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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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3. April 1991

-

GATT

UNTERHÄNDLER DER URUGUAY-RUNDE
ÜBERWINDEN PATT
von Louis Murphy

AMERIKA HEUTE

DER NIEDERGANG AMERIKAS EIN WIEDERHOLUNGSFALL IN DER
GESELLSCHAFT
von Joseph Nye
DIE FÄHIGKEIT ZUR ERNEUERUNG
von Joel Kotkin

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�GATT
3. April 1991

UNTERHÄNDLER DER URUGUAY-RUNDE
ÜBERWINDEN PATT
von Louis Murphy
WASHINGTON - (AD) - Der Autor ist Leiter des Büros für multilaterale Angelegenheiten im US-Handelsministerium. Der nachfolgend veröffentlichte Artikel erschien am 25. März 1991 in der vom Handelsministerium
herausgegebenen Publikation Business America.

Das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT),
ein von 101 Ländern unterzeichnetes multilaterales
Handelsabkommen, hat seit über 40 Jahren als Triebfeder der Liberalisierung des Handels gedient. Seit der
Gründung des GATT im Jahr 1947 wurden sieben
erfolgreiche Verhandlungsrunden abgeschlossen. Die
ersten sieben Runden haben zu einem Abbau der
internationalen Zollsätze von über 75 Prozent geführt.
Während dieses Zeitraums expandierte der Welthandel drastisch von 60 Milliarden Dollar im Jahr 1950 auf
heute rund 4 Billionen Dollar.
In jüngster Zeit haben die Vertragsparteien die Bestrebungen zum Abschluß der achten - der UruguayRunde - wiederaufgenommen, die im September 1986
in Punta del Este (Uruguay) begonnen wurde. Die Verhandlungen der Uruguay-Runde wurden im Dezember
1990 beim Ministertreffen in Brüssel vertagt, als deutlich wurde, daß die Europäiche Gemeinschaft, Japan
und Korea nicht bereit waren, ernsthafte Verpflichtungen zur Agrarreform einzugehen. Die Landwirtschaft
ist der Dreh- und Angelpunkt der Verhandlungen: die
Entwicklungsländer haben Verpflichtungen im Agrarbereich im Gegenzug für ihre Berücksichtigung der Belange der Industrienationen gefordert.
Eine Reihe von Konsultationen
Nach Vertagung der Verhandlungen nahm Arthur Dunkel,
der Generaldirektor des GATT, eine Reihe von Konsultationen mit den Delegationen auf, um festzustellen, ob eine Grundlage zur Wiederaufnahme der Verhandlungen gefunden werden könnte. Im vergangenen Februar konnte Dunkel den Erfolg der umfassenden Konsultationen vermelden. Er bestätigte, daß sich
die 33 wichtigsten Teilnehmer bei den Agrarverhand-

AMERIKA DIENST 13

lungen (einschließlich der Europäischen Gemeinschaft)
auf "bestimmte bindende Verpflichtungen" in den
Bereichen Stützmaßnahmen im Inland, Marktzugang
und Exportwettbewerb geeinigt hatten. (Bei der Überprüfung einzelner Bereiche ihrer umstrittenen Gemeinsamen Agrarpolitik gelangte die Europäische
Gemeinschaft zu dem Schluß, daß eine grundlegende
Reform sowohl den innenpolitischen als auch den
multilateralen politischen Zielsetzungen gerecht würde). Die GATT-Teilnehmer einigten sich ferner darauf,
ein Abkommen zu Gesundheits- und Hygienefragen
anzustreben.
Auf den Durchbruch im Agrarbereich aufbauend, nahm
Dunkel gemeinsam mit den wichtigsten Ländern auch
eine Bilanz der nicht im Agrarbereich angesiedelten
Probleme vor. Auf der Grundlage dieser Erörterungen
entwickelte Dunkel einen Plan zur Wiederaufnahme
von Verhandlungen, der am 25. Februar 1991 vom
Ausschuß für die Handelsgespräche in Genf genehmigt wurde. Mit der Verabschiedung dieses Zeitplans
wurden die Verhandlungen der Uruguay-Runde offiziell wiederaufgenommen.
Dunkel hatte eine neue Struktur der offiziellen Zusammenkünfte bei den Verhandlungen entwickelt. Auf die
Art der Sitzungen in Brüssel aufbauend, konzentriert
sich die neue Struktur auf zu bestimmten Themen
anberaumte "Konsultationen". Für März berief Dunkel
Konsultationen über Agrarfragen, Textilien, Dienstleistungen, GATT-Regeln (in allen Bereichen) handelsbezogene Investitionsmaßnahmen (TRIMs), handelsbezogene Aspekte der Rechte an geistigem Eigentum
(TRIPs), Schlichtung von Streitigkeiten, Funktionsweise des GATT-Systems (Functioning of the GATT
System - FOGS) und Marktzugang ein.

Seite 1

�Für den Abschluß der Verhandlungen wurde kein
Termin festgesetzt. Dunkel deutete jedoch an, daß
sich aus den Verhandlungen ein Datum ergeben sollte.
Zielsetzungen der USA für eine erfolgreiche
Runde
Die Vereinigten Staaten sehen Landwirtschaft als
entscheidende Komponente jedes Pakets von Abkommen der Uruguay-Runde an. Darüber hinaus werden
die amerikanischen Unterhändler ihre Bemühungen
im Bereich des Marktzugangs fortsetzen. In den
vergangenen Monaten haben sich die Vereinigten
Staaten darauf konzentriert, die in Brüssel erzielte
Unterstützung für gegenseitige zollfreie oder Initiativen zum "Nulltarif" zu konsolidieren. Alle bei der
Brüsseler Sitzung vorgebrachten Themen - Fisch,
Bier, Arzneimittel, Papier, Holz, Nichteisenmetalle,
Stahl, Elektronik und Baugerät - bleiben als tragfähige
Vorschläge auf dem Verhandlungstisch.
Während der Unterbrechung der Verhandlungen standen die Vertreter des amerikanischen Privatsektors in
Kontakt mit ihren Geschäftspartnern und Regierungsvertretern im Ausland, um ihrem Anliegen zum Erfolg
zu verhelfen. In der jüngsten Zeit konnten ermutigende Anzeichen von so wichtigen Handelspartnern wie
Korea und der Europäischen Gemeinschaft beobachtet werden. Die amerikanischen Unterhändler beraumten während der Verhandlungspause auch eine
Reihe informeller bilateraler Treffen an, um den Nulltarif-Vorschlag für Schlüsselbereiche der Industrie voranzubringen.
Generaldirektor Dunkel hat die Teilnehmer aufgefordert, intensive bilaterale und multilaterale Verhandlungen zu Marktzugang wiederaufzunehmen. Die Ergebnisse der Verhandlungen vor, während und seit dem
Brüsseler Ministertreffen werden bei der Sitzung der
Konsultativgruppe zu Marktzugang am 21. März
mündlich berichtet.
Darüber hinaus räumen die Vereinigten Staaten den
Verhandlungen über die "neuen Themen" wie TRIMs,
TRIPs und Dienstleistungen Priorität ein. Obwohl
greifbare Fortschritte in diesen Bereichen harte Verhandlungen erfordern, haben sich die Aussichten mit
der offenkundigen Bereitschaft der Entwicklungsländer zur konstruktiveren Teilnahme an den Verhandlungen verbessert.
Handelsbezogene Investitionsmaßnahmen - TRIMs:
US-Firmen haben nahezu 400 Milliarden Dollar im
Ausland investiert - eine Investition, die im Jahr 1989
Einnahmen in Höhe von 54 Milliarden Dollar zur Folge
hatte und fast zwei Drittel der gesamten amerikanischen Exporte stimuliert hat. Die Regierungen machen solche ausländischen Investitionen jedoch häufig
vom Inlandsanteil, der Exportleistung und anderen
Bestimmungen abhängig, die den Handel beschränken oder verzerren.

Seite 2

Während einige Entwicklungsländer GATT-Disziplinen bei den TRIMs ablehnen, sollten die Verhandlungen letztlich zur Verringerung oder Beseitigung solcher Praktiken führen und damit die Schaffung weltweiten Wirtschaftswachstums durch Direktinvestitionen erleichtern.
Handelsbezogene Aspekte der Rechte an geistigem
Eigentum -TRIPs: Die durch den unzureichenden
Schutz von Rechten an geistigem Eigentum verursachten weltweiten Einnahmeverluste der amerikanischen Industrie summieren sich bis heute auf schätzungsweise 60 Milliarden Dollar. Die Vereinigten
Staaten streben einen ausreichenden Schutz von
Patenten, Urheberrechten, Handelsmarken und anderen Rechten an geistigem Eigentum an, die für amerikanische Unternehmen eine wachsende Einnahmequelle darstellen. Die Vereinigten Staaten gehen
davon aus, daß dies am wirksamsten durch definitive
Vorschriften gewährleistet wird, die rigoros durchgesetzt werden. Substantielle technische Meinungsverschiedenheiten müssen noch ausgeräumt werden,
und darüber hinaus sind schwierige politische Entscheidungen erforderlich, um wichtigen ausstehenden
Fragen gerecht zu werden.
Dienstleistungen: Die Bedeutung von Dienstleistungen für die amerikanische Wirtschaft ist unbestreitbar.
Auf Dienstleistungen entfallen 66 Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung und 76 Prozent der
amerikanischen Arbeitsplätze, und der Dienstleistungssektor erbringt jährlich Exporte im Wert von 90 Milliarden Dollar. 25 Prozent des Welthandels entfallen auf
Dienstleistungen, und trotzdem gibt es für den Handel
mit Dienstleistungen keine internationalen Regeln des
Fair play. Seit dem Brüsseler Ministertreffen haben die
Unterhändler im Dienstleistungsbereich ihre Aufmerksamkeit hauptsächlich darauf konzentriert, bestimmte
Verpflichtungen im Hinblick auf Marktzugang und
nationale Behandlung festzuschreiben. Bis Mitte März
hatten nahezu 20 Länder Vorschläge auf den Tisch
gelegt. Die Vereinigten Staaten sind mit den meisten
ihrer wichtigsten Handelspartner in Europa, Asien und
Lateinamerika mindestens einmal zusammengetroffen. In Fällen, in denen ein Land noch keinen Vorschlag zur Marktöffnung in bestimmten Dienstleistungssektoren vorgelegt hat, haben die Vereinigten Staaten
auf die möglichst baldige Vorlage eines solchen Vorschlags gedrängt und diejenigen Sektoren und Hindernisse aufgezeigt, die für amerikanische Anbieter von
Dienstleistungen am interessantesten sind.
Darüber hinaus werden sich die Vereinigten Staaten
für durchgreifendere und wirksamere GATT-Regeln
zu Subventionen, Beilegung von Streitfällen, GATTArtikeln, vorübergehendem Importschutz, Abkommen
und Arrangements (Kodizes) im Rahmen von multilateralen Handelsgesprächen (MTN) sowie der Funktionsweise des GATT-Systems (FOGS) einsetzen.

AMERIKA DIENST 13

�Die Vereinigten Staaten möchten sicherstellen, daß
die internationalen Disziplinen gestärkt werden, ohne
gleichzeitig amerikanische Handelsgesetze oder
Abhilfemaßnahmen zu schwächen.
Wesentliche
Fortschritte in diesen Bereichen werden zu einer
Erweiterung des Zugangs zu ausländischen Märkten
führen und faire Handelsbedingungen auf dem USMarkt gewährleisten.
Das "Fast-Track"-Mandat und dessen
Verlängerung

t

Die amerikanische Beteiligung an den Bemühungen
zum erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde wird
von der Verlängerung der "Fast-track"-Verfahren
abhängen. Diese Verfahren sind für erfolgreiche
Verhandlungen über Handelsabkommen unerläßlich,
da sie vom Kongreß ein einfaches Ja oder Nein zu
einschlägigen Gesetzen erfordern, und zwar ohne
Zusätze und innerhalb einer bestimmten Frist. Ohne
"Fast track" kann der Präsident unseren Handelspartnern nicht zusichern, daß die mit ihnen ausgehandelten Uruguay-Runde-Abkommen auch im Kongreß zur
Abstimmung gelangen. Ohne diese Zusicherung werden
ausländische Regierungen zögern, mit den Vereinigten Staaten zu verhandeln, und sie werden nicht die
einschneidenden Zugeständnisse machen, die für
tragfähige Abkommen erforderlich sind. Kein Handelspartner wird seine Verhandlungsposition vollständig ausreizen, wenn er weiß, daß das Verhandlungsergebnis vom Kongreß in Frage gestellt werden könnte.
Mit der Einbeziehung des "Fast track" in das Handelsgesetz von 1988 hat der Kongreß ausdrücklich eingeräumt, daß eine Verlängerung notwendig sein könnte,
damit der Präsident unsere handelspolitischen Ziele
effektiv vertreten kann. Das gegenwärtige "Fasttrack"-Mandat wäre am 1. Juni 1991 abgelaufen, wenn
der Präsident keine Verlängerung beantragt hätte.
Diese Verlängerung wird automatisch gewährt, es sei
denn, eines der beiden Häuser des Kongresses verabschiedet vor dem 1. Juni eine gegenteilige Resolution.
Im Falle seiner Verlängerung würde das"Fast track"
* *

AMERIKA DIENST 13

bis zum 1. Juni 1993 zur Verfügung stehen und könnte
angewendet werden, um die Uruguay-Runde abzuschließen, eine Nordamerikanische Freihandelszone
auszuhandeln und die handelspolitischen Ziele der
Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in allen
Teilen Amerikas weiterzuverfolgen.
Die Rolle der amerikanischen Wirtschaft bei den
Verhandlungen
Die amerikanischen Unterhändler werden im weiteren
Verlauf der Uruguay-Runde auf die anhaltende Unterstützung der amerikanischen Wirtschaft bauen. Der
amerikanische Privatsektor ist sich der Bedeutung
einer erfolgreichen Runde bewußt und hat eine integrale Rolle bei der Beratung der amerikanischen Unterhändler im Hinblick auf die Prioritäten der Wirtschaft
gespielt. So haben die Vereinigten Staaten auf Drängen des Privatsektors angeboten, ihre Zölle in mehreren Schlüsselbereichen des Handels bis auf Null zu
senken und die Zölle insgesamt um über 40 Prozent
abzubauen (über das Ziel der Runde von 33 Prozent
hinaus).
Auch in ausländischen Wirtschaftskreisen hat sich in
jüngster Zeit Unterstützung formiert. Berater aus der
Privatindustrie in anderen Ländern haben sich zunehmend in die Verhandlungen eingeschaltet und scheinen darauf zu drängen, daß ihre Regierungen Fortschritte erzielen. Diese verstärkte Beteiligung wurde
teilweise durch die intensive Einflußnahme amerikanischer Berater aus dem Privatsektor verursacht. Darüber hinaus erkennen die verschiedenen Branchen die
Gefahren eines erneuten Scheiterns der Verhandlungen, wie es beim Brüsseler Ministertreffen geschah.
Mit der Wiederaufnahme der Runde bietet sich erneut
die Chance für substantielle und meßbare Fortschritte.
Die amerikanischen Unterhändler rüsten sich für die
kommenden Monate. Viele Probleme bleiben noch zu
lösen, damit ein gestärktes multilaterales Handelssystem erreicht wird, von dem alle Beteiligten profitieren
werden, indem es größere wirtschaftliche Möglichkeiten für Exporteure und Investoren gewähleistet.
* *

*

Seite 3

�AMERIKA

HEUTE
3. April 1991

DER NIEDERGANG AMERIKAS EIN WIEDERHOLUNGSFALL IN DER GESCHICHTE?
von Joseph Nye
BONN - (AD) - Der folgende Artikel von Joseph Nye, dem Leiter des Center for Science and International Affairs
und Professor an der Universität Harvard, ist in ungekürzter Fassung erstmals im März 1990 in der Zeitschrift
The Atlantic erschienen. Er basiert auf dem Buch Bound to Lead: The Changing Nature of American
Power, Basic Books 1990.
Copyright (c) 1990 Joseph S. Nye, Jr.

Einige Wissenschaftler vertreten die Auffassung, daß
der Niedergang Amerikas einem bestimmten, in der
Geschichte regelmäßig wiederkehrenden Muster folgt.
Ein wachsendes Land baut seine Militärmacht auf, um
seine zunehmenden Wirtschaftsinteressen zu schützen, bis schließlich die Kosten für diesen Machterhalt
seine Stärke unterminieren und eine andere aufstrebende Wirtschaftsmacht seine Stelle einnimmt.
In seinem Bestseller Aufstieg und Fall der großen
Mächte schreibt Paul Kennedy: "Die Schwierigkeiten,
die militärisch kopflastige Gesellschaften heute durchleben, sind lediglich eine Wiederholung der Erfahrungen, die das Spanien Philip II., das Rußland Nikolaus
II. und Hitlers Deutschland gemacht haben."
Solche historischen Vergleiche deuten darauf hin, daß
tiefgreifende außenpolitische Veränderungen an der
Tagesordnung sind, aber wenn diese Vergleiche irreführend sind, wäre auch die Schlußfolgerung unzulässig. Einsparungen könnten genau die Schwächung
amerikanischer Macht bewirken, die sie verhindern
sollen. Mit einer Distanzierung von internationalen
Verpflichtungen könnte Amerikas Einfluß in Übersee
schwinden, ohne daß die heimische Wirtschaft gestärkt würde. Tatsächlich sind die Länder der Welt so
unauflöslich verkettet, daß Rückzugsbestrebungen
sicherlich scheitern würden.
Es ist ebenso müßig, Amerikas Stärke überzubewerten wie sie zu untertreiben. Eine Überbewertung führt
zu mangelnder Anpassungsfähigkeit, die Untertreibung zu Heilungsversuchen, die mehr Schaden anrichten als die Krankheit selbst.

AMERIKA DIENST 13

Bei einem Niedergang treffen zwei sehr unterschiedliche Konzepte aufeinander: schwindende außenpolitische Macht und innenpolitische Probleme oder Zerfall.
Dennoch kann in einem Land der Niedergang nur in
einem der beiden Bereiche stattfinden. Zum Beispiel
erlebten die Niederlande im 17. Jahrhundert eine Blütezeit im Inland, während ihre Macht proportional
abnahm, weil andere Länder stärker wurden. Im
Gegensatz dazu verlor Spanien seine au ßenpolitische
Macht unter anderem, weil es von den zwanziger bis zu
den achtziger Jahren des 17. Jahrhunderts eine Zeit
absoluten wirtschaftlichen Niedergangs erlebte.
Natürlich können innenpolitische Probleme zu einem
Verlust außenpolitischer Macht führen. Dennoch ist es
oftmals schwierig zu definieren, welche innenpolitischen Veränderungen den Machtverlust hervorgerufen und wann sie stattgefunden haben.
Macht ist ein Konzept der Relationen. Es hängt zum
Teil von Ereignissen im Inland, aber noch mehr von
Ereignissen im Ausland ab. Ein Imperium kann unter
Umständen noch lange Zeit nach dem Zerfall der
Zivilisation im eigenen Land bestehen, solange die
Herausforderungen von außen gering sind.
Ein Land kann darüber hinaus im Verhältnis zu anderen an Macht verlieren, weil es sich nicht zur Nutzung
der Machtressourcen entscheidet, die ihm zur Verfügung stehen. Zum Beispiel sind die Vereinigten Staaten aus dem Zweiten Weltkrieg als potentiell dominante Weltmacht hervorgegangen, haben aber eine Politik
des Isolationismus gewählt, die sie auf eine Nebenrolle
in der Weltpolitik festgelegt haben. Der Einfluß Amerikas war 1928 geringer als 1918, aber nicht etwa, weil
Amerika Macht verloren hatte.
Seite 1

�Es steht außer Zweifel, daß die Vereinigten Staaten
am Ende des 20. Jahrhunderts weniger Macht haben
als Mitte dieses Jahrhunderts. Sogar konservativen
Schätzungen zufolge ist der Anteil der Vereinigten
Staaten an der Weltproduktion von über einem Drittel
nach dem Zweiten Weltkrieg in den achtziger Jahren
auf etwas mehr als ein Fünftel gesunken. Die Vereinigten Staaten gingen gestärkt aus dem Krieg hervor,
während die anderen großen Mächte vernichtet waren. In diesem Sinne war die amerikanische Vorherrschaft in den fünfziger Jahren anormal - wie der kleine
Junge, der die Straße beherrscht, weil die anderen mit
Grippe im Bett liegen. Die Vorherrschaft Amerikas war
zum Scheitern verurteilt, als andere Länder ihre wirtschaftliche Stabilität wiedererlangten.
Paul Kennedy argumentiert, der Niedergang der Vereinigten Staaten sei kontinuierlich erfolgt: "Der USAnteil am Weltbruttosozialprodukt, das seit 1945 in
normalem Umfang abgenommen hat, fiel sehr viel
schneller als er in den letzten Jahren hätte fallen
sollen."
Aber die Zahlen untermauern nicht das Argument für
die kontinuierliche Abnahme des amerikanischen Anteils
an der Weltwirtschaftsleistung. Charles Wolf von der
Rand Corporation erklärt, "wenn man ein repräsentativeres Jahr zugrundelegt - sagen wir Mitte der
sechziger Jahre (oder noch vor dem Zweiten Weltkrieg, etwa 1938) - ergibt sich die bemerkenswerte
Tatsache, daß der Anteil der US-Wirtschaft an der
Weltwirtschaftsleistung 'damals' ungefähr so hoch war
wie 'heute': 22 zu 24 Prozent."
Anderen Untersuchungen zum US-Anteil an der Weltwirtschaftsleistung zufolge ließen die sogenannten
Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs etwas später
nach als Wolf errechnet, aber sie kommen zum selben
Ergebnis. Zum Beispiel schätzt der Wirtschaftswissenschaftler Herbert Block, daß die Vereinigten Staaten zu Beginn des 20. Jahrhunderts etwa ein Viertel
und 1950 bereits ein Drittel der Weltwirtschaftsleistung
stellten. Nach dem Krieg nahm der US-Anteil bis 1974
ab und stabilisierte sich dann.
Der Amerikanische Rat zur Wettbewerbsfähigkeit gelangt
gleichermaßen zu dem Schluß, daß der US-Anteil an
der Weltwirtschaftsleistung seit Mitte der siebziger
Jahre mit 23 Prozent konstant geblieben ist. Der
amerikanische Anteil an der Wirtschaftsleistung der
führenden Industrieländer ist in den achtziger Jahren
tatsächlich etwas angestiegen. Der CIA zeigt auf der
Basis von Zahlen zur Kaufkraft verschiedener Währungen, daß der amerikanische Anteil an der Weltwirtschaftsleistung von 25 Prozent im Jahr 1975 auf 26
Prozent im Jahr 1988 gestiegen ist.
Diese Zahlen ziehen die Ansicht in Zweifel, daß ein
steiler oder kontinuierlicher Niedergang Amerikas
stattgefunden hat. Vielmehr deuten sie darauf hin, daß
die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs etwa 25

Seite 2

Jahre gedauert haben und sich die Position Amerikas
danach stabilisiert hat. Der größte Teil des Niedergangs hatte bis Mitte der siebziger Jahre das ganze
System erfaßt.
Der Theorie der Überdehnung zufolge gelangt eine
Großmacht eines Tages zu dem Schlu ß, da ß sie heute
viel mehr für ihre Verteidigung ausgibt als noch vor
zwei Generationen, die Welt aber trotzdem weniger
sicher ist. Die amerikanischen Zahlen bestätigen
diese Theorie jedoch nicht. Auch nach der Aufrüstung
der Reagan-Regierung betragen die gegenwärtigen
US-Verteidigungsausgaben etwa 6 Prozent des BSP Ende der fünfziger Jahre waren es noch 10 Prozent.
Darüber hinaus sind die Belastungen für die Verteidigung in den Vereinigten Staaten kaum mit denen
Spaniens und Frankreichs in den letzten Tagen ihrer
Blütezeit zu vergleichen. Bei Philip II. von Spanien
flössen drei Viertel aller staatlichen Ausgaben in die
Kriegskasse und die Kriegsschulden. In Frankreich
zur Zeit Ludwig XIV. und in Rußland unter Peter dem
Gro ßen scheint man jeweils etwa 75 beziehungsweise
85 Prozent der Einnahmen für den Krieg und den
Aufbau des Militärs ausgegeben zu haben.
In den Vereinigten Staaten entfallen heute 27 Prozent
des Bundeshaushalts auf Verteidigungszwecke (einschließlich der Leistungen an Veteranen), und im
Gegensatz zu den historischen Beispielen beinhalten
die Verpflichtungen der USA in Übersee keine dauerhafte Besetzung und Kontrolle eroberter Gebiete.
Das Verhältnis der amerikanischen Verteidigungslasten zum Anteil der USA an der weltweiten Wirtschaftsleistung war in den achtziger Jahren tatsächlich
niedriger als in den fünfziger Jahren. Im Gegensatz
zur Theorie der imperialen Überdehnung sind die
amerikanischen Verteidigungslasten heute in der Tat
leichter als in den fünfziger Jahren, und die politischen
Lasten amerikanischen Engagements wiegen heute
weniger schwer als in den sechziger Jahren während
des Vietnamkriegs.
Das bedeutet nicht, daß die Struktur des gegenwärtigen Verteidigungshaushalts vernünftig ist. Im Gegenteil - die Aufrüstung der achtziger Jahre war von Hast
und enormer Verschwendung gekennzeichnet, und
die Regierung war nicht entscheidungsfreudig genug,
um unnötige Waffensysteme zu streichen. Angesichts
der Veränderungen in der Weltpolitik lassen sich äußerst
stichhaltige Gründe dafür finden, Ressourcen verstärkt für internationale Institutionen, den Ausbau des
Kommunikationswesens und die Unterstützung wichtiger Länder aufzuwenden. Wenn solche Ausgaben
erforderlich sind, kann das Land sie sich auch leisten.
Die Theorie der imperialen Überdehnung trifft auf die
Vereinigten Staaten nicht zu.
Es gibt mindestens vier bedeutende Unterschiede
zwischen der Machtposition des viktorianischen Englands und des modernen Amerikas. Der erste betrifft
AMERIKA DIENST 13

�das Ausmaß der Vorherrschaft. Die Machtfülle Großbritanniens kam in der Mitte des 19. Jahrhunderts
besonders stark in seiner Marinestreitmacht und seiner industriellen Produktion zum Tragen. Nicht nur ist
die Macht der Vereinigten Staaten in weit mehr Bereichen größer als die des damaligen Großbritanniens;
sie bewegt sich darüber hinaus in Größenordnungen,
die ihrer Macht voraussichtlich eine längere Dauer
verleihen. Heute ist ein vereinigtes Europa - nicht nur
ein vereinigtes Deutschland - erforderlich, um die
weltweite Führungsrolle der Vereinigten Staaten herauszufordern. Großbritannien beherrschte ein Viertel
der Welt, aber das Empire wurde rasch ein Opfer des
Nationalismus und hörte auf, eine verläßliche Grundlage für die militärischen Pläne Englands zu bieten.
Zweitens besitzen die Vereinigten Staaten zumindest
seit 1865 eine gegen nationalistische Auflösungserscheinungen immune Volkswirtschaft kontinentalen
Ausmaßes. Importe machen heute nur 12 Prozent des
amerikanischen Bruttosozialprodukts aus, während
dieser Anteil im Großbritannien von 1914 bei 25 Prozent lag. Auf dem Höhepunkt seiner Macht in den
siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts war die britische Wirtschaft lediglich die drittstärkste der Welt, und
sie fiel im Jahr 1914 auf den vierten Platz zurück. Das
amerikanische BSP ist heute jedoch wesentlich grö ßer
als das der nächsten Konkurrenten. Man sollte diese
Größenunterschiede berücksichtigen, wenn man in
Theorien von Überdehnung spricht.
Drittens bestehen trotz all des lockeren Geredes (und
noch lockererer Definitionen) vom amerikanischen
Empire erhebliche Unterschiede zwischen dem territorialen Empire Großbritanniens und den Einflußgebieten der Vereinigten Staaten. Die Amerikaner besitzen
im Hinblick auf Arten und Abstufung von Verteidigungsverpflichtungen wesentlich mehr Optionen als
die Briten damals.
Einige Historiker gehen heute davon aus, daß sich das
territoriale Empire für Großbritannien zu einem Verlustgeschäft entwickelte. Ob man nun die NATO als
eine Vorneverteidigung der amerikanischen Grenzen
betrachtet, zu der die Europäer die meisten Soldaten
beisteuern oder als Akt amerikanischer Großzügigkeit
- man kann sich schwerlich vorstellen, daß unsere
Bündnisse einen ähnlichen Verlust hinnehmen müßten, insbesondere weil ein Rückzug amerikanischer
Truppen auf Stützpunkte im Inland nur dann Geld
einsparen würde, wenn die Einheiten danach aufgelöst würden. Im Gegensatz zum Gro ßbritannien König
Eduards, das zu Beginn dieses Jahrhunderts gezwungen war, seine Isolation aufzugeben und nach Verbündeten Ausschau zu halten, müssen die Vereinigten
Staaten am Ende dieses Jahrhunderts die erfolgreichen Bündnisse mit den großen demokratischen Industriestaaten umgestalten und modernisieren, die für
das weltweite Gleichgewicht in den vergangenen 40
Jahren entscheidend waren.

AMERIKA DIENST 13

Ein vierter wesentlicher Unterschied besteht in den
geographischen Herausforderungen, mit denen beide
Länder konfrontiert waren oder sind. So erwuchsen
Großbritannien um 1900 Konkurrenten in Deutschland, den Vereinigten Staaten und Rußland. Deutschland als nächstgelegener dieser Herausforderer hatte
Großbritannien nicht nur an Wirtschaftskraft überholt,
sondern entwickelte darüber hinaus auch militärisch
eine dominierende Stellung und war deshalb eine
Bedrohung der britischen Vorherrschaft auf dem
Kontinent.
Die außenpolitische Situation der Vereinigten Staaten
ist heute anders gelagert. Ihr wichtigster militärischer
Gegner, die Sowjetunion, ist mit einem instabilen osteuropäischen Reich konfrontiert, und die sowjetische
Wirtschaft, auf die sich in der Vergangenheit ihr Expansionsstreben gründete, erlebte einen drastischen
Niedergang. Darüber hinaus sind die sowjetischen
Verteidigungslasten, deren Anteil am BSP auf 15 - 20
Prozent geschätzt wird, etwa dreimal so hoch wie die
relative Belastung für die US-Wirtschaft.
Keine der anderen Hauptweltmächte kann die Vereinigten Staaten zur Zeit an wirtschaftlicher und militärischer Stärke übertreffen. Obwohl Westeuropa eine
gut ausgebildete Bevölkerung, ein robustes BSP und
ab 1992 einen gestärkten Binnenmarkt vorweisen
kann, sind nur wenige Beobachter der Meinung, daß
die europäische Integration bald zu einer gemeinsamen Regierung oder einer gemeinsamen Sicherheitspolitik fortschreitet.
Auch China könnte aus einer wesentlich längerfristigen Perspektive heraus ein potentieller Rivale der
Vereinigten Staaten sein, jedoch ist die menschliche
und technische Infrastruktur des Landes noch wesentlich geringer entwickelt als die der Vereinigten Staaten
oder auch der Sowjetunion. Und obwohl viele Amerikaner der Ansicht sind, die wirtschaftliche Stärke Japans
sei eine größere Herausforderung als die sowjetische
Militärmacht, ist wirtschaftliche Konkurrenz kein Nullsummenspiel, in dem der Gewinn eines Landes der
Verlust eines anderen ist. Bis jetzt hat Japan die
Strategie eines Handelsstaates der einer Militärmacht
vorgezogen. Es gibt heute kein Gegenstück zum
deutschen Kaiserreich. Selbst die Wirtschaft des
wiedervereinigten Deutschlands erreicht nur ein Fünftel der amerikanischen Wirtschaftsleistung.
Die interessanteren Vergleiche zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten betreffen den inneren Zustand des Landes. Hier liegen auch die legitimen Anlässe zur Sorge begründet. Der Produktivitätszuwachs der amerikanischen Wirtschaft ist von 2,7
Prozent in den beiden ersten Nachkriegsjahrzehnten
auf 1,4 Prozent jährlich zurückgegangen. In den
achtziger Jahren ist die nationale Sparquote auf 2
Prozent gefallen, und die Bruttoinvestitionen betrugen
mit 17 Prozent nur etwa die Hälfte der japanischen
Quote von 30 Prozent. Zivile Forschungs- und Ent-

Seite 3

�wicklungsvottiaben betrugen nur 1,8 Prozent des BSP,
während ihr Anteil in Deutschland und Japan 2,6 und
2,8 Prozent ausmachte. Ausländische Investoren
erhielten nahezu die Hälfte aller im Jahr 1987 in den
Vereinigten Staaten verliehenen Patente, während
dieser Anteil zehn Jahre zuvor noch ein Drittel betragen hatte.
Aber selbst hier sollte man sich davor hüten, allzu
leichtfertige Vergleiche mit Großbritannien zu ziehen.
Die Vereinigten Staaten ziehen Kapital aus der übrigen
Welt an, während Großbritannien Kapital exportierte.
Und während Großbritannien viele Bürger durch Auswanderung verlor, erhalten die Vereinigten Staaten
durch die Einwanderung ständig frische Arbeitskräfte
und Energien.
Der vielleicht interessanteste Vergleich im Hinblick auf
die inneren Verhältnisse ist jedoch politischer Natur.
Werden die Vereinigten Staaten sowohl ihre internationalen Verpflichtungen als Nation, von der andere
Staaten Führungskraft erwarten, als auch die Notwendigkeit innenpolitischer Reformen verkraften? Das
britische Beispiel mahnt zur Vorsicht. Die politischen
Prozesse der viktorianischen Demokratie neigten zu
einer Aufsplitterung der nationalen Debatte. Konservative Politiker versäumten es, in angemessenem
Maß in die Zukunft zu investieren. Es bestand eine
weitverbreitete Abneigung dagegen, die - niedrige Steuerlast zu erhöhen.
Hier ist die Analogie zum modernen Amerika treffender: die Vereinigten Staaten sind das reichste Land
der Welt, aber ihr Handeln läßt zu wünschen übrig.
Obwohl Amerika eines der Industrieländer mit den
niedrigsten Steuern ist, scheint die amerikanische
Öffentlichkeit nicht bereit, angemessen in die Zukunft
zu investieren und die politisch Verantwortlichen haben wenig unternommen, um dem Abfluß der Ressourcen von Investitionen zu privatem Verbrauch in
den achtziger Jahren Einhalt zu gebieten.
Selbst eine starke Wirtschaft wird die Vereinigten
Staaten nicht davon abhalten, eine törichte Politik zu
verfolgen. Politische Führungsstärke ist erforderlich,
um zu erklären, warum bestimmte Maßnahmen - sei
es das Haushaltsdefizit, Protektionismus oder Kürzung der Auslandshilfe - zu selbstzugefügten Wunden
führen können. Effektive Einflußnahme erfordert die
Bereitschaft zu Ausgaben für auswärtige Angelegenheiten.
Trotz einer Verdoppelung der nationalen Wirtschaftsleistung von 1960 bis 1980 wendeten die Vereinigten
Staaten im Jahr 1980 in realen Zahlen für direkt mit
auswärtigen Angelegenheiten verbundene Bereiche
des Haushalts - Verteidigung, Auslandshilfe, Information und repräsentative Zwecke - weniger auf. In den
achtziger Jahren nahmen die Verteidigungsaufwendungen zu, die Ausgaben der Vereinigten Staaten für
andere Bereiche auswärtiger Angelegenheiten verrin-

Seite 4

gerten sich jedoch von 12,7 Milliarden DoHar im Jahr
1981 auf 10,5 Milliarden Dollar 1988. Dieser Abbau
steht in krassem Gegensatz zu der wachsenden
Bedeutung wirtschaftlicher, informationsbezogener und
institutioneller Ressourcen bei der Aufrechterhaltung
oder Schaffung nationaler Macht.
Einige mögen die Frage aufwerfen, warum wir in Macht
investieren sollten. Warum nicht einfach glücklich
konsumieren wie die Schweizer oder Schweden? Die
Antwort lautet natürlich, daß die Vereinigten Staaten
zu groß sind, um zum Nulltarif im internationalen
System mitzufahren. Es liegt im Interesse dieses
Landes, entsprechend seiner Größe und seinem
Engagement für die Verbreitung offener Gesellschaften - das heißt, derjenigen, die Menschenrechte achten - und offener Volkswirtschaften Einfluß in der Welt
auszuüben. Es muß betont werden, daß eine solche
Führungsrolle vornehmlich eine Funktion der Größe
der Vereinigten Staaten und nicht ihrer hegemonialen
Mission zur Führung der Welt ist. Führung ist nicht
Hegemonie. Führung bedeutet, Verantwortung für die
eigenen langfristigen politischen und wirtschaftlichen
Interessen zu übernehmen.
"Das können wir uns nicht leisten", lautet das typische
Argument in Zeiten des Haushaltsdefizits, sei es bei
Hilfe für Polen, Investitionen in das Bildungswesen
oder Drogenbekämpfung. Wenn die Vereinigten Staaten jedoch Maßnahmen ergreifen würden, mit denen
der Konsum im Inland um die 2 Prozent des BSP
gekürzt würde, um die er in den vergangenen zehn
Jahren gestiegen ist, könnte sich das reichste Land der
Welt sowohl ein besseres Bildungswesen als auch den
internationalen Einfluß leisten, der sich aus wirksamer
Hilfe und Informationsprogrammen im Ausland herleitet.
Wir benötigen zusätzliche Investitionen in "weiche
Macht" - das komplexe Gefüge der Interdependenz statt in "harte Macht" - also teure neue Waffensysteme.
In den Vereinigten Staaten bedeutet Führung darauf
zu verweisen, daß die amerikanische Volkswirtschaft
es sich sehr wohl leisten kann, in internationale Angelegenheiten zu investieren - indem wir unsere Beiträge
an internationale Institutionen entrichten, entscheidenden Ländern wie Polen Hilfe gewähren und offene
internationale Märkte aufrechterhalten - wenn die
Amerikaner den politischen Willen dazu haben. Ohne
eine solche Führungsrolle wird die amerikanische
Fähigkeit, potentielle Macht in tatsächlichen Einfluß
umzusetzen, entsprechend geschmählert. Ein politisch Verantwortlicher, der die Macht der Vereinigten
Staaten am Ende des Jahrhunderts aufrechterhalten
will, muß eine Strategie verfolgen, mit der die Grundlage der amerikanischen Stärke im Inland bei gleichzeitigem Einsatz von Mitteln zur Aufrechterhaltung des
internationalen Einflusses wiederaufgebaut wird. Beide
Elemente sind unabdingbar.

AMERIKA DIENST 13

�Obwohl sich die Vereinigten Staaten gravierenden
sozialen, wirtschaftlichen und politischen Problemen
gegenübersehen, waren sie in der Vergangenheit mit
entsprechenden oder größeren Problemen konfrontiert. Ein Schlüssel zur erfolgreichen Bewältigung
dieser Probleme besteht darin, der übrigen Welt gegenüber aufgeschlossen und anpassungsfähig zu
bleiben. Soziale Flexibilität, Mobilität zwischen den
Klassen und wirtschaftliche Offenheit sind Vorteile, die
Amerika gegenüber Europa und Japan genießt.

müssen, gibt es keinen Grund, warum das reichste
Land der Welt seinen internationalen Verpflichtungen
und seinen Binneninvestitionen nicht nachkommen
kann. Die Amerikaner können sich sowohl soziale als
auch internationale Sicherheit leisten. Der Gipfel der
Ironie wäre, wenn die Amerikaner die kurzfristigen
Probleme ihres Landes als Anzeichen für den langfristigen Niedergang sehen und in einer Weise reagieren
würden, die sie von den Quellen ihres internationalen
Einflusses abschneidet.

Es wäre blanke Ironie, wenn die Furcht vor dem
Niedergang zu protektionistischen Maßnahmen, Widerstand gegen ausländische Investitionen und Begrenzung der Einwanderungszahlen verleiten würde.
Obwohl es bisher wenige Anzeichen langfristiger wirtschaftlicher Verkrustungen gibt, könnten solche Maßnahmen dazu beitragen. Wenn die Furcht vor Wettbewerb wiederum zu neuen Maßnahmen bei Spartätigkeit, Forschung und Entwicklung sowie im Bildungswesen führt, die auf den bei einer auf Information
gegründeten Volkswirtschaft erforderlichen höheren
Standard gerichtet sind, könnte sich die Fähigkeit der
Vereinigten Staaten, sich neu zu erfinden, wiederum
als geheime Stärke erweisen.

Wie bereits häufig zuvor verändert sich der Ressourcenmix, der internationale Macht hervorbringt. Einmalig ist jedoch, daß sich der Zyklus hegemonialer Konflikte mit Weltkriegen als Begleiterscheinung wahrscheinlich nicht wiederholt.

Die Amerikaner sind zu Recht besorgt über die sich
verändernde Rolle der Vereinigten Staaten in der Welt.
Das Problem als Niedergang der Vereinigten Staaten
zu sehen und Parallelen zu Großbritannien zu ziehen,
ist jedoch irreführend, denn damit wird die Aufmerksamkeit von den sich aus den langfristigen Veränderungen der Weltpolitik ergebenden echten Problemen
abgelenkt und eine Art der Abhilfe vorgeschlagen, mit
der die Stellung der Vereinigten Staaten eher geschwächt als gestärkt würde.
Die Abkehr von internationalen Verpflichtungen würde
den amerikanischen Einfluß verringern ohne zwangsläufig die Binnenwirtschaft zu stärken. In der Tat
belegen jüngste Erfahrungen, daß die von den Vereinigten Staaten dadurch erzielten Einsparungen im
internationalen Bereich nur den Inlandsverbrauch statt
Investitionen steigern.
Obwohl sich die Amerikaner im nächsten Jahrzehnt
mit der Verschuldung der achtziger Jahre befassen

* *

AMERIKA DIENST 13

Am Ende des Jahrhunderts verfügen die Vereinigten
Staaten über mehr herkömmliche Machtressourcen
als jedes andere Land. Darüber hinaus haben sie die
ideologischen und institutionellen Ressourcen, um ihre
Führungsrolle in den neuen Domänen transnationaler
Interdependenz aufrechtzuerhalten. In diesem Sinne
steht die Situation der Vereinigten Staaten am Ende
des 20. Jahrhunderts in krassem Gegensatz zu der
Großbritanniens am Beginn des Jahrhunderts. Das
Problem amerikanischer Macht heute sind nicht neue
Herausforderungen an die Hegemonie, sondern die
neue Herausforderung transnationaler Interdependenz.
Eine Nachkriegsstrategie zur Bewältigung des Übergangs zu komplexer Interdependenz in den nächsten
Jahrzehnten wird erfordern, daß die Vereinigten Staaten genügend Ressourcen zur Aufrechterhaltung des
geopolitischen Gleichgewichts aufwenden, eine offe :
ne Haltung gegenüber der übrigen Welt einnehmen,
neue internationale Institutitionen entwickeln und die
Ressourcen amerikanischer Stärke im Inland durch
tiefgreifende Reformen und umfassende Investitionen
wiederherstellen. Die beiden Gefahren, denen sich
Amerikaner gegenübersehen, sind Selbstgefälligkeit
im Hinblick auf die innenpolitische Tagesordnung der
VereinigtenStaaten und mangelnde Bereitschaft, das
zur Aufrechterhaltung einer internationalen Führungsrolle Erforderliche aufzubringen. Keine der beiden
Einstellungen ist gerechtfertigt.

* *

*

Seite 5

�AMERIKA

HEUTE
3. April 1991

DIE FÄHIGKEIT ZUR ERNEUERUNG
von Joel Kotkin
WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgend© Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift New Perspectives Qua rterl y
Copyright (c) 1988 The Institute for National Strategy, Los Angeles, California. Joel Kotkin ist Redakteur der
Zeitschrift Inc. und Mitautor (zusammen mit Yoriko Kishimoto) von The Third Century: Amerlca's Renaissance In the Aslan Era (1988).

Im Gegensatz zu vergangenen Reichen sind die Vereinigten Staaten auch heute eine relativ junge Nation,
die immer noch auf der Suche nach ihrer eigenen
Identität ist. Seine Jugend verleiht dem Land eine
gewisse Elastizität - eine Fähigkeit, sich auf neue und
häufig unerwartete Art und Weise zu erholen.

Die Fähigkeit Amerikas zur Erneuerung beruht auf drei
Säulen: massiver Einwanderung, dem untemehmensorientierten Charakter seiner "offenen" Wirtschaft und
seinen schier unermeßlichen Bodenschätzen.
Einwanderung

s

Indem sie den Charakter Amerikas, seiner Bevölkerung und deren ethnische Identität radikal verändert,
spielt die Einwanderung potentiell die revolutionärste
Rolle bei diesem Wiederaufstieg. Seit den siebziger
Jahren haben die Vereinigten Staaten mehr Einwanderer legal aufgenommen als der Rest der Welt zusammengenommen. Es ist überwiegend ihrer Anwesenheit zu verdanken, daß die Vereinigten Staaten in
den neunziger Jahren im Vergleich zu ihren wichtigsten Rivalen die jüngste Bevölkerung haben werden.
Noch wichtiger als die reinen Zahlen ist jedoch die
ethnische Zusammensetzung dieser neuen Einwanderer, deren überwältigende Mehrheit aus außereuropäischen Ländern stammt, hauptsächlich aus Lateinamerika und Asien. Aufgrund ihrer Anwesenheit werden die Vereinigten Staaten zu einer "Weltnation",
deren Bindungen bis zu praktisch jedem bewohnten
Flecken der Welt reichen. Dies ist ein großer Vorteil in
einer Welt, in der sich der wirtschaftliche Schwerpunkt
rasch vom Atlantik zum Pazifischen Becken verlagert.

AMERIKA DIENST 13

Die Entwicklung der amerikanischen "Weltnation" hat
darüber hinaus grundlegende ideologische Auswirkungen. In dem Maße, in dem die Amerikaner zu einer
posteuropäischen Weltordnung übergehen, erhält die
Botschaft Amerikas - die Betonung der Rechte des
einzelnen, der Privatinitiative und der Menschenrechte
- nach und nach universellen Charakter und streift ihre
Bindungen an die "weiße" Ideologie teilweise ab.
Der wachsende lateinamerikanische Einf lu ß hat Miami
in Florida zur Bankenmetropole Lateinamerikas werden lassen und gleichzeitig - wenn auch in geringerem
Ausmaß - San Antonio in Texas und San Diego in
Kalifonien zu Wirtschaftszentren des sich rasch industrialisierenden Nordens von Mexiko gemacht.
Ebenso haben asiatische Einwanderer Los Angeles
und San Francisco in Kalifornien sowie Seattle im
Staat Washington zu dynamischen Zentren des asiatischen Kapitalismus umgewandelt. Wichtig ist hier,
daß viele dieser Einwanderer ein uraltes Wertesystem
mitbringen, das auf konfuzianischen Regeln über die
Unantastbarkeit gesellschaftlicher Beziehungen und
der Bedeutung von Ordnung basiert. Ais Ergebnis
dessen neigt der Kapitalismus asiatischer Prägung
dazu, ein System von Aufgaben und Pflichten - gegenüber Familie und Nation - zu entwickeln, anstatt lediglich dem Gewinnstreben verhaftet zu sein.
Insgesamt haben die Einwanderer, wo immer sie sich
angesiedelt haben, der lokalen Wirtschaftstätigkeit
neue Dynamik verliehen. Im Santa Clara Valley bei
San Francisco haben Amerikaner chinesischer Abstammung zum Beispiel nahezu 70 High-Tech-Unternehmen gegründet. AST Research, ein führender

Seite 1

�amerikanischer Hersteller von Personalcomputern,
wurde im Jahr 1980 von drei Ingenieuren gegründet,
von denen zwei aus Hongkong und einer aus Pakistan
stammten.
Die Arbeitnehmerschaft in der AST-Produktionsstätte
in Irvine (Kalifonien) besteht hauptsächlich aus lateinamerikanischen, vietnamesischen und anderen Einwanderern. "Ohne die Zuwanderung von Asiaten", so
Robert Kelley, Präsident des Southern California
Technology Executives Network, einer Gruppe von
170 Managern der High-Tech-Branche, "hätte es die
Art von Explosion nicht gegeben, wie sie an Orten wie
Orange County stattgefunden hat".
Der Unternehmergeist
In der massiven Beteiligung von Immigranten an der
Wirtschaft der Vereinigten Staaten spiegelt sich eine
weitere Quelle amerikanischer Stärke wider - die Offenheit der US-Wirtschaft. Diese Flexibilität, die weitgehendfür Aufstieg und Fall von Unternehmen verantwortlich ist, hat in den vergangenen zehn Jahren zu
einem Wiederaufleben der unternehmerischen Risikobereitschaft geführt. "Amerika ist ebenso sehr wie alle
anderen Industrieländer von Krisen betroffen," erläutert der aus Österreich stammende Managementexperte Peter Drucker. "Aber im Unternehmertum - bei
der Schaffung des anderen und des neuen - stehen die
Vereinigten Staaten ganz vorn."
Es ist genau dieser Individualismus - wie er sich in
unternehmerischen Aktivitäten ausdrückt - der die
wirtschaftliche Basis für Amerikas Aufschwung im
dritten Jahrhundert seines Bestehens legt. Zum Beispiel haben die Vereinigten Staaten seit den achtziger
Jahren nahezu ausschließlich mit kleineren und mittleren Betrieben fast fünfzehnmal soviele Arbeitsplätze
geschaffen wie die in Europa vorherrschenden eher
"geschlossenen" und gelenkten Systeme.
Genausowichtig ist die Tatsache, daß Unternehmer
bei der jetzt stattfindenden Reindustrialisierung der
Vereinigten Staaten eine Schlüsselrolle spielen. Es
wird fälschlicherwiese dem Eintritt in die "postindustrielle" Gesellschaft zugeschrieben, daß sich Unternehmer der industriellen Bastionen bemächtigten, die
allzu häufig von amerikanischen Großunternehmen
aufgegeben werden.
Während den großen Unternehmen von 1974 bis 1984
fast 1,4 Millionen Arbeitsplätze in der Produktion verlorengingen, konnten die rund 41.000 neuen Firmen
praktisch den gesamten Verlust wettmachen. Infolgedessen haben Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern ihren Anteil an den Arbeitsplätzen in der USFertigungsindustrie auf 46 Prozent gesteigert - gegenüber 42 Prozent vor zehn Jahren. Wenn sich diese
Tendenz fortsetzt, könnten kleine Fertigungsbetriebe
bis Ende der neunziger Jahren die 50-Prozent-Markte
überschritten haben.

Seite 2

In Amerikas Kampf um die Wiederlangung seiner
internationalen Wettbewerbsfähigkeit werden kleinere
Firmen mit der ihnen eigenen Flexibilität und Konzentration auf Marktnischen immer wichtiger. Zum Beispiel haben seit 1980 Amerikas unternehmerisch orientierte Industriezweige den Anteil des Landes an der
Beschäftigungsrate in der Fertigungsindustrie unter
den Industrieländern mit Erfolg gehalten und sogar
geringfügig gesteigert.
Glücklicherweise gibt es Anzeichen, daß einige USGroßunternehmen - insbesondere Xerox, IBM, Cummins Engines - sich erneut mit dem Produktionsprozeß
an sich befassen. Trotzdem wird die wichtigste Herausforderung an den Wettbewerb wahrscheinlich nicht
aus der Erneuerung großer Unternehmen, sondern
von einer neuen Generation amerikanischer Industrieller kommen.
Im Gegensatz zu den typischen Managern der sechziger und siebziger Jahre haben sie ihr Wissen nicht
erworben, um Amerikas Vorherrschaft vorauszusetzen. Aber gleichzeitig haben diese Führungskräfte vielfach erst zwischen zwanzig und vierzig - nicht die
Absicht, den Schlüssel für die Zukunft ausländischen
Konkurrenten zu überlassen.
Diese Mentalität läßt sich in allen Branchen der amerikanischen Industrie beobachten. Kleine Stahlwerke
wie Nucor in Charlotte (North Carolina) machen heute
über ein Drittel der Stahlproduktion des Landes aus
und erringen nicht nur von amerikanischen Großunternehmen sondern auch von japanischen und koreanischen Stahlproduzenten Marktanteile. Und obwohl die
vertikal integrierten japanischen Elektronikunternehmen den DRAM-Markt "übernommen" haben, dominieren kleinere amerikanische Firmen - wie LSILogic,
Cypress Semiconductor und Linear Technologies weiterhin einen Großteil der entscheidenden, hohe
Gewinnspannen enthaltenden Bereiche des ChipGeschäfts.
Das vielleicht interessanteste Beispiel der neuen
Managergeneration kann im Bereich der Mikrocomputer beobachtet werden. Vor einigen Jahren sagten
viele Analysten voraus, daß nur Großunternehmen
wie IBM und AT&amp;T dem Ansturm der riesigen koreanischen und japanischen Konglomerate standhalten
könnten. Seit 1986 waren jedoch die Gewinner bei
Marktanteilen und Rentabilität die neue Generation
von Industriefirmen - wie Compaq, AST Research und
Dell Computers -, die alle im letzten Jahrzehnt gegründet worden waren.
Eine Weltnation
Der jüngste Aufschwung an Investitionen von außerhalb der Vereinigen Staaten spiegelt die Anerkennung
ihrer natürlichen Vorteile sowie der demographischen
und unternehmerischen Vitalität durch Nichtamerikaner wider. Eine im Jahr 1984 - auf dem Höhepunkt des

AMERIKA DIENST 13

�Um seine Vormachtstellung aufrechtzuerhalten, muß
Amerika den Übergang zu einer "Weltnation" beschleunigen. Indem sie die Mission der Nation über
das Spektrum des eng definierten "Westens" hinaus
erweitem, könnten die Vereinigten Staaten zum ersten
Mal den Vorhersagen der Visionäre des 18. und 19.
Jahrhunderts gerecht werden, die ihre Zukunft als
etwas größeres als die westliche Erweiterung der
Während die Vereinigten Staaten in ihr 3. Jahrhundert europäischen Geschichte sahen. "Wir sind die Erben
eintreten, bewahren sie viele der Kriterien, die eine der gesamten Menschheit" schrieb der Autor Herman
dauerhafte weltweite Vormachtstellung gewährleisten Melville, "und wir teilen unser Vermächtnis mit allen
können. In einer sich rasch verändernden und vom Menschen."
Entstehen dynamischer neuer Wirtschaftsmächte
insbesondere in Asien gekennzeichneten Welt müs- Letztlich hängt die Größe der Vereinigten Staaten
sen die Vereinigten Staaten jedoch eine Strategie nicht so sehr von ihrer Waffengewalt oder gar dem
entwickeln, die aus ihren grundlegenden Stärken Kapital Überfluß ihrer Volkswirtschaft ab, sondern von ihrer
Botschaft an die Welt. Nur durch die Wiederentdekschlägt.
kung ihrer revolutionären Prinzipien und ihrer AnwenDie Amerikaner müssen Investitionen und Produktion dung auf die Realitäten der posteuropäischen Welt
vor Konsum stellen. Sie müssen mehr Mittel für können sich die Vereinigten Staaten in ihrem dritten
kommerzielle Forschung, Ausbildung und die physi- Jahrhundert einer der großen Vision ihrer Gründerväsche Infrastruktur aufwenden.
ter entsprechenden Wiedergeburt erfreuen.

starken Dollars - unter westeuropäischen Führungskräften durchgeführte Meinungsumfrage ergab, daß
45 Prozent die Vereinigten Staaten als erste Wahl für
Expansion bevorzugten. Entsprechend fließt der Großteil
des aus den liquiden chinesischen Enklaven - insbesondere Taiwan und Hongkong - exportierten Kapitals
in die Vereinigten Staaten.

'
{

*

AMERIKA DIENST 13

* * *

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Seite 3

�</text>
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dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
3. April 1996

07

HAUSHALT

CLINTON: AUSGLEICH DES BUNDESHAUSHALTS IN SIEBEN JAHREN
Haushaltsvorlage des Präsidenten

AUSSENPOLITIK

DER HAUSHALT FÜR INTERNATIONALE
ANGELEGENHEITEN
Rede von Außenminister Christopher

DIE VEREINIGTEN STAATEN, DEUTSCHLAND
UND ISRAEL - EIN GEMEINSAMES
SCHICKSAL
von J.D. Bindenagel

USA-DEUTSCHLAND

DIE ZUKUNFT DER DEUTSCHAMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN
von J.D. Bindenagel

ABRÜSTUNG

RATIFIZIERUNG DER CHEMIEWAFFENKONVENTION IM FRÜHJAHR ANGESTREBT
Anhörung von Verteidigungsminister Perry

NAHER OSTEN

UNHCR SOLL FRIEDENSPROZESS
UNTERSTÜTZEN
Rede von Botschafterin Ferraro

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.
Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel. 0228 - 339 23 72
Fax 0228 - 33 31 38
Internet bbsbonn@usia.gov

�HAUSHALT

3. April 1996

Clinton: Ausgleich des Bundeshaushalts
in sieben Jahren
Haushaltsvorlage des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Bei der Vorlage seines Haushaltsentwurfs für das am 1. Oktober beginnende Fiskaljahr
1997 gab Präsident Clinton seine Absicht bekannt, mit einem Ausgleich des Bundeshaushalts innerhalb von
sieben Jahren auf der starken wirtschaftlichen Bilanz der Vereinigten Staaten aufzubauen.
Bei gleichzeitiger Kürzung der Ausgaben zur freien Verfügung sei seine Haushaltsvorlage eine "Investition in die
Zukunft" für Bildung und Ausbildung, Technologie und Umweltschutz, so der Präsident.
Darüber hinaus zielt Clintons Haushaltsentwurf auf eine Reform des Sozialwesens sowie Steuererleichterungen
für Amerikaner mit mittlerem Einkommen und mittelständische Unternehmen ab.
Nachfolgend veröffentlichen wir die dem Haushaltsplan beiliegende Botschaft des Präsidenten.

An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Der Haushalt 1997, den ich Ihnen mit dieser Botschaft
übersende, bautauf der starken wirtschaftlichen Bilanz
der Vereinigten Staaten mit einem Ausgleich des
Bundeshaushalts innerhalb von sieben Jahren bei
gleichzeitigen weiteren Investitionen in das amerikanische Volk auf.
Der Haushaltsentwurf sieht Kürzungen bei unnötigen
und weniger wichtigen Ausgaben vor und schützt die
älteren Mitbürger, Arbeitnehmerfamilien und Kinder. Er
reformiert die Sozialhilfe, damit sich Arbeit bezahlt
macht, und räumt Amerikanern mit mittlerem Einkommen sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen Steuervergünstigungen ein.
Vor drei Jahren traten wir das Erbe einer Wirtschaft an,
die unter kurz- und langfristigen Problemen litt Problemen, die durch die Wirtschafts- und Finanzpolitik der vorherigen 12 Jahre geschaffen und verschärft wurden.
Auf kurze Sicht war das Wirtschaftswachstum langsam, und es wurden wenige Arbeitsplätze geschaffen.
Das Haushaltsdefizit, das Anfang der achtziger Jahre

AMERIKA DIENST 07

zu explodieren begann, stieg in unerschwingliche
Höhen.
Auf längere Sicht hatte sich die Produktivität seit
Anfang der siebziger Jahre verlangsamt und infolgedessen stagnierte oder sank der Lebensstandard für
die meisten Amerikaner. Gleichzeitig vergrößerte sich
die Kluft zwischen Armen und Reichen.
In den vergangenen drei Jahren haben wir haushaltspölitische und andere wirtschaftliche Maßnahmen
eingeführt, die den Kurs der Volkswirtschaft grundlegend veränderten - zum Guten. Wir haben stärkeres
Wachstum, niedrigere Zinssätze, stabile Preise,
Millionen neuer Arbeitsplätze, Exporte in Rekordhöhe,
geringere private und Unternehmensverschuldung
sowie einen höheren Lebensstandard geschaffen.
In Zusammenarbeit mit dem letzten Kongreß haben wir
1993 ein Wirtschaftsprogramm verabschiedet, das
besser als alle unsere Prognosen das Wachstum
ankurbelte und das Defizit abbaute. Wir haben das
Defizit um nahezu die Hälfte reduziert, von 290
Milliarden Dollar im Jahr 1992 auf 164 Milliarden Dollar
1995. Als Prozentsatz des Bruttoinlandsprodukts
haben wir das Defizit in drei Jahren um mehr als die

Seite 1

�Hälfte verringert und es damit auf den niedrigsten
Stand seit 1979 gebracht.

Erarbeitung eines Abkommens erzielt. Wir sind zu weit
gekommen, um diese Chance zu vergeuden.

Bei gleichzeitiger Kürzung der Ausgaben zur freien
Verfügung haben wir die Ressourcen für Investitionen
in die Zukunft umgeleitet. Mit zunehmend an Qualifikationen gebundenen Löhnen und Gehältern haben wir
klug in Bildung und Ausbildung investiert, um den
Amerikanern beim Erwerb der Voraussetzungen
behilflich zu sein, die sie für die hochbezahlten Arbeitsplätze von morgen benötigen. Wir investierten darüber
hinaus auch vornehmlich in Wissenschaft und Technologie, die im gesamten Verlauf der Geschichte unserer
Nation ein starker Motor für Wirtschaftswachstum

Ein ausgeglichener Haushalt würde die Zinssätze für
alle Amerikaner senken, einschließlich der jungen
Familien im ganzen Land, die ihr erstes Haus kaufen
wollen. Er würde auch Mittel auf den Privatmärkten
freisetzen, mit denen Unternehmen in Fabriken und
Gerät oder die Ausbildung ihrer Arbeitnehmer investieren könnten.

Für Amerikaner, die kaum Geld für die Erziehung ihrer
Kinder und das Nötigste zum Leben haben, soll sich
Arbeit bezahlt machen. Wir haben den Einkommensteuerfreibetrag erhöht und Steuervergünstigungen für
15 Millionen Arbeitnehmerfamilien eingeführt. Und wir
haben 37 Bundesstaaten die Freiheit eingeräumt,
Wege zu sondieren, damit Menschen bei gleichzeitigem Schutz ihrer Kinder nicht länger von Sozialhilfe abhängig sind.
Während die Wirtschaft immer globaler wird, hängt der
Wohlstand zu Hause hauptsächlich von der Öffnung
ausländischer Märkte für amerikanische Waren und
Dienstleistungen ab. Vor diesem Hintergrund haben
wir Gesetze zur Umsetzung des Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommens und des Nordamerikanischen
Freihandelsabkommens erlassen und über 80 weitere
Handelsabkommen geschlossen.
Unter unserer
Führung sind die Exporte auf Rekordhöhe gestiegen.
Mit diesen Maßnahmen haben wir den Weg zu einer
Zukunft mit tragfähigem Wirtschaftswachstum, niedrigen Zinssätzen, stabilen Preisen und mehr Chancen
für Amerikaner aller Einkommensschichten geebnet.
Aber unsere Arbeit ist noch nicht getan.
Beim Blick in die Zukunft müssen wir - wie ich vor
kurzem in meinem Bericht zur Lage der Nation feststellte - drei grundlegende Fragen beantworten: Wie
können wir den Amerikanischen Traum zur Realität für
alle Amerikaner werden lassen, die dafür zu arbeiten
bereit sind? Wie bewahren wir unsere althergebrachten und beständigen Werte auf dem Weg in die
Zukunft? Und wie meistern wir diese Herausforderungen gemeinsam, als ein Amerika?
Die Haushaltsvorlage spricht diese Fragen an.
Schaffung eines Zeitalters der Chancen
Ich habe mich zur Beendigung des von uns 1993 in
Angriff Genommenen verpflichtet - dem Haushaltsausgleich. Bei unseren Verhandlungen mit den Kongreßabgeordneten haben wir große Fortschritte bei der

Seite 2

Wir müssen den Haushalt jedoch auch in der richtigen
Weise ausgleichen - indem wir unnötige oder weniger
wichtige Ausgaben kürzen, in die Zukunft investieren,
ältere Mitbürger und Arbeitnehmerfamilien, Kinder und
andere schwächere Mitglieder der Gesellschaft
schützen sowie Steuererleichterungen für Amerikaner
mit mittlerem Einkommen und mittelständische Unternehmen einführen.
Mein Haushalt tut das. Er stärkt Medicare und Medicaid, von denen Millionen ältere Mitbürger, Behinderte
und einkommensschwache Amerikaner abhängig sind.
Er reformiert die Sozialhilfe. Er kürzt andere Titel. Und
er nimmt tiefe Einschnitte bei den Ausgaben zur freien
Verfügung vor.
Aber bei gleichzeitiger Kürzung der frei verfügbaren
Ausgaben investiert meine Haushaltsvorlage in
Bildung und Ausbildung, die Umwelt, Wissenschaft und
Technologie, Strafverfolgung und andere Prioritäten,
um eine bessere Zukunft für alle Amerikaner aufzubauen. Wir sollten mehr für das ausgeben, was wir
benötigen, und weniger für das, was wir nicht benötigen.
Projektion der amerikanischen Führungsrolle
Weltweit leben wir in einer Zeit großer Chancen und
Herausforderungen. Nach dem Ende des Kalten
Krieges blickt die Welt auf die Vereinigten Staaten für
eine Führungsrolle. In der Annahme, daß dies eindeutig in unserem besten Interesse liegt, dürfen wir
uns nicht abwenden.
Mein Haushaltsplan sieht die erforderlichen Ressourcen zur Förderung der strategischen Interessen der
Vereinigten Staaten, der Umsetzung unserer Außenpolitik, Öffnung von Märkten im Ausland und Unterstützung amerikanischer Exporte vor. Er stellt auch die
Mittel zur Bewältigung der sich abzeichnenden globalen Bedrohungen bereit, die an die Stelle des Kalten
Krieges als Hauptgrund für Besorgnis getreten sind regionale, ethnische und nationale Konflikte, die
Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen,
internationaler Terrorismus und Verbrechen, Drogenhandel und Umweltzerstörung.
Auf diplomatischer Ebene konnten wir zahlreiche und
erfreuliche Erfolge verzeichnen, die die Welt zu einem

AMERIKA DIENST 07

�sichereren und stabileren Ort gemacht haben. Dank
unserer Führungsrolle tragen wir dazu bei, Frieden
nach Bosnien und in den Nahen Osten zu bringen, und
wir haben Fortschritte in Nordirland herbeigeführt. Wir
haben auch die Bewegung zu Demokratie und freien
Märkten in Rußland und Zentraleuropa ermutigt und
erfolgreich internationale Bestrebungen zur Entschärfung der nuklearen Bedrohung durch Nordkorea
angeführt.
Auf militärischer Ebene haben wir unsere Truppen dort
stationiert, wo sie einen effektiven Beitrag leisten
können und wo es in unserem Interesse lag, Stabilität
durch Beendigung des Blutvergießens (wie in Bosnien)
und Leidens (wie in Ruanda) zu fördern. Wir haben
auch den Einsatz von Gewalt zur Lockerung von
Spannungen angedroht, wie zur Amtsenthebung einer
unwillkommenen Diktatur in Haiti und im Falle des Irak,
als das Land erneut in Kuwait einzumarschieren
drohte.
Dieser Haushalt sieht die Mittel zur Unterhaltung und
Modernisierung der stärksten, am besten ausgebildeten, am besten ausgerüsteten und einsatzbereitesten Streitmacht der Welt vor. Damit unterstützen wir weiterhin die Soldaten und ihre Familien mit
einer Verbesserung der Lebensqualität, während wir
die Beschaffung der neuen Technologien planen, die
Ende dieses Jahrzehnts verfügbar sein werden.
Schaffung von Chancen und Übernahme von
Verantwortung
Die Bundesregierung kann nicht - im Alleingang - die
meisten Probleme lösen und die meisten Herausforderungen ansprechen, mit denen wir uns als Volk
konfrontiert sehen. In manchen Fällen muß sie eine
Führungsrolle übernehmen - sei es, um die Gesundheitsfürsorge für die sozial Schwachen zu übernehmen, den Zugang zu Bildung und Ausbildung zu
verbessern, in Wissenschaft und Technologie zu
investieren, die Umwelt zu schützen oder die Steuerbelastung fairer zu gestalten. In anderen Fällen muß
sie eine partnerschaftliche Rolle spielen - mit den
Bundesstaaten, Kommunen, gemeinnützigen Gruppen,
Kirchen und Synagogen, Familien und Einzelpersonen
zusammenarbeiten, um die Gemeinden zu stärken,
damit Arbeit sich bezahlt macht, um die öffentliche
Sicherheit zu wahren und die Qualität der Bildung zu
verbessern.
Zur Wiederherstellung der amerikanischen Gemeinschaft sieht der Haushalt Investitionen in den nationalen Sozialdienst vor, in dessen Rahmen dieses
Jahr 25.000 Amerikaner bei der Lösung von Problemen in Gemeinden helfen und sich dabei Geld für
weiterführende Bildung oder zur Zurückzahlung von
Ausbildungsförderung verdienen. Wir wollen mehr
Ermächtigungszonen und Unternehmensgemeinschaften ins Leben rufen, um wirtschaftliche Entwick-

AMERIKA DIENST 07

lung zu fördern und die Chancen für die Bewohner
benachteiligter städtischer und ländlicher Gebiete zu
erhöhen. Wir wollen den Fonds der Finanzinstitutionen
für die Gemeindeentwicklung aufstocken, um Gemeinden Kredite und andere Dienstleistungen anbieten
zu können. Mit demselben Ziel vor Augen wollen wir
das Amt für Wohnungswesen und städtische Entwicklung in eine Behörde umwandeln, die sich besser für
die Bewältigung örtlicher Erfordernisse eignet. Und wir
wollen unsere Beziehungen zu den Indianern in
unserem Land aufrechterhalten sowie die wichtigen
Dienstleistungen, die wir ihnen anbieten.
Bei der Gesundheitsfürsorge besteht unsere Herausforderung in der Verbesserung des bereits bestehenden und überwiegend erfolgreichen Systems und nicht
in der Aufkündigung von Deckungszusagen, von
denen Millionen sozial schwacher Amerikaner abhängig sind. Mein Haushaltsentwurf stärkt Medicare und
Medicaid und garantiert ihren weiteren Bestand. Bei
Medicare unterstützt er den Treuhandfonds für Teil A,
bietet älteren und behinderten Bürgern mehr Wahlmöglichkeiten, gestaltet das Programm effizienter und
stärker auf die Bedürfnisse der Empfänger zugeschnitten. Bei Medicaid räumt er den Bundesstaaten mehr
Flexibilität bei der Verwaltung ihrer Programme ein und
bewahrt gleichzeitig die Garantie einer Gesundheitsfürsorge für die sozial schwächsten Amerikaner, hält die
derzeitigen Qualitätsstandards für Pflegeheime
aufrecht und schützt auch weiterhin die Ehepartner
von Pflegeheimbewohnern vor der Verarmung. Mein
Haushaltsentwurf sieht Reformen zur Verbesserung
des Zugangs zu privater Krankenversicherung und
ihrer Finanzierung vor sowie Hilfen für diejenigen, die
ihren Arbeitsplatz verloren haben, damit sie weitere
sechs Monate die Prämien für ihre private Versicherung bezahlen können. Ferner beabsichtige ich
Investitionen in verschiedene öffentliche Gesundheitsdienstleistungen, beispielsweise das Ryan WhiteProgramm zur Unterstützung von AIDS-Kranken sowie
Aktivitäten im Forschungs- und Gesetzgebungsbereich
zur Förderung der öffentlichen Gesundheit.
Da das amerikanische Sozialwesen krankt, haben wir
hart an der Verbesserung der Bereiche gearbeitet, die
keiner Aktionen des Kongresses bedürfen. Beispielsweise haben wir 37 Bundesstaaten die Möglichkeit
eingeräumt, Wege zu sondieren, um Sozialhilfeempfänger ohne Nachteile für ihre Kinder wieder in die
Arbeitswelt einzugliedern. Und wir kassieren Rekordsummen an Unterhaltszahlungen von Vätern. Aber
jetzt benötige ich die Hilfe des Kongresses. 1993
erhöhten wir gemeinsam den Einkommensteuerfreibetrag für 15 Millionen Arbeitnehmerfamilien und
belohnten dadurch Arbeit statt Abhängigkeit von
Sozialhilfe. Jetzt wird durch meinen Haushaltsentwurf
das Sozialversicherungssystem überholt, indem ein
Zeitrahmen für Bargeldzahlungen sowie strenge
Arbeitsanforderungen festgesetzt werden. Und ich
strebe eine parteiübergreifende Verabschiedung von

Seite 3

�Gesetzen an, die Arbeit und die Übernahme von
Verantwortung fordern, Kinder schützen und angemessene Mittel für die Versorgung und Ausbildung
der Kinder bieten.

