung
zu schnell komme, wir in den Vereinigten Staaten sind
jedoch der Ansicht, daß die deutsche Einheit seit
langem überfällig ist.

AMERIKA DIENST 36

�Unser gemeinsamer Ansatz zur Verwirklichung dieses
Ziels wird vielleicht in dem von den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und der Bundesrepublik unterzeichneten Deutschlandvertrag von 1954 am
deutlichsten ausgedrückt. Dort heißt es in Artikel 7,
Absatz 2: "Bis zum Abschluß der friedensvertraglichen Regelungen werden die Unterzeichnerstaaten
zusammenwirken, um mit friedlichen Mitteln ihr gemeinsames Ziel zu verwirklichen: Ein wiedervereinigtes Deutschland, das eine freiheitlich demokratische
Verfassung, ähnlich wie die Bundesrepublik, besitzt
und das in die Europäische Gemeinschaft integriert
ist."
Niemand hätte zu der Zeit einen genauen Plan aufstellen können, wie der Prozeß der deutschen Einheit
verlaufen sollte. Dennoch haben die Westmächte und
die Bundesrepublik ihre Ziele entschlossen und eindeutig dargelegt und die Grundsätze für einen solchen
Prozeß definiert.
Unmittelbar vor der Vereinigung beider deutscher Staaten
sollte uns das Wissen darüber mit Stolz erfüllen, daß
der Prozeß so friedlich verlaufen ist, wie es im Sinne
des Deutschlandvertrags lag. Diese Leistung sollte
nicht unterschätzt werden, weil sie ein einmaliges
Kapitel der europäischen Geschichte bezeichnet. Es
ist das erste Mal seit Menschengedenken, daß die
Grenzen Europas konfliktfrei verändert wurden. Historisch gesehen ist dies eine Leistung von gro ßer Bedeutung, die uns Hoffnung macht, tatsächlich etwas aus
den tragischen Fehlern der Vergangenheit lernen zu
können.
Im Hinblick auf das zweite erklärte Prinzip von Artikel
7, Absatz 2, wird ein vereinigtes Deutschland nicht nur
eine liberal-demokratische Verfassung wie die der
Bundesrepublik Deutschland erhalten, sondern eben
das Grundgesetz haben, das der Bundesrepublik so
gute Dienste geleistet hat. Und schließlich wird ein
vereinigtes Deutschland fest in der Europäischen
Gemeinschaft verankert sein, als Eckpfeiler von NATO
und EG.
Die Führung einer echten Demokratie beinhaltet das
politische Mandat, Maßnahmen zu verwirklichen, die
Frieden und Wohlstand garantieren. In den Vereinigten Staaten sind wir uns sehr wohl bewußt, daß
wirtschaftlicher Wohlstand und politische Stabilität im
Inland Hand in Hand gehen. Die Stärke des politischen
und wirtschaftlichen Systems eines Landes hat dann
wiederum einen heilsamen Effekt auf die Fähigkeit der
internationalen Staatengemeinschaft, Frieden zu
bewahren.
Wir stehen heute an der Schwelle zur Umgestaltung
unserer Sicherheitsstrukturen und damit auch unserer
politischen Strukturen, um uns den neuen Herausforderungen und Risiken der Zukunft zu stellen. Präsident Bush und Außenminister Baker haben bei verschiedenen Gelegenheiten über eine neue Architektur

AMERIKA DIENST 36

in Europa gesprochen. Bei dieser Debatte geht es um
mehr als den Modus, in dem die Vereinigten Staaten
ihre Beziehungen zum neuen Europa in den kommenden Jahrzehnten definieren. Sie betreffen den Kern
dessen, wie die Länder Europas ihre Beziehungen als
zum ersten Mal ungeteilter und freier Kontinent neu
gestalten wollen.
Wenn ich anspreche, wie Veränderungen in Zukunft
gehandhabt werden sollen, möchte ich die aktuellen
Strukturen in Europa ansprechen, die meiner Ansicht
nach weiter eine wichtige Rolle spielen werden, wenn
sie sich der neuen politischen und wirtschaftlichen
Landschaft anpassen. Ich möchte in diesem Zusammenhang insbesondere auf die Rolle der NATO, den
KSZE-Prozeß und die EG eingehen. Obwohl wir all
diese Strukturen einzeln behandeln können, möchte
ich darauf verweisen, daß sie in einem zunehmend
interdependenten Europa enger verknüpft sein werden als je zuvor.
Es heißt, ewige Wachsamkeit sei der Preis der Freiheit, und ich habe keinen Zweifel daran, daß Streitkräfte bei der Bewahrung des Friedens weiterhin eine
entscheidende Rolle in der Zukunft Europas spielen
werden. Das trifft auf nationale Armeen ebenso zu wie
auf militärische Bündnisse. Gleichzeitig bin ich davon
überzeugt, daß Europa und Nordamerika ein größeres
Maß an Sicherheit mit niedrigeren Streitkräfteniveaus
anstreben.
Als Voraussetzung für einen solchen Zustand jedoch
müssen alle Länder - große und kleine - äußerste
Vorsicht walten lassen, um zu gewährleisten, daß eine
Streitkräftereduzierung niemanden in eine nachteilige
militärische Lage bringt. Aus diesem Grund erscheinen mir die laufenden Rüstungskontrollverhandlungen, insbesondere die Wiener Verhandlungen über
konventionelle Streitkräfte, als ein wichtiger Faktor bei
der Gestaltung der künftigen Sicherheitsordnung in
Europa.
Meines Erachtens liegt es im Interesse Europas, daß
die Vereinigten Staaten ihre Präsenz hier aufrechterhalten. Die amerikanische Präsenz in Europa - sowohl
in Form des atomaren Schutzschilds als auch unserer
auf europäischem Territorium stationierten Truppen war, wie Sie mir wohl zustimmen werden, einer von
mehreren Faktoren, die zur Bewahrung des Friedens
seit 1945 beigetragen haben. Mir scheint, daß die
Sowjetunion, wenn sie die Stabilität und ein berechenbares Sicherheitssystem in Europa aufrechterhalten
will, das Interesse an einer anhaltenden US-Präsenz in
Europa teilt. Es ist ein ermutigendes Zeichen für unser
verbessertes Verhältnis zur Sowjetunion, daß Moskau
diese Realität heute öffentlich und in vertraulichen
Gesprächen anerkennt.
Damit komme ich zum Eckpfeiler der transatlantischen
Beziehungen - der NATO. Zu Beginn des Jahres habe
ich eine Rede über die amerikanische Deutschland-

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�politik gehalten, in der ich äußerte, daß die weitere
Mitgliedschaft eines vereinigten Deutschlands in der
NATO ein Grundprinzip unseres Verhältnisses sei.
Dies löste Kontroversen aus, da vielfach behauptet
wurde, die Sowjetunion könne ein vereinigtes Deutschland in der NATO niemals akzeptieren. Nun, wir haben
gesehen, daß das nicht der Wahrheit entsprach. Darüber
hinaus sollte niemand auch nur eine Minute lang davon
ausgehen, die sowjetische Zustimmung zur Mitgliedschaft Deutschlands in der NATO sei gegen die wohlverstandenen Interessen der UdSSR erteilt worden.
Wenn es um ihre Interessen geht, sind die Sowjets
ausgesprochen zäh.
Es wurde ferner viel von Veränderungen der NATO
gesprochen - einige fordern, die NATO solle angesichts der abnehmenden Bedrohung durch den Osten
eine weniger militärische und mehr politische Rolle
spielen. Hier mag eine andere Auffassung vorherrschen, aber aus der Sicht der Vereinigten Staaten hat
die NATO stets eine grundsätzlich politische Rolle
gespielt. Da die NATO niemals einen Krieg führte, hat
sie sich in der Tat ausschließlich mit Sicherheitspolitik
befaßt.
Wird sich die NATO verändern? Ich bin sicher, daß sie
dies tun wird. Falls Sie es noch nicht getan haben, so
empfehle ich Ihnen, sowohl die von den Außenministern zum Abschluß des Nordatlantikrat-Treffens in
Schottland am 7. und 8. Juni 1990 verabschiedete
"Botschaft von Turnberry" als auch die Londoner
Erklärung zum Abschluß des NATO-Gipfels vom 6.
Juli 1990 zu lesen. Die NATO sucht eine neue militärische Strategie, um sich den Realitäten von heute
anzupassen. Die führenden Vertreter der NATO haben
eine Liste von Vorschlägen zur Stärkung der KSZE
vorgelegt, und als Symbol der sich abzeichnenden
Veränderungen wird Präsident Gorbatschow wahrscheinlich bis Ende des Jahres das NATO-Hauptquartier in Evere besuchen.
Ich habe häufig gehört - und es entspricht den Tatsachen - wenn es die NATO nicht gegeben hätte, hätten
die Staaten des Westens etwas schaffen müssen, um
ihre Kernfunktion zu erfüllen. Die Grundpositionen des
Westens sind durch den Konsultationsmechanismus
der NATO formuliert und entwickelt worden.
Der erfolgreiche Abschluß des INF-Abkommens, die
anhaltenden Fortschritte beim KSZE-Prozeß sowie
die Formulierung gemeinsamer Positionen in den
gegenwärtig stattfindenden Wiener Verhandlungen
wären ohne die NATO undenkbar. Und all dies zusätzlich zu den kollektiven Sicherheitsmaßnahmen, die
unter dem Dach der NATO entwickelt wurden. Offen
gesagt, es fällt mir schwer, mir ein stabiles und friedliches Europa ohne die NATO vorzustellen. Ferner ist
es meine persönliche Überzeugung, daß der amerikanische Kongreß einer fortgesetzten US-Militärpräsenz
in Europa nur im Rahmen der NATO zustimmen würde. Sie ist kein müder alter Wachhund, der darauf

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wartet, eingeschläfert zu werden, sondern einer, der
ein paar neue Tricks lernen kann und lernen wird.
Seit nahezu vierzig Jahren wird von einigen Pessimisten der Verfall der NATO beschworen. Betrachtet
man ihre Anpassungsfähigkeit und ihren erprobten
Wert als Institution, so bin ich sicher, daß die NATO
nicht nur überleben, sondern gedeihen wird. Jedes
Mitglied des Bündnisses und auch die europäischen
Staaten, die nicht Mitglied der NATO sind, sind sich
eindringlich der Tatsache bewußt, daß Europa ohne
eine kraftvolle und effektive Bündnisstruktur zur gefährlichen Tradition bilateraler Sicherheitsabmachungen zurückkehren könnte. Es ist zweifelhaft, ob solche
Sicherheitsstrukturen im künftigen Interesse Europas
liegen.
Die KSZE hat bis heute aus einer Serie von Konferenzen und Zusammenkünften bestanden - mit einem
Wort: aus einem Prozeß. In den vergangenen Monaten sind mehrere Vorschläge zur Institutionalisierung
der KSZE unterbreitet worden, um ihr neue Substanz
und eine strukturelle Grundlage als Sicherheitsorgan
der Zukunft zu geben. Die Hauptanziehungskraft der
KSZE besteht darin, daß sie alle Nationen aus Ostund Westeuropa zusammenführt. Sie hat eine stolze
Bilanz vorzuweisen. Die Vereinigten Staaten unterstützen die Weiterentwicklung des KSZE-Prozesses
und bemühen sich, jeden der drei Körbe der KSZE mit
neuer Substanz zu füllen.
Es besteht zunehmend Konsens darüber, daß die
KSZE künftig eine wichtigere Rolle spielen soll, um Ost
und West institutionell einander näher zu bringen.
Einer möglichen sicherheitspolitischen Rolle der KSZE
wird viel Aufmerksamkeit gewidmet. Die politisch
Verantwortlichen der NATO-Staaten forderten in ihrer
Londoner Gipfelerklärung einen KSZE-Gipfel im November, auf dem Wege zum Ausbau und zur Institutionalisierung der KSZE erörtert werden sollen. Darüber
hinaus schlugen sie die Schaffung eines KSZE-Zentrums zur Konfliktverhütung vor.
Als ehemaliger US-Botschafter bei den Vereinten
Nationen bin ich mir der Nachteile einer großen multilateralen Organisation besonders bewußt, bei der viele
Nationen praktisch ein Vetorecht besitzen. Beschlüsse und Resolutionen einer solchen multilateralen
Organisation, sei es die UNO oder die KSZE, spiegeln
den kleinsten gemeinsamen Nenner wider. Je größer
die Organisation, desto kleiner der Nenner, und die 35
in der KSZE vertretenen Staaten repräsentieren ein
breites Spektrum von Interessen und Anliegen, die nur
schwer unter einen Hut zu bringen sind. Heute läßt
sich lediglich sagen, daß die KSZE ein großes Potential besitzt. Die Vereinigten Staaten messen der KSZE
beim Aufbau eines neuen Europas eine bedeutende
Rolle bei. Wir sind jedoch nicht der Ansicht, daß die
KSZE die Möglichkeit in sich birgt, die NATO ersetzen
zu können. Es wird Aufgabe der 35 Mitgliedstaaten
sein, eine institutionelle Struktur zu entwickeln, die

AMERIKA DIENST 36

�Probleme nicht nur ansprechen, sondern auch lösen
kann. Gegenwärtig ist es schwierig vorherzusagen,
welche Form die KSZE in der Zukunft annehmen wird.
Da sie jedoch in den vergangenen 15 Jahren eine solch
bedeutsame Rolle bei der Überwindung der Teilung
Europas gespielt hat, besitzt sie das Potential, gemeinsame Werte zu vertiefen und ein größeres Maß
an konstruktiver Interdependenz zwischen den europäischen Staaten zu schaffen.
Schließlich möchte ich noch kurz auf die Europäische
Gemeinschaft und den Europäischen Binnenmarkt
eingehen. Die Vereinigten Staaten gehen davon aus,
daß die Europäische Gemeinschaft eine zentrale Rolle
bei der Gestaltung des künftigen Europas - und in
erheblichem Maß auch der Welt insgesamt - spielen
wird. Betrachtet man unser Handelsvolumen mit der
EG von 364 Milliarden Dollar pro Jahr, so liegt es auf
der Hand, daß die Entwicklung dieser Organisation für
uns von lebenswichtigem Interesse ist.
Die Herausforderungen sind enorm. Heute, da die
politische Teilung zwischen Ost und West in den
Hintergrund tritt, bleibt eine riesige wirtschaftliche Kluft
bestehen, die geschlossen werden muß, wenn Frieden und Stabilität in Europa von Dauer sein sollen.
Ebenso wie das Nachkriegseuropa Hilfe zum Wiederaufbau seiner Volkswirtschaften benötigte, erfordern
die noch schwachen Demokratien Osteuropas Beistand beim Aufbau der wirtschaftlichen Grundlagen
künftiger politischer Stabilität. In Zusammenarbeit mit
den Vereinigten Staaten und anderen Industrieländern
ist die EG in einer idealen Position, um diese Aufgabe

zu erfüllen.
Obwohl ein vereintes Deutschland mit der dringenden
Aufgabe konfrontiert sein wird, die Wirtschaft in der
einstigen DDR zu sanieren, werden die anderen europäischen Staaten von Deutschland die Übernahme
einer Führungsrolle bei diesem wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas erwarten. Berücksichtigt man den
au ßergewöhnlichen Flei ß und das Organisationstalent
des deutschen Volkes, so hege ich persönlich keinerlei
Zweifel, daß der östliche Teil Deutschlands in nicht
allzu ferner Zukunft an der florierenden Wirtschaft der
Bundesrepublik teilhaben wird. Darüber hinaus müssen wir Sorge tragen, daß die politische Mauer, die 45
Jahre lang Ost und West voneinander trennte, nicht
durch eine wirtschaftliche Mauer ersetzt wird. Diese
wirtschaftliche Führungsrolle sollte und wird die Bundesrepublik Deutschland meines Erachtens nicht
ausschlagen.
Die für 1992 geplante Einführung des EG-Binnenmarkts erhält angesichts der Entwicklungen in Osteuropa im vergangenen Jahr zusätzliche Bedeutung. Wir
sind der Meinung, daß er als Triebfeder für die Förderung und Durchführung marktwirtschaftlicher Prinzipien in den heruntergewirtschafteten Teilen Europas
dienen kann. Außenminister Baker hat in seiner
Berliner Rede vom 12. Dezember 1989 dazu ausgeführt:
AMERIKA DIENST 36

"Zwischen dem Prozeß der europäischen Integration und erweiterter Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Gemeinschaft und ihren
Nachbarländern in Ost und West sehen wir
keinen Interessenkonflikt. Unseres Erachtens
hängt die Attraktivität der Europäischen Gemeinschaft für die Länder des Ostens vor allem
von ihrer kontinuierlichen Lebensfähigkeit ab.
Und die Lebensfähigkeit der Europäischen
Gemeinschaft hängt wiederum von ihrem anhaltenden Engagement für das Ziel eines geeinten Europas ab, wie es seine Gründerväter
vorgesehen hatten - frei, demokratisch und seinen
nordamerikanischen Partnern eng verbunden."
Ich möchte hinzufügen, daß Sicherheit und Stabilität in
Europa nicht allein davon abhängen, was die Europäer
für ihre eigenen Gesellschaften tun. Im vergangenen
Jahr hat sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in
der Bundesrepublik verständlicherweise auf die erstaunlichen Entwicklungen in Europa konzentriert, ich
möchte jedoch darauf verweisen, daß die Führungsrolle des Westens zur Lösung größerer internationaler
Probleme und zur Gewährleistung der Stabilität in
unseren Ländern erforderlich ist.
Präsident Bush hat häufig erklärt, daß die Vereinigten
Staaten diese Last nicht allein tragen könnten und die
aktive Beteiligung ihrer demokratischen Verbündeten
an der Lösung weltweiter Probleme anstreben, die uns
alle angehen.
Im vergangenen Monat wurden wir im Anschluß an die

irakische Invasion Kuwaits am 2. August Zeuge der
Eskalation von Spannungen im Nahen Osten. Die
internationale Staatengemeinschaft hat diesen ruchlosen Akt der Aggression zu Recht mit einer Reihe von
Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats aufs schärfste
verurteilt. Angeführt von meinem Land wurden massive internationale Bestrebungen in die Wege geleitet,
um den Irak zum Abzug seiner Truppen aus Kuwait zu
zwingen und weitere Aggression der irakischen Streitkräfte zu verhindern.
Abgesehen von der Gefährdung der kontinuierlichen
Ölversorgung - die für alle unsere Volkswirtschaften
von grundlegender Bedeutung ist -, haben die aggressiven Aktionen des Iraks im Nahen Osten direkte
Konsequenzen für unserer Sicherheitsinteressen. Wir
haben auf diese irakische Bedrohung reagiert, werden
dies auch in Zukunft tun und erwarten Solidarität unter
unseren Verbündeter» bezüglich der Ziele unserer Politik.
Wirtschaftssanktionen können nur funktionieren, wenn
die gesamte Staatengemeinschaft sie befolgt. Der
Boykott des Iraks wird praktisch weltweit anerkannt
und hat bereits Folgen gezeitigt. Die Vereinigten
Staaten haben darüber hinaus die Führungsrolle bei
der Entsendung von über Hunderttausend Soldaten
nach Saudi-Arabien zum Schutz vor weiterer Aggression übernommen. An diesen kollektiven Sicherheits-

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�bestrebungen sind jedoch nicht nur amerikanische
Truppen und Gerät beteiligt. Kleine und große Nationen einschließlich zahlreicher arabischer Länder haben ihren Beitrag zur Bekämpfung der irakischen
Bedrohung geleistet, indem Soldaten und Waffen
entsandt wurden. Saddam Hussein erhält eine unmi ßverständliche Lektion über den Preis von Aggression
gegen einen friedlichen Nachbarn.
Unter Bezugnahme auf das, was ich zu Beginn meiner
Ausführungen über europäische Institutionen gesagt
habe, möchte ich feststellen, daß die NATO-Mitgliedstaaten zur Erörterung der Entwicklungen im Nahen
Osten und Koordinierung ihrer Aktivitäten im Verteidigungsbereich täglich Sitzungen anberaumt haben. Es
gibt keinen besseren Beweis für die anhaltende Bedeutung der NATO für die Europäische Gemeinschaft.
Kein anderes Forum ist so erfahren und war so erfolgreich bei der Suche nach Konsens zu entscheidenden
Aspekten unserer gegenseitigen Sicherheit.
Am 21. August veröffentlichte die Europäische Gemeinschaft eine der am schärfsten formulierten Erklärungen, die ich je gesehen habe. Darin wurde der Irak
verurteilt, weil er westliche Staatsbürger gegen ihren
Willen im Irak und in Kuwait festhielt und festgestellt,
daß die Europäische Gemeinschaft die Irakis persönlich für jegliche Beeinträchtigung des Wohlergehens
der Geiseln verantwortlich machen würde. Am gleichen Tag legte die Westeuropäische Union eine Erklärung über zusätzliche Schritte zur Unterstützung des
Militäreinsatzes vor. Diese Art von Entschlossenheit,
Solidarität und getreuer Einhaltung von Prinzipien wird
sicherstellen, daß wir uns auch in Zukunft an Frieden
und Wohlstand erfreuen können.
Meines Erachtens sollte jedoch nochmals betont werden, daß unsere Sicherheitsinteressen heute nicht
länger national definiert sind. Der Überfall auf Kuwait
belegt eindeutig, daß die weltweiten Ereignisse direkten Einfluß auf unsere Gesellschaften haben. Wir
dürfen uns weder den Luxus erlauben noch haben wir
die Option, die Hände in den Scho ß zu legen und nichts
zu tun.
In diesem Zusammenhang möchte ich eine Reihe von
Problemkreisen ansprechen, die im Inland Anlaß zur
Sorge geben, jedoch internationales Vorgehen für eine
Lösung erforderlich machen:
Umweltverschmutzung ist nicht länger ein lokales
Phänomen. Die Vergrößerung«des Ozonlochs über
der Antarktis und der kontinuierliche Raubbau an den
tropischen Regenwäldem haben unmittelbare Konsequenzen auf die Umwelt der übrigen Welt.
Drogen sind eine Geißel der Menschheit. Sie trifft
besonders die jüngere Generation und stellt eine
Bedrohung unserer Stabilität im Inland dar. Internationale Zusammenarbeit im Justizwesen und bei der
Strafverfolgung muß sich auf diejenigen konzentrie-

Seite 6

ren, die mit dieser todbringenden Geißel Handel treiben. Drogen findet man dort, wo das Geld für ihren
Kauf vorhanden ist - und Europa ist zweifelsohne nicht
immun.
Die Bedrohung des Terrorismus existiert immer noch,
und nur durch die kluge Kombination von politischem
Aktivismus und wirksamer Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheit können wir Terroranschlägen gegen
unsere Bürger im In- und Ausland auch in Zukunft
Einhalt gebieten.
Die wirtschaftliche Kluft zwischen den wohlhabenden
Nationen des Nordens und den armen Entwicklungsländern des Südens wird breiter. Wir müssen mit
großen Völkerwanderungen vom Süden in den Norden
auf der Suche nach einem besseren Leben rechnen.
Flüchtlingsströme werden meiner Prognose nach eines der Hauptprobleme des nächsten Jahrhunderts
sein.
Und schließlich leben wir in einer Welt, in der Waffen
mit enormer Vernichtungsfähigkeit allzu leicht in die
falschen Hände geraten können. Die potentielle Zerstörung, die ein aggressiver Diktator wie Saddam
Hussein mit solchen Waffen nicht nur an seinem
eigenen Volk, sondern in der ganzen Welt anrichten
kann, gibt allen Ländern Anlaß zu großer Sorge. Die
Vereinigten Staaten haben die Führungsrolle dabei
übernommen, der Weiterverbreitung von chemischen
und atomaren Waffen ein Ende zu setzen.
Dies sind in der Tat Herausforderungen, denen wir uns
in den kommenden Jahren stellen müssen. Heute
werden wir in vielfältiger Weise Zeuge der Schaffung
einer neuen Friedensordnung in Europa. Um Präsident Bush zu zitieren, besteht unsere Aufgabe darin,
"diese friedliche Revolution zu konsolidieren und die
Strukturen für dauerhaften friedlichen Wandel bereitzustellen".
Die Instrumente und Strukturen für westliche Zusammenarbeit müssen diesen neuen Realitäten angepaßt
werden. Es ist an uns, eine neue Architektur für ein
neues Zeitalter zu entwerfen und in die Praxis umzusetzen. Diese neue Architektur muß Raum für vertraute, bewährte Strukturen wie die NATO bieten und der
Tatsache Rechnung tragen, daß sie auch neue Aufgaben erfüllen können.
Vielleicht bin ich nur ein unverbesserlicher Optimist,
aber meines Erachtens haben wir keinen Grund zur
Sorge über Veränderungen. Wir begrüßen sie, und
zweifelsohne haben die Millionen von Menschen in
Osteuropa und der Sowjetunion lange genug darauf
gewartet. Entwicklung und Aufbau einer neuen Architektur für Europa sind keine einfache Aufgabe. Sie
muß jedoch vollbracht werden, weil wir keine akzeptable Alternative haben. Weder Europa noch die Vereinigten Staaten können sich einen Fehlschlag leisten.
Ich bin davon überzeugt, daß die Kombination von uns

AMERIKA DIENST 36

�derzeit zur Verfügung stehenden Strukturen und Institutionen zusammen mit weiteren, noch zu entwickelnden Strukturen uns zu einer vielversprechenderen
Zukunft für die gesamte Menschheit führen wird. Die

Geschichte und nachfolgende Generationen werden
uns nicht verzeihen, wenn wir diese au ßerordentliche
Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 36

Seite 7

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                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: irakische Aggression "wird nicht Bestand haben" &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede im Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker: jede Aggression am Golf zum Scheitern verurteilt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des US-Außenministers in Brüssel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Deutschlandpolitik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Ein geeintes Deutschland im europäischen Kontext &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Walters in München&lt;/em&gt;</text>
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ra

cimerikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

5. September 1990

35

GOLFKRISE

BUSH FORDERT KOORDINIERTE HILFE IN DER
GOLFKRISE
Erklärung des Präsidenten
ISOLIERUNG DES IRAKS EINZIGES MITTEL
ZUR FRIEDLICHEN KONFLIKTLÖSUNG
US-Außenminister Baker vor dem Auswärtigen
Ausschuß des Repräsentantenhauses
DIE GOLFKRISE: EINE CHRONOLOGIE
Stand: 28. August

KONGRESS

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

KONGRESS UNTERSTUTZT BUSHS
MASSNAHMEN IN DER GOLFKRISE
Erklärungen führender Persönlichkeiten
aus dem Kongreß

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
5. September 1990

BUSH FORDERT KOORDINIERTE HILFE
IN DER GOLFKRISE
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat am 30. August 1990 im Rahmen einer Pressekonferenz erklärt, daß
die Vereinigten Staaten die Führungsrolle bei der Koordinierung von Hilfsmaßnahmen für Länder übernehmen
werden, deren Wirtschaft durch die irakische Invasion in Kuwait geschädigt wurde. Darüber hinaus kündigte er
die Entsendung von Außenminister Baker und Finanzminister Brady in den Nahen Osten, nach Europa und Asien
an, um diese Bemühungen zu beschleunigen. Der Plan erfordere "erhebliche Wirtschaftshilfe" für die Türkei,
Ägypten und eine Reihe anderer Länder.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.

Zusammen mit der überwältigenden Mehrheit der
Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen engagieren
sich die Vereinigten Staaten für kollektive Anstrengungen, um die Folgen der irakischen Aggression zu
beseitigen. Unsere Ziele, die in fünf Resolutionen des
Sicherheitsrats der Vereinten Nationen dargelegt
wurden, sind eindeutig: der unverzügliche und bedingungslose Abzug der irakischen Streitkräfte aus Kuwait,
die Wiedereinsetzung der legitimen Regierung Kuwaits, die Stabilität Saudi-Arabiens und am Persischen Golf sowie der Schutz amerikanischer Staatsbürger.
In dieser Angelegenheit steht wahrhaft viel auf dem
Spiel - die Verläßlichkeit des amerikanischen Engagements für unsere Freunde und Verbündeten, die
Gestaltung der Welt nach der Nachkriegszeit, die
Ablehnung von Aggression, die mögliche Beherrschung
der für die gesamte Welt entscheidenden Energiequellen. Diese Bemühungen waren von Beginn an wahrhaft international. Viele andere Länder leisten ihren
Beitrag. Zuletzt hatten 22 Länder entweder der Bitte
Saudi-Arabiens entsprochen, zur Abschreckung weiterer Aggression beizutragen oder gemäß der Resolution 665 des UNO-Sicherheitsrats Marinestreitkräfte
entsandt. Andere Staaten erbringen ihren Beitrag in
Form finanzielle) und materieller Unterstützung für
diese Verteidigungsanstrengungen oder für Länder,
deren Volkswirtschaften unter den Sanktionen oder
höheren Ölpreisen zu leiden haben. Und noch andere
zahlen einen hohen wirtschaftlichen Preis für die Einhaltung der UNO-Sanktionen.

AMERIKA DIENST 35

Es ist unabdingbar, daß die erheblichen von diesen
Bemühungen verursachten Belastungen auch von
denjenigen getragen werden, die verteidigt werden
und von denen, die vom freien ölfluß profitieren.
Jeder, der ein Interesse an der Weltordnung hat, muß
auch daran interessiert sein, unser aller Erfolg sicherzustellen.
Für die Vereinigten Staaten ist das Gleichgewicht von
großer Bedeutung, und sie sind damit in Einklang
stehende Verpflichtungen eingegangen. Wir sind mehr
als bereit, unseren fairen Anteil an den Lasten zu
tragen. Dazu gehören vor allem die Tausende von
Männern und Frauen unserer Streitkräfte, die heute
am Golf stehen, aber wir erwarten auch von anderen,
daß sie ihren fairen Anteil tragen.
Eine Reihe von Ländern hat schon ihre Bereitschaft
erklärt, denen zu helfen, die durch dieses Unterfangen
wirtschaftlich benachteiligt werden. Hierbei muß es
sich jedoch zwangsläufig um konzertierte und koordinierte Maßnahmen handeln, an denen sich alle betroffenen Länder beteiligen. Es ist wichtig, die richtigen
Prioritäten zu setzen und sicherzustellen, daß diejenigen, die unsere Hilfe am meisten benötigen, diese
auch bekommen und diejenigen, die am ehesten dazu
in der Lage sind, ihren Beitrag leisten.
Aus diesem Grund habe ich eine interministerielle
Arbeitsgruppe angewiesen, eine Strategie zur Verwirklichung dieses Ziels zu entwickeln. Der Bericht
dieser Gruppe wurde beim gestrigen Treffen des

Seite 1

�Nationalen Sicherheitsrats vorgelegt, und ich habe
heute morgen einen Aktionsplan genehmigt. Unser
Ansatz fordert erhebliche Wirtschaftshilfe für diese
Staaten - ich möchte hier insbesondere die Türkei und
Ägypten nennen, die einen großen Teil der von den
Sanktionen und höheren Ölpreisen verursachten Lasten
zu tragen haben. Der Plan führt darüber hinaus noch
weitere Länder auf, darunter Jordanien, die Staaten
Osteuropas und andere, die besonderer Hilfe bedürfen. Die Vereinigten Staaten werden ferner eine
Verteilung der aus ihren eigenen Anstrengungen resultierenden Lasten anstreben.
Wir werden gleichzeitig andere Regierungen, darunter
die Japans, Südkoreas, der Bundesrepublik Deutschland, Saudi-Arabiens, der Emirate, des freien Kuwait
und anderer Staaten ersuchen, sich uns anzuschließen und den Ländern, die am meisten unter der
gegenwärtigen Lage zu leiden haben, finanzielle sowie
gegebenenfalls Energieressourcen zur Verfügung zu
stellen.
Um dieses Unterfangen zu beschleunigen, habe ich
Außenminister Baker und Finanzminister Brady gebeten, an der Spitze hochrangiger Delegationen zum
Persischen Golf, nach Europa und Asien zu reisen. Ich
werde ferner direkten Kontakt mit den Staats- und
Regierungschefs dieser Länder aufnehmen, bevor die
Minister Baker und Brady dort eintreffen, um ihnen
unsere allgemeinen Ziele zu erläutern.
Abschließend möchte ich wiederholen, was ich bereits
gestern bei meinem Treffen mit führenden Politikern
des Kongresses erklärt habe. Unsere Politik liegt im
Grundsatz fest. Das irakische Regime steht in Opposition zur gesamten Welt und den Interessen des
irakischen Volkes. Der Irak stellt sich wahrhaft gegen
die gesamte Welt. Ich möchte jedoch klarstellen, daß

*

*

wir keinen Streit mit dem irakischen Volk haben.
Die Sanktionen beginnen bereits zu greifen. In der
Zwischenzeit möchten wir sicherstellen, daß die Länder, die zu dieser einmaligen kollektiven Antwort beitragen, darunter nicht leiden müssen. Was ich heute
verkündet habe und was in den folgenden Tagen
verwirklicht werden soll, wird dazu beitragen, ein Umfeld
zu schaffen, in dem die Sanktionen gegen den Irak mit
den beabsichtigten Folgen aufrechterhalten werden
können.
Eine weitere Maßnahme einmaliger internationaler
Solidarität war die Bereitschaft der OPEC, den durch
das Embargo gegen irakisches und kuwaitisches ö l
entstandenen Produktionsausfall wettzumachen. In
diesem Zusammenhang habe ich mich heute morgen
mit unseren Energieberatern getroffen, die den ö l markt sehr genau beobachten. Wir begrüßen den Beschluß der OPEC, die Verringerung der ölfördermenge teilweise aufzufangen. Obwohl wir uns meiner
Meinung nach in einer Übergangsphase befinden,
scheint die Lage kontrollierbar zu sein.
Wir erwarten zur Zeit keine größeren Verwerfungen
auf dem Ölmarkt. Wir besitzen jedoch unsere bewährte Strategische ölreserve, die zur Verfügung steht,
wenn dies wirklich erforderlich ist. Unsere Energiepolitik hat darüber hinaus eine verstärkte Erdölförderung
sowie eine Umstellung auf Erdgas und andere Brennstoffe zur Folge. Ich möchte ferner meinen früheren
Appell an die Amerikaner wiederholen, Energie zu
sparen. Ich fordere alle Beteiligten auf, sich verantwortungsbewußt zu verhalten. Gegenwärtig ist die Lage
meines Erachtens relativ stabil, und ich bin sehr zufrieden mit der Koordinierung, die mit vielen Ländern zur
Aufrechterhaltung einer angemessenen Brennstoftversorgung stattgefunden hat.

*

*

AMERIKA DIENST 35

�GOLFKRISE
5. September 1990

ISOLIERUNG DES IRAKS EINZIGES MITTEL
ZUR FRIEDLICHEN KONFLIKTLÖSUNG
US-Außenminister Baker vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge ist die "koordinierte und umfassende internationale
Isolierung des Iraks der einzig friedliche Weg" zur Beendigung der Golfkrise.
"Auf diplomatischem Wege haben wir von Anfang an versucht, eine konzertierte internationale Reaktion auf die
irakische Aggression zu fördern", erklärte Baker am 4. September 1990 vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Repräsentantenhauses. Er bezeichnete die Ergebnisse als außerordentlich und einmalig.
Dem US-Außenminister zufolge verspüren die Vereinigten Staaten Genugtuung über die im UNO-Sicherheitsrat geleistete "verantwortungsbewußte und produktive Arbeit" und über die "Unterstützung seitens der
Arabischen Liga und der Blockfreien".
Als Erklärung für das, was im Golf auf dem Spiel steht, nannte Baker folgende Punkte:
"Iraks nichtprovozierte Aggression ist ein politischer Prüfstein, wie die Welt nach dem kalten Krieg
funktioniert."
"Einschüchterung und Gewalt sind keine erfolgreichen Mittel, um mit dem unbeständigen Nahen Osten
- oder irgendeiner anderen Region - umzugehen."
Die Weltwirtschaft ist von den Energieressourcen am Golf abhängig.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Ansprache im Wortlaut:

Ich bin heute hierhergekommen, um vor Ihnen - und
damit vor dem amerikanischen Volk- über die Krise am
Persischen Golf und ihre Auswirkungen auf die Vereinigten Staaten zu sprechen.

und wir sind darüber hinaus verpflichtet, unsere Pläne
zur Verwirklichnug dieses Ziels zu erläutern, um unsere langfristigen Interessen am Golf und anderswo zu
fördern.

Ich möchte diese Krise im Rahmen meiner Rede in
einen großen Zusammenhang stellen. Die ganze Welt
ist mobilisiert, um die Aggression gegen ein kleines,
weit entferntes Land abzuwenden. Natürlich zahlen
wir jetzt schon höhere Preise an der Tankstelle. Sie
haben darüber hinaus darauf hingewiesen, daß Tausende unserer besten jungen Männer und Frauen jetzt
in der Hitze des Persischen Golfs Wache halten.

Ich möchte mit Erläuterungen darüber beginnen, was
auf dem Spiel steht. Zunächst ist die nichtprovozierte
Aggression des Iraks ein politischer Prüfstein, wie die
Welt nach dem kalten Krieg funktioniert. Inmitten der
Revolutionen, die die Welt bewegt haben und der
Veränderungen der Ost-West-Beziehungen befinden
wir uns nunmehr an einem kritischen Wendepunkt der
Geschichte. Die irakische Invasion Kuwaits ist einer
der wichtigsten Augenblicke einer neuen Ära, eines
neuen Zeitalters voller Hoffnungen, das aber darüber
hinaus viele Herausforderungen bereithält.

Der Präsident hat eindeutig erklärt, daß wir dem
amerikanischen Volk gegenüber eine klare Verpflichtung haben. Um es offen zu sagen, wir sind verpflichtet
auszusprechen, was infolge von Saddam Husseins
Invasion in Kuwait auf dem Spiel steht. Wir sind in der
Tat verpflichtet, unserem Volk zu erklären, welche
unmittelbaren Ziele wir in diesem Konflikt verfolgen,
AMERIKA DIENST 35

Während die im kalten Krieg aufgestellten Regeln
letztlich den Frieden zwischen Ost und West in Europa
bewahrt haben, besteht die Aufgabe jetzt darin, einen
dauerhaften Frieden zu schaffen, der weltweit gilt,
Seite 1

�nicht nur auf Europa beschränkt ist und seine Ursprünge nicht in Konfrontation und Spannungen hat.
Wenn wir einen stabilen und umfassenderen Frieden
schaffen wollen, müssen wir auf die charakteristischen
Momente dieser neuen Ära reagieren und die sich für
uns ergebenden Gefahren erkennen. Wir treten in ein
Zeitalter ein, in dem ethnische und religiöse Konflikte
leicht neue Gewalt und neue Konflikte hervorbringen
können. Dies ist ein Zeitalter, in dem neue Feindseligkeiten und Bedrohungen auftreten können, wenn fehlgeleitete Politiker ihre regionale Vormachtstellung sichern
wollen, bevor Grundsätze einer neuen Ordnung akzeptiert werden können.
Demgemäß stehen wir vor einer einfachen Wahl.
Wollen wir in einer Welt leben, in der Aggression
weniger wahrscheinlich ist, weil darauf eine eindeutige
Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft
erfolgt, einer Welt, in der zivilisierte Verhaltensregeln
gelten? Oder wollen wir in einer Welt leben, in der
Aggression sich unkontrolliert ausbreiten kann, wo sie
Erfolg hat, weil wir nicht soviel gemeinsame Willenskraft aufbringen können, um ihr die Stirn zu bieten?
Leider wird Saddam Husseins Angriff auf Kuwait nicht
der letzte Akt der Aggression sein, dem sich die
internationale Staatengemeinschaft stellen muß.
Solange ruchlose Aggressoren weiter wirken können,
ist es nur folgerichtig, daß solche Übergriffe von Zeit zu
Zeit auch stattfinden. Aber mit der gegenwärtigen
Krise bietet sich erstmals die Gelegenheit, eine solche
Gefahr zu begrenzen, die Maßstäbe zivilisierten Verhaltens zu stärken, wie sie in der UNO-Charta verankert sind und eine friedlichere internationale Ordnung
zu schaffen, die auf den hoffnungsvollen jüngsten
Tendenzen in Europa und anderswo beruht. Unsere
Ansicht lautet, daß wir die Gelegenheit ergreifen müssen,
um die Grundregeln der neuen Ordnung auf ein solides
Fundament zu stellen.
Zweitens müssen wir vom strategischen Standpunkt
zeigen, daß Einschüchterung und Gewalt keine erfolgreichen Mittel sind, um mit dem unbeständigen Nahen
Osten - oder irgendeiner anderen Region - umzugehen. Die Kombination ungelöster regionaler Konflikte,
turbulenter sozialer und politischer Veränderungen,
Massenvernichtungswaffen und das Vorhandensein
eines großen Teils der Weltenergievorräte macht den
Nahen Osten besonders explosiv. Niemand kann sich
Konflikten im Nahen Osten entziehen. Und niemand
kann sich sicher fühlen, wenn die Gefahr eines im
Nahen Osten eskalierenden Kriegs so groß ist.
Wenn wir friedliche Veränderungen fördern und die
Sicherheit all unserer Freunde in der Region erhalten
wollen, müssen wir ein verläßlicher Partner für den
Frieden bleiben. Wir müssen demonstrieren, daß
Saddam Husseins gewaltorientiertes Vorgehen ein
Anachronismus und kein Kurs für die Zukunft ist.

Seite 2

Drittens und vielleicht am offensichtlichsten steht eine
wirtschaftliche Komponente auf dem Spiel, die Abhängigkeit der Welt vom Zugang zu Energieressourcen
des Persischen Golfs. Die Auswirkungen auf unsere
Wirtschaft und die Menschen sind bereits spürbar.
Aber wir sprechen hier nicht vom Preisanstieg einer
Gallone Benzin an unseren Tankstellen. Die Frage
des Ölflusses aus Kuwait und dem Irak spielt nur eine
untergeordnete Rolle. Es geht hier um die Frage nach
einem Diktator, der allein und ohne Herausforderungen die Weltwirtschaftsordnung zerrütten und per Erlaß
verfügen könnte, ob wir alle eine Rezession oder sogar
eine Depression hinnehmen müssen.
Eine anhaltende ölpreisspirale ähnlich der Ereignisse
in den Jahren 1973 und dann wieder 1979 könnte
weltweit zu höherer Inflation und höheren Zinsen führen, wobei wir alle in die Rezession abgleiten würden.
Die Belastung könnte sich insbesondere auf die neuen
Demokratien in Osteuropa auswirken und drohen, die
demokratischen Revolutionen von 1989 rückgängig zu
machen. Auch in den ärmeren Ländern Mittelamerikas, Südasiens und Afrikas bekämen es diejenigen zu
spüren, die jetzt marktorientierte Reformen verwirklichen und den Lebensstandard ihrer verarmenden
Millionen zu verbessern suchen.
Einfach gesagt ist dies der Einsatz, der durch die
irakische Invasion gegen Kuwait auf dem Spiel steht.
Die Frage lautet also meiner Ansicht nach, wie wir und
die internationale Staatengemeinschaft darauf reagiert haben.
Für die Vereinigten Staaten hat der Präsident vier Ziele
definiert.
Erstens den unverzüglichen, vollständigen und bedingungslosen Abzug aller irakischen Truppen aus Kuwait, wie er in Resolution 660 des UNO-Sicherheitsrats
gefordert wird.
Zweitens die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen
Regierung Kuwaits.
Drittens der Schutz des Lebens amerikanischer Bürger, die vom Irak sowohl dort als auch in Kuwait als
Geiseln gehalten werden.
Viertens ein Engagement für die Sicherheit und Stabilität der Region des Persischen Golfs.
Unsere Strategie besteht darin, die Führungsrolle in
einem weltweiten politischen Bündnis zu übernehmen,
um den Irak politisch, wirtschaftlich und militärisch zu
isolieren. Im Hinblick darauf sind wir bestrebt, daß der
Irak einen so hohen Preis für seine Aggression zahlen
muß, daß er gezwungen ist, aus Kuwait abzuziehen
und Amerikaner und andere als Geiseln festgehaltene
Menschen freizulassen.

