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1

15. Mai 1991

CHEMISCHE WAFFEN

PRÄSIDENT BUSHS INITIATIVE ZU
CHEMISCHEN WAFFEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses

NEUE WELTORDNUNG

USA WEITERHIN ENGAGIERT FÜR
NEUE WELTORDUNG
Rede von Robert Gates

INSTITUTIONEN IN AMERIKA

AMERIKAS EINZIGARTIGES
OBERSTES BUNDESGERICHT
von Barrett McGurn

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�CHEMISCHE

WAFFEN
15. Mai 1991

PRÄSIDENT BUSHS INITIATIVE ZU
CHEMISCHEN WAFFEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses

WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Übersicht über Präsident Bushs Initiative zu chemischen Waffen
wurde am 13. Mai 1991 vom Weißen Haus veröffentlicht

Mit der Feststellung, daß der jüngste Konflikt am
Persischen Golf erneut das Gespenst des Einsatzes
chemischer Waffen gegen unschuldige Menschen
heraufbeschworen habe, gab der Präsident eine Reihe
neuer Maßnahmen im Rahmen seines langfristigen
Ziels bekannt, diese Waffen des Terrors für immer von
der Welt zu verbannen. Präsident Bush bekräftigte
seine Überzeugung, die beste Hoffnung zur Verwirklichung dieses Ziels sei die Konvention über chemische
Waffen (CWC) - ein multilateraler Vertrag, der Herstellung, Besitz, Transfer und Einsatz chemischer Waffen
vollständig verbieten würde -, die im Rahmen der
Genfer Abrüstungskonferenz (CD) ausgehandelt wird.
Vorrangiges Ziel dieser Initiative ist, die Aussichten für
einen baldigen Abschlu ß dieser Konvention zu verbessern, das Engagement der Vereinigten Staaten unter
Beweis zu stellen, so bald wie möglich ein wirksames
Verbot chemischer Waffen zu erzielen und anderen
Nationen einen Anreiz zu bieten, sich ebenfalls diesem
wichtigen Ziel zu verschreiben. Aus diesem Grund
erklärte der Präsident, daß die amerikanische Delegation bei der Genfer Abrüstungskonferenz mit Wiederaufnahme der Gespräche am 14. Mai 1991 folgende
Maßnahmen ergreifen wird:
1. Die Vereinigten Staaten fordern die Lösung aller
wesentlichen noch ausstehenden Fragen zu C-Waffen
bei der Genfer Abrüstungskonferenz bis Ende 1991
sowie den Abschlu ß einer Konvention über chemische
Waffen binnen 12 Monaten.

AMERIKA DIENST 19

2. Um diese Ziele zu verwirklichen und sicherzustellen, daß keine Zeit verschwendet und keine Chance
vertan wird, um die Verhandlungen bald zu einem
erfolgreichen Abschluß zu bringen, werden die Vereinigten Staaten den Vorschlag unterbreiten, daß mit
Beginn der Mai-Sitzungsperiode ein C-Waffen Adhoc-Ausschuß der Genfer Abrüstungskonferenz ständig in Genf tagen soll. Die Vereinigten Staaten sind
bereit, ihren Botschafter am Verhandlungstisch zu
belassen und ihre Delegation zur Unterstützung dieses Zeitplans entsprechend zu verstärken.
3. Die Vereinigten Staaten werden formell ihre Absicht
bekunden, erster Unterzeichner des Vertrags über
chemische Waffen zu sein und werden alle anderen
Staaten öffentlich auffordern, ebenfalls Erstunterzeichner des Vertrags zu werden sowie ihre C-Waffenbestände offenzulegen.
4. Die Vereinigten Staaten werden ihre Position aufgeben, daß Staaten das Recht zu einem C-WaffenVergeltungsschlag haben, solange sie über C-Waffenbestände verfügen, wenn C-Waffen zuerst gegen sie
eingesetzt werden. Die Vereinigten Staaten werden
offiziell dem Einsatz chemischer Waffen aus jedwedem Grund abschwören, einschließlich der gleichartigen Vergeltung mit chemischen Waffen gegen jeden
Staat. Diese Klausel wird mit Inkrafttreten der CWC
wirksam. Darüber hinaus werden die Vereinigten
Staaten eine Klausel vorschlagen, damit die CWC den
Einsatz von C-Waffen aus jedem erdenklichen Grund
verbietet.

Seite 1

�5. Die Vereinigten Staten werden von ihrer Position
abrücken, daß es ihnen gestattet werden müßte, 2
Prozent ihres C-Waffenbestands (500 Tonnen) beizubehalten, bis alle C-waffenfähigen Staaten dem Vertrag beigetreten sind. Die Vereinigten Staaten werden
sich bedingungslos der Zerstörung ihres gesamten CWaffenbestands und ehemaliger Produktionseinrichtungen binnen 10 Jahren nach Inkrafttreten der CWC
verschreiben. Sie werden alle Staaten auffordern,
dem amerikanischen Vorbild zu folgen und mit der
Vernichtung ihrer C-Waffenbestände und Produktionseinrichtungen so bald wie möglich zu beginnen. Sie
werden Klauseln für die Konvention über chemische
Waffen vorschlagen, die für alle Vertragsparteien die
bedingungslose Zerstörung ihrer C-Waffenbestände
und Produktionseinrichtungen vorschreiben, sobald
die CWC in Kraft tritt. Diese Beseitigung muß binnen
10 Jahren nach diesem Datum abgeschlossen sein.

7. Die Vereinigten Staaten werden anderen Staaten
umfassendes Informationsmaterial über die amerikanischen Exportkontrollen für alle chemiewaffenrelevanten Materialien und Technologien ihre unsere zu
deren Durchsetzung getroffenen gesetzlichen Maßnahmen liefern. Sie werden alle Staaten auffordern,
ähnliche Kontrollen einzuführen und damit die Kontrolle der Verbreitung chemischer Waffen zu verbessern,
während sie ein vollständiges und offizielles Verbot
anstreben.

8. Neben den bedeutenden unmittelbaren Vorteilen,
die allen Parteien durch ein vollständiges Verbot chemischer Waffen zuteil werden, sollten die Staaten, die
sich der Konvention anschließen und diese stärken,
greifbare Vorteile daraus ziehen. Andererseits sollten
genau definierte Strafen gegen die Staaten verhängt
werden, die durch ihren Nichtbeitritt eindeutig demonstrieren, daß sie ein solches Verbot nicht unterstützen.
6. Die Vereinigten Staaten werden anderen Staaten Aus diesem Grund werden die Vereinigten Staaten für
praktische und wirksame Hilfe zur Verfügung stellen, die Konvention über chemische Waffen Bestimmunum zur raschen, sicheren und umweltverträglichen gen vorschlagen, die es den Vertragsparteien untersaZerstörung von Chemiewaffen beizutragen, wo immer gen, zur Herstellung von Chemiewaffen verwendbares
Material an solche Staaten zu liefern, die der Konvendiese vorgefunden werden.
tion nicht innerhalb eines angemessenen Zeitraums
Dazu gehören folgende Maßnahmen:
nach deren Inkrafttreten beigetreten sind.
Schaffung einer aus Vertretern der amerikanischen Regierung und Privatindustrie zusammengesetzten Expertengruppe, die Vorschläge
entwickeln soll, wie die Vereinigten Staaten
anderen Ländern bei der Zerstörung chemischer Waffen mit Rat und Tat zur Seite stehen
können.

9. Die Vereinigten Staaten werden ihre Position bekräftigen, derzufolge Sanktionen gegen die Staaten
verhängt werden sollten, die die Konvention über
chemische Waffen verletzen sowie besonders einschneidende Sanktionen gegen solche Staaten, die
den Einsatz chemischer Waffen vorbereiten. Die
Vereinigten Staaten erklären, daß sie Verletzungen
der Konvention über chemische Waffen, insbesondere
Bereitstellung technischer Hilfe bei der Zerstödie Vorbereitung des Einsatzes chemischer Waffen,
rung (etwa Besuche bei amerikanischen Zerstöals äu ßerst schweren Bruch des Völkerrechts betrachrungseinrichtungen, Pläne und technische Beten und daß sie in solchen Fällen alle geeigneten
ratung) für solche Staaten, auf deren HoheitsSanktionen verhängen werden.
gebiet sich chemische Waffen befinden.
Der Vorschlag zur Schaffung einer Arbeitsgrup- 10. Die Vereinigten Staaten werden ihr Engagement
pe zur Zerstörung chemischer Waffen im Rah- für ein solides und offenes Verifikationsregime bekräfmen der Genfer Abrüstungskonferenz sowie tigen. Sie werden zusätzliche konkrete Vorschläge
unterbreiten, um das zentrale Problem der Inspektion
das Angebot, zu diesem Zweck amerikanische
verdächtiger Einrichtungen zu behandeln. Sie werden
Experten zu delegieren.
die Genfer Abrüstungskonferenz auffordern, sich die
Position der Vereinigten Staaten zu Ad-hoc-Inspektionen solcher Einrichtungen zu eigen zu machen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 19

�NEUE

WELTORDNUNG
15. M a i l 991

USA WEITERHIN ENGAGIERT FÜR
NEUE WELTORDNUNG
Rede von Robert Gates
VANCOUVER - (AD) - Mit dem Hinweis auf die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten keinen Niedergang erleben
und heute die einzige wirkliche Supermacht sind, hat der stellvertretende nationale Sicherheitsberater Robert
Gates die Notwendigkeit bekräftigt, sein Land müsse sich weiterhin weltweit engagieren und der Versuchung
eines Rückzugs aus der Weltpolitik widerstehen.
In einer Rede vor dem Verband Amerikanischer Zeitungsverleger (American Newspaper Publisher's Association) erklärte Gates, "sicherlich sind weder Isolationismus noch nationale Alleingänge die Antwort" für eine
Nation, die im vergangenen Jahr Waren im Wert von über 637 Milliarden Dollar exportiert hat.
Gates erläuterte die amerikanische Vision der Neuen Weltordnung und der Probleme, die es zu lösen gelte.
Insbesondere betonte er in diesem Zusammenhang den Aufbau der Demokratie in Osteuropa und der
Sowjetunion. Ferner behandelte er die amerikanische Politik gegenüber Irak und die Nachkriegssituation am
Persischen Golf.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Gates im Wortlaut.

Lord Salisbury hat vor vielen Jahren einmal gesagt:
"Keine Lehre scheint von der Lebenserfahrung so sehr
bestätigt zu werden wie die, daß man Experten niemals trauen sollte. Glaubt man den Ärzten, so ist
nichts gesund. Glaubt man den Theologen, so ist
nichts unschuldig. Glaubt man den Soldaten, so ist
nichts sicher." Dem möchteich hinzufügen: Glaubte
man vielen Kommentatoren, Analysten und Gelehrten
der letzten Jahre, so ist die Zukunft vom Niedergang
der Vereinigten Staaten gekennzeichnet - einer ungeliebten Führung und schwindendem Einfluß, einer
undisziplinierten und phantasielosen Politik ohne Vision und einer Wirtschaft, deren Wettbewerbsfähigkeit
ständig nachläßt.
In einer Atmosphäre solch kritischen Pessimismus'
besteht ein Bedürfnis innezuhalten, einen neuen Standpunkt einzunehmen und darüber nachzudenken, wie
außergewöhnlich doch die Zeiten sind, in denen wir
leben und warum so viele Experten und Beobachter es
versäumt haben, Umfang und Macht der sich vollziehenden Veränderungen vorherzusehen (oder später
zu erkennen) - oder die amerikanische Rolle bei diesen
Veränderungen zu würdigen.

AMERIKA DIENST 19

Wieviele haben vor neun Monaten geglaubt,
daß Kuwait vor Ende des Winters befreit würde
und sich unsere Truppen im Frühjahr auf dem
Heimweg befänden?
Wer hat vor einem Jahr die Vereinigung Deutschlands innerhalb der NATO mit sowjetischer
Duldung vorhergesehen?
Wieviele Beobachter haben vor zwei Jahren
den vollständigen Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa, den Abzug der sowjetischen Truppen, den Fall der Berliner Mauer
und die Auflösung des Warschauer Pakts vorhergesehen (der der Washington Post lediglich einen Artikel auf Seite 16 wert war)?
Wer hat vor zwei Jahren den Abbau grundlegender Elemente der Apartheid in Südafrika vorhergesagt?
Wer hätte vor vier Jahren darauf gewettet, daß
sowjetische Truppen aus Afghanistan, vietnamesische Truppen aus Kambodscha, kubanische Truppen aus Angola abgezogen würden,

Seite 1

�Noriega aus Panama vertrieben und freie Wahlen
in Nicaragua abgehalten - und von der Opposition gewonnen würden?
Vor 10 Jahren lebten 10 Prozent der Bevölkerung Lateinamerikas in demokratischen Staaten. Wer hätte vorhergesagt, daß heute 90
Prozent demokratisch regiert werden?
Was wir am Ende des Jahrtausends erleben, ist eine
neue Dämmerung der Freiheit für lang unterdrückte
Völker - eine neue Dämmerung am Ende des Jahrhunderts, das trotz seines materiellen und technischen
Fortschritts vielleicht das am meisten durch Gewalt,
Krieg und Unterdrückung verdunkelte in der Geschichte war.
Heute, nahezu am Ende des Jahrhunderts sind die
alten Imperien und die neuen totalitären "ismen" tot
oder im Absterben begriffen. In der ganzen Welt ist die
alte Weltordnung entweder zusammengebrochen, oder
sie liegt in den letzten Zügen. Die Ereignisse haben die
Experten in Regierung, Universitäten und Medien
erschlagen. Ihre vorsichtigen, konventionellen Prognosen und pessimistischen Vorhersagen wurden von
der ungeheuren Macht mutiger Völker zunichte gemacht, die frei sein wollten; von despotischen Regierungen, deren wirtschaftlicher, politischer und moralischer Bankrott allzu häufig nicht erkannt oder ignoriert
wurde; von den vereinten Demokratien, deren Standhaftigkeit, vertrauensvolle Unterstützung und Führungskraft über Jahrzehnte hinweg diese dramatischen
Veränderungen möglich machten.
Neue Ansätze für eine neue Welt
Heute müssen wir die Welt und unsere Rolle darin mit
neuen Augen betrachten. Im Gegensatz zur Vorliebe
einiger auf der Linken und auf der Rechten, die Lasten
der internationalen Führung an andere weiterzugeben,
ist eine Rückkehr zum Isolationismus nicht möglich nicht für ein Land, das im vergangenen Jahr Waren im
Wert von über 673 Milliarden Dollar exportierte und
dessen Kultur und politischer Einfluß so weitverbreitet
sind. Trotzdem müssen wir uns auch der Tatsache
bewußt sein, daß die Art und Weise unserer Reaktion
auf unseren alleinigen Supermachtstatus und unsere
Übermacht vielen Ländern Sorge bereitet, und zwar
sowohl den mit uns befreundeten als auch den uns
weniger freundlich gesonnenen. Sicherlich sind weder
Isolationismus noch nationale Alleingänge die Antwort. Wir haben keine Wahl als uns weiterhin zu
engagieren, aber wir müssen aufs Neue überlegen,
wie wir uns engagieren und die Führungsrolle ausüben.
Die uns durch die gegenwärtig in der ganzen Welt
stattfindenden Veränderungen gegebenen Chancen
zu ergreifen, stellt uns vor eine zweifache Herausforderung: erstens, aufbauend auf unseren Erfahrungen
am Golf die Schaffung eines dauerhaften internationalen Engagements zur friedlichen Beilegung von StreitSeite 2

fällen und Solidarität gegen Aggression. Zweitens, die
Ermutigung und Unterstützung der Staaten, die gerade ihre Freiheit gewonnen haben, bei der Stärkung
ihrer Demokratie und dem Wiederaufbau ihrer Volkswirtschaften und Gesellschaften.
Bereits zweimal in diesem Jahrhundert haben amerikanische Präsidenten nach Weltkriegen die Bemühungen angeführt, einen internationalen Mechanismus für
den kollektiven Widerstand gegen Aggression ins Leben
zu rufen - zuerst Präsident Wilson und der Völkerbund,
später dann Präsident Roosevelt und die Vereinten
Nationen. Doch erst heute, am Ende des kalten
Krieges hat am Persischen Golf zum ersten Mal ein
internationales Gremium - die Vereinten Nationen - die
von ihren Begründern vorgesehene Rolle gespielt Organisierung und Sanktionierung kollektiven Widerstands gegen einen Aggressor. Das Potential der
UNO, diese Rolle auch weiterhin auszufüllen und die
neue Bereitschaft zahlreicher Staaten, Geld und militärische Einheiten dafür zur Verfügung zu stellen, sind
die Grundsteine eines neuen Zeitalters der internationalen Sicherheit - einer neuen Weltordnung, die durch
den wachsenden Konsens gekennzeichnet ist, daß
Gewalt nicht angewendet werden darf, um Streitfälle
zu regeln und bei einem Bruch dieses Konsenses die
Lasten und Verantwortlichkeiten von vielen Nationen
geteilt werden.
Die Neue Weltordnung ist weder eine Pax Americana
noch ein Euphemismus für die Vereinigten Staaten als
Weltpolizist. Sie ist einfach ein Versuch, Aggression
abzuschrecken und ihr gegebenenfalls durch kollektive und freiwillige Maßnahmen der internationalen
Staatengemeinschaft entgegenzutreten.
Wirtschaftliche Probleme bedrohen in vielen Ländern
Bestrebungen zu Aufbau und Förderung der Demokratie. Ungeachtet der vielfältigen Ursachen dieser
Probleme - der wirtschaftlichen Hinterlassenschaften
des Kommunismus oder der Konsequenzen massiver
Verschuldung - muß die Initiative und Opferbereitschaft aus dem Land selbst und von seiner Bevölkerungkommen. Aberwirund andere können und sollten
helfen, und wir müssen - im Bewußtsein, daß eine
Wirtschaftskrise die Demokratie unterminieren kann kreativ und aggressiv sein, wenn wir neue Instrumente
amerikanischer Außenpolitik entwerfen.
Ein solches Instrument besteht in der Förderung einer
erweiterten Partnerschaft zwischen Privatsektor und
Regierung. Die Grundbedürfnisse vieler neuer Demokratien sind wirtschaftlicher Art- Investitionen, Märkte,
technische Beratung und Know-how. Wir müssen
neue Mechanismen finden, um private Führungskraft
und Initiative partnerschaftlich mit den aufstrebenden
Demokratien zu fördern.
Unsere Hilfsprogramme sollten darauf abzielen, das
Wachstum eines Privatsektors in den Empfängerländem zu fördern und sie auf eigene Füße zu stellen.
Unsere traditionelle Förderung des freien Handels
AMERIKA DIENST 19

�kann für ihr Wirtschaftswachstum ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Indem wir ihnen Zugang zu den
Weltmärkten verschaffen, können wir den Handel und
die Investitionen fördern, von denen unwirtschaftlicher
Erfolg abhängt. Kurzum, unsere Regierung muß erkennen, daß den neuen Demokratien in vielen Fällen
unser - von der Regierung geförderter und gestärkter
- Privatsektor besser helfen kann als traditionelle
Programme.
Die Gestaltung der Zukunft: Historische Chancen
Wir befinden uns in einer Zeit der Entscheidung. Dank
der zwei Generationen dauernden Bemühungen von
Demokratien und dank jüngster Ereignisse ist die
Zukunft offen und bietet eine reale Möglichkeit zur
Stärkung von Weltfrieden und Stabilität und zur Verbreitung von Freiheit und wirtschaftlicher Vitalität oder
die gleichermaßen reale Möglichkeit des Rückschritts
- zurück zu Spannungen, heißen und kalten Kriegen,
autoritärer Regierung und Entbehrung. Wir haben
historisch einmalige Chancen, die nicht verschenkt
werden dürfen. Ich möchte lediglich drei davon ansprechen: Osteuropa, die Sowjetunion und den Nahen
Osten.
Osteuropas langer totalitärer Alptraum ist vorbei. Wir
sehen jetzt ein Mittel- und Osteuropa, das nichtkommunistisch ist und dessen sowjetische Truppen nach
Hause zurückgekehrt sind. Wir müssen den Osteuropäern auf eine Weise helfen, die ihre langfristigen
Aussichten auf einen erfolgreichen Übergang zu einer
stabilen demokratischen Regierung und zu Marktwirtschaft verbessert.
Es besteht kein Zweifel, daß die neuen Demokratien in
Osteuropa sich gravierenden wirtschaftlichen Problemen gegenübersehen. Trotz dieser Herausforderungen sollten wir über die Zukunft Osteuropas und sein
reiches menschliches Potential optimistisch sein. Die
Unterstützung und Führungsrolle der Vereinigten Staaten
wurden früh sichtbar. Im April 1989 bot der Präsident
Hilfe für echte Fortschritte bei politischen und wirtschaftlichen Reformen in Osteuropa an. Er übernahm
beim Weltwirtschaftsgipfel in Paris im Sommer 1989
die Führung bei der Mobilisierung internationaler Unterstützung für Polen und Ungarn, eine Maßnahme,
die allein im ersten Jahr zu Zusagen an diese Länder
im Umfang von 14 Milliarden Dollar führte. Darüber
hinaus bewilligte das Gesetz zur Förderung der Demokratie in Osteuropa nahezu eine weitere Milliarde
Dollar zur Förderung von politischem Pluralismus und
wirtschaftlichem Wiederaufbau. Ferner gab es andere
wichtige Initiativen wie die Unternehmensfonds für
Polen, Ungarn und die Tschechoslowakei, mit dem
Ziel einer echten Lösung für Osteuropa - ausländische
Investitionen, Aufbau von Privatunternehmen und
Öffnung unserer Märkte für ihre Waren.

AMERIKA DIENST 19

Das Leben ist heute in Osteuropa sehr hart. Nur Mut
und Entschlossenheit sind im Überfluß vorhanden.
Der Westen darf diese Menschen nicht im Stich lasen.
In der Zwischenzeit bleibt die Aufmerksamkeit der
Welt auf die Sowjetunion gerichtet, wo die kommunistische Herrschaft zerfällt und politische Dynamik ebenso freisetzt wie gesellschaftliche Spannungen und
wirtschaftlichen Druck, die einerseits die Sowjetunion
zu Pluralismus und wirtschaftlicher Vernunft führen
und andererseits erhebliche Instabilität, Repression
und vielleicht noch größere Härten und Bürgerkrieg mit
sich bringen können.
Die Reformen in der Sowjetunion müssen vier Hindernisse überwinden:
Erstens haben sich die politischen Veränderungen wesentlich schneller vollzogen als die wirtschaftlichen Reformen, und die Wirtschaft ist in
einer ausweglosen Lage. Infolgedessen können die Menschen jetzt ihre Beschwerden leichter zum Ausdruck bringen, aber zu einer Zeit, da
die Regierung über keine Mittel verfügt, um auf
sie einzugehen. Damit sind erhebliche Schwierigkeiten vorprogrammiert.
Zweitens dauert das Nationalitätenproblem in
beunruhigender Weise an, als Vermächtnis eines
mannigfaltigen Reiches, das durch jahrhundertelange Eroberungen zustande kam. Dieses
Vermächtnis zeigt sich in unterschiedlicher Weise:

in alten Feindschaften zwischen Minderheiten,
dem Kampf der Minderheiten gegen das Zentrum und dem Kampf der Millionen von Russen
in nichtrussischen Gebieten für ihren Schutz
und die Sicherung ihres weiteren politischen
Einflusses.
Drittens wurde das alte System aufgelöst und
zerstört, bevor ein neues geschaffen wurde, das
Ordnung und die Bedingungen für Reformen
und Wachstum in der Wirtschaft schafft. Das
Ergebnis waren Aufruhr, Verbrechen, eine zusammenbrechende Wirtschaft, Versorgungsengpässe und ein allgemeines Gefühl sozialer
Hoffnungslosigkeit.
Viertens und letztens ist die russische Geschichte selbst eine große Last. Die Reformer müssen
nicht nur 70 Jahre kommunistischer Geschichte, sondern tausend Jahre russischer Geschichte bewältigen, eine Geschichte, die niemals eine
andere Regierungsform gekannt hat als Diktatur und niemals ein anderes Wirtschaftsleben
als das staatlich kontrollierte und dominierte.
Der Schwerpunkt unseres Ansatzes für die Sowjetunion hat sich von der Eindämmung eines Feindes zu
konstruktiver weltweiter Zusammenarbeit, Unterstüt-

Seite 3

�zung demokratischer Tendenzen und verzweifelt
benötigter Wirtschaftsreformen in der UdSSR verlagert. Wir sind uns der Realität voll und ganz bewußt sowohl im Hinblick auf die fortgesetzte große Militärmacht der Sowjetunion und die zeitweise Unvermeidbarkeit von Gegensätzen als auch im Hinblick auf den
langen Weg der Reformen und Veränderungen, den
die Menschen in der Sowjetunion noch gehen müssen.
Dies ist ein Ansatz, der uns Ausdauer und Beharrlichkeit abfordert.
Wir haben es nach wie vor mit dem sowjetischen
Politiker an der Spitze zu tun, der diese Veränderungen freigesetzt und sich in Europa, am Persischen Golf
und zum gro ßen Teil auch in Angola, Kambodscha und
in der Rüstungskontrolle als konstruktiver Partner
erwiesen hat. Gleichzeitig müssen wir unsere Kontakte mit demokratischen Reformern in den Republiken
und Kommunen ausbauen, um sicherzustellen, daß
die sowjetische Gesellschaft unsere Unterstützung
der Reformpolitik wahrnimmt. Aber unser Ansatz bei
allen Problemen in der Sowjetunion muß auf der
unerschütterlichen Botschaft basieren, daß die einzige
Zukunft der Sowjetunion in dem Weg zu Demokratie
und weitreichenden wirtschaftlichen Reformen besteht.
Ob sich die Sowjetunion tatsächlich auf friedlichem
Wege in eine politisch pluralistische, marktorientierte
Gesellschaft mit internationaler Verantwortung entwickelnkann, bleibt offen. Dies ist eine historische Zeit
der Entscheidung für die Sowjetunion. Wird ihr - wie
wir hoffen - der Aufbruch in eine andere, bessere
Zukunft gelingen oder wird sie in eine bewährte aber
unglückliche Vergangenheit zurückfallen? Im Augenblick und wahrscheinlich noch in den kommenden
Jahren müssen wir auf beide Eventualitäten gefaßt
sein.
Der Persische Golf und der Nahe Osten sind eine
weitere Herausforderung. Am Golf versuchen wir
sicherzustellen, daß wir nie wieder mit einer solchen
Herausforderung konfrontiert werden wie am 2. August. Es wurden Sanktionen verhängt, damit der Irak
seine Nachbarn nicht bedrohen kann. Gleichzeitig
bauen wir zusammen mit unseren Freunden neue
Verteidigungsarrangements auf, die weiter zur Stabilität der Region beitragen. Wie Sie wissen, stellen die
Vereinigten Staaten darüber hinaus beträchtliche Mittel zur Milderung des massiven menschlichen Elends
bereit, das auf Saddam Husseins Unterdrückung seines eigenen Volkes zurückzuführen ist.
Unsere Politik gegenüber Saddam Hussein und dem
Irak ist, solange er an der Macht bleibt, entschlossen
und unerschütterlich:
Die Vereinigten Staaten und die internationale
Staatengemeinschaft unterstützen nach wie vor
die Souveränität und territoriale Integrität des
Irak, wünschen jedoch eine neue irakische
Führung, die auf die Bedürfnisse des irakischen

Seite 4

Volkes eingeht und bereit ist, in Frieden mit
seinen Nachbarn zu leben. Eine neue politische
Führung sollte durch Verhandlungen zwischen
den Irakern und nicht durch Gewalt herbeigeführt werden.
Aufgrund der Invasion und Besetzung Kuwaits
sowie der brutalen Unterdrückung seines eigenen Volkes hat sich Saddam Hussein in nicht
wiedergutzumachender Weise diskreditiert. Seine
Führung wird niemals von der internationalen
Staatengemeinschaft akzeptiert werden, und
deshalb werden die Iraker den Preis dafür bezahlen, solange er an der Macht ist.
Alle nur möglichen Sanktionen werden aufrechterhalten, bis er aufgibt. Eine Lockerung der
Sanktionen wird nur in Erwägung gezogen, wenn
eine neue Regierung eingesetzt ist.
Die Zeit arbeitet gegen den Irak, solange Saddam Hussein an der Macht festhält. Der Irak ist
nichts anderes als der Staat eines Parias, solange er im Amt ist. Die Iraker werden nicht an den
nach der Krise abgehaltenen wirtschaftlichen
und sicherheitspolitischen Gesprächen teilnehmen, bis ein Regierungswechsel stattgefunden
hat.
Wir hatten und haben keine Probleme mit dem
irakischen Volk, sondern mit seiner Führung
und vor allem mit Saddam Hussein. Er ist nach
wie vor das Problem.
Im Nahen Osten hoffen wir, daß sich nach dem Krieg
neue Chancen für Frieden ergeben werden. Der
gefährlichste Gegner Israels ist besiegt worden. Unseres
Erachtens sind die arabischen Mitglieder der Koalition
bereit, mit Israel in Frieden zu leben. Und es wurde
krass demonstriert, daß in modernen Zeiten Städte zu
militärischen Grenzgebieten gemacht werden und
Zivilisten sich an der Frontlinie finden können. Die
Herausforderung besteht darin, diese Erkenntnis in
Diplomatie umzusetzen.
Niemand sollte an unserer Fähigkeit zweifeln, unseren
Freunden zu helfen - sei es in Zeiten des Krieges oder
Friedens. Außenminister Baker hat in den vergangenen zwei Monaten drei anstrengende Reisen in die
Region unternommen, um eine regionale Friedenskonferenz herbeizuführen, bei der direkte Verhandlungen zwischen den einzelnen Parteien in die Wege
geleitet werden könnten. Wir müssen alte Tabus
brechen und die Ursachen an der Wurzel angehen, die
Israelis und Palästinenser und Israel von den arabischen Staaten trennen.
Die uns leitenden Prinzipien sind kein Geheimnis: Wir
streben einen umfassenden Frieden an, der auf die
Resolutionen 242 und 338 des UN-Sicherheitsrats und
das Prinzip Land für Frieden gegründet ist. Wir wollen
einen wahren Frieden für alle Staaten in der Region
AMERIKA DIENST 19

�einschließlich Israels. Aber als Gegenleistung müssen wir bereit sein, den legitimen politischen Rechten
des palästinensischen Volkes gerecht zu werden und
eine Lösung für die Fragen bezüglich Land, Wasser
und Sicherheit finden, die für die Zukunft der Region
von so zentraler Bedeutung sind.

Das 20. Jahrhundert geht seinem Ende entgegen,
beherrscht von zwei Weltkriegen, zahllosen anderen
Konflikten, mehr Leiden als Worte zu beschreiben
vermögen und einem langen und feindseligen kalten
Krieg, der die Menschheit selbst als Geisel gefangenhielt. Wie befinden uns an der Schwelle zu einem
neuen Jahrhundert, einem neuen Jahrtausend, hoffen
auf einen klareren und ruhigeren Himmel und darauf,
daß wir auf den Ruinen großer despotischer Imperien
und diskreditierter Ideologien jetzt ein neues Zeitalter
des Friedens aufbauen und weitere Fortschritte der
Freiheit sicherstellen können. Dies könnte in greifbare
Nähe rücken, wenn wir vertrauensvoll und mutig sind,
unseren internationalen Verpflichtungen nachkommen
und unerschütterlich in unserer Führungsrolle sind. Es
ist eine Rolle, die von der Welt begrü ßt wird und die wir
- wie uns die Geschichte des vergangenen Jahrhunderts lehrt - nicht aufgeben dürfen.

Es gibt kein Patentrezept "Made in America" für den
Frieden - nur Verhandlungen können ihn herbeiführen.
Wir wissen, daß allen Kompromisse abverlangt werden. Wir sind nicht naiv - die Bitterkeit und das Erbe
von Haß und Gewalt sind uns bestens bekannt. Wir
lassen uns jedoch nicht von Schwierigkeiten abschrekken. Wir sind entschlossen, voranzugehen - wie
schwierig der Weg auch sein mag. Amerikanische
Bestrebungen können den Nahostkonflikt nicht lösen nur die Völker und Regierungen des Nahen Ostens
können das - aber ein Engagement der Vereinigten
Staaten kann als Triebfeder und notwendiger Katalysator wirken. Es ist höchste Zeit zusammenzukommen, zu sprechen und um der Sache des Friedens
willen dieselben Risiken einzugehen wie für den Krieg.
Schlußbemerkung:
Wunschdenken

Entschlossenheit,

Und damit ende ich, wo ich angefangen habe - bei den
von den Revolutionen unserer Zeit verwirrten Experten und Insidern. Zu viele haben den Anschluß verpaßt, weil sie die Auswirkungen der amerikanischen
Führungsrolle, Macht, des vertrauenswürdigen Engagements, nationalen Willens und demokratischen
Vorbilds vom Persischen Golf über ein vereinigtes
Deutschland bis zu Osteuropa und Lateinamerika
unterschätzten.

nicht

Noch vor einem Jahr waren Theorien des Niedergangs
und kritischer Pessimismus in Washington sehr in
Mode. Heute sind sie vielleicht etwas weniger aktuell,
aber deshalb noch lange nicht verschwunden. Dennoch stellt heute niemand die Realität nur einer Supermacht und ihrer Führungsrolle in Frage. Bei all den
herkömmlichen Mitteln nationaler Macht - wirtschaftlich, militärisch, kulturell, politisch und selbst philosophisch - haben wir keine Herausforderer.

Vielleicht haben sie auch den Anschluß verpaßt, weil
sie den menschlichen Geist unterschätzten. Um Churchill
zu zitieren: "Fachwissen, so unerläßlich es auch sein
mag, ist kein Ersatz für einen großzügigen und umfassenden Ausblick auf die Geschichte der Menschheit
mit all ihrer Traurigkeit aber - vor allem - mit ihrer
untilgbaren Hoffnung." Was zu viele Experten (und
andere) anscheinend übersehen haben, hat Dostojewski als "das Feuer im Geiste des Menschen" bezeichnet - das Feuer der Freiheit. Es ist zweifelsohne
ein großes Wunder, daß dieses Feuer an so vielen
Orten nach Generationen der Unterdrückung noch
immer so hell leuchtet und so viele Menschen noch
immer glauben, daß die Amerikaner die Fackel tragen,
die dieses Feuer entflammt. Wir können und dürfen sie
nicht enttäuschen.

Was wir haben - um Joseph Nye von der Universität
Harvard zu zitieren - sind Herausforderungen. Bildung, Produktivität und handwerkliches Können,
Haushaltsvorschriften und die Bereitschaft, den Preis
der weltweiten Führungsrolle zu bezahlen: kontinuierliches, vertrauenswürdiges Engagement und Führung,
Aufrechterhaltung eines starken und fähigen Militärs,
Unterstützung der neuen Demokratien.

Ich danke Ihnen.

*

AMERIKA DIENST 19

*

*

Seite 5

�INSTITUTIONEN

IN

AMERIKA
15. Mal 1991

AMERIKAS EINZIGARTIGES
OBERSTES BUNDESGERICHT
von Barrett McGurn
BONN - (AD) - Vor etwa 200 Jahren - genau am 1. Februar 1790 - kam das Oberste Bundesgericht der Vereinigten
Staaten zu seiner ersten Sitzung zusammen. Der nachfolgend veröffentlichte Artikel erschien erstmals im
September 1990 in der Zeitschrift American Studles Newsletter. Er beschreibt die dritte "Gewalt" in der
Regierung und ihre Funktion in der amerikanischen Gesellschaft. Der Autor Barrett McGurn war von 1973 bis
1982 Pressesprecher des Obersten Bundesgerichts. Er ist darüber hinaus Verfasser mehrerer politischer
Bücher.

Ein dramatischer Augenblick in der zweihundertjährigen Geschichte des Obersten Bundesgerichts der
Vereinigten Staaten war in den siebziger Jahren erreicht, als die neun Richter den aufsehenerregenden
Fall "Die Vereinigten Staaten von Amerika gegen
Richard M. Nixon, Präsident der Vereinigten Staaten"
zu verhandeln hatten.
Für die Journalisten war das eine Sternstunde der
Berichterstattung, und die Richter übertrugen mir die
Verantwortung, das Pressekorps zu betreuen. In
Washington gibt es 3.000 hauptamtlich akkreditierte
Journalisten, dazu Reporter aus den meisten Ländern
der Welt. Alle 3.000 schienen entschlossen, sich in
den kleinen Gerichtssaal zu zwängen, um der Verhandlung des Falls beizuwohnen. Dafür Journalisten
nur 19 Plätze vorgesehen waren, gab es ein Problem.
Den Verhandlungen des Obersten Bundesgerichtes von denen die erste am 1. Februar 1790 stattfand - liegt
die Idee zugrunde, daß die Verfahren eine öffentliche
Angelegenheit sind und auch der letzte Bürger zumindest Gelegenheit haben sollte, die Richter in ihren
schwarzen Roben auf ihren hohen Richterbänken zu
sehen, wenn sie Fälle verhandeln, die noch viele
Generationen nach uns betreffen können. Deshalb
sind mehrere Dutzend der 300 Plätze im Gerichtssaal
bei jeder Verhandlungen für die Öffentlichkeit reserviert.

AMERIKA DIENST 19

Mein erster Gedanke war zu empfehlen, daß die
Presse alle Plätze im Gerichtssaal einnehmen sollte,
auch die für die Öffentlichkeit reservierten. Die Richter
legten Einspruch ein. Ich erhielt jedoch die Genehmigung, zusätzlich 80 Stühle aufzustellen, womit ich nun
für das potentielle Publikum von 3.000 Journalisten
100 Plätze hatte. Während der dreitägigen Verhandlung mußten sich fünf Journalisten einen Platz teilen,
und es wurde jeweils nur ein Platz an jedes Medium
(Zeitungen, Nachrichtenagenturen, Radio- und Fernsehstationen sowie Zeitschriften) vergeben, und so
kam ich mit relativ wenigen Protesten durch die hektischen Tage.
Die paar Dutzend Plätze für die Öffentlichkeit waren
ebenfalls immer besetzt. Mitglieder der 60 Mann
starken Polizeitruppe des Bundesgerichts hatten damit
zu tun, eine Gruppe nach der anderen hereinzuführen,
damit sie wechselweise drei Minuten lang einen Blick
auf die Verhandlung erhaschen konnten. Dasselbe
Verfahren wird bei jeder Verhandlung des Obersten
Bundesgerichts durchgeführt, aber dieses Mal nahm
die lange Warteschlange fast kein Ende. Einige hatten
die ganze Nacht gewartet, um einen schnellen Blick
auf Wirklichkeit werdende Geschichte werfen zu können.
Wie alle Verhandlungen des Obersten Bundesgerichts
endete auch diese ohne eine unmittelbare Entschei-

Seite 1

�düng. Die Richter zogen sich hinter die schweren
Vorhänge im rückwärtigen Gerichtssaal in einen separaten Raum zurück. Dort erörterten sie das weitere
Vorgehen. Wie gewöhnlich waren sie allein. Keiner
ihrer 300 Mitarbeiter war bei ihnen. An den Wänden
standen in Hunderten von Bänden die Entscheidungen, die 100 Richter seit Ende des 18. Jahrhunderts
gefällt haben. Wie immer ergriff der Vorsitzende
Oberste Bundesrichter, damals Warren E. Burger, das
Wort. Auf dem Spiel stand die Präsidentschaft von
Richard Nixon. Kein anderer Präsident war der Amtsenthebung jemals so nahe.
Zur Debatte stand ein technisches Problem. Kongreßabgeordnete sprachen von einer möglichen Anklageerhebung gegen den Präsidenten wegen Behinderung der Justiz in einem Fall von Politik und Diebstahl
und verlangten, Tonbänder von Gesprächen des Präsidenten im Weißen Haus zu hören. Der Präsident
hatte dies abgelehnt. Mitarbeiter des Präsidenten
wurden im Zusammenhang mit demselben Fall angeklagt. Sie baten um eine Freigabe der Bänder des
Präsidenten, weil sie sich damit Hilfe bei ihrer eigenen
Verteidigung gegen die Anklage erhofften. Die Richter
hatten die Frage zu prüfen, ob der Präsident gezwungen werden sollte, die möglicherweise belastenden
Aufzeichnungen zu übergeben.
Der Vorsitzende Oberste Bundesrichter arbeitete
wochenlang von morgens früh bis abends spät und traf
schließlich eine Entscheidung auf der Basis dessen,
was sein großer Vorgänger im 19. Jahrhundert, John
Marshall, in einem ähnlichen Konflikt um einen Präsidenten getan hatte. Bei diesem frühen Fall ging es um
Thomas Jefferson, den ehrenwerten Verfasser der
amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Aaron Burr,
einer der wichtigsten Politiker seiner Zeit, war des
Landesverrats angeklagt. Jefferson versicherte Marshall, ihm lägen Beweise für Burrs Schuld vor.
"Zeigen Sie uns die Beweise," forderte Marshall.
"Nur Auszüge," antwortete Jefferson. Andere Teile
des Dokuments sollten nicht enthüllt werden.
"Alle Beweise oder keinen," forderte Marshall. Wenn
jemand unter Anklage steht, kann er in Wahrnehmung
des Rechts auf Selbstverteidigung die Vorlage aller
Beweise verlangen, die für seinen Fall hilfreich sind.
Kein Bürger, nicht einmal der Präsident, kann sich
dieser Bürgerpflicht der Kooperation entziehen. Jefferson blieb hart und und Burr kam frei.
Nixon mußte seine Bänder herausgeben. Es wurde
einstimmig abgestimmt. Innerhalb weniger Tage trat
Nixon von seinem Amt zurück.
Kein anderes Gericht der Welt hat die Macht des
Obersten Bundesgerichts des Vereinigten Staaten,
auch wenn das Gericht über keine Armee zur Durchsetzung seiner Entscheidungen verfügt. Die Macht
des Gerichts wird allgemein akzeptiert, auf der GrundSeite 2

läge der Vereinbarung, mit der das Land nach dem
Revolutionskrieg im 18. Jahrhundert gegründet wurde.
Die Gründerväter wollten ein System der gegenseitigen Kontrolle und geteilten Verantwortung schaffen,
das der Regierung ausreichend Macht zugesteht, aber
sie trotzdem teilt, um die Art der Tyrannei zu vermeiden, gegen die sie rebelliert hatten.
Mit diesem Gedanken wurde die Regierung dreigeteilt:
Der Kongreß soll die Gesetze schreiben, die Exekutive
sie durchführen, und eine separate Judikative unter
dem Vorsitz des Obersten Bundesgerichts sollte die
Aufsicht haben.
Um den Menschen gerecht zu werden und gleichzeitig
angesichts wechselnder Moden Kontinuität zu sichern,
verfügten die Gründerväter, daß Mitglieder des Unterhauses der Legislative, die Kongreßabgeordneten oder
Volksvertreter, sich alle zwei Jahre zur Wahl stellen
sollten, der Präsident sollte vier Jahre im Amt bleiben,
die Senatoren (im Oberhaus der Legislative) sollten
alle sechs Jahre wiedergewählt werden, und die Bundesrichter als Bewahrer der Kontinuität sollten solange
dienen, wie sie "gutes Verhalten" an den Tag legen.
Damit wurde den Obersten Bundesrichtern als den
einzigen Mitgliedern der Regierung eine lebenslange
Amtszeit zugebilligt.
Die grundlegende Vereinbarung zwischen den erfolgreichen Revolutionären des 18. Jahrhunderts war die
Verfassung der Vereinigten Staaten, ein knapp formuliertes Dokument mit einer starken Bill of Rights zum
Schutz der Freiheiten des einzelnen.
Die neue Nation war erst einige Jahre alt, als es zu
Debatten kam, wie die knappe Sprache der Verfassung zu interpretieren sei. John Marshall, der kühne
Gegner von Präsident Jefferson, legte den Fall ein für
allemal bei. Er erklärte, in Zweifelsfällen sollte der
Oberste Gerichtshof sagen, was die Verfassung bestimmt. Das Wort Marshalls galt und hat seitdem das
Leben der Nation bestimmt.
Jedes Jahr werden dem Obersten Gerichtshof 5.000
Fälle vorlegt. Das bedeutet, an einem Arbeitstag
müßte in 90 Minuten ein Fall verhandelt werden. Die
erste Aufgabe der Richter besteht also darin, aus
dieser Vielzahl etwa 150 Fälle herauszugreifen, über
die "aufgrund der ihnen innenwohnenden Umstände"
entschieden werden soll, um Präzedenzfälle zu schaffen, die Tausenden anderer Richter und den Hunderttausenden Anwälten im Land als Entscheidungsgrundlage dienen.
Jeder Oberste Richter hat das Recht auf die Hilfe von
vier Mitarbeitern, jungen Männern und Frauen, die
unter den absolut besten Universitätsabsolventen
ausgewählt werden. Die meisten Richter bitten diese
brillianten jungen Mitarbeiter, die eingehenden Fälle zu
prüfen und wichtige Fragen im Hinblick auf die Bundesgesetzgebung zu finden, die für die anderen Gerichtssäle des Landes entschieden werden sollten. Das ist
AMERIKA DIENST 19

�eine große Verantwortung, und ein Oberster Richter,
der 83jährige William Brennan, hat den Ruf, die enorme Papierflut, die 5.000 Fälle mit sich bringen, selbst
zu lesen.
Einer Schätzung zufolge wendet ein Oberster Richter
etwa ein Sechstel seiner Zeit für die erste Phase, die
Auswahl der zu verhandelnden Fälle, auf.
Die Sitzungsperiode - der Zeitraum, in dem die Obersten Bundesrichter Fälle verhandeln und beraten dauert neun Monate jährlich. An drei Tagen im Monat
versammeln sich die Richter in ihrem Konferenzzimmer, um darüber abzustimmen, welche Fälle zur Verhandlung kommen. Bei dieser Abstimmung kann auch
eine Minorität gewinnen. Sprechen sich mindestens
vier Richter dafür aus, über einen Fall zu verhandeln,
so wird er als einer von jährlich 150 Fällen zur Verhandlung zugelassen.
Neunzehn von 20 Fällen werden ohne Verfahren
abgewiesen. In diesen Fällen bleibt die Entscheidung
der Vorinstanz bestehen, die aber keinen landesweit
gültigen Präzedenzfall darstellt. Dahinter steht die
Haltung, daß dem Grundsatz, demzufolge jedem
Prozeßführer sein "Tag vor Gericht" zusteht, dadurch
Genüge getan wurde, daß bereits mindestens zwei
Vorinstanzen über den abschlägig beschiedenen Fall
verhandelt haben.
Die Tätigkeit als Oberster Bundesrichter verlangt ein
besonderes Temperament. Vor einigen Jahrzehnten
gab es einmal einen Richter, der mehr als gewissenhaft war und an den sich noch manch ein heutiger
Mitarbeiter des Obersten Bundesgerichts erinnert. Dank
seines großen Erfahrungsschatzes konnte er bei jeder
Frage zumindest zwei Seiten erkennen. Jede Entscheidung stürzte ihn in Gewissenskonflikte. Häufig
besteht im Gericht ein Patt von vier zu vier Stimmen,
so daß die Stimme eines einzelnen Richters einen
bindenden, landesweit gültigen Präzedenzfall schaffen kann. Von der Not getrieben, fällte dieser Richter
zwar letztlich seine Entscheidung und stimmte ab,
beschäftigte sich wenig später jedoch erneut mit den
Gegenargumenten und kam zu dem Schluß, er habe
sich geirrt. Der Richter verlie ß schlie ßlich das Oberste
Bundesgericht mit einem Nervenzusammenbruch.
Gerichtsbeobachter - und davon gibt es unter amerikanischen Juristen eine ganze Menge - zerbrechen sich
häufig den Kopf über die Motive des einzelnen Richters. Ein Richter unterhielt sich einmal mit mir über
diese Frage. Er erklärte:
"Ich bin sicher, daß einige meiner alten Freunde von
meinem Stimmverhalten enttäuscht sind. Und sicherlich ist es so, daß ich anders abstimmen würde, wenn
ich Mitglied im Kongreß wäre. Aber ich bin nicht
Mitglied im Kongreß. Ich bin nicht dafür zuständig, die
Gesetze abzufassen. Meine Tätigkeit besteht darin,
die von Kongreßabgeordneten geschriebenen Gesetze anzuwenden."
AMERIKA DIENST 19

Er und die anderen Richter prüfen die eingehenden
Fälle, untersuchen die anzuwendenden Gesetze und
vergleichen dann diese Gesetze mit dem Wortlaut der
Verfassung. Wenn die Gesetze die verfassungsmäßige Überprüfung bestehen, werden sie angewandt, und
der Fall wird entschieden.
Entscheiden ist das Schlüsselwort, wie mir ein anderer
Richter einmal erklärte. Jemand muß entscheiden,
und in den Vereinigten Staaten ist diese Person häufig
der Oberste Bundesrichter. Das Gericht orientiert sich
gerne an Präzedenzfällen. Es folgt der Doktrin des
stare decisis, d.h. bereits getroffene Entscheidungen
aufrechtzuerhalten. Bisweilen hat das Gericht jedoch
- wenn auch widerstrebend und trotz der verwirrenden
Folgen für nachgeordnete Gerichtsinstanzen - von ihm
selbst gesprochene Urteile wieder rückgängig gemacht.
Der ehemalige Vorsitzende Oberste Bundesrichter
Burger drückte es einmal folgendermaßen aus: "Wir
Richter sind unfehlbar! Denn wir sitzen hier im Gericht.
Wir sind jedoch nicht hier im Gericht, weil wir unfehlbar
sind!"
Ein häufig beim Gericht diskutiertes Thema ist die
Frage, ob die Richter überarbeitet sind. Verlangt man
nicht zuviel von Menschen aus Fleisch und Blut, so
gesetzeskundig sie auch sein mögen? Burger und der
verstorbene William O. Douglas vertraten dazu unterschiedliche Ansichten. Der ehemalige Vorsitzende
Oberste Bundesrichter erinnerte sich daran, daß die
Obersten Bundesrichter, als das Oberste Bundesgericht gegen Ende des 19. Jahrhunderts noch seinen
Sitz im Wall-Street-Viertel von New York hatte, Fälle
von der ersten Instanz bis zum Ende verhandelten.
Damit aber waren die ursprünglich fünf Obersten
Bundesrichter eindeutig überlastet, und deshalb wurde das Oberste Bundesgericht erweitert. Eine neue
gerichtliche Instanz wurde eingeführt, die Bundesbezirksgerichte (Federal District Courts). Letztere führten die ersten und häufig endgültigen Verfahren durch.
Eine Zeitlang reichte dies aus, aber am Ende des 19.
Jahrhunderts war eine neue Instanz erforderlich geworden, die Bundesberufungsgerichte (Federal Courts
of Appeal). Vielleicht war es sogar an der Zeit, noch
eine weitere Instanz zwischen den Berufungsgerichten und dem Obersten Bundesgericht zu schaffen.
Dieser neue Gerichtshof könnte die eingereichten
5.000 neuen Fälle durchforsten, etwa 500 davon an
das Oberste Bundesgericht weiterleiten und vielleicht
100 bis 200 selbst "aufgrund der besonderen Umstände" entscheiden und damit Präzedenzfälle schaffen.
Viele Juristen sind sich darin einig, daß mehr als 150
Präzedenzfälle schaffende Urteile notwendig sind, um
den juristischen Interessen des Landes gerecht zu
werden.
Einer Lösung für die Probleme des Obersten Bundesgerichts widersetzte sich Burger jedoch: der Erweiterun des Gerichts, zum Beispiel auf 15 Oberste Bundesrichter. Es war bereits äußerst schwierig, fünf
Seite 3

�Richter zu einer gemeinsamen Meinung zu bewegen.
Es wäre noch wesentlich schwieriger, acht Übereinstimmungen herzustellen. Das Oberste Bundesgericht kennt keine verschiedenen Senate. Alle neun
Richter stimmen über jeden Fall ab.

jemandem zusammen gedient, den ich nicht leiden
konnte."

Der überhebliche William O. Douglas vertrat eine
abweichende Auffassung. Als Mann mit blitzschneller
Urteilsgabe und einer tiefverwurzelten Leidenschaft
für die Sache des "kleinen Mannes" war er der Meinung, die Arbeit des Gerichts ließe sich in der Hälfte
der Zeit bewältigen, die von anderen Richtern für
notwendig erachtet wurde. Um sein Argument zu
untermauern, daß jedes Jahr viel Zeit übrigbleibt,
schrieb er über 30 Bücher.

"Aber", drängte der Reporter, "meinen Sie nicht auch,
daß jeder Präsident die Richter aussucht, die seinem
eigenen Bild entsprechen?" Mit anderen Worten:
würde ein Nixon nicht auch Nixons auswählen, und wie
könnte ein Liberaler wie Douglas das gutheißen?

Wenn einige Beobachter darüber erstaunt waren, daß
der "Nixon-Gerichtshof" Warren Burgers beim Tonbandfall einstimmig gegen Präsident Nixon votierte,
so lag dies nur daran, daß sie eine Binsenweisheit im
Hinblick auf das Oberste Bundesgericht vergessen
hatten: Der Präsident ernennt die Richter, nach seiner
Ernennung ist der Richter jedoch auf sich allein gestellt
und trägt niemandes Farben.
Dies wurde mir in den siebziger Jahren verdeutlicht, als
Richter Douglas mit über 34 Jahren den Rekord für die
längste Amtszeit beim Obersten Bundesgericht brach.
Das Oberste Bundesgericht veranstaltet keine Pressekonferenzen, aber ich diskutierte mit Richter Douglas darüber, daß wir in einem solch historischen
Augenblick eine Ausnahme machen sollten. Er stimmte widerstrebend zu, und acht Fernsehteams versammelten sich in unseren Marmorhallen. Ich warnte den
Richter davor, daß Journalisten ihn wahrscheinlich
dazu bringen wollten, seine neuen konservativen, von
Nixon ernannten Kollegen anzugreifen. Ich war der
Meinung, daß solch öffentlich zur Schau getragene
Uneinigkeit im Zentrum des Justizwesens nur nachteilig sein konnte. Der Richter versicherte mir, daß er
solchen Rates nicht bedürfe.
"Ich bin schon länger hier tätig als Sie", versicherte er
mir.
Welche

Meinungsverschiedenheiten

auch

"Ja", erwiderte der Richter. "Jeder Präsident versucht, das zu tun. Und wäre ich Präsident, würde ich
das auch versuchen. Aber wie Sie wissen, liegen die
Fragen, mit denen sich ein Präsident beschäftigt, für
uns als Nation bereits in der Vergangenheit. Die
Fragen, die ein neuer Richter zu behandeln hat, liegen
vor uns in der Zukunft, und ein Präsident kann diese
ebenso wenig wie wir alle vorhersehen!"
Was der Richter damit ausdrückte, entsprach sicherlich der Wirklichkeit. Auch wenn sie es noch so sehr
versuchen, können Präsidenten das künftige Stimmverhalten der von ihnen ernannten Richter nicht vorhersagen. So ernannte der konservative Dwight Eisenhower William Brennan, der konsequent die Sache
der Liberalen unterstützte. Dagegen war der einzige
von dem Liberalen John Kennedy ernannte Oberste
Bundesrichter, Byron White, ein Mann der Mitte, der
häufig der konservativen Mehrheit half.
Zwischen den Richtern besteht ein Altersunterschied
von einem Vierteljahrhundert, wobei die einzige Frau,
Sandra Day O'Connor, mit 59 Jahren zu den jüngsten
zählt und mehrere, darunter der einzige Schwarze,
bereits das Alter von achtzig überschritten haben oder
kurz davor stehen. Darin liegt eines der ungelösten
Probleme des Obersten Bundesgerichts. Indem sie
eine praktisch lebenslange Amtszeit der Bundesrichter vorsahen, um damit den Zufällen von Modeerscheinungen vorzubeugen, versäumten es die Gründerväter, eine Regelung für ein angemessenes Pensionierungsalter zu treffen. Jeder Richter entscheidet selbst,
wann er sich von diesem aufreibenden aber faszinierenden Lebenswerk zurückziehen möchte.

immer

bestehen werden - und davon gibt es eine Menge,
wenn die acht Männer und eine Frau sich mit den
schwierigsten nationalen Fragen auseinandersetzen so besteht doch eine Ergebenheit für die Institution
selbst, die alle Obersten Bundesrichter vereint. Kein
Mitglied des Gerichts würde sie vorsätzlich beschädigen.
Als die historisch einmalige Pressekonferenz begann,
stellte einer der Journalisten die erwartete Frage:
"Was halten Sie von der gegenwärtigen Zusammensetzung des Gerichtshofs?"
"Ich diene seit 34 Jahren", erwiderte Richter Douglas
kühl. "Und in all den Jahren habe ich niemals mit

Seite 4

Politische Meinungsverschiedenheiten seien eine Sache.
Menschlicher Respekt und Freundschaft eine andere.

Der Kongreß hat Anreize bereitgestellt, um alte Richter
zum Rücktritt zu veranlassen. Jeder Richter, der
mindestens 10 Jahre an einem Bundesgericht gedient
und das 70. Lebensjahr vollendet hat, kann bei vollem
Gehalt auf Lebenszeit in den Ruhestand treten und
behält gleichzeitig bei Gericht ein Büro mit einer Sekretärin, einem Sachbearbeiter und einem Boten. Darüber hinaus kann der pensionierte Richter auf seinen
Wunsch von Zeit zu Zeit bei einem Bundesberufungsgericht Dienst tun. Nur wenige Richter nehmen dieses
Angebot an. Richter Oliver Wendell Holmes, eine der
hervorstechendsten Persönlichkeiten des Obersten
Bundesgerichts in diesem Jahrhundert, tat auch noch
mit über 90 Jahren seinen Dienst.

AMERIKA DIENST 19

�Das nach einem erfolgreichen nationalen Befreiungskrieg im 18. Jahrhundert geschaffene Oberste Bundesgericht tritt in das dritte Jahrhundert seines Beste-

*

hens ein. Dieses Herzstück des amerikanischen
Rechtssystems ist dabei immer noch äußerst lebendig
und erfreut sich bester Gesundheit.

* * *

*

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&gt;

AMERIKA DIENST 19

Seite 5

�</text>
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8. Mai 1991

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GOLFKRISE

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse
vom 16. bis 30. April 1991

TERRORISMUS

STAATLICHE UNTERSTÜTZUNG IMMER
NOCH WICHTIGE TRIEBFEDER
FÜR TERRORISMUS
Auszüge aus dem Terrorismus-Bericht
des US-Außenministeriums

PARTEIEN IN AMERIKA

REPUBLIKANER UND DEMOKRATEN
IN DEN NEUNZIGER JAHREN
von Everett Carll Ladd

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
8. Mai 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 16. bis 30. April 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
16. bis 30. April 1991 fort.

16. April

18. April

Präsident Bush erklärt, er habe die US-Streitkräfte
angewiesen, unverzüglich mit der Errichtung mehrerer
Lager im Norden des Irak zu beginnen, um im Rahmen
einer neuen Initiative der Vereinigten Staaten den
kurdischen Flüchtlingen Hilfe zu leisten. Die erweiterte
Hilfe sei von humanitären Überlegungen geleitet, erklärt Bush nach Konsultationen mit dem britischen
Premierminister Major, dem französischen Präsidenten Mitterand, dem türkischen Präsidenten özal,
Bundeskanzler Kohl und UNO-Generalsekretär Perez
de Cuellar.

Gemäß Resolution 687 des UNO-Sicherheitsrats zur
Beendigung des Krieges übermittelt der Irak UNOVertretern Informationen über seine chemischen und
biologischen Waffen mit Reichweiten über 150 Kilometern. Die Resolution fordert femer die Zerstörung
solcher Waffen. Eine Sondereinheit der Vereinten
Nationen wird die Zerstörung der chemischen und
biologischen Waffen überwachen und Vor-Ort-Inspektionen im Irak durchführen.

17. April
Die Vereinten Nationen organisieren eine umfangreiche Friedenstruppe zur Überwachung der entmilitarisierten Zone zwischen dem Irak und Kuwait und entsenden im Rahmen der irakisch-kuwaitischen UNOBeobachtermission (UNIKOM) bewaffnetes und unbewaffnetes militärisches Personal.
Der leitende militärische Beobachter der Einheit,
Generalmajor Günther G. Greindl aus Österreich,
befehligt eine Gruppe von 1.440 Mitgliedern aus 36
Ländern: Argentinien, Bangladesh, Chile, China,
Dänemark, Großbritannien, Fidschi, Finnland, Frankreich, Ghana, Griechenland, Indien, Indonesien, Irland, Italien, Kanada, Kenia, Malaysia, Nepal, Nigeria,
Norwegen, Österreich, Pakistan, Polen, Rumänien,
Senegal, Singapur, Sowjetunion, Schweden, Schweiz,
Thailand, Türkei, Ungarn, Uruguay, den Vereinigten
Staaten und Venezuela.

AMERIKA DIENST 18

In Wien legen irakische Regierungsvertreter gemäß
Resolution 687 des UNO-Sicherheitsrats der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) Informationen über ihre atomaren Arsenale offen.
Die Vereinten Nationen und irakische Regierungsvertreter unterzeichnen in Bagdad eine 21 Punkte umfassende Regierungsvereinbarung, mit der die Vereinten
Nationen und private Organisationen wie das Rote
Kreuz und der Rote Halbmond den Kurden und anderen irakischen Flüchtlingen im nördlichen und südlichen Teil des Landes bis Ende 1991 helfen können.
Die Vereinbarung wurde unterzeichnt vom irakischen
Außenminster Ahmed Hussein und Prinz Sadruddin
Aga Khan, dem Koordinator des Generalsekretärs für
das humanitäre UNO-Programm für Irak, Kuwait und
die irakisch-iranischen und irakisch-türkischen Grenzgebiete.

Seite 1

�21. April
Der Befehlshaber der US-Streitkräfte am Persischen
Golf, General Norman Schwarzkopf, beendet seine
Mission in Saudi-Arabien und verlegt das Hauptquartier von USCENTCOM wieder nach Florida. Er bekundet seine Befriedigung, daß die Streitkräfte ihre Mission der Befreiung Kuwaits beendet haben, zeigt sich
aber auch enttäuscht darüber, daß Saddam Hussein
im Irak immer noch an der Macht ist. Schwarzkopf lobt
Generalleutnant Khalid Bin Sultan Bin Abdul Asis aus
Saudi-Arabien, der die vereinigten arabischen Truppen befehligt hat und verleiht ihm die militärische
Auszeichnung der Vereinigten Staaten "Legion of Merit".
22. April
Im Norden des Irak beginnen multinationale Streitkräfte in der Nähe von Sachu mit dem Aufbau von 20 bis
25 Zeltstädten, um etwa 950.000 irakischen Flüchtlingen zu helfen. Amerikanische, französische, britische,
kanadische und italienische Militärflugzeuge liefern
über 460 Tonnen humanitäre Hilfsgüter und steigern
damit den Umfang der insgesamt seit dem 7. April
gelieferten Güter auf etwa 4.165 Tonnen.
UNO-Generalsekretär Perez de Cuellar verkündet die
Ernennung von Botschafter Rolf Ekeus aus Schweden
zum Vorsitzenden des U NO-Sonderausschusses zur
Überwachung und Verifizierung der Zerstörung irakischer Waffen, wie sie in der Resolution 687 des UNOSicherheitsrats gefordert wird. De Cuellar ernennt Dr.
Robert Gallucci aus den Vereinigten Staaten zum
Stellvertretenden Vorsitzenden dieses Ausschusses,
der seinen Sitz im UNO-Hauptquartier in New York
haben wird.
23. April
Einem Sprecher des Weißen Hauses zufolge haben
sich Belgien, Deutschland, Italien, Kanada, Neuseeland und die Niederlande an den internationalen Hilfsmaßnahmen für irakische Flüchtlinge beteiligt. Die
Vereinigten Staaten ermutigten andere Länder, militärische Einheiten zu den Aktivitäten im Rahmen der
"Operation Provide Comfort" beizusteuern.
Die Vereinigten Staaten haben 63 Millionen Dollar für
diese Maßnahmen zur Verfügung gestellt. Andere
wichtige Geber sind die Europäische Gemeinschaft,
Deutschland, Großbritannien und Japan.
24. April
Amerikanische Truppen übergeben in einer Zeremonie, die den Beginn der Stationierung von UNIKOMEinheiten symbolisiert, einen Posten in der entmilitarisierten Zone im Südirak an Beobachter der Vereinten
Nationen. Die Beobachterund Infanterieeinheiten der
Vereinten Nationen werden Patrouillen in der entmilitarisierten Pufferzone zwischen Irak und Kuwait durchführen. Die Stationierung des ersten Kontingents der

Seite 2

UN-Beobachter leitet einen Prozeß ein, der etwa zwei
Wochen andauern soll und an dessen Ende die letzten
Koalitionstruppen die entmilitarisierte Zone verlassen
haben werden.
Amerikanische Regierungsvertreter teilen dem Kongreß mit, die Vereinigten Staaten planten keine Verurteilung des irakischen Präsidenten in Abwesenheit
wegen Kriegsverbrechen und würden keine militärische Gewalt einsetzen, um den irakischen Führer in
Gewahrsam zu nehmen.
25. April
Der japanische Premierminister Toshiki Kaifu kündigt
an, Japan werde in der ersten japanischen Militäroperation in Übersee seit dem Zweiten Weltkrieg Minenräumboote in den Persischen Golf entsenden.

*•

Irakische Diplomaten bei den Vereinten Nationen
erklären, Bagdad werde im Einklang mit den Vorstellungen der Koalitionsstreitkräfte den Rückzug der irakischen Truppen aus Sachu akzeptieren.
26. April
UN-Generalsekretär Perez de Cuellar erklärt, die
Vereinten Nationen würden die von den Vereinigten
Staaten und ihren westlichen Verbündeten eingerichteten Flüchtlingslager im Nordirak "so bald wie möglich" übernehmen.
Der Stellvertretende UN-Generalsekretär, Jean Claude Aime und UN-Abteilungsleiter Marrack Goulding
reisen nach Genf, um die Einzelheiten der Übergabe
mit dem Koordinator der UN-Flüchtlingshilfe, Prinz
Sadruddin Aga Khan und dem Hohen Flüchtlingskommissar auszuarbeiten.
29. April
Präsident Bush stellt fest, solange Saddam Hussein
an der Macht s e i , werde es keinen normalen Handel
mit dem Irak geben und "was die Vereinigten Staaten
anbelangt keine Hilfe, bis sie auf zahlreichen Gebieten
Fortschritte machen", die mit der Einhaltung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats in Zusammenhang
stehen.
Amerikanischen Regierungsvertretem zufolge hat der
Irak der Internationalen Atomenergie-Organisation
(IAEO) in einem neuen Schreiben an diese UNOBehörde in Wien weitere Informationen über die irakischen Vorräte an spaltbarem Material geliefert. Diese
Zusatzinformationen waren eine Reaktion auf Beschwerden, denen zufolge der Irak nicht genug getan
habe, um die UN-Bedingungen über die Preisgabe
seiner nuklearen, chemischen und biologischen Einrichtungen und Bestände zu erfüllen. Der Sprecher
des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater, stellt fest,
Washington warte auf die Entscheidung der IAEO im
Hinblick darauf, ob der Irak die Bestimmungen der
Resolution 687 des UN-Sicherheitsrats erfüllt habe.
AMERIKA DIENST 18

^

�30. April

Williams zufolge haben 20 Nationen die Operation
Provide Comfort unterstützt oder Unterstützung zugeDer Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Pete sagt, und Vertreter der Vereinten Nationen, des InterWilliams, erklärt, da ß mehr als 12. 000 Angehörige der nationalen Komitees vom Roten Kreuz und anderer
multinationalen Koalitionsstreitkräfte aus den Verei- privaten Organisationen haben das Gebiet besucht
nigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Deutsch- und sind mit Vertretern der gemeinsamen Hilfstruppe
land, den Niederlanden, Spanien, Kanada und der zusammengetroffen.
Türkei den irakischen Flüchtlingen Hilfe leisteten.
* *

AMERIKA DIENST 18

* *

Seite 3

�TERRORISMUS
8. Mai 1991

STAATLICHE UNTERSTÜTZUNG IMMER NOCH
WICHTIGE TRIEBFEDER FÜR TERRORISMUS
Auszüge aus dem Terrorismus-Bericht des US-Außenministeriums
WASHINGTON -(AD) - In seinem am 30. April 1991 veröffentlichten Bericht erklärt das US-Außenministerium,
staatliche Unterstützung bleibe einer der wichtigsten Faktoren bei der Förderung des internationalen Terrorismus. Diesem neuesten Jahresbericht zufolge betrachten die Vereinigten Staaten Kuba, Irak, Iran, Libyen,
Nordkorea und Syrien als Staaten, die Terrorismus fördern.
Die Volksrepublik Jemen wurde 1990 von dieser Liste gestrichen, nachdem sich das Land mit seinem Nachbarn
zur Republik Jemen zusammengeschlossen hatte. Der Irak wurde neu in die Liste aufgenommen, weil er 1990
erneut terroristische Vereinigungen unterstützte.
Der Bericht trägt den Titel: "Patterns of Global Terrorism: 1990". Das US-Außenministerium ist gesetzlich
verpflichtet, den Kongreß jedes Jahr über Entwicklungen im internationalen Terrorismus zu informieren.
Die nachfolgend veröffentlichten Auszüge sind den Kapiteln "Yearin Review" und "State-sponsored Terrorism"
entnommen.