Technologie abhängigen Behörden sowie für gemeinsame Projekte mit Universitäten und Industrie, beispielsweise den im Rahmen des Hochtechnologieprogramms geschlossenen Partnerschaften.

Bildung und Ausbildung werden in zunehmendem
Maße der Schlüssel zu einem höheren Lebensstandard. Obwohl die Amerikaner eindeutig wünschen,
daß die Bundesstaaten und Kommunen bei der
Bildung eine führende Rolle übernehmen, muß die
Bundesregierung wichtige Unterstützung bieten - von
der Finanzierung der Vorschule, in der Kinder auf das
Lernen vorbereitet werden, bis zur Verbesserung des
Zugangs zu Colleges und Umschulungseinrichtungen.
Mein Haushaltsentwurf sieht eine Fortsetzung der
hohen Investitionen vor, die Amerikanern die für gute
Arbeitsplätze erforderlichen Qualifikationen geben.
Neben meinen laufenden Investitionen schlägt der
Haushaltsentwurf einen Fonds für die Förderung von
technologischem Wissen vor, um die Vorteile der
Technologie in die Klassenzimmer zu bringen, ein
Stipendium in Höhe von 1.000 Dollar für die besten 5
Prozent unter den Absolventen jeder High School und
mehr Schulgründungen, damit Eltern, Lehrer und
Gemeinden öffentliche Schulen schaffen können, die
den Bedürfnissen ihrer Kinder entsprechen.

Im Bereich der Verbrechensbekämpfung muß die
Bundesregierung mit den Bundesstaaten und Gemeinden bei einigen Problemen zusammenarbeiten
und bei anderen eine Führungsrolle übernehmen. Zur
Unterstützung der Gemeinden investieren wir weiterhin
in das Programm "Bürgernahe Polizei", um 100.000
weitere Streifenpolizisten einzustellen. Wir helfen den
Bundesstaaten beim Bau neuer Gefängnisse, bei der
Durchsetzung des Brady-Gesetzes, damit Verbrecher
keine Handfeuerwaffen kaufen dürfen, sowie beim
besseren Umgang mit dem Problem jugendlicher
Gangs. Auf Bundesebene führen wir den Kampf zur
Unterbindung des Drogenschmuggels in unser Land
und zur Verbesserung der Behandlung Drogenabhängiger. Wir vergrößern unsere Anstrengungen
zur Sicherung der Grenzen gegen illegale Einwanderung und helfen gleichzeitig bei der Bestreitung der
Kosten solcher Einwanderung für den Staat.

Wir Amerikaner können stolz darauf sein, daß wir im
Laufe der letzten 25 Jahre unter der Leitung von
Präsidenten aus beiden Parteien unsere Umwelt
gesäubert haben. Aber unsere Arbeit ist noch nicht
beendet, da noch viele Amerikaner verschmutzte Luft
atmen oder unsauberes Wasser trinken. Mein Haushalt setzt unsere Suche nach Lösungen für unsere
Umweltprobleme fort, ohne die Unternehmen über
Gebühr zu belasten oder unnötige Verordnungen zu
verhängen. Wir stellen die notwendigen Gelder bereit,
um die Programme des Umweltschutzamtes durchzuführen, unsere Parks und Wälder zu schützen,
meinen Plan zur Renaturierung der Florida Everglades
umzusetzen, sowie für meine Initiative "Braunes Feld"
zur Sanierung verlassener, verseuchter Industriegebiete in benachteiligten städtischen und ländlichen
Gemeinden. Und wir setzen die Umstrukturierung des
Prozesses zum Erlaß von Vorschriften fort, indem wir
mit den Unternehmen zusammenarbeiten, anstatt sie
wie Gegner zu behandeln.
Angesichts der essentiellen Bedeutung von Wissenschaft und Technologie für unsere wirtschaftliche
Zukunft, unsere nationale Sicherheit und das Wohlergehen unseres Volkes sieht mein Haushaltsentwurf
eine Fortsetzung unserer Investitionen auf diesem
entscheidenden Gebiet vor. Zu diesem Zweck bitte ich
den Kongreß, meinen verschiedenen Gesuchen
nachzukommen - für Grundlagenforschung im medizinischen Bereich beim Nationalen Gesundheitsamt, für
Grundlagenforschung und Bildung bei der National
Science Foundation, für Forschung an anderen, zur
Erfüllung ihrer Aufgaben von Wissenschaft und

Seite 4

Für viele Familien besteht natürlich das größte Problem oftmals darin, die Rechnungen zu bezahlen.
Mein Haushalt sieht Steuererleichterungen für Amerikaner mit mittlerem Einkommen sowie für kleine und
mittelständische Unternehmen vor. Er bietet einen
Einkommensteuerfreibetrag für jedes Kind unter 13
Jahren, einen Nachlaß für Collegegebühren sowie
erleichterten Zugang zu den Rentenkassen des
einzelnen, um Familien beim Sparen für die Zukunft
und der Bezahlung von Collegegebühren, beim
Hauskauf, im Falle von Arbeitslosigkeit oder bei
medizinischer Behandlung und Pflegefällen Beistand
zu leisten. Für mittelständische Unternehmen sieht er
mehr Steuererleichterungen bei Investitionen vor und
erleichtert die Einrichtung einer Rentenversicherung.
Ferner soll Selbständigen der Abschluß einer Krankenversicherung erleichtert werden, indem diese steuerlich absetzbar wird.
Eine funktionierende Regierung
Diese Prioritäten werden wir mit einer schlankeren
Regierung verfolgen, die effizient arbeitet, klugen
Gebrauch von den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln
macht, sich auf Ergebnisse statt nur auf Ausgaben
konzentriert und dem amerikanischen Volk bessere
Dienstleistungen anbietet. Durch die Umstrukturierung
der Regierung unter der Führung von Vizepräsident
Gore machen wir echte Fortschritte beim Aufbau einer
Regierung, die "besser funktioniert und weniger
kostet".
Wir haben die Zahl der Bundesbediensteten um
200.000 verringert und somit die kleinste Mitarbeiterzahl seit 30 Jahren, die den geringsten Anteil an der
gesamten Erwerbsbevölkerung seit dem New Deal

AMERIKA DIENST 07

�stellt. Wir sind dem Zeitplan zur Streichung von
272.900 Stellen - wie im von mir unterzeichneten
Gesetz über die Umstrukturierung des Regierungsapparats - voraus.
Ebenso wichtig ist, daß die Regierung besser funktioniert.
Behörden wie die Sozialversicherungsverwaltung, die Zollbehörde und das Amt für Veteranen
bieten ihren Kunden weitaus bessere Dienstleistungen
an. In der gesamten Regierung nutzen die Behörden
die Informationstechnologie zur Bereitstellung von
weitaus effektiveren Dienstleistungen für mehr Menschen.

Hämmer, Aschenbecher und andere kleine Artikel, die
man in den Geschäften vor Ort billiger kaufen kann.
Mit Blick in die Zukunft planen wir eine engere Zusammenarbeit mit den Bundesstaaten und Kommunen,
mit Unternehmen und Einzelpersonen sowie mit
Regierungsbediensteten, um unsere Bestrebungen auf
die Verbesserung von Dienstleistungen für das
amerikanische Volk zu konzentrieren. Unter der
Leitung des Vizepräsidenten setzen die Behörden
immer höhere Standards für die Bereitstellung schnellerer und besserer Dienstleistungen.
Schlußbemerkung

Wir verringern die Gesetzeslast weiter und stellen
sicher, daß unsere Vorschriften zweckdienlich sind
und keine unnötige Belastung für Unternehmen und
Steuerzahler darstellen. Wir schaffen in der gesamten
Regierung 16.000 Seiten mit Verfügungen ab, und die
Behörden verbessern ihre Verfahren zum Erlaß von
Bestimmungen.

Unsere Tagesordnung funktioniert. Wir haben das
Haushaltsdefizit beträchtlich reduziert, die Wirtschaft
gestärkt, in unsere Zukunft investiert und die Regierung verkleinert, während wir gleichzeitig ihr Dienstleistungsangebot für das amerikanische Volk verbessert haben.

Zusätzlich modernisieren wir das staatliche Beschaffungswesen, damit die Regierung kostengünstiger
bessere Waren vom Privatsektor kaufen kann. Die
Regierung zahlt nicht länger überhöhte Preise für

Jetzt haben wir die Chance, auf unseren Erfolgen
aufzubauen, indem wir den Haushalt auf die richtige
Art und Weise ausgleichen. Wir sollten diese Chance
nicht verpassen.

*

AMERIKA DIENST 07

* * * *

Seite 5

�AUSSLNPOLITIK
3. April 1996

Der Haushalt für internationale Angelegenheiten
Rede von Außenminister Christopher

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine von US-Außenminister Warren Christopher am 27.
März 1996 vor dem Bewilligungsunterausschuß des Repräsentantenhauses für Operationen im Ausland
gehaltene Rede über den Haushalt für internationale Angelegenheiten im Finanzjahr 1997.

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder. Es ist
mir eine Freude, erneut vor dem Bewilligungsunterausschuß des Repräsentantenhauses für Operationen im
Ausland sprechen zu dürfen. Ich sehe Konsultationen
mit Ihnen zu Beginn der neuen Haushaltsgespräche
erwartungsvoll entgegen.
Bei dem von uns heute zu erörternden Haushalt geht
es um sehr viel mehr als Dollar oder Cents. Er stellt
den Kongreß vor eine grundlegende Entscheidung.
Werden wir die Interessen des amerikanischen Volkes
fördern und die amerikanische Führungsrolle in der
Welt aufrechterhalten? Oder werden wir die bereits
erzielten Fortschritte unterminieren und die vor uns
liegenden Chancen verpassen?
Werden wir uns in Regionen von elementarer Bedeutung weiterhin für Frieden und Sicherheit einsetzen
oder die Bedrohungen ignorieren, bis sie unsere
Küsten erreichen? Werden wir die nach dem Zweiten
Weltkrieg geschaffenen Bündnisse und Institutionen
bewahren oder unseren Verpflichtungen den Rücken
kehren und uns selbst keine andere Option lassen, als
uns zukünftigen Krisen alleine zu stellen? Werden wir
neuen Bedrohungen die Stirn bieten, die keine Grenzen respektieren, oder unseren Kindern eine Welt
hinterlassen, die von nuklearer Weiterverbreitung,
Terrorismus und Umweltkrisen gekennzeichnet ist?
Präsident Clinton hat seine Entscheidung getroffen. Er
hat die zentrale Lektion dieses Jahrhunderts verstanden - daß Amerika eine Führungsrolle übernehmen muß. Das ist auch die Lektion der vergangenen
drei Jahre. Betrachten Sie sich, was wir durch unsere
Führungsrolle erreicht haben.

Wir beendeten den todbringenden Krieg in Bosnien
und beseitigten die Bedrohung für Sicherheit und
Stabilität im Herzen Europas, die er darstellte. Wir
setzten dem Zustrom haitianischer Flüchtlinge an
unseren Küsten ein Ende und gaben dieser Nation
eine Chance zur Schaffung von Demokratie und
Wohlstand. Wir erzielten die unbegrenzte und bedingungslose Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags und verpflichteten mehr als 100 Länder, niemals
Nuklearwaffen zu bauen. Atomraketen in der ehemaligen Sowjetunion sind nicht länger auf amerikanische
Städte gerichtet.
Das nordkoreanische Nuklearprogramm befindet sich auf dem Weg der Verschrottung. Und unsere Wirtschaftsdiplomatie hat einen
Exportboom hervorgerufen und mehr als eine Million
hochbezahlter amerikanischer Arbeitsplätze geschaffen.
Amerika stand an der Seite derjenigen, die um des
Friedens willen mutig Risiken eingingen. Wir halfen
Israel und seinen arabischen Nachbarn, historische
Fortschritte zu einem umfassenden Frieden zu erzielen. Wir halfen den Menschen in Nordirland bei der
Annäherung an eine gerechte und dauerhafte Lösung.
Und nach den feigen Terroranschlägen der vergangenen Wochen stand Präsident Clinton an der Seite der
Friedensstifter.
Die außenpolitischen Errungenschaften dieser Administration waren möglich, weil wir ohne Zögern die
Führungsrolle übernahmen. Unsere Investitionen
zahlen sich für das amerikanische Volk aus. Unsere
Nation ist sicherer. Unsere Wirtschaft ist stärker. Und
unsere Werte sind im Kommen.
Das durch diese Art von Führungsstärke Erreichte
kann nicht umsonst erhalten werden - wenn wir das

AMERIKA DIENST 07

Seite 1

�amerikanische Volk nicht verändern wollen. Wir
können uns zur Projektion unserer Führungsrolle auch
nicht allein auf militärische Stärke verlassen - wenn wir
nicht die ganze Zeit unser Militär einsetzen wollen.
Das würde viele Dollar und Menschenleben kosten,
die wir nicht verschwenden können.
Der Haushalt für internationale Angelegenheiten ist
jedoch seit 1984 real um 51 Prozent geschrumpft.
Unser Gesuch für 1997 in Höhe von 19,2 Milliarden
Dollar, davon 12,8 Milliarden von diesem Unterausschuß, liegt unter dem vom letzten Jahr. Es erzielt das
bestmögliche Gleichgewicht zwischen unseren beiden
übergeordneten Zielen - Verfolgung unserer nationalen
Interessen und Erzielung eines Haushaltsausgleichs
innerhalb von sieben Jahren. Es ist das absolute
Minimum für eine Außenpolitik, die unser Land schützt
und die amerikanische Führungsrolle aufrechterhält.
Ich möchte näher darauf eingehen, wie unser Haushalt
uns in diesem Jahr und danach bei der Bewältigung
von drei Herausforderungen helfen wird: Streben nach
Frieden und Stabilität in Regionen von lebenswichtigem Interesse, Begegnung transnationaler Sicherheitsbedrohungen sowie Förderung von offenen
Märkten und Wohlstand.
Streben nach Frieden und Sicherheit
Zunächst möchte ich die Schlüsselregionen ansprechen, in denen wir den Frieden anstreben. In
jeder einzelnen schafft unser Beistand nicht nur
Sicherheit, sondern bewirkt auch die Hilfe unserer
Freunde und Verbündeten bei der Erlangung unserer
gemeinsamen Ziele.
Vor zwei Wochen bekräftigte Präsident Clinton bei
seinem Besuch in Ägypten und Israel die von den
Vereinigten Staaten beim Nahostfriedensprozeß
übernommene führende Rolle. Der Anti-Terror-Gipfel
in Scharm-el-Scheich brachte 29 führende Politiker
aus der ganzen Welt zusammen. Er demonstrierte
dramatischer als je zuvor, daß Israel jetzt in der
Region Partner hat, die sich gemeinsam mit diesem
Land dem Terrorismus entgegenstellen. Und der
Besuch des Präsidenten in Israel zeigte den Menschen
dort erneut, daß die Vereinigten Staaten sich dafür
einsetzen, ihnen den für die Erlangung von Frieden
und Sicherheit erforderlichen moralischen und materiellen Beistand zukommen zu lassen.
Jetzt müssen wir gemeinsam handeln. Morgen und
am Freitag werden in Washington Experten zur
Vorbereitung von Empfehlungen zusammentreffen, die
sie den Ministern vorlegen, damit die beim Gipfel
getroffenen Entscheidungen zügig und wirksam
umgesetzt werden.
Wir sind entschlossen zum Einsatz aller uns zur
Verfügung stehenden Instrumente, um den Terroris-

Seite 2

mus zu bekämpfen und die Feinde des Friedens zu
besiegen. Die israelische Regierung arbeitete mit uns
an der Identifizierung wichtiger Maßnahmen für den
Kampf gegen Terrorismus, deren Kosten sich auf
insgesamt 100 Millionen Dollar belaufen. Ich bitte Sie,
unverzüglich dem Ersuchen des Präsidenten für
zusätzliche 50 Millionen Dollar in diesem Jahr nachzukommen, die mit durch eine niedrige Inflationsrate
bedingten Einsparungen aus dem Haushalt des
Verteidigungsministeriums ausgeglichen werden. Die
Gelder sollen helfen, die vordringlichen Bedürfnisse
Israels zu decken, darunter Bombensuchgeräte und
Durchleuchtungseinrichtungen. Ferner werden wir die
Ausbildung und technische Zusammenarbeit mit Israel
zur Bekämpfung von Terrorismus erweitern.
Mit derselben Entschlossenheit, die wir aufbrachten,
um beim Anti-Terror-Gipfel den größten je dagewesenen Konsens gegen den Terrorismus zu schmieden,
werden wir den Parteien bei der Suche nach einem
dauerhaften und umfassenden Frieden beistehen.
Unser neuer Haushalt sieht 5,25 Milliarden Dollar zur
Unterstützung unserer Bestrebungen an diesem für
den Friedensprozeß entscheidenden Moment vor - das
schließt unsere fortgesetzten Investitionen in die
Sicherheit und Wirtschaftsentwicklung Israels und
Ägyptens ein, die Anker für Frieden und Stabilität in der
Region sind. Unsere Unterstützung für Jordanien wird
dem Land helfen, seine wichtigsten sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Erfordernisse anzusprechen, während es um des Friedens willen
Risiken eingeht. Unser Antrag in Höhe von 75 Millionen Dollar für das Westjordanland und den Gazastreifen wird den palästinensischen Behörden helfen, die
ihrer Kontrolle unterstehenden Gebiete zu verwalten,
den Palästinensern die konkreten Vorteile des Friedens vor Augen führen, die durch den Terrorismus
verursachte Armut lindern und zur Mobilisierung
zusätzlicher Unterstützung durch die internationale
Staatengemeinschaft beitragen.
Herr Vorsitzender, in die vergangene Woche fiel der
90. Tag der NATO-Mission in Bosnien. Unsere
Truppen haben ihre erste entscheidende Herausforderung bewältigt, den Rückzug der Kriegsparteien
von den Frontlinien zu überwachen, an denen sie vier
Jahre lang kämpften und starben. Jeder Amerikaner
kann stolz auf die von unseren Soldaten und Diplomaten übernommene Rolle sein, die diesen Erfolg
ermöglicht hat. Wer von Ihnen in Bosnien war, weiß,
welch herausragende Arbeit unsere Leute unter
äußerst schwierigen Umständen leisten.
Wir sind jetzt in eine neue, heikle Phase der Operation
eingetreten. Das Morden in Bosnien hat aufgehört,
aber Frieden im eigentlichen Sinne des Wortes gibt es
noch nicht. Unsere heutige Herausforderung besteht
darin, den Menschen in Bosnien bei der Aufnahme des
Wiederaufbauprozesses zu helfen. Sie besteht in der
Einrichtung einer zivilen Polizeitruppe. Sie besteht

AMERIKA DIENST 07

�darin, die durch das Abkommen von Dayton geschaffenen politischen Institutionen mit Leben zu erfüllen. Sie
besteht darin, die der Greueltaten Schuldigen vor den
Richter zu bringen.
Bei all diesen Fragen haben wir vergangene Woche in
Genf und Moskau Fortschritte erzielt. Die Parteien
stimmten einer Zusammenarbeit mit der IFOR beim
Umgang mit Bedrohungen und Gewalt in den Gebieten
zu, die unter dem Abkommen übertragen werden.
Serbien und Kroatien erklärten sich bereit, drei der
Kriegsverbrechen Verdächtigte an das Kriegsverbrechertribunal zu übergeben. Die Parteien in Bosnien
kamen überein, die restlichen Kriegsgefangenen
freizulassen und die für freie und faire Wahlen Ende
des Jahres - dem nächsten wichtigen Meilenstein auf
dem Weg zu Frieden - erforderlichen Grundregeln zu
akzeptieren.
Die Hauptverantworung für diese
Aufgaben tragen die Parteien. Aber ohne internationale Hilfe können die zivilen Bestrebungen keinen
Erfolg haben, und der Frieden wird nicht von Dauer
sein.
Die von uns letzten Dezember angekündigte Hilfe hat
die Bosnier bereits beim Wiederaufbau ihrer Häuser
unterstützt, Brennmaterial und Kleidung für den Winter
bereitgestellt und kurzfristige Beschäftigung herbeigeführt. Durch die Militärhilfe, die wir für dieses und
das kommende Jahr fordern, werden neue, zuverlässige Polizisten ausgebildet, Straßen und Felder in
Bosnien abgegrenzt und kleine Unternehmenskredite
gewährt, die den demobilisierten Soldaten den Übergang zum Frieden erleichtern sollen. Unser Gesuch
wird auch dazu beitragen, eine ständige Wahlkommission einzurichten, damit nach dem Abzug der Friedenstruppe IFOR freie Wahlen gewährleistet sind.
Ich möchte mich deutlich ausdrücken: Diese Arbeit
kann, sollte und wird von den Vereinigten Staaten nicht
allein geleistet werden. Unser Antrag für zusätzliche
200 Millionen Dollar in diesem Jahr wird ein Mehrfaches dieser Summe aus Europa, dem Nahen Osten
und Asien sowie von der Weltbank und dem IWF
freisetzen. Wenn unser Nachtragsgesuch jedoch nicht
bis zum 12. April angenommen wird, übernehmen
unsere Partner vielleicht nicht ihren Part, und der
Friedensprozeß könnte in Gefahr geraten. Daher ist
es zwingend erforderlich, daß sich der Kongreß vor
der Frühjahrspause mit dieser Vorlage befaßt.
Herr Vorsitzender, diese Hilfe ist eine kleine Investition,
um ein Wiederaufflammen des Krieges in Bosnien zu
verhindern. Nachdem wir so weit gekommen sind und
so viel investiert haben, dürfen wir das von uns
Erreichte nicht gefährden, indem wir diese Mittel
verweigern.
Die Teilnahme so vieler mittel- und osteuropäischer
Länder an der IFOR stellt den Wert der Partnerschaft
für den Frieden (PFF) unter Beweis, in deren Rahmen

AMERIKA DIENST 07

sie seit zwei Jahren mit den Streitkräften der NATO
üben und planen. Ohne ihre Beteiligung und die
logistische Unterstützung, die Länder wie Ungarn den
amerikanischen Truppen gewährten, könnte die
internationale Koalition zur Wiederherstellung des
Friedens in Bosnien nicht existieren. Die Zusammenarbeit innerhalb der IFOR sowie im Rahmen der
Partnerschaft für den Frieden bereitet auch den Weg
interessierter Nationen zu einer NATO-Mitgliedschaft
vor. Die 60 Millionen Dollar, die wir von diesem
Unterausschuß für die PFF beantragen, sind entscheidend zum Erhalt dieses erfolgreichen neuen
Elements europäischer Sicherheit.
Unser Einsatz für den Frieden in Bosnien und im
Nahen Osten wurde auch durch unsere Zusammenarbeit mit Rußland gefördert. Wir setzen unsere
Kooperation ebenfalls in anderen, für unsere Sicherheit
entscheidenden Bereichen fort. Wir haben bereits
einen massiven Abbau des Nuklearwaffenarsenals
erreicht und die Sicherheit von Nuklearmaterial erhöht.
Vergangene Woche in Moskau machten wir wichtige
Fortschritte bei unseren gemeinsamen Bestrebungen
zum Abschluß eines Vertrags über ein umfassendes
Atomtestverbot in diesem Jahr. Ferner bereiteten wir
die Tagesordnung für den Moskaubesuch des Präsidenten im April zur Teilnahme am Nukleargipfel der
P-8 sowie für seine Zusammenkunft mit Präsident
Jelzin vor.
Natürlich haben wir auch weiterhin bedeutende
Differenzen, beispielsweise hinsichtlich des Krieges in
Tschetschenien, der NATO-Erweiterung sowie der
nuklearen Zusammenarbeit Rußlands mit dem Iran.
Die uns konfrontierende Herausforderung besteht
darin, bei Übereinstimmung unserer Interessen
zusammenzuarbeiten und mit unseren Differenzen
offen und konstruktiv umzugehen.
Obwohl pluralistische Wahlen und marktwirtschaftliche
Prinzipien in Rußland zunehmend Realität werden, ist
der Reformprozeß großen Belastungen ausgesetzt.
Die Menschen in Rußland müssen bei den Präsidentschaftswahlen im Juni eine wichtige Entscheidung
treffen - ein Wettstreit, bei dem die Vereinigten Staaten
neutral sind und sein sollten. Unsere Aufgabe besteht
in der Förderung freier und fairer Wahlen sowie
fortgesetzter politischer und wirtschaftlicher Reformen.
Das Grundprinzip ist klar: Unsere Hilfe trägt zur
Stärkung der demokratischen Institutionen Rußlands
und der Stützen einer Marktwirtschaft bei, in der drei
Viertel aller russischen Unternehmen sich in der einen
oder anderen Form in privater Hand befinden. Der
Großteil unserer Hilfe geht jetzt an Privatorganisationen und Kommunalregierungen. Sie konzentriert sich
auf konkrete Ziele wie Reaktorsicherheit, Entwicklung
klarer steuerlicher Bestimmungen und Unterstützung
freier Medien.

Seite 3

�Angesichts der bislang erzielten Fortschritte, der
neuen Reformbestrebungen in den anderen Neuen
Unabhängigen Staaten sowie unserer haushaltspolitischen Realitäten ist die Hilfe der Vereinigten
Staaten an Rußland seit 1994 stark gesunken.
Rußland wird nur 173 der 640 Millionen Dollar erhalten, die wir für die Neuen Unabhängigen Staaten
beantragt haben. Wo wir Chancen zur Konsolidierung
wichtiger Fortschritte sehen, erhöhen wir die Finanzhilfe. Die im Haushalt für internationale Angelegenheiten für die Ukraine bereitgestellten Gelder übersteigen
die für Rußland vorgesehenen. Die Ukraine ist derzeit
unser viertgrößter Hilfsempfänger, was die bei wirtschaftlichen und politischen Reformen von diesem
Land erzielten Fortschritte sowie unser Engagement
für seine Sicherheit und Prosperität widerspiegelt.
Unser Gesuch für das SEED-Programm zur Unterstützung der osteuropäischen Demokratien läßt im
Hinblick auf die Region Optimismus anklingen - die
Tschechiche Republik, Estland und Lettland haben
"ihre Prüfung bestanden". Jetzt, da die Tschechische
Republik Mitglied der OECD ist und andere bald folgen
werden, hat diese Hilfe ihr Ziel erreicht und ist nicht
länger vonnöten.
In Haiti gestattete Präsident Clintons Politik eines
entschlossenen und geduldigen Engagements es den
amerikanischen Truppen, friedlich in das Land zu
kommen und es rechtzeitig wieder zu verlassen. Die
letzten amerikanischen Soldaten werden am 15. April
abziehen, und Kanada erklärte sich bereit, eine
Nachfolgeoperation der UNO zu leiten. In den letzten
anderthalb Jahren hat sich die Sicherheits- und
Menschenrechtssituation dramatisch verbessert. Die
Amtseinführung Präsident Prevals im vergangenen
Monat war für Haiti die erste friedliche Übergabe der
Macht von einer gewählten Regierung zur nächsten.
Beim Besuch Prevals vergangene Woche erörterten
wir die enormen Herausforderungen, die Armut,
Gewalt und Unterentwicklung noch für das haitianische
Volk darstellen sowie die Notwendigkeit für Haiti,
grundlegende Wirtschaftsreformen und den Privatisierungsprozeß fortzusetzen. Die Kosten dafür,
dem haitianischen Volk bei einer Reform des Justizwesens, der Ausbildung von Polizisten sowie der
Verbesserung des Gesundheits- und Bildungswesens
zu helfen, sind bescheiden im Vergleich zu den Kosten
der Konsequenzen einer Diktatur. Unsere Hilfe wird
zur Konsolidierung der jüngsten Fortschritte beitragen
und gewährleisten, daß wir unser Ziel eines stabilen
Haitis erlangen, das den Menschen im eigenen Land
ein gutes Leben bieten kann.
In Nordirland hat die Bevölkerung die Entscheidung wie Präsident Clinton es formulierte - "Für Dialog statt
Teilung und für Hoffnung statt Angst" getroffen. Die
Vereinigten Staaten müssen ihr weiterhin zur Seite
stehen. Präsident Clintons persönlicher Einsatz und

Seite 4

die überparteiliche Unterstützung dieses Kongresses
haben dazu beigetragen, Allparteiengespräche in
greifbare Nähe zu rücken und Investitionen des
Privatsektors ermutigt, die den Menschen in Nordirland
Arbeitsplätze und Hoffnung bringen. Unsere Diplomatie und wirtschaftliche Unterstützung sind entscheidender als je zuvor, um den Weg zu einer gerechten und
dauerhaften Lösung zu ebnen.
Ostasien ist natürlich eine weitere Region, an der wir
ein elementares Interesse bei der Bewahrung von
Frieden und Stabilität haben. Durch unsere militärische und diplomatische Präsenz haben wir Peking
gegenüber die gravierenden Konsequenzen klargemacht, die sich aus dem Einsatz von Gewalt zur
Lösung der Taiwan-Frage ergeben würden. Wir haben
gehandelt, um das Risiko einer Fehleinschätzung zu
verringern und unser Interesse an der friedlichen
Beilegung der Probleme zwischen der Volksrepublik
China und Taiwan verdeutlicht - ein Schlüsselfaktor
unserer seit langem verfolgten Politik eines China. Wir
beglückwünschen das Volk von Taiwan zu seiner
historischen demokratischen Umgestaltung.
Wir
begrüßen die öffentlichen Erklärungen dieser Woche
aus Peking und Taipeh, in denen der Bereitschaft
Ausdruck verliehen wurde, die Differenzen zwischen
den beiden Ländern friedlich und unmittelbar durch die
Wiederaufnahme ihres Dialogs anzusprechen.
Herr Vorsitzender, wir haben weiter ernsthafte Meinungsverschiedenheiten mit China und verfolgen
entschlossen die amerikanischen Interessen bei
Nichtverbreitung und Menschenrechten. Weil wir
beispielsweise bei Menschenrechten keine Fortschritte
beobachten konnten, arbeiten wir in dieser Frage mit
der Europäischen Union bei der UN-Menschenrechtskommission zusammen.
Es gibt noch eine Reihe von Themen, bei denen
unsere Zusammenarbeit mit China unerläßlich ist. In
der Tat haben wir erfolgreich mit China beim Exportverbot für ballistische Raketen, der Einstellung des
nordkoreanischen Nuklearprogramms, der Herbeiführung des Friedens in Kambodscha, der Rückführung
illegaler Einwanderer und der Bekämpfung des
Drogenhandels kooperiert.
Der beste Weg zur
Verfolgung unserer Interessen ist für uns eine konsequente Politik des langfristigen Engagements. In
diesem Geiste werde ich mit dem Vizepremier und
Außenminister Quian Qichen am 19. April in den
Niederlanden zusammenkommen, um sowohl unsere
Belange anzusprechen als auch unsere Zusammenarbeit voranzubringen.
Inangriffnahme transnationaler Sicherheitsbedrohungen
Wie ich bereits ausführte, sehen wir uns auch mit der
Herausforderung konfrontiert, die Amerikaner vor
transnationalen Sicherheitsbedrohungen zu schützen.

AMERIKA DIENST 07

�In seiner Rede vor den Vereinten Nationen im Oktober
vergangenen Jahres unterstrich Präsident Clinton, daß
Weiterverbreitung,
Terrorismus,
internationales
Verbrechen, Drogen und Umweltzerstörung alle
Nationen in dieser interdependenten Welt bedrohen.
Wir müssen weiterhin auf die Eindämmung der
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen hinarbeiten - der gravierendsten potentiellen Bedrohung
für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten.
Präsident Clinton wird beim Nukleargipfel kommenden
Monat in Moskau auf zusätzliche Schritte zur Eindämmung der Weiterverbreitung, Verbesserung der
nuklearen Sicherheit und Beendigung der Umweltzerstörung drängen.
Aufbauend auf unserem Erfolg bei der Erlangung der
unbegrenzten und bedingungslosen Verlängerung des
Nichtverbreitungsvertrags im vergangenen Jahr ist ein
weiterer Meilenstein in Sicht: Der Vertrag über ein
umfassendes Atomtestverbot. In der letzten Woche
bin ich mit den Hauptunterhändlern in Genf zusammengetroffen und freue mich berichten zu können, daß
echte Fortschritte zum Abschluß eines Vertrags erzielt
werden, den Präsident Kennedy vor 35 Jahren als
erster befürwortete. Unser Ziel ist die rechtzeitige
Verabschiedung des Vertrags über ein umfassendes
Atomtestverbot zur Unterzeichnung in diesem Jahr.
Eine der wichtigsten Leistungen dieser Administration
war das Einfrieren des nordkoreanischen Nuklearprogramms. Seit der Unterzeichnung des Rahmenabkommens zwischen den Vereinigten Staaten und
der Demokratischen Volksrepublik Korea im Oktober
1994 wurden die nordkoreanischen Nukleareinrichtungen unter effektiver Überwachung der internationalen Atomenergie-Organisation eingefroren. Die
Energieentwicklungsorganisation der koreanischen
Halbinsel (Korean Peninsula Energy Development
Organization - KEDO), bei deren Einrichtung zur
Umsetzung des Rahmenabkommens wir beteiligt
waren, hat beträchtliche Fortschritte erzielt.
Im
Dezember vergangenen Jahres unterzeichneten die
KEDO und die Demokratische Volksrepublik Korea ein
weitreichendes Abkommen, um Leichtwasserreaktoren
für Nordkorea bereitzustellen und es der IAEO zu
ermöglichen, die Inspektionen von nicht eingefrorenen
Nukleareinrichtungen wiederaufzunehmen.
Dieser
Haushaltsantrag geht von der Finanzierung der KEDO
aus - einer notwendigen Investition zur Sicherung
dieser Errungenschaften sowie der Beiträge von
Südkorea und Japan, die unsere eigenen in den
Schatten stellen.
Die Bestrebungen von Paria-Staaten wie Irak, Iran und
Libyen zur Beschaffung von Massenvernichtungswaffen müssen ebenfalls unterbunden werden. Die
Nachricht, daß UN-Inspektoren das biologische
Waffenprogramm des Irak aufdeckten, ist erschrekkend. Es ist jetzt klar, daß Saddam Hussein im Besitz

AMERIKA DIENST 07

biologischer Waffen war und kurz davor stand, sie im
Golfkrieg gegen Zivilisten einzusetzen. In der vergangenen Woche verlieh der Hauptinspekteur der Vereinten Nationen für die Aufdeckung des Waffenprogramms des Irak seiner Besorgnis Ausdruck, daß
der Irak selbst fünf Jahre nach seiner Niederlage im
Golfkrieg immer noch mehr als ein Dutzend Raketen
mit biologischen Gefechtsköpfen versteckt haben
könnte. Dies ist eine weitere Mahnung, daß Saddam
Hussein sein Streben nach der Beschaffung von
Terrorwaffen nicht aufgegeben hat und die Sanktionen
aufrechterhalten werden müssen - und wir in unserer
Unterstützung der wichtigen Arbeit der IAEO im Irak
und auf der ganzen Welt nicht nachlassen dürfen. Es
ist ebenfalls eine Mahnung, daß wir die Chemiewaffenkonvention noch in diesem Jahr ratifizieren müssen.
Darüber hinaus müssen wir uns verschärft auf die
Bekämpfung internationaler Verbrecher, Terroristen
und Drogenhändler konzentrieren. Die Ernennung von
General Barry Mccaffrey zum Leiter unserer Suchtstoffbekämpfungskampagne durch den Präsidenten
wird unsere Bestrebungen im In- und Ausland intensivieren - einschließlich der Beschlagnahme von
Drogen. Meine Reise nach Lateinamerika und in die
Karibik im vergangenen Monat markierte bedeutende
Entwicklungen in unserer Zusammenarbeit mit den
karibischen Nationen bei der Drogenbekämpfung. In
Trinidad unterzeichneten wir das erste einer Reihe von
Abkommen, die engere Zusammenarbeit bei amerikanischen Drogenbekämpfungsoperationen vorsehen.
Wir sind absolut entschlossen, Drogenschmuggel an
der Quelle zu stoppen, Kuriere abzufangen und zu
verhindern, daß diese Drogen in die Vereinigten
Staaten gelangen.
In diesem Jahr beantragen wir beträchtlich mehr Mittel,
als im vergangenen Jahr für Ausbildungsprogramme
von Strafverfolgungsbeamten
in
Lateinamerika,
Zentraleuropa und den Neuen Unabhängigen Staaten
bewilligt wurden, sowie eine bescheidene Aufstockung
der Mittel für unsere globalen Hilfsprogramme zur
Terrorismusbekämpfung. Wir werden unsere Programme zum Anbau von Getreide anstelle von Cocapflanzen und unsere Unterstützung aus der Luft in den
Anden verbessern. Und wir werden unsere Bestrebungen zur Eindämmung des Heroinschmuggels in
Süd- und Südostasien erweitern.
Diese Administration widmet der internationalen
Dimension des Umweltschutzes in diesem Jahr
vermehrte Aufmerksamkeit. Wir haben die Zusammenarbeit beim Umweltschutz mit unseren globalen
Partnern verbessert und sie ermutigt, weitere Schritte
zum Erhalt von Ressourcen zu unternehmen. Unsere
gemeinsamen Tagesordnungen mit Japan, Brasilien
und Indien sind gute Beispiele dafür, wie wir unsere
Diplomatie zur Förderung eines breiten Spektrums von
Interessen einsetzen, die so grundlegend sind wie die
Gesundheit unserer Bürger und so komplex wie das

Seite 5

�Überleben des gesamten Ökosystems. Im vergangenen Monat habe ich ein Forschungsinstitut am Amazonas besucht, das gemeinsam von der Smithsonian
Institution und der brasilianischen Regierung geleitet
wird, und dessen Forschung auf den Schutz der
Artenvielfalt sowie die Erfindung von Produkten mit
großem kommerziellen Wert ausgerichtet ist.
1996 integriert das amerikanische Außenministerium
erstmals in vollem Umfang Umweltziele in unsere
tägliche Diplomatie. Wir nutzen Umweltinitiativen
besser zur Förderung unserer längerfristigen strategischen und wirtschaftlichen Ziele.
Beispielweise
ermutigen wir gemeinsame Wasserprojekte im Nahen
Osten und helfen unseren Umweltindustrien bei der
Erlangung eines größeren Anteils des globalen
Marktes in Höhe von 400 Milliarden Dollar. Und mit
unserem Beitrag von 100 Millionen Dollar zur globalen
Umweltfazilität unterstützen wir Bestrebungen zum
Schutz der Ozonschicht, schützen Amerikaner vor
Hautkrebs sowie vom Aussterben bedrohte Arten.
Unsere Programme zur Eindämmung der Bevölkerungsexplosion und für tragfähige Entwicklung können
definitiv etwas bei der Bewältigung der Bedrohungen
für unseren Wohlstand und die globale Stabilität
bewirken. Unser Antrag in Höhe von 3,8 Milliarden
Dollar beinhaltet Programme des Amts für internationale Entwicklung (Agency for International Development - AID) und freiwillige Beiträge zu internationalen
Organisationen, die Wirtschaftswachstum fördern.
Meinungsumfragen zu diesen wichtigen Themen
belegen, daß viele Amerikaner ihr Land als großzügigen Spender ansehen - so großzügig, wie wir in den
Tagen des Marshallplans waren, als immerhin 16
Prozent unseres Haushalts für Auslandshilfe aufgewandt wurden. Aber heute stehen die Vereinigten
Staaten an letzter Stelle unter den Industrienationen
mit nur 0,1 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts für
Auslandshilfe. Das sollte kaum Anlaß zu Stolz in einer
Zeit sein, in der so viele der Länder, die unsere Hilfe in
der Vergangenheit empfangen haben, unsere größten
Handelspartner geworden sind. Der Wert unserer
Exporte nach Lateinamerika war beispielsweise allein
im Jahr 1994 doppelt so hoch wie in den vergangenen
44 Jahren.
Unsere Hilfe für Afrika muß aufrechterhalten werden,
insbesondere zu einer Zeit, in der viele Länder Fortschritte bei der Stabilisierung ihrer Volkswirtschaften
erzielen und sich auf dem Weg zu Demokratie befinden. Unser Haushaltsantrag für Afrika in Höhe von
704 Millionen Dollar wird wichtige Bestrebungen auf
Gebieten unterstützen, die von demokratischer
Regierungsführung bis zur Stabilisierung des Bevölkerungswachstums reichen. Unsere auf die Länder in
Afrika und andernorts ausgerichtete Hilfe soll auch
rechenschaftspflichtige Regierungen stärken, die
Menschenrechte respektieren. Basierend auf unserer

Seite 6

Überzeugung, daß Demokratie und Entwicklung Hand
in Hand gehen, verbessern unsere Bestrebungen im
Rahmen von AID und anderen Programmen die
Aussichten für offene Gesellschaften und offene
Märkte, die Stabilität und Wohlstand für ihre Bürger
bieten.
Von unserer humanitären Hilfe profitieren nicht nur die
von uns geimpften drei Millionen Kinder pro Jahr,
sondern auch die Tausenden von Katastrophenopfern,
für die wir Unterkunft, Kleidung und Nahrungsmittel
bereitstellen. Es liegt ferner im Interesse der Vereinigten Staaten, Forschung zu Infektionskrankheiten
wie Ebola und Malaria zu betreiben und diese zu
behandeln. Wir sind auch daran interessiert, Flüchtlingen so bald wie möglich die Rückkehr in ihre Heimat
zu ermöglichen.
In diesem Jahr haben wir eine Aufstockung der Mittel
beantragt, um unsere Beiträge zu multilateralen
Entwicklungsbanken wieder in voller Höhe leisten zu
können. Wie Sie wissen, sind unsere Beiträge für die
Banken unerläßlich als Ausgleich der Beiträge anderer
Nationen für die Bank. Darüber hinaus führen die
Vereinigten Staaten die Bestrebungen der G-7 zur
Reformierung der multilateralen Banken an, um sie
effizienter und effektiver zu machen. Man sollte sich
vor Augen führen, daß amerikanische Unternehmen
mehr Verträge über die multilateralen Entwicklungsbanken bekommen als jede andere Firma eines
Landes. Wir können die Vorteile dieser Reformen für
die amerikanischen Interessen nicht genießen, wenn
wir nicht unsere Verantwortung übernehmen.
Förderung von offenen Märkten und Wohlstand
Diese Administration mißt der Schaffung von Arbeitsplätzen für Amerikaner im Inland durch die Öffnung
von Märkten im Ausland höchste Priorität bei. Wir
bauen Handels- und Investitionshemmnisse am Pazifik
durch die APEC, am Atlantik durch die Europäische
Union und auf dem amerikanischen Kontinent durch
den Miami-Prozeß ab.
Unsere bilateralen Verhandlungen zeitigen ebenfalls
Ergebnisse, darunter 20 Abkommen zur Marktöffnung
mit Japan. Unsere Exporte nach Japan steigen jetzt
fünfmal schneller als die Importe. In diesem Jahr heißt
unsere Losung Umsetzung - die Gewährleistung, daß
diese Handelsvereinbarungen und -abkommen neue
Chancen für amerikanische Unternehmen und konkurrenzfähige Arbeitnehmer eröffnen.
Die Unterstützung amerikanischer Unternehmen im
Ausland erfordert konstante und sorgfältige Aufmerksamkeit seitens unserer Diplomaten in Washington
und vor Ort von Singapur bis Santiago. Sie bedingt die
Finanzierung von Vertretungen und Personal im
Ausland sowie von Programmen und Werbekampagnen. Sie kann nicht mit Teilzeitkräften in einer Welt

AMERIKA DIENST 07

�der 24-Stundenmärkte und Vollzeit-Exportförderung
durch unsere Konkurrenten geleistet werden.

Privatsektor benötigen unsere Mitarbeiter Ressourcen,
um ihre Arbeit leisten zu können.

In diesem Jahr beantragen wir 639 Millionen Dollar zur
Förderung von Handels- und Investitionsmöglichkeiten
für amerikanische Unternehmen durch die ExportImport Bank, die Entwicklungsgesellschaft OPIC sowie
das Amt für Handel und Entwicklung. Ihre Programme
finanzieren Exporte amerikanischer Waren und
Dienstleistungen, stellen Kredite für Märkte mit höherem Risiko wie in den Neuen Unabhängigen Staaten
bereit und erleichtern Infrastrukturprojekte für amerikanische Firmen auf den großen aufstrebenden Märkten
in Europa, Asien und Lateinamerika. Und sie unterstützen amerikanische Exporte in einer Größenordnung von 15-20 Milliarden Dollar sowie bis zu
300.000 amerikanische Arbeitsplätze.

Ohne die Plattformen, die unsere Botschaften anderen
Bundesbehörden und dem Außenministerium zur
Verfügung stellen, könnten wir keine Terroristen
verfolgen. Wir könnten nicht die Lage religiöser
Minderheiten in Osteuropa beobachten oder von
Amerikanern, die irgendwo auf der Welt als Geisel
gefangengehalten werden. Wir könnten keine Tropenkrankheiten dort bekämpfen, wo sie ausbrechen. Wir
könnten keine neuen Chancen für amerikanische
Unternehmen eröffnen.

Ein vernünftiger Handel, den das amerikanische
Volk unterstützen kann
Herr Vorsitzender, bei dieser Anhörung habe ich
mehrfach die absolut vitale Bedeutung unserer
Vertretungen auf der ganzen Welt und der Menschen
angesprochen, die dort arbeiten. Ich habe häufig
gesagt, daß unsere Diplomaten unsere erste Verteidigungslinie sind. In den vergangenen Wochen habe ich
Mitarbeitern Auszeichnungen verliehen, die eine
Botschaft in einer Kriegszone öffneten, einen Botschafter sicher aus einem Hinterhalt fuhren und traurigerweise - an die Familie eines Mannes, der in
dem Bestreben sein Leben ließ, Frieden nach Bosnien
zu bringen. Ihr Dienst verkörpert die Vereinigten
Staaten von ihrer besten Seite. Aber ebenso wie im

*

AMERIKA DIENST 07

Diejenigen, die sich unseren Verpflichtungen entziehen
und unsere Führungsrolle aufgeben wollen, legen
einen Mangel an Wertschätzung für das an den Tag,
was Amerika in den vergangenen 50 Jahren geleistet
hat, und einen Mangel an Vertrauen, daß unsere
großartige Nation die Zukunft gestalten kann. Aber
genau ein solcher Rückzug würde durch weitere
Kürzungen unserer Mittel bewirkt.
Mit acht Zehnteln von einem Prozent unseres nationalen Haushalts, die wir von diesem Unterausschuß
beantragen, gestalten wir die Außenpolitik dieser
großartigen Nation, um die Erfordernisse unserer
Nation zu erfüllen und Sicherheit, Wachstum und
Führung für das nachte Amerikanische Jahrhundert
gewährleisten zu können. Das ist ein vernünftiger
Handel, den meiner Ansicht nach jeder Amerikaner
unterstützen kann.
Ich danke Ihnen.

* * * *

Seite 7

�AUSSENPOLITIK
3. April 1996

Die Vereinigten Staaten, Deutschland und Israel ein gemeinsames Schicksal
von J.D. Bindenagel

JERUSALEM - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Gesandten der Botschaft der Vereinigten Staaten
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, J.D. Bindenagel, am 11. März 1996 in Jerusalem gehaltene
Rede.

Guten Morgen. Ich danke Ihnen für die Einladung,
erneut vor diesem erlesenen Publikum eine Rede
halten und Ihnen meine Gedanken zu den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten, Deutschland
und Israel vermitteln zu dürfen. Natürlich werde ich
mich in meiner derzeitigen Funktion als Gesandter der
Amerikanischen Botschaft in Bonn auf das konzentrieren, was ich am besten kenne - Deutschland und
die deutsch-amerikanischen Beziehungen - und die
Feinheiten der deutsch-israelischen Beziehungen
meinen Amtskollegen überlassen. Die Vorbereitung
auf meine heutigen Ausführungen bot mir jedoch eine
ausgezeichnete Gelegenheit, die faszinierende
Komplexität der Bande zu erforschen, die uns drei
verbinden.
Die Ereignisse des letzten Jahrzehnts waren wirklich
historisch. Der Kalte Krieg ist vorüber und damit
verschwand die sowjetische Bedrohung. Die Welt ist
jedoch immer noch ein gefährlicher Ort, und Frieden
und Wohlstand werden noch immer durch die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, Nuklearschmuggel und Terrorismus bedroht.
Sie hier in Jerusalem wissen besser als andere, wie
gefährlich die Welt sein kann. Die jüngsten Selbstmordkommandos der Hamas sind eine grauenhafte
Mahnung. Deutschland und die Vereinigten Staaten
sind ebenfalls betroffen. Die weitverbreiteten, politisch
motivierten Brandanschläge auf türkische Geschäfte in
Deutschland dauern an. Bombenanschläge auf das
World Trade Center in New York und auf ein Bundesgebäude in Oklahoma City haben die Amerikaner aus
ihrer Selbstzufriedenheit gerüttelt, in die sie vielleicht
verfallen waren.

AMERIKA DIENST 07

Wir sind bedroht durch ethnischen Haß, nationalistischen Extremismus und religiösen Fanatismus, der vor
kurzem das Leben eines der größten Verfechter von
Frieden auf der ganzen Welt forderte: Ministerpräsident Rabin.
Diese Kräfte der Zersetzung führen Krieg gegen die
Menschheit. Ebenso wie Kommunismus und Faschismus verbreiten sie Dunkelheit statt Licht. Und ebenso
wie Kommunismus und Faschismus können sie nur
bekämpft werden, wenn freie Völker sich für eine
gemeinsame Sache zusammenschließen.
Unsere drei Nationen - Israel, Deutschland und die
Vereinigten Staaten - sind auf die Bewältigung dieser
Herausforderung gut vorbereitet. Wir sind durch das
verbunden, was ich als unser "gemeinsames Schicksal" bezeichnen möchte - ein auf historische Verbindungen, gemeinsame Werte und gemeinsame Interessen gegründetes Schicksal.
Dieses gemeinsame Schicksal ist vor allem das
Produkt einer von Triumphen und Tragödien durchzogenen Geschichte - einer Geschichte, in die alle drei
Länder eng verstrickt sind. Nichts kann das besser
verdeutlichen als das Leben von Chaim Weizmann. Er
verbrachte einen Großteil seiner Jugend in Deutschland, studierte in Berlin und Freiburg und lebte jahrelang in New York - wo er für die Sache des Zionismus
tätig war - bevor er 1948 der erste Präsident Israels
wurde.
Sein Leben spiegelte drei der herausragenden historischen Entwicklungen des zwanzigsten Jahrhunderts
wider: Den Zusammenbruch der alten europäischen

Seite 1

�Ordnung; die Erfüllung des langgehegten Traumes des
jüdischen Volkes von der Wiederansiedlung in der
Heimat seiner Vorfahren in Palästina, einem Land, das
die Wiege dreier der größten religiösen Traditionen der
Welt ist; und die Rolle der Vereinigten Staaten als
Anführer der internationalen Staatengemeinschaft eine Rolle, die sich infolge des Zusammenbruchs des
europäischen Staatensystems ergab.
Als amerikanischer Diplomat würde ich sagen, die
Geschichte hat uns gelehrt, daß eine engagierte,
aufgeklärte amerikanische Führungsrolle erforderlich
ist. Sie war notwendig, um nach der Katastrophe
zweier Weltkriege das Gleichgewicht in Europa
wiederherzustellen. Sie war notwendig, um Israel in
einer Zeit zu schützen, in der das Land von zutiefst
verfeindeten Nachbarn umgeben war, die von einer
aggressiven Supermacht unterstützt wurden.
Ich habe einen dieser historischen Augenblicke
miterlebt, als die amerikanische Führungsrolle etwas
bewirkte. Vor etwas mehr als sechs Jahren wurde die
Berliner Mauer geöffnet - sie wurde von der gebündelten Macht aufbegehrender Bürger in der erfolgreichsten Revolution der deutschen Geschichte niedergerissen. Als 1989 dieser Augenblick der Wahrheit gekommen war, standen wir - ebenso wie wir es in Israel
seit 1948 getan hatten - an der Seite des deutschen
Volkes bei seinem Streben nach Freiheit und Einheit.
Als die Zeit gekommen war, waren wir dort, um unsere
Verbündeten und Freunde zu unterstützen, weil wir an
die Richtigkeit ihrer Sache glaubten.
Wir taten richtig daran, an der Seite der Deutschen bei
ihrer demokratischen Revolution von 1989 und im
Prozeß der Wiedervereinigung zu stehen. Vor einem
Jahr, beim Staatsakt am 8. Mai 1995 zum 50. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs, erfaßte
Bundespräsident Herzog das Wesen des neuen
Deutschlands mit den Worten:
"Heute steht die deutsche Demokratie
auf zwei gleich starken Beinen: auf
der geduldigen Aufbauarbeit und der
Lernfähigkeit der Westdeutschen seit
1948 und auf der ostdeutschen Revolution von 1989."
1989 waren jedoch nicht alle der Ansicht, daß ein
vereinigtes Deutschland eine Kraft für Frieden in der
Welt sein würde. Viele fürchteten Deutschland und
sahen im Falle der Wiedervereinigung eine Katastrophe für Europa voraus. Und nach der Wiedervereinigung fürchteten andere, daß der verheerende
Zustand der schwachen und nicht wettbewerbsfähigen
ostdeutschen Wirtschaft den Westen über Gebühr
belasten würde. Einige dachten, das Land könnte das
Opfer von sozialem Chaos oder wiederauflebendem
Extremismus werden.

Seite 2

Diese Ängste erwiesen sich jedoch als unbegründet.
Trotz aller durch die Wiedervereinigung verursachten
tiefgreifenden Veränderungen hat das vereinte und
freie Deutschland meines Erachtens Grund, seinen
Platz in Europa und der Welt mit Stolz zu betrachten.
Der Geist der Demokratie hat dauerhaft Fuß gefaßt.
Die Bundesregierung zieht wieder in ihre historische
Hauptstadt - Berlin. Aber die durch Bonn symbolisierte
Verpflichtung zu gemeinsamen westlichen Werten wird
Bestand haben. Wir sind der Auffassung, daß Berlin in
der Tat nicht nur diese Bonner Tradition fortsetzen,
sondern sie noch durch das Vermächtnis der ostdeutschen Revolution von 1989 bereichern wird.
Seit 1989 hat eine Reihe von Wahlen Deutschlands
Verpflichtung zu Demokratie bestätigt. Angesichts von
Gewaltakten gegen Ausländer demonstrierte das
deutsche Volk Zivilcourage, und das Rechtssystem
brachte die Schuldigen vor Gericht.
Zivilcourage besonderer Art wurde auch von den
Israelis bewiesen, die sich für Toleranz und Verständnis für ihre palästinensischen Nachbarn trotz der
blutigen historischen Bilanz und der andauernden
Provokationen einer extremistischen Minderheit
aussprachen.
Die Vereinigten Staaten sind zuversichtlich, daß
Deutschland nach über einem Jahrhundert der
Konflikte seinen Platz im Zentrum Europas gefunden
hat. Zusammen mit Deutschland haben wir neue
Verbindungen zu den aufstrebenden Demokratien in
Europa geknüpft und uns der Förderung demokratischer Werte auf der ganzen Welt verschrieben.
Ebenso sind die Bande zwischen Deutschland und
Israel noch enger geworden - wie durch den jüngsten
Staatsbesuch von Präsident Ezer Weizman in
Deutschland belegt - auch wenn die Schrecken der
Vergangenheit unvergessen sind. Diese Erinnerung
ist unerläßlich für die Wachsamkeit gegen Rechtsextremismus.
Die Erinnerung an die Tragödie des 20. Jahrhunderts
verkompliziert die deutsch-israelischen Beziehungen.
Aber an der Schwelle zum 21. Jahrhundert sehen wir
hoffnungsvolle Zeichen der Zusammenarbeit für die
Zukunft. Deutschland und Israel teilen eine gemeinsame Geographie trotz der physischen Distanz
zwischen ihnen. Beide Länder liegen im Westen von
Regionen, die enorme soziale, wirtschaftliche und
politische Veränderungen durchmachen - die seit
kurzem befreiten Nationen Zentral- und Osteuropas
auf der einen Seite und der krisengeschüttelte Nahe
Osten auf der anderen.
Beide Länder sind sich ihrer exponierten geopolitischen Lage und der daraus resultierenden Verletzlichkeit sehr wohl bewußt. Beide befinden sich in einem
Prozeß der Aussöhnung - zwischen den beiden

AMERIKA DIENST 07

�Hälften Europas und zwischen Juden und Arabern der die Welt zum Besseren wendet.
Wir in den Vereinigten Staaten - einem Labor für eine
multikulturelle Gesellschaft - wissen Toleranz sehr zu
schätzen und sind uns bewußt, wie schwierig Toleranz
und Versöhnung in der Praxis zu erlangen sind.
Schließlich arbeiten wir seit langem daran. Wir haben
durch Erfahrung gelernt, daß Toleranz und Respektierung der Rechte und Gefühle anderer trotz unvermeidlicher Spannungen die beste Chance für uns alle
bieten, in Frieden zu leben.
Die Diskussion über Toleranz ist ein konstantes
Thema in allen Demokratien. In Deutschland, in Israel,
in den Vereinigten Staaten und überall auf der Welt
müssen wir diejenigen zurückweisen, die mit harten
Worten über Rasse, ethnische Zugehörigkeit und
Religion einen Keil zwischen uns treiben wollen. Ich
bin sicher, daß unsere drei Nationen in dieser Hinsicht
eine gemeinsame Verpflichtung haben.
Über unsere gemeinsamen Werte und historischen
Bande hinaus verbinden uns vordringliche Interessen.
Die Vereinigten Staaten haben beispielsweise elementare Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen in Europa
und im Nahen Osten. In den vergangenen 50 Jahren
haben wir unser Leben, unser Gut und unsere geheiligte Ehre zur Verteidigung Europas und Israels gegen
Aggression eingesetzt. Hier im Nahen Osten ist diese
Gefahr geschwunden. In Europa ist sie im großen und
ganzen verschwunden. Aber in ihrem Gefolge sind
neue Instabilitäten entstanden.
Instabilität ist die größte Gefahr, mit der wir uns heute
konfrontiert sehen. In Europa haben wir mächtige
Instrumente zu ihrer Bekämpfung geschaffen. Das
wichtigste ist die NATO - das erfolgreichste Militärbündnis der Geschichte. Die NATO ist als Sieger aus
der jahrzehntelangen Konfrontation zwischen den
mächtigsten Streitkräften der Geschichte hervorgegangen, ohne einen Schuß abfeuern zu müssen.
Nach diesem Sieg der freien Völker entschied sich das
Bündnis zu seiner Erweiterung, um über ganz Europa
hinweg die Stabilität zu verbessern. Dieser Prozeß
wird den Ländern, die nach Jahrzehnten kommunistischer Diktatur ihre Freiheit wiedergewonnen
haben, die erforderliche Sicherheit geben, um ihre
Volkswirtschaften wiederaufzubauen, ihre innenpolitischen Institutionen zu stärken und Frieden mit
ihren Nachbarn zu schließen.
Die ersten Schritte in diesem Prozeß wurden schon
vor langer Zeit unternommen. Der wichtigste war die
Partnerschaft für den Frieden. Die PFF verändert
bereits das politische und wirtschaftliche Gesicht
Zentral- und Osteuropas.

AMERIKA DIENST 07

In vielen Nationen ist die angestrebte NATO-Mitgliedschaftzum Hauptpunkt der Plattformen aller führenden
politischen Parteien geworden. Länder, die der NATO
beitreten wollen, legten stillschweigend ihre Grenzstreitigkeiten bei und führen den Schutz ethnischer
Minderheiten ein, um Spannungen mit ihren Nachbarn
zu verhindern.
Während dieser Prozeß vorangeht, ist es unerläßlich,
daß wir Rußland nicht isolieren. Wir streben direkte
und offene Beziehungen zu Rußland an, die seine
besondere Position und den Status des Landes
berücksichtigen sowie die Stabilität der anderen seit
kurzem unabhängigen Staaten der ehemaligen
Sowjetunion verbessern. Schließlich liegt ein stabiles
und friedliches Europa stark im Interesse Rußlands.
Rußland ist bereits Mitglied der Partnerschaft für den
Frieden. Das Land führt einen intensiven, separaten,
andauernden Dialog mit der NATO. Und am dramatischsten ist, daß seine Streitkräfte gemeinsam mit der
IFOR-Friedenstruppe in Bosnien dienen.
Mit seinem Beitrag zur Schaffung dieser neuen
Strukturen - der Partnerschaft für den Frieden, der
NATO-Erweiterung und einer pragmatischen Partnerschaft mit Rußland - spielt Deutschland gemeinsam mit
den Vereinigten Staaten eine führende Rolle. Das
Engagement Deutschlands für die NATO ist ungebrochen und konnte die Unterstützung der Deutschen gewinnen, die dem Bündnis gegenüber vorher
skeptisch, wenn nicht sogar feindlich eingestellt waren.
Alle diese Entwicklungen sind vielversprechend. Aber
sie werden durch den Krieg in Bosnien bedroht.
Dieser Krieg bedroht daher unser aller Interessen.
Die Schüsse, die über Sarajevo verhallten, erinnerten
düster an die Anfänge des Ersten Weltkriegs. Auf den
Feldern des Todes und in den Konzentrationslagern
von Bosnien wurden im Herzen Europas die schrecklichsten Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg wach.
Ohne den entschlossenen Einsatz von Gewalt der
NATO hätte unsere Diplomatie die Parteien nicht an
den Verhandlungstisch gebracht. Ohne die Aussicht
auf eine NATO-Friedenstruppe hätten die Parteien
nicht das Vertrauen gehabt, eine Lösung zu erzielen
und umzusetzen. Bosnien ist bis heute der dramatischste Beweis, daß Amerika weiterhin eine Führungsrolle übernehmen wird.
Bosnien hat auch demonstriert, daß Deutschland im
Einklang mit seiner neugefundenen Souveränität und
Macht in Europa andere Pflichten zu übernehmen
beginnt. Von seiner konstruktiven Rolle in der Kontaktgruppe bis zu der historischen Entscheidung des
Bundestages über die Entsendung deutscher Truppen
als Teil der IFOR hat Deutschland eine Reihe von
Schritten zur Übernahme einer größeren Rolle bei der

Seite 3

�Verteidigung unserer gemeinsamen
Interessen unternommen.

Werte

und

Einige in Deutschland argumentierten, aufgrund der
deutschen Geschichte könne Deutschland keine
Truppen auf den Balkan entsenden. In dieser Debatte
siegte die Erkenntnis, daß die Bundeswehr als Bewahrer des Friedens und Verteidiger der Menschenrechte
eine Rolle spielen muß, über die auf die Aktionen des
Naziregimes zurückzuführenden historischen Vorbehalte. In der Tat ist die Bundeswehr heute in
Bosnien zum Schutz eben der Werte stationiert, die die
Wehrmacht zu zerstören versuchte.
Natürlich ist die Debatte über den legitimen Einsatz
von Gewalt in jeder Demokratie - einschließlich
meiner - normal. Das gilt insbesondere für Deutschland, und diese Diskussion wird bei jedem Bundeswehreinsatz erneut entbrennen.
Wir Amerikaner verstehen, daß Deutschland Zeit
benötigt, um sich an seine neuen Rollen anzupassen
und Entscheidungen zu treffen, dank derer sich das
Land an seinem neuen Platz auf der internationalen
Bühne sicher fühlen kann. Wir sind jedoch zuversichtlich, daß Deutschland weiterhin in die richtige Richtung
geht.
Wir sehen Deutschland - und Israel - als entscheidende Partner bei der elementaren Aufgabe des Aufbaus
eines transatlantischen Sicherheitssystems, das
Demokratie, freie Märkte und die gemeinsame Sicherheit fördern wird.
Gemeinsame Verantwortung ist die andere Seite der
Medaille eines gemeinsamen Schicksals. Jeder von
uns bringt einzigartige Fähigkeiten in die uns konfrontierenden Probleme ein. Weder Amerika, noch
Deutschland oder Israel können Erfolg haben, wenn
wir nicht alle Erfolg haben.
Wir arbeiten zusammen, um die neuen Grenzen der
Freiheit zu erweitern und zu sichern sowie die Zone
des Friedens auszudehnen - sei es in Bosnien oder im
Westjordanland. Gemeinsam reichen wir Nationen die
Hand der Freundschaft, die mit der Überwindung des
lähmenden Vermächtnisses der Vergangenheit
kämpfen - in Europa, im Nahen Osten und andernorts.
Deutschland hat bei diesen Unternehmungen eine
Führungsrolle übernommen.
Wir begrüßen die
Zusammenarbeit mit Deutschland bei der Bekämpfung
der Weiterverbreitung in der Energieentwicklungsorganisation der koreanischen Halbinsel (Korean
Peninsula Energy Development Organization - KEDO)
- der internationalen Bestrebung zur Eindämmung und
Überwachung der nordkoreanischen Nuklearfähigkeit.
Und natürlich wissen wir Deutschland als verläßlichen
und großzügigen Partner in dieser Region zu schätzen. Sowohl beim Gipfeltreffen von Amman als auch

Seite 4

bei den wichtigen Gesprächen über Wasserrechte hat
Deutschland eine entscheidende Rolle gespielt.
Entsprechend wünschen wir, daß Deutschland einen
aktiveren Part bei der Entwicklungsbank für den Nahen
Osten übernimmt.
Zusammen mit unseren Verbündeten haben unsere
drei Länder darauf hingearbeitet, Gegner zu Verbündeten und Diktaturen zu Demokratien zu machen. Wir
haben Institutionen aufgebaut, die unsere Sicherheit
und wirtschaftliche Stärke gewährleisteten.
Aber es bleibt noch viel zu tun. Es gibt Bereiche, in
denen wir uns Herausforderungen gegenübersehen,
die wir gemeinsam meistern müssen - die globalen
Herausforderungen der Weiterverbreitung von Waffen
und Terrorismus, die ich eingangs erwähnte. Der Iran
ist ein gutes Beispiel. Das Land ist vielleicht in beiden
Fällen der gravierendste Verletzer. Der Iran ist ein
Fall, bei dem meines Erachtens unsere Werte und
Interessen koinzidieren.
Der Iran hat Maßnahmen ergriffen, die ein Anathem für
alle gesetzestreuen Nationen sind. Der Iran verübt
Terroranschläge, indem er seine Gegner ermordet
sowie palästinesischen Extremisten Material und
politische Unterstützung gewährt, die versuchen, den
Nahost-Friedensprozeß durch Gewalt zu unterminieren. Er unterstützt auch Oppositionsgruppen, die
säkulare Regime in der muslimischen Welt unterwandern wollen. Der Iran versucht, Massenvernichtungswaffen und ihre Trägersysteme zu beschaffen.
Der Iran unterhält ferner ein regionales Aufrüstungsprogramm, das die Stabilität der gesamten Region
bedroht. Im Inland werden die Rechte der Bürger grob
verletzt.
Die Vereinigten Staaten haben eine besondere
Verantwortung, eine Führungsrolle in der Welt dabei zu
übernehmen, Staaten anzuprangern, die internationalen Normen spotten. Um den Iran einzudämmen,
haben wir ein breites Spektrum politischer und wirtschaftlicher Maßnahmen angewandt. Unser Embargo
ist ein deutliches Signal für die Welt, daß die Aktionen
des Iran es dem Land unmöglich machen, wie gewohnt
seinen Geschäften nachzugehen.
Obwohl unsere politische Einstellung hinlänglich
bekannt ist, belegen die jüngsten Terroranschläge in
Israel, daß die Isolierung des Iran die beste Politik ist.
Wirtschaftliches Engagement und kritischer Dialog
haben sich als fruchtlos erwiesen.
Die amerikanische Führungsrolle ist entscheidend an
diesem kritischen Punkt des Nahost-Friedensprozesses. Präsident Clinton hat erneut bewiesen, daß er
fähig und willens zu handeln und zu führen ist. Der
Anti-Terrorismus-Gipfel in Scharm-el-Scheich in dieser

AMERIKA DIENST 07

�Woche ist ein äußerst wichtiger Beweis, daß die
Politiker, die auf dem Höhepunkt des Friedensprozesses für ihn eintraten, bereit sind, Seite an Seite zu
stehen und sich der terroristischen Bedrohung des
Friedens zu stellen.
Präsident Clinton hat seine einzigartige Fähigkeit unter
Beweis gestellt, die führenden Politiker der Welt
schnell zusammenzubringen, um den Befürwortern
von Terrorismus und denen des Friedens zu zeigen,
wo die Welt steht.
In diesem wie in anderen Fällen ist die amerikanische
Führungsrolle noch immer vonnöten. Wir sind noch
immer die Schlüsselfigur sowie der Dreh- und Angelpunkt dieser in einem gemeinsamen Schicksal verhafteten Gemeinschaft. In den neunziger Jahren findet
jedoch eine seit langem fällige Überprüfung unserer
Prioritäten statt, obwohl unsere Loyalität nicht in Frage
steht - die Loyalität, die Deutschland und Israel seit
Jahrzehnten stützt. Diese Überprüfung wird durch
unsere innenpolitischen Erfordernisse sowie durch
eine veränderte Welt erforderlich.
Wie jüngste Meinungsumfragen - einschließlich der
umfassenden Studie des Chicago Council on Foreign
Relations - eindeutig belegen, wird - und kann Amerika 50 Jahren des Erfolgs nicht den Rücken
kehren. Wenn diese Jahre uns irgend etwas gelehrt
haben, dann, daß die Vereinigten Staaten eine einzigartige Verantwortung und eine einzigartige Fähigkeit
besitzen, international eine Kraft für Frieden und
Fortschritt zu sein.
Diese Zeit atemberaubender globaler Veränderungen
bietet uns eine historische Chance. Es steht enorm
viel auf dem Spiel. Die von uns jetzt gefällten Entscheidungen werden ebenso sicher Auswirkungen auf
die Zukunft haben wie die bedeutenden Entscheidun-

*

AMERIKA DIENST 07

gen, die am Ende des Zweiten Weltkriegs von weitblickenden Verbündeten getroffen wurden.
Angesichts vieler Schwierigkeiten haben wir den
Augenblick genutzt, um die Grundlage für eine neue,
integriertere Welt zu schaffen, um die Nationen
Zentral- und Osteuropas und des Nahen Ostens zu
demokratischen politischen Systemen und freien
Marktwirtschaften zu führen. Vor uns liegt die Möglichkeit eines Zeitalters mit mehr Frieden und Wohlstand.
Gemeinsam haben wir Hervorragendes geleistet. Wir
haben den Sieg im Kalten Krieg davongetragen und
sind auf dem Weg zu einer neuen, dauerhaften
Friedensordnung in dieser von jeher krisengeschüttelten Region. Wir dürfen jedoch nie die Wahrheit
dessen aus den Augen verlieren, was Präsident
Kennedy in der Paulskirche - der Wiege der deutschen
Demokratie - vor einer Generation sagte:
"Unsere Freiheit ist bedroht, wenn wir
uns auf unseren Errungenschaften
ausruhen und der Geschwindigkeit
des Fortschritts widerstehen. Denn
die Zeit und die Welt kennen keinen
Stillstand. Wandel ist das Gesetz des
Lebens. Und wer nur auf die Vergangenheit oder die Gegenwart blickt,
verpaßt mit Sicherheit die Zukunft."
Ich bin zuversichtlich, daß wir die Zukunft nicht
verpassen werden. Deutschland, Israel und die
Vereinigten Staaten haben ein durch die Geschichte,
gemeinsame Werte und Traditionen sowie einer
gemeinsamen Verpflichtung zu Frieden bedingtes
gemeinsames Schicksal. Dieses Schicksal wird über
alle vor uns liegenden Herausforderungen obsiegen.
Ich danke Ihnen.

* * *

*

Seite 5

�USA-DEUTSCHLAND

3. April 1996

Die Zukunft der deutsch-amerikanischen Beziehungen
von J.D. Bindenagel

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Gesandten der Botschaft der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, J.D. Bindenagel, am 20. März 1996 im Bildungszentrum Wildbad
Kreuth gehaltene Rede.

