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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

29. Februar 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Pressekonferenz Präsident Reagans vom 22. Februar 1984
- Auszüge Die Mittelamerika-Hilfe der Vereinigten Staaten
- Erklärung des zuständigen Unterstaatssekretärs -

USA gegen Apartheid und für friedlichen Wandel

- Erklärung des US-Botschafters bei der UN-Menschenrechtskommission
(Auszüge)

HINTERGRUNDMATERIAL
Kontrolle des Technologie-Transfers macht Fortschritte
- USIA-Interview mit William Archey, Referent für Exportkontrollen
im US-Handelsministerium -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Risikofaktor Cholesterin
- Direkter Zusammenhang mit Koronarerkrankungen Von G. Weiss

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

J

&amp;- 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

29. Februar 1984

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT REAGANS VOM 22. FEBRUAR 1984
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 22. Februar 1984
in einer landesweit vom Fernsehen übertragenen Pressekonferenz seine LibanonPolitik verteidigt und betont, die als Teil der multinationalen Friedenstruppe entsandten Soldaten des amerikanischen Marinekorps hätten ihre Mission
noch nicht beendet und würden nicht abgezogen, solange die Möglichkeit für
eine friedliche Lösung im Libanon bestünde. Andere außenpolitische Themen
der 35-minütigen Pressekonferenz, in deren Mittelpunkt der Libanon stand,
waren die Ost-West-Beziehungen sowie die für die öl lieferungen wichtige Straße
von Hormus im Persischen Golf.
Die wichtigsten Fragen und Antworten zu außenpolitischen Themen haben
folgenden Wortlaut:

Libanon
FRAGE:

Herr Präsident, die Marinesoldaten, die Sie vor 17 Monaten in

den Libanon entsandt haben, werden jetzt auf Ihre Anordnung hin abgezogen.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�hin abgezogen.

Wenn man bedenkt, daß sie nicht in der Lage sind, ihre

friedenswahrende Mission durchzuführen, und wenn man ferner die erlittenen
Verluste in Rechnung stellt, haben die Vereinigten Staaten dann nicht ihre
Glaubwürdigkeit in diesem Gebiet verloren?

Hat Syrien gewonnen, und wie

geht es nun mit uns weiter?
ANTWORT:

Zunächst einmal glaube ich nicht, daß man sagen kann, wir

hätten schon verloren.

Ich weiß, daß die Dinge nicht glänzend aussehen

- nicht so gut, wie das während der letzten eineinhalb Jahre

der Fall war,

seit wir dort sind. Aber ich meine, es ist an der Zeit, einen Blick auf
die Geschichte
ist...

zu werfen sowie darauf, was unsere Aufgabe dort war und noch

(Nach einem längeren historischen Überblick über die Ereignisse im

Libanon fuhr der Präsident fort) Wir haben immer noch einen Sonderbotschafter dort, der zwischen Damaskus, Beirut und Tel Aviv hin und her pendelt
und versucht, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um eine friedliche Regelung zustandezubringen.

Ich zögere nicht, zu sagen, daß ich die Tatsache

nicht bedauere, daß wir mit der Vorstellung dorthingingen, diesem von Krisen
geschüttelten Gebiet den Frieden zu bringen.
Wir stationieren um, weil es nach dem Beginn der terroristischen Angriffe
keine Möglichkeit für uns gab, wirklich zu unserer ursprünglichen Mission beizutragen, wenn wir dort nur eine Zielscheibe bilden und auf weitere Angriffe
warteten.

Deshalb wurden unsere Soldaten verlegt, umstationiert - und zwar

unsere wie auch die der anderen Länder, und unsere Soldaten werden auf den
Schiffen vor der Küste sein. Aber solange die Chance für eine friedliche
Lösung besteht, werden wir weiter versuchen und sehen, ob wir irgendeinen
Beitrag zu einer solchen Lösung leisten können. Und solange eine solche Chance
besteht, werde ich nicht aufgeben und sagen:

"Es ist alles vorbei." Wir ver-

schwinden dort nicht einfach; wir beziehen lediglich eine etwas besser zu verteidigende Position.
FRAGE:

Wenn ich daran anschließen darf.

Sie sagten, die terroristischen

Angriffe bildeten einen Faktor für die Rücknahme.

- 2 -

Bedeutet dies, daß terro-

�daß terroristische Angriffe dieser Art im Nahen Osten und anderswo Erfolg
haben können?

ANTWORT:

Nein.

Ich habe dies hinsichtlich jener gesagt, die gefordert

haben, daß wir einfach dort verschwinden und nach Hause zurückkehren sollten;
und ich sagte, daß dies ein Zugeständnis wäre. Aber eine bloße Umstationierung auf eine besser zu verteidigende Position wegen dieser Terrorangriffe
ist meiner Meinung nach kein Rückzug - ich will sagen, niemand hat bisher
eine hundertprozentige Verteidigung gegen diese Überraschungsangriffe gefunden, insbesondere wenn die Angreifer bereit sind, ihr Leben zu opfern.
stehen also weiterhin bereit.

Wir

Unsere Marinesoldaten sind weiterhin dort, um

- wie dies üblich ist - unsere Botschaft und unser Botschaftspersonal zu
schützen.

Und wir haben mit den Streitkräften Gemayels die Entsendung eini-

ger Ausbildungsteams erörtert, die Spezialisten sind in Fragen wie Terrorismusbekämpfung - zur weiteren Ausbildung dieser Streitkräfte.

FRAGE:

Am 2. Februar erklärten Sie dem "Wall Street Journal" gegen-

über, daß ein Rückzug aus dem Libanon verheerende Folgen weltweit für uns
haben würde.

Und Sie erklärten ferner, daß wir uns nicht aus dem Staube

machen würden, wenn es auch die weitverbreitete Vorstellung gäbe, daß wir
dies bereits täten.

Glauben Sie, daß wir wegen dieses Rückzuges verheeren-

de Folgen weltweit erleben werden?

ANTWORT:

Das glaube ich nicht, weil diejenigen, die Entscheidungen

treffen und die sie auf der Grundlage der Gegebenheiten treffen müssen, nicht
der Meinung sind, daß wir uns hier einfach aus dem Staube machen, denn unsere
Soldaten befinden sich ja auf den Schiffen und diese Einsatztruppe bleibt ja,
wo sie jetzt ist.

Ich glaube also nicht, daß man dies in der verheerenden

Weise sieht, von der ich damals sprach - denn damals antwortete ich doch denjenigen, die uns aufforderten, unsere Sachen zu packen und nach Hause zurückzukehren, ohne irgendwelche Rücksicht darauf, ob unsere Verbündeten dasselbe
täten oder nicht.

Wir haben uns mit ihnen beraten.

Wir handelten gemein-

sam mit ihnen.
FRAGE:

Unter welchen

�FRAGE:

Unter welchen Umständen würden Sie die Marinesoldaten wieder

an Land schicken?
ANTWORT:

Das ist eine hypothetische Frage, und ich weiß nicht, ob ich

sie beantworten soll.

Lassen Sie mich dies sagen:

Wenn sie die Möglichkeit

der Durchführung ihrer Mission verbessern könnten, dann wäre das tatsächlich
ein Grund, sie wieder hineinzuschicken.
FRAGE:

Als der Bereich unserer Marinesoldaten bombardiert wurde, er-

klärte ein Großteil der Eltern jener Soldaten, die bei dieser schrecklichen
Katastrophe starben, daß sie sich fragten, welchen Zweck diese Mission eigentlich habe, und Sie haben heute abend versucht, diese Mission zu verdeutlichen.
Aber können Sie diesen Eltern sagen, nachdem Sie die Marinesoldaten auf die
Schiffe zurückverlegt haben, warum mehr als 260 junge Menschen dort sterben
mußten?
ANTWORT: Ich habe mit vielen Familien gesprochen - mit den Witwen und
den Eltern der Männer, die bei dieser schrecklichen Katastrophe starben, und
ich war überrascht über deren Haltung, die die völlige Überzeugung widerspiegelte, daß diese Mission nützlich sei. Und die meisten taten dies aufgrund
der Briefe, die sie von ihren Söhnen und Ehemännern erhielten und in denen
davon gesprochen wurde, daß diese an ihre Mission glaubten, daß sie dort seien,
weil diese Mission nützlich sei. Und viele waren stolz darauf, daß sie dort
waren. Einige der jüngeren Soldaten, die sich nicht wirklich klar darüber
sind, daß dies eine Umstationierung ist und keine Rückkehr nach Hause sollen
sogar gesagt haben, es täte ihnen leid, daß sie ihre Aufgabe nicht zu Ende
führen konnten. Ich sehe ihre Aufgabe noch nicht als beendet an. Und ich
glaube auch nicht, daß die Leute, die wissen, worum es dort geht, sie als beendet ansehen.
FRAGE:

Der Außenminister ist einer derjenigen, die sehr enttäuscht sind

und gesagt haben sollen, daß das Licht, das im Libanon am Ende des Tunnels
sichtbar ist, der Zug sein könnte, der auf uns zurast.
- 4 -

Können Sie uns sagen,

�uns sagen, ob Sie diese Enttäuschung teilen, und würden Sie den Rücktritt von
George Shultz annehmen, der - wie einige meinen - in seiner Politik gescheitert ist?
ANTWORT:

Nein, das würde ich nicht.

Und er ist nicht gescheitert.

Ich

habe auch von diesem Gerede gehört, und dies ist meiner Meinung nach - offen
gesagt - einfach schändlich.

Ich meine, er hat ausgezeichnete Arbeit geleistet,

und ich habe jedes nur mögliche Vertrauen zu ihm.
mehr

mit

Ich hoffe, er trägt sich nicht

irgendwelchen Rücktrittsgedanken zu diesem Zeitpunkt.

Die Idee für

diese Mission stammt von mir, als wir im Konferenzraum mit all denen zusammensaßen, die mit diesen Fragen zu tun haben.

Er und unsere Botschafter - ange-

fangen mit Phil Habib, dann Bud McFarlane und jetzt Don Rumsfeld -, sie alle
haben ausgezeichnete Arbeit geleistet.

Und wie ich gesagt habe, werden wir

weitermachen, solange es dort eine Chance gibt.
FRAGE:

Herr Präsident, wir haben eine Beschießung von See her durchge-

führt als Antwort auf Angriffe gegen unsere Marinesoldaten an Land.

Nachdem

nun diese Soldaten zurückgenommen werden in den Schutz der Schiffe, bedeutet
dies nun, daß die Beschießung des Libanon durch unsere Schiffe aufhört?
ANTWORT:

Seit einiger Zeit hat es keine Beschießung mehr gegeben, aber

erinnern Sie sich bitte daran, daß die jüngsten Beschießungen nicht aufgrund
der Angriffe auf unsere Marinesoldaten am Flugplatz erfolgten.
wegen des Beschüsses unserer Botschaft.
(exterritoriales) Gelände.

Sie erfolgten

Und das ist nun mal amerikanisches

Unser Botschaftspersonal mußte sich einige Tage

lang im Kellergeschoß aufhalten.

Es gab einen direkten Beschuß der Residenz

oder - ich bin nicht sicher - der Botschaft selbst, und darauf haben wir reagiert!

Aber wir üben jetzt Zurückhaltung.

Wir führen Aufklärungsflüge durch;

in einigen Fällen wurden diese Flugzeuge - erfreulicherweise ohne Erfolg - beschossen.

Wir haben darauf nicht reagiert, weil wir unserer Meinung nach zur

Zeit Zurückhaltung üben und darauf hoffen sollten, daß sich die Dinge abkühlen. ..
FRAGE:

Herr

�FRAGE:

Herr Präsident, warum haben Sie nicht schon früher Maßnahmen

für den Abzug der Marinesoldaten aus Beirut eingeleitet, und wie stellen Sie
sich zu den Behauptungen jener Leute, Kritiker, daß es zu lange dauere, um
nach der Debatte zwischen Ihren Beratern zu einem Konsens zu gelangen?

Die-

se Leute fragen deshalb, ob Sie tatsächlich die Dinge richtig im Griff haben
und ob Sie noch ein Ganztags-Präsident sind? Was haben Sie dazu zu sagen?
ANTWORT:
sen.

Auch ich habe von diesen gegenwärtig umlaufenden Märchen gele-

Ich kann Ihnen sagen, daß es ganz gewiß eine gründliche Erörterung -

über lange Zeit hinweg und bestimmt seit dem Selbstmordattentat - darüber
gab, ob es einen Weg gäbe, unsere Truppen dort zu behalten - nicht nur unsere, sondern auch die der anderen Länder, und auch einen Weg, um die Möglichkeiten der Verwundbarkeit durch Terrorangriffe zu vermindern.

Wir haben al-

les überprüft, und vom ersten Augenblick an war eine der Alternativen, diese
Truppen auf die Schiffe zu verlegen.

Wir schoben dies eine Weile hinaus, weil

wir besorgt waren, daß man dies dort drüben als einen Abzug, als ein Aufgeben
des Libanon, ansehen könnte, und das wollten wir nun wirklich nicht.
Schließlich gelangten wir zu der Überzeugung, daß wir dies tun könnten.
Wir sprachen darüber mit der Regierung Gemayel und mit unseren Verbündeten,
und wir gelangten zu der Entscheidung, daß dies wohl die logischste Sache sei:
ein stufenweiser Rückzug auf die Schiffe wobei ein Ausbildungsteam, das mit
der libanesischen Armee schon zusammengearbeitet hatte, dort verbleiben sollte.
Es war also kein Fall der Verzögerung; es ging vielmehr darum, die Situation
richtig zu beurteilen und die richtige Entscheidung zu treffen.
Was nun das zweite Märchen angeht, daß ich mich in meinen Stuhl zurücklehne und andere sagen lassen würde, was ich tun solle; diese Behauptung zeigt,
wie wenig man die Arbeitsweise unseres Regierungssystems versteht. Ich glaube nicht, daß meines Wissens irgendeine Administration jemans so eng mit dem
Kabinett und dem Stab zusammengearbeitet hat, wie es jetzt der Fall ist. Wir
haben meiner Meinung nach einen der besten Stäbe und eines der besten Kabinette, die diese Hauptstadt seit vielen, vielen Jahren gesehen hat.
Ich möchte,

�Ich möchte, daß die Leute um mich herum unabhängig denken.
alle Seiten einer Sache hören.

Ich möchte

Wir halten regelmäßige Kabinettssitzungen ab

und Sitzungen des sogenannten Kabinettsrates, wo Teile des Kabinetts über
Dinge sprechen, die nicht unbedingt andere Kabinettsmitglieder interessieren.
In diesen Besprechungen höre ich mir alle Seiten an. Man könnte dies am
besten mit einer Vorstandssitzung, der Sitzung eines Verwaltungs- oder Aufsichtsrates vergleichen. Die Debatte geht hin und her und ist nicht nur auf
ein Kabinettsmitglied begrenzt, das meint, dieses Problem gehe es am meisten
an.

Ich höre zu, man legt mir die einzelnen Meinungen dar. und die Debatte

schlägt manchmal hohe Wellen.

Oft kann, man leicht zu einem Konsens gelangen.

Aber oft muß ich eine Entscheidung treffen, und die richtet sich dann - dies
liegt auf c\er Hand - gegen das eine oder andere Kabinettsmitglied und ist
dann eben für die andere Seite. Aber so etwas geht hin und her, und wer heute
verliert, ist morgen der Gewinner.
troffen.

Auf diese Weise werden Entscheidungen ge-

Der einzige Unterschied zwischen einer Vorstandssitzung und einer

Kabinettssitzung ist, daß bei Entscheidungen keine Abstimmung vorgenommen
wird.

Ich habe die Entscheidungen zu treffen, und ich treffe sie aufgrund

der Informationen, die ich erhalten habe.

Und wenn ich nicht genügend

Infor-

mationen erhalten habe, dann wird eine neue Sitzung angesetzt, und die Debatten werden fortgesetzt...

FRAGE:

In der vergangenen Woche haben Sie gesagt, daß der arabisch-

israelische Konflikt durch Verhandlungen gelöst werden müsse, wobei es auch
um einen Austausch von Territorium für den Frieden gehe.

Haben Sie den Is-

raelis gesagt, sie müßten ihre Siedlungstätigkeit im Westjordanland einstellen?
ANTWORT:

Nein.

Aber ich habe den Israelis - und sie wissen das - von

Anfang an erklärt, daß es bei den Bemühungen um einen Gesamtfrieden in dieser Region meiner Ansicht nach nicht nützlich wäre, das fortzusetzen, was sie
jetzt tun.

Ich bin der Meinung, daß der Friedensprozeß, der uns vorschwebt,

auf dem Prozeß von Camp David sowie auf den Resolutionen 242 und 338 der Vereinten Nationen basieren muß.
zeichnet,

Ich habe diese Siedlungen nie als illegal be-

wie einige dies taten, aber ich habe betont, daß sie nicht hilf- 7 -

�nicht hilfreich wären.

Es liegt auf der Hand, daß der Friedensprozeß, die

Verhandlungen zwischen den arabischen Staaten und Israel, territoriale Änderungen gegen sichere und friedliche Grenzen einschließen muß.

Ich bin der

Meinung, daß wir dann eine bessere Chance haben würden.

Die Straße von Hormus
FRAGE:

Herr Präsident, der Krieg zwischen dem Irak und dem Iran er-

hitzt sich immer mehr - und zwar in gefährlicher Weise.

Ich möchte Sie fra-

gen, wie tief Ihre Besorgnisse gehen hinsichtlich der Möglichkeit, daß dieser
Krieg zu einer Schließung der Straße von Hormus und zu einer Unterbrechung
der Ölversorgung für Japan, Westeuropa und uns führen könnte, und wie weit
Sie zu gehen bereit sind, um die Straße offen zu halten?
ANTWORT:

Der Iran selbst hat diese Drohung vor einiger Zeit geäußert,

daß er nämlich die Straße von Hormus schließen würde, sollte der Irak bestimmte Dinge tun.

Ich habe damals meinen Standpunkt klargemacht und eine

Erklärung abgegeben, daß es für uns - und ich bin sicher, dies gilt auch für
unsere Verbündeten - keine Möglichkeit gäbe, einfach dazustehen und zuzusehen,
daß dieser Seeweg der Schiffahrt verschlossen wird - insbesondere den Tankern,
die so entscheidend wichtig sind für Japan, für unsere Verbündeten in Europa
und - in einem geringeren Ausmaß - für uns, die wir nicht so viel importieren, wie dies für die anderen erforderlich ist.
Es ist für uns unmöglich zuzulassen, daß dieser Seeweg geschlossen
wird.

Wir haben seit langem im Arabischen Meer Schiffseinheiten praktisch

ständig stationiert und einige unserer Verbündeten ebenfalls.

Wir werden die

Straße für die Schiffahrt offen halten.

Ost-West-Beziehungen

- 8 -

�Ost-West-Beziehungen
FRAGE:

Haben Sie Generalsekretär Tschernenko in Moskau etwas anderes

zu sagen als seinem Vorgänger Andropow?

Gibt es irgendetwas Neues, was sie

(die Sowjets) ermutigen könnte, mit den Vereinigten Staaten zu sprechen?
ANTWORT:

Ja, und zwar auf der Grundlage der Berichte, die der amerika-

nische Vizepräsident nach einem sehr nützlichen Treffen dort zurückgebracht
hat.

Wir sind sehr hoffnungsvoll hinsichtlich der jüngsten Erklärung, die er

(Tschernenko) abgegeben hat, daß er nämlich willens sei, einer Inspektion bezüglich der Waffen der chemischen Kriegführung an Ort und Stelle zuzustimmen.
Wir glauben, daß dies ein gutes Zeichen ist, und wir haben ihn wissen lassen,
daß wir bessere Beziehungen wünschen.

Wir möchten uns an einen Tisch setzen

und einige der Probleme erörtern, die zwischen uns stehen.

- 9 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

29. Februar 1984

DIE MITTELAMERIKA-HILFE DER VEREINIGTEN STAATEN
Erklärung des zuständigen Unterstaatssekretärs -

WASHINGTON - (AD) - Der Leiter der Abteilung für interamerikanische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Unterstaatssekretär Langhorne
A. Motley, hat in einer Erklärung am 21. Februar 1984 vor dem Unterausschuß
für Angelegenheiten der westlichen Hemisphäre des Außenpolitischen Ausschusses
des Repräsentantenhauses die Mittelamerika-Hilfe der Reagan-Administration dargelegt und befürwortet.

Grundlage des neuen "Gesetzes von 1984 über die De-

mokratie-, Friedens- und Entwicklungshilfe-Initiative in Mittelamerika" ist
der Bericht der Nationalen überparteilichen Kommission für Mittelamerika unter
Leitung des früheren amerikanischen Außenministers Henry Kissinger, in dem eine
massive Erhöhung der Wirtschaftshilfe für Mittelamerika empfohlen wurde. In
den nachfolgenden Ausführungen von Unterstaatssekretär Motley, in der nur unwesentliche Kürzungen vorgenommen wurden, wird der von Präsident Reagan dem
Kongreß unterbreitete Gesetzesentwurf im einzelnen aufgeschlüsselt:
Herr Vorsitzender,
ich freue mich, vor Ihnen erscheinen zu dürfen und meine Aussagen zu dem
lebenswichtigen Gesetz von 1984 über die Demokratie-, Friedens- und Entwick-

Postfach 20 03 po Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�und Entwicklungshilfe-Initiative in Mittelamerika zu machen.
Die erschöpfende Studie der Nationalen überparteilichen Kommission für
Mittelamerika hat uns in die Lage versetzt, eine umfassende Antwort auf die
vielschichtige Krise in Mittelamerika zu finden.
Die Administration und der Kongreß sind jetzt in der Lage, ein vollständiges Aktionsprogramm zu konzipieren, das sowohl den unmittelbaren taktischen
Erfordernissen als auch den Ansprüchen einer langfristigen Strategie gerecht
wi rd.
Der jetzt dem Kongreß zugeleitete Gesetzesentwurf des Präsidenten verkörpert jene Empfehlungen der überparteilichen Kommission, die nicht ohne entsprechende Gesetzgebung verwirklicht werden können.

Wie Sie wissen, wird der

Präsident diejenigen Empfehlungen der Kommission, die keine neuen gesetzgeberischen Maßnahmen erfordern, durch Präsidialerlaß regeln.

Er fordert promptes

Handeln und prompte Unterstützung des Kongresses im Sinne der Verabschiedung
dieses Gesetzentwurfes.
Dieses Paket an gesetzgeberischen Maßnahmen wird dazu beitragen, Volkswirtschaften und Gesellschaften zu stabilisieren, die von Ungerechtigkeit und
Gewalt heimgesucht werden. Gleichzeitig wird es uns in die Lage versetzen,
die Offensive gegen die Armut zu ergreifen und die demokratische Entwicklung
zu fördern, die Achtung der Menschenrechte zu stärken und dabei zu helfen,
dieser unruhigen Region, die so nahe bei den Vereinigten Staaten liegt, einen
dauerhaften Frieden zu bringen.
Diese vorbereitete Erklärung wendet sich folgenden Themen zu:
- Der Bericht der überparteilichen Kommission
- Die wichtigen Punkte des Gesetzentwurfes
- Fragen der Politik und ihrer Verwirklichung
(Motley geht
- 2 -

�(Motley geht unter Ziffer I auf den Bericht der Kissinger-Komnnssion
ein - siehe Amerika Dienst Nr. 3 vom 18. Januar 1984 - deren Empfehlungen
er als sachlich begründet und realistisch bezeichnet.

Die Administration

und der Kongreß müßten die Mittel bereitstellen, "die wir und unsere mittelamerikanischen Freunde brauchen, um erfolgreich zusammenarbeiten zu können,
um einen dauerhaften Frieden auf der soliden Grundlage der Demokratie und
wirtschaftlichen Entwicklung zu erreichen".

Wörtlich fährt er dann fort:)

Was sich also, Herr Vorsitzender, aus dem Bericht der Kommission herauskristallisiert, ist die Dynamik Mittelamerikas selbst.

Es ist eine Dynamik,

in der sich Kommunismus, Gewalt und Diktatur aus Elend, Ungerechtigkeit und
einer unglücklichen Vergangenheit nähren.

Es ist eine zerstörerische Dyna-

mik, die die Bevölkerung Mittelamerikas unterdrückt und die, wenn sie nicht
geändert wird, in zunehmendem Maße die übrige westliche Hemisphäre gefährdet.

II Das Gesetz von 1984 über die Demokratie-, Friedens- und Entwicklungshilfe-Initiative in Mittelamerika
Um die zerstörerische Dynamik zu durchbrechen, wird es Maßnahmen zur
Unterstützung der demokratischen Selbstbestimmung, der wirtschaftlichen und
sozialen Entwicklung, an der alle ihren fairen Anteil haben, sowie zur Zusammenarbeit in der Bewältigung der Bedrohungen der Sicherheit der Region bedürfen.

Das ist der Konsens der überparteilichen Kommission.

Das ist die

Basis des Ihnen jetzt vorliegenden Gesetzentwurfes.
Im einzelnen schlägt der Präsident folgendes vor, um die Empfehlungen
der überparteilichen Kommission zu verwirklichen:

A) Wirtschaftshilfe

�A) Wirtschaftshilfe
Aus der Erkenntnis heraus, daß wirtschaftlicher Niedergang die soziale
und politische Unruhe verschärft, hat die Kommission zusätzliche 400 Millionen
Dollar in diesem Jahr als Erste-Hilfe-Stabilisierung empfohlen, um die Grundlage für eine langfristige Entwicklung zu schaffen.
Unsere zusätzliche Anforderung von 400 Millionen Dollar für das Haushaltsjahr 1984 an Erste-Hilfe-Mitteln soll dazu dienen, dem scharfen Rückgang der Bruttoinlandsprodukte, der Pro-Kopf-Einkommen und der Beschäftigtenzahlen Einhalt zu gebieten.

In den letzten Jahren ist das Pro-Kopf-Bruttoin-

landsprodukt in El Salvador um 35 Prozent, in Costa Rica um 23 Prozent, in
Guatemala um 14 Prozent und in Honduras um 12 Prozent zurückgegangen.

In

vier Jahren hat El Salvador 15 Jahre der wirtschaftlichen Entwicklung verloren.
Die Kommission empfahl fast eine Verdoppelung unserer vorgesehenen Wirtschaftshilfe auf rund 8 Milliarden Dollar über die nächsten fünf Jahre. Dieser Betrag, der hoch zu sein scheint - wenn man ihn nicht in Relation zu den
Erfordernissen der Region stellt - würde eine umfassende Strategie tragen,
um Demokratisierung, wirtschaftliches Wachstum, menschliche Entwicklung und
Sicherheit zu fördern.
Unser Durchführungsplan für die Haushaltsjahre 1985 bis 1989 sieht eine
Gesamtsumme von 5,9 Milliarden Dollar an Haushaltsmitteln sowie außer dem
Haushalt liegende Bürgerschaftszusagen für zwei Milliarden Dollar an Bürgschaften und Garantien vor - wozu Wohnungsbauinvestitionsgarantien und ein
Handelskreditversicherungsprogramm (TCIP) gehören, für das die Export-ImportBank zuständig sein soll.
Für das Haushaltsjahr 1985 schlagen wir ein Programm vor, für das 1,1
Milliarden Dollar an Haushaltsmitteln und 600 Millionen Dollar an Bürgschaften und Garantien bereitgestellt werden sollen.

Entsprechend der Entwicklung

�der Entwicklung in den einzelnen Ländern schätzen wir, daß die Hauptempfängerländer direkter bilateraler Hilfe im Haushaltsjahr 1985 sein werden:

El

Salvador (341 Millionen Dollar), Honduras (139 Millionen Dollar) und Guatemala
(96 Millionen Dollar).

El Salvador, das durch die Zerstörungen der Guerilla

Schäden in Höhe von 800 Millionen Dollar erlitten hat, wäre der Empfänger der
größten Summe, die beiden anderen Länder würden jedoch pro Kopf der Bevölkerung mehr erhalten.
Von der Funktion aus gesehen, würde der Haushaltsvoranschlag für 1985
vorsehen:
- etwa 550 Millionen Dollar an Zahlungsbilanzunterstützung, um die Einfuhr lebenswichtiger Güter durch den Privatsektor zu finanzieren;
- 120 Millionen Dollar an Lebensmittelhilfe nach dem öffentlichen Gesetz
480, wobei Einnahmen in einheimischer Währung benutzt werden, um beispielsweise Bildungs- und Gesundheitsprogramme zu unterstützen;
- arbeitsintensive Großbautätigkeit auf dem Gebiet der Infrastruktur und
des Wohnungsbaus;
- wesentlich verstärkte Unterstützung für Bildung - einschließlich der
Bekämpfung des Analphabetentums -, für das Lehrerkorps, für generelle
Ausbildung und ein Stipendienprogramm;
- große Mittel für die Entwicklung der Erwerbslandwirtschaft, einschließlich der Verbesserung der Besitzverhältnisse und der Kreditgewährung;
- mehr Mittel für die Tätigkeit der privaten Nationalen Stiftung für Demokratie in Mittelamerika;
- Mittel für die Stärkung der Justizorgane in der Region als sicherster
Weg, um die Freiheiten und Rechte des einzelnen zu gewährleisten; und
- Unterstützung des
- 5 -

�- Unterstützung des Mittel amerikanischen Gemeinsamen Markte und der dazugehörigen Mittelamerikanischen Bank für wirtschaftliche Integration, um
den innerregionalen Handel neu zu beleben und die wirtschaftliche Produktion und Beschäftigung wiederherzustellen.

B) Militärhilfe
Wesentlich für den wirtschaftlichen und humanitären Fortschritt in Mittelamerika ist der Frieden.

Ohne Sicherheit werden die besten Wirtschaftsprogramme

und die klügste Diplomatie nicht in der Lage sein, den Feinden der Demokratie
Einhalt zu gebieten.
Die Kommission hat einen wesentlich höheren Stand der Militärhilfe für
El Salvador empfohlen und ausdrücklich davor gewarnt, "zu wenig zu geben, um
den Krieg erfolgreich führen zu können."
Der Vorschlag des Präsidenten sieht folgendes vor:
- Für El Salvador im Haushaltsjahr 1984
Haushaltsjahr 1985

178,7 Millionen Dollar und im

132,5 Millionen Dollar an zusätzlicher Hilfe.

Zu-

sammen mit den 64,8 Millionen Dollar im Rahmen der diesjährigen, lau. fenden Haushaltsresolution würde sich das Programm für El Salvador im
Haushaltszeitraum 1984-85 auf insgesamt 376 Millionen Dollar belaufen.
Dieses Programm würde auf das Haushaltsjahr 1984 konzentriert, um das
militärische Patt zu überwinden und so bald wie möglich eine festere
Grundlage für den wirtschaftlichen Wiederaufschwung und eine demokratische
nationale Versöhnung in El Salvador zu schaffen.
- Für das übrige Mittelamerika 80,35 Millionen Dollar im Haushaltsjahr
1984 und 123,4 Millionen Dollar für das Haushaltsjahr 1985 an zusätzlicher Militärhilfe.

Den Löwenanteil würde Honduras erhalten, eine

Demokratie, die noch immer mit häufigen Verletzungen ihres nationalen

- 6 -

�ihres nationalen Territoriums durch salvadorianische Guerilleros zu
kämpfen hat, die Unterschlupf suchen,und auch durch honduranische Guerilleros, die aus Nicaragua eingeschleust werden.

Honduras ist auch

einer direkten militärischen Bedrohung durch Nicaragua ausgesetzt, das
Streitkräfte aufgestellt hat, die mindestens fünfmal stärker sind als
die Nationalgarde Somozas und seit 1979 rund 250 Millionen Dollar an
Militärhilfe aus dem Sowjetblock erhalten haben.
Die Kommission empfiehlt, daß Militärhilfe an El Salvador durch gesetzliche Bestimmungen über regelmäßige Berichte von einem sichtbaren Fortschritt
im Sinne der Ziele der Menschenrechte abhängig gemacht werden soll, einschließlich freier Wahlen und einer Verminderung der Tätigkeit der Todesschwadronen.
Es besteht Übereinstimmung zwischen der Exekutive, dem Kongreß und der
Kommission, daß Fortschritte in der Menschenrechtsfrage in El Savlador von wesentlicher Bedeutung sind, wenn der Krieg erfolgreich beendet werden soll und
die sicherheitspolitischen und moralischen Interessen der Vereinigten Staaten
geschützt werden sollen.

Es besteht auch ein Konsens, daß die amerikanische

Hilfe aktiv dafür eingesetzt werden soll, um diese Ziele zu erreichen.
Wie dieser Ausschuß hier weiß, waren sich die Exekutive und der Kongreß
nicht immer völlig einig, wie dieses gemeinsame Ziel am besten erreicht werden
könnte.

Meine Kollegen in der Exekutive und ich sind überzeugt davon, daß

eine starre Formel, die Festlegung auf vorher willkürlich vereinbarte Zeitabstände auf der Basis des "Alles oder Nichts" nicht der geeignete Weg sind.
Die Erfahrung zeigt, daß eine solche Formel eher feindselige Aktionen der
Guerilla-Kräfte auslösen und die Aufmerksamkeit auf den Festlegungsprozeß lenken kann, als auf die zugrundeliegenden Probleme und ihre Lösung.
Wir müssen Mittel und Wege finden, um unsere Hilfe auf eine Weise von
Bedingungen abhängig zu machen, die funktioniert.

Dies erfordert die Fle-

xibilität, auf bestimmte Umstände, wie sie in einem gegebenen Augenblick
herrschen, entsprechend reagieren zu können.

- 7 -

Fortschritte in jüngster Zeit,

�jüngster Zeit, die ohne Vorhandensein einer gesetzlich niedergelegten Feststen ungspflicht erzielt wurden, zeigen, daß es Alternativen gibt.
Wir sind bereit, eng mit dem Kongreß zusammenzuarbeiten, um in der Menschenrechtsfrage weitere Fortschritte sicherzustellen, während wir gleichzeitig dem Präsidenten die Möglichkeit lassen, eine wirksame Außenpolitik zu
betreiben.

C)

Die Mittelamerikanische Entwicklungsorganisation (CADO)

Die Kommission hat die Schaffung einer Mittel amerikanischen Entwicklungsorganisation (CADO) empfohlen, um den Bemühungen um die wirtschaftliche multilaterale Form und Substanz zu verleihen.
In Übereinstimmung mit dem Empfehlungen der Kommission legt die Gesetzesvorlage Prinzipien fest, die als Richtschnur für die Verhandlungen über die
Gründung dieser neuen Institution in Verbindung mit den mittel amerikanischen
Ländern und anderen Geberländern dienen sollen.
Der Präsident hat zu erkennen gegeben, daß er die Absicht habe, sowohl
bei seinen Verhandlungen als auch bei einer späteren amerikanischen Beteiligung an der CADO die in der Gesetzesvorlage niedergelegten Prinzipien zu
achten.
Entsprechend dieser Prinzipien:
- würde die CADO ein wirksames Forum sein für einen offenen Dialog über
die politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung Mittelamerikas
und eine ständige Überprüfung der Politiken der einzelnen Länder und
der Zwecke, denen Auslandshilfe zugeführt wird.
- Die Beteiligung stünde den Vereinigten Staaten, anderen Geberländern
und jenen mittelamerikanischen Ländern offen, die sich unter anderem
- 8 -

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D) Mehrjährige Finanzierung
Um eine wirksame Planung und Vorhersagbarkeit zu gewährleisten, geht die
erschlagene Wirtschaftshilfe von der herkMichen Praxis ,b#
über das Haushaltsjahr 1985 hinausgeht und sich bis F » H . H , ü ,
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III Politik und Ausführung
Bezüglich dieses Programms haben sich viele Fragen ergeben.
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Fordern wir zuviel?
Wird unsere Hilfe wirksam eingesetzt?
Streben wir in El Salvador eine militärische Lösung an?
Sollte verstärkte Hilfe nicht einer regionalen Lösung folgen?
Werden diese zusätzlichen Mittel das Problem lösen?
Lassen Sie mich diese Fragen der Reihe nach ansprechen,
a) Fordern wir zuviel?

Nein, die Summen sind - gemessen an den Erfordernissen - bescheiden.
Wie die überparteiliche Kommission unterstrichen hat, ist der Bedarf an Hilfe
von außen gewaltig. Die physische Infrastruktur ist beschädigt, Gesundheitsund Bildungssystem müssen ausgebaut werden, und Investitionen in die Produktivkapazität sind von entscheidender Bedeutung, um den wachsenden Arbeitskräften der Region Arbeitsplätze zu geben.
Es gibt Leute, die uns raten, weniger Wirtschaftshilfe zu gewähren.
Aber sind weniger als 15 Prozent unserer vorgesehenen weltweiten Wirtschaftshilfe für das Haushaltsjahr 1985 ein zu hoher Preis, wenn es gilt, das Leiden
in Mittelamerika zu lindern und unseren Interessen dort zu dienen?
Andere treten
- 10 -

�Andere treten für eine Senkung der Militärhilfe ein. Aber es findet keine
Verringerung der Waffen, Ausbildung und sonstigen Unterstützung für die andere
Seite statt, eine Seite, die Demokratie und Pluralismus ablehnt und Gewalt als
ihr eigenstes Mittel zur Macht gewählt hat.
Wieder andere raten uns, uns gänzlich zurückzuziehen, weil die Lage angeblich zu schwierig sei, weil die regionalen Kräfte der Mäßigung und der Demokratie angeblich zu schwach seien, oder weil sie die deutlich erkennbaren
Absichten der antidemokratischen Kräfte nicht mit in Rechnung stellen, die zugange sind.

Die Vereinigten Staaten können es sich einfach nicht leisten, sich

zurückzuziehen und Mittelamerika der Armut und dem Kommunismus zu überlassen.
Und schließlich gibt es jene, die zwar bereit sind, etwas zu tun, die
aber nicht genügend helfen.

Sie weigern sich, die politischen Folgen zu tra-

gen, wenn jene verlieren, die wir unterstützen.

Aber sie sind wiederum auch

nicht bereit, die Hilfe zuzugestehen, die jene brauchen, um zu gewinnen.

Sie

weigern sich, eine echte Verpflichtung einzugehen und suchen weiterhin nach
"Schnellkuren", die an den grundlegenden Problemen von Frieden, Demokratie,
Sicherheit und echter Reform vorbeigehen.

Die Kommission hat diese Einstel-

lung mit Recht als die gefährlichste bezeichnet.
Eine Hilfe von acht Milliarden Dollar über fünf Jahre würde dem Gegenwert von etwa fünf Prozent des Bruttosozialprodukts der Region entsprechen.
Das ist weniger als die Hilfe, die früher in anderen Teilen der Welt zur Verfügung gestellt wurde.
Ein weiterer nützlicher Maßstab für die Fähigkeit Mittelamerikas, Hilfe
in der vorgeschlagenen Höhe aufzunehmen, ist das Absacken der Exporterlöse
aus Kaffee und Zucker wegen der niedrigeren Preise und der höheren Kosten
für eingeführtes Erdöl.

Dieser Nettoverlust an Devisen beläuft sich auf et-

wa 1,5 Milliarden Dollar pro Jahr - was in etwa dem Umfang der vorgeschlagenen
Hilfe entspricht.
Darüber hinaus
- 11 -

�Darüber hinaus könnte wesentliche Überschußkapazität rasch und leicht
ins Spiel gebracht werden, um zusätzliche Arbeitsplätze und Produktion zu
schaffen.
gen.

Privatfirmen brauchen nur Arbeitskapital und importierte Leistun-

Auf dem öffentlichen Sektor fehlt es den vorrangigen Investitionspro-

grammen, die wegen der Sparprogramme eingestellt oder gekürzt wurden, nur an
finanzieller Unterstützung, um wieder in Gang zu kommen.

b) Wird unsere Hilfe wirksam eingesetzt?
In der nächsten Zukunft wird der Großteil unserer Mittel für Tätigkeiten auf dem Privatsektor und nicht für eine Aufblähung der Regierungsbürokratie verwandt werden.
Auf längere Sicht werden wir auch Hilfe für den Aufbau von Institutionen,
für Ausbildung und technische Hilfe gewähren, die es unseren Nachbarn ermöglichen werden, größer angelegte Programme erfolgreich durchzuführen.
Politische Reformen werden Voraussetzung für den Erhalt und die wirksame
Nutzung unserer Mittel sein. Wir werden nicht die Unfähigkeit unterstützen,
sondern danach streben, Chancen und Anreize für Investitionen auf dem Privatsektor zu schaffen. Wir hoffen, daß die CADO ein nützliches Element für diesen Zweck sein wird. Ein entscheidendes Ziel der CADO wird darin bestehen,
den Privatsektor darin zu beraten, welche Tätigkeiten die Produktivität am
meisten steigern werden: Sicherlich nicht die Regierungsbürokratie oder Geschenke, sondern die Stärkung der einheimischen Produktion.
Kapitalflucht war seit etwa 1979 drei bis vier Jahre lang ein ernstes
Problem.

In jüngerer Zeit haben jedoch die Zentralbanken der Region den Ernst

des Problems erkannt und arbeiten erfolgreich an der Verhinderung der Kapitalflucht.
Unsere Vertretungen

- 12 -

�Unsere Vertretungen des Amtes für International r ,
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bieten nützliche Beratung und technische Unterste
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hörden in Mittelamerika bei der Bewältigung dieser 1 1 T ^ W ä h r U " 9 5 b e AU
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c) Streben „ir in E, Salvador eine militärische Losung an?

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Der Betrag für die vorgeschlagene Militärhilfe ist zwar höher als der
früher gewahrte, aber wir dürfen nicht vergessen daR H ac
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^rgessen, daß das gegenwärtige mili-

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- 13 -

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�dem Neuantrag - beträgt 3,6 Prozent unserer weltweiten Militärhilfe, und der
Antrag für das Haushaltsjahr 1985 ist nur 2,1 Prozent der weltweiten Summe.
Die überparteiliche Kommission hat festgestellt, daß kein logisches Argument
dafür spricht, zwar etwas, aber eben nicht genug Militärhilfe zu geben.

Wir

können uns den Betrag leisten, den wir anfordern - sowohl im Sinne unserer
wichtigen Interessen in Mittelamerika als auch unserer weltweiten Verpflichtungen.

d)

Sollte die verstärkte Wirtschaftshilfe eine regionale Gesamtlösung
begleiten oder erst auf sie folgen?

Die Wirtschaftshilfe, die wir beantragen,
für jede ausgehandelte Lösung.

ist eine wesentliche Hilfe

Wenn wir dem Frieden eine Chance geben wol-

len, dann müssen wir jetzt damit beginnen, die Volkswirtschaften Mittelamerikas
wieder aufzubauen, um ein Klima für den Frieden zu schaffen.
Zu dem Zeitpunkt in der Zukunft, da alle Beteiligten zu einer Lösung
bereit sind, kann der Friedensprozeß dann sehr rasch fortschreiten. Mit unserer vollen Unterstützung haben die CONTADORA-Staaten in ihrem 21-PunkteDokument bereits die Grundlage für ein Abkommen geschaffen. Aber erfolgreiche
Verhandlungen müssen den Realitäten entsprechen, die verwirklichbar sind.
Die Volkswirtschaften Amerikas, von Anfang an auf schwachen Beinen, sind der
Belastung der wirtschaftlichen Krise und der Gewalt ausgesetzt worden. Selbst
wenn - mit den besten Absichten aller Beteiligten - ein regionales Friedensabkommen unterzeichnet wird, dann wird es keinen Bestand haben, solange die
Nationen der Region kurz vor einem wirtschaftlichen Zusammenbruch stehen.

e) Werden diese zusätzlichen Mittel das Problem lösen?
Geld allein wird die Krise in Mittelamerika nicht lösen.

Aber wenn man

weiß, mit welchen Mitteln man rechnen kann, dann kann dies unsere Diplomatie

- 14 -

�unsere Diplomatie in die Lage versetzen, das Wechselspiel unterschiedlicher
politischer Instrumente besser zu nutzen, um Entwicklungen auf friedliche Lösungen hinzulenken, einschließlich von Lösungen auf dem Verhandlungswege, wo
immer sie möglich sind.
Was wir über die Bereitstellung ausreichender Wirtschafts- und Militärhilfe hinaus brauchen, ist die Demonstration, daß sich die Vereinigten Staaten
langfristig dazu verpflichtet haben, dazu beizutragen, daß die Regierungen
in Mittelamerika geeignete wirtschaftliche, politische und soziale Reformmaßnahmen ergreifen sowie vor allem eine aktive und beständige Friedensdiplomatie
betreiben.

IV Zusammenfassung
Diese umfassende Politik wird beträchtliche Anstrengungen und Opfer erfordern.

Es gibt Leute, die geneigt sind, nur die Wirtschaftshilfe zu unter-

stützen.

Es gibt andere, die geneigt sind, nur die Militärhilfe zu unterstüt-

zen.

Es gibt jedoch keine Alternative zu einer ausgewogenen Einstellung zu

den Ihnen vorliegenden Gesetzesentwürfen.
Die Krise ist akut.

Unsere Nachbarn in Mittelamerika bedürfen dringend

der Hilfe des einzigen Landes, das wirklich etwas bewirken kann.
Wir tragen eine Verantwortung.

Hier sind moralische und strategische

Interessen der Vereinigten Staaten angesprochen - in einem Gebiet, in dem wir
historisch immer engagiert waren.

Nichts zu tun oder zuwenig

zu tun, sind

keine vertretbaren Alternativen.
Unsere Initiative beruht auf einer gründlichen Analyse.

Sie wurzelt

in dem übereinstimmenden Urteil, daß die Probleme des Gebietes sowohl einheimische als auch von außerhalb der Region stammende Ursachen haben.
Unsere Ziele
- 15 -

�Unsere Ziele sind realistisch.

Die progressivsten, demokratischen

Kräfte der Region sind nachhaltig davon überzeugt, daß wir erfolgreich zusammenarbeiten können, um die gemäßigte Mitte in Mittelamerika zu stärken.
Diese gleichen Leute sind überzeugt, daß unsere aktive Beteiligung sowohl
dem Sieg über den Kommunismus, als auch der Stärkung der Achtung der menschlichen Freiheit in diesem so entscheidend wichtigen Teil der westlichen Hemisphäre dienen wird.
Diese Einstellung ist richtig.

Es herrscht breite Übereinstimmung dar-

über, daß zu wirksamem Handeln eine Mischung von entwicklungspolitischen,
politischen, diplomatischen und sicherheitspolitischen Elementen gehört, und
daß diese Elemente gleichzeitig, gerecht und human vorangetrieben werden müssen.

So etwas wie eine gänzlich "wirtschaftliche" oder gänzlich "politische"

oder gänzlich "militärische" Lösung für die Probleme Mittelamerikas gibt es
nicht.

Volkswirtschaften müssen geschützt und entwickelt werden.

müssen es wert sein, daß man sie verteidigt.

Regierungen

Einheimische Armut und kuba-

nisch gelenkte Guerilla-Kriegführung sind Verbündete.

Unsere Politik muß ge-

gen beides gerichtet sein.
Der von der überparteilichen Kommission empfohlene und von Präsident
Reagan eingeschlagene Weg fordert ein stärkeres amerikanisches Engagement,
das mit der Zeit die Mittelamerikaner in die Lage versetzen wird, auf eigenen
Beinen zu stehen und in Frieden miteinander zu leben. Diese Art von Engagement heute wird uns der Notwendigkeit eines größeren Engagement später entheben.
Was die überparteiliche Kommission und der Präsident vorschlagen, ist
nicht unmöglich.

Es ist eine realistische und humane Antwort auf eine echte

Krise unter besonders unruhigen Umständen.
vollbringen.

Wir besitzen die Mittel, um es zu

Die Menschen in Mittelamerika wollen, daß wir es tun.

Unsere

Gegner - Extremisten der Linken wie der Rechten - wären entzückt, wenn wir
zögerten.
Ich hoffe,

- 16 -

�Ich hoffe, daß Ihre Behandlung der Vorlage von der einstimmigen Schlußfolgerung der überparteilichen Kommission beeinflußt sein wird - eine Schlußfolgerung, die schon bei der Ausarbeitung eine Rolle gespielt hat und die
wert ist, im Wortlaut zitiert zu werden:
"Die Kommission ist zu der Schlußfolgerung gelangt, daß in Mittelamerika
in einem erheblichen Umfang die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten
auf dem Spiel stehen; daß außerdem diese Interessen ein beträchtlich größeres
Programm militärischer Hilfe sowie erheblich ausgeweitete Unterstützung für
wirtschaftliches Wachstum und soziale Reform erfordern; daß es weiterhin zu
einem Ende der massiven Menschenrechtsverletzungen kommen muß, wenn in Mittelamerika Sicherheit herrschen soll; und daß die externe Unterstützung des Aufruhrs aus dem gleichen Zweck neutralisiert werden muß."

Ich danke Ihnen.

+ + + + +

- 17 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

29. Februar 1984

USA GEGEN APARTHEID UND FÜR FRIEDLICHEN WANDEL
Erklärung des US-Botschafters bei der UN-Menschenrechtskommission
(Auszüge)

GENF - (AD) - Botschafter Alan L. Keyes, Vertreter der Vereinigten Staaten in der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen erklärte am 15. Februar 1984 in Genf vor der Kommission, Amerika betrachte das System der Apartheid in Südafrika als "unterdrückerisch und ungerecht" und dränge

auf fried-

lichen Wandel durch praktische Maßnahmen.
Die wichtigsten Auszüge aus der Rede von Botschafter Keyes haben folgenden Wortlaut:
Das Apartheid-System in Südafrika gründet sich auf zwei Voraussetzungen:
auf absolute rassische Ausschließlichkeit und auf inhärente rassische Überlegenheit der Weißen.

Auf diesen Voraussetzungen aufbauend haben die Architek-

ten der Apartheid ein System der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Ungerechtigkeit errichtet - und zu rechtfertigen versucht -, das der schwarzen
Bevölkerung Afrikas die grundlegenden Menschenrechte verwehrt.

Die Regierung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Regierung und das Volk der Vereinigten Staaten lehnen die falschen Voraussetzungen der Apartheid ab. Wir verabscheuen das System der Unterdrückung,
das auf diesen beiden Voraussetzungen aufbaut. Wir verurteilen, daß der Mehrheit der schwarzen Bevölkerung ihre Grundrechte verweigert wird.

Wir stehen

zu den Prinzipien - wie sie auch für unsere Identität als Nation von entscheidender Bedeutung sind -, daß alle Menschen gleich sind und daß sie von ihrem
Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind.

Im Festhal-

ten an diesen Prinzipien - unter Schmerzen verteidigt durch Bürgerkrieg, vor
den Gerichten und mit gewaltlosen Massenprotesten gegen Ungerechtigkeit - ist
das amerikanische Volk ein Gegner der Apartheid, genauso wie wir auch Gegner
eines jeden Systems sind, das dem einzelnen seine Würde und seine Rechte als
menschliches Wesen verwehrt.
Wenn es zwischen den Mitgliedern dieser Kommission hinsichtlich der uns
vorliegenden Probleme Meinungsverschiedenheiten gibt, so gibt es solche nicht
zwischen jenen, die gegen die Apartheid sind und anderen, die nicht dagegen
sind.

Es geht vielmehr um die Frage, wie sich am ehesten eine praktische Ent-

wicklung weg vom Apartheid-System fördern läßt - einem System, das nach unser
aller tiefster Überzeugung unrechtmäßig, unterdrückerisch und ungerecht ist.
Die eine Einstellung gründet sich dabei auf die Annahme, daß es in Südafrika
keinerlei Kräfte gäbe, die einen echten Ansatz zum konstruktiven friedlichen
Wandel anzubieten hätten; daß kein weißer Südafrikaner Zeichen eines anständigen, menschlichen Mitgefühls zeige; und daß die schwarzen Südafrikaner keine
andere Möglichkeit hätten, als den Kampf mit Gewalt.

Deutlich ist, daß eine

solche Einstellung zu einer tragischen Umwälzung führen muß.
Die Vereinigten Staaten stellen diese Postulate in Frage. Wir sind der
Meinung, daß berechtigte Wut und Abscheu angesichts von Ungerechtigkeit uns
nicht blind machen dürfen gegenüber der komplexen Realität der Situation in
Südafrika und keine Entschuldigung sind für nüchterne und sorgfältige Analyse
dieser Situation - mit dem Ziel, Möglichkeiten herauszufinden, um einen friedlichen und positiven Wandel zu fördern und praktische Schritte zu erarbeiten,
um aus einem solchen Wandel Nutzen zu ziehen. Wir sind der Meinung, daß die

- 2 -

�daß die Suche nach solchen Möglichkeiten ein moralisches Gebot ist.

Natür-

lich gibt es auch unserer Meinung nach Situationen, in denen ein Volk zu den
Waffen greifen muß, um sein Recht auf Freiheit und Gerechtigkeit zu verteidigen oder wiederzugewinnen.
werden...

Aber der Entschluß hierzu sollte nie leicht gefaßt

Wo, wie in Afghanistan, eine gnadenlose Invasion durch eine aus-

ländische Macht ein Volk dazu zwingt, seine Freiheit zu verteidigen, ist es
der Aggressor, der sich für Krieg entscheidet, und man kann nur den Mut bewundern, mit dem dort Widerstand geleistet wird.

Aber das Volk Südafrikas ist

ein einziges Volk, das - und dem stimmen wir alle zu - zu gleichen Bürgerrechten und gleichem politischem Geschick berechtigt ist - obgleich die Politik
konsequenter Apartheid versucht, diese gleichen Bürgerrechte zu verwehren und
dem südafrikanischen Volk künstliche und ungleiche Trennungen aufzuerlegen.
Einer solchen Politik wird es weder jetzt noch jemals gelingen, an dieser Tatsache vorbeizukommen:

Die Südafrikaner, schwarze wie weiße, leben in demsel-

ben Land, teilen dieselbe Geschichte und stehen - trotz faschistischer Vorurteile und dem durch die Unterdrückung hervorgerufenen tiefen Zorn - vor einer gemeinsamen Zukunft, der sie nicht entrinnen können.

In einer solchen Si-

tuation wohnen dem Entschluß zur Gewalt alle Elemente einer Tragödie inne.
Angesichts der Gefahr einer solchen Tragödie zwingt moralischer Anstand
dazu, daß alle nur möglichen Anstrengungen unternommen werden, um sie zu vermeiden.

Südafrika ist ein Land, das mit großen materiellen Ressourcen geseg-

net ist.

Sein Volk, Schwarze wie Weiße, hat die Fähigkeit, die Energie, die

schöpferischen Talente und die unzerstörbare geistige Kraft, mit all diesen
Ressourcen eine große Nation zu schaffen, die es wert ist, an der Gestaltung
eines besseren Geschickes dieses großartigen Kontinents teilzunehmen.
sichts der Vision einer solchen Zukunft:

Ange-

Welches Recht haben wir, den wilden

Strom der Konflikte aufzuwühlen, der all diese Hoffnungen mit sich reißen
würde?
Die Vereinigten Staaten sind der Meinung, daß eine Strategie der Isolierung Südafrikas nur einen Beitrag dazu leisten kann, daß solche Gewalt noch
wahrscheinlicher, umfassender und zerstörerischer wäre.

- 3 -

Ein solches Ergeb-

�Ein solches Ergebnis mag in der Absicht jener liegen, die darauf hoffen, dadurch die Anwesenheit ihrer Waffen und ihres Einflusses im südlichen Afrika
in ein weiteres System unterdrückter Satellitenstaaten umzuformen.

Diejeni-

gen'aber, die keine derartigen imperialistischen Ambitionen haben, können nur
eine Einstellung beklagen, die die schwarze Bevölkerung Südafrikas von wirksamer internationaler Unterstützung ihres legitimen Kampfes für Gerechtigkeit
isolieren; die die widerspenstigen Weißen Südafrikas allein lassen würde mit
ihren verbohrten Vorurteilen und impulsiv gewalttätigen Befürchtungen - und
die zu einem Ergebnis anregen könnte, das die materiellen und menschlichen
Ressourcen verschlingen dürfte, die für eine zukünftige Prosperität aller Südafrikaner von so entscheidender Bedeutung sind.
Die Vereinigten Staaten sind für eine Politik, die darauf abzielt, den
Schwarzen Südafrikas dabei zu helfen, wirksame Grundlagen für die wirtschaftliche und politische Macht zu schaffen, die sie brauchen, um sich ihren rechtmäßigen Platz in der südafrikanischen Gesellschaft zu erringen.

Wir sind für

eine Politik, die darauf abzielt, die bessere Natur der Weißen in Südafrika
zu ermutigen und zu bestärken, damit auch sie das Sinnlose des Versuchs erkennen, eine ungerechte, unterdrückerische politische Herrschaft beizubehalten.
Wir sind der Überzeugung, daß es in Südafrika auf der ganzen Bandbreite
der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Realität tatsächliche und potentielle Kräfte für den Wandel gibt.
Im wirtschaftlichen Bereich steht das Apartheid-System, das systematisch die Entwicklung der Produktivkräfte, der Kaufkraft und des Unternehmergeistes der schwarzen Mehrheit Südafrikas durchkreuzt, im Gegensatz zu den
Ansprüchen einer modernen Industriegesellschaft.

Mit der zunehmenden Diversi-

fizierung der Wirtschaft Südafrikas, mit der Notwendigkeit einer handwerklich
und technisch ausgebildeten Bevölkerung, mit den für eine entwickelte Volkswirtschaft so wichtigen fortschrittlichen Einstellungen wird die politisch
motivierte Vernachlässigung des schwarzen Bevölkerungsteils Südafrikas immer

- 4 -

�Südafrikas immer anachronistischer, zu einem Widerspruch in sich selbst und
unhaltbar.

Schon jetzt wird das System von bruchstückhaften, auf der Rasse

begründeten geographischen Einheiten, wie sie die Theoretiker der Großen
Apartheid entworfen haben, als eine ökonomisch irrationale und nicht funktionierende Illusion angesehen.

Um diese wirtschaftliche Realität in einen

wirksamen Hebel für die Veränderung zur Überwindung der Apartheid umzuformen,
braucht die schwarze Bevölkerung Südafrikas ein entscheidendes Maß an Ausbildung, an Fähigkeiten und an Organisationskenntnis.

In der Erkenntnis dieser

Notwendigkeit haben die Vereinigten Staaten ein Ausbildungsprogramm, mit vier
Millionen Dollar jährlich ausgestattet, ins Leben gerufen, um schwarze Studenten aus Südafrika zum Studium an unseren Universitäten in die Vereinigten
Staaten zu holen.

Die gesetzliche Grundlage für dieses Programm kam noch vor

Präsident Reagans Administration zustande, wurde aber unter seiner Führung
noch verstärkt.

Wir haben Ausbildungsprogramme für schwarze südafrikanische

Gewerkschaftler ins Leben gerufen, die in Zusammenarbeit mit der amerikanischen
Gewerkschaft AFL-CIO durchgeführt werden und zu denen die Vereinigten Staaten
in diesem und im nächsten Jahr über eine Million Dollar beisteuern.

Wir un-

terstützen die Entwicklung von Kleingewerbebetrieben in schwarzen Gemeinden
Südafrikas mit rund drei Millionen Dollar in den nächsten zwei Jahren und
wir helfen bei der Ausbildung von schwarzen Schülern in Südafrika, damit ihre
Chancen auf einen Zugang zu Berufsschulen größer werden.
Zudem hat der Kongreß in diesem Jahr 1,5 Millionen Dollar für die Haushaltsjahre 1984 und 1985 befürwortet, um Projekte zu ermöglichen, mit denen
eine gerechte Gesellschaft gefördert, mit denen Opfern der Apartheid geholfen
und durch die zu einem gewaltlosen Wandel in Südafrika ermutigt werden soll.
Wir geben nicht vor, daß diese Schritte das Problem der Apartheid lösen
werden.

Sie sind lediglich ein Anfang und zielen darauf ab, die Saat der

Hoffnung zu nähren und sicherzustellen, daß die Schwarzen Südafrikas die Möglichkeit haben, die Gelegenheiten zum Wandel zu ergreifen, die ein diversifiziertes Wirtschaftssystem bieten kann, das sich in Südafrika entwickelt.

Aber

derlei Fähigkeiten wären sinnlos, gäbe es nicht auch in Südafrika die expandie-

- 5 -

�die expandierende Präsenz von Unternehmen, die Arbeitsplätze und Gehälter
bieten - sowie Möglichkeiten auf Managerebene, die sich in wirkungsvolle Plattformen wirtschaftlichen Einflusses umwandeln lassen.

Mangelnde Investitionen

in Südafrika würden diese Plattform untergraben und in ihrer Tendenz Südafrika
wieder in eine Wirtschaftsform zurückfallen lassen, die rein agrarisch ist und
sich auf.seine Bodenschätze stützt - eine Wirtschaft, die sich mehr mit der
Apartheid-Mentalität deckt und auch leichter kontrollierbar ist.

Dies würde

die Schwarzen Südafrikas potentiell kraftvoller Instrumente für praktische Aktionen zugunsten größerer Gerechtigkeit berauben.

Eine ernsthafte moralische

Zielsetzung - durch eine solide Wirtschaftsanalyse bereichert - würde stattdessen davon ausgehen, daß viel eher zu stärkerer Einbeziehung jener ausländischen und inländischen Investoren angeregt werden sollte, deren Verhalten sich
strikt an rassischer Ausgewogenheit orientiert und die dazu entschlossen sind,
den entsprechend qualifizierten Schwarzen Südafrikas eine Führungsrolle in ihren Unternehmen zu übertragen.

Natürlich gehen wir nicht davon aus, daß wirtschaftlicher Fortschritt
für die Schwarzen Südafrikas sich automatisch in eine politisch gerechtere
Rolle übersetzen läßt; aber er kann und sollte eine starke Basis für eine Bewegung in Richtung auf eine solche Rolle sein. In dem Maße, in dem die Schwarzen in eine gerechtere Rolle in Südafrikas Wirtschaftsleben hineinwachsen,
würden - ja, werden - die Barrieren, die die sozialen Aspekte der Apartheid
schützen, davon beeinflußt. Weiße Vorurteile und Befürchtungen lassen die
Aussicht auf gleiche politische Beteiligung für die Schwarzen bei einem Großteil der weißen Bevölkerung als etwas erscheinen, was man fürchten muß. Als
Amerikaner meinen wir, den Weißen Südafrikas einiges Bedeutsames über die Vorteile einer Gesellschaft sagen zu können, die sich selbst von institutionalisierter rassischer Diskriminierung befreit hat. In dieser Hinsicht geht es
auch gerade uns darum, daß die Südafrikaner die Gefahren erkennen, die darin liegen, ein ungerechtes System mit Mitteln aufrechtzuerhalten, die die
Achtung vor dem Gesetz und echtem Fortschritt untergraben oder geringschätzen.
Systematische Verletzungen der Menschenrechte des einzelnen durch die Polizei
oder Vertreter der Verwaltung tragen nicht nur zu dem überkommenen Haß der

- 6 -

�Haß der Schwarzen Südafrikas bei, sondern werfen ihre lähmenden Schatten
auch auf die gerechtfertigten Schutzmaßnahmen, auf die die weißen Südafrikaner Anspruch erheben. Die Menschenrechte sind unteilbar, und keine Gemeinschaft kann lange Zeit darauf hoffen, jene Rechte für eine privilegierte Minderheit beizubehalten, die sie der großen Mehrheit ihrer Angehörigen verwehrt.
In diesem Bereich wie in manchen anderen meinen wir, daß wir sowie die
Angehörigen anderer Staaten, wo die Menschenrechte geachtet werden, Einblick
und Erfahrung mit den Südafrikanern aller Rassen teilen zu können.
zumenschh'chen

Die all-

Emotionen, die dazu beitragen, das Apartheid-System aufrechtzu-

erhalten, mögen niemals völlig beseitigt werden, aber sie können durch menschliche Kontakte untergraben und diskreditiert werden, die die wachsenden Zweifel unter den Weißen über die Apartheid in eine echte Verpflichtung umwandeln,
sich Praktiken zu widersetzen, durch die akzeptierte Normen der Justiz und
der Gerechtigkeit verletzt werden.
Auch hier scheinen eher mehr als weniger Kontakte zwischen Südafrika
und der übrigen Welt die praktische Reaktion zu sein.
Bei abschließender Analyse sehen wir alle, daß der schwierigste Aspekt
des südafrikanischen Dilemmas weder wirtschaftlicher noch moralischer Natur
ist.

Er liegt in der entscheidenden Frage, ob die südafrikanischen Weißen

mit friedlichen Mitteln dazu kommen können, der schwarzen Mehrheit die politischen Rechte zuzugestehen, die ihre Humanitas erfordert,

Wäre den Weißen

Südafrikas das Konzept einer solchen politischen Gerechtigkeit völlig fremd,
so wäre die Antwort auf diese Frage vielleicht unvermeidlicherweise eine hoffnungslose Antwort. Aber sie kennen seine Bedeutung ganz genau, denn sie wenden es ja bei sich selbst an.

Sie feiern die Geschichte ihres eigenen Kampfes

gegen das, was sie als eine ungerechte politische Herrschaft empfinden.

Sie

können von dieser Geschichte her die bittere Schmach politischer Ungleichheit wie auch die unbeugsame Beharrlichkeit verstehen, mit der alle Menschen
gegen eine solche Ungerechtigkeit ankämpfen...
Das amerikanische

�Das amerikanische Volk sollte nicht an ihrer Humanität verzweifeln, und
auch die übrige Welt sollte es nicht.

Und noch weniger sollten wir an dem

Mut, der Ausdauer und dem letztlichen Sieg der schwarzen Mehrheit Südafrikas
zweifeln.

Die Unterdrückung hat, so meinen wir, sie weder gebrochen, noch

völlig verbittert»

Wir sollten ihr nicht die möglichen Mittel des Kampfes

vorschreiben, wie stark auch immer unsere Gefühle hinsichtlich dieses Kampfes
sein mögen»

Manche mögen an den friedlichen Mitteln verzweifeln, zum Gewehr

greifen und lernen, wie man tötet und wie man stirbt»

Andere - nicht weniger

mutig, aber vielleicht an die Welt denkend, in der ihre Kinder und ihre Enkel
leben werden - mögen sich für die Vernunft und für ihre Fähigkeiten entscheiden, ihren Arbeitsplatz oder ihr Unternehmen dazu zu nützen, um wirksame Werkzeuge zu schmieden, mit denen man die Strukturen der Unterdrückung zerschlagen
kann, ohne das Licht zu zerstören, das ihnen allen

gehört und das sie lieben.

Das amerikanische Volk wird sich in diesem Kampf keine Entscheidung anmaßen.

Wir wollen das Volk Südafrikas - ob schwarz oder weiß - keiner Feuers-

brunst aussetzen, die aus Gedankenlosigkeit oder Verzweiflung entsteht.

Und

solange wir unseren Glauben daran bewahren, daß ein gerechter und mitfühlender Gott über der menschlichen Geschichte steht, diese richtet und bei der
stillen Revolution der menschlichen Seele hilft, werden wir in dem Bemühen
nicht nachlassen, diesem Volk dabei zu helfen, den Mut, die Weisheit und die
praktischen Mittel zu finden, das hoffnungsvollere Versprechen seines derzeit so gequälten Landes zu erfüllen»

- 8 -

�29. Februar 1984

KONTROLLE DES TECHNOLOGIE-TRANSFERS MACHT FORTSCHRITTE
USIA-Interview mit William Archey, Referent für Exportkontrollen
im US-Handelsministerium -

WASHINGTON - (AD) - COCOM (Koordinierungsausschuß für die Kontrolle des
Exports strategisch wichtiger Güter) nennt sich ein aus Vertretern der Vereinigten
Staaten und ihrer Verbündeten gebildetes Gremium, das sich um die Klärung
bestimmter Fragenkomplexe im Zusammenhang mit dem internationalen Handel bemüht.
In einem Interview mit Jon Schaffer vom US-Informationsamt (USIA) in Washington
bezeichnete William Archey, der für Exportkontrollen zuständige Beamte im
amerikanischen Handelsministerium, die Begrenzung von Technologie- und Ausrüstungsexporten, die beispielsweise für die Robotertechnik bedeutsam sind, in
die Sowjetunion als eine für die USA und deren Verbündete ganz entscheidende
Frage.