Das Jahr 1990 gehörte zu den wenigen Jahren der
jüngsten Vergangenheit, in denen es keine "spektakulären" Terroranschläge mit zahlreichen toten oder
verletzten Opfern gab. Trotzdem haben einige wichtige Entwicklungen im Terrorismus stattgefunden. Unter
anderem stieg die Bedrohung durch den internationalen Terrorimus, weil sich der Irak erneut mit terroristischen Vereinigungen auf der ganzen Welt verbündete.
Die vielleicht wichtigste Entwicklung fand imTusammenhang mit der irakischen Invasion in Kuwait am 2.
August statt. Eine Reihe von Palästinensergruppen unter ihnen die Palästinensische Befreiungsfront
(Palestine Liberation Front - PLF), der Palästinensische Islamische Dschihad (Palestinian Islamic JihadPIJ), die Volksfront für die Befreiung Palästinas (Populär Front for the Liberation of Palestine - PFLP) und das
Generalkommando der Volksfront für die Befreiung
Palästinas (Populär Front for the Liberation of Palestine-General Command - PFLP-GC) - sagten Saddam
Hussein ihre Unterstützung zu, und die meisten drohten für den Kriegsfall Terroranschläge gegen Ziele im
Westen, in Israel und gemäßigten arabischen Ländern
an. Obwohl bis Ende des Jahres keine Anschläge
stattgefunden hatten, bleibt die Bedrohung bestehen.
Eine weitere wichtige Entwicklung war der fehlgeschlagene Angriff der PLF auf israelische Strände am
30. Mai 1990. Die PLF ist Mitglied der Palästinensi-

AMERIKA DIENST 18

schen Befreiungsorganisation (PLO) und hat sich
demzufolge ebenso wie diese der "Ablehnung" des
Terrorimus verschrieben. Nach der Weigerung der
PLO, diesen Anschlag zu verurteilen, haben die Vereinigten Staaten ihren Dialog mit der PLO beendet, bis
die PLO demonstriert, daß sie sich an die im Dezember
1988 vereinbarten Bedingungen hält.
Diese beiden Ereignisse betonen die anhaltende
Bedeutung der Staaten, die Terrorismus unterstützen
und Terroranschlägen Vorschub leisten. Der Anschlag der PLF auf Israel wurde von Libyen aus
geplant und ausgeführt. Im Jahr 1990 wurde der Irak,
der einer steigenden Zahl von terroristischen Verbündeten Hilfe leistet, wieder in die Liste der US-Regierung aufgenommen, in der Staaten, die Terrorimus
fördern, verzeichnet sind. Die anderen Länder auf
dieser Liste-Kuba, Iran, Libyen, Nordkorea und Syrien
- helfen Terroristen in unterschiedlichem Maße: als
Zufluchtsort, durch die Bereitstellung von Reisedokumenten, Waffen, Ausbildung und technischem Knowhow.
Lateinamerika erwies sich 1990 als das Land mit den
häufigsten Terroranschlägen gegen US-Interessen.
Die meisten dieser Anschläge fanden in Chile, Peru
und Kolumbien statt. Lateinamerikanische radikale
oder Guerillagruppen mit terroristischem Anspruch
griffen eher einheimische als ausländische Ziele an.

Seite 1

�Trotz der hohen Zahl von internationalen Terroranschlägen hatte die zunehmende politische Gewalt auf
nationaler Ebene noch größere Auswirkungen auf die
Region.
In Asien nahm der internationale Terrorismus 1990
erheblich zu, insbesondere aufgrund steigender Aktivitäten der kommunistischen Neuen Volksarmee (New
People's Army - NPA) auf den Philippinen. Gleichzeitig erfuhr der Terrorismus in Südasien einen erheblichen Aufschwung, insbesondere in Pakistan, wo der
afghanische Geheimdienst für eine Flut von Terroranschlägen verantwortlich war.
Es gab im Jahr 1990 aber auch positive Entwicklungen
im Hinblick auf den Terrorismus. Acht im Nahen Osten
festgehaltene westliche Geiseln - unter ihnen die
Amerikaner Robert Polhill und Frank Reed - wurden
freigelassen. Darüber hinaus wurden 1990 im Libanon
keine westlichen Ausländer als Geiseln genommen.
Eine weitere positive Entwicklung war der starke
Rückgang des Terrorismus im Nahen Osten und ein
vermindertes "Überschwappen" des Terrorismus aus
dem Nahen Osten in andere Regionen.
Der Übergang zur Demokratie in Osteuropa brachte
Veränderungen bei den Einstellungen der Länder
Osteuropas zum Terrorismus mit sich. Die neuen
osteuropäischen Regierungen waren bestrebt, die
Unterstützung offenzulegen, die frühere Regime den
Terroristen gewährt hatten, etwa die von der DDR
gewährte Zuflucht für Terroristen der Rote Armee
Fraktion und tschechoslowakischen Lieferungen des
Plastiksprengstoffs Semtex. Von offizieller Seite finden Terroristen keine Unterstützung oder Zuflucht
mehr in den aufstrebenden Demokratien Osteuropas.
Die Tendenz zur multilateralen Zusammenarbeit bei
der Terrorismusbekämpfung setzte sich im Laufe des
Jahres fort. Nach grö ßeren Terroranschlägen wie den
Anschlägen auf Pan Am-Flug 103 und UTA-Flug 772
wiesen die Vereinten Nationen die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation (International Civil Aviation
Organization - ICAO) an, eine Methode zu entwickeln,
um Plastiksprengstoff so zu "kennzeichnen", daß er
vor der Explosion entdeckt werden kann. Mitglieder
der ICAO leisteten harte Arbeit für eine Konvention,
derzufolge alle Hersteller ihren Plastiksprengstoffen
Chemikalien zusetzen müssen, mit deren Hilfe sie
besser entdeckt werden können. Anfang des Jahres
1991 wurde die Konvention zur Kennzeichnung von
Plastiksprengstoffen zum Zweck der Entdeckung unterzeichnet.
Der Trend früherer Jahre wurde 1990 mit einer Reihe
wichtiger Prozesse gegen Terroristen fortgesetzt, und
Regierungen zogen zunehmend Terroristen zur Rechenschaft.

Seite 2

Staatlich geförderter Terrorismus
Die staatliche Unterstützung des Terrorimus bleibt
einer der wichtigsten Faktoren bei der Förderung des
internationalen Terrorimus. Eine Reihe von Regierungen gewähren Terroristen Zuflucht und stellen Reisedokumente, Waffen, Ausbildung und technisches Knowhow bereit. Viele Regierungen unterstützen nicht nur
terroristische Vereinigungen, sondern nutzen Terrorismus als Mittel ihrer Innen- und Außenpolitik. Andere Regierungen, die keine direkten Förderer terroristischer Vereinigungen sind, unterstützen die Fähigkeiten solcher Gruppen, indem sie ihnen ungehinderte
Durchreise gewähren, die Führung von Geschäften
gestatten und ihnen die Rekrutierung neuer Mitglieder
oder andere Aktivitäten erlauben. Jede Art staatlicher
Terrorismusförderung macht Strafverfolgungsbestrebungen zur Terrorimusbekämpfung wesentlich schwieriger. Deshalb konzentrieren sich die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten bei der Terrorimusbekämpfung darauf, den Preis für diejenigen Regierungen zu erhöhen, die Terrorimus unterstützen, tolerieren und ausüben.
Die Vereinigten Staten setzen gegenwärtig Kuba, Iran,
Irak, Libyen, Nordkorea und Syrien auf ihre Liste der
Länder, die Terrorismus fördern. Diese Liste wird
gemäß Paragraph 6 (j) des Exportgesetzes von 1979
geführt. Diese und andere US-Gesetze verfügen
Handels- und andere Beschränkungen für Länder, die
vom Außenminister der anhaltenden Unterstützung
von Terrorakten bezichtigt werden. Diese Liste wird
jährlich dem Kongreß vorgelegt, dabei können jederzeit neue Länder aufgenommen oder gestrichen werden, wenn die Umstände dies erfordern. Die Volksrepublik Jemen wurde 1990 von der Liste gestrichen,
nachdem sie sich mit ihrem Nachbarn im Norden zur
Republik Jemen vereinigt hatte. Der Irak wurde neu
auf die Liste gesetzt, weil er 1990 terroristischen
Vereinigungen erneut Hilfe geleistet hat.
Die internationalen Bestrebungen zur Abschaffung
des staatlich geförderten Terrorimus haben bemerkenswerte Ergebnisse hervorgebracht. Die internationale öffentliche Meinung und die Zusammenarbeit
gleichgesinnter Länder haben großen Druck auf Regierungen ausgeübt, ihr Verhalten zu ändern oder
zumindest zu versuchen, ihre Beteiligung am Terrorismus zu verschleiern. Dies wird deutlich in der Zahl von
Terroranschlägen, die Regierungen zugeschrieben
werden, die auf der US-Liste von Förderern des Terrorimus stehen. Die Gesamtzahl ist von 176 im Jahr
1988 auf 58 im Jahr 1989 und schließlich auf 54 im Jahr
1990 gesunken. Obwohl diese Zahlen ermutigend
sind, sollte festgehalten werden, daß die Ermittlungen
in bezug auf die Terroranschläge auf Pan Am 103 im
Dezember 1988 und UTA 772 im September 1989
noch andauern und eine Beteiligung von Regierungen
enthüllen könnten, die Terrorismus fördern.

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t

Tatsächlich zeigte sich die anhaltende Gefahr durch
Länder, die Terrorismus fördern, 1990 in zwei Entwicklungen. Erstens wurde der vom Meer ausgeführte
Anschlag der PLF auf überfüllte israelische Strände
durch die Hilfe der libyschen Regierung bei Ausbildung, Unterhaltung und Transport der PLF-Terroristen
ermöglicht. Obwohl die Operation ohne Verluste unter
der Zivilbevölkerung zerschlagen werden konnte, führte
der Anschlag zu erhöhten Spannungen in der Region
und zur Unterbrechung des Dialogs zwischen den
Vereinigten Staaten und der PLO. Wenn der Anschlag
erfolgreich ausgeführt worden wäre, hätte er unter
Umständen zu zahlreichen Todesopfern an den öffentlichen Stränden von Tel Aviv geführt. Zweitens wurde
die Welt nach der irakischen Invasion in Kuwait Zeuge,
wie der Irak eine eindrucksvolle Bandbreite von terroristischen Vereinigungen um sich versammelte, um
die internationale Koalition gegen die Invasion einzuschüchtern.

nutznießern des geheimen Unterstützungsnetzes in
Kuba. Havanna war der Ursprungsort der meisten
Waffen, die FMLN-Kämpfer bei Revolten und Terroranschlägen in El Salvador benutzten. Auch andere
mittelamerikanische Gruppen, besonders in Honduras
und Guatemala, haben Hilfe aus Kuba erhalten. In
Südamerika waren die linksextremen Gruppen in Chile
Hauptnutznießer kubanischer Unterstützung, aber die
Hilfe ist seit Chiles friedlichem Übergang zu einer
Zivilregierung im März 1990 möglicherweise zurückgegangen.

Libyens Beteiligung am Terrorimus im Jahr 1990 ging
über die Unterstützung für den Anschlag auf Israel am
30. Mai hinaus. Tripolis gewährte der bekannten
Gruppe Abu Nidal (Abu Nidal Organization - ANO)
Zuflucht und Hilfe, finanzierte andere radikale Palästinensergruppen wie die PFLP-GC und unterstützte
terroristische Vereinigungen in anderen Ländern Afrikas, in Lateinamerika und Asien.

Iran

Der Iran nutzte und unterstützte den Terrorimus auch
im Jahr 1990, bedrohte und ermordete iranische Dissidenten im Ausland, griff saudiarabische Beamte und
Interessen an, unterstützte weiterhin Geiselnehmer
von Amerikanern und anderen westlichen Ausländern
im Libanon und unterstützte radikale Palästinensergruppen wie die PIJ und die PFLP-GC. Syrien gewährte libanesischen, palästinensischen, türkischen, japanischen und iranischen Terroristen weiterhin Zuflucht
und Unterstützung und bezeichnete alle Anschläge auf
Israel und die besetzten Gebiete als rechtmäßige
Bestrebungen zur "nationalen Befreiung". Nordkorea
beherbergt weiterhin einige Terroristen der Japanischen Roten Armee (Japanese Red Army - JRA) und
unterstützt die Neue Volksarmee auf den Philippinen.
Kuba beliefert und unterstützt Gruppen, die Terroranschläge unter anderem in El Salvador, Kolumbien,
Peru, Honduras und Chile verüben.
Kuba

Einige Rebellenorganisationen haben Büros und Mitglieder in Havanna stationiert. Oftmals werden verwundete Rebellen in kubanischen Krankenhäusern
behandelt. Mit dem Niedergang der prokubanischen
Regierungen in Panama und Nicaragua hat Kubas
Unterstützung für radikale Gruppen noch an Bedeutung gewonnen.

Der Iran setzte seine weitreichende Unterstützung für
den Terrorismus 1990 fort, obwohl die Zahl der vom
iranischen Staat geförderten Terroranschläge 1990
auf 10 gesunken ist -1989 waren es 24.
Der Iran hat häufig seine Nachrichtendienste eingesetzt, um terroristische Anschläge zu erleichtern und
auszuführen, insbesondere gegen iranische Dissidenten. Geheimdienstoffiziere in den Botschaften haben
die Diplomatenpost benutzt, um Waffen und Gelder an
terroristische Gruppen weiterzuleiten. Der Iran hat
seine Verbindungen zu moslemischen Extremisten in
der ganzen Welt ausgebaut und ihnen häufig Rat und
finanzielle Unterstützung gewährt. Die iranische Unterstützung des Terrorismus im vergangenen Jahr läßt
sich anhand folgender Beispiele belegen:
Wiederholung des Aufrufs zur Ermordung von
Salman Rushdie, dem Autor des Romans Die
satanischen Verse.
Die Ermordung von vier iranischen Dissidenten
- in Pakistan, der Schweiz, Schweden und Frankreich.
Unterstützung von Anschlägen radikaler Schiiten auf saudiarabische Interessen, darunter die
Ermordung von drei saudischen Diplomaten,
als Vergeltung für die Hinrichtung von Personen, die im Rahmen der Pilgerfahrt nach Mekka
Bombenanschläge verübt hatten.

Kuba dient nach wie vor als Hafen für regionale Revolutionäre und stellt radikalen subversiven Terrorgruppen militärische Ausbildung, Waffen, Geld und Knowhow zur Verfügung. Die Insel ist heute ein wichtiges
Ausbildungszentrum und Durchgangsland für lateinamerikanische Untergrundkämpfer und internationale
Gruppen.

Umfassende Unterstützung für die Hisbollah,
die PFLP-GC, die PIJ und andere Gruppen, einschließlich Bereitstellung von Waffen, Geld und
Ausbildung.

Die Nationale Befreiungsfront Farabundo Marti (Farabundo Marti National Liberation Front - FMLN) aus El
Salvador gehörte in den letzten Jahren zu den Haupt-

Vom Iran unterstützte schiitische Gruppen haben
wahrscheinlich die Kontrolle über westliche Geiseln im
Libanon, und die meisten Beobachter gehen davon

AMERIKA DIENST 18

Seite 3

�aus, daß der Schlüssel zu ihrer Freilassung im Iran
liegt. Sämtliche amerikanischen Geiseln befinden sich
wahrscheinlich in der Gewalt einer dieser Gruppen,
der Hisbollah. Der iranische Präsident, Ali Akbar
Haschemi Rafsandschani, dessen innenpolitische Stärke
im Jahr 1990 gewachsen ist, soll einen pragmatischen
Ansatz in der Außenpolitik und verbesserte Beziehungen zum Westen befürworten, was eine Lösung des
Geiselproblems erfordern würde. So schrieb etwa die
Tageszeitung The Tehran Times, von der man annimmt, daß sie Rafsandschanis Ansichten wiedergibt,
in einem Leitartikel vom 22. Februar, die Geiseln
sollten ohne Vorbedingungen freigelassen werden.
Zwei Monate später wurden die amerikanischen Geiseln Robert Polhill und Frank Reed auf freien Fuß
gesetzt. Einige Hardliner im Iran und innerhalb der
Hisbollah reagierten darauf mit Kritik. Sie fragten, ob
der Iran oder die Geiselnehmer durch ihre Handlungsweise vom Westen irgendwelche Vorteile in Form
einer Geste des guten Willens erhalten hätten. Im Jahr
1990 wurden keine weiteren Geiseln freigelassen, und
Presseberichten zufolge strebte der Iran Belohnungen
an, bevor es zu weiterer Bewegung in der Geiselfrage
kommen könne.
Wichtige Personen der Terrorszene, darunter Ahmed
Dschebril von der PFLP-GC sowie verschiedene prominente Mitglieder der Hisbollah, besuchten häufig
den Iran. Der Iran war Gastgeber einer Weltkonferenz
über Palästina, die im Dezember in Teheran stattfand.
Damit versuchte das Land, seinen Einfluß in islamischen Angelegenheiten allgemein und auf die Palästinenser im besonderen zu stärken. Die Führer verschiedener radikaler palästinensischer und libanesischer Gruppen, darunter Salka, Hamas, Hisbollah und
der Palästinensische Islamische Dschihad nahmen
daran teil.
Irak
Irak wurde aufgrund seiner verstärkten Kontakte mit
und Unterstützung von terroristischen Gruppen im
September 1990 wieder auf die Liste der Staaten
gesetzt, die den Terrorismus unterstützen. Nach der
Bildung einer internationalen Koalition gegen die Invasion in Kuwait gaben irakische Regierungsvertreter
öffentliche Erklärungen ab, in denen der Terrorismus
als legitime Taktik bezeichnet wurde.
Nach der Invasion in Kuwait am 2. August 1990 nahm
die Regierung des Irak systematisch Bürger der Vereinigten Staaten und zahlreicher anderer Nationen gefangen. Dies geschah sowohl in Kuwait als auch im
Irak und dauerte mehrere Monate an. Viele der
Geiseln wurden an strategisch wichtige Orte im Irak
verschleppt, darunter Rüstungsfabriken, militärische
Forschungseinrichtungen und wichtige militärische
Stützpunkte.

tion 664 verlangte der UN-Sicherheitsrat dfe Freilassung dieser Geiseln durch den Irak.
Saddam Hussein setzte die Geiseln schließlich wieder
auf freien Fu ß, wobei Frauen und Kinder zuerst freigelassen wurden. Bis Dezember 1990 waren alle westlichen Geiseln frei, aber viele Kuwaiter blieben in
Gefangenschaft.
Eine Geiselnahme in dem vom Irak begangenen Ausmaß
ist einzigartig in der jüngeren Geschichte. Saddam
Husseins Vorgehensweise stellte einen zynischen und
sinnlosen Versuch dar, ausländische Staatsbürger
und ihre Regierungen zu terrorisieren und die internationale Entschlossenheit zu schwächen, sich der
Besetzung und Annexion Kuwaits entgegenzustellen.
Im Jahr 1990, insbesondere nach dem 2. August,
berichtete die Presse über zunehmende Reisen von
Terroristen nach Bagdad, womit sich eine intensivere
Beziehung zwischen diesen Gruppen und dem Irak
andeutete. Schon vor der Invasion Kuwaits bot der
Irak einen sicheren Hafen, Ausbildung und andere
Unterstützung für palästinensische Gruppen mit terroristischem Hintergrund. Unter diesen Gruppen sind
die Arabische Befreiungsfront (ALF) und die PLF von
Abu Abbas, die für die Entführung der Achille Lauro im
Jahr 1985 und den terroristischen Anschlag auf israelische Strände im Mai verantwortlich sind. Auch die
ANO solle ihre Präsenz im Irak in der ersten Hälfte des
Jahres 1990 erneuert haben. Abu Ibrahim, Führer der
inzwischen nicht mehr existierenden terroristischen
Organisation 15. Mai und bekannt für seine Fähigkeiten als Bombenkonstrukteur, soll ebenfalls seinen Sitz
nach Bagdad verlegt haben.
Mit dem Ende des iranisch-irakischen Kriegs verringerte der Irak seine Unterstützung für anti-iranische
Dissidentengruppen, einschließlich der Mujahedin-eKhalq (MEK). Weiterhin wird über eine verstärkte
irakische Unterstützung der Kurdischen Arbeiterpartei
(PKK) in der Türkei spekuliert. Diese geht Hand in
Hand mit der Verschlechterung der türkisch-irakischen
Beziehungen wegen der türkischen Einhaltung der
UNO-Sanktionen nach dem irakischen Einmarsch in
Kuwait und Auseinandersetzungen über Wasserrechte.
Führende irakische Regierungsvertreter, darunter der
ehemalige Außenminister Tarik Asis, gaben öffentliche Erklärungen ab, in denen der Terrorismus als
legitime irakische Reaktion gerechtfertigt wurde, falls
es zu Feindseligkeiten zwischen dem Irak und der
multinationalen Streitmacht am Golf kommen sollte.
Berichten zufolge plante der Irak die Durchführung
dieser Ankündigungen. So sollen irakische Regierungsvertreter sowie Bagdads palästinensische Stellvertreter verschiedene Ziele in der Koalition ausspioniert haben.

Die Massengeiselnahme wurde von der internationalen Staatengemeinschaft verurteilt, und in der Resolu-

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AMERIKA DIENST 18

�Libyen
Libyen hat im Jahr 1990 durch die Unterstützung des
fehlgeschlagenen Anschlags der Palästinensischen
Befreiungsfront auf israelische Badegäste erneut seine anhaltende Förderung des Terrorismus unter Beweis
gestellt. Tripolis half der PLF bei Planung, Ausbildung,
Nachschub und Durchführung dieser Seeoperation.

«

Seit 1986 hat sich der libysche Staatschef Muammar
Gaddafi öffentlich von der Unterstützung terroristischer Gruppen distanziert. Er stellte seiner terroristischen Klientel jedoch weiterhin Finanzmittel, Ausbildung und andere Unterstützung zur Verfügung. Gaddafis
Behauptungen, er habe gewisse terroristische Gruppen - die PLF, ANO und PFLP-GC - des Landes
verwiesen, konnten bis zum Ende des Jahres 1990
nicht erhärtet werden. Libyen nahm darüber hinaus im
Jahr 1990 die finanzielle Unterstützung der PFLP-GC
und möglicherweise auch anderer palästinensischer
Terrorgruppen wieder auf.
Libyen unterstützt auch weiterhin terroristische Vereinigungen und Untergrundkämpfer in der ganzen Welt.
Auf den Philippinen hat Libyen die NPA unterstützt, die
im Jahr 1990 terroristische Anschläge auf Amerikaner
verübte, denen fünf Personen zum Opfer fielen. Vertreter Costa Ricas gehen davon aus, daß alle 15
Mitglieder der Santamaria Patriotic Organization (OPS),
die im Februar in Costa Rica aufgrund von Granatenanschlägen auf amerikanische Einrichtungen verhaftetwurden, in Libyen ausgebildet wurden. Die Gruppe,
die am 27. Juli bei einem Putschversuch, dem mehrere
Menschen zum Opfer fielen, das Parlament von Trinidad und Tobago angriff, wurde unter anderem von
Libyen ausgebildet und finanziert.
Im April wies Äthiopien zwei libysche Diplomaten aus,
weil sie angeblich an einem Bombenanschlag auf das
Hilton Hotel in Addis Abeba am 30. März beteiligt
gewesen waren.

«

'

Im ganzen Jahr 1990 tauchten neue Hinweise auf die
libysche Verstrickung in frühere Akte des Terrorismus
auf. Deutschen Presseberichten zufolge entdeckten
deutsche Stellen in den Akten des ehemaligen DDRStaatssicherheitsdienstes Beweise dafür, daß Libyen
für den Bombenanschlag auf die Diskothek La Belle in
West-Berlin im Jahr 1986 verantwortlich war.
Auch die Ermittlungen in bezug auf den Bombenanschlag vom September 1989 auf Flug 772 der französischen UTA - bei dem 170 Menschen, darunter 7
Amerikaner, ums Leben kamen - weisen Presseberichten zufolge darauf hin, daß die Bombe mit libyscher
Diplomatenpost in den Kongo geschmuggelt wurde
und von einem libyschen Botschaftsvertreter in Brazzaville an drei in Libyen ausgebildete kongolesische
Terroristen weitergegeben wurde. In afrikanischen
und französischen Presseberichten wird festgestellt,
daß sowohl im Kongo als auch in Zaire Verdächtige

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festgehalten werden, die Libyen mit dem Bombenanschlag in Verbindung bringen.
Auch ein Großteil der Verantwortung für den Bombenanschlag auf Flug 103 der Pan Am vom Dezember
1988 geht laut Presseberichten von Ende 1990 zu
Lasten der Libyer. So schrieb die amerikanische,
britische und französische Presse, die Ermittler hätten
entdeckt, daß der damals verwendete Zünder mit dem
identisch sei, den zwei im Februar 1988 in Dakar
(Senegal) festgenommene libysche Agenten bei sich
trugen. Die offiziellen Ermittlungen dauerten in beiden
Fällen bis Ende 1990 an.
Nordkorea
Seit Mitglieder des nordkoreanischen Geheimdienstes
im Jahr 1987 eine Bombe an Bord eines südkoreanischen Verkehrsflugzeuges schmuggelten, sind keine
weiteren von diesem Land unterstützten Terrorakte
bekanntgeworden. Nordkorea bietet jedoch weiterhin
einer kleinen Gruppe von Mitgliedern der Japanischen
Roten Armee (JRA) Schutz, die im Jahr 1970 ein

japanisches Verkehrsflugzeug nach Nordkorea entführt hatten. Nordkorea hat der New People's Army
auf den Philippinen Unterstützung gewährt. Es hat
sich nicht vom Terrorismus distanziert.
Syrien
Seit 1987 gibt es keinerlei unmittelbare Beweise für die
Beteiligung der syrischen Regierung an terroristischen
Anschlägen außerhalb des Libanon, obwohl Syrien
weiterhin Gruppen, die internationale terroristische
Aktionen durchführen, Unterstützung und Unterschlupf
bietet.
Syrien hat Fortschritte dabei erzielt, sich von der
Unterstützung einiger terroristischer Gruppen zu lösen. Syrien hat darüber hinaus mit dem Iran und
anderen zusammengearbeitet, um die Freilassung
westlicher Geiseln zu erreichen, die von terroristischen Gruppen im Libanon festgehalten wurden. Dazu
gehörte auch die Freilassung der amerikanischen Geiseln
Polhill und Reed im Frühjahr 1990. Die staatlich
kontrollierten Medien haben die Abu-Nidal-Organisation als terroristisch bezeichnet, aber die syrische
Regierung versäumte es, in den syrisch kontrollierten
Gebieten des Libanon konkrete Maßnahmen gegen
die ANO durchzuführen.
Gleichzeitig unterstützt Syrien öffentlich das Recht der
Palästinenser auf bewaffneten Kampf für ihre Unabhängigkeit. Präsident Assad hat palästinensische
Angriffe auf Israel und die besetzten Gebiete öffentlich
verteidigt und unterstützt. Syrien stellt weiterhin politische und materielle Unterstützung für palästinensische Gruppen zur Verfügung, die ihr Hauptquartier in
Damaskus haben und in der Vergangenheit terroristische Anschläge verübten, insbesondere die PFLPGC, deren Propagandasender al Quds in Syrien steht.
Darüber hinaus beherbergt sie die Abu-Musa-Gruppe,
Seite 5

�die Volkskampffront (PSF), die Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) und die Demokratische Front
für die Befreiung Palästinas (DFLP). Der Führer der
PFLP hat öffentlich erklärt, er werde Anschläge auf
amerikanische Ziele und andere Gegner des Irak
durchführen, falls es zum militärischen Konflikt am
Golf käme. Bis zum Jahresende wurden keine Anschläge dieser Art verübt.

sehen Islamischen Dschihad, die die Verantwortung
für das Massaker an neun israelischen Touristen in
Ägypten übernommen hat. Die Erklärung des PU
wurde vom Rundfunksender der PFLP-GC in Südsyrien ausgestrahlt.

Im Jahr 1990 und insbesondere seit dem irakischen
Einmarsch in Kuwait hat Syrien versucht, seine öffentlichen Verbindungen zu terroristischen Aktivitäten und
Die Vereinigten Staaten haben der syrischen Regie- Gruppen im internationalen Bereich abzuschwächen,
rung gegenüber - sowohl öffentlich als auch vertraulich augenscheinlich in dem Versuch, sein Ansehen im
- weiterhin ihre ernste Besorgnis über die von Syrien Westen zu verbessern. Syrische Reglerungsvertreter
unterstützten terroristischen Gruppierungen zum haben erklärt, das Land engagiere sich für die AufspüAusdruck gebracht. Die syrische Regierung hat einige rung und Bestrafung von Personen im syrischen
positive Schritte unternommen, insbesondere seit Beginn Hoheitsbereich, die terroristischer Anschläge beschulder Golfkrise im August 1990, um die in Syrien behei- digt werden, falls Beweise für ihre Verbrechen vorgemateten terroristischen Gruppen zu zügeln. Sie hat legt werden können. Sie haben darüber hinaus wiejedoch keine Maßnahmen ergriffen, um diese Grup- derholt, daß jede Organisation, die an terroristischen
Verbrechen beteiligt ist, die Folgen zu tragen hat.
pen aufzulösen oder aus Syrien auszuweisen.
Nach dem Besuch von Außenminister Baker in Syrien
Syrien hat keine Schritte unternommen, um die Prä- im September hat der syrische Außenminister Schasenz anderer terroristischer Organisationen abzubau- raa öffentlich erklärt, Syrien verurteile alle Formen des
en oder zu beseitigen, wie etwa der Kurdischen Arbei- Terrorismus, einschließlich von Flugzeugentführunterpartei (PKK), der Armenischen Geheimarmee für gen und Geiselnahmen. Syrien unterscheidet jedoch
die Befreiung Armeniens (ASALA) und der Japani- weiterhin zwischen dem "legitimen Kampf gegen die
schen Roten Armee. Einige dieser Gruppen unterhal- Besatzungstruppen" und Akten des Terrorismus - ein
ten Lager im libanesischen Bekaa-Tal, das von syri- grundlegender Unterschied zwischen amerikanischen
schen Truppen kontrolliert wird. Syrien toleriert ferner und syrischen Nachrichten.
die Präsenz einer Splittergruppe des Palästinensi-

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AMERIKA DIENST 18

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�PARTEIEN

IN

AMERIKA
8. Mai 1991

REPUBLIKANER UND DEMOKRATEN
IN DEN NEUNZIGER JAHREN
von Everett Carll Ladd

BONN - (AD) - Der nachfolgend veröffentlichte Artikel ist im Januar 1991 in der Zeitschrift American Studies
Newsletter erschienen. Der Autor ist Leiter des Roper Institute in Storrs (Connecticut).

Nach jeder wichtigen Wahl in den Vereinigten Staaten
sind Politiker und Insider bestrebt, die Bedeutung des
Ergebnisses zu analysieren. Welche Implikationen
haben die Ergebnisse für die nächste Runde nationaler
Wahlen und ganz allgemein für die Zukunft der Partei?
Die vorherrschende Meinung über die Wahl vom 7.
November 1989 - bei der die Demokraten die Bürgermeisterwahl in New York und die Gouverneurswahlen
in Virginia knapp gewannen und beim Rennen um den
Posten des Gouverneurs von New Jersey gut abschnitten - läßt zwei Schlußfolgerungen zu. Erstens,
daß nach der Reagan-Ära die Demokraten ihren Vorsprung bei den Wahlen wiedergewonnen haben und
zweitens, daß der Widerstand der Republikaner gegen
flexiblere Abtreibungsgesetze sich als politisches
Eigentor erwiesen hat.
Das erste Argument entbehrt jeder Grundlage. Noch
schlimmer ist, daß es die Aufmerksamkeit von dem
Merkmal ablenkt, das den gegenwärtigen Wettbewerb
der politischen Parteien in den Vereinigten Staaten
von dem früherer Zeiten unterscheidet: Wahlergebnisse in den Bundesstaaten und Kommunen weichen
in ihrem Muster stark und kontinuierlich von den landesweiten Wahlen ab, bei denen die Präsidentschaft
im Vordergrund steht. Normalerweise wäre man gut
beraten, den drei Wahlen im November 1989 nicht
allzuviel Bedeutung beizumessen, weil sie als Beispiel
zu unerheblich sind, um etwas über nationale Tendenzen zu verraten, aber die Ergebnisse spiegeln tatsächlich eingefahrene Muster wider.
Ein Jahr zuvor hatten die Republikaner die Präsidentschaft mit Leichtigkeit gewonnen - ihr fünfter Sieg in
den letzten sechs Rennen. In diesem Zeitraum hatten
sie bei den Wählern gegenüber den Demokraten einen
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Vorsprung von 10 Prozentpunkten - 53 Prozent zu 43
Prozent. Diese Spanne ist so groß, daß sie ihresgleichen nur einmal in der amerikanischen Geschichte bei den Wahlen von 1932 - findet (als der Demokrat
Franklin D. Roosevelt 57 Prozent der Wählerstimmen
auf sich vereinigte und damit vor dem Republikaner
Herbert Hoover lag, der 39 Prozent errang). Aber in
der ganzen Zeit hielten die Demokraten ihre Mehrheit
in den Parlamenten der Bundesstaaten und im Kongreß. Nach der Wahl von 1988 führten sie gegenüber
den Republikanern im Senat mit 55 zu 45, im Repräsentantenhaus mit 260 zu 175, bei den Gouverneuren
mit 28 zu 22 und bei den Sitzen in den gesetzgebenden
Körperschaften der Bundesstaaten mit 4.477 zu 2.925.
Wenn die Ergebnisse von 1989 irgendeine besondere
Bedeutung haben, dann die, daß sich die Tradition
geteilter Parteikontrolle in die neunziger Jahre fortsetzt. Warum ist das so?
Bei dem Versuch zu erklären, warum die gegenwärtige
Wählerschaft etwas tut, was amerikanische Wähler
bisher nicht getan haben - unterschiedliche Stimmabgabe bei nationalen und regionalen Wahlen -muß man
zu der Schlu ßfolgerung gelangen, daß die Wähler uns
damit etwas sagen wollen. Ich nenne ihre Reaktion
nach James Madison (US-Präsident von 1809-17),
dem großen Verfechter der geteilten Regierung "kognitiven Madisonismus". Diese Interpretation geht
von der Tatsache aus, daß sich Amerikaner mit einer
politischen Philosophie und begleitenden Institutionen - die einer sich wechselseitig kontrollierenden
Regierungsbefugnis große Bedeutung beimessen und
als Instrument zur Wahrung der Freiheit des einzelnen
dienen - in geringerem Umfang als andere Demokratien durch ein republikanisches Weißes Haus und
einen demokratischen Kongreß beunruhigt fühlen.
Seite 1

�Niemals vor diesen letzten 25 Jahren hat Amerika
erlebt, daß die Parteien sich die Kontrolle über nationale exekutive und legislative Institutionen geteilt haben,
aber ihre ganze Geschichte hatte sie für die zugrundeliegende Idee der geteilten Regierung vorbereitet.

Vorteil, weil sie nach zwei ungewöhnlichen republikanischen Debakeln in den Jahren 1964 und 1974 das
moderne Zeitalter mit mehr Amtsträgern begonnen
haben, die damit einhergehende Vorteile des Amtes in
Anspruch nehmen konnten.

Erhalten die Lehren der Geschichte jetzt eine neue
Perspektive? Sind Amerikaner jetzt empfänglicher für
eine gesteigerte Form geteilter Macht - eine republikanische nationale Exekutive mit einer demokratischen
Vormachtstellung im Kongreß und den Parlamenten
der Bundesstaaten - um neue Perspektiven auszudrücken? Natürlich erklärt die Öffentlichkeit, durch
eine geteilte Parteienkontrolle nicht im mindesten beunruhigt zu sein. Zum Beispiel wurde in einer vom 23.
bis 26. Oktober 1988 von NBC News und dem Wall
Street Journal durchgeführten Untersuchung gefragt:
"Glauben Sie, daß es generell besser ist, wenn dieselbe politische Partei sowohl den Kongreß kontrolliert als
auch den Präsidenten stellt, oder sind Sie der Meinung, es sei besser, wenn unterschiedliche politische
Parteien den Kongreß kontrollieren und den Präsidenten stellen?" Nur 32 Prozent sprachen sich für die
Kontrolle einer Partei aus, während 54 Prozent geteilte
Macht befürworteten. Andere Umfragen haben diese
Tendenz bestätigt.

Die Bindung an eine politische Partei ist das eine Mittel,
diese Dynamik außer Kraft zu setzen. Das heißt, ein
Wähler weiß vielleicht nicht sehr viel über das Wahlergebnis eines Amtsinhabers und stimmt dennoch zugunsten eines weniger bekannten Herausforderers
gegen ihn, weil der Wähler die Partei des Gegners
bevorzugt - und das ist genau das, was historisch
gesehen geschah. Im Verlauf des letzten Vierteljahrhunderts, in dem die Amtsinhaber größere Wahlressourcen als je zuvor aufgebracht haben, hat sich der
Anteil der Wähler mit starken Parteibindungen jäh
verringert. Die Wähler von heute, die über eine bessere Ausbildung verfügen und ihre politischen Informationen im großen und ganzen den Massenmedien entnehmen, gehen sehr viel weniger mit dem Kurs ihrer
Partei konform als ihre Vorgänger dies taten.

Untersuchungen der öffentlichen Meinung in den
Vereinigten Staaten zeigen eine Öffentlichkeit, die
wichtigen politischen Themen höchst ambivalent
gegenübersteht. Insbesondere befürworten Amerikaner ein hohes Maß an staatlichem Schutz und staatlichen Dienstleistungen, kritisieren aber gleichzeitig die
Regierung als zu groß, zu aufgebläht und zu belehrend. Sie erwarten wiedersprüchliche Dinge vom
modernen Staat und sehen, daß Demokraten und
Republikaner zur Rolle der Regierung ganz unterschiedliche Auffassungen haben. Wäre es denn
überraschend, wenn eine Art kognitiver Madisonismus
in modernem Gewand in Erscheinung treten würde?
Nach dem Motto: wir wollen die Ansichten der beiden
Parteien zur angemessenen Rolle der Regierungen
noch spannender gestalten. 1989 ist der republikanische Präsident George Bush fest im Weißen Haus
etabliert und erfreut sich großer Zustimmung, deshalb
wollen wir bei den Gourverneurswahlen in New Jersey
und Virginia eine etwas andere Botschaft aussenden.
Zusätzliche Faktoren als nur der kognitive Madisonismus wirken natürlich jetzt und produzieren geteilte
Wahlergebnisse. Bei den Wahlen 1989 spielten sie
keine große Rolle, aber bei den Wahlen für die gesetzgebenden Körperschaften in den letzten 25 Jahren
haben Amtsvorteile eine gro ße und zunehmende Rolle
gespielt. In vielen Parlamenten der Bundesstaaten
und im Kongreß hatten Amtsinhaber im Hinblick auf
das Personal und die Kampagne einen entscheidenden Vorteil gegenüber ihren Herausforderern - sie
verfügten über entschieden mehr Mittel zur Eigenwerbung. Damit haben die Demokraten einen klaren

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Die Faktoren, die das Wahlverhalten bei Kongreßund Präsidentschaftswahlen beeinflussen, unterscheiden sich grundlegend. Der Politologe S.M. Lipset
argumentiert fogendermaßen:
"Der Kongreß ist der Ort, an dem (Gruppen-)
Konflikte ausgefochten werden. Die Mitglieder
leisten Dienste, fungieren als Ombudsmann
und vertreten Interessen. Sie erheben eher im
kleinen als im großen Rahmen Einspruch. Und
die Demokraten mit ihren Verbindungen zu den
Massen und die Interessen der Öffentlichkeit
vertretenden Lobbyisten sind besser in der Lage,
diese Aufgaben zu erfüllen."
•
Andererseits "kommt den Republikanern auf
nationaler Ebene die Tatsache zugute, daß der
Präsident als ein gewählter Monarch angesehen wird, als Symbol ebenso wie als Führungskraft für das gesamte Land, die im Idealfall über
kleinmütigen Interessenkonflikten steht und sich
vor allem für moralische Werte in der Innensowie die Außen- und Verteidigungspolitik
engagiert. Das Amt ist immanent an Nationalismus gebunden. Demokratische Liberale stehen
vor diesem Hintergrund schwach da. Reagan
und Bush scheinen stark."
Die Meinungen der Analysten gehen auseinander,
inwieweit die öffentliche Meinungsbildung den Republikanern ihren derzeitigen nationalen Vorteil verschafft
hat. Ich kann drei Komponenten ausmachen. Die eine
ergibt sich aus dem enormen realen Wachstum der
Regierung in den sechziger und siebziger Jahren. Als
Reaktion auf diesen Zuwachs wurde das Vorgehen der
Regierung zunehmend als Problem, nicht nur als
Problemlösung gesehen. "Die Regierung verursacht

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�j

Inflation" war ein Teil dessen. "Die Regierung erhebt
zu hohe Steuern" ist heute geläufiger. Für die meisten
Bürger nahm die tatsächliche Steuerlast nach den
fünfziger Jahren drastisch zu.

gehalten. Weiße Südstaatler aus den ländlichen
Gebieten und die Arbeiterklasse des Nordens waren
bezüglich stärkerer staatlicher Eingriffe in den Markt
einer Meinung.

Der zweite Problembereich bezieht sich auf die Außen- und Verteidigungspolitik. Heutzutage vergißt
man leicht, daß zu Zeiten des New Deal [der Innenpolitik von Präsident Franklin D. Roosevelt (1933-34), die
die Erholung der amerikanischen Wirtschaft von der
großen Wirtschaftskrise zum Ziel hatte] die Demokraten die Partei mit der dogmatischeren Außenpolitik
waren. In einigen republikanischen Kreisen machte
sogar der Vorwurf die Runde, die Vereinigten Staaten
"führen Kriege", wenn die Demokraten an der Regierung sind. Zweifelsohne erhielten die Vereinigten
Staaten in den dreißiger und vierziger Jahren von den
Demokraten eine Art au ßenpolitischen Nationalismus,
der intellektuell dem "neuen Nationalismus" entsprach,
den die Partei bei Wirtschaftsbelangen im Inland verfolgte - in beiden Fällen unter der Führung von Franklin
D. Roosevelts republikanischem Vetter Theodore.
Politiker der Demokratischen Partei insistierten, daß
den Vereinigten Staaten große Verantwortung bei der
Förderung spezifischer nationaler Interessen und der
Sache der Demokratie durch das Einbringen amerikanischer Macht in das Weltgeschehen zukäme.

Keine der beiden Gruppen hatte "liberale" Ansichten
zu Themen wie Rassenzugehörigkeit, Patriotismus,
Todesstrafe oder Abtreibung. Sobald diese Themen
politisch in den Vordergrund treten wie in den sechziger Jahren sahen und sehen sich die Demokraten mit
einem nahezu unlösbaren Problem konfrontiert. Wenn
sie eine liberale Haltung zu diesen Themen einnahmen, stießen sie die weißen Südstaatler und einen Teil
der weißen Arbeiterklasse vor den Kopf. Wenn sie
konservative Ansichten vertraten, riskierten sie, die
gebildeten Liberalen zu verlieren, die ihren Wahlkampf
führten und das Geld aufbrachten. Demokratische
Kongreßkandidaten können diesem Problem häufig
ausweichen, da die meisten Wahlbezirke für Kongre ßwahlen relativ homogen sind. Diese Strategie wirkt bei
Wahlen in den Bundesstaaten nicht so gut, vor allem,
wenn der Bundesstaat sozial vielschichtig ist. Bei
landesweiten Wahlen scheint sie überhaupt nicht zu
funktionieren.

Wesentliche Teile der Demokratischen Partei hätten
diesen Ansatz der New Deal-Ära in jedem Fall modifiziert, aber aufgrund des Vietnamkriegs wurde die
Neubewertung beschleunigt und verschärft. Den
Republikanern wurde damit die enorme Chance gegeben, sich als die in Fragen der Außenpolitik realistischer denkende und als die Partei zu etablieren, die
eher zur Aufrechterhaltung einer starken nationalen
Verteidigung und zum Widerstand gegen die kommunistische Expansion bereit ist.
Einige Demokraten vertreten die Auffassung, daß ihr
jüngster Nachteil bei außen- und verteidigungspolitischen Fragen jetzt durch die Entwicklungen in der
UdSSR und Osteuropa abgebaut wird.

i

Aber solche Betrachtungen scheinen eher Hoffnungen
der Demokraten als politische Realität zu sein. Die
Tatsache bleibt bestehen, daß ein republikanischer
und nicht ein demokratischer Präsident zu einem Zeitpunkt auf der Bühne ist, zu dem der Kommunismus
ideologisch das Handtuch geworfen zu haben scheint.
Es liegt durchaus im Bereich des Möglichen, daß sich
die bisherigen Probleme der Demokraten in dem neuen
politischen Umfeld der neunziger Jahre verringern
werden - aber im Augenblick ist das reine Spekulation.
Der dritte Problemkreis, der die Demokraten national
vor eine Herausforderung gestellt hat, umfaßt ein
vielschichtiges Spektrum sozialer Fragen. Christopher Jancks Beobachtungen zufolge wurde die New
Deal-Koalition durch Wirtschaftsinteressen zusammen-

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Viele Analysten sehen jedoch jetzt in der scharfen
Abtreibungskontroverse eine größere Chance für die
Demokraten. Der Politologe William Schneider argumentiert, daß "die Frage des Schwangerschaftsabbruchs einen Pfahl mitten durch die Reagan-Koalition
treiben könnte." Der Grund:
"Religiöse Konservative und wohlhabende
Vorstädter sind die beiden Kemwählerschaften
der Republikanischen Partei. Kein Thema kann
diese beiden Gruppen mehr entzweien als Abtreibung."
In Wirklichkeit war das Tema Schwangerschaftsabbruch für beide Parteien seit über zehn Jahren äußerst schwierig - seit der Zeit, als sich die Amerikaner
der praktischen politischen Konsequenzen einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes aus dem Jahr
1973 bewußt wurden, die ein flexibles Recht auf Abtreibung einräumte. Dies ist darauf zurückzuführen,
daß die große Mehrheit der Öffentlichkeit sich weder
im Lager der Befürworter noch der Abtreibungsgegner
wohlfühlt. Die Lobby ist stark polarisiert und vertritt
zunehmend die Auffassung, daß es zu diesem Thema
keinen Mittelweg geben kann. Für viele Amerikaner ist
der Mittelweg jedoch ein weites Feld - und dort wollen
sie stehen.
Ein Teil der von zahlreichen Amerikanern der "breiten
Mitte" vertretenen Auffassung ist, daß bei Abtreibung
wie bei so vielen anderen Fragen der Gedanke der
Entscheidung des einzelnen gro ßen Respekt verdient.
Wenn Meinungsforscher beispielsweise die Frage
stellen: "Sollte einer Frau der Schwangerschaftsabbruch gestattet werden, wenn sie dies wünscht und ihr

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�Arzt zustimmt?", antwortet die große Mehrheit kontinuierlich mit Ja. Der andere Teil argumentiert jedoch,
Abtreibungen würden zu häufig und zu sorglos durchgeführt und daher sei größere Kontrolle vonnöten.

"liberalisiert". Gleichzeitig möchten Demokraten, die
selbst Gegner der Abtreibung sind oder aus Wahlkreisen kommen, in denen die Gegner sehr stark sind, daß
die Partei ihre Einstellung konservativer gestaltet.

Die Auswirkungen dieser unterschiedlichen Einstellungen werden von einer Reihe von Untersuchungen
eindeutig aufgezeigt - dazu gehören auch zwei im März
und September 1989 durchgeführte Meinungsumfragen, bei denen jeweils ein umfassendes Spektrum von
Fragen gestellt wurde. Diesen Untersuchungen zufolge lehnt eine große Mehrheit einen Verfassungszusatz ab, der Schwangerschaftsabbrüche kategorisch
verbieten würde. Eine Frau könnte demnach einen
legalen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen,
wenn die Schwangerschaft die Folge von Vergewaltigung oder Inzest ist oder wenn das Kind mit hoher
Wahrscheinlichkeit an einer Erbkrankheit leiden würde. Nahezu einhellig würden die Amerikaner einen
Schwangerschaftsabbruch befürworten, um das Leben der Mutter zu retten.

Eine Mehrheit aller Amerikaner befürwortet tatsächlich
die Wahlfreiheit des einzelnen und gleichzeitig mit
Nachdruck den Schutz des ungeborenen Lebens. Sie
erwarten von beiden Parteien, daß sie beide Positionen respektieren. Wird eine Partei dabei mehr Erfolg
haben als die andere?

Obwohl die Mutter die Freiheit haben sollte, in einigen
Fällen über den Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden, sollte ihre Wahlfreiheit jedoch nicht uneingeschränkt bestehen. Große Mehrheiten der Bevölkerung würden Abtreibung in den Fällen für illegal erklären, in denen ein Schwangerschaftsabbruch deshalb
gewünscht wird, weil die Geburt eines Kindes die Frau
zwingen würde, ihre berufliche Karriere zu unterbrechen, weil der Vater nicht bereit ist, bei der Kinderbetreuung mitzuhelfen oder weil die Schwangerschaft
eine übermäßige emotionale Belastung darstellen würde.
Nahezu einhellig lehnen die Amerikaner Abtreibung
als Mittel der Geburtenkontrolle ab. Die Analyse von
Erhebungsdaten zur öffentlichen Meinung zeigt sowohl unter Republikanern als auch unter Demokraten
ein breites Meinungsspektrum zum Schwangerschaftsabbruch. Es wurde häufig in den Vordergrund gestellt,
daß es unter den Republikanern einen starken Block
für die Wahlfreiheit beim Schwangerschaftsabbruch
gibt - vielleicht ein Fünftel aller Anhänger der Republikanischen Partei. Man sollte jedoch nicht außer acht
lassen, daß bei den Demokraten die Gegner der
Abtreibung einen noch größeren Prozentsatz ausmachen - meiner Analyse zufolge etwa ein Viertel. Dies
ist ein starker Hinweis darauf, daß beide Parteien bei
ihren traditionellen Wählern Zuspruch einbüßen könnten, wenn die Frage des Schwangerschaftsabbruchs
bei Wahlen größeres Gewicht erhielte.
Verständlicherweise machen sich deshalb auch einige
Vertreter beider Parteien Sorgen über die Auswirkungen des Themas auf das Wählerverhalten. Republikanische Befürworter der Wahlfreiheit beim Schwangerschaftsabbruch, wie etwa die Kongreßabgeordneten
Lynn Martin aus Illinois und Claudine Schneider aus
Rhode Island möchten, daß ihre Partei ihre Haltung

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Zu Beginn der neunziger Jahre haben beide großen
politischen Parteien ihre Hochburgen. Wie bereits
festgestellt, haben die Republikaner institutionell gesehen das nationale Stimmverhalten dominiert, in dessen
Mittelpunkt die Wahl des Präsidenten steht. Gleichzeitig haben die Demokraten bei Wahlen in den Bundesstaaten und Gemeinden ihre Mehrheit ständig ausgebaut. Im Hinblick auf ihre Grundsätze profitieren die
Republikaner wie bereits seit über zehn Jahren weiterhin von dem Glauben, daß der Zuwachs an staatlichem Einfluß zurückgedrängt werden muß, während
die Demokraten durch die weiterhin große Nachfrage
nach öffentlichen Dienstleistungen gestärkt werden.
Moralische Fragen wie die Abtreibung sind Herausforderungen für beide Parteien.
Insgesamt gesehen, haben jedoch die Republikaner
die politische Schlacht der achtziger Jahre gewonnen.
Am Ende des Jahrzehnts hatten sie bei Wähleridentifikation gleichgezogen und bei anderen Faktoren einen Vorsprung erzielt.
Alle wichtigen nationalen Meinungsumfragen weisen
im Lauf des Jahrzehnts beeindruckende Bewegungen
auf: Die Nettoverschiebung zu den Republikanern
betrug bei der Identifikation 15 bis 20 Prozentpunkte in
den Umfragen. Die Ergebnisse schwanken - sie
spiegeln damit sowohl die ihnen eigene Ungenauigkeit
als auch den Fluß der politischen Ereignisse wider -,
aber ein eindeutiger, sich kontinuierlich verstärkender
Trend ist offenkundig.
Jüngste Arbeiten der Politikwissenschaftler Helmut
Norpoth und Michael Kagay liefern dramatische Beweise für den Erfolg der Republikaner bei jungen
Menschen. Norpoth und Kagay kombinierten die
zahlreichen jährlich von CBS und New York Times
durchgeführten Umfragen und erhielten dadurch einen
noch umfassenderen, verläßlicheren Querschnitt. Sie
fanden heraus, daß sich im Jahr 1980 54 Prozent der
18-29jährigen als Anhänger der Demokraten bezeichneten, 33 Prozent als Anhänger der Republikaner-ein
Nettovorsprung der Demokraten von 21 Prozent. Im
ersten Quartal des Jahres 1989 bezeichneten sich
jedoch 52 Prozent der 18-29jährigen als Republikaner
und 38 Prozent als Demokraten - ein 14prozentiger
Vorsprung der Republikaner. Die von Jahr zu Jahr

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�gesammelten Daten machen deutlich, daß dieser
gewaltige Generationen Umbruch die Folge kontinuierlich angesammelter Erfahrungen und keine Reaktion
auf eine plötzlich eintretende Reihe von Ereignissen
war.

i

•

Anderen Maßstäben für die Lage der Parteien zufolge
haben die Republikaner sogar noch größere Fortschritte erzielt. In einer Gallup-Umfrage vom Juli 1989
bezeichneten 51 Prozent der Befragten die Republikaner als die Partei, die eher in der Lage sei, "den
Wohlstand des Landes zu erhalten", während nur 30
Prozent dasselbe von den Demokraten behaupteten.
Bei der jungen Generation war der republikanische
Vorsprung noch größer: 63 Prozent der 18-29jährigen
hielt die Partei für wirtschaftlich kompetenter, während
nur 23 Prozent die Demokraten auswählte. Dagegen
betrug bei den über 50jährigen der Vorsprung der
Republikaner lediglich 43 zu 32 Prozent.

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Noch wichtiger ist Norpoth und Kagay zufolge die
Tatsache, daß in früheren Zeitabschnitten, als die
Republikaner im Aufwind zu sein schienen, nichts dem
gegenwärtigen Trend bei den Jungwählern vergleichbares geschah. So haben zwar die Republikaner ihr
Ansehen bei denjenigen, die in der Ära Eisenhower
(1953-61) politisch mündig wurden, etwas gesteigert,
jedoch bei weitem nicht in dem Maß, wie dies bei den
Jungwählern der achtziger Jahre der Fall war.
Welches ist die sich daraus ergebende politische
Botschaft? Sicherlich nicht, daß republikanische
Zuwächse im nächsten Jahrzehnt zwangsläufig oder
Siege der Partei bei künftigen Wahlen vorherbestimmt
sind. Die Bilanz der achtziger Jahre endete jedoch mit
dem Ergebnis, daß die Republikanische Partei ihre
Basis gestärkt und bis auf ein Niveau angehoben hat,
wie es sie seit Beginn der Großen Depression der
dreißiger Jahre nicht mehr gegeben hatte.

*

*

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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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1. Mai 1990

o^

USA - DEUTSCHLAND

DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHEN
BEZIEHUNGEN UND DIE NEUEN
BUNDESLÄNDER
Rede von Botschafter Walters

OSTEUROPA

ANHÖRUNG IM KONGRESS ÜBER HILFE
FÜR OSTEUROPA
Rede von Botschafter Barry

HINTERGRUND

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

IKE UND DIE SOGENANNTEN
GREUELTATEN
von Stephen E. Ambrose

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�U S A - DEUTSCHLAND
1. Mail991

DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN
UND DIE NEUEN BUNDESLÄNDER
Rede von Botschafter Walters
DRESDEN - (AD) - Bei einer Ansprache vor der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland am 25. April
1991 in Dresden verlieh Botschafter Walters seiner Überzeugung Ausdruck, "daß die neuen Bundesländer bald
Anschluß an das wirtschaftliche Niveau der früheren Bundesrepublik finden werden". Die Überwindung der
Teilung Deutschlands und Europas sei stets ein vorrangiges Ziel amerikanischer Außenpolitik der vergangenen
Jahrzehnte gewesen, und konsequenterweise hätten die Vereinigten Staaten die Vereinigung der beiden
deutschen Staaten vorbehaltlos unterstützt. "Wir sind glücklich, daß wir dieses Ziel erreicht haben", so der
Botschafter.
Um die Zusammenarbeit mit den neuen Bürgern der Bundesrepublik Deutschland zu erleichtern, habe die
Amerikanische Botschaft eine Art Arbeitsprogramm erstellt. Dazu zählten verschiedenartige Programme zur
Förderung des Austauschs von Schülern, jungen politischen Führungskräften, Journalisten und Vertretern des
kulturellen Lebens.
Botschafter Walters zufolge besteht eine "unserer Hauptaufgaben darin, amerikanischen Firmen ihre unternehmerische Tätigkeit in Ostdeutschland zu erleichtern." Darüber hinaus liege der amerikanischen Regierung viel
daran, ihre "Beziehungen zu den neuen Bundesländern genauso fruchtbar zu gestalten wie unser langjähriges
Verhältnis zu den Ländern der früheren Bundesrepublik." Der Botschafter unterstrich, auch die Vereinigten
Staaten seien an einem schnellen wirtschaftliche Aufschwung in der ehemaligen DDR interessiert und verlieh
seiner Hoffnung Ausdruck, daß "die Probleme, die wohl bei einer Umstrukturierung von solch historischem
Ausmaß nicht ausbleiben, bald der Vergangenenheit angehören."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Botschafter Walters im Wortlaut (es gilt das gesprochene
Wort).

Sehr geehrter Herr Präsident,
Herr Minister,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
sollte noch jemand einen Beweis dafür benötigen, wie
sehr sich die Welt in den letzten zwei Jahren verändert
hat, dann müßte die Tatsache, daß die diesjährige
Jahresversammlung der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland in Dresden stattfindet, eigentlich
ausreichen. Vor zwei Jahren noch war Dresden eine
Stadt jenseits des Eisernen Vorhangs, in einem Staat,
von dessen Politik und Wirtschaft die meisten Bürger
hier genug hatten. Vor anderthalb Jahren haben die
Menschen in dieser Stadt, in Leipzig und andernorts
unter schwierigsten und gefährlichsten Umständen
Freiheit und Demokratie erkämpft. Heute ist Dresden
AMERIKA DIENST 17

wieder die Hauptstadt des Freistaates Sachsen in
einem vereinten Deutschland. Dresden ist wieder eine
Kulturmetropole in einem ungeteilten Europa, in dem
politische und wirtschaftliche Kooperation an die Stelle
der Konfrontation des kalten Krieges getreten ist.
Der Warschauer Pakt hat vor wenigen Wochen aufgehört zu existieren, und die Welt nahm kaum mehr Notiz
davon. Ein Ereignis, das vor zwei Jahren noch unvorstellbar war, fand in der Washington Post nur noch auf
Seite 16 Beachtung. Es ist unglaublich viel geschehen
und erreicht worden. Freiheit und Demokratie in einem
Teil derWelt, der über vierzig Jahrelang unter kommunistischen Diktaturen litt, sind für viele heute schon zu
einer Selbstverständlichkeit geworden.
Dieser Teil Deutschlands genießt nun alle politischen
und wirtschaftlichen Freiheiten, wie sie im Westen
Seite 1

�schon lange bestehen. Allerdings wissen wir alle um
die Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Umstellung einer kommunistischen Planwirtschaft auf ein
marktwirtschaftliches System. Hohe Investitionen
müssen getätigt werden, um Arbeit und Wohlstand zu
schaffen. Ich verstehe die Ungeduld vieler Menschen
in den neuen Bundesländern- wenn sie heute ihre
wirtschaftliche Lage mit dem Wohlstand im westlichen
Teil Deutschlands vergleichen.

nen, und wir möchten gerne mit den Menschen dieses
Landesteils zusammenarbeiten und Gedanken austauschen. Ich glaube, daß dies auch im Interesse der
amerikanischen Unternehmen ist, die hier investieren
oder neue Absatzmärkte erschließen.

Nach einem Jahr frustrierender Verzögerungen wird
demnächst unser Generakonsulat in Leipzig zum ersten
Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wieder seine Tore
öffnen. In einer Zeit des haushaltspolitisch begründeAber ich habe Deutschland noch in ganz anderer ten Abbaus diplomatischer Vertretungen in anderen
Erinnerung. Ich habe bei meinem Aufenthalt in den Teilen der Welt ist die Einrichtung einer neuen Dienstwestlichen Zonen im Jahre 1948 völlig zerbombte stelle ein Signal unserer Solidarität mit den Menschen
Städte gesehen. Angesichts der Verwüstung hatte ich in der ehemaligen DDR und unseres Respekts für ihre
damals nicht geglaubt, daß Deutschland noch zu meinen Entschlossenheit, frei zu sein und die Früchte der
Lebzeiten wiederaufgebaut werden könnte. Heute Freiheit zu genießen.
zählen diese Städte zu den wohlhabensten WirtschaftsZusammen mit dem Generalkonsulat eröffnen wir in
regionen dieser Welt.
Leipzig ein Amerika Haus. Wie unsere Amerika HäuAuch in diesem Teil Deutschlands haben die Men- ser im westlichen Teil Deutschlands wird dieses Haus
schen in Anbetracht der Unzulänglichkeit der kommu- eine umfassende Bibliothek mit amerikanischen Bünistischen Wirtschaft Erstaunliches geleistet. Es gab chern und Zeitschriften haben, und seine Programme
nur einen Unterschied: die Bürger in den heutigen werden als Fenster zu zeitgenössischen kulturellen
westlichen Bundesländern konnten sich in einem frei- und sonstigen Ereignissen in den Vereinigten Staaten
en Wirtschaftssystem entfalten; die Wirtschaftstätig- dienen.
keit in derfrüheren DDR wurde von staatlicher Planung
Wir haben bereits damit begonnen, auf die Schulen in
gehemmt und behindert.
den neuen Bundesländern zuzugehen. Bereits kurz
Ich bin überzeugt, daß die neuen Bundesländer bald nach der Vereinigung haben wir Programme zur LehAnschluß an das wirtschaftliche Niveau der früheren rerfortbildung in allen neuen Bundesländern veranstalBundesrepublik finden werden. Es wäre wünschens- tet. Jahrzehntelang wurden Lehrkräfte und ihre Stuwert, dieser Prozeß ginge schneller. Aber was die denten nur mit Propaganda und Fehlinformationen
soziale Marktwirtschaft nach dem Krieg im Westen zu gefüttert. Die Nachfrage nach Informationen über die
leisten vermocht hat, wird sie in dieser Zeit in diesem Vereinigten Staaten ist riesig, und wir tun unser Bestes, ihr nachzukommen.
Landesteil schon allemal vermögen.
Die Vereinigten Staaten haben die Vereinigung der
beiden deutschen Staaten vorbehaltlos unterstützt.
Die Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas war ein vorrangiges Ziel amerikanischer Au ßenpolitik der vergangenen Jahrzehnte. Wir sind glücklich,
daß wir gemeinsam dieses Ziel erreicht haben.

Seit langem unterhalten wir ein Programm, um junge
deutsche politische Führungskräfte, Journalisten und
Vertreter des kulturellen Lebens in die Vereinigten
Staaten einzuladen, damit sie unser Land kennenlernen und mit ihren amerikanischen Kollegen zusammentreffen können. Dieses Programm ist auf die
neuen Bundesländer ausgeweitet worden. In diesem
Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutsch- Jahr erwarten wir mindestens 50 junge Führungskräfte
land sind durch eine gemeinsame Verteidigungsalli- zu einmonatigen Besuchen in den Vereinigten Staaanz und durch eine Vielzahl von Kontakten auf allen ten. Im nächsten Jahr werden es hoffentlich noch
möglichen Ebenen verbunden. Über Jahrzehnte hin- mehr sein.
weg hatten Amerikaner und Deutsche aus West-Berlin
und den westlichen Bundesländern die Möglichkeit, Das Fulbright-Programm erfreut sich weltweit eines
einander zu begegnen und sich kennenzulernen. Mauer beispiellosen Rufs für den akademischen Austausch.
und Stacheldraht hatten in der Vergangenheit verhin- Die Programme der deutsch-amerikanischen Fulbrightdert, daß Sachsen und Thüringer, Mecklenburger und Kommission haben das Leben und die Studien TauBrandenburger uns kennenlernen konnten - und wir sender deutscher und amerikanischer Wissenschaftsie. Au ßerdem hat die kommunistische Propaganda in ler in den vergangenen vierzig Jahren bereichert.
der DDR vier Jahrzehnte lang ein verzerrtes Bild von Heute konzentriert sich die Aufmerksamkeit der
Amerika verbreitet.
Kommission auf die neuen Bundesländer, da sich
Universitäten mit langer Tradition erneut als Zentren
Die amerikanische Botschaft in Bonn hat deshalb eine für Forschung und Lehre in einer Atmosphäre akadeArt Arbeitsprogramm erstellt, um den neuen Bürgern mischer Freiheit herausbilden.
der Bundesrepublik Deutschland die Hand zur Freundschaft und Zusammenarbeit zu reichen. Sie sollen die Im Jahr 1983riefender Deutsche Bundestag und der
Möglichkeit haben, uns und unser Land kennenzuler- amerikanische Kongreß ein Progamm ins Leben, um
Seite 2

AMERIKA DIENST 17

�jungen Deutschen und Amerikanern einen einjährigen
Aufenthält mit Unterbringung bei Gastfamilien, Schulbesuchen und dem Aufbau dauerhafter Freundschaften im jeweils anderen Land zu ermöglichen. Im
nächsten Schuljahr soll das Programm auch Schülern
aus den neuen Bundesländern diese Möglichkeit einräumen. Gleichzeitig werderj. amerikanische Studenten bei Gastfamilien in den neuen Bundesländern
untergebracht.
Einige der militärischen Stützpunkte, die wir in Deutschland schließen, verfügen über ausgezeichnete Bibliotheken. Der US-Informationsdienst hat Vorkehrungen
getroffen, um diese Bibliotheken Universitäten und
anderen Institutionen in den neuen Bundesländern zu
übergeben. In der ersten Juniwoche wird die erste
dieser Sammlungen mit 25.000 Bänden aus der Bibliothek der US-Luftwaffe in Westdeutschland an die
Sächsische Landesbibliothek in Dresden gehen.
Die Außenhandelsabteilung der amerikanischen Botschaft berät amerikanische Unternehmen bei Investitionen in den neuen Bundesländern. Die Mitarbeiter
dieser Abteilung sind vor Ort mit Rat und Tat behilflich,
machen aber auch Unternehmen in den Vereinigten
Staaten auf spezifische Investitionsmöglichkeiten
aufmerksam. Sie helfen interessierten Unternehmen
dabei, die richtigen Kontakte mit der Treuhandanstalt,
den Länderregierungen, den Kommunalbehörden und
ostdeutschen Firmen zu knüpfen. Darüber hinaus
bemühen wir uns um ein Abkommen, mit dem das
Programm zur Versicherung von Investitionen im
Ausland amerikanischen Firmen zugänglich gemacht
wird, die in der früheren DDR investieren wollen. Wir
erwarten, daß diese Versicherungen der Overseas
Private Investment Corporation (OPIC) in unmittelbarer Zukunft verfügbar werden.
Wir sehen eine unserer Hauptaufgaben darin, amerikanischen Firmen ihre unternehmerische Tätigkeit in
Ostdeutschland zu erleichtern. Unser Schwerpunkt
liegt dabei auf der Förderung amerikanischer Ausfuhren. In diesem Rahmen ergeben sich Tausende von
Geschäftskontakten. Ich freue mich, Ihnen mitteilen
zu können, daß die Zahl der Mitarbeiter unserer Handelsabteilung in Berlin erhöht wird. Auch wird bald ein
Vertreter des amerikanischen Handelsministeriums in
Leipzig seinen Dienst antreten. Wir haben bereits
Geschäftspartner bei "Trade Days" in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zusammengeführt, und
ähnliche Ereignisse werden kommenden Monat im
Norden stattfinden. Wir planen Seminare über USExportkontrollen sowie eine Reihe von Vorträgen, um
US-Umwelttechnologie in Osteuropa einzuführen.
Wir nutzen aktiv die Handelsmessen, um Kontakte
zwischen ostdeutschen und amerikanischen Geschäftsleuten zu knüpfen. Wir arbeiten mit der Berliner
Messegesellschaft zusammen, um eine stärkere
amerikanische Beteiligung an Messen im Osten zu
erzielen und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit
AMERIKA DIENST 17

Berlin, Leipzig und anderen Städten bei der Entwicklung neuer Konzepte für Messen.
Darüber hinaus arbeiten wir mit deutschen Umweltexperten bei Fragen der Beseitigung von Altlasten in der
früheren DDR zusammen. Durch unsere eigenen
Umweltprogramme haben die Vereinigten Staaten große
Erfahrung bei der Aufbereitung von verseuchtem Land
und Grundwasser gewonnen. Darüber hinaus sind wir
an einer Zusammenarbeit zur Verbesserung der Luft
im Grenzgebiet zwischen Deutschland, Polen und der
Tschechoslowakei interessiert. Ferner wollen wir
Austauschprogramme mit Umweltwissenschaftlern aus
den neuen Bundesländern fördern.
Der amerikanischen Regierung liegt viel daran, unsere
Beziehungen zu den neuen Bundesländern genauso
fruchtbar zu gestalten wie unser langjähriges Verhältnis zu den Ländern in der früheren Bundesrepublik.
Wir sind auch an einem schnellen wirtschaftlichen
Aufschwung in der ehemaligen DDR interessiert. Die
anderen früheren kommunistischen Staaten Mittelund Osteuropas sehen in der ehemaligen DDR sozusagen einen Vorreiter im Hinblick auf die Umstrukturierung ihrer Wirtschaft. Sie alle wissen, daß es sehr
schwierig ist, das Erbe von vierzig Jahren Planwirtschaft wegzuräumen und eine funktionierende Marktwirtschaft einzuführen. Gelingt dies in den neuen
deutschen Bundesländern, so können auch die Nachbarländer im Osten und Südosten Hoffnung und Zuversicht schöpfen.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten lassen Resignation und Unruhe in den mittel- und osteuropäischen
Reformstaaten aufkommen. Es ist in unser aller
Interesse, die Demokratie im Osten und Südosten
Europas zu festigen. Ebensogilt eszu verhindern, daß
ein krasses Wohlstandsgefälle zwischen Ost und West
diesen Kontinent erneut teilt. Sie wissen, große Unterschiede im Lebensstandard und mangelnde wirtschaftliche Perspektiven im internationalen Vergleich sind
potentielle Ursachen für innere wie äußere Spannungen.
Aber Sie wissen, die Regierungen allein können diesen gewaltigen wirtschaftlichen Strukturwandel nicht
allein bewerkstelligen. In erster Linie schaffen private
Investitionen Arbeitsplätze und Wohlstand. Die Bundesregierung unternimmt große Anstrengungen zum
Neuaufbau dieses Landesteiles. Aber es besteht im
wesentlichen Übereinstimmung, daß der Schlüssel zu
einer modernen, zukunftsorientierten Wirtschaft bei
den privaten Investoren liegt.
Die Bundesregierung und die Regierungen der neuen
Länder und ihre Institutionen haben wiederholt um
ausländische Investoren in der ehemaligen DDR
geworben. Wir tragen unseren Teil dazu bei, damit in
den Vereinigten Staaten bekannt wird, welche wirtschaftlichen Chancen sich für amerikanische Firmen
hier bieten. Einige von Ihnen werden möglicherweise

Seite 3

�bereits in den neuen Bundesländern sehr aktiv sein.
Ich war gestern in Erfurt bei der Eröffnung einer Filiale
einer amerikanischen Einzelhandelskette. Im benachbarten Eisenach wird der größte amerikanische Automobilhersteller hohe Investitionen tätigen.

