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3 . O k t o b e r 1973

Inhalt
INFORMATION
US-Außenminister begrüßt Bericht des Neuner-Ausschusses der NATOParlamentarier
- Wortlaut der Erklärung -

DOKUMENTATION
Pressekonferenz von Außenminister Kissinger am 26. September
- Auszüge Shultz: Währungsgespräche machen gute Fortschritte
- Auszüge aus der Rede des US-Finanzministers in Nairobi Rede von Botschafter Greenwald vor dem Institut für Politik und Wirtschaft in Hamburg
- Wortlaut -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Widerstand gegen die Lärmfolter
U S - U m w e l t s c h u t z b e h ö r d e w i r d a k t i v - Mehr F o r s c h u n g z u r E r k l ä r u n g

von Gesundheitsschäden erforderlich
Von G. Weiss
Hilfe zur Selbsthilfe
Eigene Verantwortung - ein wichtiger Faktor bei der Rehabilitation
von Drogensüchtigen
Schnellverfahren zur Identifizierung von Giften

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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38/1973

US-AUSSENMINISTER BEGRÜSST BERICHT DES NEUNER-AUSSCHUSSES
DER NATO-PARLAMENTARIER

- Wortlaut der Erklärung -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat in einer
Erklärung den Bericht begrüßt, den der "Ausschuß der Neun" der Nordatlantischen
Versammlung am 2. Oktober gleichzeitig in Brüssel, Washington und Ottawa
veröffentlicht hat. Die Nordatlantische Versammlung, ein Zusammenschluß von
Parlamentariern aus den Ländern des Atlantischen Bündnisses, wird auf ihrer
Jahrestagung Ende des Monats in Ankara den Bericht erörtern, der in vier
Punkten eine Neuordnung des westlichen Verteidigungsbündnisses, darunter eine
Verschmelzung auch der Nuklearverteidigung empfiehlt.

Senator Javits erklärte anläßlich der Veröffentlichung des Berichtes in
Washington vor der Presse, dieser Bericht könne "der erste Entwurf einer atlantischen Deklaration" sein.

Die Erklärung des amerikanischen Außenministeriums dazu hat folgenden Wortlaut:

"Der Außenminister begrüßt den Beitrag zu den Gedanken über die atlantischen
Beziehungen, den die hervorragenden Parlamentarier des Ausschusses der Neun
der Nordatlantischen Versammlung geleistet haben.

Der Außenminister teilt die Auffassung des Ausschusses, daß die atlantische

�atlantische Partnerschaft in dieser Periode des Übergangs in der Weltpolitik
von lebenswichtiger Bedeutlang bleibt.

Er teilt ferner die feste Überzeugung des Ausschusses, daß die Beziehung
durch eine gerechtere Verteilung der Verteidigungslasten und ein gesünderes
Verständnis der Wechselwirkung zwischen unserer Sicherheit, unseren politischen
und unseren wirtschaftlichen Beziehungen gestärkt werden muß.

Der Außenminister beglückwünscht den Ausschuß zu seiner gründlichen und
konstruktiven Einschätzung. Er sieht der Diskussion unter den Mitgliedern
der Versammlung und ihren Auffassungen zu den Empfehlungen des Ausschusses der
Neun auf der Plenarsitzung der Versammlung Ende dieses Monats in Ankara mit
Interesse entgegen."

+ + + + +

- 2-

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38/1973

PRESSEKONFERENZ VON AUSSENMINISTER KISSINGER AM 26. SEPTEMBER
- Auszüge -

NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister, Dr. Henrv Kissinger,
hat auf einer Pressekonferenz in New York am 26. September zu einer qanzen
Reihe von Fragen Stellung genommen. Wir bringen nachfolgend die für Europa
direkt relevanten Auszüge aus der einleitenden Erklärung Dr. Kissingers und
die entsprechenden Fragen und Antworten:

"... Lassen Sie mich ein '^ort über meine Gespräche mit unseren europäischen
Freunden und auch über die Beziehung Japans zu diesem Prozeß sagen.

Es hat im Zusammenhang mit einer möglichen Reise des Präsidenten nach
Europa viele Spekulationen aegeben. Wir planen diese Reise natürlich weiterhin,
aber der genaue Zeitpunkt wird durch das Tempo unserer Vorbereitungen bestimmt
werden müssen. Es ist viel im Sinne eines widersächlichen Verhältnisses zwischen
uns und den Europäern und großer Schwierigkeiten, zu einem Abkommen zu gelangen,
spekuliert worden.

Ich möchte diesen Eindruck richtig stellen.

Wovor wir in diesem Dialog stehen, ist die Verschmelzung mehrerer Prozesse.
Da ist einmal der Prozeß der euronnischen Integration. Da ist der Prozeß der
Debatte über Sicherheit in der NATO. Und da ist die Neudefinierung der atlantischen Beziehung, die all diese Gebiete einschließt.
Wie
- 1-

�Wie Sie wissen, habe xch im Namen des Präsidenten in einer Rede im

-4k

April eine neue Atlantische Grundsatzdeklaration vorgeschlagen.

Es hat in Europa einige Unsicherheit gegeben, wie und in welcher Form
man antworten sollte; es sind einige Monate der internen Diskussion in Europa
verstrichen - ob die NATO das geeignete Forum wäre, oder ob eine Reihe bilateraler Verhandlungen mit den Europäern, oder eine Serie von Gesprächen
zwischen den Vereinigten Staaten und dem Gemeinsamen Markt stattfinden sollte.

Das Ergebnis war, daß nachdem sechs Monate lang alle diese Wege beschritten
worden waren, sich die europäische Meinung herauskristallisierte. Es wurde beschlossen, daß diese wirtschaftlichen Fragen - und enge

politische Erwägungen,

die für wirtschaftliche Fragen relevant sind - und jene politischen Erwägungen,
die für Europa insgesamt relevant sind, von den Neun als Einheit mit den Vereinigten Staaten erörtert werden sollten. Es wurde ferner beschlossen, daß
Sicherheitsfragen - und jene politischen Fragen, die für die Sicherheit relevant sind - im NATO-Rat erörtert werden sollten.

,

Und dann sind natürlich während dieses ganzen Prozesses auch bilaterale
i

Kanäle offen geblieben.
Bezüglich der Deklaration, die die europäischen Neun ausgearbeitet haben,
und die mir gestern vom dänischen Außenminister Andersen im Namen der Neun
übergeben wurde, möchte ich sagen, die Vereinigten Staaten erkennen an, daß
dieser erste Versuch Europas, in einer politischen Angelegenheit in transatlantischen Beziehungen mit einer Stimme zu sprechen, ein Ereignis von größter
Bedeutung ist.
Die Vereinigten Staaten haben in der Nachkriegszeit beharrlich das Entstehen einer europäischen Identität unterstützt, und wir begrüßen daher die
Tatsache, daß sich Europa heute so gut organisiert hat, daß es mit einer Stimme
mit uns sprechen kann. Es mag sich im historischen Rückblick erweisen, daß
diese Konferenz der europäischen Neun als eines der entscheidenden Ereignisse
der Nachkriegsperiode betrachtet werden wird.
Auf
- 2 -

�Auf der anderen Seite behalten sich die Vereinigten Staaten selbstverständlich das Recht vor, ihre eigene Meinung bezüglich des Ergebnisses dieser
Überlegungen zu haben. Sie wurden den Vereinigten Staaten nicht auf der Basis
des 'alles oder nichts' unterbreitet.

Sie wurden uns in einem Geiste der Partnerschaft als Eröffnung eines
Dialogs vorgelegt. Daher werden die politischen Direktoren der Neun und Unterstaatssekretär Stoessel an diesem Sonnabend zu einem Gespräch zusammenkommen,
in dessen Verlauf wir versuchen werden, unsere Gedanken mit denen Europas zu
einer Mischung zu vereinen - oder versuchen werden, eine Mischung zu erreichen
- was diese Deklaration wirtschaftlicher und politischer Grundsätze angeht.

Zweitens finden, wie Sie wissen, gegenwärtig in der NATO Gespräche statt,
die sich mit der Definition künftiger Beziehungen im Bündnis befassen. Sie erstrecken sich auf Sicherheitsaspekte und politische Aspekte der Sicherheit.

Es herrscht allgemeines Einvernehmen darüber, daß diese Gespräche im
Rahmen des NATO-Rates energisch vorangetrieben werden sollten. Wir gehen davon
aus, daß wir dazu einen bedeutsamen Beitrag leisten werden.

Was ich hier unterstreichen möchte, ist die Tatsache, daß wir uns nicht
in einem widersächlichen Prozeß befinden. Wir befinden uns vielmehr in einem
Prozeß, in dem eine traditionelle Freundschaft neues Leben erhalten soll.
Die Reise des Präsidenten ist kein Selbstzweck. Die Reise des Präsidenten
wird sicherlich in naher Zukunft stattfinden. Aber unser Anliegen besteht darin,
Dokumente zu schaffen, die von historischer Bedeutung sein werden. Wir sind
der Überzeugung, daß wir jetzt ein gutes Stück Weg gegangen sind, um das zu
erreichen, was wir uns Anfang dieses Jahres vorgenommen haben. Die Gespräche
waren nützlich, und sie werden in konstruktivem Geist weitergehen.

Es war natürlich in unseren Gesprächen mit Japan unausweichlich, daß die
Beziehungen Japans zu diesen verschiedenen Anstrengungen zur Sprache kommen
mußten.
Da
- 3-

�-'.
Da der japanische Außenminister und der japanische Ministerpräsident
in diesen Wochen Europa besuchen, wäre es für mich unangebracht, mich dazu
zu äußern. Ich möchte nur sagen, daß wir in meiner Rede vom 23. April den
Standpunkt der Vereinigten Staaten dargelegt haben. Wir sind der Überzeugung,
daß es in irgend einem Stadium dieses Prozesses wichtig ist, daß Japan in
irgend einer Form daran teilnimmt.

Welcher Art eine solche Deklaration sein soll oder wie sie aussehen
soll, muß noch erörtert werden, und ich glaube, das wird weiterhin zwischen
den Japanern und uns besprochen werden, wie auch zwischen den Japanern und
den Europäern, wenn führende japanische Vertreter jetzt Europa bereisen."

"Frage: Herr Minister - Dr. Kissinger, sie sagten, die Rede des Präsidenten
würde in sehr naher Zukunft stattfinden -

Unterbrechung: Des Präsidenten was?

Frage: Entschuldigung, die Reise des Präsidenten würde in sehr naher
Zukunft stattfinden - und man hoffe, daß sie Dokumente von großer Bedeutung
zeitigen werde. Sollten wir diese beiden Dingen verknüpft und gleichzeitig
sehen?

Antwort: Natürlich nicht, sehr viel hängt davon ab, was Sie unter 'sehr
naher Zukunft1 verstehen. Was ich sage, ist, daß wir jetzt in einem Prozeß
stehen, und wir sehen die Umrisse der Ideen, die das Ergebnis dieses Prozesses
sein könnten.

Sie dürfen in ihrer Vorstellung eindeutig davon ausgehen, daß die Reise
des Präsidenten das Ergebnis eines Fortschrittes in diesen Gesprächen sein muß.
Und ich möchte hier noch einemal deutlich unterstreichen: Wir sind nicht auf
ein Publicity-Manöver aus; wir sind nicht an irgend einem Dokument interessiert,
das jeder unterschreiben kann - denn das ist relativ leicht zu haben und uns
schon nahe genug.
Wir
- 4-

�Wir haben einen sehr ernsthaften Vorschlag unterbreitet. Er beruht auf
unserer Überzeugung, daß sich die atlantischen Beziehunaen in den letzten 25
Jahren grundlegend verändert haben, zum Teil als Ergebnis der früher verfolgten
Politik. Wir sind der Meinung, daß wir, um dieser Politik einen neuen Anstoß
zu geben - um in einer Periode der Entspannung die Bedeutung von Freunden zu
bekräftigen - eine neue Vision von der Zukunft entwickeln müssen.

Dies wird nicht im amerikanischen Interesse getan; es wird im gemeinsamen
Interesse getan. Das ist das, was wir unter einem 'Dokument von historischer
Bedeutung' verstehen.

Wir sind davon überzeugt, daß dies erreichbar ist; wir sind der Auffassung,
daß bereits Fortschritte erzielt worden sind, daß der Prozeß jetzt weitergehen
wird. Wie (der Pressesprecher des Außenministeriums) McCloskey bereits mitgeteilt hat, plane ich am 15. Oktober vor den Pilgrims in England eine Rede zu
halten. Bei diesem Zusammenhang hoffe ich, auch mit mehreren meiner europäischen
Kollegen zusammenzukommen. Und wir sind überzeugt, daß wir jetzt gut in Gang
gekommen sind, aber wir setzen uns keine künstliche Frist. Das Ergebnis der
Überlegungen wird den Zeitpunkt der Reise des Präsidenten bestimmen.

Frage: Dr. Kissinger, wenn es eine Verzögerung hinsichtlich einer Übereinstimmung zwischen den Vereinigten Staaten und Europa über gemeinsame Ziele
gäbe,wären Sie dann besorgt, daß dies Rückwirkungen im Sinne einer Verlangsamung
der Entspannung zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion haben
könnte - da doch die Themen der Entspannung im wesentlichen die Frage der
europäischen Sicherheit und der beiderseitigen und ausgewogenen Truppenreduzierungen sind und dies wiederum die Fragen sind, die zwischen den Vereinigten
Staaten und Europa erörtert werden?

Antwort: Wir sind der Auffassung, daß mit fortschreitender Entspannung
die Neudefinierung der Beziehungen zu unseren Freunden in Europa und Asien
sehr wichtig wird, denn ein großer Teil der ursprünglichen Beziehungen basierte
auf der Angst vor einer militärischen Aggression, die mit fortschreitender
Entspannung nachlassen dürfte.
Ob
- 5-

�Ob man das nun umdrehen kann, also sagen könnte, wenn diese Verhandlungen
ins Stocken geraten, dann würde die Entspannung auch ins Stocken geraten - das
ist, wie ich meine, viel problematischer. Ich möchte es daher lieber positiv
ausdrücken: daß es in dieser Zeit Aufgabe des Staatsmannes ist, dafür zu sorgen,
daß die Beziehungen zu Freunden mit denen zu ehemaligen Gegnern Schritt halten.
Und es wäre wohl wenig sinnvoll, wenn wir bei unseren Freunden langsamere
Fortschritte machten als bei unseren Gegnern. Einen solchen Gedanken lehnen
wir ab, und es besteht auch kein Grund zur Annahme für Sie, daß so etwas geschehen könnte ...

Frage: Herr Minister, der Senat hat heute beschlossen, die amerikanischen
Streitkräfte im Ausland im Laufe der nächsten zwei Jahre um 40 Prozent zu verringern. Ist das eine gute Idee, und wie wird es die amerikanische Position
und Handlungsfähigkeit in den Gesprächen über beiderseitige und ausgewogene
Truppenreduzierungen und in den Gesprächen über die Begrenzimg strategischer
Waffen beeinflussen.

Antwort: Wie Sie wissen, ist die Administration unbedingt gegen einen
solchen Beschluß. Es ist unmöglich ein Abkommen über die Verringerung der
Streitkräfte auszuhandeln, wenn die Vereinigten Staaten einseitig das tun,
was das Ergebnis der Verhandlungen hätte sein sollen.

Es wird sehr schwierig - wenn nicht unmöglich - sein, unsere Verbündeten
von der Standhaftigkeit der amerikanischen Politik zu überzeugen, wenn die Vereinigten Staaten erneut einseitig, bevor unsere Gespräche wirklich vorangekommen
sind, ihre Truppen in Europa verringern.

Und ich möchte in diesem Zusammenhang noch sagen, daß es widersinnig ist,
wenn man auf der einen Seite aufgefordert wird, eine Außenpolitik zu betreiben,
die eine Veränderung des sowjetischen Systems herbeiführt, und auf der anderen
Seite die eigenen Verteidigungsstreitkräfte verringern soll.

Frage: Herr Kissinger, Sie haben im Zusammenhang mit unseren wachsenden
Beziehungen zu Europa auch ihre Sorgen bezüglich Japans und der Länder Asiens

- 6 -

�Asiens zum Ausdruck gebracht. Kanada ist einer der größten - wenn nicht
überhaupt der größte - Handelspartner der Vereinigten Staaten. Wie gliedern
Sie dieses Land in unsere Pläne für Europa ein?

Antwort: Nun, wie Sie wissen, bin ich kürzlich mit Ihrem Außenminister
zusammengetroffen, und dies war ein Gesprächsthema.

Verfahrenstechnisch wird es - so wie wir die Dinge heute sehen - mindestens
zwei Deklarationen geben - eine zwischen den Vereinigten Staaten und dem Gemeinsamen Markt und eine zwischen den Vereinigten Staaten und der NATO.

Kanada gehört der NATO an, und wird natürlich an den Gesprächen im Zusammenhang mit der NATO voll beteiligt sein.

Was die Vereinigten Staaten und den Gemeinsamen Markt betrifft, so ist
Kanada rein technisch nicht beteiligt. Wir werden bei dieser Frage in enger
Konsultation mit Kanada vorgehen, und wir stehen einer etwa gewünschten Beteiligung Kanadas an einer solchen Deklaration aufgeschlossen gegenüber."

- 7-

�- amerika dienst
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38/1973

SHULTZ: WÄHRUNGSGESPRÄCHE MACHEN GUTE FORTSCHRITTE
- Auszüge aus der Rede des US-Finanzministers in Nairobi -

NAIROBI - (AD) - Die Gespräche über eine Reform des internationalen
Währungssystems machen gute Fortschritte und bei gutem Willen auf allen
Seiten und intensiver technischer Vorarbeit kann damit gerechnet werden, daß
bereits bis zum kommenden Frühjahr die Voraussetzungen für ein umfassendes
Abkommen geschaffen sind. Dies stellte der amerikanische Finanzminister
•

George P. Shultz am 25. September in seiner Rede auf der Jahrestagung des
Internationalen Währungsfonds (IWF) fest, in der er einen Überblick über die
gegenwärtigen wirtschafts•'- und währungspolitischen Probleme gab. Die wesentlichsten Teile der Rede des Ministers haben folgenden Wortlaut:

"Unsere Währungsgespräche sind bereits weit vorangekommen ... Wir sind
befriedigt darüber, in welchem Ausmaß eine grundlegende Übereinstimmung der
Auffassungen über den allgemeinen Rahmen eines neuen Systems erreicht worden
ist ...

Bei gutem Willen und intensiver technischer Vorarbeit können bereits bis
zum kommenden Frühjahr die Voraussetzungen für ein umfassendes Abkommen geschaffen sein. Dieses Abkommen braucht dann nur noch in eine eingehende und
detaillierte Neufassung der IWF-Statuten übertragen zu werden. Ist es also
falsch, wenn wir unsere nächste Jahrestagung als Termin für die Billigung

- 1 -

�Billigung dieser neuen Statuten setzen, damit sie dann unseren gesetzgebenden
Gremien zugeleitet werden können? ...

Es beginnen sich nunmehr auch begrüßenswerte Anzeichen dafür zu zeigen,
daß sowohl amerikanische als auch ausländische Firmen ihre Investitionsprogramme überprüfen, wobei das Schwergewicht vermehrt auf eine Produktion in
den USA gelegt wird ...

Überschüsse sowohl in unserer Handels- als auch in unserer Grundbilanz
sind jetzt für nächstes Jahr in Sicht. Solche Überschüsse über einen längeren
Zeitraum hinaus erscheinen mir unerläßlich ... wenn eine dauerhafte Reform des
Internationalen Währungssystems verwirklicht werden soll ...

Es wäre jedoch ein grundlegender Fehler, die derzeitigen Vorarbeiten als
Reform des internationalen WährungsSystems anzusehen ... Was fehlt - und was
meines Erachtens das Wesentliche eines jeden dauerhaften Währungssystems ist das ist ein echtes Gefühl der Verpflichtung gegenüber einem vereinbarten internationalen Verhaltenskodex, der uns als Richtschnur dienen soll, wenn die Maßnahmen eines Landes mit denen eines anderen Landes in Konflikt geraten.

'

Im Zuge unserer Bemühungen um eine angemessene Ausgewogenheit ... eines
neuen Systems haben wir die Rolle besonders betont, die quantitativen Indikatoren - und hier im besonderen Reserveindikatoren - zukommen könnte, um dazu
beizutragen, daß der Anpassungsprozeß sich diszipliniert in einer unparteiischen,
wirksamen und politisch akzeptablen Form vollzieht.

Gleichzeitig, so glaube ich, sind wir alle gemeinsam der Ansicht, daß für
die Arbeitsfähigkeit des neuen Systems wirksame Verfahren für internationale
Konsultationen und den EntScheidungsprozeß unbedingt wichtig sind. Ich war ermutigt, wie weit doch die Notwendigkeit anerkannt worden ist, den Internationalen
Währungsfonds so auszustatten, daß er seiner Rolle als Mittelpunkt des Systems
voll entsprechen kann ...

Dies

�Dies könnte dadurch noch gefördert werden, daß ein gestraffter Zwanzigerausschuß bestehen bleibt, der in regelmäßigen Zeitabständen oder in Krisenfällen wichtige Fragen überprüft, die besondere Auswirkungen auf die Währungssituation insgesamt haben ...

Die Zeiten sind längst vorbei - und zu Recht -, da Gespräche über Handelsund Währungsfragen in erster Linie in einem relativ kleinen Kreis von Industriestaaten geführt werden konnten. Wir müssen sehr sorgfältig prüfen, welche besonderen Vorkehrungen in den Handels- und Währungssystemen angebracht sein
könnten, um dazu beizutragen, daß den Entwicklungserfordernissen besser entsprochen wird.

Als wir unserem Kongreß das umfassende Handelsgesetz vorlegten, haben wir
dabei auch die Konzeption berücksichtigt, die wirtschaftliche Entwicklung mittels
allgemeiner Präferenzen zu unterstützen, die nicht auf einer Basis der Gegenseitigkeit gewährt werden sollten ...
Wir unterstützen den Gedanken, den Kapitalfluß in die Entwicklungsländer
zu liberalisieren und diese Länder, wo immer möglich, von solchen Kontrollen
auszunehmen, die aus Zahlungsbilanzgründen angeordnet worden sind.

Kurzfristig gesehen ist der Wohlstand der Entwicklungsländer eng mit dem
Wohlstand der industriealisierten Länder verbunden ...

Wir begrüßen es, daß eine Übereinstimmung erreicht worden ist, den traditionellen Beitrag der Vereinigten Staaten zur Finanzierung der IDA (Internationale Entwicklungsgesellschaft) von 40 auf 33 Prozent zu senken und die
Beiträge Japans, Deutschlands und anderer zu erhöhen, um so den gegenwärtigen
wirtschaftlichen Kräfteverhältnissen besser Rechnung zu tragen.

Auf dieser Basis wird die amerikanische Regierung den Kongreß konsultieren und ihm nachdrücklich eine Beteiligung der USA an der vierten Auffüllung
des IDA-Stammkapitals von 4,5 Milliarden Dollar empfehlen ...
Bevor
- 3-

�I
Bevor ich zum Schluß komme, muß ich noch die Gefahr unterstreichen,
die all unserer konstruktiven Arbeit durch den Ansturm der weltweiten Inflation droht. Leider ist die Inflation keine neue Erscheinung. Neu ist nur, daß
sie jetzt mehr Länder in einem weit stärkerem Ausmaß infiziert, als wir uns
jemals entsinnen können ...
Mir sind die Analysen bekannt, die die weltweite Inflation auf Unzulänglichkeiten des internationalen Währungssystems zurückführen...

Ich möchte sagen, daß sie die Verantwortung für die Inflation und ihre
Korrektur der falschen Seite zuschieben. Wir dürfen nicht die Ursachen und die
Abhilfen unterschätzen, die mehr im Bereich unserer nationalen Maßnahmen und
Möglichkeiten liegen ...

In den Vereinigten Staaten hatten wir uns lange Zeit an relativ niedrige
Preise für die Hauptagrarprodukte gewöhnt ... Und jetzt, da unsere Märkte vor
dem weltweiten Nachfragesog völlig ungeschützt sind; wir nach der Verknappung
in anderen Ländern als einer der übrigbleibenden Lieferanten gelten, und wir ohne
den Preisschutz sind der jenen'zuteil wurde, die ihre Wechselkurse heraufgesetzt'
haben, sind wir dem vollen Ansturm des Anstiegs der Weltagrarpreise ausgesetzt.

Gleichzeitig steigt unser Bedarf an Energieimporten rasch. Es ist ganz
klar, daß der Strom dieser Güter in beiden Richtungen sich der drängenden
Nachfrage angepaßt hat. Die Auswirkung der Preise sind jedoch aus der Tatsache
ersichtlich, daß die Preise für Lebensmittel und für Energie zusammen 82 Prozent des Anstiegs unseres Indexes der Großhandelspreise und 66 Prozent des Anstiegs des Indexes unserer Verbraucherpreise im letzten Jahr ausgemacht haben ...

Wir können den natürlichen Zyklus von Säen und Ernten und das Wachstum
von Tieren nicht beschleunigen. Wir werden uns auf den Agrarmärkten auf beträchtliche Zeit hinaus einer angespannten Situation gegenübersehen. Aber wir
haben die feste Absicht, unsere Märkte offen zu halten, denn wir sind ein zu-

�zuverlässiger Lieferant und wollen dies bleiben.
Letztlich wird diese Erfahrung zu unserem Vorteil ausschlagen, wenn wir
die Lösung des Problems vordringlich in Angriff nehmen, wirksamere Produktionsund Handelsformen zu finden, die in Form von mehr Lebensmitteln zu niedrigeren
Preisen in unserer aller Interesse liegen.

Lassen Sie uns im gleichen Geiste auf die Lösung des Problems der Erschließung und Verteilung der Energiequellen hinarbeiten.

Was uns anbetrifft, so haben wir jetzt umfassende Anstrengungen unternommen, um die reichen Energievorkommen in unserem eigenen Lande zu wirtschaftlichen Kosten zu erschließen. Wir erwarten von den anderen Ländern, daß sie
zur Aufrechterhaltung des Energieflusses beitragen, so lange ihr eigener berechtigter Bedarf und ihre Bemühungen angemessen berücksichtigt werden.

Ein festes Anpacken der besonderen Lebensmittel- und Energieprobleme
ist kein Allheilmittel gegen die Inflation ... Wir sind weiterhin davon überzeugt, daß unser Erfolg in erster Linie von der entschlossenen und beständigen
Anwendung der traditionellen Mittel der fiskalischen und monetären Beschränkung
abhängen wird ... Wir haben nicht die Absicht, hier nachzulassen. Wir hoffen
und erwarten, daß unsere Anstrengungen und die der anderen Länder sich gegenseitig ergänzen werden."

+ + + + +

�' amerika dienst
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REDE VON BOTSCHAFTER GREENWALD VOR DEM INSTITUT FÜR POLITIK UND
WIRTSCHAFT IN HAMBURG
- Wortlaut -

HAMBURG - (AD) - Der Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Europäischen
Gemeinschaften, Botschafter Joseph Greenwald, hat am 26. September vor dem Institut für Politik und Wirtschaft (Haus Rissen) den "politischen Rahmen der
europäisch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen" umrissen. Die Ausführungen
des amerikanischen Botschafters haben folgenden Wortlaut:

"Ich freue mich, bei Ihnen in Hamburg weilen zu dürfen, das durch seine
Ausrichtung auf den Welthandel bei seinen Bürgern eine besonders aufgeschlossene,
weltoffene und weitblickende Haltung geweckt hat. Und genau dieser Geist ist es,
den die neue internationale Wirtschaftsordnung ausstrahlen soll, die als Folge
der gegenwärtigen Handels- und Währungsverhandlungen geschaffen wird.

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und den
neun Mitgliedern der Europäischen Gemeinschaft werden von diesen Verhandlungen
wesentlich berührt. Ich möchte daher heute einige der derzeitigen Probleme im
Rahmen unserer gemeinsamen Ziele betrachten.

Viele der im letzten ViertelJahrhundert aufgetretenen Probleme kennen wir
von früher: Inflation, das Erfordernis der wirtschaftlichen Entwicklung der
ärmeren Länder, Beschränkungen des Handels- und Kapitalflusses. Andere Probleme
sind ihrer Natur und ihrer Dimension nach verhältnismäßig neu: Wie können wir
- 1 -

�&lt;

A
wir Wirtschaftswachstum und Qualität des menschlichen Lebens miteinander in

"

Einklang bringen? Wie können wir das Währungssystem so reformieren, daß es gerecht ist und eine ständige Ausweitung des Volumens der internationalen Transaktionen fördern? Wie können wir am besten dem Wunsch von Regierungen mit
zentral gelenkten Systemen nach einer Zusammenarbeit bei der Erschließung ihrer
wirtschaftlichen Hilfsquellen entsprechen? Wie können wir angesichts ungewisser
politischer Faktoren in der unmittelbar vor uns liegenden Zeit einen Energieengpaß
überwinden? Langfristig werden die Aussichten für eine Lösung vielleicht besser
sein. Wie können wir die Schwankungen von Angebot und Nachfrage bei Agrarprodukten und bestimmten industriellen Rohstoffen besser voraussehen und sie wirksamer ausgleichen? Und wie wirken sich diese Entwicklungen auf die Entwicklungsländer aus?
Eine Lösung für alle diese Probleme wird zweifellos Findigkeit, Entschlossenheit, Anstrengungen und Geld erfordern. Vor allem werden Konsultationen und eine
enge Zusammenarbeit zwischen Westeuropa, den Vereinigten Staaten und Japan notwendig sein - die gemeinsam die Hauptverantwortung für den Aufbau einer lebens- .
fähigen internationalen Wirtschaftsordnung tragen.

Der politische Rahmen

Wir befinden uns erst am Anfang der Tokio-Runde von GATT-Handelsverhandlungen und wir haben noch ein Stück Weges bis zur Schaffung eines neuen internationalen WährungsSystems im Rahmen des IWF zurückzulegen, doch ist bereits
Fortschritt hinsichtlich einer Übereinstimmung über unsere gemeinsamen Zielsetzungen erzielt worden. In den Anfang 1972 unterzeichneten Deklarationen und
in der Deklaration von Tokio vor zwei Wochen haben meine Regierung, die Europäische Gemeinschaft und die japanische Regierung feierlich zugesagt, den
Handel auszuweiten und zu liberalisieren, den internationalen Kapitalfluß zu
erleichtern und die wirtschaftliche Entwicklung der ärmeren Länder zu unterstützen. Es fällt nicht schwer, den gemeinsamen Vorteil zu sehen, den diese
Handels- und Finanzverhandlungen bringen, denn jedes einzelne Land wird daraus
Nutzen ziehen, wenn der Fluß von Gütern, Dienstleistungen und Kapital freier
- 2-

�freier vor sich geht und das Währungssystem diesen Austausch wirksam fördert.

Die von den Vereinigten Staaten, Europa und Japan gegebenen Versprechen,
international zusammenzuarbeiten, sind von hohem Wert, denn in ihnen kommt
der politische Wille mächtiger Staaten zum Ausdruck. Aber bisher haben sie sich
nur auf die in Gang befindlichen spezifischen Verhandlungen erstreckt. Sie
sollten auch im Zusammenhang mit einem übergeordneten Abkommen über die gemeinsamen Prinzipien gesehen werden, die als Richtschnur für unser Handeln dienen.
Wie der neue amerikanische Außenminister in seiner Rede vom 23. April betont
hat, wird eine Lösung der zwischen den Vereinigten Staaten und Westeuropa sowie
mit Japan auftretenden Probleme einfacher sein, wenn wir die seit dem zweiten
Weltkrieg in den Positionen der Vereinigten Staaten und ihrer Hauptverbündeten
eingetretenen sehr wichtigen Veränderungen erkennen und uns über die Auswirkungen
dieser Änderungen auf unsere Beziehungen einig sind.

Die von Dr. Kissinger im Namen von Präsident Nixon ausgesprochene Einladung, eine neue Grundsatzdeklaration auszuarbeiten, ist nicht sofort von jedem
in Europa aufgegriffen worden. Von meinem Posten in Brüssel aus habe ich beobachtet, wie die neun Länder der Europäischen Gemeinschaft die Bedingungen für
die Integration ihrer Wirtschaftspolitik und ihrer Wirtschaftspraktiken festlegten. Dieser Prozeß ist kompliziert. Er bedingt, daß Staatsmänner und private
Bürger Wege finden, um besondere, divergierende und oftmals im Widerspruch zueinander stehende Interessen einander anzupassen. Dieser Prozeß braucht mehr
Zeit, als einige der dynamischen idealistischen Architekten Europas in den
ersten Nachkriegsjähren gehofft hatten. Ich bin mir klar darüber, daß diese *
Arbeit aufreibend, schwierig und manchmal auch enttäuschend ist.

Es war daher nicht überraschend, daß einige Europäer auf die Gedanken Dr.
Kissingers vorsichtig reagierten. Trotz des nachhaltigen Bekenntnisses zu
einem Zusammenschluß, das die neun Staaten der Europäischen Gemeinschaft in
ihrer Gipfeldeklaration vor elf Monaten abgelegt haben, bestanden Zweifel, ob
die Gemeinschaft geschlossen in eine Prüfung der veränderten Beziehungen zwischen
Europa und den Vereinigten Staaten und der sich aus diesen Veränderungen ergebenden Folgerungen mit Washington eintreten könnte.
Auf
- 3-

�Auf ihrer Konferenz in Kopenhagen zu Beginn dieses Monats einigten sich
die Außenminister der Europäischen Gemeinschaft, den transatlantischen Dialog
aufzunehmen. Diese Woche werden zwischen den anläßlich der Tagung der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York weilenden amerikanischen und europäischen Politikern Gespräche geführt. Nächste Woche werden Bundeskanzler Brandt
und der Präsident der Europäischen Kommission, Ortoli, einen Gedankenaustausch
mit Präsident Nixon führen. Ihre Gespräche, dessen bin ich sicher, werden
einen äußerst wichtigen Beitrag zu unseren gemeinsamen Bemühungen bilden.

Als der amerikanische Vertreter bei den Europäischen Gemeinschaften bin
ich erfreut darüber, daß die neun Länder erkannt haben, daß die Zeit reif ist
für eine allgemeine Überprüfung der atlantischen Beziehungen, während sie
gleichzeitig Fortschritte auf dem Weg zu einer europäischen Einheit machen.
Nach meiner Auffassung hat hier nie ein Konflikt bestanden.

Die Vereinigten

Staaten waren eine der Hauptquellen der Inspiration und Unterstützung für die
großen Staatsmänner, die nach dem zweiten Weltkrieg die Grundlagen für ein vereintes Europa legten. Sie unterstützen auch heute noch die Stärkung Europas
durch Einigung.

Wenn jetzt die Europäer ihre europäische Politik formulieren, so glaube
ich, werden sie erkennen, daß sie, um europäisch zu sein, sich nicht um
jeden Preis von der Politik der Vereinigten Staaten abgrenzen oder ihr gar entgegenwirken müssen. Meiner Ansicht nach wird eine Überprüfung der uns vorliegenden wirtschaftlichen Fragen diesen Schluß nur untermauern.

Inflation
Auf beiden Seiten des Atlantik stimmen die Wirtschaftsexperten darin überein, daß das Hauptproblem, dem wir uns gegenübersehen, weiterhin die Inflation
ist. Der von der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel in der letzten Woche
veröffentlichte Bericht zeigt, daß die Verbraucherpreise in den neun Mitgliedstaaten von Juli 1972 bis Juli 1973 in Größenordnungen zwischen 5,7 Prozent
- Luxemburg - und 11,2 Prozent - Italien - gestiegen sind. Die Zahl für die

- 4-

�die Bundesrepublik beträgt 7,2 Prozent. In den Vereinigten Staaten hat sich
die Inflationsrate beschleunigt. Viele Jahre lang betrug sie nur etwa die
Hälfte der Inflationsrate zahlreicher Industriestaaten. Für den Zeitraum von
April 1972 bis April 1973 stellte sie sich auf 5,1 Prozent, gegenwärtig beläuft sie sich auf 8 bis 9 Prozent. Japan hat ebenfalls unter der Inflation
zu leiden.

In Deutschland ist es natürlich nicht nötig, erst noch die Verwerflichkeit der Inflation besonders herauszustellen; noch braucht man darauf hinzuweisen, daß die Inflation in der heutigen, so eng miteinander verflochtenen
Welt ansteckend wirkt. Keine einzelne Regierung kann die Wirtschaft ihres Landes
vor dem Preisanstieg abschirmen. Was tun wir dann gegen die Inflation und was
kann noch getan werden?

Seit Jahren haben die Vertreter der Mitgliedstaaten im wirtschaftspolitischen Ausschuß der OECD in Paris gemeinsam die Faktoren untersucht, die in
ihren jeweiligen Ländern zu Preissteigerungen geführt haben. Diese Überprüfungen
haben nicht zu bindenden Empfehlungen geführt, aber allein die Tatsache, daß
sie stattfanden, daß die Regierungen sich ernsthaft auf sie vorbereiten und
ihre Politik gegenüber ihren Partnern rechtfertigen müssen, war von Nutzen.
Dies ist ein erzieherischer Prozeß. Eine der heilsamen Lehren, die er vermittelt, ist, daß sogar von Regierungen ergriffene innenpolitische Maßnahmen
sich über die nationalen Grenzen hinweg auswirken.

Eines der klassischen Mittel zur Eindämmung der Inflation ist, die Ausweitung der Geldversorgung einzuschränken. Dieses Prinzip hat ebenfalls internationale Gültigkeit. Bei den früheren, im Rahmen des IWF geführten Gesprächen
waren sowohl die amerikanischen als auch die Bundesregierung bemüht, eine genaue Kontrolle der Ausgabe von Sonderziehungsrechten sicherzustellen, um eine
unerwünschte Ausweitung der internationalen Liguidität zu vermeiden. Die
Sonderziehungsrechte sollten als Hauptreservemedium in dem reformierten Währungssystem dienen. Es ist notwendig, daß dieses zentrale Medium des Systems
stark ist und respektiert wird.

Sobald
- 5-

�Sobald bei Rohstoffen, die international in großen Mengen gehandelt
werden, sich in der Angebot/Nachfrage-Situation Änderungen ergeben, beginnen
die einzelnen Länder zunehmend Informationen über beabsichtigte Maßnahmen
auszutauschen und sich zu konsultieren. Im Augenblick sind derartige Konsultationen in der OECD bei Erdölerzeugnissen sowie in der OECD, der FAO und
bilateral bei Proteinen und Getreide im Gange. Solche Konsultationen können
den Regierungen helfen, ihre Politik auf der Basis laufender und akkurater
Informationen zu formulieren. Dieser Informationsaustausch fördert ferner
eine zeitgerechte Aufnahme neuer Produktionen und Forschungsvorhaben, das Anlegen von Vorräten und das geordnete Aufstellen von Plänen für eine gerechte
Verteilung knapper Hilfsquellen.

Und schließlich gibt es noch ein traditionelles Mittel zur Bekämpfung
der Inflation: Man läßt den freien Marktkräften einen stärkeren Spielraum.
Dieses Prinzip bildet den Kern der Wirtschaftspolitik der Nixon-Administration, sowohl innenpolitisch als auch bei internationalen Verhandlungen. Die
Handelsverhandlungen im Rahmen des GATT können sich auf die inflationäre Situation, wie wir sie gegenwärtig haben, nicht wesentlich auswirken, aber der
freiere Fluß von Gütern und Kapital kann langfristig wesentlich zur Bekämpfung
der Inflation beitragen. In der Tat hat eine Reihe von Ländern zu Handelsmaßnahmen als Mittel zur Bekämpfung der Inflation gegriffen.

HandelsVerhandlungen
Ein weiteres Gebiet, auf dem die amerikanischen und die europäischen Ziele
nicht im Widerspruch zueinander stehen, ist die Handelsliberalisierung. In
der Tokio-Deklaration vom 14. September fordern die Vereinigten Staaten, die
Europäische Gemeinschaft und Japan sowie die anderen Signatarstaaten einen Abbau der tarifären und der nicht-tarifären Handelsschranken sowohl bei Industrieais auch bei Agrarerzeugnissen. Die im letzten oder in den letzten beiden
Jahren geführten Vorgespräche haben einige der spezifischen Themen aufgezeigt,
auf die sich die GATT-Verhandlungen konzentrieren werden.

Wir
- 6 -

�Wir und die Europäische Gemeinschaft stimmen zwar darin überein, daß
eine weitere Runde von Handelsverhandlungen in unserem gemeinsamen Interesse
liegt, aber es gibt offensichtlich Meinungsverschiedenheiten darüber, wie sich
die Ziele am besten erreichen lassen, und es wird harte Verhandlungen geben.

Zum Beispiel weisen die Europäer oftmals darauf hin, daß der gemeinsame
Außenzoll der Gemeinschaft - der sich aus dem Durchschnitt der Zollsätze der
einzelnen Mitgliedstaaten ergibt -&gt; weitaus homogener ist als die Vielzahl von
hohen und niedrigen Sätzen des amerikanischen Zolltarifs. Die Vertreter des
Gemeinsamen Marktes haben vorgeschlagen, daß die hohen Zollsätze in einem sogenannten 'Harmonisierungs-Prozeß' stärker gesenkt werden sollen als die niedrigeren. Auf den ersten Blick scheint dies eine attraktive und gerechte Formel
zu sein, und sie entspricht natürlich der Situation in Europa.

Die Gemeinschaft betrachtet den

Außenzoll als ein Schlüssel-

element, das die neun Länder aneinander bindet. Was die Gültigkeit dieses
Arguments anbetrifft, so dürfte es an Gewicht verlieren, wenn die Mitglieder
der Gemeinschaft jetzt das Programm ihrer Gipfeldeklaration von 1972 durchführen
und stärkere Mittel und Wege für einen Zusammenschluß entwickeln. Die meisten
Beobachter glauben, daß die Harmonisierung der Industriezölle auf dem NullTarif langfristig für die hochentwickelten Länder die richtige Politik ist.

Bei den letzten Verhandlungen ist das Prinzip der Zollharmonisierung geprüft und auf bestimmten Gebieten angewandt worden. Aber es ist stets im Zusammenhang mit zwei anderen Zielen betrachtet worden: Liberalisierung und Gegenseitigkeit. Jedes Schema zum Abbau der Zölle muß allen drei Zielen gerecht
werden. Auf dieser Basis sind wir bereit, die verschiedenen Zollpläne bei den
GATT-Verhandlungen zu prüfen.

Landwirtschaft

Nachdem die Lebensmittelpreise in die Höhe schnellen und physische Defizite drohen, ist die Landwirtschaft in den letzten Monater in eine neue Dimen- 7-

�*
Dimension gerückt. Ich glaube

nicht, daß irgend jemand mit Sicherheit vor-

aussagen kann, ob wir jetzt vor einem langfristigen Übergang von Überschüssen
zu Verknappungen stehen. Es liegt jedoch offensichtlich auf der Hand, daß das
gemeinsame Interesse, Lebensmittel für unsere Bevölkerung zu angemessenen
Preisen zu erzeugen und der Bevölkerung der ärmeren Länder zu helfen, neue
, Überlegungen auf beiden Seiten erfordert. Außenminister Kissinger hat diese
Woche den Ernst des Problems in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung unterstrichen und die Einberufung einer Welternährungskonferenz gefordert. Außerdem
wird die Landwirtschaftspolitik schon aus innenpolitischen Gründen einer sorgfältigen Überprüfung unterzogen.

Diese Entwicklungen können bei den GATT-Verhandlungen vielleicht den Rahmen
für einen wesentlichen Fortschritt auf landwirtschaftlichem Gebiet bilden. Sowohl die Gemeinschaft als auch die Vereinigten Staaten müssen die Interessen
der Erzeuger, der Verbraucher und der Weiterverarbeiter von Lebensmitteln aufeinander- abstimmen. In zahlreichen Fällen wird der Markt das beste Regulativ
sein. Bei anderen Erzeugnissen wieder könnten besondere Maßnahmen angebracht
sein. Die jüngsten Entwicklungen haben die Notwendigkeit unterstrichen, eine
Politik der Bevorratung und der Lebensmittelhilfe zu betreiben. Es sind ferner •
Zweifel an der Zuverlässigkeit der Vereinigten Staaten als Lieferant von Getreide
und Proteinen geäußert worden. Ich hoffe, die Aufhebung aller Beschränkungen
in dieser Woche und die erwartete große Steigerung der Ernteerträge wird diese
kurzlebige Furcht bald beseitigen.

Die. beste Möglichkeit, die wir haben, um uns mit dem Agrarhandel zu befassen, werden die GATT-Verhandlungen sein. In ihrer Vorschau auf die Verhandlungen spricht die Europäische Gemeinschaft von internationalen Rohstoffabkommen zur Stabilisierung des Marktes von Agrarerzeugnissen. Ein solches Vorgehen ist in der Vergangenheit mit unterschiedlichem Erfolg angeregt und versucht worden. Viel hängt davon ab, wie weitgehend die Abkommen sind. Ein vereinbartes Programm über die Haltung von Vorräten und die Gewährung von Hilfe
an die Entwicklungsländer erscheint relativ einfach. Schwierigkeiten ergeben
sich, wenn man versucht, die Preise direkt zu fixieren. Viel hängt auch von den
voraussichtlichen Bedingungen auf dem Markt ab, und trotz einiger Skepsis
- 8-

�•

Skepsis auf Grund früherer Erfahrungen sind die Vereinigten Staaten bereit,
spezifische Vorschläge für Rohstoffabkommen in einem Geiste der Zusammenarbeit zu prüfen.

Investitionen

Wenn wir Konsultationen über die wirksamsten Mittel zur Bekämpfung unseres
gemeinsamen Inflationsproblems führen, dann sollten wir dabei auch die positiven Auswirkungen eines freieren Kapitalverkehrs über die nationalen Grenzen
hinweg berücksichtigen. Viele Jahre lang sind amerikanische Gelder nach Europa
geflossen, angezogen durch die Investitionsmöglichkeiten und auf Grund der
starken Nachfrage, die mit einheimischem Kapital nicht gedeckt werden konnte.
Jetzt ist auf der anderen Seite der amerikanische Markt für europäische Investoren attraktiv geworden.
Wir begrüßen diesen Rückstrom. Er ist gut für Amerika und gut für Europa.
Meine Regierung hat in Westeuropa besondere Büros eingerichtet, um Investitionsmöglichkeiten aufzuzeigen. Verschiedene amerikanische Bundesstaaten haben
Handelsmissionen nach Europa entsandt, und sie haben ständige Büros in Brüssel
und in anderen europäischen Städten eingerichtet. Ende 1972 stellte sich der
Buchwert der ausländischen Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten auf
14,4 Milliarden Dollar. Er ist gegenüber der Zahl für 1971 um fünf Prozent gestiegen. Ein großer Teil der Zunahme war 1972 auf die Ausweitung der Geschäftstätigkeit japanischer Firmen zurückzuführen. Im Jahre 1973 haben europäische
Firmen - britische, deutsche und in letzter Zeit auch Volvo, Schweden - zu
einer weiteren Zunahme der ausländischen Direkt- und Wertpapierinvestitionen
in den Vereinigten Staaten beigetragen.

Obwohl wir einen freien internationalen Kapitalverkehr unterstützen,
sollte dieser jedoch nicht als Reaktion auf besondere, marktverzerrende Anreize hin erfolgen. Aus diesem Grunde haben wir gefordert, daß die OECD die
Auswirkungen besonderer Anreize auf Investitionen untersucht. Diese Studie
würde zur Aufstellung von Richtlinien für steuerliche und sonstige Anreize

- 9-

�Anreize führen, die von den Regierungen beachtet werden müssen, wenn sie
ausländisches Kapital anziehen und Bestimmungen dafür erlassen wollen. Dies
ist die dritte Säule der neuen Wirtschaftsordnung, die zusammen mit der Handelsund der Währungsreform errichtet werden sollte.

Reform des WährungsSystems

Trotz offensichtlicher Unstimmigkeiten und Meinungsverschiedenheiten sind
wir uns mit den anderen Ländern einig darüber, daß ein verbessertes internationales Währungssystem notwendig ist. Obwohl noch viel Arbeit zu leisten ist,
wurde bereits beträchtlicher Fortschritt in Richtung auf einen Rahmen für das
neue System erzielt. Auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds
in Nairobi haben die Finanzminister der wichtigsten Länder diese Woche als
festen Termin, bis zu dem ein Abkommen erreicht sein soll, den 31. Juli 1974
gesetzt.

Ein Hauptprinzip der neuen Bestimmungen muß sein, daß Länder, deren Zahlungsbilanzen einen Überschuß aufweisen, und Länder, deren Zahlungsbilanzen
im Defizit stehen, gleich behandelt werden. Es wird immer mehr anerkannt, daß
hohe und ständige Überschüsse zur Quelle eines monetären Ungleichgewichts auf
der Welt werden können. Wir waren daher ermutigt, als der französische Finanzminister vorschlug, Sanktionen als Mittel anzuwenden, um Länder
abzuhalten, zu große Devisenreserven anzulegen.
Eine der gegenwärtig erörterten Fragen ist, wie eine Disziplin in das
neue System hineingebracht werden kann. Wir haben klar gemacht, daß unseres
Erachtens unverhältnismäßig große Veränderungen der Reserven zwar als ein
objektiver Hinweis für Zahlungsbilanzungleichgewichte und ein Indiz angesehen
werden sollten, daß eine Anpassung notwendig ist, daß jedoch die Höhe der
Reserven nicht automatisch Maßnahmen auslösen muß. Nach unserem Vorschlag würde
die internationale Gemeinschaft befugt sein, Signale eines Indikators zu überstimmen, falls diese als falsch erachtet werden. Wir sind jedoch der festen
Auffassung - und wir glauben, daß unsere Haltung in Deutschland auf Verständ- 10 -

�Verständnis stößt - daß das neue Währungssystem, wenn es ein Gleichgewicht
zwischen den Rechten und den Pflichten der Länder erreichen soll, auch eine
gewisse Gewähr bieten muß, daß erforderliche Zahlungsbilanzanpassungen vorgenommen werden.

Die Entwicklungsländer

Bis jetzt habe ich mich in erster Linie mit den gemeinsamen Zielen und
Problemen der Industriestaaten befaßt. Wir haben aber auch ein gemeinsames
Interesse daran und eine gemeinsame Verantwortung dafür, daß den Entwicklungsländern geholfen wird.

Das Gebiet der Handelspolitik gibt uns ein gutes Beispiel dafür, wie
offensichtliche politische Differenzen durch Konsultationen und Verständigung
überwunden werden. Die Vereinigten Staaten treten für ein System allgemeiner,
nicht auf Gegenseitigkeit beruhender Zollpräferenzen zugunsten der Entwicklungsländer ein, und ein Gesetz, um ein solches System zu verwirklichen, ist dem
Kongreß von Präsident Nixon unterbreitet worden. Geschichtlich bedingt hat
die Europäische Gemeinschaft im Rahmen der Yaunde-Konvention ein anderes
System eingeführt. Bei den den Verhandlungen vorausgegangenen Gesprächen,die Ende
Juli in Brüssel mit den assoziierten und den assozierungsfähigen Staaten geführt
worden sind, haben die Sprecher der Gemeinschaft erklärt, sie würden keine Gegenseitigkeit anstreben - sie sind damit von den 'Gegenpräferenzen' abgegangen,
gegen die die Vereinigten Staaten schon lange Einwendungen erhoben haben, und die
die Entwicklungsländer selbst weder für notwendig noch für wünschenswert erachten. Wir tragen ferner eine Verantwortung dafür, die GATT-Verhandlungen für
die Entwicklungsländer so nützlich wie möglich zu gestalten.

Schlußfolgerungen

Ich habe nicht versucht, alle Aspekte der Beziehungen zwischen den USA
und der Europäischen Gemeinschaft zu streifen. Es gibt noch andere Gebiete
- 11 -

�Gebiete wie Energie und Umwelt, auf denen zwischen einer europäischen und
einer atlantischen Auffassung mehr Gemeinsames als Trennendes steht. Neben
den Bindungen, die auf unser gemeinsames Erbe und unsere gemeinsame Herkunft
zurückgehen, sowie den Idealen unserer gemeinsamen Kultur haben wir auch die
Probleme gemein, vor die sich alle Industriestaaten in den kommenden Generationen gestellt sehen werden. Eine erfolgreiche Lösung all dieser Probleme
hängt davon ab, wie wir zusammenarbeiten. Für die Vereinigten Staaten und die
Europäsiche Gemeinschaft sind Konsultationen und Abstimmungen besser als traditionelle Verhandlungen. Wir werden auch Verhandlungen führen - aber im Rahmen
unserer Prinzipien und Zielsetzungen.

Wenn wir jetzt den atlantischen Dialog fortsetzen, werden wir manche
Meinungsverschiedenheit hinsichtlich der Bewertung und des Vorgehens feststellen. Unsere Ansichten müssen nicht immer übereinstimmen. Wichtig ist jedoch, daß Amerikaner und Europäer, wenn jetzt die Europäer mit der Entwicklung ihrer Eigenständigkeit voranschreiten, sich als atlantische Verbündete
noch enger konsultieren. Letztlich gilt es zu bedenken, daß derartige enge
und überzeugende Beziehungen einen ständigen Prozeß darstellen, dem in Zeiten
einer Anpassung an neue Realitäten eine ganz besondere, entscheidend wichtige
Bedeutung zukommt."

- 12 -

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38/1973

WIDERSTAND GEGEN DIE LÄRMFOLTER
US-Umweltschutzbehörde wird aktiv - Mehr Forschung zur Erklärung
von Gesundheitsschäden erforderlich

Von G. Weiss

- (AD) - "Eines Tages wird man den Lärm genauso unerbittlich bekämpfen
müssen

wie Pest und Cholera." Als Robert Koch (1843 - 1910), der Entdecker

des Erregers der Cholera, dies prophezeite, muß es im Vergleich zu heute in
der Welt noch paradiesisch ruhig gewesen sein. Die Technisierung des modernen
Lebens in Stadt und Land aber ist, wie die letzten Jahrzehnte dieses Jahrhunderts
zeigen,mit einer Geräusch- und Lärmentwicklung verbunden, die an Umfang und
Intensität immer nur zugenommen hat. Der Straßen-, Schienen- und Luftverkehr,
Baustellen, Maschinen in Fabriken, Büros und im Haushalt - dies alles schafft
eine Geräuschkulisse, der kaum jemand entrinnen kann.

Immer mehr Menschen empfinden sie als lästig, ja oft genug als eine
moderne Art der Folter. Aber es ist nicht einfach, sich dagegen zu wehren,
wie manche Ergebnisse von Bürgerinitiativen z.B. gegen den Lärm auf den Straßen
zeigen. Dennoch vermögen trotz oft zermürbender Verhandlungsprozeduren über
Jahre hinweg Geduld und Beharrlichkeit manches zu erreichen. Robert Baron,
Verfasser des Buches "Die Tyrannei des Lärms", demonstrierte dies in den sechziger Jahren in New York. Der unerträgliche Lärm von Presslufthämmern auf
Baustellen in Wohnvierteln der Stadt veranlaßte ihn, die Bürgervereinigung

- I -

�1

c
Bürgervereinigung "Citizens for a Quieter Society" (CQC) zu gründen. Diese
erzwang u.a., daß die Industrie heute "leisere" Presslufthämmer und Luftkompressoren baut.

