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Deichmanns Aue 29

5300 Bonn 2

12. Dezember 1990

49

GOLFKRISE

BAKER FORDERT HUSSEINS
UNVERZÜGLICHEN RÜCKZUG AUS KUWAIT
Erklärung des Außenministers vor Senatsausschuß

GATT-

LANDWIRTSCHAFT WEITERHIN SCHLÜSSEL
ZUM ERFOLG BEI GATT-GESPRÄCHEN
Pressekonferenz der US-Delegation in Brüssel

MENSCHENRECHTE

SCHIFTER: DEMOKRATIE IM AUFWIND
Rede zum Tag der Menschenrechte

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
12. Dezember 1990

BAKER FORDERT HUSSEINS UNVERZÜGLICHEN
RÜCKZUG AUS KUWAIT
Erklärung des Außenministers vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - In einem Appell an den Kongreß und das amerikanische Volk forderte Außenminister
Baker am 5. Dezember 1990, dem irakischen Präsident Saddam Hussein ein unmißverständliches Signal zu
senden, "sich jetzt aus Kuwait zurückzuziehen oder alles zu riskieren".
"Bis heute deuten alle verfügbaren Erkenntnisse darauf hin", daß die vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
verhängten Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen den Irak "Saddam Husseins Neigung zum Abzug kaum
beeinflußt haben", erklärte Baker in einer Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats. Der
Außenminister forderte kontinuierliche Unterstützung der militärischen Vorbereitungen, "um die Option einer
Offense zur Befreiung Kuwaits glaubwürdig zu machen".
Saddam Hussein müsse demonstriert werden, daß "die Zeit gegen ihn arbeitet", so Baker. "Selbst wenn er
glaubt, den Sanktionen trotzen zu können - und diese Überzeugung mag zutreffen - mu ß er wissen, daß wir ihm
gegebenenfalls durch den Einsatz von Gewalt einen noch höheren Preis abverlangen können und werden."
Außenminister Bakers Rede hat folgenden Wortlaut.

Ich stehe heute zum dritten Mal seit der Besetzung
Kuwaits durch den Irak am 2. August vor Ihnen.
Ich möchte Sie heute erneut konsultieren, weil ein - bis
an die Zähne bewaffneter - außerordentlich gefährlicher Diktator eine äußerst wichtige Region in einem
entscheidenden Augenblick der Geschichte bedroht.
Ihm muß Einhalt geboten werden - mit friedlichen
Mitteln, wenn möglich und mit Gewalt, falls nötig.
Mein Manuskript konzentriert sich auf drei Aspekte der
Situation:
Erstens die Erläuterung der Strategie des Präsidenten,
zweitens die detaillierte Begründung dafür, daß die
Vorbereitungen für den möglichen Einsatz von Gewalt
- und in der Tat die Bereitschaft zur Gewaltanwendung,
falls erforderlich - zur Erlangung einer friedlichen Lösung
unabdingbar sind, und
drittens die Darlegung des zwingenden Interesses,
das wir daran haben, die brutale Aggression Saddam
Husseins zunichte zu machen.

AMERIKA DIENST 49

Strategie
Von Anfang an hat die internationale Staatengemeinschaft vier Zielsetzungen verfolgt:
Erstens den unverzüglichen, uneingeschränkten und
bedingungslosen Abzug des Irak aus Kuwait,
zweitens die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen
Regierung Kuwaits,
drittens die Freilassung aller Geiseln, und
viertens die Verpflichtung zu Sicherheit und Stabilität
am Persischen Golf.
Der Präsident hat wiederholt festgestellt, daß wir diese
Ziele mit friedlichen Mitteln erlangen wollen. Er hat
auch klargestellt, daß wir sie mit den geringsten Kosten für uns und die anderen Mitglieder der internationalen Koalition erreichen wollen.
Von Anfang an bestand unsere Strategie zur Verwirklichung dieser Ziele darin, Saddam Hussein einen
solch hohen Preis für seine Aggression abzuverlan-

Seite 1

�gen, daß erzürn Rückzug aus Kuwait veranlaßt würde.
Wir zielten darauf ab, Saddam für seine Aggression
zahlen zu lassen, indem wir den Druck und die Schmerzgrenze immer weiter erhöht haben - politisch, wirtschaftlich und militärisch. Wirtschaftssanktionen und
militärische Vorbereitungen bilden hierzu keine Alternative, sondern verstärken und beschleunigen diese
Strategie.
Trotz unseres Wunschs nach Frieden haben wir von
Anfang an in dem Bewußtsein gehandelt, daß wir
angesichts der auf dem Spiel stehenden lebenswichtigen Interessen zum Einsatz von Gewalt bereit sein
müssen, wenn diese Ziele nicht mit friedlichen Mittin
erreicht werden können.
Aus diesem Grund hat die von den Vereinigten Staaten
angeführte internationale Koalition dem Irak vom 2.
August an Kosten für seine Aggression auferlegt.
Am Tag der Invasion hat der Sicherheitsrat Resolution
660 verabschiedet, die den unverzüglichen Abzug des
Irak aus Kuwait fordert. Als diese Bestrebungen und
die diplomatischen Bemühungen der Arabischen Liga
von Saddam Hussein uneingeschränkt abgelehnt
wurden, verhängte der Sicherheitsrat am 6. August
obligatorische Wirtschaftssanktionen, um den Druck
auf den Irak zu verstärken und ihm höhere Kosten für
seine Aggression abzuverlangen, in der Hoffnung, daß
Saddam Hussein sich aufgrund der politischen und
wirtschaftlichen Isolierung zurückziehen werde.
Gleichzeitig mit diesen diplomatischen und wirtschaftlichen Maßnahmen wurden zur Abschreckung weiterer Aggression und als Unterstützung der Resolutionen
des Sicherheitsrats Streitkräfte in der Region stationiert. Bis heute haben sich 27 Nationen dieser wahrlich einmaligen multinationalen Streitmacht angeschlossen.
Bis heute konnte die internationale Koalition beachtliche Fortschritte bei der Isolierung des Irak verzeichnen und hat ihn für seine Besetzung Kuwaits zahlen
lassen. Wir bedauern die Leiden, die den unschuldigen Bürgern des Irak damit zugefügt werden - einem
Volk, mit dem wir nicht im Streit liegen.
Wir sehen uns jedoch jetzt mit der Frage konfrontiert,
ob die Saddam Hussein in Form von Sanktionen
auferlegten Kosten allein hoch genug sein werden, um
ihn zum friedlichen Rückzug aus Kuwait zu bewegen.
Wir müssen uns der Tatsache bewußt sein, daß in
diesem seit vier Monaten andauernden Konflikt keine
unserer Bemühungen irgendein Anzeichen eines Sinneswandels in Saddam Hussein bewirkt hat. Er macht
keinerlei Anstalten, auch nur eine der Resolutionen
des Sicherheitsrats zu befolgen.
Statt dessen scheint er seinen Einsatz zu verdoppeln.
Er hat durch systematische Ausplünderung und Entrechtung eines souveränen arabischen Staats ver-

Seite 2

sucht, Kuwait zu einem Teil des Irak zu machen. Er hat
die Bevölkerung terrorisiert, indem seine Soldaten
unerhörte Verbrechen gegen unschuldige Kuwaitis
verübt haben. Er hat den Sturz von König Fahd und
Präsident Mubarak gefordert. Er hat mit Terror und
Massenvernichtung seiner arabischen Nachbarn und
Israels gedroht. Er hat mit Geiseln und ihren Familien
und auch mit unseren Diplomaten in Kuwait ein grausames Spiel getrieben.
Vorbereitung auf den Krieg, um Frieden zu erlangen
Nach ernsten und nüchternen Konsultationen verabschiedete der UN-Sicherheitsrat am vergangenen
Donnerstag mit überwältigender Mehrheit eine zwölfte
Resolution - die alle notwendigen Mittel, einschließlich
der Anwendung von Gewalt, zuläßt, um Saddam Hussein
nach dem 15. Januar 1991 aus Kuwait zu vertreiben.
Mit der Verabschiedung dieser Resolution gibt die
internationale Staatengemeinschaft Saddam Hussein
eine weitere - in der Tat seine letzte - Chance, zur
Besinnung zu kommen.
Mit der Verabschiedung der Resolution vom vergangenen Donnerstag übermittelt die internationale Staatengemeinschaft Saddam Hussein die folgende eindeutige Botschaft: "Wir streben weiterhin eine diplomatische Lösung an. Der Friede ist Ihre einzige vernünftige
Option. Sie können den Frieden wählen, indem Sie
den Willen der internationalen Staatengemeinschaft
respektieren. Tun Sie das jedoch nicht, so werden Sie
alles aufs Spiel setzen. Sie haben die Wahl."
Um zu gewährleisten, daß Saddam Hussein diese
Wahl versteht, hat der Präsident den irakischen Außenminister nach Washington eingeladen und mich
angewiesen, nach Bagdad zu reisen.
Offengestanden ist dies die letzte Chance für eine
friedliche Lösung. Wenn wir dabei irgendeine Aussicht
auf Erfolg haben wollen, so muß ich mit der uneingeschränkten Unterstützung des Kongresses und des
amerikanischen Volkes für die Botschaft der internationalen Staatengemeinschaft nach Bagdad reisen.
Ich möchte eines klarstellen: Dieses Treffen wird keine
Aufnahme von Verhandlungen über die Bedingungen
der UNO-Resolutionen bedeuten. Diese Bedingungen
sind eindeutig: vollständiger, unverzüglicher und
bedingungsloser Abzug des Irak, Wiedereinsetzung
der rechtmäßigen Regierung Kuwaits und Freilassung
aller Ausländer.
Dies ist auch nicht der Beginn von Verhandlungen über
Themen, die nichts mit der brutalen irakischen Besetzung Kuwaits zu tun haben. Ich werde weder über das
Palästina-Problem noch über den Bürgerkrieg im Libanon verhandeln. Saddam ist nicht in Kuwait eingefallen, um den Palästinensern zu helfen. Er tat dies, um
seine eigene Macht zu vergrößern. Wie Eduard Sche-

AMERIKA DIENST 49

�wardnadse sagte, versklavt man nicht ein Volk, um ein
anderes zu befreien.
Meine Mission in Bagdad ist lediglich der Versuch,
Saddam die ihm zur Verfügung stehende Wahl zu
verdeutlichen: Erfüllung der Ziele des Sicherheitsrats
oder das Risiko eines Desasters für den Irak.
Um diese Worte zu untermauern, hat der Präsident
den Verteidigungsminister, den Vorsitzenden der
Vereinigten Stabschefs und mich angewiesen, mit den
anderen Mitgliedern der internationalen Koalition zusammenzuarbeiten, um die multinationale Streitmacht
am Golf zu verstärken und ihre Bemühungen zu koordinieren. Unser Ziel besteht darin zu gewährleisten,
daß eine Anwendung von Gewalt gegebenenfalls
überraschend, massiv und entscheidend durchgeführt
wird.
Bedeuten die Truppenverstärkungen und die Resolution des Sicherheitsrats, daß ein Krieg unvermeidlich
ist? Sicherlich nicht. Ein friedlicher Ausgang ist
möglich - ein Ausgang, der Aggression nicht belohnt und jeder, einschließlich Saddam Husseins, weiß, wie
er aussieht. Er kann den Frieden wählen, indem er sich
bedingungslos aus Kuwait zurückzieht und alle Geiseln freiläßt.
Erwird diese Wahl fürden Frieden jedoch nicht treffen,
wenn er nicht versteht, daß die Alternative zur friedlichen Einhaltung darin besteht, zur Einhaltung gezwungen zu werden. Das ist die Botschaft, die wir ihm zu
vermitteln versuchen. Das ist die Bedeutung der
Schritte, die von der internationalen Staatengemeinschaft im Verlauf des vergangenen Monats getroffen
wurden. Dies ist keine neue Strategie, sondern eine
Fortsetzung und Festigung der von uns seit August
verfolgten Strategie.
Ich weiß, daß einige hier und im ganzen Land ein
ungutes Gefühl im Hinblick auf die Möglichkeit eines
Kriegs haben. Niemand von uns wünscht einen Krieg.
Sie nicht, der Präsident nicht und ich nicht. Niemand
von uns wollte diesen Konflikt, und wir unternehmen
alles in unserer Macht Stehende, um dies friedlich
beizulegen, ohne den Aggressor zu beschwichtigen.
Ich kenne die Argumente derer, die der Ansicht sind,
Zeit und das Wirtschaftsembargo allein würden die
friedliche Lösung dieses Konflikts herbeiführen. Wir
müssen den Tatsachen jedoch ins Auge blicken.
Wenn die Sanktionen erfolgreich sein sollen, dann
müssen sie mehr bewirken, als den Irak lediglich
wirtschaftlich zu schwächen. Sie müssen Saddam
soviel Schaden zufügen, daß er sein Verhalten ändert
und aus Kuwait abzieht. Das ist das Kriterium für den
Erfolg, an dem die Sanktionen gemessen werden
müssen.
Wenn wir die Rolle der Sanktionen in unserer Strategie
betrachten, müssen wir uns folgende Fragen stellen:

AMERIKA DIENST 49

Können Wirtschaftssanktionen allein einen
Diktator vom Schlage Saddams zwingen, die
politisch schwierige Entscheidung zum Abzug
aus Kuwait zu treffen?
Wird Saddam ohne eine glaubwürdige militärische Bedrohung die Maßnahmen des Sicherheitsrats ernst nehmen?
Gibt es im bisherigen Verhalten Saddam Husseins irgendwelche Anhaltspunkte dafür, daß
Sanktionen allein ihn aus Kuwait vertreiben
werden?
Ich möchte versuchen, diese Fragen aufgrund der
bisher gewonnenen Erkenntnisse zu beantworten. Nach
vier Monaten eines durchgreifenden Embargos haben
die Sanktionen zweifelsohne Auswirkungen auf die
irakische Wirtschaft. Wir müssen jedoch der Tatsache
ins Auge blicken, daß niemand sagen kann, daß
Sanktionen allein jemals in der Lage sein werden,
Saddam einen Preis abzuverlangen, der hoch genug
ist, um ihn zum Abzug zu veranlassen. Bis heute
deuten alle verfügbaren Erkenntnisse darauf hin, daß
sie seine Neigung zum Abzug kaum beeinflußt haben.
Das ist teilweise darauf zurückzuführen, daß Saddam
in beträchtlichem Maß entscheiden kann, wer im Irak
unter den Sanktionen zu leiden hat. Sie können darauf
wetten, daß die irakische Bevölkerung als erste und
am einschneidendsten darunter zu leiden hat - nicht
das irakische Militär oder Saddam selbst. Saddam ist
seit jeher dafür bekannt, daß er dem irakischen Volk
große Opfer und großes Leid abverlangt. Es ist für ihn
nichts Neues, dem irakischen Volk große Opfer aufzuerlegen, um seine eigenen ehrgeizigen Pläne zu
verwirklichen.
Wir müssen uns der Tatsache erinnern, wen wir aus
Kuwait vertreiben wollen. Saddam ist ein rücksichtsloser Diktator. Er hat eine übersteigerte Einschätzung
der Macht des Irak und eine hohe Schmerzschwelle.
Saddam geht zweifelsohne davon aus, daß er Wirtschaftssanktionen überdauern kann. Sicherlich versteht er jedoch die Folgen militärischer Gewaltanwendung besser.
Ein weiteres Abwarten gibt Saddam nicht nur Zeit, die
Sanktionen zu durchbrechen, sondern erlegtauch uns
Kosten auf.
Während wir abwarten, wird Saddam weiterhin Kuwait
foltern und es als Nation vernichten.
Während wir abwarten, wird er weiterhin sein Spiel mit
den Geiseln treiben und damit versuchen, die Koalition
zu spalten.
Während wir abwarten, wird er weiterhin Kuwait zur
Festung ausbauen, chemische und biologische Waffen herstellen und an der Erlangung von Atomwaffen
arbeiten.

Seite 3

�Während wir warten, rechnet er damit, daß unsere
Aufmerksamkeit von anderen Ereignissen abgelenkt,
unsere Entschlossenheit geschwächt und die internationale Koalition aufgelöst werden.
Während wir warten, lastet die Bürde von Saddams
Verbrechen immer schwerer auf der Welt.
Das ist der Grund, weshalb wir unseren Vorbereitungen für den Einsatz von Gewalt Glaubwürdigkeit verleihen müssen.
Die internationale Staatengemeinschaft hat eindeutig
zugestimmt, daß vor dem 15. Januar nächsten Jahres
keine Gewalt angewandt wird, wenn Saddam keine
Reaktion provoziert. Demnach müssen wir uns vor
Augen führen, daß bis jetzt niemand eine Entscheidung zugunsten eines Krieges getroffen hat. Vielmehr
hat der Präsident mit seiner Bitte an mich, nach
Bagdad zu reisen, deutlich gemacht, daß er die nächsten sechs Wochen zur Ausschöpfung aller diplomatischen Möglichkeiten nutzen wird.
Der Präsident hat jedoch auch unterstrichen, daß wir
zur Förderung dieser diplomatischen Bemühungen
weiterhin Unterstützung für unsere militärischen Vorbereitungen erhalten müssen, um die Option einer
Offensive zur Befreiung Kuwaits glaubwürdig zu machen.
Ohne die Entscheidung über eine potentielle Gewaltanwendung nach dem 15. Januar vorwegnehmen zu
wollen, kann ich doch unmißverständlich sagen, daß
sich mindestens drei gefährliche Konsequenzen ergeben werden, wenn wir die Vorbereitungen nicht fortsetzen.
Erstens würde unser diplomatischer Einfluß unterminiert, indem die Alternative für einen friedlichen Abzug
- Gewaltanwendung - beseitigt wird. Damit würde dem
Irak die falsche Botschaft vermittelt: "Versuchen Sie
nur weiter, Zeit zu gewinnen. Sie werden genug davon
haben, weil die Resolutionen des Sicherheitsrats nur
ein Bluff sind. Die internationale Koalition zieht die
Option der Gewaltanwendung nicht einmal in Betracht,
geschweige denn, daß sie diese in die Tat umsetzen
würde." Genau diese Botschaft dürfen wir nicht vermitteln.
Wir müssen Saddam zeigen, daß die Zeit nicht für ihn
arbeitet. Selbst wenn er glaubt, den Sanktionen trotzen zu können - und diese Überzeugung könnte zutreffen - mu ß er wissen, daß wir ihm gegebenenfalls durch
den Einsatz von Gewalt einen noch höheren Preis
abverlangen werden.
Zweitens würden nicht durchgeführte Vorbereitungen
für die glaubwürdige Option einer militärischen Offensive höchstwahrscheinlich den Status quo bestätigen
und für einige die brutale Besetzung legitimieren, die
Saddam jetzt Kuwait und seinen Bewohnern aufzwingt.
Drittens würde das Versäumnis angemessener Vorbereitungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt bedeuten,

Seite 4

daß wir im Falle eines Konflikts in verantwortungsloser
Weise größere Verluste riskieren würden und damit
das Leben der jungen Amerikaner, die bereits an den
Frontlinien am Persischen Golf stehen, mehr als nötig
gefährden. Der Präsident wird das nicht vertreten.
Und das amerikanische Volk auch nicht.
Was auf dem Spiel steht
Wir schlagen diesen Weg nicht ein, ohne uns der damit
verbundenen Gefahren und Risiken bewußt zu sein.
Aber es darf kein Zweifel daran bestehen, daß der
Erfolg dieses Unternehmens - hoffentlich auf friedlichem Wege, gegebenenfalls durch Gewalt - eindeutig
im Interesse des amerikanischen Volks liegt.
Oftmals werden Stimmen laut, daß keine klare Antwort
auf die Frage erfolgt ist, warum wir am Golf sind. Das
ist vielfach die Folge der Suche nach einem einzigen
Grund für unser Engagement, einem einzigen Grund,
den der Präsident anführen könnte, um zu erklären,
warum das Leben amerikanischer Soldaten in der
arabischen Wüste, auf See oder in der Luft aufs Spiel
gesetzt werden soll.
Diese Suche sollten wir beenden. Wir sollten uns
selbst und anderen gegenüber aufrichtig sein. Es gibt
vielfältige Gründe, Gefahren und Bedrohungen. Jeder
einzelne von ihnen ist zwingend. Insgesamt betrachtet
ist das Problem überwältigend.
Um es deutlich zu sagen: Ein sehr gefährlicher Diktator bedroht - bis an die Zähne bewaffnet - in einem
entscheidenden Augenblick der Geschichte eine wichtige Region.
Es ist die Kombination dieser Gründe - wer unsere
Interessen bedroht, welche Fähigkeiten er hat und
entwickelt, wo er seine Aggression durchführt und
welchen Zeitpunkt er dafür gewählt hat - die dazu
führen, daß wir alle einen hohen Preis zahlen müssen.
Ich möchte Ihnen das erläutern.
Strategisch betrachtet ist Saddam ein unberechenbarer Diktator, dessen Machtgelüste so maßlos sind wie
seine Brutalität, mit der er sie zu befriedigen sucht. Er
hat zwei Nachbarstaaten besetzt, gewährt Terroristen
Unterschlupf und vernichtet Kuwait jetzt systematisch.
Saddam setzt Giftgas ein - sogar gegen sein eigenes
Volk, entwickelt tödliche Chemikalien und ist unermüdlich bestrebt, sich Atombomben zu beschaffen. Er hat
die sechstgrößte Armee der Welt aufgebaut, verfügt
über die fünftgrößte Panzertruppe der Welt und hat
ballistische Raketen stationiert.
Geographisch betrachtet hat Saddams Aggression in
einem politischen Pulverfaß stattgefunden, das an drei
Kontinente grenzt. Sein Erfolg würde lediglich mehr
Hader, mehr Konflikte und möglicherweise einen Krieg
für mehr Länder bedeuten. Es bestünde nur wenig
Hoffnung für Bestrebungen um einen Frieden im Nahen
Osten.
AMERIKA DIENST 49

�Wirtschaftlich betrachtet gefährdet Saddams Aggression die ungehinderte Ölversorgung der Welt, es besteht die Gefahr einer Rezession und Depression hier
und im Ausland, die insbesondere die schwachen
Demokratien treffen würde, die damit am wenigsten
fertigwerden würden. Seine Aggression ist der Versuch, den wirtschaftlichen Aufschwung der Welt nach
dem kalten Krieg an die Launen eines einzelnen Mannes
zu verpfänden.

i

Moralisch gesehen müssen wir so handeln, daß das
Völkerrecht und nicht das Unrecht von Verbechern die
Welt nach dem kalten Krieg regiert. Wir müssen so
handeln, daß Recht und nicht Macht den Erfolg in der
Welt nach dem kalten Krieg bestimmen. Wir müssen
so handeln, daß unschuldige Männer, Frauen und
Diplomaten in der Welt nach dem kalten Krieg geschützt und nicht als Geiseln genommen werden.
Historisch gesehen müssen wir dem kuwaitischen
Volk beistehen, so daß die Annexion Kuwaits nicht die
erste Realität wird, die uns den Blick auf eine neue
Weltordnung trübt. Wir müssen mit der internationalen
Staatengemeinschaft fest zusammenstehen, damit
die Vereinten Nationen nicht den Weg des Völkerbunds gehen.
Politisch gesehen, müssen wir zur amerikansichen
Führungsrolle stehen, nicht weil wir sie anstreben,
sondern weil niemand anders sie übernehmen kann.
Und wir haben nicht vierzig Jahre Einigkeit demon-

*

AMERIKA DIENST 49

* *

striert, um den kalten Krieg zu einem friedlichen Ende
zu führen und dann die Welt Leuten wie Saddam
Hussein zu überlassen.
Dies alles steht auf dem Spiel.
Wenn Saddam jetzt nicht Einhalt geboten wird, wenn
seine aggressiven Pläne nicht - wenn möglich, mit
friedlichen Mitteln, falls nötig mit Gewalt - durchkreuzt
werden, werden wir später alle einen höheren Preis
zahlen müssen.
Ebenso wie der Sicherheitsrat dies vergangenen
Donnerstag getan hat, müssen dieser Kongreß und
das amerikanische Volk Saddam Hussein gegenüber
durch Wort und Tat unmißverständlich zum Ausdruck
bringen:
"Verlassen Sie Kuwait unverzüglich oder Sie riskieren
alles."
Wir müssen jetzt - mehr als zu irgendeinem anderen
Zeitpunkt dieser Krise - mit der internationalen Staatengemeinschaft bei der uneingeschränkten Unterstützung der Resolutionen des Sicherheitsrats Einigkeit demonstrieren.
Einfach gesagt, ist dies eine Entscheidung zwischen
richtig und falsch.
Meiner Meinung nach haben wir den Mut und die
Stärke, das Richtige zu wählen.

*

*

Seite 5

�GATT
12. Dezember 1990

LANDWIRTSCHAFT WEITERHIN SCHLÜSSEL ZUM
ERFOLG BEI GATT-GESPRÄCHEN
Pressekonferenz der US-Delegation in Brüssel
BRÜSSEL - (AD) - In einer Pressekonferenz nach der Vertagung der Handelsgespräche im Rahmen der
Uruguay-Runde bekräftigten die amerikanischen Unterhändler am 7. Dezember 1990 in Brüssel, daß ihrer
Meinung nach der Reform des Agrarhandels weiterhin eine Schlüsselfunktion bei der Liberalisierung des
gesamten Welthandels zukomme.
So erklärte die US-Handelsbeauftragte Carla Hills, "ohne eine grundlegende Reform der Landwirtschaft wird
man diejenigen Länder, denen es nur um die Landwirtschaft geht, nicht einbeziehen können". Diese Staaten
würden im Gegenzug für Reformen im Agrarbereich ihre Märkte für Dienstleistungen öffnen, den Schutz
geistigen Eigentums gewährleisten und Hemmnisse für Investoren beseitigen.
Hills zufolge "verschwenden" die Industriestaaten jährlich etwa 250 Milliarden Dollar für protektionistische Maßnahmen in der Landwirtschaft "und entziehen den Entwicklungsländern damit Marktchancen, was wiederum
wirtschaftliche Verluste für sie zur Folge hat und vielleicht Instabilität sät".
Neben Hills nahmen an der Pressekonferenz, die wir nachfolgend im Wortlaut veröffentlichen, US-Landwirtschaftsminister Clayton Yeutter, Wirtschaftsminister Robert Mosbacher und der Stellvertretende Arbeitsminister
Roderick DeArment teil.

&gt;

*&gt;

Hills: Die Vereinigten Staaten sind mit der Bereitschaft nach Brüssel gekommen, ehrgeizige, marktöffnende Vereinbarungen in allen 15 Bereichen der Uruguay-Runde auszuhandeln. Wir haben diese Woche
sichtbare Fortschritte in vielen dieser Bereiche erzielt.
In einigen wurden die Meinungsverschiedenheiten sogar
wesentlich verringert.
Es tritt jedoch nun eindeutig zutage, daß das Patt im
Agrarbereich hier in Brüssel nicht durchbrochen werden kann. Der Vorsitzende der Landwirtschaftsgruppe
hat einen kreativen Vorschlag unterbreitet, der eine
Grundlage für den erfolgreichen Abschluß der Verhandlungen lieferte. Leider wurde dieser Vorschlag
von einigen wenigen, wirtschaftlich starken Ländern
abgelehnt, die nicht bereit waren, durchgreifende
Agrarreformen auszuhandeln. Dies war umsomehr
enttäuschend angesichts der äußerst konstruktiven
Haltung, die im Verlauf der Runde von zahlreichen
Entwicklungsländern eingenommen wurde.

AMERIKA DIENST 49

Wir müssen uns der Einsicht anschließen, daß eine
Verlängerung des Brüsseler Treffens keinem sinnvollen Zweck dienen kann. Mit der Vertagung trägt der
Vorsitzende Gross-Espiell lediglich dieser Tatsache
Rechnung. Wir ermutigen die Teilnehmer, sich diese
Chance zunutze zu machen und ihre Positionen auf
höchster politischer Ebene zu überdenken. Darüber
hinaus unterstützen wir den Vorschlag von Generaldirektor Dunkel, unter geeigneten Bedingungen seine
guten Dienste in Anspruch zu nehmen, um mit den
Teilnehmern Differenzen abzubauen.
Ich spreche für den Präsidenten, wenn ich sage, daß
sich die Vereinigten Staaten weiterhin der Aufrechterhaltung und Stärkung des multilateralen Handelssystems sowie einem positiven und raschen Abschluß
der Uruguay-Runde verpflichtet fühlen. Wir werden
alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um
dieses Ergebnis zu erlangen. Gleichzeitig werden wir
jedoch darauf bestehen, daß die Vereinbarungen wirk-

Seite 1

�lieh den Handel liberalisieren. Wenn feststeht, daß es
eine Grundlage für den erfolgreichen Abschluß dieser
Runde gibt, werden die Vereinigten Staaten an den
Verhandlungstisch zurückkehren. Zusammen mit
meinen Kollegen werde ich nun gerne Ihre Fragen
beantworten.
Frage: (unverständlich)
Hills: Das Gesetz, das wir als Beschleunigungsvereinbarung bezeichnen, existiert bereits. Es schreibt
vor, daß dem Kongreß zum 1. März eine Mitteilung
zugehen muß, wenn wir das Recht zur Beschleunigung in Anspruch nehmen wollen. Das heißt - für
diejenigen unter Ihnen, die mit unserer Gesetzgebung
nicht so vertraut sind -, daß der Kongreß lediglich über
ein Paket von Handelsvereinbarungen abstimmen muß,
daß wir dies bis zum 1. März beantragen müssen und
das Abkommen bis zum 1. Juni unterzeichnet werden
muß. Uns steht also nicht mehr viel Zeit zur Verfügung,
wenn wirdiese beschleunigte Behandlung in Anspruch
nehmen wollen.
Frage: Sicherlich wissen Sie, daß unter allen Regierungen der Europäischen Gemeinschaft die britische
seit jeher die kritischste Haltung zu einzelnen Elementen der Gemeinsamen Agrarpolitik einnimmt. Heute
und diese Woche haben britische Minister jedoch Ihre
Verhandlungstaktik als empörend beschrieben. Sie
ärgerten sich darüber, wie der weltgrößte Handelsblock vom zweitgrößten angegangen wurde und erklärten im allgemeinen, daß Ihre Ziele völlig unrealistisch seien. Sind Sie wirklich schon mit dem Wissen
hierhergekommen, daß eine Agrarvereinbarung unerreichbar war?
Und zweitens möchte ich Sie bitten, den weiteren nicht
mit Handelsfragen verbundenen politischen Schaden
einzuschätzen, der von diesem Patt verursacht wird.
Hills: Wie ich bereits am Tag unserer Ankunft erklärte,
sind wir mit der festen Absicht angereist, die UruguayRunde hier in Brüssel abzuschließen. Wir sind bei den
Verhandlungen über durchgreifende Agrarreformen
auf enorme Hindernisse gestoßen. Ich möchte darauf
verweisen, daß die Mehrzahl der hier versammelten
Staaten grundlegende Agrarreformen befürworteten,
die in allen drei Bereichen spezifische Verpflichtungen
erfordern, also Reduzierung der Exportsubventionen,
Reduzierung der Schutzmaßnahmen an den Grenzen
und Reduzierung der Beihilfen im Inland, die mit handelsverzerrenden Auswirkungen verbunden sind. Wir
werden weiterhin über durchgreifende Agrarreformen
verhandeln. Wir hoffen, daß wir bei Verhandlungen,
die in gutem Glauben für hohe Prinzipien und eine
Liberalisierung des Handels geführt werden, mehr
anstatt weniger Ruhe zwischen den großen Handelspartnern gewährleisten können. Wir hoffen, daß wir
unsere Ziele durch Verhandlungen in gutem Glauben
verwirklichen können.

Seite 2

Frage: Frau Hills, in den vergangenen Jahren waren
Sie sehr erfolgreich bei der Abwehr von Druck seitens
des Kongresses sowie der Privatwirtschaft, Sie zu
Maßnahmen gemäß 301 und anderer Mechanismen
zu veranlassen. Wie lange können Sie diesem Druck
angesichts des Zustands dieser multilateralen Gespräche noch standhalten?
Hills: Der Kongreß betrachtet den Einsatz einseitiger
Maßnahmen gemäß 301 als Mittel zum Abbau von
Handelsschranken, die uns vom Handel im Rahmen
des internationalen Handelssystems abhalten. Solange wir keine vereinbarten multilateralen Regeln haben,
ist es sehr schwierig ,den gewählten Vertretern unseres Volkes zu erklären, daß sie die nationalen Interessen nicht schützen dürfen. Wir werden mit dem
Kongreß zusammenarbeiten, wir werden sehr regelmäßig Konsultationen mit dem Kongreß abhalten, und
wir werden Maßnahmen zu ergreifen versuchen, die
im Einklang mit der Bewahrung und dem Ausbau des
multilateralen Systems stehen, während wir gleichzeitig unsere nationalen Interessen schützen.
Frage: ... einige der Cairns-Länder, die zur Gruppe
der Agrarprodukte exportierenden Entwicklungsländer gehören, werden nicht nach Genf zurückkommen,
wenn die EG im Bereich der Landwirtschaft keine
Fortschritte erzielt? Ich weiß, daß Sie sich in der
Vergangenheit besorgt darüber geäußert haben, daß
sich einige dieser Länder ganz zurückziehen könnten.
Hills: Ich glaube nicht, daß eine Verringerung der
Meinungsverschiedenheiten in den anderen 14 Verhandlungsgruppen möglich ist, ohne daß die Verhandlungen in der Landwirtschaftsgruppe fortgesetzt werden, und die lateinamerikanischen Länder haben
zusätzlich zu den aktiven Mitgliedern der Cairns-Gruppe ziemlich deutlich gemacht, daß sie eine grundlegende Reform der Landwirtschaft benötigen, wenn sie
mit den Verhandlungen fortfahren sollen. Ich hoffe
also, daß diese Botschaft die höchsten politischen
Kreise erreicht und wir in der Lage sein werden, die
Verhandlungen in der Landwirtschaft fortzuführen.
Frage: Zwei Frage, die erste an Frau Hills. Kann ich
Ihrer Eingangserklärung entnehmen, daß die Vereinigten Staaten nicht bedingungslos der Rückkehr an
den Verhandlunstisch in Genf verpflichtet sind? Zweitens
eine Frage für Minister Yeutter. Vor vier Jahren wurde
allgemein vorausgesagt, daß die Vereinigten Staaten
genau diesen Ausgang riskierten, indem sie eine
maximalistische Haltung bei den Exportbeihilfen einnahmen. In welchem Umfang fühlen sich die Vereinigten Staaten für dieses Ergebnis verantwortlich, indem
sie diese Voraussagen ignorierten?
Hills: Zu Ihrer ersten Frage: weder die Vereinigten
Staaten noch irgendein anderes Land werden nach
Genf zurückkehren, um die Gespräche fortzuführen,
bis der Generaldirektor bei seinen Sondierungen zu

AMERIKA DIENST 49

�dem Schluß gekommen ist, daß die Bedingungen
geeignet und solche Gespräche vorteilhalft und effektiv für die Verwirklichung unserer Ziele sind. Wir hoffen
zutiefst, daß diese Bedingungen schon bald zutage
treten, aber ich habe keine Gewähr, daß dies der Fall
sein wird.
Yeutter: Ich möchte darauf eingehen und vielleicht
noch etwas zu der früheren Frage sagen, derzufolge
die Vereinigten Staaten eine unrealistische Haltung
einnahmen. Ich stimme dem ganz uns gar nicht zu,
und diese Meinung wird auch von der überwiegenden
Zahl der Länder nicht geteilt. Wenn irgendjemand von
Ihnen gestern abend oder die ganze Woche über bei
den Gesprächen anwesend gewesen wäre, dann wäre
ihm das klar geworden. Es erhebt sich die Frage, ob
sich die Gemeinschaft in bezug auf die Agrarhandelspolitik von der Realität entfernt hat oder ob dies für den
Rest der Welt gilt. Und es saßen eine Reihe von
Delegierten in dieser Woche an den Verhandlungstischen, die einheitlich und generell der Ansicht waren,
daß sich die Gemeinschaft in diesem Bereich von der
Realität entfernt hat.
Im Hinblick auf die Exportbeihilfen im besonderen wird
mich niemand jemals davon überzeugen können, daß
wir, die Vereinigten Staaten oder wir, die Exportländer
- darunter die gesamte Cairns-Gruppe - mit dem
Vorschlag eines Abbaus der Exportsubventionen eine
unrealistische Haltung eingenommen haben. Denn:
Exportsubventionen bieten keinerlei Vorteile. Jeder
versteht das. Ich glaube nicht, daß man in der ganzen
Welt einen Praktiker der Handelspolitik finden wird, der
mit dieser Behauptung nicht einverstanden ist. Die
Frage lautet also, wie weitgehend und wie schnell.
Tatsache ist, daß die Vereinigten Staaten von Anfang
an dazu bereit waren, ein vernünftiges Ergebnis bei
dieser Frage auszuhandeln. Wir waren diese Woche
bereit, das zu tun, und wir deuteten unsere Bereitschaft dazu ebenfalls im Kontext des Hellstrom-Vorschlags vom gestrigen Abend an. Zu keinem Zeitpunkt
diese Woche hat die Europäische Gemeinschaft einen
Vorschlag unterbreitet, der irgendwelche spezifischen
Verpflichtungen zur Reduzierung oder zum Abbau der
Exportbeihilfen in der Landwirtschaft enthielt. Es gab
lediglich die Verpflichtung, über dieses Thema zu
sprechen, aber niemals in all diesen vier Tagen wurde
ein spezifischer Vorschlag unterbreitet.
Frage: Vertreten die Vereinigten Staaten die Auffassung, daß die EG die Hellstrom-Vorschläge im weitesten Sinne - sei es im Hinblick auf die Anzahl oder das
Konzept - akzeptieren müssen, um darauf aufzubauen, damit eine klare Basis für die Wiederaufnahme der
Gespräche geschaffen wird?
Hills: Es sollte deutlich geworden sein, daß der
Vorsitzende DeZeeuw bei der Unterbreitung seines
Berichts als Vorsitzender der Arbeitsgruppe in Genf
erklärt hat, sowohl Exportsubventionen als auch Schutz
der Grenzen und nationale Beihilfen seien für eine
AMERIKA DIENST 49

grundlegende Reform unabdingbar. Der Vorsitzende
Hellstrom, der hier in Brüssel wirklich sehr gute Arbeit
geleistet hat, hat genau dasselbe gesagt. Und darüber
hinaus hat Minister Yeutter deutlich darauf hingewiesen, eine grundlegende Agrarreform sei unmöglich,
wenn nicht Exportsubventionen angesprochen würden, die wirklich eine Form wirtschaftlicher Kriegführung gegen die Nachbarn darstellen. Man exportiert
seine Probleme in andere Länder und fordert von
ihnen, für sie zu bezahlen, und das ist für die Mehrheit
der Länder auf der Welt unannehmbar.
Frage: Frau Hills, Sie haben zu Beginn erklärt, einige
Länder mit erheblichem wirtschaftlichem Potential hätten
Hellstroms Vorschläge zurückgewiesen. Besteht nicht
die "Realpolitik" dieser Zusammenkunft darin, daß
diese Länder beim Mißerfolg der Uruguay-Runde weniger
zu verlieren haben als die Vereinigten Staaten oder die
Cairns-Gruppe? Wenn die ganze Sache sich als Flop
erweist, werden die EG und Japan - unter dem Strich,
in Dollars und Cents - in geringerem Maße benachteiligt sein als Sie oder irgendjemand anders. Ist dies
nicht das Ergebnis des Treffens dieser Woche?
Hills: Nein. Wir alle verlieren durch ein Scheitern der
Uruguay-Runde viel. Und dabei spielt es keine Rolle,
ob es sich um Europa, die Vereinigten Staaten oder die
Entwicklungsländer handelt - alle verpassen die Chance zum Wachstum - das für die Weltwirtschaft in den
neunziger Jahren um über 4 Billionen Dollar höher
liegen könnte. Man verzichtet auf die Gelegenheit,
mehr Harmonie und wirtschaftlichen Frieden unter den
Handelspartnern der Welt zu schaffen. Und was
vielleicht noch egoistischer und schlimmer ist - man
macht die Hoffnungen der Entwicklungsländer auf
wirtschaftliche Gewinne zunichte. Dadurch erleiden
wir also alle Verluste, weil dieser letzte Punkt bedeutet,
daß politische Instabilität wahrscheinlicher ist als politische Stabilität. Und meiner Ansicht nach muß deshalb in allen Ländern der Welt auf höchster Ebene der
politische Wille aufgeboten werden, um diese Probleme zu lösen, die uns entzweien. Und eines davon hat
sich als grundlegend erwiesen.
Frage: Würden Sie sagen, daß diese Position der
Gemeinschaft signalisiert, welche Haltung Europa von
nun an einnehmen wird? Sehen wir uns insgesamt der
Schaffung zweier neuer wirtschaftlicher Blöcke gegenüber? Haben wir jetzt diese zwei wirtschaftlichen
Blöcke, die sich gegenüberstehen?
Hills: Wir müssen nicht zu dem Schluß kommen, daß
die Welt sich infolge des Brüsseler Treffens auf der
Stelle in zwei Blöcke spaltet. Ganz und garnicht. Wir
haben immer noch die Möglichkeit, die Uruguay-Runde zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen. Und
die Vereinigten Staaten werden nichts unversucht
lassen, um dieses Ziel zu erreichen. Und ich hoffe, daß
sich andere Länder der Welt uns dabei anschließen
werden - einige haben bereits Zustimmung demonstriert.

Seite 3

�Frage: Frau Hills, den Vereinigten Staaten gegenüber
verhält sich die Europäische Gemeinschaft widerspenstig und unfähig, auf die Liberalisierungsimpulse
zu reagieren. Würden die Vereinigten Staaten Disziplinierungsmaßnahmen wie etwa Super 301 oder Ausgleichszölle in Erwägung ziehen?
Hills: Meiner Ansicht nach ist dies kaum der Augenblick für eine Bitte an den Kongreß, seine Maßnahmen
zum Schutz nationaler Interessen aufzugeben, und wir
haben kein Konzept für multilaterale Regeln zum Schutz
nationaler Interessen erarbeitet. Natürlich werde ich
meine ganze Energie für den erfolgreichen Abschluß
der Uruguay-Runde aufbieten.
Frage: Um nochmals auf die Frage meines Kollegen
zurückzukommen - wenn man die Schärfe in den
Gesprächen dieser Woche gehört hat, ist es nur schwer
vorstellbar, daß die Vereinigten Staaten und die EG
Verbündete sind. Können Sie uns sagen, wie sich die
Vereinigten Staaten und die EG nächsten Monat bei
einer möglichen Golfkrise verhalten werden, wenn
dies Damoklesschwert über dem Bündnis hängt?
Hills: Zunächst einmal haben Sie von mir bestimmt
keine scharfen Bemerkungen gehört, und ich arbeite
ungeachtet unserer Meinungsverschiedenheiten sehr
effektiv mit meinen EG-Kollegen zusammen. Ich
hoffe, die Ergebnisse des Brüsseler Treffens und das
offensichtliche Ergebnis einer Mehrheit aller Länder
der Welt mit dem Wunsch nach einer grundsätzlichen
Reform der Landwirtschft sowie Regeln in dem einen
Drittel des Handels, für das wir noch keine Regeln
haben, werden bei der EG den politischen Willen
auslösen, Agrarreformen anzusprechen. Es bedarf
also nicht der Schärfe. Und tatsächlich gibt es unter
meinen Kollegen keinen einzigen, der Schärfe gegenüber der EG oder irgendeinem anderen Land befürworten würde. Wir wollen ganz einfach eine Grundsatzreform unseres Handelssystems und die Chance,
einen potentiellen wirtschaftlichen Aufschwung anzufachen, wenn wir den Marktzugang schaffen, wie ihn
mein Kollege - der die Uruguay-Runde vor vier Jahren
initiierte - für möglich gehalten hat.
Frage: Ich möchte eine Frage an Minister Yeutter
richten, der, wie Sie sagten, die Uruguay-Runde vor
vier Jahren ins Leben gerufen hat. Haben Sie Ihrer
Ansicht nach einen Fehler gemacht, indem Sie die
Grundsatzreform der Landwirtschaft so aggressiv
vorangetrieben und so viele Bereiche eingebracht
haben, die ursprünglich nicht Bestandteil des GATT
waren?
Yeutter: Botschafter Hills kann Ihnen das näher
erläutern. Natürlich glaube ich nicht, daß es ein Fehler
war, der Landwirtschaft in der Uruguay-Runde die
Priorität einzuräumen. Das war seit langem fällig. Sie
wissen sehr wohl, daß Landwirtschaft in früheren
Runden der Handelsverhandlungen erörtert wurde,
aber daraus ist überhaupt keine Arbeitsgrundlage

Seite 4

entstanden. Mit anderen Worten, aus praktischen
Erwägungen ist die Landwirtschaft seit mehr als 40
Jahren von den GATT-Regeln unberührt geblieben,
obwohl sie eine der wichtigsten Aktivitäten des Welthandels darstellt. Es liegt also an uns, ob wir erwarten,
in dieser Welt eine politische Führungsrolle zu spielen
und ob wir erwarten, eine Institution wie das GATT
weiterzuentwickeln, die dies leisten kann. Es ist unsere Pflicht, die wichtigsten Probleme des Welthandels
von heute zu lösen. Das betrifft auch die Landwirtschaft. Die Landwirtschaft ist in den vergangenen
vierzig Jahren der Geschichte des GATT im wesentlichen ignoriert worden. Sie darf aber nicht außer acht
gelassen werden - dafür ist sie für den Welthandel zu
wichtig. Wir müssen also effektive Regeln für den
Agrarhandel erarbeiten. Deshalb steht er auf der
Tagesordnung der Uruguay-Runde. Er verdient diesen Stellenwert. Es ist bedauerlich, daß wir noch keine
Vereinbarung für umfangreiche Reformen des Agrarhandels erzielen konnten. Er ist heute der Sektor, der
den Welthandel am stärksten verzerrt. Es gibt zweifellos mehr Handelsverzerrungen in der Landwirtschaft
als in irgendeinem anderen Bereich des Handels.
Deshalb sehen wir uns mit diesem Problem unmittelbar konfrontiert. Das gilt ebenso für Botschafter Hills
wie für mich und jeden anderen Wirtschafts- und
Landwirtschaftsminister auf der Welt. Es wird nicht
verschwinden, ungeachtet der Ereignisse hier in Brüssel oder anderswo in der Uruguay-Runde. Aber wir
sollten nicht davon ausgehen, daß wir diese grundsätzliche Reform in der Uruguay-Runde nicht erzielen
können. Zeit für dieses Urteil ist beim Abschluß der
Uruguay-Runde, nicht heute. Wir haben diese Reformen nicht hier in Brüssel erzielt.
Frage: Mit dem Abschluß dieses Treffens geht für die
meisten Teilnehmer auch das Gefühl für die Dringlichkeit verloren, nicht jedoch in den Vereinigten Staaten,
weil man dort diesen Termin des 1. März gesetzt hat.
Müssen Sie nicht angesichts der Tatsache, daß die
Unmittelbarkeit für die meisten anderen nicht mehr
besteht, den Kongreß um Verlängerung des gesetzlich
verfügten Mandats zur beschleunigten Behandlung im
Kongreß bitten? Wenn Sie das tun, glauben Sie, daß
der Kongreß Ihnen unter diesen Umständen diese Verlängerung gewähren wird?
Hills: Zunächst möchte ich auf diese Prämisse eingehen . Ich glaube schon, daß die 107 Nationen sehr wohl
das Gefühl der Dringlichkeit haben, und ich kann nicht
darüber spekulieren, wie schnell - oder ob überhaupt wir unsere Meinungsverschiedenheiten in den Bereichen verringern, die heute das Problem darstellen. Ich
hoffe, wir werden das tun. Wenn wir - nach dem Monat
März - um ein Mandat zur beschleunigten Behandlung
im Kongreß bitten müssen, werde ich mit dem Kongreß eingehende Konsultationen führen müssen. Meiner
Ansicht nach liegen Sie richtig mit der Meinung, daß
dies ohne nachweisbare Fortschritte sehr schwierig
sein wird. Gegenwärtig gibt es keine nachweisbaren

AMERIKA DIENST 49

�Fortschritte, so daß es uns allen nützt, wenn wir schnell
handeln, damit wir keine unmöglichen Hindernisse
überwinden müssen.

gen des Vorsitzenden Hellstrom zur Landwirtschaft
sehr konstruktiv. Zu Ihrer zweiten Frage, wie meine
Hoffnungen ...

Frage: Was werden Sie den Befürwortern der Runde
in den Bereichen Dienstleistungen und geistiges Eigentum sagen oder denjenigen mit anderen Interessen als der Landwirtschaft? Worauf sollten Sie Ihre
Hoffnungen richten, welchen Anlaß für Optimismus
haben sie bei einem erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde, wenn man das zugrundelegt, was hier
passiert?

Frage: Wie haben sich die Hoffnungen zerschlagen?

Hills: Natürlich sollen sie ihre Hoffnungen nicht aufgeben. Und sie werden ihr Ausmaß an Optimismus
selbst bestimmen müssen. Die Grundsatzfrage, in der
wir nicht übereinstimmen, lautet, ob wir das Problem
Landwirtschaft lösen können, das Minister Yeutter
zufolge seit über 30 Jahren ansteht und immer noch
nicht gelöst ist. Dies ist der Schlüssel, um die Entwicklungsländer davon zu überzeugen, daß sie diese Fragen über Dienstleistungen, Investitionen und Schutz
geistigen Eigentums ansprechen müssen - Bereiche,
die Sie genannt haben. Ob man in der verarbeitenden
Industrie oder in der Hochtechnologie tätig ist oder
ganz einfach nur Farmer in Nebraska - man muß eine
grundsätzliche Reform in der Landwirtschaft anstreben. Denn ohne eine grundlegende Reform der Landwirtschaft wird man diejenigen Länder, denen es nur
um die Landwirtschaft geht, nicht einbeziehen können,
die aber als Gegenleistung Zugang zu Dienstleistungen, Schutz geistigen Eigentums und Abbau der
Restriktionen für Investoren gewähren. Und genau
darum geht es bei den Verhandlungen. Wir wollen
Zugang für Unternehmer aus allen Bereichen. Und
dazu ist eine Beteiligung von 107 und nicht einer
Elitegruppe von nur einigen wenigen erforderlich. Damit
alle am Verhandlungstisch bleiben, wie wir das gestern
abend beobachten konnten, muß eine grundlegende
Reform der Landwirtschaft stattfinden.
Frage: Botschafter Hills, ich möchte Sie fragen, ob
diese Woche Ihrer Ansicht nach ein Mi ßerfolg war, und
zweitens hegte jeder gestern bestimmte Hoffnungen,
die im Laufe des gestrigen Abends zerstört wurden.
Was ist genau geschehen?
Hills: Meiner Ansicht nach war diese Woche kein
Mißerfolg. Wir haben 107 Wirtschaftsminister veranlaßt, sich sehr intensiv mit Problemen zu beschäftigen,
die die meisten vorher nicht so eingehend behandelt
hatten. Ich glaube, wir konnten Meinungsverschiedenheiten in einigen Gruppen abbauen. Der Vorsitz
war effektiv, und er hat Vorsitzende von sieben verschiedenen Gruppen ernannt, die bestimmte Themen
bearbeiten sollten. Er hat ferner die zwischen den
einzelnen Ländern bestehenden Differenzen herausgestellt und Annäherung in vielen Bereichen der Dienstleistungen, Schutz geistigen Eigentums und handelsbezogener Investitionsmaßnahmen (TRIMs) erzielt.
Und meiner Meinung nach waren auch die Bestrebun-

AMERIKA DIENST 49

Hills: Der Vorsitzende Hellstrom hat einen Vorschlag
unterbreitet, der jeden der drei Bereiche behandelt
hätte, in denen wir grundlegende Agrarreformen für
notwendig erachten, und die Gemeinschaft war nicht
bereit, auf bestimmte Verpflichtungen einzugehen, die
in den Bereichen Exportsubventionen und Marktzugang erforderlich sind. Minister Yeutter hat an den
Gesprächen teilgenommen, und vielleicht können Sie
erläutern, was Ihrer Meinung nach gestern abend
geschehen ist, das unsere Hoffnungen des vergangenen Tages zunichte gemacht hat.
Yeutter: Nur eine kurze Bemerkung hierzu. Natürlich
zeichnete sich gestern nach Andeutungen der Gemeinschaft, sie sei - wie von Botschafter Hills umrissen
- zur Erwägung spezifischer Verpflichtungen in jedem
dieser drei Bereiche bereit, Hoffnung ab. Dies war ein
beachtlicher Schritt nach vorn, und wir hoffen, er wird
noch über Brüssel hinaus Wirkung zeitigen. Eine
solche Verpflichtung haben wir seit vielen Monaten
von der Gemeinschaft erwartet. In Weiterführung
dieser guten Nachrichten entwickelte der Vorsitzende
Hellstrom einen bestimmten Vorschlag - ein Arbeitspapier-, das allen anwesenden Mitgliedstaaten zur Erörterung vorgelegt wurde und von vielen Seiten einschließlich der Vereinigten Staaten großen Beifall erhielt.
Es zeichnete sich ab, daß die Gemeinschaft - allerdings nur unter bestimmten Bedingungen - zu gewissen Verpflichtungen in diesen drei Bereichen bereit
war. Diese Bedingungen wurden seit langem nicht nur
von den Vereinigten Staaten sondern auch von den
übrigen Nationen für inakzeptabel erklärt. Als nun
deutlich wurde, daß sich diese Voraussetzung für
Verhandlungen nicht geändert hatte, wurde ebenfalls
deutlich, daß wir alle nur unsere Zeit vergeuden,
zumindest im Hinblick auf das Brüsseler Treffen. Wir
hoffen, daß sich die Situation in Zukunft ändern wird.
Ich möchte noch eine Bemerkung hinzufügen. In der
verfügbaren Zeit möchte ich nicht nur über Landwirtschaft sprechen, aber wie Sie wissen, haben Anfang
der Woche 30 000 Bauern demonstriert und damit
ihrer Sorge über die Agrarhandelsreform Ausdruck
verliehen. Ich möchte jedoch insbesondere diesen
Bauern durch die europäische Presse mitteilen lassen,
daß wir alle das Einkommen unserer Bauern erhöhen
und Bedingungen schaffen wollen, die zu größerer
Lebensqualität für diese Bauern führen. Das steht hier
überhaupt nicht zur Debatte. In der Uruguay-Runde
versuchen wir nicht, die Agrareinkommen in Westeuropa zu schmälern. Weder in dem amerikanischen
Vorschlag noch in dem der Cairns-Gruppe war diesbezüglich etwas enthalten.
Frage: Botschafter Hills, in den vergangenen zwei bis
vier Jahren sind zugunsten eines erfolgreichen AbSeite 5

�Schlusses der Uruguay-Runde eine Reihe von Beschwerden amerikanischer Interessengruppen abgewiesen worden. Als Handelsbeauftragter hat Herr
Yeutter eine von Reisbauern gegen Japan erhobene
Beschuldigung bezüglich gewisser Handelspraktiken
aufgrund der ausdrücklichen Versicherung der Japaner abgewiesen, daß sie konstruktiv an dieser Runde
mitarbeiten würden. Mit Europa und Korea bestehen
heute Probleme bei verschiedenen Themen. Was wird
in den nächsten Monaten mit diesen Problemen geschehen?
Hills: Die mir vorliegenden Petitionen werden im
Rahmen der Gesetze geprüft, entsprechend der von
uns bei Amtsübernahme eingegangenen Verpflichtung.
Frage: Vor dem EG-Gipfeltreffen im Oktober sind der
Präsident und der Außenminister bei den EG-Staats und
Regierungschefs vorstellig geworden, um sie zur Aufhebung des Patt zu bewegen. Können Sie vor dem
EG-Gipfel am kommenden Wochenende weitere Aktionen für diese Woche vorhersagen, und sind Sie zweitens - der Auffassung, daß die Abwesenheit der
politischen Führung Deutschlands und insbesondere
Japans in dieser Woche die Verhandlungen unterminiert haben?
Hills: Präsident Bush hat den erfolgreichen Abschluß
der Uruguay-Runde und den Aufbau eines starken
multilateralen Handelssystems zur ersten Priorität im
Handel erklärt. Und bei der Verwirklichung dieses
Ziels war er effektiver und energischer als irgendein
Präsident vor ihm. Er hat dieses Ziel an die erste Stelle
seiner Tagesordnung beim Gipfeltreffen in Houston
gesetzt, er ist sogar noch weitergegangen und hat mit
allen politisch Verantwortlichen intensive Gespräche
über die Notwendigkeit zur Modernisierung und zum
Ausbau eines guten Handelssystems geführt. Meines
Erachtens bleibt er diesen Zielen verpflichtet. Die hier
aufgetretenen Probleme sind sattsam bekannt und
werden den Staats- und Regierungschefs weltweit
dank Ihrer Berichterstattung noch besser verdeutlicht.
Wir hoffen, sie alle werden Führungsstärke beweisen
und versuchen, Maßnahmen zu ergreifen, die uns zu
einem erfolgreichen Abschluß dieser Runde verhelfen. Ich bin nicht hier, um auf irgendeine Regierung
oder irgendeinen Staatschef mit dem Finger zu zeigen
und seine mangelnde Führungsstärke der Vergangenheit zu kritisieren. Was wir von allen 107 benötigen, ist
starke Führung - jetzt und in Zukunft.
Frage: (unverständlich)
Hills: Wir haben niemals den Vorschlag zu einem
zweijährigen Moratorium unterbreitet und ich würde
dies auch zum jetzigen Zeitpunkt nicht empfehlen.
Frage: (unverständlich)
Hills: Das Papier des Vorsitzenden Hellstrom wird
zumindest den Arbeitspapieren gleichgesetzt, die Teil
Seite 6

des Protokolls dieser Sitzung sind. Meines Erachtens
war dies ein außerordentlich kreativer und konstruktiver Versuch, zukünftigen Verhandlungen einen Rahmen geben zu wollen. Das Problem im Agrarbereich,
nicht aber in den anderen 14 Bereichen ist, daß es
keinen vereinbarten Rahmen für die Verhandlungen
gibt. Es ist absolut unerläßlich, daß wir in den Bereichen Exportsubventionen, Stützmaßnahmen im Inland und Schutz der Grenzen Verhandlungen führen.
Auch die anderen Vorsitzenden haben meiner Meinung nach wertvolle Beiträge geleistet. Die schwedische Vorsitzende Gradin war Leiterin der TRIMsGruppe und ich glaube, sie ist bei ihren bi- und multilateralen Gesprächen auf größere Unterstützung für
TRIMs und geringere Meinungsverschiedenheiten
gestoßen. Dasselbe gilt für handelsbezogenes geistiges Eigentum (TRIPs).
Frage: (unverständlich)
Yeutter: Ich befürworte Marktaufteilung in keiner
Weise. Das läuft meiner eigenen Wirtschaftsphilosophie und der Präsident Bushs sowie den Grundregeln
des GATT und der Uruguay-Runde zuwider. Nichts
dergleichen ist in irgendeinem der Verhandlungsvorschläge, die ich gesehen habe, enthalten, und ich
bezweifle, daß es in Zukunft erwogen wird. Es ist
unabdingbar, daß wir bei Exportsubventionen extreme
Disziplinen greifen lassen. Das ist der Kern der Sache.
Es geht nicht um die Höhe des Geldes, das jeder von
uns für Exportsubventionen ausgibt, denn diese variieren je nach Marktlage, verfügbarem Angebot, der
Nachfrage und einer ganzen Reihe anderer Faktoren.
Das Problem bei Exportsubventionen ist die Größenordnung, in der Produkte auf den Weltmarkt geworfen
werden und damit die Marktlage verzerren und stören.
Wir müssen also anfangen, das Volumen subventionierter Produkte zu verringern, die von den jeweiligen
Nationen durch unterschiedliche Mechanismen auf
den Markt gebracht werden. Volumendisziplinen sind
entscheidend, es besteht jedoch überhaupt keine
Notwendigkeit, sie in eine Vereinbarung bezüglich
Marktaufteilung münden zu lassen. Tatsächlich wird
genau das Gegenteil der Fall sein, wenn diese Disziplinen greifen. Immer mehr der auf den Weltmarkt
gebrachten Produkte werden auf der Grundlage freien
und offenen Handels bewegt, und dies ist genau das
Gegenteil von Marktaufteilung.
Frage: Wie sind die Aussichten für das amerikanische
Exporterweiterungsprogramm angesichts der Tatsache, daß das Patt im Agrarsektor anhält und sehen Sie
für die kommenden Monate und Jahre Agrarhandelskriege voraus?
Yeutter: Meines Erachtens sollte keiner von uns im
Anschluß an Brüssel oder zu irgendeinem anderen
Zeitpunkt mit Handelskriegen drohen. Mir scheint, der
internationale Handel ist für alle von uns zu wichtig, um
dies geschehen zu lassen.

AMERIKA DIENST 49

�Gleichzeitig müssen wir der Tatsache Rechnung tragen, daß wir uns heute aufgrund einiger verzerrender
Kriterien der Handelspolitik verschiedener Nationen,
die wir heute morgen erörtert haben, beim Agrarhandel
in einem äußerst kontroversen Umfeld bewegen. Mit
anderen Worten, im Agrarbereich ist das System defekt und muß repariert werden. Und bis es repariert ist,
wird dies ein kontroverses und umstrittenes Thema
bleiben. Das ist genau das, womit sich dieser Aspekt
der Uruguay-Runde befaßt. Aus diesem Grund wird
dem Agrarbereich in der Uruguay-Runde ein so hoher
Stellenwert beigemessen, und aus diesem Grund
müssen wir letztlich ein Abkommen erzielen. Wie ich
bereits gesagt habe, sollten wir die Verhandlungen
nicht aufgeben, und wenn wir in absehbarer Zukunft
Fortschritte und ein erfolgreiches Abkommen erzielen,
wird die von Ihnen gestellte Frage irrelevant. Wenn
nicht, werden wir natürlich weiterhin in dieser Situation
großen Belastungen ausgesetzt sein. Ich habe bei
meinen Reisen durch Europa häufig den Eindruck
gewonnen, daß große Sorge besteht, erfolgreiche
Argrarverhandlungen würden der europäischen Landwirtschaft einen enormen politischen und wirtschaftlichen Preis abverlangen. Ich bin fest davon überzeugt,
daß ein Scheitern der Agrarverhandlungen einen noch
höheren Preis fordern wird, und das sollte in dieser
Woche hier in Brüssel deutlich geworden sein. Wir
hoffen also, daß dies im Laufe der Zeit eine geänderte
Einstellung bewirken wird.
Frage: Mr. Mac Sharry und Mr. Andriessen haben
erklärt, die Erwartungen der Vereinigten Staaten und
anderer Länder seien viel zu hoch, und die Verhandlungen gingen um Geben und Nehmen, davon sei in
dieser Woche jedoch von Ihrer Seite nichts zu spüren
gewesen.
Hills: Meines Erachtens waren unsere Positionen seit
einigen Wochen flexibel und konstruktiv. Sie von der
Presse und unsere Kollegen bei der Brüsseler Sitzung
haben in der Tat geänderte Positionen bei einer ganzen Bandbreite von Themen festgestellt. Mr. Mac
Sherry und Mr. Andriessen verwechseln wohl das
Problem, daß wir einen Vorschlag für eine tiefgreifende Reform unterbreitet haben, der sich mit Exportsubventionen befaßt. Sie haben auf diesen Vorschlag

* *

AMERIKA DIENST 49

nicht reagiert. Sie haben uns mitgeteilt, sie hätten im
Hinblick auf Exportsubventionen kein Verhandlungsmandat. Praktisch jede Nation der Welt glaubt, die
Exportsubventionen müßten abgebaut werden, oder
es gibt keine durchgreifende Reform der Landwirtschaft. Und ohne eine grundlegende Reform der
Landwirtschaft werden diese die Mehrheit bildende
Nationen nicht konstruktiv über andere Themen verhandeln. Der Schlüssel für unseren jeweiligen Erfolg
- den von Mr. Andriessen und unseren Erfolg - liegt
daher in einer tiefgreifenden Reform der Landwirtschaft, die Verhandlungen über Exportsubventionen
erfordert.
Frage: (unverständlich)
Hills: Wir haben einen unseres Erachtens absolut
soliden Vorschlag unterbreitet. Der Vorsitzende der
Agrargruppe in Genf hat einen Vorschlag eingebracht,
der unserm Vorschlag bis zu einem gewissen Grad
folgt. Zumindest behandelt er Exportsubventionen.
Der Vorsitzende Hellstrom hat gestern abend einen
Vorschlag unterbreitet - ein Arbeitspapier - der in vieler
Hinsicht von unsererm Vorschlag abweicht, jedoch im
Hinblick auf Exportsubventionen eine tiefgreifende
Reform fordert. Unserer Meinung nach ist die Feststellung realistisch, daß sich die Europäische Gemeinschaft mit Exportsubventionen befassen muß. Aufgrund von Protektionismus im Agrarbereich verschwenden die wohlhabenden Nationen 250 Milliarden Dollar
pro Jahr und entziehen den Entwicklungsländern damit
Marktchancen, was wiederum wirtschaftliche Verluste
für sie zur Folge hat und vielleicht Instabilität sät. Aus
dieem Grund müssen wir dieses Thema ansprechen.
Ich denke, unsere Erwartungen sind realistisch, und
die Frage lautet: "Reicht der politische Wille unserer
Verhandlungspartner in Europa aus, um sich mit dieser höchst augenfälligen Notwendigkeit auseinanderzusetzen?"
Yeutter: Ich möchte dem nur einen Satz hinzufügen.
Ich möchte darauf verweisen, daß die Europäische
Gemeinschaft bisher keine definitiven Disziplinen zu
Exportsubventionen für auch nur eine Tonne oder ein
Pfund irgendeines Produkts angeboten hat. Unseres
Erachtens deutet dies wohl kaum auf Reformwillen hin.

* *

*

Seite 7

�MENSCHENRECHTE
12. Dezember 1990

SCHIFTER: DEMOKRATIE IM AUFWIND
Rede zum Tag der Menschenrechte
WASHINGTON - (AD) - Dem Abteilungsleiter für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im
amerikanischen Außenministerium zufolge befindet sich die Demokratie trotz einiger Rückschläge im Bereich
der Menschenrechte weltweit seit dem vergangenen Jahr "im Aufwind".
In seiner Rede bei einer Konferenz des US-Außenministeriums zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember
1990 würdigte Schifter den Fortschritt in Osteuropa bis zu den beispiellosen von der sowjetischen Führung
unternommenen Schritten, ihren Staatsbürgern "die Chance, sich in einem völlig neuen Klima der Meinungsfreiheit zu bestätigen", zu gewähren.
Schifter erklärte, auch in Chile, Nicaragua und Benin hätten positive Veränderungen stattgefunden, und in
Südafrika "werden echte Fortschritte bei der Beendigung der Apartheid erzielt".
Nachfolgend veröffentlichen wir Schifters Ansprache im Wortlaut.

In seinen Jahren als Abgeordneter des District of
Columbia war Richter Skelly Wright für seine unbeugsame Haltung bei der Bekämpfung von Rassendiskrimierung und Rassentrennung bekannt. Er war aus
Louisiana hierher gekommen, wo er zunächst Befürworter der Rassentrennung gewesen war. Auf die
Frage, wie er zum Verfechter gleicher Rechte für
Schwarze und Weiße geworden sei, deutete Richter
Wright auf seinen Kopf und erwiderte: "Hier oben hat
es eines Tages einfach 'klick' gemacht."

machte der Präsident der Sowjetunion folgende Aussage über die Entwicklungen in seinem Land: "Es ist
allgemein anerkannt, daß der historische Wandel in
der Sowjetunion eine der tiefgreifendsten Veränderungen in der Welt darstellt, einen Wandel von Totalitarismus zu Freiheit und Demokratie, vom bürokratischen
Kommandosystem zu Rechtsstaatlichkeit und politischem Pluralismus, vom wirtschaftlichen Staatsmonopol zu gerechter Verteilung von Besitz und Marktbeziehungen..."

In den vergangenen 35 Jahren hat es bei ziemlich
vielen Amerikanern beim Thema Gleichberechtigung
'geklickt'. Rückblickend ist Richter Wrights einfache
Erklärung einleuchtend. War sein Land nicht auf das
Prinzip gegründet worden, daß alle Menschen gleich
sind? Und stellten nicht Sklaverei und Rassendiskriminierung einen eklatanten Verstoß gegen dieses fundamentale Gebot dar? Der Wandel, der sich in unserem
Land in der letzten Generation vollzogen hat, zielte
darauf ab, unsere Praktiken mit unserer in der Unabhängigkeitserklärung verankerten grundlegenden
Verpflichtung in Einklang zu bringen.

Diese Charakterisierung des in der Sowjetunion vollzogenen Wandels ist keine leere Rhetorik. Die Worte
Präsident Gorbatschows beschreiben zutreffend und
präzise den massiven politischen Umbruch in der
Sowjetunion der letzten Jahre, einen Umbruch, der
das Ende des von Lenin geschaffenen Einparteiensystems herbeigeführt hat.

Als wir im letzten Jahr zusammenkamen, war Rumänien noch eine totalitäre Diktatur. Heute ist Albanien
das einzige europäische Land, das noch dem Leninismus anhängt. Beim jüngsten Pariser Gipfeltreffen
AMERIKA DIENST 49

Anhänger des Leninismus zu sein, war nicht leicht. Es
bedeutete die Akzeptanz eines komplexen Gefüges
von Überzeugungen. Es bedurfte mehr als eines
einfachen 'Klicks' in den Köpfen der Menschen, um
diesen Übergang zu vollziehen. Vielleicht bedurfte es
einer Vielzahl von 'Klicks' - aber zumindest fand dieser
'Klick' statt. Wie Präsident Gorbatschow zu Recht
feststellte, ist die Welt nicht mehr das, was sie noch vor
zwei Jahren war.
Seite 1

�Vor vierzig Jahren gaben sechs renommierte Schriftsteller - Arthur Koestler, Andre Gide, Ignazio Silone,
Louis Fischer, Richard Wright und Stephen Spender einen Band von Essays heraus, in dem sie ihre Gründe
dafür darlegten, warum sie ihrer Überzeugung oder
ihrer Sympathie für den Kommunismus abgeschworen
hatten. Das Buch trug den Titel "The God That Failed".

erhebliche Bewegung im Sinne der Demokratie statt.
In Südafrika werden echte Fortschritte bei der Beendigung der Apartheid erzielt, die, wie wir hoffen, zu einem
demokratischen Vielparteienstaat ohne Rassenschranken führen werden. Und in Asien vollzog sich eine
Entwicklung zur Demokratie in der Mongolei und in
Nepal.

In den siebziger und achtziger Jahren folgten Millionen
in Osteuropa diesen Vorreitern eines früheren Zeitalters. Diejenigen, die in jüngster Zeit ihre Ansichten
geändert haben, waren von den gleichen Gründen,
den gleichen Denkprozessen beeinflußt wie die Autoren von "The God That Failed" bei ihrer Abkehr von
leninistischer Überzeugung oderSympathisantentum.
Aber dieses Mal gab es einen Unterschied. Die
Menschen, die in jüngster Zeit ihre Ansicht änderten,
waren keine einzelnen Literaten am Rande der internationalen kommunistischen Bewegung. Die Menschen,
die dieses Mal ihre Sichtweise änderten, waren die
Menschen im Herzen der Bewegung. In diesem
Zusammenhang hat Margot Honecker angeblich zu
ihrem Mann gesagt: "Wer hätte gedacht, daß die
Konterrevolution in Moskau beginnen würde?"

Das soll nicht heißen, daß es nicht auch Rückschläge
gegeben hat, denn wir haben das Ende der Geschichte
noch nicht erreicht. Über das Problem repressiver
staatlicher Maßnahmen hinaus erleben wir heute in
vielen Teilen der Welt die Unmenschlichkeit des
Menschen gegenüber anderen Menschen in Zusammenhang mit Konflikten zwischen einzelnen Volksgruppen. Unsere Länderberichte zu den Menschenrechten, die in etwa 60 Tagen veröffentlicht werden,
werden zahlreiche ernste und andauernde Probleme
im Bereich der Menschenrechte aufführen.

Wenn wir über das heutige Europa nachdenken, müssen
wir in erster Linie derjenigen gedenken, die in den
Jahren der Unterdrückung den Mut besaßen, für die
Sache der Freiheit zu sprechen und damit ihre Einkerkerung, die Einweisung in psychiatrische Anstalten
oder sogar ihr Leben riskierten.
Wir können jedoch die Tatsache nicht außer acht
lassen, daß im Jahr 1989 und seither noch ein anderer
Faktor zum Tragen kam, ein Faktor, der diesen Umbruch um den Preis eines Minimums an Menschenleben ermöglichte. Es war der grundlegende Wandel,
auf den sich Präsident Gorbatschow in seiner Pariser
Rede bezog. Für die von der sowjetischen Führung in
den vergangenen Jahren ergriffenen Maßnahmen
scheint es keinen Präzedenzfall zu geben. Nachdem
sie absolute Macht ererbt hatten, traten Präsident
Gorbatschow und seine Berater diese freiwillig und
bewu ßt ab und gaben dem Volk die Möglichkeit, seinen
Einfluß in einer völlig neuen Atmosphäre der Redefreiheit geltend zu machen.
Die Hinwendung zu einer offenen, demokratischen
Gesellschaft fand nicht nur auf einem Kontinent, in
Europa, statt. Auch andernorts ist die Demokratie im
Aufwind. In der westlichen Hemisphäre sind wir 1990
Zeugen der Einführung einer demokratisch gewählten
Regierung in Chile sowie des Wahlsiegs der demokratischen Kräfte in Nicaragua geworden. In anderen
lateinamerikanischen Staaten hat der friedliche Wechsel von einer demokratischen Regierung zur nächsten
bewiesen, daß die demokratischen Fortschritte der
vergangenen Jahre konsolidiert werden.
Darüber hinaus hat in Benin eine demokratische
Regierung ihr Amt angetreten, und in ganz Afrika fand

Seite 2

Heute möchten wir uns jedoch dem positiven Aspekt,
dem Triumph der Sache der Freiheit in so vielen Teilen
der Welt zuwenden.
Was hat den Dissidenten in Osteuropa die Kühnheit
verliehen, öffentlich Stellung zu beziehen ? Was hat die
sowjetische Führung dazu veranlaßt, seit langem
bestehende Doktrinen und Praktiken zu überdenken?
Was bewirkte den Umschwung zur Demokratie in
Benin und in der Mongolei? Ein wichtiger Faktor bei
der Beantwortung der ersten Frage war zweifelsohne
der unauslöschliche Freiheitsdrang des Menschen.
Die Antwort auf die zweite Frage lautet, daß die
sowjetische Führung jenen Instinkt anerkannte und
begrüßte.
Und nun zur Antwort auf die dritte Frage. In diesem
Zeitalter der grenzüberschreitenden Kommunikation
erreichten Gedanken und Ideen aus dem Westen den
Osten und andere Teile der Welt mit zunehmender
Häufigkeit. Sie erreichten den Mann auf der Straße,
aber auch die herrschenden Eliten, und sie beeinflußten beide.
Es wäre unnötige und unangebrachte Bescheidenheit,
wenn ich an dieser Stelle unerwähnt ließe, daß es die
Vereinigten Staaten waren, die bei diesen Bemühungen die führende Rolle spielten. Der Einsatz für die
Sache der Freiheit ist bei uns eine seit langem bestehende Tradition. Unsere Unabhängigkeitserklärung
versuchte - wie ich vorhin bereits sagte - die allgemeine
Wahrheit zu formulieren, wonach "alle Menschen gleich
geschaffen sind". Wir haben unsere Bill of Rights seit
jeher als Vorbild betrachtet, dem alle Regierungen bei
ihrem Verhalten gegenüber ihren Bürgern nacheifern
sollten. Wir haben ausländische Regierungen weniger
nach ihrer Haltung gegenüber den Vereinigten Staaten
sondern nach ihrer Behandlung ihrer eigenen Staatsbürger beurteilt. Unsere Betrachtungsweise ausländischer Regierungen im Licht ihrer Maßnahmen gegenüber ihren eigenen Bürgern hat sich - obwohl auf

AMERIKA DIENST 49

�Idealismus gegründet - als äußerst praktisch erwiesen. Die Geschichte hat immer wieder gezeigt, daß
eine Regierung, die für ihre eigene Bevölkerung eine
Bedrohung darstellt, letztlich zur Bedrohung für ihre
Nachbarn wird. Die Regierung Saddam Husseins, die
seit vielen Jahren wahllos ihre eigenen Staatsbürger,
seien sie Araber oder Kurden, Schiiten oder Sunniten,
ermordet, ist lediglich das jüngste Beispiel für die
Gültigkeit dieser Behauptung.
Es nimmt nicht wunder, daß es nach Gründung der
Vereinigten Staaten eine Amerikanerin - Eleanor
Roosevelt - war, die die Kampagne für die Verabschie-

*

AMERIKA DIENST 49

*

düng der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
anführte. Ferner ist es auch nicht überraschend, daß
diese Erklärung eine enge Verwandtschaft mit der Bill
of Rights und anderen Prinzipien aufweist, die in
unserer Verfassung, unseren Grundgesetzen verankert sind. Es ist deshalb besonders passend und
angemessen, daß wir bei dieser Gelegenheit, dem 42.
Jahrestag der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, auch des Beginns der
Zweihundertjahrfeier unserer Bill of Rights gedenken
und dabei die Ehre haben, den Obersten Richter
Burger in unserer Mitte zu wissen.

*

*

Seite 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker fordert Husseins unverzüglichen Rückzug aus Kuwait&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Außenministers vor Senatsausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GATT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Landwirtschaft weiterhin Schlüssel zum Erfolg bei GATT-Gesprächen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz der US-Delegation in Brüssel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schifter: Demokratie im Aufwind&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede zum Tag der Menschenrechte&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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5. Dezember 1990

48

GOLFKRISE

BUSH BEZWEIFELT DEN ALLEINIGEN
ERFOLG DER SANKTIONEN GEGEN IRAK
Ansprache und Pressekonferenz
des Präsidenten
DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom
16. bis 30. November 1990

GATT

HILLS WARNT VOR FEHLSCHLAG
DER URUGUAY-RUNDE
Erklärung der US-Handelsbeauftragten

EINWANDERUNG

EINWANDERUNGSGESETZ VON 1990
Übersicht des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 0300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
5. Dezember 1990

BUSH BEZWEIFELT DEN ALLEINIGEN ERFOLG
DER SANKTIONEN GEGEN IRAK
Ansprache und Pressekonferenz des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Obwohl Präsident Bush die Auffassung vertritt, die nach dem Einmarsch in Kuwait gegen
den Irak verhängten UN-Sanktionen "zeitigen zwar eindeutig Erfolge", äußerte der Präsident am 30. November
1990 Zweifel, daß solche Maßnahmen allein den Irak zum Abzug aus Kuwait zwingen und die Wiedereinsetzung
der rechtmäßigen Regierung in Kuwait bewirken können.
"Ich kann Ihnen nicht sagen, ob die Sanktionen allein funktionieren werden", erklärte Bush im Rahmen einer
Pressekonferenz im Weißen Haus, "und deshalb begrüße ich die gestern beschlossene Vorgehensweise der
Vereinten Nationen", die den Einsatz aller notwendigen Mittel zuläßt, um Kuwait von der irakischen Besetzung
zu befreien, wenn sich die Truppen nicht bis zum 15. Januar 1990 zurückziehen.
Bush verwies insbesondere darauf, daß die neuen Demokratien in Osteuropa und die Entwicklungsländer in
Afrika und der westlichen Hemisphäre "erhebliche Schäden durch die wirtschaftlichen Auswirkungen" der
Aggression des irakischen Präsidenten Saddam Hussein erleiden.
Der Präsident erklärte, die Anhänger der Meinung, man könne "monatelang" zusehen, bis die Sanktionen den
Irak zur Einhaltung der UN-Resolutionen zwingen, "müssen sich die verheerenden Schäden vor Augen führen,
die täglich den schwachen Volkswirtschaften der Länder zugefügt werden, die es am wenigsten vertragen
können".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Stellungnahme des Präsidenten und die anschließende Pressekonferenz im
Wortlaut.

Bush: Ich möchte eine Erklärung abgeben, die etwas
länger als gewöhnlich ausfallen wird, weshalb ich um
Nachsicht bitte, und ich werde dann später gern Ihre
Fragen beantworten.
Wir sind am Golf, weil die Welt Aggression nicht
belohnen darf und kann. Und wir sind dort, weil unsere
lebenswichtigen Interessen auf dem Spiel stehen.
Und wir sind aufgrund der Brutalität Saddam Husseins
am Golf. Wir haben es mit einem gefährlichen Diktator
zu tun, der zur Gewaltanwendung nur allzu bereit ist,
der über Massenvernichtungswaffen verfügt und neue
entwickelt und der eine der wichtigsten Ressourcen
der Welt kontrollieren möchte - all dies zu einer Zeit in
der Geschichte, da die Gesetze der Zeit nach dem
kalten Krieg neu geschrieben werden.

AMERIKA DIENST 48

Unsere Zielsetzungen sind von Anfang an dieselben
geblieben. Wir wollen den unverzüglichen und bedingungslosen Abzug aus Kuwait. Wir wollen die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen kuwaitischen Regierung.
Wir wollen die Freilassung aller Geiseln und die ungehinderte Arbeit aller Botschaften. Und wir streben
nach Stabilität und Sicherheit dieser wichtigen Weltregion.
Mit diesen Zielsetzungen stehen wir nicht allein. Die
Vereinten Nationen stimmen uns, von ihrem neuen
Auftrag ermutigt, voll und ganz zu. Der Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen hat zwölf Resolutionen verabschiedet, mit denen die unprovozierte Invasion und
Besetzung Kuwaits verurteilt und strenge Wirtschaftssanktionen verhängt werden, um den Handel mit dem

Seite 1

�Irak zu unterbinden, und er hat dem Einsatz von
Gewalt zugestimmt, um Saddam Hussein zur Einhaltung zu zwingen.
Saddam Hussein hat alles in seiner Macht Stehende
unternommen, um dies in einen Kampf zwischen dem
Irak und den Vereinigten Staaten ausarten zu lassen,
und er ist damit eindeutig gescheitert. Die Streitkräfte
aus 26 Ländern stehen unseren Truppen am Golf zur
Seite. Tatsache ist, daß hier nicht die Vereinigten
Staaten dem Irak gegenüberstehen, sondern der Irak
der ganzen Welt, und es hat niemals eine eindeutigere
Demonstration der weltweiten Geschlossenheit gegenüber Beschwichtigungspolitik und Aggression
gegeben.
Die gestern verabschiedete Resolution des UN-Sicherheitsrats hatte historischen Charakter. Wiederum
hat der Sicherheitsrat die berechtigte Funktion der
Vereinten Nation zur Friedenssicherung bewiesen.
Bis gestern konnte Saddam Hussein vielleicht noch
nicht wissen, wie die Weltmeinung aussieht, der er sich
stellen muß, und ich hoffe, jetzt wird ihm klar, daß er
Kuwait unverzüglich verlassen muß.
Ich werde ständig gefragt, wie effektiv die am 6. August
in Kraft getretenen UN-Sanktionen sind, und auf diese
Frage weiß ich keine Antwort. Die Sanktionen zeitigen
eindeutig Erfolge, aber ich kann Ihnen nicht sagen, ob
sie allein etwas bewirken. Und deshalb begrü ße ich die
gestern beschlossene Vorgehensweise der Vereinten
Nationen.
Die aufstrebenden Demokratien in Osteuropa erleiden
erhebliche Schäden durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Aggression des irakischen Präsidenten
Saddam Hussein. Die Entwicklungsländer in Afrika
und in unserer Hemisphäre werden Opfer des Übergriffs dieses Diktators auf seinen Nachbarn Kuwait.
Die Anhänger der Meinung, man müsse monatelang
warten, müssen sich die verheerenden Schäden vor
Augen führen, die täglich den schwachen Volkswirtschaften der Länder zugefügt werden, die es am
wenigsten vertragen können.
Der Präsident der Zentralbank, Alan Greenspan, hat
erst kürzlich darauf verwiesen, daß der Anstieg der
Ölpreise infolge Saddams Invasion auch unserem
Land schadet. Und ich habe bereits erläutert, daß
unsere Wirtschaft bestenfalls eine Verlangsamung
hinnehmen muß. Wenn die Unsicherheit auf den
Energiemärkten fortbesteht, wird die Verlangsamung
schlimmer werden.
Ich habe Ihnen bereits unsere Gründe für die Entsendung von Truppen an den Golf dargelegt. Lassen Sie
mich Ihnen dalegen, was mich am meisten beunruhigt.
Als erstens möchte ich die Amoralität der Invasion in
Kuwait selbst ansprechen. Kein Land sollte seinen
Nachbarn vergewaltigen, plündern und brutal bekämpfen. Kein Land sollte imstande sein, ein Mitglied der
Seite 2

Vereinten Nationen und der Arabischen Liga von der
Weltkarte zu streichen. Ich bin ferner tief beunruhigt
über all die Geiseln - unschuldige Menschen, die
gegen ihren Willen und in eindeutiger Verletzung des
Völkerrechts festgehalten werden. Und dann gibt es
diese zynische und brutale Politik, bei der Menschen
gezwungen werden, um ihre Freilassung zu betteln,
bei der einzelne Menschen wie Frachtgut an ihre
Familien und die Emissäre überstellt werden.
Ich bin in großer Sorge um unsere Botschaft in Kuwait.
Die Fahne weht noch, eine Handvoll belagerter Amerikaner befindet sich immer noch in der Botschaft und
darf sie nicht verlassen. Diese Behandlung unserer
Botschaft verletzt jedes zivilisierte Prinzip der Diplomatie. Und sie bedeutet eine Erniedrigung für unsere
Bürger und unser Land. Ich bin entschlossen, daß
diese Botschaft, wie es Resolution 674 des UN-Sicherheitsrats fordert, vollständig wiederherstellt wird
und unsere Bürger nach Hause zurückkehren dürfen.
Welchen Präzedenzfall werden diese Maßnahmen für
die Zukunft schaffen, wenn Saddam Hussein das
Völkerrecht ungestraft verletzen darf?
Ich bin ebenfalls in tiefer Sorge über die Zukunft
Kuwaits. Die Geschichten von Vergewaltigung und
Mord, das kaltblütige Töten und zügellose Plünderungen übersteigen fast die Vorstellungskraft. Die gesamte zivilisierte Welt muß sich zusammenschließen
und erklären, daß diese Behandlung von Menschen
aufhören muß und diejenigen, die dem kuwaitischen
Volk Gewalt angetan haben, zur Rechenschaft gezogen werden müssen.
Ich bin darüber hinaus in großer Sorge über Saddam
Husseins Bestrebungen zum Erwerb von Atomwaffen.
Stellen Sie sich seine Fähigkeit vor, seine Nachbarn zu
erpressen, wenn er über Atomwaffen verfügt. Wir sind
Zeuge geworden, wie er Chemiewaffen gegen sein eigenes Volk eingesetzt hat. Wir sind Zeuge geworden,
wie er aus seinem eigenen Land, das wohlhabend und
erfolgreich sein sollte, ein armes Land gemacht hat - all
dies aufgrund seines unstillbaren Verlangens nach
Waffen und Eroberungen.
Ich bin gefragt worden, warum ich mehr Truppen an
den Golf entsende. Ich hege weiterhin die Hoffnung
auf eine friedliche Lösung für diesen Konflikt. Aber
wenn Gewalt notwendig wird, werden wir und die
anderen 26 Länder, die in der Region Streitkräfte
haben, genug Macht besitzen, um das Notwendige zu
veranlassen.
Ich weiß, daß in unserem Land Befürchtungen über ein
neues Vietnam herrschen. Ich möchte Ihnen jedoch
versichern, daß sich, auch wenn ein militärischer Einsatz erforderlich wird, Vietnam nicht wiederholen wird.
Es wird keinen lang andauernden Krieg geben. Die
aufgestellten Streitkräfte sind anders, der Gegner ist
ein anderer und auch der Nachschub für Saddam
Husseins Truppen unterscheidet sich, die gegen ihn
AMERIKA DIENST 48

�verbündeten Länder der Vereinten Nationen sind anders,
ebenso die Topographie Kuwaits. Darüber hinaus ist
die Motivation unserer Freiwilligentruppe hervorragend.
Ich will den Frieden. Frieden, nicht Krieg, aber wenn
es einen Krieg geben muß, werden wir nicht zulassen,
daß unseren Truppen die Hände gebunden werden,
und ich versichere Ihnen, es wird kein unklares Ende
geben. Wenn ein amerikanischer Soldat kämpfen
muß, dann wird er genug Streitkräfte hinter sich haben,
um zu siegen und das Schlachtfeld so schnell wie
möglich zu verlassen, sobald die Zielsetzungen der
Vereinten Nationen erreicht sind. Ich werde einem
halbherzigen Einsatz niemals zustimmen.
Ich möchte es noch einmal wiederholen. Wir haben
keinen Streit mit dem irakischen Volk. Wir empfinden
für die Menschen dort nur Freundschaft. Und ich
möchte auch nochmals wiederholen, daß wir nicht den
Wunsch haben, einen einzigen amerikanischen Soldaten auch nur einen Tag länger am Golf zu lassen als es
für die Erlangung der oben beschriebenen Ziele notwendig ist.
Niemand wünscht sich mehr als ich eine friedliche
Lösung für diesen Konflikt, und gleichzeitig ist niemand
entschlossener als ich, die Aggression Saddam Husseins rückgängig zu machen.
Schließlich mahnen die Menschen nun zu Geduld. Die
Vereinigten Staaten und die ganze Welt waren geduldig. Ich werde mich auch weiterhin in Geduld fassen,
aber die gestern beschlossene UN-Resolution - die 13.
des UN-Sicherheitsrats - erklärt Saddam Hussein
eindeutig: "Die Zeit läuft ab. Sie müssen aus Kuwait
abziehen, und wir haben Ihnen Zeit gegeben, um
genau das zu tun."
Viele Menschen haben mit Saddam Hussein und seinem AußenministerTarikAsis persönlich gesprochen.
Alle waren frustriert über Iraks eisernen Widerstand,
nicht aus Kuwait abziehen zu wollen.
Um aber dem Frieden noch eine letzte Chance zu
geben, werde ich Außenminister Asis einladen, Ende
der Woche um den 10. Dezember an einem beiderseitig genehmen Zeitpunkt zu einem Gespräch mit mir
nach Washington zu kommen. Dazu werde ich auch
die Botschafter verschiedener Koalitionspartner am
Golf einladen.
Darüber hinaus bitte ich Außenminister Baker, nach
Bagdad zu reisen, um sich mit Saddam Hussein zu
treffen, und ich werde dem irakischen Präsidenten
vorschlagen, den Außenminister zu einem beiderseits
genehmen Zeitpunkt zwischen dem 15. Dezember
und dem 15. Januar nächsten Jahres zu empfangen.
Im Rahmen des Mandats der UN-Resolution werde ich
ebenso wie Außenminister Baker bereit sein, alle
Aspekte der Golfkrise zu erörtern. Um dennoch diese

AMERIKA DIENST 48

Bestrebungen zur Ausschöpfung aller Mittel zur Erlangung der politischen und diplomatischen Lösung klar
zu umreißen - ich möchte keine Gespräche, die weniger hervorbringen als den vollständigen Abzug aus
Kuwait, die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen kuwaitischen Regierung und Freiheit für alle Geiseln.
Frage: Da Sie jetzt über eine eindeutige UN-Resolution zum Einsatz von Gewalt verfügen, werden Sie
damit nicht in die Lage kommen - wenn die Gespräche
zwischen den Außenministern ergebnislos verlaufen am 15. Januar Gewalt anwenden zu müssen, wenn
Saddam Hussein nicht abgezogen ist? Und wenn
nicht, würden wir nicht als diejenigen angesehen, die
als erste klein beigeben?
Antwort: Dieses Datum bedeutet nicht, daß dann
Gewalt angewandt werden muß.
Frage: Dazu noch eine Frage. Werden Sie den
Kongreß um Zustimmung zu dieser Resolution bitten?
Soll der Kongreß Ihrer Meinung nach dieselbe Resolution verabschieden wie die Vereinten Nationen?
Antwort: Es wäre mir sehr recht, wenn der Kongreß
mit einer Resolution enthusiastisch dem zustimmt,
was die Vereinten Nationen beschlossen haben. Aber
darüber konsultieren wir noch, und ich plane noch nicht
die Einberufung einer Sondersitzung. Ich bin nicht
dagegen. Aber gegenwärtig stehen wir in Konsultationen. Ich habe mit mehreren Angeordneten gesprochen. Ebenso mit führenden Politikern im Repräsentantenhaus. Auch mit Republikanern und Demokraten
im Senat. Ich möchte sicher sein, daß die Konsultationen abgeschlossen sind.
Vielfach wird die Auffassung vertreten, daß eine Sitzung des alten Kongresses keinen Wert hat und die
neuen Mitglieder das Recht haben sollten, etwas zu
sagen. Andere wiederum vertreten die Meinung, wir
sollten jetzt etwas tun. Wie Sie wissen, war im Kongreßbeschluß über eine Vertagung die Bestimmung
über eine mögliche Wiederaufnahme enthalten. Sie
sind ein gleichberechtigter Teil der Regierung. Sie
können das tun, wenn sie wollen.
Aber wir werden unsere Konsultationen fortführen.
Zufällig finden sie heute mit der Führung statt. Ich
werde also im Laufe dessen etwas herausfinden können.
Frage: Sie haben sich zuversichtlich gezeigt, daß USTruppen gegen Saddam Hussein bestehen können.
Antwort: Absolut.
Frage: Aber zu welchem Preis? Wie viele Amerikaner?
Antwort: Ich kann Ihnen natürlich keine Zahlen nennen. Ich kann jedoch sagen, daß die Verlegung dieser
zusätzlichen Streitkräfte das Leben aller Amerikaner
und aller Verbündeten am Golf schützt.
Seite 3

�Frage: In den letzten Tagen haben führende Vertreter
der Administration den Gedanken einer Entsendung
besonderer Emissäre oder von Sonderbotschaftern in
den Irak weit von sich gewiesen, um darüber in Ihrem
Auftrag zu sprechen. Wie ist es zu Ihrem Sinneswandel gekommen?

Frage: Mir fiel auf, daß Sie anfangs, als Sie Ihre Ziele
aufzählten, die Stabilität in der Region einbezogen. Sie
schienen sie zusammenzufassen, als Sie über diese
Gespräche mit Saddam Hussein sprachen, aber Sie
erwähnten dabei nur die ersten drei, nicht aber die
Stabilität in der Region.

Antwort: Die UN-Resolution bietet meines Erachtens
eine gute Gelegenheit, um Saddam Hussein klarzumachen, wen er gegen sich hat. Ich bin jedoch noch
nicht zu dem Schluß gekommen, daß er die Botschaft
verstanden hat. Ich hoffe, daß dies dazu beitragen
wird. Ich gehe davon aus, daß diese beiden von mir
angeregten persönlichen Treffen allen Menschen in
der Welt - gewiß aber dem amerikanischen Volk garantieren werden, daß Saddam Hussein keinen
Mißverständnissen oder Fehlurteilen unterliegt. Ich
höre immer wieder: "Man informiert ihn einfach nicht
richtig." Im Gegensatz zum amerikanischen Präsidenten, der gute wie schlechte Nachrichten sehr wahrheitsgetreu erhält, überbringen die Truppen Saddam
Husseins ihm angeblich keine schlechten Nachrichten. Darüber hinaus wurde mir gesagt, daß er ziemlich
isoliert ist. Und die UN-Resolution wird ihm meines
Erachtens dabei helfen, diese Isolierung in gewisser
Weise zu überwinden. Die beiden von mir gemachten
Vorschläge werden einen Beitrag dazu leisten. Es
handelt sich also nur um einen zusätzlichen Schritt,
und diese Entscheidung wurde von mir persönlich
getroffen.

Antwort: Ich sprach dabei von der UN-Resolution und Stabilität und Sicherheit waren meines Erachtens
nicht in der UN-Resolution enthalten. Aber dies ist
sicherlich Teil der Zielsetzung der internationalen
Staatengemeinschaft. Möglicherweise handelt es sich
nur um einen technischen Unterschied.