Platz auf einem Ihrer Messestände. Laden Sie den
Neuling zur Teilnahme an einer der Messen ein. Helfen Sie ihnen, und Sie werden wahrscheinlich selbst
einen Nutzen davon haben.

Weisen Sie Ihre Partner in den Vereinigten Staaten auf
die Bedeutung der deutschen Messen hin. Ich habe
einige dieser Messen besucht und habe gesehen, wie
Geschäfte zustande kommen und abgeschlossen
werden. Sie wissen, eine deutsche Messe ist nicht mit
amerikanischen Ausstellungen vergleichbar, mit denen die meisten unserer Firmen vertraut sind. Viele
amerikanische Unternehmer erschauem bei dem
Gedanken an eine zusätzliche Ausstellung und nehmen einfach an, daß meistens sowieso nur wenig
dabei herauskommt. Sie glauben, daß es sich bei den
Allerdings erfuhren wir auch von Fällen, in denen Ausstellungen lediglich um eine andere Form von
amerikanischen Unternehmen nicht die gleichen Werbung handelt. Es wäre wichtig, daß Sie erfahren,
Chancen bei Geschäftsvorhaben wie deutschen Fir- daß man auf einer Messe mit Käufern aus aller Welt in
men eingeräumt wurden. Amerika ist grundsätzlich an Kontakt kommt und dabei beträchtliche Verkäufe getäeinem wirtschaftlichen Engagement in den neuen tigt werden können.
Bundesländern interessiert. Aber es wäre letzlich
schädlich für beide Seiten, wenn bei der Vergabe von Die Ergebnisse der CeBIT '91 werden zur Zeit immer
Aufträgen oder bei unternehmerischen Vorhaben nicht noch ausgewertet. Aber im letzten Jahr wurden in den
verschiedenen US-Pavillons, die ungefähr 400 kleineder beste Anbieter zum Zuge käme.
re und mittlere Firmen beherbergten, Verträge abgeLassen Sie mich zum Schluß noch Werbung in eigener schlossen, die zwischen einer halben und dreiviertel
Sache machen. Die amerikanische Regierung unter- Milliarde US-Dollar einbrachten! In dieser Zahl sind
nimmt große Anstrengungen, faire Wettbewerbsbe- natürlich die Verkäufe unserer größten Firmen nicht
dingung und offene Märkte weltweit zu schaffen. Seit enthalten. Die meisten dieser Firmen waren über ihre
Jahren bemühen wir uns darum bei der Uruguay- deutschen Töchter registriert und werden deshalb
Runde des GATT. Unser Ziel ist es, Handelsbarrieren auch als deutsche Firmen in den Statistiken geführt.
abzubauen und allen Anbietern gleiche Chancen auf Wir haben Käufer aus aller Herren Länder an den USinternationalen Märkten einzuräumen.
Ständen gesehen. Helfen Sie uns, den amerikanischen Firmen klarzumachen, daß der Verkauf auf
Meiner Regierung liegt auch viel daran, amerikanische einer deutschen Messe nicht auf Deutschland beExporteure mit Rat und Tat zu unterstützen. Es geht grenzt ist.
um die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen
ebenso wie um die Verbesserung unserer Handelsbi- Als Vertreter amerikanischer Unternehmen in Deutschlanz. Unser Foreign Commercial Service hilft amerika- land sind Sie in der Position, Chancen für amerikaninischen Exporteuren auf ausländischen Märkten, ver- sche Produkte auf diesem Markt frühzeitig zu erkenmittelt Geschäftskontakte, macht sie mit den Eigenhei- nen. Geben Sie Ihr Wissen über Märkte, Käufer und
ten des Importlandes vertraut und vieles mehr. In Vertriebsmöglichkeiten an Ihre Partnerfirmen in den
unserer Botschaft ist es die Aufgabe meines Kollegen USA weiter. Ich glaube, erweiterte und verbesserte
Jack Bligh, der heute abend hier anwesend ist, US- Geschäftsbeziehungen zwischen den Vereinigten
Firmen bei der Anbahnung und Abwicklung von Ge- Staaten und Deutschland sind für uns alle ein Gewinn.
schäften behilflich zu sein. Aber Jack Bligh und seine
Mitarbeiter können nicht alle potentiellen Exporteure in Meine Damen und Herren, es ist für mich wirklich ein
den Vereinigten Staaten auf ihre Chancen und Mög- großer Tag, als Botschafter der Vereinigten Staaten
lichkeiten in Deutschland aufmerksam machen. Des- von Amerika im vereinten Deutschland zu Ihnen heute
halb wende ich mich an Sie.
in Dresden sprechen zu können. Ich spreche hier auch
als Ehrenpräsident der Amerikanischen HandelskamSie kennen wahrscheinlich alle eine kleine Firma in den mer in Deutschland. Es ist ein zentrales Anliegen
Vereinigten Staaten, die noch nicht hier auf dem Markt amerikanischer Außenpolitik, unsere Beziehungen zu
ist, die aber über ein vermarktungsfähiges Produkt Deutschland auf allen Ebenen zu festigen und zu
verfügt. Diese Firma mag zu klein sein, um über erweitern. Die Amerikanische Handelskammer in
Überseemärkte informiert zu sein. Vielleicht könnten Deutschland leistet hierzu einen wichtigen Beitrag.
Sie den Kontakt zu einem ausländischen Händler oder Dafür danke ich Ihnen. Vielen Dank.
Importeur herstellen. Oder vielleicht haben Sie noch
Die vielen Anfragen interessierter amerikanischer Firmen bei unserer Botschaft in"Bonn lassen schließen,
daß sich die Zahl der Investitionen in der Zukunft
sicherlich beträchtlich erhöhen wird. Aber nicht nur
amerikanische Investoren klagen über Schwierigkeiten bei der Verwirklichung von Vorhaben. Wir hoffen,
daß diese Probleme, die wohl bei einer Umstrukturierung von solch historischem Ausmaß nicht ausbleiben,
bald der Vergangenheit angehören.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 17

�OSTEU ROPA
1. Mai 1991

ANHÖRUNG IM KONGRESS ÜBER HILFE
FÜR OSTEUROPA
Rede von Botschafter Barry
WASHINGTON - (AD) - Hochrangige Regierungsbeamte forderten den Kongreß am 24. April 1991 zur
Verabschiedung von Gesetzen auf, denen zufolge im Haushaltsjahr 1992 Hilfe für Osteuropa im Umfang von 470
Millionen Dollar bewilligt werden kann. Sie argumentierten, eine Steigerung gegenüber dem laufenden
Haushaltsjahr sei entscheidend, damit die Länder in der Region ihren Vormarsch zu Demokratie und freier
Marktwirtschaft weiterführen können.
Bei einer Anhörung vor dem Unterausschuß für Europa des Auswärtigen Ausschusses im Senat erklärte der
Sonderberater des stellvertretenden Außenministers für Osteuropahilfe, Botschafter Robert Barry, die Mittel
könnten in drei Hauptbereichen eingesetzt werden: für demokratische Initiativen, Förderung von Wirtschaftsreformen und Verbesserung der Lebensqualität.
Barry bezeichnete die Einführung von Demokratie und freier Marktwirtschaft in Mittel- und Osteuropa als
"strategische Priorität" der Regierung. "Im Laufe des letzten Jahres hat unsere Hilfe den Ländern der Region
in unterschiedlichem Umfang zu Fortschritten zu diesem Ziel verholten," erklärte Barry.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Barrys Rede im Wortlaut.

In meiner heutigen Rede möchte ich die allgemeine
strategische Richtung unseres Hilfsprogramms für Mittelund Osteuropa beschreiben. Welche Prioritäten haben
wir, und wie setzen wir sie? Wie verändern sie sich mit
der Zeit? Welche unvorhergesehenen Probleme haben
sich ergeben, und wie versuchen wir damit fertigzuwerden? Wie ergänzen US-Programme die anderer
Spender? Welche Rolle spielt der Privatsektor? Welche
Merkmale charakterisieren die Programme für Osteuropa, und wie funktionieren diese "Experimente"? Ich
spreche hierfür den Stellvertretenden Außenminister
Lawrence Eagleburger, der für die gesamte Koordination der US-Hilfe - sei sie durch das Bewilligungsgesetz
über Auslandshilfe oder anderweitig finanziert - in der
Region verantwortlich ist.
Zuerst möchte ich darauf eingehen, wie Herr Eagleburger und die stellvertretenden Koordinatoren - der
Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater, Boskin,
und der Stellvertretende Finanzminister John Robson
ihre Rolle gegenüber dem Amt für Internationale Entwicklung (AID) abstecken. Als ihr hochrangiger Förderer würde ich die Rolle des Koordinators als Garanten
AMERIKA DIENST 17

dafür beschreiben, daß AID-Programme, Handelsfragen, wirtschafts- und sicherheitspolitische Themen sich
wechselseitig ergänzen und zusammenwirken und die
Koordinierung mit anderen Geberländern und multilateralen Institutionen wie dem IWF, der IBWE, EBWE
und der EG-Kommission stattfindet. Viele der wichtigsten US-Beiträge zur Osteuropahiife sind das Ergebnis des Koordinierungsprozesses - die Gründung des
Stabilisierungsfonds für Polen, der Unternehmensfonds für Polen, Ungarn und die Tschechoslowakei,
neuer OECD-Programme und die Lasten Verteilung.
Ziele und Prioritäten der Vereinigten Staaten
Die Ziele der US-Hilfe sind konstant, und aufgrund der
von den Ländern in der Region erzielten Fortschritte
haben sie Anspruch auf diese Hilfe. Ähnliche Kriterien
legen die 24 Geberländer an, die ihre Hilfe durch den
Mechanismus der G-24 unter dem Vorsitz der Kommission der Europäischen Gemeinschaften in Brüssel
koordinieren. Wir sind bestrebt um
demokratische, pluralistische Gesellschaften auf
der Grundlage der Rechtsstaatlichkeit und
Seite 1

�Achtung von Menschenrechten und Freiheiten
des einzelnen,
die Einführung freier Marktwirtschaften mit starken Privatsektoren,
die Wiedereingliederung dieser Länder in die
wirtschaftliche und politische Struktur des
Westens, wie es ihrer Geschichte und ihren
Werten nach sein sollte sowie an der Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zu den
Vereinigten Staaten.
Aufgrund dieser Kriterien konzentrierten sich unsere
Länderprioritäten zunächst auf Polen und Ungarn, die
auf dem Weg wirtschaftlicher und politischer Reformen am weitesten fortgeschritten waren. Im Jahr 1990
wurde auch die Tschechoslowakei auf die Prioritätenliste gesetzt. 1991 rechtfertigt das von Präsident
Schelew in Bulgarien in die Wege geleitete mutige
Reformprogramm unsere zunehmende Unterstützung,
insbesondere da die bulgarischen Erfolge eine stabilisierende Wirkung auf dem Balkan haben könnten.
Darüber hinaus gewähren wir Jugoslawien weiterhin
begrenzte Hilfe, mit besonderer Betonung der Unterstützung demokratischer Institutionen und der Ausbildung in den für eine freie Marktwirtschaft erforderlichen Qualifikationen und an Rumänien unter besonderer Berücksichtigung humanitärer Hilfe und des Aufbaus der Demokratie.
Zweckorientierte Prioritäten
Die Art der von uns entwickelten Hilfsprogramme ist
auf diese Ziele zugeschnitten. In jedem dieser zwekkorientierten Bereiche haben wir eine Vielzahl von Programmen entwickelt, bei denen die Vereinigten Staaten unseres Erachtens einen vergleichsweisen Vorteil
vor anderen potentiellen Gebern haben. Daher haben
wir mit den Ländern in der Region einen umfassenen
Dialog geführt, um ihre Prioritäten festzustellen und in
die Praxis zu umzusetzen. Gleichzeitig können der
Koordinierungsmechanismus der G-24 in Brüssel und
der zunehmend wichtige Dialog zwischen den Gebern
in jedem Land gewährleisten, daß unsere Programme
die der anderen Geber ergänzen.
Im Rahmen dieses Prozesses versuchen wir zur Zeit,
diegrößten Hindemisse für politische und Wirtschaftsreformen herauszufinden, damit wir unsere Prioritäten
anpassen und gegebenenfalls neue Mittel bereitstellen können. Ich möchte Ihnen jetzt kurz erläutern, wo
unserer Meinung nach gegenwärtig die Hauptproblembereiche liegen, auf die sich unsere Aufmerksamkeit konzentrieren sollte.
Hindernisse für Reformen
Erstens verschärft sich das Problem der politischen
Instabilität in einigen Ländern der Region. Wir hatten
erwartet, daß die Wirtschaftsprobleme der Übergangs-

Seite 2

phase eine Herausforderung für die aufstrebenden
Institutionen der neuen Demokratien darstellen würden, aber die Bürde wurde durch den Golf krieg und
den Zusammenbruch des Handels mit der Sowjetunion noch schwerer. Die durch Nationalitätenkonflikte
verursachten Unruhen waren größer und andauernder
als wir gehofft hatten.
Um diese Herausforderung zu bewältigen, müssen wir
besondere Betonung auf den Aufbau der Demokratie
und Programme zur Verbesserung der Lebensqualität
legen. Von der Unterstützung der Tschechoslowakei
bei der Erarbeitung einer Verfassung, in derdie Rechte
des einzelnen geschützt werden, bis zur Verbesserung der Gesundheitsfürsorge in Bulgarien kann unser
Engagement einen Unterschied bewirken.
Zweitens stellte die Kluft zwischen makro- und mikroökonomischen Reformen ein größeres Problem dar
als wir vor einem Jahr erwartet hatten. Das im Jahr
1990 von Polen durchgeführte mutige Stabilisierungprogramm produzierte nicht die gewünschte Reaktion
der Angebotsseite, weil die Privatisierung hinterherhinkte und die Staatsbetriebe vom Markt und den
Wettbewerbskräften abgeschnitten waren. Polen hat
jetzt ein umfassendes Dreijahresprogramm verabschiedet, und wir drängen alle Länder der Region, das
Tempo der Privatisierung und die Schaffung wirklich
wettbewerbsfähiger Marktbedingungen zu beschleunigen. Wie Sie ausgeführt haben, werden Erfolg oder
Scheitern des polnischen Programms von den anderen Ländern in der Region, insbesondere der UdSSR
genau beobachtet.
Zur Unterstützung mikroökonomischer Reformen stehen den Vereinigten Staaten eine Reihe von Instrumenten zur Verfügung, die wir verstärkt anwenden
werden. Unsere Unternehmensfonds stimulieren den
Privatsektor in Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei. Die polnisch-amerikanischen und ungarischamerikanischen Fonds haben bereits 26 Millionen
Dollar ausgeschüttet und können 90 Millionen oder
mehr Dollar bereitstellen, wenn die von ihnen ausgearbeiteten Projekte Erfolge zeitigen. Wir beschleunigen
die Ausbildung von Führungskräften in Wirtschaft und
Bankwesen und die Unterstützung des Privatisierungsprozesses in Industrie und Landwirtschaft. Wir sind bei
der Erarbeitung von Gesetzen behilflich, die Wettbewerbsfähigkeit zu einer Realität werden lassen und bei
der Bereitstellung finanzieller Vermittler, die den Privatisierungsprozeß unterstützen werden. Im Hinblick auf
die Ressourcen der US-Regierung liegt hierin unsere
größte Verpflichtung für die Haushaltjahre 1992 und
1991. Gleichzeitig müssen wir unsere Aktivitäten auf
andere wichtige Geber konzentrieren - insbesondere
die Internationale Bankfür Wiederaufbau und Entwicklung IBWE und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung EBWE - um die Engpässe beim
Wachstum des Privatsektors zu beheben.

AMERIKA DIENST 17

�Drittens erweitert sich die Handelskluft, und die Investitionsströme aus dem Westen waren entmutigend.
Der Zusammenbruch des Handels mit der UdSSR
vollzog sich rascher als prognostiziert, und zusammen
mit dem Verlust der ehemaligen DDR als Markt hat
dies eine umfassende Neuorientierung des Handels
erforderlich gemacht. Gleichzeitig waren amerikanische und westliche Investoren vorsichtiger als wir
gedacht hätten. Bis zum Vorabend von Präsident
Walesas Besuch in den Vereinigten Staaten hatten
amerikanische Firmen nur 30 Millionen Dollar in Polen
investiert.
Die Verbesserung des Klimas für Handel und Investitionen ist unsere wichtigste neue Priorität für den Rest
des Jahres 1991. Der Schuldenabbau Polens sollte
einen entscheidenden Beitrag dazu leisten. Infolge
der von den Vereinigten Staaten in die Wege geleiteten
Initiative sind Kreditinstitutionen wie die Export Import
Bank in Polen wieder aktiv. Die während des Walesa
Besuchs angekündigte Amerikanische Unternehmensinitiative und die Initiativie zur Erweiterung des Handels sollten ferner dazu dienen, das Klima für amerikanischen Handel und Investitionen in der gesamten
Region zu verbessern. Die anderen müssen ihren Teil
dazu beitragen. Die Länder Mittel- und Osteuropas
müssen weitere Schritte unternehmen, um ihre gegenseitigen Handelsschranken abzubauen und insbesondere das Klima für westliche Investoren attraktiver zu
machen, um das Privatkapital anzuziehen, das auf
lange Sicht sehr viel mehr für ihre Volkswirtschaften
leisten wird als jegliche westliche Regierungshilfe.
Unsere europäischen Verbündeten müssen verbesserten Marktzugang für Exporte aus der Region schaffen. Vor einem Jahr haben wir alle gesagt, erweiterter
Handel und Investitionen wären die Triebfeder für
Wachstum und Reformen in Mittel- und Osteuropa.
Dies müssen wir im Jahr 1991 in die Tat umsetzen.
Im Haushalt 1992 beantragte Mittel
Aufgrund der obengenannten Prioritäten hat die
Administration 470 Millionen Dollar für die Unterstützung Osteuropas beantragt, was im Vergleich zum
Haushaltsjahr 1991 einen erheblichen Zuwachs darstellt. Davon sind 70 Millionen Dollar für die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung vorgesehen. Die restlichen 400 Millionen Dollar verteilen
sich folgendermaßen:
29 Millionen für die Entwicklung demokratischer
Institutionen,
305 Millionen für die Förderung wirtschaftlicher
Umstrukturierungsmaßnahmen,
61 Millionen für Projekte zur Verbesserung der
Lebensqualität und
5 Millionen für Rechnungsprüfung, Auswertung
und Programmunterstützung.

AMERIKA DIENST 17

Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, würden die
von uns im Haushaltsjahr 1992 beantragten 400 Millionen Dollar etwa folgendermaßen eingesetzt:
190 Millionen für Projekte im Rahmen des
Gesetzes zur Unterstützung der Osteuropäischen Demokratien (SEEDI), davon 164 Millionen für die Unternehmensfonds.
55 Millionen für andere Programme, die nicht
von AID, sondern von anderen Behörden durchgeführt werden (USIA, EPA, Energie-, ArbeitsWirtschafts- oder Justizministerium und so
weiter).
60 Millionen für die Fortschreibung einiger wichtiger im Jahr 1991 aufgenommener Projekte,
wie etwa die Ausbildung von Führungskräften
oder Privatisierung.
Die restlichen Mittel würden im großen und ganzen für
kleinere Projekte (unter 10 Millionen Dollar) ausgegeben, die von 1991 übernommen werden, oder sie
würden für die Erweiterung von Großprojekten verwendet, die sich bereits als erfolgreich erwiesen haben. Wir möchten die uns vom Kongreß gewährte
Flexibilität nutzen, um Programme aufzustocken, die
bereits erfolgreich zu sein scheinen, oder um die
Verluste bei nicht funktionierenden Experimenten zu
verringern. Wir haben im laufenden Jahr bereits die
Mittel für zwei Programme verdoppelt, bei denen ein
qualitativ gutes Ergebnis mit gleichzeitigem Interesse
seitens der Empfängerstaaten einherging. Aus denselben Gründen haben wir andere Programme beschnitten.
Aufbau von Länderprogrammen
Neben unseren übergreifenden regionalen Prioritäten
passen wir unsere Programme den Bedürfnissen der
einzelnen Länder an und stimmen uns mit anderen
Gebern ab, die sich mit denselben Problemen auseinandersetzen. Dies erfordert einen anhaltenden Dialog
mit dem jeweiligen Empfängerland, den wichtigsten
bilateralen und multilateralen Gebern und zwischen
den etwa 20 an den Hilfsmaßnahmen beteiligten USRegierungsbehörden. In jedem Land der Region
bemühen wir uns, ein amerikanisches Hilfsprogramm
zusammenzustellen, das sichtbar, zielgerichtet und
leicht zu verwalten ist. Gleichzeitig muß der Umfang
dieses Programms den Grad an Fortschritten widerspiegeln, die von dem entsprechenden Land unter
Berücksichtigung der von unseren Verbündeten und
uns gesetzten Kriterien gemacht werden.
Für Staaten, die auf dem Weg zu demokratischen
Reformen hinterherhinken, haben wir nur sehr wenige
Programme eingeleitet. So führen wir etwa in Rumänien sechs begrenzte Programme durch: humanitäre
Hilfe (darunter Unterstützung rumänischer Kinder),
Nahrungsmittelhilfe, Hilfe bei der Familienplanung,
Unterstützung von unabhängigen Medien und RechtsSeite 3

�Staatlichkeit, Ausbildung von Führungskräften sowie
Notprogramme zur Verbesserung der Energieversorgung. Dagegen führen wir in Polen zwei Dutzend
Programme durch. Aber auch hier möchten wir uns auf
wenige Schlüsselbereiche konzentrieren, in denen
umfangreichere Mittel bereitgestellt werden können,
um neuen Prioritäten gerecht zu werden. Unterstützung für den Privatisierungsprozeß und die Ausweitung von Handel und Investitionstätigkeit sind zwei
dieser zweckgebundenen Schwerpunkte für Polen.
Landwirtschaft und der Agrarindustrie gilt unser Hauptaugenmerk in Bulgarien. In Ungarn betrachten wir die
Reform des Bankwesens als vordringliche Aufgabe,
zu deren Lösung amerikanische Hilfe beitragen kann.
Ein zweiter Weg zur Verstärkung des Synergieeffekts
unserer Hilfe besteht darin, sich auf kleinere Programme in einer einzelnen Stadt oder Region zu konzentrieren. Krakau ist zum Schwerpunkt amerikanischer
Programme in Polen geworden, dasselbe gilt für den
Landkreis Baranya in Ungarn. Das Peace Corps, das
Arbeitsministerium, das Amt für Umweltschutz, das
Energieministerium und andere an der amerikanischen
Hilfe beteiligten Behörden können mehr leisten, indem
sich ihre Programme an einem einzelnen Ort wechselseitig verstärken, anstatt daß ihre Prioritäten getrennt
voneinander verfolgt werden.

Schlußfolgerung
Zum Abschluß möchte ich Sie bitten, nicht an die
gewaltigen Hindernisse für wirtschaftliche und politische Reformen zu denken, sondern an die im vergangenen Jahr erzielten bemerkenswerten Fortschritte.
Wer hätte im Jahr 1988 erwartet, daß Lech Walesa die
Vereinigten Staaten als Präsident eines demokratischen Polens besuchen würde, um über den Zeitplan
für den vollständigen Abzug der sowjetischen Truppen
aus seinem Land zu sprechen? Wer hätte erwartet,
daß Bulgarien bei politischen und wirtschaftlichen
Reformen an vorderster Front stehen würde? Wer
hätte demokratische Wahlen in Albanien erwartet, so
mangelhaft sie auch gewesen sein mögen? Und vor
allem, wer hätte die Entwicklung eines machtvollen
Konsenses in der ganzen Region erwartet, daß ein
rascher, umfassenden Übergang zu demokratischer
Herrschaft und Marktwirtschaft die einzige Lösung für
die Probleme der Region darstellt? Die Unterstützung
dieses Übergangs ist für diese Administration ebenso
eine strategische Priorität wie vor zwei Jahren, als die
Bilder der Revolution unsere Vorstellungskraft so sehr
beflügelten.

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AMERIKA DIENST 17

�HINTERGRUND
1. Mai 1991

IKE UND DIE SOGENANNTEN GREUELTATEN
von Stephen E. Ambrose
Der folgende Artikel von Stephen E. Ambrose, dem Direktor des Eisenhower Center an der University of New
Orleans, ist am 24. Februar 1991 unter dem Titel "Ike and the Disappearing Atrocities" in The New York Times
Book Review erschienen. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der New York Times Company, Copyright
(c)1991.

Selten hat die Veröffentlichung einer historischen
Monographie zu einem Thema - der Behandlung von
Kriegsgefangenen -, das normalerweise nur für wenige Spezialisten von Interesse ist, solches Aufsehen
oder so viel Ärger erregt, wie James Bacques Werk
"Der geplante Tod". Das im Jahr 1989 in Kanada
veröffentlichte Buch wurde zum Gegenstand einer
Titelstory des populären kanadischen Magazins Saturday Night, eines Dokumentarfilms der BBC sowie
zweier Dokumentationen im deutschen Fernsehen
und eines angekündigten Dokumentarfilms der Canadian Broadcasting Corporation. (Auf dem Umschlag
der kanadischen Ausgabe, so möchte ich gleich betonen, ist ein Zitat von mir abgedruckt, das aus dem
Zusammenhang gerissen und ohne meine Zustimmung verwendet wurde.) Das Buch wurde im amerikanischen Fernsehen, im Magazin Time und zahlreichen anderen Medien besprochen. Seine deutsche
Ausgabe wurde sofort zum Bestseller. Die britische
Ausgabe zog Buchbesprechungen in The Times Literary Supplement und in anderen Zeitschriften nach
sich. Der kalifornische Verlag Prima Publishing plant
des Buch im Mai zu veröffentlichen, was auch in den
Vereinigten Staaten Öl ins Feuer gießen könnte.
Der Grund für die traurige Berühmtheit ist die Schlußfolgerung des Autors, daß General Dwight D. Eisenhower als Chef der amerikanischen Besatzungstruppen
im Deutschland des Jahres 1945 eine erschreckende
Zahl deutscher Kriegsgefangener mit voller Absicht
dem Hungertod preisgab. Bacque behauptet: "Die
Zahl der Opfer liegt zweifellos bei mehr als 800 000,
heinahe mit Sicherheit bei mehr als 900 000 und
durchaus wahrscheinlich bei mehr als einer Million.
Die Ursachen ihres Todes wurden wissentlich ge-

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schaffen von Armee-Offizieren, die über genügend
Lebensmittel und andere Hilfsmittel verfügten, um die
Gefangenen am Leben zu erhalten."
Bacque zufolge benutzte Eisenhower eine einfache
Methode: er änderte Bezeichnung der Gefangenen
von Prisoners of War (POW), die nach der Genfer
Konvention Anspruch auf dieselben Rationen wie die
amerikanischen Gls hatten, in Disarmed Enemy Forces (DEF), was ihm gestattete, sie auf Hungerrationen
zu setzen. Bacque stellt fest, den DEF seien außerdem Medikamente und Obdach verweigert worden.
Sie seien zu Hunderttausenden gestorben. Diese
Todesfälle seien in den Armeeunterlagen vertuscht
worden, indem man sie in Tabellen, in denen wöchentlich die Gesamtzahl der Gefangenen, der aus Gefangenschaft Entlassenen und so weiter erfaßt wurde, als
"sonstige Verluste" ausgewiesen habe.
Bacque ist über seine Aufdeckung dieses scheußlichen Verbrechens so empört, daß er in einem Interview mit einer Nachrichtenagentur mit den Worten
zitiert wird, die Amerikaner "sollten alle Standbilder
von Eisenhower abbauen, alle Photos von ihm von der
Wand nehmen und so gut sie können sein Andenken
aus der amerikanischen Geschichte tilgen, au ßer dem
Satz 'Hier gab es einen Mann, der grauenhafte Dinge
getan hat, derer wir uns schämen'". Daraus ergeben
sich zwangsläufig Fragen. Wenn es eine Million Tote
gab, wo sind deren Leichen? Besaß Eisenhower solch
ungeheure Macht, daß erden massenweisen Hungertod anordnen und als Geheimnins bewahren konnte?
War das zweifellos vorhandene Leid in den Lagern,
insbesondere in den Durchgangslagern am Rhein, das
Ergebnis Eisenhowerscher Politik oder Resultat der

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�chaotischen Zustände, die im Frühjahr und Sommer
des Jahres 1945 in Europa herrschten?
Bacque, ein kanadischer Romanautor ohne Erfahrung
in historischer Forschung oder Geschichtsschreibung,
stellt in der Einleitung seines Buches fest: "Zweifellos
werden viele Gelehrte Fehler in diesem Buch finden;
es sind ausschließlich meine. Ich begrüße ihre Kritik
und ihre künftigen Forschungen, die dazu beitragen
mögen, die Wahrheit für uns wiederherzustellen nach
einer langen Nacht der Lügen." Im vergangenen
Dezember lud das Eisenhower Center an der University of New Orleans einige führende Experten dieser
Epoche ein, um die Behauptungen zu untersuchen.
Die Teilnehmer an der Konferenz, mich eingeschlossen, planen, die Beiträge in Buchform zu veröffentlichen.
(Anm. d. Red.: An der Konferenz nahmen neben
Professor Ambrose teil:
Thomas Barker von der State University of New
York (Albany), Spezialist für mitteleuropäische
Militärgeschichte;
Guenter Bischof vom Eisenhower Center, Spezialist für Österreich während der Besatzungszeit;
Neil Cameron, Produzent der BBC-Dokumentation zu "Der geplante Tod";
Albert Cowdrey vom Center of Military History
des US-Heeresministeriums;
Alex Frohn vom Deutschen Historischen Institut;
Rüdiger Overmans vom Militärgeschichtlichen
Forschungsamt im Freiburg;
Professor Rolf Steininger von der Universität
Innsbruck, Autor einer zweibändigen Geschichte der Besatzungszeit in Deutschland;
James Tent von der University of AlabamaBirmingham, Autor von "Mission on the Rhine";
Brian Villa von der Universität Ottawa, Autor von
"Unauthorized Action: Mountbatten and the
Dieppe Raid.")
Unsere erste Schlußfolgerung war, daß Bacque eine
wichtige historische Entdeckung gemacht hatte. In der
Tat waren im Frühjahr und Sommer des Jahres 1945
Mißhandlungen an deutschen Gefangenen weitverbreitet. Männer wurden geschlagen, bekamen kein
Trinkwasser, sie wurden gezwungen, in offenen Lagern ohne ein Dach über dem Kopf, mit unzureichenden Nahrungsmittelrationen und ungenügender medizinischer Versorgung zu leben. Ihre Post wurde ihnen
vorenthalten. In einigen Fällen bereiteten Gefangene
eine "Suppe" aus Wasser und Gras, um ihren Hunger

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zu stillen. Männer starben einen sinnlosen und unentschuldbaren Tod. Damit muß man sich auseinandersetzen, und Bacque gebührt das Verdienst, daß er uns
dazu gezwungen hat.
Unsere zweite Schlußfolgerung bestand darin, daß
Wissenschaftler, wenn sie die notwendigen Forschungen betreiben, Bacques Buch mehr als wertlos finden
werden. Es ist in seinen grundlegendsten Aspekten
mit ernsten - nein, spektakulären - Mängeln behaftet.
Bacque mißbraucht Dokumente. Er mißdeutet Dokumente. Er ignoriert gegenteilige Sachverhalte. Seine
statistischen Methoden sind hoffnungslos ungenau.
Er unternimmt keinen Versuch, die von ihm zusammengetragenen Beweise in Bezug zur Gesamtsituation zu setzen. Er unternimmt keinen Versuch, vergleichbare Zusammenhänge zu prüfen. Er legt seiner
Hauptquelle Worte in den Mund. Er ignoriert eine
allgemein zugängliche und absolut kritische Quelle,
die sich maßgeblich mit seiner zentralen Anschuldigung beschäftigt, und - infolge dieser und anderer
Mängel - kommt er zu Schlußfolgerungen und Beschuldigungen, die erwiesenermaßen absurd sind.
Abgesehen von ihrer Einschätzung der Bacqueschen
Behauptungen brachte die Konferenz in Zusammenhang mit dem Buch selbst jedoch eine umfassendere
Frage zur Sprache: Wie soll ein Leser, der kein
Experte ist, über ein Buch urteilen, das neue, überraschende und in der Tat empörende Behauptungen
aufstellt? Ohne das Wissen oder die Zeit zur Aufklärung des Sachverhalts, wie soll er wissen, ob ein Autor
"nach einer Langen Nacht der Lügen" endlich die
Wahrheit aufgedeckt hat, oder ob er eine unvorsichtige
Öffentlichkeit schlicht in die Irre führt?
Im Hinblick auf Bacques Behauptungen ist die zwingendste Frage die nach Eisenhowers Motiv: warum
um alles in der Welt würde Ike so etwas tun? Bacque
antwortet, daß Eisenhower die Deutschen haßte. Es
ist unbedingt zutreffend, daß Eisenhowers Zorn über
die Deutschen im Frühjahr 1945 groß war. Er hat nie
versucht, diese Gefühle zu verheimlichen. So schrieb
er in seinem 1948 veröffentlichten Buch "Crusade in
Europe": "Mit jedem Monat, den der Konflikt andauerte, wurden meine persönlichen Gefühle gegenüber
den Deutschen bitterer." Er teilt mit, daß er tausende
von Kondolenzschreiben an Witwen und Mütter seiner
gefallenen Soldaten unterzeichnete und schrieb: "Ich
kenne kein wirksameres Mittel, einen unauslöschlichen Haß auf diejenigen zu entwickeln, die für einen
Aggressionskrieg verantwortlich sind, als die Pflicht,
den dadurch Beraubten sein Beileid auszusprechen."
Die Entdeckung der Konzentrationslager trug zu diesem Gefühl noch bei.
Eisenhower war ein begeisterter Befürworter der Entnazifizierung, aber nicht, weil er die Deutschen haßte
oder an eine Kollektivschuld glaubte. Im Gegenteil, er
glaubte, daß es Deutsche gab, die sich für die Demokratie einsetzten und es Sache der Besatzungsmacht

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�sei, sie zu finden und ihnen Verantwortung zu übertragen. In einer in Frankfurt gehaltenen Rede erklärte er
1945:" Erfolg oder Fehlschlag dieser Besatzung werden am Charakter der Deutschen in 50 Jahren gemessen werden. Der Beweis wird erbracht sein, wenn sie
beginnen, ihre Demokratie selbst zu gestalten, und mit
der Zeit werden wir den Deutschen die Chance geben,
das zu tun." Das klingt nicht nach einem Mann, der zur
gleichen Zeit den Hungertod einer Million junger Deutscher anordnete.
Bacque mißversteht Eisenhowers Haltung und sein
Vorgehen bei der Besatzung völlig. Für jede politische
Entscheidung schiebt er Eisenhower die volle Verantwortung zu, erkennt aber niemals an, daß dieser
Vorgesetzte hatte, von denen er politische Direktiven
und Anordnungen entgegennahm - insbesondere den
Stabschef des Heeres, die im Namen und mit Genehmigung der britischen, sowjetischen und amerikanischen Regierungen handelnde European Advisory
Commission, die Vereinigten Stabschefs, das Gremium der Vereinigten Stabschefs aus Amerika und der
britischen Stabschefs (Combined Chiefs of Statt) sowie
die amerikanischen und britischen Regierungschefs.
Der Bericht von Brian Villa von der Universität Ottawa
bei der Konferenz in New Orleans über den diplomatischen Hintergrund weist darauf hin, die Politik von
Eisenhowers Vorgesetzten habe darin bestanden, den
Deutschen die Tatsache ihrer Niederlage bewußt zu
machen, die letztere selbst zu verantworten hätten und
sie auf jeden Fall "hart anzupacken". Entnazifizierung
war ein Element dieser Politik. Sie zeigte sich ferner
darin, daß deutsche Gefangene nicht mehr zu essen
bekamen als die deutsche Zivilbevölkerung, die Zivilisten der befreiten Länder oder die Displaced Persons
(DPs).
Eine zentrale Behauptung in Bacques Anklage lautet,
es habe 1945 in Europa keine Lebensmittelknappheit
gegeben. Er verweist dabei auf volle Lebensmittellager in Deutschland. Er erklärt, dem Roten Kreuz
hätten Nahrungsmittel zur Verfügung gestanden. Als
erdrückendsten Beweis führt er an, daß ein Zug, den
das Rote Kreuz in Genf mit Lebensmittelpaketen für
deutsche Gefangene beladen hatte, zur Rückkehr
gezwungen wurde.
Das ist schockierend - es gab Lebensmittel, die Männer hatten Hunger, und die amerikanischen Offizieren
schickten den Zug zurück nach Genf. Aber das hatte
einen Grund: die Regierungen der Alliierten hatten
verfügt, daß die Lebensmittelpakete des Roten Kreuzes für die Displaced Persons bestimmt sein sollten,
von denen es in Deutschland über zwei Millionen gab,
und Eisenhower hatte zu dieser Politik eindeutige
Befehle erhalten. Also bekamen die DPs diese Lebensmittelpakete. Es entzieht sich jeglicher Vorstellungskraft, in einer Welt voller Hunger Prioritäten bei den
Lebensmitteln setzen zu müssen, aber es mußte sein,
und wer hätte die Entscheidung anfechten können?

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In seinem Konferenzbericht über die Lebensmittelsituation in Deutschland erklärte James Tent von der
University of Alabama in Birmingham, es stehe außer
Zweifel, daß es ernste Engpässe gegeben habe.
Dennoch waren Tent zufolge Lebensmittel eingelagert, die nicht an Gefangene - deren tägliche Ration sie
nur knapp vor dem Verhungern bewahrte - verteilt
wurden. Auch dies ist haarsträubend, bis man sich den
Grund vor Augen führt. Die Regierungen der Alliierten
fürchteten im Winter 1945-46 eine Hungersnot und
horteten deshalb Lebensmittel. Sogar mit ihren Reserven kamen sie kaum durch den Winter, und es dauerte
drei Jahre, bis die Lebensmittelknappheit in Europa
überwunden war.
Bacques Mythos war Eisenhowers Alptraum. Keine
Lebensmittelknappheit? Eisenhower schrieb im Februar 1945 an den Stabschef George C. Marshall: "Ich
bin sehr besorgt über die Situation bei den Lebensmitteln ... Wir verfügen auf dem Kontinent über keine
Reserven für die Versorgung der Zivilbevölkerung."
Und dazu existiert auch ein Schreiben von Eisenhower
an die Combined Chiefs of Statt vom 25. April 1945:
"Wenn nicht unverzüglich Schritte eingeleitet werden,
um in jedem erdenklichen Umfang Lebensmittelvorräte anzulegen, mit denen die minimalen Bedürfnisse
der deutschen Bevölkerung gedeckt werden können,
wird es im kommenden Winter unausweichlich zu
allgemeinem Chaos, Hungertod und Krankheiten
kommen."
Diese - und viele, viele ähnliche Botschaften - wurden
vor der Kapitulation geschickt. Nach der ersten Maiwoche erwiesen sich alle Berechnungen Eisenhowers,
wieviele Menschen im besetzten Deutschland verpflegt werden müßten, als jämmerlich unzureichend.
Er hatte die Situation aus zwei Gründen erheblich
unterschätzt. Erstens überstieg die Zahl der sich den
westlichen Alliierten ergebenden deutschen Soldaten
bei weitem alle Erwartungen (über fünf Millionen statt
der erwarteten drei Millionen), weil deutsche Soldaten
auf der Flucht vor den Russen im Sturm die Elbe
überquerten. Dasselbe galt für deutsche Zivilisten insgesamt 13 Millionen flohen von Ost nach West, und
damit war Eisenhower für sie verantwortlich. Zweitens
war die Zahl der befreiten Zwangsarbeiter viel höher um zwei Millionen - als erwartet. Kurz, Eisenhower sah
sich Engpässen gegenüber, noch bevor er erfuhr, daß
in Deutschland über 17 Millionen Menschen mehr zu
verpflegen waren als er erwartet hatte.
Keine Lebensmittelknappheit? Dazu der Bericht des
Militärgouverneurs für Deutschland im Juli 1945: "Die
Lebensmittelsituation in ganz Westdeutschland ist
vielleicht das gravierenste Problem der Besatzung.
Der durchschnittliche Lebensmittelverbrauch in den
Westzonen liegt ein Drittel unter dem allgemeingültigen Existenzminimum." Der Bericht vom September
erklärt: "Es sind keine Lebensmittel hiesiger Prove-

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�nienz verfügbar, um die gegenwärtig bewilligte Tagesration für den Normalverbraucher von 1.550 Kalorien
abzudecken."
Bacque erklärt, die Gefangenen hätten 1.550 Kalorien
pro Tag erhalten, und er behauptet, eine solche Ration
bedeute den langsamen Hungertod. Er hat offensichtlich nie berücksichtigt, was die Zivilbevölkerung in
Deutschland oder den befreiten Ländern bekam. 1945
erhielt die Zivilbevölkerung in Paris 1.550 Kalorien.
Etwas mehr gab es in Großbritannien, wo die Lebensmittel immernoch rationiert waren. Viel weniger gab es
in Rußland, wo ebenfalls die Lebensmittel rationiert
waren. Wie gesagt, lag die offizielle Ration für die
Zivilbevölkerung in Deutschland bei 1.550 Kalorien,
was aber nicht die Regel war. Im Sommer 1945 fiel in
Wien die offzielle Ration mitunter auf 500 Kalorien.
Es gibt so etwas wie den gesunden Menschenverstand. Jeden, der im Sommer 1945 in Europa war,
hätte die Aussage verblüfft, es gebe keine Lebensmittelmittelknappheit.
Bacque zufolge hat Eisenhower persönlich, heimlich
und böswillig den Status der deutschen Soldaten, die
sich ergeben hatten, von Kriegsgefangenen in Disarmed Enemy Forces geändert. Tatsächlich war die
Änderung der Bezeichnung politisch motiviert. Die
Entscheidung wurde aber nicht von Eisenhower, sondern von seinen Vorgesetzten getroffen, insbesondere
von der European Advisory Commission. Es wurde
auch kein Versuch einer Geheimhaltung unternommen. Alle Beteiligten handelten mit Genehmigung der
britischen, russischen und amerikanischen Regierungen und sprachen die Gründe dieser Statusänderung
freimütig aus.
Was geschehen ist.liegt auf der Hand: Die Alliierten
konnten es sich nicht leisten, die Millionen deutscher
Gefangener genauso zu verpflegen wie ihre eigenen
Truppen, wie es die Genfer Konvention erfordert.
Auch wenn die Lebensmittel verfügbar gewesen wären, hätten die Allierten die deutschen Gefangenen
nicht besser versorgt äs die Zivilbevölkerung in Deutschland, ganz zu schweigen von den Zivilisten der befreiten Länder Westeuropas und auch ganz zu schweigen
von den Displaced Persons. Aber die Vereinigten
Staaten und andere Allieirte hatten die Genfer Konvention unterzeichnet, die gleichbedeutend mit einem
Vertrag ist. Sie wollten sie nicht verletzen und schafften daher die neue Bezeichnung Dlsarmed Enemy
Forces. Die Befehle an die Kommandeure waren
eindeutig: Versorgt die DEFs nicht besser als die
deutsche Zivilbevölkerung.
Bei einer anderen Schlußfolgerung kommt Bacque mit
Hilfe eines Rechenexempels - das bei jedem, derseine
Statistiken und Methoden nachzuvollziehen versucht
hat, Verwirrung stiftet - zu der sensationellen Zahl von
einer Million Toten. Aufgrund eines Tippfehlers beging
er jedoch einen Irrtum. Er sah die Zahl von 70.000

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Gefangenen in einem medizinischen Bericht des Heeres
und berechnete dann die Gesamtzahl aller verstorbenen Gefangenen in amerikanischer Hand nach dieser
Zahl und nach den ebenfalls in diesem Bericht genannten 21.000 Toten. Das heißt, er gelangte zu einer
seiner grundlegendsten Schlußfolgerungen, einer
30prozentigen Sterblichkeitsrate in allen Lagern, indem er die 70.000 Gefangenen durch die 21.000 Toten
teilte. Allerdings hätte die Zahl von 70.000 eigentlich
das Zehnfache betragen müssen. Alle anderen Zahlen in dem Dokument weisen eindeutig darauf hin, daß
die korrekte Zahl der Gefangenen 700.000 betrug.
Damit läge der Anteil der Toten nicht bei 30, sondern
nur bei 3 Prozent.
Dem Bericht von Albert Cowdrey vom Center of Military History des US-Heeresministeriums zufolge lag die
Sterblichkeitsrate der deutschen Gefangenen tatsächlich bei 1 Prozent.
Die von Major Rüdiger Overmans vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Freiburg (der den letzten
Band der offiziellen deutschen Kriegsgeschichte schreibt)
voll und ganz unterstützte Schlußfolgerung von Cowdrey lautet, daß die Gesamtzahl der Todesfälle deutscher Gefangener in amerikanischem Gewahrsam
nicht mehr als 56.000 betragen haben kann.
Und schlie ßlich gibt es noch die Spalte in den Wochenberichten des Kommandeurs der Militärpolizei der USArmee mit dem Titel "Sonstige Verluste". Ihr entnimmt
Bacque seine "fehlende Million".
Was waren "sonstige Verluste"? Bacque interviewte
Philip S. Lauben, einen Oberst der US-Armee im
Ruhestand, der im Jahr 1945 Angehöriger der Abteilung für Deutsche Angelegenheiten in Eisenhowers
Hauptquartier war. Er schreibt, Oberst Lauben habe
ihm gesagt, "sonstige Verluste" bedeuten "Todesfälle
und Fälle von Flucht".
"Wie viele Fälle von Flucht?", fragte Bacque.
"Sehr, sehr wenige", erwiederte Oberst Lauben. Bacque
stellte fest, die Fälle von Flucht hätten weniger als 0,1
Prozent ausgemacht, ohne zu erklären, wie er zu
dieser Zahl gelangte.
Neil Cameron, der Produzent einer BBC-Dokumentation über "Sonstige Verluste" stellte bei der Konferenz
fest, er habe das Tonband des Interviews von Bacque
erhalten. Cameron gewann den Eindruck, daß Bacque einen alten Mann dazu gebracht hatte, Worten
zuzustimmen, die Bacque verwendete und ihm dann in
den Mund legte. Cameron machte ein Fernsehinterview mit Oberst Lauben. Darin erklärte Lauben, er sei
von Bacque getäuscht worden und habe sich in der
Bedeutung des Begriffs "sonstige Verluste" geirrt.
David Hawkins von CNN wollte ein Interview mit Oberst
Lauben machen. Oberst Lauben lehnte jedoch ab und
erklärte in einem Brief: "Ich will keine Schwierigkeiten

AMERIKA DIENST 17

�Kurzum: Bacque irrt sich bei jeder entscheidenden
Behauptung und praktisch bei allen weniger entscheidenden. Eisenhower war kein Hitler, er leitete keine
Todescamps, deutsche Gefangene starben nicht zu
Hunderttausenden, im Jahr 1945 gab es eine ernsthafte Lebensmittelknappheit, es lag kein dunkles Geheimnis über dem Bestimmungsort der Disarmed
Enemy Forces oder über der Spalte "sonstige Verluste". Bacques "fehlende Million" waren alte Männer
und junge Burschen des Volkssturms.

machen. Aber ich bin 91 Jahre alt, blind und mein
Gedächtnis hat in einem Maße nachgelassen, daß es
ziemlich unzuverlässig ist. Darüberhinaus befinde ich
mich in regelmäßiger ärztlicher Behandlung. Während
meines Gesprächs mit Bacque habe ich ihn des öfteren daran erinnert, daß sich mein Gedächtnis in den
rund vierzig Jahren seit 1945 extrem verschlechtert
hat.
Bacque hat mir Zahlen vorgelesen... Mir schien, nach
Abzug der Verlegungen und Entlassungen blieb nichts
übrig als Todesfälle und Fälle von Flucht, um die
Gesamtzahl zu erklären - das heißt, den Begriff "sonstige Verluste". Ich habe mich geirrt."

Dennoch bringt Bacque ein unwiderlegbares Argument vor: einige amerikanische Gls und ihre Offiziere
waren fähig, sich fast so brutal wie die Nazis aufzuführen. Wir hatten kein Monopol für Tugend. Er hat uns
aufgefordert, die Fragen wieder auf den Tisch zu
legen, die erforderliche Forschung zu betreiben, und
die volle Wahrheit aufzudecken. Für diesen Beitrag
gebührt ihm Dank. Im Hinblick darauf, wie er seine
Erkenntnisse jedoch präsentierte, möchte ich nochmals Albert Cowdrey zitieren: "Zweifelsohne hat der
Autor Grund zur Zufriedenheit mit seiner Leistung. Er
hat keinen Ruf als Historiker zu verlieren, und "Der
geplante Tod" kann nur sein Renommee als Romanschriftsteller verbessern."

Bacques einziger Zeuge für die Behauptung, "sonstige Verluste" seien eine Bezeichnung zur Vertuschung
der Todesfälle gewesen, hat also zweimal widerrufen,
was er Bacque zufolge gesagt haben soll.
Was waren dann "sonstige Verluste"? In vielen Fällen
waren es Verlegungen von einer Zone in eine andere
- etwas, das aus vielerlei Gründen, keiner davon
böswillig, regelmäßig erfolgte und stets genau in
Fußnoten der Wochenberichte vermerkt wurde.
Die größte Zahl "sonstiger Verluste" wird jedoch im
Bericht des Militärgouverneurs vom August 1945 aufgedeckt. (Diese Monatsberichte befinden sich in der
Eisenhower Bilbliothek in Abilene, Kansas, im Staatsarchiv in Washington und an anderen Orten. Sie sind
die Hauptquelle für alle Aspekte der Besatzung, bis hin
zu dem Mangel an Nahrungsmitteln und den Gefangenen. Sie werden von Bacque nicht zitiert, und es gibt
keine Anzeichen, daß er sie geprüft hat). Der Bericht
vom August führt die Zahl der von den amerikanischen
Streitkräften entlassenen und der zu Zwangsarbeit zu
den britischen und französischen Streitkräften verlegten
Disarmed Enemy Forces auf.

Schließlich kommen wir zum größten Problem. Es
bedurfte einer Konferenz von Fachleuten, um Bacques Behauptungen zu widerlegen. Einzelne Wissenschaftler haben gezögert, es mit ihm aufzunehmen,
denn das hätte bedeutet, seine Forschungen nachzuprüfen - in Wirklichkeit, sein Buch neu zu schreiben.
Statt dessen haben viele von ihnen in ihren Rezensionen in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und
Kanada erklärt, sie könnten nicht glauben, daß Bacques Aussagen über Eisenhower der Wahrheit entsprechen, aber sie können das Gegenteil nicht beweisen. Bacque hat das Rüstzeug eines Wissenschaftlers - es ist beeindruckend genug, um selbst Wissenschaftler hinters Licht zu führen.

Der Bericht fährt fort: "Eine weitere Gruppe von
663.576 Personen wird als "sonstige Verluste" geführt, die vor allen aus Mitgliedern des Volkssturms
besteht, die ohne offizielle Entlassungspapiere freigelassen wurde.

Was kann der Leser als Laie unter solchen Umständen
tun? Ich schlage vor, er verläßt sich auf seinen
gesunden Menschenverstand. Stellen Sie die auf der
Hand liegenden Fragen, als wenn Sie sich mit der
These, der Holocaust habe nie stattgefunden, auseinandersetzen müßten. Wenn die Antworten nicht eindeutig sind, wurden die Behauptungen nicht bewiesen.
In Bacques Fall lauten zwei dieser Fragen: Wo sind die
Leichen? und, Deckt sich dieses Buch mit unserem
Bild von Eisenhowers Charakter, wie wir ihn aus zahllosen anderen Quellen kennen? In Fällen wie diesem
sind es häufig die naheliegenden Fragen, die uns der
Wahrheit am nächsten bringen.

Man braucht nicht viel Phantasie, um zu verstehen,
was hier geschehen ist. Zum Volkssturm gehörten
ältere Männer (bis zu 60 Jahre alt, vor allem Veteranen
des Ersten Weltkriegs) und junge Burschen unter 16
oder gelegentlich noch jünger. Die amerikanischen
Wachposten und Lagerverwalter sagten den alten
Männern, sie sollten nach Hause zurückkehren und
sich um ihre Enkelkinder kümmern, den Jungen, wieder zur Schule zu gehen. Zusammen mit den Verlegungen in andere Zonen, die Bacque ignoriert, stehen
diese Menschen für die "fehlende Million".

* *

AMERIKA DIENST 17

*

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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die deutsch-amerikanischen Beziehungen und die neuen Bundesländer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Walters&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Osteuropa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Anhörung im Kongress über Hilfe für Osteuropa &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Barry&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ike und die sogenannten Greueltaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Stephen E. Ambrose&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

4 ; • .&lt;

24. April 1990

16

GOLFKRISE

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse
vom 1. bis 15. April 1991

BILDUNGSWESEN

AMERIKA 2000: DAS BILDUNGSPROGRAMM
DES PRÄSIDENTEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses

US - REGIERUNGSSYSTEM

PRÄSIDENT UND KONGRESS:
KONTROLLE UND AUSGLEICH DER KRÄFTE
von Marie D. Natoli

STIPENDIEN

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

FULBRIGHT-STIPENDIEN ZUM STUDIUM
IN DEN USA IM STUDIENJAHR 1992/93
Erstmals auch in den neuen Bundesländern

Postfach 20 0300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
24. April 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. April 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
1. bis 15. April 1991 fort.

1. April
Der Führer der kurdischen Guerilla, Barsani, fordert
die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich auf, Saddam Husseins "Völkermord und Folter
unseres Volkes" zu stoppen.

Wenn der Irak alle Bedingungen erfüllt, wird im Gegenzug das Embargo schrittweise aufgehoben. Das Verbot
von Rüstungsexporten in den Irak wird bestehen bleiben.

Berichten des US-Verteidigungsministeriums zufolge
hat das irakische Militär die meisten wichtigen Städte
im Norden des Irak zurückerobert.

Resolution 687 stellt für jede Bedingung einen Zeitplan
auf, dessen erster Schritt die Entsendung einer UNBeobachtertruppe in eine 15 Kilometer breite entmilitarisierte Zone -10 Kilometer auf irakischem Gebiet und
5 Kilometer auf kuwaitischer Seite - entlang der irakisch-kuwaitischen Grenze ist.

3. April

5. April

Der französische Präsident Mitterand erklärt, der UNSicherheitsrat müsse den Irak für seine repressiven
Maßnahmen gegen die kurdische Minderheit verurteilen, wenn er nicht seine politische und moralische
Autorität verlieren wolle. Durch seinen Sprecher ließ
der französische Präsident übermitteln, das UN-Embargo
über Handel mit dem Irak solle solange beibehalten
werden, wie die Unterdrückung anhält.

Der NATO zufolge begeht die irakische Regierung
"massive Menschenrechtsverletzungen", und sie warnt
Bagdad, seine Angriffe auf das kurdische Volk zu
stoppen. Die Erklärung wird nach einem Treffen von
16 Nato-Botschaftern veröffentlicht. Einem Sprecher
zufolge "verurteilen die NATO-Mitgliedstaaten einhellig die brutale Unterdrückung ... und machen die irakische Regierung für diese massiven Menschenrechtsverletzungen verantwortlich".

2. April

Mit 12 Stimmen zu 1 Gegenstimme Kubas und 2
Enthaltungen von Jemen und Ecuador verabschiedet
der UN-Sicherheitsrat Resolution 687, in der die Bedingungen für den Waffenstillstand am Golf dargelegt
werden.
Die Resolution bestätigt unter anderem die irakischkuwaitische Grenze, wie sie 1963 festgelegt wurde,
verfügt die Zerstörung der chemischen und biologischen Waffen des Irak und ruft einen Ausschuß ins
Leben, der feststellen soll, wie aus irakischen Öleinnahmen Reparationen gezahlt werden können.
Der Irak muß den Tenorismus aufgeben und geloben,
keiner terroristischen Vereinigung zu gestatten, von
seinem Territorium aus zu operieren.

AMERIKA DIENST 16

Mit 10 zu 3 Stimmen verabschiedet der UN-Sicherheitsrat Resolution 688, in der die "Unterdrückung"
des irakischen Volkes durch die Regierung "in jüngster
Zeit in von Kurden besiedelten Gebieten" verurteilt
wird. Der Irak wird aufgefordert, die durch die Unterdrückung verursachte "Bedrohung für den Weltfrieden
und die Sicherheit in der Region zu beseitigen". Kuba,
der Jemen und Zimbabwe stimmen gegen die Resolution, China und Indien enthalten sich.
Durch Schüsse aus dem irakischen Generalkonsulat
in Istanbul werden bei einer Demonstration vor dem
Gebäude eine Person getötet und zwei verletzt. Türkische Beamte erklären, einige Personen seien im
Zusammenhang mit dem Zwischenfall festgenommen
und Ermittlungen eingeleitet worden.
Seite 1

�6. April
Die irakische Nationalversammlung nimmt mit 160 zu
31 Stimmen die Bedingungen der Resolution 687 des
UN-Sicherheitsrats für einen Waffenstillstand am Golf
an.
Der UN-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar unterbreitet dem Sicherheitsrat Pläne, als ersten Schritt
zur Durchführung der Waffenstillstandsresolution zum
Golf krieg zunächst 300 militärische Beobachter in die
irakisch-kuwaitische entmilitarisierte Zone zu entsenden. Der Plan sieht vor, daß nach Entsendung der in
der Resolution 687 vorgeschriebenen UN-Friedenstruppe UNIKOM - der Irakisch-Kuwaitischen Beobachtermission - alliierte Streitkräfte, die den Süden des
Irak besetzt halten, ihren Rückzug antreten.
Irakische Diplomaten in Washington und bei den Vereinten Nationen werden vom US-Außenministerium
erneut darüber informiert, daß mit Beginn der humanitären Hilfsaktionen "irakische Truppen keine Einsätze
in irgendeinem Teil des Landes (einschließlich dem
Norden und Süden des Irak) durchführen, die Leistungen humanitärer Hilfe an irakische Bürger behindern
könnten".
7. April
In einem 23seitigen Brief an Generalsekretär Javier
Perez des Cuellar erklärt der Irak, die Bedingungen
des UN-Sicherheitsrats zur Beendigung des Golfkriegs
zu akzeptieren, wie sie in Resolution 687 dargelegt
sind. In dem Brief führt der Irak Beschwerde darüber,
daß die Bedingungen unfair und ungesetzlich sind, gibt
jedoch zu, keine andere Alternative zu haben als die
Resolution zu akzeptieren. Der Irak stimmt zu, alle
Massenvernichtungswaffen aufzugeben und für seine
siebenmonatige Besetzung Kuwaits Schadenersatz
zu leisten.
Der türkische Außenminister Ahmet Kurtecebe Alptemocin erklärt in Ankara, über 1.500 irakische Kurden
seien auf der Flucht vor den Nachstellungen des
irakischen Militärs an Hunger, Krankheiten und Kälte
gestorben.
Die Polizeiverwaltung von Prag leitet im Zusammenhang mit einer Demonstration kurdischer Studenten
am 5. April vor der irakischen Botschaft ein Strafverfahren ein. Dabei wollten kurdische Studenten der
irakischen Botschaft eine Liste mit Forderungen übergeben, woraufhin sie von Botschaftspersonal mit
Schlagstöcken, Pistolen und einer Maschinenpistole
angegriffen wurden. Insgesamt wurden acht Schüsse
abgegeben.
Der Emir von Kuwait, Scheich Dschabir al-Ahmad AlSabah erklärt, gemäß der kuwaitischen Verfassung
würden im nächsten Jahr in Kuwait Wahlen stattfinden. Dabei würden auch die politischen Rechte von
Frauen neu überdacht.

Seite 2

US-Transportflugzeuge beginnen mit der Lieferung
von Hilfsgütern an die kurdischen Flüchtlinge im Norden des Irak. Verteidigungsminister Cheney erklärt,
eine UN-Friedenstruppe könnte eingesetzt werden,
um zum Schutz der Flüchtlinge Pufferzonen im Irak zu
errichten.
8. April
Außenminister Baker besucht ein kurdisches Flüchtlingslager an der türkisch-irakischen Grenze und verspricht zusätzliche Hilfe. Baker fordert die internationale Staatengemeinschaft auf, "schnell und effektiv"
auf die steigenden humanitären Bedürfnisse Tausender irakischer Flüchtlinge zu reagieren, die sich an der
türkisch-irakischen Grenze konzentrieren.
Die Europäische Gemeinschaft schließt sich einem
britischen Vorschlag an, eine kurdische Schutzzone
im Norden des Irak zu schaffen.
9. April
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschließt
die Stationierung einer 1440-Mann starken UNIKOMBeobachtertruppe zur Überwachung der demilitarisierten Zone entlang der irakisch-kuwaitischen Grenze.
Der schwedische stellvertretende Au ßenminister Pierre Schor bestellt den irakischen Geschäftsträger ins
Außenministerium ein und trägt einen scharfen Protest
der schwedischen Regierung gegen das Abfeuern
einer automatischen Waffe aus der irakischen Botschaft während einer gewalttätigen Protestkundgebung von Kurden am 7. April vor. Der schwedischen
Polizei zufolge haben die Ermittlungen ergeben, daß
30 Schüsse aus einer automatischen Waffe wie der
sowjetischen AK-47 abgegeben wurden. Ausländische Diplomaten können in Schweden keinen Waffenschein für solche Waffen erhalten.
10. April
Etwa 250 Millionen Dollar an Geld- und Sachspenden
für irakische Flüchtlinge wurden bis heute von 45
Geberländern zugesagt, erklärt ein Sprecher des USAußenministeriums. Vertretern internationaler Flüchtlingshilfeorganisationen zufolge hätten sich bereits
771.000 irakische Zivilisten, zumeist Kurden, in den
Iran begeben, und möglicherweise warteten 500.000
bis 700.000 weitere im Irak darauf, die Grenze zu
überschreiten.
Das US-Außenministerium erklärt, der Iran habe der
Annahme amerikanischer Hilfe für die Flüchtlinge
zugestimmt, nachdem die US-Administration verkündet hatte, sie sei zur Lieferung von Hilfsgütern in dieses
Land über multilaterale Hilfskanäle bereit.
Irakische Diplomaten in Washington und bei den Vereinten Nationen werden erneut vom US-Außenministerium gewarnt, daß mit Anlaufen der humanitären
AMERIKA DIENST 16

�Hilfsoperationen "irakische Truppen keine Maßnahmen in irgendeinem Teil des Landes (einschließlich
des Nord- oder Südirak) ergreifen sollten, die die
Bereitstellung humanitärer Notfallhilfe für irakische
Bürger stören könnten".
11. April

Die Vereinigten Staaten haben 215 Tonnen an Nahrungsmitteln, einschließlich Milch, Zucker, Mehl, Salz
und Tee sowie Wasser, Zelten, Decken und Schlafsäcken bereitgestellt, seit die Vereinigten Staaten am
7. April damit begonnen haben, Hilfsgüter im türkischirakischen Grenzgebiet abzuwerfen, erklärt der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Pete Williams.

Der Präsident des UN-Sicherheitsrats überreicht dem
irakischen UN-Botschafter ein Schreiben, in dem offiziell mitgeteilt wird, daß der Waffenstillstand im Golfkrieg in Kraft getreten ist. Das Schreiben war eine
Antwort auf die irakische Annahme der UN-Waffenstillstandsresolution 687, die dem Sicherheitsrat und
Generalsekretär Javier Perez de Cuellar übermittelt
worden war.

Nach Gesprächen mit dem luxemburgischen Premierminister und Präsidenten des Europäischen Rats,
Jacques Santer, sowie dem Präsidenten der Europäischen Kommission, Jacques Delors, im Weißen Haus
erklärt Präsident Bush, Europa und die Vereinigten
Staaten "haben ein enormes, auf Zusammenarbeit
gegründetes Flüchtlingsprogramm aufgenommen", um
den kurdischen Flüchtlingen zu helfen.

Der irakische UN-Botschafter Abdul Amir Al-Anbari
erklärt, der Waffenstillstand sei technisch in Kraft
getreten, als der Irak die Bedingungen der Resolution
687 angenommen habe. Der Sicherheitsrat war am 8.
April zusammengetreten, um die irakische Annahme
zu prüfen. Einige Mitgliedstaaten baten jedoch um
eine Verschiebung der Absendung des Bestätigungsschreibens, um das von der irakischen Nationalversammlung im Hinblick auf den Waffenstillstand beschlossene Dokument zu untersuchen. Den Medien
zufolge hatte das irakische Parlament trotz der Annahme der Resolution gegen die Bedingungen protestiert,
woraus sich die Notwendigkeit ergab, den genauen
Wortlaut der formellen irakischen Annahme zu prüfen.
Die Antwort der irakischen Nationalversammlung, die
in Arabisch abgefaßt war, wurde deshalb von der UNO
in die anderen fünf offiziellen U NO-Sprachen übersetzt und dann den 15 Mitgliedstaaten des Sicherheitsrats übermittelt.