Sehr geehrter Herr Dr. Meier-Walser, sehr geehrter
Herr Dr. Hirscher, meine Damen und Herren,
die deutsch-amerikanischen Beziehungen befinden
sich trotz aller Unkenrufe in guter Verfassung. Diese
Feststellung will ich an den Anfang meiner Ausführungen stellen. Nicht weil ich von Berufs wegen
Optimist bin, sondern weil ich mich in der privilegierten
Lage befinde, täglich zu beobachten, welche Fülle an
Kontakten besteht und wie unsere enge Zusammenarbeit Früchte trägt.
Wenn ich nur daran denke, wie intensiv sich unsere
Beziehungen zur Bundesregierung gestalten, dann
wundere ich mich immer wieder über Medienberichte,
die das Ende unseres engen Verhältnisses herbeireden.
Auch diese Expertentagung stellt sich die Frage, ob
nicht angesichts der weltpolitischen Veränderungen
mit einer Abschwächung der Beziehungen zu rechnen
ist. In der Tat haben das Ende des Kalten Krieges, die
deutsche Einheit und die Liberalisierung und Demokratisierung Osteuropas die politische Landkarte verändert. Diese Veränderungen sind beachtlich, und
zweifelsohne ist es legitim, nach den Konsequenzen
zu fragen.
Für die politische Analyse erscheint es mir allerdings
zwingend, die gewachsenen Strukturen nicht aus den
Augen zu verlieren. Weder hat sich Deutschland nach
Erlangung der uneingeschränkten Souveränität aus
seiner Westbindung gelöst, noch haben die Vereinigten Staaten Europa den Rücken gekehrt. Und es
ist nicht ersichtlich, daß sich beide Staaten in eine
derartige Richtung entwickeln.

AMERIKA DIENST 07

Das soll nun aber nicht heißen, unsere diplomatischen
Beziehungen seien keinem Wandel unterworfen. Die
Intensität von Beziehungen zwischen zwei Ländern
kann man zum einen an der Anzahl der bilateralen
Probleme festmachen, zum anderen aber auch an der
Summe der gemeinsamen Aufgaben und Herausforderungen, die beide Staaten zu bewältigen haben.
Ich neige zur zweiten Definition; angesichts der guten
Beziehungen zwischen unseren beiden Staaten bleibt
mir auch keine andere Wahl.
Deshalb möchte ich auch über die Perspektiven
diskutieren und Ihnen nicht nur eine Zustandsbeschreibung aus offizieller Sicht geben.
Aktualität gewinnt das Thema durch die innenpolitische
Situation in beiden Ländern. In der Bundesrepublik
stehen drei Landtagswahlen an. In wenigen Tagen
werden wir wissen, welche bundesweiten Auswirkungen der Wahlausgang haben wird. In den Vereinigten
Staaten dagegen müssen wir uns noch etwas gedulden. Die Präsidentschaftswahlen finden erst am 5.
November statt. Gegenwärtig läuft der Auswahlprozeß
innerhalb der republikanischen Partei, die bekanntermaßen seit den Kongreßwahlen im November 1994
im Repräsentantenhaus und dem Senat die Mehrheit
stellt. Präsident Clinton hat keinen Herausforderer in
der eigenen Partei. Seit gestern hat Senator Dole
genügend Delegiertenstimmen für die Kandidatur bei
den Republikanern.
Insgesamt
996 Delegierte
müssen sich in 55 Auswahlverfahren auf einen
Kandidaten für das Präsidentenamt entscheiden. Erst
im August beginnt dann der eigentliche Wahlkampf.
Wie jeder Wahlkampf wird auch der Präsidentschaftswahlkampf mit Themen geführt, die eher innen-, sozialund wirtschaftspolititischer Natur sind. Außen- und

Seite 1

�Sicherheitspolitik spielen in der Regel keine allzu
große Rolle. Dazu kommt, daß sich die Vereinigten
Staaten in einem Transformationsprozeß befinden. Mit
dem Ende des Kalten Krieges hat sich unsere internationale Perspektive gewandelt. Problemkonstellationen, die früher wenig Beachtung gefunden haben, sind
nun in das Blickfeld der politisch Verantwortlichen
gerückt. Die Staatsverschuldung, die Reform des
Wohlfahrtsstaats und der Abbau der Bürokratie sind
Themen, an denen sich politische Auseinandersetzungen entzünden.
Wenn ich davon sprach, daß Außen- und Sicherheitspolitik keine große Rolle im Wahlkampf spielen, dann
gilt dies natürlich nicht ausschließlich. Angesichts der
hohen Erwartungen, die weltweit an die amerikanische
Führungsrolle gestellt werden, erscheint es für die
Kandidaten zweckmäßig, hier und da das Thema
"Außenpolitik" pointiert anzusprechen. Wenn dann die
Medien bestimmte Aussagen kolportieren, kann man
fast den Eindruck gewinnen, Amerika würde dem
Isolationismus anheimfallen. Dem ist nicht so.
Allein die Aufzählung jüngster außenpolitischer
Initiativen und Erfolge macht deutlich, daß die Clinton-Administration mit ihrem außenpolitischen Engagement zweifelsohne Beachtliches geleistet hat. Ich darf
nur an das Friedensabkommen für Bosnien erinnern,
an die Demokratisierung Haitis, den Beginn einer
Versöhnung in Nordirland, die Drogenbekämpfung in
Kolumbien, den fortschreitenden Friedensprozeß im
Nahen Osten, die Abwendung einer nuklearen Konfrontation mit Nordkorea, das Wirtschaftspaket für
Mexiko und die kontinuierliche Unterstützung Rußlands und Osteuropas auf dem Weg zu Demokratie
und Marktwirtschaft.
Gerade auch im Bereich der Außenwirtschaftspolitik
wird doch ganz deutlich, welche Politik ein Land
verfolgt. Unsere Unterstützung für einen fairen und
offenen Welthandel ist und bleibt ungebrochen. Als
Weltmacht und Exportnation können wir uns Isolationismus gar nicht leisten. Die ökonomischen Interdependenzen des Weltmarktes sind inzwischen so groß,
daß ein Ausstieg weder sinnvoll noch finanzierbar ist.
Ich will aber gar nicht leugnen, daß es in meinem Land
isolationistische Tendenzen gibt. Nur gibt es dafür
keine parlamentarische Mehrheit.
Ich kann mir nicht vorstellen, daß Amerika - ein
klassisches Einwanderungsland - sich abschottet und
seinen globalen Verpflichtungen nicht mehr nachkommt.
Allein die Tatsache, daß wir nach dem Ende des
Kalten Krieges unsere Streitkräfte in Europa auf
100.000 Mann reduziert haben, kann wohl kaum als
Beleg für eine Abwendung von Europa gelten.

Seite 2

Lassen Sie mich folgendes dazu sagen: Die Vereinigten Staaten verstehen sich nach wie vor als eine
europäische Macht. An unserem Engagement für
Europa sollte angesichts zweier Weltkriege und einem
Kalten Krieg nicht gezweifelt werden. Wir haben
unsere historische Lektion gelernt. Unsere militärische
Präsenz und das politische und ökonomische Gewicht
der Vereinigten Staaten schufen die Voraussetzungen
für ein freies, stabiles und wohlhabendes Europa.
Ich kann mir nicht vorstellen, daß wir uns aus Europa
zurückziehen.
Wir werden auch weiterhin eine
angemessene Truppenpräsenz aufrechterhalten,
sofern dies von unseren europäischen Bündnispartnern gewünscht wird.
Gleiches gilt auch für das Argument, die Vereinigten
Staaten würden sich auf Kosten Europas dem asiatisch-pazifischen Raum zuwenden. Angesichts der
hohen Wachstumsraten im pazifisch-asiatischen
Raum, der Globalisierung der Weltwirtschaft und der
Wettbewerbssituation auf dem Weltmarkt ist es
naheliegend, ökonomische Chancen wahrzunehmen.
Insbesondere dann, wenn mit der Ausdehnung des
Handels auch andere außenpolitische Ziele wie
beispielsweise die Einhaltung der Menschenrechte
verfolgt werden können. Aber, und das möchte ich
hier ausdrücklich hervorheben, diese sogenannte
Hinwendung zum pazifisch-asiatischen Raum beinhaltet natürlich keine Abkehr von Europa. Amerikanische
Außenpolitik ist nicht mit den Regeln des Nullsummenspiels zu erklären.
Sie werden sich sicherlich fragen, warum ich so lange
über die amerikanische Außenpolitik spreche. Aus
einem einfachen Grund: Ohne Standortbestimmung
bezüglich der gegenwärtigen Entwicklung läßt sich
schwerlich über die Zukunft der deutsch-amerikanischen Beziehungen sprechen.
Wie eingangs erwähnt, kommt es darauf an, die Grundlagen unseres
Verhältnisses nicht aus den Augen zu verlieren.
Deutschland wird von uns als einer der wichtigsten
Verbündeten und Partner in vielen Politikbereichen
erachtet. Ohne Deutschlands politische Unterstützung
könnten viele Probleme nicht gelöst und gemeinsame
Ziele nicht verwirklicht werden.
Aus amerikanischer Sicht - und ich bin mir sicher, auch
von deutscher Warte aus - stellt die Wiedererlangung
der "deutschen Einheit" eine Zäsur in der deutschen
und europäischen Geschichte dar. Für uns Amerikaner ist es beeindruckend, wie Ihr Land an dieser
Vereinigung arbeitet. Innerhalb der letzten fünf Jahre
wurden große Fortschritte erzielt.
Ich komme leider nicht mehr so oft in den Osten wie
noch zu Zeiten meiner Verwendung in der Hauptstadt
der DDR. Einerseits ist dies bedauerlich, andererseits
erkenne ich mit dem zeitlichen Abstand sehr viel

AMERIKA DIENST 07

�deutlicher, wie sich das Erscheinungsbild geändert hat.
Der konsequente Ausbau der Infrastruktur, sei es nun
beim Verkehrswesen oder im Telekommunikationsbereich, die Erneuerungen der Universitäten und
Bildungseinrichtungen, die Reform des Gesundheitswesens und der Verwaltungen sind Leistungen, die
das Prädikat "außergewöhnlich" verdienen.
Was den unvoreingenommenen amerikanischen
Betrachter erfreut, ist die große Solidarität zwischen
den Deutschen.
Nicht nur der Finanztransfer ist
enorm. Die Bereitschaft, voneinander zu lernen und
miteinander die fünf neuen Bundesländer aufzubauen
und zu modernisieren, ist manifester Ausdruck einer
nationalen wie auch sozialen Solidarität.
Vielfach habe ich allerdings den Eindruck, daß die
erheblichen Fortschritte in der öffentlichen Diskussion
nicht zur Kenntnis genommen werden. Fortschritte,
die für manchen Beobachter nicht schnell genug
erreicht worden sind. Das mag in dem einen oder
anderen Fall auch richtig sein, aber jene, denen es
nicht schnell genug geht, sollten sich an den pragmatischen Ausspruch erinnern: "Auch Rom wurde nicht an
einem Tag erbaut."
Ich glaube, daß eine pragmatische Einstellung bei der
Beurteilung der Anstrengungen, die innere Einheit zu
vollenden, durchaus hilfreich sein kann. Was seit der
Aufteilung des Deutschen Reiches 1945 in Besatzungszonen getrennt war, konnte nicht über Nacht
wieder zusammengeführt werden. Zu unterschiedlich
hatten sich beide deutschen Staaten entwickelt; zu
unterschiedlich waren die ideologischen, politischen,
wirtschaftlichen und kulturellen Perspektiven.
Angesichts der Tatsache, daß weder die DDR noch die
Bundesrepublik in ihrer jeweils vierzigjährigen Geschichte Erfahrungen mit "Wiedervereinigungen"
sammeln konnten - wenn man einmal von der Wiedervereinigung des Saarlands mit der Bundesrepublik
1955 absieht - verlief der Vereinigungsprozeß bislang
trotz der gewaltigen Anpassungsprobleme überaus
erfolgreich.
Bei der Beurteilung der erbrachten Leistungen muß
man sich den Lauf der Geschichte immer wieder vor
Augen führen. Welche Aufgaben und Herausforderungen waren zu meistern, auf die man sich nicht lange
vorbereiten konnte? Im Gegensatz zu Korea hatte die
Bundesrepublik keinen Vereinigungsminister.
Die Leistungen auf beiden Seiten der innerdeutschen
Grenze waren beachtlich:
Die Bürgerinnen und Bürger der ehemaligen DDR
haben sich zum erstenmal in der deutschen Geschichte die Demokratie in einer friedlichen Revolution
selbständig erkämpft. Und dies unter den Bedingungen eines totalitären Regimes. Mit der "Wende" hat

AMERIKA DIENST 07

die
Bevölkerung
unter
großen
Risiken
die
SED-Herrschaft beendet. Trotz der schmerzlichen
Erfahrungen vom Juni 1953, trotz der beträchtlichen
Gefahr einer chinesischen Gewaltlösung formierte sich
im Spätsommer 1989 landesweit der Protest. Ein
Protest, der sich gegen den bürokratischen Zentralismus, die Nomenklatura und andere Begleiterscheinungen richtete und wegen der allgemeinen
Unzufriedenheit mit den materiellen Lebensumständen, der politischen Gängelung und der fehlenden
Bewegungsfreiheit immer größeren Zulauf erhielt.
Wir alle wissen jetzt, wie schwierig es ist, einen
friedlichen Übergang von einer Diktatur zu einer
Demokratie zu erreichen. Es gibt in der jüngeren
Geschichte nicht allzu viele Beispiele, wo das ohne
Blutvergießen geschehen ist. Mut und Vertrauen in die
Richtigkeit des eigenen Handelns sind dabei unabdingbare Voraussetzungen. Auch Präsident Clinton
hat während seines Berlin-Besuchs im Sommer 1994
auf die Notwendigkeit von "Zivilcourage" hingewiesen.
Wenn wir uns den bisherigen Prozeß der äußeren und
inneren Vereinigung vergegenwärtigen, sollten wir
nicht verkennen, welchen Beitrag die alte Bundesrepublik geleistet hat, um diesem Unternehmen zum
Erfolg zu verhelfen.
Und da gibt es keinen Zweifel, daß Rechtsstaatlichkeit,
parlamentarische Demokratie und soziale Marktwirtschaft zu nennen sind. Der Wertekanon einer demokratischen Gesellschaft, eine bewährte rechtsstaatliche
Ordnung, Freiheit und Toleranz wie auch eine ausgeprägte politische Kultur haben den Übergang von der
Zweistaatlichkeit zur EinStaatlichkeit möglich gemacht.
Diese Wesensmerkmale der "alten" Bundesrepublik
waren meiner Ansicht nach entscheidend, um den
Vereinigungsprozeß in geordnete Bahnen zu lenken
und auch die nötige internationale Unterstützung zu
finden.
Als eine der Siegermächte des Zweiten
Weltkrieges, Mitglied des Alliierten Kontrollrates in
Berlin und Schutzmacht der Bundesrepublik im Kalten
Krieg sind wir durchaus stolz, daß die Demokratie in
der deutschen Bevölkerung Fuß gefaßt hat. Und
besonders freut uns, daß nach der friedlichen Revolution vom 9. November 1989 die parlamentarische
Demokratie in ganz Deutschland zum Durchbruch
gekommen ist.
Bedenken hatten wir keine, als wir vorbehaltlos die
bundesdeutsche Regierung nach dem Fall der Mauer
unterstützten. Im Gegenteil, die Verläßlichkeit der
Deutschen stand außer Frage. So hatte die "alte"
Bundesrepublik keinen Zweifel an der Richtigkeit der
von Konrad Adenauer eingeschlagenen Politik der
Westintegration aufkommen lassen. Die Rückkehr in
die zivilisierte Staatengemeinschaft war gelungen,
Deutschland hatte sich als treuer und berechenbarer
Partner im Atlantischen Bündnis erwiesen.

Seite 3

�Für uns und auch für die zögerlichen Nachbarstaaten
Deutschlands war es wichtig, daß die politische
Führung dieses Landes konsequent die Risiken von
"Sonderwegen" vermied. Die Ängste sind überwunden, Deutschland könne angesichts der Erlangung
seiner vollständigen Souveränität die engen Bindungen zur westlichen Staatengemeinschaft kappen und
seine Eigenständigkeit propagieren. In der "Stunde
der Wahrheit" hat die Bundesregierung souverän an
ihren politischen Grundüberzeugungen festgehalten
und damit das internationale Vertrauen in sie gerechtfertigt. Mit großem Elan hat sie aktiv an der Fortsetzung der europäischen Integration gearbeitet und jene
Vermutungen im Keim erstickt, Deutschland wäre
ausschließlich am eigenen nationalen Wohlbefinden
interessiert.
Damit hat Deutschland in einer schwierigen politischen
Übergangszeit Größe bewiesen und einen überaus
wichtigen Beitrag zur Erhaltung von Frieden und
Stabilität in Europa geleistet. Dies sind gute Voraussetzungen für den Aufbau einer ungeteilten europäischen Friedensordnung und ein stabiles Fundament
für unsere Partnerschaft.
Wir Amerikaner erkennen die Schwierigkeiten an, die
mit der Vereinigung einhergehen und deren Lösung
noch geraume Zeit erfordern sowie erhebliche Kraftanstrengungen nach sich ziehen wird. Dennoch, auch
auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Für uns
nimmt Deutschland eine Schlüsselrolle bei der Bewahrung des Friedens, der Stabilität und Sicherheit in
Europa ein.
Was hat sich mit der deutschen Wiedervereinigung für
uns Amerikaner geändert? Oder anders formuliert:
Wie hat sich das deutsch-amerikanische Verhältnis
nach der Vereinigung entwickelt?
Ich glaube mit Fug und Recht behaupten zu können,
daß die deutsch-amerikanischen Beziehungen durch
die Vereinigung noch besser geworden sind. Formalrechtlich haben sich die diplomatischen Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland mit deren Erlangung der vollen und
uneingeschränkten Souveränität über die inneren und
äußeren Angelegenheiten gewandelt. Deutschland
vollzog seine Vereinigung in Ausübung des Selbstbestimmungsrechts der Völker gewaltlos und einvernehmlich mit den Grundsätzen der Schlußakte von
Helsinki. Mit der Vollendung der äußeren Einheit ist
die Epoche der Nachkriegszeit zu Ende gegangen.
Beide Staaten stehen sich nun gleichberechtigt und
partnerschaftlich verbunden gegenüber.
Faktisch hat sich wenig seit dem 15. Mai 1991 geändert, als die Sowjetunion die Ratifikationsurkunde des
"Vertrages über die abschließende Regelung in bezug
auf Deutschland" hinterlegte und Deutschland endgültig souverän wurde. Deutschland und die Vereinigten

Seite 4

Staaten unterhalten enge und intensive Kontakte auf
dem gesamten Spektrum der deutsch-amerikanischen
Beziehungen. Das wird auch so bleiben, ob wir unsere
Botschaft nun in Bonn oder Berlin haben.
Dies ist ein weiterer, nicht unwesentlicher Aspekt, der
sich mit der deutschen Einheit ergeben hat. Der
Deutsche Bundestag hat beschlossen, den Regierungssitz von Bonn nach Berlin zu verlegen. Infolge
des Umzugs der Regierung und des Parlaments
werden auch wir in Berlin eine neue Botschaft errichten. Mit dem Fall der Mauer ist das Grundstück am
Pariser Platz wieder verfügbar geworden, wo vor dem
Zweiten Weltkrieg die Amerikanische Botschaft stand.
Sie war im Krieg schwer beschädigt worden und wurde
später abgerissen. Inszwischen haben wir einen
Architektenwettbewerb durchgeführt. Wann mit dem
Bau begonnen wird, hängt nicht zuletzt von der
Haushaltslage ab.
Eine Aktivität der Botschaft möchte ich nicht unerwähnt
lassen, da sie sich erst nach der Einheit ergeben hat,
seitdem aber konsequent verfolgt wird. In Übereinstimmung mit der Außenwirtschaftsstrategie der
Clinton-Administration laden wir in regelmäßigen
Abständen amerikanische Unternehmer und Investoren nach Ostdeutschland ein. Nicht nur um einen
Beitrag zum "Aufbau Ost" zu leisten, sondern auch um
auf die zahlreichen Investitionsmöglichkeiten hinzuweisen.
Bisher haben wir drei Unternehmerkonferenzen
organisiert. Die letzte fand im Oktober in Erfurt und
Weimar statt. An ihr nahmen rund 200 Firmenrepräsentanten aus den Vereinigten Staaten teil. Die
amerikanischen Investitionen in Ostdeutschland
belaufen sich auf circa 6,5 Milliarden Dollar; damit hat
die amerikanische Industrie rund 55.000 Arbeitsplätze
gesichert oder neu geschaffen.
Der Standort Deutschland ist trotz hoher Löhne und
Kosten für manche Unternehmen nach wie vor attraktiv. Das Wirtschaftsengagement in Ostdeutschland
unterstreicht auch die Brückenfunktion dieser Region
gegenüber den ost- und südosteuropäischen Staaten.
Die Erlangung der uneingeschränken Souveränität hat
auch Auswirkungen auf die Ziele und Methoden der
deutschen Außenpolitik gehabt. Natürlich interessiert
es uns, wie die Bundesregierung ihren neuen politischen und rechtlichen Handlungsspielraum nutzt. Mit
der Einheit hat Deutschland neue Rechte, aber auch
weitere Pflichten erhalten. Als dynamischer und
wohlhabender Staat mit den meisten Nachbarstaaten
liegt es nun an Deutschland, dieser Verantwortung
gerecht zu werden. Daß dies nicht einfach ist, hat eine
Episode zu Beginn des kriegerischen Auseinanderbrechens Jugoslawiens gezeigt.

AMERIKA DIENST 07

�Mit ihrer Anerkennung von Kroatien und Slowenien hat
die Bundesrepublik Deutschland Anfang der neunziger
Jahre den außenpolitischen Versuch unternommen,
einen Beitrag zur Eindämmung des Teilungskonfliktes
im ehemaligen Jugoslawien zu leisten. Diese Initiative
wurde von Deutschlands Verbündeten kritisch beurteilt. Besorgte Kommentatoren sprachen damals von
einem neuen außenpolitischen Stil, der die neu gewonnene Macht demonstriere.
Die Anerkennung von Grenzen - ohne gesicherten
Schutz derselben - konnte angesichts der hohen
Gewaltbereitschaft der politisch Verantwortlichen keine
friedensbewahrende Wirkung entfalten. Deutschland
hat für diese Vorgehensweise im In- und Ausland viel
Kritik erhalten. Historische Parallelen, wie sie in dieser
Diskussion Erwähnung fanden, waren meines Erachtens allerdings unzutreffend.
Argumente, die
Deutschlands Rolle in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts thematisieren, werden dem ausgeprägten
Friedenswillen des demokratischen Deutschlands nicht
gerecht, das aus seiner Geschichte gelernt hat.
Der Einsatz von Macht, politischem Gewicht, diplomatischem Engagement und vor allem militärischen
Optionen ist allerdings notwendig, um einem Friedenswillen die nötige Glaubwürdigkeit beziehungsweise
den nötigen Nachdruck zu verleihen. Dies hat der
Krieg im ehemaligen Jugoslawien uns allen - jeden
Tag durch das Fernsehen - schonungslos und unbarmherzig vor Augen geführt.
Ich möchte mit diesem Beispiel nur darauf hinweisen,
wie risikoreich außenpolitische Initiativen sind, wenn
sie nicht auf einem breiten internationalen Konsens
basieren. Der verantwortungsbewußte Umgang mit
Macht muß prinzipiell die internationalen, innenpolitischen und psychologischen Rahmenbedingungen
berücksichtigen, in denen das politische Gewicht eines
Staates eingesetzt wird.
Gleiches gilt natürlich auch, wenn europäische und
außereuropäische Kriege die westliche Staatengemeinschaft zum Handeln zwingen. Deutschland hat
begonnen, in eine Rolle zu wachsen, die seinem
politischen Gewicht und ökonomischen Leistungsvermögen besser gerecht wird. Andere können nun nicht
länger auf Deutschland zeigen, weil es seine Mitverantwortung bei der Lösung internationaler Konflikte
nicht übernehmen will. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts über den Einsatz von Streitkräften
außerhalb des NATO-Vertragsgebietes zeigt deutlich,
daß die politische Führung Deutschlands die Verantwortung annimmt. Mit dem Einsatz von Bundeswehreinheiten im ehemaligen Jugoslawien trägt Deutschland zur Befriedung dieser vom Krieg heimgesuchten
Region Europas bei.
Die Bundesrepublik befindet sich aus meiner Sicht auf
dem Weg, die Mittel militärischer Macht als ein In-

AMERIKA DIENST 07

strument der Außenpolitik zu begreifen. Deutschland
kann sich nicht aus Konflikten heraushalten, die
gemeinsame europäische oder
transatlantische
Interessen tangieren. Die Verpflichtung zum Frieden
beinhaltet auch eine internationale Verantwortung
gegenüber jenen, die Opfer einer gewalttätigen Politik
geworden sind. Der Konflikt im ehemaligen Jugoslawien zeigt zudem, daß wir uns klar werden müssen,
wie weit die postulierten Grundwerte in Europa reichen
und mit welchen Mitteln sie verteidigt werden sollen.
Wieder einmal mußten wir feststellen, daß mit diplomatischen Anstrengungen allein kein internationales
Recht durchzusetzen ist.
Ich will damit nicht einer wie auch immer gearteten
"Militarisierung der Außenpolitik" das Wort reden. Im
Gegenteil, es kommt darauf an, gemeinsam geeignete
und angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um
Konflikte zu verhüten und Formen der friedlichen
Beilegung von Streitigkeiten zu nutzen, um Krisen zu
entschärfen. Wenn Maßnahmen der Konfliktverhütung
nicht greifen, müssen friedenserhaltende und gegebenenfalls friedensschaffende Schritte unternommen
werden, die durch den Einsatz militärischer Mittel
unserem Engagement für den Frieden die nötige
Glaubwürdigkeit verleihen. Die amerikanische Regierung unterstützt die Bundesrepublik bei der Wahrnehmung ihrer neuen Verpflichtungen.
Unsere Beziehungen sollten nicht nur in einem
bilateralen Kontext betrachtet werden. Eine solche
Sichtweise kann der Bedeutung Deutschlands nicht
gerecht werden. Deutschland als eine treibende Kraft
der Europäischen Union gewinnt durch sein Engagement für die USA einen Stellenwert, der sich maßgeblich von jenen Staaten unterscheidet, die wenig
Interesse am Aufbau eines vereinten Europas haben.
Deutschlands Engagement für die Erweiterung der
NATO und der Europäischen Union wird von uns als
ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur Stabilisierung dieser Region betrachtet. Hier zeichnen sich
Perspektiven ab, die vielfach in der Diskussion über
unser Verhältnis übersehen werden.
Ohne das Zusammenwirken der maßgeblichen Mächte
könnten derartige zukunftsweisende Aufgaben wie die
Erweiterung der NATO und der Europäischen Union
gar nicht gelöst werden. Wir wissen um die Schlüsselstellung Deutschlands in diesem Prozeß. Folglich
weist die Frage, ob sich die bilateralen Beziehungen
nach den machtpolitischen Veränderungen verschlechtern, in die falsche Richtung. Nur weil sich
etwas ändert, kann man nicht davon ausgehen, daß
der bilateralen Geschäftsgrundlage der Boden entzogen wird. Im Gegenteil, die sich uns stellenden
Herausforderungen ziehen einen erheblichen Koordinierungsbedarf nach sich.
Ohne Abstimmungen,
Verhandlungen und gemeinsames Vorgehen würden
wir Schiffbruch erleiden. Und das wäre höchst bedauerlich!

Seite 5

�Was die künftige Zusammenarbeit angeht, bin ich
optimistisch. Das transatlantische Verhältnis ist und
bleibt die Grundlage, von der aus wir operieren. Wenn
wir uns einmal den Verlauf von Krisen und Konflikten in
den letzten Jahren betrachten, dann läßt sich folgendes feststellen: In nahezu allen internationalen Krisensituationen verfolgen die Amerikaner und die meisten
Europäer gemeinsame Ziele. Vielfach unterscheiden
sich zwar die Vorschläge, die Lösungsmodelle und
Strategien zu deren Verwirklichung, doch was die
Bewahrung des Friedens und der Stabilität des
internationalen Systems angeht, zieht das transatlantische Bündnis an einem Strang. Das kann man
auch daran erkennen, daß es gerade diese Staatengruppe ist, die sich bereit erklärt, Garantien zu geben
und die aktiv an konstruktiven Friedenslösungen
arbeitet.
Lassen Sie mich kurz auf die programmatische
Zielsetzung der amerikanischen Europapolitik eingehen. Schon allein an den sechs Punkten ist zu
erkennen, daß unserer Engagement für Europa in
keiner Weise nachgelassen hat:
1.

Die Anpassung der NATO, das heißt interne
Reformen, Ausbau des Kooperationsprogramms "Partnerschaft für den Frieden" und
eine graduelle, durchdachte und transparente
Erweiterung der Atlantischen Allianz.

2.

Die Integration Rußlands und der neuen
unabhängigen Staaten in eine neue europäische Friedens- und Wirtschaftsordnung mit
besonderer Berücksichtigung der Beziehungen Rußlands zur NATO.

3.

Die Stärkung der Organisation für Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa.

4.

Die Integration der mittel- und osteuropäischen Staaten in westeuropäische Strukturen
bei gleichzeitigem Abbau von Regionalkonflikten durch präventive Diplomatie.

5.

Die Unterstützung der Europäischen Integration, die Erweiterung der EU und die Stärkung
der europäisch-amerikanischen Beziehungen
durch neue transatlantische Initiativen.

6.

Die Sicherung eines parteiübergreifenden
Konsenses im Kongreß und mit dem amerikanischen Volk hinsichtlich der Rolle Amerikas
als eine europäische Macht.

Von der Warte Washingtons aus ist das Altantische
Bündnis der einzig verfügbare Organisationsrahmen
für den Aufbau einer neuen europäischen Friedensordnung. Die lebhafte Debatte über die Erweiterung
der NATO und auch der Europäischen Union zeigt
deutlich, wie groß das Interesse der ost- und süd-

Seite 6

europäischen Staaten ist. Ich will gar nicht auf die
Schwierigkeiten eingehen, die bei einer Erweiterung
des Atlantischen Bündnisses zu lösen sind. Es steht
allerdings außer Frage, daß die osteuropäischen
Staaten einen angemessenen Platz in der neuen
europäischen Friedensordnung einnehmen müssen.
Gleichzeitig wollen wir deutlich machen, daß sich der
Prozeß der Erweiterung keineswegs gegen Rußland
richtet.
Unser Ziel ist es - und ich gehe davon aus, daß die
Bundesregierung dies genauso sieht - Europa auch im
kommenden Jahrtausend als eine Region des Friedens, der Stabilität und des Wohlstands zu erhalten.
Trotz aller Übereinstimmung gibt es natürlich auch
Bereiche, wo wir ab und zu divergierende Interessen
verfolgen.
Dies trifft teilweise auf unsere Wirtschaftsbeziehungen zu. Wir sind eben auch wirtschaftliche Konkurrenten, doch diese Tatsache sollten
wir ausdrücklich begrüßen. Denn es sind unsere
Unternehmen, die miteinander konkurrieren und uns
so ein besseres Angebot an Gütern und Dienstleistungen zu niedrigeren Preisen ermöglichen.
Präsident Clinton hat immer wieder betont, daß wir uns
dem weltweiten Wettbewerb stellen wollen, "that we
want to compete, not retreat". Wir wollen uns nicht
hinter protektionistische Schutzwälle zurückziehen,
sondern offensiv die Marktchancen nutzen, die sich
unseren Unternehmen auf dem Weltmarkt bieten. Wir
sehen dazu keine Alternative, denn ohne offene
Märkte im Ausland sind die protektionistischen Stimmen im eigenen Lande nicht zum Schweigen zu
bringen. Freier Marktzugang und Marktöffnung im
Ausland sind für weltweit operierende Unternehmen
unverzichtbar. Aus diesem Grunde ist fairer und
ungehinderter Marktzugang eines der Hauptanliegen
unserer Außenwirtschaftspolitik. Dies berührt auch
unsere Beziehungen zu Deutschland und der Europäischen Union.
Man kann nicht über die Wirtschaftsbeziehungen
zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten
sprechen, ohne sie in den europäischen Zusammenhang zu stellen. Die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen sind Teil der transatlantischen
Wirtschaftsbeziehungen. Die Grundlage für diese
Zusammenarbeit sind gemeinsame Überzeugungen,
was den freien Welthandel, den ungehinderten Fluß
von Investitionen und marktwirtschaftliche Wettbewerbsstrukturen angeht. Wir sehen den privaten
Sektor als den wesentlichen Mechanismus für Wachs
tum und Innovation.
Dies ist jedoch nicht in allen Ländern der Europäischen
Union der Fall.
Allzuoft registrieren wir eine
Nord-Süd-Konfrontation, wobei die südlichen Länder
für Dirigismus und Protektionismus eintreten und die
nördlichen Länder für Wettbewerb und Freihandel.

AMERIKA DIENST 07

�Der schwierige Umgang mit der EU belastet zuweilen
auch die deutsch-amerikanischen Beziehungen.
Dennoch unterstützen wir vorbehaltlos Deutschlands
Engagement in der Europäischen Union, die Vollendung des Binnenmarktes und die Erweiterung der
Europäischen Union.
Wegen der gemeinsamen
wirtschaftlichen Grundauffassungen hoffen wir, daß
Deutschland die Europäische Union in Wirtschaftsfragen zu mehr Offenheit drängt. Diese Offenheit sollte
von einem transparenten
Entscheidungsprozeß
getragen sein und nicht nur die Notwendigkeit zur
internen Konsensfindung, sondern auch die Interessen
der Handelspartner außerhalb der EU berücksichtigen.
In vielen Fragen wie beispielsweise der Behandlung
audiovisueller Dienstleistungen, wo einige europäische
Staaten diskriminierende Quoten für Filme und Fernsehserien bevorzugen, und bei der Frage des Bananenhandels arbeiten die Vereinigten Staaten und
Deutschland auf das gemeinsame Ziel eines Abbaus
von Handelsschranken hin.
In anderen Bereichen, wie zum Beispiel auf dem Markt
für Kraftwerksausrüstung, bestehen in Deutschland
strukturelle Rahmenbedingungen, die es ausländischen Anbietern fast unmöglich machen, ins Geschäft
zu kommen. Letztlich zahlen die Kunden der Energieerzeuger den Preis für fehlenden Wettbewerb.
Derartige Strukturen erschweren natürlich auch die
Kooperation mit internationalen Partnern, Beteiligungen und Joint-ventures. In manchen Bereichen sind
Direktinvestitionen, die Voraussetzung für Marktzugang sind, praktisch oder gesetzlich ausgeschlossen.
Besonders nachteilig haben sich staatlich geschützte
Monopolmärkte in der Telekommunikation ausgewirkt.
Sie haben nicht nur zum Ausschluß ausländischer
Konkurrenz geführt, sondern auch Innovationen,
günstigere Preise und bessere Leistungsangebote
verhindert. Ein Grund für den schwindenden Anteil
deutscher Gerätehersteller auf dem Telekommunikationsweltmarkt war das Fehlen von Konkurrenz und
dynamischer Nachfrage nach neuen Dienstleistungen
im Inland. Daß wir für eine gegenseitige Öffnung der
Telekommunikationsmärkte eintreten, wird sich für
beide Seiten als nützlich erweisen.
Das sind nur zwei Beispiele, die deutlich machen, daß
wir trotz unserer strategischen Partnerschaft nicht
aufhören können, unsere Wirtschaftsbeziehungen in
einem für alle Beteiligten annehmbaren Rahmen zu
gestalten. Da viel Geld auf dem Spiel steht, und
Arbeitsplätze, Marktanteile, Standorte - letztlich der
Wohlstand unserer Gesellschaften - vom Handel
abhängig sind, bleibt enge Zusammenarbeit eine
unabdingbare Voraussetzung für die Erlangung unserer Ziele.

AMERIKA DIENST 07

Meine Ausführungen über die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen im allgemeinen und der
deutsch-amerikanischen Beziehungen im besonderen
wären unvollständig, wenn ich nicht noch einige Worte
zu den Herausforderungen sagen würde, denen wir
uns stellen müssen - ob wir nun wollen oder nicht.
Auch hier scheint es mir zweckmäßig, unsere Politik zu
koordinieren und Zusammenarbeit zu praktizieren.
Als erstes will ich das Problem der nuklearen Weiterverbreitung ansprechen. Die Gefahren, die sich aus
einer unkontrollierbaren Weitergabe von Massenvernichtungswaffen ergeben, sind enorm. Der Golfkrieg die Befreiung Kuwaits - war eine ernstzunehmende
Warnung. Diktatoren gleich welcher Couleur dürfen
nicht in den Besitz dieser Waffen gelangen. Wir
müssen gemeinsam frühzeitig Maßnahmen ergreifen,
um dies zu verhindern, sei es nun durch diplomatische
Initiativen oder durch Handelssanktionen und Kontrollregime. Wichtig ist eine koordinierte Vorgehensweise.
Als zweites will ich den Kampf gegen den nationalen
und internationalen Terrorismus nennen. Die Attentatsserien in Frankreich oder der feige Mord an dem
israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin sowie
der jüngste IRA-Terror führen uns vor Augen, wozu
fehlgeleitete Menschen in der Lage sind. Wir dürfen
aber nicht zulassen, daß unsere demokratischen
Systeme durch sinnlose Gewaltverbrechen destabilisiert werden. Die Gefährdung der inneren Sicherheit
und des äußeren Friedens ist eine Herausforderung,
der wir uns gemeinsam stellen müssen. Die Bekämpfung kann nur dann erfolgreich sein, wenn Terroristen
nirgendwo mehr sicher sein können. Deshalb ist die
internationale Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden so wichtig.
Gleiches gilt für die Bekämpfung des Drogenhandels,
des organisierten Verbrechens und der Geldwäsche.
Diese Verbrechen greifen den Kern unserer liberalen
Gesellschaften an und belasten das Zusammenleben
unserer Völker. Die nicht minder große Bedrohung
unserer Lebensgrundlagen durch die Umweltverschmutzung sowie durch die Bevölkerungsexplosion
möchte ich hier nur am Rande erwähnen.
Lassen Sie mich zum Schluß kommen. Wir befinden
uns trotz aller Unwägbarkeiten dieser Übergangszeit
nach dem Ende des Kalten Krieges in einer Aufbauphase, die voller Optionen ist. Nutzen wir unsere
Chance, so wie Sie und mit Ihnen die Deutschen die
Chance der Vereinigung ergriffen haben. Ich bin mir
sicher, daß unser gemeinsamer Weg ins 2 1 . Jahrhundert von Erfolg gekrönt ist, wenn Frieden, Stabilität
und Wohlstand erhalten bleiben.
Ich danke Ihnen.

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�ABRÜSTUNG
3. April 1996

Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention
im Frühjahr angestrebt
Anhörung von Verteidigungsminister Perry

WASHINGTON - (AD) - In einer Anhörung vor dem Ausschuß für Auswärtige Angelegenheiten des Senats
forderte Verteidigungsminister William Perry den Senat zur Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention in diesem
Frühjahr auf.
Nachfolgend veröffentlichen wir den offiziellen Text der Anhörung.

Herr Vorsitzender,
ich freue mich, heute im Namen des amerikanischen
Verteidigungsministeriums für eine Anhörung über die
Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention anwesend
sein zu dürfen. Diese Konvention ist ein enormer
Fortschritt seit dem Genfer Protokoll von 1925 dahingehend, daß sie ein vollständiges Verbot chemischer
Waffen vorsieht, nicht nur ein Verbot ihres Einsatzes.
Die Administration hegt den starken Wunsch, daß
dieser Vertrag über das Verbot chemischer Waffen so
bald wie möglich in Kraft tritt. Unverzügliches Handeln
des Senats wird dieses wichtige Ziel unterstützen.
Die Chemiewaffenkonvention ist wirklich ein bedeutender Durchbruch im Bereich der Rüstungskontrolle. Sie
ist sowohl ein Abrüstungs- als auch ein Nichtverbreitungsvertrag, und die Konvention ist die umfassendste, die je ausgehandelt wurde.
Die CW-Konvention verpflichtet die Vertragsparteien,
niemals und unter keinen Umständen chemische
Waffen zu entwickeln, herzustellen, zu beschaffen, zu
lagern oder beizubehalten. Die Konvention verbietet
den Transfer chemischer Waffen in andere Staaten
und untersagt ferner, irgend jemanden bei gemäß dem
Vertrag verbotenen Aktivitäten behilflich zu sein, ihn zu
ermutigen oder auf ihn einzuwirken.
Zusätzlich zu diesem umfassenden Verbot erfordert
die CW-Konvention die Zerstörung aller chemischen
Waffen und ihrer Produktionsanlagen. In Fällen

AMERIKA DIENST 07

außerordentlich zwingender Notwendigkeit kann eine
Vertragspartei die Genehmigung zur Konversion einer
ehemaligen Produktionseinrichtung für Chemiewaffen
zu akzeptablen zivilen Zwecken einholen. Eine solche
konvertierte Produktionsanlage unterläge zusätzlichen
Verifikationsverfahren sowie Tätigkeitsbeschränkungen.
Die Chemiewaffenkonvention wird auch zur Bekämpfung der zunehmenden Verbreitung von chemischen
Waffen beitragen. Indem der Herstellung, Verarbeitung und Verwendung spezifizierter Chemikalien
anhand der Offenlegungs- und Verifikationsregime des
Vertrags nachgegangen wird, schafft die internationale
Organisation der Chemiewaffenkonvention einen
Rahmen und Mechanismen zur Eindämmung der
Verbreitung chemischer Waffen. Die Konvention
untersagt den Handel mit äußerst risikoreichen
Chemikalien mit NichtVertragsparteien. Drei Jahre
nach Inkrafttreten des Vertrags wird auch der Handel
mit bestimmten anderen Chemikalien mit diesen
Staaten verboten. Darüber hinaus wird ein Zertifikat
über den Endverbrauch für den Transfer von Chemikalien mit geringem Risiko an NichtVertragsparteien
erforderlich. Die Exportkontrollvorschriften stärken die
Konvention und machen sie zu einem wertvollen
Werkzeug für die Überwachung dieses potentiell
gefährlichen, mehrfach verwendbaren chemiewaffenfähigen Materials.
Andere Bestimmungen der CW-Konvention - die von
besonderer Bedeutung für das Verteidigungsministeri-

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�um sind - gestatten einer Vertragspartei die Fortsetzung von Forschung zu Schutzmethoden wie Spür-,
Schutz- und Entkontaminierungsgerät. Die Konvention
fordert die Vertragsparteien ferner auf, durch die
internationale Organisation finanzielle und andere Hilfe
zur Verfügung zu stellen, wenn eine Partei einem
Angriff ausgesetzt ist oder dieser angedroht wird.
Solche Verfügungen der Konvention werden zur
Reduzierung der globalen Bedrohung durch Chemiewaffen beitragen und gleichzeitig den Schutz von
Chemiewaffen sowie die Hilfestellung für alle Signatarstaaten verbessern.
Die Anforderungen für Routineinspektionen, Wahrheitsfindungs- und Konsultationsmechanismen sowie
die Fähigkeit zur Durchführung einer kurzfristig
anberaumten Ad-hoc-lnspektion gleich an welchem Ort
schaffen eine einzigartige Synergie für die Verifizierung aller Rüstungskontrollabkommen. Die Chemiewaffenkonvention verfügt über das einschneidendste
Verifizierungsregime der Geschichte und ist effektiv
verifizierbar. Ich bin der festen Überzeugung, daß die
CW-Konvention maßgeblich zu den Sicherheitsinteressen des Verteidigungsministeriums und der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten insgesamt
beiträgt.
Die Verfasser des Vertrags definierten Reizstoffe für
den Polizeieinsatz (riot control agents - RCAs) getrennt
von chemischen Waffen. Sie vertraten die Auffassung,
daß diese chemischen Waffen besondere Berücksichtigung innerhalb der Konvention verdienten.
Der Einsatz von RCAs ist bei Strafverfolgungsoperationen und bei der Niederschlagung von Krawallen im
Inland gestattet, und eine Vertragspartei muß die Arten
von RCAs offenlegen, die sich in ihrem Besitz befinden. Die Konvention verbietet den Einsatz von RCAs
als Methode der Kriegführung. Dieses Verbot findet
nur auf ihren Einsatz als Methode der Kriegführung bei
internationalen und innenpolitischen bewaffneten
Konflikten Anwendung. Der Einsatz von RCAs bei
friedenssichernden Operationen, humanitären oder
Katastrophenhilfemissionen, Terrorismusbekämpfung
und der Rettung von Geiseln ist von der Konvention
nicht betroffen.
Ich möchte jetzt einige Fragen ansprechen, die dem
Verteidigungsministerium häufig in Zusammenhang mit
der Chemiewaffenkonvention gestellt werden. Die
Fragen erstrecken sich auf sechs generelle Bereiche:

Reizstoffe für den Polizeieinsatz
Vergeltungsfähigkeit
Erstens. Wie gehen wir - nachdem wir selbst als Mittel
der Vergeltung auf chemische Waffen verzichten - mit
dem Risiko um, daß eine NichtVertragspartei oder ein
Verletzer der CW-Konvention Chemiewaffen gegen
uns einsetzt? Das Verteidigungsministerium vertritt die
Auffassung, daß die Fähigkeit zu Vergeltungsschlägen
mit Chemiewaffen nicht länger ein erforderliches
Element bei der Eindämmung der Verbreitung chemischer Waffen ist. Dies trifft zu, selbst wenn die
Chemiewaffenkonvention nicht universell sein mag
oder universell eingehalten wird. Mehrere Administrationen sind nacheinander zu der Schlußfolgerung
gelangt, daß der nationalen Sicherheit der Vereinigten
Staaten am besten durch ein umfassendes Verbot
gedient ist.
Grundsätzlich unterstützt das Verteidigungsministerium den Gedanken, die Fähigkeit zu Vergeltungsschlägen mit Chemiewaffen aufzugeben, weil wir über
ein breites Spektrum alternativer Fähigkeiten zur
Abschreckung vom Einsatz chemischer Waffen oder
seiner Vergeltung verfügen. Unsere Schutzmaßnahmen und Fähigkeiten zur Bekämpfung der Weiterverbreitung sind verbessert worden - teils infolge der
im Golfkrieg gemachten Erfahrungen. Wir können uns
jedoch nicht auf Schutz allein verlassen. Aus offensichtlichen Gründen haben wir uns dafür entschieden,
nicht im Detail darzulegen, welche Antworten wir auf
einen Chemiewaffenangriff hätten. Wie wir während
des Golfkriegs erklärt haben, wird die Reaktion jedoch
"absolut überwältigend" und "verheerend" sein, wenn
ein Land dumm genug wäre, chemische Waffen
gegen die Vereinigten Staaten einzusetzen. Wir
benötigen keine Chemiewaffen, um eine effektive
Abschreckung bereitzustellen oder eine effektive
Antwort auf chemische Waffen zu geben.
Der Verzicht auf Vergeltung mit gleichen Mitteln
gestattet uns mit starker internationaler Unterstützung
unser seit langem bestehendes Ziel eines vollständigen Verbots effektiver zu verfolgen sowie uns die
Kosten und Kontroversen zu ersparen, die mit der
Aufrechterhaltung eines Chemiewaffenarsenals zur
Vergeltung einhergingen. Ich werde gleich im einzelnen auf unser Schutzprogramm eingehen.

Vergeltungsfähigkeit

Zerstörung chemischer Waffen

Zerstörung chemischer Waffen

Zweitens. Was ist erforderlich, um unsere Verpflichtungen zur Zerstörung chemischer Waffen im Ranmen
der CW-Konvention zu erfüllen? Unter der CWKonvention müssen die Vereinigten Staaten ihr
bestehendes Chemiewaffenarsenal zerstören. Es trifft
zwar zu, daß dies ein komplexer und kostenintensiver

Verifizierbarkeit
Schutz nationaler Sicherheitsinformationen

Seite 2

Programm zur chemischen Verteidigung

AMERIKA DIENST 07

�Prozeß sein wird, aber man sollte sich vor Augen
führen, daß der Kongreß die Exekutive bereits angewiesen hat, dem größten Teil dieser Verpflichtung
nachzukommen, unabhängig davon, ob die CWKonvention in Kraft tritt oder nicht.
Da die Vereinigten Staaten die Herstellung von
unitären CW-Kampfstoffen und -Munition im Jahr 1969
eingestellt haben, veralteten die unitären Waffen in
unseren Arsenalen zunehmend und wurden in einigen
Fällen unsicher. Als Resultat des Berichts der Überprüfungskommission für chemische Kriegführung von
1985 wies der Kongreß das Verteidigungsministerium
im Verteidigungsermächtigungsgesetz von 1986 an,
den Bestand an unitären Chemiewaffen bis zum 30.
September 1994 zu entsorgen. Das Verteidigungsermächtigungsgesetz von 1993 verlängerte den
Zerstörungszeitraum bis zum 31. Dezember 2004. Bis
heute haben wir über 1.000 Tonnen chemischer
Waffen in unserer Einrichtung auf Johnston Island
zerstört.
Mit anderen Worten: Die schwierigste Aufgabe - die
Zerstörung der alten Bestände an unitären Waffen bliebe mit oder ohne die CW-Konvention gleich. Aber
mit der Chemiewaffenkonvention erhalten wir bedeutende Vorteile bei der Kontrolle und Überwachung von
Chemiewaffen auf der ganzen Welt.
Wie können wir gewährleisten, daß der Bestand sicher
zerstört wird? Das gleiche Gesetz, das die aktuelle
Frist für die Zerstörung unitärer Waffenbestände
festsetzte, wies den Heeresminister zur Vorlage eines
Berichtes an den Kongreß an, in dem "die Pläne des
Heeres für die Zerstörung allen Materials zur chemischen Kriegführung der Vereinigten Staaten dargelegt werden".
Zusätzlich zur Zerstörung der unitären Waffenbestände werden unsere Verpflichtungen im Rahmen der
CW-Konvention folgendes beinhalten: Binäre chemische Munition; vergrabene chemische Munition,
wenn sie ausgegraben und entschieden wird, daß sie
die Definition der CW-Konvention erfüllt; bei Übungen
nicht explodierte chemische Waffen; nicht mit Chemiewaffen bestückte Trägersysteme und Gerät sowie
Produktionsanlagen für chemische Waffen. Das Heer
legte dem Kongreß im November 1993 einen Bericht
über nicht in Arsenalen gelagertes chemisches
Material vor und ist mit seiner Aktualisierung befaßt,
die im Frühjahr 1996 unterbreitet werden soll.
Gemäß der Anweisung des Kongresses wurde das
Zerstörungsprogramm für chemische Waffen - das
durch Verbrennung in speziell entworfenen Einrichtungen an derzeitigen Lagerstätten für Chemiewaffen durchgeführt wird - verschoben, bis das Heer dem
Kongreß einen Bericht über die Erkenntnisse und
Empfehlungen des nationalen Forschungsrats über

AMERIKA DIENST 07

das Verbrennungsprogramm und alternative Technologien vorgelegt hatte.
Das Heer überprüfte und erwog alle Erkenntnisse und
Empfehlungen des nationalen Forschungsrats. Das
Heer und ich stimmen mit dem nationalen Forschungsrat überein, daß der Verbrennungszerstörungsprozeß
sicher und effektiv ist und beschleunigt durchgeführt
werden sollte. Wir sind mit dem nationalen Forschungsrat ebenfalls einer Meinung, daß die Risiken
der dauerhaften Lagerung der Bestände die potentiellen Risiken der Verbrennung aufwiegen.
Von den vom nationalen Forschungsrat für weitere
Forschung empfohlenen vier alternativen Technologien
hat das Heer zwei getestet - Neutralisierung allein und
von biologischer Behandlung gefolgte Neutralisierung.
Die Ermittlungen über die Effizienz dieser Verfahren
dauern an.
In der Zwischenzeit verfeinern wir den Zerstörungsprozeß auf Johnston Island, und in jeder neuen
Einrichtung werden die gewonnenen Erfahrungen
berücksichtigt. Wir erwarten, daß die Arbeit in diesen
Einrichtungen Bedenken der Öffentlichkeit an den
Standorten beschwichtigen wird. Das Verteidigungsministerium arbeitet eng mit Kongreßabgeordneten
zusammen, die Chemiewaffenstandorte in ihren
Bundesstaaten und Bezirken haben, damit wir aufgeschlossen für ihre Anliegen sein sowie auf die spezifischen Umstände jedes Standorts eingehen können.
In Zusammenarbeit mit dem Kongreß wird das Verteidigungsministerium sicherstellen, daß sämtliches von
der Chemiewaffenkonvention erfaßte chemiewaffenfähige Material innerhalb der vertraglich vorgeschriebenen Zeit von zehn Jahren zerstört wird.
Verifizierbarkeit
Drittens, ist der Vertrag verifizierbar? Obwohl kein
Vertrag 100 Prozent verifizierbar ist, ist die CWKonvention effektiv verifizierbar. Die Chemiewaffenkonvention enthält die umfassendsten Verifizierungsbestimmungen aller Rüstungskontrollregime.
Das
Regime der CW-Konvention besteht aus detaillierter
Offenlegung, Routineinspektionen bekanntgegebener
Standorte sowie kurzfristig anberaumten Ad-hocInspektionen. Mit seinen sich ergänzenden und
überschneidenden Verifizierungserfordernissen sieht
das Regime der CW-Konvention die Mittel vor, um
eine Vertragspartei von der Verletzung der Bestimmungen der Konvention abzuschrecken. Wir sind zuversichtlich, daß Aktivitäten wie die Zerstörung bekanntgegebener Chemiewaffenbestände und Produktionsanlagen verifiziert werden können. Das Aufspüren der illegalen Herstellung geringer Mengen von
Chemiewaffen wird außerordentlich schwierig sein,
dagegen ist es leichter, die Produktion in großem
Umfang, das Füllen und die Lagerung chemischer

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�Waffen aufzudecken. Mit der Zeit sollte sich das
Verifizierungsregime der CW-Konvention dank der
vorgesehenen Offenlegung, Routineinspektionen, der
Mechanismen für Wahrheitsfindung, Konsultationen
und Ad-hoc-lnspektionen als effektiv bei der Bereitstellung einer Vielfalt von Informationen über mögliche
Chemiewaffenprogramme erweisen, die ohne die
Konvention nicht zur Verfügung stehen würden. Wenn
wir die im Rahmen der CW-Konvention gewonnenen
Erfahrungen mit unseren nachrichtendienstlichen
Erkenntnissen und Einschätzungen kombinieren,
können wir ein fundiertes Urteil bezüglich der Einhaltung durch eine Vertragspartei fällen. Wenn wir die
durch das Regime der CW-Konvention vorgesehene
Abschreckung mit unserer militärischen Bereitschaft
kombinieren, haben wir einen effektiven Ansatz zur
Bekämpfung der Verbreitung von Chemiewaffen.
Schutz nationaler Sicherheitsinformationen
Viertens. Besteht ein Schutz der Privatsphäre unserer
Bürger und Unternehmen sowie nationaler Sicherheitsinformationen und Industrietechnologie, damit sie nicht
durch das Verifikationssystem der CW-Konvention
gefährdet werden? Während der Verhandlungen über
die Chemiewaffenkonvention mußte ein Gleichgewicht
zwischen den in vielen Verifikationsbestimmungen
vorgesehenen einschneidenden Maßnahmen und
berechtigten nationalen Sicherheitsanliegen und dem
Schutz geistigen Eigentums sowie verfassungsmäßigen Schutzbestimmungen geschaffen werden.
Nach Ansicht des Verteidigungsministeriums wurde ein
Gleichgewicht zwischen wirksamer Verifizierung der
Konvention und dem Schutz der nationalen Sicherheitsanliegen des Verteidigungsministeriums erzielt.
Zudem belegt die seit langer Zeit vom Verband der
Chemiewaffenhersteller für die Konvention gezeigte
Unterstützung, daß dem Schutz von Industriegeheimnissen ebenfalls Rechnung getragen wurde.
Die CW-Konvention bietet Schutzbestimmungen
gegen unseriöse oder unberechtigte Forderungen
nach Inspektionen. Das Inspektorenteam muß sich
streng an sein Inspektionsmandat halten. Es darf
keine Informationen sammeln oder zurückhalten, die
nicht im Zusammenhang mit Ziel und Zweck der
Konvention stehen oder dafür relevant sind. Bekanntgegebene Produktionsanlagen, die Routineinspektionen unterliegen, haben das Recht auf Aushandlung
von Übereinkünften zu der Einrichtung. Im Einklang
mit der CW-Konvention werden in diesen Übereinkünften Einzelheiten über das Ausmaß des Zugangs,
den Umfang der bereitzustellenden Informationen
sowie die Entnahme von Mustern oder die Kontrolle für
bestimmte Anlagen geregelt.
Diese Schutzbestimmungen gelten insbesondere für
Ad-hoc-lnspektionen. Hierbei hat ein Staat nach der
Ankündigung einer Inspektion 120 Stunden Zeit, bis er
Zugang zu dieser Anlage gewähren muß. Während

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dieses Zeitraums handeln der zu inspizierende Staat
und das Inspektorenteam Art und Umfang des Zugangs zu der Einrichtung aus. Der inspizierte Staat
hat der Konvention zufolge das Recht, zum Schutz der
nationalen Sicherheit erforderliche Maßnahmen zu
ergreifen. Hierzu gehören unter Umständen die
Vernichtung oder Entfernung sicherheitsempfindlicher
Dokumente oder Gegenstände aus dem Gebiet oder
die Einschränkung der Analyse von Mustern. Die
Maßnahmen sind jedoch nicht darauf beschränkt. Der
zu inspizierende Staat darf auch sämtlichen verfassungsmäßigen Verpflichtungen Rechnung tragen, die
er im Hinblick auf Industriegeheimnisse, Durchsuchung
und Beschlagnahme haben mag. Diese strengen
Schutzbestimmungen sind gegen die Verpflichtung
abgewogen, sie nicht einzusetzen, um eine Einhaltung
der Konvention zu umgehen. Dementsprechend muß
ein Staat, der keinen vollständigen Zugang gewährt,
alle zumutbaren Bestrebungen unternehmen, um
alternative Mittel zur Klärung möglicher Vorwürfe einer
Nichtbefolgung bereitzustellen.
Die Industrie war stark an die Entwicklung der Verifikationsbestimmungen der CW-Konvention beteiligt, und
auf der Grundlage von im Verteidigungsministerium
gemachten Erfahrungen sind wir der Ansicht, daß die
Gefahr von Industriespionage, Beeinträchtigung des
Schutzes der Privatsphäre und Konzessionen bei
Informationen zur nationalen Sicherheit äußerst gering
ist.
Das Programm zur Bekämpfung der Weiterverbreitung von Chemiewaffen
Fünftens. Was unternimmt das Verteidigungsministerium zum Schutz unserer Truppen? Das Verteidigungsministerium wird eine starke chemische Verteidigungsfähigkeit bewahren, die von aggressiven Bestrebungen
zum Sammeln nachrichtendienstlicher Informationen
unterstützt wird. Im Zuge der grundlegenden Umstrukturierung des Verteidigungsministeriums verlagerten wir unsere Aufmerksamkeit vom Szenarium der
Kriegführung in Europa auf die nahezu gleichzeitige
Bewältigung von zwei regionalen Spannungsfällen.
Die daraus resultierende Einschätzung der regionalen
Bedrohung geht von einer hohen Wahrscheinlichkeit
aus, daß Aggressoren überall dort, wohin die Vereinigten Staaten voraussichtlich Truppen entsenden
würden, mit atomaren, biologischen oder chemischen
Waffen drohen oder diese einsetzen - darunter in
Nordostasien, am Persischen Golf und im Nahen
Osten. Folglich soll durch die Initiative des Verteidigungsministeriums zur Bekämpfung der Weiterverbreitung von Chemiewaffen sichergestellt werden, daß
die amerikanischen Streitkräfte so ausgerüstet und
ausgebildet sind, um sich einem im Besitz von Chemiewaffen befindlichen Aggressor wirksam entgegenstellen zu können. Die Entwicklung verbesserter
Fähigkeiten zum Aufspüren von Chemiewaffen sowie
zur Verteidigung vor ihnen ist ein wesentlicher Be-

AMERIKA DIENST 07

�standteil dieser Initiative. Diese Verpflichtung zum
Schutz unserer Streitkräfte in Kombination mit der
Fähigkeit zum schnellen Einsatz der überwältigenden
Macht unserer militärischen Fähigkeiten wird das
Rückgrat der militärischen Abschreckung gegen
jeglichen Aggressor in der Welt der Chemiewaffenkonvention sein.
Der Vertrag erkennt die Notwendigkeit für seine
Unterzeichnerstaaten an, ihre Programme zur Verteidigung gegen Chemiewaffen fortzusetzen. Dieses
Recht wird in Artikel X der Konvention klar und unmißverständlich festgelegt. Ihm zufolge soll keine in der
Konvention enthaltene Bestimmung so ausgelegt
werden, daß sie das Recht einer Vertragspartei
beeinträchtigt, für nicht in der Konvention verbotene
Zwecke Mittel zum Schutz vor Chemiewaffen zu
erforschen, zu entwickeln, zu produzieren, zu beschaffen, weiterzugeben oder zu nutzen. Ferner enthält
Artikel II in seiner Definition von "nicht verbotenen
Zwecken" auch den Schutz vor Chemiewaffen. Die
CW-Konvention sieht die Überwachung und Verifizierung dieser Programme vor um sicherzustellen, daß
solche Aktivitäten nicht zur Geheimhaltung offensiver
Programme genutzt werden können. Um zu gewährleisten, daß unsere Soldaten, Seeleute, Flieger und
Marineinfanteristen die am besten geschützte und
ausgebildete Kampftruppe für Operationen auf einem
atomaren, biologischen oder chemischen (ABC)
Schlachtfeld sind, haben wir mit Unterstützung des
Kongresses ein zentralisiertes Verwaltungs- und
Aufsichtsverfahren entwickelt, das die Erfordernisse
der Teilstreitkräfte auf diesen Gebieten koordinieren
soll.
Unsere ABC-Verteidigungsprogramme werden im
Einklang mit den Vertragsbestimmungen fortgesetzt,
und wir werden unseren Truppen auch in Zukunft
soviel Schutz wie möglich bieten. Keine Bestimmung
des Vertrags schränkt unsere diesbezüglichen Aktivitäten ein.
Reizstoffe für den Polizeieinsatz
Und was ist mit der Verwendung von Reizstoffen für
den Polizeieinsatz für legitime Zwecke? Die Chemiewaffenkonvention gestattet den Einsatz von RCAs bei
Strafverfolgungsoperationen und der Niederschlagung
von Krawallen im Inland, verbietet jedoch den Einsatz
von RCAs als Methode der Kriegführung. Die Administration ist sich bewußt, daß dieses Verbot nur auf
ihren Einsatz als Methode der Kriegführung bei
internationalen und innenpolitischen Konflikten Anwen-

*

AMERIKA DIENST 07

düng findet. Der Einsatz von RCAs bei Operationen in
Friedenszeiten wie normalen friedenssichernden
Operationen, humanitären und Katastrophenhilfemissionen sowie bei Terrorismusbekämpfung und der
Rettung von Geiseln ist von der CW-Konvention nicht
betroffen.
Weder die CW-Konvention noch das offizielle Verhandlungsprotokoll definieren "Methode der Kriegführung". Die Administration hat diese Frage sehr
sorgfältig geprüft und ist zu der Schlußfolgerung
gelangt, daß die Chemiewaffenkonvention den Einsatz
von RCAs bei Polizeieinsätzen in Bereichen, die direkt
und definitiv der militärischen Kontrolle der Vereinigten
Staaten unterstehen, nicht verbietet. Dazu zählt auch
der Einsatz gegen aufständische Kriegsgefangene
sowie in den hinteren Kampfbereichen außerhalb der
unmittelbaren Kampfzone, um Konvoys vor Störungen
durch Zivilisten, Terroristen und paramilitärische
Organisationen zu schützen. Die CW-Konvention
verbietet den Einsatz von RCAs nur gegen Kombattanten und im Einklang mit dem Verständnis unserer
Verbündeten und Vertragsunterzeichner selbst für
humanitäre Zwecke in Situationen, in denen Kombattanten und Nichtkombattanten vermischt sind. Im Brief
des Präsidenten an den Kongreß mit Datum von 23.
Juni 1994 steht jedoch: "Sollte sich das internationale
Verständnis in dieser Frage ändern, würden sich die
Vereinigten Staaten nicht durch diese Position gebunden fühlen". Ich möchte hinzufügen, daß das Schreiben des Präsidenten vom 23. Juni ebenfalls seine
Intention darlegt, das Büro des Verteidigungsministers
anzuweisen, "die Bestrebungen zu beschleunigen,
nichtchemische, nichttödliche Alternativen zu RCAs
zum Einsatz in Situationen zu bringen, in denen
Kombattanten und Nichtkombattanten vermischt sind".
Schlußbemerkung
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß das Verteidigungsministerium die Chemiewaffenkonvention als
einen ausgewogenen Vertrag erachtet, der in Verbindung mit unseren anderen Bestrebungen zur Eindämmung der Verbreitung von chemischen Waffen,
einem soliden Schutzprogramm gegen Chemiewaffen
und der Beibehaltung eines breiten Spektrums nichtchemischer Reaktionsfähigkeiten den besten Interessen der Vereinigten Staaten und der internationalen
Staatengemeinschaft dienen wird. Das Verteidigungsministerium unterstützt die Konvention uneingeschränkt. Ich bitte den Senat, die Ratifizierung des
Vertrags in diesem Frühjahr zu erörtern und ihr
zuzustimmen.

* * * *

Seite 5

�NAHER

OSTEN

3. April 1996

UNHCR soll Friedensprozeß unterstützen
Rede von Botschafterin Ferraro

GENF - (AD) - Der Leiterin der amerikanischen Delegation bei der 52. Sitzung der UN-Kommission für
Menschenrechte in Genf, Botschafterin Geraldine Ferraro, zufolge ist beim Streben nach Frieden im Nahen Osten
zuviel erreicht worden, um eine Handvoll Extremisten den Friedensprozeß vereiteln zu lassen. "Die Feinde des
Nahost-Friedensprozesses sind die Feinde der Menschenrechte", erklärte sie am 21. März 1996.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafterin Ferraro im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, im Namen der amerikanischen
Delegation möchte ich Sie zu Ihrer Wahl als diesjähriger Vorsitzender der Menschenrechtskommission
beglückwünschen. Wir müssen uns in dieser Sitzungsperiode mit vielen wichtigen Themen befassen,
und ich bin zuversichtlich, daß wir dank Ihres kompetenten Vorsitzes die meisten von ihnen abhandeln
können.
Die Menschenrechte nehmen einen besonderen Platz
in dieser komplexen, konkurrierenden und zunehmend
interdependenten Welt ein. Auf der einen Seite stehen
sie für das höchste Streben der Menschheit. Auf der
anderen Seite ist die Tatsache, daß wir ihnen so häufig
nicht gerecht werden, eine konstante Erinnerung an
die Arbeit, die wir alle noch leisten müssen. So
langsam und frustrierend die allmähliche Artikulierung
der Menschenrechte manchmal auch erscheinen
mochte, war sie doch eine der wichtigsten Errungenschaften der vergangenen 50 Jahre. Wir müssen nur
auf die Meilensteine zurückblicken, die wir gesetzt
haben: Die Charta der Vereinten Nationen, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die Schlußakte von Helsinki und in jüngerer Zeit das Wiener
Dokument sowie die Plattform der Pekinger Frauenkonferenz.
Die in diesen Dokumenten verankerten oder bekräftigten Menschenrechte werden jetzt von praktisch jeder
Nation der Welt anerkannt. Das ist das Versprechen
der Menschenrechte. Es ist daher unsere Pflicht, auf
unseren bisherigen Errungenschaften aufzubauen und
aus dem Versprechen der alten Welt eine neue zu

AMERIKA DIENST 07

gestalten. Das ist eine kolossale Herausforderung.
Aber wir müssen uns ihr stellen. Wir können damit
beginnen, wenn jede Nation ernsthafte Anstrengungen
unternimmt, die Menschenrechtsvereinbarungen in die
Praxis umzusetzen, denen sie bereits zugestimmt hat.
Unser heutiges Thema ist der Nahe Osten, eine
Region, in der Hoffnung und Verzweiflung noch jeden
Tag miteinander ringen. Es ist eine Region, Herr
Vorsitzender, in der die Neue Welt, über die wir so
häufig gesprochen haben - eine Welt des Friedens und
der Versöhnung - noch immer auf die Probe gestellt
wird. Und dennoch wurden wir Zeuge, wie das
scheinbar Unmögliche Realität wurde. Der einstmals
undenkbar scheinende Frieden zwischen Arabern und
Israelis besteht seit nunmehr vier Jahren. Zusammen
mit Ägypten haben die Palästinenser und Jordanien
Friedensabkommen mit Israel unterzeichnet. Die
Belohnung ließ nicht lange auf sich warten. Der
Frieden bedeutete die Autonomie der palästinensischen Regierung für die Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen für einen fünf Jahre nicht
überschreitenden Zeitraum bis zur endgültigen Lösung
auf der Grundlage der Resolutionen 242 und 338. Er
bewirkte auch den Abzug der israelischen Streitkräfte
aus den größeren palästinensischen Städten und
umliegenden Dörfern, Wahlen für einen palästinesischen Rat und den Leiter seiner Exekutivbehörde
sowie die Einrichtung einer beeindruckenden Vielfalt
ziviler und politischer Institutionen.
Für Jordanien bedeutete der Frieden die Entwicklung
vielfältiger neuer Beziehungen zu Israel. Für beide

Seite 1

�Staaten lebenswichtige Fragen wie Wassernutzung
sind jetzt Gegenstand häufiger Konsultationen zwischen ihnen. Und viele andere arabische Staaten vom Golf bis Nordafrika - bereiten sich auf den sich
rasch entwickelnden regionalen Markt des Nahen
Ostens vor, der wirtschaftliche Vorteile für nahezu 100
Millionen Menschen verspricht.
Ich bin sicher, alle hier Anwesenden sind sich der
Bedeutung bewußt, die die Vereinigten Staaten dem
jetzt im Nahen Osten eingeleiteten Prozeß des Friedens und der Aussöhnung beimessen. Keine Nation
hat härter als wir gearbeitet, um den Arabern und
Israelis bei der Überwindung der Antipathien der
Vergangenheit behilflich zu sein und einen gerechten
und dauerhaften Frieden für alle Menschen der Region
zu sichern. Niemand darf irgendwelche Zweifel an
unserer Absicht hegen, den Prozeß weiter voranzubringen. Es erforderte großen Mut, die Bande des
Krieges und des Mißtrauens zu durchtrennen, die die
Völker des Nahen Ostens nahezu 50 Jahre lang in
einem Kreislauf von Gewalt, Haß und Vergeltung
gefangenhielten. Viele haben ihren Mut mit dem
Leben bezahlt. Aber Frieden - echter Frieden - hat
viele Helden. Es sind nicht nur die visionären Politiker,
die einem Land Hoffnung brachten, das so viele Jahre
des Krieges erlebte. Auch die Bürger haben einen
außerordentlichen Beitrag geleistet. In Städten und
Dörfern der Region haben Hunderttausende Araber
und Israelis begonnen, einander die Hand der Freundschaft und Zusammenarbeit zu reichen. Auch sie sind
Helden - denn ihnen gebührt der Tribut für die monumentale Arbeit am Aufbau des Friedens - eines
Friedens, der Bestand haben kann.
Das Versprechen des Friedens ist so groß, daß kein
Mörder oder Selbstmordkommando es zerstören kann.
Von den Zitrushainen im Gazastreifen bis zum See
Genezareth treibt Hoffnung die Geschichte voran.
Einige sind jedoch entschlossen, das Rad der Geschichte zurückzudrehen - Menschen mit krankem
Geist, die sich am Leiden anderer erfreuen und mit
Bombenanschlägen auf Autobusse und terroristischen
Gewaltakten auf sich aufmerksam machen wollen.
Man sagt uns, dies diene einem höheren Ziel als dem
Frieden. Das ist völliger Unsinn. Dies sind Akte der
Verzweiflung, Arroganz und Feigheit.
Die Terroristen der Hamas und der islamischen
Dschihad haben die Zeiten und ihr eigenes Volk falsch
eingeschätzt. Die Menschen, die sie zu vertreten
behaupten, setzen ihr Vertrauen in Frieden, nicht in
Terror. Die Hoffnung hat im Nahen Osten grundlegende Veränderungen und mehr Fortschritte zu einem
gerechten Frieden gebracht, als dies ein Krieg jemals
tun könnte. Es ist folglich nicht überraschend, daß
nach dem Anti-Terror-Gipfel in Scharm-el-Scheich am
13. März Araber und Israelis gleichermaßen die
Bombenanschläge in Israel als feige Akte verurteilten.