Frage: Sie haben angedeutet, daß dieses Datum kein
Ultimatum für den Einsatz von Gewalt darstellt, sondern lediglich einen Zeitpunkt, nach dem Gewaltanwendung erlaubt ist. Wie wollen Sie vermeiden, daß
bei einem Verzicht auf den Einsatz militärischer Mittel
nach diesem Datum der Eindruck entsteht, die amerikanisch geführte Koalition habe nur geblufft?
Antwort: Nun, wir müssen die Lage betrachten, wenn
dieser Zeitpunkt eingetreten ist. Es wird meines Erachtens jedoch nie der Eindruck bestehen, daß die
Vereinigten Staaten in dieser Lage bluffen werden.
Gerade darum ist es mir bei einigen Formulierungen
meiner Erklärung gegangen.
Frage: Sie sprachen gerade über Massenvernichtungs- und Kernwaffen sowie darüber, daß eines Ihrer
Ziele darin besteht, Stabilität in der Region herbeizuführen. Können Sie Stabilität in der Region erreichen,
solange Saddam Hussein an der Macht ist?
Antwort: Ich gehe davon aus, daß die meisten Länder
- die Mitglieder der Vereinten Nationen - der Meinung
sind, es sollten einige Vorkehrungen getroffen werden,
um Sicherheit und Stabilität am Golf zu gewährleisten.
Der Status quo ante wird deshalb voraussichtlich nicht
ausreichen. Zur Zeit sind Sanktionen in Kraft, und es
wäre sicher der geeignete Moment, über diese Vorkehrungen zu sprechen, wenn die Resolutionen der
Vereinten Nationen vollständig verwirklicht worden
sind.
Seite 4

Aber dies ist entscheidend und äußerst wichtig.
Frage: Ich möchte Sie fragen, ob aufgrund Ihrer
Äußerungen über die Botschaft in Kuwait der Schluß
gerechtfertigt ist, daß Sie die Botschaft weder schließen noch erlauben werden, daß die Amerikaner dort
ausgehungert werden.
Antwort: Ich werde weder sagen, was ich tun, noch,
was ich unterlassen werde.
Wir erhielten heute morgen einen sehr interessanten
Bericht, demzufolge einige Iraker unsere Botschaft in
Kuwait besuchten und Obst, Gemüse sowie eine Stange
irakischer Zigaretten dort abgaben. Wahrscheinlich
wird morgen eine weitere Lieferung erfolgen, darunter
auch Limonade. Und sie fragten, welche Arzneimittel
benötigt werden.
Frage: Militärs?
Antwort: Das ging nicht daraus hervor. Die Botschaft
wird voraussichtlich morgen eine Liste übergeben.
Der Strom ist aber weiterhin abgeschaltet.
Dies ist also eine interessante kleine Entwicklung.
Jemand fragte mich: "Was tun wir, wenn es zu
Provokationen kommt?" Diese Frage wurde beim
Treffen mit der Führung des Kongresses gestellt. Ich
antwortete: "Betrachten Sie mich als provoziert, wenn
es um die amerikanische Botschaft geht. Betrachten
Sie mich als provoziert, wenn ich sehe, daß Amerikaner ohne ausreichende Nahrung und Arzneimittel sind."
Frage: Entnehmen Sie dem Kommunique, das Sie
erhielten, daß die Iraker diesen Hinweis verstanden
haben und diesen potentiellen Gefahrenherd ausschalten wollen?
Antwort: Ich weiß es nicht. Das ist eine sehr gute
Frage, und auch wir erörtern sie. Wir sollten optimistisch sein und sagen, daß dies ein positives Zeichen
sein könnte. Aber trotzdem ist dies noch zu weit von
der Wahrung des Völkerrechts entfernt, als daß ich
darüber jubeln könnte. Es ist aber eine sehr interessante Entwicklung.
Frage: Wie Sie wissen, gab es bei den Anhörungen
des Kongresses diese Woche einige für Sie ziemlich

AMERIKA DIENST 48

�negative Äußerungen. Heute morgen erklärten Sie,
dies würde kein lang andauernder Krieg wie in Vietnam. General Odom, der frühere Leiter der Nationalen
Sicherheitsbehörde NSA, hat erst heute morgen vor
dem Streitkräfteausschuß des Senats festgestellt, daß
wir tatsächlich jahrzehntelang dort bleiben müssen.
Wahrscheinlich meint er doch, daß wir selbst nach
einem militärischen Konflikt im Rahmen einer Streitmacht zur Sicherung des Friedens Leute dort stationieren müssen. Besteht Ihrer Ansicht nach unsererseits eine solch langfristige Verpflichtung dort?
Antwort: Nein, das ist nicht der Fall.
Frage: Ich möchte Sie noch etwas anderes fragen. AI
Gore hat sich gestern kritisch mit ihren Äußerungen
und einigen Ihrer Berater, etwa Brent Scowcroft, auseinandergesetzt, die darauf hinauslaufen, daß Saddam innerhalb von Monaten eine Kernwaffe produzieren könnte. Gore, der anscheinend einige Male privat
von diesen Leuten unterrichtet wurde, meint, die Erklärungen Ihrer Administration seien irreführend...
Antwort: Ich bin anderer Meinung als der Senator. Er
kann über den Bau einer Atomwaffe durch Saddam
Hussein spekulieren, ich tue dies jedenfalls nicht. Ich
kenne die Berichte der Nachrichtendienste im Detail.
Ich kann darüber natürlich nicht sprechen, da wir über
nachrichtendienstliche Angelegenheiten nie Auskunft
geben. Ich bin jedoch besorgt, und als ich das erste
Mal über dieses Thema gesprochen habe - ich glaube
das war im August, habe ich Massenvernichtungswaffen erwähnt. Ich bin darüber besorgt. Wenn Senator
Gore eine andere Meinung vertritt und sich keine
Sorgen macht, so gibt es da zwischen uns einen
offenkundigen Meinungsunterschied.
Ich bin besorgt über Saddam Husseins Versuch, den
Bau oder die Beschaffung einer Atombombe zu beschleunigen, und das teile ich Ihnen hier so offen ich
kann mit.
Frage: Meinen Sie, er könnte nächstes Jahr einen
Gefechtskopf entwickeln?
Antwort: Ich möchte hier keinen zeitlichen Rahmen
nennen, aber Sie haben ja die Schätzungen in den
Zeitungen gelesen, von denen einige wohl zutreffend
sind. Es gibt eine Menge Wissenschaftler, die auf
verschiedenen Seiten Position bezogen haben. Senator Gore ist sicherlich ein intelligenter Mann, aber ich
glaube nicht, daß er Zugang zu absolut allen Quellen
hat - vielleicht hat er ihn -, aber ich werde bei dieser
Frage nicht den Fehler einer Unterschätzung begehen.
Frage: Ihre Ankündigung über TarikAsis und Außenminister Baker - haben Sie irgendwelche Signale oder
Andeutungen aus Bagdad erhalten, daß sie dies begrüßen würden, daß man dort diese Art Kommunikation erwartet?

AMERIKA DIENST 48

Antwort: Nein. Das einzige, was ich gehört habe, ist,
daß sie reden wollen. Es besteht eine Chance, aber
ich habe keinerlei diplomatische oder andere Signale
erhalten.
Frage: Und wieviele von diesen 26 Nationen in der
Region, die Sie aufgezählt haben, sind ebenso bereit
zu offensiven Maßnahmen, anstatt zur reinen Defensive?
Antwort: Ich kann Ihnen darauf keine Antwort geben,
weil ich dies wirklich nicht weiß. Ich erwarte jedoch,
daß bei all diesen Ländern für die gestern getroffene
UN-Maßnahme Unterstützung besteht.
Frage: Mit allem Respekt, sollten Sie nicht wissen,
wieviele Ihren Truppen in die Schlacht folgen würden?
Antwort: Ich weiß, daß das, was ich gesagt habe, für
den Fall gilt, daß wir kämpfen müssen, und ich bin
damit zufrieden. Ich habe meinen Pflichten als Oberbefehlshaber gemäß eingehend untersucht, was geschehen würde, wenn wir zum Einsatz von Gewalt
gezwungen wären. Ich wiederhole, ich hoffe, daß wir
niemals einen einzigen Schuß im Zorn abfeuern müssen.
Frage: Der Irak hat ständig zum Dialog aufgerufen.
Sind Sie nicht besorgt, daß diese beiden Missionen,
Tarik Asis und James Baker, Saddam Hussein zu der
Behauptung verleiten werden, die Vereinigten Staaten
zeigten ein Zeichen der Schwäche?
Antwort: Weil Baker nach Bagdad reist?
Frage: Machen Sie sich keine Sorgen, daß Sadam
Hussein diese Haltung einnehmen könnte?
Antwort: Nein, das tue ich nicht. Ich bin besorgt
darüber, daß einige erklären könnten, dies sei ein
Ultimatum, das ihn dazu veranlassen soll, die Verpflichtung der Vereinigten Staaten zu verstehen, zu
verstehen, daß sich alles innerhalb der Grenzen der
verabschiedeten UN-Resolutionen abspielen soll, daß
es da keinen Spielraum mehr gibt. Es kann keine
Wahrung des Gesichts geben. Das ist nicht der Inhalt.
Es soll sichergestellt werden, daß er versteht, wie sehr
der Präsident die Verwirklichung der UN-Position bis
zum letzten i-Tüpfelchen befürwortet.
Einige haben mir gesagt, er werde nie verstehen, wie
entschlossen wir sind. Ich kann mir zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen besseren Weg vorstellen, um
dies zu tun, als dieses persönliche Treffen nach Verabschiedung der UN-Resolution. Ich bin nicht sicher, ob
er dem zustimmen wird.
Frage: Die heutige Pressekonferenz scheint wieder
einmal mehr auf die Vorbereitung eines Krieges fixiert.
Können Sie erläutern, welches Ihrer Meinung nach
Ihre Verpflichtungen gegenüber dem Kongre ß sind, da
Sie sich dagegen zu sträuben scheinen, eine der UNResolution vergleichbare Resolution zu beantragen.

Seite 5

�Worin besteht Ihrer Meinung nach Ihre Verpflichtung
gegenüber dem Kongreß und seinen Wählern?
Antwort: Umfassende Konsultationen.
Frage: Und seine Unterrichtung, bevor Sie etwas
unternehmen?
Antwort: Ich unterrichte den Kongreß darüber, wie
meiner Meinung nach zur Zeit die Sachlage ist, und Sie
haben meine Erläuterungen mit Ihrer Interpretation
versehen. Es gab zahlreiche Kommentare, in denen
die Hoffnung zum Ausdruck kam, daß eine friedliche
Lösung zustandekommt und die beste Antwort zur
Erzielung einer friedlichen Lösung darin besteht, Saddam
Hussein wissen zu lassen, wie entschlossen alle sind.
Die gestrige UN-Resolution war meines Erachtens ein
Schritt zum Frieden, nicht zum Krieg, weil ich davon
ausgehe, daß Saddam Hussein in Kuwait dasselbe tun
wird was er in Iran getan hat, wenn er endlich erkennt
und versteht, wogegen er sich stellt - wenn man die
Weltmeinung und andere Dinge betrachtet.
Frage: Die Sowjetunion hat in der Tat bei der Resolution, die gegebenenfalls, Gewaltanwendung zuläßt, zu
Ihren Gunsten abgestimmt. Werden wir der Sowjetunion dafür eine Kompromißlösung bei den Exportkrediten anbieten? Wie Sie wissen, besteht einige Besorgnis, weil sie der Meinung sind, es gäbe de facto ein
Getreideembargo, da wir ihnen in dieser Zeit der Not
keine Exportkredite anbieten.
Antwort: Diese Dinge sind völlig getrennt zu sehen
und hängen nicht miteinander zusammen. Ich habe
mit Präsident Gorbatschow über unsere Bereitschaft
gesprochen, Vorschläge im Bereich Nahrungsmittel
zu prüfen. Dies gilt insbesondere dann, wenn sich
Berichte über den harten Winter und die Härten als
zutreffend erweisen, die dies der sowjetischen Bevölkerung auferlegen würde.
Ich habe führende Regierungsvertreter unseres Landes gebeten, mir nächste Woche Empfehlungen bezüglich Jackson-Vanik zu unterbreiten. Ich habe stets
die Position vertreten, daß die Sowjets die erforderlichen Auswanderungsgesetze erlassen sollten. Dies
ist nicht geschehen. Es wird jedoch argumentiert, daß
ich jetzt größere Kompetenzen zur Aufhebung von
Bestimmungen habe als ich dachte. Ich möchte keinen Bereich der amerikanischen Wirtschaft irgendwelchen Problemen aussetzen. Ich bin einer der vehementesten Gegner eines Getreideembargos, und
dennoch muß ich hören, die amerikanische Mittelschicht habe das Gefühl, unsere Position führe quasi
zu einem Getreideembargo. Ich möchte mich strikt
dagegen verwahren, daß ich ein Befürworter des
Getreideembargos bin.
Die Sowjets sind über zahlreiche Aspekte dieses
Gesetzes besorgt. Ich stehe also vor der Entschei-

Seite 6

dung über das weitere Vorgehen. Sollten wir versuchen, Vanik aufzuheben und dann die Kredite im
Rahmen des CCC aufstocken? Es gibt andere Agrarprogramme, die wir meines Erachtens voranbringen
können, ohne Jackson-Vanik aufzuheben. Dies ist
jedoch ein sehr komplexes Thema, und ich weiß nicht
ganz genau, was ich machen werde, weil wir zwischen
sehr starken und verständlichen Wirtschaftsinteressen im Inland und unserer Befürwortung freier und
fairer Auswanderung andererseits manövrieren.
Man kann jedoch nicht umhin, festzustellen, daß die
Zahl - der Exodus - sowjetischer Juden aus der Sowjetunion groß ist, und dies ist nicht zuletzt das Verdienst
unserer Administration, weil wir den Exodus sowjetischer Juden immer wieder ermutigt haben. Dies wird
meine Erwägungen beeinflussen, wenn ich die endgültige Entscheidung über die Aufhebung von JacksonVanik treffen muß.
Frage: Erwägen Sie in diesem Zusammenhang eine
Aufstockung der Quote - der Personenzahl - die in die
Vereinigten Staaten einwandern kann? Würden wir
die Zahl der Einwanderungsgenehmigungen erhöhen?
Antwort: Wir überprüfen diese Angelegenheit derzeit.
Frage: Arabienkennern zufolge hat Saddam Hussein
angedeutet, er würde gerne irgendeinen Handel eingehen, jedoch nicht unbedingt an seinen Forderungen
festhalten. Sie sagen jetzt, Sie seien zu einem Treffen
mit ihm bereit. Sind Sie bereit, ihm in diesen Gesprächen irgendein Angebot - wie etwa eine Nahostkonferenz - als Gegenleistung für seinen Rückzug zu machen?
Antwort: Nein. Diese beiden Punkte sind völlig
unabhängig voneinander. Wir haben das eindeutig
klargestellt. Und ich habe gesagt, daß diese Gespräche im Rahmen des UN-Mandats stattfinden. Ich habe
keine allzugroße Hoffnung, daß sehr viel dabei herauskommen wird. Es bedeutet, noch einen Schritt zu
machen. Ich kann Ihnen jedoch sagen, daß wir in
dieser ganzen Angelegenheit großen Erfolg haben
werden, weil die Welt geschlossen hinter der Tatsache
steht, daß wir ohne die UN-Resolutionen keine vollständige Einhaltung garantieren können.
Frage: Was ist dann der Zweck dieses Treffens?
Stellen Sie nur ein Ultimatum?
Antwort: Nein, dies ist überhaupt kein Ultimatum.
Und ich hoffe, es demonstriert, daß wir bereit sind, ihm
persönlich zu sagen, wie fest wir den UN-Resolutionen
verpflichtet sind. Wie ich Ihnen bereits gesagt habe,
hatte ich nicht das Gefühl, daß er dieses Engagement
gespürt hat. Er mag es vielleicht jetzt etwas stärker
gespürt haben, wo der UN-Sicherheitsrat - entgegen
der Ansicht vieler Skeptiker - tatsächlich zusammengekommen ist und diese außerordentlich wichtige
Resolution verabschiedet hat.

AMERIKA DIENST 48

�Er muß sich darüber klarwerden, was die Alternativen
zur Befolgung der UN-Resolution sind. Das beste
Mittel, ihm das zu verdeutlichen, ist ein persönliches
Gespräch zwischen Außenminister Baker und ihm.
Mir wurde gesagt, er gehe nicht zwangsläufig davon
aus, daß ich nicht von meinen Worten abrücke - und
hier bietet sich eine gute Gelegenheit, ihm dies unter
vier Augen klarzumachen.
Wir wollen ihn persönlich dazu bewegen, die UNResolutionen zu befolgen. Wir wollen ihm durch den
Außenminister, der unermüdlich an der Verabschiedung dieser Resolution gearbeitet hat, die Kraft des
Engagements der internationalen Staatengemeinschaft
beweisen. Und dann versuchen, ihn zu überzeugen,
seine Position zu überdenken und die für eine friedliche Lösung der Krise erforderlichen Schritte zu unternehmen.
Sie müssen jedoch wissen, daß es sich hierbei nicht
um eine Reise der Zugeständnisse handelt. Wen
jemand tut, was er getan hat, dann sind meines Erachtens Zugeständnisse - die Chance, das Gesicht zu
wahren - fehl am Platze. Auf diese Weise geht man
nicht gegen Aggression vor, und wir werden ihn nicht
anders behandeln als ich hier aufgezeigt habe.
Frage: Sie haben den Schaden erwähnt, den die
hohen ölpreise der Weltwirtschaft zufügen. Sollten
Saudi-Arabien und die anderen Ölförderstaaten ihren
unverhofften Gewinn großzügiger mit den anderen
teilen?
Antwort: Meines Erachtens übernehmen sie bereits
einen Großteil der Kosten für mehrere Länder und
helfen Drittländern, die durch dieses Ereignis betroffen
sind. Jeder sollte jedoch noch einen Schritt tun, um
anderen zu helfen.
Es hat mich gefreut, beispielsweise in den Gesprächen
mit Präsident Salinas in Mexiko zu erfahren, daß er
durch den Verkauf von Öl zu wert unter dem aufgeblähten Weltmarktniveau liegenden Preisen versucht, die
Last zu mindern. Jeder sollte versuchen zu helfen. Die
Saudis sind anderen Ländern gegenüber vielfältige
Verpflichtungen zur Hilfe eingegangen, und ich bin
zuversichtlich, daß sie das auch weiterhin tun werden.
Frage: Sollte Saudi-Arabien die Wehrpflicht einführen?
Antwort: Das müssen die Saudis entscheiden. Übrigens finde ich nicht, daß die Vereinigten Staaten sie
benötigen.
Frage: Wenn Sie letztlich das Gefühl haben, Sie
müssen die Amerikaner um ihre Unterstützung für den
Einsatz von Gewalt bitten, so heißt das natürlich, Sie
müssen einige Eltern bitten, das Leben ihrer Kinder
aufs Spiel zu setzen.
Antwort: Dessen bin ich mir bewußt.

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Frage: Wir alle wissen, wie wichtig Ihre Kinder für Sie
sind. Haben Sie das Gefühl, dieses Problem ist so
gravierend, daß Sie sich vorstellen könnten, eines
ihrer Leben dafür zu opfern?
Antwort: Dies ist eine außerordentlich schwierige
Frage. Ich werde gefragt: "Wie viel Menschenleben
können Sie vergeuden?" Jedes einzelne ist wertvoll.
Ich möchte mich hier nicht in Reminiszenzen ergehen
- aber ich war auch dabei. Ich weiß, was es bedeutet,
Kameraden fallen und junge Männer im Kampf sterben
zu sehen.
Nur dem Präsidenten sollte die Entscheidung darüber
zukommen: Ist es dies alles wirklich wert? Wie viele
Menschenleben ist es wert? Lohnt es sich, ein Menschenleben zu opfern, ein Menschenleben aufs Spiel
zusetzen, um diese Ziel zu verwirklichen? Aus diesem
Grund möchte ich eine friedliche Lösung dieser Frage.
Sie sollten meine Post lesen. Es ist herzergreifend.
Voller Unterstützung - und dennoch, "bitte, bringen Sie
mein Kind zurück. Bitte bringen Sie meinen Mann
zurück." Es ist ein schwieriges Problem, aber der
Präsident muß die richtige Entscheidung treffen und
hierbei handelt es sich um weltweite Prinzipien von
moralischer Bedeutung. Ich werde alles in meiner
Macht Stehende tun, um diese Kinder zurückzubringen, ohne daß ein einziger Schuß im Zorn gefallen ist.
Und wenn ein Schuß im Zorn fällt, möchte ich all
denjenigen versichern, daß ihr Kind, dessen Leben auf
dem Spiel steht, ein Höchstmaß an Unterstützung
erfährt und die besten Chancen hat, lebend zurückzukommen.
Aus diesem Grund, wegen dieser Frage, die auf meiner Seele lastet, habe ich heute morgen hinzugefügt,
daß dies nicht ein zweites Vietnam wird. Aus diesem
Grund arbeite ich so hart wie möglich, um diese
Koalition nicht nur zusammenzuhalten, sondern sie zu
stärken. Der beste Weg, das Leben der Amerikaner zu
schützen, ist, daß Saddam Hussein tut, was er schon
vor langer Zeit hätte tun sollen. Und wenn Gewalt
angewendet werden muß, besteht der beste Weg,
Menschenleben zu schützen in der Bereitschaft zu
deren Einsatz. Das ist meine Position.
Frage: Es scheint, als würden Sie den Volksvertretern
die Möglichkeit verweigern, über diese Angelegenheit
zu sprechen und ihrer Meinung Ausdruck zu verleihen.
Sie kennen den Kongreß, und dennoch vermeiden Sie
ihn. Sie wissen, die Verfassung gewährt ihm nicht nur
das Recht zur Kriegserklärung, das Geld bereitzustellen und seine Meinung darüber abzugeben, was mit
den Truppen geschehen soll. Das ist die Verfassung.
Dennoch scheinen Sie das zu vermeiden. Die Fachleute auf dem Capitol Hill sagen, Sie hätten mit Vorankündigung gehandelt, zwei oder drei Kongreßabgeordnete zu sich berufen und ihnen erklärt, "Wir sind auf
dem Weg". Sie haben die Entscheidung bereits getroffen, sie benachrichtigen den Kongreß nur - das ist

Seite 7

�Vorankündigung, das sind keine Konsultationen mit
dem Kongreß. Die Kongreßabgeordneten sagen, Sie
sollten sich mit ihnen zusammensetzen und alles im
einzelnen mit ihnen erörtern - ich werde Sie daran
erinnern, wenn Foley als Sprecher des Repräsentantenhauses das Wort hat. Er mag Sprecher des Hauses
sein, aber ohne jeden Zweifel spricht er nicht für Florida
oder Texas.
Antwort: Sie haben genau das Dilemma aufgezeigt,
in dem ich mich befinde. Ich begrüße die Anhörungen
im Kongreß. Wir haben Anhörungen, wir konsultieren.
Aber ich will ehrlich zu Ihnen sein - ich kann mich nicht
mit 535 Abgeordneten auseinandersetzen, von denen
jeder seinen eigenen Willen hat. Weder kann ich es,
noch bin ich durch die Verfassung dazu verpflichtet.
Ich glaube, jeder stimmt mit mir überein, daß ich mehr
Konsultationen als vorangegangene Administrationen
geführt habe.
Frage: In unserem Land gibt es einen Mehrheitsbeschluß, und Sie scheinen sich davor zu fürchten.
Antwort: Nein, keineswegs. Wir haben Gewaltenteilung, und ich kenne die Stärken und Grenzen der
Präsidentschaft.
Dies ist eine interessante Debatte. Und ich kenne
meine Grenzen. Ich weiß, was ich tun kann, ich weiß,

* *

Seite 8

was vorherige Präsidenten getan haben. Und ich bin
immer noch entschlossen, bei Konsultationen noch
einen Schritt zu machen.
Frage: Sie und Außenminister Baker scheinen den
anderen Ländern und den Vereinten Nationen die
Möglichkeit zum Gespräch zu geben - aber dem Volk
der Vereinigten Staaten wollen Sie keine Chance zur
Diskussion mit Ihnen einräumen.
Antwort: Das ist absolut absurd. Es finden Anhörungen statt, es wird gesprochen. Im Rahmen der Sitzungsresolution hat der Kongreß das Recht, in dieser
Minute zusammenzutreten. Einige im Repräsentantenhaus wollen jetzt eine Sitzung einberufen, andere
wollen später daüber sprechen. Einige im Senat
wollen jetzt sofort zusammenkommen und unverzüglich ihre Unterstützung für das Vorgehen des Präsidenten und die Resolution des UN-Sicherheitsrats zum
Ausdruck bringen, und ich bin dafür. Andere nicht.
Also gehen die Konsultationen weiter. Bitte unterstellen Sie mit kein unlauteren Motive. Wir - sie - besprechen sich zur Zeit. Es finden endlose Anhörungen mit
einer unendlichen Zahl von Experten statt, von denen
jeder einen etwas unterschiedlichen Standpunkt vertritt. Das ist die amerikanische Art und Weise, und das
ist richtig so. Ich kenne die Verantwortlichkeiten des
Präsidenten, und ich werde ihnen gerecht.

* *

*

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�GOLFKRISE
5. Dezember 1990

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 16. bis 30. November 1990
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
16. bis 30. November fort.

16. November

22. November

Der Verwaltungsrat der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) beschließt bei seiner Sitzung in Genf vom
12. bis 16. November 1990, eine Beschwerde der drei
kuwaitischen Mitgliedsgruppen (Regierung, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisation) gegen die irakische Behandlung von Arbeitgebern und Gewerkschaften in Kuwait an den IAO-Ausschuß für Assoziationsfreiheit zu überweisen. Der Bericht soll im Februar
1991 abgeschlossen sein.

Am amerikanischen Erntedankfest besuchen Präsident Bush und seine Frau amerikanische Truppen in
Saudi-Arabien.

Der Verwaltungsrat der ILO akzeptiert eine Beschwerde des ägyptischen Gewerkschaftsdachverbands gegen
die Regierung des Irak wegen der Verletzung der
Rechte ägyptischer Gastarbeiter im Irak. Die Beschwerde wird zur Untersuchung und Beschlußfassung an einen drittelparitätisch besetzten Ausschuß
verwiesen.
20. November
Saddam Hussein ordnet die Freilassung aller deutschen Geiseln an.
21. November
Präsident Bush erklärt in getrennten Treffen mit dem
im Exil lebenden Emir von Kuwait und dem saudiarabischen König Fahd, Saddam Husseins Grausamkeit
und Barbarei würden in der folgenden Woche bei den
Vereinten Nationen in den Mittelpunkt des Weltinteresses gerückt werden. "Die Gerechtigkeit verlangt, daß
die Welt zuhört und genau versteht, welche Brutalität
er unschuldigen Familien zugefügt hat. Was er heute
den Geiseln in Kuwait antut, ist erschreckend."

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23. November 1990
In einer Plenarsitzung verabschiedet das Europaparlament in Straßburg zum dritten Mal in drei Monaten
eine Resolution, in der der Irak wegen seiner "brutalen
und ungerechtfertigten" Invasion Kuwaits aufs schärfste verurteilt und Besorgnis über die von Bagdad
gegen die Bürger Kuwaits durchgeführte "Terrorkampagne" ausgedrückt wird.
24. November
Das fünfte Gipfeltreffen des Südasiatischen Verbands
für Regionale Zusammenarbeit (SAARC) in Male fordert den "unverzüglichen und bedingungslosen Abzug
der irakischen Streitkräfte aus Kuwait und die Wiedereinsetzung seiner rechtmäßigen Regierung". Die
Mitgliedstaaten des SAARC werden durch den Präsidenten von Bangladesh, Hussain Muhammad Ershad,
den König von Bhutan, Jigme Singye Wangehuck, den
Premierminister von Indien, Chandra Shekar, den
Präsident der Malediven, Maumoon Abdul Gayoom,
den Premierminister von Nepal, Krishna Prasad Bhattari, den Premierminister von Pakistan, Mohammad
Nawaz Sharif und den Premierminister von Sri Lanka,
Dingiri Banda Wijetunga, vertreten.
Präsident Bush und Ägyptens Präsident Hosni Mubarak treffen in Kairo zusammen, um über die Golfkrise
und den Status der amerikanischen und ägyptischen

Seite 1

�Truppen in Saudi-Arabien zu beraten. Zu Beginn des
Treffens mit Bush erklärt Mubarak vor Reportern, er
sei "pessimistisch" in bezug auf Chancen für eine
friedliche Lösung, weil "es auf der anderen Seite
keinerlei Bewegung gegeben hat".
26. November
In einer Rede vor dem Obersten Sowjet warnt Präsident Michail Gorbatschow den irakischen Präsidenten
Saddam Hussein, seine Aggression gegen Kuwait
werde bestraft, und er gelobt, das Bündnis gegen den
Irak werde nicht unterlaufen.
27. November 1990
Der in einer Sondersitzung zusammengetretene UNSicherheitsrat hört detaillierte Berichte von sechs
kuwaitischen Flüchtlingen über menschenunwürdige
Behandlung durch die irakischen Besatzungstruppen
in Kuwait. Irakische Soldaten haben "in Kuwait auf
eine Weise gefoltert, vergewaltigt und geplündert, die
Erinnerungen an die Zeit der Piratenüberfälle und der
Kriege primitiver Urvölker wach werden läßt", erklärt
der kuwaitische Botschafter Mohammad Abulhasan
anhand von Videoaufzeichnungen, die aus Kuwait
herausgeschmuggelt wurden.
Berichten des US-Verteidigungsministeriums zufolge
sind im Golf zum Zweck der Durchführung der UNSanktionen 4 162 Schiffe abgefangen worden. In 500
Fällen wurden Überprüfungen an Bord vorgenommen,
und 19 Schiffe wurden umgeleitet. Von den Kontrollen
haben die Vereinigten Staaten 320 durchgeführt, die
verbündeten Streitkräfte 162 und die US-Truppen
zusammen mit den Verbündeten 18.
Die Abteilung zur Kontrolle von Auslandsvermögen im
US-Finanzministerium erklärt, sie werde eine offizielle
Untersuchung der in den Vereinigten Staaten eingefrorenen irakischen Vermögenswerte durchführen, die
auf 1 Milliarde Dollar geschätzt werden.
28. November
Die Generalversammlung verurteilt am 28. November
mit der überwältigenden Mehrheit von 148 zu 1 Stimme Gewaltakte gegen diplomatische und konsularische Vertretungen und ihre Mitarbeiter und verweist
dabei insbesondere auf die Vorgehensweise des Irak
im besetzten Kuwait.
Die Resolution fordert die unverzügliche Aufgabe der
Zuwiderhandlungen im Sinne der Resolutionen 664,
667 und 674 des Sicherheitsrats, die Iraks Verletzungen des Völkerrechts seit der Besetzung Kuwaits
betreffen.
Der kuwaitische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mohammad Abulhasan, bittet die Vereinten Nationen um den Schutz der kuwaitischen Aktenbestände und berichtet dem UN-Sicherheitsrat, die iraki-

Seite 2

sehen Besatzungstruppen hätten kuwaitische Meldekarteien konfisziert, die Registraturen zahlreicher
Ministerien - einschlie ßlich vieler Bevölkerungsstatistiken - verbrannt sowie Häuser und Grundstücke mit
Gewalt beschlagnahmt, um Kuwaitis zum Verlassen
ihrer Heimat zu zwingen.
Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet einstimmig die
Resolution 677, in der irakische Bestrebungen zur
Veränderung der kuwaitischen Bevölkerungsstruktur
und die Vernichtung der Unterlagen der rechtmäßigen
Regierung Kuwaits verurteilt werden. Die Resolution
ermächtigt den UN-Generalsekretär Perez de Cuellar,
eine Kopie des kuwaitischen Melderegisters vom Stand
1. August 1990 in Verwahrung zu nehmen, die nach
der Invasion am 2. August aus Kuwait herausgeschmuggelt wurde. Die Resolution wird von Äthiopien,
Cöte d'lvoire, Finnland, Großbritannien, Kanada,
Rumänien und Zaire unterstützt.
29. November
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet Resolution 678 mit 12:2 Stimmen (Jemen, Kuba),
die den Einsatz aller erforderlichen Mittel genehmigt,
um den Irak zum Abzug aus Kuwait zu zwingen, wenn
er die UN-Resolutionen nicht befolgt und sich bis zum
15. Januar 1991 aus Kuwait zurückzieht. China enthält
sich der Stimme.
Resolution 678 des Sicherheitsrats fordert die uneingeschränkte Einhaltung der UN-Resolutionen durch
den Irak mit der Bedingung, daß er seine Truppen aus
Kuwait abzieht und die rechtmäßige Regierung in
Kuwait wiedereinsetzt. Sie stellt fest, die Mitgliedstaaten seien zum Einsatz "aller erforderlichen Mittel" zu
ihrer Aufrechterhaltung und "Wiederherstellung des
internationalen Friedens und der Sicherheit" berechtigt, falls der Irak die vorangegangenen Resolutionen
nicht bis zum 15. Januar 1991 voll und ganz verwirklicht.
In Genf gibt die Internationale Arbeitsorganisation
bekannt, sie werde die irakischen Behörden bitten,
einer Delegation die Reise nach Kuwait zu gestatten,
um über die seit der irakischen Invasion am 2. August
immer schlechter werdenden Bedingungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu berichten. Die irakischen
Behörden werden aufgefordert, zu Beschuldigungen
von Plünderungen und Zerstörung der Einrichtungen
der kuwaitischen Arbeitgeberorganisation und Gewerkschaftsbewegung sowie der Verhaftung und Ausweisung ihrer Vorsitzenden Stellung zu nehmen.
30. November
Die irakische Regierung veröffentlicht eine Erklärung,
in der Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats als
"unrechtmäßig und ungültig" erklärt wird. In Radiosendungen Stunden nach der UN-Abstimmung lehnen
der regierende Revolutionäre Kommandorat Bagdads

AMERIKA DIENST 48

�und die Arabische Sozialistische Baath-Partei, die
beide von Saddam Hussein angeführt werden, auch
das Ultimatum der Vereinten Nationen ab, bis Mitte
Januar aus Kuwait abzuziehen oder sich dem Einsatz
von Gewalt ausgesetzt zu sehen.
Präsident Bush gibt bekannt, daß die Vereinigten
Staaten Außenminister Tarik Asis nach Washington
einladen werden und unterbreiten den Vorschlag, daß
der irakische Präsident Saddam Hussein im Gegenzug Au ßenminister James Baker zu einem beiderseits
genehmen Termin zwischen dem 15. Dezember und
15. Januar empfangen soll.
Die zu einem Treffen in La Paz zusammengekommenen Präsidenten des Andenpakts aus Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Peru und Venezuela verfassen ge-

*

AMERIKA DIENST 48

meinsam ein Schreiben an Saddam Hussein, in dem
sie ihrer Überzeugung Ausdruck verleihen, daß der
Irak die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats "einhalten muß" und den Irak zum Abzug aus Kuwait auffordern. Die Präsidenten, die die Golf krise auf irakischen
Wunsch erörtern, erklären femer, sie "wiederholen
ihre Verpflichtung zu einer friedlichen Lösung ... und
fordern deshalb einen Dialog zwischen den betroffenen Parteien im Anschluß an den Abzug (des Irak) aus
dem besetzten Gebiet - der unerläßlichen Bedingung
für den erwünschten Abbau der Spannungen". Das
Schreiben ist von den Präsidenten Jaime Paz Zamora
(Bolivien), Cesar Gaviria Trujillo (Kolumbien), Rodrigo
Boria Cevallos (Ecuador), Alberto Fujimori Fujimori
(Peru) und Carlos Abdres Peres (Venezuela) unterzeichnet.

* * *

*

Seite 3

�GATT
5. Dezember 1990

HILLS WARNT VOR FEHLSCHLAG
DER URUGUAY-RUNDE
Erklärung der US-Handelsbeauftragten
BRÜSSEL - (AD) - Der US-Handelsbauftragten Carla Hills zufolge wird die Uruguay-Runde nur dann erfolgreich
enden, wenn sich die beteiligten Staaten auf präzise Reduzierungen von Stützungsmaßnahmen im Inland,
Handelsschranken und Exportsubventionen in der Landwirtschaft verständigen.
"Die Vereinigten Staaten wünschen den Erfolg dieser Verhandlungen", erklärte Hills bei der Eröffnung des
Ministertreffens der GATT-Runde am 3. Dezember 1990 in Brüssel. "Diese Runde wird jedoch nur dann
erfolgreich sein, wenn sie als Schwert dient, mit dem Handelsschranken beseitigt werden, nicht als Schild, hinter
dem sie aufrechterhalten oder errichtet werden."
Wir veröffentlichen die Erklärung der US-Handelsbeauftragten nachfolgend im Wortlaut.

Dies ist die letzte - ich wiederhole - die letzte Woche der
Uruguay-Runde. Es wird keine Verlängerung geben.
Die Zeit der Rhetorik ist vorbei. Jetzt ist der Zeitpunkt
zu offenen Gesprächen und Grenzziehungen gekommen.
Ein Erfolg in dieser Woche bedeutet einen dramatischen Zuwachs an weltweitem Wohlstand, ein Scheitern das Abgleiten in den Protektionismus und die
durch ihn hervorgerufene politische Instabilität.
Nur eine Sache steht zwischen uns und der Einleitung
einer weltweiten wirtschaftlichen Renaissance: das
Patt in der Landwirtschaft. Eine grundlegende Reform
der Landwirtschaft wird von den Staaten das Eingehen
präziser Verpflichtungen erfordern, um Stützungsmaß
nahmen im Inland, Marktschranken und Exportsub
ventionen zu reduzieren. Ausgleichsbestimmungen
sind der Feind von Reformen, weil sie Märkte verschließen. Der Prozeß der Tariffierung ist unerläßlich
für Reformen, weil er einen Mechanismus bietet, um
Märkte zu öffnen und sie offen zu halten.
Die Vereinigten Staaten, die 13 Mitgliedstaaten der
Caims-Gruppe und andere Agrarexportländer unterstützen diese Grundprinzipien. In diesen Verhandlungen besteht ein Patt, weil einige wenige Länder sich
geweigert haben, über präzise Verpflichtungen zum
Abbau handelsverzerrender Stützungsmaßnahmen im

AMERIKA DIENST 48

Inland, zur Öffnung ihrer Märkte für Importe und
Reduzierung des Einsatzes von Exportsubventionen
zu verhandeln. Das Schicksal der Runde ist in der
Schwebe.
Die Vereinigten Staaten wünschen den Erfolg dieser
Verhandlungen. Diese Runde wird jedoch nur dann
erfolgreich sein, wenn sie als Schwert dient, mit dem
Handelsschranken beseitigt werden, nicht als Schild,
hinter dem sie aufrechterhalten oder errichtet werden.
Kurzum: die einzig akzeptablen Vereinbarungen sind
solche, die der Marktöffnung dienen. Deshalb haben
wir über den Bereich der Reform des Agrarsektors
hinaus diese Woche noch viel Arbeit zu leisten. Wir
müssen insbesondere:
die in Montreal gesetzten Ziele im Hinblick auf
Marktzugang erreichen oder übertreffen. Die
Vereinigten Staaten haben angeboten, ihre
Schranken um nahezu 40 Prozent abzubauen,
und wir sind bereit, in Schlüsselbereichen über
die weltweite vollständige Abschaffung von Zöllen
zu verhandeln, darunter bei Stahl, Aluminium,
Papier, Elektronik und Arzneimitteln;
durchgreifende Regeln zum Schutz und zur
Durchsetzung der Rechte an geistigem Eigentum vereinbaren und ein freieres Umfeld für
Investitionen fördern;

Seite 1

�die GATT-Regeln und Disziplinen im Hinblick
auf Subventionen, Zahlungsbilanzen, Schutzvorkehrungen und Schlichtung von Streitfällen
verbessern.
Schließlich müssen wir über ein marktöffnendes Abkommen bei Dienstleistungen verhandeln, darunter
auch solche im Finanzwesen. Die Vereinigten Staaten
sind der offenste Markt für Dienstleistungen der Welt.
Wir möchten, daß auch Ihre Märkte für Dienstleistungen ebenso offen sind wie der unsrige.
Die Verhandlungen über den Dienstleistungsbereich
beschäftigten sich hauptsächlich mit einer Kontroverse über die Meistbegünstigungsbestimmungen des
Abkommens. Die Verpflichtung, in dieser Hinsicht kein
Land zu diskriminieren, ist ein Grundprinzip des GATT,
das von den Vereinigten Staaten uneingeschränkt
unterstützt wird.
Ohne Verpflichtungen zur Marktöffnung bedeuten solche
Meistbegünstigungsverpflichtungen, daß Länder mit
offenen Märkten jedermann offenstehen müssen,
während Länder mit geschlossenen Märkten für jedermann verschlossen bleiben und keinen Anreiz bekommen, ihre Märkte für irgendjemanden zu öffnen.

Meistbegünstigung verpflichtet ist, solange es keine
Marktöffnungsverpflichtungen mit anderen Ländern
abgeschlossen hat. Die Vereinigten Staaten haben
Angebote zu Verhandlungen über solche Verpflichtungen in über 30 Sektoren vorgelegt. Nur die Schweiz,
Japan und heute Kanada haben sich uns dabei angeschlossen.
Bei Dienstleistungen - wie in der Landwirtschaft, bei
Marktzugang, Textilien, Regeln und den anderen neuen
Fragen - engagieren sich die Vereinigten Staaten für
die multilaterale Öffnung der Märkte. Wir haben mit
Nachdruck auf dieses Ziel hingearbeitet und dabei
Pragmatismus und Flexibilität bewiesen, und das wird
auch weiterhin der Fall sein.
Es gibt auf dem Weg zu einem Abkommen in all diesen
Bereichen hier in Brüssel keine unüberwindlichen
Hindernisse. In den wenigen uns zur Verfügung stehenden Tagen sollten wir gemeinsam den politischen
Willen aufbringen, unsere Handelsschranken abzubauen und damit die Weltwirtschaft in den neunziger
Jahren um über 4 Billionen Dollar zu vergrößern.
Wir können es schaffen. Aber es wird unseren ganzen
Einsatz erfordern.

Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten
vorgeschlagen, daß kein Land zur Gewährung der

Seite 2

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�EINWANDERUNG
5. Dezember 1990

EINWANDERUNGSGESETZ VON 1990
Übersicht des Weißen Hauses
Die folgende Übersicht über das Einwanderungsgesetz von 1990 wurde vom Weißen Haus am 29. November
1990 veröffentlicht.

Im Einwanderungsgesetz von 1990 findet die umfassendste Reform unserer Einwanderungsgesetze seit
66 Jahren ihren Niederschlag. Das Gesetz ist die
Verwirklichung dessen, was die Administration von
Beginn des Einwanderungsreformprozesses angestrebt
hat: stärkere Einwanderung qualifizierter Personen
zur Erfüllung unseres wirtschaftlichen Bedarfs bei
gleichzeitiger Aufrechterhaltung unseres Engagements
zur Familienzusammenführung. Das Gesetz trägt
dem einzigartigen Vorteil der Vereinigten Staaten
Rechnung, Magnet für ehrgeizige und talentierte
Menschen aus aller Welt zu sein.
Die wesentlichsten Punkte des Gesetzes sind:
Die Einwanderungsquote wird von 540 000 Personen
im Jahr 1989 von 1992 bis 1994 auf insgesamt 700 000
pro Jahr aufgestockt. Danach wird sich die Einwanderungsquote auf mindestens 675 000 Personen belaufen.
Mit einer Arbeitserlaubnis verbundene Einwanderungsanträge werden mehr als verdoppelt, von 54 000 pro
Jahr auf 140 000 jährlich. Den neuen Kriterien zufolge
wird sichergestellt, daß die Mehrzahl dieser Arbeitnehmer hochqualifiziert sind. Diese Aufstockung qualifizierter Einwanderer trägt dazu bei, unsere Engpässe
bei Arbeitskräften in technologischen Schlüsselbereichen zu beheben und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Erwerbsbevölkerung zu verbessern. Dank besonderer Klauseln für Investoren sollen im ländlichen
Raum neue Arbeitsplätze geschaffen und Investitionskapital angezogen werden.
Einwanderungsanträge aus familiären Gründen werden in allen wesentlichen Kategorien in größerer Zahl

AMERIKA DIENST 48

genehmigt und bis zum Jahr 1994 jährlich 520 000
betragen. Diese Zahl enthält die Sondergenehmigung
von 55 000 Visa pro Jahr von 1992 bis 1994 für
Ehegatten und minderjährige Kinder von Personen,
denen im Jahr 1986 Amnestie gewährt wurde. Ab
1995 wird sich die Einwanderungsquote aus familiären
Gründen auf mindestens 480 000 Personen jährlich
belaufen.
Pro Jahr werden 40 000 neue Visaanträge von Einwanderern unterschiedlichster Nationalitäten genehmigt, um die Nationalitätenvielfalt zu erweitern. Ab
1995 wird diese Zahl auf 55 000 Personen pro Jahr
angehoben. Bildungs- und Ausbildungsbestimmungen stellen sicher, daß diese Einwanderer rasch produktive Mitglieder unserer Gesellschaft werden.
Einige veraltetete und restriktive Einwanderungsbestimmungen werden aufgehoben. Zum ersten Mal seit
Jahrzehnten werden damit die Einwanderungsbestimmungen gelockert.
Neue Klauseln unterstützen den Kampf gegen Drogen
und Gewaltverbrechen. Die Ausweisung krimineller
Ausländer wird beschleunigt. Darüber hinaus erteilt
das Gesetz Beamten der Einwanderungs- und Einbürgerungsbehörde der Vereinigten Staaten die generelle Befugnis zur Festnahme Verdächtiger.
Die im Einwanderungsreform- und kontrollgesetz von
1986 (The Immigration and Control Act of 1986 - IRCA)
enthaltenen Punkte zur Gleichstellung von Arbeitnehmern wurden verbessert. Mit dem Gesetz sollen
Benachteiligungen verhindert werden, die sich aus
den Klauseln über Arbeitgebersanktionen im IRCA
ergeben könnten.

Seite 1

�Eine neue Erleichterung, der sogenannte "Status zeitweiligen Schutzes", wird eingeführt. Mit dieser Klausel
sollen Ausländer geschützt werden, die aufgrund von
Krieg, Naturkatastrophen oder anderer au ßergewöhlicher Umstände nicht in ihr Heimatland zurückkehren
können. Ausländern mit diesem Status wird eine
Arbeitserlaubnis und Aufenthaltsgenehmigung bis zu
dem Zeitpunkt erteilt, an dem die Lage in ihrem Heimatland ihre Rückkehr gestattet. Einer Sonderklausel
zufolge fallen Bürger von El Salvador derzeit in den
Vereinigten Staaten bis Juli 1992 unter den Status
zeitweiligen Schutzes.

auch die Einbürgerung von philippinischen Kriegsveteranen gestattet, die im Zweiten Weltkrieg dem Kommando der Vereinigten Staaten unterstellt waren.
Das Einwanderungsgesetz von 1990 ist ein große
Errungenschaft im innenpolitischen Programm des
Präsidenten. Es wird dazu beitragen, eine ausreichende Zahl qualifizierter Arbeitskräfte zu gewährleisten,
um den Erfordernissen der neunziger Jahre gerecht zu
werden, die Bande erhalten, die für eine Familie so
lebenswichtig sind und die Nationalitätenvielfalt unserer Einwanderer erhöhen.

Das Verwaltungsverfahren für Einbürgerungsanträge
wurde beschleunigt. Dem neuen Gesetz zufolge wird

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 48

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                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush bezweifelt den alleinigen Erfolg der Sanktionen gegen Irak&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache und Pressekonferenz des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 16. bis 30. November 1990&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GATT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hills warnt vor Fehlschlag der Uruguay-Runde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung der US-Handelsbeauftragten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Einwanderung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Einwanderungsgesetz von 1990&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;</text>
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28. November 1990

De'.'

5 3 00 Bonn

GOLFKRISE

AUSSENMINISTER NEHMEN AN SITZUNG DES
SICHERHEITSRATS TEIL
Baker sucht Unterstützung für Einsatz von Gewalt
DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse
vom 1. bis 15. November 1990

KSZE-GIPFEL

BUSH: RECHTSSTAATLICHKEIT MUSS
WELTWEIT DIE NORM WERDEN
Ansprache beim KSZE-Gipfel

UMWELT

BUSH UNTERZEICHNET GESETZE ZUR
ERFORSCHUNG DER ERDERWÄRMUNG,
SCHUTZ DER ANTARKTIS
Übersicht des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-33923 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
28. November 1990

AUSSENMINISTER NEHMEN AN SITZUNG DES
SICHERHEITSRATS TEIL
Baker sucht Unterstützung für Einsatz von Gewalt

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker hat die
Außenminister der 14 Mitgliedstaaten des UN-Sicherheitsrats zur Erörterung "weiterer Schritte" zu einem
Treffen nach New York eingeladen, um den Irak zur
Einhaltung der 10 vom Sicherheitsrat seit der irakischen Invasion Kuwaits Anfang August verabschiedeten Resolutionen zu zwingen.

erörtern. Augenzeugenberichte und Videoaufzeichnungen irakischer Aktionen werden ihm zufolge von
den kuwaitischen Behörden zur Verfügung gestellt.
Botschafter Thomas Pickering, der Ständige Vertreter
der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen,
beabsichtigt, am 28. November 1990 im Rat eine Rede
zu halten.

"Wir erwarten ein gutes Ergebnis", erklärte der Stellvertretende Sprecher des Außenministeriums, Richard
Boucher, bei einer Pressekonferenz am 26. November. Ein von den Vereinigten Staaten erarbeiteter
Entwurf einer Resolution wird unter den Mitgliedern
des Sicherheitsrats verteilt, Boucher nannte jedoch
keine Einzelheiten.

"Zwar mußten die Kuwaitis die Hauptlast der irakischen Aggression ertragen, aber auch eine große Zahl
von Ausländem hatte unter den irakischen Truppen zu
leiden", erklärte Boucher. "Bei dieser Sitzung wird
eine Bilanz der anhaltenden Repression durch irakische Behörden und der unverhüllten Aggression des
Irak in Kuwait vorgelegt."

Die Nachrichtenagentur Reuter und andere Medien
veröffentlichten einen Entwurf, mit dem die UN-Mitgliedstaaten ermächtigt würden, "alle erforderlichen
Schritte zu unternehmen, um die als Reaktion auf die
irakische Invasion und Besetzung Kuwaits verabschiedeten Resolutionen aufrechtzuerhalten und durchzuführen", es sei denn, der Irak "befolgt" die Resolutionen am oder vor dem 1. Januar 1991 "uneingeschränkt".

Nach Konsultationen mit praktisch allen Mitgliedstaaten des Sicherheitsrats forderte Außenminister Baker
in seiner Eigenschaft als Ratspräsident am 24. November die Einberufung einer Sitzung auf Ministerebene in New York am 29. November. "Wir werden
erörtern, welche zusätzlichen Schritte der Rat unternehmen könnte, um die Durchführung der als Reaktion
auf die unprovozierte irakische Invasion und andauernde Besetzung Kuwaits bereits verabschiedeten
zehn Resolutionen zu verwirklichen", so Baker in einer
am 24. November veröffentlichten Erklärung.

"Wir haben eindeutig klargestellt, daß die internationale Staatengemeinschaft sich bei dieser Frage gegen
Saddam Hussein verbündet hat", betonte der Stellvertretende Sprecher. "Bisher hat er noch keine Bereitschaft zur Einhaltung der UN-Resolutionen und der
Entscheidung der internationalen Staatengemeinschaft
angedeutet."
Vor der Ministertagung plant der Sicherheitsrat ein von
der kuwaitischen Regierung erbetenes zweitägiges
Treffen, um - mit Bouchers Worten - "die systematischen Bestrebungen des Irak zur Entmachtung der
kuwaitischen Regierung, Vertreibung des kuwaitischen
Volks und Kuwait dem Erdboden gleichzumachen", zu
AMERIKA DIENST 47

"Wenn der Rat gemäß der Charta der Vereinten Nationen Maßnahmen ergreift, um internationalen Frieden
und Sicherheit wiederherzustellen, müssen diese
Maßnahmen durchgeführt werden", erklärte Baker.
"Unsere Entschlossenheit zur Gewährleistung ihrer
Durchführung sollte Saddam Hussein die Notwendigkeit demonstrieren, diese Krise friedlich und unverzüglich beizulegen."
Baker wird voraussichtlich am 28. November 1990
nach New York fliegen und bei den Vereinten Nationen
Seite 1

�Konsultationen mit allen Mitgliedstaaten des Sicherheitsrats, einschließlich Kuba, führen. Boucher zufolge ist jedoch noch ungewiß, ob Baker persönlich mit
Vertretern der kubanischen Regierung zusammentrifft. Kuba ist das einzige Mitglied des Sicherheitsrats,
mit dem er während der dreiwöchigen intensiven diplomatischen Reisetätigkeit keine direkten Kontakte hatte, die mit Bakers Treffen mit Vertretern der kolumbianischen Regierung in Bogota und dem malaysischen
Außenminister in Los Angeles am 24. November beendet
wurde.
Boucher verwies darauf, daß Baker die Vorbereitung
für eine Sondersitzung des Sicherheitsrats auf Ministerebene und die Zielsetzung des Resolutionsentwurfs am Wochenende eingehend erörtert habe und er
keine weiteren Einzelheiten nennen könne.
"Wir sprechen von einer Resolution, die eine politische
Grundlage für den möglichen Einsatz von Gewalt
bilden würde, wenn es uns nicht gelingt, eine friedliche
und politische Lösung der Krise herbeizuführen", erklärte Baker am 24. November bei seinem Flug von
Los Angeles nach Houston vor Journalisten.
Wenn der Einsatz von Gewalt nicht als mögliche
Option ausgeschlossen wird, erklärte der Außenminister, muß er sowohl eine politische als auch militärische Grundlage haben, um glaubwürdig zu sein. Baker
zufolge ist es die Absicht der Vereinigten Staaten,
"daß der Rat eine Resolution in Erwägung zieht, die
den Einsatz aller erforderlichen Mittel genehmigen
würde", um die bisherigen zehn Resolutionen des
Sicherheitsrats durchzuführen.
"Meiner Ansicht nach wird der Rat eine Resolution
prüfen wollen, aus der eindeutig hervorgeht, daß sich
die Mitgliedstaaten nach einem bestimmten Zeitpunkt
aller verfügbaren Mittel bedienen, um die bisherigen
Resolutionen durchzusetzen", erklärte der Außenminister, ohne ein bestimmtes Datum zu nennen. "Eine
solche Resolution würde eindeutig die Botschaft an
Saddam Hussein enthalten, daß immer noch die
Möglichkeit besteht, diese Angelegenheit in einem
bestimmten Zeitrahmen friedlich und politisch zu lösen. Der Grund, warum der Rat unserer Meinung nach
eine solche Resolution erwägen sollte, liegt darin, daß
sie die besten Aussichten auf eine friedliche und
politische Lösung bietet," konstatierte Baker.
Baker wollte keine Prognosen darüber abgeben, wieviele der 15 Mitgliedstaaten des Rates zugunsten einer
solchen Resolution stimmen würden. Ein hochrangiger Vertreter der US-Regierung an Bord der Maschine
des Außenministers erinnerte die Journalisten jedoch
daran, daß Baker dem Sicherheitsrat keine solche
Resolution vorschlagen würde, "wenn nicht die Auffassung bestünde, sie könne eine erfolgreiche Wende
bedeuten". Nach dem Treffen mit dem malaysischen
Außenminister Hassan in Los Angeles am 24. Novem-

Seite 2

ber erklärte Baker vor Journalisten, "wir haben eine
Reihe von bindenden Zusagen erhalten".
Davor hatte Baker nach seinen Zusammenkünften mit
Präsident Gaviria und Außenminister Jaramillo aus
Kolumbien in Bogota betont, "wir ziehen eindeutig eine
friedliche und politische Lösung dieser Krise vor, und
das haben wir auch bisher angestrebt". Aber, so
Baker, "vielleicht besteht die beste Möglichkeit für eine
friedliche Lösung für uns darin, die Option einer möglichen Gewaltanwendung nicht auszuschließen. Dies
könnte das einzeige sein, was Saddam versteht. Wenn
das so ist, wäre es bedauerlich, aber dennoch müssen
wir - wenn diese Option glaubwürdig sein soll - eine
angemessene militärische und politische Grundlage
dafür schaffen. Und das streben wir mittels enger
Konsultationen mit den anderen Mitgliedern des Sicherheitsrats an."
"Wir hoffen, daß die Botschaft jetzt klar und deutlich
vernehmbar ist," erklärte Baker am 24. November
gegenüber Journalisten auf dem Weg nach Houston.
"Dies ist ein Grund, warum die internationale Staatengemeinschaft unserer Meinung nach handeln soll, um
die zehn vom Sicherheitsrat bereits verabschiedeten
Resolutionen durchzuführen. Wenn der Sicherheitsrat
tatsächlich handelt, scheint er mir damit ein klares,
deutliches und unmißverständliches Signal auszusenden."
Auf die Frage, ob die neue Resolution am 30. November - dem letzten Tag des Vorsitzes der Vereinigten
Staaten im Sicherheitsrat - bereits verabschiedet sein
werde, erklärte Boucher: "Ich möchte keine Prognosen darüber abgeben, wann bestimmte Dinge stattfinden. Ich möchte nur auf die Erklärung des Außenministers verweisen, daß wir die Minister am Donnerstag
zu einer Sitzung eingeladen haben, um weitere Schritte zu erörtern." Baker erklärte am Wochenende, er
hoffe, daß der Rat am 29. oder 30. November "in der
Lage ist, abzustimmen".
Auf die Frage, warum eine neue Resolution Saddam
Hussein dazu bringen könne, die bestehenden zehn
Resolutionen durchzuführen, erklärte der Stellvertretende Sprecher: "Meiner Ansicht nach haben wir nicht
gesagt, die Verabschiedung der Resolution würde ihn
dazu bringen, die bisherigen einzuhalten. Es ist vielmehr die Fortsetzung des internationalen Zusammenhalts und der auf ihn ausgeübte Druck, die ihn zu einer
Einhaltung veranlassen können. Darüber hinaus hat
der Außenminister darauf verwiesen, daß wir auch
über eine glaubwürdige Option für den Einsatz von
Gewalt verfügen müssen."
Nachfolgend die Erklärung von Außenminister Baker
zu seiner beabsichtigten Zusammenkunft des Sicherheitsrats:
Nach Abschluß unserer Konsultationen mit nahezu
allen im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vertre-

AMERIKA DIENST 47

�tenen Mitgliedstaaten laden wir in unserer Eigenschaft
als gegenwärtiger Vorsitzender des Rats diese Länder
am 29. November 1990 in New York zu einer Sitzung
auf Ministerebene ein. Bei dieser Gelegenheit werden
wir erwägen, welche zusätzlichen Schritte der Rat
unternehmen könnte, um die Durchführung der zehn
Resolutionen zu erreichen, die bereits als Reaktion auf
die nichtprovozierte Invasion und andauernde Besetzung Kuwaits durch den Irak verabschiedet wurden.

*

AMERIKA DIENST 47

Als Mitglieder des Sicherheitsrats haben wir eine
besondere Verantwortung gegenüber der übrigen Welt.
Wenn der Rat nach der Charta der Vereinten Nationen
Maßnahmen zur Wiederherstellng von Frieden und
Sicherheit auf der Welt ergreift, dann müssen diese
Maßnahmen durchgeführt werden. Unsere Entschlossenheit, ihre Durchführung zu garantieren, sollte Saddam
Hussein die Notwendigkeit demonstrieren, diesen
Konflikt friedlich und und unverzüglich zu lösen.

* * *

*

Seite 3

�GOLFKRISE
28. November 1990

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. November 1990
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für die Zeit vom 1. bis
15. November fort.

2. November
Unter Führung der Organisation "Bürger für ein freies
Kuwait" halten im Exil lebende Kuwaitis Mahnwachen
in den Vereinigten Staaten, Ägypten, Großbritannien
und Irland zum Gedenken daran, daß drei Monate seit
der irakischen Invasion in Kuwait vergangen sind.

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Die Ausbildung irakischer Techniker auf einem sowjetischen Marinestützpunkt in der Nähe von Riga (Lettland) wird aufgrund einer Entscheidung des lettischen
Parlaments gegen die weitere Ausbildung von irakischem Militär auf lettischem Territorium abgekürzt.
4. November

Berichten zufolge sind drei französische Soldaten
während einer Patrouille in die Hände irakischer Soldaten gefallen. Sie werden angeblich der Französischen
Botschaft in Bagdad übergeben.

Der irakische Informationsminister Latif Nassif al-Jassem erklärt, Kuwait existiere nicht länger, und die Welt
solle die Unabhängigkeit Kuwaits aus ihrem Gedächtnis streichen.

Der österreichische Außenminister Alois Mock ordnet
"aufgrund der kontinuierlich wachsenden Gefahr eines
Krieges am Golf" die Ausrüstung aller diplomatischen
Vertretungen im Nahen Osten mit Gasmasken an.

5. November

Das Weiße Haus gibt bekannt, daß Präsident Bush
das Erntedankfest bei den in der Golf region stationierten amerikanischen Streitkräften verbringen und mit
saudiarabischen, ägyptischen und kuwaitischen Politikern Konsultationen über die Lage am Golf führen
wird.
3. November
Die Regierung von Tansania verbietet eine von der
irakischen Botschaft unterstützte Kampagne, tansanische Jugendliche für den Militärdienst im Irak anzuwerben, mit der Begründung, die Regierung wünsche
kein Engagement ihrer Staatsbürger bei der Golfkrise.
Der iranische Präsident Akbar Hashemi-Rafsanjani
erklärt, die Organisation der Islamischen Konferenz
(OIC) müsse sich zur Intervention in der irakischkuwaitischen Krise verpflichtet fühlen, da sie jetzt die
moslemische Welt bedrohe und die islamischen Staaten spalte.

AMERIKA DIENST 47

Die bolivianische Regierung erhebt bei der irakischen
Regierung Protest gegen den Angriff auf die bolivianische diplomatische Vertretung in Kuwait. "Bestimmte,
von Angehörigen der irakischen Streitkräfte gegen
unsere diplomatische Mission in Kuwait ergriffene
illegale Maßnahmen ... stellen eine eindeutige Verletzung des Völkerrechts dar, für die der Irak zur Verantwortung gezogen werden kann", stellt ein vom bolivianischen Außenministerium herausgegebenes Kommunique fest.
Der italienische Finanzminister Mario Sarcinelli gibt
bekannt, daß die durch das UN-Embargo gegen Irak
am härtesten betroffenen Länder Hilfsleistungen in
Höhe von 13 Milliarden Dollar von der Golfkrise-Finanzkoordinierungsgruppe erhalten werden. Die Summe
für 1990-1991 wurde von den 24 bei der Ausschußsitzung der Koordinierungsgruppe am 5. November
anwesenden Ländern festgesetzt. Zu den begünstigten Ländern gehören Jordanien, Ägypten, die Türkei,
Syrien und Marokko. Die 24 Mitglieder der GolfkriseFinanzkoordinierungsgruppe sind Belgien, Dänemark,
Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland,

Seite 1

�Großbritannien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Katar,
Korea, Kuwait, Luxemburg, Niederlande, Österreich,
Portugal, Saudi-Arabien, Schweden, Schweiz, Spanien, Vereinigte Arabische Emirate und die Vereinigten Staaten.
7. November
Der Irak kündigt die Freilassung von über 120 Geiseln,
zumeist Deutschen, aber auch einer ungenannten
Zahl Briten, Italiener, Amerikaner sowie anderer Nationalitäten an. In der Zwischenzeit fliegen 74 Japaner
nach dreimonatiger Gefangenschaft im Irak zurück in
die Freiheit.
8. November
Saddam Hussein entläßt seinen Generalstabschef,
Generalleutnant Nizar Khazraji - Berichten zufolge
aufgrund von Meinungsverschiedenheiten bezüglich
der Durchführung der Invasion, einschließlich der
geduldeten Flucht der kuwaitischen Königsfamilie nach
Saudi-Arabien während der ersten Stunden der irakischen Invasion in Kuwait am 2. August. Er ernennt
seinen Cousin und Schwiegersohn, Hussein Rashid,
zum Nachfolger Khazrajis.
Im Anschluß an ein Treffen mit seinem sowjetischen
Amtskollegen Schewardnadse erklärt Außenminister
Baker, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
stimmten in ihrer Ablehnung einer Teillösung der irakischen Invasion Kuwaits überein. Baker fügt hinzu, die
beiden Seiten hätten ferner Einigung erzielt, daß "wir
eine friedliche politische Lösung der Krise - definitiv bevorzugen, andere Optionen jedoch nicht ausschließen können".
Präsident Bush ordnet die zusätzliche Stationierung
von Land-, See- und Luftstreitkräften am Golf an Berichten zufolge soll es sich um bis zu 200 000
Soldaten handeln - und erklärt, er ziehe eine friedliche
Lösung der Krise auf der Basis der UN-Resolutionen
vor, werde aber den Einsatz von Gewalt nicht ausschließen, wenn andere Lösungen versagen. Bush
zufolge ist die Verstärkung erforderlich, um eine potentielle Gewaltanwendung glaubwürdig erscheinen zu
lassen.
9. November
Der Präsidialausschuß der UN-Generalversammlung
lehnt die Anfrage des Irak ab, einen Punkt auf die
Tagesordnung der UN-Generalversammlung zu setzen, der die militärische Konzentration der Vereinigten
Staaten am Golf als Bedrohung für Frieden und Sicherheit der arabischen Länder und der ganzen Welt
bezeichnet. Ausschußmitglieder verweisen vielmehr
darauf, daß der Irak die Bedrohung für die Region
darstellt, brandmarken den Irak als Aggressor und
beschuldigen Bagdad der Verzerrung, amoralischer
Aktionen, Arglistigkeit und Verkehrung von US-Aktionen.
Dem Präsidialausschuß gehören der Präsident der
Generalversammlung, die 21 Vizepräsidenten und die
Seite 2

Vorsitzenden der sieben Hauptausschüsse der Generalversammlung an. Er spricht Empfehlungen zur
Annahme der Tagesordnung, Plazierung der Punkte
und Organisation der Arbeit aus. In der laufenden
Sitzungsperiode kommt der Präsident aus Malta, die
21 Vizepräsidenten aus Ägypten, Brasilien, China,
Fidschi, Frankreich, Ghana, Großbritannien, Honduras, Indonesien, Jugolawien, Kanada, Libanon, Mauritius, Mosambik, Ruanda, Saint Lucia, Senegal, Sowjetunion, Vereinigte Arabische Emirate, Vereinigte
Staaten und Zypern. Die sieben Ausschuß Vorsitzenden sind aus Barbados, Chile, Griechenland, Kongo,
Nepal, der Tschechoslowakei und Uganda.
Außenminister Baker erklärt nach Gesprächen mit der
britischen Premierministerin Margaret Thatcher, zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien
herrsche im Hinblick auf die Durchführung der UNResolutionen des Sicherheitsrats zum Irak "völlige
Übereinstimmung" und "Teillösungen würden nicht
akzeptiert".
10. November
Außenminister Baker erklärt zum Abschluß seiner
einwöchigen Reise nach Bahrain, Saudi-Arabien,
Ägypten, in die Türkei, die Sowjetunion, nach Großbritannien und Frankreich - mit der er die internationale
Koalition zur Abwehr der irakischen Aggression gegen
Kuwait stärken wollte - bei einer Pressekonferenz in
Paris, die gegen Bagdad angetretenen Länder seien
sich einig, daß es in der Golfkrise keine "Teillösung"
geben kann.
12. November
Nach einen Außenministertreffen der EG und der
Arabischen Maghreb Union (Algerien, Libyen, Marokko, Mauretanien und Tunesien) erklärt der algerische
Außenminister Sid Ahmed Ghazali bei einer Pressekonferenz, die Arabische Maghreb Union wolle den
Irak davon überzeugen, zu Verhandlungen über die
Freilassung der Geiseln eine UN-Delegation zu empfangen. Ghazali zufolge stehen alle fünf Maghrebstaaten in ständigem Kontakt mit Irak.
13. November
Der Vorsitzende der Republikaner im Senat, Robert
Dole, und der republikanische Senator und ehemalige
Vorsitzende des Streitkräfteausschusses, Richard Lugar,
erklären, Präsident Bush solle die Unterstützung des
Kongresses für seine Politik am Golf einholen, um in
der amerikanischen Öffentlichkeit einen Konsens für
mögliche US-Aktionen in der Region zu bilden.
14. November
Der saudische Außenminister Prinz Saud al-Faisal
erklärt, der von Marokko vorgeschlagene arabische
Gipfel zur Golfkrise sei Zeitverschwendung, wenn sich
der Irak nicht aus Kuwait zurückzieht.
Führende Politiker beider Parteien im Senat bitten
Präsident Bush um Einberufung einer Sondersitzung

AMERIKA DIENST 47

�des Kongresses, um die Lage auf der Arabischen
Halbinsel zu erörtern.
Nach einem Treffen mit den Führern beider Parteien
im Kongreß erklärt Außenminister James Baker, Präsident Bush werde die in der Verfassung verankerten
Schritte einhalten, bevor er eine Offensive amerikanischer Streitkräfte im Golf anordnet.
15. November
Einer Meinungsumfrage der Wirthin Group zufolge
unterstützt die öffentliche Meinung in elf wichtigen
Städten der Welt eindeutig die Bestrebungen der
Vereinten Nationen, einschließlich eines militärischen
Einsatzes, um die irakischen Truppen zum Abzug aus
Kuwait zu zwingen und die rechtmäßige Regierung in

*

AMERIKA DIENST 47

*

Kuwait wiedereinzusetzen. Bei den untersuchten
Städten handelt es sich um Ankara, Frankfurt, London,
Moskau, Rom, Tokio, Brüssel, Lagos, Mexiko City,
Paris und Tel Aviv.
In Niger bricht ein Interventionsbataillon aus 481 Soldaten (Operation Zoumounchi) auf, um sich der multinationalen Streitmacht in Saudi-Arabien anzuschließen. Das Bataillon aus 21 Offizieren, 110 Unteroffizieren und 350 einfachen Soldaten umfaßt im wesentlichen Freiwillige, die das "heilige Land des Islam"
verteidigen wollen. Zum ersten Mal entsendet Niger
Truppen ins Ausland. Ihre Abreise wird mit besonderen Feierlichkeiten in Anwesenheit des Präsidenten,
des Premierministers, der Abgeordneten und des
diplomatischen Korps begangen.

*

*

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�KSZE-GIPFEL
28. November 1990

BUSH: RECHTSSTAATLICHKEIT MUSS
WELTWEIT DIE NORM WERDEN
Ansprache beim KSZE-Gipfel
PARIS - (AD) - Präsident Bush zufolge hinterließe das Ende des kalten Krieges in Europa einen bitteren
Nachgeschmack, wenn in anderen Teilen der Welt das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit mit Fü ßen getreten würde.
In einer Ansprache beim Pariser Gipfeltreffen der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE) lobte Bush die diplomatischen Bemühungen, an deren Ende das Abkommen steht, das die politischen
und Menschenrechte der Völker in Ost- und Westeuropa festschreibt.
Jedoch kann "unser Erfolg hier", so Bush vor den Delegierten 33 anderer Länder Europas und Nordamerikas,
"weder durchgreifend noch dauerhaft sein, wenn das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit andernorts schamlos
mißachtet wird". Bush verwies dabei ausdrücklich auf die irakische Aggression am Persischen Golf.
Wir veröffentlichen die Rede Präsident Bushs beim KSZE-Gipfel nachfolgend im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, dies ist ein glorreicher Tag für
Europa. Heute morgen habe ich für mein Land ein
Rüstungskontrollabkommen unterzeichnet, mit dem
die militärische Konfrontation beendet wird, die jahrzehntelang wie ein Fluch auf diesem Kontinent lastete.
Heute nachmittag würdigen wir ein Gipfeldokument,
eine Pariser Charta, in der die gemeinsamen Bestrebungen unserer Gesellschaft zum Ausdruck kommen.
Mit Recht versammeln wir uns hier in dieser prächtigen
Stadt, einer Wiege der Zivilisation, um unsere Hoffnungen für die Zukunft zu erläutern und einen großen
Wendepunkt im Lauf der Geschichte zu markieren.
Heute werden wir den Begründern der Schlußakte von
Helsinki gerecht. Dank des Mutes so vieler Menschen,
die nicht nur zu hoffen, sondern auch zu handeln
wagten, haben die von ihnen gesetzten Ziele ihren
Wert bewiesen. Wir grüßen die mutigen Männer Havel und Masowiecki und Antall, die heute bei uns
sind - sowie all die anderen Aktivisten, die die Ziele von
Helsinki zu feierlichen Verpflichtungen machten und
litten, damit diese Verpflichtungen zu Ehren kämen.
Und wir grüßen all die Einzelpersonen und privaten
Gruppen im Westen, die bewiesen haben, daß der
Schutz der Menschenrechte nicht nur Aufgabe der
Regierungen ist, sondern die Aufgabe aller: nichtstaatlicher Organisationen, der Presse, der Kirchenvertreter und gewöhnlicher Bürger. Ihre Träume gehen
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vor unseren Augen in Erfüllung. Die aufstrebenden
Demokratien Mittel- und Osteuropas haben Jahrzehnte der Depression überwunden, um ihr angestammtes
Recht auf Freiheit geltend zu machen. In der Sowjetunion ist die Saat der Demokratie und der Menschenrechte auf fruchtbaren Boden gefallen, und die grausame Teilung Deutschlands wurde endlich beendet.
Ein so lange in Feindschaft erstarrter Kontinent wurde
zu einem Erdteil revolutionären Wandels. Um zu
gewährleisten, daß sich diese Veränderungen in einem sicheren Umfeld vollziehen, haben wir einen
Vertrag über konventionelle Rüstungen fertiggestellt,
der die militärische Landkarte dieses Kontinents
umgestaltet. Wir verabschieden Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen, die durch Offenheit zu
dauerhaftem Frieden beitragen. Heute morgen haben
22 von uns eine feierliche Verpflichtung zur Nichtanwendung von Gewalt unterzeichnet.
Heute jedoch, da alte politische Trennlinien verschwinden, treten neue Spannungsherde zutage, von denen
einige schon länger und andere erst seit kurzem schwelen. Nationalitätenkonflikte dauern an. Die Mißachtung von Minderheiten- und Menschenrechten besteht
weiter. Wo einstmals Millionen die Freizügigkeit verwehrt wurde, fühlen sich heute Millionen zum Wegggehen gezwungen, um vor wirtschaftlicher und politischer Bedrängnis zu fliehen.
Seite 1

�In mehreren Ländern beobachten wir das häßliche
Wiederaufleben des Antisemitismus und anderer ethnischer, rassischer und religiöser Intoleranz. Bigotterie und Haß haben in zivilisierten Ländern keinen Platz.
Minderheiten bereichern unsere Gesellschaften. Der
Schutz ihrer Rechte ist eine Vorbedingung der Stabilität.
Europa betritt Neuland. Für ihre Mitgliedstaaten ist die
KSZE eine ideale Richtschnur. Wir haben hervorragende Verhaltensnormen festgeschrieben, und heute
besteht unsere Aufgabe darin, die KSZE für den politischen Alltag nutzbar zu machen und auf ihrer Stärke
aufzubauen, um neuen Herausforderungen zu begegnen.
Meine Regierung hat dieses Jahr bereits einige Ideen
zur künftigen Entwicklung der KSZE vorgelegt, und ich
hoffe, daß sie zu den von den Mitgliedstaaten der
NATO beim Londoner Gipfel im Juli verkündeten Initiativen beigetragen haben und freue mich, daß so viele
der dort diskutierten Ideen in der Gipfelerklärung zum
Ausdruck kommen, die wir diese Woche unterzeichnen werden.
Ich möchte hervorheben, wie einige dieser Initiativen
und auch andere meines Erachtens der KSZE dabei
helfen werden, ihre Prinzipien in die Praxis umzusetzen. Die von uns zu unterzeichnende Erklärung legt
eine Tagesordnung fest, die unsere Arbeit bis zu
unserem nächsten Treffen in Helsinki leiten wird. Dies
betrifft wichtige Arbeit bei vielen für uns alle lebenswichtigen Fragen, etwa der friedlichen Beilegung von
Streitigkeiten, der Rolle von Minderheiten in unseren
Gesellschaften, dem Aufbau demokratischer Institutionen und, was von allem das Wichtigste ist, der
Förderung der Menschenrechte.
Darüber hinaus sind wir übereingekommen, daß wir
die Sicherheit unserer Gemeinschaft verbessern
müssen, indem wir unsere Gespräche über die konventionellen Streitkräfte abschließen, die Vorteile vertrauensbildender Maßnahmen ausbauen und das
Abkommen über offene Himmel erfolgreich fertigstellen. Und schließlich erkennen wir an, daß Europa
seine Wunden heilt, damit die KSZE zur vollen Blüte

gelangen kann.
Wir haben einen Rahmen für regelmäßige politische
Konsultationen geschaffen und Institutionen ins Leben
gerufen, um diesen Rahmen zu verstärken. Das
Sekretariat, das Büro für Freie Wahlen sowie das
Zentrum für Konfliktverhütung sind zwar, wie wir uns
eingestehen müssen, bescheidene, aber auch bedeutsame Schritte zu der von uns allen angestrebten
neuen Ordnung.
Ferner begrüßen wir die Forderung einer neuen parlamentarischen Dimension der KSZE, die den von uns
*

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allen geteilten demokratischen Werten weitere Unterstützung verleihen kann.
Vor zwei Tagen habe ich in Prag an Europa und die
Vereinigten Staaten appelliert, gemeinsam auf einen
neuen Bund der Freiheit hinzuwirken, der auf diesen
gemeinsamen Prinzipien beruht, nämlich dem Glauben an die grundlegende Würde und die Rechte des
Menschen, daß Regierungen ihre Macht nur aus der
Zustimmung des Volkes ableiten und diesem rechenschaftspflichtig sind, daß der einzelne die Früchte
seiner Arbeit genießen kann und daß Regierungen und
Staaten als Voraussetzung für menschlichen Fortschritt das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit wahren
müssen. Dies sind die Grundsätze, von denen unsere
Nationen und die KSZE geleitet werden. Um sie
jedoch in unseren beiden Kontinenten zu sichern,
müssen sie in der ganzen Welt gewährleistet sein.
Heute, da wir uns hier diesen Prinzipien verschreiben,
werden dieselben Grundsätze am Persischen Golf
brutal mißachtet.
Ich möchte einen Satz aus der von Präsident Gorbatschow und mir im September in Helsinki verabschiedeten gemeinsamen Erklärung zitieren: "Nichts unterhalb der vollständigen Verwirklichung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats ist akzeptabel." Nun,
kann es hier auf diesem Kontinent, der so sehr unter
Aggressionen und ihrem Begleiter, der Beschwichtigungspolitik, gelitten hat, Platz für eine andere Ansicht
geben?
Die Prinzipien, die der KSZE Leben eingehaucht und
unseren Erfolg in Europa bewirkt haben, kennen keine
geographischen Grenzen. Unser Erfolg hier kann
weder durchgreifend noch dauerhaft sein, wenn das
Prinzip der Rechtsstaatlichkeit andernorts schamlos
mißachtet wird.
Zu Beginn des kalten Krieges im Frühjahr 1947 machte
der amerikanische Außenminister George Marshall
eine Feststellung, die ich hier zitieren möchte: "Probleme, die sich unmittelbar auf die Zukunft unserer
Zivilisation auswirken, können nicht durch allgemeines
Gerede oder vage Formulierungen aus der Welt geschafft werden. Sie verlangen nach konkreten Lösungen für präzise und äußerst komplizierte Fragen, Fragen,
die mit Grenzen zusammenhängen, mit der Macht zur
Verhinderung militärischer Aggression, mit Menschen,
die bittere Erinnerungen haben, mit der Produktion und
Kontrolle von Dingen, die für das Leben von Millionen
Menschen unerläßlich sind."
Wir in der KSZE haben in den vergangenen Monaten
große Fortschritte bei der Erarbeitung dieser konkreten Lösungen gemacht. Und heute sollten wir auf
diesem Erfolg an diesem Ort aufbauen und ihn andernorts standhaft verteidigen.

*

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�UMWELT
28. November 1990

BUSH UNTERZEICHNET GESETZE ZUR
ERFORSCHUNG DER ERDERWÄRMUNG,
SCHUTZ DER ANTARKTIS
Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine vom Weißen Haus herausgegebene Übersicht zu
acht Umweltgesetzen, die am 16. November 1990 von Präsident Bush unterzeichnet wurden und damit in Kraft
getreten sind:

Schutz der Natur
Das Gesetz zum Schutz der Antarktis von 1990 (Antarctic Protection Act - H.R. 3977) stärkt den Schutz der
Umwelt in der Antarktis - einem ursprünglichen, nicht
verschmutzten Kontinent, dessen einzigartige Natur
eine Vielfalt an Wildtierarten beherbergt und uns ein
natürliches Laboratorium bietet, von dem aus wir entscheidende Aspekte des Abbaus stratosphärischen
Ozons und globaler Umweltveränderungen beobachten können. Es besteht eine seitens der internationalen Staatengemeinschaft anerkannte Notwendigkeit,
diese zerbrechliche Umwelt besser vor ungezügelter
Wirtschaftstätigkeit zu schützen. Das Gesetz H.R.
3977 bietet diesen Schutz. Indem die Vereinigten
Staaten Aktivitäten zum Abbau von Mineralien in der
Antarktis bis zur Verabschiedung eines neuen internationalen Mineralienabkommens durch den Kongreß
verbieten, senden sie der übrigen Welt ein starkes
umweltpolitisches Signal. Dieses Gesetz wurde vom
amerikanischen Kongreß in einer Art und Weise
modifiziert, die mit der Haltung der Administration, die
ein energisches Umweltschutzabkommen zur Ergänzung des Antarktis-Vertrags befürwortet, in Einklang
steht.
Das Gesetz über das Naturschutzgebiet Florida Keys
(Florida Keys National Marine Sanctuary and Protection Act - H.R. 5909) bestimmt 2 600 Quadratseemeilen von Küstengewässern vor den Florida Keys zum
neunten nationalen Seenaturschutzgebiet der Verei-

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nigten Staaten. Damit soll ein langfristiger Schutz des
ökologisch einzigartigen Korallenriffs vor Florida gewährleistet werden. Insbesondere wird das Korallenriff vor dem Aufgrundlaufen von Schiffen geschützt,
wodurch das Riff in der jüngeren Vergangenheit geschädigt wurde sowie vor Wasserverschmutzung und
Raubbau. Gleichzeitig wird eine Nutzung des Naturschutzgebietes, die mit dem Ziel des Schutzes in
Einklang steht, weiterhin gestattet. Durch die Erklärung zum Naturschutzgebiet wird es heutigen als auch
künftigen Generationen ermöglicht, sich an der dortigen Natur zu erfreuen.
Das Allgemeine Gesetz zum Schutz der Natur und
Tierwelt (Omnibus Natural Ressources and Wildlife
Program - H.R. 3338) enthält zahlreiche wichtige
Programme, die zum Schutz und zur Erhaltung einiger
der bedeutendsten Naturreservate des Landes führen
werden. Insbesondere werden durch H.R. 3338 zwei
neue Nationale Wildtierparks (National Wildlife Refuges - NWR) geschaffen - der 18 000 Morgen umfassende Bayou Cocodrie NWR in Louisiana und der
Walkill River NWR in New Jersey auf einer Fläche von
7 500 Morgen. Darüber hinaus verbessert das Gesetz
die Unterstützung von Projekten, die entscheidend für
den Schutz und die Erhaltung von Feuchtgebieten und
anderer Lebensräume von Fischen und Wildtieren
sind. Femer wird durch das Gesetz eine Nationale
Waldstiftung (National Forest Foundation) ins Leben
gerufen, die Maßnahmen zur Unterstützung des Forstdienstes des US-Landwirtschaftsministeriums durch-

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�führen wird. Schließlich verbessert H.R. 3338 regionale Meeresforschungsprogramme durch das Nationale
Amt für Ozeanographie und Atmosphäre, es verlangt
eine verstärkte Verfolgung von Umweltvergehen durch
das Umweltschutzamt (EPA) und gestattet die Freigabe zusätzlicher Mittel für die Wiederherstellung der
Fischbestände in bestimmten kleineren Flüssen in
Neuengland.
Durch das Red Rock Canyon National Conservation
Area Establishment Act von 1990 (H.R. 4559) werden
83 100 Morgen Land in Süd-Nevada zum Naturschutzgebiet Red Rock Canyon erklärt. Der in der MojaveWüste Nevadas gelegene Red Rock Canyon ist reich
an geologischen, landschaftlichen Naturschätzen, an
Wildtieren und Potential für Erholungssuchende. Das
Gebiet beheimatete verschiedene Kulturen, darunter
die prähistorischen Anasazi- und Pueblo-Indianer und
später die Paiutis. Darüber hinaus bietet es einen
Lebensraum für verschiedene Wildtierarten von Wüstenschafen, Wildpferden und -eseln bis zu den vom
Aussterben bedrohten Wüstenschildkröten und Gila
Monstern. Das Gebiet wird ferner von verschiedenen
Vogelarten bewohnt, darunter bedrohte Wanderfalken
und Goldadler. Das Büro für Landverwaltung (BLM)
des Innenministeriums wird dieses Gebiet zum Schutz
und zur Verbesserung dieser Naturschätze verwalten.
Der mit 62 000 Morgen größte Teil dieses Naturschutzgebiets wird bereits gemeinsam vom BLM und
der Nevada Division of State Parks verwaltet. Mit
diesem Gesetz wird das Innenministerium zur Beschaffung weiterer 21 000 Morgen durch Spenden,
Ankauf, Austausch oder Übereignung durch andere
Bundesbehörden ermächtigt.
Das Gesetz zur Verbesserung der Küstengebiete
(Coastal Barrier Improvement Act - H.R. 2840) von
1990 wird die Größe des bestehenden geschützten
ökologischen Systems im Küstengebiet nahezu verdreifachen. Nach H.R. 2840 werden dem System
818 000 Morgen hinzugefügt, womit sich seine Gesamtgröße auf 1,25 Millionen Morgen beläuft und
Küsten mit einer Gesamtlänge von 1 211 Meilen am
Atlantik, Golf von Mexiko und den Großen Seen. H.R.
2840 schützt die bedrohten Ökosysteme der Küstengebiete des Landes (die hervorragende Lebensräume
für Fische und wildlebende Tiere bieten, wichtigen
Schutz für die Strände liefern und hervorragende Plätze für Freizeitsport sind), indem Ausgaben und Beihilfen der Bundesregierung zur Erschließung bestimmter
Küstengebiete begrenzt werden. Es fordert ferner,
daß alle im Besitz der Bundesregierung befindlichen
Flächen in einem Küstengebiet dem System zugeführt
werden. Darüber hinaus wird eine Arbeitsgruppe über
Küstengebiete aus 11 Vertretern der Bundesregierung
ins Leben gerufen, die Arbeitsweise und Effektivität
des ökologischen Systems der Küstengebiete analysieren und darüber berichten sollen.

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Forschung und Aufklärung
Das Gesetz zur Aufklärung über nationale Umweltprobleme (National Environmental Education Act - S.
3176) leistet einen wichtigen Schritt hin zu Fortschritten für die Umwelt unseres Landes und legt den
Grundstein, damit alle Generationen von Amerikanern
unsere Verantwortung bei der Verwaltung und den
klugen Umgang mit unseren Ressourcen besser verstehen - das heißt, wir wollen in diesem Land um mehr
Verständnis für die Umwelt werben. Die Gesetzgebung verbessert die Lernmöglichkeiten in allen Altersgruppen, konzentriert sich jedoch vornehmlich auf
Schüler und Lehrer. Dazu zählt der Vorschlag des
Präsidenten zur Vergabe von Preisen des Präsidenten
an Lehrer als Auszeichnung für Umwelterziehung.
Verschiedene andere Bestimmungen des Gesetzes
ermutigen Kreativität auf kommunaler Ebene durch
Stipendien, Preise und Ausbildungsprogramme und
sehen eine Führungsrolle auf nationaler Ebene durch
die Schaffung eines Büros für Umwelterziehung beim
Umweltschutzamt und einen Beratungsausschuß auf
breiter Basis vor.
Das Gesetz zur Erforschung globaler Umweltveränderungen (Global Change Research Act - S. 169) von
1990 unterstreicht die Führungsrolle der Vereinigten
Staaten bei der Erforschung von Umweltveränderungen auf der Welt. Der Haushalt sieht 1991 über 1
Milliarde Dollar (gegenüber dem Haushaltsjahr 1990
eine Steigerung um 57 Prozent) für dieses wichtige
Forschungsprogramm vor, dem der Kongreß im allgemeinen zugestimmt hat. S. 169 wird unserem Land
insbesondere helfen, die große wissenschaftliche
Unsicherheit abzubauen, die bei vordringlichen weltweiten Umweltproblemen henscht. Es geht auf die
Bestrebungen der Regierung ein, in dem es den Ausschuß für Geo- und Umweltwissenschaften (Committee on Earth and Environmental Sciences - CEES)
legitimiert, den der Präsident durch den Bundeskoordinierungsrat für Wissenschaft und Technologie ins
Leben gerufen hatte. Der CEES soll ein amerikanisches Programm zur Erforschung globaler Umweltveränderungen erarbeiten, um wissenschaftliche Grundlagen zur Lösung umweltpolitischer Fragen zu erarbeiten. Spitzenpolitiker auf der ganzen Welt zeigen
zunehmend Interesse an den wirtschaftlichen und
sozialen Auswirkungen weltweiter Umweltveränderungen und benötigen daher angesichts der großen wissenschaftlichen Unsicherheit immer mehr und bessere Informationen, wenn sie die Funktionsweise vieler
Prozesse auf der Erde vorhersagen wollen.
Das Gesetz über Soforthilfe für die Großen Seen
(Great Lakes Critical Programs Act - H.R. 4323) wird
den Bestrebungen der Vereinigten Staaten erheblichen Auftrieb verleihen, in Zusammenarbeit mit unseren kanadischen Nachbarn für die Sauberkeit der

AMERIKA DIENST 47

�Großen Seen zu sorgen. Dabei sind große Fortschritte
erzielt worden, aber es bleibt noch viel zu tun, insbesondere im Hinblick auf die Lösung des Problems der
Verseuchung der Großen Seen. Das Gesetz liefert
das Instrumentarium, um Fortschritte bei den so dringend benötigten Planungs- und Säuberungsaktivitäten erzielen zu können. Das Gesetz konzentriert

Bestrebungen der Bundesregierung, Einzelstaaten und
Gemeinden in Zusammenarbeit mit Kanada auf Lake
Champlain, ein Wasserreservoir, das für die Menschen in Nordosten der Vereinigten Staaten geschichtlich von großer Bedeutung ist und einen hohen Freizeitwert hat.