Die Verhandlungen in diesem Gremium machten gute Fortschritte, jedoch

sollte die COCOM-Struktur verstärkt werden, was auf verschiedenen Wegen möglich
sei.

Nachfolgend das Interview im Wortlaut:
FRAGE: Seit fast zwei Jahren werden innerhalb des COCOM Gespräche hochrangiger

Vertreter der Partnerländer über eine Oberprüfung der Liste von Exportgütern
geführt, die aus Sicherheitsgründen unter multilateraler Kontrolle stehen. Wie
beurteilen Sie den bisher erzielten Fortschritt?
ANTWORT: Er ist

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ANTWORT: Er ist eigentlich recht gut.

Man einigte sich über bestimmte

Typen von Robotern und Robotertechnologie, Silizium und einige Werkzeugmaschinen.
Hinsichtlich der Mikroschaltkreise gab es meines Wissens keine Änderung, ausgenommen eine Vereinbarung über die Kontrolle von Silizium als einem strategischen
Material

und über gewisse Aspekte der Wafer-Bearbeitung (dünne Scheiben hoch-

reinen Halbleitermaterials für die Herstellung von Mikroschaltkreisen).
Die Hauptfrage sind Computer, über die man sich noch nicht einigen konnte.
- Computer und Mikroelektronik FRAGE: Wie sinnvoll ist es, Mikroelektronik zu kontrollieren, ohne dies auch
im breiteren Bereich der Computer zu tun?
ANTWORT: Die Vereinigten Staaten sind der Meinung, daß gegenüber der Sowjetunion Mikroschaltkreise kontrolliert werden sollten, obgleich wir uns des damit
verbundenen Problems bewußt sind.

Entscheidend dabei ist, daß auch die Technologie

und die Ausrüstungen zur Herstellung der Mikroschaltungen unter Kontrolle kommen Maschinen, Anordnung von Fotomasken, Kameras für einzelne Stufen, Satz für die
Wafer-Bearbeitung, Dotierungsausrüstungen usw.
FRAGE: Was also erwarten die Vereinigten Staaten von COCOM hinsichtlich der
Computer?
ANTWORT: In erster Linie Kontrolle für die meisten Computer.

Gegenwärtig

können Sie Kleincomputer mit einer Datenverarbeitungsleistung der Kategorie acht
(Millionen Bits - Maßstab für die Anzahl von Operationen, die der Computer pro
Sekunde ausführen kann) exportieren.

Unser Vorschlag geht dahin, dies etwas

niedriger anzusetzen.
Außerdem wollen wir mit unserem Vorschlag an COCOM jenen Kontrollmechanismus
beenden, der nur den Umfang der Datenverarbeitung berücksichtigt. Wir wünschen
auch, daß COCOM zwischen kleinen Kompaktcomputern und Großcomputern unterscheidet.
Die Kompaktcomputer, die z.Zt. nicht größer sind als eine elektrische

�eine elektrische IBM-Schreibmaschine, haben eine Datenverarbeitungsleistung Rechenleistung -, die größer ist als die eines Rechners vom Typ "360", der in
den sechziger Jahren immerhin mehrere Räume benötigte.
viele mit Chips von 16 und 32 Bits.
setzen.

Sie sind überaus kompakt,

Man kann sie für militärische Aufgaben ein-

Bei Großcomputern dagegen, die bereits an einem bestimmten Platz instal-

liert sind, ist es ziemlich schwierig, sie woanders hin zu verbringen, ohne daß
die Qualität und Zuverlässigkeit des Systems darunter leidet.
Wir meinen damit, daß die meisten Kompaktcomputer mit 16 Bit-Chips in kleinen
Mengen keine strategische Bedrohung bedeuten.

Werden sie aber in Mengen exportiert,

so daß sich ein Netz aufbauen läßt (d.h. wenn zum Datenaustausch miteinander verbunden werden), so können sie schon zu einem bedeutenden strategischen Risiko
werden.
FRAGE: Das klingt ja so, als sei eine Kontrolle überhaupt unmöglich.
ANTWORT: Aus diesem Grund müssen multilaterale Kontrollen zum Zug kommen.
Und deshalb können die Vereinigten Staaten nicht einen Alleingang unternehmen
und sagen, wir wünschen nicht, daß noch mehr Kompaktcomputer exportiert werden.
Wir müssen auf die Zustimmung der anderen Länder dringen.
eine Art Mengenkontrolle bei den einzelnen Ländern.

Wir bemühen uns um

Aber wir wissen noch nicht,

wie das funktionieren soll.
- Software FRAGE: Wie sieht es mit technischen Daten, Software und Handbüchern aus?
ANTWORT: Software ist eine ganz wichtige Frage, noch dazu eine, bei der es
keine Uneinigkeit mit unseren Verbündeten gibt.

Manche unserer Verbündeten sind

sogar der Ansicht, daß es sich dabei um das wichtigste Problem von TechnologieTransfer überhaupt handelt.

Wir glauben, daß eine Vereinbarung über eine jährliche

Konferenz einer speziellen Arbeitsgruppe nur für Software Zustandekommen wird -

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�Zustandekommen wird - wobei sich diese mit neuer Software, also auch in Entwicklung befindlicher Software,befassen und beurteilen muß, welche Software ein
strategisches Risiko bedeutet.

Unseres Erachtens scheinen die Sowjets keine

besonders guten Computer zu bauen.

Wir wissen aber auch, daß sie erhebliche

Schwierigkeiten mit der Software-Entwicklung haben.

Und das ist ein Gebiet,

auf dem wir einen größeren Vorsprung behalten wollen.
FRAGE: Glauben Sie, daß es erforderlich sein wird, den Schwerpunkt der C0C0MKontrolle von der am Produkt orientierten Kontrolle auf die Information zu verlagern?
ANTWORT: COCOM war und ist in erster Linie eine Organisation, die Güter
kontrollieren will.
einbezogen wird.

Technologie ist nur kontrollierbar, wenn das Produkt mit

Die Vereinigten Staaten sind jedoch dabei, eher die Technologie-

kontrolle anzustreben.
Dieses Vorgehen zielt auf die Kontrolle von drei Dingen ab: der technischen
Daten (z.B. von Diagrammen), der Schlüsselausrüstungen und der Schlüsselmaterialien.
Zu Schlüsselausrüstungen gehören beispielsweise solche für die Fotomasken-Ausrichtung - eine ganz wichtige Komponente für die Halbleiterfabrikation.
Schlüsselmaterial wäre z.B. Silizium, ebenfalls notwendig für die Halbleiterherstellung.
Dies in Aktionen des COCOM umsetzen zu wollen, braucht viel Zeit.
glaube doch, daß wir uns immer mehr darauf zu bewegen.

Aber ich

- Neue Technologien FRAGE: Soviel ich weiß, einigte man sich über einen Komplex, der mit
"Technologien in Entwicklung" bezeichnet wird. Können Sie dazu mehr sagen und
ein paar Beispiele nennen, was unter "Technologien in Entwicklung" zu verstehen
ist?
ANTWORT: Es existiert

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�ANTWORT: Es existiert eine Vereinbarung über solche Technologien.

Dabei

handelt es sich im Grunde um die Spitzentechnologien wie z.B. die Robotertechnik.
Dies ist eine sehr schwierige Frage, weil diese Technologien aus kommerziellen,
nichtmilitärischen Anwendungen hervorgehen, wo häufig gar nicht bekannt ist,
welche militärische Anwendung dafür bestünde.

Dagegen kamen noch vor zehn Jahren

die meisten Spitzentechnologien vom militärischen Sektor her und wurden gewisse
Zeit später auf dem kommerziellen Sektor angewandt.
FRAGE: Beamte des Verteidigungsministeriums sagen, wir sollten mit der Aufhebung von Kontrollen sehr vorsichtig sein, denn was für die kommerzielle Welt
"Schrott" ist, brauche in der militärischen Welt keineswegs als "Schrott" zu gelten.
Militärische Systeme hätten eine viel größere Lebensdauer als nichtmilitärische
Systeme, und eine Aufhebung von Kontrollen könne den amerikanischen Sicherheitsinteressen schaden.

Was meinen Sie dazu?

ANTWORT: Dagegen habe ich nichts einzuwenden.

Ja, ich möchte sogar besonders

hervorheben, daß einer der Punkte, an den die Privatwirtschaft manchmal erinnert
werden muß, z.B. der ist, daß eine zehn Jahre alte Technologie im Westen in der
Sowjetunion durchaus das Modernste vom Modernen bedeuten kann.
- Einseitige Kontrollen durch die USA FRAGE: Weshalb halten die Vereinigten Staaten einseitig - im Interesse der
nationalen Sicherheit - an Kontrollen für einige Tausend mehr Artikel fest, als
multilateral im Rahmen von COCOM kontrolliert werden?
ANTWORT: Zum ersten kontrollieren wir bestimmte Technologien deshalb einseitig, weil wir der wichtigste oder einzige Lieferant dafür sind, beispielsweise
im Fall bestimmter wissenschaftlicher Prüfinstrumente wie Oszilloskope für
breite Meßbereiche und Spektralmeßinstrumente.
Zweitens gibt es nun einmal die Befürchtung militärischer Anwendungen von

- 5 -

�Anwendungen von bestimmten Technologien. Zum Beispiel ist der größte einseitig
kontrollierte Komplex jener der wissenschaftlichen und medizinischen Instrumente,
die fast alle eingebaute Mikroprozessoren haben. Wir bemühen uns darum, einige
davon aus der Kontrolle zu nehmen, aber wir bemühen uns auch, andere multilateral
unter Kontrolle zu stellen.
Man kann darüber streiten, ob wir in manchen Fällen einseitig zu weit gegangen
sind. Einige der einseitigen Kontrollen gehen mehr als ein oder zwei Jahre zurück,
als wir die einzigen Hersteller für bestimmte Dinge waren. Das ist heute anders.
Viele Länder stellen heute wissenschaftliche und medizinische Instrumente mit
eingebauten Mikroprozessoren her.
- Abbau von Kontrollen FRAGE: Welches Gewicht wird im COCOM-Verfahren darauf gelegt, die Kontrolle
für Produkte abzubauen?
ANTWORT: Wir sind dabei, eine ganze Reihe von Produkten auf den unteren
Ebenen aus der Kontrolle zu nehmen - Halbleiter, Mikroschaltkreise, Computer,
und zwar einige Typen kleinerer Computer. Ich möchte mich nicht dazu äußern, um
welche Ebene es sich handelt, weil ich unsere Vorschläge nicht vorwegnehmen will.
Damit will ich sagen, daß der Abbau von Kontrollen ebenso nachdrücklich und mit
sehr großer Sorgfalt gehandhabt werden muß wie die Bemühungen um Kontrollen, weil
sich dann auch unsere Glaubwürdigkeit erhöht.
FRAGE: Muß angesichts der raschen Veränderungen in der Technologie nicht auch
die bestehende Kontroll-Liste stark ausgeweitet werden? Und wenn ja - wie bringen
Sie das mit kommerziellen Erfordernissen in Einklang?
ANTWORT: l,:h glaube nicht, daß sie stark ausgeweitet wurde. Und was die
zweite Frage abgeht, so muß man recht gut über die vielleicht möglichen militärischen Anwendungen Bescheid wissen. Außerdem braucht man die Mitarbeit der
Wirtschaft, um .entsprechende Anforderungen zu unterstützen. Im Gegensatz dazu,

I

�Im Gegensatz dazu, wie es manche gerne darstellen möchten, ist die Wirtschaft
außerordentlich kooperationsbereit.

Die Leute sind nicht im mindesten daran

interessiert, zuzulassen, daß für militärische Zwecke in Frage kommende Technologien und Ausrüstungen in die Sowjetunion gehen. Sie verfügen auch über mehr
Erfahrungen als Regierungsbeamte und können sehr von Nutzen sein, um wichtige
Technologien und Produkte zu identifizieren.
- Vorgesehener Termin FRAGE: Bis zu welchem Termin soll die gegenwärtige COCOM-Überprüfung beendet
sein?
ANTWORT: Wir hoffen, bis Juni die Überprüfung der ganzen Liste abschließen
zu können.
- China FRAGE: Es gibt Anzeichen dafür, daß in der Politik der Exportkontrollen
Unterschiede zwischen der Sowjetunion, China und Osteuropa gemacht werden.
Könnten Sie dazu Stellung nehmen?
ANTWORT: Zwischen der Sowjetunion und Osteuropa wird kein großer Unterschied
gemacht. Aber infolge einer Änderung der amerikanischen Politik besteht ein
deutlicher Unterschied zwischen der Sowjetunion oder den Mächten des Warschauer
Pakts und China.

Es gibt heute sehr viel mehr Technologietransfer nach China.

Die Vereinigten Staaten sind der Meinung, daß es sowohl im Interesse Chinas und
der USA und ihrer Verbündeten liegt, an China moderne Technologie weiterzugeben,
um die wirtschaftliche Modernisierung des Landes zu fördern und auf gewissen
Gebieten,selbst auf dem militärischen Sektor, Unterstützung zu leisten.

So

könnten beispielsweise Computer gewisser Leistungsbereiche und Ausrüstungen zur
Produktion von Halbleitern, die für die Sowjetunion niemals genehmigt würden,

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�genehmigt würden, für China genehmigt werden.
- Struktur des COCOM FRAGE: Manche Leute kritisieren die Organisationsstruktur des COCOM - sie
halten sie für nicht effizient. Was soll nach amerikanischer Ansicht unternommen
werden, um dies zu ändern?
ANTWORT: Wir wollen eine wesentliche Ausweitung der Bürokratie, und wir
glauben auch, daß dem Rechnung getragen wird. Wir würden gerne die Kommunikationsmöglichkeiten verbessern. Auch sähen wir es gerne, daß die Möglichkeiten
des COCOM in der Computernutzung dergestalt verbessert werden, daß sich Fälle
hier an Ort und Stelle bearbeiten lassen.
Wir sind daran interessiert, eine effizientere Organisation daraus zu machen.
Und wir sind nicht daran interessiert, sie zu einer Organisation zu machen, die
Vorrechte der einzelnen Regierungen verletzt oder überspielt.

+ + + -t +

�29. Februar 1984

RISIKOFAKTOR CHOLESTERIN
Direkter Zusammenhang mit Koronarerkrankungen
Von G. Weiss

- (AD) - Vermutet wird seit mehr als zwei Jahrzehnten, daß zwischen
hohem Blutcholesterinspiegel und Koronarerkrankungen ein direkter Zusammenhang bestehe.

Denn erfahrungsgemäß ist bei Personen mit hohen Cholesterin-

werten im Blut das Risiko eines Herzinfarktsund der Erkrankung an einer Sklerose der Herzkranzgefäße größer als bei anderen.
und höheren Alters sind betroffen.

Vor allem Männer mittleren

Aber bislang fehlte der Beweis für direk-

te Zusammenhänge, was unter Medizinern und Ernährungswissenschaftlern immer
wieder Anlaß zu kontroversen Diskussionen gab.
Diesem Beweis scheint man jetzt einen wesentlichen Schritt näher gekommen zu sein:

Die Ergebnisse einer Langzeitstudie, die das Nationale Herz-,

Lungen- und Blutforschungsinstitut (ein Institut der medizinischen Bundesforschungsanstalten - NIH - der USA) im Januar 1984 präsentierte, belegen
zum ersten Mal wissenschaftlich den direkten Zusammenhang zwischen Blutcholesterin und Koronarsklerose.

Die Beobachtungen an fast 4000 Probanden

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�4000 Probanden aus den Vereinigten Staaten und Kanada, vom NIH-Institut und
12 großen Klinikzentren durchgeführt, erstreckten sich über den Zeitraum von
sieben bis zehn Jahren.

Und sie zeigen, daß eine Senkung der Blutcholesterin-

werte das Risiko einer Herzkrankheit

bis zu 49 Prozent verringern kann.

An Hand medizinischer Unterlagen von knapp 500 000 Personen wurden 1972
zur Vorbereitung der Studie 3806 Männer im Alter zwischen 35 und 59 Jahren
ausgewählt.

Wichtigste Kriterien waren überhöhte, mit kurzfristig eingehal-

tener Diät kaum zu beeinflussende Blutcholesterinwerte von 260 mg% und mehr
(normalerweise gelten in dieser Altersgruppe 220 - 230 mg% als obere Grenze)
sowie das Fehlen von Symptomen einer Herzerkrankung.

Die Beobachtung der Probanden, die sich alle freiwillig an dem Programm
beteiligten, war durch regelmäßig vorgenommene Untersuchungen, klinische Tests,
Blutentnahmen und Aufnahme von Elektrokardiogrammen gewährleistet.

Dabei war

zwischen den Instituten die exakte Abstimmung zur Durchführung und Auswertung
der Tests, von Messungen am Fahrrad-Ergometer bis zur Bestimmung der Cholesterinwerte einschließlich der Lipoproteinfraktionen, ebenso wichtig wie die psychologische Führung der Probanden.

Von ihrer zuverlässigen Mitarbeit auch unter

den rigorosen Bedingungen, denen sie über so lange Zeit ausgesetzt waren, hing
ja die Qualität der Studie ab.

"Diese Leute, unsere 'Partner in der Forschung',

sind die eigentlichen Helden solcher Projekte", meint Dr. John W. Farquhar,
der im Klinikum der Stanford-Universität (Kalifornien) 356 Probanden der CPPTStudie betreute.

CPPT ist die Abkürzung für "Coronary Primary Prevention

Trial", wie das Experiment zur Prävention ursächlicher Faktoren von Koronarerkrankungen bezeichnet wurde.

Die eine Hälfte der Versuchspersonen hatte das cholesterinsenkende
Medikament Cholestryramine (täglich sechs Beutel eines nicht gerade wohlschmeckenden Pulvers) einzunehmen.

Der zweiten Hälfte wurde ein ähnlich aus-

sehendes und ähnlich schmeckendes Placebo-Präparat gegeben.

Weder dem Arzt

noch dem Probanden war bekannt, worum es sich im jeweiligen Fall handelte.
Den Betreuerteams wurde es erst nach Beendigung der Studie mitgeteilt, und

- 2 -

�mitgeteilt, und die Versuchspersonen erfahren es in den kommenden drei Monaten bei der Abschlußbesprechung mit ihrem Arzt.
Während all der Jahre mußten allesamt strikte Diät halten - kein fettes
Fleisch, sehr wenig Vollmilch, Käse und Butter, pflanzliche statt tierische
Fette, viel grünes Gemüse, pro Woche nicht mehr als drei Eier.
Einige Ergebnisse: Durch Diät allein wurden die Durchschnittswerte für
den Cholesterinspiegel um 8,5 Prozent, in Verbindung mit dem Medikament um
13,4 Prozent gesenkt. Interessanterweise ging der Anteil der LDL-Fraktion
(Abkürzung für "Low Density Lipoproteine" - niedrigmolekulares Lipid) bei
der unter Medikation stehenden Gruppe um 20,3 Prozent, bei der nur auf Diät
gesetzten Gruppe um 12,3 Prozent zurück. Die LDL-Fraktion gilt gegenüber
der HDL-Fraktion ("High Density Lipoproteine") als die gefährlichere Komponente für das Eintreten eines Herzinfarkts.
Bei der Cholestyramine-Gruppe wurden im Laufe der Jahre 19 Prozent weniger akute Herzanfälle, 20 Prozent weniger Anfälle von Angina Pectoris und
24 Prozent weniger tödliche Herzinfarkte beobachtet als bei der PlaceboGruppe.

Auch wurden bei Probanden aus der erstgenannten Gruppe 21 Prozent

weniger Bypass-Operationen am Herzen zur Wiederherstellung der Blutversorgung
vorgenommen.

Generell zeigte sich, daß bei niedrigem Blutcholesterinspiegel

das Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen oder sich eine Koronarerkrankung
zuzuziehen, etwa halb so groß ist wie bei Vorliegen einer Hypercholesterinämie.
Farquhar betont, daß allein durch eine Änderung des Lebensstils noch
vor Eintritt in das mittlere Lebensalter viele Herzattacken zu vermeiden
wären. Es sei nie zu früh, aber auch nie zu spät, durch regelmäßige Kontrolle und Senkung des Cholesterinspiegels mit Diät und, falls erforderlich, zusätzliche Medikation das Erkrankungsrisiko zu verringern. Die Existenz
cholesterinsenkender Medikamente dürfe nicht als Freibrief für falsche und
unvernünftige Ernährung angesehen werden.
Nach NIH-Statistiken
- 3 -

�Nach NIH-Statistiken erleiden jährlich mehr als eine Million Menschen
in den USA bedrohliche Herzattacken infolge Verstopfung der Herzkranzgefäße;
mehr als 500 000 sterben daran. Nach Meinung der an der CPPT-Studie beteiligten Wissenschaftlern könnten aber 100 000 Menschenleben gerettet werden,
wenn man "aus den Lektionen, die uns die Studie gibt, lernen würde", sagt
Farquhar.

Der Großversuch wurde mit einem Kostenaufwand von 150 Millionen

Dollar durchgeführt.

Das ist ein Bruchteil der Milliarden Dollar, die jähr-

lich an direkten Kosten für die Behandlung von Herzkrankheiten anfallen.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Reagans vom 22. Februar 1984&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Mittelamerika-Hilfe der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des zuständigen Unterstaatssekretärs -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA gegen Apartheid und für friedlichen Wandel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Botschafters bei der UN-Menschenrechtskommission -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Auszüge)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kontrolle des Technologie-Transfers macht Fortschritte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USIA-Interview mit William Archey, Referent für Exportkontrollen im US-Handelsministerium -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Risikofaktor Cholesterin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Direkter Zusammenhang mit Koronarerkrankungen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;</text>
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United

States

53 B o n n - B a d
Tel:

Nummer

Information

Godesbergl,

89-3240

Service

Postfach 300

Telex:

Information
und
Dokumentation

08-85432

29. März 1973

13

Inhalt

WIRTSCHAFT:
Erster Jahresbericht des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik
-Begleitschreiben Präsident Nixons an den KongreßMills fordert Reform des internationalen Handelssystems
-Wortlaut der Erklärung vor dem RepräsentantenhausVolcker tritt für grundlegende Reform des internationalen Währungssystems ein
-AuszügeWashingtoner Währungskonferenz brachte wachsende Übereinstimmung
-Von Eugene Brake-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
US-Kommission empfiehlt neue Konzeptionen für die Suchtbekämpfung
-Koordinierte Behandlungsprogramme sollen Vorrang vor Bestrafung habenAmerikanisch-sowjetische Forschungsprogramme
Großstädter atmen zu viel Kohlenmonoxid ein
-Rauchen erhöht zusätzlich CO-Spiegel im Blut-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Postfach

TeIex:

Wirtschaft

Service
300

08-85432

13/1973

ERSTER JAHRESBERICHT DES RATES FÜR INTERNATIONALE WIRTSCHAFTSPOLITIK
-Auszüge-

BEGLEITSCHREIBEN PRÄSIDENT NIXONS AN DEN KONGRESS
-Wortlaut-

WASHINGTON _-(AD)— Präsident Nixon hat am 20. März den ersten Jahresbericht
des amerikanischen Rates für Internationale Wirtschaftspolitik an den Kongreß
übermittelt. In dem am 22. März veröffentlichten Bericht geht der Rat auf die
handels-und währungspolitische Entwicklung nach dem Kriege ein und gibt seine
Empfehlungen für den künftigen Kurs der Vereinigten Staaten. In seinem Begleitschreiben lehnt Präsident Nixon eine Abkehr Amerikas von der Welt ab und
betont, daß sich die Vereinigten Staaten der Weltkonkurrenz stellen müßten.
Der Vorsitzende des Rates und Sonderberater des Präsidenten, Peter M.
Flanigan, teilte auf einer Pressekonferenz über den Bericht mit, daß Nixon
seine Handelsgesetzvorlage voraussichtlich im April dem Kongreß unterbreiten
werde. Die endgültigen Entscheidungen über die Details der Vorlage seien
noch nicht gefallen.
Das

�Das Begleitschreiben des Präsidenten hat folgenden Wortlaut"An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Die Nation hat wieder Frieden; ebenso sind wir wieder auf einem festen
Kurs zu einem starken wirtschaftlichen Wachstum im eigenen Lande. Jetzt müssen
wir unsere Aufmerksamkeit stärker den dringenden Problemen zuwenden, vor denen
wir in unseren wirtschaftlichen Beziehungen zu anderen Ländern stehen. Für
manche von uns mögen internationale Probleme fernab liegend erscheinen, sie
haben jedoch eine sehr direkte Auswirkung auf die Arbeitsplätze, die Einkommen
und den Lebensstandard unseres Volkes. Weder der Friede, den wir erreicht
haben, noch das wirtschaftliche Wachstum, das für unser nationales Wohlergehen notwendig ist, werden Bestand haben, wenn wir diese Fragen vernachlässigen, denn sie können unsere Prosperität im eigenen Lande vermindern und
gleichzeitig schädliche Reibungen mit anderen Ländern verursachen.
Unsere Hauptschwierigkeiten rühren daraus her, daß wir uns trotz der
raschen Veränderungen, die in der Welt stattgefunden haben, zu lange auf veraltete wirtschaftliche Vereinbarungen und Institutionen verlassen haben. Viele
Länder, denen wir nach dem zweiten Weltkrieg beim Wiederaufbau geholfen haben,
sind jetzt zu unseren starken wirtschaftlichen Konkurrenten geworden. Wir
Amerikaner können nicht länger so handeln, als ob diese geschichtlichen Entwicklungen nicht stattgefunden hätten. Wir müssen mehr leisten, um uns - sowohl auf dem privaten Sektor wie in der Regierung - darauf vorzubereiten, wirksamer auf den Weltmärkten konkurrieren zu können und damit den Handel auszu-.
weiten, damit er unserem Volke größeren Nutzen bringt.
Im Sommer 1971 hat diese Administration in der amerikanischen Außenhandelspolitik fundamentale Änderungen eingeleitet. Wir haben auch Vorschläge für
die Reform des internationalen Währungs-und Handelssystems unterbreitet, das

�das nicht mehr in der Lage ist, mit den gegenwärtigen Problemen fertig zu
werden. Das Durcheinander in den Währungsangelegenheiten der Welt hat deutlich gezeigt, daß jetzt eine konstruktive Reform mit noch größerer Dringlichkeit in Angriff genommen werden muß.
Im eigenen Lande haben wir unseren Kampf für die Aufrechterhaltung der
Preisstabilität und die Verbesserung unserer Produktivität fortgesetzt
- Ziele, die für unsere internationale Wirtschaftsposition ebenso wichtig
sind wie für unser Wohlergehen im eigenen Lande.
Was wird unser nächster Schritt sein?
In meiner Botschaft über die Lage der Nation zur Wirtschaft im vorigen
Monat habe ich bestimmte Maßnahmen umrissen, um sowohl unsere einheimische
als auch unsere internationale Wirtschaftsposition zu stärken. Eines unserer wichtigsten Vorhaben ist die Reform des Handels.
Bei der Wahl einer internationalen Handelspolitik, die allen Amerikanern
zugute kommen wird, bin ich zu dem Schluß gekommen, daß wir uns einer intensiveren langfristigen Konkurrenz auf den Weltmärkten stellen müssen und
nicht vor ihr zurückschrecken dürfen. Jene, die möchten, daß wir uns nach
innen kehren und uns hinter einem Schild von Einfuhrbeschränkungen unbegrenzter Dauer verstecken, könnten kurzfristige Gewinne und Vorteile für bestimmte Gruppen erreichen, aber sie würden von der Gesamtwirtschaft hohe
Kosten fordern. Diese Kosten müßten von allen von uns in Form höherer Preise
und eines geringeren Realeinkommens getragen werden. Solche restriktiven
Maßnahmen könnten nur als Reaktion auf unfairen Wettbewerb oder die Schliessung ausländischer Märkte für unsere Güter gefordert werden oder zu dem
Zweck, Zeit für Anpassungen zu gewinnen.
Meine

�Meine Einstellung beruht auf meinem festen Glauben an die Konkurrenzfähigkeit der Amerikaner und auf meiner Zuversicht, daß alle Nationen erkennen werden, daß ihre eigenen Lebensinteressen in einem Abbau der wirtschaftlichen Hindernisse und der Anwendung fairerer und effektiverer Handelsregeln
liegen.
Die Tatsache, daß die meisten dieser Äußerungen sich auf die Rolle unserer Regierung beziehen, darf die Aufmerksamkeit nicht von der entscheidend
wichtigen Rolle ablenken, die die private Wirtschaftstätigkeit bei der Lösung
unserer gegenwärtigen Probleme spielen wird. Um unsere Produktivität zu erhöhen und unsere Preise wettbewerbsfähig zu erhalten, sind die Zusammenarbeit
und die Initiative aller Sektoren unserer Wirtschaft notwendig. Das ist von
entscheidender Bedeutung für unsere internationale Handelsposition. Und doch
gibt es bestimmte notwendige Schritte, die nur die Regierung tun kann, wenn
man von dem weltweiten Ausmaß der Handelstätigkeit und der Notwendigkeit für
ein allgemeines internationales Übereinkommen ausgeht, den Handel fair und
effektiv auszuweiten. Ich bin entschlossen, diese Schritte zu ergreifen.
Ich weiß, daß wir uns auf das amerikanische Volk und seine Vertreter im
Kongreß verlassen können, wenn es darum geht, sich den Bedingungen der sich
wandelnden Weltwirtschaft zu stellen. Zusammen müssen wir das Notwendige tun,
um dif Prosperität uiseres Landes und der Welt, in der wir leben, zu fördern.
gez. Richard
(Ende Wortlaut)

-4-

Nixon."

�AUSZÜGE AUS DEM BERICHT
- Ein Viertel Jahrhundert des Fortschritts -

Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg war, gleichgültig welchen quantitativen Maßstab man anlegt, die wohl erfolgreichste in der Geschichte der
Weltwirtschaft. Länger als ein Viertel Jahrhundert hat die Welt ein Wirtschaftswachstum erlebt, das weder durch einen weltweiten Krieg noch durch
eine weltweite Depression unterbrochen wurde. Die steigenden Einkommen haben
Massenmärkte geschaffen, und das schnelle Tempo der technologischen Entwicklung hat zu einer rationelleren Produktion zahlreicher Erzeugnisse geführt.
Die meisten Industriestaaten haben heute einen Lebensstandard, der dem Gros
der Bevölkerung weit mehr als nur den nackten Lebensunterhalt bietet. Und
zahlreiche Entwicklungsländer haben nach Jahrhunderten der Stagnation jetzt
begonnen, eindrucksvolle wirtschaftliche Fortschritte zu machen....

- Auftretende Probleme Während die engeren wirtschaftlichen Bindungen der Welt Vorteile brachten, schufen sie zugleich auch neue Möglichkeiten für Meinungsverschiedenheiten zwischen den einzelnen Ländern. Überall auf der Welt sehen sich die
Regierungen vor neuen Schwierigkeiten wegen der Probleme, die der umfangreiche und rasche Transfer von Gütern und Kapital ausgelöst hat. Die meisten
großen Länder exportieren heute einen größeren Prozentsatz ihrer Gütererzeugung und importieren einen größeren Teil ihrer Konsumgüter als noch vor zehn
Jahren, so daß der Außenhandel sich wesentlich stärker auf Arbeitsplätze und
Einkommen auswirkt. Länder mit begrenzten Handelsschranken müssen feststellen,
daß plötzliche Importstöße auf ihren Binnenmärkten bei einzelnen Erzeugnissen

-5-

�Erzeugnissen zu ernsthaften Störungen führen und daß den Arbeitnehmern und
den Betrieben nicht genügend Zeit bleibt, sich den schnellen Veränderungen
unter Wettbewerbsbedingungen anzupassen.
Angesichts der immer größer werdenden Interdependenz der Weltwirtschaft
wirkt sich die Binnenwirtschaftspolitik der einzelnen Länder gleichzeitig
immer stärker auf die übrigen Länder aus. Bemühungen um die Lösung des Arbeitslosenproblems in einem Lande können dazu führen, daß anderswo Arbeitnehmer ihre Arbeitsplätze verlieren. Versuche, den inflationistischen Druck
durch Verknappung der Geldversorgung in einem Lande zu mildern, können
durch starken Zustrom zinsempfindlichen ausländischen Kapitals ernstlich beeinträchtigt werden. So ist es nicht länger mehr möglich, daß ein Land eine
absolute Souveränität über seine eigene Binnenwirtschaftspolitik ausübt, ohne
daß sich dies auf den Wohlstand der übrigen Länder auswirkt....
Die meisten Industriestaaten haben eine Politik verfolgt, die darauf ab»gestellt war, Handels-und Zahlungsbilanzüberschüsse zu erzielen. Nach der
Wiederaufbauperiode unmittelbar nach dem Kriege schlugen die westeuropäischen
Länder und Japan eine Politik ein, die Vollbeschäftigung durch Förderung des
Exports und Einschränkung des Imports erreichen sollte. Sie haben bereits vor
langer Zeit dieses Ziel erreicht und praktisch besteht jetzt in zahlreichen
dieser Länder ein Mangel an Arbeitskräften. Doch die Politik, die zu diesen
Handelsüberschüssen führte, wurde zu einem großen Teil fortgesetzt, vor allem,
weil die Gruppen, die unter dieser Politik so floriert hatten, naturgemäß
zögerten, sie aufzugeben. Es entstand ein "Überschuß-Syndrom". Der gesamte
Druck, Anpassungen vorzunehmen, richtet sich somit auf die Defizit-Länder.
Das System von Bretton Woods, so wie es sich in der Praxis entwickelte,
stützte sich zu sehr auf die Annahme, daß Defizit-Länder normalerweise ihre
Zahlungsbilanz-Ungleichgewichte durch eine eigene Haushalts-und Währungspolitik anpassen könnten. Diese Länder haben aber festgestellt, daß derartige
Hilfsmaßnahmen zu langsam wirkten und zu viele Härten in Form eines langsame-

-6-

�langsameren Wirtschaftswachstums und untragbarer Arbeitslosenraten mit sich
brachten.
Somit wurde offensichtlich,daß die bestehenden internationalen Institutionen und ihre Verfahren zu wenig Flexibilität boten, um eine reibungslose
Anpassung von Zahlungsbilanz-Ungleichgewichten - Überschüsse wie auch Defizite - herbeizuführen. Obwohl in den letzten Jahren immer häufiger Wechselkursanpassungen vorgenommen wurden, erfolgten diese im allgemeinen doch erst,
nachdem die Zahlungsbilanzprobleme eines Landes akut geworden waren. Dies ist
zu einem großen Teil auf das Fehlen von international vereinbarten Normen
zurückzuführen, wann Wechselkursanpassungen notwendig sind. Die gleichen
Schwierigkeiten und einen noch härteren Widerstand gab es bei der Anwendung
von Handelsmaßnahmen aus Zahlungsbilanzgründen. Im Rahmen der internationalen Abkommen ist gegenwärtig nur eine begrenzte Verwendung von Mengenbeschränkungen zulässig, und es gibt keinerlei offizielle Bestimmungen für auf den
Preis einwirkende Maßnahmen, wie zum Beispiel die Einführung von Zuschlägen.

- Die veränderte Rolle der USA Fast immer wurde in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg die Formulierung der amerikanischen Außenwirtschaftspolitik den internationalen politischen Zielsetzungen weitgehend untergeordnet. Wir wollten politische Stabilität und enge gegenseitige Bindungen innerhalb der freien Welt fördern, um das
Risiko eines kommunistischen Vordringends zu verringern. Die Vereinigten Staaten waren der Ansicht, daß wirtschaftlicher Wohlstand zu politischer Stabilität beitragen würde; daß, nachdem die meisten Industriestaaten vom Außenhandel stark abhängig waren, ein Abbau der Handelsschranken das Wirtschaftswachstum stimulieren würde und daß die Entwicklung von Handel und anderen
wirtschaftlichen Bindungen die Einheit der freien Welt fördern würde. Mit
diesem Ziel vor Augen haben wir über 25 Jahre lang eine liberale Handels-

�Handels-und Zahlungspolitik verfolgt. Diese Politik war erfolgreich; sie hat
wesentlich zu dem raschen Wirtschaftswachstum sowohl im Inland wie auch im
Ausland beigetragen und damit zur Verwirklichung unserer politischen Ziele.
Die Vereinigten Staaten konnten sich damals eine solche Politik ohne
weiteres leisten. Sie waren nach dem zweiten Weltkrieg die einzige Großmacht,
die keine Kriegsverwüstungen erlitten hatte. Obwohl unser wirtschaftliches
Übergewicht naturgemäß in dem Maße zurückging, wie sich der Wiederaufbau in
den übrigen Ländern vollzog, hielten wir uns in dem Wettbewerb um die Weltmärkte bis in die sechziger Jahre hinein gut. Vor einem Jahrzehnt belief sich
unser Handelsüberschuß auf jährlich über fünf Milliarden Dollar - ein Betrag, der groß genug war, um beträchtliche Gelder für die Verfolgung unserer
politischen und militärischen Ziele im Ausland ausgeben zu können, ohne daß
unsere Zahlungsbilanzposition ausgehöhlt wurde. Wir konnten uns ferner ein
Zahlungsbilanzdefizit von mehreren Milliarden Dollar pro Jahr ohne ernste
Probleme leisten, weil die Weltwirtschaft Dollar brauchte, um das rasch anwachsende Volumen der internationalen Wirtschaftstransaktionen zu bewältigen.
Darüber hinaus haben wir, da unsere starke internationale Wirtschaftsposition
und die wirtschaftliche Wiedererholung Westeuropas und Japans Schlüsselelemente unserer Außenpolitik waren,bestimmte ausländische Praktiken geduldet, die
unsere Exportmöglichkeiten einschränkten.
Jetzt haben sich zahlreiche dieser Politik zugrundeliegende Bedingungen
geändert.Angesichts der neuen Stärke Westeuropas und Japans ist dieses politische Prinzip, Praktiken zu dulden, die unsere Wettbewerbsposition auf unfaire Weise einschränken, nicht länger von Bestand. Die Vereinigten Staaten
haben einen großen Teil ihres starken wirtschaftlichen Übergewichtes in der
Industrie der freien Welt verloren.
Gleichzeitig

-8-

�Gleichzeitig waren wir nicht länger in der Lage, die großen Beträge auszuwerfen, die erforderlich waren, um unseren internationalen Verpflichtungen
nachzukommen, sowie ständige Zahlungsbilanzdefizite auf uns zu nehmen,ohne
daß dies die internationale monetäre Stabilität nachteilig beeinflußte. Der
starke Dollarfluß in das internationale Währungssystem während der letzten
Jahre hat dazu geführt, das Vertrauen in den Dollar zu untergraben. Diese
sich verschlechternde Außenwirtschaftsposition hat ihre Ursache weitgehend
in unserer immer schlechter werdenden Handelsbilanz. Anstelle von Handelsüberschüssen haben wir jetzt beträchtliche Defizite.
Das verbesserte Produktionspotential unserer Handelspartner hat uns neue
Konkurrenz im In-wie auch im Ausland gebracht. Zahlreiche Länder haben prozentual mehr für neue Anlagen und Ausrüstungen ausgegeben als wir. Ein bedeutender Teil unseres Kapitals und unseres technologischen Könnens war für
die Verteidigung der freien Welt eingesetzt. Der eindrucksvolle technologische Vorsprung, den die Vereinigten Staaten nach dem zweiten Weltkrieg hatten, ist zurückgegangen, nachdem andere Länder sich als fähig erwiesen, hochentwickeltes technologisches Wissen aufzunehmen oder weiterzuentwickeln.
Die Übernachfrage, die zu der hohen Inflationsrate in den Jahren von
1964 bis 1971 führte, hat ebenfalls unseren Export verlangsamt und unseren
Import gesteigert. Einige Länder hatten ähnliche Inflationsprobleme, blieben
jedoch durch Abwertung ihrer Währungen wettbewerbsfähig. Wir nahmen jedoch
von einem solchen Schritt Abstand, und zwar im Hinblick auf die zentrale
Rolle, die dem US-Dollar im internationalen Währungssystem zukam.
Während die Importe von Verbrauchsgütern stiegen, machten die ausländischen Handelsschranken häufig unsere Anstrengungen um eine Ausweitung des Exports solcher Güter zunichte,

bei denen wir einen Vorsprung hatten, wie zum

Beispiel auf dem Gebiet der modernen Technologie und vor allem auf dem Landwirtschaftssektor.
Aufgrund

-9-

�Aufgrund unserer immer geringer werdenden Autarkie auf dem Gebiet der
Rohstoffe sehen sich die Vereinigten Staaten ferner schnell steigenden Importen von Mineralen gegenüber. Nachdem wir unsere qualitativ hochwertigen
einheimischen Vorkommen erschöpft haben, gehen wir nunmehr auf ausländische
Lieferungen über. Jedes Jahr steigt unsere Abhängigkeit von ausländischen
Vorkommen wichtiger Bodenschätze wie zum Beispiel Rohöl oder Bauxit.

- Auf dem Wege zu einem gerechteren System Präsident Nixon hat am 15. August 1971 die Initiative ergriffen, um
unsere unmittelbaren Schwierigkeiten zu überwinden, und den Boden für eine
grundlegende Reform des internationalen Wirtschaftssystems vorbereitet. Die
im Dezember 1971 sowie im Februar und März 1973 erreichten Wechselkursanpassungen haben unsere Wettbewerbsposition genau so gestärkt wie die erfolgreichen Bemühungen um eine Eindämmung der Inflation im Inland. In der Tat
hatten die Vereinigten Staaten in den letzten 18 Monaten unter allen großen
Industriestaaten die niedrigsten Preissteigerungen bei Verbrauchsgütern. Infolgedessen ist das Verhältnis zwischen unseren Produktionskosten und denen
der übrigen Industriestaaten heute etwa wieder das gleiche wie Mitte der
sechziger Jahre.
Der zweite Teil des Programms des Präsidenten hat jetzt begonnen. Auf
der Jahrestagung des Weltwährungsfonds (IWF) im September 1972 in Washington wurden weitreichende amerikanische Vorschläge für eine Reform des internationalen Währungssystems vorgelegt, und die Verhandlungen im ZwanzigerAusschuß des IWF schreiten voran; wir hoffen, daß ein neues Abkommen im Prinzip auf der IWF-Tagung im September dieses Jahres in Nairobi erreicht werden
kann. Die Vereinigten Staaten haben ferner Zusagen erhalten, daß Ende 1973
mit umfassenden multinationalen Handelsverhandlungen begonnen wird.

Wir

-10-

�Wir sehen uns einer Vielzahl von Möglichkeiten gegenüber, wenn wir uns
jetzt um die Entwicklung einer neuen internationalen Wirtschaftspolitik bemühen. Es ist völlig klar, daß wir es uns nicht leisten können, einfach zu den
internationalen Handels-und Finanzpraktiken der Zeit vor dem 15. August 1971
zurückzukehren. Denn aus den Entwicklungen der letzten zwei oder drei Jahre
zeigt sich: Gleichgültig welche Vorteile sich auch ergeben könnten, die Risiken für den künftigen Bestand des internationalen Wirtschaftssystems sind
einfach zu groß.
Es ist genau so klar, daß es für die Vereinigten Staaten einfach untragbar wäre, sich von ihren internationalen Verpflichtungen zurückzuziehen. Ein
solcher Rückzug wäre in der Tat für unsere Volkswirtschaft kostspielig. Man
darf nicht vergessen, gaß die Vereinigten Staaten während der meisten Zeit
nach dem Kriege beträchtliche Vorteile aus dem Welthandel gezogen haben. Darüber hinaus bestand ein enger Zusammenhang zwischen unseren politischen und
militärischen Beziehungen und unseren wirtschaftlichen Geschäften im Ausland;
eine Entscheidung der USA, unsere Wirtschaft plötzlich auf den Binnenmarkt
auszurichten, würde mit größter Sicherheit nachteilige Auswirkungen auf unsere
Beziehungen haben, die für die Sicherheit und den Frieden der freien Welt von
so entscheidender Wichtigkeit sind.
Den Interessen der USA wie auch der Völkergemeinschaft der Welt wäre mit
einem internationalen Wirtschaftskurs am besten gedient, der den so große
Vorteile bringenden, marktorientierten Fluß von Gütern und Dienstleistungen
so weit wie möglich erleichtert, der aber ungebührliche Härten vermeidet, die
sich ergeben könnten, falls dieser Fluß zu einer unerwarteten Flut ausufert.
Um ein solches Gleichgewicht zu erreichen, werden angesichts des wachsenden
öffentlichen Interesses an internationalen Wirtschaftsfragen eingehende und
sorgfältige Verhandlungen zwischen den Staaten notwendig sein.

Bei

�Bei der Gestaltung einer wirksamen Wirtschaftspolitik in der heutigen
Welt geht es um mehr als nur um die Wahl zwischen "Protektionismus" und
"freiem Handel". Ein langfristiger Schutz vor ausländischem Wettbewerb
führt zu einem niedrigeren Lebensstandard, einer geringeren Gesamtproduktion
und weniger Arbeitsplätzen gerade in der Volkswirtschaft, die dadurch gestützt werden soll, während uneingeschränkter freier Handel einigen Wirtschaftssektoren in einer Zeit sich schnell ändernder Produktions-und Handelsformen untragbare Lasten auferlegen kann...
Die Schaffung einer echten internationalen Wirtschaftsgemeinschaft
setzt die Bereitschaft voraus, neue Kräfte und neue Ideen zu akzeptieren
und einige hergebrachte Gepflogenheiten zu ändern. Sie bedeutet, daß die
Länder bereit sein müssen, ein gewisses Maß an Selbstinteresse zu Gunsten
übergeordneter internationaler Interessen aufzugeben. Am Ende aber wird es
für alle größere Vorteile bringen.
Was uns anbetrifft, so sind wir bereit, auf dem sich ändernden und
wachsenden Weltmarkt einen scharfen Wettbewerb aufzunehmen. Wir müssen den
Kampf um Preisstabilität und größere Produktivität fortsetzen. Wir müssen
bereit sein, einige Teile unserer Wirtschaft den Veränderungen im Ausland
anzupassen. Wir dürfen nicht vor den erforderlichen Anpassungen zurückschrecken, um den Wettbewerb auf den Weltmärkten wirksamer führen zu können.
Die Bedeutung unserer potentiellen Gewinne in Form von Arbeitsplätzen und
Einkommen, in verbesserten Aussichten auf eine friedliche Welt ist zu groß.

- Politische Vorschläge Währung:
Das vordringlichste Erfordernis ist die Reform des internationalen Währungssystems. Die zunehmende Häufigkeit von Währungskrisen und die Einführung von Kapitalmarktkontrollen in den letzten Jahren sind symptomatisch für

-12-

�für die Unzulänglichkeit der gegenwärtigen Abkommen. Die Störungen auf den
Devisenmärkten im Februar und im März 1973 unterstreichen die Notwendigkeit neuer monetärer Bestimmungen und Verfahren.
Unseres Erachtens ist der schwächste Punkt des Systems von Bretton
Woods der Anpassungsprozeß. Die im September 1972 vorgelegten amerikanischen Vorschläge sollen den internationalen Druck auf Defizit-und Überschußländer, ihre Ungleichgewichte anzupassen, verstärken. Die Wahl der
Politik, um dieses Ergebnis zu erreichen - zwischen Wechselkursanpassungen
und anderen Maßnahmen - liegt jedoch bei den betreffenden Ländern. Unser
Plan sieht Bandbreiten beiderseits der Leitkurse

in dem auf der Smithso-

nian-Konferenz zugelassenen Rahmen vor. Dem Dollar sollte gleich den anderen Währungen ein gewisses Maß an Flexibilität beiderseits seiner Parität gestattet sein. Den Ländern sollte ferner ein Floaten ihrer Währungen
im Rahmen vereinbarter internationaler Richtlinien erlaubt sein.
Um die Verantwortung für Anpassungen gerecht aufzuteilen, haben wir
objektive Kriterien vorgeschlagen, nach denen entschieden wird, ob Anpassungsmaßnahmen notwendig sind, sowie Verfahren, um sicherzustellen, daß
solche Maßnahmen ergriffen werden. Die geeignetesten Kriterien wären unangemessen große Gewinne oder Verluste an Reserven gegenüber den angemessenen Reservepositionen, die durch Übereinstimmung im IWF festgestellt werden müßten. Kapitalbeschränkungen, die die Wirksamkeit solcher Kriterien
verringern, würden durch ein internationales Abkommen auf ein Minimum begrenzt werden. Wir haben kürzlich bekanntgegeben, daß wir die Kapitalkontrollprogramme Ende 1974 auslaufen lassen wollen, die wir Anfang der
sechziger Jahre zur Überwindung unserer Zahlungsbilanzdefizite eingeführt
hatten.
Wir haben vorgeschlagen, daß der Wert aller Währungen in Sonderziehungsrechten festgelegt werden soll und daß die erforderliche Erhöhung
der internationalen Liquidität in erster Linie in Form von Sonderziehungsrechten erfolgt.
Handel:

-13-

�Handel:
Gleichzeitig mit der Reform des Währungssystems müssen wir auch neue internationale Vereinbarungen über die Abwicklung des Handels treffen. Diese neuen Vereinbarungen könnten eine dringend notwendige Alternative zu Zahlungsbilanzanpassungen bilden und gleichzeitig verhindern, daß Handelsschranken
die Auswirkungen notwendiger Wechselkursanpassungen zunichtemachen. Da Wechselkursanpassungen einigen Wirtschaftssektoren Vorteile bringen, andere jedoch schädigen, sehen sich die Regierungen häufig einem Druck ausgesetzt, ihren Auswirkungen durch Handelsschranken zu begegnen. Es gibt ferner seit langem bestehende Praktiken, die ausdrücklich bestimmte Wirtschaftssektoren vor
dem internationalen Preiswettbewerb abschirmen sollen. Zum Beispiel haben die
Europäische Gemeinschaft und Japan Mittel zum Schutze ihrer Agrarerzeugnisse ,
die die Auswirkung jeder Abwertung einer Währung voll aufheben - auf Kosten
ihrer Verbraucher und unserer Farmer. Wir müssen uns aber auch darüber klar
sein, daß auch unser eigenes System nicht völlig frei von solchen Maßnahmen
ist.
Erfolgreiche Handelsverhandlungen sind ebenfalls notwendig, wenn wir den
zunehmenden Forderungen im In-und Ausland nach mehr Schutz widerstehen und
wenn wir unsere eigene Handelsbilanz verbessern sollen. In den letzten Jahren
ist das Prinzip der Nichtdiskriminierung zwischen Handelspartnern durch die
wachsende Verwendung bilateraler Präferenzabkommen stark ausgehöhlt worden
mit der Tendenz, die Welt in Handelsblöcke zu spalten. Mit großer Sorgfalt
ausgehandelte Zollsenkungen sind durch Diskriminierungen und andere den Handel verzerrende Maßnahmen zum Teil gefährdet worden. Die Handelsstreitigkeiten haben zugenommen, da viele Länder mit einer zur Zeit ausgezeichneten Handelsposition ihre Importbeschränkungen nicht aufgehoben haben, die sie unter
früheren negativen Bedingungen eingeführt hatten.

Obwohl

-14-

�Obwohl es unser Ziel ist, für alle die Vorteile eines expandierenden Handels zu erreichen, sind wir uns darüber klar, daß abrupte Änderungen der Handelspraktiken zu Härten führen können. Wir haben erlebt, wie unsere schnell
zunehmenden Importe von einigen Fertigerzeugnissen Störungen hervorgerufen
und eine ordnungsgemäße Anpassung an die neuen Wettbewerbsbedingungen erschwert
haben. Andere Länder hatten ähnliche Probleme.
Wir sind uns klar darüber, daß die Produktionspraktiken eines Landes
nicht starr sind und daß, um wettbewerbsfähig zu bleiben und den Bedarf der
Bevölkerung zu decken, Änderungen sowohl erwünscht wie auch unvermeidbar sind.
Wenn man jedoch einer industriellen Struktur nicht genügend Zeit läßt, zu anderen wettbewerbsfähigeren Erzeugnissen überzugehen oder bei den derzeitigen
Erzeugnissen wettbewerbsfähiger zu werden, so kann dies zu unerwünschten Belastungen der gesamtwirtschaftlichen Leistung führen. Daher sehen wir, auch
wenn wir dauernde Importbeschränkungen als produktionsfeindlich betrachten,
eine Notwendigkeit für ein temporäres System von "Schutzmaßnahmen", so daß
der natürliche Verbesserungsprozeß sich wirksamer und mit einem Minimum an
Freisetzungen auf dem Arbeitsmarkt vollziehen kann.
Wir erwarten, daß die bevorstehenden Verhandlungen sich nicht nur mit dem
Abbau der Zölle, sondern auch mit der Beseitigung oder Senkung der anderen,
häufig viel wichtigeren Schranken für den Austausch von Gütern zwischen den
Ländern befassen werden. Während die meisten Industriestaaten in den sechziger
Jahren ihre Zollsätze um etwa ein Drittel gesenkt haben,ist die Bedeutung der
nicht-tarifären Handelsschranken relativ gestiegen. Bei den Verhandlungen über
den Abbau von Handelsschranken aller Art werden wir eine so liberale weltweite Handelsposition anstreben, wie sie unsere großen Handelspartner für sich
selbst zu akzeptieren bereit sind.
Bei den

Verhandlungen,für die wir uns gegenwärtig um die gesetzlichen

Vollmachten bemühen, werden wir speziell vorschlagen, daß die Zölle phasenweise wesentlich gesenkt und daß die nicht-tarifären Handelsschranken harmonisiert
werden. Wir werden ferner ein internationales Abkommen anstreben, das tempo-

-15-

�temporären "Schutz" vor Importen gestattet. Der Abbau der Handelsschranken
auf dem Agrarsektor muß gleichzeitig mit der Liberalisierung bei den Industrieerzeugnissen erfolgen.
Wir unterstützen ferner die Konzeption allgemeiner Präferenzen für die
Erzeugnisse der Entwicklungsländer, aber wir können nicht Ländern einen bevorzugten Zugang zu diesem Markt gewähren, die unsere Exporte auf ihren Märkten diskriminieren und die Exporte anderer Industriestaaten begünstigen. Auf
dem besonderen Gebiet des Ost-West-Handels werden wir die wirtschaftliche
Normalisierung mit den kommunistischen Ländern weiter fördern. In diesem Zusammenhang werden wir den Kongreß um die Vollmacht ersuchen, den kommunistischen Ländern, mit denen wir befriedigende Handelsabkommen aushandeln, den
Meistbegünstigtenstatus einräumen zu können.
Wir werden uns ferner um ein Gesetz bemühen, das den Präsidenten ermächtigt, sicherzustellen, daß amerikanische Erzeugnisse - unabhängig von dem
Ausgang der bevorstehenden multilateralen Handelsverhandlungen - einen fairen und gerechten Zugang zu den ausländischen Märkten erhalten. Aufgrund dieser Vorschläge könnte der Präsident Zölle und andere Handelsschranken, falls
angebracht, senken oder erhöhen und so anderen Ländern einen Anreiz geben,
stark restriktive Handelsschranken abzubauen. Er hätte dann auch freiere Hand,
sich mit hartnäckigen Zahlungsbilanzproblemen zu befassen und bestimmte Importbeschränkungen als Anti-Inflationsmaßnahme abzubauen. Diese Maßnahmen
sind notwendig, um ein ausgewogeneres und freieres internationales Wirrschaftssystem zu erreichen und unser derzeitiges Handelsdefizit abzubauen.

- Andere wichtige internationale Fragen -

Internationale Investitionen:
Fast alle amerikanischen Firmen, die im Ausland investiert haben,
taten dies, um den Wettbewerb auf den Auslandsmärkten wirksamer führen zu

-16-

�zu können. Ein Verzicht auf solche Investitionen würde bedeuten, daß die
amerikanischen Gesellschaften dem ausländischen Wettbewerb unterliegen müssen.
Regierungsstudien zeigen, daß dies negative Auswirkungen auf ihre Produktion
wie auch auf ihren Beschäftigtenstand im Inland haben würde. Sie würden nicht
länger Vorteile aus den Direktexporten der Muttergesellschaften an die ausländischen Tochtergesellschaften und aus den Investitionserträgen ziehen.
Obwohl nur wenige Erzeugnisse von in amerikanischem Besitz befindlichen
Firmen im Ausland in den Vereinigten Staaten verkauft werden, führten Direktinvestitionen für den Absatz auf dem amerikanischen Markt zu Beschwerden, denn
solche Erzeugnisse stehen natürlich im Wettbewerb mit den Erzeugnissen der in
den USA ansässigen amerikanischen Firmen. Diese Kritik ignoriert jedoch eine
wichtige weitere Quelle des Wettbewerbs: Gesellschaften, die solche Investitionen vornehmen, haben dies in erster Linie getan, um den Wettbewerb mit ausländischen Erzeugnissen auf dem amerikanischen Markt aufnehmen zu können. Auf
jeden Fall sollte man sich darüber klar sein, daß unsere empfindlichsten Importprobleme nicht von in amerikanischem Besitz befindlichen Werken im Ausland verursacht werden, sondern vielmehr - wie im Falle von Textilien, Schuhen und Stahl - von in ausländischem Besitz befindlichen Gesellschaften.
Wir werden uns immer mehr bewußt, wie unzulänglich die derzeitigen internationalen Prinzipien oder Übereinkommen in bezug auf Direktinvestitionen
sind. In zahlreichen Fällen sehen sich amerikanische Investanten bei der Errichtung und beim Betrieb von Unternehmern im Ausland Beschränkungen gegenüber,
während Gesellschaften dieser gleichen Länder kaum Schwierigkeiten haben,
hier entsprechende Investitionen vorzunehmen.
Wir werden weiterhin zu Investitionen in den Entwicklungsländern ermutigen. In einigen Entwicklungsländern sind solche Investitionen nicht willkommen. Obwohl wir die Klugheit einer solchen Politik bezweifeln, erkennen wir
das Recht eines jeden Landes an, seine eigenen Prioritäten und Entwicklungsziele festzulegen. Wenn der Besitz amerikanischer Staatsbürger enteignet wird,
werden die Vereinigten Staaten jedoch gemäß der Erklärung Präsident Nixons
vom Januar 1972 darauf bestehen, daß ein solcher Schritt im Einklang mit dem
Völkerrecht und den Bestimmungen für eine umgehende, angemessene und wirksame Entschädigung erfolgt.
-17-

�EIN HANDELSPROGRAMM FÜR EINE SICH VERÄNDERNDE WELT

Das Kapitel III des ersten Jahresberichtes
über die Internationale Wirtschaftspolitik
trägt den Titel: "Ein Handelsprogramm für
eine sich verändernde Welt." Dieses Kapitel
enthält Einzelheiten hinsichtlich der Ziele,
die die Vereinigten Staaten bei den kommenden weltweiten Handelsverhandlungen anstreben, sowie hinsichtlich der Vorschläge für
eine Handelsgesetzgebung, die gegenwärtig
von der Nixon- Administration vorbereitet
wird. Im folgenden Auszüge aus diesem Kapitel:

Die Notwendigkeit multilateraler Verhandlungen:

Die Notwendigkeit multilateraler Handelsverhandlungen übersteigt zweifellos unsere gegebenen Möglichkeiten. Das internationale Handelssystem befindet sich gegenwärtig an einer Wasserscheide, von der aus es entweder auf
einen Protektionismus zutreiben oder seine in der Vergangenheit hart errungenen Fortschritte in Richtung auf eine offenere und gedeihlichere Weltwirtschaft fortsetzen kann. Schon immer seit dem zweiten Weltkrieg haben wir
durch den Abbau von Handelsschranken innerhalb der Länder der freien Welt
einen freieren Handel unterstützt.
In

-18-

�In den letzten Jahren mußten wir jedoch ein Wiedererstehen diskriminierender Handelsmaßnahmen miterleben. Fundamentale Handelsprinzipien, darunter
das Prinzip der Nichtdiskriminierung unter den Handelspartnern sind stark
unterminiert worden. Das Entstehen der Europäischen Gemeinschaft, von den
Vereinigten Staaten unterstützt, brachte in wachsendem Maße wechselseitige
Abkommen mit Nichtmitgliedsstaaten mit sich. Diese Praxis tendiert dahin, die
Welt in Wirtschaftsblöcke zu spalten. Der Abbau von Zöllen, über den so mühsam verhandelt wird, wurde durch nicht-tarifäre Handelsschranken sowie durch
andere den Handel verzerrende Maßnahmen beeinträchtigt. Die Reibungen auf
dem Handelssektor haben zugenommen, weil zahlreiche Länder, die sich jetzt
einer hervorragenden Handelsposition erfreuen, nicht die Einfuhrschranken beseitigt haben, die unter früheren Bedingungen wirtschaftlicher Schwierigkeiten errichtet worden waren.
Unter den gegenwärtigen Verhältnissen hat sich das Allgemeine Zoll- und
Handelsabkommen (GATT) in zunehmendem Maße als unfähig erwiesen, mit schwierigen Handelsfragen fertig zu werden. In einigen Fällen haben einzelne Länder
bestimmten, aufgrund des Abkommens übernommenen Verpflichtungen nur wenig mehr
als Lippenbekenntnisse geleistet. In anderen Fällen sind die Regeln gebrochen
worden, indem einzelne Länder die GATT-Bestimmungen einfach umgingen oder
wichtige Fragen bilateral lösten. Das so auffällige Versagen, landwirtschaftliche Handelsprobleme anzugehen, ist ebenfalls ein Schandfleck auf der Liste
des GATT. Weil so viele Länder die GATT-Regeln gebrochen haben, ist die Effektivität des GATT als Verhaltenskodex eingeschränkt worden.
Als der gegenwärtige Rahmen erstellt wurde, konnten die Vereinigten Staaten aufgrund ihrer wirtschaftlichen Überlegenheit restriktive Praktiken anderer noch tolerieren. Wie von zahlreichen Sprechern der USA immer wieder betont worden ist, sind diese günstigen Bedingungen jetzt nicht mehr gegeben.

Trotz

-19-

�Trotz ihrer neuen wirtschaftlichen

Stärke halten zahlreiche Länder

immer noch an ihrer bisherigen Politik und an bisherigen Praktiken fest.,, die
während ihres erfolgreichen Bemühens um Handelsüberschüsse entwickelt worden waren. Ja, was bleibt, ist ein "Überschuß-Syndrom" des Widerstandes gegen Importe und ein Druck, zu exportieren. Es ist nicht ungewöhnlich, daß
Regierungen , Unternehmer und Bauern einen Rahmen intakt halten möchten, an
den sie sich gewöhnt haben.
Natürlich haben auch die Vereinigten Staaten ihre eigenen restriktiven Maßnahmen.

Die Importe zahlreicher landwirtschaftlicher Produkte wie

auch die Erdölimporte werden durch Quoten geregelt; das "amerikanische
System der Verzollung nach dem Verkaufspreis (ASP)" führt zu prohibitiven
Zöllen

für bestimmte chemische Erzeugnisse. Die Stahlimporte sind gegen-

wärtig durch freiwillige Verpflichtungen ausländischer Produzenten eingeschränkt. Die Importe von Woll- und synthetischen Textilien sind aufgrund
amerikanischer Regierungsabkommen mit verschiedenen fernöstlichen Ländern
begrenzt.
Die wirksamste Methode, Reformen auszuhandeln, ist die Stärkung der
Prinzipien des Multilateralismus und der Nichtdiskriminierung in einer offenen und gerechten Weltwirtschaft. Der politische Wille zur Erweiterung
der nationalen Perspektiven und zur Entwicklung neuer Regeln und Mechanismen durch Verhandlungen statt durch Konfrontation ist von entscheidender
Wichtigkeit, wenn die Länder den vollen Beitrag, den ein freierer und fairer Handel zum Weltfrieden und zur Prosperität leistet, realisieren wollen...

- Die allgemeinen Ziele und Prinzipien der USA Unsere grundlegenden Ziele bei den multilateralen Handelsverhandlungen sind folgende:
--eine

-20-

�-- eine internationale wirtschaftliche Effizienz zu schaffen und auszuweiten, indem die einem freien Spiel der Marktkräfte entgegenstehenden Hindernisse bei der Festlegung des Umfangs und des Rahmens des Welthandels beseitigt werden, während gleichzeitig vereinbarte Regeln entwickelt werden,
durch die

Schutzmaßnahmen verhängt, werden können, wenn ein abruptes Anwach-

sen der Konkurrenz die nationalen Märkte zu stören droht, und
-- Änderungen des Systems zu erreichen, in dessen Rahmen die einzelnen
Länder ihre Handelsbeziehungen abwickeln, um sicherzustellen, daß die Regeln
fair sind und gerecht auf alle Parteien angewandt werden.
Mit der Entwicklung eines effektiveren Währungssystems und eines binnenwirtschaftlichen Anpassungsprozesses würde ein offeneres und faireres Handelssystem

uns wie auch andere Länder in die Lage versetzen, unsere Berei-

che relativer Wettbewerbsvorteile zu nutzen, während wir gleichzeitig die Mittel an der Hand haben, unangemessene Verzerrungen und Härten zu vermeiden.
Wir wissen, daß es sich bei fundamentalen handelspolitischen Entscheidungen praktisch gesehen nicht um eine klare oder einfache Wahl zwischen freiem
Handel und Protektionismus handelt. Die wirklichen Fragen drehen sich darum,
wie die Handelschancen erweitert werden können, um die Produktion anzukurbeln,
um mehr und bessere Arbeitsplätze zu schaffen, um die Preisstabilität auf dem
Binnenmarkt zu fördern, und um andere Wirtschaftsziele zu verwirklichen. Diese Politik sollte gleichzeitig darauf abzielen, den Anpassungsprozeß zu erleichtern und die Härten zu mildern, die sich ergeben, wenn die Importe in
einem außergewöhnlichen Ausmaß ansteigen.
Wenn vom freien Handel die Rede ist, neigt man häufig dazu, das Problem
dieser Härten zu ignorieren, und restriktive Handelsmaßnahmen verschlimmern
sie nur noch. Die Lösung liegt in der Entwicklung eines international vereinbarten Systems von Schutzmaßnahmer., unter denen die einzelnen Länder handeln
könnten, um vorübergehend das rapide Anwachsen bestimmter Importe zu beschränken. Dies würde eine ordentlichere Anpassung bestimmter Industrien, Firmen

-21-

�Firmen oder Gruppen von Arbeitern an neue Wettbewerbsbedingungen ermöglichen. Ein solches System könnte eine effektivere und gerechtere Anpassung
fördern als die Vielfalt von ad hoc-Maßnahmen und Vorkehrungen, die in

den

letzten Jahren getroffen wurden - manchmal zu einem beträchtlichen Preis an
internationalem guten Willen und an einheimischer wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit.
Wenn die notwendigen Handelsreformen erreicht werden sollen, dann wird
es für die Regierungen notwendig sein, in einem Geiste enger Zusammenarbeit,
gestützt auf einen festen politischen Willen zu verhandeln. Die Verantwortung
für die führende Rolle sowie die Übernahme von Verpflichtungen muß gemeinsam
erfolgen entsprechend der neuen und größeren Aufteilung der internationalen
Wirtschaftsmacht. Der Erfolg wird davon abhängen, inwieweit die Nationen zur
Erreichung gemeinsamer Ziele zusammenarbeiten, statt ihre Energien auf das
Streben nach zeitweiligen individuellen Vorteilen zu konzentrieren.
Das neue System muß unserer Ansicht nach - um der Fairneß willen - von
allen beteiligten Staaten gemeinsame bindende Zusagen erhalten, daß sie sich
den gleichen Grundprinzipien und Regeln unterwerfen. Wenn auch weitgehend anerkannt wird, daß bestimmte Teile des Handelssystems reformbedürftig sind, so
stimmt man doch allgemein darin überein, daß einige der bedeutsamen derzeitigen Probleme auf das Nichteinhalten der festgesetzten Regeln zurückzuführen
sind. Eine bessere Einhaltung der GATT-Bestimmungen ist wesentlich; wir werden uns ferner um die Entwicklung positiver Methoden bemühen, die einen grösseren Anreiz zur Zusammenarbeit und Einhaltung der Bestimmungen bieten, so
daß Verstöße gegen die Regeln seltener werden, daß man sich mit ihnen aber
dort, wo sie vorkommen, unverzüglich und in unparteiischer Weise befaßt.
Wir sind uns über die Bedeutung der Ausweitung und größeren Vielseitigkeit des Handels für das wirtschaftliche Wachstum der Entwicklungsländer im
klaren. Diese Länder haben ein hohes Interesse an dem Erfolg der bevorstehen-

-22-

�bevorstehenden Verhandlungen. Wir haben daher darauf gedrungen, daß sie voll
daran teilnehmen, um so eine größtmögliche Liberalisierung für all die Produkte zu gewährleisten, für die sie ein besonderes Exportinteresse oder ein
Exportpotential haben.
Ferner müssen die Unterschiede zwischen den Volkswirtschaften der Industrie-und der Entwicklungsländer voll berücksichtigt werden. In den Gesamtrahmen der Verhandlungen sollten auch spezifische Techniken einbezogen werden, die den Entwicklungsländern dadurch nutzen, daß die Exporte ihrer Produkte auf Märkte der Industriestaaten ausgeweitet werden. Genau so aber ist
es Pflicht der Entwicklungsländer - und zwar sowohl sich selbst wie anderen
gegenüber - ihre eigene Handelspolitik einer Überprüfung zu unterziehen und
dort Änderungen vorzunehmen, wo diese notwendig sind, um den effektiven Beitrag zu steigern, den ein freierer Handelsfluß zu ihrer eigenen wirtschaftlichen Entwicklung leisten kann.