AMERIKA DIENST 35

�Dies würde im Gegenzug zur Wiedereinsetzung der
rechtmäßigen Regierung Kuwaits führen. Es würde
auch die Möglichkeiten für langfristige Sicherheit und
Stabilität im persischen Golf auf eine Weise verbessern, die auf den einmaligen internationalen Konsens
baut, der sich bereits gebildet hat.
Unsere Strategie hat sich aus zwei Wegen zu diesem
Ziel ergeben, die sich gegenseitig verstärken. Ich
möchte Ihnen unsere Bestrebungen darlegen. Auf
diplomatischem Wege haben wir von Anfang an versucht, eine konzertierte internationale Reaktion auf die
irakische Aggression zu fördern. Die Ergebnisse waren,
wie auch Sie, Herr Vorsitzender, ausgeführt haben,
außerordentlich und man kann sie schon als einmalig
bezeichnen. Fünf einstimmige Resolutionen des UNOSicherheitsrats sind verabschiedet worden, und es ist
nur fair zu sagen, daß der Irak inzwischen geächtet
wird.
Die Vereinigten Staaten verspüren Genugtuung über
die im UNO-Sicherheitsrat geleistete verantwortungsbewu ßte und produktive Arbeit, die wir gemeinsam mit
den anderen Ständigen Mitgliedern, Großbritannien,
Frankreich, der Sowjetunion und der Volksrepublik
China geleistet haben und über die Unterstützung der
Arabischen Liga und der Blockfreien.
Wie Mr. Broomfield bereits erläuterte, hat sich insbesondere die Sowjetunion als verantwortungsbewußter
Partner erwiesen und neue Möglichkeiten für eine
aktive Zusammenarbeit der Supermächte bei der
Bewältigung regionaler Konflikte aufgezeigt. Der
Präsident wird sich bei seinem Treffen mit Präsident
Gorbatschow in Helsinki am kommenden Sonntag (9.
September) bemühen, unsere partnerschaftlichen
Bindungen weiter zu verstärken.
Langfristig sollten wir uns daran erinnern, wie dieser
Konflikt ausgesehen hätte, wenn die sowjetische Politik im Persischen Golf immer noch durch das althergebrachte Nullsummendenken bestimmt würde. Die
NATO, die Europäische Gemeinschaft und die Westeuropäische Union haben sich in großartiger Weise
beteiligt. Unser NATO-Verbündeter Türkei sollte wegen
seiner raschen, effektiven und sehr mutigen Zusammenarbeit besonders herausgehoben werden.
Schließlich hat eine breite regionale Koalition, zu der
Ägypten, Saudi-Arabien, Kuwait, die Golfstaaten und
Syrien gehören, viel getan, um die internationale
Geschlossenheit zu fördern. In dieser Hinsicht möchte
ich noch einen entscheidenden Punkt zur Sprache
bringen. Seit ihrem Amtsantritt hat diese Administration mit unseren Freunden in Asien und Europa, mit
den Sowjets und mit Organisationen wie der NATO
und der Europäischen Gemeinschaft konzertierte
Anstrengungen unternommen, um sich den regionalen Konflikten innewohnenden explosiven Gefahren zu
widmen. Bei der Antwort auf die Invasion des Iraks

AMERIKA DIENST 35

konnten wir uns auf die neuen internationalen Bindungen stützen, die aufgrund dieser Strategie entstanden
sind.
Die Kuwaiter selbst verdienen unser Mitgefühl und
unseren Respekt. Sie mußten eine brutale Invasion,
die Plünderung ihres Landes und eine traumatische
Erfahrung erdulden. Es kam zu tragischen Verlusten
an Menschenleben, und Tausende von Kuwaitern
flohen in Nachbarstaaten und konnten in vielen Fällen
nur mit dem, was sie auf dem Leibe trugen, entkommen.
Aber die Kuwaiter wehren sich, und sie wehren sich
heldenhaft. Sie kollaborieren nicht mit dem Irak.
Sämtliche Teile der kuwaitischen Bevölkerung, von
den religiösen Konservativen bis zu den säkular eingestellten Liberalen haben ihre Unterstützung für die
Wiedereinsetzung der Regierung bekundet. Im Land
selbst hat sich ein Widerstand formiert. Er führt den
Kampf gegen die irakische Aggression innerhalb Kuwaits.
Darüber hinaus stellt die kuwaitische Exilregierung
finanzielle Hilfe bereit, um unsere militärischen Bemühungen zu unterstützen und zur Beseitigung wirtschaftlicher Probleme beizutragen, die Staaten wie
Ägypten entstanden sind.
Kurzum: Kuwait ist besetzt worden - aber Kuwait
wurde nicht erobert.
Die in dem Grundsatz vereinte politische Koalition, daß
Saddam Hussein nicht die Früchte seiner Aggression
ernten darf, hat unter dem Schirm der Vereinten Nationen ein Wirtschaftsembargo verwirklicht, das voll und
ganz wirksam ist. Die importabhängige Volkswirtschaft des Iraks spürt schon die Auswirkungen, und
der internationale Druck wird mit der zunehmenden
Verknappung weiter anwachsen. Sanktionsverletzer
könnten, wie dies in solchen Lagen stets der Fall ist,
durch große finanzielle Profite in Versuchung geführt
werden, aber die Resolution 665 des UNO-Sicherheitsrats, die eine Durchsetzung des Embargos mit
allen angemessenen Mitteln vorsieht, sollte gewährleisten, daß die Möglichkeiten des Iraks zum Export
seines Öls und zum Import wichtiger Waren mit der
Zeit stark eingeschränkt werden.
Saddam Husseins Aggression hat Ländern in der
Region und in der ganzen Welt enorme Kosten verursacht. Die Zerstörung der kuwaitischen Volkswirtschaft durch die irakischen Angreifer hat große wirtschaftliche Verwerfungen bei befreundeten Staaten in
der Region zur Folge gehabt. Dies betrifft insbesondere Ägupten und die Türkei. Andere Länder, die wirtschaftlich auf schwachen Füßen stehen, besonders in
Osteuropa, müssen einen sehr hohen Preis bezahlen.
Auch die Notwendigkeit, die Lasten unserer eigenen
militärischen Bemühungen auszugleichen, muß angesprochen werden. Wie der Präsident am vergangenen
Donnerstag (30. August) verkündete, haben wir einen

Seite 3

�Aktionsplan beschlossen, um diesen Erfordernissen
gerecht zu werden. Unsere Freunde in der ganzen
Welt haben darauf reagiert und tun dies auch weiterhin. Saudi-Arabien bestreitet einen Großteil der Treibstoffkosten für unsere Bemühungen, und andere Golfstaaten stellen den betroffenen Staaten Brennstoffe
und Finanzmittel zur Verfügung.
Der Präsident hat Finanzminister Brady und mich
gebeten, wichtige Staaten am Golf, in Europa und
Asien zu besuchen, um die internationalen Bemühungen zu mobilisieren und koordinieren. Wir werden
bestrebt sein zu gewährleisten, daß Kosten und Verantwortlichkeiten gleichmäßig verteilt werden und unsere
Anstrengungen einander auf verschiedenen Ebenen
ergänzen. Das Ziel ist die Wahrung der lebenswichtigen Interessen der beteiligten Parteien und die Aufrechterhaltung der Solidarität der internationalen
Koalition. Die Zeit kann auf der Seite der internationalen Staatengemeinschaft sein. Der Diplomatie kann
zum Erfolg verholten werden.
Auf der militärischen Ebene stellen heute 25 Staaten
Soldaten und Material zur Unterstützung der Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats bereit. Die amerikanischen Ziele sind die Abschreckung eines irakischen
Angriffs auf Saudi-Arabien sowie die Gewährleistung
der wirksamen Einhaltung der UNO-Sanktionen. Unsere
Streitkräfte sind darüber hinaus dort anwesend, um
das Leben amerikanischer Bürger zu schützen und
eine effektive und entschiedene militärische Reaktion
sicherzustellen, falls der Irak seine Aggression zu
aktiven Gefechten mit der multinationalen Streitmacht
eskaliert.
Wenn jedoch die gegenwärtige Gefahr vorüber ist,
können wir ihre Lehren nicht unbeherzigt lassen. Wir
stehen in der Verantwortung, dem amerikanischen
Volk zu versichern, daß nicht zehn Jahre später seine
Söhne und Töchter gefährdet werden, weil wir es
versäumt haben, langfristige Lösungen für die Probleme am Golf zu finden. Der von uns zustande gebrachte historische internationale Konsens kann eine solide
Grundlage sein, um unsere unmittelbaren Ziele zu
verwirklichen und eine sicherere Zukunft aufzubauen.
Er kann ein künftiges Umfeld am Golf fördern, das
unsere Interessen schützen und uns helfen wird, eine
Wiederholung solcher massiven diplomatischen und
militärischen Anstrengungen in der Zukunft zu vermeiden.
Langfristig streben wir einen stabilen Golf an, an dem
die Staaten dieser Region und deren Völker in Frieden
und ohne Furcht vor Nötigung leben können. Wir
streben eine Region an, in der Veränderungen stattfinden können und darüber hinaus legitimen Sicherheitsanliegen auf friedlichem Wege Rechnung getragen
wird. Ferner streben wir eine Region an, in der
Energielieferungen frei fließen können. Wir werden
mit den Regierungen am Golf und außerhalb zusammenarbeiten müssen, um eine dauerhaftere Ordnung
zu schaffen.
Seite 4

Wir möchten gewährleisten, daß unsere Freunde in
der Region die Mittel besitzen, um Aggressionen
abzuschrecken und sich zu verteidigen, damit die
Notwendigkeit verringert wird, amerikanische Männer
und Frauen zu ihrer Unterstützung zu entsenden. Wir
werden mit den andere Mitgliedern der regionalen und
internationalen Staatengemeinschaft zusammenarbeiten, um weiteren irakischen Expansionsbestrebungen
sowie irakischen Bemühungen, Massenvernichtungswaffen zu erwerben und zu produzieren, Einhalt zu
gebieten.
Die Bewältigung der heutigen Bedrohung könnte ferner zur Ausgangsbasis für dauerhafte internationale
Bemühungen werden, um die Verbreitung chemischer,
biologischer und atomarer Waffen und ballistischer
Raketen in der Region und andernorts zu verhindern.
Sie kann ein Sprungbrett für neue Versuche zur Lösung von Konflikten werden, die einer solchen Verbreitung zugrundeliegen, einschließlich des schwelenden
Konflikts zwischen Israel und seinen palästinensischen und arabischen Nachbarn. Es reicht nicht aus
zu zeigen, daß sich Aggression und Einschüchterung
nicht auszahlen. Wir müssen auch zeigen, daß es
einen Weg zu Aussöhnung und Frieden gibt, der mit
gutem Willen und Vertrauen auf allen Seiten beschritten werden kann. Abschließend möchte ich Saddam
Husseins Überfall auf Kuwait in eine historische Perspektive stellen.
Seit über vierzig Jahren stand der Konflikt zwischen
Ost und West im Mittelpunkt der internationalen Beziehungen. Der kalte Krieg erfaßte den ganzen Erdball
und betraf jeden. Ein Großteil der amerikanischen
Außenpolitik wurde entweder von unseren Bemühungen zur Eindämmung der stalinistischen Aggression
bestimmt oder leitete sich daraus her.
Heute hat die zentrale Auseinandersetzung der Nachkriegszeit, der Ost-West-Konflikt über die Zukunft
Europas, einen Umbruch erfahren. Die Volksrevolutionen des vergangenen Jahres in Mittel- und Osteuropa haben die Diktaturen der Vergangenheit hinweggefegt. An ihrer Stelle finden die Menschen nun die
Freiheit. Europa wird ungeteilt und frei, Deutschland
wird in Frieden und Freiheit vereint werden. Eine
aufgeklärte sowjetische Führung hat zu friedlichen,
demokratischen Veränderungen als einzig legitimem
Weg zum Fortschritt ermutigt.
Diese Administration hat aktiv auf die Verfechter des
neuen Denkens und der Reformen in der Sowjetunion
eingewirkt. Zusammen entdecken wir gemeinsame
Interessen, die Ost und West vereinen werden. In
dieser Beziehung wird Konflikt durch Partnerschaft
abgelöst.
Wie ich bereits viele Male erklärt habe, ist die Rolle der
Vereinigten Staaten in diesem gewaltigen Umbruch in
der Weltpolitik sehr aufrichtig. Wir müssen nicht nur
den kalten Krieg hinter uns lassen, sondern auch die
ihm zugrundeliegenden Konflikte.
AMERIKA DIENST 35

�Und das ist der Grund, warum, wie der Präsident
erklärt hat, die Aggression des Iraks nicht Bestand
haben kann.
Die Linie im Sand Arabiens bedeutet auch eine Linie in
der Zeit. Durch seinen Einfall in Kuwait tat Saddam
Hussein einen gefährlichen Schritt zurück in die Vergangenheit. Vielleicht dachte er nur, die Welt würde
Kuwait für entbehrlich halten, wir würden es lediglich
als kleines, weit entferntes Land betrachten, von dem
wir wenig wissen und das uns ziemlich egal sei.
Vielleicht erinnerte er sich an die dreißiger Jahre, als
der Völkerbund es versäumte, entschieden auf die
Aggression Mussolinis gegen Abessinien, dem heutigen Äthiopien, zu reagieren. Sicher dachte Saddam
Hussein, sein Verbrechen werde sich auszahlen, aber
die Welt hat sich anders entschieden. Es darf ihm nicht
gestattet werden, seine Beute zu behalten.
Der Präsident hat unsere Haltung klargestellt. Die
Welt muß gemeinsam dafür sorgen, daß die in der
Charta der Vereinten Nationen verankerten Prinzipien
verteidigt werden. Bei diesen Bemühungen, Herr
Vorsitzender und verehrte Ausschußmitglieder, müssen die Vereinigten Staaten führen, und unser Volk

*

AMERIKA DIENST 35

muß das verstehen. Wir bleiben die einzige Nation, die
das erforderliche politische, militärische und wirtschaftliche Instrumentarium besitzt, um eine erfolgreiche
kollektive Antwort der internationalen Staatengemeinschaft zu fördern.
Geographisch liegen wir von großen Teilen der Erde
weit entfernt, da wir durch den Atlantik und den Pazifik
getrennt sind. Politisch, wirtschaftlich und strategisch
gibt es jedoch keine Ozeane, und in einer Welt ohne
Ozeane ist eine Politik des Isolationismus keine Option. Nur durch amerikanisches Engagement kann die
friedliche Welt aufgebaut werden, die sich unser Volk
so sehnsüchtig wünscht.
Wir gehen davon aus, daß diese koordinierte und
umfassende internationale Isolierung des Iraks der
einzig friedliche Weg ist, um die vom Präsidenten
verkündeten Ziele zu erreichen. Unsere Anstrengungen werden jedoch Zeit erfordern, und darum bitten wir
insbesondere das amerikanische Volk. Bleiben Sie
fest. Haben Sie Geduld. Bleiben Sie vereint, auf daß
wir zusammen zeigen können, daß sich Aggression
nicht auszahlt.

* * *

*

Seite 5

�GOLFKRISE
5. September 1990

DIE GOLFKRISE: EINE CHRONOLOGIE
Stand: 28. August
Als Unterzeichner der Charta der Vereinten Nationen haben sich sowohl der Irak als auch Kuwait verpflichtet,
"in ihren internationalen Beziehungen auf Androhung oder Einsatz von Gewalt gegen die territoriale Integrität
oder politische Unabhängigkeit eines Staates zu verzichten".
Irak erkannte den unabhängigen Staat Kuwait im Jahr 1963 offiziell an und verpflichtete sich, seine Souveränität zu respektieren. Die folgende Chronologie schildert die Ereignisse, die auf die Verletzung dieser bindenden
Erklärung durch den Irak mit seiner Invasion und Annexion Kuwaits folgten. Angeführt vom Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen hat die internationale Staatengemeinschaft diesen Bruch von Gesetzen und Prinzipien
verurteilt, die friedliche Beziehungen zwischen den Nationen regeln.

16. Juli: Der irakische Außenminister Aziz legt dem
Sekretariat der Arabischen Liga in Tunis ein Schreiben
vor, in dem Kuwait und die Vereinigten Arabischen
Emirate der "direkten Agression" gegen Irak beschuldigt werden. Zu den Vorwürfen gehören Übergriffe auf
irakisches Territorium und überhöhte Ölproduktion.
17. Juli: Der irakische Präsident Saddam Hussein
beschuldigt Kuwait und die Vereinigten Arabischen
Emirate, die von der OPEC festgesetzten Produktionsgrenzen zu überschreiten und damit den Rohölpreis niedrigzuhalten. Hussein zufolge gingen Irak
durch dieses Vorgehen Öleinnahmen in Höhe von 14
Milliarden Dollar verloren. Er droht, die Überproduktion notfalls mit Gewalt zu stoppen.
18. Juli: Saddam Hussein bekräftigt den irakischen
Anspruch auf Öl in einem umstrittenen Grenzgebiet in
Kuwait. Er erklärt, Kuwait habe Rohöl im Gegenwert
von 2,4 Milliarden Dollar aus den dortigen Ölquellen
gestohlen und fordert Rückzahlung.
Die kuwaitische Nationalversammlung beschließt,
mehrere hochrangige Regierungsvertreter in arabische Hauptstädte zu entsenden, um die kuwaitische
Position darzulegen. Der saudiarabische König Fahd
telefoniert mit Saddam Hussein und drängt auf Zurückhaltung.
Das US-Außenministerium wiederholt, die amerikanische Politik am Golf bestehe darin, "den ungehinderten Öltransfer durch die Straße von Hormus sicherzustellen und den Grundsatz der Freiheit der Schiffahrt
zu verteidigen".

AMERIKA DIENST 35

19. Juli: Der kuwaitische Außenminister übermittelt
der Arabischen Liga ein Antwortschreiben auf die
irakischen Vorwürfe und bittet um Schlichtung der
Grenzstreitigkeiten durch die Arabische Liga.
20. Juli: Die kuwaitischen Streitkräfte werden in
Alarmbereitschaft versetzt.
21. Juli: Der Generalsekretär der Arabischen Liga,
Klibi, reist zu Konsultationen nach Kuwait. Saddam
Hussein spricht mit dem ägyptischen Präsidenten
Mubarak.
22. Juli: Der irakische Außenminister kommt mit
Präsident Mubarak in Kairo zusammen. In Kuwait
akkreditierte Militärattaches der NATO berichten nach
Besuchen im Irak von Panzerverlegungen auf Eisenbahnwaggons nach Süden und 2 000 bis 3 000 Lastwagen, die 30 000 Soldaten zur Grenze bringen.
23. Juli: Saudiarabische Streitkräfte im nördlichen
und östlichen Kommandobereich werden in Alarmbereitschaft versetzt. Der ägyptische Staatspräsident
Mubarak und König Hussein von Jordanien beraten
über die Spannungen am Golf.
24. J uli: Mubarak reist als Vermittler nach Bagdad und
Kuwait und schlägt ein Treffen der arabischen Außenminister in Kairo vor. Das Pentagon bestätigt, daß die
amerikanische Marine gemeinsam mit den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Ausbildungsoperation
im Golf durchführt. Das kuwaitische Militär wird von
Alarmbereitschaft in den niedrigeren Bereitschaftszustand "erhöhte Wachsamkeit" versetzt. Bei einer

Seite 1

�OPEC-Sondersitzung in Genf einigen sich die Unterhändler rasch auf Produktionsgrenzen, die für alle 13
Mitgliedstaaten akzeptabel sind.
25. Juli: Der Aufmarsch irakischer Streitkräfte wird
fortgesetzt, das kuwaitische Militär wieder in Alarmbereitschaft versetzt. Der amerikanische Botschafter
April Glaspie trifft in Badgad mit Saddam Hussein
zusammen, der erklärt, er hoffe auf eine friedliche
Lösung des Konflikts und den Botschafter von seinen
Plänen zu Gesprächen mit Kuwait unterrichtet. Er
verspricht, fürdie Dauer der Vermittlungsbemühungen
werde militärisch "nichts unternommen". Saddam
erklärt Mubarak gegenüber, der Irak plane keinen
Angriff auf Kuwait.

Der kuwaitische Botschafter in den Vereinigten Staaten verurteilt Iraks Invasion seines Landes aufs Schärfste und richtet einen Appell für Militärhilfe an alle
Nationen der Welt. "Meines Erachtensistdie Intervention der Vereinigten Staaten zu diesem Zeitpunkt von
vorrangiger Bedeutung", erklärt er.
Präsident Bush verurteilt die Invasion als "nackte
Aggression" und fordert den "unverzüglichen und
begingungslosen Abzug" irakischer Truppen. Bush
unterzeichnet eine Durchführungsverordnung zur
Unterbindung jeglichen Handels mit Irak, dem Einfrieren der irakischen und kuwaitischen Vermögenswerte
und fordert andere Regierungen auf, entsprechende
Schritte zu unternehmen.

26. Juli: Die OPEC-Vereinbarungen über Produktionsdrosselung und Exportbeschränkungen werden
offiziell festgelegt. Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate verpflichten sich zur Einhaltung des
Abkommens.

Die Mitglieder des amerikanischen Kongresses bringen ihre Empörung über die irakische Invasion zum
Ausdruck. Sowohl der Senat als auch das Repräsentantenhaus verurteilen Bagdads Vorgehen und unterstützen Präsident Bushs Embargo.

27. Juli: Der amerikanische Senat stimmt für die
Sperrung aller landwirtschaftlichen Kredite an Irak und
verbietet den Transfer von Munition und militärisch
anwendbarer Technologie.

3. August: Das irakische Heer stößt in Richtung
Saudi-Arabien vor. Präsident Bush läßt dem Irak eine
ernste Warnung zukommen, nicht in das Königreich
einzumarschieren, bezeichnet die Besetzung Kuwaits
als "inakzeptabel" und erklärt, eine weitere Ausweitung "wäre noch weniger akzeptabel". Bush zufolge
werden sich die Vereinigten Staaten alle Optionen
offenhalten und "wären zu jeder nur denkbaren Hilfe
bereit", wenn Saudi-Arabien um Hilfe bitten sollte. Der
amerikanische Präsident führt Telefongespräche mit
arabischen Regierungsvertretern.

31. Juli: Nachrichtendienstliche Quellen berichten
von einem enormen irakischen Truppenaufmarsch,
bei dem nahezu 100 000 Mann entlang der Grenze zu
Kuwait massiert werden - was ungefähr fünfmal der
Größe des kuwaitischen Heeres entspricht. Vertreter
des Iraks und Kuwaits treffen sich in Saudi-Arabien,
um Verhandlungen über die Ölfelder entlang der Grenze aufzunehmen, die jedoch nach zwei Stunden abgebrochen werden. Das amerikanische Außenministerium bekräftigt die Unterstützung der diplomatischen
Bemühungen durch die Vereinigten Staaten zur "Entschärfung der Spannung" am Golf.
1. August: Der irakische Botschafter in Washington
wird zu Konsultationen mit Abteilungsleiter John Kelly
ins Au ßenministerium gerufen, der "die amerikanische
Überzeugung einer friedlichen Beilegung" des Konflikts zwischen Irak und Kuwait bekräftigt.
2. August: Im Laufe der Nacht überqueren Hunderte
von irakischen Panzern in Begleitung von Tausenden

von Landstreitkräften die Grenze nach Kuwait und
besetzen den Palast des Emirs sowie andere Regierungsgebäude und strategische Einrichtungen.
In einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen wird das irakische Vorgehen mit
14:0 Stimmen verurteilt, ein Waffenstillstand und der
Abzug irakischer Truppen aus Kuwait gefordert. Die
Sowjetunion, ein Hauptlieferant von Waffen an den
Irak, stimmt für die Resolution und verkündet ein
Waffenembargo gegen dieses Land.

vSeite 2

Saddam Hussein kündigt eine Zusammenkunft mit
dem kuwaitischen Emir in zwei Tagen an und verspricht den Abzug der irakischen Truppen zu Beginn
dieses Tages. Bagdad fängt an, internationale Rundfunksendungen einschließlich der arabischen Sendungen der Stimme Amerikas zu stören.
US-Au ßenminister Baker und sein sowjetischer Amtskollege Schewardnadse veröffentlichen erstmals eine
gemeinsame Erklärung, in der sie die Invasion Kuwaits
durch den Irak verurteilen.
Belgien, Frankreich, Großbritannien und Luxemburg
schließen sich Bestrebungen an, kuwaitische Vermögenswerte in ihren Ländern einzufrieren. Die irakische
Invasion wird von der Europäischen Gemeinschaft,
Luxemburg, Österreich, Griechenland, Spanien und
Brasilien verurteilt.
4. August: Satellitenfotos deuten auf eine Verstärkung, keinen Abzug irakischer Truppen aus Kuwait
hin.
Kanada verhängt ein Embargo auf ölimporte aus
Kuwait und dem Irak und bereitet neben anderen

AMERIKA DIENST 35

�Sanktionen Exportkontrollen für den Irak vor. Das
stark von importiertem Öl abhängige Japan erklärt, es
werde Ölimporte aus dem Irak und Kuwait ebenso wie
Exporte in diese Länder boykottieren. Die Europäische Gemeinschaft spricht sich für die Verhängung
ähnlicher Sanktionen aus.
6. August: König Fahd bittet befreundete Streitkräfte
zur Verstärkung seiner Verteidigung nach Saudi-Arabien, Bush entsendet ein Geschwader von Kampfflugzeugen des Typs F-15 und die 82. Luftlandedivision
auf einen saudiarabischen Luftstützpunkt.
Die Vereinten Nationen stimmen 13:0 für ein obligatorisches Embargo gegenüber dem Irak. Der Gesandte
der US-Botschaft, Joseph Wilson, trifft Saddam Hussein in Bagdad und bekräftigt Washingtons Forderung
nach einem Abzug irakischer Truppen aus Kuwait.
Saddam verkündet, seine Annexion Kuwaits sei "nicht
rückgängig zu machen".
7. August: Die Truppenbewegungen von US-Streitkräften werden der Öffentlichkeit bekanntgegeben und
Tausende von Soldaten bereiten ihre Verlegung auf
saudiarabische Luftstützpunkte vor.
Zum ersten Mal in ihrer Geschichte trifft die neutrale
Schweiz die Entscheidung, sich der Staatengemeinschaft anzuschließen und verhängt Sanktionen gegen
den Irak.
Venezuela informiert Washington, die OPEC werde
die durch das internationale Embargo gegen den Irak
und Kuwait verursachten ölengpässe ausgleichen.
8. August: In einer Fernsehansprache gibt Bush
offiziell die Stationierung von Truppen im Nahen Osten
bekannt und bittet US-Bürger um ihre Unterstützung
für diese Maßnahme, denn "die souveräne Unabhängigkeit Saudi-Arabiens ist von entscheidendem Interesse für die Vereinigten Staaten." Er betont, "Appeasement - eine Beschwichtigungspolitik - funktioniert
nicht".
Bush erklärt die vier Grundsätze amerikanischer Politik: die Forderung nach Abzug irakischer Truppen aus
Kuwait, Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung Kuwaits, das amerikanische Engagement für
Frieden und Stabilität am Persischen Golf und der
Schutz des Lebens amerikanischer Bürger in der Region.
Der Irak verkündet die Annexion Kuwaits.
Großbritannien entsendet zusätzliche Luftwaffen- und
Marineeinheiten zur Verteidigung Saudi-Arabiens.
9. August: Arabische Führer treffen sich in Kairo in
dem Versuch, die Lage unter sich zu lösen, aber die
Gespräche werden um einen Tag verschoben. Das
US-Außenministerium bringt seine wachsende Sorge
über die 3 000 Amerikaner zum Ausdruck, die durch
die Invasion in Kuwait festgehalten werden. Ein Spre-

AMERIKA DIENST 35

cher des Außenministeriums bekräftigt, die irakische
Regierung habe sich am 2. August verpflichtet, die
Sicherheit amerikanischer Bürger und anderer Ausländer zu garantieren.
Präsident Bush unterrichtet den Kongreß offiziell über
die Vornestationierung der Truppen im Nahen Osten.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erklärt die
irakische Annexion Kuwaits einstimmig für "null und
nichtig". Ein Sonderausschuß wird zur Überwachung
der Einhaltung von Sanktionen gegenüber dem Irak
gebildet.
10. August: Der Irak fordert zum "heiligen Krieg"
gegen Amerikaner und Israelis auf und verfügt die
Schlie ßung aller Botschaften in Kuwait. Die Arabische
Liga vereinbart die Entsendung von Friedenstruppen
nach Saudi-Arabien. Zwölf von zwanzig Mitgliedern
stimmen dafür, drei dagegen (Irak, Libyen und die
PLO), zwei enthalten sich der Stimme (Jemen, Algerien), und ein Mitglied ist nicht anwesend (Tunesien).
Jordanien, Mauretanien und Syrien bringen ihre "Vorbehalte" zum Ausdruck.
Die NATO-Minister in Brüssel versichern der Stationierung im Golf ihre "einhellige Unterstützung" und erklären Maßnahmen von Mitgliedern, etwa das Engagement der Marine Frankreichs und Gro ßbritanniens und
die Entscheidung Italiens, Spaniens und Portugals zur
Bereitstellung von Luftstützpunkten für gerechtfertigt.
Bush erweitert alle Sanktionen gegenüber dem Irak
auf Kuwait.
11. August: Ägyptische und marokkanische Truppen
landen in Saudi-Arabien, um der Bedrohung einer
irakischen Invasion vorzubeugen. Vertreter Syriens
erklären, Damaskus werde sich wahrscheinlich an den
gemeinsamen islamischen Bestrebungen beteiligen.
12. August: Präsident Bush erklärt, er werde USTruppen anweisen, irakische ölexporte und alle Importe in dieses Land außer einige Nahrungsmitteltransporte abzufangen. London gibt bekannt, ein britischer Geschäftsmann sei bei dem Versuch, aus dem
Irak zu fliehen, erschossen worden.
13. August: König Hussein von Jordanien beschuldigt
die Vereinigten Staaten, im Nahen Osten eine "explosive" Lage zu schaffen. Vertreter der Vereinigten
Staaten erklären, der jordanische Hafen Akaba solle
geschlossen werden (Jordanien hatte erklärt, es würde sich den UNO-Sanktionen anschließen).
Pakistan äußert seine Bereitschaft, der islamischen
Streitmacht in Saudi-Arabien beizutreten.
14. August: Diplomatische Bestrebungen zur Lösung
der Golfkrise werden verstärkt und Gespräche zwischen amerikanischen und europäischen Außenministern, kuwaitischen Vertretern im Exil, irakischen

Seite 3

�Vertretern und den Ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen aufgenommen. Die
Amerikaner und Briten im Irak werden als "Festgehaltene" bezeichnet. Immer mehr Bürgern anderer Nationalitäten wird die Ausreise verwehrt.
Saddam Hussein bietet an, "endgültig Frieden" mit
dem Iran schließen, Territorium zurückgeben und
Kriegsgefangene austauschen zu wollen.
16. August: Nach der Zusammenkunft mit dem jordanischen König Hussein erklärt Präsident Bush, Jordanien bekräftige seine Verpflichtung zur Einhaltung der
UNO-Sanktionen. Bush weist die US-Marine an, die
Schiffahrt von und nach dem Irak und Kuwait zu
unterbinden. Die irakische Regierung befiehlt Amerikanern und Briten in Kuwait, sich in bestimmten Hotels
einzufinden.
17. August: Der Sprecher des irakischen Parlaments
Sadi Mahdi erklärt, Bürger "aggressiver" Länder würden nicht freigelassen, bis die Bedrohung eines Kriegs
gegen den Irak endet.
18. August: Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet einstimmig Resolution 664 mit der
Forderung, daß der Irak die unverzügliche Ausreise
der Ausländer aus Kuwait und dem Irak "gestattet und
erleichtert". Darüber hinaus fordert die Resolution, der
Irak solle keine Schritte unternehmen, um die Sicherheit oder das Wohlergehen dieser Bürger aus Drittstaaten zu gefährden, den unmittelbaren und ständigen Zugang von Konsularbeamten gewährleisten, seinen
Befehl zur Schließung diplomatischer und konsularischer Vertretungen in Kuwait und Aufhebung der
Immunität von Botschaftspersonal zurückziehen.
19. August: Der irakische Präsident Hussein bietet
die Freilassung der Internierten an, wenn Präsident
Bush schriftlich garantiert, daß die amerikanischen
Streitkräfte aus Saudi-Arabien abgezogen werden und
der Wirtschaftsboykott gegen den Irak eingestellt wird.
Er läßt keinen Zweifel daran, daß die Ausländer als
Schutzschild benutzt würden. "Ihre Präsenz und die
irakischer Familien an lebenswichtigen Zielen kann
eine militärische Aggression verhindern," erklärt er.
Besorgt über Berichte, denenzufolge französische
Bürger widerrechtlich in Bagdad festgehalten werden,
weist die französische Regierung ihre Flotte in der
Golfregion an, gegebenenfalls Gewalt anzuwenden,
um die Einhaltung der UNO-Sanktionen gegen den
Irak sicherzustellen.
20. August: Präsident Bush nennt die irakischen
Beschränkungen gegenüber "unschuldigen Zivilisten
aus zahlreichen Ländern" unannehmbar und eine
"Verletzung aller internationalen Verhaltensnormen".
Er fordert die Führung des Iraks auf, "alle Ausländer
unverzüglich freizulassen" und ihnen das Recht zu

Seite 4

geben, "zu kommen und zu gehen wann sie wollen".
Zum ersten Mal seit Beginn der Krise bezeichnet Bush
die festgehaltenen Ausländer als "Geiseln".
21. August: Der irakische Präsident Saddam Hussein
fordert Präsident Bush auf, eine friedliche Lösung der
Golfkrise anzustreben, andernfalls werde er ein weltweites "Desaster" verursachen. Gleichzeitig betont
AußenministerTarik Aziz die Bereitschaft des Iraks zu
Gesprächen mit den Vereinigten Staaten, solange ein
Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait keine Vorbedingung sei. In einer Erklärung in Amman fordert
Aziz die Vereinigten Staaten auf, mit dem Irak Verhandlungen über alle Aspekte der Krise aufzunehmen.
Das Weiße Haus antwortet dem Irak unverzüglich, daß
keine Gespräche möglich sind, bevor der Irak nicht
bedingungslos die Forderung der Vereinten Nationen
nach Abzug seiner Truppen aus Kuwait erfüllt.
22. August: Die Außenminister der 12 EG-Mitgliedstaaten lehnen die vom Irak für die Schließung der
ausländischen Botschaften in Kuwait gesetzte Frist bis
zum 24. August ab.
23. August: Der irakische Präsident Saddam Hussein
tritt mit britischen Geiseln im irakischen Fernsehen
auf.
Die Europäische Gemeinschaft kündigt an, daß sie 1,3
Millionen Dollar bewilligt hat, um Flüchtlinge aus Jordanien auszufliegen. Die Türkei und andere Staaten,
deren Volkswirtschaften besonders stark unter der
Golfkrise leiden, erhalten Finanzhilfen.
24. August: In Anerkennung der Lasten, die Jordanien durch die Zehntausende von Flüchtlingen aus
dem Irak und Kuwait aufgebürdet werden, bewilligen
die Vereinigten Staaten eine Million Dollar, um dringende humanitäre Erfordernisse in Jordanien zu erfüllen.
25 Staaten haben sich geweigert, den irakischen Forderungen nach Schließung ihrer Botschaften in Kuwait
nachzukommen. Mindestens neun, darunter die Missionen der Vereinigten Staaten und Großbritanniens,
sind von Truppen umstellt, nachdem die Diplomaten
eine irakische Anordnung zur Schließung mißachten.
Über 100 amerikanische Botschaftsangehörige, darunter etwa 30 Kinder, verlassen Kuwait und reisen
nach Bagdad.
24. August: Der sowjetische Präsident Gorbatschow
sendet Saddam Hussein eine dringende Botschaft mit
der Warnung, daß die Situation im Persischen Golf
"extrem gefährlich" sei. Mit dem Bruch seines Schweigens zur Durchsetzung der Sanktionen gegen den Irak
signalisiert Gorbatschow, daß er bereit ist, zusätzliche
Maßnahmen zur Verschärfung des UNO-Embargos
zu unterstützen.

AMERIKA DIENST 35

�25. August: In einer überwältigenden Abstimmung
von 13:0 bei Stimmenthaltung von Jemen und Kuba
verabschiedet der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Resolution 665, die "Maßnahmen... die gegebenenfalls notwendig sind", einschließlich militärischer
Maßnahmen, vorsieht, um das Wirtschaftsembargo
gegen den Irak durchzusetzen.

»

Der Irak sichert zu, die in Bagdad festgehaltenen
Familienmitglieder der amerikanischen Diplomaten aus
Kuwait ausreisen zu lassen. Der irakische Botschafter
in den Vereinigten Staaten erklärt, daß die in Kuwait
akkreditierten Diplomaten nicht freigelassen werden
können, "weil sie keinen diplomatischen Status haben".
26. August: Der sowjetische Außenminister Eduard
Schewardnadse erklärt, Moskau werde sich zwar dem
Einsatz militärischer Mittel zur Unterstützung des UNOEmbargos durch andere Staaten, einschließlich der
Vereinigten Staaten, nicht widersetzen, aber die Sowjets
hätten "keine Pläne zur Anwendung von Gewalt oder
Beteiligung an einer solchen Maßnahme".
Die Vereinten Nationen kündigen an, daß Generalsekretär Perez de Cuellar am 30. August in Jordanien mit
dem irakischen Außenminister zusammentreffen werde,
um die Golfkrise zu erörtern.
Der Irak gestattet 55 Frauen und Kindern als Familienmitgliedern amerikanischer Diplomaten an der USBotschaft in Kuwait die Reise von Bagdad in die Türkei

*

AMERIKA DIENST 35

in einem Autokonvoi. Bei Erreichen der Grenze wird
nur 52 die Ausreise in die Türkei erlaubt. Drei junge
Männer, die vom US-Außenministerium als Familienangehörige amerikanischer Diplomaten bezeichnet
werden, werden ohne Erklärung nach Bagdad zurückgeschickt.
27. August: Als Antwort auf die illegale Anordnung
des Iraks zur Schließung der amerikanischen Botschaft in Kuwait kündigt das US-Außenministerium an,
daß "das zulässige Personal an der irakischen Botschaft in Washington von gegenwärtig 55 auf 19
verringert" wird. Die amerikanische Maßnahme stehe
"peinlich genau mit amerikanischem und internationalem Recht in Einklang".
28. August: Ein nicht identifizierter Amerikaner, der
im Irak als Geisel gehalten wird, verstirbt nach Angaben des US-Außenministeriums, das sich auf die
irakischen Behörden beruft. Der Amerikaner, angeblich ein Mann Mitte 50, soll in Basra an einem Herzanfall gestorben sein. Die irakische Regierung erklärt,
sein Leichnam werde der amerikanischen Botschaft in
Bagdad übergeben.
Das US-Außenministerium kündigt ferner an, daß der
Irak als Antwort auf die amerikanische Entscheidung
vom 27. August, 36 irakische Botschaftsangehörige
bis 30. August aus den Vereinigten Staaten auszuweisen, eine ungenannte Anzahl amerikanischer Diplomaten in Bagdad ausweisen wolle.

* * *

*

Seite 5

�GOLFKRISE
5. September 1990

KONGRESS UNTERSTÜTZT PRÄSIDENT BUSHS
MASSNAHMEN ZUR GOLFKRISE
Erklärungen führender Persönlichkeiten aus dem Kongreß

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush genießt für
seine Politik zur Eindämmung der irakischen Aggression im Nahen Osten breite überparteiliche Unterstützung im Kongreß.

Der demokratische Senator John Kerry aus Massachussetts stellte vor Reportern fest, daß seiner Meinung nach "die Unterstützung des Kongresses (für die
Politik Präsident Bushs) sehr, sehr stark" ist.

Presseberichten zufolge unterstützen die meisten
Parlamentarier Bushs grundsätzlich harte Haltung in
der Region. Nach einem Treffen mit dem Präsidenten
im Weißen Haus am 28. August 1990 wird er jedoch
zunehmend gedrängt, sich um mehr finanzielle Unterstützung von Verbündeten für den US-Militäreinsatz
am Golf zu bemühen.

Am 29. August erklärte Kerry in einem Fernsehinterview, "Meiner Ansicht nach zollten meine Kollegen bei
dem gestrigen Informationsgespräch der Art und Weise,
wie der Präsident bisher vorgegangen ist, einmütig
Respekt, wenn nicht sogar Bewunderung".