Humanitäre Organisationen der UNO, die sich um den
massiven irakischen Flüchtlingsstrom in die Türkei
und den Iran kümmern, berichten, daß viele der 1,3
Millionen Menschen "in einem verzweifelten Zustand
sind". Der Exodus veranlaßt internationale Hilfsorganisationen dazu, nahezu über Nacht Programme bereitzustellen, um den Regierungen der Türkei und des
Iran zu helfen.

Die Regierung Schwedens verkündet die Ausweisung
des irakischen Diplomaten Fadhil S. Hassan wegen
der Schüsse aus einer automatischen Waffe bei einer
Kurdendemonstration vor der irakischen Botschaft in
Stockholm am 7. April. Hassan erhält 48 Stunden Zeit,
um Schweden zu verlassen. Die schwedische Regierung setzt eine Frist von 24 Stunden, innerhalb derer
die Botschaft die illegale automatische Waffe übergeben oder die weiteren Folgen tragen muß.
Amerikanische Regierungsvertreter kündigen eine
massive Hilfsoperation an, um ein Massensterben
unter den mehr als 500.000 irakischen Kurden abzuwenden, die sich in den eiskalten Gebirgsregionen
entlang der türkisch-irakischen Grenze befinden. Sie
erklären darüber hinaus die Bereitschaft, dem Iran zu
helfen, die über eine Million Flüchtlinge an seiner
Grenze mit dem Irak zu versorgen.
Das Verteidigungsministerium teilt mit, die Koalitionsstreitkräfte setzten ihre Luftbrücke zum Transport von
Hilfsgütern für irakische Flüchtlinge mit dem Ziel fort,
den Fluß an Gütern "auf das größtmögliche Maß zu
erhöhen".

AMERIKA DIENST 16

Das Büro des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen sowie die UN-Organisation für Katastrophenhilfe in Genf teilen mit, daß schätzungsweise
800.000 irakische Zivilisten in den Grenzprovinzen des
Iran Zuflucht gesucht haben, die meisten in den Provinzen Bachtaran und West-Aserbeidschan. Daneben
befinden sich 500.000 Iraker entweder in der Türkei
oder an deren Grenze, erklären UNO-Vertreter.
12. April
Der UN-Sicherheitsrat billigt die Empfehlung des
Generalsekretärs, derzufolge 34 Staaten Personal für
die UNIKOM entsenden: Argentinien, Bangladesh,
Chile, China, Dänemark, die Fidschi-Inseln, Finnland,
Frankreich, Ghana, Griechenland, Großbritannien,
Indien, Indonesien, Irland, Italien, Kanada, Kenia,
Malaysia, Nigeria, Norwegen, Österreich, Pakistan,
Polen, Rumänien, Senegal, Schweden, Singapur,
Thailand, die Türkei, die UdSSR, Ungarn, Uruguay,
Venezuela, und die Vereinigten Staaten. Die Stationierung der Friedenstruppe beginnt.
13. April
Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher erklärt,
der irakische Präsident Saddam Hussein solle nach
dem Muster der Nürnberger Prozesse gegen führende
Nazis nach dem Zweiten Weltkrieg vor einem internationalen Gerichtshof wegen Kriegsverbrechen abgeurteilt werden. Genscher stellte fest, ein solcher Prozeß
wegen "Verletzungen des Völkerrechts und der Menschenrechte" sollte unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen erfolgen.

Seite 3

�14. April
Die Vereinigten Staaten entsenden Tausende zusätzlicher Soldaten mit Schiffen und Hubschraubern, um
die massiven Hilfsbemühungen im Rahmen der
"Operation Provide Comfort" für Iraker zu unterstützen, die in Todesangst vor den Streitkräften Saddam
Husseins fliehen, verkündet das Verteidigungsministerium. Vertreter der Bush-Administration beschreiben die Hilfsoperation als die größte in der modernen
Militärgeschichte.
15. April
Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Margaret
Tutwiler, erklärt, daß sich schätzungsweise 400.000
irakische Flüchtlinge - zumeist Kurden - bereits in der

*

Seite 4

Türkei befinden und weitere 400.000 auf der anderen
Seite der Grenze im Irak stehen. Helfer an der
türkischen Grenze schätzten, daß dort täglich 400 bis
1.000 Menschen sterben. Tutwiler erklärt, daß Nachschub und medizinische Unterstützung so schnell dorthin
geliefert würden, "wie dies menschenmöglich ist".
Sprecher des Weißen Hauses teilen mit, daß die AntiIrak-Koalition weiterhin ausreichende Truppen in der
Golfregion stationieren werde, um die Sicherheit der
Flüchtlingslager zu gewährleisten. Die Vereinigten
Staaten haben Bagdad vor Angriffen auf die Flüchtlinge gewarnt. Diese Warnungen "werden durch die
offensichtliche Androhung einer militärischen Intervention unterstrichen, sollte dies notwendig sein",
erklärt ein Sprecher.

*

AMERIKA DIENST 16

�BILDUNGSWESEN
24. April 1991

AMERIKA 2000: NEUE STRATEGIE
IM BILDUNGSWESEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses
Die nachfolgende Übersicht über Präsident Bushs Strategie im Bildungswesen wurde am 18. April 1991 vom
Weißen Haus veröffentlicht.

Präsident Bush hat heute sein Programm zur Verwirklichung der nationalen Ziele im Bildungswesen und
Verbesserung der Ausbildung für alle Amerikaner
dargelegt. Der Präsident vertritt die Auffassung, das
Bildungssystem der Vereinigten Staaten müsse bis
zum Jahr 200 umstrukturiert und belebt werden.
Der Präsident betonte, daß es sich bei diesen Bestrebungen um eine nationale Herausforderung handelt,
und forderte alle Amerikaner auf, sich an "diesem
entscheidenden Kreuzzug zu beteiligen - dem Kreuzzug, unsere Kinder und uns auf die vor uns liegende
aufregende Zukunft vorzubereiten."

Nachbarschaftsorganisationen und andere Bürgerinitiativen - zur Zusammenarbeit mit den Schulen, um ein
besseres Bildungswesen für die Nation zu schaffen.
A.

Dem Präsidenten zufolge ist es an der Zeit, Weltklassestandards für die Lernziele unserer Kinder in fünf
Basisfächern einzuführen: Englisch, Mathematik,
Naturwissenschaften, Geschichte und Geographie.
Mit Hilfe des National Education Goals Panel
(Nationales Gremium für Lernziele) und in Zusammenarbeit mit Interessenten im ganzen Land
werden der Präsident und die Gouverneure
einen Zeitplan für die Erarbeitung nationaler
Standards in diesen fünf Fächern festlegen. Im
September 1991 und in allen darauffolgenden
Jahren wird das Gremium der Nation über die
Fortschritte im Bildungswesen des Landes Bericht
erstatten.

AMERIKA 2000 stützt sich auf vier zusammenhängende Komplexe:
Aufbau besserer Schulen mit größerer Verantwortung für die Schüler von heute,
Schaffung einer neuen Generation amerikanischer Schulen für die Schüler von morgen,

Die Standards zielen darauf ab, das gesamte
Bildungssystem aufzuwerten und die Leistungen aller Schüler zu verbessern. Der Präsident
und die Gouverneure sind gegen ein einheitliches nationales Curriculum oder eine Zentralisierung des Bildungswesens.

Umwandlung der Vereinigten Staaten in eine
Nation von Lernenden, und
die Gemeinden sollen zu Orten des Lernens
werden.
I.

Aufbau besserer Schulen mit größerer
Verantwortung für die Schüler von heute

Der Präsident hat alle Amerikaner aufgefordert, zum
Aufbau besserer Schulen mit größerer Verantwortung
beizutragen, in denen Weltklassestandard und das
Prinzip der Verantwortung eine Rolle spielen. Er
ermutigte alle Mitglieder unserer Gemeinden - Familien, Unternehmer, Gewerkschaften, Gotteshäuser,
AMERIKA DIENST 16

Weltklassestandard in fünf Basisfächern

B.

Ein System freiwilliger nationaler
Prüfungen

Mit Hilfe des National Education Goals Panel wird ein
System freiwilliger Prüfungen entwickelt, denen sich
alle Schüler der 4., 8. und 12. Klasse in den fünf
Fächern unterziehen können.

Seite 1

�Diese American Achievement Tests (amerikanische Leistungstests) sind eine Herausforderung für alle Schüler, Weltklassestandard zu
erreichen und sicherzustellen, daß sie nach der
Schule auf das Studium und Arbeitsleben vorbereitet sind. Die Tests stellen höhere Anforderungen (das heißt, es wird nicht nur im Multiple
choice-Verfahren geprüft).

40 Millionen Dollar an neuen Fördermitteln für
Schul bezirke vor, die beachtliche Fortschritte
bei den Schulleistungen erzielt haben. Auszeichnungen werden für kontinuierliche Verbesserungen in diesen entscheidenden Fächern
vergeben.
Das Gesetz "AMERICA 2000" über die Verbesserung des Bildungswesens von 1991 sieht
ferner Mittel für förderungswürdige Schulprogramme (Merit Schools Program) vor, mit denen die Bundesstaaten einzelne Schulen auszeichnen können, die beachtliche Fortschritte
bei den nationalen Bildungszielen machen. Die
Bundesstaaten können die Mittel über mehrere
Jahre hinweg "auflaufen lassen", um noch größere Anreize für erfolgreiche Schulen zu schaffen.

In Zusammenarbeit mit den Gouverneuren des
Landes ersucht der Präsident um die Ermächtigung des Kongresses zu einer nationalen
Bewertung der Fortschritte im Bildungswesen
und die freiwillige Anwendung dieser Bewertung
auf Bezirks- und Schulebene.
Schüler, die bei den American Achievement
Tests herausragende Leistungen erzielen, erhalten eine Auszeichnung des Präsidenten für
herausragende Schulbildung in Anerkennung
ihrer ausgezeichneten Leistungen.

C.

D.

Bereitstellung und Förderung freier
Schulwahl

Der Präsident ersucht um die Ermächtigung für
Förderstipendien des Präsidenten, um herausragende wissenschaftliche Leistungen von einkommensschwachen Studenten zu würdigen,
die ein Hochschulstudium aufnehmen wollen.
Diese Preise werden für ausgezeichnete Leistungen in der High School und im College
vergeben.

Der Präsident vertritt die Auffassung, daß freie Schulwahl für Eltern und Schüler entscheidend für die Verbesserung unserer Schulen ist.

Schulen als Reformstätten

Im Rahmen des Education Certificate Program Support Fund in Höhe von 200 Millionen Dollar werden
Fördermittel an Schulbezirke vergeben, die freie Schulwahl der Eltern fördern.

Die Administration wird den Grund- und weiterführenen Schulen helfen, ihre Möglichkeiten besser auszuschöpfen, um die Ergebnisse zu verbessern und neue
zu erzielen, indem sie bei der Entscheidungsfindung
auf der Ebene der Bundesstaaten, Bezirke und Schulen mehr Flexibilität zuläßt und Leistungsnachweise
fördert.
Zusätzlich zu einem jährlichen nationalen Leistungsnachweis wird der Präsident die Schulen,
Schulbezirke und Bundesstaaten ermutigen,
reguläre Leistungsnachweise auszustellen.
Anhand dieser Leistungsnachweise werden die
Ergebnisse und Fortschritte bei der Verwirklichung der nationalen Bildungsziele gemessen.
Im Rahmen des neuen Gesetzes "AMERICA
2000" über die Verbesserung des Bildungswesens (AMERICA 2000 Excellence in Education
Act) von 1991 strebt der Präsident Gesetze an,
die größere Flexibilität beim Einsatz von Bundesmitteln für Bildung im Gegenzug zu verbesserter Rechenschaftspflicht über Ergebnisse
gestatten.
Um eine Reform der mathematischen und naturwissenschaftlichen Ausbildung zu ermutigen,
sieht das Gesetz "AMERICA 2000" über die
Verbesserung des Bildungswesens von 1991

Seite 2

Der Präsident wird im Rahmen des Gesetzes
"AMERICA 2000" über die Verbesserung des
Bildungswesens von 1991 Auswahlprogramme
der Bundesstaaten und Gemeinden fördern.

Die Vorführung von Pilotprogrammen der Schulen wird
mit Mitteln in Höhe von 30 Millionen Dollar unterstützt.
Darüber hinaus will die Administration sicherstellen, daß die Bundesbildungsprogramme die
freie Schulwahl besser unterstützen.
E.

Lehrer und Schulleiter

Amerikas Lehrer und Schulleiter stehen bei der Umgestaltung unserer Schulen an vorderster Front. Als Teil
des neuen Gesetzes "AMERICA 2000" über die Verbesserung des Bildungswesens wird der Präsident
Initiativen vorschlagen, um hervorragende Führungsqualitäten in unseren Schulen zu fördern.
Mit Preisen des Präsidenten für hervorragende
Leistungen in der Ausbildung werden ausgezeichnete Lehrer in ganz Amerika anerkannt
und belohnt.
Der Präsident wird die Bundesstaaten und Städte ermutigen, alternative Formen der Zulassung
von Lehrern zu fördern, indem er den Einzelstaaten einmalige Zuschüsse gewährt, um solche alternativen Zulassungen zu erleichtern.

AMERIKA DIENST 16

�Zur Verbesserung der Ausbildung von Schulleitern und anderen Pädagogen wird der Präsident
in jedem Staat die Gründung von Lehrerfortbildungsstätten mit Hilfe von Bundesmitteln vorschlagen, um die Fortbildung der Schulleiter
durch Schulungen und Mentorenprogramme zu
verbessern.
Der Präsident wird diese Fortbildungsstätten für
amerikanische Lehrer mit Mitteln der Bundesregierung gründen, um fortschrittliche Schulungen anbieten zu können, die sich auf die fünf
Basisfächer konzentrieren.
•

*

Der Präsident ermutigt die Bundesstaaten ferner,
gestaffelte Gehälter sowie finanzielle und andere Anreize
für diejenigen in Erwägung zu ziehen, die ausgezeichnet unterrichten, Basisfächer lehren, unter extremen
Bedingungen arbeiten und Mentoren für Referendare
sind.
II.

Eine neue Generation von Schulen für die
Studenten von morgen

Der Präsident hat heute die fähigsten Köpfe in Amerika
aufgefordert, die besten Schulen der Welt zu schaffen
und auch den Städten dabei zu helfen.
A.

die Form gegenwärtiger Schulsysteme sprengen.
Aus diesem Fonds werden jeder neuen Schule bis zu
eine Million Dollar gewährt, um besondere Fortbildungsmaßnahmen, Lehrmittel oder andere Bedürfnisse der Schule zu finanzieren. Ziel ist, daß es in jedem
Kongreßbezirk bis September 1996 mindestens eine
Schule neuen Zuschnitts gibt.
Wenn die Schulen einmal eingerichtet sind, werden die
laufenden Kosten genauso hoch sein wie bei den
herkömmlichen Schulen.
Darüber hinaus wird der Präsident den Kongreß um
Starthilfe bitten, damit modernste Technik entwickelt
werden kann, die den neuen Schulen angemessen ist.
Eine neue Schule bedeutet nicht notwendigerweise
ein neues Gebäude. Sie stützt sich auch nicht ausschlie ßlich auf Technologie - es zählt allein die Qualität
des Lernens.
C.

Der Präsident hat jede Gemeinde im Land aufgefordert, vier Dinge zu tun:
die sechs nationalen Bildungsziele zu verwirklichen,

Forschung und Entwicklung

eine Gemeindestrategie zur Realisierung dieser
Ziele zu entwickeln,

Eine Reihe von teilweise mit Hilfe der Industrie geförderten Forschungs- und Entwicklungsgruppen wird
eine neue Generation von Schulen in Amerika erarbeiten.
Amerikas Industrievertreter werden für den Verband
zur Entwicklung neuer Schulen in Amerika (American
Schools Development Corporation) private Ressourcen aufbringen und mobilisieren. Diese neue gemeinnützige Organisation wird 1992 Verträge mit drei bis
sieben Forschungs- und Entwicklungsgruppen abschließen. Diese Gruppen setzen sich aus Unternehmen,
Universitäten, Denkfabriken, Schulplanern und anderen zusammen. Die Ergebnisse der Gruppe werden
dem amerikanischen Volk zugute kommen.
t

Die Aufgabe dieser Gruppen besteht darin, Städten bei
der Schaffung von Schulen zu helfen, in denen unsere
nationalen Bildungsziele verwirklicht werden - auch ein
Weltklassestandard in den fünf Basisfächern für alle
Schüler, wie sie unter anderem die American Achievement Tests ermitteln.

Der Präsident wird seinen Ausschuß aus Beratern zur
Bildungspolitik und das Bildungsministerium bitten, die
Arbeit dieser Forschungs- und Entwicklungsgruppen
zu prüfen und über ihre Fortschritte zu berichten.
B.

Neue Schulen in Amerika

Der Präsident wird den Kongreß bitten, 550 Millionen
Dollar als einmalige Starthilfe breitzustellen, um mindestens 535 amerikanische Schulen zu schaffen, die

AMERIKA DIENST 16

AMERICA 2000-Gemeinden

einen Nachweis über Fortschritte zu führen und
ihre Bereitschaft zu demonstrieren, die Neue
Amerikanische Schule in Amerika zu schaffen
und zu fördern.
Gemeinden, die diese Herausforderung akzeptieren,
werden von den Gouverneuren ihres Bundesstaats
zur "AMERICA 2000-Gemeinde" ernannt.
In Zusammenarbeit mit dem Bildungsminister werden
die Gouverneure die Pläne der Gemeinden mit Hilfe
eines hochrangigen Beratergremiums prüfen und
bestimmen, welche AMERICA 2000-Gemeinden in
jedem Staat Bundesmittel erhalten, um neue Schulen
zu gründen.
Die Gouverneure und der Minister werden sicherstellen, daß viele Gemeinden mit Kindern aus sozialen
Brennpunkten solche Schulen schaffen.
D.

Eine Führungsrolle auf allen Ebenen

Die Umgestaltung des amerikanischen Bildungswesens und Schaffung einer neuen Generation von Schulen
in Amerika wird auf allen Ebenen den Einsatz von
Amerikas Politikern erfordern.
Der Präsident begrüßt das Engagement der US-Wirtschaft, Beiträge im Umfang von 150 bis 200 Millionen
Dollar zur Förderung der Forschung und Entwicklung
zu leisten.
Seite 3

�Der Präsident fordert die Gouverneure des Landes
auf, sich an die Spitze der Bestrebungen um die Neue
Schule in Amerika zu stellen.

Der Präsident wird auf die Übernahme größerer
Verantwortung und Wahlmöglichkeiten im Erwachsenenbildungsgesetz drängen und diese
beiden Hand in Hand gehenden Prinzipien in
den neuen Maßnahmen zur Erwachsenenbildung fördern, die im Rahmen des neuen Gesetzes "AMERICA 2000" zur Verbesserung des
Bildungswesens von 1991 vorgeschlagen werden.

Der Präsident fordert die Legislative der Bundesstaaten auf, die Gründung und den Betrieb neuer Schulen
in Amerika zu fördern, Weltklassestandards anzustreben und American Achievement Tests durchzuführen
sowie Leistungsnachweise auf allen Ebenen zu führen.
Der Präsident ermutigt einflußreiche Bürger, in den
Gemeinden im ganzen Land mitzuarbeiten, damit eine
Gemeinde den Status "AMERICA 2000-Gemeinde"
erhält und sich an der Planung und Realisierung der
neuen Schulen zu beteiligen. Die Industrie kann
städtische Schulen ermutigen, sich für den Weltklassestandard und den American Achievement Test zu
bewerben und Schulen ermutigen, Leistungsnachweise zu führen.
Der Präsident hat die Pädagogen aufgefordert, neue
Rollen zu übernehmen und Risiken einzugehen. Lehrer,
Schulleiter und andere Pädagogen sind aufgerufen,
einen Konsens über die Weltklassestandards zu erarbeiten und Bedingungen für die Schaffung neuer Schulen
in jeder Gemeinde zu erforschen.
E.

Engagement von Familien und Kindern für
das Lernen

Der Präsident hat an die Eltern appelliert, auf Weltklassestandards, American Achievement Tests und Leistungsnachweise an den örtlichen Schulen zu drängen. Die Eltern müssen eine Schlüsselrolle bei der
Schaffung der Neuen Amerikanischen Schule in ihren
Gemeinden und Stadtvierteln spielen und zu Hause

mit den Kindern an der Verbesserung ihrer schulischen Leistungen arbeiten.
III.

B.

Stärkung der Aus- und Fortbildung für die
Schüler von gestern und die Arbeitnehmer
von heute

Festsetzung von Normen für
Arbeitsqualifikationen und Kenntnisse

Der Präsident hat Unternehmer und Gewerkschaften
aufgefordert, in Zusammenarbeit für jede Branche
Weltklassestandards und unerlä ßliche Qualifikationen
zu erarbeiten und anzuwenden. Bundesmittel zur
Unterstützung der Anlaufphase dieses Projekts werden beantragt.
C.

Einrichtung von Industrie- und Gemeinde
Zentren zur Vermittlung von Qualifikationen

Die Arbeitnehmer von heute werden durch Qualifizierungszentren (Skill Clinics) unterstützt - in Unternehmen, Stadtteilen und Gemeinden in den gesamten
Vereinigten Staaten angesiedelte Dienstleistungszentren, in denen Erwachsene unter einem Dach eine
Einschätzung ihrer Arbeitsqualifikationen und weiterführende Informationen erhalten können.
Die Administration wird die Unternehmen auffordern, ihren Beschäftigten den Zugang zu
solchen Qualifizierungszentren zu ermöglichen
und "AMERICA 2000"-Gemeinden und Stadtteile ermutigen, gemeindeeigene Qualifizierungszentren einzurichten.

Die Umgestaltung Amerikas zu einer
"Nation von Lernenden"

Der Präsident geht davon aus, daß Lernen eine lebenslange Herausforderung darstellt. Annähernd 85 Prozent der amerikanischen Erwerbsbevölkerung des Jahrs
2000 stehen heute bereits im Berufsleben. Die Verbesserung der Schulen für die Schüler von heute und
morgen allein reicht nicht aus, um die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten im Jahr 2000 und
danach zu sichern. Der Präsident hat die Amerikaner
dazu aufgerufen, sich von "einer Nation in Gefahr" zu
einer "Nation von Lernenden" zu entwickeln, indem
Wissen und Qualifikationen aller Amerikaner ständig
verbessert werden.
A.

Das Bildungsministerium wird regelmäßige, rechtzeitige und verläßliche Informationen zur Verfügung stellen, indem die Nationale Statistik über die Lese- und
Schreibfähigkeit von Erwachsenen erweitert und regelmäßig Daten über die Bemühungen zur Verbesserungs dieser Fähigkeiten erhoben werden.

Bundesministerien und -ämter werden ermutigt, solche Qualifizierungszentren einzurichten
und in Zusammenarbeit mit dem Amt für Personalwesen Maßnahmen einzuleiten, um die
Qualifikationen ihrer Beschäftigten zu erhöhen.
D.

Verbesserung von Möglichkeiten der
beruflichen Bildung

Die Arbeitsgruppe zur beruflichen Bildung 2000 des
Rats für Innenpolitik (Domestic Policy Council Job
Training 2000 Working Group) wird die gegenwärtigen
Bundesprogramme zur beruflichen Bildung überprüfen und erfolgversprechende Wege zur Motivierung
und Befähigung des einzelnen feststellen, damit sie

Verbesserung der Lese- und Schreibfähigkeit aller
Amerikaner:

Seite 4

AMERIKA DIENST 16

�zur Erlangung wirtschaftlicher Unabhängigkeit die
erforderlichen umfassenden Dienstleistungen, Ausbildung und berufliche Qualifikation erhalten.

die Bildung ihrer Kinder und die Arbeit in der Neuen
Amerikanischen Schule zu engagieren.
Eltern und Lehrer sollten die Kinder dazu anhalten, mehr zu lernen und nach höheren akademischen Leistungen zu streben.

E. Mobilisierung einer "Nation von Lernenden"
Der Präsident wird sich dafür einsetzen, die "Nation in
Gefahr" zu einer "Nation von Lernenden" zu machen.
Der Präsident hat den Bildungs- und den Arbeitsminister aufgefordert, führende Unternehmer und Gewerkschafter, Fachleute für Bildung
und Ausbildung sowie Bundes-, Staats- und
Gemeindevertreter zu einer nationalen Konferenz über Erwachsenenbildung einzuladen, um
ein nationales Programm einzuleiten, mit dem
die erwachsenen Amerikaner zu einer "Nation
von Lernenden" werden.
IV.

Der Präsident hat die Eltern dazu ermutigt, ihren
Kindern - insbesondere den jüngeren - jeden
Tag laut vorzulesen.
B.

Der Präsident engagiert sich dafür, die Regierungsarbeit effektiver zu gestalten, um die Programme für
Kinder und Gemeinden in den Vereinigten Staaten zu
verbessern.

Die Gemeinden sollen zu Orten des Lernens
werden

Der Präsident hat die Gemeinden dazu aufgerufen,
sich die sechs nationalen Bildungsziele zu eigen zu
machen, eine Strategie zu deren Verwirklichung zu
entwerfen, einen Leistungsnachweis zur Bewertung
der Ergebnisse zu erarbeiten und sich bereitzuerklären, die Neue Amerikanische Schule zu schaffen und
unterstützen.
Dem Präsident zufolge ist es unerläßlich, Grundwerte
wie persönliche Verantwortung, Eigeninitiative und
andere wichtige Prinzipien zu bekräftigen, die dem
Leben in einem demokratischen Gemeinwesen zugrundeliegen. Das Ziel der Gemeindekampagne
"AMERICA 2000" besteht darin, unsere Gemeinden
zu Orten des Lernens zu machen.
A.

Verbesserte Programmeffektivität für
Kinder und Gemeinden

Verstärktes Engagement der Eltern

Durch die Arbeitsgruppe zur Verbesserung der
wirtschaftlichen Unabhängigkeit des Rats für Innenpolitik (Domestic Policy Council Economic
Empowerment Task Force) und in Zusammenarbeit mit den Gouverneuren und anderen Vertretern der Bundesstaaten wird die Administration eine verbesserte Koordinierung der bestehenden Bundesprogramme mit den entsprechenden Maßnahmen auf Bundesstaats- und
Gemeindeebene in Angriff nehmen.
Als Teil dieser Bemühungen werden die bestehenden Bestimmungen für die Inanspruchnahme solcher Programme überprüft, um sie zu
straffen und das Dickicht der Bundesvorschriften zu lichten. Wo immer dies möglich ist, wird
den Bundesstaaten ein Maxium an Flexibilität
eingeräumt, um die Integration von Bundes-,
Staats- und Gemeindeprogrammen zu planen
und durchzuführen.

Der Präsident hat an die Eltern appelliert, sich mehrfür

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 5

�US-REGIERUNGSSYSTEM
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24. April 1991

PRÄSIDENT UND KONGRESS:
KONTROLLE UND AUSGLEICH DER KRÄFTE
von Marie D. Natoli
Der folgende Artikel ist im Januar 1990 in der Zeitschrift American Studies Newsletter erschienen. Die Autorin ist Professorin für politische Wissenschaften am Emmanuel College in Boston, Massachusetts.

"Die Macht des Präsidenten besteht darin, zu überzeugen, nicht, zu befehlen" und "der Präsident schlägt
vor, der Kongreß entscheidet" sind zwei häufig geäußerte Meinungen über das Verhältnis zwischen dem
Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem amerikanischen Kongreß. Das Verständnis der Beziehung
zwischen diesen beiden Bereichen der Regierung ist
entscheidend, denn nahezu alles, was der Präsident
unternehmen möchte - dies gilt für die Innen- wie für
die Außenpolitik - wird auf die eine oder andere Weise
auch den Kongreß einbeziehen.

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»

Aus einer Reihe von Gründen ist das Amt des Präsidenten im 20. Jahrhundert zunehmend in den Vordergrund getreten. Dazu zählen: technischer Fortschritte
bei den Massenmedien, die erweiterte Rolle der Bundesregierung, die Abkehr von einer isolationistischen
Außenpolitik, die "Abdankung" des Kongresses, der
die Initiative zur Problemlösung und Entwicklung von
Programmen weitgehend dem Präsidenten überließ,
was auf die Wirtschaftskrise der dreißiger Jahre und
die Erwartung der Öffentlichkeit zurückgeht, daß der
Präsident für die Lösung der Probleme "verantwortlich" ist.
Man könnte aus dieser verstärkten Exponierung schließen, die Väter der amerikanischen Verfassung hätten
beabsichtigt, den Präsidenten zur ersten und wichtigsten Institution der Regierung zu machen. Tatsächlich
ist der durch Artikel I der Verfassung geschaffene
Kongreß die erste Institution der Regierung, während
die Exekutive in Artikel II beschrieben wird. Und die in
der Verfassung umrissenen Vollmachten des Präsidenten sind ziemlich knapp und vieldeutig gehalten,
vergleicht man sie mit den Befugnissen des Kongresses.

AMERIKA DIENST 16

Nur ein Verständnis der "Arbeits-Verfassung", wie sie
sich in über 200 Jahren der praktischen Anwendung
und Präzedenzfälle entwickelt hat, kann die Interaktion
zwischen Kongreß und Präsidentschaft erklären. Diese
"Arbeits-Verfassung" bezieht zahlreiche "außerkonstitutionelle" Kräfte ein - die sich außerhalb des Dokuments entwickelt haben, jedoch nicht verfassungsfeindlich sind -, die tiefgreifenden Einfluß auf das
amerikanische politische und Regierungssystem haben, obwohl sie in dem geschriebenen Dokument nicht
eigens erwähnt werden. Zu diesen Kräften gehören
die politischen Parteien, Interessengruppen, die öffentliche Meinung und die Medien. Politische Ereignisse und interne Veränderungen im Kongreß haben
ebenfalls das Verhältnis der Legislative zur Exekutive
verändert.
Eine Liste der Befugnisse von Präsident und Kongreß
würde nur ein nacktes Gerippe dessen liefern, was
sich als umfassendes Geflecht von Wechselwirkungen zwischen Exekutive und Legislative darstellt. Denn
die Verfassung, die keineswegs eine völlige Trennung
der Macht von Exekutive und Legislative beabsichtigt,
sieht eine Teilung der Macht vor. Während der
Kongreß beispielsweise "alle Gesetze macht", tritt ein
Gesetz nicht ohne die Unterschrift des Präsidenten in
Kraft. Aber Kontrolle und Ausgleich ("checking and
balancing") hören damit nicht auf. Weigert sich ein
Präsident, ein Gesetz zu unterzeichnen (durch ein
Veto), so hat der Kongreß immer noch eine Möglichkeit, das Gesetz gegen dieses Veto des Präsidenten in
Kraft zu setzen. Dazu müssen beide Häuser des
Kongresses das Gesetz erneut verabschieden, dieses
Mal jedoch mit einer Zweidrittelmehrheit, im Gegensatz zur einfachen Mehrheit bei derersten Verabschiedung des Gesetzes. Sollte diese geschehen, über-

Seite 1

�stimmt der Kongreß das Veto des Präsidenten. (Die
diesem Verfahren zugrundeliegende Theorie geht davon
aus, daß sich, wenn die Bürger die Verabschiedung
eines bestimmten Gesetzes so sehr wünschen, dieser
Wunsch auch bei den Vertretern des Volkes im Kongreß widerspiegelt.)
Im Lauf der Jahre hat die Präsidentschaft solide Verbindungen zum Kongreß entwickelt, so daß sie effektiver mit der Legislative daran arbeiten kann, ihr Programm bis zur Verabschiedung zu steuern. Nahezu 90
Prozent aller vom Kongre ß behandelten Gesetzesvorlagen werden von der Exekutive eingebracht. Dies ist
darauf zurückzuführen, daß der Kongreß selbst mit
dem Haushaltsgesetz (Budget and Accounting Act)
von 1921 die Verantwortung für die Haushaltsplanung
der Exekutive übertragen hat. Der Haushalt setzt sich
aus einer Reihe von Gesetzesvorlagen an den Kongreß zusammen. In dieser Hinsicht kann mit Fug und
Recht gesagt werden, "der Präsident schlägt vor, der
Kongreß entscheidet". Eine wichtige Entwicklung in
den Beziehungen zwischen Exekutive und Legislative
bestand darin, daß der Präsident zwar häufig die dem
Kongreß fehlende Initiative besitzt, der Kongreß hingegen außergewöhnliche Macht hat, Vorschläge des
Präsidenten drastisch zu modifizieren oder abzulehnen. Trotz des Gesetzes über den Kongreßhaushalt
(Congressional Budget Act) von 1974, dessen Zweck
teilweise darin bestand, den Einfluß von Kongreßausschüssen auf die Haushaltsbewilligungen in ihren
Zuständigkeitsbereichen zu begrenzen, behält der
Kongreß die Fähigkeit, Ersuchen des Präsidenten
nicht zu berücksichtigen.
Diese Macht, auf die Richtung der öffentlichen Politik
Einfluß zu nehmen, wird dadurch noch verstärkt, daß

der amerikanische Präsident kein selektives Vetorecht
(line item veto) besitzt (wie es die Gouverneure von 43
Bundesstaaten haben), das es ihm gestatten würde,
Teile von Gesetzesvorlagen abzulehnen. Gegenwärtig muß der Präsident ein Gesetz insgesamt annehmen oder ablehnen. Abgeordnete und Senatoren
benutzen dies häufig als Mittel, um Gesetzesvorlagen
mit Zusätzen zu versehen, die für sich vom Präsidenten nicht akzeptiert würden.

entscheidend für die Macht des Kongresses im amerikanischen Regierungssystem. Der Kongreß übt
darüber hinaus eine AufSichtsfunktion aus, indem er
sicherstellt, daß die Exekutivbehörden vernünftig arbeiten. Zusammen mit seinem Recht, Haushaltsmittel
zu bewilligen, machen seine umfassenden Ermittlungsbefugnisse den Kongreß zu einer unerläßlichen
Kraft im amerikanischen Regierungssystem.
Der Kongreß der Vereinigten Staaten
Der Kongreß ist die Legislative der nationalen Regierung. Er besteht aus zwei Kammern: Repräsentantenhaus und Senat.
Das Repräsentantenhaus
435 Abgeordnete (je nach Bevölkerungszahl
auf die einzelnen Bundesstaaten verteilt)
Alle zwei Jahre für eine zweijährige Amtsperiode gewählt
Wiederwahl möglich
Der Senat
100 Senatoren (zwei pro Bundesstaat)
Ein Drittel wird alle zwei Jahre für eine
sechsjährige Amtsperiode gewählt
Wiederwahl möglich
Darüber hinaus verleiht die Verfassung dem Kongreß
- über den Senat - eine Schlüsselrolle bei der Ernennung von Kabinettsmitgliedern, Botschaftern und Richtern. Obwohl der Präsident die Kandidaten für die
jeweiligen Ämter vorschlägt, müssen alle Nominierungen vom Senat ratifiziert werden. Und obwohl der
Präsident Verträge mit anderen Nationen formuliert
und aushandelt, kann der Vertrag erst mit Genehmigung des Senats in Kraft treten. Die Ratifizierungsbefugnis wird vom amerikanischen Senat äußerst ernst
genommen, wie Präsident Jimmy Carter beispielsweise erfahren mußte, als der Senat sich weigerte, den
SALT II-Vertrag zu ratifizieren oder der Vertrag über
die Rückgabe des Panamakanals auf anfänglichen

Widerstand des Senats stieß.
Der Präsident erstattet dem Kongreß regelmäßig Bericht.
Die Verfassung schreibt vor, daß der Präsident einen
jährlichen "Bericht zur Lage der Nation" (State of the
Union Address) erstattet. Diese Pflicht wird vom
Präsidenten vor beiden Häusern des Kongresses im
Januar jedes Jahres erfüllt. Im Beschäftigungsgesetz
(Employment Act) von 1946 verlangte der Kongreß
vom Präsidenten, dem Kongreß jedes Jahr einen
Jahreswirtschaftsbericht vorzulegen.
Neben seiner Interaktion mit dem Präsidenten selbst
spielt der Kongre ß eine Schlüsselrolle für die Arbeit der
Regierungsbehörden. Diese Behörden müssen sich
an den Kongreß wenden, um Gelder bewilligt zu bekommen - in der Tat ist die "Macht des Geldbeutels"
Seite 2

Verfassungsmäßige und struktureile Einflüsse
Das amerikanische Regierungssystem ist eher ein
präsidiales als ein parlamentarisches System. Im
Gegensatz zum parlamentarischen System, in dem
Legislative und Exekutive vereinigt sind, wobei die
gesetzgebende Gewalt die Exekutive aus ihren Mitgliedern wählt, sieht das Präsidialsystem eine getrennt
gewählte Legislative und Exekutive vor - die jeweils
von verschiedenen Wählerschaften und für eine unterschiedliche (und festgesetzte) Amtszeit gewählt werden. Die Amtszeit des Präsidenten beträgt vier Jahre.
Was den Kongreß anbetrifft, so werden die Mitglieder
des Repräsentantenhauses für zwei Jahre und die

AMERIKA DIENST 16

�Mitglieder des Senats für eine sechsjährige Amtszeit
gewählt. Während der 22. Zusatzartikel zur Verfassung die Präsidentschaft auf zwei Amtsperioden begrenzt, bestehen für die Kongreßmitglieder keine solchen Einschränkungen. Präsident und Kongreß werden von einer ganz unterschiedlichen Wählerschaft
gewählt. Nur der Präsident und der Vizepräsident
werden von der Nationalversammlung gewählt, wohingegen die Vertreter der Legislative in den örtlichen
Wahlkreisen gewählt (und wieder- oder abgewählt)
werden.
Zusätzlich zur Festlegung verschiedener Wahlkreise
und unterschiedlicher Amtszeiten für Präsident und
Kongreß sieht die Verfassung ein System der gegenseitigen Kontrolle und gemeinsamen Verantwortung
von Kongreß und Regierung vor, um sicherzustellen,
daß keine Abteilung oder Ebene der Regierung zu
mächtig oder despotisch werden kann. Dieses System der gegenseitigen Kontrolle und gemeinsamen
Verantwortung besteht aus zwei Bereichen, die beide
(sowohl direkt als auch indirekt) enorme Konsequenzen für das Verhältnis zwischen Präsident und Kongreß haben. Diese beiden Bereiche sind:
1. Föderalismus - ein breites Spektrum von
Regierungsebenen.
Die Verfassung sieht sowohl eine Bundesregierung als
auch Regierungen der Bundesstaaten vor, die jeweils
mit eigener Machtbefugnis und Verantwortung ausgestattet sind. (Da alle Macht der Verfassung übertragen
ist, obliegt es der Verfassung, der Bundesregierung
und den Regierungen der Staaten die Machtbefugnis
und Verantwortung zu verleihen). Eine Machtbefugnis
der Bundesstaaten - die Befugnis zur Durchführung
von Wahlen - hat das Verhältnis zwischen Präsident
und Kongreß indirekt aber drastisch beeinflußt, weil sie
Auswirkungen auf die Entwicklung und Orientierung
politischer Parteien in den Vereinigten Staaten hatte
(wie im folgenden erläutert).
2. Die Gewaltenteilung.
Auf der Bundesebene der Regierung sieht die Verfassung die Gewaltenteilung zwischen Legislative, Exekutive und Judikative vor. Obwohl diese Gewaltenteilung als "Trennung der Macht" bezeichnet wird, handelt es sich in Wirklichkeit um "geteilte Verantwortung".
Außerkonstitutionelle Einflüsse
Politische Parteien, die aufgrund der Abneigung der
Gründerväter nirgendwo in der Verfassung erwähnt
sind, begannen sich dennoch bereits unter Präsident
George Washingtons erster Amtszeit Ende des 18.
Jahrhunderts zu entwickeln. Da politische Parteien
nicht verfassungsmäßig verankert sind, gibt es keine
Richtlinien für ihre Entwicklung, Organisationsstruktur, Merkmale oder Einstellung. Ein Abschnitt der

AMERIKA DIENST 16

Verfassung hat jedoch indirekt die Entwicklung und
Merkmale des Parteiensystems in den Vereinigten
Staaten beeinflußt. Artikel I, Abschnitt 4 verleiht den
einzelnen Staaten die Machtbefugnis, "Zeit, Ort und
Art der Durchführung von Wahlen" zu bestimmen
(jedoch mit dem Zusatz, daß der Kongreß per Gesetz
zu Änderungen befugt ist). Im wesentlichen ermächtigt die Verfassung die Bundesstaaten, die Regeln des
"Wahlspiels" festzulegen. Mit der Entwicklung der
politischen Parteien wurden sie zu den "Schlüsselfiguren" dieses Spiels, und es war nur logisch, daß sie sich
auf Bundesstaatenebene entwickelten, wo die Spielregeln definiert wurden. Die politischen Parteien wurden
bald zum Organisator der Kongreßmaschinerie, da die
Verfassung wenig darüber aussagte, wie die interne
Kongreßmaschinerie ablaufen sollte.
Die politischen Parteien in den Vereinigten Staaten
existierten nie als zentralisierte, geschlossene nationale Struktur mit einer eindeutigen, von oben nach
unten gegliederten Führung, Ideologie und Politik. Sie
sind auf den Bundesstaat orientierte Organisationen. Obwohl wir von der "Demokratischen" und
"Republikanischen " Partei sprechen, stehen diese
Bezeichnungen nichtfüreine konsequente, eindeutige
Definition der Parteiideologie. Beide Parteien tendieren dazu, wie eine Art "Schirm" zu fungieren und
versuchen, eine große Vielfalt mächtiger Interessengruppen anzuziehen. Parteinamen haben abhängig
von den örtlichen Wahlkreisen in den jeweiligen Staaten und Regionen des Landes unterschiedliche Bedeutung. Ideologisch gesehen könnte man sowohl die
Mitglieder der Demokratischen als auch der Republikanischen Partei in einem Spektrum ansiedeln. Daher
kann es liberale, konservative und gemäßigte Demokraten sowie liberale, konservative und gemäßigte
Republikaner geben, und es gibt sie auch. Darüber
hinaus ist es für gewöhnlich nicht klar, wer für die
jeweilige Partei als Ganzes "spricht".
Das Verständnis dieser Merkmale politischer Parteien
- dezentralisiert, staatlich und kommunal orientiert,
individualistisch und auf den Wahlkreis konzentriert ist entscheidend, um das Verhältnis zwischen Präsident und Kongreß zu verstehen, da sich diese parteipolitischen Kriterien im Kongreß widerspiegeln. Ein
Präsident, der dem Namen nach "Führer" seiner Partei ist, kann unter Umständen mit Mitgliedern seiner
eigenen Partei im Kongreß "auf Kriegsfuß stehen" und
muß auf die Unterstützung der anderen Partei bauen,
damit seine Gesetze verabschiedet werden. Im Gegensatz zu Parteien in anderen parlamentarischen
Systemen zeichnen sich die politischen Parteien in
Amerika in gewisser Weise durch fehlende Disziplin
und Verantwortung aus - es gibt keine "automatische"
Beziehung zwischen einem Präsidenten und seiner
Partei im Kongreß oder zwischen dem Präsidenten
und der Oppositionspartei.

Seite 3

�Eine andere Entwicklung der jüngsten Zeit ist die
schwindende Macht der Parteien. Bisher mußte ein
Präsidentschaftskandidat über örtliche Parteivorsitzende arbeiten, um Erfolg zu haben. Jetzt ist die
frühere Macht der örtlichen Parteivorsitzenden erheblich gesunken. Der Tod der politischen "Maschinerie"
alten Stils - die früher die wichtige Aufgabe erfüllte,
Wähler zu mobilisieren -, die zunehmende Nutzung
der direkten Vorwahl (in den Bundesstaaten) zur Nominierung von Kandidaten für kommunale und nationale Ämter und die stärkere Rolle der Medien bei den
Wahlen haben dazu beigetragen, daß die Rolle der
politischen Parteien geschrumpft ist und lassen gleichzeitig das Image von Kandidaten und Amtsträgern
stärker in den Vordergrund rücken. Diese Imagepflege kann das schwierige Verhältnis zwischen Exekutive und Legislative unabhängig von Parteizugehörigkeiten entweder verbessern oder verschärfen.
Während die größere Rolle der Medien in der Wahlarena zu einem Niedergang der politischen Parteien
beigetragen hat und damit einem Präsidenten das
Verhältnis zu seiner Partei erschwert, gibt dieselbe
Rolle der Medien dem Präsidenten einen "Bonus".
Präsidenten, die Erfolg haben wollen, haben gelernt,
daß die kluge Nutzung der Medien zur Beeinflussung
der öffentlichen Meinung entscheidend ist. In diesem
Sinne hat Präsident Franklin D. Roosevelt geschickt
das Radio genutzt, um sich über den Kongreß hinwegzusetzen, John F. Kennedy hat Fernsehansprachen
über Bürgerrechte gehalten ebenso wie Ronald Reagan, der versuchte, die öffentliche Meinung für verschiedene innen- und außenpolitische Gesetzesvorlagen zu gewinnen. Angesichts der verfassungsrechtlichen Orientierung des Kongresses ist die öffentliche
Meinung zum entscheidenden Faktor im Verhältnis
zwischen Exekutive und Legislative geworden. Vielleicht hat Abraham Lincoln, der als Präsident des 19.
Jahrhunderts nicht den Einfluß von Rundfunk und
Fernsehen kannte, diesen Einfluß am besten beschrieben: "Wenn er die öffentliche Meinung hinter
sich hat, kann ein Präsident alles tun. Ohne sie kann
er nichts tun."
Infolge eines Parteiensystems, das ideologisch nicht
festgelegt ist und dessen Parteien es an Disziplin und
Verantwortung fehlt, gerät der Präsident einer Partei
nicht unbedingt in eine Pattsituation, wenn er es mit
einem Kongre ß zu tun hat, der ganz oder teilweise von
der anderen Partei kontrolliert wird. In dieser Situation
befindet sich Präsident George Bush. Darüber hinaus
gewährleistet zahlenmäßige Kontrolle von Weißem
Haus und Kongreß durch eine Partei nicht die absolute
Herrschaft, da Parteimitglieder im Kongreß nicht automatisch ihren Präsidenten oder ihre Parteiführer im
Kongreß unterstützen. Das bekamen die Präsidenten
John F. Kennedy und Jimmy Carter zu spüren - beide
Demokraten in einem mehrheitlich demokratischen
Kongreß.

Seite 4

Einige Präsidenten fanden die Zusammenarbeit mit
der anderen Partei relativ leicht. Auf Präsident Dwight
D. Eisenhower, der den Großteil seiner achtjährigen
Amtszeit mit einem mehrheitlich demokratischen
Kongreß zu tun hatte, trifft dies zu. Präsident Ronald
Reagan, der sechs Jahre lang einen mehrheitlich
republikanischen Senat, aber während seiner gesamten Amtszeit ein mehrheitlich demokratisches Repräsentantenhaus hatte, erzielte mit seinen Gesetzesvorlagen viele Erfolge. Ein großer Teil der Arbeitsbeziehungen zwischen Präsident und Kongre ß wird weniger
von der Parteizugehörigkeit bestimmt als von der
ideologischen Richtung des einzelnen und der Haltung
bestimmter Wählergruppen, wie sie sich in der öffentlichen Meinung widerspiegelt.
Veränderungen im Kongreß
In den letzten 15 Jahren hat sich die Macht im Kongreß
stärker verteilt oder dezentralisiert. Davor lag die
Macht bei wenigen einflußreichen Kongreßabgeordneten - in den Führungspositionen und bei den Ausschuß Vorsitzenden. Wenn der Präsident positive,
dauerhafte Beziehungen und ein harmonisches Verhältnis mit diesen Schlüsselfiguren aufbauen konnte,
erleichterte das die Arbeit mit der Legislative. Aber in
den siebziger Jahren wollte sich der Kongreß durch
gleichmäßigere Verteilung von Macht und Einfluß
"demokratisieren". Der Präsident muß jetzt viele
einzelne Personen berücksichtigen, wenn er bei Gesetzesvorlagen seinen Willen durchsetzen will.
Auch andere Ereignisse beeinflussen das Machtverhältnis zwischen Präsident und Kongreß. Nach der
Kontroverse über das Verhalten des Präsidenten und
die Eskalation des Vietnamkrieges, Präsident Nixons
Versuch, vom Kongreß bewilligte Mittel zu "beschlagnahmen" (und das Geld nicht auszugeben) und der
Schwächung der Präsidentschaft angesichts des
Watergateskandals hat der Kongreß mehrere Gesetze verabschiedet, um seine eigene Macht zu verbesssern und die Exekutive an die Kandare zu nehmen. Nach dem War Powers Act von 1973 darf der
Präsident Streitkräfte entsenden, ohne daß eine Kriegserklärung des Kongresses vorliegt. Es verfügt aber,
daß der Kongreß innerhalb von 48 Stunden von dieser
Maßnahme in Kenntnis gesetzt wird und ermächtigt
den Kongreß, einen Abzug dieser Truppen anzuordnen. Nach den Bestimmungen dieses Gesetzes ist der
Einsatz von Truppen auf einen Zeitraum von 60 Tagen
beschränkt, wenn der Kongreß noch keine Kriegserklärung abgegeben oder die Frist um weitere 30 Tage
verlängert hat, um den sicheren Abzug der Truppen zu
garantieren.
Infolge von Präsident Nixons Beschlagnahme von
Mitteln hat der Kongreß 1974 das Gesetz über die
Beschlagnahme von Mitteln (Congressional Budget
Impoundment Act) verabschiedet, demzufolge der
Präsident alle vom Kongreß bewilligten Mittel ausgeben muß, wenn er nicht die Genehmigung erhält,
AMERIKA DIENST 16

�bestimmte Mittel nicht ausgeben zu müssen oder die
Ausgabe bestimmter Gelder hinauszuzögern. Damit
verfügt der Kongreß über mehr Macht zur Beeinflussung der nationalen Politik.

,

Zusammenfassend läßt sich ein grundlegender Unterschied im Verhältnis zwischen dem amerikanischen
Präsidenten und dem Kongreß und den Beziehungen
zwischen Exekutive und Legislative in einer parlamentarischen Regierungsform feststellen. Sowohl der
Präsident als auch der Kongreß haben nach der Verfassung bestimmte Rechte, jeder Teil der Regierung
repräsentiert Wähler, jeder muß ausgleichend mit dem
anderen zusammenarbeiten und ein großer Teil ihrer
Beziehungen wird von "außerverfassungsmäßigen"
Faktoren bestimmt.
Die Vollmachten von Kongreß und Präsident nach
der Verfassung
Der Kongreß

die ausschließliche Gesetzgebung über den
Regierungssitz (der District of Columbia) und
Grundstücke auszuüben, die zum Zwecke der
Errichtung nationaler Einrichtungen erworben
werden (Befestigungen, Hafenanlagen und
andere notwendige Bauwerke).
alle zur Ausübung der vorstehenden Befugnisse und aller anderen Rechte, die der Regierung
der Vereinigten Staaten aufgrund dieser Verfassung übertragen sind, notwendigen Gesetze zu
erlassen.

Artikel II der Verfassung räumt dem Präsidenten folgende Befugnisse ein:

Steuern, Zölle, Abgaben und Akzisen aufzuerlegen und einzuziehen,

er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte,

Kredite aufzunehmen,

ernennt die Offiziere der Streitkräfte,

den Handel mit fremden Ländern und zwischen
den Einzelstaaten zu regeln,

hat das Recht, Strafaufschub und Begnadigungen für Straftaten gegen die Vereinigten Staaten zu verhängen (außer in Amtsanklagefällen),

eine Einbürgerungsordnung und ein Konkursrecht zu schaffen,

er kann den Kongreß zu Sondersitzungen einberufen,

Münzen zu prägen, ihren Wert zu bestimmen
und Fälschungen zu bestrafen,

Botschafter ernennen,

Maße und Gewichte zu normen,

er hat Sorge zu tragen, daß das Gesetz gewissenhaft vollzogen wird,

Postämter und Postwege einzurichten,

er übt die "vollziehende Gewalt" aus,

Erfindern und Autoren Patente und Urheberrechte auszustellen,

\

Vorkehrungen für das Aufgebot der Miliz zu
treffen (wobei den Einzelstaaten die Ernennung
von Offizieren zufällt und die Aufsicht über die
Ausbildung dem Kongreß vorbehalten bleibt),

Der Präsident

Artikel I, Abschnitt 8 der US-Verfassung überträgt dem
Kongreß folgende Vollmachten:

i

Armeen aufzustellen, eine Flotte zu bauen und
Vorschriften für deren Leitung zu erlassen,

dem Obersten Bundesgericht nachgeordnete
Gerichte zu bilden,
Seeräuberei und andere Kapitalverbrechen auf
hoher See sowie Verletzungen des Völkerrechts
begrifflich zu bestimmen und zu ahnden,

ernennt Beamte für bestimmte Ämter,
schließt Verträge (zusammen mit dem Senat),
nominiert Botschafter, Richter und hochrangige
Beamte,
genehmigt Gesetze (mit beiden Häusern des
Kongresses).

Krieg zu erklären,
*

AMERIKA DIENST 16

*

Seite 5

�STIPENDIEN
24. April 1991

FULBRIGHT-STIPENDIEN ZUM STUDIUM IN DEN USA
IM STUDIENJAHR 1992/93
Erstmals auch in den neuen Bundesländern

Bonn - (AD) - Für das Studienjahr 1992/93 kann die
deutsche Fulbright-Kommission kombinierte Reiseund Aufenthaltsstipendien zum Studium an amerikanischen Hochschulen an deutsche Studenten vergeben. Neben Vollstipendien werden auch Teilstipendien vergeben. Die Bewerbungsbedingungen sehen
vor. daß die Bewerber ihren ständigen Wohnsitz in
Deutschland und mindestens zwei Fachsemester an
einer deutschen Universität oder Technischen Hochschule studiert haben.

Unterschieden in den traditionellen elf Bundesländern
(Bewerbungsschluß: 31. Mai 1991, Bewerbung über
die Universitäten) und erstmals in den fünf neuen
Bundesländern (Bewerbungsschluß: 5. August 1991,
Bewerbung direkt bei der Fulbright-Kommission, Postfach 200555, 5300 Bonn 2).
Weitere Auskünfte erteilen die akademischen Auslandsämter der deutschen Hochschulen sowie die
Fulbright-Kommission selbst.

Die Fulbright-Kommission veranstaltet das ausgeschriebene Stipendienprogramm mit geringen technischen

* * * *

AMERIKA DIENST 16

*

Seite 1

�</text>
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                <text>[Anmerkung: Datumangabe auf Inhaltsverzeichnis der PDF fehlerhaft. korrektes Datum lautet: 24.04.1991]&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Die Golfkrise &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. April 1991&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Bildungswesen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerika 2000: das Bildungsprogramm des Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. US-Regierungssystem&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident und Kongress: Kontrolle und Ausgleich der Kräfte &lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Marie D. Natoli&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Stipendien&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Fulbright-Stipendium zum Studium in den USA im Studienjahr 1992/93&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erstmals auch in den neuen Bundesländern&lt;/em&gt;</text>
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17. April 1991

15

NEUE WELTORDNUNG

BUSH: NEUES EUROPA MIT NEUEN ROLLEN
UND INSTITUTIONEN
Rede zur "Neuen Weltordnung"

NAHER OSTEN

US-TRUPPEN HELFEN BEI EINRICHTUNG VON
FLÜCHTLINGSLAGERN IM IRAK
Pressekonferenz von Präsident Bush

KOORDINIERTE BESTREBUNGEN ZUR
UNTERSTÜTZUNG DER IRAKISCHEN
FLÜCHTLINGE IN DIE WEGE GELEITET
Darstellung der internationalen Zusammenarbeit
HUMANITÄRE US-HILFE FÜR IRAKISCHE
FLÜCHTLINGE
Eine Übersicht des Weißen Hauses

NICHTVERBREITUNG

DIE NICHTVERBREITUNGSPOLITIK DER
VEREINIGTEN STAATEN
von Ronald F. Lehman II

WIRTSCHAFT

DAS PROGRAMM DES PRÄSIDENTEN ZUR
FÖRDERUNG DES WIRTSCHAFTSWACHSTUMS
Übersicht des Weißen Hauses vom 9. April 1991

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�NEUE

WELTORDNUNG
17. April 1991

BUSH: NEUES EUROPA MIT NEUEN ROLLEN
UND INSTITUTIONEN
Rede zur "Neuen Weltordnung"
MONTGOMERY (ALABAMA) - (AD) - In einer Rede an der Air University auf dem Luftwaffenstützpunkt Maxwell - die erste in einer Reihe von Reden des Präsidenten zur "Neuen Weltordnung" - erklärte Präsident Bush
am 13. April 1991, die Vereinigten Staaten seien sich bewußt, "daß neue Rollen und selbst neue Institutionen
natürliche Folgen des neuen Europas sind". Die Vereinigten Staaten erwarteten von Europa "als Stabilitätsfaktor
außerhalb seiner Grenzen zu wirken".
Zu den Hilfsmaßnahmen fürdie Kurden stellte der Präsident fest, daß die Vereinigten Staaten "keine Störungen"
der massiven Hilfsbemühungen der internationalen Staatengemeinschaft für die "Hunderttausenden von Flüchtlingen" seitens des irakischen Präsidenten Saddam Hussein tolerieren werden.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush in wesentlichen Auszügen.

Über vier Jahrzehnte haben wir in einer geteilten Welt
gelebt, einer Welt, die auf einen Konflikt der Rüstungen
und Ideen fixiert war, den wir als kalten Krieg bezeichnen, - zwischen Ost und West, zwischen zwei Supermächten, die durch Mißtrauen und ständige Feindschaft getrennt waren. Über vier Jahrzehnte konzentrierten die Vereinigten Staaten ihre Energien auf die
Eindämmung der Bedrohung für die freie Welt durch
die Kräfte des Kommunismus. Dieser Krieg ist vorbei.
Die DDR ist völlig von der Landkarte verschwunden.
Heute ist die Berliner Mauer, die einst einen Kontinent
zerschnitt und die Welt in zwei Teile spaltete, zu Staub
zerfallen und existiert nur noch in Form von Souvenirs.
Ihre übriggebliebenen Teile haben nur noch Museumswert.
Der Warschauer Pakt ist vergangene Woche Geschichte geworden, und dies vollzog sich nicht mit
einem Knall, sondern mit einem letzten Aufseufzen,
und sein Hinscheiden war der Washington Post nur
einen Artikel auf Seite A-16 wert.
In den kommenden Wochen werde ich im einzelnen
auf die Möglichkeit einer Neuen Weltordnung nach
dem kalten Krieg eingehen. In den vergangenen
Wochen habe ich mich nicht nur auf den Golf, sondern
auch auf den freien Handel, das Nordamerikanische

AMERIKA DIENST 15

Freihandelsabkommen, die Uruguay-Runde, Handelsgespräche und die Notwendigkeit konzentriert, vom
Kongreß der Vereinigten Staaten eine Verlängerung
des "Fast-Track"-Mandats zu erhalten, um unser Ziel
zu erreichen.
Heute möchte ich jedoch einen anderen Aspekt dieser
Ordnung erörtern, und zwar unsere Beziehungen zu
Europa und zur Sowjetunion.
Zweimal in diesem Jahrhundert wurde ein auf den
Schlachtfeldern Europas geborener Traum nach der
Einstellung des Feuers zunichte gemacht - der Traum
von einer Welt, in der führende Mächte zusammenarbeiten, um den Frieden zu sichern, um ihre Streitigkeiten durch Kooperation und nicht Konfrontation beizulegen. Heute ist ein umgestaltetes Europa seiner
freien und demokratischen Bestimmung näher gerückt
als je zuvor. Endlich macht Europa Fortschritte und
geht einer neuen Welt der Hoffnung entgegen.
Gleichzeitig sind unsere europäischen Verbündeten
und wir von der Politik des Containment zu einer Politik
des aktiven Engagements in einer Welt übergegangen, die nicht mehr von den Spannungen und Animositäten des kalten Krieges geprägt ist. Als nämlich der
kalte Krieg zu Ende ging, erkannten wir die Möglichkei-

Seite 1

�ten einer neuen Weltordnung, in der die Nationen
zusammenarbeiten, um Frieden und Wohlstand zu
fördern. Ich spreche hier nicht über einen Plan, der das
Verhalten der Nationen bestimmen wird, oder über
eine Art von supranationaler Struktur oder Institution.
Die Neue Weltordnung bedeutet nicht, auf unsere
nationale Souveränität zu verzichten oder unsere Interessen preiszugeben. Sie bezeichnet eigentlich eine
Verantwortung, die uns durch unsere Erfolge auferlegt
ist. Sie bezieht sich auf neue Wege der Zusammenarbeit mit anderen Nationen, um Aggression abzuschrekken und Stabilität zu erlangen, um Wohlstand und vor
allem Frieden zu schaffen. Sie erwächst aus Hoffnungen auf eine Welt, die auf einem von kleinen und
großen Nationen geteilten Engagement für eine Reihe
von Prinzipien gründen, die unsere Beziehungen untermauern - friedliche Beilegung von Konflikten, Solidarität gegen Aggression, reduzierte und kontrollierte
Waffenarsenale und gerechte Behandlung aller Völker.
Diese Ordnung, die Fähigkeit zur Zusammenarbeit,
mußte im Golf krieg ihre erste Prüfung bestehen. Zum
ersten Mal wurde ein regionaler Konflikt - die Aggression gegen Kuwait - nicht zum Stellvertreterkrieg für
die Konfrontation der Supermächte. Zum ersten Mal
funktionierte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen - befreit von dem Zusammenprall der Ideologien
des kalten Krieges - so, wie von seinen Begründern
beabsichtigt - als Kraft für die Lösung von Konflikten
und kollektive Sicherheit.
Am Golf schlössen sich Staaten aus Europa und
Nordamerika, Asien und Afrika sowie der arabischen
Welt zusammen, um der Aggression Einhalt zu gebieten und für andere mögliche Tyrannen in der ganzen
Welt ein Zeichen zu setzen. Indem wir gemeinsam zur
Verteidigung einer kleinen Nation handelten, zeigten
wir, daß wir bei der Verteidigung von Prinzipien gegen
Aggressoren zusammenarbeiten konnten.
Darüber hinaus haben wir erkannt, daß das Ende des
kalten Krieges uns kein Zeitalter des ewigen Friedens
bescherte. Mit dem allmählichen Verschwinden alter
Bedrohungen treten neue auf den Plan. Die Suche
nach einer Neuen Weltordnung ist teilweise eine Herausforderung, um die Gefahren der Unordnung zu
zügeln. Heute ist Kuwait - Gott sei Dank - frei.
Der Aufruhr in jener krisengeschüttelten Region hält
jedoch an. Saddams andauernde Barbarei hat sein
Regime außerhalb der internationalen Ordnung gestellt. Wir werden uns nicht in den Bürgerkrieg im Irak
einmischen. Das irakische Volk mu ß selbst über seine
politische Zukunft bestimmen.
Wenn ich Sie hier sehe und dabei an Ihre Familien
denke, möchte ich dies noch ein wenig eingehender
erläutern. Wir haben unsere Ziele definiert. Diese
durch das Völkerrecht gedeckten Ziele wurden er-

Seite 2

reicht. Ich habe eindeutig klargestellt, daß unsere
Truppen nach Hause kommen werden, sobald unsere
Ziele verwirklicht sind. Trotzdem wolten wir, daß die
Leiden dieser Flüchtlinge beendet werden, und im
Einklang mit dem Mitgefühl und der Anteilnahme unserer
Nation helfen wir in massivem Umfang. Aber ich
möchte unsere Truppen sobald wie möglich aus dem
Irak abziehen und zurück nach Hause holen.
Seit vielen Jahren ist der Irak Schauplatz innerer
Konflikte. Wir stellen Hüte zur Verfügung, und wir
werden diesen Flüchtlingen auch weiterhin helfen. Ich
möchte jedoch nicht, daß ein einziger Soldat in diesen
Bürgerkrieg im Irak gestürzt wird, der seit vielen Jahren
tobt. Und ich werde dies nicht zulassen.
Ich weiß, daß durch die historischen Bemühungen der
Koalition die Fähigkeit Saddam Husseins zu Aggressionen gegen seine Nachbarn zerstört wurde. Sie
haben diese Arbeit geleistet. Aber heute wird die
internationale Staatengemeinschaft darüber hinaus
gewährleisten, daß Saddams Fähigkeit zur Bedrohung seiner Nachbarn völlig beseitigt wird, indem die
Massenvernichtungswaffen des Irak zerstört werden.
Und wie ich bereits erwähnte, werden wir den irakischen Flüchtlingen, den Hunderttausenden von Opfern dieses Mannes - der Brutalität Saddam Husseins
- weiterhin helfen, um ihnen Nahrung und Obdach
sowie Sicherheit und die Möglichkeit zu bieten, unbeschadet in ihre Heimat zurückzukehren. Wir werden
keine Störungen dieser internationalen Hilfsmaßnahmen tolerieren.
Der Irak kann erst dann in die Staatengemeinschaft
zurückkehren, wenn seine politisch Verantwortlichen
die Brutalität und Unterdrückung beenden, die ihr Land
zerstören. Mit Saddam an der Macht wird der Irak ein
Ausgestoßener bleiben, und seiner Bevölkerung wird
die moralische Verbindung mit dem Großteil der
Außenwelt verwehrt bleiben. Wir müssen auf dem
Erfolg von Wüstensturm aufbauen, um dieser neuen
Weltordnung neue Konturen und neuen Auftrieb zu
verleihen, um Macht klug einzusetzen und die Hand
der Anteilnahme auszustrecken, wo immer wir können.
Heute begrüßen wir die Bereitschaft Europas, einen
Gro ßteil dieser Verantwortung übernehmen zu wollen.
Dieses neue Verantwortungsbewußtsein seitens unserer europäischen Verbündeten wird im östlichen Teil
Europas besonders deutlich und ist dort am entscheidendsten. Die Nationen Osteuropas - die so lange Zeit
das andere Europa waren - müssen jetzt ihren Platz
neben ihren Nachbarnim Westen einnehmen. Ebenso
wie wir die politische Teilung Europas überwunden
haben, müssen wir jetzt den Übergang von Anmut zu
Wohlstand erleichtern.
Die Vereinigten Staaten werden wie bisher ihren Teil
dazu beitragen, und wir haben bereits Polens Schulden gegenüber den Vereinigten Staaten um 70 Pro-

AMERIKA DIENST 15

�zent erlassen und unsere Hilfe an Osteuropa in diesem
Jahr um 50 Prozent erhöht. Aber der Schlüssel zur
Entwicklung dieser neuen Demokratien sind Handel
und Investititonen. Die neuen Unternehmer in der
Tschechoslowakei, Polen und Ungarn erwarten weder
von ihren eigenen noch von anderen Regierungen,
daß sie mit Reichtümern überschüttet werden. Sie
erwarten neue Möglichkeiten, neue Freiheiten für den
produktiven Erfindergeist, der 40 Jahre durch staatliche Kontrolle erstickt wurde.
Gestern hat mich mein geschätzter Freund, ein Mann,
den wir alle ehren und zu schätzen wissen - der
tschechische Präsident Vaclav Havel - angerufen und
um Rat und Hilfe des Westens gebeten. Er sieht sich
enormen Problemen gegenüber. Wie Sie wissen,
möchte die Tschechoslowakei demokratisch werden.
Dieser Mann führt sein Volk zur Perfektionierung seiner aufstrebenden Demokratie. Die tschechische
Wirtschaft befindet sich auf dem Weg von einem
gescheiterten sozialistischen Modell zu einer Marktwirtschaft. Wir alle müssen helfen.
Es ist nicht leicht, staatseigene und staatlich betriebene Waffenschmieden in marktorientierte Unternehmen zur Produktion von Konsumgütern umzuwandeln.
Aber^diese neuen Demokratien können mit dem richtigen Rat und der Hilfe des Westens genau das erreichen.
Es liegt im Interesse der Vereinigten Staaten von
Amerika, daß die Tschechoslowakei, Polen und Ungarn diese aufstrebenden Demokratien und ihre im
Entstehen begriffene Marktwirtschaft stärken.
Wir sind uns bewußt, daß neue Rollen und selbst neue
Institutionen natürliche Folgen des neuen Europas
sein werden. Sei es die Europäische Gemeinschaft
oder ein erweitertes Mandat der KSZE - die Vereinigten Staaten unterstützen alle Bestrebungen, um einen
europäischen Ansatz zu der gemeinsamen Herausforderung auf dem Kontinent und der Welt darüber hinaus
in der Erkenntnis zu erarbeiten, daß die langfristige
Sicherheit Europas mit der Amerikas verknüpft und die
NATO nach wie vor das beste Instrument zu ihrer
Gewährleistung ist.
Darüber hinaus erwarten wir von Europa als Stabilitätsfaktor außerhalb seiner Grenzen zu wirken. In
einer so interdependenten Welt kann keine Industrienation ihre Mitgliedschaft in der internationalen Staatengemeinschaft einnehmen, ohne ihren fairen Teil an
Verantwortung für Frieden und Sicherheit zu übernehmen.
Aber selbst angesichts solcher begrüßenswerten
Veränderungen werden die Amerikaner zur Unterstützung des erfolgreichsten Bündnisses der Geschichte
- der NATO - in Europa bleiben. Das amerikanische
Engagement ist der beste Garant für ein sicheres
Europa und ein sicheres Europa ist unabdingbar für die

AMERIKA DIENST 15

amerikanischen Interessen und entscheidend für den
Weltfrieden.
Das ist die grundlegende Logik des atlantischen Bündnisses, die Amerika in Europa verankert. Die Geschichte dieses Jahrhunderts lehrt, daß das Schicksal
und die Interessen der Vereinigten Staaten nicht von
denen Europas getrennt werden können. Im Verlauf
der langen Jahre des kalten Kriegs und Konflikts haben
sich die Vereinigten Staaten unerschütterlich für Freiheit in Europa eingesetzt. Und heute, da Osteuropa
sich den demokratischen Idealen öffnet, werden echte
Fortschritte möglich.
Die Sowjetunion ist mit ihrer tiefgreifenden Umgestaltung befaßt. Die Politik der Konfrontation in Übersee
ruht ebenso wie das diskreditierte Dogma des Kommunismus, dem diese Politik entsprang, und hat vielleicht
sogar ihren Todesstoß erhalten. Vieles hat sich verändert. Der von Präsident Gorbatschow eingeschlagene
und am Persischen Golf am deutlichsten zutage getretene Weg internationaler Zusammenarbeit markiert
einen radikalen Wandel im sowjetischen Verhalten.
Dennoch ist der Kurs der Veränderungen innerhalb der
Sowjetunion entschieden weniger deutlich. Die wirtschaftlichen und politischen Reformen stehen dort vor
einer ernsthaften Herausforderung. Die sowjetischen
Bürger sehen sich angesichts des Zusammenbruchs
der alten Ordnung mit erschreckenden Wirtschaftsbedingungen konfrontiert, während die neue Ordnung
noch in den Geburtswehen liegt. Ihre hart erkämpften
Freiheiten sind durch althergebrachte Nationalitätenkonflikte, Konflikte zwischen den Republiken und zwischen den Republiken und der Zentralregierung gefährdet und kommen zu den monumentalen Herausforderungen hinzu, denen sie sich gegenübersehen.
Die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber der
Sowjetunion in diesen schwierigen Zeiten besteht vor
allem darin, die Bestrebungen zum Aufbau kooperativer Beziehungen fortzusetzen, die es unseren beiden
und vielen anderen Nationen ermöglicht haben, den
internationalen Frieden und Stabilität zu stärken.
Gleichzeitig werden wir weiterhin den Reformprozeß in
der Sowjetunion unterstützen, der politische und wirtschaftliche Freiheit zum Ziel hat - einen Prozeß, der
unseres Erachtens auf friedlichen Dialog und Verhandlungen aufbauen muß. Diese Politik verfolgen wir
unerschütterlich sowohl in unseren Gesprächen mit
der sowjetischen Zentralregierung als auch mit allen
im politischen Leben der Sowjetunion engagierten
Elementen.
Lassen Sie mich eines eindeutig klarstellen. Der vor
der Sowjetunion liegende Weg wird schwierig und
gelegentlich außerordentlich schmerzlich sein. Die
Geschichte wiegt schwer auf allen Völkern in der
Sowjetunion - die Befreiung von 70 Jahren kommunistischer Herrschaft, von tausend Jahren der Autokratie. Dieser Prozeß wird sich langsam vollziehen. Es

Seite 3

�wird Rückschläge geben. Aber dieser Reformprozeß,
dieser Umbruch von innen muß weitergehen. Wenn
die Zusammenarbeit mit anderen Ländern und unsere
Fortschritte zu echtem internationalem Frieden von
Dauer sein sollen, muß ihm Erfolg beschieden sein.
Nur wenn diese Umgestaltung vollzogen sein wird,
können wir die sich durch diese neue und umfassende
Weltordnung bietenden Möglichkeiten voll und ganz
ausschöpfen.