* * * * *

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&#13;
U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
&#13;
21. November 1990&#13;
&#13;
46&#13;
&#13;
BUSH IN PRAG&#13;
&#13;
BUSH SAGT DER TSCHECHOSLOWAKEI&#13;
WIRTSCHAFTSHILFE ZU&#13;
Rede vor dem Parlament&#13;
&#13;
GOLFKRISE&#13;
&#13;
BAKER SIEHT BREITE UNTERSTÜTZUNG&#13;
FÜR BUSHS GOLFPOLITIK&#13;
Pressekonferenz des Außenministers&#13;
&#13;
GATT&#13;
&#13;
USA: EG MUSS BEI FEHLSCHLAG DER&#13;
GATT-RUNDE HOHEN PREIS ZAHLEN&#13;
Pressekonferenz von&#13;
Landwirtschaftsminister Yeutter und&#13;
der US-Handelsbeauftragten Hills&#13;
YEUTTER: BESSER KEIN GATT-ABKOMMEN&#13;
ALS EIN SCHLECHTES&#13;
Rede beim Royal Institute of International Affairs&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.:0228-339 23 66&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�B U S H IN P R A G&#13;
21. November 1990&#13;
&#13;
BUSH SAGT DER TSCHECHOSLOWAKEI&#13;
WIRTSCHAFTSHILFE ZU&#13;
Rede vor dem Parlament&#13;
PRAG -(AD)- Amerika ist bereit, der Tschechoslowakei "uneingeschränkten Zugang" zu seinen Märkten,&#13;
Investitionen und Technologie zu gewähren, erklärte Präsident Bush am 17. November 1990 im tschechoslowakischen Parlament.&#13;
In seiner Rede zum ersten Jahrestag der Rückkehr des Landes in die Freiheit erklärte Bush, er werde den&#13;
Kongreß auffordern, einen tschechoslowakisch-amerikanischen Unternehmensfonds im Umfang von 60 Millionen Dollar zu bewilligen.&#13;
Bush verkündete ferner die Eröffnung eines US-Konsulats in Bratislava in der slowakischen Republik und&#13;
erklärte, man habe ein Grundstück für die Errichtung des neuen Kulturzentrums in Prag gefunden.&#13;
An diesem entscheidenden Augenblick in der tschechoslowakischen Geschichte, erklärte Bush: "Amerika wird&#13;
hinter Ihnen stehen".&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.&#13;
&#13;
Präsident Havel, ich danke Ihnen für die überaus&#13;
herzliche Begrüßung. Ihnen, Herr Vorsitzender Dubcek, möchte ich ebenfalls für die sehr herzliche und&#13;
freundliche Einführung danken. Ich möchte an dieser&#13;
Stelle auch die Ministerpräsidenten der tschechischen&#13;
und slowakischen Republiken, die Abgeordneten dieses Parlaments und vor allem das tschechoslowakische Volk grüßen.&#13;
Es ist mir als erstem Präsidenten der Vereinigten&#13;
Staaten, der jemals Ihr Land besucht, eine Ehre, Ihnen&#13;
an diesem ersten Jahrestag der Rückkehr Ihres Landes zur Freiheit die Grüße des amerikanischen Volks&#13;
zu übermitteln.&#13;
Heute vor einem Jahr kamen die Bewohner Prags, erst&#13;
in kleinen Gruppen, dann zu Tausenden in einer kalten&#13;
Herbstnacht zusammen. In Gedanken an den Frühling vor 20 Jahren hatte die sanfte Revolution in ihren&#13;
Köpfen bereits begonnen. Die Revolution siegte, ohne&#13;
daß ein einziger Schuß fiel. Ihre Waffen waren all den&#13;
Waffen aus dem Arsenal des Staats überlegen. Angesichts der Gewalt haben Sie die Macht der Prinzipien&#13;
gegen eine Wand aus Lügen eingesetzt. Sie haben die&#13;
Wahrheit verbreitet. Mit Tausenden mutiger Taten&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
erhoben sich Tschechen und Slowaken mit einer Stimme. Ihre Botschaft: die Zeit ist reif, um in der&#13;
Tschechoslowakei wieder Freiheit einkehren zu lassen.&#13;
Ihre Revolution war auch eine Erneuerung, eine Erneuerung der tief verwurzelten Prinzipien, die mein&#13;
Land, die Vereinigten Staaten von Amerika, mit ihrem&#13;
Land verbinden, Prinzipien, die in Ihrer Unabhängigkeitserklärung verankert sind, die 1918 in den Vereinigten Staaten von Ihrem ersten Präsidenten Tomas&#13;
Masaryk und dem stolzen slowakischen Patrioten Milan&#13;
Stefanik veröffentlicht wurde - Prinzipien, die von den&#13;
nachhaltigen Worten unseres Thomas Jefferson vor&#13;
mehr als zweihundert Jahren inspiriert waren.&#13;
In meiner Heimat wurden diese Prinzipien mit der&#13;
Verabschiedung unserer Verfassung und der Bill of&#13;
Rights in die Tat umgesetzt. Und ich habe gestern&#13;
abend auf unserem Flug von Washington nach Prag&#13;
Kopien davon mitgebracht, die Ihnen heute hier ausgehändigt wurden. In diesem historischen Augenblick,&#13;
da Sie über die Einführung Ihres eigenen föderalen&#13;
Systems und ihrer Bill of Rights beraten, biete ich Sie&#13;
Ihnen in Freundschaft an, für die gemeinsamen PrinSeite 1&#13;
&#13;
�zipien und Bande, die unseren Völkern seit langem&#13;
gemein sind.&#13;
&#13;
großangelegter Investitionen in die Zukunft einer freien Tschecholowakei sein.&#13;
&#13;
Generationen von Amerikanern, Tschechen und Slowaken haben diese gemeinsamen Bande in ihrem&#13;
Kampf gegen die Nazi-Diktatur bewiesen. Amerika hat&#13;
den Freiheitskampf der mutigen tschechischen und&#13;
slowakischen Partisanen unterstützt. In den langen&#13;
dunklen Jahrzehnten nach 1948 haben wir uns ebenso&#13;
wie Sie geweigert, die Teilung Europas zu akzeptieren.&#13;
Mit Radio Freies Europa und der Stimme Amerikas&#13;
haben wir das Ideal der Freiheit hochgehalten und eine&#13;
gemeinsame Sprache der Hoffnung gesprochen. Und&#13;
schließlich wurde der Zugriff der Diktatoren schwächer, und die Tschechoslowakei ergriff ihre Chance,&#13;
aufzustehen und ihr Recht als freies Volk und souveräne Nation einzufordern.&#13;
&#13;
Wir erwarten, daßder IWF als Reaktion auf die ernsten&#13;
Energieprobleme dieser Region auf unsere Anregung&#13;
hin 1991 Mittel-und Osteuropa bis zu 5 Milliarden&#13;
Dollar Kredite gewähren wird. Die Weltbank wird&#13;
darüber hinaus in den nächsten drei Jahren neun&#13;
Milliarden Dollar bereitstellen. Zusätzlich zu diesen&#13;
Wirtschaftsinitiativen wollen wir den freien und offenen&#13;
Austausch fördern, der unseren Völkern so viele Jahre&#13;
lang verwehrt worden ist.&#13;
&#13;
Ich freue mich, die Wiedereröffnung des amerikanischen Konsulats in Bratislava, in der slowakischen&#13;
Republik zu verkünden. Und erst gestern wurde ein&#13;
Platz für die Errichtung unseres neuen Kulturzentrums&#13;
in Prag gefunden. Unser neu geschaffener InternatioHeute teilen wir - beide Bürger frei gewählter Regierun- naler Medienfonds verspricht den freien und unabhängen - die Früchte unserer gemeinsamen Entschlos- gigen Medien Ihres Landes Know-how und Ermutisenheit. Europa, Ost und West, stehen an der Schwel- gung. Und ich bin dankbar, daß Ihre Regierung und&#13;
le einer neuen Ära, einer Ära von Frieden, Freiheit und das amerikanische Institut für Ost-West-SicherheitsSicherheit, die in der Geschichte diese Kontinents studien bald ein europäisches Studienzentrum eröffeinmalig ist. Heute geht die lange Teilung Europas zu nen werden, eine wichtige intellektuelle Partnerschaft&#13;
Ende. Heute ist die Tschechoslowakei endlich frei. Die zwischen Wissenschaftlern in Europa und Amerika.&#13;
Revolution in der Tschechoslowakei ist vorbei, aber&#13;
Ich möchte noch einmal betonen, daß Prag Sitz des&#13;
der Neuanfang findet gerade statt.&#13;
ständigen Sekretariats der Konferenz über Sicherheit&#13;
Ihre und unsere Arbeit ist noch nicht beendet. Ihre und Zusammenarbeit in Europa werden sollte. Ich bin&#13;
Nationen sehen sich ebenso wie Ihre Nachbarn im zuversichtlich, daß ich in Paris einhellige UnterstütNorden und im Süden mit der einmaligen Aufgabe zung für diese Initiative erhalten werde. Es ist nur recht&#13;
konfrontiert, auf den Ruinen des Totalitarismus eine und billig, daß diese Stadt, die einst an der Trennlinie&#13;
stabile demokratische Ordnung in einer wohlhaben- des kalten Kriegs und der damit einhergehenden Konflikte&#13;
den Marktwirtschaft zu errichten. Ich bin heute hier- lag und sich heute im Herzen des neuen und vereinten&#13;
hergekommen, um Ihnen zu sagen, daß wir Ihnen in Europas befindet, eine zentrale Rolle spielt, da sich die&#13;
diesem entscheidenden Augenblick zur Seite stehen KSZE um den Ausbau der Freiheit in Europa bemüht.&#13;
&#13;
werden. Amerika wird hinter Ihnen stehen.&#13;
&#13;
Amerika ist bereit, der Tschecholowakei bei der Verwirklichung von Fortschritt und Wohlstand zu helfen,&#13;
die nunmehr greifbar nahe sind. Heute werden unsere&#13;
beiden Länder Abkommen schließen, die der Tschechoslowakei uneingeschränkten Zugang zu amerikanischen Märkten, amerikanischen Investitionen und&#13;
amerikanischer Technologie einräumen. Um die Kreativität und Dynamik des tschechoslowakischen Volkes&#13;
&#13;
Beim Pariser KSZE-Gipfel werden die Staaten Nordamerikas und Europas historische Dokumente unterzeichnen - einen Vertrag über einschneidende Reduzierungen der konventionellen Streitkräfte in Europa,&#13;
eine KSZE-Gipfelerklärung, mit der die künftige Rolle&#13;
der KSZE bei der Überwindung der europäischen&#13;
Spaltung umrissen wird. Das Atlantische Bündnis, das&#13;
Fundament der europäischen Stabilität, hat sich&#13;
demselben Ziel verschrieben. Durch Zusammenarbeit&#13;
&#13;
zu fördern, werde ich den Kongreß auffordern, einen&#13;
&#13;
können wir das Ziel eines Europas verwirklichen, das&#13;
&#13;
tschechoslowakisch-amerikanischen Unternehmens- seiner demokratischen Bestimmung gerecht wird, eines&#13;
fonds im Umfang von 60 Millionen Dollar zu bewilligen. Europas, das wirklich ungeteilt und frei ist. Die Aussöhnung dieses Kontinents ist jedoch nur Teil einer&#13;
Darüber hinaus werden die Vereinigten Staaten, um umfassenderen Vision von unserer Welt, einer Vision,&#13;
beim Aufbau des Privatsektors zu helfen, wirtschaftli- die ich Sie bitte, mit mir zu teilen.&#13;
che Soforthilfe über die gegenwärtig an Mittel- und&#13;
Osteuropa für das nächste Jahr bewilligten 370 Millio- Ich möchte dabei auf Leben und Werk des Herrn&#13;
nen Dollar hinaus gewähren. Ferner begrüßen wir die zurückgreifen, der rechts hinter mir sitzt, nämlich&#13;
aktive Beteiligung des amerikanischen Privatsektors. Präsident Havel. Ich möchte darauf zurückgreifen, um&#13;
Und ich freue mich, daß Ihre Regierung gestern ein meinen Punkt zu verdeutlichen.&#13;
vielversprechendes Joint Venture über viele Millionen&#13;
Dollar mit Bell Atlantic und US West geschlossen hat, Vor einigen Jahren schrieb Präsident Havel über die&#13;
um das Kommunikationsnetz Ihres Landes zu moder- Besucher aus dem Westen, die anreisten, um Ihre&#13;
nisieren. Ich bin sicher, dies wird die erste vieler sogenannten "Dissidenten" zu besuchen und sie zu&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
�fragen, wie sie deren Ziele am besten unterstützen&#13;
könnten. Er wunderte sich über diese Frage, er fragte&#13;
sich, warum die Besucher aus dem Westen nicht&#13;
erkannten, daß die Ziele dieser Dissidenten auch ihre&#13;
eigenen waren. Havel schrieb: Sind nicht meine&#13;
schwachen Aussichten, meine Hoffnungen auch seine&#13;
schwachen Aussichten und Hoffnungen? Ist nicht die&#13;
Zerstörung von Menschen in Prag eine Zerstörung&#13;
aller Menschen? Ist die Gleichgültigkeit gegenüber&#13;
den Geschehnissen hier nicht Vorbereitung für ebensolches Elend andernorts?"&#13;
&#13;
heit. Wir möchten die Sowjetunion ermutigen, ihre&#13;
Reformen voranzutreiben, so schwierig dieser Kurs&#13;
auch erscheinen mag. Unsere Gemeinschaft wird sie&#13;
bereitwillig aufnehmen und ihr helfen, wenn auch sie&#13;
sich diesem Staatenbund der Freiheit anschließen&#13;
möchte.&#13;
&#13;
Der Dissident, heute Präsident Havel, sprach damals&#13;
von einem gemeinsamen Schicksal, von einem sicheren Gefühl dafür, daß das Schicksal der gesamten&#13;
Menschheit miteinander verknüpft ist. Tschechen und&#13;
Slowaken verstehen diese Vision und diese Herausforderung. Innerhalb eines halben Jahrhunderts wurde Ihr Kampf um Freiheit nicht durch eine, sondern&#13;
durch zwei der grausamsten Diktaturen in der Geschichte geprägt. Sie wissen, was es heißt, unter&#13;
&#13;
Jede weitere Nation, die sich diesen gemeinsamen&#13;
Werten verschreibt, jedes weitere Land, das sich in&#13;
diesen Staatenbund der Freiheit einreiht, bringt uns&#13;
einen Schritt näher an eine neue Weltordnung heran,&#13;
eine Welt, in der der Einsatz von Gewalt durch die&#13;
gemeinsame Achtung des Prinzips der Rechtsstaatlichkeit abgelöst wird. Diese neue Weltordnung wäre&#13;
ohne eine Vision, die über die Grenzen Europas hinausreicht, unvollständig. Heute, da die Einheit Europas in greifbare Nähe gerückt ist, ist nicht der Zeitpunkt, unsere Vision des Wandels auf diesen Kontinent zu beschränken. Die Prinzipien, von denen&#13;
unsere beiden Nationen geleitet werden, die Prinzipien, die in unseren Revolutionen lebendig sind, sind&#13;
&#13;
Regimen zu leben, deren Vision der Weltordnung&#13;
&#13;
nicht tschechisch oder slowakisch oder amerikanisch,&#13;
&#13;
keinen Platz für Freiheit enthält.&#13;
&#13;
diese Prinzipien sind universell und wurzeln in der&#13;
Liebe für Freiheit und Menschenrechte.&#13;
&#13;
Als Erben von Jan Hus, dessen Standbild nur ein paar&#13;
Straßen weiter errichtet wurde, als Landsleute von&#13;
Comenius, jenen Sohn Mährens, dessen Name Ihre&#13;
große Universität in Bratislava ziert, haben Sie stets&#13;
über den Tellerrand hinausgeblickt, um Ihre Position&#13;
aus universellen Prinzipien abzuleiten. Als kleine&#13;
Nationen, deren Existenz andauernder Bemühungen&#13;
bedarf, haben Sie stets verstanden, daß Ihre Zukunft&#13;
nicht nur auf Ihren eigenen heldenhaften Aktionen hier,&#13;
sondern auf den übergeordneten Prinzipien beruhen,&#13;
von denen die Welt, in der Sie leben, bestimmt wird.&#13;
Wir müssen erkennen, daß kein Volk, kein Kontinent&#13;
für sich allein sicher stehen kann. Unsere Schicksale,&#13;
unsere Zukunft sind miteinander verflochten. Und das&#13;
ist der Grund, warum Europas Freudenfest der Freiheit&#13;
nun, da die Demokratie ihre Macht bewiesen hat, neue&#13;
Verantwortung mit sich bringt.&#13;
Europa hat sowohl die Chance als auch die Herausforderung, mit uns gemeinsam die Führung zu übernehmen, mit uns zur Erlangung dieses gemeinsamen Ziels&#13;
eines neuen Staatenbunds der Freiheit zusammenzuarbeiten. Diese Bund beruht auf gemeinsamen&#13;
Prinzipien, auf vier Eckpfeilern, die unsere gemeinsamen Werte bilden: ein unerschütterlicher Glaube an&#13;
Würde und Rechte des Menschen, die Überzeugung,&#13;
daß eine gerechte Regierung ihre Macht vom Volke&#13;
ableitet, der Glaube, daß Männer und Frauen überall&#13;
frei sein müssen, die Früchte ihrer Arbeit zu genießen&#13;
und daß das Verhalten der Staaten von Rechtsstaatlichkeit geprägt sein muß.&#13;
Die Vereinigten Staaten begrüßen die neuen Demokratien in Mittel- und Osteuropa in diesem Staatenbund der Freiheit, einer moralischen Gemeinschaft,&#13;
vereint durch ihr Engagement für die Ideale der Frei-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
Und heute, nach vier Jahrzehnten des Konflikts und&#13;
kalten Krieges treten wir in ein Zeitalter wahrhaft&#13;
großartiger Aussichten ein. Trotzdem wird unsere&#13;
Freiheit, die Freiheit der Menschen überall, weiterhin&#13;
von Regimen bedroht, denen Menschenrechte und&#13;
Rechtsstaatlichkeit nichts bedeuten. Und deshalb ist&#13;
unsere Antwort auf die Herausforderung am Persischen Golf von solch entscheidender Bedeutung. Die&#13;
gegenwärtige Krise ist eine Warnung an die Vereinigten Staaten und Europa, daß wir uns nicht nach innen&#13;
wenden und vom Weltgeschehen isolieren können.&#13;
Die brutale Aggression des Irak gegen Kuwait bringt&#13;
uns rüde in Erinnerung, daß niemand in Sicherheit&#13;
leben kann, wenn Aggressionen nicht eingedämmt&#13;
werden.&#13;
Ich fühle es in meinem Herzen, daß keine Völker&#13;
besser verstehen können, was am Golf auf dem Spiel&#13;
steht als Tschechen und Slowaken. Aus eigener&#13;
bitterer Erfahrung wissen Sie, daß die Welt ihre Augen&#13;
vor Aggressionen nicht verschließen darf. Sie wissen&#13;
um die Sinnlosigkeit und die vergebliche Hoffnung&#13;
einer Beschwichtigungspolitik gegenüber Aggressoren. Sie kennen die tragischen Folgen, wenn sich&#13;
Nationen angesichts von Aggressionen einreden wollen, dies gehe sie nichts an, es handele sich nur um&#13;
einen Streit in einem weit entfernten Land, zwischen&#13;
Menschen, von denen wir nichts wissen.&#13;
Auch wir Amerikaner haben gelernt. Wir kennen den&#13;
Preis, den unser Isolationismus nach dem Ersten&#13;
Weltkrieg uns selbst und ganz Europa abgefordert hat.&#13;
Wir wissen, daß die Vereinigten Staaten der Versuchung widerstehen müssen, unser Werk als vollendet&#13;
zu betrachten. Wir müssen dem widerstehen, und wir&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�müssen uns weiterhin für die Sache der Freiheit in der heute besonders stolz darauf, mit der TschechoslowaWelt engagieren.&#13;
kei zusammen dieses Jahr der Freiheit zu feiern. Ich&#13;
beglückwünsche Sie zu Ihrem Mut und Ihrer Vision, zu&#13;
Und zunehmend demonstriert auch die Sowjetunion allem, was Sie durchgestanden haben und zu allem,&#13;
ihr Engagement, als konstruktive Kraft für die interna- was zu erlangen Ihnen bestimmt war.&#13;
tionale Stabilität zu wirken. Zunehmend funktionieren&#13;
die Vereinten Nationen so, wie ihre Gründer beabsich- Und ich fordere Sie auf, da Sie Ihren rechtmäßigen&#13;
tigten, frei von ideologischen Konfrontationen, mit denen Platz in der Mitte Europas einnehmen, über die Grengemeinsame Maßnahmen vereitelt und die friedenssi- zen dieses Kontinents hinauszublicken und sich mit&#13;
chernde Funktion dieses Gremiums zur Untätigkeit Ihren Nachbarn in Europa und Nordamerika zusamverurteilt wurde.&#13;
menzuschließen, um einen wahren Bund der Freiheit&#13;
aufzubauen, damit der von Ihnen angestrebte Frieden&#13;
Diese erste Krise im Zeitalter nach dem kalten Krieg und Wohlstand, der von uns allen geteilte Frieden und&#13;
birgt in sich eine historische Chance, die Chance, aus Wohlstand, der Frieden und der Wohlstand der geder großen und wachsenden Stärke des Bundes der samten Menschheit sein wird.&#13;
Freiheit zu schöpfen und für alle Nationen eine neue&#13;
Weltordnung zu schaffen, die bei weitem stabiler und Ich danken Ihnen nochmals für diese herzliche Begrüsicherer ist als alle, die wir bisher kannten. Ich bin ßung. Gott segne das Volk der Tschechoslowakei.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
�GOLFKRISE&#13;
21. November 1990&#13;
&#13;
BAKER SIEHT BREITE UNTERSTÜTZUNG&#13;
FÜR BUSHS GOLFPOLITIK&#13;
Pressekonferenz des Außenministers&#13;
WASHINGTON - (AD) - Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus erklärte Außenminister Baker am 14.&#13;
November 1990, daß "sich die von Präsident Bush in der Golfregion verfolgte Politik immer noch breiter&#13;
Unterstützung durch das amerikanische Volk und den Kongreß erfreut". Darüber hinaus verwies Baker auch&#13;
auf die breite Unterstützung für Bushs Politik durch die internationale Koalition, die bei der Abschreckung der&#13;
irakischen Aggression am Golf zusammenarbeitet.&#13;
"Es besteht vollständige Übereinstimmung, daß wir unsere Geschlossenheit bewahren sollten", erklärte Baker.&#13;
"Wir sind uns einig, daß uns Erfolg beschieden sein muß. Es bestehen unterschiedliche Ansichten darüber, wie&#13;
dieser Erfolg erzielt werden sollte, aber wir müssen bei der uneingeschränkten Durchführung der Resolutionen&#13;
des UN-Sicherheitsrats Erfolg haben", die als Reaktion auf die irakische Aggression in Kuwait verabschiedet&#13;
wurden.&#13;
Im Hinblick auf die bevorstehende Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) erklärte&#13;
Baker, "die Zusammenkunft in Paris verkörpert in einem Mikrokosmos das neue Europa, das noch im Enstehen&#13;
&#13;
begriffen ist - seine jeweiligen Akteure, Institutionen und Anliegen. ... Wir sind sicher, daß die politische und&#13;
institutionelle Stärkung dieser Organisation in Paris den Tag beschleunigen wird, an dem alle Völker Europas&#13;
ihren lang gehegten Traum von Menschenrechten, politischer Freiheit, Wohlstand und Frieden verwirklichen&#13;
werden."&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz von Außenminsiter Baker im Wortlaut.&#13;
&#13;
Meine Damen und Herren, ich weiß, daß Sie Fragen&#13;
bezüglich der Lage am Golf und der gerade beendeten&#13;
Sitzung mit der Führung des Kongresses haben. Ich&#13;
werde diese Fragen gerne beantworten. Zunächst&#13;
möchte ich jedoch über die bevorstehende Reise des&#13;
Präsidenten sprechen und einige Anmerkungen dazu&#13;
machen.&#13;
Der Präsident wird an dem vom 19. - 21. November&#13;
1990 in Paris anberaumten Gipfeltreffen teilnehmen.&#13;
Er und seine Amtskollegen aus Europa, der Sowjetunion und Kanada kommen zusammen, um ein neues&#13;
Zeitalter der europäischen Beziehungen einzuläuten.&#13;
In Paris wird der Präsident drei Dokumente von weitreichender Bedeutung für die Zukunft Europas unterzeichnen, die dazu beitragen werden, die Errungenschaften des vergangenen dramatischen Jahres im&#13;
Bereich von Sicherheit und Menschenrechten zu&#13;
konsolidieren.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
Erstens werden der Präsident und die Staats- und&#13;
Regierungschefs von NATO und Warschauer Pakt&#13;
einen Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa unterzeichnen - den ersten Vertrag über konventionelle Rüstungen der Nachkriegszeit. Die Vereinigten&#13;
Staaten haben den Abschluß eines Abkommens über&#13;
konventionelle Rüstungen zur Bedingung für ihre Teilnahme an diesem Pariser Gipfeltreffen gemacht, weil&#13;
wir ihn als unabdingbare Grundlage für erweiterte&#13;
europäische Zusammenarbeit erachten. Die Durchführung des Vertrags wird die Schaffung einer stabileren und rechtmäßigen politischen und militärischen&#13;
Ordnung in Europa beschleunigen.&#13;
Zweitens wird der Präsident eine Nichtangriffserklärung zwischen den Mitgliedstaaten der NATO und des&#13;
Warschauer Pakts unterzeichnen, mit der sozusagen&#13;
das Kriegsbeil des kalten Kriegs begraben wird. Mit&#13;
dieser Erklärung wird eine bedeutende Initiative des&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�NATO-Gipfeltreffens vom vergangenen Sommer in&#13;
die Praxis umgesetzt und die Anpassungsfähigkeit&#13;
des Bündnisses an die veränderten Gegebenheiten&#13;
unter Beweis gestellt.&#13;
Drittens werden der Präsident und die Staats- und&#13;
Regierungschefs der Signatarstaaten der Schlußakte&#13;
von Helsinki ein Dokument über die Zukunft der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa&#13;
- KSZE - verabschieden. Paris steht als Symbol für das&#13;
zweite Gipfeltreffen in der Geschichte der KSZE und&#13;
ist in der Tat ein Meilenstein für den KSZE-Proze ß. Mit&#13;
diesem Dokument soH dieser Prozeß so gestärkt werden,&#13;
daß er die Arbeit der NATO und der Europäischen&#13;
Gemeinschaft weiter untermauert.&#13;
Die Zusammenkunft in Paris verkörpert in einem Mikrokosmos das neue Europa, das noch im Enstehen&#13;
begriffen ist - seine jeweiligen Akteure, Institutionen&#13;
und Anliegen. Es ist eine transatlantische Konstellation von Politikern, die etablierte Demokratien vertreten, ein vereinigtes Deutschland, die neu enstehenden&#13;
Demokratien Mittel- und Osteuropas und natürlich die&#13;
reformwillige Sowjetunion.&#13;
Zum ersten Mal seit 40 Jahren wird Europa zusammenkommen und ohne die künstliche, Fortschritt&#13;
hemmende Trennung zwischen Ost und West diskutieren und planen. Zum ersten Mal in der Geschichte&#13;
des KSZE-Prozesses werden alle KSZE-Mitgliedstaaten von der vereinbarten Grundlage demokratischer&#13;
und marktorientierter Prinzipien ausgehen. In den&#13;
letzten Jahrzehnten des kalten Kriegs war die KSZE&#13;
die Triebfeder dafür, den Austausch von Menschen,&#13;
Gedanken und Informationen zwischen Ost und West&#13;
zu erleichtern.&#13;
In dieser Zeit nach dem kalten Krieg verköpert die&#13;
KSZE den gemeinsamen Boden, auf dem die Nationen&#13;
Europas sowie Kanada und die Vereinigten Staaten&#13;
zusammenkommen können, um Menschenrechte,&#13;
militärische Sicherheit sowie wirtschaftliche, umweltpolitische und wissenschaftliche Zusammenarbeit zu&#13;
fördern. Auf der Grundlage der von der NATO beim&#13;
Londoner Gipfeltreffen im Sommer dieses Jahres&#13;
unterbreiteten Vorschläge wird das Pariser Dokument&#13;
hochrangige politische Konsultationen der KSZE-Mitgliedstaaten institutionalisieren, die Signatarstaaten&#13;
zu regelmäßigen Folgekonferenzen alle zwei Jahre&#13;
verpflichten, das erste Ständige Sekretariat der KSZE&#13;
mit Sitz in Prag gründen, das Austauschprogramme&#13;
auf hoher politischer Ebene erleichtern soll, ein zumindest für den Anfang in Wien angesiedeltes Konflikverhütungszentrum ins Leben rufen, das militärische&#13;
Berechenbarkeit, Transparenz und Vertrauen fördern&#13;
und die Beilegung von Differenzen erleichtern soll und&#13;
schließlich ein Büro für freie Wahlen gründen, das die&#13;
Wahlbeobachtung und das generelle Vorgehen beim&#13;
Aufbau demokratischer Institutionen vereinfachen soll.&#13;
Während wir diese Organisation in der obengenannten&#13;
Art und Weise politisch und institutionell stärken, len-&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
ken wir den KSZE-Prozeß erneut auf die Förderung&#13;
grundlegender Freiheiten. In den Jahren, in denen die&#13;
Aussichten für ein ungeteiltes und freies Europa in der&#13;
Tat düster waren, war die KSZE ein Symbol der&#13;
Hoffnung für die Menschen hinter der Berliner Mauer.&#13;
In diesen ereignisreichen Zeiten eröffnet die KSZE&#13;
neue Möglichkeiten für eine Zukunft von Demokratie&#13;
und Zusammenarbeit. Wir sind sicher, daß die politische und institutionelle Stärkung dieser Organisation&#13;
in Paris den Tag beschleunigen wird, an dem alle&#13;
Völker Europas ihren lang gehegten Traum von Menschenrechten, politischer Freiheit, Wohlstand und&#13;
Frieden verwirklichen werden.&#13;
Frage: Herr Außenminister, ist der Präsident besorgt&#13;
über die bröckelnde Unterstützung seines Unternehmens am Golf im Kongreß und seitens des amerikanischen Volkes? Und warum hält er sich nicht an die&#13;
Verfassung, die...&#13;
Antwort: Natürlich hält er sich an die Verfassung. Es&#13;
besteht keine FrageFrage: Aber er hat sich heute nicht festgelegt.&#13;
Antwort: Diesbezüglich. Das hängt davon ab, was&#13;
die Verfassung vorschreibt und er wird...&#13;
Frage: Sie schreibt keine Konsultationen sondern&#13;
eine Erklärung vor.&#13;
Antwort: Er wird sich in der Tat an die Verfassung&#13;
halten und meine Antwort lautet, Nein, ich glaube nicht,&#13;
daß er besorgt ist. Meines Erachtens erfreut sich die&#13;
von Präsident Bush in der Golfregion verfolgte Politik&#13;
immer noch breiter Unterstützung durch das amerikanische Volk und den Kongreß. Ich möchte auch auf die&#13;
breite Unterstützung für Bushs Politik durch die internationale Koalition verweisen. Es besteht vollständige&#13;
Übereinstimmung, da ß wir weiterhin unsere Geschlossenheit bewahren sollten.&#13;
Wir sind uns einig, daß uns Erfolg beschieden sein&#13;
muß. Es bestehen unterschiedliche Ansichten darüber, wie dieser Erfolg erzielt werden sollte, aber wir&#13;
müssen bei der uneingeschränkten Durchführung der&#13;
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats Erfolg haben Erfolg in dem Sinne, daß wir keine Teillösungen akzeptieren.&#13;
Frage: Herr Außenminister, der Präsident hat heute&#13;
sowohl selbst als auch über seinen Sprecher versucht,&#13;
die Befürchtungen des Kongresses bezüglich weiterer&#13;
Truppenentsendungen nach Saudi-Arabien mit den&#13;
Worten zu zerstreuen, daß unsere Politik nach wie vor&#13;
im Einklang mit den UN-Resolutionen zu Sanktionen&#13;
steht. Unterminiert die bloße Tatsache, daß solche&#13;
Versicherungen abgegeben werden, nicht die Glaubwürdigkeit der militärischen Option, die der Präsident&#13;
zu beweisen versucht?&#13;
Antwort: Keineswegs. Wie ich im Laufe meiner Reise&#13;
in der vergangenen Woche versucht habe zu erklären,&#13;
können wir die Option der Anwendung von Gewalt&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
�nicht ausschließen, und es ist daher wichtig, die entscheidende politische und militärische Basis für diese&#13;
Option zu schaffen. Das heißt nicht, daß diese Vorgehensweise oder Option gewählt wurde. Aber wenn die&#13;
Option tatsächlich glaubwürdig sein soll, müssen wir&#13;
eine angemessene Basis dafür schaffen. Genau&#13;
darum bemühen wir uns im Augenblick.&#13;
Frage: Was wird für die politische Seite dieser Basis&#13;
erforderlich sein, Herr Außenminister? Wird dazu eine&#13;
Debatte und eine Abstimmung im Kongreß erforderlich?&#13;
Antwort: Die politische Seite wird insbesondere deutlich&#13;
in der einmaligen Unterstützung durch die Vereinten&#13;
Nationen und die Koalition, die es sich zum Ziel gesetzt&#13;
haben, die Durchführung der Resolutionen zu verwirklichen. Die Frage einer gestern hier vorgeschlagenen&#13;
Sondersitzung des Kongresses wurde auf höchster&#13;
Ebene erörtert, und es bestand allgemeine Übereinstimmung zwischen der Exekutive und Legislative,&#13;
daß die Zeit dafür noch nicht reif ist. Dazu werden also&#13;
wie am heutigen Tag noch weitere Konsultationen&#13;
stattfinden.&#13;
Frage: Herr Außenminister, können Sie zum Arabischen Gipfel Stellung nehmen? Sind Sie dagegen?&#13;
Antwort: Wir sind für alle diplomatischen Ansätze, die&#13;
zu einer politischen und friedlichen Lösung dieses&#13;
Problems führen. Aber wir sind nicht für diplomatische&#13;
oder politische Ansätze, die Teillösungen fordern. Wenn&#13;
also der Vorwurf laut wird, wir würden die diplomatischen Aspekte dieses Problems nicht hervorheben,&#13;
weisen wir ihn zurück. Letzte Woche waren es acht&#13;
Tage - es scheint mir erst gestern gewesen zu sein -,&#13;
seitdem wir diplomatische Ansätze betont haben. Aber&#13;
eins werden wir nicht unterschreiben und nicht akzeptieren, und das sind diplomatische Ansätze, die zu&#13;
Teillösungen führen würden.&#13;
Frage: Nochmals zum Gipfel - meine Frage lautete, ob&#13;
die Vereinigten Staaten einen Arabischen Gipfel befürworten oder dagegen sind?&#13;
Antwort: Ich habe bereits erklärt, daß wir bereit sind,&#13;
alle diplomatischen Bestrebungen zur Lösung dieses&#13;
Problems zu unterstützen, die keine Teillösungen fordern und auch nicht dazu führen. Wir können Teillösungen nicht akzeptieren.&#13;
Frage: Herr Außenminister, Senator Mitchell hat&#13;
darauf verwiesen, seiner Ansicht nach sei es klar, daß&#13;
der Präsident kraft der Verfassung verpflichtet ist, die&#13;
Genehmigung des Kongresses einzuholen, bevor er&#13;
eine militärische Offensive anordnet. Sie haben erklärt, der Präsident gedenke die Verfassung zu befolgen. Würden Sie uns erklären, was Sie meinen, wenn&#13;
Sie von der Verpflichtung der Regierung sprechen, im&#13;
Falle einer militärischen Offensive den Kongreß zu&#13;
konsultieren? Woran denken Sie dabei?&#13;
Antwort: Was dieses Thema angeht, so sollten Sie&#13;
keine Hypothesen aufstellen. Der Präsident vertritt&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
ganz klar die Auffassung - wie frühere Präsidenten&#13;
auch -, daß er eindeutig die Verpflichtung hat, amerikanische Bürger zu schützen. Und es gibt viele&#13;
Umstände und Situationen, in denen Anschläge auf&#13;
US-Bürger verübt oder amerikanische Interessen verletzt&#13;
werden könnten, wo eine unmittelbare und substantielle Reaktion erforderlich ist. Die Verfassung sieht vor,&#13;
daß der Kongreß den Krieg erklärt, und dies ist eine&#13;
Bestimmung der Verfassung, von der ich weiß, daß&#13;
der Präsident und die Exekutive sie respektieren.&#13;
Beantwortet das Ihre Frage?&#13;
Frage: Nein, eigentlich nicht. Ich möchte nicht von&#13;
Ihnen wissen, welche Absichten Sie in jedem einzelnen Moment verfolgen. Aber es könnte doch sein, daß&#13;
die Zeit verstrichen ist, wo Sanktionen etwas bewirken&#13;
können und die Zeit gekommen sein könnte, eine&#13;
Offensive zu starten - das hat der Präsident selbst&#13;
gesagt, als er die Aufstockung der Streitkräfte ankündigte, darauf hat sich Senator Mitchell bezogen und&#13;
darauf zielte auch meine Frage ab.&#13;
Antwort: Das ist rein hypothetisch und deshalb werde&#13;
ich darauf nicht eingehen. Ich habe erklärt, wir wollen&#13;
eine Basis schaffen, die uns in die Lage versetzt, eine&#13;
glaubwürdige Option zur Anwendung von Gewalt zu&#13;
haben. Aber das ist etwas anderes, als wenn man&#13;
sagt, der Präsident hat die Entscheidung in diese&#13;
Richtung getroffen.&#13;
Wir möchten, daß hier ein ganz klares und unmißverständliches Signal gesetzt wird. Wenn der Präsident&#13;
erklärt, er kann diese Option nicht ausschließen, werden wir die Option nicht nur nicht ausgeschlossen,&#13;
sondern als glaubwürdige Option in der Hinterhand&#13;
haben.&#13;
Frage: Herr Außenminister, es ist hier und im ganzen&#13;
Land bekannt, daß der Präsident das Recht hat,&#13;
amerikanische Menschenleben in Notsituationen zu&#13;
verteidigen. Wollen Sie sagen, daß Sie in allen anderen Fällen die Zustimmung des Kongresses einholen&#13;
würden...?&#13;
Antwort: Nein, das will ich nicht damit sagen. Ich will&#13;
lediglich damit ausdrücken, daß ich nicht mitspiele,&#13;
wenn es darum geht, was unter bestimmten hypothetischen Umständen passieren könnte. Wir sind noch&#13;
nicht soweit. Aber im Hinblick auf dieses Problem&#13;
wissen Sie - und wir sollten offen und ehrlich darüber&#13;
reden, wie wir es soeben im Kabinett getan haben -,&#13;
daß eine echte und aussagekräftige Debatte zwischen&#13;
Exekutive und Legislative dieser Regierung stattfindet.&#13;
Das ist seit einiger Zeit der Fall, etwa darüber, ob das&#13;
War Powers Act verfassungsmäßig ist oder nicht.&#13;
Unserer Ansicht nach enthält es Bestimmungen, die&#13;
eindeutig verfassungswidrig sind.&#13;
Aber eine der Gesetzesbestimmungen sieht interessanterweise vor, daß der Präsident für einen Zeitraum&#13;
von 90 Tagen Truppen aufstellen kann. Und meiner&#13;
Ansicht nach könnte man das Argument anführen was ich nicht tun werde -, daß der Kongreß, zumindest&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�bei der Verabschiedung des Gesetzes den Präsidenten ermächtigt hat, lediglich 90 Tage lang zu handeln.&#13;
Es gibt in diesem Gesetz viele Dinge, die wir nicht&#13;
akzeptieren können und für verfassungswidrig halten.&#13;
Frage: Dieser 90-Tage-Bestimmung zufolge muß&#13;
jedoch garantiert sein, daß diese Menschen nicht&#13;
unmittelbar in Gefahr sind. Ist das richtig?&#13;
Antwort: Nein, das trifft nicht zu.&#13;
Frage: Herr Außenminister, Jesse Helms hat heute&#13;
erklärt, Saddam Hussein müßte vor Freude Purzelbäume schlagen über die Debatte hier in diesem Land,&#13;
ob der Präsident um vorherige Zustimmung für eine&#13;
Kriegserklärung ersuchen muß. Hat Ihrer Ansicht&#13;
nach die Debatte der letzten Tage Uneinigkeit hervorgebracht und den Präsidenten ins Abseits gedrängt?&#13;
Antwort: Meiner Ansicht nach tragen Exekutive und&#13;
Legislative gemeinsam die Verantwortung, im Namen&#13;
der Nation, des amerikanischen Volkes und der bereits&#13;
entsandten Streitkräfte keine mißverständlichen Signale auszusenden. Und darüber bestand heute&#13;
Übereinstimmung beim Treffen der Parteiführungen.&#13;
Frage: Denken Sie denn, daß mißverständliche Signale ausgesandt wurden?&#13;
Antwort: Ich hoffe nicht. Ich denke auch nicht, daß sie&#13;
nach diesem Treffen so gedeutet werden. Das ist&#13;
meine Auffassung. Aber jemand hat einmal gesagt,&#13;
daß Demokratie manchmal ein Durcheinander sein&#13;
kann. Und das stimmt wohl.&#13;
Und meiner Ansicht nach ist es in Situationen wie&#13;
dieser unter Umständen einfacher, als Diktator handeln zu können. Aber wir sollten in diesem Land&#13;
demokratische Debatten führen, insbesondere bei so&#13;
grundsätzlichen Fragen wie den gegenwärtig anstehenden. Im Laufe dieser Debatte sollten wir jedoch&#13;
alles in unserer Macht Stehende tun, um ein kontinuierliches und unmißverständliches Signal auszusenden.&#13;
Frage: Herr Außenminister, wie wollen Sie diese&#13;
Politik neu beleben und verwirklichen? Ich stelle diese&#13;
Frage, weil die Umfragen geringere Unterstützung&#13;
zeigen, je mehr die Möglichkeit der Anwendung von&#13;
Gewalt in Betracht gezogen wird.&#13;
&#13;
Antwort: Meiner Ansicht nach kann man nicht auf der&#13;
Basis von Meinungsumfragen agieren - wenn ich das&#13;
sagen darf.&#13;
Frage: Ich gehe davon aus - Ihre Reise hat es gezeigt&#13;
und Sie haben uns letzte Woche in Paris erklärt, daß&#13;
innerhalb der Koalition die Meinungen geteilt sind, wie&#13;
gut die Sanktionen schon gegriffen haben, auch darüber, wann und wie Sie entscheiden könnten, daß sie&#13;
versagt haben und die Option der Gewaltanwendung&#13;
zum Zuge käme. Offensichtlich bestehen immer noch&#13;
Meinungsverschiedenheiten über eine UN-Resolution.&#13;
Wie sehen Sie Ihre nächsten Schritte zur Lösung&#13;
dieses Problems?&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Antwort: In kontinuierlichen und eingehenden Konsultationen mit Mitgliedern unserer Koalition wie auch&#13;
mit Mitgliedstaaten des Sicherheitsrats. Und ich freue&#13;
mich, dies am Samstag und Sonntag in Europa fortsetzen zu können. Ich möchte insbesondere die Gelegenheit wahrnehmen, mit meinen Amtskollegen aus&#13;
Zaire, Cöte d'lvoire und Äthiopien zu sprechen, die&#13;
gegenwärtig im Sicherheitsrat vertreten sind. Ich habe&#13;
im Laufe meiner Reise bereits darauf verwiesen, daß&#13;
wir nach einer Woche oder zehn Tagen imstande sein&#13;
werden, Ihnen bessere Prognosen zu geben.&#13;
Frage: Herr Minister, greifen die Sanktionen?&#13;
Antwort: Ja. Die Sanktionen greifen. Die eigentliche&#13;
Frage lautet jedoch, funktionieren sie im Hinblick auf&#13;
das Ziel, so daß wir die Sicherheit hätten, die Ziele der&#13;
UN-Resolutionen zu verwirklichen? Ich glaube nicht,&#13;
daß wir heute mit Sicherheit davon ausgehen können.&#13;
Wir wissen, daß sie zu greifen beginnen, insbesondere in bestimmten Bereichen. Wir wissen, daß wir ihre&#13;
Ölexporte abgeschnitten und finanzielle Transaktionen des Irak in der ganzen Welt unterbunden haben.&#13;
Wir wissen, daß der Strom von Einkünften im Grunde&#13;
versiegt ist und daß größtenteils auch die Importe,&#13;
wenn nicht vollständig unterbrochen, so doch erheblich reduziert wurden. Das heißt jedoch nicht, daß er&#13;
bereit ist, sich bedingungslos aus Kuwait zurückzuziehen, was ja der Hauptzweck der Sanktionen ist.&#13;
Frage: Der Präsident versichert jetzt der Führung des&#13;
Kongresses, daß er funktionierende Sanktionen möchte, und meine Frage lautet nun: Betrachtet man die&#13;
erwiesene Fähigkeit Saddam Husseins, sich über diese&#13;
Sanktionen hinwegzusetzen, gehen Sie und die&#13;
Administration dann im Grunde davon aus, daß sie&#13;
greifen können?&#13;
Antwort: Während meiner Reise habe ich festgestellt,&#13;
daß seitens unserer Koalitionspartner unterschiedliche Meinungen über die korrekte Antwort auf Ihre&#13;
Frage bestehen. Meines Erachtens läßt sich heute&#13;
nicht mit absoluter Sicherheit sagen, daß sie funktionieren werden, aber man kann auch nicht das Gegenteil behaupten. Das ist einfach nicht möglich. Und&#13;
wenn ich "funktionieren" sage, dann meine ich die&#13;
vollständige Verwirklichung der UN-Resolutionen.&#13;
Frage: Der Präsident ist mit seiner öffentlichen Ankündigung, er ziehe offensive Operationen zur Durchführung der UN-Sanktionen in Erwägung, politische&#13;
Risiken eingegangen. Kennen Sie, vielleicht abgesehen von Großbritannien, irgendwelche anderen Koalitionspartner, die öffentlich erklären konnten, daß sie&#13;
bereit sind, das Leben ihrer Männer und Frauen aufs&#13;
Spiel zu setzen, um Krieg gegen den Irak zu führen und&#13;
ihn dadurch aus Kuwait zu vertreiben?&#13;
Antwort: Von öffentlichen Ankündigungen weiß ich&#13;
nichts. Ich weiß, daß es...&#13;
Frage: Wenn nicht, warum nicht?&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
�Antwort: Nochmals: Ich möchte keine Spekulationen&#13;
über die mögliche Anwendung von Gewalt anstellen.&#13;
Ich habe bereits alles zu diesem Thema gesagt. Da wir&#13;
sie nicht als Option ausschließen können, möchten wir&#13;
zumindest in der Lage sein, sie als glaubwürdige&#13;
Option zu haben. Das ist wirklich alles, was ich zu&#13;
diesem Thema sagen kann.&#13;
&#13;
Antwort: Das hängt vielleicht mit der politischen Lage&#13;
in einer Vielzahl verschiedener Länderzusammen. Ich&#13;
wollte jedoch sagen, daß ich weiß, daß eine Reihe&#13;
unserer Koalitionspartner uns Zusicherungen in dieser&#13;
Hinsicht gegeben haben.&#13;
Frage: Aber Herr Minister, das sind private Zusicherungen, und private Zusicherungen sind nicht so riskant und können nicht so für bare Münze genommen&#13;
werden wie öffentliche Zusicherungen. Auf unserer&#13;
Reise konnten wir nicht viele öffentliche Zusicherungen erkennen, und das sind doch die einzigen, die&#13;
offene Verpflichtungen mit einschlägigen politischen&#13;
Risiken darstellen.&#13;
&#13;
Frage: Herr Minister, Sie haben vom War Powers Act&#13;
gesprochen. Entspricht es der Haltung der Administration, daß die 90 Tage erst dann beginnen würden,&#13;
nachdem Truppen wirklich in Kampfhandlungen verwickelt werden und nicht nur Stellungen bezogen&#13;
haben?&#13;
&#13;
Antwort: Aber wir haben öffentliche Aktionen erlebt,&#13;
wenn ich so sagen darf, und zwar seitens anderer&#13;
Koalitionspartner außer Großbritannien, Aktionen in&#13;
Form von Truppenentsendungen zur Unterstützung&#13;
der multinationalen Bemühungen - Land-, Luft- und&#13;
Seestreitkräfte.&#13;
&#13;
Antwort: Nein. Das ist nicht der Punkt, auf den ich&#13;
hinauswollte. Sehen Sie sich noch einmal an, was ich&#13;
gesagt habe. Sie werden sicherlich feststellen, daß ich&#13;
erklärt habe, dieses Gesetz sei etwas, mit dem wir&#13;
nicht übereinstimmen. Ich habe es nur als Beispiel für&#13;
einen Fall verwendet, in dem der Kongreß nicht im&#13;
voraus Maßnahmen ergriffen hat. Ich spiele also in&#13;
keiner Weise auf den von Ihnen genannten Punkt an.&#13;
&#13;
Frage: Darf ich dazu noch eine Frage stellen? Herr&#13;
Minister, der Präsident wird sich mit den arabischen&#13;
Staatschefs treffen. Gehen Sie davon aus, daß er mit&#13;
den arabischen Staatschefs über die Möglichkeit eines&#13;
Krieges sprechen und dies seine Entscheidung beeinflussen wird?&#13;
&#13;
Frage: Dazu eine Zusatzfrage, Herr Minister. Bei der&#13;
bereits erfolgten Verlegung von Truppen nach dort&#13;
sind diese 90 Tage bereits verstrichen, und es scheint&#13;
nicht...&#13;
&#13;
Antwort: Er wird sich während seines Aufenthalts in&#13;
der Region mit mindestens zwei unserer wichtigsten&#13;
Koalitionspartner treffen - Saudi-Arabien und Ägypten&#13;
&#13;
Antwort: Auf einige trifft das zu, und dem Gesetz&#13;
zufolge vielleicht auf alle. Ich möchte aber wiederholen, daß unserer Meinung nach das Gesetz verfassungswidrigist. Wir haben damit große Probleme. Ich&#13;
habe es Ihnen gegenüber zu einem völlig anderen&#13;
Zweck erwähnt.&#13;
&#13;
- und unsere Konsultationen mit ihnen fortsetzen.&#13;
&#13;
Frage: Wenn man davon ausgeht, daß Sie den&#13;
Wunsch hatten, eine politische Grundlage für den&#13;
möglichen Einsatz von Gewalt zu schaffen, warum&#13;
wurde dann beschlossen, daß zum jetzigen Zeitpunkt&#13;
keine Sondersitzung erforderlich ist? Wäre es nicht&#13;
nützlich, eine Entschließung des Kongresses zu haben, mit der die Handlungsfähigkeit des Präsidenten&#13;
unterstützt wird?&#13;
&#13;
Frage: Herr Minister, viele Menschen sind besorgt&#13;
darüber, daß ein Krieg dort Tausende amerikanischer&#13;
Menschenleben kosten wird und daß wir, selbst wenn&#13;
der Krieg vorbei und Saddam geschädigt ist, andere&#13;
Probleme schaffen werden. Wir werden eine destabilisierte Region und die Lage wirklich kaum verbessert&#13;
haben. Ist diese Befürchtung übertrieben?&#13;
&#13;
Antwort: Die Führung hat keine Sondersitzung vorgeschlagen. Dieser Vorschlag wurde von einzelnen&#13;
Senatoren gemacht. Bei dem vor wenigen Minuten&#13;
beendeten überparteilichen Treffen der Führung herrschte auf Seiten der Teilnehmer aus der Legislative allgemeiner Konsens, daß dies zur Zeit nicht angebracht&#13;
wäre. Wir sollten die Konsultationen fortsetzen, und&#13;
das werden wir auch tun.&#13;
&#13;
Antwort: Ich möchte dazu erklären, daß meines&#13;
Erachtens die Region heute bereits ziemlich destabilisiert ist, wenn Ereignisse möglich sind, wie das was&#13;
Kuwait soeben widerfahren ist. Wenn es eine Militärmacht wie den Irak mit seiner im Vergleich zu den&#13;
Nachbarstaaten völlig unverhältnismäßigen militärischen Fähigkeit gibt, wenn man sich über das Ausmaß&#13;
seiner chemischen Fähigkeit bewußt ist und auch der&#13;
kurzfristigen Wahrscheinlichkeit, daß er Fähigkeiten&#13;
zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen entwickeln wird, die noch schrecklicher sind.&#13;
&#13;
Frage: Sind Sie der Meinung, daß der Präsident, sollte&#13;
er handeln müssen, die notwendige Unterstützung&#13;
hat, zumindest bis er die Mitglieder des Kongresses&#13;
konsultieren kann? Mit anderen Worten: ist seine&#13;
Unterstützung breit und eingehend genug, um einseitig Maßnahmen zu ergreifen?&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�GATT&#13;
21. November 1990&#13;
&#13;
USA: EG MUSS BEI FEHLSCHLAG DER GATT-RUNDE&#13;
HOHEN PREIS ZAHLEN&#13;
Pressekonferenz von Landwirtschaftsminister Yeutter und&#13;
der US-Handelsbeauftragten Hills&#13;
BONN -(AD) - Den Vereinigten Staaten zufolge wird die Europäische Gemeinschaft - sowohl politisch als auch&#13;
wirtschaftlich - einen sehr hohen Preis zahlen müssen, wenn die Uruguay-Runde der Gespräche über den&#13;
Welthandel erfolglos bleibt, weil die Gemeinschaft keine weitreichenden Reformen in der Agrarhandelspolitik&#13;
akzeptiert.&#13;
Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am 14. November 1990 in Bonn wiesen die US-Handelsbeauftragte&#13;
Carla Hills und Landwirtschaftsminister Yeutter darauf hin, daß die Sackgasse bei Fragen des Agrarhandels die&#13;
Verhandlungen zum Scheitern bringen könnte, die im Dezember mit einem Ministertreffen in Brüssel enden&#13;
sollen. Ein Protokoll der Pressekonferenz wurde in Washington herausgegeben.&#13;
Yeutter bezweifelte Behauptungen, daß die von den Vereinigten Staaten und anderen wichtigen Agrarexporteuren geforderten Reformen in der Landwirtschaftspolitik die meisten europäischen Landwirte in den Ruin treiben&#13;
würden. Hills fügte hinzu, daß die europäische Wirtschaft mit einer erfolgreichen Runde von Handelsgesprächen, die lediglich bestehende Zölle und Handelsschranken um ein Drittel kürzt, in zehn Jahren einen&#13;
Aufschwung um mehr als eine Billion Dollar erzielen könnte.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz im Wortlaut.&#13;
&#13;
Yeutter: Wenn Sie gestatten, möchte ich den Anfang&#13;
machen. Eigentlich sollten Damen den Vortritt haben,&#13;
aber Botschafter Hills wird Ihnen einen größeren&#13;
Überblick über die Uruguay-Runde geben, und ich&#13;
werde mich dem engeren Thema der Landwirtschaft&#13;
zuwenden und eine kurze Einführung geben.&#13;
Ich möchte zunächst darauf verweisen, wie ungeheuer&#13;
stolz wir alle darauf sind, was Deutschland im letzten&#13;
Jahr mit seiner Wiedervereinigung erreicht hat. Noch&#13;
vor dreizehn Monaten hätte niemand das Ergebnis&#13;
dieser Bestrebungen vorhersagen können. Das deutsche Volk und die Bundesregierung haben eine wunderbare Leistung vollbracht, und wir in den Vereinigten&#13;
Staaten freuen uns, Ihnen zu diesem hervorragenden&#13;
Ergebnis gratulieren zu dürfen. Ich sage dies als&#13;
Einleitung zu meinen Ausführungen, weil wir hoffen,&#13;
daß Deutschland die gleiche Führungskraft in der&#13;
Uruguay-Runde im allgemeinen und in der Landwirtschaft im besonderen an den Tag legt. Ich hoffe,&#13;
Botschafter Hills und ich können in einem Jahr hierher&#13;
zurückkehren und sagen, daß wir mit Hilfe deutscher&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
und amerikanischer Führungskraft in der UruguayRunde insgesamt Erfolge erzielt und einen wichtigen&#13;
substantiellen Schritt hin zur Reform der Agrarpolitik&#13;
auf der ganzen Welt einschließlich der Landwirtschaftspolitik in Europa unternommen haben.&#13;
Nachdem das gesagt ist, möchte ich kurz auf die&#13;
Vorschläge der Vereinigten Staaten und der CairnsGruppe eingehen, die sich für die Landwirtschaft ähneln&#13;
und dann auf den europäischen Vorschlag zu sprechen kommen. Wir haben bei der Formulierung unserer Vorschläge tatsächlich versucht, wichtige Reformen in der Landwirtschaft zu erzielen, die unserer&#13;
Ansicht nach seit langem überfällig sind. Das GATT&#13;
besteht seit 40 Jahren, die Gemeinsame Agrarpolitik&#13;
gibt es seit 30 Jahren. Die Verzerrungen im Welthandel sind teilweise auf die Gemeinsame Agrarpolitik,&#13;
teilweise auf unsere eigene Politik in den Vereinigten&#13;
Staaten und zum Teil auch auf die Politik anderer&#13;
Länder zurückzuführen. Die Verzerrungen sind mit&#13;
den Jahren schlimmer geworden und haben zunehmend nachteilige Auswirkungen für die weniger ent-&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�wickelten Länder der Welt. Wir müssen uns diesem&#13;
Problem unbedingt stellen. Es ist in bisherigen Verhandlungsrunden ohne Erfolg behandelt worden. Es&#13;
ist an der Zeit, daß wir einen Erfolg hervorbringen.&#13;
Wenn wir in dieser Runde scheitern, wird uns dieses&#13;
Thema noch etwa zehn Jahre lang bis in die nächste&#13;
Runde der GATT-Verhandlungen begleiten, und dann&#13;
wird es schwieriger zu lösen sein als heute. Wir haben&#13;
die Reformen im Agrarhandel lange genug herausgezögert. Wir müssen sie auf den Weg bringen. Das&#13;
bedeutet mehr Disziplin bei Exportsubventionen. Wir&#13;
hätten es lieber, wenn im Hinblick auf den Agrarhandel&#13;
Exportsubventionen vom Erdboden verschwänden,&#13;
wie es im Rahmen des GATT bereits mit den Subventionen für industrielle Exporte geschehen ist. Wir&#13;
wünschen uns erhebliche Verbesserungen beim Marktzugang auf der ganzen Welt, weil wir in der Landwirtschaft genauso konkurrieren sollten wie bei Industriegütern, und wir sollten keinen Unterschied zwischen&#13;
beiden machen, weil dieser Unterschied künstlich ist.&#13;
Wenn Wettbewerb bei Industriegütern funktioniert,&#13;
dann funktioniert er auch in der Landwirtschaft. Wenn&#13;
Wettbewerb bei Dienstleistungen funktioniert, dann&#13;
auch in der Landwirtschaft. Und ich bin nicht davon&#13;
überzeugt - man wird mich auch nie davon überzeugen&#13;
können -, daß es einen Unterschied zwischen beiden&#13;
gibt. Handel ist Handel...&#13;
Wir müssen darüber hinaus Reformen bei den nationalen Fördermaßnahmen erwirken, das heißt bei dem&#13;
Ausmaß der Preisstützung, die noch in vielen Ländern&#13;
der Welt besteht. Sehr starke Preisstützungen haben&#13;
in einer Reihe von Ländern - einschließlich der Europäischen Gemeinschaft - und von Zeit zur Zeit auch in&#13;
den Vereinigten Staaten - zu der Generation von&#13;
Überschüssen geführt, die auf irgendeine Art und&#13;
Weise vom Markt aufgefangen werden müssen - im&#13;
allgemeinen durch Exportsubventionen. Japan hat&#13;
Reispreise, die acht- bis neunmal über den Weltmarktpreisen liegen. Japan hat Getreidepreise, die etwa&#13;
sieben- oder achtmal höher sind als die Preise auf&#13;
dem Weltmarkt, und die Europäische Gemeinschaft&#13;
stützt die Preise der meisten ihrer Agrarerzeugnisse,&#13;
so daß sie drei- bis viermal teurer sind als auf dem&#13;
Weltmarkt. Wir halten all dies für unhaltbar und für die&#13;
Ursache von Schwierigkeiten, nicht nur im Hinblick auf&#13;
Handelsgepflogenheiten in der ganzen Welt, sondern&#13;
auch im Hinblick auf die Schädigung der Umwelt, die&#13;
leicht vermieden werden könnte.&#13;
Dazu möchte ich noch sagen, daß weder der Vorschlag der Vereinigten Staaten noch das Angebot der&#13;
Cairns-Gruppe Landwirte irgendwo in den Ruin treibt.&#13;
Immer wieder lese ich Berichte in der Presse Westeuropas, denen zufolge sie die Vorschläge der Vereinigten Staaten oder der Cairns-Gruppe nicht akzeptieren&#13;
können, weil dadurch zwei Drittel der Landwirte oder&#13;
soundsoviel tausend Landwirte verloren sind. Weder&#13;
der Vorschlag der Vereinigten Staaten noch der Vorschlag der Cairns-Gruppe enthält irgendeinen Punkt,&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
der besagt, daß ein einziger europäischer Landwirt&#13;
seinen Betrieb verlieren würde. Denn es gibt Wege,&#13;
mit denen die Europäische Gemeinschaft die gemeinsame Landwirtschaftspolitik so umstrukturieren kann,&#13;
daß all ihre Landwirte - jeder einzelne - ihre Betriebe&#13;
erhalten können, wenn die Gemeinschaft das will.&#13;
Diese Entscheidung wird von der Gemeinschaft zu&#13;
fällen sein, aber es ist ungerecht zu behaupten, unser&#13;
Vorschlag würde die europäischen Landwirte in den&#13;
Ruin treiben.&#13;
Was schließlich den Vorschlag der Europäischen&#13;
Gemeinschaft selbst anbetrifft, kann ich darauf näher&#13;
eingehen, wenn ich Ihre Fragen beantworte, aber&#13;
wenn man diese drei Bereiche betrachtet, stellen wir&#13;
bei dem Vorschlag wichtige Mängel fest. Die drei&#13;
Bereiche sind: Exportsubventionen, Marktzugang und&#13;
nationale Fördermaßnahmen. Einzeln betrachtet, gibt&#13;
es einmal den Vorschlag zum Abbau der nationalen&#13;
Unterstützung um 30 Prozent in einem Zeitraum von&#13;
zehn Jahren, von 1986 an gerechnet. Davon ist die&#13;
Hälfte bereits erreicht, was bedeutet, daß der EGVorschlag die Hälfte betrifft -15 Prozent in den kommenden fünf Jahren. Nichts von 1996 bis Ende des&#13;
Jahrhunderts. Zu den Exportsubventionen enthält der&#13;
EG-Vorschlag rein garnichts. Das ist keine Beschränkung der Exportsubventionen, die wir als am meisten&#13;
belastende Praxis von allen empfinden, und auch zum&#13;
Marktzugang enthält der europäische Vorschlag nichts.&#13;
Für alle konkreten Fälle bietet er uns oder irgendeinem&#13;
Land keinen zusätzlichen Marktzugang. Wenn man&#13;
also 15 Prozent zusätzliche Reduzierung bei nationalen Fördermaßnahmen vorschlägt und überhaupt nichts&#13;
in den beiden anderen Bereichen Exportsubventionen&#13;
und Marktzugang, finden wir diesen Vorschlag nicht&#13;
besonders attraktiv.&#13;
Hills: Es ist keine Frage, daß Landwirtschaft der&#13;
Schlüssel für einen erfolgreichen Abschluß dieser&#13;
Handelsgespräche ist, die jetzt seit vier Jahren laufen.&#13;
Es gibt unter den 100 Ländern, mit denen wir verhandeln - wir repräsentieren 85 Prozent des Welthandels&#13;
- solche, die lediglich grundlegende Reformen in der&#13;
Landwirtschaft als Ergebnis wollen. Und sie werden&#13;
nicht länger Exportsubventionen tolerieren, die sie als&#13;
wirtschaftliche Kriegführung empfinden, die lediglich&#13;
ihre Landwirte aus dem Markt drängt. Nur allzuviele&#13;
von ihnen haben nur die Landwirtschaft zum Leben.&#13;
Das heißt, wenn ihnen die Märkte versperrt bleiben,&#13;
wenn Europa in der Landwirtschaft eine Festung gleicht,&#13;
dann haben die Entwicklungsländer keine Möglichkeiten, ihre wirtschaftlichen Hoffnungen zu verwirklichen.&#13;
Minister Yeutter hat es deutlich gesagt: Landwirtschaft&#13;
ist der Schlüssel.&#13;
Muß also die Gesprächsrunde scheitern, weil wir nicht&#13;
den politischen Willen haben, uns um die Landwirtschaft zu kümmern? Ich hoffe nicht. Wir würden eine&#13;
Gelegenheit in der Weltwirtschaft aufgeben, in den&#13;
nächsten zehn Jahren Wachstum im Umfang von 4&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
�Billionen Dollar zu erzielen. Das ist das gleiche, als&#13;
wenn man jeder vierköpfigen Familie in Deutschland&#13;
einen Scheck in Höhe von 17 000 Dollar ausstellt. Es&#13;
gibt nichts, was unsere Regierungen tun könnten, um&#13;
Wirtschaftswachstum zu erzielen, wie es hier in Deutschland, in jedem Land Europas und in den Vereinigten&#13;
Staaten stattfindet. Indem wir ganz einfach unser Ziel&#13;
der Reduzierung tarifärer und nichttarifärer Handelshemmnisse um ein Drittel erreichen, wie bei der Zwischenbilanz vereinbart, kann die Wirtschaft hier in&#13;
Europa in den nächsten zehn Jahren Wachstum im&#13;
Umfang von 1 Billion Dollar erzielen. Darüber hinaus&#13;
können wir Vorschriften für Dienstleistungen erarbeiten, die wir jetzt noch nicht haben. Deutschland allein&#13;
hat im vergangenen Jahr Dienstleistungen im Wert von&#13;
40 Milliarden Dollar exportiert.&#13;
Wir können Vorschriften zum Schutz geistigen Eigentums erarbeiten, indem wir uns auf internationale Regeln&#13;
für Patente, Warenzeichen und Copyrights einigen. Im&#13;
letzten Jahr haben wir in unserem Land 60 Milliarden&#13;
Dollar durch Diebstahl geistigen Eigentums verloren,&#13;
weil wir keine weltweit gültigen Vorschriften für Patente, Warenzeichen und Copyrights haben. Ich bin&#13;
sicher, das gilt auch in Deutschland.&#13;
Wir können all dies leisten, wenn wir über den politischen Willen verfügen, Fortschritte in der Landwirtschaft zu machen. Die Zeit dafür ist reif. Seit dreißig&#13;
Jahren haben wir diesen wichtigen Sektor vernachlässigt. Ich spreche nicht nur über die Wirtschaft, weil wir&#13;
zweifellos alle noch wohlhabender sein werden, wenn&#13;
wir eine erfolgreiche Runde zu Ende bringen, die&#13;
Landwirtschaft umfaßt, aber ich spreche hier auch von&#13;
geopolitischer Stabilität. Wenn wir keinen Erfolg haben, dann werden überall auf der Welt Spannungen&#13;
entstehen, weil Deutschland ebenso wie die Vereinigten Staaten ein Welthandelsland ist. Im Hinblick auf&#13;
etwa 1,5 Billionen Dollar Welthandel pro Jahr befinden&#13;
wir uns im Dschungel. Im Dschungel, weil keine&#13;
Gesetze gelten und Spannungen auftreten, insbesondere in der Landwirtschaft, bei Dienstleistungen, Investitionen, geistigem Eigentum und unzureichenden&#13;
Vorschriften bei industriellen Subventionen. All das&#13;
kann gelöst werden, wenn wir nur den politischen&#13;
Willen haben, jetzt vorwärts zu gehen. Ich hoffe, daß&#13;
wir das tun werden. Die Zeit ist sehr kurz, aber wir&#13;
haben genug Zeit, wenn unsere Regierungen auf&#13;
höchster Ebene beim Gipfel in Houston alles in ihrer&#13;
Macht Stehende tun, sich persönlich engagieren, der&#13;
Uruguay-Runde für 1990 höchste Priorität im Handel&#13;
einräumen und grundlegende Reformen in den drei&#13;
Bereichen erzielen, die wir in der Landwirtschft benötigen: Exportsubventionen, Marktzugang und nationale Fördermaßnahmen. Ich hoffe, daß wir das schaffen.&#13;
Jetzt möchten wir zu Ihren Fragen kommen.&#13;
Yeutter: Sie können die Fragen an einen von uns oder&#13;
an beide zusammen richten.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
Frage: An Sie beide. In Deutschland hat man in den&#13;
letzten Wochen viel davon gehört, daß man Amerika&#13;
etwas schulde, weil Amerika im Gegensatz zu anderen&#13;
Ländern die deutsche Einheit von Anfang an unterstützt hat. Haben Sie bei Ihren heutigen Gesprächen&#13;
Anzeichen wahrgenommen, daß die Deutschen einen&#13;
Teil dieser Schuld zurückzahlen wollen?&#13;
Yeutter: Dazu möchte ich zuerst Stellung nehmen,&#13;
weil ich schon etwas länger in Bonn bin als Botschafter&#13;
Hills. Ich möchte die Frage dahingehend beantworten,&#13;
daß ich mir deutsche Unterstützung für die UruguayRunde im allgemeinen oder deren landwirtschaftliche&#13;
Aspekte nicht auf der Basis irgendwelcher geopolitischen Verpflichtungen wünsche, die unter Umständen&#13;
gegenüber den Vereinigten Staaten bestehen. Ich&#13;
hoffe, Deutschland tut dies aus Eigeninteresse, und&#13;
meiner Meinung nach liegt es sehr wohl im Interesse&#13;
Deutschlands, in diesem Bereich Schritte nach vom zu&#13;
unternehmen. Botschafter Hills hat darauf verwiesen,&#13;
daß alle Länder das Gesamtergebnis der UruguayRunde betrachten und entscheiden müssen, ob das&#13;
letztlich dabei herauskommende Maßnahmenpaket&#13;
für sie Vorteile bringt. Wir hoffen, daß Deutschland&#13;
dies tun wird. Wir sind davon überzeugt, daß Ihre&#13;
Regierungsvertreter genau das tun werden, und meiner Meinung nach liegt dies sehr wohl im Interesse&#13;
aller Länder, Deutschland eingeschlossen. Ich entnehme zum Beispiel einer vor einigen Jahren erstellten&#13;
Untersuchung - nicht aus den Vereinigten Staaten,&#13;
sondern von anderswo -, daß Deutschland bei einer&#13;
umfassenden Reform des Agrarhandels etwa eine&#13;
Million neue Arbeitsplätze gewinnen würde. Das bezog&#13;
sich auf die Zeit vor der Wiedervereinigung, aber auch&#13;
in Deutschland ist eine Million Arbeitsplätze die Mühe&#13;
wohl wert. Und es gibt darüber hinaus noch andere&#13;
Vorteile. Ich hoffe also, es wird aus Eigeninteresse&#13;
getan. Wir hoffen, daß Deutschland die harte Arbeit zu&#13;
schätzen weiß, die die Vereinigten Staaten bei einigen&#13;
von Ihnen genannten geopolitischen Fragen geleistet&#13;
haben, aber wir fordern dafür keine Gegenleistungen.&#13;
Wir versuchen gute Weltbürger zu sein und hoffen,&#13;
daß andere das auch tun. Unserer Ansicht nach gibt&#13;
es abgesehen davon genug Gründe für eine erfolgreiche Uruguay-Runde.&#13;
Hills: Ich stimme Minister Yeutters Äußerungen zu.&#13;
Ich denke,. Deutschlands besonderes Interesse an&#13;
seiner Vereinigung zeigt die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit. Das unterstreicht unter anderem den Wert der Uruguay-Runde.&#13;
Sicherlich werden wir eine Grundlage für erweiterte&#13;
internationale Zusammenarbeit haben, wenn es nicht&#13;
zu Reibungen aufgrund von Handelskriegen oder einer&#13;
Spaltung in Handelsblöcke kommt. Sie haben ein&#13;
besonderes Interesse an jenen osteuropäischen Ländern, die wir alle-bewundern, weil sie die Kommandowirtschaft abgeschüttelt haben und sich von kommunistischen Diktaturen zu aufstrebenden Demokratien&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�entwickeln. Wie tragisch wäre es jedoch, wenn die&#13;
reichsten Staaten wie etwa Deutschland, die Vereinigten Staaten und Ihre Partner hier in Europa nicht den&#13;
politischen Willen besäßen, Marktschranken abzubauen, diese aufstrebenden Demokratien daran hinderten, die versprochenen wirtschaftlichen Erfolge zu&#13;
verwirklichen und damit zu ihrer Ablösung durch weniger&#13;
stabile Regime beitragen würden. Es ist also sicherlich&#13;
ermutigend, wenn wir in der Uruguay-Runde ein Welthandelssystem aufbauen, das eine solide Grundlage&#13;
für die internationale Zusammenarbeit liefert, die für&#13;
Fragen wie Wiedervereinigung, die Sicherheit in Osteuropa oder die weltweite Zusammenarbeit gegen&#13;
Saddam Hussein in gleicher Weise Gültigkeit hat.&#13;
Frage: (unverständlich) haben Sie bei Ihren Gesprächen mit der Bundesregierung wirklich Anzeichen einer&#13;
konkreten Reaktion auf diese Argumente feststellen&#13;
können?&#13;
Hills: Wir haben noch Zeit. Ich war nicht lange genug&#13;
hier, um solche Anzeichen feststellen zu können. Wir&#13;
hoffen, daß dies in der Zukunft der Fall sein wird.&#13;
Yeutter: Ich möchte dem noch etwas hinzufügen.&#13;
Meines Erachtens besteht seitens der Bundesregierung ein starkes Engagement für einen erfolgreichen&#13;
Abschluß der Uruguay-Runde, und wir hoffen, dieses&#13;
Engagement schlie ßt auch die Landwirtschaft ein. Ich&#13;
wollte jedoch noch etwas zur Wiedervereinigung sagen, nämlich, daß die Vereinigung der beiden deutschen Staaten unweigerlich eine Neuorientierung der&#13;
Agrarpolitik innerhalb Deutschlands erfordern wird eine Umstrukturierung, da sich die heutige Struktur der&#13;
ostdeutschen Landwirtschaft grundlegend von der in&#13;
Westdeutschland unterscheidet. Wenn also eine&#13;
Umstrukturierung erforderlich ist - und dies ist meines&#13;
Erachtens der Fall -, warum sollte man dieser nicht&#13;
eine bestimmte Richtung geben, damit das Ergebnis&#13;
mit dem internationalen Umfeld harmonisiert. Meines&#13;
Erachtens kann die Bundesregierung dies kreativ&#13;
durchführen. Sie kann die Art von Agrarstruktur verwirklichen, die zu einer besseren internationalen&#13;
Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in diesem Bereich führen und darüber hinaus die Reibungen mit den&#13;
Vereinigten Staaten, den Entwicklungsländern und&#13;
vielen anderen abbauen würde. Bei richtiger Planung&#13;
und Durchführung ist all dies erreichbar.&#13;
Frage: Kann der Dezember-Termin noch eingehalten&#13;
werden?&#13;
Hills: Wenn der politische Wille vorhanden ist, dann&#13;
können wir meines Erachtens in sehr kurzer Zeit große&#13;
Fortschritte erzielen. Ob wir die Fähigkeit besitzen,&#13;
wirklich Anfang Dezember ein endgültiges Abkommen&#13;
zu unterzeichnen, bleibt abzuwarten. Es könnte ein&#13;
paar Tage länger dauern, aber es ist möglich, dies im&#13;
Dezember abzuschließen, wenn der politische Wille&#13;
vorhanden ist.&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Frage: Herr Minister, eine Frage an Sie beide. Wie&#13;
würden Sie im Lichte Ihres Besuchs die deutsche&#13;
Position bei den bevorstehenden Handelsgesprächen&#13;
beurteilen?&#13;
Yeutter: Wie ich soeben erklärt habe, engagiert sie&#13;
sich für einen erfolgreichen Abschluß der UruguayRunde. Ich habe in meinen heutigen Gesprächen&#13;
nichts vernommen, was dies in irgendeiner Weise&#13;
widerlegen könnte. Ich habe zahlreiche Kommentare&#13;
gehört, die das bekräftigen. Wir haben jedoch nicht im&#13;
Detail darüber gesprochen, was letztlich in den Agrargesprächen oder den Gesamtverhandlungen auf uns&#13;
zukommen könnte. Das fällt nicht in meinen Verantwortungsbereich, das obliegt Botschafter Hills und den&#13;
Unterhändlern der Europäischen Gemeinschaft sowie&#13;
anderer Staaten. Wir haben uns also nicht auf einzelne&#13;
strittige Fragen konzentriert. Wenn man jedoch nur&#13;
Haltung und Engagement bewertet, so bin ich befriedigt über das heute Gehörte, aber dies muß noch in&#13;
konkrete Schritte am Verhandlungstisch umgesetzt&#13;
werden. Ohne sehr erfolgreiche Maßnahmen im&#13;
Agrarbereich werden wir dieses begrüßenswerte Ziel&#13;
einfach nicht erreichen. Mit anderen Worten: es reicht&#13;
nicht aus, nur zu sagen, daß wir eine erfolgreiche&#13;
Uruguay-Runde haben wollen. Wir müssen etwas tun,&#13;
um dies zu erreichen. Zusammen mit anderen Ländern, einschließlich der Vereinigten Staaten, wird&#13;
Deutschland den politischen Willen haben und die&#13;
geistige Energie aufbringen müssen, um dies in den&#13;
nächsten drei Wochen zu verwirklichen. Und die Zeit&#13;
ist knapp.&#13;
Frage: Können Sie sagen, daß Sie nach Ihren Treffen&#13;
oder bei Ihren Gesprächen mit Minister Haussmann&#13;
Bewegung festgestellt haben? Daß die Bundesregierung in der Lage sein könnte, etwas Druck in Brüssel&#13;
auszuüben, um den Brüsseler Vorschlag zur Landwirtschaft zu erweitern oder in der nächsten Woche einen&#13;
neuen Vorschlag zu formulieren?&#13;
Yeutter: Ich kann wirklich nicht für Herrn Haussmann&#13;
sprechen. Sie sollten diese Frage an ihn richten.&#13;
Frage: Nun, was war Ihr Eindruck?&#13;
Yeutter: Sicherlich wird er nicht in der Presse verhandeln wollen, und er hat auch nicht mit mir verhandelt,&#13;
denn sein Verhandlungspartner ist Botschafter Hills.&#13;
Wie Sie wissen, engagiert er sich jedoch schon seit&#13;
langem für eine erfolgreiche Uruguay-Runde, und das&#13;
galt schon für meine früheren Kontakte mit ihm, als ich&#13;
noch das Amt des US-Handelsbeauftragten innehatte.&#13;
Es besteht also eine sehr positive Einstellung. Die&#13;
Verhandlungsführer der Europäischen Gemeinschaft&#13;
sitzen jedoch in Brüssel. Die Haltung von Herrn&#13;
Haussmann und anderen muß deshalb in Vorschläge&#13;
am Verhandlungstisch umgesetzt werden, die von den&#13;
Vertretern der Europäischen Gemeinschaft unterbreitet werden, und das ist zweifelsohne noch nicht geschehen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
�Frage: Wie war Ihr Verhältnis zu Herrn Kiechle?&#13;
Yeutter: Er und ich sind seit langem befreundet. Wir&#13;
hatten ein sehr angenehmes Mittagessen und eine&#13;
sehr fruchtbare Diskussion über die Fragen. Natürlich&#13;
stimmen seine Ansichten über viele Agrarprobleme&#13;
nicht mit meinen überein. Diese Meinungsverschiedenheiten könnten sich mit den Jahren verfestigen.&#13;
Unser Ansatz in der Agrarpolitik ist grundverschieden.&#13;
Das heißt jedoch nicht, daß diese Meinungsverschiedenheiten in einem Abkommen im Rahmen der Uruguay-Runde unüberwindlich sind. Weder Herr Kiechle&#13;
noch ich sind Verhandlungsführer, und keiner von uns&#13;
hat einen Verhandlungsauftrag. Wir können unsere&#13;
Meinungen zum Ausdruck bringen, aber die Verhandlungen werden von Botschafter Hills und ihren Kollegen in der Europäischen Gemeinschaft sowie Vertretern der anderen GATT-Mitgliedstaaten geführt. Ich&#13;
gehe davon aus, daß sowohl Herr Kiechle wie auch ich&#13;
uns für ein positives Ergebnis bei der Landwirtschaft&#13;
engagieren, denn wir erkennen die Nachteile eines&#13;
negativen Ergebnisses, und das sollte vielleicht an&#13;
diesem Punkt erwähnt werden. Bei einigen meiner&#13;
Kontakte in Europa, und das gilt nicht nur für Herrn&#13;
Kiechle, sondern auch für andere, vermittelt mir die&#13;
Gemeinschaft das Gefühl, daß bei diesen Agrarverhandlungen ein Erfolg schmerzhafter sein würde als&#13;
ein Scheitern. Mit anderen Worten: die Gemeinschaft&#13;
würde einen politischen Preis bei den europäischen&#13;
Landwirten bezahlen. Ich antworte darauf zunächst,&#13;
daß meines Erachtens dieser Preis nicht unbedingt&#13;
gezahlt werden muß. Ich habe bereits früher darauf&#13;
verwiesen, daß kein EG-Landwirt in diesem Prozeß&#13;
aufgeben muß. Zweitens, was noch wichtiger ist,&#13;
würde es ohne eine erfolgreiche Uruguay-Runde im&#13;
Bereich Landwirtschaft nicht nur in der ganzen Welt zu&#13;
enormen Erschütterungen im Handel kommen, wir&#13;
würden darüber hinaus im Agrarbereich ein auf Konfrontation ausgerichtetes Umfeld erhalten, das unser&#13;
aller Ausgaben sehr stark erhöhen würde. Mit anderen&#13;
Worten: der Preis der Gemeinsamen Agrarpolitik&#13;
müßte dabei von allen entrichtet werden.&#13;
Frage: Sie erwähnten früher, daß die Verhandlungen&#13;
bis Dezember verschoben werden könnten. Erwarten&#13;
Sie eine Verschiebung bis ins nächste Jahr? Ist dies&#13;
möglich?&#13;
Hills: Ich habe nicht vorgeschlagen, daß sie verschoben werden sollten. Ich würde von nun an gerne rund&#13;
um die Uhr verhandeln, um sie zum Abschluß zu&#13;
bringen. Wir haben vom 3. - 7. Dezember ein Ministertreffen in Brüssel anberaumt. Wenn es stattfindet, und&#13;
ich sage "wenn" ausschließlich deshalb, weil sich der&#13;
Generaldirektor des GATT so pessimistisch über das&#13;
gegenwärtige Patt in der Landwirtschaft geäußert hat,&#13;
und zwar dahingehend, daß er überdenkt, ob Brüssel&#13;
zu diesem Zeitpunkt wirklich nützlich ist. Ob die&#13;
Verhandlungen nun in Brüssel oder Genf fortgesetzt&#13;
werden, alles was wir jetzt benötigen, ist wie bereits&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
gesagt, der politische Wille, eine Entscheidung über&#13;
Exportsubventionen, Marktzugang und Stützungsmaßnahmen im Inland zu fällen. Wie Minister Yeutter&#13;
erklärte, sagen wir nicht, daß die Regierungen ihren&#13;
Landwirten überhaupt nichts zahlen sollen. Kein Bauer&#13;
muß im Regen stehen bleiben. Alles was wir sagen,&#13;
ist, daß die Beihilfen für die Landwirte nicht handelsverzerrend wirken dürfen und der Wirtschaftskrieg, der&#13;
Grenzen überschreitet und die wirtschaftliche Existenz einer anderen Nation zerstört, aufhören muß.&#13;
Darüber hinaus wäre es klug, wenn die Wettbewerbsmaßnahmen, die Deutschland in bezug auf Industriegüter so energisch verfolgt, auch auf Agrargüter angewendet würden. Nach Verwirklichung dieser Maßnahmen könnten wir meines Erachtens den erfolgreichen&#13;
Abschluß der Runde in Angriff nehmen, der uns allen&#13;
mehr Geld, mehr Arbeitsplätze, ein breiteres Spektrum von Möglichkeiten sowie Frieden und Wohlstand&#13;
bis ins 21. Jahrhundert einbringen wird. Wie kann man&#13;
dies ablehnen?&#13;
Frage: Wie tun sie dies?&#13;
Hills: Wie Minister Yeutter erläuterte, verhandle ich&#13;
mit der EG-Kommission gemäß den Römischen Verträgen, und die Regierungsvertreter der 12 EG-Staaten geben ihre Meinung dazu ab, und bei den letzten&#13;
Treffen des Ministerrats haben wir einige Auseinandersetzungen erlebt. Ich gehe dennoch davon aus,&#13;
daß die Staats- und Regierungschefs in Houston eine&#13;
eindeutige Verpflichtung abgegeben haben, daß sie&#13;
sich weiter engagieren und diese Verhandlungen voranbringen würden, weil sie die Vorteile für alle beteiligten Staaten erkannten. Und das müssen wir sehen.&#13;
Ich bin gerade erst eingetroffen und habe noch mit&#13;
keinem Regierungsvertreter gesprochen, und deshalb&#13;
kann ich Ihnen meine Eindrücke nicht schildern. Ich&#13;
möchte jedoch über die Medien, also durch Sie, noch&#13;
einmal energisch darauf verweisen, daß diese Verhandlungen für unseren künftigen Wohlstand und die&#13;
weltweite Stabilität äußerst wichtig sind.&#13;
Yeutter: Ich möchte dem noch etwas hinzufügen. Ich&#13;
habe hier in Europa ein paar Reaktionen mit dem&#13;
Tenor vernommen: Nun, ihr Amerikaner sorgt mit&#13;
Eurem Gerede ja für eine gute Show in der Landwirtschaft. Ihr klingt hart, aber wir wissen, daß Ihr am Ende&#13;
mit den Augen zwinkern werdet. Deshalb müssen wir&#13;
unsere jetzige Position nicht aufgeben. Wir, die Europäische Gemeinschaft, müssen nicht von unserer&#13;
gegenwärtigen Haltung abrücken, und wenn wir es&#13;
tun, dann muß das nur symbolisch sein. Ich möchte&#13;
genau den gegenteiligen Eindruck hinterlassen, von&#13;
dem ich voll und ganz überzeugt bin, nämlich, da ß dies&#13;
eine gefährliche, zum Scheitern verurteilte Strategie&#13;
ist. Die Vereinigten Staten und die Cairns-Gruppe das sind vierzehn der wichtigsten Agrarhandelsstaaten der Welt - haben sehr gute Gründe für die Notwendigkeit von Agrarreformen, und ich glaube nicht, daß&#13;
irgendeiner von uns am Ende klein beigeben wird.&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�Frage: Ist der europäische Vorschlag (unverständlich)...&#13;
Yeutter: Vielleicht sollte ich das tun, weil es sich um&#13;
ein Agrarproblem handelt, und Botschafter Hills kann,&#13;
falls sie dies wünscht, vom Standpunkt des Verhandlungsführers noch ergänzend dazu Stellung nehmen.&#13;
Wir haben von Anfang an erklärt, daß dieses von uns&#13;
als Entkoppelung von Zahlungen bezeichnete Verfahren, also nicht direkt mit der Produktion verbundene&#13;
Zahlungen an die Landwirte, eine befriedigende Maßnahme sind. Mit anderen Worten: Wir betrachten sie&#13;
nicht als handelsverzerrend, sie fallen in die von uns so&#13;
bezeichnete "grüne" Kategorie, wenn wir zwischen&#13;
grün, gelb und rot unterscheiden. Denn obwohl sie für&#13;
die Landwirte hilfreich wären, und das wäre offensichtlich der Fall, sind sie nicht an die Produktion gebunden.&#13;
Der Landwirt muß also nicht eine bestimmte Menge&#13;
Mais oder eine bestimmte Menge Weizen erzeugen,&#13;
um Einkommensbeihilfen erlangen zu können. Der&#13;
andere diesem vergleichbare Bereich, der meines&#13;
Erachtens wesentlich mehr Beachtung verdient als er&#13;
bis heute in Europa erhalten hat, betrifft Maßnahmen&#13;
zum Schutz der Umwelt. Ich gehe davon aus, daß es&#13;
der Europäischen Gemeinschaft ein leichtes wäre,&#13;
einen bedeutenden Beitrag zur Reform der Landwirtschaft zu leisten, wenn sie einige ihrer umweltbelasteten Rächen stillegen würde, sie zu Wiesen werden&#13;
ließe oder mit Bäumen bepflanzen würde. Bestimmte&#13;
Bauern können durchaus für den Nutzungsausfall in&#13;
diesen Bereichen entschädigt werden.&#13;
In den Vereinigten Staaten haben wir im Rahmen des&#13;
sogenannten Conservation-Reserve-(Naturschutzreserve)-Programms über dreißig Millionen Morgen Land&#13;
stillgelegt. In Europa ist praktisch kein Land zu diesem&#13;
Zweck stillgelegt worden. Man könnte mit diesem&#13;
Verfahren einen erheblichen Beitrag zum Umweltschutz in Westeuropa und damit auch zur Agrarreform&#13;
leisten. Ob es sich nun also um direkte entkoppelte&#13;
Zahlungen oder naturschutzbezogene Programme&#13;
handelt, entweder das eine oder andere oder eine&#13;
Kombination von beiden, so könnte dies enorm hilfreich sein, wenn - wie Botschafter Hills bereits ausführte - jemand in der Gemeinschaft nur den politischen Willen demonstriert, diese Schritte zu ergreifen,&#13;
die unseres Erachtens sehr logisch sind.&#13;
Frage: Sie haben heute morgen mit Minister Haussmann gefrühstückt, und er erklärte anschließend, er&#13;
sei über den technischen Aspekt der Gespräche und&#13;
die derzeitige Lage der Landwirtschaft beeindruckt&#13;
gewesen. Seines Erachtens könnte es technische&#13;
Gespräche geben, die nicht direkt mit den Vorschlägen&#13;
der Europäischen Gemeinschaft, der Vereinigten Staaten&#13;
und der Cairns-Gruppe in Zusammenhang stehen.&#13;
Was meinen Sie dazu?&#13;
Yeutter: Ich bin mir nicht sicher, wie der Begriff&#13;
"technisch" hier zu verstehen ist. Natürlich freuen wir&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
uns, zu jeder Zeit mit allen möglichen Gesprächspartnern über lohnende Themen zu sprechen. Die Frage&#13;
des politischen Willens trifft jedoch nicht den Kern des&#13;
Problems. Mit anderen Worten - man kann über&#13;
Einzelheiten nur bis zu einem bestimmten Punkt diskutieren. Letztlich muß eine Demonstration des politischen Willens auf höchster Regierungsebene stattfinden, um diese Reformen voranzutreiben. Die technischen Experten können die Reformen ausmachen und&#13;
vielleicht an bereits eingebrachten Vorschlägen herumdoktern, aber um bedeutende Schritte nach vorne&#13;
zu machen, bedarf es Anweisungen von Politikern auf&#13;
höchster Regierungsebene. Carla, möchten Sie dem&#13;
etwas hinzufügen?&#13;
Hills: Ich vermute, Minister Haussmann bezog sich&#13;
auf die vorhergehende Frage, die lautete: Wie verfahren Sie mit Zahlungen an Landwirte, die nicht mit&#13;
Produktionsanreizen in Verbindung stehen? Zu diesem Thema haben wir von Anfang an gesagt, daß wir&#13;
keine Einwände haben, wenn ein souveräner Staat&#13;
seine Landwirte subventioniert. Wir wollen schlicht&#13;
und einfach keine Produktionsanreize, wie Minister&#13;
Yeutter bereits gesagt hat. Aber diese technischen&#13;
Erörterungen, wie die Zahlungen vorgenommen werden sollen, und welche Art von Umweltprogrammen&#13;
Stützungsmaßnahmen im Inland ersetzen könnten,&#13;
befassen sich nicht mit den Exportsubventionen, die&#13;
Chancen anderer Länder auf dem Agrarsektor zunichte machen oder Marktschranken verschleiern, auf die&#13;
sich die Agrarhandelsgespräche der Uruguay-Runde&#13;
vor vier Jahren konzentrierten. Dies erfordert politischen Willen.&#13;
Frage: Botschafter Hills, Sie sagten, der Gesamtgewinn bei (unverständlich) beliefe sich auf 4 Billionen&#13;
Dollar, wenn der gesamte Handel (unverständlich) um&#13;
eine Drittel reduziert würde.&#13;
Hills: Ich möchte das etwas korrigieren. Ich habe&#13;
gesagt, durch den Abbau von tarifären und nichttarifären Handelshemmnissen um ein Drittel würde die&#13;
Weltwirtschaft in einem Jahrzehnt in einer Grö ßenordnung von über 4 Billionen Dollar expandieren.&#13;
Frage: Ein 33prozentiger Abbau des Handels verzerrt&#13;
also (unverständlich) die magische Zahl, selbst in der&#13;
Landwirtschaft?&#13;
Hills: Natürlich muß der Agrarsektor seinen Beitrag&#13;
leisten, aber wir sprechen hier vornehmlich über unsere in Montreal definierten Ziele, die sich mit Marktzugang befaßten, der über die Reformen hinausgeht, auf&#13;
die wir uns im Hinblick auf die Landwirtschaft konzentriert hatten. Bei den derzeit stattfindenden Verhandlungen über den Marktzugang halten die Vereinigten&#13;
Staaten an einem Vorschlag fest, der einem ungefähr&#13;
49prozentigen Abbau der tarifären und nichttarifären&#13;
Handelsschranken entspricht. Wenn man nur ein&#13;
Drittel der Vorschläge erhielte, die alle hundert Nationen einbringen könnten, würde dies solche Auswirkun-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
�gen auf die Weltwirtschaft haben. Natürlich hoffe ich,&#13;
daß der Agrarsektor einen Teil dessen bildet, denn&#13;
auch hier gibt es einige Nationen, die schlicht und&#13;
einfach, wenn sie ihre Chancen auf dem Agrarsektor&#13;
nicht ergreifen, nicht an den Verhandlungen über&#13;
Marktzugang, Dienstleistungen, geistiges Eigentum&#13;
oder all die anderen Bereiche teilnehmen werden, in&#13;
denen die Industrienationen Handelsreformen wünschen.&#13;
Yeutter: Ich darf hinzufügen, daß es im Agrarbereich&#13;
keine magischen Zahlen gibt. 33 Prozent sind keine&#13;
magische Zahl. Wie Sie wissen, läge diese Zahl weit&#13;
unter dem derzeitigen amerikanischen Vorschlag, der&#13;
sich auf 75 Prozent für zwei dieser drei Komponenten&#13;
beläuft, und auf 90 Prozent für die anderen. 33 Prozent&#13;
würden aus meiner Sicht also nicht für eine zufriedenstellende Agrarreform stehen. Wie Sie ferner wissen,&#13;
liegen die 33 Prozent weit über der jetzt von der EG&#13;
vorgeschlagenen Zahl, die wir als völlig unangemessen erachten.&#13;
Frage: Auf welchen Bereich beziehen sich die 90&#13;
Prozent?&#13;
Hills: Exportsubventionen für einen Zeitraum von 10&#13;
Jahren.&#13;
Frage: Der zweite Bereich ist die Frage der nichttarifären Handelshemmnisse. Könnten Sie sich vorstellen, einem Vorschlag bezüglich der Fleischproduktion&#13;
mit hormonbehandelten Tieren oder einem Verbot&#13;
bestimmter, von einem Land angewandter Gentechnologien zuzustimmen?&#13;
Hills: Ich könnte mir eher vorstellen, daß wir uns als&#13;
Gruppe zivilisierter Nationen einigen, eine wissenschaftliche Grundlage für solche Restriktionen zu finden, die wir gegen den Handel mit Nahrungsmitteln&#13;
verhängt haben. Falls ein solches Vorgehen nicht&#13;
wissenschaftlich fundiert ist und letztlich nicht zum&#13;
Schutz des Verbrauchers dient, die Restriktion jedoch&#13;
zur Einschränkung des Handels verhängt wurde, dann&#13;
sollte man meines Erachtens dagegen einschreiten.&#13;
Frage: Botschafter Hills, wäre der (unverständlich)&#13;
Bereich wiederum betroffen, wenn die Verhandlungen&#13;
platzen (unverständlich)?&#13;
Hills: Wir möchten die Probleme im Zusammenhang&#13;
mit dem Airbus behoben sehen, und wir verhandeln im&#13;
Vertrauen auf eine Lösung. Wir lehnen es vehement&#13;
ab, Marktwirtschaft und Subventionen für Kursschwankungen unter einen Hut zu bringen, wobei der Preis in&#13;
jeder Wettbewerbswirtschaft den Ausschlag gibt - und&#13;
das ist genau das, was Sie beim Airbus machen und&#13;
mit Ihrem Vorschlag zum Agrarhandel versuchen. Es&#13;
handelt sich um zwei völlig unterschiedliche und getrennte Bereiche, aber das Vorgehen ist in beiden&#13;
Fällen zu verurteilen. Und wir möchten dem ein Ende&#13;
setzen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
Frage: Der Airbus scheint in den letzten Monaten eher&#13;
aus den Schlagzeilen verschwunden zu sein, und jetzt&#13;
wollen Sie ihn wieder in die Schlagzeilen bringen?&#13;
Hills: Wir wollen über keine unserer Verhandlungen&#13;
Schlagzeilen, aber gelegentlich gelingt es Ihnen herauszufinden, worüber wir verhandeln. Wie bereits&#13;
gesagt, verhandeln wir jedoch im Vertrauen auf eine&#13;
Lösung des Airbus-Problems. Entweder finden wir&#13;
eine Lösung oder nicht, und wenn nicht, werden wir die&#13;
geeigneten Schritte unternehmen.&#13;
Frage: (unverständlich) einen bedeutenden Fortschritt, den Sie heute erzielt haben?&#13;
Yeutter: Es ist unmöglich, das zu beurteilen. Ich&#13;
möchte Ihnen jedoch eine ernsthafte Anwort geben.&#13;
Fortschritte bei Handelsgesprächen sind oft wenig&#13;
greifbar und machen sich sehr häufig erst zu einem&#13;
späteren Zeitpunkt bemerkbar als in der unmittelbaren&#13;
Zukunft. Ob wir also heute Fortschritte erzielt haben&#13;
oder nicht, wird sich wahrscheinlich durch die von der&#13;
Europäischen Gemeinschaft im Dezember demonstrierten Verhaltensweisen beurteilen lassen. Im&#13;
Dezember werden wir die Antwort auf Ihre Frage&#13;
wissen, aber nicht heute.&#13;
Frage: Botschafter Hills, sind Fortschritte in Bereichen wie geistiges Eigentum, Dienstleistungen, (unverständlich) Fortschritte bei den Agrarverhandlungen&#13;
wegen des Agrarkonflikts zu einem Stillstand gekommen?&#13;
Hills: Meines Erachtens befinden sie sich in dem&#13;
Sinne in einem Patt, daß wir ein weltweites Handelssystem aufbauen wollen, an dem 100 Nationen beteiligt&#13;
sind, und wenn wir nicht den politischen Willen demonstrieren, uns mit dem Agrarbereich zu befassen, werden die Verhandlungen durch eine beträchtliche Anzahl von Nationen aufgerieben. Dann werden wir nicht&#13;
nur im Agrarbereich keine Fortschritte erzielen, denn&#13;
per definitionem ist dies der Bereich, der die Zermürbung herbeigeführt hat, sondern die übrigen Nationen&#13;
werden auch nicht anwesend sein, um sich mit den&#13;
Problemen zu befassen, die Sie aufgezählt haben,&#13;
nämlich Dienstleistungen, geistiges Eigentum, usw.&#13;
Es wird mir versichert, daß Deutschland und die Vereinigten Staaten beim Schutz geistigen Eigentums nur&#13;
geringfügige Probleme haben. Diese bestehen eher&#13;
mit den Entwicklungsländern, eben den Ländern, die&#13;
den Verhandlungen nicht mehr beiwohnen werden,&#13;
wenn der Agrarbereich nicht angemessen behandelt&#13;
wird. Wir haben es also weniger mit einem Verhandlungspatt zu tun als vielmehr einem Zerstören der&#13;
Runde, weil die entscheidenden Teilnehmer nicht&#13;
anwesend sind. Wir benötigen hundert Nationen, um&#13;
ein weltweites Handelssystem aufzubauen. Wir benötigen daher alle am Tisch, und wenn 50 den Verhandlungstisch verlassen, so bleibt nur ein Torso, aber wir&#13;
haben nicht die Gruppe, mit der wir so häufig große&#13;
&#13;
Seite 7&#13;
&#13;
�Probleme bei den sogenannten neuen Bereichen haben,&#13;
in denen wir internationale Handelsregeln aufstellen&#13;
müssen.&#13;
Frage: Und die Vereinigten Staaten sind nicht daran&#13;
interessiert, an diesen Gesprächen teilzunehmen&#13;
(unverständlich)?&#13;
Hills: Die Vereinigten Staaten streben ein umfassendes weltweites Handelssystem an, und wir würden es&#13;
sehr begrüßen, wenn sich beispielsweise der Schutz&#13;
geistigen Eigentums auch auf Ostasien, Lateinamerika und die Entwicklungsländer erstrecken würde. Ich&#13;
möchte nochmals wiederholen, wir haben mit Deutschland weniger Probleme bezüglich Patentschutz und&#13;
Warenzeichen als mit Ostasien, Lateinamerika und&#13;
einigen der Entwicklungsländer. Es wird uns also&#13;
wenig bringen, einen Elitekodex mit den Industrienationen in einigen der Bereiche aufzustellen, in denen&#13;
unser vorrangiges Ziel darin besteht, ein Handelssystem aufzubauen, das den Welthandel regeln soll.&#13;
Ebenso wie Sie sind wir ein im internationalen Handel&#13;
tätiges Land, und deswegen benötigen wir Regeln mit&#13;
allen 100 Nationen, nicht nur einigen wenigen.&#13;
Frage: Welche Haltung nehmen Sie gegenüber der&#13;
EG ein?&#13;
Hills: Meines Erachten hat das Patt im Agrarbereich&#13;
die Verhandlungen äußerst negativ beeinflußt. Es hat&#13;
die europäischen Unterhändler beeinflußt, weil sie aus&#13;
meiner Sicht nicht daran interessiert sind, Fortschritte&#13;
in anderen Bereichen zu erzielen und befürchten, daß&#13;
sich das Augenmerk verschärft auf das Patt im Agrarbereich richten wird. Es kann sein, daß sie bewußt&#13;
oder unbewußt die Probleme in den anderen 14 Verhandlungsbereichen nicht klären. Darüber hinaus&#13;
betrifft das Scheitern der Agrarverhandlungen zweifelsohne auch unsere anderen Handelspartner, denn&#13;
es gibt viele, die sich schlicht und einfach geweigert&#13;
haben, über Marktzugang zu verhandeln, weil sie&#13;
ausschließlich eine Agrarreform wollen, die Marktzugang einbezieht, und da die Europäer hierzu kein&#13;
Angebot unterbreitet haben, sind sie nicht bereit, in&#13;
anderen Bereichen zu verhandeln. Wie ich bereits&#13;
gesagt habe, ist der Agrarbereich der Schlüssel. Er ist&#13;
in der Tat der Schlüssel für alle Teilnehmer, und dieses&#13;
Patt muß unbedingt aufgehoben werden, wenn wir&#13;
einen erfolgreichen Abschluß dieser Runde von Handelsgesprächen erzielen wollen, die uns im Hinblick&#13;
auf Wirtschaftswachstum, Wohlstand, Frieden und&#13;
Stabilität in den kommenden Jahren so viel geben&#13;
könnte.&#13;
Frage: Aber die Zeit wird jetzt wirklich knapp, und die&#13;
Frist läuft, glaube ich, in drei Wochen ab. Warum&#13;
haben Sie so lange gewartet, Druck auf die Europäer&#13;
auszuüben?&#13;
&#13;
Seite 8&#13;
&#13;
Hills: Wie Minister Yeutter bereits deutlich gesagt hat,&#13;
befinden sich meine Verhandlungspartner in Brüssel,&#13;
und ich treffe mich ziemlich regelmäßig mit ihnen. Die&#13;
Zeit ist knapp, aber wir nutzen sie gut. Ich habe diese&#13;
Reise in der Absicht angetreten, daß ich nicht auf diese&#13;
Verhandlungen zurückblicken will und sagen muß, ich&#13;
hätte nicht alles in meiner Macht Stehende versucht.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben mehr Vorschläge unterbreitet, sich im Hinblick auf die Liberalisierung des&#13;
Handels weiter aus dem Fenster gelehnt als jedes&#13;
andere an den Verhandlungen beteiligte Land, und wir&#13;
sind sehr für einen erfolgreichen Abschluß dieser&#13;
Runde von Handelsgesprächen - aber wir können es&#13;
nicht alleine schaffen.&#13;
Yeutter: Wie Sie wissen, ist die Frist zum Einbringen&#13;
der Handelsvorschläge am 15. Oktober abgelaufen.&#13;
Bedauerlicherweise hat die EG ihren Vorschlag jedoch&#13;
erst vor wenigen Tagen unterbreitet, und somit hatten&#13;
wir keine Möglichkeit, den Vorschlag zu erörtern, bevor&#13;
er in endgültiger Version vorlag.&#13;
Frage: Botschafter Hills, was bieten Sie neben dem&#13;
Airbus noch als Anreiz für einen erfolgreichen Abschluß der Gespräche für die Hauptstädte der EG?&#13;
Hills: Ich sehe den Airbus nicht als Anreiz. Es handelt&#13;
sich hierbei um ein bilaterales Problem zwischen Europa&#13;
und den Vereinigten Staaten, und unseres Erachtens&#13;
wirkt es in dem Sinne handelsverzerrend, daß Subventionen an das Airbus-Konsortium fließen und dies&#13;
umso mehr, seitdem man weiß, wie profitabel der A321 ist. Es scheint, daß hier kein Anlaß für weitere&#13;
Subventionen besteht. Mit all unseren Handelspartnern gibt es jedoch gewisse bilaterale Probleme. Ein&#13;
erfolgreicher Abschluß der Runde wird gelegentliche&#13;
Handelsdifferenzen nicht ausschließen - wir wollen&#13;
jedoch einen Mechanismus zur Beilegung von Differenzen schaffen, der ordentlich und prompt funktioniert, und dies ist eines unserer Ziele bei der UruguayRunde. Es wird sowohl dazu beitragen, unsere bilateralen Differenzen beizulegen als auch ein Handelssystem aufzubauen, so daß wir die Spielregeln kennen&#13;
und entsprechend vorgehen können.&#13;
Yeutter: Meines Erachtens bestehen im Agrarbereich&#13;
noch manifeste Probleme, nicht nur für die Vereinigten&#13;
Staaten sondern die ganze Welt. Meiner Einschätzung der Lage zufolge wird die EG international einem&#13;
sehr hohen politischen Preis bezahlen müssen, wenn&#13;
die Agrarverhandlungen scheitern, da praktisch die&#13;
gesamte übrige Welt geschlossen hinter Agrarvorschlägen steht, die zu einer bedeutsamen, substantiellen Agrarreform führen. Die EG wird sich also den Zorn&#13;
zahlreicher Nationen, insbesondere der Entwicklungsländer zuziehen, wenn die Agrarverhandlungen scheitern.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
�Ich nehme an, dessen ist man sich hier in Westeuropa&#13;
bewußt. Wie ich bereits gesagt habe, wird dafür auch&#13;
ein sehr hoher wirtschaftlicher Preis zu bezahlen sein,&#13;
weil die daraus resultierenden Kontroversen ebenfalls&#13;
für alle mit Kosten verbunden sein werden, einschließlich der Europäischen Gemeinschaft.&#13;
Ich danke Ihnen und hoffe, Ihre Fragen wurden zufriedenstellend beantwortet.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
»&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
Seite 9&#13;
&#13;
�Ich nehme an, dessen ist man sich hier in Westeuropa&#13;
bewußt. Wie ich bereits gesagt habe, wird dafür auch&#13;
ein sehr hoher wirtschaftlicher Preis zu bezahlen sein,&#13;
weil die daraus resultierenden Kontroversen ebenfalls&#13;
für alle mit Kosten verbunden sein werden, einschließlich der Europäischen Gemeinschaft.&#13;
Ich danke Ihnen und hoffe, Ihre Fragen wurden zufriedenstellend beantwortet.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
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/&#13;
&gt;&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
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&#13;
�GATT&#13;
21. November 1990&#13;
&#13;
YEUTTER: BESSER KEIN GATT-ABKOMMEN&#13;
ALS EIN SCHLECHTES&#13;
Rede beim Royal Institute of International Affairs&#13;
LONDON - (AD) - US-Landwirtschaftsminister Clayton Yeutter zufolge würden die Vereinigten Staaten "kein&#13;
GATT-Abkommen einem schlechten vorziehen". Wie die meisten anderen Länder strebten sie jedoch ebenfalls&#13;
ein gutes Abkommen an.&#13;
In seiner Rede beim Royal Institute of International Affairs am 13. November 1990 fuhr Yeutter fort: "Wenn es&#13;
uns nicht gelingt, in Brüssel durchgreifende Agrarreformen zu erreichen, dann wird es nicht zu einer guten&#13;
Vereinbarung kommen, und überall, auch in den Vereinigten Staaten, wird sich der protektionistische Druck&#13;
verstärken. Handelskonflikte werden um sich greifen, und wie die Geschichte lehrt, gibt es in solchen Situationen&#13;
keine Gewinner: Wir alle werden die Verlierer sein, nur werden einige mehr verlieren als andere."&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Landwirtschaftsministers im Wortlaut:&#13;
&#13;
Vielen Dank für Ihre freundlichen Worte. Ich freue&#13;
mich, heute hier sein zu können. Es ist für mich immer&#13;
ein Genuß, London zu besuchen - eine der wahrhaft&#13;
großen Städte der Welt. Besonders aber freue ich&#13;
mich darüber, daß diese Europareise auch die Gelegenheit bietet, bei einem solch hochkarätigen Forum&#13;
wie dem Royal Institute of International Affairs zu&#13;
sprechen. Ich möchte dem Institut für seine Einladung&#13;
zu einem Vortrag danken, denn sie kommt zu einem&#13;
entscheidenden Zeitpunkt.&#13;
Die Tunnelvision&#13;
In der britischen Presse wurde in den vergangenen&#13;
Wochen viel über den Bau des Kanaltunnels geschrieben. Vor weniger als 50 Jahren überquerten die&#13;
alliierten Truppen den Kanal, um die Strände der&#13;
Normandie zu erstürmen. Schon bald werden Franzosen, Deutsche, Niederländer - alle Bewohner Europas&#13;
- durch diesen Tunnel fahren. Ich weiß, daß dies nicht&#13;
jeden erfreut, aber ich jedenfalls bin beeindruckt von&#13;
der Vorstellungskraft derjenigen, die diesen Tunnel&#13;
erdacht haben: Dies ist einer der wenigen Fälle, in&#13;
denen sich die "Tunnelvision" als gut erweist. Zumindest ist der Symbolgehalt in diesem beginnenden&#13;
Zeitalter der wirtschaftlichen und politischen Globalisierung angebracht.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
In den vergangenen 18 Monaten wurde die Welt von&#13;
außergewöhnlichen geopolitischen Umwälzungen&#13;
erschüttert: die Stimmen der Studenten in China, die&#13;
für die Freiheit demonstrierten - und starben - klingen&#13;
und noch in den Ohren. Die Gesichter der verarmten&#13;
und unterdrückten, für Freiheit und Demokratie kämpfenden Menschen in Polen, der Tschechoslowakei und&#13;
anderen Staaten Osteuropas haben sich in unser&#13;
Gedächtnis eingegraben. Und in Namibia, Panama,&#13;
Nicaragua - in einem Land nach dem anderen auf dem&#13;
ganzen Erdball - erlebt der Geist von Demokratie,&#13;
Freiheit des einzelnen und neuen Chancen einen&#13;
Aufschwung.&#13;
Aus jeder Stimme in all diesen Nationen - unabhängig&#13;
von der jeweiligen Landessprache - vernehmen wir&#13;
einen umißverständlichen Appell, der keiner Übersetzung bedarf: einen Schrei nach Frieden und Wohlstand, nach demokratischen Freiheiten und wirtschaftlichen Möglichkeiten, nach den Wesensmerkmalen&#13;
des Westens - der Visitenkarte Amerikas.&#13;
Und doch muß ich mich heute - hier in London - der&#13;
Tatsache erinnern, daß die Saat von Demokratie und&#13;
wirtschaftlicher Freiheit hier in Großbritannien gelegt&#13;
wurde, der Heimat einiger der größten politischen,&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�sozialen und wirtschaftstheoretischen Denker: Thomas Hobbes und John Locke, Edmund Burke und&#13;
John Stuart Mills, Adam Smith und John Maynard&#13;
Keynes sowie Winston Churchill und natürlich Margaret Thatcher.&#13;
Im Grunde ihres Herzens besaßen diese Männer und&#13;
Frauen - und dies gilt für alle großen Männer und&#13;
Frauen in der Geschichte - ein Verständnis dafür, daß&#13;
der einzelne Teil einer größeren Gemeinschaft ist,&#13;
einer Weltgemeinschaft, die durch gemeinsame Ziele&#13;
und gemeinsame Anliegen für den einzelnen, die Familie&#13;
und die Nation miteinander verbunden ist.&#13;
Über dieses geistige Bindeglied hinaus sind die Nationen im eigentlichen Sinne des Wortes durch Flugzeuge, Züge, Telefon und Post miteinander verbunden.&#13;
Wir sind wirtschaftlich miteinander verknüpft, da ganze&#13;
Volkswirtschaften aufgrund von Weizen in Kansas, ö l&#13;
im Nahen Osten, Unruhen in Afrika oder Südamerika&#13;
aufsteigen oder fallen. Und heute - und dies hat den&#13;
größten Symbolgehalt - werden Großbritannien und&#13;
Frankreich durch den Kanaltunnel miteinander verbunden. Wäre er heute bei uns, so würde John Donne&#13;
vielleicht sagen: "Keine Nation ist eine Insel, die ganz&#13;
für sich ist. Wir sind jeder ein Teil des wirtschaftlichen&#13;
Ganzen, ein Stück des Kontinents Mensch."&#13;
Wie visionär diese Worte heute klingen, da Nation auf&#13;
Nation danach strebt, den wirtschaftlichen und politischen Erfolg der Demokratien in der Welt nachzuahmen. Da sie genug von politischer Unterdrückung und&#13;
wirtschaftlicher Aushungerung haben, fordern sie heute&#13;
die Mitgliedschaft in der Weltgemeinschaft des Friedens und Wohlstands.&#13;
Wir befinden uns an einem Punkt in der Geschichte,&#13;
einem Zeitpunkt im Schicksal der Menschheit - wenn&#13;
ich Churchill einmal locker paraphrasieren darf -, an&#13;
dem große Dinge in Bewegung geraten sind und wir&#13;
lernen, daß wir geistig - über Raum und Zeit hinweg miteinander verbunden sind und wir - ob wir wollen&#13;
oder nicht - einem Ruf zur Erfüllung einer gemeinsamen Pflicht folgen müssen.&#13;
Dies ist die Zeit für Klarheit im Denken und globale&#13;
Perspektiven, für demokratische Initiative und wirtschaftliche Einbeziehung. Als diejenigen, die die Ramme der Demokratie und wirtschaftlicher Möglichkeiten&#13;
entzündet und gehütet haben, müssen wir uns fragen:&#13;
Können wir den weniger entwickelten Nationen und&#13;
den neu entstehenden Demokratien helfen, da wir uns&#13;
selbst noch helfen müssen?&#13;
Die Antwort lautet: Ja. Und die Lösung liegt direkt vor&#13;
uns. Sie heißt Uruguay-Runde des Allgemeinen ZoHund Handelsabkommens. Und wenn wir nicht der&#13;
"Tunnelvision" - der unerwünschten Art - erliegen,&#13;
dann können wir Erfolg haben.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
"Laissez Faire" • fair genug?&#13;
Daß die Freiheit des einzelnen und wirtschaftliche&#13;
Chancen auch heute lebendig sind, um den Impuls&#13;
dafür zu geben, haben wir zu einem großen Teil einem&#13;
anderen großen Briten zu verdanken: dem Schotten&#13;
Adam Smith. Vor 224 Jahren schrieb Smith ein Werk,&#13;
das zu einem der größten Dokumente des menschlichen Fortschritts geworden ist: sein epochales Traktat&#13;
über Nationalökonomie mit dem Titel The Wealth of&#13;
Nations. Smith verlieh den Gefühlen französischer&#13;
Kaufleute des 17. Jahrhunderts Ausdruck, die auf die&#13;
Frage des französischen Finanzministers Cotbert - der&#13;
eine Vorliebe für komplexe staatliche Vorschriften und&#13;
Bürokratien hatte -, was er für sie tun könne, angeblich&#13;
antworteten: "Laissez-nous faire", lassen Sie uns in&#13;
Ruhe.&#13;
Auf der anderen Seite des Ozeans machte sich eine&#13;
Handvoll aufstrebender, um ihre Existenz kämpfender&#13;
Kolonien Adam Smiths Konzept der wirtschaftlichen&#13;
Freiheit zunutze, fügten ihm gleiche Anteile von&#13;
Demokratie und individuellen Freiheiten hinzu und wie man so sagt, der Rest ist Geschichte. Vom&#13;
Standpunkt der Vereinigten Staaten betrachtet, war&#13;
die Verbindung dieser beiden großen Ideen äußerst&#13;
erfolgreich.&#13;
Und doch entstammt ein großer Teil des wirtschaftlichen Erfolgs der Vereinigten Staaten dem internationalen Handel. Dasselbe gilt für Großbritannien, Deutschland und Frankreich, wo Importe und Exporte zusammengenommen jeweils 38,3, 44,7 und 34,7 Prozent&#13;
des Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Das gilt auch&#13;
für die Europäische Gemeinschaft als Ganzes, denn&#13;
der Anteil des Handels am Bruttoinlandsprodukt der&#13;
EG betrug im Jahr 1988 46,17 Prozent.&#13;
Ein Großteil dieses Handels vollzieht sich mit weniger&#13;
entwickelten Ländern. Deshalb ist es für die Industriestaaten von entscheidender Bedeutung, daß Entwicklungsländer und neu entstehende Industriestaaten stark&#13;
bleiben. Das heißt, daß sie den gleichen Zugang zu&#13;
den internationalen Märkten haben müssen, um ebenso zu wachsen wie Europa und die Vereinigten Staaten.&#13;
Es sollte also auf der Hand liegen, daß wir alle ein&#13;
entscheidendes Interesse am Erfolg der GATT-Verhandlungen haben. Und wir können einen erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde erzielen, wenn die&#13;
GATT-Unterhändler dies gestatten.&#13;
Leider läuft die Zeit ab. In nur drei Wochen treten die&#13;
GATT-UnterhäncHer erneut in Brüssel zusammen, um&#13;
einen endgültigen Beschluß zur Uruguay-Runde zu&#13;
fassen. Die Aussichten sind nicht rosig. Warum nicht?&#13;
Das hat eine Vielzahl von Gründen. Zum Teil haben&#13;
über die Jahre hinweg die mit dem Tunnel vision befa ß-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
�ten Interessengruppen das GATT als Möglichkeit zur&#13;
Durchsetzung ihres eigenen Programms betrachtet,&#13;
und ausländerfeindliche Kräfte haben die öffentliche&#13;
Mißbilligung der weltweiten Zusammenarbeit für ihre&#13;
eigenen engstirnigen und selbstsüchtigen Ziele ausgeschlachtet.&#13;
Aber vor allem die Europäische Gemeinschaft hat&#13;
einen egoistischen und zögerlichen Ansatz bei den&#13;
Agrarverhandlungen des GATT verfolgt, und dies stellt&#13;
nun eine Bedrohung für die gesamte Uruguay-Runde&#13;
dar. Die Welt braucht aussagekräftige Reformen im&#13;
Agrarhandel, aber das hat die EG noch nicht erkannt.&#13;
Welche Signale sendet der jüngste europäische Vorschlag nun den Vereinigten Staaten? Eine oder mehrere&#13;
der folgenden Möglichkeiten: 1. vielleicht halten die&#13;
EG-Unterhändler die Vereinigten Staaten und andere&#13;
Länder im Hinblick auf Reformen im Agrarhandel nicht&#13;
für ernstzunehmend, 2. vielleicht hält die EG die europäische Landwirtschaft nicht für reformbedürftig, 3.&#13;
vielleicht ist es für die EG kein Beinbruch, wenn gar&#13;
kein neues GATT-Abkommen geschlossen wird.&#13;
Gestatten Sie mir, mein Weltuntergangsszenarium zu&#13;
Ende zu führen: für jeden, der eine oder mehrere der&#13;
obengenannten Annahmen zugrundelegt, wird es ein&#13;
böses Erwachen geben.&#13;
Täuschen wir uns nicht - die Verzerrungen im EGAgrarhandel sind sehr real und sehr kostenträchtig - für&#13;
die Vereinigten Staaten, viele Länder der dritten Welt&#13;
und die europäischen Verbraucher und Steuerzahler.&#13;
Nehmen wir zum Beispiel Getreide. Variable Importsteuern verteuern ausländisches Getreide in Europa&#13;
gegenüber EG-Getreide, Preisstützungen weit über&#13;
Weltmarktniveau regen zu Überproduktion an, und&#13;
dank dieser Stimulierung hat die EG-Getreideerzeugung jährliche Zuwachsraten zu verzeichnen, die 10&#13;
Prozent über der anderer Getreideexporteure liegen bei erheblicher Gefährdung der Umwelt. Exportsubventionen - mehr als 10 Milliarden Dollar in diesem Jahr&#13;
- bringen EG-Überschüsse auf den Weltmarkt und&#13;
unterbieten Konkurrenten.&#13;
Die Gesamtkosten dieser handelsverzerrenden Landwirtschaftspolitik für Steuerzahler und Verbraucher&#13;
der Industrieländer hat nunmehr 250 Milliarden Dollar&#13;
jährlich erreicht. Erzeuger in Entwicklungsländern&#13;
verlieren ganze 26 Milliarden Dollar Einkommen jährlich. Welch eine Verschwendung.&#13;
Und zu welchem Preis für den europäischen Verbraucher. Aufgrund von Verzerrungen im Handel kostet ein&#13;
Dutzend große Eier in Washington 1,11 Dollar, in Rom&#13;
2,02 Dollar, ein Kilo Cheddarkäse ist in Washington für&#13;
7,76 Dollar, in Bonn für 9,20 Dollar zu haben, ein Kilo&#13;
Grillhähnchen ist in Washington zum Preis von 2,23&#13;
Dollar erhältlich, in Paris kosten sie 6,49 Dollar. USFarmer berechnen 3,63 Dollar pro Scheffel Getreide&#13;
ab Schiff in Rotterdam, aber europäische Mühlenbesit-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
zer müssen aufgrund der EG-Importsteuern 8,75 Dollar&#13;
dafür zahlen.&#13;
Diese handelsverzerrenden Praktiken haben ernsthafte Auswirkungen für amerikanische Farmer. Eine&#13;
gierige EG-Politik hat die EG von einem der größten&#13;
Getreideimporteure - bei dem sich die Importe 1976&#13;
auf nahezu 30 Millionen Tonnen beliefen - zum zweitgrößten Getreideexporteur der Welt gemacht, der&#13;
1990 schätzungsweise 20 Millionen Tonnen exportieren wird.&#13;
Damit wurden in den letzten zwölf Jahren etwa 200&#13;
Millionen Tonnen ausländischer Getreideexporte - zu&#13;
einem großen Teil amerikanische - verdrängt. An&#13;
diesem Geschäft wurden nichteuropäische Landwirte&#13;
- die bereit wären, zu einem niedrigeren Preis zu&#13;
verkaufen - nicht beteiligt. US-Farmern entstanden&#13;
dabei Kosten in Milliardenhöhe. Das ist ein Verlust,&#13;
den wir nicht weiter hinnehmen können.&#13;
Dennoch hat die EG erst in der letzten Woche, nach&#13;
wochenlangen Debatten, ein Papier zur Landwirtschaft&#13;
vorgelegt, das einen Rückschritt von der 30prozentigen Reduzierung gegenüber dem Stand von 1986&#13;
bedeutet, den wir bereits früher vehement abgelehnt&#13;
haben. Ist das Fortschritt? Ist dies ernsthaftes Engagement für Reformen im Handel? Ist das die Art und&#13;
Weise, mit der die Uruguay-Runde zum Erfolg geführt&#13;
wird?&#13;
Amerika ist nicht der Wald von Nottingham, unsere&#13;
Farmer - und auch nicht die in Argentinien, Malaysia,&#13;
Ungarn, Kanada und andere Mitglieder der CairnsGruppe - sind keine Feudalherren, die die Armen der&#13;
Welt an den Bettelstab bringen. Wir werden und&#13;
können nicht tatenlos zusehen, wie unsere Farmer&#13;
aufgrund unfairer Handelsschranken und unhaltbarer&#13;
nationaler Subventionen internationale Märkte und&#13;
ihren Anteil am weltweiten Wohlstand verlieren.&#13;
Um ein letztes Mal Churchill anzuführen - niemals in&#13;
der Geschichte der Handelsgespräche hat es solch&#13;
eine Gelegenheit für so wenige gegeben, so vielen zu&#13;
helfen. Es ist deshalb nahezu grotesk, daß in diesen&#13;
letzten Verhandlungen so viele mit so großem Zeitaufwand so wenig ereicht haben.&#13;
Unsere Vorschläge für die Uruguay-Runde&#13;
Wenn die EG einen Mißerfolg der Uruguay-Runde und unnötige Konflikte in der Weltwirtschaft - vermeiden will, dann muß sie sich die Vorschläge der Vereinigten Staaten und der Cairns-Gruppe für die Landwirtschaft zu Herzen nehmen. Unser Vorschlag ist&#13;
sehr einfach: 1. Progressiver Abbau der Marktschranken um 75 Prozent in den nächsten zehn Jahren, 2.&#13;
Abbau der handelsverzerrenden nationalen Förderungen um 75 Prozent in den nächsten zehn Jahren, 3.&#13;
Abbau der Exportsubventionen um 90 Prozent in den&#13;
nächsten zehn Jahren und 4. Aufstellung von Gesund-&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�heitsnormen Und -Vorschriften - die oftmals lediglich&#13;
schlecht verschleierte Handelsschranken sind - auf&#13;
der Basis wissenschaftlicher Verfahren und Beweise.&#13;
Die Gerneinschaft hält dies für unrealistiisch, aber nur&#13;
Japan, das seine Importembargos für Reis aufrechterhalten will, scheint diese Auffassung zu teilen. Der&#13;
Rest der Welt demonstriert eindeutig die Bereitschaft,&#13;
Verpflichtungen in diesem Umfang - oder mit geringfügen Abweichungen - zur Liberalisierung im Handel&#13;
einzugehen.&#13;
Verlierer an alten Fronten&#13;
Ich habe bereits darauf verwiesen, und ich möchte&#13;
nochmals wiederholen, daß die Vereinigten Staaten&#13;
kein GATT-Abkommen einem unserer Ansicht nach&#13;
schlechten GATT-Abkommen vorziehen. Wir wollen&#13;
ebenso wie die meisten anderen Länder ein gutes&#13;
GATT-Abkommmen. Wenn es uns nicht gelingt, in&#13;
Brüssel durchgreifende Agrarreformen zu erreichen,&#13;
dann wird es nicht zu einer guten Vereinbarung kommen, und überall, auch in den Vereinigten Staaten,&#13;
wird sich der protektionische Druck verstärken. Handelskonflikte werden um sich greifen, und wie die&#13;
Geschichte lehrt, gibt es in solchen Situationen keine&#13;
Gewinner: Wir alle werden die Verlierer sein, nur&#13;
werden einige mehr verlieren als andere.&#13;
Wir sind noch nicht auf die hoffnungslose Lage eingegangen, in der sich die aufstrebenden Demokratien&#13;
und die Entwicklungsländer befinden würden. Diese&#13;
Länder müssen Handel treiben, wenn sie wachsen&#13;
&#13;
wollen und würden kaum ernsthafte lang andauernde&#13;
Handelskonflikte zwischen den Industrieländern überstehen. Da es sich um Käufer von Produkten der&#13;
Industrieländer handelt, würde jede Rezession in den&#13;
Entwicklungsländern die gegenwärtige Rückläufigkeit&#13;
in der Weltwirtschaft weiter verschärfen.&#13;
Ist dies lediglich eine angsteinflößende Taktik der&#13;
Vereinigten Staaten? Nein, es ist eine realistische&#13;
Bilanz der Uruguay-Runde, können wir etwas tun, um&#13;
einen solchen Alptraum in der Weltwirtschaft zu umgehen? Ja, wenn wir in der Uruguay-Runde ein Abkommen schließen, von dem wir alle profitieren. Was ist&#13;
dazu notwendig? Ein besserer Vorschlag der EG zur&#13;
Landwirtschaft.&#13;
Ohne durchgreifende Reformen In der Landwirtschaft&#13;
- die erheblich über den gegenwärtigen Vorschlag der&#13;
EG hinausgehen - wird es kein GATT-Abkommen&#13;
geben.&#13;
Aber mit Reformen in der Landwirtschaft und mit einem&#13;
neuen GATT-Abkommen, das auch andere Elemente&#13;
der Liberalisierung im Handel umfaßt, sind die Aussichten für Wachstum und Wohlstand auf beiden Seiten gesichert.&#13;
Ich hege die Hoffnung, daß klare Köpfe und eine&#13;
langfristige Betrachtungsweise der Weltwirtschaft hier&#13;
in Europa den Sieg davontragen werden, daß EGKommissare echte Reformen in der Landwirtschaft&#13;
ihrer Länder erreichen und daß wir alle vom Handel&#13;
zwischen unseren Ländern profitieren.&#13;
&#13;
* * * *&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 46&#13;
&#13;
�</text>
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                    <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