Der republikanische Senator Richard Lugar aus Indiana, ein einflußreiches Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Senats, nahm eine weit härtere Haltung
ein als Bush, indem er den Sturz Saddam Husseins
und die Zerstörung der irakischen Chemiewaffen und
nuklearen Anlagen forderte.
Selbst nach einem Abzug des Iraks aus Kuwait, so
Lugar, müssen die irakischen Chemiewaffen und die
potentiellen nuklearen Fähigkeiten des Landes "als
Bedrohung beseitigt werden. Andernfalls müßten die
Vereinigten Staaten und andere Mitglieder der Vereinten Nationen zweifelsohne lange Zeit in Saudi-Arabien
und anderen Ländern des Nahen Ostens bleiben."
Lugar erklärte, er sei "pessimistisch" im Hinblick auf
Möglichkeiten, den Rücktritt Saddam Husseins auf
dem Verhandlungsweg zu erreichen.
Die Invasion in Kuwait hat Lugar zufolge dem Irak "die
Kontrolle über Preis und Verfügbarkeit" eines großen
Teils der Weltölversorgung verschafft. Deshalb besitze Saddam Hussein heute die "Fähigkeit, andere zu
erpressen und ihm die Mittel zu liefern, die er benötigt,
um nicht nur Saudi-Arabien, sondern auch Teile Europas, die Sowjetunion und Asien zu terrorisieren".
AMERIKA DIENST 35

"Senator Lugar und ich teilen wohl die Ansicht, daß es
sich hierbei um eine außerordentlich bedeutsame
Entwicklung handelt ... das Vorgehen der Vereinten
Nationen und der weltweite Konsens, der mit Beteiligung der Sowjetunion erarbeitet wurde ... all dies
drängt zu einer Lösung in der Region", fügte er hinzu.
Kerry fuhr fort, "hierin Massachusetts befindet sich die
Volkswirtschaft in einer Krise, und zwar in vielen Teilen
des Landes. Es fällt uns schwer, das Geld (für die
Militäroperation) aufzubringen, andererseits hat der
Präsident jedoch eindeutig klargestellt, daß er auf eine
größere Lastenverteilung und intensivere Beteiligung
anderer Länder drängt. Meines Erachtens wird dies
geschehen, und ich glaube, es ist sehr wichtig, so
vorzugehen. Wir sollten nicht die Volkswirtschaften
anderer Länder aussparen und unserer eigenen schaden."
Aber "die Kritik, die ich vom Mann auf der Straße höre",
erklärte der Kongreßabgeordnete William S. Broomfield aus Michigan, "kommt von denjenigen, die fragen,
'Was tut die Bundesrepublik?', 'Was tut Japan?'. Diese
beiden Länder profitieren am meisten von Ölkrise."
Auch die demokratische Vertreterin des Repräsentantenhauses Patricia Schroeder aus Colorado betonte
die wirtschaftlichen Bedenken des Kongresses und
Seite 1

�stellte fest, "Ich frage mich wirklich, wie wir es anstellen, abgesehen von Stimmabgaben in den Vereinten
Nationer; sehte Unterstützung durch unsere Verbündeten zu erhalten. Es geht hier darum, die Wirtschaft
unseres Landes zu schützen, und wenn wir unsere
Wirtschaft ruinieren, während wir die Volkswirtschaften alier anderen Länder aussparen, wäre das nicht
sonderlich klug.
Der Vorsitzende der demokratischen Mehrheit im
Repräsentantenhaus Richard Gephardt aus Missouri
fügte hinzu, "Wenn bisher Einigung über den Haushalt
erforderlich war, benötigen wir sie noch dringlicher,
seit dies passiert ist."
"Wenn wir die Verteidigungsausgaben zu dem hinzuaddieren, was bereits vorhanden war," erklärte
Gephardt, "dann müssen wir uns beim Haushalt zweifelsohne dahingehend einigen, daß Einsparungen an
anderer Stelle vorgenommen werden müssen oder
irgendetwas auf der Einnahmenseite geschehen muß."
Der demokratische Senator Patrick Leaky aus Vermont erklärte gegenüber Journalisten, er habe den
Präsidenten aufgefordert, eine neue Sondersteuer zu
erheben, um den Truppenaufmarsch am Golf zu finanzieren und "der Welt zu demonstrieren, daß wir uns
dort langfristig engagieren".
Presseberichten zufolge erklärte Bush den Abgeordneten, seine Strategie laute jetzt, abzuwarten, ob das
von den Vereinten Nationen gebilligte Embargo aus-

*

Seite 2

*

reicht, um den Irak "ohne weitere Gewaltanwendung"
zum Abzug aus Kuwait zu zwingen.
Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, George
Mitchell aus Maine, erklärte, der Präsident "hat die
richtige Entscheidung getroffen", als er US-Streitkräfte zur Verteidigung Saudi-Arabiens und Durchsetzung
des Embargos gegen den Irak entsandte, aber er
antwortete auf die Frage, ob Bush einen "Blankoscheck" von den Politikern erhalten habe, "eine Zustimmung zu den bisherigen Aktionen ist keine automatische Zustimmung zu allen künftigen Aktionen,
wenn der Charakter dieser Aktion nicht bekannt ist".
Der Sprecher des Repräsentantenhauses, der demokratische Senator Thomas S. Foley aus Washington,
erklärte, Bush habe bis jetzt "den Einsatz von Gewalt
klugerweise eingeschränkt". Der Abgeordnete Jim
Leach, ein Republikaner aus Iowa, stimmte zu, daß
"bis jetzt keine einzige Kritik an der Aktion laut geworden ist"., obwohl "schwierige Entscheidungen anstehen".
Der demokratische Senator Claiborne Pell aus Rhode
Island verwies darauf, es sei "ein glücklicher Umstand", daß bei diesem Problem "die Vereinten Nationen Geschlossenheit zeigen".
Das amerikanische Volk sollte darüber informiert werden,
daß es keine Patentlösungen gibt und "wir einen
langen Weg vor uns haben", fügte der republikanische
Senator John H. Chafee aus Rhode Island hinzu.

*

*

AMERIKA DIENST 35

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                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush fordert koordinierte Hilfe in der Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Isolierung des Iraks einziges Mittel zur friedlichen Konfliktlösung &lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Außenminister Baker vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise: eine Chronologie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stand 28. August&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Kongress&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kongress unterstützt Bushs Maßnahmen in der Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärungen führender Persönlichkeiten aus dem Kongreß&lt;/em&gt;</text>
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dicrv&gt;t

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

*

&lt;

29. August 1990

34

GOLFKRISE

BUSH: GOLF-STRATEGIE LIEGT IM
GRUNDSATZ FEST
Informationsgespräch des
Präsidenten im Weißen Haus
USA REDUZIEREN IRAKISCHES
BOTSCHAFTSPERSONAL IN WASHINGTON
Erklärung des US-Außenministeriums

OSTEUROPA

DIE MITTEL- UND OSTEUROPAINITIATIVEN
DES PRÄSIDENTEN
Eine Übersicht

KERNWAFFEN

DER VERTRAG ÜBER DIE NICHTVERBREITUNG VON KERNWAFFEN 1970-90
Eine Übersicht des ACDA

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

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GOLFKRISE
29. August 1990

BUSH: GOLF-STRATEGIE LIEGT IM GRUNDSATZ FEST
Informationsgespräch des Präsidenten im Weißen Haus
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge liegen die Grundbestandteile der Strategie fest, mit der irakischer Aggression Einhalt geboten werden soll, und die Aufgabe besteht nunmehr darin, den Irak davon zu
überzeugen, sich aus Kuwait zurückzuziehen.
Bush erklärte am 28. August 1990 im Rahmen eines Informationsgeprächs mit Kongreßabgeordneten über die
Lage am Golf, "Wir und in der Tat nahezu jedes Land auf der Welt beabsichtigen, den Irak davon zu überzeugen,
sich zurückzuziehen, auf daß der Irak keinen Vorteil aus dieser illegalen Besetzung ziehen kann, daß er einen
hohen Preis für eine fortgesetzte Besetzung zahlen muß und einen noch höheren Preis, wenn er den Konflikt
ausweitet. Und wir müssen dieses Ziel natürlich ohne weitere Gewaltanwendung erreichen."
Bei seinem Informationsgespräch verwies Bush nochmals auf die schnelle Reaktion der Vereinigten Staaten, der
Vereinten Nationen und vieler anderer Länder auf die irakische Aggression. "Die Welt reagierte auf die
Handlungen des Iraks mit nahezu einmütiger Verurteilung," erklärte Bush. "(...) Der Irak hat die Mehrheit der
arabischen Welt gegen sich, ebenso wie er den Rest der Welt gegen sich hat."
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Ansprache im Wortlaut.

Zunächst möchte ich allen Kongreßabgeordneten
danken, die heute hierhergekommen sind, um die
Lage zu erörtern, die allen Amerikanern Grund zur
Sorge gibt. Ich werde eine kurze Ansprache halten,
und dann werden wir im Plenum Gespräche führen,
und ich werde gern auf Ihre Fragen eingehen, so gut
ich dies vermag und mit Unterstützung meiner hier anwesenden Mitarbeiter.

4

Diese Herausforderung im Persischen Golf kann jedoch nicht von mir oder dieser Regierung allein bewältigt werden. Wir können nur Erfolg haben, wenn wir
alle - Exekutive und Legislative, Republikaner und
Demokraten - zusammenarbeiten. Und das war einer
der Gründe, warum ich Sie heute hierhergebeten
habe. Niemand in unserem Land soll an meinem
Engagement zur Zusammenarbeit mit dem Kongreß
zweifeln, und im Ausland soll kein Zweifel über unsere
nationale Einheit oder unser Durchhaltevermögen
herrschen.
Zunächst möchte ich Ihnen einige Hintergrundinformationen über das sich im Golf entwickelnde Drama
geben. Und später möchte ich Ihre Meinung dazu
hören und dann auf Fragen antworten.

AMERIKA DIENST 34

Zunächst der Hintergrund. Bei Amtsantritt dieser
Regierung strebten wir danach, den Waffenstillstand
zwischen Iran und Irak zu festigen und die Beziehungen zum Irak zu verbessern. Wir geben uns darüber
jedoch keinen Illusionen hin. Wir hofften zusammen
mit vielen Kongreßabgeordneten, daß der Irak ein
zurückhaltenderes Verhalten an den Tag legen würde.
Aber sogar vor der gegenwärtigen Krise suchte der
Irak unsere Interessen und die vieler anderer Länder
der Welt zu unterlaufen. Deshalb haben wir die
landwirtschaftlichen Kredite gesperrt und den Export
von Hochöfen eingestellt, die potentiel einen Beitrag
zu den nuklearen Fähigkeiten des Iraks leisten könnten.
Sie alle kennen die Ereignisse der vergangenen Wochen.
Der Irak bedrohte Kuwait, log im Hinblick auf seine
Absichten und führte schließlich eine Invasion durch.
Innnerhalb von drei Tagen hatte der Irak 120 000
Soldaten und 850 Panzer in Kuwait stationiert und
bewegte sich nach Süden zur saudischen Grenze.
Und genau diese eindeutige und rasch eskalierende
Bedrohung veranlaßte den saudiarabischen König Fahd,
uns um Hilfe zu bitten. Wir wußten, daß ein Land wie
der Irak, das über die mächtigste Kriegsmaschinerie

Seite 1

�im Golf verfügt und 20 Prozent der vorhandenen
Ölreserven der Welt kontrolliert, eine Bedrohung für
den Persischen Golf, den Nahen Osten und die ganze
Welt darstellt.

Türken für ihre führende Rolle bei all diesen Maßnahmen danken. Ferner liegen mir Berichte von heute vor,
denenzufolge der Verkehr über Akaba praktisch zum
Erliegen gekommen ist.

Wir haben schnell und ohne zu zögern darauf reagiert.
Unsere Zielsetzungen waren von Anfang an eindeutig:
der unverzügliche, vollständige und bedingungslose
Abzug aller irakischen Truppen aus Kuwait, die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen kuwaitischen Regierung, Sicherheit und Stabilität in Saudi-Arabien und am
Persischen Golf sowie der Schutz amerikanischer
Bürger im Ausland.

Amerikanische Streitkräfte stehen Seite an Seite mit
Einheiten vieler arabischer und europäischer Staaten,
um einen Angriff auf Saudi-Arabien abzuschrecken
und gegebenenfalls zurückzuschlagen. Amerikanische Marineeinheiten sindgemeinsam mit denen vieler
anderer Staaten im Einsatz, um die Sanktionen so undurchlässig wie möglich zu machen. Es handelt sich
also nicht, wie Saddam Hussein behauptet, um die
Vereinigten Staaten gegen den Irak. In Wahrheit hat
der Irak die Mehrheit der arabischen Welt gegen sich,
ebenso wie er den Rest der Welt gegen sich hat.

Unsere Maßnahmen zur Erlangung dieser Zielewaren
ebenso eindeutig. Innerhalb von Stunden nach dem
Angriff handelten die Vereinigten Staaten, um die
irakischen Vermögenswerte einzufrieren und die
kuwaitischen zu schützen. Ich entsandte Verteidigungsminister Cheney nach Saudi-Arabien, Ägypten
und Marokko, um die militärische Kooperation zwischen uns und diesen wichtigen arabischen Staaten
vorzubereiten. Ich entsandte Außenminister Baker in
die Türkei und nach Brüssel, um die Unterstützung
durch unsere Verbündeten in der NATO sicherzustellen. Beide Missionen waren außerordentlich erfolgreich. Die Welt reagierte auf die Handlungen des Iraks
mit nahezu einmütiger Verurteilung.
Der UNO-Sicherheitsrat verabschiedete umgehend
fünf Resolutionen. Darin wurden der irakische Einmarsch in Kuwait verurteilt, der unverzügliche und
bedingungslose Abzug des Iraks aus Kuwait gefordert
und die Annexion Kuwaits durch den Irak abgelehnt.
Darüber hinaus verhängten die Vereinten Nationen
Sanktionen gegen den Irak gemäß Kapitel VII und
unterstützten alle Maßnahmen, die zur Durchsetzung
dieser Sanktionen erforderlich sind. Die Vereinten
Nationen haben ferner die Forderung an den Irak
gestellt, alle ausländischen Staatsbürger, die gegen
ihren Willen festgehalten werden, unverzüglich freizulassen.
Die Sanktionen der UNO sind in Kraft und haben
bemerkenswert gut funktioniert, sogar auf freiwilliger
Basis. Kein irakisches Öl fließt mehr durch die Pipelines zu Häfen in der Türkei und in Saudi-Arabien. Ich
möchte an dieser Stelle nochmals den Saudis und den

*

Seite 2

Die grundlegenden Elemente unserer Strategie sind
also verwirklicht worden. Was möchten wir damit
erreichen? Wir und in der Tat nahezu jedes Land auf
der Welt beabsichtigen, den Irak davon zu überzeugen, sich zurückzuziehen, auf daß der Irak keinen
Vorteil aus dieser illegalen Besetzung ziehen kann,
daß er einen hohen Preis für eine fortgesetzte Besetzung zahlen muß und einen noch höheren, wenn er
diesen Konflikt ausweitet. Und wir müssen dieses Ziel
natürlich ohne weitere Gewaltanwendung erreichen.
Die Vereinigten Staaten unterstützen den Generalsekretär der UNO und andere führende Persönlichkeiten, die sich auf der Grundlage der Resolution 660 des
Sicherheitsrats um eine friedliche Lösung dieser Krise
bemühen.
Ich bin darüber hinaus weiterhin tief besorgt über die
amerikanischen und anderen ausländischen Geiseln
im Irak. Wie ich bereits erklärt habe, werde ich Bagdad
für die Sicherheit und das Wohlergehen der gegen
ihren Willen festgehaltenen Amerikaner verantwortlich
machen.
Soweit möchte ich die Sachlage öffentlich kommentieren. Ich möchte nun vorschlagen, daß wir, nachdem
die Presse den Raum verlassen hat, in die nichtöffentliche Sitzung eintreten, so daß ich noch ein oder zwei
Anmerkungen machen kann und dann Fragen beantwortet werden. Ich danke Ihnen.

* * *

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AMERIKA DIENST 34

�GOLFKRISE
29. August 1990

USA REDUZIEREN IRAKISCHES
BOTSCHAFTSPERSONAL IN WASHINGTON
Erklärung des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Als Reaktion auf die illegale Schließung der amerikanischen Botschaft in Kuwait durch
den Irak "wird das zulässige Personal an der irakischen Botschaft in Washington von gegenwärtig 55 auf 19
verringert".
In einer am 27. August 1990 veröffentlichten Erklärung verweist das US-Außenministerium darauf, daß diese
angemessenen Schritte "peinlich genau mit amerikanischem und internationalem Recht in Einklang stehen". Zu
den verhängten Maßnahmen gehören darüber hinaus eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit für irakisches
Botschaftspersonal in Washington sowie die Einführung neuer Bestimmungen für die Erteilung von Visa.
"Irak hat durch eine Reihe von Maßnahmen die unverhüllte Mißachtung des Völkerrechts und der Normen
zivilisierter Gesellschaften demonstriert," heißt es in der Erklärung, deren vollständigen Wortlaut wir nachfolgend
wiedergeben.

Seit seiner brutalen Aggression gegen Kuwait am 2.
August hat der Irak durch eine Reihe von Maßnahmen
die unverhüllte Mißachtung des Völkerrechts und der
Normen zivilisierter Gesellschaften demonstriert, darunter:
Militärische Besetzung Kuwaits.
Sturz der rechtmäßigen Regierung dieses Landes.
Einsetzung einer völlig unrechtmäßigen Marionettenregierung.
Die angebliche Zugehörigkeit Kuwaits zu Irak.
Verweigerung des Grundrechts auf Ausreise für
Zehntausende von Ausländern in Kuwait und
Irak, einschließlich von Diplomaten aus den
Vereinigten Staaten und anderen Ländern.
Die gewaltsame Verschleppung einer großen
Zahl internierter Ausländer, darunter auch amerikanischer Staatsbürger, aus Kuwait in den
Irak.
Verweigerung konsularischer Betreuung für die
Internierten.
AMERIKA DIENST 34

Einführung von Geiselnahmen in großem Stil,
wobei ausländische Staatsbürger, darunter auch
Amerikaner, als menschliche Schutzschilde
benutzt werden.
Der Irak hat den bindenden Resolutionen des UNOSicherheitsrats zum Trotz die Schlie ßung aller ausländischen Botschaften in Kuwait, auch der amerikanischen Botschaft, angeordnet. Irakische Stellen haben
unter anderen unserer Botschaft Strom und Wasser
gesperrt.
Als Reaktion auf all diese Maßnahmen, insbesondere
aber die unrechtmäßige Anordnung zur Schließung
unserer Botschaft in Kuwait, haben die Vereinigten
Staaten peinlich genau im Einklang mit amerikanischen und internationalem Recht entschieden, folgende angemessene Schritte zu unternehmen:
die Zahl des zulässigen irakischen Personals
der irakischen Botschaft in Washington wird von
gegenwärtig 55 auf 19 Mitarbeiter gekürzt,
von den zur Ausreise aufgeforderten 36 Mitarbeitern sind sieben akkreditierte Diplomaten,
einschließlich derjenigen, die in der Wirtschaftsoder Finanzabteilung tätig waren,

Seite 1

�die Bewegungsfreiheit von Mitarbeitern der irakischen Botschaft in Washington wird auf einen
Umkreis von 25 Meilen um die Botschaft begrenzt,
alle irakischen Diplomatenvisa gelten nicht mehr
für eine mehrmalige, sondern nur noch für eine
einmalige Einreise,
neue Verfahren werden für Anträge irakischer
Bürger über 16 Jahren auf nichtoffizielle amerikanische Visa eingeführt,

Die Verwendung von Mitteln der irakischen
Botschaft für Studenten und andere angeblich
humanitären Zwecke wird eingehend geprüft
werden.
Die Vereinigten Staaten fordern andere Regierungen,
insbesondere diejenigen, deren Botschaften in Kuwait
von irakischen Übergriffen betroffen sind, auf, ähnliche
Maßnahmen gegen die offizielle und inoffizielle Präsenz des Iraks in ihren Ländern zu ergreifen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 34

�OSTEU ROPA
29. August 1990

DIE MITTEL- UND OSTEUROPAINITIATIVEN
DES PRÄSIDENTEN
Eine Übersicht
WASHINGTON - (AD) - Die US-Regierung führt zur Förderung von Demokratie und freier Marktwirtschaft in
Mittel- und Osteuropa beispielhafte Initiativen durch, über die regelmäßig in der Publikation Focus on Central
and Eastern Europe berichtet wird. Die nachfolgende Übersicht ist dieser Veröffentlichung des USAußenministeriums entnommen.

Die Rolle des Privatsektors
Nach den Revolutionen von 1989 treten die Länder
Mittel- und Osteuropas in eine neue Phase politischer
und wirtschaftlicher Reformen. Auf die dramatischen
Ereignisse des vergangenen Jahres folgte eine Periode der Konsolidierung, der Experimente, harter Arbeit
und vieler Härten.
Die von den Vereinigten Staaten seit langem propagierten und verkörperten Grundsätze Menschenrechte und Respektierung des einzelnen haben die Revolution angefacht. Die Osteuropäer blicken jetzt auch
auf die Vereinigten Staaten, damit sie ihnen diese
Grundsätze in freien bürgerlichen Gesellschaften
garantieren. Amerikaner können daher diesen Ländern praktische Hilfe leisten, indem sie die Mechanismen der Demokratie und freien Marktwirtschaft einführen.

Alle Impulse der Reformen in diesen Ländern deuten
auf eine Verlagerung hin - von Zentralisierung zum
Pluralismus, von staatlicher Kontrolle der Industrie und
Unternehmen zu Privateigentum, von staatlicher
Kontrolle des politischen Systems und des Lebens der
Menschen zu Demokratie und Freiheit des einzelnen.
Die Hilfe des amerikanischen Privatsektors für die
Länder Mittel- und Osteuropas sollte das ganze Spektrum politischer, wirtschaftlicher und sozialer Reformen abdecken.

Förderung demokratischer Institutionen und Praktiken
und

Die Integration der Länder Mittel- und Osteuropas in
die internationale Staatengemeinschaft wird stattfin-.
den, wenn diese Länder durch Handel, Investitionen
und andere finanzielle Verbindungen am Weltwirtschaftssystem beteiligt sind. Handel und Privatinvestitionen in der Wirtschaft Mittel- und Osteuropas werden unabdingbar sein, wenn politische und wirtschaftliche Reformen Bestand haben sollen. Die US-Regierung kann helfen: Sie hat die Führungsrolle übernommen und 14 Milliarden Dollar an internationaler Wirtschaftshilfe und Investitionskrediten für diese Länder
aufgebracht. Sie hat femer Fonds zur Stabilisierung
der Währung den Weg bereitet. Aber der Motor des
Wachstums und die Quelle des Kapitals muß aus den
westeuropäischen, japanischen und amerikanischen
Privatsektoren kommen.

Entwicklung marktorientierter Wirtschaftssysteme.

Verschiedene Länder - unterschiedlicher Bedarf

Die US-Regierung hat Programme ins Leben gerufen,
mit denen diese Ziele verwirklicht werden sollen, dennoch
müssen sich auch amerikanische Bürger und private
Organisationen aktiv daran beteiligen.

In Ungarn ist mit Hilfe der Vereinigten Staaten ein
Internationales Managementinstitut entstanden. In
Rumänien haben amerikanische Ärzte dazu beigetragen, daß die unhaltbaren Zustände in Krankenhäusern
und Heimen für körperlich und geistig Behinderte

Ziele der Vereinigten Staaten
Die Vereinigten Staaten verfolgen bei der Hilfe für die
Länder Mittel- und Osteuropas zwei grundlegende
Ziele:

AMERIKA DIENST 34

Seite 1

�verbessert wurden. In Polen haben die Vereinigten
Staaten dem neuen Parlament geholfen, sich als effektive demokratische Institution zu etablieren, die
dem Volk Rechenschaft ablegt. In der gesamten
Region wird von amerikanischer Seite Englisch unterrichtet, weil sich viele von Russisch als der aufgezwungenen ersten Fremdsprache abwenden und Englisch
als Weltsprache lernen wollen.
Solche Programme werden jetzt ins Leben gerufen. In
den nächsten Monaten werden sie weitere Verbreitung
finden. Die Rolle der US-Regierung besteht darin,
Hilfestellung und Koordination zu leisten und in manchen Fällen die Anschubfinanzierung zu übernehmen.

Förderung des englischen Sprachunterrichts.
Unterstützung der Gründung pluralistischer
nichtstaatlicher Organisationen, einschließlich
freier Gewerkschaften und Verbraucherverbände.
4.

Unterstützung unabhängiger Medien
Hilfe bei der Gründung unabhängiger Rundfunk- und Fernsehsender.
Hilfe bei der Gründung und Veröffentlichung
unabhängiger Zeitungen.
Ausbildung von Journalisten.

Demokratische Initiativen für politische Reform
Demokratische Initiativen für Wirtschaftsreformen
Bei den demokratischen Initiativen für politische Reform fördert die US-Regierung Programme des Privatsektrors vor allem in vier Bereichen.
1.

Politischer Prozeß
Ausbildung neu gewählter Mitglieder der gesetzgebenden Körperschaften auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene.
Ausbildung in öffentlicher Verwaltung auf allen
Ebenen.
Ausbildung in der Durchführung politischer
Kampagnen.
Unterstützung politischer Parteien und Bürgerinitiativen.
Bereitstellung von Gerät und technischer Hilfe
zur Errichtung von Datenbanken und damit einhergehenden Dienstleistungen.

2.

Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte
Unterstützung bei Entwurf oder Überarbeitung
von Verfassungen, Straf- und Zivilgesetzen sowie
Verwaltungsbestimmungen.
Unterstützung bei Aufbau und Verwaltung einer
unabhängigen Judikative.

3.

Bei Wirtschaftsreformen sollte sich die Unterstützung
auf Bereiche konzentrieren, in denen sie zur raschen
Umgestaltung von Schlüsselsektoren beiträgt, gleichzeitig die Lebensqualität verbessert und den Grundstein für die Schaffung eines sozialen Sicherheitsnetzes legt. Vordringliche Bereiche sind: Landwirtschaft,
Wohnungsbau, Umwelt, Gesundheitswesen, finanzielle Dienstleistungen und Banken sowie Telekommunikation.
Bestrebungen auf dem Privatsektor könnten unter
anderem dazu beitragen,
Unternehmen für die Privatisierung vorzubereiten,
Hilfe bei der Schaffung der institutionellen Infrastrukturzu leisten, diezurfreien Marktwirtschaft
führt (beispielsweise bei finanziellen Dienstleistungen, Steuern, Rechnungswesen und Wertpapierbörsen),
kurzfristig die Ausbildung von Managern, Rechnungsprüfern und anderen in Grundlagen der
Ökonomie zu übernehmen,
Hilfe bei der Einführung neuer Umweltverordnungen zu leisten, die im Einklang mit dem Wirtschaftswachstum stehen,

Unterstützung bei der Erarbeitung von Verfahren zum Schutz der Rechte von Minderheiten
sowie Abbau von Diskriminierung aufgrund der
Zugehörigkeit zu einer bestimmten Volksgruppe, Nationalität, Rasse, Religion oder gesellschaftlichen Stellung.

Energieprogramme zur Verbesserung von Effizienz und Umweltverträglichkeit zu fördern,

Unterstützung religiöser und anderer individueller Freiheiten.

Auf all diesen Gebieten haben die Amerikaner Erfahrung und besonderes Fachwissen erworben, das sie
mit den aufstrebenden Demokratien und Marktwirtschaften der Länder Mittel- und Osteuropas teilen
können.

Soziale Fortschritte und kultureller Pluralismus

Demonstrationsprojekte in den Bereichen Umwelt,
Energie, Gesundheitswesen und Wohnungsbau durchzuführen.

Unterstützung für Lehrplanreformen, die die
marxistisch-leninistischen Programme des alten Regimes ersetzen sollen.

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AMERIKA DIENST 34

�Führungsrolle der amerikanischen Regierung
Um den Privatsektor zu unterstützen, organisiert oder
fördert die amerikanische Regierung eine Reihe von
Koordinierungsmechanismen.
Bürgerkorps Demokratie
Das von Präsident Bush im Mai 1990 vorgeschlagene
Bürgerkorps Demokratie dient als Anlaufstelle für Informationen über Amerikaner, die Hilfe für Mittel- und
Osteuropa anbieten. Das Bürgerkorps Demokratie
wird von einem prominenten Amerikaner geleitet und
hat einen aus Vertretern der Schlüsselbereiche der
amerikanischen Gesellschaft zusammengesetzten
Vorstand. Über die Funktion als Anlaufstelle hinaus
will das Bürgerkorps Demokratie die Ressourcen der
amerikanischen Privatwirtschaft verwalten, um die
vordringlichsten Bedürfnisse in der Region zu decken.
Zentrum für unabhängige Medien
Auf Vorschlag von Außenminister James A. Bakerwird
ein neues Zentrum für unabhängige Medien gegründet, das unabhängig Medien in Mittel- und Osteuropa
fördern soll. Dieses Zentrum greift auf amerikanische
Medienorganisationen und einzelne Journalisten,
Herausgeber und andere Fachleute zurück, damit
unabhängige Rundfunk- und Fernsehsender sowie
Zeitungen in der Region gegründet werden können.
Entwicklungsdienst Peace Corps
Das Peace Corps ist eine Organisation, durch die
unmittelbare Hilfe in Mittel- und Osteuropa geleistet
werden kann. Das Peace Corps konzentriert sich
besonders auf Englischunterricht, obwohl es auch in
anderen wichtigen Bereichen, etwa dem Gesundheitswesen, eine Rolle spielen wird.
Die amerikanische Regierung unterstützt darüber hinaus
den Privatsektor, indem sie privaten amerikanischen
Institutionen, die in vorrangigen Bereichen tätig sind,
Zuschüsse gewährt. Programme wurden bereits zur
Reform des Rechtswesens, Ausbildung von Kommunalpolitikern und Journalisten eingeleitet.

Osteuropas im Jahr 1990 Wahlen statt, jedoch war der
Grad von Freiheit und Fairneß unterschiedlich. Die
Wahlen in Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn und
der DDR waren ohne jeden Zweifel "frei und fair". Das
gleiche gilt für die Wahlen in den jugoslawischen
Republiken Slowenien und Kroatien. Weniger befriedigend waren jedoch die Wahlen in Bulgarien, und die
Wahlen in Rumänien wurden durch Druckausübung
und andere unfaire Praktiken der Regierungspartei
stark beeinträchtigt.
Insgesamt sind drei unterschiedliche Niveaus der Hilfeleistung an Länder Mittel- und Osteuropas vorgesehen, die kurz-, mittel- und langfristigen Zielen dienen.
Kurzfristige Ziele
Mit Programmen für Nahrungsmittel- und medizinische Hilfe versucht die amerikanische Regierung,
unmittelbaren Grundbedürfnissen gerecht zu werden.
Wir haben in Polen und Rumänien erhebliche Hilfe in
diesen Bereichen zur Verfügung gestellt. Darüber
hinaus bemühen wir uns, rumänischen Kindern dringend notwendige Unterstützung zu gewähren.
Mittelfristige Ziele
Bei unserer mittelfristigen Unterstützung konzentrieren wir uns auf demokratische Institutionen, technische Hilfe für die Industrie und Unternehmen (sowie
das Bildungswesen) und die Normalisierung der Handels- und Investitionsbeziehungen. Unsere mittelfristigen Bemühungen sind hauptsächlich auf den Transfer von Know-how ausgerichtet. Wir führen demokratische Initiativen durch, um den Ländern Mittel- und
Osteuropas bei der Entwicklung funktionsfähiger, den
Bürgerwillen berücksichtigender politischer Systeme,
unabhängiger Rundfunk- und Fernsehsender und
Zeitungen sowie Gemeindeverwaltungen zu helfen.
Darüber hinaus unterstützen wir diese Länder bei der
Erarbeitung von Gesetzen, die den Bürger schützen,
anstatt ihn zu kontrollieren. An der ökonomischen
Front ist Ausbildung ein Schlüsselelement unserer
Hilfe. Insbesondere möchten wir technische Beratung
bei der Privatisierung staatlicher Unternehmen anbieten.

Staatliche Hilfen
Langfristige Ziele
Die Unterstützung der amerikanischen Regierung für
Hilfen des Privatsektors ist lediglich ein Teil der gesamten amerikanischen Hilfsmaßnahmen für Mittelund Osteuropa. Die amerikanische Unterstützung
basiert auf der Politik der "demokratischen Differenzierung" - derzufolge die amerikanischen Beziehungen zu jedem Land den Umfang der auf dem Weg zu
politischen und wirtschaftlichen Reformen in den betreffenden Ländern erzielten Fortschritte widerspiegeln.
Ein wichtiger erster Schritt zu Reformen ist die Bereitschaft der Führung eines Landes, freie und faire Wahlen
abzuhalten. Zwar fanden in allen Staaten Mittel- und
AMERIKA DIENST 34

Langfristig hat die amerikanische Regierung Programme entwickelt, die in Zusammenarbeit mit den Bemühungen unserer Verbündeten danach streben, die
Stabilisierung und strukturelle Anpassung der Volkswirtschaften Mittel- und Osteuropas während des
Übergangs zu marktwirtschaftlichen Systemen zu
unterstützen. Ferner wollen die Vereinigten Staaten
die Integration dieser Länder in die Weltwirtschaft
durch Mitgliedschaft in internationalen Handels- und
Finanzinstitutionen fördern, etwa im Allgemeinen Zollund Handelsabkommen, dem Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und der Organisation für
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Die
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�amerikanische Regierung wird sich voraussichtlich an
der neuen Europäischen Bank für Wiederaufbau und
Entwicklung beteiligen. Darüber hinaus liberalisieren
wir den Zugang zu amerikanischer Spitzentechnolo-

gie. In Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten
lockern wir femer die Kontrollen des aus 17 Staaten
bestehenden Koordinationsausschusses für ost-westliehen Handel (COCOM).

* * * * *

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AMERIKA DIENST 34

�KERNWAFFEN
29. August 1990

DER VERTRAG ÜBER DIE NICHTVERBREITUNG
VON KERNWAFFEN 1970-90
Eine Übersicht des ACDA
Die folgende Übersicht zum Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen wurde im August 1990 vom Amt
für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) veröffentlicht.

Der Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen
(NPT) ist einer der größten Erfolge in der Geschichte
der multilateralen Rüstungskontrolle. Seit seinem
Abschluß im Jahr 1968 und Inkrafttreten im Jahr 1970
hat der Vertrag all seinen Unterzeichnern sicherheitspolitische und wirtschaftliche Vorteile gebracht, indem
er dazu beitrug, die Verbreitung von Kernwaffen zu
verhindern, den Einsatz der Kernenergie zu friedlichen
Zwecken zu fördern und das Klima bei anderen Rüstungskontrollverhandlungen zu verbessern.
Die Vorteile des NPT kommen allen Parteien zugute.
Jedoch werden die Entwicklungsländer, die dem Vertrag beigetreten sind, in besonderem Maße von seinem Fortbestand profitieren. Während die traditionellen Gegensätze zwischen Ost und West abgebaut
werden, sind die Sicherheitsprobleme der Entwicklungsländer, die schon immer ernster Natur waren,
nicht in dem gleichen Maß verringert worden. Trotzdem hat der NPT zum Abbau regionaler Spannungen
beigetragen und damit den Entwicklungsländern gestattet, knappe menschliche und materielle Ressourcen für friedliche Zwecke zu verwenden, frei von
Furcht vor einem atomaren Rüstungswettlauf mit
Nachbarstaaten. Diese Ressourcen können von den
Entwicklungsländern eingesetzt werden, um ihre wissenschaftliche, technische und industrielle Basis aufzubauen und die friedliche Nutzung der Kernenergie
zu erforschen. Für diese Staaten, die am meisten der
Stabilität und Sicherheit bedürfen, um ihre entwicklungspolitischen Ziele zu verfolgen, ist der NPT eine
Quelle der Stabilität in einer sich wandelnden Welt.
Ziele und Verpflichtungen des NPT
Der NPT war bei seiner Entstehung der kühnste Versuch eines multilateralen Ansatzes, um Anliegen der
internationalen Sicherheit mit dem Wunsch in Einklang

AMERIKA DIENST 34

zu bringen, die Kernenergie zu friedlichen Zwecken
einzusetzen. Die operativen Artikel des Vertrags
unterstreichen eindeutig die Notwendigkeit eines ausgewogenen Verhältnisses von Rechten, Pflichten und
Vorteilen der Vertragsparteien.
Wie lauten die Ziele des NPT und die Verpflichtungen
seiner Parteien? Ein Hauptziel des Vertrags ist die
Verhinderung der Weiterverbreitung von Kernwaffen
an Staaten, die keine derartigen Waffen besitzen. Die
in den ersten drei Artikeln festgelegten Verpflichtungen der Vertragsparteien sind dazu bestimmt, die
Verwirklichung dieses Ziels sicherzustellen.
Artikel I verfügt, daß sich die im Besitz von Kernwaffen
befindlichen Staaten (NWS) verpflichten, keine Kernwaffen oder andere nukleare Sprengsätze an Nichtkernwaffenstaaten zu liefern und diese Staaten nicht
dabei zu unterstützen, Kernwaffen oder andere nukleare Sprengsätze herzustellen oder anderweitig zu
erwerben. Artikel II zufolge verpflichtet sich jeder
Nichtkernwaffenstaat, Kernwaffen oder andere nukleare Sprengsätze weder anzunehmen noch diese
herzustellen oder anderweitig zu erwerben und Beistand zur Herstellung von Kernwaffen oder anderen
nuklearen Sprengsätzen weder anzustreben noch
anzunehmen. Artikel III sieht vor, daß sich jeder dem
Vertrag beigetretene Nichtkernwaffenstaat internationalen Sicherheitsvorkehrungen unterwirft, die mit der
Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) ausgehandelt werden müssen. Diese Schutzmaßnahmen
tragen dazu bei, die Abzweigung spaltbaren Materials
für den Bau von Kernwaffen zu verhindern. Artikel III
legt darüber hinaus fest, daß spaltbares Material und
bestimmte Ausrüstungsgegenstände nur gemäß den
Regeln der IAEO an Nichtkernwaffenstaaten exportiert werden dürfen.

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�Ein weiteres vorrangiges Ziel des Vertrags ist die
Förderung der Zusammenarbeit bei der friedlichen
Nutzung der Kernenergie, wenn diese im Einklang mit
dem Ziel der Nichtverbreitung steht. Während Artikel
IM Schutzvorkehrungen bei friedlichen Nuklearmaßnahmen enthält, stecken Artikel IV und V den Rahmen
für die friedliche Zusammenarbeit ab. Artikel IV fordert
alle Parteien auf, den Austausch von Ausrüstung,
Material sowie wissenschaftlichen und technologischen
Erkenntnissen für die friedliche Nutzung der Kernenergie zu erleichtern, insbesondere zum Nutzen der dem
Vertrag beigetretenen Nichtkemwaffenstaaten und unter
besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse der
Entwicklungsländer. Artikel V bekräftigt das Prinzip,
demzufolge unter angemessener internationaler Überwachung und mit den geeigneten Verfahren die möglichen Vorteile von Kernexplosionen zu friedlichen
Zwecken allen Nichtkemwaffenstaaten ausnahmslos
zugänglich gemacht werden sollen.
Ein drittes Ziel des NPT ist die Förderung von Rüstungskontrollbemühungen und zwar sowohl im nuklearen als auch im nichtnuklearen Bereich. Artikel VI
zufolge verpflichten sich alle Staaten, in gutem Glauben Verhandlungen über effektive Maßnahmen anzustreben, die der baldigen Beendigung des nuklearen
Rüstungswettlaufs, der nuklearen Abrüstung und der
Erarbeitung eines Vertrags über allgemeine und vollständige Abrüstung unter strenger und effektiver internationaler Kontrolle gewidmet sind. Darüber hinaus
erkennt Artikel VII das Recht jeder Gruppe von Staaten
an, regionale Verträge abzuschließen, die Kernwaffen
vollständig vom Territorium der vertragschließenden
Parteien verbannen.
Vorteile für die Sicherheit
Der NPT ist das Kernstück der internationalen Bemühungen zur Nichtverbreitung. Es besteht zunehmend
Einigkeit darüber, daß die weitere Verbreitung von
Kernwaffen die Sicherheit aller Länder gefährden,
weltweite und regionale Stabilität bedrohen und die
Bemühungen zur friedlichen Beilegung bestehender
Probleme zwischen den Staaten untergraben würde.
Seit Inkrafttreten des NPT hat lediglich ein Nichtkernwaffenstaat nachweislich einen nuklearen Sprengsatz
zur Explosion gebracht. Die Verbreitung von Kernwaffen verlief deshalb wesentlich langsamer als vor 20
oder 30 Jahren angenommen wurde. Damals ging
man allgemein davon aus, daß heute bis zu 25 Staaten
im Besitz von Kernwaffen sein würden. Es ist ma ßgeblich auf den NPT zurückzuführen, daß diese gefährliche Verbreitung nicht stattfand.
In der Abschlußerklärung der dritten NPT-Überprüfungskonferenz im Jahr 1985 brachten die Parteien
zum Ausdruck, daß ihrer Überzeugung nach der Vertrag unerläßlich für den Weltfrieden und die internationale Sicherheit ist und stellten fest, der Vertrag habe
einen entscheidenden Beitrag zur Sicherheit der Ver-

tragsparteien wie auch von NichtVertragsparteien geleistet. Die NPT-Parteien äußerten sich tief besorgt
darüber, daß einige Nichtvertragstaaten durch ihre
nationalen Atomprogramme in den Besitz von Kernwaffen gelangen könnten. Die Parteien erklärten, daß
jede weitere Explosion eines nuklearen Sprengsatzes
durch einen Nichtkernwaffenstaat eine ernste Verletzung des Ziels der Nichtverbreitung bedeuten würde.
Auch die zahlreichen Länder, die dem NPT nicht
beigetreten sind, konnten sich dem Einfluß dieses
Vertrags nicht entziehen. Aufgrund der mit dem NPT
im Hinblick auf die Weiterverbreitung von Kernwaffen
geschaffenen Norm gilt der Erwerb von Nuklearwaffen
durch neue Staaten als Verletzung der internationalen
Standards und des Interesses an weltweiter Sicherheit
und Stabilität. Frühere Ängste über die Weiterverbreitung sind noch nicht vollständig abgebaut, und es wird
immer deutlicher, daß eine Welt mit Dutzenden von
atomar bewaffneten Staaten nicht mehr unvermeidlich
ist.
Die Forderung der Nichtkemwaffenstaaten, keine solchen Waffen herzustellen oder zu erwerben, schafft
zusammen mit den Sicherheitsmaßnahmen der IAEO
Vertrauen unter den Vertragspartnern, daß ihre Sicherheit nicht durch das Entstehen eines nuklear
bewaffneten Nachbarn gefährdet ist. Gleichzeitig erhält
ein Land mit seinem Beitritt zum NPT die Möglichkeit,
seinen Nachbarn zu demonstrieren, daß es keine
nuklearen Ambitionen hat. Mit anderen Worten, der
NPT schafft ein Umfeld, in dem Sicherheitsanliegen
befriedigt werden, ohne daß die kargen Ressourcen in
Kernwaffenprogramme fließen müßten.
Im Zusammenhang mit dem NPT versuchen die drei
NWS-Vertragsparteien (die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Sowjetunion), den Nichtkemwaffenstaaten zu garantieren, daß ihre Sicherheit am besten
durch den Beitritt zum NPT gewährleistet ist und nicht
durch den Erwerb von Kernwaffen. Die US-Regierung
hat zum Beispiel erklärt, die Vereinigten Staaten
würden keine Kernwaffen gegen ein Nichtkernwaffenmitglied des NPT oder einer vergleichbaren international verbindlichen Verpflichtung zum Nichterwerb von
Kernwaffen einsetzen, außer im Falle eines Angriffs
auf die Vereinigten Staaten, ihre Territorien, Streitkräfte oder Verbündeten durch einen schon mit einem
NWS-Land verbündeten Staat. Unserer Ansicht nach
bietet unsere Zusicherung allen Nicht-KernwaffenStaaten und Mitgliedern des NPT oder anderer international verbindlicher Verpflichtungen, keine Kernwaffen zu erwerben, erhebliche Sicherheitsvorteile.
Vorteile für die Rüstungskontrolle
Seit Beginn des Atomzeitalters haben die Vereinigten
Staaten versucht, den Krieg zu verhindern und einen
sicheren Frieden für alle Länder zu gewährleisten.
Einer der Wege, den wir zur Erlangung dieses Ziels
eingeschlagen haben, waren Verhandlungen über

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AMERIKA DIENST 34
•'

�effektive und wirksam verifizierbare Rüstungskontrollabkommen über Kernwaffen und andere Bereiche.
Insbesondere seit der NPT-Folgekonferenz im Jahr
1985 hatte die Rüstungskontrolle Erfolge zu verzeichnen:
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben
den INF-Vertrag über Mittelstreckenraketen geschlossen, der die Beseitigung einer ganzen Kategorie
amerikanischer und sowjetischer Kernwaffen vorsieht.
Das bei der Stockholmer Konferenz über Abrüstung in
Europa geschlossene Abkommen über Benachrichtigung und Inspektionen wichtiger militärischer Übungen.
Das amerikanisch-sowjetische Abkommen über die
Zerstörung chemischer Waffen, das die Vernichtung
Tausender von Tonnen chemischer Waffen vorsieht.
Die amerikanisch-sowjetischen Protokolle zum Schwellenvertrag und zum Vertrag über Kernexplosionen zu
friedlichen Zwecken.
Darüber hinaus gab es zahlreiche erfolgreiche multilaterale Konferenzen über ein breites Spektrum von
Rüstungskontrollthemen. Gegenwärtig handeln die
Vereinigten Staaten einschneidende und stabilisierende Reduzierungen bei den nuklearen und konventionellen Streitkräften sowie die vollständige Beseitigung
chemischer Waffen aus.
Diese Abkommen und Verhandlungen zeigen eindeutig, daß die Vereinigten Staaten und andere NPTStaaten im Besitz von Kernwaffen bei ihren Verhandlungen ein umfangreiches Programm verfolgen, daß
Fortschritte zunehmend ermöglicht werden und die im
NPT enthaltene Vision realisiert wird.
In den von den Vereinigten Staaten seit 1970 verfolgten Verhandlungen wurden die Verpflichtungen aus
Artikel VI immer berücksichtigt. Zum Beispiel gehen
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in der
Präambel des INF-Vertrags auf ihre Verpflichtungen
aus Artikel VI des NPTs ein. Wir werden unsererseits
die Verhandlungen im Vertrauen auf nukleare und
nichtnukleare Rüstungskontrolle führen, wobei unsere
Priorität auf gerechten und stabilisierenden, wirksam
verifizierbaren Abkommen liegt.
Erwartungsgemäß werden der START-Vertrag und
der KSE-Vertrag bis Ende dieses Jahres unterzeichnet werden. Damit werden die strategischen nukleraren und die konventionellen Streitkräfte erheblich reduziert, ein stabileres militärisches Gleichgewicht geschaffen und unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten erheblich verbessert.
Mit der beim Washingtoner Gipfel veröffentlichten
Gemeinsamen Erklärung zu künftigen Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen und die Verbesse-

AMERIKA DIENST 34

rung der strategischen Stabilität verpflichten sich die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion, "neue Verhandlungen über strategische Offensivwaffen und über
das Verhältnis zwischen strategischen Offensiv- und
Defensivwaffen aufzunehmen". Es ist wichtig, daß die
Gemeinsame Erklärung andere Staaten zu einem
Beitrag, insbesondere im Bereich der Nichtverbreitung
von Kernwaffen, auffordert. Die Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion forderten alle
Länder auf, "die neuen Möglichkeiten zum Engagement bei den gemeinsamen Bestrebungen der Menschheit zu ergreifen, das Risiko eines Kriegsausbruchs zu
beseitigen".
Von besonderer Bedeutung sind die Rüstungskontrollerfolge der vergangenen fünf Jahre. Unser Rüstungskontrollprogramm ist umfangreicher denn je, und die
Aussichten für die Erlangung neuer Abkommen sind
besser als jemals zuvor. Der NPT fördert und erleichtert diese Verhandlungen und wird deshalb mit der
Erlangung von Abkommen die internationale Sicherheit, Stabilität und die Aussichten für den Weltfrieden
verbessern.
Vorteile für die Zukunft
Der NPT bietet den Rahmen für den Ausbau der
Kooperation im nuklearen Bereich zwischen den Parteien. Der NPT verhindert den Mißbrauch der nuklearen Kooperation und hat den Technologietransfer
und die Vorteile ermöglicht, die sich aus der friedlichen
Nutzung der Kernenergie für die Stromgewinnung, die
Industrie, Wissenschaft, Medizin und Landwirtschaft
ergeben.
Die Vereinigten Staaten und andere Anbieter von
Kernenergie, die NPT-Vertragsparteien sind, haben
seit langem erkannt, daß Vertragsparteien - insbesondere die Entwicklungsländer - im Bereich der friedlichen atomaren Zusammenarbeit besonders berücksichtigt werden und besonders davon profitieren sollten. Für die Anbieterstaaten sind die NPT-Verpflichtungen der Empfängerländer wichtige Kriterien, da sie
eine Garantie bieten, daß die Zusammenarbeit für die
vorgesehenen friedlichen Zwecke genutzt wird.
Die jeweiligen Länder haben natürlich unterschiedliche
Bedürfnisse und Prioritäten. Der NPT trägt dazu bei,
die Unterstützung beim Einsatz von Kernenergie zu
friedlichen Zwecken je nach Bedarf zu erleichtern.
Artikel IV des NPT fördert die Nutzung von Kernenergie zu friedlichen Zwecken durch uneingeschränkte
Zusammenarbeit mit allen Parteien, insbesondere den
Entwicklungsländern. Für diejenigen Staaten, die sich
seit 1970 für Kemenergieprogramme entschieden haben,
sind die wirtschaftlichsten und technologisch fundiertesten Programme die der NPT-Vertragsparteien. Die
Verfügbarkeit von Hilfe für die NPT-Vertragsparteien
ist nach wie vor der verläßlichste und schnellste Weg
für potentielle Kemenergieproduzenten, ihr Ziel zu
erreichen.