Die Meßeinheit für die Geräuschstärke ist das Phon bzw. Dezibel (abgekürzt dB). Die errechnete Zahl beruht auf einem logarithmisch und nicht, wie
sonst üblich, arithmetisch ermittelten Verhältnis vom Druckwert des gegebenen
Schalls zum Schalldruck der menschlichen Wahrnehmung bei der Schwingungsfrequenz von 1000 Hertz. Auf der Skala des Lärmbarometers rangieren einige der
häufigsten Lärmquellen in der Reihenfolge
startendes Düsenflugzeug

130 Phon (dB)

Presslufthämmer

120 - 130 Phon

Motorrad beim Beschleunigen

110 Phon

U-Bahn (gemessen in New York)

100 Phon

Straßenverkehr

80 - 100 Phon

Büroräume

7 5 - 8 0 Phon

Blätterrauschen

30 Phon

Natürlich haben die Forschungen auf dem Gebiet der Akustik und die Fortschritte der Bautechnik in der Entwicklung schallschluckender Elemente und
schalldämpfender Bauweisen - auch wenn sie in der Praxis noch nicht optimal
angewandt werden - schon viel dazu beigetragen, die Belästigungen und Belastungen durch Lärm zu vermindern. Fluggesellschaften, u.a.die Lufthansa, bemühen
sich, durch die Benutzung von Maschinen mit leiseren Triebwerken und Einführung
neuer, lärmmindernder Start- und Landeverfahren die Stärke und Dauer des Lärms
in der Umgebung von Flughäfen zu verringern.

Vielleicht gelingt es mit der Zeit, durch solche und ähnliche Maßnahmen
zumindest zu verhindern, daß der Lärmpegel noch weiter steigt. Wissenschaftler
der Universität Kalifornien in Los Angeles errechneten für die letzten drei
Jahrzehnte eine jährliche Steigerungsrate um 1 dB bzw. 1 Phon. Die US-Behörde
für Umweltschutz (EPA) hat jetzt erstmals Kriterien veröffentlicht, die für die
Bekämpfung von Flugzeug- und Lastwagenlärm verbindlich sein sollen.
Demnach
- 2-

�Demnach müssen bis Ende 1973 mehr als 20 Prozent aller Schwerlaster
auf amerikanischen Fernstraßen mit Auspufftöpfen und anderen Ausrüstungen
versehen werden, die den gegenwärtigen Lärmpegel drastisch vermindern.Die
Kosten werden ca. 100 Dollar pro Fahrzeug betragen. Die Auswertung der Untersuchungen zum Fluglärm gipfelt in einer Reihe von Empfehlungen. Denn eine Umrüstung von Flugzeugen auf leisere Triebwerke kann wegen der damit verbundenen
Kosten und der noch nicht voll ausgereiften Technologie nicht einfach verfügt
werden. Auch darf Lärmminderung nicht auf Kosten der Sicherheit gehen. Ein
weiterer Faktor ist der, daß Lärmbekämpfung bei Flugmotoren andere Formen von
Umweltschäden - beispielsweise chemische Schäden - zur Folge haben kann.
So ist vorläufig - abgesehen von den bereits erwähnten Maßnahmen und der Einführung von Sperrstunden für den Flugverkehr - der Aktionsspielraum noch sehr
eng begrenzt, um den 16 Millionen Amerikanern, die in der Nähe der mehr als
500 großen Flughäfen wohnen, das Leben leichter zu machen.

Das EPA-Dokument "Public Health and Weifare Criteria for Noise" basiert
auf dem Gesetz zur Bekämpfung von Lärm, das der US-Kongreß 1972 verabschiedet
hat. Es bestätigt, daß ein hoher Lärmpegel nicht nur die menschliche Gesundheit, sondern auch Arbeitsleistung und die allgmeine körperliche wie geistige
Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann.

Lärm als medizinisches Problem

Es gibt noch keine Statistiken, aus denen z.B. zu entnehmen wäre, ob
bei Kranken die Genesung unter Lärmeinwirkung langsamer fortschreitet oder
die Prognose für diese oder jene Krankheit ungünstiger ist. Man weiß aber,
daß Schalldruck von ca. 130 Phon,der aus nächster Nähe einwirkt, z.B. eine
Gefahrengrenze für das Gehör darstellt; 140 Phon können schon das Trommelfell
platzen lassen. Der Lärmpegel von Beatmusik, der bei etwa 110 bis 125 Phon
liegt, reduziert das Hörvermögen der Musiker nach 25 Minuten um 10 bis 30
Dezibel, d.h. die untere Grenze der Geräuschwahrnehmung steigt an. Das Gehör
dieser Personen braucht bis zu 50 Stunden, um sich davon wieder zu erholen.
Wird es der Belastung immer wieder ausgesetzt, ist mit bleibendem Hörverlust
zu rechnen.

Normalerweise

�Normalerweise beginnt das Horvermogen von Personen über 25 Jahren sowieso
nachzulassen. Bei Reihenuntersuchungen in den Vereinigten Staaten überraschte
jedoch die Tatsache, das Männer davon offenbar stärker betroffen werden als
Frauen - vielleicht deshalb, weil viele Männer weitaus mehr als Frauen über
Jahre hinweg an Arbeitsstellen mit hohem Geräuschpegel tätig sind.
Durch Zufall und durch systematische Versuche kam man darauf, daß übermäßiger Lärm den Blutdruck erhöht und zu einer längere Zeit anhaltenden Verengung der Blutgefäße führt. Das läßt vermuten, daß Menschen mit Herz- und
Kreislauferkrankungen von Lärm grundsätzlich mehr betroffen werden als andere.
Bei Stahlarbeitern, die unter starkem Lärm arbeiten, wurde häufiger unregelmäßige
Herztätigkeit festgestellt als bei Vergleichspersonen in ruhigeren Fabrikhallen.
Sowjetische Untersuchungen haben dies bestätigt und verweisen zusätzlich auf
eine Schwächung der Herzkontraktion durch Lärm.

Prof. Chauncey Leake von der Universität Kalifornien (San Francisco)
berichtet, daß Lärm auch neurologische Symptome verschiedener Art auslösen und
auf dem Weg über das zentrale Nervensystem physiologische Störungen verursachen könne. Kurzfristige Lärmeinwirkung hat Schreckreaktionen zur Folge.
Fortgesetzter Lärm mit hoher Phonstärke dagegen führe z.B. zu Veränderungen
des Wasser- und Salzstoffwechsels im Körper - eine überraschende Feststellung,
die in Australien gemacht wurde. Die Schutzfunktionen des Körpers können
durch lärmabhängige Überaktivität von Nebennierenrinde (z.B. Produktion von
Cortison) und Schilddrüse erheblich gestört werden. Bei Tierversuchen zeigten
sich Veränderungen der Hirnströme unter Lärm, was unter Umständen zu Krampfanfällen führt. Ebenfalls in Tierversuchen waren bei fortgesetzter starker Lärmeinwirkung weitaus mehr Mißbildungen an Foeten als unter normalen Bedingungen
zu beobachten. Über den Mechanismus, der dabei im Spiele ist, weiß man noch
nichts.

Bessere

�Bessere Meßtechniken

In den Bemühungen, Belästigungen und Schäden durch Lärm zu verringern,
spielt die Verbesserung der Meßtechnik eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Auf der internationalen Fachmesse "Technik im Umweltschutz" - ENVITEC 73 -,
die vom 3. - 14. Oktober 1973 in Düsseldorf stattfindet, wird auch dieses
Spezialgebiet seiner Bedeutung entsprechend berücksichtigt werden. Einer der
Aussteller aus den USA, die Fa. Mechanalysis, Inc. aus Columbus (Ohio), präsentiert z.B. Geräte für Schwingungsmessungen, Schwingungsanalysen und Schwingung süberwachung. Das von ihm entwickelte System "Mechanalysis" für die laufende
Maschinenkontrolle nutzt die Tatsache, daß Schwingungen und Geräusche den
Schlüssel zur Beurteilung des Maschinenzustandes bilden. Die dazugehörigen tragbaren batteriebetriebenen und in Festkörpertechnik ausgeführten Geräte werden
bei den verschiedensten Industriebranchen in der Fertigung und in der Qualitätskontrolle verwendet.

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38/1973

HILFE ZUR SELBSTHILFE
Eigene Verantwortung - ein wichtiger Faktor bei der Rehabilitation
von Drogensüchtigen

- (AD) - Aus Erfahrung haben Eltern, Lehrer, haupt- und nebenamtlich
tätige Therapeuten bei der Behandlung Drogenabhängiger und suchtkranker junger
Menschen gelernt, daß medizinische und soziale Hilfe allein wenig oder gar
keinen Erfolg verspricht. Viel wichtiger ist es, den Betreffenden zu überzeugen,
daß sich viele seiner Probleme von selbst lösen, wenn er persönlich eine andere
Einstellung zum Leben, zur Umwelt und zu sich selbst entwickelt. Den Schlüssel
dazu in Menschen zu finden, die mit sich nichts anzufangen wissen, die keine
Ziele und keine Aufgaben sehen oder keine Verantwortung tragen und aus solchen
Gründen u.a. zur Droge greifen, das ist die wichtigste und wohl auch schwierigste
Aufgabe, die im Verlauf eines Behandlungs- und Rehabilitationsprogramms gelöst
werden muß.

Über die langfristige Effektivität der zahlreichen verschiedenen Rehabilitationsprogramme, die in den Vereinigten Staaten von behördlicher und privater
Seite durchgeführt werden, läßt sich,allgemein gesehen, nicht viel sagen. Dies
ist jedenfalls die Meinung eines Mannes, der seit 15 Jahren an der Drogenfront
arbeitet und als Arzt und Soziologe in dieser Zeit viele Erfahrungen sammeln
konnte. Sie kommen nicht einmal so sehr darin zum Ausdruck, was getan werden
sollte und mußte, sondern noch viel mehr darin, was vielleicht auf den ersten
Blick als brauchbar oder notwendig erscheint, in der Praxis aber auf keinen
- 1 -

�keinen Fall getan werden dürfte.

Zum letzten gehört beispielsweise das Bemühen, den

Patienten nach Möglich-

keit alles abzunehmen, was eigenes Denken und Handeln und schließlich persönliches Engagement erfordert. Dazu gehört auch die vom menschlichen Hang zur
Bequemlichkeit unterstützte Haltung - wie sie im Griff zum Medikament auch bei
banalen Beschwerden zum Ausdruck kommt - gegen alles und jedes ein "Mittel" einsetzen zu wollen. Das Reservoir drogengefährdeter und drogenabhängiger junger
Menschen zur Überwindung ihrer Abhängigkeit aus eigener Kraft ist sehr viel
größer als vermutet - wenn man nur versteht, den richtigen Weg zu gehen, um es zu
erschließen.

Als Vertreter einer der Aktionen zur Rehabilitation Drogenabhängiger,
die von privater Seite getragen werden, sprach Prof. Charles C. Rohrs (New
York) am 1. Oktober 1973 in Bonn. Er ist Direktor der "Odyssey"-Häuser mit
neun Institutionen in New York und sechs Niederlassungen in anderen amerikanischen Bundesstaaten, die völlige Drogenfreiheit erreichen wollen. In der
sogenannten therapeutischen Gemeinschaft mit stationärem Aufenthalt von 12
bis 18 Monaten Dauer sind beachtliche Erfolge zu verzeichnen, wenn es gelingt,
dem Patienten in der sogenannten Motivationsphase während der ersten drei bis
sechs Monate klar zu machen, wie groß seine eigene Leistungsfähigkeit sein kann,
wenn er sie nur in Anspruch nimmt. Das geschieht, generell gesprochen, durch
Übertragen von immer mehr Verantwortung - in der letzten Phase der Rehabilitation bis hin zu wichtigen Geschäfts- und Verwaltungsaufgaben wie dem selbständigen Einkauf für eines der Häuser oder der Führung eines Werkstattbetriebs
mit allen betriebswirtschaftlichen Konsequenzen. Von nur medikamentöser Behandlung hält Prof. Rohrs nichts. Die immer deutlicher in Erscheinung tretenden
Erfahrungen mit Methadon, auf das in einigen Programmen Heroinsüchtige umgestellt werden, scheinen ihm recht zu geben. Denn dabei wird eine Abhängigkeit
durch die andere abgelöst - von gesundheitlichen Schäden, beispielsweise für
die Kinder methadonabhängiger Mütter, einmal ganz abgesehen.

Die Kapazität der "Odyssey"-Häuser wie anderer Institutionen, die nach
ähnlichen Konzeptionen arbeiten, ist aber noch viel zu klein, um in dem erforder-

�erforderlxchen großen Rahmen die Freiheit von der Droge anzustreben. Seit 1966
wurden mehr als 3500 Drogenabhängige in "Odyssey"-Häusern aufgenommen. Etwa
45 Prozent verlassen aber die Häuser schon in der ersten Woche, weitere fünf
Prozent in den ersten drei Monaten. Von den restlichen 50 Prozent stehen wiederum
75 Prozent das komplette Behandlungsprogramm durch - dann aber sind von diesen
wiederum 95 Prozent als Erfolgfälle

zu betrachten.

Auf einer Anfang September 1973 ins Weiße Haus in Washington einberufenen
Konferenz von Richtern, Staatsanwälten, Rechtsanwälten, Vollzugsbeamten und
Bewährungshelfern aus allen Teilen der USA wurde versucht, die Effektivität
und den Stand der laufenden Aktionen gegen Drogenmißbrauch und Rauschgiftkriminalität zu analysieren. Demnach werden heute mit 72 000 fünfmal mehr Abhängige
als noch vor zwei Jahren von Behandlungs- und Rehabilitationsprogrammen der
US-Bundesregierung erfaßt, weitere 78 000 durch private oder kommunale Zentren.
In vielen amerikanischen Städten gibt es kaum mehr Wartelisten. Im gleichen
Zeitraum stieg die Zahl der hauptamtlichen und freiwilligen Helfer, der Lehrer
und Vertreter kommunaler Stellen, die sich um vorbeugende Maßnahmen gegen
Drogenmißbrauch bemühen, auf ca. 500 000.

In bezug auf den Drogenmißbrauch seien, so erklärte Präsident Nixon, die
Vereinigten Staaten "über den Berg". Dies sei u.a. der wirksamen Zusammenarbeit
mit anderen Ländern zur Unterbindung des illegalen Handels mit Rauschgiften sowie
den TASC-Programmen zuzuschreiben. TASC ist die Abkürzung für "Treatment Alternatives to Street Crime" (Behandlung statt Kriminalität auf der Straße). Die
von drei Bundesbehörden getragene TASC-Aktion umfaßt 20 verschiedene Programme,
von denen inzwischen sechs realisiert werden konnten. Sie unterstützen kommunale
oder einzelstaatliche Behörden bei der Einrichtung von Therapiezentren für
Drogensüchtige, wo diese drogenfrei werden sollen, um sie aus dem Teufelskreis
von Rauschgift und Kriminalität zu lösen. Wie wichtig das für die öffentliche
Sicherheit ist, geht aus amerikanischen Statistiken hervor, denen zufolge in
25 bis 30 Prozent aller Fälle von Straßenkriminalität Personen verwickelt sind,
die Rauschgift nehmen.
+ + + + +

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38/1973

SCHNELLVERFAHREN ZUR IDENTIFIZIERUNG VON GIFTEN

- (AD) - Ein massenspektrometrisches Analysenverfahren, mit dem innerhalb von zwei Stunden unbekannte Gifte aus Hunderten von in Frage kommenden
Verbindungen zu identifizieren sind, wurde am amerikanischen "Massachusetts
Institute of Technology" (MIT) in Boston entwickelt. Chemieprofessor Dr.
Klaus Biemann hatte die Methode ursprünglich ausgearbeitet, um Mondmaterie
auf mögliche Beimengungen von organischen Verbindungen unbekannter Zusammensetzung zu untersuchen. Eine nach dem gleichen Prinzip funktionierende automatische Apparatur, der ein Computer für die Auswertung angeschlossen ist,
wird der VIKING-Sonde mitgegeben, die 1975 zum Planeten Mars fliegen und
nach der weichen Landung Bodenanalysen machen soll.

Heute wenden sich Ärzte im Räume Boston sofort an das Laboratorium Prof.
Biemanns, wenn es um Patienten geht, bei denen schwere Vergiftungserscheinungen
vermutlich auf eine Überdosis von Tabletten oder andere biologisch wirksame
toxische Stoffe zurückzuführen sind. Blut-, Magensaft- und Urinproben werden
durch Boten ins Labor gebracht. Eine ausgeklügelte Apparatur, in der der chemische Trennungsgang mit Lösen und Eindampfen sowie die Aktivierung der Substanzen
durch Strahlung praktisch vollautomatisch erfolgt, macht es möglich, die darin
enthaltenen unbekannten Verbindungen durch Vergleiche mit den Aktivierungsbildern zahlloser bekannter Verbindungen zu "erkennen". Ohne Computer mit entsprechend umfangreichem Gedächtnis für das Aktivitätsbild von Hunderten von
verschiedenen Verbindungen wäre dies jedoch nicht möglich. Die Gruppe Dr.
Biemanns hat lange Zeit daran gearbeitet, um die Unterlagen für den Computer

-

I

-

�Computer mit dem Vergleichsmaterial zusammenzustellen und so zu ordnen,
daß sie in den einzelnen Sektionen des Computerspeichers rasch zu finden
sind und die unbekannte Substanz gegen nicht in Frage kommende Verbindungen
abgegrenzt werden kann.

Verglichen wird bei der massenspektrometrischen Untersuchung der "Fingerabdruck", der für die jeweilige Verbindung typisch ist und mit Hilfe der Vergleichsproben eine Identifizierung ermöglicht. Früher wurden für ähnliche
Untersuchungen zur Identifizierung giftige Komponenten aus einem Komplex unbekannter Verbindungen mindestens zwei Tage benötigt.

- 2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Außenminister begrüßt Bericht des Neuner-Ausschusses der NATO-Parlamentarier&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz von Außenminister Kissinger am 26. September&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Währungsgespräche machen gute Fortschritte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Rede des US-Finanzministers in Nairobi -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede von Botschafter Greenwald vor dem Institut für Politik und Wirtschaft in Hamburg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Widerstand gegen die Lärmfolter&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Umweltschutzbehörde wird aktiv - Mehr Forschung zur Erklärung von Gesundheitsschäden erforderlich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hilfe zur Selbsthilfe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eigene Verantwortung - ein wichtiger Faktor bei der Rehabilitation von Drogensüchtigen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schnellverfahren zur Identifizierung von Giften</text>
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11.Oktober 1973

39

Inhalt

DOKUMENTATION:

Pressekonferenz Präsident Nixons am 3. Oktober
•Auszüge-

Dr. Henry Kissinger vor der Pacem in Terris»Konferenz
-Programmatische Rede des US-Außenministers-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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39/1973

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT NIXONS AM 3. OKTOBER
=. Auszüge -

WASHINGTON ~~(AD)»= Präsident Nixon hat auf einer Pressekonferenz am 3.
Oktober 1973 zu zahlreichen inno-und außenpolitischen Fragen Stellung genommen und unter anderem angekündigt, daß eine Europa-Reise in den nächsten
drei bis vier Monaten - vielleicht sogar etwas früher, auf jeden Fall nicht
viel später - stattfinden werde.
Die außenpolitische Einleitung des Präsidenten und die Fragen und Antworten zur Außenpolitik haben folgenden Wortlaut:
"Wie Sie aus einer vor etwa einer halben Stunde in Peking veröffentlichten Ankündigung wissen, wird Dr. Kissinger vom 26. bis 29. Oktober
Peking besuchen. Dies gehört zur Fortsetzung des Dialogs zwischen der
Volksrepublik China und den Vereinigten Staaten, der mit meinem Besuch in
China im vorigen Jahr begann.
Zu den Themen, die besprochen werden, gehören die bereits bei früheren
Gelegenheiten behandelten Fragen, wie beispielsweise der Handel, wobei es
interessant ist, heute festzustellen, daß der Umfang des bilateralen Handels zwischen beiden Ländern, der sich 1971 auf rund sechs Millionen Dollar
belief, für 1973 auf 800 Millionen Dollar geschätzt wird. Ferner werden

-1-

�werden der wissenschaftliche und der kulturelle Austausch ein Hauptge°&gt;
sprächsthema sein - und natürlich andere Fragen von beiderseitigem Interesse
für beide Länder.
Ferner ist Dr. Kissinger vom japanischen Außenminister, Ohira, eingeladen worden, auf seiner Reise nach dem Fernen Osten in Japan Station zu
machen. Er wird dies tum Der genaue Zeitpunkt dieses Besuches ist jedoch
noch nicht vereinbart worden und wird bekanntgegeben werden, sobald wir
von den Japanern Näheres hören."

Frage: Können Sie uns angesichts Ihrer Bemerkung über Ihre Reisepläne
von neulich abend etwas Genaueres über den Zeitpunkt Ihrer Reise nach Europa
sagen?
Antwort: Es ist schwierig, den Zeitpunkt der Reise nach Europa genau
anzugeben; damit Sie aber besser planen können: Die Europa=Reise wird in
den nächsten Monaten stattfinden. Der Zeitpunkt basiert auf folgenden Faktoren: erstens auf dem Fortschritt, der bei den gegenwärtig stattfindenden
Gesprächen über eine Grundsatzdeklatation hinsichtlich des Bündnisses und
auch hinsichtlich wirtschaftlicher Fragen erzielt wird. Was das letztere angeht, so habe ich diese Angelegenheit - wie Sie wissen = mit Herrn Ortoli
anläßlich seines Aufenthaltes hier erörtert. Übrigens hält dieser Fortschritt
an, ja, wie Dr. Kissinger sagt, ist er sogar noch rascher als erwartet. So»
bald diese ersten Verhandlungen beendet sind, und sobald auf beiden Seiten
des Atlantik klar ist, daß diese Reise nicht zu protokollarischen Zwecken
stattfindet, sondern daß es eine Reise ist, die wirkliche Substanz haben wird
werden wir ein Datum festlegen.
Nun gibt es jedoch noch einen zweiten Faktor, der hier ins Spiel kommt*
nämlich das Arbeitsprogramm des Kongresses. Ich kann zu einem Zeitpunkt, da
sich der Kongreß mit sehr wichtigen Fragen befaßt, weder eine Reise nach
Europa noch irgendwo anders hin unternehmen. Deshalb kann ich mich in dieser

�dieser Frage nicht genau festlegen, indem ich eben sage, daß wir nach Europa
reisen werden, sobald die Europäer dort bereit sind.
Sollten die Europäer zu einem Zeitpunkt bereit sein, da hier im Kongreß
ein großes Arbeitspensum vorliegt, dann werde ich diese Reise auf später verschieben müssen.
Ich möchte jedoch sagen, daß ich dabei an die nächsten drei oder vier
Monate denke; es kann jedoch schon früher sein, vermutlich nicht viel später.
Was nun Japan anbetrifft, so bin ich mit Ministerpräsident Tanaka während seines Besuches in Washington übereingekommen, daß ich Japan vor Ende
1974 besuchen werde, Wir werden natürlich diese Pläne wiederum mit den bilateralen Entwicklungen in Übereinstimmung bringen und einen Zeitpunkt wählen müssen, an dem es nach unserer Auffassung wirklich substantielle Fragen
zu erörtern gibt, sowie einen Zeitpunkt, der mit meinen Pflichten und Aufgaben hier in den USA in Einklang gebracht werden kann.
Frage: Ich möchte noch einen Punkt klären0
Antwort: Ja, bitte
Frage: Im Zusammenhang mit der Erörterung der Grundsatzdeklaration bestand die Absicht, Japan ebenso einzuschließen wie die Europäischen Gemeinschaften, Ist dies immer noch der Fall oder ist das geändert worden?
Antwort: Lassen Sie mich Ihnen erläutern, was wir im Hinblick auf einen
Einschluß Japans denken. Ich habe allen meinen ausländischen Besuchern wie
Bundeskanzler Brandt und natürlich Premierminister Heath sowie Staatspräsident Pompidou erklärt, daß es von entscheidender Bedeutung sei, daß Japan
- das gegenwärtig die zweite wichtige Wirtschaftsmacht in der Welt und natürlich für Frieden und Stabilität im Pazifik eine potentiell sehr große Macht
ist - daß Japan nicht außerhalb dieses Klubs stehen darf.
Sie

�Sie alle stimmen mir darin zu, daß die Schwierigkeit darin besteht,
eine Deklaration bezüglich des Atlantischen Bündnisses zu formulieren, die
auch auf Japan paßt; die Schwierigkeit besteht ferner darin, eine Deklaration bezüglich der Europäischen Gemeinschaft zu formulieren, die ebenfalls
auf Japan paßt.
Wir denken also gegenwärtig an drei Deklarationen: eine für das Atlantische Bündnis, eine für die Wirtschaftliche Gemeinschaft und dann an
eine

allgemeinere Deklaration, die die Japaner vielleicht bereit wären zu

unterschreiben. Ich bin jetzt über das hinausgegangen, was bereits ausgearbeitet worden ist, aber so etwas können wir wohl erwarten.
Lassen Sie mich schließlich in dieser Hinsicht noch folgendes sagen:
Ich weiß, daß diese Deklarationen angesichts der innenpolitischen
Probleme, die uns gegenwärtig bedrängen, vielleicht nicht allzu wichtig erscheinen mögen. Aber zu einem Zeitpunkt, da wir mit den Sowjets und der Volksrepublik China Verhandlungen führen, ist es wesentlich, daß wir das amerikanisch-atlantische Bündnis und die freie Welt, zu der auch Japan gehört, mit
neuem Leben, mit neuen Zielsetzungen und mit einem neuen Geist erfüllen.
Wenn wir das nicht tun, und wenn beispielsweise das Atlantische Bündnis
nicht auf unsere Zeiten eingestellt wird, sondern auf der Zeit vor 25 Jahren
stehen bleibt, dann wird es zerbröckeln. Unsere europäischen Freunde sind
sich darüber im klaren, und ich freue mich, feststellen zu können, daß die
Wirtschaftsexperten wie Ortoli sich ebenfalls darüber im klaren sind.

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39/1973

DR. HENRY KISSINGER VOR DER PACEM IN TERRIS-KONFERENZ
- Programmatische Rede des US-Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Dr. Henry Kissinger
hat am 8. Oktober vor der Konferenz "Pacem in Terris" (Frieden auf Erden) programmatische Leitlinien der Außenpolitik der Vereinigten Staaten aufgezeigt.
Die private Organisation Pacem in Terris hält vor allem Seminare über Fragen
der Außenpolitik ab, an denen in diesem Jahr rund 80 führende Persönlichkeiten
aus der Politik und aus dem Geistesleben der Verinigten Staaten teilnahmen.

Die von Dr. Kissinger für diesen Anlaß ausgearbeitete Rede hat folgenden
Wortlaut:

Die Natur des nationalen Dialogs
Wir begehen heute einen wichtigen Jahrestag. Heute vor einem Jahr - am
8. Oktober - kam es bei den Pariser Verhandlungen zu dem Durchbruch, der dann
bald darauf zur Beendigung des militärischen Engagements Amerikas in Vietnam
führte. Es bietet eine eigenartige Schwierigkeit, sich heute wieder die Gefühle
der Hoffnung und der Ungewißheit deutlich zu machen, die in jenem Moment
herrschten, da plötzlich Jahre des Leidens und der Spaltung neuen Möglichkeiten
der Versöhnung wichen.

Auch

- 1 -

�Auch heute kommen wir wieder in einem Augenblick zusammen, an dem uns
der erneute Konflikt im Nahen Osten daran erinnert, daß die internationale
Stabilität immer empfindlich ist und niemals als selbstverständlich vorausgesetzt werden kann. Pacem in

Terris - Frieden auf Erden - bleibt immer etwas,

was uns leider nicht in den Schoß fällt. Wie gut wir auch mit dieser jetzigen
Krise fertig werden - und mit anderen fertig geworden sind - so müssen wir uns
doch fragen, was wir über die Krisenbeherrschung hinaus eigentlich wirklich
wollen.

Die Notwendigkeit eines Dialogs über nationale Zielsetzungen ist nie
dringender und keine Versammlung wäre je geeigneter gewesen, ein solches Gespräch zu führen, als die heute abend hier zusammengekommene.

Dramatische Veränderungen in den letzten Jahren haben die Position und
die Rolle Amerikas in der Welt verwandelt:

- Fast während der ganzen Nachkriegsperiode hat sich Amerika einer Vorherrschaft an physischen Mitteln und politischer Macht erfreut. Heutestellen
wir wie die meisten anderen Völker in der Geschichte fest, daß unsere schwierigste Aufgabe darin besteht, begrenzte Mittel zur Erreichung sorgfältig festgelegter Ziele zu nutzen. Wir können unsere Probleme nicht mehr im großen
Bogen vom Tisch fegen; wir müssen sie mit Einfallsreichtum, Einsicht und Geduld meistern.
- Eine Generation lang hatten wir fast nichts anderes im Sinn, als zu verhindern, daß sich der kalte Krieg zu einem heißen Krieg auswuchs. Heute, da
die Gefahr eines globalen Konfliktes geringer geworden ist, stehen wir vor dem
tiefgreifenden Problem, genau zu definieren, was wir eigentlich unter Frieden
verstehen, und festzulegen, was das letztliche Ziel verbesserter internationaler
Beziehungen sein soll.

- Zwei Jahrzehnte lang

schien die Solidarität unserer Bündnisse so

konstant zu sein wie die Bedrohungen unserer Sicherheit. Heute haben unsere Verbündeten wieder Stärke und Selbstvertrauen gewonnen, und die Beziehungen zu

- 2-

*-

�zu Gegnern haben sich verbessert. All das gab Anlaß zur Ungewißheit bezüglich
der Verteilung der Lasten mit Freunden und der Auswirkung von verringerten
Spannungen auf den Zusammenhalt von Bündnissen.

- Wenn wir also die Kunst zwar gemeistert haben, mit Krisen fertig zu
werden, so ist doch die Frage, wie eine dauerhaftere internationale Ordnung
aussehen soll, zu einem immer größeren Anliegen geworden. Fragen, die einst
hinter den unmittelbareren Erfordernissen zurücktraten, verlangen heute unsere
unmittelbare Aufmerksamkeit: Was ist wirklich nationales Interesse? Wie ist
das Verhältnis von Frieden und Gerechtigkeit?

Es ist für Perioden des Umbruchs charakteristisch, daß sie denjenigen,
die sie durchleben, als eine Aneinanderreihung von zufälligen Ereignissen erscheinen. Grundfragen und Verlauf der Geschichte werden von den Symptomen überschattet. Es besteht die Neigung, die dringenden Aufgaben über die wichtigen
zu stellen. Nur zu oft werden Ziele als abstrakte Utopien, als Schutzhäfen vor
drängenden Ereignissen dargestellt.

Wenn aber eine Debatte fruchtbar sein soll, dann muß definiert werden,
was man vernünftigerweise von der Außenpolitik erwarten und in welchem Tempo
ein Fortschritt erreicht werden kann. Sonst kommt man dazu, Kataloge des
Wünschenswerten zu vergleichen, statt aus der Sachkenntnis heraus Vergleiche
des Möglichen anzustellen. Der Dialog würde dann in ein taktisches Geplänkel
abgleiten.

Die gegenwärtige öffentliche Auseinandersetzung läßt einige interessante
und wichtige Veränderungen des Blickwinkels erkennen:

- Eine Außenpolitik, die einst als übertrieben moralisch angesehen wurde,
wird heute von manchen als übertrieben pragmatisch betrachtet.

- Die Regierung wurde im Jahre 1969 kritisiert, weil sie den Ost-WestHandel mit bestimmten Ländern zurückhielt, bis ein Fortschritt in ihrer Außenpolitik eingetreten wäre. Heute werden wir kritisiert, weil wir den Ost-West- 3-

�Ost-West-Handel nicht zurückhalten, bis Änderungen in der Innenpolitik eben
dieser gleichen Länder eingetreten sind.

- Die Außenpolitik der Administration, die einst als zu sehr am kalten
Krieg orientiert verschrieen wurde, wird heute angegriffen, weil sie sich zu
wenig um den tiefgreifenden moralischen Antagonismus zwischen Kommunismus und
Freiheit kümmere. Eine Folge dieser geistigen Gewichtsverlagerung ist eine
Kluft zwischen Vorstellung und Verwirklichung in einigen wichtigen politischen
Fragen:

- Daß Frieden und Entspannung erwünscht sind, steht fest, aber sowohl
der Antrieb zum Fortschritt als auch die Nachteile der Konfrontation sind
gesetzlich eingegrenzt.

- Der Ausdruck der Sorge um menschliche Werte in anderen Ländern ist verbunden mit der Ablehnung gerade der Programme, die dazu dienen sollen, Entwicklungsgebieten dabei zu helfen, ihre wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse zu verbessern.
- Das erklärte Ziel der Aufrechterhaltung einer verantwortlichen Rolle
Amerikas in der Weltpolitik kollidiert mit nationalistischen Forderungen in
Handels- und Währungsverhandlungen und mit Rufen nach einem einseitigen Rückzug aus Bündnisverpflichtungen.
Es liegt auf der Hand, daß wir vor echten moralischen Dilemmas und vor
wichtigen politischen Entscheidungen stehen. Aber es liegt auch auf der Hand,
daß wir den Rahmen unseres Dialogs klarer und verständlicher definieren müssen.

Die widersprüchlichen Elemente der Außenpolitik

Außenpolitik muß mit der Erkenntnis beginnen, daß es hier um das Verhältnis
zwischen souveränen Staaten geht. Souveränität ist als ein Wille definiert
worden, der von anderen nicht kontrolliert wird. Dadurch erhält die Außenpolitik

�Außenpolitik ihren ungewissen und immer unvollkommenen Charakter.

Streitigkeiten zwischen souveränen Staaten können also nur durch Verhandlung oder durch Macht beigelegt werden, durch Kompromiß oder durch Zwang.
Welche dieser Methoden die Oberhand behält, hängt von den Werten, der Stärke
und den innenpolitischen Systemen der betroffenen Länder ab. Die Werte einer
Nation bestimmen, was gerecht ist; ihre Stärke entscheidet darüber, was möglich ist; ihre innenpolitische Struktur bestimmt, welche Politik praktisch
durchgeführt und aufrechterhalten werden kann.

Die Außenpolitik umfaßt also zwei sich teilweise widersprechende Bemühungen:
Einmal gilt es die Interessen, Zielsetzungen und Werte einer Gesellschaft zu definieren, und zum anderen sie in Beziehung zu den Interessen, Zielsetzungen
und Werten anderer zu setzen.

Der Gestalter der Politik muß daher ein Gleichgewicht herstellen zwischen
dem, was wünschenswert ist, und dem, was möglich ist. Der Fortschritt wird
immer in Teilschritten sowie an der relativen Befriedigung alternativer Ziele
gemessen. Spannung ist unvermeidlich zwischen Werten, die auf unveränderliche
Maximalbedingungen ausgerichtet sind, und den Bemühungen, diese Werte durchzusetzen -, was notwendigerweise auf einen Kompromiß hinausläuft. Außenpolitik
wird im Inland mit den Begriffen der Gerechtigkeit motiviert. Was aber im Inland als Gerechtigkeit definiert wird, wird im Ausland zum Gegenstand von Verhandlungen. Es ist daher nicht verwunderlich, daß viele Länder, darunter auch
wir, die internationale Ära als ein Forum sehen, in dem Ausländer durch ge-schickte Praktiken die Tugend zu Fall bringen.

In einer Gemeinschaft souveräner Staaten enthält das Streben nach Frieden
ein Paradoxon: Der Versuch einer Seite, absolute Gerechtigkeit durchzusetzen,
wird von allen anderen als absolute Ungerechtigkeit angesehen werden; das
Streben nach totaler Sicherheit für einige wendet sich zur totalten Unsicherheit für die übrigen. Stabilität hängt von der relativen Zufriedenheit und
deshalb also auch von der relativen Unzufriedenheit der verschiedenen Staaten
ab. Das Streben nach Frieden muß daher mit der pragmatischen Konzeption der
- 5-

�der Koexistenz beginnen - insbesondere in einer Zeit des ideologischen Konfliktes.
Wir müssen natürlich vermeiden, von Stabilität besessen zu sein. Eine
übertrieben pragmatische Politik ist bar jeder Phantasie und jeder Menschlichkeit.
Es fehlt ihr nicht nur die Richtung, sie hat auch keine Wurzeln und kein Herz.
General de Gaulle schrieb in seinen Memoiren, daß "Frankreich ohne Größe nicht
Frankreich" sein könne. Genau so kann Amerika sich nicht selber treu sein ohne
moralische Zielsetzung. Unser Land hat immer ein Sendungsbewußtsein besessen.
Die Amerikaner waren immer der Ansicht, daß Amerika für etwas eintrat, was über
und jenseits seiner materiellen Leistungen steht. Eine rein pragmatische Politik
bietet kein Kriterium, nach dem andere Länder unsere Leistungen bewerten können
und setzt keine Normen, an die die Amerikaner sich halten können.

Wenn jedoch eine Politik übertrieben moralistisch wird, dann kann sie
sich als weltfremd

oder gefährlich erweisen. Wenn man sich so gibt, als habe

man ein Monopol an der Wahrheit, dann behindert dies Verhandlung und Ausgleich.
Man verzichtet auf gute Ergebnisse, nur weil man nach unerreichbaren Ideallösungen strebt. Die Politik könnte dann wirkungslosem Zurschaustellen oder abenteuerlichen Kreuzzügen zum Opfer fallen.

Die Voraussetzung für eine fruchtbare nationale Debatte besteht darin,
daß der Gestalter der Politik und der Kritiker die Perspektiven des jeweils
anderen würdigen und die Zielsetzungen des anderen respektieren. Der Gestalter
der Politik muß verstehen, daß der Kritiker verpflichtet ist, auf Unzulänglichkeiten hinzuweisen, um Postulate in Frage zu stellen und zum Handeln anzuregen.
Aber in gleicher Weise sollte der Kritiker die Komplexität und die in der Sache
liegende Ungewißheit der Wahl der Entscheidung des Politikers anerkennen. Es
muß ein Anliegen des Gestalters der Politik sein, das Beste zu erreichen, was
erreicht werden kann und nicht nur das Beste erreichen zu wollen, was man sich
vorstellen kann. Er muß in einem Nebel unvollständiger Kenntnis der Dinge agieren
und ohne die Information, die später dem Analytiker zur Verfügung steht. Er weiß
- oder sollte doch wissen -, daß er für die Konsequenzen der Katastrophe ebenso verantwortlich ist wie für die Früchte des Erfolgs. Möglicherweise muß er
manche Ziele einschränken, nicht weil sie - wenn erreicht - unerwünscht wären,

�wären, sondern weil die Risiken eines Fehlschlages die potentiellen Gewinne
überwiegen würden. Er muß sich oft auf ein schrittweises Vorgehen einstellen,
wenn er auch viel lieber sofort sein Ziel erreicht hätte. Er muß mit anderen
Kompromisse schließen, und das bedeutet auch in einem gewissen Ausmaße, Kompromisse
mit sich selbst zu schließen.
Der Außenstehende beweist seine Moralität durch die Präzision seiner Vorstellungen und durch die Erhabenheit seiner Ideale. Der Gestalter der Politik
bringt seine Moralität dadurch zum Ausdruck, daß er in Verfolg seiner Ideale,
eine Reihe von Unvollkommenheiten und Teillösungen verwirklichen muß.

Ebenso muß man sich über die entscheidend wichtige Bedeutung des richtigen
Augenblicks im klaren sein. Günstige Gelegenheiten kann man nicht horten; nachdem sie einmal verstrichen sind, sind sie gewöhnlich unwiederbringlich dahin.
Neue Beziehungen in einer fließenden Zeit des Übergangs wie heute sind empfindlich und leicht verletzbar; sie müssen gehegt und gepflegt werden, wenn sie gedeihen sollen. Man kann junge Schößlinge nicht immer wieder aus der Erde herausnehmen, um nachzusehen, ob die Wurzeln noch vorhanden sind, oder um zu prüfen,
ob es nicht nebenan einen besseren Platz für sie gäbe.

Wir leben jetzt in einer solchen Zeit des behutsamen Beginnens. Westeuropa
und Japan haben sich uns in dem Bemühen angeschlossen, unsere Beziehungen neu
zu beleben. Die Sowjetunion hat damit begonnen, zumindest teilweise Außenpolitik
als eine Beziehung zwischen Staaten zu praktizieren, statt darin ein Instrument
des internationalen Bürgerkrieges zu sehen. Die Volksrepublik China hat sich
aus zwei Jahrzehnten der Isolation gelöst. Die Entwicklungsländer streben ungeduldig nach wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen. Eine neue Dimension
noch nicht dagewesener großer Aufgaben - auf dem Nahrungsmittelsektor, im Bereich der Meere, auf dem Gebiet der Energie und der Umwelt - verlangen eine
globale Zusammenarbeit.

Entspannung

- 7-

�Entspannung mit der Sowjetunion

Nirgends zeigt sich diese dringende Notwendigkeit deutlicher als in unserer
Beziehung zur Sowjetunion.
Diese Administration hat sich nie

irgendwelchen Illusionen über das

sowjetische System hingegeben. Wir haben stets darauf bestanden, daß Fortschritt auf technischen Gebieten - wie etwa im Handel - auf einen Fortschritt
in Richtung auf stabilere internationale Beziehungen folgen und ihn widerspiegeln müsse. Wir haben ein starkes militärisches Gegengewicht und eine flexible
Verteidigungsposition als Stützpfeiler der Stabilität beibehalten. Wir haben
darauf bestanden, daß die Abrüstung auf beiden Seiten erfolgen müsse. Wir haben
die Auflockerung in unseren Beziehungen zur Sowjetunion nicht danach beurteilt,
ob eine Verbesserung des allgemeinen politischen Klimas zu verzeichnen sei,
sondern danach, wie konkrete Probleme ihre Lösung finden und ob man ein verantwortungsbewußtes weltpolitisches Verhalten vorfindet.

Koexistenz hat für uns auch weiterhin eine sehr präzise Bedeutung:

- Wir werden uns dem Versuch eines jeden Landes widersetzen, eine Stellung
der Vorherrschaft - sei es in globalem oder regionalem Bereich - zu erlangen.

- Wir werden jedem Versuch widerstehen,die Entspannungspolitik zur Schwächung
unserer Bündnisse auszunutzen.
- Wir werden entsprechend reagieren, falls die Entspannungsbemühungen als
ein Tarnschild benutzt werden, um dahinter an den internationalen Krisenpunkten
Konflikte zu schüren.

Die Sowjetunion kann sich in keinem Gebiet der Welt über diese Prinzipien
hinwegsetzen, ohne dadurch das gesamte Gefüge ihrer Beziehungen zu den Vereinigten
Staaten zu gefährden.

Auf
- 8-

�Auf dieser Grundlage haben wir bei der Umgestaltung der amerikanischsowjetischen Beziehungen in mancherlei bedeutsamer Weise Erfolg gehabt. Unsere
beiden Länder haben ein historisches Abkommen zur Begrenzung der strategischen
Rüstungen geschlossen. Wir haben das Risiko einer direkten sowjetisch-amerikanischen Konfrontation in Krisengebieten erheblich verringert. Das Berlin-Problem ist durch Verhandlungen gelöst worden. Wir und unsere Verbündeten haben
die Sowjetunion zu Verhandlungen über wichtige Fragen der europäischen Sicherheit - unter anderem auch über eine Reduzierung der militärischen Streitkräfte
in Mitteleuropa - gebracht. Wir haben eine Reihe bilateraler Abkommen über eine
Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Gesundheit, der Umwelt, des Weltraums, der
Wissenschaft und Technologie sowie des Handels zustandegebracht. Diese Abkommen dienen dazu, ein festgefügtes Interesse an einer Zusammenarbeit und
gegenseitiger Zurückhaltung zu schaffen.

Bis vor kurzem bildeten die Ziele der Entspannung kein Problem. Die
Notwendigkeit, von der Konfrontation weg zu Verhandlungen zu gelangen, schien
von so überragender Bedeutung, daß Ziele, die jenseits der Beilegung der internationalen Streitfälle lagen, überhaupt nicht zur Sprache kamen. Jetzt aber
ist ein Fortschritt erzielt - und auch bereits als gegeben angesehen worden.
Wir befinden uns nunmehr in einer intensiven Debatte über das Problem, ob wir
Veränderungen im sowjetischen Gesellschaftssystem zu einer Vorbedingung für
weiteren Fortschritt machen sollten - oder selbst für die Beibehaltung der bereits eingegangenen Verpflichtungen. Das Problem in seiner ganzen Schärfe zeigt
sich in den Bemühungen des Kongresses, anderen Ländern den Meistbegünstigungsstatus im Handel nur unter der Bedingung von Veränderungen in ihrem eigenen politischen System einzuräumen.

Hier ergibt sich ein echtes moralisches Dilemma. Es gibt echte moralische
3edenken - sowohl dafür als auch dagegen. Daher sollten wir diese Angelegenheit
nicht als eine Debatte zwischen solchen ansehen, die in moralischer Hinsicht empfindsam

sind und anderen,die es nicht sind - oder gar solchen,denen es um Recht

und Gerechtigkeit geht,und anderen, die für die Werte des Humanen blind sind.
Die Haltung des amerikanischen Volkes und der amerikanischen Regierung ist bei
zahllosen Gelegenheiten mit allem Nachdruck klar bezeugt worden, und zwar in

- 9 -

�f
in einer Weise, die zu effektiven Resultaten geführt hat. Die Auswanderungssteuer für Auswanderer wird nicht mehr eingezogen, und wir haben die Zusicherung
erhalten, daß sie auch nicht wieder eingeführt werden wird;

Härtefälle, die

der sowjetischen Regierung vorgetragen wurden, werden jeweils mit Sorgfalt geprüft; die Zahl der jüdischen Auswanderer geht heute in die Tausende, während
es früher nur verschwindend wenige waren. Wir werden uns auch weiterhin in
allen diesen Fragen nachdrücklich bemühen.

Die wirkliche Debatte aber geht weit darüber hinaus mit der Frage: Sollen
wir jetzt Forderungen, die während der Verhandlungen nie gestellt wurden, an Abkommen knüpfen, die bereits geschlossen sind? Sollen wir die Forderung nach
innenpolitischen Veränderungen, die wir bisher in einer evolutionären Weise zu
fördern suchten, als eine formelle Bedingung stellen?

Wir sollten uns daran erinnern, was die Frage der Meistbegünstigungsklausel
eigentlich bedeutet. Der Ausdruck "meistbegünstigter Staat" als solcher ist
insoweit irreführend, als er eine Vorzugsbehandlung impliziert. Worüber wir im
Grunde reden, ist, ob wir die Entwicklung normaler wirtschaftlicher Beziehungen
zulassen wollen - von Beziehungen der Art, wie wir sie mit über hundert anderen
Ländern unterhalten und deren sich die Sowjetunion bis zum Jahre 1951 auch
erfreute. Es geht darum, ob die diskriminierenden Handelsbeschränkungen, die
auf dem Höhepunkt des kalten Krieges erlassen wurden, aufgehoben werden sollen.
Ja, zu der damaligen Zeit entmutigte die sowjetische Regierung sogar jeden
Handel, weil sie die innenpolitischen Auswirkungen normaler Handelsbeziehungen
mit dem Westen auf ihr eigenes Gesellschaftssystem fürchtete.

Die Forderung, daß Moskau als Vorbedingung für den Meistbegünstigtenstatus
oder die Entspannung seine Innenpolitik modifiziere, ist, während wir verhandelten, nie erhoben worden; sie wird jetzt vorgebracht, nachdem beide Seiten
sorgfältig aus vielen Teilen ein Gesamtbild gestaltet haben. Damit aber wirft
sie Fragen und Probleme hinsichtlich unseres gesamten bilateralen Beziehungsgefüges auf.

Schließlich
- 10 -

�Schließlich betrifft diese Frage nicht nur unsere Beziehung zur Sowjetunion, sondern auch unsere Beziehungen zu vielen anderen Staaten, deren innere
Strukturen wir mit unserer eigenen für unvereinbar halten. Bedingungen, die
man dem einen Land auferlegt, könnten die sich ausweitenden Beziehungen zu
anderen Ländern, wie zum Beispiel der Volksrepublik China, hemmen.

Wir werden niemals die Unterdrückung der fundamentalen menschlichen Freiheiten gutheißen. Wir werden mit Nachdruck für humane Grundsätze eintreten
und unseren Einfluß geltend machen,um Recht und Gerechtigkeit zu fördern. Aber
das Problem läuft letztlich darauf hinaus, daß diesen unseren Bemühungen Grenzen
gesetzt sind. Wie weit kann unser Druck gehen, ohne daß wir die sowjetische
Führung provozieren, zu Praktiken ihrer Außenpolitik zurückzukehren, durch die
die internationale Spannung vermehrt wird? Sind wir bereit, den Krisen und
dem erhöhten Verteidigungsbudgets ins Auge zu sehen, die mit der Rückkehr zu
den Verhältnissen des kalten Krieges auf uns zukommen würden? Und würde dadurch
eine Auswanderung in vollem Umfang begünstigt oder das Wohlergehen der Menschen
gefördert oder die Hoffnung auf Freiheit für die Völker Osteuropas und der
Sowjetunion gestärkt werden? Hat die Entspannung zur Repression geführt - oder
hat sie nicht vielmehr das Ferment erzeugt und die Forderung nach Aufgeschlossenheit erweckt, deren Zeugen wir heute sind?

Ein halbes Jahrhundert lang haben wir uns den kommunistischen Bestrebungen
widersetzt, die innenpolitischen Strukturen anderer Länder zu verändern. Während
einer ganzen Generation des kalten Krieges waren wir bestrebt, die durch miteinander im Widerstreit liegende Ideologien hervorgerufenen Risiken zu vermindern. Wollen wir jetzt gewissermaßen einen Kreis schlagen und auf der Vereinbarkeit der innenpolitischen Systeme als Bedingung für den Fortschritt bestehen?

Auf diese Fragen gibt es keine leichten Antworten. Es kann sein, daß die
Regierung das Ausmaß der Konzessionen, die wir erlangen können, unterschätzt.
Aber eine faire Debatte muß einräumen, daß es sich hier um echte Probleme handelt, deren Beantwortung Auswirkungen auf das Schicksal von uns allen haben kann.

- 11 -

Unsere

�Unsere Politik im Hinblick auf die Entspannung ist klar: Wir werden,
einer aggressiven Außenpolitik entgegentreten. Die Entspannung kann ein verantwortungsloses Verhalten in irgendeinem Gebiet - dazu gehört auch der
Nahe Osten - nicht überleben. Was die Innenpolitik der geschlossenen Systeme
anbetrifft, so werden die Vereinigten Staaten es nie vergessen, daß der Antagonismus zwischen der Freiheit und ihren Feinden nun einmal zur Realität unseres
modernen Zeitalters gehört. In diesem Kampf sind wir nicht neutral. So lange
wir stark und mächtig bleiben, werden wir unseren Einfluß geltend machen, um
die Freiheit zu fördern - so wie wir dies immer getan haben. Aber im nuklearen
Zeitalter müssen wir auch einsehen, daß es bei Frage von Krieg und Frieden auch
um menschliches Leben geht, und daß die Erhaltung des Friedens ein tiefes
moralisches Anliegen ist.

Die Welt,wie sie ist und die Welt,die wir anstreben

In meiner Ansprache vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen vor
zwei Wochen habe ich als unser Ziel eine Welt dargestellt, in der Machtblöcke
und Machtverhältnisse nicht mehr relevant sind; in der wir uns in erster Linie
mit Gerechtigkeit befassen können statt mit Stabilität; in der die Länder die
Zusammenarbeit im Weltinteresse als in ihrem eigenen nationalen Interesse
liegend betrachten.

Aber wir können der Welt der Zukunft nicht näher kommen, ohne zunächst
einmal den Frieden in unserer heutigen Welt zu wahren. Gerade in diesen Tagen
werden wir nur zu deutlich daran erinnert, daß dies Wachsamkeit und ständige
Bereitschaft erfordert.

Unsere Reise muß naturgemäß dort beginnen, wo wir heute stehen. Und das
ist eine Periode verringerter Spannungen, größeren Gleichgewichts und zerfließender Macht. Aber wenn die Welt auch besser ist, als wir befürchtet
haben, so bleibt sie doch weit hinter unseren Hoffnungen zurück. Daß wir uns
der Gegenwart zuwenden, heißt noch lange nicht, daß wir mit ihr zufrieden
sind.
Das

�Das hervorstechendste Charakteristikum unserer heutigen Zeit - ein Merkmal, das Schwierigkeit und Hoffnung gleichzeitig verbreitet - ist der radikale
Wandel im Wesen der Macht.In unserer ganzen Geschichte ist Macht fast immer
homogen gewesen. Das militärische, das wirtschaftliche und das politische Potential hingen eng miteinander zusammen. Um mächtig zu sein, mußte eine Nation
in all diesen Kategorien stark sein. Heute ist das Vokabular der Stärke vielfältiger geworden. Ein militärischer Bizeps garantiert

noch keinen politischen

Einfluß. Wirtschaftsgiganten können militärisch schwach sein, und militärische
Stärke kann unter Umständen eine wirtschaftliche Schwäche nicht verbergen. Und
Länder können einen politischen Einfluß ausüben, selbst ohne militärisch oder
wirtschaftlich stark zu sein.

Es ist falsch, von nur einem Kräfteverhältnis zu sprechen, denn es gibt
deren mehrere, die in Bezug zueinander gesetzt werden müssen. In der militärischen Sphäre gibt es zwei Supermächte. Was die Wirtschaft angeht, so
existieren zumindest fünf große Gruppierungen. In politischer Hinsicht haben
sich noch viel mehr Einflußzentren entwickelt. Seit Ende des zweiten Weltkrieges sind etwa 80 neue Nationen entstanden, und regionale Gruppen gewinnen
einen wachsenden Einfluß.

Aber was auch immer der Maßstab der Macht sein mag, so hat sich vor allem
ihr politischer Nutzen geändert. Immer wieder konnte im Verlauf der Geschichte
ein Zuwachs an militärischer Macht - und war er auch noch so klein - für spezifische politische Vorteile benutzt werden. Angesichts der überwältigenden
Arsenale des Nuklearzeitalters ist jedoch das Streben nach marginalen Vorteilen
sowohl sinnlos als auch möglicherweise selbstmörderisch geworden. Wenn einmal
die Sättigung erreicht ist, läßt sich ein weiterer Zuwachs an Macht nicht in
anwendbare politische Stärke umsetzen; und Versuche, taktische Gewinne zu
erzielen, können zur Katastrophe führen.

Diese Gegebenheiten lassen der Stabilität eine besondere Bedeutung zukommen
und machen es zugleich schwierig, diese aufrechtzuerhalten. Das heutige Streben
nach einem Gleichgewicht sollte nicht mit dem Gleichgewicht der Kräfte früherer

- 13 -

�V

früherer Zeiten verglichen werden. Allein schon der Gedanke, ein Gleichgewicht der Kräfte im klassischen Sinne "zu bewirken", fällt in sich zusammen,
wenn die Veränderung, die erforderlich ist, um das Gleichgewicht aus den
Angeln zu heben, so groß ist, daß sie nicht mit begrenzten Mitteln zu erreichen
ist.

Genauer gesagt, es gibt keine Parallele zum 19. Jahrhundert. Damals hatten
die wichtigsten Länder im wesentlichen gleichartige Vorstellungen von der Legitimität und akzeptierten die Grundstruktur der bestehenden internationalen
Ordnung. Kleine GewichtsVeränderungen in der Stärke waren bedeutsam. Das
"Gleichgewicht" wurde in einem relativ begrenzten geographischen Bereich bewirkt. Keiner dieser Faktoren ist heute gegeben.

Wenn wir von Gleichgewicht sprechen, meinen wir auch kein allzu einfaches
mechanisches Modell ohne Ziel und Zweck. Die sich ständig ändernden Bündnisse,
die in früheren Jahrhunderten das Gleichgewicht aufrechterhielten, sind in
unserer Zeit weder angebracht noch möglich. In einem Zeitalter ideologischer
Schismen ist die Unterscheidung zwischen Freund und Gegner eine objektive Realität. Mit unseren Freunden haben wir Ideale und Interessen gemeinsam, und wir
wissen, daß die Stärke unserer Freundschaft entscheidend wichtig für den Abbau der Spannungen mit unseren Gegnern ist.

Wenn wir von fünf oder sechs oder sieben Hauptzentren der Macht sprechen,
dann soll das nicht heißen, daß andere ausgeschlossen sind, sondern daß noch
vor einigen wenigen Jahren jeder der Meinung war, daß es nur zwei gäbe. Der
Abbau der Spannungen sowie das Entstehen neuer Machtzentren bedeutete größere
Handlungsfreiheit und größere Bedeutung für alle anderen Nationen.