Seite 2

Vielleicht überrascht es auch nicht, daß ein paar
Fehlgeleitete immer noch davon überzeugt sind, sie
allein hätten das Recht zu entscheiden, wer leben darf
und wer sterben soll. Das Überraschende ist, daß sie
glauben, die Menschen würden sie unterstützen. Es
steht außer Frage, daß die Weichen für den Frieden
wieder gestellt werden können - und das werden sie
auch. Die Nationen der Welt haben in Scharm-elScheich deutlich gemacht, daß sich die Regeln im
Nahen Osten geändert haben. Die Kämpfe zwischen
Arabern und Israelis gehören der Vergangenheit an.
Bedauerlicherweise suchen diejenigen, die den Lauf
der Geschichte nicht akzeptieren wollen, jetzt nach
einem anderen Schlachtfeld. Sie verüben Terroranschläge gegen die Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit.
Herr Vorsitzender, sie dürfen nicht obsiegen. Wir
dürfen nicht tatenlos zusehen, wie eine Handvoll
Extremisten dem Friedensprozeß entgegenwirkt. Es
wurde schon zu viel erreicht als daß wir zulassen
könnten, daß ein paar verzweifelte Terroristen über die
Zukunft von Millionen Menschen im Nahen Osten
entscheiden. Wir müssen uns jetzt klar und deutlich
äußern. Die Feinde des Nahostfriedensprozesses
sind die Feinde der Menschenrechte. Vergangenes
Jahr nahm die Kommission einstimmig eine positive
Nahostresolution an. Die Vereinigten Staaten unterstützen dieses Jahr erneut eine solche Resolution.
Durch ihre erneute einhellige Billigung bei dieser
Sitzung sendet die Kommission die wichtige Botschaft,
daß wir den direkten Zusammenhang zwischen dem
Friedensprozeß und der Verbesserung der Menschenrechte im Gazastreifen und im Westjordanland
anerkennen. Wir begrüßen den Vorschlag des
Sonderberichterstatters, sein Mandat zu überprüfen
und zu erweitern. Ferner ist es unseres Erachtens an
der Zeit, der überflüssigen Rhetorik ein Ende zu
setzen, die in der Vergangenheit allzu oft charakteristisch für die einseitigen Resolutionen der Kommission
war. Die Kommission muß die veralteten und sich
wiederholenden jährlichen Resolutionen abschaffen,
die unter diesem Tagesordnungspunkt hervorgebracht
wurden. Wir sind der Ansicht, daß Punkt 4 der Tagesordnung unnütz ist und daher abgeschafft werden
sollte. Da der Frieden im Nahen Osten Fuß faßt, sollte
jede Überlegung zu Menschenrechtsproblemen unter
Punkt 10 erfolgen, wie es bei jedem anderen Land
auch geschieht. Diese Kommission muß sich erneut
der Unterstützung des Friedensprozesses widmen.
Die jüngsten Ereignisse beweisen, daß es noch Feinde
des Friedens gibt. Wir wollen sie nicht ermutigen. Wir
wollen ein für allemal zeigen, daß jede Delegation bei
dieser Kommission fest und unerschütterlich auf der
Seite des Friedens und der Menschenrechte im Nahen
Osten steht. Das sind wir uns selbst und der Geschichte schuldig.
Ich danke Ihnen.

AMERIKA DIENST 07

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                <text>&lt;strong&gt;1. Haushalt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: Ausgleich des Bundeshaushalts in sieben Jahren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Haushaltsvorlage des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Außenpolitik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Der Haushalt für internationale Angelegenheiten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Christopher&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinigten Staaten, Deutschland und Israel - ein gemeinsames Schicksal&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von J.D. Bindenagel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Zukunft der deutsch-amerikanischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von J.D. Bindenagel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Abrüstung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention im Frühjahr angestrebt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung von Verteidigungsminister Perry&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;UNHCR soll Friedensprozess unterstützen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafterin Ferraro&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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18

3. Mai 1972

Inhalt
INFORMATION:
Verifizierungsproblem weiterhin im Mittelpunkt der Genfer Abrüstungskonferenz
•Vertagung bis zum 2o. Juni«

Presseausweise für TRANSPO 72
-Mitteilung für Korrespondenten-

DOKUMENTATION:
Präsident Nixon kündigt weiteren Truppenabzug aus Vietnam an
-Wortlaut der Fernseh-und Rundfunkansprache vom 26. April«

WIRTSCHAFT:
Konsultationsgespräche zwischen den USA und der EWG waren überaus
nützlich
-Samuels zieht Bilanz-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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18/1972

VERIFIZIERUNGSPROBLEM WEITERHIN IM MITTELPUNKT DER
GENFER ABRÜSTUNGSKONFERENZ

-Vertagung bis zum 20. JuniGENF --(AD)-- Die Genfer Abrüstungskonferenz hat in den neun Verhandlungswochen während ihrer Frühjahrstagung einige der Hauptschwierigkeiten, die
überwunden werden müssen, ehe ein internationales Verbot der chemischen
Waffen erzielt werden kann, schärfer ins Licht gerückt.
Außerdem wurden bei den Debatten die noch weiterhin bestehenden Differenzen in Bezug auf das andere vordringliche Projekt deutlich, das die Konferenz sich in diesem Jahr vorgenommen hat - den Abschluß eines Vertrages
über das Verbot unterirdischer Kernwaffenversuche.
Die Konferenz,die am 29. Februar ihre Sitzung eröffnet hatte, vertagte
sich am 27. April auf den 20. Juni.
Der amerikanische Delegationsleiter, Botschafter Joseph Martin, betonte
in seiner Rede auf der Abschlußsitzung, er rechne zuversichtlich damit, daß
während der Sommersitzungen eine fruchtbare und zusätzliche Arbeit in Bezug
auf das Problem der chemischen Waffen geleistet werden könne. Die Vorbedingungen dafür seien geschaffen. Auch die Bemühungen um einen Vertrag, der unterirdische Atomwaffenversuche verbietet, seien fortgesetzt worden, ohne daß sich
hier allerdings Fortschritte schon deutlich abzeichneten.
Botschafter

�Botschafter Martin wies in diesem Zusammenhang noch einmal auf das Arbeitsprogramm hin, das die Vereinigten Staaten am 21. März vorgelegt hatten, und gab
seiner Überzeugung Ausdruck, daß dieses Programm die Untersuchung des Problems
der C-Waffen aktiviert und einen Dialog innerhalb der Konferenzdelegation in
Gang gebracht habe, der für alle fruchtbar sein werde.
In dem von den USA vorgelegten Arbeitsprogramm werden die technischen und
wissenschaftlichen Probleme präzisiert, die gelöst werden müssen, ehe man zu
einem Abkommen über ein Verbot der chemischen Waffen gelangen kann. Gleichzeitig wird eine Reihe von Methoden und Möglichkeiten zur Lösung dieser Probleme
vorgeschlagen.
Die Vereinigten Staaten hatten an dem von der Sowjetunion eingebrachten
Entwurf einer Konvention über das Verbot chemischer Waffen Kritik geübt, da er
nach amerikanischer Auffassung Mängel enthält. Der Entwurf war am 28. März von
der Sowjetunion und sechs ihrer Verbündeten vorgelegt worden. Die kritischen
Einwände der USA gegen diesen Entwurf waren aber bei weitem nicht so scharf
wie die verschiedener anderer Mitglieder der Konferenz.
Der sowjetische Entwurf enthält nur eine einzige Klausel, die sicherstellen soll, daß die vorgeschlagene Konvention auch eingehalten wird - nämlich die
Anrufung des Weltsicherheitsrates im Falle des bestehenden Verdachts eines Verstosses gegen die Bestimmungen der Konvention. Dies wäre identisch mit der Bestimmung, die in die am 10. April in Washington, London und Moskau unterzeichnete Konvention über Toxine und biologische Waffen aufgenommen wurde.
Viele Länder vertraten die Auffassung, daß ein solches Verfahren für biologische Waffen wohl ausreichend sei, da diese als wenig geeignetes Instrument
für die Verteidigung gegenüber einem Angriff angesehen werden, daß es aber
nicht genüge, um die Einhaltung der Bestimmungen eines Verbots chemischer Waffen
zu sichern. Die chemischen Waffen seien als Kampfmittel erprobt, so wurde argumentiert, und ihr Besitz gebe einem Staat ein starkes Abschreckungsmittel gegen
einen anderen in die Hand, der einen Angriff mit chemischen Waffen führe.
Botschafter

�Botschafter Martin sprach in diesem Zusammenhang die Hoffnung aus, daß
sich keine der Delegationen der Abrüstungskonferenz im derzeitigen Verhandlungsstadium auf die Haltung versteifen werde, daß ein bloßes Beschwerdeverfahren,
wie es die Konvention über die biologischen Waffen vorsieht, die beste und
alleinige Gewähr sei, die man für eine Konvention über chemische Waffen erlangen
könne.
Andere Konferenzmitglieder haben weitaus nachdrücklicher und schärfer auf
diese im sowjetischen Vertragsentwurf bestehende Lücke hingewiesen. Noch ehe der
Entwurf der Konferenz unterbreitet worden war, hatte die schwedische Delegierte Alva Myrdal am 14. März vor der Konferenz erklärt, daß Schweden die in der
biologischen Konvention enthaltene Kontrollklausel nicht als geeignetes Modell
ansehe. Aufgabe der Konferenz sei es, eine befriedigendere Formel zu finden.
Botschafter Martin betonte in seiner Rede während der Abschlußsitzung, daß
die Vereinigten Staaten noch keine Entscheidung über eine ihnen am besten erscheinende Lösung für das Problem der Kontrolle der chemischen Waffen getroffen
hätten. Es sei jedoch logisch und sinnvoll, so sagte der Botschafter weiter, daß
die Konferenz die Grundelemente einer möglichen Begrenzung eingehend prüfe.
Diese Prüfung werde es den Vereinigten Staaten erleichtern, zu Schlußfolgerungen
über praktisch durchführbare Lösungen zu gelangen.
Die Frage der Verifizierung ist es auch, die letztlich den Differenzen in
Bezug auf das Problem der Einstellung unterirdischer Kernwaffenversuche zugrunde
liegt.
Seit Jahren hat die Sowjetunion behauptet, daß hochempfindliche, weite
Räume erfassende Meßinstrumente imstande seien, die Einhaltung eines solchen
Verbotes zu sichern - daß man mit ihnen heimlich durchgeführte Tests aufspüren,
zwischen solchen und natürlichen Erdbeben unterscheiden und den, der gegen die
Vertragsbestimmungen verstößt, überführen könne.
Die Vereinigten Staaten bezweifeln, daß dies möglich ist. Botschafter
Martin hatte in einer Rede am 21. April auf der Abrüstungskonferenz den Stand-

�«

Standpunkt der Vereinigten Staaten noch einmal unterstrichen, daß "trotz
jüngster Verbesserungen in den seismischen Methoden zur Entdeckung und Identifizierung unterirdischer Explosionen eine wirksame Verifizierung eines Verbots
unterirdischer Versuche die Inspektion an Ort und Stelle einschließen m u ß ,
w e n n das notwendige M a ß v o n Sicherheit gegeben sein soll, das für jedes Verbot
einer entscheidend w i c h t i g e n W a f f e w e s e n t l i c h i s t . "
Verschiedene Staaten haben m ö g l i c h e W e g e und M e t h o d e n zur Überbrückung dieser zwischen den Positionen der Supermächte bestehenden Kluft vorgeschlagen. Dazu gehören der Vorschlag eines Moratoriums für unterirdische K e r n w a f f e n v e r s u c h e ,
bis m a n zu einer Einigung über die Verifizierung bindender Vertragsbestimmungen
gelangt ist, sowie die Idee eines "Schwellen"-Grenzwertes, durch den die Stärke
der Versuche beschränkt w e r d e n soll, die in einer Interimsperiode gestattet sein
w ü r d e n , während m a n sich um ein Übereinkommen in der Frage der Verifizierung bemüht.
Hinter dem Schwellenplan steckt die Überlegung, dais weitreichende Meßinstrumente, über deren Verlässlichkeit m a n im Falle kleiner Kernwaffenexplosion e n unterschiedlicher Meinung sein k a n n , allgemein doch für ausreichend sicher
zur Entdeckung und Identifizierung größerer D e t o n a t i o n e n angesehen w e r d e n .

IM I I I i

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18/1972

PRESSEAUSWEISE FÜR TRANSPO 72

-Mitteilung für Korrespondenten-

WASHINGTON --AD-- Für die TRANSPO 72 - United States International Transportation Exposition (Internationale Verkehrsausstellung in den USA) die vom 27. Mai bis 4. Juni auf dem üulles International Airport bei
Washington, D.C. stattfindet, können Korrespondenten aller Medien jetzt
Presseausweise beantragen. Anträge sind zu richten an:

John F. Judge, IE-30
TRANSPO 72
800 Independence Avenue, S.W.
WASHINGTON, P.C. 20591
USA
Telegrammanschrift: TRANSPO
Telefon:

202/426-8955

Schriftliche oder telegrafische Anträge müssen enthalten:
Namen und/oder Auftraggeber, Zahl der beantragten Presseausweise und
volle Anschrift. Für jeden Presseausweis muß ein Antragsformular eingereicht
werden. Die Zulassungen werden bis zum 18- Mai 1972 mit der Post versandt:
-1-

�nach diesem Datum ausgestellte Presseausweise können am Presseschalter der
TRANSPO 72 neben dem Haupteingang der Ausstellung abgeholt werden.
Für die akkreditierten Korrespondenten wird eine große Pressezentrale
als Arbeitsraum zur Verfügung stehen.

-2-

�. amerika dienst
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18/1972

PRÄSIDENT NIXON KÜNDIGT WEITEREN TRUPPENABZUG AUS VIETNAM AN
-Wortlaut der Fernseh-und Rundfunkansprache vom 26.April»

WASHINGTON--(AD)~« Präsident Nixon hat in seiner Fernseh-und Rundfunkansprache am 26. April bekanntgegeben, daß während der nächsten beiden Monate
weitere 20 000 amerikanische Soldaten aus Vietnam nach den USA zurückkehren
werden. Damit werde sich die amerikanische Truppenstärke in Vietnam bis zum
1. Juli auf 49 000 Mann verringern.
Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:
"Während der letzten drei Wochen haben Sie gelesen und gehört, daß eine
massive Invasion Südvietnams durch die kommunistischen Armeen Nordvietnams
im Gange ist.
Heute abend möchte ich Ihnen aus erster Hand einen Bericht über die
militärische Situation in Vietnam, über die von mir hinsichtlich der Rolle
der amerikanischen Truppen in diesem Konflikt getroffenen Entscheidungen
sowie über die Bemühungen geben, die wir übernehmen, um am Verhandlungstisch
den Frieden zu erreichen.
Lassen Sie mich damit beginnen, daß ich einen kurzen Überblick über die
Situation bei meinem Amtsantritt gebe, sowie über die Maßnahmen, die wir
seither ergriffen haben, um das amerikanische Engagement im Krieg zu beenden,
und dem seit so vielen Jahren leidenden Volk Südostasiens Frieden zu bringen.
Am

-1-

�Am 20. Januar 1969 betrug die amerikanische Truppenstärke in Vietnam
549 000 Mann. Unsere Verluste beliefen sich bis zu 300 Mann wöchentlich. In jedem
Monat wurden 30 000 junge Amerikaner eingezogen.
Heute, 39 Monate später, wird die Zahl der in Vietnam stationierten Amerikaner aufgrund unseres Vietnamisierungsprogramms, das den Südvietnamesen bei der
Entwicklung ihrer Selbstverteidigung hilft, bis zum 1. Mai auf 69 000 Mann reduziert sein. Unsere Verluste, selbst während der gegenwärtigen umfassenden gegnerischen Offensive sind um 95 Prozent reduziert worden. Gegenwärtig erhalten
weniger als 5 000 Mann im Monat Gestellungsbefehle und wir hoffen, diese Zahl im
nächsten Jahr auf Null senken zu können.
Wie ich in meiner Fernsehansprache an die Nation am 25. Januar mitteilte,
haben wir sowohl in öffentlichen als auch in vertraulichen Verhandlungssitzungen
die großzügigsten Friedensbedingungen angeboten. Unser jüngster Vorschlag enthielt eine sofortige Feuereinstellung, den Austausch aller Kriegsgefangenen, den
Abzug aller unserer Streitkräfte innerhalb von sechs Monaten sowie international
überwachte neue Wahlen in Vietnam, bei denen alle politischen Elemente einschließlich der Kommunisten beteiligt sein und mitwirken sollten. Einen Monat vor Abhaltung dieser Wahlen würden Präsident Thieu und Vizepräsident Huong zurücktreten.
Hanois verächtliche Antwort auf dieses Angebot war einmal die Weigerung, unsere Vorschläge auch nur zu erörtern, und gleichzeitig eine massive Eskalation ihrer
militärischen Tätigkeit auf dem Schlachtfeld. Im Oktober letzten Jahres, im gleichen Monat, da wir dieses Friedensangebot an Hanoi unterbreiteten, ging aus unseren Geheimdienstberichten hervor, daß der Gegner einen größeren Angriff vorbereitete. Wir hielten uns jedoch bewußt von einer militärischen Antwort zurück. Statt
dessen setzten wir geduldig die Pariser Gespräche fort, weil wir dem Gegner jede
Chance geben wollten, am Verhandlungstisch eine ausgehandelte Lösung zu erreichen,
statt einen militärischen Sieg auf dem Schlachtfeld zu suchen - einen Sieg, den
wir nicht zulassen können.
Und schließlich, vor drei Wochen, am Osterwochenende begannen sie mit ihrer
Invasion Südvietnams. Drei nordvietnamesische Divisionen drangen über die ent-

-2-

�entmilitarisierte Zone nach Südvietnam vor, und zwar unter Verletzung der von
ihnen im Jahre 1954 unterzeichneten Verträge sowie unter Verletzung der grundlegenden Verständigung, die sie mit Präsident Johnson im Jahre 1968 erreicht hatten,
als dieser die Bombardierung Nordvietnams als Gegenleistung für ein Arrangement
einstellte, das die nordvietnamesische Verpflichtung einschloß, die entmilitarisierte Zone nicht zu verletzen. Kurz nach der über die entmilitarisierte Zone
hinweggetragenen Invasion drangen drei weitere nordvietnamesische Divisionen weiter im Süden in Südvietnam ein. Im Zuge der zunehmenden Offensive nahm der Gegner
unter flagranter Verletzung der Absprache über einen Stopp der Bombardierungen
von 1968 wahllos zivile Bevölkerungszentren unter Beschuß.
Die Fakten sind klar. Gegenwärtig kämpfen mehr als 120 000 nordvietnamesische Soldaten im Süden. Zwölf der dreizehn regulären nordvietnamesischen Kampfdivisionen haben ihr eigenes Land verlassen, um einen Aggressionskrieg auf das Gebiet ihrer Nachbarn zu tragen. Welchen Vorwand sie auch immer benutzten, um von
einem Bürgerkrieg in Südvietnam zu sprechen, davon kann nun keine Rede mehr sein.
Was wir hier miterleben - was dem vietnamesischen Volk brutal auferlegt wird ist ein klarer Fall nackter und unprovozierter Aggression über eine internationale
Grenze hinweg. Das einzige Wort dafür heißt: Invasion,
Diesem massiven Angriff widerstanden zu Lande ausschließlich südvietnamesische Streitkräfte und in einem Gebiet südkoreanische Streitkräfte. Amerikanische Bodentruppen waren nicht beteiligt, und es werden auch keine beteiligt sein.
Zur Unterstützung dieser Verteidigungsanstrengung der Südvietnamesen habe ich Angriffe auf militärische Ziele des Gegners sowohl in Süd-als auch in Nordvietnam
durch amerikanische Luft-und Seestreitkräfte angeordnet.
Ich habe einen Bericht vor mir liegen, den ich heute morgen von General
Abrams erhalten habe. Er beurteilt die Lage wie folgt:
1. Die Südvietnamesen kämpfen in ihrer Selbstverteidigung tapfer und gut
und fügen der eindringenden Streitmacht, die nicht den leichten Sieg errang, den
manche vor drei Wochen vorausgesagt hatten, sehr schwere Verluste zu.
2^
-3-

�2. Unsere Luftangriffe sind von entscheidender Bedeutung für den Schutz
unserer eigenen verbleibenden Streitkräfte und für die Unterstützung der Südvietnamesen in ihren Anstrengungen, ihre Heime und ihr Land vor einer kommunistischen Eroberung zu schützen.
3. General Abrams sagt voraus, daß noch mehrere Wochen sehr harter Kämpfe
folgen werden, bei denen die Südvietnamesen einige Schlachten verlieren und
einige gewinnen werden. Er ist jedoch überzeugt, daß es bei einer Fortsetzung
unserer Unterstützung in der Luft und zur See dem Gegner nicht gelingen wird,
sein verzweifeltes Spiel zu gewinnen, Südvietnam ein kommunistisches Regime
aufzuzwingen, und daß die Südvietnamesen dann ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt haben werden, sich zu Lande selbst gegen künftige gegnerische Angriffe
zu verteidigen.
Gestützt auf diese realistische Beurteilung von General Abrams und nach
Konsultation mit Präsident Thieu, Botschafter Bunker, Botschafter Porter und
meinen Hauptberatern in Washington habe ich heute abend drei Entscheidungen mitzuteilen:
1. Ich bin zu dem Schluß gekommen, daß sich die Vietnamisierung als ausreichend erwiesen hat, so daß wir unser Programm des Abzugs amerikanischer
Truppen fortsetzen können, ohne daß dadurch unser Gesamtziel der Sicherung des
Fortbestandes Südvietnams als unabhängiges Land Schaden nimmt. Daher kündige
ich heute abend an, daß im Verlaufe der nächsten beiden Monate weitere 20 000
Amerikaner von Vietnam nach den USA zurückgebracht werden. Diese Entscheidung
findet die volle Zustimmung Präsident Thieus und General Abrams*. Dadurch wird
unsere Truppenstärke am 1. Juli auf 49 000 Mann gesenkt sein - eine Reduzierung
um eine halbe Million Mann, seit diese Administration ihr Amt übernahm.
2

Ich habe Botschafter Porter angewiesen, morgen an den Verhandlungstisch

in Paris zurückzukehren, allerdings mit einem sehr spezifischen Ziel vor Augen.
Wir nehmen die Pariser Gespräche nicht einfach wieder auf, um weitere leere Propaganda und bombastische Sprüche von den Delegierten Nordvietnams und des Vietcong

-4-

�Vietcong zu hören, sondern um mit dem konstruktiven Vorhaben, Frieden zu machen,
voranzukommen. Wir nehmen die Pariser Gespräche mit der festen Erwartung wieder
auf, daii über alle verfügbaren Kanäle produktive Gespräche folgen werden, die
einen raschen Fortschritt nach sich ziehen. Was uns angeht, so wird es unser vorrangiges Thema sein, den Gegner zu einer Einstellung seiner Invasion Südvietnams
und zur Rückkehr aller amerikanischen Kriegsgefangenen zu veranlassen.
Und schließlich habe ich angeordnet, daß unsere Luft-und Seeangriffe auf militärische Einrichtungen auf Nordvietnam so lange fortgesetzt werden, bis die
Nordvietnamesen ihre Offensive in Südvietnam beenden.
Ich habe den Vorschlag glatt zurückgewiesen, daß wir als Bedingung für die
Rückkehr an den Verhandlungstisch die Bombardierung Nordvietnams einstellen. Man
hat den Vereinigten Staaten dieses Paket schon einmal, nämlich im Jahre 1968,
verkauft, und wir werden es im Jahre 1972 nicht noch einmal kaufen.
Schauen Sie auf die Tatsachen: Bis zum 1. Juli werden wir über 90 Prozent
unserer Streitkräfte, die im Jahre 1969 in Vietnam stationiert waren, zurückgezogen haben. Bevor die Invasion des Gegners begann, hatten wir unsere Lufteinsätze
um die Hälfte verringert. Wir haben überaus großzügige Friedensbedingungen angeboten. Das einzige, was wir abgelehnt haben, ist,der Forderung des Gegners zuzustimmen, die gesetzmäßig konstituierte Regierung Südvietnams zu stürzen und an ihrer
Stelle dem Volk eine kommunistische Diktatur aufzuzwingen.
Wie Sie sich erinnern werden, habe ich bei zahlreichen Gelegenheiten, während
der letzten drei Jahre warnend darauf hingewiesen, daß - sollte der Gegner auf
unsere Friedensbemühungen mit einer Intensivierung des Krieges antworten - ich
aus drei Gründen handeln würde, um diesem Angriff zu begegnen:
um die dort verbleibenden amerikanischen Soldaten zu schützen; um die Fortsetzung unseres Abzugsprogramms zu ermöglichen und um zu verhindern, daß dem südvietnamesischen Volk gegen seinen Willen ein kommunistisches Regime aufgezwungen
wird mit dem unvermeidlichen Blutbad, das dann für Hunderttausende folgen würde,
die sich einer kommunistischen Aggression entgegenzustellen wagten.
Die
-5-

�Die Luft-und Seeangriffe der letzten Wochen sind durchgeführt worden, um
diese Ziele zu erreichen. Sie waren nur gegen militärische Ziele gerichtet, die
die Invasion des Süden unterstützen. Die Bombardierung wird erst aufhören, wenn
diese Invasion aufhört.
Den Kommunisten ist es nicht gelungen, das südvietnamesische Volk politisch
zu gewinnen. General Abrams ist der Überzeugung, daß es ihnen auch nicht gelingen wird, Südvietnam militärisch zu erobern. Die einzige Hoffnung, die ihnen
bleibt, ist, im Kongreß der Vereinigten Staaten und beim Volk der Vereinigten
Staaten den Sieg zu erringen, den sie unter der südvietnamesischen Bevölkerung
oder auf dem Schlachtfeld in Südvietnam nicht gewinnen können.
Die große Frage ist damit, wie wir, das amerikanische Volk auf diese letzte
Herausforderung reagieren werden.
Wollen wir uns vor Augen halten, worum es geht - nicht nur für Südvietnam,
sondern auch für die Vereinigten Staaten und für die Sache des Friedens in der
Welt. Wenn ein Land, von Großmächten mit den modernsten Waffen ausgerüstet, in
ein anderes Land einfallen und dieses erobern kann, dann werden andere Länder
dadurch ermutigt, genau das gleiche zu tun - im Nahen Osten, in Europa und an
anderen internationalen Gefahrenpunkten. Wenn die Kommunisten in Vietnam einen
militärischen Sieg erringen, dann würde sich das Kriegsrisiko in anderen Teilen
d-er Welt gewaltig vergrößern. Wenn jedoch andererseits die kommunistische Aggression in Vietnam fehlschlägt, dann wird sie auch anderswo in der Welt entmutigt,
und die Chancen für den Frieden steigen.
Wir machen nicht den Versuch, Nordvietnam oder irgendein anderes Land zu
erobern. Wir streben nach keinem Territorium und nach keinem Stützpunkt. Wir
haben die großzügigsten Friedensbedingungen angeboten - einen Frieden, der für
beide Seiten ehrenhaft,ist- wobei Südvietnam und Nordvietnam die Unabhängigkeit
des anderen respektieren.
Aber wir werden uns nicht besiegen lassen; und wir werden niemals unsere
Freunde einer kommunistischen Aggression preisgeben.
Wir

-6-

�Wir sind in diesem Konflikt sehr viel weitergekommen. Die Südvietnamesen
haben große Fortschritte erzielt und tragen gegenwärtig die Hauptlast des
Kampfes, Wir können jetzt den Tag sehen, an dem überhaupt keine Amerikaner
mehr dort beteiligt sein werden.
Wenn wir uns aber jetzt dem Ende dieser langen und schweren Auseinandersetzung nähern, dann müssen wir standfest sein. Wir dürfen nicht wanken,. Denn
alles, was wir im Laufe der Jahre gewagt und erreicht haben, steht in den kommenden Wochen und Monaten auf dem Spiel. Wenn wir unsere Freunde jetzt im Stich
lassen, werden wir ohne Frage auch uns selbst und unsere Zukunft im Stich lassen.
Wenn wir jetzt standhaft bleiben, werden zukünftige Generationen Amerika für
seinen Mut und seinen Weitblick in dieser Bewährungsprobe dankbar sein.
Das ist der Grund, warum ich sage: Laßt uns unsere Soldaten aus Vietnam
nach Hause zurückbringen; laßt uns den Krieg in Vietnam beenden, aber laßt uns
ihn in einer Weise beenden, daß die Brüder und Söhne der tapferen Männer, die
in Vietnam gekämpft haben, nicht eines Tages in einem anderen Vietnam kämpfen
müssen.
Jeder, der dieses Amt hier trägt, fühlt die schwere Last der Verpflichtung
gegenüber künftigen Generationen. Niemand, der dieses Amt hier trägt, hat das
Recht, irgendeine Maßnahme zu ergreifen, durch die die große Verpflichtung der
Führerschaft Amerikas in der Welt aufgegeben oder die Achtung vor dem Amt des
Präsidenten der Vereinigten Staaten geschwächt würde.
Zu Anfang dieses Jahres habe ich eine historische Reise nach Peking unternommen; im nächsten Monat werde ich nach Moskau reisen, wobei ich hoffe, daß
auch dies eine Reise für den Frieden sein wird. In den 18 Ländern, die ich als
Präsident besucht habe, habe ich große Achtung vor dem Amt des Präsidenten der
Vereinigten Staaten gefunden. Gestützt auf den Bericht Dr. Kissingers habe ich
Grund zu der Annahme, daß ich die gleiche Achtung vor der Präsidentschaft finden werde, wenn ich Moskau besuche.
Ich
-7-

�Ich weiß nicht, wer in den kommenden Jahren dieses Amt hier tragen wird.
Aber ich weiß wohl, daß auch zukünftige Präsidenten so wie ich Auslandsreisen
für den Frieden unternehmen werden. Wenn die Vereinigten Staaten in Vietnam die
Millionen Menschen, die sich auf uns verlassen haben, verraten, dann wird der
Präsident der Vereinigten Staaten, wer immer er auch sein mag, weder die Achtung

verdienen noch erfahren, die notwendig ist, wenn die Vereinigten Staaten auch weiterhin die große Rolle spielen sollen, die uns bei der Mitarbeit an der Schaffung
eines neuen Gebäudes des Friedens in der Welt bestimmt ist. Dies würde auf einen
Verzicht auf unsere Moral, auf eine Aufgabe unserer Führungsrolle unter den
Nationen sowie auf eine Einladung an die Mächtigen dieser Welt hinauslaufen,
über die Schwachen herzufallen. Damit würde dem Frieden die Chance genommen,die
der Frieden verdient. Das werden wir niemals tun.
Wollen wir uns also als Nation in einer entschlossenen und klugen Politik
des Friedens zusammenschließen - nicht eines Friedens der Kapitulation, sondern
eines Friedens in Ehren, nicht eines Friedens für unsere Zeit, sondern eines
Friedens für die zukünftigen Generationen.
Ich danke Ihnen und gute Nacht".

I I HIHI I M

-8-

�i

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18/1972

KONSULTATIONSGESPRACHE ZWISCHEN DEN USA. UND DER EWG
WAREN ÜBERAUS NÜTZLICH
-Samuels zieht Bilanz-

BRÜSSEL --(AD)-- Nach Ansicht des Stellvertretenden Staatssekretärs für
Wirtschaftliche Angelegenheiten im State Department, Nathaniel Samuels, waren
die Konsultativgespräche zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen
Gemeinschaft, die am 27. und 28. April in Brüssel stattfanden, "konstruktiv
und überaus nützlich". Samuels leitete die amerikanische Delegation, der ferner
der Staatssekretär im State Department, John Irwin, der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Zoll-und Handelsfragen, William Eberle, sowie der amerikanische Botschafter bei den Europäischen Gemeinschaften, J. Robert Schätzel, angehörten.
Wie Samuels nach Abschluß der Konferenz vor Journalisten mitteilte, konzentrierten sich die Gespräche in erster Linie auf die allgemeine Politik im
Hinblick auf die Zukunft der Beziehungen zwischen den USA und der Europäischen
Gemeinschaft. Dies gelte für die Art und Weise, in der der Konsultationsprozeß
fortgesetzt und vertieft werden solle sowie auch für spezifische Fragen, die
jetzt in Brüssel behandelt wurden.
Auch nach Ansicht des Mitgliedes der Europäischen Kommission, Ralf
Dahrendorf, der für die auswärtigen Beziehungen der Kommission zuständig ist
und die EWG-Delegation leitete, waren die Gespräche "überaus konstruktiv".
Samuels unterstrich, daß auf beiden Seiten der Wunsch vorhanden gewesen
sei, so weitgehend wie möglich in Handelsfragen zusammenzuarbeiten. Die USA und
-1-

�und die Gemeinschaft, so erklärte er. hätten die ''allgemeine Strategie" im Hinblick darauf erörtert, wie man sich in zukünftigen Verhandlungen mit Handelsfragen befassen wolle. Dazu habe auch gehört, wie in den Vereinigten Staaten und
in der Europäischen Gemeinschaft die notwendige Unterstützung zum Beginn weltweiter Gespräche zu erlangen seien. Der amerikanische Delegierte wies darauf
hin, daß seine Regierung sehr wahrscheinlich nicht in der Lage sein werde, den
amerikanischen Kongreß vor Anfang 1973 um die notwendige Gesetzgebung zur
Durchführung solcher Handelsverhandlungen zu ersuchen.
In Beantwortung einiger Fragen erklärte Samuels wörtlich:
"Meine persönliche Beurteilung der gegenwärtigen Situation in den Vereinigten Staaten im Hinblick auf einen Protektionismus ist folgende: Wir müssen zugeben, daß es gegenwärtig eine sehr beträchtliche protektionistische Strömung
in gewissen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit und auch im amerikanischen
Kongreß gibt, und zwar aufgrund vielerlei Bedingungen. Wir haben ein sehr großes
Zahlungsbilanzdefizit. Wir haben ein beträchtliches Arbeitslosenproblem., Es gibt
in einigen Bereichen unserer Industrie beträchtliche Verzerrungen und Anpassungsschwierigkeiten, die auf die hohen Importe zurückzuführen sind. Aus einer Vielzahl von Gründen ist daher die Neigung festzustellen gewesen, ein protektionistisches Denken in einigen Bereichen unserer Wirtschaft zu fördern.
Was die Regierung anbetrifft, so werden alle Anstrengungen gemacht, um diese
Strömung unter Kontrolle zu halten, während gleichzeitig Bemühungen unternommen
werden, um mit den grundlegenden Problemen fertig zu werden. Sollte es uns gelingen, unsere Zahlungsbilanz zu verbessern, sollte es uns gelingen, die Arbeitslosenrate wesentlich zu reduzieren - und in dieser Hinsicht hat es in jüngster
Zeit einige Verbesserungen gegeben - und sollte unsere Wirtschaft auch künftig
die Schwungkraft behalten, die sie in den letzten Wochen offensichtlich erlangt
hat, dann glaube ich, daß einige Aussicht darauf besteht, daß wir diese protektionistische Strömung mildern und die Kräfte für einen liberalen Handel mobilisieren können, die immer noch in großer Zahl in den Vereinigten Staaten vorhanden sind. Ich halte es für unwahrscheinlich, daß sich noch während der augenblicklichen Sitzung des Kongresses in diesem Jahr etwas in Form einer wichtigen
-2-

�wichtigen Gesetzgebung in Handelsfragen ergeben wird.... Ich glaube, daß wir
im nächsten Jahr nach den Wahlen und nach einer Verbesserung der Verhältnisse,
die ich vorher angeführt habe, in den USA ein besseres Klima für Maßnahmen in
Richtung auf eine weitere Handelsliberalisierung haben werden11.
Samuels wies auf die Notwendigkeit hin, das gesamte multilaterale Handelssystem wirksamer zu gestalten. Es gehe nicht nur darum, sich mit den Fragen zu
befassen, die für die Europäische Gemeinschaft und die USA von direktem Interesse seien, sondern man müsse auch überlegen, wie man gemeinsam die anderen
internationalen Gremien, an denen die USA und die Europäische Gemeinschaft beteiligt sind, wirksamer als in der Vergangenheit gestalten könne. Die soeben
in Brüssel beendeten Gespräche hätten sich in dieser Richtung bewegt.

-3-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verifizierungsproblem weiterhin im Mittelpunkt der Genfer Abrüstungskonferenz&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vertagung bis zum 20. Juni -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Presseausweise für TRANSPO 72&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Mitteilung für Korrespondenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon kündigt weiterhin Truppenabzug aus Vietnam an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Fernseh- und Rundfunkansprache vom 26. April -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Konsultationsgespräche zwischen den USA und der EWG waren überaus nützlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Samuels zieht Bilanz -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

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Nummer

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

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300

Information
und
Dokumentation

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3 . Mai 1973

18

Inhalt

INFORMATION
Fulbright-Stipendien

zum S t u d i u m i n d e n USA im S t u d i e n j a h r

1974/75

HINTERGRUNDMATERIAL
Rogers: Grundprinzipien d e r amerikanischen P o l i t i k b l e i b e n
- Rede d e s U S - A u ß e n m i n i s t e r s vom 2 3 . A p r i l

-

WIRTSCHAFT
Chancen u n d P r o b l e m e d e s O s t - W e s t - H a n d e l s
- Grundzüge d e r U S - P o l i t i k -

US-Handelsdefizit

auf niedrigstem Stand s e i t

18 Monaten

- Handelsminister warnt vor v o r e i l i g e n Schlüssen -

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

unverändert

�amerika dienst
United
53

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Telex:

miO

rmation

300

0 8 - 8 54 3 2

18/1973

FULBRIGHT-STIPENDIEN ZUM STUDIUM IN DEN USA IN STUDIENJAHR 1 9 7 4 / 7 5

-

(AD) - Auch f ü r d a s S t u d i e n j a h r

1974/75 kann d i e d e u t s c h e

Kommission w i e d e r k o m b i n i e r t e R e i s e - und A u f e n t h a l t s s t i p e n d i e n
an a m e r i k a n i s c h e n J o c h s c h u l e n an d e u t s c h e S t u d e n t e n v e r g e b e n .
müssen b i s zum 1 5 . J u n i

Fulbright-

zum S t u d i u m
Bewerbungen

1973 e i n g e r e i c h t w e r d e n , u n d zwar von i m m a t r i k u l i e r t e n

S t u d e n t e n b e i den Akademischen A u s l a n d s ä m t e r n d e r H o c h s c h u l e n .

In Abänderung d e r R i c h t l i n i e n werden Jungakademiker m i t abgeschlossenem
H o c h s c h u l s t u d i u m nunmehr an d e n D e u t s c h e n A k a d e m i s c h e n A u s t a u s c h d i e n s t e n

ver-

wiesen.

W e i t e r e Auskünfte e r t e i l e n d i e Akademischen A u s l a n d s ä m t e r d e r d e u t s c h e n
Hochschulen sowie d i e Fulbright-Kommission.

53 Bonn-Bad G o d e s b e r g 1
T h e a t e r p l a t z 1A
P o s t f a c h 208

+ + + ++

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Hintergrundmaterial

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18/1973

ROGERS: GRUNDPRINZIPIEN DER AMERIKANISCHEN POLITIK BLEIBEN UNVERÄNDERT
- Rede des US-Außenministers vom 2 3. April -

NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister William P. Rogers
hat am 23. April in einer Rede vor dem Overseas Press Club in New York erklärt, daß angesichts der veränderten Verhältnisse in der Welt eine Neuorientierung der Politik der Vereinigten Staaten unerläßlich sei,. !aß dies
aber keine fundamentale Änderung der erfolgreichen Grundprinzipien dieser
Politik bedeute. Rogers, der vor allem auf das Verhältnis der USA zu Europa
und zur NATO einging, betonte, daß die Vereinigten Staaten die feste Absicht
hätten, ihre Stärke in Europa aufrechtzuerhalten und nicht von ihren vertraglichen Sicherheitsverpflichtungen gegenüber anderen abzurücken.

Die richtungweisende Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden
Wortlaut:

Ich glaube, daß in unserem Lande völlige Übereinstimmung darüber besteht, daß eine wesentlich veränderte internationale Lage eine Neuorientierung
unserer Politik und unserer Programme erfordert. Die Administration und der
Kongreß stehen mitten in diesem Prozeß. Das bedeutet jedoch nicht, daß wir
die Politik fundamental ändern sollten, die wir in den letzten Jahren mit so
viel Erfolg verfolgt haben.

Sie alle kennen die großen Umrisse dieser Politik.
Wir

�I

Wir werden weiterhin unsere Beziehungen zur Volksrepublik China auf einer
stetigen und sich ausweitenden Basis verbessern. In dem Maße, in dem die Kontakte zunehmen, werden Freundschaft und Verständnis zwischen dem chinesischen
Volk und dem amerikanischen Volk wachsen. Unsere Hoffnung - und wie ich überzeugt bin, auch die ihrige (der Chinesen) - besteht darin, daß die sich entwickelnden politischen, sozialen und kommerziellen Beziehungen zur Volksrepublik China zur künftigen Stabilität im pazifischen Raum beitragen werden.

Wir werden uns bemühen, unsere Beziehungen zur Sowjetunion auf den Gebieten der Politik, des Handels, der Wissenschaft und der Technologie zu verbessern. Wir stehen jetzt in Phase II der SALT-Gespräche. In diesem Sommer
werden wir an der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa teilnehmen, und zwar mit der Absicht und der Entschlossenheit, unsere Bündnisse
mit der Europäischen Gemeinschaft, mit Japan oder mit anderen Nationen der
freien Welt, die sich auf Grund von vertraglichen Bindungen auf uns verlassen,
nicht zu schwächen.

In Indochina werden wir jeden möglichen diplomatischen Weg einschlagen jede diplomatische Möglichkeit nutzen -, um die volle Verwirklichung des Pariser
Abkommens herbeizuführen. Es ist nicht überraschend, daß viele ernste Probleme
verbleiben. Die Annäherung der Interessen und Einflüsse, die zu dem Abkommen
geführt hat, bleibt jedoch im Spiel. Daher bin ich überzeugt, daß bei erneuten
Anstrengungen seitens aller Beteiligten das Pariser Abkommen noch immer die
beste Aussicht - und nach meiner Überzeugung eine realistische Hoffnung - auf
Frieden und Stabilität in Indochina bietet.

Der Nahe Osten, wo Emotionen und Haß einen sinnvollen Dialog gelegentlich völlig unmöglich erscheinen lassen, bleibt weiterhin Anlaß zu großer
Besorgnis. Es ist jedoch jetzt immerhin schon fast drei Jahre her, daß die
Initiative der Vereinigten Staaten zu einer Waffenruhe zwischen Ägypten und
Israel geführt hat. Unser wichtigstes Nahziel wird darin bestehen, diese zerbrechliche Waffenruhe möglichst aufrechtzuerhalten, während wir gleichzeitig
versuchen, Verhandlungen unter den beteiligten Nationen zustandezubringen. Wenn

- 2 -

�t

Wenn es nun noch gelänge, einen Waffenstillstand in den aufhetzenden Reden,
einen Waffenstillstand in den kriegerischen Erklärungen unverrückbarer und
starrer Standpunkte und schließlich einen Waffenstillstand jeglicher Gewalttätigkeit von jedweder Seite zu erreichen, dann könnte nach meiner Überzeugung
ein Fortschritt im Sinne einer dauerhaften Lösung erzielt werden. Die Hauptbeteiligten haben erklärt, daß sie die Türen der Diplomatie offen halten
möchten. Wir möchten sie selbstverständlich gerne beim Wort nehmen.

Ich bin - sicherlich ebenso wie Sie - über den Fortschritt ermutigt, der
in den letzten Jahren in vielen Gebieten der Welt in den internationalen Angelegenheiten erzielt worden ist. Und ich bin zuversichtlich, daß bei einem
Anhalten der gegenwärtigen Trends ein Krieg unter großen Nationen vermieden
werden kann.

Das wird jedoch nicht leicht sein. In dem angenehmen Klima der Entspannung
gedeihen leicht Nachlässigkeit und Isolation.

So werden wir nicht nur die Politik des Präsidenten, die sich als so erfolgreich erwiesen hat, weiter verfolgen, sondern darüber hinaus auch gegen
eine Haltung angehen müssen, die eine Folge des Erfolgs ist.

Zum Beispiel können wir die kürzlichen Vorschläge nicht akzeptieren:

- die im Ausland stationierten amerikanischen Truppen in den kommenden
18 Monaten wesentlich zu reduzieren,
- die Rolle der Vereinigten Staaten bei der Bereitstellung von Material
und Dienstleistungen zur Verteidigung für andere Staaten so weit wie möglich
abzubauen und bis zum Jahre 1975 alle auf Schenkungsbasis gewährte Militärhilfe einzustellen, und
- die Richtung unserer Außenpolitik in den letzten 25 Jahren zu redivieren,
indem wir uns nach innen orientieren, unsere aktive Rolle in internationalen
Fragen radikal abbauen und Handelsschranken errichten.
So

- 3-

�&lt;

So verlockend solche Wege, oberflächlich betrachtet, auch sein mögen sie zu verfolgen, wäre töricht.

Erstens müssen die Vereinigten Staaten, wenn sie sich ihren Wohlstand
erhalten wollen, weiterhin in der übrigen Welt wirtschaftlich engagiert bleiben.
Ein immer größerer Teil unserer Wirtschaft ist, was das Wachstum anbetrifft, vom
Export abhängig - 31 Prozent unserer gesamten landwirtschaftlichen Erzeugung
und 14 Prozent unserer Fertigwaren werden gegenwärtig exportiert. Hinsichtlich
der Deckung unseres Erdölbedarfs sind wir zu 30 Prozent von Importen abhängig,
und dieser Prozentsatz nimmt ständig zu.

Das vorgeschlagene Handelsgesetz, das Präsident Nixon in diesem Monat
dem Kongreß unterbreitet hat, zielt darauf ab, daß die Vereinigten Staaten
auch weiterhin engagiert bleiben. Wir werden bei den Handels- und Währungsverhandlungen im kommenden Herbst darauf bestehen, daß die amerikanischen Exporte künftig fairer behandelt werden und der amerikanische Dollar nicht mehr
eine so drückende Last zu tragen hat. Es ist jedoch nicht das Hauptziel unserer
Wirtschaftspolitik in diesem Jahr, die amerikanische Wirtschaft auf ihrem derzeitigen Produktivitätsstand zu schützen, sondern ihr einen Ansporn zu weiterer
Expansion im Rahmen einer expandierenden Weltwirtschaft zu geben.

Zweitens müssen die Vereinigten Staaten, um die von uns allen herbeigewünschte stabile und friedliche Welt zu schaffen, ihre politischen und ihre
Verteidigungsverpflichtungen weiter einhalten.

In den letzten Jahren ist es uns gelungen, die Lasten der führenden Rolle
und der Sicherheit gerechter mit unseren Verbündeten aufzuteilen. Doch gibt
es auch weiterhin eine zentrale Rolle, die nur die Vereinigten Staaten spielen
können. Während wir uns darum bemühen werden, unsere Gegner in ein immer umfassenderes Netz von Verhandlungen hineinzuziehen, bleiben grundlegende Meinungsverschiedenheiten weiter bestehen. Der in den letzten Jahren erzielte dramatische Fortschritt ist nicht etwas Unwiderrufliches.
Angesichts

- 4-

�(

Angesichts dieser Tatsache ist die Regierung fest entschlossen, das sich
entwickelnde Gleichgewicht nicht durch einen einseitigen Abbau ihrer Stärke
aus dem Lot zu bringen.

In den letzten Jahren hat die Sowjetunion ihre Truppenstärke um 30 Prozent erhöht, ihren öffentlich bekanntgegebenen Militärhaushalt verdoppelt und
ihre Nuklearstreitkräfte ganz wesentlich verstärkt.

Die Volksrepublik China unterhielt während der letzten zehn Jahre das
größte Heer auf der Welt, verstärkte ihre Luft- und Seestreitkräfte und hat
ein Trägersystem für Nuklearraketen entwickelt.
Wir haben auf der anderen Seite unser Verteidigungspotential um rund
ein Drittel abgebaut. In Asien haben wir die Stärke unserer Truppen in den
letzten vier Jahren bereits um 70 Prozent verringert. Neben dem Abzug von
über einer halben Million Soldaten aus Vietnam haben wir unsere militärische
Präsenz in Korea, Japan, den Philippinen und anderen Gebieten um rund 70 000
Mann vermindert.

Eine weitere wesentliche Reduzierung der Truppenstärken jetzt könnte zu
Fehlschlüssen führen und sogar die neuen und noch delikaten Beziehungen stören,
die so behutsam angebahnt worden sind.

Beispielsweise ist unseres Erachtens die Aufrechterhaltung unserer Verteidigungskapazität besonders wichtig, damit Japan weiß, daß unsere Sicherheitsabkommen weiter gültig sind. Ein amerikanischer Rückzug aus Asien könnte
Japan leicht dazu veranlassen, neue Sicherheitsabmachungen, eine umfassende
Wiederaufrüstung und sogar eine Atomrüstung zu erwägen - ein Kurs, den es
sicherlich nicht gerne einschlagen möchte.

Der neue und bedeutsame Schwerpunkt unserer Politik, in Asien ein neues
Gebäude des Friedens zu errichten, liegt darin, den asiatischen Ländern, den
kleinen wie den großen, mehr Verantwortung für ihre eigene Verteidigung zu
übertragen. Alle unsere Verbündeten haben diesen Weg als richtig akzeptiert.
- 5-

�(

akzeptiert. Unser Programm für Sicherheitshilfe soll dies erreichen. Daher
lehnen wir eine wesentliche Kürzung der amerikanischen Sicherheitshilfe ab.
Sie würde unsere Bemühungen, unseren Verbündeten einen größeren Teil der Verantwortung zu übertragen, untergraben und könnte sie zu kostspieligen

und

Überreaktionen veranlassen, um nach neuen Garantien für ihre Sicherheit

zu

suchen, sie würden nicht nur feststellen, daß ihr Spielraum in den Verhandlungen eingeengt ist, sondern auch ihre wirtschaftliche Entwicklung würde
durch die Notwendigkeit beeinträchtigt werden, mehr für die Verteidigung ausgeben zu müssen.

Es ist für die Vereinigten Staaten ebenfalls wichtig, ihre Stärke in
Europa aufrechtzuerhalten, und wir haben voll und ganz die Absicht, dies zu
tun. Zu Beginn dieses Jahrhunderts war Europa ein Gebiet, für das fehlende
Stabilität typisch war und das somit innerhalb einer Generation

zur Brut-

stätte zweier überaus verheerender Kriege wurde. Die Vereinigten Staaten
mußten zu ihrem großen Kummer lernen, daß sie, so sehr sie sich dies auch
gewünscht hätten, sich aus diesen Kriegen praktisch nicht heraushalten
konnten. Als Folge davon haben wir nach dem zweiten Weltkrieg die Führung
beim Aufbau eines Gebäudes des Friedens übernommen, in dem unsere Stimme und
unsere Interessen für immer vertreten sein würden.

Gemäß dieser Übereinstimmung haben die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten

eine beachtliche Verteidigungsstruktur geschaffen. Aber vielleicht

noch wichtiger ist, daß unser Engagement in europäischen Sicherheitsfragen keine
Provokation für unsere Gegner bedeutet, sondern für unsere Verbündeten einfach
notwendig ist. Diese großartige Leistung unserer Diplomatie aufs Spiel zu
setzen - was wir bestimmt tun würden, wenn wir mit einer einseitigen Reduzierung unserer Truppen in Europa beginnen würden - ist sowohl unnötig als
auch gefährlich.

Wenn es jemals einen Zeitpunkt gegeben hat, an dem wir unsere Truppen
nicht einseitig aus Europa abziehen dürfen, dann ist dies bestimmt jetzt der
Fall - nämlich zu einer Zeit, da wir Verhandlungen mit den Ländern des
- 6 -

�des Warschauer Paktes über einen beiderseitigen Abbau der Truppenstärken
aufnehmen. Wenn wir einseitig unsere eigene Truppenstärke auf die Hälfte
verringern oder irgendeine andere wesentliche Reduzierung vornehmen, so würde
dies alle Aussichten auf erfolgreiche Verhandlungen über eine beiderseitige
Reduzierung zunichtemachen. Ein solcher Schritt würde ferner die westliche
Position auf der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in
diesem Sommer ernstlich beeinträchtigen.

Trotz dieser Tatsachen könnte es vielleicht ernsthafte Bemühungen im
Kongreß um eine wesentliche Kürzung der amerikanischen Truppenstärke in Europa
geben.

Folgende vernünftige militärische Gründe sprechen dafür, unsere Truppen
in Europa zu belassen. Die Streitkräfte, die eine potentielle Bedrohung für
die NATO darstellen, sind nicht verringert worden. So abweqig wir auch die
Möglichkeit einer direkten militärischen Aggression der Sowjets in Europa betrachten, Tatsache ist, daß die sowjetischen Streitkräfte heute stärker sind
als jemals zuvor. Sie sind gut ausgerüstet, gut ausgebildet und gut disloziert.
Über 600 OOO sowjetische Soldaten stehen in Osteuropa. Diese Streitkräfte
stützen sich auf über 9000 Panzer und 3000 taktische Flugzeuge.

Unter diesen Umständen müssen die amerikanischen und die NATO-Streitkräfte
als ernsthafte militärische Anstrengung gewertet werden und nicht lediglich
als "Stolperdraht." Die NATO ist heute in Wirklichkeit eine gewaltige Verteidigungsmacht. In Mitteleuropa zum Beispiel verfügt die NATO ungefähr über
die gleiche Zahl an Truppen wie der Warschauer Pakt.

Wir machen uns alle Sorgen über die Kosten unserer Verteidigung. Aber es
gibt noch ein anderes und weit größeres Anliegen, daß nämlich unsere Verteidigungsprogramme die grundlegenden Interessen unseres Landes fördern. Die Frage
ist, ob wir eine größere Verteidigung aufrechterhalten, als zum Schutz dieser
Interessen notwendig ist. Ich glaube nicht, daß dies der Fall ist.
Was

- 7 -

�Was sind die Tatsachen? Im Jahr 1968 machte das Verteidigungsbudget
neun Prozent des Bruttosozialprodukts aus. Im nächsten Jahr werden es sechs
Prozent sein. Dies ist keine untragbare Last für ein Land mit einem Bruttosozialprodukt von über einer Billion Dollar. Auf den Bundeshaushalt bezogen
wird die Verteidigung noch nicht ein Drittel der Gesamtausgaben des Bundes
ausmachen, während die Hälfte des Bundeshaushalts für soziale Programme
und menschliche Ressourcen bestimmt ist. Damit sind die Proportionen von vor
vier Jahren genau in ihr Gegenteil verkehrt worden.

Das Verteidigungsbudget für das kommende Jahr wird - an der Kaufkraft
gemessen - niedriger sein als jedes Verteidigungsbudget in den letzten zehn
Jahren. Dieses Verteidigungsbudget wird auf seinen Lohn- und Gehaltslisten
weniger Personen ausweisen, aus seinen Mitteln wird weniger Material beschafft
werden, es werden weniger Industrien beteiligt sein und es werden weniger
Stützpunkte unterhalten werden, als dies bei irgendeinem Verteidigungsbudget
seit 1950 der Fall war.

Seit 1968 hat die Nixon-Administration die Stärke unserer Streitkräfte
von 3,5 auf 2,3 Millionen verringert. Es sind also 1,2 Millionen Männer und
Frauen entlassen worden. In Divisionen, Schiffseinheiten und Flugzeugen gemessen haben unsere Streitkräfte ihren niedrigsten Stand seit 1951 erreicht.

Glücklicherweise scheint es heute nur wenig Kontroversen hinsichtlich
der Notwendigkeit zu geben, unsere nukleare Stärke aufrechtzuerhalten, wo wir
nunmehr in die zweite Runde von Gesprächen über strategische Nuklearwaffen
eintreten. Vielmehr konzentrieren sich die jüngsten Vorschläge für eine grundlegende Änderung der Verteidigungspolitik in erster Linie auf eine wesentliche
Verringerung der konventionellen Streitkräfte.

Diejenigen, die einen wesentlichen Abbau unserer allgemeinen Streitkräfte
befürworten, scheinen zu glauben, daß wir die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten ausreichend dadurch schützen können, daß wir uns stärker auf
unsere strategische Nuklearstreitmacht verlassen. Dies ist ein äußerst gefährlicher Gedanke in der Welt von heute.
Die
- 8-

�Die Zeit ist längst vorüber, da wir uns in erster Linie auf die Drohung
einer nuklearen Vergeltung verlassen konnten oder sollten, um vor einer Aggression gegen irgendein anderes Land abzuschrecken. Wir müssen über verschiedene
Optionen verfügen, die auf die verschiedenen Bedrohungen abgestellt sind, venn
potentielle Aggressoren Amerikas Verpflichtungen gegenüber unseren Freunden
und Verbündeten respektieren sollen.

Obwohl wir in den letzten vier Jahren beträchtliche Fortschritte beim
Abbau der internationalen Spannungen und bei der Übertragung der Verantwortung
für die örtliche Verteidigung an unsere

Verbündeten gemacht haben, bleibt

der Wettbewerbsgeist der Völker auch weiterhin das wichtigste Faktum im internationalen Leben. Wir haben immer noch viele Meinungsverschiedenheiten mit
anderen Ländern, die uns künftig in eine ernste Konfrontation führen können.
Sollten sich die Vereinigten Staaten vor eine solche Konfrontation gestellt
sehen, so muß der Präsident über verschiedene Erwiderungen, darunter auch
konventionelle, die glaubwürdig sind, verfügen können. Dies würde gewährleisten,
daß unsere Erwiderung ihrem Umfang nach so begrenzt wie möglich und doch wirksam sein könnte.

Wir konnten beträchtliche Reduzierungen im Umfang unseres militärischen
Apparates vornehmen, nicht weil wir uns einem Wunschdenken in bezug auf unsere
Gegner hingaben oder weil wir Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten
aufgaben. Im Gegenteil wir haben dies dadurch erreicht, daß wir konkrete Fortschritte in Richtung auf eine stabilere Welt erzielten - durch Aufbau der
Stärke unserer Verbündeten und durch Abbau der Spannungen zwischen den Großmächten

und durch Verringerung unserer militärischen Stärke in einer Weise,

die diesen geringeren Spannungen entspricht.

Zum ersten Mal zu unseren Lebzeiten bestehen realistische Aussichten auf
eine Welt, in der die Völker einen höheren Standard eines akzeptablen internationalen Verhaltens erreichen. Es bestehen realistische Aussichten auf eine
Welt, in der eine Lösung internationaler Streitfragen auf dem Verhandlungswege
deutlich die Oberhand über einseitige Drohungen oder die Zuflucht zur Gewaltanwendung gewinnt.
- 9-

�&lt;

Bei jeder wichtigen, die nationale Verteidigung betreffenden Frage
während der letzten 25 Jahre hat der Kongreß den Präsidenten unterstützt.
Wenn der Kongreß die Folgen einer größeren Kürzung unserer Verteidigung
oder einer einseitigen Verringerung unserer Truppenstärke in Europa eingehend und sorgfältig prüft, dann bin ich gewiß, daß er auch dieses Mal wieder
verantwortungsbewußt handeln wird.

+ + + + +

10

�amerika dienst
United

States

53 B o n n - B a d
Ttl:

Information

Wirtschaft

Service

G o d e s*6 e r g 1 , P o s t f a c h 3 0 0

89-3240

T e I e x : 08 - 8 54 32

18/1973

CHANCEN UND PROBLEME DES OST-WEST-HANDELS

Der S t a a t s s e k r e t ä r f ü r W i r t s c h a f t l i c h e
A n g e l e g e n h e i t e n im a m e r i k a n i s c h e n Außenm i n i s t e r i u m , William Casey, h a t i n e i n e r
Rede an d e r S t a a t s u n i v e r s i t ä t von G e o r g i a
i n Athens d i e Grundsätze d e r Ost-WestHandelspolitik der Vereinigten Staaten
a u f g e z e i g t . Der n a c h f o l g e n d e A r t i k e l g i b t
w e s e n t l i c h e Auszüge d e r Rede C a s e y s w i e d e r .

Die w i r t s c h a f t l i c h e n

Beziehungen d e r V e r e i n i g t e n S t a a t e n z u r Sowjetunion,

z u d e n L ä n d e r n O s t e u r o p a s u n d zum F e s t l a n d c h i n a s t e h e n an d e r S c h w e l l e
tiefgreifenden

eines

und r a s c h e n Wandels. Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n wünschen e i n e Nor-

malisierung der Wirtschaftsbeziehungen

zu den kommunistischen

Ländern.

Wir s t r e b e n d e n Aufbau u n d d e n A u s b a u d e s O s t - W e s t - H a n d e l s a l s A n g e l p u n k t
f ü r d e n Aufbau d e s F r i e d e n s a n . Wir b e t r a c h t e n w i r t s c h a f t l i c h e
a l s e i n e s t a r k e K r a f t d e s F r i e d e n s . Wir s t r e b e n e i n e v e r s t ä r k t e

Interdependenz
wirtschaftliche

Z u s a m m e n a r b e i t a n , um d i e m i l i t ä r i s c h e K o n k u r r e n z a b z u b a u e n . Nach u n s e r e r Auff a s s u n g w i r d d i e Hebung d e s L e b e n s s t a n d a r d s e i n e w i r t s c h a f t l i c h e
Spiel bringen,

Gleichung i n s

d i e m i t d e r n o t w e n d i g w e r d e n d e n Hinwendung z u H a n d e l u n d E n t w i c k -

l u n g z w a n g s l ä u f i g d i e Hinwendung z u Waffen a b b a u e n w i r d . W i r b e t r a c h t e n d e n
Handel und a l l d i e anderen Fäden w i r t s c h a f t l i c h e r

Beziehungen a l s Fäden, m i t

d e n e n e i n Gewebe d e s F r i e d e n s gewoben w e r d e n k a n n .
Was

-

1 -

�Was die Erfahrung im Handel mit den staatlich kontrollierten Volkswirtschaften Osteuropas und der Sowjetunion angeht, so ist uns Westeuropa weit
voraus. Die Europäische Gemeinschaft treibt etwa fünfmal so viel Handel mit
den staatlich kontrollierten Wirtschaften wie wir.

Eines der Hauptziele unserer Handelspolitik ist es, uns im Handel mit
den staatlich kontrollierten Wirtschaften eine gleiche Wettbewerbsposition
zu verschaffen, wie sie Westeuropa und Japan haben. Eines der Hauptziele
unserer Wirtschaftspolitik besteht darin, unter angemessener Berücksichtigung
unserer Sicherheitsinteressen so weit wie möglich zu gehen, um den Nachteil
zu beseitigen, den amerikanische Geschäftsleute haben, wenn sie nach der
Sowjetunion, nach Westeuropa oder nach Festlandchina verkaufen wollen.

Was die Chinesen anbetrifft, so vertreten sie die Auffassung, daß es
niemandem erlaubt werden soll, ihre Hilfsquellen zu entwickeln oder auszubeuten. Sie sind jedoch bereit, ihre Rohstoffe zu verkaufen. Sie sind heute
noch nicht bereit, Schulden einzugehen. Dies legt ihrer Kapazität, unsere
Waren zu kaufen, enge Grenzen auf, und es begrenzt ihre Fähigkeit, Entwicklungsprojekte in Angriff zu nehmen, wie sie die Sowjets durchzuführen bereit
zu sein scheinen, wenn man ihre Gespräche mit japanischen und amerikanischen
Interessenten an Erdgas und dem Düngemittelgeschäft verfolgt.

Die Sowjets sind hier großzügiger. Parteichef Breschnew hat kürzlich
erklärt, daß es für die wirtschaftliche Zusammenarbeit praktisch unbegrenzte
Möglichkeiten gebe. Diese Möglichkeiten werden jedoch offensichtlich außerhalb der überkommenen Formen des Handels liegen. Amerikanische Firmen mit notweniger Technologie, Ausrüstung und Märkten haben die Gelegenheit, an riesigen
Erz-, Öl- und Erdgasvorkommen und in riesigen Forsten zu arbeiten. Die Sowjets
suchen diese Art der wirtschaftlichen und kommerziellen Zusammenarbeit offensichtlich unter langfristigen Vereinbarungen über 10 bis 30 Jahre. Wenn amerikanische Firmen in dieser Klasse spielen wollen, dann werden sie sich zu großen
Entwicklungsprojekten zusammentun oder lernen müssen, ihre Waren gegen
sowjetische Waren einzutauschen, und Mittel und Wege finden müssen, um diese
Waren auf den Weltmärkten zu Geld zu machen.
Die
- 2-

�Die amerikanische Regierung s u c h t nach großen p o l i t i s c h e n

Richtlinien,

d i e Entwicklung des Ost-West-Geschäftes zu fördern und zu e r l e i c h t e r n .

Die

p o l i t i s c h e n und w i r t s c h a f t l i c h e n Beziehungen s i n d u n l ö s b a r m i t e i n a n d e r v e r f l o c h t e n . In E r k e n n t n i s d i e s e r Grundtatsache h a t P r ä s i d e n t Nixon schon zu Beginn s e i n e r Amtszeit a l l e s daran g e s e t z t , um i n den p o l i t i s c h e n Angelegenh e i t e n e i n b e t r ä c h t l i c h e s Maß an S t a b i l i t ä t zu g a r a n t i e r e n . Die Richtschnur
für d i e Normalisierung der W i r t s c h a f t s b e z i e h u n g e n zu den kommunistischen
Ländern i s t von Anfang an gewesen, daß w i r t s c h a f t l i c h e N o r m a l i s i e r u n g mit
dem F o r t s c h r i t t i n der Verbesserung der p o l i t i s c h e n Beziehungen

verknüpft

i s t . Das Tempo des F o r t s c h r i t t s im w i r t s c h a f t l i c h e n Bereich i s t daher von
dem Tempo des F o r t s c h r i t t s im p o l i t i s c h e n Bereich r e g u l i e r t worden.
Ich kann d i e Bedeutung d i e s e s Grundsatzes n i c h t genug u n t e r s t r e i c h e n .
Er b e s a g t , daß d i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n im I n t e r e s s e des Aufbaus e i n e r dauerh a f t e n Interdependenz der I n t e r e s s e n auf dem ganzen Spektrum u n s e r e r Beziehungen
i n i t i a t i v werden und auf I n i t i a t i v e n r e a g i e r e n werden. Wir werden das Tempo
auf einem G e b i e t , etwa dem der Handelsbeziehungen, n i c h t f o r c i e r e n aus der
bloßen Hoffnung h e r a u s , daß d i e s e n t s p r e c h e n d e F o r t s c h r i t t e auf p o l i t i s c h e m ,
k u l t u r e l l e m oder m i l i t ä r i s c h e m Gebiet b r i n g e n k ö n n t e . Wir geben uns mit dem
weniger d r a m a t i s c h e n , aber s i c h e r e n s c h r i t t w e i s e n Aufbau e i n e r ausgewogenen
S t r u k t u r d e r Beziehungen

zufrieden.

Ein Z i e l u n s e r e r P o l i t i k b e s t e h t d a r i n , d i e kommunistischen Nationen
zu e i n e r Änderung i h r e r Weltanschauung zu bewegen, daß s i c h w i d e r s t r e b e n d e
Kräfte hoffnungslos i n einen Überlebenskampf v e r s t r i c k t s e i e n , zu d e r Auffassung h i n , daß w e t t e i f e r n d e K r ä f t e b e i einem I n t e r e s s e n k o n f l i k t Kompromisse
eingehen und b e i e i n e r I n t e r e s s e n g e m e i n s c h a f t zusammenarbeiten. Die e i n d r u c k s v o l l e Zahl d e r Abkommen auf und s e i t den G i p f e l t r e f f e n

i n Peking und Moskau

und d i e A u s s i c h t auf w e i t e r e Abkommen l a s s e n erkennen, daß d e r Trend zur Verhandlung s t a t t der Konfrontation zu einem f e s t e n Muster werden kann.
Normalisierung der w i r t s c h a f t l i c h e n Beziehungen - e i n e so w i c h t i g e
Konzeption der amerikanischen P o l i t i k auf dem Gebiet des Ost-West-Handels h e i ß t Abbau der Schranken für den w i r t s c h a f t l i c h e n Austausch, d i e i n der Z e i t
-

3 -

�»

Z e i t nach dem zweiten Weltkrieg und während des Korea-Krieges

errichtet

wurden. Nach d i e s e n Normen gemessen haben w i r unsere Beziehungen zu Jugoslawien
und e r s t k ü r z l i c h auch zu Polen im w e s e n t l i c h e n n o r m a l i s i e r t . Wir haben s e i t
e i n i g e n J a h r e n i n d i e s e r H i n s i c h t große F o r t s c h r i t t e mit Rumänien gemacht und i n diesem und im vorigen J a h r auch mit der Sowjetunion. Der F o r t s c h r i t t
zur Normalisierung mit anderen Ländern - Ungarn, Tschechoslowakei, B u l g a r i e n ,
A l b a n i e n , O s t d e u t s c h l a n d und Mongolei - l i e g t , wie wir h o f f e n , i n n i c h t
ferner

allzu-

Zukunft.

Es g i b t e i n Wetlwirtschaftssystem,dem s i c h a l l e Nationen anpassen müssen,
wenn s i e f l o r i e r e n w o l l e n . In dem Maße, i n dem s i c h unsere

Wirtschaftsbe-

ziehungen zu den kommunistischen S t a a t e n n o r m a l i s i e r e n , wird es e i n immer
w i c h t i g e r e s Z i e l der amerikanischen P o l i t i k werden, d i e Entwicklung s t a b i l e r ,
V e r b r a u c h e r - o r i e n t i e r t e r G e s e l l s c h a f t e n zu f ö r d e r n , d i e immer s t ä r k e r i n das
i n t e r n a t i o n a l e Handels- und Zahlungssystem i n t e g r i e r t s i n d .
Das i n t e r n a t i o n a l e System s e l b s t i s t einem grundlegenden Wandel u n t e r zogen. Nur bestimmte kommunistische S t a a t e n haben durch M i t g l i e d s c h a f t

in

den tragenden I n s t i t u t i o n e n des i n t e r n a t i o n a l e n Systems - GATT, IWF und Weltbank - e i n e a k t i v e B e t e i l i g u n g an diesem Prozeß g e s u c h t , und es b e s t e h t auch
k e i n Grund zu der Annahme, daß s i c h d i e s e S i t u a t i o n i n naher Zukunft ändern
wird.
T r o t z der p a s s i v e n R o l l e , d i e d i e kommunistischen Länder beim Aufbau der
neuen W i r t s c h a f t s o r d n u n g s p i e l e n werden, i s t es w i c h t i g , daß wir d i e Auswirkungen im Auge b e h a l t e n , d i e neue i n s t i t u t i o n e l l e V e r h ä l t n i s s e auf den O s t West-Handel haben werden. Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n werden v e r s u c h e n , den m u l t i l a t e r a l e n W i r t s c h a f t s d i a l o g mit kommunistischen Ländern i n bestehenden Foren,
wie der ECE, und i n neuen Foren, wie der Europäischen S i c h e r h e i t s k o n f e r e n z ,

aus-

zuweiten.