Was aber diese Nation definiert, was dieses Amerika
ausmacht, sind nicht unsere Bindungen an ein Stück
Land oder unsere Blutsbande. Was uns Amerikaner
ausmacht, ist unser Glaube an die Idee, daß alle
Völker überall auf der Welt frei sein müssen. Diese
Idee ist so alt und so beständig wie diese Nation selbst.
Sie ist in dem, was wir sind, als implizites Versprechen
an die ganze Welt in den Worten unserer Unabhängigkeitserklärung enthalten.

Die neue Weltordnung ist in der Tat ein Instrument zur
Bewältigung der neuen Welt der Möglichkeiten. Diese
Ordnung erhält ihre Aufgabe und Gestalt nicht nur aus
gemeinsamen Interessen sondern auch aus gemeinsamen Idealen. Und die Ideale, die neue Freiheiten auf
der ganzen Welt hervorgebracht haben, fanden ihren
kühnsten und deutlichsten Ausruckin unserem großen
Land, den Vereinigten Staaten.

Die vor uns liegende neue Welt - und ich wünschte, ich
hätte Ihr Alter - ist eine wundervolle Welt der Entdekkung, eine Welt, die sich der Freisetzung der Versprechungen der Freiheit verschrieben hat. Sie ist genausowenig gegliedert wie ein Traum, genausowenig
reglementiert wie der Geniestreich eines Erfinders.
Wenn wir uns selbst und unseren Werten vertrauen,
wenn wir unseren Pioniergeist zur Erforschung der
Welt jenseits unserer Ufer beibehalten, wenn wir das
Engagement für die Welt anstreben, die uns ruft, dann
und nur dann wird Amerika dem besten in uns gerecht.

Niemals zuvor hat die Welt so sehr auf die Vereinigten
Staaten als Vorbild geblickt wie heute. Nie zuvor
haben so viele Millionen Menschen Hoffnung aus der
amerikanischen Idee geschöpft. Und der Grund dafür
liegt auf der Hand. Im Gegensatz zu allen anderen
Nationen der Welt erfreuen wir Amerikaner uns der
tiefen und geheimnisvollen Bande der Zuneigung und
des Idealismus. Wir fühlen unsere tiefe Verbundenheit
zu Gemeinschaft, Familie und unseren Überzeugungen.

*

Seite 4

Möge Gott unsere große Nation, die Vereinigten Staaten von Amerika, schützen. Ich danke Ihnen allen für
das, was Sie für die Freiheit und unsere grundlegenden Werte getan haben.
Vielen Dank.

* * *

*

AMERIKA DIENST 15

�NAHER

OSTEN
17. April 1991

US-TRUPPEN HELFEN BEI EINRICHTUNG VON
FLÜCHTLINGSLAGERN IM IRAK
Pressekonferenz von Präsident Bush
WASHINGTON - (AD) - Bei einer Pressekonferenz hat Präsident Bush am 16. April 1991 erklärt, er werde als
Teil "erheblich erweiterter und ehrgeizigerer Hilfsbemühungen" amerikanische Truppen in den Nordirak
entsenden, um bei der Einrichtung vorübergehender Flüchtlingslager zu helfen, die den Vereinten Nationen
übergeben würden.
"Wenn wir den in den Gebirgen entlang der türkisch-irakischen Grenze lebenden Kurden keine ausreichende
Nahrung, Kleidung, Medikamente und Unterkünfte liefern können, müssen wir die Kurden ermutigen, in Gebiete
im Nordirak zu gehen, in denen die geographischen Voraussetzungen solch umfangreiche Hilfsmaßnahmen
erleichtern, anstatt sie zunichte zu machen", stellte Bush fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz des Präsidenten in wesentlichen Auszügen.

Bush: Ich werde zunächst eine kurze Erklärung
abgeben und danach gern einige Fragen beantworten.
Vor elf Tagen, am 5. April 1991, habe ich angekündigt,
daß die Vereinigten Staaten Maßnahmen einleiten
würden, die sich bald zur größten amerikanischen
Hilfsaktion der modernen Militärgeschichte entwickelten. Dieses Vorgehen wurde durch die schreckliche
menschliche Tragödie erforderlich, die sich infolge von
Saddam Husseins brutaler Behandlung irakischer Bürger
im und um den Irak ergab.
Innerhalb von 48 Stunden stellte unsere Operation
viele Tonnen Nahrungsmittel, Wasser, Mäntel, Zelte,
Decken und Medikamente für die irakischen Kurden im
Nordirak und in der Südtürkei bereit. Der Umfang
dieser Bemühungen ist wirklich einmalig, und doch
bleibt die Tatsache bestehen, daß das Ausmaß des
Problems noch größer ist. Hunderttausende irakischer Kurden befinden sich in schwer zugänglichen
Bergregionen in der Südtürkei und entlang der türkisch-irakischen Grenze.
Die Regierung der Türkei hat zusammen mit amerikanischen, britischen und französischen Militäreinheiten
und zahlreichen internationalen Organisationen eine
massive Hilfsaktion eingeleitet. Aber trotz dieser
Bemühungen fordern Hunger, Unterernährung, Krankheiten und das Klima ihren grausamen Tribut. Nie-

AMERIKA DIENST 15

mand kann die Bilder sehen oder die Berichte über das
menschliche Leid anhören - von Männern, Frauen und,
was am schmerzlichsten ist, von unschuldigen Kindern -, ohne davon tief betroffen zu sein.
Aus diesem Grund kündige ich heute nachmittag nach
Konsultationen mit Premierminister Major, Präsident
Mitterrand, Präsident özal, Bundeskanzler Kohl und
UN-Generalsekretär Perez de Cuellar erheblich erweiterte und ehrgeizigere Hilfsbemühungen an. Der Ansatz
ist ziemlich einfach: Wenn wir den in den Gebirgen
entlang der türkisch-irakischen Grenze lebenden Kurden keine ausreichende Nahrung, Kleidung, Medikamente und Unterkünfte liefern können, müssen wir die
Kurden ermutigen, in Gebiete im Nordirak zu gehen, in
denen die geographischen Voraussetzungen solch
umfangreiche Hilfmaßnahmen erleichtern, anstatt sie
zunichte zu machen.
Im Einklang mit der Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats und in enger Abstimmung mit den Vereinten
Nationen und anderen internationalen Hilfsorganisationen sowie unseren europäischen Partnern habe ich
das amerikanische Militär angewiesen, unverzüglich
damit zu beginnen, mehrere Lager im Nordirak einzurichten, in denen für diese Flüchtlinge Hilfsgüter in
großem Umfang zur Verfügung gestellt und ordnungsgemäß verteilt werden.

Seite 1

�Ich kann gut nachempfinden, daß viele Kurden Grund
haben, bei einer Rückkehr in den Irak um ihre Sicherheit zu fürchten, und ich möchte ihnen hiermit versichern, daß in diesen Übergangslagem ausreichende
Sicherheit durch amerikanische, britische und französische Truppen gewährleistet ist. Auch dies steht im
Einklang mit Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats.
Wir hoffen, daß sich auch andere Mitglieder der Koalition an diesen Bemühungen beteiligen werden.
Ich möchte unterstreichen, daß alles, was wir tun, aus
humanitären Gründen geschieht. Wir erwarten weiterhin, daß die Regierung des Irak diese neuesten Hilfsbemühungen in keiner Weise stört. Das Verbot von
Flügen irakischer Starr- und Drehflügler nördlich des
36. Breitengrads bleibt bestehen.
Ich möchte ferner betonen, daß diese neuen Bemühungen trotz ihres Ausmaßes und Umfangs nicht als
Dauerlösung für die Notlage der Kurden gedacht sind.
Im Gegenteil, sie stellen eine vorübergehende Maßnahme dar, um unmittelbare und tiefgreifende menschliche Bedürfnisse zu erfüllen. Unser langfristiges Ziel
bleibt bestehen: daß die irakischen Kurden und alle
anderen irakischen Flüchtlinge, wo immer sie sich
aufhalten, nach Hause zurückkehren und dort in Frieden, ohne Unterdrückung und in Freiheit leben können.
Ich möchte darüber hinaus darauf verweisen, daß wir
uns auch über die irakischen Flüchtlinge entlang der
irakisch-iranischen Grenze und im Iran akute Sorgen
machen. Ich möchte die Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft für ihre Bemühungen loben, die
Not in diesem Gebiet zu lindern. Auch wir haben
angeboten, zu den internationalen Bemühungen zur
Bewältigung dieser humanitären Herausforderung einen
Beitrag zu leisten.
Wie ich bereits ausgeführt habe, stellen die heute
angekündigten Hilfsmaßnahmen ihrem Ausmaß und
Ansatz nach ein grundverschiedenes Unterfangen dar.
Was sich jedoch nicht verändert hat, ist die zugrundeliegende Politik. Ich habe stets erklärt, daß sich die
Vereinigten Staaten nicht militärisch in die inneren
Angelegenheiten des Irak einmischen und riskieren
werden, sich in einen Sumpf ziehen zu lassen wie in
Vietnam. Das ist auch weiterhin der Fall. Wir werden
auch keine Besatzungsmacht mit amerikanischen
Truppen werden, die auf den Straßen Bagdads patrouillieren.
Wir möchten die Verwaltung sowie die Sicherheit
dieser Orte sobald wie möglich den Vereinten Nationen anvertrauen, so wie wir unsere Verpflichtung
erfüllen, unsere Truppen entlang der Südgrenze des
Irak mit Kuwait abzuziehen und die Verantwortung den
UNO-Truppen zu übergeben.

Seite 2

Wir müssen jedoch alles in unserer Macht Stehende
tun, um das Leben unschuldiger Menschen zu retten.
Das entspricht der amerikanischen Tradition, und wir
werden dieser Tradition weiterhin gerecht werden.
Frage: Herr Präsident, Schätzungen Ihrer Regierung
zufolge sterben täglich bis zu tausend Kurden. Was
entgegnen Sie den Kritikern, die behaupten, Sie hätten
zu wenig und zu spät gehandelt und Sie hätten gerade
den Menschen den Rücken zugekehrt, die Sie zum
Aufstand gegen Saddam Hussein ermutigt haben?
Antwort: Ich bin nicht der Meinung, wir hätten zu
wenig und zu spät reagiert. Es handelt sich hier um ein
äußerst schwieriges logistisches Problem. Und wie ich
in meiner Erklärung feststellte, haben wir große Mengen an Hilfsgütern dorthin geschickt, und zwar nicht
nur die Vereinigten Staaten, sondern auch andere
Länder und zahlreiche private Hilfsorganisationen leisten dort Unterstützung. Dies ist unsere Politik. Ich
glaube jedoch, daß wir heute eine bessere Chance
haben, um die Hilfsmaßnahmen zu erleichtern und die
Kurden durch dieses von mir heute verkündete Programm in eine bessere Lage zu bringen. Es haben
sehr umfangreiche Konsultationen mit den Türken und
anderen stattgefunden, die sich hieran beteiligen. Aber,
das andere von Ihnen Vorgebrachte kann ich einfach
nicht akzeptieren.
Frage: Wie lange wird es Ihrer Meinung nach dauern,
bis die UNO-Truppen von den Amerikanern und anderen Verbündeten die Verantwortung übernehmen
können?
Antwort: Das wissen wir nicht. Natürlich je eher,
desto besser. Die UNO-Truppen werden in den Süden
einrücken - die Blauhelme -, und wir hoffen und erwarten, daß dies in wenigen Tagen geschehen sein wird.
Aber mit diesem Unternehmen beginnen wir gerade
erst, und wir müssen zunächst feststellen, was zu tun
ist. Es könnte eine UNO-Friedenstruppe oder Blauhelme der Vereinten Nationen dort erforderlich werden,
eine neue Resolution des Sicherheitsrats. Dabei geht
es um ein kompliziertes Problem angesichts der Tatsache, daß einige der Mitglieder, die im Rahmen der
Koalition voll und ganz hinter uns standen, mit einem
solchen Vorgehen Probleme haben könnten.
Frage: Herr Präsident, Sie sprechen sich von jeder
Verantwortung frei, und doch haben Sie erwiesenermaßen wiederholt die Iraker aufgefordert, die Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen, und Sie haben
nie gesagt: Nicht ihr, die Kurden oder nicht ihr, die
Schiiten. Wie können Sie dies dann weiterhin sich
selbst gegenüber rechtfertigen, wenn das Gewissen
der Welt dadurch geweckt wurde und wir die Bilder
dieser schrecklichen Leiden sehen...

AMERIKA DIENST 15

�Antwort: Nun, ich denke, daß alle Amerikaner...
Frage: Natürlich wurden Sie davon überrascht, und
Sie hatten keine langfristige Politik für das, was letztlich geschehen würde. Werden sie für den Rest ihres
Lebens Flüchtlinge bleiben?
Antwort: Ich hoffe nicht. Es gibt bereits genug
Dauerflüchtlinge, und wir versuchen, in verschiedenen
Gebieten etwas dagegen zu unternehmen. Die Ziele
waren von Anfang an sehr klar definiert, und zu diesen
Zielen gehörte nie die Eroberung von Bagdad oder der
Tod und die persönliche Vernichtung Saddam Husseins. Es gab viele Leute, die mir von Anfang an
erklärten, ich solle die Sanktionen greifen lassen. Laß
die Sanktionen wirken. Unternimm nichts gegen die
Aggression. Wir haben eine internationale Koalition
historisch einmaligen Ausmaßes angeführt und die
Ziele verwirklicht.
Sie fragen mich, ob ich das Kurdenproblem in diesem
Umfang vorhergesehen habe? Die Antwort lautet:
Nein, das habe ich nicht. Aber müssen sich die
Vereinigten Staaten schuldig fühlen, weil sie den Vorschlag gemacht haben, die Iraker sollten ihr Schicksal
in ihre eigenen Hände nehmen, wobei einige dies wohl
so verstanden haben, die Vereinigten Staaten würden
sie dann militärisch unterstützen? Das stimmte nicht.
Das wollten wir damit nicht sagen.
Glaube ich, Saddam Hussein sollte jetzt abgesetzt
werden? Natürlich, weil es keine normalisierten Beziehungen mit den Vereinigten Staaten und wohl auch
nicht mit den Koalitionspartnern geben wird, bis Saddam Hussein aufgibt. Wir werden die Wirtschaftssanktionen fortführen.
Frage: Geben Sie zu, den Aufstand und den Exodus
gefördert zu haben?
Antwort: Ich gebe nicht zu, den Exodus gefördert zu
haben. Ich habe vorgeschlagen - und darüber gibt es
Unterlagen -, das irakische Volk sollte sein Schicksal in
seine eigenen Hände nehmen und Saddam Hussein
hinauswerfen. Das denke ich immer noch, und ich
hoffe, daß es dazu kommt.
Frage: Es gibt Hunderttausende von Flüchtlingen.
Dazu werden viele Soldaten nötig sein. Wieviele
alliierte und US-Truppen greifen im Norden des Iraks
ein?
Antwort: Ich denke, nur relativ wenige, weil meiner
Ansicht nach Saddam Hussein nicht wagen würde,
Gewalt einzusetzen - wenn man seinen heutigen
Zusagen - denen seiner Vertreter - in den Vereinten
Nationen Glauben schenken darf. Aber das Problem
stellt sich anders dar, als wir glauben. Es lautet, was
denken diese kurdischen Flüchtlinge, denen von diesem Mann Gewalt angetan wurde? Sie denken: wir
können ihn nicht beim Wort nehmen. Wir brauchen
eine gewisse Sicherheit.

AMERIKA DIENST 15

Frage: Sie haben bereits erklärt, die Idee einer Schutzzone im Irak selbst nicht zu mögen, aber wird damit
nicht für Monate absehbar, daß US-Truppen kurdische
Flüchtlinge in dieser Region schützen müssen? Wollen Sie es weiterhin im Dunklen lassen, was die Vereinigten Staten unternehmen würden, wenn die Iraker
gegen die kurdischen (unverständlich)...
Antwort: Ich hoffe, wir sprechen nicht von einer
langfristigen Aktion. Wir arbeiten mit den Franzosen
zusammen, die eine Führungsrolle bei den Maßnahmen übernommen haben, die Kurden zur Rückkehr in
ihre Städte zu bewegen. Eine mögliche Präsenz der
UNO auf den Stationen ihres Rückwegs ist im Gespräch. Das wäre eine gute Idee. Ich habe Herrn
Mitterand erklärt, daß er dabei auf meine Unterstützung rechnen kann.
Aber hierbei sollte man nicht langfristig planen. Der
Hauptpunkt, langfristig oder kurzfristig, war von Anfang an, das Leben der Männer, Frauen und Kinder zu
retten, und dies ist jetzt ein logischer nächster Schritt,
um es zu auf sichere und einfühlsame Weise zu
leisten. Manche mögen dies als Intervention in die
inneren Angelegenheiten des Irak betrachten, aber
meiner Ansicht nach ist das humanitäre Problem der
Flüchtlinge so gravierend, daß man auf Verständnis
zählen kann.
Frage: Werden die US-Streitkräfte diese Gebiete
militärisch schützen, und was werden Sie tun, wenn
die Flüchtlinge angegriffen werden?
Antwort: Diese Art Frage wurde mir vor Beginn des
Kriegs gestellt - was werden Sie tun? Wie werden Sie
darauf reagieren? Ich werde Ihnen keine Einzelheiten
mitteilen, sondern nur erklären, daß diese Menschen
geschützt werden. Wir werden ihnen nicht sagen:
kommen Sie von den Bergen, wir werden Sie schützen, und dann schützen wir sie doch nicht.
Frage: Herr Präsident, wieviele Soldaten werden
voraussichtlich daran beteiligt sein? Und wie sehr
können Sie Ihre Sicherheit garantieren?
Antwort: Eine relativ kleine Zahl, und ich bin im
Hinblick auf ihre Sicherheit sehr zuversichtlich. Wir
haben Luftstreitkräfte dort, falls das erforderlich werden sollte. Wir sind in der Lage, nicht nur unsere
eigenen Leute zu schützen, sondern auch die Menschen, zu deren Schutz wir angetreten sind - in diesem
Falle die Flüchtlinge.
Frage: Können Sie dazu noch etwas sagen? Können
Sie ihre Sicherheit wirklich garantieren, und steht das
Ihrer Meinung nach nicht im Widerspruch zu Ihren
früheren Erklärungen, das Leben von US-Soldaten
nicht aufs Spiel setzen zu wollen?
Antwort: Ja, das kann ich. Ich denke, das ist etwas
ganz anderes, und meiner Ansicht nach ist es genau
das, was erforderlich ist, um diesen Menschen zu

Seite 3

�helfen. Manche mögen es so interpretieren, ich tue
das nicht. Ich denke, es geht nur um humanitäre
Gründe. Meiner Ansicht nach sind heute bereits
Ausführungen gemacht worden, daß diese Menschen
sicher sein würden. Ich hoffe, es wird sich als richtig
erweisen.
Frage: Herr Präsident, Sie haben noch nichts zur Lage
im Süden gesagt, wo es Tausende von Schiiten gibt,
die gleichermaßen besorgt sind, wenn die Amerikaner
abziehen. Geben Sie ihnen die gleichen Zusagen, daß
sie nicht angegriffen werden?
Antwort: Genau dieselben. Die Vereinten Nationen
werden bald dort sein, und meiner Meinung nach ist
das eine gute Versicherung, daß sie nicht angegriffen
werden. Die Menschen vergessen, daß die Vereinigten Staaten lange Zeit gute Arbeit geleistet haben.
Unsere Truppen kann man nicht genug loben, daß sie
diese Arbeit mit großem Einsatz und Mitgefühl verrichtet haben. Sie haben hervorragende Arbeit geleistet.
Ich möchte erleben, daß in dieser - neutralen - Region
die Blauhelme einziehen, und dann möchte ich, daß
unsere Soldaten so schnell wie möglich dort abziehen.
Ich möchte sie nach Hause bringen.
Frage: Ihre Frau hat gestern erklärt, Saddam Hussein
könnte für seine Kriegsverbrechen verurteilt und gehängt werden. Teilen Sie diese Meinung?
Antwort: Ich bin selten anderer Meinung als meine
Frau, und das gilt auch in diesem Punkt. Das wichtigste ist jedoch, Saddam Hussein zu bewegen, dort
aufzugeben. Wenn Sie als Vermittler zu mir kämen
und sagten: "Ich kann ihn dort herausbringen, unter
der Bedingung, daß er in einem anderen Land unbehelligt weiterleben kann. Dann würde er niemals
zurückkehren und sein Volk terrorisieren", müßte ich
zwar darüber nachdenken, aber ich wäre unter Umständen bereit zu sagen, wir werden ihn dort herausbringen. Wir wollen so sehr, daß er das Land verläßt,
und es ist meiner Meinung nach so wichtig für die Ruhe
im Land, daß wir die Bedingungen unter Umständen
akzeptieren könnten.
Ob ich ihn der Kriegsverbrechen für schuldig befinde?
Der Umweltterror, die Vergewaltigung und Plünderung
Kuwaits, was er seinem eigenen Volk angetan hat - es
gibt wohl genug Gründe, aufgrund derer er für Kriegsverbrechen verurteilt werden könnte.
Frage: Herr Präsident, Sie sprechen hier davon,
Saddam Hussein loszuwerden und zusätzliche USTruppen in den Irak schicken zu wollen. Wie können
Sie sicher sein, daß die Vereinigten Staaten nicht in die
inneren Angelegenheiten hineingezogen werden - in
den Bürgerkrieg, den Sie so sehr vermeiden wollen.
Antwort: Ich denke positiv, und so beurteilen das
auch die Menschen, die den Krieg so gut überstanden
haben. Ich denke, er würde das nicht riskieren. Saddam

Seite 4

Hussein wird sich nicht wieder so engagieren wollen.
Wir müssen abwarten. Aber ganz sicher werden alle
US-Truppen - wir sprechen nicht über eine große Zahl,
und ich weiß auch nicht, wieviele es genau sind geschützt. Sie werden gut geschützt. Aber ich nehme
das nicht an. Ich erwarte es nicht und meiner Meinung
nach auch nicht der französische Präsident, der britische Premierminister, der UN-Generalsekretär oder
der türkische Präsident - es gibt viele Leute, die an
diesem Problem arbeiten.
Die Lage wird allgemein so beurteilt - und damit lag
man bisher eher richtig als falsch - daß es soweit nicht
kommen wird. Aber wir sind bereit, wenn Gewalt
gegen diese hilflosen Menschen in den Flüchtlingslagern eingesetzt wird.
Frage: Herr Präsident, einige Abgeordnete, die im
Kongreß zunächst gegen die Resolution zum Krieg
gestimmt hatten, erklären heute, Sie hätten die Aufgabe nicht bewältigt und in der Tat ein zweites Vietnam
geschaffen. Wie lautet Ihre Reaktion darauf?
Antwort: Ich muß mich mit meiner Reaktion zurückhalten - auf wen beziehen Sie sich? Auf diejenigen, die
Sanktionen befürworteten oder diejenigen, die den
Einsatz militärischer Gewalt unter allen Umständen
ablehnten?
Frage: Zum Beispiel hat Senator Kennedy gestern
öffentlich erklärt, Sie seien nicht weit genug gegangen,
um die Aufgabe zu Ende zu bringen.
Antwort: Nun, er kann diese Meinung gerne vertreten. Meines Erachtens haben wir die von uns gesteckten Ziele erreicht. Und ich glaube, die ganze Welt wei ß
das. Jetzt sehen wir uns mit einem anderen Problem
konfrontiert- einem immer wiederkehrenden Problem.
Dieser Mann ist schon früher brutal gegen sein Volk
vorgegangen und tut es jetzt wieder.
Ich möchte die Aufmerksamkeit der Kritiker auf unsere
ursprünglichen Ziele lenken - auf die Forderungen der
Vereinten Nationen. Und meines Erachtens wurden
diese Ziele voll und ganz verwirklicht. Ich bin überrascht über diejenigen, die den Einsatz von Gewalt so
vehement ablehnten und jetzt den Einsatz von Gewalt
zur Lösung der Probleme in Bagdad befürworten - aber
das werden wir nicht tun. Und wenn wir Gewalt
einsetzen würden, müßten wir zweifelsohne einen
diplomatischen Ansatz wählen, und das würde ich
ohne die Unterstützung des Kongresses nicht wünschen.
Ich glaube jedoch nicht, daß das erforderlich ist, und so
sollten wir auch nicht vorgehen. Meiner Ansicht nach
wünscht das amerikanische Volk die Heimkehr seiner
Söhne und Töchter - und sie werden nach Hause
zurückkehren. Die einzige Schwierigkeit bei der Rückkehr besteht darin, daß wir die Verantwortung tragen,
alles in unserer Macht Stehende für diese Flüchtlinge
zutun. Das haben wir vom ersten Tag an getan. Und
AMERIKA DIENST 15

�jetzt, angesichts der Verschärfung des Problems und
der Furcht in den Herzen dieser Menschen, in die Täler
hinabzusteigen, unternehmen wir den nächsten Schritt.

ten gehört, daß einige von ihnen Richter und Ärzte
sind, die ein ziemlich angenehmes Leben in den Städten aufgeben mußten.

Das Entscheidende ist jedoch, unsere Männer und
Frauen nach Hause zurückzubringen, und genau das
tun wir im Süden. Jerry hat die richtige Frage gestellt
- welche Garantie haben wir? Die Garantie besteht in
dem Abkommen der Vereinten Nationen, dem der Irak
zugestimmt hat und der Präsenz der Blauhelme der
UN-Friedenstruppe.

Ich hoffe, es kommt zu einer Aussöhnung. Der leichteste Weg zur Versöhnung in diesem Land wäre eine
neue Führung. Daran besteht kein Zweifel.

Frage: Herr Präsident, die Kurden sagen, sie wollen
ein unabhängiges Kurdistan. Das wurde ihnen nach
dem Zweiten Weltkrieg versprochen. Warum sollen
sie es nicht bekommen?

Antwort: Nein, nicht daß ich wüßte.

Antwort: Wie ich bereits gesagt habe, bestand das
Ziel der Vereinigten Staaten nicht in einem zersplitterten, destabilisierten Irak. Das ist die Position unserer
Regierung und der Koalitionsstreitmacht. Das ist die
Antwort.
Frage: Entschuldigen Sie, es war nach dem Ersten
Weltkrieg, daß ihnen ein eigener Staat versprochen
wurde. Ist das für Sie von Bedeutung?
Antwort:
krieg?

Ein Versprechen aus dem Ersten Welt-

Frage: Ja.
Antwort: Nein. Ich sage nein, weil der Irak meines
Erachtens in Frieden und Aussöhung mit den jeweiligen Minderheiten im Irak leben sollte. Im Süden gibt
es Schiiten, in der Landesmitte die Sunniten und die
Anhänger der Baath-Partei und im Norden die Kurden.
Sie sollten ihre Differenzen beilegen und dieses Land
und seine stolze Tradition intakt halten.
Wir werden jedoch nicht den Vorschlag unterbreiten,
daß das Land aufgeteilt werden soll - falls Ihre Frage
darauf abzielte. Ich hoffe, ich habe das von Anfang an
klargestellt.
Frage: Aber können sie je in ihre Heimat zurückkehren, solange Saddam Hussein an der Macht ist?
Antwort: Ja, ich hoffe sehr. Das ist eine gute Frage.
Sie haben Todesangst, in die Täler hinabzusteigen.
Sie müssen jedoch eine Entscheidung treffen. Ich
hoffe, daß der Plan von Francois Mitterrand zum
Tragen kommt - der Vorschlag, Wegestationen einzurichten, damit die Menschen zurückkehren können.
Saddam Hussein hat ihnen gesagt, sie könnten zurückkommen - aber sie schenken seinen Worten keinen Glauben. Sie sind von ihm getäuscht worden. Ich
hoffe sehr, daß sie eines Tages nach Hause zurückkehren können. Viele von ihnen gehören nicht zur
Landbevölkerung. Gestern habe ich in den Nachrich-

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Frage: Herr Präsident, gibt es Verhandlungen hinter
verschlossenen Türen über Saddam Husseins Zukunft? Kommen Unterhändler zu Ihnen?

Frage: Ist er jetzt eher zur Machtaufgabe bereit?
Antwort: Ich denke ja, aber ich kann es nicht beweisen.
Frage: Und niemand ist zu Ihnen gekommen, um zu
vermitteln?
Antwort: Nun, es gibt zahlreiche Widerstandsgruppen und viele Menschen, die seinen Abgang begrüßen
würden. Aber sie sind nicht an mich herangetreten. Es
besteht jedoch kein Zweifel daran, daß viele Iraker für
seinen Abgang sind. Wenn Ihre Frage jedoch darauf
abzielt, ob sie ins Weiße Haus gekommen sind oder
Vorschläge dieser Art unterbreitet haben - meines
Wissens nicht.
Frage: Herr Präsident, Sie haben erwähnt, die Lage
im Iran sei ebenso schwierig. Ihr Plan scheint sich
jedoch nur mit der Situation im Irak zu befassen, und
vielleicht Ihrem Freund, Präsident Özal, zu helfen.
Warum enthält er keine Vorschläge zu den Flüchtlingen im Iran, die noch zahlreicher sind?
Antwort: Wir haben dem Iran Hilfe angeboten. Wie
Sie wissen, unterhalten wir andere Beziehungen mit
dem Staat Iran. Die Deutschen haben mehrere Hundert Millionen...
Scowcroft: 250 Millionen D-Mark.
Antwort: 250 Millionen D-Mark an Hilfe für die Flüchtlinge im Iran bereitgestellt. Verschiedene Wohltätigkeitsorganisationen haben Hilfsprogramme in die Wege
geleitet - Americare hat bereits Arzneimittel geschickt.
Wir wollen dort helfen. Aber wir müssen realistisch
sein. Der Iran unterhält immer noch gespannte Beziehungen mit den Vereinigten Staaten. Und das wurde
verschiedenen Besuchern gegenüber eindeutig klargestellt. Aber andere springen in die Bresche und
helfen ebenso wie wir den Schiiten im Süden. Bis zu
30.000 Flüchtlingen wurde dank des amerikanischen
Einsatzes geholfen.
Frage: Besteht die Möglichkeit zu einer Verbesserung
unserer Beziehungen zum Iran?

Seite 5

�Antwort: Das hoffe ich. Ich habe immer wieder
gesagt, daß ich verbesserte Beziehungen zum Iran
begrüßen würde. Sie wissen, worum es in unseren
Gesprächen geht - um die Geiseln. Ich werde die als
Geiseln festgehaltenen Amerikaner nicht vergessen.
Ich möchte damit nicht sagen, daß der Iran sie festhält,
aber der Iran könnte großen Einfluß auf ihre Freilassung haben.
Ja, ich hoffe, unsere Beziehungen verbessern sich. Im
Hinblick auf den Iran muß man sich eines vor Augen
führen. Vom ersten Tag an war der Iran besorgt über
die amerikanische Militärpräsenz am Golf. Vom ersten
Tag an bestand sein ganzes Problem darin, daß man
nicht glaubte, wir würden vom Golf abziehen, obwohl
unser Militär schließlich gegen den größten Feind des
Iran eingestzt wurde. Ich hoffe, mit dem Abzug unserer Truppen - und mehrere Hunderttausend sind bereits nach Hause zurückgekehrt und weitere folgen so
rasch wie möglich nach - wird die Furcht, die Iran und
die Vereinigten Staaten getrennt hat, beseitigt.

Frage:
nach?

Wie stehen die Aussichten Ihrer Meinung

Antwort: Ziemlich gut, würde ich sagen. Es gibt zwei
Problembereiche, die wir teilen. Wir beide wünschen
die vollständige Verwirklichung eines KSE-Abkommens. Es gibt ein Abkommen, aber aus unserer Sicht
haben sie einen kleinen Rückzieher gemacht, und wir
versuchen, diese Differenzen beizulegen.
Zweitens haben wir dieses spezielle Gipfeltreffen von
einem START-Abkommen abhängig gemacht. Wir
arbeiten daran. Ich habe mit Richard Burt gesprochen,
der bisher Unterhändler in dieser Angelegenheit war,
und er ist nicht allzu pessimistisch. Aber wir haben die
ganze Zeit gesagt, worauf es ankommt.

Frage: Herr Präsident, was können Sie uns über
Fortschritte im Hinblick auf ein Gipfeltreffen sagen?
Haben Sie und Präsident Gorbatschow Gespräche
geführt?

Das soll jedoch nicht heißen, daß wir uns überhaupt
nicht mit Präsident Gorbatschow zusammensetzen,
wenn diese beiden Probleme nicht gelöst werden. Wir
haben viele gemeinsame Probleme und Anliegen.
Eines davon ist der gesamte Nahe Osten und das
Problem der Flüchtlinge. Wir sollten uns jedoch auf
diesen Gipfel konzentrieren, aber die Möglichkeit haben,
sagen zu können, KSE steht nicht allzu schlecht da,
und ein START-Abkommen wird unterzeichnet.

Antwort: Nicht in jüngster Zeit.

Dies ist meine Position in dieser Angelegenheit.

* * * *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 15

�NAHER

OSTEN
17. April 1991

KOORDINIERTE BESTREBUNGEN ZUR
UNTERSTÜTZUNG DER IRAKISCHEN FLÜCHTLINGE
IN DIE WEGE GELEITET
Darstellung der internationalen Zusammenarbeit

WASHINGTON - (AD) - "Die Welt reagiert rasch und
entschlossen, um Saddam Husseins Einsatz von Gewalt
gegen sein eigenes Volk zu bekämpfen", erklärte der
Pressesprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater, am 9. April 1991, und es werden koordinierte internationale Bestrebungen in die Wege geleitet, um den
Hunderttausenden irakischen Flüchtlingen Unterstützung zu gewähren.
"Die internationale Staatengemeinschaft hat erneut
die Reihen geschlossen und besteht darauf, daß der
Irak die Repression beendet und den unverzüglichen
und ungehinderten Zugang internationaler Organisation zu allen Hilfsbedürftigen im Land gestattet", so der
Sprecher des Wei ßen Hauses vor Vertretern der Presse.
Fitzwater stellte fest, daß der Generalsekretär der
Vereinten Nationen, Perez de Cuellar, den ehemaligen
Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen
gebeten hat, die Verantwortung für den Schutz und die
Versorgung der Flüchtlinge und Vertriebenen in den
Gebieten im Süden Iraks zu übernehmen, die jetzt von
den Koalitionsstreitkräften besetzt sind.
Die Vertreter des Flüchtlingskommissars sind Fitzwater zufolge angewiesen, "soviel Hilfe wie möglich und
so schnell wie möglich bereitzustellen und ein Team in
den südlichen Irak zu entsenden, um die Bedürfnisse
der vertriebenen Zivilisten festzustellen."
Um die hohen Summen zur Finanzierung dieser
Operation aufzubringen, so Fitzwater, arbeiten die
Vereinigten Staaten eng mit der Europäischen Gemeinschaft und dem UN-Generalsekretär zusammen.
Er erklärte, die in Europa gelagerten Hilfssendungen

AMERIKA DIENST 15

der Vereinigten Staaten würden unverzüglich in die
Türkei transportiert, wo Schätzungen der Vereinten
Nationen zufolge über 270.000 irakische Kurden die
Grenze überquert haben und sich weitere 250.000 in
unmittelbarer Nähe der Grenze im Irak aufhalten.
"Wir legen einen weltweiten Bestand an Hilfsgütern
an, so daß wir andere Regierungen so bald wie möglich
um die Hilfsgüter bitten können, die von den Flüchtlingen besonders benötigt werden", erklärte Fitzwater.
Beim Aufbringen der Mittel, so der Sprecher, prüfen
amerikanische RegierungsVertreter bestehende Konten auf mögliche Quellen und haben das Problem
Vertretern der Koordinierungsgruppe Golfhilfe vorgetragen, die sich bisher mit der Unterstützung im Golfkrieg befaßt hatten.
Fitzwater erinnerte daran, daß die Vereinigten Staaten
seit Beginn der Krise am 2. August vergangenen
Jahres, als der Irak in Kuwait einfiel, an UN-Behörden
und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz 35
Millionen Dollar an Bargeld, Zuschüssen und Sachgütern geleistet haben. Er fügte hinzu, am 5. April hätten
die Vereinigten Staaten erklärt, zusätzlich würden
durch das Rote Kreuz und UNICEF 11 Millionen Dollar
an humanitärer Hilfe bereitgestellt.
Der Sprecher verwies ferner darauf, daß die Europäische Gemeinschaft einen Beitrag von 180 Millionen
Dollar für die Nothilfe zugesagt hat.
Fitzwater erklärte, im Gebiet des von US-Truppen
besetzten südlichen Irak stellten die Streitkräfte den
etwa 40 000 Flüchtlingen und Vertriebenen weiterhin
medizinische Versorgung, Lebensmittel, Wasser und

Seite 1

�Obdach zur Verfügung. In den ersten zwei Tagen
wurden im Rahmen der Operation Provide Comfort der Abwurf von Hilfsgütern aus Militärflugzeugen für
die Flüchtlinge im Norden -18 Einsätze geflogen und
über 80 Tonnen Hilfsgüter für die Bedürftigen abgeworfen.
Im Außenministerium beschrieb der stellvertretende
Sprecher Richard Boucher den Flüchtlingsstrom aus
dem Irak als "massives" humanitäres Problem, das
nach einer "massiven" internationalen Reaktion verlangt. Er erläuterte, daß die Vereinten Nationen befugt
sind, den Flüchtlingen auf beiden Seiten der irakischen
Grenze zu helfen.
Boucher erklärte gegenüber Journalisten, Regierungsvertreter glaubten, die Weltorganisation müsse eine
"zentrale Rolle" bei der Katastrophenhilfe spielen und
sicherstellen, daß die irakische Regierung im Einklang
mit den am 5. April verabschiedeten Bestimmungen
der Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats kooperiert.
"Unserer Meinung nach gewährt Resolution 688 das
Recht, den Flüchtlingen grenzüberschreitend zu helfen," erklärte Boucher. "Wenn der Irak eine Kooperation mit dieser internationalen Bestrebung verweigern
würde, müßten wir andere Optionen erwägen, einschließlich weiterer Maßnahmen der Vereinten Nationen." Er fügte hinzu, daß die Vereinigten Staaten der
Meinung seien, die Resolution "bietet die Befugnis,
diese Arbeit zu leisten".
Resolution 688 verurteilt die Unterdrückung der irakischen Zivilbevölkerung durch die Regierung und bezeichnet die Konsequenzen dieser Unterdrückung als
Bedrohung für den Weltfrieden und die Sicherheit in
der Region. Sie fordert, daß der Irak diese Unterdrükkung unverzüglich aufgibt.
Boucher erklärte, der Sicherheitsrat "untersucht eine
Reihe von Vorschlägen zur Notfallhilfe" für die Vertriebenen.
Auf die Frage nach dem Vorschlag der Europäischen
Gemeinschaft, im Norden und Süden Iraks Schutzzonen für die Flüchtlinge zu schaffen, erklärte der stellvertretende Sprecher, dieser Vorschlag werde zusammen mit anderen Erwägungen gegenwärtig in den
Vereinten Nationen erörtert.
Boucher erinnerte daran, "die Idee eines Refugiums,
einer Enklave, einer Pufferzone, ist bei verschiedenen
Gelegenheiten immer wieder diskutiert worden. Darüber sprechen wir mit unseren Verbündeten in New
York."
Er betonte, die grenzüberschreitende Flüchtlingshilfe
beeinträchtige nicht die territoriale Integrität des Irak,
die von den Vereinigten Staaten weiterhin respektiert
wird. "Wir stehen hier vor einem internationalen Problem, einem humanitären Problem", wie diesen Flüchtlingen geholfen werden kann.

Seite 2

Boucher teilte mit, daß Unterorganisationen der UNO
der Türkei Hilfsgüter für 20.000 Menschen und medizinische Ausrüstung für 110.000 Menschen geliefert
hätten. Das US-Amt für Internationale Entwicklung
habe in den vergangenen Tagen 275.000 Dollar für
den Ankauf von Wasser, Decken, Kleidung und Säuglingsnahrung vor Ort zur Verfügung gestellt.
Das US-Verteidigungsministerium habe mitgeteilt, daß
mit 12 militärischen Hilfsflügen - neun amerikanischen,
zwei britischen und einem französischen - am 8. April
57,6 Tonnen Hilfsgüter für Flüchtlinge abgeworfen
wurden. Weitere 17 Hilfsflüge waren für den 9. April
vorgesehen.
Im Hinblick auf die Lage an der irakisch-iranischen
Grenze erklärte der stellvertretende Sprecher, daß
zwischen 400.000 und 700.000 irakische Zivilisten zumeist Kurden - Zuflucht im Iran suchten und möglicherweise 500.000 bis 700.000 weitere die Grenze
bereits überschritten hätten. Das Internationale Rote
Kreuz bemühe sich in Zusammenarbeit mit dem Roten
Halbmond darum, diesen Flüchtlingen zu helfen.
Boucher zufolge sind die Vereinigten Staaten auch
weiterhin bestrebt, den Flüchtlingen im irakisch-iranischen Grenzgebiet über die multilateralen Hilfsorganisationen Hilfsgüter zu liefern.
Im Weißen Haus teilte Fitzwater mit, daß täglich etwa
5.000 amerikanische Soldaten aus dem Golfgebiet
abgezogen werden. Zur Zeit stünden dort noch etwa
350.000 Soldaten, gegenüber 540.000 bei Kriegsende, erklärte er.
Im Hinblick auf die noch im Südirak stehenden Truppen stellte derSprecherdes Präsidenten fest: "Sobald
die UNO-Beobachter ihre Stellungen dort einnehmen,
werden wir unseren Rückzug beschleunigen, bis alle
unsere Truppen das Land verlassen haben. Wir
können nicht genau sagen, wann alle unsere Truppen
dort abgezogen sein werden, aber wir nehmen an, daß
dies eine Frage von Tagen, nicht von Monaten, sein
wird."
"Wir werden während dieses Zeitraums unsere Überwachungsflüge im Land fortsetzen, um zu gewährleisten, daß die Waffenstillstandsresolution der UNO
fristgemäß durchgeführt wird", fügte Fitzwater hinzu.
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen beabsichtigt, bis Ende der Woche eine Beobachtertruppe
im Irak zu stationieren. Diese Stationierung solle bis
Ende nächster Woche abgeschlossen sein, erklärte
Fitzwater vor Journalisten. Die Beobachtermission
solle bewaffnetes und unbewaffnetes Militärpersonal
aus Mitgliedstaaten der UNO umfassen und ihre Waffen
nur zur Selbstverteidigung benutzen dürfen.
Fitzwater stellte fest, die Mission, die die entmilitarisierte Zone zwischen dem Irak und Kuwait überwachen wird, werde insgesamt aus 1.400 Personen

AMERIKA DIENST 15

�bestehen, darunter300 Militärbeobachter, eine Einheit
mit Starrflüglem und leichten Hubschraubern sowie
eine Logistikeinheit. Fünf von in der Region stationierten Friedenstruppen ausgeliehene Kompanien würden in den ersten vier Wochen die Sicherheit der
Beobachter gewährleisten.
"Der Generalsekretär geht davon aus, daß die Regierungen von Kuwait und Irak alle Aspekte der zivilen
Verwaltung in den jeweiligen Teilen der entmilitarisierten Zone wahrnehmen werden, einschließlich der
Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung", erklärte
Fitzwater. Die UNO schätzt die Kosten für die Operationen im Rahmen dieser Mission auf 83 Millionen
Dollar in den ersten sechs Monaten und 40 Millionen in
den darauffolgenden sechs Monaten, erklärte der
Präsidentensprecher.

abwarten, nach welchen Gesichtspunkten der Generalsekretär diese Truppe zusammenstellt... Wir solltern sehr bald darüber Bescheid wissen."
Bis zum 3. April 1991 hatten 26 Staaten und internationale Organisationen nahezu 137 Millionen Dollar an
Bargeld, Nahrungsmitteln, Hilfsgütern und Gerät für
die Menschen bereitgestellt, die durch die irakische
Invasion Kuwaits und deren Folgen zu Flüchtlingen
wurden.
Der amerikanische Beitrag zu diesen Bemühungen
setzt sich folgendermaßen zusammen (in Dollar):

1.000.000

UNHCR (Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen)

Das Hauptquartier der Mission wird sich Fitzwater
zufolge in der entmilitarisierten Zone befinden, es wird
jedoch auch eine logistische Basis und Verbindungsbüros in Kuwait City und Bagdad unterhalten. Darüber
hinaus werde es anfänglich auch ein Verbindungsbüro
zu den Koalitionsstreitkräften im Südirak geben.

1.000.000

IKRK (Internationales Komitee
vom Roten Kreuz

750.000

IOM (Internationale Organisation
für Migration)

250.000

"Über die Frage der amerikanischen Beteiligung wurde noch nicht entschieden", erklärte Fitzwater. "Wie
der Präsident am Wochenende feststellte, wären wir
bereit (teilzunehmen), aber wir müssen zunächst

Türkischer Roter Halbmond
(UNDRO)

4.600.000

Nahrungsmittelhilfe
Welternährungsprogramm

AMERIKA DIENST 15

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�NAHER

OSTEN
17. April 1991

HUMANITÄRE US-HILFE FÜR IRAKISCHE
FLÜCHTLINGE
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentlichte Übersicht über Bestrebungen der Vereinigten Staaten,
den irakischen Flüchtlingen zu helfen, wurde am 11. April 1991 vom Weißen Haus herausgegeben.

I. Frühe Reaktionen und Planungen zum
Flüchtlingsproblem
Die Vereinigten Staaten leisteten für die nach der
irakischen Invasion Kuwaits in Jordanien eintreffenden Flüchtlinge einen Beitrag von 28 Millionen Dollar.
Wir haben uns aktiv an der Organisation internationaler Maßnahmen zur Bewältigung der Krise beteiligt,
insbesondere der Rückführung von Bürgern aus Drittländern.
Später haben die Vereinigten Staaten die Vorbereitungen der Vereinten Nationen für 400.000 potentielle
Flüchtlinge mitorganisiert und dafür 7,6 Millionen Dollar bereitgestellt. Wir erhielten Zusagen in Höhe von
38 Millionen Dollar, und in der Türkei, Jordanien,
Syrien und dem Iran wurden für jeweils 100.000 Flüchtlinge vier Einheiten mit Nachschub für die Flüchtlingshilfe geschaffen.
II. Katastrophenhilfe im besetzten Südirak
Die Vereinigten Staaten leisten seit dem 28. Februar
im Süden des Irak humanitäre Hilfe. Bis heute haben
die CENTCOM-Streitkräfte über 500.000 Mahlzeiten
und 3,8 Millionen Liter Wasser verteilt, mehr als 5.000
kranke Iraker behandelt und über 350 irakische Zivilisten evakuiert, damit sie in amerikanischen oder saudiarabischen Krankenhäusern behandelt werden können. Darüber hinaus haben US-Truppen in Safwan
einen Brunnen für die Zivilbevölkerung gebohrt, der
täglich 110.000 Liter Wasser spendet. Ferner hat man
in Amerika bisher nur einen Bruchteil der guten Taten
von US-Soldaten gesehen, die den irakischen Flüchtlingen Nahrungsmittel und Wasser geben.

AMERIKA DIENST 15

Täglich leistet CENTCOM folgendes:
die klinische Behandlung von über 150 Irakern
täglich, wobei der Schwerpunkt auf der Behandlung von Kindern liegt,
600 Patienten werden täglich ambulant behandelt,
27.000 bis 30.000 Iraker werden täglich mit
Lebensmitteln versorgt,
die Iraker erhalten Material, um selbst Unterstände zu bauen,
südlich von Safwan gibt es ein Lager für 6.000
Flüchtlinge und
Schutz für die irakischen Flüchtlinge
III. Hilfsbestrebungen für die irakischen Kurden
Das dramatische Ausmaß des kurdischen Flüchtlingsproblems wurde in der ersten Aprilwoche deutlich. Bis
zum 4. April waren alternative Vorgehensweisen erarbeitetworden, um auf dem Luftweg massive Unterstützung bereitzustellen und der Präsident traf am Morgen
des 5. April die Entscheidung, dies in die Wege zu
leiten. Die Vereinigten Staaten haben sich ernsthaft
bemüht, den größtmöglichen internationalen Beitrag
zu diesen Bestrebungen zu erhalten.
Dem amerikanischen Militär wurde die Aufgabe übertragen, den Flüchtlingen im Nordirak und der südlichen
Türkei humanitäre Hilfsgüter wie Nahrungsmittel,
Wasser, Zelte und medizinische Notversorgung zu-

Seite 1

�kommen zu lassen, bis internationale Hilfsorganisationen diese Aufgabe übernehmen können. Das Ziel ist,
die 700.000 Flüchtlinge für 30 Tage mit dem Notwendigsten zu versorgen - Nahrungsmitteln, Kleidung und
Schutz für mehr Menschen als die Einwohnerzahl von
Richmond (Virgina) beträgt.
Die Operation Provide Comfort ist die umfassendste
Hilfsbestrebung, die in der modernen Militärgeschichte in die Wege geleitet wurde. In weniger als einer
Woche übertraf sie die massiven Lufttransporte an
Hilfsgütern, die von den Vereinigten Staaten im Dezember 1988 nach Armenien geschafft wurden.
Schlechtes Wetter in dem Gebiet und mangelnde
Navigationshilfen sowie die praktisch nicht existierende Infrastruktur in der Südosttürkei erschweren diese
Operation. Die örtlichen Straßen sind in einem desolaten Zustand, und aus diesem Grund entschied man
sich für das Abwerfen der Güter als schnellste Reaktion.
Dieses außerordentliche Hilfsunternehmen der Vereinigten Staaten vollzieht sich in vier Phasen:
Phase I - Unmittelbare Hilfe. Diese Phase
begann am Sonntagmorgen, dem 7. April, mit
sechs Abwürfen von rund 30 Tonnen Nothilfegütern. Wir gehen davon aus, daß diese Phase
bis etwa zum 17. April dauern wird. Nahrungsmittel, Mäntel, Zelte und Decken werden während dieser Phase zusammen mit ersten medizinischen Versorgungsteams bereitgestellt, die
Vorbereitungen für einen längeren Aufenthalt
treffen.
Phase II - Organisierter Aufenthalt. Gleichzeitig
bereiten wir den Übergang zu einem längeren
Aufenthalt vor. In der Türkei werden vorgezogene Stützpunkte aufgebaut und die Flug- und
Seehäfen vorbereitet. Die amerikanische Regierung hat Aufträge für den Überlandtransport
eines Großteils der Nahrungsmittel vergeben.
Der Übergang von Abwürfen aus den C-130Flugzeugen zu Überlandtransporten wird den
Fluß der Hilfgüter außerordentlich verbessern.
Phase III - Gewährleistung maximaler Hilfslieferungen. Dank der geplanten Hilfsbestrebungen
sollen die 700.000 Flüchtlinge mit einer Mahlzeit
pro Tag versorgt werden. Während dieser
Phase wird das amerikanische Militär seine
gesamte Logistik zur Verfügung stellen, um
kontinuierliche Nachschuboperationen großen
Umfangs zu gewährleisten und die Übertragung
der Verantwortung auf internationale Organisationen vorzubereiten, wenn das amerikanische
Militär abgezogen wird.
Phase IV - Übergabe. Wir hoffen, den internationalen Hilfsorganisationen bis Ende dieses

Monats die logistische Infrastruktur übergeben
zu können, damit sie die HilfsbeströbÜngen
fortsetzen können.
Bis jetzt wurden bei 41 amerikanischen Hilfsflügen mit
C-130-Maschinen 136 Tonnen Fertiggerichte, 45.000
1,5-Liter Flaschen Wasser, 35 Tonnen Decken und
400 Fallschirme (als Zelte zu benutzen) abgeworfen.
Gegenwärtig werden 3.500 Tonnen Nahrungsmittel
für die Flüchtlinge zum türkischen Hafen Iskenderun
transportiert, die mit der USS San Diego am 12. April
und der USNS Sirius am 16. April dort eintreffen
werden. Container und Fracht werden darin auf Lastwagen umgeladen und nach Incirlik zum Weitertransport per Luft oder direkt zu Stützpunkten für die
humanitäre Unterstützung transportiert, von wo aus
sie auf die verschiedenen Punkte an der Grenze
verteilt werden.
Darüber hinaus werden in den nächsten fünf Tagen die
folgenden Hilfsgüter in der Türkei eintreffen, die dann
aus der Luft abgeworfen oder per Lastwagen zu den
Flüchtlingen transportiert werden sollen:
588.000 Decken,
2.800 Zelte,
80.000 Feldjacken.
Die Vereinigten Staaten liefern Hilfsgüter so schnell
wie es die logistische Infrastruktur zuläßt.
Wir haben der irakischen Regierung mitgeteilt, sie
solle diese Hilfsoperationen nicht behindern und in
diesem Zusammenhang weder Starr- noch Drehflügler nördlich des 36. Breitengrads einsetzen. Großbritannien und Frankreich haben sich an unseren Lufttransportmaßnahmen beteiligt, und eine wachsende
Zahl von Staaten leistet Beiträge zur Luftbrücke oder
liefert Hilfsgüter in die Türkei.
In enger Abstimmung mit der türkischen Regierung
und unserem Amt für Internationale Entwicklung sowie
dem Büro für Katastrophenhilfe im Ausland hat das
amerikanische Militär seit Beginn dieser schrecklichen
menschlichen Tragödie die Führung bei der Organisation und Koordinierung dieser historisch einmaligen
Hilfsaktion mit anderen Ländern übernommen.
Wir werden diese Flüchtlinge nicht im Stich lassen und
Saddam Hussein nicht gestatten, die Hilfsoperationen
in den sicheren Gebieten, in denen sie Zuflucht gesucht haben, zu behindern. Darüber hinaus hat der
Präsident angeordnet, daß nichts unversucht gelassen wird, um den Flüchtlingen zu helfen. Er hat
deshalb alle benötigten Mittel bewilligt, um dieser
Verpflichtung gerecht zu werden, bis die internationalen Hilfsorganisationen diese Aufgabe übernehmen
können.

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AMERIKA DIENST 15

�NICHTVERBREITUNG
17. April 1991

DIE NICHTVERBREITUNGSPOLITIK DER
VEREINIGTEN STAATEN
von Ronald F. Lehman II
WASHINGTON - (AD) - Ronald F. Lehman II ist Leiter des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung. Der
nachstehende Überblick über den gegenwärtigen Stand der Bemühungen zur Verhinderung der Verbreitung von
- atomaren, chemischen und biologischen - Massenvernichtungswaffen sowie Kontrolle der Raketen, die als
Trägersysteme verwendet werden können, wurde im März 1991 in Form eines Vortrags vor dem World Affairs
Council in Riverside (Kalifornien) veröffentlicht. Er behandelt die derzeitige Verbreitung dieser Waffen, die
Bereiche, in denen es Fortschritte bei der Eindämmung dieser Verbreitung gibt, die Probleme beim Umgang mit
der Verbreitung der unterschiedlichen Arten von Waffen, die internationalen Abkommen und Institutionen, die
zu ihrer Kontrolle ins Leben gerufen wurden, deren Fortschritte und Leistungen sowie die amerikanische Politik
zur Unterstützung der Nichtverbreitung.

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Das Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung beschäftigt sich intensiv mit den Verhandlungen über Rüstungskontrolle, und zwar sowohl bilateral mit der
Sowjetunion als auch multilateral, etwa im Hinblick auf
das Abkommen über Konventionelle Streitkräfte in
Europa oder die Genfer Verhandlungen über ein weltweites Verbot chemischer Waffen. Heute möchte ich
jedoch einen anderen Aspekt der Rüstungskontrolle
ansprechen: die Eindämmung der Verbreitung von atomaren, chemischen und biologischen - Massenvernichtungswaffen und Raketensystemen, die als deren
Trägersysteme dienen können. Außenminister Baker
bezeichnete die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen unlängst als "die vielleicht größte Herausforderung der Sicherheit in den neunziger Jahren".
Es ist in der Tat eine Ironie - vielleicht der Gipfel der
Ironie unserer Zeit -, daß in dem Moment, in dem sich
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ernsthaft
anschicken, ihre Waffenarsenale zu reduzieren und zu
kontrollieren, andere Staaten, von denen zahlreiche in
Spannungsgebieten liegen, sich genau in die entgegengesetzte Richtung bewegen. Die Vereinigten Staaten
sind seit langem bestrebt, einseitige und multilaterale
Mechanismen zu entwickeln, um dieser Verbreitung
Einhalt zu gebieten. Ich möchte heute sowohl den
Charakter des Problems als auch die sehr ernsthaften
Bemühungen der Bush-Administration zu dessen
Bewältigung erörtern.
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Nichts hat unsere gemeinsame Aufmerksamkeit vielleicht so sehr auf das Problem der Verbreitung gelenkt
wie die gegenwärtige Lage im Irak.
Der Irak hat acht Jahre lang einen blutigen Krieg gegen
den Iran geführt, der eine Million Opfer gefordert hat.
Kaum eine Familie im Irak blieb von den Auswirkungen
dieses Krieges verschont. Der Irak hat chemische
Waffen eingesetzt, zuerst gegen den Iran und dann
gegen seine eigenen unschuldigen Bürger und damit
alle internationalen Normen verletzt. Am Ende dieses
Konflikts, während des "Kriegs der Städte", feuerten
der Irak und der Iran Hunderte von Raketen gegen die
Bevölkerungszentren des jeweiligen Gegners ab. Es
gab einen Zeitpunkt, an dem die Hälfte der Bevölkerung Teherans dadurch aus der Stadt vertrieben wurde.
Man hätte annehmen können, daß eine erschöpfte,
verausgabte Nation eine Atempause angestrebt hätte,
eine Zeit zum Wiederaufbau. Statt dessen bemühte
sich der Irak mit einer Armee von einer Million Mann
unverzüglich darum, zur regionalen Supermacht aufzusteigen und forderte bei seinem Streben nach Vorherrschaft in der arabischen Welt sowohl Ägypten als
auch Syrien heraus. Und dann marschierte er in
Kuwait ein. Diese Handlungsweise entbehrte nicht der
Ironie, denn ohne die Hilfe Kuwaits im Krieg gegen den
Iran hätte der Irak diesen Krieg verloren. Ein großer
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�Teil des militärischen und anderen Nachschubs für
den Irak wurde über Kuwait abgewickelt. Es war
Kuwait, das einen großen Beitrag zur Vermarktung
des irakischen Öls leistete und sogar eigenes Öl für
den Irak verkaufte, und es war Kuwait, das eine
führende Rolle bei der Vergabe von Krediten spielte,
mit denen die Kriegführung des Irak finanziert wurde.
Es wird angenommen, daß der Irak neben seiner
Chemiewaffenfähigkeit auch biologische Waffen entwickelt. Auch sein Atomprogramm gab Anlaß zu
großer Besorgnis.
Obwohl es den Vertrag über die Nichtverbreitung von
Kernwaffen unterzeichnete, hat Bagdad raffinierte und
umfassende verdeckte Bemühungen durchgeführt, um
mehrfach nutzbare Ausrüstung zum Aufbau einer Infrastruktur für die Waffenproduktion einzusetzen. Wie
auch immer, so war zumindest ein Ergebnis des Golfkrieges ein erheblicher Rückschlag für das Programm
des Irak.
Die irakischen Aktivitäten stellen jedoch nicht unsere
einzige Herausforderung im Bereich der Nichtverbreitung dar und noch nicht einmal die einzige in der
gesamten Region des Nahen/Mittleren Ostens und
Südasiens. Auch andernorts in der Region haben
andere, darunter der Iran, Libyen und Syrien, chemische Waffen beschafft oder schicken sich an, dies zu
tun. Wir alle wissen, daß Israel nichtkontrollierte
nukleare Einrichtungen besitzt. Israel hat darüber
hinaus seine eigene hochentwickelte militärische Infrastruktur. Als Konfliktregion bedeutet der Nahe
Osten für uns eine der größten Herausforderungen im
Bereich der Nichtverbreitung, insbesondere angesichts
von Ausmaß und Entwicklungsstand der Rüstungen.
Weiter im Osten werden die Probleme auch nicht
unkomplizierter. Die keiner internationalen Kontrolle
unterliegenden atomaren Aktivitäten Pakistans und
Indiens geben Anlaß zu tiefer Sorge. Im Jahr 1974
zündete Indien einen nuklearen Sprengsatz und deutete damit seine Fähigkeiten an. Pakistan hat sich um
eine ähnliche Fähigkeit bemüht. Während der gesamten achtziger Jahre war Pakistan ein Hauptempfänger
amerikanischer Auslandshilfe, teilweise aufgrund seiner Unterstützung der internationalen Bemühungen
zur Beendigung der sowjetischen Besetzung Afghanistans.
Seit 1985 ist die Gewährung amerikanischer Hilfe an
Pakistan jedoch von einer Bescheinigung des Präsidenten an den Kongre ß abhängig, derzufolge Pakistan
keine atomaren Sprengsätze besitzt. In den letzten
Jahren ist es immer schwieriger geworden, diese
Bescheinigung auszustellen. Im Jahr 1988 informierte
Präsident Reagan den Kongreß, daß dieser "sich
bewußt sein sollte, daß mit der Zunahme der nuklearen Fähigkeiten Pakistans und bei Anhäufung weiterer
Beweise über dessen Aktivitäten dieses Verfahren der
jährlichen Bescheinigung vom Präsidenten Einschät-

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zungen zum Stand der pakistanischen atomaren Aktivitäten erfordern wird, die nur sehr schwer oder unmöglich mit einiger Sicherheit zu erlangen sind".
Präsident Bush hat diese Besorgnis im Jahr 1989
bekräftigt. Die im Oktober 1990 fällige Bescheinigung
für das Haushaltsjahr 1991 wurde noch nicht ausgestellt, und die Angelegenheit wird weiter geprüft. Infolgedessen haben die Vereinigten Staaten Pakistan seit
Oktober 1990 keinerlei neue Wirtschafts- oder Militärhilfe gewährt - diese Hilfe beläuft sich auf 600 Millionen
Dollar jährlich.
Noch weiter im Osten sind die Vereinigten Staaten
besorgt über die anhaltende Weigerung Nordkoreas,
seine Verpflichtungen gemäß dem Vertrag über die
Nichtverbreitung von Kernwaffen (NPT) zu erfüllen.
Nach seinem Beitritt im Jahr 1985 hätte das Land
aufgrund dieses Vertrags innerhalb von 18 Monaten
eine umfassende Kontrollvereinbarung durchführen
müssen - also alle seine nuklearen Einrichtungen der
internationalen Inspektion durch die Internationale
Atomenergieorganisation (IAEO) unterstellen müssen.
Fünf Jahre danach hat Nordkorea trotz zunehmender
internationaler Bestürzung diese Kontrollvereinbarung
immer noch nicht unterzeichnet, gleichzeitig jedoch
weiter an der Entwicklung seines Atomprogramms
gearbeitet. Ich möchte hier eindeutig feststellen:
Nordkoreas Verpflichtung gemäß diesem Vertrag, zu
dessen Beitritt es sich freiwillig entschlossen hat,
besteht ohne Einschränkung. Es gibt keine Sonderbedingungen oder Begrenzungen. Meines Erachtens ist
es unerläßlich, daß Nordkorea sein Engagement für
den Vertrag und das Nichtverbreitungsregime insgesamt beweist, indem es sein umfassendes Kontrollabkommen unterzeichnet und in Zukunft anwendet.
Stellen Sie sich einen Moment die Folgen für die
Sicherheit Ostasiens vor, wenn sich Nordkorea Kernwaffen beschaffen würde. Seine bisherige Handlungsweise, darunter Planung und Ausführung eines terroristischen Bombenanschlags, bei dem nahezu das
gesamte südkoreanische Kabinett ums Leben kam,
läßt uns ob dieser Aussicht erschauern. Wir alle sind
uns durchaus der Tatsache bewußt, wie viel komplizierter unsere Bemühungen am Persischen Golf
gewesen wären, wenn der Irak seine atomaren Ambitionen verwirklicht hätte. Unsere Verbündeten in
Ostasien, einschlie ßlich Südkorea und Japan, sind tief
besorgt über die mangelnde Bereitschaft Nordkoreas,
die Überprüfung seiner atomaren Einrichtungen zu
gestatten, und beide haben der Erfüllung dieser Verpflichtung durch Nordkorea Priorität eingeräumt, da
Nordkorea sich anschickt, seine diplomatische Isolierung zu durchbrechen.
Andernorts besteht im Bereich der Verbreitung von
Kernwaffen meines Erachtens Grund zu Optimismus.
In den vergangenen drei Jahren hat Südafrika, ein
weiteres Land mit nichtkontrollierten atomaren Einrichtungen, eine Annäherung an den NPT vollzogen.