Angesichts dieser Gegebenheiten war es unser Nahziel, ein festes Netz
von Beziehungen zu schaffen, das die Hoffnung darauf bietet, daß der Menschheit
die Geißel des Krieges erspart bleibt. Eine interdependente Weltgemeinschaft
kann weder Konfrontationen der Großmächte noch immer wiederkehrende regionale
Krisen hinnehmen.

Aber
- 14 -

�Aber Frieden muß mehr sein als Nichtexistenz von Konflikt. Wir sehen
Stabilität als die Brücke zur Verwirklichung der Bestrebungen und Hoffnungen
der Menschen an und nicht als Selbstzweck. Wir haben manches über die Eindämmung von Krisen gelernt, aber wir haben die Wurzeln dieser Krisen nicht beseitigt. Wir haben damit begonnen, unsere Differenzen auszugleichen, aber
wir haben unsere Gemeinsamkeit nicht bestärkt. Wir haben vielleicht die Beherrschung des Gleichgewichtes verbessert, aber wir haben noch keine Gerechtigkeit erreicht.

In der Enzyklika, nach der diese Konferenz benannt ist, hat Papst Johannes
eine größere Vision umrissen. Er sah voraus, "daß keine politische Gemeinschaft
in der Lage ist, in der Isolation ihre Interessen zu verfolgen und sich weiter
zu entwickeln", denn !'unter allen Menschen wächst die Erkenntnis, daß sie Mitglieder einer Weltgemeinschaft sind."

Die Chancen der Menschheit gehen jetzt über den Nationalismus hinaus,und
sie können nur verwirklicht werden, wenn die Länder der Welt gemeinsam handeln:

- Zum ersten Mal seit Generationen ist die Menschheit in der Lage, eine
neue und friedliche internationale Ordnung zu schaffen. Aber besitzen wir die
''Drstellungskraft und die Entschlossenheit, diese sich noch in einem gefährdeten Stadium befindliche Aufgabe voranzubringen?

- Zum ersten Mal in der Geschichte dürften wir das technische Wissen besitzen, um die Grundbedürfnisse der Menschheit zufriedenzustellen. Die großen
Erfordernisse der modernen Welt machen nicht vor nationalen Grenzen halt und
müssen unvermeidlicherweise alle Gesellschaften für die sie umgebende Welt öffnen.
Aber besitzen wir den politischen Willen,uns zusammenzuschließen, um dieses
große Ziel zu erreichen?

Wenn diese Vision verwirklicht werden soll, dann ist die aktive Beteiligung Amerikas unerläßlich. Die Geschichte wird uns nach unseren Taten,
nicht nach unseren guten Absichten beurteilen.
Aber
- 15 -

�Aber dies kann nicht die Aufgabe eines Landes allein sein. Und es kann
auch nicht die Aufgabe einer Administration allein oder eines Zweiges einer
Regierung allein oder einer Partei allein sein. Wenn wir wahrhaft etwas
schaffen wollen, dann müssen wir einen Kurs einschlagen, der auch von zukünftigen führenden Politikern fortgesetzt wird, weil dieser Kurs die kontinuierliche Unterstützung des amerikanischen Volkes hat.
Lassen Sie uns also nach einem neuen Konsens suchen. Lassen Sie uns einen
Geist der Verständigung wiederherstellen zwischen der Legislative und der
Exekutive,zwischen der Regierung und der Presse, zwischen dem Volk und seinen
öffentlichen Bediensteten. Lassen Sie uns erneut lernen, über unsere Methoden
und nicht über unsere Motive zu streiten, uns auf das zu konzentrieren,was
unser Schicksal ist und nicht auf das, was uns spaltet. Lassen Sie uns alle
unsere verschiedenen Ansichten und Auffassungen beisteuern, aber lassen Sie
uns erneut von dem Gesichtspunkt ausgehen, daß wir in einem gemeinsamen Vorhaben engagiert sind. Wenn wir eine Weltgemeinschaft

formen wollen, dann

müssen wir zuerst die Gemeinschaft im eigenen Land wiederherstellen.

Wenn die Amerikaner zusammenarbeiten, dann kann Amerika mit anderen für
das ewige Ziel der Menschheit arbeiten: Pacem in Terris - Frieden auf Erden Frieden im Ausland, Frieden im eigenen Land und Frieden mit uns selbst.

- 16 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Nixons am 3. Oktober&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dr. Henry Kissinger vor der Pacem in Terris-Konferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Programmatische Rede des US-Außenministers -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 32

^0

17_ O k t o b e r

Inhalt

INFORMATION:

Präsident Nixon verdeutlicht Nahost-Politik der USA

DOKUMENTATION:

US-Außenminister Kissinger appelliert an die Sowjetunion
-Auszüge aus der Pressekonferenz vom 12. Oktober-

HINTERGRUNDMATERIAL:

Gerald R. Ford
Der designierte Vizepräsident der Vereinigten Staaten

WIRTSCHAFT:
Erklärung Präsident Nixons zur Energiewirtschaft der USA

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

1973

�a m e r i k a dienst
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53
T

e

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08-85432

40/1973

PRÄSIDENT NIXON VERDEUTLICHT NAHOST-POLITIK DER USA

WASHINGTON —(AD)-» Präsident Nixon hat am 15. Oktober die amerikanische
Politik angesichts der Situation im Nahen Osten verdeutlicht und unterstrichen, daß die USA eine Beendigung der Feindseligkeiten in diesem Raum
anstreben und zwar auf einer Basis, auf der ein dauerhafter Friede geschaffen werden kann. Der Präsident traf seine Feststellungen im Rahmen einer
Feier, in der neun Vietnam-Veteranen mit der "Medal of Honor" ausgezeichnet wurden.
Präsident Nixon erklärte zum Krieg im Nahen Osten wörtlich:
"Wenn ich von Ehre spreche, dann mag dies - was eine große Nation an»
geht-vielleicht etwas chauvinistisch klingen. Aber ich möchte jedem hier in
diesem Raum vor Augen führen, insbesondere zu einem Zeitpunkt, da im Nahen
Osten ein neuer Krieg geführt wird, daß ein starkes Amerika, ein Amerika,
das respektiert wird, von wesentlicher Bedeutung ist, wenn wir die Chance
für einen dauerhaften Frieden in der Welt haben wollen. Bei all unserer Stärke und bei allen Opfern, die Amerikaner in vier Kriegen in diesem Jahrhundert
gebracht haben, verfolgen die Vereinigten Staaten keine Politik der Aggression; unsere Politik ist nicht darauf gerichtet, irgendein anderes Land zu

-1-

�zu beherrschen, es ist vielmehr eine Politik, die den Frieden für uns und für
andere Nationen anstrebt. Und darüber hinaus will diese Politik eine Welt
schaffen, in der alle Länder das Recht haben, unabhängig und frei von fremder
Herrschaft zu leben.
Ich möchte jetzt noch ein Wort zum gegenwärtigen Krieg im

Nahen Osten

sagen. Wenn ich unsere Politik darlegen sollte, dann würde ich sagen, daß sie
die Politik ist, die wir im Jahre 1958 verfolgten, als der Libanon betroffen
war, und daß sie die Politik ist, die wir im Jahre 1970 verfolgten, als Jordanien betroffen war. Die Politik der Vereinigten Staaten im Nahen Osten ist
- in sehr einfachen Worten - folgende:
Wir treten für das Recht einer jeden Nation im Nahen Osten ein, ihre Unabhängigkeit und Sicherheit zu wahren. Wir wollen eine Beendigung der Kämpfej
wir wollen, daß die Kampfhandlungen auf einer Basis beendet werden, auf der
wir einen dauerhaften Frieden aufbauen können.
Die Politik der Vereinigten Staaten ist die eines Friedensstifters in
diesem Raum, und ich möchte abschließend sagen, daß die heute hier geehrten
Männer sowie die nach Tausenden zählenden anderen Amerikaner, die ihrem Lande
in Vietnam gedient haben und ebenfalls geehrt werden sollten, es möglich
machen, daß die Vereinigten Staaten die ehrenhafte Rolle eines Friedensstifters
in der Welt spielen können."

�amerika dienst
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40/1973

US-AUSSENMINISTER KISSINGER APPELLIERT AN DIE SOWJETUNION
-Auszüge aus der Pressekonferenz vom 12.Oktober -

WASHINGTON ~(AD)--

Der amerikanische Außenminister Dr. Henry Kissinger

hat am 12. Oktober mit Nachdruck an die Sowjetunion appelliert, in der Nahost-Krise Zurückhaltung zu üben. Auf einer einstündigen Pressekonferenz erklärte er, Washington hoffe, daß alle Länder, die die Ereignisse im Nahen
Osten beeinflussen könnten, diesen Einfluß in Richtung auf Zurückhaltung
ausüben.
Andere Themen der Pressekonferenz waren der Dialog mit Europa sowie
die geplante China-Reise des amerikanischen Außenministers. Die einleitende
Erklärung Kissingers zur Nahost-Krise sowie die Fragen und Antworten zu den
anderen genannten Themen haben folgenden Wortlaut:

"Meiner Meinung nach könnte es unserer Diskussion förderlich sein,
wenn ich mit einem kurzen Überblick über die Situation im Nahen Osten, so
wie wir sie sehen, beginne.Sie werden verstehen, daß wir uns in diesem Augenblick in einer delikaten Phase befinden, in der es unser Hauptziel sein
muß, eine Beendigung der Feindseligkeiten herbeizuführen und die Grundlage
für einen dauerhafteren Frieden im Nahen Osten zu legen. Deshalb werde ich

-1-

�ich in einigen meiner Feststellungen sowie in der Beantwortung mancher ihrer
Fragen eine gewisse Vorsicht üben müssen. Ich rechne jedoch damit, daß ich
nach Abschluß dieser Phase eine weitere Pressekonferenz abhalten kann, auf
der ich einen umfassenderen Bericht geben kann, als dies heute möglich
ist.
Lassen Sie mich zur Situation im Nahen Osten folgende Feststellung
machen:
Zunächst möchte ich mich der Situation zuwenden, wie sie vor dem Ausbruch der Feindseligkeiten bestand. Zweitens will ich etwas zu den amerikanischen Bemühungen sagen, die wir nach Ausbruch der Feindseligkeiten unternommen haben, um diese zu einem Ende zu bringen. Drittens werde ich eine sehr
kurze Feststellung hinsichtlich der militärischen Situation, so wie wir sie
heute sehen, treffen, und schließlich ausführen, welchen Kurs wir einzuschlagen hoffen.
Erstens, was unser Wissen vor Ausbruch der Feindseligkeiten anbetrifft:
In der Woche vor dem Ausbruch der Kampfhandlungen waren sich die Vereinigten Staaten darüber im klaren, daß es eine weitere Konzentration der syrischen Streitkräfte gab, und wir wußten ferner, daß die ägyptischen Truppen
- wie sowohl unser als auch der israelische Geheimdienst es interpretierten •
sich in ihrem regulären Herbstmanöver befanden. Bei drei verschiedenen Gelegenheiten während der Woche vor dem Ausbruch der Kampfhandlungen ersuchten
wir unseren eigenen wie auch den israelischen Geheimdienst um ihre Beurteilung der möglichen Geschehnisse. Es bestand die einheitliche Meinung, daß
Feindseligkeiten unwahrscheinlich wären.... Auch wurde die Möglichkeit von
Kampfhandlungen in keiner der Diskussionen, die mit den beiden Parteien im
Rahmen der Vereinten Nationen in der letzten Woche geführt wurden, aufgeworfen.
Unter

�Unter diesen Umständen hatten die Vereinigten Staaten keinerlei Gelegenheit, irgendein Land vor Präventivmaßnahmen zu warnen. Die Vereinigten Staaten gaben daher in der Woche vor dem Ausbruch der Feindseligkeiten keinerlei
Ratschlag hinsichtlich eines Eventualfalles, der - wie man uns übereinstimmend
versichert hatte - nicht eintreten dürfte, ja ganz sicher nicht eintreten
würde.
Die amerikanische Regierung wurde zum ersten Mal darüber, daß Feindseligkeiten unmittelbar bevorstünden, am Samstag um 0600 Uhr morgens informiert.
Nach dieser Information unterrichtete ich sofort den Präsidenten. Von da an
bis zu dem Zeitpunkt, als man uns von dem tatsächlichen Beginn der Kampfhandlungen unterrichtete - das war etwa gegen 0900 Uhr am Samstagvormittag unternahmen wir intensive Anstrengungen sowohl gegenüber den betroffenen Parteien als auch gegenüber der Sowjetunion und dem UN-Generalsekretär, um den
Ausbruch der Kampfhandlungen zu verhindern. Ganz offensichtlich führten diese
Anstrengungen angesichts des Ausmasses der Vorbereitungen, die vor dem Ausbruch der Feindseligkeiten notwendigerweise stattgefunden haben müssen, zu
keinem Erfolg.
Nach dem Ausbruch der Kampfhandlungen setzten sich die Vereinigten Staaten zwei Hauptziele: Einmal die schnellstmögliche Beendigung der Feindseligkeiten, zum anderen die Beendigung der Feindseligkeiten in einer Weise, die
im höchstmöglichen Maße zur Förderung einer dauerhafteren, permanenteren Lösung im Nahen Osten beitragen würde.
Was nun die Zukunft angeht, so werden die Vereinigten Staaten auch weiterhin Anstrengungen unternehmen, um ein Ende der Kampfhandlungen herbeizuführen - und zwar so, daß dies zu einem langfristigen Frieden in diesem Gebiet
und, wie ich hinzufügen möchte, zu einem langfristigen Frieden in der ganzen
Welt beiträgt. Dies ist der Rahmen für unsere Gespräche. Würden Sie nun bitte
die erste Frage stellen?
Frage:

-3-

�I
Frage: Meine Frage bezieht sich auf die Schaffung eines Rahmens der

t,

Stabilität. Sie erklärten am Montag,daß die Entspannung zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten an einer Unverantwortlichkeit in welchem
Gebiet auch immer, einschließlich des Nahen Ostens, scheitern würde. Ich
möchte gerne wissen, ob Sie in diesem Zusammenhang der Ansicht sind, daß
die russische Erklärung, in der andere arabische Staaten aufgefordert werden,
sich Ägypten und Syrien im Kampf gegen Israel anzuschließen, eine solche UnVerantwortlichkeit, die die Entspannung gefährdet, darstellt, und - sollte
dies der Fall sein - ob Sie dann die Absicht haben, amerikanischerseits entsprechende Kriegsmaterialien zur Verfügung zu stellen, wie sie angeblich
von sowjetischer Seite den anderen verfügbar gemacht werden.
Antwort: Das sind zumindest zwei Fragen. Die Vereinigten Staaten haben
sich in der letzten Zeit - einmal im Rahmen der Vereinten Nationen und zweitens durch eine Reihe bilateraler Kontakte - darum bemüht, einen Rahmen zu
schaffen, in dem diese beiden Ziele verwirklicht werden können. Wir haben die
Möglichkeiten sondiert, innerhalb der Vereinten Nationen einen Konsensus herzustellen. Darüberhinaus haben wir mit den betroffenen Parteien sowie mit den
ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates in Kontakt gestanden, um herauszufinden, welche Ergebnisse bilaterale Anstrengungen haben könnten. Wir haben in öffentlichen Foren nicht mutwillig nach Konffontationsmöglichkeiten
gesucht, die die Spaltung vertiefen und Fortschritte in Richtung auf eine Lösung erschweren könnten.
Wenn die gegenwärtige Phase vorüber ist, werden wir einen Bericht über
die von uns unternommenen Anstrengungen geben, und dann kann über sie geurteilt
werden. Im Augenblick ist es unser Ziel, eine Beendigung der Feindseligkeiten
und zwar auf die Weise zustandezubringen, daß wir mit allen betroffenen Parteien sowie mit den ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates in Kontakt
stehen, weil wir der Ansicht sind, daß wir auf diese Art und Weise einen maximalen Beitrag zu einem gerechten und dauerhaften Frieden im Nahen Osten
leisten können
Was

-4-

�Was nun ihre erste Frage, nämlich das Verhalten der Sowjetunion in der
Nahost-Krise sowie die Auswirkung der Nahost-Krise auf die amerikanischsowjetischen Beziehungen anbetrifft: Jede Beurteilung muß in Rechnung stellen, daß sich sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Sowjetunion
- und zwar jede aus ihrem eigenen Blickwinkel • in der gegenwärtigen Krise
einer sehr komplexen Situation gegenübersehen. Ja, der Grund, warum nach
unserer Ansicht eine langfristige Regelung im Nahen Osten so wichtig ist,
besteht in der Gefahr, daß der Nahe Osten einmal das werden könnte, was der
Balkan vor 1914 in Europa war, d.h. ein Gebiet, wo örtliche Streitigkeiten,
die ihr eigenes Beharrungsvermögen haben, die großen Atommächte in eine Konfrontation hineinziehen könnten, die sie nicht notwendigerweise suchten und
auch nicht beginnen wollten.
Ohne Frage haben die Vereinigten Staaten eine traditionelle Freundschaft zu Israel, die sie auch in dieser Krise aufrechterhalten werden. Ferner ist klar, daß die Sowjetunion mit einigen arabischen Staaten Beziehungen
unterhalten, die Jahre zurückgehen und die sie ebenfalls während dieser Krise
nicht unterbrechen wollen. Die Schwierigkeit, vor der wir beide stehen, ist,
ob unter Wahrung unserer Prinzipien wir dennoch die Beziehungen in einer Weise ausüben, durch die den größeren Interessen des Friedens gedient wird.
Unseres Erachtens war die sowjetische Erklärung gegenüber dem algerischen

Präsidenten nicht hilfreich. Wir sind auch nicht der Ansicht, daß

die Luftbrücke für militärische Ausrüstung hilfreich ist. Wir sind aber auch
nicht der Ansicht, daß die bisherigen sowjetischen Maßnahmen die Unverantwortlichkeit darstellen, von der ich am Montagabend als von einer Gefährdung
der Entspannung sprach. Sollte dieser Punkt erreicht werden, dann werden
wir in dieser Krise - wie schon in anderen - nicht zögern, eine feste Haltung einzunehmen. Aber im Augenblick sind wir immer noch darum bemüht, den
Konflikt zu dämpfen. Zum gegenwärtigen Augenblick müssen wir immer noch die
Maßnahmen, die wir nicht billigen, und zwar mit allem Nachdruck nicht

�a 1 , -.. .
nicht billigen, gegen die relative Zurückhaltung abwägen, die in den öffentlichen Medien der Sowjetunion sowie in dem Verhalten der sowjetischen Vertreter im Sicherheitsrat zum Ausdruck kommt. Im gegenwärtigen Augenblick ist unser Ziel, wie ich bereits dargelegt habe, die Beendigung der Feindseligkeiten,
und zwar zu Bedingungen, die allen Beteiligten gerecht werden und nicht zu
einer Verschlechterung der Beziehungen bis zu einem unerträglichen Grad führen. Ich möchte noch einmal wiederholen: Wenn wir zu der Ansicht gelangen,
daß gewisse Maßnahmen den Punkt der Unverantwortlichkeit erreicht haben, dann
werden wir sehr energisch sein, um dies klarzustellen.
Frage: Herr Außenminister, können Sie uns sagen, wie Sie insgesamt die
von den Supermächten hinsichtlich der Gefahr einer Ausbreitung der Feindseligkeiten eingenommene Haltung beurteilen,und mit den drei Supermächten meine ich
die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion und China?
Antwort:

Ich glaube, jeder ist sich dessen bewußt, daß ein Krieg

dieser Art die Möglichkeit einer Eskalation in sich trägt. Ich meine, daß bisher beide Seiten - nämlich die beiden Länder, die in erster Linie eine Konfrontation herbeiführen können, nämlich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion - versucht haben, sich in Grenzen zu halten, die eine Eskalation verhindern würden. Wenn man ihr Verhalten in dieser Krise mit dem Verhalten von
1967 vergleicht, dann muß man sagen, daß das sowjetische Verhalten weniger
provdkativ, weniger brandstifterisch und weniger auf militärische Drohungen
gerichtet ist als in der vorangegangenen

Krise.

Die Situation ist natürlich außerordentlich unbeständig und trägt die
Möglichkeit in sich, daß sie außer Kontrolle gerät. Ich kann nur noch einmal
unterstreichen, wie überaus wichtig es ist, daß alle Länder, die eine Eskalation und Ausweitung der Feindseligkeiten zustandebringen könnten, Zurückhaltung üben. Und ich kann nur noch einmal mit allem Nachdruck die Erwartung der
Vereinigten Staaten bekräftigen, daß alle Länder, die die Ereignisse beeinflussen können, sie dahingehend beeinflussen, daß Zurückhaltung und Mäßigung
geübt wird, so wie wir dies zu tun versuchen.

�- Dialog mit Europa -

Frage: Herr Außenminister, wenn wir das Thema einmal ändern könnten:
Wurde der Dialog mit Europa durch die Absage Ihrer Reise verlangsamt? Und
können Sie uns einen Hinweis geben, wann die Grundsatzdeklarationen zur Unterschrift bereit sein werden?
Antwort: Der Dialog mit Europa wurde nicht wesentlich verlangsamt, obwohl meine Eitelkeit es mir nicht gestattet, zuzugeben, daß die Tatsache, daß
ich jetzt keine Gespräche führen kann, keine Auswirkung auf die laufende
Diplomatie hat (Gelächter).
Die Gespräche, die gegenwärtig zwischen uns und den Europäern geführt
werden, betreffen im wesentlichen zwei Deklarationen sowie die allgemeine
Struktur unseres Verhältnisses.

Über die beiden Deklarationen wird zwischen

den Vereinigten Staaten und dem Gemeinsamen Markt über die wirtschaftlichen
Beziehungen und die auf sie einwirkenden politischen Beziehungen gesprochen
und zwischen den Vereinigten Staaten und all ihren NATO-Partnern in einem
multilateralem Forum über die künftige Richtung der NATO-Politik gesprochen.
Und das dritte Bemühen konzentriert sich darauf, über diese Deklarationen
hinauszugehen, sie als einen Beginn zu benutzen, um einen Blick in die Zukunft
zu
/werfen und zu erwägen, wie die westlichen Länder die Welt sehen, in der sie
während der kommenden 25 Jahre leben möchten oder leben müssen.
Was nun den

Dialog mit dem Gemeinsamen Markt angeht, so hat er eben-

falls zwei Aspekte: Erstens den inneren Zusammenhalt Europas, der meiner Meinung nach durch unsere Initiative gefördert - und zwar wesentlich gefördert wurde, und zweitens das Verhältnis dieses vereinten Europas zu den Vereinigten Staaten.
Am 18. Oktober treffen die politischen Direktoren der neun europäischen
Länder mit Unterstaatssekretär Stoessel in Kopenhagen zusammen, um die Gespräche fortzusetzen, die zwischen mir und den Außenministern geführt und dann
von ihnen in New York fortgesetzt wurden. Dieser Prozeß geht also weiter.

-7-

Und

�Und Sie alle wissen, daß ich gestern mit dem französischen Außenminister
Jobert zusammenkam und Gelegenheit hatte, die beiden Bemühungen mit ihm zu erörtern.
Frankreich hat in der letzten Woche einen Vorschlag für eine NATO-Deklaration unterbreitet. Ich möchte diese Gelegenheit benutzen, um zu unterstreichen, daß diese vom französischen Vertreter im NA.TO-R.at unterbreitete Deklaration von den Vereinigten Staaten als überaus konstruktiv bewertet wird. Und
wenn wir auch einige Zusätze haben, die wir erörtern möchten, so sind wir
doch der Ansicht, daß sie einen sehr wesentlichen Fortschritt in den NATO-Erörterungen darstellt.
Ich glaube, es ist wichtig, darauf hinzuweisen, daß es nicht ohne Bedeutung ist, daß es Frankreich ist, das diesen wichtigen Beitrag zum NATO-Dialog geleistet hat.
Wir sind daher der Meinung, daß unsere Gespräche mit Europa auf dem richtigen Wege sind und daß sie innerhalb einer vernünftigen Zeitspanne zu einem
erfolgreichen Abschluß führen werden. Und noch einmal möchte ich folgendes unterstreichen: Wir sind nicht am Zeitpunkt, sondern an der Substanz interessiert.
Und wir sind nicht an einer Schlagzeile interessiert, sondern daran, daß unsere Beziehungen in einer Weise festgelegt werden, die die Bewährungsprobe besteht.

- China-Reise Frage: Herr Außenminister: Sie planen eine China-Reise zu Ende dieses
Monats. Ist diese Reise in irgendeiner Form durch die Entwicklungen (im Nahen
Osten) gefährdet,und rechnen Sie im Hinblick auf die Zurückhaltung, für die
Sie so sehr eintreten, mit einer Zusammenarbeit Chinas?

Antwort:

�I

Antwort: Unser Appell zur Zurückhaltung ist an alle Länder gerichtet,
die die Ereignisse beeinflussen können. Natürlich ist die Fähigkeit Chinas,
diese Ereignisse zu beeinflussen, aufgrund der geographischen Entfernung
nicht so groß wie die anderer Länder, und das muß berücksichtigt werden.
Aber unser Appell zur Zurückhaltung ist an alle Länder gerichtet.
Ich rechne nicht damit, daß meine China-Reise durch die augenblickliche
Situation gefährdet wird. Selbstverständlich hängt dies jedoch davon ab,
wie lange sie andauern wird."

-9-

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40/1973

GERALD R. FORD

Der designierte Vizepräsident der Vereinigten Staaten

--(AD)-- Der von Präsident Nixon nominierte Nachfolger für Spiro T. Agnew
im Amt des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, Gerald R. Ford , hat
als Fraktionsführer der republikanischen Minderheit im amerikanischen Repräsentantenhaus die Politik der Administration, vor allem die Außenpolitik
schon seit den Tagen von Präsident Johnson nachdrücklich unterstützt. Ford
hat betont, daß er in den Präsidentschaftswahlen des Jahres 1976 weder als
Präsidentschafts-noch als Vizepräsidentschaftskandidat auftreten will und
besitzt das Vertrauen weiter Kreise des amerikanischen Kongresses. Trotzdem sind sehr eingehende Anhörungen im Kongreß angekündigt worden, der seine
Ernennung bestätigen muß.
Ford, der nichts mit der Auto-Dynastie Ford zu tun hat, hat sich vor
allem in Verteidigungsfragen immer hinter den Präsidenten gestellt und
ist für die Aufrechterhaltung der militärischen Stärke der USA als Ordnungsmacht für den Weltfrieden eingetreten. Er hat zahlreiche Auslandsreisen,
darunter auch in die Volksrepublik China, unternommen und sich auch im Kontakt mit dem Weißen Haus und den wichtigen Ministerien ein zusammenhängendes
Bild von der amerikanischen Außenpolitik gemacht. Ford kennt Präsident Nixon

-1-

�Nixon schon seit langem und wurde zwei Jahre nach diesem - 1948 - ebenfalls
als republikanischer Abgeordneter in den Kongreß gewählt.
Im Rahmen der Republikanischen Partei gilt Ford als "Gemäßigter", jedoch
ebenso als zielbewußt und überzeugend in der Argumentation. Ihm wird die Fähig
keit zugeschrieben, die Partei zusammenzuhalten und mit Nachdruck zu vertreten.
Gerald R. Ford wurde am 14. Juli 1913 in Omaha im Staate Nebraska als
Leslie King geboren. Seine Eltern wurden geschieden,und er wurde von seinem
Stiefvater, Gerald R. Ford, Senior, adoptiert, der eine Farben- und Lackfabrik in Grand Rapids im Staate Michigan besaß und dort auch führend in der
Republikanischen Partei tätig war.
In seiner Jugend war Ford sehr sportlich - er schwimmt heute noch täglich und hält sich körperlich in Form - und gehörte zu den Stars der Foot»
ball-Mannschaft der Universität von Michigan in Ann Arbor, wo er Jura studierte. In den Jahren der Depression verdiente er sich sein Studium mit allen
möglichen Tätigkeiten, unter anderem als Tellerwäscher. Als er sein Jurastudium an der Yale-Universität fortsetzte, war er gleichzeitig als Hilfstrainer
der Football-Mannschaft und als Boxtrainer tätig und mußte bis zum Abschluß
seiner Studienzeit im Jahre 1941 praktisch täglich mit fünf bis sechs Stunden
Schlaf auskommen.
Nach seiner Rückkehr nach Michigan trat er einer politischen Reformgruppe bei und war als Anwalt tätig. Im zweiten Weltkrieg trat er in die amerikanische Marine ein und diente auf einem Flugzeugträger im Einsatz im Pazifik.
Aus dem Militärdienst entlassen, kehrte Ford nach Grand Rapids in
Michigan zurück und nahm seine Anwaltspraxis wieder auf. Gleichzeitig wurde
er auch wieder in der Reformgruppe der Republikanischen Partei aktiv und

-2-

�und wurde 1948 ins Repräsentantenhaus gewählt, wo er seit 1949 für seine
Partei tätig ist.
Gerald R. Ford ist mit Elizabeth Bloomer verheiratet und hat vier Kinder: Michael, 23, der Theologie studiert; John, 21, Student an der Universi«
tat von Utah; Steven, 17, Oberschüler; und Susan, 16, die eine Mädchenoberschule in Bethesda, Maryland, besucht.

Auf Wunsch stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von Gerald R. Ford
zur Verfügung.

-3-

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40/1973

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT NIXONS ZUR ENERGIEWIRTSCHAFT DER USA

WASHINGTON -«(AD)— Präsident Nixon hat am 11. Oktober eine Erklärung zur
Energiewirtschaft der Vereinigten Staaten abgegeben, in der er die Bereitstellung von weiteren 115 Millionen Dollar für die Forschung und Entwicklung auf diesem Sektor bekanntgab. Die Erklärung des Präsidenten hat fol»
genden Wortlaut:
"Die nationale Energiepolitik Amerikas erfordert die weitestgehende
Nutzung der Wissenschaft und der Technologie, um sicherzustellen, daß alle
unsere Energiequellen rasch und in ausgewogener und überlegter Weise verfügbar werden. Wie ich bereits in meiner Presseerklärung vom 8. September festgestellt habe, muß unser Ziel die Autarkie sein - die Fähigkeit, unseren
Energiebedarf aus eigenen Quellen zu decken. Ich bin entschlossen, jeden
Schritt zu tun, der zur Erreichung dieses Zieles notwendig ist. Ein großes
Land darf bezüglich der Mittel, die für seinen eigenen sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt von entscheidender Bedeutung sind, nicht von anderen Ländern abhängig sein.
In Vorbereitung des Fünfjahresplanes für ein Energieforschungs-und
-entwicklungsprogramm in Höhe von 10 Milliarden Dollar, das ich angekündigt
habe, und in Übereinstimmung mit meiner Absicht, noch in diesem Haushaltsjahr

-1-

�&lt;4

i
Haushaltsjahr weitere Mittel für vordringliche Energieforschungsprogramme
bereitzustellen, gebe ich heute die Einzelheiten eines neuen Haushaltszusatzes in Höhe von 115 Millionen Dollar zum Budget des laufenden Haushaltsjahres für Energieforschung und -entwicklung bekannt. Dieser Zusatz wird
die Gesamtmittel für die Finanzierung von Energieforschungs-und-entwick«
lungsvorhaben im Haushaltsjahr 1973/74 auf rund eine Milliarde Dollar erhöhen, was eine Steigerung um 37 Prozent gegenüber dem Haushaltsjahr 1972/73
bedeutet.
Der größte Teil dieser Mittel für diese Erhöhung um 115 Millionen Dollar wird durch bereits genehmigte Bewilligungen des Kongresses gedeckt. Ich
werde dem Kongreß in Kürze einen Antrag auf zusätzliche Bewilligungen für die
Restsumme zuleiten.
Unsere Hoffnungen, die Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet voranzutreiben, liegen ferner bei der Verabschiedung meiner Gesetzesvorlagen über
t

die Schaffung eines Ministeriums für Energiefragen und natürliche Hilfsquellen sowie eines unabhängigen Amtes für Energieforschung und -entwicklung.
Diese Gesetzgebung ist zusammen mit sechs anderen Vorlagen, die dem Kongreß
zugeleitet worden sind, von entscheidender Bedeutung, wenn wir unseren Energiebedarf in vollem Umfang decken wollen. Der Kongreß hat Anhörungen über
meinen Reorganisationsvorschlag eingeleitet, und ich ersuche erneut um rasche
Erledigung.
Am 29. Juni habe ich die Einrichtung eines Beirates für Energieforschungs-und -entwicklungsfragen zur Unterstützung von Gouverneur Love angeordnet. Ich freue mich, heute bekanntgeben zu können, daß sich fünfzehn unserer hervorragendsten Wissenschaftler und Techniker - unter Leitung von
Dr. H. Guyford Stever, der mir als Wissenschaftlicher Berater und als Direktor der Nationalen Stiftung für die Wissenschaften zur Seite steht - bereit
gefunden haben, in diesem Beirat zu arbeiten. Diese Gruppe hält heute

�vormittag ihre erste Sitzung im Weißen Haus ab. Aut dieser Tagung und in
den kommenden Monaten wird dieser Beirat l:urz-und langfristige Forschungsund Entwicklungsprogramme erörtern und sich bemühen, die Talente unserer
wissenschaftlichen und technologischen Gemeinde - in Industrie, Universität
und Regierungslaboratorien - für dieses Unterfangen zu gewinnen.
Ich bin sicher, daß wir mit all diesen in Gang befindlichen Initiativen
ein gutes Stück in unseren Anstrengungen weitergekommen sind, den Erfordernissen auf dem Energiesektor unter angemessener Rücksicht auf die Erhaltung unserer natürlichen Umwelt gerecht zu werden und bald die Autarkie in
der Energieversorgung zu erreichen. Falls weitere Anstrengungen erforderlich
werden sollten, werde ich bereit sein, die notwendigen Schritte einzuleiten."

+++

-3-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon verdeutlicht Nahost-Politik der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Außenminister Kissinger appelliert an die Sowjetunion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 12. Oktober -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gerald R. Ford&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der designierte Vizepräsident der Vereinigten Staaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;4. Wirtschaft&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Nixons zur Energiewirtschaft der USA</text>
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2 5 . Oktober 1973

41

Inhalt

HINTERGRUNDMATERIAL:

Neue Welthandelskonferenz hat praktische Arbeit aufgenommen
Von Michael O'Mara

WIRTSCHAFT:
Vorratslage bleibt trotz steigender Weltagrarerzeugung weiter
angespannt
Von Don Paarlberg

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Die Energielücke in der Mikroweit
-Physik-Nobelpreis für ihre wissenschaftliche ErklärungSonnen-und Erdwärroe für die Energieversorgung
-Neue Forschungsprojekte des NATO-Umweltausschusses-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�I
I

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41/1973

NEUE WELTHANDELSKONFERENZ HAT PRAKTISCHE ARBEIT AUFGENOMMEN
Von Michael O'Mara

GENF ~«(AD)-» Die im September in der japanischen Hauptstadt von den Ministern aus 102 Ländern feierlich eröffnete Tokio»Runde von multilateralen
Handelsverhandlungen ist am 24. Oktober in Genf in ihre praktische Arbeits^
;

phase eingetreten.
Diese vielleicht bedeutendste, bestimmt aber am besten vorbereitete
internationale Handelskonferenz in der Geschichte wird ihrem Umfang nach noch
die Kennedy-Runde übertreffen, die 1967 mit einem Abkommen über Zollsenkuno
gen abgeschlossen worden war, das sich auf ein jährliches Handelsvolumen
von über 40 Milliarden Dollar erstreckte. Angesichts des inzwischen gestiegenen Preisniveaus und der Entschlossenheit der Unterhändler, gleichzeitig
mit weiteren Zollsenkungen dieses Mal auch die nicht-tarifären Handelsschranken wesentlich abzubauen, dürfte damit zu rechnen sein, daß die neue
Runde von Handelsgesprächen noch erheblich größere Auswirkungen auf den
Welthandel haben wird.
Der

-1-

�Der Leiter der amerikanischen Delegation, Harald B.Malmgren, hat erst
kürzlich vor Korrespondenten in Genf die Bedeutung, die die Vereinigten Staaten den Gesprächen beimessen, mit folgenden Worten umrissen: "Wir rechnen
mit weitreichenden Verhandlungen, die die Konditionen, zu denen der Welthandel abgewickelt wird, wesentlich verändern werden. Dabei schweben uns besonders zwei Ziele vor • Liberalisierung des Handels, die zu einem offeneren und
faireren Handelssystem führen soll, und Reform des Handelssystems selbst, die
dieses gerecheter machen und neue Leitsätze aufstellen soll, so daß die Re»
gierungen künftig weniger geneigt sein werden, zu intervenieren und so die
Auswirkungen der Liberalisierung zu neutralisieren."
Die Tokio«Runde ist bis in alle Einzelheiten von Ausschüssen und Ar»
beitsgruppen vorbereitet worden, die eine Vielzahl von tarifären und nicht
tarifären Handelsschranken sowohl für Industrie» wie auch für Agrarerzeugnis»
se definiert und geprüft haben. Allein die nicht tarifären Handelsschranken
machen eine lange, viele Seiten umfassende Liste aus, die bei Agrarerzeugnissen in Export-und Anbausubventionen, Mengenbeschränkungen, variable Abschöpfungsbeträge, sanitäre Bestimmungen, Absatznormen sowie Lizenzen und
bei Industrieerzeugnissen in staatliche Beschaffungskäufe, Zölle und ad»
ministrative Verfahren, Normen, besondere Beschränkungen sowie Einfuhrabgaben unterteilt ist. Diese Hauptgruppen wiederum weisen zahlreiche Untertitel
auf.
Darüber hinaus stehen den Unterhändlern die Großrechenanlagen des GATT«
Sekretariats zur Verfügung, in die detailliertes und umfassendes Zahlenmaterial
über alle derzeitigen Zolltarife sowie deren Auswirkungen auf die Warenflüsse
ein

gegeben ist und die innerhalb von Sekunden Tabellen darüber erstellen können,

wie die verschiedenen möglichen Änderungen sich auf die tatsächlichen Zoll»
sätze auswirken würden.

Aber

-2-

�Aber auch die einzeLnen Teilnehmerländer haben zahlreiche theoretische
Lösungen für die einzelnen Probleme ausgearbeitet, die sich auf dem Agrarsektor stellen, sowie auf dem Industriesektor Normen für Standardisierung, Bewertung und Lizenzierung vorbereitet. Sollten einzelne dieser Vorschläge in
ihrer gegenwärtigen oder in einer modifizierten Form angenommen werden, so
könnten sie wesentliche Bestandteile eines schließlichen Abkommens bilden.
Neben den 81 GATT-Mitgliedsstaaten nehmen auch zahlreiche Nicht-Mitglieder - unter ihnen viele Entwicklungsländer - an den Gesprächen teil. Sie haben
bereits die Vorbereitungen für die neue Verhandlungsrunde in allen Einzelheiten aufmerksam verfolgt. Eines der in der Deklration vom 14. September in
Tokio aufgestellten Ziele ist es, für den Außenhandel der Entwicklungsländer
zusätzliche Vergünstigungen zu erreichen, was, wie betont wird, durch einen
wesentlich verbesserten Zugang zu den Märkten der Industriestaaten erreicht
werden soll.

Gerade die Vereinigten Staaten sind bestrebt, durch die gegenwärtige
Runde die Handelspositionen der Entwicklungsländer zu verbessern. Auf die USA
entfallen rund 50 Prozent aller Fertigwarenexporte der Entwicklungsländer nach
Industriestaaten; die Vergleichszahlen für die neun Länder der Europäischen Gemeinschaft und für Japan lauten 22 Prozent und 7 Prozent.
Für die jetzt in Genf aufgenommenen Gespräche des in Tokio geschaffenen
Ausschusses für Handelsverhandlungen sind drei Tage veranschlagt. Der Ausschuß
wird die einzelnen Arbeitsgruppen einsetzen sowie allgemeine Richtlinien für
die Verhandlungen beschließen und dann in periodischen Zeitabständen - wenn
erforderlich - wieder zusammentreten. Darüber hinaus wird es aber wie bei den
früheren GATT-Runden auch zahlreiche bilaterale und multilaterale Verhandlungen geben, bei denen die einzelnen Seiten ihre Verhandlungspositionen darlegen
und die ihrer Gesprächspartner sondieren.
Es

3-

�Es besteht die feste Absicht, die neue Verhandlungsrunde noch bis Ende
1973 zum Abschluß zu bringen - ein Ziel, das von der Europäischen Gemeinschaft im letzten Jahr in Paris aufgestellt und in Tokio offiziell bestätigt
worden ist. Die Verhandlungen werden keineswegs in einem Vakuum stattfinden.
Die Minister haben in Tokio ausdrücklich anerkannt, daß eine Liberalisierung
des Handels ohne gleichlaufende Bemühungen um eine Verbesserung des internationalen Währungssystems nicht möglich ist. Auf der anderen Seite sollte
eine Handelsliberalisierung das ordnungsgemäße Funktionieren des Währungssystems erleichtern.
Die nach dem Beitritt Großbritanniens, Irlands und Dänemarks zur Europäischen Gemeinschaft erforderlichen Verhandlungen über Kompensationen für
Nachteile, die Drittländern durch die Angleichung der Zolltarife der neuen
Mitgliedsstaaten an den gemeinsamen Außenzoll der EG entstehen, laufen unabhängig von der neuen GATT-Verhandlungsrunde weiter, können sich aber erheblich auf deren Ausgang auswirken. Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für
Handelsverhandlungen, Botschafter William D. Eberle, hat sich erst kürzlich
sehr besorgt geäußert, weil die Europäische Gemeinschaft sich so viel Zeit
ließe, ein Angebot auf den Tisch zu legen, das dieses "wichtige Problem"
lösen kann. Eine Regelung, so betonte Eberle, werde die Beziehungen zwischen
den USA und der EG verbessern und könne so zu Lösungen beitragen, wie sie für
andere Handelsprobleme angestrebt werden.
Und der Vorsitzende des Haushaltsausschusses des US-Repräsentantenhauses,
der demokratische Abgeordnete Wilbur Mills, hat zu Beginn des Sommers unmißverständlich erklärt, wenn keine Übereinstimmung über Kompensationen erzielt
werde, so werde dies ein schlechtes Vorzeichen für die neuen Handelsverhandlungen sein und sich auch nachteilig auf die Verabschiedung des neuen Handelsgesetzes Präsident Nixons auswirken. Die Debatte über dieses Gesetz soll am

�am 31. Oktober im Plenum

des ^«Repräsentantenhauses aufgenommen werden, und

Fortschritte bei den Kompensationsgesprächen dürften eine Verabschiedung dieses Gesetzes im Repräsentantenhaus und später im Senat wesentlich erleichtern.

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41/1973

VORRATSLAGE BLEIBT TROTZ STEIGENDER WELTAGRARERZEUGUNG WEITER ANGESPANNT
Von Don Paarlberg
(Direktor der Abteilung für Agrarwirtschaft im US-Landwirtschaftsministeriu»)

Don Paarlberg hat am 17. Oktober vor dem
Senatsunterausschuß für Agrarerzeugung
einen Überblick über die internationale
Situation gegeben und darauf hingewiesen,
daß trotz einer Weltrekordernte die Vor»
ratslage bei steigender Nachfrage weiter
angespannt bleiben wird.

Alle Anzeichen sprechen dafür, daß bei Getreide und Ölsaaten für die
unmittelbare Zukunft mit einer Weltrekordernte zu rechnen ist. Unsere Verbrauchsschätzungen für das Erntejahr 1973/74 liegen bei Getreide jedoch
über der voraussichtlichen Erzeugung. Das zu erwartende Defizit wird allerdings gering sein und leicht durch Bestände an Weizen und Futtergetreide in
den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien und Argentinien ausgeglichen

�ausgeglichen werden können, die am 1. Juli dieses Jahres noch weit über
100 Millionen Tonnen betrugen. Dies setzt allerdings voraus, daß diese Länder
im Erntejahr 1973/74 keine ungewöhnlich hohen Getreidevorräte anlegen. Doch
selbst ohne eine derartige Maßnahme könnte ein Rückgriff auf die Lagerbestände der vier Hauptexportländer notwendig werden, die am 1. Juli ihren niedrigsten Stand in zwei Jahrzehnten erreicht hatten. In zahlreichen anderen Ländern wie Brasilien, Thailand, Indien und Südafrika sind die Getreidevorräte
ebenfalls weitgehend erschöpft. Die zum Schutz vor Mißernten erforderlichen
Vorräte sind somit recht gering. Trotzdem dürften sie zusammen mit den zu erwartenden Rekorderträgen aus der neuen Welternte immer noch mehr als ausreichend sein, um den veranschlagten Verbrauch decken zu können...
Die zur Zeit für den Export verfügbaren Weizenbestände konzentrieren
sich auf die Vereinigten Staaten, Kanada und die neun Länder der Europäischen
Gemeinschaft - die in der UdSSR verfügbaren Vorräte sind nicht bekannt. Zusätzliche Mengen werden erst verfügbar sein, wenn die neue Ernte in Australien
und Argentinien Ende 1973 und Anfang 1974 eingebracht ist. Die gegenwärtig in
diesen beiden Ländern für den Export verfügbaren Bestände sind bereits fest
zugesagt. Und nachdem Argentinien seine letzte Weizenernte überschätzt und
im voraus mehr Weizen verkauft hatte, als überhaupt verfügbar war, sah es
sich im August gezwungen, zur Erfüllung seiner früheren Exportzusagen sowie
zur Deckung des einheimischen Bedarfs über eine halbe Million Tonnen Weizen
hinzuzukaufen. Weitere Ankäufe könnten erforderlich werden. Der größte Teil
der in den neun EG-Ländern für den Export verfügbaren Weizenbestände wird in
den Mitgliedsstaaten selbst bleiben. Kanada .... räumt seinen traditionellen
Kunden Vorrang ein. Somit sind die Vereinigten Staaten im Augenblick das
einzige Land, das bei neuen Weizenaufträgen liefern könnte.
Angesichts der oben aufgezeigten Bedingungen und der Ungewißheit hinsichtlich der Erträge der jetzt in zahlreichen Ländern eingebrachten Ernte
gab es einen Sturm auf die amerikanischen Weizenbestände. Die Exportlieferun«
gen waren im Vergleich zu den gemeldeten Exportaufträgen im Erntejahr 1973/74

�1973/74 bisher ungewöhnlich hoch. Die einzelnen Länder suchten sich für den
Fall einer Mißernte eine ausreichende Versorgung zu sichern. Ja, einzelne
Länder versuchten sogar, ihre normalen Bestände aufzustocken, um mehr Sicherheit zu haben. Wenn in allen Teilen der Welt jedoch gute Ernten eingebracht
werden, so dürfte dies den Druck auf die für den Export verfügbaren Bestände
mildern.
Bei Futtergetreide konzentrieren sich die für den Export verfügbaren Bestände ebenfalls weitgehend auf die Vereinigten Staaten... Die USA und Kanada
müssen mit Rückgriffen auf ihre Vorräte rechnen, da sie bis zum Einbringen
der neuen Ernte in den Ländern der südlichen Hemisphäre die Hauptexportländer sein werden.
Ein kurzer Überblick zeigt, daß die gesamte Getreideerzeugung in den
Vereinigten Staaten, Kanada, Australien, der UdSSR und China gestiegen ist.
Die europäische Getreideernte liegt nahe bei den Rekorderträgen des Vorjahres. Das gleiche gilt für die indische Weizenernte, wobei die Erträge bei
Futtergetreide sogar den Vorjahresstand übersteigen dürften. Auch bei Reis
dürften die Erträge in den Haupterzeugerländern - normale Wetterbedingungen
vorausgesetzt - höher liegen, wenn im nächsten Vierteljahr der Hauptteil der
diesjährigen Ernte eingebracht ist. Darüber hinaus ist damit zu rechnen, daß
das Angebot an proteinhaltigen Produkten angesichts der zu erwartenden Rekordsojabohnenernten in den USA und Brasilien steigen wird....
Zahlreiche Länder haben im letzten Sommer Embargos, Quoten, Export«
steuern oder andere Maßnahmen zur Einschränkung des Exports benutzt. Zum Beispiel gab - oder gibt es noch - Beschränkungen in folgenden Ländern: USA und
Brasilien bei Sojabohnen; Thailand, Burma und die neun EG-Länder bei Reis;
Argentinien und die neun EG-Länder bei Weizen; Brasilien und Thailand bei
Mais. Zahlreiche Länder und internationale Organisationen überprüfen zur
Zeit die von ihnen verfolgte Politik in Bezug auf eine Lebensmittelreservehaltung, und es werden Alternativpläne vorgeschlagen.... In zahlreichen

-3-

�zahlreichen anderen Ländern geben höhere Preise und besondere Anreize einen
Ansporn zur Ausweitung des Getreideanbaus

Dies alles könnte zu erheb-

lichen ProduktionsSteigerungen im kommenden Jahr führen mit einem Druck auf
die Preise und einer höheren Getreidebevorratung. Doch dürfte die Situation
zumindest im Erntejahr 1973/74 weiter recht angespannt bleiben
Alle Anzeichen deuten auf eine Rekordgetreideernte in der Sowjetunion
hin, die auf günstige Wetterbedingungen, Ausweitung der Anbauflächen und
höheren Düngemittelverbrauch zurückzuführen ist. Nach den verfügbaren Informationen werden die Getreideexporte nach der Sowjetunion im Erntejahr 1973/74
mit rund 10 Millionen Tonnen etwa halb so hoch wie im letzten Jahr sein.....
Die Ernteerträge bei Getreide und Ölsaaten werden in der Volksrepublik China
ebenfalls höher liegen als im letzten Jahr, doch bleibt die Nachfrage weiterhin stark. Trotz der gestiegenen Ernteerträge dürften die Einfuhren also
weiter zunehmen. Nach den zur Zeit verfügbaren Informationen werden sich die
amerikanischen Lieferungen nach der Volksrepublik China im Finanzjahr 1974
auf 3,5 bis 4 Millionen Tonnen Weizen, wenigstens 1 Million Tonnen Mais, fast
1 Million Tonnen Sojabohnen und über 700.000 Ballen Baumwolle stellen.
Die Entwicklungsländer traten in das Erntejahr 1973/74 mit weitaus geringeren Getreidevorräten ein als zu Beginn früherer Erntejahre, was auf
die geringeren Erträge im Erntejähr 1972/73 zurückzuführen ist....
Die Nachfrage nach Agrarerzeugnissen auf den Weltmärkten hat Rekordhöhen erreicht, was wiederum zu einem starken Düngemittelbedarf in Gebieten mit
Lebensmittelüberschüssen führte. Infolgedessen gingen die Bestände an Düngemitteln auf einen noch nie dagewesenen niedrigen Stand zurück, und die Weltmarktpreise für Dünger erreichten in manchen Fällen Rekordhöhe.... In den
Vereinigten Staaten hat die angespannte Düngemittelsituation Berichten zufolge vereinzelt zu Verknappungen bei der Herbstaussaat geführt, obwohl die
durchschnittliche Auslastung der Kapazitäten in der Düngemittelindustrie

�Düngemittelindustrie sich einem Stand von 90 Prozent nähert. Die Weltmarktpreise liegen in einzelnen Fällen erheblich über den kontrollierten Binnenmarktpreisen. Außerdem haben die Dollarabwertungen amerikanische Düngemittel
auf den Weltmärkten wesentlich - in manchen Fällen bis zu 35 Prozent - billiger werden lassen. Und die hohen Bestände Ende 1972 haben zahlreiche große
amerikanische Düngemittelfabriken veranlaßt, zusätzliche Auslandsmärkte zu erschließen. Dies hat dazu geführt, daß die Düngemittelexporte im ersten Halbjahr 1973 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 18 Prozent höher
lagen.

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41/1973

DIE ENERGIELÜCKE IN DER MIKROWELT
-Physik-Nobelpreis für ihre wissenschaftliche Erklärung-

--(AD)-- In Anerkennung ihrer wissenschaftlichen Arbeiten zur theoretischen
Erklärung von Vorgängen, die die elektrische Leitfähigkeit von Materialien
bestimmen»und zum Nachweis besonders wichtiger, damit zusammenhängender
physikalischer Effekte wurden Dr. Brian D. Josephson, Dr. Leon Esaki und
Dr. Ivar Giaever mit dem Nobelpreis 1973 für Physik ausgezeichnet. Er
wurde von der Schwedischen Akademie der Wissenschaften zur einen Hälfte dem
an der Universität Cambridge tätigen Engländer Dr. Josephson, zur anderen
Hälfte den beiden naturalisierten Amerikanern Esaki und Giaever zuerkannt.

In den letzten 15 Jahren befaßten sich die drei Wissenschaftler mit
Experimenten, die neue Einsichten dazu brachten, auf welche Weise Elektronen Hindernisse mit Hilfe des sogenannten Tunnel-Phänomens überwinden.
Ihre Arbeiten standen im Zusammenhang mit Untersuchungen zur Erklärung der
Supraleitfähigkeit von Materialien. Diese tritt bei der Abkühlung auf Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt (minus 273 Grad Celsius) auf und bedeutet, daß die Materialien von diesem Temperaturpunkt an ihren elektrischen

�I

elektrischen Widerstand geradezu sprunghaft verlieren. Die sogenannte Sprungtemperatur ist bei den einzelnen Materialien unterschiedlich, aber charakteristisch für sie. Der Effekt der Supraleitfähigkeit, schon 1911 von dem
Holländer Kamerlingh Onnes entdeckt und lange Zeit nur als physikalisches
Kuriosum betrachtet, spielt heute eine wichtige Rolle z.B. bei der Entwicklung kleiner, äußerst leistungsstarker Elektromagnete.
Schon im vergangenen Jahr war die theoretische Erklärung der Supraleitfähigkeit, derzufolge bei sehr tiefen Temperaturen Elektronen, durch die ja
der Stromfluß entsteht, sich paarweise verbinden und widerstandsfrei im
Kristall bezw. dem Molekül des betreffenden Materials bewegen, mit dem PhysikNobelpreis ausgezeichnet worden. Das Aufbrechen der Paar-Struktur und die
Überführung der Elektronen in

den für die normale elektrische Leitfähigkeit

charakteristischen Zustand erfordert die Zufuhr einer bestimmten, für das
jeweilige Material charakteristischen Menge von Energie.
In den sechziger Jahren war es nun Dr. Giaever (44) während seiner Tätigkeit in der Forschungsanstalt Schenectady (New York) von General Electric
gelungen, die dem Unterschied in den beiden Leitfähigkeitsformen zugrundeliegende "Energielücke" im Supraleiter experimentell nachzuweisen und sogar
genau zu messen. Die vorausgehende Pionierarbeit hatte Esaki (48) Ende der
fünfziger Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Sony-Werke in Japan
mit verschiedenen Entdeckungen geleistet.
Dr. Josephson (33) hatte bereits als 20jähriger auf dem Gebiet der
Supraleitfähigkeit zu arbeiten begonnen. Er fand unter anderem heraus, daß
elektrische Ströme beim absoluten Nullpunkt (minus 273 Grad Celsius oder
Null Grad Kelvin) mit so hoher Energie durch supraleitendes Material flies sen, daß überhaupt keine Spannung mehr angelegt zu werden braucht, um sie
aufrechtzuerhalten. Das Phänomen, daß zwischen zwei supraleitenden Materia-

�Materialien beim Anlegen einer Gleichspannung eine hochfrequente Wechselspannung entsteht, wird heute als nJosephson-Effekt" bezeichnet. Die Erkenntnisse über die Passierbarkeit isolierender Barrieren zwischen Supraleitern
("Tunnelphänomen") durch Elektronenpaare

und die darauf aufbauenden Entwick-

lungen in der Festkörperphysik mit sogenannten Josephson-Dioden führten z.B.
dazu, daß die Rechengeschwindigkeiten von Computern außerordentlich erhöht
wurden und jetzt auch sehr schwache Magnetfelder gemessen werden können.
Dies ist auf den verschiedensten Gebieten von Bedeutung - von der Medizin
(z.B.Ermittlung von Herzströmen, die der normale Elektrokardiograph nicht zu
erfassen vermag) bis zur Raumfahrt.
Dr. Esaki siedelte 1960 in die USA über, nachdem er in Tokio als Physiker promoviert und für die Firmen Sony und Kobe-Kogyo in Japan gearbeitet
hatte, Er ist seitdem in der Thomas J. Watson-Forschungsanstalt von IBM in
Yorktown Heights (New York) tätig. Dr. Giaever hatte am norwegischen Institut für Technologie in Trondheim Maschinenbau studiert. Im Jahre 1964 promovierte er als Physiker am Rensselaer-Institut für Polytechnik in Troy (New
York), arbeitet jedoch bereits seit 1955 bei General Electric.