Das

Kriterium unserer internationalen Wirtschaftspolitik

i s t das F r e i -

handelsmodell gewesen. Wir werden das g l e i c h e K r i t e r i u m i n zunehmendem Maße
für u n s e r e W i r t s c h a f t s p o l i t i k gegenüber den kommunistischen Ländern anwenden,
-

4 -

�anwenden, wie wir das gegenüber der ü b r i g e n Welt getan haben. Wenn w i r uns
kommunistischen H a n d e l s p a r t n e r n gegenüber nach dem Grundsatz der N i c h t d i s k r i minierung v e r h a l t e n , dann erwarten wir n a t ü r l i c h , daß s i e s i c h uns gegenüber
ebenso v e r h a l t e n .
Im Ost-West-Handel g i b t es s t r u k t u r e l l e Probleme, d i e im Handel u n t e r
M a r k t w i r t s c h a f t e n n i c h t vorhanden s i n d . Bei der Überbrückung d i e s e r Probleme
e r g i b t s i c h e i n e Rolle für d i e amerikanische Regierung. Wenn P r i v a t u n t e r nehmen mit Staatsmonopolunternehmen Handel t r e i b e n , dann ergeben s i c h für d i e
e r s t e r e n o f f e n s i c h t l i c h e Probleme, und d i e amerikanische Regierung wird etwas
t u n , um u n f a i r e V o r t e i l e abzubauen.
So wird d i e amerikanische Regierung b e i s p i e l s w e i s e i n wachsendem Maße
i h r e E i n s i c h t e n i n das K r e d i t g e b a r e n

kommunistischer S t a a t e n an P r i v a t f i r m e n

w e i t e r g e b e n . Bei e i n e r b a l d i g e n Normalisierung der Handelsbedingungen könnten
d i e amerikanischen Exporte nach den i n Frage kommenden Ländern i n fünf J a h r e n
an d i e zwei M i l l i a r d e n Dollar-Grenze herankommen. Dabei d ü r f t e gegenüber
d i e s e n Gebieten auch unser Exportüberschuß

anhalten.

Unsere B o t s c h a f t e r s i n d angewiesen, d i e Förderung des Handels an d i e
S p i t z e i h r e r P r i o r i t ä t e n zu s e t z e n . In Kürze wird s i c h d i e Zahl der B e d i e n s t e t e n des Außenministeriums, d i e auf w i r t s c h a f t l i c h e m Gebiet i n der UdSSR, O s t europa und China t ä t i g s i n d , v e r d o p p e l t haben. Das Handelsministerium i n
Washington h a t den mit der Förderung des Ost-West-Handels b e t r a u t e n Stab im
l e t z t e n J a h r v e r v i e l f a c h t , und das S t a t e Department s e l b s t nimmt i n Washington
e i n e R e o r g a n i s a t i o n v i r , um mit dem wachsenden A r b e i t s a n f a l l in Form von Verhandlungen und Unternehmensberatung f e r t i g zu werden.

Ein w i c h t i g e s Gebiet der H a n d e l s p o l i t i k g i b t es a l l e r d i n g s , über das zu
verhandeln w i r gegenwärtig n i c h t b e r e i t s i n d : unsere P o l i t i k der s t r a t e g i s c h e n
H a n d e l s k o n t r o l l e n . Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n h a l t e n s i c h an d i e Embargo-Liste,
d i e von dem I n t e r n a t i o n a l e n Koordinationsausschuß

(COCOM, wie e r gewöhnlich

genannt wird) g e f ü h r t und i n Abständen r e v i d i e r t w i r d . Dem Ausschuß gehören
d i e NATO-Länder und Japan an. Dieses s t r a t e g i s c h e K o n t r o l l s y s t e m i s t e i n wich-

5 -

�w i c h t i g e r B e s t a n d t e i l u n s e r e r P o l i t i k der gemeinsamen V e r t e i d i g u n g .
Der gesunde Menschenverstand g e b i e t e t , daß w i r an d i e s e n Vereinbarungen
festhalten,

daß wir jedoch auch f l e x i b e l genug s i n d , s i e an s i c h verändernde

Bedingungen anzupassen. Wir a r b e i t e n i n j ä h r l i c h e n Überprüfungen mit anderen
Nationen zusammen, und d i e s e Überprüfungen haben k ü r z l i c h zu e i n e r s t a r k e n
Kürzung der COCOM-Liste g e f ü h r t .

Darüber h i n a u s i s t d i e e i n s e i t i g e

amerika-

n i s c h e E x p o r t k o n t r o l l - L i s t e w e s e n t l i c h v e r k l e i n e r t worden, um s i e i n s t ä r k e r e
Übereinstimmung mit der COCOM-Liste zu b r i n g e n .
Ein S c h l ü s s e l zur w e i t e r e n Ausweitung des Ost-West-Handels i s t auf jeden
F a l l d i e F i n a n z p o l i t i k . Die kommunistischen Länder werden im nächsten J a h r zehnt N e t t o - I m p o r t e u r e von F i n a n z m i t t e l n s e i n . Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n werden
a l s v o r a u s s i c h t l i c h führender H a n d e l s p a r t n e r und die g r ö ß t e Finanzmacht der
Welt e i n e w i c h t i g e Rolle b e i der F i n a n z i e r u n g des Ost-West-Handels

spielen.

So können d i e Zinsen und Kreditbedingungen der amerikanischen E x p o r t - I m p o r t Bank durchaus mit den Bedingungen der E x p o r t - K r e d i t i n s t i t u t e a n d e r e r w e s t l i c h e r
I n d u s t r i e l ä n d e r k o n k u r r i e r e n . Wir gehen davon a u s , daß E x p o r t - K r e d i t i n s t i t u t i o n e n der amerikanischen Regierung und der P r i v a t w i r t s c h a f t nach normalen
Geschäftsbedingungen a r b e i t e n . Bei K r e d i t e n t s c h e i d u n g e n müssen w i r t s c h a f t l i c h e
K r i t e r i e n an e r s t e r S t e l l e s t e h e n .

Zusammenfassend möchte i c h s a g e n , daß d i e amerikanische P o l i t i k

einfach

d a r i n b e s t e h t , den Handel mit kommunistischen Ländern i n e i n e r großzügigen und
umfassenden Art und Weise zu e r l e i c h t e r n und zu f ö r d e r n , d i e der F e s t i g u n g
des F r i e d e n s d i e n t .

- 6 -

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

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18/1973

US-HANDELSDEFIZIT AUF NIEDRIGSTEM STAND SEIT 18 MONATEN
- Handelsminister warnt vor voreiligen Schlüssen

WASHINGTON -

(AD) - Das W a r e n h a n d e l s d e f i z i t

-

der Vereinigten Staaten h a t

im März d i e s e s J a h r e s m i t 5 3 M i l l i o n e n D o l l a r s e i n e n n i e d r i g s t e n S t a n d
18 Monaten e r r e i c h t .

seit

So s e h r d i e s e E n t w i c k l u n g i n d e n USA b e g r ü ß t w i r d , s o

s e h r h a t doch d e r a m e r i k a n i s c h e H a n d e l s m i n i s t e r F r e d e r i c k B. Dent i n e i n e r E r k l ä r u n g davor gewarnt, d i e s b e r e i t s a l s e i n e g e n e r e l l e , g a r schon auf d i e Abw e r t u n g d e s D o l l a r z u r ü c k z u f ü h r e n d e T e n d e n z a n z u s e h e n . Nach d e n Ende A p r i l
von s e i n e m M i n i s t e r i u m v e r ö f f e n t l i c h t e n

Zahlen i s t das H a n d e l s d e f i z i t

dramatisch

von 476 M i l l i o n e n D o l l a r im F e b r u a r a u f d i e g e n a n n t e n 5 3 M i l l i o n e n D o l l a r z u rückgegangen,

u n d auch d a s D e f i z i t

für das e r s t e Quartal

M i l l i o n e n D o l l a r n u r etwa d i e H ä l f t e
des

1973 b e t r ä g t m i t 8 3 3

des d u r c h s c h n i t t l i c h e n

Quartalsdefizits

Vorjahres.

Das a m e r i k a n i s c h e H a n d e l s m i n i s t e r i u m f ü h r t

diese günstige

Entwicklung

i n e r s t e r L i n i e a u f d i e h o h e n F l u g z e u g e x p o r t e im März s o w i e a u f d i e v e r s t ä r k t e n
A g r a r e x p o r t e zu h ö h e r e n P r e i s e n z u r ü c k .

Gerade das F l u g z e u g g e s c h ä f t

doch n i c h t a l s I n d i k a t o r f ü r e i n e n T r e n d a n g e s e h e n w e r d e n , d a s o l c h e

kann j e Geschäfts-

a b s c h l ü s s e von Monat z u Monat v ö l l i g v e r s c h i e d e n s e i n k ö n n e n . E i n w e s e n t l i c h e r
T e i l d e r Mehreinnahmen l ä ß t s i c h auch m i t dem s t a r k e n A n s t i e g d e r A g r a r p r e i s e
a u f Grund e r h ö h t e r N a c h f r a g e

und b e g r e n z t e m A n g e b o t

erklären.

Die E x p o r t e d e r USA s i n d im März d i e s e s J a h r e s um 315 M i l l i o n e n D o l l a r g e stiegen,

u n d d i e I m p o r t e s i n d um 109 M i l l i o n e n D o l l a r z u r ü c k g e g a n g e n . D e r

- 1-

�Der amerikanische Handelsminister bezeichnet das als eine "willkommene Entwicklung". "Es bleibt jedoch abzuwarten," so fügt er hinzu, "ob dieser Trend
in den kommenden Monaten anhalten wird." Die Entwicklung im März dürfte nicht
unbedingt dahingehend interpretiert werden, daß bereits eine anhaltende Verbesserung der amerikanischen Handelsposition im Gange sei.
Natürlich läßt man im amerikanischen Handelsministerium auch einen anderen
Faktor nicht ganz aus den Augen: Die zunehmende Wirtschaftstätigkeit in fast
der ganzen Welt, die zu einer verstärkten Nachfrage für amerikanische Industrieausrüstungen geführt hat.

Insgesamt sieht man in amtlichen Kreisen in Washington die Dinge keineswegs pessimistisch. Im ersten Quartal 1973 stiegen die amerikanischen Importe
um neun Prozent (hauptsächlich in Form von Automobilen aus Kanada, während die
Übersee-Importe praktisch unverändert blieben) und die Exporte um 15 Prozent.
Die Erträge der amerikanischen Auslandsinvestitionen - rund 7 Milliarden Dollar
im Jahr - gleichen in etwa die amerikanischen Regierungsausgaben im Ausland
aus. Neue Auslandsinvestitionen, Touristenausgaben usw. müssen also durch einen
Handelsüberschuß ausgeglichen werden. Dieser Handelsüberschuß muß entweder
durch eine Steigerung der Exporte oder durch eine Senkung der Importe erreicht
werden, wobei das letztere - gar noch mit Hilfe von Einfuhrkontrollen - in
Washington auf wenig Gegenliebe stößt.
Der Außenhandelsberater des Präsidenten, Peter Flanigan, hat darauf hingewiesen, daß von 1970 bis 1972 die Importe um 40 Prozent und die Exporte um
15 Prozent gestiegen sind. "Es gibt überhaupt keinen Grund, warum die Entwicklung nicht auch umgekehrt verlaufen kann", so betont Flanigan.

In amtlichen Kreisen in Washington wird man die Zahlen für das zweite
Quartal 1973 und die weitere Entwicklung auf jeden Fall mit großer Spannung
und Aufmerksamkeit erwarten,um zu sehen, ob sich die ermutigende Entwicklung
in der amerikanischen Handelsposition fortsetzen wird.

+ + + + +
- 2-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fulbright-Stipendien zum Studium in den USA im Studienjahr 1974/75&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rogers: Grundprinzipien der amerikanischen Politik bleiben unverändert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers vom 23. April -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chancen und Probleme des Ost-West-Handels&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Grundzüge der US-Politik -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Handelsdefizit auf niedrigstem Stand seit 18 Monaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Handelsminister warnt vor voreiligen Schlüssen -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
P M {•jiiTTiuii

3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. Mai 1978

11
INHALT

DOKUMENTATION
Außenminister Vance verhandelte über SALT in Moskau
- Wortlaut der Abflugerklärung und des amerikanisch-sowjetischen
Kommuniques Rede von Außenminister Vance vor der CENTO-Konferenz in London
- Wortlaut WIRTSCHAFT
Pressekonferenz von US-Finanzminister Blumenthal in Mexiko-Stadt
- Auszüge HINTERGRUNDMATERIAL
Tokio-Runde in der entscheidenden Phase
- Carter Administration will zu liberalen Handelsvereinbarungen gelangen WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Planstellen an US-Universitäten ständig erweitert
Glasleiter mit hoher Festigkeit
Urkontinent - vor 500 Millionen Jahren entstanden

Um Übcr/endung von
ßelcgeKemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�a

1

i

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11

3. Mai 1978

AUSSENMINISTER VANCE VERHANDELTE ÜBER SALT IN MOSKAU
Wortlaut der Abflugerklärung und des amerikanisch-sowjetischen Kommuniques

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance hat
vom 20. bis 22. April.1978 in Moskau mit seinem sowjetischen Kollegen
A.A. Gromyko und Parteisekretär Breschnew über ein zweites Abkommen über
die Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT) verhandelt.

Nach seiner

Rückkehr und einem ausführlichen Gespräch mit Präsident Jimmy Carter erklärte Vance am 24. April vor der Presse in Washington, es sei bedeutsam,
daß Breschnew in einer Erklärung nach den Gesprächen in Moskau betont habe,
"daß beide Seiten zusammenarbeiten müssen, um zu einem Abkommen zu gelangen."

Er, Vance, habe dem Präsidenten gesagt, daß die Gespräche "nütz-

lich" gewesen seien und daß "einiger Fortschritt" erzielt worden sei.
Vor seinem Abflug in Moskau am 23. April 1978 hatte Außenminister Vance
folgende Erklärung abgegeben:
"Als erstes möchte ich Präsident Breschnew und Außenminister Gromyko
für ihre herzliche Gastfreundschaft und für den freundlichen und konstruktiven Geist danken, mit dem sie zu unseren Zusammenkünften kamen.

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�kamen.
Ich möchte in meiner Eigenschaft als Außenminister ein persönliches
Wort der Anerkennung für Minister Gromyko hinzufügen.

Mit seinen gründ-

lichen Kenntnissen der beruflichen Praxis des diplomatischen Geschäfts
ist ihm in unserer heutigen Welt kaum jemand ebenbürtig.

Er vertritt

die Interessen seines Landes mit großem Können, großer Intelligenz und
einem in jahrzehntelanger Erfahrung abgeklärten Geist.
Unsere Treffen waren nützlich und konstruktiv.

Das Gefüge des

Friedens, den wir alle wollen, muß, wenn es dauerhaft sein soll, Stein
um Stein in sauberer Arbeit und mit realistischen Schritten aufgebaut
werden.
Wir haben auf unseren Zusammenkünften einigen Fortschritt zu einem
SALT-Abkommen erzielt, und wir hoffen, diese Bemühungen in nachfolgenden
Treffen weiter voranzutreiben. Es gibt keiheiwichtigere Aufgabe für die
Nationen der Welt als diese entscheidend wichtige Anstrengung, ein Gefühl der Vernunft in die Regelung des militärischen Wettstreits, vor
allem hinsichtlich der strategischen Waffen, zu bringen.
Wir haben, wie ich meine, auch einigen Fortschritt auf dem Wege zu
einer besseren Erkenntnis der Probleme erzielt, um die es in den bilateralen
Beziehungen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten geht.
Wir sind hinsichtlich dieser Probleme realistisch, und wir wissen, daß
sie nicht durch Erklärungen aus der Welt geschafft werden können, sondern
daß sie weiterhin praktische Maßnahmen und kontinuierliche Anstrengungen
erfordern werden. Wir haben die Absicht, an diesen Problemen mit Entschlossenheit zu arbeiten - aus der Erkenntnis heraus, daß die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten ein zentraler
Faktor für Frieden und Stabilität in der Welt sind."
Das am

�Das am 22. April 1978 um 2200 Uhr (Ortszeit) in Moskau veröffentlichte
gemeinsame amerikanisch-sowjetische Kommunique hat folgenden Wortlaut:
"Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance stattete Moskau vom
20. bis 22. April einen Besuch ab.

Er wurde von dem Generalsekretär der

KPdSU und Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjets, L.I. Breschnew,
empfangen und hatte mehrere Zusammenkünfte mit A.A. Gromyko, Mitglied
des Politbüros der KPdSU und Außenminister der UdSSR.
Es fand ein Meinungsaustausch über wichtige Fragen der amerikanischsowjetischen Beziehungen und auch über bestimmte internationale Probleme
von beiderseitigem Interesse für die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion statt.
Im Verlauf der Verhandlung wurde der Entwicklung und Verwirklichung
weiterer Maßnahmen, die auf die Verhütung eines Nuklearkrieges und die
Begrenzung der Rüstungen abzielen, besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
In diesem Zusammenhang fanden nützliche und gründliche Erörterungen
hinsichtlich der Vorbereitung eines neuen Abkommens über die Begrenzung
offensiver strategischer Waffen statt. Als Ergebnis war eine Annäherung
der Standpunkte der Beteiligten in einigen der verbleibenden ungelösten
Fragen zu verzeichnen.
Beide Seiten brachten die Absicht zum Ausdruck, intensiv am Abschluß
eines Abkommens über die Begrenzung offensiver strategischer Waffen zum
frühestmöglichen Zeitpunkt zu arbeiten.

Es wurden auch andere Rüstungs-

begrenzungsverhandlungen erörtert, und beide Seiten kamen ausdrücklich
überein, gemeinsam mit Großbritannien weiterhin am möglichst raschen Abschluß eines Abkommens über ein volles und umfassendes Verbot von Kernwaffenversuchen zu arbeiten.
Beide Seiten

�Beide Seiten unterstrichen die große Bedeutung, die sie einem Fortschritt in den Verhandlungen über die beiderseitige Reduzierung von
Streitkräften und Rüstungen in Mitteleuropa beimessen.
Während der Gespräche über Rüstungsbegrenzungsfragen führten die
Beteiligten auch einen Meinungsaustausch über die kommende Sondersitzung
der Vollversammlung (der Vereinten Nationen) über Abrüstung.
Es wurde vereinbart, die Gespräche über die in Moskau behandelten
Fragen fortzusetzen.
An den Gesprächen waren unter anderem beteiligt:
Auf amerikanischer Seite: der amerikanische Botschafter in der
Sowjetunion, Malcolm Toon; der Direktor der amerikanischen Behörde für
Rüstungskontrolle und Abrüstung, Paul C. Warnke; Botschafter Ralph Earle II,
wechselweise Vorsitzender der amerikansichen SALT-Delegation; Leslie H. Gelb,
Direktor der Abteilung für politisch-militärische Angelegenheiten im
amerikanischen Außenministerium; Botschafter Marshall D. Shulman, Sonderberater des amerikanischen Außenministers, und Renald Bartholomew vom
Stab des Nationalen Sicherheitsrates;
auf sowjetischer Seite: Marschall der Sowjetunion N.V. Ogarkow,
Chef des Generalstabes der sowjetischen Streitkräfte und Erster Stellvertretender Verteidigungsminister der UdSSR; die Stellvertretenden Außenminister G.M. Kornijenko und V.S. Semenow und der sowjetische Botschafter
in den Vereinigten Staaten, A.F. Dobrynin."

+ + + + +

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11

3. Mai 1978

REDE VON AUSSENMINISTER VANCE VOR DER CENTO-KONFERENZ IN LONDON
- Wortlaut -

LONDON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance hat am
19. April 1978 in einer Rede vor der Ministerkonferenz der ZentralpaktOrganisation (CENTO) in London die Friedensbemühungen der Vereinigten
Staaten in Afrika, im Nahen Osten, im östlichen Mittelmeer und im
Persischen Golf erläutert. Der CENTO gehören Großbritannien, der Iran,
Pakistan, die Türkei und die USA - als Mitglied verschiedener Ausschüsse an.
Die Rede des Außenministers, die im Hinblick auf die anschließende
Reise nach Moskau besondere Beachtung fand, hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich, hier vor Ihnen sprechen zu dürfen.
Als erstes möchte ich Ihnen und Ihren Regierungen danken, daß sie
einer Verlegung des Konferenzortes (nach London) zugestimmt haben. Ich
hoffe, daß diese Änderung in letzter Minute Ihnen keine all zugroßen Ungelegenheiten gebracht hat. Ober die Dankbarkeit für die Gastfreundschaft

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Gastfreundschaft hinaus möchte ich Ihrer Majestät Regierung für ihre
wirkungsvolle Rolle bei so vielen gemeinsamen politischen Tätigkeiten
und Initiativen, einschließlich unserer gemeinsamen Verpflichtung zur
CENTO, danken.
Ich möchte mich ferner der sehr herzlichen Begrüßung unseres neuen
Generalsekretärs anschließen und ihm bei seinen wichtigen Aufgaben großen
Erfolg wünschen.

Ebenso möchte ich unseren hochverehrten Kollegen, den

türkischen Außenminister, herzlich begrüßen.
Diese Ministertagung bekräftigt erneut die Verpflichtung der CENTOMitglieder zu anhaltenden und wichtigen gemeinsamen Interessen. Die
Vereinigten Staaten bleiben wie in der Vergangenheit dem zentralen Ziel
der CENTO verpflichtet: dem Schutz der Unabhängigkeit und der territorialen
Integrität der Mitgliedstaaten. Mein Land bleibt ebenso verpflichtet,
mit jedem Ihrer Länder in einer Reihe kritischer Fragen zusammenzuarbeiten,
die von besonderem Interesse für die CENTO-Mitglieder sind, da sie einen
direkten oder indirekten Einfluß auf die Stabilität und die Sicherheit
der CENTO-Region haben.
Darf ich kurz einige dieser Themen hier mit Ihnen erörtern:
- unsere Verteidigungspolitik,
- den Nahne Osten,
- Afrika,
- das östliche Mittelmeer,
- den Persischen Golf und
- weltweiter wirtschaftlicher Fortschritt.
Die Vereinigten Staaten haben kürzlich eine große Überprüfung ihrer
nationalen Verteidigungsstrategie abgeschlossen. Die aus dieser Studie
resultierenden Richtlinien wurden zum erstenmal vor einem Monat dargelegt,

- 2 -

�dargelegt, als Präsident Carter vor der Wake Forest-Universitä't sprach.
Sie sind wert, heute hier wiederholt zu werden:
"Wir werden gemeinsam mit unseren Verbündeten und Freunden", so
erklärte der Präsident, "gegen jede uns bedrohende Macht durch eine
Kombination von Truppen, politischen Bemühungen und wirtschaftlichen
Programmen ein Gegengewicht schaffen.

Wir werden es nicht dulden, daß

irgendeine Nation die militärische Überlegenheit uns gegenüber erlangt.
Wir werden die Mitarbeit der Sowjetunion und anderer Nationen bei
der Verminderung der Spannungsbereiche anstreben. Wir wünschen nicht,
militärisch in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzugreifen
oder regionale Konflikte zu verstärken, und wir werden uns auch der
Intervention anderer widersetzen.
Während wir unsere militärische Kapazitäten aufrechterhalten,
werden wir durch verläßliche und verifizierbare Rüstungskontrollvereinbarungen, wo immer solche möglich sind, Sicherheit anstreben."
Diese die Grundsätze der amerikanischen Politik darlegende Erklärung
geht über die Sorge um unsere eigene militärische Stärke hinaus - sie
verweist auf unsere Bereitschaft, im Verein mit anderen auf das Zustandekommen einer friedlicheren und stabileren Welt hinzuarbeiten. Das ist
auch der Grund, warum die Assoziation meines Landes mit der ZentralpaktOrganisation (CENTO) für uns von so fundamentaler Bedeutung ist.
Während wir unsere militärische Stärke beibehalten, arbeiten wir
zugleich auf zahlreichen Gebieten für den Frieden. Diese Probleme
bleiben für uns als Aufgaben, die direkt und in Gemeinsamkeit angepackt
werden müssen. Die Tatsache, daß sie in diesem Jahr auf unserer Tagesordnung stehen, zeigt schließlich die ganze Komplexität - und läßt die
Schwierigkeiten ahnen, denen wir uns bei der Bemühung um ihre Lösung

- 3 -

�Lösung gegenüberstehen werden. Aber in jedem Falle steht derart viel
auf dem Spiel, daß wir einfach alles tun müssen, um den Parteien bei
ihrem Disput zu helfen, gerechte Lösungen zu finden.
Ein gerechter und dauerhafter Friede im Nahen Osten ist auch heute
noch von entscheidender Bedeutung für die Vereinigten Staaten und die
übrige Welt.

Das vergangene Jahr hat einigen Fortschritt gebracht.

In

Zusammenarbeit mit den Parteien waren wir imstande, von allgemeinen
Konzepten zu einer präziseren Bestimmung der eigentlichen Interessenund Konfliktsgebiete zu gelangen, über die es zu einer Obereinkunft kommen
muß.

Wir haben gesehen, wie sich die Kluft verengte, und mit dem historischen

Besuch von Präsident Sadat in Jerusalem erlebten wir die erste Aufnahme
direkter Kontakte zwischen Ägypten und Israel. Wir unterstützen die
Kontakte mit allem Nachdruck - und wir werden auch weiterhin die Parteien
ermutigen und unterstützen, ihre noch offensthende Probleme zusammen
zu lösen.
Wir sind auch weiterhin überzeugt, daß drei grundsätzliche Dinge
angepackt werden müssen, wenn eine dauerhafte Lösung erzielt werden
soll. Erstens: ein wahrer Friede, der sich auf normalen Beziehungen
zwischen den Parteien gründet; zweitens: Rückzug Israels auf allen
Fronten aus den im Jahre 1967 besetzten Gebieten und ein von allen Parteien
getragenes Abkommen über sichere und anerkannte Grenzen gemäß den Resolutionen 242 und 338 der Vereinten Nationen; und drittens: eine gerechte Lösung des Palästinenserproblems in all seinen Aspekten. Diese
Lösung muß die legitimen Rechte des palästinensischen Volkes anerkennen
und es den Palästinensern ermöglichen, an der Entscheidung über ihre
eigene Zukunft beteiligt zu sein.
Dies sind komplexe und schwierige Fragen.

Der auf dem ersten

Gebiet erzielte Fortschritt blieb unglücklicherweise auf den beiden
anderen Gebieten noch aus.

Dennoch bleiben die Vereinigen Staaten auch

- 4 -

�auch weiterhin der Kontinuität des Friedensprozesses verpflichtet.
Staatsmännische Kunst und Beharrlichkeit werden einen Kompromiß erbringen und der Kompromiß wird den Weg zu einer Lösung des Konflikts öffnen.
Eines ist klar: wenn der Friedensprozess auf seinem toten Punkt beharrt,
wird die Regression zum Konflikt schwer aufzuhalten sein - was für uns
alle die schwerwiegendsten Konsequenzen mit sich bringt.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin den Parteien helfen
und sie bei der Überwindung ihrer Differenzen unterstützen. Wir sind
nicht gewillt, eine historische Gelegenheit zur Erreichung eines gerechten und dauerhaften Friedens entgleiten zu lassen, wenn sie sozusagen schon in unserem Griff liegt.
Ein anderes Gebiet, das uns alle mit großer Besorgnis erfüllt, ist
Afrika. Wir sind tief betroffen darüber, daß die Sowjetunion und Kuba
nicht gewillt sind, das von den afrikanischen Nationen immer wieder
erklärte Grundprinzip anzuerkennen, daß sie ihre eigenen Probleme ohne
den Einsatz fremder Gewalt lösen können. Die Anwesenheit einer großen
Zahl von kubanischen Streitkräften und von sowjetischem Personal im Hörn
von Afrika fördert die Stabilität nicht.
Die Vereinigten Staaten treten mit Nachdruck für die territoriale
Integrität aller Staaten dieser Region ein, einschließlich insbesondere
von Äthiopien, Tschibuti, Somalia und Kenia. Wir sind für den Abzug
aller ausländischen Truppen aus Äthiopien und für eine friedliche Regelung
des Eritrea-Konflikts. Es besteht für uns kein Zweifel, daß - wenn die
Eritrea-Frage mit Gewaltanwendung durch ausländische Truppen entschieden
wird - das Blutvergießen und die Leiden immer größer werden und eine dauerhafte Lösung nicht gefunden werden wird, daß aber die Spannungen in der
Region nur noch weiter anwachsen werden.
Nachdem sich jetzt die Streitkräfte Somalias aus dem Ogaden zurückgezogen haben und die territoriale Integrität Äthiopiens nicht gefährdet

- 5 -

�gefährdet ist, besteht kein legitimer Grund für die Beibehaltung ausländischer Kampftruppen in diesem Land.

Wir werden uns weiterhin aktiv

mit Ihnen darüber beraten, auf welche Weise wir zusammenarbeiten können,
um die Spannungen im Hörn von Afrika zu vermindern und die Anstrengungen
der Organisation für Afrikanische Einheit zu unterstützen.
Im südlichen Afrika hat mein Land eng mit Großbritannien, den
Nationen dieses Gebietes und anderen zusammengearbeitet, um dabei zu
helfen, einen raschen und fairen Übergang zur Unabhängigkeit und zur
Herrschaft der Mehrheit ohne weiteres Blutvergießen in Rhodesien und
Namibia zustandezubringen.
Außenminister Owen und ich haben soeben Gespräche über das RhodesienProblem mit der Patriotischen Front und den Parteien in Salisbury zum
Abschluß gebracht.

Wir sind überzeugt, daß wir die Tür zu Verhandlungen

offenhalten müssen. Andernfalls bleibt den Parteien keine andere Lösung
als die Eskalation des Konflikts mit der Gefahr einer wachsenden Einmischung von außen.

Die Frontstaaten und Nigeria haben eng mit uns zu-

sammengearbeitet.
Nach meiner Überzeugung hat sich unsere jüngste Reise nach Afrika
gelohnt. Die Patriotische Front hat zwar nicht alle anglo-amerikanischen
Vorschläge akzeptiert, sie hat sich jedoch zur Teilnahme an Gesprächen
bereiterklärt, bei denen alle Parteien vertreten sein würden.
Einen echten Fortschritt gab es auch in bezug auf Fragen, die für
die Gewährleistung freier und fairer Wahlen von zentraler Bedeutung sind;
so fand die Beteiligung der Vereinten Nationen bei der Aufrechterhaltung
des Friedens und der Beobachtung der Wahlen allgemeine Zustimmung, und
es wurde auch - vorbehaltlich einer Übereinkunft über andere Fragen akzeptiert, daß ein neutraler Bevollmächtigter die Exekutivgewalt auf
den Gebieten der Verteidigung und der inneren Sicherheit ausüben sollte.

�ausüben sollte.
Unsere Gespräche in Salisbury und Pretoria waren zumindest so positiv,
wie wir es gehofft hatten.

Südafrika scheint zu verstehen, wie wichtig

es ist, rasch zu einer international annehmbaren Lösung zu gelangen, die
den Frieden bringen wird.

Und während die Parteien in Salisbury vor

unserem Besuch erklärt hatten, sie würden eine Allparteien-Konferenz
ablehnen, sind sie nunmehr gewillt, sie ernsthaft in Erwägung zu ziehen.
Zumindest einige sehen ein, daß sie ihrer Position in der internationalen
Gemeinschaft weiteren Schaden zufügen würden, wenn sie die Tür zu Verhandlungen zuschlagen, und daß es für sie schwierig sein würde, zu einem
Waffenstillstand zu kommen, der für die Abhaltung von freien und fairen
Wahlen so außerordentlich wichtig ist.
Unser Hauptanliegen ist es, zu einer Lösung für alle Parteien zu
kommen, durch die der Konflikt beendet wird. Wir halten auch weiterhin
an den anglo-amerikanischen Vorschlägen als einer brauchbaren Grundlage
für eine Lösung fest. Wir sind auch weiterhin bemüht, die Parteien zu
Gesprächsrunden zusammenzubringen.
In unseren Gesprächen über das Namibia-Problem mit den Südafrikanern
fand die Wichtigkeit einer international akzeptablen Lösung Anerkennung.
Die Südafrikaner ersuchten um Klärung verschiedener Vorschläge der Kontaktgruppe. Außenminister Owen und ich erklärten uns bereit, diese Angelegenheiten mit unseren Kollegen in der Kontaktgruppe zu erörtern und eine
rasche Antwort zu geben, damit sich sowohl Südafrika wie die Swapo bald
zu den Vorschlägen der Kontaktgruppe äußern könnten. Eine faire Lösung
in Namibia würde mehr bewirken, als nur die Bevölkerung dieses Gebietes
zu schützen. Sie würde darüber hinaus dazu beitragen, im südlichen Afrika
ein Gefühl des Fortschritts zu etablieren, das für unsere Anstrengungen
in Rhodesien hilfreich sein könnte.
Was ein

�Was ein anderes wichtiges regionales Problem - die Zypernfrage betrifft, so steht mein Land auch weiterhin fest dazu, den Parteien und
dem Generalsekretär der Vereinten Nationen in ihrem Bemühen um eine
Zypernlösung zu helfen, die es den beiden zypriotischen Gemeinschaften
ermöglicht, friedlich miteinander innerhalb einer unabhängigen und
souveränen Nation zu leben.

Wir halten an diesem Ziel fest, weil ein

geteiltes Zypern auch weiterhin ein Hemmnis für gute Beziehungen zwischen
zwei wichtigen Freunden und Verbündeten - der Türkei und Griechenland
sein würde.

-

Wir sind auch besorgt wegen der ungelösten menschlichen Probleme,

die die gegenwärtige Teilung mit sich bringt.
Die Vereinigten Staaten sehen beide - die Türkei und Griechenland als wesentlich für die kollektive Selbstverteidigung der freien Welt an.
Die Vereinigten Staaten versichern, daß sie die entschlossensten Anstrengungen unternehmen werden, um ihre Bindungen in diesem lebenswichtigen
Gebiet, das für die langfristigen Interessen sowohl der CENTO als auch
der NATO so entscheidend ist, zu verstärken.
Wir bleiben auch weiterhin auf stärkste an der Sicherheit im Gebiet um den persischen Golf interessiert. Die besondere Bedeutung dieses
Gebietes wird unterstrichen durch das immer stärkere Angewiesensein der
Welt auf die dortigen Energiequellen und die wachsende Rolle, die die
Staaten um den persischen Golf bei der Förderung der Stabilität und
Prosperität anderer Gebiete zu übernehmen haben. Die Vereinigten Staaten
messen ihrer Beziehung zum Iran - einem CENTO-Partner - und zu SaudiArabien sowie den anderen GolfStaaten große Bedeutung zu.
Der durch seine ständig wachsende Wirtschafts- und Verteidigungsstärke gefestigte Iran bleibt als ein strategischer Partner innerhalb
des Rahmens der CENTO von fundamentaler Bedeutung. Der Iran spielt
ferner eine außerordentlich wertvolle Rolle bei der Förderung des regionalen Fortschritts und der regionalen Sicherheit.

Auch

�Auch Pakistan kann viel zur Stabilität der Region beitragen.

Wir

haben auf seine bemerkenswerte Rolle bei der Normalisierung der Beziehungen
zwischen den Ländern des südasiatischen Subkontinents hingewiesen.
Wenn eine rasche Lösung der Streitfragen selbstverständlich das
vordringlichste Ziel unserer diplomatischen Anstrengungen zu sein hat,
so sind wir uns doch bewußt, daß Friede und Stabilität, die wir anstreben,
uns letztlich entgleiten werden, sofern wir nicht gewillt sind, im Verein
mit anderen den globalen wirtschaftlichen Fortschritt zu fördern.
Wir haben unsere Bereitschaft bekundet, in Zusammenarbeit mit anderen
für einen verstärkten Kapitalfluß in die Entwicklungsländer, für den Aufbau eines faireren und offeneren Welthandel Systems einzutreten und darauf
hinzuwirken, die gefährlichen Fluktuationen bei den Rohstoffpreisen zu
dämpfen und die technologischen Fähigkeiten der Entwicklungsländer zu
festigen. Den einzelnen Zielen dieser Politik gehen wir auf bilateralen
und multilateralen Wegen nach.
Wir sind überzeugt, daß eine auf die Förderung der wirtschaftlichen
Fairness und Gerechtigkeit ausgerichtete Politik in enger Verbindung mit
den Aussichten für einen volleren Schutz der politischen Menschenrechte
steht. Mein Land wird weiterhin mit anderen zusammenarbeiten, die davon
überzeugt sind, daß gemeinsame Sicherheit - so sehr sie auch von einer
starken Verteidigung abhängt - doch genau so gegründet sein muß auf einem
mit Weitblick verfolgten Streben nach wirtschaftlicher und politischer
Gerechtigkeit.
Die Welt befindet sich in einem Wandel.
und schwieriger.

Diplomatie wird komplexer

Die Zahl der zu behandelnden Fragen wächst.

In immer

stärkerem Maße kann keine Nation auf sich allein gestellt ihre Probleme
lösen.

In einer solchen Welt werden die engen Beziehungen und die Zu-

sammenarbeit unter den Nationen, wie sie in diesem Raum vertreten sind,

- 9 -

�sind, um so bedeutsamer. Unsere Sicherheit hängt nicht nur von unserem
gegenseitigen Vertrauen und der militärischen Stärke, sondern auch von
unserer Fähigkeit ab, bei der Bewältigung der Probleme, die uns alle angehen, zusammenzuarbeiten.

+ + + + +

- 10 -

�Wirt/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11

3. Mai 1978

PRESSEKONFERENZ VON US-FINANZMINISTER BLUMENTHAL IN MEXIKO-STADT
- Auszüge -

MEXIKO-STADT - (AD) - Der amerikanische Finanzminister W. Michael
Blumenthal hat am 30. April 1978 zum Abschluß der Tagung des Interimsausschusses des Internationalen Währungsfonds (IWF) erneut eine Beschleunigung des wirtschaftlichen Wachstums als Voraussetzung für eine
Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und eine Steigerung der Wirtschaftsfähigkeit in den Entwicklungsländern bezeichnet. Der Interimsausschuß,
dem 20 wichtige Länder angehören, hat in einem ebenfalls am 30. April
veröffentlichten Kommunique erklärt, die Entwicklung der Weltwirtschaft
sei in den wichtigen Bereichen - vor allem, was den Wiederaufschwung
nach der Rezession von 1974-75 anbetrifft - unzureichend. Ferner wird
auch vor einem Erstarken des Protektionismus gewarnt.
Die Ausführungen von Finanzminister Blumenthal in Mexiko-Stadt haben
im wesentlichen folgenden Wortlaut:
"Hinsichtlich der Weltwirtschaft wurde bei dem Meinungsaustausch

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�Meinungsaustausch und bei dem Verständnis der Probleme der verschiedenen
Länder ein guter Fortschritt erzielt.

Es herrschte allgemein das Gefühl,

daß ein Problem unbefriedigender Wachstumsraten und hoher Arbeitslosigkeit
in der Welt besteht sowie ein schwer zu lösendes Problem der Inflation - ein
allgemeines Gefühl, daß die Forderungen nach Protektionismus immer stärker
werden, wenn es nicht gelingt, diese Faktoren unter Kontrolle zu bringen.
Diese Auffassung haben auch wir vertreten und unterstrichen, daß

die

Multilateralen Handelsverhandlungen in Genf daher eine besondere Bedeutung
erlangen.
Wir fanden ein ermutigendes Maß an Unterstützung für unseren Standpunkt, daß, was die Vereinigten Staaten angeht, wir uns mit den grundlegenden Fragen befassen mußten.

Was die Inangriffnahme dieser Fragen durch

Präsident Carter in seiner Erklärung vom 11. April sowohl bezüglich des
Anti-Inflationsprogramms als auch der Wichtigkeit der Verabschiedung des
Energieprogramms angeht, so erhielten wir viel Unterstützung und Ermutigung.
Der Energie wurde ohne Frage viel Aufmerksamkeit geschenkt, und ich möchte
sagen, daß es sich hier um eine wichtige Sache handelt, die sehr viel zur
Stabilität und zum Wachstum in der Welt sowie zur Stabilität der Wechselkurse in der Zukunft beitragen wird.
Ich war durch die Tatsache ermutigt, daß man sich allgemein darüber
einig ist, daß die Intervention auf den Devisenmärkten nicht der Weg
zur Stabilität ist; daß man an die grundlegenden Dinge herangehen muß;
daß unter bestimmten Umständen - um Marktunordnungen zu begegnen - die
Intervention angebracht ist; daß jedoch unser Gesamtfortschritt grundsätzlich von so grundlegenden Dingen wie der Bekämpfung der Inflation,
einer geeigneten nicht-inflationären Wachstumspolitik im eigenen Lande
bestimmt werden wird.
Generell gesehen waren wir ermutigt, daß an diesem Punkt die meisten
Länder die Gesamtsumme der von uns unternommenen Anstrengungen, um unseren

- 2 -

�unseren Beitrag zu einer größeren Stabilität der Wechselkurse zu leisten,
anerkannten und billigten.

Einige Länder brachten zwar ihre Besorgnis über

den Mangel an Stabilität zum Ausdruck, aber ich war von der Tatsache beeindruckt, daß eine allgemeine Übereinstimmung darüber herrscht, daß die
grundlegenden Dinge als erste kommen müssen.
Was die IWF-Fragen anbetrifft - und hier wiederum die grundlegenden
Dinge - verbanden wir sehr viel mit den geänderten Artikeln und der
Wichtigkeit, den Überwachungsmechanismus so wirksam wie möglich zu gestalten.
Ich glaube, Sie sind mit den Vorschlägen vertraut, die wir in diesem
Zusammenhang unterbreitet haben - um einen Beitrag zur Verbesserung des
Überwachungsmechanismus zu leisten, um mehr Information zu gewährleisten,
um bestimmte organisatorische Veränderungen vorzunehmen und die Ausarbeitung
bestimmter Berichte zu ermöglichen.. All diese Fragen werden eingehend
geprüft werden, und ich bin befriedigt, daß sie so gut aufgenommen wurden.
Was die Quotenerhöhungen und Zuweisungen von Sonderziehungsrechten
(SDR) angeht, so haben wir nach meiner Meinung Fortschritte gemacht, wenn
wir hier auch natürlich noch keine Entscheidungen treffen konnten.

Ich

meine, wir haben den Boden für die weitere Arbeit bereitet, so daß wir
hoffentlich im Herbst, nachdem der IWF noch einige weitere Arbeit geleistet
haben wird, versuchen können, zu einigen Entscheidungen zu gelangen
Ich glaube, das beschreibt im wesentlichen unser generelles Gefühl,
daß es sich um eine produktive Zusammenkunft gehandelt hat
Ich möchte noch ein Wort zu der sogenannten Witteveen-Fazilität sagen.
Es besteht offensichtlich ein großes Interesse, diese Fazilität ins
Leben zu rufen. In dieser Hinsicht bestand offensichtlich einiges Interesse an unserem Fortschritt, da die Witteveen-FaziHtSt ohne -eine Maßnahme
der Vereinigten Staaten nicht in Funktion treten kann. Wir erläuterten,

- 3 -

�erläuterten, daß es zunächst einige Verzögerungen gegeben habe, und wir
legten unseren Kollegen dar, daß wir jetzt über die Beschleunigung des
Fortschritts befriedigt sind und daß wir optimistisch damit rechnen, daß
die Maßnahme des Kongresses in absehbarer Zukunft, d.h. etwa in den
nächsten zwei bis drei Monaten, erfolgen wird...
FRAGE:

Herr Minister, Sie sagen, daß sich die Wachstumsrate ver-

langsamt hat und daß die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten
schwere Probleme für Ihre Wirtschaft hervorruft.

Das bedeutet doch nicht,

daß die Beiträge der Vereinigten Staaten zu internationalen Organisationen,
wie den Entwicklungsbanken, verringert werden könnten, d.h. nicht nur zu
den Entwicklungsbanken, sondern auch zum IWF?
ANTWORT: Wir sagen gegenwärtig vor dem Kongress dazu aus, und wir
arbeiten mit dem Kongress an der Bewilligung sehr beträchtlicher Mittel
für die Entwicklungsbanken - in diesem Jahr sogar mehr als im vorangegangenen
Jahr und in vielen Jahren. Es besteht also keine Absicht, diese Beiträge
zu verringern. Ebenso fordern wir für die Zusatzfinanzierungs-Fazilität die Witteveen-Fazilität - die Bewilligung eines sehr beträchtlichen Betrages...
FRAGE:

Wird die Instabilität des Dollar sich auf den Geist der

Zusammenarbeit (auf dem Gipfel in Bonn im Juli) auswirken?
ANTWORT:

Ich glaube auf der Basis der Maßnahmen, die die Vereinigten

Staaten getroffen haben, und der Zusammenarbeit, die zwischen der Bundesrepublik Deutschland und uns in dieser Hinsicht auf verschiedene Weise
existiert, wird die grundlegende Gesundheit des Dollar unterstrichen...
FRAGE:

Mr. Blumenthal, wie werden wir das Problem der unbefriedigenden

Wachstumsraten in den Griff bekommen?
ANTWORT:

�ANTWORT: Das Ziel muß offensichtlich für alle Industriestaaten
wie auch die Entwicklungsländer darin bestehen, raschere Wachstumsraten
zu erzielen, als sie im letzten Jahr üblich waren. Das ist eine Entscheidung. Die spezifischen Schritte, die die Länder ergreifen müssen,
hängen natürlich von der jeweiligen Situation ab; und das ist eine Entscheidung, die jedes Land für sich treffen muß. In einigen Fällen geht
es um erhöhte Regierungsausgaben, in anderen Fällen um Steuersenkungen,
und wieder in anderen Fällen geht es um spezifische Maßnahmen, um
strukturelle Verbesserungen vorzunehmen, die Investitionen anzuregen
und die Arbeitslosigkeit abzubauen. Ich glaube, es besteht generelle
Übereinstimmung darüber, daß der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und
die Unterstützung der Entwicklungsländer bei der Erreichung höherer
Wachstumsraten erfordern, daß das Gesamtwachstumstempo in den Ländern
der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) ebenfalls beschleunigt wird.

+ + + + +

- 5 -

�11

3. Mai 1978

TOKIO-RUNDE IN DER ENTSCHEIDENDEN PHASE
Carter-Administration will zu liberalen Handelsvereinbarungen gelangen

WASHINGTON/GENF - (AD) - Die multinationalen Handelsverhandlungen im
Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) - kurz TokioRunde genannt - sind in eine entscheidene Phase getreten. Das Sekretariat
des GATT hat in einem Ende April dieses Jahres veröffentlichten Oberblick
über die Tätigkeit 1977 die Aussichten des internationalen Handels als
ungewiss bezeichnet und in diesem Zusammenhang die besondere Bedeutung
der Tokio-Runde hervorgehoben.
Die Multilateralen Handelsverhandlungen (MTN), die dem Abbau von
Zoll- und Handelsschranken dienen, sind im Januar 1978 in ihre siebte
Runde seit Ende des Zweiten Weltkrieges getreten.

Nachdem die als

Kennedy-Runde bezeichneten Verhandlungen von 1963 bis 1967 zu einem wesentlichen Abbau der Zölle in aller Welt und damit zu einer Liberalisierung
des Handels geführt hatten, ging man anschließend vor allem dem Problem
der nicht-zollursächlichen Handelsschranken, wie z.B. Einfuhrquoten,
restriktive Normvorschriften, Subventionen usw. zu Leibe.
Im September

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�Im September 1973 kamen die Vertreter der wichtigen Handelsnationen
der Welt in Tokio zusammen, um die neue Verhandlungsrunde offiziell zu
eröffnen, und daraus hat sich der Begriff Tokio-Runde ergeben.
Die Beteiligung und der Kurs der Vereinigten Staaten wurde durch
das amerikanische Handelsgesetz von 1974 (Trade Act of 1974) geregelt,
das Präsident Ford am 3. Januar 1975 unterzeichnete.

Das Gesetz übertrug

dem Präsidenten auf fünf Jahre die Vollmacht, bestimmte Handelsvereinbarungen
zu schließen.

So kann der Präsident beispielsweise sofort Vereinbarungen

über eine Änderung von Einfuhrzöllen in Kraft setzen und dem Kongress
Abkommen über die Beseitigung nicht-tarifärer Handelsschranken zur sofortigen
Verabschiedung vorlegen.
Wenn heute 16 Prozent der Weltproduktion in den internationalen
Handel fließen, dann ist das doppelt so viel wie zur Zeit der Gründung
des GATT vor einem Vierteljahrhundert.

Mit der wachsenden Verflechtung

und gegenseitigen Abhängigkeit der einzelnen Volkswirtschaften - was
man heute mit dem Begriff Interdependenz zum Ausdruck bringt- wächst
die Notwendigkeit, ein liberaleres und faireres Welthandelssystem zu
schaffen.
Um was geht es bei der jetzigen, entscheidend wichtigen Runde der
Multilateralen Handelsverhandlungen? Es geht um folgende Punkte:
1.

Zölle:

Es muß eine Formel für eine generelle Senkung der

Zölle mit möglichst wenigen Ausnahmen gefunden werden.
2.

Nicht-tarifäre Handelsschranken:
t
- Quantitative Begrenzungen, wie Einfuhrquoten oder restriktive

Lizenzpraktiken müssen abgeschafft oder weitgehend abgebaut werden.
- Zollbewertung, d.h. Nomenklatur und Bewertung müssen nach

- 2 -

�nach einheitlichen Regeln vorgenommen werden.
- Subventionen und Ausgleichsabgaben müssen strengen internationalen Regeln unterliegen und dürfen keinen verzerrenden Einfluß auf den
Welthandel haben.
- Normen, die hinsichtlich der Gesundheits-, Sicherheits-, Verpackungs- und Umweltschutzvorschriften usw. aufgestellt werden, sollen
einer weltweiten Vereinbarung entsprechen.
- Regierungsaufträge sollen nach vereinbarten Regeln und,
soweit möglich, ohne Diskriminierung ausländischer Produzenten vergeben
werden.
3. Schutzbestimmungen, die die Anpassung einheimischer Industriezweige mit Hilfe temporärer Importbeschränkungen ermöglichen, sollen revidiert werden.
4. Agrarhandel - mit den drei Untergruppen Fleisch, Getreide und
Molkerei Produkte - bedarf einer eingehenden Analyse und der Liberalisierung und Stabilisierung.
5.

Tropische Erzeugnisse sollen nach spezieller Vereinbarung einer

Sonderbehandlung zugunsten der Entwicklungsländer unterliegen.
6.

Sektorale Behandlung soll Liberalisierungsabkommen auf bestimmten

Erzeugerbereichen ermöglichen.
7.

Verbesserung des Handeslrahmens soll durch eine klarere For-

mulierung der Regeln für den internationalen Handel dafür sorgen, daß
Entwicklungsländer einen besseren Zugang zu den Märkten finden, daß
Fragen des Zahlungsbilanzausgleichs leichter gelöst und daß Streitfragen

- 3 -

�Streitfragen beigelegt werden können.
In der Erklärung von Tokio heißt es ausdrücklich, daß die Verhandlungen als Ganzes gesehen werden sollen und daß auf allen Teilbereichen
gleichzeitig Fortschritte erzielt werden sollten.
Auf dem Wirtschaftsgipfel in London im Mai 1977 haben sich die
Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industriestaaten ausdrücklich zu dem Ziel eines offenen internationalen Handelssystems und
zu einer maximalen Liberalisierung des Handels - als Aufgabe für die
Multilateralen Handelsverhandlungen - bekannt.

Im Juli vorigen Jahres

haben der Sonderbeauftragte Präsident Carters für Handelsverhandlungen,
Botschafter Strauss, und die EG-Kommissare Jenkins, Haferkamp, Gundelach
und Davignon in Brüssel nach ausführlichen amerikanisch-europäischen Beratungen einem Verfahren und einem Zeitplan zugestimmt, die der TokioRunde neuen Auftrieb gegeben haben.
Sicherlich wird es schwierig sein, in all den genannten Fragen und
Problemen eine völlige Übereinstimmung aller Beteiligten zu finden.
Die weltweiten wirtschaftlichen Schwierigkeiten - und auch die Tatsache,
daß es fast zwei Jahre dauerte, bis der amerikanische Kongress dem
Präsidenten die notwendigen Verhandlungsvollmachten für die Tokio-Runde
übertrug - haben den Fortschritt sicherlich nicht erleichtert.

Aber es

besteht doch alle Hoffnung, daß sich bis Juli dieses Jahres die Konturen
für ein neues, umfassendes übereinkommen deutlich abzeichnen werden.
Präsident Carter und seine Administration haben sich auf jeden Fall
nachdrücklich verpflichtet, wesentliche Handelsabkommen im Rahmen der
Tokio-Runde zu erreichen.

In Washington ist man der Überzeugung, daß

diese Vereinbarungen wesentlich sind - nicht "trotz" der bestehenden
Probleme, sondern "wegen" dieser Probleme.

Nach amerikanischer Auf-

fassung braucht man die Vorteile eines freieren und faireren Handels, um
den Motor des wirtschaftlichen Wachstums anzutreiben, Vertrauen bei den

- 4 -

�den Unternehmern zu schaffen,

die Investitionen zu fördern, die Arbeits-

losigkeit abzubauen und dem Verbraucher ein reichhaltigeres und preisgünstigeres Angebot zu bieten.
Die amerikanische Regierung ist ferner der Überzeugung, daß die
führenden Vertreter fast aller der an den Mulitlateralen Handelsverhandlungen beteiligten Länder - Industriestaaten wie Entwicklungsländer ihren politischen Willen zum Ausdruck gebracht haben, zu einem vernünftigen
Übereinkommen zu gelangen.
Andererseits hat der Sonderbeauftragte Präsident Carters für Handelsverhandlungen, Botschafter Robert S. Strauss, immer wieder erklärt,
daß die Vereinigten Staaten, wenn kein wesentliches Übereinkommen zustande kommen sollte, lieber auf ein Abkommen verzichten, als einem Abkommen zustimmen, das den besten Interessen der amerikanischen Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Verbraucher und Landwirtschaft sowie des Kongresses
widersprechen würde. Es wird jetzt darauf ankommen, den bekundeten
politischen Willen aller Verantwortlichen in den beteiligten Ländern
in ein allseits akzeptables wirtschaftliches Übereinkommen umzusetzen.

+ + + + +

- 5 -

�11

3. Mai 1978

PLANSTELLEN AN US-UNIVERSITÄTEN STÄNDIG ERWEITERT

- (AD) - Ungeachtet der laufend verschärften Kontrolle der Zuweisung
von Geldern, der steigenden Kosten als Folge der Inflation und des Rückgangs von Spenden erweitern die amerikanischen Universitäten und Colleges
kontinuierlich die Planstellen zur Beschäftigung von Wissenschaftlern
und Ingenieuren.

Einer Erhebung der Nationalen Wissenschaftsstiftung

(National Science Foundation - NSF) zufolge hat die Zahl der hauptberuflich tätigen Akademiker an diesen Institutionen wie schon seit 1969
beobachtet auch im letzten statistisch erfaßten Zeitraum (Januar 1976 Januar 1977) um drei Prozent zugenommen.

Anfang 1977 waren 236 225

Wissenschaftler und Ingenieure hauptberuflich

und weitere 61 830 mit

Teil zeitarbeit an den 2 190 von der Erhebung erfaßten Stätten akademischer
Forschung und Lehre beschäftigt.
Das Schwergewicht ihrer Tätigkeit verlagert sich offensichtlich immer
stärker von der reinen Forschung auf angewandte Forschung und Entwicklung.
Bei der Auswertung der Untersuchungsergebnisse fiel auf, daß im Erhebungszeitraum doppelt so viele weibliche wie männliche Bewerber eingestellt

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�eingestellt wurden.

Im Januar 1977 waren 36 800 Akademikerinnen an

den Hochschulen tätig.

Dennoch beträgt ihr Anteil an der Gesamtzahl der

Wissenschaftler und Ingenieure im Durchschnitt nur 16 Prozent. Auf
den Gebieten Psychologie und Sozialwissenschaften allerdings gibt es
Ausnahmen - dort lagen die Anteile bei 25 bzw. 18 Prozent.

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�a
i a

UUi//cn/choft
uMi Technik
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3. Mai 1978

11

GLASLEITER MIT HOHER FESTIGKEIT

- (AD) - Glasleiter für die Nachrichtenübermittlung per LaserLicht sind dank einer neuartigen Beschichtung mit Aluminium wesentlich
dauerhafter und zuverlässiger als kunststoffbeschichtetes Material.
Das Verfahren wurde in den Forschungsanstalten der Hughes Aircraft
Company (Culver City, Kalifornien) entwickelt.

Die Glasleiter werden

in einem Metallmantel hermetisch eingeschlossen und so gegen Feuchtigkeit und vor anderen schädlichen Einflüssen geschützt.
Faseroptische Wellenleiter reagieren, obgleich sie aus reinem,
hochfestem Glas bestehen, überaus empfindlich selbst auf ganz geringfügigen Abrieb oder eine Fehlstelle im Glas. Bei dem neuen Verfahren
wird eine 15/1 U00 mm dicke Aluminiumschicht auf eine Glasfaser von
0,125 mm Durchmesser und 1 000 m Länge aufgebracht. Prüfungen unter
Feuchtigkeit bei Zug- und Druckspannung mit Belastungen bis zu 42 Tonnen
pro Quadratzentimenter ergaben, daß die aluminiumbeschichtete Faser
eine hunderttausendfache größere Lebensdauer hat als die herkömmliche
kunststoffbeschichtete Faser.

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V* J

Uli//cn/chcifl
und Technik

11

23

r^

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3. Mai 1978

11

URKONTINENT - VOR 500 MILLIONEN JAHREN ENTSTANDEN

- (AD) - Paläomagnetische Meßdaten deuten in Verbindung mit der
Theorie der Plattentektonik darauf hin, daß Afrika, Südamerika, Australien, die Antarktis und Indien vor ca. 500 Millionen Jahren zu einem
riesigen Kontinentalblock "verschweißt" wurden.

Erst 200 bis 300 Millionen

Jahre später brach der Urkontinent wieder auseinander, einzelne Landmassen begannen in Richtung ihrer heutigen Position zu wandern. Zu
dieser Schlußfolgerung kam Dr. Michael McWilliams, Geophysiker an der
Stanford-Universität (Palo Alto, Kalifornien), auf Grund seiner Untersuchung von Gesteinen aus dem Präkambrium.

In den Proben ist die Richtung

des erdmagnetischen Feldes aus jener Zeit "konserviert", in der die
Gesteinsmineralien zum letzten Mal nach einem Aufschmelzprozess erstarrt
sind.

Und da die erdmagnetischen Pole - mit Ausnahme einer dann und

wann aufgetretenen Umkehr der Polarität - mehr oder weniger stationär
geblieben sind, gibt die Richtung, in der Gestein zum Zeitpunkt seiner
Erstarrung

magnetisiert wurde, einen wichtigen Hinweis aus seinem ur-

sprünglichen Lageplatz in der Erdrinde.
Wie Dr. McWilliams

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�Wie Dr. McWilliams auf einer Tagung der Amerikanischen Geophysikalischen Union (19. April 1978 in Miami Beach, Florida) berichtete,
lassen die Ergebnisse der magnetischen Untersuchungen bestimmter Gesteinsschichten von den genannten Kontinenten den Schluß zu, daß diese
sich vor ca. 500 Millionen Jahren zu einem heute "Gondwanaland" genannten
Urkontinent vereinigt haben.

Mehr als 100 Millionen Jahre zuvor könnten

auf Grund der Daten aus Indien, Australien und der Antarktis diese drei
Festlandblöcke bereits einen kleineren Superkontinent gebildet haben,
den man als "Ostgondwanaland" bezeichnet.

McWilliams vermutet, daß Ost-

gondwanaland zumindest mit Afrika, wahrscheinlich aber auch mit Südamerika kollidiert ist.
Die Schollen der Erdrinde sind noch immer in Bewegung.

Die meisten

Erdbeben werden durch Reibungsvorgänge an ihren Rändern und Kollisionen
der Platten verursacht.

Aus Rissen zwischen den Platten brechen häufig

Vulkane hervor, denn an diesen Stellen kann heißes Magma aus dem Erdinnern nach außen dringen.

Die Plattenränder sind durch Gebirgsketten

gekennzeichnet, die bei solchen gigantischen Kollisionen aufgefaltet
wurden.

Weitere Aufschlüsse geben die im Zusammenhang mit solchen

Prozessen aufgetretenen Veränderungen an erhitztem, gestauchtem und umkristallisiertem Gestein.

Solche Randzonen sind beispielsweise die

Gebirgsketten auf beiden Seiten des Pazifik, die Gebirge von den Alpen
bis zum Himalaya oder die Appalachen im Osten Nordamerikas.
Dr. McWilliams wurde im vergangenen Jahr nach Stanford

berufen.

Zuvor war er an der Australian National University in Canberra tätig,
wo schon seit langem paläomagnetisehe Untersuchungen zur Oberprüfung
der Kontinentaldrift-Theorie im Gange sind.

In Canberra hatte

McWilliams mit Michael McElhinny (Canberra) und Alfred Kroner von der
Universität Mainz zusammengearbeitet.

Die Forschergruppe

ermittelte

bei einer Vielzahl von Gesteinsproben aus Australien und Afrika die
magnetische Ausrichtung.
bieten.

Das gesamte Material stammte von Festlandge-

Denn die Erdrinde am Grund der Meere wurde durch das

- 2 -

�durch das Auseinanderreißen der ozeanischen Schollen und Anlagern aufgequollener, erstarrender Magmamassen an den Rißzonen so stark umgebaut,
daß die ältesten Gesteine aus den Meeresregionen höchstens 250 Millionen
Jahre alt sind.

Paläomagnetisehe Messungen an diesen Gesteinen sind

nur für die Überprüfung der modernen Plattentektonik von Bedeutung;
sie geben den Wissenschaftlern Aufschluß darüber, wie sich die Schollen
in den letzten 200 Millionen Jahren bewegten und heute bewegen.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

18

3 . Mai 1989
I N H A L T

DOKUMENTATION
Cheney: Reduzierung nuklearer Gefechtsköpfe möglich
- Rede des US-Verteidigungsministers vor der NDU -

HINTERGRUNDMATERIAL
Eröffnungsrunde der VSBM-Verhandlungen "generell positiv'
- Interview mit Botschafter Maresca -

WIRTSCHAFT
Bericht des US-Handelsbeauftragten zur Bundesrepublik
- Auszüge aus dem Bericht des Handelsbeauftragten Neuer Handelsbericht veröffentlicht
- Unfaire Handelspraktiken von vielen Ländern angewendet

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Präsidialamt für Wissenschafts- und Technologlepolltlk
- Kernphysiker D. Allan Bromley als neuer Direktor nominiert t

Nationaler Raumfahrt-Beirat wiedereingesetzt

* * * * *

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Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

^

3. Mai 1989

18

CHENEY:

REDUZIERUNG NUKLEARER GEFECHTSKÖPFE MÖGLICH

- Rede des US-Verteidigungsministers vor der NDU -

WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Verteidigungsminister Cheney zufolge könnte die NATO "die Anzahl der in Europa stationierten Gefechtsköpfe" reduzieren, sobald das Nukleararsenal modernisiert ist.
Bei einem Symposium der National Defense University erklärte Cheney am 24.
April 1989 weiter, er könne sich "keine Bedingungen" vorstellen, unter denen
die NATO alle ihre nuklearen Streitkräfte aus Europa abziehen würde. "Ein
solches Vorgehen würde die Abschreckung entscheidend schwächen, weil unserer
Strategie der flexiblen Reaktion zunichte gemacht würde", so Cheney.
Nachfolgend bringen wir die Ansprache des amerikanischen Verteidigungsministers im Wortlaut.
Seit ich Minister geworden bin,
hat sich mir etwas in einer Weise
verdeutlicht, wie es niemals der Fall
gewesen wäre, als ich noch Mitglied
des Kongresses war. In welche Richtung wir auch immer bei unserer Überprüfung der Sicherheitsstrategie der
vergangenen Monate geblickt haben,
wir kommen immer wieder auf unser erstes Prinzip zurück - die Notwendigkeit der Geschlossenheit im westlichen Bündnis. Mit dieser Geschlossenheit kann praktisch jede Zukunft
bewältigt werden.
Ohne sie wird
selbst die einfachste Aufgabe zu einer Belastung der internationalen Beziehungen.
Vom täglichen Funktionieren des
internationalen
Wirtschaftssystems
bis hin zu Rüstungskontrolle und Ein-

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Embassy of the United States of America

dämmung wären alle Bestrebungen
Westens nach Sicherheit ohne die
scheidende Einheit zwischen den
einigten
Staaten
und Europa
Scheitern verurteilt.

des
entVerzum

Paradoxerweise sind die Werte,
die das Wesen dieser Verbundenheit
mit Europa ausmachen - im Gegensatz
zu den Werten, die den Ostblock zusammenhalten - Güter wie freie Meinungsäußerung, Wettbewerb und Wahlfreiheit. Mit anderen Worten, Werte,
die das Wesen eines Büdnisses ausmachen, das sich in einer solch lebhaften Diskussion befindet, daß die
übrige Welt zweifellos beeindruckt
von unserer Fähigkeit ist, eine gemeinsame Politik zu erarbeiten und
beizubehalten.

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Heute feiern wir den Erfolg und
die Stärke des wichtigsten Resultats
dieser Geschlossenheit. Es gibt vieles, auf das wir stolz sein können,
wenn wir eine Bestandsaufnahme der
ersten 40 Jahre der NATO vornehmen.
Dennoch hat jeder von uns noch wichtige Fragen bezüglich der Zukunft unseres Bündnisses in einem sich wandelnden internationalen Umfeld.
Wir sollten uns jedoch vor Augen
führen, daß unser Unbehagen nichts
Neues ist. In seinem Bericht über
die feierliche Unterzeichnung des
Nordatlantikvertrags am 4. April 1949
hielt Dean Acheson fest, die MarineBand "verlieh dem Ereignis einen unerwarteten Realitätsbezug", indem sie
zwei Lieder aus dem Musical Porgy und
Bess spielte:
"Ich habe viel von
Nichts" und "Es muß nicht zwangsläufig so sein".
Aber selbst angesichts Achesons
nüchterner Sicht der Zukunft ist die
offensichtlichste Tatsache im Hinblick auf das 40jährigen Bestehen der
NATO nicht das ungenutzte Potential,
sondern ihr außerordentlicher Erfolg.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging
es Gewinnern und Verlierern in Europa
gleich schlecht, abgesehen vom Ausmaß
der Vernichtung, das sie umgab. Der
durch die schreckliche Zerstörungskraft des modernen Krieges verursachte wirtschaftliche Zusammenbruch ging
einher mit einer politischen Krise,
deren
Größenordnung
ihresgleichen
sucht. Der Bruch des Kriegsbündnisses, Angst vor Machtübernahmen und
geschwächte europäische Staaten sowie
die zunehmende Kriegstreiberei der
Sowjetunion schufen eine düstere Bedrohung des neugefundenen Friedens in
Europa.
Auf der anderen Seite des Atlantiks war Amerika nur zu gern bereit,
zu dem überholten und gefährlichen
Isolationismus zurückzukehren. Nachdem der Krieg gewonnen war, standen
wir kurz vor dem Verlust des Friedens. In dieser Phase der Nabelschau
traten sowohl in Europa als auch in

den Vereinigten Staaten einige herausragende Politiker auf, die zunächst den Weg bereiteten und dann
die Grundlage für den Frieden schufen, dessen wir '^ns heute erfreuen.
Heute wird der Erfolg des Bündnisses praktisch als selbstverständlich hingenommen.
Nicht nur wirtschaftliche und politische Stabilität
wurden wiederhergestellt und Amerika
gab seinen traditionellen Isolationismus auf sondern in jüngster Zeit
konnten wir auch einen Wandel in der
Ideologie unseres Hauptgegners beobachten, der in der Geschichte seinesgleichen sucht. Während wir uns vor
nicht allzu langer Zeit noch fragten,
warum Demokratien zugrunde gehen, erleben wir heute das allmähliche Entstehen von Demokratien in einer Reihe
von Ländern der Dritten Welt und fragen uns, ob die Freiheit in Osteuropa
und vielleicht sogar in der Sowjetunion den Sieg über den Kommunismus
erringen wird.
Obwohl man geteilter Meinung darüber sein kann, warum dies so Ist,
liegen die Gründe meiner Ansicht nach
auf der Hand.
Seit Bestehen des
Bündnisses haben wir militärische
Stärke bewahrt und waren zur Verteidigung unserer Freiheit bereit. Weder der Aufschwung unserer Volkswirtschaften noch die Verbreitung der Demokratie sind lediglich auf irgendeinen mysteriösen Prozeß oder bloßes
Glück
zurückzuführen.
Eindämmung,
flexible Reaktion und die dahinterstehende Verpflichtung zu militärischer Stärke haben weltweit ein Umfeld geschaffen, in dem die Nationen
ihre eigenen Entscheidungen treffen
können und in dem unser mächtigster
Gegner gezwungen wurde, sich mit der
Stagnation seiner Gesellschaft auseinanderzusetzen.
Es steht außer Frage, daß sich in
der Sowjetunion und in Osteuropa ein
tiefgreifender Wandel vollzieht, und
es besteht kein Zweifel, daß diese
Reformen eine besondere Herausforderung an die NATO darstellen. Glasnost und Perestrojka sind willkommene

�Signale, nicht nur für den Westen,
sondern insbesondere für diejenigen,
die unter der kommunistischen Herrschaft zu leiden hatten.

dukts für die Verteidigung aus,
während die Vereinigten Staaten
weniger als 6 Prozent dafür aufwenden.

Wir begrüßen Gorbatschows neues
Denken in der Außen- und Verteidigungspolitik. Seit Beginn des kalten
Krieges haben wir auf ein neues Denken in Moskau gewartet und wir haben
allen Grund zu der Hoffnung, daß die
Sowjets zu einem stabilisierenderen
Faktor in der Weltpolitik werden.

Die
Rüstungsproduktion
behält
insgesamt das in der BreschnewÄra vorgegebene hohe Tempo bei.
Wir besitzen zum Beispiel keinerlei Beweise dafür, daß die Sowjets ihre Jahresproduktion von
3 500 Panzern verringert haben.

Unsere erste Pflicht ist es jedoch, die sowjetischen Fähigkeiten zu
verstehen und das sowjetische Vorgehen richtig einzuschätzen. Wir können die gute Absicht loben, aber wir
müssen uns mit der Realität auseinandersetzen.
Darüber hinaus ist Vorsicht angebracht, wenn wir solch kritische Themen behandeln wie unsere Bewertung
der militärischen Bedrohung der Sowjetunion. Trotz der Worte, die wir
von Generalsekretär Gorbatschow vernehmen, ist und bleibt die Sowjetunion militärisch ein Gigant mit enormer
Zerstörungskraft und einer Geschichte, die uns Wachsamkeit und Festigkeit lehrt.
Gorbatschows bisherige Amtszeit
liefert in der Tat noch kein klares
Bild von jemandem, der ausschließlich
von wohlwollenden Intentionen gegenüber der NATO geleitet ist. Lassen
Sie uns einige Fakten prüfen:
Selbst wenn die Sowjets die von
Gorbatschow in seiner Rede vor
den Vereinten Nationen am 7. Dezember 1988 erwähnten Streitkräfte vollständig abbauen würde, wären die Streitkräfte des Warschauer Pakts denen der NATO bei
Panzern, Geschützen und Divisionen zahlenmäßig immer noch im
Verhältnis von 2:1 überlegen.
Trotz der Reden über einen reduzierten Militärhaushalt gibt Moskau offenbar weiterhin 15 bis 17
Prozent seines Bruttosozialpro- 3 -

Das neue Denken in der Außenpolitik hat die Sowjets nicht davon
abgehalten, ihre Militärhilfe für
Nicaragua von ca. 280 Millionen
Dollar im Jahr 1985 auf über 500
Millionen Dollar im Jahr 1988 zu
erhöhen - fünfmal soviel, wie unsere gegenwärtige Hilfe an El
Salvador.
Bei einem Thema, das für die NATO
von großer Bedeutung ist - der
Modernisierung
der
nuklearen
Kurzstreckensysteme - sind die
Sowjets leider zu ihrer sattsam
bekannten Haltung zurückgekehrt.
So hat Außenminister Schewardnadse im März dieses Jahres erklärt: "Die Modernisierung kann
das in Europa entstehende echte
Vertrauen zerstören."
Und erst
kürzlich hat Gorbatschow in London verkündet, die Sowjets hätten
die Modernisierung ihrer Kurzstreckensysteme eingestellt. Betrachtet man die von den Sowjets
gegenwärtig unternommenen Modernisierungsanstrengungen, so können diese beiden Erklärungen bestenfalls als bizarr bezeichnet
werden.
Schon seit über zehn Jahren modernisieren
die
Sowjets
ihre
Kurzstreckensysteme.
Sie haben
alte und wenig zielgenaue FROGSysteme durch die moderne SS-21
ersetzt. Unter Staats- und Parteichef Gorbatschow hat sich die
Zahl der SS-21-Abschußvorrichtungen sogar mehr als verdoppelt.
Zusätzlich ersetzt Moskau seine
vom INF-Abkommen betroffenen SS-

�23-Raketen durch SCUD-Flugkörper.
Die Modernisierung von Flugzeugen
dauert ebenso wie die der Artilleriesysteme an.
Infolge dieser Modernisierung besitzt der Warschauer Pakt bei
atomaren Kurzstreckenraketer. eine
Überlegenheit
von
sage
und
schreibe 16:1.
Zusammengenommen deuten diese unter Gorbatschow vorgenommenen Maßnahmen darauf hin, daß wir im Hinblick
auf Veränderungen in unserem Einsatzkonzept sehr vorsichtig vorgehen müssen. Überdies besteht kein Zweifel,
daß die Politik des Bündnisses, die
den Frieden über 40 Jahre bewahrt
hat, ständiger Bekräftigung bedarf.
Dies war meines Erachtens die
deutliche Botschaft, die von unserem
jüngsten Treffen der Nuklearen Planungsgruppe in Brüssel übermittelt
wurde. Die Vereinigten Staaten konnten ihr Engagement für das Bündnis
bekräftigen und der NATO versichern,
daß die Kürzungen, zu denen wir im
Verteidigungshaushalt der Vereinigten
Staaten gezwungen sind, die Verteidigung der NATO auf keinen Fall schwächen werden.
Die
Nukleare
Planungsgruppe
stellte eindeutig fest, daß zur Abschreckung weiterhin atomare und konventionelle Waffen gehören müssen.
Ich kann mir keine Bedingungen vorstellen, unter denen wir den Abzug
aller Kernwaffen aus Europa vornehmen
könnten. Ein solches Vorgehen würde
die Abschreckung entscheidend schwächen, weil unsere Strategie der flexiblen Reaktion zunichte gemacht würde.
Aufgrund dessen brachte die NPG
ihre anhaltende Unterstützung für die
in Montebello eingegangene Verpflichtung zum Ausdruck, ein glaubwürdiges
nukleares Abschreckungspotential aufrechtzuerhalten.
Das Bündnis wird
den notwendigen Zeitplan für eine
solche Modernisierung ausarbeiten.