•WA«

V

14. November 1990

45

KSE

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER
KONVENTIONELLE STREITKRÄFTE IN EUROPA
Eine Übersicht des ACDA

GOLFKRISE

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und
politische Maßnahmen

LANDWIRTSCHAFT

DER US-LANDWIRTSCHAFTSVORSCHLAG
BEI DER URUGUAY-RUNDE
Eine Übersicht

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-33923 66
Telex: 8-85432

�KSE
14. November 1990

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER KONVENTIONELLE
STREITKRÄFTE IN EUROPA
Eine Übersicht des ACDA
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Dokumentation mit dem Titel "KSE - Die Verhandlungen über
Konventionelle Streitkräfte in Europa" wurde am 5. November 1990 in einer aktualisierten Ausgabe vom
amerikanischen Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) veröffentlicht.

Die Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa
Die massive Überlegenheit des Warschauer Pakts bei
konventionellen Streitkräften und insbesondere der
unverhältnismäßig große Umfang der sowjetischen
Truppen haben seit über vierzig Jahren eine instabile
Sicherheitslage in Europa geschaffen. Die von Michail
Gorbatschow versprochenen einseitigen Streitkräftereduzierungen und die infolge der politischen Revolutionen von 1989 geschlossenen bilateralen Vereinbarungen zum Abzug sowjetischer Truppen und sowjetischen Geräts aus Osteuropa sind begrüßenswerte
Schritte zur Behebung dieses Ungleichgewichts. Aber
auch nach erfolgtem Abzug aus Ungarn, der Tschechoslowakei, Polen und Deutschland wird die Sowjetunion immer noch das bei weitem größte stehende
Heer in Europa haben.
Es gibt keine Garantie dafür, daß der Umfang der
sowjetischen Streitkräfte in Zukunft weiter abgebaut
wird oder sie davon Abstand nehmen werden, Osteuropa erneut zu besetzen, wenn sich das politische
Klima verändert. Seit Aufnahme der Verhandlungen
über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) am 9.
März 1989 bemühen sich die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten um ein Abkommen, mit dem gewährleistet werden kann, daß die Streitkräfteniveaus der
Zukunft sowohl niedriger als auch ausgewogener sind.
Der Abschluß eines solchen Abkommens ist eine der
höchsten sicherheitspolitischen Prioritäten der Vereinigten Staaten.
Vertreter der sechzehn Mitgliedstaaten der Organisation des Nordatlantikvertrags (NATO) und der sechs

AMERIKA DIENST 45

verbleibenden Mitglieder des Warschauer Pakts verhandeln in Wien unter einem Mandat, das die geographische Region vom Atlantik bis zum Ural abdeckt
(ATTU). Die Ziele der Verhandlungen sind die Schaffung eines stabilen und sicheren Gleichgewichts der
konventionellen Streitkräfte auf niedrigerem Niveau,
die Beseitigung von Ungleichgewichten bei den Streitkräften sowie die Beseitigung der Fähigkeit zur Auslösung eines Überraschungsangriffs und zur Einleitung
großangelegter Offensiven. Die Mitglieder der NATO
haben eingehende Vorschläge unterbreitet, um diese
Ziele zu erreichen. Sie beinhalten gleiche Obergrenzen bei entscheidenden Waffensystemen, Beschränkungen der Arsenale einzelner Länder und Untergrenzen zur Verhinderung ungerechtfertigter Streitkräftekonzentration in bestimmten Bereichen der ATTURegion.
Der Umfang der KSE hebt sie von bisherigen konventionellen Abrüstungsverhandlungen ab, die nur einige
Mitgliedstaaten der NATO und des Warschauer Pakts
einbezogen und sich ausschließlich auf Streitkräfteniveaus in Mitteleuropa konzentriert haben. Ein Vertrag,
an dem 22 Länder beteiligt sind und in dem es um
Tausende von Waffensystemen in einem Gebiet von
mehr als zweieinhalb Millionen Quadratmeilen geht,
sieht sich mit komplexen Problemen konfrontiert.
Schwierige technische Fragen wie Definitionen, Zählregeln, Methoden zur Zerstörung abgezogenen Geräts und die Verifizierung müssen gewissenhaft ausgehandelt werden. Um Präsident Bush aus seiner
Rede im Mai 1990 zu zitieren: "Der... Vertrag über
Konventionelle Streitkräfte in Europa wäre das ehrgeizigste Abkommen über konventionelle Rüstungskontrolle, das je geschlossen wurde."

Seite 1

�Das von der NATO angestrebte KSE-Abkommen wird
eine wichtige Grundlage für die neue politische und
militärische Ordnung in Europa darstellen. Es wird ein
grundlegendes Element von Sicherheit und Vertrauen
in einer Zeit rascher Veränderungen bieten. Ein wesentlicher Vorteil des KSE-Vertrags besteht darin, daß
die militärische Fähigkeit des gemäß der Vertragsgrenzen reduzierten Geräts zerstört wird. Die Verifikationsvorschläge, die umfangreichen Datenaustausch
ebenso beinhalten wie Vor-Ort-Inspektionen, gestatten uns nicht nur, die Vertragsbestimmungen zu überwachen und Verletzungen abzuschrecken, sondern
tragen auch maßgeblich zur Vertrauensbildung bei.
Nicht zuletzt wird nur ein KSE-Vertrag die sowjetischen Streitkräfte auf die westliche Sowjetunion begrenzen und gleichzeitig das Vertrauen der Sowjetunion in die Respektierung ihrer legitimen Sicherheitsinteressen stärken.
Die KSE-Verhandlungen haben in einer außergewöhnlich konstruktiven Atmosphäre stattgefunden und waren
von guten Fortschritten gekennzeichnet. Die NATO
hofft, vor Ende des Jahres 1990 einen Vertrag zu
schließen.
Elemente eines KSE-Vertrags
Panzer und Artillerie
Kernstück eines KSE-Vertrags ist die Reduzierung
und Eingrenzung von zwei Hauptkategorien gepanzerter Fahrzeugen - Panzern und gepanzerten Kampffahrzeugen - sowie Artillerie, die zusammengenommen das zentrale Element einer konventionellen Offensivfähigkeit ausmachen.
Kampf panzer bilden das Hauptelement eines Offensivangriffs und stehen als solche im Brennpunkt der
Verhandlungen. Zur Zeit verfügt der Warschauer Pakt
über etwas mehr als die Hälfte aller Panzer in Europa.
Die 22 Teilnehmerstaaten haben Einigung über eine
Definition von Kampf panzern erzielt und gleiche Obergrenzen von 20 000 Panzern für jede Seite vereinbart.
Dies würde die Verschrottung von Tausenden von
Panzern des Ostens erforderlich machen und damit
die Stabilität in der ATTU-Region maßgeblich festigen.
Gepanzerte Kampffahrzeuge (ACV) gewährleisten
die Mobilität der Infanterie und Unterstützung während
des Kampfes. Sie können bei Offensiven ein entscheidender Faktor sein, und ihr Abbau geht daher Hand in
Hand mit der Notwendigkeit zur Reduzierung von
Panzern. Zu den ACV zählen Mannschaftstransportwagen (APC), die schnell einsatzfähigen Schützenpanzer (AIFV) und Kampffahrzeuge mit schwerer
Bewaffnung (HACV). Die Unterhändler aus Ost und
West haben sich auf Definitionen dieser Fahrzeuge
geeinigt und Obergrenzen von 30 000 ACV für jede
Seite festgelegt. Darüber hinaus wurden Zwischenobergrenzen von 18 000 AIFV und HACV für jede
Seite vereinbart, wobei die Zahl der HACV pro Seite
1 500 nicht überschreiten darf.
Seite 2

Artillerie liefert die erforderliche Feuerkraft für die
Durchführung von Kampfeinsätzen. Die Verhandlungsteilnehmer haben sich auf eine Definition für diese
Waffenkategorie geeinigt und vereinbart, daß die
Obergrenze jeder Seite bei 20 000 Artilleriegeschützen liegen soll.
Truppenstärken, Flugzeuge und Hubschrauber
Beim NATO-Gipfeltreffen im Mai 1989 schlug Präsident Bush eine Initiative für die Einbeziehung dreier
zusätzlicher Waffenkategorien in die KSE-Verhandlungen vor: Truppenstärken, Kampfflugzeuge und
Kampfhubschrauber. Die Staats- und Regierungschefs der NATO unterstützten diese Initiative, die dann
auch vom Osten angenommen wurde. Diese Elemente sind jetzt ein wesentlicher Aspekt der Verhandlungen. Der Warschauer Pakt verfügt zur Zeit über eine
destabilisierende zahlenmäßige Überlegenheit in all
diesen Bereichen.
Truppenstärken Beim NATO-Gipfel im Juli 1990
schlugen die Staats- und Regierungschefs der NATO
vor, daß nach der Unterzeichnung eines KSE-Vertrags
Folgeverhandlungen aufgenommen werden sollten,
die dem neuen Abkommen zusätzliche Bestimmungen hinzufügen sollten, einschließlich Begrenzung der
Truppenstärken in Europa. Mit diesem Ziel vor Augen
wurde vereinbart, daß eine Verpflichtung im Hinblick
auf die Truppenstärke in einem vereinigten Deutschland eingegangen werden müßte. In einer Rede bei
der Plenarsitzung der KSE erklärten der Außenminister der Bundesrepublik Deutschland und sein Amtskollege aus der Deutschen Demokratischen Republik
am 30. August 1990, bei Unterzeichnung des KSEVertrags alles in ihrer Macht Stehende unternehmen
zu wollen, um innerhalb von drei bis vier Jahren nach
Inkrafttreten des Vertrags die Streitkräfte des vereinigten Deutschlands auf 370 000 Mann zu reduzieren.
Von dieser Gesamtzahl werden lediglich 345 000 Mann
den Land- und Luftstreitkräften angehören, die voll
und ganz vom Mandat der KSE abgedeckt werden. Im
Einklang mit derdeutschen Verpflichtung zur Truppenstärke unterbreitete die NATO offiziell den Vorschlag,
der KSE-Vertrag solle eine Verpflichtung zu KSEFolgeverhandlungen mit denselben Teilnehmern und
Mandaten enthalten. Darüber hinaus schlug die NATO
vor, daß alle KSE-Teilnehmer sich zu einer politischen
Verpflichtung bereiterklären, ihre Truppenstärken für
die Dauer der Folgeverhandlungen nicht zu erhöhen.
Kampfflugzeuge. Die Begrenzung von Kampfflugzeugen gehört zu den am heftigsten debattierten
Verhandlungspunkten. Angesichts der Flexibilität und
Mobilität dieser Flugzeuge vertritt der Westen die
Auffassung, daß alle ständig stationierten kampffähigen Flugzeuge in der ATTU-Region in die Verhandlungen einbezogen werden sollten, unabhängig von ihrer
derzeitigen Rolle, Mission oder Bestimmung. Die
westlichen Vorschläge zur erheblichen Reduzierung
der Anzahl landgestützter Kampfflugzeuge und BeseiAMERIKA DIENST 45

�tigung des Ungleichgewichts in der Region zugunsten
des Ostens wurden von mehreren unannehmbaren
Vorschlägen der Sowjets erwidert, die eine große Zahl
ihrer landgestützten Marine- und andere Kampfflugzeuge aus den vereinbarten Obergrenzen ausklammern wollten. Im Oktober 1990 erzielten beide Seiten
in New York eine umfassende Grundsatzvereinbarung
zur Definition von Kampfflugzeugen sowie zu den
jedem Land erlaubten Obergrenzen. Die Unterhändler
haben vereinbart, Kampfflugzeuge auf 6 800 für jede
Seite zu begrenzen. Darüber hinaus wurde entschieden, daß die Teilnehmerstaaten eine politische Verpflichtung außerhalb des KSE-Vertrags eingehen
würden, um landgestützte Marineflugzeuge zu reduzieren.
Angriffshubschrauber Sie leisten Feuerunterstützung, bieten Flexibilität und rasche Mobilität und spielen damit eine wichtige Rolle bei militärischen Operationen. Die Unterhändler sind übereingekommen, die
Obergrenzen für diese Hubschrauber auf 2 000 für
jede Seite festzulegen. Die bei den Ministertreffen in
New York im Oktober 1990 erzielten Fortschritte haben den Weg für weitere Abkommen in Wien zur
Definition von Hubschraubern und damit einhergehenden Bestimmungen geebnet.
Andere Vertragselemente
Verifikation und Einhaltung Die Fähigkeit zur wirksamen Verifikation der Reduzierung von Rüstungen
und ihre Beibehaltung auf niedrigeren Niveaus wird
zentraler Bestandteil eines KSE-Vertrags sein. Der
Westen hat Bestimmungen für detaillierten Datenaustausch, Vor-Ort-Inspektionen und Überwachung der
Verschrottung eingebracht. Wichtige Fortschritte bei
Definitionen, Verfahren und Quoten der Inspektionen
wurden beim New Yorker Ministertreffen im Oktober
1990 erzielt. Einzelheiten des Verifizierungsregimes
werden noch in Wien erörtert.
Verschrottung Der Westen vertritt die Auffassung,
daß die Zerstörung der militärischen Fähigkeit von
Gerät, das reduziert werden soll, entscheidend ist,
wenn die schnelle Wiederherstellung der militärischen
Vormachtstellung des Ostens verhindert werden soll.
Sie ist darüber hinaus eine wichtige Methode zur Gewährleistung der Vertragseinhaltung. Die meisten
Schlüsselelemente des Protokolls zur Reduzierung
sind vereinbart, darunter auch Bestimmungen zur Umrüstung von Gerät der Bodentruppen zum Einsatz für
nichtmilitärische Zwecke, nach der Zerstörung von
Feuerkraft und Panzerung.
Stabilisierende Maßnahmen Der westliche Vertragsentwurf enthält eine Reihe anderer Maßnahmen, die
zu Vertrauen und Stabilität im regionalen Bereich
beitragen würden. Die wichtigste dieser Maßnahmen
ist die Bestimmung über die Lagerung von Gerät, die
den Bereitschaftsgrad beider Gruppen betrifft und
gleiche Untergrenzen für Gerät fordert, das bei aktiven
Einheiten stationiert ist.
AMERIKA DIENST 45

Regionale Differenzierung und Hinlängllchkelt
Neben Verhandlungen über die Begrenzung der Zahl
von Waffensystemen, die in jeder Kategorie und auf
jeder Seite in der gesamten ATTU-Region zulässig
sind, verhandeln die Teilnehmer auch über regionale
zahlenmäßige Begrenzungen. Die Untergrenzen würden
dazu beitragen, destabilisierende Truppenkonzentrationen bei Bodengerät zu verhindern. Im Hinblick auf
die regionale Verteilung und Zwischenobergrenzen
bestehen noch gewisse Differenzen. Beide Seiten
stimmen überein, daß darüber hinaus Obergrenzen für
den verhältnismäßigen Anteil jedes Staates an den
Waffensystemen eigeführt werden ("Hinlänglichkeit").
Im Oktober 1990 einigten sich Außenminister Baker
und sein sowjetischer Amtskollege Schewardnadse
auf spezifische zahlenmäßige Begrenzungen jeder
Kategorie des vertraglich begrenzten Geräts. Die
Hinlänglichkeitsquoten erstrecken sich auf rund ein
Drittel des gesamten in der Region zulässigen Geräts.
KSE-Chronologie
10. Januar 1989. In Wien paraphieren die 23 Staaten
von NATO und Warschauer Pakt ein Mandat, in dem
Umfang und Form der Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) definiert werden.
9. März 1989. Die KSE-Gespräche zwischen den 23
Staaten von NATO und Warschauer Pakt werden in
Wien formell eröffnet. Der erste NATO-Vorschlag zielt
auf die Reduzierung und Begrenzung von Kampf panzern, gepanzerten Kampffahrzeugen und Artillerie ab.
23. März 1989. Runde I der KSE-Gespäche wird
beendet.
5. Mai 1989. Eröffnung von Runde II.
29.- 30. Mai 1989. Während eines NATO-Gipfeltreffens unterstützen die Staats- und Regierungschefs
der NATO einstimmig den Vorschlag Präsident Bushs,
die KSE-Verhandlungen auf Begrenzungen der Truppenstärken, Kampfflugzeuge und Hubschrauber auszudehnen und die Verhandlungen innerhalb eines
Zeitraums von sechs Monaten bis zu einem Jahr
abzuschließen.
13. Juli 1989. Die NATO unterbreitet in Wien einen
umfassenden Vorschlag, der die beim NATO-Gipfeltreffen vom Mai vereinbarten Initiativen einbezieht.
13. Juli 1989. Runde II der KSE-Verhandlungen wird
beendet.
7. September 1989. Runde III wird eröffnet.
22. September 1989. Der Westen bringt einen Vorschlag über Informationsaustausch, stabilisierende
Maßnahmen, Nichtumgehung und Verifizierung ein.
17. Oktober 1989. Die Unterhändler aller Teilnehmerstaaten einigen sich in Wien auf eine Definition für
Artillerie.
Seite 3

�19. Oktober 1989. Die Staaten des Warschauer Pakts
legen ihre Vorschläge zu Verifizierung, Informationsaustausch und stabilisierenden Maßnahmen vor, von
denen viele die Sprachregelungen der bereits von der
NATO unterbreiteten Vorschläge widerspiegeln.
19. Oktober 1989. Beendigung von Runde III der KSEGespräche.
9. November 1989. Eröffnung von Runde IV.
14. Dezember 1989. Sowohl die NATO als auch der
Warschauer Pakt legen Vertragsentwürfe vor.
21. Dezember 1989. Runde IV der KSE-Verhandlungen wird abgeschlossen.
12. Januar 1990. Runde V wird eröffnet.
13. Februar 1990. In Ottawa einigen sich die Außenminister der 23 KSE-Teilnehmerstaaten darauf, die
außerhalb ihres nationalen Territoriums in der Zone
Europa Mitte stationierten amerikanischen und sowjetischen Land- und Luftstreitkräfte auf je 195 000 Mann
zu begrenzen. Darüber hinaus dürfen die Vereinigten
Staaten 30 000 Mann außerhalb dieser Zone stationieren. Diese Vereinbarung wurde unabhängig von
anderen Truppenbegrenzungen bei KSE getroffen.
22. Februar 1990. Die NATO schlägt ein detailliertes
Inspektionsprotokoll vor. Runde V der KSE-Verhandlugnen wird abgeschlossen.
15. März 1990. Eröffnung von Runde VI. Die NATO
unterbreitet einen Protokollentwurf zur Zerstörung sowie
einen Vertragsartikel über Reduzierungen. Darüber
hinaus bringt die NATO einen Protokollentwurf zu
Notifizierung und Informationsaustausch ein. Der
Westen hat nun Vorschläge für alle wichtigen Elemente eines KSE-Vertrags vorgelegt.
27. April 1990. Runde VI der KSE-Verhandlungen wird
beendet.
14. Mai 1990. Runde VII wird eröffnet.
1. Juni 1990. In einer gemeinsamen Erklärung beim
Washingtoner Gipfel bezeichnen die Präsidenten Bush
und Gorbatschow KSE "als unabdingbar für die zukünftige Stabilität und Sicherheit auf dem Kontinent"
und verpflichten sich zum Abschluß eines KSE-Abkommens bis Ende 1990.
27. Juni 1990. Die Unterhändler der 23 Teilnehmerstaaten verständigen sich auf ein umfassendes Paket
im Hinblick auf Begrenzungen von Panzern, einschließlich der Definitionen für Kampfpanzer, ACV, AIFV,
APC und HACV sowie Obergrenzen für diese Art von
Gerät.

Rüstungskontrollpriorität" der NATO und fordern Folgeverhandlungen mit gleichem Mandat und denselben
Teilnehmern, die nach Abschluß eines KSE-Vertrags
aufgenommen werden sollen. Die Folgegespräche
würden mit zusätzlichen Maßnahmen auf dem heutigen Abkommen aufbauen, einschließlich Maßnahmen
zur Begrenzung der Truppenstärken in Europa. Mit
diesem Ziel vor Augen würde zum Zeitpunkt der Unterzeichnung eine Verpflichtung bezüglich der Truppenstärke in einem vereinigten Deutschland abgegeben.
30. August 1990. In einer Rede vor der KSE-Plenarsitzung erklären Bundesaußenminister Genscher und
sein Amtskollege aus der Deutschen Demokratischen
Republik gemeinsam, daß sie sich zum Zeitpunkt der
Unterzeichung eines KSE-Vertrags zu einer maximalen Truppenstärke von 370 000 Mann in einem vereinigten Deutschland verpflichten würden. Im Rahmen
dieser Gesamtzahl wird die Zahl der Land- und Luftstreitkräfte maximal 345 000 Mann betragen, die voll
und ganz vom KSE-Mandat abgedeckt sind. Im Einklang mit der deutschen Verpflichtungen bezüglich der
Truppenstärke unterbreitet die NATO den offiziellen
Vorschlag, daß der KSE-Vertrag eine Verpflichtung zu
KSE-Folgegesprächen mit denselben Teilnehmern und
gleichem Mandat enthalten soll. Darüber hinaus schlägt
die NATO vor, daß alle KSE-Teilnehmer sich auf eine
politische Verpflichtung einigen, die Truppenstärken
für die Dauer der Folgeverhandlungen nicht zu erhöhen.
12. September 1990. Außenminister Baker und sein
sowjetischer Amtskollege Schewardnadse einigen sich
in Moskau darauf, daßdie Obergrenzen für stationierte
Truppen nicht in die laufenden KSE-Verhandlungen
einbezogen werden.
3. Oktober 1990. Die Bundesrepublik Deutschland
und die Deutsche Demokratische Republik vereinigen
sich. Die Verhandlungen werden mit Teilnahme von
22 Staaten fortgesetzt. Ehemalige DDR-Bestände
werden jetzt im Rahmen der Gesamtzahlen des Westens
gezählt.
5. Oktober 1990. In Konsultationen mit den Außenministern aller Teilnehmerstaaten einigen sich die Außenminister Baker und Schewardnadse im Prinzip auf
alle wesentlichen noch offenen Fragen bei KSE. Zu
den bei den New Yorker Treffen erzielten Entscheidungen zählen Obergrenzen für Artillerie und Hubschrauber sowie die Lösung der Probleme mit landgestützten
Marineflugzeugen. Entscheidende Fortschritte wurden darüber hinaus bei Obergrenzen für Flugzeuge,
Hinlänglichkeit, Zonen und Verifizierung erzielt.

6. Juli 1990. Beim NATO-Gipfeltreffen in London
bezeichnen die Staats- und Regierungschefs der 16
Mitgliedstaaten in einer Erklärung KSE als "höchste

Seite 4

AMERIKA DIENST 45

�Stand der wesentlichen KSE-Vertragselemente

Kampfpanzer
Definitionen

Vereinbart

Zahlenmäßige
Begrenzungen

Vereinbart
20 000 pro Seite

Artillerie
Definitionen

Vereinbart

Zahlenmäßige
Begrenzungen

Vereinbart
20 000 pro Seite

Gepanzerte Kampffahrzeuge
Definitionen

Vereinbart

Zahlenmäßige
Begrenzungen

Vereinbarung über 30 000 gepanzerte Kampffahrzeuge (ACV)
pro Seite mit Zwischenobergrenzen von 18 000 Schützenpanzern (AIFV) und Kampffahrzeugen mit schwerer Bewaffnung
(HACV) pro Seite, deren Zahl maximal 1 5000 betragen darf.

Kampfflugzeuge
Definitionen

Vereinbart

Zahlenmäßige
Begrenzungen

Vereinbart
6 800 pro Seite

Angriffshubschrauber
Definitionen

Vereinbart

Zahlenmäßige
Begrenzungen

Vereinbart
2 000 pro Seite

ik * * *

AMERIKA DIENST 45

*

Seite 5

�GOLFKRISE
14. November 1990

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen
Die nachfolgende Übersicht über die von der internationalen Staatengemeinschaft als Reaktion auf die Invasion
des Iraks in Kuwait ergriffenen Maßnahmen stützt sich auf bis zum 6. November 1990 eingegangene
Informationen und ist gegebenenfalls unvollständig.

NATO
Die 16 Bündnispartner nehmen unmittelbar nach der
irakischen Invasion Kuwaits weiterhin andauernde
Konsultationen auf. Die Außenminister treffen am 10.
August 1990 im NATO-Hauptquartier zusammen, um
die Reaktion der Bündnispartner auf die Krise zu
erörtern und die Verpflichtung der NATO zur Verteidigung der Türkei im Falle eines Angriffs durch den Irak
zu bekräftigen. Die wichtigsten Ausschüsse der NATO
kommen weiterhin regelmäßig - zum Teil täglich zusammen, um Maßnahmen zu koordinieren und Informationen sowie nachrichtendienstliche Erkenntnisse auszutauschen. Die Außenminister der NATOPartner kommen am 10. September 1990 zusammen,
um die Koordinierung zu intensivieren.
NATO-Mitgliedstaaten
Belgien
Ölembargo, Einfrieren der irakischen und kuwaitischen
Vermögenswerte. Entsendung von zwei Minensuchbooten und einem Versorgungsschiff in den Golf von
Oman. Zwei C-130 wurden für den Heimflug ägyptischer Flüchtlinge aus Kuwait zur Verfügung gestellt,
eine Fregatte wird zur Begleitung und zum Schutz von
Schiffen, die eine Durchsetzung des Embargos gewährleisten, zum Golf entsandt. Weitere vier C-130
werden den WEU-Ländem zur Verfügung gestellt.
Bundesrepublik Deutschland
Setzt das Embargo des UN-Sicherheitsrats unverzüglich in Kraft und friert irakische Vermögenswerte ein.

AMERIKA DIENST 45

Entsendung von Minensuchbooten und einem Versorgungsschiff ins östliche Mittelmeer, um die Seewege
zu schützen und die Verlegung von Schiffen der NATO
für den Einsatz im Golf zu ermöglichen. Genehmigt die
Nutzung von amerikanischen Stützpunkten in Deutschland zur Unterstützung der Golf mission und beschleunigt die Abwicklung von Überfluganträgen. Am 16.
August 1990 stellt die Bundespost den Brief-und
Paketverkehr mit dem Irak und Kuwait ein. An Hilfsleistungen für die Flüchtlinge in Jordanien stellt die
Bundesrepublik zunächst 4,5 Tonnen Nahrungsmittel,
Zelte und Krankenwagen sowie zwei Charterflugzeuge für den Rückflug von Ägyptern aus Jordanien bereit.
Leistet Zahlungen in Höhe von 187 Millionen Dollar an
den EG-Fonds für die Golfkrise. Verpflichtet sich zur
Zahlung weiterer 2,2 Milliarden Dollar an zusätzlichen
Hilfsleistungen, die folgendermaßen aufgeschlüsselt
werden: Militärisches Gerät im Wert von 1,1 Milliarden
Dollar, das den Streitkräften am Golf zur Verfügung
gestellt werden kann, zusätzliche Hilfsleistungen in
Höhe von 835 Millionen Dollar an die Frontstaaten
sowie 275 Millionen für die Verlegung von Streitkräften
und Gerät. Im Rahmen der militärischen Unterstützung hat die Bundesrepublik für die unverzügliche
Abwicklung von Anfragen der Vereinigten Staaten
nach Gerät gesorgt. Auf Kosten der Bundesrepublik
werden 60 ABC-Spürpanzer des Typs Fuchs aus den
Beständen der Bundeswehr abgezogen und zum Einsatz
in der Golfregion modernisiert und umgerüstet. Darüber hinaus stellt sie Ausbildung und logistisches Material zur Verfügung und übernimmt die Kosten. Die
Kosten für dieses gesamte Paket "Fuchs" belaufen
sich schätzungsweise rund 100 Million Dollar.

Seite 1

�Dänemark

Griechenland

Die Korvette "Olfert Fischer" ist im Golf eingetroffen.
Die Kosten der Operation belaufen sich bis Ende 1990
schätzungsweise auf 22,5 Millionen Kronen. Das Parlament hat 7 Millionen Kronen als Anschubfinanzierung für ein Lazarettschiff bewilligt, das gegebenenfalls im Golf eingesetzt werden soll. Die dänische
Regierung trägt 4 Millionen Dollar zur Unterstützung
von Flüchtlingen aus dem Irak und Kuwait bei. Erlaubt
die Nutzung seiner Handelsschiffe im Golf als Versorgungsschiffe der multinationalen Streitmacht in SaudiArabien. Die Regierung hat sich darüber hinaus bereiterklärt, im Bedarfsfall Seetransportdienste zur Verlegung von ägyptischen Truppen und Material an den
Golf zur Verfügung zu stellen. Dänemark hat femer
seine Bereitschaft zur Teilnahme an einer eventuellen
UN-Friedensmission im Golf erklärt. Hat positiv auf die
Bitte reagiert, ABC-Schutzausrüstung an die saudiarabische Regierung zu liefern. Will darüber hinaus
Lücken in der NATO-Verteidigung schließen, die sich
aus der Verlegung von Gerät der Bündnispartner an
den Golf ergeben könnten, insbesondere der Seestreitkräfte. Unterstützt Sanktionen der EG gegen den
Irak und das UN-Ölembargo.

Entsendung einer Fregatte ins Rote Meer. Unbürokratische Bereitstellung von drei unter griechischer Flagge fahrenden Schiffen für militärische Transporte.
Vollständige Einhaltung der UN- und EG-Sanktionen,
einschließlich des ölembargos. Einfrieren der irakischen Vermögenswerte. Überflugerlaubnisfür Militärflugzeuge der Vereinigten Staaten und verbündeter
Länder auf dem Weg zum Golf. Uneingeschränkte
Zusammenarbeit bei Zwischenlandungen und Auftanken von Flugzeugen. Bereitstellung der Hafenanlagen
für verbündete Seestreitkräfte.

Frankreich
Die französische mit Hubschraubern bestückte Korvette LA MOTTE-PIQUET ist als Ersatz für die Fregatte MONTCALM aus Brest zur Straße von Hormuz
ausgelaufen, um das internationale Embargo gegen
den Irak durchzusetzen. Voraussichtliche Ankunft der
LA MOTTE-PIQUET in der Straße von Hormuz ist der
31. Oktober 1990. Zwei Wellen Kampfflugzeuge werden
am 14. Oktober von Toul nach Saudi-Arabien entsandt. Aufgrund des irakischen Angriffs auf die Residenz des französischen Botschafters in Kuwait gibt
Präsident Mitterand am 15. September die Entsendung von 4 000 Mann Bodentruppen nach SaudiArabien bekannt. Marineeinheiten einschließlich eines Flugzeugträgers verstärken die zwei bereits in den
Golf entsandten Kriegsschiffe. Befehl an die 3 000
Mann starken Seestreitkräfte, gegebenenfalls Gewalt
zur Durchsetzung des Embargos einzusetzen. Aufklärungstruppen des französischen Heeres sind Teil eines Truppenkontingents, das die Regierung auf die
Arabische Halbinsel verlegen wird. Eine nachrichtendienstliche Einheit des Heeres soll in die Vereinigten
Arabischen Emirate entsandt werden. Frankreich
schließt sich der UN-Resolution über wirtschaftliche
Sanktionen gegen den Irak an. ö l - und Waffenembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte, Unterbindung des Handels mit Ausnahme von Arznei- und
Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke. Drastische
Einschränkung der Bewegungsfreiheit einer Gruppe
irakischer Offiziere und Staatsbürger aus Sicherheitsgründen, die in Frankreich in der Bedienung von militärischem Gerät und Radaranlagen ausgebildet wurden.

Seite 2

Großbritannien
Die in den Golf entsandten britischen Landstreitkräfte
belaufen sich auf 10 - 1 2 000 Mann, davon sind 6 8 000 in Saudi-Arabien stationiert. Verlegung von 120
Panzern des Typs Challenger, mit Rapier-Flugabwehrraketen ausgerüsteten Einheiten, 4 Kampfschiffen mit Unterstützungseinheiten, einem Geschwader
Tornado-Abfangjäger, einem Geschwader TornadoKampfflugzeuge, einem Geschwader Jaguar-Kampfbomber, VC 10-Tankflugzeugen und Nimrod-Seeaufklärem, 2 Schiffen für den Seetransport. Friert als
zweites Land (nach den USA) die kuwaitischen und
irakischen Vermögenswerte (im Gesamtwert von 7,2
Milliarden Dollar) ein. Uneingeschränkte Unterstützung der UN-Wirtschaftssanktionen zu beträchtlichen
Kosten für die britische Handelsbilanz. Die Königliche
Marine beteiligt sich aktiv am Abfangen von Schiffen,
in denen unter Verletzung der Sanktionen für den Irak
oder Kuwait bestimmte Güter vermutet werden. Unterbrechung sämtlicher Luft- und Seeverkehrsverbindungen mit dem Irak und Kuwait, außer für Evakuierungsflüge. Bewilligt 10,8 Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe, wovon 4,2 Millionen im Rahmen des EGBeitrags zur Verfügung gestellt werden.
Island
Erklärt seine uneingeschränkte Unterstützung der UNWirtschaftssanktionen gegen den Irak. Gibt die Bereitstellung von 2,5 Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe
bekannt, die folgendermaßen aufgeteilt werden sollen:

Isländisches Rotes Kreuz, Nahrungsmittel und Versorgungsgüter für Flüchtlinge in Jordanien und Ägypten, die Persischer-Golf-Mission des Roten Kreuzes
auf Zypern, Flüchtlingshilfe kirchlicher Stiftungen und
noch zu benennende andere Kanäle.
Italien
Entsendung von acht Tornado-Kampfflugzeugen in
die Vereinigten Arabischen Emirate. Vier Marineschiffe werden in die Golfregion verlegt. Gibt die Ausweisung der irakischen Militärattaches und die Einschränkung der Bewegungsfreiheit irakischer Diplomaten
bekannt. Vollständiges Handelsembargo. Einfrieren
irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte. Verbot

AMERIKA DIENST 45

�irakischer/kuwaitischer Luft- und Seetransportdienste.
Erlaubnis zur Nutzung von US-Stützpunkten in Italien.
Bereitstellung von Hilfsgütern als Flüchtlingshilfe. Sagt
die Bereitstellung von zivilen Transportschiffen zur
Verlegung amerikanischer Truppen und Versorgungsgüter zu. Genehmigt Hilfsleistungen in Höhe von 160
Millionen Dollar für die Frontstaaten, die unmittelbar
von der Blockade des Iraks betroffen sind.
Kanada
Entsendet ein CF-18-Geschwader, zwei Zerstörerund
ein Versorgungsschiff zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht an den Golf. Verspricht Hilfsleistungen in Höhe von 75 Millionen Dollar für die Türkei,
Ägypten, Jordanien, die Philippinen, Sri Lanka und
Bangladesch. Abbruch der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit Irak. Verpflichtung zur Bereitstellung
von 2,2 Millionen Dollar in bar, die als Flüchtlingshilfe
zwischen dem Internationalen Komitee vom Roten
Kreuz und zwischenstaatlichen Organisationen aufgeteilt werden sollen.
Luxemburg
Die Regierung stellt vorläufig 2 Millionen Dollar als
Beitrag zu den Transportkosten für Männer und Material in die Region bereit. Diese Mittel werden für die
Hilfsleistungen der WEU-Partner Belgien, Niederlande und Portugal gewährt. Weitere 2 Millionen Dollar
werden für die EG-Bemühungen in der Region und 1,3
Millionen Dollar für Hilfe an die Türkei, Jordanien,
Ägypten und Bangladesch zur Verfügung gestellt,
ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte.
Niederlande
Uneingeschränkte Finanzsanktionen gegen den Irak,
ölembargo, Einfrieren irakischer Vermögenswerte.
Entsendung von zwei Fregatten in den Golf. Verlegung eines Versorgungsschiffs für November geplant.
Angebot zur Entsendung eines Geschwaders von 18
F-16 in die Golfregion. Kostenlose Lieferung von
50 000 ABC-Schutzanzügen im Gesamtwert von 20,4
Millionen Dollar in die Türkei. Bereitstellung von 3
Millionen Dollar Flüchtlingshilfe. Eine weitere Million
wird von privaten Geldgebern gespendet. Die Regierung verkündet die Bereitstellung von etwa 93 Millionen Gulden an bilateraler Hilfe für die Frontstaaten. 40
Prozent dieser Summe werden bereits im Jahr 1990
ausgezahlt. Die Niederlande werden sich ferner an der
EG-Hilfe für von der Golfkrise in Mitleidenschaft gezogene Länder beteiligen.
Norwegen
Humanitäre Hilfe in Höhe von 126 Millionen Kronen,
darunter 30 Millionen an die Türkei, Ägypten und
Jordanien sowie 20 Millionen für die Repatriierung von
Flüchtlingen aus Bangladesch, Indien, Pakistan und
Sri Lanka, um die für diese Länder durch die Krise

AMERIKA DIENST 45

entstehenden Kosten zu mildern. Militärflugzeuge
werden für den Transport von Nahrungsmitteln und
medizinischer Ausrüstung nach Jordanien und von
Flüchtlingen nach Kairo bereitgestellt. Angebot von
Dekontaminierungsgerät für den Bedarfsfall sowie ABCSchutzkleidung an die multinationale Streitmacht.
Norwegen stellt im Rotationsverfahren ein Schiff für
den ständigen Einsatzverband Atlantik der NATO zur
Verfügung und bietet die Bereitstellung zweier weiterer
Schiffe an, um zum Golf entsandte Schiffe der Verbündeten zu ersetzen. Ein Schiff der norwegischen Küstenwache befindet sich zur Unterstützung der dänischen Korvette im Golf. Sechzehn Luftabwehrraketen
werden der dänischen Marine zur Verfügung gestellt
und 9 Freund/Feind-Erkennungssysteme an Großbritannien ausgeliehen. Norwegen berät mit den Vereinigten Staaten über die Bereitstellung eines Tankers
mit Treibstoff für die Marinestreitkräfte im Golf. Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte.
Bereitstellung von Nahrungsmitteln für die Flüchlinge.
Portugal
Vollständige Einhaltung des UN-Embargos. Den
Vereinigten Staaten wird die Nutzung des Stützpunkts
Lajes auf den Azoren und Montijo auf dem Festland für
Truppentransporte gestattet. Ein über die WEU bereitgestelltes Marinetransportschiff transportiert gegenwärtig eine erste Lieferung von Nahrungsmitteln und
Medikamenten zu den britischen Truppen am Golf.
Zwei Handelsschiffe werden an die American Maritime
Authority für Transportoperationen vermietet. Portugiesisches Ärzteteam wird in jordanische Flüchtlingslager entsandt, Regierung bietet ein Feldlazarett,
Medikamente sowie deren Transport an. Eine C-130
der Luftwaffe wird zur Unterstützung des Transports
ägyptischer Flüchtlinge aus Jordanien bereitgestellt,
öl- und Waffenembargo. Vollständige Durchführung
aller anderen von der UNO beschlossenen Sanktionen.
Spanien
Entsendung einer Fregatte und zweier Korvetten in die
Straße von Hormuz und das Rote Meer als Teil der
WEU-Bemühungen zur Durchsetzung des Embargos.
Einfrieren irakischer Vermögenswerte und Handelsembargo. Erhebliche Unterstützung für den Transit
amerikanischer Einheiten durch gemeinsame Nutzung
militärischer Einrichtungen in Spanien. Benutzung
spanischer Häfen für logistische Unterstützung und
Reparatur von Transportschiffen. Spanische Luftwaffe liefert humanitäre Hilfsmittel für Flüchtlinge in Jordanien und hilft bei der Repatriierung ägyptischer und
asiatischer Flüchtlinge aus Jordanien.
Türkei
Einfrieren irakischer Vermögenswerte. Verweigert die
Verladung irakischen Öls am Ende der irakischen
Pipeline. Untersagt die Entladung zweier Schiffe mit

Seite 3

�Nahrungsmitteln für den Irak im südlichen Hafen Mersin.
Verweigert die Einfahrt eines mit Natriumzyanid beladenen Schiffes in den Hafen Mersin, dessen Ladung
voraussichtlich über den Iran in den Irak transportiert
werden soll. Vollständiges Handelsembargo mit Ausnahme von dringend benötigten Nahrungs- und Arzneimitteln. Vollständige Einhaltung des Luftverkehrsembargos. Hat mindestens zwei zivile Flugzeuge mit
Ziel Irak aufgehalten und ihnen die Benutzung des
türkischen Luftraums untersagt. Eröffnet ein Auffanglager in Habur, um Tausenden von Flüchtlingen (zumeist
aus Bangladesch und Pakistan), die Irak auf dem
Landweg verlassen, Unterkunft und Verpflegung zu
bieten. Das Parlament ermächtigt die Regierung im
Falle eines Angriffs durch den Irak zur Kriegserklärung, zur Entsendung von Kampftruppen und zum
Einsatz ausländischer Truppen auf türkischem Hoheitsgebiet.

Finnland
Unterstützung der Resolution des UN-Sicherheitsrats
über Sanktionen, vollständige Durchführung der UNMaßnahmen einschließlich eines uneingeschränkten
Handelsembargos. Ernennung des finnischen Botschafters bei den Vereinten Nationen zum Leiter der
Gruppe von Ländern, die die Einhaltung der UNSanktionen gegen Irak überwachen. Bereitstellung
von 11,2 Millionen Dollar für humanitäre Zwecke und
Wirtschaftshilfe für die Golfregion.
Irland
Irland unterstützt uneingeschränkt die vom UN-Sicherheitsrat im Zusammenhang mit der Golfkrise bereits
verabschiedeten Resolutionen. Beteiligt sich voll und
ganz an den Wirtschafts- und Handelssanktionen der
Europäischen Gemeinschaft.

Vereinigte Staaten

Jugoslawien

Entsendung amerikanischer Streitkräfte nach SaudiArabien. Zur Zeit befinden sich 9 Kriegsschiffe und
zwei Flugzeugträger im Golf. Verhängung eines vollständigen Handelsembargos, das kommerzielle Nahrungsmittellieferungen einschließt, gegen den Irakund
das besetzte Kuwait. Aussetzung der Kredite, Anleihen und Zuschüsse. Einfrieren der irakischen und
kuwaitischen Vermögenswerte. Die Vereinigten Staaten werden zur Unterstützung der UN-Sanktionen irakische Öllieferungen in der Golfregion abfangen. Weisen
36 der 55 zuvor an der irakischen Botschaft in Washington akkreditierten Personen aus, verfügen die Ausweisung von drei weiteren Diplomaten bis zum 28.
September. Die Vereinigten Staaten verpflichten sich
zu Hilfsleistungen in Höhe von 28 Millionen Dollar für
die Flüchtlinge in der Region. Die Vereinigten Staaten
leiten Initiativen zur Unterstützung der durch die Golfkrise wirtschaftlich betroffenen Länder sowie zur Verteilung der Kosten der Militäroperationen im Golf in die
Wege.

Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait, fordert
den Irak auf, die Invasionstruppen abzuziehen. Weigerung, die irakische Annexion Kuwaits anzuerkennen. Wird die Wirtschaftssanktionen der UNO gegen
den Irak durchführen.

Andere europäische Nationen
Andorra
Verbietet Importe und Exporte jeglicher Vermögenswerte aus und in den Irak und Kuwait sowie die
Bereitstellung von Dienstleistungen und Krediten.
Bulgarien
Unterbindung aller Lieferungen militärischer Güter an
den Irak und Erweiterung der Wirtschaftssanktionen.
Berichten zufolge bildet das Land eine aus Freiwilligen
bestehende Sanitätseinheit, einschließlich eines Teams
zur Abwehrchemischer Kriegführung, zur Entsendung
an den Golf aus.

Seite 4

Liechtenstein
Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte, Handelsembargo mit Ausnahme von Arznei- und
Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke.
Malta
Verbot aller Ex- und Importe aus und nach Irak und
Kuwait.
Österreich
Vollständige Einhaltung der UN-Sanktionen gegen
den Irak, Waffenembargo für die Region. Blockiert den
Transfer irakischer Vermögenswerte. Erteilt amerikanischen militärischen Transportflugzeugen die Überflugerlaubnis für Österreich. Beitrag von etwa einer
Million Dollar an Hilfe für Ägypten, Jordanien und die
Türkei.
Polen

.

Vollständige Einhaltung des Handelsembargos gegen
den Irak. Waffenembargo, Verurteilung der Annexion
Kuwaits. Strikte Einhaltung der Resolutionen des UNSicherheitsrats. Regierung kündigt Entsendung eines
Lazarettschiffs und eines Feldlazaretts zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht an. Am 10.
Oktober berichtete die regierungstreue Tageszeitung
"Rzeczpospolita": "Der stellvertretende Außenminister Jam Majewski gibt die Entscheidung der Außenministeriums bekannt, den Betrieb der Botschaft der

AMERIKA DIENST 45

�Polnischen Republik vorübergehend einzustellen. Dies
erfolgt nur, weil der normale Betrieb der Botschaft
unmöglich ist. Strom und Wasser wurden abgesperrt,
die Telephonverbindungen unterbrochen, und Wachen der irakischen Armee verweigern den Zugang
zum Gebäude. Unser Vorgehen hat keinerkei Einfluß
auf die erklärte Position Polens im Hinblick auf die
irakische Aggression in Kuwait und die Annexion dieses Landes, die wir nicht anerkennen, und wir bekräftigen unsere uneingeschränkte Unterstützung der
entsprechenden Sanktionen des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen. Der Charge d'Affaires Janusz
Dworak hat Kuwait am 6. Oktober verlassen."

verstärken. Eine 170 Mann starke Heereseinheit wird
zu Verteidigungs-und humanitären Zwecken nach
Saudi-Arabien verlegt.
Ungarn
ö l - und Handelsembargo. Die Regierung schlägt dem
Parlament die Entsendung eines Sanitätsteams in die
Golf region vor.
Vatikan
Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits. Lobt die
Resolutionen der Vereinten Nationen über Sanktionen
gegen den Irak.

Rumänien
Zypern
Wird UN-Sanktionen gegen den Irak befolgen.
Unterstützung der Sanktionen gegen den Irak.
Schweden
Vollständige Durchführung und Einhaltung sämtlicher
UN-Sanktionen. Wirtschaftsembargo gegen den Irak
mit Ausnahme von Gütern für humanitäre oder medizinische Zwecke. Ab 20. Oktober Sperrung des schwedischen Luftraums für Flugzeuge mit Gütern für oder
aus Irak und Kuwait. Stellt 20 Millionen Dollar an
Flüchtlingshilfe bereit.
Schweiz
öl- und Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten, Beschränkungen für den sonstigen Handel,
außer mit medizinischen Gütern für humanitäre Zwekke. Die Schweiz beteiligt sich zum ersten Mal in ihrer
Geschichte an UN-Wirtschaftssanktionen. Entsendet
ein Hilfsteam für Flüchtlinge.
Sowjetunion
Verurteilung der Invasion und Annexion Kuwaits durch
den Irak. Verhängung eines einseitigen Waffenembargos gegen den Irak. Unterstützt UN-Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Verabschiedung gemeinsamer Erklärungen mit den Vereinigten Staaten, Japan und der Europäischen Gemeinschaft, in denen die
irakische Aggression verurteilt und der Abzug der
irakischen Streitkräfte aus Kuwait gefordert werden.
Ermutigt zur Anwendung multilateraler Mechanismen,
wie etwa des UN-Sicherheitsrats und des Generalstabsausschusses des UN-Sicherheitsrats. Betont
weiterhin die Notwendigkeit einer politischen Lösung
für diese Krise.
Tschechoslowakei
Waffenembargo, Verurteilung der irakischen Aggression. Durchführung der UN-Sanktionen, einschließlich
Unterbindung aller Exporte und Importe von und nach
Irak und Kuwait. Präsident Havel erklärt die Bereitschaft seiner Regierung zur Entsendung einer 200
Mann starken Einheit zur Abwehr chemischer Waffen,
um die multinationale Streitmacht in Saudi-Arabien zu

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Andere Organisationen - regional und International
Afghanische Interimsregierung
Das Kabinett der Afghanischen Interimsregierung stimmt
der Entsendung eines Kontingents von 2 000 Mujahedin nach Saudi-Arabien offiziell zu, mit dem die multilateralen Streitkräfte unterstützt werden sollen.
Arabische Liga
Die arabische Liga spricht sich (mit 12:3 Stimmen von
20 Mitgliedstaaten) für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus, um das
Land gegen eine mögliche irakische Aggression zu
schützen. Jordanien, Mauretanien und der Sudan
stimmen für die Resolution, machen jedoch "Bedenken" geltend. Der Irak, Libyen und die PLO stimmen
dagegen. Der Jemen und Algerien enthalten sich.
Tunesien ist nicht vertreten. Die Resolution bekräftigt
darüber hinaus die Resolutionen 660,661 und 662 des
UN-Sicherheitsrats.
Bewegung der Blockfreien
Verurteilung des Einsatzes von Gewalt durch den Irak
sowie Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.
Europäische Gemeinschaft
Die EG erklärt am 17. September die Ausweisung aller
irakischen Militärattaches sowie die Einschränkung
der Bewegungsfreiheit der anderen irakischen Diplomaten, die in den Hauptstädten der 12 Mitgliedstaaten
akkreditiert sind, aus Protest gegen die irakische
Besetzung der diplomatischen Missionen Frankreichs,
Belgiens und der Niederlande in Kuwait. Verhängt
allgemeines Handelsembargo gegen den Irak und das
besetzte Kuwait. Einfrieren von Vermögenswerten auf
ihrem Hoheitsgebiet sowie Einstellung jeglicher Zusammenarbeit mit dem Irak und dem besetzten Kuwait. Unterstützt uneingeschränkt alle bis jetzt in
Zusammenhang mit der Golfkrise verabschiedeten

Seite 5

�UN-Resolutionen und fordert die Freilassung der als
Geiseln in Irak und Kuwait festgehaltenen Ausländer.
Die EG stellt 78 Millionen Dollar in Form von Transport,
Nahrungsmitteln und humanitärer Hilfe für Flüchtlinge
bereit.
Golf-Kooperationsrat
Verurteilung der irakischen Aggression gegen Kuwait
und Forderung nach Rückzug der irakischen Streitkräfte. Hat Truppen in Saudi-Arabien stationiert. SaudiArabien bittet die Vereinigten Staaten und andere
Länder um militärische Hilfe zur Verteidigung gegen
eine mögliche irakische Aggression. Saudi-Arabien
verpflichtet sich darüber hinaus zu höherer ölförderung, um die Produktionsausfälle in Irak und Kuwait
wettzumachen.' Verweigert einem irakischen Tanker
das Anlegen an einem saudischen Verladeterminal im
Roten Meer. Die Vereinigten Arabischen Emirate
öffnen ihre militärischen Einrichtungen für multinationale Streitkräfte und verweigern einem irakischen Tanker
die Einfahrt in den Hafen von Dubai. Katar stellt seine
militärischen Einrichtungen den multinationalen Streitkräften zur Verfügung. Berichten zufolge öffnen auch
Bahrain und Oman ihre militärischen Einrichtungen.
Der Golf-Kooperationsrat ist eine regionale Organisation, die aus den Vereinigten Arabischen Emiraten,
Saudi-Arabien, Bahrain, Oman, Katar und Kuwait
besteht. Die Föderation der Kammern der Mitgliedstaaten im Golf-Kooperationsrat beschließt, die Mitgliedschaft des Irak zu beenden.

"die vollständige und wirksame Durchsetzung" der
UN-Sanktionen zu gewährleisten und unterstützen
"die Länder, die aufgrund der vom Irak herbeigeführten Krise besonders gelitten haben". Die KSZE umfaßt 34 Nationen, darunter die Vereinigten Staaten, die
Sowjetunion und praktisch ganz Europa.
Koordinationsrat der Gewerkschaften des Südlichen Afrikas
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak. Bittet die Gewerkschaften des südlichen Afrikas, jeglichen Bruch des Embargos zu melden und zu verurteilen.
Nordischer Rat
Verabschiedung einer Erklärung, in der die irakische
Weigerung, Staatsbürgern der nordischen Staaten
und anderen Ausländern das Verlassen des Irak und
Kuwaits zu gestatten, scharf verurteilt wird. Der Nordische Rat ist eine regionale Organisation, die sich aus
Vertretern Dänemarks, Finnlands, Islands, Norwegens und Schwedens zusammensetzt.
OPEC

Verständigung auf einen Plan, der den OPEC-Mitgliedern eine Erhöhung ihrer Erdölförderung über die
vereinbarten Quoten hinaus gestattet, um den durch
das Embargo gegen den Irak verursachten ProdukInternationale Arbeitsorganisation
tionsausfall von 4 Millionen Barrel täglich wettzumachen. Saudi-Arabien und Venezuela hatten ihre ölförDie Internationale Arbeitsorganisation, eine Unteror- derung bereits erhöht. Die Vereinigten Arabischen
ganisation der UN, fordert den Irak auf, unverzüglich Emirate, Nigeria, Gabun und Ecuador werden ihre
Schritte zur Freilassung aller in Irak und Kuwait festge- Fördermenge wahrscheinlich in Kürze erhöhen. Der
haltenen ausländischen Arbeitnehmer zu ergreifen.
Iran und Libyen stimmen gegen die Resolution, planen
jedoch
angeblich auch eine Erhöhung ihrer eigenen
Karlbische Gemeinschaft und Gemeinsamer Markt
Produktion.
Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits und
Forderung nach unverzüglichem und bedingungslo- Organisation Amerikanischer Staaten
sem Abzug der Invasionsstreitmacht. Die CARICOM Verurteilung der irakischen Invasion und der Annexion
besteht aus Antigua und Barbuda, den Bahamas, Kuwaits. Unterstützt alle diesbezüglichen ResolutioBarbados, Dominica, Grenada, Guyana, Jamaica, nen des UN-Sicherheitsrats gegen den Irak. Fordert
Montserrat, St. Kitts-Nevis, St. Lucia, St. Vincent sowie die Freilassung aller ausländischen Geiseln im Irak.
Trinidad und Tobago. Die Dominikanische Republik, Die OAS ist eine regionale Organisation mit Vertretern
Haiti und Surinam haben Beobachterstatus.
der Karibikstaaten sowie aller Staaten Mittel-, SüdKonferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE)
Die Außenminister der KSZE-Staaten verabschieden
am 2. Oktober in New York eine Erklärung, mit der sie
sich den Vereinten Nationen "bei der Verurteilung der
irakischen Invasion und Besetzung Kuwaits" anschließen. Darüber hinaus fordern sie die Regierung des
Irak zum unverzüglichen und bedingungslosen Abzug
aus Kuwait auf und erklären ihre volle Unterstützung
für die UN-Resolutionen zur Verurteilung des Irak. Sie
bringen ferner ihre Entschlossenheit zum Ausdruck,
Seite 6

und Nordamerikas außer Kuba.
Organisation der Islamischen Konferenz - OIC
Am 1. Oktober veröffentlichen die Außenminister bei
den Vereinten Nationen das Schlußkommunique des
jährlichen Koordinationstreffens, in dem die OIC die
irakische Invasion und Besetzung Kuwaits "auf das
schärfste verurteilt", die Annexion Kuwaits durch den
Irak für null und nichtig erklärt und die Entschlossenheit der Mitgliedstaaten bekräftigt, die Durchführung
der UN-Resolutionen zu dieser Krise anzustreben.

AMERIKA DIENST 45

�Der Irak wird ferner aufgefordert, "seine Truppen
vollständig, unverzüglich und bedingungslos abzuziehen", alle Geiseln freizulassen sowie seinen internationalen Verpflichtungen im Hinblick auf diplomatische
und konsularische Vertretungen nachzukommen. Die
"volle Unterstützung und Solidarität" der OIC mit SaudiArabien und anderen Mitgliedstaaten in der Golfregion
wird bekräftigt.
Vereinte Nationen
Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet Resolutionen, in
denen die irakische Invasion in Kuwait verurteilt und
der unverzügliche Rückzug der Invasionstruppen gefordert, ein Handels- und Finanzembargo gegen den
Irak und Kuwait angeordnet, die irakische Annexion
Kuwaits für null und nichtig erklärt, die Freilassung aller
Ausländer durch den Irak verlangt und der internationalen Staatengemeinschaft das Recht gegeben wird,
das Wirtschaftsembargo gegen den Irak durchzusetzen, indem die Schiffahrt nach und aus diesem Land
unterbunden wird. Die Vereinten Nationen legen strenge Verfahrensweisen für die Lieferung von Arzneiund Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke in den
Irak und das besetzte Kuwait fest. Verurteilung des
Irak aufgrund von Gewalttaten gegen ausländische
Botschaften und deren Personal im besetzten Kuwait.
Verhängung eines Luftverkehrsembargos gegen den
Irak. In der am 29. Oktober 1990 verabschiedeten
zehnten Resolution gegen den Irak wird gefordert, daß
sich der Irak menschlicher gegenüber Angehörigen
von Drittstaaten und Diplomaten verhält. Darüber
hinaus wird der Irak für die von der Invasion Kuwaits
verursachten Schäden verantwortlich gemacht und
dazu aufgefordert, Geiselnahmen sowie die Mißhandlung und Unterdrückung von Kuwaitern und Bürgern
aus Drittstaaten unverzüglich einzustellen sowie die
Ausreise aller Angehörigen von Drittstaaten und Diplomaten, die dies wünschen, zu gestatten und zu fördern. Ferner wird erklärt, daß der Sicherheitsrat
weitere Maßnahmen im Rahmen der UNO-Charta
ergreifen wird, wenn sich der Irak nicht and die UNResolutionen hält.

Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien,
Luxemburg, den Niederlanden, Portugal und Spanien.
Nichteuropäische Staaten
Ägypten
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der Resolutionen 660, 661 und 662 des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen und spricht sich für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus. Hat bereits 5 000 Soldaten zur Verstärkung
der multinationalen Streitmacht nach Saudi-Arabien
geschickt. Geplant ist die Entsendung von zusätzlichen 15 000 Soldaten zusammen mit Panzern und
Schützenpanzern. Ausweisung des irakischen Verteidigungsattaches und zweier weiterer irakischer Diplomaten.
Äthiopien
Präsident Haile Mengistu Haile Mariam kritisiert die
irakische Invasion Kuwaits, fodert die Wiederherstellung der Souveränität Kuwaits und betont "den festen
Standpunkt und die Verurteilung der Einmischung in
die inneren Angelegenheiten souveräner Staaten" durch
Äthiopien. Unterstützt eine friedliche Beilegung der
Krise.
Algerien
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits. Einhaltung
der UN-Sanktionen gegen den Irak, ausgenommen
Lieferungen von Nahrungsmitteln und Medikamenten
aus humanitären Gründen.
Argentinien
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Befolgt die
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Stellt finanzielle Transaktionen mit Irak und Kuwait ein. Entsendet
zwei Kriegsschiffe in die Region. Verhandelt gegenwärtig mit Saudi-Arabien über die Entsendung von
zwei Transportmaschinen der Luftwaffe sowie Bodentruppen.

Westeuropäische Union
Die neun Mitgliedstaaten der WEU verständigen sich
darauf, die Marineoperationen im Nahen Osten auszuweiten und "ihre Operationen eng aufeinander abzustimmen". Darüber hinaus erklären sie sich bereit,
zusammen mit den Vereinigten Staaten Verantwortung für die Durchsetzung der UN-Sanktionen gegen
den Irak zu übernehmen. Vier WEU-Mitglieder - die
Niederlande, Belgien, Italien und Spanien - sowie
Griechenland als Nichtmitglied der WEU kündigen die
Entsendung von Kriegsschiffen in den Nahen Osten
an, die sich den bereits dort stationierten französischen und britischen Luft- und Marineeinheiten anschließen sollen. Die WEU ist eine politische Organisation mit Vertretern aus Belgien, der Bundesrepublik

AMERIKA DIENST 45

Aruba
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak.
Australien
Teilnahme am gemeinsamen Marineeinsatz. Entsendung zweier Lenkwaffenfregatten und eines Versorgungsschiffs sowie eines Sanitätsteams zum Persischen Golf. Abriegelung des Golfs für irakische Schiffe, um die UN-Sanktionen zu unterstützen, ö l - und
Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten.
Bahamas
Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits und
Forderung nach Abzug der Invasionsstreitmacht.

Seite 7

�Einfrieren irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte.
Bahrain
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Bahrain die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den vollständigen und bedingungslosen Rückzug der Invasionstruppen. Einfrieren irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte. Unterstützung und vollständige Einhaltung der Resolutionen
des UN-Sicherheitsrats. Hat Einheiten seiner Streitkräfte für die multinationale Streitmacht in Saudi-Arabien zur Verfügung gestellt. Hat einer erheblichen
Aufstockung der multinationalen Marine- und Luftstreitkräfte in seinen Einrichtungen zugestimmt. Hat seinen
Botschafter in Kuwait City belassen. Hat Tausende
kuwaitischer Flüchtlinge aufgenommen und ihnen
geholfen.
Bangladesch
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait.
Entsendet über 2 000 Soldaten nach Saudi-Arabien
zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht.
Durchführung der UN-Sanktionen gegen den Irak,
einschließlich des Handels mit Waren und Dienstleistungen und der Lieferung von Tee.

Chile
Wirtschaftssanktionen, Waffenembargo.
China
Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Resolutionen gegen den Irak. Waffenembargo. Einhaltung der Sanktionen zum WirtschaftsSchiffs- und Luftverkehr mit dem Irak dauert an.
Unterstützt die UN-Resolutionen zur Verurteilung der
irakischen Invasion und Annexion Kuwaits und Forderung nach Wirtschaftssanktionen. Lehnt den Einsatz
von Gewalt zur Beilegung der Krise ab. Fordert eine
Lösung der Krise durch die arabischen Staaten.
Costa Rica

'

Zur Unterstützung der UN-Resolutionen gegen den
Irak verurteilt Costa Rica den irakischen Einmarsch in
Kuwait, die Annexion Kuwaits und die irakische Anordnung zur Schließung der Botschaften.
Cote d'lvoire
Unterstützt die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
gegen den Irak.
Ecuador

Belize

Präsident Borja und Außenminister Cordovez haben
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und die Absicht ihrer Regierung bekräftigt, alle UN-ResoluForderung nach Rückzug der Invasionstruppen.
tionen zur Golfkrise vollständig zu befolgen, einschließlich der Wirtschaftssankttonen. Ecuador unterhielt vor
Benin
der Krise jedoch keine Handelsbeziehungen zum Irak,
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und und es bestehen allen Erkenntnissen zufolge keine
Forderung nach unverzüglichem Rückzug der Inva- irakischen oder kuwaitischen Firmen oder Vermögenswerte im Land.
sionstruppen.
Bermuda

El Salvador

Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak an. Verhängt eigene Finanzsanktionen.

Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und bekräftigt
seine Anerkennung der rechtmäßigen Regierung
Kuwaits unter Führung des Emirs. Fordert den unverzüglichen und bedingungslosen Abzug der irakischen
Truppen aus Kuwait. Vollständige Unterstützung der
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats.

Bolivien
Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait. Unterstützt die Sanktionen der Vereinten Nationen gegen
den Irak.
Botswana
Wird den Handel mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait bis zum Abzug der irakischen Truppen aus
Kuwait einstellen.
Brasilien
Öl- und Waffenembargo. Abbruch sämtlicher Handelsbeziehungen, einschließlich Nahrungsmittellieferungen.

Seite 8

•

Gabun
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait, unterstützt
alle UN-Sanktionen gegen den Irak.
Gambia
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Abzug der Truppen.
Guatemala
Uneingeschränktes Wirtschaftsembargo gegen den
Irak und das besetzte Kuwait.

AMERIKA DIENST 45

»

�Guayana

gegen den Irak an. Friert irakische und kuwaitische
Vermögenswerte ein.

unter Berufung auf die irakische Invasion und Annexion Kuwaits "und andere Maßnahmen" - Berichten
zufolge werden 139 Japaner in wichtigen Einrichtungen als "menschliche Schutzschilde" festgehalten seine Einladung an den Irak zurück, am 12. November
an der Krönung von Kaiser Akihito teilzunehmen. Stellt
Finanzhilfe in Höhe von 4 Milliarden Dollar bereit,
davon 2 Milliarden Dollar für die multinationale Streitmacht. Dazu gehören Beiträge zur Unterstützung von
Streitkräften, Ausrüstung und Gerät.
Entsendet
medizinisches Personal auf die Arabische Halbinsel,
das bis zu 100 Personen umfassen wird. Die restlichen
2 Milliarden Dollar sind als Finanzhilfe für die Türkei,
Ägypten und Jordanien bestimmt, um die durch die
irakische Invasion in Kuwait verursachten wirtschaftlichen Härten zu mildem. Stellt weitere 22 Millionen
Dollar an Flüchtlingshilfe bereit. Veröffentlichung
gemeinsamer Erklärungen mit der Sowjetunion und
Großbritannien, in denen der Irak zur Freilassung aller
ausländischen Geiseln und zum Abzug seiner Truppen aus Kuwait aufgefordert wird. Stellt gegenwärtig
ein UN-Friedenskorps auf, das die Entsendung ausgewählten Personals nach Übersee in Zusammenhang
mit Operationen zur Friedenssicherung gestatten würde.

Indien

Jemen

Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Premierminister Singh erklärt, Indien werde zu seiner
in den Vereinten Nationen gegebenen Zustimmung zu
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak stehen. Der
Leiter der Außenhandelsstelle verkündete am 5. Oktober ein vollständiges Handelsverbot mit dem Irak und
Kuwait, außer für "Lieferungen für medizinische Zwekke und Nahrungsmittel, sofern sie zu humanitären
Zwecken bereitgestellt werden".

Wird UN-Sanktionen gegen den Irak einhalten.

Unterstützt die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
gegen den Irak. Unterzeichnet CARICOM-Erklärung
mit der Forderung nach unverzüglichem Rückzug der
irakischen Truppen aus Kuwait.
Haiti
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Honduras

,

Lehnt die irakische Invasion in Kuwait ab und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Bietet die Entsendung eines Truppenkontingents an, das sich der multilateralen Streitmacht am Golf anschließen soll. Hat
an konkreten Maßnahmen zur Durchsetzung der Wirtschaftssanktionen des UN-Sicherheitsrats gegen den
Irak mitgearbeitet.
Hongkong
Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen

Indonesien
Einstellung des Handels mit dem Irak, ölembargo.
Verstärkung der eigenen Erdölförderung.
Iran
•
•

Ablehnung der Annexion Kuwaits durch den Irak. Der
Iran erklärt sich zur Steigerung der Ölförderung bereit,
um die Ausfälle im Irak und in Kuwait auszugleichen.
Israel
Unterstützt die UN-Sanktionen gegen den Irak.
Jamaica
Verurteilt die Invasion und befolgt die UN-Sanktionen
gegen den Irak. Unterstützt die von der Organisation
Amerikanischer Staaten ins Leben gerufene Initiative,
im Rahmen derer die irakische Invasion in Kuwait auf
das schärfste verurteilt wird.
Japan
Ölembargo, Einstellung von Handel und Hilfe. Einfrieren kuwaitischer Vermögenswerte in Japan. Zieht
AMERIKA DIENST 45

Jordanien
Beteiligt sich an den UN-Sanktionen gegen den Irak.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus, jedoch unter "Vorbehalten".
Katar
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Katar die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den Abzug der Invasionstruppen.
Stellt der multinationalen Streitmacht seine militärischen Einrichtungen zur Verfügung.
Kenia
President Moi erklärt, daß Kenia alle Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats im Hinblick auf die Invasion Kuwaits unterstützt.
Kolumbien
Vizepräsidentschaft des UN-Sanktionsausschusses,
der die Einhaltung der Sanktionen überwacht.
Korea (Rep.)
Kündigt die volle Unterstützung für die Resolutionen
des UN-Sicherheitsrats gegen den Irak an. Waffenund Ölembargo, Einstellung des Handels, außer mit
Gütern für medizinische oder humanitäre Zwecke.
Ankündigung eines 220-Millionen-Dollar-Pakets zur

Seite 9

�Unterstützung der multilateralen Verteidigungsbemühungen und betroffenen Frontstaaten.

Mauritius

Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits, fordert den Abzug der Invasionstruppen und die
Freilassung aller Ausländer im Irak und in Kuwait.
Befolgung der UN-Sanktionen gegen den Irak.
Befolgt die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zum
Irak und hat Maßnahmen ergriffen, um alternative
Laos
Versorgungsquellen für bisher aus Kuwait importiertes
Verurteilt in einer Erklärung den irakischen Einsatz von öl zu sichern.
Gewalt und fordert den unverzüglichen Abzug des Irak
Marokko
aus Kuwait.
Kuba

Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait. Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiStimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UN- Arabien aus. Hat etwa 1 200 Soldaten nach SaudiResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die Arabien und 5 000 in die Vereinigten Arabischen Emirate
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi- zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht entsandt. Ausweisung zweier irakischer Beamter aus
Arabien aus.
Marokko als Vergeltung für die irakische Entscheidung
Lesotho
zur Schließung der marokkanischen Botschaft in Kuwait
und die Festsetzung seiner Diplomaten im Irak. Bemüht
Der Vorsitzende des Militärrats und des Ministerrats, sich auf diplomatischem Wege aktiv um eine BeileGeneralmajor J. M. Lekhanya erklärt, die irakische gung der Krise, die den Forderungen der Vereinten
Invasion habe eine neue und völlig unannehmbare Nationen gerecht wird.
Lage am Golf verursacht. Der Generalversammlung
der Vereinten Nationen teilt er mit, daß Lesotho "die- Mexiko
sen Akt nicht nur als illegal und den vorherrschenden
Geist internationaler Entspannung vergiftend, son- Plant die Steigerung der ölförderung um 100 000
dern auch als gefährlichen Präzedenzfall für die wei- Barrel pro Tag in den nächsten zwei Monaten.
tere Existenz und Sicherheit kleiner Staaten" verurMyanmar
teilt.
Libanon

Macao
Befolgt die UN-Sanktionen.
Madagaskar
Präsident Ratsiraka verurteilt am 5. August die irakische Invasion Kuwaits und bekundet seine Zustimmung zu den Maßnahmen des Sicherheitsrats.
Malaysia
Unterstützt die UN-Resolution über Sanktionen gegen
den Irak. Vollständige Einhaltung der Sanktionen,
Einfrieren kuwaitischer Vermögenswerte. Erhöht die
ölproduktion um 55 000 Barrel pro Tag auf die Höchstmenge von 650 000 Barrel pro Tag, um den Bedarf der
Länder zu decken, die von irakischem und kuwaitischem öl abhängen. Spendet für die Flüchtlingshilfe
in Jordanien Nahrungsmittel im Wert von 100 000
Dollar.
Malediven
Fordern den Abzug irakischer Truppen aus Kuwait.
Mall
Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait.

Seite 10

,

Wird die Resolutionen der Vereinten Nationen zum
Irak befolgen.
Nepal
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UNSanktionen gegen den Irak.
Niederländische Antillen
Einfrieren irakischer Vermögenswerte, Einstellung des
Zahlungsverkehrs mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait.

•

Neuseeland

»

Verbot von Exporten in den Irak, geplantes Verbot von
Importen. Umleitung der Nahrungsmittellieferungen,
die sich auf dem Weg in den Irak befinden. ölembargo,
friert irakische Vermögenswerte ein. Stellt den Vereinten Nationen für den Einsatz am Golf zwei Transportflugzeuge zur Verfügung. Spendet Milchpulver für
Flüchtlinge aus dem Irak und Kuwait. Übernimmt die
Wartung von Transportflugzeugen für die Evakuierung
von Flüchtlingen nach Pakistan und Manila. Bietet den
Vereinten Nationen zwei zivile Flugzeuge mit Besatzungen und dem Internationalen Komitee vom Roten
Kreuz ein 40köpfiges ziviles medizinisches Versorgungsteam für den Einsatz in Saudi-Arabien an.

AMERIKA DIENST 45

�Nicaragua

Paraguay

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.

Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak. Untersagt jeglichen Handel, alle finanziellen Transaktionen
und Geschäftsbeziehungen mit dem Irak. Die Abgeordnetenkammer verabschiedet einstimmig eine Resolution, in der die irakische Invasion verurteilt und die
UN-Sanktionen unterstützt werden.

Nigeria
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Truppenabzug, plant eine Steigerung derölförderung um 200 000 Barrel pro Tag (vorbehaltlich der
Zustimmung anderer OPEC-Staaten). Unterstützt die
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, in denen der
Irak zum Abzug aus Kuwait aufgefordert wird. Begrü ßt
alle friedlichen Bemühungen zur Beilegung der Krise.

Peru
Unterstützung und Einhaltung aller Resolutionen der
Vereinten Nationen zum Irak.
Philippinen

Oman
Die omanische Botschaft in Kuwait bleibt geöffnet, und
das Sultanat erkennt die irakische Besetzung Kuwaits
in keiner Weise an. Oman hat seine Unterstützung der
Arabischen Liga, des Golf-Kooperationsrats und der
UN-Resolutionen versichert und fordert den Abzug der
Invasionstruppen.