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SONNEN-UND ERDWÄRME FÜR DIE ENERGIEVERSORGUNG
•Neue Forschungsprojekte des NATO-Umweltausschusses-

--(AD)-- Die Nutzbarmachung von Sonnenenergie und Erdwärme in kommerziellem
Umfang als zusätzliche und "saubere" Energiequellen haben zwei neue Modellprojekte des CCMS-Ausschusses der NATO zum Ziel. Das "Komitee für Aufgaben
der Modernen Gesellschaft" (CCMS), auch kurz Umweltausschuß genannt, stimmte den von den Vereinigten Staaten eingebrachten Vorschlägen auf seiner
jüngsten Plenarsitzung in Brüssel am 23. Oktober 1973 zu. Auch das von der
Bundesrepublik Deutschland vorgelegte Projekt zur Entwicklung von Methoden,
die eine sichere Beseitigung gefährlicher Substanzen erlauben, wurde angenommen.
Die praktische Arbeit bleibt nationalen Organisationen für Umweltschutz und für die Tätigkeit auf speziellen wissenschaftlich-technischen
Fachgebieten überlassen. Aber in den knapp vier Jahren seit Aufnahme der
Arbeit der CCMS-Gruppe im November 1969 demonstrierte diese immer überzeugender, wie sehr eine international koordinierte Zusammenarbeit der
Spezialisten innerhalb dieses von den 15 NATO-Ländern gebildeten Gremiums
selbst technisch äußerst schwierige Projekte zu fördern vermag. Der Aus-

-1-

.

�Austausch wissenschaftlicher Daten wird erleichtert, Forschungsprioritäten
lassen sich besser bestimmen und den Regierungen der Mitgliedsstaaten werden
in relativ kurzer Zeit konkrete Empfehlungen vorgelegt, die wirksame gesetzliche oder andere Maßnahmen ermöglichen. Weil sich das Verfahren so gut
bewährt hat, schalteten sich inzwischen auch Staaten wie Japan und Schweden,
die nicht der NATO angehören, in die CCMS-Aktivitäten ein.
Russell E. Train, der Leiter der US-Delegation und amtierende Chef der
US-Umweltschutzbehörde EPA, kündigte für die nächste Plenarsitzung im
Frühjahr 1974 einen weiteren amerikanischen Vorschlag für ein neues Modell projekt an. Es soll Möglichkeiten zur Einsparung von Energie auf breiter Basis aufzeigen helfen. In der Zwischenzeit werden die Vorbereitungen zur
Sonnenkraft-Studie bereits intensiviert.

Ideen und Pläne für eine Nutzung der Sonnenwärme gibt es seit Jahrzehnten zur Genüge. Aber solange Kohle und Öl in ausreichender Menge zur Verfügung standen, kümmerten sich eigentlich nur Einzelgänger um die praktische
Verwirklichung. Jedoch scheiterten die meisten Projekte an zu hohen Kosten
bei zu geringer Leistung, wenn es darum ging, Versorgungssysteme größeren
Umfangs zu entwickeln.
Diesen Engpaß hofft man, mit der neuen Studie in ca. drei Jahren zu über
winden. Angestrebt werden wirtschaftlich tragbare Heiz-, Kühl- und Warmwasser
Systeme für Wohnungen, Industrie- und Bürogebäude sowie öffentliche Einrichtungen. Dabei sollen die Vor-und Nachteile verschiedener Methoden unter den
jeweiligen regionalen oder auch örtlichen Bedingungen herausgearbeitet und
gegeneinander abgewogen werden.

Über

�Über die Schwerpunkte der ebenfalls in amerikanischer Regie durchgeführten Studie zur Nutzung der Erdwärme hatten sich Spezialisten aus acht
NATO-Ländern sowie aus Japan, Mexiko und Neuseeland auf einem Anfang Oktober in Kalifornien und Mexiko abgehaltenen Symposium bereits geeinigt. Sie
umfassen:
1) Informationsaustausch - angefangen von der Schaffung einer allgemein gültigen Fachterminologie und der Zusammenstellung von Bibliograpien
bis zur rechtzeitigen Veröffentlichung und Begutachtung geothermischer Daten, einschließlich der Ergebnisse praktischer Versuche und Betriebserfahrungen.
2) Informationen über Konstruktionstechniken, Wirtschaftlichkeit,
Vor-und Nachteile bestehender Anwendungsverfahren - in einigen Ländern wird
Wärme aus dem Erdinnern bereits für Heizzwecke, industrielle Verfahren
und Stromerzeugnis genutzt - sowie über Art und Ausmaß der noch zu lösenden technischen Probleme.
3) Aufbereitung und Beseitigung geothermischer Sole sowie deren Verwertung als Mineral-und Frischwasserquelle.
4) Die Entwicklung kleiner geothermischer Anlagen für die Stromerzeugung im Leistungsbereich zwischen 0,5 und 3,5 Megawatt (500-3500 kW), die
in schwer zugänglichen, normalerweise von der Außenwelt abgeschnittenen
Gebieten elektrische Energie liefern könnten, soll besonders gefördert
werden. Sie könnten gleichzeitig - und unter erheblicher Kosteneinsparung als Versuchsstationen für geothemische Großkraftwerke dienen.
5) Gemeinschaftsprogramme aller beteiligten Staaten mit den USA zur
Untersuchung von Möglichkeiten, auch trockenes, heißes Gestein als geothemische Energiequelle zu benutzen.
6)

�6) Austauschprogramm für geothemische Technologien im weitesten Sinne,
so daß bereits im Frühjahr 1974 den beteiligten Ländern z.B. die vorhandenen Informationen über verbesserte Bohrverfahren, Korrosionsschutz und die
Mechanik der Erdwärmequellen zugänglich sind.

- Giftmüll und Umweltschutz -

Die Ziele dieses unter Federführung der Bundesrepublik in Angriff genommenen Modells, das Dr. Günther Hartkopf, Staatssekretär im Bundesinnenministerium, auf der Plenarsitzung vortrug, waren bereits im September auf
einer Tagung in Bonn erläutert worden. Es soll unter anderem helfen, Verfahren zur Lagerung und Beseitigung gefährlicher Substanzen wie Zyanide
und Bleiverbindungen zu entwickeln und zufriedenstellende Lösungen für den
umfangreichen Problemkomplex "Giftmüll" zu finden. Zwei Forschungsprojekte
im Zusammenhang mit dieser Studie wurden von der Bundesregierung bereits in
Angriff genommen - nämlich die Schaffung einer Organisation in Baden-Württemberg, die sich mit der Wiederverwendung von Industrie-Abfallstoffen befaßt,
und die Untersuchung von Möglichkeiten für eine gefahrlose Beseitigung von
Zyanidsalzen. Das Projekt, das in enger Zusammenarbeit mit den Vereinigten
Staaten durchgeführt wird, ist vorläufig auf drei Jahre befristet.

-H-f

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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Welthandelskonferenz hat praktische Arbeit aufgenommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Michael O'Mara&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vorratslage bleibt trotz steigender Weltagrarerzeugung weiter angespannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Don Paarlberg&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Energielücke in der Mikrowelle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Physik-Nobelpreis für ihre wissenschaftliche Erklärung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sonnen- und Erdwärme für die Energieversorgung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neue Forschungsprojekte des NATO-Umweltausschusses -&lt;/em&gt;</text>
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3 1 . Oktober 1973

Inhalt
DOKUMENTATION:

Pressekonferenz Präsident Nixons am 26. Oktober 1973
-Wortlaut der einleitenden Erklärung des PräsidentenErklärung von Botschafter Martin zu Fragen der Rüstungskontrolle
-Auszüge-

INFORMATION:
Deutsche Lehrer als Gäste amerikanischer Familien
-Die American Host Foundation und ihr Programm für das Jahr 1974-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Dritte SKYLAB-Mannschaft vor dem Start
-Bis zu 85 Tage Aufenthalt im Weltraum vorgesehenVon G. Weiss
Mit Transportmitteln leben
-Mehr Sicherheit auf den Straßen - Abgasbekämpfung und Massenverkehrsmittel im CCMS-Programm der NATO-

BERICHTIGUNG zu Nr. 41/1973:"Die Energielücke in der Mikroweit"

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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42/1973

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT NIXONS AM 26. OKTOBER 1973
-Wortlaut der einleitenden Erklärung des Präsidenten-

WASHINGTON --(AD)— Präsident Nixon hat am 26. Oktober auf einer Pressekon™
ferenz die Haltung der Vereinigten Staaten zur Nahostkrise umrissen sowie
zur Watergate-Affaire Stellung genommen. Diese beiden Hauptthemen

der Pres-

sekonferenz wurden von dem Präsidenten bereits in seiner einleitenden Erklärung behandelt, die folgenden Wortlaut hat:
"Meine Damen und Herren, bevor ich auf Ihre Fragen eingehe, habe ich
eine Erklärung zum Nahen Osten abzugeben, die meines Erachtens einen Teil
Ihrer Fragen bereits vorwegnehmen dürfte. Denn diese Erklärung wird die
Informationen auf den neuesten Stand bringen, die sich, wie Sie wissen, gerade in den beiden letzten Tagen fast überschlagen haben.
Die Waffenruhe hält. Es hat einige Verletzungen gegeben, aber ganz allgemein kann gesagt werden, daß sie im Augenblick hält. Wie Sie wissen, wird
aufgrund einer gestern mit 14 zu 0 Stimmen angenommenen UN«=ReSolution eine
Friedensstreitmacht in den

Nahen Osten entsandt werden. Diese Friedensstreit-

macht wird jedoch keine Truppen der Großmächte - und dazu gehören natürlich
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion - einschließen.
Es

�Es hat sich jedoch die Frage ergeben, ob Beobachter der Großmächte
in den Nahen Osten entsandt werden könnten. Ich kann hierzu nach dem neuesten
Stand - und ich habe gerade 5 Minuten vor dieser Pressekonferenz mit
Dr. Kissinger gesprochen - folgendes berichten: Wir werden Beobachter nach
dem Nahen Osten entsenden, wenn wir von dem Generalsekretär der Vereinten
Nationen darum ersucht werden sollten, und wir haben Grund zu der Annahme,
daß ein solches Ersuchen gestellt werden wird.
Was nun die Friedensstreitmacht anbetrifft, so ist es meines Erachtens
für alle von Ihnen, meine Damen und Herren, und besonders für die von Ihnen,
die sich mit Hilfe von Rundfunk und Fernsehen informierten, wichtig zu
wissen, warum die Vereinigten Staaten darauf bestanden haben, daß die Großmächte sich nicht an der Friedensstreitmacht beteiligen und daß die Großmächte nicht militärische Verbände in den Nahen Osten entsenden. Am Mittwoch
dieser Woche hatte sich eine sehr schwere und potentiell explosive Krise
entwickelt. Wir erhielten Informationen, die uns zu der Annahme veranlaßten,
daß die Sowjetunion die Entsendung einer sehr beträchtlichen Streitmacht,
eines militärischen Verbandes, in den Nahen Osten plante.
Als ich diese Nachricht erhielt, habe ich am Dienstagmorgen, kurz nach
Mitternacht, angeordnet, daß alle amerikanischen Streitkräfte überall auf der
Welt in Alarmbereitschaft versetzt werden. Diese Alarmbereitschaft war eine
Vorsichtsmaßnahme. Ihr Zweck war, der Sowjetunion ein Zeichen zu setzen, daß
wir eine einseitige Maßnahme ihrerseits, Truppen in den Nahen Osten zu entsenden, nicht akzeptieren konnten. Gleichzeitig habe ich in den frühen Morgenstunden auch auf diplomatischer Ebene gehandelt. In einer Botschaft an
Herrn Breschnew, einer dringenden Botschaft, habe ich ihm unsere Auffassung
dargelegt und ihn ersucht, nicht auf diesem Wege weiter fortzuschreiten, sondern gemeinsam mit uns in den Vereinten Nationen eine Resolution zu unterstützen, die die Großmächte von einer Beteiligung an einer Friedensstreitmacht ausschließen würde.
Aufgrund

-2-

�Aufgrund dieser Kommunikation und der Antwort von Herrn Breschnew
- wir hatten, so möchte ich sagen, einen mehrmaligen Briefwechsel » gelangten
wir zu dem Schluß, daß wir gemeinsam die in den Vereinten Nationen angenommene Resolution unterstützen würden.
Wir kommen jetzt, was die Zukunft des Nahen Ostens anbetrifft, an einen
kritischen Zeitpunkt. Und hier sind die Aussichten weit hoffnungsvoller, als
dies während der letzten Woche der Fall war. Ich glaube mit Sicherheit sagen
zu können, daß die Aussichten nicht nur für eine Waffenruhe, wie wir sie gegenwärtig haben und wie wir sie bereits seit geraumer Zeit im Nahen Osten
hatten,sondern auch die Aussichten für einen dauerhaften Frieden jetzt weit
besser als seit 20 Jahren sind.
Der Grund dafür ist, daß die beiden Großmächte, die Sowjetunion und die
Vereinigten Staaten, vereinbart haben - und dies war eines der Ergebnisse
der Moskaureise Dr. Kissingers - daß wir uns an den Bemühungen um eine Beschleunigung der Gespräche zwischen den betroffenen Parteien beteiligen würden. Dies besagt jedoch nicht, daß die beiden Großmächte versuchen werden,
eine Regelung aufzuzwingen. Es bedeutet jedoch, daß wir gegenüber den Ländern
dieses Gebietes unseren Einfluß geltend machen werden, um eine Regelung zu
beschleunigen.
Der Grund, warum wir dies für wichtig halten, ist, daß einmal, was die
Länder des Nahen Ostens anbetrifft, keines von ihnen - Israel, Ägypten,
Syrien - die Schrecken eines weiteren Krieges durchmachen darf oder sollte.
Die Verluste in diesem Kriege waren auf beiden Seiten sehr, sehr schwer. Und
diese Tragödie darf sich nicht noch einmal ereignen. Es hat, wie Sie, meine
Damen und Herren wissen, in den letzten 20 Jahren vier solche Kriege gegeben. Aber darüber hinaus ist es für den Frieden in der Welt entscheidend
wichtig, daß dieser potentielle Unruheherd, der tatsächlich eines der potentiell explosivsten Gebiete der Welt darstellt, nicht zu einem Gebiet wird,
in dem die Großmächte sich in einer Konfrontation gegenüberstehen.
Die

-3-

�Die Entwicklungen der letzten Woche sollten allen von uns zeigen, daß die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion, die zugegebenermaßen sehr verschiedene Ziele im Nahen Osten hatten, jetzt darin übereingestimmt haben, daß eine
Konfrontation dort nicht in ihrem Interesse ist - eine Konfrontation, die zu
einer nuklearen Konfrontation werden

könnte, und keine der beiden Großmächte

wünscht dies.
Wir haben ferner darin übereingestimmt, daß wir, wenn wir das vermeiden
wollen, unseren Einfluß stärker als in der Vergangenheit geltend machen müssen, um die Verhandlungsfront wieder in Bewegung zu bringen, aber dieses Mal
bis zu einem Abschluß - nicht nur bis zu einer temporären Waffenruhe, sondern bis zu einem dauerhaften Frieden.
Ich möchte damit nicht sagen, daß dies schnell eintreten wird, denn die
betroffenen Parteien stehen immer noch weit voneinander entfernt. Ich möchte
jedoch sagen, daß es jetzt einen stärkeren Anreiz dafür gibt, in diesem Gebiet
eine friedliche Lösung zu finden - und es gibt, was die Vereinigten Staaten,
die Sowjetunion und die übrigen Großmächte anbetrifft, einen sehr starken Anreiz, eine solche Lösung zu finden.
Ich wende mich jetzt unseren Versuchen zu, eine Waffenruhe an der Heimatfront zu erreichen, was etwas schwieriger ist.
Heute hat der Rechtsbeirat des Weißen Hauses Kontakt mit Richter Sirica
aufgenommen. Wir hatten das schon gestern versucht, aber da war er, wie Sie
wissen, in Boston, und es waren Vorkehrungen für eine Zusammenkunft mit Richter Sirica am Dienstag getroffen worden, um die Übergabe der Tonbänder an
Richter Sirica zu regeln.
Ferner haben wir bei den heute im Weißen Haus geführten Konsultationen
entschieden, daß der amtierende Justizminister Bork kommende Woche einen neuen
Sonderstaatsanwalt für die sogenannte Watergateaffaire ernennen wird. Der

-4-

�Der Sonderstaatsanwalt wird unabhängig sein. Er wird von allen Teilen der
Regierung volle Unterstützung erhalten, und es wird seine Hauptaufgabe sein,
diese Angelegenheit, die dem amerikanischen Volk schon so lange Sorge bereitet hat, zu einem schnellen Abschluß zu bringen, denn wir müssen bedenken,
daß nach unserer Verfassung verzögertes Recht verwehrtes Recht ist. Es ist
an der Zeit, daß die Schuldigen belangt und die Unschuldigen freigesprochen
werden. Ich kann Ihnen, meine Damen und Herren, sowie allen Zuhörern heute
abend versichern, daß ich kein größeres Interesse habe, als dafür zu sorgen,
daß der neue Sonderstaatsanwalt die Unterstützung der Exekutive und die Unabhängigkeit hat, die er braucht, um diesen Fall zu einem Abschluß zu bringen.

-5-

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I

42/1973

ERKLÄRUNG VON BOTSCHAFTER MARTIN ZU FRAGEN DER RÜSTUNGSKONTROLLE
- Auszüge -

Der Delegierte der Vereinigten Staaten
bei den Abrüstungsgesprächen in Genf,
Botschafter Joseph Martin, hat am 23.
Oktober zur Eröffnung einer Abrüstungsdebatte im Politischen Ausschuß der
Vollversammlung der Vereinten Nationen
in New York eine Erklärung abgegeben,
in der er die Grundzüge der amerikanischen Politik auf dem Gebiete der Rüstungskontrolle und Abrüstung darlegte.
Im folgenden geben wir diese Erklärung
in wichtigen Auszügen wieder.

In einem Aufsatz über die Atombombe vom Jahre 1945 schrieb Albert Einstein, daß er - wenn auch mit allem Vorbehalt - eine gewisse Chance in dem
durch sie heraufbeschworenen Gespenst von Gefahren sehe. "Vielleicht wird
das Menschengeschlecht dadurch veranlaßt", so schrieb er, Ordnung in seine
internationalen Angelegenheiten zu bringen, was es ohne diesen Druck der
Furcht nicht tun würde."
Gewiß

�I
Gewiß wird niemand daran zweifeln, daß die Kernwaffen und andere Formen
modernster Technologie die einschneidendsten Wirkungen auf die menschliche
Gesellschaft gehabt haben. Hat diese Technologie aber auch einen Einfluß
auf die weltpolitischen Angelegenheiten ausgeübt, wie Einstein dies erwartete? Ganz zweifellos lautet die Antwort auf diese Frage: Ja! - aber wohl
doch nicht in dem Ausmaß, wie er es vermutet hat. Der eine Grund liegt darin, daß die Menschheit sich teilweise nahezu an alles gewöhnt, auch an die
Gefahr. Ein anderer Grund liegt darin, daß die Menschen ihre Denkgewohnheiten
nur sehr langsam ändern: viele Menschen denken heute noch in den Vorstellungen einer vergangenen Epoche konventioneller Waffentechnik.
Umsomehr Anerkennung gebührt daher denjenigen, die die Auswirkungen der
Technologie richtig erkannt haben und die gegen erhebliche Schwierigkeiten
ankämpften, um sie unter Kontrolle zu bringen. All jene, die auf dem Gebiet
der Rüstungskontrolle arbeiten, sollten - wie ich meine - auch noch aus einer
anderen Überlegung Mut gewinnen: So schwierig und enttäuschend diese Anstrengungen über die Länge der Zeit auch sein mögen, sie werden mit Sicherheit
einen Einfluß auf das Denken und die Verhaltensweisen der Regierungen haben,
und zwar schon bevor spezifische Ergebnisse erzielt werden.
Noch vor einem Jahrzehnt schienen Rüstungskontrolle und Abrüstung oft
nur eines von vielen Problemen zu sein, das trotz seiner Bedeutung in den kalten Krieg verstrickt wurde. Oft wurden Vorschläge unterbreitet, ohne daß man
sich Gedanken darüber machte, ob sie je angenommen werden könnten. Redner
schienen darauf aus zu sein, Propagandasiege zu erzielen, statt einen Fortschritt in Richtung wirklich bedeutsamer Rüstungskontrollmaßnahmen zu erreichen.
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In diesem Herbst können wir auf mehr als nur eine ganze Reihe bereits
geschlossener Abkommen hinweisen. Wir können auf vielversprechende Verhandlungen über die Begrenzung strategischer Rüstungen, über beiderseitige und
ausgewogene Truppenverringerungen in Mitteleuropa und über europäische Sicher-

-2-

�Sicherheit und Zusammenarbeit verweisen, die bereits im Gange sind oder vor
ihrem Beginn stehen. Die Konferenz des Abrüstungsausschusses (dei Vereinten
Nationen) setzt ihre Anstrengungen fort, wichtige Themen realistisch in den
Griff zu bekommen: ein umfassendes Kernwaffenversuchsverbot und Begrenzungen
für chemische Waffen.
hat
Das zurückliegende Jahr/ermutigende Anzeichen einer weiteren Bewegung
zur Stabilität gebracht. Die Abkommen über Vietnam und Laos haben den Umfang
des Konfliktes bereits verringert, der Südostasien so lange heimgesucht hat.
Obwohl im Nahen Osten erneut Kämpfe ausbrachen, ist es möglich gewesen, eine
Waffenruhe herbeizuführen. Mein Land wird selbstverständlich seine Bemühungen
fortsetzen, um zu einer friedlichen Lösung des Nahost-Konfliktes beizutragen.
Auch anderswo in der Welt ist ein Fortschritt beim Abbau der Spannungen erreicht worden

Es ist unsere eindeutige Pflicht, mit unserer Arbeit an

der Rüstungskontrolle fortzufahren, welche Schwierigkeiten sich uns auch
entgegenstellen mögen. Es liegt an uns, auf der Grundlage der bereits erzielten Abkommen aufzubauen, um jene nächsten Schritte zu tun, die jetzt durchführbar sein mögen.
SALT
In unseren Bemühungen hat die Kontrolle der Nuklearwaffen selbstverständlich Vorrang....
Im Jahre 1969 versicherte Präsident Nixon den Vereinten Nationen, daß
sich die Vereinigten Staaten einer «nachhaltigen Anstrengung1 verschrieben
haben, den »Aufbau strategischer Streitkräfte nicht nur zu begrenzen, sondern
ihn sogar umzukehren*. Im Jahre 1972 schlössen wir mit der Sowjetunion Abkommen, die jede Seite auf zwei ABM-Basen begrenzen und den Stand der ICBMund SLBM-Abschußeinrichtungen für fünf Jahre einfrieren. In dem am 21. Juni
1973 geschlossenen amerikanisch-sowjetischen Abkommen erklärten Präsident
Nixon und Parteichef Breschnew ihre Absicht, zu einem ständigen Abkommen

-3-

�Abkommen über vollständigere Maßnahmen zur Begrenzung der Rüstungen und auch
ihrer Verringerung in der Folgezeit zu gelangen.
Sie gaben ferner bekannt, daß beide Seiten ernsthafte Anstrengungen
unternehmen würden, die Bestimmungen eines ständigen Abkommens auszuarbeiten
- mit dem Ziel, es 1974 zu unterzeichnen. Amerikanische und sowjetische Verhandlungsführer kommen gegenwärtig in Genf zusammen, um dieses Ziel su erreichen zu suchen.
Die SALT-Gespräche stellen eine fundamentale Veränderung der internationalen Beziehungen dar. Jede Seite hat sich das Ziel gesetzt, die Schwungkraft des strategischen Wettrüstens zu brechen und seinen Prozeß zu mäßigen.

MBFR

Am 30. Oktober beginnen in Wien historische Gespräche, die auf eine
Verringerung des Standes der Streitkräfte abzielen, die gegenwärtig in Mitteleuropa stationiert sind. Wie wichtig diese Verhandlungen sind, geht schon
aus dem Gebiet hervor, das sie betreffen. Mitteleuropa ist seit dem Zweiten
Weltkrieg eine Region der Hauptkonfrontation zwischen Ost und West gewesen.
Es ist lange Zeit ein Schlachtfeld vieler Völker und Nationen gewesen. Die
Erhaltung der unverminderten Sicherheit in dieser Region auf einem niedrigeren Stand der Streitkräfte würde einen wesentlichen Durchbruch zu einer
vernünftigeren Weltordnung darstellen. Wir und unsere Verbündeten wollen
in Wien mit Hingabe verhandeln und daran denken, daß unser Erfolg nicht nur
den Interessen der direkt Beteiligten dienen, sondern den Weltfrieden und
die internationale Sicherheit allgemein stärken wird.

Atomsperrvertrag

-4-

�Atomsperrvertrag

Der Atomsperrvertrag spiegelt den Wunsch seiner über 100 Signatarstaaten wider, der Ausbreitung von Nuklearwaffen Einhalt zu gebieten, ehe
eine wachsende Zahl von Ländern sich gezwungen fühlt, wesentliche Mittel
in den Aufbau ihrer eigenen Abschreckungskräfte zu investieren. Die Vorteile des Vertrages sind den Staaten mit Nuklearwaffen ebenso zugute gekommen wie solchen Staaten ohne Nuklearwaffen. Die Welt als Ganzes hat
von der Tatsache profitiert, daß seit 1964 kein Land mehr dem "NuklearKlub" beigetreten ist.
.... Während des vergangenen Jahres hat der Vertrag durch den Beitritt
von sechs weiteren Staaten sogar noch wachsende Unterstützung gewonnen.
Eine weitere wichtige Entwicklung war die Unterzeichnung des Verfizierungsabkommens zwischen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) und der
Europäischen Gemeinschaft im April dieses Jahres, durch das ein Hindernis
für einen weiteren Beitritt zum Vertrag beseitigt wurde. Wir hoffen ernsthaft, daß weitere Länder, vor allem solche mit einer fortgeschrittenen
Nukleartechnologie, dem Vertrag beitreten werden.

Versuchsverbot
Ein wichtiges Ziel, das sich mit der Kontrolle der Kernwaffen stellt,
bleibt ein umfassendes Versuchsverbot für Nuklearwaffen.... Der begrenzte
Atomstoppvertrag - als ein erster Durchbruch nach Jahren fruchtloser Rüstungsverhandlungen - verbesserte das internationale Klima und trug so dazu
bei, die späteren Rüstungskontrollabkommen zu ermöglichen.

Trotz

�Trotz seines Wertes und seiner Bedeutung hat man in dem begrenzten
Atomstoppvertrag jedoch lediglich einen Schritt -wenn .schon einen äußerst
bedeutsamen Schritt - in Richtung auf ein Verbot sämtlicher Kernwaffenversuche gesehen. Die Vereinigten Staaten sind stets für ein in angemessener
Weise verifiziertes umfassendes Versuchsverbot als eigentliches Ziel eingetreten. So erklärte Präsident Nixon in seinem außenpolitischen Jahresbericht
an den Kongreß vom 3. Mai 1973:
"Die Vereinigten Staaten sind auch weiterhin für das Ziel eines angemessen verifizierten Abkommens über ein Verbot aller nuklearen Waffenversuche eingetreten.
Einige Länder vertreten die Auffassung, daß nationale Verifizierungsmittel ausreichend sein würden, um ein solches Verbot ausreichend zu überwachen. Wir sind anderer Meinung, denn trotz eines wesentlichen Fortschrittes bei der Erkundung und Identifizierung seismischer Ereignisse einschließlich der unterirdischen Kernwaffenversuche glauben wir, daß die nationalen
Mittel der Verifizierung durch einige Inspektionen an Ort und Stelle ergänzt
werden müssen.
Die Vereinigten Staaten teilen die Auffassung

vieler anderer Staaten,

daß ein angemessen verifiziertes, umfassendes Versuchsverbot einen positiven Beitrag zur Abschwächung des Wettrüstens darstellen würde.... Aus diesem
Grunde geben wir dem Problem der Verifizierung höchsten Vorrang. Wir werden
weiterhin mit anderen Nationen zusammenarbeiten, um auf ein endgültiges Abkommen über diese wichtige Frage hinzuwirken."

Chemische Waffen
Während des vergangenen Jahres hat die Konferenz des Abrüstungsausschusses (der Vereinten Nationen) bedeutsame Arbeit bei der Vertiefung
unseres gemeinsamen Verständnisses der bei der Begrenzung der chemischen

-6-

�chemischen Waffen involvierten Faktoren geleistet. Ihr Wert als Forum trat
noch nie so deutlich zutage wie im Verlauf der detaillierten Erörterungen
über die chemischen Waffen. Diese Erörterungen, an denen sich faktisch jedes Mitglied des Ausschusses beteiligte, erstreckten sich auf den denkbar
weitesten Fragenbereich.
Die Vereinigten Staaten fühlen sich auch weiterhin verpflichtet, nach
einer wirksamen Begrenzung der chemischen Waffen zu suchen. Wir werden unsere Bemühungen um praktikable Mittel zur Eingrenzung dieser Waffen auch im
kommenden Jahr fortsetzen und uns dabei gleichzeitig in unserem eigenen Programm Zurückhaltung auferlegen. Wie ich am 30. August vor dem Ausschuß berichtete, haben wir seit 1968 keine einzige chemische Waffe produziert und
sogar Teile unserer Bestände aus den Arsenalen entfernt.

Foren
Ich möchte mich nunmehr der Frage der Abrüstungsforen zuwenden. Wie
Sie alle wissen, wurde hierzu eine Reihe von Vorschlägen gemacht. Wir möchten dazu auch unsere Auffassungen bekanntmachen.
Der Abrüstungsausschuß bleibt nach unserer Ansicht ein wertvolles Forum, das sich über mehr als ein Jahrzehnt hindurch bewährt hat. Sein begrenzter Kreis und seine Freiheit von jedem äußeren Druck haben es den Mitgliedern
dieses Ausschusses gestattet, in enge Arbeitsbeziehungen zueinander zu treten. Sie haben sich ein detailliertes Verständnis für die technischen Probleme erarbeitet, die mit den Fragen der Rüstungskontrolle verbunden sind,
und haben Verfahren entwickelt, die es dem Ausschuß ermöglichten, in seiner
Arbeit zügig voranzuschreiten. Diese Faktoren erlaubten es dem Ausschuß, zu
wahrhaft konstruktiven Resultaten zu gelangen. Wir sind der Überzeugung, daß
die Vereinten Nationen diesen Ausschuß,der für einen großen Teil des Fortschritts, den wir in der Rüstungskontrolle gemacht haben, verantwortlich ist,

-7-

�ist,auch weiterhin voll unterstützen sollten....
Die Auffassungen der Vereinigten Staaten, die wohlbekannt sind, bleiben
unverändert. Wir stimmen zwar zu, daß eine Weltabrüstungskonferenz in einem
späteren Stadium des Abrüstungsprozesses einem nützlichen Zweck dienen könnte: wir glauben jedoch nicht, daß eine solche Konferenz zum gegenwärtigen
Zeitpunkt nützliche Ergebnisse zeitigen würde. Wenn eine solche Konferenz
nicht die Hoffnungen all jener enttäuschen soll, die einen raschen Fortschritt in der Abrüstung erleben möchten, dann müßte die Konferenz in der
Lage sein, echte Aussichten auf ein Abkommen über bedeutsame Rüstungskontrollmaßnahmen zu bieten. Es ist jedoch nicht der Mangel an einem geeigneten Forum, sondern der Mangel an politischer Übereinstimmung, der uns daran hindert, weitergehende Schritte zu einer friedlicheren Ordnung mit einem
verringerten Stand der Rüstungen zu tun. Eine Weltabrüstungskonferenz wäre
wahrscheinlich weniger in der Lage, diesen Mangel an Übereinstimmung zu
überwinden,' als daß sie ihm eher zum Opfer fiele. Das Endergebnis könnte
durchaus eine Verlangsamung unserer Arbeit sein - verbunden mit einer Vereitelung der Erwartungen, die überall gehegt werden. Daher sind wir gegen
die Einberufung einer Weltabrüstungskonferenz oder die Festlegung eines Datums oder den Beginn von Vorbereitungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt.

UNDC
Einige Redner auf der gegenwärtigen Sitzung der Vollversammlung haben
bereits von der Möglichkeit der Wiedereinberufung der Abrüstungskommission
der Vereinten Nationen (UNDC) gesprochen. Sie werden sich erinnern, daß
die Kommission zum letzten Mal im Jahre 1965 tagte, als keine Sitzung der
Vollversammlung stattfand und daher auch keine Abrüstungsdebatte. Wir können uns nur schwer vorstellen, wie die UNDC erfolgreich mit den Problemen
fertig werden könnte, vor denen wir heute stehen. Wir bezweifeln ernsthaft,

-8-

�ernsthaft, daß eine so große Konferenz trotz der besten Absichten damit fertig werden könnte, konkrete vertragliche Abmachungen auszuarbeiten. Wenn die
Konferenz auf der anderen Seite nur dazu dienen sollte, den Meinungsaustausch
fortzusetzen, den wir hier führen, dann ist nur schwer einzusehen, wie sie zur
Debatte hier in diesem Ausschuß etwas hinzufügen könnte. Darüber hinaus könnte eine hinausgezogene Debatte Anlaß zu erhitzten Wortwechseln geben, die für
die Lösung der Probleme der Rüstungskontrolle und Abrüstung nicht relevant
sind. Solche Wortwechsel würden der Sache der Abrüstung nur schaden.

Zusammenfassung
Ich habe versucht, zusammenfassend darzustellen, wo wir in unserer Arbeit stehen. Offensichtlich sind wir nicht an allen Fronten so rasch vorangekommen, wie wir es uns gewünscht hätten..In dieser Hinsicht müssen wir uns
offen eingestehen, daß es Elemente der Trennung und des Mißtrauens gibt, die
seit langem in der Welt bestanden haben. Es wird eines Prozesses der Kompromisse, der Überwindung alter politischer Differenzen bedürfen, und wir müssen
ideologische Unterschiede auf ihren rechten Platz verweisen, wenn wir ein
rascheres Tempo des Fortschritts auf allen Sektoren der Rüstungskontrolle und
Abrüstung erreichen wollen.
Aber wir müssen ebenso erkennen, daß keineswegs Anlaß zur Verzweiflung
besteht - sondern eher das Gegenteil. Auf dem Gebiet der strategischen Rüstungskontrolle ist sogar ein sehr wesentlicher Fortschritt eingetreten, und
es bestehen gute Aussichten für einen weiteren Fortschritt in nicht zu ferner
Zukunft. Auf dem Gebiet der konventionellen Streitkräfte werden wir mit dem
Beginn der tatsächlichen Verhandlungen über die beiderseitige Verringerung
der Streitkräfte und Rüstungen in Mitteleuropa bald Zeuge eines Unterfangens
von überragender Bedeutung sein.
Von

-9-

�Von all den Gebieten der gefährlichen Konfrontation hat im Laufe der
Zeit wohl keine unser Denken stärker oder nachhaltiger beherrscht als gerade
dieses, denn eine Feuersbrunst in diesem Gebiet würde wohl kaum irgendeinen
Teil der Welt unberührt lassen.
Letztlich und vor allem können wir aus dem weltweiten Wachstum einer
Idee Mut fassen - einer Idee, die das Kardinalprinzip all unserer Arbeit auf
dem Gebiet der Rüstungskontrolle und Abrüstung ist: daß Begrenzungen die
Sicherheit und Stabilität besser gewährleisten können als selbst der höchste
Stand der Rüstungen.

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DEUTSCHE LEHRER ALS GÄSTE AMERIKANISCHER FAMILIEN
Die American Host Foundation und ihr Programm
für das Jahr 1974

Die American Host Foundation, eine seit 1962 bestehende
private, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in New York City,
lädt für das kommende Jahr 250 Lehrer aus der Bundesrepublik
Deutschland zur Teilnahme an einem Studienprogramm ein, das
Pädagogen aus europäischen Ländern einen vierwöchigen Aufenthalt in den USA als Gäste amerikanischer Familien ermöglicht.
Das gesamte Programm wird mit Zuwendungen und Spenden
amerikanischer Firmen und Privatpersonen finanziert, die es für
wichtig erachten, daß europäische Lehrer das Leben in den USA
kennenlernen. Teilnahmeberechtigt sind Lehrkräfte und in der
Schulverwaltung tätige Personen sowie deren Ehegatten. Einzige
Vorbedingung ist, daß die Bewerber sich in der englischen Sprache
ausdrücken und verständigen können und gegenwärtig im aktiven
Schuldienst stehen.
Die Anreise erfolgt per Flugzeug in Gruppen und zu verschiedenen Terminen. Die Gäste werden sich vor ihrer Weiterreise zu den Gastfamilien zwei Tage in New York aufhalten,
deren Gestaltung jedem einzelnen Teilnehmer überlassen bleibt.
Danach ist ein zweiwöchiger Aufenthalt bei einer ersten Gastfamilie vorgesehen, woran sich weitere zwei Wochen bei einer
zweiten Familie in einer anderen Stadt, meist auch in einem
anderen Staat der USA, anschließen. Am Ende der Reise treffen
alle Programmteilnehmer nochmals in New York zusammen, von wo
aus sie am nächsten Tag den Rückflug nach Europa antreten.
Die amerikanischen Familien erhalten für die Aufnahme europäischer Gäste keine Vergütung. Sie tun es, weil sie ein persönliches Interesse an der Aufnahme und Pflege von Kontakten
mit Angehörigen anderer Völker haben. In den vergangenen elf Jahren haben mehr als 5000 europäische Lehrer
- 1 -

�• I

Freundschaft mit annähernd 12 OOO amerikanischen Familien
schließen können, deren Gäste sie waren.
Die amerikanischen Familien verpflichten sich:
(1) ihrem Gast ein eigenes Zimmer zur Verfügung zu stellen;
(2) ihn in der Familie zu beköstigen;
(3) ihm die Sehenswürdigkeiten am Platz zu zeigen;
(4) ihn mit Freunden und Nachbarn bekanntzumachen und
(5) ihn in jeder Hinsicht wie einen Gast des Hauses zu behandeln.
Alles dies weist darauf hin, daß das American Host Program
nicht als Gelegenheit für eine Rundreise durch die USA verstanden
sein will, sondern als eine einzigartige Gelegenheit, Amerika
und die Amerikaner im ganz privaten Kreis, nämlich in der Familie, kennenzulernen.
Das American Host Program bietet im Sommer 1974 folgende
Gruppenreisen an:
GRUPPE I:

Abflug von einem europäischen Flughafen
(voraussichtliche Route: Paris-Amsterdam-New York
City) am 3. Juli 1974
Rückflug von New York City am 5. August 1974

GRUPPE II:

Abflug (voraussichtliche Flugroute: Paris-AmsterdamNew York City) am 17. Juli 1974
Rückflug von New York City
am 19. August 1974

GRUPPE III

Abflug (voraussichtlich Direktflüg Frankfurt-New York
City via London) am 31. Juli 1974
Rückflug von New York City via London nach Frankfurt/Main am 2. September 1974

Die Teilnahme am American Host Program ist für den Gast nicht
kostenlos. Sein Beitrag beläuft sich bei einem Aufenthalt im östlichen Teil der USA auf 390 Dollar; bei einem Aufenthalt im Mittelwesten oder im Süden der USA auf 490 Dollar; bei einem Aufenthalt an der Westküste Amerikas erhöht er sich auf 650 Dollar,
Eingeschlossen in diesen Preis sind sämtliche Reisekosten, einschließlich Hin- und Rückflug zum europäischen Ausgangspunkt,
nicht jedoch das persönliche Taschengeld, die Mahlzeiten während
des Aufenthalts in New York und die Kosten für Hin- und Rückfahrt

- 2 -

�vom Heimatort zum Flugplatz und zurück.
Wie Tom Murphy, der Begründer und Leiter des American Host
Program ausdrücklich betont, ist dieses Programm nicht für Personen gedacht, die nach Möglichkeiten für eine billige Reise
durch die USA suchen. "Wir", so Murphy, "sind nur an Teilnehmern
interessiert, denen ernsthaft daran gelegen ist, unser Land kennen und verstehen zu lernen."
Interessierte Lehrkräfte und in der SchulVerwaltung tätige
Personen bitten wir Antragsformulare direkt bei nachstehender
Adresse anzufordern:
American Host Program,
Commodore Hotel,
Park Avenue at 42nd Street,
New York, N.Y. 10017
U.S.A.
Alle Antragsteller werden in der Zeit vom 1. Dezember 1973
bis zum 1. März 1974 Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch
mit einem Repräsentanten des American Host Program in Europa
haben. Die für eine Reise ausgewählten Personen erhalten spätestens
bis zum 15. März 1974 eine entsprechende Mitteilung.
Trotz des rein privaten Charakters des American Host Program
wird es wegen seines bedeutenden Beitrags zur internationalen
Verständigung vom US-Außenministerium beratend unterstützt und
gefördert.

+ + + + +

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42/1973

DRITTE SKYLAB-MANNSCHAFT VOR DEM START
Bis zu 85 Tage Aufenthalt im Weltraum vorgesehen
Von G. Weiss

- (AD) - Bis auf 85 Tage könnte, wenn alles gut geht, der Aufenthalt der
dritten SKYLAB-Mannschaft mit Gerald P. Carr (Kommandant, 41), Dr. Edward G.
Gibson (Wissenschaftler, 37) und William R. Pogue (Pilot, 43) an Bord der
experimentellen Raumstation ausgedehnt werden. Der Start vom Kap Canaveral
in einer APOLLO-Kapsel auf der Spitze einer SATURN IB-Rakete ist für den
Nachmittag des 10. November 1973 (17.41 Uhr MEZ) angesetzt.

Die Flugleitung wird nach planmäßigem Ablauf der ersten zwei Monate
von Fall zu Fall entscheiden, ob der Flug fortgesetzt wird. Die Genehmigung
dazu hängt, ganz abgesehen vom Gesundheitszustand der Astronauten und den
dann noch vorhandenen Vorräten, von einer Vielzahl von Faktoren ab. So werden
die Leistungen der Besatzung und ihre Möglichkeiten zur Einhaltung des Arbeitsprogramms ebenso eine Rolle spielen, wie die Gemütsverfassung nach der
langen Zeit der Isolierung. Gerade die SKYLAB-Mission hat eindringlich gezeigt, wie schwer die Reaktionen von Raumfahrern auf die Lebensbedingungen in
der Schwerelosigkeit und in der nahezu totalen Abgeschiedenheit vorauszusagen sind.

Der "Lernprozeß", der sich aus den Berichten zurückgekehrter Astronautenmannschaften bisher ergab, dürfte, wie schon die zweite Mannschaft erfahren
- 1 -

k

�t

erfahren konnte, auch bei den drei Weltraumneulingen viel dazu beitragen,
etwa auftretende Schwierigkeiten zu überwinden und Probleme richtig anzugehen. Im Verlauf der zweiten Mission mit den Astronauten Bean, Dr. Garriott
und Lousma führte dies sogar dazu, daß die Drei schließlich weitaus mehr zustande brachten, als von ihnen auf Grund des Arbeitsprogramms erwartet wurde.
Wie sie nach der Rückkehr erklärten, hatten sie, nachdem die Schwierigkeiten
der Anpassung an die Schwerelosigkeit erst einmal überwunden waren, sogar
den Eindruck, "für dauernd dort draußen bleiben zu können". Auch die Wiederanpassung des Organismus an die Erdenschwere nach der Rückkehr vollzog sich
überraschend schnell.

Mit SKYLAB III wird eines der bemerkenswertesten Kapitel in der Geschichte der bemannten Raumfahrt abgeschlossen. Die drei Astronauten werden
die meisten der von ihren Vorgängern begonnenen Arbeiten fortsetzen, jedoch
in erster Linie sich mit Aufgaben der Erderkundung befassen. Dabei spielt
die Untersuchung des Sahel-Gürtels mit den seit Jahren von einer verheerenden
Dürre heimgesuchten Gebieten in Afrika eine besondere Rolle. Im Verein mit
den Beobachtungen des unbemannten Satelliten ERTS I werden die Astronauten
versuchen, durch regelmäßige photographische Aufnahmen den Wissenschaftlern
auf der Erde Material an die Hand zu geben, das Hinweise auf möglicherweise
nutzbare Wasservorkommen enthält. Solche Hinweise liefern nach Morris Deutsch
vom Geologischen Bundesamt der USA bestimmte geologische Strukturen, Vegetation, die Ausdehnung von Mündungsdeltas ins Landinnere, Bodenfeuchtigkeit
und die Verteilung bewässerter Gebiete.

Da SKYLAB während der Zeit der Herbst- und Wintermonate auf der nördlichen Halbkugel besetzt sein wird, haben Carr, Dr. Gibson und Pogue eine einzigartige Möglichkeit, auch die See- und Eisverhältnisse zu beobachten. Durch
Berechnung der Schnee- und Eismassen hoffen sich die Hydrologen z.B. genauere
Vorstellungen vom Ausmaß von Hochwasser infolge der Schneeschmelze im Frühjahr
machen zu können. Die Verlängerung des Fluges über die ursprünglich vorgesehenen 59 Tage hinaus würde den Astronauten Gelegenheit geben, die Erdbeobachtungskameras 10 bis 14 Mal öfter, als zunächst geplant, einzusetzen. Für
diese Aufnahmeserien müssen jeweils ganz bestimmte Bedingungen im bezug auf
- 2-

�auf Sonnenstand, wolkenfreie Sicht und Flugrichtung der SKYLAB-Station
abgewartet werden.

Einen einzigartigen Gewinn für die Astronomie verspricht man sich von
der Beobachtung des Kometen Kohoutek, der im Dezember seine größte Sonnennähe
erreicht und möglicherweise heller als der Halleysche Komet am Himmel erscheint.
Er wurde im März 1973 von Dr. Lubos Kohoutek an der Hamburger Sternwarte entdeckt. Damals zeigte er sich als verwischter, wandernder Lichtpunkt am Himmel
auf Positionen zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter. Noch im Dezember
wird Kohoutek nach dem Mond das zweithellste Objekt am Nachthimmel sein. Der
Komet nähert sich der Sonne bis auf 20 Millionen Kilometer; den Scheitelpunkt
wird er- am 28. Dezember erreichen. Carr, Dr. Gibson und Pogue können den
Kometen mit modernsten Hilfsmitteln der Astronomie außerhalb der störenden
Lufthülle der Erde verfolgen.

SKYLAB III ist das 30. bemannte Raumfahrtunternehmen der USA, das 49. in
der Gesch-i ;hte des Raumflugs von Menschen. Wenn es sich in der letzt vorgesehenen Dauer durchführen läßt, werden die amerikanischen Astronauten allein
im Verlauf des Jahres 1973 etwa 10 000 Mann-Stunden angesamm« 1t haben - das
entspräche 415 Tagen Aufenthalt eines Astronauten im Weltraum. Die erste
SKYLAB-Gruppe blieb 28 Tage, die zweite 59 Tage an Bcrd des Himmels 1 aborator i ums.

- 3 -

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MIT TRANSPORTMITTELN LEBEN
Mehr Sicherheit auf den Straßen - Abgasbekämpfung
und Massenverkehrsmittel im CCMS-Programm der NATO

--(AD)— Die "Internationale Resolution für Sicherheit auf den Straßen",
die die CCMS-Gruppe der NATO auf ihrer Plenarsitzung in Brüssel am 24.
Oktober 1973 verabschiedete, bildet den Rahmen für die Verwirklichung
der Empfehlungen, die bisher mit dem Projekt "Straßensicherheit" erarbeitet wurden. Bei diesem Projekt handelt es sich um eine der ersten
Leitstudien, die der "NATO-Ausschuß für Fragen der Modernen Gesellschaft"
(CCMS) unmittelbar nach seiner Konstituierung im Jahre 1969 in Angriff
nahm. Die Studie sollte Pionierarbeit dafür leisten, die Unfallforschung
zu standardisieren, Alkohol am Steuer besser zu bekämpfen, neue Verfahren
der technischen Prüfung von Kraftfahrzeugen zu entwickeln, die medizinische Unfallversorgung zu verbessern, Fußgänger mehr zu schützen, der
Kosten-Nutzen-Analyse größeres Gewicht beizumessen, gefährliche Straßenführungen zu unterbinden und "Sicherheitsautos" zu entwickeln.
An allen obengenannten Projekten wurde in der Zwischenzeit mit erheblichem Aufwand an Zeit, Geld und Spezialisten intensiv gearbeitet. Allein
auf dem Teilgebiet "Sicherheitsauto" (ESV . Experimental Safety Vehicle)

-l-

�Vehicle) haben die Autofirmen von sieben Ländern, deren Regierungen sich offiziell in das Programm einschalteten, mehr als 150 Millionen Dollar in die
einschlägige Forschung und Entwicklung investiert. Zwölf Firmen stellten
16 verschiedene Typen von Sicherheitsfahrzeugen vor. Der damit verbundene
Austausch an technischen Informationen ist sicherlich der umfangreichste
in der ganzen Geschichte der Automobilindustrie. Jetzt kommt es darauf an,
die darauf basierenden Empfehlungen für gemeinsame nationale und internationale Aktionen wirksam in die Praxis umzusetzen, um der Seuche "Verkehrsunfälle" endlich Paroli zu bieten. Deshalb ist die "Internationale Resolution für
Sicherheit auf den Straßen" als Appell an alle Länder zu verstehen, an der
Lösung dieses weltweiten Problems mitzuarbeiten.
Der gegenwärtige Stand der Entwicklung abgasarmer Antriebssysteme, mit
der sich die häufig als "Umweltausschuß" titulierte CCMS-Gruppe der NATO
ebenfalls befaßt, war schon Mitte Oktober auf einem sechstägigen Symposion
in Ann Arbor (Michigan) eingehend erörtert worden. Etwa 70 Fachleute aus
15 NATO-Ländern sowie aus Schweden, dazu 250 Delegierte von europäischen,
japanischen und amerikanischen Autofirmen nahmen an der Tagung teil. Es war
die erste dieser Art seit der Inangriffnahme des CCMS-Projekts im Jahre 1970,
das dazu beitragen soll, die Luftverschmutzung zu verringern.
In den Diskussionen zeigte sich, daß die Probleme in den einzelnen Ländern unterschiedlich bewertet werden, äo bereitet in Frankreich und England
der Lärm erheblich mehr Sorge als die Luftverschmutzung, während man in den
Niederlanden und einigen anderen Ländern sich mit beiden Gebieten gleichermassen intensiv zu befassen hat. Die holländischen Behörden wollen in den nächsten drei bis fünf Jahren z.B. die Luftverpestung und Lärmbelästigung durch
Lastwagen und Omnibusse mit Dieselmotoren stärker als bisher bekämpfen.
Eric 0. Stork von der US-Umweltschutzbehörde verwies darauf, daß nunmehr die Frage der Kilometerleistung und Wirtschaftlichkeit der Fahrzeuge
den gleichen Rang einnehme wie die Probleme des Umweltschutzes. Deshalb

-2-

�Deshalb gewinnen kleinere Fahrzeuge, Spezialbereifung und der Verzicht auf
Ausrüstungen, die den Treibstoffverbrauch erhöhen, immer größere Bedeutung.
Den Anstoß zu der Tagung von Ann Arbor gab ein im Jahre 1972 von der
Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden und den USA unterzeichnetes Abkommen mit dem Ziel, ihre Forschungen
auf den einschlägigen Gebieten zu koordinieren. Diese Zusammenarbeit soll
jetzt z.B. durch den rechtzeitigen und geregelten Austausch technischer Informationen über Forschung, Entwicklung und Erprobung abgasarmer Antriebssysteme weiter verbessert werden, so daß es keinesfalls zu Parallelentwicklungen kommt.
Dr. Dieter Hartmann vom Bundesinnenministerium berichtete, daß man in
der Bundesrepublik Deutschland vordringlich Verbesserungen am konventionellen Antrieb für Kraftfahrzeuge anstrebe, um die Emission schädlicher Abgase
zu verringern. Diese sollen 1980 nur noch ein Zehntel der 1969 üblichen Mengen betragen. Außerdem soll die Treibstoffökonomie verbessert werden. Auf
längere Sicht werde man sich jedoch auch auf neuartige Antriebssysteme,
unter anderem Gasturbine und Stirling-Motor, stärker konzentrieren, um deren
Möglichkeiten auf breiter Basis auszuloten.
Den Erfahrungen Schwedens zufolge,wo bereits viel Mühe auf die Weiterentwicklung des Dampfantriebs nach dem Stirling-Prinzip verwendet wird, ist dieser Motor jedoch noch sehr kostspielig. Dennoch sei auf weite Sicht viel
von dieser Entwicklung zu erhoffen. Ollie Ljungstroem vom Schwedischen Rat
für Technische Entwicklung trat nachdrücklich für die Reduzierung des Fahrzeuggewichts von Personenkraftwagen auf weniger als eine Tonne ein. Dies helfe,
fossile Treibstoffe zu sparen und die Belastung der Atmosphäre durch Abgasverbindungen zu verringern, die zum sogenannten Gewächshauseffekt, einer unzureichenden Wärmeabstrahlung der Erdatmosphäre in den Weltraum, beitragen.

Ein

3»

�Ein "Durchbruch" in der Entwicklung elektrischer Antriebe, z.B. mit
der Verwendung von Brennstoffzellen als Energiequelle, ist nach Ljungstroem
dringend notwendig. Aber die Konferenzteilnehmer waren sich in der Beurteilung der erheblichen und zahlreichen Schwierigkeiten in bezug auf die Entwicklung brauchbarer Elektroantriebe einig. Dennoch war wiederholt zu hören,
daß der Elektromotor letztlich wohl die beste Lösung des Problems bringen
könne.
In den europäischen Ländern, wo gegenwärtig die Zahl der Kraftfahrzeuge doppelt so schnell ansteigt wie in den Vereinigten Staaten, ist man an
einem umfassenderen Informations-und Erfahrungsaustausch besonders stark
interessiert. Die Verbesserung und Ausweitung der Massenverkehrsmittel in
den Großstädten - bei zunehmender Einschränkung des Individualverkehrs im
Stadtzentrum - wird jedoch diesseits wie jenseits des Atlantik immer wichtiger werden. Dem Zweitwagen wird auf weite Sicht keine große Chance mehr
gegeben. Die in der Zukunft zu erwartenden hohen Kosten für Benzin werden
nach Ansicht Dr. Hartmanns dazu beitragen, daß sich andere Antriebsarten
durchsetzen. Aber selbst in einem solchen Fall dürfte es notwendig werden,
auf private Stadtfahrten mit dem Wagen weitgehend zu verzichten.

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BERICHTIGUNG zu Nr. 41/1973, 25. Oktober 1973, Artikel "Die Energielücke
in der Mikroweit". Den vorletzten Absatz bitten wir wie folgt zu ersetzen:

Dr. Josephson (33) hatte bereits als 20jähriger auf dem Gebiet der
Supraleitfähigkeit zu arbeiten begonnen, um jenen von Onnes entdeckten
Effekt zu studieren, der bei extremer Abkühlung des Leiters Ströme mit so
hoher Energie fließen läßt, daß kein weiterer Strom zugeführt zu werden
braucht. Anfang der sechziger Jahre sagte Josephson im Zusammenhang mit
der Erzeugung von Suprastrom bestimmte physikalische Phänomene voraus, die
dann auch experimentell nachgewiesen wurden. Diese "Josephson-Effekte" beziehen sich auf Stromfluß und Spannung beim Anschließen von zwei nur durch
eine dünne Isolierwand getrennte Schichten superleitfähiger Metalle an
eine äußere Spannungsquelle. Der Strom überwindet - »durchtunnelt1 - die
Isolierschicht, die Spannung erlischt. Dieser Gleichstrom geht jedoch in
einen hochfrequenten Wechselstrom bei Abgabe elektromagnetischer Strahlung
aus der Isolierschicht über, wenn man die angelegte Spannung erhöht. Die
Bemühungen um eine technische Nutzung des "Tunnel-Phänomens", d. h. einen
Einsatz der Isolierschicht zur Steuerung der Passage von Strom in supraleitenden Elementen, könnte z.B. dazu führen, daß man Computer entwickelt,
die bei extrem tiefer Arbeitstemperatur sehr hohe Operationsgeschwindigkeiten erreichen.
Dr. E s a k i . . .