- Wege zur Liberalisierung - verschiedene Arten von Handelsschranken -

Wir haben eingehend neue Maßnahmen zur Verwirklichung unserer Handelsziele geprüft. Dabei sind wir ganz allgemein zu dem Schluß gelangt, daß multilaterale Handelsverhandlungen sich ganz wesentlich von den früheren im
GATT geführten Verhandlungen unterscheiden müssen. Der Grund dafür liegt darin, daß Verzerrungen verschiedenster Art beim Agrarhandel zusammen mit gewissen industriellen nicht-tarifären Zollschranken die ganze Aufmerksamkeit
in Anspruch nehmen, die früher lediglich in traditioneller Weise den Industriezöllen galt.
Somit kommen wir bezüglich der spezifischen Schranken, die den internationalen Handel verzerren, zu folgenden Ergebnissen:
Landwirtschaft:

-23-

�Landwirtschaft:
Zuerst und vor allem werden wir versuchen, die Marktkräfte vermehrt eine
bestimmende Rolle bei der Befriedigung der Verbraucherbedürfnisse für Agrarerzeugnisse spielen zu lassen. Wir können einen so großen und entscheidend
wichtigen Sektor nicht sozusagen immun gegenüber den Kräften des Marktes
lassen, wenn die Handels-und WährungsSysteme der Welt effektiv arbeiten sollen. Ja, wenn es keine bindende Zusage in bezug auf sinnvolle und realistische Verhandlungen auf dem Agrarsektor gibt, dann wäre es für die Vereinigten Staaten schwierig, auf anderen Sektoren mit den multilateralen Handelsverhandlungen voranzuschreiten.
Wir sind der Überzeugung, daß sich für beide Seiten vorteilhafte Lösungen für die ProbLeme des Agrarhandels finden lassen. Alle Länder haben ein
grundlegendes Interesse an der Erhaltung der Stärke ihres Landwirtschaftssektors, aber die Kosten für seinen Schutz können enorm hoch sein. In den
wichtigsten Industrieländern liegen die Kosten der Stützung von Einkommen
und Preisen in der Landwirtschaft bei wenigstens 30 Milliarden Dollar jährlich, die die Verbraucher und Steuerzahler zu tragen haben. Was schlimmer
ist, die meisten dieser Systeme zur Stützung der Preise und Einkommen haben
sich als nahezu völlig unwirksam erwiesen, um die gestellten Ziele zu erreichen, nämlich durch Erhöhung der Einkünfte der ärmeren Bauern die Ungleichheit der Einkommen in der Landwirtschaft abzubauen.
Obwohl nach dem derzeitigen Stande in die Verhandlungen einige Zollsenkungen einbezogen worden sind, erwiesen sich die Haupthandelsschranken
auf diesem Sektor als schwer zu handhaben. Hier liegt der Kern des Problems
nicht so sehr bei den Zöllen als bei den nicht-tarifären Handelsschranken
wie Quoten und variable Abschöpfung. Zur Stützung der Einkommen in der Landwirtschaft haben zahlreiche Länder Programme zur Einschränkung des Imports
eingeführt, um einen wesentlichen Teil des Binnenmarktes für die einheimischen Erzeuger zu reservieren, wobei die einheimischen Agrarpreise manchmal

-24-

�manchmal auf über dem dreifachen Stand des Weltmarktpreises gestützt wurden. Da die Erzeugung normalerweise keinen Kontrollen unterliegt, haben
diese Stützungsprogramme zu Überschüssen geführt, die dann, oftmals mit
hohen Subventionen, exportiert werden, was zu Störungen der traditionellen
Absatzmärkte für rationell arbeitende Erzeuger führt. Obwohl die jeweiligen
Techniken von Land zu Land und bei den einzelnen Produkten verschieden sind,
führten sie in ihrer Gesamtheit zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der
Marktkräfte, wobei der internationale Agrarhandel eingeschränkt und verzerrt
wurde.
Für eine Liberalisierung des Agrarhandels wird es weitreichender Reformen bedürfen. Sowohl die tarifären wie auch die nicht-tarifären Handelsschranken werden allmählich abgebaut und beseitigt werden müssen,und als
Folge hiervon werden die einzelnen Länderihre den Handel verzerrenden einheimischen Subventionierungssysteme in einer Weise anpassen müssen, daß die
Marktkräfte einen stärkeren Einfluß auf Erzeugung und Handelspraktiken ausüben können. Aber eine derartige Entscheidung würde natürlich jedem einzelnen Lande vorbehalten bleiben, wobei klar wäre, daß viele Länder die Stützung
der Agrareinkommen durch andere Mechanismen fortsetzen werden, die den Agrarhandel nicht verzerren.
Wir haben ferner Maßnahmen ergriffen, damit unsere Landwirtschaft stärker auf die Märktkräfte reagiert. In dem Landwirtschaftsgesetz von 1970 haben wir der Regierung eine geringere richtungweisende Rolle für Anbauentscheidungen zugewiesen. Die Farmer unterliegen, was Anbaufläche und Erzeugung anbetrifft, nicht mehr Beschränkungen, und die Exportsubventionen bei
Weizen, Tabak und anderen Erzeugnissen sind ausgesetzt worden.

Zölle:
In einer Serie multilateraler Handelsverhandlungen haben die großen
Handelsnationen seit 1948 ihre Zölle erheblich abgebaut....
Wir

-25-

�Wir möchten gerne, daß diese Abwärtsentwicklung andauert, wobei die
Zölle für die meisten Industrierzeugnisse phasenweise weiter gesenkt werden sollten, vorausgesetzt, daß es auch bei den nicht-tarifären Handelsschranken und der Landwirtschaft sowie einem Schutzsystem zur Lösung vorübergehender Anpassungsprobleme wesentliche Fortschritte gibt. Dies würde den
erforderlichen Spielraum zur Entwicklung von Lösungen für Probleme schaffen,
die sich aus den unterschiedlichen Zollstrukturen und anderen Schutzmaßnahmen ergeben, und zur Beseitigung der aus den Zollpräferenzen resultierenden
Ungerechtigkeiten führen.

Nicht-tarifäre Handelsschranken:
In dem Maße, wie die Zölle abgebaut wurden, sind verschiedene andere
Arten von nicht-tarifären Maßnahmen relativ stärker in den Vordergrund getreten. . .
Die Vielfältigkeit der nicht-tarifären Handelsschranken schließt jede
einheitliche Verhandlungsformel aus. Weiter ist das Gewicht der einzelnen
Maßnahmen von Land zu Land sehr verschieden, so daß ausgewogene Abkommen
wahrscheinlich mehrere Arten von nicht-tarifären Schranken, Zölle und
Agrarkonzessionen einschließen müßten. Die wichtigsten Ausnahmen wären der
Standard von Erzeugnissen und die Beschaffungspraktiken von Regierungen,
für die es internationale Normen auf Gegenseitigkeit geben könnte.
Die Verfahren für Verhandlungen über nicht-tarifäre Schranken sind innerhalb des GATT eingehend geprüft worden, und die Arbeit an möglichen Lösungen ist bei verschiedenen Arten von Maßnahmen beträchtlich fortgeschritten. Bei den Praktiken, die sich nicht abschaffen lassen, erwägen wir andere
Initiativen wie Harmonisierung der nationalen Bestimmungen und Schaffung vereinbarter multilateraler Verhaltensnormen, die die derzeitigen Handelsverzerrungen verringern würden.
Präferenz-HandelsVereinbarungen

-26-

�Präferenz-Handelsvereinbarungen:
Es wird immer mehr zur Praxis, daß ein Land den Importen bestimmter anderer Länder eine bevorzugte Behandlung - sowohl tarifärer wie auch nicht-tarifärer Art - zuteil werden läßt. Die Handelsstatistiken zeigen, daß über ein
Fünftel der Gesamtimporte der GATT-Mitgliedsstaaten einen bevorzugten Situs
haben. Bei bestimmten Märkten, die zu unseren wichtigsten gehören, erfolgt
über die Hälfte der Einfuhren aufgrund von Präferenzhandelsabkommen. Sofern
diese Aushöhlung des Meistbegünstigtenprinzips nicht in ihr Gegenteil verkehrt
werden kann, besteht die Gefahr, daß die Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen dieser Abmachungen das multilaterale Handelssystem untergraben und die
internationalen Investitionsentscheidungen verzerren, was möglicherweise nachteilige Auswirkungen auf andere Aspekte der internationalen Beziehungen haben
könnte.
Wir haben viele Jahr lang nachdrücklich die Notwendigkeit unterstrichen,
die diskriminierenden Aspekte besonderer Handelsvereinbarungen zu beseitigen
und sie in Einklang mit den GATT-Bestimmungen zu bringen. Was die Abkommen zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern anbetrifft, so haben
die Vereinigten Staaten als Minimum die Aufhebung der den Industriestaaten von
den Entwicklungsländern eingeräumten Präferenzen gefordert. Es bedarf ganz eindeutig neuer Bestimmungen, nach denen die Präferenzpraktiken zwischen den Industriestaaten beseitigt und alle Importe in einem bestimmten Zollraum gleich
behandelt werden.

- Die Notwendigkeit eines Gesetzeswerkes ~
Die Verwirklichung neuer internationaler Handelsabkommen wird neue Vollmachten seitens des Kongresses erfordern. Zusätzlich zu dem, was unsere internationalen Verhandlungen noch nach sich ziehen werden, wird es einer Vielzahl
von Änderungen in Bundesgesetzen im Zusammenhang mit der Führung unserer eige-

-27-

�eigenen Handelspolitik bedürfen. Damit Kongreß und Öffentlichkeit die notwendigen Änderungen leichter verstehen, haben wir in diesem Absatz die wichtigen Vorschläge aufgeführt, die gegenwärtig innerhalb der Regierung geprüft werden und die den folgenden Erfordernissen gerecht werden sollen:
- um die Verhandlungen über offenere und gerechtere Handelsabkommen für
Industrie-und Agrarerzeugnisse zu erleichtern, bedarf es einer Vollmacht zur
Erhöhung oder Senkung der amerikanischen Handelsschranken;
- um mit dem rasch wachsenden Import-Wettbewerb fertig zu werden, der zu
Störungen der Binnenmärkte und zur Freisetzung amerikanischer Arbeitskräfte
führt, bedarf es eines neuen einheimischen Schutz-und Anpassungsprogramms;
- um mit dem unfairen Wettbewerb, dem amerikanische Erzeugnisse sowohl im
In-wie im Ausland ausgesetzt sind, fertig zu werden, sind Vollmachten zur Erhöhung der Handelsschranken notwendig;
- um die Zahlungsbilanzprobleme zu lösen, ist eine Ermächtigung zur Erhöhung oder zur Senkung der Handelsschranken erforderlich;
- um mit der Inflation im eigenen Lande fertig zu werden, bedarf es einer
Vollmacht für eine vorübergehende und selektive Senkung der Handelsschranken;
und
- um die neuen Handelsmöglichkeiten zu nutzen und die Verpflichtungen gegenüber den Entwicklungsländern zu erfüllen, bedarf es einer Vollmacht, um allen Ländern die Meistbegünstigtenbehandlung zu gewähren und den Entwicklungsländern allgemeine Zollpräferenzen einzuräumen.

Verhandlungsvollmachten:
Bei den früheren Handelsverhandlungen hat die Regierung stets um eine Ermächtigung seitens des Kongresses zur Senkung der amerikanischen Zölle um bestimmte Beträge nachgesucht, und sie ist ihr auch gewährt worden. Zum letzten

-28-

�letzten Mal wurde eine solche Ermächtigung im Rahmen des Gesetzes für eine
Ausweitung des Handels von 1962 gewährt, in dem der Kongreß den Präsidenten
ermächtigte, aus multilateralen Verhandlungen sich ergebende Zollsenkungen
bis auf 50 Prozent des damals bestehenden Satzes in einer Zeit von fünf Jahren zu verfügen.Das Gesetz ermächtigte den Präsidenten ferner, die Zölle für
solche Erzeugnisse aufzuheben, bei denen auf die Vereinigten Staaten und die
Europäische Gemeinschaft (bei der man mit dem Beitritt Großbritanniens rechnete) zumindest 80 Prozent des Welthandels entfielen. Diese Ermächtigung
wurde nicht ausgenutzt, vor allem, weil Großbritannien der Europäischen Gemeinschaft 1962 nicht wie erwartet beitrat. Die Vollmachten des Präsidenten,
neue Handelskonzessionen zu gewähren, liefen 1967 aus und sind nicht erneuert
worden.
Bei den neuen Verhandlungen, auf die wir uns jetzt vorbereiten, würde
diese Art von Ermächtigungen nicht ausreichen. Die Festlegung eines Limits
für die prozentuale Senkung würde den Verhandlungsspielraum zu stark einschränken. Und wir sind entschlossen, wirksam über ein weites Gebiet von den
Handel behindernden oder verzerrenden Praktiken zu verhandeln, von dem die
Zölle nur ein Teil sind. Wir werden ein Maximum an Flexibilität bei den Verhandlungen brauchen, das dem entspricht, über das unsere Handelspartner praktisch verfügen, sofern sie es nutzen wollen. Um unseren Unterhändlern diese
notwendige Flexibilität zu geben, sollten die folgenden Vollmachten erwogen
werden.

Zölle:
Es könnte für einen Zeitraum von fünf Jahren eine Ermächtigung gewährt
werden, im Rahmen von ausgehandelten Abkommen bei allen Erzeugnissen Zölle
aufzuheben, zu senken, heraufzusetzen oder einzuführen. Bei den meisten Zöllen
würden die Senkungen phasenweise über einen Zeitraum von fünf Jahren oder noch
länger erfolgen, wobei längere Zeiträume für eine phasenweise Zollsenkung bei
import-empfindlichen Erzeugnissen vorgesehen wären.
Unbegrenzte

-29-

�Unbegrenzte Vollmachten für die Senkung von Zöllen im Austausch für
wirklich entsprechende Konzessionen anderer würden unseren Unterhändlern ein
Maximum an Flexibilität und Verhandlungsspielraum geben. Wenn auch wenig
Wahrscheinlichkeit besteht, daß andere einer Aufhebung aller Zölle zustimmen
würden, so sollten wir doch bei unseren Erwägungen keine Verhandlungstechnik
ausschließen, wie wir dies auch in der Vergangenheit getan haben. Weiter würde eine solche Ermächtigung Raum für die Beseitigung der europäischen

Zoll-

präferenzen lassen, die unsere Exporte diskriminieren. Die Ermächtigung zur
unbegrenzten Heraufsetzung unserer Zölle würde es uns ermöglichen, an den
Verhandlungen mit großen Industriegruppen teilzunehmen, uns mit besonders
schwierigen Problemen zu befassen, indem wir nicht-tarifäre Beschränkungen
in feste Zölle mit ausreichendem Schutzniveau umwandeln, und gegenseitige
Zollsenkungen - falls erwünscht auch für längere Zeiträume - auszuhandeln.
Schließlich würden wir um neue Ermächtigungen nachsuchen, die uns eine Erhöhung von Zollschranken jeder Art gegenüber solchen Ländern gestatten, die
weiterhin unsinnige oder ungerechtfertigte Beschränkungen für unsere Exporte
aufrechterhalten.

Nicht-tarifäre Beschränkungen:
Es könnte eine Ermächtigung erteilt werden, um Abkommen über den Abbau
einer begrenzten Zahl spezieller, nicht-tarifärer Schranken durchzuführen
(darunter zum Beispiel Stand von Erzeugnissen, Zollwert- und Zolleinstufung,
Wertfestselzung, Nomenklatur, Kennzeichnungserfordernisse und Verwaltung), sofern der Präsident zufriedengestellt ist, daß die Vereinigten Staaten ihrerseits entsprechende Vergünstigungen erhalten haben. Dies könnte mit einer Deklaration des Kongresses gekoppelt sein, die sich für Verhandlungen zum Abbau anderer nicht-tarifärer Handelsschranken sowie für die Einführung eines
neuen Verfahrens ausspricht, das die Prüfung spezifischer hierzu erreichter
Abkommen durch den Kongreß erleichtern würde, sofern dessen Zustimmung erforderlich wäre .
Importentlastung:

-30-

�Importentlastung:
Unsere gegenwärtigen Gesetze, die Entlastung bei plötzlichen und
störenden Importstößen bringen sollen, sind unzulänglich.
Die Kriterien über die Gewährung von Entlastung bei störenden Importen
sind so starr, daß zahlreiche betroffene Industrien und Arbeitnehmer die
Normen nicht erreichen können. In dieser Situation ist der Druck, außerhalb
der verfügbaren Verfahren Hilfe zu erhalten, sehr stark.
Der Kongreß empfindet diesen Druck, der von einzelnen Gruppen ausgeht
und die Einführung einer Vielzahl besonderer Gesetze fordert, die sich-oft
für dauernd- mit den einzelnen Problemen befassen sollen. Die Exekutive
sieht, wie dieser Druck entsteht und wie diese Appelle die Form von Gesuchen an den Präsidenten oder die verschiedenen Regierungsämter annehmen,
ad hoc-Abkommen über die Begrenzung der Einfuhren bei diesem oder jenem Erzeugnis auszuhandeln.
Dieser Druck kann gefährlich sein, nicht weil die Notwendigkeit einer
Entlastung nicht gegeben sein könnte, sondern weil er Stückwerk ohne faire
und unparteiische Prüfung aller relevanten Faktoren fördern könnte. Erforderlich ist ein neues inneramerikanisches Schutzverfahren, das, wenn notwendig, Entlastung bringt und die erforderliche Flexibilität aufweist, um sich
in ausreichender Form mit diesen ernsten Problemen in einer sich rasch ändernden Weltwirtschaft zu befassen.
Um diesem Erfordernis gerecht zu werden, bedarf es Änderungen in der
derzeitigen Form der Import-Entlastung.

Importbeschränkungen:

-31-

�Importbeschränkungen:
Es könnte eine Ermächtigung für die Einschränkung von Importen erteilt
werden, wenn die Zollkommission feststellt, daß vermehrte Importe die. Hauptursache (die wichtigste einzige Ursache) für eine ernsthafte Schädigung
oder einer sich daraus ergebenden Gefährdung der einheimischen Industrie
und der Arbeitnehmer ist. (Im Augenblick muß sie feststellen, daß der Import die Hauptursache, d.h. größer als alle übrigen Ursachen zusammen, ist).
Die derzeitige Bestimmung, daß eine solche Schädigung aus früheren
Zollkonzessionen herrühren muß, sollte modifiziert werden. Diese Notwendigkeit, einen Zusammenhang zwischen Schädigungen und einer früheren Konzession
nachzuweisen, war vielleicht mehr als jedes andere Erfordernis der derzeitigen Ermächtigung aufgrund der Ausweichklausel dafür verantwortlich, daß
Industrien eine Entlastung verweigert wurde, die diese wirklich brauchten.
Die von uns vorgeschlagene neue Ermächtigung für Schutzmaßnahmen muß auf den
gegenwärtigen wirtschaftlichen Fakten beruhen, und nicht auf Regierungsmaßnahmen der Vergangenheit. Anders gesagt, worauf es für uns ankommt, ist die
Frage, die auch für die amerikanische Industrie und die Arbeitnehmer ganz
eindeutig ein wichtiges Anliegen ist, ob die schnell steigenden Importe
wirklich ernstliche Schäden verursachen....
Der Präsident sollte ferner größere Flexibilität bei der Entwicklung
einer wirklich durchgreifenden Entlastung erhalten. Dies könnte durch freiwillige Abkommen für eine Einschränkung des Exports wie auch durch direkte
nationale Maßnahmen wie höhere Zölle, höhere Zoll-oder Importquoten geschehen.
Wir werden ferner das Risiko einer Vergeltung gegen unsere Exporte verringern wollen, wenn die Vereinigten Staaten eine neue, leichter anwendbare Ausweichklausel zur Unterstützung der einheimischen Erzeuger einführen.
Dies könnte durch ein im Rahmen des GATT tragbares Schutzsystem geschehen,
das bei seiner Einführung keine Kompensationen notwendig macht. Wenn jedoch

-32-

�jedoch eine weitere Beschränkung von Importen notwendig wird, sollte der
Präsident die Vollmacht haben, unsere Handelspartner - falls dies aufgrund der
bestehenden Handelsabkommen notwendig ist - durch Senkung der amerikanischen
Zölle bei anderen, weniger empfindlichen Erzeugnissen zu kompensieren.
Die oben erörterten Gesetzesänderungen beziehen sich auf Probleme, die
durch Importe ausgelöst worden sind, die auf unsere Märkte unter fairen Wettbewerbsbedingungen gelangen. Andere Änderungen in unseren Gesetzen könnten erforderlich werden, damit wir uns mit unfairen Wettbewerbspraktiken befassen
können. Wir könnten unseren Schutz gegen ein Dumping, gegen die Subventionierung von Erzeugnissen, die auf unseren Markt gelangen, durch ausländische Regierungen, gegen Patentverletzungen und gegen die Tätigkeit ausländischer
Kartelle verstärken. Gleichzeitig könnten verschiedene verfahrensmäßige Verbesserungen eingeführt werden, um sicherzustellen, daß die Belange der einheimischen Erzeuger, Importeure und Verbraucher schneller und gerechter geprüft
werden.
Anpassungshilfe:
Die Regierung prüft gegenwärtig ein gesondertes Gesetz, das den Anpassungsprozeß für praktisch alle amerikanischen Arbeitnehmer, deren Arbeitsplätze gefährdet sind, und nicht lediglich für die durch den Importwettbewerb verdrängten, verbessern sollte. Dies könnte erstens zu erhöhten Zuwendungen und einer
Erweiterung des Bereichs der Arbeitslosenversicherung der Einzelstaaten aufgrund neuer bindender Normen des Bundes und zweitens zu neuen Normen des Bundes für verbesserte und sicherere private Pensionssysteme führen. Die Regierung hat dem Kongreß in der Vergangenheit zu diesen beiden Komplexen Empfehlungen vorgelegt.

-Zahlungsbilanzen

-33-

�- Zahlungsbilanzen und Wirtschaftspolitik Die vergangenen Jahre haben gezeigt, daß die Handelspolitik ein wirksames Instrument zur Lösung vorübergehender weit- oder binnenwirtschaftlicher Probleme sein kann. Die Einführung einer Import-Sonderabgabe trug 1971
dazu bei, ein ernstes Ungleichgewicht in unserer internationalen Zahlungsbilanz zu überwinden. Im Jahre 1972 benutzten wir die Handelspolitik dazu,
die Fleischversorgung in den Vereinigten Staaten zu steigern und die Preise
niedrig zu halten. Eine zu starke Verwendung restriktiver Maßnahmen könnte
jedoch die Art der von uns angestrebten Handelswelt gefährden. Daher ist
es wünschenswert, den Einsatz handelspolitischer Maßnahmen für temporäre
Zwecke zu begrenzen.
Jedes Fragen des Handels betreffende Gesetz sollte Bestimmungen über
die Führung einer modernen Handelspolitik unter folgenden Gesichtspunkten
enthalten:

Vollmachten zur Zahlungsbilanz:
Dem Präsidenten könnte eine ausdrückliche Vollmacht für eine lineare
Erhöhung oder Senkung der Importbeschränkungen erteilt werden, um ständige
Zahlungsbilanzdefizite oder -Überschüsse zu beseitigen. Zuschläge sind ein
bevorzugtes Hilfsmittel, aber die gegenwärtigen GATT-Bestimmungen gestatten in Fällen der Zahlungsbilanz nur eine Einführung von Quoten. Eine Ermächtigung für beide Maßnahmen sollte verfügbar sein. Der Präsident könnte
ferner ermächtigt werden, Zuschläge oder andere Beschränkungen selektiv
bei Importen aus Ländern mit einem ständigen weltweiten Zahlungsbilanzüberschuß einzuführen. Die Einräumung einer solchen Ermächtigung würde den von
den Vereinigten Staaten bei den derzeitigen Währungsverhandlungen eingenommenen Standpunkt unterstützen.
Ermächtigung

-34-

�Ermächtigung zur Bekämpfung der Inflation:
Es könnte eine ständige Ermächtigung für einen temporären Abbau bestimmter Arten von Importbeschränkungen erteilt werden, wenn der Präsident
feststellt, daß eine solche Maßnahme zur Milderung des inflationistischen
Druckes wünschenswert ist.

- Neue Handelsmöglichkeiten Mit an erster Stelle auf unserem Programm für wichtige internationale
Handelsinitiativen stehen Maßnahmen zur Ausweitung des Handels mit den Entwicklungsländern sowie mit den kommunistischen Ländern. Die Notwendigkeit
für eine Ausweitung der Exportmöglichkeiten der unterentwickelten Welt wird
nachfolgend erörtert. (Mögliche Maßnahmen für die Erschließung neuer Handelsmöglichkeiten mit den expandierenden Märkten der kommunistischen
Welt werden in Artikel IV aufgezeichnet).
Vor mehreren Jahren haben die Vereinigten Staaten die Ausarbeitung
einer weltweiten Vereinbarung unterstützt, in deren Rahmen die FertigwarenExporte der Entwicklungsländer durch Ausweitung eines Systems für einen
bevorzugten Zugang zu den Märkten aller Industriestaaten auf einer nichtdiskriminierenden Basis gefördert werden. Wir taten dies aus zwei Gründen:
1.)

Wir waren uns klar darüber, je mehr Devisen die Entwicklungsländer

mit ihren Exporten verdienen, umso mehr könnten - und würden - sie für Importe ausgeben. So könnte - realistisch gesehen - ein System allgemeiner
Präferenzen einen konstruktiven Weg bilden, um zu ihrer wirtschaftlichen
Entwicklung beizutragen, und unsere eigenen Exporte zu steigern. Die amerikanischen Exporte in diese Gebiete sind heute aufgrund der Wechselkursanpassungen der letzten beiden Jahre gegenüber den anderen großen Lieferanten weitaus wettbewerbsfähiger.
2.)

-35-

�2.)

Das sich ausweitende Netz von speziellen Präferenzvereinbarungen zwi-

schen einigen Entwicklungsländern und der Europäischen

Gemeinschaft führt

zu Diskriminierungen unserer Exporte auf den Märkten dieser Entwicklungsländer. Ein System, in dessen Rahmen alle Industriestaaten den Erzeugnissen aller Entwicklungsländer eine gleiche bevorzugte Behandlung einräumen, würde die Rechtfertigung für Sonderpräferenzen und die sich hieraus
ergebende Diskriminierung beseitigen. Dies würde ebenfalls unsere Exportmöglichkeiten verbessern und den lateinamerikanischen Ländern nützen, die
in die besonderen Präferenzvereinbarungen der Europäischen Gemeinschaft
nicht einbezogen sind.
Einige Industriestaaten haben ein allgemeines Präferenzsystem eingeführt, aber ihre Sonderpräferenzen ebenfalls beibehalten. Dies war zu einem
Teil der Fall, weil wir keine Ermächtigung hatten, ein allgemeines Präferenzprogramm für die Entwicklungsländer durchzuführen. Nur mit einer solchen Ermächtigung können wir die schließliche Beseitigung der besonderen
Präferenzvereinbarungen anstreben.
Somit ist ein Gesetz notwendig, das den Präsidenten ermächtigt, ein
temporäres System allgemeiner Zollpräferenzen für alle Entwicklungsländer
einzuführen. Das System könnte eine Reihe importempfindlicher Güter ausschließen, und der Präsident sollte ermächtigt sein, die Präferenz für jedes Land oder Erzeugnis auszusetzen, wenn sich besondere Härten für die amerikanische Industrie ergeben würden. Es sollte ein knapp und klar formuliertes"Wettbewerbserfordernis" geben, durch das die Präferenzen auf solche
Länder beschränkt werden könnten, die diese wirklich brauchen.

+ ++

- 36 -

�' amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

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13/1973

MILLS FORDERT REFORM DES INTERNATIONALEN HANDELSSYSTEMS
-Wortlaut der Erklärung vor dem Repräsentantenhaus-

WASHINGTON --(AD)-- Der einflußreiche demokratische Abgeordnete Wilbur
Mills hat am 21. März vor dem Plenum des amerikanischen Repräsentantenhauses eine Reform des internationalen Handelssystems gefordert und dargelegt,
welche Politik die Vereinigten Staaten seiner Ansicht nach verfolgen sollten. Mills ist Vorsitzender des wichtigen Haushaltsausschusses des Repräsentantenhauses, der wesentlichen Einfluß auf die amerikanische Handelsgesetzgebung hat.
Die Erklärung des Abgeordneten hat folgenden Wortlaut:
"Zu keinem Zeitpunkt nach dem Kriege ist es für die Vereinigten Staaten dringender gewesen, einen Kurs für den Außenhandel festzulegen. In den
letzten Jahren sind mit dem Entstehen neuer wirtschaftlicher Machtrealitäten Reibungen und Spannungen in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen
aufgetreten. Es besteht die ernste Gefahr, daß die Bemühungen um ein stabiles, friedliches und zivilisiertes System in der Welt nicht durch Krie-

-1-

�Kriege zwischen alten Feinden, sondern durch Streitigkeiten zwischen alten
Freunden bedroht wird.
Sowohl die Europäische Gemeinschaft als auch Japan sind nahezu auf gleicher Höhe mit den Vereinigten Staaten, was ihre Fähigkeit angeht, ihre internationalen Wirtschaftsziele zu verwirklichen. Ja, in einigen wesentlichen
Aspekten der internationalen wirtschaftlichen Macht übertreffen beide die Vereinigten Staaten. Die sogenannte freie Weltwirtschaft wird also durch drei
Akteure von nahezu gleicher Stärke beherrscht, und es besteht ein hohes Maß
an potentiellen Konflikten zwischen ihren jeweiligen wirtschaftspolitischen Zie
len. Jedoch haben weder Europa noch Japan bisher die politische Kapazität gezeigt, ihre wirtschaftliche Macht konstruktiv zu nutzen, teilweise deswegen,
weil jeder sich in einer inneren Entwicklung von historischen Dimensionen befindet. Sie können zwar negieren, müssen sich in einer Führungsrolle jedoch
noch beweisen. Gleichzeitig sind die Vereinigten Staaten unsicher hinsichtlich
der Rolle, die sie in einer Welt spielen sollten, die sie nicht länger beherrschen, aus der sie sich aber auch nicht zurückziehen können. Das Ergebnis ist
bisher gleich null.
Die gegenwärtige Stellung relativ gleicher Mächte, von denen jede unsicher hinsichtlich der eigenen Rolle ist und die Ziele verfolgen, welche häufig im Widerspruch zueinanderstehen, ist vielleicht der schwierigste Ausgangspunkt, von dem aus eine dauerhafte und stabile internationale Wirtschaftsordnung geschaffen werden kann. Aber dennoch müssen Anstrengungen dazu gemacht
werden, denn die Alternative könnten schwerwiegende wirtschaftliche Verluste
und ein ernsthafter politischer Zerfall sein.
Noch niemals war es so klar, daß kein einzelnes Land von sich aus eine
Lösung verordnen kann. Und dennoch ist die Rolle, die die Vereinigten Staaten
spielen werden, von entscheidender Bedeutung. Denn trotz des starken Druckes,
sich nach innen zu wenden und sich auf dringliche innenpolitische Probleme

-2-

�f

Probleme zu konzentrieren, ist es doch immer noch die Aufgabe der Vereinigsten Staaten, den Weg in der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu weisen.
Wenn die Vereinigten Staaten an eine Lösung herangehen, dann dreht es
sich um drei miteinander zusammenhängende Elemente:
- Erstens brauchen wir eine Politik; wir müssen wissen, welche Ziele
wir verfolgen und wie wir sie erreichen wollen;
- zweitens brauchen wir im Rahmen unserer Verfassung eine Gesetzgebung,
die diese Politik bekräftigt und den Präsidenten in die Lage versetzt, ihre
Verwirklichung anzustreben;
- drittens sind Verhandlungen notwendig, durch die die politischen Ziele im Zuge von Anpassungen der miteinander konkurrierenden Interessen der
Verhandlungsländer verwirklicht werden können.

Die Politik

Es wird allgemein anerkannt, daß das internationale Wirtschaftssystem
reformiert werden muß. Reform bedeutet nicht Revolutionjdas Wirtschaftssystem,
das unmittelbar nach dem Kriege entwickelt wurde, hatte viel lobenswertes.
Die sich ändernde Rolle der Vereinigten Staaten in diesem System sowie die
größere wirtschaftliche Macht Westeuropas und Japans haben jedoch ein Ungleichgewicht geschaffen,sowohl was

die Währungs- als auch die Handels-

politik anbetrifft, das jetzt ausgeglichen werden muß.
Verhandlungen über eine internationale Währungsreform sind bereits im
Gange. Im Gegensatz zu Handelsfragen geht es jedoch bei Währungsverhandlungen
um höchst technische und zum Teil mysteriöse Themen, die nur von Experten

-3-

�Experten beherrscht werden. Beim Handel hingegen geht es auch um politische
Aspekte, weil Handelsfragen Arbeitsplätze sowie Profite der verschiedensten
Interessengruppen bedeuten

und daher politische Entscheidungen mit sich

bringen.
Um eine Politik für die Reform des internationalen Handelssystems zu entwickeln,bedarf es daher einer Entscheidung auf den höchsten politischen Ebenen
der Haupthandelsländer. Das ist bisher noch nicht geschehen.
Über Fragen der Handelspolitik ist in immer stärkerem Maße von Bürokraten aus starren Positionen auf einer ad hoc-Basis verhandelt worden. Es ist
jetzt dringend erforderlich, daß die Haupthandelsländer einen umfassenden Plan
für die Lösung der bereits bestehenden und der sich abzeichnenden Handelsprobleme entwickeln und daß sie zu einer Entscheidung über den Verhandlungsrahmen gelangen, mit dessen Hilfe ein solcher Plan verwirklicht werden kann. Die entscheidenden und detaillierten Handelsverhandlungen sollten ihrer Art nach auf
Gegenseitigkeit beruhen und zu der Annahme einer Reihe von Prinzipien führen,
die allgemein als fair und als die größtmögliche Expansion des internationalen
Handels fördernd akzeptiert werden. Die Verwirklichung dieser Ziele mag vielleicht etwas zu einer Korrektur unserer Handels-und Zahlungsbilanzdefizite
beitragen. Wir sollten uns jedoch darüber im klaren sein, daß es weder realistisch noch wünschenswert ist, die Handelsverhandlungen übermäßig zu belasten. Der Frage des Handelsbilanz- oder des Zahlungsbilanzungleichgewichtes,
das ungeachtet unserer kürzlichen zweiten Abwertung ein ständiges Problem bleiben wird, muß durch eine Reform des internationalen Währungsmechanismus zu
Leibe gegangen werden.

Die

�I

Die Gesetzgebung

Damit die Vereinigten Staaten in der Lage sind, mit größter Effektivität an solchen Verhandlungen teilzunehmen, wird der Präsident den
Kongreß in Kürze um gesetzliche Vollmachten ersuchen. Dieses Ersuchen sollte klar und eindeutig die Art von Vollmachten darlegen, die der Präsident
benötigt, um in Verhandlungen jene Ziele zu erreichen, die nach seiner Auffassung und nach Auffassung des Kongresses im Interesse der Vereinigten
Staaten liegen. In diesem Zusammenhang wäre es nicht produktiv, wollte
die Administration in ihrem Gesetzesentwurf jede Kritik vorwegnehmen,
die der Kongreß möglicherweise an einer solchen Vorlage üben könnte; das
wird sich am besten aus dem normalen legislativen Prozeß ergeben.
So wie ich die Dinge heute sehe, muß in einem solchen Gesetzesprogramm folgendes enthalten sein:

1. Zölle:
Der Präsident sollte die Vollmacht haben, das Problem der Zolldiskriminierung anzupacken, das sich hauptsächlich um die Europäische Gemeinschaft herum ausgebreitet hat. Eine perfekte Lösung des Problems derartiger Diskriminierungen würde erfordern, daß im Laufe von einigen Jahren die
Zölle vollständig abgeschafft werden. Es ist richtig, daß alles, was d a runter bleibt, eine Spanne von Zolldiskriminierungen bestehen lassen würde, die höchstwahrscheinlich Gebiete wichtiger amerikanischer Exportinteressen berühren würde. Es ist ferner richtig, daß im großen und ganzen die
Zölle bereits sehr niedrig sind und eine Abschaffung der meisten Zölle
eine geringere absolute Zollsenkung bedeuten würde, als sie aufgrund bisheriger Zollverhandlungen zustande kamen. Die Frage jedoch, welche Ausnahmen für eine vollständige Abschaffung der Zölle für die amerikanische In-

-5-

�Industrie wirtschaftlich wichtig und von entscheidender Bedeutung wäre,
erfordert eine sorgfältige Prüfung, wenn die Exekutive um eine solche Vollmacht nachsuchen sollte.

2. Nichttarifäre Handelsschranken:
Hier geht es um einen komplexen, weitgespannten Bogen von Regierungsmaßnahmen meist auf der Basis einheimischer gesetzlicher Bestimmungen oder
Verordnungen, die in ihren Auswirkungen auf den Handel heute bedeutsamer
sind als die Zölle. Im Gegensatz zu den Zöllen ist es hier für den Kongreß
außerordentlich schwierig, wenn nicht gar unmöglich, im voraus Vollmachten
für Verhandlungen über nichttarifäre Handelsschranken zu erteilen. Trotzdem
braucht die Exekutive eine gewisse Form eines allgemeinen Auftrages vom
Kongreß, um hier sinnvoll verhandeln zu können. Ob dies in der Form geschieht, daß man davon ausgeht, daß bei Verhandlungen, die eine Änderung
amerikanischer gesetzlicher Bestimmungen erfordern, das Ergebnis dieser Verhandlungen der Zustimmung des Kongresses auf einer ad referendum-Basis bedarf, oder in irgendeiner anderen Form, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall
muß dieser Prozeß durch ausreichende und wesentliche Konsultation mit den
zuständigen Kongreßausschüssen sowohl während der Vorbereitung der Verhandlungen als auch während der Verhandlungen selbst erleichtert werden.

3. Landwirtschaft:
Auf dem Gebiete der Landwirtschaft erfreuen sich die Vereinigten Staaten eines vergleichsweise großen Vorteils. Alle künftigen Verhandlungen
müssen auf diesem Gebiet einen Durchbruch bringen. Wo der Schutz vor Einfuhren in Form von Zöllen geschieht, bedarf es keiner besonderen Vollmacht. Wo
jedoch andere Mittel angewandt werden und wo Agrarverhandlungen gewisse Zu-

-6-

�Zugeständnisse auf Gegenseitigkeit in den Agrarimportrestriktionen der Vereinigten Staaten erfordern, können diese in der gleichen Weise behandelt werden
wie die nichttarifären Handelsschranken.

4. Schutzmaßnahmen:
Eine Gesetzgebung, die der einheimischen Industrie und den einheimischen Arbeitern die Gewähr bietet, daß ernsthaften Schädigungen oder der Gefahr einer ernsthaften Schädigung durch erhöhte Importe rasch begegnet werden
kann, sollte liberalere Schutzbestimmungen enthalten als die. gegenwärtige.
Die Zeitspanne, die für solche Entlastungsmaßnahmen durch Importbeschränkungen notwendig sein mag, hängt von der Zeitspanne ab, die notwendig ist, bis
geeignete wirtschaftliche Anpassungsmaßnahmen greifen» Zu den Maßnahmen, die
ergriffen werden können, gehören höhere Abgaben, Unterstützung bei der Anpassung von Importquoten, freiwillige Exportbeschränkungen oder eine Kombination
dieser Maßnahmen. Die Schutzmaßnahmen der Vereinigten Staaten sind normalerweise auf der Basis der Meistbegünstigungsklausel angewandt worden. Hier sollte für eine Flexibilität gesorgt werden, damit sie gegen bestimmte Länder angewandt werden können, wenn nur ein Land oder nur wenige Länder die Quelle des
Problems sind. Alle anderen großen Handelsnationen wenden eine solche Methode
an.
Das Gesetzeswerk sollte auch Richtlinien für die multilaterale Neuverhandlung der GATT-Regeln über die Anwendung von Schutzmaßnahmen durch einzelne Länder enthalten. Nur zu oft sind die Schutzmaßnahmen in Form von Importbeschränkungen in widersprüchlicher Weise und ohne Rücksicht auf die vereinbarten Normen und Kriterien angewandt worden. Dies führt unausweichlich zu
Verärgerungen und manchmal zu Vergeltungsmaßnahmen. Hier sollte man sich bemühen, einen Schutz auszuhandeln und ein Beschwerde-und Konsultationsverfahren
zu schaffen, in dessen Rahmen Maßnahmen überprüft werden können. Wenn in Übereinstimmung mit diesen Regeln und Verfahren Schutzmaßnahmen angewandt werden,
zu denen normalerweise auch Bestimmungen für geplante Anpassungshilfe und das

-7-

�1

das automatische Auslaufen von Restriktionen gehören würden, wäre es nicht
notwendig, Gegenrestriktionen seitens der betroffenen Lieferländer zu erlauben.

5. Anpassungshilfe:
Arbeitern, die aufgrund erhöhter Importe geschädigt werden oder denen
eine Schädigung droht, sollte eine Anpassungshilfe zur Verfügung stehen, die
ihre Umschulung und ihre Wiedereingliederung auf anderen Arbeitsplätzen erleichtert. Die gegenwärtigen Bestimmungen für die Anpassungshilfe sind unzureichend, da sie ganz und gar veraltete und starre Kriterien für die Qualifikation für eine solche Unterstützung anlegen und weil die Bestimmungen für
die Anpassungshilfe völlig einfallslos angewandt worden sind.

6. Fairer Handel:
Der Kongreß sollte seine Vollmacht und seine Richtlinien für den Präsidenten stärken, unter Beachtung der internationalen Verpflichtungen den Hebel
von Importbeschränkungen gegen Länder anzuwenden, die sich weigern, illegale
oder unvertretbare Importrestriktionen für amerikanische Exporte aufzuheben ,
und die an einer Exportsubventionierung auf den Märkten von Drittländern festhalten. Auch wir selbst sollten uns dieser unfairen und selbstzerstörerischen
Formen des Handels enthalten.

7. Allgemeine Zollpräferenzen für Fertigwaren aus Entwicklungsländern:
Sowohl Präsident Johnson als auch Präsident Nixon haben sich verpflichtet, die Zustimmung des Kongresses zu einem System von Zollpräferenzen für
Entwicklungsländer anzustreben. Diese Verpflichtung gehört zu einer gemeinsamen Anstrengung zusammen mit anderen Industrieländern. Eine Vollmacht für die
Exekutive, sich an dieser weltweiten Politik zu beteiligen, den Entwicklungs-

-8-

�Entwicklungsländern eine bescheidene Hilfe zu gewähren, ist gerechtfertigt
- unter Berücksichtigung der begrenzten Ausnahmen für bestimmte Erzeugnisse
und eines richtig funktionierenden Schutzmechanismus bei anderen Produkten.
Es wäre jedoch nach meiner Auffassung eine Travestie des Prinzips der
Nichtdiskriminierung im Handel und eine Verhöhnung der Handelshoffnungen der
Entwicklungsländer, wenn die Exekutive diese Vollmacht benutzen würde, während die Europäische Gemeinschaft und Japan an starren und kärglichen Quoten
für bevorzugt klassifizierte Importe aus den Entwicklungsländern festhalten.
In gleicher Weise wäre es für die Vereinigten Staaten eine Travestie des ganzen Prinzips, wenn sie Ländern Zollpräferenzen einräumen würde, die der Europäischen Gemeinschaft oder anderen Industrieländern diskriminierende Gegenpräferenzen einräumen. Die Vereinigten Staaten verlangen von den Entwicklungsländern keine so kleinliche Konzession, und wir erwarten, daß andere wohlhabende und mächtige Handelsnationen ebenfalls nicht auf solchen Forderungen
bestehen werden.

8. Zahlungsbilanzmaßnahmen:
Wir haben in den letzten Jahren schmerzlich die Notwendigkeit für ein
politisches Instrumentarium auf dem Gebiete des Handels erkannt, das notfalls
im Hinblick auf die kritischen Zahlungsbilanzprobleme zum Tragen gebracht werden kann, handelt es sich nun um ein Defizit oder um einen Überschuß. Eine
symmetrische Vollmacht für die Exekutive, eine Importabgabe zu erheben, wenn
die Vereinigten Staaten ein Defizit haben, oder die Zollsätze entsprechend
zu senken,wenn die USA einen Überschuß haben, wird die so sehr benötigte ergänzende Unterstützung für den monetären Anpassungsprozeß darstellen.
Ferner könnte der Kongreß in Erwägung ziehen, die Exekutive zur Erhebung
einer Importabgabe gegenüber einem Land zu ermächtigen, das einen chronischen
Zahlungsbilanzüberschuß hat und nicht die erforderlichen korrektiven Maßnahmen

�Maßnahmen ergreift; von dieser Vollmacht sollte natürlich nur in Übereinstimmung mit Abkommen Gebrauch gemacht werden, die jetzt im Rahmen der Bemühungen um eine internationale Währungsreform ausgehandelt werden.

9. Fristen für bürokratische Verzögerungen:

Schließlich möchte ich noch einen prozeduralen Vorschlag machen, der
allerdings von wesentlicher Bedeutung für die amerikanischen Arbeitnehmer und
Arbeitgeber ist. Der Kongreß sollte vernünftige, aber genaue Fristen für den
Zeitraum setzen, über den die Exekutive verfügen kann, um die erforderlichen
Erhebungen anzustellen und die notwendigen handelsbezüglichen Maßnahmen zu
ergreifen - ob es sich um Importentlastung, Anpassungshilfe, Ausgleichsabgaben, Anti-Dumpingmaßnahmen oder um Verfahren der nationalen Sicherheit handelt.
Wir kennen genug solcher unverantwortlicher Verzögerungen, und der Kongreß
sollte handeln, um diese Hilfestellung zu leisten.
Ich habe hier meine Ansichten zur Handelsgesetzgebung dargelegt in dem
Bemühen, einen konstruktiven Beitrag zu leisten und dieses so sehr benötigte
Gesetzeswerk zu fördern.
Wir müssen unsere Erwägungen auf überparteilicher Basis anstellen. Es
kann damit gerechnet werden, daß der Präsident dem Kongreß in Kürze seine Gesetzesvorlage unterbreiten wird. Ich hoffe, daß sie die Notwendigkeit für unverzügliches Handeln widerspiegelt, dem der Haushaltsausschuß - dessen bin ich
sicher - entsprechen wird."

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13/1973

VOLCKER TRITT FÜR GRUNDLEGENDE REFORM DES INTERNATIONALEN
WÄHRUNGSSYSTEMS EIN
-AuszügeWASHINGTON --(AD)— Der Staatssekretär für Währungsfragen im amerikanischen
Finanzministerium, Paul A. Volcker, hat erneut die Notwendigkeit einer
grundlegenden Reform des internationalen Währungssystems unterstrichen und
betont, daß mit den jüngsten Wechselkursanpassungen eine solide Ausgangsbasis geschaffen worden ist. Der Staatssekretär nahm am 21. März vor dem
Unterausschuß für Internationale Finanzfragen des US-Repräsentantenhauses
zu der von der Regierung eingebrachten Gesetzesvorlage über die Abwertung
des US-Dollar Stellung. Die wichtigsten Teile der Erklärung des Staatssekretärs haben folgenden Wortlaut:
"Zwischen den führenden Industriestaaten ist weitgehende Übereinstimmung über eine gemeinsame Initiative erreicht worden mit dem Ziele, ein
geregeltes Wechselkurssystem zu gewährleisten, spekulativen Störungen zu
begegnen und zu einer schnelleren grundlegenden Reform des internationalen
Währungssystems beizutragen
Die Teilnehmer an den während der letzten Wochen abgehaltenen Konferenzen mußten praktisch von der Zusammenarbeit und der Übereinstimmung bei dem
gemeinsamen Vorgehen beeindruckt sein.
Natürlich

�Natürlich bleibt noch viel zu tun übrig, um einen reibungslosen Übergang
zu einem dauerhaften und befriedigenden Währungssystem für die Zukunft sicherzustellen. Ich glaube jedoch, daß eine solide Basis geschaffen ist, die zu
Optimismus berechtigt. Der Druck der letzten Wochen hat meines Erachtens mit
dazu beigetragen, den Fortschritt in Richtung auf jene Kombination von Flexibilität und Stabilität in unseren Währungsvereinbarungen zu beschleunigen, die
in unser aller Interesse ist.
Die tatsächlichen Wechselkurse auf dem Devisenmarkt haben sich in der
letzten Woche größtenteils nicht sehr verändert. Ja, am Montag und Dienstag
blieb der Wechselkurs des Dollar gegenüber den anderen führenden Währungen in
einer Bandbreite von 2 1/4 Prozent beiderseits der Parität oder der Leitkurse,
die nach Bekanntgabe unserer beabsichtigten Abwertung festgelegt worden waren
(wobei der anschließend von Deutschland bekanntgegebenen weiteren kleinen
Aufwertung Rechnung getragen wurde). Diese Reaktion der Märkte entspricht,
solange die führenden Länder sich einer Intervention auf den Dollarmärkten
zur Stützung ihrer Parität oder ihrer Leitkurse enthalten, der von uns und
anderen vertretenen Auffassung, daß das aufgrund unserer Abwertung geschaffene
Wechselkurssystem im großen und ganzen angemessen und realistisch ist.
Ganz gewiß aber ändern die Ereignisse der letzten beiden Wochen in keiner
Weise unsere Auffassung über die Richtigkeit der Wechselkursneufestsetzung,
die der vorgeschlagenen Dollarabwertung voranging. Ich hoffe, der Kongreß wird
die erforderlichen Beschlüsse zu diesem Gesetz mit der angemessenen Schnelligkeit fassen." (Ende Auszüge Erklärung) .
Auf die Frage von Abgeordneten, welche Form monetäre Interventionen künftig annehmen könnten, erklärte Volcker: " Ich kann mich hierzu nicht sehr detailliert äußern... Ganz allgemein ist man der Auffassung, daß wir an geordneten Märkten interessiert sind, daß wir an der Stabilität der Märkte interessiert
sind. Aber welche Taktik eingeschlagen werden sollte, um dies am besten zu
fördern, hängt meines Erachtens von der Beurteilung der Marktverhältnisse und

-2-

�und der jeweiligen Situation im Verlauf der Entwicklung ab. Ich möchte keine
präzisen Richtlinien, Ziele oder Hinweise geben, wie wir auf bestimmte Gegebenheiten reagieren könnten."
Gleichzeitig versicherte der Staatssekretär, daß die Vereinigten Staaten keine geheimen Absprachen, weder mündlich noch schriftlich, darüber eingegangen seien, unter welchen Umständen eine Intervention stattfinden könnte. Allerdings, so fügte Volcker hinzu, bestehe ganz allgemein zwischen den
Ländern Übereinstimmung über die Notwendigkeit, die Reform des Währungssystems zu beschleunigen. Nicht dagegen bestehe Übereinstimmung bei den spezifischen Fragen wie kurzfristige Kapitalflüsse, die Ausstattung oder Konsolidierung der Reservebestände anderer Länder, das Funktionieren des Wechselkurssystems, die Durchführung von Veränderungen oder andere Elemente eines
Anpassungsprozesses. Der entscheidende Punkt sei nach wie vor, eine Einigung über die Festlegung der Regeln eines Anpassungsprozesses zu erreichen.
Auf Handelsfragen eingehend betonte Volcker, daß "echte Fortschritte"
beim Abbau der japanischen Handelsbeschränkungen erzielt worden sind. Bei
den europäischen Ländern und Kanada sei dieser Fortschritt weniger konkret.
Für die künftigen Handelsverhandlungen werde die Art, wie der US-Kongreß das
kommende Handelsgesetz berate, von entscheidender Bedeutung sein.
Der Vorsitzende des amerikanischen Federal Reserve Board (US-Notenbank),
Arthur Burns, wies vor dem Ausschuß darauf hin, daß die 14 auf den beiden
Pariser Konferenzen vertretenen Länder eine Zusammenarbeit vereinbart haben, um zu starke Wechselkursschwankungen zu verhindern und zur Erhaltung
geordneter Märkte beizutragen. Die amerikanische Delegation, so fuhr Burns
fort, habe dies ebenfalls zugesagt, aber gleichzeitig klar gestellt, "daß
wir bestimmen werden, wann wir intervenieren werden und in welchem Umfang,
und daß wir dies nur nach Konsultationen mit Vertretern der Zentralbanken
der anderen Länder tun werden."

Die USA seien nicht verpflichtet, irgend-

einen bestimmten Wechselkurs oder Systeme von Wechselkursen zu verteidigen

-3-

�verteidigen oder zu ihrer Verteidigung beizutragen.
Auf die Frage, ob andere Länder immer noch vom Dollar abhängig seien,
sagte Burns: "Der Dollar ist immer noch bei weitem die wichtigste internationale Währung. Allerdings ist dies nicht mehr ganz so stark der Fall wie vor
zwei Monaten. Die Deutsche Mark ist in gewissem Maße zu einer Reservewährung
geworden."
Burns gab weiter seiner Zuversicht Ausdruck, daß der amerikanische Plan
für eine Reform des internationalen Währungssystems "als fair und gesund anerkannt werden wird. "

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13/1973

WASHINGTONER WÄHRUNGSKONFERENZ BRACHTE WACHSENDE ÜBEREINSTIMMUNG
Von Eugene Brake
WASHINGTON .-(AD)— Die soeben beendete Tagung des Zwanziger-Ausschusses
in Washington brachte eine zunehmende Annäherung der Ansichten über eine
Reform des internationalen Währungssystems.
Dies zeigt das zum Abschluß der Beratungen der Finanzminister veröffentlichte Kommunique, in dem wichtige Prinzipien für die künftige Arbeit
niedergelegt sind. Der Vorsitzende des Ausschusses, der indonesische Finanzminister Ali Wardhana, vertrat auf einer anschließenden Pressekonferenz sogar die Auffassung, daß diese Prinzipien die "Hauptelemente" der kommenden
Reform des internationalen Währungssystems bilden werden. Trotzdem bestehen in einigen wichtigen Fragen auch weiterhin Meinungsverschiedenheiten.
Der Staatssekretär für Währungsfragen im US-Finanzministerium, Paul
Volcker, betonte ausdrücklich, daß die in dem Kommunique aufgeführten Prinzipien durchaus mit den von dem amerikanischen Finanzminister George Shultz
auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) im vergangenen
September unterbreiteten Vorschläge zu vereinbaren seien. Allerdings, so
fügte der Staatssekretär hinzu, bedeute dies nicht, daß die anderen dem
Zwanziger-Ausschub angehörenden Finanzminister und Zentralbankpräsidenten
nun ebenfalls mit allen Aspekten der amerikanischen Vorschlägen übereinstimmten .
Das

-1-

�Das Kommunique unterstreicht die Auffassung der Ausschußmitglieder,
daß das neue Währungssystem besseres leisten müsse als das alte und daß vor
allem der Anpassungsprozeß besser funktionieren müsse. Dabei sollten angemessene Methoden rechtzeitige und wirksame Zahlungsbilanzanpassungen sowohl
bei Überschuß-wie bei Defizitländern gewährleisten, und dies sollte durch
verbesserte internationale Konsultationen im Rahmen des IWF sowie die Verwendung objektiver Indikatoren erleichtert werden.
Die Verwendung "objektiver Indikatoren" - eine oder mehrere von den
Volkswirtschaftlern als allgemein gültig betrachtete statistische Reihen -,
die die Notwendigkeit von Maßnahmen seitens der Regierung zur Korrektur von
Zahlungsbilanzüberschüssen oder Defiziten anzeigen sollen, bildete einen
der Hauptpunkte des amerikanischen Vorschlages. Über die Art der objektiven
Indikatoren, die verwandt werden sollen, ist allerdings in Washington noch
keine Einigung erzielt worden.
Die Vereinigten Staaten hatten zum Beispiel im vergangenen September
vorgeschlagen, daß Veränderungen der Währungsreserven eines Landes den besten
Indikator darstellten, der auch laufend beobachtet werden könne. Andere
Länder hatten dagegen andere Indikatoren vorgeschlagen. So werden sich die
Stellvertreter des Zwanziger-Ausschusses jetzt in einer besonderen Studie
mit dieser Frage befassen.
Obwohl Übereinstimmung darüber besteht, daß die Wechselkurse flexibler
als unter dem alten System von Bretton Woods sein

sollten, sind die meisten

Länder nicht bereit, ein ständiges System floatender Wechselkurse zu akzeptieren, bei dem der Wert der Währungen entsprechend den Marktkräften nach
oben oder unten schwanken könnte. Die meisten großen Währungen floaten gegenwärtig, aber die Minister haben auf ihrer Washingtoner Tagung vereinbart,
daß die langfristige Reform des internationalen Währungssystems "auf stabilen aber anpassbaren Paritäten" basieren sollte.
Allerdings

�.»

Allerdings wurde anerkannt, daß das Floaten der Wechselkurse in besonderen Situationen eine nützliche Technik darstellt. Die Frage jedoch,
eine wie große Rolle das Floaten künftig spielen darf, gehörte zu den Punkten, über die weiterhin unterschiedliche Meinungen bestehen. Staatssekretär
Volcker faßte dies so zusammen, allgemein werde erwartet, daß die meisten
Länder nach dem neuen System wahrscheinlich die meiste Zeit einen festen
Wechselkurs haben würden. Diese Wechselkurse würden jedoch nicht mehr so
enge Bandbreiten haben wie unter dem System von Bretton Woods, sondern es
würden wahrscheinlich größere Schwankungen möglich sein.
Nach Ansicht Volckers ist das gegenwärtige Floaten eine gute Möglichkeit für die augenblickliche Situation, doch brachten, wie der Staatssekretär betonte, die derzeitigen Vereinbarungen keineswegs eine umfassende Lösung des Problems einer Reform des Internationalen Währungssystems

Die

Dringlichkeit, mit dieser Aufgabe voranzukommen, werde dadurch keineswegs
verringert. Das Kommunique bedeute, was das Anpassungsproblem und den Anpassungsprozeß betrifft, einen gewissen Fortschritt, doch seien wichtige
Einzelheiten noch zu regeln.
Eine weitere noch offen bleibende wichtige Frage betrifft die zu ergreifenden Maßnahmen hinsichtlich der kurzfristigen Kapitalflüsse sowie der
von Land zu Land vagabundierenden Spekulationsgelder. Nach Ansicht Volckers
gibt es auch hier keine Zauberformel, vielmehr soll auch diese Frage in
einer zweiten Studie der Stellvertreter eingehend untersucht werden.
Der Vorsitzende des Stellvertreterausschusses, Jeremy Morse, teilte in
diesem Zusammenhang mit, daß die Stellvertreter vom 21. bis 25, Mai zu
ihrer bisher längsten Sitzung in Washington! zusammenkommen werden, um die
Studien zu überprüfen, die jetzt in Auftrag gegeben worden sind, Anschliessend soll in großen Umrissen ein erster Entwurf des Vorgeschlagepen neuen
internationalen Währungssystems erörtert werden. Gleichzeitig wollen sich

3-

�sich die Stellvertreter aber auf dieser Sitzung auch mit den besonderen Interessen der Entwicklungsländer befassen.
Wie Staatssekretär Volcker auf einer Pressekonferenz nach Abschluß der
Washingtoner Tagung betont hat,

ist in den Beratungen der Minister manches

erreicht worden. Vor allem sei klargestellt worden, wie weiter vorgegangen
werden soll. Doch seien noch lange nicht alle schwierigen Fragen geklärt worden.

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13/1973

US-KOMMISSION EMPFIEHLT NEUE KONZEPTIONEN FÜR DIE SUCHTBEKÄMPFUNG
Koordinierte Behandlungsprogramme sollen Vorrang
vor Bestrafung haben

- (AD) - Die amerikanische "National Commission on Marijuana and Drug
Abuse", eine 1970 vom US-Kongreß geschaffene überparteiliche Kommission zur
Untersuchung des Drogenproblems, appelliert in ihrem jetzt veröffentlichten
zweiten Bericht an die Bevölkerung

der USA, bei der Bekämpfung der Drogen-

abhängigkeit nach neuen Wegen zu suchen. Die Nation sollte, wie es in der 481
Seiten umfassenden Studie heißt, "eine andere Einstellung zu Drogen und Drogenpolitik" entwickeln. Vor allem müßten Behandlung und Rehabilitation Vorrang
vor Bestrafung haben. Mehr als 100 Punkte wurden besonders herausgearbeitet,
um Behörden und privaten Stellen spezielle Maßnahmen zu empfehlen.

Die "Drogenkommission", wie der Ausschuß meist kurz genannt wird, fordert
die Schaffung einer unabhängigen Behörde auf Bundesebene, die für alle Programme auf dem Gebiet Drogen und Suchtbekämpfung verantwortlich sein soll.
Polizeiliche und juristische Maßnahmen würden ebenso unter ihre Kompetenz
fallen wie Vorbeugung, Aufklärung und Erziehung, ebenso Forschung, die Behandlung von Drogenabhängigen sowie die Beurteilung der Wirksamkeit einzelner
Programme. Allerdings solle die Tätigkeit der dem Präsidenten direkt zu unterstellenden Behörde zeitlich begrenzt, d.h. auf fünf Jahre befristet werden.
Die

- I -

�Die Drogenkommission, die unter der Leitung von Raymond P. Shafer (ehemaliger Gouverneur von Pennsylvanien) steht, zählt 13 Mitglieder. Neun von
ihnen wurden 1970 von Präsident Nixon ernannt, zwei vom Senat, zwei vom
Repräsentantenhaus. Zwei der 13 Vertreter des Ausschusses stimmten allerdings
gegen die Einrichtung der "Superbehörde", weil für die von Präsident Nixon
vor einem Jahr geschaffene Aktionszent.

fegen den Drogenmißbrauch "die Zeit

noch zu kurz war, um ihre Effektivität unter Beweis zu stellen". Sie soll in
erster Linie koordinieren, um Überschneidungen bei den verschiedenen Behandlungsprogrammen auszuschalten.

Das Weiße Haus, das sich zu dem neuen Bericht noch nicht direkt äußerte,
ließ verlauten, daß Präsident Nixon die Zuständigkeit für alle Vollzugsprogramme der Regierung gegen den Drogenmißbrauch in einer einzigen Stelle im
Justizministerium vereinigt sehen möchte.
Raymond Shafer warnt davor, sich mehr oder weniger auf die Strafgesetze
zu verlassen,um einer mißbräuchlichen Anwendung von Drogen und Narkotika vorzubeugen. "In den Augen von Drogenabhängigen", so heißt es in dem Bericht,
"ist die Strafjustiz ausschließlich deshalb gerechtfertigt, weil sie einen
Mechanismus zur Eingliederung in ein Behandlungssystem öffnet."

In den Untersuchungen zu ihrem vorjährigen Bericht hatte sich die Kommission auf Marihuana beschränkt und empfohlen, den privaten Besitz von
Marihuana für den persönlichen Gebrauch nicht unter Strafe zu stellen. Statt
dessen sollte der Gebrauch der Droge allgemein durch eine "Politik der Entmutigung" eingedämmt werden. Im diesjährigen Bericht wird der Vorschlag in
bezug auf Marihuana wiederholt und gleichzeitig empfohlen, den illegalen Besitz anderer Drogen auch künftig zu verbieten. Die Kommission hebt hervor,
daß Marihuana keine "physische Abhängigkeit" hervorrufe oder gewalttätig
mache, jedoch sowohl das Sehvermögen als auch die Reaktionsfähigkeit beeinträchtige und deshalb

z.B. die Verkehrstüchtigkeit des Autofahrers einschränke.

Während

- 2-

�Während für Rauschgifthändler, insbesondere diejenigen, die Heroin,
Kokain und andere "harte Drogen" vertreiben,auch nach Ansicht der Drogenkommission harte Strafen angebracht seien, habe die Kriminalität von Personen, die Drogen nehmen, damit in vielen Fällen nichts zu tun. Viel häufiger
sei Alkohol, nicht Heroin, für Gewalttaten für Unfälle und den Tod auf der
Straße verantwortlich zu machsn.

Drogenprobleme können aus dem Gebrauch oder dem Mißbrauch von Heroin,
Kokain, Barbituraten, Marihuana, Amphetaminen, Tabak und Alkohol entstehen.
Die beiden letztgenannten gelten im allgemeinen gar nicht als Narkotika, obgleich die Abhängigkeit vom Alkohol "heute das ernsteste Drogenproblem im
Lande" sei. Der Drogenkonsum sei, wie die Kommission meint, nur eines der Probleme im Gefolge von Armut, dem Verfall der Städte, Schwierigkeiten zur persönlichen Entfaltung, Fluchtreaktionen, Langeweile, Apathie und anderen Faktoren, die gesellschaftsfeindliches und asoziales Verhalten beeinflussen. Auf
ihren Studien im Ausland - die Kommission bereiste 36 Länder - habe sie festgestellt, daß Drogengebrauch, davon geprägtes Verhalten und Drogenabhängigkeit
überall zu finden seien; in keinem Land und keinem Teil der Welt gebe es
Immunität dagegen.