Pakistan
Im politischen Bereich unterstützt Pakistan die Resolutionen und Sanktionen des UN-Sicherheitsrats gegen den Irak. Die Regierung hat die Behörden angewisen, die Sanktionen durchzuführen und etwa 2 000
Soldaten zur Verteidigung Saudi-Arabiens entsandt.
Einstellung des Luft- und Seeverkehrs mit dem Irak
und dem besetzten Kuwait. Schließt sich dem Appell
von sechs nichtarabischen islamischen Staaten Asiens
an Saddam Hussein an, sich in Einklang mit den UNResolutionen aus Kuwait zurückzuziehen. Verpflichtet
sich zur Entsendung weiterer 3 000 Soldaten nach
Saudi-Arabien, so daß die Gesamtstärke einer Infanteriebrigade mit Unterstützungseinheiten erreicht wird.
Das zweite Kontingent steht bereit, ist jedoch noch
nicht verlegt worden, da die Arrangements mit SaudiArabien im Hinblick auf Transport und logistische
Unterstützung noch nicht abgeschlossen sind.
Panama
Unterstützt Sanktionen. Verbietet Handelsschiffen die
Ladung oder das Löschen jeder Art von Waren aus
dem Irak oder Kuwait. Die Bankaufsichtsbehörde
erläßt Vorschriften für die Behandlung irakischer und
kuwaitischer Vermögenswerte. Der irakischen Schiffahrt
wird die Durchquerung des Panamakanals gestattet.

Erkennen den bindenden Charakter der Sanktionen
an, ölembargo.
Salomonen
Führen Wirtschaftssanktionen gegen den Irak durch.
Saudi-Arabien
In internationalen Foren, der Arabischen Liga und im
Golf-Kooperationsrat hat Saudi-Arabien den irakischen
Einmarsch in Kuwait verurteilt und den bedingungslosen und unverzüglichen Abzug der Invasionstruppen
gefordert. Bittet eine multinationale Streitmacht, darunter Streitkräfte der Vereinigten Staaten, um Unterstützung zur Verteidigung Saudi-Arabiens. Der Transport irakischen Erdöls durch Saudi-Arabien wird eingestellt. Erhöht die ölförderung, um die Ausfälle in Irak
und Kuwait auszugleichen. Saudi-Arabien hat sämtliche von der UN gegen den Irak verhängten Sanktionen
ohne wenn und aber verwirklicht.
Senegal
Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den bedingungslosen Abzug der Invasionstruppen sowie die Wiederherstellung der legitimen Regierung Kuwaits. Entsendet am 17. September 500
Soldaten nach Saudi-Arabien. Einhaltung der UNSanktionen, Einfrieren irakischer und kuwaitischer
Vermögenswerte, ausgenommen der Mittel für den
Weiterbetrieb der Botschaften.
Simbabwe
Stellt den Handel mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait ein, setzt alle bilateralen Abkommen mit dem
Irak außer Kraft.
Singapur

Papua Neuguinea
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits aufs schärfste
und unterstützt die UN-Resolutionen, mit denen die
Souveränität und Integrität Kuwaits wiederhergestellt
werden soll.

AMERIKA DIENST 45

Wirtschaftsembargo gegen den Irak und das besetzte
Kuwait. Transaktionen der rechtmäßigen Besitzer
kuwaitischer Vermögenswerte werden bei Erfüllung
bestimmter Kriterien gestattet.

Seite 11

�Sri Lanka

Togo

Wird alle erforderlichen Schritte unternehmen, um die
Wirtschaftssanktionen der Vereinten Nationen gegen
den Irak durchzusetzen.

Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und erklärt
seine Unterstützung für die Resolution des UN-Sicherheitsrats, in der der Abzug des Irak aus Kuwait gefordert wird. Begrüßt alle Bemühungen zur friedlichen
Beilegung der Krise.

Sudan
Der Sudan "zollt der Charta der Vereinten Nationen
Respekt und bekundet seine Verpflichtung zu den

Trinidad/Tobago

Südafrika

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UNSanktionen gegen den Irak.

Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den unverzüglichen Abzug der irakischen Streikräfte. Tunesien
Präsident de Klerk bekräftigt später im Weißen Haus,
daß Südafrika die irakische Aggression auf das schärf- Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
ste ablehnt.Resolutionen" 660, 661, 663 und 665.
Erklärt seine Bereitschaft, alle Resolutionen des UNSicherheitsrats bezüglich des Irak einzuhalten, einSurinam
schließlich der Handelssanktionen. Friert irakische
Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Ku- Vermögenswerte ein und beschränkt den zivilen Luftwaits. Wird die Wirtschafts- und Finanzsanktionen verkehr. Tunesische Diplomaten bleiben in der Botschafterresidenz in Kuwait.
der Vereinten Nationen gegen den Irak einhalten.
Swasiland

Uganda

Bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen
erklärt Premierminister Diamini am 5. Oktober seine
uneingeschränkte Unterstützung für die Resolutionen
des Sicherheitsrats zur Golfkrise. Er verurteilt die
irakische Invasion und Geiselnahme und fordert den
Irak zum Abzug aus Kuwait auf.

Fordert den Abzug der irakischen Streitkräfte aus
Kuwait. Unterstützt die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zur Verhängung von Sanktionen gegen den
Irak.
Uruguay

Verurteilt den Einsatz von Gewalt durch den Irak und
fordert den UN-Sicherheitsrat auf, Frieden und Sicherheit in der Region wiederherzustellen. Befolgt die
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNSanktionen der Vereinten Nationen gegen den Irak
Resolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
und wird jedes Angebot kostenlosen Öls aus dem Irak
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudiablehnen. Untersucht die Möglichkeit der Entsendung
Arabien aus. Syrien unterhält 4 000 Soldaten der
von Truppen an den Golf für den Fall, daß dies
Landstreitkräfte in Saudi-Arabien und den Vereinigten
angebracht und notwendig ist und realistisch zur raArabischen Emiraten als Teil der multinationalen Streitschen Beilegung der Krise beitragen könnte.
macht. Zusätzlich werden 10 000 Soldaten und 300
Panzer entsandt.
Vereinigte Arabische Emirate
Syrien

Taiwan

Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-KoopeLehnt die irakische Invasion Kuwaits energisch ab und rationsrates verurteilen die Vereinigten Arabischen
spricht sich für die Unterstützung der UN-Sanktionen Emirate die irakische Invasion in Kuwait und fordern
gegen den Irak aus. Erklärt, in Taiwan befänden sich den bedingungslosen und unverzüglichen Abzug der
keine irakischen Vermögenswerte, stoppt die Liefe- Invasionstruppen sowie die Wiederherstellung der
rung aller in Taiwan hergestellten Waren in den Irak, legitimen Regierung Kuwaits. Gewähren den Vereiunterbindet Erdölimporte aus dem Irak. Erklärt am 24. nigten Staaten und anderen an der Operation WüstenSeptember, daß Taiwan den Frontstaaten im Nahen schild beteiligten Ländern die umfassende Nutzung
Osten - Jordanien, der Türkei und Ägypten - Direkthilfe von militärischen Einrichtung und Unterstützung.
Rigorose Durchführung aller von der UNO beschlossein Höhe von 30 Millionen Dollar gewähren wird.
nen Sanktionen gegen den Irak und Erhöhung der
Ölförderung, um die Ausfälle in Irak und Kuwait wettTansania
zumachen. Stellen femer 1 Milliarde Dollar bereit, um
Bekundet seine Ablehnung der irakischen Invasion in von den Sanktionen betroffene Staaten zu unterstütKuwait und fordert den unverzüglichen Abzug der zen.
Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Sanktionen gegen
den Irak.

Seite 12

AMERIKA DIENST 45

�Vanuatu

Venezuela

Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Erklärt die vollständige Einhaltung aller UN-Sanktionen gegen den Irak,

Unterstützt die UN-Sanktionen gegen den Irak. Wird
im Dezember 1990 die ölförderung auf 500 000 Barrel
pro Tag erhöhen.

*

AMERIKA DIENST 45

* * *

*

Seite 13

�LANDWIRTSCHAFT
14. November 1990

DER US-LANDWIRTSCHAFTSVORSCHLAG
BEI DER URUGUAY-RUNDE
Eine Übersicht

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben
am 15. Oktober 1990 bei der Uruguay-Runde von
Verhandlungen im Rahmen des Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommens ihren Vorschlag für die Liberalisierung des Handels mit Agrarprodukten vorgelegt. Im
Gegensatz zu früheren amerikanischen Vorschlägen
fordert der amerikanische Entwurf nicht mehr den
stufenweisen, vollständigen Abbau aller handelverzerrenden Subventionen, er geht jedoch immer noch weit
über den EG-Vorschlag hinaus.
Das amerikanische Papier folgt einem vom Vorsitzenden der Agrarverhandlungsgruppe, Aart de Zeeuw,
erarbeiteten Textentwurf. Die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industriestaaten verständigten sich beim Wirtschaftsgipfel in Houston im Juli
darauf, den de Zeeuw-Text als Mittel zur Intensivierung der Landwirtschaftsverhandlungen zu benutzen.
Der amerikanische Vorschlag fordert eine 90prozentige Reduzierung der Exportsubventionen sowie einen
75prozentigen Abbau von Importschranken und Beihilfen im Inland, die innerhalb von zehn Jahren verwirklicht werden sollen.
Der EG-Vorschlag befürwortet eine 30prozentige
Kürzung der landwirtschaftlichen Beihilfen ohne eine
konkrete Verpflichtung zur Reduzierung der Exportsubventionen. Dazu gehört eine "Ausgleichsbestimmung", mit der die protektionistischen Maßnahmen
der EG in einigen Bereichen sogar noch verschärft
würden, damit die Beihilfen in anderen Sektoren abgebaut werden können.
Dieser "Ausgleich" ist für die Vereinigten Staaten, die
Caims-Gruppe und zahlreiche Entwicklungsländer,
deren Exporte von Getreidesubstituten durch höhere
Handelsschranken der EG reduziert oder gänzlich
ausgeschlossen würden, nicht akzeptabel.
AMERIKA DIENST 45

Der amerikanische Plan sieht die folgenden vier Hauptelemente vor:
Exportsubventionen Exportsubventionen für primäre landwirtschaftliche Erzeugnisse sollen innerhalb
von zehn Jahren um 90 Prozent verringert werden.
Exportsubventionen für verarbeitete landwirtschaftliche Produkte würden innerhalb von sechs Jahren
abgeschafft. Zu den betroffenen Subventionsprogrammen würden zum Beispiel direkte Finanzbeihilfen
für Exporteure gehören, mit denen ein Ausgleich zwischen dem Binnenmarktpreis im Exportland und dem
Weltmarktpreis geschaffen würde, Leistungen an
Erzeuger, die diesen einen höheren Ertrag einbringen
als der Weltmarktpreis für das betreffende Produkt,
Beihilfen zur Senkung der Transport- oder Vermarktungskosten, staatliche Exportkredite, die unter den
marktüblichen Sätzen liegen sowie die Vorzugsbesteuerung von Exporten.
Marktzugang Sämtliche nichttarifären Handelsschranken würden in gebundene Zölle umgewandelt. Alle
bestehenden Zölle wären gebunden. Ein gebundener
Zoll kann später nicht mehr erhöht werden. Diese
gebundenen Zölle würden innerhalb von zehn Jahren
um durchschnittlich 75 Prozent abgebaut, und der
Zollsatz für einzelne Erzeugnisse darf 50 Prozent nicht
überschreiten. Unter gewissen Bedingungen könnten
für Produkte, die gegenwärtig von nichttarifären Importschranken betroffen sind, Mindestzugangsverpflichtungen aufgestellt werden, die auf der Basis der Durchschnittssätze von 1991-92 in den folgenden zehn
Jahren um 75 Prozent erhöht würden, wobei ein Zollquotenmechanismus angewendet würde. (Das heißt,
daß über einer bestimmten Importmenge eines Produkts zwar zusätzliche Importe zulässig sind, diese
jedoch einem höheren Zollsatz unterliegen.) Diese

Seite 1

�Zollquoten würden mit dem Ende der Zehnjahresfrist
auslaufen.
Nationale Beihilfen Die am stärksten handelsverzerrenden nationalen Stützungsmaßnahmen - mit direktem Einfluß auf Produktion oder Preis eines bestimmten Erzeugnisses - würden innerhalb von 10 Jahren um
75 Prozent reduziert. Weniger handelsverzerrende
Maßnahmen in den Industrieländern würden um 30
Prozent abgebaut. Für Entwicklungsländer würden
gesonderte Kriterien festgelegt
Gesundheits- und Pflanzenschutzbestimmungen
Es würden Regelungen eingeführt, mit denen sichergestellt wird, daß tiermedizinische und pflanzenschutzrechtliche Bestimmungen nur auf gesundheitlichen
Erwägungen basieren und keine Handelsschranken
darstellen.

bestimmte Produkten gestatten, wenn deren hemische Industrie durch Importwellen oder Preisschwankungen beeinträchtigt wird.
Gleichzeitig stünde es den Regierungen weiterhin frei,
ein breites Spektrum von Maßnahmen anzuwenden,
um nationale Zielsetzungen in der Landwirtschaft zu
verwirklichen, darunter etwa Einkommensbeihilfen,
Umweltschutz, Flächenstillegung, Nahrungsmittelhilfe im Inland, Vermarktung, Forschungs- und Berichtstätigkeit, solange diese Programme so geplant und
umgesetzt werden, daß der Handel minimal beeinträchtigt wird.

Außer in Fällen, in denen ein Entwicklungsland als
Nettoexporteur eines bestimmten Produkts auftritt,
würde diesen Ländern eine längere Frist zur Öffnung
ihrer Märkte für Importe eingeräumt als den Industriestaaten. Entwicklungsländer mit einem durchschnittDer amerikanische Vorschlag fordert Japan und ande- lichen Pro-Kopf-Einkommen über 2 500 Dollar im Zeitre Länder, die vollständige Importverbote für bestimm- raum 1986-88 würden ihre Importschranken innerhalb
te Agrarprodukte aufrechterhalten, auf, im ersten Jahr von 10 Jahren um 75 Prozent abbauen. Länder mit
des Abkommens bei diesen Produkten einen minde- einem Pro-Kopf-Einkommen von 501 bis 2 500 Dollar
stens dreiprozentigen Importanteil auf ihren Binnen- würden 12 Jahre Zeit haben, um diese 75prozentige
märkten zu gestatten und diesen Mindestanteil bis Reduzierung durchzuführen, während Länder mit eizum Ende der zehnjährigen Einführungsphase auf nem Pro-Kopf-Einkommen von 500 Dollar oder darunetwa 6 Prozent zu steigern.
ter den Übergang innerhalb von 15 Jahren vollziehen
könnten.
Der amerikanische Vorschlag würde ferner einzelnen
Ländern die vorübergehende Erhöhung ihrer Zölle auf

* * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 45

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t

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                <text>&lt;strong&gt;1. KSE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des ACDA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internationale Reaktionen auf die irakische Invasion Kuwaits&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Landwirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der US-Landwirtschaftsvorschlag bei der Uruguay-Runde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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7. November 1990

44

GOLFKRISE

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse
vom 1. bis 15. Oktober 1990
DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse
vom 17. bis 30. Oktober 1990

TERRORISMUS

IRAKS UNTERSTÜTZUNG DES TERRORISMUS
Übersicht des Weißen Hauses

UMWELT

DAS GESETZ ZUR LUFTREINHALTUNG UND
SEINE AUSWIRKUNGEN AUF
KRAFTFAHRZEUGE, INDUSTRIE
UND KRAFTWERKE
Eine Übersicht

Die in der vergangene Woche angekündigte Chronologie der Ereignisse am Golf vom
1.-15. Oktober wird aufgrund eines technischen Versehens in der heutigen Ausgabe
nachgeliefert

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
7. November 1990

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 17. bis 30. Oktober 1990
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für die Zeit vom 17. bis
30. Oktober fort.

17. Oktober
Außenminister Baker erklärt vor dem Auswärtigen
Ausschuß des Senats, die Iraker "löschen Kuwait als
Land und als Gesellschaft aus". Die Vereinigten
Staaten streben Baker zufolge nach einer "friedlichen
politischen und diplomatischen Lösung" für die Lage
am Golf. "Wir können die Möglichkeit des Einsatzes
von Gewalt nicht ausschließen ... wir haben sie aber
auch nicht bewußt herbeigeführt."
18. Oktober
In einem nach einem zweitägigen Arbeitsbesuch in
Nigeria veröffentlichten gemeinsamen Kommunique
fordern Präsident Gnassingbe Eyadema aus Togo und
Präsident Ibrahim Babangidaaus Nigeria den Irak zum
Abzug aus Kuwait auf und bekunden ihre Unterstützung für die Resolution des UN-Sicherheitsrats, in der
alle friedlichen Bestrebungen zur Lösung der Golfkrise
begrüßt werden.
19. Oktober
Einer amtlichen Bekanntmachung aus Bagdad zufolge
stellt der Irak Ausländern, die im irakisch besetzen
Kuwait leben, ein zweiwöchiges Ultimatum, um sich
bei den Einwanderungsbehörden registrieren zu lassen, andernfalls würden sie bestraft. Gründe für diese
Maßnahme werden nicht genannt.
20. Oktober
Die Interparlamentarische Union (IPU) fordert den
"unverzüglichen Abzug der irakischen Truppen aus
Kuwait" und fordert "alle Parlamentarier und Regierungen" auf, die neun bisher verabschiedeten Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zu unterstützen und

AMERIKA DIENST 44

das Embargo gegenüber Bagdad strikt zu befolgen.
Die IPU ist eine der ältesten internationalen Organisationen der Welt. Mehr als 450 Parlamentsabgeordnete
aus 88 Ländern trafen sich in Montevideo. Die Resolution der IPU bezeichnet Iraks Invasion als "Akt der
Aggression", der"die Integrität jedes Landes der internationalen Staatengemeinschaft bedroht".
22. Oktober
König Fahd erklärt, Saudi-Arabiens Haltung gegenüber "Iraks krimineller Aggression gegenüber Kuwait
ist entschlossen, unwiderruflich, eindeutig und unzweifelhaft." Dem König zufolge ist diese Haltung in all
ihren Punkten kein Gegenstand von Verhandlungen.
Der französische Verteidigungsminister Chevenement
und US-Verteidigungsminister Cheney erklären in einer
gemeinsamen Pressekonferenz, die Vereinigten Staaten und Frankreich seien gleichermaßen der Meinung,
daß Saddam Hussein im Einklang mit den UN-Resolutionen zum Persischen Golf seine Streitkräfte aus
Kuwait abziehen muß.
23. Oktober
Präsident Bush bekräftigt in seinen Reden in New
Hampshire und in Vermont, im Hinblick auf die irakische Aggression "kann es niemals einen Kompromiß
geben". Er beschuldigt Saddam Hussein, "kleine
Botschaften in Kuwait auszuhungern" und erklärt, der
Akt "ist eine grobe Verletzung der Menschenwürde".
Bush nennt die irakischen Greueltaten "Verbrechen
gegen die Menschlichkeit", die Grundlage von Gerichtsverfahren im Stil der Nürnberger Prozesse nach
dem Zweiten Weltkrieg sein könnten, in denen die
Nazi-Kriegsverbrecher abgeurteilt wurden.

Seite 1

�25. Oktober

29. Oktober

Verteidigungsminister Cheney erklärt, die Vereinigten
Staaten würden unter Umständen zusätzliche Truppen an den Golf schicken.

Mit 13:1 Stimmen bei Enthaltung von Kuba und Jemen
verabschiedet der UN-Sicherheitsrat die Resolution
674, seine zehnte Resolution mit dem Ziel, den Irak
zum Abzug aus Kuwait zu zwingen. Diese Maßnahme
26. Oktober
fordert ein sofortiges Ende der Geiselnahmen und
appelliert an den Irak, für unverzüglichen Zugang zu
CIA-Direktor William Webster erklärt, der Golf könne
Nahrungsmitteln, Wasser und elementaren Dienstleisolange nicht sicher sein, wie Saddam Hussein den
stungen zu sorgen, die zum Schutz von Kuwaitern und
Irak regiert. Er deutet an, daß es zur Aufrechterhaltung
Angehörigen von Drittstaaten, einschließlich von Dides Friedens erforderlich sein könnte, das Waffenarplomaten, in Kuwait erforderlich sind. Die Resolution
senal des Irak zu zerstören. Vertreter des Pentagon
stellt fest, daß der Irak für sämtliche durch die Invasion
stellen fest, die Vereinigten Staaten beabsichtigten bis
Kuwaits verursachten Verluste haftbar gemacht wird.
zum Jahresende die Entsendung von mindestens 50 000
Sie betont die dringende Notwendigkeit des unverzügbis vielleicht sogar 100 000 zusätzlichen Soldaten
lichen und bedingungslosen Abzugs aller irakischen
sowie mehreren hundert weiteren Panzern in den
Truppen aus Kuwait, der Wiederherstellung von SouNahen Osten.
veränität, Unabhängigkeit und territorialer Integrität
Das bulgarische Parlament beschließt, eine aus Frei- Kuwaits sowie der Autorität seiner legitimen Regiewilligen bestehende Militäreinheit zu entsenden, die rung.
sich als Teil der UN-Bemühungen gegen den Irak der
multinationalen Streitmacht am Golf anschließen soll. Außenminister Baker erklärt, daß der irakische PräsiDie Freiwilligen, zu denen auch Ärzte und Sanitätsper- dent Saddam Hussein "sich der Tatsache bewußt
sonal gehören werden, sollen eine Einheit für Abwehr- werden muß, daß der Geduld der internationalen
Staatengemeinschaft Grenden gesetzt sind". In einer
maßnahmen gegen chemische Kriegführung bilden.
Rede in Los Angeles stellt Baker fest, Saddam HusDie Generalversammlung der Internationalen Zivilluft- sein müsse darüber hinaus erkennen, daß er im Falle
fahrtorganisation (ICAO) verabschiedet eine einmüti- eines Einsatzes von chemischen oder biologischen
ge Resolution, derzufolge die Mitgliedstaaten weder Waffen "mit den schlimmsten Folgen rechnen muß.
Ersatzteile noch Dienstleistungen für die nach der Wir können den möglichen Einsatz von Gewalt nicht
Invasion Kuwaits durch den Irak beschlagnahmten 15 ausschließen, falls der Irak Kuwait weiterhin besetzt
kuwaitischen und 1 britisches Flugzeug zur Verfügung hält."
stellen dürfen. Diese technische UNO-Behörde mit
Sitz in Montreal, die alle Aspekte der internationalen 30. Oktober
Zivilluftfahrt regelt, verurteilt die Plünderung des interDie Gründung einer neuen irakischen Oppositionsparnationalen Flughafens von Kuwait durch den Irak seit
tei, der Ummah-Partei, in der die meisten der 17
der Invasion am 2. August.
irakischen politischen Gruppierungen außerhalb des
Irak zusammengeschlossen sind, wird von ihrem
27. Oktober
Präsident, Sad Salih Jabr, bekanntgegeben. In einer
Der amerikanische Kongreß stimmt einem Schulden- in London veröffentlichten Presseerklärung bekräftigt
moratorium für Ägypten bis zum 31. März 1991 zu und Jabr "de Ablehnung der Übergriffe von Saddam Hussein
ermächtigt den Präsidenten, Ägypten sämtliche Schul- sowohl innerhalb als auch außerhalb Kuwaits durch
den einseitig zu erlassen, falls er zu dem Schluß das irakische Volk". Ziel der neuen Ummah-Partei ist
kommt, daß dies lebenswichtig für die nationale Si- Jabr zufolge die Gewährleistung individueller und
cherheit der Vereinigten Staaten ist und unter Berück- gesellschaftlicher Freiheit sowie die Achtung der
sichtigung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Nachbarstaaten des Irak und des Völkerrechts.
Golfkrise auf die ägyptische Volkswirtschaft.

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Seite 2

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AMERIKA DIENST 44

�GOLFKRISE
31. Oktober 1990

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Oktober
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse im Zusammenhang mit der
Golfkrise für den Zeitraum vom 1. bis 15. Oktober 1990.

1. Oktober
Der US-Senat verabschiedet eine Resolution, in der
Präsident Bushs Bestrebungen, "die irakische Aggression abzuschrecken", unterstützt werden.
3. Oktober
Die bei den Vereinten Nationen zusammentretenden
Außenminister der Organisation der Islamischen
Konferenz (OIC) verurteilen die irakische Invasion
Kuwaits auf das schärfste, erklären die Annexion für
null und nichtig und fordern die Befolgung der Resolutionen des Sicherheitrats durch den Irak.

Amnesty International beschuldigt irakische Soldaten,
seit der irakischen Invasion Kuwaits am 2. August
unzählige Menschen gefoltert und exekutiert zu haben, unter anderem halbwüchsige Jungen. Der Bericht basiert auf Interviews mit vielen Menschen, die
aus Kuwait geflohen sind sowie mit Opfern und Augenzeugen von Mißhandlungen, die von zwei Vertretern
von Amnesty International in Bahrain interviewt wurden.
4. Oktober
Das irakische Fernsehen zeigt Saddam Hussein bei
seiner angeblich ersten Reise in das besetzte Kuwait.

Im Abschlußkommunique der OIC erklären die Minister ihre einhellige Unterstützung und Solidarität für
den Emir von Kuwait, das Königreich Saudi-Arabien
und andere Golf Staaten, die ausländische Streitkräfte
um Hilfe zur Verteidigung ihres Landes ersucht haben.

In einem Brief an den UN-Generalsekretär beschuldigt
die kuwaitische Exilregierung die irakischen Besetzer
der Durchführung einer Kampagne zur Veränderung
der Bevölkerungsstrukturen in Kuwait.

Das Kommunique fordert den Irak weiterhin auf, "seine
Repressionskampagne im besetzten kuwaitischen
Territorium unverzüglich aufzugeben, umgehend alle
festgehaltenen Bürger von Drittstaaten und Geiseln
freizulassen und deren sichere und ehrenvolle Rückkehr in ihre Heimatländer zu veranlassen".

Mehr als 100 Außenminister und Leiter von UN-Delegationen der Blockfreien-Bewegung veröffentlichen
eine Erklärung, in der die irakische Vorgehensweise
am Golf als "unannehmbar" bezeichnet und der unverzügliche und bedingungslose Abzug aus Kuwait gefordert wird. Alle Länder werden darin aufgefordert, "die
Bestimmungen der einschlägigen Resolutionen des
Sicherheitsrats streng zu befolgen".

Die Stimme Amerikas (VOA) überträgt erstmals täglich Botschaften der Familien an die im Irak und Kuwait
festgehaltenen Amerikaner.
Ein Abgesandter des sowjetischen Präsidenten Gorbatschow fährt in den Nahen Osten. Tass zufolge wird
General Jewgeni Primakow sowohl Bagdad als auch
Amman besuchen, wo er mit König Hussein und PLOChef Arafat zusammentreffen soll.

AMERIKA DIENST 43

5. Oktober
Der sowjetische Sonderbotschafter Jewgeni Primakow, Mitglied von Michail Gorbatschows Präsidialrat,
überbringt beim zweiten Treffen hochrangiger Vertreter beider Länder seit der irakischen Invasion in Kuwait
einen Brief des sowjetischen Präsidenten an den irakischen Präsidenten Saddam Hussein.

Seite 1

�Die Palästinensische Volksarmee/Schwarze- PantherEinheit erklärt in Zypern, ein Angriff auf den Irak werde
die "unverzügliche Vergeltung zu Lande, zur See und
in der Luft" zur Folge haben. Die in Bagdad ansässige
Arabische Befreiungsfront stellt fest, sie werde "energisch und unverzüglich mit machtvollen Schlägen
antworten".

Flüchtlingen aus Kuwait, die über irakische Gewalttaten gegen Kuwait und gegen irakische Staatsbürger
berichten.

Zum Abschluß eines sechstägigen Besuchs in den
Vereinigten Staaten auf Einladung des Vorsitzenden
der Vereinigten Stabschefs, Colin Powell, erklärt der
sowjetische Generalstabsschef Michail Moissejew, die
Sowjets unterstützten die von den Vereinten Nationen
gegen den Irak verhängten Wirtschaftssanktionen,
einschließlich der Luftblockade.

10. Oktober

Verteidigungsminister Cheney stellt fest, daß der Irak
"mehr als 350 000 Soldaten - über 20 Divisionen" im
besetzten Kuwait und im südlichen Irak stationiert hat.
Cheney erklärt, daß sich 25 Staaten - darunter Ägypten, Syrien, Marokko und andere arabische Staaten an der Stationierung von Luft-, See- und Landstreitkräften beteiligt haben.
9. Oktober
In einer von Radio Bagdad ausgestrahlten Botschaft
behauptet Saddam Hussein, der Irak habe eine neue
Rakete (die Steinschleuder oder AI Hajar) entwickelt,
die mit ihrer Reichweite in der Lage sei, die 300 000 zur
Verteidigung des Landes gegen eine mögliche irakische Aggression in Saudi-Arabien stationierten Soldaten der multinationalen Streitmacht zu treffen. Er tut
dies nach Zusammenstößen zwischen israelischen
Sicherheitskräften und palästinensischen Demonstranten in Jerusalem am 8. Oktober und fordert Israel und
die Vereinigten Staaten auf, sich aus arabischen
Gebieten zurückzuziehen.
Das US-Außenministerium berichtet, daß die Iraker
weitere drei Amerikaner im besetzten Kuwait festgenommen haben und jetzt mindestens 104 Amerikaner
vom Irak festgehalten werden.
Japan widerruft seine Einladung an den Irak zur Entsendung eines hochrangigen Vertreters zur Inthronisierung Kaiser Akihitos am 12. November. Ein Sprecher des Außenministeriums erklärt, "angesichts der
irakischen Invasion und Annexion Kuwaits sowie anderer
Handlungen wurde die Einladung an den Irak zurückgezogen".
Der kuwaitische Botschafter in den Vereinigten Staaten, Scheich Saud Nasir al-Sabah, berichtet dem
amerikanischen Kongreß, daß irakische Soldaten die
Zivilbevölkerung Kuwaits terrorisieren, sich an Massenexekutionen ohne Gerichtsverfahren, Vergewaltigungen sowie der Plünderung und Verwüstung seines
Landes beteiligten. AI Sabah sagt vordem Menschenrechtsausschuß des Repräsentantenhauses aus,
zusammen mit Zeugen von Amnesty International und

Seite 2

Bolivien kündigt an, daß das Land aufgrund eines
Überfalls irakischer Truppen im vergangenen Monat
seine Botschaft in Kuwait schließen wird.

Dem US-Außenministerium zufolge holen die irakischen Behörden 17 amerikanische Staatsbürger und
deren Familienangehörige aus einer Chartermaschine, mit der Amerikaner und Ausländer aus Kuwait und
dem Irak evakuiert werden. Die übrigen 271 Amerikaner und deren Familienangehörige fliegen an Bord des
von der US-Regierung gecharterten Flugzeugs der
Iraqi Airways nach London.
12. Oktober
Der kuwaitische Botschafter Mohammad Abulhasan
bittet den UN-Generalsekretär, die Lieferung von dringend benötigten Medikamenten nach Kuwait zu veranlassen. Abulhasan zufolge ist die kuwaitische Regierung "alarmiert über die Zahl der Todesfälle infolge
mangelnder Arzneimittel", insbesondere Insulin, Antibiotika und Blutplasma, da die Arzneimittelvorräte in
der Woche nach der Invasion von den irakischen
Streitkräften beschlagnahmt wurden.
13. Oktober
Die politisch Verantwortlichen in Kuwait kommen vom
1 3 . - 1 5 . Oktober 1990 in Dschidda (Saudi-Arabien)
zusammen, um Wege zur Befreiung ihres Landes zu
erörtern und dem irakischen Präsidenten Saddam
Hussein zu signalisieren, daß die irakische Invasion
und Annexion Kuwaits keinen Bestand haben wird.
"Wir sollten unsere Aufmerksamkeit auf das Kuwait
der Zukunft lenken", erklärt der Emir von Kuwait vor
1 200 kuwaitischen Zuhörern beim Volkskongreß und
betont, daß demokratische Reformen in die Wege
geleitet werden. 700 ehemalige Minister und Parlamentsmitglieder, andere gewählte Vertreter der Regierung, Industrie, Gewerkschaften und Pädagogen
waren besonders zur Teilnahme am Kongreß eingeladen worden.
Die derzeitige Lage in Kuwait ist "entschieden schlimmer als wir erwartet haben", erklärt einer der kuwaitischen Organisatoren des zivilen Widerstands gegen
die irakische Invasion, Tareq AI Suwaidan, vor Reportern in Dschidda.
Ihm zufolge wurden in der vergangenen Woche rund
50 Exekutionen vorgenommen. Laut AI Suwaidan hält
der zivile Ungehorsam an und das Volk weigert sich, in
irgendeiner Weise mit dem Regime zusammenzuarbeiten. Es befinden sich noch zwischen 200 000 und
250 000 Kuwaitis im Land, vor der Invasion waren es
700 000.

AMERIKA DIENST 43

�14. Oktober
Premierminister Saad a-Abdallah al Salim al-Sabah,
der am zweiten Tag zu über 1 000 Kuwaitis beim
Volkskongreß in Dschidda spricht, erklärt, die kuwaitische Regierung werde keine andere Lösung als die
vollständige Durchführung der Resolutionen des UNSicherheitsrats akzeptieren, die den unverzüglichen
und bedingungslosen Abzug der irakischen Streitkräfte von kuwaitischem Territorium fordern. Er stellt fest,
die kuwaitische Regierung "behält sich weiterhin das
Recht vor, Entschädigung vom irakischen Regime für
den materiellen und moralischen Schaden an unserem
Volk und Land sowie für all das Kuwait gestohlene
Geld zu verlangen".
15. Oktober
Über 1 000 im Exil lebende Kuwaitis, unter ihnen
Studenten, Intellektuelle und Geschäftsleute geloben
dem Emir bei Beendigung des Kongresses in Dschidda Einheit als "eine Familie". In ihrem Schlußkommunique verurteilen sie die irakische Besetzung Kuwaits

*

AMERIKA DIENST 43

als kriminelle Aggression und Verletzung des Völkerrechts, einschließlich der Charta der Arabischen Liga
und der Vereinten Nationen. Das Kommunique fordert
alle im Exil lebenden Kuwaitis auf, "an der Befreiung
ihres Heimatlandes und der Vertreibung der Aggressoren zu arbeiten".
Die kuwaitische Regierung, die Kuwait beim Einmarsch
der irakischen Streitkräfte am 2. August verlassen
hatte, erklärt ihre Bereitschaft zur Erörterung aller
ungelösten Streitigkeiten mit Bagdad, sobald die
Besatzungstruppen das Emirat verlassen, erklärt
Ölminister Rashid Salem al-Ameeri bei einer Pressekonferenz in Dschidda.
Iran und Irak nehmen nach einem Jahrzehnt der
Feindseligkeiten wieder diplomatische Beziehungen
auf, und die Botschaften in den beiden Hauptstädten
werden erneut geöffnet, berichtet die offizielle iranische Nachrichtenagentur der Islamischen Republik.

*

Seite 3

�TERRORISMUS
7. November 1990

IRAKS UNTERSTÜTZUNG DES TERRORISMUS
Übersicht des Weißen Hauses
Nachfolgend bringen wir eine Übersicht über Maßnahmen des Irak zur Unterstützung des internationalen
Terrorismus, die am 5. November 1990 vom Büro für Öffentlichkeitsarbeit im Außenministerium veröffentlicht
wurde.

Iraks Unterstützung der Terroristen
Saddam Hussein hat einen Djihad oder "Heiligen
Krieg" gegen diejenigen gefordert, die die Verurteilung
des Irak durch die UN unterstützen. Als Reaktion auf
die Erklärung Präsident Bushs, er werde den Irak für
alle terroristischen Anschläge gegen die Vereinigten
Staaten verantwortlich machen, warnte das irakische
Außenministerium am 13. September, die amerikanische Militärpräsenz am Persischen Golf würde "eine
natürliche Reaktion der arabischen und islamischen
Massen zur Folge haben". Zu einem früheren Zeitpunkt hatte der irakische Außenminister Tariq Asis
erklärt, Bagdad habe keine moralische Verpflichtung,
von terroristischen Anschlägen abzusehen, wenn es
von den Regierungen Frankreichs, Großbritanniens
und der Vereinigten Staaten bedroht werde.
Der Irak verfügt über ein weltweites Netz zur Unterstützung terroristischer Operationen. In der Vergangenheit hat Bagdad Angehörige ziviler und militärischer
Nachrichtendienste, diplomatische Einrichtungen, die
Büros irakischer Fluggesellschaften und irakische
Kulturzentren sowohl zur Unterstützung seiner eigenen, vornehmlich gegen regionale Rivalen - Iran und
Syrien - und irakische Dissidenten gerichteten Operationen als auch zur Unterstützung der Operationen
nichtirakischer Gruppen genutzt. Darüber hinaus bietet
Bagdad palästinensischen Terroristengruppen seine
Unterstützung an. Viele dieser Gruppen erklären, sie
seien zur Unterstützung des Irak bereit, indem sie
Anschläge gegen Einrichtungen und Bürger westlicher, gemäßigter arabischer Staaten und Israels durchführen.

AMERIKA DIENST 44

Mehrere Hundert Zivilisten - vor allem aus den Vereinigten Staaten, Westeuropa und Japan - wurden in
strategische Einrichtungen im ganzen Land verschleppt,
und Tausenden anderer Zivilisten wurde die Ausreisegenehmigung verweigert. Einige, die Kuwait und den
Irak verlassen konnten, erklären, sie seien mit Gewalt
aus ihren Häusern geholt und von ihren Familien
getrennt worden.
Staatlich geförderter Terrorismus
Der Irak hat wiederholt unter Beweis gestellt, daß er
Terrorismus als legitimes Mittel zum Schlag gegen
seine aus- und inländischen Gegner ansieht. Während der siebziger Jahre gewährte Bagdad Elementen
der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO)
ebenso Unterstützung wie anderen Gruppen, die den
bewaffneten Kampf gegen Israel und den Westen
befürworteten. Bagdad hat Elementen der PLO-Sicherheitsorganisation AI Fatah und auch Abdullah alHamid Labib (Oberst Hawari) Unterschlupf gewährt,
der in den achtziger Jahren mit einer Welle von Bombenanschlägen in ganz Europa in Verbindung gebracht wurde. Im Jahr 1988 wurde er in Abwesenheit
von einem französischen Gericht für seine Rolle beim
Anlegen eines Waffendepots in Paris verurteilt.
Saddam Hussein hat seit Jahren terroristische Anschläge gegen politische Gegner seines Regimes
verüben lassen. Bagdad ist für die Ermordung von drei
im Exil in Großbritannien, dem Sudan und Norwegen
lebenden Dissidenten verantwortlich.
Der Irak gewährt Dissidentenorganisationen Unterschlupf, die Terroranschläge gegen die Regierungen

Seite 1

�von Syrien und dem Iran verübten und nutzt diese
Verbindungen, um in Zeiten verschärfter Spannungen
den Druck auf seine Rivalen zu erhöhen. In den späten
achtziger Jahren bildeten sechs von Irak aus operierende Dissidentenorganisationen die Syrische Nationale Heilsfront, die den bewaffneten Kampf als Mittel
gegen das Assad-Regime befürworten. Die prominenteste Gruppe innerhalb der Syrischen Nationalen
Heilsfront ist die militante Moslembruderschaft, die
bewaffnete Zellen in Syrien unterhält und Berichten
zufolge im Jahr 1989 Anschläge gegen dessen Diplomaten im Ausland und erneut Anfang 1990 in Brüssel
verübte. Der Irak unterstützt offen die am engsten mit
Terroranschlägen in Verbindung gebrachte iranische
Dissidentengruppe Mudschahedin Khalq und liefert
deren nationaler Befreiungsarmee Waffen.
Der Irak hat historische Verbindungen zu den radikalen Palästinensergruppen, einschließlich der Abu Nidal
Organisation (ANO), Splittergruppen der Volksfrontfür
die Befreiung Palästinas von George Habbash (PFLP)
wie der Volksfront zur Befreiung des Palästinensischen Sonderkommando (PLFP-SC) und der von dem
Bombenspezialisten Abu Ibrahim geführten Organisation 15. Mai. Die Gruppe 15. Mai war für eine Reihe von
Anschlägen verantwortlich, einschließlich der Bombenexplosion an Bord eines Pan Am-Flugzeugs über
Honolulu im Jahr 1982, mehrere Anschläge auf israelische Botschaften und El AI-Büros sowie auf Kaufhäuser in London, Paris und Brüssel. Im Jahr 1979
machten die Vereinigten Staaten den Irak in Abschnitt
6 (j) des Exportkontrollgesetzes für staatlich geförderten Terrorismus verantwortlich.
Der Irak zeigte während des Krieges mit dem Iran von
1980 bis 1988 ein geringeres Interesse an Terroranschlägen gegen westliche Ziele. Anfang des Jahres
1980 unternahm Bagdad eine Annäherung an die
Politik seiner gemäßigten arabischen Nachbarn, indem es seine Unterstützung für nichtpalästinensische
Terroristen teilweise aufgab und vielen Palästinensergruppen Beschränkungen auferlegte. Daraufhin wurde der Irak 1982 von der in den Vereinigten Staaten
geführten Liste der Staaten gestrichen, die den Terrorismus fördern. Als weiteres Beispiel seiner geänderten Politik wies der Irak 1983 die Abu Nidal Gruppe
aus.
Unmittelbar nach dem Krieg mit dem Iran verfolgte
Saddam Hussein seine weitreichenden Ambitionen in
der arabischen Welt weiter. Im Libanon leistete Bagdad mehr Hilfe an antisyrische Gruppen (die libanesische Miliz und syrische Dissidenten) und an palästinensische Terroristengruppen mit historischen Verbindungen in den Irak - der Palästinensischen Befreiungsfront PLF und Oberst Hawari. Anfang August
1990 intensivierte der Irak Kontakte mit mehreren
palästinensischen Terroristengruppen - einige haben
öffentlich mit terroristischen Übergriffen gegen die
Gegner Bagdads gedroht. Am 1. September 1990

Seite 2

setzte die US-Regierung infolge der neuerlichen Unterstützung des Iraks für terroristische Vereinigungen
und seiner Verhaftung von Ausländern den Irak erneut
auf die Liste der Länder, die den Terrorismus unterstützen.
Palästinensische Terroristengruppen sagen dem
Irak Unterstützung zu
Der Irak versucht, seine Unterstützung für palästinensische Gruppen, auch wenn sich sich für den Terrorismus einsetzen, damit zu rechtfertigen, daß sie im
Einklang mit der Politik für den Kampf um einen
Palästinenserstaat stünde. Darüber hinaus sieht der
Irak seine Hilfe als Mittel, das Ansehen des Landes zu
verbessern und vor allem Syrien davon abzuhalten,
die Bewegung für ein unabhängiges Palästina unter
Kontrolle zu bekommen. Bisher haben sich die meisten Palästinensergruppen revanchiert, indem sie dem
Irak politische Unterstützung im Krieg mit dem Iran
anboten, und einige haben dem Irak geholfen, sich
gegen Syrien zu wenden.
In den letzten Wochen haben die Führer verschiedener palästinensischer Terroristengruppen Saddam
Hussein Tribut gezollt und im Falle einer militärischen
Intervention gegen Bagdad Anschläge auf eine große
Bandbreite von Zielen angedroht. Die Kampfbereitschaft des Irak und die Hoffnung auf Unterstützung
haben Gruppen auf den Plan gerufen, die seit langem
den Einsatz von Gewalt zur Lösung des arabischisraelischen Konflikts propagieren.
Palästinensergruppen, einschließlich der PLO-Mitglieder haben gelobt, "jedes verfügbare Mittel" einzusetzen, um Truppen der Vereinigten Staaten und anderer
Länder zum Abzug aus Saudi-Arabien zu bewegen.
Der Führer der Palästinensischen Befreiungsfront,
Abu Abbas, hat den Irakern ausdrücklich seine Unterstützung versichert. Nur wenige Tage nach Bagdads
Invasion in Kuwait forderte er seine Anhänger auf,
"überall das Feuer auf den amerikanischen Feind zu
eröffnen. La ßt die Erde unter den Fü Ben der Amerikaner, der NATO-Invasoren und der Kollaborateure
erbeben." Am 1. Oktober droht Abu Abbas, ein
amerikanisches Flugzeug abzuschießen, falls eine
irakische Maschine im Rahmen der von der UNO
verordneten Luftblockade zur Landung gezwungen
würde. (Die Gruppe unter Abu Abbas hat 1985 das
italienische Kreuzfahrtschiff Achille Lauro entführt und
im Mai 1990 vom Meer einen erfolglosen Angriff auf
Zivilisten an israelischen Stränden geführt. Abu Abbas
Bekenntnis zu diesem Angriff wurde vom irakischen
Rundfunk übertragen.)
Einige von Syrien aus operierende Palästinensergruppen haben ihre Bereitschaft bekundet, Saddam Hussein in einem Konflikt mit den Vereinigten Staaten zu
unterstützen. Ihre Gründe liegen möglicherweise eher
im Enthusiasmus für ihre Organisation begründet als in
der Unterstützung für Bagdads regionale Ambitionen.

AMERIKA DIENST 44

v

&gt;

�Der Leiter der PFLP, George Habbash, hat öffentlich
erklärt, im Irak ein Büro zur Unterstützung Saddam
Husseins eröffnen zu wollen. Er erklärte ferner, seine
Organisation werde im Falle einer militärischen Konfrontation Angriffe gegen die Vereinigten Staaten und
andere Gegner des Iraks führen. In den siebziger und
frühen achtziger Jahren tötete die PFLP im Nahen
Osten und in Europa Zivilisten bei ihren Anschlägen
auf Flugzeuge und Busse.

*

Ahmed Jabrils stark prosyrische Volksfront für die
Befreiung Palästinas - Generalkommando (PFLP-GC)
und die Organisation Abu Musa haben sich vor kurzem
zu Saddam Hussein bekannt. Ende September empfing
Saddam Hussein den Führer der Bewegung des Palästinensischen Islamischen Djihad (PIJ), Scheich AlTamini, der den Irak seiner Unterstützung versicherte.
Die PIJ übernahm die Verantwortung fürden Anschlag
auf einen ägyptischen Bus im Februar 1990, bei dem
es neun Tote und 16 Verletzte gab.
Die Gruppe Abu Nidal gewinnt an Einfluß
Den Vereinigten Staaten zufolge schickt die Gruppe
Abu Nidal (ANO) - eine der gefährlichsten Terroristengruppen - Anhänger ihrer Organisation aus Libyen
zurück nach Bagdad. Seit Gründung der ANO im Irak
im Jahr 1974 haben ihre Mitglieder mehr als 900
Menschen in drei Erdteilen getötet oder verwundet.
Als Gegenleistung für einen sicheren Unterschlupf,
logistische Unterstützung und finanzielle Hilfe führte
die Gruppe jahrelang ihre Operationen mit Hilfe dreier
Länder durch, die den Terrorismus unterstützen - Irak,
Syrien und Libyen. In den letzten Monaten haben
ANO-Führer in mörderischen Kämpfen viele Mitglieder
getötet.
Der Führer der ANO, Sabri al-Banna, war bis 1974
Vertreter der PLO in Bagdad und brach dann zusammen mit anderen Mitgliedern mit der Fatah, weil er die
diplomatischen Bemühungen der PLO-Führung zur
Lösung des arabisch-israelischen Konflikts verurteilte.
In den siebziger Jahren führte die ANO ihre Anschläge
von ihrem Hauptquartier im Irak aus - zumeist gegen
die PLO, syrische und jordanische Ziele. 1980 verfolgten der Irak und die ANO nicht mehr die gleichen Ziele.
Die ANO führte eine Reihe schrecklicher Anschläge
auf Synagogen in Europa durch, die für die Organisation typisch werden sollten. Die Anschläge standen im
Gegenstz zu Bagdads Versuchen, für seinen Krieg mit
dem Iran Unterstützung aus Europa zu gewinnen.
Möglicherweise aufgrund des Drucks aus den Vereinigten Staaten und Europa bestand Bagdad darauf,
daß die ANO ihre Operationsbasis aus dem Irak verlegte.
Syrien hat der Gruppe von Sabri al Banna - bisweilen
mit Hilfe syrischer Geheimdienstoffiziere - gestattet,
ihre Operationen in Europa und Nahost auszuweiten.
Mitte der achtziger Jahre führte die ANO Anschläge in
den Flughäfen von Rom und Wien durch, setzte ihre

AMERIKA DIENST 44

Bomben- und Maschinengewehrattacken gegen Synagogen in Europa und der Türkei fort und beging über
ein Dutzend Anschläge gegen jordanische Ziele, darunter Diplomaten in Ankara und Bukarest sowie Büros
der jordanischen Fluglinie in Europa.
Nach öffentlichen Enthüllungen im Hinblick auf die
syrische Verwicklung in Terroranschläge in Europa
wurde für Syrien der Preis für seine Unterstützung des
Terrorismus höher als der Gewinn. In der britischen
Anklage gegen Nezar Hindawi - den Mann, der versucht hatte, eine Bombe in eine El AI-Maschine zu
schmuggeln - wurden Angehörige des syrischen Luftwaffengeheimdienstes, der syrischen Fluglinie und
der syrischen Botschaft belastet. Daraufhin brach
Großbritannien die diplomatischen Beziehungen zu
Syrien ab, die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland beriefen ihre Botschafter zurück,
und die Europäische Gemeinschaft beschloß verschiedene politische und wirtschaftliche Sanktionen gegen
Syrien. Auf Druck der Vereinigten Staaten sowie
europäischer und befreundeter arabischer Staaten
veranlaßten die Syrer im Juni 1987 die ANO zur
Verlegung ihrer Zentrale nach Libyen. Syrien gestattete es jedoch Terroristen der ANO weiterhin, im
syrisch kontrollierten Bekaa-Tal im Libanon zu operieren.
Die ANO, die erhebliche finanzielle und logistische
Unterstützung (einschließlich von Waffen und Reisedokumenten) aus Libyen erhält, führte im Juli 1988
einen Anschlag gegen das griechische Kreuzfahrtschiff City of Porös durch, bei dem neun Zivilisten
getötet und 98 verletzt wurden. Darüber hinaus tötete
die ANO im Mai 1988 acht Personen und verletzte 21
bei ihren Anschlägen auf das Hotel Acropole und den
British Sudan Club in Khartum.
Die ANO hat Stützpunkte im Irak, im Libanon, in
Libyen, Nordafrika und Europa, die für Operationen
gegen die Gegner der irakischen Invasion Kuwaits
benutzt werden konnte. Glaubwürdigen Quellen zufolge sind bereits Agenten der ANO auf dem Weg nach
Europa und Ländern des Nahen Ostens, wo die Behörden Maßnahmen treffen, um terroristische Anschläge
zu verhindern.
Eine internationale Reaktion auf den Terrorismus
Präsident Bush und Außenminister Baker haben
unmittelbar auf die irakische Aggression und die Androhung von Terroranschlägen auf Amerikaner und
Bürger anderer Länder reagiert. Die amerikanische
Regierung arbeitet ferner mit der internationalen Staatengemeinschaft zusammen, um den Irak und die von
ihm unterstützten Gruppen von Geiselnahmen und
Übergriffen auf Zivilisten abzubringen. Zu dieser
Zusammenarbeit gehören auch über diplomatische
Kanäle vorgebrachte Bitten an diejenigen, die bei
Bagdad und den palästinensischen Terrorgruppen
Einfluß haben, diesen zu nutzen, um einem Ausbruch

Seite 3

�internationaler terroristischer Gewalt entgegenzuwir-

mationsaustausch bis zur Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen gegen terroristische Anschläge.

Die Drohung terroristischer Anschläge wird ernstgenommen. Sowohl die Regierung des Irak als auch die
von ihr unterstützten Gruppen haben bereits in der
Vergangenheit solche Operationen durchgeführt. Sie
besitzen die Mittel und Infrastruktur für weitere Aktionen dieser Art. Die amerikanische Regierung gibt
Warnungen für Reisen und Gefahrenhinweise heraus,
mit denen die amerikanische Öffentlichkeit und andere, einschließlich ausländischer Regierungen, auf diese
Bedrohung aufmerksam gemacht werden. Die internationale Staatengemeinschaft bemüht sich daraufhin, die Zusammenarbeit bei der Abwehr des Terrorismus auf Operationsebene zu verbessern - von Infor-

Die Vereinigten Staaten haben klargestellt, daß sie
den Irak für von ihm selbst durchgeführte Terroranschläge wie auch für in seinem Auftrag verübte Anschläge verantwortlich machen. Für den Terrorismus
gibt es keine moralischen Argumente. Die Vereinigten
Staaten werden sich weiterhin zusammen mit anderen
Nationen darum bemühen, rechtlichen, wirtschaftlichen und anderen Druck auf Bagdad auszuüben,
damit der Irak seine Geiselnahme von Zivilisten und
seine Unterstützung für terroristische Gruppen einstellt, die Zivilisten mit Bombenanschlägen, Ermordung und anderen Gewalttaten bedrohen.

*

Seite 4

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AMERIKA DIENST 44

�UMWELT
7. November 1990

DAS GESETZ ZUR LUFTREINHALTUNG
UND SEINE AUSWIRKUNGEN AUF
KRAFTFAHRZEUGE, INDUSTRIE UND KRAFTWERKE
Eine Übersicht
WASHINGTON - (AD) - Im folgenden veröffentlichen wir eine Zusammenfassung der wichtigsten Bestimmungen des am 27. Oktober 1990 vom Kongreß verabschiedeten Gesetzes zur Luftreinhaltung, das sich auf
Unterlagen des Senatsausschusses für Umwelt und öffentliche Versorgungsbetriebe stützt.

Titel I: Bestimmungen für Fälle, bei denen nicht
die Gesundheitsnormen für alle Schadstoffe erfüllt werden
Gegenwärtig entsprechen in den Vereinigten Staaten
über 100 Regionen nicht den Gesundheitsnormen, wie
sie im Gesetz zur Luftreinhaltung von 1970 für Ozon
(Smog) festgelegt wurden, mehr als 40 Regionen
erfüllen nicht die Normen für Kohlenmonoxid, und in
schätzungsweise 58 Regionen übersteigt die Zahl der
Partikel (particulate matter - PM-10) den gesundheitlich unbedenklichen Wert. Die Regierungen der Bundesstaaten und Gemeinden sind zur Durchführung
von Maßnahmen verpflichtet, mit denen die Umweltverschmutzung auf ein Niveau abgebaut wird, das
keine gesundheitliche Bedrohung darstellt. Die Bundesregierung definiert bestimmte Mindestanforderungen und stellt sicher, daß die einzelnen Staaten ihren
Verpflichtungen nachkommen.
Titel I des Gesetzes von 1990 teilt Regionen, die nicht
unter die oben genannten Normen für Umweltverschmutzung fallen, in Kategorien ein, die von der
Dringlichkeit des Problems abhängen und legt für jede
Kategorie unterschiedlich strenge Regeln fest.
Je nach Dringlichkeit des Problems der Umweltverschmutzung müssen Regionen, die nicht die Gesundheitsnormen für alle Schadstoffe erfüllen (sogenannte
"non-attainment areas") innerhalb von 5,10,15 oder
17 Jahren den gesundheitlich unbedenklichen Ozonwert erreicht haben. Im Fall Los Angeles, der Stadt mit
der landesweit höchsten Luftverschmutzung, sollen es
20 Jahre sein.

AMERIKA DIENST 44

Regionen, die nicht die Gesundheitsnormen für jeden
einzelnen Schadstoff erfüllen, müssen vom gegenwärtigen Zeitpunkt bis zur Erfüllung der Norm bestimmte
Zuwachsraten erreichen. Mit dieser neuen Regel wird
ein sofortiger Ozonabbau sichergestellt und zum ersten Mal ein stetiger Fortschritt bis zur Erfüllung der
Norm gewährleistet. Im Fall Ozon müssen einzelne
Regionen die Emission flüchtiger organischer Verbindungen, einer Vorstufe des Ozons, bis zur Erfüllung
der Norm um jährlich 3 Prozent reduzieren (wobei
unter bestimmten Voraussetzungen Ausnahmen zulässig sind).
In Regionen mit überhöhten Ozonwerten müssen
Tankstellen mit einem Umsatz über 380 000 Litern
(bei Kleinbetrieben 190 000 Litern) Benzin monatlich
ihre Pumpen so umrüsten, daß die Emission flüchtiger
organischer Verbindungen reduziert wird.
Programme zur Inspektion und Wartung von Kraftfahrzeugen müssen in ozon- und kohlenmonoxidbelasteten Regionen verbessert und in möglichst vielen
Regionen, wo sie noch nicht existieren, eingeführt
werden.
Das Umweltschutzamt (Environmental Protection
Agency - EPA) muß eine der folgenden Strafen verhängen, wenn eine Region keinen Plan zur Erlangung
einer gesundheitlich unbedenklichen Luftqualitätsnorm
erarbeitet oder durchführt: es muß die Verwendung
von Mitteln aus den Fonds für Bundesautobahnen
kürzen oder bestimmen, daß neue Industrieunternehmen ihre Emissionen um die Hälfte reduzieren.

Seite 1

�Die Definition von Großanlagen wird in der neuen
Gesetzgebung modifiziert, so daß auch kleinere Emittenten flüchtiger organischer Verbindungen ihre Emissionen kontrollieren müssen (45 Tonnen in mäßig oder
stark belasteten Regionen, 22,5 Tonnen in stark belasteten Regionen und 9 Tonnen in extrem stark belasteten Regionen).
Wenn ein Bundesstaat keinen Plan erarbeitet, der die
Gesetzesbestimmungen berücksichtigt, muß das
Umweltschutzamt eine Durchführungsverordnung der
Bundesregierung verfügen.
Das Umweltschutzamt muß für eine Reihe von Verursachem der Umweltverschmutzung, auch für Handelsware und Komsumgüter, Regeln zu deren Kontrolle aufstellen.
Titel II: Bestimmungen für Kraftfahrzeuge
Autos und Lastwagen sind gegenwärtig für 50 Prozent
der Ozonbelastung und 90 Prozent der Kohlenmonoxidbelastung in amerikanischen Städten verantwortlich. Darüber hinaus sind sie die Ursache erheblicher
Emissionen toxischer Schadstoffe. Es sind nicht nur
die Kraftfahrzeuge, sondern ihre Treibstoffe, die zur
Umweltverschmutzung führen.
Das Gesetz beschreibt folgende Maßnahmen zur
Schadstoffreduzierung:
Neue Zusammensetzung des Benzins
Eine saubere Benzin verbrennung mit neu zusammengesetztem Benzin wäre ab 1995 in den neun Städten
mit der stärksten Ozonbelastung Pflicht. Einzelne
Staaten könnten wählen, ob die Regel auch in anderen
Städten mit problematischer Ozonbelastung gelten
soll.
Verglichen mit herkömmlichem Benzin müßte die neue
Zusammensetzung bis 1995 um 15 Prozent niedrigere
Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen und
toxischer Stoffe und bis zum Jahr 2000 um 20 bis 25
Prozent niedrigere Werte zur Folge haben. Das Gesetz
enthält darüber hinaus zusätzliche Normen für Sauerstoff, Benzol und Duftstoffe.
Die Vereinbarung sieht ab 1992 in 44 kohlenmonoxidbelasteten Städten einen Sauerstoffgehalt von 2,7
Prozent vor. Diese Bestimmungen werden zur Verwendung von sauerstoffhaltigen Additiven wie Äthanol
und MTBE, einem Naturgasprodukt, ermutigen.
Abgasnormen für Kraftfahrzeuge und Lastwagen
Autohersteller müssen die Abgasemissionen von
Kohlenwasserstoffen und Stickoxiden, die Smog verursachen, jeweils um 35 Prozent und 60 Prozent
abbauen, angefangen bei 40 Prozent der 1994 verkauften Kraftfahrzeuge und gesteigert auf 100 Prozent
bei den 1998 verkauften Kraftfahrzeugen. Vergleichbare Senkungen werden für leichte Lastwagen, wie
Kleintransporter und Pickups gefordert.

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Der Zeitraum, in dem Kraftfahrzeuge zurückgerufen
werden können, wenn sie nicht den Emissionsnonnen
entsprechen, würde sich auf 10 Jahre oder 160 000
Kilometer verdoppeln, je nachdem, welcher Stand
eher erreicht wird.
Eine zusätzliche Reduzierung der Kraftfahrzeugemissionen, eine 50prozentige Reduzierung unter die für
Mitte der neunziger Jahre angestrebten Nonnen wäre
nach dem Jahr 2003 erforderlich, wenn das Umweltschutzamt zu dem Schluß gelangt, daß diese neue
Norm notwendig und technisch durchführbar ist.
Andere Regeln
Autohersteller müssen Systeme einbauen, die den
Fahrer alarmieren, wenn ein Emissionskontrollsystem
nicht funktioniert.
Autohersteller müssen ab 1995 in Kraftfahrzeugen
Kanister einbauen, um Kohlenwasserstoffe aufzufangen, die sonst während des Tankens in die Atmosphäre entweichen. Wenn diese Geräte vom Umweltschutzamt und dem Verkehrsministerium als sicher
eingestuft werden, müssen sie stufenweise innerhalb
von drei Jahren eingebaut werden.
Ab 1994 müssen neue Transitbusse mit sauberen
Kraftstoffen wie etwa Erdgas oder Methanol fahren,
um den Normen für Partikel zu enstprechen. Das
Gesetz fördert Emissionen von sauberem Diesel und
neue Testverfahren für Dieselfahrzeuge.
Wie beim gegenwärtigen Gesetz können andere Staaten die Autonormen von Kalifornien übernehmen und
durchführen.
In den am stärksten belasteten Regionen muß eine
verbesserte Inspektion von Kraftfahrzeugen stattfinden. Jährliche, zentral durchgeführte Inspektionsprogramme oder andere Programme, die ebensolche
Reduzierungen in den am stärksten belasteten Regionen, die nicht die Gesundheitsnormen für alle Schadstoffe erfüllen, zur Folge haben, werden Pflicht.
Flottenfahrzeuge
Die Vereinbarung umfaßt ein Programm für Flottenfahrzeuge. Flottenfahrzeuge würden im Rahmen des
Programms erheblich sauberer als konventionelle
Fahrzeuge.
Das vereinbarte Flottenprogramm wird die kalifornischen Normen für Fahrzeuge mit geringen Emissionen (low emission vehicle - LEV) bis 1998 für Lieferfahrzeuge und kleine Lastwagen mit einem Gewicht
unter 2 700 Kilo zwingend vorschreiben, wenn diese
Fahrzeuge in Kalifornien verkauft werden sollen. Bis
zum Jahr 2001 müssen Fahrzeuge diese Normen
erfüllen, auch wenn sie nicht in Kalifornien vertrieben
werden. Die Abgasnorm für diese Fahrzeuge beinhaltet eine Beschränkung auf 0,047 Gramm nicht methanhaltigen Kohlenwasserstoffs, verglichen mit 0,156
Gramm bei konventionellen Kraftfahrzeugen.

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�Das Umweltschutzamt muß eine gleichartige "umfassende" Norm (für Emissionen aus Abgasen, Verdampfung und Tanken zusammengenommen) für LEVs
unter 3 825 Kilo erlassen. Die umfassende Norm muß
sich auf LEVs stützen, die mit neu zusammengesetztem Benzin fahren. Die Entscheidung, ob sie die
Abgasnorm oder die umfassende Norm anlegen wollen, bleibt den Autoherstellern überlassen.
Schwerlastflottenfahrzeuge mit einem zulässigen
Gesamtgewicht von 3,8 bis 11,7 Tonnen müssen eine
kombinierte Stickoxid-Kohlenwasserstoff-Emissionsnorm von 3,15 Gramm pro gebremster PS-Stunde
erfüllen, was einem 50prozentigen Abbau gegenüber
den geschätzten Emissionen eines Schwerlastdieselmotors Baujahr 1994 entspricht. Sollte das EPA
feststellen, daß diese Norm für einen mit schadstoffarmem Diesel betriebenen Motor nicht möglich ist, könnte sie durch eine nur 30prozentige Verringerung ersetzt werden.
Die Garantiezeit für die Abgasreinigungskomponenten der meisten PKW und leichten LKW wird ab 1995
auf 2 Jahre oder 38 400 Kilometer verkürzt, für über
200 Dollar kostende größere Bauteile (wie etwa Katalysatoren, Borddiagnosegeräte und elektronische
Kontrollsysteme) jedoch auf 8 Jahre oder 128 000
Kilometer verlängert. Diese Änderung gilt nur für PKW
und leichte LKW.
Pilotprogramm für Kalifornien
Für Kalifornien wurde ein Pilotprogramm ins Leben
gerufen. Ab 1996 müssen 150 000 mit sauberem
Kraftstoff betriebene Fahrzeuge pro Jahr für den Verkauf in Kalifornien produziert werden. Bis 1999 muß
diese Zahl auf 300 000 erhöht werden. Diese Fahrzeuge müssen die kalifornische TLEV-Übergangsnorm (transitional low emissions vehicle - Übergangsnorm für schadstoffarme Fahrzeuge) von 0,078 Gramm/
km nicht methanhalöger organischer Gase, 0,25 Gramm/
km Stickoxid, 2,125 Gramm/km Kohlenmonoxid und
0,009 Gramm/km Formaldehyd bis zum Jahr 2000
erfüllen, ab dem sie den Grenzwerten für Schadstoff arme Fahrzeuge von 0,047 Gramm/km nicht methanhaltiger organischer Gase, 0,125 Gramm/km Stickoxid,
2,125 Gramm/km Kohlenmonoxid und 0,009 Gramm/
km Formaldehyd entsprechen müssen. Kalifornien
muß sicherstellen, daß ausreichend schadstoffarme
Treibstoffe produziert, geliefert und für alle LEVs
angeboten werden, damit diese in dem von dem Programm abgedeckten Gebiet ausschließlich mit solchen Brennstoffen betrieben werden können. Falls es
Kalifornien nicht gelingt, ein diese Anforderungen erfüllendes Brennstoffprogramm zu verabschieden, muß
das EPA binnen drei Jahren ein solches Programm ins
Leben rufen.
Andere Bundesstaaten mit gravierender, schwerer
oder extremer Ozonbelastung können die kalifornischen Normen einführen. Diese freiwillige Option darf
Produktion oder Verkauf von Fahrzeugen oder Brenn-

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stoffen nicht erzwingen, sondern muß statt dessen
deren Verkauf und Betrieb ermutigen.
Titel III: Bestimmungen über toxische Luftschadstoffe
Emissionen von Großanlagen
Die Chemie-, Papier-, Plastik-, Gummi-, Auto- und
Metallindustrie sind die größten Verursacher industrieller Emissionen toxischer Luftschadstoffe. Das Gesetz
zur Reinhaltung der Luft aus dem Jahr 1970 verpflichtet das EPA, Luftschadstoffe zu benennen, die den
Tod oder schwere Krankheiten verursachen und Emissionsnormen für diese Schadstoffe aufzustellen. Bis
heute hat das EPA für weniger als 10 toxische Schadstoffe Emissionsnormen aufgestellt.
Das neue Gesetz setzt 189 solcher Chemikalien auf
eine verbindliche Liste und fordert das EPA auf, Normen für alle Kategorien wichtiger Verursacher aufzustellen. Rund 250 solcher Kategorien werden geregelt. Für unterschiedliche Kategorien werden unterschiedliche Normen angewendet. Das EPA wird für
jede Kategorie von Verursachern eine Norm bekanntgeben, die vom Verursacher dieser Kategorie die
Einführung der MACT-Technologie (maximum achievable control technology - maximal erreichbare Meßund Steuerungstechnologie) fordert. Die MACT ist
unter Berücksichtigung der Kosten für gewöhnlich die
beste verfügbare Kontrolltechnologie.
Alle Normen müssen binnen 10 Jahren bekanntgegeben werden, wobei für 41 Kategorien von Verursachern binnen 2 Jahren Normen festgelegt werden.
Die derzeitigen Verursacher müssen die MACT-Normen binnen drei Jahren nach ihrer Bekanntgabe erfüllen (ein Jahr Verlängerung ist möglich).
Bei der Auflistung von Schadstoffen und Festsetzung
von Normen muß das EPA die Auswirkungen auf die
Umwelt ebenso berücksichtigen wie diejenigen für die
menschliche Gesundheit.
Jeder Verursacher, der einen freiwilligen Abbau der
Emissionsmenge von 1987 um 90 Prozent vornimmt,
erhält eine 6jährige Verlängerung der MACT-Frist.
Unter bestimmten Umständen gewährt die MACT nicht
genügend Schutz für die öffentliche Gesundheit. Falls
nach Einführung der MACT ein beträchtliches Risiko
bestehen bleibt, muß das EPA die Normen 8 Jahre
nach der erstmaligen Bekanntgabe der MACT-Normen verschärfen.
Die Schutznorm beinhaltet "einen breiten Sicherheitsrahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit", es
sei denn, schärfere Normen zum Schutz der Umwelt
werden erforderlich.
Das EPA muß solche Normen für "Restrisiken" bei
Schadstoffen festlegen, die Krebs verursachen können, wann immer das Risiko für eine den Emissionen
einer Kategorie von Verursachern ausgesetzten Per-

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�son der Gesamtbevölkerung größer als 1 zu 1 Million
ist.
Jeder unter diese Normen fallende Verursacher muß
gemäß Titel IV des Gesetzes eine Genehmigung
beantragen. Das Genehmigungsverfahren wird von
den Bundesstaaten gehandhabt solange sie die staatlichen Mindestvorschriften erfüllen.
Kokereien, die strikte Schadstoffkontrollen verwirklichen, können für eine Verlängerung der Frist für Normen von Restrisiken bis zum Jahr 2020 in Frage
kommen.
Kraftwerksemissionen von toxischen Luftschadstoffen werden erst nach Prüfung durch das EPA und nur
dann geregelt, wenn das EPA feststellt, daß eine
solche Regelung gerechtfertigt ist.
Das EPA muß die toxische Belastung der Großen
Seen prüfen, die Folge der atmosphärischen Ablagerungen von Metallen und anderen toxischen Partikeln
ist. Das EPA muß Maßnahmen zum Schutz der
Wasserqualität der Gro Ben Seen und der Chesapeake
Bay ergreifen.
Emissionen von Kleinanlagen
Anhand der obengenannten Liste von Schadstoffen
kann das EPA ferner Kategorien von Kleinanlagen
(Reinigungen, Tankstellen, Holzöfen, kleine Verbrennungsanlagen usw.) ebenso auflisten wie das Amt
Kategorien von Großanlagen aufführt und die MACT
vorschreibt. Das EPA muß genügend Kategorien von
Verursachern auflisten, um sicherzustellen, daß 90
Prozent der Emissionen der 30 wichtigsten Kleinanlagen geregelt werden.
Es gibt ein alternatives Kontrollprogramm für diejenigen Kleinanlagen, die ein beträchtliches Gesundheitsrisiko darstellen, für die jedoch die beste verfügbare
Technologie zu teuer ist.
Das EPA muß ein breites Spektrum von Schadstoffen
in Städten mit über 250 000 Einwohnern überwachen,
um festzustellen, welche Schadstoffe in den Städten
das größte Risiko darstellen.
5 Jahre nach Inkrafttreten mu ß das EPA eine nationale
Strategie zur Verminderung toxischer Luftschadstoffe
in den Städten unterbreiten, um das mit toxischen
Luftschadstoffen in den Städten verbundene Krebsrisiko um 75 Prozent zu verringern. Das EPA muß in
Acht- und Zehnjahresintervallen über den erzielten
Abbau berichten.
Versehentliche Freisetzungen
Das Gesetz enthält Bestimmunge zur Verhütung von
Unfällen in der chemischen Industrie.
Diese Bestimmungen verpflichten den Besitzer oder
Betreiber einer Einrichtung, in der extrem gefährliche
Substanzen verarbeitet werden, zum sicheren Betrieb
der Einrichtung.

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Das EPA muß eine Liste von mindestens 100 extrem
gefährlichen Luftschadstoffen veröffentlichen, von denen
rund 20 im Gesetz enthalten sind.
Jeder Besitzer einer Einrichtung, in der extrem gefährliche Substanzen verarbeitet werden, mu ß eine Analyse der Einrichtung vornehmen, um mögliche Gefahren
für die öffentliche Gesundheit aufzuzeigen. Diese
Studie würde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Das Gesetz sieht die Gründung einer Kommission für
chemische Sicherheit, ähnlich der Kommission für
Verkehrssicherheit vor, die Chemieunfälle prüfen soll.
Das EPA ist ermächtigt, Bestimmungen zur Unfallverhütung bekanntzugeben.
Gemeindeverbrennungsanlagen
Das Gesetz enthält Bestimmungen zur Kontrolle der
Emissionen von Gemeinden, Krankenhäusern sowie
anderer kommerzieller und industrieller Verbrennungsanlagen.
Titel IV: Bestimmungen über sauren Regen
Saurer Regen stellt weiterhin eine Bedrohung für die
öffentliche Gesundheit und die Umwelt dar. Das
Gesetz hat die Reduzierung der Schwefeldioxidemissionen (So2) um neun Millionen Tonnen pro Jahr zum
Ziel und sieht eine nationale Obergrenze für So2Emissionen vor. Dieser Titel ist ferner darauf ausgerichtet, die Emissionen von Stickoxid (NOx) um etwa
1,8 Millionen Tonnen jährlich zu senken.
Vorschriften zur Reduzierung von Schwefeldioxid
Das Gesetz schreibt die Reduzierung der Schwefeldioxidemissionen um neun Millionen Tonnen unter
dem Stand von 1980 vor.
Der jährliche Ausstoß von Schwefeldioxid wird vom
Jahr 2000 an begrenzt.
Verkäufliche Quoten
Zusätzlich zur Genehmigung zum Ausstoß einer bestimmten Menge an Schadstoffen werden jeder Emissionsquelle bestimmte "Quoten" zugeteilt, die dem
zulässigen Schadstoffausstoß entsprechen. Diese
Quoten sind verkäuflich und entsprechen einer Emissionsmenge von je 0,9 Tonnen Schwefeldioxid.
Wenn eine Schadstoffquelle ihre Emissionen um mehr
als das gesetzlich vorgeschriebene Maß verringert,
kann sie den verbleibenden Teil ihrer Quoten an eine
andere Schadstoffquelle verkaufen. Diese zweite
Quelle würde somit Schadstoffe über das gesetzlich
vorgeschriebene Maß ausstoßen dürfen und trotzdem
das Gesetz einhalten. Damit soll sichergestellt werden, daß die Gesamtreduzierung auf kostengünstigstem Wege erzielt und die Kosten der Reduzierung
gerecht verteilt werden.
Phase I
In der am 1. Januar 1995 beginnenden Phase I müssen Kraftwerke mit einer Emissionsmenge über 1,125

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�Kilogramm Schwefeldioxid pro Million britische Wärmeeinheiten (Btu) ihre Emissionen auf 1,125 kg pro
Million Btu reduzieren, multipliziert mit deren durchschnittlichem Brennstoffverbrauch aus den Jahren
1985-87. Etwa 111 Kraftwerke fallen in diese Kategorie.
Kraftwerke, die bestimmte Technologien zur Schadstoffreduzierung anwenden, um ihren Reduzierungsverpflichtungen in Phase I gerecht zu werden, können
eine Verlängerung dieser Frist bis 1997 oder einen
Bonus erhalten, falls sie die Reduzierung zwischen
1995 und 1997 erreichen. Darüber hinaus wird allen
Phase I-Kraftwerken, die bestimmte Technologien zur
Kontrolle des Schadstoffausstoßes anwenden, ein
Guthaben von zwei-zu-eins für jede reduzierte Tonne
unter einem Niveau von 0,54 kg pro Million Btu eingeräumt.
Eine Sonderzuteilung von 200 000 Jahresquoten wird
in jedem der fünf Jahre von Phase I den Kraftwerken
in Illinois, Indiana und Ohio eingeräumt, die Reduzierungen gemäß den Bestimmungen für Phase I durchführen müssen. Viele der schmutzigsten Kraftwerke
stehen im Mittleren Westen. Deshalb wären die Kosten für die Reduzierung in diesen Staaten am höchsten, und diese Regelung dient dazu, die Kosten etwas
abzumildern.
Phase II
In der am 1. Januar 2000 beginnenden Phase II
müssen alle Kraftwerke, deren Emissionen den Grenzwert von 0,54 kg pro Million Btu überschreiten, ihren
Schadstoffausstoß auf diesen Grenzwert von 0,54 kg
pro Million Btu reduzieren, der mit ihrem durchschnittlichen Brennstoffverbrauch von 1985-87 multipliziert
wird.
Landesweit dürfen Kraftwerke, die Schwefeldioxidmengen unter 0,54 kg pro Million Btu ausstoßen, ihre
Emissionen von heute bis zum Jahr 2000 um etwa 20
Prozent erhöhen. Danach gilt dieser Grenzwert auch
für sie. Diese Regelung ist notwendig, um die landesweite Obergrenze für Schwefeldioxidemissionen aufrechtzuerhalten.
Bonusquoten werden eingeräumt, um dem Zuwachs
an Einheiten in denjenigen Staaten gerecht zu werden,
in denen die durchschnittlichen Emissionswerte unter
0,36 kg pro Million Btu liegen. Kraftwerke, deren
Nutzung in den letzten fünf Jahren zugenommen hat,
erhalten ebenfalls Bonusquoten.

Gegenwärtig im Bau befindliche Kraftwerke werden
entweder Quoten erhalten, um ihre Emissionen auszugleichen, oder sie werden völlig von dem Programm
zur Schadstoffbegrenzung ausgenommen.
Das EPA wird Quoten versteigern, um ihre Verfügbarkeit für Versorgungsbetriebe sicherzustellen, die nicht
in der Lage sind, diese auf dem freien "Quotenmarkt"
zu erwerben.
Stickoxidemissionen der Kraftwerke
Bis 1993 muß das EPA bestimmte Leistungsnormen
erarbeiten, denenzufolge Kraftwerke, die zur Reduzierung der Schwefeldioxidemissionen in Phase I verpflichtet sind, auch ihren Stickoxidausstoß abbauen
müssen, und zwar aufgrund von Leistungsnormen für
bestimmte Kesseltypen. Grundlage dieser Emissionsnormen wird die Technologie für Brenner mit niedrigem Stickoxidausstoß sein.
Bis 1997 muß das EPA Leistungsnormen für alle
übrigen Kraftwerkskessel festlegen. Diese Normen
müssen dann bis zum Ende der Phase II eingehalten
werden. Diese Normen werden ebenfalls auf der
Grundlage der Brennertechnologie mit niedrigem Stikkoxidausstoß festgelegt und mit der Entwicklung neuer
Technologien weiter verschärft.
Im Hinblick auf Kraftwerkskessel muß das EPA eine
überarbeitete Leistungsnorm für neue Stickoxidquellen erlassen.
Das Programm wird flexibel gehandhabt werden, weil
es Bestimmungen über Durchschnittswerte für Emissionen sowie eine Fristenverlängerung für Kraftwerke
zuläßt, deren Schadstofffilterdie Normen nicht erfüllen
oder die mit Lieferengpässen bei der Beschaffung der
erforderlichen Technik konfrontiert sind.
Titel V: Genehmigungsvorschriften
Verschiedene Verursacher von Luftschadstoffen müssen
Betriebsgenehmigungen einholen, mit denen die Einhaltung der einschlägigen Bestimmungen des Gesetzes zur Luftreinhaltung sichergestellt werden. Dieses
Genehmigungsprogramm orientiert sich an dem bereits bestehenden Programm im Rahmen des Wasserschutzgesetzes.

50,000 Bonusquoten pro Jahr werden den Kraftwerken in zehn Staaten des Mittleren Westens zugeteilt,
die Reduzierungen gemäß Phase I durchführen.

Das EPA muß innerhalb eines Jahres Bestimmungen
für die Erteilung von Betriebsgenehmigungen erarbeiten. Danach müssen die Bundesstaaten Programme
entwickeln, die mit diesen Bestimmungen in Einklang
stehen. Die Programme würden innerhalb von vier
Jahren in Kraft treten, und die Verpflichtung zum
Besitz einer Genehmigung würde in den folgenden drei
Jahren eingeführt.

Einheiten, in denen Energie eingespart wird oder die
erneuerbare Energien einsetzen, werden besondere
Vergünstigungen für die frühzeitige Reduzierung der
Schwefeldioxidemissionen erhalten.

Das EPA erhält das Recht, die von einem Staat
vorgeschlagenen Genehmigungen zu überprüfen und
Einspruch gegen Genehmigungen einzulegen, die das
Gesetz zur Luftreinhaltung verletzen. Das EPA würde

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Seite 5

�darüber hinaus die Möglichkeit haben, auf die Überprü- der Ozonschutzschild in den oberen Schichten der
fung von Genehmigungen für kleine Schadstoff quellen Atmosphäre abgebaut wird. Der Einsatz von Fluorchzu verzichten.
lorkohlenwasserstoffen, Halonen und Tetrachlorkohlenstoff wird bis 1999, der von Methylchloroform bis
Falls das EPA gegen eine Genehmigung, die das
2001 beendet.
Gesetz zur Luftreinhaltung verletzt, keinen Einspruch
einlegt, kann jedermann sich auf dem Petitionsweg an Hydrofluorchlorkohlenwasserstoffe bilden eine wenidas EPA wenden, um einen solchen Einspruch einzu- ger große Gefahr für die Ozonschicht. Ihre Produktion
legen. Die Petition muß sich auf Bedenken stützen, die wird bis zum Jahr 2015 eingefroren und bis zum Jahr
während der Frist für die Anhörung der Öffentlichkeit 2030 eingestellt. Vom Jahr 2015 an wird ihr Einsatz
vorgebracht wurden, außer, der Antragsteller legt allgemein begrenzt, außer bei Verwendung als Kühlglaubhaft dar, daß die in der Petition enthaltenen mittel für Haushaltsgeräte, wobei die Begrenzung im
Gegenargumente zu jener Zeit nicht geltend gemacht Jahr 2020 beginnt.
werden konnten (oder daß deren Vorbringung nicht
praktikabel war). Die Petition hat keine aufschiebende Den Vereinigten Staaten wird gestattet, Beiträge in
Wirkung für eine bereits erteilte Genehmigung. Das den internationalen Fonds einzuzahlen, der zur UnterEPA muß innerhalb von 60 Tagen nach Eingang der stützung von Entwicklungsländern bei der AbschafPetition entscheiden und gegebenenfalls Einspruch fung dieser zerstörerischen Verbindungen eingerichgegen eine Erlaubnis einlegen, wenn der Antragsteller tet wurde.
beweisen kann, daß die Genehmigung nicht in Ein- Studien über die Quellen und Optionen für die Kontrolklang mit dem Gesetz steht.
le von Methanemissionen werden ebenfalls genehmigt.
Titel VI: Schutz des stratosphärischen Ozons
Das Gesetz enthält Kompromißbestimmungen, um
den Einsatz von Verbindungen einzustellen, mit denen

* * * *

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Embassy of the United States of America

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43

GOLFKRISE

5300 Bonn 2

31. Oktober 1990

BAKER SCHLIESST MILITÄR EIN SATZ GEGEN
DEN IRAK NICHT AUS
Rede beim World Affairs Council in Los Angeles

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Oktober
UMWELT

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

KONGRESS VERABSCHIEDET UMFASSENDES
GESETZ ZUR REINHALTUNG DER LUFT
Unterzeichnung durch Präsident Bush erwartet

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
31. Oktober 1990

BAKER SCHLIESST MILITÄREINS ATZ
GEGEN DEN IRAK NICHT AUS
•V

Rede beim World Affairs Council in Los Angeles
LOS ANGELES - (AD) - US-Außenminister Baker zufolge sind die Vereinigten Staaten vordringlich an einer
friedlichen Beilegung der Golfkrise interessiert und nutzen gegenwärtig alle zur Verfügung stehenden diplomatischen Mittel, um einen Frieden ohne weiteres Blutvergießen zu erreichen, prüfen darüber hinaus jedoch auch
alle anderen Optionen. "Es darf kein Zweifel daran bestehen", erklärte Baker am 29. Oktober 1990 in einer Rede
beim World Affairs Council in Los Angeles, daß "wir den möglichen Einsatz von Gewalt nicht ausschließen, falls
der Irak weiterhin Kuwait besetzt hält".
Baker verwies darauf, daß die Vereinigten Staaten und 27 weitere Staaten Truppen oder Kriegsmaterial an den
Golf geschickt hätten, um die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zur Verurteilung der irakischen Aggression
gegen seinen Nachbarstaat zu unterstützen.
Baker stellte fest, daß die UNO-Sanktionen gegen den Irak bereits Wirkung zeigten, indem das Land keine
Einnahmen aus dem Verkauf seines Öls erziele und der Mangel an Ersatzteilen "seinen Tribut von der irakischen
Industrie und - was noch wichtiger ist - der irakischen Kriegsmaschinerie fordern".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Bakers im Wortlaut.

Herr Stegemeir, meine Damen und Herren,
bevor ich beginne, möchte ich Sie wissen lassen, daß
ich Ihre Einladung mit einigen Befürchtungen angenommen habe.
Im vergangenen Oktober sollte ich eine Rede in San
Francisco halten, und dann gab es ein Erdbeben.
Letzte Woche kündigte ich einen Besuch in Kalifornien
an, um erneut eine Rede zu halten, und wieder gab es
ein Erdbeben.
Heute befinde ich mich nun in Los Angeles, und wenn
es nochmals einen Erdstoß gibt, so werden die Wissenschaftler in der Erdbebenstation von Berkeley
wahrscheinlich sagen: "Also, wir haben zwar keinen
stichhaltigen wissenschaftlichen Beweis, daß Bakers
Reden diese Erdbeben verursachen, aber... vielleicht
sollte man ihn das nächste Mal bitten, an einem Ort zu
sprechen, wo ein Erdbeben wirklich angebracht wäre
- etwa in Washington."
Nun, dies sind Tage gro ßer Erschütterungen, und über
eine der wichtigsten möchte ich heute zu Ihnen sprechen: die Lage am Persischen Golf. Als Mitglieder des
World Affairs Council sind Sie sich seit langem der
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Tatsache bewußt, wie uns weit entfernte Ereignisse in
unserem Land betreffen können. Ich möchte aber
heute an dieser Stelle feststellen, daß es selten ein
Ereignis wie die irakische Invasion Kuwaits gegeben
hat, das eine größere Herausforderung für unsere
Zukunft und die Zukunft zahlreicher anderer Staaten
darstellte.
In diesem Moment stehen viele Tausend Amerikaner
in den Wüsten Saudi-Arabiens auf Wacht. Vielleicht ist
Ihr Sohn oder Ihre Tochter - ein Marineinfanterist oder
eine Soldatin, ein Matrose oder ein Flieger, die in Fort
Ord, Camp Pendieton oder der Alameda Air Station
stationiert waren oder in 29 Palms ausgebildet wurden
- unter ihnen. Vielleicht kennen Sie einen Nachbarn,
dessen Arbeitsplatz von den wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts betroffen ist. Und sicherlich
zahlen wir alle einen höheren Preis an den Zapfsäulen.
Wir haben diesen Konflikt nicht gesucht. Aber er wird
nicht von allein verschwinden. Es handelt sich um
einen entscheidenden Kampf, in dem wir und die
internationale Staatengemeinschaft die Oberhand
behalten müssen.

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�Was auf dem Spiel steht
Ich möchte Ihnen erläutern, was auf dem Spiel steht.
Erstens ist die irakische Aggression eine Herausforderung für den Weltfrieden. Wir leben in einer jener
seltenen Zeiten geschichtlichen Umbruchs. Der kalte
Krieg ist vorbei, und ein vielversprechendes Zeitalter
hat begonnen. Erst diesen Monat haben wir ein neues
in Frieden und Freiheit vereinigtes Deutschland begrüßt. Die Völker Mittel- und Osteuropas haben sich
durch demokratische, friedliche Revolutionen befreit.
Nach Jahrzehnten des Konflikts stellen die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion neue Regeln der Zusammenarbeit auf. Nach einer langen Periode der Stagnation werden die Vereinten Nationen zu einer effektiveren Organisation. Die Ideale der UNO-Charta werden
Wirklichkeit.
Dies ist jedoch auch ein Zeitalter voller Herausforderungen und Gefahren. Ethnische und religiöse Konflikte verschärfen sich. Atomare, chemische und biologische Waffen sowie deren moderne Trägersysteme
finden immer weitere Verbreitung. Terrorismus und
Drogen sind Geißeln ohne Grenzen oder Schranken.
Die Aggression Saddam Husseins erschüttert die Vision
einer besseren Welt nach dem kalten Krieg. Wie
Präsident Bush und Präsident Gorbatschow in Helsinki erklärt haben: "Keine friedliche Weltordnung ist
möglich, wenn größere Staaten ihre kleineren Nachbarn verschlingen können."
Der Rest der Welt versucht, in die Zukunft der neunziger Jahre zu gehen. Saddam Hussein jedoch versucht, uns alle in die dreißiger Jahre zurückzuziehen.
Und wir wissen, was das bedeutet: Den verlockenden
Weg zur Beschwichtigung von Diktatoren in der Hoffnung, daß sie keine weiteren Aggressionen begehen
werden. Den selbstzerstörerischen Weg, die Augen
vor der Realität zu verschließen, während kleine Staaten erobert und große Staaten bedroht wurden. Und
dann schließlich ein Krieg mit ungeheuren Opfern.
In den dreißiger Jahren wurden die Aggressoren beschwichtigt. Im Jahr 1990 hat der Präsident unsere
Haltung eindeutig klargestellt: Bei dieser Aggression
wird es kein Appeasement geben.
Während sich die internationale Staatengemeinschaft
bemüht, nach dem Ende des kalten Krieges einen
Neuanfang zu machen, scheint Saddam Hussein fest
zu einer Wiederbelebung des heißen Krieges entschlossen zu sein. Er vereinigt dabei seine althergebrachte Verachtung zivilisierter Herrschaftsformen mit
modernen Methoden derZerstörung: chemischen und
biologischen Waffen, ballistischen Raketen und - wenn
er dazu in der Lage wäre - Kernwaffen.
Welche langfristige Bedeutung können die umfangreichen Programme des Irak zur Entwicklung chemischer
und biologischer Waffen haben? Warum gibt der
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irakische Diktator Milliarden Dollar aus, um Massenvernichtungswaffen zu bauen, einschließlich der Atombombe? Und warum hat er Bagdad zu einem Schlupfwinkel für internationale Terroristen gemacht? Sicherlich nicht, weil er diese Aggression - erst gegen den
Iran, jetzt gegen Kuwait - als seine letzte betrachtet.
Die irakische Invasion Kuwaits ist also eine eindeutige,
ja historische Herausforderung für den Rest der internationalen Staatengemeinschaft.
Wenn wir diese Aggression zunichte machen, werden
wir dazu beitragen, eine Welt zu definieren, die den
kalten Krieg hinter sich läßt und in der zivilisierte
Verhaltensregeln Bestand haben.
Tun wir das nicht, so könnten die vielversprechenden
Aussichten des Zeitalters nach dem kalten Krieg von
neuen Gefahren, neuen Unruhen und einer wesentlich
weniger friedlichen Zukunft überschattet werden.
Zweitens stellt die irakische Aggression eine regionale
Herausforderung dar. Zwar ist die Herrschaft von
Macht über Gesetz überall eine schlechte Politik, aber
im Nahen Osten ist sie besonders gefährlich. Ebenso,
wie der Zeitpunkt eines Ereignisses diesem größere
Bedeutung geben kann, gilt dies auch für den Ort. Wie
wir wissen, erzeugen bereits eine Reihe ungelöster
Konflikte, religiöser und sozialer Streit sowie ein erhebliches wirtschaftliches Gefälle Unruhe im Nahen Osten. Fügt man dem noch Massenvernichtungswaffen
und einen Großteil der Weltenergievorräte hinzu, so
erhält man eine explosive Mischung. Heute steht der
Nahe Osten wahrhaft am Scheideweg. Ein Weg führt
zum Frieden, der andere zum Krieg.
Wenn wir eine Lektion gelernt haben, so die, daß
niemand gegen die Auswirkungen der Konflikte im
Nahen Osten immun ist. Es gibt keine Hoffnung auf
Lösung anderer Probleme in der Region, wenn friedlicher Wandel künftig nicht zur Richtschnur im Nahen
Osten und am Golf wird. Aber Saddam Husseins Weg
ist nicht der Weg des Friedens. Sein Weg führt
unweigerlich in den Krieg. Und ich möchte folgendes
deutlich sagen: wenn er sein Verhalten nicht ändert,
wird es keine Hoffnung auf Frieden in der Region
geben.
Drittens stellt die irakische Aggression für die Weltwirtschaft eine Herausforderung dar. Offensichtlich müssen
wir mehr tun, um unsere Abhängigkeit von bestimmten
Energiequellen abzubauen. Aber was auch immer
geschieht - der Zustand der Weltwirtschaft wird in
absehbarer Zukunft vom gesicherten Zugang zu den
Energiequellen des Persischen Golfs abhängen. Weder
wir noch der Rest der internationalen Staatengemeinschaft kann es sich leisten, daß ein einzelner Diktator
diesen Zugang kontrolliert.
Denken wir nur an die Auswirkungen. Wenn die ganze
Welt durch den irakischen Würgegriff um die Energiequellen am Golf in eine tiefe Rezession gestürzt würde,
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�wären die amerikanische Industrie, die Farmer und
Kleinbetriebe besonders hart betroffen. Dasselbe gilt
für die demokratischen Reformstaaten Osteuropas.
Ebenso die anderen aufstrebenden Demokratien in
Lateinamerika, Afrika und Asien. Jeder würde tiefgreifende Rückschläge in seiner Fähigkeit erleiden, das
erforderliche Wirtschaftswachstum zu erzielen, mit
dem sich Vertrauen in den demokratischen Prozeß
schaffen läßt.
Wir alle würden durch diese wirtschaftliche Tyrannei
nur Verluste erleiden. Und wir alle wissen, daß Saddam Hussein seine wirtschaftliche Macht zugunsten
seiner weitreichenderen Ambitionen ausbauen würde.
Maßnahmen der internationalen Staatengemeinschaft
Unter Führung der Vereinigten Staaten erkennt die
internationale Staatengemeischaft diese entscheidenden Prämissen. Präsident Bush hat für unsere Politik
vier Ziele definiert.
Erstens den unverzüglichen, vollständigen und
bedingungslosen Abzug aller irakischen Streitkräfte aus Kuwait gemäß der Resolution 660
des UN-Sicherheitsrats,
zweitens die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung in Kuwait,
drittens der Schutz des Lebens amerikanischer
Bürger, die sowohl im Irak als auch in Kuwait
vom Irak als Geiseln gehalten werden und
viertens das Engagement für Sicherheit und
Stabilität am Persischen Golf.
Zur Verwirklichung dieser Ziele streben wir gemeinsam mit unseren internationalen Verbündeten eine
Isolierung des Irak an - politisch, wirtschaftlich und
militärisch.
Lassen Sie mich das, was wir bis heute erreicht haben,
in einen Zusammenhang stellen.
Auf diplomatischer Ebene hat der UN-Sicherheitsrat
nunmehr zehn Resolutionen verabschiedet, die letzte
davon erst heute. Mit jeder wurde der Druck auf den
Irak verstärkt. Die Verabschiedung der heutigen
Resolution des Sicherheitsrats bekräftigt die internationale Empörung über die Annexion Kuwaits durch
den Irak und ruft nach weiteren Schritten, die unter
Umständen erforderlich sind, um die irakische Aggression zunichte zu machen.
Zeit ihres Bestehens ist das Potential der Vereinten
Nationen als Kraft für Frieden und Stabilität niemals
deutlicher zutage getreten. Das ist zu einem nicht
unerheblichen Teil auf die einmalige Zusammenarbeit
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zurückzuführen - eine Zusammenarbeit, wie sie zu
Zeiten des kalten Kriegs undenkbar gewesen wäre.
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Darüber hinaus beruht es auf der Unterstützung der
Arabischen Liga und der Bewegung der Blockfreien
und auf der nahezu einmütige Haltung der internationalen Staatengemeinschaft.
Niemals in der jüngeren Vergangenheit haben soviele
Länder zusammen gehandelt, um Aggression und
Grausamkeit zu verurteilen.
Das Ergebnis ist die politische und wirtschaftliche
Isolation des Irak. Die Wirtschaftssanktionen gegenüber dem Irak zeitigen erste Auswirkungen. Der Irak
hat keine Öleinnahmen mehr. Der Mangel an Ersatzteilen wird seinen Tribut von der irakischen Industrie
und - was noch wichtiger ist - von der irakischen
Kriegsmaschinerie fordern. Die Sanktionen brauchen
Zeit, um zu greifen, aber wenn sie das tun, wird die
importabhängige irakische Wirtschaft einen hohen Preis
zahlen müssen.
Bagdad ist sich dessen bewußt, deshalb sucht es
verzweifelt Schwachstellen zu finden, die internationale Koalition zu spalten und die Sanktionen zu umgehen. Und deshalb müssen wir weiterhin fest zusammenstehen - bis Saddam Hussein es aufgibt, die
Sanktionen brechen zu wollen und wieder Mitglied der
zivilisierten Gesellschaft wird, indem er die Resolutionen des Sicherheitrats befolgt.
Auf militärischer Ebene haben wir zur Förderung der
Resolutionen des Sicherheitrats gemeinsam mit 27
anderen Ländern Truppen oder Gerät an den Golf
entsandt. Viele tausend arabische und moslemische
Soldaten stehen in Saudi-Arabien jetzt Seite an Seite
mit Amerikanern und Europäern. Und diese multinationalen Landstreitkräfte werden von starken multinationalen Truppen zur See und in der Luft unterstützt.
Zum Vergleich - im Koreakrieg stellten lediglich 14
Länder Streitkräfte bereit.
Wir müssen unsere militärische Mission eindeutig
darlegen. Unser militärisches Ziel besteht in der
Abschreckung eines irakischen Angriffs auf SaudiArabien, dem Schutz des Lebens amerikanischer Bürger
und der Gewährleistung der effektiven Verwirklichnug
der Resolutionen des Sicherheitrats. Ohne diese
Streitkräfte wären die irakischen Nachbarn unter
Umständen Angriffen ausgesetzt, wenn sie die Wirtschaftssanktionen durchzuführen versuchten.
Unsere Streitkräfte sind ebenfalls zu einer effektiven
und entschiedenen militärischen Reaktion bereit, wenn
die Situation dies erfordern sollte.
Saddam Hussein muß erkennen, daß die Geduld der
internationalen Staatengemeinschaft Grenzen hat.
Darüber hinaus muß er sich darüber im klaren sein,
daß ein potentieller Einsatz chemischer oder biologischer Waffen sehr ernsthafte Konsequenzen nach
sich ziehen wird.