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Nixons am 26. Oktober 1973&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der einleitenden Erklärung des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Botschafter Martin zu Fragen der Rüstungskontrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Deutsche Lehrer als Gäste amerikanischer Familien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die American Host Foundation und ihr Programm für das Jahr 1974 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dritte SKYLAB-Mannschaft vor dem Start&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bis zu 85 Tage Aufenthalt im Weltraum vorgesehen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit Transportmitteln leben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;em&gt;- Mehr Sicherheit auf den Straßen - Abgasbekämpfung und Massenverkehrsmittel im CCMS-Programm der NATO -&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/em&gt;&#13;
&lt;div class="page" title="Page 1"&gt;&#13;
&lt;div class="layoutArea"&gt;&#13;
&lt;div class="column"&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;strong&gt;Berichtigung &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;zu Nr. 41/1973:"Die Energielücke in der Mikroweit"&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&#13;
&lt;/div&gt;&#13;
&lt;/div&gt;&#13;
&lt;/div&gt;</text>
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43

^ \ November 1973

Inhalt

DOKUMENTATION:

Außenminister Kissinger unterrichtete NATO»Botschafter über Lage
im Nahen Osten
-Wortlaut der Presseverlautbarung des State Department vom 2.November-

Erklärung von Unterstaatssekretär Kubisch zu den Vorgängen in Chile

WIRTSCHAFT:
Kommende Verhandlungen sollen Lebensmittelversorgung der Welt sicherstellen
Von John J.Harter

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Raumsonde unterm Sonnenschirm
-MARINER 10 auf dem Wege zu den Planeten Venus und MerkurVon Gertrud Weiss
PIONIER 10 vor dem Ziel
-Am 3. Dezember 1973 Vorbeiflug am Planeten Jupiter-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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43/1973

AUSSENMINISTER KISSINGER UNTERRICHTETE NATO-BOTSCHAFTER ÜBER LAGE
IM NAHEN OSTEN

-Wortlaut der Presseverlautbarung des State Department vom 2.November-

WASHINGTON —(AD)»= Der amerikanische Außenminister Dr. Henry Kissinger
hat die Botschafter der 14 anderen NATO-Staaten am 2. November im State
Department zu einem Gedankenaustausch über die Lage im Nahen Osten empfan.
gen und sie über die Auffassungen der USA unterrichtet. Der Sprecher des
amerikanischen Außenministeriums, George Vest, gab im Anschluß an das
90 Minuten dauernde Gespräch folgende Erklärung ab:
"Die Botschafter wurden von dem Außenminister eingehend über die
Ereignisse im Nahen Osten unterrichtet. Sie gaben ihrer Befriedigung und
Anerkennung über diese sehr umfassende Unterrichtung Ausdruck und stimmten ganz allgemein zu, daß dies ein äußerst nützlicher Gedankenaustausch
war.
Sie gaben ferner der Hoffnung Ausdruck, daß sie in dem vor ihnen
liegenden Zeitabschnitt in enger Verbindung bleiben werden."

Maßgebende

-1-

�Maßgebende amerikanische Kreise betonten später, daß die Atmosphäre wäh
rend der Aussprache "sehr freundschaftlich" gewesen sei. Außenminister Kissi
ger habe ein Resümee des gesamten arabisch-israelischen Problems gegeben
und die Hoffnung auf noch dynamischere und umfassendere Konsultationen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren atlantischen Verbündeten unterstrichen, um so ein besseres Verständnis für die Situation zu schaffen. Ein solches Verständnis, so wurde hervorgehoben, sei für eine einheitliche Position
des Westens gegenüber dem Nahen Osten unbedingt notwendig.

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43/1973

ERKLÄRUNG VON UNTERSTAATSSEKRETÄR KUBISCH ZU DEN VORGÄNGEN IN CHILE
WASHINGTON --(AD)— Der Unterstaatssekretär für Interamerikanische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Jack B. Kubisch, hat in einer
Erklärung vor dem Unterausschuß für Interamerikanische Angelegenheiten des
Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses am 20.September kategorisch erklärt, daß die Vereinigten Staaten keinerlei vorherige Kenntnis
des Staatsstreiches in Chile am 11.September hatten.Die klärenden Ausführungen des Unterstaatssekretärs, haben folgenden Wortlaut:
"Herr Vorsitzender, Mitglieder des Ausschusses:
Ich freue mich, heute vor diesem Ausschuß erscheinen zu dürfen und über
die jüngsten Ereignisse in der Politik Chiles und der Vereinigten Staaten zu
sprechen. Obwohl dies mein erster formeller Auftritt vor dem Ausschuß ist,
seit ich vor einigen Monaten den Posten als Unterstaatssekretär für Interamerikanische Angelegenheiten übernommen habe, so habe ich doch den Kontakt
mit dem Vorsitzenden aufrechterhalten und Gelegenheit gehabt, von Zeit zu
Zeit mit anderen Mitgliedern des Ausschusses informell zusammenzutreffen.
Ich begrüße diese Gelegenheit, einige einleitende Bemerkungen zu machen
und werde dann gerne all die Fragen beantworten, die Sie stellen möchten.
Ich bin ferner außerordentlich interessiert, Ihre Auffassungen zu hören,
und ich darf Ihnen versichern, daß sie sorgfältige Erwägung finden werden.
Es mag einige Fragen geben, die Sie nicht gerne zu diesem Zeitpunkt
öffentlich behandelt sehen mögen, da die Entwicklungen in Chile noch nicht
abgeschlossen sind. Ich darf Ihnen jedoch versichern, daß ich bereit bin,
alle einschlägigen Fragen so umfassend und rückhaltlos zu behandeln, wie
ich nur kann, und falls es sich als unzweckmäßig erweisen sollte, einige
dieser Fragen in öffentlicher Sitzung zu behandeln, so bin ich durchaus
bereit, diese Anhörung in geschlossener Sitzung weiterzuführen. Im Anschluß
daran könnten wir selbstverständlich alle die Aussagen veröffentlichen, die
keiner Einstufung als Verschlußsache bedürfen.
Wenn

�Wenn Sie, Herr Vorsitzender, erlauben, möchte ich Ihnen gerne eine
kurze Zusammenfassung der gegenwärtigen Situation in Chile aus unserer Sicht
geben,obwohl ich davon ausgehe, daß die.meisten der anwesenden Mitglieder ein
gutes Bild von den heutigen allgemeinen Zuständen im Lande (Chile) und den
Ereignissen haben, die zu dem Staatsstreich führten.
Ich möchte jedoch gerne diese Gelegenheit benutzen, um gleich zu falschen Anschuldigungen von einigen Seiten Stellung zu nehmen, daß die amerikanische Regierung vorherige Renntnis gehabt hätten oder in irgend einer Weise
an dem Sturz und dem Tod von Präsident Allende beteiligt gewesen wären.
Meine Herren, ich möchte so klar und kategorisch, wie ich nur kann, erklären, daß wir keine vorherige Kenntnis von dem Staatsstreich hatten, der am
11. September stattfand. Im Lichte dessen, was ich als eine recht ungenaue
Berichterstattung in dieser Angelegenheit erachte, möchte ich unterscheiden
zwischen dem Eingang von Berichten über die Möglichkeit eines Staatsstreiches
in Chile und der vorherigen Kenntnis, daß ein Staatsstreich stattfinden würde.
Tatsache ist, daß wir über eine lange Zeitspanne hinweg viele Berichte
über die Möglichkeit eines Staatsstreiches in Chile erhielten. Solche Berichte und Spekulationen grassierten in Chilu selbst. Ja sogar Präsident Allende
selbst äußerte sich öffentlich zu ihnen, und eine in Santiago erscheinende
Tageszeitung brachte sogar am 11. September einen Bericht, daß am gleichen
Tage ein Staatsstreich der chilenischen Streitkräfte geplant sei.
.Alle diese früheren Berichte, die über Umsturzversuche spekulierten
falsch
oder solche vorausgesagt hatten, erwiesen sich als/- mit Ausnahme des letzten
Berichtes, der am Dienstag, den 11. September, morgens bei uns im Amt eintraf, nachdem der Staatsstreich bereits begonnen hatte.
Es bestand jedbch zwischen den Organisatoren und den Führern des Staatsstreiches keinerlei direkter Kontakt zu uns, und wir hatten im voraus keine
definitive Kenntnis von dem Staatsstreich.

la

-2-

�In ähnlicher Weise ist die amerikanische Regierung direkt oder indirekt
der Verwicklung in oder der Mitschuld an dem Staatsstreich beschuldigt worden. Das ist absolut falsch. Wie amtliche Sprecher der amerikanischen Regierung wiederholt erklärt haben, waren wir in keiner Weise in den Staatsstreich verwickelt.
Ich möchte an diesem Punkt auch etwas zu den amerikanisch-chilenischen
Wirtschaftsbeziehungen während der letzten Jahre sagen.
Nach meiner Auffassung war der Standpunkt der amerikanischen Regierung durchaus korrekt und absolut verständlich. Die Vereinigten Staaten hatten nicht den Wunsch, eine Konfrontation mit der Regierung Allende zu provozieren. Es wurden im Gegenteil wiederholt nachhaltige Versuche unternommen, um Mittel und Wege zur Beilegung unserer Differenzen zu finden, obwohl die chilenische Regierung in diesem Zeitraum amerikanische Privatinvestitionen in Höhe von über 700 Millionen Dollar entschädigungslos enteignet
hatte. Darüber hinaus ist Chile im gleichen Zeitraum mit Schulden in Höhe
von über 100 Millionen Dollar gegenüber den Vereinigten Staaten in Verzug
geraten.
Tatsache ist, daß dem Handel mit Chile keine Embargos oder Restriktionen auferlegt wurden. Amerikanische Firmen bleiben weiterhin die Hauptlieferanten fün Nahrungsmittel, Ersatzteile und Gerät für die chilenische Wirtschaft.

Bilateral setzten wir eine Vielzahl von Programmen fort, wie bei-

spielsweise AID, People-to-People-Programme, Lebensmittel-für-den-FriedenHilfe, Friedenskorps sowie wissenschaftliche und kulturelle Austauschprogramme. Wir setzten die

normale Auszahlung der noch offenstehenden AID-

Anleihen fort, nachdem Dr.Allende sein Amt übernommen hatte. Es wurden zwar
keine neuen bilateralen Entwicklungsanleihen vergeben, jedoch muß in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden, daß wir die AID-Entwicklungsanleihetätigkeit in Lateinamerika, einschließlich Chile,scharf reduziert
hatten, noch bevor1 die Regierung Allende ihr Amt übernahm. Im übrigen hat
die chilenische Regierung keine neuen Entwicklungsanleihen beantragt.

Auf
-3-

�Auf internationalem Gebiet setzten multilaterale Banken die Auszahlung
zugesagter Anleihen an Chile in einer Gesamthöhe von 83 Millionen Dollar von
August 1971 bis August 1973 fort , wobei diese Summe eine Zunahme der jährlichen Auszahlungen gegenüber den drei Jahren vor der Machtübernahme
Dr. Allendes bedeutete.
Die Wirtschaftspolitik selbst jedoch, die die Regierung Allende verfolgte, bewirkte eine stetige Verschlechterung der wirtschaftlichen

Lage.

Die mangelnde Bereitschaft der Regierung, ihre Politik zu ändern, "führte
unausweichlich dazu, daß internationale Finanzierungsinstitute ihre Programme
für Chile kürzten,und die Vereinigten Staaten hätten schon wegen rechtlicher Beschränkungen nicht für einige dieser Hilfsprogramme stimmen können.
Der Klub von Paris, dem verschiedenartige Kreditorenländer angehören,
kam zu dem Schluß, daß für Chile nur wenig getan werden konnte, solange
Chile keine Politik einschlug, die er hätte unterstützen können. Ich wiederhole jedoch, daß es nicht die Vereinigten Staaten waren, die diese Beschlüsse faßten, sondern die Finanzierungsinstitute selbst.
Alles in allem ist es unrichtig, zu sagen, die amerikanische Regierung
sei - direkt oder indirekt - für den Sturz des Allende-Regimes verantwortlich.
Große Besorgnis hat natürlich die menschliche Tragödie ausgelöst, die
durch die jüngsten Ereignisse in Chile entstanden ist. Das amerikanische
Volk und seine Regierung haben stets ihre Sorge um das Leider anderer in
der ganzen Welt bekundet. Die Vereinigten Staaten haben auf viele Weise
aktiv dazu beigetragen , Leiden zu erleichtern und die Achtung vor den
Menschenrechten zu stärken. Was Chile anbetrifft, so haben wir bereits
unser Bedauern über den Verlust von Menschenleben und den Tod von Präsident
Allende zum Ausdruck gebracht.
Wir sind auch über Berichte über Verletzungen der Menschenrechte in
Chile besorgt. Meines Wissens sind jedoch viele dieser Berichte unbegründet und nicht notwendigerweise aufschlußreich ttyC.'J die Politik, die die
neue Regierung Chiles verfolgen wird, wenn sich die Situation dort erst
voll stabilisiert hat.
Darüber

�Darüber hinaus haben die chilenischen Behörden bereits der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen Zusicherungen bezüglich der Flüchtlinge in jenem Lande gegeben.
Herr Vorsitzender, Mitglieder des Ausschusses, abschließend möchte ich
noch einmal unterstreichen, daß die Entwicklung in Chile noch im Fluß
ist. Wenn die neue Regierung beginnt, ihre Wirtschafts-, Sozial- und sonsti
ge Politik abzustecken, werden wir uns bemühen, unsere eigene Politik zu
formulieren, um uns auf die Realitäten der neuen Situation einzustellen.
Wir waren für die Schwierigkeiten nicht verantwortlich, in denen
sich Chile befand, und es steht uns nicht an, darüber zu urteilen, was für
das chilenische Volk das Beste gewesen wäre oder jetzt das Beste wäre.
Das ist eine Sache, die die Chilenen selbst entscheiden müssen, und
wir achten ihr Recht auf diese Entscheidung. Wenn wir bei den Aufgaben, vor

denen sie jetzt stehen, helfen können, und wenn Chile unsere Hilfe wünscht,
dann werden wir, dessen bin ich sicher, unser Bestes tun,um diese Hilfe
in dem Geist der Verständigung und Freundschaft zu gewähren, den das amerikanische Volk dem chilenischen Volk seit langem entgegengebracht hat.".

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KOMMENDE VERHANDLUNGEN SOLLEN LEBENSMITTELVERSORGUNG DER WELT SICHERSTELLEN
Von John J. Harter

WASHINGTON —(AD)-- Mit der Frage, wie die Lebensmittelversorgung der Welt
auch künftig sichergestellt werden kann, befassen sich bereits zahlreiche
internationale Gremien wie die Ernährungs-und Landwirtschaftsorganisation
der Vereinten Nationen (FAO), die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), das Allgemeine Zoll-und Handelsabkommen
(GATT), die Welthandelskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD). Aber
auch den Regierungen der einzelnen Länder kommt hierbei eine besondere Verantwortung zu, und die jetzt im Rahmen des GATT angelaufene Tokio-Runde
von Handelsverhandlungen bietet ihnen erneut Gelegenheit, dieser Verantwortung zu entsprechen.
Erst vor wenigen Tagen hat der stellvertretende Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen,Botschafter Harald B. Malmgren,
vor dem GATT-Ausschuß für Handelsverhandlungen (TNC), der dem von den

-1-

�den Ministern in Tokio erteilten Mandat folgend die einzelnen Arbeitsgruppen
sowie die bei der neuen Verhandlungsrunde zu beachtenden Richtlinien festgelegt hatte, erklärt, die Vereinigten Staaten erwarteten, "daß alle den
derzeitigen Handelsverzerrungen zugrundeliegenden Faktoren behandelt werden.1
Dies gelte auch, so führte der Botschafter damals aus, für die Bevorratungspolitik bei Agrarprodukten. Die USA erwarteten nicht, daß andere Foren hier
spezifische Rahmenvereinbarungen aushandelten, denn alle multilateralen
Verpflichtungen für eine Lebensmittelbevorratung ständen in direkter Beziehung zum Welthandel, zur Handelspolitik der einzelnen Länder sowie zu dem
Modus für eine Beilegung et.:.i.g&gt;r Handelsstreitigkeiten.
In anderen Gremien werden solche Fragen zwar in groben Zügen im Zusammenhang mit der Welternährungslage behandelt. Die Vorschläge der Vereinigten Staaten, diese Fragen dort zu erörtern, besagen jedoch nicht, daß damit
versuchen werden soll, die entscheidenden Agrarfragen aus den multilateralen
Handelsverhandlungen auszusondern und anderen Gremien zu übertragen. Jede
derartige Verlagerung wäre mit der grundlegenden Auffassung der USA nicht
zu vereinbaren, daß die Landwirtschaft ein unerläßlicher Bestandteil der
neuen Handelsverhandlungen als ganzes sein muß.
. Zwar hat der amerikanische Außenminister Henry A. Kissinger in seiner
Rede vor der UN-Vollversammlung am 24. September 1973 für 1974 die Einberufung einer Welternährungskonferenz unter den Auspizien der Vereinten Nationen vorgeschlagen, um die Kräfte aller Länder für den Kampf gegen Hunger und
Unterernährung als Folge von Naturkatastrophen zu mobilisieren. Botschafter
Malmgren hat das Ziel einer solchen Konferenz jetzt dahingehend definiert,
daß sie Möglichkeiten für eine internationale Zusammenarbeit aufzeigen soll,
um etwa auftretende weltweite Ungleichgewichte in der Lebensmittelversorgung
ausgleichen zu können.

Bereits

�Bereits auf ihrer 17. Zwei Jahreskonferenz im November in

Rom wird die

FAO die Lebensmittelsituation der Welt und im besonderen die Ausweicung der
Lebensmittelerzeugung erörtern. Und auch die OECD hat sich erst kürzlich mit
diesen Themen befaßt. Eine solche internationale Diskussion über die Welternährungslage wie auch über die Aufstockung der internationalen Bestände an
Agrarprodukten wird von den USA durchaus begrüßt,die ohnehin kurzfristig mit
einer deutlichen Zunahme der Weltagrarerzeugung sowie einer Verbesserung der
Bevorratungslage rechnen.
Amerikanische Regierungskreise haben sich schon immer ganz generell dafür ausgesprochen, durch Verhandlungen neue Abkommen zu erreichen, die eine
wirksamere Nutzung der landwirtschaftlichen Hilfsquellen der Welt sicherstellen. Und auch die Frage der Bevorratung ist nach amerikanischer Auffassung ein zentrales Problem. Eine durch internationale Verhandlungen zu erreichende Lösung wäre zum Beispiel eine zentral verwaltete"Lebensmittelbank"
oder eine Vereinbarung über eine gegenseitige Abstimmung der nationalen Bevorratungspolitik.
Wie man in Washington betont, steht jedoch die Frage der internationale
Lebensmittelbevorratung ohne jeden Zweifel in engem Zusammenhang mit anderen
den Welthandel und die nationale Landwirtschaftspolitik betreffenden Fragen.
Gerade die in den kommenden Monaten auf allen Ebenen, inner-und außerhalb de
Vereinten Nationen, geführten Verhandlungen, so hofft man in der amerikanischen Hauptstadt, werden die Vor-und Nachteile der verschiedenen Vorschläge
von allen Seiten beleuchten helfen, die den einzelnen Arbeitsgruppen der
neuen GATT-Verhandlungsrunde vorliegen.

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43/1973

RAUMSONDE UNTERM SONNENSCHIRM
-MARINER 10 auf dem Wege zu den Planeten Venus und MerkurVon Gertrud Weiss

--(AD)-- Der Planet Venus, vor ein paar Monaten durch neue Radarmessungen mit den mächtigen Antennen des Goldstone-Laboratoriums in der MojaveWüste in Kalifornien teilweise "demaskiert", wird im Februar 1974 wohl
mehr von seinen Geheimnissen preisgeben müssen. Am 5. Februar fliegt die
am 3. November 1973 gestartete amerikanische Raumsonde MARINER 10 in
ca. 5 000 km Abstand an ihm vorbei. Sie wird ihn vorher und danach - insgesamt 17 Tage lang - mit zwei Fernsehkameras und sechs Meßinstrumenten
sondieren.
Allerdings ist noch nicht vorauszusehen, in welchem Umfang mehr über
die Beschaffenheit dieses "Schwesterplaneten" der Erde zu erfahren sein
wird. Wohl haben die Meßdaten von MARINER 2 (1962) und MARINER 5 (1967)
sowie von sowjetischen Raumsonden schon manche Kunde von dem ständig unter
einer dichten Wolkendecke verborgenen Planeten V e n u s gebracht. Man weiß
z.B., daß die Temperatur auf der Tagseite weit über 400 Grad Celsius und
der atmosphärische Druck etwa das Hundertfache des Luftdrucks an der Erdoberfläche beträgt. Den Meßdaten der im Juli 1972 weich gelandeten sowjetischen Sonde VENUS 8, die 50 Minuten lang Signale übermittelte, war u.a. zu
entnehmen, daß der Untergrund am Landeort vermutlich aus granitähnlichem
Gestein besteht.
Die

-1-

�Die bisher aufschlußreichsten Informationen über die Oberfläche der
Venus lieferten nach den noch relativ groben Radarmessungen vom Jahre 1970
die neuen, detaillierten Radaruntersuchungen vom Radioobservatorium Goldstone
aus. Dabei wurde ein 1,3 Millionen qkm großes Gebiet im Äquatorgürtel abgetastet. Die Echos nahmen zwei leistungsstarke Antennen in Kalifornien auf,
die ca. 20 km auseinanderliegen, so daß mit Hilfe dieser "Stereotechnik11
eine äußerst präzise Vermessung möglich wurde. Die jetzt vorliegende Karte
zeigt eine pockennarbige Oberfläche, der des Mondes nicht unähnlich. Der
größte Krater hat 160 km Durchmesser.Die Höhenunterschiede sind jedoch alles
in allem viel geringer als auf dem Mond; sie dürften kaum mehr als 1 100 m
betragen. Nach Meinung von Prof. Richard M. Goldstein vom Jet Propulsion
Laboratory in Pasadena (Kalifornien) sind die Krater in diesem Gebiet in
erster Linie auf Meteoriteneinschläge und nicht primär auf vulkanische Vorgänge zurückzuführen. Sie könnten durch ein massives Bombardement aus dem
Weltraum bereits zu einer Zeit entstanden sein, als die Venus noch gar keine
Atmosphäre besaß.
', Die Hoffnung ist gering, daß die Fernsehkameras von MARINER 10 beim
Vorbeiflug an der Venus etwa durch ein zufällig aufgerissenes Loch in der
mindestens 13 km dicken Wolkenhülle einen Blick auf die Oberfläche erhaschen,
obgleich den Meßdaten von VENUS 8 zufolge hie

und da Sonnenlicht bis zum

Boden durchdringt. Aber schon die farbigen Fernsehbilder von der Wolkendecke
und ihrer Struktur, welche besonders im Bereich der Grenzlinie

zur Nacht-

seite gut zu erkennen sein dürfte, wären aufschlußreich, da sich daraus im
Verein mit den Meßdaten der ebenfalls mitgeführten Radarsonde Rückschlüsse
auf die Oberfläche ziehen lassen. Die Radarsondierung von Goldstone aus wird
zu diesem Zeitpunkt wieder aufgenommen.
Man vermutet ein reguläres Zirkulationsschema für die Wolkenhülle, die
den Planeten - unabhängig von dessen sehr langsamer Eigenrotation - einmal
in fünf Tagen umkreist. Die Ursache für dieses Phänomen ist unbekannt. Sensoren an den Fernsehausrüstungen sollen helfen, die schon häufig beobachteten Ultraviolett-'Tlecke", die ebenfalls eine Umlaufzeit von vier bis fünf

-2-

�/
fünf Tagenhaben, näher zu untersuchen. Die TV~Geräte selbst sind mit denen
der erfolgreichen Marssonde MARINER 9 nahezu identisch, besitzen jedoch
durch die Ausstattung mit 1 500 mm-Cassegrain-Teleskopen ein höheres Auflösungsvermögen. Dieses liegt bei etwa 50 m« Von Infrarot-Sensoren erhoffen
sich die Wissenschaftler Hinweise auf die Zusammensetzung der Atmosphäre,
die, wie man weiß, hauptsächlich aus Kohlendioxid besteht. Das interplanetare Plasma, d.h. die von der Sonne ständig abströmende Materie mit elektrisch geladenen Partikeln wie Protonen und Elektronen, wird, ebenso wie
Magnetfelder,auf dem ganzen Flugweg gemessen, aber besonders aufmerksam in
der unmittelbaren Umgebung des Planeten beobachtet.
Sechs Wochen später wiederholt sich das Arbeitsprogramm zur ersten
Nahbeobachtung des Planeten Merkur, den die 500 kg schwere Sonde MARINER 10
am 29. März 1974 in nur 1 000 km Abstand passieren soll. Bei diesem Ausflug
'

zu den sonnennächsten Planeten wird übrigens zum ersten Mal von der sogenannten Swing-by-Technik Gebrauch gemacht. Die Flugbahn des MARINER 10 zur

I

Venus ist so berechnet, daß die Sonde mit Hilfe der Schwerebeschleunigung
bei der größten Annäherung im Februar umgelenkt und, wie aus einer Schleuder katapultiert, in Richtung Merkur weitertransportiert wird. Diese Technik
hilft Treibstoff sparen - aber die Voraussetzung für ihr Funktionieren ist
eine äußerst exakte Anflugbahn.
Wegen der im Vergleich zur Umgebung der Erde um das Zehnfache höheren
Temperaturen im inneren Bereich des Sonnensystems werden die Instrumente
der Sonde durch sonnenschirmähnliche Vorrichtungen geschützt. Selbst die
Solarzellen, die ja den Betriebsstrom für die Instrumente und Funkgeräte
liefern, müssen in Sonnennähe so gekippt werden, daß sie nur noch einen
Bruchteil der Gesamtstrahlung empfangen.
Von der Erde aus ist die Beobachtung des Merkur, des sonnennächsten
und mit nur 4 800 km Äquatordurchmesser kleinsten Planeten unseres Sonnensystems, allein schon deshalb außerordentlich schwierig, weil dabei die
Sonne immer stört. Ein paar Fakten sind bekannt: so beträgt die Umlauf-

-3-

�Umlaufzeit um das Zentralgestirn knapp 88 Tage. Sie scheint auf eigenartige
Weise mit der Eigenrotation gekoppelt zu sein - der Merkur dreht sich nämlich
im Verlauf von vier "Jahren" dreimal um die eigene Achse. Auf diesen Umstand
dürften, in Verbindung mit der relativ stark exzentrischen Umlaufbahn, die
sogenannten heißen Flecke auf seiner Oberfläche zurückzuführen sein. Diese
Stellen sind stets dann der Sonne zugewandt, wenn ihr der Merkur am nächsten
ist. Die Temperaturunterschiede zwischen der Tag-und Nachtseite scheinen sehr
krass zu sein - sie werden mit + 400 und - 100 Grad Celsius angenommen.
Der Merkur dürfte nur geringe oder gar keine Atmosphäre haben. Besonders interessant ist jedoch seine Dichte. Sie beträgt 5,3 g/ccm und kommt
damit jener der Erde (5,52 g/ccm) unter allen Planeten am nächsten. Vielleicht helfen die MARINER 10-Instrumente die Frage beantworten, weshalb dieser kleine Planet so "schwer" ist.
Nach Abschluß der Messungen und Fernsehaufnahmen am Merkur tritt
MARINER 10 als künstlicher Planet in eine Umlaufbahn um die Sonne ein. NASAWissenschaftler hoffen, diese Bahn so steuern zu können, daß die Sonde ein
zweites Mal in Merkurnähe gelangt, um den Planeten noch einmal zu inspizieren. Wenn dies gelingt »könnte sie am 24. September 1974 eine zweite Bilderserie zur Erde funken.

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43/1973

PIONIER 10 VOR DEM ZIEL
Am 3. Dezember 1973 Vorbeiflug am Planeten Jupiter

--(AD)-- Zwanzig Farbaufnahmen vom Jupiter, dem Riesen unter den neun
Hauptplaneten des Sonnensystems, und vielleicht sogar Aufnahmen von einem
seiner 12 Monde hoffen die NASA-Wissenschaftler im Dezember 1973 übermittelt zu bekommen, wenn die amerikanische Raumsonde PIONIER 10 in etwa
160 000 km Abstand an dem Planeten vorbeizieht. 950 Millionen km weit war
der Anflugweg, der in die unbekannte Welt jenseits des Mars und des
Asteoridengürtels führte.Bisher verlief alles nach Plan. Auch die befürchteten Beschädigungen durch mögliche Kollisionen mit Meteoriten beim Durchgang
durch den Hunderte von Millionen Kilometern breiten Asteoridengürtel blieben aus. Seit dem 2. März 1972 ist PIONIER 10 unterwegs, seit dem 5. April
1973 folgt eine zweite, identische Sonde, PIONIER 11. Diese wird, wenn
weiter alles programmgemäß verläuft, im Dezember 1974 die Nahbeobachtungen
am Jupiter fortsetzen können.
Auf Minuten genau muß die Flugkontrolle der amerikanischen Weltraumbehörde NASA die Zeit der Ankunft an einem bestimmten Bahnpunkt am 3. Dezember 1973 errechnen. Diese Information wird z.B. benötigt, um Manöver wie
den Vorbeiflug der Sonde auf der Rückseite des orangefarbenen Jupitermondes Io und den Zeitpunkt des Absendens der Funkbefehle von der Erde für die

�die Sondierung des Jupiter präzise zu planen. Denn die Funksignale brauchen
46 Minuten, bis sie - bei Lichtgeschwindigkeit - PIONIER 10 überhaupt erreichen. Für die Nahbeobachtungen ist eine ganze Woche vorgesehen.
Mit 12 Instrumenten soll Jupiter, der allein mehr Masse besitzt als die
übrigen acht Hauptplaneten des Sonnensystems zusammen, während des Vorbeifluges beobachtet werden. Vom Infrarot-Radiometer erwartet man Informationen
über die wahrscheinlich sehr tiefe Atmosphäre des Giganten, dessen Durchmesser am Äquator 142 700 km, also mehr als das Elffache des Erddurchmessers beträgt. Da der Planet sehr schnell rotiert - er braucht nicht einmal 10 Stunden für eine Umdrehung «, ist er an den Polen stark abgeplattet.
Das Hochfeld-Magnetometer dürfte besonders interessante Daten liefern.
Vorläufig ist die Frage noch offen, woher bezw. aus welchen Prozessen Jupiter den "Überschuß" an Energie bezieht. Denn die Sonne kann eigentlich angesichts seiner Energiebilanz nicht die einzige Energiequelle sein. Der "Rote
Fleck" auf der Südhalbkugel beschäftigt die Planetenforscher schon seit langer Zeit. Auch die farbig abgesetzte Streifenstruktur der Atmosphäre gibt
manche Rätsel auf.
Schon auf dem Anflugweg registrierte PIONIER ständig

die Meteoriten-

dichte sowie den "Sonnenwind", d.h. die Strömungsrichtung und die Dichte der
von der Sonne fortlaufend an den interplanetaren Raum abgegebenen Schwaden
von Materieteilchen, und dazu die mit ihnen wandernden schwachen Magnetfelder. Vier Instrumente erfaßten

besonders energiereiche Partikel,

die sowohl von der Sonne als auch aus dem galaktischen Raum stammen können.
Und ein Ultr^violett-Instrument mißt Wasserstoff und Helium aus dem interstellaren Raum, d.h. von Bereichen außerhalb unseres eigenen Sonnensystems.
Der Planet Jupiter ist Von der Erde aus gesehen das vierthellste Objekt
am Himmel. Jedoch ist immer nur die "Tagseite" sichtbar. PIONIER 10 soll nun
zum ersten Mal Messungen vom Gebiet der Tag-und Nächtgrenze übermitteln.

-2-

�übermitteln. Spektrographische Aufnahmen von der Erde aus ergaben, daß die
Atmosphäre hauptsächlich aus Wasserstoff, Ammoniak, Methan und Wasserdampf
besteht. Wie es unterhalb der Atmosphäre aussieht, weiß niemand. Wohl gibt
es verschiedene Modelle, die den Aufbau des Planeten darzustellen versuchen
- er könnte beispielsweise einen sehr dichten Gesteinskern, darum einen Mantel aus metallischem Wasserstoff und eine Oberfläche aus flüssigem oder
festem Wasserstoff haben. Vielleicht helfen die PIONIER-Experimente, auch
einige Antworten auf diese Fragen zu finden.

-3-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Kissinger unterrichtete NATO-Botschafter über Lage im Nahen Osten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Presseverlautbarung des State Department vom 2. November -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Unterstaatssekretär Kubisch zu den Vorgängen in Chile&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kommende Verhandlungen sollen Lebensmittelversorgung der Welt sicherstellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John J. Harter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumsonde unterm Sonnenschirm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- MARINER 10 auf dem Wege zu den Planeten Venus und Merkur -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;PIONIER 10 vor dem Ziel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Am 3. Dezember 1973 Vorbeiflug am Planeten Jupiter -&lt;/em&gt;</text>
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1 4 . November 1973

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Inhalt

DOKUMENTATION:
Nixon gibt Sparmaßnahmen zur Sicherung der Energieversorgung bekannt
-Wortlaut der Rundfunk-und Fernsehansprache des Präsidenten vom
7.November-

WIRTSCHAFT:
Rede des amerikanischen Landwirtschaftsministers Earl L. Butz
zur Eröffnung der Welt-Soja-Protein~Konferenz in München am 11. November 1973
US-Außenhandel verzeichnet wachsende Überschüsse
Von Dr. Sidney L„ Jones
Unterstaatssekretär im amerikanischen Handelsministerium

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Bautechnik » wichtiger Ansatzpunkt zum Energiesparen
-Schul^und Behördenbauten als Modellprojekte~
Von G. Weiss
Schwache elektrische Felder steuern Hirnaktivität
Verfahrensumstellung bei der Tiefkühlindustrie spart Wasser

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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44/1973
NIXON GIBT SPARMASSNAHMEN ZUR SICHERUNG DER ENERGIEVERSORGUNG BEKANNT
- Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache des Präsidenten
von 7. November -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat am Abend des 7. November (Ortszeit) eine Reihe von Sparmaßnahmen bekanntgegeben, die angesichts der gegenwärtigen Krise die Energieversorgung der Vereinigten Staaten sichern sollen.
Gleichzeitig kündigte er eine Gesetzesvorlage - Emergency Energy Act - an, um
die Regierung in die Lage zu versetzen, Notmaßnahmen anordnen zu können.

Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

"Ich möchte heute abend mit Ihnen über ein ernstes Energieproblem sprechen,
dem wir in den kommenden Monaten und Jahren ins Auge sehen müssen.

In dem Maße, in dem Amerika in den letzten Jahren gewachsen und gediehen
ist, hat unser Energiebedarf mit der Zeit die verfügbaren Vorräte überstiegen.
Wir haben in den letzten Monaten viele Maßnahmen ergriffen, um die Versorgung
zu erhöhen und den Verbrauch zu drosseln. Aber selbst mit all unseren besten
Anstrengungen waren wir uns bewußt, daß unausweichlich eine Periode temporärer
Verknappungen auf uns zu kam.

Leider sind unsere Erwartungen für diesen Winter jetzt durch den jüngsten
Konflikt im Nahen Osten stark eingeschränkt worden. Wegen des Krieges haben

- 1 -

�&lt;

haben die meisten der Ölproduzenten im Nahen Osten ihre Gesamtproduktion

«•

verringert und ihre Lieferungen an die Vereinigten Staaten eingestellt. Bis
Ende dieses Monats werden über zwei Millionen Barrel (ein Barrel gleich 159
Liter) pro Tag, mit denen wir als Einfuhr in die Vereinigten Staaten rechneten,
nicht mehr zur Verfügung stehen.
Wir müssen uns daher der nackten Tatsache stellen, daß wir auf die akutesten
Energieverknappungen seit dem zweiten Weltkrieg zusteuern. Unsere Erdölversorgung in diesem Winter wird mindestens 10 Prozent unter unserem erwartungsgemäßen Bedarf liegen - und könnte bis zu 17 Prozent darunter liegen.

Schon vor Ausbruch des Krieges im Nahen Osten waren diese zu erwartenden
Verknappungen das Thema intensiver Erörterungen unter Mitgliedern meiner Administraticn

und führenden Vertretern des Kongresses, Gouverneuren, Bürger-

meistern sowie Vertretern der Verbraucher und der Industrie. Aus diesen Gesprächen
hat sich eine allgemeine Ü^reinstimmung

herauskristallisiert, daß wir jetzt

einen neuen Kurs für unsere Nation abstecken müssen.
fr

Kurzfristig gesehen bedeutet dieser Kurs, daß wir weniger Energie verbrauchen dürfen - weniger Heizung, weniger Elektrizität und weniger Benzin.
Auf lange Sicht bedeutet das, daß wir neue Energiequellen entwickeln müssen,
die uns in die Lage versetzen, unseren Bedarf zu decken, ohne uns auf andere
Länder verlassen zu müssen.

Die unmittelbare Knappheit wird sich auf das Leben eines jeden van uns
auswirken. In unseren Fabriken, in unseren Autos, in unseren Wohnungen und in
unseren Büros werden wir weniger Brennstoff verbrauchen können, als wir dies
gewohnt waren. In manchen Schulen und Fabriken werden die Unterrichts- und Arbeitszeiten neu festgelegt werden müssen. Manche Düsenflüge werden gestrichen
werden.

Das bedeutet nicht, daß wir kein Benzin mehr haben werden oder daß der
Luftverkehr eingestellt wird oder daß wir in unseren Wohnungen oder Büros
frieren müssen. Die Brennstoffkrise muß nicht unbedingt bedeuten, daß jeder

�jeder Amerikaner echt leidet. Aber sie wird von allen Amerikanern einige
Opfer verlangen.

Wir müssen sicherstellen, daß unser lebenswichtiger Bedarf am ersten gedeckt wird - und daß unsere am wenigsten wichtigen Tätigkeiten als erste gedrosselt werden. Und wir müssen sicherstellen, daß zwar an unserer Wirtschaft
das Fett abtrainiert wird, daß aber die Muskeln nicht ernsthaft beschädigt
werden.

Um uns dabei zu helfen, diese Aufgabe zu erfüllen, gebe ich heute abend
folgende Schritte bekannt:

Erstens: Ich ordne an, daß Industrien und öffentliche Versorgungsbetriebe,
die Kehle verwenden - das natürliche Hilfsmittel, das uns am reichlichsten zur
Verfügung steht - davon abgehalten werden, in unmittelbarer Zukunft auf öl umzustellen. Ferner werden Anstrengungen unternommen, Kraftwerke und öl auf Kohle
umzustellen.

Zweitens: Wir teilen verringerte Mengen an Brennstoff für Flugzeuge aus.
Dies wird zu einer Kürzung über 10 Prozent der Anzahl der Flüge und zu einer
Neufestlegung von Abflugs- und Ankunftszeiten führen.
Drittens: In der Versorgung mit Heizöl führ Wohnungen, Büros und andere
Einrichtungen wird eine Kürzung von schätzungsweise 15 Prozent eintreten. Um
sicherzustellen, daß genug öl für den gesamten Winter vorhanden ist, wird es
für alle von uns unumgänglich sein, bei niedrigeren Temperaturen zu leben und
zu arbeiten. Wir müssen jeden darum bitten, den Thermostat in seiner Wohnung
um mindestens 6 Grad (Fahrenheit) zurückzudrehen, damit wir einen nationalen
Tagesdurchschnitt von 68 Fahrenheit (20 Grad Celsius) erreichen. In Büros,
Fabriken und kaufmännischen Betrieben müssen wir darum bitten, daß sie eine
verhältnismäßige Verringerung um 10 Grad erreichen, indem entweder der Thermostat zurückgedreht oder die Arbeitsstunden gekürzt werden.

Viertens:

�&gt;

Viertens: Ich ordne eine weitere Verringerung des Energieverbrauchs durch

\

die Bundesregierung an. Wir haben bereits Schritte unternommen, um den Verbrauch der Regierung um 7 Prozent zu senken. Die Kürzungen nüssen jetzt noch
weitergehen.und in jedem Amt und Ministerium der Regierung durchgeführt werden.
Ich gebe die Anweisung, daß die Temperaturen in Büroräumen der Bundesregierung
während des Tages sofort auf einen Stand zwischen 65 und 68 Grad verringert
werden. Darüber hinaus ordne ich an, daß alle Fahrzeuge im Besitz der Bundesregierung - und es gibt etwa eine halbe Million davon - nicht schneller als
50 Meilen pro Stunde fahren, außer in Notfällen. Dies ist ein Schritt, den
sofort zu ergreifen ich auch alle Gouverneure, Bürgermeister und Kommunalbeamte bezüglich den ihnen unterstellten Fahrzeugen gebeten habe.

Fünftens: Ich ersuche die Atomenergiekommission, die Lizenzierung und den
Bau von Kernkraftwerken zu beschleunigen. Wir nüssen versuchen, die Zeitspanne,
die erforderlich ist, um Kernkraftwerke in Betrieb zu setzen, von zehn auf
sechs Jahre zu verringern.

Sechstens: Ich ersuche die Gouverneure und Bürgermeister, diese Maßnahmen zu *
unterstützen, indem sie auf einzelstaatlicher und koimiunaler Ebene entsprechende
Schritte unternehmen. Wir haben beispielsweise van Staate Oregon bereits gelernt,
daß beträchtliche Energiemengen eingespart werden können, wenn unnötige Beleuchtung eingespart und das Schuljahr leicht geändert wird. Ich empfehle, daß
andere Gemeinden diesem Beispiel folgen und ebenfalls nach Mitteln und Wegen
suchen, um Arbeitsstunden zu verlegen und zu einer stärkeren Benutzung von
öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrgemeinschaften anzuregen. In Übereinstimmung mit Sicherheits- und Wirtschaftserwägungen ersuche ich femer die Gouverneure, Schritte zu ergreifen, um die Höchstgeschwindigkeit auf Autostraßen auf
50 Meilen pro Stunde herabzusetzen. Diese Maßnahme allein könnte, wenn sie auf
nationaler Basis ergriffen wird, täglich über 200 000 Barrel öl einsparen.

All diese Maßnahmen werden zu einer wesentlichen Einsparung an Energie
führen. Und was noch wichtiger ist, die meisten dieser Maßnahmen können sofort
und ohne weitere Verzögerung eingeführt werden. Der Schlüssel zu ihrem Erfolg
liegt nicht in Washington, sondern in jedem Heim und in jeder Gemeinde im
- 4 -

�im ganzen Lande. Wenn jeder von uns an dieser Anstrengung mitwirkt - mitwirkt
in dem Geist und der Entschlossenheit, die den amerikanischen Charakter schon
inner ausgezeichnet haben, dann ist die Schlacht bereits halb gewonnen.
Wir müssen jedoch einsehen, daß selbst diese Schritte, so wesentlich sie
sein mögen, wohl nicht ausreichend sind. Wir müssen bereit sein, weitere
Schritte zu unternehmen, und zu diesem Zweck muß der Kongreß zusätzliche Vollmachten gewähren.

Ich habe daher meinen Chefberater für Energiepolitik, Gouverneur John
Love, und andere Regierungsbedienstete angewiesen, eng mit dem Kongreß zusammenzuarbeiten, um ein Energienotgesetz - Emergency Energy Act - auszuarbeiten.

Ich bin heute vormittag mit führenden Kongreßvertretem zusammengetroffen
und habe sie ersucht, diese Vorlage mit Priorität auf dringlicher Basis zu behandeln. Es ist unerläßlich, daß dieses Gesetz zur Unterschrift auf meinen
Schreibtisch kcmmt, bevor der Kongreß im Dezember in die Ferien geht. Aufgrund
der harten Arbeit, die die Senatoren Jackson, Fannin und andere für diese Vorlage bereits geleistet haben, bin ich zuversichtlich, daß wir diesen Termin
einhalten können.

Diese vorgeschlagene Gesetzgebung würde die Exekutive in die Lage versetzen, der Energiekrise auf verschiedene wichtige Weise begegnen zu können:

Erstens: Sie würde die sofortige Rückkehr zur Sommerzeit (Daylight saving
time) auf ganzjähriger Basis erlauben.

Zweitens: Sie würde die notwendige Vollmacht gewähren, die Umweltbestimmungen auf temporärer Basis von Fall zu Fall zu lockern, und es uns erlauben,
unsere Umweltinteressen mit unseren Energieerfordernissen in geeigneter Weise
aufeinander abzustimmen.

Drittens:

�i
Drittens: Sie würde die Vollmacht gewähren, besondere Energiesparmaßnahmen
einzuführen, wie etwa Einschränkungen der Öffnungszeiten für Einkaufszentren
und andere kaufmännische Einrichtungen.

Viertens: Sie würde die Suche, Erschließung und Produktion im Hinblick auf
unsere Erdölreserven im Meeresboden genehmigen und finanzieren. Diese Reserven
enthalten reiche Ölquellen. Allein aus einer dieser Quellen - Elk Hills, Kalifornien - könnten wir innerhalb von zwei Monaten täglich über 160 000 Barrel fördern.

Fünftens: Sie würde der Bundesregierung Vollmacht erteilen, die Höchstgeschwindigkeit auf Autostraßen im ganzen Lande herabzusetzen.

Und letztlich würde sie die Ermächtigung der zuständigen Regierungsbehörden
ausweiten, um die Fahrpläne von Flugzeugen, Schiffen und anderen Verkehrs- und
Transportmitteln den Umständen anzupassen.

'

Wenn die Verknappungen trotz all dieser Maßnahmen und trotz unvermeidlicher-Erhöhungen des Preises für Energieprodukte anhalten sollten, könnte es notwendig
werden, noch nachhaltigere Maßnahmen zu ergreifen. Es ist ein Gebot der Klugheit, daß wir bereit sind, den Verbrauch von ölprodukten wie Benzin durch Rationierung oder durch ein faires System der Besteuerung einschränken, und ich habe
Anweisung erteilt, Notstandspläne zu diesem Zweck vorzubereiten.

Mancher von Ihnen mag sich fragen, ob wir die Uhr auf ein anderes Zeitalter zurückstellen. Benzinrationierung, Ölknappheit und Geschwindigkeitsbeschränkungen, das alles riecht nach einem Leben, das wir mit den Kriegsjähren
in den vierziger Jahren hinter uns gelassen haben. Nun stammt ein Teil unserer
Probleme auch vom Krieg - dem Krieg im Nahen Osten -, aber genauer gesehen ergeben sich unsere Energieprobleme nicht aus dem Krieg, sondern aus dem Frieden
und dem Wohlstand. Unsere Energie wird heute knapp, weil unsere Wirtschaft ungeheuer gewachsen ist, und weil in der Prosperität das, was früher als ein Luxus
angesehen wurde, heute als Notwendigkeit betrachtet wird.

Als
- 6 -

�Als Ergebnis wird der Durchsdinittsamerikaner in den nächsten sieben Tagen
so viel Energie verbrauchen wie die reisten anderen Menschen in der Welt in
einem ganzen Jahr. Wir haben nur sechs Prozent der Weltbevölkerung, aber wir
verbrauchen über 30 Prozent der Weltenergie. Jetzt stößt unser wachsender Bedarf an die Grenzen der verfügbaren Versorgung, wenn wir keine neuen Energiequellen für morgen erschließen, dann müssen wir bereit sein, heute unseren Gürtel
enger zuschnallen.

Darf ich mich jetzt unseren langfristigen Plänen zuwenden.

Wenn wir auch der Lösung der unmittelbaren Krise höchste Dringlichkeit
einräumen, so müssen wir doch schon jetzt handeln, um die Wiederholung einer
solchen Krise in Zukunft zu verhindern. Das ist eine überparteiliche Angelegenheit und verlangt eine überparteiliche Antwort.
Vor zwei Jahren lenkte ich in der ersten Energiebotschaft, die je ein
amerikanischer Präsident dem Kongreß unterbreitete, die Aufmerksamkeit auf
unser kritisches Energieproblem. Im April unterstrich ich dem Kongreß gegenüber
erneut die Größenordnung dieses Problems und ersuchte darum, auf sieben wichtigen,
durch gesetzliche Maßnahmen zu regelnden Gebieten die notwendigen Maßnahmen zu
ergreifen. Im Juni ersuchte ich erneut darum, zu handeln, und das habe ich
seitdem wiederholt getan.

Bisher ist keine der wichtigen Gesetzesvorlagen über Energie verabschiedet
worden. Ich weiß, daß der Kongreß in dieser Zeit mit anderen Dingen beschäftigt
war. Jetzt aber ist für den Kongreß der Zeitpunkt gekorrmen, diese dringende
Angelegenheit zu behandeln und die Gesetze zu schaffen, mit denen nicht nur
der gegenwärtigen Krise, sondern auch den langfristigen Aufgaben begegnet
werden kann.

Wenn wir es jetzt versäumen, unsere langfristigen Energieprobleme anzupacken, würden wir die Fähigkeit unserer Industrie und Landwirtschaft ernsthaft gefährden, unserer Bevölkerung in einem alle Rekorde brechenden Umfang
Arbeit und Brot zu geben - wir haben in diesem Land z.Z. fast 86 Millionen Be- 7 -

�Beschäftigte - und den in unserer ganzen Geschichte höchsten Lebensstandard
zu erhalten.
Es könnte unsere Möglichkeit beeinträchtigen, den Rekordtiefstand der Arbeitslosigkeit - der niedrigste in Friedenszeiten seit 16 Jahren - zu halten.
Es könnte die Produktionskapazität unserer Farmer zur Erzeugung der notwendigen
Nahrungsmittel einengen. Es könnte unser gesamtes Transport- und Verkehrssystem
in Gefahr bringen. Und es könnte ernsthaft die Fähigkeit Amerikas schwächen,
weiterhin die führende Rolle zu spielen, die nur wir übernehmen können, um den
Frieden, den wir jetzt mit so großen Opfern an Tausenden unserer besten jungen
Menschen erreicht haben, zu erhalten.

Deshalb ist es höchste Zeit, die lebenswichtigen Energiegesetze, die
unseren Alltag auf Jahre hinaus beeinflussen werden, zu verabschieden.

Wir brauchen jetzt das Gesetz, das zum Bau der Alaska-Pipeline ermächtigt
- ein Gesetz, das nicht mit irrelevanten und unnötigen Bestimmungen belastet
ist.
Wir brauchen eine gesetzliche Vollmacht, um die Erschließung unserer
riesigen Erdgaslager zu fördern.

Wir brauchen die gesetzliche Handhabe, um vernünftige Richtlinien für
den Kohlen-Tagebau festzusetzen.

Wir brauchen den organisatorischen Rahmen, um unsere Energieprogramme
sachlich und verwaltungsmäßig durchzuführen.

Ich ersuche den Kongreß noch einmal dringend, sich mit den Initiativen
zu befassen, die ich vor sechs Monaten empfahl, um diesen Erfordernissen nachzukommen.

Schließlich habe ich wiederholt die Notwendigkeit unterstrichen, unsere
Anstrengungen in bezug auf Energieforschung und Energieentwicklung zu ver-

�verstärken. Im Juni dieses Jahres kündigte ich ein mit 10 Milliarden Dollar
ausgestattetes Fünfjahres-Programm an mit dem Ziel, bessere Möglichkeiten
für die Nutzung von Energie zu schaffen sowie nach neuen Energiequellen zu
suchen und sie zu erschließen. Im vorigen Monat gab ich Pläne für eine sofortige Beschleunigung dieses Programms bekannt.

Wir können beruhigt sein, daß wir in den Vereinigten Staaten über die
Hälfte der gesamten bekannten Kohlevorkommen verfügen. Wir haben riesige bisher
noch nicht angezapfte Erdgaslager. Wir besitzen die fortschrittlichste nukleare
Technik der Welt. Wir haben Erdöl in unseren Schelfgebieten. Wir haben Ölschiefer in unseren Westregionen. Wir haben viele der besten Ingenieure und
Wissenschaftler der Welt unter uns.

Kurzum, wir verfügen über alle die Hilfsquellen, die wir brauchen, um
die große vor uns liegende Aufgabe bewältigen zu können. Jetzt müssen wir beweisen, daß wir auch willens sind, diese

Herauforderung zu meistern.

Im zweiten Weltkrieg sah sich Amerika der Notwendigkeit gegenüber, in
kürzester Frist eine atomare Kapazität zu entwickeln. Die Lage war ernst. In
der Reaktion auf diese Herausforderung konzentrierte unsere Nation ihre besten
wissenschaftlichen Talente und Organisatoren auf das Manhattan-Projekt. Da
diesem alle notwendigen Hilfsquellen zur Verfügung gestellt wurden und ihm die
höchste Dringlichkeitsstufe zuerkannt worden war, brachte uns das ManhattanProjekt die nukleare Kapazität, die half, den Krieg im Pazifik zu beenden.

Zwei Jahrzehnte später konzentrierten wir in Reaktion auf eine andersgeartete Herausforderung unsere wissenschaftlichen und technischen Talente auf
die Raumfahrt-Front. Wir verpflichteten uns, noch vor 1970 Menschen zum Mond
zu bringen - und am 21. Juli 1969 tat Neil Armstrong den historischen 'großen
Sprung für die Menschheit'.

Die Lektionen aus dem APOLLO-Projekt und dem zuvor durchgeführten ManhattanProjekt sind die gleichen, wie sie uns die gesamte amerikanische Geschichte lehrt:
Wenn sich das amerikanische Volk einem klaren Ziel gegenübersieht und herausge-

�1
herausgefordert ist, es zu erreichen, dann können wir Außergewöhnliches vollbringen.

Heute besteht die Herausforderung darin, die Stärke wiederzuerlangen, die
wir in diesem Jahrhundert schon einmal besaßen: die Stärke der Autarkie. Unsere
Fähigkeit, unseren eigenen Energiebedarf zu decken, ist direkt mit unserer
bleibenden Fähigkeit verknüpft, im Dienst des Friedens im eigenen Lande und
draußen entschlossen und unabhängig zu handeln.

Ich habe angeordnet, Mittel für die Finanzierung der Anstrengungen zur
Erreichung der Autarkie bereitzustellen, wobei die Surrmen weit über die hinausgehen, die für das Manhattan-Projekt aufgewandt wurden. Aber Geld ist nur einer
der Faktoren, die für den Erfolg eines solchen Projekts notwendig sind. Wir
brauchen auch eine gemeinsame Verpflichtung auf dieses Engagement, und wir
brauchen eine einheitliche Lenkung für die Anstrengungen, mit denen es erreicht
werden soll.

Da eine Organisation zur Leitung dieser Anstrengungen dringend gebraucht
wird, ersuche ich den Kongreß, meinen Vorschlag zur Schaffung eines Amtes für
Energie-Forschung und Energieentwicklung gesondert von meinen anderen Vorschlägen
für einen organisatorischen Rahmen zu behandeln und dieses Gesetz noch in der
jetzigen Legislaturperiode zu verabschieden.

Laßt uns einig sein in der Verpflichtung, die Hilfsquellen dieser Nation
für ein neues großes Wagnis einzusetzen - ein Wagnis, das dieser Ära des 200jährigen Bestehens unseres Landes angemessen, als 'Project Independence' (Projekt Unabhängigkeit) bezeichnet werden soll.