Es sind Forderungen nach Verhandlungen mit Moskau über eine dritte
Null-Lösung erhoben worden. Wir dürfen nicht in diese gefährliche Falle
gehen.
Eines der Hauptziele des
Kreml ist die Entnuklearisierung Europas.
Betrachtet man dieses Ziel
und die gefährlichen Bedingungen, die
sich bei dessen Verwirklichung ergeben könnten, so muß das Bündnis weiterhin diese Forderung nach einer
dritten Null-Lösung entschlossen ablehnen.
Wenn wir heute nicht den
Willen besitzen, dieser Option entgegenzutreten, könnten wir ihn dann
wirklich in irgendwelchen Verhandlungen über Kurzstreckensysteme aufbringen?
Zusätzlich zur nuklearen Modernisierung sind gemeinsame Verbesserungen in der konventionellen Verteidigung unerläßlich.
Abschreckung und
Verteidigung ebenso wie unsere Hoffnung auf ein günstiges Ergebnis der
Gespräche über die konventionellen
Streitkräfte in Europa beruhen auf
diesen Verbesserungen. Wir haben gewiß aus der Vergangenheit gelernt,
daß wir nichts gewinnen, wenn wir In
der Hoffnung einseitig Verbesserungsprogramme begrenzen oder auf sie verzichten, daß die Sowjets darauf ebenso großzügig antworten.
Wir beabsichtigen, auf der von
der Reagan-Administration hinterlassenen
starken
Sicherheitsgrundlage
aufzubauen und eine beständige Politik zu verfolgen, die weiterhin der
absoluten Notwendigkeit eines soliden
westlichen Bündnisses Rechnung trägt,
das auf eine faire Teilung von Aufgaben, Risiken und Verantwortlichkeiten
gegründet ist.
Ich bin mir der mannigfachen Forderungen nach einer grundlegenden
Neueinschätzung unserer Bündnisse und
nach umfassenden Neuerungen in der
nationalen Sicherheitspolitik bewußt.
Keiner dieser Vorschläge ist jedoch
zur Zeit für uns attraktiv.
In den Vereinigten Staaten besteht ein starker Wunsch nach Neue-

�rungen. Trotz der eindeutigen Erfolge unserer nationalen Sicherheitsstrategie wird vielfach immer noch
die Meinung vertreten, wir sollten
auf die sowjetischen Reformen mit einer Wende in unserer Strategie der
Eindämmung reagieren.
Zu häufig haben wir in der Vergangenheit ein Auf und Ab der amerikanischen Macht erlebt, haben wir gesehen, wie unsere Interessen sprunghaft von einer Region zu einer anderen wechselten, wenn verschiedene Administrationen den Schwerpunkt verlagerten. Dies ist die Art von unsteter Politik, sei es in Haushaltsfragen oder in unseren Auslandsverpflichtungen, die diese Administration zu vermeiden trachtet.
Wir sind schließlich eine mächtige Nation, die Teil einer mächtigen
Koalition ist. Wir müssen nicht auf
jeden Vorschlag oder jede Verlagerung
in der Politik unseres Hauptgegners
reagieren. Die Welt ist viel komplexer. Mit anderen Worten: Wir haben
andere Anliegen als die Sowjetunion
und wir beabsichtigen, diesen Anliegen die gebührende Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.
In der Tat ist es die Komplexität
der Welt, mit der wir konfrontiert
sind, die von uns eine stetige und
berechenbare
Außen- und
Verteidigungspolitik verlangt, die auf einer
realistischen Einschätzung der internationalen Politik beruht.
Ich weiß, daß der Ruf nach Beharrlichkeit
und
Strategie keinen
Stoff
für aufregende Schlagzeilen
liefert. Er ist jedoch die richtige
Formel für ein großartiges Bündnis
wie das unserige, ein Bündnis, das
aus der Vergangenheit gelernt hat und
das beabsichtigt, auf seinen Erfolgen
aufzubauen.

* * * * *
- 5

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VON**

3. Mai 1989

18

ERÖFFNUNGSRUNDE DER VSBM-VERHANDLUNGEN "GENERELL POSITIV
- Interview mit Botschafer Maresca -

WASHINGTON - (AD) - Die letzten
Monat in Wien eröffnete Runde der
Verhandlungen
über
Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM)
war dem amerikanischen ChefUnterhändler, Botschafter John Maresca zufolge
"im großen und ganzen positiv".
Ein Beweis dafür ist, daß sowohl
die NATO als auch der Warschauer Pakt
bereits erste Vorschläge unterbreitet
haben, erklärte Maresca in einem Interview am 27. April 1989. Dies
steht im Gegensatz zu den früheren
Stockholmer Gesprächen, bei denen es
nahezu neun Monate dauerte, bevor die
ersten Vorschläge vorgelegt wurden,
fügte Maresca hinzu.
Die Vorschläge der beiden Bündnisse "überschneiden sich in gewissen

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Punkten", vor allem in den vom Westen
bevorzugten Bereichen, stellte der
Botschafter fest, der vom Osten unterbreitete Plan ließe jedoch Einzelheiten vermissen, fügte er hinzu.
Die Position der NATO stützt sich
im wesentlichen auf den ursprünglich
in Stockholm gemachten Vorschlag, der
damals jedoch vom Osten abgelehnt
worden war. Er fordert die 35 betroffenen Nationen auf, "umfassende
Informationen" über ihre Streitkräfte
in Europa zur Verfügung zu stellen,
die die Kommandostruktur, die genauen
Stellungen der Streitkräfte in Friedenszeiten sowie die Art des wichtigsten in Europa stationierten Geräts
beinhalten sollten. Alle diese Informationen würden jährlich vorgelegt, "so daß man im Lauf der Zeit

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�eine Entwicklung bezüglich der jeweiligen Streitkräfte feststellen könnte", erklärte Maresca.

handlungen stattfinden, um ihnen einen gewissen Auftrieb zu verleihen,
fügte er hinzu.

Darüber hinaus fordert der NATOVorschlag alle Nationen auf, sich gegenseitig jährlich über ihre Pläne
zur Stationierung von neuem militärischen Croßgerät zu informieren. Dem
Botschafter zufolge sei ein solches
Vorgehen als Maßnahme gegen die sowjetische Tendenz gedacht, heimlich
neue Systeme zu stationieren. Insgesamt gesehen würden die westlichen
Vorschläge die Stabilität und Berechenbarkeit
in Europa vergrößern,
fügte er hinzu.

Maresca erklärte, trotz ermutigender Anzeichen enthielten die Vorschläge des Ostens Positionen, die
der Westen für "inakzeptabel" hält,
vor allem folgende:

In der Schlußakte von Helsinki
haben sich die 35 Nationen der NATO,
des Warschauer Pakts sowie die neutralen und blockfreien Nationen auf
zwei
Inspektionsmethoden
geeinigt.
Die erste Methode gestattet die Beobachtung von militärischen Manövern.
Die andere räumt jeder Nation das
Recht ein, kurzfristig (binnen 48
Stunden) anberaumte Ad-hoc-Inspektionen aller militärischen Einrichtungen
der 35 Nationen zu fordern.
Auf diese Maßnahmen aufbauend,
enthält der NATO-Vorschlag jetzt eine
dritte Art von Inspektion, bei der
tni] itärisehe Einrichtungen in regelmäßigen Abständen aufgesucht würden,
um das dort stationierte Gerät zu inspizieren und zu zählen - ein Gedanke, der Maresca zufolge der militärischen Lage in Europa "ein zusätzliches Element der Stabilität" verleihen würde.
Ein weiterer Vorschlag des Westens, der vom Warschauer Pakt offensichtlich gut aufgenommen wurde, ist
der Gedanke, ein Seminar über Militärdoktrin und -politik zu veranstalten.
"Es ist ein günstiger Zeitpunkt" für diese Art von Übung, erklärte Maresca, und verwies darauf,
daß Themen wie die Mililtärdoktrin
und der Verteidigungshaushalt der Sowjetunion bei solchen Seminaren erörtert werden könnten. Er hoffe, das
Seminar werde noch während der Ver-

Zonen: Der Osten versucht, die
Streitkräfte des Westens innerhalb
noch festzulegender Zonen zu begrenzen. Das den Staaten des Warschauer
Pakts zur Verfügung stehende riesige
Territorium - Osteuropa plus die gesamte Sowjetunion westlich des Urals
- verglichen mit dem der NATO versetzt den Westen jedoch eindeutig in
eine schwächere Position, erklärte
der Botschafter.
Begrenzungen: Der Osten will den
Aktivitäten der westlichen Streitkräfte bestimmte Obergrenzen oder Begrenzungen auferlegen. Ohne Reduzierungen des Warschauer Pakts auf gleiche Obergrenzen würde sich auch dies
zu einem Vorteil für die Sowjetunion
auswirken. Um ihre geringere Anzahl
an Streitkräften wettzumachen, muß
die NATO ihre Fähigkeit zur Durchführung von Großmanövern aufrechterhalten, stellte er fest.
Unabhängige Luft- und Seemanöver:
Das ursprüngliche Mandat, auf das
sich sowohl die Stockholmer als auch
die Wiener VSBM-Gespräche stützen,
legt besondere Betonung auf die landgestützten
Streitkräfte,
womit
Luft- und Seeoperationen ausgeschlossen werden. Das Problem liege auf
der Hand, daß Luftübungen "außerordentlich schwer zu überwachen sind",
erklärte Maresca.
Die NATO lehnt Verhandlungen über
Seemanöver ab, da die Vereinigten
Staaten ihre Bereitschaft aufrechterhalten müssen, Europa im Falle einer
militärischen Konfrontation auf europäischem Gebiet auf dem Seeweg zu
verstärken, bemerkte der Botschafter.
Zusammengenommen

könnten

Maresca

�zufolge diese Aspekte der vom Osten
unterbreiteten Vorschläge als "Vorteilbildende Maßnahmen" beschrieben
werden.
Die zweite Sitzungsperiode der
Wiener Gespräche ist für den 5. Mai
1989 anberaumt und soll bis Mitte Juni dauern. Der Botschafter erwartet,
daß die 35 Nationen bald Arbeitsgruppen zur Erörterung bestimmter Probleme bilden werden.
Bezüglich eines
solchen Vorgehens scheine ein "Konsens" zu bestehen.
Mit Blick auf die Zukunft stellte
Maresca fest, die VSBM-Gespräche müßten über ihre Fortschritte bei der
für Frühjahr 1992 in Helsinki angesetzten KSZE-Zwischenbilanz berichten.
"Das wirkt in gewisser Weise
wie eine Frist", erklärte Maresca und
fügte hinzu, ein Abkommen könnte möglicherweise vor diesem Zeitpunkt erzielt werden.

* * * * *

�»

AMERIKA DIENST

&gt;

Wirtschaft

^ON

3. Mai 1989

18

BERICHT DES US-HANDELSBEAUFTRAGTEN ZUR BUNDESREPUBLIK
- Auszüge aus dem Bericht des Handelsbeauftragten -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den die Bundesrepublik
Deutschland betreffenden Teil des Nationalen Handelsberichts über ausländische
Handelshemmnisse, der am 28. April 1989 vom Büro des Handelsbeauftragten veröffentlicht wurde.

Bundesrepublik Deutschland
Im Jahr 1988 belief sich das Handelsdefizit mit der Bundesrepublik
auf 13,1 Milliarden Dollar und war
damit 3,2 Milliarden Dollar niedriger
als 1987. Der Warenexport in die
Bundesrepublik betrug 14,3 Milliarden
Dollar, was verglichen mit 1987 einem
Anstieg von 2,6 Milliarden Dollar
oder 22,2 Prozent entspricht.
Die
Bundesrepublik Deutschland war 1988
der fünftgrößte Exportmarkt der Vereinigten Staaten. Amerikanische Importe aus der Bundesrepublik beliefen
sich 1988 auf insgesamt 27,4 Milliarden Dollar und lagen damit um 2,1
Prozent unter den Zahlen des Jahres
1987.
Die

direkten

Auslandsinvestitio-

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Embassy of the United States of America

nen der Vereinigten Staaten in der
Bundesrepublik
betrugen 1987 24,4
Milliarden Dollar, waren also 3,6
Milliarden Dollar höher als 1986.
Die amerikanischen Direktinvestitionen in der Bundesrepublik konzentrieren sich vornehmlich auf nichtelektrische
Maschinen,
Transportausrüstungen und Mineralöl.

1. Normen, Erprobung, Beschriftung,
Zulassungsverfahren
Bestimmungen für sterile medizinische
und diagnostische Geräte
Die kürzlich in der Bundesrepublik
Deutschland
veröffentlichten
medizinischen Normen werden den Herstellern in den Vereinigten Staaten

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�voraussichtlich übermäßige Belastungen auferlegen.
In bestimmten Fällen erscheinen die neuen Normen unnötig vage. Die amerikanische Industrie vertritt die Auffassung diese
Normen seien ohne angemessene Berücksichtigung
der
Interessen anderer
Staaten verfaßt worden.
Die neuen Bestimmungen betreffen
steriles medizinisches und diagnostisches Gerät.
Besonders umstrittene
Bereiche sind unter anderem die Bestimmungen für Arneimittelproben und
Beschriftungen.
Eine Verfügung des Gesetzes bestimmt die Lagerung von Arzneimittelproben auf dem Gelände des Importeurs
statt auf dem des exportierenden Unternehmens. Vertreter der amerikanischen Industrie sind der Auffassung,
diese Bestimmung würde zusätzliche
Kosten in Höhe von 8 bis 10 Millionen
Dollar pro Jahr für die Importfirma
verursachen.
Eine Bestimmung, die
sich auf mehrere Wirkstoffe enthaltende
Arzneimittel
bezieht, wird
ebenfalls Mehrkosten verursachen, da
die Hersteller gezwungen sind, bestimmte Kontingente speziell für den
westdeutschen Markt zu beschriften.
Es ist schwierig, die Mehrkosten
genau vorauszusagen, die diese Richtlinien den amerikanischen Herstellern
medizinischer
Produkte
auferlegen
könnten. Man geht jedoch davon aus,
daß sie nachteiligen Auswirkungen auf
die Exporte medizinischer Produkte
der Vereinigten Staaten in die Bundesrepublik haben könnten.
Die Vereinigten S.taaten verwahren
sich weiterhin gegen die in der Vergangenheit angewandte Praxis der Bundesrepublik, die interessierten Parteien zu benachrichtigen, wenn neue
medizinische
Normen
verabschiedet
werden sowie gegen die übermäßigen
Kosten, die einige dieser Normen den
amerikanischen
Herstellern
voraussichtlich auferlegen werden. Amerikanische Regierungsvertreter werden
diese Themen weiterhin auf bilateraler Ebene mit ihren Kollegen in der

Bundesrepublik anschneiden.

2.

Staatliche Beschaffungen

Ausschluß ausländischer Firmen
der Liste befähigter Anbieter

von

Acht der 1 000 bundesdeutschen
Stromversorgungsunternehmen sind für
80 Prozent der Stromerzeugung des
Landes verantwortlich. Vertreter der
Bundesregierung versichern, ihr Markt
für schweres elektrisches Gerät (HEE)
sei offen.
Obwohl Verträge öffentlich ausgeschrieben werden, unterhalten die
bundesdeutschen Stromerzeuger keine
Liste der befähigten Anbieter. Entscheidungen über die Befähigung eines
Unternehmens werden vom Versorger von
Vertrag zu Vertrag auf der Grundlage
seiner Entscheidung über die Zuverlässigkeit des Anbieters und anderer
Faktoren gefällt. Bisher wurde keinem ausländischen Unternehmen der Zuschlag zum Bau eines Turbinengenerators erteilt.
Der bundesdeutsche Markt für Turbinengeneratoren und Transformatoren
wird auf rund 350 Millionen Dollar
pro Jahr geschätzt.
Amerikanische
Firmen sind zuversichtlich, daß sie
einen beträchtlichen Marktanteil für
sich gewinnen könnten, wenn die Beschaffungpraktiken offen und transparent würden.
Die Vereinigten Staaten sprechen
über dieses Thema mit Vertretern der
Bundesregierung, utr auf mehr Transparenz und Marktzugang zu drängen.
Diese umfassenden sondierenden Gespräche erstrecken sich auch auf diejenigen Versorgungsunternehmen, die
bestimmten Einfluß auf Beschaffungsentscheidungen der Bundesrepublik für
schweres elektrisches Gerät haben.
Gleichzeitig wird durch Verhandlungen
im Rahmen des GATT versucht, die Beschaffung von schwerem elektrischem
Gerät gemäß dem Regierungsbeschaffungskodex des GATT einzubeziehen.

�In ähnlicher Weise sind die Konsultationen mit der Europäischen Gemeinschaft darauf ausgerichtet, den
Zugang zum Binnenmarkt für amerikanische Hersteller von schwerem elektrischem Gerät zu sichern. Unabhängig
vom tatsächlichen Besitzer der Einrichtung versucht die EG ihre Richtlinien für diesen priviligierten Bereich auf alle öffentlichen Versorgungsunternehmen anzuwenden. Wie im
Entwurf vorgesehen, würde die Richtlinie diesen Unternehmen die Vorschrift gestatten, daß 50 Prozent aus
"heimischer" odr lokaler Produktion
zu stammen haben.

3.

Andere Handelshemmnisse

Regierungssubventionen für den Airbus
Die Airbus-Subventionen sind nach
wie vor ein Hauptstreitpunkt zwischen
den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik.
Im Juni 1987 kündigte
die Bundesregierung Subventionen in
Höhe von 1,65 Milliarden Dollar für
das
kommerzielle
Flugzeugprogramm
Airbus A 330 und A 340 an. Seit 1967
belief sich die gesamte Unterstützung
der Bundesrepublik für die AirbusProgramme auf über 5,6 Milliarden
Dollar, von denen bisher 2,3 Milliarden Dollar ausgegeben worden sind.
Die Subventionen der Bundesregierung gingen an Messerschmidt-BölkowBlohm (MBB), ein im öffentlichen Besitz befindliches Unternehmen in der
Bundesrepublik.
Eine Tochtergesellschaft von MBB, die Deutsche Airbus,
ist zu 38 Prozent Partner der Airbus
Industries. MBBs Partner im AirbusKonsortium
sind
Unternehmen
aus
Frankreich, Großbritannien und Spanien. Jedes dieser Unternehmen erhält zusätzlich umfangreiche Subventionen von der Regierung des jeweiligen Landes.

Handelsabkommen über die Zivilluftfahrt stehen. Die Vereinigten Staaten haben sowohl auf bilateraler Ebene als auch im GATT-Flugzeugausschuß
Diskussionen zu diesem Thema in die
Wege geleitet.
Im Herbst 1988 hat die Bundesregierung Pläne zur Privatisierung von
MBB durch den Verkauf der Kapitalmehrheit des Unternehmens an Daimler-Benz verlauten lassen. Um Daimler davon zu überzeugen, die Kontrolle über MBB zu übernehmen, mußte die
Bundesregierung die ausstehenden Verpflichtungen im Rahmen des AirbusProgramms, einschließlich einer Wechselkursgarantie in Höhe von 1,4 Milliarden Dollar umstrukturieren. Garantierte Wechselkurse für einen bestimmten Zeitraum für neue AirbusProgramme sind eine zusätzliche finanzielle Verpflichtung von nahezu 1
Milliarde Dollar.
Ferner mußte sie
einen 20prozentigen Anteil am neuen
MBB-Unternehmen
für
Zivilluftfahrt
übernehmen.
Genaue Schätzungen der
möglichen Verpflichtungen für diese
Wechselkursgarantien
bis ins Jahr
2000 liegen nicht vor und könnten den
Budgetrahmen sprengen.
Die Vereinigten Staaten haben die
Rechtmäßigkeit dieser Verfügungen im
Sinne des GATT-Subventionenkodex in
Frage gestellt und am 20. März 1989
Konsultationen gemäß dem Kodex gefordert.
Die Vereinigten Staaten werden
das Thema Airbus weiterhin mit den
zuständigen Vertretern der Bundesregierung bei der Suche nach Wegen zum
völligen Abbau oder der Begrenzung
von Subventionen durch die AirbusPartnerregierungen verfolgen.

* * * * *
Die Vereinigten Staaten haben die
Frage aufgeworfen, ob die von den
vier Regierungen für ihre Mitglieder
des Airbus-Konsortiums gewährten Subventionen im Einklang mit dem GATT- 3

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

3. Mai 1939

18

NEUER HANDELSBERICHT VERÖFFENTLICHT
- Unfaire Handelspraktiken von vielen Ländern angewendet -

WASHINGTON - (AD) - Der vierte
Jahresbericht der US-Regierung über
ausländische Handelsschranken findet
mehr Beachtung als die drei vorhergehenden. Dieses Jahr benutzt das Büro
des US-Handelsbeauftragten (USTR) den
Bericht mit dem Titel "National Trade
Estimate (NTE) Report on Foreign
Trade Barriers" als ein Kriterium für
die Feststellung der Länder, denen
bei einer Reihe von Untersuchungen in
Fällen unfairen Handels, die Vergeltungsmaßnahmen nach sich ziehen könnten, vorrangige Bedeutung beigemessen
wird.
Bei einer Informationsveranstaltung am 28. April 1989 erklärte der
ständige Berater des USTR, Joshua
Bolton, jedoch, der Bericht sei für
die Regierung bei der Festlegung der

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Prioritäten für Untersuchungen gemäß
"Special 301" in Fällen der Verletzung von Rechten an geistigem Eigentum sowie gemäß "Super 301" in anderen Fällen von unfairen Handelsbeschränkungen nur einer von vielen
Faktoren.
Abschnitt 301 des amerikanischen
Handelsgesetzes
ist die schärfste
Waffe des USTR gegen unfaire Handelspraktiken.
Dem Handelsgesetz von
1988 zufolge muß der USTR bis zum 30.
Mai in Fällen von "Super 301" und
"Special 301" die vordringlich zu behandelnden Länder benennen und binnen
eines Monats Untersuchungen gegen
diese Länder einleiten.
Verständlicherweise wird in diesem Bericht den Ländern, deren Han-

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�delsvolumen mit den Vereinigten Staaten am größten ist, der meiste Raum
gewidmet. "Die Seitenzahl sagt wahrscheinlich nichts darüber aus, wo die
schwerwiegendsten Probleme liegen,"
räumte Bolton ein.
Die längsten Abschnitte betreffen
jedoch Kanada, Brasilien, die Europäische Gemeinschaft (EG) und Südkorea
mit je 10 Seiten sowie Japan mit 18
Seiten. Der diesjährige Bericht enthält
Informationen
über
Handelsschranken in 34 Staaten sowie in der
Europäischen Gemeinschaft
und den
Ländern
des
Golfkooperationsrats.
Ägypten ist zum ersten Mal darin enthalten, während sieben Länder, die
vormals getrennt behandelt wurden,
heute im Abschnitt über die EG erscheinen.
Der Bericht führt mehrere japanische Handelsschranken zum ersten Mal
auf, darunter staatliche Marktinterventionen zugunsten von in Japan hergestellten Kommunikationsgeräten und
Personalcomputern, die das japanische
Betriebssystem TRON verwenden.
Dem
Bericht zufolge erarbeitet das japanische Bildungsministerium gegenwärtig technische Richtlinien für die
angestrebte unfaire Beschaffung von
2,2 Millionen TRON-Personalcomputern,
durch die einer japanischen Gruppe
von Unternehmen besondere Vorteile
verschafft werden.
Japan unterhält weiterhin unfaire
Quoten bei Weizen, Gerste, Reis,
Schellfisch, Hering, Kabeljau, Makrelen und Tintenfisch. Ferner wurden
Mängel im bis zu sechs Jahren dauernden japanischen Patentverfahren sowie
bei der Registrierung von Markenzeichen aufgedeckt, die bis zu vier Jahren dauern kann.
Der Bericht kritisiert das geschlossene
Ausschreibungsverfahren
für Bauprojekte in Japan, ein Vertriebssystem, mit dem der Marktzugang
amerikanischer Zulieferer in der Automobilindustrie behindert wird sowie
staatliche Schranken gegen amerikanische Satelliten und Supercomputer.

Dem Bericht zufolge verletzt Japan immer noch das Handelsabkommen
von 1986, in dem der US-Halbleiterindustrie
verstärkter
Marktzugang
versprochen wurde.
Aufgrund dieses
Vertragsbruchs erhalten die Vereinigten Staaten Handelssanktionen in Höhe
von 165 Millionen Dollar jährlich gegenüber japanischen Produkten aufrecht .
Auch von der Europäischen Gemeinschaft wird, wie der Bericht feststellt, ein Handelsabkommen verletzt.
Obwohl sich die EG zu Zollsenkungen
bei Kraftpapier und Pappe bereiterklärt hat, weigert sie sich nach wie
vor, die notwendigen Anpassungen bei
der
Produktdefinition
vorzunehmen,
durch die der vorgeschriebene Mindestweichholzanteil von 80 Prozent
abgeschafft würde.
Das
Handelsgesetz
von
1988
schreibt gemäß Abschnitt 301 eine
formelle Entscheidung des USTR über
Vergeltungsmaßnahmen
zwingend
vor,
wenn ein Handelsabkommen gebrochen
wurde.
Der Bericht kritisiert das EG-System variabler Abgaben auf Einfuhren
von Getreide, Zucker, Milchprodukten,
Rindfleisch, Geflügel, Eiern, Schweinefleisch und verarbeiteten Produkten. "Es dient dazu, eine Abgabe zu
erheben, die ausreicht, um die Preise
von Importprodukten über das EGPreisniveau zu verteuern", stellt der
Bericht fest.
Ferner wird der umfassende Einsatz von Exportsubventionen für Weizen, Rindfleisch, Milchprodukte, Geflügel, Nudeln sowie von Produktionsquoten für Ölsaaten und proteinhaltige Feldfrüchten durch die EG kritisiert. Zum EG-Verbot für amerikanisches Rindfleisch von hormonbehandelten Tieren enthält der Bericht keine
neuen Erkenntnisse. Nachdem die Vereinigten Staaten am 1. Januar 1989
Vergeltungszölle gegen Agrarimporte
aus der EG verhängten, haben beide
Seiten am 18. Februar 1989 eine Expertengruppe
eingesetzt,
um
den

�Streit innerhalb von 75 Tagen zu
schlichten. Die Verhandlungen dauern
an.
Neben vielen anderen Beschwerden
bleiben dem Bericht zufolge die Subventionen Frankreichs, der Bundesrepublik Deutschland, Großbritanniens
und Spaniens für den Airbus "ein besonders strittiger Bereich zwischen
den Vereinigten Staaten und der EG".
Ferner wird in dem Bericht erklärt,
der EG sei schon am 19. Januar 1989
von den Vereinigten Staaten Priorität
beim Abbau von unfairen Beschränkungen beim Zugang zum Telekommunikationsmarkt eingeräumt worden.
Der
Stand der Verhandlungen mit der EG
oder dem anderen vordringlich zu behandelnden Land, Südkorea, im Telekommunikationsbereich wird nicht erörtert.
Korea erhält Quoten bei Hunderten
von Gütern aufrecht, wobei besonders
rigorose Kontrollen für Importe von
Futtergetreide, Sojabohnen und Erdnüssen gelten - "für Erdnüsse wurde
die Quote auf Null gesetzt", stellt
der Bericht fest.
Korea verbietet
die Einfuhr amerikanischer Orangen,
während es selbst Orangen in die Vereinigten Staaten exportiert.
Im April 1989 verkündete Korea
ein Dreijahrespaket für eine Liberalisierung im Agrarbereich, das von
der amerikanischen Regierung zur Zeit
geprüft wird. Korea verhängt ungewöhnlich restriktive Gesundheitsbestimmungen für die Einfuhr von Obst,
um die heimischen Erzeuger zu schützen. So werde zusätzlich zur Erhebung einer 45prozentigen Abgabe zum
Beispiel das Aussehen von frischen
Kirschen durch die Vorschrift zur
Desinfektion bei unnötig hohen Temperaturen beeinträchtigt und ihre Regallebensdauer reduziert.
Der Bericht bezeichnet die koreanische Haltung zur Durchsetzung von
Patent-, Urheber- und Markenzeichenrechten als lax. Der ungenügende Urheberrechtsschutz allein koste die
amerikanische Industrie schätzungs- 3

weise 100 Millionen Dollar jährlich.
Bei Dienstleistungen im Rechnungs-,
Rechts- und Finanzwesen, Werbung sowie im Seeverkehr, im Transport- und
Telekommunikationswesen
unterhält
Südkorea
erhebliche
Beschränkungen
für Investitionen und Marktzugang,
möglicherweise unter Verletzung eines
Vertrages aus dem Jahr 1956. Korea
erhält einen recht hohen Durchnschnittszollsatz
von 12,7 Prozent
aufrecht.
Die hohen Zölle Taiwans sind das
Hauptimporthemmnis dieses Landes, wobei der Durchschnittssatz 12 Prozent
beträgt und Spitzenzölle von bis zu
50 Prozent für Agrarprodukte gefordert werden.
Taiwan wendet Normen
und Inspektionsvorschriften auf diskriminierende Weise an. Importiertes
Geflügel und rotes Fleisch werden regelmäßig inspiziert, während dies bei
heimischen Erzeugnissen augenscheinlich nicht der Fall ist.
Taiwan untersagt ausländische Investitionen in 55 Industriezweigen,
darunter die meisten Immobiliengeschäfte und -dienstleistungen sowie
die öffentlichen Versorgungseinrichtungen, während Investitionen in vielen anderen Bereichen beschränkt werden, darunter Bergbau, chemische Düngemittel,
Pharmazie,
medizinische
Dienstleistungen und Rechnungswesen.
Indien, das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung der Welt, lag bei
den amerikanischen Exporten im Jahr
1988 an 24. Stelle.
"Indiens Geflecht von Marktzugangsschranken bildet ein ernstes und seit langem bestehendes Hindernis für amerikanische
Exporte", stellt der Bericht fest.
"Obwohl einige amerikanische Firmen
einzelne für den Export in Frage kommende Produkte bestimmt haben, haben
die meisten Exporteure angesichts der
umfassenden quantitativen Beschränkungen und hohen Zölle aufgegeben."
Dem Bericht zufolge bilden die
Zulassungsbestimmungen weiterhin die
wirksamste
Importschranke
Indiens.
Die meisten Konsumgüter werden nicht

�zugelassen, obwohl Indien einzelne
Zulassungskontrollen
für
Industrie
und Außenhandel gelockert hat.
Zusätzlich zu restriktiven Importzulassungsverfahren benutzt Brasilien hohe Zölle und quantitative
Beschränkungen, um amerikanische Exporte zu verhindern.
Brasilien unterhält eine Liste
von 1 000 Produkten, für die Importzulassungen verweigert werden. Durch
das "Gesetz über ähnliche Produkte"
werden andere Erzeugnisse beschränkt,
darunter etwa 90 Prozent von Importen
im
Maschinen- und
Kapitalgüterbereich, die konkurrierenden brasilianischen Produkten "ähnlich" sind.

* * * * *

- 4-

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AMERIKA DIENST
6

VON

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Wissenschaft und Technik
3. Mai 1989

18

PRÄSIDIALAMT FÜR WISSENSCHAFTS- UND TECHNOLOGIEPOLITIK
Kernphysiker D. Allan Bromley als neuer Direktor nominiert

(AD) - Der Physiker Prof. D.
Allan Bromley wurde von Präsident
George Bush als neuer Direktor des
"Amtes für Wissenschaftsund Technologiepolitik" im Weißen Haus nominiert.
Wird seine Ernennung, wie erwartet,
vom US-Senat bestätigt, tritt er die
Nachfolge von Dr. William R. Graham
an. Der Präsident beabsichtigt ausserdem, Prof. Bromley als ständigen
persönlichen Berater in wissenschaftlich-technischen Fagen heranzuziehen
- eine Funktion, die Dr. Graham nicht
innehatte.
Schon seit 1972 ist Allan Bromley
Inhaber des Henry Ford II-Lehrstuhls
für Physik an der 1701 gegründeten
Yale-Universität in New Haven (Connecticut). Dort leitete er von 1970
bis 1977 die Physikalische Fakultät

United States Information Service
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und steht seit Jahren dem A.W.
Wright-Institut für Kernstrukturforschung als Direktor vor. Diese Fachrichtung ist Bromleys eigentliches
wissenschaftliches Spezialgebiet, auf
dem er internationalen Ruf genießt.
Nicht von ungefähr wurde er 1985 zum
Präsidenten der Internationalen Union
für reine und angewandte Physik gewählt. Zu jener Zeit äußerte er wiederholt seine Besorgnis darüber, daß
bei amerikanischen Physikern die Tendenz bestehe, sich gegenüber der internationalen Gemeinschaft der Wissenschaftler zu isolieren. Er drang
darauf, Kontakte mit Wissenschaftlern
in anderen Ländern, wo seinem Empfinden nach wichtige Fortschritte in der
Forschung erzielt wurden, zu verbessern.

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�Mitglied des wissenschaftlichen
Beraterstabes des Weißen Hauses war
D. Allan Bromley bereits seit 1981.
Ebenso gehörte er den Beratergremien
der Nationalen Akademie der Wissenschaften ("National Academy of Sciences") und der Nationalen Wissenschaftsstiftung
("National
Science
Foundation") an.
Der langiährige
Freund
Präsident Bushs bekleidete
außerdem mehrmals leitende Positionen
in Instituten und Firmen. Im Jahr
1982 war er Mitglied des gemeinsamen
amerikanisch-sowjetischen
Komitees
für Grundlagenforschung, 1978 Leiter
einer Gruppe amerikanischer Nuklearwissenschaftler bei deren Besuch in
der Volksrepublik China. Prof. Bromley ist Inhaber der Ehrendoktorwürde
einer Anzahl inund ausländischer Universitäten in Europa, der Universitäten Frankfurt, Straßburg und Padua.
Im vergangenen Jahr wurde er vom USPräsidenten mit der Nationalen Wissenschaftsmedaille
ausgezeichnet.
Ebenfalls 1988 verlieh ihm das Trinity College in Hartford (Connecticut)
einen akademischen Ehrengrad, wobei
Bromleys "beharrlicher Forschergeist
bei der Aufklärung des fundamentalen
Wesens der Materie und seine großen
Anstrengungen, Wissenschaft für jedermann zugänglich zu machen", besonders gewürdigt wurden.
Prof. Bromley stammt aus Kanada
und ist naturalisierter amerikanischer Staatsbürger. Er studierte an
der "Queen's University" in Kingston
(Ontario) und erwarb an der Universität Rochester (New York) den Doktorgrad. Von 1956 bis 1960 war er in
einer Forschungsabteilung der kanadischen Atomenergie-Behörde in leitender Position tätig. Bromley ist verheiratet und hat zwei Kinder.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
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Wissenschaft und Technik
3. Mai 1989

18

NATIONALER RAUMFAHRT-BEIRAT WIEDEREINGESETZT

(AD) - Auf Weisung von Präsident
George Bush wurde der Nationale Raumfahrt-Beirat, in den siebziger Jahren
unter Präsident Nixon seiner Aufgabe
entbunden, wiedereingesetzt, um die
zivilen, kommerziellen und militärischen Weltraumprogramme der Vereinigten Staaten zu koordinieren.
Dem
12-köpfigen Gremium unter der Leitung
von Vizepräsident Dan Quayle gehören
u.a. die Minister für Auswärtige Angelegenheiten, Verteidigung, Finanzen, Handel und Verkehr an, ferner
der Stabschef des Weißen Hauses, der
Direktor des US-Nachrichtendienstes
CIA sowie der Chef der US-Bundesbehörde für Luftund Raumfahrt (NASA).
Auch Leiter der Haushaltsabteilung,
Richard Darman, wurde in den Beirat
berufen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

"Ich bin zuversichtlich, daß der
Raumfahrt-Beirat Klarheit und Logik,
Kontinuität und verbindliches Engagement in unsere Bemühungen, den Weltraum zu erforschen und zu erschließen
bringen wird", sagte der Präsident
bei einer kurzen Feierstunde im Weissen Haus.
"Mit FREEDOM müssen wir
eine bemannte Raumstation schaffen.
Wir müssen zu Investitionen von privater Seite ermutigen, und wir müssen
unsere nationale
Sicherheit durch
wirksame Verteidigungsaktivitäten im
Weltraum gewährleisten", fügte Präsident Bush hinzu.
Der Raumfahrt-Beirat hat die Aufgabe, die amerikanische Raumfahrtpolitik einschließlich ihrer langfristigen Ziele zu überprüfen, Empfehlungen zur Raumfahrtpolitik auszuar-

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�beiten und eine enge Koordinierung
sowie Technologieaustausch zwischen
dem zivilen, militärischen und kommerziellen Raumfahrtsektor zu fördern.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Cheney: Reduzierung nuklearer Gefechtsköpfe möglich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Verteidigungsministers vor der NDU&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eröffnungsrunde der VSBM-Verhandlungen "generell positiv'&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit Botschafter Maresca&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bericht des US-Handelsbeauftragten zur Bundesrepublik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus dem Bericht des &lt;br /&gt;Handelsbeauftragten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuer Handelsbericht veröffentlicht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Unfaire Handelspraktiken von vielen Ländern angewendet&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsidialamt für Wissenschafts- und Technologlepolltlk&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kernphysiker D. Allan Bromley als neuer Direktor nominiert&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nationaler Raumfahrt-Beirat wiedereingesetzt</text>
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Herausgeber. U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

16

3. Mai 1995

AUSSENPOLITIK

DER PREIS DER AMERIKANISCHEN
FÜHRUNGSROLLE
Rede von Anthony Lake

USA-EUROPA

DIE OSZE UND IHRE ROLLE FÜR
DIE SICHERHEIT IN EUROPA
Rede von Sam W. Brown

WIRTSCHAFT

DIE USA UND EUROPA - NEUE CHANCEN
UND STRATEGIEN
Rede von Staatssekretär Garten

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-3341 02

�AUSSENPOLITIK
3. Mai 1995

Der Preis der amerikanischen Führungsrolle
Rede von Anthony Lake
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Rede, die der Nationale Sicherheitsberater,
Anthony Lake, am 27. April 1995 bei einer vom Woodrow Wilson Center und dem Bretton Woods Committee
geförderten Veranstaltung des nationalen Presseclubs in der Bundeshauptstadt Washington hielt.

Ich möchte mit einer einfachen, aber alarmierenden
Tatsache beginnen: Es könnte sein, daß die Vereinigten Staaten am Rande einer einseitigen Abrüstung stehen.

ausgesetzt, die unserer Nation diese Ressourcen
vorenthalten wollen.
Unsere Politik weltweiten
Engagements ist unter Beschuß und die amerikanische Führungsrolle in Gefahr.

Erregt das Ihre Aufmerksamkeit?
denn es ist die Wahrheit.

Einige dieser Neoisolationisten handeln aus Überzeugung. Sie argumentieren, das Ende der sowjetischen Bedrohung sei gleichbedeutend mit dem
Verschwinden ernster Gefahren, wir sollten uns nach
innen wenden und mit unseren innenpolitischen
Angelegenheiten befassen. Die Festung Amerika
kann ihnen zufolge neue Gefahren außen vor lassen,
aber einige der neuen, uns konfrontierenden Bedrohungen - wie nukleare Weiterverbreitung, Terrorismus, schnelles Bevölkerungswachstum und Zerstörung der Umwelt - machen nicht vor Grenzen halt.

Ich hoffe doch,

Nein, wir wollen nicht unsere Jets verschrotten oder
unsere Schiffe versenken. Unser Militär ist stark und
einsatzbereit - und es besteht in beiden Parteien ein
starker Konsens, das aufrechtzuerhalten. Aber wir
sind kurz davor, viele der anderen Instrumente, die
Amerika während der letzten 50 Jahre zum Erhalt
unserer Führungsrolle in der Welt einsetzte, wegzuwerfen oder zumindest zu beschädigen. Hilfe für
neuentstehende Märkte, Wirtschaftshilfe zum Erhalt
des Friedens, internationale Friedenssicherungsprogramme zur Bekämpfung von Terrorismus und
Drogenhandel, Auslandshilfe - zusammen mit einem
starken Militär waren dies die Schlüsselinstrumente
unserer Außenpolitik.
Seit Harry Truman haben unsere Präsidenten diese
Werkzeuge zur Förderung amerikanischer Interessen
eingesetzt - zum Erhalt unserer Sicherheit, zur
Ausweitung unseres Wohlstands und Förderung von
Demokratie. Ihre Bestrebungen wurden von Demokraten und Republikanern sowie der Mehrheit des
amerikanischen Volkes unterstützt. Der Kongreß
stellte folgerichtig die für diese Aufgaben erforderlichen Ressourcen bereit.
Aufgrund dieser mit
militärischer Macht gekoppelten Entschlossenheit
haben wir im Kalten Krieg über einen langen Zeitraum hinweg die Oberhand behalten, unsere Sicherheit gestärkt und unseren Menschen einzigartigen Wohlstand verschafft.
Ich bin jedoch fest davon überzeugt, daß unser
Erfolg gefährdet ist. Er ist Angriffen aus dem
rechten und linken Lager der Neoisolationisten

AMERIKA DIENST 16

Die meisten Neoisolationisten vertreten jedoch keine
solche Position und bezeichnen sich nicht einmal als
Isolationisten. Sie halten sich für einen Bestandteil
des überparteilichen Konsenses der Nachkriegszeit
sowie für Vertreter der Ziele Demokratie, Sicherheit,
Frieden und Wohlstand. Aber sie lassen ihren
Worten keine Taten folgen.
Diese selbsternannten Verfechter der Demokratie
würden in Schwierigkeiten befindlichen Demokratien
Hilfe verweigern.
Sie loben die amerikanische
Führungsrolle, widersetzen sich jedoch der Führungsrolle Amerikas in Koalitionen und befürworten statt
dessen unilaterale Aktionen.
Sie preisen zwar den Frieden, kürzen aber anschließend unsere Hilfsleistungen für diejenigen, die um
des Friedens willen Risiken eingehen. Sie verlangen
mehr Wohlstand, schrecken jedoch vor der harten
Arbeit einer Öffnung der Märkte für amerikanische
Arbeitnehmer und Unternehmen zurück. Unter dem
Deckmantel einer Verringerung des Haushaltsdefizits
drohen sie, der amerikanischen Führungsrolle den
Boden unter den Füßen wegzuziehen.

Seite 1

�Dies sind die heimlichen Isolationisten - und sie sind
zahl- und einflußreicher als diejenigen, die sich offen
für einen Rückzug der Vereinigten Staaten aussprechen. Sie lesen die Meinungsumfragen und
wissen daher, daß das amerikanische Volk das
Engagement der Vereinigten Staaten in der Welt
wünscht. Die Unterstützung für eine amerikanische
Führungsrolle in der Welt ist so stark wie eh und je einer Untersuchung des Chicago Council on Foreign
Relations zufolge unterstützen mehr als zwei Drittel
der Bevölkerung ein entschiedenes Engagement.
Diese heimlichen Isolationisten und Unilateralisten
spielen die Rolle der wahren Hüter amerikanischer
Macht. Aufgrund ihrer Aktionen werden sie jedoch
zu den Urhebern des amerikanischen Rückzugs.
Sie treten für eine Führungsrolle Amerikas ein,
wollen diese jedoch auf eine Weise, auf die man sie
nicht erlangen kann - auf die billige Art.
Sie wollen, daß Amerika 50jährigem Erfolg den
Rücken kehrt. Sie arbeiten - ob bewußt oder
unbewußt - an der Zerstörung der Grundlage unseres Friedens und Wohlstands, des großen Vermächtnisses unserer Politiker der Nachkriegszeit: Vandenberg, Truman, Marshall, Acheson. Diese Männer
hatten ihre eigenen Schwierigkeiten mit den Isolationisten. Sie sahen jedoch, daß der Preis unseres
verfrühten Rückzugs nach Versailles entsetzlich
hoch gewesen war - sahen das an den Trümmern in
Europa und Asien nach dem Zweiten Weltkrieg und
den Opfern, die Amerika bei der Befreiung dieser
Kontinente bringen mußte. Und sie verstanden, daß
Investitionen in eine aktive Außenpolitik den einzigen
Weg zur Verhinderung einer weiteren Katastrophe
darstellten.
Sie kannten den Preis einer Führungsrolle. Sie
gaben das Nötige für den Erhalt amerikanischer
Sicherheit aus. Darüber hinaus schufen sie die
Vereinten Nationen und die Institutionen von Bretton
Woods, bezahlten diese Rechnungen, retteten
Westeuropa durch den Marshallplan vor Verzweiflung und Kommunismus und entwickelten - ebenso
wie ihre Nachfolger in späteren Administrationen die neuen Instrumente technischer Hilfe, damit
Demokratie und Wohlstand weltweit eine größere
Chance bekamen.
Schauen Sie sich das Ergebnis an: Die Landkarte
ist nahezu voll von Demokratien, von denen viele
starke Verbündete sind. Es werden Märkte erweitert, die Bedürfnisse erfüllen und Träume wahr
werden lassen. Die Weltwirtschaft fördert Beschäftigung und Wohlstand der Vereinigten Staaten. Dies
sind die Früchte 50jähriger politischer und wirtschaftlicher Investitionen Amerikas im Ausland - der
Nutzen von 50 Jahren überparteilichen Engagements.

Seite 2

Diese Errungenschaften sind jedoch nicht in Stein
gemeißelt. Wir werden diese Früchte nicht automatisch weiter ernten. Der heimliche Isolationismus
droht, uns in die falsche Richtung zu drängen - zu
einem Zeitpunkt realer Hoffnung, an dem wir mit
unserem Engagement wirklich etwas bewirken
können, indem wir unseren Sieg im Kalten Krieg
sichern, anstatt ihn zu vergeuden.
Wir könnten diesen Sieg verwirken, denn die Demokratie bedarf vielerorts noch der Pflege. Einige
Marktwirtschaften haben noch keine tiefen Wurzeln.
Und die Welt nach dem Kalten Krieg hat reale und
mächtige Gefahren neu beleuchtet, die das bedrohen,
wofür wir uns eingesetzt haben: Aggression durch
verbrecherische Staaten, internationaler Terrorismus,
wirtschaftliche Zerrüttung. Dies sind neue Formen
eines alten Konflikts - des Konflikts zwischen Freiheit
und Unterdrückung, des Konflikts zwischen den
Verteidigern offener Gesellschaften und ihren Feinden.
Es gibt kein Verfallsdatum für diese in fünf Jahrzehnten gelernten Lektionen: Die Verteidigung vor diesen
Gefahren erfordert dauerhaftes Engagement und
tatkräftige Politik. Für die Verteidigung sind Ressourcen vonnöten. Probleme mit Geld zuzuschütten, läßt
sie nicht verschwinden - aber wir können Probleme
auch nicht ohne Geld lösen. Der Maßstab für eine
amerikanische Führungsrolle sind nicht nur die Stärke
und Anziehungskraft unserer Werte, sondern auch
das, was wir zur Lösung der schwierigen Fragen
einbringen. Aus diesem Grund hat Präsident Clinton
dem Neoisolationismus den Kampf angesagt.
Um Mißverständnissen vorzubeugen: Das amerikanische Volk wünscht eine Führungsrolle unserer
Nation. Die Amerikaner wissen, daß die Welt immer
kleiner wird, daß unsere Sicherheit und unser Wohlstand von unserem Engagement im Ausland abhängig sind. Und sie stimmen dem Präsidenten zu,
der vor und nach seiner Amtsübernahme äußerte:
"Wenn Amerika im Inland stark sein will, muß es sich
im Ausland engagieren."
Viele Amerikaner äußern auch, sie wünschten eine
Verringerung der Ausgaben für auswärtige Angelegenheiten - bis sie die wirklichen Zahlen kennen. Die
meisten sind der Ansicht, wir würden 15 Prozent oder
mehr unseres Etats für Auslandshilfe aufwenden. Sie
halten 5 Prozent für angemessen.
Sie wären schockiert zu erfahren, daß wenig mehr
als 1 Prozent - 21 Milliarden Dollar aus einem Budget
von 1,6 Billionen Dollar - für die Außenpolitik ausgegeben werden, und weniger als 16 Milliarden Dollar
für Auslandshilfe. Das ist viel Geld, aber kein so
großer Batzen unseres Haushalts wie die Neoisolatio-

AMERIKA DIENST 16

�nisten vorgeben. Und das sind real 21 Prozent
weniger als im Haushaltsjahr 1986. Sie wären
erstaunt zu hören, daß andere Länder sich viel
realistischer der Notwendigkeit dieser Aufwendungen
bewußt sind als wir. Die reichste und mächtigste
Nation auf der Erde - die Vereinigten Staaten - liegt
unter den 25 Industriestaaten - was den Auslandshilfeanteil des Bruttosozialprodukts betrifft - an letzter
Stelle.
Dies sind Fakten, über die wir besser Bescheid
wissen sollten. Und mehr unserer Bürger sollten
wissen, daß unsere außenpolitischen Ressourcen für
Ziele eingesetzt werden, die das amerikanische Volk
unterstützt:
6.6 Milliarden Dollar jährlich zur Förderung des
Friedens - einschließlich unserer Bestrebungen
im Nahen Osten, der Hilfe für unsere Verbündeten zu ihrer eigenen Verteidigung und unseres
Beitrags zu UN-Friedenssicherungsmissionen auf
der ganzen Welt, beispielsweise auf den Golanhöhen, an der irakisch-kuweitischen Grenze und
in Kambodscha.
2,4 Milliarden Dollar zum Aufbau von Demokratie
und Förderung des Wohlstands, wie der Unterstützung Südafrikas bei freien Wahlen und
friedlicher Umgestaltung.
5 Milliarden Dollar Entwicklungshilfe, darunter
Beschäftigungs- und Infrastrukturprogramme für
Haiti zum Wiederaufbau dieser Nation.
1.7 Milliarden Dollar an humanitärer Hilfe - wie
Versorgung von Flüchtlingskindern im ehemaligen Jugoslawien - denn die Amerikaner wollten
schon immer, daß ihr Land zur Linderung großer
Not beiträgt.
Die verbleibenden Gelder sind für das Außenministerium und andere Behörden vorgesehen,
die sich täglich für die Förderung amerikanischer
Interessen im Ausland einsetzen.
Das ist der Preis der amerikanischen Führungsrolle von dem die heimlichen Isolationisten nicht wollen,
daß wir ihn zahlen.
Aber stellen Sie sich eine Welt vor, in der wir das
nicht täten. Machen wir doch den sogenannten
George Bailey-Test. Erinnern Sie sich an George,
der im Weihnachtsklassiker "It's a Wonderful Life"
von Jimmy Stewart gespielt wird. In diesem Film
macht der Engel Clarence mit George eine Reise
durch die Zeit und zeigt ihm, wie die Welt ohne ihn
ausgesehen hätte und daß Bedford Falls ohne ihn
auseinandergefallen wäre.

AMERIKA DIENST 16

Ich möchte kurz die Rolle von Clarence übernehmen
und Ihnen eine Welt ohne die Führungsrolle Amerikas
präsentieren. Stellen Sie sich eine Welt vor,
in der die Ukraine, Belarus und Kasachstan
dem Club der erklärten Atomwaffenstaaten
beitreten, weil wir keine Übereinkunft über ihre
Entnuklearisierung treffen konnten,
in der russische Raketen immer noch auf
unsere Städte gerichtet sind, weil uns keine
Änderung ihrer Zielkoordinaten gelang,
in der Tausende von Einwanderern versuchen,
mit Booten über unsere Grenzen ins Land zu
gelangen, weil wir nicht zur Wiederherstellung
der Demokratie in Haiti beitrugen,
in der nicht in den letzten drei Jahren nahezu
eine Million Arbeitsplätze geschaffen wurden weil wir nicht die amerikanischen Exporte
förderten,
in der wir einen Krieg auf der koreanischen
Halbinsel führen müssen - die Auswirkung von
Forderungen einiger Kritiker - weil wir der Bedrohung durch nordkoreanische Nuklearwaffen
nicht begegneten,
in der eine weitere Viertelmillion Menschen in
Ruanda sterben muß, weil wir nicht unser
Militär entsandten und in den Flüchtlingslagern
so gute Arbeit leisteten,
und in der wir Milliarden Dollar zahlen und
noch mehr Opfer zu beklagen haben, weil wir
darauf bestanden, die Operation Wüstensturm
gegen den Irak im Alleingang durchzuführen.
Stellen Sie sich diese Welt vor. Jede unserer Bestrebungen kostete Geld und erforderte harte Arbeit bei
der Bildung internationaler Koalitionen. Aber Sie und
ich sind sicherer und in einer besseren Lage, wir
genießen mehr Freiheit, weil Amerika diese Investitionen getätigt hat. Wenn die heimlichen Isolationisten
ihren Willen durchsetzen, könnte vieles, für das wir
uns seit über zwei Generationen eingesetzt haben,
verloren gehen.
Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Newt
Gingrich, beschrieb vor kurzem eine Welt im Falle
eines Rückzugs der Vereinigten Staaten auf sich
selbst. Er sprach von einem "dunklen und blutbefleckten Planeten ... auf dem Sie in Bosnien, Ruanda
und Tschetschenien ohne unsere Anwesenheit enden
werden" und fügte hinzu: "Dies sind die Vorboten
eines 21. Jahrhunderts, das viel schrecklicher ist als

Seite 3

�alles, was wir in einem halben Jahrhundert amerikanischer Führungsrolle gesehen haben."
Das muß nicht so sein. Wenn wir weiterhin in
Demokratie, Rüstungskontrolle, Stabilität in den
Entwicklungsländern und neue, Wohlstand bringende
Märkte investieren, können wir ein weiteres halbes
Jahrhundert amerikanischer Führungsrolle gewährleisten.
Aufgrund der in den letzten Jahren getroffenen
Entscheidungen können wir jedoch bisweilen nicht
einmal einen bescheidenen Beitrag zu Bestrebungen
leisten, die unsere Unterstützung verdienen. Amerika ist eine großartige Nation - aber wir können nicht
die geringe Summe Geldes aufbringen, die zur
Unterstützung der Friedenssicherungskräfte in
Liberia erforderlich ist, wo eine Million Menschen von
einem erneuten Bürgerkrieg bedroht sind. Oder die
Gelder für eine angemessene Finanzierung der UNMenschenrechtsbeobachter in Ruanda. Wir können
kaum unseren Verpflichtungen bei der Aufrechterhaltung der Sanktionen gegen Serbien nachkommen.
Das ist keine Nachfolge für die heroischen Errungenschaften des Kalten Krieges. Und ich kann mir nicht
vorstellen, daß dies der amerikanischen Vision von
einer Führungsrolle in der Welt entspricht. Meiner
entspricht das jedenfalls nicht.
Eine Politik, bei der jeder Pfennig umgedreht wird,
führt langfristig zu höheren Kosten. Prävention ist
preiswert und erregt nicht die Aufmerksamkeit der
Medien. Wenn das alles sehende Auge des Fernsehens im Ausland wirkliches Leiden erspäht, wünschen die Amerikaner zu recht, daß ihre Regierung
etwas dagegen unternimmt.
Die Finanzierung
großangelegter humanitärer Bestrebungen nach
einer Tragödie oder die Entsendung unserer Streitkräfte ins Ausland führen zu Kosten, die um ein
vielfaches höher sind als Investitionen in präventive
Maßnahmen.
Manchmal müssen wir den Preis für eine kurzsichtige Politik in unserer unmittelbaren Umgebung
zahlen: 1993 kürzte der Kongreß unseren ohnehin
äußerst bescheidenen Finanzierungsantrag für die
Bekämpfung des Schmuggels von Drogen in unser
Land um nahezu ein Drittel - und die Geldmittel
hierfür sind seitdem real stetig gesunken. Folglich
schrauben wir Programme zur Eindämmung der
Drogenproduktion und Verhinderung ihres Imports
ebenso zurück wie Ausbildungsprogramme für
Polizei, Staatsanwälte und Richter in anderen
Ländern. Amerika bezahlt einen weitaus höheren
Preis in Form von Verbrechen und zerstörten Existenzen.

Seite 4

Dies sind einige der Einschränkungen, mit denen wir
in den letzten Jahren leben mußten. Jetzt wird die
amerikanische Führungsrolle jedoch mit einer viel
klareren und präsenteren Gefahr konfrontiert. Durch
die derzeit im Kongreß ausgearbeitete Haushaltsgesetzgebung könnten die für auswärtige Angelegenheiten vorgesehenen Gelder um nahezu ein
Viertel - oder 4,6 Milliarden Dollar - verringert werden.
Das würde zu drastischen Einschnitten oder sogar
der Einstellung von Hilfe für einige Nachfolgestaaten
der ehemaligen Sowjetunion sowie von Sicherheitsprogrammen führen, die Freunde und Verbündete der
Vereinigten Staaten bei ihrer eigenen Verteidigung
unterstützen. Ferner würde unser Beitrag zu internationalen Friedenssicherungsoperationen beträchtlich verringert oder gestrichen. Dadurch würden
Behörden wie die Gesellschaft für Privatinvestitionen
in Übersee (OPIC) oder die Export-Import-Bank
lahmgelegt, die für die Ausweitung amerikanischer
Exporte eine Schlüsselrolle spielen. Unsere Nichtverbreitungsbestrebungen sowie unser Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung (Arms Control and
Disarmament Agency - ACDA) gerieten in Gefahr.
Die Unterstützung für einige, das Leben von Kindern
rettende Hilfsprogramme würde eingestellt.
Diese Kürzungen würden das Vermächtnis der von
uns übernommenen Führungsrolle zerstören. Die für
eine Führungsrolle erforderliche Stärke fällt nicht vom
Himmel. Sie kostet Mühe und setzt Mittel voraus.
Ein neoisolationistischer Haushalt würde unser
strategisches Interesse am Aufbau der Demokratie in
Rußland und den Staaten des früheren Warschauer
Pakts unterminieren und hätte direkte Auswirkungen
auf die Sicherheit der Vereinigten Staaten: Wir
müssen auch in Zukunft die von den Senatoren Nunn
und Lugar eingeleiteten weitblickenden Programme
zur Verringerung von Atomwaffenarsenalen in der
ehemaligen Sowjetunion finanzieren. Die 350 Millionen Dollar an Nunn-Lugar-Mitteln ermöglichten der
Ukraine den Abbau ihres Arsenals und den Beitritt
zum Nichtverbreitungsvertrag.
Das machte es
einfacher, uns von dem nuklearen Abgrund aus der
Zeit des Kalten Krieges zurückzuziehen - und ungefähr 20 Milliarden Dollar jährlich bei strategischen
Nuklearstreitkräften einzusparen. Dies ist nur ein
weiteres anschauliches Beispiel dafür, wie sich
unsere außenpolitischen Ausgaben buchstäblich
bezahlt machen.
Ein neoisolationistischer Haushalt könnte unsere
Bestrebungen beeinträchtigen, den Bau von Atomwaffen durch verbrecherische Staaten und Terroristen
zu verhindern. Wir geben über einen Zeitraum von
drei Jahren 35 Millionen Dollar aus, um Tausende
von Nuklearwissenschaftlern in der ehemaligen
Sowjetunion bei zivilen Forschungsprojekten zu

AMERIKA DIENST 16

�beschäftigen. Das ermöglicht ihnen, dem nuklearen
Arbeitsmarkt fernzubleiben und ihre Fähigkeiten
nicht an Staaten vom Schlage eines Irak oder Iran
zu verkaufen.
Ein neoisolationistischer Haushalt könnte unsere
Beteiligung an weltweiten Friedenssicherungsoperationen der Vereinten Nationen - die unseren Interessen dienen - nahezu beenden. Seit Harry Truman
haben amerikanische Präsidenten sie aus Vernunftgründen unterstützt. Insbesondere Präsident Bush
sah ihren Wert: Im vergangenen Jahr wurden
nahezu 60 Prozent unserer Beitragszahlungen an
die Vereinten Nationen für Operationen verwendet,
die mit Unterstützung seiner Administration eingeleitet wurden. Sein Außenminister James Baker
verteidigte diese Operationen in überzeugender
Weise mit seiner Äußerung: "Wir haben Billionen
Dollar ausgegeben, um den Kalten Krieg zu gewinnen und sollten jetzt bereit sein, Millionen Dollar zur
Sicherung des Friedens bereitzustellen."
Dies ist die beste Form von Lastenverteilung. Die
UN-Friedensoperationen
entheben uns der Notwendigkeit, amerikanische Streitkräfte in wichtige Gebiete, beispielsweise Zypern oder den indischen Subkontinent - zu entsenden,
knüpfen dort an, wo unsere Truppen aufhörten, zum Beispiel an der irakisch-kuwaitischen Grenze. In Haiti sparen wir Gelder, da
die meisten unserer abgezogenen Streitkräfte
durch UNO-Truppen ersetzt wurden,
beteiligen sich in Namibia, Mozambik und
Kambodscha am Aufbau von Demokratie alles Missionen, an deren Planung wir mitwirkten. In Kambodscha handelten die Vereinten Nationen den Abzug vietnamesischer
Streitkräfte aus und hielten anschließend die
ersten demokratischen Wahlen in dem Land
ab. Nach jahrelangem Morden beteiligten
sich jetzt 90 Prozent der Bevölkerung an den
Wahlen - während die UN-Friedenstruppen sie
vor den Khmer Rouge schützten.
Wir würden weitaus mehr zahlen, wenn wir auch nur
eine kleine Anzahl dieser Missionen im Alleingang
durchführten. Statt dessen zahlen wir jetzt im Hinblick auf die Zahl der Soldaten und Geld einen
vernünftigen Preis: Von den weltweit entsandten
61.000 UNO-Blauhelmen sind nur3.300 Amerikaner.
Wir wenden umgerechnet ein halbes Prozent unseres Verteidigungshaushalts für UN-Friedensoperationen auf - weniger als ein Drittel des gesamten
Kostenaufwands der Vereinten Nationen und weni-

AMERIKA DIENST 16

ger als der Anteil der Europäer im Verhältnis zu ihren
Verteidigungsausgaben.
Wir nehmen nur nach
sorgfältiger Prüfung der Kommandoabsprachen und
Kosten an diesen Operationen teil - bekommen aber
durch unsere Fähigkeit zur Leitung multilateraler
Bestrebungen enormen Einfluß.
Ein neoisolationistischer Haushalt könnte unsere
Friedensarbeit gravierend unterhöhlen. Der Präsident
erklärte: "Amerika steht denjenigen zur Seite, die um
des Friedens willen Risiken eingehen." Das gilt in
Nordirland, in Südafrika, im Nahen Osten und weltweit.
Damit der Friedensprozeß im Nahen Osten fortgesetzt wird und die Verhandlungen in anderen
Regionen erfolgreich sind, müssen wir über die Mittel
zur Unterstützung derjenigen verfügen, die Risiken
eingehen.
Wir können die am Friedensprozeß
Beteiligten nicht von unserem Einsatz für einen
dauerhaften und gerechten Frieden überzeugen,
wenn wir unseren derzeitigen Verpflichtungen nicht
nachkommen. Das bedeutet die Aufrechterhaltung
der Hilfe an Israel, Ägypten und die Palästinenser
sowie die Erfüllung unserer Verpflichtung zum Schuldenerlaß für Jordanien. Im Nahen Osten stehen
unsere lebenswichtigen sicherheitspolitischen und
wirtschaftlichen Interessen auf dem Spiel. Wir dürfen
so kurz vor dem Sieg nicht die Hände in den Schoß
legen und den Gegnern des Friedens das Spielfeld
überlassen.
Ein neoisolationistischer Haushalt könnte jahrzehntelange Investitionen in die Demokratie wertlos machen. In den letzten 15 Jahren hat sich die Zahl der
Demokratien auf der Welt nahezu verdoppelt - und
unser Amt für internationale Entwicklung (Agency for
International Development - AID) leistet den meisten
Neulingen Hilfe. Beispielsweise trug in Mozambik,
das jahrelange Kämpfe hinter sich läßt, von AID
geleistete Hilfe zur Registrierung von 6 der potentiell
8 Millionen Wähler bei und ließ die dortigen Wahlen
zu einem Erfolg werden. Zu einem Zeitpunkt, an
dem die dortigen Gesellschaften auf besonders
unsicheren Füßen stehen, sollte nicht diese Lebensader der Demokratie durchgetrennt werden.
Ein neoisolationistischer Haushalt würde unserem
eigenen Auskommen direkt schaden. Unsere Volkswirtschaft ist abhängig von neuen Märkten für amerikanische Waren und hochbezahlten Arbeitsplätzen für
amerikanische Arbeitnehmer. Aus diesem Grund war
Präsident Clinton führend bei den Bestrebungen zur
Ausweitung des Freihandels durch das bedeutende
GATT-Abkommen, die Nordamerikanische Freihandelszone (NAFTA) sowie die Freihandelsabkommen in der asiatisch-pazifischen Region und auf dem
gesamten amerikanischen Kontinent. Und diese

Seite 5

�Administration hat sich meines Erachtens stärker als
jede andere tür die Exportförderung eingesetzt.
Betrachten Sie sich beispielsweise, wo wir ohne die
Bestrebungen des Wirtschaftsministeriums in dieser
Hinsicht wären. Die Mitarbeiter von Wirtschaftsminister Brown haben im vergangenen Jahr mit
anderen Behörden Exportgeschäfte für amerikanische Unternehmen im Wert von 46.000 Dollar
abgeschlossen - Geschäfte zur Bewahrung von
300.000 amerikanischen Arbeitsplätzen.
In den meisten Fällen konnten wir diese Übereinkünfte schließen, weil die Vereinigten Staaten sich in
diesen Ländern seit Jahren engagiert hatten. Betrachten Sie sich zwei Statistiken: In einigen Ländern haben AID-Programme zur Erhöhung der
Lebenserwartung um ein Jahrzehnt beigetragen.
Jedes Jahr werden durch die Impfprogramme von
AID drei Millionen Menschenleben gerettet. Diese
Statistiken machen nicht nur im humanitären Bereich
Hoffnung, sondern sind auch Teil der Bestrebungen
zur Schaffung stabiler Gesellschaften mit Verbrauchern, die unsere Waren kaufen wollen - nicht mit
Massen von Opfern, die unserer Hilfe bedürfen.
Zusätzlich fördert unsere Unterstützung multilateraler
Entwicklungsbanken Wirtschaftswachstum und
Wohlstand der Nationen. Wir leisten einen Beitrag
von 1,8 Milliarden Dollar, während die anderen
Nationen 7 Milliarden Dollar beisteuern - und dieses
Kapital führt zur Bereitstellung von mehr als 40
Milliarden Dollar an Krediten. Eine Einstellung
unserer Beitragsleistungen käme einem Verlust
unseres Einflusses gleich. Andere würden vielleicht
unserem Beispiel folgen, was zu einer Lahmlegung
dieser bedeutenden Institutionen führen könnte.
Die heimlichen Isolationisten, die den Anspruch
erheben, amerikanisches Geld zu sparen, haben
einen sehr begrenzten Horizont: Unsere Hilfe hat
sich bereits Hunderte von Malen ausgezahlt. Das
galt für die Marshallhilfe, die nach dem Krieg die
europäischen Märkte wiederbelebte und gilt in
Südkorea, wo die derzeitigen jährlichen Importe
amerikanischer Güter sich bereits auf das Dreifache
des Wertes unserer in nahezu 30 Jahren geleisteten

Hilfe belaufen.
Obwohl wir unsere Tradition der Hilfsleistungen
beibehalten, reformieren wir ihre Praxis. AID ist zu
einem Labor für die Bestrebungen Vizepräsident
Gores zur Umstrukturierung der Regierung geworden - das Amt schafft 27 Missionen im Ausland ab
und reduziert die Zahl seiner Mitarbeiter um 1.200.
Mit der neuen Partnerschaftsinitiative verbessern wir
unser Hilfsprogramm noch weiter - indem wir uns auf
die örtliche Ebene konzentrieren. Dadurch sollen die

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Bestrebungen nichtstaatlicher Organisationen verstärkt und der Anteil unserer Hilfsleistungen für sie
auf 40 Prozent erhöht werden, denn diese Organisationen arbeiten vor Ort und sind flexibler als die
entfernten nationalen Regierungen. Das gewährleistet eine bessere Verwendung unserer Mittel und
leistet diesen Nationen Hilfe zur Selbsthilfe.
Jeder hier Anwesende ist sich bewußt, daß es in
Amerika noch nie leicht war, Unterstützung für eine
aktivistische Außenpolitik zu finden.
Während der gesamten Geschichte unserer Republik
haben wir nie wirklich in der Isolation gelebt. In einer
Welt schneller Kommunikations- und Kapitalbewegungen ist das nicht möglich. Das ist kein Thema.
Buchstäbliche Isolation ist keine Option.
Zur Debatte steht, ob wir die Maßnahmen und
Ressourcen haben, unsere Einflußnahme so zu
gestalten, daß unsere Bürger in ihrem täglichen
Leben ihren Nutzen verspüren - sei es durch die
Öffnung von Märkten oder die Vermeidung von
Konflikten, in die wir hineingezogen werden könnten.
Als unsere Regierung kein Engagement zeigte,
mußten unsere Bürger einen sehr hohen Preis zahlen
- wie im Zweiten Weltkrieg nach einer Periode
unverantwortlichen Rückzugs der Vereinigten Staaten.
Unsere führenden Politiker der Nachkriegszeit hatten
die Gabe zu erkennen, daß Technologie und Macht
der Vereinigten Staaten die Welt verändert hatten
und wir uns nie wieder isolieren dürfen. Es war für
sie aber auch äußert schwierig, für diese Ansicht
Unterstützung zu finden, obwohl die Erinnerung an
den Krieg noch frisch war.
Präsident Truman mußte für seine Überzeugung
einen harten Kampf führen. Aber ein Ausländer hatte
erkannt, daß für Amerika der Moment zur Übernahme
einer Führungsrolle gekommen war - und sagte uns
das. Winston Churchill rüttelte die Nation mit seinem
Appell für eine engagierte Außenpolitik wach. Heute
erinnern wir uns vor allem, daß er den Begriff vom
"Eisernen Vorhang" prägte. Er bezeichnete außenpolitisches Engagement aber auch als "Lebensnerv
des Friedens", was ein Wortspiel mit einer Redewendung der Römer ist: "Geld ist der Lebensnerv des
Krieges". Die Botschaft Churchills lautete, daß die
Bewahrung des Friedens - ebenso wie die Kriegführung - Mittel erfordert.
Heute ist diese Botschaft so zutreffend wie eh und je.
Dies ist ein Moment außergewöhnlicher Hoffnung für
Demokratie und freie Märkte. Aber nichts ist unvermeidlich. Wir müssen weiterhin Engagement zeigen.
Wir müssen uns öffnen, anstatt uns nach innen zu

AMERIKA DIENST 16

�wenden. Eine Führungsrolle Amerikas in der Welt
ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Der
dafür zu zahlende Preis ist der Sache wert. Es ist

der Preis dafür, die Geschichte in unserem Interesse
zu beeinflussen,

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 7

�USA-EUROPA
3. Mai 1995

Die OSZE und ihre Rolle für die Sicherheit in Europa
Rede von Sam W. Brown
BONN - (AD) - In einer Rede vor der Adenauer-Stiftung legte der Vertreter der Vereinigten Staaten bei der
Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Sam W. Brown Jr., die amerikanische
Vision vom Beitrag der OSZE zu europäischer Sicherheit dar.
Nachfolgend veröffentlichen wir die von Sam W. Brown am 24. April 1995 gehaltene Rede.