Der Begriff "Drogenmißbrauch" sollte dem Bericht zufolge nicht verwendet
werden, weil er unpräzise sei. Statt dessen sollten Öffentlichkeit und Politiker
die relativen Gefahren und sozialen Konsequenzen mehr herausstellen, die sich
aus dem Gebrauch der verschiedenen Drogen ergeben. Die amerikanischen Bundesstaaten sollten ihre zur Drogen- und Suchtbekämpfung eingerichteten Behörden
einheitlich an dem vorgeschlagenen Modell der Bundesregierung orientieren.
"Anstatt Geldmittel und Anstrengungen auf die Überredung oder Erziehung der
Menschen zum Nichtgebrauch von Drogen zu konzentrieren, sollte man bei den vorbeugenden Maßnahmen andere Wege in den Vordergrund stellen - Wege, die zu der
Befriedigung führen, welche der einzelne sich von Drogen erhofft, die aber
besser für ihn selbst und besser für die Gesellschaft sind. Ziel der Vorbeugungspolitik sollte sein, bessere Verhältnisse zu schaffen und dem einzelnen
das notwendige Rüstzeug mitzugeben, um mit den Problemen des Lebens, insbe-

- 3-

�insbesondere mit den Problemen und Sorgen des Heranwachsenden, fertig zu
werden. Informations- und Aufklärungsschriften über Drogen und die Nachteile
ihres Gebrauchs sollten in allgemeinere Programme eingefügt werden." Die Kommission verlangt die Einstellung jeglicher Werbung für Drogen wie Sedativa,
Tranquillantien und Stimulantien, und eine Kennzeichnung der Gefährlichkeit
alkoholischer Getränke durch die Herstellerindustrie.

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13/1973

AMERIKANISCH-SOWJETISCHE FORSCHUNGSPROGRAMME

--(AD)-- Auf ihrer ersten Konferenz (19.-21. März 1973 in Washington) nach
der Unterzeichnung des Abkommens über wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit zwischen den USA und der UdSSR durch Präsident Nixon 1972 in Moskau
einigten sich die Mitglieder der "gemeinsamen Kommission" beider Länder auf
zunächst 25 Forschungsvorhaben. Diese verteilen sich auf die Sektoren Energie,
Computeranwendung, Agrarforschung, mikrobiologische Synthese, chemische Katalyse und Wasserwirtschaft. Leiter der US-Delegation war Dr. H. Guyford
Stever, der Direktor der "Nationalen Wissenschaftsstiftung" (NSF), der
gleichzeitig den Vorsitz in der gemeinsamen Kommission führte; die Leitung
der sowjetischen Delegation hatte V. A. Trapesnikow vom Staatskomitee für
Wissenschaft und Technik in Vertretung des erkrankten Vorsitzenden dieses Ausschusses, V.A.Kirillin, übernommen.
Aufgrund der Untersuchungsberichte und Empfehlungen der aus amerikanischen und sowjetischen Fachleuten gebildeten Arbeitsgruppen sollen auf dem
Gebiet "Energie" folgende Forschungs-und Entwicklungsprojekte mit Vorrang behandelt werden: Systeme und Leitungen für Kraftstrom, Magnetohydrodynamik,
Sonnenenergie und geothemische Energie. Nach erfolgreichem Anlaufen dieser
Programme will man weitere Projekte auswählen.
Für

-l-

�i
Für die Anwendung von Computern in Wirtschaft und Industrie empfahl die
Kommission fünf Projekte, die vorrangig zu behandeln seien. Auf dem Gebiet der
landwirtschaftlichen Forschung interessieren Samen-und Pflanzenzucht sowie
Schädlingsbekämpfung und andere Schutzmaßnahmen, Verfahren zur Steigerung der
Produktion von Schlachtvieh und Geflügel und Mechanisierungsverfahren. Über
die mikrobiologischen Studienprogramme soll erst nach dem Besuch einer
amerikanischen

Expertengruppe in der Sowjetunion entschieden werden,

während man sich für das Gebiet der chemischen Katalyse bereits auf fünf Projekte einigen konnte.
Auf der ersten Konferenz des gemeinsamen Komitees wurden außerdem Einzelheiten zur Beteiligung der Sowjetunion am Projekt DSDP (Deep Sea Drilling
Project - Tiefbohrungen auf hoher See zur Sondierung der Erdkruste) erörtert.
Das amerikanische Forschungsschiff GLOMAR CHALLENGER, das noch bei 6 000 m
,

Wassertiefe mit einer Bohrsonde Hunderte von Metern tief in den Meeresboden
vordringen kann, hat im Rahmen dieses für die Erforschung der Erdgeschichte
so wichtigen Unternehmens bereits unzählige Daten sammeln können.
Auch auf den Gebieten Forstwissenschaft, Technische Normen und Prüfbedingungen, Verkehrswesen, Meeresforschung, Physik und Elektrometallurgie
wollen die beiden Staaten künftig enger zusammenarbeiten. Das gleiche gilt für
den Sektor Wissenschaftspolitik im allgemeinen und für die Vorbereitung eines
Symposiums über wissenschaftliche und technische Informationen. Die nächste
Konferenz soll Ende 1973 stattfinden; der genaue Termin steht noch nicht
fest.

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13/1973

GROSSTÄDTER ATMEN ZU VIEL KOHLENMONOXID EIN
-Rauchen erhöht zusätzlich CO-Spiegel im Blut-

--(AD)-- In den unteren Etagen von Wohn-und Bürohäusern, die an verkehrsreichen Straßen liegen und keine zentrale Klimaanlage haben, müssen die
Menschen fast ebenso viel Kohlenmonoxid einatmen wie die Fußgänger draußen.
Das geht aus Untersuchungen hervor, die die US-Behörde für Umweltschutz (EPA)
durch die General Electric Company in New York durchführen ließ. Die Studie
war in Auftrag gegeben worden, um angesichts der immer zahlreicheren Projekte
in Großstädten, durch Überbauen von Verkehrsstraßen zusätzlichen Raum für
Schulen, Büro-und Wohnhäuser zu gewinnen, die Frage zu klären, ob und inwieweit eine solche Bauweise die Gesundheit der Bewohner gefährdet.
Die Wissenschaftler von General Electric wählten für die Untersuchungen
einen Alt-und einen Neubau ohne zentrale Belüftungsanlage an Stellen aus, wo
mit hoher Kohlenmonoxid-Konzentration gerechnet werden muß: Die eine Meßstation war ein 19stöckiges Bürohaus an einer der engen Straßenschluchten
von Manhattan, die zweite ein als Apartmenthaus gebauter Wolkenkratzer, der
eine Zufahrt zur George-Washington-.Brücke überspannt.
Obgleich

�Obgleich der Verkehr an der Autobahn-Zufahrt mit ca. 150 000 Fahrzeugen pro Tag 15 bis 20 Mal dichter ist als in der 40. Straße in Manhattan,
wurden in dem betreffenden Wohnhochhaus geringere Kohlenmonoxid-Konzentrationen als in Manhattan gemessen. Sie überschritten (jeweils in der zweiten
Etage) die in den USA bundesweit gültigen Maximalwerte während der Heizperiode um 23 Prozent, außerhalb der Heizperiode um 15 Prozent; die entsprechendenprozentualen Angaben für das Bürohochhaus in Manhattan lagen bei 47 und 33
Prozent.
Infolge eines "Schornsteineffektes", durch den erwärmte Luft in die
Höhe steigt und kältere, verschmutzte Luft von draußen angesogen wird, ist
die Kohlenmonoxid-Konzentration während der Heizperiode größer. Dies macht
sich, wie die Messungen im Wohnhochhaus in der kalten Jahreszeit ergaben,
nicht nur in den unteren Etagen bemerkbar. Noch im 31. Stock wurden in der
Heizperiode 19,7 Prozent mehr Kohlenmonoxid ermittelt, als den zulässigen
Maximalwerten entspricht. Da es in der Straßenschlucht der 40. Straße in
Manhattan - im Gegensatz zum Standort des Wohnhochhauses - nur wenig Luftbewegung gibt, stauen sich dort die Kohlenmonoxid-Schwaden, was bewirkt, daß
auch innerhalb des Gebäudes höhere CO-Konzentrationen vorhanden sind.

Die

Meßergebnisse für andere Verunreinigungen wie Kohlenwasserstoffe, Staub und
Bleipartikel sind in dem Bericht "Indoor-Outdoor Carbon Monoxide Pollution
Study", der bei der EPA vorliegt, gesondert behandelt.
Die Verfasser des Berichts schlagen u.a. vor, Neubauten an und über
verkehrsreichen Straßen nur mit zentraler Belüftung zu erstellen, um die
Raumluft gegen das Eindringen von Kohlenmonoxid von der Straße abzuschirmen.
Außerdem sollte genügend Freiraum um die Gebäude vorhanden sein, damit der
Wind die Schadstoffe rascher verdünnt. Und schließlich sollten Kohlenmonoxid"Fallen" wie Aufzugschächte oder unterirdische Garagen mit besonders leistungsfähigen Ventilationssystemen ausgestattet werden.

In

�In diesem Zusammenhang ist eine weitere Studie von Interesse, die Dr.
Richard Stewart vom "Medical College" der Universität Wisconsin mit zahlreichen Mitarbeitern zu der Frage möglicher Kombinationseffekte von Rauchen
und Luftverschmutzung durchführte. Sie stützt sich auf den CO-Spiegel im Blut.
Von Tausenden von Bürgern in 18 amerikanischen Großstädten und deren Vororten wurden zu diesem Zweck drei Jahre lang Blutproben untersucht.
Die freiwilligen Versuchspersonen wurden in zwei große Gruppen - Raucher
und Nichtraucher - eingeteilt. Bei den Blutanalysen zeigte sich nun, daß
die in Großstädten und in deren unmittelbarer Nachbarschaft lebenden Raucher
einen besonders hohen Kohlenmonoxid-Spiegel haben. Das Rauchen hat offenbar
einen kumulierenden Effekt für diesen Schadstoff in einem an sich schon durch
Verschmutzung geschädigten Milieu. Deshalb wäre nach Meinung Dr. Stewarts
das Wohnen und Arbeiten in der Großstadt allein schon ein Grund, das Rauchen
aufzugeben.
Auch für die Nichtraucher war der Befund nicht gerade ermutigend. Bei
50 Prozent lagen die Kohlenmonoxid-Werte an der oberen Grenze der noch erträglichen Konzentration, bei der anderen Hälfte darüber. Die Auswirkungen
dieser permanenten Beeinträchtigung der Sauerstoffversorgung des Gewebes sind
zwar

schwer zu übersehen, führen aber in vielen Fällen sicherlich zu einer

Verschlimmerung bereits bestehender Leiden. Dr. Stewart berichtete Anfang
März 1973 in Washington vor der Nationalkonferenz des "Coordinating Research
Council", einer aus Industrie-und Regierungsvertretern gebildeten Arbeitsgruppe für Probleme der Luftverschmutzung in den USA,über die Ergebnisse seiner Untersuchungen.
+-H-

-3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erster Jahresbericht des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Begleitschreiben Präsident Nixons an den Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mills fordert Reform des internationalen Handelssystems&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung vor dem Repräsentantenhaus -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Volcker tritt für grundlegende Reform des internationalen Währungssystems ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Washingtoner Währungskonferenz brachte wachsende Übereinstimmung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Eugene Brake -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Kommission empfiehlt neue Konzeptionen für die Suchtbekämpfung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Koordinierte Behandlungsprogramme sollen Vorrang vor Bestrafung haben -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetische Forschungsprogramme&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Großstädter atmen zu viel Kohlenmonoxid ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rauchen erhöht zusätzlich CO-Spiegel im Blut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

"

29. März 1989

13

INHALT

DOKUMENTATION
Rldgway;

Europäischer Binnenmarkt "benutzerfreundlich'

- Rede in Minneapolis -

Maresca:

Fortschritte in der ersten VSBM-Runde

-- Pressekonferenz mit dem Leiter der amerikanischen Delegation -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
\

Entscheidende Phase im Kampf gegen Rauschgift
- Präsident Bush und Anti-Drogen-Beauftragter Bennett fordern
Sofortmaßnahmen -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
29. März 1989

13

RIDGWAY:

EUROPÄISCHER BINNENMARKT "BENUTZERFREUNDLICH"
- Rede in Minneapolls -

MINNEAPOLIS - (AD) - Die Leiterin der Abteilung für europäische und kanadische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Rozanne L. Ridgway,
hat am 21. März 1989 in einer Rede vor dem Komitee für auswärtige Beziehungen,
einer privaten außenpolitischen Vereinigung, in Minneapolis erklärt, es gebe
"keinen Widerspruch zwischen der Verteidigung amerikanischer Interessen" und
der Unterstützung einer verstärkten wirtschaftlichen Integration Europas. Die
Abteilungsleiterin äußerte in diesem Zusammenhang, die europäische Integration
könne "grundsätzlich und in hohem Maße benutzerfreundlich im transatlantischem
Sinne sein".
Nachfolgend veröffentlichen wir Ridgways Rede im Wortlaut:

Meine Botschaft lautet, daß kein
Widerspruch zwischen der Verteidigung
amerikanischer Interessen in den Beziehungen mit Europa, wie sie sich
seit 40 Jahren darstellen, und der
Unterstützung einer verstärkten wirtschaftlichen Integration Europas besteht.
Die europäische Integration
kann grundsätzlich und in hohem Maße
benutzerfreundlich
im
transatlantischen Sinne sein. Und in den Bereichen, in denen sie potentiell negative Folgen für die Vereinigten
Staaten hat, ist es an uns, wachsam
zu sein und ihnen energisch entgegenzuwirken.

glauben nämlich, daß damit Konflikte
vermieden werden und ein Partner entsteht - für die westliche Verteidigung, die Außenpolitik des Westens
und die westlichen Werte freier Gesellschaften und offener Märkte.

Über die wirtschaftliche Integration hinaus besteht eine weitergehende europäische Einigkeit, die von uns
seit 40 Jahren befürwortet wird. Wir

- Die Organisation für Europäische
Wirtschaftliche
Zusammenarbeit
(OEEC) wurde im Jahr 1948 gegründet, um die von den Vereinigten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Das Jahr 1992 ist ein wichtiger
nächster Schritt einer Entwicklung,
die sich in Schüben seit dem Krieg
mit Unterstützung
der Vereinigten
Staaten vollzogen hat.
Nach dem
Zweiten Weltkrieg haben die führenden
Politiker Europas zunächst durch verschiedene Ansätze nach Einheit gestrebt:

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Staaten im Rahmen des MarshallPlanes zur Verfügung gestellte
Hilfe am effizientesten zu nutzen
und zu vermeiden, daß die verschiedenen Länder in der Wirtschaftspolitik unabsichtlich gegeneinander arbeiteten. Die OEEC
entwickelte sich zu einem auch
die überseeischen Industrieländer
einbeziehenden
Koordinierungsmechanismus für die Industriestaaten, die heutige OECD.
- Im Jahr 1949 entstand der Europarat, um weitergehende Ziele der
Garantierung demokratischer Prinzipien und der Menschenrechte zu
verfolgen. Mit 22 Mitgliedstaaten ist der Rat heute ein aktives
Forum der Diskussion über Politik
und Wirtschaft.
- Ein Versuch der Gründung einer
europäischen
Verteidigungsunion
scheiterte an Einwänden des französischen Parlaments.

Die Evolution der Europäischen
Gemeinschaften
Der wahre Träger der europäischen
Einheit sind jedoch von jeher die Europäischen
Gemeinschaften
gewesen.
Wie schon von diesem Plural angedeutet, beruhten diese auf einer Reihe
von Verträgen, sie wurden Schicht um
Schicht aufgebaut.
Die Europäische Gemeinschaft für
Kohle und Stahl (Montanunion) wurde
im Jahr 1951 ins Leben gerufen, um
die primären Kriegsindustrien in gemeinsamen Institutionen zu vereinigen. Die Theorie forderte Integration durch zentrale Regulierung. Der
Geniestreich der Montanunion bestand
in ihrer einzigartigen institutionellen Struktur, die den Kern einer weitergehenden Integration in sich barg:
- Einen Rat, in dem alle Mitgliedstaaten mit Sitz und Stimme vertreten waren.
- Eine Kommission als unabhängiges
Exekutivorgan.

- Ein Parlament als demokratisches
Beratungsgremium.
- Einen Gerichtshof
um eine bindende Interpretation des Gründungsvertrags zu gewährleisten.
Die Montanunion selbst ist heute
ein Überbleibsel innerhalb der enormen EG-Struktur, aber ihr institutionelles Grundmuster ist in allen europäischen Gemeinschaften erhalten geblieben.
Die Montanunion funktionierte, weil sie praxisorientiert,
mit klaren Zielen und Machtbefugnissen ausgestattet war, eben kein großartiger Vereinigungsplan, der nur beratende Funktion hatte.
Mit den Römischen Verträgen wurde
parallel zur Montanunion im Jahr 1957
die
Europäische
Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) geschaffen. Die ihr zugrundeliegende Theorie war jedoch
neu:
Wirtschaftliche
Integration
durch einen gemeinsamen Markt anstatt
durch zentrale Regulierung und die
Hoffnung, daß die wirtschaftliche Integration mit der Zeit auch zur politischen Integration führen werde.
Im Jahr 1967 wurden die Europäische
Wirtschaftsgemeinschaft,
die
Montanunion und Euratom in nach dem
Muster der Montanunion gebildeten gemeinsamen Institutionen zusammengefaßt, die Europäische Gemeinschaft
war entstanden. Von Anbeginn gestattete die Europäische Gemeinschaft politische Zusammenarbeit, aber diese
kam nicht zustande. De Gaulle blokkierte jede Sitzung des Rats für Aussenpolitik.
Selbst nach De Gaulle
zögerten die Mitgliedstaaten weiterhin, der politischen Rolle den gleichen Rang einzuräumen wie der wirtschaftlichen. Die Europäische Politische Zusammenarbeit (EPZ) begann ad
hoc im Jahr 1970 und entwickelte sich
langsam in den folgenden Jahren. Im
Jahr 1987 wurde sie schließlich Institutionalisiert.
Die EPZ ist in erster Linie ein
Konsultationsprozeß zwischen den Mitgliedstaaten, wobei die Rolle von

�Kommission und Parlament immer noch
nicht eindeutig festgelegt ist. Die
Bedeutung der EPZ nimmt trotzdem
ständig zu. Die jüngsten Maßnahmen
der Europäischen Gemeinschaft gegen
den Iran nach der Todesdrohung gegen
Rushdie sind ein Zeichen ihrer Fähigkeit zu schnellem, konkretem und effektivem Handeln.

Der Binnenmarkt
Der Plan zur Schaffung eines einheitlichen Markts im Jahr 1992 wurde
ins Leben gerufen, um den im Jahr
1957 erklärten Zielen neuen Auftrieb
zu verleihen. Ein neuer Ausdruck des
politischen Willens war nötig geworden, um die Entschlußlosigkeit der
siebziger und frühen achtziger Jahre
zu überwinden. Lord Cockfields Weißbuch aus dem Jahr 1985 erbrachte wenig substantiell Neues, aber es faßte
viele nüchterne Einzelheiten zur Vision eines vollständig integrierten
Markts mit einem festen zeitlichen
Rahmen zusammen.

Die Einheitliche Europäische Akte
Die Einheitliche Europäische Akte
von 1986 markiert das Widererstarken
der Europäischen Geraeinschaft.
Sie
vereinigte zahlreiche Einzelelemente
mit zweckmäßigen neuen Mechanismen:
Die Reform des Entscheidungsfindungsprozesses in der Europäischen Gemeinschaft, die politische Zusammenarbeit
und das Programm für 1992.
- Heute
werden
mehr
Beschlüsse
durch
Mehrheitsentscheid
als
durch Konsens gefaßt.
- Das Europäische
Parlament hat
mehr Macht in bezug auf die EGGesetzgebung und außenpolitische
Vereinbarungen.
Die Europäische Gemeinschaft und die
Vereinigten Staaten
Wir sind mit dem Verhältnis zwi-

schen der Europäischen Gemeinschaft
und den Vereinigten Staaten insgesamt
zufrieden und fühlen uns durch die
Beschleunigung der europäischen Integration und deren allgemeine Richtung
ermutigt. Gibt es Probleme? Selbstverständlich. Wir sehen jedoch eine
enorme Chance zur Zusammenarbeit in
einer reifen Partnerschaft angesichts
drängender weltweiter Probleme. Unsere
gemeinsamen
politischen
und
wirtschaftlichen Grundwerte sollten
gewährleisten, daß die Maßnahmen der
Vereinigten Staaten und Westeuropas
einander ergänzen und nicht einander
entgegenwirken - vielleicht nicht immer, aber meistens und bei den wichtigsten Fragen. Gleichzeitig werden
wir uns energisch für die Verteidigung
berechtigter
wirtschaftlicher
Interessen der Vereinigten Staaten
einsetzen und sicherstellen, daß die
transatlantischen Beziehungen nicht
durch kurzsichtige Maßnahmen beeinträchtigt werden.
Es wird immer Reibungen im Handel
zwischen
Europäischer
Gemeinschaft
und Vereinigten Staaten geben. Probleme wie der Hormonstreit sind in
einem solch komplexen Verhältnis wie
dem unseren unumgänglich.
Es hat
eine Folge amerikanisch-europäischer
Streitfälle im Handel gegeben, die
wir erfolgreich gelöst haben. Sicherlich gibt es ernste Probleme, und
bei deren Lösung dürfen amerikanische
Wirtschaftsinteressen nicht geopfert
werden. Sie sollten jedoch nicht den
Blick auf unser grundsätzlich kooperatives Verhältnis verstellen.
Bisweilen ist es nützlich, das
Offenkundige ins Gedächtnis zurückzurufen - Europa ist für die Vereinigten Staaten wichtig. Die Europäische
Gemeinschaft erwirtschaftet jährlich
ein Bruttosozialprodukt von 2,5 Billionen Dollar. Unser Handel beläuft
sich jährlich auf 160 Milliarden Dollar und die transatlantischen Investitionen auf beiden Seiten erreichen
nahezu 300 Milliarden Dollar.
Ein
Viertel aller amerikanischen Exporte
geht in die 12 Mitgliedstaaten der
Europäischen Gemeinschaft.

- 3 -

�Wenn man von diesen schwindelerregenden Zahlen einmal absieht, bildet die atlantische
Partnerschaft
eine Grundlage
der amerikanischen
Außenpolit k,
da
die
Vereinigten
Staaten und Westeuropa marktwirtschaftlich
orientierte
Demokratien
mit dem Ziel einer friedlichen Welt
sind, in der politische Freiheit und
wirtschaftlicher Wohlstand herrschen.
Der Erfolg der NATO und die intensivierte
Partnerschaft
zwischen den
Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft sind ein Beweis
für die anhaltenden Gemeinsamkeiten
zwischen Amerika und Europa.

Wir akzeptieren die Zusicherung
der Gemeinschaft, ihre offene Partnerschaft mit der Welt fortführen zu
wollen. Aber wir sehen eine Gefahr,
daß sich Protektionismus in Gesetzgebung und Vorschriften einschleichen
könnte. Es wird die Versuchung bestehen, im Rahmen des Gesamtplans
enggefaßten Einzelinteressen nachzugeben, vielleicht auch, um dem Programm als Ganzem die Unterstützung zu
sichern. Weiterer Druck wird entstehen, um besondere Regionen zu schützen, die fürchten, vom neuen Europäischen Binnenmarkt überrollt zu werden.

Die Ereignisse in Europa sind in
unserem Sinne - wir würden in derselben Situation genauso handeln.
In
dem Europa, wie es die Europäische
Gemeinschaft hervorbringen will, können Waren aller Ursprungsländer so
frei zwischen Italien und der Bundesrepublik Deutschland gehandelt werden
wie zwischen Kalifornien und Oregon;
ein
belgischer
Versicherungsnehmer
kann zwischen Policen britischer und
französischer Versicherungen oder anderer Gesellschaften wählen; ein holländischer Architekt
kann genauso
leicht ein Büro in Paris und Athen
eröffnen wie in Amsterdam.

Wir haben bei einigen bereits im
Zusammenhang mit dem Binnenmarkt unterbreiteten Vorschlägen echte Bedenken.
Bestimmungen mit einer hohen
lokalen Zustimmungsrate, die sich zum
Beispiel gegen
unfaire asiatische
Handelspraktiken wenden, zwingen europäische
Hersteller,
europäische
statt amerikanischer Teile zu erwerben. Das ist eine unannehmbare Begleiterscheinung die mit der Gemeinschaft noch erörtert werden muß.

Tatsächlich bestehen Parallelen
zwischen dem Binnenmarkt, wie ihn die
Vereinigten Staaten unter ihren Einzelstaaten haben und dem Binnenmarkt,
den
die
Europäische
Gemeinschaft
schaffen wird.
Ihr Wirtschaftsprogranrai zielt darauf ab, Handelsschranken und die Last der Vorschriften abzubauen und die Mobilität von Arbeitskräften und Ressourcen zu verbessern.
Die Vereinigten
Staaten haben
aufgrund ihrer engen wirtschaftlichen
Verbindungen mit der Europäischen Gemeinschaft und aufgrund der wichtigen
Rolle der Gemeinschaft in der Welt
ein reales Interesse an den in Europa
getroffenen Entscheidungen. Aus diesem Grunde beobachten wir die Verwirklichung des Binnenmarktes sehr
genau.

Bei den Vorschlägen der Europäischen Gemeinschaft bezüglich der Gegenseitigkeit bei den Dienstleistungen beobachten wir die Fortführung
eines Ansatzes, der uns in der Vergangenheit
Probleme
bereitet hat.
Die Europäische Gemeinschaft versucht
ihre einseitige Liberalisierung auszunutzen, um sich Vorteile zu verschaffen. Die vielfach in der Europäischen Gemeinschaft vorgeschlagene
Gegenseitigkeit ist mit den traditionellen Prinzipien für Investitionen
unvereinbar.
Amerikanische
Märkte
stehen europäischen Investoren offen,
und wir erwarten das Gleiche von Europa. Wir werden nicht für Reformen
bezahlen, die im eigenen Interesse
der Europäischen Gemeinschaft unternommen wurden. Wir wollen eine "nationale Behandlung".
Der
Europäischen
Gemeinschaft
scheinen generell zwei Möglichkeiten
zur Verfügung zu stehen, und zum besseren Verständnis wollen wir die eine

�das Faß ohne Boden der Subventionierung und die andere eine Steuerreform
nach dem Vorbild der Vereinigten
Staaten nennen.
Die Möglichkeit der Subventionierung läßt sich mit dem Agrarprogramm
der Gemeinschaft vergleichen, einem
System, in dem jeder den Schutz oder
die Subventionierung von Eigeninteressen akzeptiert. Wenn diese Methode
bei der Gesetzgebung und den Vorschriften des Binnenmarktes - der zumeist vom Agrarhandel unabhängig ist
- greift, sähen wir uns echten Problemen gegenüber.
Aber meiner Ansicht nach wird die
Europäische Gemeinschaft diesen Weg
nicht verfolgen. Ich denke vielmehr,
daß der Binnenmarkt dem Modell der
Steuerreform folgen wird, in dem kaum
Eigeninteressen zulässig sind, weil
andernfalls das Programm zum Scheitern verurteilt wäre.
Länder mit
wettbewerbsfähigen Industrien können
nicht zulassen, daß ein geschlossener
europäischer Markt kranke Unternehmen
anderer Länder schützt.
Wir vertrauen darauf, daß die
Probleme vermieden werden können, und
wir planen die Weiterführung unserer
häufigen und eingehenden Diskussionen
mit der Europäischen Gemeinschaft, um
sicherzustellen, daß unsere allgemeinen und besonderen Anliegen zum Binnenmarkt berücksichtigt werden.

Perspektiven der wirtschaftlichen
Integration
Ich möchte mich jetzt den allgemeineren Aspekten der europäischen
Einheit zuwenden.
Einer jüngst in
Europa durchgeführten und in der
Presse veröffentlichten Umfrage zufolge vertraten nur etwa die Hälfte
der befragten Europäer die Ansicht,
daß die Vereinigten Staaten eine
stärkere europäische Einheit unterstützen, ein Viertel war der Ansicht,
wir seien dagegen und ein weiteres
Viertel hatte keine Meinung.
Wenn
diese Umfrage repräsentativ ist, ist

unsere Botschaft nicht hinreichend
vermittelt worden.
Die Vereinigten
Staaten haben ein geeintes Europa
länger und enthusiastischer unterstützt als mancher Europäer.
Wir betrachten die Entwicklung
der Europäischen Gemeinschaft als
eine der positivsten Entwicklungen in
der Geschichte der Nachkriegszeit.
Die von uns geäußerte Besorgnis zu
einzelnen politischen Fragen, wie die
Auswirkung der europäischen Agrarzuschüsse, tut unserer Auffassung keinen Abbruch, daß die Entwicklung der
Europäischen Gemeinschaft der Welt
zum Vorteil gereicht.
Der Plan zur Schaffung des Europäischen Binnenmarkts hat große Aufmerksamkeit erregt, aber er ist nur
eins von mehreren miteinander verknüpften Entwicklungen im Rahmen der
europäischen Einheit.
Die mit der
Einheitlichen Europäischen Akte von
1986 bewirkten Veränderungen bei den
Institutionen der Gemeinschaft, die
zunehmende Aktivierung des Mechanismus politischer Zusammenarbeit in Europa und die Belebung der Westeuropäischen Union (WEU) sind wichtige Entwicklungen.
Die Einheitliche Europäische Akte
von 1986 reformiert die Entscheidungsfindung in den Institutionen der
Europäischen Gemeinschaft und legitimiert die außenpolitische Zusammenarbeit in Europa. Aufgrund der Akte
werden Entscheidungen
der Gemeinschaft schneller getroffen und die
Fähigkeit der Europäischen Gemeinschaft
zum entschlossenen Handeln
verbessert. Darüber hinaus ist der
Einfluß des Europäischen Parlaments
auf die Entscheidungsprozesse verbessert worden. Die Einheitliche Europäische Akte verpflichtet die Mitgliedsstaaten darauf, ihre Politik
nach Möglichkeit
zu koordinieren.
Darüber hinaus legt sie fest, daß die
Mitgliedsstaaten ihre Positionen enger an politischen und wirtschaftlichen Aspekten der Sicherheit orientieren muß.

- 5 -

�Mir scheint, daß die miteinander
verknüpften Entwicklungen der europäischen wirtschaftlichen Integration
und die politische Zusammenarbeit in
Europa für die amerikanische Außenpolitik zwei offensichtliche Probleme
aufwerfen: Wie wird sich der Binnenmarkt mit den wirtschaftlichen Interessen der Vereinigten Staaten vereinbaren lassen? Und wird die europäische Zusammenarbeit in der Außenpolitik zu einer besser abgestimmten
oder
divergierenderen
europäischen
und amerikanischen Politik führen?
Die Antwort auf die erste Frage
lautet, daß die Vereinigten Staaten
von einer starken europäischen Wirtschaft profitieren. Solange der Europäische Binnenmarkt offen ist, sind
Maßnahmen zum Ausbau der europäischen
Wirtschaft gut für die Vereinigten
Staaten.
Eine gesunde europäische
Wirtschaft bedeutet einen größeren
Markt für amerikanische Waren, Verbündete, die zahlungskräftiger für
die Verteidigung des Westens sind und
auf der ganzen Welt höheren wirtschaftlichen Wohlstand. Wir fürchten
keinen rigorosen Wettbewerb in der
Wirtschaft - wir begrüßen ihn, solange er fair ist. Ein sekundärer, aber
sehr wichtiger Nebeneffekt ist die
Tatsache, daß ein europäisches Beispiel des Vorteils freierer Märkte
zusätzlichen Vorbildcharakter für andere Länder erlangen könnte, insbesondere für diejenigen im anderen
Teil Europas, die im Hinblick auf ihre Wirtschaft Grundsatzentscheidungen
treffen müssen.
Die Ansichten der Länder Westeuropas zu Fragen der Außenpolitik
stimmen mit unserer Meinung überein.
Einzelne EG-Länder, die meinungsmäßig
eine Minderheit darstellen, können
wahrscheinlich von der Mehrheit zu
einer gemäßigteren Haltung bewogen
werden. Angesichts unserer gemeinsamen Auffassung über Grundwerte mache
ich mir keine Sorgen darüber, daß die
Europäische Gemeinschaft aus unserem
traditionell kooperativen Verhältnis
ausbricht. Angesichts der Tatsache,
daß die Europäische Gemeinschaft als

Vertreter einer gemeinsamen Meinung
mehr Einfluß hat als jeder Staat einzeln, wird die europäische Kooperation wahrscheinlich auch zu einer
verbesserten Einflußnahme des Westens
auf die Welt führen - eine Entwicklung die wir sehr begrüßen würden.

Die Europäische Gemeinschaft und die
NATO
Das verbleibende Problem betrifft
das Beziehungsgeflecht zwischen der
politischen Koordinierung der Europäischen Gemeinschaft und der NATO.
Die NATO ist eine effektive und unerläßliche Institution. Sie bietet den
Stützpfeiler der Sicherheit des Westens und ist heute stärker und enger
verbündet als jemals zuvor. Ferner
sind alle außer einem der 12 EG-Länder Mitglied der NATO, aber dies ist
kein Grund für eine Verwischung politischer Anliegen
zwischen Europäischer Gemeinschaft und NATO - wir
und auch die Europäer erkennen dies.
Die Einheitliche
Europäische Akte
weist ausdrücklich darauf hin, daß
kein Punkt in den EG-Vereinbarungen
eine engere Zusammenarbeit im Bereich
der Sicherheitspolitik innerhalb des
Atlantischen
Bündnisses
behindern
wird.
Die
amerikanisch-europäische
Freundschaft soll nicht nur ein positives Gefühl schaffen. Unsere Aufgaben in der Weltwirtschaft und unsere
Ressourcen weisen uns eine große gemeinsame Verantwortung bei der Behandlung weltpolitischer Probleme zu:
Menschenrechte,
die
Schulden
der
Dritten Welt und deren Entwicklung,
die weltweite Umweltproblematik und
politische Entwicklungen in der Sowjetunion und
Osteuropa.
Augrund
dessen müssen wir weiterhin unsere
bilateralen
Spannungen
im
Handel
überwinden
und
kurzsichtige
oder
fehlgeleitete
politische
Maßnahmen
vermeiden.
Dazu wird harte Arbeit
und ein intensiver Dialog zwischen
den Vereinigten Staten und Europa erforderlich sein.

�Reife
Ich möchte zum Schluß noch eine
besondere Eigenschaft des amerikanisch-europäischen Verhältnisses hervorheben - die "Reife". Kritiker der
amerikanischen
Außenpolitik
haben
darauf verwiesen, die Vereinigten
Staaten weigerten sich, ihre Verbündeten der Nachkriegszeit wie Partner
und nicht wie Grünschnäbel zu behandeln. Meiner Ansicht nach entbehrt
diese Kritik jeder Grundlage.
- Sie ingnoriert insbesondere die
anhaltende Absicht der amerikanischen Nachkriegspolitik - starke und reife Partner zu schaffen,
die den Herausforderungen aus dem
Osten besser begegnen können.

Wir können unseren Spitzenpolitikern zu beiden Seiten des Atlantiks
dankbar sein, daß sie den Mut hatten,
eine weitsichtige und zukunftsträchtige Politik zu wählen, von der wir
nunmehr profitieren. Wenn wir ihrem
Beispiel folgen, werden politische
Entscheidungsträger in Zukunft auf
eine starke amerikanisch-europäische
Partnerschaft aufbauen können.
Wir
müssen sowohl in Europa wie auch in
den Vereinigten Staaten klarstellen,
daß zwischen der Verteidigung unserer
Interessen und der Unterstützung eines europäischen Binnenmarktes heute
und dem Ziel der europäischen Einheit
morgen kein Widerspruch besteht.

- Sie verwechselt Führungskraft mit
Dominanz.
- Eine reife Partnerschaft mit Europa bedeutet nicht, daß die Vereinigten Staaten bei der Förderung ihrer eigenen Interessen Zurückhaltung walten lassen sollten. Das werden wir auch nicht
tun.

- 7 -

�^£°f*hs ^ «&gt;*

AMERIKA DIENST
Dokumentation
29. März 1989

13
MARESCA:

FORTSCHRITTE IN DER ERSTEN VSBM-RUNDE

- Pressekonferenz mit dem Leiter der amerikanischen Delegation WIEN - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation bei der Konferenz
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen, Botschafter John Maresca,
erklärte in einer Pressekonferenz am 22. März 1989, es gebe "zahlreiche Gemeinsamkeiten" bei den Vorschlägen des Westens und des Ostblocks in der ersten
Verhandlungsrunde, die an diesem Tage zuende ging.
Maresca erklärte, einige Delegationen des Ostblocks hätten "recht positive
Reaktionen" auf die westliche Forderung nach einem offiziellen Seminar gezeigt, "im Rahmen dessen offizielle Vertreter militärischer Institutionen in
den Teilnehmerstaaten in der Lage sein werden, sich gegenseitig zu befragen,
ihre Anliegen zur Sprache zu bringen, ihre Sicherheitspolitik zu beschreiben"
und ihr Einsatzkonzept für Europa zur Diskussion zu stellen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz im Wortlaut:

Wie Sie wissen, werden die Verhandlungen jetzt unterbrochen.
Wir
werden nach Washington zurückkehren,
um die uns unterbreiteten Vorschläge
und ihre Kompatibilität mit unseren
Vorschlägen zu prüfen.
Wir werden
wie immer eine Bilanz unserer Vorschläge ziehen, um festzustellen, ob
Anpassungen erforderlich sind und zu
Beginn der nächsten Runde mit einigen
neuen Denkanzsätzen aufwarten.
Ich
denke, daß wir uns zu Beginn der
nächsten Runde vor allem auf die
Bildung von Arbeitsgruppen konzentrieren werden, um ernsthaftere Diskussion über substantiell.' Einzelheiten führen zu können. In diesem Zusammenhang wird uns bald eine inhaltlich ausgearbeitete Version eines jeden unserer Vorschläge vorliegen, die
- wie sie anhand unseres Konzepts se-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

hen - jetzt erst in Rohform zu Papier
gebracht worden sind. Ich denke also, daß hier zu Beginn der nächsten
Runde einiges besser zusammenpassen
wird - die Bildung von Arbeitsgruppen
und voll ausgearbeitete, detaillierte
Versionen der Vorschläge, die wir im
Konzept bereits vorgelegt haben.
Nur als Kommentar zu unserer gegenwärtigen Position: meiner Ansicht
nach haben diese Verhandlungen einen
guten Anfang genommen.
Uns liegen
natürlich die beiden Vorschläge vor.
Heute wurde ein dritter - ein Beitrag
Rumäniens - unterbreitet.
Es sind
also auf Anhieb einige substantielle
Vorschläge von beiden Seiten vorgelegt worden. Man kann es fast schon
einen Rekord nennen, daß nunmehr fünf
Vorschläge aus dem Westen und aus dem

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Ostblock in zwei Verhandlungen in
derselben Stadt zu Beginn dieser beiden Verhandlungen unterbreitet wurden. Ich habe nie zuvor gehört, daß
so etwas in den RUstungskontrollverhandlungen zwischen Ost und West
schon einmal vorgekommen ist. Meiner
Ansicht nach ist das eine gute Sache,
und ich denke, es gibt zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen den von Ost
und
West
vorgelegten
Entürfen.
Gleichzeitig möchte ich nicht allzu
optimistisch sein, weil auch noch
Meinungsverschiedenheiten
bestehen
und die Haltung beider Seiten nicht
ganz übereinstimmt. Ich werde das,
wenn Sie gestatten, später etwas eingehender erläutern.
Meiner Meinung nach gibt es im
Hinblick auf Fortschritte einen frühen positiven Hinweis, die sehr interessante Übereinstimmung von Ideen
bei dem, was wir in unserem Entwurf,
ein "Seminar über Doktrinen" genannt
haben. Erst heute haben eine Reihe
von Delegationen des Ostblocks sich
in dieser Hinsicht positiv geäußert,
und ich denke, Sie dürfen auf die
baldige Übereinstimmung von Ideen im
Rahmen dieses Seminars hoffen wie
auch auf dessen baldige Durchführung.
Lassen Sie mich hier eine Pause machen und auf Ihre Fragen eingehen,
und wenn ich Ihrer Ansicht nach auf
einige Dinge näher eingehen sollte,
werde ich das gerne tun.
Frage:
Wie stehen Sie zu dem
Konzept der Einbeziehung von Seestreitkräften bei den VSBM-Verhandlungen?
Antwort:
Es gibt ein Problem
im
Zusammenhang
mit
VSBM:
der
Warschauer Pakt hat die Einbeziehung
unabhängiger Luft- und Seestreitkräfte in diese Verhandlungen gefordert.
Unserer Ansicht nach geht dies technisch über das Mandat von Madrid hinaus.
Das Mandat von Madrid sieht
vor, daß diese Verhandlungen sich auf
die zentrale Konfrontation zwischen
Ost und West auf dem europäischen
Kontinent und damit vor allem auf die
Landstreitkräfte konzentrieren.
Die

Sprachregelung des Mandats von Madrid
umfaßt die Möglichkeit der Einbeziehung von Streitkräften, die Operationen zu Land durchführen, und aus diesem Grunde haben wir in die Schlußakte von Helsinki zum Beispiel Bestimmungen über amphibische Streitkräfte
aufgenommen.
Unserer Ansicht nach
ist die wesentliche Konfrontation
zwischen Ost und West eine Konfrontation zu Land in Europa, und diese
Verhandlungen sollten sich daher auf
diese zentrale Konfrontation und die
sich möglicherweise ergebenden Konflikte konzentrieren.
Dies sollte
den Kernpunkt der Verhandlungen bilden. Darüber hinaus habe ich öffentlich darauf hingewiesen, daß einige
dieser vom Warschauer Pakt vorgelegten Vorschläge ihren Auswirkungen zufolge nicht ausgewogen sind. Ich habe sie als "vorteilbildende" Maßnahmen bezeichnet. Dasselbe gilt auch
hier und insbesondere für Maßnahmen
bei den Seestreitkräften. Wir sind
in höchstem Maße von unserer Fähigkeit zur überquerung des Atlantiks
abhängig, um die Verteidigung des
Westens in Europa zu stärken. Das
ist ein sehr entscheidender Punkt für
die Verteidigung des Westens.
Aus
diesem Grunde sind wir der Ansicht,
daß die Aufnahme von Diskussionen
über vertrauensbildende Maßnahmen bei
den Seestreitkräften unausgewogene,
negative Auswirkungen auf die Fähigkeit des Westens zur Verteidigung Europas haben würde.
Meiner Meinung
nach können wir hier keine Übereinkunft über vertrauensbildende Maßnahmen erzielen, die Ungleichheit hervorbringen könnten. Das trifft auch
auf andere Bereiche zu. Durch einige
Vorschläge des Warschauer Pakts zieht
sich ein roter Faden - das Konzept
von Zonen jeweiliger militärischer
Aktivitäten, das Konzept von Beschränkungen, die im wesentlichen bei
Manövern vorgenommen werden.
Auch
das wäre zum Nachteil des Westens.
Aus diesem Grunde können wir das
nicht akzeptieren.
Frage: Noch eine Frage zu demselben Thema - Botschafter Konarski
(der Leiter der polnischen Delega-

^
'

i
*

�tion) hat heute erklärt, daß umfangreiche NATO-Manöver als Bedrohung der
Sicherheit empfunden werden, da diese
Truppen einsatzbereit sind und ein
Angriffspotential darstellen. Theoretisch stellen sie also eine Bedrohung
für die Sicherheit dar. Gibt es für
den Westen eine Möglichkeit, auf diese Sorgen einzugehen?

würden, dies
gleichen.

durch

Übungen

auszu-

Antwort:
Wir haben einen Vorschlag, den Sie bitte unserem Entwurf
entnehmen wollen und der auf das von
Ihnen Vorgetragene abzielt. In der
Schlußakte von Helsinki sollte eine
Reduzierung bei Großmanövern - bei
denen eine lange Vorwarnzeit erforderlich ist - von 75 000 auf 50 000
vorgenommen werden. Unserer Ansicht
nach könnte dies der Besorgnis abhelfen. Lassen Sie mich jedoch das eigentlich Problem
ansprechen.
Der
Warschauer Pakt hat einen erheblichen
zahlenmäßigen Vorteil bei Streitkräften, Panzern und allem anderen auch.
Diesen Vorteil wird er auch dann behalten, wenn die von Gorbatschow angekündigten einseitigen Reduzierungen
vorgenommen worden sind. Auch wenn
das Verhältnis sich bei den wichtigsten Arten von schwerer Ausrüstung in
Europa auf zwei zu eins verändert
hat. Wir müssen Möglichkeiten finden, um diesen ungeheuren Nachteil
des Westens auszugleichen. Eine der
uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten sind die Manöver. Solange also dieses Ungleichgewicht und diese
Asymmetrie - um sich der Sprache der
Rüstungskontrolle zu bedienen - besteht, benötigen wir unsere Fähigkeit, in vielfacher Weise Übungen
durchzuführen. Deshalb erklären wir,
daß Beschränkungen auf diese Arten
von Manövern nur im Rahmen von Reduzierungen auf gleiche Streitkräfteniveaus in Europa vorgenommen werden
können. Wenn wir das Ziel gleicher
Streitkräfteniveaus erreichen, kann
meiner Ansicht nach diese Art der
Einschränkung erwogen werden.
Aber
solange wir uns in der Situation dieser Art von erheblichem zahlenmäßigem
Nachteil befinden, begingen wir eine
große Dummheit, wenn wir Einschränkungen unserer Fähigkeit zustimmen

Antwort:
Zunächst
halte
ich
unseren Vorschlag nicht für bescheiden. Wir haben einen sehr dynamischen
Informationsaustausch
vorgeschlagen, der mit einem völlig neuen
System der Bewertung vor Ort einhergehen soll. Dies wäre ein wichtiger
Schritt nach vorn im Hinblick auf gegenseitiges Verständnis und die Fähigkeit, Vertrauen über die Aktionen
der anderen Seite in Europa zu haben.
Das ist kein bescheidener Vorschlag.
Tatsächlich deckt er Tausende von
normalen
Streitkräftestandorten
in
normalen Friedenszeiten ab. Er ist
in der Tat so unbescheiden, daß die
Warschauer-Pakt-Staaten ihn zurückwiesen, als wir etwas Ähnliches zuerst in Stockholm vorschlugen.

Frage: Der Warschauer Pakt hat
den vom Westen bei diesen Verhandlungen unterbreiteten Vorschlag bescheiden genannt und sogar innerhalb der
NATO wurde Enttäuschung laut. Welche
Meinung haben Sie dazu?

Wir haben dieses Konzept seitdem
stark weiterentwickelt und es noch
flexibler gestaltet, um Veränderungen
einzubeziehen, die noch in diesem
Jahr stattfinden werden und auch auf
neue Entwicklungen von Waffen eingehen werden. Das ist etwas, das in
Europa noch nicht behandelt worden
ist, aber unser Problem besteht darin, daß die Warschauer-Pakt-Staaten
neue Waffensysteme in der Regel heimlich stationieren. Wir erhalten also
davon erst Kenntnis nach ihrer Dislozierung. Das ist zum Beispiel bei
der SS-20 geschehen. Diese Art der
Entwicklung kann die Stabilität und
das Gleichgewicht in Europa gefährden
und aus diesem Grunde hat unserer Ansicht nach jedes Land in Europa das
Recht zu wissen, wann andere Länder
solche wichtigen neuen Waffensysteme
stationieren.
Dieser Vorschlag ist
also keineswegs bescheiden. Darüber
hinaus sieht er Besuche von Inspektoren vor - die wir aus verschiedenen
Gründen lieber Bewerter nennen - die

- 3 -

�an Ort und Stelle Waffensysteme zählen werden.
Dazu werden sie das
Recht haben, an Ort und Stelle die
Anzahl zun Beispiel dort stationierter Panzer und Artillerie zu zählen.
Das ist keine Kleinigkeit. Ich denke, es stößt an die Grenzen des gegenwärtig zwischen Ost und West in
Europa machbaren. Aber es ist ganz
sicher nicht bescheiden.
Frage:
Haben
Sie in dieser
letzten Runde bereits Meinungsverschiedenheiten
zwischen
NATO
und
Warschauer Pakt entdeckt?
Antwort:
Die Diskussion dazu
ist aufgenommen worden. Ich möchte
in diesem Zusammenhang erwähnen, daß
unser Verhandlungsort eher überwältigend ist und keineswegs zu saloppen
Bemerkungen herausfordert.
Das ist
einer der Gründe, warum wir uns so
schnell wie möglich in Arbeitsgruppen
aufteilen wollen:
die Atmosphäre
soll etwas weniger formell werden und
wir könnten einen echten Austausch
erzielen.
Aber es gab Fragen von
beiden Seiten und, wie Sie sich vorstellen können, vornehmlich über diese Bereiche, auf die wir auch bereits
hingewiesen haben, wo Unterschiede
zwischen beiden Vorschlägen bestehen.
Gleichzeitig gab es positive Übereinstimmung zwischen den Delegationen
des Westens und des Ostblocks im Hinblick auf den Vorschlag für ein "Seminar über Doktrinen". Sie ist durch
informelle Kontakte entstanden, die
sich nebenbei ergeben haben und im
Rahmen derer wir unsere Position darlegen konnten. Andere haben uns dazu
befragt, und meiner Ansicht nach gibt
es genug Übereinstimmungen, aufgrund
derer wir uns bald einigen könnten,
wie ich auch bereits erklärt habe.
Es sind also auf beiden Seiten Fragen
gestellt und Erklärungen abgegeben
worden, so daß zumindest bei einem
unserer
Vorschläge
Übereinstimmung
besteht.
Frage:
(Der polnische Delegationsleiter) Konarski hat erklärt,
das Seminar über Militärdoktrinen
werde auf Regierungsebene durchge-

führt.
Sprechen Sie darüber oder
über den Vorschlag Polens und der
Bundesrepublik (einer zweiten inoffiziellen Konferenz)?
Antwort:
Vielen Dank, daß Sie
mich zu dieser Klarstellung veranlassen. Die Idee aus Polen und der Bundesrepublik im Hinblick auf ein Seminar ist ein ganz anderes Thema. Dazu
möchte ich nicht Stellung nehmen.
Das ist eine von ihnen geförderte
Initiative, die meines Wissens von
einer privaten Institution mit privaten Fachleuten
durchgeführt wird.
Wir sprechen hier über den von uns in
unserem Entwurf unterbreiteten Vorschlag für eine offizielle Zusammenkunft, im Rahmen derer offizielle
Vertreter militärischer Institutionen
in den Teilnehmerstaaten in der Lage
sein werden, sich gegenseitig zu befragen, ihre Anliegen zur Sprache zu
bringen, ihre Sicherheitspolitik zu
beschreiben und ihr Einsatzkonzept
für Europa zur Diskussion zu stellen
sowie die damit in Zusammenhang stehenden Themen - wie etwa das Einsatzkonzept in Europa - zu erläutern.
Sie sollten sich ebenso gegenseitig
Fragen stellen und darauf eine Antwort mit offiziellem Charakter erhalten können. So lauten unsere Vorschläge, und wir denken, dafür ist es
jetzt in Europa an der Zeit. Darauf
beziehe ich mich.
Frage: Wann würde dieses Seminar stattfinden?
Antwort: Das wissen wir nicht.
Es hängt davon ab, wann wir eine
Übereinkunft erzielen können. Unsere
Idee ist, daß es noch im Rahmen dieser Verhandlungsrunde stattfindet, so
daß wir davon profitieren könnten.
Es könnten sich Ideen oder Fragen ergeben, die auch für uns in unseren
Verhandlungen nützlich sein könnten.
Wir wünschen uns, daß es zu irgendeinem Zeitpunkt der laufenden Verhandlungen noch stattfinden kann, damit wir daraus für unsere zukünftige
Arbeit Nutzen ziehen können.
Frage:

Aber wäre das bald?

�Antwort:
Praktisch
betrachtet
erfordert dies einen bestimmten Umfang an geduldiger Arbeit, um dabei
Übereinkünfte - auch bescheidene - zu
erzielen. Bald? Ich denke, es könnte bald sein. Wenn Sie es noch eher
wünschen, so denke ich, daß es seinem
Charakter nach so kompliziert ist,
daß es schwierig sein wird, es eher
zu organisieren, aber ich halte es im
Laufe dieser Verhandlungen noch für
möglich.
Frage:
Ich habe zwei Fragen.
Verstehe ich Sie richtig, daß der
deutsch-polnische Vorschlag eine Konferenz außerhalb der VSBM-Verhandlungen vorsieht? Die zweite Frage betrifft das System stichprobenartiger
Beurteilungen: Welche Art von Besuchen möchten Sie durchführen, und ist
dies nicht ein Vorschlag, dessen Ablehnung Sie von vornherein einkalkuliert haben, um damit die Konferenz
zum Scheitern zu bringen?
Antwort:
Zunächst zum deutschpolnischen Seminar. Das ist ein Vorschlag dieser beiden Länder. Ich bin
dafür
nicht
verantwortlich.
Sie
sollten Ihren Fragen an sie richten,
und meines Wissens wird Botschafter
Joetze in Kürze hier erscheinen. Ich
schlage also vor, daß Sie ihn fragen.
Ich habe damit wirklich nichts zu tun.
Im Hinblick auf das von mir vorgeschlagene Stichproben-System: Meines Erachtens sind die realistischen
Begrenzungen hier von der Praxis vorgegeben. An unserer Konferenz nehmen
große und kleine Länder teil. Eine
der Schwierigkeiten besteht darin,
eine gemeinsame Grundlage für ein Abkommen zu finden, das für alle hier
vertretenen Staaten unterschiedlicher
Größe akzeptabel ist. Dies ist nur
einer der vielen Aspekte, mit denen
wir es hier zu tun haben. Im Hinblick auf das Stichproben-System bedeutet das, daß die Anzahl der zulässigen Besuche wahrscheinlich nicht
sehr hoch sein wird. Sagen wir, wir
hätten das Recht auf fünf Besuche pro
Jahr. Wenn Sie das mit der Zahl von
- 5

35 Staaten multiplizieren, kommen Sie
wirklich auf eine Menge von Besuchen.
Das bedeutet für die Länder finanzielle, bürokratische und sonstige
Belastungen. Man sollte diese Dinge
also realistisch
betrachten.
Wir
werden mit allen hier vertretenen
Länder darüber sprechen müssen, was
sie realistischerweise leisten können.
Ihre letzte Bemerkung überrascht mich. Wir unterbreiten hier
keine Vorschläge, um die Konferenz
zum Scheitern zu bringen. Wir haben
uns in den vergangenen zwei Jahren
vielmehr sorgfältig mit unseren Verbündeten beraten und versucht, Vorschläge auszusondern, die entweder
nicht zu verwirklichen, unpraktikabel
oder für eine der Seiten inakzeptabel
sind, um uns auf Dinge zu konzentrieren, die wirklich realisierbar sind.
Diese Dinge lassen sich erreichen,
die Zeit ist reif, um sie zu erreichen, und deshalb haben wir sie vorgeschlagen. Aus keinem anderen Grund.
Frage:
Ein System stichprobenartiger Beurteilungen beinhaltet die
Verifizierung statischer Informationen.
Aus welchem Grund bezeichnen
Sie dies als Verifizierungssystem,
wenn es dem Stockholmer Abkommen zufolge bereits mehrere institutionalisierte Inspektionssysteme gibt? Erwarten Sie Widerstand von selten der
neutralen und blockfreien Staaten gegen das Stichproben-System?
Antwort:
Sie vergleichen zurecht dieses Beurteilungssystem mit
den Stockholmer Regelungen.
Lassen
Sie mich zunächst auf die Frage der
Verifizierung eingehen. Unseres Erachtens ist Verifizierung ein sehr
wichtiger Begriff. Wir möchten diesen Begriff nicht durch Maßnahmen
entwerten, die wir nicht als Verifizierung im umfassenden Sinn verstehen. Der von uns vorgeschlagene Informationsaustausch wird wahrscheinlich Tausende von Orten in Friedenszeiten umfassen. Wir gehen nicht davon aus, daß es physisch möglich sein
wird, diese Art von Informationsaustausch vollständig zu verifizieren.
Es gibt einfach zuviel Material - zu-

�viele Orte, Panzer etc. Es wäre physisch enorm schwierig, wenn nicht unmöglich. Um die Bedeutung der Verifizierung nicht zu verwässern, haben
wir uns absichtlich entschlossen, in
diesem Fall eine andere Terminologie
zu verwenden. Deshalb haben wir den
Begriff "Bewertung" gewählt, einen
neuen Begriff, ein neues Konzept. Es
ist nicht dasselbe wie Verifizierung.
Wir gehen davon aus, daß uns Bewertungsbesuche dieser Art mit der Zeit
ein gewisses Maß an Vertrauen geben
könnten, daß die gelieferten Informationen korrekt waren - mit der Zeit
und nach Jahren. Das ist die Art der
von uns angestrebten Regelung, die
"mit den Jahren" Auswirkungen haben
wird.
Es ist also der Mühe wert,
aber es ist keine vollständige Verifizierung.
Der Vergleich mit dem Stockholmer
Abkommen ist etwas anderes, und ich
hoffe, dies so erklären zu können,
daß es jedem einleuchtet. Die in den
Stockholmer Vereinbarungen vorgesehenen Inspektionen sind so beschaffen,
daß sie durch verdächtige militärische Aktivitäten provoziert werden,
militärische Aktivitäten, die Besorgnis auslösen.
Man sieht sie oder
hört davon auf irgendeine Weise und
dann bittet man um einen Besuch und
eine Inspektion, um zu prüfen, was
dort vorgeht.
Dann hat man das
Recht, innerhalb
einer bestimmten
Frist dorthin zu reisen und nachzusehen. Das ist In der Tat auf recht
konstruktive Weise geschehen.
Der
zugrundeliegende Gedanke ist auf diesen Verdachtsfall angelegt.
In unserem Fall sprechen wir jedoch über etwas ganz anderes. Diese
Inspektionen werden nicht durch irgendein Ereignis provoziert. Es sind
schlicht
Routine-Inspektionen,
bei
denen Leute einreisen und Truppen in
ihren Friedensstellungen zählen. Sie
werden sicherlich verstehen, daß eine
Aktivität, die Besorgnis auslösen
könnte, per definitionem außerhalb
der friedensmäßigen Stellungen der
Einheit
stattfinden
würde.
Das
heißt, die Truppen befinden sich ir-

gendwo außerhalb und führen irgendeine Aktivität durch, die Ihre Besorgnis erweckt. Sie schlafen nicht
in ihren Betten. Hingegen würden unsere Bewerter hingehen und Leute zählen, die in ihren Betten schlafen, in
ihren Panzern, in ihren Parks, während die Artillerie stillgelegt und
in Reih und Glied geparkt ist. Es
besteht also ein Unterschied zwischen
den beiden. Meines Erachtens brauchen die Neutralen keine Probleme damit zu haben. Es ist nicht beabsichtigt, die frühere Idee auszuwalzen.
Es ist im Gegenteil eine ganz andere
Vorgehensweise - eine andere Idee.
Frage:
Ist
dieser
Vorschlag
nicht ein anderer Name für ein amerikanisches Konzept, daß von Ihrer Seite in Stockholm vorgeschlagen wurde?
Und zweitens, unterstützen die Vereinigten Staaten den östlichen Vorschlag für ein Zentrum zur Risikoverringerung?
Antwort:
Wie ich bereits sagte, hatten wir in Stockholm ein Konzept für den Informationsaustausch,
der damals vorgelegt und von den östlichen
Teilnehmerstaaten
abgelehnt
wurde. Dies ist eine weitere Entwicklung in dieser Frage. Sie geht
aber aufgrund der seither hinzugefügten dynamischen Elemente darüber hinaus. Meines Erachtens ist sie also
daraus erwachsen.
Im Hinblick auf das Zentrum zur
Risikoverringerung bestehen zahlreiche Ideen in bezug auf Instrumente
zur Risikoverminderung. Zum Beispiel
haben einige von einem bestimmten Ort
- einem Gebäude - gesprochen, der mit
Abgesandten der verschiedenen Länder
besetzt sein sollte. Ich persönlich
denke, daß dies ernste Probleme aufwirft. Ohne auf Einzelheiten einzugehen, stellen sich hier meines Erachtens schwierige Probleme. Es gibt
andere Vorschläge, etwa "Heiße Drähte", "Netzwerke" etc., die nicht an
einen geographischen Ort oder ein Gebäude gebunden sind. Wir werden diese anhören müssen und untersuchen,
wie sie zu realisieren wären, bevor

�wir wirklich feststellen, wo die Probleme liegen. Meines Erachtens muß
man in diesem Bereich äußerst sorgfältig vorgehen, damit man nicht
"verwirrungsbildende" Maßnahmen einführt. Wir müssen dies auch hier untersuchen.
Viele davon sind praktische Erwägungen, aber man sollte
sie diskutieren und die Meinung der
Leute hören.
Frage:
Sie haben gesagt, es
sei ein guter Anfang gemacht worden,
aber Sie haben ebenfalls erklärt, Sie
seien nicht allzu optimistisch. Können Sie uns den Grund dafür nennen?
Antwort:
Man kann in gewissem
Maß optimistisch sein, aber ich würde
nicht zu optimistisch sein.
Die
Gründe dafür sind ganz normal. Wir
haben ein gewisses Maß an Erfahrung
in diesem Bereich, und diese Erfahrungen waren nicht immer sehr vielversprechend.
Das ist ein Faktor.
Man sollte meines Erachtens realistisch in bezug auf das sein, auf was
sich Ost und West verständigen können. Die Probleme zwischen Ost und
West haben sich nicht durch Glasnost
und Perestrojka in Wohlgefallen aufgelöst. Sie bestehen weiterhin. Wir
müssen sie realistisch bewältigen.
Die sowjetische Produktion militärischer Güter hat sich nicht verändert. Wir stellen fest, daß immer
noch die gleiche Zahl von Panzern das
Fließband verläßt wie früher; die
Ausrichtung ihrer Streitkräfte ist
immer noch so, wie sie schon immer
war - wir haben dies immer so interpretiert, daß sie auf der Möglichkeit
beruht, eine Offensive in Europa zu
führen. All dies ist immer noch Realität, trotz aller Reden.
Meines Erachtens besteht einer
der Gründe für unseren Wunsch, ein
Seminar über Militärdoktrinen zu veranstalten, gerade darin, festzustellen, was die Sowjets meinen, wenn sie
sagen, sie wollten von der offensiven
zur defensiven Orientierung übergehen. Wir möchten ferner feststellen,
wie sich dies in der Praxis auf die
Ausrichtung ihrer Streitkräfte und

die Auswahl der von ihnen in Europa
stationierten Waffensysteme auswirkt.
All dies muß ausdiskutiert werden.
Die Realität der militärischen Konfrontation zwischen Ost und West in
Europa hat sich nicht verändert, und
man muß deshalb bei der Erörterung
dieser Dinge Vorsicht walten lassen.
Frage:
Noch einmal zum Vorschlag von Gesprächen über die Doktrin.
Ist dies ein amerikanischer
oder ein NATO-Vorschlag, und wann
wurde er gefaßt?
Antwort:
In diesen speziellen
Verhandlungen sprechen wir nicht von
NATO-Vorschlagen, denn weder die NATO
noch der Warschauer Pakt sind hier
Verhandlungspartner.
Wir alle sind
souveräne Staaten. Wir sind Freunde
und enge Verbündete bestimmter Länder, aber wir sitzen hier nicht als
NATO am Verhandlungstisch. Die NATO
hat einen solchen Vorschlag nicht beschlossen, aber 16 Länder haben dies
getan, und eines davon waren wir. Er
wurde am ersten Verhandlungstag vorgelegt, und wenn Sie ihn sich genau
ansehen, so betrifft sein letzter
Teil den Gedanken eines Seminars. Er
ist nicht als eine der von uns vorgeschlagenen vertrauensbildenden Maßnahmen numeriert, weil wir nicht davon ausgehen, daß es genau das gleiche ist wie eine vertrauensbildende
Maßnahme, unserer Ansicht nach eine
konkrete Maßnahme mit militärischer
Bedeutung. Dies ist eine Art Experiment.
Unseres Erachtens sollte es
eine einmalige Veranstaltung sein, um
festzustellen, was dabei herauskommt.
Wir meinen, daß möglicherweise nützliche Ergebnisse dabei erzielt werden
könnten.
Dies liegt in der Natur
eines Experiments. Das ist der Vorschlag, über den ich spreche, und wir
haben ihn zusammen mit 15 anderen
Staaten eingebracht, die Mitglieder
der NATO sind.
Frage:
Sie haben vier Vorschläge genannt. Welche sind das?
Antwort:
Es sind drei Papiere
vorgelegt worden. Es sind wv-1, 2

- 7-

�und 3. Wv 3 erhielten wir erst heute
morgen. Es ist ein rumänischer Vorschlag.
Frage: Ist dies, wie viele rumänische Vorschläge, nur ein Abklatsch früherer Vorschläge?
Antwort: Ich war noch nicht in
der Lage, ihn zu studieren, ich kann
Ihre Frage also noch nicht beantworten. Ich haben ihn heute zum ersten
Mal gesehen. Es gibt einige Gedanken, die den in wv-2 ähnlich sind,
das grundsätzlich ein Papier des
Warschauer Pakts ist, obwohl es nicht
von allen Pakt-Staaten eingebracht
wurde. Zum Beispiel sind darin Zonen
enthalten. Der Vorschlag beinhaltet
noch einige andere gemeinsame Elemente, aber sie unterschieden sich doch
etwas.
Frage:
Wie steht es mit
Einfrieren der Militärhaushalte?

unser Muster hier stark daran angelehnt sein wird. Wir haben ein grosses Wort im KSZE-Prozeß - mutatis
mutandis -, was bedeutet, daß man die
Dinge den gegenwärtigen Umständen anpassen kann. Sie werden wahrscheinlich ein wenig angepaßt werden müssen, weil einige der in Stockholm besprochenen Themen nicht mehr Verhandlungsgegenstand sind, während einige
neue Ideen hinzugekommen sind.
Es
wird im wesentlichen um eine Anpassung dieses Musters gehen.
Wahrscheinlich werden sie keine Namen erhalten, weil ein Name einer Arbeitsgruppe besondere Bedeutung und ein
definiertes Mandat verleihen würde.
Damit würde es schwierig, unterschiedliche Vorschläge dort einzubringen.

|
'

dem
* * * * *

Antwort: Ja, auch das ist darin enthalten. Es sind eine Menge
von einzelnen Elementen darin enthalten.
Frage:
Sie haben etwas über
positive Reaktionen des Ostens gesagt
- könnten Sie dies näher erläutern?
Antwort:
Ich
habe mich auf
zwei Erklärungen bezogen, die abgegeben wurden, bevor ich das Treffen
verließ, um hierher zu kommen. Sie
enthielten grundsätzlich positive Reaktionen auf unseren Vorschlag eines
Seminars über Doktrinen. Meines Erachtens gab es einige Übereinstimmung
bei unseren Ideen zu dieser Frage.
Deshalb habe ich vorhin erklärt, daß
wir dazu möglicherweise schon relativ
bald eine Übereinkunft erzielen können - besonders über dieses Seminar.
Frage: Wie werden die Arbeitsgruppen aussehen?
Antwort:
Wir haben ein Grundmuster für diese Arbeitsgruppen, das
von den Stockholmer Verhandlungen
überliefert ist. Ich nehme an, daß

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AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

29. März 1989

13

ENTSCHEIDENDE PHASE IM KAMPF GEGEN RAUSCHGIFT
- Präsident Bush und Antl-Drogen-Beauftragter Bennett fordern
Sofortmaßnahmen -

WASHINGTON - (AD) - "Drogenmißbrauch geht mich nichts an" - mit einer solchen Einstellung könne sich niemand mehr der Verantwortung entziehen, die jeder einzelne Bürger im Kampf gegen Rauschgift trage. Ohne Umschweife ging
Präsident George Bush bei Vorträgen in verschiedenen Städten u.a. der Bundesstaaten Pennsylvanien und Delaware vor Schülern, Polizeibeamten, Vertretern
von Strafverfolgungsbehörden, Bürgerinitiativen und Mitarbeitern an Programmen
zur Drogenbekämpfung auf die vordringlichsten Probleme ein.