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�Der Präsident hat unsere Position eindeutig dargelegt:
Wir ziehen natürlich eine friedliche Lösung vor, die im
Einklang mit dem Mandat der Resolutionen des Sicherheitsrats steht. Wir schöpfen alle erdenklichen
diplomatischen Möglichkeiten aus, um ohne weiteres
Blutvergießen zu einer solchen Lösung zu kommen.
Dennoch werden alle Optionen in Erwägung gezogen.
Und es darf kein Zweifel daran bestehen: Wir werden
den möglichen Einsatz von Gewalt nicht ausschließen,
falls der Irak weiterhin Kuwait besetzt hält.
Seit der Invasion bin ich viel gereist, um unsere Verbündeten und Freunde zu besuchen und ihnen die
Botschaft zu überbringen, daß es unsere gemeinsame
Pflicht ist, diese Sache zu Ende zu führen. Und sie
haben reagiert. Unsere Freunde am Golf, in Europa
und Asien haben zusätzliche 20 Milliarden Dollar bereitgestellt, um sowohl die wirtschaftlich am stärksten
betroffenen Frontstaaten - Ägypten, die Türkei und
Jordanien - als auch unseren eigenen militärischen
Aufmarsch zu unterstützen. Wir sind zuversichtlich,
daß weitere Unterstützung hinzukommt, wenn der
Konflikt bis 1991 fortdauern sollte. Insgesamt leisten
54 Länder ihren militärischen oder wirtschaftlichen
Beitrag zu den Bestrebungen gegen die irakische
Aggression.
Wir haben also den Stein ins Rollen gebracht. Jeden
Tag bei Sonnenuntergang ist der Irak schwächer.
Jeden Tag, wenn die Sonne aufgeht, verpflichtet sich
die internationale Staatengemeinschaft zur Durchführung der Resolutionen des Sicherheitsrats. Früher
oder später - wir alle hoffen früher - muß auch der
irakische Diktator bemerken, daß er in ernsthaften
Schwierigkeiten steckt und daß diese Schwierigkeiten
täglich zunehmen.
Früher oder später, auf die eine oder andere Weise,
muß der Irak die Resolutionen des Sicherheitsrats
befolgen. Wenn er das tut, werden die Aussichten für
den Frieden am Golf und im Nahen Osten zweifellos
steigen. Wenn er das tut, werden sich auch die
Aussichten für eine friedliche Weltordnung verbessern.
In der Zwischenzeit widersetzen sich die Vereinigten
Staaten Versuchen, dem Irak seine Aggression zu
lohnen - auch wenn er den Sirenengesamg einer
"Teillösung" anstimmt.
Sollten Zweifel über die furchtbaren Konsequenzen
einer Teillösung aufkommen, möchte ich Sie zu einer
genauen Betrachtung dessen auffordern, was Saddam Hussein dem kuwaitischen Volk antut. Weil er
den Zugang zur wahren Geschichte Kuwaits kontrolliert, kann diese Geschichte nicht oft genug erzählt
werden.
Es ist eine Geschichte der Barbarerei in ihrer ursprünglichsten und schrecklichsten Form, der Vergewalti-

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gung Kuwaits. Viele Berichte kann man kaum glauben. Zum Beispiel den Bericht eines Elternpaares, das
zwei kranke Kinder ins Krankenhaus bringen will. Auf
ihrem Weg dorthin mußten sie eine irakische Streife
passieren. Als sie um Gnade und darum baten, ihren
Weg fortsetzen zu dürfen, erschoß der irakische Soldat beide Kinder, er "heilte sie", um mit seinen Worten
zu sprechen.
Und denken Sie an den Zoo von Kuwait. Irakische
Soldaen ließen die Löwen und Tiger frei und nahmen
sie dann als Zielscheibe für Schießübungen. Sie
hatten jedoch nicht immer Erfolg. Ein Löwe entkam
und zerfleischte ein junges kuwaitisches Mädchen.
Auch unseren noch in Irak und Kuwait befindlichen
Mitbürgern hat er einen politischen und wirtschaftlichen Krieg erklärt. In strategischen Einrichtungen
werden über 100 amerikanische Staatsbürger als
menschliche Schutzschilde festgehalten.
Diese
Amerikaner sind gezwungen, auf von Ungeziefer verseuchten Betonböden zu schlafen. Sie werden tagsüber im Dunkeln gehalten und nur bei Nacht ins Freie
gelassen. Sie erhalten nur zwei Mahlzeiten pro Tag.
Viele von ihnen werden krank während sie diese
schreckliche Prüfung erdulden müssen. Der bloße
Gedanke an Amerikaner als menschliche Schutzschilde ist unerträglich.
Das Leben derjenigen, die Saddams Soldaten entkommen sind, ist genauso schrecklich. Ihre Tage sind
von Terror erfüllt. Nahrungsmittel und Wasser zu
beschaffen - und damit die grundlegendsten menschlichen Bedürfnisse zu erfüllen - kann tödlich sein.
Wir alle leiden mit diesen Menschen - unschuldigen
Amerikanern und anderen Staatsbürgern, die in Saddam Husseins tödlichen Ambitionen gefangen sind. In
den meisten Fällen können wir diesen Amerikanern
unsere Sorgen und unser Mitgefühl nicht direkt übermitteln. Aber das mindert weder den Schmerz, den wir
angesichts ihrer Notlage empfinden noch unseren
Wunsch, alle Aspekte der irakischen Aggression zunichte zu machen.
Wir verstehen die Sorgen ihrer Angehörigen hier zu
Hause. Der Mut, den sie angesichts Saddam Husseins Manipulation bewiesen haben, ist beeindrukkend. Wir beglückwünschen sie zu ihrer Entschlossenheit und Haltung, ihrer Einheit angesichts allen
Unglücks. Wir werden auch sie nicht vergessen.
Diese Aggression betrifft nicht nur unsere Staatsbürger, sondern auch die kleine Gruppe amerikanischer
Diplomaten, die immernoch die amerikanische Flagge
über Kuwait wehen lassen. Ihnen werden Nahrungsmittel, Wasser und Strom verweigert. Aber der Mut hat
sie nicht verlassen. Seit dem 2. August habe ich häufig
mit Botschafter Howell gesprochen, zum letzten Mal in
der vergangenen Woche. Er und unsere anderen
Diplomaten in Kuwait dienen unserer Nation nach wie

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�vor in herausragender Weise. Sie schlagen immer
noch zurück.
Sie geben genausowenig auf wie wir.
Der Golf und die Rolle der Vereinigten Staaten in
der Welt

den die Augen davor verschließen. Kein Diktator darf
denken, wir seien taub gegenüber der Alarmglocke,
wenn unsere Prinzipien angegriffen werden. Und
niemand sollte glauben, daß die Vereinigten Staaten
auf ihre internationale Führungsrolle verzichten werden, weil der kalte Krieg vorüber ist.

Zu Beginn dieses Konf linkts mu ßten sich der Präsident
und ich ebenso wie alle anderen, die mit diesem
Problem konfrontiert sind, dieselben Fragen stellen
wie Sie jetzt: Warum müssen die Vereinigten Staaten
die Führungsrolle übernehmen? Warum müssen unsere
Kinder da draußen in der Wüste sein? Nun da der kalte
Krieg vorüber ist, können wir diesen nicht einfach
übergehen?

Ich darf Sie daran erinnern, daß das Engagement der
Vereinigten Staaten in der Weltpolitik aus der Überzeugung herrührt, die sich auf harte und schreckliche
Erfahrungen gründet. Wir sind nicht im Spiel, nur um
einen Schlag zu führen und dann nach Hause zu
gehen. Wir müssen uns für die Zukunft einen langen
Atem bewahren. Und was immer die Neinsager von
sich geben - unsere moralischen Prinzipien und materiellen Interessen machen uns zu einem Führer.

Meine Damen und Herren, dieser Kampf geht um die
Welt, in der wir leben wollen, die Nation, die wir sind
und das Vermächtnis, das wir unseren Kindern hinterlassen wollen.

Aus diesem Grund sind wir am Golf, und aus diesem
Grund müssen wir dort bleiben.

Der kalte Krieg ist vorbei, das ist richtig. Wir haben
über 40 Jahre lang gekämpft und Opfer gebracht, weil
wir keine Welt dulden wollten, die für Josef Stalin und
seinesgleichen sicher war.
Das amerikanische Volk ist nicht diesen langen, schweren Weg gegangen, um die Welt für Saddam Hussein
und seinesgleichen sicher zu machen.
Keine Nation darf denken, sie könne sich eine andere
Nation einverleiben, und die Vereinigten Staaten wür-

Werden wir den Mut und die Kraft haben, für das
einzustehen, was wir im Grunde unseres Herzens für
richtig halten? Ist Saddam Husseins Welt das Vermächtnis, das wir unseren Kindern hinterlassen wollen? Haben sich die Nationen der Welt umsonst
versammelt, um die Grundsätze der UN-Charta zu
verteidigen?
Ich glaube, Sie kennen die Antwort auf diese Fragen.
Es gibt eine Moral unter den Nationen. Aggression darf
kein Erfolg beschieden sein.
Die Vereinigten Staaten werden das richtige tun.

* *

AMERIKA DIENST 43

*

Seite 5

�UMWELT
31. Oktober 1990

KONGRESS VERABSCHIEDET UMFASSENDES GESETZ
ZUR REINHALTUNG DER LUFT
Unterzeichnung durch Präsident Bush erwartet

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Senat und
das Repräsentantenhaus haben mit überwältigender
Mehrheit eine einschneidende Gesetzesvorlage verabschiedet, die mittels einer Reihe innovativer Maßnahmen die Verbesserung der Luftqualität zum Ziel
hat.
Die Gesetzesvorlage ist jedoch Schätzungen des
Weißen Hauses zufolge mit beträchtlichen Kosten rund 25 Milliarden Dollar - für die amerikanische Industrie verbunden, von denen ein Großteil erwartungsgemäß auf die Verbraucher umgelegt wird.
Der Gesetzentwurf wurde vom Repräsentantenhaus
am 26. Oktober 1990 mit 401 zu 25 Stimmen und vom
Senat am 27. Oktober mit 89 zu 10 Stimmen verabschiedet.
"Dies ist ein bedeutender Meilenstein bei der Erhaltung der natürlichen Ressourcen der Vereinigten Staaten und ich sehe der Unterzeichnung der Gesetzesvorlage gern entgegen", erklärte Bush im Anschluß an die
Abstimmung im Senat.
Der Gesetzentwurf stellt eine Erweiterung des Gesetzes zur Reinhaltung der Luft aus dem Jahr 1970 und das
Ende nahezu 10jähriger fruchtloser Versuche zur
Verschärfung dieses Gesetzes dar.
Das Abkommen sieht neue Kontrollmaßnahmen zur
Erlangung einer bestimmten Luftqualität in verschmutzten Gebieten vor, ruft Programme für vermehrten
Einsatz sauberer Brennstoffe in diesen Gebieten ins
Leben, verschärft die Abgasnormen für Automobile,
schafft ein Programm zu Verringerung des sauren
Regens und fordert das schrittweise Verbot von Produktion und Einsatz von Chemikalien, mit denen die
Ozonschicht der Atmosphäre abgebaut wird. Darüber
hinaus sieht es ein Programm zur Umschulung und
Abfindung von Arbeitnehmern vor, die ihren ArbeitsAMERIKA DIENST 43

platz infolge der Einhaltung des Gesetzes zur Reinhaltung der Luft verlieren.
Im folgenden die wesentlichen Bestandteile des Gesetzes:
Normen zur Luftqualität in verschmutzten Gebieten
Dem amerikanischen Umweltschutzamt (EPA) zufolge erfüllen derzeit 96 Gebiete der Vereinigten Staaten
die Bundesnormen für bodennahes Ozon - dem Hauptbestandteil städtischen Smogs - nicht. Ferner erfüllen
41 Gebiete laut EPA die Kohlenmonoxidnormen nicht,
und 70 Gebiete liegen unterhalb der Normen für kleine
Partikel (Staub, Schmutz, Ruß und Rauch).
Im Rahmen der Bundesgesetzgebung müßten sich
alle außer neun Bereichen bis November 1999 an
diese Normen halten, alle au ßer Los Angeles, Baltmore und New York bis November 2005, Baltimore und
New York bis November 2007 und Los Angeles bis
November 2010. Die Nichtbefolgung könnte zu einer
Kürzung bestimmter Bundesmittel führen.
Um stetige Fortschritte bei der Verwirklichung der
Bundesozonnormen zu erzielen, müssen alle mäßig
oder stärker verschmutzten Gebiete die Smogkonzentration innerhalb von sechs Jahren um 15 Prozent
senken. Danach müßten die stark oder mehr verschmutzten Gebiete alle drei Jahre weitere Reduzierungen um 9 Prozent vornehmen, bis sie den Bundesnormen entsprechen.
Luftqualitätsnormen für "mobile Einheiten"
Mobile Einheiten - Autos, Lastwagen, Busse und andere
Fahrzeuge - verursachen etwa die Hälfte des gesamten Smogs/der Ozonverschmutzung in den Städten
des Landes und sind für etwa 90 Prozent der Kohlenmonoxidbelastung verantwortlich.
Seite 1

�Ab 1995 müssen in den neun Städten mit der schlimmsten Ozonverschmutzung sauberere Treibstoffe verfügbarsein. In etwa 25 Städten mit den gravierendsten
Smogproblemen müssen die Autohersteller mindestens 150 000 Kraftfahrzeuge jährlich produzieren, die
mit alternativen, sauberen Treibstoffen fahren können.

von anderen Versorgungswerken und Industrieeinrichtungen ausgestoßen. Stickoxide fallen bei Kraftwerken, industriellen Verursachem, Pkw, Lkw und
Bussen an. Zur Zeit gibt es keine gesetzlichen Beschränkungen der Emissionen, die den sauren Regen
zur Folge haben.

Bis 1994 müssen 40 Prozent aller in den Vereinigten
Staaten verkauften Neufahrzeuge strengere Maßstäbe bei den Abgasen erfüllen - eine 30prozentige Reduzierung des gegenwärtigen Stands der Kohlenwasserstoffemission und eine 60prozentige Minderung der
Stickoxidemissionen. Bis 1998 müssten alle Neufahrzeuge den neuen Normen entsprechen. Frühere
Abgasnormen werden bis zu 50 000 Meilen oder fünf
Jahren beibehalten. Dieser Zeitraum würde nach der
neuen Gesetzgebung auf zehn Jahre oder 100 000
Meilen verlängert.

Das neue Gesetz sieht bis zum Jahr 2000 eine Reduzierung der Schwefeldioxidemissionen um 10 Millionen Tonnen pro Jahr und der Stickoxide um über zwei
Millionen Tonnen pro Jahr vor. Die Emissionen würden in zwei Phasen abgebaut. In Phase 1 müßten 111
Kraftwerksblöcke, die gegenwärtig die höchsten Schwefeldioxidmengen ausstoßen, diese Emissionen bis zum
Jahr 1995 auf einen bestimmten Anteil pro erzeugter
Energieeinheit verringern. Für Kraftwerke, die zur
Einhaltung dieser Grenzwerte Filter installieren, wird
die Frist zur Einhaltung der neuen Normen bis 1997
verlängert. In Phase 2 müssen die großen Kraftwerke
bis zum Jahr 2000 ihre Emissionswerte nochmals
verringern. Diese Frist würde bei Werken, die neue
Technologien zur reineren Kohleverbrennung einsetzen, bis zum Jahr 2004 verlängert. Das Gesetz legt
eine Höchstgrenze für den Gesamtausstoß an Schwefeldioxidfest, die nach dem Jahr 2000 von Elektrizitätswerken produziert werden dürfen. Die Elektrizitätswerke müssen darüber hinaus vom Jahr 1995 an die
Stickoxidemissionen um zwei Millionen Tonnen jährlich - etwa 25 Prozent - verringern.

Toxische Luftschadstoffe
Chemische Fabriken sind die größten Verursacher
industrieller Emissionen toxischer Luftschadstoffe und
für etwa 35 Prozent der Gesamtemissionen verantwortlich. Andere wichtige Verursacher sind die Papier-, Plastik-, Gummi-, Auto und Metallindustrie. Das
Gesetz zur Luftreinhaltung von 1970 verpflichtet das
EPA, Luftschadstoffe zu benennen, die den Tod oder
schwere Krankheiten verursachen und Emissionsnormen für diese Schadstoffe aufzustellen. Bis jetzt hat
der EPA für weniger als 10 toxische Schadstoffe Emissionsnormen aufgeteilt.
Das neue Gesetz setzt 189 solcher Schadstoffe auf
eine verbindliche Liste und fordert das EPA auf, Normen für alle Kategorien wichtiger Verursacher aufzustellen - diejenigen, die über 10 Tonnen eines jeden
aufgelisteten Schadstoffs oder über 25 Tonnen einer
beliebigen Kombination dieser Schadstoffe jährlich
emittieren. In den nächsten zehn Jahren müssen
umweltverschmutzende Betriebe die beste verfügbare
Technologie nutzen, um.- gemessen am Stand von
1987 - die Emissionen der wichtigsten toxischen
Chemikalien um 90 Prozent zu reduzieren.
Nach dem Einbau dieser Technologie müßte das EPA
noch schärfere Normen erlassen, falls das Krebsrisiko
über ein bestimmtes Niveau hinaus ansteigt.
Saurer Regen
Zwei chemische Stoffe, Schwefeldioxid und Stickoxide, bilden die wichtigsten Ursachen des "sauren
Regens". Diese Verbindungen steigen in die Luft auf,
vermischen sich mit Feuchtigkeit und fallen dann in
Form von saurem Regen oder Schnee häufig Hunderte von Kilometern von der Quelle entfernt. Etwa 50
Prozent der Schwefeldioxidemissionen in den Vereinigten Staaten stammen aus großen Kohlekraftwerken in neun Staaten des Mittelwestens, der Rest wird

Schutz des stratosphärischen Ozons
Das Gesetz sieht die völlige Einstellung der Herstellung und Anwendung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) und anderer die Ozonschicht schädigender chemischer Stoffe vor. Bis zum Jahr 2000 muß
die Herstellung der fünf zerstörerischsten FCKW-Typen,
der drei zerstörerischsten Halone sowie von Kohlentetrachlorid eingestellt werden. Die Produktion von
Methylchloroform muß bis zum Jahr 2002 eingestellt
werden.
Das Gesetz gestattet eine begrenzte Produktion von
Methylchloroform bis zum Jahr 2004 für den unerläßlichen Bedarf, falls kein sicherer und wirksamer Ersatzstoff erhältlich ist. Es gestattet ferner die begrenzte Herstellung anderer oben aufgeführter Stoffe bis
zum Jahr 2009 für den Export in Entwicklungsländer,
die das Montrealer Protokoll von 1987 (mit dem ein
internationales Programm zur Halbierung der ozonschädigenden Chemikalien bis zum Jahr 1998 eingeführt wurde) unterzeichnet haben.
Für eine andere Kategorie weniger gefährlicher chemischer Stoffe, gegenwärtig 33 spezifizierte FCKW, würden
die Produktionsniveaus bis zum Jahr 2015 eingefroren
und bis zum Jahr 2030 vollständig abgebaut. Eine
begrenzte Verlängerung ist für solche FCKW vorgesehen, die für medizinische Geräte oder den Export in
Entwicklungsländer vorgesehen sind.
* *

Seite 2

*
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�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker schließt Militäreinsatz gegen den Irak nicht aus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede beim World Affairs Council in Los Angeles&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Oktober&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kongress verabschiedet umfassendes Gesetz zur Reinhaltung der Luft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Unterzeichnung durch Präsident Bush erwartet&lt;/em&gt;</text>
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24. Oktober 1990

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USA-UDSSR

BAKER: AMERIKANISCH-SOWJETISCHE
ZUSAMMENARBEIT BEI REGIONALEN
KONFLIKTEN ERFORDERLICH
Rede über die amerikanischsowjetischen Beziehungen

GOLFKRISE

BAKER: IRAK POLITISCH UND
WIRTSCHAFTLICH ISOLIERT
Der Außenminister vor dem
Auswärtigen Ausschuß des Senats
INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und
politische Maßnahmen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�USA-UDSSR
24. Oktober 1990

BAKER: AMERIKANISCH-SOWJETISCHE
ZUSAMMENARBEIT BEI REGIONALEN
KONFLIKTEN ERFORDERLICH
Rede über die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor dem amerikanischen Komitee für die Amerikanisch-Sowjetischen
Beziehungen erklärte Au ßenminister Baker am 19. Oktober 1990, daß "die Verhütung regionaler Konflikte zum
Ziel der amerikanisch-sowjetischen Zusammenarbeit werden muß". Beide Staaten benötigten "Wege und
Mechanismen zur Bewältigung neuer Bedrohungen für die sich abzeichnende Weltordnung".
Darüber hinaus betonte Baker, daß "die brutale Unterjochung Kuwaits durch den Irak keinen Zweifel daran
bestehen läßt, daß trotz der verringerten amerikanisch-sowjetischen Konfrontation die Welt nach wie vor ein
gefährlicher Ort ist. Die Verurteilung des Irak durch die internationale Staatengemeinschaft demonstriert ferner,
daß andere voraussichtlich folgen werden, wenn die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion die Führung
übernehmen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Rede im Wortlaut:

Botschafter Kennan, Vorsitzender Kendali, meine
Damen und Herren,
ich fühle mich geehrt, vor diesem auserlesenen Kreis
sprechen zu dürfen und zusammen mit meinem Freund
Eduard Schewardnadse den George-Kennan-Preis
entgegenzunehmen.
Es ist eine Ehre, weil Botschafter Kennan seinem Land
lange und in hervorragender Weise als Diplomat und
Historiker gedient hat.
Botschafter Kennan, Sie waren Augenzeuge und
Beteiligter bei den historischen Ereignissen unserer
Zeit: der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit
den Bolschewiken, der Schaffung des Marshallplans
sowie der Höhen und Tiefen des kalten Kriegs.
Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir jedoch
eine Stelle in ihren Memoiren, an der Sie jenen Frühjahrstag im Moskau des Jahres 1945 beschreiben, an
dem Sie eine ausgelassene Menschenmenge umschwärmte, nur weil Sie Amerikaner waren und der
Krieg vorbei war. Ihre Worte in Russisch brachten

AMERIKA DIENST 42

diesen Moment auf den Punkt: "Ich gratuliere zum Tag
des Sieges. Alle Ehre gebührt den sowjetischen
Allierten."
Aber jener Moment, jener Frühling, erwiesen sich als
flüchtig. Durch die Exzesse des Stalinismus erstarrten
sie schon bald zu Eis. Die große Allianz und ihre
Hoffnungen auf eine Nachkriegsordnung verwandelten sich in einen langen, kalten Krieg.
Heute leben wir in aussichtsreichen Zeiten. Die Epoche des kalten Kriegs ist vorbei. Alle noch verbliebenen Zweifel wurden von den Ereignissen der vergangenen Monate ausgeräumt.
Der kalte Krieg in Europa wurde am 1. Oktober 1990 in
New York in aller Stille beendet: Außenminister Schewardnadse und ich unterzeichneten zusammen mit
unseren Kollegen aus Deutschland, Frankreich und
Großbritannien die Aufhebung der Rechte der vier
Siegermächte des Zweiten Weltkriegs. Wir erkannten
damit ein neues, vereinigtes Deutschland und das
Vertrauen zwischen ehemaligen Gegnern an, das dies
ermöglicht hatte.

Seite 1

�Der Teil des kalten Kriegs, der in anderen Erdteilen
ausgetragen wurde, endete dramatischer. Er wurde
durch die von Präsident Bush und Präsident Gorbatschow beim Gipfel in Helsinki geschmiedete Partnerschaft gegen die irakische Aggression abgeschlossen.
Das neue Zeitalter steckt jedoch noch in den Kinderschuhen. Ein entscheidender Faktor wird dabei der
Wandel in der Sowjetunion selbst sein - eine Revolution, die sowohl die sowjetische Außenpolitik als auch
die sowjetische Gesellschaft umformen wird. Während das Volk der Vereinigten Staaten zu Recht stolz
darauf sein kann, daß sein Land während des kalten
Kriegs als Treuhänder der Freiheit wirkte, erkenne ich
darüber hinaus gerne an, daß Präsident Gorbatschows
Revolution des neuen Denkens und der Perestrojka
zum großen Teil das Ende des kalten Kriegs bewirkt
hat. Und aus diesem Grund hat Präsident Gorbatschow den Friedensnobelpreis so sehr verdient.
Vom Containment zu Punkten beiderseitigen Vorteils
Vor fünf Jahren führten die inneren Widersprüche der
erfolgreich eingedämmten stalinistischen Macht zum
Beginn einer Entwicklung, die Botschafter Kennan
einmal als "Milderung" bezeichnete und die Präsident
Gorbatschow "Perestrojka", "Glasnost" und "neues
Denken" nennt.
Vor achtzehn Monaten gab Präsident Bush auch unserer
Regierung einen neuen Kurs. Er sagte uns, wir sollten
die Politik des Containment überwinden.
Und in dieser Woche vor genau einem Jahr gab ich
Einzelheiten des vom Präsidenten eingeschlagenen
neuen Kurses bekannt. Vor der Foreign Policy Association in New York trat ich dafür ein, daß die Vereinigten Staaten eine kreative Suche nach Punkten beiderseitigen Vorteils mit der Sowjetunion aufnehmen sollten. Dies war meines Erachtens der sicherste Weg,
um die Aussichten der Perestrojka und des neuen
Denkens in die Realität einer für den Westen vorteilhaften sowjetischen Politik umzusetzen. Wenn wir die
Hände in den Schoß legen würden, so meine Prämisse, würden wir nichts gewinnen und diese Chance
verpassen, die Ost-West-Beziehungen umzugestalten.
Gemeinsam leiteten wir also eine Revolution in den
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen ein. Wir trugen
zum Ende des kalten Kriegs bei.
Wir müssen uns jedoch Gedanken über die Zeit nach
dem kalten Krieg machen: Wir begannen mit der
Suche nach Punkten beiderseitigen Vorteils. Als
nächstes müssen wir Wege der Zusammenarbeit
markieren, um die Herausforderungen des Zeitalters
nach dem kalten Krieg anzugehen. Dies könnte sich
als einzigartige historische Chance erweisen.

Seite 2

Ich möchte zunächst erläutern, wie unsere Suche
nach Punkten beiderseitigen Vorteils Ergebnisse hervorbrachte, auf denen wir aufbauen können. Im Verlauf des vergangenen Jahres haben wir unser Verhältnis zur Sowjetunion erweitert und vertieft, indem wir
uns auf fünf Themenbereiche konzentrierten: Schaffung eines ungeteilten und freien Europas, Beilegung
regionaler Konflikte, Stabilisierung und Reduzierung
des Rüstungswettlaufs, Förderung der Menschenrechte und demokratischer Institutionen sowie Hilfe für
Wirtschaftsreformen. In jedem dieser Bereiche haben
wir tiefgreifende Veränderungen eingeleitet.
Erstens könnten die Veränderungen des vergangenen
Jahres in Europa die aussichtsreichsten dieses gesamten Jahrhunderts sein. Deutschland hat sich in
Frieden und Freiheit vereinigt. Die Menschen in
Warschau, Budapest, Prag, Sofia und sogar Bukarest
bemühen sich energisch, Demokratien aufzubauen
und wirtschaftliche Freiheit zu gewährleisten.
Diese Bewegung vom, durch und für das Volk hätte
ohne die mutige, vorausschauende Zusammenarbeit
von Präsident Gorbatschow, Außenminister Schewardnadse und anderen Vertretern des neuen Denkens in Moskau nicht friedlich zum Erfolg führen können. Sie waren die ersten führenden sowjetischen
Persönlichkeiten, die verstanden, daß Sicherheit letztlich auf einer Legitimität beruht, die nur durch die
Zustimmung der Regierten verliehen werden kann.
Dies wurde jedoch auch deshalb erreicht, weil gleichzeitig die Vereinigten Staaten und andere im Westen
Moskau die Hand entgegenstreckten.
Wir entwickelten einen neuen Mechanismus und veränderten seit langem bestehende Institutionen, um
diesen sensiblen Übergang zu bewältigen. So regten
wir zum Beispiel den Zwei-plus-Vier-Mechanismus an,
um miteinander konkurrierende Interessen in einem
gemeinsamen europäischen Interesse zu versöhnen.
Präsident Bush forderte einen Anpassungsprozeß der
NATO, in dessen erster Phase - die in der Erklärung
des Londoner Gipfels ihren Höhepunkt erreichte - er
selbst die Führung übernahm. Wir unterstützten die
vom Volk getragenen Revolutionen in Mittel- und
Osteuropa in einer Art und Weise, die Moskau zusicherte, daß ein freies Europa den wahren sowjetischen Interessen dienlicher wäre als ein Eiserner
Vorhang oder eine Betonmauer. Wir haben uns darum
bemüht, den KSZE-Prozeß - das Gewissen des Kontinents - zu stärken, damit er politische und wirtschaftliche Freiheit von Nordamerika bis zur Sowjetunion
besser unterstützen kann.
Zweitens haben wir große Fortschritte bei der Lösung
regionaler Konflikte außerhalb Europas erzielt.
Am bemerkenswertesten war die Solidarität zwischen
Moskau und uns nach dem irakischen Einmarsch in

AMERIKA DIENST 42

�Kuwait, die insbesondere in der gemeinsamen Erklärung von Helsinki ihren Niederschlag fand. Darin
legten Präsident Bush und Präsident Gorbatschow die
grundsätzliche Haltung der internationalen Staatengemeinschaft fest: "Nichts unterhalb der vollständigen
Durchführung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats ist akzeptabel."
Der Irak ist jedoch nur das auffälligste Beispiel einer
Politik zur Lösung regionaler Konflikte, die wir seit dem
Frühjahr 1989 Schritt für Schritt entwickelt haben.
Unsere ersten wirklichen Bemühungen galten Mittelamerika, wo wir einen diplomatischen amerikanischen
Ansatz in Nicaragua mit einer Begrenzung der sowjetischen Waffenlieferungen verbanden, um dem Volk
dieser verwundeten Nation eine Chance zu geben,
seine eigene Zukunft zu bestimmen. Die Sowjets
teilten unsere Verpflichtung, sowohl den Wahlprozeß
als auch dessen Resultat zu achten. Das Ergebnis
waren Frieden und Demokratie. Heute versuchen wir,
auch dem Töten in El Salvador ein Ende zu bereiten,
um der Demokratie auch dort eine Chance zu geben.
In Afrika führten unsere gemeinsamen Bemühungen
mit Moskau zur vollständigen Unabhängigkeit Namibias. Heute arbeiten wir zusammen daran, einen
Waffenstillstand und Wahlen mit mehreren Parteien in
Angola zu erreichen. Darüber hinaus haben wir versucht, grundlegende humanitäre Hilfe am von Kriegen
zerrissenen Hörn von Afrika zu leisten.
In Asien haben wir einen Proze ß unter Aufsicht der fünf
Ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats eingeleitet, um die kambodschanischen Fraktionen zu einem
weiteren Plan für freie Wahlen zu bewegen. In Südwestasien haben wir unsere Meinungsverschiedenheiten zu Afghanistan eingegrenzt und bemühen uns,
einen Weg zu finden, um diesen Konflikt unter Aufsicht
der UNO vom Schlachtfeld zu den Wahlurnen zu
bringen. Ich habe die Hoffnung, daß dies bald der Fall
sein wird.
Drittens kommen unsere Punkte beiderseitigen Vorteils vielleicht am besten in der konventionellen Rüstungskontrolle zum Ausdruck. Das sowjetische
Übergewicht bei den konventionellen Streitkräften,
das seit Jahrzehnten die Furcht vor einer Offensive auf
dem ganzen Kontinent geschürt hat, wird durch einen
KSE-Vertrag verschwinden. Zehntausende von Waffensystemen werden zerstört werden. Eine militärische Revolution in diesem Herbst wird der politischen
Revolution des vergangenen Herbstes gleichkommen.
Darüber hinaus erzielen wir Fortschritte bei START einem Abkommen, in dem erhebliche Reduzierungen
festgeschrieben werden, darunter ein etwa 50prozentiger Abbau der destabilisierendsten Kernwaffen.
Ferner wurden Atomtestverträge, die seit 15 Jahren in
der Schwebe waren, jetzt endlich ratifiziert.

AMERIKA DIENST 42

Vielleicht noch wichtiger für die Welt nach dem kalten
Krieg ist die Tatsache, daß die Sowjetunion und die
Vereinigten Staaten konzertierte Anstrengungen unternehmen, um die Probleme der Verbreitung von
Massenvernichtungswaffen zu behandeln. Wir arbeiten bei der Verwirklichung der Chemiewaffeninitiative
zusammen, die der Präsident im vergangenen Jahr bei
den Vereinten Nationen unterbreitete. Die bilaterale
amerikanisch-sowjetische Vernichtung des Großteils
der Chemiewaffen in den Arsenalen unserer beiden
Länder wird uns auf dem realistischen Weg zu unserem gemeinsamen Ziel - einem weltweiten Verbot
dieser Waffen des Schreckens - ein gutes Stück
voranbringen. Unsere beiden Länder arbeiten darüber
hinaus multilateral an der Kontrolle der Raketentechnologie.
Viertens haben wir die politischen Reformen in der
Sowjetunion unterstützt. Wir haben echte Fortschritte
bei der Erledigung von Menschenrechtsfällen erzielt,
obwohl unsere Arbeit noch nicht beendet ist. Ferner
haben wir Programme institutionalisiert, um den Sowjets beim Aufbau demokratischer Institutionen und
der Schaffung rechststaatlicher Verhältnisse zu helfen.
Schließlich haben wir ein breites Spektrum wirtschaftlicher Kontakte initiiert. Technisch erstreckt sich unsere Wirtschaftszusammenarbeit bereits auf eine große
Bandbreite von Maßnahmen - von marktwirtschaftlicher Ausbildung zur Entwicklung von Kleinunternehmen. Wir bemühen uns um die Einführung amerikanischer Unternehmer in der Sowjetunion sowie darum,
die Sowjets über Maßnahmen zu informieren, die ein
günstiges Klima für Privatinvestitionen herbeiführen.
Einige Unternehmen helfen ferner bei der Ausbildung
sowjetischer Führungskräfte. Mit der Zeit hoffen wir,
unsere Bemühungen ausweiten zu können, um auch
führenden Persönlichkeiten auf Republik- und Gemeindeebene zu helfen. Im internationalen Bereich
haben wir dazu beigetragen, den Sowjets Möglichkeiten zu eröffnen, um an den internationalen Marktinstitutionen teilzunehmen und von ihnen zu lernen.
Von Punkten zu Wegen beiderseitigen Vorteils
Unsere Suche nach Punkten beiderseitigen Vorteils
war produktiv. Und die Suche mu ß fortgesetzt werden
- in neuen, ehrgeizigen Dimensionen. Heute müssen
wir unsere Hoffnungen für die Zukunft nach dem kalten
Krieg weiterverfolgen. Wir müssen eine neue internationale Ordnung schaffen - was der Präsident als
"neue Partnerschaft der Staaten" bezeichnet hat.
Jede Politik gegenüber der Sowjetunion muß jedoch
bei einer nüchternen Einschätzung der beiden gegenwärtig stattfindenden, miteinander verknüpften Revolutionen ansetzen: die erste betrifft die Beziehungen
der sowjetischen Regierung mit der Außenwelt, die
zweite die Veränderungen innerhalb der sowjetischen
Gesellschaft.

Seite 3

�Ich werde mit der äußeren Revolution beginnen - der
Umgestaltung der sowjetischen Außen- und Verteidigungspolitik. Das neue Denken und die Theorie vom
ausreichenden Niveau sind zu grundlegenden Elementen der Politik dieser Führung geworden. Nie hat
es größere Möglichkeiten für die Zusammenarbeit
zwischen unseren beiden Ländern gegeben.
Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen werden
immer einzigartigen Chakter haben. Unsere Beziehungen könnten jedoch mehr den Beziehungen ähneln, die wir mit vielen anderen Regierungen unterhalten. Zusammenarbeit könnte die Norm werden, und
Meinungsverschiedenheiten könnten auf bestimmte
Streitfälle begrenzt werden. Ein "normales" Verhältnis
- vielleicht sogar eine echte Partnerschaft - könnten in
greifbare Nähe gerückt sein.
Bei unserer Suche nach Punkten beiderseitigen Vorteils haben wir geprüft, ob das neue Denken die
Leitlinie der sowjetischen Politik sein könnte, selbst
wenn sie vor schwierige Entscheidungen gestellt würde.
Die sowjetische Führung hat bewiesen, daß sie die
richtigen schweren Entscheidungen treffen kann.
Heute müssen wir eine andere Frage stellen: Können
wir auf unseren Punkten beiderseitigen Vorteils aufbauen, um etwas dauerhafteres zu schaffen, etwas,
das unsere Fähigkeit stärkt und verbessert, Ergebnisse zum beiderseitigen Vorteil zu erzielen?
Eine Antwort auf diese Frage wird in hohem Maß von
der Fortdauer des neuen Denkens in Moskau abhängen.
Wir aber hoffen unsererseits, auf der Grundlage dieser
Punkte Wege beiderseitigen Vorteils aufbauen zu
können.
Das Bild von den Wegen setzt voraus, daß andauernde, ja dauerhafte Zusammenarbeit möglich ist, nicht
nur periodische oder kurzfristige Abkommen. Dieser
Gedanke geht davon aus, daß Zusammenarbeit in
regelmäßiger, nahezu alltäglicher Form ablaufen kann,
um Probleme bereits im Entstehen zu bewältigen. Ein
Weg setzt voraus, daß durch Zusammenarbeit künftige Probleme verhindert und bereits bestehende gelöst
werden können. Das Konzept der Wege geht davon
aus, daß Mechanismen und Prozesse - auf der Grundlage demokratischer Werte und Praktiken - der Schlüssel zur Aufrechterhaltung der amerikanisch-sowjetischen Zusammenarbeit sind, während wir Antworten
auf die komplexen Probleme der Zukunft suchen.
Kurzum: Dieses Konzept geht von der Voraussetzung
aus, daß Zusammenarbeit die Norm, nicht die Ausnahme wird, gemeinsame Probleme am besten zusammen, nicht im Alleingang gelöst werden können und
viele unserer Schwierigkeiten ihre Ursache nicht in den
amerikanisch-sowjetischen Differenzen, sondern in
Komplikationen haben, die sich aus der Absage an den

Seite 4

kalten Krieg und dem Aufbau einer neuen internationalen Ordnung ergeben.
In drei umfassenden Bereichen könnten wir Wege und
Mechanismen der Zusammenarbeit aufbauen: beim
Abbau der Relikte des kalten Kriegs, der Bewältigung
der neuen Bedrohungen für die Ordnung in der Zeit
nach dem kalten Krieg sowie bei Maßnahmen gegen
grenzüberschreitende Gefahren für alle Menschen der
Welt.
Erstens müssen wir Wege aufzeigen, um die Relikte
des kalten Kriegs abzubauen und das Wiederaufflammen von Konflikten zu verhindern, die ihm vorausgingen. Einige dieser Anliegen werden bei KSE und den
Folgekonferenzen behandelt. Darüber hinaus müssen NATO und EG an die neuen Bedürfnisse angepaßt
sowie die KSZE politisch und institutionell gestärkt
werden.
Durch Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten und
den aufstrebenden Demokratien in Europa können wir
mehr erreichen. Wir können unseren Dialog mit den
Sowjets zu einem regelmäßigen Gedankenaustausch
über die europäischen Herausforderungen vertiefen,
die uns alle betreffen. Wir sollten unseren Dialog
darauf konzentrieren, wie Demokratie, wirtschaftliche
Freiheit, Aussöhnung und Toleranz im Rahmen der
KSZE in ganz Europa gefördert werden können. Darüber
hinaus könnten wir unser gemeinsames Interesse an
der Erleichterung des wirtschaftlichen Umbruchs in
den aufstrebenden Demokratien in Mittel- und Osteuropa ansprechen, die sich unter anderem mit Problemen der Energiewirtschaft, Versorgungsengpässen
und Verschuldung konfrontiert sehen.
Der kalte Krieg könnte in weitere Ferne rücken - wie ich
im vergangenen Herbst in einer Rede in San Francisco
betonte - indem wir unseren Dialog erweitern, um
einen anderen Aspekt des Rüstungswettlaufs besser
zu erforschen: Strategie und Doktrin. Dies wäre eine
natürliche Ergänzung unserer Versuche, destabilisierende militärische Fähigkeiten zu begrenzen oder
abzubauen.
Bei den amerikanisch-sowjetischen
Rüstungskontrollverhandlungen arbeiten wir an der
Begrenzung und Reduzierung von Waffensystemen.
Wir sollten einen ergänzenden Mechanismus erarbeiten, um mehr über die Doktrin und Strategie in Erfahrung zu bringen, die die Sowjets in Friedens- wie in
Kriegszeiten beim Einsatz dieser Waffen verfolgen.
Aus diesem Grund werde ich Außenminister Schewardnadse den Vorschlag unterbreiten, auch eine
Arbeitsgruppe für Abschreckung, Vergewisserung und
Stabilität ins Leben zu rufen. Dadurch würden die vom
Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs und dem
Verteidigungsminister mit ihren Amtskollegen geführten Gespräche ergänzt.
Unser Dialog muß darüber hinaus durch Gespräche
über die Umrüstung von Verteidigungssysemen erwei-

AMERIKA DIENST 42

�tert werden. Der Verteidigungsminister wird dieses
Thema bei den für diese Woche in Moskau anberaumten Treffen eruieren. Ein Dialog mit den Sowjets über
die Umrüstung von Waffensystemen kann ein Weg zu
größerer Offenheit sowie dem weiteren Abbau der
Möglichkeit eines zukünftigen Krieges sein.

»

Zweitens benötigen die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion Wege und Mechanismen zur Bewältigung neuer Bedrohungen für die sich abzeichnende
Weltordnung. Die brutale Unterjochung Kuwaits durch
den Irak läßt keinen Zweifel daran bestehen, daß trotz
der verringerten amerikanisch-sowjetische Konfrontation die Welt nach wie vor ein gefährlicher Ort ist. Die
Verurteilung des Irak durch die internationale Staatengemeinschaft demonstriert ferner, da ß andere voraussichtlich folgen werden, wenn die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion die Führung übernehmen.
Amerikanisch-sowjetische und multilaterale Zusammenarbeit müssen regionale Konflikte antizipieren und
sie zu lösen versuchen, bevor sie zu einem Krieg
führen. Die Verhütung regionaler Konflikte muß zum
Ziel amerikanisch-sowjetischer Zusammenarbeit werden.
Hand in Hand mit dieser Erörterung regionaler Konflikte beabsichtigen wir, die von mir im vergangenen
Oktober im einzelnen dargelegte Tagesordnung im
Bereich der Sicherheit entschiedener in Angriff zu nehmen. Die noch in den Kinderschuhen steckenden
Nuklearprogramme des Irak und Nordkoreas sind das
beste Argument, daß unsere Bestrebungen zur Nichtverbreitung neuen Auftrieb benötigen, um die neue
Gefahrzu bewältigen. Wir können die Verbreitung von
Kernwaffen nicht nach dem Motto "business as usual"
angehen. Ich glaube, Außenminister Schewardnadse
stimmt mit mir überein.

*

Wir sehen beide die Weiterverbreitung von Kernwaffen als die größte Herausforderung für die Sicherheit
der neunziger Jahre. Wir sind einer Meinung, daß es
unzumutbar ist, daß der Irak - mit einer Führung, die
chemische Waffen gegen ihr eigenes Volk eingesetzt
hat - in der Lage sein sollte, in Zukunft Atomwaffen zu
beschaffen. Und wir stimmen überein, daß das Verbot
und die Bekämpfung der Weiterverbreitung zentraler
Bestandteil unseres Programms sein müssen.
Durch Zusammenarbeit könnten wir auch einen umfassenderen Ansatz zur Verbreitung nuklearer, chemischer und biologischer Waffen finden. Ebenso wie
unser bilaterales Abkommen über die Vernichtung
chemischer Waffenbestände ein Beispiel gesetzt hat und ein weltweites Verbot in greifbarere Nähe rückt können wir beide jetzt dazu beitragen, den Weg zur
Beseitigung der anderen Massenvernichtungswaffen
zu ebnen.
Wir müssen mit anderen zusammenarbeiten, die
bestehenden Mechanismen verbessern und neue

AMERIKA DIENST 42

entwickeln, um den Nachschub der erforderlichen
Technologie zu unterbinden und die Nachfrage nach
Massenvernichtungswaffen zu verringern. Unsere bei
der Entwicklung Vertrauensbildender Maßnahmen
(VBM) in Europa gemachten Erfahrungen könnten
sich auch in anderen Regionen der Welt als nützlich
erweisen und eventuell Mechanismen für den schrittweisen Abbau der bereits erfolgten Verbreitung von
Kernwaffen bieten.
Darüber hinaus werden wir mit den Sowjets bei der
Prüfung bilateraler und multilateraler Sanktionen zusammenarbeiten, die gegen Staaten verhängt werden
könnten, die internationale Normen der Nichtverbreitung verletzen oder Massenvernichtungswaffen einsetzen.
Die gemeinsame Erarbeitung von Leitlinien zur Bekämpfung der Gefahr einer Verbreitung nuklearer,
chemischer und biologischer Waffen und Raketen wird
für jede neue friedliche Ordnung unabdingbar sein.
Auch hierfür schlage ich eine Arbeitsgruppe auf Ministerebene vor, um den Informationsaustausch sicherzustellen und kontinuierliche Zusammenarbeit zu fördern.
Ein Instrument zur Gestaltung einer neuen internationalen Ordnung sind die Vereinten Nationen. Der
irakische Konflikt hat gezeigt, wie viel der Sicherheitsrat tun kann, wenn seine fünf Ständigen Mitglieder insbesondere die ehemaligen Gegner Vereinigte Staaten und Sowjetunion - einer Meinung sind. Über die
gemeinsame amerikanisch-sowjetische Erklärung zu
den Vereinten Nationen, die wir während der Generalversammlung in New York verabschiedet haben, sind
wir besonders erfreut. Wir hoffen, in den kommenden
Monaten darauf aufbauen zu können.
Drittens müssen wir Leitlinien zur Bewältigung der
grenzüberschreitenden Gefahren entwickeln, die alle
Völker und alle Nationen bedrohen. Aus diesem Grund
habe ich der offiziellen amerikanisch-sowjetischen
Tagesordnung Anfang 1989 grenzüberschreitende
Probleme wie Drogenhandel, Terrorismus und Umweltverschmutzung hinzugefügt. Wir müssen jedoch
bessere Ergebnisse erzielen.
Wir sollten die Idee eines internationalen Zentrums für
Ökologische Forschung am Baikalsee prüfen. Das
Zentrum sollte als Schrittmacher für präzisere Kenntnisse unserer Umwelt für sowjetische, amerikanische
und andere Wissenschaftler dienen. Am Baikalsee,
dem größten Süßwasserreservoir der Welt gelegen,
könnte es symbolisch für unser Engagement stehen,
der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen durch
den Menschen Einhalt zu gebieten.
Darüber hinaus schlage ich verbesserte Energienutzung als Diskussionsthema vor. Dadurch könnten die
Aussichten für Wirtschaftswachstum verbessert, die
Umweltverschmutzung begrenzt und unsere Anfällig-

Seite 5

�keit für Versorgungsengpässe verringert werden. Wir
würden den Privatsektor und zwischenstaatliche Organisationen einladen und neue amerikanisch-sowjetische Austauschprogramme entwickeln. Die Ölförderung könnte eine weiteres mögliches Diskussionsthema sein.
Wir werden ferner weiterhin mit der Sowjetunion
Möglichkeiten der Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus erarbeiten. Im
Bereich der zivilen Luftfahrt haben wir bereits Gespräche über Verfahren zur Bewältigung von Krisen wie
Flugzeugentführungen aufgenommen. Darüber hinaus prüfen wir Möglichkeiten der Zusammenarbeit bei
der Unterbindung von staatlich gefördertem Terrorismus.
Leitlinien für einen demokratischen Dialog
Ich möchte mich jetzt der anderen Revolution in der
Sowjetunion zuwenden - den Veränderungen in der
sowjetischen Gesellschaft.
Im Gegensatz zum neuen Denken in der Außen- und
Verteidigungspolitik ist die Revolution im Inneren eine
völlig andere Herausforderung für die amerikanische
Politik. Und sie ist eine neue Chance für das amerikanische Volk.
Wie die meisten Revolutionen ist die Perestrojka zu
einer Mischung paradoxer Elemente geworden. Auf
der einen Seite sehen wir beachtliche, vorher undenkbare Fortschritte. Der Oberste Sowjet bekräftigt seine
parlamentarische Macht. In wichtigen Städten und
Regionen nehmen Demokraten die Regierungsgeschäfte wahr. Die Kommunistische Partei hat offiziell
ihr Machtmonopol aufgegeben und alternative Parteien bilden sich. In Wirtschaftsgesprächen macht sich
allmählich der Gedanke an Privateigentum und Marktwirtschaft in der Sowjetunion breit. Und Moskau gibt
das stalinistische Prinzip des Reichs - in dem alles vom
Zentrum diktiert wurde - auf und scheint auf dem
Verhandlungswege zu einer Konföderation bereit zu
sein.
All dies ist grundsätzlich ein Gewinn. Es symbolisiert
die "Normalisierung" der sowjetischen Gesellschaft:
Pluralisierung der politischen Macht, Dezentralisierung des Wirtschaftslebens und die längst überfällige
Anerkennung der Notwendigkeit einer freiwilligen
multinationalen Union.
Bedauerlicherweise geht diese "Normalisierung" Hand
in Hand mit einer Verschlechterung der sowjetischen
Lebensbedingungen. In zahlreichen politischen Debatten in der Sowjetunion ist Zersplitterung ebenso
häufig, wenn nicht sogar noch häufiger als Pluralisierung. Der Lebensstandard verschlechtert sich, Versorgungsengpässe werden größer und die Ernte verrottet. Die Freiheit hat jahrhundertealte Nationalitätenkonflikte freigesetzt, die häufig die zur Toleranz mahnenden Stimmen übertönen.
Seite 6

Diese andere, dunklere Seite der sowjetischen Revolution beunruhigt alle in den Vereinigten Staaten. Wir
müssen Verständnis für die Härten haben, die ein
großes Volk jetzt erdulden muß. Hierbei müssen wir
uns alle daran erinnern, daß demokratischer Wandel
mit friedlichen, demokratischen Mitteln herbeigeführt
werden muß - wie Andrej Sacharow, ein weiterer
Nobelpreisträger, uns so häufig vor Augen geführt hat.
Das im kalten Krieg vorherrschende Bild eines einzigen totalitären Monoliths ist verschwunden und durch
ein verwirrendes, ungeordnetes Mosaik ersetzt worden, das sowohl Gefahr als auch Hoffnung birgt.
Die Gefahr ist, daß der Zusammenbruch des alten
stalinistischen Systems die Entwicklung eines neuen auf universelle demokratische Werte und Rechtsstaatlichkeit aufgebauten - Systems vereitelt. Die Hoffnung
ist, daß Dezentralisierung politischer Autorität und
wirtschaftlicher Macht über Verschlechterung und Verfall
siegen werden.
Wie Präsident Gorbatschow offen gesagt hat, hängt
die Zukunft der Sowjetunion letztlich von den Entscheidungen ab, die das sowjetische Volk trifft. Er hat
Recht. Das Volk muß selbst entscheiden. Der Aufbau
eines neuen Systems wird all den Mut, die harte Arbeit
und Hoffnung erfordern, die Männer und Frauen in der
Sowjetunion aufbringen können.
Aber ihre Entscheidung wird nicht ganz so schwierig
sein, wenn wir im Westen ihnen zur Seite stehen.
Unser Einfluß mag nur marginal sein. Aber Hilfe - wie
marginal auch immer - kann dennoch einen Unterschied bewirken. Das amerikanische Volk kann einen
Unterschied bewirken.
Und so können wir helfen.
Auf dem Höhepunkt des kalten Kriegs war Dialog
praktisch unmöglich. Der Eiserne Vorhang war nur
wenig durchlässig. Daher mu ßten die meisten Kontakte mit der Sowjetunion über unsere Diplomaten in
Washington mit den sowjetischen Politikern in Moskau
erfolgen. Offizielle Kontakte auf Regierungsebene
waren häufig der einzige Weg.
Wir wußten jedoch immmer, daß dies unnormal war. In
der Tat war die Entschlossenheit Stalins und seiner
Nachfolger, das sowjetische Volk von normalem Austausch und Dialog mit der Außenwelt abzuschotten,
Dreh- und Angelpunkt der stalinistischen Repression.
Und dies ist vielleicht der Hauptgrund für die Rückständigkeit und Armut, in der ein Großteil der sowjetischen
Wirtschaft heute verhaftet ist.
Glasnost und Demokratisierung haben eine Chance
hervorgebracht, die unser Volk seit langem suchte:
Die Chance, direkt auf das sowjetische Volk zuzugehen. Der kalte Krieg hat viel zerstört, jedoch nie den
guten Willen oder die Hoffnung unserer Völker - Völ-

AMERIKA DIENST 42

�ker, die im Zweiten Weltkrieg gemeinsam gekämpft
haben und gefallen sind.
Praktisch von der ersten Minute dieser Regierung an
habe ich auf der Seite der Hoffnung gestanden Hoffnung für eine auf demokratischen Werten aufgebaute Sowjetunion. Ich beabsichtige, weiterhin dort zu
stehen. Aus diesem Grund fordere ich heute das
amerikanische Volk - zusammen mit den Regierungen
der Bundesstaaten und Gemeinden - auf, mit uns
gemeinsam auf die Sowjetunion zuzugehen und dem
sowjetischen Volk beim Aufbau eines besseren Lebens
behilflich zu sein.
Wir können eine Bresche zwischen Völkern schaffen eine Bresche, die auf gegenseitiger Achtung der universellen demokratischen Werte und dem gemeinsamen Interesse an Freiheit, Sicherheit, Wohlstand und
Gerechtigkeit beruht. Eine Bresche für einen echten
demokratischen Dialog.
Die dadurch eröffneten Wege sollten sich auf allen
Ebenen kreuzen: Menschen, Gruppen, Firmen, Institutionen, Städten und Staaten. Indem wir uns auf
lokaler oder städtischer Ebene vereinigen, können wir
dazu beitragen, Vorbilder oder Erfolgserlebnisse zu
schaffen. Wir können Hoffnung vermitteln.
Um diesen Bestrebungen Auftrieb zu verleihen, möchte ich heute die Entscheidung des Präsidenten bekanntgeben, die Sowjetunion in das Tätigkeitsfeld des
Bürgerkorps Demokratie aufzunehmen.
Wir wissen, daß ein ungeteiltes und freies Europa die
Sowjetunion einbeziehen muß. Wir wissen, daß die
sowjetischen Reformen durch verstärkte Kontakte mit

*

AMERIKA DIENST 42

* *

dem amerikanischen Volk beschleunigt werden können. Durch das Bürgerkorps Demokratie werden wir
versuchen, den politisch Verantwortlichen in der neuen Sowjetunion zu helfen, indem wir ihr Wissen über
demokratische Prozesse und Marktwirtschaft vertiefen, Möglichkeiten des Austauschs mit unseren Bürgern und Institutionen verbessern und ihnen vor allem
mehr Hoffnung geben.
Nach dem kalten Krieg
Herr Botschafter Kennan, ich habe meine Ausführungen mit einem Exkurs in eine andere Zeit der Hoffnung
vor 45 Jahren begonnen.
Heute befinden wir uns am Ende eines anderen Kriegs
- des kalten Kriegs.
Aber heute gehören Stalin und seine perverse Ideologie endgültig der Vergangenheit an.
Statt dessen heißen uns neue sowjetische Politiker
willkommen. Sie laden uns ein, mit den Völkern der
Sowjetunion an einer neuen Revolution teilzunehmen
- einer Revolution der Offenheit und des zunehmenden
demokratischen Wandels.
Wir sollten ihre Einladung annehmen.
Denn wenn ihre Welt durch unser Beispiel und unsere
Hilfe besser wird, werden sowohl unsere Völker als
auch unsere Regierungen besser.
Und wenn wir durch unsere Arbeit Werte wie individuelle Freiheit, Initiative und Toleranz neu beleben,
wird auch das ein Gewinn sein.

*

*

Seite 7

�GOLFKRISE
24. Oktober 1990

BAKER: IRAK POLITISCH UND
WIRTSCHAFTLICH ISOLIERT
Der Außenminister vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Au ßenminister Baker zufolge ist der Irak aufgrund seiner Aggression gegen Kuwait jetzt
"politisch und wirtschaftlich isoliert", und "die Kosten und Verantwortung für die Durchsetzung seiner Isolation
sind unter allen Nationen der Welt gerecht verteilt".
"Im Hinblick auf die Wirtschaft gibt es nur wenige undichte Stellen", erklärte Baker in einer Stellungnahme vor
dem Auswärtigen Ausschu ß des Senats am 17. Oktober 1990, in der er die amerikanischen und multilateralen
Bestrebungen bei der Golfkrise zusammenfaßte und hinzufügte, "die irakische Wirtschaft wird schwer leiden,
und auch die irakische Kriegsmaschinerie wird betroffen sein".
Bezüglich der militärischen Aspekte stellte Baker fest, daß Soldaten und Matrosen aus 25 Ländern einschließlich größerer Einheiten aus Ägypten und Syrien jetzt am Golf stationiert seien, "um einen irakischen Angriff auf
Saudi-Arabien abzuschrecken und die wirksame Durchsetzung der UN-Sanktionen sicherzustellen".
Der Außenminister mahnte, man müsse sich in Geduld fassen, während die Sanktionen gegen Irak spürbar
würden und "Einigkeit nach wie vor unabdingbar und darüber hinaus die beste Hoffnung für eine friedliche
Lösung dieses Konflikts ist".
Nachfolgend veröffentlichen die Rede von Außenminister Baker und die Eröffnungsansprache von Senator Pell
im Wortlaut sowie die anschließende Aussprache in Auszügen.

Vor sechs Wochen hatte ich die Ehre, vor diesem
Ausschuß und durch Sie zum amerikanischen Volk
über die irakische Aggression gegen Kuwait zu sprechen. Damals habe ich die Ziele des Präsidenten
erläutert:
Erstens den unverzüglichen, vollständigen und bedingungslosen Abzug aller irakischen Streitkräfte aus
Kuwait, wie in Resolution 660 des UN-Sicherheitsrats
verfügt.
Zweitens die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen
Regierung Kuwaits.
Drittens das Leben der als Geiseln vom Irak sowohl im
Irak als auch in Kuwait festgehaltenen amerikanischen
Staatsbürger zu schützen, und
viertens die Verpflichtung zu Sicherheit und Stabilität
am Persischen Golf.
Darüber hinaus habe ich die Strategie zur Verwirklichung dieser Ziele umrissen.
AMERIKA DIENST 42

Das Schlüsselelement dieses Ansatzes ist die amerikanische Führungsrolle in einer internationalen Allianz, die Irak isoliert - politisch, wirtschaftlich und
militärisch.
Heute möchte ich mit Ihnen erörtern, was wir zur
Durchführung dieser Strategie seit Anfang September
getan haben, wie die Verantwortung geteilt und welche
Ergebnisse erzielt wurden.
Aufrechterhaltung der Koalition
Erstens ist es uns dank dem UN-Sicherheitsrat gelungen, den Irak politisch zu isolieren und seine Weigerung, die UN-Resolutionen einzuhalten, zu bestrafen.
Während der Rat die zehnte Resolution zur Golfkrise
in Erwägung zieht, dauern diese Bestrebungen an.
Zweitens konnten wir maßgebliche Unterstützung seitens
der Sowjetunion feststellen. Wir haben diesen Konflikt
als die erste wirkliche Krise in der Zeit nach dem kalten
Krieg bezeichnet. Der positive Ansatz der Sowjetunion

Seite 1

�rechtfertigt diese Bezeichnung. In ihrer gemeinsamen
Erklärung von Helsinki stellten die Präsidenten Bush
und Gorbatschow fest: "Wir sind einhellig der Überzeugung, daß die irakische Aggression nicht toleriert
werden darf. Eine friedliche internationale Ordnung ist
unmöglich, wenn größere Staaten sich ihre kleineren
Nachbarländer einverleiben können."

nationalen Streitmacht nach Saudi-Arabien entsandt
und gewähren den amerikanischen Streitkräften Zugang zu ihren Einrichtungen und Dienstleistungen.
Unterstützungsleistungen des Aufnahmestaats für
unsere dort stationierten Streitkräfte umfassen kostenlose Benutzung der Häfen, logistischen Einrichtungen, Stützpunkte und Treibstoff.

Seitdem bin ich mehrfach in Moskau und New York mit
Außenminister Schewardnadse zusammengetroffen
und habe häufig mit ihm telephoniert. Die Sowjets
unterstützen die Ziele der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats weiterhin.

Großbritannien hat über 6 000 Kampftruppen, 50
Flugzeuge und 12 Kriegsschiffe stationiert.

Von Anfang an haben wir drittens der Tatsache Rechnung getragen, daß die Aufrechterhaltung einer solchen beispiellosen internationalen Koalition besonderer Bemühungen bedarf. Die Vereinigten Staaten
konnten - und mußten - eine Führungsrolle übernehmen, aber wir sollten die Verantwortung nicht alleine
tragen. Das Prinzip der geteilten Verantwortung mußte
gewahrt werden.

Japan hat 4 Milliarden Dollar angeboten: 2 Milliarden
Dollar als Unterstützung der Militäroperationen plus 2
Milliarden Dollar an Wirtschaftshilfe. Wir hoffen, daß
diese Verpflichtung unverzüglich und in direkt einsetzbarer Form erfolgt.

Wir müssen uns der militärischen Bedrohung gemeinsam stellen. Aber wir müssen auch gemeinsam handeln, um die zahlreichen Nationen zu unterstützen, die
das Wirtschaftsembargo einhalten oder Streitkräfte
zur Verteidigung Saudi-Arabiens entsenden. Wegen
der Ausplünderung Kuwaits durch den Irak werden
immer noch Hunderttausende arbeitslos, was auf Kosten
der Ressourcen der Nachbarländer und der labilen
Volkswirtschaften ihrer Heimatländer geht.
Unmittelbar nach der Anhörung vor diesem Ausschuß
im vergangenen Monat habe ich im Auftrag des Präsidenten unsere wichtigsten Verbündeten und Partner
auf der arabischen Halbinsel, in der Europäischen
Gemeinschaft, Italien und Deutschland besucht, um
die Teilung der Verantwortung in die Praxis umzusetzen. Der Finanzminister reiste in derselben Mission
nach London, Paris, Tokio und Seoul. Dank dieser
geteilten Verantwortung konnten Ressourcen im Wert
von 20 Milliarden Dollar bereitgestellt werden, die
gleichmäßig zwischen Unterstützung für die Frontstaaten Ägypten, Türkei und Jordanien sowie die
multinationalen Militäroperationen aufgeteilt wurden.
Dies beinhaltet auch einen beachtlichen Teil unserer
gestiegenen Verteidigungsausgaben, die sich heute
auf rund 1 Milliarde Dollar pro Monat belaufen.
Ich möchte die Ergebnisse unserer anhaltenden
Bemühungen folgendermaßen beschreiben:
54 Nationen haben Militär-und/oder Wirtschaftshilfe
zur Bewältigung der Golfkrise geleistet oder angeboten.
Die drei Golfstaaten Saudi-Arabien, Kuwait und die
Vereinigten Arabischen Emirate haben vereinbart, im
Jahr 1990 über 12 Milliarden Dollar für diese Bestrebungen bereitzustellen. Alle Staaten des Golf-Kooperationsrats haben Truppen zur Verstärkung der multiSeite 2

Frankreich hat über 4 000 Kampftruppen, 30 Flugzeuge und 12 Kriegsschiffe entsandt.

Deutschland hat sich zur Zahlung von 2 Milliarden
Dollar verpflichtet: 1 Milliarde Dollar als Unterstützung
der Militäroperationen und 1 Milliarde Dollar an Wirtschaftshilfe.
Die Europäische Gemeinschaft hat sich zur Bereitstellung von 670 Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe verpflichtet. Hinzu kommen weitere Zahlungen der Mitgliedstaaten in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar.
Italien hat 4 Kriegsschiffe und 8 Flugzeuge disloziert.
Korea hat sich zur Zahlung von 220 Millionen Dollar
verpflichtet: 95 Millionen Dollar als Unterstützung der
Militäroperationen und 125 Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe.
Zur Koordinierung rechtzeitiger und wirksamer Wirtschaftshilfe an die Frontstaaten hat der Präsident am
25. September 1990 die Finanzkoordinierungsgruppe
initiiert. Diese Gruppe vereinigt die Hauptgeberländer
Europas, Asiens und der Golfregion unter amerikanischem Vorsitz, während IWF und Weltbank technische Unterstützung beisteuern. Wir sehen sie als
wichtiges Instrument zur Aufrechterhaltung der internationalen Koalition.
Der deutlichste Beweis für das Engagement der Vereinigten Staaten zur Unterstützung der wirtschaftlichen Stabilität unserer Verbündeten in der Krisenregion ist der Vorschlag des Präsidenten, Ägyptens
durch den Erwerb von Waffensystemen der Vereinigten Staaten aufgelaufene Schulden zu erlassen. Kein
anderes Signal könnte unseren Freunden in der Region so deutlich vermitteln, daß wir ihnen selbst bei den
schwierigsten Problemen entschlossen zur Seite stehen. Die Ermordung des ägyptischen Parlamentssprechers am 11. Oktober führt uns in tragischer
Weise vor Augen, wie weit Ägyptens Feinde bereit sind
zu gehen, um Präsident Mubarak von seinem verantwortungsbewußten und mutigen Kurs abzubringen.
Die entschlossene Unterstützung des Kongresses zum
Schuldenerlaß für Ägypten wäre eine entscheidende
AMERIKA DIENST 42

�wirtschaftliche Erleichterung für Ägypten sowie ein
starkes und angebrachtes Signal, daß die Vereinigten
Staaten ihren Freunden zur Seite stehen.
Herr Vorsitzender, der Irak ist politisch und wirtschaftlich isoliert. Die Kosten und Verantwortung für die
Durchsetzung seiner Isolation sind unter allen Nationen der Welt gerecht verteilt. Im Hinblick auf die
Wirtschaft gibt es nur wenige undichte Stellen. Die
irakische Wirtschaft wird schwer leiden, und auch die
irakische Kriegsmaschinerie wird betroffen sein.
Der militärische Aspekt
Die Erörterung der diplomatischen und Wirtschaftssanktionen sollte uns jedoch nicht blind für einen
anderen wesentlichen Aspekt unserer Politik machen:
den Militäraufmarsch am Golf. Ich habe Ihnen gerade
die von unseren Verbündeten geleisteten Beiträge
einschließlich Kampfeinheiten, Flugzeugen und Kriegsschiffen aufgezählt. Darüber hinaus entsenden die
arabischen Staaten Ägypten und Syrien größere Einheiten. Inzwischen sind viele tausend arabische und
moslemische Soldaten zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht in und um Saudi-Arabien stationiert.
Und natürlich ist eine große Zahl amerikanischer
Marineinfanteristen, Soldaten, Matrosen und Flieger
bereits vor Ort. Insgesamt entsenden über 25 Nationen Truppen oder Material zur Unterstützung der
Resolutionen des Sicherheitsrats.
Unser militärisches Ziel ist die Abschreckung eines
irakischen Angriffs auf Saudi-Arabien und die Gewährleistung der wirksamen Durchsetzung der UN-Sanktionen. Wirtschaftssanktionen gegen einen Aggressor
wie Saddam Hussein wären unwirksam, wenn die
internationale Staatengemeinschaft nicht zur Sicherheit von Nationen wie Saudi-Arabien und der Türkei
beitragen würde, die diese Sanktionen anwenden
müssen. Unsere Streitkräfte sind dort auch stationiert,
um das Leben amerikanischer Staatsbürger zu schützen und wirksam und entschlossen zu reagieren, sollte
der Irak seine Aggression zu offenen Kampfhandlungen mit der multinationalen Streitmacht eskalieren
lassen.
Saddam Hussein muß sich bewußt sein, daß es ihm
nicht nur an der politischen und wirtschaftlichen Option
mangelt, Kuwait zu halten, sondern auch an der militärischen Option, mit seiner Aggression Erfolg zu haben.
Die politischen, wirtschaftlichen und militärischen
Aspekte unserer Strategie ergänzen und verstärken
einander.
Der Zeitfaktor
Während unsere Strategie Wirkung zeigt, sehen wir
uns mit einer schwierigen Aufgabe konfrontiert. Wir
müssen unerschütterlich zu unseren gesteckten Zielen und unserer Konzentration auf die ruchlose Aggression des Irak stehen. Wir müssen uns in Geduld

AMERIKA DIENST 42

fassen, während die Sanktionen gegen Irak immer
stärker spürbar werden.
Einige drängen auf Aktionen um der Aktion willen.
Aber die einzig wirksam Maßnahme, die wir jetzt
ergreifen können, ist die politische, wirtschaftliche und
militärische Isolation des Irak zu verschärfen. In
Washington, New York und in der Region setzen wir
jeden Tag unsere Suche nach einer friedlichen Lösung
fort.
Aktionen, die zu einer Teillösung führen, wären Augenwischerei.
Und falls irgendwelche Zweifel an den verheerenden
Konsequenzen einer Teillösung bestehen sollten, rate
ich, sich einmal genauer zu betrachten, was Saddam
Hussein dem kuwaitischen Volk antut. Da Saddam
Hussein die wahre Geschichte über Kuwait verschweigt,
kann diese Geschichte garnicht oft genug erzählt
werden. Ich möchte in diesem Zusammenhang die
Bemühungen des Kongresses lobend erwähnen,
Augenzeugenberichte über die stattfindenden Greueltaten einzuholen.
Es ist eine Vergewaltigung Kuwaits. Krankenhäuser
wurden unter Mißachtung der Kranken geplündert.
Eltern wurden vor den Augen ihrer Kinder gefoltert und
exekutiert. Kinder wurden vor den Augen ihrer Eltern
gefoltert und exekutiert. Selbst nach der militärischen
Eroberung hat Saddam dem kuwaitischen Volk weiter
den Krieg erklärt.
Um es ganz offen zu sagen: Saddam Hussein ist aus
reiner Selbstverherrlichung in ein friedliches arabisches Nachbarland einmarschiert und hat dessen
Bevölkerung gefoltert. Er vergewaltigt Kuwait nicht um
der Sache der Palästinenser willen.
Wir dürfen nicht zulassen, daß dieses gewalttätige
Vorgehen zum Zukunftstrend im Nahen Osten wird.
Saddam Hussein muß scheitern, wenn Frieden Erfolg
haben soll. Die Aussichten für einen gerechten und
dauerhaften Frieden zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn werden zunichte gemacht, wenn er
an der Macht bleibt.
Es ist an der Zeit, ein für allemal die Beziehung
zwischen Saddams Aggression gegenüber Kuwait und
anderen Konflikten und Problemen in der Region klarzustellen. Mit anderen Worten: Zieht irgend jemand
ernsthaft in Erwägung, daß die Aussichten für Frieden
zwischen Israel und den Palästinensern besser werden, wenn dieser Aggression Erfolg beschieden ist?
Kann irgend jemand ernstlich der Überzeugung sein,
daß es leichter wäre, chemische, biologische oder
Nuklearwaffen aus der Region zu verbannen, wenn
der Irak diese Machtprobe mit der internationalen
Staatengemeinschaft gewinnt?
Natürlich nicht.

Seite 3

�Jede Hoffnung auf Frieden in dieser von Konflikten
erschütterten Region hängt davon ab, Iraks Aggression Einhalt zu gebieten und seine Fähigkeit zu künftiger Aggression zu entschärfen.

konzertierte diplomatische Maßnahmen zur Isolierung
des Irak eingesetzt hat. Der Präsident hat zur Geduld
geraten, während das Embargo den Irak immer mehr
einschnürt und die diplomatische Offensive das Land
isoliert.

Bekämpfung der Aggression
Lassen Sie mich rekapitulieren.
Seit unserem letzten Zusammentreffen hat sich eine
große Koalition von Nationen versammelt, um den Irak
und seinen Diktator zu isolieren. Wo Saddam Hussein
vor seiner Aggression noch Gleichgesinnte fand, trifft
er heute keine mehr an. Wo die irakische Wirtschaft
vor der Invasion noch bedeutende internationale Verbindungen hatte, bestehen heute keine mehr. Und wo
einstmals Aussichten für eine erfolgreiche irakische
Aggression gegen Saudi-Arabien bestanden, gibt es
heute keine mehr.
Einigkeit ist nach wie vor unabdingbar. Meines Erachtens wären wir nicht so weit gekommen, wenn nicht die
Mehrheit der Nationen mit Präsident Bush übereingestimmt hätte, daß wir alle Interesse an einer Welt
haben, in der Konflikte friedlich beigelegt werden. Und
daß in politischen, wirtschaftlichen und militärischen
Begriffen wiedergespiegelte Einigkeit nach wie vor die
beste Hoffnung für eine friedliche Lösung auch dieses
Konflikts ist.
Herr Vorsitzender, es ist erfreulich, daß die große
Mehrheit der Amerikaner bei der Unterstützung unserer Ziele und unserer Strategie am Persischen Golf
hinter dem Präsidenten gestanden hat. In der Tat
stand praktisch die ganze Welt hinter ihm. Saddam
Hussein darf die Region nicht ruinieren. Er darf diese
Zeit der Hoffnung der Welt auf eine sicherere und
wohlhabendere Zukunft nicht zunichte machen. Es
gibt eine Moral unter den Nationen, und diese Moral
muß aufrechterhalten werden.
(Ende der Rede von Außenminister Baker)
Erklärung des demokratischen Senators Claiborne Pell aus Rhode Island
Herr Minister, wir begrüßen Sie herzlich und gratulieren Ihnen zu Ihrer hervorragenden Arbeit, multilaterale
Unterstützung einer energischen Haltung gegen die
irakische Aggression zu gewinnen. Unser Land und
der Kongreß unterstützen die bis heute von der Administration getroffenen Maßnahmen gegen die irakische Besetzung Kuwaits.

Ich gehe davon aus, daß diese Maßnahmen gepaart
mit Geduld sehr wahrscheinlich unsere Ziele erreichen
werden, und ich applaudiere dem Präsidenten, weil er
dem Rat derjenigen widerstanden hat, die eine einseitige Militäraktion befürworten. Am Persischen Golf
besteht eine gefährliche Lage, und selbstverständlich
können militärische Maßnahmen gegen den Irak nicht
ausgeschlossen werden.
Falls ein militärisches Eingreifen notwendig werden
sollte, so sollte der Präsident meines Erachtens in
einem multilateralen Kontext und im Rahmen eines
UN-Mandats handeln. Der UNO-Ansatz ist bis heute
erfolgreich gewesen, und wir sollten diesen Kurs bei
allen künftigen Schritten, einschließlich militärischer,
beibehalten.
Darüber hinaus sollte ein formeller Mechanismus für
Konsultationen mit dem Kongreß für den Fall entwickelt werden, daß militärische Optionen erwogen werden. Es liegt im Interesse der Administration, daß der
Kongreß die Verantwortung teilt, wenn das Land in
einen Krieg eintritt. Wenn es eine eindeutige Lehre aus
dem Vietnamkrieg gibt, dann die, daß die Unterstützung des amerikanischen Volkes, die von dessen
Vertretern im Kongreß bekundet wird, lebenswichtig
ist. Noch grundlegender ist die Tatsache, daß die
Teilung von Verantwortung den Absichten unserer
Gründerväter entspricht, und wir sollten diesen Absichten gegenüber loyal sein.
Abschließend möchte ich die Administration auffordern, eine Untersuchung von Politik und Maßnahmen
der Vereinigten Staaten vor der Aggression Saddam
Husseins durchzuführen. Wir alle wissen, daß der
Senat in den zwei Jahren vor dem Einmarsch in Kuwait
bei vier Gelegenheiten Gesetzentwürfe verabschiedet
hat, mit denen Sanktionen gegen den Irak aufgrund
seiner wiederholten Verletzungen des Völkerrechts,
darunter der Einsatz von Giftgas gegen eigene Staatsbürger, verhängt wurden. Leider wurden diese Sanktionen von den Administrationen Reagan und Bush
erfolgreich abgewiesen, ohne daß dies zu einer Besserung im Verhalten des Irak geführt hätte.

Ich habe diese Anhörung angesetzt, weil viele Amerikaner besorgt sind - und wir teilen diese Sorge -, daß
wir in Kürze in einen Krieg am Persischen Golf verwikkelt werden. Wir sollten uns klarmachen, daß ein Krieg
mit dem Irak den Tod Tausender Amerikaner und
Militärausgaben in Milliardenhöhe verursachen würde.

Ich erwähne dieses Thema nicht etwa, um voreilige
Schuldzuweisungen vorzunehmen, sondern weil ich
der Meinung bin, daß die Administration profitieren
könnte, wenn sie ermitteln würde, warum die Politik
des business as usual mit dem Irak fehlgeschlagen ist.
Antworten auf diese Frage könnten dazu beitragen,
daß Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden.

Bis heute hat Präsident Bush einen beständigen Kurs
gesteuert, indem er harte Wirtschaftssanktionen und

Dies sind gefährliche Zeiten, Herr Minister, und wir, der
Präsident und der Kongreß müssen zusammenarbei-

Seite 4

AMERIKA DIENST 42

�ten, um einen überparteilichen Konsens hervorzubringen, der die Krise zu einem erfolgreichen Ende bringt.
Senator Helms: Herr Minister, ich habe hier ein
historisches Dokument. Es handelt sich um das Protokoll der Anhörung zur Nominierung von James A.
Baker III vom 17. Januar 1989. Sie mögen sich
vielleicht erinnern, daß ich damals ein Thema anschnitt, das ich heute erneut aufgreifen möchte.

vielleicht die Unverfrorenheit - besessen, chemische
Waffen gegen seine eigenen Staatsbürger einzusetzen, in Kuwait einzumarschieren und die Greueltaten
zu begehen, über die wir alle sprechen und laut lamentieren.

Der Senat hat zweimal - das eine Mal mit 92:0 Stimmen
- Gesetzentwürfe verabschiedet, um harte Sanktionen
gegen ausländische Firmen zu verhängen, die solche
Geschäfte machen. Ich habe Ihr Schreiben erhalten,
An jenem Tag erklärte ich: "Herr Minister, werden Sie in dem Sie andeuteten, sie würden dem Präsidenten
dem Ausschu ß erklären - und ich wei ß, sie werden dies empfehlen, sein Veto gegen dieses Gesetz einzulegerne tun -, ob Sie auch der Meinung sind, daß diese gen. Also, Herr Minister, falls dies wirklich geschieht,
Firmen tatsächlich an den Chemiewaffenprogrammen welches Signal senden wir dann all diesen Firmen, die
Libyens oder des Irak beteiligt waren?"
erwägen, dem Irak zu helfen, wenn die Administration
damit droht, gegen harte Gesetze zu Chemiewaffen ihr
Nun, dieses Thema ist irgendwie in Vergessenheit
Veto einzulegen?
geraten, und es gab da ein hin und her. Aber, Herr
Minister, hier habe ich wieder eine Liste ausländischer
Baker: Senator Helms, von wann datiert dieses
Firmen, die als Helfer Saddam Husseins bei der ErlanSchreiben, und über welchen Gesetzentwurf genau
gung der Fähigkeit identifiziert wurden, unsere Trupsprechen Sie, denn es gibt ja drei Gesetzentwürfe?
pen am Persischen Golf mit Giftgas zu bedrohen. Dies
bleibt für mich ein äußerst wichtiges Anliegen. Ich Helms: Nun, es traf gestern ein, am 16. Oktober.
nenne sie Saddams "Fremdenlegion", und eine ähnliDarin heißt es: "Lieber Jesse, Sie und Ihre Kollegen
che Liste wurde unlängst vom Wiesenthal-Zentrum werden sich in Kürze mit unterschiedlichen Gesetzentveröffentlicht.
würfen des Senats und des Repräsentantenhauses zu
Sanktionen in Zusammenhang mit dem ExportkonNun hat der Präsident am Montag vorgeschlagen, man trollgesetz befassen. Ich möchte diese Gelegenheit
solle die irakische Führung vor ein Kriegsverbrecher- ergreifen, um Ihnen unmittelbar die Haltung der Admitribunal vergleichbar den Nürnberger Prozessen stelnistration zu diesen Vorlagen mitzuteilen. Wir haben
len. Das ist eine gute Idee. Ich möchte dazu aber noch
Ihrem Stab detaillierte Kommentare zu den Unterausführen, daß bei den Nürnberger Prozessen - ich bin schieden zwischen beiden Vorlagen zukommen lasja alt genug, um mich daran erinnern zu können - au ßer sen."
hochrangigen Nazis auch Unternehmer abgeurteilt
wurden, die den Nazis halfen.
Baker: Natürlich habe ich dieses Schreiben unterzeichnet, aber ich möchte doch feststellen, daß ich
Es erhebt sich also die Frage, ob es bei der Forderung mich nicht an jeden einzelnen Satz darin erinnern
nach einem Kriegsverbrechertribunal, das sich mit den kann, aber wir unterstützen die Vorlage des RepräsenGreueltaten des Irak befaßt, der Absicht des Präsiden- tantenhauses zu diesem Zweck, und wir unterstützen
ten entspricht, daß wie bei den Nürnberger Prozessen die Vorlage des Senats nicht.
auch Unternehmer zur Rechenschaft gezogen würden, die den Irak beliefert haben?
Helms: Erklären Sie mir, warum.
Baker: Herr Senator, dies würde meines Erachtens
voll und ganz davon abhängen, inwieweit sich diese
Firmen unter bestimmten Umständen bewu ßt schuldig
gemacht haben. Ich kann Ihnen darauf keine allgemeingültige Antwort geben. Ich glaube, niemand kann
das.
Helms: Nun, ich denke doch, daß man das in Anbetracht der Beweise könnte, Herr Minister. Es entspricht doch den Tatsachen, daß ihnen das von unserem Land immer wieder zur Kenntnis gebracht wurde,
daß sie dem Irak tödliche Waren lieferten. Und irgendwann müssen wir doch bei diesem Thema einmal ernst
machen und entscheiden, ob wir meinen, was wir
sagen.
Ohne die Hilfe dieser ausländischen Firmen hätte
Saddam Hussein jedenfalls kaum die Mittel und den
Mut, wenn Sie dies so nennen möchten - besser wäre

AMERIKA DIENST 42

Baker: Weil sie dem Präsidenten der Vereinigten
Staaten überhaupt keinen Spielraum einräumt, um
bestimmte Tatsachen und Umstände zu würdigen, die
im Einzelfall eine Rolle spielen könnten. Wir unterstützen seit geraumer Zeit, schon seit vor der Golfkrise,
das vom Repräsentantenhaus letzten Sommer verabschiedete überparteiliche Sanktionsgesetz. Es ist also
meines Erachtens nicht korrekt zu behaupten, wir
seien gegen Sanktionsgesetze - das trifft nicht zu. Wir
unterstützen den Gesetzentwurf des Repräsentantenhauses. Wir meinen, daß es der bessere Entwurf ist.
Es ist also nicht so, daß wir überhaupt gegen ein
solches Gesetz sind, sondern wir sind für einen Gesetzentwurf, den wir für besser halten als den, der von
diesem Gremium verabschiedet wurde.
Helms: Ich möchte mit Ihnen keine Debatte über
dieses Thema beginnen, aber wir beschäftigen uns

Seite 5

�seit langer Zeit damit, und alles, was wir vom Außenministerium zu dem Gesetzentwurf des Vorsitzenden
und zu meinem Entwurf gehört haben, war Ablehnung
- mir sind keine Vorschläge zu deren Abmilderung oder
Modifizierung bekannt.
Baker: Eines der Probleme, die wir mit den hier in den
Vereinigten Staaten in der Vergangenheit eingebrachten Gesetzentwürfen hatten, ist deren Einseitigkeit in
Umfang und Wirkung. Sanktionen funktionieren nicht,
wenn man nicht ein relativ hohes Maß an Beteiligung
von Ländern in der ganzen Welt bekommt. Wenn wir
nämlich Exporte amerikanischer Firmen untersagen,
werden die Leute woanders hingehen und das Material
von anderen erwerben. Das ist ein Grund, warum wir
die heutigen Anstrengungen in der Golfregion als so
erfolgreich erachten, weil wir nämlich dafür eine solch
breite Unterstützung erhalten. Wir werden also Sanktionsgesetze unterstützen, die unserer Meinung nach
angemessen und vernünftig sind.
Helms: Noch einmal, Herr Minister, ich möchte nicht
mit Ihnen debattieren. Sie sprechen von Sanktionen
gegen Länder, ich spreche von Sanktionen gegen
Firmen. Und darin liegt ein Unterschied. Nun, die
Länder, Deutschland zum Beispiel, sagten: "Potzblitz,
davon haben wir gar nichts gewu ßt", und sie zögerten,
weil diese Finnen enorme Summen für politische Zwecke
spendeten, nehme ich an. Vielleicht hatten sie eine
Lobby oder so etwas. Und sie haben nichts unternommen, bis sie gedrängt und gedrängt und gedrängt
wurden, und dann fanden sie heraus: Oh ja, sie haben
es getan. Ich spreche von Firmen, Sie sprechen von
Ländern.
Baker: Nein, ich sprach von beiden, und ich sage, daß
wir umfassende internationale Bemühungen benötigen . Wir brauchen alle Länder, die daran beteiligt sind.
Und meines Erachtens bietet sich uns nach den Ereignissen in Kuwait eine hervorragende Gelegenheit für
eine multilaterale Initiative, die wirklich effektiv sein
könnte. Das ist alles, was ich sage.
Senator Biden: Ich möchte Sie aus einem anderen
Blickwinkel fragen, obwohl es vielleicht dasselbe ist,
was mein Kollege aus North Carolina sagt. Und das ist
die Idee, alle Länder in der Region dazu zu bringen, ein
Nichtverbreitungsabkommen zu unterzeichnen, das
alles von Ihnen genannte umfaßt. Wie steht es jedoch
mit der Idee, die Länder, mit denen wir es zu tun haben,
zu einer Unterzeichnung zu bewegen. Vergessen Sie
eine Unterzeichnung durch die Staaten in der Region...
Baker: Absolut.
Biden: Und wie steht es um die Möglichkeit, unseren
europäischen Freunden und unseren neuen sowjetischen Kollaborateuren - um einen Begriff aus der
Vergangenheit einmal positiv zu verwenden - zu sagen, sie sollten sich daran beteiligen in der Hoffnung,
daß eines Tages sogar die Chinapolitik irgendwelche

Seite 6

Erfolge zeitigen wird, was den Nachschub angeht?
Ich meine, was geschieht in diesem Bereich? Welche
Art von Kooperation bekommen wir? Finden diese
Diskussionen bereits statt? Setzen wir uns mit den
Deutschen zusammen und sagen: "Nicht noch einmal, wenn Ihr das tut, dann werdet Ihr große Probleme
haben, wenn Ihr irgendwelchen Firmen erlaubt..."?
Baker: Was ich gerade zur Beantwortung der Frage
von Senator Helms erklärte, ist nicht auf Bemühungen
der Länder in der Region begrenzt. Wovon ich rede
und was wir ernsthaft in Erwägung ziehen sollten, sind
umfassende Bemühungen zur Nichtverbreitung in der
Region, die so viele Länder einbeziehen würden, wie
möglich.
Und nach all dem, was dort geschehen ist und wenn
man sich das Mißverhältnis zwischen der Militärmacht
des Irak und der anderen Staaten der Region betrachtet und die Art, wie diese Macht eingesetzt wurde und
die Massenvernichtungswaffen, die dort angehäuft
wurden, so sollte dies eine Grundlage für ernsthafte
Fortschritte sein. Dies wäre jedoch nicht auf die
Länder in der Region begrenzt.
Biden: Herr Minister, worauf ich eigentlich hinauswill,
ist die Frage, welche Verhandlungen zwischen den
Vereinigten Staaten und Deutschland stattfinden, um
zu sagen: "Ob irgendjemand unterschreibt oder nicht,
Deutschland, sind wir uns einig? Keine Chemiewaffentechnologie mehr in diese Region, Punkt. Sind wir
uns darüber einig, Deutschland?"
Und dann wenden wir uns an die Franzosen. "Keine
Raketentechnologie mehr" - nehmen wir einmal an, sie
liefern sie in die Region -, "sind wir uns einig?" Ich

frage dies, Herr Minister, weil jeder hier behauptet:
Natürlich darf Saddam Hussein nicht von dieser Aggression profitieren." So weit, so gut.
Dann sagt jeder: "Und wenn dies vorbei ist, darf
Saddam Hussein nicht mehr in der Lage sein, weiterhin
die Region einschüchtern zu können, ob er sich nun
zurückzieht oder nicht."
Und daraus ergeben sich meines Erachtens drei

Möglichkeiten. Korrigieren Sie mich, wenn ich mich
irre. Erstens, Saddam Hussein rüstet einseitig ab - er
zieht sich zurück und rüstet einseitig ab. Nummer eins.
Zweitens, die Vereinigten Staaten - hoffentlich zusammen mit anderen, wenn dies geschieht -, die Vereinigten Staaten marschieren mit 250 000 Soldaten in der
Region dort ein, um den Ausdruck zu benutzen, der
heutzutage in dieser Stadt so leichthin gebraucht wird
- pusten Saddam Hussein weg und stürzen ihn, demontieren seine Streitkräfte und alles wird gut sein au ßer, daß wir meines Erachtens für den Rest unseres
Lebens dort bleiben werden. Drittens gibt es die
Möglichkeit, daß das Embargo bei Saddam Husseein
Wirkung zeigt. Er zieht sich zurück, und dann wird ein
neues Embargo gegen ihn verhängt, daß es ihm
AMERIKA DIENST 42

�unmöglich macht, Streitkräfte in diesem Umfang aufrechtzuerhalten, weil er keine Unterstützung mehr von
außen bekommt.
Meine Frage lautet also im Hinblick auf die dritte
Möglichkeit, wie ich sie sehe - vielleicht bin ich der
einzige, der dies so betrachtet -, welche Verhan dlungsbemühungen finden gegenwärtig mit den Lieferstaaten statt, um a) die Lieferungen sofort einzustellen und
b) die Verpflichtung zu erhalten, daß in Zukunft keinerlei Technologie oder Waffen - konventioneller oder
anderer Art - geliefert werden?
Baker: Ich möchte darauf mit der Feststellung antworten, daß es schon seit langem viele Diskussionen über
die sofortige Einstellung aller Waffenlieferungen an
den Irak gibt. Und es gibt keine Waffen, es gibt keine
Ersatzteile, kein Gerät - nichts dieser Art wird dorthin
geliefert, außer vielleicht durch einige sehr winzige
Schlupflöcher. Diese Diskussionen waren, wie ich
bereits in meiner einleitenden Erklärung festgestellt
habe, sehr erfolgreich in dem Sinn, daß wir einen

*

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weltweiten Konsens in dieser Frage haben.
Wie Sie wissen, finden gegenwärtig in Genf Gespräche statt, bei denen erhebliche Fortschritte auf dem
Weg zu einem weltweiten Verbot chemischer Waffen
erzielt werden, hauptsächlich aufgrund der Tatsache,
daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in der
Lage waren, sich auf einen Ansatz zu einigen, der uns
eine relistische Chance gibt, auch zahlreiche andere
Länder zu beteiligen. Diese Gespräche dauern an.
Sie haben einen Punkt erwähnt, der besprochen worden ist, Senator Biden, und das ist die Idee, daß selbst
nach einem Abzug - wenn man davon ausgeht, daß
dieser Abzug ohne die Zerstörung der un verhältnismäßigen militärischen Fähigkeiten des Irak erfolgt - die
Aufrechterhaltung eines internationalen Waffenembargos gegen ein Land erwogen werden sollte, das
eine solch unverhältnismäßige Macht in der Region
besitzt und die Bereitschaft gezeigt hat, sie zu benutzen, darunter Massenvernichtungswaffen. Es hat
einige informelle Gespräche in diese Richtung gegeben.

* * *

*

Seite 7

�GOLFKRISE
24. Oktober 1990

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen
Die nachfolgende Übersicht über die von der internationalen Staatengemeinschaft als Reaktion auf die Invasion
des Iraks in Kuwait ergriffenen Maßnahmen stützt sich auf am 23. Oktober 1990 verfügbare Informationen und
ist gegebenenfalls unvollständig.

NATO
Die 16 Bündnispartner nehmen unmittelbar nach der
irakischen Invasion Kuwaits weiterhin andauernde
Konsultationen auf. Die Au ßenminister treffen am 10.
August 1990 im NATO-Hauptquartier zusammen, um

die Reaktion der Bündnispartner auf die Krise zu
erörtern und die Verpflichtung der NATO zur Verteidigung der Türkei im Falle eines Angriffs durch den Irak
zu bekräftigen. Die wichtigsten Ausschüsse der NATO
kommen weiterhin regelmäßig - zum Teil täglich zusammen, um Maßnahmen zu koordinieren und Informationen sowie nachrichtendienstliche Erkenntnisse auszutauschen. Die Außenminister der NATOPartner kommen am 10. September 1990 zusammen,
um die Koordinierung zu intensivieren.
NATO-Mitgliedstaaten
Belgien
Ölembargo, Einfrieren der irakischen und kuwaitischen
Vermögenswerte. Entsendung von zwei Minensuchbooten und einem Versorgungsschiff in den Golf von
Oman. Zwei C-130 wurden für den Heimflug ägyptischer Flüchtlinge aus Kuwait zur Verfügung gestellt,
eine Fregatte wird zur Begleitung und zum Schutz von
Schiffen, die eine Durchsetzung des Embargos gewährleisten, zum Golf entsandt. Weitere vier C-130
werden den WEU-Ländern zur Verfügung gestellt.
Bundesrepublik Deutschland
Setzt das Embargo des UN-Sicherheitsrats unverzüglich in Kraft und friert irakische Vermögenswerte ein.
Entsendung von Minensuchbooten und einem Versor-

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gungsschiff zum Schutz der Seewege und um die
Verlegung von Schiffen der NATO für den Einsatz im
Golf zu ermöglichen, ins östliche Mittelmeer. Genehmigt die Nutzung von amerikanischen Stützpunkten in
Deutschland zur Unterstützung der Golfmission und
beschleunigt die Abwicklung von Überfluganträgen.
Am 16. August 1990 stellt die Bundespost den Briefund Paketverkehr mit dem Irak und Kuwait ein. ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte. An
Hilfsleistungen fürdie Flüchtlinge in Jordanien stellt die
Bundesrepublik zunächst 4,5 Tonnen Nahrungsmittel,
Zelte und Krankenwagen sowie zwei Charterflugzeuge für den Rückflug von Ägyptern aus Jordanien bereit.
Leistet Zahlungen in Höhe von 187 Millionen Dollar an
den EG-Fonds für die Golfkrise. Verpflichtet sich zur
Zahlung weiterer 2,2 Milliarden Dollar an zusätzlichen
Hilfsleistungen, die folgendermaßen aufgeschlüsselt
werden: Militärisches Gerät im Wert von 1,1 Milliarden
Dollar, das den Streitkräften am Golf zur Verfügung
gestellt werden kann, zusätzliche Hilfsleistungen in
Höhe von 835 Millionen Dollar an die Frontstaaten
sowie 275 Millionen fürdie Verlegung von Streitkräften
und Gerät. Im Rahmen der militärischen Unterstützung hat die Bundesrepublik für die unverzügliche
Abwicklung von Anfragen der Vereinigten Staaten
nach Gerät gesorgt. Auf Kosten der Bundesrepublik
werden 60 Fuchs-Fahrzeuge zum Aufspüren von Giftgas aus den Beständen der Bundeswehr abgezogen
und zum Einsatz in der Golfregion modernisiert und
umgerüstet. Darüber hinaus stellt sie Ausbildung und
logistisches Material zur Verfügung und übernimmt die
Kosten. Die Kosten für dieses gesamte Paket "Fuchs"
belaufen sich auf schätzungsweise 100 Million Dollar.