Wollen wir uns im Geiste von APOLLO und der Entschlossenheit, wie sie im
Manhattan-Projekt zum Ausdruck kam, das nationale Ziel setzen, bis zum Ende dieses
Jahrzehnts die Möglichkeiten zu schaffen, unseren eigenen Energiebedarf unabhängig von allen ausländischen Energiequellen decken zu können. Wollen wir uns
darauf verpflichten, bis 1980 im Rahmen des 'Projekts Unabhängigkeit1 in der
Lage zu sein, den Energiebedarf Amerikas aus den amerikanischen Energiequellen

- 10 -

�1

Energiequellen zu decken.

Wenn ich so offen zu Ihnen spreche wie heute abend, so deshalb, weil id*
vor Ihnen uneingeschränkt die Tatsache der Energieknappheit im Lande darlegen
wollte. Es ist wichtig, daß jeder von uns die Situation begreift und erkennt,
wie notwendig die Anstrengungen, die wir gemeinsam zu ihrer Lösung unternehmen
können, in unserem gesamten Bemühen sind.

Kein Volk verhält sich nobler als das amerikanische Volk, wenn es aufgerufen wird, im Dienst für das Land zusammenzustehen. Ich vertraue zutiefst
darauf, daß die vor uns liegenden Tage und Wochen, mögen sie auch für viele
von uns Härten bringen, eine Zeit erneuter Orientierung und Hinwendung zu den
nationalen Interessen sein werden.

Wir haben zwar eine Energiekrise, aber keine Krise der amerikanischen
Geisteshaltung. Mit dieser Überzeugung wollen wir jetzt voranschreiten, wollen
wir das Noto/endige tun, stolz auf das in der Vergangenheit gemeinsam Erreichte,
und wollen wir darauf vertrauen, was wir in Zukunft gemeinsam erreichen können.

Laßt uns in dieser Zeit nationaler Anforderungen zu einem erneuerten Bewußtsein unserer Fähigkeiten als Volk, zu einem vertieften Bewußtsein unserer
Verantwortung als Nation und zu einem besseren Verständnis dafür finden, daß
die Größe und die Bedeutung Amerikas stets von der Hingabe bestimmt wurde, die
jeder von uns für unsere Pflichten als Bürger Amerikas aufbringt."

+ + + + +

- 11 -

�- amerika dienst
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53

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REDE DES AMERIKANISCHEN LANDWIRTSCHAFTSMINISTERS EARL L. BUTZ
ZUR ERÖFFNUNG DER WELT-SOJA-PROTEIN- KONFERENZ

IN MÜNCHEN AM 11. NOVEMBER 1973

SOJA-PROTEINE - GRUNDLAGE EINER BESSEREN ERNÄHRUNG

Vieles, was heute einem Nahrungsmittel in der Welt zugeschrieben
wird, hat mit diesem überhaupt nichts zu tun.Vielmehr handelt es sich
hier um eine Reaktion auf die jüngsten Preisentwicklungen bei tierischem
Eiweiß. Man kann nicht generell - einige wenige isolierte Gebiete ausgenommen - von Hungersnot sprechen. Die Situation ergibt sich eher aus Proteinmangel und Proteinbedarf.
Lassen Sie mich den Unterschied zwischen Mangel und Bedarf klarmachen:
(1) Viele Menschen in den weniger entwickelten Gebieten der Welt haben zu
wenig Eiweiß in ihrer Nahrung, woraus sich ein echtes Gesundheitsproblem
ergeben kann. (2) In anderen Gebieten sind die Menschen vielleicht Fleisch,
Milch und Eier gewöhnt. Sie woll-n den Verbrauch dieser Produkte bei
sinkenden Preisen beibehalten oder noch steigern.
Viele Länder verfügen über die Kapazitäten, die Vieh-und Geflügelproduktion auszuweiten. Und im Verlauf der Prozesse, die zur Preissenkung
bei diesen Produkten führen, trägt dieses Potential viel zu der Möglichkeit einer Ausweitung des Marktes für Sojabohnen und andere Nahrungsprodukte in der ganzen Welt bei. Aber selbst in Gebieten, wo die Produktion
an Schlachtvieh und Geflügel langsamer zunimmt, gibt es Möglichkeiten,
den Eiweißverbrauch auf andere Weise zu steigern.
Sojaeiweiß

�1

i
Sojaeiweiß ist ein Mittel, tierisches Eiweiß sowohl zu strecken, als
auch durch qualitativ hochwertiges Eiweiß, das noch dazu verhältnismäßig
billig zu produzieren ist, zu ersetzen. Das bedeutet, kurz gesagt, eine
enorm günstige Gelegenheit, Sojabohnen weitaus stärker als bisher der
menschlichen Ernährung direkt zuzuführen. Im Orient hat die Sojabohne schon
von altersher große Bedeutung als Nahrungsmittel und Delikatesse gehabt. In
der Welternährungsbilanz spielt sie jedoch als Nahrungsmittel noch kaum eine
Rolle.
Tatsächlich begann die westliche Welt erst Mitte der 60er Jahre,Sojabohnen als Nahrungsmittel ernsthaft in Betracht zu ziehen - von der Herstellung von Babynahrung und Diätspeisen einmal abgesehen. Gegenwärtig schätzt
man, daß Sojabohnen amerikanischer Herkunft als Nahrungsmittel auf den Märkten des In-und Auslandes etwa 1 Million Tonnen pro Jahr ausmachen. Auf die
Sojabohnenernte in den USA bezogen bedeutet das nur einen geringen Anteil.

«

Für Nahrungsmittel werden etwa drei Prozent der in Amerika angebauten Sojabohnen vermählen und exportiert, gegenüber 85 Prozent, die als Tierfutter
verwertet und 12 Prozent, die industriell weiterverarbeitet werden.
Die Zukunft sieht jedoch wesentlich besser aus. Manche Schätzungen gehen
dahin, daß bis 1980 für amerikanische Produkte ein Markt im Umfang von vielleicht 2 Milliarden Dollar gegenüber derzeit schätzungsweise 75 Millionen
Dollar für Nahrungsmittel auf Sojaeiweißbasis zu erwarten sei. Wissenschaftler vom US-Landwirtschaftsministerium sind der Ansicht, daß bis 1980 pflanzliche Proteine in einem Umfang verbraucht werden, der etwa 8 Prozent des
Verbrauchs an Fleisch (ohne Geflügel)ausmacht. Und von privater Seite wurde
prophezeit, daß 1980 bis zu 20 Prozent des "Fleisches" aus Stoffen bestehen,
die auf pflanzlichem Eiweiß basieren.
In

-2-

,

�In amerikanischen Supermärkten ist beispielsweise zu beobachten, daß
sich mit Sojabestandteilen gestrecktes Rinderhackfleisch zunehmender Beliebtheit erfreut und zu Preisen zu haben ist, die niedriger liegen als jene für
Vollfleischprodukte. Auch als Zusatz zu Fleischtiefkühlkost, Fertigmahlzeiten und vielen anderen Schnellgerichten wird Sojaeiweiß benutzt.
Darüber hinaus verwendet auch der normale Handel Sojaeiweiß bereits in
beträchtlichem Umfang - nicht nur in Rindergehacktem, sondern auch in anderen Fleischgerichten. Sojaeiweiß-Produkte werden in wachsendem Maße in Krankenhäusern, Kliniken, in den Kantinen von Behörden, Colleges und Universitäten, in Restaurants und von der Nahrungsmittel verarbeitenden Industrie
benutzt.
Ein wichtiger Durchbruch kam im Jahre 1971, als das US-Landwirtschaftsministerium die Verwendung von T.V.P.(Textured Vegetable Protein), angereichert mit Vitaminen und Mineralien, für Schulspeisungsprogramme sowie
Mittags-und Abendbrottische im Rah men besonderer Versorgungsprogramme für
Kinder zuließ. Als Folge davon darf heute T.V.P. auf Sojabasis bis zu 30
Prozent bei Fleischklößen, Soßen, Eintopfgerichten und ähnlichen Fleisch-,
Geflügel- oder Fischgerichten ausmachen.
Gegenwärtig werden diese T.V.P.-Präparate ausschließlich aus Sojabohnen gewonnen. Aber es ist möglich, daß auch Baumwollsamen,Erdnüsse, Sonnenblumenkerne, Saflorsamen und Getreide in zunehmendem Maße als dafür geeignet betrachtet werden. Im Rahmen mancher Programme des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums werden pflanzliche Proteine anderen Nahrungsmitteln
zugesetzt. Dabei ergeben sich Nahrungsmittel mit einer sehr viel besseren
Aminosäure-Bilanz, als es bei den Nahrungsmitteln allein der Fall wäre.

Schulen

�Schulen können T.V.P.-Präparate für etwa 18 Cent pro Pfund (in genußfertigem Zustand) kaufen und diese im Verhältnis 30 zu 70 mit magerem Rindfleisch vermischen, das mehr als 1 Dollar pro Pfund kostet. Im Schuljahr
1971/72 wurden etwa 23 Millionen Pfund an T.V.P. (genußfertig) bei den
Schulspeisungsprogrammen verwendet; im darauffolgenden Jahr war es nahezu
die doppelte Menge.
Der Dienst für Nahrungsmittel und Ernährung des US-Landwirtschaftsministeriums hat ein System für die Begutachtung, Einführung, Katalogisierung und Überwachung von Pflanzenproteinen aufgestellt, die in den verschiedenen Programmen verwendet werden. Neben T.V.P. benutzt das US-Landwirtschaftsministerium in seinen Nahrungsmittelprogrammen jetzt auch eine
Reihe anderer pflanzlicher Eiweißprodukte und es zieht weitere in Erwägung.
Als teilweise Ausweichnahrung für Fleisch werden stark mit Eiweiß angereicherte Makkaroni benutzt. Analoge, aus Soja, Nährmittelgetreide und
anderen Produkten entwickelte Nahrungsmittel werden vor allem in Religionsschulen als Fleischersatz verwandt. Ernährungsprogramme für amerikanische
Indianer des Navajo-Stammes ziehen mit Lysin angereichertes Weizenmehl
heran. In einem Sonderspeisungsprogramm für Kinder ist ein verarbeitetes,
auf Milch basierendes Erzeugnis genehmigt worden.
Ferner wird eine Vielzahl von Backerzeugnissen in bestimmter Zusammen Setzung für die Verwendung von Soja und vielleicht anderen Pflanzenproteinen
erwogen, um sowohl die Quantität als auch die Qualität von Eiweiß zu steigern. Es ist vorgeschlagen worden, mit Soja angereichertes Maismehl oder
Tortilla-Mehl zu verwenden, um im Süden und Südwesten der Vereinigten Staaten den Proteingehalt im Maismehl zu steigern - in Gebieten also, in denen
Mais ein wichtiger Bestandteil der Ernährung ist. Ferner werden Richtlinien
für die Verwendung von Pizzas in bestimmter Zusammensetzung in USDA-Lebensmittelprogrammen ausgearbeitet.
Die

�'

Die Verwendung von Soja-Proteinen in gemischten Nahrungsmittelerzeugnissen ist als zusätzliche Ernährung ebenfalls immer wichtiger geworden. Sie
werden bei den amerikanischen Programmen für bedürftige Menschen in anderen
Ländern eingesetzt, um die Unterernährung zu bekämpfen. Seit 1966 sind gemischte Nahrungsmittel - Mais-Soja-Milch und Weizenmehl-Soja - in die Liste
der Waren aufgenommen worden, die im Rahmen von Titel II des Öffentlichen Gesetzes 480 verteilt werden, um bedürftige Menschen zu ernähren und Notstände
zu beheben, die durch Naturkatastrophen oder menschliche Konflikte hervorgerufen werden.
Mais-Soja-Milch-und Weizen-Soja-Mischungen bildeten dringend benötigte
Nahrungsmittel für Schulspeisungsprogramme, Mutter-und Kind-Speisungsprogramme
sowie Programme zur Ernährung der arbeitenden Menschen, die darauf abzielen,
die Not unter Arbeitslosen und Kurzarbeitern zu lindern.
Diese Erzeugnisse sind sehr gut aufgenommen worden. Die Lieferungen in
die Nahost- und die südasiatischen Länder waren größer als in andere geographische Gebiete;

es folgten Lateinamerika, Afrika und Ostasien. Darüber hinaus

sind die kommerziellen Lieferungen von gemischten Nahrungsmittelerzeugnissen
ebenfalls gestiegen. Die Weizen-Soja-Mischung steht jetzt unter Titel I des
Öffentlichen Gesetzes 480 sowie im Rahmen des CCC-Exportkredit - Programms zum
Verkauf gegen ausländische Währungen zur Verfügung.
Der besondere Vorzug der gemischten Nahrungsmittel besteht darin, daß sie
ein großes Maß an Sättigung zu relativ niedrigen Kosten bieten.
Während der letzten Jahre hat die Forschung Mittel und Wege aufgezeigt,
um Nährmittel mit proteinreichen Zusätzen anzureichern. Mit der Perfektionierung der Formeln wurden mit Soja angereichertes Maismehl, Weizenschrot, Haferflocken und Sorghum-Gries als hochwertige Ergänzungsnahrung verfügbar. All
diese Nahrungsmittel sind jetzt in Titel II

der Verteilungsprogramme, die

von amerikanischen Freiwilligen-Organisationen getragen werden, eingeschlossen

-5

�eingeschlossen worden. Die unter Titel II zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel werden auch über das Welternährungsprograram verteilt - ein multilaterales Lebensmittelhilfsprogramm, das in vielen Ländern tätig ist.
Diese verschiedenartigen Verwendungsmöglichkeiten von Sojaproteinen
könnten sicherlich als Omen für eine Vielzahl erweiterter kommerzieller
Chancen angesehen werden. Wie bei jedem neuen Produkt gibt es auch hier
Probleme, und wir laden die anderen auf dieser Konferenz vertretenen Länder
ein, sich uns in dem Versuch anzuschließen, diese Hindernisse für eine Ausweitung des Marktes zu beseitigen.
Die Vereinigten Staaten werden andere Länder einladen, auf den für
Herbst dieses Jahres angesetzten Multilateralen Handelsverhandlungen die
Klassifizierung und Zollbehandlung eßbarer Proteine zu überprüfen. In dieser Hinsicht sind viele von Ihnen hier Experten auf diesem Gebiet und Sie
können eine wichtige Rolle dabei spielen, die Normen festlegen zu helfen,
die für eine sinnvolle Zollklassifizierung notwendig sind.
I
Die Vereinigten Staaten machen sich besonders Sorgen über die unterschiedliche Zollbehandlung von Soja-Proteinen wie Konzentraten, Extrakten
und Peptonen. In den wichtigeren Märkten wie Großbritannien, Dänemark und
Irland erfahren diese Produkte eine relativ liberale Zollbehandlung und sie
sind in manchen Fällen sogar völlig vom Zoll befreit. Diese Länder aber
werden auf Grund ihres Beitritts zur Europäischen Gemeinschaft gezwungen
sein, ihre Zölle denen der ursprünglichen sechs Mitgliedsstaaten anzugleichen. Bei dieser Angleichung geht das amerikanische Interesse dahin, daß
die Einstufung dieser Proteine in die Niedrigzoll-Kategorie BTN 35.04
(Peptone und andere eiweißhaltige Stoffe und deren Derivate) der fast überall akzeptierten Klassifikation dieser Produkte erhalten bleibt und daß
sie nicht im Zuge der Neuklassifizierung in die höheren Zollkategorien
anderer Produkte eingereiht werden, von denen manche in der Gemeinschaft
nicht nur dem Zoll, sondern auch variablen Abgaben unterliegen.
Die

-6-

�Die Vereinigten Staaten haben Bedenken gegen eine bereits ergangene Entscheidung des Nomenklatur-Ausschusses des Zollkoordinierungs-Rates angemeldet, in der festgelegt wurde, daß die Herstellungsmethode von Protein-Substanzen als Ausgangsbasis für deren Zollklassifizierung zu benutzen sei.
Unserer Auffassung nach war diese Entscheidung, die

eine große Zahl west-

europäischer Länder berührt, mehr das Ergebnis eines Mißverständnisses als
ein bewußter Versuch, die Marktchancen von Soja-Konzentraten einzuengen.
Aber selbst wenn die Entscheidung bezüglich der Neuklassifizierung dieser
Erzeugnisse und ihre Einstufung in höhere Zollkategorien aus einem Mißverständnis resultiert, so ist ihr Ergebnis bedauerlicherweise doch das gleiche
- insofern, als damit zu rechnen ist, daß es abträgliche Auswirkungen auf
den Handel zeitigen wird.
Unserer Auffassung nach besteht die Notwendigkeit einer Überprüfung der
derzeitigen Klassifikationen auf dem weiten Gebiet der Soja-Proteine mit
dem Ziel, ein Höchstmaß an liberaler Zollbehandlung dieser wichtigen Kategorie von proteinhaltigen Nahrungsmitteln sicherzustellen. Angesichts der
weitgehenden gegenseitigen Austauschbarkeit dieser Produkte sollte der Versuch unternommen werden, die größtmögliche Zahl derselben in die Niedrigzoll-Kategorie einzustufen.
In den letzten Monaten fehlte es nicht an Kommentaren zur weltweiten
Verknappung an Proteinen, in denen implizite zum Ausdruck kam, daß Sojabohnen nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen, um den gesamten
direkten Nahrungsbedarf zu decken. Das ist einfach lächerlich, wenn man bedenkt, daß nur ein geringer Prozentsatz der Sojabohnenerzeugnisse in den unmittelbaren Konsum geht und daß der Gesamtabsatz an Sojabohnen für alle Verwendungszwecke erheblich gestiegen ist.

Obwohl

.7.

�\

Obwohl im Sommer dieses Jahres Exportkontrollen notwendig wurden, haben
die Vereinigten Staaten 19 Prozent mehr Sojabohnen und Sojaschrot in dem am
31. August zu Ende gegangenen Erntejähr auf den Markt gebracht als im Vorjahr.
Fast die Hälfte unserer Ausfuhren im Erntejahr 1972/73 ging in Länder der
Europäischen Gemeinschaft - sei es in Form von Sojabohnen oder in der Form
von Sojaschrot. In Sojabohnen-Einheiten ausgedrückt bezifferten sich die
Ausfuhren in die Europäische Gemeinschaft auf 332 Millionen Bushel (9 Millionen t), das entspricht einer Steigerung von 14 Prozent gegenüber dem vorausgegangenen Jahr.
Nach unseren Schätzungen deckten die amerikanischen Sojabohnen- und
Sojaschrot-Ausfuhren in die Europäische Gemeinschaft nicht nur den erhöhten
Verbrauch in diesem Jahr, sondern halfen auch, einen guten Teil der Lieferausfälle aus anderen traditionellen Anbieterländern auszugleichen. Die amerikanischen Sojabohnen-Farmer haben mehr als nur das übliche getan, um den
steigenden Bedarf der Gemeinschaft zu decken - und sie haben gleichzeitig dazu beigetragen, einen Ausgleich für die ausgebliebenen Fischmehllieferungen
t

aus Peru, die geringeren Erdnuß-Exporte aus Nigeria und die Lieferausfälle
aus anderen Ländern der Erde im abgelaufenen Erntejahr zu schaffen.
Darüber hinaus erzeugten wir 1973 etwa 24 Prozent mehr Sojabohnen als
im vorausgegangenen Rekorderntejähr. Wir waren und - dazu sind wir fest entschlossen - bleiben ein beständiger und verläßlicher Lieferant in Agrarprodukten für unsere Abnehmer überall auf der Welt. Wir verlangen aber umgekehrt,
daß man unseren Erzeugnissen den freien Zugang zu den Märkten unter einem
Welthandelssystem gewährleistet, das liberal und expansiv ist.
Die amerikanische Landwirtschaft entwickelt sich in Richtung auf ein
marktorientiertes System und die Freiheit,im Hinblick auf die tatsächlichen
Markterfordernisse zu produzieren. Dies steht voll im Einklang mit unseren
Zielsetzungen im Bereich des internationalen Handels. Nach unserer Überzeugung profitieren die Farmer - und die Volkswirtschaften - von einer Handels-

-8-

�Handelspolitik, die es den Erzeugern gestattet, auf das Wachstum des Bedarfs
ebenso wie auf veränderte Bßgewohnheiten der Verbraucher zu reagieren.
Eine internationale Nahrungsmittelpolitik, die wirksam und praktikabel
sein soll, muß auf einem expandierenden Handelssystem beruhen. Und für eine
Welt, die besser zu essen wünscht, muß ein solches Handelssystem sicherlich
auch den Handel mit Sojabohnen einschließen.

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�1

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44/1973

US-AUSSENHANDEL VERZEICHNET WACHSENDE ÜBERSCHÜSSE
Von Dr.Sidney L.Jones
Unterstaatssekretär im amerikanischen Handelsministerium

WASHINGTON --(AD)-- Mit einem wachsenden Außenhandelsüberschuß in den kommenden Monaten rechnet der Unterstaatssekretär im amerikanischen Handelsministerium, Dr. Sidney L.Jones. In einem Artikel in der neuesten Ausgabe
der Zeitschrift "Commerce Today" betont Dr.Jones, daß der September den
Vereinigten Staaten den höchsten Außenhandelsüberschuß seit acht Jahren gebracht hat und gute Aussicht besteht, daß 1973 für die USA mit einem bescheidenen Handelsüberschuß abschließen wird. Wörtlich führt Dr. Jones in
der Zeitschrift aus:
"Ein starker Aufschwung in der amerikanischen Außenhandelsbilanz im
September erweckt jetzt Hoffnungen, daß die Auftriebstendenzen stärker sind,
als zu Beginn des Jahres angenommen worden war. Die Importe sind im September
zum ersten Mal in diesem Jahr zurückgegangen, während die Exporte weiter anstiegen; der hieraus resultierende Handelsüberschuß von 873 Millionen Dollar
wirkt sich nachhaltig auf die amerikanische Zahlungsbilanz sowie die einheimische Wirtschaft aus.
Auch

�Auch wenn die Ergebnisse eines Monats angesichts der Fluktuationen der
Außenhandelsstatistiken ganz allgemein nur einen begrenzten Aussagewert haben, so war das Ausmaß der erzielten Verbesserung im September doch sehr
eindrucksvoll. Dies war der höchste Überschuß seit acht Jahren und das in den
vorangegangenen acht Monaten dieses Jahres entstandene kumulative Defizit
wurde damit auf einen Schlag beseitigt.
Ein gleitender Durchschnitt, durch den die monatlichen Fluktuationen
praktisch ausgeglichen werden, zeigt, daß die Verbesserung der Handelsbilanz
Ende 1972 einsetzte, obwohl das Gesamtdefizit in dem Jahr noch 6,4 Milliarden
Dollar betrug. Trotz der Verbesserung wies der Warenhandel in den ersten Monaten dieses Jahres immer noch ein Defizit aus und allgemein ging man von der
Annahme aus, daß 1973 ein weiteres Defizitjahr werden würde. Jetzt besteht
gute Aussicht, daß die Handelsbilanz dieses Jahres etwa ausgeglichen oder mit
einem bescheidenen Überschuß abschließen wird.
Die Vereinigten Staaten hatten Viele Jahre lang Handelsüberschüsse aufzuweisen. Das Handelsdefizit von rund 2 Milliarden Dollar im Jahre 1971 war
das erste seit 1888.
Da die Handelsbilanz eine Komponente der Zahlungsbilanz ist, wird ihre
Aufwärtsentwicklung auch unsere internationale Zahlungsbilanzposition positiv
beeinflussen. Darüber hinaus hat diese Aufwärtsentwicklung starke psychologische Auswirkungen auf die übrige Welt, denn sie ist ein Indikator dafür,
inwieweit die amerikanische Wirtschaft in der Lage ist, den Wettbewerb auf
den Weltmärkten wie auch auf den Binnenmärkten zu bestehen.
Die den Veränderungen im Außenhandel zugrundeliegenden Ursachen sind
schwer zu identifizieren, doch sind zahlreiche Analytiker der Auffassung, daß
die Hauptursache in den späten Auswirkungen der Dollarabwertung von Ende
1971 zu suchen ist. Das verlangsamte Wirtschaftswachstum in den letzten zwei

-2-

�zwei Quartalen ist ein weiterer Grund, denn eine rasch expandierende Wirtschaft löst gewöhnlich einen starken Importsog aus.
Wenn es also logisch erscheint, daß die Dollarabwertung von 1971 sich
positiv auf den Handel ausgewirkt hat, so ist es durchaus möglich, daß die
Dollarabwertung vom Februar dieses Jahres vorläufig noch eine dämpfende Wirkung hat. Somit könnte von der 1973er Dollarabwertung her im kommenden

Jahr

möglicherweise ein weiterer positiver Anstoß kommen.
Die Verbesserung hat sich sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen auf breiter Ebene vollzogen. Dies war auch bei den Septemberzahlen
der Fall. Der Rückgang der Erdölimporte war die einzige ins Auge fallende
Abweichung in den Septemberstatistiken, die von Bedeutung war. Der stärkste
monatliche Rückgang war bei den Kraftfahrzeugimporten aus Japan und aus Europa zu verzeichnen, aber auch die Einfuhren von Fernsehern, Bekleidung,
Fleisch und Kaffee waren rückläufig.
Bei den Exporten war auf verschiedenen wichtigen Gebieten eine Zunahme
zu verzeichnen: auf dem Verkehrssektor, bei Maschinen, Chemikalien, Metallen
sowie Papier-und Textilerzeugnissen. Die Agrarexporte, die, was Preis und
Volumen anbetrifft, in den vorangegangenen Monaten bereits eine starke Position eingenommen hatten, zeigten im September praktisch keine Veränderung.
Der Aufwärtstrend dürfte jedoch wieder aufleben, sobald die Agrarprodukte der
diesjährigen großen Ernte verfügbar sind.
Insgesamt nahmen die Exporte im September um 7,5 Prozent zu, während die
Importe um den gleichen Prozentsatz zurückgingen."

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44/1973

BAUTECHNIK - WICHTIGER ANSATZPUNKT ZUM ENERGIESPAREN
- Schul-und Behördenbauten als Modellprojekte Von G. Weiss

»-(AD)-- Das Dilemma, das heute jedermann als Energiekrise bezeichnet und
das nicht allein auf den Nahostkonflikt

zurückgeführt werden kann, haben

viele kommen sehen. Aber nur wenige waren mutig und ehrlich genug, darauf
hinzuweisen, daß der verschwenderische Umgang mit Energie schon seit geraumer Zeit einer der wesentlichen Faktoren für ihre Verknappung ist. Deshalb dürfte es bei rationellerem Verbrauch gar nicht so schwer sein, aus
dem Vorhandenen mehr zu machen. Die Devise heißt also "Sparen", und eine
Reihe von Ländern haben bereits Sparprogramme in die Wege geleitet.
•

• '

"

.

In seiner Fernsehrede vom 7. November 1973 zeichnete der Präsident der
Vereinigten Staaten ein Programm mit Sofortmaßnahmen vor, von denen Bürger,
Industrie und Behörden gleichermaßen betroffen sein werden. Es schränkt
z.B. den Luftverkehr ein, verlangt eine Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit
von Kraftfahrzeugen, Einschränkungen für die so beliebte Lichtreklame und
einen besser überlegten Gebrauch von Heizungen und Klimaanlagen. Die Verwendung von Kohle und Nuklearenergie wird forciert, eine Änderung der
Arbeitszeiten und selbst des Schuljahres werden in Erwägung gezogen.

-1-

�gezogen. Selbstverständlich laufen parallel dazu die Bemühungen um Langzeitprogramme weiter - Programme, die nach ergänzenden Reserven für die
herkömmlichen Energieträger wie Kohle, Öl und Erdgas suchen, die aber auch
neue Energiequellen wie Erdwärme, Sonne, Wind und Meeresströmungen erschließen und nach Möglichkeit der technischen Nutzung zugänglich machen
sollen.

- Einsparung von 336 000 Tonnen Öl pro Tag -

Präsident Nixon setzte sich dafür ein, daß in Amerika alles getan werde, um die Vereinigten Staaten bis zum Ende dieses Jahrzehnts von ausländischen Energiequellen unabhängig zu machen. Dazu sei allerdings, wie der
Präsident erklärte, eine Mammutanstrengung ähnlich dem Manhattan-Projekt im
zweiten Weltkrieg oder dem APOLLO-Programm-in noch höherer Größenordnungerforderlich. Dieses neue "Project Independence" ist eine Aufforderung an
jedermann, mitzuhelfen, die Abhängigkeit der USA von fremder Energie-Zulieferung zu beenden. Einer Tabelle zufolge, die das Weiße Haus am 7. November
1973 veröffentlichte, könnten allein durch das von Präsident Nixon umrissene Sofortprogramm schon im kommenden Winter 336 000 Tonnen Öl pro Tag
eingespart werden.
Forschungsinstitute und Regierungsstellen befassen sich mit Projekten
verschiedenster Art, die Energie sparen helfen. Aus dem Katalog seien zwei
herausgegriffen, die in erster Linie die Bautechnik angehen. Am 9. November
1973 kündigte die "National Science Foundation" (NSF-Nationale Wissenschaftsstiftung) an, daß im Rahmen des RANN-Programms (RANN-Research Applied to
National Needs, d.h.Forschung mit Bezug auf nationale Dringlichkeitsprogramme) gemeinsam mit Experten des "National Bureau of Standards" (NBS-Bundesamt für Materialprüfung und Technische Normen) und dem Schulamt der Stadt
New York Möglichkeiten für eine bessere, gleichzeitig energiesparende Bauweise und Nutzung für Schulen untersucht werden.
Das

-2-

�Das dabei ausgearbeitete Modell soll eine Art Prototyp für künftige
Schulbauten in allen größeren Städten werden. In der ersten Phase wird man
sich auf Faktoren wie Lage und Dicke von Isolierungen, Material und Dicke
von Außenverkleidungen, Glasflächen, Jalousien, Ventilation, vorgesehene
Schwankungsbreite der Innentemperatur und die verschiedenen Erfordernisse an
Licht sowie den Energiebedarf im Hinblick auf die verschiedenen Unterrichtsprogramme konzentrieren. So sind die Anforderungen an Beleuchtung, Heizung
und Ventilation in Klassenzimmern ganz anderer Art als beispielsweise in
Bibliotheken oder Turnhallen.
In der zweiten Phase wird das NBS die inzwischen vorgelegten Konstruktionsvorschläge für verbesserte Systeme, die als architektonische Elemente
im Schulbau berücksichtigt werden sollen, analysieren und gleichzeitig Richtwerte für die Beurteilung von Schulbauten geben. In den darauffolgenden Phase
geht es nach dem Bau und der Inbetriebnahme der Modellschule darum,so viele
Erfahrungswerte wie nur möglich zu bekommen, um sie unter den verschiedensten
Gesichtspunkten auszuwerten.
Gebäude für Schule und Unterricht haben übrigens den größten Anteil an
öffentlichen Bauten. Das gilt keineswegs nur für die Stadt New York, deren
Haushaltsdezernat z.B. im Jahre 1973 in ihrem Gesamtetat von 1 Milliarde
Dollar 300 Millionen Dollar dafür vorgesehen hat.
Auf der "Dritten Konferenz über Städtebautechnik", die Ende September
1973 in Boston (Massachusetts) abgehalten wurde, befaßte sich Dr. Richard W.
Roberts, der Direktor des "National Bureau of Standards",mit dem wichtigen
Komplex "Bauen und Energiesparen". Wohl wenige Menschen machen sich darüber
Gedanken, daß Z.B.Heizungen und Klimaanlagen etwa ein Drittel der Aufwendunge
für Energie in Anspruch nehmen - jedenfalls trifft das für die Vereinigten
Staaten zu. Und 40 Prozent dieser Aufwendungen sind einfach verlorene Kosten,
bringen keinen Gegenwert. Das ist, so Dr. Roberts, gleichbedeutend mit einem

�einem jährlichen Verlust von 7,3 Milliarden Tonnen Öl.
Daß dagegen etwas unternommen werden muß, liegt auf der Hand. Der
Architekt hat Hunderte von Möglichkeiten, Einfluß auf die Energiebilanz zu
nehmen. Das beginnt bereits mit der Ausrichtung des Hauses, das er baut.
Fenster stellen einen wichtigen Faktor dar. Große Glasflächen können für
20 bis 30 Prozent des Energiebedarfs verantwortlich sein, da einfaches Tafelglas Wärme fünf-bis zehnmal leichter durchläßt .als eine gut isolierte Wand.
Schon Doppelfenster würden bis zu einem gewissen Grad Abhilfe schaffen.
Auch die Isolierung spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle - und
zwar nicht nur die Isolierung der Bauelemente, sondern genauso

der Heiß-

wasser- und aller übrigen Wasserleitungen. Würde man die Wärmeleitfähigkeit
der bestehenden Bauten um 10 Prozent, die der Neubauten um 50 Prozent senken, so bedeutete dies nach Roberts im Verlauf der nächsten zwei Jahrzehnte
Einsparungen an Brennstoffkosten in der Größenordnung von 100 Milliarden
Dollar.
Es ist nicht zu erwarten, daß der Architekt das komplexe Problem der
optimalen Energiebilanz eines zu erstellenden Neubaus beherrscht. Im "National Bureau of Standards" wurde deshalb ein ausgeklügeltes Computerprogramm
ausgearbeitet, mit dessen Hilfe sich der Bedarf eines Bauwerks an Energie
für Heiz-oder Kühlzwecke rund um die Uhr vorhersagen läßt. Die Auswirkungen
dieser oder jener Bauverfahren und Bauelemente auf die Energiebilanz sind
im vorhinein genau zu übersehen - und dies nicht nur in der Theorie. Der
NBS-Computer wurde vom US-Bundesamt für Verwaltungsdienste bei der Erstellung
eines neuen, riesigen Behördenkomplexes in Manchester (New Hampshire) eingeschaltet - mit dem Effekt, daß der Energiebedarf um 20 bis 30 Prozent niedriger liegt als bei Bauten ähnlicher Größe und Nutzung. Auf Grund dieser ermutigenden ersten Ergebnisse hat man im NBS ein nicht minder bedeutsames Projekt in Angriff genommen. Man will Formeln dafür finden, wie den enormen
Verlusten an Energie beizukommen ist,die sich im industriellen Bereich ergeben.
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44/1973

SCHWACHE ELEKTRISCHE FELDER STEUERN HIRNAKTIVTTÄT

- (AD) - Mit sehr schwachen elektrischen Feldern lassen sich wichtige
physiologische Vorgänge und biologische Zyklen beeinflussen. Welche Effekte
im einzelnen ausgelöst werden können, untersuchte Dr. W. Ross Adey mit drei
Mitarbeitern von den Kliniken der Universität Kalifornien in Los Angeles (UCLA)
durch Versuche an Tieren,und im Anschluß daran mit der versuchsweisen Anwendung beim Menschen.
Die Spannungswerte für die künstlich induzierten luftelektrischen Felder,
die dabei benutzt wurden, betrugen bis zu fünf Prozent der Spannungswerte von
Transistorbatterien. Es wurden niedrige sowie sehr hohe Frequenzen, wie sie
im Bereich von Radarwellen auftreten, verwendet. Diese Frequenzbereiche entsprachen den Frequenzen von Wellentypen, wie sie bei Himwellen beobachtet
werden.

Bei den Versuchen zeigte sich, daß solche Felder rhythmische Aktivitäten
des Gehirns beeinflussen können, welche z.B. charakteristisch sind für Schlaf,
Schlaflosigkeit oder rasches Reagieren. Nach Ansicht Dr. Adeys lassen sich auf
der Basis dieser Erkenntnisse neue Methoden zur wirksamen Behandlung von Schlaflosigkeit, chronischen Schmerz zuständen und zum Regulieren biologischer Rhythmen entwickeln - beisoielsweise zur Verbesserung der Reaktionsfähigkeit oder
zur "Einstellung" von Stimmungslagen, die durch starke Schwankungen gekennzeichnet sind.
Die
- l -

�Die UCLA-Wissenschaftler fanden auch heraus, daß die für Kraftstran üblichen Frequenzen bei Anwendung relativ hoher Feldstärken ähnliche Auswirkungen
haben. So könnten beispielsweise die elektromagnetischen Felder von elektrisch
beheizten Decken auch dazu benutzt werden, Hirnströme so zu beeinflussen, daß
die Decke nicht nur warm hält, sondern auch den Schlaf fördert.

Von langjährigen Untersuchungen über die Auswirkungen starker elektromagnetischer Felder von Mikrowellen weiß man, daß diese unter Umständen Schäden
an Augen, inneren Organen und an den peripheren Nerven hervorrufen. Man macht
dafür in erster Linie thermische Effekte verantwortlich. Im Gegensatz dazu
zeigten die in Los Angeles angestellten Versuche, daß extrem schwache Felder
mit bestimmten, sehr hohen Frequenzen (VHF) spezifische Hirnfunktionsrhythmen
unterstützen und auf diese Weise Verhaltensweisen und hormonale Zyklen zu
ändern vermögen, ohne daß es dabei zu thermischen Schäden kommt.

Bei den Forschungsarbeiten ergaben sich auch Hinweise auf die Prozesse,
die der Wirkungsweise der schwachen Felder zugrunde liegen. Offenbar lockern
die schwachen elektrischen Felder Bausteine in den Wänden der Gehirnzellen. Dadurch ändert sich der in der Zelle erzeugte Strom, wodurch wiederum die von
der einzelnen Hirnzelle erzeugten Impulse und die Wellenmuster verändert werden.
Himwellen sind die Summe der Impulse vieler Zellen. Die Art und Weise, wie
Wellen erzeugt und die Weiterleitung von Impulsen reguliert wird, dürfte nach
Meinung Dr. Adeys

ebenso wichtig für die Gehirnfunktion als Ganzes sein wie

die Verarbeitung der Informationen.

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VERFAKRHNSUM3TELLUNG BEI DER TIEFKÜHLINIXBTRIE SPART WASSER

- (AD) - Nasser ist kaum weniger kostbar als Energie. Deshalb könnt
technischen Neuentwicklungen, die der Industrie Wasser sparen helfen, angesichts des generell steigenden Wasserbedarfs große praktische Bedeutung zu.
Ein Beispiel für solche SDarmöglichkeiten wird aus Kalifornien

gemeldet, wo

zwei Wissenschaftler der Universität Kalifornien in Davis der Tiefkühlindustrie Verfahrensänderungen vorschlugen, die nicht nur den Frischwasserbedarf und die Abwassermengen wesentlich verringern, sondern auch die Qualität
der Produkte steigern helfen.

R. J. Coffelt von der Abteilung Agrartechnik und F. H. Winter von der
Abteilung Lebensmittelforschung und -technik sind die Initiatoren des neuen
Verfahrens. Die beiden Wissenschaftler entwickelten es im Rahmen eines mit
5000 Dollar dotierten Forschungsauftrags, den die Elektrizitätswerke in
Kalifornien und das

:,

American Frozen Food Institute" erteilt hatten, um ver-

schiedenen Problemen bei der Tiefkühlkonservierung von Gemüse und Früchten
auf den Grund zu gehen oder Lösungen für sie zu finden. So ging es beispielsweise um unzureichende Zwischenkühlung vor dem Abpacken und Einfrieren, um
ständig steigende Wasserkosten und die kostspielige Behandlung der großen
Mengen von Abwässern.

Bei der Mehrzahl der rund zwei Dutzend Kalifornischen Konservenfabriken
für Tiefkühlobst und -gamüse (Jahresausstoß: ca. 230 000 Tonnen) entfielen pro

- 1 -

�pro Monat im Durchschnitt mehr als 30 000 Dollar auf Wasserkosten - ca.
10 000 Dollar für Frischwasser, 20 000 Dollar für die Behandlung der Abwässer.
Die großen Wassermengen wurden vor allem dafür gebraucht, um die Produkte
nach dem Überbrühen - eine wichtige Stufe in der Behandlung des Frischprodukts,
um z.B. bestimmte Enzyme zu inaktivieren, einige für das Endprodukt ungünstige
Verbindungen auszulaugen und die Verpackung zu erleichtern - im Wasserstrom
abzukühlen. Das Gemüse oder die Früchte müssen vor dem Verpacken und Einfrieren
von 83 C auf ca. 15 - 20 C fast schlagartig abgekühlt werden. Dieses Abschrecken bewerkstelligten Coffelt und Winter nicht mehr mit Wasser, sandem
mit einem Luftstrom.

Mit dieser äußerst wirksamen Technik wird viel Wasser gespart. Außerdem
ist das Fertigprodukt viel ansehnlicher als nach dem Abschrecken mit Wasser,
behält mehr Mineralstoffe und seinen natürlichen Geschmack. Die Fabrikationskosten werden gesenkt, das kostbare Frischwasser wird für andere Verwendungs-

&lt;

zwecke frei, es fällt weniger Abwasser an. Verschiedene Konservenfabriken in
Kalifornien sind bereits dabei, ihre Produktion auf das mit so geringen Investitionen erarbeitete Verfahren umzustellen.

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*

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon gibt Sparmaßnahmen zur Sicherung der Energieversorgung bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache des Präsidenten vom 7. November -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede des amerikanischen Landwirtschaftsministers Earl L. Butz&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;zur Eröffnung der Welt-Soja-Protein-Konferenz in München am 11. November 1973&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Außenhandel verzeichnet wachsende Überschüsse&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Dr. Sidney L. Jones&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Unterstaatssekretär im amerikanischen Handelsministerium&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bautechnik - wichtiger Ansatzpunkt zum Energiesparen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schul- und Behördenbauten als Modellprojekte -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schwache elektrische Felder steuern Hirnaktivität&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verfahrensumstellung bei der Tiefkühlindustrie spart Wasser</text>
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Dokumentation

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45

28. November 1973

Inhalt

DOKUMENTATION:

Nixon erläutert Energiepolitik der USA
-Wortlaut der Fernsehansprache des Präsidenten am 25. November-

W1RTSCHAFT:

US-Wirtschaftswissenschaftler fordern Widerstand gegen arabische
Erpressung

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Öl aus Alaska
Hochkonjunktur für Prospektoren
«Strikte Maßnahmen zur Sicherung der Energieversorgung in den USA-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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45/1973

NIXON ERLÄUTERT ENERGIEPOLITIK DER USA
-Wortlaut der Fernsehansprache des Präsidenten am 25.November-

WASHINGTON — ( A D ) — Präsident Nixon hat am 25. November in einer Fernseh-und
Rundfunkansprache an das amerikanische Volk die künftige amerikanische Energiepolitik erläutert und weitere energiesparende Maßnahmen bekanntgegeben.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Vor drei Wochen habe ich z u Ihnen über die nationale Energiekrise und
unsere Politik zu ihrer Bewältigung gesprochen. Heute abend möchte ich erneut zu Ihnen sprechen, um Ihnen über unseren Fortschritt zu berichten,und
um weitere Maßnahmen bekanntzugeben,die wir zur Fortführung unserer Energiepolitik ergreifen müssen.
Als ich damals zu Ihnen sprach, deutete ich an, daß die plötzliche Unterbindung des Ölflusses aus dem Nahen Osten die von uns für diesen Winter
erwarteten ernsten Energieverknappungen zu einer größeren Energiekrise ausgeweitet haben. Diese Krise macht sich jetzt überall auf der Welt bemerkbar,
nachdem die übrigen Industriestaaten ebenfalls Ölkürzungen aus dem Nahen
Osten hinnehmen mußten.
Die Verknappungen in Europa beispielsweise sind weit schwerwiegender
als die in den Vereinigten Staaten. Sieben europäische Länder haben bereits

�bereits ein Sonntagsfahrverbot verfügt. Glücklicherweise sind die Vereinigten Staaten nicht so stark abhängig vom Nahost-Öl, wie dies bei zahlreichen
anderen Ländern der Fall ist. Wir werden kein Sonntagsfahrverbot anordnen,
aber wie Sie später hören werden, werden wir das Fahren an Sonntagen einzuschränken versuchen. Trotzdem rechnen wir damit, daß unser Defizit bis
zu 17 Prozent betragen könnte. Das bedeutet, daß wir sofort nachhaltige
und wirksame Gegenmaßnahmen ergreifen müssen.
Um Störungen in unserer Wirtschaft auf ein Minimum zu begrenzen, habe
ich am 7. November alle Amerikaner aufgerufen, bestimmte energiesparende
Maßnahmen zu ergreifen, um mitzuhelfen, die durch die verminderte Energieversorgung gestellten Aufgaben zu bewältigen. Diese Schritte umfassen ein
Herabsetzen der Temperaturen für die Wohnraumbeheizung, geringere Höchstgeschwindigkeiten für Kraftfahrzeuge sowie Beseitigung des unnötigen Lichtverbrauchs. Das amerikanische Volk, wir alle, haben auf diese Aufforderung
mit dem Geist der Opferbereitschaft geantwortet, der dieses Land zu einer
so großen Nation hat werden lassen.
Der Kongreß hat ebenfalls Maßnahmen auf dem Energiesektor ergriffen.
Das Gesetz über die Alaska-Pipeline ist verabschiedet worden. Ich habe es
vor neun Tagen hier an diesem Schreibtisch unterzeichnet und damit in Kraft
gesetzt. Der Kongreß hat ein Gesetz über BrennstoffZuteilung verabschiedet,
das ich am Dienstag unterzeichnen werde. Ein weiteres Energie-Notstandsgesetz, das besondere Vollmachten zur Bewältigung dieses Problems gibt, ist
jetzt vom Senat verabschiedet worden. Ich rechne damit, daß das Repräsentantenhaus, sobald es nach seiner Sitzungspause wieder zusammentritt, umgehend handeln wird, so daß dieses entscheidend wichtige Gesetz etwa Mitte
Dezember unterzeichnet werden kann.
Wir haben also einige ermutigende Fortschritte erzielt, doch bleibt
noch weit mehr zu tun, und darüber möchte ich heute abend zu Ihnen sprechen.

Ich

�Ich habe einen Energiekrisenstab eingesetzt, der unter meinem Chef-Energieberater, Gouverneur John Love, steht, um unsere Situation auf einer kontinuierlichen Basis zu analysieren und mich über alle Maßnahmen zu beraten,
die im Hinblick auf die Situation erforderlich werden.
Aufgrund der Schritte und Empfehlungen dieses Krisenstabes gebe ich
heute abend zur Überwindung der Energiekrise die folgenden Maßnahmen bekannt:
Zur Erhöhung des in diesem Winter verfügbaren Heizölangebotes müssen
wir erstens eine Anpassung der Produktionspläne vornehmen und Erdöl, das normalerweise für die Benzingewinnung verwandt werden würde, für die Erzeugung
von mehr Heizöl abzweigen.
Um dies zu erreichen werden die Benzinmengen, die die Raffinerien an die
Groß-und die Einzelhändler verteilen, im gesamten Land um 15 Prozent gekürzt
werden. Wenn wir die Benzinversorgung herabsetzen, müssen wir auch Maßnahmen
ergreifen, um eine vernünftige Verwendung der restlichen Benzinmengen und
weitestmögliche Einsparungen sicherzustellen.
Daher fordere ich als zweite Maßnahme heute abend, daß alle Tankstellen,
beginnend mit dem Wochenende am 1. Dezember, von Samstag 2100 Uhr bis Sonntag 2400 Uhr geschlossen bleiben. Wir ersuchen darum, daß dieser Schritt jetzt
auf freiwilliger Basis erfolgt.
Nach Verabschiedung des Energienotstandsgesetzes durch den Kongreß werden die Tankstellen verpflichtet sein, während dieser Stunden geschlossen zu
bleiben. Dieser Schritt dürfte für keine amerikanische Familie zu schwerwiegenden Härten führen. Er wird jedoch an den Wochenenden von Fernfahrten abhalten. Das bedeutet vielleicht, daß man etwas mehr Zeit zu Hause verbringt.
Diese Einsparungen allein erbringen aber nur einen kleinen Teil dessen,
was wir einsparen müssen, um die Benzinverknappung insgesamt zu überwinden.
Wir können wesentliche weitere Einsparungen dadurch erzielen, daß wir unser
Fahrverhalten ändern. Obwohl die freiwillige Reaktion auf mein Ersuchen um

-3-

�um eine Herabsetzung der Geschwindigkeit beim Autofahren hervorragend war,so
ist es jetzt unerläßlich, daß diese wichtige Maßnahme im ganzen Lande verbindlich und uneingeschränkt eingehalten wird.
Dementsprechend wird der dritte Schritt die Festsetzung einer Höchstge- schwindigkeitsgrenze für Personenkraftwagen im gesamten Land von 50 Meilen pro
Stunde (80 km) sein, sobald unser Energienotstandsgesetz den Kongreß passiert
hat. Wir rechnen damit, daß diese Maßnahme Einsparungen von 200 000 Barrel
Benzin pro Tag bringen wird. Autobussen im Intercity-Verkehr und schweren
Lastwagen, die bei höheren Geschwindigkeiten rationeller fahren und daher
nicht mehr Treibstoff verbrauchen,wird eine Geschwindigkeitsgrenze von 55 Meilen pro Stunde eingeräumt werden.
Der vierte Schritt, den wir ergreifen werden, betrifft unsere Düsenflugzeuge. Es wird eine phasenweise Reduzierung des Verbrauchs von Düsenbrennstoff
für Passagierflugzeuge um weitere 15 Prozent vorgenommen werden, so daß die
gesamte Herabsetzung etwa 25 Prozent betragen wird.
Diese Einsparungen werden durch eine vorsichtige Verringerung der Flugpläne sowie eine höhere Auslastung der Flugzeuge im Passagierverkehr erreicht
werden. Wir werden den Flugverkehr nicht einstellen müssen, aber wir werden
ihn

sorgfältiger planen müssen.
Der fünfte Schritt betrifft die Reduzierung unserer Außenbeleuchtungen.

Sobald das Energienotstandsgesetz den Kongreß passiert, werde ich Einschränkungen der Außenbeleuchtung an Wohngebäuden sowie die Einstellung der gesamten
kommerziellen Lichtwerbung, Firmenbezeichnungen ausgenommen, anordnen.
Bis dahin beabsichtigen wir hier im Weißen Haus, die übliche Weihnachtsbeleuchtung einzuschränken, und ich appelliere an Sie alle, daß Sie auf freiwilliger Basis handeln und unnötige Außenbeleuchtungen verringern oder abschalten.
Ich

�Ich möchte nur ein Beispiel anführen, wie stark sich eine solche Initiative auswirken kann. Allein die in unserem Lande wieder zu Schmuck-und Stiramungszwecken installierte Gasbeleuchtung entspricht einem Energieverbrauch von
etwa 35 000 Barrel Öl pro Tag, und diese Brennstoffmenge würde ausreichen, um
175 000 Wohnungen zu beheizen.
Und schließlich möchte ich Ihnen heute abend berichten, daß wir jetzt
endgültige Pläne für die Zuteilung der reduzierten Heizölmengen in diesem Winter ausgearbeitet haben, und Sie alle wissen, wie wichtig Heizöl gerade im
Winter ist.
Diese Pläne, die am Dienstag veröffentlicht werden, sehen eine durchschnittliche Reduzierung des Heizölverbrauchs für industrielle Zwecke um 10
Prozent, für den privaten Bedarf um 15 Prozent und für den kommerziellen Bedarf um 25 Prozent vor.
Die Reduzierungen für den privaten Bedarf allein werden zu Einsparungen
von rund 315 000 Barrel Heizöl pro Tag führen, was ausreicht, um über eineinhalb Millionen Wohnungen täglich zu beheizen. Für die durchschnittliche amerikanische Familie bringt diese Heizölkürzung, die ich bereits vor drei Wochen
angedeutet habe, keine schwerwiegenden Unannehmlichkeiten. Aber sie bedeutet,
daß jeder seinen Thermostaten herunterschalten soll - so wie das jetzt in diesem Büro hier der Fall ist und im ganzen Weißen Haus und überall in allen Bundesgebäuden. Sie sollten den Thermostaten um 6 Grad (Fahrenheit) unter den üblichen Stand einstellen, so daß wir am Tage im ganzen Lande eine durchschnittliche Temperatur von 68 Grad Fahrenheit (20 Grad Celsius) erreichen können.
Diejenigen, die nicht zurückschalten, riskieren es, daß sie noch vor Ende des Winters ohne Heizöl sein werden. Obwohl noch weitere Maßnahmen notwendig sein werden, um die zu erwartende Verknappung von 17 Prozent auszugleichen,
werden die von mir heute abend aufgezeigten Maßnahmen eine Erleichterung dieser Verknappung um 10 Prozent bringen.

Sie

-5-

�Sie werden einen sehr wesentlichen Beitrag zur Erreichung unseres Nah-

'

Zieles darstellen, nämlich zu gewährleisten, daß wir genug Brennstoff haben,
um unsere Wohnungen in diesem Winter ausreichend beheizen zu können, um zur
Arbeit gehen zu können und um keine ernsthaften Störungen unseres normalen
Lebensablaufs erfahren zu müssen.
Vor allem wird alles getan werden, um zu gewährleisten, daß etwaige
Störungen unserer Wirtschaft, die Arbeitsplätze kosten könnten, so kurz wie
nur möglich sein werden, und daß sie keinen ernsten Schaden verursachen.
Nichts, was wir tun, kann jedoch Erfolg haben, ohne die volle Mitarbeit
des Kongresses bei der Schaffung der notwendigen Gesetzgebung, ohne die volle
Mitarbeit der einzelstaatlichen und kommunalen Behörden in der Gewährung der
notwendigen Führung und ohne die volle Mitarbeit eines jeden von Ihnen, des
gesamten amerikanischen Volkes, durch ein kleines Opfer, damit niemand echte
Not zu leiden braucht.
Was mich angeht, so verpflichte ich mich, alles in meiner Macht stehende,
zu tun, um sicherzustellen, daß die von mir verkündeten Entscheidungen rasch,
wirksam und fair durchgeführt werden, und auch weitere zusätzliche Maßnahmen,
die sich als notwendig erweisen sollten, um unser Ziel zu erreichen.
Ich habe die Absicht, mich persönlich und regelmäßig - wie ich dies seit
meiner Ansprache an Sie vor drei Wochen getan habe - an der Arbeit meiner Energie-Berater zu beteiligen. Ich habe die Absicht, die führenden Vertreter des
Kongresses regelmäßig über Probleme und Fortschritte zu unterrichten. Und ich
habe die Absicht, dafür zu sorgen, daß die Personen und Organisationen,die
auf diesem Gebiet verantwortlich und zuständig sind, voll und regelmäßig informiert werden.
Wenn wir diese Aufgabe meistern wollen, brauchen wir neue Regeln. Aber
vor allem brauchen wir unablässiges und ernsthaftes Handeln und die Zusammenarbeit von Millionen von Männern und Frauen, wenn wir unser Ziel erreichen wollen, und das bedeutet, von Millionen von Amerikanern im ganzen Land, die mir
heute abend zuhören.
Lassen

�Lassen Sie mich damit schließen, daß ich erneut unser oberstes Ziel definiere: Es kann mit einem Wort ausgedrückt werden, das unsere Nation und
ihr eigentliches Wesen am besten charakterisiert, und dieses Wort heißt
•Unabhängigkeit». Seit seinen Anfängen vor 200 Jahren und in seiner ganzen
Geschichte hat Amerika große Opfer an Blut und auch an Geld gebracht, um seine Unabhängigkeit zu erreichen und zu erhalten. Im letzten Drittel dieses
Jahrhunderts wird unsere Unabhängigkeit von der Aufrechterhaltung und Erreichung der Autarkie auf dem Energiesektor abhängen.
Was ich als Projekt »Unabhängigkeit 1980* bezeichnet habe, besteht aus
einer Reihe von Plänen und Zielsetzungen, die gewährleisten sollen, daß bis
zum Ende dieses Jahrzehnts Amerikaner sich auf keine andere Energiequelle zu
verlassen brauchen als unsere eigenen.
Was Energie angeht, so bedeutet das, daß wir unser Schicksal und unsere
Zukunft allein in unseren eigenen Händen tragen werden. Wenn wir in die Zukunft blicken, dann tun wir das mit der Zuversicht, daß die Energiekrise
nicht nur für unsere Zeit, sondern für immer gelöst sein wird. Wir werden wieder über die überreiche Energieversorgung verfügen, die dazu beigetragen hat,
die größte Industrienation aufzubauen und mit den höchsten Lebensstandard in
der Welt zu schaffen.
Die Fähigkeit zur Autarkie in der Energieversorgung ist ein großes Ziel.
Sie ist auch ein entscheidend wichtiges Ziel, und wir werden es erreichen.
Heute abend möchte ich Sie alle bitten, sich zusammenzuschließen und
dieses Ziel in dem Geiste der Disziplin, der Selbsteinschränkung und der Einigkeit anzugehen, der der Eckstein unseres großen und guten Landes ist."