Seite 3

�Nicht alle Staaten können zur Erzeugung von Elektrizität von Kernenergie profitieren, aber alle Staaten
werden zweifelsohne aus dem Einsatz von Kernenergie in Industrie, Landwirtschaft und Medizin Nutzen
ziehen. Radioisotope und kontrollierte Strahlung werden
verwendet, um Ernten sowie die Produktivität und
Gesundheit von Haustieren zu verbessern, Schädlinge zu bekämpfen oder auszurotten und Nahrungsmittel zu konservieren. Darüber hinaus finden sie bei der
Lokalisierung und effizienten Nutzung von Grundwasser, Sterilisierung von Verbandmaterial, verbesserter
medizinischer Diagnostikundtherapeutisehen Verfahren sowie bei der Analyse von Hormonen und Enzymen Anwendung. Nicht zuletzt werden sie auch für
Röntgenaufnahmen von Rohrleitungen verwendet, um
Verstopfungen und undichte Stellen zu lokalisieren.
Diese Einsatzmöglichkeiten von Kernenergie haben
Auswirkungen auf den Alltag aller Menschen und
sprechen direkt einige der beunruhigendsten Probleme an, mit denen sich die Entwicklungsländer konfrontiert sehen.
Die Verpflichtung der NPT-Vertragsparteien zu den
Bestimmungen von Artikel IV ist eindeutig. In der
Abschlußerklärung der Dritten Überprüfungskonferenz
aus dem Jahr 1985 bekräftigten die Teilnehmer erneut
"die Verpflichtung der Parteien zu dem Vertrag, um
durch Zusammenarbeit allein oder gemeinsam mit
anderen Staaten oder internationalen Organisationen
einen Beitrag zur weiteren Entwicklung der Nutzung
von Kernenergie zu friedlichen Zwecken, insbesondere in den Gebieten der Nichtkernwaffenstaaten des
Vertrags zu leisten. Dabei werden die Bedürfnisse der
Entwicklungsgebiete der Welt vornehmlich berücksichtigt . Ferner trägt die Konferenz den besonderen
Bedürfnissen am wenigsten entwickelter Länder in
diesem Zusammenhang Rechnung."
Seit 1970 wurden Hunderttausende von Studenten
aus Entwicklungsländern, die Unterzeichner des Vertrags sind, in Kernenergie und verwandten Wissenschaften ausgebildet. In Dutzenden dem Vertrag
beigetretenen Entwicklungsländern wurden Kernforschungszentren eingerichtet, und praktisch alle NPTStaaten haben jetzt begonnen, Radioisotope und
radioaktive Strahlung in Medizin, Landwirtschaft und
Industrie effektiv zu nutzen. Technische Hilfe und
Technologietransfer aus den Vereinigten Staaten erfolgte für zahlreiche NPT-Staaten. Die bevorzugte
Behandlung von NPT-Staaten durch die Vereinigten
Staaten und besondere Hilfsleistungen an Entwicklungsländer, die NPT-Vertragsparteien sind, wurden
eindeutig unter Beweis gestellt. Im folgenden einige
Beispiele:
Die amerikanische Import-Export-Bank hat
Kredite und Bürgschaften für kernenergiegebundene Projekte an NPT-Vertragsparteien in
Höhe von 8,5 Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt, einschließlich Abkommen mit

Seite 4

Griechenland, Indonesien, Jugoslawien, der
Republik Korea, den Philippinen, Rumänien und
Spanien.
Seit 1985 erstreckten sich alle von den Vereinigten Staaten im Bereich der Kernenergie getroffenen Vereinbarungen über "Tochterlabors" und
"gemeinsame Ausschüsse" auf Parteien des
NPT und/oder des Vertrags von Tlateloco. Dies
beinhaltet auch Vereinbarungen mit Ägypten,
Griechenland, Indonesien, Kolumbien, der
Republik Korea, Mexiko und Thailand.
Die Vereinigten Staaten haben zwischen 1985
und 1989 Beiträge an die IAEO in Form von
technischer Hilfe, einschließlich Hilfe in Sachleistungen und außeretatmäßigen Mitteln in Höhe
von insgesamt rund 100 Millionen US-Dollar
entrichtet. Entwicklungsländer, die Unterzeichner des Vertrags sind, waren Hauptnutznießer
dieser Mittel.
98 Prozent aller von den Vereinigten Staaten
unter der Schirmherrschaft der IAEO von 19851989 vergebenen Stipendien erstreckten sich
nahezu ausschließlich auf NPT-Vertragsparteien, einschließlich Ägypten, Costa Rica, Ecuador, Ghana, Griechenland, Indonesien, Jugoslawien, Kenia, Kolumbien, Malaysia, Mexiko,
Nigeria, Peru, Philippinen, Republik Korea,
Senegal, Sri Lanka, Sudan, Thailand, Türkei,
Uruguay, Zaire und Zypern.
Seit der NPT-Überprüfungskonferenz des Jahres 1985 waren von außeretatmäßigen Beiträgen der Vereinigten Staaten an die IAEO finanzierte Projekte für Entwicklungsländer bestimmt,
die NPT-Vertragsparteien sind. Im Zeitraum
von 1985-89 erstreckten sich die Projekte auf
den Einsatz von Kernenergie in der Landwirtschaft, Medizin und Industrie, Probebohrungen
und Förderung, Sicherheit von Kernkraftwerken
sowie allgemeine Kernenergieentwicklung.
Gemäß Artikel V des NPT steht den Vertragsparteien
jegliche Nutzung von Kernexplosionen zu friedlichen
Zwecken zu, die unter angemessener internationaler
Beobachtung und entsprechenden Verfahren demonstriert werden. Dennoch hat sich der wirtschafliche
Nutzen von Kernexplosionen zu friedlichen Zwecken,
deren Technologie nicht von der für Kernwaffen zu
unterscheiden ist, nicht erwiesen. Die Vereinigten
Staaten haben aus Kernexplosionen zu friedlichen
Zwecken keinen Nutzen gezogen und unterhalten
keine Programme in diesem Bereich.
Ein multilateraler Erfolg
Der NPT hat einen maßgeblichen Beitrag zur internationalen Sicherheit geleistet: er trägt dazu bei, daß
bilaterale oder regionale Konflikte sich nicht verschärfen, indem er der Verbreitung von Kernwaffen rechtliAMERIKA DIENST 34

�che und politische Zwänge auferlegt, ihrer Weiterverbreitung technische Hindernisse in den Weg legt und
dadurch Verdachtsmomente und Spannungen abbaut.
Auf diese Weise schafft er ein Umfeld, in dem Sicherheitsprobleme wahrscheinlich eher mit friedlichen Mitteln
gelöst werden.
Ebenso wichtig ist, daß der Nutzen des NPT sich nicht
nur auf traditionelle Sicherheitsprobleme erstreckt. Da
die Dimensionen der Sicherheit anerkanntermaßen
zunehmend über militärische Belange hinausgehen
und inzwischen auch Fragen der Wettbewerbsfähigkeit und der Verhütung weiterer Umweltverschmutzung umfassen, hilft der NPT allen Vertragsparteien,

*

AMERIKA DIENST 34

ihre Aufmerksamkeit auf die Probleme zu lenken, mit
denen sie sich im 21. Jahrhundert konfrontiert sehen
werden. Der NPT gewährleistet, daß sie diese Probleme mit dem erheblich verringerten Risiko eines Atomkriegs oder nuklearer Erpressung angehen können.
Bei der Bewältigung dieser Herausforderungen ist die
Anwendung von Kernenergie für alle Nationen von
Bedeutung. Der NPT ist nach wie vor das beste Mittel
zur Sicherstellung der Nutzung von Kernerergie zu
friedlichen Zwecken. Aus all diesen Gründen bildet der
NPT an der Schwelle zum 21. Jahrhundert eine solide
Grundlage für Fortschritt sowohl in den Entwicklungsländern als auch in den Industrienationen.

*

Seite 5

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                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Golf-Strategie liegt im Grundsatz fest &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Informationsgespräch des Präsidenten im Weißen Haus&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA reduzieren irakisches Botschaftspersonal in Washington &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Osteuropa&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die Mittel- und Osteuropainitiativen des Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kernwaffen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen 1970-90&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des ACDA&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Embassy of mc ui
Deiclirnanns Aue 29
5300 Bonn 2
22. August 1990

33

GOLFKRISE

US-ZIEL: AGRESSIONEN BEKÄMPFEN UND
SOUVERÄNITÄT ERHALTEN
Präsident Bushs Rede im Pentagon
BUSH VERURTEILT IRAKS
"RÜCKSICHTSLOSEN ANGRIFF"
AUF DIE WELTORDNUNG
Rede des Präsidenten vor Kriegsveteranen
SADDAM HUSSEIN FÜR DIE SICHERHEIT
DER AUSLÄNDER VERANTWORTLICH
Rede von Botschafter Thomas Pickering

MEINUNGSUMFRAGEN

DAS MEINUNGSBILD DER AMERIKANER
Eine Übersicht zu jüngsten Umfrageergebnissen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 0300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
22. August 1990

US-ZIEL: AGGRESSION BEKÄMPFEN UND
SOUVERÄNITÄT ERHALTEN
Präsident Bushs Rede im Pentagon
WASHINGTON - (AD) - Im Hinblick auf die Zielsetzungen der Vereinigten Staaten im Golf erklärte Präsident
Bush am 15. August 1990 im Pentagon, bei der amerikanische Vorgehensweise dort "geht es um die Bekämpfung einer Aggression - und die Erhaltung der Souveränität von Staaten".
"Was auf dem Spiel steht, ist eminent wichtig" und beinhaltet die Aufrechterhaltung des Zugangs zu
Energiequellen, denen eine Schlüsselrolle für das Funktionieren der ganzen Welt zukommt, erklärte der
Präsident.
"Unsere Arbeitsplätze, unser Lebensstil, unsere Freiheit und die Freiheit befreundeter Länder in der ganzen Welt
würden Schaden nehmen, wenn die Kontrolle über die großen Erdölreserven der Welt Saddam Hussein in die
Hände fielen," so Bush.
Der Präsident erklärte ferner, das amerikanische Volk, der Kongreß, die Verbündeten der Vereinigten Staaten
und "die große Mehrheit des arabischen Volkes" unterstützten die Politik der Regierung im Golf im Hinblick auf
die irakische Aggression gegen Kuwait. Und "niemand sollte unsere Ausdauer oder unsere Entschlossenheit
anzweifeln", erklärte Bush.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.

In den letzten zehn Tagen haben Sie das in Gang
gesetzt, was als eine der wichtigsten Stationierungen
einer verbündeten Streitmacht seit dem Zweiten Weltkrieg in die Geschichte eingehen wird.
Erst vergangene Woche habe ich dem amerikanischen Volk erklärt, niemand dürfe unsere Entschlossenheit, der Aggression entgegenzutreten, unterschätzen. Sie - als Beschäftige des Verteidigungsministeriums - setzen diese Worte in Taten um, mit denen
Hoffnungen und Versprechungen Wirklichkeit werden.
Ich komme gerade von einem Informationsgespräch
mit Verteidigungsminister Cheney und General Powell. Unsere Ziele liegen klar auf der Hand: unverzüglicher, vollständiger und bedingungsloser Abzug aller
irakischen Streitkräfte aus Kuwait, Wiedereinsetzung
der rechtmäßigen kuwaitischen Regierung, Sicherheit
und Stabilität in Saudi-Arabien und im Persischen Golf
und der Schutz des Lebens amerikanischer Bürger im
AMERIKA DIENST 33

Ausland. Diese ehrenvollen Ziele werden wir erreichen.
Seit Jahrzehnten arbeiten wir an der Entwicklung einer
Weltordnung - an gemeinsamen Normen und Rechtsstaatlichkeit, um Konflikte durch Zusammenarbeit zu
ersetzen. Wir wissen, daß diese Ordnung noch nicht
perfekt ist. Aber ohne sie sind Frieden und Freiheit
unmöglich. Die Rechtsstaatlichkeit löst das Gesetz
des Dschungels ab. Wenn also die Frage gestellt wird:
Wo steht Amerika? antwortete ich: Amerikas Standpunkt hat sich nicht verändert - es ist immer noch
gegen Aggression.
Heute halten tapfere amerikanische und verbündete
Truppen in Wüsten und vor den Küsten Saudi-Arabiens Wache. Sie sind dort zu einem bestimmten
Zweck: um der Sache der Gerechuykeii und Freiheit
zu dienen - einer Sache, die die ganze Welt unterstützt.

Seite 1

�Aber Saddam Hussein möchte uns Glauben machen,
daß diese nicht provozierte Invasion einer befreundeten arabischen Nation ein Kampf zwischen Arabern
und Amerikanern ist. Das ist eindeutig falsch. Es ist
Saddam, der seine arabischen Nachbarn belogen hat.
Es ist Saddam, der in einen arabischen Staat eingefallen ist. Es ist Saddam, der jetzt die arabischen Länder
bedroht. Im Gegensatz dazu wollen wir unseren
arabischen Freunden in ihrer Stunde der Not beistehen.
Saddam Hussein hat erklärt, dies sei ein heiliger Krieg
der Araber gegen die Ungläubigen. Dies hören wir von
einem Mann, der Giftgas gegen seine eigene Bevölkerung eingesetzt hat - der den Iran in einen Krieg
getrieben hat, der das Leben von über einer halben
Million Moslems gefordert hat und der jetzt Kuwait
plündert. Saddams Soldaten und Gefolgsleute haben
Greueltaten verübt. Die Berichte aus Kuwait sprechen
eine deutliche Sprache von ihrer Brutalität.
Darüber hinaus will uns Saddam glauben machen,
dies sei ein Kampf zwischen reich und arm. Aber der
Irak gehört zu den Reichen - nach Saudi-Arabien
verfügt der Irak über die größten ölreserven der Welt.
Aber dank Saddam Husseins ruinöser Politik des
Kriegs gegen andere Moslems hat er Wohlstand in
Armut verwandelt. Bedauerlicherweise ist es heute
das irakische Volk, das unter den unverhüllten Ambitionen Saddam Husseins auf fremdes Territorium leidet.
Unsere Aktion im Golf hat ihren Hintergrund nicht in
Religion, Gier oder kulturellen Unterschieden - wie es
uns der irakische Führer glauben machen will. Was auf
dem Spiel steht, ist eminent wichtig.
Bei unserer Aktion im Golf geht es um die Bekämpfung
einer Aggression - und die Erhaltung der Souveränität
von Staaten. Esgeht darum, daß wirunser Wort halten
und alten Freunden beistehen. Es geht um unsere
eigenen nationalen Sicherheitsinteressen und darum,
Frieden und Stabilität in der Welt zu gewährleisten.
Darüber hinaus sind wir bestrebt, den Zugang zu
Energiequellen aufrechtzuerhalten, die eine Schlüsselfunktion besitzen - nicht nur für das Funktionieren
dieses Landes, sondern der gesamten Welt. Unsere
Arbeitsplätze, unser Lebensstil, unsere Freiheit und
die Freiheit befreundeter Länder in der ganzen Welt
würden Schaden nehmen, wenn die Kontrolle über die
großen Erdölreserven der Welt Saddam Hussein in die
Hände fiele.
Wir haben also Stellung bezogen - nicht nur, um
Bodenschätze oder Ländereien zu schützen, sondern
um die Freiheit der Nationen zu schützen. Wir lösen
seit langem bestehende Zusicherungen zum Schutz
und zur Verteidigung unserer Freunde ein, die den Mut

haben, sich gegen das Böse zu stellen und uns um
Hilfe bitten.
Wir schlagen eine Bresche für das Prinzip, daß Macht
nicht vor Recht kommt. Kuwait ist klein. Aber eine
eroberte Nation ist eine zu viel.
Vor 50 Jahren zahlten unser Land und die Welt einen
hohen Preis für die Beschwichtigung eines Aggressors, dem man hätte Einhalt gebieten sollen - und
können. Wir werden denselben Fehler nicht zweimal
begehen.
Heute ist der Irak des Saddam Hussein von den
Arabern und seinen islamischen Nachbarn isoliert. Die
Arabische Liga hat die Aggression des Iraks verurteilt.
Wir stehen ihnen bei - und wir sind dabei nicht allein.
Die Sanktionen funktionieren. Die Armeen und Luftstreitkräfte Ägyptens, Marokkos, Großbritanniensund
der Staaten des Golf-Kooperationsrats stehen Seite
an Seite mit uns zur Verteidigung Saudi-Arabiens
bereit. Schiffe zahlreicher Länder fahren gemeinsam
mit unseren, um sicherzustellen, daß die ohne Gegenstimme verhängten UNO-Sanktionen durchgesetzt
werden. Gemeinsam müssen wir gewährleisten, daß
keine Waren in das Land gelangen - und kein Tropfen
Öl das Land verläßt.
Das amerikanische Volk steht hinter uns. Der Kongreß
steht auf unserer Seite. Unsere Verbündeten stehen
hinter uns, und die große Mehrheit des arabischen
Volkes ist auf unserer Seite. Niemand sollte unsere
Ausdauer oder unsere Entschlossenheit anzweifeln.
Wir befinden uns in einem neuen Zeitalter - einem
Zeitalter voller Verheißungen. Aber die Ereignisse der
vergangenen zwei Wochen mahnen uns, daß es keinen Ersatz für amerikanische Führung gibt. Die Führungsrolle der Vereinigten Staaten kann ohne amerikanische Stärke jedoch nicht zum Tragen kommen.
Ich bin mir bewußt, daß diese Stärke nicht billig oder
leicht zu erreichen ist. Sie bezahlen dafür jeden Tag in
Gestalt Ihrer Arbeit, durch die Opfer, die Sie in der Zeit
bringen, die Sie von Ihren Familien getrennt sind. Ich
baue auf Sie bei der Gestaltung der Streitkräfte der
Zukunft - zur Bewahrung des Friedens und der Freiheit
angesichts neuer Bedrohungen und neuer Gefahren.
General Powell hat mir heute gesagt, es sei eine große
Ehre, in diesen gefährlichen Zeiten als amerikanischer
Soldat zu dienen. Ich weiß, daß es für mich eine große
Ehre ist, als Ihr Oberbefehlshaber zu dienen.
Ich danke Ihnen und schließe mich den Menschen an,
die für Sie beten, für diejenigen, die an vorderster Front
stehen und für die Vereinigten Staaten von Amerika.

* *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 33

�GOLFKRISE
22. August 1990

BUSH VERURTEILT IRAKS "RÜCKSICHTSLOSEN
ANGRIFF' AUF DIE WELTORDNUNG
Rede des Präsidenten der Kriegsveteranen
BALTIMORE - (AD) - In einer Ansprache vor amerikanischen Kriegsveteranen in Baltimore unterstrich Präsident
Bush am 20. August 1990, der Irak sei nicht nur in einen kleinen Nachbarstaat einmarschiert, sondern habe einen
"rücksichtslosen Angriff" auf die internationale Ordnung vorgenommen. Zum ersten Mal bezeichnete Bush die
im Irak und in Kuwait festgehaltenen Ausländer als Geiseln und erklärte, er werde die irakische Regierung für
Sicherheit und Wohlergehen der rund 3 500 an der Ausreise gehinderten Amerikaner verantwortlich machen.
Der Präsident verurteilte die Krise im Golf moralisch und stellte fest, die Amerikaner hätten "gelernt, sich dem
Bösen zu stellen" und er habe amerikanische Streitkräfte in den Golf und zur Verteidigung Saudi-Arabiens
entsandt, weil "unsere Sache gerecht ist".
Bush beschuldigte den Irak, die Festsetzung ausländischer Staatsbürger sei eine Verletzung "aller internationalen Verhaltensnormen" sowie der Lehren des Islam und der Traditionen arabischer Gastfreundschaft.
Bagdad, so Bush, sei nicht nur in Kuwait einmarschiert, als es Horden von panzergeführten Truppen über die
Grenze geschickt habe, sondern gleichzeitig "einen rücksichtslosen Angriff auf die internationale Ordnung und
zivilisierte Ideale an sich vorgenommen". Bush fügte hinzu, die Festsetzung von Ausländern sei eine "weitere
Verletzung" zivilisierter Normen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush im Wortlaut.

Wie Sie wissen, wird die Welt zur Zeit von Ereignissen
erschüttert, und ich mußte einige Telephongespräche
mit guten Freunden der Vereinigten Staaten - dem
türkischen Präsidenten Özal und Premierministerin
Thatcher - führen. Und ich mu ß sagen, ich bin stolz auf
die Unterstützung, die wir weltweit erhalten.
Darüber hinaus danke ich für diese besondere Gelegenheit zur Erörterung eines Themas, das allen
Amerikanern große Sorge bereitet - der Krise im
Persischen Golf. Eine Krise, die planvolles Handeln,
Geduld und auch persönliche Opfer von den Vereinigten Staaten fordern wird. Aber eine Krise, der wir uns
stellen müssen und werden, wenn wir Aggression
Einhalt gebieten, unseren Freunden helfen und unser
Interesse an Frieden und Stabilität weltweit schützen
wollen.
Vor 18 Tagen haben diese Überzeugungen mich veranlaßt, Maßnahmen im Nahen Osten zu ergreifen, um
die Souveränität Kuwaits wiederherzustellen und die-

AMERIKA DIENST 33

jenigen abzuschrecken, die freundlich gesinnte Länder und die vitalen Interessen der Vereinigten Staaten
bedrohen. Und ich habe in dem Wissen gehandelt,
daß unsere Sache nicht leicht sein würde, aber unsere
Sache gerecht ist. Niemand sollte diejenigen unterschätzen, die den Frieden gefährden, ein noch größerer Fehler wäre jedoch, das Engagement der Vereinigten Staaten gegenüber ihren Freunden zu unterschätzen, wenn sie in Gefahr sind oder unser Engagement
für die internationale Ordnung, wenn auch sie bedroht
ist.
Heute ist das Ergebnis noch nicht absehbar. Schwere
Entscheidungen müssen getroffen werden, aber einer
Sache sind wir uns sicher - die Vereinigten Staaten
lassen sich nicht einschüchtern. Auf die Frage: Welche Position beziehen die Vereinigten Staaten? antworten wir, die Vereinigten Staaten beziehen die Position,
die sie immer bezogen haben - gegen Aggression,
gegen diejenigen, die Gewalt anstelle der Rechtsstaatlichkeit anwenden. Und wer wüßte besser als diese
Seite 1

�hier versammelte Gruppe, daß wir im gesamten Verlauf der Geschichte gelernt haben, uns dem Bösen zu
stellen. Die letzten 18 Tage haben diese Wahrheit
bekräftigt. Und ihre Lektionen sind Beispiel für die
Vereinigten Staaten und die ganze Welt.
Die erste Lektion ist noch so lebhaft im Gedächtnis wie
die Erinnerung an die Normandie, Khe Sanh und Pork
Chop Hill. Uns ist erneut vor Augen geführt worden,
daß der Aggression Einhalt geboten werden muß und
wird. Auf Bitten unserer Freunde haben wir daher
amerikanische Streitkräfte in den Nahen Osten entsandt, zögernd, aber in dem Wissen - wie Teddy
Roosevelt es formuliert hat -, daß Amerika vieles
bedeutet, unter anderem, gleiche Rechte und daher
auch gleiche Pflichten. Und dennoch handeln wir nicht
allein, sondern gemeinsam in der Hoffnung, unsere
eigenen wie auch die Sicherheitsinteressen der internationalen Staatengemeinschaft zu schützen.
Damit komme ich zur zweiten Lektion, die in den
vergangenen 18 Tagen bekräftigt wurde. Alleine können
die Vereinigten Staaten viel tun - gemeinsam mit ihren
Freunden und Verbündeten können sie noch sehr viel
mehr für Frieden und Gerechtigkeit tun. Erinnern Sie
sich gemeinsam mit mir an den Zweiten Weltkrieg, als
Verbündete sich gemeinsam einem Schrecken stellten, der die Hölle auf Erden verkörperte. Oder Korea,
wo die UNO-Streitmacht Totalitarismus bekämpfte.
Heute haben sich erneut zahlreiche - häufig moslemische - Nationen vereint, um Aggression abzuwehren
und so den Frieden wiederherzustellen.
Unsere saudischen Freunde bitten unter der klugen
Führung von König Fahd um unsere Hilfe bei der
Abschreckung weiterer Aggressionen des Iraks. Und
ich beglückwünsche die vielen Länder, die mutig auf
Saudi-Arabiens Bitte reagiert haben. Ich beglückwünsche auch die Regierungen, die auf den Appell des
kuwaitischen Emirs nach vollständiger Durchsetzung
der UNO-Sanktionen geantwortet haben. Wir dürfen
keine Augenwischerei betreiben. Iraks Invasion war
mehr als ein militärischer Angriff auf das winzige
Kuwait - es war ein grausamer Angriff auf die internationale Ordnung und zivilisierte Ideen an sich.
Und jetzt hat der Irak in einer weiteren Verletzung aller
internationalen Verhaltensnormen unschuldigen Zivilisten aus zahlreichen Ländern Beschränkungen auferlegt. Das ist unannehmbar, und aus diesem Grund hat
der UNO-Sicherheitsrat am Samstag (18. August) die
Maßnahme des Iraks einstimmig verurteilt, ebenso wie
er zuvor bereits die Invasion selbst verurteilt hatte. Sie
wissen ebenso gut wie wir, daß Politiker, die Menschen als Faustpfand benutzen, zu Recht die Verachtung und Verurteilung der ganzen Welt erfahren.
Und deshalb werde ich nun den Führern des Iraks
gegenüber zwei Punkte klarstellen: Mit der Verschleppung ausländischer Staatsbürger verletzen Sie die
Normen Ihrer eigenen Religion. Sie wenden sich

Seite 2

gegen die uralte arabische Tradition der Gastfreundschaft. Deshalb lautet meine Botschaft: Lassen Sie
alle Ausländer unverzüglich frei. Geben Sie Ihnen das
Recht, zu kommen und zu gehen wann sie wollen.
Achten Sie das Völkerrecht und die Resolution 664 des
UNO-Sicherheitsrats.
Wir haben gezögert, den Begriff "Geisel" zu benutzen,
aber wenn Saddam Hussein eindeutig anbietet, die
Freiheit dieser Bürger zahlreicher Staaten, die er gegen
ihren Willen festhält, gegen Konzessionen einzutauschen, kann es kaum einen Zweifel daran geben, daß
diese unschuldigen Bürger - wie immer man sie nennen mag - in der Tat Geiseln sind.
Ich möchte sicherstellen, daß hier kein Mi ßverständnis
aufkommt. Ich werde die Regierung des Iraks für die
Sicherheit und Unversehrtheit der gegen ihren Willen
festgehaltenen amerikanischen Bürger verantwortlich
machen.
Erlauben Sie mir, daß ich Präsident Gorbatschow für
seine jüngste Verurteilung der irakischen Invasion
danke. Sollte irgenc|emand noch Zweifel gehabt haben,
so hat er bewiesen, daß die Staaten, die sich beim
Kampf gegen die Aggression im Zweiten Weltkrieg
zusammengeschlossen haben, zusammenarbeiten
können, um die Aggressoren von heute aufzuhalten.
Eine dritte Lektion wurde in den vergangenen 18
Tagen bekräftigt. Als Veteranen wird Sie der beständige Charakter des amerikanischen Willens nicht verwundern. Blicken Sie auf die Wüsten Saudi-Arabiens
und die davorliegenden Gewässer, wo mutige Amerikaner ihre Pflicht erfüllen, wie Sie dies bei Anzio,
Inchon und am Hamburger Hill taten. Denken sie an
die Männer und Frauen an Bord unserer Flugzeuge
und Schiffe, jung, allein und so weit weg von zu Hause.
Sie erfüllen uns mit Demut. Sie machen uns stolz. Und
ich grüße die besten Soldaten, Seeleute, Flieger und
Marineinfanteristen, die sich eine Nation nur wünschen kann. Darüber hinaus gelobe ich, daß wir alles
in unserer Macht Stehende tun werden, um ihnen bei
der Erfüllung ihres Auftrags zu helfen.
Das bedeutet ferner, sich der vierten Lektion bewußt
zu werden, die in den vergangenen 18 Tagen bekräftigt
wurde. Obwohl der Umfang der amerikanischen Streitkräfte in den kommenden Jahren geringer ausfallen
wird, da sich die Bedrohung unserer Sicherheit wandelt, muß die amerikanische Verteidigungsfähigkeit
um so mehr aus einer abgespeckten, starken Kampfmaschinerie bestehen. Unseren Schätzungen zufolge
können im Jahr 1995 unsere Sicherheitserfordernisse
von einer aktiven Streitmacht erfüllt werden, die 25
Prozent kleiner ist als die von heute. Das ist der
geringste Umfang seit 1950. Trotzdem müssen wir
gewährleisten, daß eine zahlenmäßige Verringerung
nicht auch eine Reduzierung der amerikanischen Stärke
bedeutet.

AMERIKA DIENST 33

�Die Operation Wüstenschild führt uns lebendig vor
Augen, daß wir uns statt der Beschäftigung mit den
Erfordernissen der Vergangenheit auf die Herausforderungen der neunziger Jahre und danach einstellen
müssen.
Indem wir sicherstellen, daß unsere Truppen einsatzbereit und gut ausgebildet sind, können wir unsere
Präsenz in wichtigen Bereichen zum Tragen bringen
und effektiv auf Krisen reagieren. Diese Einsatzbereitschaft wird in Stunden und Tagen gemessen, nicht in
Wochen und Monaten, und die Operation Wüstenschild hat bekräftigt, daß wir in der Lage sein müssen,
unsere Soldaten dorthin zu bringen, wo und wann sie
gebraucht werden. Diese Art Reaktionsfähigkeit wird
in künftigen Krisen von entscheidender Bedeutung
sein.
Unser hervorragender Vorsitzender der Vereinigten
Stabschefs, General Colin Powell, hat unlängst über
dieses Thema gesprochen, als er die besten Friedensstreitkräfte in der Geschichte der Vereinigten Staaten
würdigte. Wir werden der Truppenstärke nach kleiner
und neu strukturiert sein, aber wir werden entschlossen, stolz und effektiv bleiben. Denken Sie nur an die
letzten 18 Tage. Die Operation Wüstenschild ist ein
klassisches Beispiel für die hervorragende Qualität der
amerikanischen Streitkräfte.
Ich denke da an den Luftwaffengefreiten Wade West,
der gerade auf Heimaturlaub war, um zu heiraten. Am
7. August wurde er einberufen, und innerhalb einer
Stunde war die Trauung vorüber, und er befand sich
auf dem Weg in den Nahen Osten. Er ist heute in
Saudi-Arabien stationiert. Das ist ein Mann, der seine
Pflicht erfüllt. Mit seiner Frau, wo immer sie sein mag
- das möchte ich betonen. Ein weiteres Beispiel - vor
sieben Jahren sorgte sich Diana Kroptovich zu Hause
um ihren Mann, der zum Schutz der Marines vor der
Küste des Libanon Dienst auf der USS New Jersey tat.
Heute sind ihre Rollen umgekehrt. Nach Ableistung
seines Dienstes ist Walter heute zu Hause mit dem
6jährigen Sohn, während Diana an Bord des Zerstörers USS Yellowstone dient. Und noch ein Soldatenehepaar. Joseph Hooter, ein Fallschirmjäger der 82nd
Airborne Division dient heute in Saudi-Arabien, und
seine Frau, die Krankenschwester Dominique Allen
von der 44th Medical Brigade, wird in den nächsten
zwei Wochen ebenfalls dort stationiert werden.
Denken Sie schließlich an die Achtjährige, die, als sich
ihr Vater zum Einsatz im Mittelmeer verabschiedete,
die Wahrheit aus Kindermund aussprach: "Ich meine,
sie sollten die Väter nicht so lange fortgehen lassen,
aber sie müssen es tun, um die Welt sicher zu erhalten."
In diesen Geschichten kommt die wahre Stärke der
Vereinigten Staaten und die Quintessenz unserer Mission
zum Ausdruck. Darüber hinaus erinnern sie uns an die
fünfte und letzte Lektion, die in den vergangenen 18
Tagen bekräftigt wurde, die Notwendigkeit eines dauAMERIKA DIENST 33

erhaft starken Verteidigungsetats, um die amerikanischen Truppen zu unterstützen. Oder, um die Worte
George Washingtons bei seiner ersten Amtseinführung in Erinnerung zu rufen: "Für den Krieg bereit zu
sein, ist eines der effektivsten Mittel, um den Frieden
zu bewahren." Die Geschichte hat die Weisheit dieser
Worte bewiesen, insbesondere in diesem Jahrhundert. Die Operation Wüstenschild hat gezeigt, daß die
Vereinigten Staaten den Frieden sichern können, indem sie militärisch stark bleiben.
Ich weiß natürlich um unsere angespannte Haushaltslage. Uns stehen nur begrenzt Mittel zur Verfügung.
Wir müssen sie klug einsetzen. Das Haushaltsdefizit
stellt eine Bedrohung für unsere wichtigsten nationalen Interessen dar, und die Bedrohungen im Ausland
machen es uns nicht leichter. Es ist allgemein bekannt, daß das Defizit zu hoch ist und abgebaut
werden muß. Der Kongreß muß daher mutig und
unverzüglich handeln, wenn er aus der Sommerpause
zurückkehrt.
Aber genau das ist der Punkt. Wir dürfen das Defizit
nicht abbauen, indem wir das Herzstück unserer Streitkräfte angreifen - engagierte Soldaten, die motiviert
und einsatzbereit sind. Vergangene Woche habe ich
den Kon gre ß gebeten, zu tu n, was wir getan habe n u nd
eine Haushaltsvorlage unter Einbeziehung der Verteidigung zu erarbeiten, die sowohl unseren Bedürfnissen gerecht wird als auch verantwortungsvoll und vor
allem fair ist. Wenn sie das tun, werde ich zuhören,
aber ich werde das Vertrauen der Soldaten nicht
enttäuschen, die unser Land verteidigen. Um keine
Mißverständnisse aufkommen zu lassen - um eine
Aggression zu verhindern und Amerikas militärische
Bereitschaft zu erhalten, werde ich mich den drastischen Kürzungen im Verteidigungshaushalt widersetzen, die nicht dem gerecht werden, was die Vereinigten Staaten benötigen, um Freiheit zu gewährleisten.
Sie wissen - wie die meisten Amerikaner-, daß bei der
nationalen Verteidigung der zweite Platz auch der
letzte Platz ist. Deshalb sind sie gegen die kürzlich
vom Streitkräfteausschuß des Repräsentantenhauses unterbreiteten Vorschläge - unannehmbare Kürzungen unseres Verteidigungshaushalts im Haushaltsjahr 1991. Darüber hinaus wissen die meisten Amerikaner, daß ein Engagement für den Frieden nicht
bedeutet, Risiken einzugehen und stimmen zu, daß
das Militär die Instrumente erhalten muß, die es zur
Ausübung seiner Arbeit braucht: PEACEKEEPER,
MIDGETMAN, den B-2-Bomber und die Strategische
Verteidigungsinitiative. Die Amerikaner wollen erfolgreiche Rüstungsverhandlungen, wissen aber, daß auch
kein START-Vertrag unserer Sicherheit dienen kann,
wenn wir einseitig abrüsten.
Wir dürfen niemals vergessen, daß unsere starke
nationale Verteidigungspolitik zur Erlangung des Friedens beigetragen hat. Wir brauchen heute eine starke
Verteidigung, um diesen Frieden zu erhalten. Und für
Seite 3

�diese Verteidigung werde ich kämpfen und benötige
dazu Ihre Hilfe. Helfen Sie mir, den Kongreß zu
überzeugen, angesichts der jüngsten Ereignisse eine
eingehende Überprüfung vorzunehmen und unseren
Verteidigungshaushalt angemessen zu finanzieren.
Ich möchte Ihnen anhand einer kleinen Geschichte
illustrieren, warum ich diese Meinung vertrete. Ich
habe mit einem der jungen Soldaten gesprochen, die
Panama befreit haben. Sie waren mit General Thurman und anderen zu einem Informationsgespräch im
Kabinettsaal eingeladen. Ich habe einen von ihnen einen Arzt - über die Operation befragt. Der Obergefreite Roderick Ringstaff sprach über den Kampf und
die Heldentaten anderer, nicht aber über seine eigenen. Neben ihm stand sein Kommandeur, der die
Schilderungen ergänzte. Dieser Arzt hatte trotz seiner
Verwundungen wiederholt andere Verletzte aus dem
Gefechtsfeuer gerettet und einen Soldaten nach dem
anderen in Sicherheit gebracht. Dafür erhielt er die
Tapferkeitsmedaille "Silver Star". Während ich zuhörte, dachte ich bei mir, ich würde niemals junge Soldaten ohne das Beste in den Kampf schicken, was ihnen
dieses Land bieten kann. Ich werde Amerikaner wie
diesen Mann niemals im Stich lassen.
Im August 1990 sind wir Zeuge von Ereignissen geworden, die als eine der wichtigsten Stationierungen
verbündeter Staaten seit dem Zweiten Weltkrieg in die
Geschichte eingehen werden. Vor zwei Wochen habe
ich den vollständigen, unverzüglichen und bedingungslosen Abzug aller irakischen Truppen aus Kuwait gefordert. Zweitens die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung Kuwaits. Drittens die Sicherheit und
Stabilität in Saudi-Arabien und im Persischen Golf.
Und viertens die Sicherheit und den Schutz amerikanischer Bürger im Ausland.

Diese Zielsetzungen sind und bleiben unverändert.
Wird ihre Verwirklichung lange dauern? Natürlich, weil
es bei dieser Sache um mehr geht, als um uns selbst.
Um eine Sache, die sich wohl am besten mit den
Worten ausdrücken läßt, an die sich viele von Ihnen
erinnern werden - die Worte eines der größten Amerikaner unserer Zeit - an die verbündeten Soldaten,
Seeleute und Flieger.
"Die Augen der Welt ruhen auf Ihnen", erklärte er. "Die
Hoffnungen und Gebete der freiheitsliebenden Menschen auf der ganzen Welt begleiten Sie." Und dann
schloß er mit diesem bewegenden Gebet: "Laßt uns
den Segen des allmächtigen Gottes für dieses große
und ehrenvolle Unternehmen erbitten."
Liebe Veteranen, die meisten von Ihnen haben im
Zweiten Weltkrieg gekämpft. Viele von Ihnen dienten
unter dem Mann, der diese Worte gesprochen hat,
Dwight D. Eisenhower. Sie wissen, daß Amerika die
Hoffnung freiheitsliebender Menschen auf der ganzen
Welt bleibt. Vor fünfzig Jahren hatte die Welt Gelegenheit, einem rücksichtslosen Aggressor Einhalt zu
gebieten und hat sie verpaßt. Und ich fordere Sie auf,
diesen Fehler nicht zu wiederholen.
Zusammen können wir der Tyrannei die Stirn bieten
und denjenigen Ländern helfen, die auf unsere Führungsrolle und Vision bauen. Ich danke Ihnen für Ihre
Unterstützung und Ihre Gebete. Gott möge das Land
schützen, das wir so sehr lieben, die Vereinigten
Staaten von Amerika.
Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie.