Hannah Arendt hat uns geholfen, den Totalitarismus
als die große moralische und politische Bedrohung
des zwanzigsten Jahrhunderts zu erkennen. Ihre
Arbeiten zu diesem Thema sind wohlbekannt. Wir
haben diese Lektion gelernt und bei unserer Sicherheitspolitik entsprechend gehandelt.
Sie schrieb allerdings auch folgende, wenngleich
weniger bekannte Worte: "Die größte Gefahr dabei,
den Totalitarismus als den Fluch des Jahrhunderts
zu erkennen, liegt darin, sich so sehr auf ihn zu
konzentrieren, daß man die vielen kleinen und
weniger kleinen Übel, mit denen der Weg zur Hölle
gepflastert ist, nicht mehr sehen kann."
Im August werden es zwanzig Jahre, daß die
Schlußakte von Helsinki unterzeichnet wurde vierundzwanzig Jahre nach Hannah Arendts prophetischen Worten. Die Schlußakte von Helsinki erkennt diese "kleinen und weniger kleinen Übel" an
und weist uns einen anderen Weg - in Richtung
jenes Europas, das wir uns letztlich als Ergebnis der
Ost-West Konfrontation erhofften.
Die Schlußakte von Helsinki basiert auf der Überzeugung, daß eine Gesellschaft durch ihre Werte
definiert wird, und daß gemeinsame Werte beim
Aufbau einer gemeinsamen Zukunft hilfreich sein
können.

Helsinki, in der festgelegt wurde, wie Staaten mit
ihren Bürgern und ihren Nachbarn umzugehen
haben, wurde zu einem zentralen Element unserer
Beziehungen zu den europäischen Diktaturen.
Unsere Kollegen im Osten sprechen diesen Ideen
und den Bürgerbewegungen, die sie hervorgebracht
haben, große Bedeutung zu: Sie haben die Menschen ermutigt, für einen Wandel im Bereich der
Sowjetunion zu kämpfen.
Die Schlußakte von Helsinki definiert zahlreiche
Verhaltensnormen für staatliches Handeln:
Die
Vermeidung von Gewaltanwendung oder der Androhung von Gewalt, die Beachtung der territorialen
Integrität von Staaten sowie gleiche Rechte und
Selbstbestimmung für Völker. Sie nennt aber auch
ein wenig beachtetes, wenngleich zentrales Konzept:
Die inneren Angelegenheiten eines Staates sind dann
ein legitimes Anliegen anderer Nationen, wenn sie
Themen betreffen, die die Sicherheit einer Region
beeinflussen könnten, oder wenn es um politische
Freiheit und Menschenrechte geht. Diese radikale
Idee ist mittlerweile von den OSZE-Staaten akzeptiert
worden und hat die Beziehungen zwischen Regierenden und Regierten entscheidend verändert. Sie
macht deutlich, daß unsere gemeinsame Sicherheit
der Beachtung der Sicherheit jedes Individuums
bedarf.

Die Unterzeichner der Schlußakte waren keine
Neulinge in der Politik. Sie konnten jedoch nicht im
geringsten ahnen, wie tiefgreifend ihre Worte das
Europa des Jahres 1995 mitgestaltet haben.

Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion bestand
die Arbeit der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa - dem Urheber der Schlußakte
von Helsinki - darin, sich in eine Organisation umzuwandeln und Mechanismen zur vollen Umsetzung der
Schlußakte von Helsinki zu schaffen.

Es war eine mächtige Wortwaffe, die da geschmiedet wurde, und diese Worte lagen in den darauffolgenden 15 Jahren dem politischen Dialog zwischen Ost und West zugrunde. Die Schlußakte von

Wir gingen einen Schritt in diese Richtung, als wir im
Dezember in Budapest aufhörten, eine Konferenz zu

AMERIKA DIENST 16

Seite 1

�sein, und zur Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa wurden.
Zehn Jahre zuvor war es einfacher, Bedrohungen in
Europa zu definieren und auf sie zu reagieren. Die
Bedrohung durch die totalitäre Ideologie - die sich im
politischen und militärischen Expansionsstreben der
Sowjetunion manifestierte - sowie die Gefahr eines
Atomkrieges waren deutlich und klar definiert. Sie
waren fünfundvierzig Jahre lang das zentrale Element unserer Sicherheitspolitik. Und offen gestanden haben wir unsere historisch wichtige Arbeit gut
gemacht. Wir haben sowohl die Institutionen als
auch den politischen Willen für die Arbeit mit ihnen
entwickelt.
Die NATO, die wichtigste Institution in diesem
Zusammenhang, stellt gerade die Weichen für ihre
zukünftige Erweiterung, um auf die neuen Manifestationen der sicherheitspolitischen Herausforderungen
zu reagieren.
Die neuen Bedrohungen sind allerdings so geartet,
daß existierende Mechanismen oder Organisationen
sie weder ganz direkt noch völlig eindeutig angehen
können. Es ist dieser Tage nicht möglich, eine so
saubere Analyse von Bedrohung und Reaktion
vorzunehmen, wie wir es aus der Zeit des Kalten
Krieges gewohnt waren.
So sind wir zum Beispiel immer noch verpflichtet, der
Bedrohung durch einen konventionellen Krieg
Rechnung zu tragen. Unsere Analyse wird jedoch
stärker von unseren Erfahrungen in Bosnien beeinflußt als von der Angst vor einen großangelegten
Krieg in einem geteilten Europa.
Die Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags ist
von entscheidender Bedeutung, und wir werden
weiterhin die Bestrebungen zu seiner unbegrenzten
und bedingungslosen Verlängerung unterstützen.
Obwohl dadurch die Gefahr eines nuklearen Holocaust oder die eines Rüstungswettlaufs der Supermächte verringert wird, stellen Atomschmuggel oder
der Mißbrauch von Nukleartechnologie weiterhin
eine Bedrohung dar.
So haben sich die traditionellen Themen der Sicherheitspolitik geändert. Zusätzlich aber sind mit
dem Fall der beiden erzwungenen kommunistischen
Föderationen - der Sowjetunion und Jugoslawiens eine Vielzahl lange unterdrückter Probleme an die
Oberfläche gelangt.
Eines der vordringlichsten ist ein aggressiver Nationalismus. Dieser hat sich in vielen Staaten unserer
Region auf tragische Weise manifestiert.
Das
schlimmste Beispiel ist das ehemalige Jugoslawien.

Seite 2

In einem unlängst erschienenen Artikel argumentiert
Misha Glenny, daß Tito den vergiftenden Nationalismus, der Milosevic an die Macht brachte, gar nicht
erst hätte aufkommen lassen. Und Stalins brutale
Unterdrückung von Minderheiten hielt die Kräfte des
Separatismus im Zaum, die jetzt die Staaten der
ehemaligen Sowjetunion heimsuchen.
Der Preis, den wir für den Zusammenbruch dieser
totalitären Reiche bezahlen, ist ein Anschwellen des
Ethnozentrismus, der mit wachsender Xenophobie
einhergeht. Die fürchterlichen Auswirkungen dieser
Haltung werden immer deutlicher. Die Russische
Föderation ist über diese Entwicklungen so besorgt,
daß sie sie kürzlich in OSZE-Gesprächen über ein
neues Sicherheitsmodell für Europa als ihr Hauptanliegen bezeichnete.
Ein zweites Thema ist die zunehmend deutlicher
werdende Diskrepanz zwischen dem Prinzip der
Selbstbestimmung und dem Recht eines Staates auf
Sicherheit in seiner eigenen territorialen Integrität. In
Bosnien, Tschetschenien und der Türkei sind Spannungen zwischen Selbstbestimmungsbestrebungen
und Souveränität des Staates weiterhin Ursache von
Blutvergießen und Krieg. Dieselben Spannungen
gefährden auch die Zukunft Georgiens und Moldawiens.
Drittens. Obwohl sich viele Staaten auf dem Weg zur
Marktwirtschaft befinden, werden harte Arbeit und
Einfallsreichtum - die Säulen des marktwirtschaftlichen Systems - oft von der Schwerfälligkeit der
Institutionen und von korrupten Stellen zunichte
gemacht.
Das Problem wird durch ineffiziente,
planwirtschaftlich organisierte Fabriken noch erschwert, die ohne radikale Umstrukturierungen und
massive Neuinvestitionen - welche jedoch einfach
nicht vorhandenes politisches und finanzielles Kapital
erfordern würden - nicht konkurrenzfähig sind. Wenn
dann die Versprechungen von einer Erhöhung des
Lebensstandards aufgeschoben oder aufgehoben
werden, kann das zu politischer Instabilität führen.
Die OSZE bemüht sich, diese aufkeimenden Sicherheitsbedrohungen anzusprechen. Sie war eine
der ersten Institutionen, die erkannt hat, wo die
neuen Gefahren lauern und Antworten auf sie gesucht hat. Oft aber wird diese Arbeit nicht anerkannt.
Dies mag teilweise daran liegen, daß man sie vielfach als "Debattierklub" belächelt. Die vielen Gespräche haben allerdings die Funktion eines Ventils, vor
allem für jene Staaten, die in anderen wichtigen
regionalen Institutionen keine Stimme haben. Der
wöchentliche Meinungsaustausch zwischen Balten
und Russen, um nur ein Beispiel zu geben, bezeugt
dies.

AMERIKA DIENST 16

�Die Diskussionen sind allerdings weit mehr als nur
ein Ventil oder ein reiner Informationsaustausch.
Sie können auch als ein Frühwarnsystem für aufkeimende Probleme dienen. Immer wieder hören wir
von Beschwerden, Spannungen, Konflikten und
Sorgen, die zuerst in Wien angesprochen wurden.
Von Besuchern wird immer wieder die Offenheit
unserer Debatten hervorgehoben. Angesichts der
Vielzahl unserer Mitglieder und der großen Reichweite unseres Mandats gibt es kein Thema, das für
unsere Diskussionen nicht relevant ist. Um rechtzeitig handeln zu können, ist es zuallererst nötig, das
Problem zu kennen. Gut besuchte und häufige
Zusammenkünfte sind ein wichtiger Bestandteil
dieses Prozesses.
Die OSZE ist nicht unbedingt die beste Institution,
um alle Themen dieses Prozesses zu behandeln.
Im Gegenteil, wir können nur jene Themen effektiv
angehen, für die Lösungen auf freiwilliger Basis
möglich sind. Diese machen, wenn sie so wollen,
das kühlere Ende des Bedrohungsspektrums aus.
Das heißere Ende, das direkte militärische friedenschaffende Interventionen erfordert, ist der UNO und
der NATO überlassen. Es ist immer noch das
Kernstück des amerikanischen Engagements in
Europa. Aber von der Frühwarnung über Konfliktverhütung und Krisenmanagement bis zu Umständen, die eine Drittpartei zur Friedenserhaltung
erfordern, ist es die OSZE, welche die Instrumente
entwickelt, auf die man dann als erstes zurückgreifen
kann.
Über Jahre - die nicht immer frei von Rückschlägen
waren - haben wir Methoden für den Umgang mit
aufkommenden Disputen entwickelt. Manche dieser
Methoden sind traditioneller Natur, andere wiederum
sind ganz neu. Manche waren erfolgreich, manche
nicht. Wieder andere können erst nach einiger Zeit
beurteilt werden.
Die OSZE versucht manchmal, Konflikte durch
klassische Diplomatie zu verhindern, basierend auf
dem Prinzip des Konsenses von 52 Nationen. Dafür
bedarf es des politischen Dialogs, der Vermittlung
und einer Sachlage, die eindeutig als internationales
Anliegen definiert ist.
Die Arbeit des OSZE-Hochkommissars für Nationale
Minderheiten, des ehemaligen niederländischen
Außenministers Max Van der Stoel, fällt in diese
Kategorie. Er setzt seinen persönlichen Stil und sein
politisches Profil dafür ein, sein Vermittlungs- und
Beratungsgeschick auszubauen. Eine ganze Reihe
von Regierungen hat seine unauffällige Konsultationsarbeit für ihre Qualität und Rechtzeitigkeit
gelobt. Um nur einige wenige Beispiele zu nennen:

AMERIKA DIENST 16

Seine Bemühungen haben die Beziehungen zwischen
Ungarn und der Slowakei beeinflußt, bei der Entwicklung neuer Staatsbürgerschaftsgesetze in Lettland
und Estland geholfen und zum Abbau von Spannungen zwischen Griechenland und Albanien beigetragen.
Ein weiteres Beispiel einer geschickten Variante der
traditionellen Diplomatie war die Schaffung einer
OSZE-"Mission", welche im September des Jahres
1992 in die ehemalige jugoslawische Republik
Mazedonien entsandt wurde. Dies war ein schwieriger Moment. Wir fürchteten, daß der bosnische
Konflikt auf die Nachbarstaaten übergreifen könnte.
Es gab damals keine internationale Präsenz, und
Bedenken wurden kaum offen ausgesprochen.
Unsere Tätigkeit bestand in der Entsendung von
Menschen. Das war die erste greifbare Manifestation
des Interesses der internationalen Staatengemeinschaft an jener Situation.
Als deutlich wurde, daß tatsächlich eine sehr reale
Bedrohung der Sicherheit der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien vorlag, war die Mission
wesentlich daran beteiligt, den Vereinten Nationen
klarzumachen, daß dort eine größere Präsenz
vonnöten sei. Obwohl die Region immer noch
instabil ist, kam es zu keinem Übergreifen des
Konfliktes. Diese kleine, aber präventive Aktion der
OSZE spielte zweifelsohne eine Rolle bei der Erhaltung der Stabilität.
Die Mission in der ehemaligen jugoslawischen
Republik Mazedonien und auch die Missionen in der
Wojwodina, in Sanjak und im Kosovo waren bahnbrechende Bemühungen der gerade erst auf diese
Weise aktiv gewordenen KSZE. Seit diesen ersten
Missionen, die vor etwas mehr als zwei Jahren
stattfanden, sind wir in acht weiteren Krisenregionen
aktiv geworden. Dies stellt eine praktische Anwendung des Prinzips dar, daß interne Angelegenheiten
sowie Angelegenheiten, die eine begrenzte Anzahl
von Parteien betreffen, sehr wohl ein legitimes
Anliegen der gesamten OSZE sind. Eine der wichtigsten Eigenschaften, die wir am zwanzigsten Jahrestag ihrer Gründung feiern, ist diese "neue aktive
Rolle" der OSZE.
Die Aufgaben dieser Missionen reichen von der
Vermittlung zwischen Separatistengruppen in
Georgien und Beratung über den Status der ethnischen Russen in Estland und Lettland bis zur Hilfestellung beim Abzug der 14. Russischen Armee in
Moldawien. In Bosnien beginnt unsere Mission im
Zuge des Versöhnungsprozesses mit politischer
Vertrauensbildung. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit liegt
darin, Vertreter der verschiedenen ethnischen Gruppierungen auszuwählen und ihnen den Rücken zu

Seite 3

�stärken. Diese Ombudsmänner sollen helfen, die
zersplitterte Gesellschaft wieder zu einen.

daß wir nicht einfach mit alten Lösungen auf neue
Bedrohungen reagieren können.

Wir entsenden gerade eine humanitäre Vermittlungsmission nach Tschetschenien. Die Sorgen, die wir
mit dieser Region haben, sind ein legitimes Anliegen
der gesamten Region. Die OSZE-Mission in Tschetschenien wird durch ihre humanitären Bestrebungen,
Förderung des Dialogs und Hilfestellung bei der
Entwicklung demokratischer Institutionen die Versöhnung fördern. In Lettland wird die OSZE eine
glaubwürdige Garantie für den Abbau der ehemaligen sowjetischen Radarstation in Skrunda abgeben
und Kommissare stellen, die sich um pensionierte
russische Militärangehörige kümmern. Diese Aufgabe nimmt die OSZE auch für die russische Minderheit in Estland wahr.

Ich habe heute nur einige wenige der innovativen
Aktivitäten beschrieben, die die OSZE in der letzten
Zeit in Angriff genommen hat. Eine weitergehende
Analyse müßte auch unsere Abrüstungsgespräche
und die Gespräche über vertrauensbildende Maßnahmen einschließen sowie die Mechanismen für Frühwarnung, Konfliktverhütung und Krisenmanagement
von Berlin und Moskau. Und - last but not least - die
Bestrebungen zur Entsendung einer Friedenssicherungstruppe nach Nagorny-Karabach - ein Versuch,
der noch keine Bewährungsprobe bestehen mußte,
aber dennoch ungemein wichtig ist.

Die OSZE arbeitet auch daran, aggressivem Nationalismus und anderen aufkommenden Bedrohungen
dadurch zu begegnen, daß sie neu hinzukommenden Staaten bei der Entwicklung demokratischer
Institutionen hilft. Hier sind wir erneut ein Labor für
regionalen Wandel - an dem alle Staaten vollständig
und gleichberechtigt beteiligt sind.
Wir haben uns beim Aufbau wesentlicher Bestandteile der Demokratie auf praktische Schritte konzentriert. Dazu gehören OSZE-Seminare über zwischenstaatliche Beziehungen auf militärischer und
ziviler Ebene, Entwicklung kleiner und mittelständischer Unternehmen, die Rolle nichtstaatlicher
Organisationen (NGOs) sowie die Förderung freier
Medien. Ferner entsenden wir Experten für die
Beratung beim Entwurf einer Verfassung, dem
Aufbau des Justizwesens, der Reform des Wahlsystems oder dem Umgang mit den Medien. Ziel all
dieser Aktivitäten ist die Stärkung demokratischer
Institutionen, die einen Schutz vor gesellschaftlicher
Instabilität bieten.
Die volle und gleichberechtigte Aufnahme von auf
dem Weg zur Demokratie befindlichen Staaten in
eine internationale Organisation erlaubt uns die
Stärkung westlicher Menschenrechtsnormen und
zwischenstaatlicher Beziehungen. Die Vereinten
Nationen bieten nicht diese Möglichkeit. Auch die
NATO und die EU, denen nicht alle europäischen
Staaten angehören und die sehr verschiedene
Aufgaben haben, können dies nicht. Viele Staaten
wissen, daß das einzige europäische Sicherheitsforum, das wirklich alle einschließt, die OSZE ist und
bleiben wird.
Die meisten hier von mir beschriebenen Aktivitäten
sind experimenteller Natur. Wir wissen noch nicht,
ob alle erfolgreich sein werden. Wir wissen aber,

Seite 4

Natürlich sind wir in Wien auch mit der Umsetzung
des Vertrags über Konventionelle Streitkräfte in
Europa (KSE-Vertrag) befaßt, dem wichtigsten Faktor
der Stabilität auf dem Gebiet konventioneller Waffen
in Europa.
Außerdem setzen wirdie Verhandlungen über weitere
Abkommen fort, die sich auch auf die Vertrauensbildung erstrecken.
Dazu gehören das soeben
erstellte Wiener Dokument 94 sowie der Verhaltenskodex über politische und militärische Sicherheitsaspekte. Darin werden akzeptierte Normen für die
zivile Kontrolle des Militärs festgelegt. Ferner arbeiten wir an einem Schema für zukünftige Abrüstungsbemühungen im gesamten OSZE-Gebiet.
Neue historische Realitäten bringen neue Bedrohungen mit sich. Alle soeben genannten Maßnahmen
sind Möglichkeiten für die OSZE, mit diesen neuen
Gegebenheiten umzugehen. Die Art und Weise, wie
wir dies tun, wird noch weiterentwickelt, und zweifelsohne wird uns die Zukunft noch neue, andere
Schritte abverlangen. Die Welt verändert sich mit
großer Geschwindigkeit, und es ist nur natürlich, daß
diese Veränderungen Unbill, aber auch neue Möglichkeiten bergen. Dies wird auch weiterhin so sein.
Die neuen Bedrohungen in ihrem Wesen zu begreifen
und Mechanismen für den Umgang mit ihnen zu
schaffen, ist ein langer Weg. Und wir sind schon
einige Schritte darauf gegangen.
Glücklicherweise wächst die OSZE weiter. Sie ändert
sich und paßt sich an die neuen Bedrohungen an.
An die "kleinen und weniger kleinen Übel", wie
Hannah Arendt sie so treffend bezeichnet hat. Die
OSZE bleibt bescheiden, was Bürokratie und Institutionalisierung betrifft. Ihr Konzept ist ein breiter
Ansatz bei Menschenrechtsfragen, der Förderung der
freien Marktwirtschaft und militärischer Sicherheit.
Und dieses Konzept ist stark genug, uns zu helfen,

AMERIKA DIENST 16

�entstehende Bedrohungen der Sicherheit in Europa
auf kreative Weise zu lösen.

Ich danke Ihnen,

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 5

�WIRTSCHAFT
3. Mai 1995

Die USA und Europa - neue Chancen und Strategien
Rede von Staatssekretär Garten
BRÜSSEL - (AD) - Im Rahmen seiner Europareise hielt der Staatssekretär für Welthandel im USWirtschaftsministerium, Jeffrey E. Garten, am 25. April 1995 eine Rede vor dem EU-Ausschuß der
amerikanischen Handelskammer in Belgien, von der wir nachfolgend einige Auszüge veröffentlichen.

Ich freue mich, wieder in Brüssel zu sein. Meine
Europareise begann gestern in Portugal und wird
mich noch nach Deutschland führen. Es gibt vier
Gründe für diesen Besuch.
Erstens möchten meine Delegation und ich in
Europa auf die Bedeutung gleicher Wettbewerbsbedingungen für amerikanische Unternehmen in
verschiedenen Sektoren und bei unterschiedlichen Projekten hinweisen.
Zweitens legen wir letzte Hand an eine neue
Wirtschaftsstrategie für unsere Botschaften in
West-, Mittel- und Osteuropa, die wir "Showcase
Europe" nennen.
Drittens wollen wir den von Wirtschaftsminister
Brown und den EU-Kommissaren Brittan und
Bangemann unterbreiteten Vorschlag eines
transatlantischen Wirtschaftsdialogs (Transatlantic
Business Dialogue) fördern - Gesprächen zwischen amerikanischen und europäischen Unternehmen sowie den Regierungen auf beiden
Seiten des Atlantiks über die Gestalt und Tagesordnung der zukünftigen Wirtschaftsbeziehungen
zwischen Europa und den Vereinigten Staaten.
Viertens werden wir die Gelegenheit zu Konsultationen mit unseren Handelspartnern über
eine Vielzahl von Fragen nutzen, die über bilaterale oder sogar amerikanisch-europäische Beziehungen hinausgehen. Hierbei stehen die Spannungen bei den amerikanisch-japanischen Handelsbeziehungen an erster Stelle.
In meinen heutigen Ausführungen möchte ich einige
dieser Fragen ansprechen, zunächst jedoch mit dem
allgemeinen Kontext beginnen.
Die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen

AMERIKA DIENST 16

Als Bill Clinton im Januar letzten Jahres seine erste
Europareise in seiner Eigenschaft als Präsident der
Vereinigten Staaten antrat, bezeichnete er die westeuropäische Integration und den Zerfall der Sowjetunion als die beiden größten Fortschritte für den
Frieden in der letzten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Ich möchte hinzufügen, daß die europäische Integration auch einer der größten Fortschritte für freien
Handel in diesem Jahrhundert ist. Offene und
pulsierende Märkte sind tatsächlich der Motor, der
Europa und den Vereinigten Staaten während der
vergangenen Jahrzehnte den größten Wohlstand in
der Geschichte der Menschheit bescherte. Wenn die
Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und den
Vereinigten Staaten gestärkt werden, kann dieser
Wohlstand nicht nur fortbestehen, sondern sogar ein
neues Ausmaß erreichen.
Ruf nach transatlantischem Freihandel
Politiker in Amerika und Europa haben in der Erkenntnis, daß die transatlantischen Beziehungen ein
Fundament haben müssen, neue Bande vorgeschlagen. Der Präsident der EU-Kommission, Jacques
Santer, forderte einen amerikanisch-europäischen
Vertrag. Der belgische Ministerpräsident Dehaene
bezeichnete eine umfassendere Architektur als sein
Anliegen. Der schwedische Handelsminister Hellstrom sprach die Möglichkeit einer Anwendung des
Konzepts des früheren europäischen Wirtschaftsraums auf den Atlantik an. Der spanische Ministerpräsident Felipe Gonzalez überlegte kürzlich mit
Wirtschaftsminister Brown in Madrid, ob engere
transatlantische Beziehungen möglich seien. Anfang
dieses Monats erörterte der britische Premierminister
Major bei seinem Treffen mit Präsident Clinton die
Möglichkeit weitreichenderer transatlantischer Handelsbeziehungen. Und diese Überlegungen sind
nicht auf die europäische Seite des Atlantiks beschränkt.

Seite 1

�Auf beiden Seiten des Atlantiks scheint klar zu sein,
daß wir uns auseinanderzuentwickeln drohen, wenn
wir keine neue Architektur zur Unterstützung unserer
Beziehungen haben. Das wäre eine Tragödie - nicht
nur, weil Europa unser getreuer Freund und Verbündeter ist, sondern auch wegen der daraus resultierenden wirtschaftlichen Rückschläge.

Wenn man die Exporte und Umsätze amerikanischer
und europäischer Unternehmen auf dem jeweils
anderen Markt zusammenzählt, ergeben sich transatlantische Wirtschaftsbeziehungen im Wert von mehr
als 1,7 Billionen Dollar jährlich. Dies sind ungefähr
50 Prozent mehr als unsere circa 1,1 Billionen Dollar
im transpazifischen Handel.

Aussichten für den Handel

Es besteht ein großer Unterschied, ob die amerikanischen Interessen davon abhängen, daß Europas
Wirtschaft ein gesundes Wachstum erfährt und
Europa sich auch in Zukunft mit den Vereinigten
Staaten für weitere Offenheit der Weltmärkte einsetzt,
oder ob Europa weniger schnell wächst und sich
stärker nach innen kehrt, um sich mit Arbeitslosigkeit
und anderen internen Problemen zu befassen.
Wichtig ist, daß Europa die weitere Öffnung der
Weltmärkte und der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen auch künftig als in seinem Interesse betrachtet und sich sogar noch weiter öffnet, als seine Verpflichtungen in der Welthandelsorganisation (WTO)
und dem Binnenmarkt vorsehen. Dies ist der Weg zu
höherem Lebensstandard, stärkerem Wirtschaftswachstum und mehr Beschäftigung in Europa.

Nachdem die amerikanischen Exporte in die Europäische Union wegen der Rezession in Europa zwei
Jahre lang gesunken waren, stiegen sie aufgrund
des realen Wachstums des Bruttoinlandsprodukts
von 2,6 Prozent in der EU sowie einer starken
Wettbewerbsstellung Amerikas im vergangenen Jahr
um 6 Prozent an. In der zweiten Jahreshälfte
erhöhten sich die amerikanischen Exporte in die EU
um 10 Prozent.
Noch wichtiger ist, daß Europa bei einer soliden
Wirtschaftspolitik, die offene Märkte und wirtschaftlichen Strukturwandel fördert, im verbleibenden
Jahrzehnt unseren wichtigsten Absatzmarkt darstellen könnte. Tatsächlich könnten die amerikanischen Warenexporte nach Europa bei einem optimistischen europäischen Wirtschaftsszenarium in den
nächsten 10 Jahren um 120 Milliarden Dollar anwachsen und sich damit mehr als verdoppeln.
Zudem besteht eine gute Chance für größere
amerikanische Exporterlöse in Europa, indem wir
den amerikanischen Marktanteil mit Hilfe aggressiver
Exportförderungsstrategien erhöhen.
Investitionen dominieren die Weltwirtschaft
So wichtig der Handel auch sein mag, wir neigen
dazu, die Tatsache zu übersehen, daß der Großteil
internationaler Geschäftstätigkeit nicht über den
Handel, sondern über Investitionen abläuft. Der
weltweite Umsatz amerikanischer Unternehmen stellt
die Exporte in den Schatten. Während sich die
weltweiten Exporte amerikanischer Waren auf
ungefähr 500 Milliarden Dollar belaufen, erzielten
amerikanische Unternehmen 1992 (dem Jahr, für
das die jüngsten Zahlen zur Verfügung stehen) im
Ausland einen Umsatz von 1,6 Billionen Dollar.
Mehr als die Hälfte - genauer gesagt 55 Prozent des Umsatzes amerikanischer Unternehmen im
Ausland wird in Europa verzeichnet. 1992 belief
sich diese Zahl auf 850 Milliarden Dollar. In Europa
ansässige amerikanische Unternehmen beschäftigen
3 Millionen Europäer. Dies ist jedoch keineswegs
eine Einbahnstraße. In demselben Jahr betrug der
Umsatz europäischer Unternehmen 650 Milliarden
Dollar - und sie beschäftigten 3 Millionen Amerikaner.

Seite 2

Es ist nicht selbstverständlich, daß Europa starkes
Wachstum verzeichnet und weiterhin eine Kraft für
Offenheit ist. Die Kräfte zugunsten weiterer wirtschaftlicher Integration in Europa sowie einer Ausweitung der Philosophie offener Märkte könnten
durch Strukturprobleme und Arbeitslosigkeit in Europa
unter Druck gesetzt werden. Es ist auch nur fair zu
sagen, daß die US-Regierung hart daran arbeiten
muß, auch im eigenen Land die Dynamik für unser
offenes Handelssystem aufrechtzuerhalten.
Die
Vereinigten Staaten und Europa haben somit beide
ein Interesse an der Zusammenarbeit beim Kampf
gegen den Protektionismus.
Europa als Amerikas multilateraler Partner
So wichtig Europa für Amerika als Markt und auch als
Konkurrent sein mag - wir müssen auch seine
lebenswichtige Bedeutung als Kraft für die Öffnung
der Weltmärkte und die Gestaltung der Weltwirtschaft
verstehen. Seit dem Abkommen von Bretton Woods
und der ersten Runde der Genfer Gespräche nach
dem Zweiten Weltkrieg haben Europa und die Vereinigten Staaten die gemeinsame Vision einer immer
offener werdenden Welt, die der Industrie unserer
Länder Zugang zu mehr Märkten und unseren
Verbrauchern Zugang zu effizienter hergestellten
Gütern und Dienstleistungen verschafft.
Alle großen multilateralen Handels- und Wirtschaftsabkommen setzen eine gemeinsame Führungsrolle
der Vereinigten Staaten und Europas voraus. Es
kann nur eine äußerst geringe weltweite Liberalisie-

AMERIKA DIENST 16

�rung erfolgen, wenn Europa und die Vereinigten
Staaten sich nicht über Ziele und Instrumente einig
sind. Diese Partnerschaft ist nicht selbstverständlich. Sie muß ständig von beiden Seiten des Atlantiks neu belebt und gestärkt werden. Wenn entweder Europa oder die Vereinigten Staaten aufhören,
in die Pedale offeneren Handels zu treten, läuft das
Fahrrad nicht mehr.
Drei Szenarien für die wirtschaftliche Zukunft
Europas
Wir haben uns eingehend mit der Dynamik unserer
Beziehungen zur Europäischen Union befaßt und
sehen mindestens drei mögliche Richtungen, in die
sich Europa in Zukunft bewegen könnte. Jedes
dieser Szenarien hat seine eigenen Auswirkungen
für die Vereinigten Staaten und illustriert auf dramatische Weise, wie bedeutend die wirtschaftliche
Gesundheit Europas für Amerika sein kann.
Das optimistische Szenarium
Bei einem optimistischen Szenarium hätte Europa
mit seinen Strukturreformen Erfolg. Die europäischen Regierungen würden sich auf effektive
Maßnahmen verständigen, um bei kleineren
Unternehmen strukturelle Wachstums- und Innovationshemmnisse abzubauen, die realen Lohnkosten im Verhältnis zum Kapital zu senken und
die Unterschiede zwischen ihren Wachstumsund Inflationsraten zu verringern.
Bei kräftigem Wachstum und abnehmender
Arbeitslosigkeit würde die Europäische Union
nicht nur für den Welthandel offen bleiben,
sondern auch gemeinsam mit den Vereinigten
Staaten energischer auf neue Ansätze zur weltweiten Öffnung der Märkte drängen. Das für die
Vereinigten Staaten günstige Ergebnis wären
mehr Handel und Investitionen. Amerikanische
Exporte nach Europa sind stark vom europäischen Wirtschaftswachstum abhängig. Auf der
Grundlage des Zusammenhangs zwischen dem
Anstieg unserer Exporte und dem Wirtschaftswachstum in der EU während der letzten 25
Jahre kann man annehmen, daß das optimistische Szenarium eines durchschnittlichen Wachstums des realen Bruttoinlandsprodukts von 3
Prozent in der EU im Verlauf der kommenden
zehn Jahre zu einem Anstieg amerikanischer
Exporte im Wert von über 120 Milliarden Dollar
führen würde - mehr als das Doppelte der heutigen amerikanischen Exporte in die EU. Zudem
würde ein solch günstiges Wachstum bedeuten,
daß unsere Exporte in zehn Jahren etwa 50
Milliarden Dollar mehr betragen als unter dem
realistischeren Szenarium eines weiterhin be-

AMERIKA DIENST 16

scheidenen Wachstums des Bruttoinlandsprodukts
in der EU.
Das mittlere Szenarium
Das zweite mögliche Szenarium - ein "Durchwursteln" - ist eine Fortsetzung des bescheidenen
Wirtschaftswachstums, das die EU im letzten
Jahrzehnt erlebte. Dieses Szenarium wird von
den meisten Beobachtern erwartet, die von der
Annahme ausgehen, daß die politischen Schwierigkeiten einer Durchsetzung des wirtschaftlichen
Strukturwandels diese Veränderungen weiterhin
verhindern oder verzögern werden.
Dementsprechend würde das europäische Wirtschaftswachstum jährlich etwa 2 Prozent betragen
- wie seit 1980 mehr oder weniger der Fall war.
Diese Wachstumsrate wäre nicht hoch genug, um
eine beträchtliche Verringerung der Arbeitslosigkeit oder eine starke Produktivitätserhöhung
herbeizuführen. Aufgrund des im letzten Vierteljahrhundert in der EU beobachteten Zusammenhangs zwischen Wachstum und Arbeitslosigkeit
würde die Arbeitslosigkeit wahrscheinlich weiterhin
langsam ansteigen. In dieser Situation würde
zunehmend eine Debatte zwischen den Befürwortern einer Rückwendung nach innen, die weiteren
Strukturwandel ablehnen, und den Anhängern
stärkerer interner und externer Marktöffnung als
Kraft für strukturellen Wandel oder mehr Effizienz
geführt. Die Folge wäre eine Zunahme von
Handelsstreitigkeiten innerhalb Europas, über den
Atlantik hinweg und weltweit.
Für die Vereinigten Staaten würde das bedeuten,
daß Arbeitslosigkeit und niedriges Wachstum in
Europa die Nachfrage nach amerikanischen
Exporten und Investitionen verringern. Die amerikanischen Exporte in die EU würden weiterhin
leicht ansteigen und im kommenden Jahrzehnt
vielleicht um ungefähr 70 Milliarden Dollar anwachsen. Dies würde die in den letzten 25
Jahren beobachtete Tendenz eines Anstiegs
amerikanischer Exporte in die EU fortsetzen, wäre
aber nur etwas mehr als die Hälfte dessen, was
unter dem oben vorgestellten optimistischen
Szenarium möglich wäre.
Das Stagnationsszenarium
Was würde geschehen, wenn die europäische
Wirtschaft stagnieren und im kommenden Jahrzehnt ein extrem niedriges Wachstum verzeichnen
würde? Stellen Sie sich einmal - auch wenn es
schwierig ist - ein durchschnittliches reales
Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in der
Europäischen Union von nur einem Prozent vor.

Seite 3

�Das wäre eine sehr düstere Situation. Die Arbeitslosigkeit würde schnell ansteigen und nahezu eine Krise auslösen, die das bereits überlastete soziale Netz zu größeren staatlichen
Haushaltsdefiziten und höheren Inflationsraten
führen würde. Die Nachfrage nach Subventionen
für die Industrie würde ebenso ansteigen wie die
Forderung nach Schutz vor Importen aus Mittelund Osteuropa, Amerika und der übrigen Welt.
Für die Vereinigten Staaten hätte das äußerst
schädliche Auswirkungen. Amerikanische Exporte nach Europa würden nur sehr langsam anwachsen, und die Vereinigten Staaten müßten
erleben, daß Europa weitere Schritte zur Verbesserung des globalen Handelsklimas nicht unterstützt - und ohne die starke Unterstützung Europas kämen diese Bestrebungen wahrscheinlich
zu einem Stillstand.
Die Notwendigkeit einer neuen wirtschaftlichen
Architektur
Mit den oben geschilderten Szenarien möchte ich
die Bedeutung der wirtschaftlichen Gesundheit
Europas für die Vereinigten Staaten illustrieren. Die
Auswirkungen dieser Szenarien auf die Vereinigten
Staaten zeigen deutlich, daß wir ein großes Interesse an einem optimistischen Szenarium für europäisches Wachstum haben.
Die Ereignisse in
Europa beeinflussen nicht nur unsere Exporte in
diesen riesigen Markt, sondern auch das Ausmaß, in
dem Europa - während der gesamten Nachkriegszeit
unser lebenswichtiger Partner - gemeinsam mit uns
das Welthandelssystem gestaltet und zu mehr
Offenheit führt.
Showcase Europe - eine neue Wirtschaftsstrategie für Europa
Die Realitäten des neuen Europa fordern von uns in
der US-Regierung eine Neugestaltung unseres
Ansatzes zur Unterstützung amerikanischer Unternehmen in Europa. Mit anderen Worten: Unsere
Wirtschaftsbeziehungen zu Europa müssen neu
belebt werden.
Mir ist bewußt geworden, daß unsere derzeitige
Strategie völlig veraltet ist. Das Programm für den
europäischen Binnenmarkt hat eine Vielzahl interner
Handelshemmnisse in Europa abgeschafft, staatliche
Beschaffungen sowie den freien Verkehr von Kapital,
Menschen und Waren erschlossen und zu einer
gegenseitigen Anerkennung von Normen sowie
anderen Aspekten wirtschaftlicher Vorschriften
geführt.

Seite 4

Bislang haben das Wirtschaftsministerium und andere
staatliche Behörden der Vereinigten Staaten jede
einzelne europäische Nation als separaten Markt
behandelt und praktisch die Tatsache ignoriert, daß
Europa jetzt ein kontinentaler und zunehmend
integrierter Markt ist. Dieser Ansatz schmälerte
unsere Fähigkeit zur Unterstützung amerikanischer
Unternehmen in Europa.
Im vergangenen Jahr wurden wir in dieser Hinsicht
aktiv. Wir riefen unsere hochrangigen Wirtschaftsattaches in Europa zusammen und begannen unterstützt von unseren Europa- und Industrieexperten in Washington - mit der Umwandlung unserer
Wirtschaftsförderungsdienstleistungen in ein dynamisches Programm, das die von amerikanischen
Unternehmen benötigte und gewünschte europaweite
Hilfe bereitstellt. Dieser Umgestaltungsprozeß ist
jetzt abgeschlossen.
Gestern traf ich in der Nähe von Lissabon mit den
Leitern der Handelsabteilungen der US-Botschaften
in Europa zusammen, um diese neue, "Showcase
Europe" genannte Initiative einzuleiten.
Die Operation "Showcase Europe" erfordert von
unseren hochrangigen Wirtschaftsbeamten in Europa
und all ihren Dienststellen paneuropäisches Denken
und Handeln. Wir erwarten von diesem neuen
Programm in den nächsten fünf Jahren eine dramatische Erhöhung des amerikanischen Anteils an
europäischen Importen, der Anzahl von im Zusammenhang mit Exporten nach Europa stehenden
Arbeitsplätzen sowie der Gewinne amerikanischer
Exporteure nach Europa.
Der neue Ansatz hat drei Elemente: Erstens beim
Binnenmarkt, um amerikanischen Unternehmen bei
der Expansion auf allen europäischen Märkten
beizustehen, anstatt sich nur auf die traditionellen zu
konzentrieren; zweitens, ein amerikanisches Wirtschaftsnetz zur Bildung neuer und engerer Partnerschaften zwischen unseren Botschaften und den
amerikanischen Unternehmen in Europa und
schließlich ein wesentlich gestärktes Förderprogramm
zur Unterstützung amerikanischer Unternehmen bei
staatlichen Beschaffungen oder großen Projekten
unter staatlicher Kontrolle oder mit Regierungsbeteiligung.
Der transatlantische Wirtschaftsdialog
Neben dem "Showcase Europe", das eine neue
Dimension von Wirtschaftsförderung in Europa durch
die US-Regierung anstrebt, konzentrieren wir uns
auch auf die Erlangung eines Konsenses über eine
weitere Liberalisierung der transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen. Dies ist für künftiges Wachstum

AMERIKA DIENST 16

�in Amerika, aber auch in Europa von entscheidender
Bedeutung. Der Umfang von Wirtschafts- und
Finanzströmen über den Atlantik hinweg hat einen
Punkt erreicht, an dem diese integraler Bestandteil
beider Volkswirtschaften geworden sind. Die Stärkung der den transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen zugrundeliegenden Architektur kann zu weiteren
großen Gewinnen für beide Seiten führen und eine
fortgesetzte Erhöhung von Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum fördern.
Diese Verknüpfung hat über die Jahre nicht stagniert, sondern wurde erweitert und vertieft. Man
kommt zunehmend zu der Erkenntnis, daß der
Zeitpunkt für eine Verbesserung der wirtschaftlichen
Architektur gekommen ist - nicht nur zur Befürwortung von Wachstum, sondern zu seiner aktiven
Förderung. Im Wirtschaftsministerium sehen wir
auch die Notwendigkeit für eine neue Vision der
transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen und einer
sie begleitenden neuen Architektur.
In diesem
Stadium müssen wir uns jedoch noch nicht irgendeinem besonderen Vorschlag zur Unterstützung der
Idee erweiterter und engerer Beziehungen anschließen. Wir sind jedoch der Ansicht, daß wir ohne eine
Vision von unserem Ziel - und ohne einen Wegweiser für das 21. Jahrhundert - langsamere Fortschritte
machen und uns eher von den heutigen Problemen
in Beschlag nehmen lassen. Wichtig ist, daß die
pragmatischen Mittel für die Entwicklung einer
gemeinsamen Vision gefunden und die Schritte
dorthin aufgezeigt werden.
Die Antworten werden der veränderten Natur souveräner Staaten in einer Welt Rechnung tragen müssen, die in beispielloser Weise durch blühenden
Handel, Kaptitalströme und Informationstechnologie
verknüpft ist, die Grenzen, Zeitzonen und Handelsgesetze überschreiten. Auch die veränderten Beziehungen zwischen dem Individuum und dem Staat
müssen in Betracht gezogen werden. Dies gilt
insbesondere zu Beginn eines Zeitalters, in dem der
Kapitalismus mehr denn je floriert und in dem beispielsweise eine Deregulierung in der Finanzwelt
oder die Privatisierung des Telekommunikationswesens Kräfte für die Befreiung des Menschen
darstellen. Die Beziehungen zwischen Individuum
und Staat verändern sich auch, da die nationalen
Regierungen in der Klemme zwischen unserem
Wunsch nach mehr Aktionen der Kommunalbehörden und der Notwendigkeit effektiverer supranationaler Behörden sind.
Jean Monnet und Robert Schuman hatten eine
Vision, die mit der Montanunion begann. General
George Marshall hatte eine Vision mit dem Plan, der
nach ihm benannt wurde. Viele Europäer hatten
eine Vision von "Europa 1992", welche die wirt-

AMERIKA DIENST 16

schaftliche Integration anspornte. Heute benötigen
wir einen neuen Traum - für das 21. Jahrhundert. Als
hochentwickelte Gesellschaften mit jahrhundertealten
kulturellen Bindungen haben Amerikaner und Europäer die Aufgabe zu bestimmen, wohin wir gemeinsam gehen wollen und wie wir diese Reise zurücklegen.
Die Rolle der Wirtschaftsvertreter
Für diese Aufgabe sollte das Mitspracherecht der
Wirtschaftsvertreter bei der Gestaltung dieser Architektur ein Grundprinzip darstellen. Ich sage dies
nicht in meiner Eigenschaft als Angehöriger des
Wirtschaftsministeriums, sondern in Anerkennung der
Tatsache, daß Kapital- und Technologieströme die
treibende Kraft für Wirtschaftswachstum darstellen
und die Menschen in der Praxis weitaus besser
geeignet sind, unsere Architektur zu skizzieren als
eine theoretisierende Gruppe von Vertretern der
Regierung oder der akademischen Welt.
Aus diesem Grund rief Wirtschaftsminister Brown in
einer vergangenen Dezember vor dieser Gruppe
gehaltenen Rede die Vertreter der Wirtschaft auf
beiden Seiten des Atlantiks dazu auf, mit Hilfe der
Regierungen einen neuen transatlantischen Wirtschaftsdialog zu beginnen, einen Dialog, der von der
Wirtschaft erwartet, über derzeitige Handelsstreitigkeiten hinaus mit den Regierungen eine Vision zu
entwickeln sowie eine Tagesordnung für die Veränderung der wirtschaftlichen Architektur auf eine Art
und Weise, die dem transatlantischen Handel zur
Jahrtausendwende ein noch schnelleres Wachstum
ermöglicht.

Bei diesem transatlantischen Wirtschaftsdialog sind
die Vertreter der Wirtschaft gefordert, ihre Ansichten
zu der gesamten wirtschaftlichen Architektur kundzutun. Die Politiker der EU und unseres Landes haben
einige Ideen, denen die Wirtschaftsvertreter hoffentlich besondere Aufmerksamkeit widmen. Am wichtigsten ist jedoch, daß sie ihre eigene Tagesordnung
vorlegen.
Nach Ansicht der Vereinigten Staaten wäre es
besonders wertvoll, wenn die Wirtschaftsvertreter ihre
Meinung zu folgenden fünf Gebieten äußerten:
1. Förderung der bilateralen amerikanisch-europäischen Zusammenarbeit und der Wirtschaftsbeziehungen während der kommenden fünf Jahre
sowie Identifizierung neuer Felder für industrielle
Kooperation (einschließlich der Informationsgesellschaft) sowie weiterer Schritte zur Öffnung des
Handels.

Seite 5

�2.
Öffnung und Ausweitung internationaler
Investitionen.
3. Engere Zusammenarbeit bei Handel und
Investitionen in Mittel- und Osteuropa.
4. Schaffung eines verbesserten Rahmens für
Zusammenarbeit und Wettbewerb auf großen,
neuentstehenden Märkten.
5. Förderung engerer amerikanisch-europäischer
Zusammenarbeit bei Regeln und Verordnungen.
Schlußbemerkung
Abschließend möchte ich betonen, daß es für die
Vereinigten Staaten keine höhere internationale
Priorität geben kann als den Aufbau umfassenderer

und engerer Beziehungen zu Europa. Der Schlüssel
liegt in der Wirtschaft, die großes Potential für beiderseitige Gewinne, aber auch für beträchtliche Uneinigkeit enthält. Wir müssen in die Entwicklung
einer neuen wirtschaftlichen Architektur mindestens
ebensoviel Zeit und Energie investieren wie in die
Umstrukturierung der NATO. Das ist jetzt noch nicht
der Fall - und wir haben keine Zeit zu verlieren.
Aus der Sicht amerikanischer Wirtschaftsinteressen
könnte Europa in den verbleibenden 90er Jahren der
vielversprechendste Markt sein. "Showcase Europe"
sowie der transatlantische Wirtschaftsdialog sind
Instrumente, unsere Handelsförderungsprogramme
auf Vordermann zu bringen, damit einige äußerst
vielversprechende Chancen genutzt werden können.
Ich danke Ihnen.

* * * *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 16

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Die Wissenschaft notiert:&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Weltmeere als Nahrungs- und Rohstoffquelle&lt;br /&gt;Nutzung auf wissenschaftlicher Grundlage erforderlich&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Funk und Fernsehen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Politik im amerikanischen Fernsehen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Kerigan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Geld fließt nach Mitternacht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Big Joe's Radioprogramm "Austausch des Glücks"&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Universitätseigenes Fernsehsystem für den Englischunterricht&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower: Ziel der USA weiterhin Frieden in Gerechtigkeit&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache vom 25. Mai 1960&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsidentschaftswahlen in den USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fragen und Antworten zu Wahlrecht, Wahlverfahren und politischer Tradition der USA&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;[Seite 8 fehlt]</text>
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3
I

United States Information Service

v-

15

Information
und
Dokumentation

c0 ^ \

Jö&gt;3. Juni 1977
INHALT

DOKUMENTATION
Rede von Außenminister Vance auf der Konferenz für Internationale
Wirtschaftliche Zusammenarbeit
- Wortlaut Hartman umreißt amerikanische Europapolitik
- Wortlaut Weltweite Umweltprobleme
Botschaft Präsident Carters über Umweltschutz-Aufgaben an den US-Kongreß
WISSENSCHAFT &amp; TECHNIK
Ozon-Krankheit
Neuartige Schwefeldioxid-Filteranlage für Kraftwerke

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�I

Dokumentation

I

United States Information Service

15

3. Juni 1977

REDE VON AUSSENMINISTER VANCE AUF DER KONFERENZ FÜR
INTERNATIONALE WIRTSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT
- Wortlaut -

Paris - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance hat am
30. Mai 1977 auf der Ministertagung der Konferenz für Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit in einer richtungsweisenden Rede die amerikanischen Vorschläge zur Lösung der im Nord-Süd-Dialog anstehenden Probleme
vorgelegt.
Die Ausführungen des amerikanischen Außenministers auf der Eröffnungssitzung der Konferenz haben folgenden Wortlaut:
Sehr verehrte Ko-Vorsitzende, meine Ministerkollegen:
Die Botschaft, die ich von meinem Präsidenten und aus den Vereinigten
Staaten mitbringe, lautet:
- Wir glauben an die Absichten und Ziele dieser Konferenz.
- Wir fühlen uns verpflichtet, Lösungen für die Probleme zu finden, denen
sich nicht nur ein einzelnes Land, sondern alle von uns gegenüberstehen.
- Wir geben

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesbergl

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�f •

- Wir geben uns keinerlei Illusionen hin, daß die Maßnahmen, die wir
diese Woche ergreifen, die Probleme lösen werden, die im Laufe von Jahrhunderten entstanden sind.
- Aber wir wissen, daß ein Fehlschlag nicht tragbar ist - nicht tragbar
ist für irgendeinen Teilnehmer oder irgendein Land auf dieser Konferenz.
Ich möchte, daß Sie wissen, wo mein Land steht. Ich weiß, daß einige
in den letzten Jahren die Motive meines Landes anzuzweifeln begonnen haben
und zu der Auffassung gelangt sind, daß man mit uns als einem reichen und
mächtigen Land nur so sprechen kann, als wenn wir ein Gegener wären.
Ich möchte, daß auf dieser Konferenz und in diesem Augenblick die Politik der Vereinigten Staaten verstanden wird.
Es sollte ein neues internationales Wirtschaftssystem geben: In diesem
System muß Gleichberechtigung herrschen, muß es Wachstum geben, aber vor
allem muß Gerechtigkeit bestehen.
Wir sind bereit, beim Aufbau dieses neuen Systems mitzuhelfen.
Gleichzeitig sind wir aber auch bereit, zuzugestehen, daß dieses
System nicht hier in dieser Woche errichtet wird. Auch wird es nicht ohne
zahlreiche schmerzhafte Anpassungen, Zugeständnisse und Opfer von uns
allen, die wir heute hier zugegen sind, geschaffen werden können.
Die Vereinigten Staaten werden sich bei diesen Bemühungen keinesfalls
passiv verhalten. Wir werden nicht lediglich reagieren. Wir werden gemeinsam mit Ihnen die Verantwortung für die Führung übernehmen.
Als erstes möchte ich, noch bevor die Arbeit dieser Konferenz für
Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit abgeschlossen ist, klarstellen, daß der Nord-Süd-Dialog unseres Erachtens fortgesetzt werden
sollte. Wir sind, was das geeignete Forum anbetrifft, aufgeschlossen.
Dem

�•\

Dem umfassenderen, weiter in die Zukunft gerichteten Blick, der diese
Konferenz bestimmt, kommt erheblich größere Bedeutung zu als den kleineren,
temporären Interessen, die uns manchmal trennen.

Gerade diesen weiter in

die Zukunft gerichteten Blick - die Vision von einer Welt, in der gemeinsame
Ziele der Humanität und gemeinsame Werte regionalen oder nationalen Egoismus
überwinden - müssen wir in unseren Überlegungen weiterhin obenanstellen.
Lassen Sie mich jetzt über die greifbaren Möglichkeiten sprechen, wie
wir hier diese Woche beginnen können.
Transfer von Ressourcen/
Wirtschaftliche Entwicklung setzt gewaltige Mengen an Kapital, Technologien und Managererfahrungen voraus. Diese müssen aus zahlreichen Ländern
auf vielfältigen Wegen kommen. Die staatliche Entwicklungshilfe wird weiterhin eine wichtige Quelle für die Unterstützung bleiben und muß weltweit
erhöht werden. Aber dem privaten Kapital kommt ebenfalls entscheidende
Bedeutjng zu, und es wird künftig noch größere Ressourcen für einen weit
größeren Bereich von Aktivitäten bereitstellen müssen als die staatliche
Hilfe.
In den letzten beiden Jahren haben die Vereinigten Staaten über private
und staatliche Stellen für den Kapitaltransfer in die Entwicklungsländer
im Durchschnitt ein Prozent unseres Brutto-Volkseinkommens bereitgestellt.
Aber wir wissen, daß selbst dieser Kapitaltransfer nur ein Anfang ist und
daß diese Gelder nicht immer so gelenkt wurden, daß ihre Wirkung optimal war.
Gemeinsam mit anderen leiten wir Milliarden Dollar an neuen Ressourcen in
bestehende multilaterale Institutionen - die Internationale Entwicklungsgesellschaft, die Weltbank und die regionalen Entwicklungsbanken sowie die
Internationale Entwicklungsgesellschaft.
Und

- 3 -

�Und die ärmsten Länder können mit einer neuen Finanzierungsquelle
rechnen, die zur Nahrungsmittelerzeugung für die eigene Bevölkerung beitragen soll - den mit einer Milliarde Dollar ausgestatteten Internationalen
Fonds für die Entwicklung der Landwirtschaft.
Lassen Sie mich offen sein:

Ein zu großer Teil des Transfers, ein zu

großer Teil unserer Hilfe ist nicht richtig auf die Ziele und Prioritäten
abgestellt gewesen, die erst wirklich eine durchgreifende Änderung im Leben
der Menschen bewirken können.
Wir lernen immer noch, was sich in der internationalen wirtschaftlichen
Entwicklung bewährt und was nicht.

Und wenn ich sage wir, so meine ich die

reichen und die armen Länder in gleicher Weise.
Was uns anbetrifft, so wird Präsident Carter den Kongreß um eine
wesentliche Erhöhung des Volumens unserer bilateralen und unserer multilateralen Hilfsprogramme für die kommenden fünf Jahre ersuchen.

Aber wir

werden auch verlangen, daß diese Hilfe wirksamer geplant, verteilt und verwaltet wird.
Das amerikanische Volk wird ein wirksames Hilfsprogramm unterstützen,
das klar und spezifisch auf die Nöte der Menschen abgestellt ist. Es wird
ferner darauf bestehen, daß die übrigen reichen Länder - von denen viele
bereits die Führung übernommen haben - ebenfalls wesentliche Beiträge
leisten. Und es wird schließlich erwarten, daß die Empfänger der Hilfe
sich ernsthaft Gedanken über die wirtschaftlichen, sozialen, politischen
und die Menschenrechte ihrer Bürger machen.
Wir sind der Ansicht, daß die kommunistischen Industriestaaten ebenfalls
ihre Entwicklungshilfe erhöhen sollten.

Und wir sind bereit, gemeinsam mit

ihnen eine solche Hilfe zu gewähren, wann und wo sie hierzu bereit sind.

Wir

�Wir sollten uns hier einigen, eine wesentliche Erhöhung des Stammkapitals der Weltbank zu unterstützen.

Eine derartige Aufstockung würde es

der Weltbank nicht nur gestatten, ihre normale Kreditgewährung zu realen
Bedingungen auszuweiten.

Sie würde es der Bank auch ermöglichen, neue

Programme auf Gebieten von wachsender Wichtigkeit in Angriff zu nehmen auf den Gebieten der Energie, der Erschließung von Ressourcen und der
Diversifikation bei der Gewinnung von Rohstoffen.
Die Erschließung örtlicher öl-, Kohle-, Gas-, und anderer Energieressourcen in Entwicklung!ändern, die arm an Energie sind, wird dazu
beitragen,
bauen.

die finanzielle Belastung durch die teuren Olimporte abzu-

Die Vereinigten Staaten sind bereit, an einem solchen Programm

zur Erschließung von Energie mitzuarbeiten.
Wir sind ebenfalls bereit, auf dieser Konferenz gemeinsam mit anderen
Ländern ein spezielles Aktionsprogramm in einer Größenordnung von einer
Milliarde Dollar in Angriff zu nehmen, das dazu beitragen soll, den
dringendsten Bedarf der ärmsten Länder der Welt zu decken.

Was uns anbe-

trifft, so ist die Carter-Administration - unter der Voraussetzung einer
Bewilligung durch den Kongreß - bereit, über den derzeitigen Stand an
bilateraler Hilfe diesen ärmsten Ländern zusätzlich 375 Millionen Dollar
zur Verfügung zu stellen.
Man kann sich darauf verlassen, daß wir auf eine Art und Weise helfen
werden, die der amerikanische Kongreß und das amerikanische Volk billigen.
Das heißt, daß wir bei der Verwendung von Geldmitteln, die wir beisteuern,
auf vernünftigen Entwicklungskriterien bestehen werden.
Da es bei dieser Konferenz um arme Menschen ebenso sehr geht wie um
arme Länder, wird meine Regierung bereit sein, sich an einem Plan zur Aufstellung spezifischer Programme zu beteiligen, die auf eine Verminderung des
Problems der absoluten Armut auf globaler Basis abzielen.

Ein derartiger

Plan muß Erfordernissen Rechnung tragen, die das Leben der Menschen un- 5 -

�unmittelbar berühren:
1) Die Grundeinrichtungen des Gesundheitsdienstes, insbesondere in den
Agrargebieten;
2) eine gesteigerte Nahrungsmittel Produktion und eine ausreichende
Ernährung;
3) die Elementarbildung, auch in Agrargebieten; und
4) die Aussicht auf lohnende Arbeit, um den Menschen die Möglichkeit
zu bieten, ihre und ihrer Kinder Lebensbedingungen zu verbessern.
Die Vereinigten Staaten beabsichtigen, die Mitgliedstaaten der OECD
aufzufordern, nach Mitteln und Wegen zu suchen, um diese Zielsetzungen
innerhalb des normalen Arbeitsprogramms der OECD zu verwirklichen.

Die

Teilnahme auch der Entwicklungsländer an diesem Unterfangen wird von
entscheidender Bedeutung sein.
Privatinvestitionen
Zum Transfer von Ressourcen müssen private Investitionen hinzukommen Investitionen, die beim Aufbau einer den Entwicklungsländern wie den
Investoren gleichermaßen dienlichen Partnerschaft mithelfen. Die
Wachstumspläne der noch in der Entwicklung begriffenen Volkswirtschaften
der Erde setzen eine Investitionsbereitschaft voraus, die die Investitionskapazitäten staatlicher Kapitalquellen übersteigt. Privates Kapital aus
dem Ausland vermag zum Wachstum der Entwicklungsländer in dem gleichen Maße
beizutragen, wie es zur Industrialisierung der Vereinigten Staaten beigetragen hat. Privatinvestitionen können aber nur dann erfolgreich sein, wenn
sie für das Aufnahmeland wirklich akzeptabel sind. Jedes Land muß für sich
selbst entscheiden, welche Rolle privates Investitionskapital bei seiner
Entwicklung spielen soll. Privatunternehmen wiederum werden nur dort

�dort investieren, wo sie einer positiven und überblickbaren Behandlung
sicher sind.
Das Währungssystem
Gestalt und Funktion des Währungssystems entscheiden über ein reibungloses Funktionieren der Weltwirtschaft. Dabei steht für uns alle viel
auf dem Spiel. Die hierbei auftauchenden Fragen sind einerseits
technischer Natur, andererseits sehr vielschichtig; wir sind jedoch bereit ja, wir müssen dazu bereit sein -, sie gemeinsam mit anderen zu erörtern.
Viele Länder - einschließlich der Entwicklungsländer benötigen Hilfe zum
Ausgleich ihrer Zahlungsbilanzen.

In den letzten beiden Jahren erlebten

wir eine beträchtliche Ausweitung der Zahlungsbilanzhilfe für jene Länder,
die dieser am meisten bedürfen.
Der Internationale Währungsfonds hat seine kompensatorische Fazilität
beträchtlich erweitert, mehr Kredite vergeben und einen neuen Treuhandfonds eingerichtet, der aus den Erlösen der Goldverkäufe gespeist wird und
der Deckung des Geldbedarfs der armen Länder vorbehalten bleibt. Wir in
den Vereinigten Staaten treten weiterhin für die Aufstockung der Kapitalausstattung des Internationalen Währungsfonds und für die Gewährung von
Zahlungsbilanzhilfe ein. Wir befürworten sowohl die gegenwärtig zur
Diskussion stehende neue Fazilität als auch eine Erhöhung der EinlageQuoten in einem Maße, das ausreicht, um den an den Währungsfonds gerichteten,
umfangreichen Kreditwünschen von Seiten der Defizitländer nachkommen zu
können.
Wir sehen der vereinbarten Untersuchung über die zunehmende Bedeutung
der Sonderziehungsrechte als der hauptsächlichen Reserveeinheit des internationalen Währungssystems mit gespannter Erwartung und in dem vollen Bewußtsein entgegen, welche Bedeutung diese Frage sowohl für die Industriestaaten als auch die Entwicklungsländer besitzt.
Wir
- 7 -

�Wir sind uns insbesondere der rasch zunehmenden internationalen Verschuldung und auch der Notwendigkeit bewußt, Verfahrensregeln zur Behandlung
von besonders gelagerten Fällen zu entwickeln, ehe sie in ein kritisches
Stadium eintreten.
Rohstoffe
Neben dem Transfer von Ressourcen und Kapital ist der Handel mit Rohstoffen von entscheidend wichtiger Bedeutung; das gleiche gilt für unser
gemeinsames Interesse an der Preis- und Lieferstabilität.

Heftige Schwan-

kungen auf den Rohstoffmärkten sind geeignet, die Entwicklungsplanung in
Ländern mit niedrigen Einkommen zu stören, wenn nicht gar zu vereiteln.
Wenn die Rohstoffpreise stark ansteigen, verschärft sich die Inflation, und
diese wiederum neigt dazu, sich noch lange Zeit nach Einsetzen einer rückläufigen Preisentwicklung auf dem erreichten Niveau zu halten - und damit die
reichen wie die armen Länder gleichermaßen zu schädigen.
Wir sind auf dieser Konferenz übereingekommen, daß ein gemeinsames Vorgehen notwendig ist, Schwankungen auf den Rohstoffmärkten hinsichtlich Preis,
Belieferung und Erlös zu vermeiden. Wir müssen zusammenarbeiten, um:
- Vereinbarungen zwischen den Erzeuger- und Verbraucherländern zur
Stabilisierung der Preise einzelner Rohstoffe zustandezubringen, wo immer
die Natur und der Markt des jeweiligen Rohstoffs dies gestatten;
- einen gemeinsamen Fonds zu errichten, der effizient und aktionsfähig
ist;
- die Rohstoffabkommen abzusichern;
- ausreichende Finanzierungsmittel für Ausgleichszahlungen bereitzustellen und mitzuwirken, Schwankungen der Exporterlöse der Entwicklungsländer auszugleichen;
- Investitions-

�- Investitionskapital bereitzustellen, so daß neue Rohstoffvorkommen
in ausreichendem Maße erschlossen werden können, die zur Deckung des Bedarfs einer expandierenden Weltwirtschaft benötigt werden; und
- eine Hebung der Qualität der angebotenen Produkte und eine Diversifikation derselben zu fördern, sobald bei einem Rohstoff eine Stagnation
oder ein Rückgang der Nachfrage eintritt.
Die Vereinigten Staaten werden sich an allen diesen Bemühungen
beteiligen. Wir sind Mitglied des Kaffee- und des Zinn-Abkommens und
setzen uns für ein wirksames Zucker-Abkommen ein. Wir sind willens, bei
der Finanzierung einer Zuckerreserve zur Gewährleistung der Preisstabilität
mitzuwirken. Und die Carter-Administration wird den Kongreß um einen Beitrag der Vereinigten Staaten zur Anlage einer Zinn-Ausgleichsreserve ersuchen.
Wir hoffen, daß bald Übereinstimmung bezüglich eines Systems international -verwalteter Getreide-Reserven erzielt wird, um ausreichende
Nahrungsmittelreserven anlegen zu können.

Vor fünf Jahren schrumpften

die Weltnahrungsmittel Vorräte rasch zusammen, während die Preise in die
Höhe schnellten.

Heute sind die Ernten reichlicher; wir können uns jedoch

nicht auch in der Zukunft darauf verlassen.
Um der Länder und Völker willen, die am Rande des Existenzminimums
leben, benötigen wir zuverlässige und wachsende Lebensmittelreserven.
Die Vereinigten Staaten haben sich verpflichtet, auch auf das Zustandekommen zusätzlicher Stabilisierungsvereinbarungen hinzuwirken. Sofern
vereinbart wird, daß direkte Regierungsbeiträge zur Finanzierung von
Ausgleichslagern angebracht sind, werden wir uns zusammen mit den Erzeugern und den Verbrauchern an ihrer Finanzierung beteiligen.
Handel

�Handel
Da sind ferner die entscheidend wichtigen Bemühungen um eine Ausweitung und Liberalisierung des Handels. Wir können alle stolz darauf
sein, daß wir uns in einer Zeit außergewöhnlicher wirtschaftlicher Anspannungen ein offenes Handelssystem erhalten haben.

Den Entwicklungs-

ländern hat dies weiterhin den Zugang zu den großen Weltmärkten und damit
Exporterlöse ermöglicht, um die Importe an Kapitalgütern, Nahrungsmitteln
und Rohstoffen bezahlen zu können.
Den Vereinigten Staaten hat ein liberaler Handel größere'Moniichkeiten
für die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie den Absatz von Exportgütern gegeben.

Liberaler Handel hat uns niedrigere Preise und ein vielfältigeres

Warenangebot für die Verbraucher gebracht.

Diese Konferenz ist nicht der

Ort für detaillierte Handelsverhandlunaen.

Aber wir in den Vereinigten

Staaten versichern feierlich, daß wir uns in Genf um Möglichkeiten für
eine günstigere Zollbehandlung der Erzeugnisse aus den Entwicklungsländern
bemühen werden.
Die amerikanische Regierung fühlt sich verpflichtet, der gegenwärtigen
Tokio-Runde von multilateralen Handelsverhandlungen neue Denkanstöße zu
geben.

Wir haben die Verpflichtung, 1977 in den Schlüsselgebieten

wirkliche Fortschritte zu erreichen.
Energie
Der nächste Punkt auf unserer Tagesordnung ist die Energie. Wir alle
brauchen dringend eine zuverlässige Energieversorgung, wir alle müssen
strikt Energie sparen und uns nach neuen Energiequellen umsehen. Präsident
Carter hat für die USA ein umfassendes Energie-Sparprogramm vorgeschlagen,
um unseren verschwenderischen Energiekonsum zu reduzieren, die Abhängigkeit
Amerikas vom Importöl zu begrenzen und die Entwicklung neuer Energietechnologien zu beschleunigen. Außerdem hängt die Prosperität der Welt- 10 -

�Weltwirtschaft von stabilen Energiepreisen und einer zuverlässigen
Energieversorgung

ab. Aber auch Gerechtigkeit und Fairness der

Weltwirtschaft fordern dies.

In der Energiekommission sind die akuten

Probleme, denen sich die auf Importöl angewiesenen Entwicklungsländer
gegenübersehen, in eindringlicher Klarheit zum Bewußtsein gebracht worden.
Auf lange Sicht müssen beide - die reichen wie die armen Länder - in
wachsendem Maße von ihren eigenen lokalen Energieressourcen Gebrauch machen.
Diese Konferenz sollte mithelfen, Mittel und Wege zu finden, um den
Entwicklungsländern die entsprechenden Energietechnologien verfügbar zu
machen.
Diese Konferenz ist ein erster Anfang,und nur das. Ihr wirkliche Bedeutung wird darin liegen, was wir jetzt zusammen unternehmen. Die
Vereinigten Staaten werden ihrerseits ihre heute von mir gegebenen Zusagen
einhalten. Wir werden die Ergebnisse dieser Konferenz sehr ernst nehmen.
Aber um auf diesen Bemühungen weiter aufzubauen - auf den Zusagen, die
wir gegeben haben und einander geben werden - müssen wir darauf achten,
daß das, was hier erörtert wurde, nun auch in positive Aktionen umgesetzt
wird, die den Nationen und einzelnen Völkern zugute kommen.
In den letzten drei Jahrzehnten haben die Nationen der industrialisierten Welt ein weitaus tieferes Verständnis für die Sorgen und Anliegen,
die Hoffnungen und die Bedürfnisse der Völker in den Entwicklungsländern
gewonnen - die die

Mehrheit der Menschheit ausmachen.

Unsere Arbeit wird weitergehen.

Unser Erfolg wird auf vielerlei Weise

gemessen werden: nach unseren Übereinkommen,
1

Meinungsverschiedenheiten überwinde -

wie wir die unausweichlichen

und nach unserem Eintreten für ein

neues internationales System, das auf Gleichberechtigung, Wachstum
Gerechtigkeit beruht.
Wir

- 11 -

und

�Wir verpflichten uns hier und jetzt zur Konsultation und Zusammenarbeit und daß wir uns den bedeutsamsten Bemühungen unserer Zeit anschließen werden, um die Segnungen des menschlichen Fortschritts der
ganzen Menschheit zugute kommen zu lassen.
+ + +

- 12 -

�1

Dokumentation

I

United States Information Service

15

3. Juni 1977

WELTWEITE UMWELTPROBLEME
Botschaft Präsident Carters über Umweltschutz-Aufgaben
an den US-Kongreß

Washington-AD-Präsident Carter hat dem amerikanischen Kongreß am 23. Mai 1977
eine "Botschaft über Umweltfragen" unterbreitet, aus der wir im folgenden
als Auszug dasKapitel "Die irdische Umwelt" bringen:
"Umweltprobleme machen nicht an Landesgrenzen halt. Im Verlauf des
letzten Jahrzehnts sind wir uns zusammen mit anderen Nationen der
Dringlichkeit internationaler Anstrengungen zum Schutz unserer gemeinsamen
Umwelt bewußt geworden.
Als Teil dieses Prozesses weise ich den Präsidial bei rat für Umweltqualität (CEQ) und das Außenministerium an, in Zusammenarbeit mit der
Umweltschutzbehörde (EPA), der Nationalen Wissenschaftsstifung (NSF), der
US-Behörde für Meeres- und Atomsphärenforschung (NOAA) und anderen zuständigen
Behörden im Verlauf der nächsten 12 Monate eine Studie über die möglichen
Veränderungen bis zum Ende dieses Jahrhunderts hinsichtlich Weltbevölkerung,
natürlicher Hilfsquellen und äußerer Umwelt auszuarbeiten. Diese Studie soll
als Grundlage unserer langfristigen Planung dienen. Außerdem ersuche ich

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�ich den Beirat für Umweltqualität, in Zusammenarbeit mit dem Außenministerium
sicherzustellen, daß wir innerhalb der Exekutive zu der bestmöglichen
Koordination internationaler Umweltprogramme gelangen.
Weltbevölkerung
Rapides Bevölkerungswachstum ist ein wesentliches Umweltproblem von
globalen Dimensionen.