+4+

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45/1973

US-WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLER FORDERN WIDERSTAND GEGEN ARABISCHE
ERPRESSUNG

CAMBRIDGE, Massachusetts --(AD)— Acht bekannte amerikanische Wirtschaftswissenschaftler, unter ihnen vier Nobelpreisträger, haben die Vereinigten
Staaten aufgefordert, bei der Formulierung ihrer Nahostpolitik der arabischen Erpressung nicht nachzugeben. In einer gemeinsamen Erklaerung, die
am 20. November von den Nobelpreisträgern Professor Kenneth Arrow, Professor Simon Kuznets, Professor Wassily Leontief und Professor Paul Samuelson
sowie den Wirtschaftswissenschaftlern Professor John Kenneth Galbraith
(Harvard-Universität), Professor Franklin Fisher und Professor Robert Solow
(Massachusetts Institute of Technology) und Professor Merton Peck (YaleUniversität) unterzeichnet wurde, betonen die Professoren, wer erst einmal
der Erpressung nachgegeben habe, werde immer wieder aufs Neue erpresst wer«
denDie Erklärung bringt die persönliche Auffassung der Unterzeichner zum
Ausdruck und nicht die Regierungspolitik der USA.
Der amerikanische Außenminister Henry A. Kissinger hat sich auf seiner
Pressekonferenz am 21. November nachdrücklich für Verhandlungen und Aussöhnung ausgesprochen, hat aber allerdings auch unmißverständlich darauf hingewiesen, daß die Vereinigten Staaten, falls das arabische Erdölembargo unbegrenzt fortgesetzt werden sollte, prüfen müßten, welche Gegenmaßnahmen er-

-1-

�I
ergriffen werden könnten. Dies werde jedoch nur im äußersten Fall und sehr
zögernd geschehen. Gleichzeitig wies Kissinger darauf hin, daß der amerikanische Energiebedarf zu 85 Prozent im Inland gedeckt werden könne, "so daß
wir dem ausländischen Druck nicht völlig preisgegeben sind."
Der Staatssekretär im amerikanischen Außenministerium, William Porter,
hatte am 19. November darauf verwiesen, "daß wirtschaftliche Erpressung
ein zweischneidiges Schwert ist", denn keine Gruppe von Ländern verfüge über
alle benötigten Rohstoffe. Gleichzeitig betonte Porter,, daß ein großer Teil
der Weltexporte an Lebensmitteln und Industrieerzeugnissen aus den Vereinigten Staaten komme.
In ihrer gemeinsamen Erklärung betonen die vorgenannten Wirtschaftswissenschaftler unter anderem:
"Man kann der Auffassung sein, daß die amerikanische Hilfe an Israel und
die Unterstützung der israelischen Position in gewisser Weise verantwortlich \
für die Schwierigkeiten auf dem Energiesektor sind (das Wort «Krise1 ist viel
zu stark).

Es besteht jedoch nur ein begrenzter und sehr flüchtiger Zusammen^

hang, und unsere Außenpolitik sollte sich auf keinen Fall der Illusion hingeben, daß wir durch ein Nachgeben gegenüber der Ölerpressung tatsächlich irgend
etwas gewinnen könnten.
Die internationale Rohölsituation hat zwei Aspekte, Da ist einmal das
Kartell der Erdölländer; die Mitglieder der Organisation der Erdöl exportierenden Länder (OPEC), bei denen es sich um arabische und nicht-arabische
Länder handelt. Dieses Kartell konnte in der Vergangenheit wiederholt die
Preise heraufsetzen, indem es einfach die Abgaben auf die Erdölexporte erhöhte.... Die Obergrenze für dieses Monopol sind die Kosten alternativer Brennstoffquellen..„. Es dürfte sicher sein, daß die OPEC-Länder fortfahren werden, sich an diese Grenze heranzutasten. Sie haben diesen Prozeß mit den
Teheran-•Abkommen* von 1971 begonnen, die wenige Monate später gebrochen wurden. Anfang Oktober dieses Jahres haben sie diese Verhandlungs-Scharade
beendet und die Preise einseitig heraufgesetzt. Zweifellos werden sie das
immer wieder tun.
-2-

�Es bestand und besteht kein Zusammenhang zwischen Frieden im Nahen
Osten und dem Erdölmonopol der arabischen und nicht-arabischen Länder. Selbst
wenn morgen eine perfekte politische Nahostregelung erreicht würde, so würden die OPEC-Länder nicht einen Deut von dem Erreichten aufgeben und sie würden nicht aufhören, zu überlegen, wann und um wie viel sie die Preise erhöhen
können...
Das neue Element der Situation sind die Kürzungen, die unabhängig von
der allgemeinen Verknappung Mitte Oktober von den arabischen Ländern bekannt
gegeben wurden und die, wie sie erklärten, solange beibehalten würden, bis
die Grenzen Israels wieder dort sind, wo sie vor dem Sechstage-Krieg von
1967 waren, und bis dem palästinensischen Volke seine 'Rechte1 eingeräumt
worden sind - eine Konzeption, die nicht näher erläutert wurde...
Die Kürzung der Gesamtförderung der arabischen Länder fügt den Verbraucherstaaten echten Schaden zu, auch wenn die Vereinigten Staaten am wenigsten von ihnen betroffen werden. Presseberichten zufolge scheint die Kürzung
25 Prozent des arabischen Erdöls oder etwa 15 Prozent des gesamten international gehandelten Erdöls auszumachen
In den Vereinigten Staaten ist die Verknappung von Benzin und Heizöl
für den privaten Bedarf in erster Linie auf eine zu niedrige Raffineriekapazität der USA zurückzuführen, die nicht vor 1977 behoben sein dürfte....
Die Importe an arabischem Erdöl beliefen sich auf täglich eine Million
Barrel,während die Einfuhren

von Raffinerieerzeugnissen aus arabischem Brdöl

schwer zu schätzen sind, sich aber noch einmal auf die gleiche Menge stellen
dürften,,, Diese maximal 2 Millionen Barrel - bei einem täglichen Verbrauch
von 17 Millionen Barrel - werden zum Teil durch erhöhte Importe aus nicht-arabischen Quellen ausgeglichen, die nach den Vereinigten Staaten umdirigiert
wurden (eine Entscheidung, die zu einem beträchtlichen Teil von amerikanischen Ölgesellschaften abhängig ist), so daß der Gesamtausfall sich für die
USA auf höchsten 12 Prozent beläuft,... Die Verbraucherländer sind nicht völ»
lig waffenlos, wenn sie erst erkennen, daß sie sich in einem - wie es der
Erdölmininister Saudi-Arabiens, Scheich Jamani, zu Recht genannt hat -

-3-

�hat - 'Krieg' befinden.... Wenn sie einig sind, dann können sie die Lieferung von Lebensmitteln und Fertigerzeugnissen an solche Länder verweigern,
die sich an dem feindseligen Schritt eines Embargo beteiligen. Der Sowjetunion dürfte es schwerfallen, das Defizit auszugleichen, und es könnte durchaus sein, daß die Araber nicht bereit sind, die hieraus resultierende Abhängigkeit zu akzeptieren. Es wäre nutzbringender, wenn die Verbraucherländer
über solche Gegenmaßnahmen beraten würden, statt sich an Unterwürfigkeit zu
überbieten, die ihnen nichts einbringt....
Die Drohung, die sich gegen die amerikanischen Verbrauchsgewohnheiten
richtet, könnte sogar nützliche Auswirkungen haben. Die Erhaltung der Energie
ist zu einer wichtigen Notwendigkeit geworden, um sowohl die kurzfristigen
Schwierigkeiten als auch die wachsende langfristige Verknappung zu überwinden. Und mit einem Rückgang des Energieverbrauchs werden auch unsere ernsten
Luftverschmutzungsprobleme abnehmen.
Wir äußern keine Meinung, wie ein Frieden im Nahen Osten aussehen sollte, oder was die Vereinigten Staaten tun könnten oder sollten, um ihn herbeizuführen. Wir warnen jedoch, daß es so zwecklos wie auch unehrenhaft wäre,
unsere Politik durch die Androhung von Nachteilen bestimmen oder auch nur beeinflussen zu lassen. Bei Erdöl handelt es sich nicht um ein Dauergut. Wenn
wir uns um der Aufrechterhaltung des Erdölflusses in diesem Jahr willen auf
einen politischen Kurs einlassen, den wir sonst nicht wünschen würden, dann
würde dem - so sicher wie die Nacht dem Tage - eine Erpressung nach der anderen folgen. Die japanische Regierung gehörte viele Jahre lang zu denen, die
den Arabern am wohlwollendsten gegenüberstanden, und doch ist sie wegen ihrer
•widerlichen Neutralität' geschmäht worden... und es wurde noch mehr gefordert: Der Abbruch der Beziehungen zu Israel, wirtschaftliche Sanktionen und
militärische Hilfe für die Araber.... Je mehr gegeben wird, umso mehr wird
gefordert....
Der

-4-

�Der größte Dienst, den die Vereinigten Staaten den befreundeten Ländern in Europa und Asien erweisen können, ist, sich nicht von dieser Erpressung in die Knie zwingen zu lassen. Denn wenn die Vereinigten Staaten
nicht gepackt oder beeinflußt werden können, dann sind die Nadelstiche gegen Europa und Asien ohne jeden Zweck, dann haben die Araber kein Motiv
mehr für die Fortsetzung der Kürzungen und dann werden die üblichen finanziellen Anreize zur Wiederaufnahme der normalen Förderung zum Tragen kommen."

+++

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45/1973

ÖL AUS ALASKA

- (AD) - Der US-Kongreß folgte den dringenden Appellen Präsident Nixons
und verabschiedete jetzt das Gesetz, das den Bau der Alaska-Pipeline ermöglicht. Vier Jahre

währende Auseinandersetzungen zwischen dem US-Innenministerium

und einem Firmenkonsortium der Mineralölwirtschaft auf den einen und Umweltschützern auf der anderen Seite wurden damit beendet. Die neue Ölleitung, die
fast 1300 km lang werden soll, wird die Felder im Norden Alaskas - die Vorkommen wurden erst 1968 entdeckt - mit dem eisfreien Hafen Valdez am Golf von
Alaska verbinden. Allerdings dürfte es fast fünf Jahre dauern, bis das 4,5
Milliarden-Dollar-Projekt fertiggestellt sein wird.

Die Transalaska-Pipeline ist das aufwendigste Vorhaben,das die amerikanische Privatwirtschaft bis heute in Angriff nahm. Durch eine Rohrleitung von
1,20 m Durchmesser sollen spätestens ab 1980 täglich fast 300 OOO Tonnen Rohöl
nach Valdez fließen, um dort von Tankern übernommen und zu Häfen der amerikanischen Westküste transportiert zu werden. Die Menge entspräche knapp zehn Prozent des vorausberechneten Tagesbedarfs in den USA. Sie soll in einem Gebiet gefördert werden, dessen bisher bekannt gewordene
auf gut

Vorräte an Erdöl die Geologen

1,5 Milliarden Tonnen schätzen. Das macht etwa ein Drittel der be-

kannten kontinentalen Vorkommen in den Vereinigten Staaten aus.
Mit dem Alaska-Öl könnte Amerika in einigen Jahren die Versorgung mit Energierohstoffen aus dem Ausland weitgehend entlasten. Der gegenwärtige Tagesbedarf
der USA an Energie entspricht, auf Erdöl umgerechnet, rund 5 Millionen Tonnen; da-

�davon entfallen 46 Prozent (d.h. ca. 2,3 Millionen Tonnen) auf den tatsächlichen Tagesverbrauch an Erdöl. Wie Herbert Stein, Vorsitzender des Wirtschaftsbeirats Präsident Nixons, kürzlich in Bonn ausführte, hat am Gesamtenergie verbrauch die Industrie mit 43 Prozent den größten Anteil. Auf die übrige
Wirtschaft kommen 14 Prozent, auf das Transportwesen 24 und auf die Haushalte
19 Prozent,

Der Alaska-Pipeline, so wie sie jetzt vorgesehen ist - mit dem Bau kann
angesichts der klimatischen Verhältnisse erst nach Winterende im Jahr 1974 begonnen werden - wurde vor einer Leitung durch Kanada der Vorzug gegeben. Dieses
Projekt hatten jene Amerikaner unterstützt, die die Benutzung von Tankern und
das umladen in Häfen in Anbetracht der möglichen Umweltgefährdung durch auslaufendes Öl grundsätzlich vermeiden wollten. Dazu hätte eine 4800 km lange,
in weiten Strecken über kanadisches Territorium zu führende Leitung gebaut
werden müssen. Angesichts der technischen Schwierigkeiten wäre jedoch dieses
Projekt bis zur Fertigstellung äußerst langwierig und sehr viel kostspieliger
in der Ausführung. Es hätte weit über sechs Milliarden Dollar verschlungen.

.

Das Firmenkonsortium und das US-Innenministerium holten, nicht zuletzt
unter dem Druck der Umweltschützer, immer wieder neue Gutachten ein, um optimale
Lösungen für den Bau einer Pipeline unter dem Polarkreis zu finden. Einwände
wurden vor allem deshalb gemacht, weil die Leitung nicht nur durch unberührte
Natur mit Gebirge, Tundra-Landschaft und Dauerfrostzonen führt, sondern weil
das Gebiet auch durch Erdbeben gefährdet ist. Immer mehr Vorsichtsmaßnahmen
wurden eingebaut, um eine ölverseuchung der überquerten Landstriche, aber auch
der Gewässer um Valdez zu verhindern. So werden automatische Ventile in den
einzelnen Leitungsabschnitten den ölfluß sofort stoppen, wenn auch nur ein geringfügiges Leck auftritt. Täglich sollen Patrouillen von Flugzeugen aus die
Leitung inspizieren; dazu kommen häufige Kontrollen durch Spezialisten entlang
der Trasse. Den Tankern wird es untersagt, im Golf von Alaska öliges Ballastwasser abzulassen. Die USA erwarten von der Inangriffnahme des neuen Projekts
auf weitere Sicht nicht nur eine Entlastung der angespannten Versorgungsläge
auf dem ölsektor, sondern schon in absehbarer Zeit günstige Auswirkungen auf die
Beschäftigungslage in Alaska sowie auf die Auftragseingänge in der Schiffbauindustrie.
+ + + + +

- 2-

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54/1973

HOCHKONJUNKTUR FÜR PROSPEKTOREN
Strikte Maßnahmen zur Sicherung der Energieversorgung in den USA

- (AD) - Keine Benzinabgabe an den Tankstellen von Samstag abend bis
Sonntag um Mitternacht, Geschwindigkeitsbeschränkung auf 80 Stundenkilometer
auf allen Straßen für das Gros der Fahrzeuge, Kürzung der Benzinproduktion
um 15 Prozent bei den Raffinerien zugunsten des leichten Heizöls, Heizölzuteilung für Haushalte und Industrie - das sind die wichtigsten Punkte der
Maßnahmen, die Präsident Nixon am 25. November 1973 verkündete, um den Auswirkungen der Energiekrise in den Vereinigten Staaten zu begegnen. Die
Schwierigkeiten haben mit dem Boykott der USA durch die arabischen Länder
- im Gegensatz zur Ursache der Schwierigkeiten in Europa - nicht viel zu tun.
Die Rohölimporte aus diesen Gebieten beliefen sich nur auf ca. 140 000 Tonnen
pro Tag. Dagegen fallen die Verbrauchsgewohnheiten und vor allem die zu
niedrigen Raffineriekapazitäten in den Vereinigten Staaten viel mehr ins Gewicht. Die Kapazität wird erst 1977 auf den Umfang ausgeweitet sein, den
Amerika für eine angemessene eigene Versorgung braucht.

Das Emporschnellen der Kosten für Energie entwickelt sich jedoch jenseits wie diesseits des Atlantik gleichermaßen zum Problem. Verständlich,
daß Prospektoren in aller Welt ihre Suche nach zusätzlichen Rohstoffquellen,
insbesondere nach Erdöl und Erdgas, immer mehr intensivieren. Dementsprechend
steigen die Kosten für die Exploration. Die nichtkommunistischen Länder gaben
dafür in der Zeit von 1968 bis 1970 ca. 1,4 Milliarden Dollar pro Jahr aus. Na-

�Nahezu 200 Mal so viel wird jedoch in den kommenden zehn Jahren erforderlich
sein. Übrigens wird nach Ansicht des "American Petroleum Institute" ein erheblicher Anteil davon auf die Suche nach neuen Quellen auf dem Territorium
der Vereinigten Staaten entfallen.

Diese Meinung gründet sich u.a. auf die Tatsache, daß in den Vereinigten
Staaten mehr Bohrungen niedergebracht werden als in allen anderen Ländern
zusammengenommen. Allein im Bereich der untermeerischen Ölfeider, insbesondere
am Golf von Mexiko, sind es mehr als 900 pro Jahr. Die Kosten sind erheblich.
Während für eine Tiefbohrung zu Lande ca. 100 000 Dollar veranschlagt werden,
erfordert eine Bohrung im Schelfgebiet etwa das Sechsfache. In Alaska verschlang eine Explorationsbohrung sogar sechs Millionen Dollar, ohne daß man
fündig wurde. Das war zwar ein Ausnahmefall. Aber im Durchschnitt erschließt
nur jede 60. Bohrung eine rentable Quelle.

Im großen Ganzen sind nach Ansicht namhafter Experten die Schelfgebiete
derzeit die lohnendsten Explorationszonen - gleichgültig, in welcher Region
der Erde sie sich befinden. Gegenwärtig liefern sie 17 Prozent des Erdöls.
Aber schon 1980 dürfte man dort 30 Prozent der Weltproduktion fördern. Die
Nordsee und Indonesien gelten heute bei amerikanischen Fachleuten als die
aussichtsreichsten

Explorationsfeider sowohl für Erdöl als auch für Erdgas

seit der Erschließung der Vorkommen im Mittleren Osten. Mehr als 650 Bohrungen
haben amerikanische und westeuropäische Mineralölgesellschaften in der Nordsee seit 1964, als der erste Versuch unternonmen wurde, bereits niedergebracht.
Geologen haben auf Grund der Nordseefunde eine Steigerung der westeuropäischen
Energierohstoff-Reserven um das Vierfache errechnet.

Ihre Erschließung braucht jedoch Zeit. Erst 1985 könnten beispielsweise
Gas und Öl aus Nordseequellen vor den Küsten Englands, Norwegens und der
Niederlande ca. 15 Prozent des westeuropäischen Energiebedarfs decken. Allerdings gewinnt Großbritannien schon jetzt 90 Prozent des benötigten Erdgases
aus der Nordsee. Bis 1980 will es 50 Prozent seines Ölbedarfs aus den untermeerischen Vorkommen decken.
Indonesien

�Indonesien - größter Produzent des Fernen Ostens

Etwa die Hälfte des im Fernen Ostens geförderten Erdöls kommt aus Indonesien, das 1941 zum fünftgrößten Produzenten der Erde aufgerückt war. Im
Gegensatz zu dem Rohöl aus manchen Mittelost-Feldern hat das indonesische
öl einen relativ niedrigen Schwefelgehalt und ist deshalb in den Vereinigten
Staaten besonders geschätzt. Bei 1,4 Milliarden Tonnen förderfähiger Reserven dürfte der Ausstoß im Jahr 1973 etwa 47 Millionen Tonnen erreichen.
Bisher haben 24 ausländische Gesellschaften mehr als eine Milliarde Dollar in
Indonesien investiert.

Öl aus Afrika
Von Bohrplattformen aus sondieren Prospektoren gegenwärtig das afrikanische Kontinentalschelf vor Mosambique. Die nigerianische Ölindustrie erfuhr
bereits nach dem Bürgerkrieg in den sechziger Jahren einen ungeahnten Aufschwung. Die Produktion stieg von 8 Millionen Tonnen im Jahr 1968 auf 75 Millionen im Jahr 1971. Gegenwärtig erreicht sie sogar 300 000 Tonnen pro Tag,
so daß Nigeria heute den achten Platz unter den öllieferländern der Welt einnimmt. Im Verlauf von zwei Jahren dürfte die Produktion aus den Vorkommen, die
auf 1,6 Millionen Tonnen geschätzt werden, um weitere 25 Prozent ansteigen.
Kongo (Brazzaville) verzeichnete schon 1972 eine erhebliche Steigerung der
Ölproduktion, die erst ein Jahr zuvor aufgenommen worden war. Auch in Angola,
Kamerun, Gabun und Zaire wurden inzwischen Ölvorkommen entdeckt.

Ostasien
Im Ostchinesischen Meer vermutet man reiche Ölvorkommen. Gegenwärtig
werden in Korea, Thailand, Südvietnam und im Gebiet der Philippinen Probebohrungen vorgenommen. In Australien war die Suche bereits erfolgreich. Die
Felder von Barrow Island und im Gebiet der Bass-Meerenge könnten bis zu 70
Prozent des Eigenbedarfs decken. Vor kurzem wurden auch an der australischen

�i

australischen Nordwestküste Probebohrungen vorgenommen. Am Ostrand der
Tasman-See, im Gebiet um Neuseeland, sind ebenfalls Prospektoren am Werk.

Süd- und Nordamerika

Venezuela liefert heute doppelt so viel öl wie alle übrigen lateinamerikanischen Länder zusammen. Und angesichts der Tatsache, daß dort im
vergangenen Jahr mehr neue Quellen gebohrt wurden als in einem der letzten
zehn Vergleichsjähre,ist zu vermuten, daß die Produktion weiter ausgeweitet
werden kann. Ekuador verzeichnete im vergangenen Jahr (1972) einen erheblichen Anstieg der Produktion. Eine ähnliche Entwicklung ergab sich in Bolivien
und Trinidad, in geringerem Ausmaß in Peru und Argentinien. Weitere reiche
Vorkommen in Kanada sind größtenteils noch gar nicht erschlossen. Nach Ansicht
von William J. Casey, Staatssekretär für Wirtschaftfragen im US-Außenminister!um,
wäre es weltweit möglich, die erforderlichen Mengen an Erdöl zu gewinnen.

,
f

"Diese Aufgabe erfordert jedoch einen enormen Einsatz von Kapital, Anstrengungen
i.

und gutem Willen, wenn sie sicher und ohne Gefährdung der Stabilität erfüllt

i

werden soll."

S t a t i s t i s c h e Angaben über die wichtigsten Erdöl-Förderländer:
Bohrungen im Jahr 19 71

Reserven
Produktion
(in Millionen Tonnen)
Saudi-Arabien
UdSSR
Kuwait
Iran
USA
Irak
Libyen
Vereinigte Arabische
Emirate
Volksrepublik China
Venezuela
Algerien
Nigeria
Indonesien
Kanada

20 945
lo 200
9 459
8 783
6 116
4 840
4 OOO
2
2
1
1
1
1
1

429
394
160
291
552
84
132

716
700
984
590
579
400
368

51
25
185
36
75
47
66

+ + + + +
-

4 -

mindest.
-

63
11 061
16
20
29 325
17
87
44

nicht bekannt

mindest.
mindest.

506
109
55
287
3 097

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon erläutert Energiepolitik der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Fernsehansprache des Präsidenten am 25. November -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Wirtschaftswissenschaftler fordern Widerstand gegen arabische Erpressung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Öl aus Alaska&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hochkonjunktur für Prospektoren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Strikte Maßnahmen zur Sicherung der Energieversorgung in den USA -&lt;/em&gt;</text>
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46

5. Dezember 1973

Inhalt

WIRTSCHAFT:

Wirtschaftsbeirat des US-Präsidenten veröffentlicht Oktober-Bericht
- Stein trotz Ölkrise vorsichtig optimistisch "

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INFORMATION:

I

MikroSchaltungen
- Ausstellung und Fachtagung im US-Handelszentrum

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Drogenkampagne mit neuen Schwerpunkten
- US-Fachleute ziehen Bilanz Dem Erreger der Serumhepatitis auf der Spur

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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M

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46/1973

WIRTSCHAFTSBEIRAT DES US-PRASIDENTEN VERÖFFENTLICHT OKTOBER-BERICHT
- Stein trotz Ölkrise vorsichtig optimistisch WASHINGTON — ( A D ) — Der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten,
Herbert Stein, hat am 29. November den Bericht über den Stand der amerikanischen Wirtschaft im Oktober 1973 mit entsprechenden Projektionen auf der
Basis des arabischen Ölembargos veröffentlicht.
Vor der Presse gaben Stein und seine Mitarbeiter anläßlich der Veröffentlichung des Berichtes auf entsprechende Fragen folgende Darstellung:
Sie sind "vorsichtig optimistisch" hinsichtlich der Auswirkungen des
arabischen Ölembargos, wenn das amerikanische Volk einige Opfer auf Gebieten
bringt, die nicht von entscheidender Bedeutung für die Wirtschaft sind, wie
etwa Einschränkungen in der privaten Nutzung von Automobilen und bei der
Heizung. Stein bezeichnete dies als keine angenehme Lösung, aber als die
"beste Alternative".
Eine derartige Lösung würde eine Einschränkung der Verbraucherausgaben
für Benzin, Autos, Reifen, Motels und andere autobezogene Industrien von
etwa 10 Milliarden Dollar pro Jahr oder 1,5 Prozent der amerikanischen Verbraucherausgaben bedeuten.
Es

-1-

�Es wird "einige negative Auswirkungen auf geschäftliche Investitionen
geben... Diese werden jedoch wahrscheinlich gering sein."
Die Auswirkungen auf die amerikanischen Exporte werden als unbedeutend
eingeschätzt. Die Vereinigten Staaten werden voraussichtlich mehr energieintensive Waren wie beispielsweise Aluminium nach energieknappen Ländern
in Europa und nach Japan ausführen, während der Export von Verbraochsgütern
zurückgehen dürfte.
Die Auswirkung auf die Arbeitslosenrate wird auf 0,6 Prozent geschätzt.
Der Rückgang des Bruttosozialproduktes wird von Regierungsseite auf zwei
Prozent eingeschätzt, wobei die Voraussagen von anderer Seite bei nur einem
Prozent liegen.
Eine Abschätzung der Auswirkungen auf das Preisgefüge der USA ist gegenwärtig nicht möglich, da keine Angaben über die Entwicklungen ausländischer
Preise vorliegen. Ein Preisanstieg von einem Dollar pro Barrel Rohöl könnte
jedoch einen Anstieg der amerikanischen Lebenshaltungskosten von etwa einem
halben Prozent bedeuten.
Regierungsmaßnahmen zur Anregung der Nachfrage müssen mit höchster Vorsicht gehandhabt werden.
Die eigentliche Auswirkung des Ölembargos dürfte in den ersten drei
Monaten des Jahres 1974 eintreten. Danach dürfte mit zunehmend wärmerer
Witterung, der Erschließung neuer Energiequellen und der wachsenden Konvertierung von Kraftwerken von Öl auf andere Energiequellen ein Nachlassen der
Nachfrage zu verzeichnen sein.
Wenn das nicht für die private Nutzung von Autos ausgegebene Geld gespart wird, so könnte dies zu einem starken Aufschwung der Hypothekenaufnahme und damit der Bautätigkeit führen.
Der

�%

Der Wirtschaftsbeirat spricht sich gegenwärtig gegen eine Benzinrationierung aus. Benzingutscheine und entsprechende Verordnungen werden jedoch für
den Notfall vorbereitet. Der frühestmögliche Zeitpunkt für eine Rationierung
könnte in drei Monaten eintreten. In dieser Zeitspanne wird es dem Beirat möglich sein, die wirtschaftliche Entwicklung ohne Benzinrationierung zu beobachten.
Das Ölembargo wird nach Auffassung des Wirtschaftsbeirates keine Auswirkungen auf die Pläne haben, die landwirtschaftliche Erzeugung im kommenden Jahr
um drei

Prozent zu steigern, da die Landwirtschaft ebenso wie die Industrie

höchsten Vorrang bei der Energieversorgung hat.

Der Bericht des Wirtschaftsbeirates hat folgenden Wortlaut:

Die wirtschaftliche Entwicklung im Oktober
Die wesentlichen wirtschaftlichen Entwicklungen im Oktober sind noch nicht
statistisch erfaßt. In diesen Zeitraum fiel der Beginn des Embargos für den
Ölexport aus den arabischen Ölländern nach den Vereinigten Staaten. Dieser Schatten fiel auf eine Wirtschaft,die auf hohen Touren lief, deren Anstieg sich im
nächsten Jahr jedoch wahrscheinlich mit einer Rate vollzogen hätte, die etwas
unter dem Wachstum der Produktionskapazität gelegen hätte, so daß an die Stelle
der verbreiteten Verknappungen in der Wirtschaft eine gewisse Flaute in der
Wirtschaftstätigkeit eingetreten wäre .
Es handelte sich ferner um eine Wirtschaft, in der die Inflationsrate
ungleichmäßig zurückging und allen Erwartungen nach weiterhin - wenn auch immer
noch ungleichmäßig - zurückgegangen wäre. Das Ölembargo hat große neue Unsicher-

-3-

�Unsicherheiten in das wirtschaftliche Bild gebracht. Es besteht kaum ein Zweifel, daß die Wirkung dahin gehen wird, Produktion und Beschäftigung mehr zu
senken und die Preise mehr zu steigern, als dies sonst geschehen wäre. Die
offene Frage ist, in welchem Umfange diese Auswirkungen eintreten werden. Nach
unserer Beurteilung wird die Auswirkung auf das reale Bruttosozialprodukt
zwei Prozent nicht übersteigen., Es wird möglich sein, das Wirtschaftswachstum
im Jahre 1974, wenn auch verlangsamt, aufrechtzuerhalten, und die Arbeitslosenrate dürfte zu keiner Zeit des nächsten Jahres 6 Prozent übersteigen - wenn
die Regierung mit Unterstützung des Kongresses und der Öffentlichkeit eine Politik durchführen kann, die sich auf eine hauptsächliche Verlagerung der Verknappung auf den nicht wesentlichen Gebrauch von Automobilen und die Beheizung
von Wohnungen und Geschäftsgebäuden konzentriert. Dies ist eine entscheidende
Voraussetzung. Daraus läßt sich erkennen, warum wir eine Politik verfolgen
müssen, die von der Allgemeinheit gebrachte Opfer in der Benutzung von Automobilen, in der Beheizung von Wohnungen verlangt - um nämlich einer großen Zahl
von Menschen den viel größeren Nachteil der Arbeitslosigkeit zu ersparen.
Diese Einschätzung der Auswirkung der Ölknappheit wird im folgenden näher,erläutert. Zunächst wollen wir uns jedoch kurz den wirtschaftlichen Entwicklungen zuwenden, wie sie sich aus den vorliegenden Oktoberstatistiken ergeben.

Monatsüberblick
Die industrielle Produktion stieg im Oktober um 0,6 Prozent, also etwa
mit der gleichen Rate wie im Vorjahr. Trotzdem ging die Wachstumsrate eindeutig allmählich zurück. Vom dritten Quartal 1972 bis zum ersten Quartal 1973
stieg die Industrieproduktion mit einer Jahresrate von 12 Prozent; vom ersten
Quartal bis zum dritten Quartal 1973 betrug die Zuwachsrate 6,2 Prozent. Eine
ähnliche Verlangsamung zeigte sich in den neuen Zahlen des Brutto sozialproduk-

�Bruttosozialproduktes, die im November veröffentlicht wurden. Das reale
Bruttosozialprodukt stieg vom dritten Quartal (1972) bis zum ersten Quartal
(1973) mit einer Rate von 8,4 Prozent, jedoch vom ersten Quartal bis zum dritten Quartal 1973 nur noch mit einer Rate von 2,9 Prozent.
Dieses Nachlassen der Wachstumsrate war hauptsächlich, wenn auch nicht
gänzlich, der Tatsache zuzuschreiben, daß sich die Produktion praktisch dem
Plafond näherte. Die Zahl der Beschäftigten hat rasch zugenommen - allein im
Oktober um 0,6 Millionen und um 3,2 Millionen in den vorangegangenen zwölf
Monaten. In diesen zwölf Monaten ist die Arbeitslosenrate um ein Prozent auf
4,5 Prozent zurückgegangen. In diesem Zeitraum stand ein größerer Anteil der
Bevölkerung im zivilen Arbeitsalter in Arbeit als zu irgendeinem Zeitpunkt
seit dem zweiten Weltkrieg. Bis Oktober lag die Arbeitslosenrate bei Männern
im Alter von 20 Jahren und darüber niedriger als jemals in Friedenszeiten und
die Arbeitslosenrate bei Frauen im Alter von 25 Jahren und darüber war beinahe
auf dem niedrigsten Stand, den sie jemals in Friedenszeiten erreichte.
Die Leistungsnachfrage stieg weiter stark an, wenn auch nicht ganz so
stark wie im Winter 1972/73. Der Absatz des Einzelhandels stieg im Oktober um
zwei Prozent. Die Gesamtausgaben für Güter und Dienstleistungen wuchsen im
dritten Quartal (1973) mit einer Jahresrate von 10,6 Prozent. Dieses anhaltend
rasche Wachstum der Nachfrage ging trotz einer Abflachung in zwei wichtigen Kategorien weiter - Verbrauchsdauergüter und Wohnungsbau. Wichtige Elemente des
Nachfragewachsltums waren fixe Geschäftsinvestitionen, einzelstaatliche und kommunale Regierungsausgaben und Nettoexporte.
Die Verbraucherpreise stiegen im Oktober um 0,8 Prozent, was für sich genommen eine enttäuschend hohe Zahl ist. Diese Zahl für den Oktober wird jedoch durch einige Ausnahmen verzerrt, die den zugrundeliegenden Trend überhöhen. Wenn man die Zahl zusammen mit dem kleinen Zuwachs im September und dem
Rückgang von Großhandelspreisen sowohl im September wie im Oktober betrachtet,

-5-

�&lt;
*

betrachtet, dann ergibt sich das Bild eines gewissen Fortschritts an der Inflationsfront.
Ein hervorstechendes Charakteristikum der letzten Monate ist die dramatische Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz gewesen. Im Oktober ergab
sich ein Exportüberschuß von 527 Millionen Dollar, der auf einen Überschuß von
873 Millionen Dollar im September folgte. Die ersten zehn Monate des Jahres
1973 wiesen einen Überschuß von 678 Millionen Dollar aus, verglichen mit einem
Defizit von 5 232 Millionen Dollar in den ersten zehn Monaten des Jahres 1972.
Diese Verbesserung der Handelsbilanz ist ein wichtiger Faktor im Zusammenhang
mit dem scharfen Anstieg des Wechselkurses des Dollar in den letzten Wochen
gewesen.

Wirtschaftliche Auswirkungen des Ölembargos
Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ölembargos hängen - auf kurze Sicht
gesehen - von drei Hauptfaktoren ab:
1.

der Dauer des Embargos;

2.

der Art, in der die Verknappung auf die Verbraucher umgelegt wird;

3.

der Reaktion der privaten Unternehmen und Verbraucher auf die durch
die Verknappung geschaffenen Umstände.

Die folgenden Schätzungen für das Jahr 1974 gehen von der Hypothese aus,
daß das Embargo während des ganzen Jahres anhalten wird. Dies mag der Fall
sein oder nicht, es scheint jedoch nützlich und zweckmäßig zu sein, die Schätzungen auf dieser Hypothese vorzunehmen.

Unsere

-6-

�t

Unsere Schätzungen gehen davon aus, daß die Ziele erreicht werden, die
in der allgemeinen Strategie für eine Verteilung der Lasten der Ölverknappung
aufgestellt und zum Zeitpunkt der Rede des Präsidenten vom 25. November dargelegt worden sind. Diese Annahme wird jedoch etwas fragwürdig, wenn man bedenkt, auf welche Weise Erdöl in den Produktionsprozeß eintritt„ Der Gesamtwert der Erdölprodukte, die wir wegen des Embargos nicht bekommen werden, wird
0,5 Prozent des Bruttosozialproduktes nicht überschreiten. Eine Verknappung
in dieser Größenordnung wäre an sich bei vielen Erzeugnissen noch kein großer
Verlust für die amerikanische Wirtschaft und würde an sich noch nicht notwendigerweise eine Verringerung der amerikanischen Produktion und Beschäftigung
bedeuten. Wenn uns beispielsweise Importbananen im Werte von einer Milliarde
Dollar entzogen würden, so hätte dies kaum irgendeine Auswirkung auf die amerikanische Wirtschaft, da mit diesen Bananen auf dem Wege zu ihrem Endverbraucher eine nur raltiv geringe amerikanische Wirtschaftstätigkeit und Beschäftigung verbunden sind. Öl tritt jedoch bereits in einem frühen Stadium
.

in den amerikanischen Produktionsprozeß ein, und von ihm hängen hohe Produktionsmengen und viel Beschäftigung ab. Wenn beispielsweise eine Eisenbahnge-

&gt;A

Seilschaft kein Dieselöl erhält, dann kann sie möglicherweise keine Kohle an
Stahlwerke liefern, die Stahlversorgung geht zurück und damit die AutomobilProduktion, was zu einem Produktionsverlust führt, der den Wert des fehlenden
Dieselöls um ein Vielfaches übertrifft.
Es ist unmöglich, die Lasten der Ölverknappung zu verteilen, ohne daß es
in der Anfangsphase zu gewissen negativen Auswirkungen auf die Produktion und
Beschäftigung in den USA kommt. Der Umfang dieser negativen Auswirkungen hängt
aber in hohem Maße von der Art der Verbrauchsbeschränkungen ab.
Wenn wir beispielsweise den Verbrauch von Öl für die Wohnraumbeheizung
einschränken, erlegen wir zahlreichen Verbrauchern gewisse Unbequemlichkeiten
und Härten auf, während der Gesamtausfall an Produktion und Beschäftigung weit

-7-

�1

i
weit geringer wäre als im vorstehend angeführten Beispielfall einer Beschränkung der Dieselölversorgung der Eisenbahnen.
Das Bestreben der Regierung wird hauptsächlich dahingehen, die Beschränkungen im Energieverbrauch so zu verteilen, daß die damit verbundenen Auswirkungen auf die Beschäftigung möglichst gering ausfallen. Das bedeutet im allgemeinen, die Beschränkungenauf die Beheizung von Haushaltungen und Wirtschaftsgebäuden und den Verbrauch von Strom und von Benzin im Individualverkehr
zu konzentrieren.
Ein wesentlicher Punkt des am 25. November bekanntgegebenen Planes besagt,
daß sich die Beschränkungen des direkten Verbrauchs von Mineralölprodukten
durch die Industrie auf lediglich 10 Prozent beziffern, das sind rund drei
Prozent des gesamten industriellen Energieverbrauchs. Die Folgen möglicher Einschränkungen der Stromerzeugung für die Industrie könnten die Gesamteinbüßen
des industriellen Energieverbrauchs auf etwa vier Prozent erhöhen. Eine Verringerung des industriellen Energieverbrauchs dieser Größenordnung läßt sich nach

»

allgemeinem Dafürhalten durch eine Verringerung der Raumbeheizung und andere
Sparmaßnahmen ohne eine Beeinträchtigung des Gesamtausstoßes bewerkstelligen,
sofern die Aufteilung der Energieeinsparungen auf die verschiedenen Industriezweige auf vernünftige Weise erfolgt.
Bei dieser Art der Verteilung der Lasten der Energieverknappung wird ihr
hauptsächlicher wirtschaftlicher Effekt in der Anfangsphase in einer Verminderung der Verbraucherausgaben für die ohnehin nicht erhältliche Energie und
einer Reduzierung des Aufwands für die Benutzung von Automobilen bestehen. Hierzu gehören nicht nur die Ausgaben für flüssige Treibstoffe und Strom, sondern
auch Aufwendungen für Reifen, Ersatzteile, Reparaturen, Hotels, Motels, Fahrzeuge für Zwecke der Freizeitgestaltung und Kraftfahrzeuge mit größerem Hubraum.
Nach unseren Schätzungen dürfte die Verminderung der Verbraucherausgaben für
diese Zwecke ein bis eineinhalb Prozent der gesamten Verbraucherausgaben ausmachen.
Die

-8-

c

�Die Verminderung der Verbraucherausgaben dürfte sich zu zwei Dritteln
in einer direkten Verminderung der privaten Einkommen (ohne Außenbeitrag)
und das restliche Drittel in einer Verringerung der Einfuhren von Erdöl und
Erdölprodukten und einem Rückgang der Verbrauchssteuern niederschlagen.
Über die Auswirkungen auf die Verbraucherausgaben hinaus würden solche
Beschränkungen auch gewisse Rückwirkungen auf die Investitionstätigkeit der
Wirtschaft zeitigen. Es käme zu einer Verringerung der Investitionen aufgrund
der Unsicherheit bezüglich der Energieversorgung und der Erfordernisse des Unweitschutzes. Andererseits würde auch ein verstärkter Anreiz bestehen, die
Investitionen in die Erdöl-Lagerstättenforschung und -Raffination, in die Umstellung auf Kohle, in Maßnahmen zur Rohstoffkonservierung und in die vermehrte Produktion von kleineren Kraftfahrzeugen zu erhöhen. Nach unserem Dafürhalten dürfte sich hieraus in der Anfangsphase nur ein geringer, aber negativer
Gesamteffekt ergeben.
Abgesehen von der direkten Verminderung der Erdöleinfuhren ergäben sich
sowohl positive wie auch negative Auswirkungen auf unsere Gesamteinfuhren.
Obwohl sich dies nicht mit Sicherheit sagen läßt, dürften Europa und Japan
ernste Produktionsbeschränkungen aufgrund der Energieverknappung zu gewärtigen
haben. Trifft diese Auffassung zu, würden ihre Ausfuhren nach den Vereinigten
Staaten zurückgehen, ihre Einfuhren aus den USA aber aufgrund der eintretenden
Warenverknappung zunehmen. Diese Entwicklung könnte zu einer Steigerung unserer Ausfuhren nach Drittländern führen. Andererseits könnten unsere Ausfuhren
gewisser Produkte nach bestimmten Ländern angesichts der dort zu erwartenden
Produktions-und Einkommenseinbußen zurückgehen. Diese unterschiedlichen Auswirkungen exakt abzuschätzen ist angesichts des Fehlens entsprechender Berechnungsgrundlagen unmöglich; wir nehmen allerdings an, daß sie sich im Endeffekt
gegenseitig aufheben werden.

Ein

-9-

�i

Ein besonders großer Unsicherheitsfaktor in der Beurteilung der Auswirkungen der Energieknappheit liegt in der unbekannten Reaktion der Verbraucher
auf die Verringerung ihrer Ausgaben für Benzin, Heizöl, Strom und andere damit in Zusammenhang stehenden Dinge. Je mehr Verbraucher auf den Rückgang dieser Ausgaben mit erhöhten Ausgaben für andere Güter und Dienstleistungen reagieren, umso geringer werden dessen negative Auswirkung auf die Wirtschaft
sein. Wenn die Verbraucher ihre Ausgaben für andere Zwecke in dem gleichen
Maße steigern, in dem sich ihre Ausgaben für Mineralölprodukte im weitesten
Sinne verringern, steigt die Nachfrage nach Arbeitskräften und anderen Hilfsquellen zur Deckung dieses anderweitigen Bedarfs; dies wiederum wird dazu beitragen, den Rückgang der Beschäftigung und der Wirtschaftstätigkeit in den
mineralölabhängigen Wirtschaftssektoren wettzumachen. Im umgekehrten Extremfall - wenn die Konsumenten ihre anderweitigen Ausgaben nicht erhöhen - werden
die Einkommenseinbußen der Beschäftigten in den mineralölabhängigen Industrien
in Verbindung mit dem weiteren Rückgang der Ausgaben dieses Personenkreises
die Auswirkungen des ursprünglichen Ausgabenrückgangs vervielfachen. Diese Vervielfachung wiederum wäre geeignet, die Ausgabenverminderung auf etwa zwei
Prozent des Jahressatzes der an sich zu erwartenden Gesamtproduktion anzuheben (
und das ist die höchste Einbuße des Bruttosozialproduktes im Jahre 1974, mit
der gegenwärtig gerechnet wird.
Selbstverständlich wird die vorstehende Annahme, daß sich die Industrieproduktion völlig gegen die Auswirkungen der Brennstoffverknappung abschirmen
läßt, nicht buchstäblich zutreffen und sich sicherlich nicht in jedem Fall bewahrheiten. Es wird aufgrund der Brennstoffknappheit in gewissen Industrien
zu Produktionsrückgängen kommen, während andere Industriezweige sogar Produktionssteigerungen verzeichnen werden. Große Bedeutung kommt zudem der Wechselwirkung zwischen den Auswirkungen aufgrund der Nachfrage, auf die sich unsere
Schätzungen vornehmlich beschränken, und den Auswirkungen der Angebotsverknappung zu. Sollten sich die Nachfrageauswirkungen im äußeren Btreich unserer

-10-

�unserer Vorhersagen bewegen und würde das Bruttosozialprodukt zwei Prozent
niedriger ausfallen als es andernfalls ausgefallen wäre, dann wird sich der
industrielle -Brennstoffbedarf verringern und damit auch die Wahrscheinlichkeit, daß die Produktion durch die Brennstoffknappheit beeinträchtigt wird.
Die Unsicherheit derartiger Voraussagen sei hier abermals unterstrichen.
Die Möglichkeit größerer negativer Auswirkungen ist nicht auszuschließen, weil
es unter Umständen bei der Durchführung dieses Programms nicht gelingt, die
Industrieproduktion so wirksam gegen die Energieverknappung abzuschirmen.wie
geplant und weil die negativen Auswirkungen größer sein können als hier angenommen. Die hier angeführten Schätzwerte stimmen im großen und ganzen mit den
Prognosen von privaten Stellen überein, die den Versuch einer systematischen
quantitativen Analyse des Problems unternommen haben. Die privaten Vorhersagen gehen z.T. von der Annahme einer geringfügigeren Brennstoffverknappung
aus als wir sie erwarten, rechnen aber gleichzeitig auch mit einer weniger
ausgeprägten Abwälzung der Lasten aus der Verknappung auf den Verbrauch von
Benzin und Heizöl.
Die Auswirkungen der Verknappung auf die Beschäftigungslage dürften beträchtlich geringer sein als die auf den Ausstoß. Ein Teil der Einbußen des
Ausstoßes wird auf Verringerungen der wöchentlichen Arbeitszeit und ein anderer auf die Verringerung des Ausstosses pro Arbeiter und Arbeitsstunde entfallen. Trotz der Verringerung der Produktion wird es in den betroffenen Industrien - wie anzunehmen ist - mindestens auf absehbare Zeit hinaus relativ
wenige Entlassungen geben. Unsere Schätzungen gehen dahin, daß die Arbeitslosenrate wahrscheinlich zu keinem Zeitpunkt um mehr als 0,6 Prozent über das
Maß hinaus steigen wird, um das sie ohnehin steigen würde, und daß sie zu
keinem Zeitpunkt des Jahres 1974 auch nur sechs Prozent erreichen wird.
Die hier angeführten statistischen Schätzwerte lassen etwaige Veränderungen in der gesamten Wirtschaftspolitik außer Ansatz, die dem Zweck dienen,

-11-

�t

1
dienen, die Gesamtnachfrage in der Wirtschaft zu stärken. Sollte die Nachfrageverringerung sich so steigern, daß sie in den oberen Grenzbereicb unserer
Vorausschätzungen fällt, könnte es notwendig werden, staatliche Maßnahmen zur
Anregung der Nachfrage in Erwägung zu ziehen. Das müßte jedoch im Hinblick auf
die gegebenen inflationistischen Tendenzen, die in mehreren Sektoren der Wirtschaft fortbestehende Angebotsknappheit und die Reibungen, die sich in Zusammenhang mit der Transferierung von Arbeitskräften aus der Mineralölwirtschaft
in andere Beschäftigungsarten ergeben können, mit größter Vorsicht geschehen.
Die Auswirkungen der neuen Verhältnisse auf dem Gebiet der Ölversorgung
auf die Preise sind nur schwer vorherzusagen. Sie hängen zum Teil von der
Preispolitik der Ölerzeugerländer bezüglich des Öls ab, das wir von ihnen beziehen; sie hängen ferner ab von der Politik der amerikanischen Regierung hinsichtlich der Bewilligung von Preiserhöhungen für die im eigenen Lande produzierten Erdölmengen, um auf diesem Wege gegebenenfalls die Produktion zu fördern oder den Verbrauch zu beschränken. Man kann im Großen und Ganzen damit
rechnen, daß ein Preisaufschlag in Höhe von einem Dollar je Barrel Erdöl
heimischer und ausländischer Förderung die Kosten aller Güter-und Dienstleistungen im Durchschnitt um 0,5 Prozent erhöhen würde. Die direkten Kosten von
Brennstoffen, Benzin und Öl bestimmen den Verbrauoherpreisindex zu etwa sechs
Prozent. Wenn somit die Preise dieser Produkte um 20 Prozent steigen, bedingt
dies einen Anstieg des Verbraucherpreisindexes um 1,2 Prozent. Diese Angaben
sind nicht als eine Vorhersage dessen gedacht, was sich ereignen wird, sondern dienen lediglich zur Klarstellung der hier zu erwartenden Größenordnungen. Mehr läßt sich über die Zukunft der Energiepreise erst zu einem späteren
Zeitpunkt sagen.
Wenn die Brennstoffpreise steigen,um einen Anreiz für eine reichlichere
Versorgung oder für eine Einschränkung des Verbrauchs zu bieten, dürfen., alle
übrigen Preise und Einkommen nicht proportional zu den Brennstoffpreisen steigen. Die günstigen Auswirkungen einer Anhebung der Brennstoffpreise lassen

-12-

�lassen sich nur dann realisieren, wenn die Brennstoffpreise in Relation zu
den übrigen Preisen und zu den Einkommen steigen.

Veränderungen ausgewählter Wirtschaftsindizes
(auf der Grundlage saisonal~angepaßter Werte)

III

72 - III 73

September 73
- Oktober 73

Produktion (in Prozent)
Bruttosozialprodukt (reale Zunahme)

5,6

Industrieproduktion

9,0

0,6

- 14,8

- 8,4

Zivilbeschäftigung (in Prozent)

3,2

0,7

Beschäftigtenzahl (in Millionen)

2,6

0,6

sämtliche Arbeitskräfte
(Prozentanteil an der Gesamtrate)

- 0,8

- 0,3

Haushaltsvorstände
.(Prozentanteil an der Gesamtrate)

- 0,6

Neubaubeginne

Beschäftigung

Arbeitslosenrate

Einkommen und Preise (in Prozent)
Personaleinkommen insgesamt

11,0

Verfügbares Einkommen

11,3

Verfügbares Einkommen pro Kopf

10,4

0,9

Brutto-

-13-

�Brutto-Wocheneinkommen (außer Landwirtschaft)
Angeglichener Index der Stundenlöhne
Unternehmensgewinne vor Abzug der Steuern
(Milliarden Dollar)
Verbraucherpreise insgesamt

6,8
6,6
31,0

6,9

Nahrungsmittel

17,4

Sämtliche außer Nahrungsmittel

3,8

Großhandelspreise insgesamt

16,1

Agrarprodukte und verarbeitete Nahrungs-und
Futtermittel

38,4

Industrieerzeugnisse

7,6

angenommene Preisdeflationsrate des BruttoSozialproduktes

5,9

angenommene Preisdeflationsrate der privaten
Verbraucherausgaben

5,8

Realeinkommen (in Prozent)
Reales Personaleinkommen pro Kopf

3,1

Reales verfügbares Personaleinkommen pro Kopf

4,4

Reales Brutto-Wocheneinkommen (außer Landwirtschaft)
reales Nettoeinkommen pro Farm

23,8

Internationaler Vergleich (in Milliarden Dollar)
Güteraußenhandelsbilanz

2,4

Zahlungsbilanz offizieller Devisentransaktionen
(in Milliarden Dollar)

6,7

-14-

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46/1973
Ausstellungen
MIKROSCHALTUNGEN
Ausstellung und Fachtagung im US-Handelszentrum

- (AD) - Ihre neuesten Entwicklungen für Entwurf, Herstellung und Prüfung
von Mikroschaltungen zeigen mehr als 30 amerikanische Firmen vom 10. - 14.
Dezember 1973 im US-Handelszentrum in Frankfurt/Main. Einige der Firmen werden
zum ersten Mal hier vertreten sein; sie sind vor allem an Kontakten zur Vergabe von Lizenzen und zur Inangriffnahme gemeinsamer Projekte interessiert.

Die Ausstellung umfaßt Einrichtungen für die Herstellung und Prüfung von
Dickfilm-, Hybrid- und Dünnfilmschaltungen (integrierte Schaltungen). Dazu gehören Geräte zur automatischen Zeichnungs- und Maskenherstellung, Siebdruckmaschinen, Dickfilmöfen, Widerstands-Abgleicheinrichtungen, Durchlauflötöfen,
Chiplöteinrichtungen, automatische Bonder, Epoxy-Bonder, Wafer-Laser-Scriber,
Manipulatoren, Maskenjustiergeräte, Fotoresist-Einrichtungen wie Beschichtungsgeräte, BelichtungsSysteme und Entwickler, sowie Ausrüstungen für das Verfahren
der Ionen-Implantation. Daneben werden zahlreiche Prüf- und Meßeinrichtungen,
Eilipsometer, Wafer-Prober, Inspektions- und Klassifizierautomaten, eine Vielzahl von PrüfSystemen für digitale und lineare integrierte Schaltungen, sowie
Kupfer-Sonderlegierungen für Halbleiter-Bauelemente gezeigt. Des weiteren werden
"Packaging Devices" (z.B. Dual-in-line-carriers, IC-Sockel und Kontaktiervorrichtungen), komplette ICs wie FET's, Hybridschaltungen, Analog-Gatter, Multiplexer, bipolare Speicher- und MOS-Schaltungen von den amerikanischen Firmen

- 1 -

�«

Firmen vorgestellt.

Der Ausstellung angeschlossen ist eine Fachtagung, auf der deutsche
und amerikanische Experten über neueste Erkenntnisse auf dem Gebiet der
Mikroschaltungen berichten.

Weitere Informationen erteilt das US-HandelsZentrum in Frankfurt am
Main, Bockenheimer Landstraße 2 - 4; Tel.: (0611) 72 08 Ol; Telex: 416535.

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46/1973

DROGENKAMPAGNE MIT NEUEN SCHWERPUNKTEN
US-Fachleute ziehen Bilanz

- (AD) - In einer Konferenz mit zwei auf Kabinettsebene gebildeten
Sonderausschüssen bekräftigte

Präsident Nixon Ende November 1973 die Ent-

schlossenheit der Vereinigten Staaten, den Kampf gegen Drogenmißbrauch an
i

allen Fronten weiterzuführen. Die Entwicklung im Verlauf des Jahres 1973
zeige, daß die USA auf dem besten Wege sind, diesen Kampf zu gewinnen. Die

^

internationalen Versorgungsquellen für Heroin konnten, so betonte der Präsident, weiter gedrosselt werden, die Preise für illegale Suchtstoffe seien
- bei schlechter Qualität der angebotenen harten Drogen - nach wie vor hoch,
die Vollzugsmaßnahmen auf allen Ebenen der Drogenbekämpfung seien effektiver
geworden. Als Folge davon gehe jetzt allmählich die Zahl der Heroinsüchtigen
zurück, neue Fälle von Heroinsucht werden in auffallend geringerem Umfang
registriert.