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 33

�GOLFKRISE
22. August 1990

SADDAM HUSSEIN FÜR DIE SICHERHEIT DER
AUSLÄNDER VERANTWORTLICH
Rede von Botschafter Thomas Pickering
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Forderung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, alle Ausländer aus
Irak und Kuwait ausreisen zu lassen, ist "eine eindeutige und klare Botschaft an Saddam Hussein", daß "er und
sein Regime die Verantwortung für die Gesundheit und Sicherheit der Bürger aus Drittländern tragen müssen,
die jetzt in seinem Land eingeschlossen sind", erklärte US-Botschafter Thomas Pickering am 18. August 1990.
Nach der einstimmigen Verabschiedung einer Resolution, die unter anderem forderte, der Irak dürfe nichts
unternehmen, das die Gesundheit und Sicherheit ausländischer Bürger gefährdet und müsse seinen Befehl zur
Schließung diplomatischer und konsularischer Vertretungen in Kuwait zurückziehen, erklärte Pickering im
Sicherheitsrat, "er (Saddam Hussein) muß gegenüber der Staatengemeinschaft und der internationalen
öffentlichen Meinung die volle Verantwortung für seine Behandlung dieser Menschen übernehmen".
Es widerspricht Botschafter Pickering zufolge "dem Völkerrecht und allen Regeln arabischer Gastfreundschaft,
Gäste als militärischen Schutzschild zu benutzen".
Pickering erklärte ferner, die Vereinigten Staaten betrachteten es als unabdingbar, daß der Rat "eindeutig und
nachdrücklich auf die von Irak in der Charta der Vereinten Nationen eingegangenen hehren Verpflichtungen
verweist, die er respektieren muß". "Jeder von uns hat das Recht und die Verpflichtung zum Schutz seiner
Bürger", so Botschafter Pickering. "Heute machen wir deutlich, daß es nicht nur unser individueller, sondern
unser kollektiver Beschluß ist, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um das Leben, die Sicherheit und das
Wohlergehen unschuldiger Bürger zu schützen, die jetzt in dieser unheilvollen Verschwörung von Aggression
und Verrat gefangen sind."
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Pickerings Rede im Wortlaut.
Gestern hat dieser Rat seine Furcht und Sorge über
die Situation ausländischer Bürger im Irak und in
Kuwait zum Ausdruck gebracht. In den folgenden 24
Stunden hat das irakische Regime die ernste und
einhellige Sorge des Sicherheitsrats mit neuen Aktionen und Drohungen gegen unschuldige Menschen
beantwortet. Wir sind entsetzt und abgestoßen.
Der Generalsekretär hat inzwischen reagiert. Wir
begrüßen seine Erklärung außerordentlich, bald eine
Sonderdelegation in das Gebiet entsenden zu wollen.
Nach unserer gestrigen Zusammenkunft verweigert
Bagdad Amerikanern und anderen Staatsbürgern
weiterhin den Zugang zu ihren Botschaften in Kuwait
und im Irak. Nur wenige Stunden später überschritt der
Irak den Rubikon, als der Sprecher des irakischen
Parlaments verkündete, Ausländer würden festgenommen und in Lager oder an andere Orte in der Nähe
militärischer und strategischer Einrichtungen gebracht.

Herr Präsident, als wenn das noch nicht genug wäre heute morgen haben wir gehört, daß der Irak auch
besondere Maßnahmen gegen die schwächsten und
unschuldigsten Mitglieder dieser Gruppe ausländischer
Besucher und Einwohner im Irak und in Kuwait ergreifen will. Das Regime von Saddam Hussein hat Kinder
zur Zielscheibe für besondere Lebensmittelbeschränkungen gemacht. Es hat darüber hinaus auf die
Älteren und ihre besonderen Bedürfnisse verwiesen
und eine Verweigerung von Lebensmitteln angedeutet. In der Erklärung wurden keine Unterschiede
zwischen Ausländern gemacht. Es wurde eindeutig
darauf verwiesen, daß alle Ausländer in dieser Hinsicht gleich behandelt würden.
Schließlich hat die Erklärung die wichtigste Sorge des
Sicherheitsrats völlig ignoriert, daß diejenigen Bürger,
die den Irak und Kuwait verlassen wollen, ausreisen
dürfen. Natürlich sollten diese Menschen statt des
Geredes über die Zuteilung der Lebensmittel bei

AMERIKA DIENST 33

Seite 1
•

�Sanktionen die Erlaubniserhalten, den Irakund Kuwait
unverzüglich zu verlassen, wozu sie nach dem Völkerrecht und im Einklang mit allen Regeln der Menschenwürde das Recht haben. Statt dessen müssen wir
erfahren, daß sie in die - militärisch - sensibelsten
Gebiete des Iraks und Kuwaits gebracht werden. Die
Lektion ist offensichtlich: Iraks brüske Zurückweisung
der Anliegen und Bitten des Rats ist eindeutig. Aus
diesem Grunde findet hier erneut eine Zusammenkunft statt.
Dies ist eine weitere Beleidigung und Verletzung neben denjenigen, die das irakische Regime der Staatengemeinschaft bereits zugefügt hat:
Es hat, ohne provoziert worden zu sein, ein Mitgliedsland der Vereinten Nationen angegriffen.
Es hat, im Gegensatz zu seinen eigenen Äußerungen,
das Territorium dieses Staats annektiert.
Es hat auf jede mögliche Art und Weise versucht, die
Resolution der Vereinten Nationen zum unverzüglichen und bedingungslosen Abzug seiner Streitkräfte
zu verhöhnen.
Es hat auf jedwede Art und Weise versucht, sich den
Sanktionen zu entziehen, die mit der Resolution 661
des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen verhängt
wurden.
Es hat auf schamlose Art und Weise versucht, im
Hinblick auf die Behandlung der Ausländer im Irak und
Kuwait das Völkerrecht und seine Bestimmungen zu
verletzen und den Befehl erteilt, Botschaften und
Konsulate in Kuwait zu schließen und die diplomatische Immunität des Personals aufzuheben.
Es hat die Verurteilungen der Staatengemeinschaft für
seine Invasion und Aggression zurückgewiesen.
Und jetzt hat es begonnen, in Kuwait unschuldige
Bürger der Vereinigten Staaten und anderer befreundeter Länder zusammenzutreiben. Es hat ferner
begonnen, die zivile Bevölkerung von Drittländern
umzusiedeln und sie dem Schutz ihrer Regierungen zu
entziehen. Das Regime plant, sie als menschlichen
Schutzschild für militärische und strategische Einrichtungen im Irak und in Kuwait zu nutzen.
Herr Präsident, jeder der hier genannten Schritte ist für
die internationale Staatengemeinschaft unannehmbar. Der kumulative Effekt ist umso weniger zu tolerieren.
Kein Land kann solche Maßnahmen gegen seine
eigenen Bürger gestatten, ohne daß es eine umfassende Reaktion darauf gäbe. Dies ist eine Vorgehensweise des Iraks, die die volle und konzertierte Solidarität aller Länder erfordert. Dieser Rat ist der Ort, an
dem diese Maßnahmen ergriffen werden können und
müssen.
In dieser Hinsicht ist die Forderung des Sicherheitsrats
Seite 2

der Vereinten Nationen, alle Ausländer aus Irak und
Kuwait ausreisen zu lassen, eine eindeutige und klare
Botschaft an Saddam Hussein. Er und sein Regime
müssen die Verantwortung für die Gesundheit und
Sicherheit der Bürger aus Drittländern tragen, die jetzt
in seinem Land eingeschlossen sind. Er muß gegenüber der Staatengemeinschaft und der internationalen
öffentlichen Meinung die volle Verantwortung für seine
Behandlung dieser Menschen übernehmen. Es widerspricht dem Völkerrecht und allen Regeln arabischer
Gastfreundschaft, Gäste als militärisches Schutzschild
zu benutzen. Sowohl die Bürger- als auch die Menschenrechte dieser Personen werden eindeutig verletzt, und unserer Ansicht nach muß sich die internationale Staatengemeinschaft mit einer Stimme, eindeutig und klar, zu diesem Problem äußern.
In dieser Krise steht die Staatengemeinschaft, wie sie
hier in diesem Rat vertreten ist, fest zu ihrem Entschluß. Jetzt ist es an der Zeit, weiterhin Entschlossenheit zu demonstrieren. Die Regierung der Vereinigten Staaten betrachtetet es als unabdingbar, daß
der Rat eindeutig und nachdrücklich auf die von Irak in
der Charta der Vereinten Nationen eingegangenen
hehren Verpflichtungen verweist, die er respektieren
muß. Wir müssen das Problem beim Namen nennen.
Wenn der Irak das Völkerrecht verletzt, unschuldige
Bürger als militärischen Schild einsetzen will und
andeutet, daß er nicht länger seine hehren Verpflichtungen nach der Charta und dem Völkerecht respektiert, müssen wir uns eindeutig, fest und mit Nachdruck
aussprechen.
Heute müssen wir noch mehr tun, da das Leben Hunderttausender von Menschen aus allen Ländern der
Welt gefährdet sind. Wir müssen jetzt etwas unternehmen, um unsere Bemühungen zur Sicherstellung ihrer
Freilassung eindeutig unter Beweis zu stellen. Die
vorliegende Resolution ist ein solides Dokument. Sie
fordert den Irak auf, diesen Menschen unverzüglich die
Ausreise zu gestatten und verurteilt eindringlich alle
irakischen Bestrebungen zur Schließung diplomatischer und konsularischer Vertretungen in Kuwait, die
diese Menschen schützen könnten.
Jeder von uns hat das Recht und die Verpflichtung zum
Schutz seiner Bürger. Heute machen wir deutlich, daß
es nicht nur unser individueller, sondern unser kollektiver Beschluß ist, alles in unserer Macht Stehende zu
tun, um das Leben, die Sicherheit und das Wohlergehen unschuldiger Bürger zu schützen, die jetzt in
dieser unheilvollen Verschwörung von Aggression und
Verrat gefangen sind. Herr Präsident, meine Delegation hat hart an der vorliegenden Resolution gearbeitet, und wir werden ihre Verabschiedung und Durchführung unterstützen.
Herr Präsident, ich danke Ihnen.

*

*
AMERIKA DIENST 33

�MEINUNGSUMFRAGEN
22. August 1990

DAS MEINUNGSBILD DER AMERIKANER
Eine Übersicht zu jüngsten Umfrageergebnissen
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht zum Meinungsbild der Amerikaner bei verschiedenen Themenkomplexen, wie es sich in den Ergebnissen jüngster Meinungsumfragen darstellt. Die Daten zu den
Meinungsumfragen wurden vom Roper Center for Public Opinion an der University of Connecticut ermittelt.

Die Bewertung der Amtsführung von Präsident
Bush
Einen Monat nach dem Washingtoner Gipfeltreffen mit
Michail Gorbatschow lag die Zustimmungsquote für
Präsident Bushs Handhabung der Beziehungen zur
Sowjetunion bei 82 Prozent. Vom 6. - 8. Juli 1990
befragte die Gallup Organization landesweit einen
repräsentativen Querschnitt von 1 240 Amerikanern,
ob sie der Amtsführung von Präsident Bush bei verschiedenen Problemen ablehnend oder zustimmend
gegenüberstünden. Dabei wurden folgende Antworten gegeben:
Beziehungen mit der Sowjetunion
Zustimmung

82 %

Ablehnung

12%

Keine Meinung

6%

Zur Lage in Osteuropa

Zur Wirtschaftslage in den USA
Zustimmung

40 %

Ablehnung

53 %

Keine Meinung

7%

Zu Umweltfragen
Zustimmung

42 %

Ablehnung

46 %

Keine Meinung

12%

Zum Drogenproblem
Zustimmung

46 %

Ablehnung

48 %

Keine Meinung

6 %

Zustimmung

63 %

Ablehnung

20 %

Zustimmung zur Außenpolitik des Präsidenten

Keine Meinung

17 %

In der Gallup-Umfrage wurde ferner gefragt, ob die
Teilnehmer die Außenpolitik von Präsident Bush zustimmend oder ablehnend beurteilten. Die Antworten
lauteten:

Zustimmung

42 %

Zustimmung

62 %

Ablehnung

39 %

Ablehnung

26 %

Keine Meinung

19%

Keine Meinung

12%

Zur Lage in Mittelamerika

AMERIKA DIENST 33

Seite 1

�Dieses Meinungsbild ist ziemlich identisch mit dem
einer Gallup-Umfrage vom 9.-12. November 1989:
Zustimmung

65%

Ablehnung

21 %

Keine Meinung

14%

Eine landesweite Meinungsumfrage, die etwa in der
Mitte zwischen den beiden vorgenannten Umfragen
vom 30. März bis 2. April 1990 im Auftrag der CBS
News/New York Times durchgeführt wurde, erbrachte
folgendes Ergebnis:
Zustimmung

61 %

Ablehnung

25%

Keine Meinung

14%

Rassenbeziehungen in den Vereinigten Staaten
Eine Mehrheit der Befragten in derselben NBC News/
Wall Street Journal-Untersuchung waren der Ansicht,
daß die Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen in den Vereinigten Staaten in den vergangenen
fünf Jahren in etwa unverändert geblieben sind, es den
Schwarzen heute jedoch etwas besser ginge als vor 10
Jahren. 68 Prozent der Befragten gaben an, sie seien
für Gleichstellungsprogramme, mit denen Schwarze
bessere Arbeitsplätze erhalten würden. Bei der Charakterisierung der Beziehungen zwischen Weißen und
verschiedenen Minderheiten meinten zwei Drittel, die
Beziehungen seien sehr gut bis mittelmäßig mit Schwarzen, Hispano-Amerikanern und Amerikanern asiatischer Abstammung. Auf die Frage, ob diese Minderheiten ihrer Ansicht nach fair oder diskriminierend
behandelt würden, meinte die überwiegende Mehrheit,
die Behandlung sei fair. Es wurden folgende Antworten gegeben:
Zwischen Schwarzen und Weißen in den letzten fünf
Jahren

Südafrika
Nach dem kürzlichen Besuch des ANC-Vizepräsidenten Nelson Mandela in den Vereinigten Staaten waren
etwas weniger als die Hälfte der befragten eingetragenen Wähler der Ansicht, daß die Vereinigten Staaten
an ihrer Politik der Wirtschaftssanktionen gegen die
Regierung Südafrikas festhalten sollten, während etwas
mehr als die Hälfte meinten, man solle dem ANC keine
Hilfe gewähren, da sich dieser geweigert habe, auf
Gewaltanwendung zu verzichten. Eine vom 6 . - 1 0 .
Juli 1990 von den Meinungsforschungsinstituten Hart
und Teeter im Auftrag von NBC News/Wall Street
Journal durchgeführte Telefon umfrage unter 1 555
eingetragenen Wählern erbrachte folgende Antworten:
Sanktionen

Besser

37%

Schlechter

22%

Ungefähr gleich

39%

Unentschieden

2%

Schwarze heute, verglichen mit vor 10 Jahren
Sehr viel besser

23%

Etwas besser

45%

Ungefähr gleich

19%

Etwas schlechter

8%

Fortsetzung

48%

Sehr viel schlechter

2%

Verringerung

15%

Unentschieden

3%

Beseitigung

16%

Erweiterung

5%

Unentschieden

16%

Hilfe für den ANC

Gleichstellungsprogramme für Schwarze
Dafür

68 %

Dagegen

18%

Unentschieden

14%

Dafür

32%

Dagegen

54%

Verhältnis zwischen Weißen und Schwarzen

Unentschieden

14%

Sehr gut

Seite 2

6 %

Relativ gut

30 %

Mittel

30 %
AMERIKA DIENST 33

�Nicht so gut

21 %

Behandlung der Amerikaner asiatischer Abstammung

Mäßig

10%

Besondere Vorteile

14 %

Faire Bahndlung

48 %

Diskriminiert

21 %

Unentschieden

17 %

Unentschieden

3%

Verhältnis zwischen Weißen und Hispano-Amerikanern
Sehr gut

5%

Relativ gut

25%

Mittel

35%

Nicht so gut

19%

Mäßig

7%

Unentschieden

9%

Das Ansehen führender Politiker
Teilnehmer der NBC/Wall Street Journal-Umfrage
wurden femer befragt, wie sie eine Reihe führender
Politiker bewerten würden. Zwei Drittel waren Präsident Bush und dem sowjetischen Präsidenten Gorbatschow gegenüber positiv eingestellt. Der Mehrheit war
der Name des Präsidenten der Russischen Republik
Boris Jeltzin unbekannt und etwas mehr als die Hälfte
waren dem ANC-Vizepräsidenten Nelson Mandela
gegenüber positiv eingestellt. Die Antworten lauteten:

Verhältnis zwischen Weißen und Amerikanern asiatischer Abstammung
George Bush
Sehr gut

8%

Relativ gut

30%

Mittel

31 %

Nicht so gut

14%

Mäßig

Sehr positiv

26%

Relativ positiv

42%

Neutral

16%

Relativ negativ

10%

7%
Sehr negativ

Unentschieden

5%

10%
Name unbekannt/
Unentschieden

1%

Behandlung der Schwarzen
Besondere Vorteile

14%

Faire Behandlung

43%

Diskriminiert

36%

Michail Gorbatschow

Unentschieden

Sehr positiv

22%

Relativ positiv

43%

Neutral

17%

7%
Relativ negativ

8%

Sehr negativ

5%

Behandlung der Hispano-Amerikaner
Besondere Vorteile

11 %

Faire Behandlung

47 %

Diskriminiert

27 %

Unentschieden

15 %

Name unbekannt/
Unentschieden

AMERIKA DIENST 33

5%

Seite 3

�Boris Jeltzin
Sehr positiv

Nelson Mandela
2%

Sehr positiv

27 %

Relativ positiv

10%

Relativ positiv

25 %

Neutral

14 %

Neutral

19%
10%

Relativ negativ

5%

Relativ negativ

Sehr negativ

3%

Sehr negativ

Name unbekannt/
Unentschieden

Seite 4

9%

Name unbekannt/
66 %

Unentschieden

10%

AMERIKA DIENST 33

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                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Ziel: Aggressionen bekämpfen und Souveränität erhalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Bushs Rede im Pentagon&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush verurteilt Iraks "rücksichtslosen Angriff" auf die Weltordnung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor Kriegsveteranen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Saddam Hussein für die Sicherheit der Ausländer verantwortlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Thomas Pickering&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Meinungsumfragen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Meinungsbild der Amerikaner&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht zu jüngsten Umfrageergebnissen&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
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15. August 1990

i
GOLFKRISE

DIE WELT VERLANGT UNO-SANKTIONEN
GEGEN IRAKISCHE SCHIFFAHRT
Pressekonferenz von Präsident Bush

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschafliche und
politische Maßnahmen

BAKER: ZUSAMMENHALT IM ATLANTISCHEN
BÜNDNIS UNABDINGBAR
Rede des US-Außenministers beim Nordatlantikrat

KSZE

KSZE KANN MASSGEBLICHEN BEITRAG ZU
FRIEDEN IN EUROPA LEISTEN
Die zukünftige Rolle der KSZE
Von Botschafter Max M. Kampelman

A

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
15. August 1990

DIE WELT VERLANGT UNO-SANKTIONEN GEGEN
IRAKISCHE SCHIFFAHRT
Pressekonferenz von Präsident Bush
WASHINGTON - (AD - Präsident Bush zufolge verlangt die Welt die Durchsetzung der von den Vereinten
Nationen verhängten Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Bei einer Pressekonferenz erklärte Bush am 14.
August 1990 in Washington, dies sei "die Rolle, die die Vereinigten Staaten zu erfüllen trachten", indem sie sich
entschlossen hätten, Schiffe mit Ziel Irak abzufangen.
In diesem Zusammenhang fügte der Präsident hinzu, daß die Vereinigten Staaten dies seiner Meinung nach in
angemessener Weise und so tun, daß alle Schiffe abdrehen werden, wenn sie den UNO-Maßnahmen
zuwiderhandeln. Die illegale Annexion Kuwaits durch den Irak "ist unannehmbar und wird keinen Bestand
haben".
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Pressekonferenz des Präsidenten.

Frage: Meine Frage besteht aus zwei Teilen. Warum
haben Sie nachdem die Ablehnung der irakischen
Aggression durch die Vereinten Nationen erfolgreich
internationalisiert wurde, so übereilt gehandelt und
einseitig eine Blockade angeordnet, über die sich die
anderen Mitglieder verärgert gaben? Und zweitens, ist
die amerikanische Politik gegen die Annexion eroberter Länder im Nahen Osten allgemeingültige Politik der
Vereinigten Staaten?
Antwort: Ich glaube nicht, daß wir andere Mitglieder
mit unserer Politik der Abriegelung verärgert haben.
Wir handeln gemäß unseren Rechten, und ich bin
überzeugt davon, daß die Welt die Durchführung der
Sanktionen nach Artikel 51 erwartet, und das ist die
Rolle, die die Vereinigten Staaten zu erfüllen trachten.
Frage: Sie haben sich aber nicht an den abgestuften
Prozeß nach Kapitel VII gehalten.
Antwort: Wir tun das, was uns unsere Rechtsberater
und andere in der ganzen Welt empfehlen, und ich
denke, daß wir dies in angemessener Weise tun. Ich
hoffe, wir werden es so tun, daß alle Schiffe abdrehen
werden, wenn sie den UNO-Maßnahmen zuwiderhandeln.
Frage: Und wie steht es mit der Ablehnung der
Annexion eroberter Gebiete - entspricht das unserer
allgemeingültigen Politik?
AMERIKA DIENST 32

Antwort: Ich kann nur über die gegenwärtigen Ereignisse sprechen. Ich weiß nicht, ob es irgendwelche
Ausnahmen gibt oder nicht. Ich weiß aber, daß eine
Annexion, wenn man diese Invasion in Kuwait so
bezeichnen kann, unannehmbar ist und keinen Bestand haben wird.
Frage: Jordanien behauptet, es halte sich an die
UNO-Sanktionen, trotzdem aber rollen vom Hafen
Akaba ganze Lkw-Ladungen durch Jordanien in den
Irak. Glauben Sie, daß Jordanien die Sanktionen
unterläuft, und was werden Sie dagegen unternehmen?
Antwort: Bevor ich Ihre Frage beantworte, sollte ich
König Hussein die Gelegenheit geben, mir zu erläutern, was dort geschieht. Wenn ein Land den Güterverkehr weiter gestattet, so würde es die Sanktionen
verletzen. Aber Sie wissen, daß er hierher kommen
wird, und ich werde die Gelegenheit zu einem Gespräch mit ihm haben, um ihm die Haltung der Vereinigten Staaten zu erläutern. Ich bin aber ziemlich
sicher, daß er sie bereits sehr gut versteht.
Frage: Was halten Sie von der Behauptung König
Husseins, die amerikanischen Streitkräfte im Persischen Golf hätten eine explosive Lage geschaffen?
Antwort: Ich weiß nicht, was er damit meint, aber ich
stimme dem nicht zu. Meines Erachtens sind wir nicht
Seite 1

�dort, um die Lage zu verschärfen, sondern um zu
ergänzen, was die Vereinten Nationen mit ihrer Verurteilung dieser unverschämten Aggression getan haben. Wir werden auch darüber sprechen. Es wird ein
interessantes Gespräch werden, wenn Sie die Tagesordnung für ihn festlegen.
Frage: Aus welchem Grund hat König Hussein um
diesen Besuch gebeten? Sein Bruder hat gegenüber
Reportern in Jordanien erklärt, eines der Probleme
Jordaniens bestehe darin, daß dieses Landwirtschaftlichen Schaden erleiden würde, wenn es die Sanktionen einhielte, daß man sich beschwerte, es gäbe
keinerlei Garantien oder Zusicherungen des Westens
an Jordanien. Was können Sie anbieten...
Antwort: Vielleicht möchte er darüber sprechen. Ich
hoffe, daß es so ist. Wir sind doch immer ein Freund
Jordaniens gewesen. Wir haben diesem Land in der
Vergangenheit geholfen. Wir werden ihm auch in
Zukunft helfen - wenn es seine Verpflichtungen in
diesem Bereich erfüllt. Ich kann hier nur wiedergeben,
was er mir gestern telefonisch mitgeteilt hat. Er sagte,
er wolle hierher kommen, um über die gesamte Situation zu sprechen. Es wurde keine Tagesordnung
vereinbart. Es gab keine Diskussion über Unterstützung für Maßnahmen dieser Art.
Frage: Aber sind Sie bereit, ihn wirtschaftlich zu
unterstützen oder andere Länder in der Region um
Hilfe für ihn zu bitten?
Antwort: Ich glaube, das wären wir, wenn sich
Jordanien diesen anderen Ländern bei der Erfüllung
dieser Verpflichtungen gemäß den Sanktionen anschlösse.
Frage: Besteht überhaupt Hoffnung auf eine diplomatische Lösung dieser Krise?
Antwort: Ich kann zur Zeit keine erkennen. Aber
wenn die Sanktionen einmal greifen, was eine Zeitlang
dauern wird, dann hoffe ich auf das Zustandekommen
einer diplomatischen Lösung dieser Krise.
Frage: Könnte nicht der von Saddam Hussein unterbreitete Vorschlag, der für Sie natürlich völlig unnanehmbar ist, als Grundlage für Verhandlungen dienen?
Antwort: Ich glaube nicht, daß irgendein Vorschlag
als Grundlage für Verhandlungen taugt. Ich sehe nicht
genug positive Elemente darin, um zu dem Schluß zu
kommen, daß er eine Verhandlungsbasis liefern könnte. Er brachte ganz andere Probleme ins Spiel und
ging nicht auf das grundlegende Problem ein, nämlich,
daß sie Kuwait besetzt haben und sie sich aus Kuwait
zurückziehen und den rechtmäßigen Herrschern die
Rückkehr nach Kuwait gestatten müssen. Ich erkenne
also aufgrund dieser Vorschläge keinerlei Verhandlungsmöglichkeit.

Seite 2

Frage: Im Außenministerium kommen Botschafter
zusammen, um über eine multinationale Quarantäne
oder Abriegelung der UNO zu sprechen - wie immer
man es nennen möchte. Entspricht es heute der Politik
der Vereinigten Staaten, sich möglicherweise einem
gemeinsamen UNO-Kommando zu unterwerfen oder
amerikanische Schiffe unter der Flagge der Vereinten
Nationen einzusetzen?
Antwort: Gegenwärtig gibt es solche Pläne nicht,
aber wir führen Gespräche, um festzustellen, wie wir
diese Marinepräsenz effektiv gestalten können. Aber
was Sie da erklärt haben, entspricht nicht der Politik
der Vereinigten Staaten.
Frage: Aus den Vereinten Nationen wurde berichtet,
es gäbe Kritik daran, daß Sie mit dieser de factoBlockade einseitig und vielleicht ohne rechtliche Dekkung gehandelt hätten. Empfinden Sie das so, als ob
man Ihnen in den Ami fällt, oder...
Antwort: Nein, das denke ich keinesfalls. Meiner
Ansicht nach befinden wir uns im Rahmen der Legalität. Daher beunruhigt mich diese von Kuba gestern
einberufene Sitzung in keiner Weise. Natürlich kann
es Meinungsverschiedenheiten geben, die erörtert
werden können, aber ich bin der Überzeugung, daß wir
richtig handeln, und wir sind entschlossen, auch in
Zukunft so zu handeln. Anscheinend hat Perez de
Cuellar darauf verwiesen, daß nur die Vereinten Nationen mittels einer Resolution über eine Blockade entscheiden können. Er hat jedoch auch gesagt, daß
jedes Land das Recht hat, sich auf Artikel 51 zu
berufen, und der Generalsekretär konnte dem nichts
entgegensetzen. Meinungsumfragen zufolge handeln
wir richtig, und ich habe nicht die Absicht, dies zu
ändern. Meines Erachtens ist es wichtig, daß andere
unserem Beispiel folgen und ihren Teil beitragen - und
die meisten setzen bereits ihre Entschlossenheit zur
Unterbindung des Handels in die Tat um.
Frage: Wäre es angesichts des schwankenden Defizits und der Kosten für die militärische Operation im
Golf und in Saudi-Arabien nicht sinnvoll, wenn einige
der von uns abhängigen Länder einen Teil der Kosten
übernehmen? Ich denke natürlich an Japan, die
Bundesrepublik Deutschland, Frankreich und Italien.
Sollten sie nicht einen Teil der Kosten für unsere
Truppen in der Region übernehmen?
Antwort: Ich bin überzeugt, daß die Länder in dieser
Hinsicht ein außerordentlich kooperatives Verhalten
an den Tag legen werden. Aufgrund des gestern mit
Premierminister Kaifu geführten fruchtbaren Gesprächs
bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß die Japaner
mehr als willens und bereit sind, Vorschläge in dieser
Richtung zu unterstützen. Mit Herrn Kohl habe ich
darüber in jüngster Zeit nicht gesprochen. Frankreich
ist natürlich im Besitz von Schiffen und stellt bereits
jetzt Mittel zur Verfügung. Es wird hier wohl koopera-

AMERIKA DIENST 32

�tive Bestrebungen auf finanzieller und militärischer
Ebene und nicht zuletzt auch im Hinblick auf die
Schiffahrt geben.
Frage: Und die Saudis selbst? Sie sind die direkten
Nutznießer.
Antwort: Meiner Ansicht nach werden die Saudis
ihren Teil beitragen - davon bin ich überzeugt. Und ich
möchte hinzufügen - obwohl diese Frage nicht gestellt
wurde - ich bin auch der Überzeugung, daß andere
Länder die Verluste wettmachen werden, die entstehen, weil das irakische und kuwaitische Öl nicht auf
den Markt gelangt. Ich kann Ihnen dazu keine Einzelheiten nennen, aber ich habe genug Gespräche mit
Regierungsvertretern aus aller Welt geführt - ebenso
wie Jim Baker und General Scowcroft - um das Gefühl
zu haben, daß die Dinge in die richtige Richtung gehen.
Frage: Ich bin immer noch etwas verwirrt über die
Einladung an König Hussein. Bei ihrer Bekanntgabe
zeichnete sich eine gewisse Spannung ab - jetzt scheint
sie eher zwanglos gehandhabt zu werden. Er kommt
um ca. 1 Uhr morgens Washingtoner Zeit an, Sie
treffen jedoch erst am Donnerstag morgen in Kennebunkport mit ihm zusammen. Angeblich hat er ein
Schreiben von Saddam zu überreichen. Warum dieses zwanglose Vorgehen?
Antwort: Erstens hat er mir gegenüber keinen Brief
von Saddam erwähnt, was natürlich nicht heißen muß,
daß er keinen hat. Zweitens hat er mir gesagt, er wolle
in die Vereinigten Staaten reisen und mit mir sprechen.
Ich habe geantwortet, "Gerne, wie paßt es Ihnen
morgen?", worauf er erwiderte, er werde es mich
wissen lassen. Daraufhin habe ich gesagt, er solle
Brent anrufen, weil ich keine Lust hatte, um 2 Uhr
morgens angerufen zu werden. Er hat also General
Scowcroft angerufen, und sie haben sich auf ein
Treffen zum frühestmöglichen Zeitpunkt geeinigt.
Er deutete jedoch an - ich denke, ich verrate hiermit
keine Geheimnisse -, daß er etwas Zeit zum Ausruhen
vor unserem Treffen begrüßen würde. Das ist alles,
was ich dazu zu sagen habe, denn ich hätte mich
jederzeit mit ihm getroffen - heute oder morgen. Meines Erachtens ist es wichtig, mit ihm zu sprechen.
Aber Sie haben wohl Recht, die Art, wie seine Majestät
um das Gespräch ersuchte - ich möchte Sie besuchen
und mit Ihnen über die Situation sprechen und zwar
nicht als eine Art Sondergesandter - war eher zwanglos.
Ich habe mich also zur Verfügung gestellt. Wir unterhalten seit Jahren Beziehungen zu König Hussein. Es
wurden die Meinungsverschiedenheiten erwähnt, die
zwischen Jordanien und den Vereinigten Staaten
bestehen, und ich werde sehen, ob wir die Differenzen
nicht abbauen oder eventuell ganz beilegen können.
Ich sehe dem Treffen mit ihm also erwartungvoll entgegen.

AMERIKA DIENST 32

Frage: Ich möchte eine Frage zu Saddam und dem
von ihm unterbreiteten Angebot stellen. Sie haben es
rundweg abgelehnt, aber hatten Sie das Gefühl, er
habe auch nur mit der Wimper gezuckt? Sind Sie in
irgendeiner Weise ermutigt?
Antwort: Man könnte sagen, die Tatsache, daß er
Schritte unternommen hat - auch wenn ich von seinen
Maßnahmen nicht sonderlich beeindruckt war - ist
ermutigend. Es scheint sich für mich jedoch eher um
eine Wiederholung alter Positionen zu handeln, und
daher möchte ich das amerikanische Volk nicht irreführen, indem ich sage, ich sei von Saddam Husseins
Vorschlag irgendwie ermutigt.
Frage: Können Sie jetzt Zahlen über die Kosten für die
Operation im Nahen Osten vorlegen, wenn Sie eine
Bilanz der Haushaltslage vornehmen?
Antwort: Noch nicht, aber ich gehe ins Pentagon.
Vielleicht bekomme ich morgen dort einen besseren
Überblick über die Zahlen, im Moment kann ich Ihnen
jedoch keine nennen.
Frage: Sind Sie erfreut über die Unterstützung, die Sie
in diesem Zusammenhang von der Sowjetunion erhalten haben ...
Antwort: Ich möchte es folgendermaßen formulieren
- angenommen, wir würden die Uhr um fünf Jahre
zurückdrehen, ganz zu schweigen von zehn oder
zwanzig Jahren, und wir hätten uns mit einem Ereignis
dieser Art im Nahen Osten konfrontiert gesehen, so
wäre die größte Unbekannte die Reaktion der Sowjets
gewesen. Wie hätten die Sowjets dies gesehen,
welche Maßnahmen könnten sie ergreifen? Heute
müssen wir diese Sorge nicht mehr haben, weil sie wie
die Vereinten Nationen diese Aggression verurteilt
haben. Dies ist ein beachtlicher Unterschied zu früher
und macht die Gleichung sehr viel einfacher lösbar.
Insofern bin ich mit der Reaktion der Sowjets bisher
sehr zufrieden. Und Jim Baker hat, glaube ich, erst
gestern mit Herrn Schewardnadse gesprochen, und
ich weiß, daß er mit ihm einer Meinung ist. Ich sage
nicht, daß wir keinerlei Differenzen mit ihnen haben,
aber die Situation ist ganz anders als noch vor fünf oder
zehn Jahren.
Frage: Die Irakis haben jetzt seit 12 oder 13 Tagen
Amerikaner in ihrer Gewalt. Sind Sie bereit, diese
Amerikaner im Falle einer direkten militärischen Konfrontation zu opfern?
Antwort: Ich bin niemals bereit, das Leben irgendeines Amerikaners zu opfern - Opfer - nein.
Frage: Glauben Sie, die Irakis benutzen diese Amerikaner als Schutzschild gegen mögliche Militäraktionen der Vereinigten Staaten?
Antwort: Im Augenblick habe ich nicht das Gefühl und

Seite 3

�hoffe, es wird nicht dazu kommen, denn wir sehen die
Schwierigkeiten, die andere Ausländer haben, aus
dem Land zu kommen. Es ist eine beunruhigende
Situation. Wenn Menschen gegen ihren Willen festgehalten oder von der Ausreise abgehalten werden,
beunruhigt es mich.
Frage: Wie würden Sie ihre Lage beurteilen?
Antwort: Es handelt sich um Menschen in einer
Notlage, die ausreisen wollen. Und es sind nicht allein
sie, sondern viele andere. Ich hoffe, daß es nicht noch
mehr werden. Ich habe keinen Grund, das an diesem
Punkt zu denken. Aber je mehr wir darüber reden und
spekulieren, umso weniger wird es uns meiner Ansicht
nach helfen. Aber ich würde mir wünschen, daß alle
Ausländer, die Kuwait oder den Irak verlassen wollen,
dies auch tun können. Dazu gab es einige ermutigende Erklärungen - etwa vom irakischen Botschafter
heute morgen -, die mich dazu verlassen, noch weiter
abzuwarten.
Frage: In der Annahme, daß Saddam Hussein einen
Weg für den Abzug aus Kuwait ohne Gesichtsverlust
findet, hätte er immer noch eine sehr gro ße Armee, die
nach einer Invasion sehr einschüchternd auf seine
Nachbarn wirkt. Glauben Sie, daß angesichts dessen
diese Krise letztlich gelöst werden kann, ohne Saddam
Hussein abzusetzen? Und wenn ja, wie?
Antwort: Ich möchte, daß sie genauso gelöst wird,
wie die Meinung der Welt sie gelöst sehen möchte, und
dann werden wir uns um den Rest kümmern. Hauptsächlich liegt uns am Abzug und der Wiedereinsetzung
der Herrscher in ihr Amt. Es würde zu hypothetisch,
darlegen zu wollen, was darüber hinaus geschehen
könnte, aber ich neige zu der Annahme, daß es
geschehen wird. Und die Wirtschaftssanktionen fangen gerade erst an, zu greifen. Und sie werden meiner
Meinung nach sehr effektiv sein, effektiver als in der
Vergangenheit. Das hoffe ich. Es bleibt abzuwarten,
wie es funktioniert.
Frage: Ich möchte noch einmal auf den Einsatz der
Marine zurückkommen. Die Sowjets schlagen offensichtlich eine Art gemeinsames Kommando des Sicherheitsrats vor, um den Einsatz der Marine zu kontrollieren. Verfolgen Sie das mit den Sowjets weiter
oder sind Sie an der Idee überhaupt interessiert?
Antwort: Ursprünglich bestand in diesem Bereich ein
Problem, darüber mit den Sowjets zu reden - ich
denke, Schewardnadse hat es Jim Baker gegenüber
geäußert, und ich habe dagegen keine Einwände.
Meiner Ansicht nach wäre eine aktive sowjetische
Präsenz eine gute Sache, um die UNO-Resolutionen
durchzusetzen. Damit möchte ich nur sagen, daß es
meiner Ansicht nach nicht entscheidend ist, eine UNOFlagge zu haben, damit einzelne Länder ihren Pflichten nachkommen können. Aber ich bin für Gespräche
zu diesem Thema offen.

Seite 4

Frage: Ist es Ihrer Meinung nach irgendwann erforderlich, Schiffen den Zugang zu Akabazu verwehren, weil
dies eine Lebensader sein könnte?
Antwort: Das könnte sein. Wenn das ein Loch in
einem sonst engmaschigen Netz ist, durch das Handel
getrieben wird, sollte meiner Ansicht nach Akaba für
den irakischen Handel geschlossen werden.
Frage: Sollte sich das amerikanische Volk in den
nächsten Jahren auf eine kontinuierliche US-Präsenz
in Saudi-Arabien einstellen?
Antwort: Ich wei ß nicht, ob es Jahre dauern wird, aber
wir werden sicherlich lange genug dort bleiben, um
alles zu erledigen. Ich würde Ihnen gern einen Zeitrahmen abstecken, aber ich kann es nicht.
Frage: Sie haben mit dem venezolanischen Präsidenten gesprochen, um ihn wegen des Öls um Hilfe zu
bitten. Haben Sie dabei auch über Zahlen gesprochen?
Antwort: Nein, ich habe ihn angerufen, um ihm für das
zu danken, was ich als Bereitschaft Venezuelas verstanden habe, die Förderung anzukurbeln - sie könnten das sehr effizient tun, habe ich mir sagen lassen und ihm für seine Haltung dazu zu danken. Er erklärte
mir, er würde seinen Außenminister in verschiedene
Hauptstädte schicken, um all dies zu koordinieren.
Darüber hinaus gab es noch eine Reihe anderer Diskussionspunkte, die jedoch nichts mit dem Persischen
Golf zu tun hatten, etwa Mittelamerika, ein Gebiet, zu
dem wir in sehr engen Konsultationen stehen. Aber
wenn Ihre Frage lautete, ob wir bestimmte Mengen
besprochen haben, dann lautet die Antwort nein.
Frage: Dazu noch eine Frage. Sind Sie mit dem
Angebot Mexikos zufrieden -100 000 Barrel am Tag?
Antwort: Ich wei ß wirklich nicht, ob mehr oder weniger
besser wäre, aber ich bin mit Mexikos Kooperation in
diesem Bereich sehr zufrieden. Präsident Salinas ist
ein sehr mutiger Mann, und ich freue mich, daß er
bereit ist, einzuspringen und zu helfen. Ich kann Ihnen
nicht mit genauen Zahlen dienen, ob es 100 000 oder
mehr sind, wir haben es jedoch für gut befunden. Wir
unterhalten gute Beziehungen zu Mexiko.
Frage: Sie haben die Irakis wiederholt aufgefordert,
Kuwait zu räumen, sich bedingungslos und vollständig
zurückzuziehen. Sie haben dazu beigetragen, daß
Sanktionen verhängt wurden und ihre Durchführung
betrieben. Wie wichtig ist dieser Abzug? Ist er wichtig
genug, daß Sie versprechen, militärische Mittel einzusetzen, um den Abzug Saddam Husseins zu erzwingen, wenn die Sanktionen nicht greifen?
Antwort: Diese Frage ist zu hypothetisch. Wir haben
einen Plan, daß die UNO-Sanktionen vollständig durchgeführt werden sollen, und Teil dieses Plans ist der

AMERIKA DIENST 32

�Schutz Saudi-Arabiens mittels einer multinationalen
Truppe, der zahlreiche Länder angehören - gegen
dieselbe Art von Aggression, die Saddam Hussein
gegen Kuwait gerichtet hat. Genau an diesem Punkt

*

befinden wir uns. Das ist unser Plan, und ich kann
Ihnen nicht helfen, indem ich mich zu Hypothesen
versteige,

* * *

*

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4

AMERIKA DIENST 32

Seite 5

�GOLFKRISE
15. August 1990

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen
Die nachfolgende Übersicht über die von der internationalen Staatengemeinschaft als Reaktion auf die Invasion
des Iraks in Kuwait ergriffenen Maßnahmen stützt sich auf am 13. August 1990 verfügbare Informationen und
ist gegebenenfalls unvollständig.

Ägypten

Bangladesch

Entsendung von Truppen zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht in Saudi-Arabien.

Forderung nach Abzug der irakischen Truppen aus
Kuwait.

Arabische Liga

Belgien

12 von 20 Mitgliedern der Arabischen Liga sprechen
sich für die Entsendung einer arabischen Streitmacht
nach Saudi-Arabien aus, um dieses Land vor möglicher irakischer Aggression zu schützen. Jordanien,
Mauretanien und der Sudan stimmen für die Resolution, bringen jedoch gewisse "Vorbehalte" zum Ausdruck. Irak, Libyen und die Palästinensische Befreiungsorganisation stimmen dagegen. Yemen und
Algerien enthalten sich der Stimme, Tunesien ist nicht
anwesend. Darüber hinaus werden mit der Resolution
die Resolutionen 660, 661 und 662 des UNO-Sicherheitsrats bekräftigt.

Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte.

Argentinien
Verurteilung der Invasion Kuwaits durch den Irak und
Forderung nach Abzug der Invasionstruppen.
Australien
Geplante Beteiligung am gemeinsamen Marineeinsatz. Entsendung von zwei Fregatten mit Lenkraketen
und einem Versorgungsschiff in den Persischen Golf.
Versprechen, irakische Schiffe im Golf als Unterstützung der von den Vereinten Nationen verhängten
Sanktionen abzufangen. Öl- und Waffenembargo,
Einfrieren der Vermögenswerte.

AMERIKA DIENST 32

Belize
Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits und
Forderung nach Abzug der Invasionstruppen.
Brasilien
Öl- und Waffenembargo. Einstellung aller Handelsbeziehungen einschließlich Nahrungsmittellieferungen.
Bulgarien
Unterbindung aller Lieferungen militärischer Güter an
Irak und Erweiterung der Wirtschaftssanktionen.
Bundesrepublik Deutschland
Entsendung von Minenräumbooten und einem Versorgungsschiff ins Mittelmeer zum Schutz der Seewege.
Lehnt Beteiligung an einer multinationalen Streitmacht
in Saudi-Arabien ab. Angebot an die Vereinigten
Staaten zur Nutzung von Stützpunkten für Operationen gegen den Irak, ölembargo, Einfrieren irakischer
Vermögenswerte.

Seite 1

�Chile
Wirtschaftssanktionen, Waffenembargo.

Angebot an die Vereinigten Staaten zur Benutzung der
Stützpunkte als Operationsbasis sowie Entsendung
von Kriegsschiffen in die Golf-Region.

China

Haiti

Waffenembargo.

Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits.

Costa Rica

Hongkong

Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits.

Hongkong hat irakische Vermögenswerte eingefroren.

Dänemark

Indien

Erlaubt die Nutzung seiner Handelsschiffe im Golf als
Versorgungsschiffe der multinationalen Streitmacht in
Saudi-Arabien. Ölembargo.

Forderung des Abzugs irakischer Truppen aus Kuwait.
Indonesien

Deutsche Demokratische Republik

Einstellung des Handels mit dem Irak, Ölembargo.

Geplante Beteiligung an Wirtschaftssanktionen. Nur
Nahrungs- und Arzneimittel für humanitäre Zwecke
werden weiterhin geliefert.

Iran

Europäische Gemeinschaft
Verhängung eines generellen Handelsembargos gegen Irak und Kuwait.
Frankreich

Ablehnung der Annexion Kuwaits durch den Irak.
Erklärung, die Ölförderung ankurbeln zu wollen, um
die Engpässe im Irak und in Kuwait auszugleichen.
Irland
Ölembargo.
Island

Geplante Aufstockung der Marineeinheiten im Persischen Golf und Entsendung von Bodentruppen sowie
Beratern nach Saudi-Arabien. Entsendung einer Fregatte zur Verstärkung zweier Kriegsschiffe im Golf.
Öl und Waffenembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte, Unterbindung des Handels mit Ausnahme von Arznei- und Nahrungsmitteln für humanitäre
Zwecke.

öl- und Waffenembargo, Einfrieren irakischer Vermögenswerte, Erlaubnis der Nutzung von US-Stützpunkten in Italien.

Gambia

Jamaica

Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits und
Forderung nach Abzug der Truppen.

Verurteilung der Invasion und Respektierung der
Sanktionen gegen den Irak.

Golf-Kooperationsrat

Japan

Der Kooperationsrat hat die irakische Aggression gegen
Kuwait verurteilt und den Abzug irakischer Truppen
gefordert. In Saudi-Arabien wurden Streitkräfte stationiert.

ölembargo, Unterbrechung von Handel und Hilfe.

Griechenland
Ölembargo. Erlaubnis zum Überfliegen für amerikanische Kriegsflugzeuge auf dem Weg in den Golf. Verweigert den Vereinigten Staaten die Benutzung von
Stützpunkten für militärische Aktionen im Nahen Osten
Großbritannien
Öl- und Waffenembargo, Einfrieren der irakischen
Vermögenswerte. Verpflichtung zu militärischer Unterstützung der Vereinigten Staaten in Saudi-Arabien,

Seite 2

Erklärung der uneingeschränkten Unterstützung für
U NO-Sanktionen gegen den Irak.
Italien

Jordanien
Geplante Beteiligung an den UNO-Sanktionen gegen
den Irak.
Kanada
Geplante Entsendung von zwei Zerstörern und einem
Versorgungsschiff zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht im Golf. Aussetzung der Wirtschaftsund Handelsbeziehungen mit Irak.
Korea (Rep.)
Waffen- und ölembargo, Einstellung des Handels außer
mit Waren für medizinische und humanitäre Zwecke.

AMERIKA DIENST 32

�Libanon

Norwegen

Forderung des Abzugs irakischer Truppen aus Kuwait.

Handelsembargo außer für Arznei- und Nahrungsmittel für humanitäre Zwecke, Ölembargo, Einfrieren
kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte.

Liechtenstein
Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte, Handelsembargo außer für Arznei- und Nahrungsmittel zu humanitären Zwecken.

Waffenembargo.

Luxemburg

Pakistan

Ölembargo, Einfrieren Irakischer Vermögenswerte.

Bedauern des Einsatzes von Gewalt durch den Irak
und Forderung des Abzugs der Invasionstruppen.

Malaysia
4

Bezeichnung der Annexion Kuwaits durch den Irak
"als inakzeptabel".
Malediven
Forderung des Abzugs irakischer Truppen aus Kuwait.
Marokko

Österreich

Panama
Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits und
Forderung des Abzugs der Invasionstruppen.
Paraguay
Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait.
Philippinen

Geplante Entsendung von Truppen nach Saudi-Arabien zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht.

Ölembargo.

Mexiko

Polen

Geplante Ankurbelung der ölproduktion um 100 000
Barrel pro Tag in den nächsten zwei Monaten.

Waffenembargo.

NATO
Verpflichtung zur Verteidigung der Türkei im Falle
eines Angriffs durch den Irak.
Nepal

Portugal
Erlaubnis zur Nutzung amerikanischer Stützpunkte,
ölembargo.
Salomonen

Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits.

Geplante Verhängung wirtschaftlicher Sanktionen gegen
den Irak.

Neuseeland

Saudi-Arabien

Angemessene Regelungen im Einklang mit den UNOSanktionen gegen Irak werden sobald wie möglich
getroffen, Ölembargo.

Bitte an die Vereinigten Staaten und andere Länder um
militärischen Beistand zur Verteidigung Saudi-Arabiens. Angebliche Bereitschaft zur Erhöhung der
ölförderung um 2 Millionen Barrel täglich, um die
Ausfälle der Lieferungen aus dem Irak und Kuwait
wettzumachen. Verweigert einem irakischen Tanker
die Erlaubnis zum Festmachen an einem saudischen
ölterminal im Roten Meer.

Nicaragua
Verurteilung der Invasion Kuwaits durch den Irak und
Forderung des Abzugs der Invasionstruppen.
Niederlande
Ölembargo, Einfrieren irakischer Vermögenswerte,
Erlaubnis der Weiterarbeit am irakischen Hafen für
eine holländischen Firma. Geplante Entsendung von
zwei Kriegsschiffen in den Golf.
Nigeria
Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits und
Forderung des Abzugs der Streitkräfte. Geplante Aufstockung der Ölproduktion um 200 000 Barrel pro Tag
(vorbehaltlich der Zustimmung anderer OPEC-Mitgliedstaaten).

AMERIKA DIENST 32

Schweden
Ölembargo.
Schweiz
Öl- und Waffenembargo, Einfrieren von Vermögenswerten, Beschränkungen des Handels insgesamt. Zum
ersten Mal beteiligt sich die Schweiz an Wirtschaftssanktionen der UNO.
Sowjetunion
Verurteilung der Annexion Kuwaits durch den Irak.

Seite 3

�Waffenembargo. Erwägung einer Abriegelung des
Golfs für die irakische Schiffahrt, wenn dies unter
Schirmherrschaft der UNO erfolgen würde.
Spanien

Uruguay
Plant die Ergreifung notwendiger Schritte zur Befolgung der UNO-Sanktionen.
Venezuela

Ölembargo, erlaubt den Vereinigten Staaten die Nutzung von Stützpunkten für Operationen gegen den
Irak.

Geplante Steigerung der ölförderung um 400 000 bis
500 000 Barrel pro Tag.

Syrien

Vereinigte Staaten

Entsendung von Landtruppen nach Saudi-Arabien als
Teil einer multinationalen Streitmacht.

Entsendung von Kampfeinheiten nach Saudi-Arabien,
um das Land vor einer möglichen irakischen Aggression zu schützen. Neun Kriegsschiffe und zwei Flugzeugträger befinden sich gegenwärtig im Golf. Verhängung eines vollständigen Handelsembargos gegen den Irak, einschließlich des besetzten Kuwaits.
Dieses vollständige Handelsembargo schließt auch
Nahrungsmittellieferungen ein. Aussetzung von Krediten, Anleihen und Zuschüssen. Embargo schließt
darüber hinaus auch Exporte an Unternehmungen ein,
die - direkt oder indirekt - vom Irak aus betrieben oder
kontrolliert werden oder im Besitz der irakischen
Regierung sind. Einfrieren irakischer und kuwaitischer
Vermögenswerte. Amerikanische Zollbeamte beschlagnahmen Ersatzteile, Satelliten- und Computerausrüstung für Irak und Kuwait im Wert von 8 Millionen
Dollar. Das Bundeskriminalamt FBI versiegelt die
Büroräume der Iraqi Airlines in New York, Detroit und
Los Angeles. Absicht, zur Unterstützung der UNOSanktionen jegliche irakische öllieferungen auf dem
Seeweg zu verhindern.

Taiwan
Ölembargo.
Tschechoslowakei
Waffenembargo.
Tunesien
Forderung nach Abzug der irakischen Truppen aus
Kuwait.
Türkei
Einfrieren irakischer Vermögenswerte. Verweigert
Schiffen die Erlaubnis zum Laden irakischen Öls am
Terminal der irakischen Pipeline. Lieferung von Nahrungsmitteln wird fortgesetzt. Parlament ermächtigt
die Regierung im Falle eines Angriffs durch den Irak
zur Kriegserklärung, zur Entsendung von Kampftruppen und zum Einsatz ausländischer Truppen auf türkischem Hoheitsgebiet.

Zypern
Unterstützung der Sanktionen gegen Irak.

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 32

�GOLFKRISE
15. August 1990

BAKER: ZUSAMMENHALT IM ATLANTISCHEN
BÜNDNIS UNABDINGBAR
Rede des US-Außenministers beim Nordatlantikrat
BRÜSSEL - (AD) - Bei einer Sondersitzung des Bündnisses erklärte Außenminister Baker am 10. August 1990,
Hoffnungen "auf eine neue und friedlichere Weltordnung" erforderten Solidarität und Tatkraft "um Saddam
Husseins bedrohliche Ambitionen zu vereiteln". Im Zusammenhang mit der irakischen Invasion in Kuwait rief
Baker zu Zusammenhalt im Bündnis auf und beschwor die "Unteilbarkeit unserer kollektiven Sicherheit".
Darüber hinaus erklärte er, das Bündnis müsse der weiteren Agression des Iraks entgegenwirken, Zeit für die
UNO-Sanktionen gewinnen und zusammenarbeiten, um die Effektivität der Sanktionen sicherzustellen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut.

Wir sind heute hier zusammengekommen, um einen
Akt der Aggression anzusprechen, der sowohl unsere
moralischen Prinzipien als auch unsere materiellen
Interessen bedroht.
Erst vor einer Woche hat die Regierung des Iraks ihren
Nachbarn, den souveränen Staat Kuwait, angegriffen
und besetzt. Dieser vorsätzliche, nicht provozierte
Angriff hat bereits das Leben vieler unschuldiger
Menschen gefordert. Die Öl- und Finanzmärkte sind
in eine Krise gestürzt worden. Darüber hinaus wurden
Hoffnungen gefährdet, daß mit der Beendigung des
kalten Krieges für alle Nationen ein neues Zeitalter in
Frieden und Freiheit beginnen kann.
Das Problem, das sich uns stellt, betrifft nicht nur das
Schicksal eines einzelnen Landes oder den Preis von
und die Versorgung mit Öl. Nicht nur Kuwait ist
angegriffen worden. Es sind nicht nur die wirtschaftlichen Fortschritte, die bedroht wurden. Wenn die
Macht das Recht gestaltet, wird die Welt in ein neues
dunkles Zeitalter zurückfallen.
Dies ist ein plötzlicher und tragischer Wendepunkt der
Ereignisse. Im vergangenen Jahr sind wir an diesem
Tisch zusmmengekommen, um außergewöhnliche
historische Vorgänge zu feiern. Unser Bündnis, das
seinen Grundsätzen fest verhaftet ist, hat Europa
vierzig Jahre lang den Frieden bewahrt. Wir haben
hart für den Tag gearbeitet, an dem Europa ungeteilt

AMERIKA DIENST 32

und frei sein würde. Jetzt, da sich dieser Tag nähert,
paßt sich das Bündnis einer neuen Situation auf dem
Kontinent an - einer hoffnungsvollen Situation.
Weit schneller als irgendjemand dies hätte vorhersagen können, müssen sich die NATO-Mitgliedstaaten
einer veränderten - gefährlichen - Situation außerhalb
Europas anpassen. Der Irak hat gerade ein Jahrzehnt
der Gemetzel im Krieg mit seinem Nachbarn Iran
überwunden. Ich denke, man kann ruhig sagen, daß
Iraks andere Nachbarn und viele in diesem Saal vertretene Nationen Bagdad in diesem schrecklichen Kampf
beigestanden haben. Viele glaubten - aus gutem
Grund -, der Irak würde das Buch des Kriegs schließen
und ein neues Buch schreiben, das mit einem Kapitel
über friedliche Beziehungen zu seinen Nachbarn beginnt.
Das lag sicher im Interesse des Iraks. Genauso sicher
liegt dies heute im Interesse des irakischen Volkes.
Stattdessen waren wir Zeuge einer kontinuierlichen
und unverminderten Aufrüstung. Der irakische Diktator Saddam Hussein hat für die Unterhaltung von
Streitkräften keine Kosten gescheut, und sie stehen in
keinem Verhältnis zu einer reellen Bedrohung. Hunderttausende von Soldaten stehen unter Waffen. Der
Irak stationiert etwa 5 700 moderne Panzer, die viertgrößte Panzerarmee der Welt. Und Iraks 10 000
Schützenpanzer machen das Land zur drittstärksten
Macht in diesem Bereich nach der Sowjetunion und
den Vereinigten Staaten.

Seite 1

�Trotz aller internationaler Appelle entwickelt Saddam
Hussein weiterhin chemische Waffen, die er gegen
den Iran und sogar gegen sein eigenes Volk eingesetzt
hat. Er hat Hunderte von Raketen gehortet, mit denen
er einst iranische Städte angegriffen hat. Er betreibt
nach wie vor energisch ein Nuklearforschungsprogramm mit bedenklichen Auswirkungen.
Warum verschwendet der Führer einer Nation, die ihre
eigenen Wunden so dringend heilen muß, seine Ressourcen für noch mehr Waffen? Jetzt kennen wir die
Antwort. Diese Waffen dienten der Aggression Einschüchterung und Angriff, um die Souveränität
seiner Nachbarn Saddam Husseins Willen zu unterwerfen.
Wir brauchen keine Zeit mit dem Argument zu verschwenden, daß dieser große, sehr mächtige und
kampferprobte Irak von dem angeblich aggressiven
Akt des Emirs von Kuwait tödlich bedroht wurde. Wir
sollten auch den Lügen über einen Volksaufstand
keine Beachtung schenken, der den Emir absetzte und
zur Wiederherstellung der Ordnung den Irak um Hilfe
bat. Diese Falschaussagen haben wir alle schon
gehört. Sie wiederholen sich in den Windungen der
tragischen Geschichte dieses Kontinents, der Geschichte, die sich niemals wiederholen sollte.
Für alle hier Anwesenden steht bei der gegenwärtigen
Golfkrise sehr viel auf dem Spiel. Seit 1949 hat jeder
amerikanische Präsident erklärt, der Golf sei für die
amerikanischen und westlichen Interessen von entscheidender Bedeutung und daß wir es keiner gegnerischen Macht gestatten können, die Verfügungsgewalt über seine Erdölreserven zu erringen. Heute geht
eine solche Bedrohung von Saddam Hussein aus.
Unter dem Gesichtspunkt der zentralen Bedeutung
des Golf öls für die Weltwirtschaft sind wir alle bestrebt,
die Ambitionen dieses Diktators zunichte zu machen.
Wir alle haben daran ein brennendes Interesse.
Darüber hinaus sind wir alle an der Stabilität des Nahen
Ostens interessiert - einer bereits von Gewaltanwendung gekennzeichneten Region, deren Lage durch die
kriegerische Haltung Saddam Husseins noch verschärft wird. Einer der strategischen Eckpfeiler unseres Bündnisses, die Türkei, ist an ihrer südlichen
Grenze Gefahren ausgesetzt, die durch Saddam
Husseins Aggression noch verstärkt werden.
Schlie ßlich haben wir alle ein aus bitteren Erfahrungen
resultierendes grundlegendes Interesse daran, zu
demonstrieren, daß sich Aggressionen nicht auszahlen. Wir kennen die Geschichte der dreißiger Jahre
und wissen, daß eine Politik der Beschwichtigung
Aggressoren nur den Mund wäßrig macht. Aus der
jüngeren Geschichte von Aggressionen kann ich kaum
ein Beispiel nennen, das verwerflicher oder brutaler
wäre als die Invasion Kuwaits durch Saddam Hussein.
Wenn all unsere Hoffnungen auf eine neue und friedlichere Weltordnung Wirklichkeit werden sollen, müs-

Seite 2

sen wir jetzt handeln, um Saddam Husseins bedrohliche Ambitionen zu vereiteln.
Angesichts dieser schwerwiegenden Herausforderung
hat Präsident Bush vier grundlegende Ziele als Leitlinien der amerikanischen Politik dargelegt. Erstens
streben wir den unverzüglichen, bedingungslosen und
vollständigen Rückzug aller irakischen Truppen aus
Kuwait an. Zweitens muß die legitime Regierung
Kuwaits wieder anstelle des Marionettenregimes eingesetzt werden. Drittens sind wir weiterhin der Sicherheit und Stabilität im Golf verpflichtet, und viertens sind
wir entschlossen, das Leben unserer Staatsbürger im
Ausland zu schützen.
Nach unseren breitgefächerten Konsultationen der
vergangenen Tage kann man mit voller Berechtigung
sagen, daß wir alle diese grundlegenden Ziele teilen.
Die Frage lautet jetzt, wie wir unsere Maßnahmen zu
ihrer Verwirklichung am besten koordinieren können.
Die umfassende Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft - zu der wir alle auf unterschiedliche
Weise beigetragen haben - war außergewöhnlich und
bemerkenswert.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat rasch
gehandelt, um den Irak zu verurteilen, seinen Abzug
aus Kuwait zu fordern und zum ersten Mal nach 23
Jahren verbindliche Sanktionen nach Kapitel VII der
UNO-Charta zu verhängen. Es wird einige Zeit vergehen, bis diese Sanktionen bei Saddam Wirkung zeigen, aber sie können sehr effektiv sein, wenn wir
geduldig und standhaft sind, und wenn wir sorgfältig
und energisch vorgehen, um Ausnahmen und Betrugsmanöver zu verhindern.
Ein deutliches Zeichen der neuen Zeit besteht darin,
daß sich die Sowjetunion der Staatengemeinschaft bei
der Verurteilung des Iraks angeschlossen hat. Die
beispiellose, von den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion in Moskau veröffentlichte gemeinsame
Erklärung und deren Appell zur Einleitung von Maßnahmen hat meines Erachtens dem nahezu einstimmigen Votum des Sicherheitsrats für die Verhängung von
Sanktionen den Weg bereitet. Sie hat dazu beigetragen, den überwältigenden internationalen Konsens
herzustellen und die Isolierung des Iraks im Nahen
Osten sicherzustellen. Ich stehe - nahezu täglich - in
engem Kontakt mit Eduard Schewardnadse und bin
der festen Ansicht, daß wir die Sowjets weiterhin
einbinden müssen. Als Teil dieser andauernden
Bemühungen werde ich mich hier in Brüssel mit dem
sowjetischen Botschafter treffen, der als sowjetischer
Verbindungsmann zur NATO ausgewählt wurde - ein
weiteres Beispiel der sich ändernden Zeiten und unseres sich weiter entwickelnden Bündnisses.
Umfassende internationale Sanktionen stellen einen
entscheidenden Schritt zur Vereitelung von Saddam
Husseins Aggression dar. Unsere heutige Arbeit innerhalb der NATO ist ein weiterer Teil der Antwort.

AMERIKA DIENST 32

�Eine neue Gefahr ist heraufgezogen, die zwar aus
einer entfernten Region kommt, uns jedoch alle treffen
Kann. Auch wenn traditionelle Bedrohungen sich
drastisch verringert haben (und unsere Hoffungen für
die Zukunft beeinflußt haben), sind wir heute mit einer
neuen Bedrohung konfrontiert, die eine neue Herausforderung und neue Gefahren aufwirft. Sie erinnert
uns daran, daß unsere Sicherheit und unser Wohlergehen aus neuen Regionen und von neuen Ursachen
herausgefordert werden. Einige unserer Mitgliedstaaten, wie die Türkei, könnten noch größere strategische
Bedeutung erlangen, da wir mit einem veränderten
Sicherheitsumfeld konfrontiert sind.
Unsere Konsultationen zu dieser Krise, zu dieser
Herausforderung erinnern uns daran, daß sich die
Bedingungen verändern und sich unser Bündnis anpassen muß.
Dieses Bündnis, das sich über den Atlantik hinweg
erstieckt, ist ein Symbol der Einigkeit des Westens,
und dies ist der Ort, an dem wir unsere Solidarität in der
gegenwärtigen Krise unter Beweis stellen sollten. Wir
müssen weiteren Aggressionen einen Riegel vorschieben. Wir müssen Zeit gewinnen, damit durch die
Sanktionen der UNO die bereits erfolgte Aggression
rückgängig gemacht wird. Wir müssen zusammenarbeiten, um zu gewährleisten, daß diese Sanktionen
wirksam sind. Wir stehen nicht allein. Aber die Welt
wird von uns - den heute hier versammelten Nationen
- eine Führungsrolle erwarten. Wir sollten diese Rolle
spielen.
Wie ich hoffe, wird von dem heutigen Treffen eine
vierfache Botschaft ausgehen. Erstens, daß die Mitglieder dieses Bündnisses - jedes auf seine Weise dazu beitragen werden, weiteren Aggressionen des
Iraks Einhalt zu gebieten. Ich möchte an dieser Stelle
betonen, daß die von uns durchgeführte Verlegung
von Truppen auf Bitten der Saudis erfolgt, nachdem
der Irak Versprechen gebrochen und seinen unheilversprechenden Truppenaufmarsch fortgesetzt hat.
Aufgrund der mit ihnen geführten Gespräche wissen
wir, daß die Saudis und andere Golf-Nationen auf eine
möglichst unfassende Unterstützung durch die multinationale Streitmacht der arabischen Welt und des
Westens hoffen. Einige von Ihnen haben bereits die
Entscheidung getroffen, unserem Beispiel zu folgen
und Militäreinheiten in die Golf-Region zu entsenden.
Diese Beiträge sind lebenswichtig - politisch und militärisch. Wir alle haben uns multinationalen Bestrebungen verpflichtet und fordern jeden von Ihnen auf, zu
überprüfen, wie er helfen kann.
Unsere zweite Botschaft lautet, daß wir bereit sind, zu
unseren kollektiven Verteidigungsverpflichtungen zu
stehen. Ich bin gerade aus Ankara zurückgekommen,
wo ich Gelegenheit zu Gesprächen mit Präsident Özal,
Premierminister Akbulut und Außenminister Bozer hatte.
Präsident Bush hat mich gebeten, unsere Kontakte mit

AMERIKA DIENST 32

diesem wichtigen Verbündeten und Bollwerk des
Bündnisses an seiner Südflanke zu verstärken. In
unseren Gesprächen haben Präsident Özal und seine
Kollegen ihre uneingeschränkte Verpflichtung gegenüber der NATO und dem Westen erneut unterstrichen
und dieses Engagement ist für uns sehr positiv.
Aus diesem Grund sollten wir öffentlich und privat die
Geschlossenheit unseres Bündnisses und die Unteilbarkeit unserer kollektiven Sicherheit hervorheben.
Dies bedeutet die unmißverständliche Bekräftigung
unserer eindeutigen und bedingungslosen Verpflichtungen gemäß Artikel V des Nordatlantikvertrags, der
festlegt, daß ein bewaffneter Angriff gegen ein Mitglied
des Bündnisses als ein Angriff gegen alle Mitglieder
des Bündnisses angesehen wird. Dieser Rat sollte
gemäß Artikel IV des Vertrags jederzeit in der Lage
sein, eine Sitzung einzuberufen, falls die territoriale
Integrität oder Sicherheit eines NATO-Mitgliedstaats
bedroht ist. Bei einer solchen Sitzung würden mögliche kollektive Maßnahmen erörtert, die das von der
Chartader Vereinten Nationen anerkannte unmittelbare Recht auf Selbstverteidigung sowie die automatische Pflicht jedes NATO-Mitgliedstaats, einem anderen Mitglied Beistand zu leisten, das Opfer eines
bewaffneten Angriffs geworden ist, ergänzen würden.
Ich hoffe, wir müssen niemals eine solche Sitzung
einberufen. Aber unsere eindeutige Bereitschaft dazu
ist der beste Weg, dies zu verhindern. Es sollten keine
Zweifel an unserer Entschlossenheit bestehen.
Zusätzlich zur Abschreckung weiterer irakischer Agressionen sollten wir zusammenarbeiten, um die bereits
erfolgte Aggression rückgängig zu machen.
Daher sollte unsere dritte Botschaft lauten, daß dieses
Bündnis Maßnahmen unterstützt, die Mitgliedstaaten
ergreifen könnten, um die vom UNO-Sicherheitsrat mit
Resolution 661 verfügten obligatorischen Sanktionen
zu verhängen. Falls diese UNO-Sanktionen trotz der
seltenen Einmütigkeit bezüglich ihrer Verhängung
scheitern, kann man sich kaum vorstellen, wie irgendeine UNO-Sanktion jemals Erfolg haben könnte. Als
Institution hätten die Vereinten Nationen einen moralischen Tief schlag erlitten - ebenso wie es dem Völkerbund unter entsprechenden Umständen erging. Dies
darf nicht geschehen. Es besteht auch keine Veranlassung, darüber zu spekulieren, was vielleicht getan
werden muß. Eine internationale Blockade ist sicherlich eine Möglichkeit. Aber erst sollten wir den Sanktionen etwas Zeit geben, zu greifen und Zeit gewinnen,
herauszufinden, was noch nötig ist, um sie wirksam zu
machen. Wir sollten jedoch demonstrieren, daß wir
alles Erforderliche tun werden, um den Willen der
Vereinten Nationen durchzusetzen.
Schlie ßlich sollten wir ein Signal setzen, da ß die NATO
ein Ort der Konsultation und Zusammenarbeit in Zeiten einer gemeinsamen Krise ist. Wie unsere Staatsund Regierungschefs im Mai 1989 verkündeten:
"Weltweite Entwicklungen, die unsere SicherheitsinSeite 3

�teressen berühren, sind legitime Themen für Konsultationen und, wo angebracht, Koordination zwischen
uns. Unserer Sicherheit muß in einem Zusammenhang gesehen werden, der über den Schutz vor Krieg
allein hinausgeht." Diese Herausforderung des Iraks
birgt einen weiteren Aspekt: Die Türkei - einer unserer
Mitgliedstaaten - liegt an der Frontlinie eines möglichen Konflikts. Ich weiß, daß dies für einige unter
Ihnen ein heikles Thema ist. Mein Vorschlag ist
einfach. Die Mitglieder des Bündnisses sollten in der
NATO Informationen über ihre politischen und militärischen Aktivitäten austauschen, um die praktische
Zusammenarbeit auf den Ebenen - bilateral oder

multilateral - zu erleichtern, die sich als am nützlichsten
erweisen.
Mit diesen Gedanken möchte ich zum Schluß kommen. Was wir heute hier tun, wird meiner Überzeugung nach weit über die Lage im Persischen Golf
hinaus Bedeutung haben. Dies ist die erste Krise der
Nachkriegszeit. Wie ich häufig gesagt habe, besteht
unsere Herausforderung darin, nicht nur den kalten
Krieg zu überwinden, sondern auch die ihm vorangegangenen Konflikte. Durch gemeinsames Handeln
bietet sich uns heute die Gelegenheit, dies zu tun.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 32

�KSZE
15. August 1990

KSZE KANN MASSGEBLICHEN BEITRAG ZU FRIEDEN
IN EUROPA LEISTEN
Die zukünftige Rolle der KSZE
Von Botschafter Max M. Kampelman
Der nachfolgende Artikel gründet sich im wesentlichen auf ein kürzlich von Botschafter Kampelman gegebenes
Interview.
Als die Vereinigten Staaten im Jahr 1975 der Schlußakte von Helsinki beitraten, wurden diejenigen, die sie
als dauerhafte Triebfeder für Stabilität zwischen Ost
und West sowie für Frieden und Zusammenarbeit in
Europa erachteten, als unrealistische Träumer angesehen. Zweifelsohne waren die in dem Dokument
verankerten Werte westliche Werte, und man ging
nicht davon aus, daß die Sowjetunion ihre auf dem
Papier gegebenen Versprechen in die Praxis umsetzen würde.
In der kurzen Zeitspanne von nur 15 Jahren konnten
wir jedoch beobachten, daß die in der Schlußakte von
Helsinki niedergelegten Werte heute beispiellos sind
und ganz Europa erfassen. Es sind menschliche
Werte, die der Auslöser für tiefgreifende demokratische Revolutionen in Ost- und Mitteleuropa waren.
Als ich zwischen 1980 und 1983 als Leiter der amerikanischen Delegation der Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) Teilnehmer
der Folgekonferenz in Madrid war, wurde in Polen die
Gewerkschaftsbewegung Solidarität gegründet. Wir
in Madrid waren beeindruckt, daß eine der Forderungen der Solidarität an die polnische kommunistische
Regierung lautete, den Wortlaut der Schlußakte von
Helsinki in der Presse zu veröffentlichen. Dies war ein
Anzeichen für die Bedeutung dieser Werte. Heute
stellen die Gewerkschaftsführer, die von der polnischen kommunistischen Militärregierung verhaftet
worden waren, die Regierung Polens.
Ich erinnere mich, den Namen von Bronislaw Geremek
in Madrid erwähnt zu haben - einem Historiker von
Weltruf -, der aufgrund seiner Mitgliedschaft in der
Solidarität verhaftet wurde. Heute ist er Vorsitzender
der Solidaritäts-Fraktion im polnischen Parlament.

AMERIKA DIENST 32

Ich erinnere mich an die Gründung der Charta 77
genannten Gruppe in der Tschechoslowakei. Ihr Zweck
bestand darin, die Ziele der Schlu ßakte von Helsinki in
diesem kommunistischen System voranzubringen. Auch
ihre Mitglieder wurden verhaftet.
Ich weiß noch, wie ich in Madrid dagegen protestiert
und die Namen von Vaclav Havel, Jiri Hajek und
anderen renommierten Persönlichkeiten genannt habe,
die ebenfalls verhaftet worden waren. Herr Havel ist
heute Präsident der Tschechoslowakei und Professor
Hajek leitete die Delegation seines Landes bei der
KSZE-Konferenz über die menschliche Dimension in
Juni in Kopenhagen.
Die Schlußakte von Helsinki hat sich als nützlich
erwiesen, und die KSZE liefert ihr Instrumentarium. In
15 Jahren ist viel erreicht worden.
Jetzt wird die Frage laut: "Welchen Kurs wird die
KSZE einschlagen?"
Manche haben meiner Ansicht nach etwas unrealistische Vorstellungen über die Zukunft der KSZE und
ihren Einsatz für die Gewährleistung militärischer Sicherheit in ganz Europa. Vielleicht ist es Erfolgseuphorie. Vielleicht ist es auch auf die Tatsache zurückzuführen, daß Bedürfnisse bestehen, die von der
KSZE anscheinend leicht erfüllt werden können.
Vielfach herrscht auch die Auffassung, die KSZE könne
NATO und Warschauer Pakt ersetzen. Das wäre ein
Fehler ist, meiner Meinung nach nicht praktikabel. Die
NATO ist eine Organisation zur militärischen Verteidigung. Sie ist ein Bündnis, das Militärdoktrin und
militärische Theorien in den Vordergrund stellt und
militärische Operationen von 16 Ländern koordiniert.

Seite 1

�Ich kann mir nicht vorstellen, daß die KSZE diese
Aufgaben übernehmen kann oder sollte.
Die KSZE muß - wie in der Schlußakte von Helsinki
1975 definiert - eine wichtige sicherheitspolitische Rolle
spielen, um unter den 35 Mitgliedstaaten Vertrauen zu
bilden und ihre Zustimmung zu bestimmten vertrauensbildenden Maßnahmen im sicherheitspolitischen
Bereich einholen. Das ist von Nutzen, hat aber Grenzen.
Wenn KSZE-Länder zum Beispiel militärische Manöver durchführen wollen, benachrichtigen sie sich vorher. Sie versichern sich gegenseitig, daß es sich nicht
um feindliche Aktionen handelt. Und sie gestatten sich
gegenseitig Inspektionen - die Vertrauen bilden und
gut und nützlich sind, um das Sicherheitskonzept in
Europa zu stärken.
Aber all dies ist etwas anderes als über einen militärischen Befehlshaber und eine koordinierte militärische
Struktur zwischen allen Ländern zu verfügen. Es wäre
ein Fehler, wenn wir in solchen Kategorien denken
würden, und wir sind weit davon entfernt.
Ich bin mir des in Europa bestehenden Problems der
militärischen Sicherheit bewußt. Ich habe Gespräche
mit führenden Politikern der aufstrebenden Demokratien in Mitteleuropa geführt, von denen mir einer erklärte: "Sie haben die NATO. Ein Angriff auf ein Land
kommt einem Angriff auf alle gleich. Und was haben
wir?"
Er war besorgt über mögliche Bedrohungen der Grenzen seines Landes durch Nachbarn aus Ost und West:
einen neuen Kremlführer, der sowjetische Truppen
aussenden könnte oder einen künftigen aggressiven
Staatsmann eines vereinten Deutschlands und Befehlshaber einer großen Armee. "Werden Sie mich
beschützen?" fragte er.
Ich verstehe diese Sorge und kann mir gut vorstellen,
daß jemand, der diese Sorgen hat, sagen könnte: "Wir
brauchen die KSZE, um uns zu schützen."
Aber die KSZE ist nicht in der Lage, jemanden zu
schützen, weil sie auf der Basis der Einstimmigkeit
funktioniert. Jedes Mitgliedsland könnte sein Veto
gegen den Hilferuf eines Staats einlegen, eine von ihm
wahrgenommene Bedrohung abzuwehren.
Es gibt jedoch Sicherheitsprobleme, die von der KSZE
gelöst werden können.
Während einer Europareise wurde mir unlängst wiederum die Tatsache verdeutlicht, daß sich mit der
Abschwächung der Ost-West-Spannungen neue
Spannungen entwickeln. Wenn man diese neuen
Spannungen sorgfältig untersucht, wird man zu dem
Schlu ß kommen, da ß sie gar nicht so neu sind. Es sind
alte Spannungen, die erneut zum Tragen kommen Nationalitätenprobleme, Minderheitenprobleme, eth-

Seite 2

nische Probleme -, insbesondere in Mittel- und Osteuropa. Dies sind potentielle Bedrohungen der Sicherheit in Europa.
Wenn die KSZE ihrer Verantwortung für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa gerecht werden soll, dann
wird sie meines Erachtens Mittel und Wege finden
müssen, um diese Zwistigkeiten zu behandeln.
Dem Konzept der Schlußakte von Helsinki zufolge
besteht der beste Weg zur Behandlung von Minderheitenproblemen meiner Meinung nach darin, jetzt zu
sondieren, ob die KSZE eine vermittelnde, beratende
oder untersuchende Rolle spielen kann, die zur Lösung dieser Streitigkeiten beiträgt, wenn sie noch im
Entstehen begriffen sind und bevor sie zu gewalttätigen Auseinandersetzungen eskalieren.
Ich hoffe, daß sich die KSZE bei ihrem nächsten
Treffen damit beschäftigen wird, welche Art von Vermittlerrolle sie spielen kann.
Im Verlauf der Kopenhagener Konferenz über die
menschliche Dimension hat die amerikanische Delegation einen Ansatz vorgeschlagen. Wenn zwischen
zwei Staaten ein Streitfall besteht, würde jeder einen
Experten zu dem betreffenden Thema benennen. Die
beiden Experten würden sodann einen dritten Vermittler von einem anderen KSZE-Land auswählen, der als
Vorsitzender fungieren würde.
Diese drei würden dann sondieren, ob eine friedliche
Lösung des Streits möglich wäre. Sie würden das
Recht haben, Anhörungen zu veranstalten, aber sie
hätten nicht das Recht, eine Regelung vorzuschreiben.
Das war nur eine Idee von unserer Seite. Vielleicht
funktioniert sie. Ich meine, man sollte sie ausprobieren. Vielleicht wird jemand anders eine andere Idee
haben, aber dies ist ein entscheidender Bereich, in
dem die KSZE einen einzigartigen Beitrag zu Stabilität
und Zusammenarbeit in Europa leisten kann.
Ein weiteres sehr wichtiges Problem, das von der
KSZE behandelt werden könnte, ist der Terrorismus.
Wir haben heute eine einzigartige Chance, weil der
internationale Terrorismus bis vor kurzem noch vom
Weltkommunismus gefördert wurde.
Viele wu ßten bereits, da ß die alten Regime der Tschechoslowakei, Polens, der DDR, Bulgariens und Rumäniens internationale Terroristen ausbildeten, sie finanzierten und taten, was sie konnten, um die Welt und
auch Europa zu destabilisieren. Heute, da die neu
entstehenden Demokratien ihre nationalen Archive
öffnen, erfahren wir weitere Einzelheiten darüber.
Neue Regierungen werden in Mittel- und Osteuropa
gebildet, die hoffentlich alle demokratisch sein werden.
Die Entwicklung verläuft jedenfalls in dieser Richtung.
Sie können zusammen mit den anderen europäischen

AMERIKA DIENST 32

�Ländern eine einzigartige und kooperative Rolle spielen, indem sie den internationalen Terrorismus aushungern anstatt ihm Nahrung zu geben, indem sie ein
Programm entwickeln, mit dem jeder dem anderen
dabei hilft, Terroristen bloßzustellen, zu inhaftieren,
sie auszuweisen und alles zu tun, um ihnen Einhalt zu
gebieten. Die Sowjetunion signalisiert ihre Bereitschaft, sich an solchen Bemühungen zu beteiligen.
Es gibt noch eine dritte mögliche Rolle für die KSZE:
die Förderung von Abrüstungsmaßnahmen in Europa.
Die Wiener Gespräche über die Reduzierung konventioneller Streitkräfte werden bald zu Ende gehen - ich
hoffe, mit Erfolg -, und wahrscheinlich wird es eine
weitere Gesprächsserie in diesem konventionellen
Bereich geben, bei der die KSZE eine bedeutende
Rolle spielen kann.

*

AMERIKA DIENST 32

Einerseits kann die KSZE über die Reduzierung von
Rüstungen sprechen und andererseits über eine Stärkung der Sicherheit durch die Behandlung von Minderheiten- und Nationalitätenproblemen sowie bei der
Ausrottung des Terrorismusproblems.
Die KSZE kann meines Erachtens in Europa eine
Atmosphäre schaffen, die fest in Freiheit, Menschenwürde und Stabilität verankert ist. Langfristig könnte
sich dies als weit entscheidenderer Beitrag zum Friedensprozeßerweisen als der Versuch, dieses sensible
Instrument irgendwie in ein militärisches Bündnis zu
verwandeln.

*

Seite 3

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VON

Sonderdienst

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:-'

t^ a

10. August 1990
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BUSH ENTSENDET AMERIKANISCHE
STREITKRÄFTE NACH SAUDI-ARABIEN
Erklärung des Präsidenten

BUSH: TRUPPEN DIENEN DER
VERTEIDIGUNG SAUDI-ARABIENS
Pressekonferenz des Präsidenten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�SONDERDIENST
10. August 1990

BUSH ENTSENDET AMERIKANISCHE STREITKRÄFTE
NACH SAUDI-ARABIEN
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat amerikanische Militäreinheiten entsandt, "die in Saudi-Arabien
defensive Stellungen beziehen sollen", um der saudiarabischen Regierung nach der irakischen Invasion Kuwaits
Beistand zu leisten.
In einer weltweit übertragenen Fernsehansprache erklärte Präsident Bush am 8. August 1990, die amerikanische Politik sei von vier Prinzipien geleitet:
"Erstens streben wir den sofortigen, bedingungslosen und vollständigen Abzug aller irakischen Streitkräfte aus Kuwait an.
Zweitens muß die legitime kuwaitische Regierung wieder anstelle des Marionettenregimes eingesetzt
werden.
Drittens ist meine Regierung ... der Sicherheit und Stabilität am Persischen Golf verpflichtet.
Und viertens bin ich entschlossen, das Leben amerikanischer Staatsbürger im Ausland zu schützen."
Die Vereinigten Staaten suchen weder Konflikt, erklärte Bush, "noch wollen sie die Geschicke anderer Nationen
lenken. Aber die Vereinigten Staaten werden ihren Freunden zur Seite stehen. Die Mission unserer Truppen
ist rein defensiv."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Bush im Wortlaut.

Als Nation obliegt es uns, herauszufinden, wer wir sind
und an was wir glauben. Gelegentlich sind solche
Entscheidungen nicht einfach. Heute bitte ich als
Präsident jedoch um Ihre Unterstützung einer Entscheidung, die ich getroffen habe, um für das Richtige
einzustehen und das Falsche zu verurteilen - um der
Sache des Friedens willen.
Auf meine Anweisung treffen heute Einheiten der 82.
Luftlandedivision und Schlüsseleinheiten der US-Luftwaffe in Saudi-Arabien ein, um defensive Stellungen
zu beziehen. Ich habe diese Maßnahmen ergriffen,
um der saudiarabischen Regierung bei der Verteidigung ihres Landes zur Seite zu stehen.
Niemand verpflichtet die amerikanischen Streitkräfte
leichten Herzens zu einer gefährlichen Mission. Nach
beispiellosen internationalen Konsultationen und
Sondierung aller Alternativen war dieses Vorgehen

unumgänglich. Lassen Sie mich die Gründe hierfür
darlegen.
Vor nicht ganz einer Woche, in den Morgenstunden
des 2. August, marschierten irakische Streitkräfte ohne
vorherige Provokation oder Warnung in das friedliche
Kuwait ein. Angesichts des von dem sehr viel kleineren Nachbarstaat geleisteten unbedeutenden Widerstands stürmten irakische Panzer in wenigen Stunden
blitzkriegartig durch Kuwait. Irak hält Kuwait jetzt mit
über 100 000 Mann, Panzern, Artillerie und BodenBoden-Raketen besetzt.
Diese Aggression erfolgte nur Stunden nachdem
Saddam Hussein zahlreichen Ländern in der Region
ausdrücklich versichert hatte, es würde keine Invasion
stattfinden. Es gibt keinerlei Rechtfertigung für diesen
verabscheuungswürdigen und brutalen Akt der Aggression.