Seite 1

�Dänemark

Griechenland

Die Korvette "Olfert Fischer" ist im Golf eingetroffen.
Die Kosten der Operation belaufen sich bis Ende 1990
auf schätzungsweise 22,5 Millionen Kronen (1 Dollar
entspricht 5,74 Kronen). Das Parlament hat 7 Millionen Kronen als Anschubf inanzierung für ein Lazarettschiff bewilligt, das gegebenenfalls im Golf eingesetzt
werden soll. Die dänische Regierung trägt 4 Millionen
Dollar zur Unterstützung von Flüchtlingen aus dem
Irak und Kuwait bei. Erlaubt die Nutzung seiner
Handelsschiffe im Golf als Versorgungsschiffe der
multinationalen Streitmacht in Saudi-Arabien. Die
Regierung stellt darüber hinaus Seetransportdienste
zur Verlegung von ägyptischen Truppen und Material
an den Golf zur Verfügung. Dänemark hat ferner seine
Bereitschaft zur Teilnahme an einer eventuellen UNFriedensmission im Golf erklärt. Hat positiv auf die
Bitte reagiert, ABC-Schutzanzüge an die saudiarabische Regierung zu liefern. Will darüber hinaus Lücken
in der NATO-Verteidigung schließen, die sich aus der
Verlegung von Gerät der Bündnispartner an den Golf
ergeben könnten, insbesondere der Seestreitkräfte.
Unterstützt Sanktionen der EG gegen den Irak und das
UN-Ölembargo.

Entsendung einer Fregatte ins Rote Meer. Unbürokratische Bereitstellung von drei unter griechischer Flagge fahrenden Schiffen für militärische Transporte.
Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte, Überflugerlaubnis für Militärflugzeuge der Vereinigten Staaten und verbündeter Länder auf dem Weg zum
Golf. Uneingeschränkte Zusammenarbeit bei Zwischenlandungen und Auftanken von Flugzeugen.
Bereitstellung der Hafenanlagen für verbündete Seestreitkräfte.

Frankreich
Die französische mit Hubschraubern bestückte Korvette LA MOTTE-PIQUET ist als Ersatz für die Fregatte MONTCALM aus Brest in die Straße von Hormuz
ausgelaufen, um das internationale Embargo gegen
den Irak durchzusetzen. Voraussichtliche Ankunft der
LA MOTTE-PIQUET in der Straße von Hormuz ist der
31. Oktober 1990. Zwei WeBen Kampfflugzeuge wurden
am 14. Oktober von Toul nach Saudi-Arabien entsandt. Aufgrund des irakischen Angriffs auf die Residenz des französischen Botschafters in Kuwait gibt
Präsident Mitterand am 15. September die Entsendung von 4 000 Mann Bodentruppen nach SaudiArabien bekannt. Marineeinheiten einschließlich eines Flugzeugträgers verstärken die zwei bereits in den
Golf entsandten Kriegsschiffe. Befehl an die 3 000
Mann starken Seestreitkräfte, gegebenenfalls Gewalt
zur Durchsetzung des Embargos einzusetzen. Auf klärungstruppen des französischen Heeres sind Teil eines Truppenkontingents, das die Regierung auf die
Arabische Halbinsel verlegen wird. Nachrichtendienstliche Einheiten des Heeres sollen in die Vereinigten
Arabischen Emirate entsandt werden. Frankreich
schließt sich der UN-Resolution über wirtschaftliche
Sanktionen gegen den Irak an. ö l - und Waffenembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte, Unterbindung des Handels mit Ausnahme von Arznei- und
Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke. Drastische
Einschränkung der Bewegungsfreiheit einer Gruppe
irakischer Offiziere und Staatsbürger aus Sicherheitsgründen, die in Frankreich in der Bedienung von militärischem Gerät und Radaranlagen ausgebildet wurden.

Seite 2

Großbritannien
Die in den Golf entsandten britischen Landstreitkräfte
belaufen sich auf 10 - 12 000 Mann, davon sind 6 8 000 in Saudi-Arabien stationiert. Verlegung von 120
Panzern des Typs Challenger, mit Rapier-Flugabwehrraketen ausgerüsteten Einheiten, 4 Kampfschiffen mit Unterstützungseinheiten, einem Geschwader
Tornado-Abfangjäger, einem Geschwader TornadoKampfflugzeuge, einem Geschwader Jaguar-Kampfbomber, VC 10-Tankffugzeugen und Nimrod-Seeaufklärern, 2 Schiffen für den Seetransport. Bewilligt 10,8
Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe, wovon 4,2 Millionen im Rahmen des EG-Beitrags zur Verfügung gestellt werden. Einfrieren kuwaitischer und irakischer
Vermögenswerte.

Island
Erklärung der uneingeschränkten Unterstützung der
UN-Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Gibt die
Bereitstellung von 2,5 Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe bekannt, die folgendermaßen aufgeteilt werden
sollen: Isländisches Rotes Kreuz, Nahrungsmittel und
Versorgungsgüter für Flüchtlinge in Jordanien und
Ägypten, die Persischer-Golf-Mission des Roten Kreuzes auf Zypern, Flüchtlingshilfe kirchlicher Stiftungen
und noch zu benennende andere Kanäle.
Italien
Entsendung von acht Tornado-Kampfflugzeugen in
die Vereinigten Arabischen Emirate. Vier Marineschiffe werden in die Golfregion verlegt. Gibt die Ausweisung der irakischen Militärattaches und die Einschränkung der Bewegungsfreiheit irakischer Diplomaten
bekannt. Vollständiges Handelsembargo. Einfrieren
irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte. Verbot
irakischer/kuwaitischer Luft- und Seetransportdienste.
Erlaubnis zur Nutzung von US-Stützpunkten in Italien.
Bereitstellung von Hilfsgütern als Flüchtlingshilfe. Sagt
die Bereitstellung von zivilen Transportschiffen zur
Verlegung amerikanischer Truppen und Versorgungsgüter zu. Genehmigt Hilfsleistungen in Höhe von 160
Millionen Dollar für die Frontstaaten, die unmittelbar
von der Blockade des Iraks betroffen sind.

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�Kanada
Entsendet ein CF-18-Geschwader an den Golf und
verspricht Hilfsleistungen in Höhe von 75 Millionen
Dollar für die Türkei, Ägypten, Jordanien, die Philippinen, Sri Lanka und Bangladesch. Entsendung von
zwei Zerstörern und einem Versorgungsschiff zur
Verstärkung der multinationalen Streitmacht im Golf.
Abbruch der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen
mit Irak. Verpflichtung zur Bereitstellung von 2,2
Millionen Dollar in bar, die als Flüchtlingshilfe zwischen
dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz und
zwischenstaatlichen Organisationen aufgeteilt werden
sollen.
Luxemburg
Die Regierung stellt vorläufig 2 Millionen Dollar als
Beitrag zu den Transportkosten für Männer und Material in die Region bereit. Diese Mittel werden für die
Hilfsleistungen der WEU-Partner Belgien, Niederlande und Portugal gewährt. Weitere 2 Millionen Dollar
werden für die EG-Bemühungen in der Region und 1,3
Millionen Dollar für Hilfe an die Türkei, Jordanien,
Ägypten und Bangladesch zur Verfügung gestellt.
Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte.
Niederlande
Uneingeschränkte Finanzsanktionen gegen den Irak,
Ölembargo, Einfrieren irakischer Vermögenswerte.
Entsendung von zwei Fregatten in den Golf. Werden
im November ein Versorgungsschiff dorthin verlegen.
Angebot zur Entsendung eines Geschwaders von 18
F-16 in die Golfregion. Lieferung von 50 000 ABCSchutzanzügen im Gesamtwert von 20,4 Millionen
Dollar in die Türkei. Bereitstellung von 3 Millionen
Dollar Flüchtlingshilfe. Eine weitere Million wird von
privaten Geldgebern gespendet.
Norwegen
Humanitäre Hilfe in Höhe von 126 Millionen Kronen,
darunter 30 Millionen an die Türkei, Ägypten und
Jordanien sowie 20 Millionen für die Repatriierung von
Flüchtlingen. Mittel werden ferner für Bangladesch,
Indien, Pakistan und Sri Lanka zur Verfügung gestellt,
um die für diese Länder durch die Krise entstehenden
Kosten zu mildern. Militärische Lufttransportmittel
werden für den Transport von Nahrungsmitteln und
medizinischer Ausrüstung nach Jordanien und von
Flüchtlingen nach Kairo bereitgestellt. Angebot von
Dekontaminierungsgerät für den Bedarfsfall sowie ABCSchutzkleidung an die multinationale Streitmacht. Ein
Schiff der norwegischen Küstenwache wird Mitte Oktober
zur Unterstützung der dänischen Korvette im Golf
eintreffen. Sechs Luftabwehrraketen wurden der

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dänischen Marine zur Verfügung gestellt und 9 Freund/
Feind-Erkennungssysteme an Großbritannien ausgeliehen. Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte. Bereitstellung von Nahrungsmitteln für die
Flüchtlinge.
Portugal
Vollständige Einhaltung des UN-Embargos. Den
Vereinigten Staaten wird die Nutzung der Stützpunkte
auf den Azoren für Truppentransporte gestattet. Bereitstellung eines Marinetransportschiffes durch die
WEU. Zwei Handelsschiffe werden an die American
Maritime Authority für Transportoperationen vermietet. Portugiesisches Ärzteteam wird in jordanische
Flüchtlingslager entsandt, Regierung bietet ein Feldlazarett, Medikamente sowie deren Transport an. Die C130 der Luftwaffe wird zur Unterstützung des Transports ägyptischer Flüchtlinge aus Jordanien bereitgestellt. Ol- und Waffenembargo.
Spanien
Entsendung einer Fregatte und zweier Korvetten in die
Straße von Hormuz und ins Rote Meer als Teil der
WEU-Bemühungen zur Durchsetzung des Embargos.
Einfrieren irakischer Vermögenswerte und Handelsembargo. Erhebliche Unterstützung für den Transit
amerikanischer Einheiten durch Nutzung militärischer
Einrichtungen in Spanien. Benutzung spanischer Häfen
für logistische Unterstützung und Reparatur von Transportschiffen. Spanische Luftwaffe liefert humanitäre
Hilfsmittel für Flüchtlinge in Jordanien und hilft bei der
Repatriierung ägyptischer und asiatischer Flüchtlinge
aus Jordanien.
Türkei
Einfrieren irakischer Vermögenswerte. Verweigert die
Verladung irakischen Öls am Ende der irakischen
Pipeline. Untersagt die Entladung zweier Schiffo mit
Nahrungsmitteln für den Irak im südlichen Hafen Mersin.
Verweigert die Einfahrt eines aus Iran kommenden für
Irak bestimmten mit Natriumzyanid beladenen Schiffes in den Hafen Mersin. Vollständiges Handelsembargo mit Ausnahme von dringenden Nahrungs- und
Arzneimitteln. Vollständige Einhaltung des Flugverkehrsembargos. Hat mindestens zwei zivile Flugzeuge mit Ziel Irak aufgehalten und ihnen die Benutzung
des türkischen Luftraums untersagt. Eröffnet ein
Auffanglager in Habur, um Tausenden von Flüchtlingen (zumeist aus Bangladesch und Pakistan), die Irak
auf dem Landweg verlassen, Unterkunft und Verpflegung zu bieten. Das Parlament ermächtigt die Regierung im Falle eines Angriffs durch den Irak zur Kriegserklärung, zur Entsendung von Kampftruppen und
zum Einsatz ausländischer Truppen auf türkischem
Hoheitsgebiet.

Seite 3

�Vereinigte Staaten

Liechtenstein

Entsendung amerikanischer Streitkräfte nach SaudiArabien. Zur Zeit befinden sich 9 Kriegsschiffe und
zwei Flugzeugträger im Golf. Verhängung eines vollständigen Handelsembargos einschließlich kommerzieller Nahrungsmittellieferungen gegen den Irak und
das besetzte Kuwait. Aussetzung der Kredite, Anleihen und Zuschüsse. Einfrieren der irakischen und
kuwaitischen Vermögenswerte. Die Vereinigten Staaten werden zur Unterstützung der UN-Sanktionen irakische Öllieferungen in der Golfregion abfangen. Weisen
36 der 55 zuvor an der irakischen Botschaft in Washington akkreditierten Personen aus, verfügen die
Ausweisung von drei weiteren Diplomaten bis zum 28.
Oktober. Die Vereinigten Staaten verpflichten sich zu
Hilfsleistungen in Höhe von 28 Millionen Dollar für die
Flüchtlinge in der Region. Die Vereinigten Staaten
leiten Initiativen zur Unterstützung der durch die Golfkrise wirtschaftlich betroffenen Länder sowie zur Verteilung der Kosten der Militäroperationen im Golf in die
Wege.

Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte, Handelsembargo mit Ausnahme von Arznei- und
Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke.

Andere europäische Nationen
Andorra
Verbietet Importe und Exporte jeglicher Vermögenswerte aus und in den Irak und Kuwait sowie die
Bereitstellung von Dienstleistungen und Krediten.
Bulgarien
Unterbindung aller Lieferungen militärischer Güter an
den Irak und Erweiterung der Wirtschaftssanktionen.
Finnland
Unterstützung der Resolution des UN-Sicherheitsrats
über Sanktionen, vollständige Durchführung der UNMaßnahmen einschließlich eines uneingeschränkten
Handelsembargos. Ernennung des finnischen Botschafters bei den Vereinten Nationen zum Leiter der
Gruppe von Ländern, die die Einhaltung der UNSanktionengegen Irak überwachen. Verpflichtung zur
Zahlung von 11,2 Millionen Dollar an Mitteln für humanitäre Zwecke und Wirtschaftshilfe für die Golfregion.
Irland
Irland unterstützt die vom UN-Sicherheitsrat im Zusammenhang mit der Golfkrise bereits verabschiedeten Resolutionen. Hält die Wirtschafts- und Handelssanktionen der Europäischen Gemeinschaft voll und
ganz ein.
Jugoslawien
Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait, fordert
den Irak auf, die Invasionstruppen abzuziehen. Weigerung, die irakische Annexion Kuwaits anzuerkennen. Unterstützt die Wirtschaftssanktionen der UN
gegen den Irak.

Seite 4

Malta
Verbot aller Ex- und Importe aus und nach Irak und
Kuwait.
Österreich
Vollständige Einhaltung der UN-Sanktionen gegen
den Irak, Waffenembargo für die Region. Blockiert den
Transfer irakischer Vermögenswerte. Erlaubnis zum
Überfliegen amerikanischer militärischer Transportflugzeuge über Österreich. Beitrag von etwa einer
Million Dollar an Hilfe für Ägypten, Jordanien und die
Türkei.
Polen
Vollständige Einhaltung des Handelsembargos gegen
den Irak. Waffenembargo, Verurteilung der Annexion
Kuwaits. Strikte Einhaltung der Resolutionen des UNSicherheitsrats. Regierung kündigt Entsendung eines
Lazarettschiffs und eines Feldlazaretts zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht an. Am 10.
Oktober berichtete die regierungstreue Tageszeitung
"Rzeczpospolita": "Der stellvertretende Außenminister Jam Majewski gibt die Entscheidung der Außenministeriums bekannt, den Betrieb der Botschaft der
Polnischen Republik vorübergehend einzustellen. Dies
erfolgt nur, weil der normale Betrieb der Botschaft
unmöglich ist. Strom und Wasser wurden abgesperrt,
die Telephonverbindungen unterbrochen und Wachen
der irakischen Armee verweigern den Zugang zum
Gebäude. Unser Vorgehen hat keinerkei Einfluß auf
die erklärte Position Polens im Hinblick auf die irakische Aggression in Kuwait und die Annexion dieses
Landes, die wir nicht anerkennen, und wir bekräftigen
unsere uneingeschränkte Unterstützung der entsprechenden Sanktionen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen. Der Charge d'Affaires Janusz Dworak
hat Kuwait am 6. Oktober verlassen."
Rumänien
Wird UN-Sanktionen gegen den Irak befolgen.
Schweden
Vollständige Durchführung und Einhaltung sämtlicher
UN-Sanktionen. Wirtschaftsembargo gegen den Irak
mit Ausnahme von Gütern für humanitäre oder medizinische Zwecke. Verbot von Aus- und Einfuhren
nach oder aus Kuwait und Irak, mit Ausnahme von
Waren für humanitäre oder medizinische Zwecke. Ab
20. Oktober Sperrung des schwedischen Luftraums
für Flugzeuge mit Gütern für oder aus Irak und Kuwait.
Stellt 20 Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe bereit.

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�Schweiz
Öl- und Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten, Beschränkungen für den sonstigen Handel.
Die Schweiz beteiligt sich zum ersten Mal an UNWirtschaftssanktionen. Entsendet ein Hilfsteam für
Flüchtlinge.
Sowjetunion
Verurteilung der Annexion Kuwaits durch den Irak,
Waffenembargo. Entsendung zweier Kriegsschiffe in
den Golf. Würde unter Aufsicht der Vereinten Nationen die Abriegelung des Golfs für irakische Schiffe in
Erwägung ziehen. Führt die UN-Wirtschaftssanktionen gegen den Irak durch. Verabschiedung einer
gemeinsamen Erklärung mit Japan am 5. September
mit der Aufforderung an den Irak, alle ausländischen
Geiseln freizulassen und seine Truppen aus Kuwait
abzuziehen.
Tschechoslowakei
Waffenembargo, Verurteilung der irakischen Aggression. Durchführung der UN-Sanktionen einschließlich
Unterbindung aller Exporte und Importe aus und nach
Irak und Kuwait. Präsident Havel erklärt die Bereitschaft seiner Regierung zur Entsendung einer 200
Mann starken Abwehrtruppen für chemische Waffen
zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht in
Saudi-Arabien. Eine 170 Mann starke Heereseinheit
wird zu Verteidigungs- und humanitären Zwecken nach
Saudi-Arabien verlegt.
Ungarn
Öl- und Handelsembargo. Die Regierung schlägt dem
Parlament die Entsendung eines Sanitätsteams in die
Golfregion vor.
Vatikan
Lobt die Resolution der Vereinten Nationen über
Sanktionen gegen den Irak.
Zypern
Unterstützung der Sanktionen gegen den Irak.
Andere Organisationen • regional und international
Arabische Liga
Die arabische Liga spricht sich (mit 12:3 Stimmen von
20 Mitgliedstaaten) für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus, um das
Land gegen eine mögliche irakische Aggression zu
schützen. Jordanien, Mauretanien und der Sudan
stimmen für die Resolution, machen jedoch "Bedenken" geltend. Der Irak, Libyen und die PLO stimmen

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dagegen. Der Jemen und Algerien enthalten sich.
Tunesien ist nicht vertreten. Die Resolution bekräftigt
darüber hinaus die Resolutionen 660,661 und 662 des
UN-Sicherheitsrats.
Bewegung der Blockfreien
Verurteilung des Einsatzes von Gewalt durch den Irak
sowie Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.
Europäische Gemeinschaft
Die EG erklärt am 17. September die Ausweisung aller
irakischen Militärattaches sowie die Einschränkung
der Bewegungsfreiheit der anderen irakischen Diplomaten, die in den Hauptstädten der 12 Mitgliedstaaten
akkreditiert sind, aus Protest gegen die irakische
Besetzung der diplomatischen Missionen Frankreichs,
Belgiens und der Niederlande in Kuwait. Verhängt
allgemeines Handelsembargo gegen den Irak und das
besetzte Kuwait. Einfrieren von Vermögenswerten auf
ihrem Hoheitsgebiet sowie Einstellung jeglicher Zusammenarbeit mit dem Irak und dem besetzten Kuwait. Unterstützt alle bis jetzt in Zusammenhang mit
der Golfkrise verabschiedeten UN-Resolutionen und
fordert die Freilassung der als Geiseln in Irak und
Kuwait festgehaltenen Ausländer. Die EG stellt 78
Millionen Dollar in Form von Transport, Nahrungsmitteln und humanitärer Hilfe für Flüchtlinge bereit.
Golf-Kooperationsrat
Verurteilung der irakischen Aggression gegen Kuwait
und Forderung nach Rückzug der irakischen Streitkräfte. Hat Truppen in Saudi-Arabien stationiert. SaudiArabien bittet die Vereinigten Staaten und andere
Länder um militärische Hilfe zur Verteidigung gegen
eine mögliche irakische Aggression. Saudi-Arabien
verpflichtet sich darüber hinaus zu höherer ölförderung, um die Produktionsausfälle in Irak und Kuwait
wettzumachen. Verweigert einem irakischen Tanker
das Anlegen an einem saudischen Verladeterminal im
Roten Meer. Die Vereinigten Arabischen Emirate
öffnen ihre militärischen Einrichtungen für multinationale Streitkräfte und verweigern einem irakischen Tanker
die Einfahrt in den Hafen von Dubai. Katar stellt seine
militärischen Einrichtungen den multinationalen Streitkräften zur Verfügung. Berichten zufolge öffnen auch
Bahrain und Oman ihre militärischen Einrichtungen.
Der Golf-Kooperationsrat ist eine regionale Organisation, die aus den Vereinigten Arabischen Emiraten,
Saudi-Arabien, Bahrain, Oman, Katar und Kuwait
besteht.
Internationale Arbeitsorganisation
Die Internationale Arbeitsorganisation, eine Unterorganisation der UN, fordert den Irak auf, unverzüglich
Schritte zur Freilassung aller in Irak und Kuwait festgehaltenen ausländischen Arbeitnehmer zu ergreifen.

Seite 5

�Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE)
Die Außenminister der KSZE-Staaten verabschieden
am 2. Oktober in New York eine Erklärung, mit der sie
sich den Vereinten Nationen "bei der Verurteilung der
irakischen Invasion und Besetzung Kuwaits" anschließen. Darüber hinaus fordern sie die Regierung des
Irak zum unverzüglichen und bedingungslosen Abzug
aus Kuwait auf und erklären ihre volle Unterstützung
für die UN-Resolutionen zur Verurteilung des Irak. Sie
bringen ferner ihre Entschlossenheit zum Ausdruck,
"die vollständige und wirksame Durchsetzung" der
UN-Sanktionen zu gewährleisten und unterstützen
"die Länder, die aufgrund der vom Irak herbeigeführten Krise besonders gelitten haben". Die KSZE umfaßt 34 Nationen, darunter die Vereinigten Staaten, die
Sowjetunion und praktisch ganz Europa.
Koordinationsrat der Gewerkschaften des Südlichen Afrikas
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak. Bittet die Gewerkschaften des südlichen Afrikas, jeglichen Bruch des Embargos zu melden und zu verurteilen.
Nordischer Rat
Verabschiedung einer Erklärung, in der die irakische
Weigerung, Staatsbürgern der nordischen Staaten
und anderen Ausländern das Verlassen des Irak und
Kuwaits zu gestatten, scharf verurteilt wird. Der Nordische Rat ist eine regionale Organisation, die sich aus
Vertretern Dänemarks, Finnlands, Islands, Norwegens und Schwedens zusammensetzt.
OPEC
Verständigung auf einen Plan, der den OPEC-Mitgliedern eine Erhöhung ihrer Erdölförderung über die
vereinbarten Quoten hinaus gestattet, um den durch
das Embargo gegen den Irak verursachten Produktionsausfall von 4 Millionen Barrel täglich wettzumachen. Saudi-Arabien und Venezuela haben ihre Ölförderung bereits erhöht. Die Vereinigten Arabischen
Emirate, Nigeria, Gabun und Ecuador werden ihre
Fördermenge wahrscheinlich in Kürze erhöhen. Der
Iran und Libyen stimmen gegen die Resolution, planen
jedoch angeblich auch eine Erhöhung ihrer eigenen
Produktion.
Organisation Amerikanischer Staaten
Verurteilung der irakischen Invasion und der Annexion
Kuwaits. Unterstützt alle diesbezüglichen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats gegen den Irak. Fordert
die Freilassung aller ausländischen Geiseln im Irak.

Seite 6

Die OAS ist eine regionale Organisation mit Vertretern
der Karibikstaaten sowie aller Staaten Mittel-, Südund Nordamerikas außer Kuba.
Organisation der Islamischen Konferenz - OIC
Am 1. Oktober veröffentlichten die Außenminister bei
den Vereinten Nationen das Schlußkommunique des
jährlichen Koordinationstreffens, in dem die OIC die
irakische Invasion und Besetzung Kuwaits "auf das
schärfste verurteilt", die Annexion Kuwaits durch den
Irak für null und nichtig erklärt und die Entschlossenheit der Mitgliedstaaten bekräftigt, die Durchführung
der UN-Resolutionen zu dieser Krise anzustreben.
Der Irak wird ferner aufgefordert, "seine Truppen
vollständig, unverzüglich und bedingungslos abzuziehen", alle Geiseln freizulassen sowie seinen internationalen Verpflichtungen im Hinblick auf diplomatische
und konsularische Vertretungen nachzukommen. Die
"volle Unterstützung und Solidarität" der OIC mit SaudiArabien und anderen Mitgliedstaaten in der Golf region
wird bekräftigt.
Vereinte Nationen
Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet Resolutionen, in
denen die irakische Invasion in Kuwait verurteilt und
der unverzügliche Rückzug der Invasionstruppen gefordert, ein Handels- und Finanzembargo gegen den
Irak und Kuwait angeordnet, die irakische Annexion
Kuwaits für null und nichtig erklärt, die Freilassung aller
Ausländer durch den Irak verlangt und der internationalen Staatengemeinschaft das Recht gegeben wird,
das Wirtschaftsembargo gegen den Irak durchzusetzen, indem die Schiffahrt nach und aus diesem Land
unterbunden wird. Die Vereinten Nationen legen strenge Verfahrensweisen für die Lieferung von Arznei und Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke in den
Irak und das besetzte Kuwait fest. Verurteilung des
Irak aufgrund von Gewalttaten gegen ausländische
Botschaften und deren Personal im besetzten Kuwait.
Verhängung eines Luftverkehrsembargos gegen den
Irak.
Westeuropäische Union
Die neun Mitgliedstaaten der WEU verständigen sich
darauf, die Marineoperationen im Nahen Osten auszuweiten und "ihre Operationen eng aufeinander abzustimmen". Darüber hinaus erklären sie sich bereit,
zusammen mit den Vereinigten Staaten Verantwortung für die Durchsetzung der UN-Sanktionen gegen
den Irak zu übernehmen. Vier WEU-Mitglieder - die
Niederlande, Belgien, Italien und Spanien - sowie
Griechenland als Nichtmitglied der WEU kündigen die
Entsendung von Kriegsschiffen in den Nahen Osten
an, die sich den bereits dort stationierten französischen und britischen Luft- und Marineeinheiten anschließen sollen. Die WEU ist eine politische Organi-

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�sation mit Vertretern aus Belgien, der Bundesrepublik
Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien,
Luxemburg, den Niederlanden, Portugal und Spanien.
Nichteuropäische Staaten
Afghanische Interimsregierung
Das Kabinett der Afghanischen Interimsregierung stimmt
der Entsendung eines Kontingents von 2 000 Mujahedin nach Saudi-Arabien offiziell zu, mit dem die multilateralen Streitkräfte unterstützt werden sollen.
Ägypten
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der Resolutionen 660, 661 und 662 des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen und spricht sich für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus. Hat bereits 5 000 Soldaten zur Verstärkung
der multinationalen Streitmacht nach Saudi-Arabien
geschickt. Geplant ist die Entsendung von zusätzlichen 15 000 Soldaten zusammen mit Panzern und
Schützenpanzern. Ausweisung des irakischen Verteidigungsattaches und zweier weiterer irakischer Diplomaten.
Algerien
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait. Einhaltung
der UN-Sanktionen gegen den Irak, ausgenommen
Lieferungen von Nahrungsmitteln und Medikamenten
aus humanitären Gründen.
Argentinien
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Befolgt die
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Stellt finanzielle Transaktionen mit Irak und Kuwait ein. Entsendet
zwei Kriegsschiffe mit zwei Flugzeugen, einer Infanterieeinheit sowie Luftwaffen- und Fernmeldepersonal
an den Golf, um das UN-Embargo gegen den Irak zu
unterstützen.
Aruba
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak.
Australien
Teilnahme am gemeinsamen Marineeinsatz. Entsendung zweier Lenkwaffenfregatten und eines Versorgungsschiffs sowie eines Sanitätsteams zum Persischen Golf. Abriegelung des Golfs für irakische Schiffe, um die UN-Sanktionen zu unterstützen. Öl- und
Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten.
Bahamas
Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait und
Forderung nach Abzug der Invasionsstreitmacht.
Einfrieren irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte.

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Bahrain
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Bahrain die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den Rückzug der Invasionstruppen.
Gestattet die Benutzung seiner Luftstützpunkte durch
die multinationalen Streitmacht im Golf.
Bangladesch
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait.
Entsendet über 2 000 Soldaten nach Saudi-Arabien
zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht.
Durchführung der UN-Sanktionen gegen den Irak,
einschließlich des Handels mit Waren und Dienstleistungen und der Lieferung von Tee.
Belize
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.
Benin
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Rückzug der Invasionstruppen.
Bermuda
Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak an. Verhängt eigene Finanzsanktionen.
Bolivien
Unterstützt die Sanktionen der Vereinten Nationen
gegen den Irak.
Brasilien
Öl- und Waffenembargo. Abbruch sämtlicher Handelsbeziehungen, einschließlich Nahrungsmittelüoferungen.
Chile
Wirtschaftssanktionen, Waffenembargo.
China
Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Resolutionen gegen den Irak. Waffenembargo.
Costa Rica
In Unterstützung der UN-Resolutionen gegen den Irak
verurteilt Costa Rica den irakischen Einmarsch in
Kuwait, die Annexion Kuwaits und die irakische Anordnung zur Schließung der Botschaften.

Seite 7

�Cote d'lvoire

Israel

Öl- und Handelsembargo.

Unterstützt die UN-Sanktionen gegen den Irak.

Ecuador

Jamaica

Präsident Borja und Außenminister Cordovez haben
die Absicht ihrer Regierung bekräftigt, alle UN-Resolutionen zur Golfkrise vollständig zu befolgen, einschließlich der Wirtschaftssanktionen. Ecuador unterhielt vor
der Krise jedoch keine Handelsbeziehungen zum Irak,
und es hat keine Kenntnis von irakischen oder kuwaitischen Firmen oder Vermögenswerten im Land.

Verurteilt die Invasion und befolgt die UN-Sanktionen
gegen den Irak. Unterstützt die von der Organisation
Amerikanischer Staaten ins Leben gerufene Initiative,
im Rahmen derer die irakische Invasion in Kuwait auf
das schärfste verurteilt wird.

Gabun

Ölembargo, Einstellung von Handel und Hilfe. Einfrieren kuwaitischer Vermögenswerte in Japan. Zieht
seine Einladung an den Irak zurück, am 12. November
an der Krönung von Kaiser Akihito teilzunehmen,
aufgrund der irakischen Invasion und Annektion Kuwaits "und anderer Maßnahmen" - Berichten zufolge
werden 139 Japaner in wichtigen Einrichtungen als
"menschliche Schutzschilde" festgehalten. Stellt Finanzhilfe in Höhe von 4 Milliarden Dollar bereit, davon
2 Milliarden Dollar für die multinationale Streitmacht.
Dazu gehören Beiträge zur Unterstützung von Streitkräften, Ausrüstung und Gerät. Entsendet medizinisches Personal auf die Arabische Halbinsel, das bis zu
100 Personen umfassen wird. Die restlichen 2 Milliarden Dollar sind als Finanzhilfe für die Türkei, Ägypten
und Jordanien bestimmt, um die durch die irakische
Invasion in Kuwait verursachten wirtschaftlichen Härten zu mildern. Stellt weitere 22 Millionen Dollar an
Flüchtlingshilfe bereit. Veröffentlichung gemeinsamer
Erklärungen mit der Sowjetunion und Großbritannien,
in denen der Irak zur Freilassung aller ausländischen
Geiseln und zum Abzug seiner Truppen aus Kuwait
aufgefordert wird. Stellt gegenwärtig ein Korps zur
Zusammenarbeit mit den Friedensbemühungen der
Vereinten Nationen auf, das die Entsendung ausgewählten Personals nach Übersee gestatten würde, um
die Operationen zur Erhaltung des Friedens zu unterstützen.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait, unterstützt
alle UN-Sanktionen gegen den Irak.
Gambia
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und forciert
den Abzug der Truppen.
Guatemala
Uneingeschränktes Wirtschaftsembargo gegen den
Irak und das besetzte Kuwait.
Haiti
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Honduras
Lehnt die irakische Invasion in Kuwait ab und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.
Hongkong
Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak an. Friert irakische und kuwaitische
Vermögenswerte ein.
Indien
Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Premierminister Singh erklärt, Indien werde zu seiner
in den Vereinten Nationen gegebenen Zustimmung zu
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak stehen. Der
Leiter der Au ßenhandelsstelle verkündete am 5. Oktober ein vollständiges Handelsverbot mit dem Irak und
Kuwait, au ßer für "Lieferungen für medizinische Zwekke und Nahrungsmittel, sofern sie zu humanitären
Zwecken bereitgestellt werden".
Indonesien
Einstellung des Handels mit dem Irak, Ölembargo.
Verstärkung der eigenen Erdölförderung.
Iran
Ablehnung der Annexion Kuwaits durch den Irak. Der
Iran erklärt sich zur Steigerung der Ölf örderung bereit,
um die Ausfälle im Irak und in Kuwait auszugleichen.
Seite 8

Japan

Jemen
Wird UN-Sanktionen gegen den Irak einhalten.
Jordanien
Beteiligt sich an den UN-Sanktionen gegen den Irak.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus, jedoch unter "Vorbehalten".
Katar
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Katar die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den Abzug der Invasionstruppen.
Stellt der multinationalen Streitmacht seine militärischen Einrichtungen zur Verfügung.

AMERIKA DIENST 42

�Kolumbien
Vizepräsidentschaft des UN-Sanktionsausschusses,
der die Einhaltung der Sanktionen überwacht.
Korea (Rep.)
Waffen- und Ölembargo, Einstellung des Handels außer
mit Gütern für medizinische oder humanitäre Zwecke.
Bietet den Vereinigten Staaten und der multilateralen
arabischen Streitmacht Transportmöglichkeiten an.
Kuba
Befolgung der UN-Sanktionen gegen den Irak.
Laos
Verurteilt in einer Erklärung den irakischen Einsatz von
Gewalt und fordert den unverzüglichen Abzug des Irak
aus Kuwait.
Libanon

Freilassung aller Ausländer im Irak und in Kuwait.
Befolgt die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zum
Irak und hat konkrete Maßnahmen ergriffen, um alternative Versorgungsquellen für bisher aus Kuwait importiertem Öl zu sichern.
Marokko
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Hat etwa 1 200 Soldaten nach SaudiArabien und 5 000 in die Vereinigten Arabischen Emirate
zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht entsandt. Ausweisung zweier irakischer Beamter aus
Marokko als Vergeltung für die irakische Entscheidung
zur Schließung der marokkanischen Botschaft in Kuwait
und die Festsetzung ihrer Diplomaten im Irak. Bemüht
sich auf diplomatischem Wege aktiv um eine Lösung
der Krise, die den Forderungen der Vereinten Nationen gerecht wird.

Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus.

Mexiko

Macao

Wird die Resolutionen der Vereinten Nationen zum
Irak befolgen.

Befolgt die UN-Sanktionen.
Madagaskar
Präsident Ratsiraka verurteilt am 5. August die irakische Invasion Kuwaits und bekundet seine Zustimmung zu den Maßnahmen des Sicherheitsrats.
Malaysia
Unterstützt die UN-Resolution über Sanktionen gegen
den Irak. Vollständige Einhaltung der Sanktionen,
Einfrieren kuwaitischer Vermögenswerte. Erhöht die
Ölproduktion um 55 000 Barrel pro Tag auf die Höchstmenge von 650 000 Barrel pro Tag, um den Bedarf der
Länder zu decken, die von irakischem und kuwaitischem Öl abhängen. Spendet für die Flüchtlingshilfe
in Jordanien Nahrungsmittel im Wert von 900 000
Dollar.

Plant die Steigerung der Ölförderung um 100 000
Barrel pro Tag in den nächsten zwei Monaten.
Myanmar

Nepal
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Niederländische Antillen
Einfrieren irakischer Vermögenswerte, Einstellung des
Zahlungsverkehrs mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait.
Neuseeland

Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait.

Verbot von Exporten in den Irak, geplantes Verbot von
Importen. Umleitung der Nahrungsmittellieferungen,
die sich auf dem Weg in den Irak befinden, ölembargo,
friert irakische Vermögenswerte ein. Stellt den Vereinten Nationen für den Einsatz am Golf zwei Transportflugzeuge zur Verfügung. Spendet Milchpulver für
Flüchtlinge aus dem Irak und Kuwait. Übernimmt die
Wartung von Transportflugzeugen für die Evakuierung
von Flüchtlingen nach Pakistan und Manila. Bietet den
Vereinten Nationen zwei zivile Flugzeuge mit Besatzungen und dem Internationalen Roten Kreuz ein
40köpfiges ziviles medizinisches Versorgungsteam
für den Einsatz in Saudi-Arabien an.

Mauritius

Nicaragua

Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits, fordert den Abzug der Invasionstruppen und die

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.

Malediven
Fordern den Abzug irakischer Truppen aus Kuwait.
Mali

AMERIKA DIENST 42

Seite 9

�Nigeria
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Truppenabzug, plant eine Steigerung derölförderung um 200 000 Barrel pro Tag (vorbehaltlich der
Zustimmung anderer OPEC-Staaten).
Oman
Die omanische Botschaft in Kuwait bleibt geöffnet, und
das Sultanat erkennt die irakische Besetzung Kuwaits
in keiner Weise an. Oman hat der Arabischen Liga,
dem Golf-Kooperationsrat und den UN-Resolutionen
seine Unterstützung versichert und fordert den Abzug
der Invasionstruppen.

Pakistan
Bekundet seine Absicht zur Durchführung der UNSanktionen gegen den Irak. Entsendet ein Kontingent
von 1 800 Soldaten nach Saudi-Arabien, unter anderem ein verstärktes Infanteriebataillon und ein provisorisches Unterstützungsbataillon.
Panama
Unterstützt Sanktionen. Verbietet Handelsschiffen die
Ladung oder das Löschen jeder Art von Waren aus
dem Irak oder Kuwait. Die Bankaufsichtsbehörde
erläßt Vorschriften für die Behandlung irakischer und
kuwaitischer Vermögenswerte. Der irakischen Schiffahrt
wird die Durchquerung des Panamakanals gestattet.
Papua Neuguinea
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits aufs schärfste
und unterstützt die UN-Resolutionen, mit denen die
Souveränität und Integrität Kuwaits wiederhergestellt
werden sollen.
Paraguay
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak.

und unverzüglichen Abzug der Invasionstruppen gefordert. Bittet die multinationale Streitmacht, darunter
Streitkräfte der Vereinigten Staaten, um Unterstützung zur Verteidigung Saudi-Arabiens. Der Transport
irakischen Erdöls durch Saudi-Arabien wird eingestellt. Erhöht die Ölförderung, um die Ausfälle in Irak
und Kuwait auszugleichen. Saudi-Arabien hat sämtliche von der UN gegen den Irak verhängten Sanktionen
ohne wenn und aber verwirklicht.
Senegal
Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den bedingungslosen Rückzug der Invasionstruppen sowie die Wiederherstellung der legitimen
Regierung Kuwaits. Entsendet am 17. September 500
Soldaten nach Saudi-Arabien. Einhaltung der UNSanktionen, Einfrieren irakischer und kuwaitischer
Vermögenswerte, ausgenommen der Mittel für den
Weiterbetrieb der Botschaften.
Simbabwe
Stellt den Handel mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait ein, setzt alle bilateralen Abkommen mit dem
Irak außer Kraft.
Singapur
Wirtschaftsembargo gegen den Irak und das besetzte
Kuwait. Transaktionen der rechtmäßigen Besitzer
kuwaitischer Vermögenswerte werden bei Erfüllung
bestimmter Kriterien gestattet.
Südafrika
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und forciert
den unverzüglichen Abzug irakischer Truppen. Präsident de Klerk bekräftigt später im Weißen Haus, daß
Südafrika gegen die irakische Aggression Einspruch
erhebt.
Sri Lanka

Peru

Wird alle erforderlichen Schritte unternehmen, um die
Wirtschaftssanktionen der Vereinten Nationen gegen
den Irak durchzusetzen.

Unterstützung und Einhaltung aller Resolutionen der
Vereinten Nationen zum Irak.

Sudan

Philippinen
Erkennen den bindenden Charakter der Sanktionen
an, Ölembargo.

Der Sudan "zollt der Charta der Vereinten Nationen
Respekt und bekundet seine Verpflichtung zu den
Resolutionen" 660, 661, 663 und 665.
Surinam

Salomonen
Führen Wirtschaftssanktionen gegen den Irak durch.
Saudi-Arabien
In internationalen Foren, der Arabischen Liga und im
Golf-Kooperationsrat hat Saudi-Arabien die irakische
Invasion in Kuwait verurteilt und den bedingungslosen

Seite 10

Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits. Wird die Wirtschafts- und Finanzsanktionen
der Vereinten Nationen gegen den Irak einhalten.
Swasiland
Bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen
erklärt Premierminister Diamini am 5. Oktober seine

AMERIKA DIENST 42

�uneingeschränkte Unterstützung für die Resolutionen
des Sicherheitsrats zur Golfkrise. Er verurteilt die
irakische Invasion und Geiselnahme und fordert den
Irak zum Abzug aus Kuwait auf.
Syrien

Trinidad/Tobago
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UNSanktionen gegen den Irak.
Tunesien

Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Syrien unterhält 4 000 Soldaten der
Bodentruppen in Saudi-Arabien und den Vereinigten
Arabischen Emiraten als Teil der multinationalen Streitmacht. Zusätzlich werden 10 000 Soldaten und 300
Panzer entsandt.

Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Uruguay
Verurteilt den Einsatz von Gewalt durch den Irak,
befolgt die Sanktionen der Vereinten Nationen gegen
den Irak.
Vereinigte Arabische Emirate

Taiwan
Erhebt entschlossen Einspruch gegen die irakische
Invasion in Kuwait und spricht sich für die Unterstützung der UN-Sanktionen gegen den Irak aus. Erklärt,
in Taiwan befänden sich keine irakischen Vermögenswerte, stoppt die Lieferung aller in Taiwan hergestellten Waren in den Irak, unterbindet Erdölimporte aus
dem Irak. Erklärt am 24. September, daß Taiwan den
Frontstaaten im Nahen Osten - Jordanien, der Türkei
und Ägypten - Direkthilfe in Höhe von 30 Millionen
Dollar gewähren wird.
Tansania
Bekundet seine Ablehnung der irakischen Invasion in
Kuwait und fordert den unverzüglichen Abzug der
Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Sanktionen gegen
den Irak.
Togo

Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrates verurteilen die Vereinigten Arabischen
Emirate die irakische Invasion in Kuwait und fordern
den Abzug der Invasionstruppen. Gewähren befreundeten Streitkräften, darunter auch denen der Vereinigten Staaten, die Nutzung der militärischen Einrichtungen. Verhindern das Anlegen eines irakischen Tankers im Hafen von Dubai, um die UN-Sanktionen
gegen den Irak zu unterstützen.
Vanuatu
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Erklärt die vollständige Einhaltung aller UN-Sanktionen gegen den Irak.
Venezuela
Unterstützt die UN-Sanktionen gegen den Irak. Wird
im Dezember 1990 die ölförderung auf 500 000 Barrel
pro Tag erhöhen.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.

*

AMERIKA DIENST 42

*

Seite 11

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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-UDSSR&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit bei regionalen Konflikten erforderlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede über die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: Irak politisch und wirtschaftlich isoliert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der Außenminister vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Internationale Reaktionen auf die irakische Invasion Kuwaits&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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17. Oktober 1990

JP

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USA-EUROPA

ENGE AMERIKANISCH-EUROPAISCHE
ZUSAMMENARBEIT BEI GOLFKRISE
Abteilungsleiter Seitz zur Entwicklung in Europa

GOLFKRISE

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und
politische Maßnahmen
DIE GOLFKRISE
Chronologie für September 1990

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�USA-EUROPA
17. Oktober 1990

ENGE AMERIKANISCH-EUROPÄISCHE
ZUSAMMENARBEIT BEI GOLFKRISE
Abteilungsleiter Seitz zur Entwicklung in Europa
WASHINGTON - (AD) - Dem Leiter der Abteilung für europäische und kanadische Angelegenheiten im USAußenministerium, Raymond G. H. Seitz, zufolge arbeiten die Vereinigten Staaten und Europa bei der
Bewältigung der Golf krise eng zusammen. Vor dem Unterausschu ß des Repräsentantenhauses für Europa und
den Nahen Osten erklärte Seitz am 9. Oktober 1990, die Veränderungen in der Sowjetunion und der daraus
resultierende Abbau der Ost-West-Spannungen führe zum ersten Mal dazu, daß die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion eine Krise "als Partner bei umfassenden Bemühungen zur Eindämmung einer Bedrohung für
die internationale Staatengemeinschaft" angehen könnten.
Die Vereinten Nationen funktionierten nun "im Sinne ihrer Begründer", die NATO habe eine "neue und
überzeugende Chance, ihren Wert unter Beweis zu stellen" und die Türkei habe ihre geopolitische Bedeutung
bekräftigt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Seitz vor dem Unterausschuß im Wortlaut.

Ich begrüße diese Gelegenheit, zu einer erneuten
Stellungnahme vor diesem Ausschuß.
Als ich im Juli das letzte Mal zu Ihnen sprach, habe ich
die bis dahin in der Europapolitik dieser Administration
erzielten Leistungen erläutert: den Durchbruch bei der
Vereinigung Deutschlands, die Stärkung der NATO
beim Londoner Gipfel, weitere Bemühungen in Wien
zum Abschluß eines bahnbrechenden Abkommens
über konventionelle Streitkräfte in Europa sowie die
Vorbereitungen für ein im November in Paris geplantes
Gipfeltreffen der Konfei enz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Diese politischen Initiativen
versprachen, im Herbst einen neuen Höhepunkt zu
erreichen.
Auf dem Weg zur Verwirklichung unserer erklärten
Ziele wurden ermutigende Fortschritte erreicht. Deutschland vollendete am 3. Oktober 1990 seine Einheit, und
das ist zu einem großen Teil auf unseren Erfolg bei den
Verhandlungen über den Zwei-plus-Vier-Vertrag zurückzuführen, der am 12. September 1990 unterzeichnet wurde. Die NATO beschäftigt sich aktiv mit der
beim Juli-Gipfel in London verabschiedeten ehrgeizigen Tagesordnung. Die Londoner Beschlüsse - zur
Überprüfung der NATO-Strategie, Einleitung von
AMERIKA DIENST 41

Verhandlungen über atomare Kurzstreckenraketen
(SNF), Schaffung eines neuen Verhältnisses zum
Warschauer Pakt und Neubelebung der KSZE - bildeten den Schlüssel zur raschen Wiederherstellung der
deutschen Einheit zu unseren Bedingungen. Die
NATO ist ein unerläßliches Gerüst bei der Planung der
neuen europäischen Architektur.
Vergangene Woche haben wir in New York prinzipiell
Einigung bei den wichtigsten noch offenen Fragen der
KSE-Verhandlungen erzielt, und wir erwarten die
Unterzeichnung dieses Vertrags bis Mitte November.
Der KSZE-Gipfel in Paris wird deshalb bei weiteren
wichtigen Beschlüssen für die Zukunft Europas auf
einem bahnbrechenden Abkommen zur Begrenzung
der konventionellen Streitkräfte aufbauen können.
Das gerade in New York beendete Ministertreffen - das
erste jemals in den Vereinigten Staaten abgehaltene
KSZE-Treffen - hat unsere Ziele in der KSZE gefördert: Erweiterung der politischen Konsultationen,
regelmäßige Veranstaltung von Folgekonferenzen sowie
die Gründung eines Konfliktverhütungszentrums, eines kleinen ständigen Sekretariats, eines Wahlbüros
und einer Europäischen Versammlung.

Seite 1

�Das große neue Element für uns und unsere europäischen Partner seit meiner letzten Erklärung vor diesem Unterausschuß ist die Krise am Persischen Golf.
Aus der internationalen Reaktion auf die irakische
Aggression haben wir wichtige Lehren gezogen, von
denen ich einige heute morgen erörtern möchte.
Mit der Abwehr des irakischen Einmarschs in Kuwait
steht die internationale Staatengemeinschaft vor ihrer
ersten großen Bewährungsprobe in der Welt nach dem
kalten Krieg. Die Ereignisse der vergangenen beiden
Monate haben gezeigt, daß das alte Muster des kalten
Kriegs durchbrochen wurde. Der Wandel in der Sowjetunion und der daraus resultierende Abbau derOstWest-Spannungen haben die Spielregeln verändert.
Zum ersten Mal gehen die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion eine Krise als Partner bei umfassenden
Bemühungen zur Eindämmung einer Bedrohung für
die internationale Staatengemeinschaft an. Das Gipfeltreffen in Helsinki im vergangenen Monat symbolisierte und festigte das Ende der automatischen Konfrontationen zwischen den Supermächten.
Ein Ergebnis besteht darin, daß die Vereinten Nationen endlich wieder im Sinne ihrer Begründer funktionieren. Befreit von vetobedingten Pattsituationen kann
der Sicherheitsrat in Krisenzeiten internationale Maßnahmen veranlassen. In einer gemeinsamen Erklärung sind die UdSSR und wir in der vergangenen
Woche in New York speziell auf das Potential für eine
verstärkte Rolle der UN bei der Lösung von Konflikten
und Unterstützung von Wahlen eingegangen. Die acht
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zur Golfkrise
sind Vorboten der erweiterten Rolle, die die UNO in
Zukunft spielen kann. Infolge des neuen Konsenses
bei der UNO können die politisch Verantwortlichen in

den Vereinigten Staaten gemeinsame Interessen mit
guten Aussichten auf breite internationale Unterstützung und Beteiligung verteidigen.
Auflösung regionaler Pattsituationen
In der Vergangenheit konnten regionale Störenfriede
Ressourcen und Handlungsspielraum erlangen, indem sie die Rivalität zwischen den Supermächten
ausnutzten. Durch den Rückgang der Ost-WestKonfrontation ist die Behandlung und Lösung regionaler Probleme per se wahrscheinlicher geworden. Der
sowjetische Experte für Außenpolitik, Georgij Arbatow, hat dies folgendermaßen formuliert: "Die Golfkrise wird einigen Leuten - denjenigen, die ebenfalls
abenteuerliche Wünsche hegen und zu rücksichtslosen Handlungen bereit wären - ins Bewußtsein rufen,
daß sie die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
nicht mehr gegeneinander ausspielen können. Statt
dessen werden sie sich wahrscheinlich mit der Zusammenarbeit zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten konfrontiert sehen."

Seite 2

Das Ende der Lähmung durch den kalten Krieg
Die Spaltung Europas in feindliche Lager hat die
Europäer häufig daran gehindert, die Rolle zu spielen,
die ihnen von ihrer Geschichte und Wirtschaftskraft
zugewiesen wurde. Heute sehen die Europäer auf
beiden Seiten der ehemaligen Trennungslinie klarer,
daß sie ein gemeinsames Interesse daran haben, sich
direkt bei Weltkrisen zu engagieren. Die Osteuropäer
lernen, ihre Interessen unabhängig abzuwägen und
dementsprechend zu handeln. Sie erwarten von uns
eine Führungsrolle und Hilfe, und wir beginnen sie als
Partner einzubinden. Die Osteuropäer haben direkte
Beiträge zu den Bemühungen am Golf geleistet; Polen, die Tschechoslowakei und Rumänien durch das
Angebot von Sanitätseinheiten, Ungarn durch den
Lufttransport von Versorgungsgütem für Flüchtlinge in
Jordanien. Wir dürfen nicht zulassen, daß die Golf krise uns von unseren Chancen und Verpflichtungen in
Osteuropa ablenkt.
Die Golfkrise hat der NATO eine neue und überzeugende Gelegenheit verschafft, ihren Wert unter Beweis zu stellen. Die umgehenden und effektiven
Konsultationen der NATO zur Golfpolitik sind ein hervorragendes Beispiel dafür, was wir unter der politischen Rolle der NATO verstehen. Wir und unsere
Verbündeten haben mit einer Stimme gegen die irakische Handlungsweise Stellung genommen. Ohne den
politischen Konsens der NATO wäre unsere Fähigkeit,
militärisch zu reagieren, erheblich eingeschränkt worden. Die Stützpunktstruktur der NATO ermöglichte die
von uns durchgeführte massive und noch andauernde
Verlegung von Truppen. Ohne voll funktionsfähige
NATO-Stützpunkte wären die nordatlantischen Demokratien in diesem und anderen, ähnlich gelagerten
Fällen erheblich in ihrer Fähigkeit eingeschränkt, ihre
vitalen Interessen zu schützen.
Unter unseren Verbündeten handelten besonders die
Briten in beeindruckender Weise, indem sie unverzüglich die Notwendigkeit einer festen Haltung erkannten
und ohne zu zögern umfangreiche Streitkräfte zur
Verfügung stellten. Wenn es hart auf hart kommt, ist
dieses besondere Verhältnis mehr als ein Gefühl. Die
Franzosen bauen eine Militärpräsenz von über 10 000
Mann und einem Dutzend Kriegsschiffen, mit Panzern
und Flugzeugen auf. Die deutsche Regierung hat
zugesagt, ihre Bemühungen zur Lastenteilung zu
verstärken. Insbesondere Bonn wird über eine Milliarde Dollar zur Unterstützung der amerikanischen Anstrengungen und eine gleich hohe Summe für die drei
am schwersten betroffenen Frontstaaten aufwenden.
Italien, das gegenwärtig die EG-Präsidentschaft innehat, war besonders effektiv bei der Koordinierung der
europäischen Bemühungen.
Insgesamt beteiligen sich 13 unserer NATO-Partner
an der Seeblockade. Griechenland, Belgien, die Nie-

AMERIKA DIENST 41

�derlande, Norwegen, Kanada und andere haben Schiffe entsandt. Portugal hat ein Schiff angeboten. Luxemburg trägt zur Finanzierung des Marineeinsatzes
der Westeuropäischen Union bei. Die Deutschen
haben Schiffe ins östliche Mittelmeer entsandt, um
heute im Golf befindliche Einheiten zu ersetzen.
Die Verbündeten tragen aber auch auf andere Weise
bei. Die Türkei hat eine Pipeline geschlossen, ihre
Truppen in Bereitschaft versetzt und ihre Zustimmung
zur Stationierung weiterer amerikanischer Flugzeuge
und AWACS-Systeme der NATO erteilt. Mehrere
Verbündete haben kostenlosen Seetransport angeboten. Die europäischen Stützpunkte - insbesondere in
Deutschland und Spanien - sind die wichtigsten Ausgangspunkte für unsere Dislozierungen. Großbritannien, Frankreich, Kanada und Italien verlegen Luftwaffeneinheiten.
Die Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft für
die Wirtschaftssanktionen kam unverzüglich, die Zusammenarbeit bei deren Durchsetzung war hervorragend. Die 12 Mitgliedstaaten haben Zusagen für
Hilfsleistungen im Wert von über 2 Milliarden Dollar an
die Türkei, Jordanien, Ägypten und andere betroffene
Staaten gegeben, einschließlich der reformwilligen
osteuropäischen Länder, die heute mit massiv gestiegenen Energiepreisen konfrontiert sind. Die EG hat
nahezu 200 Millionen Dollar an humanitärer Hilfe für
Personen gestiftet, die durch die Invasion in Kuwait zu
Flüchtlingen wurden.
Auf unsere Initiative hin wurde ein informeller Mechanismus geschaffen, um alle Hilfsmaßnahmen in Zusammenhang mit der Golfkrise zu koordinieren, Erfahrungen auszutauschen und Überschneidungen zu
vermeiden. Von den Europäern werden Deutschland,
Frankreich, Italien, Großbritannien und die EG-Kommission daran teilnehmen. Das erste Treffen der
Finanzkoordinierungsgruppe zur Golfkrise fand am
26. September in Washington statt, das zweite Treffen
wird voraussichtlich nächste Woche abgehalten.
Die Türkei spielt nach wie vor eine Schlüsselrolle als
Verbündeter unter erneuter Bekräftigung ihrer geopolitischen Bedeutung und ihres Engagements gegenüber dem Westen. Präsident Özal, der die Vereinigten

*

AMERIKA DIENST 41

Staaten im vergangenen Monat besuchte, hat unter
erheblichen Kosten für seine Volkswirtschaft mutige
Entscheidungen getroffen. Wir müssen sicherstellen,
daß die Türkei in vollem Umfang anerkannt wird und
ihre Bedürfnisse erfüllt werden. Wir werden unsere
europäischen Partner ermutigen, der Türkei die Hand
entgegenzustrecken, wie sie es mit der Einladung zur
Teilnahme der Türkei an der Koordinierungssitzung
der WEU am 21. August 1990 getan haben.
Die irakische Invasion Kuwaits hat der internationalen
Staatengemeinschaft die der Verbreitung moderner
Waffensysteme - insbesondere chemischer, biologischer und nuklearer Waffen sowie ballistischer Raketen - immanenten Gefahren überdeutlich vor Augen
geführt. Wie Außenminister Baker im vergangenen
Monat im NATO-Hauptquartier erklärte, beweist die
Existenz einer gutausgerüsteten, eine Million Mann
starken, nur wenige Jahre von Nuklearfähigkeiten
entfernten Armee im Irak ohne jeden Zweifel, daß der
Nichtverbreitungsvertrag verbessert werden muß. Wir
müssen einschneidende, international sanktionierte
Verfahren entwickeln, um die durch Massenvernichtungswaffen in den Händen von Diktatoren geschaffene Bedrohung im Keim zu ersticken. Die europäische
Zusammenarbeit ist hierbei von entscheidender Bedeutung.
Herr Vorsitzender, ich habe versucht, einige der Konsequenzen der Golfkrise für unsere Beziehungen zu
Europa aufzuzeigen. Meines Erachtens können die
Leistungen der vergangenen Monate in Europa dazu
beitragen, eine neue, friedlichere internationale Ordnung zu schaffen, in der wir gemeinsam mit unseren
Freunden und ehemaligen Gegnern Verantwortung
tragen. Wir begrüßen die Chance eines stärkeren,
verantwortungsvolleren Beitrags zu unseren gemeinsamen Bestrebungen durch Europa. Gleichzeitig wurde
durch die Golfkrise eindeutig belegt, daß die Welt bei
der Übernahme der Führungsrolle auf uns zählt. Wir
können auf die amerikanische Führungsrolle stolz
sein. Wir müssen zusammenarbeiten - Kongreß und
Administration - um ihre Zukunft sicherzustellen.
Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen.

* * *

*

Seite 3

�GOLFKRISE
17. Oktober 1990

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen
Die nachfolgende Übersicht über die von der internationalen Staatengemeinschaft als Reaktion auf die Invasion
des Iraks in Kuwait ergriffenen Maßnahmen stützt sich auf am 10. Oktober 1990 verfügbare Informationen und
ist gegebenenfalls unvollständig.

NATO
Die 16 Bündnispartner nehmen unmittelbar nach der
irakischen Invasion Kuwaits weiterhin andauernde

Konsultationen auf. Die Außenminister treffen am 10.
August 1990 im NATO-Hauptquartier zusammen, um
die Reaktion der Bündnispartner auf die Krise zu
erörtern und die Verpflichtung der NATO zur Verteidigung der Türkei im Falle eines Angriffs durch den Irak
zu bekräftigen. Die wichtigsten Ausschüsse der NATO
kommen weiterhin regelmäßig - zum Teil täglich zusammen, um die Maßnahmen zu koordinieren, Informationen und nachrichtendienstliche Erkenntnisse
auszutauschen. Die Außenminister der NATO-Partner kommen am 10. September 1990 zusammen, um
die Koordinierung zu intensivieren.
NATO-Mitgliedstaaten
Belgien
Ölembargo, Einfrieren der irakischen und kuwaitischen
Vermögenswerte. Entsendung von zwei Minensuchbooten und einem Versorgungsschiff in den Golf von
Oman. Zwei C-130 wurden für den Heimflug ägyptischer Flüchtlinge aus Kuwait zur Verfügung gestellt, 4
weitere C-130 werden zur Begleitung und zum Schutz
von Schiffen, die die Durchsetzung des Embargos
gewährleisten, zum Golf entsandt. Bereitstellung von
30 Tonnen Zucker und Mehl, 20 000 Tonnen Weizen.
Bundesrepublik Deutschland
Entsendung von Minensuchbooten und einem Versorgungsschiff zum Schutz der Seewege ins Mittelmeer
AMERIKA DIENST 41

und Angebot zusätzlicher Luft- und Seetransportunterstützung. Angebot an die Vereinigten Staaten zur
Nutzung von Stützpunkten für Operationen gegen den
Irak. Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte. Am 16. August 1990 stellt die Bundespost
den Brief- und Paketverkehr mit dem Irak und Kuwait
ein. Die Bundesregierung und führende Wirtschaftsverbände versprechen, alles in ihrer Macht Stehende
zu tun, um das Embargo gegen den Irak "wasserdicht"
zu machen. An Flüchtlingshilfe stellt die Bundesrepublik 4,5 Tonnen Nahrungsmittel, 55 Zelte und zwei
Krankenwagen bereit.
Dänemark
Korvette der dänischen Marine im Golf eingetroffen.
Dänische Regierung bewilligt 4 Millionen Dollar zur
Unterstützung von Flüchtlingen aus Irak und Kuwait.
Die Privatreederei A. P. Moeller stellt zwei Schiffe zum
Transport amerikanischen Geräts an den Golf zur
Verfügung. Erlaubt die Nutzung seiner Handelsschiffe
im Golf als Versorgungsschiffe der multinationalen
Streitmacht in Saudi-Arabien. Unterstützt Sanktionen
der EG gegen den Irak; Ölembargo.
Frankreich
Die französische Marine unterhält 12 Schiffe und 1 500
Mann in der Golf region. Eine schwere Heeresbrigade
mit 4 300 Mann, 48 Hubschraubern, 48 Panzern und
64 gepanzerten Fahrzeugen bezieht in Saudi-Arabien
Stellung.
Die französischen Luftwaffeneinheiten
umfassen 24 Mirage- und Jaguar-Jagdflugzeuge, 5
Transport- und 2 Tankflugzeuge sowie insgesamt 800

Seite 1

�Mann. Darüber hinaus hat Frankreich 300 Mann in den
Vereinigten Arabischen Emiraten, 150 Mann in Katar
sowie eine ständige Streitmacht von 4 000 Mann in
Dschibuti stationiert. Frankreich schließt sich der UNResolution über wirtschaftliche Sanktionen gegen den
Irak an. ö l - und Waffenembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte, Unterbindung des Handels
mit Ausnahme von Arznei- und Nahrungsmitteln für
humanitäre Zwecke. Das französische Au ßenministerium fordert die uneingeschränkte Durchsetzung des
Embargos. Vier französische Gewerkschaften (CFDT,
CFTC, CGC und FEN) verurteilen die Festsetzung von
Ausländern durch den Irak und fordern ihre unverzügliche und bedingungslose Freilassung. Drastische
Einschränkung der Bewegungsfreiheit einer Gruppe
irakischer Offiziere und Staatsbürger aus Sicherheitsgründen, die in Frankreich in der Bedienung von militärischem Gerät und Radaranlagen ausgebildet wurden.
Griechenland
Entsendung der Fregatte "Limnos" ins Rote Meer.
Unbürokratische Bereitstellung von drei unter griechischer Flagge fahrenden Schiffen für militärische Transporte. Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte, Überflugerlaubnis für Militärflugzeuge der
Vereinigten Staaten und verbündeter Länder auf dem
Weg zum Golf. Uneingeschränkte Zusammenarbeit
bei Zwischenlandungen und Auftanken von Flugzeugen. Bereitstellung der Hafenanlagen für verbündete
Seestreitkräfte.
Großbritannien
Die in den Golf entsendeten britischen Landstreitkräfte
belaufen sich auf 10 - 12 000 Mann, davon sind 6 8 000 in Saudi-Arabien stationiert. Entsendung von
120 Panzern des Typs Challenger, mit Rapier-Flugabwehrraketen ausgerüsteten Einheiten, 4 Kampfschiffen mit Unterstützungseinheiten, einem Geschwader
Tornado-Kampfflugzeuge, einem Geschwader JaguarKampf bomber, VC 10-Tankflugzeugen und NimrodSeeaufklärern, 2 Schiffen für den Seetransport. Bewilligt
10,8 Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe, wovon 4,2
Millionen im Rahmen des EG-Beitrags zur Verfügung
gestellt werden. Einfrieren kuwaitischer und irakischer
Vermögenswerte.
Island
Erklärung der uneingeschränkten Unterstützung der
UN-Sanktionen gegen den Irak.
Italien
Entsendung von acht "Tornados" in die Vereinigten
Arabischen Emirate. Zum ersten Mal seit dem Zweiten
Weltkrieg werden italienische Militärflugzeuge außerhalb des italienischen Luftraums eingesetzt. Vier
Marineschiffe werden in die Golfregion verlegt. Regierung verkündet am 17. September die Ausweisung der

Seite 2

irakischen Militärattaches und dfe Einschränkung der
Bewegungsfreiheit irakischer Diplomaten. Vollständiges Handelsembargo. Einfrieren irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte. Verbot irakischer/kuwaitischer Luft- und Seetransportdienste. Erlaubnis der
Nutzung von US-Stützpunkten in Italien. Bereitstellung von 40 Tonnen an Hiffsgütern einschfießfich Decken,
Wasserkanistern, Müllcontamem, Zeltplanen, Werkzeugen und Küchengerät als FlüchtHhgshflfe. Sagt die
Bereitstellung von zivilen Transportschiffen zur Verlegung amerikanischer Truppen und Versorgungsgüter
zu. Genehmigt Hilfsleistungen in Höhe von 160 Millionen Dollar für Länder, die unmittelbar von der Blockade
des Iraks, betroffen sind.
Kanada
Premierminister Mulroney gibt am 14. September 1990
die Entsendung eines CF-18-Geschwaders an den
Golf bekannt und verspricht Hilfsleistungen in Höhe
von 75 Millionen Dollar für die Türkei, Ägypten, Jordanien, die Philippinen, Sri Lanka und Bangladesh.
Entsendung von zwei Zerstörern und einem Versorgungsschiff zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht im Golf. Abbruch der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit Irak. Verpflichtung zur Bereitstellung von 2,2 Millionen Dollar in bar, die als FKichtlingshilfe zwischen dem Internationalen Komitee vom
Roten Kreuz und zwischenstaatlichen Organisationen
aufgeteilt werden sollen.
Luxemburg
Die Regierung stellt vorläufig 2 Millionen Dollar als
Beitrag zu den Transportkosten für Männer und Material in die Region bereit. Diese Mittel werden für die
Hilfsleistungen der WEU-Partner Belgien, Niederlande und Portugal gewährt. Weitere 2 Millionen Dollar
werden für die EG-Bemühungen in der Region und 1,3
Millionen Dollar für Hilfe an die Türkei, Jordanien,
Ägypten und Bangladesh zur Verfügung gestellt.
Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte.
Niederlande
Uneingeschränkte Finanzsanktionen gegen den Irak,
Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte. Entsendung von zwei Fregatten in den Golf.
Werden im November ein Versorgungsschiff dorthin
verlegen. Angebot zur Entsendung eines Geschwaders von 18 F-16 in die Golfregion. Lieferung von
50 000 ABC-Schutzanzügen im Gesamtwert von 20,4
Millionen Dollar in die Türkei. Bereitstellung von 3
Millionen Dollar Flüchtlingshilfe. Eine weitere Million
wird von privaten Geldgebern gespendet.
Norwegen
Humanitäre Hilfe in Höhe von 126 Millionen Kronen,
darunter 30 Millionen an die Türkei, Ägypten und
Jordanien sowie 20 Millionen für die Repatriierung von

AMERIKA DIENST 41

�Flüchtlingen. Mittel werden ferner für Bangladesh,
Indien, Pakistan und Sri Lanka zur Verfügung gestellt,
um die für diese Länder durch die Krise entstehenden
Kosten zu mildern. Militärische Lufttransportmittel
werden für den Transport von Nahrungsmitteln und
medizinischer Ausrüstung nach Jordanien und von
Flüchtlingen nach Kairo bereitgestellt. Angebot von
Dekontaminierungsgerät für den Bedarfsfall sowie ABCSchutzkleidung an die multinationale Streitmacht. Das
Schiff "Andenes" der norwegischen Küstenwache wird
Mitte Oktober zur Unterstützung der dänischen Korvette "Olfert Fischer" im Golf eintreffen. Sechs Luftabwehrraketen des Typs Sea Sparrow wurden der dänischen Marine zur Verfügung gestellt, und 9 Freund/
Feind-Erkennungssysteme wurden an Großbritannien
ausgeliehen. Einfrieren kuwaitischer und irakischer
Vermögenswerte. Bereitstellung von 40 Tonnen hochproteinhaltiger Kekse als Flüchlingshilfe.
Portugal
Vollständige Einhaltung des UN-Embargos. Den
Vereinigten Staaten wird die Nutzung des Stützpunktes Lajes auf den Azoren für Truppentransporte gestattet. Bereitstellung eines Marinetransportschiffes
durch die WEU. Zwei Handelsschiffe werden an die
American Maritime AuthorityfürTransportoperationen
vermietet. Portugiesisches Ärzteteam wird in jordanische Flüchtlingslager entsandt, Regierung bietet ein
Feldlazarett, Medikamente sowie deren Transport an.
C-130 der Luftwaffe wird zur Unterstützung des Transports ägyptischer Flüchtlinge aus Jordanien bereitgestellt. Öl- und Waffenembargo. Embargo bei Dienstleistungen für irakische Schiffe.
Spanien
Entsendung einer Fregatte und zweier Korvetten in die
Straße von Hormuz und ins Rote Meer als Teil der
WEU-Bemühungen zur Durchsetzung des Embargos.
Einfrieren irakischer Vermögenswerte und Handelsembargo. Erhebliche Unterstützung für den Transit
amerikanischer Einheiten durch Nutzung militärischer
Einrichtungen in Spanien. Benutzung spanischer Häfen
für logistische Unterstützung und Reparatur von Transportschiffen. Spanische Luftwaffe liefert humanitäre
Hilfsmittel für Flüchtlinge in Jordanien und hilft bei der
Repatriierung ägyptischer und asiatischer Flüchtlinge
aus Jordanien.
Türkei
Einfrieren irakischer Vermögenswerte. Verweigert die
Verladung irakischen Öls am Ende der irakischen
Pipeline. Untersagt die Entladung zweier Schiffe mit
Nahrungsmitteln für den Irak im südlichen Hafen Mersin.
Handelsembargo mit Ausnahme von Nahrungs- und
Arzneimitteln. Das Parlament ermächtigt die Regierung im Falle eines Angriffs durch den Irak zur Kriegserklärung, zur Entsendung von Kampftruppen und
zum Einsatz ausländischer Truppen auf türkischem
Hoheitsgebiet.
AMERIKA DIENST 41

Vereinigte Staaten
Entsendung von über 175 000 Soldaten von Heer,
Marine und Luftwaffe nach Saudi-Arabien, um dieses
Land gegen einen möglichen irakischen Angriff zu
schützen. Zur Zeit befinden sich 13 Kriegsschiffe und
zwei Lazarettschiffe im Persischen Golf. 26 Schiffe,
darunter der Flugzeugträger "Independence" befinden sich im Norden des Arabischen Meers und 10
Schiffe, darunter der Flugzeugträger "Kennedy", im
Roten Meer. Verhängung eines vollständigen Embargos gegen den Irak und das besetzte Kuwait sowie
gegen kommerzielle Nahrungsmittellieferungen.
Aussetzung der Kredite, Anleihen und Zuschüsse.
Modifizierung des Embargos, so daß es das Verbot
von Exporten an jede vom Irak - direkt oder indirekt aus betriebene oder von der irakischen Regierung
kontrollierte oder in deren Besitz befindliche Körperschaft einschließt. Einfrieren der irakischen und
kuwaitischen Vermögenswerte. Amerikanische Zollbeamte beschlagnahmen für den Irak und Kuwait
bestimmte Ersatzteile, Satelliten- und Computergeräte. Das FBI versiegelt die Büros der irakischen Fluggesellschaft in New York, Detroit und Los Angeles. Die
Vereinigten Staaten werden zur Unterstützung der
UN-Sanktionen irakische öllieferungen in der Golfregion abfangen. Als Reaktion auf die illegale Schließung der amerikanischen Botschaft in Kuwait durch
den Irak weisen die Vereinigten Staaten 36 der 55
zuvor an der irakischen Botschaft in Washington akkreditierten Personen aus. Die Vereinigten Staaten
leisten Flüchtlingshilfe in Höhe von 1 Million Dollar
einschließlich Zelten, Wasserkanistern, Nahrungsmitteln sowie Beiträgen an die Internationale Organisation für Auswanderung. Die Vereinigten Staaten leiten
Initiativen zur Unterstützung der durch die Golfkrise
wirtschaftlich betroffenen Länder sowie zur Verteilung
der Kosten der Militäroperationen im Golf in die Wege.
Andere europäische Nationen
Andorra
Verbietet Importe und Exporte jeglicher Vermögenswerte aus und in den Irak und Kuwait sowie die
Bereitstellung von Dienstleistungen und Krediten.
Bulgarien
Unterbindung aller Lieferungen militärischer Güter an
den Irak und Erweiterung der Wirtschaftssanktionen.
Finnland
Unterstützung der Resolution des UN-Sicherheitsrats
über Sanktionen, vollständige Durchführung der UNMaßnahmen einschließlich eines uneingeschränkten
Handelsembargos. Ernennung des finnischen Botschafters bei den Vereinten Nationen zum Leiter der
Gruppe von Ländern, die die Einhaltung der UNSanktionengegen Irak überwachen. Verpflichtung zur

Seite 3

�Zahlung von 135 000 Dollar an Flüchtlingshilfe an das
Internationale Komitee vom Roten Kreuz.
Irland

kehrs mit Irak und Kuwait. Ab 20. Oktober Sperrung
des schwedischen Luftraums für Flugzeuge mit Gütern für oder aus Irak und Kuwait. Stellt 20 Millionen
Dollar an Flüchtlingshilfe bereit.

Ölembargo.

Schweiz

Jugoslawien

ö l - und Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten, Beschränkungen für den sonstigen Handel.
Die Schweiz beteiligt sich zum ersten Mal an UNWirtschaftssanktionen. Entsendet ein Hilfsteam für
Flüchtlinge.

Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait, fordert
den Irak auf, alle Truppen aus Kuwait zurückzuziehen.
Weigerung, die irakische Annexion Kuwaits anzuerkennen. Unterstützt die Wirtschaftssanktionen der UN
gegen den Irak. Einstellung aller Lieferungen in den
Irak, Aussetzung von Importen aus dem Irak, Abbau
jugoslawischer Arbeitskräfte in Irak und Kuwait, Einfrieren irakischer Vermögenswerte.
•

Liechtenstein
Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte, Handelsembargo mit Ausnahme von Arznei- und
Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke.
Malta
Keine Vergabe von Aus- oder Einfuhrgenehmigungen
für Handel mit Irak und Kuwait, vor Verhängung der
Sanktionen erteilte Genehmigungen werden widerrufen.
Österreich
Vollständige Einhaltung der UN-Wirtschaftsanktionen
gegen den Irak, Waffenembargo für die Region. Blokkiert den Transfer irakischer Vermögenswerte. Erlaubnis zum Überfliegen amerikanischer militärischer
Transportflugzeuge über Österreich. Beitrag von etwa
einer Million Dollar an Hilfe für Ägypten, Jordanien und
die Türkei. Bereitstellung weiterer Finanzmittel wird
erwogen.
Polen
Vollständige Einhaltung des Handelsembargos gegen
den Irak. Waffenembargo, Verurteilung der Annexion
Kuwaits. Strikte Einhaltung der Resolutionen des UNSicherheitsrats. Regierung kündigt Entsendung eines
Lazarettschiffs und eines Feldlazaretts zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht an.

Sowjetunion
Verurteilung der Annexion Kuwaits durch den Irak,
Waffenembargo. Entsendung zweier Kriegsschiffe
zur Straße von Hormuz. Kündigt Absicht zum Abzug
von 1 700 technischen Experten aus dem Irak im
nächsten Monat an. Hat alle Familienangehörigen aus
Kuwait und viele aus dem Irak repatriiert. Einstellung
des Exports militärischen Nachschubs. Würde unter
Aufsicht der Vereinten Nationen die Abriegelung des
Golfs für irakische Schiffe in Erwägung ziehen. Erlaß
eines Dekrets an alle Ministerien und Behörden, die für
den Handel mit dem Irak oder sonstige Beziehungen
mit diesem Land zuständig sind, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um die Wirtschaftssanktionen
der Vereinten Nationen zu verwirklichen. Verabschiedung einer gemeinsamen Erklärung mit Japan am 5.
September mit der Aufforderung an den Irak, alle
ausländischen Geiseln freizulassen und seine Truppen aus Kuwait abzuziehen.
Tschechoslowakei
Waffenembargo, Verurteilung der irakischen Aggression. Verzögerung der Abreise des neuen tschechoslowakischen Botschafters im Irak nach Bagdad.
Durchführung der UN-Sanktionen einschließlich Unterbindung aller Exporte und Importe aus und nach Irak
und Kuwait.
Ungarn
Öl- und Handelsembargo.
Vatikan

Rumänien

Lobt die Resolution der Vereinten Nationen über
Sanktionen gegen den Irak.

Wird UN-Sanktionen gegen den Irak befolgen.

Zypern

Schweden

Unterstützung der Sanktionen gegen den Irak.

Vollständige Durchführung und Einhaltung sämtlicher
UN-Sanktionen. Verbot von Aus- und Einfuhren nach
oder aus Kuwait und Irak, mit Ausnahme von Waren für
humanitäre oder medizinische Zwecke nach Genehmigung durch die Regierung. Verbot von Maßnahmen, die Geschäfte mit dem Irak oder Kuwait fördern
würden; Einstellung des Zahlungs- und Kreditver-

Andere Organisationen • regional und international

Seite 4

Afghanische Interimsregierung
Offizielle Zustimmung des Kabinetts zur Entsendung
von 2 000 Mujahedin nach Saudi-Arabien zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht.

AMERIKA DIENST 41

�Arabische Liga
Die arabische Liga spricht sich (mit 12:3 Stimmen von
20 Mitgliedstaaten) für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus, um das
Land gegen eine mögliche irakische Aggression zu
schützen. Jordanien, Mauretanien und der Sudan
stimmen für die Resolution, machen jedoch "Bedenken" geltend. Der Irak, Libyen und die PLO stimmen
dagegen. Der Jemen und Algerien enthalten sich.
Tunesien ist nicht vertreten. Die Resolution bekräftigt
darüber hinaus die Resolutionen 660,661 und 662 des
UN-Sicherheitsrats.
Europarat
Das Außenministertreffen des Europarats verabschiedet am 12. September eine Resolution, in der die
irakische Verletzung des Völkerrechts und die Geiselnahme verurteilt werden. Sie fordert die Anwendung
der UN-Sanktionen gegen den Irak durch alle Staaten
und appelliert an die Mitglieder des Europarats, Ländern beizustehen, die ohne eigenes Verschulden von
diesen Sanktionen betroffen sind. Die Erklärung widmet sich besonders humanitären Problemen der zahlreichen Menschen, die durch die Krise zur Flucht
gezwungen wurden und bedauert die Weigerung des
Irak, mit dem IKRK zusammenzuarbeiten.
Europäische Gemeinschaft
Die EG erklärt am 17. September die Ausweisung aller
irakischen Militärattaches sowie die Einschränkung
der Bewegungsfreiheit der anderen irakischen Diplomaten, die in den Hauptstädten der 12 Mitgliedstaaten
akkreditiert sind. Verhängt allgemeines Handelsembargo gegen den Irak und das besetzte Kuwait. Einfrieren von Vermögenswerten auf ihrem Hoheitsgebiet
sowie Einstellung jeglicher Zusammenarbeit mit dem
Irak und dem besetzten Kuwait. Unterstützt alle bis
jetzt in Zusammenhang mit der Golfkrise verabschiedeten UN-Resolutionen. Über die Botschafter der
gegenwärtigen Präsidentschaft (Irland, Italien und
Luxemburg) hat die EG Demarchen in Bagdad unternommen, um die bedingungslose Freilassung der
Ausländer in Irak und Kuwait zu unterstützen. Die EG
stellt 78 Millionen Dollar in Form von Transport, Nahrungsmitteln und humanitärer Hilfe für Flüchtlinge bereit.
Europaparlament
Verabschiedung einer Resolution am 14. September,
in der "die Invasion und Annexion Kuwaits durch den
Irak ... und die gezielte Geiselnahme von Ausländern
durch den Irak energisch verurteilt" wird. Die Resolution fordert "den unverzüglichen Rückzug der irakischen Truppen aus Kuwait, um dessen legitime Autorität und Souveränität wiederherzustellen..."

Hat Truppen in Saudi-Arabien stationiert. Saudi-Arabien bittet die Vereinigten Staaten und andere Länder
um militärische Hilfe zur Verteidigung gegen eine
mögliche irakische Aggression. Saudi-Arabien verpflichtet sich darüber hinaus zu höherer Ölförderung,
um die Produktionsausfälle in Irak und Kuwait wettzumachen. Verweigert einem irakischen Tanker das
Anlegen an einem saudischen Verladeterminal im
Roten Meer. Die Vereinigten Arabischen Emirate
öffnen ihre militärischen Einrichtungen für multinationale Streitkräfte und verweigern einem irakischen Tanker
die Einfahrt in den Hafen von Dubai. Katar stellt seine
militärischen Einrichtungen den multinationalen Streitkräften zur Verfügung. Berichten zufolge öffnen auch
Bahrain und Oman ihre militärischen Einrichtungen.
Der Golf-Kooperationsrat ist eine regionale Organisation, die aus den Vereinigten Arabischen Emiraten,
Saudi-Arabien, Bahrain, Oman, Katar und Kuwait
besteht.
Internationale Arbeitsorganisation
Die Internationale Arbeitsorganisation, eine Unterorganisation der UN, appelliert an den Irak, unverzüglich
Schritte zur Freilassung aller in Irak und Kuwait festgehaltenen ausländischen Arbeitnehmer zu ergreifen.
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE)
Die Außenminister der KSZE-Staaten verabschieden
am 2. Oktober in New York eine Erklärung, mit der sie
sich den Vereinten Nationen "bei der Verurteilung der
irakischen Invasion und Besetzung von Kuwait" anschließen. Darüber hinaus fordern sie die Regierung
des Irak zum unverzüglichen und bedingungslosen
Abzug aus Kuwait auf und erklären ihre volle Unterstützung für die UN-Resolutionen zur Verurteilung des
Irak. Sie bringen ferner ihre Entschlossenheit zum
Ausdruck, "die vollständige und wirksame Durchsetzung" der UN-Sanktionen zu gewährleisten und unterstützen "die Länder, die aufgrund der vom Irak herbeigeführten Krise besonders gelitten haben".
Koordinationsrat der Gewerkschaften des Südlichen Afrikas
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak. Bittet die Gewerkschaften des südlichen Afrikas, jeglichen Bruch des Embargos zu melden und zu verurteilen.
Bewegung der Blockfreien
Verurteilung des Einsatzes von Gewalt durch den Irak
sowie Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.

Golf-Kooperationsrat

Nordischer Rat

Verurteilung der irakischen Aggression gegen Kuwait
und Forderung nach Rückzug der irakischen Truppen.

Verabschiedung einer Erklärung, in der die irakische
Weigerung, Staatsbürgern der nordischen Staaten

AMERIKA DIENST 41

Seite 5

�und anderen Ausländern das Verlassen des Irak und
Kuwaits zu gestatten, scharf verurteilt und festgestellt
wird, daß "die Entscheidung des Irak eine Verletzung
des Völkerrechts und der UN-Menschenrechtserklärung darstellt". Der Nordische Rat ist eine regionale
Organisation, die sich aus Vertretern Dänemarks,
Finnlands, Islands, Norwegens und Schwedens zusammensetzt.
Die nordischen Außenminister
Verabschiedung einer Erklärung zur Golfkrise am 11.
September, in der "die brutale Invasion und der Versuch der Annexion Kuwaits" scharf verurteilt und die
Rolle des UN-Sicherheitsrats bei der Aufrechterhaltung des internationalen Drucks auf den Irak hervorgehoben werden.
OPEC
Verständigung auf einen Plan, der den OPEC-Mitgliedern eine Erhöhung ihrer Erdölförderung über die
vereinbarten Quoten hinaus gestattet, um den durch
das Embargo gegen den Irak verursachten Ausfall von
4 Millionen Barrel täglich wettzumachen. Saudi-Arabien und Venezuela haben ihre ölproduktion bereits
erhöht. Die Vereinigten Arabischen Emirate, Nigeria,
Gabun und Ecuador werden ihre Fördermenge wahrscheinlich in Kürze erhöhen. Der Iran und Libyen
stimmen gegen die Resolution, planen jedoch angeblich auch eine Erhöhung ihrer eigenen Produktion.
Organisation Amerikanischer Staaten
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Ablehnung der Annexion Kuwaits. Unterstützt alle
diesbezüglichen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
gegen den Irak. Weist die Benutzung ausländischer
Geiseln in Bagdad als "menschliche Schutzschilde im
Konflikt" zurück. Bietet ihre guten Dienste für die in
Irak und Kuwait festgehaltenen Staatsbürger aus Mitgliedstaaten an. Die OAS ist eine regionale Organisation mit Vertretern der Karibikstaaten sowie aller Staaten Mittel-, Süd- und Nordamerikas außer Kuba.
Vereinte Nationen
Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet Resolutionen, in
denen die irakische Invasion in Kuwait verurteilt und
der unverzügliche Rückzug der Invasionsstreitkräfte
gefordert, ein Handels- und Finanzembargo gegen
den Irak und Kuwait angeordnet, die irakische Annexion von Kuwait für null und nichtig erklärt, die Freilassung aller Ausländer durch den Irak verlangt und der
internationalen Staatengemeinschaft das Recht gegeben wird, das Wirtschaftsembargo gegen den Irak
durchzusetzen, indem die Schiffahrt nach und aus
diesem Land unterbunden wird. Die Vereinten Nationen legen enge Grenzen für die Lieferung von Arzneiund Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke in den
Irak und das besetzte Kuwait fest. Verurteilung des
Irak aufgrund von Gewalttaten gegen ausländische

Seite 6

Botschaften und deren Personal im besetzten Kuwait.
Verhängung eines Luftverkehrsembargos gegen den
Irak.
Westeuropäische Union
Die Außen- und Verteidigungsminister der neun Mitgliedstaaten der WEU erörtern während eines Treffens in Paris am 18. September weitere Möglichkeiten
zur Koordinierung ihrer Maßnahmen am Golf. Sie
verurteilen "uneingeschränkt die jüngsten Angriffe des
Irak auf das Völkerrecht und die Unverletzlichkeit von
Personen" und verleihen ihrer Entschlossenheit Ausdruck, das vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
verhängte Embargo mit all seinen Elementen anzuwenden und für seine Anwendung zu sorgen. Bei
früheren Maßnahmen verständigen sich die neun WEUMitgliedstaaten darauf, die Marineoperationen im Nahen
Osten auszuweiten und "ihre Operationen eng miteinander abzustimmen". Darüber hinaus erklären sie
sich bereit, zusammen mit den Vereinigten Staaten
Verantwortung für die Durchsetzung der UN-Sanktionen gegen den Irak zu übernehmen. Vier WEUMitglieder - die Niederlande, Belgien, Italien und Spanien - sowie Griechenland, das kein Mitglied der WEU
ist, kündigen die Entsendung von Kriegsschiffen in den
Nahen Osten an, die sich den bereits dort stationierten
französischen und britischen Luft- und Marineeinheiten anschließen sollen. Die WEU ist eine politische
Organisation mit Vertretern aus Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien,
Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Portugal und
Spanien.
Nichteuropäische Staaten
Algerien
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait. Einhaltung
der UN-Sanktionen gegen den Irak, ausgenommen
Lieferungen von Nahrungsmitteln und Medikamenten
aus humanitären Gründen.
Ägypten
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der Resolutionen 660, 661 und 662 des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen und spricht sich für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus. Hat bereits 5 000 Soldaten zur Verstärkung
der multinationalen Streitmacht nach Saudi-Arabien
geschickt. Geplant ist die Entsendung von zusätzlichen 15 000 Soldaten zusammen mit Panzern und
Schützenpanzern. Ausweisung des irakischen Verteidigungsattaches und zweier weiterer irakischer Diplomaten.
Argentinien
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Befolgt die
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Stellt finanziel-

AMERIKA DIENST 41

�Brasilien

le Transaktionen mit Irak und Kuwait ein. Entsendet
zwei Kriegsschiffe mit zwei Flugzeugen, einer Infanterieeinheit sowie Luftwaffen- und Fernmeldepersonal
an den Golf, um das UN-Embargo gegen den Irak zu
unterstützen.

Öl- und Waffenembargo. Abbruch sämtlicher Handelsbeziehungen, einschließlich Nahrungsmittellieferungen.

Aruba

Chile

Wirtschaftssanktionen gegen den Irak.

Wirtschaftssanktionen, Waffenembargo.

Australien

China

Teilnahme am gemeinsamen Marineeinsatz. Entsendung zweier Lenkwaffenfregatten und eines Versorgungsschiffs sowie eines Sanitätsteams zum Persischen Golf. Zusage, den Golf für irakische Schiffe
abzuriegeln, um die UN-Sanktionen zu unterstützen.
Öl- und Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten.

Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Resolutionen gegen den Irak. Waffenembargo.

Bahamas
Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait und
Forderung nach Rückzug der Invasionsstreitmacht.
Einfrieren irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte.

Costa Rica
In Unterstützung der UN-Resolutionen gegen den Irak
verurteilt Costa Rica den irakischen Einmarsch in
Kuwait, die Annexion Kuwaits und die irakische Anordnung zur Schließung der Botschaften.
Cote d'lvoire
Öl- und Handelsembargo.

Bahrain

Gabun

Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Bahrain die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den Rückzug der Invasionstruppen.
Gestattet die Benutzung seiner Luftstützpunkte durch
die multinationalen Streitkräfte.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait, unterstützt
alle UN-Sanktionen gegen den Irak.

Bangladesh
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait.
Entsendet über 2 000 Soldaten nach Saudi-Arabien
zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht.
Durchführung der UN-Sanktionen gegen den Irak,
einschließlich des Handels mit Waren und Dienstleistungen und der Lieferung von Tee.
Belize
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.

Gambia
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Abzug der Truppen.
Guatemala
Völliges Wirtschaftsembargo gegen den Irak und das
besetzte Kuwait.
Haiti
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Honduras
Lehnt die irakische Invasion in Kuwait ab und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.

Benin
Hongkong
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Rückzug der Invasionstruppen.
Bermuda
Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak an. Verhängt eigene Finanzsanktionen.

Bolivien

Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak an. Friert irakische und kuwaitische
Vermögenswerte ein.
Indien
Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Premierminister Singh erklärt, Indien werde zu seiner
in den Vereinten Nationen gegebenen Zustimmung zu
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak stehen.

Unterstützt die Sanktionen der Vereinten Nationen
gegen den Irak.
AMERIKA DIENST 41

Seite 7

�Indonesien
Einstellung des Handels mit dem Irak, Ölembargo.
Verstärkung der eigenen Erdölförderung.
Iran
Ablehnung der Annexion Kuwaits durch den Irak. Der
Iran erklärt sich zur Steigerung der Ölförderung bereit,
um die Ausfälle im Irak und in Kuwait auszugleichen.
Israel
Unterstützt die UN-Sanktionen gegen den Irak.
Jamaica
Verurteilt die Invasion und befolgt die UN-Sanktionen
gegen den Irak. Unterstützt die von der Organisation
Amerikanischer Staaten ins Leben gerufene Initiative,
im Rahmen derer die irakische Invasion in Kuwait auf
das schärfste verurteilt wird.
Japan
Ölembargo, Einstellung von Handel und Hilfe. Einfrieren kuwaitischer Vermögenswerte in Japan. Stellt
Finanzhilfe in Höhe von 4 Milliarden Dollar bereit,
davon 2 Milliarden Dollar für die multinationale Streitmacht. Dazu gehören Beiträge zur Unterstützung von
Streitkräften, Ausrüstung und Kriegsmaterial. Entsendet medizinisches Personal auf die Arabische Halbinsel, das bis zu 100 Personen umfassen wird. Die
restlichen 2 Milliarden Dollar sind als Finanzhilfe für die
Türkei, Ägypten und Jordanien bestimmt, um die durch
die irakische Invasion in Kuwait verursachten wirtschaftlichen Härten zu mildern. Stellt weitere 22
Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe bereit. Veröffentlichung gemeinsamer Erklärungen mit der Sowjetunion
und Großbritannien, in denen der Irak zur Freilassung
aller ausländischen Geiseln und zum Abzug seiner
Truppen aus Kuwait aufgefordert wird. Stellt gegenwärtig ein Korps zur Zusammenarbeit mit den Friedensbemühungen der Vereinten Nationen auf, das die
Entsendung ausgewählten Personals nach Übersee
gestatten würde, um die Operationen zur Erhaltung
des Friedens zu unterstützen.

Kuwait und fordert den Abzug der Invasionstruppen.
Stellt der multinationalen Streitmacht seine militärischen Einrichtungen zur Verfügung.
Kolumbien
Vizepräsidentschaft des UN-Sanktionsausschusses,
der die Einhaltung der Sanktionen überwacht.
Korea (Rep.)
Waffen- und ölembargo, Einstellung des Handels außer
mit Gütern für medizinische oder humanitäre Zwecke.
Bietet den Vereinigten Staaten und der multilateralen
arabischen Streitmacht gegen den Irak Transportmöglichkeiten an.

Befolgung der UN-Sanktionen gegen den Irak.
Laos
Verurteilt in einer Erklärung den irakischen Einsatz von
Gewalt und fordert den unverzüglichen Abzug des Irak
aus Kuwait.
Libanon
Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus.
Macao
Befolgt die UN-Sanktionen.
Malaysia

Jemen
Wird UN-Sanktionen gegen den Irak einhalten.

Malediven

Jordanien

Fordern den Abzug irakischer Truppen aus Kuwait.

Beteiligt sich an den UN-Sanktionen gegen den Irak.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus, jedoch unter "Vorbehalten".

Mali

Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Katar die irakische Invasion in

Seite 8

i

Kuba

Unterstützt die UN-Resolution über Sanktionen gegen
den Irak. Vollständige Einhaltung der Sanktionen,
friert kuwaitische Vermögenswerte ein. Erhöht die
Ölproduktion um 55 000 Barrel pro Tag auf die Höchstmenge von 650 000 Barrel pro Tag, um den Bedarf der
Länder zu decken, die von irakischem und kuwaitischem Öl abhängen. Spendet für die Flüchtlingshilfe
in Jordanien Nahrungsmittel im Wert von 900 000
Dollar.

Katar

\

Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait.
Mauritius
Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits, fordert den Abzug der Invasionstruppen und die
Freilassung aller Ausländer im Irak und in Kuwait.
Unterstützt und befolgt die Resolutionen des UN-

AMERIKA DIENST 41

\

'

�Sicherheitsrats zum Irak und hat konkrete Maßnahmen ergriffen, um alternative Versorgungsquellen für
bisher aus Kuwait importiertes Öl zu sichern.
Marokko

f

Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Hat etwa 1 200 Soldaten nach SaudiArabien und 5 000 in die Vereinigten Arabischen Emirate
zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht entsandt. Weist zwei irakische Beamte aus Marokko aus,
als Vergeltung für die irakische Entscheidung zur
Schließung der marokkanischen Botschaft in Kuwait
und die Festsetzung ihrer Diplomaten im Irak. Bemüht
sich auf diplomatischem Wege aktiv um eine Lösung
der Krise, die den Forderungen der Vereinten Nationen gerecht wird.
Mexiko
Plant die Steigerung der Ölförderung um 100 000
Barrel pro Tag in den nächsten zwei Monaten.
Myanmar
Wird die Resolutionen der Vereinten Nationen zum
Irak einhalten.
Nepal
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Niederländische Antillen

rung um 200 000 Barrel pro Tag (vorbehaltlich der
Zustimmung anderer OPEC-Staaten).
Oman
Die omanische Botschaft in Kuwait bleibt geöffnet, und
das Sultanat erkennt die irakische Besetzung Kuwaits
in keiner Weise an. Oman hat der Arabischen Liga,
dem Golf-Koopeationsrat und den UN-Resolutionen
seine Unterstützung versichert, verurteilt die irakische
Invasion und fordert den Abzug der Invasionstruppen.
Pakistan
Bekundet seine Absicht zur Durchführung der UNSanktionen gegen den Irak. Entsendet ein Kontingent
von 1 800 Soldaten seines Heeres nach Saudi-Arabien, unter anderem ein verstärktes Infanteriebataillon
und ein provisorisches Unterstützungsbataillon.
Panama
Unterstützt Sanktionen. Verbietet Handelsschiffen die
Ladung oder das Löschen jeder Art von Waren aus
dem Irak oder Kuwait. Die Bankaufsichtsbehörde
erläßt Vorschriften für die Behandlung irakischer und
kuwaitischer Vermögenswerte. Der irakischen Schiffahrt
wird die Durchquerung des Panamakanals gestattet.
Papua Neuguinea
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwaits aufs schärfste und unterstützt die UN-Resolutionen, mit denen die
Souveränität und Integrität Kuwaits wiederhergestellt
werden soll.

Einfrieren irakischer Vermögenswerte, Einstellung des
Zahlungsverkehrs mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait.

Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak.