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Wir hegten sogar die begründete Hoffnung, daß Südafrika im letzten Sommer, als eine der regelmäßigen
Überprüfungskonferenzen zum NPT stattfand, dem
Vertrag beigetreten wäre. Zusammen mit Großbritannien und der UdSSR haben wir alles in unserer Macht
Stehende unternommen, um es dazu zu ermutigen.
Zu unserem Bedauern hat es das nicht getan. Trotzdem hat Südafrika unlängst Vertreter zur IAEO entsandt, um ein Kontrollabkommen auszuhandeln, das
all sein nukleares Material internationalen Inspektionen unterwerfen würde, und ich hoffe weiterhin, daß
Südafrika davon überzeugt werden kann, dem NPT
beizutreten. Obwohl die südafrikanische Regierung
mit einer Vielzahl innenpolitischer Probleme konfrontiert ist, sind die südafrikanischen Stellungnahmen,
wie ich feststellen möchte, weiterhin positiv. Es ist
ferner ermutigend, daß mit Mosambik im vergangenen
Sommer ein Frontstaat dem Vertrag beigetreten ist.
In Südamerika vollziehen sich echte Fortschritte. Die
beiden Länder mit fortgeschrittenen Nuklearprogrammen - Brasilien und Argentinien - haben kürzlich ein
bilaterales Abkommen geschlossen, um alle ihre kerntechnischen Einrichtungen der lAEO-Kontrolle zu
unterstellen. Ihre Vertreter befinden sich heute in
Wien, um dieses Abkommen auszuhandeln, und es
besteht berechtigte Hoffnung, daß die Verhandlungen
vor dem Jahresende abgeschlossen werden. Brasilien und Argentinien haben sich ferner dazu verpflichtet, den Vertrag von Tlatelolco in Kraft zu setzen.
Tlatelolco schafft eine kernwaffenfreie Zone in Südamerika, und es ist deshalb lebenswichtig, daß Argentinien und Brasilien dem Vertrag beitreten.
Ich möchte mich nun unseren nichtnuklearen Anliegen
widmen: chemischen und biologischen Waffen sowie
Raketensystemen. Zunächst zu den chemischen
Waffen. Vor zwanzig Jahren wurde nur von fünf
Staaten angenommen, daß sie chemische Waffen
besaßen. Heute schätzt der Direktor des Nachrichtendienstes CIA vor dem Kongreß, daß diese Zahl auf
etwa 20 gestiegen ist und andere möglicherweise
versuchen, sie zu beschaffen. Die Produktion chemischer Waffen ist relativ preiswert, und ihre Herstellung
erfordert keine hochentwickelte Technik.

•

In fast allen Fällen gibt es für die zur Herstellung
chemischer Waffen erforderlichen Chemikalien und
Apparate berechtigte Anwendungen in der Industrie,
und sie sind freier erhältlich, weil Raffinerien, Düngemittel- und Pestizidfabriken sowie die Pharmaindustrie expandiert haben. Dazu einige Beispiele: Phosphoroxid wird etwa bei der Herstellung von Kunststoffund Gummizusätzen, Pestiziden und Hydraulikölen
eingesetzt. Es kann aber auch zur Produktion des
Nervengases Tabun eingesetzt werden. Phosgen
wird bei der Herstellung von Kunststoffen und Lacken
verwendet, ist aber auch ein Stickgas, das erstmalig im
Ersten Weltkrieg eingesetzt wurde. In ähnlicher Weise
kann ein Großteil der heute produzierten Chemikalien

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und der Produktionsanlagen auch zur Herstellung von
Stoffen zur chemischen Kriegführung eingesetzt werden. Die Leichtigkeit und die Geschwindigkeit, mit der
chemische Waffen verdeckt hergestellt werden können, tragen eindeutig zu ihrer Attraktivität bei - und
erhöhen bei manchen Ländern die Versuchung, damit
die konventionellen Fähigkeiten eines Gegners zu
kompensieren.
Zusätzlich zur Weiterverbreitung chemischer Waffen
findet eine beängstigende Verbreitung biologischer
Waffen statt, obowohl sie durch eine Konvention verboten sind. Biologische Waffen sind potenter als die
schrecklichsten Kampfstoffe zur chemischen Kriegführung. Im vergangenen Jahr erklärte der Direktor
des US-Nachrichtendienstes CIA bei einer öffentlichen Anhörung im Kongreß, daß "sich mindestens
zehn Länder darum bemühen, bereits bekannte und
neue biologische Waffen herzustellen".
Biologische Waffen und ihre Produktionsanlagen sind
in jedem Falle vielseitig verwendbar. Es gibt keine
Substanzen oder Anlagen, die allein zur Herstellung
biologischer Waffen eingesetzt werden können - dieselben Materialien spielen eine entscheidende Rolle in
der medizinischen Forschung. Zahlreiche Substanzen biologischer Waffen kommen in der Natur vor.
Tatsächlich kann jedes Land mit einer halbwegs entwickelten pharmazeutischen Industrie biologische
Waffen herstellen, wenn es das will.
Wenn Länder diese Massenvernichtungswaffen herstellen können, dann benötigen sie dafür auch Trägersysteme.
Ballistische Raketen sind solche Instrumente, und sie
stellen daher eine besonders destabilisierende Waffenkategorie dar. Sie können eine Vielzahl von nuklearen, konventionellen und nichtkonventionellen Waffen mit großer Geschwindigkeit zum Einsatz bringen. Gegenwärtig gibt es gegen viele ballistische
Raketen keine Verteidigung. Darüber hinaus können
sie nach ihrem Abschuß nicht zurückgeholt werden.
Selbst bei Raketen wie der relativ altmodischen SCUD,
die abgeschossen werden kann, funktioniert das nur
auf geringe Distanz. In einer solchen Situation könnten zum Beispiel immer noch giftige Chemikalien auf
das Territorium dessen gelangen, der sich verteidigt.
Daraus folgt, daß ihr Vorhandensein einen Erst- oder
Präventivschlag provozieren und damit in Zeiten einer
Krise oder zunehmender Spannungen weiter zur regionalen Instabilität beitragen könnte.
Es gibt einen starken internationalen Druck gegen den
Einsatz nuklearer und chemischer Waffen, aber im
Hinblick auf Raketen besteht kein solcher internationaler Konsens. In den letzten Jahren haben einige
Länder Mittelstreckenraketen selbst entwickelt oder
stehen kurz vor deren Entwicklung. Andere haben sie
erworben. Wieder andere behaupten, sie würden nur
ihre eigene Raumfahrt entwickeln. Dennoch ist diese

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�zivile Technologie identisch mit der Technik für ballistische Raketen. Unglücklicherweise befinden sich viele
Länder mit der Fähigkeit zur Herstellung von Raketen
in spannungsreichen Regionen, insbesondere im Nahen
Osten und Südasien, wo der Einsatz solcher Raketen
bei künftigen Konflikten ihr destruktives Potential erheblich steigern wird.
Sie sehen, die Probleme sind ernst, in gewisser Weise
verzahnt und werden durch das rapide Wachstum und
die Verbreitung von Hochtechnologie noch komplizierter. Der Umgang damit ist ein wichtiges politisches
Anliegen geworden. Eine der vier ACDA-Abteilungen
beschäftigt sich ausschließlich mit der Politik der Nichtverbreitung. Die US-Regierung richtet ihr Augenmerk
auf die gesamte Bandbreite dieser Probleme und
versucht damit, die Verbreitung dieser gefährlichen
Waffen aufzuhalten. In jedem Problemfeld, bei nuklearen, chemisch-biologischen Waffen und Raketen
als deren Trägern üben die Vereinigten Staaten an
vorderster Front Druck aus, um dem System der
Nichtverbreitung Vorschub zu leisten.
Jede US-Regierung hat sich seit Ende des Zweiten
Weltkriegs darauf konzentriert, die Verbreitung nuklearer Waffen zu verhindern. Die Bush-Administration bildet da keine Ausnahme.
Die Institutionen zur Unterstützung des internationalen
Systems der Nichtverbreitung sind die ältesten und
erfahrensten, um die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen zu stoppen. Ihr Eckpfeiler ist der Vertrag
über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NPT), dem
140 Staaten zugestimmt haben und der damit eines
der am meisten akzeptierten Rüstungskontrollvereinbarungen in der Geschichte ist. Er wurde in den
sechziger Jahren ausgehandelt und trat 1970 in Kraft.
Vor seiner Verabschiedung wurde allgemein erwartet,
daß es bis 1990 über 20 Atomwaffenstaaten auf der
Welt geben würde. Durch den NPT haben jedoch 137
Länder gelobt, keine Kernwaffen zu erwerben und ihr
Kernspaltungsmaterial internationaler Kontrolle unterstellt, die von der Internationalen Atomenergieorganisation ausgeübt wird.
Mit seinen vielen Mitgliedstaaten hat der NPT einen
Maßstab gesetzt, der auch nicht daran beteiligten
Ländern Hindernisse bei der Verbreitung von Kernwaffen in den Weg legt. Seit Inkrafttreten hat sich kein
einziges Land zum Atomwaffenstaat erklärt. Lediglich
ein Land - Indien - hat einen Atomtest durchgeführt.
Seit diesem Test vor 16 Jahren hat kein anderer
Nichtatomwaffenstaat einen Atomtest durchgeführt.
Der NPT soll 1995 verlängert werden. Die Vereinigten
Staaten setzen sich für eine bessere Unterstützung
des Vertrags und für eine unbefristete Verlängerung
ein. In den nächsten vier Jahren werden wir seiner
allgemeinen Einhaltung den Weg bereiten. Bei der
vierten Folgekonferenz des NPT im Sommer vergangenen Jahres haben Frankreich und China als die zwei

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Atomwaffenstaaten, die nicht Vertragsparteien sind,
erstmals Beobachterdelegationen entsandt. Diese
Entwicklung war begrüßenswert, und wir hoffen, daß
beide Länder unter Umständen dem Vertrag vor 1995
beitreten.
Im Rahmen des NPT existiert der Ausschu ß der Atomexporteure, der auch - nach seinem ersten Vorsitzenden-als Zangger-Ausschuß bekannt ist. Artikel III des
NPT verbietet jeder Partei, Spaltmaterial oder Anlagen
zur Herstellung von Kernwaffen an Nichtatomwaffenstaaten zu liefern, ohne bestimmte Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen. Obwohl alle Atomanlagen von
NPT-Parteien gemäß dem NPT geschützt sind, war
die Vereinbarung einer Liste erforderlich, um darzulegen, welche Nuklearexporte Kontrollmaßnahmen für
Nicht-NPT-Parteien umgehen würden. Die Ausschußmitglieder aus 23 Ländern treffen sich zweimal im Jahr
zur Überprüfung und Aktualisierung der Liste im Sinne
der neuesten Technologie.
Darüber hinaus wurde Mitte der siebziger Jahre eine
weitere Gruppe der Lieferanten von Atommaterial
gegründet. Damit wurden Nicht-NPT-Parteien und
Lieferanten von Atommaterial - hauptsächlich Frankreich - in ein System eingebunden, das im wesentlichen dieselbe Art von eindeutig einsetzbarer Nukleartechnologie kontrolliert wie der Zangger-Ausschuß.
Seit der Irak und andere Länder jedoch versucht
haben, verdeckt Mehrzweckmaterial zu erwerben, um
ihre Kernwaffenprogramme zu modernisieren - das
heißt, Gerät zu erwerben, das nicht einzig und allein
bei der Entwicklung von Kernwaffen eingesetzt werden kann - sind wir zu dem Schluß gekommen, daß
diese Mehrzweckgeräte ebenfalls multilateral kontrolliert werden müssen. Die Vereinigten Staaten führen
diese Kontrollen seit langem durch und fordern in den
meisten Fällen Einzelgenehmigungen, bevor sie exportiert werden dürfen. Unserer Ansicht nach liefert
uns die internationale Sorge über irakische Versuche
zum Erwerb solcher Geräte eine ausgezeichnete
Gelegenheit, auf multilateraler Ebene rigorosere Exportkontrollen zu verhängen. Dieses Ziel verfolgen wir
mit allem Nachdruck.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin aus rechtlichen und politischen Gründen ihre Zusammenarbeit
mit solchen Ländern nicht verstärken, die keine umfangreichen Kontrollen durchführen. Diese Sicherheitsmaßnahmen unterstellen alle zivilen Atomkraftwerke der internationalen Kontrolle, um sicherzustellen, daß kein Spaltmaterial für ein Kemwaffenprogramm abgezweigt wird. Wir haben andere Lieferanten von Atommaterial aufgefordert, dieselben Maßnahmen zu ergreifen.
In jüngster Zeit teilen Japan, Deutschland und die
Niederlande das Konzept der Vereinigten Staaten,
nicht dagegen Großbritannien, Frankreich und die
Sowjetunion. Frankreich verhandelt zum Beispiel
gegenwärtig mit Pakistan über den Verkauf eines
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�Atomreaktors. Der Reaktor selbst wird internationaler
Kontrolle unterstellt, aber Frankreich fordert nicht, daß
alle anderen Atomkraftwerke Pakistans ebenso gesichert sind. Unserer Ansicht nach erhält Pakistan damit
den Vorteil der nuklearen Zusammenarbeit, ohne sich
selbst der nuklearen Nichtverbreitung unterwerfen zu
müssen. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin
alles tun, damit alle Lieferanten von Atommaterial
umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen als Bedingung
der nuklearen Zusammenarbeit ergreifen.
Ich möchte ferner insbesondere auf die Bedeutung der
Internationalen Atomenergieorganisation, der IAEO,
hinweisen. Wie ich bereits erläutert habe, hat jeder
Nichtatomwaffenstaat, der dem NPT angehört, umfangreiche Kontrollmaßnahmen verabschiedet. Die
IAEO handelt als internationale Organisation Kontrollabkommen aus und inspiziert Atomanlagen, um sicherzustellen, daß kein nukleares Material für andere
Zwecke abgezweigt wird. Durch die IAEO werden die
meisten Programme der nuklearen Kooperation zu
friedlichen Zwecken durchgeführt. Die Vereinigten
Staaten betrachten die IAEO als unerläßlichen und
wesentlichen Eckpfeiler des Systems der Nichtverbreitung von Kernwaffen. Wir sind bei weitem ihre
wichtigste Finanzierungsquelle, stellen jedes Jahr etwa
25 Prozent ihres Haushalts zur Verfügung und leisten
den größten Beitrag zu ihrem Programm derfreiweilligen nuklearen Kooperation.
Präsident Bush hat auf die Notwendigkeit einer Förderung der IAEO verwiesen. Die Regierung erkennt,
wie wichtig es ist, zu gewährleisten, daß sie über die erforderlichen Ressourcen verfügt, um ihre Kontrollmaßnahmen aufrechtzuerhalten und gegebenenfalls
auszubauen. Bei der NPT-Folgekonferenz im Sommer vergangenen Jahres wurde die IAEO aufgefordert
zu prüfen, wie sie ihrem Recht nachkommen kann,
"Sonderinspektionen" durchzuführen, die über normale routinemäßige Prüfungen von Atomanlagen hinausgehen. Das irakische Atomprogramm deutet klar
darauf hin, daß solche "Sonderinspektionen" manchmal erforderlich sind. Die IAEO untersucht gegenwärtig die Kriterien, nach denen sie durchgeführt werden
könnten.
Die wesentlichen Elemente des nuklearen Nichtverbreitungsregimes sind also in die Praxis umgesetzt.
Wie ich jedoch bereits ausgeführt habe, vertreten die
Vereinigten Staaten die Auffassung, das Regime müsse
verbessert werden. Die Einhaltung des NPT muß
universeller, Exportkontrollen müssen strenger gehandhabt und die Schutzmaßnahmen erweitert werden.
Ich möchte mich nun unserer Politik zu chemischen
und biologischen Waffen zuwenden.
Die erste Priorität der amerikanischen Außenpolitik ist
nach wie vor ein weltweites Verbot der Entwicklung,
Herstellung und Lagerung chemischer Waffen. Das

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beste Kontrollregime für chemische Waffen ist und
bleibt ein weltweites Verbot. Wir verfolgen dieses Ziel
seit einer Reihe von Jahren bei der Genfer Abrüstungskonferenz, in den Rahmen die Verhandlungen
stattfinden. Unser Ziel für eine solche Rüstungskontrollvereinbarung lautet, daß sie wirklich weltweit gelten und verifizierbar sein muß.
Bis zur Verwirklichung eines solchen Verbots unternehmen wir sowohl einseitige als auch gemeinsame
Schritte zur Unterstützung der Genfer Verhandlungen
und zur Verhinderung des Einsatzes und der Verbreitung chemischer Waffen. Im vergangenen Jahr haben
wir mit der UdSSR ein bilaterales Abkommen unterzeichnet, in dem beide Seiten vereinbarten, die Produktion chemischer Waffen einzustellen und mit der
Zerstörung der Arsenale zu beginnen. Im Verlauf der
kommenden Jahre werden beide Seiten 98 Prozent
ihrer chemischen Waffenbestände bis zu einem vollständigen Verbot vernichten.
Als weitere Übergangsmaßnahme arbeiten die Vereinigten Staaten aktiv in der "Australiengruppe" mit,
einem Zusammenschluß von 20 westlichen Nationen,
die untereinander Mittel und Wege zur Eindämmung
der Verbreitung chemischer Waffen erörtern. Die
Gruppe wurde im Jahr 1984 als Reaktion auf den
Einsatz dieser Waffen im iranisch-irakischen Krieg
gegründet. Alle Mitglieder der Gruppe haben unverzüglich eine "Schwarze Liste" mit 11 Chemikalien
erstellt, die nationalen Exportkontrollen mit einer kritischen Überprüfung unterliegen, bevor die Exportlizenz erteilt wird. Darüber hinaus hat die Gruppe eine
inoffizielle "Warnliste" mit weiteren 39 chemischen
Substanzen zum Mehrzweckeinsatz verabschiedet.
Die Mitglieder haben die Liste den chemischen Industrieunternehmen in ihren jeweiligen Ländern zukommen lassen und sie aufgefordert, alle verdächtigen
Transaktionen zu melden. Die Gruppe hat ferner
"Richtlinien" veröffentlicht, um die chemische Industrie für Transaktionen von Anlagen zur Herstellung
chemischer Waffen zu sensibilisieren, das zur Verbreitung dieser Waffen beitragen könnte. Darüber hinaus
hat die Gruppe ein Dokument herausgegeben, um
Industrie, Wissenschaftler und andere betroffene
Gruppen vor den Risiken der unbewußten Hilfe bei der
Verbreitung biologischer Waffen zu warnen.
Ich möchte betonen, daß die Zusammenarbeit der
amerikanischen Chemieindustrie mit der Regierung
ausgezeichnet war. Der Verband der chemischen
Industrie hat dem vorgesehenen Vertrag über chemische Waffen zugestimmt, einen Mechanismus zur
Selbstkontrolle eingeführt und der amerikanischen
Verhandlungsdelegation in Genf unschätzbare Hilfe
bei unseren Bestrebungen geleistet, die Konvention
über das Verbot chemischer Waffen zu einem praktikablen und durchführbaren Vertrag zu machen.
Vor kurzem haben die Mitglieder der Australiengruppe
entschieden, die 39 chemischen Substanzen, die auf
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�der inoffiziellen Warnliste gestanden hatten, denselben restriktiven Exportkontrollen zu unterwerfen wie
die 11 Chemikalien auf der ursprünglichen Schwarzen
Liste. Im vergangenen November hat der Präsident
mit einer Durchführungsverordnung eine Erweiterte
Initiative zur Kontrolle der Verbreitung (Enhanced
Proliferation Control Initiative - EPCI) ins Leben gerufen. Im Rahmen von EPCI fordern die Vereinigten
Staaten jetzt Kontrollen durch Exportlizenzen für alle
50 von der Austaliengruppe genannten chemischen
Substanzen. Ferner schreiben wir Exportlizenzen für
Chemieanlagen und deren Entwurf vor. Darüber hinaus verschärfen wir die Kontrollen und die Rechenschaftspflicht für den Transfer von Anlagen und Technologie, bei dem der Exporteur weiß oder von der USRegierung darüber informiert wurde, daß der Export
für Entwurf, Entwicklung oder Herstellung von Raketen, chemischen oder biologischen Waffen verwendet
werden kann. Und schließlich werden amerikanische
Staatsbürger strafrechtlich verfolgt, die wissentlich bei
nicht genehmigten ausländischen C-Waffen- oder
Raketenprogrammen mitwirken.
Darüber hinaus versuchen wir, den Vertrag über biologische Waffen zu verbessern - es handelt sich hierbei
um einen internationalen Vertrag, der 1975 in Kraft trat.
Die Unterzeichnerstaaten dieses Vertrags haben sich
verpflichtet, niemals "biologische Waffen oder ihre
Trägersysteme zu entwickeln, herzustellen, zu lagern
oder anderweitig für feindselige Zwecke in einem
bewaffneten Konflikt zu beschaffen". (In Klammern
möchte ich hinzufügen, daß der Irak nicht Unterzeichner des Vertrags über biologische Waffen ist). Anfang
dieses Jahres haben der Kongreß und die Administration ferner die Beteiligung amerikanischer Staatsbürger an allen biologischen Waffenprogrammen zur Straftat
erklärt.
Zusätzlich zu den von uns zur Kontrolle der Verbreitung von Raketen im Rahmen von EPCI ergriffenen
Initiativen lag der Schwerpunkt unserer Bestrebungen
zur Begrenzung der Verbreitung von Raketensystemen in der aktiven Beteiligung an und der Erweiterung
des Kontrollregimes für Raketentechnologie (Missile
Technology Control Regime - MTCR). Das MTCR ist
eine gegenseitige Absichtserklärung seiner Unterzeichnerstaaten, ein Bündel von Exportkontrollen für Raketen und Raketentechnologie anzuwenden. Im wesentlichen kontrolliert MTCR den Export unbemannter
Trägersysteme einschließlich Marschflugkörpern und
ferngelenkten Trägersystemen (remotely piloted vehicle Systems - RPVS), die eine Nutzlast von 500 kg
300 km weit transportieren können sowie das Material
und die Technologie für solche Raketen.
Seit seiner Gründung im Jahr 1987 hat sich die Teilnehmerzahl am MTCR verdoppelt. Heute zählen
folgende 15 Länder dazu: Australien, Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Luxemburg, Neuseeland, die

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Niederlande, Norwegen, Spanien und die Vereinigten
Staaten.
Die Vereinigten Staaten haben sich um die ernsthafte
Mitarbeit der führenden Technologielieferanten in Ostund Westeuropa sowie die Zurückhaltung der wachsenden Zahl von Entwicklungsländern bemüht - und
MTCR trägt das seine dazu bei. Die Mitarbeit der
westlichen Industrienationen an dem Regime war bei
der Verzögerung einer Reihe von Raketenprojekten
der dritten Welt entscheidend.
Ein Schwerpunkt des Regimes wird nach wie vor darin
bestehen, die Ueferanten aus Nichtunterzeichnerstaaten davon zu überzeugen, Technologieexporte zu
vermeiden, die Kontrollen zur Nichtverbreitung unterlaufen.
Die UdSSR hat sich öffentlich zur Einhaltung der
MTCR-Richtlinien zur Nichtverbreitung verpflichtet.
Obwohl noch einige wichtige Fragen gelöst werden
müssen - einschließlich der festen Zusage der Sowjetunion, die Lieferung von SCUD-Raketen nach Afghanistan einzustellen - hoffen wir, daß der Beitritt der
Sowjetunion zum MTCR in nicht allzu ferner Zukunft
erfolgen wird.
Obwohl China den Beitritt zum MTCR abgelehnt hat,
wurde doch die Bereitschaft angedeutet, eine Politik
der Zurückhaltung bei zukünftigen Raketentransfers
auszuüben. Dennoch sind wir weiterhin besorgt über
die Möglichkeit, daß die Chinesen eine neue Generation von Raketen auf den Markt bringen werden,
darunter die M-9/M-11, die in mindestens einer öffentlichen Rüstungsausstellung vorgeführt wurde. Wir
haben China wiederholt ermutigt, seine zukünftigen
Exporte in Einklang mit den Nichtverbreitungsnormen

des MTCR zu bringen.
Ein Großteil des von mir bisher Ausgeführten behandelt die sogenannte "Angebotsseite" des Problems.
Wir müssen uns daher mit der "Nachfrageseite" befassen, das heißt, den Motivationen, die Nationen zur
Beschaffung von Massenvernichtungswaffen bewegen. Unsere Hauptsorge über diese Verbreitung
konzentriert sich auf regionale Spannungsherde wie
den Nahen Osten und Südasien, und der Wunsch,
moderne, todbringende Waffenarsenale zu beschaffen, ist zum gro ßen Teil eine Manifestation der zugrundeliegenden politischen Spannungen.
Natürlich versuchen wir, ein nukleares Wettrüsten auf
dem indischen Subkontinent zu verhindern. Indien
und Pakistan haben drei Kriege geführt. Beide beobachten sich mit gegenseitigem Mißtrauen, und im
vergangenen Jahr kam es über den schwelenden
Konflikt in Kaschmir beinahe zum Eklat. Die Vereinigten Staaten sind der festen Überzeugung, daß die
Sicherheit keines Landes durch den Besitz von Kernwaffen verbessert wird, aber wir müssen die zugrundeliegenden, beiden Seiten bewußten politischen Pro-

AMERIKA DIENST 15

�bleme ansprechen, und dies erfordert einen regionalen Ansatz. Zur Zeit führen wir einen Dialog mit beiden
Ländern über die Möglichkeiten einer regionalen Lösung der Probleme, und meines Erachtens sind die
Interessen und Belange der UdSSR und Chinas direkt
betroffen.
Ich möchte mich nun dem Nahen Osten zuwenden.
Die Invasion des Irak in Kuwait, sein bisheriger Einsatz
chemischer Waffen und seine unprovozierten Raketenangriffe auf Israel haben ein Schlaglicht auf die Gefahren der Verbreitung nuklearer, chemischer und
biologischer Waffen und Raketen für Aggressoren
geworfen. Wenn der Golfkrieg beendet ist, muß die
internationale Staatengemeinschaft ihre Bestrebungen zur Begrenzung der Verbreitung dieser Waffen im
Nahen Osten verdoppeln. Vor allem müssen wir
versuchen, den Irak in jedem Fall daran zu hindern,
seine Fähigkeiten zum Erwerb von Massenvernichtungswaffen wiederzuerlangen. Die internationale
Staatengemeinschaft muß wirksame Wege zur Verwirklichung dieses Ziels in Erwägung ziehen, einschließlich der strikten Unterbindung jeglicher Auslandshilfe für solche Aktivitäten.
Falls es je Anlaß zu Hoffnung auf langfristige Sicherheit und Stabilität im Nahen Osten gibt, müssen die
Vereinigten Staaten und andere Nationen darüber
hinaus Nichtverbreitungsmaßnahmen für die gesamte
Region ermutigen. Dabei müssen die Staaten in der
Region sicherlich ihre Tendenz überdenken, sich bei

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der Beschaffung von Raketen und anderen nichtkonventionellen Waffen gegenseitig übertrumpfen zu wollen.
Einige politisch Verantwortliche im Nahen Osten, wie
der ägyptische Präsident Mubarak, haben bereits ihrer
Überzeugung Ausdruck verliehen, daß alle Länder in
der Region sicherer wären, wenn keiner von ihnen
Massenvernichtungswaffen besäße. Ich möchte hinzufügen, daß auch einige israelische Politiker diese
Meinung teilen.
Zusammen mit unserer Hoffnung auf Fortschritte in
der Nachkriegszeit bei der Lösung seit jeher schwelender territorialer Konflikte zwischen den Ländern des
Nahen Ostens erwarte ich, daß diese Länder Wege
zum Abbau der Gefahren eines regionalen Wettrüstens im konventionellen und nichtkonventionellen
Bereich suchen. Die Vereinigten Staaten werden
dieses enorm wünschenswerte Ziel fördern und unterstützen.
Ich hoffe, diese Übersicht vermittelt Ihnen einen gewissen Einblick in die ernsthaften Probleme, mit denen wir
uns bei der Verbreitung dieser Waffen konfrontiert
sehen und in den aktiven Ansatz, den die Vereinigten
Staaten bei ihrer Bewältigung verfolgen. Zweifelsohne liegt eine schwere Aufgabe vor uns, und sie wird uns
nicht immer mit sofortigem Erfolg beschieden sein. Ich
bin jedoch zuversichtlich, daß wir echte Fortschritte bei
der Milderung der gefährlichen Bedrohung erzielen
können, der sich die internationale Staatengemeinschaft durch die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen gegenübersieht.

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�WIRTSCHAFT
17. April 1991

DAS PROGRAMM DES PRÄSIDENTEN ZUR
FÖRDERUNG DES WIRTSCHAFTSWACHSTUMS
Übersicht des Weißen Hauses vom 9. April 1991

Der Präsident geht davon aus, daß eine starke, wachsende und dynamische Wirtschaft die Schaffung von
Arbeitsplätzen und Chancen für alle Amerikaner unterstützt. Die Administration verfolgt ein Programm zur
Förderung des Wirtschaftswachstums, das auf vier
Prinzipien aufbaut:
Ermutigung der Spar- und Investitionstätigkeit,
Eröffnung neuer Chancen auf den Weltmärkten,
Förderung einer qualifizierten und dynamischen
Erwerbsbevölkerung,
Abbau bürokratischer Hemmnisse.
I. ERMUTIGUNG DER SPAR- UND
IN VESTITIONSTÄTIG KEIT
Der Präsident engagiert sich für die Schaffung von
Bedingungen, die langfristigem, von den Marktkräften
bestimmtem Wirtschaftswachstum Vorschub leisten.
Die Administration unternimmt wichtige Schritte, um
die Kapitalkosten zu senken und unternehmerische
Initiative, die Spar- und Investitionstätigkeit sowie
Innovationen zu fördern. Der Präsident strebt Maßnahmen an, mit denen Hemmnisses für die Bildung
von Produktivkapital abgebaut werden und die gewährleisten, daß unsere physische, humane und technologische Infrastruktur die beste der Welt bleibt.

Abkommen gesetzten Ausgabenobergrenzen beschränken die Ausgaben zur freien Verfügung, während
neue, zwingend erforderliche Ausgaben durch Steuererhöhungen oder Reduzierungen in anderen Programmen gedeckt werden müssen.
Stärkung der privaten Spar- und Investitionstätigkeit
Der Präsident hat wiederholt eine Reduzierung der
Kapitalertragssteuer gefordert und den Vorsitzenden
der Bundeszentralbank, Alan Greenspan, gebeten,
eine technische Studie zu den wirtschaftlichen Auswirkungen eines Abbaus der Kapitalertragsteuer zu erstellen.
Der Bundeshaushalt für das Haushaltsjahr 1992 beinhaltet ferner Vorschläge für Familiensparkonten, mit
denen notwendige Anreize zum Sparen geschaffen
werden sowie für steuerfreie Abhebungen von privaten
Rentenkonten für Ersterwerber von Wohneigentum.
Förderung eines innovativen und soliden Finanzsystems
Die von der Administration in Angriff genommene
Reform der Finanzwirtschaft wird dazu beitragen, die
anhaltende Stärke unseres Finanzsystems zu sichern.
Eine umfassende Reform des Bankwesens wird unsere überholten Bankgesetze modernisieren, Steuerzahlerund Einleger schützen, zur Erleichterung harter
Kreditbedingungen beitragen und unsere Finanzinstitutionen im In- und Ausland wettbewerbsfähiger machen.

A. Reduzierung der Kapitalkosten
Kontrolle der Staatsverschuldung
Der Präsident bemüht sich energisch um die Kontrolle
der Bundesausgaben. Das Haushaltsabkommen des
vergangenen Jahres wird die Kreditaufnahme der
Bundesregierung in den kommenden fünf Jahren um
nahezu 500 Milliarden Dollar verringern. Die durch das
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B. Investitionen in Infrastruktur, Forschung und
Entwicklung
Erneuerung unserer Verkehrsinfrastruktur
Die Regierung schlägt eine erhebliche Aufstockung
der Mittel für den Fernstraßenbau von 14,6 Milliarden
Seite 1

�Dollar im Haushaltsjahr 1991 auf 20,3 Milliarden im
Jahr 1996 vor. Insgesamt werden in den nächsten fünf
Jahren nahezu 88 Milliarden Dollar für Bau und Unterhaltung von Fernstraßen bereitgestellt. Die Administration schlägt femer einen 17prozentigen Zuwachs
der Mittel für das Luftverkehrswesen vor.
Erweiterung von Forschung und Entwicklung
Der vom Präsident vorgelegte Haushalt 1992 beinhaltet 76 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung,
also eine Zunahme um 8,4 Milliarden (13 Prozent)
gegenüber 1991. Um Forschung und Entwicklung
seitens des Privatsektors zu ermutigen, unterstützt der
Präsident die zeitlich unbegrenzte Verlängerung der
Steuerererleichterungen für Forschung und Entwicklung.
Durchführung der Nationalen Energiestrategie
Der Präsident hat dem Kongreß im Februar seine
Nationale Energiestrategie zugeleitet. Die Strategie
ist ein umfassender und ausgewogener Plan für eine
sichere, effiziente und umweltfreundliche künftige
Energieversorgung. In den kommenden zwei Jahrzehnten werden mit dieser Strategie unnötige Hemmnisse für die Marktkräfte beseitigt, damit das Wirtschaftswachstum weiterhin durch ausreichend verfügbare kostengünstige Energie gefördert wird.
II. ERÖFFNUNG NEUER CHANCEN AUF DEN
WELTMÄRKTEN
Im gesamten Verlauf der Nachkriegszeit haben die
Vereinigten Staaten eine Führungsrolle dabei übernommen, die Welt zu einem neuen System des freien
Handels und offener Märkte zu führen. Die Vorteile
weltweiter Integration und erweiterten internationalen
Handels waren im In- und Ausland enorm. Der Präsident und die Administration arbeiten eng mit dem
Kongreß zusammen, um die noch bestehenden
Hemmnisse gegen internationalen Handel und Investitionen auf unserem Kontinent und weltweit abzubauen. Heute befinden sich die Vereinigten Staaten in
einem Exportboom. Die Warenexporte sind in den
vergangenen vier Jahren um 55 Prozent gestiegen doppelt so schnell wie die Importe. Die Fortführung
des "Fast-track-Mandats" zur Zustimmung des Kongresses zu Handelsabkommen ist für die Handelsstrategie des Präsidenten unabdingbar.
A. Erfolgreicher Abschluß der Verhandlungen der
Uruguay-Runde
Die erste Priorität des Präsidenten im Bereich des
Handels sind nach wie vor die Verhandlungen der
Uruguay-Runde im Rahmen des Allgemeinen Zollund Handelsabkommens (GATT). Ein erfolgreicher
Abschluß der Uruguay-Runde wird die Öffnung von
Agrarmärkten, den Abbau oder die Beseitigung von
Zöllen auf zahlreiche Produkte, die Stärkung des GATTSystems und seine Ausdehnung auf wichtige neue
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Bereiche - wie Dienstleistungen, Investitionen und
geisitges Eigentum - zur Folge haben, die für die
Tragfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft entscheidend sind. Ein starkes multilaterales Handelssystem
ist für die wirtschaftliche Zukunft der Vereinigten Staaten unabdingbar, da es den Zugang unserer Unternehmen zu Wachstumsmärkten in Europa und Asien
gewährleistet.
B. Das Nordamerikanische
Freihandelsabkommen
Der Präsident hat sich zusammen mit dem mexikanischen Präsidenten Salinas und dem kanadischen
Premierminister Mulroney zur Aushandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA)
verpflichtet. Die Schaffung des NAFTA mit einem
Markt von rund 360 Millionen Verbrauchern und einer
Gesamtproduktion von 6 Billionen Dollar würde als
Katalysator für Wirtschaftswachstum und Entwicklung
in allen drei Ländern wirken.
Das amerikanisch-kanadische Freihandelsabkommen
hat in den ersten beiden Jahren seines Bestehens zum
Wachstum beider Volkswirtschaften beigetragen. Der
bilaterale Handel nahm trotz des schwächeren Wachstums beider Volkswirtschaften von 1988 bis 1989 um
rund 9 Prozent und von 1989 bis 1990 um 4,2 Prozent
zu.
C. Weiterführung der Initiative zur Förderung der
Privatwirtschaft in allen Ländern Amerikas
Die Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in allen
Ländern Amerikas verspricht, Wachstum und Wohlstand auf dem gesamten Kontinent durch den Abbau
von Handels- und Investitionsschranken anzukurbeln.
Diese Initiative zielt ferner auf den offiziellen Schuldenabbau der Länder ab, die sich zu tiefgreifenden Wirtschaftsreformen verpflichtet haben und sich dabei auf
die anhaltende Unterstützung der Administration zum
Abbau der Verschuldung im Handelsbereich stützen.
Die Wiederherstellung des Wirtschaftswachstums in
Lateinamerika wird den amerikanischen Handel abkurbeln, da diese Region ein natürlicher Markt für
amerikanische Waren, Dienstleistungen und Investitionen ist.
D. Abbau unfairer Handelsschranken
Die Administration verfolgt zahlreiche bilaterale Initiativen mit dem Ziel, ausländische Regierungen von der
Öffnung ihrer Märkte und dem Abbau unfairer Hemmnisse für amerikanische Waren, Dienstleistungen und
Investitionen zu überzeugen. Darüber hinaus führt die
Administration bilaterale Verhandlungen mit Japan,
um strukturelle Faktoren auszumachen und abzubauen, die einen Ausgleich der Zahlungsbilanz und wirksame Muster des Welthandels verhindern. Unsere
Politik besteht in der Bewältigung von Handelsproblemen durch die Öffnung ausländischer Märkte und nicht
durch deren Schließung.
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�E. Förderung der amerikanischen Exporte
Der Präsident hat sich verpflichtet, auf diese Initiativen
zur Öffnung der Märkte durch eine Aufstockung amerikanischer Exporte - einer Hauptwachstumsquelle in
den vergangenen Jahren - aufzubauen. Der Koordinierungsausschuß zur Förderung des Handels hat
erstmalig die Ressourcen von 18 Bundesbehörden
gebündelt, damit amerikanische Unternehmen, die
Exporthilfe benötigen, alles unter einem Dach vorfinden. Als Teil dieser Bestrebungen fördert das Handelsministerium landesweit eine Reihe von Seminaren, um möglichen Exporteuren bei der Aufstockung
der Verkäufe ins Ausland behilflich zu sein.
III. FÖRDERUNG EINER QUALIFIZIERTEN UND
DYNAMISCHEN ERWERBSBEVÖLKERUNG
Der Präsident vertritt die Auffassung, daß langfristiges
Wirtschaftswachstum qualifizierte und anpassungsfähige Arbeitnehmer ebenso wie Kapital und neue Technologien erfordert. Die Administration unternimmt
entscheidende Schritte, um sicherzustellen, daß
amerikanische Arbeitnehmer gut ausgebildet und
hochqualifiziert sind und der amerikanische Arbeitsmarkt der dynamischste und flexibelste der Welt bleibt.
A. Umstrukturierung des Bildungswesens
Der Präsident hat sich herausragender Schulbildung
für alle Amerikaner verschrieben. Er befürwortet freie
Schulwahl, größere Flexibilität bei der Finanzierung
des Bildungswesens im Gegenzug zu verbesserter
Rechenschaftspflicht, geänderte Zulassungsbestimmungen für Lehrer und Schulleiter, Auszeichnungen
für hervorragende Lehrer und Schulen, die die Leistungen ihrer Schüler verbessern sowie innovative Ansätze in der naturwissenschaftlichen Ausbildung. In
Zusammenarbeit mit den Gouverneuren des Landes
versucht die Administration festzustellen, wie die Fortschritte bei der Verwirklichung der Bildungsziele des
Landes am besten gemessen und überprüft werden
können. Der Präsident wird in Kürze ein neues Gesetz
über die Verbesserung des Bildungswesens vorlegen.
B. Aufrechterhaltung flexibler Arbeitsmärkte
Der Präsident hat eine Reihe von Schritten unternommen, um die Dynamik zu erhalten, die den Arbeitsmarkt in den Vereinigten Staaten kennzeichnet. Er
widersetzt sich nach wie vor obligatorischen Arbeitgeberanteilen zu den Sozialleistungen, mit denen die
Optionen für Arbeitnehmer eingeschränkt und die
Zunahme an Arbeitsplätzen in der Wirtschaft verlangsamt wird. Der Präsident unterstützt flexible Sozialleistungspakete, die zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ausgehandelt werden.
Der Präsident bekämpft jüngste Bestrebungen, das
über 50 Jahre bestehende Gleichgewicht in den Arbeitsbeziehungen zu unterminieren. Er widersetzt
sich den gegenwärtigen Gesetzen über Vertretungen

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für Streikende, das den Arbeitgebern verbieten würde,
bei Arbeitskämpfen ihren normalen Betrieb aufrechtzuerhalten, indem sie Zeitarbeitskräfte einstellen.
Zusammenarbeit, nicht Konfrontation, ist der Schlüssel zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit.
Das Einwanderungsgesetz von 1990, die erste wichtige Reform der legalen Einwanderung seit 25 Jahren,
wird die Gesamtzahl der Einwanderer und insbesondere der Facharbeiter erheblich erhöhen. Diese neuen
Arbeitskräfte werden ihren Beitrag zum Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten leisten.
C. Verbesserung unserer Bestrebungen zur
Berufsbildung
Der Präsident hat Zusatzartikel zum Berufsbildungsgesetz (Job Training Partnership Act - JTPA) vorgeschlagen, das Verbesserungen der Berufsbildung insbesondere für stark benachteiligte erwachsene und
jugendliche Arbeitskräfte zum Ziel hat. Um Jugendliche in armen Stadt- und Landbezirken zu erreichen,
wurde für bestimmte Gebiete, in denen große Armut
herrscht, ein neues Programm für bessere Chancen
von Jugendlichen (Youth Opportunities Unlimited YOU) vorgelegt. Darüber hinaus gestattet das Programm für die Gewährung von Arbeitsmöglichkeiten
und Grundfertigkeiten (Job Opportunities and Basic
Skills Program - JOBS) den Bundesstaaten Flexibilität, um Empfängern von Hilfe für Familien mit unterhaltsberechtigten Kindern (Families with Dependent
Children - AFDC) beim Erwerb dringend erforderlicher
Fähigkeiten für den Arbeitsmarkt zu helfen. Die Regierung bereitet gegenwärtig ein JTPA-Gesetz zur Vorlage im 102. Kongreß vor.

IV. ABBAU BÜROKRATISCHER HEMMNISSE
Die bemerkenswerte Flexibilität der US-Wirtschaft, die
auf dem Vertrauen in freie Märkte basiert, ist ein
wichtiges nationales Gut. Staatliche Vorschriften
reduzieren in der Regel die wirtschaftliche Flexibilität
und sollten daher eine sehr beschränkte Rolle spielen.
Wo Vorschriften erforderlich sind, sollten entsprechende Programme strengen Rentabilitätsanalysen
unterzogen werden, die Macht von Marktkräften im
öffentlichen Interesse nutzen und solche Kräfte nicht
verzerren oder reduzieren.
A. Arbeitsgruppe zur Deregulierung im Rat für
Wettbewerbsfähigkeit
Der dem Vizepräsidenten unterstehende Rat für Wettbewerbsfähigkeit hat eine Arbeitsgruppe gebildet, um
die Auswirkungen der Deregulierung auf die US-Wirtschaft zu prüfen. Diese Arbeitsgruppe wird die Rolle
der Bundesregierung auf dem Markt untersuchen,
indem sie die Geschichte sowie die Kosten und Nutzen
der Deregulierung für zahlreiche Industriezweige Transport und Verkehr, Kommunikation, Energie und
Finanzdienste - prüft.

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�B. Ergonomie

D. Arbeitsgruppe über die Zulassung von
Arzneimitteln

Der Rat des Vizepräsidenten über Wettbewerbsfähigkeit hat vor kurzem den Bericht über die nationale
Politik zur Ergonomie veröffentlicht, in dem das Engagement der Regierung für die Entwicklung ergonomischer Produkte nach Marktkriterien dargelegt wird.
Der Bericht gibt 15 Empfehlungen für drei politische
Bereiche: Investitionen in Wissenschaft und Technik,
risikoabhängige Regulierung und ein marktwirtschaftliches Umfeld mit Kapital und Finanzdienstleistungen
und dem Schutz der Rechte auf geistiges Eigentum.

Die Arbeitsgruppe ist einberufen worden, um den
Zulassungsprozeß der FDA zu prüfen und Veränderungen bei Verfahren und Aufbau vorzuschlagen. Mit
dieser Bestrebung soll der Prozeß beschleunigt und
effizienter werden, insbesondere im Hinblick auf neue
Arzneimittel und ohne zusätzliche Risiken. Darüber
hinaus wird die Gruppe den Zustand der US-Pharmakonzerne prüfen und Möglichkeiten zur Beibehaltung
ihrer Stellung im Wettbewerb vorschlagen.

C. Joint Ventures in der Produktion

E. telekommunikation

Der Rat für Wirtschaftspolitik hat einen Vorschlag
erarbeitet, der Konsortien in der Fertigungsindustrie
und Joint Ventures unter Konkurrenten in der Industrie
zuläßt. Gegenwärtig sind solche Gemeinschaftsunternehmen aufgrund der Unsicherheit im Hinblick auf
das Risiko von Strafverfolgung und privatrechtlichen
Gerichtsverfahren nach dem Kartellgesetz verboten.
Den gegenwärtigen Vorschlägen zufolge müßten das
Justizministerium und die Gerichte den weltweiten
Wettbewerb berücksichtigen, wenn es um Kartellfragen geht.

Schätzungen zufolge wird die Deregulierung in der
Telekommunikation der US-Wirtschaft jährlich 45 Milliarden Dollar einsparen. Trotz der höchst dynamischen Struktur werden Verhalten und Leistungen dieser Industrie immer noch größtenteils von rechtlichen
und regulatorischen Entscheidungen und Beschränkungen bestimmt. Telekommunikation ist für die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes entscheidend.
Unnötige Hindernisse und Vorschriften müssen beseitigt werden, und unsere Politik der Regulierung muß
ausgewogen und marktwirtschaftlich orientiert sein.

* * * * *

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10. April 1991

14

NAHER OSTEN

USA NICHT GLEICHGÜLTIG GEGENÜBER
GREUELTATEN IM IRAK
Pressekonferenz des Außenministers

GOLFKRISE

VEREINIGTE STAATEN BEZEICHNEN
GOLF-RESOLUTION ALS REALISTISCH
UND FAIR
UNO-Botschafter Pickering vor dem Sicherheitsrat
DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse
vom 15. bis 31. März 1991

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�NAHER

OSTEN
10. April 1991

USA NICHT GLEICHGÜLTIG GEGENÜBER
GREUELTATEN IM IRAK
Pressekonferenz des Außenministers
KEFLAVIK (ISLAND) - (AD) -Auf dem Weg in den Nahen Osten bekräftigte Außenminister Baker vor Journalisten
am 6. April 1991, daß die Vereinigten Staaten "gegenüber den Greueltaten und dem menschlichen Leiden"
unschuldiger Bürger im Irak nicht gleichgültig sein können.
"In Zusammenarbeit mit der internationalen Staatengemeinschaft werden wir sicherstellen, daß humanitäre Hilfe
sowohl im Norden als auch im Süden des Irak zu denjenigen gelangt, die sie am dringendsten benötigen. Wir
werden keinerlei Einmischung in diese humanitären Hilfsbestrebungen dulden", wie sie in der am 5. April 1991
verabschiedeten Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats gefordert werden.
Der Au ßenminister stellte darüber hinaus bei einer Pressekonferenz an Bord des Flugzeugs klar, die Vereinigten
Staaten "können sich im Irak nicht als Polizist aufspielen, und es ist nicht an uns zu entscheiden, wer den Irak
regieren soll".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz von Außenminister Baker im Wortlaut.

Baker: Ich möchte eine längere Erklärung als gewöhnlich abgeben, die das menschliche Leiden im Irak
betrifft.
Die Welt und das irakische Volk sind erneut der schieren Brutalität von Saddam Husseins Regime ausgesetzt. Und wiederum sieht sich die Welt gezwungen,
auf Saddam Husseins willkürlichen und unerhörten
Einsatz von Gewalt zu reagieren. Nur ist in diesem Fall
sein Opfer nicht ein Nachbarland. Dieses Mal töten
und bedrohen die irakischen Streitkräfte das irakische
Volk und begehen Verbrechen an ihm. Die Resolution
688 des UN-Sicherheitsrats verurteilt die Unterdrückung der Kurden und anderer irakischer Bürger, fordert, daß der Irak die Repression beendet und besteht
darauf, daß der Irak den Zugang internationaler Organisationen zu allen denen gestattet, die im ganzen
Land der Hilfe bedürfen.
Wir sind nicht bereit, uns in einen Bürgerkrieg hineinziehen zu lassen. Die Vereinigten Staaten können sich
im Irak nicht als Polizist aufspielen, und es ist nicht an
uns zu entscheiden, werden Irak regieren soll. Wieder
Präsident wiederholt klar gemacht hat - meines Wissens auch auf der heutigen Pressekonferenz - war
AMERIKA DIENST 14

unserer Ziel die Befreiung Kuwaits. Es erstreckte sich
nie auf die Neugestaltung des Irak. Wir haben wiederholt erklärt, daß dies nur vom irakischen Volk geleistet
werden kann.
Dennoch können wir gegenüber den Greueltaten und
dem menschlichen Leiden im Irak nicht gleichgültig
sein - und wir waren es nicht. In Zusammenarbeit mit
der internationalen Staatengemeinschaft werden wir
sicherstellen, daß humanitäre Hilfe sowohl im Norden
als auch im Süden des Irak zu denjenigen gelangt, die
sie am dringendsten benötigen. Wir werden keinerlei
Einmischung in diese humanitären Hilfsbestrebungen
dulden.
Frage: Herr Außenminister, während der irakischkuwaitischen Krise haben Sie und die Administration
wiederholt historische Parallelen zu den dreißiger Jahren
gezogen. Jetzt werden von einigen immer wieder
historische Vergleiche darüber angestellt, daß die
Welt ein schutzloses Volk nicht verteidigt, denen Sie,
wie ich vermute, nicht zustimmen. Können Sie mir
sagen, warum dieser historische Vergleich nicht standhält?

Seite 1

�Antwort: Ich bin nicht ganz sicher, ob ich Ihre Frage
richtig verstanden habe. Meines Erachtens gab es
eine historische Parallele zu dem Einmarsch des Irak
in Kuwait - die Unterjochung eines sehr schwachen
Nachbarn durch eine sehr große und starke Militärmacht. Dies konnten wir in den dreißiger Jahren immer
wieder beobachten. Und ich denke, das Ausmaß der
Brutalität und der Greueltaten, die im Irak stattfinden,
könnten möglicherweise einige Parallelen heraufbeschwören.
Frage: Darf ich das erläutern.
Antwort: Natürlich.
Frage: Die Parallele, an die ich dachte, war, daß die
Welt vor dem Völkermord an den Juden unter Hitler die
Augen verschlossen hat. Und der Vergleich besteht
darin, daß die Welt heute nicht das Volk verteidigt, das
jetzt zu Tausenden von Saddam Hussein ermordet
wird. Gibt es irgendwelche Grenzen, die Sie seinem
Verhalten gesetzt haben - Sie sagen, sie können im
Irak nicht als Polizist auftreten. Gibt es abgesehen
vom Einsatz von Starrflüglern (unverständlich), gibt es
irgendwelche Grenzen, die Sie seinem Verhalten setzen, während er dieses Volk umbringt?
Antwort: Wir unternehmen aktive Schritte in den
Vereinten Nationen - und das ist etwas, was es in den
dreißiger Jahren nicht gegeben hat. Die internationale
Staatengemeinschaft ist sehr aktiv, und die Vereinigten Staaten haben daran beträchtlichen Anteil. Ich
möchte Sie nicht mit vielen Zahlen langweilen, aber ich
habe einige vorliegen, die auch in ihrer Pressemappe
enthalten sind. Solche Bestrebungen haben in den
dreißiger Jahren nicht stattgefunden und im Gegensatz zu den dreißiger Jahren wird heute einiges unternommen, das vielleicht nicht einer Militäraktion gleichkommt, aber im Hinblick auf die Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft auf diese beiden Gegebenheiten dennoch von Bedeutung ist.
Frage: Herr Außenminister, Präsident Bush hat während
seiner Pressekonferenz in Houston erklärt, daß es für
den Nahen Osten sehr wohl einen umfassenden Plan
geben kann. In seiner Antwort deutete er an, daß Sie
die Einzelheiten dieses Plans mitbringen. Er verwendete das Wort "hier". Ich gehe davon aus, das heißt
jetzt. Können Sie uns sagen, ob es einen umfassenden amerikanischen Plan gibt und uns einige Einzelheiten nennen?
Antwort: Offen gestanden, ich habe seine Kommentare nicht so interpretiert. Ich habe ihn dahingehend
verstanden, daß wir - abhängig von den im Verlauf
unserer Reise gewonnenen Antworten auf Fragen, die
wir den verschiedenen Parteien bereits unterbreitet
haben sowie aufgrund der Ergebnisse unserer Konsultationen während dieser Reise - irgendwann in der
Lage sein könnten, mit ziemlicher Bestimmtheit zu
erklären, welche Maßnahmen die Parteien unserer

Seite 2

Meinung nach ergreifen sollten. Sie haben aber auch
von ihm gehört, daß es sich dabei um einen stufenweisen Prozeß handelt- bevor wir gehen können, müssen
wir zunächst krabbeln. Und dem möchte ich hinzufügen, daß wir gehen müssen, bevor wir laufen können.
Meines Erachtens gibt es für uns wahrscheinlich keine
bessere Möglichkeit, um festzustellen, was durchführbar ist als uns mit anderen an einen Tisch zu setzen
und zu versuchen, Antworten zu finden.
Frage: Herr Minister, zur Kurdenfrage, wie immer Sie
darauf antworten möchten, wie schwer ist Ihrer Meinung nach der politische Schaden für die Administration aufgrund der Kritik an ihren Maßnahmen, die
Kurden nicht zu schützen...?
Antwort: Ich nehme solche Fragen nicht mehr an. Ich
habe von mir aus diese Frage einmal kommentiert, und
alle behaupten, dies sei nicht ausreichend. Sie sollten
diese Fragen also nicht an mich richten.
Ich möchte aber noch einmal über die Grenzfrage
sprechen. Meines Erachtens besteht ein Grund, warum
der Präsident möchte, daß ich die Grenze besuche
und die Lage dort einschätze, darin, daß Ausmaß und
Umfang der Zahl von Flüchtlingen, die bereits die
Grenze überschritten haben oder darauf warten, dies
tun zu dürfen, noch unklar ist. Er ist der Ansicht - und
ich hoffe dies - daß wir mit unserer Reise dorthin einen
besseren Überblick über die Situation gewinnen könnten. Im Lauf dieser Reise wird sich unsere Informationslage zu diesem Problem vielleicht bessern.
Frage: Können Sie etwas darüber sagen, wie Hilfe an
den Iran in dieser Situation funktionieren könnte, und
gibt es direkte oder indirekte Gespräche zwischen uns
und dem Iran über Hilfe für die Flüchtlinge, die in den
Iran (unverständlich)?
Antwort: Wir haben über unsere normalen Kanäle
dem Iran verdeutlicht, daß wir daran interessiert sind,
die Bereitstellung humanitärer Hilfe für die irakischen
Flüchtlinge, wohin sie auch gehen, zu unterstützen.
Darüber hinaus wären wir daran interessiert, die
Bemühungen im Iran durch die multilateralen Organisationen zu unterstützen, denen wir angehören und in
deren Rahmen wir bereits eine führende Rolle bei der
Flüchtlingshilfe spielen.
Frage: Daran anknüpfend... Können Sie uns versichern, daß weder Sie noch jemand anders aus Ihrer
Delegation mit iranischen Vertretern zusammentreffen wird oder Pläne für ein solches Treffen während
ihrer Reise hat?
Antwort: Wir haben keine Pläne, dies zu tun, und Sie
kennen ja unsere Politik im Hinblick auf Treffen mit
dem Iran. Wir haben in der Vergangenheit erklärt, daß
ein solcher Dialog, um Früchte zu tragen, die Frage
unserer Geiseln im Libanon und die Frage der staatlichen Förderung des Terrorismus behandeln muß.

AMERIKA DIENST 14

�Frage: Könnten Sie uns ein klareres Bild davon
vermitteln, ob neue Faktoren ins Spiel gekommen
sind, die Sie zu dieser Reise veranlaßt haben ? Sie sind
dieser Frage bei der Pressekonferenz ausgewichen.
Ich bin mir bewußt, daß Sie nicht zuviel sagen wollen,
aber unterrichten Sie uns über den neuesten Stand.
Antwort: Ich habe versucht, diese Frage bei der
Pressekonferenz zu beantworten. Ich war der Auffassung, ich hätte bereits gesagt, daß die Reise nicht
durch das Auftreten neuer Faktoren oder neuer Entwicklungen ausgelöst wurde. Sie knüpft lediglich an
meine erste Reise an. Ich werde nicht sagen, daß es
keine neuen Faktoren oder Entwicklungen gibt. Aber
das ist nicht der Grund für die Reise. Der Grund für die
Reise liegt offen gestanden darin, daß wir nicht wissen,
wie lange dieses Fenster der Möglichkeiten noch besteht.
Wir sind der Meinung, man sollte die Dinge nicht
einfach treiben lassen. Es ist bereits überdrei Wochen
her, seit wir in Israel waren und nahezu vier Wochen,
seit wir Riad besucht haben. Der Präsident war der
Meinung - und das gilt auch für mich -, daß es an der
Zeit sei, die Entwicklung ein wenig voranzutreiben und
zu sehen, ob wir Fortschritte erzielen können.
Frage: Sind Sie angesichts der Ereignisse der letzten
Wochen der Auffassung, daß es ein Fehler dieser
Administration war, die Iraker zur Rebellion gegen
Saddam Hussein zu ermutigen und dann zuzuschauen und nichts zu tun? Darüber findet eine eingehende
moralische Debatte statt. Wie bewerten Sie die Erklärungen der Administration und ob dies ein Fehler war?
Antwort: Ich werde Ihnen dieselbe Antwort geben, die
der Präsident bereits gegeben hat. Wir sind nicht der
Meinung, daß es ein Fehler war, und wir gehen weder
davon aus, daß dies der Absicht der Erklärungen
entsprach, noch, daß es eine Folge der von uns
abgegebenen Erklärungen war. Ich habe Ihnen soeben mitgeteilt, daß wir ständig gesagt haben, der
Sturz Saddam Hussein sei weder ein militärisches
noch ein politisches Ziel. Ich kann Ihnen die Protokolle
dazu heraussuchen. Wir haben insbesondere verdeutlicht, daß unsere militärischen Ziele auf die Befreiung Kuwaits und die Wiederherstellung der rechtmäßigen Regierung Kuwaits begrenzt waren. Wir haben
jedoch erklärt, wir würden ihm keine Träne nachweinen, aber es sei Sache des irakischen Volkes zu
entscheiden, wie seine Führung zusammengesetzt
ist.
Frage: Der Präsident hat zu einem Zeitpunkt Saddam
Hussein davor gewarnt, die Rebellen mit Hubschraubern anzugreifen, dies aber nicht weiterverfolgt. Warum
hat er diese Warnung ausgesprochen, wenn er nicht
bereit war, entsprechend zu handeln?
Antwort: Diese Frage müssen Sie ihm selbst stellen.
Frage: Herr Minister, zum Friedensprozeß im Nahen
Osten, als wir das letzte Mal mit Ihnen auf Reisen
waren, habe Sie gesagt, Sie würden die verschiedeAMERIKA DIENST 14

nen Dinge, die Sie gehört hatten, vergleichen und
danach feststellen, ob es irgendwelche Übereinstimmungen gibt. Dazu möchte ich Ihnen eine weitere
Frage stellen: Hat es in Zusammenhang mit der
letzten Reise irgendeine Übereinstimmung zwischen
den Parteien gegeben? Sie haben uns gegenüber
zwei Ansätze sowie vertrauensbildende Maßnahmen
erwähnt. Können Sie uns in Zusammenhang mit dem
Stand am Ende der letzten Reise wenigstens andeuten, wo wir heute stehen?
Antwort: Das ist ein wichtiger Punkt, und es gibt zu
beiden Seiten dieser Gleichung allgemeines Interesse
am Konzept des zweifachen Ansatzes. Darüber hinaus besteht meiner Meinung nach auch auf beiden
Seiten die generelle Bereitschaft, vertrauensbildende
Maßnahmen in Erwägung zu ziehen. Ich habe bereits
darauf verwiesen, daß - zumindest wenn es nach uns
geht - eine Seite nicht den ersten Schritt vollziehen
muß, und deshalb sollte ein Weg gefunden werden,
um die vertrauensbildenden Maßnahmen dieser Situation anzupassen, wenn sie ergriffen werden. Aber
ich denke, es besteht auf beiden Seiten genügend
Interesse, um eine Fortsetzung dieses Ansatzes zu
rechtfertigen.
Frage: Würden Sie bitte auf die Entwicklungen bei der
Frage der Besiedlung israelischer Gebiete seit Ihrem
letzten Besuch eingehen? Es gab immer wieder
Berichte, daß Versprechen nicht eingehalten wurden,
Wohncontainer am Rande der besetzten Gebiete

aufgestellt wurden und so weiter. Was sagen Sie
dazu?
Antwort: Das werde ich ansprechen, wenn ich nach
Jerusalem reise, und ich möchte das lieber persönlich
mit den israelischen Regierungsvertretern besprechen
als hier vor der Presse.
Frage: Haben Sie bezüglich Israel Pläne, mit Palästinensern zusammenzutreffen, wie Sie es das letzte Mal
taten, und wenn das der Fall wäre, würde es sich dabei
um dieselbe Gruppe handeln wie letztes Mal?
Antwort: Es gibt keine Pläne. Wir haben lediglich
gesagt, daß wir bei einer Bereitschaft der Palästinenser, sich mit uns zu treffen, auch bereit sein würden,
ein solches Treffen durchzuführen. Aber wir haben
keine Pläne, von denen ich wüßte. Vielleicht gibt es
etwas Neues, seit wir heute abgereist sind, das mir
noch nicht bekannt ist.
Frage: Herr Außenminister, ich möchte noch einmal
kurz auf die Frage der Besiedlung zurückkommen.
Haben Sie nach Ihrer jüngsten Israelreise den Eindruck, daß keine sowjetischen Juden in die besetzten
Territorien gehen würden? Wie sieht die Verpflichtung
aus, die Sie bei Ihrer letzten Reise von Schamir
erhalten haben?
Antwort: Die Verpflichtung wird sehr deutlich in dem
Brief von Außenminister Levy beschrieben. Da es sich
Seite 3

�hierbei um einen offenen Brief handelt, können Sie ihn Flüchtlingsströme ermessen und die Situation eineinsehen.
schätzen können.
Frage: Seine Politik lautet: keine sowjetischen Juden.
Antwort Ich möchte hier betonen, daß Ausmaß und
Umfang der uns gegenüber abgegebenen Zusagen an
dem Brief gemessen werden sollten, der das Ergebnis
umfangreicher Verhandlungen ist.
Frage: Was wurde in dem Brief dargelegt und wird es
eingehalten?

Frage: Herr Außenminister, Sie haben erklärt, man
müsse krabbeln lernen, bevor man läuft und laufen
können, bevor man rennt, aber wenn man auf die
zweieinhalb Jahre der Friedenspolitik dieser Regierung im Nahen Osten zurückschaut, sind wir nur
gekrabbelt. Es gibt zwei Möglichkeiten, um den Nahen
Osten historisch zu betrachten. Einmal Schritt für
Schritt und zum anderen, indem man einen genauen
Plan vorlegt, den jeder lesen, einsehen und verstehen
kann. Wie lange werden Sie noch weiterkrabbeln?

Antwort: Darauf gebe ich Ihnen dieselbe Antwort. Wir
werden darüber in Israel sprechen und nicht schon vor
Antwort: Darauf möchte ich antworten, indem ich
unserer Reise mit der Presse.
jemanden zitiere, der sich in der Diplomatie und Politik
Frage: Gibt es bestimmte Dinge, die Sie Präsident des Nahen Ostens sehr gut auskennt. Er hat erklärt,
Özal anbieten können, um einige seiner Probleme zu daß weder die Vereinigten Staaten noch sonst jemand
erleichtern? Könnten Sie zum Beispiel die Zusage dem Nahen Osten Frieden aufzwingen kann, und
geben, einige Kurden in den Vereinigten Staaten auf- niemand kann im Nahen Osten Frieden schaffen,
zunehmen? Unternehmen Sie diplomatische Bestre- wenn die Beteiligten ihn nicht wirklich wollen. Die
bungen, um die europäischen Länder dazu zu bewe- Vereinigten Staaten können dabei höchstens als Katagen, sie aufzunehmen? Was können sie für ihn tun - lysator fungieren. Ich habe vergessen, wer das geschrieben hat.
außer Geld zu geben Hilfsgüter abzuwerfen?
Antwort: Wir tun bereits eine ganze Menge für die
Türkei, aber vor allem leisten wir Wirtschafts- und
Nahrungsmittelhilfe, damit sie mit dem großen Zustrom an Flüchtlingen fertigwerden. Bis jetzt haben wir
meines Wissens keine Gespräche mit irgendwelchen
Regierungen über die Umsiedlung dieser Flüchtlinge
aufgenommen.
Frage: Ist unser Land an der Umsiedlung nicht interessiert?
Antwort: So würde ich das nicht sagen. Meiner
Meinung nach ist dies eine Frage, die wir möglicherweise ansprechen, nachdem wir das Ausmaß der

Frage: Können Sie mir sagen, welche Auswirkungen
die israelischen Berichte über die Besiedlung auf den
Friedensprozeß hatten? Erst kürzlich hat Margaret
(Tutwiler) erklärt, es handele sich um ein Hindernis für
den Frieden und den gegenwärtigen Prozeß. Hatten
Sie dazu irgendwelche Reaktionen aus der arabischen
Welt? Schließlich scheinen Sie immer zu sagen, es
handele sich um ein Hindernis für den Frieden, und sie
bauen immer mehr neue Siedlungen.
Antwort: Sie sprechen hier wiederum einen Bereich
an, den ich lieber zuerst in Israel erörtern möchte,
anstatt auf Presseberichte einzugehen, was möglicherweise dort abläuft.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 14

�GOLFKRISE
10. April 1991

VEREINIGTE STAATEN BEZEICHNEN GOLFRESOLUTION ALS REALISTISCH UND FAIR
UNO-Botschafter Pickering vor dem Sicherheitsrat
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die jüngste Resolution des UN-Sicherheitsrats ist dem Ständigen Vertreter der
Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, BotschafterThomas Pickering, zufolge fair, "weil damit der Weg
aufgezeigt wird, wie der Irak erneut seinen Platz in der internationalen Staatengmeinschaft einnehmen kann".
Er bezeichnete die Resolution darüber hinaus als hart, "weil gewährleistet wird, daß sich die bitteren Erfahrungen der vergangenen acht Monate nicht wiederholen".
Pickering erklärte unmittelbar nach der Abstimmung des Sicherheitsrats über die jüngste Resolution, "wenn das
irakische Volk mit uns zusammenarbeitet, wenn Stabilität in die Golfregion zurückkehrt und sich die militärischen
Spannungen verringern, kann die internationale Staatengemeinschaft beim Wiederaufbau des Irak und Kuwaits
helfen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Pickerings Rede im Wortlaut.

Der Rat hat gerade über einen der wichtigsten Vorschläge entschieden, die ihm jemals vorgelegt wurden. Diese Resolution ist einzigartig und historisch
einmalig: sie erfüllt die Hoffnung der Menschheit, die
Vereinten Nationen zu einem Instrument von Frieden
und Stabilität zu machen.
Dem Rat liegt ein umfassender Entwurf vor. Er folgt
seiner eigenen inneren Logik und klaren Gedankenführung. Er will das Kernproblem behandeln, das uns
in die Golfkrise geführt hat. Und er zeigt, was getan
werden muß, um uns dort herauszuführen. Die Resolution liefert die Basis für den von allen Beteiligten
angestrebten permanenten Waffenstillstand und für
den Abzug der Koalitionsstreitkräfte von irakischem
Territorium. Sie gesteht dem Generalsekretär und den
Vereinten Nationen besondere Bedeutung zu, um die
Rolle der Vereinten Nationen bei der Schaffung und
Erhaltung des Friedens erheblich zu erweitern. Sie
schafft ferner klare Anreize für die schnelle Durchführung sowie Kompromisse, die eine stufenweise Rückkehr zur Normalität und Beendigung des Kriegszustands am Golf hervorbringen. Sobald der Irak die Bestimmungen der Resolution akzeptiert, tritt ein formeller Waffenstillstand in Kraft. Wenn der Irak die Bedingungen der Resolution erfüllt, werden das System der

AMERIKA DIENST 14

Sanktionen modifiziert, die Rolle des Generalsekretärs bei der Überwachung der Rückkehr zur Normalität
gestärkt, die Koalitionsstreitkräfte abgezogen und der
Mechanismus zur Durchführung der Resolution angewandt.
Die Einbeziehung des Generalsekretärs und der Vereinten Nationen ist für unseren Ansatz unabdingbar.
Unserer Meinung nach ist dies für die Wiederherstellung des Friedens ebenso wichtig wie für den Sieg über
die Aggression. Der Generalsekretär und die Vereinigten Staaten arbeiten an der Festsetzung der irakischkuwaitischen Grenze, der Stationierung von Beobachtern, der Aktivierung eines besonderen Ausschusses
zur Beobachtung der Beseitigung von Massenvernichtungswaffen, der Schaffung einer Schadenersatzregelung, der Rückgabe kuwaitischen Eigentums und
der Kontrolle von Waffengeschäften mit dem Irak.
Für die Vereinigten Staaten ist dies eine Zeit der
Prüfung und auch eine Zeit der Enscheidung. Die
internationale Staatengemeinschaft hat durch die
Vereinten Nationen gehandelt, um Aggression und
Gesetzlosigkeit ein Ende zu bereiten. Sie muß jetzt
ebenso handeln, um Frieden und Sicherheit auf der
Welt wiederherzustellen.