Die stark gestiegene Produktion
von Opium, Kokain und Cannabisdrogen
im Ausland, von Amphetamin, Crack und
Cannabisdrogen auch im Inland signalisiert höchste Gefahr. Rauschgift
und Rauschgiftmißbrauch
seien "in
Amerika die Geißel des 20. Jahrhunderts",
erklärte
der
Präsident.
"Auch die sogenannten Gelegeuueitskonsumenten von Kokain und anderen
Drogen verüben Mord, Raub und anderen
Gewalttaten
im
Zusammenhang
mit
Rauschgifthandel.
Und der 'PartyKonsum' fö:dert und beschönigt nur eile Drogenkultur - also Verbrechen,
Tod, sozialen Abstieg und Verlust der
Menschenwürde."
Erster Schwerpunkt für Gegenmaßnahmen soll nach den Vorstellungen
des Anti-Drogen-Beauftragten William

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J.
Bennett
die
Bundeshauptstadt
Washington sein. Dafür sollen sogar
Mittel umdisponiert werden, die von
der Bundesregierung bereits für Drogenzentren wie die Städte New York
und Miami bewilligt worden sind.
Washington steht zur Zeit im Ruf eines Drogenumschlagplatzes mit hoher
Rauschgiftkriminalität.
Gewalttaten
und Mord in bestimmten Stadtvierteln,
wo sich Hintermänner des Drogenhandels und Dealer untereinander bekämpfen, versetzen die Bürger in Angst
und Schrecken.
Dem Plan Bennetts - der das "Amt
für Nationale Drogenbekämpfung" leitet - auch Bundespolizei und Militär
einzusetzen, stehen jedoch rechtliche
Bedenken entgegen. Im Raum Washington
wäre das Vorhaben nur dann durchführ-

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�bar, wenn auch der Tatbestand der illegalen Herstellung sowie des Imports
und der Verteilung von Rauschgiften
gegeben wäre. Eine wichtige Maßnahme
auf Bundesebene stellt allerdings das
kürzlich erlassene Verbot zur Einfuhr
von
halbautomatischen
Waffen
und
Sturmgewehren dar, die im Droge^händlermilieu besonders gefragt und laut
Bennett als "Teil des Drogenprcblems
anzusehen sind".
Die Nation müsse, so hatte Präsident Bush schon Anfang März in New
York erklärt, "ihre fiskalischen, moralischen, geistigen und wirtschaftlichen Ressourcen für den bedingungslosen Krieg gegen die Sucht" einsetzen. Sie müsse an jeder Front kämpfen - im Erziehungswesen, der Therapie, der Fahndung und der Strafverfolgung. Den Kongreß habe er um eine
Aufstockung der Mittel um eine Milliarde Dollar ersucht.
In bezug auf Rauschgiftkonsum,
Handel und Import von Suchtstoffen
steht in den USA der Raum New York an
erster Stelle. Vermutlich die Hälfte
der insgesamt 260 000 Heroinsüchtigen
lebt im Staat New York. In der Stadt
New York dürften weitere 600 000 Personen kokainabhängig oder dem besonders leicht süchtig machenden, aus
Kokain gewonnenen Crack verfaHen
sein.
Fachleute schätzen, daß die
heute in den Vereinigten Staaten konsumierten Drogen eine "Industrie" der
Größenordnung von 110 Milliarden Dollar ausmachen.
Bundesgesetze geben
jetzt
Strafverfolgungsbehörden
die
Möglichkeit, das Vermögen von Rauechgifthändlern
zu konfiszieren.
In
Form von Grundbesitz, Autos und Bargeld kann dies in nur einem einzigen
Fall den Wert von 50 Millionen Do1 lar
ausmachen.
Die Bürgermeister von 30 großen
Städten in den USA, Lateinamerika und
Europa (hier Amsterdam, London und
Madrid) hatten auf ihrer ersten internationalen Konferenz (8. - 10.
März 1989) in New York beschlossen,
sich bei ihren Regierungen für energischere und mit Geldmitteln besser

ausgestatteten
Maßnahmen
gegen
Rauschgift und Rauschgiftkriminalität
sowie für eine ähnliche internationale Konferenz auf höchster Regierungsebene einzusetzen. Die Strafen für
alle Rauschgiftdelikte - auch für
Verkauf, Besitz und Konsum - müßten
verschärft, die Beschlagnahme von
Vermögen strenger gehandhabt werden.
Geldwäsche müsse durch aggressives
Vorgehen gegen Finanzinstitute, die
wissentlich Transaktionen mit Gewinnen
aus
unerlaubten
Aktivitäten
durchführen, wirksamer kontrolliert
werden.
Delegierte aus südamerikanischen
Staaten machten darauf aufmerksam,
daß mit der häufig und auch verständlicherweise geforderten Reduzierung
des Koka-Anbaus in diesen Ländern
komplexe wirtschaftliche und soziale
Probleme verbunden seien. Schuldzuweisungen an die Bauern und die Regierungen seien nicht angebracht.
Vielmehr gehe es darum, den Bauern
einen Wechsel auf andere Produkte zu
ermöglichen, ohne ihnen gleichzeitig
Einkommensverluste aufzubürden, die
sie weit unter das Existenzminimum
drücken. An Ländern, in denen sich
Crack noch nicht epidemieartig ausgebreitet hat, sprachen sich die Teilnehmer der Konferenz für Sofortmaßnahmen zur wirksamen Vorbeugung aus.
Aufklärung und Erziehung seien in
diesem Zusammenhang ganz besonders
wichtig.
Aus der Gruppe der ebenfalls
teilnehmenden hochrangigen Politikern
und Vertretern von Behörden wie der
DEA (U.S. Drug Enforcement Administration
US-Bundesbehörde
für
Strafverfolgung von Drogendelikten)
forderte Charles Rangel, Vorsitzender
des Suchtstoffkomittees im amerikanischen
Repräsentantenhaus,
einen
"internationalen
Sicherheitspakt"
ähnlich dem NATO-Vertrag, um Drogen
wirksamer bekämpfen zu können.
Robert Stutman von der DEA-Sonderfahndung berichtete, daß der amerikanische Markt mit Kokain "fast gesättigt" sei. Den Schätzungen seiner

�Behörde zufolge kommen 90 Prozent davon aus Bolivien und Peru, während
Kolumbien als primärer Umschlagplatz
dient. Die Händlerorganisationen dirigierten nun Kokain vor allem nach
Westeuropa.
Den Westeuropäern redete er eindringlich ins Gewissen, aus den amprikanischen Erfahrungen zu lernen.
Strafverfolgung allein könne das Problem niemals lösen.
Die einzig»
Hoffnung bestehe darin, Kinder UIT4
Jugendliche so zu erziehen, daß sie
sich von Drogen fernhalten und sich
nie auf Rauschgift einlassen. Gerade
die Erfahrungen in New York verdeutlichen, wie schnell sich die Gepflogenheiten bei den Händlern ändern
können.
Die Behörden dürften sich
niemals auf nur einen Bereich bzw.
eine Droge konzentrieren.
Selbst
wenn eine Droge zu eliminieren sei,
nehme eine andere deren Platz ein.
Beispielsweise kamen im Jahr 1985
nur irei Prozent des Heroins in New
York aus Südostasien, 97 Prozent aus
Südwestasien - d.h. Iran, Pakistan
und Afghanistan.
"Heute, nur vier
Jahre später, kommen 80 Prozent des
Heroins aus Südostasien und nur noch
zehn bis 15 Prozent aus Südwestasien." Crack war 1985 in New York
so gut wie unbekannt. "Heute ist es
der Suchtstoff, der diese Stadt kaputt macht. Ganze Stadtviertel hat
er völlig verändert - und wenn wir
nicht sehr gut aufpassen, wird er das
Gesicht dieser Stadt zerstören." Die
Amerikaner, Dominikaner und Jamaikaner, die die Verteilung von Crack
kontrollieren, hätten ihr Netz von
New York aus auf alle 48 kontinentalen Bundesstnaten ausgeweitet. "Die
Bürgermeister stehen an vorderster
Front und wissen, daß an Ort und
Stelle ebenso wie regional, national
und weltweit dringend und mit Vernunft gehandelt werden muß. Andernfalls werden wir in zwei Jahren wehmütig auf die gute alte Zeit vom Jahr
1989 zurückblicken", sagte Stutman.
In ihrem Bericht vor der Arbeitsgruppe "Internationale Suchtstoffkon-

trolle" des amerikanischen Repräsentantenhauses wies Ann Wrobleski,
Unterstaatssekretärin
im
amerikanischen Außenministerium, unter anderem auf folgende Punkte hin:
- In Südwestasien dürfte der Rückzug der Sowjetunion aus Afghanistan eine starke Ausweitung der
Opiumproduktion zur Folge haben,
da eine starke zentrale Autorität
fehlt
und
der wirtschaftliche
Niedergang
kompensiert
werden
soll.
- Im Mittleren Osten ist Syrien ein
Umschlagplatz für alle Suchtstoffe und ein Zentrum für die Heroinaufbereitung.
Ägypten
ist
Umschlagplatz für Drogen auf dem
Weg in die USA. Das Bakaa-Tal in
Libanon liefert in großen Mengen
Heroin nach Europa, in die USA
und in den Mittleren Osten.
In Afrika ist Kenia ein wichtiger
Transitpunkt für Drogen aus SUdwestasien, die nach Afrika, Europa und in die USA transportiert
werden sollen, während Marokko
eine Hauptquelle für Marihuana
und Haschisch darstellt, das nach
Europa und Afrika gebracht wird.
Westeuropäische Länder sind große
Produzenten und Abnehmer von Drogen, jedoch hat die Beschlagnahme
großer Mengen dramatisch zugenommen. Der Konsum von Heroin und
Haschisch in Europa ist beträchtlich, auch aus anderen Regionen
wird immer mehr davon herangebracht. Der Kokainkonsum ist sogar noch stärker angestiegen.
In Osteuropa ist die Sowjetunion
immer stärker von Drogenhandel
und Drogenabhängigkeit betroffen
und wird zunehmend als Durchgangsland für Drogen von Asien
nach anderen Märkten benutzt.

* * * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ridgway: Europäischer Binnenmarkt "benutzerfreundlich"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede in Minneapolis&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Maresca: Fortschritte in der ersten VSBM-Runde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz mit dem Leiter der amerikanischen Delegation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Entscheidende Phase im Kampf gegen Rauschgift&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Bush und Anti-Drogen-Beauftragter Bennett fordern Sofortmaßnahmen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

12

29. März 1995

KLIMAKONFERENZ

DER GLOBALE KLIMAWANDEL
Rede von Vizepräsident AI Gore

NW

STRATEGISCHE NUKLEARPOLITIK UND
NICHTVERBREITUNG
von Paul C. Warnke

TAG DER ERDE

DIE ERDE RUFT
von Jean B. Evans

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228 - 339 23 72
Fax: 0228 - 33 41 02

�KLIMAKONFERENZ
29. März 1995

Der globale Klimawandel
Rede von Vizepräsident AI Gore
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir in wesentlichen Auszügen eine am 17. März 1995 von
Vizepräsident AI Gore an der George Washington University gehaltene Rede.
Es ist schön, wieder an der George Washington
University zu sein. Und ein Grund dafür ist die
Tatsache, daß dies die erste grüne Universität der
Nation ist. Durch die von Ihnen eingegangene
Verpflichtung zu einer einzigartigen Partnerschaft mit
dem Umweltschutzamt wurden Sie zur ersten
Universität Amerikas, die einen wahrhaft umfassenden Plan für Umweltbewußtsein bei ihren gesamten
Aktivitäten entwickelt.
Dazu möchte ich Ihnen
gratulieren.
15 Studenten des AmeriCorps beteiligen sich an der
"Initiative Grüne Universität". Sie leisten ausgezeichnete Arbeit und erstellen einen beispielhaften Umweltprüfungsplan, der umweltfreundliche und kostensparende Maßnahmen einleiten wird.
Es gibt wohl kaum einen besseren Zeitpunkt, eine
Frage anzusprechen, die meines Erachtens die
ernsteste Manifestation der Umweltkrise ist, welche
jetzt den radikalen Wandel in den Beziehungen
zwischen der menschlichen Zivilisation und der Natur
charakterisiert.
In zwei Wochen werden Delegierte aus über 120
Ländern in Berlin bei der ersten Konferenz der
Unterzeichnerstaaten der UN-Klimarahmenkonvention die Frage weltweiter Klimaveränderungen
erörtern. Zu Beginn meiner heutigen Ausführungen
zu diesem Thema möchte ich die Äußerung eines
alten irischen Politikers, Sir Boyle Roche, zitieren,
der vergangenes Jahrhundert die sarkastische Frage
stellte: "Warum sollten wir uns überschlagen, um
etwas für die Nachwelt zu tun? Was hat die Nachwelt denn je für uns getan?" Diese Denkweise
fände sicherlich in diesem Kongreß Anklang.
Die Nachwelt spielt bei den Überlegungen zum
weltweiten Klimawandel eine besondere Rolle, denn
unsere heutigen Aktionen haben weitreichende
Konsequenzen für die Umwelt, die wir künftigen
Generationen hinterlassen. Das Engagement für die
Nachwelt erfordert, daß wir diesen tiefgreifenden

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Wandel in der Natur der Beziehungen zwischen
menschlicher Zivilisation und dem Ökosystem der
Erde akzeptieren und verstehen.
Ich habe eben erwähnt, daß meines Erachtens die
weltweiten Klimaveränderungen eine Manifestation
des radikalen Wandels in den grundlegenden Beziehungen zwischen Zivilisation und der Erde sind. Dies
zeigt sich auch auf andere Weise: An der schnellen
Zerstörung der Wälder, insbesondere der tropischen
Regenwälder, dem Verlust der Artenvielfalt in einem
Tempo, das auf diesem Planeten seit dem Aussterben der Dinosaurier vor Millionen Jahren nicht
mehr zu beobachten war, der Vergiftung von Luft und
Wasser in vielen Teilen der Erde sowie dem Verfall
wichtiger Ökosysteme - vom Aralsee in Mittelasien bis
zu den Korallenriffen an den seichten Stellen der
Weltmeere.
Dies alles, einschließlich der weltweiten Klimaveränderungen, sind Manifestationen des Wandels in
den Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt.
Dieser radikale Wandel ereignet sich zu Lebzeiten
der in diesem Auditorium versammelten Menschen
aufgrund des Zusammentreffens dreier Faktoren.
Erstens die beispiellose weltweite Bevölkerungsexplosion. Alle zehn Jahre nimmt die Weltbevölkerung um eine Zahl zu, die der Einwohnerzahl Chinas
entspricht. Wir haben jedoch einen wohldurchdachten Aktionsplan zur Unterstützung der Nationen
eingeleitet, die ihr Bevölkerungswachstum stabilisieren möchten. Aber die dem Wachstum innewohnende Dynamik führt dazu, daß sich die schnelle Bevölkerungszunahme noch einige Zeit fortsetzen wird.
Der zweite Faktor ist die Beschleunigung der wissenschaftlichen und technologischen Revolution, welche
die Einflußmöglichkeiten des Menschen auf seine
Umwelt stark erhöhte. Um einen Vergleich anzustellen: Es ist eine uralte Gewohnheit des Menschen,
Kriege zu führen. Die Erfindung von Nuklearwaffen
hat die Konsequenzen umfassender Kriegführung
jedoch derart verändert, daß wir uns über diese uralte

Seite 1

�Gewohnheit neue Gedanken machen müssen. Der
Kalte Krieg war zum Teil das Resultat einer ernüchternden Überprüfung dessen, was ein totaler Krieg
mit diesen unglaublich starken neuen Waffen bedeuten würde.
Insgesamt haben sich die Konsequenzen einer
vollständigen Ausbeutung der Erde mit ebensolcher
Sicherheit gewandelt, wie die Nuklearwaffen die
Konsequenzen totaler Kriegführung veränderten.
Daher müssen wir überdenken, wie wir das Land,
das Wasser, die Luft oder unsere lebenserhaltenden
Systeme nutzen.
Der dritte, zu diesem radikalen Wandel führende
Faktor ist in mancherlei Hinsicht der wichtigste - eine
philosophische Veränderung unserer Denkweise
über die Konsequenzen unseres umweltpolitischen
Handelns - eine Veränderung, die bei allzu vielen
Menschen zu der Annahme geführt hat, wir müßten
die Auswirkungen unserer derzeitigen Aktionen nicht
in Betracht ziehen.
Diese drei Faktoren zusammengenommen haben
einen Wandel herbeigeführt, mit dem wir uns auf
Zusammenkünften wie der Kairoer Konferenz über
Bevölkerung und nachhaltige Entwicklung sowie der
Vielzahl von Beratungen im Vorfeld des Montrealer
Protokolls über die Begrenzung der Emission die
Ozonschicht schädigender Stoffe in die Stratosphäre
sowie bei Konferenzen wie der in zwei Wochen in
Berlin anberaumten über den weltweiten Klimawandel auseinandersetzen müssen.
Beim Umgang mit dieser Frage müssen wir bei den
Fakten beginnen. Und jede Erörterung der Fakten
muß die Kategorien in Betracht ziehen, über die
Einigkeit besteht, sowie diejenigen, über die Uneinigkeit besteht. Ich möchte mich auf die erstgenannten konzentrieren, da breite Übereinstimmung
über die dieses Problem charakterisierenden zentralen Tatsachen besteht.
Ungeachtet der revisionistischen Sichtweise besteht
ein starker nationaler und internationaler Konsens
über die drängendsten Fragen. Erstens: Wir
wissen, daß sich Treibhausgase schnell in der
Atmosphäre ansammeln. Seit der Industriellen
Revolution sind die Konzentrationen von Kohlendioxid um ungefähr 25 Prozent angestiegen, der
Gehalt von Stickstoffoxyd um 15 Prozent, Methan
um mehr als 100 Prozent.
Zweitens: Die Wissenschaftler sind sich auch einig,
daß eine fortgesetzte Zunahme von Treibhausgasen
einen Klimawandel verursachen wird. Das entscheidende Wort in diesem Satz ist "wird", nicht
"könnte". Ein weiterer Zuwachs dieser Gase wird zu

Seite 2

einem Klimawandel führen. Darüber gibt es kaum
ernstzunehmende Meinungsverschiedenheiten. Die
Wissenschaftler können uns nicht das Tempo dieser
Veränderungen oder ihren genauen Verlauf vorhersagen, aber sie sagen uns, daß ein Wandel bevorsteht.
Es besteht ein internationaler Konsens darüber, daß
die Oberflächentemperatur der Erde im kommenden
Jahrhundert durchschnittlich zwischen 1° und 4,5° C
ansteigen könnte. Diese Rate war auf unserem
Planeten seit mindestens 10.000 Jahren nicht mehr
zu beobachten. Das heißt, sie ist in der gesamten
Geschichte der menschlichen Zivilisation einzigartig.
Seit die ersten Städte auf der Erde entstanden,
wurde kein solcher Wandel mehr beobachtet.
Die Vereinigten Staaten und andere höhergelegene
Länder sollen sich sogar noch mehr erwärmen - bis
zu 5,5° C. Allein im letzten Jahrhundert stieg die
Temperatur der Erde um ungefähr 0,5° C an. Die
neun wärmsten Jahre in diesem Jahrhundert fielen
allesamt in die Zeit nach 1980, obwohl der Ausbruch
des Pinatubo - wie damals prognostiziert - die Temperaturen ungefähr drei Jahre niedrig hielt, bis die
schweren Partikel, die einen winzigen Teil der Sonnenstrahlen abhielten, aus der Atmosphäre zurück
auf die Erde gefallen waren.
Es gibt bereits düstere Anzeichen für einen beträchtlichen Wandel. Alpengletscher in allen Teilen der
Welt schmelzen schnell. Sie haben vielleicht vor
kurzem die Bilder eines prähistorischen Wanderers
gesehen, dessen Körper bei einem Bergpaß in den
italienischen Alpen gefunden wurde. Er lag einfach
dort. Warum hatte ihn in den vergangenen 5.000
Jahren niemand entdeckt? Weil das ihn bedeckende
Eis seit 5.000 Jahren nicht geschmolzen ist. Und
jetzt ist es geschmolzen.
In anderen Gebieten, in denen in der Geschichte der
Menschheit kein Rückzug des Eises zu beobachten
war, schmilzt dieses jetzt. Die Schneedecke in der
nördlichen Hemisphäre nimmt ab - Beweis für eine
Abnahme des Eises im arktischen Meer. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge in den niedriger
gelegenen 48 Staaten stieg im letzten Jahrhundert
um ungefähr 5 Prozent an. Sintflutartige Regenfälle
nahmen im Sommer während der landwirtschaftlichen
Wachstumszeit zu.
Dies sind besorgniserregende, komplexe und schwierige Fragen, mit denen wir uns befassen müssen.
Wir sollten jedoch nicht erwarten, daß sie nach einem
Muster langsamen und allmählichen Wandels erfolgen. Wir wissen, daß es in der Natur eine Vielzahl
kritischer Punkte gibt, die einen plötzlichen und
dramatischen Wandel auslösen können. Eine Erwär-

AMERIKA DIENST 12

•

�mung der Erde verändert die Niederschläge, die
Feuchtigkeit des Bodens und der Meeresspiegel
können zu Veränderungen im Bereich von Ernten,
Wäldern und Feuchtgebieten führen. Veränderungen bei der Niederschlagstätigkeit können zu Dürreperioden in einigen Gebieten und einer Erhöhung
der Niederschlagsmenge in anderen führen. Sie
rufen Veränderungen bei Mikrobenpopulationen,
Schädlingen, der Flora und Fauna sowie der Anfälligkeit für Viren und Bakterien hervor.
Kombinationen von Veränderungen können dramatische Auswirkungen haben - zunehmender Niederschlag kann zu mehr Überflutungen führen und
zusammen mit einem Anstieg des Meeresspiegels
die Existenz niedrig gelegener Küstengemeinden
sowie die Existenz einiger kleiner Inselstaaten und
tiefgelegener Küstennationen bedrohen.
Wissenschaftler in mehreren Teilen der Welt verliehen ihrer Sorge über die Zunahme drastischer
meteorologischer Ereignisse Ausdruck. In unserem
Land sahen wir die Auswirkungen in Form des
sogenannten "El Nifto", eines Schemas, das von
einem alle zwei bis fünf Jahre stattfindenden Ereignis bis zu einem relativ neuen Ereignis der letzten
anderthalb Jahrzehnte reicht, das beinahe Tendenz
zur Dauerhaftigkeit zeigt.
Einige Vertreter der Wirtschaft, deren Arbeit sie
besonders sensibel gegenüber diesen Veränderungen macht, verleihen ebenfalls ihrer Sorge Ausdruck.
Kürzlich traf ich mit zahlreichen Vertretern des
Versicherungs- und
Rückversicherungswesens
zusammen. Frank Nutter, der Präsident des amerikanischen Rückversicherungsverbands, warnte vor
ernsten Anzeichen für einen Konkurs im Versicherungswesen, der von "bedeutenden, vielleicht
dauerhaften Veränderungen des Klimas in diesem
Land und auf der Welt" herrühre.
Es ist leicht einzusehen, warum sich die Versicherungsunternehmen Sorgen machen.
1993 verursachte das Hochwasser des Mississippi Schäden
in Höhe von geschätzten 10 bis 20 Milliarden Dollar.
Der Wirbelsturm Hugo kostete die Bundesregierung
1,6 Milliarden Dollar.
Der Wirbelsturm Andrew
überschritt die Marke von 2 Milliarden an staatlicher
Katastrophenhilfe und verursachte den Versicherungsunternehmen Kosten von mindestens 16
Milliarden Dollar. Die Überflutungen und Schlammlawinen in Kalifornien verursachten allein in diesem
Jahr Schäden von über 2 Milliarden Dollar.
Können wir ruhigen Gewissens davon ausgehen, wir
müßten nicht handeln, um zu verhindern, daß
Klimaveränderungen zu einer Häufung schwerwiegender Ereignisse dieser Art führen? Wir ignorieren

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diese Veränderungen auf eigene Gefahr. Ich habe
bereits erwähnt, daß der Klimawandel zu einer
Veränderung der Mikrobenpopulationen führen kann.
Die Ausbreitung ansteckender Krankheiten wie
Malaria und Denguefieber kann sich entscheidend
ändern.
Wie sollten wir auf diese Art von Bedrohung reagieren? Die Clinton-Administration ist der Ansicht, daß
wir uns vor möglicherweise verheerenden Auswirkungen schützen sollten, während wir gleichzeitig unser
wissenschaftliches Verständnis für diese Fragen
durch ein aggressives Forschungsprogramm vertiefen. Dieser Ansatz ist tatsächlich vergleichbar
einer Versicherungspolice und nicht nur eine abstrakte Vorstellung.
Vor drei Jahren unterzeichneten wir gemeinsam mit
anderen Ländern der internationalen Staatengemeinschaft eine historische Rahmenkonvention über den
Klimawandel. Dies war der Beginn des Entwurfs
einer Art von Versicherungspolice. Es handelt sich
um einen Vertrag, der alle Nationen zur gemeinsamen Arbeit an beispiellosen Bestrebungen zum
Schutz der globalen Umwelt aufruft. Insbesondere
die Industrienationen wurden aufgefordert, durch die
Stabilisierung der Treibhausgasemissionen auf dem
Stand von 1990 bis zum Jahr 2000 eine Führungsrolle zu übernehmen.
Kurz nach seiner Amtsübernahme ging Präsident
Clinton über die vage, unverbindliche Sprachregelung
des Vertrags hinaus und erklärte, die Vereinigten
Staaten würden das im Vertrag festgesetzte Ziel
erreichen. Das Engagement des Präsidenten war als
Ergänzung seiner Ziele im wirtschaftlichen Bereich
gedacht. Er versprach einen Umschwung der amerikanischen Wirtschaft, den er auch vollzog. Die
Inflation ist gesunken, die Wachstumsrate steigt, die
Arbeitslosigkeit sinkt, die Zahl der Arbeitsplätze steigt.
Insgesamt demonstrieren wir, daß wirtschaftlicher und
umweltpolitischer Fortschritt Hand in Hand gehen
können.
Zweifellos stellt der von Präsident Clinton verfolgte
starke wirtschaftliche Kurs mehrere Annahmen des
Plans in Frage. Anstatt uns von diesen guten Nachrichten abzuwenden, begrüßen wir sie.
Heute
möchte ich das vom Präsidenten gegebene Versprechen bekräftigen:
Die Vereinigten Staaten
verpflichten sich, bis zum Jahr 2000 die Treibhausgasemissionen von 1990 zu erreichen. Wir haben
einen ehrgeizigen Plan entwickelt, um das vom
Präsidenten abgegebene Versprechen zu erfüllen.
40 von 47 dieser Initiativen sind finanziert und
eingeleitet worden. Die meisten haben ein gemeinsames Merkmal - sie bringen neue, saubere Arbeitsplätze für unsere Zukunft.

Seite 3

�Beispielsweise haben wir freiwillige Abkommen mit
einem Großteil unserer Versorgungsunternehmen
zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen abgeschlossen. Mit der amerikanischen Industrie wurden
ähnliche Partnerschaften über energiesparende
Computer, Gebäude und Beleuchtungssysteme
eingegangen. Wir haben der globalen Umweltfazilität für die zweite Phase ihrer Umstrukturierung 430
Millionen Dollar zugesagt - den höchsten Beitrag
eines Landes. Wir haben eine neue Initiative für
Umwelttechnologien in die Wege geleitet, die sich
auf über 1 Milliarde Dollar beläuft, um modernste
Umwelttechnologien zu entwickeln und zu verbreiten.
Und die Vereinigten Staaten haben das erste Pilotprogramm der Welt ins Leben gerufen, um die
Durchführbarkeit gemeinsamer Investitionsprojekte
mit anderen Ländern zu prüfen, die auf die Reduzierung oder Eindämmung von Treibhausgasen und die
Förderung tragfähiger Entwicklung abzielen.
Darüber hinaus haben wir eine Partnerschaft mit der
Automobilindustrie über eine neue Generation von
Fahrzeugen geschlossen, die auch als "Initiative
sauberes Auto" bekannt ist. Es ist eine echte Partnerschaft. Die drei großen amerikanischen Automobilhersteller sind daran ebenso beteiligt wie die
nationalen Labors, alle relevanten Bundesbehörden
und zahlreiche Zulieferer von Autoteilen, Material
und Gerät sowie technische Hochschulen und
Studenten im ganzen Land. Gemeinsam nehmen
wir eine technische Herausforderung in Angriff, die
in mancher Hinsicht der Mondlandung vergleichbar
ist. Wir werden ein Auto entwickeln, das dreimal so
sparsam ist wie die heutigen Automobile, ohne Opfer
bei Kosten, Bequemlichkeit oder Sicherheit bringen
zu müssen.
Im Verlauf dieses Prozesses hoffen wir die besten
Wege zur Anwendung der neuen Technologien zu
entdecken, die zu noch größeren Verbesserungen
bei der Wirtschaftlichkeit führen können - und dies
alles binnen 10 Jahren. Der Erfolg dieses Vorgehens wird weniger Abhängigkeit von ausländischem Öl und geringere Treibhausgasemissionen
bedeuten. Und abgesehen von den Vorteilen für
den amerikanischen Verbraucher birgt das Projekt
auch das Versprechen eines extrem attraktiven und
wettbewerbsfähigen Autos für Weltmärkte bis zur
Jahrhundertwende sowie einer florierenden amerikanischen Automobilindustrie, die es produziert.
Unsere Bauinitiative hat das Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit dieser 800 Milliarden Dollar-Industrie durch
die Entwicklung sehr viel besserer Konstruktionstechnologien zu verbessern, die zu geringeren
Emissionen führen. Mit der uneingeschränkten
Zusammenarbeit der Industrie wollen wir sicherstellen, daß unsere Gebäude - ebenso wie unsere

Seite 4

Industrie es ist - die produktivsten, effizientesten,
sichersten und dauerhaftesten der gesamten Welt
sind. Das bedeutet, die Lieferzeit bei einer 50prozentigen Kürzung der Produktionskosten um die
Hälfte zu verkürzen.
Wir streben eine 50prozentige Verringerung von
Verletzungen und Krankheiten im Baugewerbe bei
einer 30prozentigen Verbesserung von Produktivität
und Komfort an. Und wir erarbeiten gemeinsam mit
der Industrie detaillierte Pläne zur Erlangung dieser
Ziele. Wir wollen 50 Prozent weniger Abfall und
Luftverschmutzung sowie 50 Prozent mehr Dauerhaftigkeit und Flexibilität.
Wir sind uns darüber im klaren, daß unser Plan
ehrgeizig ist. Und wir sind uns bewußt, daß er der
Unterstützung der Politiker auf dem Capitol Hill
bedarf. Einige unserer früheren Anträge wurden nicht
voll finanziert, und der Kongreß erwägt jetzt, die
vorher zugesagten Mittel zurückzunehmen. Ebenso
wie dieser Vertrag internationalen Konsens erfordert,
benötigt unsere innenpolitische Antwort einen nationalen Konsens. Wir wollen mit dem Kongreß in einer
echten Partnerschaft im Interesse unserer Nation, der
Welt und ihrer Menschen zusammenarbeiten. Es
obliegt jedoch der neuen republikanischen Führung
im Kongreß, die durch den Klimawandel gebotenen
Herausforderungen und Chancen sowie die Notwendigkeit einer amerikanischen Führungsrolle zu erkennen.
Dieser Verantwortung in der Zukunft gerecht zu
werden, bedingt die Erkenntnis, daß unsere Pläne
und die unserer industrialisierten Partner nur ein
erster Schritt sind. In zwei Wochen werden die
Nationen in Berlin zusammenkommen um zu entscheiden, was die internationale Staatengemeinschaft
als Reaktion auf die jetzt vorliegenden dramatischen
wissenschaftlichen Beweise noch tun kann. Auch
hierbei wird diese Administration an vorderster Front
der globalen Bestrebungen stehen.
Seit fast einem Jahr haben wir erklärt, daß dieses
Abkommen unserer Ansicht nach nicht ausreicht. Es
enthält nur ein Ziel für das Jahr 2000, und dieses Ziel
findet nur auf eine begrenzte Zahl von Ländern
Anwendung. Wir sind jetzt in einer Situation, in der
die auf der ganzen Welt politisch durchführbare
maximale Reaktion immer noch nicht ausreicht, um
dieses Problem wirklich in Angriff zu nehmen. Und
die Nationen der Welt werden zusammenarbeiten
müssen, um echte Richtlinien bezüglich der nach
dem Jahr 2000 zu ergreifenden Schritte zu entwikkeln. Wir müssen also ein neues Ziel für die Zukunft
aushandeln.

AMERIKA DIENST 12

�Angesichts dieser Begrenzungen und unter Berücksichtigung unserer Verantwortung für die Zukunft
arbeiten wir mit anderen Nationen an der Formulierung eines Mandats, dem in Berlin zugestimmt
werden kann und das den Kurs für nächste Schritte
im Rahmen des Vertrags festlegen kann. Dies
erfordert von uns allen die sorgfältige Prüfung, was
wir zur weiteren Reduzierung von Treibhausgasemissionen unternehmen können. Mit anderen
Worten besteht unser Ziel in Berlin darin, ein Fundament zu legen und mit der Arbeit zu beginnen.
Ebenso wie im natürlichen Klimasystem gibt es im
politischen System kritische Punkte. Wenn die
Beweise den Stand erreichen, an dem genügend
Leute nicht länger den Skeptikern zuhören wollen,
deren Argumente nicht auf Fakten gegründet sind,
dann verbessern sich nach diesem kritischen Punkt
die Chancen für durchschlagende Aktionen erheblich. Aus diesem Grund ist es wichtig, qualitativ
hochwertige Forschung zu betreiben. Wir haben
diesen Prozeß hier in den Vereinigten Staaten
bereits begonnen, und dies wird Teil des von uns in
Zukunft verfolgten Prozesses sein.
Aber jetzt ist es an der Zeit, die Verhandlungen
wiederaufzunehmen und die Ziele des Vertrags in
konkreterer Weise anzugehen. Jetzt ist es an der
Zeit, ein neues Verhandlungsmandat zu formulieren,
das uns die Erfüllung unserer Verpflichtungen
gegenüber künftigen Generationen gestatten wird ein Mandat, das sicherstellt, daß wir von den für die
Phase vor dem Jahr 2000 dargelegten wichtigen
ersten Schritten aus weitergehen.
Wir sind der festen Überzeugung, daß sich alle
Nationen an diesen Bestrebungen beteiligen müssen. Zweifelsohne können und sollten die Industrienationen, die am meisten zu dem Problem beigetragen haben, die Führungsrolle übernehmen.
Und wir werden dies tun. Aber wir können die
Tatsache einfach nicht ignorieren, daß die Emissionen in den Entwicklungsländern am schnellsten
ansteigen, die zusammengenommen für inzwischen
nahezu 50 Prozent aller Treibhausgasemissionen
der Welt verantwortlich sind. Wir wissen, daß den
Industrienationen eine besondere Verantwortung
zukommt, und wir unterstützen uneingeschränkt den
Appell der Konvention für die Übernahme gemeinsamer aber differenzierter Pflichten. Wir möchten
jedoch, daß sich die Entwicklungsländer mit uns an
den Verhandlungstisch setzen, so daß wir zusammen diese gemeinsamen aber differenzierten Pflichten für die Zeit nach dem Jahr 2000 definieren
können. Nicht damit wir alleine weniger, sondern
damit wir gemeinsam mehr tun können - durch
Handel, technologische Zusammenarbeit und ein

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breites Spektrum von Strategien, die Vorteile für alle
Nationen bieten.
Wir müssen auch bessere Arbeit leisten um sicherzustellen, daß die Nationen den Worten Taten folgen
lassen und wir bezüglich unserer Äußerungen über
unser Vorgehen zur Rechenschaft gezogen werden.
Bis heute hat nur eine Handvoll Nationen klare und
substantielle Vorschläge unterbreitet, mit denen die
von ihnen angekündigten Emissionsreduzierungen
verwirklicht werden können. Wir müssen eindeutig
klarstellen:
Gute Absichten und hochfliegende
Rhetorik werden nicht ausreichen, um uns bei der
Erfüllung der mit der Emissionsreduzierung einhergehenden beträchtlichen
Herausforderungen
behilflich zu sein. Was im Rahmen des Vertrag
benötigt und erwartet wird, sind konkrete Aktionen.
Bei den der Berliner Konferenz folgenden Verhandlungen ist es unabdingbar, daß wir einen Maßnahmenkatalog formulieren, aus dem wir Strategien zur
Erreichung des neuen, für die Zeit nach dem Jahr
2000 festgelegten Ziels auswählen. Nur eine analytische Phase als Teil des Verhandlungsprozesses
kann uns realisierbare Maßnahmen und das realistische Verständnis dessen bieten, wie unsere Erwartungen und Ziele für die Zukunft aussehen sollten.
Die ausgewählten Maßnahmen müssen wirklich eine
Emissionsreduzierung herbeiführen, und die Nationen
müssen bereit sein, Aktionen in die Wege zu leiten
und Resultate vorzulegen.
Und schließlich sind wir der Auffassung, daß ein
Verhandlungsmandat so schnell wie möglich formuliert werden sollte. Wir glauben, daß ein aggressiver,
ehrgeiziger Ansatz, der kurz- und langfristige Ziele
berücksichtigt - das heißt, für die Jahre 2010 und
2020 - bis 1997 entwickelt werden kann, wenn die
dritte Konferenz der Unterzeichnerstaaten abgehalten
wird. Unseres Erachtens ist dies ein faires Datum,
das unsere Sichtweise der Bedeutung und Dringlichkeit des Problems der Klimaveränderungen
widerspiegelt und uns auch die Vorlaufzeit zur
Entwicklung und Nutzung neuer Technologien gibt.
Auf der einen Seite haben wir Nationen, die eine
starke Wählerschaft in ihren jeweiligen Ländern durch
Überbieten der übrigen Staaten bei ihren Versprechen zur Emissionsreduzierung mittels künftiger
Aktionen zu beruhigen suchen. Was künftige Generationen jedoch benötigen, sind aggressive, meßbare
und ehrgeizige Aktionen und nicht politische Versprechungen künftiger Aktionen.
Auf der anderen Seite möchten Neinsager - einige
davon in unserem eigenen Land - daß die Vereinigten Staaten schwierigen Problemen wie globaler
Klimaveränderung, Abbau der Ozonschicht und allen

Seite 5

�möglichen Bedrohungen der Gesundheit des Menschen und der Umwelt ausweichen oder sie ignorieren. Weit entfernt vom wissenschaftlichen Konsens
leugnen sie die Existenz des Problems und versuchen, die Vereinigten Staaten sogar von der
Artikulierung ihrer Sorgen abzuhalten, obwohl die
von uns vorgesehenen Aktionen gleichermaßen gut
für die Umwelt und die Volkswirtschaft sind.

heit unserer Arbeitnehmer und die Integrität unserer
Umwelt dürfen nicht so rücksichtslos aufs Spiel
gesetzt werden.

Dies ist eine intellektuell, politisch und moralisch
bankrotte Situation, der widerstanden werden muß.
Sie gleicht der Position, die so lange Zeit von der
Tabakindustrie angesichts wachsender medizinischer
und wissenschaftlicher Beweise über den Zusammenhang zwischen Zigarettenrauchen und Lungenkrebs vertreten wurde.
Bis heute können der
kausale Zusammenhang und alle Einzelheiten, wie
Zigarettenrauchen Lungenkrebs verursacht, nicht mit
Genauigkeit festgestellt werden. Der Zusammenhang wird jedoch erkannt. Dies ist eine medizinische Tatsache. Aber viele Jahre lang haben diejenigen mit einem wirtschaftlichen Interesse an der
Verzögerung der Erkenntnis dieses Zusammenhangs
auf nicht plausible Weise argumentiert, die wissenschaftlichen Beweise seien fraglich, müßten ignoriert
werden und seien als Grundlage jeglicher Schlußfolgerung unzureichend.

Abschließend möchte ich eine Analogie zu der
Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft auf
ein anderes Problem bilden, das in mancher Hinsicht
der globalen Klimaveränderung vergleichbar ist. Es
handelt sich um das Problem des Abbaus der Ozonschicht. Bei ungefähr gleichem wissenschaftlichen
Kenntnisstand kamen die Nationen der Welt vor zehn
Jahren in Montreal zusammen, um kluge Schritte
zum Schutz der Stratosphäre zu unternehmen. Diese
ersten Bestrebungen wurden nach einer beeindrukkenden wissenschaftlichen Entdeckung verstärkt einem Loch in der Ozonschicht über der Antarktis von
der Größe des nordamerikanischen Kontinents.

Sie hatten Unrecht. Und diejenigen, die jetzt versuchen, die Erkenntnis eines Zusammenhangs
zwischen der Ansammlung von Treibhausgasen und
der globalen Klimaveränderung zu verzögern, haben
ebenfalls Unrecht. Wenn Sie an die dramatischen
Feuer in Kuwait zurückdenken, als die Ölfeider 1991
in Brand gesetzt wurden, so betrug der gesamte
Kohlendioxidausstoß weniger als 1 Prozent dessen,
was wir jedes Jahr in die Umwelt freisetzen. Und
diese Menge nimmt jedes Jahr zu.
Wir dürfen nicht vergessen, daß wir jetzt Zeuge des
extremsten und konzertiertesten Angriffs auf die
Umwelt in der Geschichte werden. Das Kernstück
des sogenannten Vertrags mit Amerika ist ein Pfeil
in das Herz der Umweltgesetze und -Verpflichtungen
der Nation. Hinter geheimnisvoller Rhetorik über die
Reform der Bestimmungen verbirgt sich ein in der
Presse weithin erkannter direkter Angriff, der effektiv
viele der wichtigsten Umweltgesetze des Landes vom Gesetz über saubere Luft und dem Gesetz über
sauberes Wasser bis zum Gesetz über gefährdete
Arten - rückgängig macht. Der Präsident und ich
unterstützen dies nicht und werden es nicht akzeptieren. Die Gesundheit unserer Kinder, die Sicher-

*

Seite 6

Statt die Umweltinitiativen anzugreifen, hoffen wir,
daß der Kongreß mit uns gemeinsam Maßnahmen
erarbeitet, die ebenso umweltverträglich wie wirtschaftlich vorteilhaft sind.

Nachdem diese Entdeckung bestätigt wurde, überschritt die internationale Staatengemeinschaft die
Schwelle, hinter der die Einigung über die Notwendigkeit zu handeln viel leichter wurde. Dies führte zu
den Londoner Zusatzartikeln von 1990, mit denen die
Welt das schrittweise Verbot der die Ozonschicht am
stärksten schädigenden Chemikalien vereinbarte
sowie zum darauffolgenden Kopenhagener Abkommen, das den Prozeß um fünf Jahre beschleunigte.
Jeder Amerikaner kann stolz darauf sein, daß die
Vereinigten Staaten politisch und wissenschaftlich zu
diesen Bestrebungen beigetragen haben.
Ebenso wie beim Ozonproblem haben die Nationen
bezüglich der Art der Bedrohung durch den Klimawandel Einigung erzielt, und wir haben erste vorsichtige Schritte zur Abwendung dieser Bedrohung
unternommen. Dies ist jedoch nur der Anfang. Ich
glaube, wir können die von mir zu Beginn meiner
Rede zitierte Frage von Sir Roche bezüglich der
Nachwelt mit einem von dem großartigen irischen
Dichter William Butler Yeats verfaßten Satz beantworten. Er schrieb: "Ich habe meine Träume unter
Deinen Füßen ausgebreitet. Tritt sanft auf, denn Du
trittst auf meine Träume."
Wenn wir nicht sanft auftreten, werden unsere
Träume für die Zukunft nichts als Träume bleiben.
Wir wollen sicherstellen, daß unsere nächsten
Schritte die richtigen sind. Ich danke Ihnen.

* * *

*

AMERIKA DIENST 12

�NW
29. März 1995

Strategische Nuklearpolitik und Nichtverbreitung
von Paul C. Warnke
Der Chefunterhändler für Rüstungskontrolle unter der Carter-Administration, Paul C. Warnke, zieht eine Bilanz
der Geschichte des Nichtverbreitungsvertrags (NW) von 1970 bis zur Gegenwart. Seiner Ansicht nach hängt
die erfolgreiche Verlängerung des N W bei der für April 1995 anberaumten Konferenz entscheidend vom
Verzicht auf den Ersteinsatz von Nuklearwaffen durch die Vereinigten Staaten und andere erklärte
Atomwaffenstaaten ab.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Arms Control Today, Mai 1994.

Im April 1995 wird eine Konferenz zur Erörterung der
Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags einberufen. Diese Konferenz ist im Vertrag selbst
zwingend vorgeschrieben, der vorsieht, daß die
Parteien 25 Jahre nach seinem Inkrafttreten am 5.
März 1970 zusammenkommen, um den Zeitraum
einer Verlängerung festzulegen.
Das erklärte Ziel der Vereinigten Staaten ist die
unbegrenzte und bedingungslose Verlängerung des

Vertrags bei dieser Konferenz. In seiner Rede vor
den Vereinten Nationen im September 1993 räumte
Präsident Bill Clinton der nuklearen Nichtverbreitung
oberste Priorität ein. Die derzeitige Besorgnis über
die Nuklearbestrebungen Nordkoreas sind nur ein
letzter Beweis für die Bedeutung von Maßnahmen,
die zusätzliche nationale Nukleararsenale entmutigen. Die Dringlichkeit dieses Ziels wurde noch
durch die Tatsache unterstrichen, daß der Irak
bereits geraume Zeit vor dem Golfkrieg Nuklearwaffen beschaffte und Südafrika ein halbes Dutzend
Nuklearwaffen gebaut hatte, die inzwischen von der
Regierung in Pretoria zerstört wurden.
Die Chancen für die Erlangung der unbegrenzten
und bedingungslosen Verlängerung des N W sowie
der globalen Einhaltung seiner Bedingungen werden
jedoch maßgeblich durch die strategischen Maßnahmen und das Verhalten der derzeitigen Atomwaffenstaaten beeinflußt.
NW-Verpflichtungen der erklärten Atomwaffenstaaten
Das stärkste Hindernis für die nukleare Weiterverbreitung ist der N W , unter dem sich inzwischen 155
Länder verpflichtet haben, auf die Beschaffung von

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Nuklearwaffen zu verzichten.
Ein gravierender
Mangel des Vertrags ist, daß er in gewisser Weise
diskriminiert. Er gestattet den fünf erklärten Atomwaffenstaaten die Beibehaltung - und sogar Erweiterung - ihrer Nukleararsenale, während Nichtatomwaffenstaaten dem Club nicht beitreten dürfen. In dem
Bestreben, diese Schwäche auszumerzen, verpflichtet
Artikel VI die Atommächte, "Verhandlungen über
wirksame Maßnahmen betreffend die Einstellung des
nuklearen Rüstungswettlaufs zu einem frühzeitigen
Datum sowie betreffend nukleare Abrüstung ... in
gutem Glauben fortzusetzen". Und die Präambel des
Vertrags verpflichtet die Vertragsparteien ausdrücklich, "die Einstellung aller Testexplosionen von
Kernwaffen für alle Zeiten herbeizuführen".
Die Verpflichtung zur Einstellung aller Atomtestversuche ist ebenfalls in der Präambel des Vertrags zur
Begrenzung von Atomversuchen (Limited Test Ban
Treaty - LTBT) von 1963 enthalten. Dieser Vertrag
verbietet Nuklearexplosionen in der Atmosphäre, im
Weltraum und unter Wasser. Der Vertrag blieb weit
hinter Präsident Dwigth Eisenhowers Ziel eines
umfassenden Atomtestverbots zurück, das ebenfalls
von Präsident John F. Kennedy in seiner Rede an
der American University im Juni 1963 formuliert
wurde, in der er die Beendigung aller Kernwaffentests
forderte. Kennedy ging jedoch den Kompromiß ein,
daß aufgrund der ungelösten Differenzen mit der
Sowjetunion über die Zahl der erlaubten Vor-OrtInspektionen zu Verifizierungszwecken und der
unbeugsamen Haltung vieler mächtiger Senatoren,
der Vereinigten Stabschefs und der Atomlabors
zumindest unterirdische Versuche unerläßlich für die
Aufrechterhaltung der nuklearen Abschreckung der
Vereinigten Staaten seien.

Seite 1

�Die Bereitschaft der Nichtnuklearwaffenstaaten, sich
unbegrenzt zur Einhaltung ihres Teils des N W zu
verpflichten, wird vor allem davon abhängen, wie die
Vereinigten Staaten, Großbritannien, China, Frankreich und Rußland ihrer Ansicht nach die Vertragsverpflichtungen erfüllen. Und sie werden sehr daran
interessiert sein, wie die Atomwaffenstaaten ihre
Weltuntergangswaffen in der neuen Weltordnung
sehen. Werden Nuklearwaffen als lästiges Erbe des
Kalten Krieges betrachtet oder als dauerhaftes
Symbol von Macht und Prestige? Die Nichtnuklearwaffenstaaten könnten die Antwort in den Fortschritten zu einem umfassenden Atomtestverbot (Comprehensive Test Ban - CTB) und darin finden,.was
im Verlauf der Verhandlungen über ein Testverbot
bezüglich der Atomtests unternommen wurde.
Eine starke amerikanische Führungsrolle
In diesem Kontext haben die Vereinigten Staaten in
jüngster Zeit eine gesunde und starke Führungsrolle
übernommen.
Ende 1992 verabschiedete der
Kongreß ein Gesetz über die Einstellung von Atomtests bis Juli 1993. Präsident Clinton verlängerte
das Moratorium bis September 1994 oder - alternativ
- bis ein anderes Land Atomtests durchführt.
Obwohl China im Oktober 1993 eine Nuklearwaffe
zündete, blieb das amerikanische Moratorium in
Kraft. Und am 15. Mai 1994 gab Präsident Clinton
bekannt, daß er das Atomtestverbot bis September
1995 verlängern werde. Er erklärte, seine Entscheidung gründe sich auf die bei den im Januar
aufgenommenen CTB-Verhandlungen erzielten
Fortschritte und verwies im besonderen auf "die
negativen Implikationen, die weitere amerikanische
Atomtests für unsere umfassenderen Nichtverbreitungsbestrebungen haben würden, darunter vor
allem unser Interesse an der Sicherstellung einer
unbegrenzten Verlängerung des nuklearen Nichtverbreitungsvertrags im kommenden Jahr". Der Präsident lobte ferner "die Zurückhaltung, die andere
erklärte Atomwaffenstaaten geübt haben, indem sie
nicht mit eigenen Tests auf die chinesischen Atomtests im Oktober letzten Jahres reagierten".
Die Vereinigten Staaten haben damit endlich das
Argument entkräftet, daß die Verhinderung der
nuklearen Weiterverbreitung nicht im Zusammenhang mit der Fortsetzung von Atomtests stehe.
Während der amerikanisch-sowjetischen Konfrontation argumentierten Verfechter von Atomtests sogar,
wenn die Vereinigten Staaten ihr Nukleararsenal
nicht weiter aufbauen würden, könnten die zum
Schutz vor einer sowjetischen Aggression vom
nuklearen Schutzschild Amerikas abhängigen
Staaten zur Entwicklung einer eigenen nuklearen
Abschreckung getrieben werden.

Seite 2

Eine mehr als ausreichende Nuklearstreitmacht?
Selbst auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges war es
offenkundig, daß die Vereinigten Staaten über ein
Vielfaches der zur Abschreckung eines Einsatzes von
sowjetischen Nuklearwaffen gegen amerikanische
Verbündete benötigten Nuklearraketen und -bomben
verfügten. Die Erkenntnis dieser Tatsache führte zu
ernsthaften Bestrebungen um die Aushandlung eines
umfassenden Atomtestverbots mit Großbritannien und
der Sowjetunion zu Beginn der Carter-Administration.
Die Bemühungen scheiterten großenteils, weil sich
die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion infolge der sowjetischen Intervention in Äthiopien anfänglich verschlechterten. Alle
ernsthaften Bestrebungen zum Abschluß eines
Vertrags über ein Atomtestverbot kamen zu einem
abrupten Ende, als die Sowjetunion im Dezember
1979 in Afghanistan einmarschierte.
Während der Jahre der Reagan- und Bush-Administrationen setzten die Vereinigten Staaten alle CTBGespräche aus. Die offizielle Position lautete, obwohl
ein Atomtestverbot als langfristige Zielsetzung lobenswert sei, müßten die Vereinigten Staaten ihre Tests
solange fortsetzen, wie ihre Sicherheit von nuklearer
Abschreckung abhing.
Wie bereits ausgeführt, verleitete diese Position
aufgrund des übergroßen Nukleararsenals der
Vereinigten Staaten zu einem klassischen Trugschluß. Aber ohne starke amerikanische Unterstützung war ein CTB-Vertrag in weite Ferne gerückt.
Wie Präsident Clinton bei der Verlängerung des
Moratoriums für Atomtestverbote feststellte, hat die
Genfer Abrüstungskonferenz seit dem 25. Januar
1994 ernsthafte CTB-Verhandlungen aufgenommen.
Botschafter Miguel Marin-Bosch aus Mexiko, ein
starker Befürworter des CTB, wurde zum Vorsitzenden des Ausschusses der Konferenz für ein Atomtestverbot ernannt.
Die Verhandlungsposition der Vereinigten Staaten ist
fest, klar und völlig korrekt. In seinem Bericht zur
Lage der Nation vom Januar 1994 sprach sich
Präsident Clinton entschieden für ein CTB aus, und
die Unterstützung des Kongresses war offenkundig
aufgrund der stehenden Ovationen, die er erhielt. In
Genf haben die Vereinigten Staaten eine Obergrenze
für erlaubte Testexplosionen zurückgewiesen und
damit die Unruhe im Verteidigungsministerium über
die Ausnahme von Tests unterhalb einer Kilotonne
beschwichtigt. Ein Argument für die unbegrenzte
Erlaubnis von Tests bis zu einer Kilotonne lautete so unglaublich es scheinen mag -, die Entwicklung
von Miniatombomben zum Einsatz gegen Länder der
Dritten Welt zu gestatten. Wenn die Vereinigten
Staaten dieser Politik zustimmen würden, bestünde

AMERIKA DIENST 12

�die einzig logische Antwort für kleine Länder in der
Entwicklung von Nuklearwaffen und der Bedrohung
der Vereinigten Staaten mit einigen wenigen primitiven Atombomben, die mit vergleichsweise primitiven
Mitteln abgeschossen werden könnten.
Die Vereinigten Staaten und andere CTB-Positionen
Die Verpflichtung der Vereinigten Staaten zur
Beendigung aller Atomtestversuche ist ein unerläßliches Element eines unbegrenzten Atomtestverbots.
Rußland wird mit gutem Grund ein Testverbot unterstützen. Das letzte, was das Land braucht, sind
neue nukleare Gefechtsköpfe zur Bedrohung des
Westens, dessen Hilfe unabdingbar ist, wenn Rußland je wirtschaftlich lebensfähig werden soll. Das
früher wichtigste russische Atomtestgelände befindet
sich jetzt im unabhängigen Kasachstan. Die erneute
Nutzung der Einrichtung im Norden des nördlichen
Polarkreises würde die instabile russische Wirtschaft
weiter belasten und könnte die ukrainischen Hardliner ermutigen, die auf die Beibehaltung der Nuklearraketen des Landes drängen. Während der Amtszeit
Präsident Mitterrands wird Frankreich keine Tests
vornehmen. Es ist jedoch nicht nicht, ob seine
Nachfolger diese Politik fortsetzen werden.
China scheint - wenn auch noch nicht uneingeschränkt - ein Verbot von Atomversuchen zu befürworten. Bei einer Plenarsitzung des Abrüstungsausschusses Ende März bekräftigte Botschafter Hou
Zhitong erneut die Unterstützung Chinas für einen
CTB-Vertrag, äußerte jedoch auch, "ausreichende
und eingehende Gespräche und Verhandlungen"
seien erforderlich. China ist ihm zufolge bereit,
"spätestens bis 1996 einen solchen Vertrag abzuschließen".
Die widersprüchliche Haltung Großbritanniens
Unter den erklärten Atomwaffenstaaten ist die
britische Haltung am fraglichsten. Der Botschafter
Großbritanniens bei der Genfer Abrüstungskonferenz
erklärte im Januar, sein Land messe "der Rolle von
Nuklearwaffen für den Erhalt unserer Sicherheit jetzt
und in absehbarer Zukunft weiterhin Bedeutung bei".
Nur wenige Äußerungen sind unvereinbarer mit dem
Ziel einer Sicherung der unbegrenzten und bedingungslosen Verlängerung des N W bei der im April
1995 beginnenden Konferenz.
Eine fundierte Nichtverbreitungspolitik setzt entschiedene Schritte seitens der Atommächte voraus,
weniger Gewicht auf die Bedeutung von Nuklearwaffen aus militärischer Sicht sowie als Symbol eines
Großmachtstatus zu legen.

AMERIKA DIENST 12

Die britische Eröffnungserklärung bei den CTBVerhandlungen weist genau in die entgegengesetzte
Richtung. Jeder Staat in einem Unruhegebiet mit
alten und potentiellen neuen Feinden an seinen
Grenzen könnte sich zu Recht fragen, warum er auf
nukleare Abschreckung verzichten sollte, während
Großbritannien diese in absehbarer Zukunft als
wesentlich erachtet. Großbritannien genießt einzigartige Sicherheit. Es hat keine Grenzen zu anderen
Staaten, jenseits des Ärmelkanals nur NATO-Verbündete, und im Westen sind die Vereinigten Staaten
und Kanada seine nächsten Nachbarn. Die britischen Nuklearwaffen können zwar keine nützliche
Verteidigung gegen die IRA bieten. Von Vorteil für
die Aussichten des CTB-Vertrags ist jedoch, daß
Großbritannien keine Atomtests durchführen kann,
wenn die Vereinigten Staaten nicht ihr Testgelände in
der Wüste Nevada reaktivieren.
Die Bedeutung eines Atomtestverbots für die Sache
der nuklearen Nichtverbreitung wird jetzt weithin
anerkannt. Es gibt keine legitime Entschuldigung
dafür, nicht prompt einen Vertrag abzuschließen. Im
November 1977 einigten sich die Vereinigten Staaten,
Großbritannien und die Sowjetunion über die großen
Fragen, einschließlich umfassender und eingehender
Inspektionen vor Ort, der Stationierung seismischer
Aufspürgeräte auf dem Territorium des jeweils
anderen Landes sowie eines Verbots sogenannter
"Explosionen zu friedlichen Zwecken". Vor diesem
Hintergrund sowie dem Ende der Ost-West-Konfrontation kann im Genfer Abrüstungsausschuß bis
Ende 1994 sicherlich eine minimale grundsätzliche
Einigung erzielt werden.
Die allgemeine Unterstützung der NATO für einen
CTB-Vertrag und die Anerkannung seiner Bedeutung
für eine Verlängerung des N W wurde in der Erklärung der Staats- und Regierungschefs des Nordatlantikrates bei seinem Treffen vom 10. und 11.
Januar 1994 dargelegt:
"Wir messen der uneingeschränkten und rechtzeitigen
Implementierung bestehender Rüstungskontroll- und
Abrüstungsvereinbarungen sowie weiterem Fortschritt
in Schlüsselfragen der Rüstungskontrolle und Abrüstung entscheidende Bedeutung bei, so
-

der unbefristeten und unkonditionierten Verlängerung des Vertrags über die Nichtverbreitung von
Kernwaffen (NW) und der Arbeit zu einem verstärkten Verifikationsregime;

-

dem baldigen Inkrafttreten des Übereinkommens
über das Verbot Chemischer Waffen und neuen
Maßnahmen zur Stärkung des Übereinkommens
über das Verbot Biologischer Waffen;

Seite 3

�-

der Verhandlung über einen weltweiten und
verifizierbaren umfassenden Teststoppvertrag;

-

den auf der Agenda des KSZE-Forums für Sicherheitskooperation stehenden Fragen;

-

der Sicherstellung der Integrität des KSE-Vertrags und der uneingeschränkten Erfüllung aller
seiner Bestimmungen."

Die Anerkennung der Tatsache, daß Politik und
Maßnahmen der Vereinigten Staaten große Auswirkungen auf das Nichtverbreitungsziel haben, setzt
seitens der Vereinigten Staaten und der anderen
Atommächte weitere Schritte voraus. Von größter
Bedeutung ist die Formulierung und Artikulierung
einer entschiedenen Politik über den Verzicht auf
einen Ersteinsatz von Atomwaffen.
Verzicht auf den Ersteinsatz
Bei der ersten Sondersitzung der Vereinten Nationen
über Abrüstung im Jahr 1978 verkündeten die Vereinigten Staaten eine als "negative Sicherheitszusage" bezeichnete Politik. Sie sagten zu, nie Nuklearwaffen gegen ein Land einzusetzen, das nicht über
solche verfügt und Mitglied des N W oder einer
ähnlichen regionalen Vereinigung (beispielsweise der
nuklearwaffenfreien Zone Lateinamerikas) ist, außer
wenn dieses Land mit Unterstützung eines Atomwaffenstaats aggressive Akte gegen die Vereinigten
Staaten oder ihre Verbündeten begeht. Dieser
Vorbehalt steht im Einklang mit der NATO-Doktrin,
die den Einsatz von Nuklearwaffen gegebenenfalls
zur Vereitelung eines Angriffs des Warschauer Pakts
auf Westeuropa in Erwägung zieht. Der in dieser
negativen Sicherheitszusage enthaltene Vorbehalt ist
jetzt ebenso veraltet wie der Warschauer Pakt
selbst.
Die Vereinigten Staaten sollten bei der Genfer
Abrüstungskonferenz
ihren uneingeschränkten
Verzicht auf den Ersteinsatz von Kernwaffen sowie
den Verzicht auf einen Einsatz außer als Vergeltung
für einen Nuklearangriff auf ihr Land oder ihre
Verbündeten bekanntgeben.
Die Vereinigten Staaten sollten Rußland auch zur
Wiederaufnahme seiner eindeutigen Politik des
Verzichts auf den Ersteinsatz auffordern. China tritt
nicht nur für eine Politik des Verzichts auf den
Ersteinsatz ein, sondern deutet sogar an, es könnte
sein eigenes Atomtestprogramm aufgeben, wenn
alle anderen Atomwaffenstaaten auf jegliche Initiierung eines Atomkrieges verzichten. In seiner
Rede vom März 1994 vor der Plenarsitzung der
Abrüstungskonferenz teilte der chinesische Botschafter Hou mit, nach Ansicht seines Landes stän-

Seite 4

den der Abschluß eines CTB-Vertrags und das
Abkommen über einen Verzicht auf den Ersteinsatz
unter den Nuklearmächten "in enger Wechselbeziehung", und er empfahl die Aufnahme dieser Zusicherung in den Vertrag.
Selbst während des Kalten Krieges widersprachen
prominente Politiker und Sicherheitsexperten der
Vorstellung, Atomwaffen könnten irgendeinem anderen Zweck dienen als der Abschreckung eines
Nuklearangriffs. Im April 1987 schrieb der frühere
deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt in The New
York Times, "Nuklearwaffen des Westens sind nur
erforderlich und wertvoll, um den Osten von einem
Ersteinsatz sowjetischer Nuklearwaffen abzuschrekken". Ferner sprach er sich dagegen aus, die
Kernwaffen der NATO als "Instrument für die Abschreckung von einem begrenzten Krieg oder sogar
einem konventionellen Angriff größeren Stils" zu
sehen.
1983 schrieb der bekannte sowjetische
Physiker und Dissident Andreij Sacharow in Foreign
Affairs: "Kernwaffen können nicht als Mittel zur
Unterdrückung von mit Hilfe konventioneller Waffen
durchgeführter aggressiver Akte angesehen werden."
Er bezeichnete die Option eines Erstschlags als
"gefährliches Relikt der Vergangenheit".
Die vielleicht eindeutigste Erklärung über die Nutzlosigkeit von Atomwaffen wurde von Präsident Ronald
Reagan 1984 in seinem Bericht zur Lage der Nation
abgegeben. Präsident Reagan wandte sich direkt an
die Bürger der Sowjetunion und äußerte, der einzige
Grund von Atomwaffen im Besitz eines der beiden
Länder bestehe darin sicherzustellen, daß sie nie
eingesetzt würden.
Daher ist es entmutigend und alarmierend, im Jahresbericht 1994 des Verteidigungsministers zu lesen:
"Da die Vereinigten Staaten ein Versprechen über
den Verzicht auf chemische und biologische Waffen
abgegeben haben, muß die Rolle der amerikanischen
Streitkräfte bei der Abschreckung von solchen
nichtnuklearen Bedrohungen oder ihre Reaktion
darauf erwogen werden." Derzeit führt das Verteidigungsministerium eine Überprüfung seines
nuklearen Einsatzkonzepts, eine sogenannte umfassende Neubewertung der amerikanischen Strategiepolitik durch.
Angesichts der entschiedenen
Haltung Präsident Clintons zu einer Einstellung von
Atomversuchen sowie der Förderung eines soliden
Nichtverbreitungsregimes ist es von Bedeutung, daß
jede vorgeschlagene Veränderung der strategischen
Nukleardoktrin umgehend zurückgewiesen wird, die
unter bestimmten Umständen einen Ersteinsatz oder
einen Vergeltungsschlag außer als Reaktion auf
einen Nuklearangriff gestattet.

AMERIKA DIENST 12

«

�Gefahr einer Erweiterung der atomaren Rolle

Bestrebungen zur Abwertung von Atomwaffen

Selbst der Vorschlag über eine derartige Veränderung erweist der Sache der Nichtverbreitung einen
schlechten Dienst. Seine offizielle Unterbreitung
durch das Verteidigungsministerium wäre eine
Katastrophe. Es bliebe nicht unbeachtet oder kommentarlos, daß eine Politik, die den Einsatz amerikanischer Nuklearwaffen als Abschreckung vom
Einsatz chemischer und biologischer Waffen oder zu
ihrer Vergeltung in Erwägung zieht, eine neue
erweiterte Serie von Atomtests zur Entwicklung eines
für solche Zwecke nötigen Arsenals erfordern würde.