Seite 1

�Ein von außen aufgezwungenes Marionettenregime
ist inakzeptabel. Die Annexion von Territorium ist
inakzeptabel. Niemand - Freund oder Feind - sollte
unseren Wunsch nach Frieden in Frage stellen, und
niemand sollte unsere Entschlossenheit unterschätzen, der Aggression zu begegnen.
Unsere Politik ist von vier einfachen Prinzipien geleitet.
Erstens streben wir den sofortigen, bedingungslosen
und vollständigen Abzug aller irakischen Streitkräfte
aus Kuwait an. Zweitens mu ß die legitime kuwaitische
Regierung wieder anstelle des Marionettenregimes
eingesetzt werden. Drittens ist meine Regierung - wie
es seit Präsident Roosevelt bis hin zu Präsident Reagan bei jedem Präsidenten der Fall war - der Sicherheit
und Stabilität am Persischen Golf verpflichtet. Und
viertens bin ich entschlossen, das Leben amerikanischer Staatsbürger im Ausland zu schützen.
Unmittelbar nach der irakischen Invasion habe ich ein
vollständiges Handelsembargo gegen den Irak verhängt und zusammen mit zahlreichen anderen Nationen Sanktionen angekündigt, mit denen gleichzeitig
alle irakischen Vermögenswerte eingefroren und die
kuwaitischen Guthaben geschützt werden. Das Risiko
ist hoch. Der Irak ist bereits ein reiches und mächtiges
Land, das über die zweitgrößten Ölreserven der Welt
verfügt und über eine Million Soldaten unter Waffen
hat. Der Irak ist die viertgrößte Militärmacht der Welt.
Unser Land importiert heute fast die Hälfte seines
Ölverbrauchs und könnte sich einer gravierenden
Bedrohung seiner wirtschaftlichen Unabhängigkeit
ausgesetzt sehen. Viele Länder der Welt sind noch
abhängiger von Ölimporten und den irakischen Bedrohungen gegenüber noch anfälliger.
Unser Kampf für Freiheit in Europa war von Erfolg
gekrönt, weil wir und unsere Verbündeten unerschütterlich waren. Die Bewahrung des Friedens im Nahen
Osten erfordert nicht weniger. Wir treten in ein neues
Zeitalter ein. Dieses neue Zeitalter kann sehr vielversprechend sein. Ein Zeitalter der Freiheit, eine Zeit des
Friedens für alle Völker. Aber wenn die Geschichte
uns etwas gelehrt hat, dann daß wir Aggression widerstehen müssen, sonst wird sie unsere Freiheit zerstören. Appeasement - eine Beschwichtigungspolitik funktioniert nicht. Wie in den dreißiger Jahren sehen
wir in Saddam Hussein einen aggressiven Diktator, der
seine Nachbarländer bedroht. Vor nur 14 Tagen hat
Saddam Hussein seinen Freunden versprochen, er
würde nicht in Kuwait einmarschieren. Und vor vier
Tagen hat er der Welt den Abzug seiner Truppen
versprochen. Zweimal konnten wir beobachten, was
seine Versprechungen wert sind. Sie bedeuten nichts.
In den vergangenen Tagen habe ich mit den politisch
Verantwortlichen im Nahen Osten, Europa, Asien,
Nord- und Südamerika gesprochen und bin mit Premierministerin Thatcher, Premierminister Mulroney und
NATO-Generalsekretär Wörner zusammengetroffen.

Seite 2

Sie alle stimmen überein, daß der Irak nicht von seiner
Invasion in Kuwait profitieren darf.
Wir sind einer Meinung, daß dies nicht ein Problem der
Vereinigten Staaten, Europas oder des Nahen Ostens
ist. Hierbei handelt es sich um ein Problem, das die
ganze Welt angeht. Und aus diesem Grund hat der
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen unmittelbar nach
der Invasion den Irak einmütig verurteilt und den
sofortigen, bedingungslosen Abzug seiner Truppen
aus Kuwait gefordert.
Die arabische Welt hat durch die Arabische Liga und
den Golf-Kooperationsrat mutig ihre Verurteilung der
irakischen Aggression zum Ausdruck gebracht. Japan, Großbritannien, Frankreich und andere Regierungen der Welt haben einschneidende Sanktionen
verhängt. Die Sowjetunion und China haben alle
Waffenverkäufe an Irak unterbunden.
Am vergangenen Montag, dem 6. August, hat der
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zum ersten Mal
seit 23 Jahren obligatorische Sanktionen gemäß Kapitel
VII der Charta der Vereinten Nationen verabschiedet.
Diese Sanktionen sind jetzt völkerrechtlich verankert
und kraft Gesetzes können dem Irak die Früchte seiner
Aggression bei gleichzeitiger gravierender Einschränkung seiner Möglichkeiten, irgendetwas von Wert insbesondere Öl - zu importieren oder zu exportieren,
verweigert werden.
An dieser Stelle gelobe ich, daß die Vereinigten Staaten ihren Teil zur Durchsetzung dieser Sanktionen
beitragen und den Irak davon überzeugen werden,
unverzüglich aus Kuwait abzuziehen.
Wir müssen uns jedoch vor Augen führen, daß der Irak
nicht auf den Einsatz von Gewalt verzichten wird, um
seine ehrgeizigen Ambitionen voranzutreiben. Der
Irak hat eine enorme Kriegsmaschinerie an der saudiarabischen Grenze aufgefahren, die ohne weitere oder
mit nur geringer Vorbereitung Feindseligkeiten auslösen kann. Angesichts der irakischen Geschichte von
Aggression gegen seine Bürger und Nachbarn wäre es
unklug und unrealistisch, davon auszugehen, der Irak
würde nicht wieder angreifen.
Nach Konsultationen mit König Fahd habe ich daher
Verteidigungssminister Cheney zur Erörterung der
gemeinsam zu ergreifenden Maßnahmen entsandt.
Im Anschluß an diese Gespräche hat uns die saudiarabische Regierung um Hilfe ersucht. Und ich habe
auf diese Bitte reagiert, indem ich die Entsendung
amerikanischer Luft- und Landstreitkräfte in das Königreich Saudi-Arabien verfügt habe.
Lassen Sie mich eindeutig feststellen, daß die souveräne Unabhängigkeit Saudi-Arabiens von entscheidendem Interesse für die Vereinigten Staaten ist.
Diese von mir gemeinsam mit der Führung des Kongresses getroffene Entscheidung entstammt der langjährigen Freundschaft und dem Sicherheitsgefüge

�zwischen den Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien.
Die amerikanischen Streitkräfte werden mit denen
Saudi-Arabiens und anderer Nationen zusammenarbeiten, um die Integrität Saudi-Arabiens zu bewahren
und weitere irakische Aggressionen abzuschrecken.
Diese multinationale Streitmacht wird durch ihre Präsenz ebenso wie dank ihrer Ausbildung und Übungen
die saudiarabischen Streitkräfte bei der Verteidigung
des Königreichs verstärken.
Ich möchte keinen Zweifel daran lassen, was wir tun
und warum. Die Vereinigten Staaten suchen weder
Konflikt noch wollen sie die Geschicke anderer Nationen lenken. Aber die Vereinigten Staaten werden
ihren Freunden zur Seite stehen. Die Mission unserer
Truppen ist rein defensiv. Sie werden hoffentlich nicht
allzu lange benötigt. Sie werden keine Feindseligkeiten auslösen, aber sie werden sich selbst, das Königreich Saudi-Arabien und andere Freunde im Persischen Golf verteidigen.
Wir arbeiten rund um die Uhr, um irakische Aggression
abzuschrecken und die UNO-Sanktionen durchzusetzen. Ich führe meine Gespräche mit den politisch
Verantwortlichen der Welt fort. Verteidigungsminister
Cheney ist gerade von fruchtbaren Konsultationen mit
dem ägyptischen Präsidenten Mubarak und König
Hassan von Marrokko zurückgekehrt. Außenminister
Baker hat seine Amtskollegen in zahlreichen Nationen
einschließlich der Sowjetunion konsultiert. Und heute
reist er zu Gesprächen mit dem türkischen Präsidenten Özal nach Europa, einem getreuen Freund der
Vereinigten Staaten. Im Anschluß daran wird er mit
den NATO-Außenministern konferieren.
Ich werden die ölproduzierenden Länder auffordern,
alles in ihrer Macht Stehende zur Aufstockung der

*

Ölproduktion zu tun, um die Auswirkungen der gedrosselten Öllieferungen auf die Weltwirtschaft so gering
wie möglich zu halten. Und ich werde eruieren, ob wir
und unsere Verbündeten unsere strategischen Ölreserven anzapfen sollten. Auch Energiesparmaßnahmen können helfen. Die Amerikaner müssen überall
auf der Welt ihren Teil dazu beitragen. Und noch
etwas. Ich bitte die Ölgesellschaften, ihren Teil zu
leisten. Sie sollten Zurückhaltung üben und nicht die
heutigen Unwägbarkeiten zur Erhöhung der Preise
nutzen.
Uns zu unseren Prinzipien zu bekennen, wird nicht
leicht sein. Es wird Zeit erfordern und wahrscheinlich
viel kosten. Aber wir fordern von allen nur soviel wie
von den tapferen jungen Männern und Frauen unserer
Streitkräfte und deren Familien. Und ich bitte, daß in
den Kirchen im Land für diejenigen gebetet wird, die
sich dem Schutz und der Verteidigung der amerikanischen Interessen verschrieben haben.
Uns zu unseren Prinzipien zu bekennen, ist eine
amerikanische Tradition. Wie so viele Male zuvor,
kann es Zeit und außerordentliche Anstrengung erfordern. Vor allem aber erfordert es, daß wir uns über den
Zweck einig sind.
Wie ich zeit meines Lebens sowohl in Kriegs- als auch
in Friedenszeiten erleben konnte, haben sich die Vereinigten Staaten niemals beirren lassen, wenn ihr
Zweck von Prinzipien geleitet war. Und an diesem
Augusttag weiß ich, daß sie dem voll und ganz gerecht
werden.

Ich danke Ihnen. Gott schütze die Vereinigten Staaten
von Amerika.

* * *

*

Seite 3

�SONDERDIENST
10. August 1990

BUSH: TRUPPEN DIENEN DER VERTEIDIGUNG
SAUDI-ARABIENS
Pressekonferenz des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Im Rahmen einer Pressekonferenz hat Präsident Bush am 8. August 1990 die Faktoren
erläutert, die seinem Entschlu ß zur Entsendung amerikanischer Streitkräfte nach Saudi-Arabien zugrundelagen.
Dabei betonte der Präsident, daß dieser Schritt nach der Besetzung und Einverleibung Kuwaits durch den Irak
der Verteidigung Saudi-Arabiens diene. Er hoffe, die amerikanische Truppenpräsenz in Saudi-Arabien werde
"weitere Abenteuer gegen jeden anderen Staat am Golf abschrecken".
Das "übergeordnete Ziel" sei der Abzug des Iraks und die Wiedereinsetzung des "rechtmäßigen Regimes" in
Kuwait.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz von Präsident Bush im Wortlaut.

Frage: Wieviele amerikanische Soldaten haben Sie
nach Saudi-Arabien entsandt? Für wie lange verpflichten Sie sich, sie dort zu stationieren? Und warum
setzen Sie sie nicht ein, um die irakischen Truppen aus
Kuwait zu vertreiben?
Antwort: In einer Stunde wird eine diesbezügliche
Unterrichtung im Pentagon stattfinden, in deren Rahmen die Zahlen bekanntgegeben werden. Wahrscheinlich wird man aus naheliegenden Gründen in
bezug auf die Bekanntgabe detaillierter Zahlen gegenwärtig etwas zurückhaltend sein.
Wie Sie meiner Erklärung entnehmen konnten, sind
sie dort zur Zeit in einer defensiven Rolle. Es ist
deshalb nicht ihr Auftrag, die Irakis aus Kuwait zu
verleiben. Es gibt Wirtschaftssanktionen, die, wie ich
hoffe, effektiv zu diesem Ziel beitragen werden, und ich
weiß nicht, wie lange sie dort bleiben werden. Sie
kommen ja gerade erst dort an.
Frage: Ist dies eine zeitlich unbegrenzte Verpflichtung? Ich meine, könnte sich dies über Jahre hinziehen?
Antwort: Nichts ist zeitlich unbegrenzt, aber ich
mache mir darüber überhaupt keine Sorgen. Zur Zeit
beschäftige ich mich nur damit, sie dorthin zu verlegen
und dort zu tun, was ich in meiner Rede als notwendig
bezeichnet habe: die Verteidigung der Saudis und das

Bemühen, diese Aggression durch international konzertierte Maßnahmen zunichte zu machen.
Frage: Befinden wir uns im Krieg? Welche anderen
Staaten haben sich bereit erklärt, unseren Streitkräften bei der Verteidigung Saudi-Arabiens zur Seite zu
stehen? Ich nehme an, Sie haben auch andere GolfStaaten in unseren Schutz einbezogen?
Antwort: Wir befinden uns nicht im Krieg. Wir haben
Streitkräfte zur Verteidigung Saudi-Arabiens entsandt.
Was andere Staaten angeht, so werde ich Ankündigungen über die Maßnahmen anderer Länder den
Saudis überlassen. Ich gehe jedoch davon aus, daß
Margaret Thatcher nach Gesprächen mit König Fahd
erklärt hat, Streitkräfte dorthin entsenden zu wollen,
und es wird sicherlich noch andere Maßnahmen dieser
Art geben. Ich werde dies jedoch Saudi-Arabien
überlassen, denn es geht ja um dieses Land.
Frage: War denn Cheneys Mission zur Erlangung von
Unterstützung durch Ägypten und Marokko erfolgreich?
Antwort: Ich habe selbst zweimal mit Mubarak gesprochen und denke, daß wir uns in enger Übereinstimmung mit ihm befinden. Marokko unterstützt die
Saudis und unsere allgemeine Haltung zum Nahen
Osten sehr energisch. In dieser Hinsicht bin ich sehr
zufrieden mit der Cheney-Mission.
Seite 1

�I

Frage: Zur Zeit scheint mehreren Dutzend Amerikanern in Bagdad und vielleicht mehreren Hundert in
Kuwait sowie an anderen Orten im Irak die Ausreise
verwehrt zu werden. Angesichts der geschärften
politischen Sensibilität der Amerikaner gegenüber dem
gesamten Geiselkomplex, könnte da Saddam Hussein
nicht jetzt zu dem Schluß kommen, daß er gegenüber
den Vereinigten Staaten über die besten Karten verfügt?
Antwort: Ich fühle mich dadurch ermutigt, daß es
Ankündigungen gab, wonach diese Personen ausreisen können. Ich möchte also jetzt keine Spekulationen
anstellen. Natürlich möchte ich, daß sie das Land
verlassen. Was er jedoch tut, ist in gewissem Maß
unberechenbar. Ich möchte aber die Spannungen
dadurch nicht erhöhen, daß ich auf hypothetische
Fragen antworte, die über ihre Frage hinausgehen.
Frage: Ich frage mich nur, welche Zusicherungen Sie
vielleicht geben können, daß unsere Politik in diesem
Fall nicht von einem Geiselproblem bestimmt wird, wie
dies in der Vergangenheit der Fall war.
Antwort: Ich kann nur versichern, daß ich den Schutz
amerikanischen Lebens als grundlegenden Bestandteil meiner Tätigkeit und Verantwortlichkeit als Präsident betrachte.
Frage: Die Frage der chemischen Waffen. Berichten
zufolge wurden die Iraker dabei beobachtet, wie sie
Flugzeuge mit chemischen Waffen bestückten. Wie
groß ist Ihre Besorgnis, daß er sie gegen unsere dort
anwesenden Truppen einsetzen könnte?
Antwort: Nun, wann immer Sie es mit jemandem zu
tun haben, der chemische Waffen auf dem Gefechtsfeld eingesetzt hat, sind Sie darüber besorgt, und ich
nehme an, daß er sich angesichts der Weltmeinung
zum Einsatz chemischer Waffen der Tatsache bewu ßt
ist, daß dies nicht hinnehmbar wäre und sehr, sehr
ernste Konsequenzen hätte. Ich hoffe, daß keine
chemischen Waffen eingesetzt werden.
Frage: Ich habe von Gerüchten aus Dschidda gehört,
denenzufolge Saddam Hussein tot ist. Haben Sie
etwas derartiges gehört?
Antwort: Nein, das habe ich nicht.

Frage: Werden die Saudis die Pipeline stillegen...
Antwort: Diese Frage wird sicherlich angesprochen
werden, und ich weiß, daß die Saudis in völliger
Übereinstimmung mit den durch die Vereinten Nationen nach Kapitel VII verhängten Maßnahmen handeln. Wir haben jedoch in dieser Hinsicht nichts mit
ihnen vereinbart.
Frage: Es ist für uns schwierig, Informationen aus
Saudi-Arabien zu bekommen. Ein Grund dafür liegt in
der Tatsache begründet, daß es amerikanischen
Medienvertretern nicht erlaubt wurde, amerikanische
Truppen nach Saudi-Arabien zu begleiten. War das
Ihre Entscheidung oder die König Fahds?
Antwort: Das war nicht meine Entscheidung. Es
befinden sich aber zur Zeit zahlreiche Reporter in
Saudi-Arabien.
Frage: Sollte es Ihrer Meinung nach einen PentagonPool geben wie im Falle Panamas?
Antwort: Darüber müßte ich mit dem Verteidigungsminister sprechen. Ich bin froh, daß viele Truppen
ohne große Vorwarnung und deshalb ohne größeres
Risiko für Saudi-Arabien oder diese Truppen verlegt
werden konnten.
Frage: Gab es irgendeinen besonderen Faktor, der
sie dazu veranlaßt hat, amerikanische Truppen und
Flugzeuge nach Saudi-Arabien zu entsenden? Und
zweitens, in welchem Maß haben die Sowjets Ihre
Entscheidung unterstützt?
Antwort: Es gab meines Wissens keinen einzelnen
Faktor, aber als König Fahd um diese Unterstützung
bat, haben wir umgehend darauf reagiert. Ich kann
jedoch keinen einzelnen speziellen Anlaß nennen.
Wenn es einen gäbe, dann vielleicht den, daß die Irakis
weiter nach Süden vordrangen, als sie behaupteten,
sie wären auf dem Rückzug. Als sie bis zur Grenze
zwischen Kuwait und Saudi-Arabien vorstießen, während sie gleichzeitig ihr Wort gegeben hatten, daß sie
abziehen würden. Das hat unsere Besorgnis verschärft.
Frage: Wie stark haben die Sowjets ihren Entschluß
unterstützt?

Frage: Wissen Sie, ob die Saudis dem Beispiel der
Türkei folgen und die irakische Pipeline im Süden
schließen werden? Haben Sie von den Saudis oder
anderen ölproduzierenden Ländern Zusicherungen
erhalten, daß diese ihre Produktion erhöhen werden,
um die Engpässe wettzumachen?

Antwort: Die Sowjets haben sich meines Erachtens
sehr verantwortungsbewu ßt verhalten. Sie haben sich
den Vereinten Nationen bei dieser Resolution angeschlossen, und Jim Baker hat erst gestern nachmittag
oder abend erneut mit Schewardnadse gesprochen.
Wie Sie wissen, kann ich keine bessere Antwort verlangen als die, die ich erhalten habe.

Antwort: Ich glaube, die Venezolaner haben eine
bedeutende Produktionserhöhung angekündigt, und
ich erwarte, daß andere diesem Beispiel folgen werden.

Frage: Beabsichtigen Sie, allein durch wirtschaftlichen Druck den Irak aus Kuwait zu vertreiben? Sind
Sie bereit, mehrere Monate zu warten, denn solange

Seite 2

�!

könnte es dauern, bis die Wirtschaftssanktionen schwerwiegende Folgen nach sich ziehen?
Antwort: Wir haben diesen ersten wichtigen Schritt
zur Verteidigung Saudi-Arabiens unternommen. Die
Wirtschaftssanktionen werden sich schon sehr bald
auswirken. Weitere Maßnahmen werden ergriffen um
sicherzustellen, daß sie voll wirksam werden, und
dann werden wir abwarten und sehen, was geschieht.
Aber bis jetzt sind wir noch nicht so weit. Natürlich
machen wir Pläne für verschiedene Eventualitäten,
aber das ist immer der Fall und sollte klugerweise auch
getan werden.
Frage: Ich verstehe, daß es den einzelnen Ländern
überlassen werden sollte, ihre Absichten im Hinblick
auf die multinationale Streitmacht bekanntzugeben.
Meines Wissens wollten die Saudis aber eine arabische Komponente in dieser Streitmacht. Ist das wirklich der Fall, und wird es eine solche Komponente
geben?
Antwort: Sie haben uns das nicht gesagt, aber es
wäre überhaupt keine Überraschung, wenn es eine
arabische Komponente in dieser Streitmacht gäbe.
Frage: Aber gegenwärtig gibt es sie nicht?
Antwort: Ich möchte dazu keinen Kommentar abgeben - weil meines Erachtens die Bekanntgabe aller
Komponenten von den beteiligten Ländern erfolgen
sollte.
Frage: Würden Sie es nicht im weitesten Sinne als
arabisch definieren, wenn sie kein Land nennen wollen?
Antwort: Nein, ich habe Ihnen bereits gesagt, daß es
mich nicht überraschen würde, aber es wäre mir lieber,
wenn die Erklärungen von anderen kämen. Meiner
Ansicht nach ist es wichtig, daß der Schwerpunkt auf
Saudi-Arabien und auf dem Verteidigungscharakter
der Maßnahme liegt, die wir mit diesen Streitkräften
ergriffen haben.
Frage: Sie haben uns mehrmals von Saddam Husseins Lügen gegenüber anderen Staatsmännern und
den Vereinigten Staaten im Hinblick auf seine Absichten berichtet. Warum glauben Sie nun die Stellungnahmen der irakischen Regierung, sie würden Amerikaner gehen lassen, wenn es keine Anzeichen dafür
gibt?
Antwort: Ich bin nicht sicher, ob ich Ihnen glauben
soll. Ich hoffe, sie sagen die Wahrheit.
Frage: Liegen Ihnen Hinweise aus geheimdienstlichen oder irgendwelchen anderen Quellen vor, die auf
Bewegungen von Amerikanern oder anderen (...) hindeuten.

Antwort: Ich bin über den Transport einiger Ausländer
informiert worden und hoffe, daß es sich um Amerikaner handelt.
Frage: Herr Präsident, Sie haben heute morgen in
Ihrer Rede erklärt, daß weder die Marionettenregierung in Kuwait noch die Annexion von Territorium
akzeptabel ist. Gleichzeitig haben Sie jedoch darauf
verwiesen, daß die Stationierungen insgesamt defensiven Charakter haben. Die Frage ist, wie wollen Sie
Hussein zum Abzug aus Kuwait zwingen?
Antwort: In diesem Falle können Wirtschaftssanktionen, wenn sie in vollem Umfang angewendet werden,
sehr, sehr wirkungsvoll sein. Im Hinblick auf die
Ölvorkommen ist dies ein reiches Land. Sie sind aber
auch in gewisser Weise ein armes Land, weil er einen
Großteil der Ressourcen für die Militärmacht verschwendet, und es liegen Anzeichen dafür vor, daß er
den Engpaß zu spüren beginnt. Niemand kann auf
Dauer mit großen wirtschaftlichen Entbehrungen leben.
Frage: Dazu habe ich noch eine kurze Frage. Können
Sie - wollen Sie Präventivschläge gegen Irak ausschließen?
Antwort: Ich möchte hier keine Hypothesen aufstellen. Wir haben darauf geachtet, das nicht zu tun, und
ich werde darauf nicht antworten.
Frage: Herr Präsident, könnten Sie uns die genaue
militärische Zielsetzung dieser Mission erläutern?
Werden die US-Streitkräfte nur dort bleiben, bis Saddam Hussein seine Truppen von der saudiarabischen
Grenze abzieht?
Antwort: Das kann ich nicht beantworten, weil wir mit
diesen Truppen ein bestimmes Ziel verfolgen, das in
der Verteidigung Saudi-Arabiens besteht. Es geht also
um mehr als um die Frage von Panzern an der Grenze.
Umfangreiche Luftstreitkräfte, zum Beispiel.
Frage: Bereiten Sie sich auf einen längeren Landkrieg
am Persischen Golf vor?
Antwort: Ich bereite mich nicht auf einen längeren
Landkrieg im Persischen Golf vor. Jetzt findet dort
überhaupt kein Krieg statt.
Frage: Ich möchte nur fragen, ob Sie dem amerikanischen Volk erklären können, wie Ihre militärische
Zielsetzung im einzelnen aussieht?
Antwort: Mein militärisches Ziel gilt der Verteidigung
Saudi-Arabiens - das militärische Ziel. Unser übergeordnetes Ziel besteht darin, daß Saddam Hussein das
Land verläßt und das rechtmäßige Regime Kuwaits
wieder eingesetzt wird.

Seite 3

�;
Frage: Herr Präsident, können Sie uns sagen, was
den US- und den saudischen Truppen gegenübersteht? Sie haben Boden-Boden-Raketen erwähnt und
bereits auf die Fähigkeit der Irakis zum Einsatz chemischer Waffen hingewiesen. Mit was müssen Sie
rechnen? Und der zweite Teil meiner Frage lautet, ob
wir Saddam Hussein mißverstanden haben? Vor
einigen Monaten hat sich die Administration beim
Kongreß gegen Schritte verwandt, die auf Sanktionen
gegen den Irak abzielten.

Frage: Herr Präsident, hat diese Situation im Mittleren
Osten irgendwelche nationalen Auswirkungen auf die
Haushaltsverhandlungen, das Defizit, die Mineralölsteuer oder andere Bereiche?

Antwort: Ich werde die Frage zu Details des militärischen Problems nicht beantworten, weil wir darüber
vom Pentagon eingehend informiert werden - meiner
Ansicht verfügt man dort über die besseren Mittel, um
diese Details abzuhandeln.

Frage: Herr Präsident, die nationalen Sicherheitsexperten erklären, daß diese Krise einmal mehr die
Verwundbarkeit - die kontinuierliche Verwundbarkeit der Ölfelder im Mittleren Osten demonstriert. Deutet
das nicht darauf hin, daß diese jetzt von Ihnen entsandten Streitkräfte - oder zumindest Teile davon einige Zeit dort bleiben werden, um den Öltransport
sicherzustellen?

Zweifelsohne haben wir im Hinblick auf Saddam Hussein alles versucht, um herauszufinden, ob nicht eine
Möglichkeit für etwas bessere Beziehungen besteht.
Ich bedaure nicht, Gespräche angestrebt zu haben,
die zu einem besseren Verhältnis führen sollten. Aber
sie mußten in dem Moment beendet sein, als die
Aggression stattfand. Abertrotz der Tatsache, daß wir
alles versucht haben, um das Verhältnis in den letzten
Jahren zu verbessern, sind wir in bezug auf seine
Absichten sehr argwöhnisch.
Frage: Aber hat unser Geheimdienst versagt - oder
wußten Sie, was passieren würde? Wann haben Sie
erste Hinweise erhalten? Auf den Angriff auf Kuwait
und das übrige?
Antwort: Ich fühle mich nicht vom Geheimdienst im
Stich gelassen. Wenn man einen Angriff im Stil eines
Blitzkriegs um 2 Uhr morgens plant, ist es schwierig,
damit aufzuhören, insbesondere, wenn sie gerade das
Ehrenwort der Beteiligten erhalten haben, zu einem
solchen Angriff werde es nicht kommen. Meiner
Ansicht nach gebührt dem Geheimdienst Lob für seine
Informationen über die umfangreiche Aufrüstung. Diese
Informationen wurden den entsprechenden Stellen
übermittelt, aber es ging alles so schnell, daß es
schwierig war, es aufzuhalten. Ich kann unserem
Geheimdienst wirkich keinen Vorwurf machen.
Frage: Herr Präsident, Sie haben heute morgen
erklärt, unsere Soldaten würden auch andere Freunde
im Golf verteidigen. Betrachten wir die US-Streitkräfte
als Garant für den Frieden im Golf?
Antwort: Unserer Ansicht nach sollen sie SaudiArabien verteidigen, und ihre Präsenz wird hoffentlich
weitere Abenteurer gegen jeden anderen Staat am
Golf abschrecken.
Frage: Welche anderen Länder sind wir bereit, im Golf
zu verteidigen?
Antwort: Ich werde Ihnen keine Liste vorlegen, aber
wir sind sicherlich an der Freiheit und Unabhängigkeit
aller Länder im Golf-Kooperationsrat interessiert.

Seite 4

Antwort: Eine Operation dieser Art ist äu ßerst kostenintensiv. Ich habe bereits um Voranschläge der entsprechenden Kosten gebeten, aber wie diese auch
ausfallen mögen - wir müssen sie zahlen. Aber Zahlen
liegen mir noch nicht vor.

Frage: Sie können das so interpretieren. Ich möchte
nicht sagen, daß dies meiner Ansicht nach das Ergebnis sein wird, denn wenn es diesen Rückzug gibt, den
die Welt fordert, wenn die Sanktionen Wirkung zeitigen, würde man damit das Risiko künftigen Abenteuerfilms begrenzen.
Frage: Was Ihre Forderung an die ölproduzierenden
Länder, die Fördermenge zu erhöhen, betrifft - denken
Sie, daß sie dies sofort tun werden?
Antwort: Meiner Ansicht nach wird es sehr bald dazu
kommen. Ich weiß nicht, wie es heute ...
Frage: Können wires uns angesichts einer Wirtschaft,
die am Rande der Rezession steht, leisten, die Steuern
zu erhöhen oder die Ausgaben zu beschränken? Würde
damit nicht das Risiko für eine scharfe Rezession
steigen?
Antwort: Meiner Meinung nach ist es absolut erforderlich, zu einer Einigung beim Haushalt zu kommen,
und dazu werden zahlreiche Kompromisse und viele
prinzipielle Erwägungen erforderlich sein. Aber wie
Sie wissen, will ich meine Haltung zum Haushalt hier
nicht darlegen, nicht, weil ich mich nicht an eine
Übereinkunft gebunden fühle, sondern weil ich Ihnen
vermitteln möchte, sie sehr mir daran liegt. Aber das
möchte ich nicht hier und heute erörtern. Ich möchte
dazu nicht in dieser Pressekonferenz Stellung nehmen, weil hier die Sorge der Welt über den Mittleren
Osten im Vordergrund stehen soll. Aber ich fühle mich
als freier Mensch. Ich fühle mich nicht gebunden an...
Frage: Warum nicht?
Antwort: Darf ich meinen Satz zuende führen? Ich
fühle mich nicht an ein Abkommen gebunden, das
nicht länger gültig ist, was ich auch den Abgeordneten
im Kongreß erklärt habe. Wir haben eine Meinung
dazu gehört, hauptsächlich von den Demokraten im
Kongreß. Und jetzt wollen Sie die andere Meinung

�hören, aber das kann nicht heute sein. Sie müssen
dranbleiben.

Staaten haben eindeutig Position bezogen, und wir
bekommen dafür weltweite Unterstützung. Darüber
bin ich sehr erfreut. Aus großen und kleinen Ländern.
Die Reaktion der ganzen Welt war ausgezeichnet.
Und ich hoffe, daß es dazu führt, da ß Saddam Hussein
oder besonnenere Köpfe im Irak verstehen, daß dieses Verhalten einfach inakzeptabel ist und erkennen,
wohin das führt.

Frage Herr Präsident, um aut das Thema zurückzukommen, sind Sie der Ansicht, daß die infolge der
Probleme im Persischen Golf gestiegenen Ölpreise
unser Land in die Rezession treiben könnten?

•»

'

Antwort: Dazu liegen mir noch keine Informationen
vor. Ich hoffe, daß das nicht der Fall ist, und ich hoffe,
daß die Ölpreise wieder sinken, wenn klarwird, daß es
keine Engpässe gibt. Gegenwärtig gibt es auf dem
Markt - gottseidank - Öl im Überf lu ß. Wir verfügen über
eine Ölreserve für Strategische Zwecke, auf die wir
zurückgreifen können. Andere Länder haben etwas
Ähnliches. Und ich hege die Hoffnung, daß dieser
schnelle Anstieg der Ölpreise nicht permanenten
Charakter bekommt, und ich denke, wenn die Welt
Zusicherungen bekommt, daß es keine dramatischen
Engpässe gibt - oder Ölkrisen - die Dinge auf dem
Markt wieder ihren normalen Lauf nehmen werden.

Frage: Wenn ich das richtig verstehe, liefern wir die
meisten Nahrungsmittel an den Irak, mit Hilfe langfristiger und kurzfristiger Zahlungsbedingungen und Subventionen, auch Krediten. Das heißt, sie haben von
unseren Farmern zu vielleicht günstigen Bedingungen
Nahrungsmittel und viele andere Produkte bekommen, mit Hilfe des Landwirtschaftsministeriums. Könnten
Sie vielleicht auf die Auswirkungen unseres Embargos
eingehen? Was schulden uns die Irakis für diese
Nahrungsmittel?
Antwort: Ich weiß nicht, wieviel sie uns für Nahrungsmittel schulden, aber ich weiß, daß dieses Embargo,
wenn es Erfolg zeitigen soll, alles einbeziehen muß.
Wenn damit ein humanitäres Problem verbunden ist hungernde Kinder oder andere Probleme - dann werde
ich es überdenken. Aber ansonsten wird cieses Embargo
umfassend sein und auch Nahrungsmittel beinhalten.
Ich weiß nicht genau, wieviel uns der Irak für Nahrungsmittel schuldet. In normalen Zeiten sind wir
immer davon ausgegangen, daß Nahrungsmittel Getreide, Weizen - von anderen Wirtschaftssanktionen unberührt bleiben. Aber diesmal ist es allumfassend, und die UNO-Resolution spricht eine deutliche
Sprache.

Frage: Angenommen, wir erreichen das Ziel eines
Abzugs irakischer Truppen aus Kuwait, dann steht
Saddam Husein immer noch an der Spitze einer Armee
von Millionen Soldaten, die er auch einsetzen möchte.
Was wird langfristig geschehen, und wird es möglich
sein, Saddam Hussein die Macht zu entreißen?
Antwort: Wenn diese internationale Lektion Früchte
trägt, wird Saddam Hussein sich in Zukunft anders
verhalten. Und deshalb ist die konzertierte Aktion der
Vereinten Nationen so wichtig. Außerdem ist sie seit
23 Jahren nicht mehr dagewesen.
Wir sehen zwar vielleicht noch kein Licht am Horizont,
aber wir haben eine Grenze gezogen. Die Vereinigten

* *

*

Seite 5

�</text>
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8. August 1990

31

IRAK-UNO

UNO-SANKTIONEN FORDERN
"EXTREM HOHEN PREIS" VON IRAK
Erklärung von UNO-Botschafter Pickering

IRAK

DIE IRAKISCHE INVASION IN KUWAIT
Amerikanische Pressestimmen

SICHERHEITSPOLITIK

BUSH UMREISST UMSTRUKTURIERUNG DER
US-VERTEIDIGUNGSFÄHIGKEIT
Rede des Präsidenten vor dem Aspen-Institut

RICHTIGSTELLUNG

AMERIKA DIENST 29 VOM 25. JUL11990
Chemische Waffen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�cimGfikci
U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

dienet

An unsere Leser
in eigener Sache

Bonn, den 8. August 1990

LESERUMFRAGE

Die Amerika Dienst-Redaktion dankt allen Beziehern für die große
und außerordentlich positive Resonanz auf die im Februar 1990
durchgeführte Leserumfrage.
Insbesondere gebührt unseren Lesern Dank für die zahlreichen
Anregungen und Vorschläge, die im Rahmen des Möglichen
Berücksichtigung finden werden.
Die vielfach bemängelte neue Heftung des Amerika Dienstes hat
versandtechnische und Kostengründe, für die wir um Verständnis bitten.

Für Ihre Kooperation nochmals vielen Dank!

William Bach
Stellvertretender Presseattache

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-33923 66
Telex: 8-85432

�IRAK-UNO
8. August 1990

UNO-SANKTIONEN FORDERN
'EXTREM HOHEN PREIS" VON IRAK
Erklärung von UNO-Botschafter Pickering
NEW YORK - (AD) - Aufgrund der durch die Invasion und Besetzung Kuwaits durch den Irak hervorgerufenen
Bedrohung für "wirtschaftliches Wohlergehen und Stabilität" der Welt haben die Vereinigten Staaten am 6.
August 1990 für die unverzügliche Anwendung der Resolution 660 des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen
gestimmt, in der Sanktionen gegen den Irak gefordert werden.
In seiner Erklärung vor dem Sicherheitsrat betonte der amerikanische UNO-Botschafter, Thomas Pickering,
unter anderem: "Der Irak muß lernen, daß er für seine Mißachtung des Völkerrechts einen extrem hohen
politischen und wirtschaftlichen Preis zahlen mu ß, unter anderem - aber nicht ausschließlich - die Einstellung von
Waffenlieferungen." Mit ihrer gemeinsamen Entschlossenheit demonstriere die internationale Staatengemeinschaft, daß sie den Einsatz von Gewalt, Zwangsmaßnahmen und Einschüchterung durch Bagdad nicht
hinzunehmen gewillt ist.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Botschafter Pickering vor dem Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen im Wortlaut:

Herr Präsident, meine Regierung hat zusammen mit
neun anderen Staaten die heute zur Beschlußfassung
vorliegende Resolution eingebracht, mit der auf die
unverfrorene Aggression des Iraks gegen Kuwait, ein
souveränes Mitglied der Vereinten Nationen sowie auf
die inakzeptable Nichteinhaltung der Resolution 660
durch den Irak reagiert werden soll, einer Resolution,
deren Einhaltung für alle Mitgliedstaaten Pflicht ist. Mit
seinen Handlungen hat Saddam Hussein die strategisch entscheidende Region am Persischen Golf in
eine Krise gestürzt. Als Folge sind heute dreißig
Prozent der Ölförderung in dieser Region unter irakischer Kontrolle. Damit werden wirtschaftliches Wohlergehen und Stabilität weltweit bedroht.
Diese Handlungen fanden statt, nachdem der Irak vor
elf Tagen erklärt hatte, er werde nicht in Kuwait einmarschieren. Am Freitag verkündete Radio Bagdad, man
werde sich am Sonntag aus Kuwait zurückziehen.
Auch das entsprach nicht der Wahrheit. Heute werden
die irakischen Truppen in Kuwait verstärkt und ihre
Stellungen ausgebaut. Für andere Staaten in der
Region bedeuten sie eine gefährliche Provokation. Die
Staatengemeinschaft glaubt keiner Erklärung, die das
Bagdader Regime in dieser Angelegenheit abgibt.

AMERIKA DIENST 31

Mit dieser Resolution verlangt die internationale Staatengemeinschaft die unverzügliche Anwendung der
Resolution 660 des Sicherheitsrats der Vereinten
Nationen. In zahlreichen Erklärungen einzelner Staaten in aller Welt, der Europäischen Gemeinschaft, des
Golf-Kooperationsrats, der Arabischen Liga und der
Blockfreien wird die irakische Invasion verurteilt. Mit
unserer heutigen Resolution werden wir ihren Verurteilungen dieser Invasion und ihren - und unseren Forderungen nach unverzüglichem und bedingungslosem Abzug Nachdruck verleihen.
Vielfach wird die Hoffnung geäußert, daß Bagdads
angebliche Versprechungen zum unmittelbaren und
unverzüglichen Abzug ohne internationalen Nachdruck
erfüllt werden. Die Realität steht jedoch dazu im
Widerspruch. "Versprechungen", nicht einzumarschieren und nachfolgende "Versprechen" über einen Abzug
haben sich als Lüge erwiesen. In nur sechs Stunden
hat der Irak Kuwait erobert und innnerhalb von vierundzwanzig Stunden eine "provisorische Regierung", ein
Marionettenregime, eingesetzt. Nach 48 Stunden
wurden irakische Truppen - mehr als 100 000 Mann "auf freiwilliger Basis rekrutiert", um den rasch zusammengestellten Vasallen zu dienen und zursaudiarabi-

Seite 1

�sehen Grenze im Süden vorzudringen.
Darüber
hinaus hat der Irak Geiseln genommen und mehr als
eine Million Ausländer bedroht. Iraks Vasallen haben
erklärt, sich nicht ehrenhaft verhalten zu wollen, wenn
die internationale Staatengemeinschaft auf den irakischen Angriff antworten will.
Der Irak hat die Resolution 660 des UNO-Sicherheitsrats ebenso abgelehnt wie die Mahnungen dereigenen
Region und der Blockfreien. Sie sind der Welt mit
Verachtung entgegengetreten Der Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen erklärt heute einstimmig, daß die
Gemeinschaft zivilisierter Länder dieses Verhalten
nicht dulden wird. Niemals und nirgendwo. Mit dieser
Resolution erklären wir dem Irak, die uns in Artikel 7
der Charta der Vereinten Nationen zugestandenen
Mittel zu nutzen, um Resolution 660 des UNO-Sicherheitsrats durchzusetzen.
Der Irak muß lernen, daß er für seine Mißachtung des
Völkerrechts einen extrem hohen politischen und wirtschaftlichen Preis zahlen muß, unter anderem - aber
nicht ausschließlich - die Einstellung von Waffenlieferungen. Unsere konzertierte Aktion wird demonstrieren, daß die internationale Staatengemeinschaft Bagdads Präferenz für den Einsatz von Gewalt, Zwang
und Einschüchterung jetzt und in Zukunft nicht duldet.

* *

Seite 2

Herr Präsident, die heutige Resolutton ist bindend für
alle Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen. Wie Sie
wissen, hat meine Regierung schneU gehandelt, um
die gesamten irakischen und kuwartischen Vermögenswerte einzufrieren. Sie hat ferner den Handel mit
Irak untersagt und begrü ßt, daß viele Regierungen ihre
Entscheidung bekanntgegeben haben, keine Waffen
mehr an den Irak liefern zu wollen. Der Sicherheitsrat
ist heute zusammengetreten, um all unsere Aktionen
zu bündeln und durchzusetzen. Den Übergriffen des
Iraks muß Einhalt geboten werden, bevor der Irak
oder andere zu dem Schluß kommen, ihren Willen
durchsetzen zu können. Unsere Verpflichtung gegenüber Kuwait, einem souveränen Mitgliedstaat dieses
Gremiums, bedingt die Durchführung der Resolution
660 des UNO-Sicherheitsrats und die Wiederherstellung der legitimen Autorität, Souveränität und territorialen Integrität Kuwaits. Mit unseren heute getroffenen Maßnahmen versichern wir der legitimen
kuwaitischen Regierung, daß die irakische Invasion
eine internationale Reaktion nach sich ziehen wird.
Und wir erklären mit unseren heutigen Maßnahmen,
daß wir keine Fortsetzung oder Wiederholung dieser
Aggression dulden werden.
Herr Präsident, ich danke Ihnen.