An der Konferenz im Weißen Haus nahmen die Mitglieder des Kabinettsausschusses für internationale Narkotika-Kontrolle sowie des erst im August 1973
geschaffenen Sonderausschusses "Drogenmißbrauch" des Nationalen Rates für
Innenpolitik teil. Dieses Gremium erfüllt in bezug auf die Kontrolle und Lenkung der inneramerikanischen Vollzugsmaßnahmen im Rahmen der Rauschgiftbekämpfung ähnliche Funktionen wie der am 7. September 1971 gebildete Kabinettsausschuß, der unter dem Vorsitz des US-Außenministers für die Koordinierung
internationaler Maßnahmen gegen die illegale Herstellung und den Schmuggel mit

�r
&gt;

mit Rauschgift zu sorgen hat. Dem Sonderausschuß "Drogenmißbrauch" des Rates
für Innenpolitik gehören der Justizminister, der Minister für das Gesundheits-,
Erziehungs- und Sozialwesen, der Finanzminister, die Minister für Verteidigung,
Arbeit und Verkehr, der Direktor des Präsidialamtes für Planung und Haushalt,
der Leiter des Amtes für Angelegenheiten ehemaliger Kriegsteilnehmer und der
Direktor des Amtes für Sonderaktionen zur Vorbeugung gegen Drogenmißbrauch an.
Präsident Nixon verwies u.a. darauf, daß man sich jetzt vor allem auf
die Probleme konzentrieren müsse, die sich im Verlauf der bisherigen AntiRauschgift-Kampagnen herauskristallisiert haben. So sollen künftig alle Heroinsüchtigen in Behandlungsprogramme einbezogen werden - auch jene, die sich noch
nicht bei einer Drogenklinik oder einem Rehabilitationszentrum gemeldet haben.

Gegenwärtig werden etwa 50 Prozent der Drogensüchtigen, d.h. diejenigen,
die selbst den Wunsch haben, vom Rauschgift frei werden, von Behandlungs- und
Rehabilitationsprogrammen erreicht. Künftig sollen nun auch im Rahmen des
Strafvollzugs alle Mittel eingesetzt werden, um z.B. durch detaillierte Aufklärung, Informationen und Anreize verschiedener Art auch die restliche Hälfte
zu bewegen, eine Behandlung zu akzeptieren. Dieser Personenkreis ist in erster
Linie verantwortlich dafür, daß "Neulinge" zum Genuß harter Drogen verführt
werden. Von der bei den staatlichen Programmen geübten Praxis, nur Heroinsüchtige zu behandeln und zu rehabilitieren, will man jetzt abgehen. Auch
Personen, die nicht auf Heroin fixiert sind, sollen jetzt Gelegenheit erhalten,
die Behandlungs- und Rehabilitationszentren aufzusuchen.

Für die Tätigkeit der Überwachungsbehörden wurde größere Flexibilität
gefordert, damit sie jederzeit rasch und wirksam jeder neuen Strategie der internationalen Banden begegnen können. Im einzelnen sieht die Bilanz, die Präsident
Nixon vom gegenwärtigen Stand der Maßnahmen gegen Drogenmißbrauch zog, folgendermaßen aus:

Behandlung

- 2-

�Behandlung und Rehabilitation
Seit 1969 erhöhte sich die Zahl der Behandlungszentren in den Vereinigten
Staaten von 16 auf 404; die Zahl der Personen, die wegen Drogensucht und
Drogenabhängigkeit in Behandlung stehen, stieg in den letzten zwei Jahren von
16 000 auf 72 000. Gegenwärtig können im Rahmen von Programmen, die Bundesregierung, Einzelstaaten und kommunale Stellen finanzieren, etwa 150 000 Personen betreut werden.

Mit der "Operation Outreach", einer Sonderaktion zur Verhütung von Drogenmißbrauch, sollen nicht genutzte Kapazitäten von Drogenkliniken Süchtigen zur
Verfügung gestellt werden, die bisher nicht behandelt wurden. Darüber hinaus
wird man mit dem Programm TASC ("Treatment Alternatives to Street Crime" Behandlungsalternativen bei Straßenkriminalität) alle Mittel und Wege sondieren, um auch innerhalb des Strafvollzugs Heroinsüchtige einer Behandlung
zuzuführen. Über geeignete Maßnahmen für das TASC-Programm, das jetzt in 20
amerikanischen Städten eingeführt ist, wurde bereits auf einer Anfang September
1973 im Weißen Haus abgehaltenen Konferenz von Richtern, Staats- und Rechtsanwälten, Vollzugsbeamten und Bewährungshelfern aus allen Teilen der USA beraten .

Internationale Kontrolle

Die Vereinigten Staaten arbeiten mit 59 Ländern zusammen, um die Produktion von Drogen, vor allem Opiaten, einzudämmen und den illegalen Handel
zu unterbinden. Als Gegenleistung stellen die USA diesen Ländern Gerät wie
Waffen, Helikopter und andere Hilfsmittel zur Verfügung und ermöglichen die Ausbildung von Drogenfahndern. Außerdem hat die US-Vollzugsbehörde zur Suchtstoffbekämpfung (Drug Enforcement Administration - DEA) 140 amerikanische Beamte
in Ländern rund um die Erde stationiert, die ihre ausländischen Kollegen dabei
unterstützen, den Anbau und die Gewinnung von Drogenrohstoffen und den Rauschgiftschmuggel unter die Lupe zu nehmen.
Diese

�Diese Unterstützung zahlt sich aus. Bis Ende November 1973 wurden in
diesen Ländern im abgelaufenen Jahr fast 1,9 Tonnen Heroin oder dem Heroin
entsprechende Produkte in der Form von Morphinbase (aus der in gleicher Menge
Heroin gewonnen werden kann) beschlagnahmt. An Opium wurde - hauptsächlich im
sogenannten Goldenen Dreieck im südostasiatischen Raum - sogar mehr als die
zehnfache Menge beschlagnahmt, nämlich 23 Tonnen. Burmesische Heereseinheiten
trieben den berüchtigten Rauschgifthändler Lo Shing Han über die Grenze auf
thailändisches Gebiet, wo er festgenommen wurde. Französische Fahnder konnten
in den letzten eineinhalb Jahren sieben Heroinlaboratorien ausheben. Im Vergleich dazu wurde in den fünf vorangegangenen Jahren nur ein einziges entdeckt.

Vollzugsbehörde

Die Vollzugsbehörde zur Suchtstoffbekämpfung (DEA), die am 1. Juli 1973
im Zuge des zweiten Reorganisationsplanes geschaffen wurd°, verfügt über 2000
Fahnder. Fast alle sind in den USA stationiert. Sie arbeiten eng mit Personen
zusammen, die auf einzelstaatlicher und kommunaler Ebene in die Kampagnen
gegen das Rauschgift eingeschaltet sind. Die Menge der beschlagnahmten harten
Drogen war im Haushaltjähr 1973 siebenmal größer als 1972. Die Anzahl der
Festnahmen stieg von 15 500 im Jahr 1972 auf 24 000 im Jahr 1973.

Allgemeine Ergebnisse des Programms

Mit wenigen Ausnahmen gibt es heute - etwa wegen Überfüllung der Behandlungszentren - für Heroinsüchtige keine Wartezeiten mehr für die Aufnahme
in eine Drogenklinik. Umgekehrt können sich Süchtige auch nicht mehr darauf
berufen, für die Beschaffung von Heroin zu einer Straftat gezwungen gewesen
zu sein, weil sie keine Gelegenheit zur Behandlung gehabt hätten. Alles in
allem ist die Zahl der Rauschgiftdelikte zurückgegangen.

Überall in den Vereinigten Staaten ist der Trend erkennbar, daß das Heer
der Heroinsüchtigen weniger Neuzugänge erhält. So waren beispielsweise in
- 4-

�in New York im ersten Halbjahr 1972 bei der Stadtpolizei, in Krankenhäusern
und in BehandlungsZentren 53 939 Personen registriert. In den ersten sechs
Monaten des Jahres 1973 lag die entsprechende Zahl bei 33 539 - das bedeutet
einen Rückgang um 30 Prozent. In der Bundeshauptstadt Washington erhöhte sich
im Jahr 1969 die Zahl der Heroinsüchtigen um 2700 und erreichte damit einen
absoluten Höhepunkt. Im Jahr 1972 lag die entsprechende Zahl bei 100.

Polizei und Justiz auf internationaler und inneramerikanischer Ebene
sorgten außerdem dafür, daß in den Staaten an der amerikanischen Ostküste
seit 1972 Heroin mehr oder weniger rar geworden ist. Die Preise sind hoch und
die Qualität ist vielfach so miserabel, daß die Konsumenten unfreiwillig eine
Art Entziehungskur durchmachen.

+ + + + +

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46/1973

DEM ERREGER DER SERUMHEPATITIS AUF DER SPUR

- (AD) - Hepatitis (Leberentzündung), die viele Ursachen haben kann,
kostet jedes Jahr Tausenden von Menschen das Leben. Bei einer um ein Vielfaches größeren Zahl führt sie häufig genug zu schwerer Beeinträchtigung
der Gesundheit mit oft langem Siechtum.

Ein besonderes Problem stellen die auf Infekti onen beruhenden diffusen
Erkrankungsformen dar. Bei diesen ist, von einigen seltenen und tropischen
Hepatiden abgesehen, zwischen der Virushepatitis und der Serumhepatitis zu
unterscheiden. Erreger ist im ersten Fall das 1943 entdeckte HepatitisVirus A, das auf oralem Wege in den Körper gelangt, mit Stuhl und Urin oft
noch nach Jahren ausgeschieden wird und so unkontrolliert weite Verbreitung
erfahren kann.

Interessanterweise entwickeln Personen, die die Erkrankung durchgemacht
haben, keine Immunität gegen eine zweite infektiöse Form, die sog. Serumhepatitis. Diese wird z.B. mit der Transfusion des Blutes von Personen, deren
Erkrankung nicht erkannt oder bekannt wurde, oder auf Grund von Spritzeninfektionen übertragen. In jüngster Zeit ergaben sich jedoch Hinweise darauf,
daß sie auch oral, vielleicht sogar noch auf anderem Wege übertragbar ist.

Schon seit Jahren wird vermutet, daß zwischen bestimmten filtrierbaren
Elementarkörperchen im Blut von Patienten mit chronischer Hepatitis und dem

- I -

�»

dem Erreger der Serumhepatitis (Hepatitis-Virus B) irgendwelche Verbindungen
bestehen. Vielleicht haben sie mit den die Krankheit verursachenden Antigenen unmittelbar etwas zu tun. Eine Gruppe amerikanischer Forscher, die sich
im Auftrag der Medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH) der USA eingehend
mit haematologischen Untersuchungen befaßten, entdeckten nun vor kurzem im
Serum von Hepatitiskranken einen spezifischen "Indikator" für das Erregervirus.
Es handelt sich um ein Enzym, eine DNS-Polymerase. Sie steuert den Aufbau
einer Nukleinsäure, die im genetischen Material zahlreicher Viren und anderer
Organismen enthalten ist. Die Wissenschaftler - unter ihnen Dr. Paul M. Kaplan
und Dr. John L. Gerin vom "Molecular Anatomy Program Laboratory" in Rockville
(Maryland) - konnten nachweisen, daß dieses Material mit den Partikeln, die
als Hepatitis-Erreger vom Typ B angesehen werden, in direktem Zusammenhang
steht.

Von den bisher erzielten Ergebnissen bis zu Aktionen großen Stils zur Bekämpfung der infektiösen Hepatitis, beispielsweise Massenimpfungen, ist es
noch ein sehr weiter Weg, der Jahre in Anspruch nehmen wird. Ist jedoch erst
einmal der Erreger bekannt, so müßten auch in kürzester Zeit Verfahren verfügbar sein, mit denen in Konservenblut und für Transfusionen bestimmten Biutfraktionen mit Sicherheit der Faktor ermittelt werden könnte, der Serumhepatitis
verursacht. Ein oft schwer bestimmbares Risiko bei Blutübertragungen würde damit ausgeschaltet. Ähnlich müßten auch Wasser und Lebensmittel auf HepatitisViren zu prüfen sein. Somit wären die neuesten Entdeckungen im Zusammenhang
mit infektiöser Hepatitis auch von unmittelbar praktischer Bedeutung.

- 2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaftsbeirat des US-Präsidenten veröffentlicht Oktober-Bericht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Stein trotz Ölkrise vorsichtig optimistisch -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mikroschaltungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausstellung und Fachtagung im US-Handelszentrum -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Drogenkampagne mit neuen Schwerpunkten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Fachleute ziehen Bilanz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dem Erreger der Serumhepatitis auf der Spur</text>
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Dokumentation

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47

12. Dezember 1973

Inhalt
INFORMATION:
NATO-Minister bekräftigen Solidarität im Bündnis
- Kissinger stellt atlantische Einheit an erste Stelle
Von Marie König
Energiepolitik wird zentralisiert
- USA errichten "Bundesamt für Energie11-

WIRTSCHAFT:
Burns sieht fundamentale Verbesserung der Zahlungsbilanz
- Auszüge aus einer Erklärung des Bundesbankpräsidenten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Öl aus Sedimentgestein
- US-Regierung verpachtet Ölschieferfelder an Privatindustrie
Von G. Weiss

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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47/1973

NATO-MINISTER BEKRÄFTIGEN SOLIDARITÄT IM BÜNDNIS
- Kissinger stellt atlantische Einheit an erste Stelle -

Von Marie König

BRÜSSEL —(AD) -- Die Ministertagung des Nordatlantikrates am 10. und 11.
Dezember in Brüssel, die zunächst im Zeichen einer gewissen europäisch-amerikanischen Konfrontation zu stehen schien, endete mit einer Bekräftigung der
Solidarität im Bündnis und, wie es NATO»Generalsekretär Joseph Luns ausdrückte, in einer "sehr positiven Stimmung". Wie aus dem Schlußkommunique
hervorgeht, sind die Minister über die Entwicklung der Ost-West-Kontakte
ermutigt, aber sie sind sich ebenso darüber im klaren, daß das Bündnis seine
Verteidigungs-und Abschreckungskapazität aufrechterhalten muß. Das Maß der
Übereinstimmung geht nicht zuletzt daraus hervor, daß sich die Minister nach
Mitteilung von Generalsekretär Luns in weniger als einer Stunde auf das Kommunique geeinigt haben, was nach seinen Worten einen "absoluten Rekord" darstellt.
Der amerikanische Außenminister, Dr. Henry Kissinger, hat in seiner mit
Spannung erwarteten Jungfernrede auf der Ministertagung seinen europäischen
Kollegen erklärt, daß Meinungsverschiedenheiten mit ihnen durchaus zu bewälti-

-1-

�bewältigen seien und daß die transatlantische Einheit der Eckpfeiler der
amerikanischen Außenpolitik ist und bleibt. Wie aus amtlichen amerikanischen
Kreisen verlautet, war die etwa halbstündige Rede Kissingers hinter verschlossenen Türen sehr sorgfältig formuliert und auf einen Ausgleich der
Meinungsverschiedenheiten ausgerichtet, die vor allem im Zusammenhang mit
dem Konflikt im Nahen Osten aufgetreten waren. Kissinger sprach sich vor
allem nachdrücklich für eine noch intensivere Konsultation zwischen den USA
und Westeuropa aus.
Der amerikanische Außenminister stellte, wie verlautet, das Bündnis vor
eine Reihe entscheidend wichtige Fragen, darunter vor allem die, ob die 15
Nationen in der heutigen Welt verbündet bleiben können oder letztlich Konkurrenten werden müssen. Kissinger betonte, daß nach amerikanischer Auffassung die europäische Einheit und die transatlantische Einheit keineswegs unvereinbar seien und Washington von Anfang an die Entwicklung zur europäischen
Einheit gefördert habe.
Diesen Standpunkt unterstrich Kissinger auch auf einer Pressekonferenz
im Anschluß an die NATO-Konferenz, und die kurze anschließende Zusammenkunft
der EG-Außenminister mit ihrem amerikanischen Kollegen lassen erkennen, daß
der Prozeß der intensiveren Konsultation bereits in Gang gekommen ist. Auf
seiner Pressekonferenz zeigte der amerikanische Außenminister Verständnis für
die Empfindungen der europäischen Verbündeten und betonte, diese dürften
nicht den Eindruck gewinnen, zu Objekten der Politik geworden zu sein. "Daher", so sagte er wörtlich, "herrschte bei den Erörterungen allgemeine Übereinstimmung, daß der Prozeß der Konsultation innerhalb des Bündnisses, vor
allem unter diesen Umständen, gestärkt werden muß* Die Vereinigten Staaten
haben ihre Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, dies zu tun und spezifische
Vorschläge gemacht, wie dies zu erreichen ist."

In

�In seiner Rede vor dem Ministerrat hat Kissinger nach Angaben amtlicher
Kreise betont, daß die Vereinigten Staaten alle Anstrengungen machen werden,
um die kooperativen Beziehungen zu Europa zu fördern und eine Gemeinsamkeit
der Zielsetzungen zu entwickeln. Kissinger hat sich dabei aufgeschlossen gezeigt und erklärt, daß er Vorschläge seiner NATO-Kollegen begrüßen würde.
Daß Kissinger auf eine Fortsetzung der Arbeit an den von ihm vorgeschlagenen gemeinsamen Grundsatzdeklarationen drängte, ist nicht verwunderlich.
Der amerikanische Außenminister hat, wie verlautet, die Hoffnung ausgesprochen, daß die europäischen Verbündeten hier neue Impulse einbringen werden.
Dabei kam es ihm nicht so sehr auf den Inhalt solcher Deklarationen, sondern
mehr auf den Geist an, in dem diese abgefaßt werden.
Was die Frage der Konsultationen anbetrifft, so schlug er unter anderem
vor, daß in diesen Prozeß in den Intervallen zwischen den Ministertagungen
die Ebene der politischen Direktoren oder anderer höherer Regierungsvertre cer
eingeschaltet

w.rdon solle. Gerade auf dem Gebiet der Verbesserung der Kon-»

sultationsverfahren dürfte die Ministertagung in Brüssel echte Fortschritte
gebracht haben.
Der amerikanische Außenminister hat, wie verlautet, bei allen Hinweisen
auf eine fortschreitende Entspannung die wachsende militärische Bedrohung
durch die Sowjets keineswegs außer acht gelassen und betont, daß das Bündnis
seine Verteidigungsbereitschaft aufrechterhalten müsse. Aber Kissinger wies
auch darauf hin, daß per Saldo die Probleme in der Welt außerhalb des NATOBereiches so groß seien, daß die Probleme unter den Verbündeten durchaus lösbar erschienen.

"TT r

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47/1973

ENERGIEPOLITIK WIRD ZENTRALISIERT
&lt;= USA errichten "Bundesamt für Energie" -

--(AD)— Die Anfang Dezember 1973 durch Präsidialerlaß geschaffene neue
Bundesorganisation für Energiefragen soll, sobald der amerikanische Kongreß
die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen hat, zu einem "Bundesamt für
Energie" (Federal Energy Administration - FEA) erweitert werden. An die
Spitze dieser Organisation, in der die meisten mit Energiefragen befaßten
Bundesbehörden vereinigt werden, berief Präsident Nixon William E. Simon,
den stellvertretenden Finanzminister der Vereinigten Staaten. Simon (46)
ist bekannt dafür, auch die schwierigsten Probleme tatkräftig anzupacken
und keine Zeit zu vergeuden. Das bewies er in seiner bisherigen Funktion
im US-Finanzministerium, die er vorläufig beibehalten wird, und als Vorsitzender des interministeriellen Ausschusses für Ölpolitik, der alle die
Mineralölindustrie betreffenden regierungsamtlichen Maßnahmen koordiniert.
Simons erste wichtige Aufgabe wird es sein, den Aufbau und die Funktionsfähigkeit des neuen Bundesamtes für Energie vorzubereiten. Er äußerte
sich dazu in einer Erklärung vom 4. Dezember, die im folgenden auszugsweise
wiedergegeben wird:
"Traditionsgemäß

-1-

�"Traditionsgemäß gilt Energiepolitik in eng gefaßter Definition als eine
Angelegenheit der nationalen Sicherheit. Ich sehe darin jedoch weitaus mehr.
Unsere Sicherheit basiert auf unserem wirtschaftlichem Wohlergehen, und das
wiederum gründet sich in bemerkenswertem Umfang auf eine ausreichende Energieversorgung zu vernünftigen Kosten. Unter diesem Aspekt steht Energiepolitik
in direkter Beziehung zu den wirtschaftlichen Verhältnissen und ist eine
Voraussetzung für das Verständnis der Funktionen unserer Wirtschaft...
Die Vereinigten Staaten, deren Bevölkerung sechs Prozent der Weltbevölkerung ausmacht, verbrauchen ein Drittel der auf der Erde produzierten Energie. Der Energiebedarf der USA nimmt jährlich um etwa vier Prozent zu; im
Jahre 1990 dürfte er doppelt so groß sein wie 1973. Ein großer Teil davon entfällt auf Öl, schon allein deshalb, weil sich das Schwergewicht von Kohle auf
Öl verlagert hat und weil Erdgas, ebenfalls ein wichtiger Energieträger,
nicht in den benötigten Mengen verfügbar ist. Der einheimische Bedarf an Erdöl stieg von 15,1 Millionen Barrel pro Tag im Jahre 1971 auf 18 Millionen im
Jahre 1973. Er wird 1975 bei etwa 21 Millionen und 1980 bei 25 Millionen Barrel pro Tag liegen. Gegenwärtig machen Erdöl und Erdgas zusammen etwa 65 Prozent der Energierohstoffe für den Weltverbrauch, aber 78 Prozent für den Verbrauch in den Vereinigten Staaten aus.
Die Produktionsausweitung der amerikanischen Mineralölindustrie hat mit
dem steigenden Bedarf nicht Schritt gehalten. Im Jahre 1972 war sogar eine
leicht rückläufige Tendenz zu verzeichnen - die Raffineriekapazität ging um
11 000 Barrel pro Tag zurück. Die Expansion dieses Industriezweiges war aus
verschiedenen Gründen, u.a. früheren Beschränkungen der Ölimporte, Vorteilen
wirtschaftlicher und steuertechnischer Art bei Investitionen im Ausland, erschwerter Standortwahl für neue Raffinerien in den USA wegen der verschärften
Umweltschutzbedingungen, nahezu zum Stillstand gekommen.
Als

�Als Folge der Gesamtentwicklung und des verstärkten Bedarfs in den USA
gingen dann jedoch die Ölimporte sprunghaft in die Höhe. Ein großer Teil davon kam aus dem Mittleren Osten. Heute schätzt man, daß die Einfuhren an ausländischem Öl von 27 Prozent des Gesamtverbrauchs in den USA im Jahre 1972
auf 33 Prozent im Jahre 1973 und auf mehr als 50 Prozent im Jahre 1980 anstei^
gen werden. Aus diesem Grunde kann uns ein Boykott der arabischen Länder zu
schaffen machen. Aber wir sollten hier auf einige Fakten der gegenwärtigen
Verknappung kurz zu sprechen kommen:
1) Ungefähr 85 Prozent der in den Vereinigten Staaten verbrauchten Energie ist aus einheimischen Quellen verfügbar.
2) Etwa die Hälfte des amerikanischen Energierohstoffbedarfs entfällt
auf Öl.
3) Im vierten Quartal 1973 dürfte durch den arabischen Boykott eine Versorgungslücke von 7,5 Prozent bei der Deckung des Ölbedarfs in den USA entstehen, die sich im ersten Quartal 1974, auf 17,3 Prozent ausweiten könnte.
Da rechtzeitig Einsparungsmaßnahmen und andere Schritte unternommen werden, gibt diese Größenordnung keinen Grund, mutlos zu werden. Ich bin mir
allerdings bewußt, daß sich die Verknappung innerhalb der Wirtschaft unterschiedlich auswirken wird... Aufgrund der Ergebnisse unserer Untersuchungen
zur Einsparung von Benzin, Heizöl und Strom würden die jetzt getroffenen Maßnahmen das Defizit zum großen Teil ausgleichen. Allerdings ist die Zeit der
Vergeudung von Energie vorbei. Unser Land muß jetzt zwischen der Bequemlich»
keit und der Erhaltung von Arbeitsplätzen wählen...
Mit Verlagerungen der Wirtschaftsaktivität in begrenztem Umfang könnten
wir 3 Millionen Barrels pro Tag einsparen... Deshalb akzeptiere ich düstere
Voraussagen nicht, denen zufolge die Industrie die ganze Last des Energie-

-3

�1
*

Energiemangels zu tragen habe. Fraglos werden verschiedene Industriebranchen
ihre Energienutzung verbessern müssen. Unsere Aktionen zum Einsparen von Energie werden sich jedoch in erster Linie an den Verbraucher wenden, so daß
die Produktion und die Beschäftigungslage in der Industrie am wenigsten betroffen wird.
Die Aktionen müssen sowohl kurzfristig als auch auf lange Sicht wirksam
sein. Zusätzlich zu den bereits eingeleiteten Schritten werden wir alles Notwendige veranlassen:
1) Der Benzinverbrauch muß-reduziert werden. Dies könnte durch das Zusammenwirken verschiedener Maßnahmen in der Form von Benzinpreiserhöhungen,
Erhebung von Steuern und Rationierung sowie freiwilligerund verfügter Einsparung erreicht werden.
2) Wir müssen den Energieverbrauch auf dem privaten und wirtschaftlichen Sektor reduzieren. Hier sind erhebliche Brennstoffeinsparungen ohne
Verluste an Arbeitsplätzen oder Produktionseinbußen möglich. Dies wird neben
einem Zuteilungsprogramm für privatenHeizungsbrennstoff gewisse Preiserhöhungen oder Steuern auf Erdgas und Strom erfordern.
3) Wir werden die Schwerpunkte der Raffinerieproduktion so verlagern,
daß mehr Heizöl und lebenswichtige petrochemische Rohstoffe verfügbar sind.
Preiserhöhungen sollen diesen Trend unterstützen.
4) Wir prüfen z.Zt. Pläne zur Treibstoffumstellung bei den Maschinen
der kommerziellen Fluglinien, was die Verfügbarkeit knapper Mineralöldestillate erhöhen würde.
5) Wir erweitern das Bewirtschaftungsprogramm...
6) Wir betreiben vordringlich die Umstellung von 26 Heizkraftwerken
von Öl auf Kohle.

11

-4-

�\
7) Wir dringen bei den Bundesstaaten darauf, die Höchstleistungsrate für
die Produktion heraufzusetzen.

Es ist äußerst wichtig, daß diese Sofortmaßnahmen mit unserer auf lange
Sicht berechneten Politik vereinbar sind. Wir wollen in der Energieversorgung vom Ausland unabhängig werden, was zweierlei Dinge erfordert: Wir müssen erstens die Wachstumsrate für unseren Energiebedarf reduzieren, und wir
müssen zweitens unser Angebot an Energie aus einheimischen Quellen erhöhen.
Dabei sind auch die Anforderungen an die Energieversorgung und die Anforderungen an den Umweltschutz miteinander in Einklang zu bringen. Wir dürfen jedoch die Erschließung unserer einheimischen Energiereserven nicht länger
hinausschieben. So werden wir beispielsweise auf die Erschließung der "Naval
Petroleum Reserve Number 4" (in Alaska), den Bau einer zweiten Alaska-Pipeline, den beschleunigten Bau von Atomkraftwerken und anderer Anlagen zur Produktion von Energie, einschließlich von Anlagen auf Kohlebasis, dringen...
Ich möchte an dieser Stelle die Bedeutung des heute vom Präsidenten geschaffenen Bundesamtes für Energie besonders hervorheben. Es wird uns den
notwendigen Rahmen für die zu treffenden Maßnahmen geben. Ein Hauptproblem
für die Behandlung von Energiefragen war stets die Tatsache, daß zu viele
Kompetenzen auf diesen Gebieten auf viele Regierungsbehörden verteilt waren.
Das Bundesamt für Energie wird alle diese Elemente in sich vereinigen und uns
so in die Lage versetzen, energiepolitische Maßnahmen schnell zu ergreifen.
Dabei geht es u. a. auch darum, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Energieverknappung durch Sparmaßnahmen beim Verbraucher und bessere Ausnutzung der
Energie bei der Industrie auf ein Minimum zu beschränken, der jeweiligen
Situation elastisch zu begegnen und die aktive Mitarbeit von Kongreß, Bundesstaaten, Kommunalverwaltungen, Industrie und Verbraucherschaft zu gewinnen.
Ich will die gegenwärtige Situation keineswegs herunterspielen. Aber oft
genug schon hat sich eine Krise als Katalysator für neue Entwicklungen er-

-5-

�erwiesen - Entwicklungen, die uns eine ausreichende Versorgung mit sauberer
Energie bringen können. Diese brauchen wir dringend, wenn wir ein gesundes
wirtschaftliches Wachstum erhalten und die Qualität unseres nationalen Lebens verbessern wollen. Wir sehen uns zweifellos einer überaus wichtigen
Herausforderung auf dem Energiesektor gegenüber. Sie verlangt seitens der
Regierung Führungseigenschaften und Stärke für eine Politik, die gewährleistet, daß die Vereinigten Staaten nie wieder in die Lage kommen, zur
Deckung ihres eigenen Bedarfs auf Versorgung aus dem Ausland angewiesen zu
sein..."

+
- Hauptaufgaben der neuen Behörde -

Das neue "Bundesamt für Energie" ist innerhalb des Regierungsapparates
für die Formulierung und Durchführung der Programme verantwortlich, mit denen der Energiekrise begegnet werden soll:
Sie entwickelt und koordiniert innen-und außenpolitische Maßnahmen in
bezug auf Energierohstoffe.
Sie entwickelt und führt Programme wie Brennstoffzuteilung, Erhebung
von Zusatzabgaben und Rationierung durch, mit denen Versorgungslücken auf
dem Energiesektor bekämpft werden sollen.
Sie entwickelt Energie-Einsparungsprogramme auf der Basis freiwilliger
und behördlich angeordneter Maßnahmen und fördert eine bessere Nutzung der
Energiereserven.
Sie entwickelt und veröffentlicht Energiepreisregelungen. •
Sie

-6-

�Sie entwickelt und empfiehlt Impor t-und Exportmaßnahmen bei Energierohstoffen.
Sie erleichtert die Durchführung des vom Präsidenten eingeleiteten Programms zur Entwicklung der Kapazitäten, die für eine Selbstversorgung mit
Energie notwendig sind.
Sie sammelt, begutachtet und analysiert Informationen über Energiereserven, Produktion und Bedarf samt diesbezüglicher wirtschaftlicher Daten.
Sie arbeitet mit der Industrie, den einzelstaatlichen und kommunalen
Behörden und mit der Öffentlichkeit hinsichtlich des Energiereserven-Managements zusammen...

- SofoTrtmaßnahmen gegen die Energiekrise Generell wird die Regierung zur Beherrschung der gegenwärtigen Situation
Maßnahmen ergreifen, die die Auswirkungen der Energieverknappung auf die Wirtschaft verringern und Produktion und Beschäftigung so weit wie nur irgend
möglich erhalten.

- Größenordnung der Verknappung -

Nach vorliegenden Schätzungen beträgt der Fehlbestand,gemessen am vorausberechneten Bedarf, im letzten Quartal 1973 etwa 1,4 Millionen Barrels pro
Tag (d.h. etwa 7,5 Prozent) und im 1. Quartal 1974 etwa 3,5 Millionen Barrels/
Tag (17,3 Prozent). Als Folge einer Bedarfsreduzierung würde das Defizit im
2. Quartal 1974 auf weniger als 3 Millionen Barrels pro Tag zurückgehen.

-Eingeleitete

-7-

�- Eingeleitete Aktionen -

Düsentreibstoffe
Ab 7. Januar 1974 werden die Zuteilungen an die Fluggesellschaften
gegenüber ihrem Verbrauch im Jahre 1972 um 15 Prozent gekürzt.

Benzin
Am 25. November wurde die Entscheidung über die Einführung eines Benzin-Zuteilungsprogramms

bekanntgegeben. Die Zuteilung liegt in Überein-

stimmung mit den zu erwartenden ersten Schwerpunktverlagerungen der Raffinerie-Produktion zunächst 15 Prozent unter dem Bedarf, der für das erste
Quartal 1974 vorausberechnet wurde (10 Prozent unter dem Bedarf von 1972).
Die Benzinzuteilung kann weiter gekürzt werden, wenn die Raffinerien künftig weniger Benzin und dafür mehr andere Erdölprodukte herstellen.

Mittelschwere Destillate
Im "Federal Register" vom 27. November wurden die Vorschläge für Bestimmungen zur Rationierung mittelschwerer Destillate veröffentlicht. Sie
sehen vor, den Industrieverbrauch um 10 Prozent zu senken und die Thermostat-Einstellung für die Beheizung von Wohnungen um 6 Grad (Fahrenheit), von
Wirtschafts-und Gewerbebetrieben um 10 Grad (Fahrenheit) zu reduzieren, was
einer Energieeinsparung von 15 bezw. 25 Prozent entspricht.

Schweröl
Die Umstellung von Heizkraftwerken von Öl auf Kohle wird gegen Ende
des ersten Quartals 1974 täglich 200 000 Barrels einsparen helfen. Entsprechende Schritte sind eingeleitet.
-Angekündigte

�- Angekündigte Aktionen -

Der Benzinverkauf an Tankstellen wird von Samstag 2100 Uhr bis Sonntag
2400 Uhr untersagt.
Die Höchstgeschwindigkeit auf allen Straßen und Autobahnen des Landes
wird auf 55 Meilen pro Stunde (88,5 km/st) für Überlandbusse und schwere
Lastzüge, auf 50 Meilen (80 km/st) für Kraftwagen festgesetzt.
Leuchtreklamen und die Benutzung ähnlicher Beleuchtungsanlagen durch
kommerzielle Unternehmen werden untersagt.
Treibstoffe für Privatflugzeuge werden gekürzt.
Die Beleuchtung von Gebäuden zu Stimmungs-und Ausschmückungszwecken
wird untersagt.

- Neue Maßnahmen in Vorbereitung -

Umstellung der Raffinerie-Produktion von Benzin auf mittelschwere Destillate und Schweröl entweder durch Preisanreize auf dem Wege über Bestimmungen,
die der Lebenshaltungskosten-Rat erläßt, oder durch regierungsamtliche Verfügungen, sobald die Ermächtigung dazu vorliegt;
Zuteilungsprogramme für Rohöl, schweres Heizöl und andere Erdölprodukte, wie im Energiesicherungsgesetz von 1973 ausgeführt;
System von Bezugsscheinen, Preiserhöhungen, Steuern oder eine Kombination
dieser drei Faktoren,um den Benzinverbrauch auf die geringeren verfügbaren
Mengen abzustimmen;
Umstellung der kommerziellen Passagierflugzeuge von Kerosin-Düsentreibstoff auf Naphtha-Kohlenwasserstoffe.
Preiszuschläge auf Erdgas und Strom, um übermäßigen Verbrauch zu verhindern.
+-H-9-

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47/1973
BURNS SIEHT FUNDAMENTALE VERBESSERUNG DER ZAHLUNGSBILANZ
-Auszüge aus einer Erklärung des Bundesbankpräsidenten.

WASHINGTON -.(AD)— Der Vorsitzende des amerikanischen Federal Reserve System
(US-Bundesbank), Dr. Arthur F. Burns, hat in einer Erklärung vor einem Kongreßunterausschuß; li'ne "fundamentale Verbesserung" der Zahlungsbilanz der
Vereinigten Staaten festgestellt, die sich von Monat zu Monat verstärkt und
zur Höherbewertung des Dollar auf dem internationalen Devisenmarkt beigetragen habe.
In seiner Erklärung vor dem Unterausschuß für Internationale Finanzen
des Banken-und Währungsausschusses des Repräsentantenhauses am 5. Dezember
hob Dr. Burns folgende Punkte heraus:
- Die amerikanischen Exporte sind im Jahre 1973 außerordentlich rasch
angestiegen; in derzeitiger Kaufkraft lagen die Exporte im dritten Quartal
um 47 Prozent über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres und preisbereinigt
um 23 Prozent höher.
- Die Agrarexporte der USA stiegen von einer Jahresrate von 9,5 Milliarden Dollar im dritten Quartal 1972 auf rund 19 Milliarden Dollar im dritten
Quartal 1973.
-Die

-1-

�r
t
m Die amerikanische Handelsbilanz veränderte sich von einem Defizit vcn
fast 7 Milliarden Dollar im Jahre 1972 zu einem Überschuß von 3 Milliarden
Dollar im dritten Quartal 1973 (auf Jahresbasis umgerechnet). Die USA rechnen daher für 1973 mit einem Handelsüberschuß.
Die wichtigsten Auszüge aus der Erklärung von Burns haben folgenden
Wortlaut:
"In den letzten Wochen ist der Dollar im Verhältnis zu den großen europäischen Währungen und dem japanischen Yen stärker geworden. Die Position des
Dollar gegenüber dem Yen wäre sogar noch stärker gewesen, wenn die Bank von
Japan nicht durch große Dollarverkäufe auf dem Markt interveniert hätte. Ende
November war der Durchschnittspreis des Dollar... in zehn wichtigen Währungen... auf den Stand zurückgekehrt, wie er zwischen Mitte März und Mitte Mai
gegolten hatte. Mit anderen Worten, er lag wieder etwa 20 Prozent über den
Kursen, wie sie im Frühjahr 1970 vorherrschten - oder anders ausgedrückt etwas über dem Stand der Woche, die auf die Abwertung am 12. Februar folgte.
I
Manche Marktbeobachter haben hier die Auswirkung der Ölrestriktionen
der arabischen Länder als einen Faktor angesehen, der zu diesen Entwicklungen
in den letzten Wochen beigetragen habe. Andere haben auf die stabilisierenden
Auswirkungen der amtlichen Interventionen durch die amerikanische Bundesbank
und andere Währungsbehörden hingewiesen. Nach meiner Auffassung besteht jedoch
kein Zweifel daran, daß der wesentliche Faktor

die entscheidende Wende in

der amerikanischen Zahlungsbilanz gewesen ist. Mit jedem neuen Monat haben
sich neue Beweise dieser fundamentalen Verbesserung unserer Zahlungsbilanzposition akkumuliert.
Unsere Exporte sind in diesem Jahr mit einer außerordentlichen Rate gestiegen. Gemessen in derzeitiger Kaufkraft lagen die Exporte im dritten Quartal (1973)um 47 Prozent über dem Stand im dritten Quartal 1972. Ein Großteil
dieses Zuwachses muß steigenden Preisen zugeschrieben werden. Aber selbst

-2-

�s
I

selbst preisbereinigt stiegen die Exporte in diesem Zeitraum um 23 Prozent.
Der starke Zuwachs unserer Agrarexporte - von einer Jahresrate von 9,5 Milliarden Dollar im dritten Quartal 1972 auf etwa 19 Milliarden Dollar im dritten Quartal dieses Jahres - hat starke Beachtung in der Öffentlichkeit gefunden. Dabei wird oft außer acht gelassen, daß die nicht-landwirtschaftlichen Exporte, die etwa drei Viertel unserer Gesaratexporte ausmachen, ebenfalls außerordentlich rasch angestiegen sind.
Daß sich die Exporte so stark entwickelt haben, ist zum Teil den schlechten Ernten in anderen Ländern im vergangenen Jahr und dem gegenwärtigen weltweiten industriellen Boom zuzuschreiben. Die Verbesserung spiegelt jedoch auch
eine geringere Inflationsrate in den Vereinigten Staaten als in anderen Industrieländern wider, und was noch viel wichtiger ist, die geballten Auswirkungen der Abwertung des Dollar seit 1971.
Die Veränderungen unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit als Ergebnis der Abwertung des Dollar haben ihre Auswirkung sowohl auf unsere Importe als auch auf unsere Exporte. Preisbereinigt gingen unsere Importe zwischen dem ersten und dem dritten Quartal dieses Jahres trotz der starken
einheimischen Nachfrage de facto zurück. Der Wert der Importe stieg zwar in
dieser Zeitspanne mit einer Jahresrate von 14 Prozent, jedoch lediglich aufgrund des Preisanstiegs in Dollar.
Als Ergebnis dieser Entwicklungen hat sich die Handelsbilanz von einem
Defizit von fast sieben Milliarden Dollar im Jahre 1972 auf einen Überschuß
von einer Jahresrate von drei Milliarden Dollar im dritten Quartal dieses Jahres verändert. Die Handelsbilanz blieb auch im Oktober mit einer beträchtlichen Rate im Überschuß. Es ist daher jetzt wahrscheinlich, daß die Vereinigten Staaten für 1973 insgesamt einen, wenn auch vielleicht bescheidenen, Handelsüberschuß aufweisen werden.
Der

-3-

�Die Bilanz der langfristigen internationalen Privatkapitalbewegungen
hat sich in diesem Jahr ebenfalls zu unseren Gunsten entwickelt. Die Kapitalabflüsse haben sich seit dem ersten Quartal abgeschwächt und sind nach
Schätzungen im dritten Quartal weiterhin stark zurückgegangen. Vor dem jüngsten Kursrückgang an den Börsen hat das erneute Vertrauen in den Dollar dazu
beigetragen, die Käufe amerikanischer Wertpapiere durch das Ausland anzuregen. Auch die ausländischen Direktinvestitionen in unserem Lande sind in diesem Jahr beträchtlich gewesen. Diese Entwicklungen spiegeln neben anderen Faktoren die erhöhte Gewinnträchtigkeit der Produktion internatiol gehandelter
Güter in den Vereinigten Staaten im Verhältnis zur Produktion in anderen Ländern wider.
Die Grundbilanz - d.h. die Summe aller gegenwärtigen internationalen
Transaktionen und langfristigen Kapitalbewegungen - hat sich das ganze Jahr
über verstärkt. Die Verbesserung im dritten Quartal war so dramatisch, daß
sie einen großen Überschuß herbeigeführt hat - den ersten vierteljährlichen
Überschuß, den wir seit 1969 erlebten. Auch die Nettobewegungen kurzfristigen
Kapitals sind seit dem ersten Quartal für die Vereinigten Staaten günstig verlaufen.Als Ergebnis wies die Bilanz auf der Basis offizieller Transaktionen
während des zweiten und des dritten Quartals einen tatsächlichen Überschuß auf
Vorläufige Angaben für Oktober und November lassen darauf schließen, daß sich
der Überschuß auch im gegenwärtigen Quartal fortgesetzt hat.
Die kurzfristigen Aussichten für die Zahlungsbilanz sind jedoch durch
die jüngsten Entwicklungen auf dem Ölsektor etwas unsicherer geworden. Die
Preise unserer Ölimporte sind spektakulär von einem Durchschnitt von 2,75 Dollar pro Barrel im ersten Quartal 1973 auf gegenwärtig über fünf Dollar angestiegen. Der Boykott der arabischen Produzenten hat unsere Brdölimporte zu
verringern begonnen und würde, wenn fortgesetzt, unsere Importe im nächsten
Jahr um etwa drei Millionen Barrel pro Tag unter die Menge senken, mit deren
Verfügbarkeit gerechnet worden ist. Aber selbst dann würden angesichts des

-4-

�r
des jüngsten starken Preisanstiegs unsere Zahlungen für Öl Importe im Jahre
1974 wahrscheinlich den Rahmen der acht Milliarden Dollar wesentlich übersteigen, die wir im Jahre 1973 aufgewandt haben» Wenn natürlich der Öiwelthandel
bei diesen astronomischen Preisen wieder in normalere Bahnen zurückkehren sollte, dann würden unsere Ölimportkosten noch gewaltiger ansteigen. Die Nettoauswirkung auf unsere Gesamtzahlungsbilanz wäre jedoch wesentlich geringer,
ja könnte sogar günstig sein, da ein Großteil der erhöhten Aufwendungen für
Öl durch die Vereinigten Staaten und andere Länder direkt oder indirekt ihren
Weg zurück in unser Land finden würde, und zwar in Form erhöhter Exporte oder
Kapitalzuflüsse oder erhöhter Einkommen.
Welche Auswirkungen die Knappheit jedoch auf unsere Handels-und Zahlungsbilanz auch haben mag, eine unmittelbarere Sorge ist die Auswirkung auf Produktion und Beschäftigung in unserem Lande...
Im besten Fall wird ein ausgedehntes Embargo arabischer Öllieferungen
i

nach den Vereinigten Staaten im kommenden Jahr zu einigen wirtschaftlichen
Verzerrungen führen. Die Nachfrage nach neuen Autos, nach Reifen und anderen
Autozubehörteilen, nach Vorortwohnungen, nach Freizeitgeräten, nach Mahlzeiten in Restaurants und andere mit Reise und Freizeit zusammenhängende Ausgaben werden negativ beeinflußt werden. Private Fluggesellschaften werden die
Käufe von Düsenflugzeugen einschränken und es werden weniger Motels und Ferienhäuser und -wohnungen gebaut werden. Diese Entwicklungen werden zum Teil
durch eine stärkere Tätigkeit auf anderen Sektoren ausgeglichen werden - angefangen von Kohle bis zu Decken und Pullovern und von Bohrgerät bis zu Fahrrädern und Autobussen. Unser Inflationsproblem wird dabei allerdings durch
steigende Gas-und Ölpreise verschärft werden.
Die Lage, in der wir uns befinden, ist offensichtlich sehr schwierig,
aber sie kann nach meiner Überzeugung gemeistert werden. Die unserer Wirtschaft zugrundeliegende Stärke und Elastizität darf niemals unterschätzt

-5-

�•

unterschätzt werden. Die Pläne für Kapitalausgaben der Geschäftswelt sind
weiterhin groß und ebenso ist die Lagernachfrage für eine Fülle von Materialien und Teilen, die seit vielen Monaten in einem knappen Angebot gewesen
sind. Unser Hauptplus - die Findigkeit des amerikanischen Volkes - bleibt
völlig intakt. Nach meinen Erwartungen wird im Laufe des Jahres 1974 die
einheimische Produktion von Rohöl Schritt für Schritt steigen, die Kraftwerke werden zu einer stärkeren Verwendung von Kohle übergehen, die Autohersteller werden sich mehr auf die Produktion der vom Verbraucher verlangten
kleineren Wagen konzentrieren und einfallsreiche Unternehmer im ganzen Lande
werden tausende anderer Anpassungen vornehmen.
Über die längerfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen der Sperre arabischer Öllieferungen sollten wir uns keinem Zweifel hingeben. Die Vereinigten Staaten dürfen keine Zeit mehr verlieren, darauf hinzuarbeiten, daß sie
in der Lage sind, ihren Energiebedarf unabhängig aus eigener Kraft zu decken.
Wir müssen jetzt an vielen Fronten mit Entschlossenheit vorgehen - sei es auf
dem Gebiet der Nuklearenergie, der Sonnenenergie, der Kohleumwandlung oder
der Suche nach Ol. Die jüngsten Ereignisse sollten uns klar machen, daß wir
selbst bei einem Nachlassen des gegenwärtigen Boykotts nicht so weitgehend
von Öllieferungen aus dem Ausland abhängig bleiben dürfen.
Es wird wohl einige Monate dauern, ehe die langfristigen Auswirkungen des
Ölproblems auf unsere Zahlungsbilanz klarer sichtbar werden. Bisher jedenfalls scheinen die Einschränkungen der Ölversorgung das Vertrauen der Welt
in den Dollar gestärkt zu haben. Aber schon vor dem Ausbruch des Nahostkon.»
fliktes wurde der Dollar mit neuer Wertschätzung angesehen. Der Dollar ist
erneut eine starke Währung und wir dürfen mit einer weiteren Unterstützung
unseres Außenhandels und unserer Zahlungsbilanz durch die jetzt eintretenden
Auswirkungen der letzten Wechselkursänderungen rechnen.
Eine anhaltende Stärke unserer Zahlungsbilanz wird jedoch ein befriedigendes einheimisches Preisverhalten im Verhältnis zu anderen Ländern er-

-6-

�erfordern. Vor ein oder zwei Jahren lag unsere Inflationsrate wesentlich unter den Raten anderer Industrieländer. Leider ist diese Spanne des Wettbewerbsvorteils in den letzten Monaten zu einem großen Teil ausgehöhlt worden.
Im Oktober lag der Verbraucherpreis-Index um 0,8 Prozent über September und
um 7,9 Prozent über Oktober 1972. Die Gefahren der Inflation sind ohne Frage
weiterhin sehr groß für uns. Gleichzeitig wird jedoch, wie ich bereits erwähnt habe, die Ölknappheit Verlagerungen in der Struktur der Industrie herbeiführen und negative Auswirkungen auf die Gesamtproduktion und Beschäftigung haben. Die Wirtschaftspolitik steht also für die kommenden Monate vor
der außerordentlich schwierigen Aufgabe, zu dem Ziel der Wiedergewinnung der
Preisstabilität beizutragen, und gleichzeitig die Risiken einer extensiven
Schwächung der Wirtschaftstätigkeit auf einem Minimum zu halten..."

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47/1973

ÖL AUS SEDIMENTGESTEIN
US-Regierung verpachtet Ölschieferfelder an Privatindustrie

Von G. Weiss

- (AD) - Mit einer öffentlichen Ausschreibung Anfang Janur 1974 werden
der Bergbau- und Mineralölindustrie der USA sechs Gebiete in den Bundesstaaten Colorado, Utah und Wyoming als Pachtland angeboten, auf dem Versuchsbetriebe für den Abbau, die Aufbereitung und Verarbeitung von Ölschiefer
errichtet werden sollen. US-Innenminister Rogers C.B. Morton verwies darauf,
daß diese Entscheidung wegen der Dringlichkeit des Energieproblems ungeachtet
der Unsicherheitsfaktoren getroffen worden sei, mit denen die Erschließung
von Ölschiefervorkommen als Energierohstoff noch immer belastet ist.

Das neue Pachtprogramm, das 1 Prozent der in den genannten Staaten in
Bundesbesitz befindlichen Ölschiefervorkommen umfaßt, gibt der Privatindustrie
freie Hand in der Wahl der Abbau- und Aufschlußverfahren, sofern bestimmte
Auflagen des US-Innenministeriums in bezug auf Umweltschutz eingehalten und
gegen die dieserhalb vorgesehene Überwachung keine Eiwände erhoben werden.
Die amerikanische Regierung möchte so ein seit vier Jahren laufendes Projekt
ohne viel Bürokratie beschleunigen und ausweiten. Sie ist sich darüber im
klaren, daß vorläufig keine Rede davon sein kann, die reichen Ölschiefervorkommen auf dem Territorium der Vereinigten Staaten (sie enthalten schätzungsweise 86 Milliarden Tonnen Öl) für die Wirtschaft nutzbar zu machen. Vielmehr

�Vielmehr geht es darum, in Pilotanlagen zu versuchen, brauchbare UntertageAbbauverfahren für den meist als Schichtgestein vorhandenen Rohstoff und
rentable Extraktionsmethoden für Öl und andere organische Produkte sowie
anorganische Produkte (z.B. Zement und Düngemittel) zu entwickeln. Gleichzeitig müssen Wege gefunden werden, um bei einer Ölschieferverarbeitung großen
Stils Umweltschäden, die vor allem durch Schwefel- und Stickstoffverbindungen
entstehen können, auf ein vertretbares Maß zu reduzieren.

Im Gegensatz zu bituminösem Gestein ist mit Lösungsmitteln aus Ölschiefer
nichts herauszuholen. Nur unter Hitzeeinwirkung lassen sich in Retorten oder
in einer Art Kamin am Abbauort aus dem zerkleinerten Rohstoff gesättigte und
ungesättigte Kohlenwasserstoffe ausdestillieren. Entsprechend seiner Entstehung ist die Zusammensetzung des aus umgewandelten Überresten von Algen,
Pollenkörnern und anderen pflanzlichen und tierischen Organismen gebildeten
Ölschiefers recht unterschiedlich. Deshalb wird es auch kaum ein Standardverfahren geben, um dem Rohstoff das Öl zu entziehen und dabei nach Möglichkeit
auch Gas als Energieträger - zumindest für die Erzeugung der Prozeßwärme zu gewinnen.

Angesichts der geographischen Lage der amerikanischen Vorkommen in nahezu
wasserlosen Felswüsten sind die Industrie und das an der Verfahrensentwicklung
ebenfalls beteiligte US-Bergbauamt um Verarbeitungsmethoden bemüht, die wenig
Wasser erfordern. Auch müssen Verfahren gefunden werden, um das bei Abkühlung
auf 30 C gallertartige Schieferöl so zu verändern, daß es in Pipelines gepumpt
und transportiert werden kann. Außerdem ist es erforderlich, das hochviskose,
teerreiche Rohöl aus Ölschiefer überhaupt erst auf Raffineriequalität zu
bringen. Dies geschieht beispielsweise durch Verkokung eines gewissen Anteils
des Rohprodukts oder durch Behandlung im Wasserstoffgasstrom.

Natürlich müssen, bis sich wirtschaftliche Verfahren herauskristallisieren,
noch viele technische Fragen gelöst werden. Deshalb rechnet beispielsweise das
US-Innenministerium erst ab 1981 in dem jetzt freigegebenen Gebiet mit einem
Tagesausstoß von knapp 38 000 Tonnen

öl aus Ölschiefer. Die Erfahrung wird

zeigen, welche Aufschlußverfahren und welche Retortentemperaturen mit dem je- 2 -

�jeweiligen Rohstoff die besten Ergebnisse bringen. Bei den bisherigen Versuchen in Colorado machte man die Erfahrung, daß die dabei gewonnene organischen Verbindungen zu 65 Prozent aus Schieferöl, zu 10 Prozent aus Gas und
zu 25 Prozent aus kohleahnliehen Rückständen bestanden, wobei die Ergiebigkeit des Schiefers an öl bei 10 - 15 Gewichtsprozent lag.

Die Zusammensetzung des Rohöls wird jedoch erheblich von der Retortentemperatur beeinflußt. So enthält es bei einer Aufschlußtemperatur von 480 C
ca. 30 - 25 Prozent gesättigte Kohlenwasserstoffe, ca. 30 Prozent ungesättigte
Kohlenwasserstoffe, ca. 30 Prozent aromatische Verbindungen sowie 1 Prozent
Schwefel und 2 Prozent StickstoffVerbindungen. Schwefel und Stickstoff werden z
T;durch Hydrierung entfernt, die auch den Anteil der gesättigten Verbindungen
erhöht und das Rohschieferöl für Prozesse besser geeignet macht,welche für Erdölraffinerien entwickelt wurden. Liegt die Retortentemperatur bei 650 C, sind
nur 10 Prozent gesättigte Kohlenwasserstoffe, aber mehr als 50 Prozent aroo
matische Verbindungen zu erwarten. Bei 815 C Schweltemperatur - die Wärmebehandlung zur Freisetzung der organischen Bestandteile erfolgt unter Luftabschluß - beträgt der Anteil der aromatischen Verbindungen an der Gesamtmenge
Rohschieferöl 98 Prozent.
Im amerikanischen Kongreß werden immer mehr Stimmen laut, die eine noch
stärkere Förderung des Energieprogramms fordern, als es Präsident Nixon mit
einer Aufstockung der diesjährigen Forschungs- und EntwicklungsaufWendungen
auf 872 Millionen Dollar und dem für 1975 bis 1980 vorgesehenen, mit 10 Milliarden Dollar ausgestatteten Entwicklungsplan bereits vorgeschlagen hat. So
hält Senator Henry M. Jackson (Bundesstaat Washington) eine Verdoppelung der
Planungsfrist für Forschung und Entwicklung auf zehn Jahre bis 1985 mit Aufwendungen von mindestens 20 Milliarden Dollar für erforderlich. Nach den Vorstellungen Jacksons und anderer Politiker könnten sogar fünf halbstaatliche
Gesellschaften, ähnlich dem COMSAT-Unternehmen für Fernmeldesatelliten, geschaffen werden, die Gas, Erdöl und Strom aus Kohle sowie synthetisches Rohöl aus Ölschiefer produzieren und die geothermischen Quellen im großen Maßstab
in die Produktion von Primärenergie einbeziehen.
+ + + + +
- 3-

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NATO-Minister bekräftigen Solidarität im Bündnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kissinger stellt atlantische Einheit an erste Stelle -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Marie König&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Energiepolitik wird zentralisiert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA errichten "Bundesamt für Energie" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Burns sieht fundamentale Verbesserung der Zahlungsbilanz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus einer Erklärung des Bundesbankpräsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Öl aus Sedimentgestein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Regierung verpachtet Ölschieferfelder an Privatindustrie -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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