Es wird schwierig sein, Nordkorea und andere
Länder, die möglicherweise Atomwaffen verbreiten,
durch die Androhung eines militärischen Präventivschlags von der Produktion von Atomwaffen abzuhalten. Diesen Ländern sollte statt dessen deutlich
gemacht werden, daß Atomwaffen ihnen keine
nützliche militärische Macht verleihen, nie zur Abwehr
von Grenzverletzungen und begrenzten Kriegen
vorgesehen waren, die die einzige reale Bedrohung
für sie darstellen, und der tatsächliche Einsatz nur zu
ihrer eigenen Zerstörung führen würde. Ein klares
und konsequentes Programm, durch das die Vereinigten Staaten und andere Atomwaffenstaaten ihre
eigene Abwertung von Atomwaffen unter Beweis
stellen können, wird das beste Klima für die Konferenz über die Verlängerung des N W schaffen und
ermöglichen, daß diejenigen, die das nukleare
Nichtverbreitungsregime gefährden, mit der geballten
Macht internationaler Verurteilung konfrontiert werden. Vorschläge über die Erweiterung eines Einsatzes oder angedrohten Einsatzes von Nuklearwaffen sollten unter allen Umständen unverzüglich
zurückgewiesen werden.

Die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten über
keine chemischen oder biologischen Waffen verfügen, ist vollkommen irrelevant. Wenn sie diese
Waffen hätten, würden sie den tatsächlichen oder
angedrohten Einsatz solcher Waffen durch andere
Staaten auch nicht mit gleicher Münze heimzahlen.
Der Golfkrieg ist hierfür ein Beispiel. Der Einsatz
chemischer Waffen gegen den Irak - der diese
Waffen besitzt und gegen den Iran und seine eigene
Bevölkerung einsetzte - wurde niemals erwogen.
Die hochentwickelten und äußerst flexiblen konventionellen Streitkräfte der Vereinigten Staaten sind
mehr als angemessen, um jede Art nichtnuklearer
Bedrohung bewältigen zu können.

*

AMERIKA DIENST 12

* * *

*

Seite 5

�TAG

DER

ERDE
29. März 1995

Die Erde ruft
von Jean B. Evans
Eine amerikanische Universität hat einen Studiengang für Umwelttechnik eingerichtet, um konkrete Lösungen
für ökologische Probleme und Umweltbelastungen der modernen technisierten Gesellschaft zu finden. Die
kleine aber wachsende Zahl der Umweltingenieure wird als unerläßliches Element neben Wissenschaftlern,
Politikern und Rechtsanwälten betrachtet, die in der Umweltbewegung bisher eine dominierende Stellung
eingenommen haben.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von CWRU Magazine, Mai 1994. Copyright
(c) 1994 Case Western University. Alle Rechte vorbehalten.
Jean B. Evans lebt als freie Autorin in Cleveland und schreibt regelmäßig für das CWRU-Magazin.

Selbst auf einer 40 Hektar großen Mülldeponie
gleicht die Abdichtung des Deponiebodens einem
Ballon, behauptet Aaron A. Jennings von der Case
Western Reserve University (CWRU) in Cleveland
(Ohio): "Ein winziges Loch reicht, um sie zu zerstören."
Abdichtungssysteme werden aus Natur- und Synthetikmaterialien wie Ton oder Plastikfolien hergestellt, und sie bestehen aus acht bis zehn Schichten
mit unterschiedlicher Funktion.
Dazu gehören
Isolierungen zur Verhinderung von Lecks, "Meldeschichten" zur Entdeckung undichter Stellen sowie
Sekundärschichten, um im Fall von Undichtigkeiten
das Durchsickern von Flüssigsubstanzen zu stoppen.
Abdichtungssysteme sollen das Versickern von
flüssigen Schadstoffen aus Fest- oder Sondermüll in
deponienahen Böden oder Grundwasser verhindern.
"Häufig ist es jedoch so, daß ein 'perfekt' geplantes
System in der Praxis vor Ort nicht funktioniert",
erklärt Jennings, Leiter des neuen Studiengangs
Umwelttechnik an der Fakultät für Bauwesen der
Universität.
Eines seiner Forschungsprojekte dient dazu herausfinden, warum die "Ballons" der Deponien immer
wieder platzen. "Die meisten bisher durchgeführten
Untersuchungen gingen von der Annahme aus, daß
die Eigenschaften des Bodens konstant bleiben,
während er von chemischen Substanzen durchdrungen wird", so Jennings. "Wir stellen jedoch fest,

AMERIKA DIENST 12

daß Böden bei der Durchsetzung mit bestimmten
chemischen Substanzen - aggressiven Sickerstoffen verändert werden, und dies verändert schließlich
auch den Weg, den diese Substanzen nehmen."
In den meisten Fällen reagieren aggressive Sickerstoffe mit dem Boden und steigern damit ihre Fließgeschwindigkeit. Manchmal jedoch ist genau das
Gegenteil der Fall. Chemische Substanzen reagieren
mit dem Boden und verringern ihre Fließgeschwindigkeit. "Wenn wir verstehen können, warum dies so ist,
können wir es vielleicht zu unserem Vorteil nutzen",
erklärt Jennings.
Es ist genau diese Art von Forschungsprojekten, die
Adel Saada, Frank-H.-Neff-Professor und Dekan der
Fakultät für Bauwesen, mit Hilfe von Jennings und
dem Studiengang Umwelttechnik an der CWRU
ansiedeln möchte: Forschung und Lehre, die von
entscheidendem Interesse für die Studenten, die
Universität, die Umwelt und die Gesellschaft sind.
Jennings kam 1993 als Professor für Tiefbau von der
University of Toledo (Ohio) an die CWRU. "Er ist ein
hervorragender Lehrer und Forscher", erklärt Saada,
"und wir schätzen uns glücklich, ihn bei uns zu
haben."
De facto widmet er sich dem Neuaufbau einer Sparte
des Bauwesens, die vor längerer Zeit an der CWRU
abgeschafft worden war.
Umwelttechnik ist ein
spitzentechnologischer Ableger des Studiengangs

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�Sanitärtechnik - Abwasserbeseitigung, Wasserversorgung und Wasseraufbereitung -, den das Case
Institute of Technologie (ein Vorgänger des CWRU)
Saada zufolge vor über 30 Jahren abgeschafft hatte.
Als die ehemalige Sowjetunion im Jahr 1957 den
Sputnik startete, trug sie auch dazu bei, eine Krise
im amerikanischen Bildungswesen einzuleiten,
erläutert Saada. "Jeder wollte mit einer Rakete zum
Mond fliegen." Überall in den Vereinigten Staaten
liefen an den Universitäten technisch fortschrittlichere, wissenschaftlich fundierte Sparten des
Ingenieurwesens - etwa Materialforschung - der
Sanitärtechnik den Rang ab.
"Alles wurde komplizierter, als die moderne Industrie
begann, Dinge wie radioaktives Material im Boden
zu vergraben." Dabei geht es Saada zufolge nicht
mehr um ein paar Menschen, die aufgrund von
verunreinigtem Wasser Magenbeschwerden haben.
"Wir sprechen von der Möglichkeit, daß ganze
Städte vernichtet werden, weil ihre Wasserversorgung ruiniert wurde. Also erlebte die Sanitärtechnik
ein Comeback, wobei jedoch die Nachfrage auf
wesentlich höherem Niveau steht."
Umwelt- oder Sanitäringenieure planen und bedienen immer noch städtische Wasserversorgungssysteme und Kläranlagen. Heute kümmern sie sich
jedoch auch um die Sanierung von wirklichen
Problemfällen: durch Nuklearabfälle verseuchte
Böden, rostende Fässer mit giftigen Chemikalien,
verseuchte Flußbetten und undichte Mülldeponien.
Andere Umweltingenieure kümmern sich um die
Abfallentsorgung, von Bananenschalen bis zu
radioaktiven Abfällen. Sie planen Systeme und
Anlagen zur Verringerung industrieller Luft-, Wasserund Bodenverschmutzung, zur Verbesserung der
Luftqualität in Hochhäusern, für den Lärmschutz in
Fabriken oder auch zum Schutz von Feuchtgebieten
vor Eingriffen durch Erschließungsmaßnahmen.
Vor dreißig Jahren, räumt Saada ein, "wurde ich mit
dieser Welle von Neuzugängen eingestellt, die den
Alten einmal zeigen sollten, was eine Harke ist". Die
letzten zehn Jahre verbrachte er mit Bemühungen,
die Sanitärtechnik - sprich: Umwelttechnik - wieder
an der CWRU zu verankern.
Die Entwicklung des Berufszweiges läßt sich an den
zu seiner Beschreibung verwendeten Namen ablesen und begann Saada zufolge in den späten
sechziger Jahren. "Sanitär..." wurde in den Titeln
von Fachzeitschriften, Berufsverbänden und Universitätsstudiengängen zu "Umwelt...". Saada und
Jennings verspüren jedoch keinen Drang, sich an
diesem Wettlauf zu beteiligen. Sie nehmen sogar

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einen Vorteil für sich in Anspruch, da sie nicht mit der
Orientierung auf Sanitärtechnik belastet seien wie
länger bestehende Studiengänge.
"In gewisser Hinsicht ist es gut, keine alten Laboratorien zu haben, die für andere Zwecke ausgerüstet
sind", erklärt Jennings. "Wenn man 20 oder 30 Jahre
in Wasseraufbereitung und Abwasserreinigung
investiert hat - wenn Laboratorien und Lehrkörper
darauf ausgerichtet sind - ist es schwierig, auf die
Anforderungen durch Umweltveränderungen einzugehen. Wir haben die Chance, ein neues Programm zu konzipieren, das die Zukunft der Umwelttechnik zum Inhalt hat."
Diese Strategie verfolgt das Ziel, eine Nische zu
finden, in der Spitzenleistungen erbracht werden
können. "Wir konzentrieren uns auf die Wissenschaft, Technologie und Theorie der Sanierung, der
Reinigung von Altlastenstandorten", so Jennings.
"Zahlreiche Umweltbereiche sind in den vergangenen
40 bis 50 Jahren kontaminiert worden, und ihre
Sanierung bietet ein enormes Betätigungsfeld."
Vieles findet sich bereits in der unmittelbaren Umgebung der CWRU, in Cleveland und anderen Städten
an den Großen Seen. Jennings zufolge ist das
Gebiet der Großen Seen, traditionell ein Zentrum der
Schwerindustrie, "seit langem ein Hauptverursacher
von Sonderabfällen. Wenn man die zehn führenden
Verursacherstaaten von Sonderabfällen betrachtet,
gehören außer Kalifornien und Texas fast nur Staaten
im Umfeld der Großen Seen dazu" (die Regionen um
den Michigansee, den Oberen See, den Huronsee,
den Erisee und den Ontariosee).
Der Vizepräsident der Firma Gould, Inc. in Eastlake
(Ohio), Robert J. Fedor, erklärt: "Als Nutzer von
Umweltdienstleistungen freut man sich, wenn jemand
effizientere Sanierungstechniken erfindet."
Schätzungen des amerikanischen Umweltbundesamtes EPA zufolge würde die Sanierung der 1 200
Standorte, die derzeit auf der nationalen Prioritätenliste des Superfund-Programms stehen, je 32 Millionen Dollar kosten. Dabei handelt es sich um alte
Deponiestandorte, an denen Abfälle unbeabsichtigt
freigesetzt oder heimlich entsorgt wurden. Diese
Standorte sollen im Rahmen des Comprehensive
Environmental Response, Compensation and Liability
Act von 1980, besser bekannt unter dem Namen
Superfund, saniert werden.
Kritiker des Superfund erklären, es werde zuviel Geld
für gerichtliche Auseinandersetzungen sowie für die
makellose Reinigung einzelner Altlastenstandorte
ausgegeben. Dazu meint Jennings: "Zweifellos wird

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�es eine Menge Arbeit geben. Das grundsätzliche
Motiv des Superfund hat sich nicht geändert."
Neben Superfund-Standorten, die in den Verantwortungsbereich des Bundes fallen, gibt es dem Professor zufolge auch Superfund-Standorte im Zuständigkeitsbereich der Bundesstaaten sowie Industriestandorte, um deren Sanierung sich die betreffenden
Unternehmen bemühen, bevor sie in komplizierte
Superfund-Rechtsstreitigkeiten verstrickt werden.
Darüber hinaus planen die amerikanischen Ministerien für Energie und Verteidigung laut Jennings in
den nächsten 20 Jahren 100 Milliarden Dollar in
ökologische Sanierungsmaßnahmen zu investieren.
Die Kosten seien so exorbitant hoch, weil viele
Standorte, etwa die ehemalige Uranaufbereitungsanlage Fernald bei Cincinnati (Ohio), nuklear belastet seien.
Nachdem sie die Umweltsünden im eigenen Land
behoben haben, werden sich die Umweltingenieure
schließlich dem Rest der Welt zuwenden können.
Als Beispiel nennt Jennings die Umweltschäden in
der ehemaligen Sowjetunion, wo man nukleare
Abfälle unter anderem dadurch entsorgte, daß man
sie auf treibenden Eisschollen ablud.
"Die Vereinigten Staaten sind weltweit führend bei
der Identifizierung von Altlastenstandorten, bei der
Ausbildung von Personal zur Sanierung von Altlastenstandorten sowie bei den Ausgaben für die
Lösung von Umweltproblemen", meint Jennings.
"Die Vereinigten Staaten werden reiche Erfahrungen
bei der Umweltsanierung zu bieten haben. Wir
werden einen gut ausgebildeten Kader von Spezialisten mit Praxiserfahrung haben. Für unsere Studenten werden sich weltweit großartige Chancen ergeben."
Und Nachfrage. Von den 2 Millionen amerikanischen Ingenieuren sind der amerikanischen Academy of Environmental Engineers zufolge lediglich
25.000 bis 50.000 als Umweltingenieure tätig - und
diese weisen darüber hinaus noch eine äußerst
unterschiedliche Vorbildung auf. Diese Zahl reicht
nicht aus, um der steigenden Nachfrage nach
fachlich ausgebildeten, staatlich geprüften und
amtlich zugelassenen Umweltingenieuren gerecht zu
werden, von denen die meisten von Planungsbüros
eingestellt werden, um für Staats- und Industriekunden zu arbeiten.
William C. Anderson, geschäftsführender Direktor
der Academy, verweist darauf, daß der Kongreß seit
1969 20 wichtige Umweltgesetze sowie Gesetzesänderungen wie den Superfund verabschiedet hat.

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Jennings fügt hinzu: "Umweltprobleme treten an der
Front zwischen der modernen technisierten Gesellschaft und der Umwelt auf. Die moderne technisierte
Gesellschaft kann man nicht abschaffen. Wir benötigen Ingenieure, die an dieser Front arbeiten, um
Umweltprobleme zu lösen, die mit der modernen
Technik einhergehen."
Bei der Erstellung des Studiengangs zur Ausbildung
von einigen dieser Ingenieure hat sich Jennings auf
seine Stärke konzentriert: Laborentwicklung.
In der Umwelttechnik, so Jennings, "messen wir
Schadstoffe. Manchmal handelt es sich dabei um
komplexe Substanzen in äußerst geringfügigen
Konzentrationen, und deshalb unterscheiden sich die
eingesetzten Labortechniken und Geräte sehr stark
von den normalerweise im Baubereich verwendeten
Techniken - für gewöhnlich das Biegen von Stahl und
Zertrümmern von Beton."
Zwei Laboratorien sind derzeit im Bau. Im "Lehr"Laboratorium werden Studenten im Grundstudium
Routineuntersuchungen durchführen, etwa die
Messung von chemischen Konzentrationen (z. B.
Nitrat und Chlor) in Boden-, Luft- und Wasserproben.
In dem anderen Labor werden Studenten der höheren Semester mit den modernsten hochempfindlichen
Meßinstrumenten - beispielsweise einem Atomabsorptionsphotospektrometer, das Spuren metallischer
Schadstoffe nachweisen kann - Forschung betreiben.
Studenten mit dem Hauptfach Bauingenieurwesen
können sich für Umwelttechnik entscheiden, während
Studenten anderer Ingenieurdisziplinen Bauwesen mit
Schwerpunkt Umwelttechnik als Nebenfach belegen
können. Ab Herbst 1994 konnten Studenten laut
Jennings im Hauptstudium einen Studiengang wählen, der mit dem Grad eines Magisters oder der
Promotion abschließt. Darüber hinaus legte er die
Lehrpläne so an, daß Studenten im dritten oder
vierten Studienjahr den Schwerpunkt auf Umwelttechnik legen können.
Um das gesamte Programm zu verwirklichen, werden
Jennings und Saada weitere Dozenten für Umwelttechnik anwerben. Zur Finanzierung eines weiteren
Dozentenpostens wandten sie sich an das Programm
"Frauen im Ingenieurwesen" der National Science
Foundation, das sich bemüht, durch die Finanzierung
von Lehrstühlen für Dozentinnen mehr Frauen für den
Ingenieurberuf zu gewinnen.
Die Professoren gehen davon aus, daß der neue
Studiengang intelligente und hochmotivierte Studenten anziehen wird. Umweltingenieure gelten als die
"Wohltäter" des Ingenieurwesens, meint Jennings.
"Ich glaube nicht, daß man aufgrund von weltan-

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�schaulichem Engagement Elektro-oder Chemieingenieur wird. In der Umwelttechnik kann man sich als
Ingenieur betätigen und Probleme bearbeiten, die
weltanschauliche Befriedigung verschaffen. Manchmal ist dies nur unterschwellig der Fall, aber ein
missionarisches Element ist immer vorhanden."
"Ich bin froh, an der CWRU zu sein", erklärt Christina Pap, die als Umwelt- und Arbeitsschutzingenieurin in einer Quarzlampenfabrik des Konzerns
General Electric arbeitet und den Studienabschluß
eines Magisters anstrebt. Sie trat nach dem Erwerb
eines Bachelor of Arts in Fertigungstechnik an der
Boston University bei General Electric ein. Nach
mehreren Sechsmonatsaufträgen, von denen einer
mit Umwelttechnik zu tun hatte, entschied sie sich
für ihre weitere Ausbildung auf diesem Gebiet.
"Umweltthemen werden oft emotional betrachtet.
Meines Erachtens können Techniker hier als ausgleichende Kraft wirken. Als Ingenieurin, die sich für
die Umwelt interessiert, hoffe ich etwas bewirken zu
können."
Jennings wurde 1949 in Idaho geboren und wuchs
im Staat New York auf, wo seine Familie Pferde
züchtete. "Es gab einmal eine Zeit," erklärt er, "als
ich unbedingt für eine Umweltschutzorganisation
arbeiten wollte. Ich bewarb mich bei allen. Aber sie
stellten keine Ingenieure ein. Sie wollten Umweltwissenschaftler und Rechtsanwälte.
Viele Umweltgruppen begingen damit einen fundamentalen Fehler. Sie haben viel Gutes bewirkt,
aber um eine Maßnahme zu stoppen, konzentrierten
sie sich auf juristische Fehler anstatt auf die eigentlichen Umweltprobleme." Umweltschützern erschienen Ingenieure - als ausführende Organe der
Industrie - vielleicht als Teil des Problems, aber, so
Jennings, "ich denke bei Ingenieuren im Umweltbereich an eine sehr positive Kraft für den Umweltschutz".

*

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*

Gäbe es die Umwelttechnik nicht, fügt Jennnings
hinzu, wäre er überhaupt kein Ingenieur geworden.
Er war auf dem Wege Architekt zu werden, als er
1970 - dem Jahr, in dem der erste Tag der Erde
veranstaltet wurde - sich für den Umweltschutz zu
interessieren begann. Er hörte von einem Studiengang Umwelttechnik am Rochester Institute of Technology in Rochester (New York) und wechselte das
Studium. Nachdem er dort den Grad eines Bachelor
erworben hatte, ging er an die University of Massachusetts, wo er jeweils einen Magister- und einen
Doktortitel erwarb, ersteren in Tiefbau und letzteren
in Umwelttechnik.
Anstatt eine steile Karriere als beratender Ingenieur
anzustreben, wählte Jennings die akademische
Laufbahn, wo er sich durch Lehre und Forschung der
Verbesserung von Praxis und Wissenschaft des
Ingenieurwesens widmen konnte.
Eine seiner Hauptinteressen gilt Computermodellen eine Methode der Vorhersage, wie sich komplizierte
Ökosysteme, etwa die Großen Seen, unter verschiedenen Bedingungen im Lauf der Zeit entwickeln
werden.
Darüber hinaus interessiert er sich stark für ökologische Entscheidungsfindung - zum Beispiel die
Argumente im Bereich Abfallentsorgung: Ein Sondermüllstandort könnte undicht sein und die Wasserversorgung bedrohen. Wir wissen, daß wir eine neue
moderne Deponie benötigen, aber trotzdem verzögern wir ihren Bau, weil niemand sie in seiner
Nachbarschaft möchte.
"Die meisten ökologischen Entscheidungen werden
nicht aus technischen Gründen getroffen", erklärt er.
"Ich versuche unseren Umweltingenieuren ein Bewußtsein von der Notwendigkeit zu vermitteln, sich an
der Entscheidungsfindung zu beteiligen, damit sich
die Entscheidungen mehr in Richtung umweltverträglicher Technik orientieren."

* *

AMERIKA DIENST 12

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Regan hebt Getreideembargo gegen Sowjetunion auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Haig: US-Außenpolitik wird sich auf die Sowjetunion konzentrieren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers vor Journalisten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA lehnen Rechtsverletzungen aller Regime ab&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Außenministers zur Menschenrechtspolitik -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA schlagen Verabschiedung des Seerechtsvertrags Anfang 1982 vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aussichten für Kernkraft verbessert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- In USA erstmals mehr Strom aus Kernenergie als aus Öl -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

2 9 . A p r i l 1987

16

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan drängt auf sowjetische Antwort zu Verifizierungsvorschlägen
- Stellungnahme zum Auftakt der neuen Verhandlungsrunde -

WIRTSCHAFT
Reagan erörtert Handel zwischen USA und Japan

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Null-Lösung ist keine "Erbsenzählerei"
- von Paul Nitze -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Konfrontiert mit AIDS-Gefahr
- Ein Virus fordert verantwortliches Denken und Handeln bei jedem
einzelnen heraus * * * * * *

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�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

29. April 1987

16
REAGAN DRÄNGT AUF SOWJETISCHE ANTWORT
ZU VERIFIZIERUNGSVORSCHLÄGEN

Stellungnahme zum Auftakt der neuen Verhandlungsrunde -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat die Sowjetunion am 23. April 1987
dazu aufgerufen, durch eine Antwort auf die amerikanischen Vorschläge zur Verifizierung zu Fortschritten bei den Verhandlungen über die Mittelstreckenwaffen (INF) zu kommen. In einer schriftlichen Stellungnahme zum Auftakt einer
neuen Runde der Genfer INF-Gespräche betonte der Präsident, daß "eine weltweite Null-Lösung" das bevorzugte Ergebnis für die Vereinigten Staaten und seine
Verbündeten bleibt.
Nachstehend geben wir den Text der Verlautbarung des Präsidenten wieder:

Heute beginnt die neue Verhandlungsrunde zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion über INF,
eines der drei Elemente der Genfer
Verhandlungen
über
Kern- und Weltraumwaffen.
Die Vereinigten Staaten
kehren zu diesen Verhandlungen mit
der Entschlossenheit zurück, auf den
Fortschritten aufzubauen, die im Verlauf der Begegnungen von Außenminister Shultz in der vergangenen Woche
in Moskau erreicht worden sind. Obwohl noch eine Anzahl von zentralen
Problemen gelöst werden müssen und
noch vieles zu verhandeln bleibt,

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sind die Aussichten
kommen gestiegen.

auf ein

INF-Ab-

Generalsekretär
Gorbatschow und
ich haben uns über den grundsätzlichen Aufbau eines INF-Abkommens,
also über das Wesen und das Niveau
des Abbaus von INF-Raketen längerer
Reichweite, in Reykjavik
geeinigt,
und dies spiegelt sich in dem Vertragsentwurf wider, den die amerikanischen
Unterhändler
letzte
Woche
vorgelegt
haben.
Dieser
Entwurf
schlägt eine Verringerung auf eine
vorläufige weltweite Obergrenze von

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�je 100
Sprengköpfen
auf
amerikanischen und sowjetischen landgestützten INF-Raketen längerer Reichweite
im nicht europäischem Raum vor, bei
gleichzeitigen
weltweiten
Beschränkungen
von
INF-Raketen
kürzerer
Reichweite auf gleiche Niveaus, sowie
Bestimmungen für eine wirksame Verifikation.
Die Vereinigten
Staaten
und ihre NATO-Verbündeten bevorzugen
jedoch weiterhin bei INF längerer
Reichweite eine Null-Lösung - die
Vernichtung dieser gesamten Kategorie
von Raketen.

Es ist die Entschlossenheit der
Vereinigten Staaten und der Verbündeten
zur Aufrechterhaltung
unserer,
meines Erachtens weiterhin unteilbaren Sicherheit, die uns diese Gelegenheit gegeben hat, ein historisches
Abkommen zu erreichen, durch welches
zum ersten Mal atomare Waffen tatsächlich
verringert
würden.
Botschafter Glitman und die Mitglieder
der amerikanischen Delegation haben
bei diesen Bemühungen gute Arbeit geleistet, und sie genießen auch weiter
meine vollste Unterstützung.

Eines der zentralen Probleme, das
noch gelöst werden muß, ist das der
INF-Raketensysteme kürzerer Reichweite. Wir und unsere Verbündeten streben seit
langem nach angemessenen
weltweiten
Beschränkungen
bei
INF
kürzerer Reichweite innerhalb eines
ersten
INF-Abkommens.
Die Sowjets
haben früher einer Einbeziehung von
Beschränkungen
für
INF
kürzerer
Reichweite in ein erstes INF-Abkommen
zugestimmt, aber
nun scheinen sie
sich mit INF kürzerer Reichweite sowohl im Rahmen eines INF-Abkommens
als auch in separaten Verhandlungen
befassen zu wollen.

Die Verifikation ist ein weiteres
zentrales Problem, das gelöst werden
muß.
Wir können bei diesem grundsätzlichen Thema solange keine Fortschritte erzielen, bis die Sowjets
auf die umfassenden Vorschläge zur
Verifikation detailliert geantwortet
haben, die von den Vereinigten Staaten in Genf schon unterbreitet wurden. Die Verifikation würde erleichtert, wenn die Sowjets eine weltweite
Null-Lösung für INF längerer Reichweite akzeptieren würden.
Dies ist
das bevorzugte Ergebnis der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten,
und wir werden weiter nach der sowjetischen Zustimmung zu diesem Vorschlag streben.

Während der kürzlichen Begegnungen
von
Außenminister
shultz
in
Moskau haben die Sowjets deutlich gemacht, daß ihre Position in den getrennten Verhandlungen über INF kürzerer Reichweite eine Null-Lösung zum
Ziel haben würde, und sie schlugen
eine weltweite Lösung vor.
Die sowjetische Position bleibt jedoch in
ihren wesentlichen Teilen noch auszuarbeiten, und wir hoffen, daß dies
während der kommenden Runde geschehen
wird. Mittlerweile finden schon enge
Konsultationen mit unseren Verbündeten über dieses Problem statt, und
wir stehen ebenfalls mit den Führern
des Kongresses in Verbindung.

Wir
kehren hoffnungsvoll, aber
auch realistisch, zu diesen Gesprächen zurück. wir wissen, daß es eine
Anzahl von Problemen gibt, deren Lösung ein besonders hartes Verhandeln
erfordert. Aber in enger Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten in Europa und Asien sind wir bereit, unseren
Teil zu tun, und wir hoffen, daß die
Sowjets mit einer vergleichbaren Entschlossenheit
an den Verhandlungstisch zurückkehren.

- 2 -

+ +++++

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

29. April 1987

16

REAGAN ERÖRTERT HANDEL ZWISCHEN USA UND JAPAN

WASHINGTON - (AD) - Am 25. April 1987 hielt Präsident Reagan seine wöchentliche Rundfunkansprache aus Camp David, Maryland. Im nachfolgenden geben
wir den Wortlaut der Ansprache wieder.

Meine lieben Mitbürger! Der japanische
Premierminister
Nakasone
wird mir nächste Woche im Weißen Haus
einen Besuch abstatten.
Ich messe
diesem
Besuch
besondere
Bedeutung
bei, da ich erwartungsgemäß das Thema
der Beziehungen mit unserem guten
Freund Japan wiederaufnehmen werde die im Großen und Ganzen ausgezeichnet sind - gleichzeitig jedoch auch
die jüngsten Unstimmigkeiten zwischen
unseren beiden Ländern über die Handelsprobleme ganz oben auf unserer
Tagesordnung stehen werden.

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Wie Sie vielleicht bereits gehört
haben werden, habe ich in der vergangenen Woche einige japanische Produkte mit neuen Zöllen belegt, als Reaktion auf die Nichteinhaltung der Abkommen, die die Japaner mit uns über
elektronische Geräte, die sogenannten
Halbleiter, geschlossen haben.
Solche Zölle, Handelsschranken oder Restriktionen jeglicher Art zu verhängen sind Schritte, die ich ungerne
unternehme.
Und als nächstes werde
ich Ihnen die folgerichtigen wirtschaftliche Gründe dafür benennen daß solche Handelshemmnisse langfri-

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�stig gesehen jeden amerikanischen Arbeitnehmer
und
jeden
Konsumenten
treffen.
Aber bei den japanischen Halbleitern liegt der Fall etwas anders.
Uns lagen klare Beweise vor, daß japanische Unternehmen unfaire Handelspraktiken anwendeten, die eine Verletzung des Abkommens zwischen Japan
und den Vereinigten Staaten darstellten.
Wir erwarten von unseren Handelspartnern die Einhaltung ihrer Abkommen. Wie ich immer wieder betont
habe, ist unsere Verpflichtung
zu
freiem Handel auch eine Verpflichtung
zu fairem Handel.
Sie sollten jedoch wissen, daß
wir mit der Verhängung dieser Zölle
nur versuchten, ein spezielles Problem in den Griff zu bekommen und
nicht, einen Handelskrieg auszulösen.
Ich
werde
also
Premierminister
Nakasone in der nächsten Woche eben
diese Botschaft übermitteln: Daß wir
bei den Handelsproblemen sehr gerne
zur Zusammenarbeit bereit sind und
diese
Handelsbeschränkungen
sobald
wie möglich gerne wieder
aufheben
werden.
Wir wollen dies tun, weil
unseres Erachtens sowohl Japan als
auch die Vereinigten Staaten die Verpflichtung zur Förderung des Wohlstands und der wirtschaftlichen Entwicklung haben, die nur durch den
freien
Handel herbeigeführt werden
können.
Diese Botschaft des freien Handels habe ich vor einigen Wochen führenden kanadischen Regierungsvertretern übermittelt und mir wurde dort
ein warmer Empfang bereitet. In der
Tat wird man sich überall auf der
Welt zunehmend der Tatsache bewußt,
daß der Weg zu Wohlstand für alle Nationen in der Ablehnung protektionistischer Gesetzgebung und in der
Förderung des fairen und freien Han-

dels besteht.
Hierfür gibt es natürlich gute
historische Gründe.
Diejenigen von
uns, die die Große Depression miterlebt haben, sind von den Erinnerungen
an die durch sie verursachten Leiden
tief gebrandmarkt.
Und heute argumentieren zahlreiche Wirtschaftsanalytiker und Historiker dahingehend,
daß die zu jener Zeit verabschiedete
Gesetzgebung der hohen Zölle, der sogenannte Smooth-Hawley-Zoll, die Depression noch gravierend verschärfte
und
die
wirtschaftliche
Gesundung
verhinderte.
Dies beweist Ihnen, daß es zunächst aussieht, als würde man die
patriotische Sache verfolgen, indem
man amerikanische Produkte und Arbeitsplätze schützt, wenn man sagt:
"Wir verhängen Zölle für ausländische
Produkte". Und manchmal kann man sogar kurzfristige Erfolge verzeichnen
- jedoch nur kurzfristige.
Was
schließlich
geschieht, ist
folgendes: Zuerst verlassen sich die
im Inland gewachsenen Industrien zunehmend auf den Schutz der Regierung
in Form von hohen Zöllen. Sie beenden den Konkurrenzkampf und verfolgen
nicht länger einen innovativen Führungsstil und technologischen Wandel,
die für den Erfolg auf Weltmärkten
unerläßlich sind.
Und während all
dies vonstatten geht, geschieht noch
etwas viel schlimmeres, da hohe Zölle
unweigerlich zu Vergeltungsmaßnahmen
des Auslands führen und heftige Handelskriege
auslösen.
Das Ergebnis
sind immer mehr Zölle, immer höhere
Handelsschranken
und
immer weniger
Wettbewerb.
Aufgrund der durch die
Zölle künstlich hochgehaltenen Preise, die einen Ausgleich für mangelnde
Leistungsfähigkeit und schlechtes Management schaffen sollen, hören die
Leute bald auf zu kaufen. Und dann

�kommt es zum Schlimmsten: Die Märkte
schrumpfen und brechen zusammen, Geschäfte und Industrien müssen schließen - und Millionen von Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz.
Die Erinnerung an diese Ereignisse der dreißiger Jahre hat mich, als
ich nach Washington kam, in dem Entschluß bestärkt, dem amerikanischen
Volk die protektionistische Gesetzgebung zu ersparen, die den Wohlstand
zerstört.
Dies war natürlich nicht
immer
leicht.
Ebenso wie in den
dreißiger Jahren gibt es auch heute
diejenigen im Kongreß, die auf den
schnellen
politischen
Vorteil
aus
sind;
die Amerikas Wohlstand zugunsten der kurzfristigen Anziehungskraft, die dies für einige spezielle
Interessengruppen besitzt, aufs Spiel
setzen wollen;
die vergessen, daß
mehr als fünf Millionen amerikanische
Arbeitsplätze direkt mit dem ausländischen Exportgeschäft und zusätzliche
Millionen mit Importen verknüpft sind.

über diese gefährliche Gesetzgebung
auf dem laufenden halten, denn sie
stellt nur eine andere Form des Protektionismus dar und um sie abzuschaffen, könnte ich Ihre Hilfe benötigen. Vergessen Sie nicht: Amerikas Arbeitsplätze und Wachstum stehen
auf dem Spiel.
Bis nächste Woche. Ich danke für
Ihre Aufmerksamkeit und Gott schütze
Sie.

Nun, diese Arbeitsplätze habe ich
nie aus dem Blick verloren. Und insgesamt gesehen, haben wir im Handelsbereich gut abgeschnitten.
In einigen ausgesuchten Fällen, wie bei den
japanischen
Halbleitern, haben wir
Schritte
zur
Beendigung
unfairer
Praktiken gegen amerikanische Produkte unternommen, aber wir haben stets
unsere
grundsätzliche,
langfristige
Verpflichtung zu freiem Handel und
Wirtschaftswachstum aufrechterhalten.
Für mein Treffen mit Premierminister Nakasone und angesichts des
bevorstehenden Wirtschaftsgipfels in
Venedig ist es daher von vordringlicher Bedeutung, Optionen des Präsidenten in diesen Handelsangelegenheiten
mit
ausländischen
Regierungen
nicht einzuschränken.
Bedauerlicherweise versuchen einige Mitglieder des
Kongresses genau das. Ich werde Sie
- 3 -

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'VON

Hintergrundmaterial

4

16

29. April 1987

DIE NULL-LÖSUNG IST KEINE "ERBSENZÄHLEREI'
- Von Paul Nitze -

Der folgende Artikel erschien zuerst am 24. April 1987 in der Washington Post.
Der Autor ist Sonderberater des Präsidenten und des Außenministers für Rüstungskontrollangelegenheiten.

Brent Scowcroft kritisiert mehrere der Argumente, die ich an dieser
Stelle am 30. März vorgebracht habe,
um die Position der Reagan-Administration
zur
Rüstungskontrolle
zu
verteidigen. Ich bleibe jedoch meinen Ansichten treu.
Scowcroft fährt mit seiner Kritik
an der Null-Lösung für Mittelstrekkenraketen fort und fragt, warum wir
uns überhaupt dazu entschlossen haben, Pershing II-Raketen und Marschflugkörper zu stationieren, wenn andere in Europa stationierte nukleare

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Embassy of the United States of America

Systeme ausreichen, um
nische Verteidigung an
koppeln.

die
die

amerikaNATO zu

Die Antwort ist zweifach und wurde im Doppelbeschluß der NATO von
1979 deutlich niedergelegt.
Erstens
entschied das Bündnis, daß es kriegsschauplatzgebundene Raketen mit der
Fähigkeit,
Ziele
auf
sowjetischem
Territorium
zu bedrohen, brauchte,
weil die Sowjets Raketen unterhalb
der
interkontinentalen
Reichweite,
also die SS-20, stationierten, wodurch die NATO-Länder von Sowjet-

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Tel.:0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ischem Territorium aus bedroht wurden.
Zweitens beschloß das Bündnis,
daß die Abschaffung der SS-20 und anderer sowjetischer Raketen dieser Kategorie die Notwendigkeit
für die
Stationierungen seitens der NATO aufheben würde. Mit anderen Worten: die
amerikanischen
INF-Systeme
dienten
dazu, die Verbündeten nochmals der
fortbestehenden Wirksamkeit der Abschreckungsstrategie der NATO angesichts der SS 20-Raketen zu versichern.
Wie die Verbündeten selbst
deutlich machten, wäre eine solche
Versicherung in Anbetracht der anderen Beiträge der Vereinigten Staaten
zur Verteidigung der NATO unnötig,
wenn die SS 20-Raketen beseitigt würden, wie dies die Null-Lösung vorsieht.

ten heißt, ist der dritte. Daß die
NATO über 4 000 nukleare Gefechtsköpfe in Europa behalten würde, um ihre
Doktrin der
flexiblen Reaktion zu
stützen und die Ankopplung zu sichern, ist ein vierter.
(Ich möchte
anmerken, daß die Administration frühere sowjetische Vorschläge für asymmetrische Reduzierungen bei den INFRaketen zurückgewiesen hat, weil das
Ergebnis ungleich gewesen wäre und
nicht in unserem Interesse lag.)
überdies würden asymmetrische Reduzierungen bei INF einen guten Präzedenzfall für die asymmetrischen Reduzierungen bedeuten, die wir für akzeptable Abkommen über konventionelle
Streitkräfte und chemische Waffen benötigen würden.

Scowcroft
betrachtet
außerdem
mein Lob für die Null-Lösung als einer guten asymmetrischen Reduzierung
mit Geringschätzung
und behauptet,
dies sei Ausdruck eines unwürdigen,
unkonzeptionellen
"erbsenzählerischen"
Ansatzes
zur
Rüstungskontrolle.

Im strategischen Bereich kritisiert Scowcroft die Administration
wegen des in Reykjavik unterbreiteten
Angebots eines zehnjährigen Zeitraums
des Nichtrückzugs vom ABM-Vertrag,
was seiner Meinung nach SDI gefährden
würde, im Austausch für Reduzierungen
der offensiven Systeme, die seiner
Meinung
nach
lediglich
symmetrisch
erfolgen würden.

Würde man sein Urteil über ein
Rüstungskontrollabkommen
einzig
und
allein auf die Anzahl der abgebauten
Waffen gründen, so wäre dies in der
Tat
gedankenlose
"Erbsenzählerei".
Andererseits sind die in Frage stehenden Zahlen ein Faktor, der zusammen mit anderen militärischen und politischen Gesichtspunkten zu berücksichtigen ist, die unsere und die Sicherheit unserer Verbündeten tangieren. Im Fall der INF-Systeme längerer Reichweite, bei denen ein Ungleichgewicht von fünf zu eins besteht, sind asymmetrische Reduzierungen zu unseren Gunsten bedeutsam.
Daß das Ergebnis einen Gleichstand
bei dieser Waffenkategorie bedeutet,
ist ein weiterer bedeutsamer Faktor.
Daß es Null in Europa für beide Sei-

Keine dieser Behauptungen
hält
einer
Überprüfung
stand.
Die
in
Reykjavik
vorgelegte
amerikanische
Offerte zu SDI war von der Beseitigung offensiver ballistischer Raketen
abhängig und hätte die Weiterführung
eines
umfassenden
Forschungs- und
Entwicklungsprogramms mit einem klaren Ziel zugelassen - Stationierung
nach 1996, falls die Verteidigungssysteme die von uns gesetzten Kriterien
erfüllen.
Die
Unterstützung
des
Kongresses für SDI wird durch die von
uns gemachten Angebote nicht gefährdet; sie wäre durch die unnachgiebige
Weigerung
der Vereinigten
Staaten,
die Angelegenheit zu diskutieren, gefährdet.

- 2 -

�Im offensiven Bereich würden die
von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Untergrenzen im Zuge des
von beiden Seiten vorgenommenen 50prozentigen
Abbaus
zwangsläufig
zu
asymmetrischen Reduzierungen führen,
und zwar bei den Waffen, die wir für
die destabilisierendsten halten - für
Gefechtsköpfe ballistischer Raketen,
insbesondere
auf denjenigen ICBMs,
bei denen die Sowjets gegenwärtig im
Vorteil sind.
Dabei haben die Sowjets doch gerade zugestimmt, ihre
Gefechtsköpfe auf schweren ICBMs, den
bedrohlichsten von allen, um 50 Prozent zu reduzieren, wobei sie heute
davon 3 000 besitzen und wir Null.
Scowcroft erklärt, daß weniger Atomwaffen nicht ipso facto die strategische Stabilität erhöhen.
Dies ist
wahr, aber
für
unseren
Vorschlag
nicht zweckdienlich.
Schließlich
zieht Scowcroft es
vor, Henry Kissingers Forderung nach
einer
sofortigen
Stationierungsentscheidung für SDI zu ignorieren - die
ich als bis zu dem Zeitpunkt verfrüht
kritisiert habe, an dem wir entscheiden, ob Verteidigungssysteme überlebensfähig und kosteneffektiv und damit stabilisierend wären - und verteidigt Kissinger mit dem allgemein
gehaltenen Argument, daß wir SDI von
der amerikanisch-sowjetischen Tagesordnung absetzen sollten.
Mehr
als
die
meisten
anderen
sollte Scowcroft erkennen, daß dieser
Vorschlag
unrealistisch
ist.
Eine
Weigerung, SDI mit den Sowjets zu
diskutieren,
würde
sicherlich
der
Möglichkeit stabilisierender Reduzierungen der strategischen Offensivwaffen ein Ende bereiten und das SDIProgramm selbst im Kongreß ernsthaft
gefährden.

* * * * * *
- 3 -

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

29. April 1987

16

KONFRONTIERT MIT AIDS-GEFAHR
Ein Virus fordert verantwortliches Denken und Handeln bei jedem
einzelnen heraus -

WASHINGTON - (AD) - Der Direktor des "Nationalen Instituts für Allergie
und Infektionskrankheiten" der Medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH)
der Vereinigten Staaten, Dr. Anthony Fauci, erörterte in einer Fernsehsatellitendiskussion mit Wissenschaftlern in Europa die Problematik der Immunschwächekrankheit AIDS. Die Gespräche zwischen Dr. Fauci in einem Studio in
Washington und den Teilnehmern in Lissabon, Rom, Mailand, Bonn, Den Haag und
Istanbul zum gegenwärtigen Stand von Forschung, Vorbeugung und Therapie wurden
über das WORLDNET-System des US-Informationsamtes (USIA) ermöglicht.

Mit
beispiellosen
Anstrengungen
versuchen Mediziner aus Forschung und
Praxis, Epidemiologen, Mikrobiologen,
Pharmazeuten
sowie Mitarbeiter
von
Gesundheitsbehörden, national wie international, auf vielen Ebenen gegen
diese Krankheit anzugehen. Was Studien und wissenschaftliche Informationen anbelangt, hat die Zusammenarbeit selten so rasch und engagiert
eingesetzt wie angesichts der Aufgaben, die sich durch AIDS als Krankheit und gesellschaftliches Problem
stellen. Ein Erfolg in medizinischer
Sicht bei der Bekämpfung dieser erst

United States Information Service
Embassy of the United States of America

seit wenig mehr als fünf Jahren bekannten Infektionskrankheit ist noch
kaum
erkennbar,
ihre
Ausbreitung
alarmierend.
Ein
Hoffnungsschimmer
für die Betroffenen: Das erste Medikament gegen AIDS, AZT (Handelsname
"Retrovir"), wurde in den USA im März
1987 freigegeben.
Mit diesem Präparat lassen sich
Symptome
bestimmter
Begleit- bzw.
Folgeerkankungen
von AIDS abschwächen. AIDS ist eine Virusinfektion,
die natürliche Abwehrmechanismen des
menschlichen
Körpers
lahmlegt
und

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�deshalb andere Krankheitserreger sowie bestimmte Arten von Krebs begünstigen. Eine Behandlung mit AZT kann
die Grunderkrankung AIDS nicht heilen, aber das Fortschreiten des körperlichen und geistigen Verfalls verlangsamen.
Wenn
mehr
Erfahrungen
über den günstigsten Modus für die
Dosierung undn mögliche zusätzliche
Medikationen
vorliegen,
hofft man
auch die unerwünschten Nebenwirkungen
besser in den Griff zu bekommen.
Der Erreger der erworbenen Immunschwächekrankheit AIDS ist ein überaus komplexes Virus aus der Gruppe
der Retroviren. Seit Jahrzehnten war
bekannt, daß Retroviren Tierkrankheiten auslösen.
Ende der siebziger
Jahre wurde ein Retrovirus, HTLV-I,
als Erreger einer seltenen Form von
Leukämie beim Menschen ermittelt. Im
Jahr 1982 wurde bei Dr. Robert Gallo
(NIH) ein weiteres HTLV-I ähnliches
Retrovirus gefunden, das mit der sogenannten Haarzell-Leukämie in Zusammenhang steht.
Es erhielt die Bezeichnung HTLV-II.
Ein Jahr später
schließlich entdeckte eine Forschergruppe vom Pasteur-lnstitut in Paris
unter Leitung von Luc Montagnier den
AIDS-Erreger, der damals den Namen
LAV
("Lymphadenopathie-assoziiertes
Virus") erhielt. Dr. Gallo und Mitarbeiter fanden wenig später, Anfang
1984, ebenfalls ein AIDS-erzeugendes
Retrovirus.
Sie nannten es HTLV-III
("Human T-Lymphotrophic Virus", Typ
III).
Als sich die Gleichartigkeit
von LAV und HTLV-III herausstellte,
einigte man sich auf die Umbenennung
beider
in HIV ("Human Immunodeficiency Virus").
Zwei Jahre später,
1986, wurde noch ein AIDS-verursachendes Retrovirus gefunden, bei dem
die Inkubationszeit bis zum Ausbruch
der Krankheit aber offenbar länger
ist.
Beide AIDS-Viren werden jetzt
mit
den
Bezeichnungen
HIV-I
und
HIV-II unterschieden.
Zu der letzt-

genannten Retrovirusgruppe zählt auch
das 1986 entdeckte HTLV-IV. Ob dieses ebenfalls AIDS auslösen kann,
weiß man noch nicht sicher zu sagen.

Ubertragungswege
Die Erkenntnisse über die Übertragungswege
für AIDS-Viren
durch
sexuelle Kontakte und Blut wurden in
letzter
Zeit
erheblich
erweitert.
Die frühere Meinung, daß insbesondere
Homosexuelle,
Rauschgiftsüchtige
(durch
das
Benutzen
infizierter
Spritzen) und Bluter (auch gelegentliche Empfänger von Bluttransfusionen) durch Blut und Blutprodukte von
infizierten Spendern gefährdet seien
bzw. bis zur Entwicklung von Verfahren zur Keimfreimachung von Spenderblut gefährdet waren, mußte revidiert
werden.
Heute steht fest, daß auch
bisexuelle und heterosexuelle Personen (durch Sperma und Vaginalflüssigkeit) die Infektion weitergeben. Babies erkranken an AIDS, wenn sie vor
und während der Geburt über das Blut
der
infizierten
Mutter
angesteckt
wurden.
In den Vereinigten Staaten
kennt man Dr. Fauci zufolge Hunderte
solcher
Fälle; in manchen afrikanischen Ländern dürften sogar bis zu
20 Prozent der Neugeborenen infiziert
sein.
Vor allem bei Rauschgiftsüchtigen
ist immer deutlicher eine "Rückübertragung" von Frauen auf Männern zu
erkennen. Dies war Dr. Fauci zufolge
auch bei Infizierten durch Blutkonserven und bei den weiblichen Sexualpartnern von Blutern zu beobachten.
Die umfangreichsten
"harten Daten"
zur
heterosexuellen
Ubertragbarkeit
von AIDS dürften aus Zentralafrika
kommen, wo es zweifellos eine primäre, sekundäre und tertiäre Ausweitung
gebe - von Männern auf Frauen, von
Frauen auf Männer, durch Anal- eben-

- 2 -

�so wie durch vaginalverkehr.
Die Anfang der achtziger Jahre
als risikofrei angesehenen Bevölkerungsgruppen werden, so Dr. Fauci,
immer kleiner, und es sei anzunehmen,
daß sich jetzt schon in jeder Bevölkerungsgruppe
infizierte
Personen
fänden.
Infektionen
bei
Heterosexuellen nähmen besonders rasch zu.
(Dr. C. Everett Koop, "Surgeon General" der USA, befürchtet, daß die
Seuche unter heterosexuellen Personen
eine
ähnliche
Ausbreitungsgeschwindigkeit erreicht wie dies Anfang der
achtziger Jahre unter Homosexuellen
der
Fall
war.)
Laut
Dr.
Fauci
schätzt man in den USA die Zahl der
Infizierten auf ein bis zwei Millionen, von denen in fünf Jahren 29 bis
30 Prozent das Bild der Vollerkrankung zeigen dürften. Das bedeute um
1991 etwa 270 000 AIDS-Kranke in den
Vereinigten Staaten.
Millionen - wahrscheinlich Millionen in zweistelliger Zahl - seien
in
Zentralafrika
infiziert.
Dort
dürfte der Prozentsatz der "Konversion",
d.h.
des
Übergangs
einer
asymptomatischen
Infektion
in
die
Vollerkrankung,
sehr
wahrscheinlich
genau so sein wie in den Vereinigten
Staaten. Deshalb sei mit einer enormen Zunahme von AIDS-Fällen in den
nächsten fünf Jahren zu rechnen. Ob
sich HIV-II bzw. LAV-II, die gegenwärtig in Westafrika
(Guinea-Bissau
und Kap Verde) vorherrschende Infektion, auch auf andere Teile Afrikas
oder auf die übrige Welt ausweiten
werde, könne man heute noch nicht sagen. Aber es gebe keinen Grund für
die Annahme, daß dies nicht geschieht.
Denn auch HIV-II wird auf
sexuellem Wege und durch infiziertes
Blut übertragen.
"Es hat ganz den
Anschein, daß wir künftig mehr von
diesen anderen Retroviren sehen werden", meinte Dr. Fauci.

Einige
Wissenschaftler
fragten
bei der WORLDNET-Ubertragung nach der
Bedeutung von Hautkontakten und dem
Austausch von Speichel beim Küssen
für eine Übertragung von HIV.
Dr.
Fauci
schließt eine Infektionsmöglichkeit durch Speichel nicht ganz
aus, obgleich bisher ungefähr nur bei
jedem 40. HlV-Infizierten Viren im
Speichel
festgestellt wurden.
Aus
diesem Grund empfehle man im Zusammenhang mit "safe sex", den Austausch
von Speichel zu vermeiden.
Was die
Langhans-zellen
und
Kerationozyten
(bestimmte Zellgruppen in Hautgewebe)
angeht, habe man, so Dr. Fauci, zwar
klare Beweise für die Möglichkeit einer
Infektion der Langhans-Zellen,
nicht aber der Keratinozyten mit HIV.
Es lägen keine überzeugenden Anzeichen dafür vor, daß HIV-Viren durch
Hautkontakt
übertragen
würden.
Hauptquellen
der
Ansteckung
seien
nach wie vor Sexualkontakt, Blut oder
Blutprodukte oder die Virusübertragung von der Mutter auf das Kind.

Lebensweise und Eigenverantwortung
Das Thema "Sexualverhalten" habe
deshalb eine ganz außerordentliche
Bedeutung.
Aufklärung und Information der Bevölkerung stünden, solange
es weder Impfstoffe noch Heilungsmöglichkeiten gebe, absolut im Vordergrund, sagte Dr. Fauci. Dabei müßten
die Aktionen auf jede einzelne Bevölkerungsgruppe
zugeschnitten
werden,
wenn das, was sie vermitteln sollen,
auch wirklich verstanden werden und
überzeugen
soll.
Jedem
einzelnen
müsse klar gemacht werden, wie wichtig sein persönliches Verhalten für
den eigenen Schutz und den des Partners, darüber hinaus für den Schutz
der nachfolgenden Generation tatsächlich ist.

- 3 -

�Aufklärungsaktionen
sei
es
zu
verdanken, daß man in den USA in
letzter Zeit unter Homosexuellen einen Rückgang neuer AIDS-Erkrankungen
und neuer Fälle von Rektalgonorrhoe
um mindestens 90 Prozent verzeichnen
könne.
Auf diese Risikogruppe konzentrierten sich in erster Linie die
Appelle, Kondome zu benutzen und den
Partnerwechsel
einzuschränken.
Mit
wesentlich mehr Problemen habe man
aber bei Drogensüchtigen zu kämpfen,
von denen viele - männlich wie weiblich - sich zur Beschaffung von Drogen prostituieren.
Der Masse der Bevölkerung müsse,
so Dr. Fauci, klar gemacht werden,
welcher Art die Risiken sind und welches Ausmaß diese haben.
Obgleich
Verhaltensweisen sehr schwer zu beeinflussen seien, hoffe man doch, die
richtigen Ansätze dafür zu finden.
Denn gegenwärtig seien dies der einzige Weg und die einzige "Waffe", um
der Weiterverbreitung der AIDS-Infektion entgegenzuwirken.
Deshalb halte, er, Dr. Fauci, neben Aufklärungsaktionen öffentlicher Stellen von der
kommunalen bis zur Bundesebene z.B.
auch
umfangreiche
Pressekampagnen,
Informationen über Funk und Fernsehen
für eine gute Sache, sofern sie qualifiziert sind. Sie können viel dazu
beitragen, Klarheit darüber zu schaffen, wo die Risiken liegen und wo sie
nicht
liegen.
Ebenso
können
und
sollten sie unnötige und irrationale
Ängste abbauen. Verantwortungsbewußter Journalismus sei hier ganz besonders gefordert.

Kinder als Opfer von AIDS
Bei Babies äußert sich eine AIDSErkrankung anders als bei Erwachsenen
und wird deshalb häufig erst spät erkannt. Während bei Erwachsenen eine
Lungenentzündung vom Typ Pneumocystis
- 4

carinii und das Kaposi-Sarkom Hinweise auf eine AIDS-Infektion geben, beobachtet man bei Kindern
zunächst
wiederholte, bakterielle, virale und
bestimmte
Pilzinfektionen, Enzephalitis, Lymphozytose in Verbindung mit
interstitieller Pneumonie.
Ähnliche
Erkrankungen gibt es aber auch bei
nicht mit HIV infizierten Kindern.
Deshalb ist bei geringstem Verdacht
in dieser Altersgruppe ein Test auf
HIV-Antikörper ungemein wichtig.
An
AIDS erkrankte Kinder bleiben in ihrer körperlichen Entwicklung in der
Regel stark zurück.
Es kommt zu
Krampfanfällen, Erblindung, abnormen
Bewegungen, Gehirnatrophie und Gefäßsklerosen im Gehirn. Für die geistige Entwicklung gibt es kaum eine
Chance - die fortschreitende Demenz
zeigt
einen
besonders
auffälligen
klinischen Verlauf.
Dennoch heißt auch bei Säuglingen
und Kleinkindern, ähnlich wie bei Erwachsenen, eine Infektion mit AIDSViren nach dem gegenwärtigen Wissensstand nicht, daß die Krankheit in
Vorstadien
oder als Vollerkrankung
tatsächlich zum Ausbruch kommen müsse, obgleich eine Infektion mit Retroviren niemals rückgängig zu machen
ist. Vielmehr scheinen bei einem gewissen
Prozentsatz der
Infizierten
immunologische Prozesse einzusetzen,
die es nicht zu den katastrophalen
Auswirkungen kommen lassen.
Der Situation infizierter Kinder
galten denn auch immer wieder Fragen
an Dr. Fauci, insbesondere im Hinblick auf einen Impfstoff gegen AIDS
und auf die Probleme AIDS-kranker
Kinder
in
wissenschaftlicher
und
ethischer Sicht.
Mit dem letztgenannten Fragenkomplex, zu dem auch
die gesellschaftlichen Probleme gehören, befasse man sich, so Dr. Fauci,
gegenwärtig sehr intensiv. Was Vakzine angehe, so bemühten sich in den

�USA derzeit mehrere Gruppen bei der
FDA (US-Bundesbehörde für Lebens- und
Arzneimittelkontrolle) um die Genehmigung
zu einer Erprobung
("Erste
Phase") verschiedener Impfstoffe am
Menschen.

Impfstoff und Medikamente
Dabei handle es sich in erster
Linie
um rekombinante
DNS-Proteine
des AIDS-Virus.
Tests an kleinen
Versuchstieren sowie an Affen, etwa
an Schimpansen, seien schon vorgenommen
worden
und
würden
weiterhin
durchgeführt.
Dabei achte man sehr
viel mehr auf Sicherheit als auf
Wirksamkeit, weil es keine strikte
Analogie zwischen dem Tiermodell und
dem menschlichen Organismus gebe. In
der Testfolge sei ratsam, die Vakzinmodelle mit rekombinanter DNS, dann
die rekombinanten Hüllenproteine oder
den wirksamen Vakzinanteil einzusetzen. An einen Totimpfstoff wage man
sich deshalb nicht heran, weil die
Gefahr bestehe, daß Nukleinsäuren des
Virus schädliche Gene in die Wirtszelle einbringen.
Die erste Phase der Erprobung am
Menschen dürfte Ende 1987 oder Anfang
1988 beginnen. Aber selbst wenn die
Entwicklung mit Erfolg weitergeführt
werden könne, sei im Hinblick auf die
Natur des Virus und der AIDS-Erkrankung kaum vor Mitte der neunziger
Jahre mit einem für die allgemeine
Bevölkerung einsatzfähigen Impfstoff
zu rechnen.
Im Hinblick auf Kinder
seien die Probleme besonders groß,
weil insbesondere Impfverfahren erst
einmal an Erwachsenen eingehend getestet werden müßten, ehe man daran
denken könne, sie bei Kindern anzuwenden.
Bei Medikamenten
anderes.
Dr. Fauci

sei dies etwas
berichtete, daß

z.B. in die laufenden Studien mit
"Retrovir"
(AZT
Azidothymidin)
jetzt auch Kinder einbezogen wurden.
Dieses Präparat könne den klinischen
Status von Patienten mit einer Enzephalopathie (nichtentzündliche Hirnschäden, z.B. mit Bewußtseinsstörungen, Psychosen, unter Umständen Koma)
verbessern. AZT kann die Blut-HirnSchranke passieren und die Vermehrung
von AIDS-Viren in den Gehirnzellen
blockieren.
Das Passieren der BlutHirn-Schranke sei ein ganz wichtiger
Gesichtspunkt auch bei allen anderen
Medikamenten
(z.B. DDC, Peptid T,
AL7-21) , die sich aber zumeist noch
im Frühstadium der Entwicklung befinden .
Die Wirksamkeit von AZT sei bei
erwachsenen AIDS-Patienten mit "Pneumocystis
carinii"-Lungenentzündung
(PCP) beobachtet worden. Jetzt liefen Studien an Patienten mit KaposiSarkom,
weitere
Testprogramme
bei
Kindern und bei neuro-psychiatrischen
Krankheitsbildern.
Untersuchungen
über den Einsatz von AZT bei fortschreitender allgemeinen Lymphadenopathie und bei asymptomatischen Virusträgern beginnen in Kürze.
DDC ist eine dem AZT analoge Verbindung. Nach Dr .Fauci habe man gewisse begründete Hoffnungen, daß DDC
niedriger
dosiert als AZT gegeben
werden könne und vielleicht weniger
toxisch sei. Mit AL7-21 habe man gerade eine erste Studie in vitro (d.h.
an Zellkulturen) in Angriff genommen.
Es scheint das Einnisten der Viren zu
blockieren.
Ob dies auch in vivo
(d.h. im lebenden Organismus) der
Fall sein werde, bleibe abzuwarten.
Peptid T schließlich erfordere weitere Studien, um eine frühere Beobachtung, daß es die Bindung des Virus an
die Zelle zu blockieren vermag, bestätigen zu können.
Erst wenn dies
nachgewiesen sei, denke man an eine

- 5 -

�Erprobung am Menschen.
Wegen der noch sehr beschränkten
Verfügbarkeit von Retrovir (AZT) werde in den Vereinigten Staaten das
Präparat im Verkauf derzeit nur für
Patienten mit symptomgesicherter HIVInfektion (AIDS) oder bei ARC (Symptomenkomplex in Verbindung mit HIVInfektion) und PCP oder bei einer
sehr niedrigen Zahl von T-4-Lymphozyten im Blut (200 pro cbmm und weniger) abgegeben.
Der niedrige T-4Lymphzytenspiegel mache deutlich, daß
das körpereigene Abwehrsystem zur Bekämpfung von Krankheitserregern nicht
mehr fähig sei.
Man hoffe von den
Ergebnissen der Studien weitere Kriterien zu erhalten, um AZT für mehr
Patientengruppen freigeben zu können
und die Anwendung flexibler zu gestalten - sofern nicht aus einer unzureichenden Verfügbarkeit des Medikaments Engpässe erwachsen.
Dr. Fauci hatte bereits in einer
vorangegangenen
WORLDNET-Diskussion
darauf aufmerksam gemacht, daß in den
Vereinigten Staaten immer mehr Arten
von Krebs in Verbindung mit einer
AIDS-Infektion
beobachtet
würden.
Sie beschränkten sich nicht mehr auf
das
Kaposi-Sarkom
und
B-ZellenLymphome. Vielmehr eobachte man z.B.
eine besorgniserregende Zunahme von
gewissen
soliden
Tumoren,
Bauchspeicheldrüsenkrebs,
von
T-ZellenLeukämie und Lymphdrüsengeschwülsten
bei einer Doppelinfektion mit HTLV-I
und
HIV.
Vermutlich
bekomme
man
künftig noch andere Neoplasmen zu sehen, deren Entstehung mit der Unterdrückung der immunologischen Abwehrreaktionen
durch die HIV-Infektion
zusammenhängt.
Auf die Frage, ob er in speziellen Impfprogrammen gegen die sogenannten opportunistischen Infektionen
bei AIDS-Patienten einen Sinn oder
- 6

eine Chance sehe, meinte Dr. Fauci,
daß man sich in der Praxis davon kaum
etwas versprechen
könne.
Denn es
handle sich bei den meisten Infektionen um nichts anderes als um Re-Infektionen.
Ein gutes Beispiel sei
das Cytomegalovirus, mit dem aller
Wahrscheinlichkeit nach ein AIDS-Patient nicht primär infiziert werde.
Viel eher dürfte eine alte Infektion
neu aufflammen. Dasselbe gelte z.B.
für Infektionen mit dem Epstein-BarrVirus und für Toxoplasmose. Auch gegen die anderen opportunistischen Infektionen (Parasiten bei PCP, M y k o bakterien) dürfte in der Praxis bei
AIDS-Kranken kein Impfschutz möglich
sein.
Zur
Inkubationszeit
für
AIDS,
d.h. der Zeit von der Infektion bis
zum Auftreten
von
einem
zunächst
vielleicht untypischen Krankheitsbild
und schließlich der Vollerkrankung,
könne man nur bedingt Aussagen machen, meinte Dr. Fauci, weil der Beobachtungszeitraum
einfach noch zu
kurz sei. Bisher sei z.B. bekannt,
daß eine HIV-Infektion sieben Jahre
und länger zurückliegen könne, ehe es
zu einer Vollerkrankung komme.
Und
von dieser wisse man ohnehin erst
seit Ende der siebziger Jahre. Für
exaktere und definitive Angaben seien
weitere Jahre der Beobachtung erforderlich. Allem Anschein nach gebe es
Faktoren, durch die aus einer latenten, gewissermaßen schlummernden Infektion plötzlich ein aktiver Prozeß
werde, wobei sich die Viren geradezu
explosionsartig vermehrten.

Pflege
Viele beschäftigte die Frage der
Pflege AIDS-kranker Menschen. In den
USA werde Dr. Fauci zufolge großer
Werte darauf gelegt, Pflegepersonal
und Angehörige medizinischer Berufe

�fortlaufend
über
die neuesten Erkenntnisse
zur Über tragbar keit und
anderen Aspekten einer HIV-Infektion
zu
unterrichten.
Krankenschwestern
seien angewiesen, die gleichen strikten Vorsichtsmaßnahmen wie bei Patienten mit Hepatitis-B anzuwenden d.h.
bei
Kontakt
mit
Blut
oder
Schleimhaut des Kranken Handschuhe zu
tragen.
"Astronautenkleidung"
sei
jedoch nicht erforderlich.
in Umsicht, Vorsicht und gesundem Menschenverstand sehe man die beste Garantie, um zu vermeiden, beispielsweise über eine eigene Hautverletzung
Keime aus dem Blut von HIV-Kranken,
etwa aus einer Spritze, aufzunehmen.
Dennoch käme zur Verhütung solcher
Infektionen, auch durch Sexualkontakt
mit einem infizierten, einem noch in
der Entwicklung befindlichen Verfahren zur Anwendung von menschlichem
Immunoglobulin (zur verstärkten Neutralisierung bestimmter, mit der Infektion
in
Zusammenhang
stehender
Prozesse) sehr große Bedeutung zu.

gen
ausgelöst
werden.
Die
Grüne
Meerkatze erkrankt selbst nicht. Das
könnte bedeuten, daß diese Spezies
über viele, vielleicht unzählige Generationen Anpassungsmechanismen entwickelt hat, so daß ihr die immunopathologischen Auswirkungen des Virus
nichts mehr anhaben. Andere Tierarten, z.B. Rhesusaffen, seien jedoch
nicht angepaßt, so daß für sie die
Infektion den Tod bedeute.

Nicht minder wichtig sei die Weiterentwicklung
der
Testverfahren.
Dr. Fauci verwies auf ein neues Verfahren, das zuerst an Serien afrikanischer
Patienten
getestet
worden
sei.
Es sei sehr billig, leicht
durchzuführen und bringe schon nach
wenigen Minuten das Resultat. Dagegen seien die üblichen Tests - ELISA
und "Western Blot" - sehr zeitaufwendig und relativ kostspielig.

Die Tatsache, daß sich AIDS in
manchen Ländern, wie etwa den USA und
neuerdings in Europa so rasch ausbreitete, in arabischen Ländern dagegen nicht, hänge wohl nicht zuletzt
mit den Sozialstrukturen, dem kulturellen Erbe und der Lebensweise zusammen, meinte Dr. Fauci. Die immer
wieder geäußerte Frage, ob vielleicht
bestimmte
Insekten
(z.B. Moskitos,
Mücken) als Überträger zu vermuten
seien, konnte
Dr. Fauci
aufgrund
zahlreicher
Studien
eindeutig
mit
"Nein" beantworten.