Seite 1

�Die Resolution ist hart, aber fair. Sie ist fair, weil damit
der Weg aufgezeigt wird, wie der Irak erneut seinen
Platz in der internationalen Staatengmeinschaft einnehmen kann. Wir wünschen uns, daß dies verwirklicht und der Irak vor dem Zerfall bewahrt wird. Positive
Schritte und Versuche zur Wiedergutmachung des
angerichteten Schadens werden belohnt. Und diese
Resolution ist genau deshalb hart, damit sich die
bitteren Erfahrungen der vergangenen acht Monate
nicht wiederholen. Die ungewöhnlich lange Präambel
erläutert den Kontext für die Vorgehensweise des
Sicherheitsrats, und wir beginnen jetzt, den Golfkrieg
hinter uns zu lassen.
Die Resolution konzentriert sich auf die Grundlagen
der Wiederherstellung von Frieden und Sicherheit in
der Region. Dabei kommt der Respektierung der
Grenze besondere Bedeutung zu. Der Rat verweist
darauf, daß der Irak und Kuwait 1963 eine Vereinbarung über ihre gemeinsame Grenze unterzeichent
haben. Kuwait hat dieses Abkommen im Einklang mit
Artikel 102 der Charta bei den Vereinten Nationen
registrieren lassen, und es wurde in der Serie der UNVerträge veröffentlicht. Der Irak hat der Registrierung
durch die Vereinten Nationen nie widersprochen.
Dennoch ist der Irak 1990 in Kuwait eingefallen, hat
das Land besetzt und versucht, es zu annektieren.
Durch diesen Rat hat die internationale Staatengemeinschaft die Aktionen des Irak abgewiesen, und
durch diesen Rat hat die Staatengemeinschaft den
Irak aus Kuwait vertrieben.
Unsere Aufgabe steht im Einklang mit unseren Verpflichtungen gemäß Artikel 7 und lautet, den Frieden
so zu verwirklichen, daß der Irak niemals wieder die
Souveränität und Integrität Kuwaits bedroht. Aus
diesem Grund gelten für die Resolution folgende Punkte:
Sie fordert, daß der Irak und Kuwait gegenseitig
ihre 1963 vereinbarten internationalen Grenzen
respektieren.
Sie fordert den Generalsekretär auf, seine Hilfe
zu gewähren, um mit Kuwait und dem Irak Vereinbarungen über die Festlegung der Grenzen
zu treffen,
und sie will die Unverletzlichkeit der Grenze
garantieren.
Die Gegebenheiten sind in der Geschichte der Vereinten Nationen einmalig, und diese Resolution ist genau
auf diese Umstände zugeschnitten. Der UN-Sicherheitsrat ist damit nur tätig geworden, um den Weltfrieden in einem Fall wiederherzustellen, in dem ein Staat
die Grenze eines anderen Landes verletzt und versucht hat, den Staat selbst gewaltsam zu vernichten.
Natürlich werden die Vereinigten Staaten keine neue
Rolle des UN-Sicherheitsrats als Organ anstreben
oder unterstützen, das internationale Grenzen festlegt. Grenzkonflikte sind Probleme, die direkt zwiSeite 2

sehen einzelnen Ländern ausgehandelt oder mit anderen friedlichen Mitteln zur Schlichtung gelöst werden
müssen, wie sie im Kapitel VI der Charta beschrieben
werden.
Als nächstes schafft die Resolution eine entmilitarisierte Zone und fordert die unmittelbare Stationierung
einer Beobachtertruppe. Ihr Ziel ist die Abschreckung
von Bedrohungen für den Frieden durch Präsenz
entlang der irakisch-kuwaitischen Grenze. Die Stationierung von Beobachtern ist eine der notwendigen
Bedingungen, wenn das Ende der Präsenz von Koalitionsstreitkräften keine neuen Gefahren herausfordern soll.
Das nächste Problem betrifft chemische, biologische
und nukleare Massenvernichtungswaffen und deren
Trägerraketen. Wir haben mit äußerster Besorgnis
beobachtet, daß der Irak diese Waffen in der Vergangenheit eingesetzt hat und sind uns der Bedrohung
bewußt, die der Einstz oder die Entwicklung dieser
Waffen mit sich bringen. Die Region kann einfach nicht
sicher werden, wenn der Irak weiterhin über solche
Waffen verfügt. Deshalb hat der Sicherheitsrat mit
dieser Resolution entschieden, daß sie beseitigt werden müssen. Wir fordern den Generalsekretär und
eine Sonderkommission auf, einen Plan für die Zerstörung chemischer und biologischer Waffen sowie ballistischer Raketen zu erarbeiten. Darüber hinaus eröffnet die Resolution neue Wege, indem sie den Irak
auffordert, in Zukunft Versuchen zum Erwerb von
Kernwaffen abzuschwören, und sie will einen Mechanismus schaffen, mit dem die irakische Einhaltung
dieser Bestimmungen international überwacht wird.
Schließlich erläutert der Text, daß dieser Versuch der
internationalen Staatengemeinschaft, das durch den
Irak hervorgerufene Problem zu lösen, in einem größeren regionalen Rahmen stattfindet.
Der Rat ergreift ferner andere wichtige Schritte im
Bereich der Haftung für Schäden und Wiedergutmachung. Die Resolution schafft einen Schlichtungsprozeß, in dem alle, die infolge der illegalen irakischen
Aggression direkte Schäden oder Verletzungen erlitten haben, Schadenersatz fordern und erhalten können. Sie richtet einen Fonds ein, aus dem Schadenersatz für künftige Forderungen bezahlt wird, und sie ruft
eine Kommission ins Leben, die diesen Fonds verwaltet. Der Generalsekretär wird bei der Einleitung dieses
Prozesses eine Schlüsselrolle spielen und dem Rat
Empfehlungen geben. Der Fonds wird vom irakischen
Beitrag - einem bestimmten Prozentsatz der öleinnahmen - unterstützt, und wir schlagen vor, daß der Fonds
im Gegenzug die Kosten für die Verwaltung des Schadenersatzprogramms übernimmt, so daß es wirtschaftlich unabhängig ist. Obwohl kein Fonds umfangreich
genug ist, um all die Forderungen gegen den Irak
abzudecken, sollte dieser Mechanismus der internationalen Staatengemeinschaft zumindest einen Zugriff
auf Finanzen des Irak gestatten, ohne der irakischen

AMERIKA DIENST 14

�&gt;

Wirtschaft eine unerträgliche Belastung aufzuerlegen.
Das ist eindeutig die Absicht des Rats.

Zukunft keine Terroranschläge durchführt und keine
terroristischen Vereinigungen unterstützt.

Dann behandeln wir die Frage der Sanktionen. Die
Resolution schafft einen dynamischen und flexiblen
Prozeß, der die Beseitigung von Sanktionen an die
Durchführung der Resolution knüpft. Hiermit wird ein
Anreiz geschaffen, die Resolution so schnell wie möglich
durchzuführen. Sanktionen für Nahrungsmittel und
zivile Versorgungsgüter werden sofort aufgehoben,
wenn die notwendigen verfahrenstechnischen Maßnahmen getroffen sind. Wenn die Bestimmungen über
den Einsatz von Massenvernichtungswaffen und den
Schadenersatz erfüllt sind, werden auch die Sanktionen gegen Exporte aufgehoben. In der Zwischenzeit
ist der Sanktionsausschu ß befugt, bei den Sanktionen
gegen irakische Exporte gegebenenfalls Ausnahmen
zuzulasen, damit finanzielle Ressourcen zur Unterstützung der Zivilbevölkerung freigesetzt werden.
Darüber hinaus wird der Rat die Sanktionen über
Exporte im Hinblick auf irakische Exporte überprüfen.
Dies wird alle 60 Tage erfolgen, um der irakischen
Politik und der Durchführung dieser und vorhergehender Resolutionen Rechnung zu tragen. Natürlich werden
die entsprechenden Ausschüsse und Länder weiterhin
das System der Sanktionen anwenden, solange Teile
davon gelten.

Wenn der Irak den Bestimmungen der Resolution
zustimmt, tritt ein formeller Waffenstillstand in Kraft,
derden Abzug von Koalitionsstreitkräften aus dem Irak
ermöglicht. Nach der Stationierung von UNO-Beobachtem werden sich die Koalitjonsstreitkräfte so schnell
wie möglich und im Einklang mit den Einsatzbefehlen
und logistischen Erwägungen aus dem Irak zurückziehen. Wenn die mit der Resolution geschaffenen
Prozesse eingeleitet werden, sind wir bereit, eng mit
dem Generalsekretär und anderen interessierten
Parteien zusammenzuarbeiten. Um deren Arbeit zu
erleichtern, wollen wir eine aktive Rolle bei der Arbeit
der Sonderkommission spielen, in der wir und andere
Mitglieder der Ständigen Fünf über besondere Erfahrungen verfügen, die wir anderen zugänglich machen
können.

Geschäfte mit der Entwicklung chemischer, biologischer und nuklearer Waffen und Raketen sind auf
unbegrenzte Zeit verboten. Im besonderen Fall des
Verkaufs konventioneller Waffen an den Irak wird ein
anderer Ansatz verfolgt. Für alle Bereiche von Rüstungsgeschäften werden Richtlinien entwickelt, um
die Durchführung zu fördern. Dieses Verbot konventioneller Waffenlieferungen wird im Hinblick auf die irakische Befolgung dieser Resolution und allgemeine
Fortschritte bei der Rüstungskontrolle in der Region
120 Tage nach seiner Verabschiedung und danach regelmäßig überprüft.

!

Zusätzlich zu diesen wichtigen Innovationen sieht die
Resolution nach wie vor die Rückgabe kuwaitischen
Eigentums vor. Dazu ist der Irak verpflichtet. Sie weist
jegliche Berufung des Irak auf eine Nichteinhaltung
von Verträgen aufgrund der vom Irak hervorgerufenen
Konflikte ab und bestätigt die Verpflichtung des Irak, in
Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz alle kuwaitischen Bürger und Angehörigen von Drittstaaten auf
seine Kosten in ihr Land zurückkehren zu lassen.
Weil der Irak in bisher ungekanntem Umfang Geiseln
genommen und in dem jüngsten Konfikt offen den
Einsatz von Terrorismus angedroht hat, fordert die
Resolution eine Verpflichtung des Irak, daß er in

* *

AMERIKA DIENST 14

Herr Präsident, heute schlagen wir wiederum ein neues
Kapitel in der Arbeit des Rats auf. Diese Resolution,
mit der Frieden und Sicherheit in der Region hervorgebracht wird, ist beispiellos, weil die Gegebenheiten, auf
die sie eingeht, in der Geschichte der Vereinten Nationen ihresgleichen suchen. Nach der Charta der Vereinten Nationen sind auch früher Truppen in den
Kampf gezogen, aber die Vereinten Nationen haben
niemals Maßnahmen zur Wiederherstellung des Friedens ergriffen wie in dieser historisch einmaligen
Resolution. Diese Resolution beantwortet nicht alle
Fragen, aber sie weist den Weg. Die aktive Beteiligung
des Irak ist für diesen Ansatz unabdingbar. Wir hegen
die Hoffnung, daß das irakische Volk entschlossen ist,
die von seinen Führern herbeigeführte Katastrophe zu
bewältigen und gemeinsam mit der internationalen
Staatengemeinschaft die Basis für einen dauerhaften
Frieden und Sicherheit zu schaffen. Das bedeutet eine
Abkehr von der Politik der Vergangenheit und eine
echte Hinwendung zu den Prinzipien der UN-Charta,
der Saddam Hussein bisher eher durch Gewalt als
durch Engagement Anerkennung gezollt hat.
Wenn das irakische Volk mit uns zusammenarbeitet,
wenn Stabilität in die Golfregion zurückkehrt und sich
die militärischen Spannungen verringern, kann die
internationale Staatengemeinschaft beim Wiederaufbau des Irak und Kuwaits helfen. Wenn der Prozeß,
den wir heute einleiten, fortschreitet, wird meine Regierung alle Möglichkeiten ergreifen, um Fortschritte
bei der Lösung anderer Probleme, etwa dem arabischisralischen Konflikt freizusetzen. Uns bieten sich jetzt
am Golf und im Nahen Osten Chancen, die meine
Regierung auf keinen Fall verschenken wird. Herr
Präsident, ich danke Ihnen.

* *

*

Seite 3

�GOLFKRISE
10. April 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 15. bis 31. März 1991
WASHINGTON -(AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
15. bis 31. März 1991 fort.

15. März
Der Befehlshaber der alliierten Streitkräfte, General
Norman Schwarzkopf, entsendet Boten, um das irakische Militärkommando zu warnen, daß anhaltende
Flüge irakischer Flugzeuge die vorläufige Vereinbarung über einen Waffenstillstand zwischen den Alliierten und dem Irak unterlaufen könnten. Gleichzeitig
verfügen die Befehlshaber verstärkte Luftpatrouillen
über irakischem Territorium.
Auf Wunsch des kuwaitischen ständigen Vertreters bei
den Vereinten Nationen, Mohammed A. Abulhassan,
entsendet UN-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar eine 29 Mitglieder umfassende Wiederaufbaudelegation nach Kuwait. Zu dem UN-Team unter Leitung
des früheren Stellvertretenden UN-Generalsekretärs
Abdulrahim A. Farah gehören Ingenieure, Umweltschützer und Menschenrechtsexperten unterschiedlicher UN-Behörden, "die Erfordernisse zum Wiederaufbau des Landes feststellen", erklärt de Cuellar.
Bei einer Sitzung in Straßburg verabschiedet das
Europäische Parlament eine Resolution, in der die
Befreiung Kuwaits und das Ende der Feindseligkeiten
am Golf begrü ßt sowie der Besorgnis über die bürgerkriegsähnliche Atmosphäre im Irak Ausdruck verliehen wird. Die Resolution appelliert an die Vereinten
Nationen, "der ihrer Rolle bei der Schaffung von Frieden voll und ganz gerecht zu werden."
Die Resolution fordert femer einen umfassenden Bericht
über die Einhaltung der Handels- und Wirtschaftssanktionen gegen den Irak durch europäische Firmen
sowie koordinierte Maßnahmen zur Überwachung von
Rüstungsverkäufen und -exporten und militärischem
Gerät in die Region.
AMERIKA DIENST 14

Die norwegische Regierung hebt offiziell die Sanktionen gegen Kuwait auf, die unmittelbar nach der irakischen Invasion Kuwaits verhängt worden waren. Die
Sanktionen der Regierung gegen den Irak bleiben in
Kraft.
16. März
Präsident Bush und der britische Premierminister Major
erklären in Bermuda, ein dauerhafter Waffenstillstand
am Golf müsse die überwachte Zerstörung der chemischen und biologischen Waffen des Irak sowie die
Verwendung der irakischen Öleinnahmen zur Zahlung
von Reparationen an Kuwait beinhalten. Bush bestätigt, daß der Kommandeur der amerikanischen Streitkräfte am Golf, General Norman H. Schwarzkopf, den
Irak gewarnt habe, keine Flüge mit Starrflüglern zu
unternehmen.
17. März
Das amerikanische Militärkommando in Riad gibt eine
Erklärung als Bestätigung heraus, daß bei einem Treffen
zwischen dem Irak und Offizieren der Koalitionsstreitmacht in Safwan am selben Tag der Leiter der alliierten
Delegation, Generalmajor Robert B. Johnston, den
Antrag des regierenden irakischen Revolutionsrats
offiziell abgelehnt hat, Flüge irakischer Kriegsflugzeuge im Land zu gestatten. Die Kommandeure warnen
den Irak femer, daß die Kampfflugzeuge der Koalitionsstreitmacht alle in der Luft befindlichen irakischen
Kriegsflugzeuge abschießen werden.
Außenminister Baker erklärt in Washington, daß die
Vereinigten Staaten auch den irakischen Antrag abgelehnt haben, Kriegsflugzeuge zur Niederschlagung
einer Rebellion im Irak einzusetzen und den Irak

Seite 1

�warnen, steh von den Luftoperationen der Verbündeten im irakischen Luftraum fernzuhatten.
Die Europäische Gemeinschaft gibt bekannt, daß sie
für die zivilen Opfer des Golfkriegs insbesondere im
Irak6,5 Millionen Dollar bereitstellt. Seitdem Ende des
Golf kriegs hat die EG 650.000 Dollar zum Aufbau einer
Wasseraufbereitungsanlage in Bagdad, 4,3 Millionen
Dollar für Wasseraufbereitungsprojekte in anderen
Gegenden des Irak sowie für Arznei- und Nahrungsmittel für Kinder gespendet.
Der iranische Außenminister legt über den irakischen
Geschäftsträger in Teheran gegenüber der irakischen
Regierung Protest gegen die Zerstörung heiliger Stätten im Irak durch irakische Streitkräfte ein.
19. März
Das amerikanische Repräsentantenhaus verabschiedet in mündlicher Abstimmung eine Resolution mit
dem Inhalt, daß "Saddam Hussein und der Irak rechtlich, moralisch und finanziell für alle durch die Einleitung von ö l in den Persischen Golf entstandenen
Kosten zur Rechenschaft gezogen wird".
Koalitionsstreitkräfte aus Kanada, Kuwait, Frankreich,
Saudi-Arabien, Großbritannien und den Vereinigten
Staaten haben Berichten zufolge seit Anfang März
600.000 irakische Sprengsätze auf kuwaitischem Boden
geräumt. Der Kommandeur der französischen Streitkräfte, Oberst Marc Le Mans, erklärt, diese Sprengsätze verusachten "große Probleme auf dem gesamten
kuwaitischen Kriegsschauplatz".
19. März
Der Stellvertretende Verteidigungsminister Pete Williams erklärt, das amerikanische Verteidigungsministerium werde auf dem Luftweg humanitäre Hilfsgüter
im Wert von 400.000 Dollar zur Verteilung durch das
kuwaitische Rote Kreuz nach Kuwait schicken. Die
Ladung der C-5-Flugzeuge ist über 130.000 Pfund
schwer und enthält medizinische Versorgungsgüter,
Babynahrung, Zelte, Feldbetten, Kochgeschirr, Herde, Kerzen, Seife, Wasserbehälter und Pumpen.
Ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten
Kreuz (IKRK) erklärt in Genf, die erste Phase des
Gefangenenaustauschs zwischen dem Irak und den
Verbündeten sei abgeschlossen. Dem IKRK zufolge
haben die Verbündeten 1.500 irakische Kriegsgefangene in ihre Heimat zurückgeschickt und halten noch
60.000 Iraker fest, während der Irak ungefähr 1.200
Kuwaiter freigelassen hat. Das IKRK hat 4.500 von
den irakischen Streitkräften während der Besetzung
Kuwaits festgenommene Kuwaiter registriert, so der
Sprecher.
22. März
Der 15 Mitglieder umfassende Sanktionsausschuß
des UN-Sicherheitsrats lockert die Restriktionen für
Seite 2

humanitäre Nahrungsmittellieferungen an irakische
Zivilisten. Diese Aktion erstreckt steh nicht auf die
weitreichenden zwingenden Sanktionen gegen den
Irak nach der Invasion und Besetzung Kuwaits im
vergangenen August, erklärt der amerikanische Botschafter Thomas Pickering. "Es bedeutet, daß bestimmte entscheidende Güter gemäß der vom Sanktionsausschuß verfügten Verfahren geliefert werden."
Pickering zufolge wird der Ausschuß genau beobachten, was in den Irak geliefert und wie es verteilt wird.
23. März
Der irakische Präsident Saddam Hussein veröffentlicht ein Dekret, in dem die Zusammensetzung des
neuen irakischen Kabinetts unter Leitung von Premierminister Dr. Sadun Hammadi bekanntgegeben wird.
Außenminister Tarik Asis wird zum Stellvertretenden
Premierminister ernannt.

f

25. März
Das Büro zur Kontrolle ausländischer Vermögenswerte des US-Finanzministeriums hebt auf Bitte der kuwaitischen Regierung die wirksame Kontrolle eines
Großteils der in den Vereinigten Staaten eingefrorenen kuwaitischen Vermögenswerte wieder auf. Als auf
Ersuchen der kuwaitischen Regierung ergriffene Schutzmaßnahme wurden die Vermögenswerte mit einer
Durchführungsbestimmung des Präsidenten nach der
irakischen Invasion Kuwaits am 2. August 1990 eingefroren.
Der irakische UNO-Botschafter Abdul Amir Al-Anbari
setzt Generalsekretär Perez de Cuellar davon in
Kenntnis, daß der Irak- wie in UNO-Resolution 686 als
Voraussetzung für einen dauerhaften Waffenstillstand
gefordert - zur Rückgabe des während der siebenmonatigen Besetzung Kuwaits beschlagnahmten Eigentums bereit ist.
In von den Vereinten Nationen veröffentlichten Dokumenten führt der Irak Banknoten, Geldstücke und
andere den Kuwaitem entwendete Münzen auf, einschließlich 3.216 Standard-Goldbarren und über 171

i

Millionen Kuwait gehörende kuwaitische Dinar-Banknoten.
,i

Darüber hinaus legt der Irak eine Kopie der vom
Revolutionsrat am 5. März verabschiedeten Resolution vor, die alle nach dem 2. August getroffenen
Entscheidungen des Irak bezüglich Kuwait für null und
nichtig erklärt.
26. März
Indien hebt das Handelsembargo gegen Kuwait auf,
setzt das Handelsembargo gegen den Irak jedoch im
Einklang mit den UNO-Resolutionen fort.
27. März
Die fünf Ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats
AMERIKA DIENST 14

�}

einigen sich auf eine Resolution zu einem dauerhaften
Waffenstillstand im Golfkrieg und nehmen Konsultationen mit den anderen Mitgliedern des Sicherheitsrats
auf. Dies ist die 14. Resolution des UN-Sicherheitsrats
im Zusammenhang mit der Golfkrise.
28. März
Der Stellvertretende UNO-Generalsekretär Martti
Ahtisaari drängt in einem Bericht des UN-Teams über
die humanitären Bedürfnisse Kuwaits "mit höchster
Dringlichkeit" auf internationale Hilfe. Eines der vordringlichsten Bedürfnise Kuwaits ist Unterstützung bei
der Räumung der Unmenge von Bomben, Raketen,
Granaten, Minen und anderen vom irakischen Heer

* *

AMERIKA DIENST 14

hinterlassenen nichtexplodierten Sprengsätzen, so
Ahtisaari. Weitere Bereiche von höchster Dringlichkeit
sind ihm zufolge die Überwachung der Wasseraufbereitung, ein kurzfristiger Plan zur medizinischen Notversorgung, Notfallhilfe für Kinder sowie Umweltschutzmaßnahmen.
30. März
Der Generalsekretär des Golf-Kooperationsrates,
Abdullah Bishara, gibt bekannt, daß die Mitglieder des
GCC die finanzielle Hilfe an Jordanien und die PLO
aufgrund ihrer Unterstützung des Irak in der Golfkrise
ausgesetzt haben. "Kein Vergeben, kein Vergessen",
so Bishara.

* *

*

Seite 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA nicht gleichgültig gegenüber Greueltaten im Irak&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten bezeichnen Golf-Resolution als realistisch und fair &lt;br /&gt;&lt;em&gt;UNO-Botschafter Pickering vor dem Sicherheitsrat&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;vom 15. bis 31. März 1991&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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3. April 1991

-

GATT

UNTERHÄNDLER DER URUGUAY-RUNDE
ÜBERWINDEN PATT
von Louis Murphy

AMERIKA HEUTE

DER NIEDERGANG AMERIKAS EIN WIEDERHOLUNGSFALL IN DER
GESELLSCHAFT
von Joseph Nye
DIE FÄHIGKEIT ZUR ERNEUERUNG
von Joel Kotkin

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�GATT
3. April 1991

UNTERHÄNDLER DER URUGUAY-RUNDE
ÜBERWINDEN PATT
von Louis Murphy
WASHINGTON - (AD) - Der Autor ist Leiter des Büros für multilaterale Angelegenheiten im US-Handelsministerium. Der nachfolgend veröffentlichte Artikel erschien am 25. März 1991 in der vom Handelsministerium
herausgegebenen Publikation Business America.

Das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT),
ein von 101 Ländern unterzeichnetes multilaterales
Handelsabkommen, hat seit über 40 Jahren als Triebfeder der Liberalisierung des Handels gedient. Seit der
Gründung des GATT im Jahr 1947 wurden sieben
erfolgreiche Verhandlungsrunden abgeschlossen. Die
ersten sieben Runden haben zu einem Abbau der
internationalen Zollsätze von über 75 Prozent geführt.
Während dieses Zeitraums expandierte der Welthandel drastisch von 60 Milliarden Dollar im Jahr 1950 auf
heute rund 4 Billionen Dollar.
In jüngster Zeit haben die Vertragsparteien die Bestrebungen zum Abschluß der achten - der UruguayRunde - wiederaufgenommen, die im September 1986
in Punta del Este (Uruguay) begonnen wurde. Die Verhandlungen der Uruguay-Runde wurden im Dezember
1990 beim Ministertreffen in Brüssel vertagt, als deutlich wurde, daß die Europäiche Gemeinschaft, Japan
und Korea nicht bereit waren, ernsthafte Verpflichtungen zur Agrarreform einzugehen. Die Landwirtschaft
ist der Dreh- und Angelpunkt der Verhandlungen: die
Entwicklungsländer haben Verpflichtungen im Agrarbereich im Gegenzug für ihre Berücksichtigung der Belange der Industrienationen gefordert.
Eine Reihe von Konsultationen
Nach Vertagung der Verhandlungen nahm Arthur Dunkel,
der Generaldirektor des GATT, eine Reihe von Konsultationen mit den Delegationen auf, um festzustellen, ob eine Grundlage zur Wiederaufnahme der Verhandlungen gefunden werden könnte. Im vergangenen Februar konnte Dunkel den Erfolg der umfassenden Konsultationen vermelden. Er bestätigte, daß sich
die 33 wichtigsten Teilnehmer bei den Agrarverhand-

AMERIKA DIENST 13

lungen (einschließlich der Europäischen Gemeinschaft)
auf "bestimmte bindende Verpflichtungen" in den
Bereichen Stützmaßnahmen im Inland, Marktzugang
und Exportwettbewerb geeinigt hatten. (Bei der Überprüfung einzelner Bereiche ihrer umstrittenen Gemeinsamen Agrarpolitik gelangte die Europäische
Gemeinschaft zu dem Schluß, daß eine grundlegende
Reform sowohl den innenpolitischen als auch den
multilateralen politischen Zielsetzungen gerecht würde). Die GATT-Teilnehmer einigten sich ferner darauf,
ein Abkommen zu Gesundheits- und Hygienefragen
anzustreben.
Auf den Durchbruch im Agrarbereich aufbauend, nahm
Dunkel gemeinsam mit den wichtigsten Ländern auch
eine Bilanz der nicht im Agrarbereich angesiedelten
Probleme vor. Auf der Grundlage dieser Erörterungen
entwickelte Dunkel einen Plan zur Wiederaufnahme
von Verhandlungen, der am 25. Februar 1991 vom
Ausschuß für die Handelsgespräche in Genf genehmigt wurde. Mit der Verabschiedung dieses Zeitplans
wurden die Verhandlungen der Uruguay-Runde offiziell wiederaufgenommen.
Dunkel hatte eine neue Struktur der offiziellen Zusammenkünfte bei den Verhandlungen entwickelt. Auf die
Art der Sitzungen in Brüssel aufbauend, konzentriert
sich die neue Struktur auf zu bestimmten Themen
anberaumte "Konsultationen". Für März berief Dunkel
Konsultationen über Agrarfragen, Textilien, Dienstleistungen, GATT-Regeln (in allen Bereichen) handelsbezogene Investitionsmaßnahmen (TRIMs), handelsbezogene Aspekte der Rechte an geistigem Eigentum
(TRIPs), Schlichtung von Streitigkeiten, Funktionsweise des GATT-Systems (Functioning of the GATT
System - FOGS) und Marktzugang ein.

Seite 1

�Für den Abschluß der Verhandlungen wurde kein
Termin festgesetzt. Dunkel deutete jedoch an, daß
sich aus den Verhandlungen ein Datum ergeben sollte.
Zielsetzungen der USA für eine erfolgreiche
Runde
Die Vereinigten Staaten sehen Landwirtschaft als
entscheidende Komponente jedes Pakets von Abkommen der Uruguay-Runde an. Darüber hinaus werden
die amerikanischen Unterhändler ihre Bemühungen
im Bereich des Marktzugangs fortsetzen. In den
vergangenen Monaten haben sich die Vereinigten
Staaten darauf konzentriert, die in Brüssel erzielte
Unterstützung für gegenseitige zollfreie oder Initiativen zum "Nulltarif" zu konsolidieren. Alle bei der
Brüsseler Sitzung vorgebrachten Themen - Fisch,
Bier, Arzneimittel, Papier, Holz, Nichteisenmetalle,
Stahl, Elektronik und Baugerät - bleiben als tragfähige
Vorschläge auf dem Verhandlungstisch.
Während der Unterbrechung der Verhandlungen standen die Vertreter des amerikanischen Privatsektors in
Kontakt mit ihren Geschäftspartnern und Regierungsvertretern im Ausland, um ihrem Anliegen zum Erfolg
zu verhelfen. In der jüngsten Zeit konnten ermutigende Anzeichen von so wichtigen Handelspartnern wie
Korea und der Europäischen Gemeinschaft beobachtet werden. Die amerikanischen Unterhändler beraumten während der Verhandlungspause auch eine
Reihe informeller bilateraler Treffen an, um den Nulltarif-Vorschlag für Schlüsselbereiche der Industrie voranzubringen.
Generaldirektor Dunkel hat die Teilnehmer aufgefordert, intensive bilaterale und multilaterale Verhandlungen zu Marktzugang wiederaufzunehmen. Die Ergebnisse der Verhandlungen vor, während und seit dem
Brüsseler Ministertreffen werden bei der Sitzung der
Konsultativgruppe zu Marktzugang am 21. März
mündlich berichtet.
Darüber hinaus räumen die Vereinigten Staaten den
Verhandlungen über die "neuen Themen" wie TRIMs,
TRIPs und Dienstleistungen Priorität ein. Obwohl
greifbare Fortschritte in diesen Bereichen harte Verhandlungen erfordern, haben sich die Aussichten mit
der offenkundigen Bereitschaft der Entwicklungsländer zur konstruktiveren Teilnahme an den Verhandlungen verbessert.
Handelsbezogene Investitionsmaßnahmen - TRIMs:
US-Firmen haben nahezu 400 Milliarden Dollar im
Ausland investiert - eine Investition, die im Jahr 1989
Einnahmen in Höhe von 54 Milliarden Dollar zur Folge
hatte und fast zwei Drittel der gesamten amerikanischen Exporte stimuliert hat. Die Regierungen machen solche ausländischen Investitionen jedoch häufig
vom Inlandsanteil, der Exportleistung und anderen
Bestimmungen abhängig, die den Handel beschränken oder verzerren.

Seite 2

Während einige Entwicklungsländer GATT-Disziplinen bei den TRIMs ablehnen, sollten die Verhandlungen letztlich zur Verringerung oder Beseitigung solcher Praktiken führen und damit die Schaffung weltweiten Wirtschaftswachstums durch Direktinvestitionen erleichtern.
Handelsbezogene Aspekte der Rechte an geistigem
Eigentum -TRIPs: Die durch den unzureichenden
Schutz von Rechten an geistigem Eigentum verursachten weltweiten Einnahmeverluste der amerikanischen Industrie summieren sich bis heute auf schätzungsweise 60 Milliarden Dollar. Die Vereinigten
Staaten streben einen ausreichenden Schutz von
Patenten, Urheberrechten, Handelsmarken und anderen Rechten an geistigem Eigentum an, die für amerikanische Unternehmen eine wachsende Einnahmequelle darstellen. Die Vereinigten Staaten gehen
davon aus, daß dies am wirksamsten durch definitive
Vorschriften gewährleistet wird, die rigoros durchgesetzt werden. Substantielle technische Meinungsverschiedenheiten müssen noch ausgeräumt werden,
und darüber hinaus sind schwierige politische Entscheidungen erforderlich, um wichtigen ausstehenden
Fragen gerecht zu werden.
Dienstleistungen: Die Bedeutung von Dienstleistungen für die amerikanische Wirtschaft ist unbestreitbar.
Auf Dienstleistungen entfallen 66 Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung und 76 Prozent der
amerikanischen Arbeitsplätze, und der Dienstleistungssektor erbringt jährlich Exporte im Wert von 90 Milliarden Dollar. 25 Prozent des Welthandels entfallen auf
Dienstleistungen, und trotzdem gibt es für den Handel
mit Dienstleistungen keine internationalen Regeln des
Fair play. Seit dem Brüsseler Ministertreffen haben die
Unterhändler im Dienstleistungsbereich ihre Aufmerksamkeit hauptsächlich darauf konzentriert, bestimmte
Verpflichtungen im Hinblick auf Marktzugang und
nationale Behandlung festzuschreiben. Bis Mitte März
hatten nahezu 20 Länder Vorschläge auf den Tisch
gelegt. Die Vereinigten Staaten sind mit den meisten
ihrer wichtigsten Handelspartner in Europa, Asien und
Lateinamerika mindestens einmal zusammengetroffen. In Fällen, in denen ein Land noch keinen Vorschlag zur Marktöffnung in bestimmten Dienstleistungssektoren vorgelegt hat, haben die Vereinigten Staaten
auf die möglichst baldige Vorlage eines solchen Vorschlags gedrängt und diejenigen Sektoren und Hindernisse aufgezeigt, die für amerikanische Anbieter von
Dienstleistungen am interessantesten sind.
Darüber hinaus werden sich die Vereinigten Staaten
für durchgreifendere und wirksamere GATT-Regeln
zu Subventionen, Beilegung von Streitfällen, GATTArtikeln, vorübergehendem Importschutz, Abkommen
und Arrangements (Kodizes) im Rahmen von multilateralen Handelsgesprächen (MTN) sowie der Funktionsweise des GATT-Systems (FOGS) einsetzen.

AMERIKA DIENST 13

�Die Vereinigten Staaten möchten sicherstellen, daß
die internationalen Disziplinen gestärkt werden, ohne
gleichzeitig amerikanische Handelsgesetze oder
Abhilfemaßnahmen zu schwächen.
Wesentliche
Fortschritte in diesen Bereichen werden zu einer
Erweiterung des Zugangs zu ausländischen Märkten
führen und faire Handelsbedingungen auf dem USMarkt gewährleisten.
Das "Fast-Track"-Mandat und dessen
Verlängerung

t

Die amerikanische Beteiligung an den Bemühungen
zum erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde wird
von der Verlängerung der "Fast-track"-Verfahren
abhängen. Diese Verfahren sind für erfolgreiche
Verhandlungen über Handelsabkommen unerläßlich,
da sie vom Kongreß ein einfaches Ja oder Nein zu
einschlägigen Gesetzen erfordern, und zwar ohne
Zusätze und innerhalb einer bestimmten Frist. Ohne
"Fast track" kann der Präsident unseren Handelspartnern nicht zusichern, daß die mit ihnen ausgehandelten Uruguay-Runde-Abkommen auch im Kongreß zur
Abstimmung gelangen. Ohne diese Zusicherung werden
ausländische Regierungen zögern, mit den Vereinigten Staaten zu verhandeln, und sie werden nicht die
einschneidenden Zugeständnisse machen, die für
tragfähige Abkommen erforderlich sind. Kein Handelspartner wird seine Verhandlungsposition vollständig ausreizen, wenn er weiß, daß das Verhandlungsergebnis vom Kongreß in Frage gestellt werden könnte.
Mit der Einbeziehung des "Fast track" in das Handelsgesetz von 1988 hat der Kongreß ausdrücklich eingeräumt, daß eine Verlängerung notwendig sein könnte,
damit der Präsident unsere handelspolitischen Ziele
effektiv vertreten kann. Das gegenwärtige "Fasttrack"-Mandat wäre am 1. Juni 1991 abgelaufen, wenn
der Präsident keine Verlängerung beantragt hätte.
Diese Verlängerung wird automatisch gewährt, es sei
denn, eines der beiden Häuser des Kongresses verabschiedet vor dem 1. Juni eine gegenteilige Resolution.
Im Falle seiner Verlängerung würde das"Fast track"
* *

AMERIKA DIENST 13

bis zum 1. Juni 1993 zur Verfügung stehen und könnte
angewendet werden, um die Uruguay-Runde abzuschließen, eine Nordamerikanische Freihandelszone
auszuhandeln und die handelspolitischen Ziele der
Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in allen
Teilen Amerikas weiterzuverfolgen.
Die Rolle der amerikanischen Wirtschaft bei den
Verhandlungen
Die amerikanischen Unterhändler werden im weiteren
Verlauf der Uruguay-Runde auf die anhaltende Unterstützung der amerikanischen Wirtschaft bauen. Der
amerikanische Privatsektor ist sich der Bedeutung
einer erfolgreichen Runde bewußt und hat eine integrale Rolle bei der Beratung der amerikanischen Unterhändler im Hinblick auf die Prioritäten der Wirtschaft
gespielt. So haben die Vereinigten Staaten auf Drängen des Privatsektors angeboten, ihre Zölle in mehreren Schlüsselbereichen des Handels bis auf Null zu
senken und die Zölle insgesamt um über 40 Prozent
abzubauen (über das Ziel der Runde von 33 Prozent
hinaus).
Auch in ausländischen Wirtschaftskreisen hat sich in
jüngster Zeit Unterstützung formiert. Berater aus der
Privatindustrie in anderen Ländern haben sich zunehmend in die Verhandlungen eingeschaltet und scheinen darauf zu drängen, daß ihre Regierungen Fortschritte erzielen. Diese verstärkte Beteiligung wurde
teilweise durch die intensive Einflußnahme amerikanischer Berater aus dem Privatsektor verursacht. Darüber hinaus erkennen die verschiedenen Branchen die
Gefahren eines erneuten Scheiterns der Verhandlungen, wie es beim Brüsseler Ministertreffen geschah.
Mit der Wiederaufnahme der Runde bietet sich erneut
die Chance für substantielle und meßbare Fortschritte.
Die amerikanischen Unterhändler rüsten sich für die
kommenden Monate. Viele Probleme bleiben noch zu
lösen, damit ein gestärktes multilaterales Handelssystem erreicht wird, von dem alle Beteiligten profitieren
werden, indem es größere wirtschaftliche Möglichkeiten für Exporteure und Investoren gewähleistet.
* *

*

Seite 3

�AMERIKA

HEUTE
3. April 1991

DER NIEDERGANG AMERIKAS EIN WIEDERHOLUNGSFALL IN DER GESCHICHTE?
von Joseph Nye
BONN - (AD) - Der folgende Artikel von Joseph Nye, dem Leiter des Center for Science and International Affairs
und Professor an der Universität Harvard, ist in ungekürzter Fassung erstmals im März 1990 in der Zeitschrift
The Atlantic erschienen. Er basiert auf dem Buch Bound to Lead: The Changing Nature of American
Power, Basic Books 1990.
Copyright (c) 1990 Joseph S. Nye, Jr.

Einige Wissenschaftler vertreten die Auffassung, daß
der Niedergang Amerikas einem bestimmten, in der
Geschichte regelmäßig wiederkehrenden Muster folgt.
Ein wachsendes Land baut seine Militärmacht auf, um
seine zunehmenden Wirtschaftsinteressen zu schützen, bis schließlich die Kosten für diesen Machterhalt
seine Stärke unterminieren und eine andere aufstrebende Wirtschaftsmacht seine Stelle einnimmt.
In seinem Bestseller Aufstieg und Fall der großen
Mächte schreibt Paul Kennedy: "Die Schwierigkeiten,
die militärisch kopflastige Gesellschaften heute durchleben, sind lediglich eine Wiederholung der Erfahrungen, die das Spanien Philip II., das Rußland Nikolaus
II. und Hitlers Deutschland gemacht haben."
Solche historischen Vergleiche deuten darauf hin, daß
tiefgreifende außenpolitische Veränderungen an der
Tagesordnung sind, aber wenn diese Vergleiche irreführend sind, wäre auch die Schlußfolgerung unzulässig. Einsparungen könnten genau die Schwächung
amerikanischer Macht bewirken, die sie verhindern
sollen. Mit einer Distanzierung von internationalen
Verpflichtungen könnte Amerikas Einfluß in Übersee
schwinden, ohne daß die heimische Wirtschaft gestärkt würde. Tatsächlich sind die Länder der Welt so
unauflöslich verkettet, daß Rückzugsbestrebungen
sicherlich scheitern würden.
Es ist ebenso müßig, Amerikas Stärke überzubewerten wie sie zu untertreiben. Eine Überbewertung führt
zu mangelnder Anpassungsfähigkeit, die Untertreibung zu Heilungsversuchen, die mehr Schaden anrichten als die Krankheit selbst.

AMERIKA DIENST 13

Bei einem Niedergang treffen zwei sehr unterschiedliche Konzepte aufeinander: schwindende außenpolitische Macht und innenpolitische Probleme oder Zerfall.
Dennoch kann in einem Land der Niedergang nur in
einem der beiden Bereiche stattfinden. Zum Beispiel
erlebten die Niederlande im 17. Jahrhundert eine Blütezeit im Inland, während ihre Macht proportional
abnahm, weil andere Länder stärker wurden. Im
Gegensatz dazu verlor Spanien seine au ßenpolitische
Macht unter anderem, weil es von den zwanziger bis zu
den achtziger Jahren des 17. Jahrhunderts eine Zeit
absoluten wirtschaftlichen Niedergangs erlebte.
Natürlich können innenpolitische Probleme zu einem
Verlust außenpolitischer Macht führen. Dennoch ist es
oftmals schwierig zu definieren, welche innenpolitischen Veränderungen den Machtverlust hervorgerufen und wann sie stattgefunden haben.
Macht ist ein Konzept der Relationen. Es hängt zum
Teil von Ereignissen im Inland, aber noch mehr von
Ereignissen im Ausland ab. Ein Imperium kann unter
Umständen noch lange Zeit nach dem Zerfall der
Zivilisation im eigenen Land bestehen, solange die
Herausforderungen von außen gering sind.
Ein Land kann darüber hinaus im Verhältnis zu anderen an Macht verlieren, weil es sich nicht zur Nutzung
der Machtressourcen entscheidet, die ihm zur Verfügung stehen. Zum Beispiel sind die Vereinigten Staaten aus dem Zweiten Weltkrieg als potentiell dominante Weltmacht hervorgegangen, haben aber eine Politik
des Isolationismus gewählt, die sie auf eine Nebenrolle
in der Weltpolitik festgelegt haben. Der Einfluß Amerikas war 1928 geringer als 1918, aber nicht etwa, weil
Amerika Macht verloren hatte.
Seite 1

�Es steht außer Zweifel, daß die Vereinigten Staaten
am Ende des 20. Jahrhunderts weniger Macht haben
als Mitte dieses Jahrhunderts. Sogar konservativen
Schätzungen zufolge ist der Anteil der Vereinigten
Staaten an der Weltproduktion von über einem Drittel
nach dem Zweiten Weltkrieg in den achtziger Jahren
auf etwas mehr als ein Fünftel gesunken. Die Vereinigten Staaten gingen gestärkt aus dem Krieg hervor,
während die anderen großen Mächte vernichtet waren. In diesem Sinne war die amerikanische Vorherrschaft in den fünfziger Jahren anormal - wie der kleine
Junge, der die Straße beherrscht, weil die anderen mit
Grippe im Bett liegen. Die Vorherrschaft Amerikas war
zum Scheitern verurteilt, als andere Länder ihre wirtschaftliche Stabilität wiedererlangten.
Paul Kennedy argumentiert, der Niedergang der Vereinigten Staaten sei kontinuierlich erfolgt: "Der USAnteil am Weltbruttosozialprodukt, das seit 1945 in
normalem Umfang abgenommen hat, fiel sehr viel
schneller als er in den letzten Jahren hätte fallen
sollen."
Aber die Zahlen untermauern nicht das Argument für
die kontinuierliche Abnahme des amerikanischen Anteils
an der Weltwirtschaftsleistung. Charles Wolf von der
Rand Corporation erklärt, "wenn man ein repräsentativeres Jahr zugrundelegt - sagen wir Mitte der
sechziger Jahre (oder noch vor dem Zweiten Weltkrieg, etwa 1938) - ergibt sich die bemerkenswerte
Tatsache, daß der Anteil der US-Wirtschaft an der
Weltwirtschaftsleistung 'damals' ungefähr so hoch war
wie 'heute': 22 zu 24 Prozent."
Anderen Untersuchungen zum US-Anteil an der Weltwirtschaftsleistung zufolge ließen die sogenannten
Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs etwas später
nach als Wolf errechnet, aber sie kommen zum selben
Ergebnis. Zum Beispiel schätzt der Wirtschaftswissenschaftler Herbert Block, daß die Vereinigten Staaten zu Beginn des 20. Jahrhunderts etwa ein Viertel
und 1950 bereits ein Drittel der Weltwirtschaftsleistung
stellten. Nach dem Krieg nahm der US-Anteil bis 1974
ab und stabilisierte sich dann.
Der Amerikanische Rat zur Wettbewerbsfähigkeit gelangt
gleichermaßen zu dem Schluß, daß der US-Anteil an
der Weltwirtschaftsleistung seit Mitte der siebziger
Jahre mit 23 Prozent konstant geblieben ist. Der
amerikanische Anteil an der Wirtschaftsleistung der
führenden Industrieländer ist in den achtziger Jahren
tatsächlich etwas angestiegen. Der CIA zeigt auf der
Basis von Zahlen zur Kaufkraft verschiedener Währungen, daß der amerikanische Anteil an der Weltwirtschaftsleistung von 25 Prozent im Jahr 1975 auf 26
Prozent im Jahr 1988 gestiegen ist.
Diese Zahlen ziehen die Ansicht in Zweifel, daß ein
steiler oder kontinuierlicher Niedergang Amerikas
stattgefunden hat. Vielmehr deuten sie darauf hin, daß
die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs etwa 25

Seite 2

Jahre gedauert haben und sich die Position Amerikas
danach stabilisiert hat. Der größte Teil des Niedergangs hatte bis Mitte der siebziger Jahre das ganze
System erfaßt.
Der Theorie der Überdehnung zufolge gelangt eine
Großmacht eines Tages zu dem Schlu ß, da ß sie heute
viel mehr für ihre Verteidigung ausgibt als noch vor
zwei Generationen, die Welt aber trotzdem weniger
sicher ist. Die amerikanischen Zahlen bestätigen
diese Theorie jedoch nicht. Auch nach der Aufrüstung
der Reagan-Regierung betragen die gegenwärtigen
US-Verteidigungsausgaben etwa 6 Prozent des BSP Ende der fünfziger Jahre waren es noch 10 Prozent.
Darüber hinaus sind die Belastungen für die Verteidigung in den Vereinigten Staaten kaum mit denen
Spaniens und Frankreichs in den letzten Tagen ihrer
Blütezeit zu vergleichen. Bei Philip II. von Spanien
flössen drei Viertel aller staatlichen Ausgaben in die
Kriegskasse und die Kriegsschulden. In Frankreich
zur Zeit Ludwig XIV. und in Rußland unter Peter dem
Gro ßen scheint man jeweils etwa 75 beziehungsweise
85 Prozent der Einnahmen für den Krieg und den
Aufbau des Militärs ausgegeben zu haben.
In den Vereinigten Staaten entfallen heute 27 Prozent
des Bundeshaushalts auf Verteidigungszwecke (einschließlich der Leistungen an Veteranen), und im
Gegensatz zu den historischen Beispielen beinhalten
die Verpflichtungen der USA in Übersee keine dauerhafte Besetzung und Kontrolle eroberter Gebiete.
Das Verhältnis der amerikanischen Verteidigungslasten zum Anteil der USA an der weltweiten Wirtschaftsleistung war in den achtziger Jahren tatsächlich
niedriger als in den fünfziger Jahren. Im Gegensatz
zur Theorie der imperialen Überdehnung sind die
amerikanischen Verteidigungslasten heute in der Tat
leichter als in den fünfziger Jahren, und die politischen
Lasten amerikanischen Engagements wiegen heute
weniger schwer als in den sechziger Jahren während
des Vietnamkriegs.
Das bedeutet nicht, daß die Struktur des gegenwärtigen Verteidigungshaushalts vernünftig ist. Im Gegenteil - die Aufrüstung der achtziger Jahre war von Hast
und enormer Verschwendung gekennzeichnet, und
die Regierung war nicht entscheidungsfreudig genug,
um unnötige Waffensysteme zu streichen. Angesichts
der Veränderungen in der Weltpolitik lassen sich äußerst
stichhaltige Gründe dafür finden, Ressourcen verstärkt für internationale Institutionen, den Ausbau des
Kommunikationswesens und die Unterstützung wichtiger Länder aufzuwenden. Wenn solche Ausgaben
erforderlich sind, kann das Land sie sich auch leisten.
Die Theorie der imperialen Überdehnung trifft auf die
Vereinigten Staaten nicht zu.
Es gibt mindestens vier bedeutende Unterschiede
zwischen der Machtposition des viktorianischen Englands und des modernen Amerikas. Der erste betrifft
AMERIKA DIENST 13

�das Ausmaß der Vorherrschaft. Die Machtfülle Großbritanniens kam in der Mitte des 19. Jahrhunderts
besonders stark in seiner Marinestreitmacht und seiner industriellen Produktion zum Tragen. Nicht nur ist
die Macht der Vereinigten Staaten in weit mehr Bereichen größer als die des damaligen Großbritanniens;
sie bewegt sich darüber hinaus in Größenordnungen,
die ihrer Macht voraussichtlich eine längere Dauer
verleihen. Heute ist ein vereinigtes Europa - nicht nur
ein vereinigtes Deutschland - erforderlich, um die
weltweite Führungsrolle der Vereinigten Staaten herauszufordern. Großbritannien beherrschte ein Viertel
der Welt, aber das Empire wurde rasch ein Opfer des
Nationalismus und hörte auf, eine verläßliche Grundlage für die militärischen Pläne Englands zu bieten.
Zweitens besitzen die Vereinigten Staaten zumindest
seit 1865 eine gegen nationalistische Auflösungserscheinungen immune Volkswirtschaft kontinentalen
Ausmaßes. Importe machen heute nur 12 Prozent des
amerikanischen Bruttosozialprodukts aus, während
dieser Anteil im Großbritannien von 1914 bei 25 Prozent lag. Auf dem Höhepunkt seiner Macht in den
siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts war die britische Wirtschaft lediglich die drittstärkste der Welt, und
sie fiel im Jahr 1914 auf den vierten Platz zurück. Das
amerikanische BSP ist heute jedoch wesentlich grö ßer
als das der nächsten Konkurrenten. Man sollte diese
Größenunterschiede berücksichtigen, wenn man in
Theorien von Überdehnung spricht.
Drittens bestehen trotz all des lockeren Geredes (und
noch lockererer Definitionen) vom amerikanischen
Empire erhebliche Unterschiede zwischen dem territorialen Empire Großbritanniens und den Einflußgebieten der Vereinigten Staaten. Die Amerikaner besitzen
im Hinblick auf Arten und Abstufung von Verteidigungsverpflichtungen wesentlich mehr Optionen als
die Briten damals.
Einige Historiker gehen heute davon aus, daß sich das
territoriale Empire für Großbritannien zu einem Verlustgeschäft entwickelte. Ob man nun die NATO als
eine Vorneverteidigung der amerikanischen Grenzen
betrachtet, zu der die Europäer die meisten Soldaten
beisteuern oder als Akt amerikanischer Großzügigkeit
- man kann sich schwerlich vorstellen, daß unsere
Bündnisse einen ähnlichen Verlust hinnehmen müßten, insbesondere weil ein Rückzug amerikanischer
Truppen auf Stützpunkte im Inland nur dann Geld
einsparen würde, wenn die Einheiten danach aufgelöst würden. Im Gegensatz zum Gro ßbritannien König
Eduards, das zu Beginn dieses Jahrhunderts gezwungen war, seine Isolation aufzugeben und nach Verbündeten Ausschau zu halten, müssen die Vereinigten
Staaten am Ende dieses Jahrhunderts die erfolgreichen Bündnisse mit den großen demokratischen Industriestaaten umgestalten und modernisieren, die für
das weltweite Gleichgewicht in den vergangenen 40
Jahren entscheidend waren.

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Ein vierter wesentlicher Unterschied besteht in den
geographischen Herausforderungen, mit denen beide
Länder konfrontiert waren oder sind. So erwuchsen
Großbritannien um 1900 Konkurrenten in Deutschland, den Vereinigten Staaten und Rußland. Deutschland als nächstgelegener dieser Herausforderer hatte
Großbritannien nicht nur an Wirtschaftskraft überholt,
sondern entwickelte darüber hinaus auch militärisch
eine dominierende Stellung und war deshalb eine
Bedrohung der britischen Vorherrschaft auf dem
Kontinent.
Die außenpolitische Situation der Vereinigten Staaten
ist heute anders gelagert. Ihr wichtigster militärischer
Gegner, die Sowjetunion, ist mit einem instabilen osteuropäischen Reich konfrontiert, und die sowjetische
Wirtschaft, auf die sich in der Vergangenheit ihr Expansionsstreben gründete, erlebte einen drastischen
Niedergang. Darüber hinaus sind die sowjetischen
Verteidigungslasten, deren Anteil am BSP auf 15 - 20
Prozent geschätzt wird, etwa dreimal so hoch wie die
relative Belastung für die US-Wirtschaft.
Keine der anderen Hauptweltmächte kann die Vereinigten Staaten zur Zeit an wirtschaftlicher und militärischer Stärke übertreffen. Obwohl Westeuropa eine
gut ausgebildete Bevölkerung, ein robustes BSP und
ab 1992 einen gestärkten Binnenmarkt vorweisen
kann, sind nur wenige Beobachter der Meinung, daß
die europäische Integration bald zu einer gemeinsamen Regierung oder einer gemeinsamen Sicherheitspolitik fortschreitet.
Auch China könnte aus einer wesentlich längerfristigen Perspektive heraus ein potentieller Rivale der
Vereinigten Staaten sein, jedoch ist die menschliche
und technische Infrastruktur des Landes noch wesentlich geringer entwickelt als die der Vereinigten Staaten
oder auch der Sowjetunion. Und obwohl viele Amerikaner der Ansicht sind, die wirtschaftliche Stärke Japans
sei eine größere Herausforderung als die sowjetische
Militärmacht, ist wirtschaftliche Konkurrenz kein Nullsummenspiel, in dem der Gewinn eines Landes der
Verlust eines anderen ist. Bis jetzt hat Japan die
Strategie eines Handelsstaates der einer Militärmacht
vorgezogen. Es gibt heute kein Gegenstück zum
deutschen Kaiserreich. Selbst die Wirtschaft des
wiedervereinigten Deutschlands erreicht nur ein Fünftel der amerikanischen Wirtschaftsleistung.
Die interessanteren Vergleiche zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten betreffen den inneren Zustand des Landes. Hier liegen auch die legitimen Anlässe zur Sorge begründet. Der Produktivitätszuwachs der amerikanischen Wirtschaft ist von 2,7
Prozent in den beiden ersten Nachkriegsjahrzehnten
auf 1,4 Prozent jährlich zurückgegangen. In den
achtziger Jahren ist die nationale Sparquote auf 2
Prozent gefallen, und die Bruttoinvestitionen betrugen
mit 17 Prozent nur etwa die Hälfte der japanischen
Quote von 30 Prozent. Zivile Forschungs- und Ent-

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�wicklungsvottiaben betrugen nur 1,8 Prozent des BSP,
während ihr Anteil in Deutschland und Japan 2,6 und
2,8 Prozent ausmachte. Ausländische Investoren
erhielten nahezu die Hälfte aller im Jahr 1987 in den
Vereinigten Staaten verliehenen Patente, während
dieser Anteil zehn Jahre zuvor noch ein Drittel betragen hatte.
Aber selbst hier sollte man sich davor hüten, allzu
leichtfertige Vergleiche mit Großbritannien zu ziehen.
Die Vereinigten Staaten ziehen Kapital aus der übrigen
Welt an, während Großbritannien Kapital exportierte.
Und während Großbritannien viele Bürger durch Auswanderung verlor, erhalten die Vereinigten Staaten
durch die Einwanderung ständig frische Arbeitskräfte
und Energien.
Der vielleicht interessanteste Vergleich im Hinblick auf
die inneren Verhältnisse ist jedoch politischer Natur.
Werden die Vereinigten Staaten sowohl ihre internationalen Verpflichtungen als Nation, von der andere
Staaten Führungskraft erwarten, als auch die Notwendigkeit innenpolitischer Reformen verkraften? Das
britische Beispiel mahnt zur Vorsicht. Die politischen
Prozesse der viktorianischen Demokratie neigten zu
einer Aufsplitterung der nationalen Debatte. Konservative Politiker versäumten es, in angemessenem
Maß in die Zukunft zu investieren. Es bestand eine
weitverbreitete Abneigung dagegen, die - niedrige Steuerlast zu erhöhen.
Hier ist die Analogie zum modernen Amerika treffender: die Vereinigten Staaten sind das reichste Land
der Welt, aber ihr Handeln läßt zu wünschen übrig.
Obwohl Amerika eines der Industrieländer mit den
niedrigsten Steuern ist, scheint die amerikanische
Öffentlichkeit nicht bereit, angemessen in die Zukunft
zu investieren und die politisch Verantwortlichen haben wenig unternommen, um dem Abfluß der Ressourcen von Investitionen zu privatem Verbrauch in
den achtziger Jahren Einhalt zu gebieten.
Selbst eine starke Wirtschaft wird die Vereinigten
Staaten nicht davon abhalten, eine törichte Politik zu
verfolgen. Politische Führungsstärke ist erforderlich,
um zu erklären, warum bestimmte Maßnahmen - sei
es das Haushaltsdefizit, Protektionismus oder Kürzung der Auslandshilfe - zu selbstzugefügten Wunden
führen können. Effektive Einflußnahme erfordert die
Bereitschaft zu Ausgaben für auswärtige Angelegenheiten.
Trotz einer Verdoppelung der nationalen Wirtschaftsleistung von 1960 bis 1980 wendeten die Vereinigten
Staaten im Jahr 1980 in realen Zahlen für direkt mit
auswärtigen Angelegenheiten verbundene Bereiche
des Haushalts - Verteidigung, Auslandshilfe, Information und repräsentative Zwecke - weniger auf. In den
achtziger Jahren nahmen die Verteidigungsaufwendungen zu, die Ausgaben der Vereinigten Staaten für
andere Bereiche auswärtiger Angelegenheiten verrin-

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gerten sich jedoch von 12,7 Milliarden DoHar im Jahr
1981 auf 10,5 Milliarden Dollar 1988. Dieser Abbau
steht in krassem Gegensatz zu der wachsenden
Bedeutung wirtschaftlicher, informationsbezogener und
institutioneller Ressourcen bei der Aufrechterhaltung
oder Schaffung nationaler Macht.
Einige mögen die Frage aufwerfen, warum wir in Macht
investieren sollten. Warum nicht einfach glücklich
konsumieren wie die Schweizer oder Schweden? Die
Antwort lautet natürlich, daß die Vereinigten Staaten
zu groß sind, um zum Nulltarif im internationalen
System mitzufahren. Es liegt im Interesse dieses
Landes, entsprechend seiner Größe und seinem
Engagement für die Verbreitung offener Gesellschaften - das heißt, derjenigen, die Menschenrechte achten - und offener Volkswirtschaften Einfluß in der Welt
auszuüben. Es muß betont werden, daß eine solche
Führungsrolle vornehmlich eine Funktion der Größe
der Vereinigten Staaten und nicht ihrer hegemonialen
Mission zur Führung der Welt ist. Führung ist nicht
Hegemonie. Führung bedeutet, Verantwortung für die
eigenen langfristigen politischen und wirtschaftlichen
Interessen zu übernehmen.
"Das können wir uns nicht leisten", lautet das typische
Argument in Zeiten des Haushaltsdefizits, sei es bei
Hilfe für Polen, Investitionen in das Bildungswesen
oder Drogenbekämpfung. Wenn die Vereinigten Staaten jedoch Maßnahmen ergreifen würden, mit denen
der Konsum im Inland um die 2 Prozent des BSP
gekürzt würde, um die er in den vergangenen zehn
Jahren gestiegen ist, könnte sich das reichste Land der
Welt sowohl ein besseres Bildungswesen als auch den
internationalen Einfluß leisten, der sich aus wirksamer
Hilfe und Informationsprogrammen im Ausland herleitet.
Wir benötigen zusätzliche Investitionen in "weiche
Macht" - das komplexe Gefüge der Interdependenz statt in "harte Macht" - also teure neue Waffensysteme.
In den Vereinigten Staaten bedeutet Führung darauf
zu verweisen, daß die amerikanische Volkswirtschaft
es sich sehr wohl leisten kann, in internationale Angelegenheiten zu investieren - indem wir unsere Beiträge
an internationale Institutionen entrichten, entscheidenden Ländern wie Polen Hilfe gewähren und offene
internationale Märkte aufrechterhalten - wenn die
Amerikaner den politischen Willen dazu haben. Ohne
eine solche Führungsrolle wird die amerikanische
Fähigkeit, potentielle Macht in tatsächlichen Einfluß
umzusetzen, entsprechend geschmählert. Ein politisch Verantwortlicher, der die Macht der Vereinigten
Staaten am Ende des Jahrhunderts aufrechterhalten
will, muß eine Strategie verfolgen, mit der die Grundlage der amerikanischen Stärke im Inland bei gleichzeitigem Einsatz von Mitteln zur Aufrechterhaltung des
internationalen Einflusses wiederaufgebaut wird. Beide
Elemente sind unabdingbar.

AMERIKA DIENST 13

�Obwohl sich die Vereinigten Staaten gravierenden
sozialen, wirtschaftlichen und politischen Problemen
gegenübersehen, waren sie in der Vergangenheit mit
entsprechenden oder größeren Problemen konfrontiert. Ein Schlüssel zur erfolgreichen Bewältigung
dieser Probleme besteht darin, der übrigen Welt gegenüber aufgeschlossen und anpassungsfähig zu
bleiben. Soziale Flexibilität, Mobilität zwischen den
Klassen und wirtschaftliche Offenheit sind Vorteile, die
Amerika gegenüber Europa und Japan genießt.

müssen, gibt es keinen Grund, warum das reichste
Land der Welt seinen internationalen Verpflichtungen
und seinen Binneninvestitionen nicht nachkommen
kann. Die Amerikaner können sich sowohl soziale als
auch internationale Sicherheit leisten. Der Gipfel der
Ironie wäre, wenn die Amerikaner die kurzfristigen
Probleme ihres Landes als Anzeichen für den langfristigen Niedergang sehen und in einer Weise reagieren
würden, die sie von den Quellen ihres internationalen
Einflusses abschneidet.

Es wäre blanke Ironie, wenn die Furcht vor dem
Niedergang zu protektionistischen Maßnahmen, Widerstand gegen ausländische Investitionen und Begrenzung der Einwanderungszahlen verleiten würde.
Obwohl es bisher wenige Anzeichen langfristiger wirtschaftlicher Verkrustungen gibt, könnten solche Maßnahmen dazu beitragen. Wenn die Furcht vor Wettbewerb wiederum zu neuen Maßnahmen bei Spartätigkeit, Forschung und Entwicklung sowie im Bildungswesen führt, die auf den bei einer auf Information
gegründeten Volkswirtschaft erforderlichen höheren
Standard gerichtet sind, könnte sich die Fähigkeit der
Vereinigten Staaten, sich neu zu erfinden, wiederum
als geheime Stärke erweisen.

Wie bereits häufig zuvor verändert sich der Ressourcenmix, der internationale Macht hervorbringt. Einmalig ist jedoch, daß sich der Zyklus hegemonialer Konflikte mit Weltkriegen als Begleiterscheinung wahrscheinlich nicht wiederholt.

Die Amerikaner sind zu Recht besorgt über die sich
verändernde Rolle der Vereinigten Staaten in der Welt.
Das Problem als Niedergang der Vereinigten Staaten
zu sehen und Parallelen zu Großbritannien zu ziehen,
ist jedoch irreführend, denn damit wird die Aufmerksamkeit von den sich aus den langfristigen Veränderungen der Weltpolitik ergebenden echten Problemen
abgelenkt und eine Art der Abhilfe vorgeschlagen, mit
der die Stellung der Vereinigten Staaten eher geschwächt als gestärkt würde.
Die Abkehr von internationalen Verpflichtungen würde
den amerikanischen Einfluß verringern ohne zwangsläufig die Binnenwirtschaft zu stärken. In der Tat
belegen jüngste Erfahrungen, daß die von den Vereinigten Staaten dadurch erzielten Einsparungen im
internationalen Bereich nur den Inlandsverbrauch statt
Investitionen steigern.
Obwohl sich die Amerikaner im nächsten Jahrzehnt
mit der Verschuldung der achtziger Jahre befassen

* *

AMERIKA DIENST 13

Am Ende des Jahrhunderts verfügen die Vereinigten
Staaten über mehr herkömmliche Machtressourcen
als jedes andere Land. Darüber hinaus haben sie die
ideologischen und institutionellen Ressourcen, um ihre
Führungsrolle in den neuen Domänen transnationaler
Interdependenz aufrechtzuerhalten. In diesem Sinne
steht die Situation der Vereinigten Staaten am Ende
des 20. Jahrhunderts in krassem Gegensatz zu der
Großbritanniens am Beginn des Jahrhunderts. Das
Problem amerikanischer Macht heute sind nicht neue
Herausforderungen an die Hegemonie, sondern die
neue Herausforderung transnationaler Interdependenz.
Eine Nachkriegsstrategie zur Bewältigung des Übergangs zu komplexer Interdependenz in den nächsten
Jahrzehnten wird erfordern, daß die Vereinigten Staaten genügend Ressourcen zur Aufrechterhaltung des
geopolitischen Gleichgewichts aufwenden, eine offe :
ne Haltung gegenüber der übrigen Welt einnehmen,
neue internationale Institutitionen entwickeln und die
Ressourcen amerikanischer Stärke im Inland durch
tiefgreifende Reformen und umfassende Investitionen
wiederherstellen. Die beiden Gefahren, denen sich
Amerikaner gegenübersehen, sind Selbstgefälligkeit
im Hinblick auf die innenpolitische Tagesordnung der
VereinigtenStaaten und mangelnde Bereitschaft, das
zur Aufrechterhaltung einer internationalen Führungsrolle Erforderliche aufzubringen. Keine der beiden
Einstellungen ist gerechtfertigt.

* *

*

Seite 5

�AMERIKA

HEUTE
3. April 1991

DIE FÄHIGKEIT ZUR ERNEUERUNG
von Joel Kotkin
WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgend© Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift New Perspectives Qua rterl y
Copyright (c) 1988 The Institute for National Strategy, Los Angeles, California. Joel Kotkin ist Redakteur der
Zeitschrift Inc. und Mitautor (zusammen mit Yoriko Kishimoto) von The Third Century: Amerlca's Renaissance In the Aslan Era (1988).

Im Gegensatz zu vergangenen Reichen sind die Vereinigten Staaten auch heute eine relativ junge Nation,
die immer noch auf der Suche nach ihrer eigenen
Identität ist. Seine Jugend verleiht dem Land eine
gewisse Elastizität - eine Fähigkeit, sich auf neue und
häufig unerwartete Art und Weise zu erholen.