In den letzten 15 Jahren stieg die Zahl der Welt-

bevölkerung von drei auf vier Milliarden, wodurch die Ausweitung der Nahrungsproduktion und des Wirtschaftswachstums in der Welt im gleichen Zeitraum
weitgehend aufgezehrt wurde.
Ohne Kontrolle des Bevölkerungswachstums steht die Sache schlecht für
ausreichende Nahrung, Wohnung und die Erfüllung anderer elementarer Bedürfnisse der Weltbevölkerung.

Wo das Dasein bereits armselig und mißlich

ist, beeinträchtigen Anstrengungen zur Beschaffung der lebensnotwendigen
Dinge die Umwelt häufig auf Generationen hinaus.
Es ist natürlich Sache jeder einzelnen Nation, ihre eigene Politik zu
bestimmen. Aber wir sind darauf vorbereitet, schnell und uneingeschränkt
auf alle Hilfeersuchen zur Durchführung von Programmen der Bevölkerungsund Gesundheitspolitik zu reagieren. Ich habe das Außenministerium und
das Amt für Internationale Entwicklung (AID) angewiesen, sich für Gemeinschaftsaktionen über internationale Organisationen, private Freiwilligenorganisationen oder indirekte Kontakte mit anderen Regierungen bereitzuhalten.
Umweltfragen bei wirtschaftlicher Entwicklungshilfe
Jedes Land muß selbst entscheiden, ob es versuchen will, Umweltschäden
zu verhindern oder zu beseitigen. Aber ich bin überzeugt, daß letzten
Endes jene Entwicklungsprogramme den größten wirtschaftlichen Nutzen
bringen, die auch umweltpolitisch gesund sind. Um zur Annahme solcher
- 2 -

�solcher Programm zu ermutigen, habe ich folgende Schritte unternommen:
1) Ich habe den Außenminister, den Leiter des AID und andere zuständige Bundesbhörden angewiesen, sicherzustellen, daß bei sämtlichen
anstehenden Entwicklungshilfeprojekten der Umweltaspekt uneingeschränkt
berücksichtigt wird.
2) Ich habe den Leiter des AID gebeten, Entwicklungsländer bei Managementaufgaben auf den Gebieten Umwelt und natürliche Hilfsquellen zu
unterstützen. Diese Unterstützung könnte helfen, daß Entwicklungsländer
ungeachtet der Quelle für die Finanzierung eines speziellen Projekts
ihre Vorhaben unter umweltfreundlichen Gesichtspunkten in Angriff nehmen.
Internationale Vereinbarungen über Umweltschutz
Eine Anzahl von Bundesbehörden sind unter der Federführung des
Beirats für Umweltqualität mit internationalen Umweltschutz-Aufgaben
befaßt.

Ich gebe für meine Regierung Anweisung zur Ausweitung dieser

Anstrengungen unter besonderer Beachtung folgender Gebiete:
1) Das Abkommen über den Schutz gefährdeter Arten ist in Kraft getreten. Der nächste Schritt besteht darin, den Vertrag wirksam in die
Tat umzusetzen. Die Vereinigten Staaten haben damit begonnen, den Handel
mit gefährdeten Pflanzen- und Tierarten zu verbieten und andere Nationen
zu ähnlichen Schritten zu ermutigen.
2) In Übereinstimmung mit dem Antarktis-Vertrag unterbreite ich
heute dem Kongreß ein Gesetz, das den besonderen Schutz der Flora und
Fauna der Antarktis vorsieht.

Da diese abgelegene, unbevölkerte Region

die Stabilität der Weltmeere und der irdischen Atmosphäre stark beeinflußt, muß dieser einzigartige ökologische Raum erhalten bleiben.
3) Die

- 3 -

�3) Die Konvention über Naturschutz und die Erhaltung frei lebender
Tiere und Pflanzen in der westlichen Hemisphäre wurde im Jahr 1940 von
Franklin D. Roosevelt unterzeichnet, wartet aber noch darauf, uneingeschränkt und systematisch ausgeführt zu werden.

Den Ländern Nord-, Mittel-

und Südamerikas schlage ich vor, daß wir jetzt diese Konvention über den
Behördenapparat der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) verwirklichen.

Ich befürworte dringend einen panamerikanischen Vertrag über

den Schutz wandernder Tiere und die Einberufung einer interamerikanischen
Konferenz über Nutzung und Erschließung regenerationsfähiger natürlicher
Hilfsquellen in der westlichen Hemisphäre.

Die Vereinigten Staaten

haben sich bereits erboten, Gastgeber für eine solche Konferenz zu sein.
4) In Kürze werde ich dem Senat den Vertrag zum Schutz von Zugvögeln
und ihrer Umwelt zur Ratifizierung zuleiten, den wir im November 1976
mit der Sowjetunion unterzeichneten.

Dieser Vertrag - und die ihn

begleitenden Durchführungsgesetze, die ich zu seiner Verwirklichung vorlege werden neue rechtliche Voraussetzungen für den Schutz der Umweltverhältnisse schaffen, die diese Vögel für ihr Oberleben brauchen.
Schonung der Wale
Wir teilen die Besorgnis der Öffentlichkeit über die Lebensbedingungen der Meeressäugetiere, insbesondere der Wale. Deshalb habe
ich den Handelsminister angewiesen, in Übereinstimmung mit den vom
Außenminister gegebenen Richtlinien:
- den kommerziellen Walfang innerhalb unserer 200-Meilen-Zone zu
verbieten;
- Verhandlungen innerhalb der internationalen Walfangkommission
fortzusetzen, die auf strengere internationale Schutzbestimmungen für Wale
und verwandte Arten abzielen und deren Schutz im gesamten Bereich ihrer
Wanderwege ermöglichen;
- auf dem

�- auf dem amerikanischen Standpunkt zu beharren, daß der
kommerzielle Walfang durch ein zehnjähriges Moratorium unterbrochen
werden müsse; und
- mir innerhalb von 50 Tagen über jede Aktion anderer Länder zu berichten, die die Wirksamkeit des Schutzprogramms der internationalen
Walfangkommi ssion beeinträchti gen."

+ + +

- 5 -

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Wi/scn/choft
und Technik
United States Information Service

3. Juni 1977

15

NEUARTIGE SCHWEFELDIOXID-FILTERANLAGE FÜR KRAFTWERKE

- (AD) - In seiner Energiebotschaft vom 20. April 1977 forderte Präsident
Carter für Kraftwerke und Industriebetriebe eine weitgehende Umstellung von
öl- und Gasfeuerung auf Kohle. Dabei mußte jedoch mit zusätzlichen Umweltbelastungen durch die Emission von Schwefeldioxid - je nach Ursprung der
Kohle in mehr oder minder großen Mengen, mit Anteilen aus mineralischen Quellen
und von organischen Schwefel Verbindungen - gerechnet werden, falls man die
Rauchgase nicht entschwefeln würde.
Die bisher gebräuchlichen Filterverfahren werden nunmehr um ein weiteres,
von der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA entwickeltes und seit 1973
erprobtes Verfahren erweitert; das neue System wird nach Abschluß der Demonstrationsphase zunächst in einem Kohlekraftwerk (280 Megawatt) der Gas &amp;
Electric Company von Louisville (Kentucky) installiert werden.
Zum Abfiltern der Schwefeldioxid-(S02)-Emissionen wird ein zweifacher
Alkalisierungsprozeß angewandt, der nur 1,2 % anstatt, wie bei den anderen
Systemen üblich, mehr als 2,4 Prozent der vom Kraftwerk erzeugten Energie
verbraucht. Stephen S. Gage (EPA) berichtet, daß bis zu 99 Prozent des
gesamten Schwefeldioxids entfernt werden können.
Bei

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�Bei der gegenwärtigen Auslegung des Systems von Louisville schätzt man
die jährlichen Betriebskosten für die Rauchgasentschwefelung auf ca. 4,25
Millionen Dollar.

Der Verbraucher wird dadurch mit ca. 0,7 Pfennigen (0,3

Cent) pro Kilowattstunde belastet.

(Im Jahr 1976 betrugen die durchschnitt-

lichen Stromkosten für den Verbraucher in Louisville 7,11 Pfennige, d. h.
2,6 Cent pro Kilowattstunde.

Sie würden somit zur Sicherung der Luftrein-

haltung um 11,5 Prozent steigen.)
Der Louisville Gas &amp; Electric Company werden vom Konstrukteur Garantien
in Bezug auf Schwefeldioxid-Abfilterung (Restemission weniger als 200 ppm
S 0 2 ) , Staubemission, Rohmaterial verbrauch, Energieverbrauch, Eigenschaften
der Abfall Stoffe und Verfügbarkeit des Systems gegeben.

Die Kosten für die

Installierung der Entschwefelungsanlagen in anderen Kraftwerken werden je
nach den Kosten für gemahlenen Kalkstein, für Arbeits- und Baukosten variieren.

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UUi//cn/choft
und Technik
United States Information Service

3. Juni 1977

15

OZON-KRANKHEIT

- (AD) - Erste Anzeichen gab es im vergangenen Jahr, als die neuen
Großraumflugzeuge vom Typ Boeing 747 SP für Nonstop-Flüge zwischen New
York und Tokio eingesetzt wurden. Zunächst klagten Stewardessen, dann
auch Piloten und Passagiere über starke Hustenanfälle, Kopfschmerzen,
Nasenbluten und allgemeines Unwohlsein. Die Symptome klangen meist zwei
Stunden nach der Landung wieder ab.
Die systematische Suche nach der Ursache ergab, daß die Beschwerden
gewöhnlich nur auf den 14-stündigen Flügen von Ost nach West, d. h. über
die Polroute, auftraten, wo die Maschinen eine Flughöhe von 15 000 m einhalten. Die Meßdaten über Temperatur, Feuchtigkeit und Luftzusammensetzung
wurden stets mit den jeweiligen Flugpositionen in Beziehung gesetzt, um
herauszufinden, ob hier irgendwelche Zusammenhänge bestanden. Nachdem
inzwischen auch Berichte über ähnliche Erscheinungen bei Flügen zwischen
der amerikanischen Ost- und Westküste eingingen, wurden in die Passagierflugzeuge zusätzliche Meßinstrumente eingebaut.
Aber

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�Aber erst Anfang dieses Jahres entdeckte man die Ursache - nämlich eine
zu hohe Ozon-Konzentration.

Gewöhnlich liegen die Flugrouten weit unter-

halb jener Luftschicht zwischen 16 000 und 50 000 m Höhe, wo sich dreiatomiger Sauerstoff (Ozon)

findet, der dort eine wichtige Filter-

wirkung gegen den Einfall der für alles Leben auf der Erde gefährlichen
ultravioletten Strahlung von der Sonne hat.

Gelegentlich sinkt die

Ozonschicht jedoch ab, vor allem zu Zeiten strenger Winter.

Außerdem ist

die Ozonkonzentration über den Polgebieten größer als über anderen
geographischen Breiten.

Dies erklärte, weshalb bei den Ost-West-Flügen

häufiger Beschwerden registriert wurden.
Keine der bisher in Erwägung gezogenen Lösungen für das Problem niedrigere Flughöhen oder Installierung komplizierter Luftfiltersysteme ist befriedigend, weil im einen Fall erheblich mehr Treibstoff verbraucht,
im anderen die Leistung der Flugmotoren verringert würde. Deshalb suchen
die Ingenieure noch nach anderen, günstigeren Möglichkeiten, um Abhilfe
zu schaffen. Die Natur gibt ihnen z. Zt. eine Atempause, weil in der
wärmeren Jahreszeit die Ozonschicht in atmosphärische Bereiche aufsteigt,
die von den Flugrouten nicht mehr berührt werden.
+ + +

- 2 -

�w(iII

Dokumentation

I

United States Information Service

15

3. Juni 1977

REDE VON AUSSENMINISTER VANCE AUF DER KONFERENZ FÜR
INTERNATIONALE WIRTSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT
- Wortlaut -

Paris - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance hat am
30. Mai 1977 auf der Ministertagung der Konferenz für Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit in einer richtungsweisenden Rede die amerikanischen Vorschläge zur Lösung der im Nord-Süd-Dialog anstehenden Probleme
vorgelegt.
Die Ausführungen des amerikanischen Außenministers auf der Eröffnungssitzung der Konferenz haben folgenden Wortlaut:
Sehr verehrte Ko-Vorsitzende, meine Ministerkollegen:
Die Botschaft, die ich von meinem Präsidenten und aus den Vereinigten
Staaten mitbringe, lautet:
- Wir glauben an die Absichten und Ziele dieser Konferenz.
- Wir fühlen uns verpflichtet, Lösungen für die Probleme zu finden, denen
sich nicht nur ein einzelnes Land, sondern alle von uns gegenüberstehen.
- Wir geben

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IV

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�- Wir geben uns keinerlei Illusionen hin, daß die Maßnahmen, die wir
diese Woche ergreifen, die Probleme lösen werden, die im Laufe von Jahrhunderten entstanden sind.
- Aber wir wissen, daß ein Fehlschlag nicht tragbar ist - nicht tragbar
ist für irgendeinen Teilnehmer oder irgendein Land auf dieser Konferenz.
Ich möchte, daß Sie wissen, wo mein Land steht.

Ich weiß, daß einige

in den letzten Jahren die Motive meines Landes anzuzweifeln begonnen haben
und zu der Auffassung gelangt sind, daß man mit uns als einem reichen und
mächtigen Land nur so sprechen kann, als wenn wir ein Gegener wären.
Ich möchte, daß auf dieser Konferenz und in diesem Augenblick die Politik der Vereinigten Staaten verstanden wird.
Es sollte ein neues internationales Wirtschaftssystem geben: In diesem
System muß Gleichberechtigung herrschen, muß es

Wachstum geben, aber vor

allem muß Gerechtigkeit bestehen.
Wir sind bereit, beim Aufbau dieses neuen Systems mitzuhelfen.
Gleichzeitig sind wir aber auch bereit, zuzugestehen, daß dieses
System nicht hier in dieser Woche errichtet wird. Auch wird es nicht ohne
zahlreiche schmerzhafte Anpassungen, Zugeständnisse und Opfer von uns
allen, die wir heute hier zugegen sind, geschaffen werden können.
Die Vereinigten Staaten werden sich bei diesen Bemühungen keinesfalls
passiv verhalten.

Wir werden nicht lediglich reagieren.

Wir werden ge-

meinsam mit Ihnen die Verantwortung für die Führung übernehmen.
Als erstes möchte ich, noch bevor die Arbeit dieser Konferenz für
Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit abgeschlossen ist, klarstellen, daß der Nord-Süd-Dialog unseres Erachtens fortgesetzt werden
sollte.

Wir sind, was das geeignete Forum anbetrifft, aufgeschlossen.
Dem

�Dem umfassenderen, weiter in die Zukunft gerichteten Blick, der diese
Konferenz bestimmt, kommt erheblich größere Bedeutung zu als den kleineren,
temporaren Interessen, die uns manchmal trennen.

Gerade diesen weiter in

die Zukunft gerichteten Blick - die Vision von einer Welt, in der gemeinsame
Ziele der Humanität und gemeinsame Werte regionalen oder nationalen Egoismus
überwinden - müssen wir in unseren Überlegungen weiterhin obenanstellen.
Lassen Sie mich jetzt über die greifbaren Möglichkeiten sprechen, wie
wir hier diese Woche beginnen können.
Transfer von Ressourcen •
Wirtschaftliche Entwicklung setzt gewaltige Mengen an Kapital, Technologien und Managererfahrungen voraus. Diese müssen aus zahlreichen Ländern
auf vielfältigen Wegen kommen. Die staatliche Entwicklungshilfe wird weiterhin eine wichtige Quelle für die Unterstützung bleiben und muß weltweit
erhöht werden. Aber dem privaten Kapital kommt ebenfalls entscheidende
Bedeutjng zu, und es wird künftig noch größere Ressourcen für einen weit
größeren Bereich von Aktivitäten bereitstellen müssen als die staatliche
Hilfe.
In den letzten beiden Jahren haben die Vereinigten Staaten über private
und staatliche Stellen für den Kapitaltransfer in die Entwicklungsländer
im Durchschnitt ein Prozent unseres Brutto-Volkseinkommens bereitgestellt.
Aber wir wissen, daß selbst dieser Kapitaltransfer nur ein Anfang ist und
daß diese Gelder nicht immer so gelenkt wurden, daß ihre Wirkung optimal war.
Gemeinsam mit anderen leiten wir Milliarden Dollar an neuen Ressourcen in
bestehende multilaterale Institutionen - die Internationale Entwicklungsgesellschaft, die Weltbank und die regionalen Entwicklungsbanken sowie die
Internationale EntwicklungsgesellSchaft.
Und

- 3 -

l\

�Und die ärmsten Länder können mit einer neuen Finanzierungsquelle
rechnen, die zur Nahrungsmittelerzeugung für die eigene Bevölkerung beitragen soll - den mit einer Milliarde Dollar ausgestatteten Internationalen
Fonds für die Entwicklung der Landwirtschaft.
Lassen Sie mich offen sein:

Ein zu großer Teil des Transfers, ein zu

großer Teil unserer Hilfe ist nicht richtig auf die Ziele und Prioritäten
abgestellt gewesen, die erst wirklich eine durchgreifende Änderung im Leben
der Menschen bewirken können.
Wir lernen immer noch, was sich in der internationalen wirtschaftlichen
Entwicklung bewährt und was nicht.

Und wenn ich sage wir, so meine ich die

reichen und die armen Länder in gleicher Weise.
Was uns anbetrifft, so wird Präsident Carter den Kongreß um eine
wesentliche Erhöhung des Volumens unserer bilateralen und unserer multilateralen Hilfsprogramme für die kommenden fünf Jahre ersuchen.

Aber wir

werden auch verlangen, daß diese Hilfe wirksamer geplant, verteilt und verwaltet wird.
Das ameriKam"sehe Volk wird ein wirksames Hilfsprogramm unterstützen,
das klar und spezifisch auf die Nöte der Menschen abgestellt ist. Es wird
ferner darauf bestehen, daß die übrigen reichen Länder - von denen viele
bereits die Führung übernommen haben - ebenfalls wesentliche Beiträge
leisten. Und es wird schließlich erwarten, daß die Empfänger der Hilfe
sich ernsthaft Gedanken über die wirtschaftlichen, sozialen, politischen
und die Menschenrechte ihrer Bürger machen.
Wir sind der Ansicht, daß die kommunistischen Industriestaaten ebenfalls
ihre Entwicklungshilfe erhöhen sollten.

Und wir sind bereit, gemeinsam mit

ihnen eine solche Hilfe zu gewähren, wann und wo sie hierzu bereit sind.
Wir
- 4 -

l&lt;t

�Wir sollten uns hier einigen, eine wesentliche Erhöhung des Stammkapitals der Weltbank zu unterstützen.

Eine derartige Aufstockung würde es

der Weltbank nicht nur gestatten, ihre normale Kreditgewährung zu realen
Bedingungen auszuweiten.

Sie würde es der Bank auch ermöglichen, neue

Programme auf Gebieten von wachsender Wichtigkeit in Angriff zu nehmen auf den Gebieten der Energie, der Erschließung von Ressourcen und der
Diversifikation bei der Gewinnung von Rohstoffen.
Die Erschließung örtlicher öl-, Kohle-, Gas-, und anderer Energieressourcen in Entwicklungsländern, die arm an Energie sind, wird dazu
beitragen,
bauen.

die finanzielle Belastung durch die teuren ölimporte abzu-

Die Vereinigten Staaten sind bereit, an einem solchen Programm

zur Erschließung von Energie mitzuarbeiten.
Wir sind ebenfalls bereit, auf dieser Konferenz gemeinsam mit andnren
Ländern ein spezielles Aktionsprogramm in einer Größenordnung von einer
Milliarde Dollar in Angriff zu nehmen, das dazu beitragen soll, den
dringendsten Bedarf der ärmsten Länder der Welt zu decken.

Was uns anbe-

trifft, so ist die Carter-Administration - unter der Voraussetzung einer
Bewilligung durch den Kongreß - bereit, über den derzeitigen Stand an
bilateraler Hilfe diesen ärmsten Ländern zusätzlich 375 Millionen Dollar
zur Verfügung zu stellen.
Man kann sich darauf verlassen, daß wir auf eine Art und Weise helfen
werden, die der amerikanische Kongreß und das amerikanische Volk billigen.
Das heißt, daß wir bei der Verwendung von Geldmitteln, die wir beisteuern,
auf vernünftigen Entwicklungskriterien bestehen werden.
Da es bei dieser Konferenz um arme Menschen ebenso sehr geht wie um
arme Länder, wird meine Regierung bereit sein, sich an einem Plan zur Aufstellung spezifischer Programme zu beteiligen, die auf eine Verminderung des
Problems der absoluten Armut auf globaler Basis abzielen.

Ein derartiger

Plan muß Erfordernissen Rechnung tragen, die das Leben der Menschen un- 5 -

23

�•

unmittelbar berühren:
1) Die Grundeinrichtungen des Gesundheitsdienstes, insbesondere in den
Agrargebieten;
2) eine gesteigerte Nahrungsmittelproduktion und eine ausreichende
Ernährung;
3) die Elementarbildung, auch in Agrargebieten; und
4) die Aussicht auf lohnende

Arbeit, um den Menschen die Möglichkeit

zu bieten, ihre und ihrer Kinder Lebensbedingungen zu verbessern.
Die Vereinigten Staaten beabsichtigen, die Mitgliedstaaten der OECD
aufzufordern, nach Mitteln und Wegen zu suchen, um diese Zielsetzungen
innerhalb des normalen Arbeitsprogramms der OECD zu verwirklichen.

Die

Teilnahme auch der Entwicklungsländer an diesem Unterfangen wird von
entscheidender Bedeutung sein.
Privatinvestitionen
Zum Transfer von Ressourcen müssen private Investitionen hinzukommen Investitionen, die beim Aufbau einer den Entwicklungsländern wie den
Investoren gleichermaßen dienlichen Partnerschaft mithelfen. Die
Wachstumspläne der noch in der Entwicklung begriffenen Volkswirtschaften
der Erde setzen eine Investitionsbereitschaft voraus, die die Investitionskapazitäten staatlicher Kapitalquellen übersteigt. Privates Kapital aus
dem Ausland vermag zum Wachstum der Entwicklungsländer in dem gleichen Maße
beizutragen, wie es zur Industrialisierung der Vereinigten Staaten beigetragen hat. Privatinvestitionen können aber nur dann erfolgreich sein, wenn
sie für das Aufnahmeland wirklich akzeptabel sind. Jedes Land muß für sich
selbst entscheiden, welche Rolle privates Investitionskapital bei seiner
Entwicklung spielen soll. Privatunternehmen wiederum werden nur dort
- 6 \^

�dort investieren, wo sie einer positiven und liberblickbaren Behandlung
sicher sind.
Das Währungssystem
Gestalt und Funktion des Währungssystems entscheiden über ein reibungloses Funktionieren der Weltwirtschaft. Dabei steht für uns alle viel
auf dem Spiel. Die hierbei auftauchenden Fragen sind einerseits
technischer Natur, andererseits sehr vielschichtig; wir sind jedoch bereit ja, wir müssen dazu bereit sein -, sie gemeinsam mit anderen zu erörtern.
Viele Länder - einschließlich der Entwicklungsländer benötigen Hilfe zum
Ausgleich ihrer Zahlungsbilanzen. In den letzten beiden Jahren erlebten
wir eine beträchtliche Ausweitung der Zahlungsbilanzhilfe für jene Länder,
die dieser am meisten bedürfen.
Der Internationale Währungsfonds hat seine kompensatorische Fazilität
beträchtlich erweitert, mehr Kredite vergeben und einen neuen Treuhandfonds eingerichtet, der aus den Erlösen der Goldverkäufe gespeist wird und
der Deckung des Geldbedarfs der armen Länder vorbehalten bleibt. Wir in
den Vereinigten Staaten treten weiterhin für die Aufstockung der Kapitalausstattung des Internationalen Währungsfonds und für die Gewährung von
Zahlungsbilanzhilfe ein. Wir befürworten sowohl die gegenwärtig zur
Diskussion stehende neue Fazilität als auch eine Erhöhung der EinlageQuoten in einem Maße, das ausreicht, um den an den Währungsfonds gerichteten,
umfangreichen Kreditwünschen von Seiten der Defizitländer nachkommen zu
können.
Wir sehen der vereinbarten Untersuchung über die zunehmende Bedeutung
der Sonderziehungsrechte als der hauptsächlichen Reserveeinheit des internationalen Währungssystems mit gespannter Erwartung und in dem vollen Bewußtsein entgegen, welche Bedeutung diese Frage sowohl für die Industriestaaten als auch die Entwicklungsländer besitzt.
Wir
"

7

"

X^

�Wir sind uns insbesondere der rasch zunehmenden internationalen Verschuldung und auch der Notwendigkeit bewußt, Verfahrensregeln zur Behandlung
von besonders gelagerten Fällen zu entwickeln, ehe sie in ein kritisches
Stadium eintreten.
Rohstoffe
Neben dem Transfer von Ressourcen und Kapital ist der Handel mit Rohstoffen von entscheidend wichtiger Bedeutung; das gleiche gilt für unser
gemeinsames Interesse an der Preis- und Lieferstabilität.

Heftige Schwan-

kungen auf den Rohstoffmärkten sind geeignet, die Entwicklungsplanung in
Ländern mit niedrigen Einkommen zu stören, wenn nicht gar zu vereiteln.
Wenn die Rohstoffpreise stark ansteigen, verschärft sich die Inflation, und
diese wiederum neigt dazu, sich noch lange Zeit nach Einsetzen einer rückläufigen Preisentwicklung auf dem erreichten Niveau zu halten - und damit die
reichen wie die armen Länder gleichermaßen zu schädigen.
Wir sind auf dieser Konferenz übereingekommen, daß ein gemeinsames Vorgehen notwendig ist, Schwankungen auf den Rohstoffmärkten hinsichtlich Preis,
Belieferung und Erlös zu vermeiden. Wir müssen zusammenarbeiten, um:
- Vereinbarungen zwischen den Erzeuger- und Verbraucherländern zur
Stabilisierung der Preise einzelner Rohstoffe zustandezubringen, wo immer
die Natur und der Markt des jeweiligen Rohstoffs dies gestatten;
- einen gemeinsamen Fonds zu errichten, der effizient und aktionsfähig
ist;
- die Rohstoffabkommen abzusichern;
- ausreichende Finanzierungsmittel für Ausgleichszahlungen bereitzustellen und mitzuwirken, Schwankungen der Exporterlöse der Entwicklungsländer auszugleichen;
- Investitions- 8 -

�- Investitionskapital bereitzustellen, so daß neue Rohstoffvorkommen
in ausreichendem Maße erschlossen werden können, die zur Deckung des Bedarfs einer expandierenden Weltwirtschaft benötigt werden; und
- eine Hebung der Qualität der angebotenen Produkte und eine Diversifikation derselben zu fördern, sobald bei einem Rohstoff eine Stagnation
oder ein Rückgang der Nachfrage eintritt.
Die Vereinigten Staaten werden sich an allen diesen Bemühungen
beteiligen. Wir sind Mitglied des Kaffee- und des Zinn-Abkommens und
setzen uns für ein wirksames Zucker-Abkommen ein. Wir sind willens, bei
der Finanzierung einer Zuckerreserve zur Gewährleistung der Preisstabilität
mitzuwirken. Und die Carter-Administration wird den Kongreß um einen Beitrag der Vereinigten Staaten zur Anlage einer Zinn-Ausgleichsreserve ersuchen.
Wir hoffen, daß bald Übereinstimmung bezüglich eines Systems international -verwalteter Getreide-Reserven erzielt wird, um ausreichende
Nahrungsmittelreserven anlegen zu können.

Vor fünf Jahren schrumpften

die Weltnahrungsmittel Vorräte rasch zusammen, während die Preise in die
Höhe schnellten.

Heute sind die Ernten reichlicher; wir können uns jedoch

nicht auch in der Zukunft darauf verlassen.
Um der Länder und Völker willen, die am Rande des Existenzminimums
leben, benötigen wir zuverlässige und wachsende Lebensmittelreserven.
Die Vereinigten Staaten haben sich verpflichtet, auch auf das Zustandekommen zusätzlicher Stabilisierungsvereinbarungen hinzuwirken. Sofern
vereinbart wird, daß direkte Regierungsbeiträge zur Finanzierung von
Ausgleichslagern angebracht sind, werden wir uns zusammen mit den Erzeugern und den Verbrauchern an ihrer Finanzierung beteiligen.
Handel

- 9 -

l^

�•

Handel
Da sind ferner die entscheidend wichtigen Bemühungen um eine Ausweitung und Liberalisierung des Handels.

Wir können alle stolz darauf

sein, daß wir uns in einer Zeit außergewöhnlicher wirtschaftlicher Anspannungen ein offenes Handelssystem erhalten haben.

Den Entwicklungs-

ländern hat dies weiterhin den Zugang zu den großen Weltmärkten und damit
Exporterlöse ermöglicht, um die Importe an Kapitalgütern, Nahrungsmitteln
und Rohstoffen bezahlen zu können.
Den Vereinigten Staaten hat ein liberaler Handel größere'Moniichkeiten
für die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie den Absatz von Exportgütern gegeben.

Liberaler Handel hat uns niedrigere Preise und ein vielfältigeres

Warenangebot für die Verbraucher gebracht.

Diese Konferenz ist nicht der

Ort für detaillierte Handelsverhandlunaen.

Aber wir in den Vereinigten

Staaten versichern feierlich, daß wir uns in Genf um Möglichkeiten für
eine günstigere Zollbehandlung der Erzeugnisse aus den Entwicklungsländern
bemühen werden.
Die amerikanische Regierung fühlt sich verpflichtet, der gegenwärtigen
Tokio-Runde von multilateralen Handelsverhandlungen neue Denkanstöße zu
geben.

Wir haben die Verpflichtung, 1977 in den Schlüsselgebieten

wirkliche Fortschritte zu erreichen.
Energie
Der nächste Punkt auf unserer Tagesordnung ist die Energie. Wir alle
brauchen dringend eine zuverlässige Energieversorgung, wir alle müssen
strikt Energie sparen und uns nach neuen Energiequellen umsehen. Präsident
Carter hat für die USA ein umfassendes Energie-Sparprogramm vorgeschlagen,
um unseren verschwenderischen Energiekonsum zu reduzieren, die Abhängigkeit
Amerikas vom Importöl zu begrenzen und die Entwicklung neuer Energietechnologien zu beschleunigen. Außerdem hängt die Prosperität der Welt10 -

•J

�Weltwirtschaft von stabilen Energiepreisen und einer zuverlässigen
Energieversorgung

ab. Aber auch Gerechtigkeit und Fairness der

Weltwirtschaft fordern dies.

In der Energiekommission sind die akuten

Probleme, denen sich die auf Importöl angewiesenen Entwicklungsländer
gegenübersehen, in eindringlicher Klarheit zum Bewußtsein gebracht worden.
Auf lange Sicht müssen beide - die reichen wie die armen Länder - in
wachsendem Maße von ihren eigenen lokalen Energieressourcen Gebrauch machen.
Diese Konferenz sollte mithelfen, Mittel und Wege zu finden, um den
Entwicklungsländern die entsprechenden Energietechnologien verfügbar zu
machen.
Diese Konferenz ist ein erster Anfang,und nur das. Ihr wirkliche Bedeutung wird darin liegen, was wir jetzt zusammen unternehmen. Die
Vereinigten Staaten werden ihrerseits ihre heute von mir gegebenen Zusagen
einhalten. Wir werden die Ergebnisse dieser Konferenz sehr ernst nehmen.
Aber um auf diesen Bemühungen weiter aufzubauen - auf den Zusagen, die
wir gegeben haben und einander geben werden - müssen wir darauf achten,
daß das, was hier erörtert wurde, nun auch in positive Aktionen umgesetzt
wird, die den Nationen und einzelnen Völkern zugute kommen.
In den letzten drei Jahrzehnten haben die Nationen der industrialisierten Welt ein weitaus tieferes Verständnis für die Sorgen und Anliegen,
die Hoffnungen und die Bedürfnisse der Völker in den Entwicklungsländern
gewonnen - die die

Mehrheit der Menschheit ausmachen.

Unsere Arbeit wird weitergehen.

Unser Erfolg wird auf vielerlei Weise

gemessen werden: nach unseren Übereinkommen,
Meinungsverschiedenheiten überwinder

wie wir die unausweichlichen

und nach unserem Eintreten für ein

neues internationales System, das auf Gleichberechtigung, Wachstum

und

Gerechtigkeit beruht.
Wir

- 11 ^

�•!

Wir verpflichten uns hier und jetzt zur Konsultation und Zusammen
arbeit und daß wir uns den bedeutsamsten Bemühungen unserer Zeit anschließen werden, um die Segnungen des menschlichen Fortschritts der
ganzen Menschheit zugute kommen zu lassen.
+ + +

- 12 -

^

�1
3

Dokumentation
United States Information Service

15

3. Juni 1977

HARTMAN UMREISST AMERIKANISCHE EUROPAPOLITIK
- Wortlaut -

Washington - (AD) - Der Unterstaatssekretä'r für Europa im US-Außenministerium, Arthur A. Hartman, hat am 24. Mai vor dem Unterausschuß des
Repräsentantenhauses für Europa und den Nahen Osten die amerikanische Politik
gegenüber West- und Osteuropa erläutert. Hartman, der als neuer US-Botschafter in Frankreich vorgesehen ist, hat in seinen Ausführungen nicht nur
die neuen Zielrichtungen, sondern auch die traditionellen Verpflichtungen der
Vereinigten Staaten in ihrer Europa-Politik besonders herausgestellt.
Die Ausführungen des Unterstaatssekretärs vor dem Ausschuß haben
folgenden Wortlaut:
"Die amerikanische Außenpolitik gegenüber Europa und Kanada ist eine
Mischung von Kontinuität und Wandel: sie ist ein weiterbestehendes Bekenntnis zu unseren traditionellen Verpflichtungen, und sie gibt verstärkte
Impulse in neue Richtungen, wie sie notwendig sind, um den gemeinsamen
Aufgaben im nächsten Jahrzehnt entsprechen zu können.
Der
II

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�Der von uns auf die Menschenrechte, die Eindämmung der nuklearen Proliferation und die Verringerung des Waffentransfers in Krisengebiete
gelegte vermehrte Nachdruck ist in einem Zusammenhang zu sehen mit der
Verpflichtung gegenüber der Atlantischen Allianz; mit der weiteren Unterstützung der europäischen Integration und der Europäischen Gemeinschaft;
mit den engen Beziehungen zu unserem nördlichen Nachbarn Kanada; mit der
Gewährleistung der militärischen Sicherheit gegenüber der Sowjetunion bei
gleichzeitigen realistischen Maßnahmen zum Abbau der Ost-West-Spannungen
und mit einer Entschlossenheit, die Länder Osteuropas wie unabhängige und
souveräne Staatswesen zu behandeln.
Die drei Gipfeltreffen in London in diesem Monat haten eindeutig sowohl
unsere traditionellen Verpflichtungen als auch unsere neuen Richtungen
unterstrichen.

Die Einigkeit und Stärke der NATO ist weiterhin von ent-

scheidender Bedeutung.

Präsident Carter hat auf den Gipfeltreffen in

London vor zwei Wochen feierlich unsere Verpflichtung zur Erhaltung dieser
Einigkeit und zur Erhöhung dieser Stärke bekräftigt.
Er versicherte, daß
- das Bündnis auch weiterhin Kernstück unserer Außenpolitik bleiben
wird;
- daß wir auch weiterhin ein zuverlässiger und treuer Verbündeter sein
werden;
- daß wir gemeinsam mit unseren Verbündeten das Bündnis politisch,
militärisch und wirtschaftlich stärken werden und daß wir
- den Rat unserer Verbündeten einholen und beachten und unsererseits
die eigenen Ansichten in aller Offenheit und Freundschaft darlegen werden.

Die

�Die Anwesenheit des Präsidenten auf der Nato-Konferenz in Verbindung
mit seiner ersten Auslandsreise demonstriert unsere feste Verpflichtung
gegenüber der Einheit des Bündnisses.

Daß seinerzeit der amerikanische

Vizepräsident Mondale knapp 39 Stunden nach der Inauguration Präsident
Carters nach Brüssel reiste, um vor dem Nato-Rat zu sprechen, unterstrich
gleichfalls die Stärke der amerikanischen Bindung.
Unsere Verpflichtung, gemeinsam auf eine Stärkung des Bündnisses hinzuwirken, wurde bereits durch den erhöhten Verteidigungsbeitrag für die NATO
im ersten Budget des Präsidenten unter Beweis gestellt - eine Erhöhung um
über eine halbe Milliarde Dollar. Der Präsident versicherte ferner erneut,
daß wir uns zur Strategie der flexiblen Antwort und der Vorausverteidigung
bekennen. Um die für diese Strategie erforderliche Stärke zu besitzen,
müssen die Verbündeten jedoch ihre Streitkräfte weiter entwickeln und
modernisieren und ihre Effizienz durch Vermeidung unnötiger Kräftevergeudung und Doppelarbeit steigern.
Zu diesem Zweck hat der Präsident vorgeschlagen, die NATO solle ein
langfristiges Verteidigungsprogramm für die achtziger Jahre entwickeln»
Dieses Programm sollte die einzelnen nationalen Programme kombinieren,
koordinieren und aufeinander abstimmen sowie neue Technologien einführen
und der Steigerung der Einsatzbereitschaft der Streitkräfte höhere Priorität geben. Diese Ideen fanden bei der NATO-Gipfelkonferenz begeisterte
Unterstützung, und die Verteidigungsminister der NATO haben bereits entsprechende Arbeitspläne in Angriff genommen.
Schließlich hat der Präsident - unter Zustimmung der NATO - den Vorschlag gemacht, die Beziehungen zwischen Ost und West einer eingehenden
Überprüfung zu unterziehen und eine Analyse über die Bedeutung der Trends
im Ost-West-Verhältnis für das Bündnis zu erstellen.

Diese Studie und unsere

anhaltenden Konsultationen mit unseren Verbündeten über ein noch breiteres
Spektrum von Fragen und Problemen wird dazu beitragen, jene Einheit der
Zielsetzung und des politischen Willens zu schmieden, die unsere NATO-Bindung stärkt.

T-

�In seiner Rede auf dem NATO-Gipfel erklärte der Präsident ferner mit
Nachdruck, daß die Vereinigten Staaten sich für einen Fortschritt in Richtung auf eine Einigung Westeuropas einsetzten und eine erweiterte Rolle
der Europäischen Gemeinschaft in der Weltpolitik unterstützten, und fügte
hinzu, daß die Vereinigten Staaten eng mit der Gemeinschaft zusammenarbeiten würden.

Das bedeutet natürlich nicht, daß es zwischen uns keine

Probleme mehr geben wird.

Vor allem wird es wichtig sein, die flexible

Beziehung im transatlantischen Handel zu bewahren, die für die amerikanische
wie auch für die europäischen Volkswirtschaften von allgemeinem Nutzen gewesen ist.

Auch bedeutet die Erklärung des Präsidenten nicht, daß die

Vereinigten Staaten versuchen sollten, auf Art und Tempi des Einigungsprozesses Einfluß zu nehmen.
scheiden.

Darüber müssen die Europäer selbst ent-

Aber wir sind gern bereit, den Einigungsprozeß von ganzem

Herzen zu unterstützen, so wie das jede amerikanische Administration seit
Ende des Zweiten Weltkriegs getan hat.
Präsident Carter hob in London ferner hervor, daß zum erstenmal alle
Mitglieder des Bündnisses Demokratien seien. Wir sind ganz besonders über
den Demokratisierungsprozeß in Spanien und Portugal erfreut. Es wird notwendig sein, daß wir - und die anderen Freunde und Verbündeten - diesen
Prozeß weiterhin unterstützen. Die Vereinigten Staaten haben hierbei mit
einem multilateralen Anleiheprogramm die Initiative ergriffen, um der
unter starken Belastungen stehenden portugiesischen Wirtschaft Hilfe für ihre
Zahlungsbilanz zu leisten. In drei Wochen werden in Spanien die ersten
demokratischen Wahlen seit über vier Jahrzehnten stattfinden. Beide Vizepräsident Mondale und Außenminister Vance- haben bei ihren jüngsten
Besuchen in diesem Land nachdrücklich betont, daß die Vereinigten Staaten
den Prozeß der Demokratisierung und alle wahrhaft demokratischen Kräfte in
Spanien unterstützen.
Auch

�Auch sonst gibt es in Westeuropa noch schwerwiegende Probleme, die
die Interessen der Vereinigten Staaten betreffen.

Die Instabilität im

östlichen Mittelmeerraum kommt in einem dreifachen Problem zum Ausdruck:
dem Zypern-Problem, dem Aegeis-Problem und dem NATO-Problem.
Die amerikanische Regierung fühlt sich verpflichtet, alles nur Mögliche
zu tun, um die Sache einer gerechten Lösung des Zypernproblems zum frühestmöglichen Zeitpunkt voranzubringen. Wir sind uns darüber im klaren, daß
die Kluft zwischen den Positionen der beiden Gemeinschaften auf Zypern nach
den Gesprächen in Wien während des vergangenen Monats noch weit bleibt.
Wir meinen jedoch, daß mit der Zeit, mit gutem Willen und harter Arbeit eine
Lösung gefunden werden kann. Wir halten es für wichtig, daß die Verhandlungen weitergehen und sich auf die beiden entscheidenden Fragen der künftigen Regierungsstruktur für Zypern und den territorialen Aspekt des
Problems konzentrieren.
Das Problem der Aegeis umfaßt eine Reihe komplizierter Fragen des
internationalen Seerechts aber darüber hinaus auch Befürchtungen und
Mißtrauen sowohl auf Seiten Griechenlands wie der Türkei. Wir haben beide
Seiten eindringlich ersucht, alle provozierenden Aktionen zu vermeiden, einen
Weg der Mäßigung einzuschlagen und ihre Differenzen auf dem Wege von Verhandlungen auszugleichen zu suchen. Die Gespräche halten an, und wir
hoffen, daß in der Frage des Kontinentalschelfs und der Kontrolle des
Luftraums über der Aegeis Fortschritte erzielt werden können.
Wir sind ferner bestrebt, unsere Beziehungen zu Griechenland und zur
Türkei - bilateral und über die NATO - auszubauen.

Unseres Erachtens kann

dies am besten durch Abkommen mit beiden Ländern über eine Zusammenarbeit
bei der Verteidigung geschehen.

Für die Zwischenzeit-bis solche Abkommen

in Kraft getreten sind - erachten wir das von der Regierung für 1978 vorgelegte Programm für Sicherheitshilfe für angemessen und glauben, daß es
im langfristigen Interesse der beiden Länder, der Vereinigten Staaten und
der NATO liegt.

�In einem großen Teil Westeuropas hat das langsame Tempo der wirtschaftlichen Wiedererholung zu beträchtlichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten
geführt und die politische Unruhe noch vergrößert.

Ganz allgemein können

nur die betreffenden Länder selbst die grundlegenden Ursachen dieser Schwierigkeiten beseitigen.

Die Vereinigten Staaten und andere große Industrie-

länder können weiterhin zu diesen Bemühungen Beiträge leisten.

Auch das

Tempo unserer eigenen wirtschaftlichen Wiedererholung wird Auswirkungen auf
die Wiederbelebung in Westeuropa haben.

Auf dem Londoner Wirtschaftsgipfel

haben die sieben Staats- und Regierungschefs anerkannt, daß die vordringlichste Aufgabe in jedem unserer Länder darin besteht, mehr Arbeitsplätze
zu schaffen und gleichzeitig die Eindämmung der Inflation fortzusetzen.
Die Vereinigten Staaten unterstützen voll und ganz die anderen Ziele
des Wirtschaftsgipfels: das offene internationale Handelssystem zu stärken
und der Tokio-Runde von multilateralen Handelsverhandlungen neuen Auftrieb
zu geben;

Energie einzusparen und unsere Abhängigkeit vom Erdöl zu ver-

ringern und den Fluß von Hilfe und anderen realen Ressourcen in die Entwicklungsländer zu verstärken.
In den letzten 18 Monaten haben Vertreter der Industriestaaten und der
Entwicklungsländer auf der Konferenz für internationale wirtschaftliche
Zusammenarbeit (CIEC) intensive Gespräche über die Beziehungen zwischen
den reichen und den armen Ländern geführt. Die Konferenz wird mit einer
am 30. Mai in Paris beginnenden Sitzung auf Ministerebene abgeschlossen
werden, von der wir erwarten, daß die beiden Seiten einer Reihe von
realistischen Empfehlungen zustimmen werden, die zu verbesserten Beziehungen
zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern führen sollen.
Den Ost-West-Beziehungen wird auch weiterhin in unserer Europapolitik
erhebliche Priorität eingeräumt werden.

Die sich gegenseitig ernänzenden

Dimensionen unserer Politik gegenüber dem Osten sind weiterhin: 1) zu
verhindern, daß die Sowjetunion ihre militärische Stärke für eine politische
Expansion oder politische Vorteile einsetzt, und 2) zu versuchen, Konflikte

�Konflikte und Streitigkeiten auf dem Verhandlungswege beizulegen und gleichzeitig solche Anreize zu begünstigen, die mäßigend auf die Sowjets wirken.
Die SALT-Gesprä'che bieten den Vereinigten Staaten eine einzigartige
Aufgabe.

Wir wissen, daß der Wettstreit mit den Sowjets anhalten wird,

aber wir müssen nach Wegen suchen, um diesen Wettstreit unter Kontrolle
zu bringen und vor allem zu begrenzen.

Angesichts der Stärke unserer

eigenen strategischen Programme und der Überlegenheit der westlichen
Technologien glauben wir, daß das sowjetische Interesse, mit uns zu einer
Anpassung zu gelangen, weiterhin groß sein wird.

Doch nichts wird zu

Konzessionen der Sowjets führen, die ihres Erachtens ihre Sicherheitsinteressen beeinträchtigen.

Som&gt;t müssen wir Wege finden, um den Wett-

streit für beide gerecht zu begrenzen.
Darüber hinaus sind wir und einige unserer europäischen Verbündeten an
den MBFR-Gesprächen in Wien beteiligt, wo wir die gleichen Prinzipien der
Parität anzuwenden wünschen und wo wir eine gemeinsame Höchstgrenze erreichen wollen, die uns keinerlei Beschränkungen für die Planung unserer
Streikräftestruktur innerhalb dieser Höchstgrenze auferlegt.

In den Ge-

sprächen, die Außenminister Vance in Moskau geführt hat, haben wir die
Notwendigkeit einer ernsthaften Prüfung der Truppenunterlagen unterstrichen.

Wir haben darauf hingewiesen, daß dies zur Erlangung der er-

forderlichen Kenntnisse notwendig ist, um die gemeinsame Sicherheit fördern
und einseitige militärische Vorteile ausschließen zu können. Der Präsident
hat diesen Bemühungen seine Unterstützung zugesagt.
Das Hauptziel der NATO-Abschreckung besteht natürlich darin, die Sowjets
davon zu überzeugen, daß eine Aggression sich nicht auszahlt.

Aber wir

müssen auch unser Interesse daran bekunden, wie sich die Sowjets an den
Küsten und Grenzen außerhalb Europas verhalten.

Wir dürfen nicht blind sein

gegenüber den sowjetischen Aktivitäten in Südafrika, am Hörn (Afrikas) und
in anderen Teilen der Dritten Welt.

Wie der Präsident in seiner Rede vor

der Universität von Notre Dame sagte,'wird es uns nicht möglich sein, einem

-7-

?

�einem Teil der Welt zur Ruhe zu verhelfen und in einem anderen Teil die
Verschärfung der Konflikte hinzunehmen'.
Es sollte auch darauf hingewiesen werden, daß trotz der neuen Möglichkeiten in Südafrika, die Moskau auszunutzen gesucht hat, die sowjetische
Bilanz in den meisten Gebieten nicht besonders erhebend ist.

Die neue

Regierung in Indien scheint bestrebt zu sein, zu einer ausgewogeneren
Politik der Blockfreiheit zurückzukehren.

Und die chinesisch-sowjetischen

Beziehungen scheinen sich erneut zu verschlechtern, trotz der sowjetischen
Versuche, die Beziehungen zu den auf Mao folgenden chinesischen Machthabern
zu verbessern.
Wir können realistischerweise nicht versuchen, die Sowjets davon abzuhalten, in Gebieten wie dem Nahen Osten, in denen Spannungen bestehen,
eine Rolle zu spielen. Es liegt in unserem Interesse, die Sowjets zu
ermutigen, eine verantwortungsbewußte Rolle zu übernehmen und zur Wiederbelebung des Verhandlungsprozesses zwischen den beteiligten Parteien mit
dem Ziel einer Friedensregelung im Nahen Osten beizutragen. Wir sollten
ebenso alle Anstrengungen unternehmen, um die Situation, in der sich
die Dritte Welt befindet, aus dem Ost-West-Wettstreit herauszuhalten und
um eine Verminderung der Spannungen zum Nutzen aller zu erreichen.
Nach Ansicht unserer Regierung sollte das wirtschaftliche Engagement
des Westens in der Sowjetunion und in Osteuropa einen wichtigen Aspekt
unserer Politik gegenüber dem Osten bilden.

Wir wollen mit der Ausweitung

unserer Handelsbeziehungen sowohl wirtschaftliche als auch politische
Vorteile erreichen - wirtschaftliche in bezug auf die Exportüberschüsse,
die wir erzielen können, politische im Hinblick auf den Beitrag, den bedeutsame wirtschaftliche Ost-West-Beziehungen auf lange Sicht zu einem
umfassenderen Abbau der Spannungen leisten können.

Angesichts der Zunahme

des Ost-West-Handels und - was vielleicht noch wichtiger ist - der hohen
Verschuldung, die die Sowjets und ihre Verbündeten bei westlichen Kreditgebern eingegangen sind, würde es für uns logisch erscheinen, die langfristigen Auswirkungen unserer wirtschaftlichen Beziehungen zum Osten genauer
- 8 -

�genauer unter die Lupe zu nehmen.
Präsident Carters Vorschlag für eine NATO-Studie
der Ost-West-Beziehungen, der Anfang dieses Monats in London angenommen
worden ist, sohlte sich bei einem solchen Prozeß als nützlich erweisen.
Lassen Sie mich noch ein Wort zu den amerikanischen Initiativen für
eine weitere wichtige multilaterale Verhandlungsrunde sagen, die neben den
SALT-Gesprächen und MBFR gegenwä'rtia im Ost-West-Rahmen stattfindet - die
Oberprüfung, ob die in Helsinki erzielten KSZE-Vereinbarungen eingehalten
worden sind.
Wir sind der festen Ansicht, daß die Schlußakte von Helsinki einen
Prozeß eingeleitet hat, der sich für die westlichen Ziele als sehr nützlich
erweisen kann. Dies ist eine Auffassung, die im Augenblick nicht überall
akzeptiert wird. Die amerikanische Regierung geht von der Voraussetzung
aus, daß die Einigkeit des Westens überaus wichtig ist, wenn KSZE weiterhin
mit unseren Interessen konform laufen soll. Und wir unterstützen die auf
dem NATO-Gipfel gebilligte westliche Initiative, die die Wichtigkeit unterstreicht, daß alle vor zwei Jahren in Helsinki übernommenen Verpflichtungen
eingehalten werden. Wir müssen uns darüber klar sein, daß der KSZE-Prozeß
sich nur insoweit als nützlich erweisen wird, wie er sich auf die Bedeutung
der spezifischen Verpflichtungen konzentriert. Sollte ein solches Konzentrieren offene Worte mit den Sowjets und deren Verbündeten erfordern, so
werden wir nicht davor zurückschrecken. Wir wollen keine Konfrontation,
aber wir wollen fest bleiben.
Wir sind uns voll darüber im Klaren, welche Möglichkeiten für umfassendere Kontakte mit Osteuropa und auch mit der Sowjetunion KSZE bietet.
Wir erachten es nur für natürlich, wenn die Länder Osteuropas - von denen
so viele enge traditionelle Bindungen zu Westeuropa und zu den Vereinigten
Staaten haben - diese Bindungen wieder beleben und ausweiten.

Es besteht

eine gewisse Sorge, daß verstärkte westliche Kontakte zu den Ländern Osteuropas die Stabilität untergraben könnten und daher auf einem Minimum
gehalten werden sollten.

Ich halte diese Sorge für übertrieben.

Insoweit

die Lage in Osteuropa instabil ist, ist sie das aufgrund des Verhältnisses
- 9 -

,o

�Verhältnisses zwischen den osteuropäischen Ländern und der Sowjetunion;
der Westen hat mit der Fixierung dieses Verhältnisses nichts zu tun.

Unsere

Haltung wird weiterhin durch die Entschlossenheit bestimmt, die Länder
Osteuropas als unabhängig und souverän zu behandeln und keinen Anspruch
auf Einflußsphären oder eine Hegemonie anzuerkennen.

Natürlich kann der

Prozeß eines weiteren Ausbaus der Bindungen zu uns nur in dem Tempo
voranschreiten, das die osteuropäischen Regierungen willens und in der
Lage sind einzuhalten.
Evolutionsprozeß;

Wir rechnen mit einem schrittweisen allmählichen

diesem Prozeß aber fühlen sich die Vereinigten Staaten

zutiefst verpflichtet.
Ich sagte zu Beginn, daß die neue Administration unserer Politik neue
Richtlinien gibt, und dies gilt im besonderen Sinne für das Gebiet der
Menschenrechte.

Eine höhere Priorität für die Fragen der Menschenrechte

kann zur Entwicklung von Gesellschaftsformen in einer gemäßigteren
Richtung beitragen, ohne die Sicherheitsziele des Westens zu gefährden.
Auf dem NATO-Gipfel hoben die Verbündeten die Bedeutung hervor, die der
Förderung der Achtung vor den Menschenrechten zukommt.

Nach unserer

Ansicht steht unsere Menschenrechtspolitik im Einklang mit der Entspannung
und nicht im Gegensatz zu ihr, ja sie kann sogar zu den Entspannungszielen,
die wir und unsere Verbündeten anstreben, einen Beitrag leisten.
Präsident Carter und Außenminister Vance haben klargestellt, daß wir
uns der Grenzen, die uns gesetzt sind, sehr wohl bewußt sind. Wie der
Präsident erklärte, wird er unsere Außenpolitik nicht nach starren
moralischen Maximen gestalten. In vielen Fällen haben wir es mit Gesellschaftsformen zu tun, bei denen die Tradition autoritärer Herrschaft
viele Jahrzehnte, ja sogar Jahrhunderte zurückreicht. Wir können nicht
erwarten, dies über Nacht zu ändern, doch sollten wir uns auch nicht von
unserem primären Ziel abbringen lassen, nämlich der entscheidenden Notwendigkeit, daß die Staaten ihr internationales, eher noch als ihr
inneres Verhalten ändern. Wir haben nicht die Absicht, uns in Angelegenheiten einzumischen, die mit Recht als innere Angelegenheiten der Staaten
- 10 -

?

�Staaten bezeichnet werden können.

Gleichzeitig aber kann kein Staat,

der die Menschenrechtsdeklaration der Vereinten Nationen und die Schlußakte von Helsinki unterzeichnet hat, behaupten, daß die Art, wie er seine
eigenen Bürger behandelt, ausschließlich seine eigene innere Angelegenheit
ist.
Nachdem dies gesagt ist, möchte ich meiner Überzeugung Ausdruck geben,
daß auf lange Sicht ein Fortschritt in Bezug auf die Menschenrechte in
Europa am besten in einer Atmosphäre der Entspannung erzielt werden kann.
Wir sind uns sehr wohl bewußt, daß ein Verhalten, das dieser Tatsache nicht
Rechnung trägt, nicht nur unsere Hauptziele der Entspannung gefährden,
sondern auch gerade bei den Menschen, denen wir zu helfen versuchen,
keine Verbesserung der Verhältnisse bewirken würde.
Herr Vorsitzender, darf ich noch eine abschließende Bemerkung zum OstWest-Verhältnis machen.

Letztlich wird das militärische Gleichgewicht,

unsere Fähigkeit, die politischen Spannungen zwischen Ost und West zu
verringern, und der schließliche Erfolg unserer Entspannungspolitik davon
abhängen, in welchem Ausmaß der Westen seine militärische Stärke, seine
wirtschaftliche Gesundheit und seine demokratischen Werte bewahren kann.
Die eigentliche Herausforderung, vor die wir gestellt sind, liegt nicht so
sehr in der Bedrohung und Gefahr von außen; es ist vielmehr eine Herausforderung, die sich an uns selbst und unsere Gesellschaftsformen richtet.
Es gibt in Europa einen gewissen Pessimismus hinsichtlich unserer
Fähigkeit, unsere Volkswirtschaften in Gang zu halten und die Lebensfähigkeit unserer demokratischen Systeme zu bewahren.

Die Gipfelgespräche, die

soeben in London stattfanden, waren vor allem der Versuch, uns selbst,
unserer Öffentlichkeit und unseren Leigislaturen zu zeigen, daß wir wie kompliziert die Probleme um uns herum auch s^in mögen - den politischen
Willen und die Fähigkeit besitzen, mit ihnen fertig zu werden.

Wenn wir

diese Art von Herausforderung meistern können, dann habe ich das vollste

li
- 11 -

�vollste Vertrauen, daß wir mit der ganz anderen, aber damit in Beziehung
stehenden Herausforderung, die uns durch die östliche Hälfte des
Kontinents gestellt ist, fertig werden.
Die Abschlußworte des Kommuniques des Gipfeltreffens der sieben Nationen
lauteten: 'Die Botschaft der Gipfelkonferenz in Downing Street ist somit
eine Botschaft des Vertrauens: in die unverminderte Kraft unserer Gesellschaften und in die bewährten demokratischen Grundsätze, die sie mit Leben
erfüllen;

daß wir die Maßnahmen ergreifen, die zur Lösung der Probleme

und zur Sicherung einer gedeihlicheren Zukunft erforderlich sind.'
Das gleiche Vertrauen kam in der Rede Präsident Carters in South Bend
zum Ausdruck.

Lassen Sie mich mit seinen Worten schließen: 'Es ist eine

neue Welt - aber Amerika sollte sie nicht fürchten.
und wir sollten dazu beitragen, sie zu formen.

Es ist eine neue Welt -

Es ist eine neue Welt,

die eine neue amerikanische Außenpolitik erfordert - eine Politik, die
sich auf eine Haltung des Anstands in ihren Werten und auf Optimismus in
ihrem historischen Ausblick gründet'.

- 12 -

�1

Dokumentation

I

United States Information Service

15

3. Juni 1977

WELTWEITE UMWELTPROBLEME
Botschaft Präsident Carters über Umweltschutz-Aufgaben
an den US-Kongreß

Washington-AD-Präsident Carter hat dem amerikanischen Kongreß am 23. Mai 1977
eine "Botschaft über Umweltfragen" unterbreitet, aus der wir im folgenden
als Auszug dasKapitel "Die irdische Umwelt" bringen:
"Umweltprobleme machen nicht an Landesgrenzen halt.

Im Verlauf des

letzten Jahrzehnts sind wir uns zusammen mit anderen Nationen der
Dringlichkeit internationaler Anstrengungen zum Schutz unserer gemeinsamen
Umwelt bewußt geworden.
Als Teil dieses Prozesses weise ich den Präsidialbeirat für Umweltqualität (CEQ) und das Außenministerium an, in Zusammenarbeit mit der
Umweltschutzbehörde (EPA), der Nationalen Wissenschaftsstifung (NSF), der
US-Behörde für Meeres- und Atomsphärenforschung (NOAA) und anderen zuständigen
Behörden im Verlauf der nächsten 12 Monate eine Studie über die möglichen
Veränderungen bis zum Ende dieses Jahrhunderts hinsichtlich Weltbevölkerung,
natürlicher Hilfsquellen und äußerer Umwelt auszuarbeiten.

Diese Studie soll

als Grundlage unserer langfristigen Planung dienen. Außerdem ersuche ich

h
Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�ich den Beirat für Umweltqualität, in Zusammenarbeit mit dem Außenministerium
sicherzustellen, daß wir innerhalb der Exekutive zu der bestmöglichen
Koordination internationaler Umweltprogramme gelangen.
Weltbevölkerung
Rapides Bevölkerungswachstum ist ein wesentliches Umweltproblem von
globalen Dimensionen,

In den letzten 15 Jahren stieg die Zahl der Welt-

bevölkerung von drei auf vier Milliarden, wodurch die Ausweitung der Nahrungsproduktion und des Wirtschaftswachstums in der Welt im gleichen Zeitraum
weitgehend aufgezehrt wurde.
Ohne Kontrolle des Bevölkerungswachstums steht die Sache schlecht für
ausreichende Nahrung, Wohnung und die Erfüllung anderer elementarer Bedürfnisse der Weltbevölkerung.

Wo das Dasein bereits armselig und mißlich

ist, beeinträchtigen Anstrengungen zur Beschaffung der lebensnotwendigen
Dinge die Umwelt häufig auf Generationen hinaus.
Es ist natürlich Sache jeder einzelnen Nation, ihre eigene Politik zu
bestimmen. Aber wir sind darauf vorbereitet, schnell und uneingeschränkt
auf alle Hilfeersuchen zur Durchführung von Programmen der Bevölkerungsund Gesundheitspolitik zu reagieren. Ich habe das Außenministerium und
das Amt für Internationale Entwicklung (AID) angewiesen, sich für Gemeinschaftsaktionen über internationale Organisationen, private Freiwilligenorganisationen oder indirekte Kontakte mit anderen Regierungen bereitzuhalten.
Umweltfragen bei wirtschaftlicher Entwicklungshilfe
Jedes Land muß selbst entscheiden, ob es versuchen will, Umweltschäden
zu verhindern oder zu beseitigen.

Aber ich bin überzeugt, daß letzten

Endes jene Entwicklungsprogramme den größten wirtschaftlichen Nutzen
bringen, die auch umweltpolitisch gesund sind.
- 2 -

Um zur Annahme solcher

XX

�solcher Programm zu ermutigen, habe ich folgende Schritte unternommen:
1) Ich habe den Außenminister, den Leiter des AID und andere zuständige Bundesbhörden angewiesen, sicherzustellen, daß bei sämtlichen
anstehenden Entwicklungshilfeprojekten der Umweltaspekt uneingeschränkt
berücksichtigt wird.
2) Ich habe den Leiter des AID gebeten, Entwicklungsländer bei Managementaufgaben auf den Gebieten Umwelt und natürliche Hilfsquellen zu
unterstützen.

Diese Unterstützung könnte helfen, daß Entwicklungsländer

ungeachtet der Quelle für die Finanzierung eines speziellen Projekts
ihre Vorhaben unter umweltfreundlichen Gesichtspunkten in Angriff nehmen.
Internationale Vereinbarungen über Umweltschutz
Eine Anzahl von Bundesbehörden sind unter der Federführung des
Beirats für Umweltqualität mit internationalen Umweltschutz-Aufgaben
befaßt.

Ich gebe für meine Regierung Anweisung zur Ausweitung dieser

Anstrengungen unter besonderer Beachtung folgender Gebiete:
1) Das Abkommen über den Schutz gefährdeter Arten ist in Kraft getreten. Der nächste Schritt besteht darin, den Vertrag wirksam in die
Tat umzusetzen. Die Vereinigten Staaten haben damit begonnen, den Handel
mit gefährdeten Pflanzen- und Tierarten zu verbieten und andere Nationen
zu ähnlichen Schritten zu ermutigen.
2) In Übereinstimmung mit dem Antarktis-Vertrag unterbreite ich
heute dem Kongreß ein Gesetz, das den besonderen Schutz der Flora und
Fauna der Antarktis vorsieht.

Da diese abgelegene, unbevölkerte Region

die Stabilität der Weltmeere und der irdischen Atmosphäre stark beeinflußt, muß dieser einzigartige ökologische Raum erhalten bleiben.
3) Die

�3) Die Konvention über Naturschutz und die Erhaltung frei lebender
Tiere und Pflanzen in der westlichen Hemisphäre wurde im Jahr 1940 von
Franklin D. Roosevelt unterzeichnet, wartet aber noch darauf, uneingeschränkt und systematisch ausgeführt zu werden.

Den Ländern Nord-, Mittel-

und Südamerikas schlage ich vor, daß wir jetzt diese Konvention über den
Behördenapparat der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) verwirklichen.

Ich befürworte dringend einen panamerikanischen Vertrag über

den Schutz wandernder Tiere und die Einberufung einer interamerikanischen
Konferenz über Nutzung und Erschließung regenerationsfähiger natürlicher
Hilfsquellen in der westlichen Hemisphäre.

Die Vereinigten Staaten

haben sich bereits erboten, Gastgeber für eine solche Konferenz zu sein.
4) In Kürze werde ich dem Senat den Vertrag zum Schutz von Zugvögeln
und ihrer Umwelt zur Ratifizierung zuleiten, den wir im November 1976
mit der Sowjetunion unterzeichneten.

Dieser Vertrag - und die ihn

begleitenden Durchführungsgesetze, die ich zu seiner Verwirklichung vorlege werden neue rechtliche Voraussetzungen für den Schutz der Umweltverhältnisse schaffen, die diese Vögel für ihr Oberleben brauchen.
Schonung der Wale
Wir teilen die Besorgnis der Öffentlichkeit über die Lebensbedingungen der Meeressäugetiere, insbesondere der Wale. Deshalb habe
ich den Handelsminister angewiesen, in Übereinstimmung mit den vom
Außenminister gegebenen Richtlinien:
- den kommerziellen Walfang innerhalb unserer 200-Meilen-Zone zu
verbieten;
- Verhandlungen innerhalb der internationalen Walfangkommission
fortzusetzen, die auf strengere internationale Schutzbestimmungen für Wale
und verwandte Arten abzielen und deren Schutz im gesamten Bereich ihrer
Wanderwege ermöglichen;
- auf dem

V&gt;
- 4 -

�- auf dem amerikanischen Standpunkt zu beharren, daß der
kommerzielle Walfang durch ein zehnjähriges Moratorium unterbrochen
werden müsse; und
- mir innerhalb von 50 Tagen über jede Aktion anderer Länder zu berichten, die die Wirksamkeit des Schutzprogramms der internationalen
Walfangkommission beeinträchtigen."

+ + +

- 5-

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service

15

3. Juni 1977

OZON-KRANKHEIT

- (AD) - Erste Anzeichen gab es im vergangenen Jahr, als die neuen
Großraumflugzeuge vom Typ Boeing 747 SP für Nonstop-Flüge zwischen New
York und Tokio eingesetzt wurden. Zunächst klagten Stewardessen, dann
auch Piloten und Passagiere über starke Hustenanfälle, Kopfschmerzen,
Nasenbluten und allgemeines Unwohlsein. Die Symptome klangen meist zwei
Stunden nach der Landung wieder ab.
Die systematische Suche nach der Ursache ergab, daß die Beschwerden
gewöhnlich nur auf den 14-stündigen Flügen von Ost nach West, d. h. über
die Polroute, auftraten, wo die Maschinen eine Flughöhe von 15 000 m einhalten. Die Meßdaten über Temperatur, Feuchtigkeit und Luftzusammensetzung
wurden stets mit den jeweiligen Flugpositionen in Beziehung gesetzt, um
herauszufinden, ob hier irgendwelche Zusammenhänge bestanden. Nachdem
inzwischen auch Berichte über ähnliche Erscheinungen bei Flügen zwischen
der amerikanischen Ost- und Westküste eingingen, wurden in die Passagierflugzeuge zusätzliche Meßinstrumente eingebaut.
Aber

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesbergl
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�-

Aber erst Anfang dieses Jahres entdeckte man die Ursache - nämlich eine
zu hohe Ozon-Konzentration.

Gewöhnlich liegen die Flugrouten weit unter-

halb jener Luftschicht zwischen 16 000 und 50 000 m Höhe, wo sich dreiatomiger Sauerstoff (Ozon)

findet, der dort eine wichtige Filter-

wirkung gegen den Einfall der für alles Leben auf der Erde gefährlichen
ultravioletten Strahlung von der Sonne hat.

Gelegentlich sinkt die

Ozonschicht jedoch ab, vor allem zu Zeiten strenger Winter.

Außerdem ist

die Ozonkonzentration über den Polgebieten größer als über anderen
geographischen Breiten.

Dies erklärte, weshalb bei den Ost-West-Flügen

häufiger Beschwerden registriert wurden.
Keine der bisher in Erwägung gezogenen Lösungen für das Problem niedrigere Flughöhen oder Installierung komplizierter Luftfiltersysteme ist befriedigend, weil im einen Fall erheblich mehr Treibstoff verbraucht,
im anderen die Leistung der Flugmotoren verringert würde. Deshalb suchen
die Ingenieure noch nach anderen, günstigeren Möglichkeiten, um Abhilfe
zu schaffen. Die Natur gibt ihnen z. Zt. eine Atempause, weil in der
wärmeren Jahreszeit die Ozonschicht in atmosphärische Bereiche aufsteigt,
die von den Flugrouten nicht mehr berührt werden.
+ + +

•

- 2 -

�1
I

Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service

3. Juni 1977

15

NEUARTIGE SCHWEFELDIOXID-FILTERANLAGE FOR KRAFTWERKE

- (AD) - In seiner Energiebotschaft vom 20. April 1977 forderte Präsident
Carter für Kraftwerke und Industriebetriebe eine weitgehende Umstellung von
öl- und Gasfeuerung auf Kohle. Dabei mußte jedoch mit zusätzlichen Umweltbelastungen durch die Emission von Schwefeldioxid - je nach Ursprung der
Kohle in mehr oder minder großen Mengen, mit Anteilen aus mineralischen Quellen
und von organischen Schwefel Verbindungen - gerechnet werden, falls man die
Rauchgase nicht entschwefeln würde.
Die bisher gebräuchlichen Filterverfahren werden nunmehr um ein weiteres,
von der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA entwickeltes und seit 1973
erprobtes Verfahren erweitert;

das neue System wird nach Abschluß der Demon-

strationsphase zunächst in einem Kohlekraftwerk (280 Megawatt) der Gas &amp;
Electric Company von Louisville (Kentucky) installiert werden.
Zum Abfiltern der Schwefeldioxid-(S02)-Emissionen wird ein zweifacher
Alkalisierungsprozeß angewandt, der nur 1,2 % anstatt, wie bei den anderen
Systemen üblich, mehr als 2,4 Prozent der vom Kraftwerk erzeugten Energie
verbraucht.

Stephen S. Gage (EPA) berichtet, daß bis zu 99 Prozent des

gesamten Schwefeldioxids entfernt werden können.
Bei

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Bei der gegenwärtigen Auslegung des Systems von Louisville schätzt man
die jährlichen Betriebskosten für die Rauchgasentschwefelung auf ca. 4,25
Millionen Dollar.

Der Verbraucher wird dadurch mit ca. 0,7 Pfennigen (0,3

Cent) pro Kilowattstunde belastet.

(Im Jahr 1976 betrugen die durchschnitt-

lichen Stromkosten für den Verbraucher in Louisville 7,11 Pfennige, d. h.
2,6 Cent pro Kilowattstunde.

Sie würden somit zur Sicherung der Luftrein-

haltung um 11,5 Prozent steigen.)
Der Louisville Gas &amp; Electric Company werden vom Konstrukteur Garantien
in Bezug auf Schwefeldioxid-Abfilterung (Restemission weniger als 200 ppm
S 0 2 ) , Staubemission, Rohmaterial verbrauch, Energieverbrauch, Eigenschaften
der Abfall Stoffe und Verfügbarkeit des Systems gegeben.

Die Kosten für die

Installierung der Entschwefelungsanlagen in anderen Kraftwerken werden je
nach den Kosten für gemahlenen Kalkstein, für Arbeits- und Baukosten variieren.

+ + +

- 2 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede von Außenminister Vance auf der Konferenz für Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hartman umreißt amerikanische Europapolitik&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weltweite Umweltprobleme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Botschaft Präsident Carters über Umweltschutz-Aufgaben an den US-Kongress&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft &amp;amp; Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ozon-Krankheit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuartige Schwefeldioxid-Filteranlage für Kraftwerke</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Haig: USA stehen zum Doppelbeschluss der NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des US-Außenministers nach dem Besuch von Bundeskanzler Schmidt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Prioritäten der amerikanischen Außenwirtschaftspolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Friedensmission im Nahen Osten wird fortgesetzt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz von Botschafter Habib im Weißen Haus -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nächstes Ziel: Die Raumstation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Raumfähre leistet Zubringerdienst -&lt;/em&gt;</text>
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