Quelle der HIV-Erreger

Wann Menschen erstmals von HIV
infiziert wurden, wisse man nicht.
Das klinische Syndrom kenne man seit
etwa zehn bis 15 Jahren. Jedoch existiere ein Blutserum aus Zaire aus
dem Jahr 1959, das sich beim ELISAund Western Blot-Test eindeutig als
HIV-positiv
erwies.
Möglicherweise
existierten, so Dr. Fauci, schon lange
Zeit unerkannt
Infektionsherde,
vielleicht in Zentralafrika. Ob auch
in anderen Teilen der Erde, entziehe
sich noch der Kenntnis der Wissenschaftler .

Die Wissenschaftler
sind
jetzt
überzeugt, daß AIDS aus Afrika kommt.
Als Quelle komme wahrscheinlich eine
Affenart, die Grüne Meerkatze, in
Frage.
Tierversuche hätten gezeigt,
berichtete Dr. Fauci, daß durch Viren
des Typs STLV-III von Grünen Meerkatzen bei Rhesus-Affen AIDS-Erkrankun- 7 -

�Glossar:
AIDS

"acquired immune deficiency Syndrome",
erworbene Immunschwäche

ARC

"AIDS related complex",
AIDS-assoziierter Symptomkomplex mit bestimmten
chronischen Krankheitsbildern

AZT

Azidothymidin ("Retrovir"),
Medikament in der AIDS-Therapie

Cytomegalovirus

Virus aus der Gruppe der Herpesviren, das bei
einer Infektion in der Schwangerschaft schwere
Mißbildungen verursacht, bei gesunden Erwachsenen nur ganz selten zu einer Erkrankung
führt. In AIDS-Patienten dagegen kann die Infektion Lungenentzündung, Entzündung der Netzhaut, der Leber, der Nieren und des Darmes
hervorrufen.

DNS

Desoxyribonukleinsäure,
Träger des Erbgutes zur Weitergabe von Erbmerkmalen.

ELISA

"enzyme-linked immunosorbent assay" ,
Test zum Nachweis von AIDS-Antikörpern im Blut

Epstein-Barr-Virus

vermutlich die Ursache für den "Burkitt-Tumor"
der Lymphknoten. Im tropischen Afrika, in
Lateinamerika und Neuguinea tritt die Erkrankung epidemieartig bei Kindern und Jugendlichen auf.

HIV

"human immunodeficiency virus",
Erreger der Immunschwächekrankheit beim
Menschen

HTLV

"human T-cell lymphotrophic virus",
befällt T-Lumphozyten, die für immunologische
Reaktionen eine Schlüsselfunktion haben.
Vier Typen von HTLV-Viren sind bisher bekannt.

Kaposi-Sarkom

Tumor der Blut- und Lymphgefäßwandung.

LAV

"lymphadenopathy-associated virus" ,
so bezeichnet von französischen Forschern in
ersten Berichten über den Erreger der AIDSKrankheit.

- 8-

�PCP

"Pneumocystis carinii pneumonia",
bei AIDS-Kranken besonders häufige, gefährliche
Infektion. Sie gilt als eine der opportunistischen Infektionen, die infolge des Fehlens
körpereigener Immunreaktionen auftreten, und
wird durch Parasiten des Typs Pneumocystis
carinii verursacht.

Western Blot-Verfahren

Nachweistest für eine Infektion mit AIDSErregern, der die Identifizierung von Antikörpern gegen spezifische Eiweißmoleküle ermöglicht. Er gilt als genauer für die Erfassung von Antikörpern gegen HIV in Blutproben
als ELISA, ist allerdings sehr zeit- und
kostenaufwendig.

* * * * * *

- 9-

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                <text>Amerikadienst 29.04.1987</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan drängt auf sowjetische Antwort zu Verifizierungsvorschlägen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Stellungnahme zum Auftakt der neuen Verhandlungsrunde -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan erörtert Handel zwischen USA und Japan&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Null-Lösung ist keine "Erbsenzählerei"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Paul Nitze -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Konfrontiert mit AIDS-Gefahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Virus fordert verantwortliches Denken und Handeln bei jedem einzelnen heraus -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

Sonderdienst

*

29. April 1988

DIE HERAUSFORDERUNGEN DER WELT NACH DEM INF-VERTRAG
Rede von
Botschafter Richard R. Burt
beim Annual Membership Meeting der American Chamber of Commerce
in Hamburg

..

Sperrfrist;

Freitag, 29. April 1988, 12:30 MESZ

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�HAMBURG - (AD) - In einer Rede beim Annual Membership Meeting der American
Chamber of Commerce hat der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik,
Richard R. Burt, am 29. April 1988 in Hamburg die Vereinigten Staaten und
Westeuropa zu verstärkter Zusammenarbeit und Arbeitsteilung aufgefordert.
Dies betreffe insbesondere die Bereiche der Wirtschaft, Verteidigung und Rüstungskontrolle. In der Verteidigung sollten "die Vereinigten Staaten ihre
Präsenz und ihr Engagement in Europa aufrechterhalten, während die Europäer
mehr tun sollten, um zu ihrer eigenen Verteidigung in Europa und darüber hinaus einen Beitrag zu leisten". In der Rüstungskontrolle "müssen Europa und
die Vereinigten Staaten enger als jemals zuvor zusammenarbeiten, um Maßnahmen
auszuarbeiten, die eine Stärkung der Abschreckung und flexiblen Reaktion zur
Folge haben".
Die Rede des amerikanischen Botschafters hat folgenden Wortlaut:

Herr Bürgermeister, Herr Hicks,
Herr Dr. Kronzucker, meine Damen und
Herren.
Ich möchte zu Beginn auch ihren
neuen General Manager, Mr. Krauss,
begrüßen und Dieter zur Verleihung
der Leo M. Goodman-Auszeichnung gratulieren. Die Handelskammer hat wieder einmal eine gute Entscheidung getroffen.
Ich freue mich über diesen Besuch
in Hamburg, und es ist mir eine Ehre
und ein noch größeres Vergnügen, mit
Ihnen gemeinsam an den Feierlichkeiten zum 85. Jahrestag der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland
teilnehmen zu können. Ich gratuliere
Ihnen herzlich. Sie leisten ungeheuer wichtige Arbeit angesichts großer

Herausforderungen. Und es sind diese
Herausforderungen, über die ich heute
sprechen möchte.
Wir befinden uns
jetzt an einem für den Westen entscheidenden Wendepunkt - dem Ende der
Nachkriegszeit. Auch die Außenpolitik der Vereinigten Staaten und ihrer
europäischen Verbündeten steht damit
an einem Wendepunkt, der uns vor erhebliche Herausforderungen stellt.
In den vergangenen 40 Jahren wurden im Westen herausragende Leistungen erbracht.
Unser Programm für
Frieden und Wohlstand ist in wahrhaft
bemerkenswertem Umfang verwirklicht
worden. Wir haben den Frieden durch
die Abschreckung eines Konflikts mit
der Sowjetunion erhalten. Wir konnten beobachten, wie westliche Werte
auf der ganzen Welt Verbreitung fin-

�den. Und wir haben der Rüstungskontrolle wichtige neue Chancen eröffnet. Unser Erfolg hat sich mit der
Unterzeichnung des INF-Vertrages und
des im nächsten Monat anstehenden
Gipfeltreffens
bewiesen.
In
der
Wirtschaft haben wir durch die Bemühungen und die Unterstützung von Institutionen wie der Amerikanischen
Handelskammer
ein
internationales
Handels- und Finanzsystem hervorgebracht, das dem Westen zu Wohlstand
verholfen und den Aufstieg einer Reihe von Ländern begünstigt hat, die
sich jetzt auf dem Wege der Industrialisierung befinden.
Kurz gesagt war die Politik des
Westens von Erfolgen geprägt und hat
Vorbildcharakter.
Die Welt orientiert sich nicht mehr am marxistischleninistischen Gedankengut, das weder
Freiheit noch Wohlstand mit sich
brachte.
Aber die Welt ist einem raschen
Wandel unterworfen. Die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten befinden
sich an einem Scheideweg. Der Westen
muß mehr tun, als sich mit den Triumphen der Vergangenheit oder seinem
augenblicklichen Wohlstand zu begnügen. Es müssen wichtige Entscheidungen getroffen werden, wenn die westlichen Länder die neuen Herausforderungen erfolgreich bewältigen wollen,
die sich uns beim Abschied von der
Nachkriegszeit und dem Eintritt in
eine neue Phase stellen.
Heute gibt es fünf grundlegende
Tendenzen, die bei der Veränderung
der internationalen Gesellschaft zusammenwirken:
Die
erste
Tendenz
betrifft
Gorbatschow
und
Glasnost.
Ein
frischer Wind der Offenheit weht in
der Sowjetunion.
Ich möchte Ihnen erklären, was
Glasnost bedeutet - Gorbatschow bietet seinem Volk neue Anreize und etwas mehr Spielraum, um die sowjetische Gesellschaft stabiler, leistungsfähiger und produktiver zu ma-

chen, damit die Sowjetunion dem Westen gegenüber konkurrenzfähiger wird.
Ich möchte Ihnen auch erklären,
was Glasnost nicht bedeutet - Es besteht kein Grund zu der Annahme, daß
Gorbatschow die Sowjetunion in eine
Demokratie nach westlichem Muster umzuwandeln trachtet.
Es gibt keine
Anzeichen für einen Wandel in der
geopolitischen Strategie der Sowjetunion.
Obwohl
sich die Sowjets
letztlich den strategischen Gegebenheiten gebeugt und nunmehr dem Abzug
ihrer Truppen aus Afghanistan zugestimmt haben, hat sich die sowjetische Unterstützung der kubanischen,
nicaraguanischen und vietnamesischen
Diktaturen nicht verringert, und ihre
Herrschaft über Osteuropa wird keineswegs aufgehoben.
Wohin führt Glasnost? Der Erfolg
von Gorbatschows nationalem Programm
ist bei weitem nicht sicher. Wie er
selbst zugegeben hat, herrscht in der
Sowjetunion beträchtlicher Widerstand
gegen seine Reformen.
Seltsamerweise hat die Politik.
Gorbatschows ihre sichtbarsten und
unmittelbarsten
Auswirkungen
nicht
unter der sowjetischen Bevölkerung
gezeitigt, sondern in der öffentlichen Meinung im Westen. Die westliche Öffentlichkeit fand den Gedanken eines wagemutigen, tatkräftigen
und reformorientierten sowjetischen
Führers zugleich
faszinierend und
reizvoll.
Aber ein neues, dynamisches Image
sollte nicht dazu führen, daß wir unsere
analytische
Betrachtungsweise
aufgeben. Wir sind sicherlich Zeuge
eines verbindlicheren und geschickteren sowjetischen Ansatzes in der Aussenpolitik, der im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit
gegenüber
dem
Ausland noch deutlicher zutage tritt.
Darin liegen mögliche Vorzüge: die
Sowjetunion hat letztlich positiv auf
die seit langem bestehende Rüstungskontrollinitiative
zu den Mittelstreckenwaffen
reagiert
und
wir
konnten einen Vertrag zur Beseitigung

- 2 -

�dieser Waffen unterzeichnen. Obwohl
wir keine Prognosen für ein Abkommen
über strategische Waffen beim nächsten Gipfel abgeben können, führen
wir einen ernsthaften Dialog.. Die
NATO und der Warschauer Pakt wenden
sich ebenfalls Verhandlungen über
konventionelle Waffen zu.
Das ist
ein positiver Schritt. Die Sowjets
sind jetzt unter Umständen bereit,
ihre Beziehungen zum Westen auf eine
flexiblere und möglicherweise konstruktivere Art und Weise zu gestalten. Das Genfer Abkommen über einen
Abzug sowjetischer Truppen aus Afghanistan ist möglicherweise ein weiterer Hinweis auf diese Tendenz. Wie
kultiviert das Erscheinungsbild auch
werden mag, so dürfen wir doch nicht
vergessen, daß die Ost-West-Beziehungen im Grunde von Konkurrenz geprägt
bleiben: die Ziele und politischen
Maßnahmen der Sowjetunion und des Westens sind immer noch eher gegensätzlich.
Die
zweite
Tendenz
betrifft
Rüstungskontrolle und Nuklearwaffen.
In den letzten Jahrzehnten bestand Rüstungskontrolle oftmals eher
aus Worten als aus Taten. Die Chancen für Rüstungsabbau schienen düster, und der Schwerpunkt lag auf
Verteidigung und Abschreckung.
Das
Klima zwischen Ost und West hat sich
seitdem gewandelt. Im Westen ist das
Gefühl einer Bedrohung durch die Sowjetunion geschwunden.
Insbesondere
im Nachgang zum INF-Abkommen werden
jetzt in der Bevölkerung vermehrt
Forderungen
nach
Rüstungskontrolle
laut. Manchmal scheint es das vorherrschende politische Thema in den
Vereinigten Staaten und in Europa zu
sein. Regierungen in Ost und West
gleichermaßen machen sich zunehmend
das einstmals der Friedensbewegung
vorbehaltene Vokabular zu eigen.
Diese positiven Aussichten für
die Rüstungskontrolle sind in höchstem Maße willkommen.
Wir sollten
jede Möglichkeit ergreifen, um Fortschritte zu erzielen. Aber der allgemeine Enthusiasmus für die Rü-

stungskontrolle
birgt ein Risiko.
Rüstungskontrolle ist kein Ersatz für
ein
angemessenes
Verteidigungskonzept. Die ausschließliche Beschäftigung mit der Rüstungskontrolle zum
Nachteil der Verteidigung wird uns
nicht nur eine geschwächte westliche
Verteidigung bescheren. Sie wird paradoxerweise die Aussichten für sinnvolle Rüstungskontrolle zunichte machen.
In diesem Zusammenhang ist es von
Bedeutung, die wahre Lektion von INF
nicht zu vergessen: daß es uns gelungen ist, wegen - und nicht trotz der Entschlossenheit des Westens zur
Erhaltung des militärischen Gleichgewichts ein Abkommen zu erzielen.
Hätten die westlichen Regierungen auf
die Gegner der Stationierung von
Pershing II-Raketen und Marschflugkörpern gehört - vornehmlich aufrichtige Menschen, die ganz einfach keine
weiteren Nuklearwaffen wollten - hätten wir jetzt kein INF-Abkommen. Wir
hätten ganz einfach viel mehr Raketen
auf der Welt: ausschließlich sowjetische und die meisten davon auf
Westeuropa gerichtet.
Bei einer neuerlichen Beschäftigung mit der INF-Frage ist es wichtig, daß wir ihr keine Bedeutung beimessen, die sie nicht hat. Das INFAbkommen ist nicht der Wegbereiter
einer Entnuklearisierung Europas oder
des Bündnisses, und wir sollten dies
auch keineswegs für ein erstrebenswertes Ziel halten.
Wir benötigen
die nukleare Abschreckung wie eh und
je. Ferner sollten wir das INF-Abkommen nicht als Symbol für einen Abbau des amerikanischen Sicherheitsschutzschilds
für
Europa
werten.
Auch in Zukunft beruht die Stärke des
Bündnisses auf der Koppelung der beiden Kontinente in einer beiderseitigen Verpflichtung.
Betrachtet man die Geschwindigkeit der Entwicklungen im Rüstungskontrollbereich, dann wird der Westen
jetzt noch mehr Zeit und geistige
Energie als früher für die Auswirkungen der Rüstungskontrolle auf Politik

- 3 -

�und Sicherheit aufwenden müssen. Die
größere Rolle der öffentlichen Meinung muß in Betracht gezogen werden,
aber gleichzeitig müssen wir vermeiden, uns durch öffentliche Stimmungen
zu unklugen Maßnahmen verleiten zu
lassen. Wir müssen unseren Bürgern
die Notwendigkeit eines angemessenen
Verteidigungspotentials und insbesondere von Modernisierungsbeschlüssen
erläutern, wenn Rüstungskontrolle erfolgreich sein soll.
Die dritte Tendenz der Gegenwart ist die Ausbreitung der demokratischen Idee.
Wir erleben weltweit eine Ausbreitung demokratischer Ideale. Die
Erneuerung der Demokratie auf den
Philippinen ist kein Einzelfall. Die
Demokratie wächst und gedeiht in
Asien und noch dramatischer in Lateinamerika. Vor zehn Jahren litten
die meisten Lateinamerikaner unter
repressiven Regierungen.
Heute genießen über 90 Prozent die Vorzüge
der Demokratie.
Und die Sehnsucht
nach Demokratie hält an. Die Bevölkerung Panamas kämpft für den Sturz
eines Militärregimes und die Errichtung einer wahren parlamentarischen
Demokratie. Diese Hinwendung zur Demokratie fällt mit einer wachsenden
Bereitschaft vieler Regierungen in
der Dritten Welt zusammen, im wirtschaftlichen Bereich Strategien zu
erproben, die weniger auf staatlichem
Einfluß und mehr auf Marktorientierung aufbauen. Selbst in China und
der Sowjetunion scheint die Erkenntnis an Boden zu gewinnen, daß der
Götze des Totalitarismus versagt hat,
während oft ängstliche aber potentiell bedeutsame Schritte zur Liberalisierung behutsam vorgeschlagen und
erprobt werden. Die Demokratie ist
auf dem Vormarsch.
Die vierte Tendenz ist die Revolution im Informationswesen.
Die Revolution im Informationswesen ist mit einer neuen industriellen
Revolution vergleichbar, und ihre
Auswirkungen sind ebenso tiefgreifend

wie weitreichend. Das wachsende Angebot preisgünstiger Flugreisen in
der ganzen Welt sowie neue Telekommunikations-,
Computer- und
Informationstechnologien
führen zu einer
raschen Überwindung der Grenzen zwischen Ländern und Menschen. Im Zuge
dieser Entwicklung erfahren Effizienz
und Produktivität der Wirtschaft einen Aufschwung. Die Welt rückt immer
enger zusammen. Es wird für totalitäre Regierungen zunehmend schwierig,
den Fluß von Informationen zu ihren
Völkern zu beschränken und kontrollieren. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten der immer ausgereifteren
elektronischen Medien zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung enorm
gestiegen.
Schließlich
ist das Aufkommen
einer
vollständig
interdependenten
Weltwirtschaft die fünfte Tendenz,
die die Welt verändert.
Die Weltwirtschaft wird nicht
mehr von den Vereinigten Staaten beherrscht, wie dies in der frühen
Nachkriegszeit der Fall war. Japan
und die Europäische Gemeinschaft sind
als bedeutende Handels- und Finanzmächte auf den Plan getreten. Die
Abhängigkeit vom internationalen Handel hat zugenommen, und dies gilt
auch für die Vereinigten Staaten. In
anderen Ländern, wie etwa der Bundesrepublik Deutschland, wo der Handel
37 Prozent des Bruttosozialprodukts
ausmacht, ist diese Abhängigkeit noch
weit größer. Die Schwellenländer gewinnen rapide an Stärke und fordern
die etablierten Mächte der Weltwirtschaft in bestimmten Produktionszweigen heraus.
Unterdessen hat das
Schuldenproblem der Dritten Welt bedeutende Auswirkungen auf den Westen.
Der Kurssturz an den Weltbörsen im
vergangenen Oktober hat diese wechselseitige Abhängigkeit noch stärker
hervortreten lassen und die Dringlichkeit einer neuen Ebene der Zusammenarbeit und Koordinierung - mit anderen Worten, einer geteilten Verantwortung - verdeutlicht, um anhaltendes Wachstum und Stabilität der Weltwirtschaft zu sichern.

- 4 -

�Auswirkungen dieser fünf Tendenzen
Die fünf von mir angeführten Tendenzen könnten für die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten positive
Auswirkungen haben. Sie könnten zur
Schaffung einer transparenteren, kooperativeren, flexibleren, wohlhabenderen und vielleicht weniger bedrohlichen Weltordnung führen - zu einer
offeneren Welt. Dies ist jedoch keineswegs gewiß. Diese Trends könnten
ebenso negative Folgen haben, besonders wenn der Westen es versäumt,
diese zu erkennen und wirkungsvoll zu
nutzen.
Eine dieser negativen Folgen ist
etwa die Tatsache, daß Reiseerleichterungen und erweiterte Zugangsmöglichkelten für die Medien weltweit
operierenden Terroristen einen Vorteil bieten. Die Revolution im Kommunikationswesen bietet Gorbatschow
enorme Möglichkeiten zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung im Westen. Die Faszination des Westens im
Hinblick auf Glasnost und die Konzentration westlicher Medien auf dieses
Thema mag den Eindruck erwecken,
Gorbatschow habe schon einen Erfolg
errungen und die Sowjetunion befinde
sich sogar auf dem Wege der Demokratisierung. Diese Fülle irreführender
Informationen deutet ironischerweise
darauf hin, daß der Hauptnutzen von
Glasnost in der Funktion eines Instruments zur Beeinflussung der Öffentlichkeit liegen könnte, um die
Gleichgültigkeit des Westens im Hinblick auf die Ziele der Sowjetunion
zu fördern. Eine antinukleare Stimmung im Westen könnte zum Beispiel
dazu führen, daß die westliche nukleare Abschreckung geschwächt und wir
damit gegenüber der überlegenen konventionellen Macht der Sowjets verwundbar würden.
Auch in der Wirtschaft können die
gegenwärtigen Trends negative Ergebnisse zur Folge haben: eine interdependente Weltwirtschaft bedeutet,
daß in einem Teil der Welt ausgelöste
Schockwellen überall spürbar sind.
Eine fehlende Koordinierung der Fi-

nanz- und Handelspolitik wird nicht
nur lokale Auswirkungen haben - auch
Handelskriege und eine weitverbreitete Rezession könnten die Folge sein.
Das Schuldenproblem der Dritten Welt
betrifft das westliche Finanz- und
Bankwesen, sei es in New York, London
oder Frankfurt, ebenso wie die Volkswirtschaften der Entwicklungsländer.

Nutzung dieser fünf Tendenzen
Der Westen kann von den positiven
Aspekten dieser fünf Tendenzen nur
profitieren, wenn wir zwei korrelierende Zielsetzungen verwirklichen:
Erstens müssen die Vereinigten
Staaten und der Westen ihren internationalen Verpflichtungen nachkommen,
indem sie ein starkes Bündnis aufrechterhalten, eine offene Weltwirtschaft schaffen und die demokratischen Werte des Westens aktiv fördern. Wir können uns nicht zurückziehen, während andere gegen uns arbeiten. In einer Welt gegenseitiger
Abhängigkeiten können wir weder den
Konsequenzen des Aktivismus der anderen noch unserer eigenen Inaktivität entgehen.
Zweitens muß sich das westliche
Bündnis auf das gründen, was ich als
reife Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten bezeichnet habe.
Eine reife
Partnerschaft bedeutet ausgewogenere
Beziehungen
zwischen
verbündeten
Partnern.
Diese Form der reifen
Partnerschaft ergibt sich zwangsläufig aus der stetig wachsenden Bedeutung des europäischen Pfeilers der
NATO. Sie beinhaltet auf beiden Seiten des Atlantiks ein stärkeres Bemühen um gegenseitiges Verständnis,
Konsultationen, Koordination und Kooperation im gemeinsamen Interesse.
Langfristig gesehen müssen die
Europäer entsprechend der Macht, Bevölkerung und dem Wohlstand ihrer Gemeinschaft größere Verantwortung in
der Welt übernehmen.
Europa trägt
bereits ein beträchtliches Maß an

- 5 -

�Verantwortung bei der Aufrechterhaltung einer stabilen Weltwirtschaftsordnung. Eine vergleichbare Entwicklung im Bereich der Sicherheitspolitik, ist sowohl unvermeidbar als auch
wünschenswert. Die weltweiten Interessen Europas decken sich häufig mit
denen der Vereinigten Staaten und
sind vielleicht sogar noch größer beispielsweise bei Fragen des Zugangs
zu Rohstoffen wie Erdöl und zu den
Weltmärkten.
Erweiterte
Horizonte
sind das Gebot der Stunde - die Erkenntnis, daß europäische Interessen
die ganze Welt betreffen und daher
europäisches Engagement fordern.
Die Strategie kollektiver Sicherheit und erweiterter Abschreckung behält nach wie vor Gültigkeit.
In
diesem Zusammenhang wird Europa jedoch mehr Verantwortung für seine eigene Verteidigung übernehmen müssen.
Gleichzeitig müssen wir uns in
den Vereinigten Staaten vor Augen
führen, welchen Beitrag die Europäer
bereits zur gemeinsamen Verteidigung
leisten. Wenn heute in Europa ein
Krieg ausbrechen würde, wären 90 Prozent
der
unmittelbar
betroffenen
Land-, 75 Prozent der Luft- und 50
Prozent der Seestreitkräfte europäisch. In den meisten europäischen
Ländern kann man auch in Friedenszeiten zum Wehrdienst einberufen werden,
wohingegen die Wehrpflicht in den
Vereinigten Staaten abgeschafft worden ist. Daher erzielen die Europäer
größere militärische Schlagkraft für
weniger Geld. Die Europäer und insbesondere die Deutschen bringen aufgrund der hohen ausländischen Militärpräsenz auf ihrem Territorium zusätzliche Opfer: In der Bundesrepublik sind neben dem stehenden Heer
von 500 000 Mann 400 000 Soldaten aus
sechs Nationen stationiert.
Jedes
Jahr werden fast 5 000 militärische
Übungen auf Bundesgebiet abgehalten,
und - wie uns die jüngsten Ereignisse
eindringlich vor Augen geführt haben
- fliegen die alliierten Luftstreitkräfte im deutschen Luftraum mehr als
eine Million Einsätze. Die Bundesregierung stellt den Verbündeten ko-

stenlos ca. 4 000 militärische Einrichtungen und Ubungsgebiete zur Verfügung. Und dennoch erwarten wir von
den Europäern, daß sie mehr zum
Schutz Europas und zur Verteidigung
der westlichen Interessen in der
Dritten Welt leisten.
Nicht jede Last des Bündnisses
kann von allen Mitgliedern in gleichem Maße getragen werden. Aber die
Europäer können es sich nicht länger
leisten, die Verantwortung für große
Gebiete - wie die Dritte Welt - einzig und allein den Vereinigten Staaten zu überlassen.
Ferner sollten
sie ihr Augenmerk nicht ausschließlich auf die Gestaltung der Ost-WestBeziehungen lenken in der Annahme,
die Amerikaner würden in den Krisenherden schon für Ruhe sorgen und eine
überproportionale
Verteidigungslast
übernehmen.
Es wird keine leichLe Aufgabe
sein, internationales Engagement und
eine reife Partnerschaft aufrechtzuerhalten. Sowohl in den Vereinigten
Staaten als auch in Europa wirken
Kräfte gegen diese reife Partnerschaft. Wir sehen uns mit einem Paradoxon konfrontiert - zu einer Zeit,
in der wir zur Lösung anstehender
Probleme enger zusammenarbeiten müssen, treiben wir in die Isolation.
Europa beispielsweise erscheint
vielen Amerikanern zunehmend provinziell und selbstzufrieden. Die Vision dynamischer Vereinigter Staaten
von Europa scheint weniger lebendig.
Die
europäische
Wirtschaftspolitik
scheint festgefahren. In den vergangenen Jahren war das Wirtschaftswachstum in Europa bestenfalls stagnierend.
Die Arbeitslosenquote ist
weiterhin hoch, und seit den siebziger Jahren sind unter dem Strich
praktisch keine neuen Arbeitsplätze
geschaffen worden.
Im Gegensatz zu
der in Europa vorherrschenden Auffassung sind anhaltende Arbeitslosigkeit
und relative Stagnation auf dem Kontinent nicht allein Europas Angelegenheit - zu große Selbstzufriedenheit könnte zu einer weltweiten Re-

- 6 -

�dem Angriff auf Libyen im vergangenen
Jahr ihre Unterstützung versagt haben.

Zession führen.
Der Tatsache, daß die Vereinigten
Staaten treibende Kraft des Weltwirtschaftswachstums waren, ist in den
vergangenen Jahren nicht genügend
Rechnung getragen worden. Das Wachstum in Europa war hauptsächlich auf
Exporte in die expandierende amerikanische Wirtschaft zurückzuführen. Im
Handel spürt Europa die Auswirkungen
protektionistischer
Tendenzen.
In
der Bundesrepublik sind über zehn
Milliarden D-Mark an Subventionen in
das Airbus-Programmm geflossen. Die
Aufrechterhaltung der Luftfahrt-Industrie mittels Subventionen kommt einer
ineffizienten
Mittelvergabe
gleich. Auch die Maßnahmen im Bereich der Telekommunikation bedürfen
neuer Denkansätze: Die Märkte müssen
geöffnet werden. Die Gemeinsame Agrarpolitik ist vielleicht das größte
Desaster.
Angesichts der massiven
Subventionen wird sie als zunehmend
unvernünftig angesehen. Im Jahr 1987
mußten die Steuerzahler in der Europäischen Gemeinschaft 26 Milliarden
Dollar und die Konsumenten zusätzliche 40 Milliarden Dollar zur Unterstützung der Gemeinsamen Agrarpolitik
aufwenden.
Strukturanpassungen sind
definitiv erforderlich.
Im Bereich der Sicherheit wird
hingegen von einer wachsenden Zahl
amerikanischer
Politiker und Meinungsbildner
eine Aufstockung der
Verteidigungsausgaben
der
Länder
Westeuropas gefordert. Die amerikanischen Verteidigungsausgaben machen
ca. sechs Prozent des Bruttosozialprodukts aus. Die meisten westeuropäischen Länder geben weniger als
drei Prozent oder noch nicht einmal
zwei Prozent ihres Bruttosozialprodukts aus. Es ist daher nicht verwunderlich, daß sich viele Amerikaner
fragen, ob Europa seinen gerechten
Anteil beiträgt. Zahlreiche Amerikaner stören sich auch an der offensichtlichen Abneigung der Europäer,
sich bei Sicherheitsproblemen der
Dritten Welt zu engagieren. Ein typisches Beispiel hierfür war, daß die
Europäer den Vereinigten Staaten bei

Die europäische Sicht der Vereinigten Staaten ähnelt dem sehr.
Erstens beobachten Europäer ein wachsendes Kirchturmdenken.
Auf wirtschaftlichem Gebiet hören Sie Forderungen nach einer protektionistischen
Gesetzgebung, die den Handel lähmen
würde. Im Bereich der Sicherheitspolitik hören sie von Drohungen eines
Truppenabzugs und haben das Schreckgespenst der Entnuklearisierung vor
Augen.
In den Augen vieler europäischer Beobachter wurden die Amerikaner von der Iran-Contra-Affäre zu
sehr in Anspruch genommen und dadurch
vom geordneten Umgang mit den internationalen Beziehungen abgelenkt.
Zweitens nehmen Europäer einen
wachsenden amerikanischen Unilateralismus wahr, eine Tendenz der Vereinigten Staaten, ohne vorherige Konsultation im Alleingang zu handeln
und dabei Gewalt anzuwenden.
Schließlich beobachten Europäer
eine stärkere Unkalkulierbarkeit der
amerikanischen Außenpolitik
- den
Niedergang
des
außenpolitischen
Establishments der Vereinigten Staaten und seinen Ersatz durch eine Art
Populismus, der sein Fähnchen in den
Wind der öffentlichen Meinung hängt.
Jenes
Establishment
konzentrierte
sich vormals in den intellektuellen,
Geschäfts- und Regierungszentren der
Städte
Boston,
New
York
und
Washington, und seine Orientierung
war atlantisch - es blickte auf Europa. Seit einigen Jahren hat sich das
Machtzentrum jedoch zum Süden und Westen verlagert, da diese Gebiete einen bemerkenswerten wirtschaftlichen
Aufschwung und damit einhergehend eine Zunahme politischer Macht erfahren
haben. Die neuen amerikanischen Eliten in aufstrebenden Städten wie Los
Angeles, Houston und Atlanta müssen
nicht unbedingt so stark auf die atlantische Perspektive der Außenpolitik fixiert sein wie die entsprechende Gesellschaftsschicht an der amerikanischen Ostküste.
Ihre Ansichten

- 7 -

�sind keineswegs generell populistisch
oder unkalkulierbar, Europäer haben
jedoch den Fehler begangen, diese
Eliten in den neuen Machtzentren Amerikas nicht kennengelernt und verstanden zu haben.
Die Eindrücke der Europäer von
den Vereinigten Staaten - und umgekehrt - enthalten, obwohl sie nicht
vollständig zutreffen, genug Wahrheit, um Gefahren für die amerikanisch-europäischen Beziehungen aufzuweisen. Sie bergen in sich die Saat
für einen potentiellen Teufelskreis:
die europäische Inselmentalität auf
der einen und der amerikanische Isolationismus und Unilateralismus auf
der anderen Seite können einander
aufschaukeln. Das Versäumnis des einen, auf einem bestimmten Gebiet zu
kooperieren, kann dem anderen als
Vorwand dafür dienen, die Zusammenarbeit auf einem anderen Gebiet zu verweigern. Wir können dies im wirtschaftlichen Bereich wie auch in der
Sicherheitspolitik feststellen.
Die
Vereinigten Staaten werden der Versuchung des Unilateralismus erliegen,
wenn die Europäer nicht zur gemeinsamen Bekämpfung des internationalen
Terrorismus bereit sind. Und die Europäer neigen dazu, sich von Aktionen
zu distanzieren, die sie als riskante
und impulsive Abenteuer der Vereinigten Staaten in der Dritten Welt betrachten. Jeder will mit Blick auf
die Wähler im eigenen Land seine
wirtschaftlichen Interessen schützen,
ohne dabei einem möglichen Schaden
für den anderen und die Weltwirtschaft Beachtung zu schenken.
Die Lösung liegt in einer für uns
vorteilhaften Umsetzung der von mir
zuvor genannten fünf wesentlichen
Tendenzen in die Praxis. Wir haben
es mit Problemen zu tun, die wir gemeinsam
praktisch angehen können,
aber nicht jeder für sich. Sie erfordern eine reife Partnerschaft.
Zum Abschluß würde ich gerne einige Problemfelder besonders hervorheben, auf denen die Vereinigten
Staaten und Westeuropa zu ihrem ge-

genseitigen Nutzen
können und sollten.

zusammenarbeiten

Erstens müssen die Vereinigten
Staaten und Europa auf eine sich gegenseitig verstärkende Arbeitsteilung
hinarbeiten, um Ungleichgewichte zu
verringern und die Kraft der Weltwirtschaft zu erhalten. Was den Handel betrifft, müssen sich die Vereinigten Staaten einer Gesetzgebung
widersetzen, die freien Handel und
Investitionen behindern würde.
Gleichzeitig sollten die Europäer
dafür sorgen, daß die Verkrustungen
auf den Märkten abgebaut und der
Marktzugang auf Gebieten wie Telekommunikation, Flugzeugbau und insbesondere bei landwirtschaftlichen Produkten verbessert wird.
Auf den Gebieten der Finanz- und
Währungspolitik sollten die Vereinigten Staaten ihr Haushaltsdefizit verringern, während
insbesondere die
Bundesrepublik
nichtInflationäres
Wirtschaftswachstum
im Inland und
strukturelle
Anpassungen
fördern
sollte.
Die Inflationsrate liegt
dort bei unter einem Prozent, und das
Wirtschaftswachstum kann bestenfalls
als schleppend
bezeichnet werden.
Wachstum und nicht Inflation sollte
als das vordringlichere Problem gelten.
Zweitens sollten die Vereinigten Staaten auf dem Gebiet der Verteidigung ihre Präsenz und ihr Engagement in Europa aufrechterhalten,
während die Europäer selbst gemeinsam
mehr tun sollten, um zu ihrer eigenen
Verteidigung in Europa und darüber
hinaus einen Beitrag zu leisten.
Erst kürzlich haben wir ein ermutigendes Beispiel ergänzender Maßnahmen
außerhalb des NATO-Gebiets beobachten
können: die Schritte der britischen,
französischen,
holländischen,
belgischen und italienischen Regierungen
zum Schutz der Schiffahrt im Persischen Golf. Durch die Stationierung von Streitkräften im Mittelmeer
hat auch die Bundesrepublik den richtigen Weg eingeschlagen. Im Golf ha-

- 8-

�ben die Länder des Westens ihr starkes gemeinsames Interesse anerkannt
und die Verantwortung in angemessenen
Umfang übernommen.

*

*

Drittens müssen Europa und die
Vereinigten Staaten in der Rüstungskontrolle enger als jemals zuvor zusammenarbeiten, um Maßnahmen auszuarbeiten, die eine Stärkung der Abschreckung und der flexiblen Reaktion
zur Folge haben. Im Umfeld nach dem
INF-Vertrag müssen wir uns insbesondere auf präzise Vorschläge zur Bewältigung der Bedrohung durch die sowjetische konventionelle Überlegenheit einigen.
Die in diesem März
beim NATO-Gipfel abgegebene Erklärung
war ein hervorragender Anfang.
Wie schon zu Anfang meiner Ausführungen erwähnt, befinden wir uns
in einer Phase enormen Wandels. Die
Nachkriegszeit geht dem Ende zu.
Neue Chancen liegen vor uns, aber
diese können nur genutzt werden, wenn
Europa und die Vereinigten Staaten
auf der gleichen Ebene voranschreiten
und dabei die Gefahren der Inselmentalität und des Unilateralismus vermeiden, die uns zu entzweien drohen.
Dies bedeutet für die Vereinigten
Staaten keine Aufgabe ihrer Führungsrolle. Das sollte nicht geschehen.
Doch Europa muß eine neue FUhrungsrolle übernehmen, die seiner tatsächlichen Position in der Welt entspricht.