* *

*

AMERIKA DIENST 31

�IRAK
8. August 1990

DIE IRAKISCHE INVASION IN KUWAIT
Amerikanische Pressestimmen
Die Zeitungen in den Vereinigten Staaten nehmen in ihren Leitartikeln gegenwärtig zum irakischen Einmarsch
in Kuwait und dessen Auswirkungen auf die Ölversorgung der Welt Stellung. Nachfolgend veröffentlichen wir
einige Pressestimmen zu diesem Thema.

The New York Times
Präsident Bush hat im Hinblick auf Liberia am Wochenende das Richtige getan, indem erden Marineinfantristen Befehl gab, bedrohte Amerikaner zu evakuieren
und die US-Botschaft zu schützen. Darüber hinaus
sendet er damit ein nützliches Signal über die Bereitschaft der Vereinigten Staaten aus, angemessene
militärische Mittel zur Verteidigung eindeutiger nationaler Interessen einzusetzen.
Im Kontext der gefährlichen internationalen Krise, die
mit dem Einmarsch des Iraks in Kuwait ausgelöst
wurde, könnte dieses amerikanische Signal zu einer
schnellen und angemessenen internationalen Reaktion beitragen. Der irakische Diktator Saddam Hussein
kümmert sich wohl wenig um die internationale Meinung. Aber er wird wohl auf der Hut sein, wenn
potentielle Gegner die Zähne zeigen ...
Der Präsident hat sich geweigert, den Einsatz amerikanischer Streitkräfte in der Kuwaitkrise auszuschließen, insbesondere wenn Saudi-Arabien in irgendeiner
Weise bedroht wird. Die unmittelbare Reaktion der
Sowjetunion, der Europäischen Gemeinschaft und
des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen auf die
Invasion zeigt, daß dies nicht allein die Botschaft
Amerikas ist.
The Wall Street Journal
Vielleicht hat Saddam Hussein der Welt einen Gefallen
getan. Die irakische Invasion in Kuwait ist der erste
große Akt der Aggression im Zeitalter nach dem kalten
Krieg. Wir könnten auch erstmals Zeugen werden, wie
einzelne Länder in der neuen Weltordnung ihre Interessen definieren und welche Auswirkungen dies auf
Piraterie und Terrorismus hat.
AMERIKA DIENST 31

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann man dazu nur die
vagesten Vermutungen anstellen. Die politische
Atmosphäre im Mittleren Osten ist unbeständiger als je
zuvor. Hussein könnte noch mehr Überraschungen
bereithalten. Es besteht kaum die Aussicht, daß ihm
seine Beute bald wieder abgenommen werden kann,
auch wenn der versprochene Truppenabzug in die Tat
umgesetzt wird. Dennoch ist es ziemlich beeindrukkend, wie bemerkenswert positiv die weltweite Reaktion auf die Invasion war.
Zumindest bis heute gab es nur wenige Länder, die
sich in ängstliches Schweigen hüllen oder Zuflucht in
diplomatischen Floskeln suchen, die diese Ereignisse
bisher zu begleiten pflegten. Der Irak wurde nahezu
überall verurteilt, und viele Nationen waren nur allzu
gern zu wirtschaftlichen Strafmaßnahmen gegenüber
dem Irak bereit.
Obwohl die weltweite Reaktion Saddam Hussein nicht
in seine Schranken zurückweist, ergeben sich damit
doch Möglichkeiten für eine Führungsrolle in dieser
Frage. Vielleicht wird diesmal die französische Regierung amerikanischen F-111 das Überfliegen des Territoriums gestatten. Angesichts der von Präsident
Bush ins Gespräch gebrachten Möglichkeit, irakische
Ölexporte durch Sperrung der Pipelines durch die
Türkei zu verhindern, wäre dies ein guter Augenblick
für die NATO. Sie könnte bekräftigen, daß ein Angriff
auf die Türkei ein Angriff auf ein NATO-Land und
vertragsgemäß ein Angriff auf alle sei.
Die gute weltweite Reaktion schafft unter Umständen
ein Klima für Konsultationen und konzertierte Aktionen
... aber die Vereinigten Staaten müssen erkennen, daß
die Hauptverantwortung für eine Führungsrolle immer
noch bei ihnen liegt. Wir können uns nicht vorstellen,

Seite 1

�daß die Bundesrepublik Deutschland als weithin gefeierte neue Großmacht es freiwillig mit dem Tyrann von
Bagdad aufnimmt.
The Christian Science Monitor
Die meisten Länder haben den Irak für seinen in der
letzten Woche geführten Blitzkrieg gegen Kuwait verurteilt. Jetzt muß die internationale Staatengemeinschaft den Verurteilungen Taten folgen lassen, einschließlich erheblicher Wirtschaftssanktionen und der
Aufstellung von Streitkräften, um weiteren Angriffen
des ehrgeizigen und skrupellosen irakischen Führers
Saddam Hussein entgegenzutreten ...
Für die Industrieländer bestanden die unmittelbaren
Auswirkungen der irakischen Invasion in Störungen
auf dem Weltmarkt für Öl. Die Ölpreise steigen bereits
angesichts der irakischen Kontrolle über kuwaitische
Ölfelder.
Außer den Auswirkungen auf die Ölpreise fordert
Husseins brutales Vorgehen die internationalen Maßstäbe im Hinblick auf die Beilegung von Streitigkeiten
heraus. Die internationale Staatengemeinschaft muß
diese Werte hochhalten, oder sie wird ihre moralische
Autorität und ihren politischen Einfluß verlieren.
Obgleich eine arabische Reaktion begrüßenswert wäre,
scheint der Löwenanteil der Verantwortung der internationalen Staatengemeinschaft zuzufallen, dem Irak
auf koordinierte und disziplinierte Weise Widerstand
zu leisten. Ein Embargo gegen irakisches Öl und
andere Wirtschaftssanktionen werden nicht leicht
aufrechtzuerhalten sein, sind aber wichtig. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen unterstützt diese
Maßnahmen. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion stehen in diesem Zeitalter nach dem kalten Krieg
zusammen.
The Los Angeles Times
Als Washington und Moskau anfingen, Frieden zu
schließen, warnten einige Militärexperten davor, die
Abwehr regionaler Kriege könnte eines Tages den
kalten Krieg als Zuckerschlecken erscheinen lassen.
Angesichts des irakischen Übergriffs auf das benachbarte Kuwait in dieser Woche müssen Länder, die
Gesetze respektieren, diese Warnung ernst nehmen.
Nukleare Abschreckung hieß, die richtige Anzahl von
Nuklearraketen zur Verfügung zu haben, um nach
einem Überraschungsangriff zurückschlagen zu können - und das heißt es in geringerem Umfang auch
heute noch. Die Wahl der richtigen Anzahl beschäftigte die fähigsten Strategen im Lande, und obwohl es
sich hierbei immer um eine ungenaue Wissenschaft zu
handeln schien, funktionierte es.
... Theoretisch können die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten eine konventionelle Abschreckung
entwickeln, die genauso gut funktioniert wie eine strategische Abschreckung.
Seite 2

Aber insbesondere in einer Region wie dem Mittleren
Osten mit seiner Politik des Mi ßtrauens und der langen
Geschichte religiöser Konflikte und Stammesfehden,
ist die Praxis von der Theorie weit entfernt. Die Zahl
der Orte ist eng begrenzt, wo Waffen und anderes
Gerät für den Ernstfall stationiert werden können (in
Stellung gebracht, wie das Pentagon es nennt), wie es
in NATO-Ländern der Fall ist. Schnelles Eingreifen ist
im Mittleren Osten schwieriger, weil königliche Familien in der Region eher ihrem Instinkt folgen und ihre
Konflikte durch Feilschen lösen als mit Waffen.
Schließlich wird konventionelle Abschreckung nicht
nur komplizierter als im Zeitalter des kalten Krieges,
sondern auch teurer. Etwa 20 Prozent des Pentagonhaushalts fließt in die strategischen Streitkräfte.
Konventionelle Abschreckung ist nicht leicht. Glücklicherweise unterstützen andere Nationen mit Interesse
am Frieden im Mittleren Osten, einschließlich der
Sowjetunion, Präsident Bushs Forderung nach Maßnahmen gegen den Irak, die einer Quarantäne gleichkommen. Damit sollte Zeit für Anpassungsmaßnahmen gewonnen werden, solange das Glück der Industrieländer anhält. Aber Washington muß diese Zeit
nutzen, um im Hinblick auf die Zukunft grundsätzliche
Anpassungen bei seiner Verteidigungsstruktur vornehmen zu können - einer Zukunft, die plötzlich viel
unmittelbarer und eindringlicher und weniger theoretisch und wissenschaftlich ist.
The Boston Globe
Der Anstieg der Ölpreise - drei Dollar pro Barrel in
wenigen Stunden - war nach dem irakischen Einmarsch in Kuwait zu erwarten. Einzelne Märkte reagieren sofort auf unvorhergesehene Ereignisse. Der
Schlüssel zur Dämpfung dieser Entwicklungen liegt in
der Gewißheit, daß die Ölversorgung nicht ernsthaft
unterbrochen wird und daß Engpässe bei einer Quelle
aus einer anderen gelöst werden können. Die von den
Vereinigten Staaten für strategische Zwecke angelegte Ölreserve im Umfang von einer Milliarde Barrel kann
dies leisten.
Die Reaktion auf seine (Saddam Husseins) Invasion
wird primär ökonomisch sein müssen, wenn sie erfolgreich sicherstellen will, daß sich die irakischen Streitkräfte letztlich wirklich aus Kuwait zurückziehen werden, obwohl ein Plan zum baldigen Abzug bereits
verkündet wurde. Ein Boykott der Öllieferungen aus
irakischen und kuwartischen Quellen, die täglich etwa
4 Millionen Barrel für den Export bereitstellen, würde
Ersatzlieferungen aus anderen Quellen erfordern wobei Saudi-Arabien der naheliegendste Kandidat ist,
da es seine Produktion um genau diese Menge gedrosselt hat. Eine Wiederinbetriebnahme dieser Quellen
wird jedoch Zeit erfordern, und die Marktpreise werden
hoch bleiben bis dieses ö l in den Handel kommt.
Zwischenzeitlich bietet die strategische Reserve der
Vereinigten Staaten ein Polster, das zur Sättigung des
AMERIKA DIENST 31

�gegenwärtigen Bedarfs und zur Stabilisierung der Preise
beitragen würde. Schon das Wissen, daß die Reserve
angezapft wird, würde Spekulanten davon abhalten,
rasche Profite auf Kosten derjenigen zu erzielen, die
unabhängig vom Preis auf Öl angewiesen sind.
The Baltimore Sun
Der Donner der irakischen Geschütze bei der Invasion
Kuwaits am Donnerstag war weithin hörbar. Die Stille
der von dem Diktator Saddam Hussein eingeschüchterten arabischen Staaten war ohrenbetäubend.
Souveränität und Integrität eines arabischen Staats
wurden zerschlagen...
. Arabische Führer, die Usurpation tolerieren, untergraben ihre eigene Legitimität. Wenn König Fahd dem
Erlaß der irakischen Schulden an Kuwait in Höhe von
15 Milliarden Dollar zustimmt, dann schreibt er damit
zugleich die noch höheren Schulden des Iraks an
Saudi-Arabien ab.
Die gemeinsame Moskauer Erklärung der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten war das erste Beispiel
der Art von verstärkter Zusammenarbeit, wie sie von
den Au ßenministern Baker und Schewardnadse angestrebt wurde. Angesichts der amerikanisch-sowjetischen Konfrontationen in der Vergangenheit war sie
geradezu elektrisierend, indem sie "die internationale
Staatengemeinschaft auffordert, mit uns gemeinsam
alle Waffenlieferungen an den Irak einzustellen". Die
Sowjetunion war der größte Waffenlieferant des Iraks
und hätte noch vor wenigen Jahren die Invasion begrüßt. Die Vereinigten Staaten neigten während des
Kriegs zwischen Irak und Iran zu stark zur Begünstigung des Iraks.
Um Recht und Gesetz wiederherzustellen, muß sich
der Irak völlig und bedingungslos zurückziehen. Er hat
keine Recht, dort zu sein, keinen Anspruch auf das Öl
oder die Bankkonten Kuwaits. Präsident Hussein
möchte der größte Führer der arabischen Welt sein.
Jeden Tag, an dem seine Truppen in Kuwait stehen, ist
er ihr größter Verbrecher.
The Philadelphia Inquirer
Eines der Schlagworte des neuen Jahrzehnts heißt
Interdependenz. Es bedeutet, daß in einer Welt der
Glasfaserkabel und des Reisens im Überschalltempo
die Probleme eines Landes zunehmend Rückwirkungen auf alle anderen haben.
... Saddam Husseins grandiose Träume von der Macht
könnten für einen Großteil der Weltbevölkerung negative Folgen haben.
Aber kann sich die Welt gegen weltweite Bedrohungen
zusammenschlie ßen ?
Wenn die Bedrohung in den Bereich der Wissenschaft
fällt, können Ausschüsse gebildet werden, um die

AMERIKA DIENST 31

Gefahr zu untersuchen, und die Politiker haben Zeit,
um hinter den Kulissen zu wirken. Husseins Invasion
von Kuwait und die Drohung, daß er auch nach SaudiArabien marschieren und sich dadurch die Kontrolle
über die Hälfte der Weltölvorräte sichern könnte, verlangen jedoch eine unverzügliche und eindeutige Antwort.
Solange aber nicht die Welt gemeinsam handelt, ist er
nicht aufzuhalten.
Die unmittelbare Frage betrifft Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak. Die Vereinigten Staaten möchten, daß
der UNO-Sicherheitsrat umfassende Wirtschafts- und
Finanzsanktionen gegen den Irak verhängt....
Diese könnten Auswirkungen zeitigen. Der Irak ist
verwundbar, belastet mit immensen Kriegsschulden.
Er importiert die Hälfte seiner Nahrungsmittel. Sanktionen werden jedoch nicht greifen, wenn sich nicht alle
Industriestaaten - und wichtige arabische Länder anschließen. Und sie können nicht funktionieren,
wenn die Vereinigten Staaten nicht bereit sind, ihrer
Politik Nachdruck zu verleihen, notfalls mit Gewalt...
Dies wird eine historisch einmalige Zusammenarbeit
mit der Europäischen Gemeinschaft und Japan erfordern. Ihnen müssen wir für ihren Beschluß Beifall
zollen, irakischen und kuwaitischen Besitz einzufrieren und ein Verbot von Ölkäufen aus dem Irak zu
unterstützen. Ein solches Embargo erfordert jedoch
ein langfristiges Engagement, selbst wenn die Ölpreise explodieren.
Können all diese Länder gegen die irakische Bedrohung zusammenhalten? Die Beantwortung dieser
Frage wird zeigen, ob die "Interdependenz" real existiert oder nur Wunschdenken ist.
The Washington Post
In den vergangenen Jahren wurde viel von der Waffe
Öl geredet. Im allgemeinen bezog man sich dabei auf
die Macht der Produzenten, durch eine Drosselung
des Angebots höhere Preise oder politische Zugeständnisse von ihren Abnehmern zu erzwingen. Wie
viele Waffen ist jedoch auch diese zweischneidig.
Auch die Abnehmer können die Waffe Öl einsetzen.
Keine Waffe ist billig. Diese wird ein ungewöhnlich
hohes Maß an Zusammenarbeit zwischen den Regierungen der Industriestaaten und die Bereitschaft erfordern, mit etwas weniger Öl auszukommen. Am Ende
wird sie sich jedoch als weit preiswerter erweisen als
die Verabschiedung einer Resolution, nach der man
sich gähnend zurücklehnt und mit den Irakern wieder
zur Tagesordnung übergeht.
Die Arithmetik eines Boykotts ist nichts Unmögliches.
Sicherlich, der Irak und Kuwait sind wichtige Förderländer. Zusammen fördern sie fast 5 Millionen der
etwas über 60 Millionen Barrel öl, die von der Welt Tag
für Tag produziert und verbrannt werden. Einige
Länder können jedoch, wenn sie dies wollen, mehr

Seite 3

�produzieren als sie dies zur Zeit tun. Die arabischen
Golfstaaten, insbesondere Saudi-Arabien, sind der
Schlüssel...
Ein allgemeines Embargo gegen Öl aus dem Irak und
seinem Gefangenen Kuwait wird höhere Preise bedeuten. Es ist schwer vorauszusagen, wieviel höher er
sein wird, da dies größtenteils von den Verbrauchern
abhängt. Wenn sie wie bei der letzten Ölkrise vor 11
Jahran in Panik verfallen und sich wie wild gegenseitig
übet bieten, könnten sie ein weiteres ökonomisches
Desaster hervorrufen. Wenn sie kühlen Kopf bewahren und 7"n'ickhaltung üben, kann der Preisanstieg in
veitreibaren Grenzen gehalten werden. Dies ist nicht
das Jahr 1979.
Nacl mehreren Jahren des billigen Öls wird die Welt
jetzt mehr zahlen messen. Gibt es dazu eine Alternative? DasVc ?piel zur irakischen Invasion Kuwaits war
^in Streit v ' n gegenwärfg; ) Ölpreis, den Saddam
jssein fü vi ^u niedrig hielt. Wenn er mit seinem
iminellen Vorgehen Erfolg hat. wird er seine neue
'agemonie am Golf sicherlich dazu benutzen, um die
-*:se weitr»- zu steigern. Ein höherer Ölpreis ist nicht
'oblem. Das einzige Problem besteht darin, ob
an c?n irakzah!°n.

jore Sun
... Die Vereinigten Staaten sind weiterhin durch einen
steilen Anstieg der Ölpreise verwundbar. Wenn überhaupt, dann ist das Land heute weniger darauf vorbereitet, mit einer unsicheren Ölversorgung fertigzuwerden, als vor 10 Jahren...
Nie wurde mehr Öl importiert. Importe betragen etwa
die Hälfte unseres täglichen Ölbedarfs. Die Vereinigten Staaten beziehen 731 000 Barrel pro Tag aus dem
Irak und Kuwait. Es konnte also nicht verwundern, daß
die Aktienkurse einbrechen, die Preise auf den RohölSpotmärkten explodieren und Besorgnis über die Folgen weiterer militärischer Maßnahmen im Golf um sich
greifen würden.

Die größte Sorge gilt vielleicht der Tatsache, daß das
kriegerische Auftreten des Iraks den wirtschaftlichen
Drahtseilakt der Administration aus dem Gleichgewicht bringen könnte. Sollten die ölpreise über 25
Dollar steigen (was von einigen Experten erwartet
wird), könnte die amerikanische Wirtschaft einen Anstieg
der Inflationsrate um zwei oder drei Prozent verzeichnen. Wirtschaftszweige wie die Automobil-, Chemieund Flugzeugindustrie könnten in den Abschwung
getrieben werden. Eine sich verlangsamende Wirtschaftstätigkeit könnte leicht zur Rezession führen.
Dank eines Überangebots an Öl auf den internationalen Märkten werden die Auswirkungen der irakischen
Invasion bis auf weiteres nicht voll zum Tragen kommen. Jedoch wird von Ölgesellschaften und -händlern
bereits ein scharfer Preisanstieg auf den Spotmärkten
erwartet. Die Kosten für den amerikanischen Autofahrer: Ein paar Pennies mehr an den Zapfsäulen in den
kommenden Wochen und etwa 10 Cents mehr pro
Gallone insgesamt..
Auch das amerikanische Handelsbilanzdefizit könnte
steigen. Bemühungen zur Reduzierung des Defizits
im Bundeshaushalt durch höhere Benzinsteuem könnten zunichte gemacht und damit die Defizitprobleme
des Landes noch verschärft werden. Auch die Hoffnungen von Regierungen der Bundesstaaten auf eine
Erhöhung der Benzinsteuern zur Finanzierung des
Straßenbaus könnten sich als trügerisch erweisen.
Es gibt keine Lösungen, die rasch zum Erfolg führen.
Eine starke Unterstützung für Maßnahmen zur Energieeinsparung könnte langfristig Abhilfe schaffen.
Dasselbe gilt für die Ermutigung der Erschließung
alternativer Energiequellen. Die Zeiten, in denen Öl für
15 Dollar pro Barrel zu haben war, sind jedoch vorbei.
Eine neue Ordnung entsteht innerhalb der OPEC und
in den ölreichen Golfstaaten. Beides bedeutet für die
amerikanische Wirtschaft nichts Gutes.

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 31

�S I C HE RH E I T S P O L I T I K
8. August 1990

BUSH UMREISST UMSTRUKTURIERUNG DER
US-VERTEIDIGUNGSFÄHIGKEIT
Rede des Präsidenten vor dem Aspen-Institut
ASPEN - (AD) - Präsident Bush zufolge hat der in der Welt von heute stattfindende Umbruch "unser Sicherheitsumfeld" verändert und erfordert die Umstrukturierung der Verteidigungsfähigkeiten.
In einer Rede bei dem vom Aspen-Institut veranstalteten Symposium erklärte der Präsident am 2. August 1990,
"um das gesamte Spektrum der vor uns liegenden Herausforderungen in den Griff zu bekommen, müssen wir
uns auf Einsatzbereitschaft und schnelles Eingreifen sowie Forschung konzentrieren".
Bush fuhr fort, die Vereinigten Staaten "werden ihre Truppen solange in Europa stationieren, wie unsere
Verbündeten dies wünschen und und brauchen", und außerhalb Europas müssen die Vereinigten Staaten
"Streitkräfte unterhalten, die auf Bedrohungen unabhängig davon reagieren können, aus welchem Teil der Welt
sie kommen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, mit Ihnen
gemeinsam das 40jährige Jubiläum des renommierten
Aspen-Instituts begehen zu können.
In diesen 40 Jahren stand Aspen als Symbol für den
Versuch, eine Brücke zwischen Wissenschaft und
Politik zu schlagen. Und natürlich für das Verständnis
der tiefgreifenden Veränderungen, die um uns herum
stattfinden. Denken Sie an die Schlagzeilen von vor40
Jahren - die Zeit der ersten Aspen-Konferenz im Jahr
1950. Nordkorea machte Ansprüche jenseits des 38.
Breitengrades geltend. Klaus Fuchs wurde gefaßt und
für die Weitergabe geheimer Informationen über die
Atombombe an die Sowjets veruteilt. Der kalte Krieg
- ein von Bernard Baruch in unser Vokabular eingeführter Begriff - stand als Synonym für einen bewaffneten
und unsicheren Frieden zwischen West und Ost.
Dies war die Welt, in der Aspen gegründet wurde - die
Welt, die Aspen studieren und gestalten wollte.
Die seitdem vergangenen 40 Jahre waren eine Zeit
außerordentlicher Fortschritte - und für die Nationen
des Westens eine Ära von beispiellosem Wohlstand,
Frieden und Freiheit. Gleichzeitig jedoch lebten wir in
einem Umfeld konstanter Spannungen, des kalten
Krieges und der Konflikte.

AMERIKA DIENST 31

Die Welt ist im Umbruch begriffen. Die jahrzehntealte
Teilung Europas ist überwunden - und das Zeitalter
des Aufbaus von Demokratien ist angebrochen. In
Deutschland - der geteilten Nation im Herzen eines
geteilten Kontinents - ist die Einheit jetzt gewährleistet
und die freie Entscheidung für die Vollmitgliedschaft in
der NATO ausgesprochen worden. Die Sowjetunion
befindet sich inmitten eines politischen und wirtschaftlichen Umbruchs, der zu nie gekannter Offenheit geführt hat - ein Prozeß, der gleichzeitig Hoffnungen und
Unsicherheiten in sich birgt.
Wir stehen in unserer Beziehung zur Sowjetunion an
einem historischen Wendepunkt. Heute habe ich mit
Jim Baker in Irkutsk gesprochen. Seine Gespräche mit
Außenminister Schewardnadse sind sehr positiv verlaufen. Meine Erörterungen mit Präsident Gorbatschow waren sehr offen und ehrlich. Alle Probleme
liegen auf dem Tisch - und wir schrecken auch vor den
schwierigen nicht zurück. Das war bisher das Geheimnis unseres Erfolgs, und auf diese Weise werden wir
mit der Zeit unsere Differenzen minimieren - und diese
historische Gelegenheit ergreifen, um dauerhaften
Fortschritt hervorzubringen.
Der Umbruch, von dem ich spreche, hat unser Sicherheitsumfeld verändert. Wir treten in ein neues Zeitalter

Seite 1

�ein: Die zur Gewährleistung des Friedens benötigte
Verteidigungsstrategie und Sicherheitsstruktur kann und muß - anders sein. Die Bedrohung einer sowjetischen Invasion in Westeuropa ohne oder nur mit
kurzer Vorwarnzeit scheint heute weiter entfernt als zu
jedem anderen Zeitpunkt der Nachkriegsgeschichte.
Mit dem Entstehen der Demokratie in Osteuropa hat
der Warschauer Pakt seine militärische Bedeutung
verloren - und nach über vier Jahrzehnten der Vorherrschaft werden die sowjetischen Truppen aus Mittelund Osteuropa abgezogen.
Die heute vor uns liegende Aufgabe lautet, unsere
Verteidigungsfähigkeiten an diese sich verändernden
strategischen Gegebenheiten anzupassen. In einer
Welt, die weniger von der unmittelbaren Bedrohung für
Europa und der Gefahr eines Weltkriegs geprägt ist einer Welt, in der der Umfang unserer Streitkräfte
zunehmend von regionalen Unwägbarkeiten und der
Präsenz in Friedenszeiten abhängt - haben wir erkannt, daß unsere Streitkräfte kleiner sein können.
Verteidigungsminister Cheney und General Powell
arbeiten hart daran, die genaue Zusammensetzung
der von uns benötigten Streitkräfte festzulegen. Ich
kann Ihnen jedoch bereits jetzt sagen, daß unsere
Sicherheitsbedürfnisse unseren Berechnungen zufolge bis zum Jahr 1995 von Streitkräften erfüllt werden
können, die verglichen mit heute um 25 Prozent reduziert sind. Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten
werden sich dann auf dem niedrigsten Niveau seit
1950 befinden.
Jetzt kommt es darauf an, wie wir die verbleibenden
Streitkräfte umgestalten. Unsere neue Strategie muß
den Rahmen für unseren beabsichtigten Abbau auf
das absolute Minimum an Streitkräften liefern, die wir
zur Wahrung unserer nach wie vor bestehenden Interessen benötigen - Streitkräfte, um Vorneverteidigung
in Schlüsselbereichen zu üben, wirksam auf Krisen zu
reagieren, um die nationale Kapazität zur Wiederaufstockung unserer Streitkräfte aufrechtzuerhalten, falls
dies erforderlich würde.
Den Vereinigten Staaten wäre mit Streitkräften schlecht
gedient, die nicht mehr sind als eine zurückgeschraubte oder abgespeckte Version derjenigen, die wir zum
gegenwärtigen Zeitpunkt unterhalten. Wenn wir unsere Reduzierungen schlicht und einfach anteilmäßig
vornehmen - gleichmäßig linear abbauen - könnten wir
leicht mit mehr Streitkräften enden als wir für inzwischen eher unwahrscheinliche Ereignisse benötigen und weniger als wir haben müssen, um auftretenden
Herausforderungen zu begegnen. Was wir brauchen,
sind nicht bloße Reduzierungen, sondern eine Umstrukturierung.
Was wir jetzt brauchen, ist eine Verteidigungspolitik,
die sich den bedeutenden Veränderungen anpaßt,
deren Zeugen wir nunmehr werden - ohne die weiterhin bestehenden Realitäten außer acht zu lassen, die

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unsere Sicherheitsstrategie dauerhaft prägen werden.
Eine Politik, bei der das Engagement in Friedenszeiten
ebenso konstant ist und der Verteidigung unserer
Interessen und Ideale in der Welt von heute dient wie
in der konfliktträchtigen Zeit des kalten Krieges.
Und in dieser Welt bleibt Amerika Dreh- und Angelpunkt für friedliche Veränderungen. Wichtige amerikanische Interessen in Europa und im Pazifik, im Mittelmeer und im Persischen Golf, sind der Hauptgrund
dafür, daß die Aufrechterhaltung einer vorne stationierten Präzenz unabdingbares Element unserer Strategie bleibt.
Wir erinnern uns alle an die Zeit, da die Sowjets unsere
Vornepräsenz als Bedrohung betrachteten. Als ich in
Malta mit Präsident Gorbatschow zusammentraf, zeigte mir dieser eine Landkarte, auf der angeblich die
Sowjetunion von Amerika eingekreist war. Darüber
haben wir eingehend gesprochen. Meiner Ansicht
nach versteht er jetzt, daß wir nicht die Absicht haben,
sein Land zu bedrohen - und meiner Ansicht nach
haben Gespräche, wie wir sie in Camp David geführt
haben, solche Fortschritte möglich gemacht.
Ich war Präsident Gorbatschow gegenüber offen. Ich
habe ihm gesagt, daß die Sowjetunion - trotz aller
wahrnehmbaren positiven Veränderungen - immer
noch eine Militärmacht erster Ordnung ist. Auch nach
den gegenwärtig ausgehandelten Reduzierungen im
konventionellen Bereich werden die Sowjets nach wie
vor zwei bis drei Millionen Männer unter Waffen haben.
Und dann gibt es natürlich noch unser vordringlichstes
Anliegen: Die Sowjets unterhalten und modernisieren
weiterhin ihr Arsenal strategischer Nuklearwaffen.
Unsere Verbündeten und wir begrüßen den neuen
Kurs, den die Sowjetunion jetzt einschlägt. Aber die
Vorsicht gebietet, daß wir eine effektive Abschreckung
aufrechterhalten, die den Frieden nicht nur im heutigen
Umfeld geringerer Spannungen gewährleistet, sondern sicherstellt, daß eine neue Konfrontation keine
reelle Option für irgendeine sowjetische Führung ist.
Die Sowjets werden den START-Vertrag mit vollständig modernisierten, einsatzfähigen und sehr umfangreichen strategischen Streitkräften eingehen. Um
auch im nächsten Jahrhundert eine eindeutige und
überzeugende strategische Abschreckung aufrechterhalten zu können, brauchen wir den B-2 Bomber.
Verteidigungsminister Cheney hat das Programm bereits
zurückgeschraubt. 75 Flugzeuge haben durchaus
eine strategische Bedeutung. Weitere Verzögerungen
werden nur die Kosten steigern. Wir müssen das
Trident-Programm vervollständigen. Diese 18 U-Boote
werden eine überlebensfähige, U-Boot-gestützte
Abschreckung gewährleisten. Endgültige Entscheidungen über unsere landgestützten ICBMs können wir
- entsprechend der Entwicklung der START-Verhandlungen - zurückstellen, müssen uns aber unsere Optio-

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�nen erhalten: und das bedeutet den Abschluß der
Entwicklungen kleiner ICBMs und schienengestützter
Raketen vom Typ PEACEKEEPER.
Und schließlich bin ich davon überzeugt, daß eine
defensive strategische Abschreckung in den neunziger Jahren sinnvoller ist als je zuvor. Welches Verteidigungsinstrument kann besser sein als ein System,
daß nur gegen uns gerichtete Raketen zerstört - ohne
ein einziges Menschenleben zu bedrohen? Wir müssen weiterhin unsere Hoffnung auf SDI setzen - und es
stationieren, wenn es fertiggestellt ist.
Darüber hinaus werden die Vereinigten Staaten ihre
Truppen solange in Europa stationieren, wie unsere
Verbündeten dies wünschen und uns dort brauchen.
In dem Umfang, wie unsere Verbündeten und wir die
NATO einer sich verändernden Welt anpassen, werden sich Umfang und Zusammensetzung unserer
Streitkräfte verändern, um neuen und weniger bedrohlichen Umständen gerecht zu werden. Aber wir werden in Europa bleiben, um neue Gefahren abzuschrekken, treibende Kraft der Stabilität zu sein und ganz
Europa - Ost und West - zu versichern, daß das
europäische Gleichgewicht weiterhin gesichert ist.
Außerhalb Europas müssen die Vereinigten Staaten
Streitkräfte unterhalten, die auf Bedrohungen unabhängig davon reagieren können, aus welchem Teil der
Welt sie kommen. Auch in einer Welt, in der Demokratie und Freiheit auf dem Vormarsch sind, bleiben
Bedrohungen bestehen. Terrorismus. Geiselnahmen. Regime, die ihr Volk verraten und unberechenbare Herrscher - neue Quellen der Instabilität - erfordern ein starkes engagiertes Amerika.
Die brutale Aggression, die in der vergangenen Nacht
gegen Kuwait geführt wurde, ist ein anschaulicher
Beleg meiner These: ungeachtet der Veränderungen
im Hinblick auf die sowjetische Bedrohung ist die Welt
weiterhin eine gefährlicher Ort mit ernsten Bedrohungen für wichtige US-Interessen, die mit früheren Mustern
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen nichts
zu tun haben. Solche Bedrohungen können plötzlich,
unvorhergesehen und völlig unerwartet auftreten.
Amerikanische Interessen könnnen mit den bestehenden Fähigkeiten geschützt werden, die zu unverzüglichem Handeln bereitstehen. Die gestrigen Ereignisse
unterstreichen auch die dringende Notwendigkeit einer Verteidigungsstruktur, die nicht nur unsere Sicherheit erhält, sondern auch die Ressourcen zur Unterstützung des berechtigten Wunsches nach Selbstverteidigung unserer Freunde und Verbündeten liefert.
Dazu verpflichten wir uns, auch im Hinblick auf unsere
Umstrukturierung der Streitkräfte. Niemand, Freund
oder Feind, soll diese Verpflichtung in Frage stellen.
Trotz unserer eingehenden Bemühungen, die Verbreitung chemischer und nuklearer Waffen sowie von
Raketentechnologie zu kontrollieren, erwerben immer
mehr Länder Massenvernichtungswaffen - und erfor-

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derliche Trägersysteme. Gegenwärtig sind zwanzig
Länder in der Lage, chemische Waffen herzustellen.
Und bis zum Jahr 2000 könnten etwa 15 Entwicklungsländer ihre eigenen ballistischen Raketen haben. In
Zukunft könnten sogar Konflikte, die wir als begrenzt
oder regional eingestuft haben, weitreichende Konsequenzen zeitigen.
Um das gesamte Spektrum der vor uns liegenden
Herausforderungen in den Griff zu bekommen, müssen wir uns auf Einsatzbereitschaft und schnelles
Eingreifen konzentrieren. Um uns darauf vorzubereiten, möglichen künftigen Herausforderungen zu begegnen, müssen wir die Forschung in den Vordergrund stellen - ein aktives und innovatives Programm
für verteidigungsbezogene Forschung und Entwicklung.
Ich möchte zunächst auf die Komponente mit großen
langfristigen Auswirkungen eingehen - Forschung.
Immer wieder haben wir festgestellt, wie die Technik
das Gefechtsfeld revolutioniert hat. Die Vereinigten
Staaten haben sich stets auf ihren technologischen
Vorsprung verlassen, um die zahlenmäßige Stärke
ihrer jeweiligen Gegner wettzumachen. Marschflugkörper, Tarnjäger und -bomber, die "intelligenten"
Waffen von heute mit ihren hochmodernen Feuerleitsystemen sowie die "brillianten" Systeme von morgen:
Die Angehörigen unserer Streitkräfte verdienen die
beste Technologie, die die Vereinigten Staaten zu
bieten haben.
Darüber hinaus müssen wir uns über den hohen Preis
im klaren sein, den Einsparungen an der falschen
Stelle - nämlich bei verteidigungsbezogener Forschung
und Entwicklung - nach sich ziehen würden. Die
meisten modernen Waffensysteme erfordern mindestens zehn Jahre von der Planungsphase bis zur
Einsatzreife. Der Charakter der nationalen Verteidigung gebietet es, daß wir heute Pläne für Bedrohungen entwerfen, die sich erst schemenhaft am Horizont
abzeichnen. Die von uns heute getroffenen Entscheidungen - die Programme, die wir vorantreiben oder
verwerfen - werden uns die Art von Streitkräften vorschreiben, die uns im Jahr 2000 und danach zur
Verfügung stehen werden.
Zweitens müssen wir uns auf rasche Eingreifmöglichkeiten konzentrieren. Wie wir erst unlängst in Panama
festgestellt haben, könnten die Vereinigten Staaten
gefordert sein, auf unterschiedlichste Herausforderungen aus allen Himmelsrichtungen reagieren zu müssen. In einer Zeit, in der Bedrohungen ohne oder nur
mit kurzer Vorwarnzeit entstehen können, wird die
Fähigkeit zur Verteidigung unserer Interessen von
unserer Schnelligkeit und Beweglichkeit abhängen.
Wir werden Streitkräfte benötigen, die uns weltweite
Zugriffsmöglichkeiten sichern. Kein wie auch immer
gearteter politischer Wandel wird die geographische
Tatsache verändern können, daß wir von vielen unse-

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�rer wichtigsten Verbündeten und Interessen über
Tausende Meilen von Wasser getrennt sind.
In vielen Konflikten, denen wir ausgesetzt werden
könnten, werden wir vielleicht nicht den Luxus genießen, daß die vorhandene Mannschaftsstärke dem
vorgelagerten Material entspricht. Wir werden Luftund Seetransportfähigkeiten benötigen, um unsere
Streitkräfte dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden - wenn sie gebraucht werden. Ein neuer Schwerpunkt auf Flexibilität und Vielseitigkeit muß unsere
Bemühungen leiten.
Schließlich müssen wir im Zuge unserer Neustrukturierung der Einsatzbereitschaft höchsten Stellenwert
beimessen. Für die aktiven Verbände, auf die wir uns
zur Reaktion auf Krisen verlassen werden, muß Einsatzbereitschaft höchste Priorität haben. Echte militärische Fähigkeiten existieren niemals auf dem Papier
- sie werden in Stunden gemessen, die auf Übungsplätzen, auf Schiffen und in Cockpits verbracht und in
Erfahrungen, die dort gewonnen wurden. Nichts wäre
kurzsichtiger, als die Ausbildungszeiten zu beschneiden, um Geld zu sparen - und nichts wäre für unsere
Truppen demoralisierender. Unsere Soldaten, Matrosen, Flieger und Marineinfanteristen müssen gut ausgebildet, belastbar und erprobt sein - bereit, jeden
Auftrag zu erfüllen, den wir ihnen geben.
In unseren neustrukturierten Streitkräften werden
Reserven zwar wichtig sein, aber mit Einschränkungen. Die Notwendigkeit, auf eine massive, kurzfristige
Mobilisierung vorbereitet zu sein, ist schwächer geworden. Wir können nun Umfang, Struktur und Bereitschaftsgrad unserer Reserveeinheiten so anpassen,
daß wir die wahrscheinlicheren Herausforderungen
der Zukunft besser bewältigen können.
Unsere Strategie wird Vorkehrungen gegen eine umfassende Umkehrung in den sowjetischen Absichten
treffen, indem das Konzept des Wiederaufbaus unserer Streitkräfte in unsere Planung aufgenommen wird.
Bis Mitte der neunziger Jahre, dem Zeitraum, den die
Sowjets für eine Rückkehr zu dem Konfrontationsniveau benötigen würden, das den Tiefpunkt des kalten
Kriegs markierte, werden wir genug Zeit haben, um
uns neben der Stützung auf bereits vorhandene auch

dem Aufbau völlig neuer Einheiten zu widmen. Diese
Bereitschaft zum Wiederaufbau als ausdrücklicher
Bestandteil unserer Verteidigungspolitik wird ein wichtiges Element unserer Fähigkeit zur Abschreckung
von Aggressionen sein.
Eine rationelle Umstrukturierung in der von mir umrissenen Art wird fünf Jahre dauern. Ich bin zuversicht-

lieh, daß wir die von mir heute erläuterten Herausforderungen bestehen können, unter der Voraussetzung,
daß wir Reduzierungen in geordneter Weise vollziehen - und nicht Hals über Kopf. Jede Reduzierung
dieser Größenordnung muß sorgfältig durchgeführt
werden, um Verwerfungen so gering wie möglich zu
halten - und zwar nicht nur im militärischen Gleichgewicht, sondern auch in der Moral. Ich kann heute als
Oberbefehlshaber mit Fug und Recht behaupten, daß
wir jede erdenkliche Maßnahme treffen werden, um
die Turbulenzen zu minimieren, die diese Veränderungen für unsere Soldaten, Matrosen, Flieger und Marineinfanteristen nach sich ziehen werden. Ich werde
das Vertrauen der jungen Menschen nicht brechen, die
sich aus freien Stücken entschlossen haben, ihrem
Land zu dienen.
Wir alle wissen, daß die vor uns liegenden Herausforderungen sowohl haushaltspolitischer als auch militärischer Natur sind. Die Haushaltszwänge sind sehr
real vorhanden - dasselbe gilt jedoch für die Notwendigkeit, die Errungenschaften zu bewahren, die wir in
jenen 40 Jahren des Friedens durch Stärke erlangt
haben. Die Grundtatsache lautet: Wenn die nationale
Sicherheit berührt ist, können es sich die Vereinigten
Staaten niemals leisten, zu scheitern oder zu wenig zu
tun.
Ich möchte nochmals meiner Freude darüber Ausdruck verleihen, heute hier sprechen zu dürfen - insbesondere in Gegenwart einer so geschätzten Persönlichkeit wie Mrs. Thatcher. Die heutige Veranstaltung
ist ja nicht der erste Anlaß, zu dem die führenden
Vertreter Großbritanniens und der Vereinigten Staaten gemeinsam auftreten. Die Welt erinnert sich an
jenen Tag vor 44 Jahren - als Churchill in Fulton,
Missouri, seine historische Rede über den "Eisernen
Vorhang" hielt. Das war jedoch nicht der Titel seiner
Rede. Er nannte sie "Die Früchte des Friedens".
Damit wollte er einer Vision von der Stärke freier
Nationen Ausdruck verleihen - vereint in der Verteidigung der Demokratie.
Endlich schreiben wir das letzte Kapitel des dritten
gro Ben Konflikts des 20. Jahrhunderts. Der kalte Krieg
geht zu Ende. Nach vier Jahrzehnten der Teilung und
Zwietracht besteht unsere Herausforderung heute darin,
jenen großen Traum aller Demokratien zu erfüllen:
Einen echten Staatenbund freier Nationen. Um die
wachsenden Kräfte der freien Welt freizusetzen - um
zusammenzuarbeiten, um für alle Menschen und Staaten
die Freiheit in greifbare Nähe zu bringen, die rechtmäßig allen zusteht.

* *

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�RICHTIGSTELLUNG
8. August 1990

Amerika Dienst 29 vom 25. Juli 1990
Chemische Waffen
Der Artikel "USA verpflichten sich zur gefahrlosen Zerstörung chemischer Waffen" über den Abzug chemischer
Waffen durch die US-Army enthielt bedauerlicherweise unrichtige Angaben.

In diesem Artikel wurden die chemischen Waffen
fälschlicherweise beschrieben als "Munition, die (...)
aus dem Zweiten Weltkrieg stammt" (Seite 2, rechte
Spalte).
Diese Information ist unzutreffend. Tatsächlich wurden diese Waffen erst kurz vor ihrem Transport in die

Bundesrepublik hergestellt. Das Verteidigungsministerium der Bundesrepublik stimmte dem Transport
dieser Artilleriegranaten zu, da diese sich aufgrund
sorgfältiger Lagerung und Wartung in ausgezeichnetem Zustand befanden.
Die Redaktion bedauert diesen Übertragungsfehler.

* * * * *

AMERIKA DIENST 31

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