Neuseeland

Peru

Verbot von Exporten in den Irak, geplantes Verbot von
Importen. Umleitung der Nahrungsmittellieferungen,
diesichauf dem Weg in den Irakbefinden. Ölembargo,
friert irakische Vermögenswerte ein. Stellt den Vereinten Nationen für den Einsatz am Golf zwei Transportflugzeuge zur Verfügung. Spendet Milchpulver für
Flüchtlinge aus dem Irak und Kuwait. Übernimmt die
Wartung von Transportflugzeugen fürdie Evakuierung
von Flüchtlingen nach Pakistan und Manila. Bietet den
Vereinten Nationen zwei zivile Flugzeuge mit Besatzungen und dem Internationalen Roten Kreuz ein
40köpfiges ziviles medizinisches Versorgungsteam
für den Einsatz in Saudi-Arabien an.

Unterstützung und Einhaltung aller Resolutionen der
Vereinten Nationen zum Irak.

Nicaragua
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.
Nigeria
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Truppenabzug, plant eine Steigerung der ÖlfördeAMERIKA DIENST 41

Paraguay

Philippinen
Erkennen den bindenden Charakter der Sanktionen
an, Ölembargo.
Salomonen
Führen Wirtschaftssanktionen gegen den Irak durch.
Saudi-Arabien
In internationalen Foren, in der Arabischen Liga und im
Golf-Kooperationsrat hat Saudi-Arabien die irakische
Invasion in Kuwait verurteilt und den bedingungslosen
und unverzüglichen Abzug der Invasionstruppen gefordert. Bittet eine multinationale Streitmacht, darunter Streitkräfte der Vereinigten Staaten, um Unterstützung zur Verteidigung Saudi-Arabiens. Der Transport
irakischen Erdöls durch Saudi-Arabien wird eingestellt. Erhöht die ölförderung, um die Ausfälle in Irak

Seite 9

�und Kuwait auszugleichen. Saudi-Arabien hat sämtliche von der UN gegen den Irak verhängten Sanktionen
ohne wenn und aber verwirklicht.
Senegal

Taiwan
Spricht sich für die Unterstützung der UN-Sanktionen
gegen den Irak aus, ölembargo.
Tansania

Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den bedingungslosen Rückzug der Invasionstruppen sowie die Wiederherstellung der legitimen
Regierung Kuwaits. Entsendet am 17. September 500
Soldaten nach Saudi-Arabien. Einhaltung der UNSanktionen, Einfrieren irakischer und kuwaitischer
Vermögenswerte, ausgenommen der Mittel für den
Weiterbetrieb der Botschaften.

Bekundet seine Ablehnung der irakischen Invasion in
Kuwait und fordert den unverzüglichen Abzug der
Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Sanktionen gegen
den Irak.
Togo
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.

Simbabwe

Trinidad/Tobago

Stellt den Handel mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait ein, setzt alle bilateralen Abkommen mit dem
Irak außer Kraft.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UNSanktionen gegen den Irak.

Singapur

Tunesien

Wirtschaftsembargo gegen den Irak und das besetzte
Kuwait. Transaktionen der rechtmäßigen Besitzer
kuwaitischer Vermögenswerte werden bei Erfüllung
bestimmter Kriterien gestattet.

Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Uruguay

Sri Lanka

Verurteilt den Einsatz von Gewalt durch den Irak,
befolgt die Sanktionen der Vereinten Nationen gegen
den Irak.

Wird alle erforderlichen Schritte unternehmen, um die
Wirtschaftssanktionen der Vereinten Nationen gegen
den hak durchzusetzen.

Vereinigte Arabische Emirate

Sudan
Der Sudan "zollt der Charta der Vereinten Nationen
Respekt und bekundet seine Verpflichtung zu den
Resolutionen" 660, 661, 665 und 665.
Surinam
Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits. Wird die Wirtschafts- und Finanzsanktionen
der Vereinten Nationen gegen den Irak einhalten.
Syrien
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Syrien unterhält 4 000 Soldaten der
Bodentruppen in Saudi-Arabien und den Vereinigten
Arabischen Emiraten als Teil der multinationalen Streitmacht. Zusätzlich werden 10 000 Soldaten und 300
Panzer entsandt.

* *

Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrates verurteilen die Vereinigten Arabischen
Emirate die irakische Invasion in Kuwait und fordern
den Abzug der Invasionstruppen. Gewähren befreundeten Streitkräften, darunter auch denen der Vereinigten Staaten, Zugang zu militärischen Einrichtungen.
Verhindern das Anlegen eines irakischen Tankers im
Hafen von Dubai, um die UN-Sanktionen gegen den
Irak zu unterstützen.
Vanuatu
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Erklärt die vollständige Einhaltung aller UN-Sanktionen gegen den Irak.
Venezuela
Unterstützt die UN-Sanktionen gegen den Irak. Wird
im Dezember 1990 die Ölförderung auf 500 000 Barrel
pro Tag erhöhen.

* *

*

•

Seite 10

AMERIKA DIENST 41

�GOLFKRISE
17. Oktober 1990

DIE GOLFKRISE
Chronologie für September 1990
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse in Zusammenhang mit der Golf krise
im September 1990.

4. September
Dem kuwaitischen Botschafter bei den Vereinten
Nationen, Mohammad Abulhasan, zufolge haben die
irakischen Besatzungsstreitkräfte in Kuwait eine
Operation "zur Ausplünderung" des Landes begonnen, mit der "die vollständige Beiseiteschaffung sämtlicher kuwaitischer Wertgegenstände erreicht werden
soll". In einem Schreiben an UN-Generalsekretär
Perez de Cuellar erklärt Abulhasan ferner, die Operation sein "unter der sorgfältigen und bewu ßten Aufsicht
der irakischen Besatzungsbehörden" durchgeführt
worden.
Präsident Diouf kündigt an, daß sich senegalesische
Truppen an der multilateralen Streitmacht in SaudiArabien beteiligen werden.
5. September
Der irakische Präsident Saddam Hussein ruft zum
Heiligen Krieg gegen die amerikanischen Streitkräfte
am Golf und zum Sturz des saudi-arabischen Königs
auf.
Großbritannien sagt die Beteiligung an einem Fonds
zu, der einen Teil der Kosten der Golfoperation zur
Verteidigung Saudi-Arabiens gegen den Irak abdekken soll.
Japan verabschiedet zusammen mit der Sowjetunion
eine äußerst seltene gemeinsame Erklärung, in der
der Irak zur Freilassung aller Geiseln und zum Abzug
seiner Truppen aus Kuwait aufgefordert wird. Es ist
das erste Mal seit über 50 Jahren, daß diese beiden
Länder eine gemeinsame Erklärung zu einem internationalen Problem beschließen.

AMERIKA DIENST 41

Die Exilregierung Kuwaits legt einen Gesetzentwurf
vor, um bis zu 55 Millionen Dollar monatlich für die
Lebenshaltungskosten kuwaitischer Flüchtlinge bereitzustellen. Kuwaitischen Regierungsvertretern zufolge befinden sich 160 000 Kuwaiter in Saudi-Arabien
und 60 000 in anderen Golfstaaten im Exil.
6. September
Weiteren Frauen und Kindern aus westlichen Ländern
wird die Ausreise aus dem Irak und dem besetzten
Kuwait gestattet, doch Hunderte werden immer noch
festgehalten. Die Zahl der in beiden Staaten festsitzenden Staatsbürger westlicher Länder wird auf 11 000
geschätzt.
Außenminister Baker erklärt in Dschidda, es müsse
"eine Art regionale Sicherheitsstruktur" geschaffen
werden, um künftiger Aggression und Instabilität in der
Region vorzubeugen. Seines Erachtens müsse ein
solches Sicherheitsarrangement "in voller Zusammenarbeit mit den in der Region befindlichen Staaten"
erarbeitet werden.
7. September
Die Vereinigten Staaten setzen den Irak auf die Liste
der Staaten, die den Terrorismus fördern.
Auf einer Sondersitzung bewilligen die Außenminister
der Europäischen Gemeinschaft Hilfsmittel zur Rettung der Volkswirtschaften der am stärksten von der
Krise betroffenen Länder. Der spanische Außenministererklärt vor Reportern, das Hilfspaket der EG werde
Jordanien, Ägypten und der Türkei zugute kommen.

Seite 1

�Der jordanischen Nachrichtenagentur zufolge sind seit
der Invasion über 600 000 Menschen aus Irak und
Kuwait geflohen.

rung, den Freundschaftsvertrag des Landes mit dem
Irak aus dem Jahre 1972 auszusetzen und alle Militärberater aus dem Irak abzuziehen.

10. September

13. September

Präsident Bush und der sowjetische Präsident
Gorbatschow warnen zum Abschluß ihres Treffens in
Helsinki Saddam Hussein, daß sie nicht näher definierte "zusätzliche" Schritte gegen den Irak in Betracht
ziehen werden, falls er die UN-Forderungen nach
Rückzug seiner Armee aus Kuwait weiterhin ignoriert.

Die Vereinigten Staaten kündigen in Genf an, daß sie
bis zu 28 Millionen Dollar an humanitärer Hilfe bereitstellen werden, um die Not der aus dem Irak und
Kuwait Geflohenen zu lindern.

Iran und Irak einigen sich auf die Wiederaufnahme
voller diplomatischer Beziehungen.
11. September
Amerikanische, europäische und arabische Marinekommandeure sowie Regierungsvertreter aus 20
Staaten kommen überein, Patrouillenfahrten im Golf
zu koordinieren, um die Sanktionen der Vereinten
Nationen gegen den Irak besser durchzusetzen.
Aus Sorge, der irakische Präsident Saddam Hussein
werde die ausländischen Staatsbürger aushungern,
formuliert der Sanktionsausschuß ein Verfahren, um
Nahrungsmittellieferungen zu humanitären Zwecken
in den Irak und das besetzte Kuwait zu ermöglichen.
Der Ausschuß reagiert auf eine Bitte Indiens, Nahrungsmittel an im Irak und in Kuwait festsitzende Inder
und andere Asiaten liefern zu dürfen. Die indischen
Behörden schätzen, daß sich immer noch Hunderttausende von Indem in der Region befinden und kaum
Zugang zu Nahrungsmitteln haben.

Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet Resolution 666,
in der die Kriterien für humanitäre Nahrungsmittellieferungen an die Zvilbevölkerung des Irak und Kuwaits
festgelegt werden.
Japan sagt zusätzliche drei Milliarden Dollar zur Unterstützung der internationalen Bemühungen gegen den
Irak am Golf zu. Damit erhöht sich die Gesamtsumme
japanischer Militär- und Wirtschaftshilfe auf vier Milliarden Dollar.
14. September
Irakische Soldaten dringen in die Residenz des französischen Botschafters in Kuwait ein und verschleppen
unter Verletzung der Genfer Konvention und des Völkerrechts den Militärattache und mehrere Zivilisten.
Der Militärattache wird später wieder freigelassen.
Presseberichten zufolge ist der Status der anderen
Verschleppten zu diesem Zeitpunkt unklar.
Die britische Premierministerin Thatcher ordnet die
Verlegung der 7. Panzerbrigade und von Unterstützungsflugzeugen nach Saudi-Arabien an.
15. September

Griechenland und die Schweiz ziehen ihre verbliebenen Diplomaten aus dem besetzten Kuwait zurück.
Die Schweiz beschuldigt die irakische Armee, Plünderungen und den Verfall von Recht und Gesetz in Kuwait
zu tolerieren.
Präsident Bush erklärt vor beiden Häusern des Kongresses, daß "eine neue Partnerschaft der Nationen"
gemeinsam gegen die irakische Besetzung Kuwaits
stehe und verspricht, daß "diese Aggression nicht
Bestand haben wird". Er fordert erneut den "unverzüglichen und bedingungslosen" Abzug des Irak aus
Kuwait und die Wiedereinsetzung der legitimen kuwaitischen Regierung.
12. September
Das religiöse Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, ruft zum Heiligen Krieg gegen die amerikanische Präsenz in der Golfregion auf.
UN-Vertretern zufolge verweigern die Iraker die direkte Lieferung von Nahrungsmitteln an im Irak und in
Kuwait festgehaltene ausländische Staatsbürger.
Das russische Parlament - das höchste Gremium der
Russischen Föderation - drängt die sowjetische FühSeite 2

Frankreich ordnet die Entsendung weiterer Truppen
nach Saudi-Arabien an. Die Gesamtstärke der französischen Truppen in der Golfregion steigt auf 13 000.
16. September
Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet einstimmig
Resolution 667, mit der die irakischen Übergriffe auf
diplomatische Vertretungen in Kuwait verurteilt werden.
Das irakische Fernsehen strahlt das Viedeoband mit
der Rede Präsident Bushs an das irakische Volk aus,
in der die Gründe für die weltweite Verurteilung der
irakischen Invasion in Kuwait erläutert werden.
17. September
Etwa 500 senegalesische Soldaten werden vom Senegal nach Saudi-Arabien verlegt, um zur Verteidigung
des Landes beizutragen.
Die EG-Staaten weisen die irakischen Militärattaches
aus, um gegen die irakischen Übergriffe auf die diplomatischen Vertretungen Frankreichs, Belgiens und
der Niederlande in Kuwait zu protestieren.

AMERIKA DIENST 41

�Großbritannien weist einen Teil des irakischen Botschaftspersonals aus.
19. September
Irak beschlagnahmt die Vermögenswerte der Staaten,
die das Embargo unterstützen.
20. September

y

{

Saddam Hussein erklärt, er sei auf einen jahrelangen
Krieg vorbereitet. Jordanien legt einen neuen Friedensplan für den Golf vor.
Französische Truppen werden nach Saudi-Arabien
verlegt, um sich der multinationalen Streitmacht anzuschließen.
Der Irak wird von der Teilnahme an den Asienspielen
in Peking ausgeschlossen.
21. September
Der Irak verfügt die Ausweisung zahlreicher westlicher
und ägyptischer Diplomaten.
22. September
Die Ölpreise erreichen den höchsten Stand seit neun
Jahren.
Saudi-Arabien stellt die Öllief erungen an Jordanien ein
und verfügt die Ausweisung jordanischer und jemenitischer Diplomaten aufgrund von "Aktivitäten, mit denen
die Sicherheit des Königreiches untergraben wird und
die mit den diplomatischen Verhaltensregeln unvereinbar sind".
23. September

t
»

Der Irak droht, er werde einen totalen Krieg gegen die
multinationalen Streitkräfte beginnen, die in defensiven Stellungen gegen den Irak stehen, falls er zu dem
Schluß kommen sollte, das Handelsembargo der
Vereinten Nationen werde das irakische Volk "erdrosseln". Das irakische Kommunique nennt Israel und die
Ölfelder im Nahen Osten als potentielle Ziele.
Ein von den Zielländern gechartertes irakisches Flugzeug befördert 150 Frauen und Kinder aus westlichen
Ländern nach London. Dies ist der letzte Flug einer
Luftbrücke, mit der Tausende evakuiert wurden.
Westlichen Nachrichtendiensten zufolge hat der Irak
360 000 Soldaten in und um Kuwait stationiert.
24. September
Der französische Präsident Mitterrand verurteilt den
Irak für dessen Invasion in Kuwait. Vor der UNGeneralversammlung erklärt er, Regierungen würden
der Anarchie weichen, falls es gestattet werde, daß die
Aggression Saddam Husseins Bestand hat.

AMERIKA DIENST 41

Der Irak erklärt den kuwaitischen Dinar für ungültig und
zieht ihn aus dem Verkehr. Der Irak erklärt, Inhaber
dieser Währung könnten ihr Geld in irakische Dinar
umtauschen.
Die iranische Nachrichtenagentur IRNA berichtet, 29
Personen seien bei dem Versuch festgenommen
worden, Nahrungsmittel in den Irak zu schmuggeln.
25. September
Mit 14 zu 1 Stimme verabschiedet der UN-Sicherheitsrat Resolution 670, mit der alle Mitgliedstaaten verpflichtet werden, ein Luftverkehrsembargo gegen den
Irak und das besetzte Kuwait zu verhängen. Die
Gegenstimme kommt von Kuba. Die Resolution wird
gemeinsam von den Vereinigten Staaten, Cote d'lvoire, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Kanada,
Rumänien, der Sowjetunion und Zaire eingebracht.
In einer Rede vorder UN-Generalversammlung fordert
der sowjetische Außenminister Schewardnadse den
Irak auf, "zur Besinnung zu kommen". Die unrechtmäßige Besetzung Kuwaits werde nicht toleriert, und die
Vereinten Nationen besäßen "die Macht, Akte der
Aggression zunichte zu machen".
Der Präsident der Weltbank, Barber Conable, kündigt
ein Nothilfeprogramm an, um die Rückführung Hunderttausender von Flüchtlingen aus dem Irak und dem
besetzten Kuwait zu unterstützen.
26. September
Bei einem Treffen der EG-Staaten und der Sowjetunion in New York wird eine gemeinsame Erklärung
veröffentlicht, in der "praktische Maßnahmen" in
Zusammenhang mit Friedensbemühungen zur Lösung der Golf krise, zur Eindämmung des Wettrüstens
und zur Verhinderung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen in der Region gefordert werden.
27. September
Die Außenminister der Europäischen Gemeinschaft
und des Golf-Kooperationsrates kommen in New York
zusammen und verabschieden eine gemeinsame
Erklärung, in der sie ihre energische Verurteilung der
irakischen Invasion in Kuwait bekräftigen. Die Erklärung unterstreicht die Zusage zu diplomatischer und
politischer Zusammenarbeit mit dem Ziel, Frieden,
Recht, Stabilität und Sicherheit am Golf wiederherzustellen.
Der Irak erklärt, er werde westliche Diplomaten, die
Ausländern Zuflucht gewähren, nicht aufhängen, wie
eine an die Botschaften gerichtete offizielle Note angedeutet hatte.
Der Irak erklärt, Ausländer würden ab 1. Oktober keine
Bezugsscheine für rationierte Lebensmittel mehr erhalten.

Seite 3

�In einer Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen fordert der Emir von Kuwait, Scheich
Jabir al-Ahmad al-Sabah, die Wiederherstellung von
Regierung, Volk und Staatsgebiet von Kuwait. Die
Generalversammlung applaudiert ihm mit einer stehenden Ovation. Die irakische Delegation verläßt vor
Beginn der Rede des Emirs den Saal.

28. September
In Washington trifft der Emir von 'Kuwait 'mit Präsident
Bush, anderen amerikanischen Regierungsvertretern
und führenden Mitgliedern des Kongresses zusammen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DlEfoSt 41

�</text>
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                <text>Amerikadienst 17.10.1990</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Enge amerikanische-europäische Zusammenarbeit bei Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Abteilungsleiter Seitz zur Entwicklung in Europa&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internationale Reaktionen auf die irakische Invasion Kuwaits&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie für September 1990&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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10. Oktober 1990

40

DEUTSCHE EINHEIT

BUSH: USA UND DEUTSCHLAND
ALS PARTNER IN DER FÜHRUNG
Rede des Präsidenten zur deutschen Einheit
BUSH WÜRDIGT VEREINIGUNG
DEUTSCHLANDS
Erklärung bei Feierstunde

DEUTSCHAMERIKANISCHER TAG

PRÄSIDENT BUSHS PROKLAMATION
ZUM DEUTSCH-AMERIKANISCHEN TAG

KSE

BAKER: KSE WIRD NEUE EUROPÄISCHE
ORDNUNG BESCHLEUNIGEN
Pressekonferenz des Außenministers

US-AUSSENPOLITIK

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

NEUE AKZENTE IN DER AMERIKANISCHEN
AUSSENPOLITIK
Rede des Gesandten George F. Ward

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�DEUTSCHE

EINHEIT
10. Oktober 1990

BUSH: USA UND DEUTSCHLAND ALS PARTNER
IN DER FÜHRUNG
Rede des Präsidenten zur deutschen Einheit
WASHINGTON - (AD) - Zum Tag der deutschen Einheit erklärte Präsident Bush am 2. Oktober 1990, den
Vereinigten Staaten und Deutschland werde bei der Bewältigung der neuen Herausforderungen und Verantwortlichkeiten der Zukunft Erfolg beschieden sein.
"Aufbauend auf unseren gemeinsamen Werten werden wir Partner in der Führung sein", stellte der Präsident
in einer Botschaft an das deutsche Volk anläßlich der Feiern zum Tag der deutschen Einheit fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Präsident Bush im Wortlaut.

Ich freue mich, Bundeskanzler Helmut Kohl und dem
deutschen Volk in diesem historischen Augenblick
meine Glückwünsche übermitteln zu dürfen. Und es ist
mir eine große Ehre, dem Volk eines vereinigten
Deutschlands eine Botschaft zu überbringen.
In Berlin und Bonn, von Leipzig im Osten bis hin zu
Städten im Westen entlang des Rheins, feiern die
Menschen den Tag, auf den ganz Deutschland 45
lange Jahre gewartet hat.
Für die Welt waren es 45 Jahre der Spannungen und
des Aufruhrs. Zu Ihrer Nation war das Schicksal
besonders grausam. Im Herzen eines geteilten Kontinents lag 45 Jahre lang ein geteiltes Deutschland.
Durch die Trennungslinie zwischen Ost und West
wurde ein Volk in zwei Welten gespalten.
Das ist vorüber. Heute wird ein neues Kapitel in der
Geschichte Ihrer Nation aufgeschlagen. 45 Jahre des
Konflikts und der Konfrontation zwischen Ost und
West liegen jetzt hinter uns. Endlich ist der Tag
gekommen. Deutschland ist vereinigt. Ganz Deutschland ist endlich frei.
Die Vereinigten Staaten sind stolz darauf, gemeinsam
mit Ihnen das Fundament der Freiheit gelegt zu haben,
stolz, beim Streben nach einem ung stellten und freien
Deu tschland ein verlä ßlicher Partnei gewesen zu sein.
Die Vereinigten Staaten sind stolz, sich heute und in
Zukunft zu den Freunden und Verbündeten eines
freien Deutschlands zählen zu dürfen.
AMERIKA DIENST 40

Unsere Völker sind durch gemeinsame kulturelle Bande
und ein gemeinsames Vermächtnis der Geschichte
verbunden. Niemals zuvor waren diese Bande offenkundiger als im vergangenen Jahr, während wir gemeinsam auf das Ziel der deutschen Einheit hinarbeiteten. Heute genießen wir gemeinsam die Früchte
unserer Freundschaft.
Im vergangenen Jahr wurden wir Zeuge einer Welt im
Wandel - für die Vereinigten Staaten, ein vereinigtes
Deutschland und für das Atlantische Bündnis, dem wir
angehören. Und selbst während Deutschland diesen
Neubeginn feiert, besteht kein Zweifel daran, daß die
Zukunft neue Herausforderungen und Verantwortlichkeiten bereithält.
Ich bin sicher, daß unsere beiden Nationen diese
Herausforderungen wie bisher auch - durch gemeinsame Freiheitsliebe vereint - bewältigen werden. Aufbauend auf unseren gemeinsamen Werten werden wir
Partner in der Führung sein.
Dieserf ür Deutschland so bedeutsame Tag ist auch für
die Welt von großer Bedeutung. Nur wenige Meter von
den Mauern des alten Reichstags, dem Schauplatz der
ersten Sitzung des gesamtdeutschen Parlaments,
entfernt, stand die Berliner Mauer - als schreckliches
Mahnmal des Konflikts und kalten Kriegs. Jahrzehntelang träumten freie Menschen überall auf der Welt
von dem Tag, an dem die Berliner Mauer fallen würde.
An dem eine Welt ohne die Mauer ein wieder ungeteiltes Deutschland bedeuten würde. An dem ein vereiSeite 1

�nigtes und souveränes Deutschland in vollem Umfang stark genug ist, den menschlichen Geist zu ersticken
als Kraft für Frieden und Stabilität am Weltgeschehen und keine Mauer je die Seele einer Nation unter sich
teilhaben würde.
begraben kann.
Heute liegt die Mauer in Trümmern. Und unsere Augen
blicken auf eine neue Welt der Hoffnung. Heute ist
Deutschland erneut vereinigt. Die Mauer spaltet eine
Nation und die Welt nicht länger in zwei Lager. Die
letzten Relikte der Mauer stehen im Herzen eines
freien Berlins - ein düsteres Monument aus Beton und
Stacheldraht - als Beweis dafür, daß keine Mauer je

Heute tritt die deutsche Nation in ein neues Zeitalter
ein. Ein Zeitalter, um die Worte Ihrer Nationalhymne
zu zitieren, von "Einigkeit und Recht und Freiheit".
Während wir in diesem feierlichen Augenblick gemeinsam mit Ihnen voller Hoffnung und Zuversicht in die
Zukunft blicken, möchte ich im Namen aller Amerikaner sagen: Möge Gott das deutsche Volk schützen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 40

�DEUTSCHE

EINHEIT
10. Oktober 1990

BUSH WÜRDIGT VEREINIGUNG DEUTSCHLANDS
Erklärung bei Feierstunde
WASHINGTON - (AD) - Anläßlich einer Feierstunde im Rosengarten des Weißen Hauses zur Vereinigung
Deutschlands und zum Deutsch-Amerikanischen Tag gab Präsident Bush am 3. Oktober 1990 folgende
Erklärung ab:

Ich habe gerade mit Bundeskanzler Helmut Kohl telefoniert. Dabei habe ich ihm an diesem ganz besonderen Tag die herzlichsten Glückwünsche des amerikanischen Volkes an alle Deutschen übermittelt. Zu
dieser Stunde, in der wir uns hier im Rosengarten
versammelt haben, feiern die Deutschen von Berlin bis
Bonn, von München bis Bremen und von den Plätzen
Leipzigs bis zu den goldenen Weinbergen am Rhein
ihre neue Einheit.
Überall in dieser erneut vereinten Nation feiern die
Deutschen einen wunderbaren Augenblick, der nahezu ein halbes Jahrhundert verzögert wurde. Als Teil
dieser Feierlichkeiten habe ich dem deutschen Volk
eine Fernsehbotschaft gesandt - Empfindungen, die
ich Ihnen hier kurz erläutern möchte.
45 Jahre lang lebte im Herzen eines gespaltenen
Kontinents ein geteiltes Volk. Eine grausame Mauer
aus Beton schnitt im wahrsten Sinne des Wortes
Nachbar von Nachbar ab, Männer von ihren Frauen,
Kindern von ihren Eltern, und eine Nation von sich
selbst. An dieser Trennungslinie des Ost-West-Konflikts wurde ein Volk in zwei Welten geteilt. Und als das
deutsche Volk diese lange Prüfung durchlitt, waren wir
Amerikaner mehr - viel mehr - als mitfühlende Beobachter. Denn wir sind durch kulturelle Bande miteinander verknüpft, die bis in die frühe Kolonialzeit zurückreichen, als Deutsche zum ersten Mal zu DeutschAmerikanern wurden.
Auf Einladung von William Penn trafen Deutsche in
Amerika ein, um ein neues Leben zu beginnen. Dieses
Leben war hart. Ihre ersten Unterkünfte waren Erdhöhlen. Aber ihre Entschlossenheit war unerschütterlich. Sie bauten eine Gemeinde auf - Germantown in

AMERIKA DIENST 40

Pennsylvania -, die weitere Millionen motivierte, ihnen
zu folgen und weiterzubauen.
Deutsch-Amerikaner gründeten Hagerstown und Frederick in Maryland, Mecklenburg County in North
Carolina, New Braunfels in meinem Heimatstaat Texas, Frankfort in Kentucky, Berlin in Wisconsin, Anaheim in Kalifornien. Sie leisteten darüber hinaus einen
Beitrag zum Bau großer Städte der Vereinigten Staaten: Philadelphia, Cincinnati, St. Louis, Milwaukee.
Und die 60 Millionen Amerikaner, die Söhne und
Töchter dieser deutschen Pioniere sind, fühlten sich wie alle Amerikaner- mit beiden deutschen Staaten tief
verbunden. Der eine war eine junge Demokratie im
Herzen Europas, der andere kämpfte um seine Freiheit.
Auch unser Land hat einmal Unterdrückung erdulden
müssen. Wir erinnern uns an John Peter Zenger,
einen jungen deutsch-amerikanischen Zeitungsredakteur, der es schon im Jahr 1734 wagte, die Staatsmacht herauszufordern. Es war derselbe deutsche
Einwanderer, der Amerika dazu verhalf, unsere am
meisten geschätzte Tradition zu verankern - die Redefreiheit.
Deshalb, Herr Botschafter Ruhfus, teilte das amerikanische Volk Ihren Widerstandsgeist, als die Bevölkerung der DDR für ihre abweichenden Meinungen bestraft wurde. Und als Deutsche erschossen wurden,
weil sie versuchten, in die Freiheit zu fliehen, teilten wir
Ihren Abscheu. Als die politisch Verantwortlichen in
der Bundesrepublik es wagten, auf ein in Freiheit
vereintes Deutschland zu hoffen, teilten wir Ihren
Traum.

Seite 1

�Wir sind heute hier zusammengekommen, um zu
bekräftigen, daß Träume bisweilen wirklich wahr werden. Deutschland ist vereinigt, Deutschland ist frei.
Dieser Tag entspricht voll und ganz den Gedanken
Konrad Adenauers, der einmal erklärte, daß die Lösung für ein geteiltes Deutschland nur mit Hilfe seiner
Freunde möglich sei. Adenauers Vision von der Freundschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten
Staaten, zwischen Deutschland und den freien Völkern der Welt ist nach Jahrzehnten jetzt Wirklichkeit
geworden. Dieser Moment ist gekommen, weil die
Amerikaner der Bevölkerung Berlins zur Seite standen
- von den todesmutigen Piloten der Luftbrücke bis zu
einem jungen Präsidenten, der im Angesicht der Mauer
eine kühne Erklärung abgab.
Dieser Moment ist auch aufgrund der Entschlossenheit bundesrepublikanischer Politiker eingetreten,
Deutschland ungeteilt und frei zu machen. Nicht nur
Adenauer, sondern auch Ernst Reuter, Ludwig Erhard,
Willy Brandt, Helmut Schmidt und natürlich der heutige
Bundeskanzler Helmut Kohl setzten sich dafür ein.
Und dieser Tag ist gekommen, weil das deutsche Volk
im Jahr 1989 für die Freiheit standgehalten hat.
Die Vereinigten Staaten sind stolz darauf, Ihren Landsleuten beim Aufbau der Fundamente der Freiheit geholfen
zu haben. Stolz, bei Ihren Bestrebungen ein beständiger Partner gewesen zu sein. Die Vereinigten Staaten sind darüber hinaus stolz, sich heute und für alle
Zeit zu den Freunden und Verbündeten eines freien
Deutschlands zu zählen.
Dies war ein Jahr des Wandels für die Vereinigten
Staaten, für ein vereinigtes Deutschland und für das

laments, entfernt stand die Berliner Mauer. Jahrelang
träumten freie Menschen in der ganzen Welt von dem
Tag, an dem die Berliner Mauer nicht mehr existieren
würde. An dem eine Welt ohne die Mauer ein Deutschland bedeuten würde, das erneut ungeteilt ist. Und an
dem ein vereinigtes und souveränes Deutschland seinen
uneingeschränkten Beitrag als Kraft für Frieden und
Stabilität in die Weltpolitik einbringen würde.
Heute liegt die Mauer in Trümmern, und unsere Augen
blicken auf eine neue Welt der Hoffnung. Die letzten
Relikte der Mauer bleiben als trauriges Monument aus
Beton und Stacheldraht im Herzen des freien Berlins
stehen, zum Beweis, daß keine noch so starke Mauer
den menschlichen Geist ersticken kann. Daß keine
Mauer jemals die Seele eines Volkes zerstören kann.
Und dies ist meine Botschaft an das deutsche Volk,
und das entspricht auch dem tief empfundenen Gefühl
der amerikanischen Bevölkerung.
Bevor ich nun dieses Dokument unterzeichne, mit dem
dieser ganz besondere Deutsch-Amerikanische Tag
proklamiert wird, möchte ich noch etwas hinzufügen.
Am vergangenen Sonntag nahm ich am Weltkindergipfel der Vereinten Nationen teil. Über 70 Staats- und
Regierungschefs waren dort anwesend. Wir sprachen
über viele äußerst wichtige Probleme: Gesundheitswesen, Bildung und zahlreiche andere. Was uns aber
besonders berührte, war die Tatsache, daß wir die
Zukunft unserer Nationen in die Hände einer anderen
Generation legen müssen. Und wenn ich die heute
hier versammelten Kinder betrachte, so glaube ich die
Zukunft des neuen Deutschlands sehen zu können.
Eine Zukunft der Freiheit und Führung, des guten
Willens und der Größe.

Atlantische Bündnis, dem wir beide angehören. Ich bin

sicher, daß unsere beiden Nationen die Herausforderungen der Zukunft ebenso wie bisher als Partner in
der Führung bewältigen werden. Dieser für Deutschland so bedeutungsvolle Tag stellt auch eine Motivation für die Welt dar. Nur wenige Meter von den
Mauern des Reichstages, des ersten deutschen Par-

Ich wünsche dem Volk dieses vereinigten Deutschlands noch einmal von Herzen alles Gute. Ich kann
wirklich darauf vertrauen, für alle Amerikaner zu sprechen. Vielen Dank, daß Sie heute hierher gekommen
sind.

* *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 40

�DEUTSCH-AMERIKANISCHER

TAG
10. Oktober 1990

PRÄSIDENT BUSHS PROKLAMATION ZUM
DEUTSCH AMERIKANISCHEN TAG 1990
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation des Präsidenten zum "DeutschAmerikanischen Tag" am 6. Oktober 1990 im Wortlaut.

Am 6. Oktober 1683 gingen in der Nähe von Philadelphia die ersten deutschen Einwanderer an Land. Diese
kleine Gruppe von Männern, Frauen und Kindern war
auf der Suche nach freier Religionsausübung und
einer vielversprechenderen Zukunft in der Neuen Welt
über den unendlichen, tückischen Atlantik gesegelt.
Weitere sieben Millionen Deutsche folgten ihnen. Diese
mutigen und fleißigen Menschen und ihre Nachfahren
haben maßgeblich dazu beigetragen, die Geschichte
der Vereinigten Staaten zu schreiben.

Die Wiederherstellung der deutschen Einheit gibt auch
anderen, insbesondere den baltischen Völkern, zu
Hoffnungen Anlaß, daß ein friedlicher aber entschlossener Kampf um nationale Selbstbestimmung sogar
scheinbar unüberwindbare Hindernisse aus dem Weg
räumen kann. Die Vereinigten Staaten halten an ihrer
Politik der Nichtanerkennung der Annexion der baltischen Staaten ebenso unerschütterlich fest wie an
ihrer Unterstützung der deutschen Einheit selbst in den
dunkelsten Stunden des kalten Kriegs.

Das reiche Vermächtnis, das wir jedes Jahr am
Amerikanischen Tag würdigen, besteht nicht nur aus
kulturellen, familiären und historischen Banden, sondern gründet sich auch auf gemeinsame Werte und gemeinsames Streben. Seit General Friedrich von Steuben an vorderster Front beim Kampf dieser Nation um
Freiheit und Unabhängigkeit stand, haben die deutschen Einwanderer und ihre Angehörigen - durch
Worte, Taten und Opfer - Tag für Tag ihre ungeteilte
Verpflichtung zu demokratischen Idealen unter Beweis gestellt.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stand das
amerikanische Volk bei der Bewahrung unserer Freiheit und der Förderung unserer gemeinsamen Interessen Seite an Seite mit den Bürgern der Bundesrepublik
Deutschland. Der Geist der Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen den Völkern der Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland findet in
einem breiten Spektrum von Austauschprogrammen
und anderen über die Jahre hinweg geknüpften Kontakten seinen Niederschlag.

Der Deutsch-Amerikanische Tag 1990 sucht in der
Geschichte seinesgleichen, denn in diesem Jahr geht
die Gedenkfeier mit der Verwirklichung eines Ziels
einher, das Amerikaner und Deutsche seit langem gemeinsam hatten: ein vereinigtes, demokratisches und
souveränes Deutschland. Im vergangenen Jahr hat
das deutsche Volk die künstlichen Schranken niedergerissen, die sein Land schon zu lange auf grausame
Weise teilten. Die Berliner Mauer, die einstmals als
düsteres und sogar todbringendes Symbol der Teilung
stand, liegt jetzt in Trümmern - ein angemessenes
Mahnmal des diskreditierten Regimes, das ihren Bau
vor29 Jahren befahl. Heute befindet sich Deutschland
im Frieden mit seinen Nachbarn und - an diesem Tag
der deutschen Einheit - im Frieden mit sich selbst.

AMERIKA DIENST 40

Von diesem Tag an wird ein neues, vereintes Deutschland unser Partner bei der Führung sein. Wir Amerikaner - und vor allem die Amerikaner deutscher Abstammung - sind stolz auf die Rolle, die wir bei der Unterstützung der deutschen Einheit gespielt haben. Wir teilen
die Freude des deutschen Volkes an diesem Tag und
feiern die jahrhundertealten Beziehungen zwischen
Deutschen und Amerikanern.
Mit der gemeinsamen Entschließung 469 hat der
Kongreß den 6. Oktober 1990 zum "Deutsch-Amerikanischen Tag" erklärt und den Präsidenten ermächtigt
und ersucht, zur Würdigung dieses Tages eine Proklamation zu erlassen.
Aufgrund dessen erkläre ich, George Bush, Präsident
der Vereinigten Staaten von Amerika, hiermit den

Seite 1

�6.Oktober 1990 zum Deutsch-Amerikanischen Tag. Unterzeichnet am 3. Tag des Oktober, im Jahr des
Ich bitte die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika, Herrn 1990 und im 215. Jahr der Unabhängigkeit der
diesen Tag mit angemessenen Feiern und Veranstal- Vereinigten Staaten von Amerika,
tungen zu begehen.
(Unterzeichnet) George Bush

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 40

�KSE
10. Oktober 1990

BAKER: KSE WIRD NEUE EUROPÄISCHE
ORDNUNG BESCHLEUNIGEN
Pressekonferenz des Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge wird die Durchführung eines Vertrags über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) "die Errichtung einer neuen, stabileren und rechtmäßigen europäischen Ordnung
im politischen und militärischen Bereich" beschleunigen.
Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus am 4. Oktober 1990 erklärte Baker ferner, KSE "wird der erste
Vertrag über konventionelle Rüstungskontrolle unter Einbeziehung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
in der Nachkriegszeit sein. ... Im Rahmen des Vertrags werden die Sowjets Zehntausende von Waffensystemen
zerstören, und er wird durch Bestimmungen über genaueste Überwachung und Inspektionen die Sicherheit in
Europa erhöhen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz des Außenministers im Wortlaut.

Zunächst möchte ich Ihnen vier der aus meiner Sicht
wichtigsten Auswirkungen des KSE-Vertrags nennen,
auf den wir uns jetzt grundsätzlich geeinigt haben. Wie
der Präsident gerade ausgeführt hat, können wir erstens die politischen Revolutionen des vergangenen
Herbstes in Mittel- und Osteuropa jetzt durch eine
militärische Revolution ergänzen. Die Errichtung einer
neuen, stabileren und rechtmäßigen europäischen
Ordnung im politischen und militärischen Bereich wird
durch die Durchführung dieses Vertrags beschleunigt.
Zweitens wird KSE der erste Vertrag über konventionelle Rüstungskontrolle unter Einbeziehung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in der Nachkriegszeit sein. Die bisherigen Bestrebungen, die eine
Stabilisierung des europäischen militärischen Gleichgewichts zum Ziel hatten, zogen sich über 17 Jahre
hin.
Drittens werden die Sowjets im Rahmen des Vertrags
Zehntausende von Waffensystemen zerstören müssen. Auf diese Weise wird ein sichereres und stabileres militärisches Gleichgewicht in Europa festgeschrieben.
Selbst wenn die Zukunft unsicherere Zeiten brächte,
würden viertens die im Vertrag enthaltenen Bestimmungen über genaueste Überwachung und InspektioAMERIKA DIENST 40

nen die Sicherheit in Europa erhöhen. Wo bisher
Tausende von sowjetischen Panzern für eine Offensive stationiert waren, werden jetzt Hunderte von Inspektoren stehen, und damit werden Stabilität und
eine Vorwarnzeit gewährleistet, falls sich die politischen Gegebenheiten ändern sollten.
Gestern konnten wir Ihnen bedauerlicherweise noch
keine Einzelheiten des Vorschlags nennen, da wir
noch keine Gelegenheit zu Konsultationen mit den
Verbündeten hatten. Diese Konsultationen haben
jetzt stattgefunden. Ich möchte Ihnen daher die wichtigsten Bestandteile des Vertrags erläutern.
Erstens legt er Obergrenzen für jedes Bündnis fest also für die NATO und den Warschauer Pakt. Bei
Panzern beträgt die Obergrenze 20 000, bei Artillerie
20 000, bei gepanzerten Kampffahrzeugen 30 000,
bei Hubschraubern 2 000. Wie ich bereits gestern
erwähnte, haben wir uns bei Kampfflugzeugen noch
nicht auf eine Obergrenze einigen können, da in dieser
Frage noch Gespräche mit den Verbündeten auf beiden Seiten geführt werden müssen.
Im Rahmen dieser Obergrenzen kann jedes Land des
jeweiligen Bündnisses folgende Bestände unterhalten: 13 300 Panzer, 13 700 Artilleriegeschütze, 20 000
gepanzerte Kampffahrzeuge, 1 500 Hubschrauber und
Seite 1

�5 150 Kampfflugzeuge. Bei dieser Zahl hatten wir die
größten Schwierigkeiten, uns zu einigen, und sie erforderte die meiste Zeit.
Sie können sich die Prozentsätze selbst ausrechnen.
Ich kann sie ganz kurz erwähnen, wenn Sie möchten,
denn das meinen wir, wenn wir vom "vernünftigen und
ausreichenden Niveau" sprechen. Der Prozentsatz
für Panzer beträgt 33,3 Prozent, für Artillerie 34,3, für
gepanzerte Kampffahrzeuge 33,3 und für Hubschrauber 37,5 Prozent. Für Bodengerät liegt der Prozentsatz bei 33,6 Prozent.
Frage: Diese Zahlen, das ist eher wie ...
Antwort: Ja, ich weiß, was Sie meinen. Aber die
Prozentsätze beziehen sich auf die Gesamtzahl beider
Büdnisse. Und wenn Sie es aus dieser Sicht betrachten, werden Sie feststellen, daß sie ganz genau zutreffen.
Frage: Sie haben erklärt, die sowjetischen Panzer
würden verschrottet, aber Sie haben nicht erwähnt,
was mit unserem überschüssigen Gerät geschieht.
Antwort: Wir werden nicht sehr viel beseitigen müssen, weil die Sowjets uns im Hinblick auf Zahlen enorm
überlegen sind. Die Sowjetunion wird also sehr viel
größere Verpflichtungen bezüglich der Zerstörung von
Gerät übernehmen müssen als die NATO oder irgendein NATO-Mitgliedstaat einschließlich der Vereinigten
Staaten. Wir werden im Rahmen der NATO 4 000
Panzer zerstören müssen. Der Warschauer Pakt wird
19 000 Panzer verschrotten müssen. Dies trifft auch
auf andere Kategorien zu und sieht in diesen Kategorien für uns sogar noch günstiger aus.
Frage: Wir werden sie verschrotten, und nicht an
irgendjemand weitergeben oder weiterverkaufen?
Antwort: Nein. Der Vertrag legt fest, daß das am Tag
der Vertragsunterzeichnung bestehende Gerät durch
Zerstörung beseitigt werden muß. Außer einigen
Ausnahmen wie bei Mannschaftstransportwagen, die
für zivile Zwecke umgerüstet werden können. Ein
bestimmter Teil dieses Geräts wird zur Umrüstung für
zivile Zwecke freigegeben.
Frage; Werden Sie ohne ein paktweites Abkommen
über Kampfflugzeuge nach Paris reisen? Und wann
erwarten Sie die Einigung auf ein solches Abkommen.
Antwort: Nein. Wir gehen davon aus, daß der
Abschluß eines solchen Abkommens nicht sehr lange
dauern wird. Aber offen gesagt - den Sowjets war sehr
daran gelegen, sich nicht auf eine endgültige Zahl
bezüglich des Niveaus des Warschauer Pakts zu
einigen, bevor sie nicht Gelegenheit hatten, sich intensiv mit den Warschauer-Pakt-Staaten zu beraten.
Frage: Was bedeutet das Abkommen im Hinblick auf
Truppenreduzierungen?

Seite 2

Antwort: Dieses Abkommen bezieht Truppenstärken
nicht ein. Es ist möglich und in der Tat sogar wahrscheinlich, daß wir Truppenstärken in den Folgeverhandlungen im Anschluß an dieses Abkommen über
konventionelle Rüstungen behandeln werden.
Frage: Was geschieht mit der Verlegung oder dem
Abzug sowjetischer Panzer, Artillerie und gepanzerter
Kampffahrzeuge vor der tatsächlichen Durchführung
des Vertrags? Sie verlegen Tausende dieser Waffensysteme aus den zu bestimmenden Zonen zurück in
ihr Land.
Antwort: Wir haben diese Angelegenheit mit ihnen
erörtert - und es handelt sich hierbei um die Verlegung
von durch den Vertrag abgedecktem Gerät, bevor der
Vertrag in Kraft tritt oder vor seiner Durchführung. Wir
haben um Aufstellungen gebeten, wie sie mit ihrem
Gerät verfahren werden und diese auch erhalten. Das
gleiche trifft auch auf uns zu. Wir werden einiges Gerät
an unsere NATO-Verbündeten weitergeben. Und wir
sagen den Sowjets, was wir tun, ebenso wie sie uns
sagen, was sie tun. Dies führt zu einem weiteren
wesentlichen Aspekt - einem Abkommen, auf das man
sich im Grundsatz einigt. Der Zeitplan, im Rahmen
dessen solche Verhandlungen fortgeführt werden
können, ist sehr kurz.
Frage: Ich möchte eine Frage zum Persischen Golf
stellen. Kennen Sie den Inhalt der Botschaft, die
Präsident Gorbatschows Emissär in Bagdad überbringen soll? Glauben Sie, daß die Chancen für eine
diplomatische Lösung besser oder schlechter werden?
Antwort: Ich möchte die Begriffe besser oder schlechter hier nicht verwenden. Meines Erachtens würde
nahezu jeder eine diplomatische, friedliche und politische Lösung vorziehen, und es gibt Bemühungen in
diese Richtung. Wir verbringen bei den Vereinten
Nationen eine Menge Zeit damit, über andere Dinge zu
sprechen, die im Rahmen dieses Mechanismus' getan
werden könnten.
Was die Botschaft von Herrn Primakow angeht, so
kann ich darüber nicht mehr sagen als das, was Herr
Schewardnadse gestern erklärt hat, als er meinte, sie
seien über ihre Staatsbürger dort besorgt, und das war
alles, was er dazu sagte.
Frage: Können Sie uns mitteilen, ob Präsident Mitterrand in seinem Schreiben an Präsident Bush seinen
Friedensplan erläutert hat? Und falls ja, können Sie
uns etwas über den Inhalt seiner Vorschläge sagen?
Antwort: Meines Erachtens gehen die Franzosen
davon aus, daß sich unsere Positionen decken, daß
keine Meinungsverschiedenheiten in bezug auf das
weitere Vorgehen bestehen, und das weitere Vorgehen beinhaltet die uneingeschränkte Verwirklichung
der Sanktionen des UN-Sicherheitsrats. Dies wurde

AMERIKA DIENST 40

�mir vom französischen Außenminister erklärt, und ich
vertraue darauf, daß dies der Ansicht der Franzosen
entspricht.
Frage: Bei der Erläuterung des KSE-Vertrags erwähnten Sie, einer seiner Werte bestehe darin, daß er
einen Schutz gegen negative politische Veränderungen in der Sowjetunion biete, also mehr Vorwarnzeit
und so weiter. Tag für Tag hört man Gerüchte, daß es
innerhalb der Sowjetunion Gruppen gibt, etwa das
Militär oder andere, die nach Wegen suchen, solch
negative Veränderungen mit einem Putsch oder etwas
ähnlichem herbeizuführen. Können Sie uns sagen, ob
Sie davon ausgehen, daß es solche Vorgänge wirklich
gibt? Machen Sie sich gegenwärtig über die politische
Stabilität in der Sowjetunion Sorgen?
Antwort: Nun, das entspricht nicht der Geschichte der
Sowjetunion. Und gegenwärtig haben wir keine Sorgen in dieser Hinsicht. Wir sind seit einiger Zeit besorgt
über die Stabilität in der Sowjetunion und haben dies
auch öffentlich erklärt. Wir haben die Haltung vertreten, daß Stabilität in der Sowjetunion sehr in unserem
Interesse und im Interesse der Welt liegt und daß
demgegenüber Instabilität überhaupt nicht unserem
und dem Interesse der übrigen Welt entspricht. Wir
würden es also vorziehen, wenn die recht erheblichen
und tiefgreifenden politischen und ökonomischen
Reformen in der Sowjetunion stabil ablaufen würden.
Frage: Aber gegenwärtig bestehen keine Sorgen in
bezug auf diese Frage der Instabilität?
Antwort: Sorgen wäre hier das falsche Wort. Wir
haben sensibel auf die Tatsache reagiert, daß es sich
hier um dramatische Veränderungen handelt. Wir
haben schon vor langer Zeit unsere Hoffnung und
unseren Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß sie
friedlich und stabil ablaufen. Sicherlich gibt es beträchtliche Probleme. Dabei denke ich vornehmlich an
Wirtschaftsprobleme. Ich habe aber gerade erklärt,
daß wir dabei gegenwärtig keine besondere Rolle für
das Militär sehen.
Frage: Wird die heutige Entscheidung des Kongresses über den Haushaltskompromiß Auswirkungen auf
die Außenpolitik haben? Ich beziehe mich hier nicht
auf Zwangskürzungen, sondern vielmehr auf die Tatsache, daß in einer Zeit, in der Sie diplomatisch
erfolgreich an der Neugestaltung der amerikanischen
Rolle im Zeitalter nach dem kalten Krieg arbeiten, es
gleichzeitig so aussieht, als ob die Vereinigten Staaten
ihre Wirtschaft nicht in Ordnung bringen können, insbesondere, wenn dieses Haushaltspaket scheitern
sollte. Ich denke, Sie wissen, was ich sagen will.
Antwort: Meines Erachtens ist es sehr wichtig, daß
dieses Haushaltsabkommen verabschiedet und diese
Vereinbarung gesetzlich verankert werden. Dies war
meine Meinung im Jahr 1987, als wir ein Haushaltsabkommen hatten. Es war nicht die einfachste Sache der
Welt, es zu verabschieden, und auch bei dem vorlieAMERIKA DIENST 40

genden Abkommen wird es nicht leicht sein, aber in
Anbetracht der allgemeinen internationalen Wirtschaftslage ist es wichtig. Sicherlich gibt es dabei auch eine
außenpolitische Dimension.
Frage: Sie werden morgen einige der Probleme bei
START in Angriff nehmen. Können Sie uns erklären,
warum die START-Gespräche mit Schewardnadse
den KSE-Gesprächen hinterherzuhinken scheinen?
Antwort: Das einzige Problem, zu dem wir gestern
nach Abschluß der KSE-Gespräche noch gekommen
sind, war die Nichtumgehung von START. Wir haben
Gespräche darüber aufgenommen. Dies ist eine Nuß,
die wir noch knacken müssen. START hinkt hinterher,
wie Sie es nennen, weil diese Fragen viel Zeit in
Anspruch nehmen, und wir scheinen in Zeitnot zu
geraten. Wir haben bewußt KSE zuerst behandelt - als
ich in New York war, habe ich mich dort dreimal mit
Außenminister Schewardnadse getroffen. Bei KSE ist
der Termindruck wesentlich stärker. Wir haben uns
also darauf konzentriert und werden uns morgen mit

START beschäftigen.
Frage: Sind Sie der Meinung, daß Sie jetzt die
Unterstützung der Vereinten Nationen für eine militärische Option am Golf besitzen? Haben Sie bereits eine
Resolution entworfen, die...
Antwort: Wie ich bereits andeutete, haben wir darüber nach Abschluß der KSZE-Konferenz gesprochen.
Es wäre unklug, wenn wir nicht alle Optionen erwägen
würden. Wir tun dies also. Wir untersuchen, welche
Optionen in unseren Gesprächen mit anderen Staaten
erörtert werden könnten. Und ich gehe davon aus, daß
es heute mehr Unterstützung für eine Aktion dieser Art
geben könnte als etwa bei UN-Treffen vor einer Woche
oder 10 Tagen. Eine Reihe von Ländern haben ihr
Interesse bekundet, zumindest zu prüfen, was dies
beinhalten würde, wie man es machen sollte und so
weiter. Das ist der Stand der Dinge.
Frage: Glauben Sie, daß wir heute einer diplomatischen Lösung näher sind, und ist dies der Grund für
Präsident Mitterrands...
Antwort: Das führt wiederum auf die vorige Frage
zurück. Meines Erachtens kann man diese Dinge nicht
in Stunden oder Tagen messen. Ob man einer friedlichen politischen Beilegung näher ist oder ob man
einer Lösung näher ist, bei der Gewalt angewendet
würde. Meines Erachtens neigen wir zu sehr dazu,
jeden Tag nach Signalen Ausschau zu halten. Wir
können die andere Option nicht ausschließen. Aber
wir und die meisten anderen Länder haben klargemacht, daß wir eine friedliche diplomatische und politische Lösung bei weitem vorziehen würden.
Frage: Ist dies in Mitterrands Schreiben enthalten?
Drängt er den Präsidenten, in die Richtung zu gehen,
die er vorgeschlagen hat, obwohl er die Sanktionen
befürwortet?
Seite 3

�Antwort: Ich möchte den Inhalt eines bestimmten friedlichen oder politischen Losung. Ich glaube jedoch
Briefs nicht im einzelnen kommentieren. Die Äu ßerun- nicht, da ß die Franzosen einen anderen Ansatz kategen Präsident Mitterrands vor den Vereinten Nationen gorisch und unwiderruflich ausgeschlossen haben,
beziehen sich auf Möglichkeiten einer diplomatischen,

* * * * *

Seite 4

AMERIKA PIENST 40

�US-AUSSENPOLITIK
10. Oktober 1990

NEUE AKZENTE IN DER AMERIKANISCHEN
AUSSENPOLITIK
Rede des Gesandten George F. Ward
HAMBURG - (AD) - Dem Gesandten bei der amerikanischen Botschaft in Bonn, George F. Ward, zufolge haben
die revolutionären Ereignisse der jüngsten Vergangenheit "die Überarbeitung der weltpolitischen Tagesordnung
noch dringlicher gemacht. Wir können nicht länger in völlig überholten Kategorien denken."
In einer Rede in Haus Rissen in Hamburg betonte Ward am 8. Oktober 1990, dabei gebe es für die Vereinigten
Staaten "keinen wichtigeren Partner als die Bundesrepublik Deutschland. Seit 1949 sind unsere beiden Länder
durch gemeinsame Interessen, gemeinsame Werte und gemeinsame Ziele verbunden..." Die Vereinigten
Staaten seien zuversichtlich, daß das vereinigte Deutschland seine "neugewonnene Macht" zur Stabilisierung
Europas einsetzen werde.
Die Rede des Gesandten in Haus Rissen hat folgenden Wortlaut:

*

Vor fast genau einem Jahr hatte ich bereits das Privileg, vor dieser Gruppe zu sprechen. Damals erschienen die Gezeiten des Wandels als unwiderstehlich. In
ihrem Sog waren viele der vertrauten Gefahren entweder verschwunden oder traten in veränderter Form
zutage, während andernorts neue Probleme auftauchten. Angesichts dieses Umbruchs in der Weltpolitik
hatte Haus Rissen seiner Jahreskonferenz einen provokativen Titel gegeben: "Herausforderungen der
Weltinnenpolitik." Meine eigene Rede bei jener Tagung war überschrieben: "Neue Herausforderungen
für die amerikanische Außenpolitik [am Ende des
Zwanzigsten Jahrhunderts]." Sicherlich verspürten
wir alle die Notwendigkeit, uns Gedanken über die
Zukunft zu machen und die Tagesordnung der Weltpolitik zu überprüfen.
Und doch übertrafen die Ereignisse der Wochen danach alle Erwartungen. Um Vaclav Havel zu zitieren:
"die Geschichte beschleunigte sich". Wir wurden nicht
nur Zeuge des Zusammenbruchs von Regimen, sondern der rapiden Erosion einer ganzen Ordnung, von
Moskau bis nach Managua. Selten in der Geschichte
haben Frieden und Demokratie in so kurzer Zeit solch
große Fortschritte erzielt. Was Deutschland anbelangt, so trugen diese Veränderungen zur Erfüllung
eines Traumes bei: das schönste Bild unseres Zeitalters ist vielleicht das des jungen Mannes, der seine

AMERIKA DIENST 40

Freiheit feiert, indem er Betonbrocken aus der Berliner
Mauer schlägt.
Solch revolutionäre Ereignisse haben die Überarbeitung der weltpolitischen Tagesordnung noch dringlicher gemacht. Wir können nicht länger in völlig überholten Kategorien denken. Heute sind wir gezwungen
Probleme zu lösen, die es gestern noch gar nicht gab.
Wer hätte sich vor einem Jahr träumen lassen, daß im
Jahr 1990 Diplomaten über den Abzug der sowjetischen Truppen aus einem vereinigten Deutschland
verhandeln würden?
Doch selbst heute sind dem Wandel Grenzen gesetzt.
Ein amerikanischer Senator kleidete diese Tatsache in
die Formulierung, Saddam Hussein habe uns aufgeweckt. Seine Handlungsweise führt uns vor Augen,
daß Macht und die Bereitschaft, sie zu benutzen,
weiterhin wichtige Faktoren in der Weltpolitik sind. Das
gilt auch für Europa. Sicherlich, der kalte Krieg zwischen zwei ideologisch konträren Blöcken ist vorbei.
Doch die Sowjetunion ist nach wie vor eine gewaltige
und unberechenbare geopolitische Macht an der
Schwelle Europas. Osteuropa setzt sich mit uralten
inneren Streitigkeiten auseinander.
Bitte mißverstehen Sie mich nicht. Die amerikanische
Außenpolitik blickt mit Optimismus in die Zukunft.
Präsident Bush selbst hat erklärt, daß wir die NachSeite 1

�kriegszeit hinter uns lassen und über die Politik des
Containment hinausgehen. Wir verwechseln jedoch
nicht Wunsch und Wirklichkeit. Vergangenes Jahr
habe ich die These meines Kollegen Francis Fukuyama in Frage gestellt, der Sieg des demokratischen
Kapitalismus über den Marxismus bedeute das Ende
der Geschichte. Er bedeutet lediglich das Ende eines
Kapitels der Geschichte, und obwohl ich nicht behaupten kann zu wissen, was das nächste Kapitel bringen
wird, ziehen sich Konflikte wie ein roter Faden durch
die Geschichte der Menschheit. Ihr Wiederaufflammen sollte also niemanden verwundern. Aus diesem
Grund dürfen wir keine Strukturen aufgeben, die sich
bewährt haben.
Es gibt für uns keinen wichtigeren Partner als die
Bundesrepublik Deutschland. Seit 1949 sind unsere
beiden Lander durch gemeinsame Interessen, gemeinsame Werte und gemeinsame Ziele verbunden einschließlich der gemeinsamen Verpflichtung, die
Teilung des Kontinents zu überwinden. Zyniker haben
oftmals behauptet, der Westen unterstütze die Vereinigung Deutschlands nur so lange sie unmöglich sei.
Die amerikanische Politik der vergangenen zwölf Monate
beweist das Gegenteil. Für uns ist der deutsche
Wunsch nach Einheit etwas natürliches, und unser
Vertrauen in dieses Land hat niemals gewankt. Es
wurde in der Tat noch stärker, nachdem wir die bisher
unbekannten Deutschen - aus dem Osten - besser
kennenlernten und entdeckten, daß ihre Sehnsucht
nach Freiheit und persönlicher Erfüllung den amerikanischen Traum verkörperten.
Natürlich kann niemand die geopolitische Dimension
der deutschen Einheit in Abrede stellen. Seit letzter
Woche ist das politische Gewicht Deutschlands größer
geworden. Wir sind zuversichtlich, daß diese neugewonnene Macht zur Stabilisierung Europas beitragen
wird. Wir sind ebenso sicher, daß ein vereinigtes
Deutschland weiterhin die Logik von Macht und Politik
anerkennt. Wie Konrad Adenauer häufig erklärte,
kann eine Nation von der Größe Deutschlands in der
Mitte Europas nicht die passive Rolle einnehmen, die
von kleineren oder peripheren Staaten gespielt wird.
Für ein Land von der Bedeutung Deutschlands ist
selbst eine Entscheidung, nicht zu handeln, eine
Handlung mit Folgen. Aus diesem Grund fühlen sich
die Vereinigten Staaten durch die herausragende Rolle
Deutschlands in europäischen Fragen und sein zunehmendes Engagement in der Weltpolitik bestärkt. Eine
solche Tatkraft bildet die Grundlage für unsere Partnerschaft bei der Führung.
Ich möchte nun im einzelnen auf die Herausforderungen eingehen, mit denen unsere beiden Länder konfrontiert sind. Ich werde die europäische Sicherheit,
Sicherheitsfragen außerhalb Europas und andere
Angelegenheiten erörtern, die über das Thema Sicherheit hinausgehen. In jedem Bereich werde ich neue
Akzente in der amerikanischen Außenpolitik und die

Seite 2

Rolle der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit
betonen.
Europa bleibt zentraler Schwerpunkt der amerikanischen Außenpolitik. Auch wenn der Blick der Vereinigten Staaten auf den Golf gerichtet ist, heißt das nicht,
daß die politisch Verantwortlichen dort Europa übersehen. Im Gegenteil: unsere intensiven Bemühungen im
Nahen Osten leiten sich in nicht geringem Maß aus
unserem Engagement in Europa ab. Würde man
Saddam Hussein erlauben, Preis und Angebot des Öls
zu diktieren, wäre dies für Westeuropa teuer und für
Osteuropa katastrophal. InderinterdependentenWelt
von heute ist Stabilität unteilbar: die Interessen keiner
Region lassen sich von Ereignissen andernorts abschotten.
Die amerikanische Politik bleibt also eurozentrisch. In
Washington wird keine wichtige Entscheidung gefällt,
ohne die Auswirkungen auf diese Region zu berücksichtigen, die immer noch für die Sicherheit der Vereinigten Staaten am wichtigsten ist. Trotz des drastischen Rückgangs der Spannungen zwischen Ost und
West ist das amerikanische Engagement in Europa für
jegliche Hoffnung auf dauerhafte Stabilität von entscheidender Bedeutung.
Sicherlich ist die sicherheitspolitische Bedrohung in
ihrer klassischen Form verschwunden. Mit dem Vollzug der deutschen Einheit sind die Chancen für einen
dauerhaften Frieden drastisch gestiegen. Wenn den
Reformen in der Sowjetunion und Osteuropa Erfolg
beschieden ist, wird dies einen weiteren gewaltigen
historischen Schritt nach vorn markieren.
Das "wenn" ist jedoch das entscheidende Wort. Da
sich die sowjetische Wirtschaft in desolatem Zustand
befindet, ist der Erfolg der Perestrojka bei weitem nicht
gesichert. Jeder Ruf nach Reformen stößt auf einen
Chor von Kritikern: einigen gehen die Veränderungen
zu schnell, anderen zu langsam. Jeder Versuch des
Kreml, dem Föderalismus wirkliche Bedeutung zu
verleihen, führt zu neuen Forderungen nach Selbstbestimmung einzelner Nationalitäten. Zahlreiche Elemente der sowjetischen Gesellschaft, auf der Rechten
wie auf der Linken, sind über den Zusammenbruch der
russischen Macht aufgebracht; sie könnten handeln.
Gorbatschow selbst hat bereits von Notstandsgesetzen gesprochen.
Selbst wenn die Wirtschaftsreformen greifen und das
sowjetische Reich Bestand hat, ist es denkbar, daß
Anhänger des alten Denkens das Experiment torpedieren könnten, um der UdSSR in der Weltpolitik
erneut eine eher traditionelle, interventionistische Rolle
zu verschaffen.
Niemand erwartet die Wiederbelebung des Stalinismus. Das schiere Machtpotential der Sowjetunion ist
jedoch eine zentrale Tatsache der Geopolitik. Obwohl
wir die drastische Reduzierung der Streitkräfteniveaus

AMERIKA DIENST 40

�und der Vorwarnzeit begrüßen, stellt die sowjetische
Macht, wenn sie in die falschen Hände gerät, weiterhin
eine Gefahr für ihre Nachbarn und eine Quelle der
Instabilität für den gesamten Kontinent dar.
Dies gilt noch mehr, wenn die Reformen in Osteuropa
scheitern. Die amerikanische Politik engagiert sich
moralisch und materiell für ihren Erfolg. Aber die
Einführung von Demokratie und freier Marktwirtschaft
praktisch über Nacht ist ein beispielloses Experiment.
Bei vielen wird vielleicht die Realität nicht den Erwartungen gerecht, andere könnten bei diesem Prozeß zu
Verlierern werden, und ein ungleichmäßiges Reformtempo könnte innere Unruhen auslösen. Spannungen
zwischen den osteuropäischen Staaten, einschließlich
der Sowjetunion, sind nicht auszuschließen: die Landkarte ist in dieser Region unglücklich gestaltet worden,
und die Reformen führen bereits zum Wiederaufleben
alter Animositäten.
Selbstverständlich hoffen wir auf den Erfolg der Reformen. Eine kluge Politik muß jedoch Hoffnung als Ziel
und nicht als Tatsache betrachten. Darüber hinaus
sind diese Szenarien zwar keine Entschuldigung für
das Festhalten an überholten Konzepten, aber sie
erinnern uns daran, daß Stabilität Europa nicht in die
Wiege gelegt wurde. Sie ist die Folge eines Gleichgewichts, und seit 1949 ist die amerikanische Präsenz
ein entscheidender Faktor dieser Balance. Die europäische und die amerikanische Sicherheit haben gleichermaßen davon profitiert.
Es gibt sogar einen noch zwingenderen Grund, warum
die Vereinigten Staaten eine Macht in Europa bleiben
müssen und werden: sie sind per definitionem eine
europäische Macht. Die Vereinigten Staaten sind
durch ein gemeinsames Erbe, gemeinsame Werte und
Ziele mit diesem Kontinent verbunden. Ihre besten
Verbündeten beim Streben nach einer stabilen Weltordnung befinden sich hier. Einem alten Sprichwort
zufolge haben Staaten keine dauerhaften Freunde,
sondern nur dauerhafte Interessen. Die Erfahrung
lehrt uns jedoch auch, daß den vitalen Interessen
jedes Staates durch lange bestehende Freundschaften gut gedient ist.
Seit 1949 verbindet die NATO die Vereinigten Staaten
mit Europa. Es gibt keinen Grund, warum sich dies
ändern sollte. Natürlich entwickelte sich die NATO
während des kalten Krieges als Teil der Bemühungen
zur Eindämmung der sowjetischen Expansion. Aus
gutem Grund wird die Sowjetunion jedoch im Nordatlantikvertrag mit keinem Wort erwähnt. Dieser Vertrag
ist zudem unbefristet. Denn der grundsätzliche Zweck
der NATO ging über die Politik des Containment
hinaus: eine transatlantische Sicherheitspartnerschaft
sollte dem langfristigen Ziel dienen, eine stabile Sicherheitsstruktur in Europa zu gewährleisten. Die
NATO bei Verwirklichung dieses Ziels preiszugeben,
würde nicht mehr Sinn ergeben als die Abschaffung
der EG beim Aufbau des europäischen Binnenmarkts.
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Niemand bestreitet, daß sich die NATO ändern muß.
Wie Außenminister Baker erklärt hat, wird sie neue
politische Aufgaben und einen mehr politischen Schwerpunkt entwickeln. All dies ist jedoch eine Frage der
Betonung, nicht der Substanz: das westliche Bündnis
war stets eine politische Institution, ein Forum der
Koordinierung und des Dialogs von Staaten mit gemeinsamen Interessen. Die sich verändernden Bedingungen von heute bedeuten, daß neue Punkte auf
seiner Tagesordnung erscheinen werden: Verbreitung von Raketen, Verifizierung von Rüstungskontrollabkommen und regionale Konflikte. Unsere Konsultationen zu Osteuropa und der Golfkrise unterstreichen
den Wert der NATO in dieser Hinsicht.
Die NATO ist jedoch mehr als ein Forum. Sie ist eine
Institution, die handeln kann. Einige behaupten gern,
die Anfangsbuchstaben des Bündnisses in Englisch
stünden für "NoAction;TalkOnly." Wiederum lehrt die
Geschichte, daß solche Zyniker zwar oft clever daherreden, aber selten im Recht sind. Nichts beweist die
Fähigkeit der NATO zum Handeln besser als der
NATO-Doppelbeschluß zu INF, mit dem der sowjetischen Führung vor Augen geführt wurde, daß es für sie
außer Verhandlungen keine Option gab. Dies öffnete
den Weg zu einer echten Annäherung zwischen Ost
und West.
Der politische Einfluß der NATO kann nicht wachsen,
wenn man ihre grundlegende militärische Komponente nicht bewahrt. Natürlich haben wir angesichts der
wachsenden Friedensaussichten damit begonnen,
unsere Truppenstärke zu verringern, Stützpunkte zu
schließen und auf die Modernisierung unserer Nuklearstreitkräfte zu verzichten. Auch die Strategie ist
nicht sakrosankt. Die Londoner Erklärung stellt eindeutig fest, daß Vomeverteidigung und flexible Reaktion der grundlegenden Überarbeitung bedürfen. Darüber
hinaus müssen die Nuklearstreitkräfte der NATO als
Waffen behandelt werden, die nur als allerletztes Mittel
eingesetzt werden.
Bestimmte militärische Elemente lassen sich jedoch
nicht reduzieren. Die US-Militärpräsenz in Europa ist
ein wichtiger Schutz vor Instabilität. Amerikanische
Nuklearwaffen geben der transatlantischen Sicherheit
Gewicht und tragen dazu bei, daß Krieg undenkbar
wird: solche Waffen müssen in der einen oder anderen
Form in Europa stationiert bleiben. Darüber hinaus
gewinnt das Bündnis seinen einzigartigen Einfluß durch
den in der Geschichte einmaligen Grad militärischer
Integration und gemeinsamer Formulierung der Politik
innerhalb der NATO. Die Umstrukturierung von NATOTruppen zu multilateralen Korps könnte diese Merkmale des Bündnisses verbessern.
Natürlich begrüßen wir die im Hinblick auf den langersehnten zweiten Eckfpeiler erzielten Fortschritte. Die
Neubelebung der WEU ist ein wichtiger Schritt in diese
Richtung, und ihre Charta verbindet sie ja mit der
NATO. Darüber hinaus wertet Washington die 1990
Seite 3

�zwischen Bonn und Paris ins Leben gerufene Initiative
für eine EG-Sicherheitsunion als weiteren Schritt in
Richtung auf einen besseren Zusammenhalt des
Westens und nicht als Alleingang.
Die Politik der Vereinigten Staaten berücksichtigt die
wachsende Bedeutung der KSZE. Hierbei handelt es
sich um einen entscheidenden Prozeß, der unterschiedlich gearteten Ländern die Möglichkeit bietet,
bei vielen - auch sicherheitspolitischen - Fragen eine
gemeinsame Basis zu finden und den Ländern Osteuropas das Gefühl vermittelt, in den Sicherheitsdialog
einbezogen zu werden. Artikel 21 und 22 der Londoner
Erklärung beschreiben neue Aufgaben, unter anderem Vertrauensbildung und Konfliktlösung. Die weitere Institutionalisierung der KSZE kann ihre Rolle als
Forum stärken.

Man soll einem alten Spruch zufolge keine offenen
Türen einrennen, und ein Vertreter der amerikanischen Regierung muß die meisten Deutschen - und
vor allem dieses Publikum - kaum auf die Bedeutung
der NATO hinweisen. Er muß sie auch nicht zur
Erhaltung der transatlantischen Bindungen auffordern.
Bundeskanzler Kohl hat unser Bündnis bei unzähligen
Gelegenheiten als unverzichtbar bezeichnet, sich gegen
einen Prozeß der vollständigen Entmilitarisierung
ausgesprochen und vor der Errichtung einer Festung
Europa gewarnt.
Dennoch ist in Europa die Versuchung groß, alle
bestehenden Strukturen als überholt zu betrachten.
Manche möchten die NATO abschaffen, andere möchten
sie als Fassade mit geringer politischer und keiner
militärischen Bedeutung behalten. Auch wenn damit
erneut ein Beispiel aus der Architektur zitiert wird, so
erinnern diese Reformeiferer an Stadtplaner, die solide alte Bauten eilig abreißen, um an ihrer Stelle neue,
aber instabile Gebäude zu errichten.

Die eigentliche Stärke der KSZE - ihr Streben nach
einem Konsens inmitten dieser Vielfalt - bedeutet, daß
nicht immer westliche Sicherheitsinteressen zum Zuge
kommen. Es liegt ein Kömchen Wahrheit in den
scherzhaften Worten des israelischen Staatsmanns
Abba Eban, bei einem Konsens sagten alle gemeinsam etwas, woran kein einzelner glaubt. Länder mit
unterschiedlichen Interessen finden oftmals nur einen
gemeinsamen Nenner, indem sie Differenzen notdürftig übertünchen. Selten werden auf der Basis eines
solch brüchigen Konsenses konkrete Maßnahmen
ergriffen, erst recht nicht im Bereich der Sicherheit.

Die Vereinigten Staaten und das vereinte Deutschland
sind Partner bei der Führung. Jedes künftige Sicherheitsgefüge braucht ihre Beteiligung und ihre Zustimmung. Wir sind zuversichtlich, daß die politische
Führung dieses Landes ihr traditionelles Engagement
für transatlantische Institutionen beibehalten und sich
einer Politik widersetzen wird, die solche Institutionen
ihrer Inhalte berauben würde.

Kurzum: bei der KSZE handelt es sich um ein Forum
für die Suche nach gemeinsamen Interessen, während die NATO ein Bündnis ist, in dem auf der Grundlage bereits bestehender gemeinsamer Interessen
gehandelt wird. Damit ergänzen sich beide Organisationen auf natürliche Weise und leisten somit beide
einen wichtigen Beitrag für die europäische Stabilität
der Zukunft.

Europa ist heute ein Abbild des Erfolgs gemeinsamer
sicherheitspolitischer Bestrebungen. Es lehrt viele
Lektionen für die Politik an anderen Orten. Denn das
Ende des kalten Krieges heißt nicht, daß die Bedrohungen für die Sicherheit verschwinden, es erfordert
und ermöglicht vielmehr neue Methoden zur Entschärfung solcher Bedrohungen. Hierfür liefert die Golfkrise
ein anschauliches Beispiel.

In der europäischen Politik werden oftmals Beispiele
aus der Architektur verwendet. Denken Sie nur an
Metaphern wie den zweiten Eckpfeiler der NATO und
Präsident Gorbatschows gemeinsames Haus. Nur
zögernd würde man noch eine weitere nennen, die
aber ein eindeutiges Bild vermittelt. Angesichts des
herannahenden Jahres 1992 ist viel von der Festung
Europa die Rede, die um den Binnenmarkt errichtet
wird. Ich werde im folgenden noch darauf eingehen,
wie wichtig der Kampf gegen den Protektionismus
schon aus wirtschaftlichen Erwägungen ist. Überdies
würde eine Mauer der Handelshemmnisse, die Amerika von Europa trennt, unweigerlich die transatlantischen Sicherheitsbeziehungen schwächen, denn wenn
in ganz Europa die Mauern fallen, wird die Errichtung
einer neuen Mauer ziemlich sinnlos. Der Schutz vor
einer solchen Mauer ist ein Ziel der institutionalisierten
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
der EG und darüber hinaus Gegenstand regelmäßiger, in diesem Jahr aufgenommener Gespräche zwischen dem Rat und der Kommission.

Präsident Bush hat mit der unverzüglichen Entsendung von US-Truppen nach Saudi-Arabien den ersten
und wichtigsten Schritt unternommen, um der irakischen Aggression entgegenzutreten. Diese konkrete
Maßnahme hat jede mögliche Expansion irakischer
Macht über Kuwait hinaus vereitelt und Saddam Hussein ein unmißverständliches Signal gegeben, daß
seine Aggression ins Auge gegangen ist.

Seite 4

Aber trotz der Tatsache, daß die Vorgehensweise der
Vereinigten Staaten irakischen Ambitionen schnell die
Spitze nahm, konnte und kann sie allein keine Stabilität
in der Golfregion hervorbringen. Die Amerikaner sind
vereint in ihrer Bereitschaft, der irakischen Aggression
entgegenzutreten. Dennoch mißtraut die öffentliche
Meinung einer langanhaltenden, einsamen Wacht auf
fernen Posten. Insbesondere in einer Zeit der Engpässe im Haushalt und einer offensichtlichen relativen
Abschwächung der wirtschaftlichen Stärke der Vereinigten Staaten wäre eine US-Aktion am Golf oder
andernorts in unserem Land schwer zu rechtfertigen.

AMERIKA DIENST 40

�Die Amerikaner wollen vielmehr, daß ihre Anstrengungen Teil einer gemeinsamen Reaktion sind.

i

^

Darüber hinaus hat das Ende des kalten Krieges zu
einem neuen strategischen Konzept in Amerika geführt. Angesichts der geringen Wahrscheinlichkeit
eines kurzfristig angezettelten weltweiten Konflikts
wollen wir sobald wie möglich - bis 1995 - unsere
aktiven Streitkräfte um 25 Prozent reduzieren. Unsere
Strategie ist zunehmend auf schnelle Reaktion auf
regionale Konflikte ausgerichtet. Ein solcher Ansatz
vertraut auf materielle und politische Unterstützung
von Freunden und Verbündeten.
Um es mit Präsident Bushs Worten zu sagen: "Allein
können die Vereinigten Staaten viel tun - gemeinsam
mit ihren Freunden und Verbündeten können sie noch
sehr viel mehr für Frieden und Gerechtigkeit tun."
Die internationale Solidarität gegen Saddam Hussein
war und ist daher unverzichtbar. Die beste Hoffnung
auf eine Beilegung dieses Konflikts bieten die historische im vergangenen Monat in Helsinki erzielte amerikanisch-sowjetische Übereinstimmung, der Konsens
gemäßigter arabischer Staaten und die Hilfe aus
Westeuropa und Japan. Nur mit Hilfe dieser Solidarität
kann der Irak von wirtschaftlicher, militärischer und
politischer Unterstützung abgeschnitten und gleichzeitig in den Vereinigten Staaten Unterstützung für die
Operation Wüstenschild gewonnen werden.

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i

Dieser Konsens zeigt sich deutlich bei den Vereinten
Nationen. Dieses internationale Gremium und seine
Unterorganisationen spielen seit langem eine unverzichtbare Rolle bei der Bewältigung von Krankheit,
Hunger, Armut, Analphabetentum und Flüchtlingsproblemen. Im Golfkonflikt demonstrieren sie jetzt ihre
Fähigkeit, ernsthafte sicherheitspolitische Maßnahmen zu ergreifen. Saddam Husseins Aggression ist
eine solch massive Bedrohung des Prinzips der Rechtsstaatlichkeit, daß der Sicherheitsrat mit beispielloser
Entschlossenheit gehandelt hat. Die U NO-Sanktionen
einschließlich des jetzt verhängten Luftverkehrembargos spielen eine wichtige Rolle. Die Billigung dazu,
Sanktionen gegebenenfalls mit militärischen Mitteln
durchzuführen, ist beispiellos. Präsident Bush hat es
ausdrücklich als amerikanische Politik bezeichnet, diesen
Sanktionen Geltung zu verschaffen.
Natürlich hoffen wir, daß diese Solidarität schließlich
den Bunker in Bagdad durchdringt und Saddam Hussein zum Rückzug zwingt. Dennoch liefern die UNOEntscheidungen lediglich den Rahmen für internationale Maßnahmen, sie können und dürfen kein Ersatz
für Taten sein. Wenn wir auf das internationale Gremium als ausführendes Organ der Politik gesetzt hätten, stünde Saddam Hussein heute vielleicht in Riad.
Wenn wir darauf bauen, daß die Sanktionen von allein
greifen, dann ist das eine Selbsttäuschung.
Die einzige friedliche Lösung der Krise besteht in
effektiver Abschreckung und wirksamen Sanktionen,
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beide hängen von konkreten Maßnahmen zur Durchsetzung ab, und diese Durchsetzung erfordert wiederum eine koordinierte militärische Reaktion. Die Teilung der Verantwortung ist daher entscheidend.
Die arabische Präsenz in Saudi-Arabien ist politisch
unverzichtbar und militärisch wertvoll. Wir müssen
Wege aufzeigen, wie eigene Verteidigungsfähigkeiten
von Ländern wie Saudi-Arabien und Ägypten zu steigern sind. Es gibt keine Pläne für eine NATO des
Nahen Ostens. Aber erweiterte Zusammenarbeit und
mehr Waffenverkäufe werden Sicherheit und Stabilität
am Golf fördern.
Angesichts dessen, was für die Stabilität am Golf auf
dem Spiel steht, müssen sich die Länder des westlichen Bündnisses die Verantwortung teilen. Sie verfügen über die Ressourcen, sie sind gewohnt, auf der
Basis gemeinsamer Interessen zu handeln, sie haben
Mechanismen für regelmäßige Konsultationen und
Zusammenarbeit entwickelt. Nahezu alle NATO-Länder
haben ein bestimmtes Streitkräftekontingent in der
Golf-Region. Die Türkei spielt natürlich eine besonders entscheidende Rolle in dieser Region.
Niemand schlägt eine Erweiterung des Mandats der
NATO vor. Der Operationsbereich der NATO ist der
Nordatlantik. Dennoch verbietet kein Passus im Vertrag von 1949 Konsultationen über Fragen außerhalb
dieses Gebiets, insbesondere wenn solche Bestrebungen dem übergeordneten NATO-Ziel der kollektiven Sicherheit dienen. Zumindest müssen wir zusammenarbeiten, um Streitkräfteverschiebungen auszugleichen, die Südflanke zu stärken und die Einhaltung
der Sanktionen zu überwachen.
Dieser Konflikt trifft uns an einem kritischen Punkt der
deutschen Geschichte. Man hat inzwischen Verständnis für Zeitungsredakteure: der Platz auf der Titelseite
reicht nicht aus für all die dramatischen Schlagzeilen.
Dennoch sind die deutsche Einheit und die Golfkrise
als Themen nicht so verschieden wie es scheint: mit
dem zunehmenden Gewicht Deutschlands in Europa
steigt auch sein Gewicht in der Welt. Die Golfkrise ist
eine große Herausforderung an die Weltordnung und
die wirtschaftliche Stabilität, und der Status Deutschlands als wichtige politische und wirtschaftliche Macht
macht es unvermeidlich, daß Deutschland eine Rolle
spielt.
Bonns im letzten Monat getroffene Entscheidung, den
betroffenen Ländern Wirtschaftshilfe zu gewähren und
die militärischen Bestrebungen der Vereinigten Staaten indirekt zu unterstützen, ist ein wichtiger erster
Schritt. Angesichts all der Rechnungen, die sich auf
dem Schreibtisch des Bundeskanzlers stapeln, war es
keine leichte Entscheidung, diese Mittel für den Nahen
Osten bereitzustellen.
Obwohl wir anerkennen, daß die Deutschen offiziell
den Wunsch geäußert haben, mehr tun zu können, hat
schon dieser erste Beitrag Kritik entfacht. In einigen
Seite 5

�Kreisen weist man auf die Möglichkeit hin, daß der
Beitrag in Höhe von 3,3 Milliarden Mark schon das
ganze Ausmaß der deutschen Beteiligung darstellen
könnte. Solche Haltungen stehen mit Deutschlands
zunehmender Bedeutung als internationale politische
und militärische Macht wohl kaum in Einklang.
Verbündete und Nachbarn würden eine etwas größere
Rolle Deutschlands begrü ßen, um die Stabilität au ßerhalb des Einflußbereichs der NATO zu erhalten. Fragwürdige Interpretationen der Geschichte sollten es
nicht davon abhalten, multilaterale Bestrebungen zu
unterstützen, um der dreisten Agression entgegenzutreten.
Allgemein anerkannten Auslegungen der Verfassung
zufolge wäre ein solches Vorgehen verfassungswidrig, und zweifelsohne kann aktive Politik niemals die
breite Unterstützung der Bevölkerung gewinnen, wenn
nicht die überwiegende Mehrheit der Deutschen davon
überzeugt ist, daß sie im Einklang mit dem Grundgesetz steht. Aus diesem Grund haben der Bundeskanzler und zahlreiche andere politisch Verantwortliche
eine Verfassungsänderung gefordert, um ein militärisches Engagement au ßerhalb des Atlantiks zu ermöglichen. Viele unterstützen diese Änderung unter der
Voraussetzung, daß Aktionen "in bündnisfremden
Gebieten" nur im Rahmen der UNO bei Einsätzen wie
derzeit am Golf gestattet werden.
Die deutschen "Blauhelme" wären willkommen, aber
die Rolle der Friedenstruppen - wie mutig auch immer
- ist kaum entscheidend bei der Bewahrung regionaler,
ganz zu schweigen von weltweiter Stabilität. Eine "Lex
Saddam" kann daher in Frage gestellt werden. Es ist
absolut möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß künftige
Krisen deutsche Interessen direkt betreffen werden
oder die stabile Weltordnung gefährden, an der Deutschland noch mehr interessiert ist. Es ist jedoch unwahrscheinlich, daß diese Einsätze solch ein einhellig unterstütztes und eindeutiges Mandat zu Handlungen
der UNO hervorbringen wie das durch die dreiste Aggression des Irak hervorgerufene. An irgendeinem
Punkt - entweder im Verlauf dieser Krise oder in
Zukunft - wird die Bundesrepublik entscheiden müssen, ob sie direkte Schritte, gegebenenfalls mit Einsatz
von Militärmacht, unternimmt.

rungen oder Ozonschwund entziehen. Niemand kann
hoffen, die Elbe oder die Ostsee alleine zu reinigen.
Die jüngsten internationalen Bestrebungen sind ermutigend. Bei der diesjährigen Londoner Ozonkonferenz
wurde die Verpflichtung des Protokolls von Montreal
aus dem Jahr 1987 verstärkt. Die Teilnehmer einigten
sich ferner darauf, den ersten internationalen Umweltfonds zu gründen. Beim Wirtschaftsgipfel im Juli in
Houston widmeten die G-7 ihre Aufmerksamkeit nicht
nur Wirtschafts- sondern auch Umweltfragen. Vertreter aus den Vereinigten Staaten und der EG kamen
bereits im vergangenen Monat überein, das bei der
Londoner Konferenz vereinbarte Ozon-Abkommen in
die Praxis umzusetzen. Darüber hinaus werden sie im
Januar Konsultationen über die energiewirtschaftlichen Aspekte der Klimaveränderungen abhalten.
Meilensteine in Europa sind die Ost- und Nordseekonferenzen sowie das von den Vereinigten Staaten und
der EG finanzierte regionale Umweltzentrum für Osteuropa in Budapest. Beim Londoner NATO-Gipfeltreffen wurde ferner eine Rolle der KSZE in Umweltfragen
vorgeschlagen.
Wir wissen, unsere Partner in Bonn wollen rasche
Fortschritte erzielen. Die Betonung der amerikanischen Politik liegt jedoch darauf, daß wirksame langfristige Lösungen für diese Probleme richtiges Verständnis ihrer Ursachen erfordern. Gemeinsame Forschung
und Datenaustausch wie wir sie auf bilateraler Ebene
haben, sind daher die vielversprechendste Form multilateraler Zusammenarbeit. Aus diesem Grund plant
Präsident Bush in diesem Winter im Weißen Haus ein
zweites internationales Ministertreffen zu Umweltfragen.
Handel ist eine der ältesten Formen von Interaktion
zwischen Staaten. Dennoch halten allzu viele noch
immer an der Illusion des Protektionismus fest, im
Glauben, sie könnten von Exporten profitieren und
gleichzeitig irgendwie wirtschaftliche Unabhängigkeit
erlangen. Sie ignorieren eine Lehre, die durch den
Zusammenbruch des Ostblocks erneut bestätigt wurde: Mauern um die Volkwirtschaft einer Nation ersticken Wachstum ebenso wie Mauern um das Volk einer
Nation die Freiheit ersticken.

Sicherheit ist nach wie vor das herausragende Thema
unserer Zeit, aber keinesfalls das einzige. Wie wir
letztes Jahr unter dem Titel "Herausforderungen der
Weltinnenpolitik" erörterten, hat eine interdependentere Welt neue Probleme aufgeworfen, die ebenfalls
multilaterale Lösungen erfordern. Ich möchte vier
davon erörtern: Ökologie, Handel, Terrorismus und
Flüchtlinge.

Multilaterale Zusammenarbeit muß darauf abzielen,
jegliche Form von Handelsbeschränkungen abzubauen. In sieben Runden hat das GATT seit 1946 die
Zollsätze drastisch um 75 Prozent gesenkt. Infolgedessen explodierte der Handel von nur 60 Milliarden
Dollar im Jahr 1950 auf einen Rekordstand von 4
Billionen Dollar 1989. Nirgendwo waren die Profite
größer als in der EG - der größten Handelseinheit der
Welt.

Die Bedrohung der Umwelt macht nicht an den Grenzen halt. Daher ist es nur angemessen, daß Ökologie
heute weit oben auf der Tagesordnung der internationalen Politik steht. Kein Land kann sich Klimaverände-

Dennoch sind weitere 1,3 Billionen Dollar an Handel
mit Gütern und Dienstleistungen durch die bestehenden Regeln nicht angemessen abgedeckt. Abbau

Seite 6

AMERIKA DIENST 40

�dieser Restriktionen ist das Ziel der Uruguay-Runde in
Genf.
Die Vereinigten Staaten haben bei derGATT-Runde in
Genf alle Handelspraktiken auf den Verhandlungstisch gelegt. Bedauerlicherweise könnte Europas
unbeugsamer Widerstand gegen Agrarreformen die
Runde zum Scheitern verurteilen. Mit ihrem anachronistischen Festhalten an Subventionen zahlt die EG
Landwirten, die Weizen anbauen, beispielsweise 10
Prozent pro Tonne mehr als den tatsächlichen Marktwert. Diese Intervention in den freien Handel erhöht
die Kosten für den Verbraucher und bestraft Bauern in
den Entwicklungsländern.
Die Uruguay-Runde kann die Zölle drastisch um ein
Drittel kürzen und Regeln für fairen Wettbewerb festlegen. Dennoch hängt ihr Erfolg vom schrittweisen
Abbau der Agrarsubventionen ab. Falls die Runde
scheitert, wird die Welt Millionen an erhöhter Produktion verlieren, was für einen Gro ßteil der Entwicklungsländer und Osteuropas den Ruin bedeuten könnte.
Wenn es uns darüber hinaus nicht gelingt, den Handel
multilateral zu regeln, werden viele von uns einseitige
Maßnahmen ergreifen - einschließlich des amerikanischen Kongresses, der die Macht hat, den Handelsverkehr zu bestimmen.
Es erübrigt sich, den Wert des freien Handels in Bonn
und Washington zu unterstreichen. Unsere beiden
Länder wetteifern gerade deshalb um den Titel des
größten Exporteurs der Welt, weil wir von offenen
Märkten und fairem Wettbewerb profitieren. Aus diesem Grund ist es umso zwingender für Bonn, bei der
Entwicklung einer flexibleren Haltung der EG in multilateralen Foren eine Führungsrolle zu übernehmen.
Terroristen machen sich Grenzen zunutze. Sie verüben in einem Land Terroranschläge und suchen Zuflucht hinter den Grenzen eines anderen. Gelegentlich
werden sie vom zweiten Staat gedeckt, wie in dem
Falle, als Stasi-Beamte den vermutlichen RAF-und
Nahostterroristen Schutz gewährten. Häufig wird jedoch
hinter den Bestimmungen und Praktiken eines anderen Staates Zuflucht gesucht.
Multilaterale Maßnahmen können zur Bekämpfung
dieser Bedrohung beitragen. Wir müssen vereint
Druck auf staatlich geförderten Terrorismus ausüben.
Durch koordinierte Bestrebungen müssen wir darüber
hinaus sicherstellen, daß kollidierende Wirtschaftinteressen, Rechtsvorschriften und politische Programme Terroristen nicht unbeabsichtigt ein Schlupfloch
bieten, in dem sie sich verstecken können. Gute Absichten allein sind nicht genug.
Die bis heute unternommenen internationalen Bestrebungen sind ermutigend, sie reichen jedoch noch nicht
aus. Die Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats über
Geiselnahme sind nur ein Anfang. Die unerschütterliche Haltung der Weltöffentlichkeit gegen die Aggres-

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sion am Golf gibt zu der Hoffnung Anlaß, daß sie schon
bald über die bloß formale Mißbilligung terroristischer
Aktivitäten hinausgehen wird. Entschiedenes Vorgehen in diesem Bereich wird die UNO zu einem wahrhaft
entscheidenden Faktor in den internationalen Beziehungen machen.
Kontinuierliche enge Zusammenarbeit zwischen den
G-7 und der europäischen Trevigruppe ist unabdingbar. Wir ermutigen die Europäische Gemeinschaft als
Ganzes, über koordinierte Sicherheitsmaßnahmen
hinauszugehen und entscheidende Schritte gegen
staatlich geförderten Terrorismus zu unternehmen.
Zumindest muß der Export von sicherheitsempfindlicher Technologie in Staaten wie Libyen unterbunden
werden.
Deutsch-amerikanische bilaterale Koordinierung des
Austauschs polizeilicher Erkenntnisse hat dem Terrorismus Hindernisse in den Weg gelegt und dazu beigetragen, Verdächtige wie Mohammed Hammadi vor
Gericht zu bringen. Ein vereintes Deutschland kann
jetzt in stärkerem Maße dazu beitragen, daß eine
starke EG eine feste Haltung gegenüber staatlich
gefördertem Terrorismus einnimmt. Iraks Drohung,
Terroristen einzusetzen, macht die Zusammenarbeit
noch entscheidender.
Iraks brutale Aggression wirft ein Schlaglicht auf ein
weiteres Problem, das eine multilaterale Lösung erfordert. 15 Millionen Flüchtlinge, vornehmlich Frauen und
Kinder, sind bereits in entlegenen, öden Wüstenlagern

angekommen, haben ihre jämmerlichen Boote in asiatischen Häfen festgemacht oder stiegen am Bahnhof
Friedrichstraße aus dem Zug.
Es wäre für wohlhabendere Länder moralisch inakzeptabel, einfach ihre Grenzen zu schließen. Lagerhausartige Camps sind wenig besser. Aus diesem Grund
haben die Vereinigten Staaten ihre Einwanderungsquote erhöht. Unsere Erfahrungen zeigen, daß Neuankömmlinge aus unterschiedlichen Teilen der Welt
das kulturelle Leben eines Landes bereichern und sein
Wirtschaftspotential erhöhen. Führende Politiker in
Europa haben ebenfalls eine flexiblere Einwanderungspolitik gefordert.
Dennoch benötigen wir auch internationale Bestrebungen wie die der UNO-Flüchtlingskommission und der
Internationalen Indochinakonferenz.
Die Staaten
müssen gedrängt werden, mehr legale Einwanderer
aufzunehmen, so daß die Verzweiflung nicht zur Tragödieführt. Über die Rückführung der Flüchtlinge, von
denen die Mehrheit nur den einen Wunsch hat, nach
Hause zurückzukehren, müssen Abkommen geschlossen werden.
Regionale politische Krisen und wirtschaftliche Miseren in den Entwicklungsländern sind schuld an der
Verzweiflung, die Menschen veranlaßt, aus ihrem
Heimatland zu fliehen. Letztlich wird nur die Lösung

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�dieser grundlegenden Probleme diese zweite Völkerwanderung verlangsamen. Dies ist nur umso mehr
Grund für ein intensiviertes amerikanisch-deutsches
Engagement bei den Bestrebungen, internationale
Sicherheit und Wohlstand zu gewährleisten.
Zusammenfassend erscheint die Feststellung fast wie
eine Binsenwahrheit, daß die Umgestaltung der Weltpolitik schwindelerregend war. Vielleicht waren wir
bereits durch das Tempo des Wandels benommen:
einige Ereignisse, die noch vor zehn Jahren als epochemachend erachtet worden wären, werden heute in
den Abendnachrichten nicht einmal mehr erwähnt.
Dennoch sollten wir dankbar sein, daß unsere Kinder
in dieser Welt aufwachsen und nicht in der, die wir
vierzig Jahre lang kannten: der Spielraum zur gemeinsamen Bewältigung von Problemen schien noch nie so
groß.
Angesichts der zahlreichen verbleibenden Probleme
wäre Selbstgefälligkeit jedoch fehl am Platze. Die
Tagesordnung der internationalen Politik wird viele

Punkte umfassen - teils vertraut, teils neu, teils unvorhersehbar. Die Vereinigten Staaten und Deutschland
müssen die Grundlagen der europäischen Stabilität
erhalten, auch während sie versuchen, die Herausforderungen und Probleme in den Griff zu bekommen, die
über diesen Kontinent und das Sicherheitsgefüge
hinausgehen. Sie alle erfordern unsere Aufmerksamkeit und Zusammenarbeit miteinander. Denn in einer
Welt wachsender Interdependenz gibt es keine isolierten Probleme und keine einseitigen Lösungen.
Partnerschaft bei der Führung ist nicht nur ein Schlagwort, sondern eine Beschreibung der Realität. Unsere
beiden Länder üben Führungsrollen aus und unsere
sehr eng koordinierte Beziehung ist nach wie vor ein
großer Gewinn für Europa und in der Tat für die ganze
Welt. Seit vierzig Jahren hat die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit in jedem Bereich - Wirtschaft,
Politik und Verteidigung - Wohlstand, Stabilität und
Frieden hervorgebracht. Dies muß so bleiben, während wir uns der Zukunft stellen.

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