* * * * *

�</text>
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                <text>Die Herausforderungen der Welt nach dem INF-Vertrag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Richard R. Burt beim Annual Membership Meeting der American Chamber of Commerce in Hamburg&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
17&#13;
&#13;
dienet&#13;
29. April 1992&#13;
&#13;
• * # &amp; &gt;&#13;
&#13;
«&lt;y&#13;
AUSSENPOLITIK&#13;
&#13;
BUSH: NEUE WELT BIRGT VORTEILE&#13;
FÜR GANZ AMERIKA&#13;
Rede des Präsidenten&#13;
beim Forum of the Americas&#13;
&#13;
USA MÜSSEN BEI DER VERBREITUNG VON&#13;
DEMOKRATIE KATALYSATOR SEIN&#13;
Rede von Außenminister Baker&#13;
beim Chicago Council&#13;
&#13;
GUS-HANDEL&#13;
&#13;
BUSH DRANGT AUF ERWEITERTEN HANDEL&#13;
MIT DER GUS&#13;
Grußworte des Präsidenten an Unternehmner&#13;
&#13;
IWF&#13;
&#13;
BRADY FORDERT RASCHE REFORMEN IN GUS&#13;
Rede bei IWF-Treffen&#13;
&#13;
WIRTSCHAFT&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
WIRTSCHAFTLICHE INTERDEPENDENZ UND&#13;
NATIONALISMUS: MÖGLICHKEITEN DER&#13;
HARMONIE&#13;
von Henry R. Nau&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.:0228-339 2372&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�AUSSENPOLITIK&#13;
29. April 1992&#13;
&#13;
BUSH: NEUE WELT BIRGT VORTEILE&#13;
FÜR GANZ AMERIKA&#13;
Rede des Präsidenten beim Forum of the Americas&#13;
WASHINGTON - (AD) Bei der Abschlußsitzung des Forum of the Americas erklärte Präsident Bush, die&#13;
Menschen in allen Ländern Lateinamerikas seien auf dem Weg, "etwas zu schaffen, das die Menschheit noch&#13;
nie gesehen hat: einen freien und demokratischen Kontinent, auf dem freier Handel Wohlstand schafft".&#13;
In seiner Rede vor 400 führenden Industrievertretern aus zwei Kontinenten verwies Bush am 24. April 1992 auf&#13;
die bahnbrechenden Veränderungen, deren Zeuge die Welt in den letzten drei Jahren geworden ist. Er nannte&#13;
dabei die Vereinigung Deutschlands, den Zusammenbruch des Kommunismus, die Abschaffung der Apartheid&#13;
in Südafrika, die Friedensverhandlungen im Nahen Osten und die Aggression entgegentretenden Vereinten&#13;
Nationen.&#13;
"Hier auf unserem eigenen Kontinent", fügte Bush hinzu, "haben alle Länder Lateinamerikas ein Zeitalter&#13;
weitreichender und vielversprechender Veränderungen eingeleitet".&#13;
Bush verwies ferner auf die wirtschaftlichen und politischen Fortschritte und schlo ß seine Ausführungen mit einer&#13;
Warnung: "Die Zukunft gehört nicht dem Status quo. Sie ist das Vermächtnis von Menschen wie Ihnen,&#13;
Menschen mit Weitblick und Unternehmergeist."&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Rede im Wortlaut.&#13;
&#13;
Ich kann mir keinen wichtigeren Augenblick vorstellen,&#13;
an dem wir in diesem Forum zusammenkommen, als&#13;
den gegenwärtigen Zeitpunkt. In den letzten drei&#13;
Jahren haben wir erlebt, wie sich unsere Welt gewandelt hat: Die Berliner Mauer ist gefallen und Deutschland friedlich vereinigt, die Menschen in Osteuropa&#13;
und der Sowjetunion vom Kommunismus befreit, fertraf Südafrika die historische Entscheidung zur&#13;
Abschaffung der Apartheid. Wir sind Zeugen geworden, daß die arabischen Nachbarn erstmals von Angesicht zu Angesicht mit Israel verhandelten, und eine&#13;
internationale Koalition hat sich unter dem Banner der&#13;
Vereinten Nationen erhoben und die irakische Aggression gegen Kuwait zurückgeschlagen. Darübe. hinaus&#13;
gibt es eine tiefgreifende Veränderung, die für jeden&#13;
Menschen auf der Welt von Bedeutung ist: wir haben&#13;
die Bedrohung eines Atomkrieges drastisch reduziert.&#13;
Erst heute haben die Vereinigten Staaten Maßnahmen&#13;
ergriffen, um den Handel mit Hochtechnologiewaren&#13;
zu erleichtern, eine Initiative, die durch das veränderte&#13;
strategische Umfeld und die friedliche Wiedergeburt&#13;
der Freiheit in den ehemals kommunistischen Ländern&#13;
ermöglicht wurde. Wir haben Handelsbeschränkun-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
gen für Exporte aufgehoben, die uns im Zeitalter des&#13;
kalten Krieges gute Dienste erwiesen haben, aber in&#13;
unserer neuen Welt nicht mehr nötig sind. Unsere&#13;
heutigen Maßnahmen werden Tausende von Ausf uhrlizenen überflüssig machen, darunter viele für Computer, einem unserer Exportschlager. Diese heutige&#13;
Aufhebung von Beschränkungen betrifft Handel im&#13;
Umfang von 2,5 Milliarden Dollar.&#13;
Hier auf unserem eigenen Kontinent haben alle Länder&#13;
Lateinamerikas ein Zeitalter weitreichender und vielversprechender Veränderung eingeleitet. Wir haben&#13;
Geschichte gemacht. Wir sind tatsächlich auf dem&#13;
Weg, etwas zu schaffen, das die Menschheit noch nie&#13;
gesehen hat: einen freien und demokratischen Kontinent, auf dem freier Handel Wohlstand schafft.&#13;
Von Mexiko City bis Buenos Aires wird diese Vision&#13;
Wirklichkeit. Zum ersten Mal seit vielen Jahren fließt&#13;
mehr Privatkapital für neue Investitionen in die Länder&#13;
Amerikas als abfließt. In einem Land nach dem&#13;
anderen wurde der hohen Inflation, die - insbesondere&#13;
die armen - Volkswirtschaften der Region ruiniert,&#13;
Einhalt geboten. In fast jedem Land ist wieder reales&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Wachstum zu verzeichnen. Eine steigende Zahl von&#13;
Ländern zieht Vorteile aus dem Bradyplan, einer wichtigen Initiative, deren Ziel es ist, die Schuldenlast zu&#13;
reduzieren und neuem Wachstum den Weg zu bereiten.&#13;
Schranken für Handel und Investitionen fallen. In den&#13;
Finanzzentren der Welt werden Sie immer dasselbe&#13;
hören: eine der aufregendsten Regionen für Investitionen ist Lateinamerika.&#13;
Im Rahmen dieser wirtschaftlichen Revolution sind wir&#13;
Zeugen einer ebenso starken politischen Revolution&#13;
geworden, bei der wir eine entscheidende Rolle gespielt haben. Zwei Jahre nach Einführung der Operation Gerechte Sache hat Panama die Unterdrückung&#13;
der Ära Noriega durch Freiheit und Demokratie ersetzt. In El Salvador haben unsere kontinuierlichen&#13;
Bestrebungen nach zwölf Jahren Bürgerkrieg zu Frieden geführt. In Nicaragua haben wir unser Ziel verwirklicht, durch freie Wahlen wieder Frieden und Demokratie zu schaffen.&#13;
In ganz Mittelamerika sind zivile Präsidenten im Amt,&#13;
und das Prinzip der Zustimmung der Regierten ist fest&#13;
verankert. In Südamerika sind Chile und Paraguay der&#13;
Gemeinschaft der Demokratien beigetreten.&#13;
Diese friedliche Revolution in allen Ländern Lateinamerikas erfolgte nicht zufällig. Sie ist die Arbeit einer&#13;
Generation mutiger und engagierter demokratischer&#13;
Politiker, mit denen wir eng zusammengearbeitet haben,&#13;
um unsere gemeinsamen Ziele zu verfolgen. Der neue&#13;
Geist zeigte sich im Juni vergangenen Jahres, als die&#13;
Generalversammlung derOAS eine Resolution verabschiedete, um die internationale Reaktion auf Bedrohungen für die Demokratie zu verstärken.&#13;
Die Konsolidierung dieser Revolution wird nicht leicht&#13;
sein. Millionen Menschen auf unserem Kontinent&#13;
leben immer noch in Armut und politischer Unmündigkeit. Die jüngsten Ereignisse in Haiti, Venezuela und&#13;
Peru erinnern uns daran, daß die Demokratie immer&#13;
noch brüchig und ständigen Gefahren ausgesetzt ist.&#13;
In all unseren Ländern hängen mächtige Lobbys an&#13;
alten Ideen und Privilegien, fördern Protektionismus&#13;
und widersetzen sich erweitertem Handel.&#13;
Den Unbelehrbaren - Castros totalitärem Regime,&#13;
denjenigen auf dem Kontinent, die die Uhr in die Zeit&#13;
der Militärdiktatur zurückdrehen wollen, möchte ich&#13;
einen Punkt deutlich herausstellen: Hunderte Millionen Lateinamerikaner glauben an ihre Freiheit und ihre&#13;
Chance. Und ich stehe zu ihnen. Solange ich Präsident bin, werden die Vereinigten Staaten ihre Energie&#13;
für die echte und dauerhafte Befreiung der Menschen&#13;
in der westlichen Hemisphäre aufwenden.&#13;
Eine gemeinsame demokratische Geisteshaltung bewirkt&#13;
bei jedem Thema, das wir angehen, einen Unterschied: Die Wiedergeburt der Demokratie führte dazu,&#13;
daß Argentinien und Brasilien gemeinsam die VerbreiSeite 2&#13;
&#13;
tung von Nuklearwaffen aufgehalten haben. Die&#13;
Demokratie hat in Brasilien Energien freigesetzt, um&#13;
die Abholzung der Regenwälder am Amazonas aufzuhalten. Dank der Demokratie hat Argentinien den&#13;
Willen, das von Libyen und dem Irak finanzierte Raketenprogramm Condor zu stoppen. Kolumbiens Demokratie bekämpft den Drogenhandel und arbeitet an der&#13;
Wiederherstellung seiner wirtschftlichen Vitalität. Die&#13;
neu geschaffene Demokratie in Panama hai strenge&#13;
neue Gesetze zur Bekämpfung der Geldwäsche verabschiedet und arbeitet daran, die Bedeutung des&#13;
Landes als Handelskorridor zwischen Ost und West&#13;
wiederzugewinnen.&#13;
Damit wir uns nicht mißverstehen: politische und&#13;
wirtschaftliche Freiheit sind untrennbar. Ebenso wie&#13;
Menschen ein gottgegebenes Recht haben zu wählen,&#13;
wer sie regieren soll, müssen sie auch so frei sein,&#13;
wirtschaftlich wählen zu können. Wenn wir Schranken&#13;
für die wirtschaftliche Freiheit innerhalb und au ßerhalb&#13;
unserer Länderabbauen, setzen wir starke Kräfte des&#13;
Wachstums und der Kreativität frei.&#13;
Bevor ich aus dem Amt scheide, möchte ich, daß&#13;
Hersteller in Cleveland denselben Zugang zu den&#13;
Märkten in Monterrey haben wie zu denen in Minneapolis. Mit Hilfe neuer Technologien könnten Dienstleistungsunternehmen in Denver Märkte in Santiago&#13;
genauso leicht erschließen wie in Chicago. Ich möchte&#13;
daran arbeiten zu gewährleisten, daß staatliche Eingriffe und übermässige Vorschriften dem nicht im Weg&#13;
stehen. Um dies zu tun, müssen wir den eingeschränkten Blickwinkel der Sonderinteressen überwinden. Ich bin davon überzeugt, daß wir genau dios&#13;
tun können und wollen.&#13;
Ich habe es zu einer meiner obersten Prioritäten&#13;
erklärt, ein Freihandelsabkommen zu schließen, das&#13;
alle Zölle im Handel zwischen den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko abschafft Diesos Abkommen baut auf unserem historischen Freihandelsabkommen mit Kanada auf. Der Erfolg der Vereinbarung&#13;
mit Kanada demonstriert, wie freier Handel allen Beteiligten dienen kann.&#13;
Ich kann diesen Durchbruch nicht erzielen, indem ich&#13;
zwischen den Protektionisten, die dem Status quo eine&#13;
Lanze brechen, und der Bewegung für Freiheit und&#13;
Veränderung abwäge. Vielfach wird vorgeschlagen,&#13;
wir könnten uns in einem Kokon der Protektion einspinnen und in dem Glauben wiegen, von der frischen Luft&#13;
des Wettbewerbs zu profitieren. Sie und ich wissen,&#13;
daß dies ein völliger Trugschlu ß ist. Unsere wirtschaftliche Zukunft darf nicht von denjenigen abhängen, die&#13;
dem freien Handel das Wort reden, sich aber mächtigen Lobbys unterwerfen. Wir können nicht beides&#13;
haben. In unserem Unabhängigkeitskrieg wurden die&#13;
Vertreter dieser Auffassung als "Summer Soldiers"&#13;
bezeichnet. Sie wollten den Ruhm der Revolution&#13;
ohne den Schneid zu beweisen, auch in schweren&#13;
Zeiten für die Freiheit geradezustehen. Meine Haltung&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�ist eindeutig: Offener Handel ist für die Vereinigten&#13;
Staaten unabdingbar und genauso wichtig wie innenpolitische Reformen zur Erneuerung unserer Bereiche&#13;
Bildung, Gesundheitswesen, Verwaltung und Rechtswesen.&#13;
Eine Freihandelszone zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada wäre der größte Markt der&#13;
Welt - 360 Millionen Verbraucher mit einer Wirtschaft&#13;
von 6 Billionen Dollar. Mexiko ist heute einer der am&#13;
schnellsten wachsenden nationalen Märkte für USExporte. Allein in den letzten drei Jahren sind die&#13;
amerikanischen Warenexporte nach Mexiko um zwei&#13;
Drittel gestiegen. Unsere Exporte von Autos, Autoersatzteilen und Telekommunikationsgeräten nach&#13;
Mexiko haben sich verdoppelt. Hier im Publikum mag&#13;
man sich c'ieser Tatsache bewußt sein, aber ich bezweifle, daß es in den Vereinigten Staaten weithin&#13;
bekannt ist, daß zwei Drittel aller Exporte nach Mexiko&#13;
aus Jen Vereinigten Staaten kommen.&#13;
Nicht nur die Staaten an der Grenze profitieren von&#13;
diesem Wachstum. Während meiner Präsidentschaft&#13;
haben 45 unserer 50 Bundesstaaten ihre Exportenach&#13;
Mexiko gesteigert. Zu unseren 10 führenden Exporteuren nach Mexiko zählen heute Michigan, Illinois,&#13;
New York, Louisiana, Pennsylvania, Florida und Ohio&#13;
ebenso wie Texas, Kalifornien und Arizona.&#13;
Der Handel mit Mexiko trägt bereits Hunderttausende&#13;
von Arbeitsplätzen in den Vereinigten Staaten. Nur als&#13;
Beispiel: Tausende guter Arbeitsplätze in Warren&#13;
(Ohio) und Rochester (New York) hängen davon ab,&#13;
daß die Produkte der Tochterfirmen in Mexiko wettbewerbsfähig bleiben. Ein Nordamerikanisches Freihandelsabkommen würde Tausende weitere schaffen. Es&#13;
würde wettbewerbsfähige Kapazitäten und Größenvorteile schaffen, durch die amerikanische Unternehmen auf den Weltmärkten konkurrieren können.&#13;
Freier Handel mit Kanada und Mexiko macht aus uns&#13;
allen Gewinner der Wirtschaft, aber unsere Beziehungen gehen weit über den Handel hinaus, Unsere&#13;
Grenzen erstrecken sich über den ganzen Kontinent.&#13;
A'i sind durch jahrhundertealte familiäre und kulturelle&#13;
Bande verbunden. Mit Premierminister Brian Mulroney, den ich oft konsultiere, verbindet mich eine enge&#13;
Freundschaft. Ferner zähle ich Präsient Carlos Saunas zu meinen guten Freunden - er und ich haben seit&#13;
unserem Gipfeltreffen unmittelbar nach unser beider&#13;
Wahl im Jahr 1988 den "Geist von Houston" unterstützt. Sowohl Präsident Salinas als auch Premierminister Mulroney sind fähige und kreative Politiker, und&#13;
ich engagiere mich für eine Zusammenarbeit mit ihnen, um dauerhafte Freundschaft unter unseren Ländern zu schaffen, die auf offenem Handel, Kooperation&#13;
und gegenseitigem Respekt basiert.&#13;
Sie haben vielleicht gehört, daß vielfach angenommen&#13;
wird, die Politik diktiere eine Verschiebung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens bis nach den&#13;
&#13;
Wahlen. Dies ist nicht meine Meinung. Jetzt ist der&#13;
günstige Zeitpunkt. Ich habe unsere Unterhändler&#13;
angewiesen, ihre Arbeit zu beschleunigen. Meiner&#13;
Meinung nach können wir vor der Wahl zu einer&#13;
ausgewogenen Entscheidung kommen, und ich möchte ein gutes Abkommen unterzeichnen, sobald es&#13;
fertig ist.&#13;
Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen ist nur&#13;
der Anfang. Unsere Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas hat bereits bemerkenswerte Fortschritte gemacht und Märkte geöffnet,&#13;
den Investitionsfluß erhöht, die staatliche Schuldenlast abgebaut und die Umwelt auf dem ganzen Kontinent positiv beeinflußt.&#13;
Die Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in den&#13;
Ländern Amerikas spiegelt eine Revolution im Denken&#13;
wider. Mit dieser Initiative streben die Vereinigten&#13;
Staaten nicht danach, ihren Nachbarn ihre Ideen aufzuzwingen. Unser Programm zielt vielmehr darauf ab,&#13;
ihnen die Macht zu geben, mit ihren selbstgewählten&#13;
marktwirtschaftlichen Reformen Erfolg zu haben, die&#13;
in Lateinamerika für Lateinamerikaner entwickelt wurden.&#13;
Die mutigen lateinamerikanischen Politiker, die ihre&#13;
Volkswirtschaften reformieren und Hemmnisse für&#13;
Handel und Investitionen abbauen, brauchen unsere&#13;
Unterstützung. Sie sind die echten Befreier unserer&#13;
Zeit. Echter Erfolg bedeutet, dirigistische Systeme&#13;
aufzubrechen, die einstmals wohlhabende Eliten schützen sollten und der arbeitenden Bevölkerung sowie&#13;
den Armen verschlossen waren. Freie Marktreformen&#13;
werden belastende Vorschriften beseitigen, die jetzt&#13;
verhindern, daß die Armen aus den Städten Unternehmen gründen oder Campesinos Kredite und Eigentumsrechte an ihrem Land bekommen.&#13;
Zu Wirtschaftsreformen gehört eine ehrliche Regierung. Korruption ist der Feind von Wachstum und&#13;
Demokratie. Neue Investitionen werden nur dort fließen, wo Rechtsstaatlichkeit gesichert ist, die Gerichte&#13;
gerecht urteilen und Ausschreibungsprozesse allen&#13;
offenstehen.&#13;
Um die Reformer zu unterstützen - und die vielversprechende neue Vision in Lateinamerika zu realisieren muß der US-Kongreß seiner Pflicht nachkommen. Ich&#13;
habe den Kongreß gebeten, eine seit langem fällige&#13;
Maßnahme zu ergreifen und in diesem Haushaltsjahr&#13;
310 Millionen Dollar in die Initiative zur Förderung der&#13;
Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas zu investieren. Damit könnten wir über 1 Milliarde Dollar der&#13;
Staatsschulden auf dem Kontinent abschreiben und&#13;
Millionen Dollar zur Erhaltung der Umwelt aufbringen.&#13;
Aber der Kongreß hat sich geweigert, zu diesem&#13;
Zweck Mittel bereitzustellen. Er glaubt offensichtlich&#13;
nicht daran, daß sich Investitionen auszahlen - im&#13;
Gegensatz zu mir. Und zu den Lkw-Fahrem und&#13;
Eisenbahnern. Und den Herstellern von Automobilen&#13;
4&#13;
&#13;
Ä&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�und Elektronik. Und den Umweltexperten und vielen&#13;
anderen.&#13;
Ich habe mitgeholfen, unsere Verbündeten in Europa&#13;
und Japan davon zu überzeugen, jährlich zwei Drittel&#13;
eines 1,5-Milliarden-Fonds bereitzustellen, um die&#13;
Reformer in Lateinamerika zu unterstützen. Dieser&#13;
von der Interamerikanischen Entwicklungsbank verwaltete Fonds würde helfen, auch kleine Staatsbetriebe zu privatisieren, die Beschäftigten umzuschulen&#13;
und Kredite für die Gründung von Kleinunternehmen&#13;
bereitzustellen. Aber der Kongreß hat sich geweigert,&#13;
unseren Anteil an diesem Fonds zu bewilligen.&#13;
Ich werde weiterhin für diese wichtigen Programme&#13;
der Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in allen&#13;
Ländern Amerikas kämpfen, bis der Kongreß den&#13;
Weitblick und die Stärke demonstriert, um sie zu&#13;
unterstützen, wie sie es verdient. Wenn wir in die&#13;
Umgestaltung Osteuropas und der früheren Sowjetunion investieren können - was wir tun müssen - dann&#13;
können und müssen wir in die Anstrengungen unserer&#13;
unmittelbaren Nachbarn auf ihrem friedlichen Weg zu&#13;
echter Freiheit und echtem Wohlstand investieren.&#13;
Das wirtschftliche Schicksal der Vereinigten Staaten&#13;
ist an Lateinamerikas Schicksal geknüpft. Keine Armee&#13;
von Protektionisten kann dies ändern. Als Lateinamerika Anfang der achtziger Jahre seine Schuldenkrise&#13;
erlitt, verzeichneten wir einen entsprechenden Einbruch im Handel. Wenn Sie das nicht glauben, fragen&#13;
Sie die Arbeiter bei Caterpillar in Illinois oder bei&#13;
Cessna in Kansas. Fragen Sie sie, ob sie gelitten&#13;
haben, als unsere besten Kunden in Lateinamerika&#13;
eine Krise hatten.&#13;
Mit dem Vormarsch von Demokratie und Wirtschaftsreformen sind die US-Exporte nach Lateinamerika in&#13;
nur zwei Jahren um fast zwei Drittel gestiegen, von 49&#13;
Milliarden im Jahr 1989 auf 63 Milliarden im Jahr 1991.&#13;
Dies ist eine schnellere Wachstumsrate als bei unseren Exporten nach Asien oder Europa. Es deutet auf&#13;
die Tatsache hin, daß ein stabiles, wohlhabendes&#13;
Lateinamerika ein natürlicher Markt für Waren und&#13;
Dienstleistungen aus den Vereinigten Staaten ist. Die&#13;
Förderung der Volkswirtschaften unserer Nachbarn&#13;
wird zu mehr Exporten und mehr guten Arbeitsplätzen&#13;
für die Menschen in den Vereinigten Staaten führen.&#13;
Wenn wir mit unseren Freunden außerhalb der westlichen Hemisphäre sprechen, müssen wir ihnen so klar&#13;
wie möglich versichern: Bei unserer Vision von offenem Handel und wirtschaftlicher Integration in unserer&#13;
Hemisphäre soll niemand ausgeschlossen werden.&#13;
Unser Ziel besteht ganz einfach darin, die Schranken&#13;
für wirtschaftliche Freiheit innerhalb und außerhalb der&#13;
Länder der westlichen Hemisphäre zu senken und&#13;
keine - ich wiederhole: keine - Schranken zwischen&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
uns und den Ländern Afrikas, Europas und Asiens zu&#13;
errichten. All unsere Ziele stehen im Einklang mit der&#13;
internationalen Politik des GATT - und ich möchte nur&#13;
kurz die hervorragende Führungskraft des GATTDirektors, Arthur Dunkel, würdigen, der bereits heute&#13;
zu Ihnen gesprochen hat. Ich möchte Ihnen ferner&#13;
versichern, daß ich äußerstes Interesse daran habe,&#13;
mit Hilfe einer erfolgreichen Uruguay-Runde die Märkte weltweit zu öffnen.&#13;
Wenn die Verfechter und Befürworter von Sonderinteressen dies in Frage stellen wollen, sollen sie nur&#13;
kommen. Ich werde mich bei allen Menschen in allen&#13;
Winkeln der Vereinigten Staaten für mehr Handel&#13;
einsetzen. Und ich möchte eins klarstellen: Freier&#13;
Handel bedeutet mehr Exporte, mehr Investitionen,&#13;
eine bessere Wahl, mehr Arbeitsplätze für Amerikaner. Dieses große Land ist der Welt größter Exporteur&#13;
- im vergangenen Jahr für über 422 Milliarden Dollar - ,&#13;
und wir beabsichtigen eine Handelspolitik zu verfolgen, die dieses Wachstum jetzt und in Zukunft erhält.&#13;
Wir werden Schranken einreißen, wo immer wir sie&#13;
finden, um zum Beispiel Märkte für unsere ComputerSoftware, Filme, Bücher und Arzneimittel zu öffnen.&#13;
Wir werden den Protektionismus im In- und Ausland&#13;
stark bekämpfen.&#13;
Vor 500 Jahren hat ein mutiger Mann voller Visionen in&#13;
Europa die Segel gesetzt, auf der Suche nach neuen&#13;
Handelswegen und Möglichkeiten. Er setzte sich über&#13;
den Rat derer hinweg, die erklärten, die Erde sei eine&#13;
Scheibe. Christoph Kolumbus' Reise nach Amerika&#13;
hat die Geschichte der Menschheit verändert. Kolumbus war ein Abenteurer, und das Risiko, das er vor 500&#13;
Jahren auf sich nahm, zahlt sich heute noch voll und&#13;
ganz aus.&#13;
Heute müssen wir immer noch gegen eine rückwärts&#13;
gerichtete Mentalität ankämpfen, den Geisteszustand,&#13;
der uns drängt, an unseren Grenzen Schranken gegen&#13;
den Wettbewerb zu errichten, den freien Austausch&#13;
von Nahrungsmitteln, Maschinen, Fähigkeiten und&#13;
Ideen nicht zuzulassen.&#13;
Aber die Zukunft gehört nicht dem Status quo. Sie ist&#13;
das Vermächtnis von Menschen wie Ihnen, Menschen&#13;
mit Weitblick und Unternehmergeist. Die Zukunft der&#13;
Länder Amerikas ist eine Zeit der Neuentdeckung.&#13;
Eine Zeit, um die Armen durch neue Investitionen,&#13;
Handel und Wachstum mit Macht auszustatten. Eine&#13;
Zeit der kulturellen Erneuerung. Unsere Anstrengungen und die Anstrengungen von Millionen Bürgern in&#13;
allen Teilen Amerikas können einer ehrlichen, demokratischen und eingeschränkten Regierung neue Impulse&#13;
geben. Gemeinsam können wir in eine neue Friedensordnung und ein neues Zeitalter des Wohlstands&#13;
eintreten, denen die Freiheit des einzelnen neuen&#13;
Schwung verleiht.&#13;
*&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�AUSSENPOLITIK&#13;
29. April 1992&#13;
&#13;
USA MÜSSEN BEI DER VERBREITUNG VON&#13;
DEMOKRATIE KATALYSATOR SEIN&#13;
Rede von Außenminister Baker beim Chicago Council&#13;
WASHINGTON - (AD) - Als mächtigste Demokratie der Welt müssen die Vereinigten Staaten Außenminister&#13;
Baker zufolge in den neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion als Katalysator für die Verbreitung von&#13;
Demokratie und freien Märkten wirken.&#13;
"Unsere Idee ist es, die gefährliche Zeit des kalten Kriegs durch einen demokratischen Frieden zu ersetzen einen Frieden, der sich auf die zwei Säulen politische und wirtschaftliche Freiheit stützt," erklärte Baker beim&#13;
Chicago Council on Foreign Relations in einer wichtigen Rede zur Außenpolitik.&#13;
Baker zufolge kann durch die Förderung von Demokratie und freien Märkten in Rußland und Eurasien die neue&#13;
"Zone des Friedens und Wohlstands" erweitert und die neuen Staaten der früheren Sowjetunion ebenso in die&#13;
demokratische Staatengemeinschaft eingegliedert werden wie Mittel- und Osteuropa seit 1989.&#13;
Außenminister Baker bezeichnete das von Präsident Bush Anfang des Monats angekündigte internationale&#13;
Hilfspaket von 24 Milliarden Dollar als herausragendes Beispiel für funktionierendes kollektives Engagement. Mit&#13;
diesem Paket soll Rußland geholfen werden, seine Wirtschaft zu stabilisieren, die Inflation unter Kontrolle zu&#13;
bringen und Wachstum und Entwicklung den Weg zu bereiten.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Außenminister Bakers Rede im Wortlaut.&#13;
Vor nicht allzu langer Zeit war ich in Deutschland auf&#13;
dem Luftwaffenstützpunkt Rhein-Main. Die Piloten&#13;
dort rollten ihre Flugzeuge in die Startposition. Mitglieder der Besatzung bemühten sich, die letzten Stücke&#13;
der Ladung zu verstauen. Die Jets donnerten, als ich&#13;
beobachtete, wie Flugzeuge der US-Luftwaffe zu ihrem Flug nach Moskau und in 19 andere Städte der&#13;
ehemaligen Sowjetunion starteten.&#13;
Auf eben diesem Stützpunkt und anderen halten junge&#13;
Amerikaner seit zwei Generationen Wache, bereit,&#13;
Flugzeuge zu starten, um einen sowjetischen Angriff&#13;
abzuwehren. Aber statt Raketen und Bomben starteten die amerikanischen Flugzeuge jetzt mit Nahrungsund Arzneimitteln als Ladung der Hoffnung, nicht als&#13;
Fracht der Zerstörung.&#13;
Dieser Flug war auch Teil einer längeren Reise - des&#13;
Wegs, den die Welt nach so vielen Jahren des kalten&#13;
Kriegs zurückgelegt hat und des Wegs, den wir als&#13;
Amerikaner im Laufe dieses Jahrhunderts gegangen&#13;
sind.&#13;
Zweimal zuvor hat sich Amerika auffordern lassen,&#13;
beim Aufbau eines neuen Friedens die Führungsrolle&#13;
zu übernehmen.&#13;
Jetzt ist dieser Aufruf erneut ergangen.&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
Eine amerikanische Reise&#13;
Die ersten Schritte auf dieser amerikanischen Reise&#13;
wurden in diesem Monat vor 75 Jahren unternommen.&#13;
Wir traten in den sogenannten Großen Krieg ein, den&#13;
Krieg, der alle Kriege beenden sollte, der aber ganz&#13;
einfach zum Ersten Weltkrieg wurde.&#13;
Diese schreckliche Vernichtung von Menschen und&#13;
Nationen zerstörte die alte Ordnung, setzte aber nichts&#13;
an ihre Stelle. Am Ende richteten alle Menschen ihre&#13;
Hoffnung auf die Vereinigten Staaten, die allein über&#13;
die Stärke und moralische Kraft verfügten, um einen&#13;
dauerhaften Frieden zu gewährleisten. Amerika wurde zur Führungsrolle berufen.&#13;
Aber Amerika war nicht bereit. Unsere Führer waren&#13;
bitter zerstritten. Die Menschen in unserem Land&#13;
waren nur bestrebt, wieder ihr normales Leben aufzunehmen. Wir entschieden uns also, uns aus den&#13;
Streitigkeiten anderer Länder "herauszuhalten" und&#13;
hofften, uns dadurch auch selbst Schwierigkeiten&#13;
ersparen zu können.&#13;
Bevor wir zu streng über die Amerikaner im Jahr 1919&#13;
urteilen, sollten wir uns daran erinnern, daß der Isolationismus zunächst zu funktionieren schien. Die Feinde der Demokratie brauchten mehr als zehn Jahre und&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�die Große Depression, bevor sie den nächsten großen&#13;
Angriff starten konnten.&#13;
Aber wir sollten dies nicht falsch verstehen. Die&#13;
Katastrophen der dreißiger Jahren entstanden aus&#13;
den Fehlern der zwanziger Jahre: der Illusion des&#13;
Isolationismus und dem Irrglauben des Protektionismus. Als die Amerikaner schließlich verstanden, daß&#13;
ein protektionistisches Amerika niemals ein wohlhabendes Amerika und ein isolationistisches Amerika&#13;
niemals ein sicheres Amerika sein könnte, mußten wir&#13;
diese Fehler mit einer Depression und einem Krieg&#13;
bezahlen.&#13;
Nach dem Zweiten Weltkrieg wollten wir uns wieder&#13;
um unsere eigenen Angelegenheiten kümmern. Wir&#13;
sahen uns jedoch zum zweiten Mal mit der Aufforderung zu einer internationalen Führungsrolle konfrontiert - im kalten Krieg gegen sowjetische Aggression.&#13;
Wir waren entschlossen, nicht die Fehler einer früheren Generation zu wiederholen. Dieses Mal stellten wir&#13;
uns der Herausforderung. Wir führten einen 40 Jahre&#13;
währenden Kampf, der schließlich mit dem Zusammenbruch des Sowjetkommunismus endete.&#13;
Jetzt ist der kalte Krieg Geschichte, und es wäre&#13;
verlockend, dieses Engagement Amerikas in der Welt&#13;
- das Amerika des Marshallplans, der NATO und der&#13;
Unterstützung der Demokratie in Japan - als offensichtliche und populäre Verpflichtung von Anfang an&#13;
zu betrachten. Das war es nicht.&#13;
Das amerikanische Volk stand den Aussagen seiner&#13;
politisch Verantwortlichen zunächst skeptisch gegenüber. Als der Kolumnist der New York Times, James&#13;
Reston, die Einzelheiten und wahrscheinlichen Kosten&#13;
des Marshallplans enthüllte, rief ihn Senator Arthur&#13;
Vandenberg, der Führer der Republikaner im Senat,&#13;
an. Vandenberg erklärte ihm, der Kongreß würde&#13;
niemals soviel Geld ausgeben, um irgendjemanden zu&#13;
retten. Aber als die Tatsachen dem amerikanischen&#13;
Volk dargelegt wurden, als es verstand, was auf dem&#13;
Spiel stand und getan werden mußte, wendete sich&#13;
das Blatt. Auch Senator Vandenberg änderte seine&#13;
Meinung und - mit Vandenbergs Hilfe und Unterstützung der Öffentlichkeit - bekam General Marshall das&#13;
Geld.&#13;
Weder der Marshallplan noch irgendeine andere der&#13;
großen Leistungen des Kongresses in jener Zeit kam&#13;
zustande, weil Auslandshilfe populär war. Das amerikanische Volk unterstützte den Marshallplan und das&#13;
NATO-Bündnis sowie Bestrebungen zur Förderung&#13;
von Demokratie und Wiederaufbau nicht, weil diese&#13;
Angelegenheiten populär waren, sondern weil die&#13;
Amerikaner wußten, was zu tun war.&#13;
Die Amerikaner wußten, daß es nicht ausreichte, die&#13;
Sowjetunion in Schach zu halten. Zugunsten dauerhaften Friedens und dauerhafter Freiheit mußten wir&#13;
aus unseren Gegnern des Zweiten Weltkriegs Freun-&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
de und Verbündete machen. Und dank unserer Unterstützung politischer und wirtschaftlicher Freiheit in&#13;
diesen Ländern haben wir es geschafft. Die Ergebnisse sind für alle offensichtlich: Was ich als "Zone des&#13;
Friedens und Wohlstands" bezeichnen würde, hat&#13;
vielen Ländern in Europa und Asien und nicht zuletzt&#13;
den Vereinigten Staaten neue Horizonte eröffnet.&#13;
Der dritte Aufruf: Führungsroile beim koii«ktlven&#13;
Engagement&#13;
Heute, im Zeitalter nach dem kalten Krieg, werden wir&#13;
zum dritten Mal aufgefodert, eine Führungsrolle zu&#13;
übernehmen. Dieses Mal geht es nicht darum, einen&#13;
Krieg zu gewinnen, sondern darum, einen demokratischen Frieden zu gewinnen. Dieses Mal geht es auch&#13;
nicht darum, den Frieden für einen Teil der Welt, die&#13;
freie Hälfte, sondern für die ganze Welt zu erlangen.&#13;
Amerika steht vor der Wahl: Entweder können wir&#13;
versuchen, diesen Frieden durch eine Politik der Zusammenarbeit mit anderen an der Gestaltung unserer&#13;
Zeit zu erzielen, oder wir können abseits stehen und sei es aus Überzeugung oder Gleichgültigkeit - dahintreiben, während die Zeit uns formt.&#13;
Der Präsident hat unsere Wahl eindeutig bekundet.&#13;
Unsere Idee ist es, die gefährliche Zeit des kalten&#13;
Kriegs durch einen demokratischen Frieden zu ersetzen - einen Frieden, der sich auf die zwei Säulen&#13;
politische und wirtschaftliche Freiheit stützt. Wir haben dazu beigetragen, daß Demokratie nach dem&#13;
Zweiten Weltkrieg in Deutschland, Italien und Japan&#13;
gedeihen konnte und können daher jetzt demokiatische Werte in Rußland, der Ukraine, Armenien und&#13;
den anderen neuen Staaten Eurasiens fördern.&#13;
Gemeinsame demokratische Werte können einen&#13;
dauerhaften und stabilen Frieden auf eine Weise&#13;
gewährleisten, wie es das Gleichgewicht des Terrors&#13;
niemals konnte.&#13;
Echte Demokratien führen keinen Krieg miteinander.&#13;
Und obwohl die Demokratie unsere Sicherheit unterstützt, werden die damit einhergehenden freien Märkte&#13;
Wohlstand auf der ganzen Welt - und in Amerika fördern.&#13;
Kurzum - wir können durch die Förderung von Demokratie und freien Märkten in Rußland und Eurasien die&#13;
"Zone des Friedens und Wohlstands" weiter nach&#13;
Osten nach Ru ßland und Eurasien erweitern und diese&#13;
neuen Staaten in die demokratische Staatengemeinschaft eingliedern ebenso wie wir seit 1989 daran&#13;
gearbeitet haben, die neuen Demokratien Mittel- und&#13;
Osteuropas in diese Zone von Frieden und Wohlstand&#13;
einzugliedern. Dies dient amerikanischen Interessen&#13;
und Werten nicht nur in Rußland und Eurasien, sondern auch in West- und Osteuropa, dem Nahen Osten&#13;
und Asien.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�Die Arbeit an der Freiheit wird schwierig sein. Die&#13;
Länder Ru Bland und Eurasien haben im Gegensatz zu&#13;
Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenig&#13;
Erfahrung mit Demokratie oder Kapitalismus. Die&#13;
Gefahren ethnischer Konflikte und politischer Zersplitterung lauem ebenso wie die Mühen und Opfer der&#13;
Marktrei'orm.&#13;
Dennoch ist die Gemeinschaft demokratischer Staaten größer und dynamischer als zu Ende des Zweiten&#13;
Weltkriegs. Deshalb planen wir, einen demokratischen Frieden aufzubauen, indem wir eine direkte&#13;
Politik der amerikanischen Führung verfolgen, die wir&#13;
"kollektives Engagement" nennen.&#13;
Kollektives Engagement baut auf unserem Erfolg bei&#13;
der Vergrößerung der demokratischen Staatengemeinschaft nach dem Zweiten Weltkrieg auf. Deutschland,&#13;
Italien und Japan sind jetzt starke und wohlhabende&#13;
Verbündete. Durch Zusammenarbeit mit unseren&#13;
Verbündeten und den von uns nach dem Zweiten&#13;
Weltkrieg geschaffenen internationalen Organisationen - den Vereinten Nationen, der Weltbank, dem&#13;
Internationalen Währungsfonds - müssen wir es nicht&#13;
allein leisten. Statt dessen können wir gemeinsam&#13;
einen demokratischen Frieden aufbauen.&#13;
Die treibende Kraft des kollektiven Engagements ist&#13;
die amerikanische Führungsrolle, die sich auf gemeinsame Werte und Interessen der demokratischen Staatengemeinschaft stützt.&#13;
Als mächtigste Demokratie auf der Welt müssen wir&#13;
als Katalysator wirken und nach vom streben, wo wir&#13;
dies können. Aber darüber hinaus gibt es noch etwas.&#13;
Wir nennen es Vertrauen. Präsident Bush hat erklärt,&#13;
die Welt vertraut uns die Macht an, sie vertraut auf uns,&#13;
das zu tun, was richtig ist. Aufgrund dieses amerikanischen Verhaltens können wir heute - wenn wir das&#13;
wollen - mit unseren Partnern daran arbeiten, die&#13;
Pflichten und Kosten zu teilen und zusammen unsere&#13;
gemeinsamen Probleme angehen. Das bedeutet&#13;
amerikanische Führungsrolle durch kollektives Engagement.&#13;
Wie es funktioniert hat&#13;
Im Laufe der Regierung Bush hat die Politik kollektiven&#13;
Engagements funktioniert - und sie hat gut funktioniert.&#13;
Tatsächlich hat sie Leistungen vollbracht, die über das&#13;
hinausgingen, was viele für möglich gehalten haben&#13;
und wovon viele gesagt haben, es sei zur Zeil einfach&#13;
unmöglich zu bewerkstelligen.&#13;
Viele haben erklärt, Deutschland könne nicht friedlich,&#13;
demokratisch und als Mitglied der NATO vereinigt&#13;
werden - dennoch haben es die Vereinigten Staaten&#13;
und ihre Verbündeten durch Verhandlungen mit der&#13;
früheren Sowjetunion vollbracht.&#13;
Andere haben erklärt, die Sowjetunion würde niemals&#13;
Osteuropa oder das Baltikum freigeben, aber die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
Vereinigten Staaten und ihre europäischen Verbündeten haben auf die UdSSR eingewirkt, ihren Zugriff zu&#13;
lockern, als gefangene Völker nach Freiheit strebten.&#13;
Viele haben erklärt, die NATO könne nicht umgestaltet&#13;
werden. Aber in Zusammenarbeit mit dem neu vereinigten Deutschland haben die Vereinigten Staaten und&#13;
ihre Verbündeten dies vollbracht, und sie entwerfen&#13;
jetzt Strategien und Streitkräfte für neue Zeiten und&#13;
schaffen einen neuen Nordatlantischen Kooperationsrat, der sich an frühere Gegner wendet, um sie zu&#13;
neuen Freunden zu machen und bei neuen und anderen Herausforderungen hilft.&#13;
Viele haben erklärt, daß wir nicht sicher radikale&#13;
Reduzierungen der nuklearen und konventionellen&#13;
Arsenale aushandeln könnten, aber dennoch haben&#13;
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten dies&#13;
geschafft, indem sie zunächst mit der Sowjetunion und&#13;
jetzt mit Rußland und den anderen neuen unabhängigen Staaten verhandelt haben.&#13;
Andere haben erklärt, daß die irakische Aggression&#13;
gegen Kuwait nicht zu vereiteln sei, daß die viertgrößte&#13;
Armee der Welt nicht geschlagen werden könnte - es&#13;
sei denn mit enormen Kosten - aber dennoch haben es&#13;
die Vereinigten Staaten geschafft, indem sie eine&#13;
einmalige internationale Koalition anführten.&#13;
Manche haben erklärt, Araber und Israelis würden sich&#13;
nie bei einer Friedenskonferenz zusammensetzen und&#13;
ganz sicher niemals direkte bilaterale und multilaterale&#13;
Verhandlungen auf ein solches Treffen folgen lassen,&#13;
aber die Vereinigten Staaten, Rußland und andere&#13;
Partner haben mit den Parteien zusammengearbeitet&#13;
und waren die Katalysatoren, die es erreicht haben.&#13;
Viele haben gesagt, daß in Mittelamerika die Demokratie nicht über Gewalt triumphieren könne, aber die&#13;
Vereinigten Staaten haben gemeinsam mit Partnern in&#13;
Lateinamerika und auf anderen Kontinenten dazu&#13;
beigetragen, daß dies in Nicaragua und El Salvador&#13;
erreicht werden konnte. Jetzt helfen die Vereinigten&#13;
Staaten, daß die Vergangenheit in Lateinamerika&#13;
überwunden werden kann und unterstützen Demokratie und Wirtschartsreformen durch das Nordamerikanische Freihandelsabkommen und die Initiative zur&#13;
Förderung der Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas.&#13;
Viele haben gesagt, daß Kambodscha niemals seiner&#13;
Qual entkommen könne, die vietnamesischen Truppen ihren Stützpunkt behalten werden und friedliche&#13;
Veränderungen unmöglich wären. Aber jetzt arbeiten&#13;
die Vereinigten Staaten gemeinsam mit dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und Freunden in Asien&#13;
daran, bei freien Wahlen und beim Wiederaufbau in&#13;
Kambodscha zu helfen.&#13;
In jedem Fall ist das Muster klar erkennbar: die&#13;
Führungsrolle und das Engagement der Vereinigten&#13;
Staaten haben kollektives Handeln ermöglicht. Wir&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�mußten es nicht allein tun, aber ohne uns hätte es nicht&#13;
erfolgreich erreicht werden können. Trotz aller Zweifel&#13;
und Zweifler steht eins fest. Kollektives Engagement&#13;
funktioniert. Um es einfach zu sagen: Wir haben&#13;
geführt, wir hatten Partner, und gemeinsam waren wir&#13;
erfolgreich.&#13;
Die Führungsrolle der Vereinigten Staaten beim kollektiven Engagement vermeidet die gefährlichen Extreme entweder der falschen Omnipotenz oder des&#13;
fehlgeleiteten Multilateralismus. Die Vereinigten Staaten sind nicht der Weltpolizist. Wir sehen nicht tatenlos&#13;
zu, wenn es um unser eigenes Schicksal geht. Was&#13;
jenseits unserer Ufer geschieht, hat sehr reale Auswirkungen hier in unserem Land.&#13;
Kollektives Engagement gestattet es den Vereinigten&#13;
Staaten, gleichgesinnte Staaten im Namen des Friedens zusammenzubringen und auf internationale Institutionen zurückzugreifen, wo sie einen konstruktiven&#13;
Beitrag leisten können. Der Charakter des Problems,&#13;
die Interessen und Werte, die für uns auf dem Spiel&#13;
stehen, die Fähigkeit unserer Freunde zum Handeln&#13;
und die Bedeutung der verfügbaren multilateralen&#13;
Mechanismen werden unsere Rolle bestimmen.&#13;
Offensichtlich können wir die Zukunft der Demokratie&#13;
oder amerikanischer Interessen kaum ausschließlich&#13;
multilateralen Institutionen anvertrauen, und das sollten wir auch nicht tun. Natürlich behalten sich die&#13;
Vereinigten Staaten das Recht vor, allein zu handeln,&#13;
was manchmal der einzige Weg sein kann, der unseren nationalen Interessen dient.&#13;
Wir verfolgen einen pragmatischen Ansatz, der sich&#13;
auf Prinzipien stützt - weil er die gemeinsame Werte&#13;
fördert, die für einen demokratischen Frieden entscheidend sind.&#13;
Auf diese Weise bauen wir eine neue und bessere&#13;
Weltordnung auf: die amerikanische Führungsrolle&#13;
wirkt als Katalysator kollektiven Handelns zum Schutz&#13;
und zur Förderung des wesentlichsten Bestandteils&#13;
unserer Sicherheit, politischer und wirtschaftlicher Werte.&#13;
Der Test für Rußland und Eurasien&#13;
Die amerikanische Führungsrolle beim kollektiven&#13;
Engagement steht jetzt vor einer weiteren wichtigen&#13;
Probe: dem Test für Ru ßland und den anderen aus der&#13;
ehemaligen Sowjetunion hervorgegangenen unabhängigen Staaten. Befreit von der doppelten Last des&#13;
Kommunismus und des Imperiums versuchen die&#13;
Russen, Ukrainer, Kasachen und die anderen Völker&#13;
der ehemaligen Sowjetunion ihre nationale Identität&#13;
wiederzuerlangen: ihre reiche Kultur, Religion und&#13;
Geschichte, ihren konstruktiven Platz in der Welt. Alle&#13;
einst unterdrückten Nationen sind endlich vom Schatten ins Licht getreten. In unterschiedlichem Maße&#13;
streben sie Demokratie und die wirtschaftlichen Vorteile freier Märkte an.&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
In den vergangenen vier Monaten habe ich alle neuen&#13;
Staaten der ehemaligen Sowjetunion mit Ausnahme&#13;
Georgiens besucht. Ich bin mit ihren Politikern zusammengetroffen und habe unsere Politik erläutert. Sie&#13;
haben mir ihre Wünsche und Probleme beschrieben.&#13;
Gemeinsam haben wir eine Erfahrung gemacht, die&#13;
noch vor kurzer Zeit ein entfernter Traum schien: ein&#13;
amerikanischer Außenminister, der mit dem Präsidenten einer unabhängigen Ukraine, einem unaui längigen&#13;
Belarus, einem unabhängigen Armenien und einem&#13;
unabängigen Usbekistan zusammenkommt. Wie bei&#13;
den Litauern, Letten und Esten, den Polen, Tschechen, Ungarn, Bulgaren, Rumänen, Albanern und&#13;
anderen vor ihnen, wurde mir ein Höchstmaß an&#13;
Achtung und Zuneigung für die Vereinigten Staaten&#13;
und unser Volk entgegengebracht.&#13;
Ich bin von meinen Reisen absolut überzeugt zurückgekehrt, daß wir die Chance des Jahrhunderts haben,&#13;
den Gang der Geschichte zu beeinflussen und ein&#13;
neues Zeitalter des Friedens einzuleiten. Ich spreche&#13;
nicht über das 20., sondern das 21. Jahrhundert. Ich&#13;
spreche nicht nur von unserer Generation, sondern&#13;
auch von nachfolgenden Generationen.&#13;
Was auf dem Spiel steht, ist wirklich historisch:&#13;
Strategisch können die Vereinigten Staaten, Rußland&#13;
und die anderen Länder der ehemaligen Sowjetunion&#13;
zu einer dauerhaften Freundschaft, Partnerschaft und&#13;
selbst einem Bündnis gelangen. Dies ist die echte&#13;
Friedensdividende - die Beseitigung der psychologischen Last der Furcht und Feindschaft, die Freisetzung moralischer und materieller Ressourcen, die&#13;
durch den nuklearen und konventionellen Rüstungswettlauf verbraucht wurden. Um Präsident Bush zu&#13;
zitieren: "Demokraten im Kreml können unsere Sicherheit in einer Weise gewährleisten, wie es Atomraketen niemals konnten."&#13;
Politisch kann sich die Demokratie dort entfalten, wo&#13;
sie nie zuvor gedeihen konnte. De Tocquevilles berühmte Prophezeiung, die amerikanische Republik&#13;
und das russische Imperium seien zu Antagonismus&#13;
verurteilt, Demokratie gegen Autokratie, ist überholt.&#13;
Es kann einen Aufschwung der Freiheit für diejenigen&#13;
geben, die lange auf den Genuß ihrer Segnungen&#13;
gewartet haben.&#13;
Wirtschaftlich können sich Rußland und die anderen&#13;
neuen Staaten endlich in die Weltwirtschaft eingliedern. Ihre Bodenschätze und das enorme Talent ihrer&#13;
Völker können zum Wohlergehen dieser Völker und&#13;
nicht der Kommunistischen Partei beitragen, und ihre&#13;
Integration in die Weltwirtschaft kann für unsere Handelspartner und Investoren die Chancen erhöhen.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben sich seit einiger Zeit auf&#13;
eben diese Chance vorbereitet, nicht nur im Hinblick&#13;
auf Rußland, sondern auf alle neuen Staaten. In dem&#13;
Maße, in dem sie Schritte nach vorn gedacht haben,&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�sind wir mit ihnen gegangen. Wir haben unseren&#13;
Ansatz verfeinert, damit er nicht nur unserer Einschätzung dessen, was wir tun sollten, sondern auch der&#13;
Tatsache Rechnung trägt, wie weit sie selbst bereit&#13;
sind zu gehen - denn letzten Endes können wir nur&#13;
denjenigen helfen, die sich selbst helfen.&#13;
Neue Schritte&#13;
Insbesondere mit Rußland - der größten aus dem&#13;
Zusammenbruch der Sowjetunion hervorgegangenen&#13;
unabhängigen Nation - haben wir versucht, eine neue&#13;
Vision zu verwirklichen: ein Rußland, das ein strategischer Partner der Vereinigten Staaten würde, das bei&#13;
der Förderung von Frieden und Demokratie in ganz&#13;
Eurasien nicht gegen, sondern mit uns arbeiten würde.&#13;
Ein Rußland, das eine neue demokratische, auf freie&#13;
Wahlen, Mehrparteiendemokratie und Rechtsstaatlichkeit gegründete Gesellschaft würde. Ein Rußland,&#13;
das in die Weltwirtschaft integriert werden könnte,&#13;
offen für Handel und Investitionen aus dem Ausland,&#13;
das durch freie Märkte und Einzelinitiative zu Wohlstand gelangt.&#13;
Rußlands Potential ist Bestandteil der umfassenderen&#13;
Vision für alle Länder der ehemaligen Sowjetunion und&#13;
des eurasischen Kontinents. Wir können die Zone des&#13;
Friedens und Wohlstands nach Osten ausdehnen, bis&#13;
das Ziel des Präsidenten eines wirklich ungeteilten und&#13;
freien Europas erreicht ist. Ein Kontinent freier, unabhängiger und souveräner Nationen, die Demokratien&#13;
und freie Märkte aufbauen, an der friedlichen Beilegung von Konflikten zusammenarbeiten und sich vollständig in die demokratische Staatengemeinschaft&#13;
und Weltwirtschaft integrieren.&#13;
Dies ist eine revolutionäre Vision - aber wir leben in&#13;
revolutionären Zeiten. Im Dezember - gerade als die&#13;
Sowjetunion endgültig von der Landkarte verschwand&#13;
- habe ich in der Princeton University drei Bereiche&#13;
umrissen - den militärischen, politischen und wirtschaftlichen - in denen wir mit Rußland und den&#13;
anderen neuen unabhängigen Staaten an der Verwirklichung der Vision zusammenarbeiten können.&#13;
Seitdem haben wir Fortschritte im militärischen Bereich erzielt mit den Vorschlägen der Präsidenten&#13;
Bush und Jelzin zur nuklearen Rüstungskontrolle, mit&#13;
den neuen praktischen Schritten, Rußland, der Ukraine, Belarus und Kasachstan bei der Verschrottung&#13;
ihrer Nuklearwaffen behilflich zu sein und mit der&#13;
Gründung eines internationalen Wissenschaftszentrums zur Bewältigugn der Abwanderung von Atomwissenschaftlern.&#13;
Im politischen Bereich haben wir diplomatische Beziehungen zu allen neuen Staaten aufgebaut, und wir sind&#13;
das einzige Land, das Botschaften in allen neuen&#13;
Staaten unterhält. Darüber hinaus heißen wir sie in&#13;
den Vereinten Nationen, dem Nordatlantischen Kooperationsrat und der Konferenz über Sicherheit und&#13;
Zusammenarbeit in Europa willkommen.&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
Im wirtschaftlichen Bereich haben wir die massiven&#13;
humanitären Bestrebungen zur Erfüllung des Bedarfs&#13;
an Nahrungs- und Arzneimitteln beschleunigt. Wir&#13;
haben unsere technischen Hilfsprogramme erweitert,&#13;
und bei der Washingtoner Koordinierungskonferenz&#13;
im Januar hat eine neue internationale Koalition aus 54&#13;
Nationen und Institutionen umfassende und konstruktive Bestrebungen zur Koordinierung der Hilfsleistungen in die Wege geleitet.&#13;
Der letzte Mosaikstein war ein umfangreicher, glaubwürdiger Plan für Wirtschaftsreformen. Im Dezember,&#13;
als die Sowjetunion zusammenbrach, gab es keinen&#13;
solchen Plan.&#13;
Aber seit Januar hat Präsident Jelzin eine mutige&#13;
Entscheidung nach der anderen getroffen, die meisten&#13;
Preiskontrollen aufgehoben, die staatlichen Ausgaben&#13;
reduziert und die Verteidigungsausgaben drastisch&#13;
gekürzt. Rußland hat ernsthafte, konstruktive Gespräche mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF)&#13;
und der Weltbank aufgenommen. Ein sowohl glaubwürdiges als auch umfangreiches Reformprogramm&#13;
wurde in die Wege geleitet. Und Präsident Jelzins&#13;
Engagement ist ungebrochen.&#13;
Zweifelsohne sind die Russen engagiert und können&#13;
es sich nicht leisten, jetzt aufzuhören. Das Erbe der&#13;
Vergangenheit ist eine den Rubel vernichtende enorme Inflation, die nicht nur die wirtschaftlichen Reformbestrebungen, sondern auch die Zukunft der Demokratie in Rußland und seinen Nachbarländern bedroht.&#13;
Wenn die Demokratie in Rußland scheitert, wird auch&#13;
die Arbeit an der Freiheit in der Ukraine, Armenien,&#13;
Belarus, Moldawien, Kasachstan, Kirgistanundallden&#13;
anderen Ländern sehr viel schwieriger.&#13;
Dies sind die Gründe, warum der Präsident am 1. April&#13;
1992 unsere Unterstützung eines multilateralen makroökonomischen Hilfspakets angekündigt hat. Dieses Hilfspaket im Wert von 24 Milliarden Dollar wird&#13;
Rußland bei der Stabilisierung seiner Wirtschaft helfen, die Inflation unter Kontrolle bringen und den Weg&#13;
für Wachstum und Entwicklung bereiten. Als breitgefächerte multilaterale Bestrebung mit dem Ziel der&#13;
Unterstützung von Demokratie und freien Märkten ist&#13;
dieser Plan ein anschauliches Beispiel für praktisches&#13;
kollektives Engagement.&#13;
Als Teil dieser multilateralen Bestrebungen hat der&#13;
Präsident das Gesetz zur Förderung der Freiheit vorgeschlagen. Während dieses Gesetz unser Engagement für das multilaterale makroökonomische Hilfspaket fördert, unterstützt es gleichzeitig Demokratie und&#13;
freie Märkte in Rußland und Eurasien über die ganze&#13;
Bandbreite militärischer, politischer und wirtschaftlicehr Fragen hinweg. Es stellt einen umfassenden und&#13;
integrierten Ansatz zur Umgestaltung der ehemaligen&#13;
Sowjetunion dar.&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�Erstens unterstützt das Gesetz unsere Bestrebungen&#13;
zum Abbau der Bedrohung unserer Sicherheit durch&#13;
die Vernichtung von Waffen, Entmilitarisierung und&#13;
atomare Sicherheit. Es gestattet uns, unsere Hilfsbestrebungen für Rußland, die Ukraine und die anderen&#13;
neuen unabhängigen Staaten bei der Umgestaltung&#13;
der auf Rüstungsproduktion ausgerichteten Volkswirtschaften zu erweitern.&#13;
Zweitens unterstützt das Gesetz die Demokratisierungsprogramme in Rußland und den anderen neuen&#13;
unabhängigen Staaten. Es fördert unsere Bestrebungen, Russen, Ukrainer, Zentralasiaten und andere&#13;
Völker zu Praktika bei uns einzuladen. In den jeweiligen Ländern lebende amerikanische Berater sollen&#13;
den Einheimischen den Weg zu Demokratie und freien&#13;
Märkten aufzeigen.&#13;
Drittens unterstützt das Gesetz freie und offene Märkte durch technische Hilfe, die Förderung von Handel&#13;
und Investitionen und makroökonomische Stabilisierung. Das Gesetz wird unseren Firmen das Engagement bei Handels- und Investitionschancen in der&#13;
Ukraine, Kasachstan, Rußland und den anderen neuen unabhängigen Staaten erleichtern. Das Gesetz&#13;
wird zur Erweiterung der Programme der Entwicklungsgesellschaft OPIC und der Export-Import-Bank&#13;
beitragen. So können wir staatliche Mittel in den&#13;
Privatsektor und Investitionen lenken. Das ist gut für&#13;
unseren Handel und unsere Wirtschaft sowie für die&#13;
Entwicklung von Märkten und Demokratie in Eurasien&#13;
und Rußland.&#13;
Ich fordere Sie auf, den Gesetzesentwurf zu unterstützen ebenso wie der Präsident und ich den Kongreß zu&#13;
seiner unverzüglichen Verabschiedung ohne "Fangklauseln" gedrängt haben, um Prioritäten im Inland in&#13;
Angriff zu nehmen.&#13;
Sicherlich werden Sie mich ebenso wie der Kongreß&#13;
fragen, ob es sich hierbei nur um weitere Auslandshilfe&#13;
handelt. Meine Antwort lautet, es ist nicht nur mehr&#13;
Auslandshilfe. Sie werden mich fragen, ob es nur&#13;
weitere Almosen sind. Und meine Antwort lautet, es&#13;
sind nicht nur mehr Almosen. Es ist vielmehr eine&#13;
gezielte Investition in unsere Sicherheit und in unsere&#13;
Zukunft. Mit anderen Worten: Das Gesetz zur Förderung der Freiheit liegt im nationalen Interesse der&#13;
Vereinigten Staaten, in der Tat in unserem nationalen&#13;
Sicherheitsinteresse.&#13;
Die Herausforderungen unserer Zeit&#13;
Ich bin mir der Tatsache bewußt, daß die Bitte um&#13;
weitere Investitionen in unser kollektives Engagement&#13;
zu diesem Zeitpunkt weder leicht noch populär ist. Sie&#13;
kostet Geld. Und sie birgt Risiken.&#13;
Manche möchten dieses Risiko nicht eingehen oder&#13;
Investitionen in einen demokratischen Frieden für die&#13;
Zukunft tätigen. Die Befürworter von "America first"&#13;
bevorzugen es, sich den Herausforderungen unserer&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
Zeit zu entziehen, indem sie vorgeben, sie existierten&#13;
nicht. Das ist jedoch das größte Risiko.&#13;
Andere sind immer noch den Fehlern der Vergangenheit verhaftet. Sie bezweifeln die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, Gutes zu tun. Sie mißtrauen der&#13;
amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit und behaupten, die Probleme im Inland schließen eine internationale Führungsrolle aus.&#13;
Was immer ihre Gründe sein mögen - ich sage ihnen,&#13;
was George Kennan in Chicago im Jahr 1950 seinem&#13;
Publikum gegenüber erklärt hat:&#13;
"Die Geschichte verzeiht uns unsere innenpolitischen&#13;
Fehler nicht, weil sie auch im Hinblick auf unsere&#13;
Innenpolitik erklärbar sind."&#13;
Diesen Defätisten und Zauderern sage ich, die echte&#13;
Wahl lautet: Entweder wir antworten auf den Ruf nach&#13;
einer Führungsrolle oder nicht.&#13;
Entweder bekommen wir die Geschichte in den Griff&#13;
oder die Geschichte uns.&#13;
Die Alternative zu amerikanischer Führungsrolle und&#13;
kollektivem Engagement ist nicht mehr, sondern weniger&#13;
Sicherheit für die Amerikaner, nicht höhere Löhne,&#13;
sondern niedrigere, nicht eine mehr, sondern weniger&#13;
konkurrenzfähige Wirtschaft, nicht der Erfolg der&#13;
Demokratie, sondern ihr Scheitern.&#13;
Sie bedeutet den Verlust des Friedens nach dem Sieg&#13;
im Krieg, die Vergeudung der verdienten Friedensdividende. Sie könnte bedeuten, daß wir erneut Milliarden&#13;
von Dollar ausgeben müßten, um einen weiteren kalten Krieg zu gewinnen.&#13;
Vor allem hätten wir die Chance für ein besseres&#13;
Amerika in einer besseren Welt vertan. Die Alternative&#13;
zu einer geschickten amerikanischen Führungsrolle&#13;
im Ausland ist die Beschneidung, nicht die Erweiterung&#13;
der Chancen im Inland. Wenn Sie dies in Frage stellen,&#13;
führen Sie sich erneut vor Augen, wie unser Leben,&#13;
unsere Sicherheit, unsere Ideale und unsere Arbeit mit&#13;
der Welt jenseits unserer Grenzen verflochten sind.&#13;
Denn Isolationismus kommt nicht allein. Intoleranz&#13;
und Spaltung im Inland gehen damit Hand in Hand. Die&#13;
amerikanische Geisteshaltung und die amerikanischen&#13;
Ideale haben in einer solchen Gesellschaft keinen&#13;
Platz.&#13;
Ich habe von den Chancen des Jahrhunderts gesprochen, des nächsten Jahrhunderts. Wie anders könnte&#13;
das Leben der nachfolgenden Generationen verlaufen, wenn wir jetzt die richtige Entscheidung treffen wenn wir dem Ruf nach der Führungsrolle folgen,&#13;
indem wir durch kollektives Engagement die Führung&#13;
übernehmen, wenn wir Rußland und den anderen&#13;
Ländern der ehemaligen Sowjetunion helfen, zu einer&#13;
Quelle der Hoffnung, nicht der Bedrohung zu werden.&#13;
Kurzum: Wenn wir einen demokratischen Frieden&#13;
erlangen.&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�Gemeinsam mit den anderen Demokratien blicken wir&#13;
in diesem Jahrhundert auf die Bilanz zweier gewonnener Weltkriege zurück, die wir teuer mit Menschenleben und Gut bezahlen mußten, weil wir keine andere&#13;
Wahl hatten. Nach den Kriegen mußten wir jedoch&#13;
noch immer den Frieden gewinnen.&#13;
&#13;
ten Staaten versucht, sich aus der Alten Welt der&#13;
Konflikte herauszuhalten. Das erwachsene Amerika&#13;
ist Bürger einer Welt, die für alle da ist.&#13;
&#13;
Jetzt sehen wir uns erneut mit dieser Herausforderung&#13;
konfrontiert. In ihren Kindertagen haben die Vereinig-&#13;
&#13;
Wir müssen der Größe unserer Ideale gerecht werden&#13;
- und einen demokratischen Frieden erlangen.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Die Herausforderung unserer Zeit lautet, dem Ruf&#13;
nach einer Führungsrolle zu folgen.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 7&#13;
&#13;
�G US-HANDEL&#13;
29. April 1992&#13;
&#13;
BUSH DRÄNGT AUF ERWEITERTEN&#13;
HANDEL MIT DER GUS&#13;
Grußworte des Präsidenten an Unternehmer&#13;
WASHINGTON - (AD) - In einer Begrüßungsansprache an Unternehmer forderte Präsident Bush am 21. April&#13;
1992 den amerikanischen Privatsektor bei einem Empfang im Wei ßen Haus auf, die Gelegenheit zur Erweiterung&#13;
des Handels mit den neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu ergreifen. "Es ist ein großer&#13;
und reicher Markt", erklärte Bush, "und das amerikanische Volk wird von der Erweiterung unserer Handelsbeziehungen profitieren. Zusätzlicher Handel bedeutet neue Märkte für amerikanische Waren, größere Chancen&#13;
für amerikanische Investoren und mehr Arbeitsplätze für die amerikanischen Arbeitnehmer."&#13;
Der Präsident forderte die Unternehmer auf, den neuen Staaten beim Übergang von "Kommando- zu Marktwirtschaften" behilflich zu sein. Bush verwies auf die von ihm angestrebte Beschleunigung der Verhandlungen mit&#13;
den neuen Ländern über Handel, bilaterale Investitionen und Steuerverträge, um "unseren Firmen besseren&#13;
Zugang zu verschaffen und die Grundlage für unsere zukünftigen Handelsbeziehungen zu legen."&#13;
Präsident Bush stellte fest, daß er die Entwicklungsgesellschaft OPIC und die Export-Import-Bank zur Erweiterung ihrer Aktivitäten in den neuen Ländern aufgefordert habe - eine Maßnahme, die ein weiterer entscheidender Schritt für amerikanische Firmen zum fairen Wettbewerb um einen Anteil der neuen Märkte dort ist.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen von Präsident Bush im Wortlaut.&#13;
Es ist mir eine Ehre, heute morgen 16 führende amerikanische Unternehmer im Weißen Haus willkommen&#13;
heißen zu dürfen, um zu erörtern, wie der amerikanische Privatsektor zur Bewältigung der wichtigsten&#13;
außenpolitischen Herausforderung beitragen kann, mit&#13;
der wir uns konfrontiert sehen - der Umgestaltung der&#13;
neuen Staaten der ehemaligen UdSSR von Kommando- zu Marktwirtschaften und von autoritären zu&#13;
demokratischen Regierungen. Wir sind entschlossen,&#13;
das Volumen unseres Handels und unserer Investitionen in der Region aufzustocken. Darüber hinaus&#13;
möchte ich heute eine Reihe von Maßnahmen zur&#13;
Verwirklichung dieser wichtigen Ziele ankündigen.&#13;
Erstens habe ich gebeten, daß di? derzeitigen Verhandlungen mit allen neuen Staaten über Handel,&#13;
bilaterale Investitionen und Steuerverträge so rasch&#13;
wie möglich abgeschlossen werden. Diese Vereinbarungen dienen dazu, unseren Firmen besseren Zugang zu verschaffen und die Grundlage für unsere&#13;
zukünftigen Handelsbeziehungen zu legen.&#13;
Zweitens haben ich die Entwicklungsgesellschaft OPIC&#13;
und die Export-Import-Bank zur Aushandlung neuer&#13;
Abkommen und Erweiterung ihrer Aktivitäten in der&#13;
ehemaligen UdSSR aufgefordert. Dies ist ein weiterer&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
entscheidender Schritt für amerikanische Firmen zum&#13;
gerechten Wettbewerb um einen Anteil der neuen&#13;
Märkte dort.&#13;
Drittens möchte ich meinen Appell an den Kongreß&#13;
wiederholen, rechtzeitig vor meinem Gipfeltreffen mit&#13;
Präsident Jelzin im Juni im Geiste der Überparteilichkeit das Gesetz zur Förderung der Demokratie zu&#13;
verabschieden - ein bahnbrechendes Gesetz, das ich&#13;
am 1. April 1992 bekanntgegeben habe. Wir hoffen,&#13;
daß die heute hier anwesenden Unternehmer und die&#13;
amerikanische Geschäftswelt insgesamt diesen Gesetzentwurf unterstützen, mit dem die Beschränkungen für Handel und Investitionen aus der Zeit des&#13;
kalten Kriegs aufgehoben werden.&#13;
Und schließlich habe ich unsere Wirtschaftsministerin&#13;
Barbara Franklin gebeten, neue Ausschüsse zur Entwicklung der Handelsbeziehungen mit Rußland, der&#13;
Ukraine und anderen Ländern zum Abbau der Hemmnisse zu gründen, die derzeit dem Handel mit ihnen im&#13;
Wege stehen.&#13;
All diese Themen stehen an oberster Stelle der Tagesordnung meiner Treffen mit den Präsidenten Krawtschuk und Jelzin. Ich bin fest entschlossen, amerika-&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�nischen Unternehmen jede Chance zum Wettbewerb&#13;
auf diesen Märkten einzuräumen. Der amerikanische&#13;
Privatsektor sollte die Gelegenheit zum Handel mit&#13;
diesen Ländern ergreifen. Es ist ein großer und reicher&#13;
Markt, und das amerikanische Volk wird von der Erweiterung unserer Handelsbeziehungen profitieren.&#13;
Zusätzlicher Handel bedeutet neue Märkte für amerikanische Waren, größere Chancen für amerikanische&#13;
Investoren und mehr Arbeitsplätze für die amerikanischen Arbeitnehmer. Die Vereinigten Staaten haben&#13;
1991 ihre Exporte an Fertigwaren in die UdSSR um&#13;
nahezu 40 Prozent erweitert. Unser Ziel sollte sein, in&#13;
diesem und im nächsten Jahr noch besser abzuschneiden.&#13;
Dies ist ein entscheidender Augenblick in diesem&#13;
Jahrhundert. Und auch die Rolle des Privatsektors ist&#13;
&#13;
absolut entscheidend. Der Bedarf an Kapital, Hochtechnologie und Know-how in diesen Ländern ist in&#13;
diesem und im nächsten Jahrzehnt bei weitem zu&#13;
groß, als daß ihn eine Regierung allein erfüllen könnte.&#13;
Die tiefgreifende wirtschaftliche Umgestaltung zur&#13;
Befreiung der Völker der ehemaligen Sowjetunion und&#13;
zum Nutzen unseres Volkes wird nur stattfinden, wenn&#13;
unsere Privatunternehmen investieren und Handel&#13;
betreiben, um ihnen den Weg aufzuzeigen.&#13;
Ich möchte den heute hier anwesenden Unternehmern&#13;
meinen Dank aussprechen, von denen viele bereits&#13;
begonnen haben, Handelsbeziehugnen mit der GUS&#13;
aufzubauen. Und ich möchte mein Engagementfürdie&#13;
Partnerschaft mit dem amerikanischen Privatsektor&#13;
erneut bekräftigen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�IWF&#13;
29. Aprl 11992&#13;
&#13;
BRADY FORDERT RASCHE REFORMEN IN GUS&#13;
Rede bei IWF-Treffen&#13;
WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister Nicholas Brady hat Rußlands guten Start beim&#13;
Reformprozeß gewürdigt und die anderen neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion aufgefordert, ebenfalls&#13;
rasch Stabilisierungs- und Reformprogramme einzuführen.&#13;
In einer Rede vor dem Interimausschuß des Internationalen Währungsfonds erklärte Brady am 27. April 1992,&#13;
der sicherste Weg zur Förderung von Wachstum, Beschäftigung und steigenden Einkommen bestehe darin,&#13;
"privates Unternehmertum und Wettbewerb zu fördern".&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Bradys Rede im Wortlaut.&#13;
&#13;
Ich möchte zunächst unseren besonderen Gast aus&#13;
Rußland bei diesem Treffen willkommen heißen. Darüber&#13;
hinaus beglückwünschen wir alle neuen Staaten der&#13;
ehemaligen Sowjetunion zu ihrer Mitgliedschaft in IWF&#13;
und Weltbank. Sie können zu Recht stolz darauf sein,&#13;
diesen historischen Meilenstein auf dem Weg von&#13;
zentraler Planung zu marktgestützten Wirtschaftssystemen passiert zu haben. Wir können unsererseits&#13;
diese Gelegenheit benutzen, um unser Engagement&#13;
zu bekräftigen, den neuen Staaten bei der Vollendung&#13;
dieses Weges zu helfen. Die Geschichte wird zu Recht&#13;
hart mit uns ins Gericht gehen, wenn wir diese Gelegenheit zur Erlangung einer wahrhaft globalen Marktwirtschaft ungenutzt verstreichen lassen.&#13;
Der Aufbau von Marktwirtschaften wird nicht glatt&#13;
vonstatten gehen. Rückschläge sind zu erwarten und&#13;
sollten weder Erstaunen noch Verzweiflung hervorrufen. Wir befinden uns in einer schwierigen Übergangsphase. Die neuen Staaten und Osteuropa haben den&#13;
emotional befriedigenden ersten Anflug von Freiheit&#13;
bereits hinter sich. Nun befinden sie sich inmitten der&#13;
weniger spektakulären aber nicht weniger kritischen&#13;
praktischen Arbeit, um ihre Maßnahmen, Institutionen&#13;
und Produktionsstrukturen völlig neu zu gestalten.&#13;
Die Größe der bevorstehenden Aufgabe sollte jedoch&#13;
die bereits erzielten Fortschritte nicht trüben. Eine&#13;
kooperative Strategie für das Streben nach Reformen&#13;
wird bereits in die Tat umgesetzt.&#13;
Wichtigster Bestandteil dieser Strategie ist die Verabschiedung eines umfassenden Programms zur Stabilisierung und Strukturreform in jedem Land. Der Erfolg&#13;
wird letztlich vorwiegend von der Qualität dieser Programme und deren Durchführung abhängen. Ohne&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
solide Programme und Durchführung wird der Umgestaltungsprozeß verlängert, geschädigt und sogar&#13;
gefährdet, und der Durchhaltewille der Öffentlichkeit&#13;
wird geschwächt. Und ohne umfassende Reformen&#13;
würde die internationale Hilfe größtenteils verschwendet und brächte für die Menschen in den Reformstaaten keine langfristigen Vorteile.&#13;
Die Menschen und Regierungen Osteuropas haben&#13;
bei der Durchführung umfassender Programme bemerkenswerten Mut und Standhaftigkeit bewiesen.&#13;
Diese Länder haben uns viel darüber gelehrt, wie&#13;
schwierig dieser Proze ß ist, sowie über den Kampf zur&#13;
Bewahrung von sozialer und politischer Stabilität während&#13;
eines weitreichenden wirtschaftlichen Umbruchs. Wir&#13;
beginnen jedoch ermutigende Zeichen zu sehen, da&#13;
ausländische Direktinvestitionen in einige dieser Länder zu fließen beginnen, womit sich ein entscheidendes Vertrauensvotum des Privatsektors für diese&#13;
Wirtschaftsprogramme abzeichnet.&#13;
Die neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion nehmen heute den Reformprozeß in Angriff. Wir würdigen&#13;
insbesondere Rußland für dessen vom IWF unterstütztes "Schatten"-Programm. Wir sehen einer Vereinbarung über ein solides umfassendes russisches&#13;
Wirtschaftsprogramm und dessen Durchführung entgegen, das durch eine Finanzierungszusage des IWF&#13;
unterstützt wird. Wir fordern die anderen neuen Staaten auf, ebenfalls rasch umfassende Stabilisierungsund Reformprogramme einzuleiten, die Unterstützung des IWF verdienen.&#13;
Zu Beginn dieses Monats hat Präsident Bush die&#13;
Bereitschaft der Vereinigten Staaten unter Beweis&#13;
gestellt, das ihrige zu tun, indem er die Unterstützung&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�für ein umfangreiches Engagement der G-7 für den&#13;
wirtschaftlichen Übergang ankündigte: das multilaterale Finanzhilfepaket für Rußland in Höhe von 24&#13;
Milliarden Dollar. Dieses umfassende Paket beinhaltet&#13;
insgesamt 18 Milliarden Dollar für bilaterale Hilfe,&#13;
zusätzlichen Zahlungsaufschub und umfangreiche&#13;
Programme der internationalen Finanzinistitutionen.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben bereits etwa 2 Milliarden Dollar an bilateraler Hilfe geleistet.&#13;
&#13;
bisweilen Sorgen darüber gemacht, aber die Wahrheit&#13;
ist, daß Auslandsinvestitionen sowohl uns als auch&#13;
den Investoren zugute gekommen sind. Wir sind der&#13;
Überzeugung, daß Osteuropa und die neuen Staaten&#13;
ebenfalls großen Nutzen aus den Ressourcen und&#13;
dem Know-how ziehen werden, das ausländische&#13;
Investoren zur Verfügung stellen. Wir fordern diese&#13;
Länder dringend dazu auf, rascher zu handeln, um das&#13;
Wachstum des Privatsektors zu fördern und ein günstiges Investitionsklima zu schaffen.&#13;
&#13;
Die andere nicht minder wichtige Komponente des&#13;
russischen Pakets ist ein Stabilisierungsfonds für den&#13;
Rubel in Höhe von 6 Milliarden Dollar. Die Vereinigten&#13;
Staaten unterstützen die Aktivierung der Allgemeinen&#13;
Kreditarrangements des IWF für diesen Zweck.&#13;
&#13;
Die wichtigsten Industriestaaten können ferner einen&#13;
entscheidenden Beitrag leisten, indem sie die Art von&#13;
offenem und wachsendem Umfeld schaffen, das die&#13;
Integration der Reformstaaten in die Weltwirtschaft&#13;
beschleunigen und erleichtern wird. Der Zusammenbruch des Handels im ehemaligen sowjetischen Block&#13;
zeigt uns, wie schwierig es für Staaten ist, ohne&#13;
Verbindungen zu anderen Volkswirtschaften wirtschaftlich zu gedeihen.&#13;
&#13;
Ich möchte die Aufmerksamkeit insbesondere auf die&#13;
Bedeutung der Privatisierung in einem frühen Stadium&#13;
des Reformprozesses lenken. Wir alle würden gerne&#13;
schneller den Tag erreichen, an dem die Bürger der&#13;
neuen Staaten und Osteuropas die Vorzüge der freien&#13;
Marktwirtschaft in Form von starkem Beschäftigungswachstum und steigenden Einkommen in Anspruch&#13;
nehmen können. Der sicherste Weg zur Beschleunigung dieses Prozesses und Förderung des Wachstums besteht darin, privates Unternehmertum und&#13;
Wettbewerb zu fördern.&#13;
&#13;
Abschließend möchte ich denjenigen, die der Zukunft&#13;
mit Pessimismus entgegensehen, die konfliktgeladene Atmosphäre und die hohen Kosten des kalten&#13;
Krieges in Erinnerung rufen. Wir haben bereits ein&#13;
beispielloses Maß an internationaler Zusammenarbeit&#13;
erreicht. Die Herausforderung besteht darin, diese&#13;
Bemühungen in beispiellose weltweite wirtschaftliche&#13;
Vorteile umzumünzen.&#13;
&#13;
Seit den Anfängen der Republik haben die Vereinigten&#13;
Staaten von Auslandsinvestitionen in unsere Volkswirtschaft profitiert. Offen gestanden haben wir uns&#13;
&#13;
* *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�WIRTSCHAFT&#13;
29. April 1992&#13;
&#13;
WIRTSCHAFTLICHE INTERDEPENDENZ&#13;
UND NATIONALISMUS:&#13;
MÖGLICHKEITEN DER HARMONIE&#13;
von Henry R. Nau&#13;
Der Beginn der neunziger Jahre ist ein günstiger Zeitpunkt, um die wirtschaftliche Interdependenz auszubauen&#13;
und politische Bindungen zwischen den Nationen zu stärken, da die ehemals kommunistischen Staaten und die&#13;
Entwicklungsländer bestrebt sind, an dieser Interdependenz und den politisch vereinigten Märkten teilzuhaben,&#13;
schreibt der Autor. Henry R. Nau ist Professor und stellvertretender Dekan an der Elliott School of International&#13;
Äff airs der George Washington University in Washington und Autor des Buches The Myth of America's Decline&#13;
(Oxford University Press, 1990).&#13;
&#13;
Im Jahr 1991 läßt sich mit Fug und Recht behaupten,&#13;
die Weltwirtschaft sei stärker miteinander verflochten&#13;
und reicher als jemals seit Beginn der industriellen&#13;
Revolution. Diese Interdependenz umfaßt den explosiven Zuwachs des Handels (um etwa fünf Prozent&#13;
jährlich in den späten achtziger Jahren), ein beispielloses Ausmaß von Direktinvestitionen (doppelt so hoch&#13;
wie die Wachstumsrate des Handels), den Technologietransfer über nationale Grenzen hinweg sowie stärkere Mobilität von Arbeitskräften (z. B. Einwanderung)&#13;
und Kapital als die Weltwirtschaft in der Vergangenheit&#13;
jemals erlebt hat. Aber diese Verflechtung geht über&#13;
den materiellen und physischen Austausch hinaus.&#13;
Heute beinhaltet sie ferner die Ausbreitung ökonomischer Ideen im Hinblick auf die Bedeutung von Märkten, Wettbewerb, Unternehmertum und Privateigentum - also die Werte größerer wirtschaftlicher Freiheit.&#13;
Und dazu gehört eine bemerkenswerte Konvergenz&#13;
der Nationen in der Nachkriegszeit, nämlich die allgemeine Hinwendung zu Pluralismus und Demokratie in&#13;
der innenpolitischen Praxis.&#13;
Diese Interdependenz ist nicht mehr, wie noch vor 20&#13;
Jahren, primär auf die westlichen Industriestaaten&#13;
begrenzt. Sie umfaßt heute auch eine wachsende&#13;
Zahl von Schwellenländem - Korea, Taiwan, Hongkong, Singapur, Brasilien und nun auch Mexiko, Malaysia, Thailand, Kolumbien und andere - sowie ölproduzierende Länder, die trotz der Schwierigkeiten in&#13;
den letzten beiden Jahrzehnten Riesenschritte zur&#13;
Industrialisierung und Einbindung in die Weltwirtschaft&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
unternommen haben. Der jüngste Krieg am Persischen Golf bietet ein anschauliches Beispiel - das an&#13;
Bedeutung noch gewinnen könnte - für eine neue&#13;
&#13;
Solidarität zwischen Industriestaaten und gemäßigten&#13;
arabischen Ländern in dieser Region, eine Solidarität,&#13;
die in krassem Gegensatz zu den Konflikten zwischen&#13;
Nord und Süd sowie OPEC und Industriestaaten der&#13;
frühen siebziger Jahre steht.&#13;
Zu Beginn der neunziger Jahre verstärkten sich die&#13;
Aussichten auf Interdependenz und Solidarität weiter,&#13;
um auch die ehemals kommunistischen Staaten Osteuropas sowie potentiell die Sowjetunion einzubeziehen. Kurzum, die Interdependenz, die unter den&#13;
westlichen Industriestaaten immer stärker sichtbar&#13;
wird, hat jetzt die Teilung zwischen Nord und Süd&#13;
sowie Ost und West ersetzt, die von 1950 bis 1985 die&#13;
Welt gespalten hat.&#13;
Wie ist es zu dieser Interdependenz gekommen? In&#13;
seinem Bestseller Aufstieg und Fall der großen&#13;
Mächte von 1987 prognostizierte Paul Kennedy genau das Gegenteil. Er argumentierte, mit der nachlassenden Macht der Vereinigten Staaten werde die Interdependenz geschwächt, und zwischen den Ländern&#13;
würden neue Konflikte auftreten. Solche Konflikte&#13;
hätten sich zum Ende der Vorherrschaft ehemals&#13;
großer Mächte ergeben - Holland in der zweiten Hälfte&#13;
des 17. Jahrhunderts sowie Großbritannien am Ende&#13;
des 19. Jahrhunderts. Es gebe keinen Grund, so&#13;
Kennedy, mit dem Abnehmen der amerikanischen&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Macht gegen Ende des 20. Jahrhunderts nicht erneut&#13;
eine solche Entwicklung zu erwarten.&#13;
Zu Beginn des letzten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts ist die Welt jedoch näher zusammengerückt. Alle&#13;
Industriestaaten sind Demokratien, die ehemals kommunistischen Länder versuchen, die Demokratie einzutühren, und zahlreiche Entwicklungsländer bewegen sich ebenfalls in diese Richtung. Diese Konvergenz trat in der Krise am Persischen Golf offen zutage,&#13;
in der sich die Mehrheit der Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen vereinigte, um der Aggression und Unterdrückung durch Saddam Hussein und den Irak entgegenzutreten.&#13;
Die Argumente des Niedergangs enthalten ein grundlegendes Mißverständnis des Verhältnisses zwischen&#13;
globaler Interdependenz und nationaler Unabhängigkeit. Sie gehen davon aus, daß diese beiden Kräfte&#13;
notwendigerweise im Gegensatz zueinander stehen.&#13;
Aber diese Faktoren müssen ebensowenig kollidieren&#13;
wie die Unabhängigkeit des einzelnen und nationale&#13;
Unabhängigkeit auf der Ebene der Gesellschaft Gegensätze sind. Die wichtigste Überlegung ist, ob&#13;
einzelne Länder (einzelne Menschen) untereinander&#13;
einen Gemeinsinn entwickeln, wenn die materielle und&#13;
physische wechselseitige Abhängigkeit zunimmt. Wenn&#13;
sie einen stärkeren Sinn für gemeinsame Identität und&#13;
Ziele entwickeln, fühlen sie sich durch Verschiebungen von Macht und Wohlstand nicht bedroht. Zunehmend gleiche Machtverteilung unter einzelnen Ländern führt nicht zu neuen Konflikten, sondern vielmehr&#13;
zu einer besseren internationalen Gemeinschaft.&#13;
Zumindest beobachten wir dies auf nationaler Ebene.&#13;
Auf dieser Ebene gehen wir von der Existenz gemeinsamer Ziele aus und kommen zu dem Schlu ß, daß eine&#13;
gleichmäßigere Verteilung von Wohlstand zu größerer&#13;
Harmonie beiträgt und nicht zu mehr Konflikten führt.&#13;
Dasselbe kann auf der internationalen Ebene zutreffen.&#13;
Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Vereinigten&#13;
Staaten absichtlich eine Politik verfolgt, die mit Hilfe&#13;
geteilten Wohlstands und geteilter Macht eine Gemeinschaft engerer politischer Ziele scharfen wollte.&#13;
Sie schickte sich an, eine interdependente Welt zu&#13;
schaffen, deren Einheit Amerikas Vormachtstellung im&#13;
&#13;
Hinblick auf Wohlstand und Macht überleben sollte.&#13;
Durch den Marshallplan und die globalen Wirtschaftsinstitutionen - den Internationalen Währungsfonds, die&#13;
Weltbank und das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen - haben die Vereinigten Staaten Märkte und&#13;
Gesellschaften geöffnet, um nachhinkenden Gesellschaften die Anpassung an den amerikanischen Lebensstandard zu ermöglichen. Von 1950 bis 1970 haben&#13;
die Vereinigten Staaten im Vergleich zu den Industrienationen Europas und Asiens stetig an Macht verloren,&#13;
da die Verbündeten nach dem Krieg Wiederaufbau&#13;
leisteten und sich Amerikas Produktivitätsniveau annäherten. Die Annäherung stellte für die Vereinigten&#13;
Staaten keine Bedrohung dar, weil die IndustrienatioSeite 2&#13;
&#13;
nen gleichzeitig stetig dabei waren, eine engere politische Gemeinschaft mit den Vereinigten Staaten zu&#13;
bilden. Deutschland und Japan legten in ihren Gesellschaften solide demokratische Fundamente, die sich&#13;
auf bisher nur geringe oder keine demokratische Erfahrung gründeten, und andere Industrieländer, wie&#13;
Spanien und Portugal, gaben schließlich ihre autoritären Regime auf und ordneten sich in die Reihen freier,&#13;
pluralistischer Gesellschaften ein.&#13;
Es ist aufschlußreich, die Wirtschaftspolitik aufzuzeigen, die diese Konvergenz wirtschaftlicher und politischer Maßstäbe während der fünfziger und sechziger&#13;
Jahre erleichtert hat. Freierer Handel war das Kernstück dieser Politik, und die Industrieländer traten in&#13;
einen einmaligen Prozeß multilateraler Handelsliberalisierung ein. (Die britische Liberalisierung im 19.&#13;
Jahrhundert fand einseitig statt.) Aber freierer Handel&#13;
allein hätte keinen Erfolg zeitigen können. Die Unternehmen mu ßten in der Lage sein, mit der sich aus dem&#13;
freien Handel ergebenden stärkeren Konkurrenz fertigzuwerden. Um das zu tun, benötigten sie ein&#13;
wirtschaftliches Umfeld der Preisstabilität, um die Erträge ihrer langfristigen Investitionen in Produktion und&#13;
Handel bemessen zu können. Darüber hinaus brauchten sie flexible Faktormärkte (Arbeit und Kapital), um&#13;
Ressourcen aus den schwindenden Sektoren in diejenigen umzuleiten, die es mit ausländischer Konkurrenz&#13;
aufnehmen oder sie schlagen können. Bemerkenswert in dieser Zeit war, daß die Industrieländer sowohl&#13;
makro- als auch mikroökonomisch eine Politik verfolgten, die dieses Umfeld schuf. Im Durchschnitt hielten&#13;
die Industrieländer unter der Führung der Vereinigten&#13;
Staaten den Haushalt im Gleichgewicht und schränk&#13;
ten das Geldmengenwachstum ein, um Preisstabilität&#13;
zu erhalten. Ferner widersetzten sie sich exzessiver&#13;
staatlicher Intervention, um die relativ freie Bewegung&#13;
der Ressourcen Arbeitskräfte und Kapital in fortschreitende Wirtschaftssektoren beizubehalten.&#13;
Aus ureigenen Motiven lehnten es die meisten Entwicklungsländer in den fünfziger Jahren ab, das System der Nachkriegszeit ebenfalls zu verfolgen.&#13;
Sie verabschiedeten Maßnahmen zur Ersetzung der&#13;
sonst eingeführten Waren, um ihre Volkswirtschaften&#13;
vor ausländischem Handel und Investitionen zu schützen und schufen autokratische, zentralistische politische Systeme, um ein Gefühl der nationalen Souveränität im Inland hervorzubringen, das gelegentlich sehr&#13;
schwach war.&#13;
Ende der sechziger Jahre begannen jedoch einige&#13;
Entwicklungsländer wie Korea, Taiwan, Hongkong,&#13;
Singapur und Brasilien eher exportorientierte Entwicklungsstrategien zu verfolgen. Obwohl diese Länder&#13;
weiterhin ihre Exporte schützten, erweiterten sie und&#13;
die ölproduzierenden Länder ihre Exporte und expandierten rasch in den siebziger und achtziger Jahren,&#13;
während die Vereinigten Staaten vornehmlich ihre&#13;
großen Binnenmärkte für die Exporte aus den Gurwel-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�lenländern offenhielten. Aufgrund des Wachstums der&#13;
Schwellenländer verloren die Vereinigten Staaten in&#13;
den siebziger und achtziger Jahren weiterhin an Macht.&#13;
Ihr Anteil am Bruttosozialprodukt blieb verglichen mit&#13;
dem der Industrienationen gleich, aber im Verhältnis&#13;
zur Welt insgesamt sank ihr Anteil. Dennoch gaben sie&#13;
sich der Hoffnung hin, daß ihre Politik der offenen&#13;
Märkte gegenüber den Entwicklungsländern dieselben Erfolge im Hinblick auf eine engere politische&#13;
Gemeinschaft mit der dritten Welt zeitigen würde wie&#13;
diese Maßnahmen sie mit den Industrienationen erzielt hatten.&#13;
In den siebziger und Anfang der achtziger Jahre wurden diese Hoffnungen jedoch durch massive Ungleichgewichte im Welthandel und auf den Finanzmärkten&#13;
zerschlagen. Gerade als einige Entwicklungsländer&#13;
sich dem Handelssystem anschlössen, gaben die&#13;
Industrienationen die vorsichtigen Maßnahmen im Inland&#13;
auf, die das Funktionieren eines freieren Handels&#13;
bewirkt hatten. Die expansionistischen und interventionistischen nationalen Maßnahmen der Industrienationen führten zu Inflation und Inflexibilität, die das&#13;
Wachstum verlangsamten. Die Wechselkurse fluktuierten, und protektionistische Maßnahmen wurden&#13;
wieder gegen eben die Produkte verhängt, die die&#13;
Entwicklungsländer am wettbewerbsfähigsten exportieren konnten - wie etwa Textilien, Stahl und Verbraucherelektronik. Der Anstieg der Ölpreise und ineffiziente innenpolitische Maßnahmen in den Entwicklungsländern verschärfen diese Schwierigkeiten und&#13;
führten zu einem gefährlichen Schuldenberg.&#13;
Einige dieser innenpolitischen Probleme wurden in&#13;
den achtziger Jahren behoben, und bis 1992 verbesserte sich die Weltwirtschaft erheblich. Die Vereinigten Staaten und andere Industrienationen führten wieder&#13;
eine solide Geldpolitik ein und leiteten die notwendigen&#13;
Programme zur Deregulierung und Privatisierung der&#13;
Industrien und des Handels ein, womit das enorme&#13;
Wachstum der öffentlichen Hand verringert wurde, das&#13;
*&#13;
&#13;
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in den Industrienationen in den siebziger Jahren erfolgt&#13;
war und seit Jahrzehnten in den Entwicklungsländern&#13;
unter den bisherigen statischen Maßnahmen angestiegen war. Andere Maßnahmen verschlimmerten&#13;
jedoch die Lage. Das US-Haushaltsdefizit vervierfachte sich im Verlauf der achtziger Jahre (von 60&#13;
Milliarden Dollar im Jahr 1980 auf 250 Milliarden 1990),&#13;
und die Europäische Gemeinschaft erweiterte den&#13;
Schutz und die Subventionen im Rahmen ihrer Gemeinsamen Agrarpolitik enorm. Japan verfolgte weiterhin innnenpolitische Praktiken, mit denen Importe&#13;
und ausländische Investitionen in den japanischen&#13;
Markt auf sehr viel niedrigerem Nievau gehalten wurden als der Anteil der Verkäufe und Vermögenswerte&#13;
verglichen mit anderen Industrieländern. Infolge dieser anhaltenden Unzulänglichkeiten der innenpolitischen Maßnahmen blieben die internationalen Handels- und Finanzsysteme trotz der beträchtlichen&#13;
Wiederbelebung von Handel und Investitionen Ende&#13;
der achtziger Jahre anfällig.&#13;
Die Interdependenz der Nachkriegsjahre führte zu&#13;
einer engeren politischen Gemeinschaft zwischen den&#13;
Industrienationen sowie jetzt in den osteuropäischen&#13;
und zahlreichen Entwicklungsländern. Dies geschah&#13;
jedoch nur, weil innenpolitische Maßnahmen offene&#13;
Märkte unterstützten, und offene Märkte haben zur&#13;
Entwicklung von größerem politischen Vertrauen und&#13;
einem Gefühl der Gemeinschaft unter unterschiedlichen Nationen beigetragen.&#13;
Der Konflikt zwischen Weltmärkten und nationalen&#13;
Interessen ist nicht unvermeidlich. Er kann durch&#13;
Maßnahmen umgangen werden, die wirtschaftliche&#13;
Interdependenz scharfen und politische Bande schmieden. In der industrialisierten Welt sind solche Maßnahmen vordringlicher als je zuvor, insbesondere da die&#13;
ehemaligen kommunistischen und Entwicklungsländer versuchen, Teil des außerordentlich interdependenten und politisch vereinten Weltmarktes zu werden.&#13;
*&#13;
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Seite 3&#13;
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