Die Fähigkeit Amerikas zur Erneuerung beruht auf drei
Säulen: massiver Einwanderung, dem untemehmensorientierten Charakter seiner "offenen" Wirtschaft und
seinen schier unermeßlichen Bodenschätzen.
Einwanderung

s

Indem sie den Charakter Amerikas, seiner Bevölkerung und deren ethnische Identität radikal verändert,
spielt die Einwanderung potentiell die revolutionärste
Rolle bei diesem Wiederaufstieg. Seit den siebziger
Jahren haben die Vereinigten Staaten mehr Einwanderer legal aufgenommen als der Rest der Welt zusammengenommen. Es ist überwiegend ihrer Anwesenheit zu verdanken, daß die Vereinigten Staaten in
den neunziger Jahren im Vergleich zu ihren wichtigsten Rivalen die jüngste Bevölkerung haben werden.
Noch wichtiger als die reinen Zahlen ist jedoch die
ethnische Zusammensetzung dieser neuen Einwanderer, deren überwältigende Mehrheit aus außereuropäischen Ländern stammt, hauptsächlich aus Lateinamerika und Asien. Aufgrund ihrer Anwesenheit werden die Vereinigten Staaten zu einer "Weltnation",
deren Bindungen bis zu praktisch jedem bewohnten
Flecken der Welt reichen. Dies ist ein großer Vorteil in
einer Welt, in der sich der wirtschaftliche Schwerpunkt
rasch vom Atlantik zum Pazifischen Becken verlagert.

AMERIKA DIENST 13

Die Entwicklung der amerikanischen "Weltnation" hat
darüber hinaus grundlegende ideologische Auswirkungen. In dem Maße, in dem die Amerikaner zu einer
posteuropäischen Weltordnung übergehen, erhält die
Botschaft Amerikas - die Betonung der Rechte des
einzelnen, der Privatinitiative und der Menschenrechte
- nach und nach universellen Charakter und streift ihre
Bindungen an die "weiße" Ideologie teilweise ab.
Der wachsende lateinamerikanische Einf lu ß hat Miami
in Florida zur Bankenmetropole Lateinamerikas werden lassen und gleichzeitig - wenn auch in geringerem
Ausmaß - San Antonio in Texas und San Diego in
Kalifonien zu Wirtschaftszentren des sich rasch industrialisierenden Nordens von Mexiko gemacht.
Ebenso haben asiatische Einwanderer Los Angeles
und San Francisco in Kalifornien sowie Seattle im
Staat Washington zu dynamischen Zentren des asiatischen Kapitalismus umgewandelt. Wichtig ist hier,
daß viele dieser Einwanderer ein uraltes Wertesystem
mitbringen, das auf konfuzianischen Regeln über die
Unantastbarkeit gesellschaftlicher Beziehungen und
der Bedeutung von Ordnung basiert. Ais Ergebnis
dessen neigt der Kapitalismus asiatischer Prägung
dazu, ein System von Aufgaben und Pflichten - gegenüber Familie und Nation - zu entwickeln, anstatt lediglich dem Gewinnstreben verhaftet zu sein.
Insgesamt haben die Einwanderer, wo immer sie sich
angesiedelt haben, der lokalen Wirtschaftstätigkeit
neue Dynamik verliehen. Im Santa Clara Valley bei
San Francisco haben Amerikaner chinesischer Abstammung zum Beispiel nahezu 70 High-Tech-Unternehmen gegründet. AST Research, ein führender

Seite 1

�amerikanischer Hersteller von Personalcomputern,
wurde im Jahr 1980 von drei Ingenieuren gegründet,
von denen zwei aus Hongkong und einer aus Pakistan
stammten.
Die Arbeitnehmerschaft in der AST-Produktionsstätte
in Irvine (Kalifonien) besteht hauptsächlich aus lateinamerikanischen, vietnamesischen und anderen Einwanderern. "Ohne die Zuwanderung von Asiaten", so
Robert Kelley, Präsident des Southern California
Technology Executives Network, einer Gruppe von
170 Managern der High-Tech-Branche, "hätte es die
Art von Explosion nicht gegeben, wie sie an Orten wie
Orange County stattgefunden hat".
Der Unternehmergeist
In der massiven Beteiligung von Immigranten an der
Wirtschaft der Vereinigten Staaten spiegelt sich eine
weitere Quelle amerikanischer Stärke wider - die Offenheit der US-Wirtschaft. Diese Flexibilität, die weitgehendfür Aufstieg und Fall von Unternehmen verantwortlich ist, hat in den vergangenen zehn Jahren zu
einem Wiederaufleben der unternehmerischen Risikobereitschaft geführt. "Amerika ist ebenso sehr wie alle
anderen Industrieländer von Krisen betroffen," erläutert der aus Österreich stammende Managementexperte Peter Drucker. "Aber im Unternehmertum - bei
der Schaffung des anderen und des neuen - stehen die
Vereinigten Staaten ganz vorn."
Es ist genau dieser Individualismus - wie er sich in
unternehmerischen Aktivitäten ausdrückt - der die
wirtschaftliche Basis für Amerikas Aufschwung im
dritten Jahrhundert seines Bestehens legt. Zum Beispiel haben die Vereinigten Staaten seit den achtziger
Jahren nahezu ausschließlich mit kleineren und mittleren Betrieben fast fünfzehnmal soviele Arbeitsplätze
geschaffen wie die in Europa vorherrschenden eher
"geschlossenen" und gelenkten Systeme.
Genausowichtig ist die Tatsache, daß Unternehmer
bei der jetzt stattfindenden Reindustrialisierung der
Vereinigten Staaten eine Schlüsselrolle spielen. Es
wird fälschlicherwiese dem Eintritt in die "postindustrielle" Gesellschaft zugeschrieben, daß sich Unternehmer der industriellen Bastionen bemächtigten, die
allzu häufig von amerikanischen Großunternehmen
aufgegeben werden.
Während den großen Unternehmen von 1974 bis 1984
fast 1,4 Millionen Arbeitsplätze in der Produktion verlorengingen, konnten die rund 41.000 neuen Firmen
praktisch den gesamten Verlust wettmachen. Infolgedessen haben Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern ihren Anteil an den Arbeitsplätzen in der USFertigungsindustrie auf 46 Prozent gesteigert - gegenüber 42 Prozent vor zehn Jahren. Wenn sich diese
Tendenz fortsetzt, könnten kleine Fertigungsbetriebe
bis Ende der neunziger Jahren die 50-Prozent-Markte
überschritten haben.

Seite 2

In Amerikas Kampf um die Wiederlangung seiner
internationalen Wettbewerbsfähigkeit werden kleinere
Firmen mit der ihnen eigenen Flexibilität und Konzentration auf Marktnischen immer wichtiger. Zum Beispiel haben seit 1980 Amerikas unternehmerisch orientierte Industriezweige den Anteil des Landes an der
Beschäftigungsrate in der Fertigungsindustrie unter
den Industrieländern mit Erfolg gehalten und sogar
geringfügig gesteigert.
Glücklicherweise gibt es Anzeichen, daß einige USGroßunternehmen - insbesondere Xerox, IBM, Cummins Engines - sich erneut mit dem Produktionsprozeß
an sich befassen. Trotzdem wird die wichtigste Herausforderung an den Wettbewerb wahrscheinlich nicht
aus der Erneuerung großer Unternehmen, sondern
von einer neuen Generation amerikanischer Industrieller kommen.
Im Gegensatz zu den typischen Managern der sechziger und siebziger Jahre haben sie ihr Wissen nicht
erworben, um Amerikas Vorherrschaft vorauszusetzen. Aber gleichzeitig haben diese Führungskräfte vielfach erst zwischen zwanzig und vierzig - nicht die
Absicht, den Schlüssel für die Zukunft ausländischen
Konkurrenten zu überlassen.
Diese Mentalität läßt sich in allen Branchen der amerikanischen Industrie beobachten. Kleine Stahlwerke
wie Nucor in Charlotte (North Carolina) machen heute
über ein Drittel der Stahlproduktion des Landes aus
und erringen nicht nur von amerikanischen Großunternehmen sondern auch von japanischen und koreanischen Stahlproduzenten Marktanteile. Und obwohl die
vertikal integrierten japanischen Elektronikunternehmen den DRAM-Markt "übernommen" haben, dominieren kleinere amerikanische Firmen - wie LSILogic,
Cypress Semiconductor und Linear Technologies weiterhin einen Großteil der entscheidenden, hohe
Gewinnspannen enthaltenden Bereiche des ChipGeschäfts.
Das vielleicht interessanteste Beispiel der neuen
Managergeneration kann im Bereich der Mikrocomputer beobachtet werden. Vor einigen Jahren sagten
viele Analysten voraus, daß nur Großunternehmen
wie IBM und AT&amp;T dem Ansturm der riesigen koreanischen und japanischen Konglomerate standhalten
könnten. Seit 1986 waren jedoch die Gewinner bei
Marktanteilen und Rentabilität die neue Generation
von Industriefirmen - wie Compaq, AST Research und
Dell Computers -, die alle im letzten Jahrzehnt gegründet worden waren.
Eine Weltnation
Der jüngste Aufschwung an Investitionen von außerhalb der Vereinigen Staaten spiegelt die Anerkennung
ihrer natürlichen Vorteile sowie der demographischen
und unternehmerischen Vitalität durch Nichtamerikaner wider. Eine im Jahr 1984 - auf dem Höhepunkt des

AMERIKA DIENST 13

�Um seine Vormachtstellung aufrechtzuerhalten, muß
Amerika den Übergang zu einer "Weltnation" beschleunigen. Indem sie die Mission der Nation über
das Spektrum des eng definierten "Westens" hinaus
erweitem, könnten die Vereinigten Staaten zum ersten
Mal den Vorhersagen der Visionäre des 18. und 19.
Jahrhunderts gerecht werden, die ihre Zukunft als
etwas größeres als die westliche Erweiterung der
Während die Vereinigten Staaten in ihr 3. Jahrhundert europäischen Geschichte sahen. "Wir sind die Erben
eintreten, bewahren sie viele der Kriterien, die eine der gesamten Menschheit" schrieb der Autor Herman
dauerhafte weltweite Vormachtstellung gewährleisten Melville, "und wir teilen unser Vermächtnis mit allen
können. In einer sich rasch verändernden und vom Menschen."
Entstehen dynamischer neuer Wirtschaftsmächte
insbesondere in Asien gekennzeichneten Welt müs- Letztlich hängt die Größe der Vereinigten Staaten
sen die Vereinigten Staaten jedoch eine Strategie nicht so sehr von ihrer Waffengewalt oder gar dem
entwickeln, die aus ihren grundlegenden Stärken Kapital Überfluß ihrer Volkswirtschaft ab, sondern von ihrer
Botschaft an die Welt. Nur durch die Wiederentdekschlägt.
kung ihrer revolutionären Prinzipien und ihrer AnwenDie Amerikaner müssen Investitionen und Produktion dung auf die Realitäten der posteuropäischen Welt
vor Konsum stellen. Sie müssen mehr Mittel für können sich die Vereinigten Staaten in ihrem dritten
kommerzielle Forschung, Ausbildung und die physi- Jahrhundert einer der großen Vision ihrer Gründerväsche Infrastruktur aufwenden.
ter entsprechenden Wiedergeburt erfreuen.

starken Dollars - unter westeuropäischen Führungskräften durchgeführte Meinungsumfrage ergab, daß
45 Prozent die Vereinigten Staaten als erste Wahl für
Expansion bevorzugten. Entsprechend fließt der Großteil
des aus den liquiden chinesischen Enklaven - insbesondere Taiwan und Hongkong - exportierten Kapitals
in die Vereinigten Staaten.

'
{

*

AMERIKA DIENST 13

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Seite 3

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27. März 1991

12

KSE

LEHMAN: BEI KSE FESTE HALTUNG
GEGENÜBER DER UdSSR
Anhörung im Kongreß
SOWJETUNION MUSS HINDERNISSE
GEGEN KSE-VERTRAG ABBAUEN
Rede von Staatssekretär Bartholomew
vor Unterausschuß des Senats

HANDEL

DIE VERLÄNGERUNG DES
"FAST-TRACK"-MANDATS
Eine Übersicht des Weißen Hauses

GOLFKRISE

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom
1. bis 15. März 1991

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�KSE
27. März 1991

LEHMAN: BEI KSE FESTE HALTUNG GEGENÜBER
DER UdSSR
Anhörung im Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten wollen den Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa
(KSE) so schnell wie möglich durchführen und ihn durch zusätzliche Abkommen erweitern. Dies kann jedoch
nur "durch eine feste Haltung gegenüber der Sowjetunion erzielt werden", erklärte der Leiter des US-Amts für
Rüstungskontrolle und Abrüstung, Ronald Lehman.

Lehman erläuterte im Unterausschu ß des Senats über
Europäische Angelegenheiten am 20. März 1991, ein
erfolgreiches Ergebnis "wird nur möglich sein, wenn
wir zusammenhalten - im Bündnis und hier im Inland".
"Wenn wir zusammenhalten, übermitteln wir Moskau
eine eindeutige Botschaft: Die Sowjetunion muß verantwortungsvoll und in vollem Einklang mit ihren Verpflichtungen handeln. Wenn sie das tut, können wir
Fortschritte machen," erklärte der ACDA-Direktor.
"Die Regierung will den Vertrag so schnell wie möglich
durchführen," so Lehman. "Es ist an der Zeit, daß die
Sowjetunion handelt, damit der Prozeß der Ratifizierung und Durchführung weitergehen kann."
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Anhörung im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, wir begrüßen diese Gelegenheit,
mit Ihnen den Vertrag über Konventionelle Streitkräfte
in Europa (KSE) zu erörtern und Ihnen die jüngsten
Entwicklungen darzulegen. Wie Sie wissen, hielt sich
letzte Woche eine interministerielle Delegation in Moskau
auf, urn mit unseren sowjetischen Kollegen Gespräche
über die sehr ernsten noch ausstehenden Fragen zu
führen, die Beratungen und die Abstimmung über die
Ratifizierung des KSE-Vertrags verhindert haben.
Eingangs möchte ich Ihnen die grundsätzliche Haltung
der Bush-Regierung zum KSE-Vertrag darlegen: Dieser
Vertrag liegt eindeutig im Interesse der Vereinigten
Staaten, Kanadas und ganz Europas. Tatsächlich ist
der KSE-Vertrag ein wichtiger Schritt bei unserem
Streben nach mehr Sicherheit auf der Welt. Wir
werden unser Ziel verwirklichen, in Europa ein sicheres und stabiles Gleichgewicht konventioneller StreitAMERIKA DIENST 12

kräfte auf niedrigeren Niveaus herzustellen und Ungleichgewichte abbauen, die Stabilität und Sicherheit
im Wege stehen und die Fähigkeit zur Führung eines
Überraschungsangriffs oder einer Großoffensive beseitigen. Die Verhandlungen haben darüber hinaus
eine wichtige Rolle gespielt, um in Europa positive
politische Entwicklungen einzuleiten. Deshalb ist die
Regierung der Meinung, daß der KSE-Vertrag ratifiziert und durchgeführt werden soll, wenn die Sowjetunion entsprechende Abhilfe schafft. Wenn der KSEVertrag in Kraft tritt, wird er eine wichtige Rolle in der
europäischen Sicherheitsordnung spielen und einen
entscheidenden Beitrag zur Stabilität in Europa und
einem System der Sicherheit leisten, das auf Zusammenarbeit und nicht auf Konfrontation basiert. Er wird
uns durch die Präsenz vor Ort die Verifizierung der
Zerstörung Tausender von Teilen militärischen Geräts
gestatten. Ferner wird er in einem Zeitalter rascher
Veränderungen eine feste Grundlage für Stabilität,
Gewißheit und Vertrauen bilden.
Unserer Meinung nach teilt der Kongreß diese Beurteilung des Vertrags, und wir begrü ßen insbesondere die
starke Unterstützung des KSE-Vertrags durch die
Mitglieder dieses Unterausschusses. Wir sind uns
einig, daß der Vertrag über Konventionelle Streitkräfte
in Europa einen positiven Beitrag zur europäischen
Sicherheit leisten wird. Aber wir sind uns sicher auch
einig, daß alle Unterzeichnerstaaten sich an die Bestimmungen halten müssen.
Ich weiß, daß Sie sich all dieser Probleme mit der
Sowjetunion bewußt sind, dennoch möchte ich sie im
folgenden noch einmal kurz zusammenfassen.
Erstens behauptet die Sowjetunion, daß mit Gerät
bestückte Einheiten wie etwa die Marineinfanterie und
Seite 1

�die Küstenverteidigung nicht den Beschränkungen
des Vertrags unterliegen. Diese von allen anderen
KSE-Unterzeichnern zurückgewiesene Behauptung
widerspricht dem Wortlaut des Vertrags und entbehrt
jeder Grundlage in den Verhandlungsprotokollen. Der
Vertrag ist in diesem Punkt eindeutig: jegliches landgestützte Gerät unterliegt - gleichgültig, wem es untersteht - vertragsmäßigen Obergrenzen, e3 sei denn, es
fällt unter eine der im Vertrag niederlegten klar definierten Ausnahmen.
Zweitens enthielt das vor Vertragsunterzeichnung
unterbreitete sowjetische Zahlenmaterial Ungenauigkeiten im Hinblick auf das sich tatsächlich zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung im betreffenden
Gebiet befindliche Gerät. Wir haben kürzlich dazu
Korrekturen erhalten, die gegenwärtig analysiert werden.
Drittens stellt der vor Aushandlung des Vertrags erfolgte Abzug sowjetischen Geräts aus dem Anwendungsgebiet keine Verletzung von KSE dar, obwohl es
Besorgnis erregt, ob die Sowjetunion im Sinne der
Verhandlungen agiert. In den letzten sechs Monaten
haben wir von der Sowjetunion eine Gesamtaufstellung des jetzt östlich des Urals stationierten Geräts und
die Zusicherung über seine letztliche Verwendung
gebeten.
Wir nehmen diese Probleme ernst. Die Regierung wird
dem Senat den KSE-Vertrag nicht vorlegen, damit er
über die Ratifizierung beraten und abstimmen kann,
bis die Sowjetunion ihren Vertragsverpflichtungen
nachkommt.

Verhandlungen, keine Sitzungen der Arbeitsgruppen
oder andere Verhandlungen über Folgefragen geben,
bis unseren Anliegen Rechnung getragen wird.
Darüber hinaus haben wir der Sowjetunion im Gemeinsamen Konsultativausschuß (Joint Consultative Group
- JCG) - dem mit dem KSE-Vertrag geschaffenen
Forum für vertragliche Probleme - deutlich gemacht,
daß ihr Vorgehen im Hinblick auf Artikel III des Vertrags unannehmbar sind. Der Gemeinsame Konsultativausschuß tagt seit dem 21. Januar. Der ursprünglich vorgeschlagene Termin für den Abschluß der
Sitzungsperiode wurde hinausgeschoben, um die noch
ausstehenden Fragen zu lösen. In dieser Zeit hat kein
anderer Unterzeichner die Argumentation der Sowjetunion zu Artikel III unterstützt. Darüber hinaus haben
wir den JCG benutzt, um gegenüber den sowjetischen
Vertretern bestimmte Fragen aufzuwerfen, etwa im
Hinblick auf unsere Probleme mit dem von ihnen als
Teil des vertragsmäßig geforderten obligatorischen
Informationsaustauschs vorgelegten Zahlenmaterials.
Alle anderen Teilnehmer sind ebenso besorgt wie wir.
Viele von ihnen haben ihr Anliegen direkt in Moskau
vorgetragen, manche bei den höchsten Regierungsstellen.
Vor weniger als einer Woche haben wir diese Botschaft gegenüber der sowjetischen Führung in Moskau wiederholt. Außenminister Baker hat die Sowjetunion nachdrücklich zum Handeln aufgefordert, um die
noch anstehenden Probleme zu lösen. Jetzt ist die
Sowjetunion gefordert. Es ist an der Zeit, daß die
Sowjetunion handelt, damit der Prozeß der Ratifizierung und Durchführung weitergehen kann.

Kurz nach Unterzeichnung des KSE-Vertrags haben
die 22 Länder, die sich an KSE beteiligen, ihre Verhandlungen - die sogenannten KSE 1A-Gespräche wiederaufgenommen. Bis unsere Sorgen im Hinblick
auf die Sowjetunion jedoch nicht aus der Welt geschafft sind, stimmen wir mit unseren NATO-Verbündeten überein, keine Folgeverhandkingen über konventionelle Waffen und insbesondere Truppenstärke
zu führen, als ob nichts gewesen wären. Es gibt kein
"Business as usual".

Herr Vorsitzender, ich möchte dort aufhören, wo ich
begonnen habe. Der Vertrag über Konventionelle
Streitkräfte in Europa bietet eine feste Grundlage für
den Aufbau eines stabileren, kooperativeren europäischen Sicherheitsgefüges. Die Regierung will den
Vertrag so schnell wie möglich durchführen. Und wir
wollen den Vertrag mit zusätzlichen Abkommen ergänzen, um Sicherheit und Stabilität Vorschub zu
leisten.

Ich möchte eins klarstellen: KSE 1A wird gegenwärtig
ausgehandelt. Niemand hat diese Folgeverhandtungen verlassen. Unsere Delegation bleibt in Wien und
ist bereit, sofort zu handeln, wenn die Sowjets das
durch die Lösung unserer gegenwärtigen Probleme
ermöglichen. In dieser Runde ist die letzte Plenarsitzung morgen, am 21. März, vorgesehen. Bei der
Gelegenheit werden wir den sowjetischen Vertretern
nochmals unsere Haltung zu den Fragen erklären und
um befriedigende Antworten bitten. Wenn wir solche
Antworten nicht erhalten, wird es keine substantiellen

Wir werden das erwünschte Ergebnis nur durch eine
feste Haltung im Umgang mit der Sowjetunion erzielen. Das wird nur möglich sein, wenn wir zusammenhalten - im Bündnis und hier im Inland. Dabei ist die
Unterstützung des Kongresses für unsere Position
außerordentlich wichtig. Wir begrüßen die Unterstützung, die wir bereits von Ihnen und Ihren Kollegen
erhalten haben. Wenn wir zusammenhalten, übermitteln wir Moskau eine eindeutige Botschaft: Die Sowjetunion muß verantwortungsvoll und in vollem Einklang
mit ihren Verpflichtungen handeln. Wenn sie das tut,
können wir Fortschritte machen.

*

Seite 2

* * *

*

AMERIKA DIPNRT1?

�KSE
27. März 1991

SOWJETUNION MUSS HINDERNISSE GEGEN
KSE-VERTRAG ABBAUEN
Rede von Staatssekretär Barthoiomew vor Unterausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Wenn der Westen den sowjetischen Hindernissen gegen die Ratifizerung und das
Inkrafttreten des Vertrags über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) nachgibt, würde dies nur "diejenigen in der Sowjetunion ermutigen, die zu Kompromißlosigkeit raten" und später zu weiteren Problemen führen,
erklärte der Staatssekretär für internationale Sicherheitsbelange, Reginald Barthoiomew.

"Die Folge wäre eine Aushöhlung des Gefüges jüngster Ost-West-Vereinbarungen und des durch sie
hervorgebrachten Vertrauens", so Barthoiomew vor
Mitgliedern des Senats-Unterauschusses für Europäische Angelegenheiten am 20. März 1991.

natürlich Ihres eigenen großen Interesses an der Ratifizierung und Durchführung dieses historischen Vertrags bewußt. Ich möchte mit Ihnen bei der Verwirklichung unseres gemeinsamen Ziels zusammenarbeiten.

Ihm zufolge wird die sowjetische Forderung, das Gerät
der Marineinfanterie, des Küstenschutzes und der
strategischen Raketenstreitkräfte von den Vertragsbegrenzungen auszuschließen von allen anderen 21
KSE-Signatarstaaten zurückgewiesen, steht "in krassem Widerspruch zum Wortlaut des Vertrags und
entbehrt jeglicher Grundlage in den Verhandlungsprotokollen".

Zunächst möchte ich betonen, daß der am 19. November 1990 unterzeichnete KSE-Vertrag eine monumentale Errungenschaft der Nachkriegsgeschichte ist. In
vieler Hinsicht ist er eines der weitreichendsten je
geschlossenen Rüstungskontrollabkommen, und sein
Anwendungsbereich geht weit über die tatsächlichen
Waffensysteme hinaus, die er begrenzen wird.

Barthoiomew bekräftigte ferner, die Administration sei
nach wie vor der Ratifizierung und vollständigen Durchsetzung des KSE-Vertrags verpflichtet. Er fügte jedoch hinzu, "ein nur teilweise eingehaltener Vertrag
kann keine sichere oder vertrauenswürdige Grundlage
für die Entwicklung einer neuen Sicherheitsarchitektur
in Europa bieten".

Bei einer Anhörung vor diesem Unterausschuß vor
rund acht Monaten - während die Verhandlungen noch
im Gange waren - habe ich einige der Gründe dargelegt, warum der Abschluß eines KSE-Vertrags für
unsere Interessen von solch vorrangiger Bedeutung
ist. Trotz der seitdem aufgetauchten Probleme sind
wir der Auffassung, daß alle diese Gründe noch immer
stichhaltig sind:

"Die Sowjetunion hat mit ihrer Handlungsweise ein
ernsthaftes Hindernis gegen die Ratifizierung und das
Inkrafttreten dieses Vertrags aufgebaut - und es ist nun
an ihr, dieses Hindernis aus dem Weg zu räumen", so
Barthoiomew.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Staatssekretär Barthoiomew im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, sehr verehrte Mitglieder des Unterausschusses, ich bedanke mich für diese Gelegenheit,
die derzeitigen Probleme des KSE-Vertrags und die
Bestrebungen der Administration zu ihrer Lösung mit
Ihnen erörtern zu können. Darüber hinaus bin ich mir
AMERIKA DIENST 12

Der Vertrag setzt permanente Obergrenzen fest,
mit denen das bestehende Ungleichgewicht der
Streitkräfte in Europa behoben und das sowjetische Potential für einen größeren Angriff mit
kurzer Vorwarnzeit beseitigt wird.
Er schreibt den einseitigen und vertraglich vorgeschriebenen Truppenabzug der Sowjetunion
aus Mittel- und Osteuropa fest.
Die Sowjetunion wird durch den Vertrag verpflichtet - selbst nach dem massiven Abzug von
Gerät östlich des Urals vor der Vertragsunterzeichnung - beträchtliche Mengen an Gerät zu

Seite 1

�zerstören. Der Vertrag dient dazu, die sowjetischen Streitkräfte auszudünnen und die Optionen zur Umstrukturierung der Streitkräfte im
europäischen Teil der UdSSR zu begrenzen.
Der Vertrag fördert unsere politischen Ziele in
Mittel- und Osteuropa durch die Stärkung der
neuen, frei gewählten Regierungen in dieser
Region.
Der Vertrag sieht umfassende Vor-Ort-Inspektionen vor, die nicht nur zur Verifizierung der
Einhaltung sondern durch verbesserte Transparenz zum Aufbau von Vertrauen und Stabilität
beitragen.
Die Durchführung des Vertrags wird die Zusammenarbeit und Koordinierung innerhalb der NATO
bei Rüstungskontrollangelegenheiten im Einklang mit unserem umfassenderen Ziel der
Erweiterung der politischen Komponente des
Bündnisses verbessern.
Neben diesen konkreten Vorzügen wird der KSEVertrag als wichtigstes Fundament der Sicherheitsarchitektur in Europa nach dem kalten Krieg dienen. Er
wird in Europa eine stabile militärische Konstellation
hervorbringen, in der kein Land einen Anreiz oder die
unmittelbar nötigen Mittel hat, um eine großangelegte
Aggression durchzuführen. Nur bei Vorhandensein
dieser Grundlage können wir von einer auf Konfrontation beruhenden Sicherheitsordnung zu einer auf
Zusammenarbeit gegründeten übergehen.
Wir können diese zahlreichen politischen und militärischen Vorteile des Vertrags jedoch nicht in Anspruch
nehmen, wenn dieser nicht vollständig und wortgetreu
so angewendet wird, wie ihn die 22 Staats- und Regierungschefs in Paris unterzeichnet haben. Ein nur
teilweise eingehaltener Vertrag kann keine sichere
oder vertrauenswürdige Grundlage für die Entwicklung einer neuen Sicherheitsarchitektur in Europa bieten.
Die Sowjetunion hat mit ihrer Handlungsweise ein
ernsthaftes Hindernis gegen die Ratifizierung und das
Inkrafttreten dieses Vertrags aufgebaut, und es ist nun
an ihr, dieses Hindernis aus dem Weg zu räumen.
Wie Sie wissen, enthielten die von der Sowjetunion bei
der Unterzeichnung des Vertrags vorgelegten Daten
Ungenauigkeiten. Wir haben dieses Problem der
Sowjetunion gegenüber angesprochen, und in der
Folgezeit wurden diese Ungenauigkeiten teilweise
korrigiert. Darüber hinaus haben die Sowjets von Mitte
1989 bis zur Unterzeichnung des Vertrags große Mengen
an Ausrüstung vom Vertragsgebiet zu Standorten
östlich des Urals verlegt. Eine Verlegung ist keine
Vertragsverletzung, aber sie gibt zu Bedenken Anlaß,
ob die Maßnahmen der Sowjets dem Geist der Verhandlungen entsprechen. Diese Verlegungen haben
den Umfang der Ausrüstung erheblich verringert, die
von den Sowjets andernfalls zerstört werden müßte.
Wir bringen diese beiden Fragen weiterhin gegenüber
Seite 2

den Sowjets zur Sprache, um Lösungen zu finden, die
unsere Anliegen berücksichtigen.
Das bei weitem wichtigste von den Sowjets geschaffene Problem besteht in ihrer Behauptung, die Ausrüstung von Marineinfanterie, Küstenverteidigung und
strategischen Raketenstreitkräften sei von den vertraglichen Begrenzungen ausgenommen. Diese von
allen anderen 21 KSE-Unterzeichnerstaaten zurückgewiesene Behauptung steht in krassem Widerspruch
zum Wortlaut des Vertrags und entbehrt jeglicher
Grundlage in den Verhandlungsprotokollen. Artikel III
des Vertrags ist eindeutig: mit einigen klar definierten
Ausnahmen wird sämtliche landgestützte Ausrüstung
auf die vertraglichen Obergrenzen angerechnet, und
zwar unabhängig von ihrer Zuordnung zu bestimmten
Teilstreitkräften.
Dies ist in erster Linie eine Grundsatzfrage - in gutem
Glauben eingegangene Verpflichtungen müssen erfüllt werden und können nach Unterzeichnung des
Vertrags nicht einseitig neugefaßt werden. Überdies
würde eine Hinnahme dieser sowjetischen Haltung
den Vertrag dadurch untergraben, daß man damit eine
unbeschränkte Aufrüstung mit landgestütztem Gerät
gestatten würde, indem solches Gerät problemlos
Einheiten der Marineinfanterie oder des Küstenschutzes zugeordnet werden könnte.
Wir haben sowjetischen Vertretern auf sehr hoher
Ebene wiederholt verdeutlicht, daß Verpflichtungen,
die von uns allen bei Unterzeichnung des Vertrags
eingegangen wurden, erfüllt werden müssen. Gleichzeitig hat die Administration beschlossen, daß sie den
Vertrag erst dann dem Senat zur Beratung und Ratifizierung zuleiten wird, wenn die Sowjetunion ihre vertraglichen Verpflichtungen erfüllt, insbesondere die
nach Artikel III. Dieser Ansatz, davon sind wir fest
überzeugt, ist die beste Methode, um die Vertragserfüllung seitens der Sowjetunion zu gewährleisten und
damit den Weg zu Ratifizierung und Inkrafttreten des
Vertrags zu öffnen. Und wir gehen davon aus, daß sich
dieser Ansatz durchsetzen wird.
Die enormen potentiellen Vorteile des KSE-Vertrags
sind Grund genung, um darauf zu bestehen, daß die
Sowjetunion ihren vertraglichen Verpflichtungen vollständig nachkommt. Das Problem ist jedoch gleichzeitig umfassender. Hier steht nicht nur die Integrität des
KSE-Vertrags auf dem Spiel, sondern auch die internationale Glaubwürdigkeit der Sowjetunion in diesem
neuen Zeitalter. Der Disput über den KSE-Vertrag ist
ein Lackmustest für die Bereitschaft der Sowjetunion,
nach dem kalten Krieg ein konstruktiver und verläßlicher Partner beim Aufbau einer stabilen, auf Kooperation gegründeten Ordnung in Europa zu sein.
Gegenwärtig findet in der Sowjetunion eine Debatte
darüber statt, ob die von Moskau in den letzten Jahren
verfolgte Außenpolitik größerer Offenheit und Zusammenarbeit vernünftig war. Die Gegner dieser Politik
möchten einige der Fortschritte wieder rückgängig
AMERIKA DIFNST 12

�machen, die von Ost und West gemeinsam erzielt
wurden. Wenn der Westen bei KSE nachgibt, würden
wir diejenigen in der Sowjetunion ermutigen, die zu
Kompromißlosigkeit raten, und wir würden weiteren
Schwierigkeiten in der Zukunft Vorschub leisten - bei
KSE und bei anderen Abkommen. Die Folge wäre eine
Aushöhlung des Gefüges jüngster Ost-West-Abkommen und des durch sie hervorgebrachten Vertrauens.

* *

AMERIKA DIENST 12

Die Administration bleibt weiterhin der Ratifizierung
und Durchführung dieses Vertrags verpflichtet. Wir
werden mit der Ratifizierung zügig fortfahren, sobald
die Sowjetunion die von ihr bei der Unterzeichnung des
KSE-Vertrags am 19. November 1990 eingegangenen
Verpflichtungen erfüllt hat. Wir freuen uns bei der
weiteren Entwicklung dieses Prozesses auf eine enge
Zusammenarbeit mit Ihnen.

* *

Seite 3

�HANDEL
27. März 1991

DIE VERLÄNGERUNG DES "FAST-TRACK"-MANDATS
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die folgende Übersicht zur Verlängerung des "Fast-track"-Mandats wurde am 19. März
1991 vom Weißen Haus veröffentlicht.

"Fast track": Der historische Hintergrund
In diesem Jahrhundert waren sich Kongreß und Exekutive die meiste Zeit der Tatsache bewußt, daß
Verhandlungen über Handelsabkommen und deren
Durchführung besonderer Zusammenarbeit bedürfen.
Nach den durch das Smoot-Hawley-Gesetz von 1930
verhängten Rekordzöllen und der davon mitverursachten Depression erkannten sowohl Kongreß als
auch Exekutive, daß beide Körperschaften nur durch
enge Zusammenarbeit Schranken gegen unseren
Außenhandel abbauen und die internationalen Märkte
für amerikanische Produkte und Dienstleistungen öffnen konnten.
Diese neue Partnerschaft fand ihren Niederschlag im
Gesetz über Handelsabkommen auf Gegenseitigkeit
(Reciprocal Trade Agreements Act) von 1934, das den
Präsidenten nicht nur zum Abschluß von Zollsenkungsabkommen, sondern auch zu deren Durchführung ermächtigte, ohne daß dafür ein besonderes
Gesetz verabschiedet werden mußte.
Als die Staaten begannen, sich weniger auf Schutzmaßnahmen durch Zölle und stärker auf nichttarifäre
Handelsschranken zu stützen, erweiterte sich das
Spektrum der Handelsgespräche, und der Kongreß
schuf das "Fast-track"-Verfahren als notwendige
Ergänzung zu dieser erweiterten handelspolitischen
Tagesordnung.
"Fast-track"-Verfahren für die Billigung von Handelsabkommen waren Bestandteil der vom Kongreß in den
Jahren 1974 und 1979 verabschiedeten Handelsgesetzgebung sowie des Handelsgesetzes von 1988.

AMERIKA DIENST 12

Der "Fast track" ist unerläßlich für erfolgreiche
Handelsgespräche
Der "Fast track" sichert dem Kongreß eine sinnvolle
Beteiligung während des Verhandlungsprozesses zu
und enthält gleichzeitig zwei Garantien, die für erfolgreiche Verhandlungen über Handelsabkommen unerläßlich sind: Erstens ein Votum zur Verwirklichung des
Gesetzes innerhalb eines festen Zeitraums und zweitens den Ausschluß von Veränderungen an diesem
Gesetz.
Diesen Verfahren liegt die Erkenntnis zugrunde, daß
Handelsabkommen, bei denen Ergebnisse in einem
Bereich häufig mit Ergebnissen in anderen verknüpft
sind, besonders anfällig für mehrfache Änderungen
sind, die - obwohl für sich genommen nur minimal zusammengenommen ganze Abkommen zu Fall bringen könnten.
Ob die in einem Handelsabkommen enthaltenen Vorteile insgesamt im Interesse der Vereinigten Staaten
liegen, kann nur durch die Bewertung des gesamten
Pakets entschieden werden.
Mit dem "Fast track" stattete der Kongreß den Präsidenten mit dem gleichen Verhandlungsspielraum aus,
den seine Verhandlungspartner besitzen: er kann
gewährleisten, daß ein international vereinbartes
Abkommen dem Abkommen entspricht, über das im
Parlament abgestimmt wird.
Ohne "Fast track" kann der Präsident unseren Verhandlungspartnern nicht zusichern, daß die von ihnen
verabredete Vereinbarung derjenigen entspricht, die
im Kongreß zur Abstimmung gelangt.

Seite 1

�Ohne diese Zusicherung sträuben sich ausländische
Regierungen dagegen, mit den Vereinigten Staaten zu
verhandeln und werden nicht die einschneidenden
Zugeständnisse machen, die für solche Abkommen
erforderlich sind, die die Vereinigten Staaten zu unterzeichnen bereit sind. Kein Handelspartner wird seine
Verhandlungsposition vollständig ausreizen, wenn er
weiß, daß das Verhandlungsergebnis in Frage gestellt
werden könnte.
Mit Hilfe des "Fast track" haben die Vereinigten Staaten drei bemerkenswerte Vereinbarungen ausgehandelt und durchgeführt, von denen jede durch eine
überwältigende Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses bestätigt wurde. Diese Vereinbarungen - die
Ergebnisse der Tokioter Runde von 1979, das Freihandelsabkommen mit Israel von 1985 und das Freihandelsabkommen mit Kanada von 1988 - haben
Handelsschranken abgebaut und zum Wachstum in
den Vereinigten Staaten und weltweit beigetragen.
Die Vereinigten Staaten können aus Vereinbarungen
großen Gewinn ziehen, die Märkte öffnen und Regeln
für den freien und fairen Handel aufstellen. Die Beibehaltung des "Fast track" wird uns die Fähigkeit bewahren, unsere Bemühungen zur Liberalisierung des Handels
und Öffnung von Märkten durch das Allgemeine Zollund Handelsabkommen durch andere multilaterale
und durch bilaterale Vereinbarungen fortzusetzen.
Der Kongreß ist ein unerläßlicher Teil des "Fasttrack"-Prozesses
Das "Fast-track"-Verfahren bewahrt den Einfluß des
Kongresses während der Aushandlung, Bestätigung
und Durchführung von Handelsabkommen.
Um die Beteiligung des Kongresses und des Privatsektors sicherzustellen, enthält das "Fast-track"-Statut ausführliche Benachrichtigungs- und Konsultationsbestimmungen. In jeder Phase von der Initiierung bis
zur Durchführung ist der Kongreß ein aktiver Partner.
Um den "Fast track" für bilaterale oder multilaterale
Abkommen zu benutzen, muß der Präsident den
Kongreß 90 Kalendertage vor der Unterzeichnung
informieren. Zu dem Zeitpunkt, an dem der Präsident
seine 90-Tage-Benachrichtigung erteilt, müssen die
zahlreichen Beratungsgremien des Privatsektors dem
Kongreß und dem Präsidenten ihre Ansichten zu dem
betreffenden Abkommen darlegen. Bei bilateralen
Abkommen muß der Kongreß im voraus über die
Verhandlungen benachrichtigt werden. In den darauffolgenden 60 Arbeitstagen der Legislative kann entweder der Finanzausschuß des Senats oder der Bewilligungsausschuß des Repräsentantenhauses die
Anwendung des "Fast track" durch Abstimmung verweigern.
Nach Erreichung eines Abkommens arbeiten Kongreß
und Administration in enger Abstimmung zusammen,
um Durchführungsgesetze zu formulieren. In diesen
Seite 2

Prozeß wurden alle gesetzgeberischen Ausschüsse
einbezogen, nicht nur diejenigen, die traditionell bei
der Festsetzung handelspolitischer Verhandlungsziele konsultiert werden. Sind das Abkommen und dessen Durchführungsbestimmungen immer noch nicht
akzeptabel, können sie durch Mehrheitsbeschluß eines der beiden Häuser abgelehnt werden.
Wir beteiligen uns gegenwärtig an bilateralen und
multilateralen Handelsinitiativen, die nie gekannte
Aussichten für die Förderung amerikanischer wirtschaftlicher Ziele bieten. Da solche Initiativen im
Gange sind, liegt es eindeutig im nationalen Interesse,
eine Partnerschaft fortzusetzen, die in den vergangenen 60 Jahren ihren Wert bewiesen hat.
Einsatz des "Fast track" nach dessen Verlängerung
Bei der Einbeziehung des "Fast track" in das Handelsgesetz von 1988 hat der Kongreß ausdrücklich eingeräumt, daß eine Verlängerung notwendig und geeignet
sein könnte, damit der Präsident die im Gesetz festgelegten handelspolitischen Ziele effektiv verfolgen kann.
Im Falle seiner Verlängerung wäre der "Fast track" bis
zum 1. Juni 1993 gültig und würde eingesetzt, um
Handelsinitiativen wie den Abschluß der Uruguay Runde,
das Aushandeln eines Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) mit Mexiko und Kanada
sowie die handelspolitischen Ziele der Initiative zur
Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern Amerikas durchzuführen.
Die Unterstützung des "Fast track" wird Fortschritten
bei diesen wichtigen Initiativen Vorschub leisten, ohne
in irgendeiner Weise die Fähigkeit des Kongresses zu
schmälern, jedes Abkommen für sich zu begutachten,
wenn es zur Bestätigung vorgelegt wird.
Ein Votum gegen "Fast track" verhindert "Fast
track" für alle Abkommen
Das derzeitige "Fast-track"-Mandat wäre am 1. Juni
ausgelaufen, wenn der Präsident nicht bis zum 1. März
eine Verlängerung beantragt hätte. Die beantragte
Verlängerung wird automatisch bewilligt, es sei denn,
eines der beiden Häuser des Kongresses lehnt dies
vor dem 1. Juni mit einer gesetzlich vorgeschriebenen
Resolution ab.
Der Wortlaut der Widerspruchsresolution, der in dem
Gesetz niedergelegt ist, stellt eindeutig fest, daß mit
dem Widerspruch alle - multilaterale und bilaterale "Fast-track"-Mandate aufgehoben werden.
Die Widerspruchsresolution kann nicht dahingehend
abgeändert werden, daß sie "Fast track" für einige
Abkommen aufhebt und für andere nicht, weil die
Resolution selbst nicht geändert werden kann. Es ist
beispielsweise nicht möglich, gegen "Fast track" für
die Vereinbarungen der Uruguay-Runde zu stimmen,

AMERIKA DIENST 12

�sie jedoch für das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) aufrechtzuerhalten.
Wenn von einem der beiden Häuser Widerspruch
eingelegt wird, ist "Fast track" generell hinfällig und die
Fähigkeit des Präsidenten, erfolgreich irgendein Handelsabkommen auszuhandeln, das der bilateralen oder
multilateralen Zustimmung des Kongresses bedarf, ist
entscheidend eingeschränkt, wenn nicht sogar ganz
aufgehoben.
*

Kurzum: ein Votum gegen "Fast track" ist ein Votum
gegen den Handel.

*

Die Beibehaltung des "Fast track" ist zur SicherStellung wirtschaftlicher Gewinne unabdingbar
Als grö ßte Handelsmacht der Welt sind die Vereinigten
Staaten außerordentlich an der Zukunft des Welthandelssystems interessiert. Exporte sind zu einer lebenswichtigen Quelle für die amerikanische Wirtschaft
geworden. Im Jahr 1990 machte der rund 8,5prozentige Zuwachs amerikanischer Exporte 88 Prozent des
US-Wirtschaftswachstums aus.
Um die Aufstockung der Exporte und das daraus
resultierende Wachstum aufrechtzuerhalten, müssen
wir unsere Bestrebungen zur Öffnung der Weltmärkte
fortsetzen. Wir müssen unsere aktive Führungsrolle
beibehalten. Ohne die Erweiterung von "Fast track"
sind diese Bestrebungen müßig.
Die Beibehaltung der "Fast-track"-Verfahren - und der
Partnerschaft zwischen Kongreß und der Exekutive,
die durch "Fast track" zum Ausdruck kommt - wird
unsere gemeinsamen Bestrebungen zur Liberalisierung des Handels und Öffnung der Märkte durch
GATT, andere multilaterale und bilaterale Abkommen
auf Kurs halten. Kein Land kann von diesen Bestrebungen mehr profitieren als die Vereinigten Staaten.

}

Während wir ins neue Jahrhundert eintreten, sollten
wir nicht zögern, die Möglichkeiten für erweitertes
Wirtschaftswachstum und Wohlstand zu nutzen, die
sich durch erfolgreiche Handelsgespräche bieten.
Um diese Möglichkeiten Realität werden zu lassen,
müssen der Kongreß und die Exekutive weiterhin in
der von "Fast track" vorgesehenen Weise zusammenarbeiten.
BEDEUTUNG UND NUTZEN DER URUGUAY
RUNDE
Die Uruguay-Runde ist bis heute das ehrgeizigste
aller Handelsgespräche
Das Welthandelssystem ist heute entschieden komplexer als im Jahr 1947, als das GATT formuliert
wurde. Über ein Drittel des Welthandels - mehr als 1
Billion Dollar - ist von internationalen Handelsbestimmungen nur unzulänglich abgedeckt.

AMERIKA DIENST 12

Die Verhandlungen der Uruguay-Runde - an denen
108 Länder teilnehmen - sind ehrgeizige Bestrebungen zur Stärkung und Erweiterung des Welthandelssystems und zur weiteren Senkung der Handelsschranken. Im Jahr 1986 in Punta del Este (Uruguay) ins
Leben gerufen, sind diese Verhandlungen die achte
Runde multilateraler Handelsgespräche unter der
Schirmherrschaft des GATT.
Die Vereinigten Staaten waren federführend bei dem
Ruf nach einer alle strittigen Fragen umfassenden
Tagesordnung der Uruguay-Runde. Der Kongreß
legte die Zielsetzungen der Uruguay-Runde in dem im
August 1988 verabschiedeten Allgemeinen Handelsund Wettbewerbsgesetz fest.
Die Tagesordnung der Verhandlungen umfaßt ein
breites Spektrum amerikanischer Interessen, sowohl
bei der Öffnung der Weltmärkte als auch bei der
Festsetzung interner Regeln des Fair play in Bereichen von lebenswichtigem Interesse für die amerikanische Wettbewerbsfähigkeit - Dienstleistungen, Investitionen, Landwirtschaft und geistigem Eigentum. Die
Verhandlungen lassen sich in vier umfassende Kategorien unterteilen:
1.

Marktzugang (tarifäre und nichttarifäre Maßnahmen, natürliche Rohstoffprodukte, tropische
Produkte und Textilien),

2.

die "neuen" Bereiche Dienstleistungen, Rechte
an handelsbezogenem geistigem Eigentum
(TRIPs) sowie handelsbezogene investitionsmaßnahmen (TRIMs),

3.

Landwirtschaft, und

4.

GATT-Regeln (Schlichtung von Streitigkeiten,
Schutzmaßnahmen, GATT-Artikel einschließlich einer Zahlungsbilanzreform sowie nichttarifäre Maßnahmenkodizes einschließlich Subventionen und Antidumping).

Im Gegensatz zu vorherigen GATT-Verhandlungsrunden nehmen die Entwicklungsländer darüber hinaus
aktiv an allen Aspekten der Verhandlungen teil.
Die Administration hat sich verpflichtet, die Uruguay-Runde in Abkommen münden zu lassen, die
den Zielsetzungen der Vereinigten Staaten wirklich gerecht werden
Diese Entschlossenheit wurde im Dezember 1990 in
Brüssel unter Beweis gestellt. Die amerikanische und
andere wichtige Delegationen legten fest, daß eine
Beendigung des Ministertreffens ohne greifbares
Ergebnis besser wäre als die Ansprüche zurückzuschrauben und minimale Abkommen der UruguayRunde zu akzeptieren.
Die Verhandlungen wurden am 26. Februar 1991 für
alle Bereiche offiziell wiederaufgenommen, als ein
Rahmen für die Aushandlung der Agrarreform geSeite 3

�steckt wurde. Das Tempo der Verhandlungen wird
davon abhängen, wie schnell es uns gelingt, eine
akzeptable Lösung für den Agrarbereich zu finden.
Die Administration ist nicht bereit, unzulängliche Abkommen um eines Abkommens willen zu akzeptieren.
Wir sind jedoch bereit, die Verhandlungen fortzusetzen, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.
Eine erfolgreiche Uruguay-Runde würde der
amerikanischen und der Weltwirtschaft beträchtliche Vorteile bringen
Exporte sind zu einer lebenswichtigen Quelle für die
amerikanische Wirtschaft geworden. Seit Gründung
der Uruguay-Runde im Jahr 1986 waren 40 Prozent
des Gesamtzuwachses des amerikanischen BSP auf
die Aufstockung der Exporte zurückzuführen. 1990
machte der Exportzuwachs 88 Prozent des amerikanischen BSP-Zuwachses aus.
Ein offenes multilaterales Handelssystem ist die beste
Garantie dafür, daß sich die amerikanischen Exportchancen bis ins nächste Jahrhundert weiterhin verbessern. Die Uruguay-Runde ist die wichtigste Initiative
zur Verbesserung dieser Möglichkeiten.
Eine erfolgreiche Uruguay-Runde würde insbesondere der amerikanischen Wirtschaft beträchtliche Vorteile bieten. Dazu zählen:
1.

Niedrigere tarifäre und nichttarifäre Handelsschranken für Fertigprodukte und andere Waren, wodurch die Weltproduktion in den nächsten 10 Jahren um 5 Billionen Dollar und die USProduktion um über 1 Billion Dollar gesteigert
werden könnte, was zusätzlich 16.000 Dollar für
eine vierköpfige amerikanische Familie bedeuten würde.

2.

Regeln zum Schutz geistigen Eigentums amerikanischer Unternehmer, denen jährlich durch
Diebstahl und Nachahmungen ein Verlust von
60 Milliarden Dollar entsteht,

3.

neue Märkte für amerikanische Dienstleistungsunternehmen mit einem jährlichen Exportvolumen von 115 Milliarden Dollar, in denen 90
Prozent aller neuen Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten geschaffen werden,

4.

5.

eine Vereinbarung, die Weltmärkte für Investitionen öffnet und dazu beiträgt, 240 Milliarden
Dollar oder zwei Drittel des gesamten US-Warenexports aufzubringen,
fairer Handel und offene Märkte in der Landwirtschaft, die jetzt amerikanischen Landwirten-mit
einem Exportvolumen von jährlich über 40 Milliarden Dollar führend in der Welt -, neue Chancen bieten,

Seite 4

6.

die vollständige Beteiligung der Entwicklungsländer am Welthandelssystem, mit der sich
amerikanische Exporte in den nächsten 10 Jahren
um 200 Milliarden Dollar steigern ließen,

7.

bessere Regeln zur Beilegung von Streitigkeiten, Antidumping, Subventionen und Korrekturmaßnahmen im Handel, mit denen Vorhersehbarkeit und Sicherheit beim Zugang zu Auslandsmärkten gewährleistet und fairer Handel
im Inland garantiert werden sollen.

Umgekehrt wird die NichtVerlängerung des amerikanischen "Fast-track"-Mandats die Verhandlungen der
Uruguay-Runde beenden und die Aussichten für
Weltwirtschaftswachstum und Zusammenarbeit schmälern.
Ein Zusammenbruch der Runde durch Beseitigung
des "Fast-track"-Mandats würde weltweit zu stärkerem Druck führen, Handels- und Investitionshemmnisse aufzubauen. Eine drastische Abwendung von
offenen Märkten könnte wie bereits in den dreißiger
Jahren zu einer weltweiten Rezession führen.
Trotz des nicht zu garantierenden letztlichen Erfolgs
der Uruguay-Runde sollten die Vereinigten Staaten die
Verhandlungen weiterführen, weil eine erfolgreiche
Runde eindeutig und langfristig im Interesse unserer
Wirtschaft liegt.
BEDEUTUNG EINES NORDAMERIKANISCHEN
FREIHANDELSABKOMMENS
Mit diesem Abkommen - NAFTA - würde eine der
größten Freihandelszonen der Welt geschaffen
NAFTA würde einen ungeheuer großen Markt mit über
360 Millionen Verbrauchern und einem Gesamtvolumen von 6 Billionen Dollar freisetzen.
Von der schrittweisen Beseitigung von Schranken für
den Fluß von Waren, Dienstleistungen und Investitionen und dem besseren Schutz von Rechten an
geistigem Eigentum würde eine breiten Schicht von
Unternehmen, Arbeitnehmern, Landwirten und Verbrauchern profitieren.
Die Gründung eines NAFTA hätte Katalysatorfunktion
für Wachstum und Entwicklung der Wirtschaft in den
Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada, weil es mehr
Handel, Investitionen und Arbeitsplätze gäbe.
Die Bedeutung des Nordamerika-Handels
Kanada ist Amerikas größter, Mexiko sein drittgrößter
Handelspartner. Die Vereinigten Staaten sind für zwei
Drittel ihres Gesamthandels verantwortlich. Im Jahr
1990 würde sich das Handelsvolumen aller drei Länder
auf 237 Milliarden Dollar belaufen.

AMERIKA DIENST 12

�Seit 1980 haben sich die amerikanischen Exporte
nach Mexiko und Kanada von 55,3 Milliarden auf 111,4
Milliarden Dollar verdoppelt. Unsere Exporte in die
Nachbarländer sind in erheblich stärkerem Maße
gestiegen als in alle anderen Länder der Welt.
Die Beseitigung von Schranken würde neue Chancen für Handel und Investitionen bieten
Seit dem Beitritt Mexikos zum GATT im Jahr 1986 und
der Einführung seiner Politik des Abbaus von Handelsschranken haben sich die US-Exporte mehr als verdoppelt - von 12,4 Milliarden auf 28,4 Milliarden Dollar.
1.

2.

3.

Die US-Agrarexporte nach Mexiko - unserem
drittgrößten Markt - beliefen sich 1990 auf 2,5
Milliarden Dollar.
Exporte von Verbrauchsgütern aus den Vereinigten Staaten nach Mexiko haben sich seit
1986 verdreifacht und sind von 1 Milliarde Dollar
auf 3 Milliarden gestiegen.
Die US-Exporte von Investitionsgütern sind von
5 Milliarden Dollar im Jahr 1986 auf etwa 9,5
Milliarden Dollar im vergangenen Jahr gestiegen.

Dies ist noch steigerungsfähig. Mexiko hat größere
Schranken für US-Exporte als wir sie für mexikanische
Lieferungen in die Vereinigten Staaten verhängen.
Zum Beispiel:
1.

2.

Mexikos Zölle betragen im Durchschnitt 10
Prozent, gegenüber den durchschnittlich 4
Prozent, die wir auf mexikanische Exporte in
unser Land erheben.
Mexiko hat nach wie vor ein strenges System
von Einfuhrlizenzen, von dem etwa 40 Prozent
aller amerikanischen Agrarexporte nach Mexiko
betroffen sind.

Darüber hinaus hat Mexiko zwar sein Investitionssystem liberalisiert, dennoch bleibt es immer noch vielen
US-Investitionen sowohl in der Fertigungs- als auch in
der Dienstleistungsindustrie verschlossen, und Erfüllungsbedingungen verzerren Exportchancen für amerikanische Waren.
Mexiko hat sich bereiterklärt, seinen Schutz für die
Rechte an geistigem Eigentum zu verbessern, und wir
erwarten dazu in absehbarer Zukunft konkrete Maßnahmen. Ein NAFTA wird solche Reformen sichern.
NAFTA bietet US-Herstellern, Arbeitnehmern und
Verbrauchern Vorteile
Wirtschaftliche Untersuchungen belegen, daß NAFTA
positive Auswirkungen auf Wirtschaft und Beschäftigung in den Vereinigten Staaten haben wird.
US-Hersteller und Arbeitnehmer werden von NAFTA
durch bessere Absatzmöglichkeiten, verbesserte
Kapazitätsausnutzung und stärkere Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Asien und Europa profitieren.
Amerikanische Verbraucher werden besseren Zugang
zu Qualitätserzeugnissen zu niedrigeren Preisen haben.
NAFTA verbessert die Beziehungen zwischen allen Ländern Nordamerikas
Ein Nordamerikanisches Freihandelsabkommen würde die umfangreichen historischen, familiären, kulturellen und sprachlichen Bindungen der Vereinigten
Staaten mit Mexiko und Kanada festigen.
Wohlhabendere Nachbarn sind bessere Nachbarn und
bessere Abnehmer amerikanischer Waren und Dienstleistungen.
Wir haben ein umfangreiches Programm mit Mexiko
und Kanada, das über Handels-, Wirtschafts- und
Investitionsbeziehungen hinausgeht. Durch die Förderung wirtschaftlichen Wohlstands in allen drei Ländern wird NAFTA uns helfen, Fortschritte bei Fragen
wie Umwelt, Drogen und Auswanderung zu erzielen.

* *

AMERIKA DIENST 12

*

Seite 5

�GOLFKRISE
27. März 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. März 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
1. bis 15. März 1991 fort.

I.März
Der amerikanische Botschafter Edward Gnehm und
20 Angehörige der amerikanischen Botschaft treffen in
Kuwait ein. Ihre erste Amtshandlung ist das Hissen der
amerikanischen Flagge und die offizielle Wiedereröffnung der amerikanischen Botschaft, die am 14. Dezember 1990 evakuiert worden war.

die widerrechtliche Annexion Kuwaits rückgängig macht,

Die kuwaitische Ölgesellschaft gibt bekannt, daß 950
der kuwaitischen Ölquellen brennen oder von den
Irakern auf andere Weise sabotiert wurden. Umweltfachleute am Worldwatch Institute erklären, der von
den Irakern verursachte Ölteppich und die Brandstiftung bei kuwaitischen Ölquellen hätten eine Umweltkatastrophe zur Folge, die Luft, Land und See in der
Region verschmutzen und die Gesundheit von Millionen Menschen bedrohen.

über das Internationale Komitee vom Roten
Kreuz (IKRK) alle vom Irak festgenommenen
Kuwaiter und Bürger aus Drittstaaten freiläßt
sowie die sterblichen Überreste aller verstorbenen Kuwaiter oder Bürger aus Drittstaaten freigibt,

2. März
Der Irak läßt vier im Januar festgenommene CBSFernsehreporter frei, nachdem sie nahezu sechs Wochen
inhaftiert und verhört worden waren.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet die 13. Resolution zu Kuwait, in der die Rahmenbedingungen für einen dauerhaften Waffenstillstand
festgelegt werden. Die UNO-Resolution 686 wird mit
11 zu 1 Stimme (Kuba) bei Enthaltung von China,
Indien und Jemen verabschiedet. Sieben Länder
unterstützen die Resolution: Belgien, Frankreich,
Großbritannien, Rumänien, die Sowjetunion, die Vereinigten Staaten und Zaire. Die Resolution 686 fordert,
daß der Irak:

AMERIKA DIENST 12

im Rahmen des Völkerrechts die Haftung für die
in Kuwait und andernorts angerichteten Schäden übernimmt,

unverzüglich das gesamte beschlagnahmte
kuwaitische Eigentum freigibt,
"feindselige oder provokative Aktionen" einschließlich Raketenangriffen und Flügen von
Kampfflugzuegen einstellt,
alle Kriegsgefangenen über das IKRK freiläßt
und die sterblichen Überreste der Verstorbenen
freigibt, sowie
die Lage der Minenfelder und versteckten Sprengsätze bekanntgibt.
Die französische Regierung hebt das Einfrieren kuwaitischer Vermögenswerte in Frankreich mit einem Dekret
im "Official Journal" auf. Zum Zeitpunkt des Einfrierens am 2. August 1990 beliefen sich die kuwaitischen
Bankguthaben in Frankreich auf 7,3 Milliarden franzö-

Seite 1

�sische Francs. Die im August auf 1,5 Milliarden
französische Francs bezifferten irakischen Einlagen
bleiben der französischen Regierung zufolge ebenso
wie alle anderen finanziellen Transaktionen mit dem
Irak gesperrt.

Seiten eine Linie gezogen worden. Keine der beiden
Streitmächte darf näher als 1.000 Meter an die Linie
herankommen, und der Flugbetrieb der Iraker ist im
Umkreis von 10.000 Metern von dieser Linie untersagt,
so der General.

3. März

Der Irak lä ßt dem US-Central Command zufolge sechs
Kriegsgefangene der Koalitionsstreitmacht aus Italien,
Großbritannien und den Vereinigten Staaten im Rahmen "eines symbolischen, als Zeichen des guten
Willens durchgeführten Gefangenenaustauschs mit
dem Irak" frei. Berichten zufolge sind sie in guter
Verfassung.

Die Annahme der UNO-Resolution 686 durch den Irak
wird mit einem Schreiben von Außenminister Tarik
Asis an die Vereinten Nationen zusammen mit der
Bitte übermittelt, die Resolution "rasch und ehrlich
sowie in objektiver und würdiger Weise" durchzuführen, gibt Radio Bagdad bekannt.
Der UN-Sicherheitsrat genehmigt die Bitte um Flüge
mit Nahrungs- und Arzneimitteln sowie Wasseraufbereitungsanlagen nach Bagdad.
Sieben irakische Generäle treffen mit den führenden
Kommandeuren der Koalitionsstreitmacht in Safwan
im Irak zusammen, um die Bedingungen eines dauerhaften Waffenstillstands auszuhandeln, einschließlich
der Auslieferung von Kriegsgefangenen sowie der
Freilassung der im Irak festgehaltenen Kuwaiter. General
Norman Schwarzkopf und der saudiarabische Generalleutnant Khalid Bin Sultan, Kommandeur der Vereinigten Arabischen Streitkräfte, stimmen überein, daß
das "Klima" der Treffen ausgezeichnet war. "Die
irakische Delegation war bereit, nicht nur auf jede von
uns geäußerte Forderung einzugehen, sondern sie
auch zu erfüllen", erklärt Khalid.
Zu den an dem Treffen teilnehmenden Mitgliedern der
Koalition, die Streitkräfte in der Kriegszone stationiert
haben, zählen: Generalmajor Dschabir al-Sabah (Kuwait), Generalmajor Jusif Madane (Saudi-Arabien),
Generalmajor Ameen Hussne (Ägypten), Oberstleutnant Fahad al-Ganim (Bahrain), Generalmajor Ali Habib
(Syrien), Oberstleutnant Mohammed Ben Atya (Katar), Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate und
aus Oman, Generalleutnant Michael Roquejeoffre,
Kommandeur der französischen Streitkräfte, Generalmajor Mario Arpino (Italien) sowie Kommodore Ken
Summers (Kanada).
Zu der acht Mitglieder zählenden irakischen Delegation gehörten: Generalleutnant Sultan Hasbim Ahmad, Generalleutnant Salah Abbud Mahmud, Generalmajor Khalid Husayn Ali, die Brigadegeneräle Taha
Muhammad Ahmand, Luay Naui Said, Luay Karim
Muhammad und Nawfur Abdul-Hadi al-Hafith sowie
Oberst Mohammed Abdul-Asis.

Der kuwaitische Kronprinz Saad Abdullah Sabah kehrt
nach siebenmonatigem Exil nach Kuwait zurück, um
als zeitweiliger Militärgouverneur des soeben befreiten
Landes zu fungieren. Laut einem vom Emir erlassenen Dekret wird der Kronprinz mindestens drei Monate
unter Kriegsrecht regieren, um die Normalität wiederherzustellen.
S.März
Radio Bagdad zufolge hat der irakische Außenminister
verkündet, daß alle verbliebenen amerikanischen und
alliierten Kriegsgefangenen dem Internationalen Roten Kreuz übergeben wurden.
Der omanische Botschafter in Kuwait, Hilal Bin Salim
Bin Hamud Al-Siyabj, trifft in Kuwait City ein, um die
Botschaft des Oman wiederzueröffnen. Vor seiner
Ankunft hatten an der Befreiung Kuwaits beteiligte
Einheiten der omanischen Armee am 3. März feierlich
die Flagge des Sultanats über der Botschaft gehißt.
6. März
In einer Rede vor beiden Häusern des Kongresses
würdigt Präsident Bush die Befreiung Kuwaits von der
irakischen Besatzung und erklärt, "der Krieg gegen
den Irak ist vorbei". Der Präsident verspricht, sich für
eine stabile Friedensordnung im Nahen Osten einzusetzen. Darüber hinaus weist er Verteidigungsminister Cheney an, unverzüglich mit der Rückführung
amerikanischer Kampfeinheiten vom Golf zu beginnen. Der Präsident fordert Anstrengungen zur Förderung von:
Gemeinsamen Sicherheitsarrangements in der
Region;
Kontrolle der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und der Raketen für deren Einsatz;

4. März

neuen Chancen für Frieden und Stabilität;

Dem Leiter der Operationen der Vereinigten Stabschefs, Generalleutnant Thomas Kelly, zufolge haben
die Streitkräfte der Koalitionsstreitmacht und des Irak
Kontrollmaßnahmen ergriffen, um weitere Konflikte
zwischen beiden Seiten zu verhindern. Er erklärt, im
südlichen Irak sei zum Zwecke der Trennung beider

wirtschaftlicher Freiheit und Wohlstand für alle
Menschen in der Region.

Seite 2

Darüber hinaus erklärt Bush, "die Zeit ist reif für eine
Beendigung des Konflikts zwischen Israelis und Arabern" und verspricht, sich "energisch und entschlos-

AMERIKA DIENST 12

�sen" für die Lösung der Probleme einzusetzen, die
weiterhin den Nahen Osten bedrückten.
Beim Treffen des Golf-Kooperationsrats mit Vertretern
aus Ägypten und Syrien in Damaskus wird eine Erklärung von Damaskus verabschiedet, in der die Befreiung Kuwaits begrüßt wird. Die Erklärung bekräftigt
einen neuen Geist der arabischen Zusammenarbeit,
einschließlich der Schaffung einer arabischen Friedenstruppe, "um die Sicherheit der arabischen Staaten in der Golfregion zu garantieren".
Die Erklärung von Damaskus wird von den Außenministern von Syrien, Ägypten, Katar, Saudi-Arabien,
den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrein, Oman
und Kuwait unterzeichnet.
Der britische Premierminister John Major besucht als
erster führender Politiker des Westens seit der Befreiung Kuwaits die Frontstaaten. Er verspricht den
britischen Truppen in Kuwait, "wir werden Euch keinen
Tag länger als nötig hier lassen". Major erklärt ferner,
die Iraker hätten neun Briten freigelassen.
Die Brüsseler EG-Kommission verkündet, sie werde
den vom Krieg verwüsteten Staaten Irak und Kuwait
Hilfe in Höhe von 4,5 Millionen Dollar gewähren. Ein
Sprecher der Kommission teilt mit, die Hilfe für den Irak
sei vom UNO-Sanktionsausschuß genehmigt worden,
um sicherzustellen, daß das gültige UN-Handelsembargo nicht durchbrochen wird.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz bestätigt, daß der Irak 35 alliierte Kriegsgefangene freigelassen hat, darunter 1 Kuwaiter, 1 Italiener, 9 Saudis, 9
Briten und 15 Amerikaner. Gleichzeitig trafen 294
irakische Kriegsgefangene aus Saudi-Arabien in Bagdad ein. All diese Kriegsgefangenen wurden im Einklang mit den Bestimmungen der dritten Genfer Konvention vorher von IKRK-Delegierten besucht.
Ein Sprecher der Bundesregierung kündigt an, Deutschland were 5 Minenräumschiffe und zwei Versorgungsschiffe in den Persischen Golf entsenden, um das
Gebiet von Minen zu säubern.
7. März
Der Stellvertretende Direktor des US-Central Command (CENTCOM), Brigadegeneral Richard Neal, trifft
in Saudi-Arabien mit irakischen Vertretern zu Gesprächen über die Rückführung der etwa 60.000 irakischen
Kriegsgefangenen und der im Irak festgehaltenen
Kuwaiter zusammen. Der General erklärt, einige
Angehörige der Koalitionsstreitkräfte seien immer noch
als vermißt gemeldet und vor der Überstellung ihrer
sterblichen Überreste "glaube ich nicht, daß wir dieses
Kapitel abschließen können". Neal stellt fest, er sei
"bester Stimmung aufgrund des Verhaltens der irakischen Regierung" und beeindruckt von der Geschwindigkeit, mit der die Iraker die Kriegsgefangenen der
Koalition freigelassen hätten.

AMERIKA DIENST 12

Abteilungsleiter Pete Williams vom US-Verteidigungsministerium erklärt bei einer Pressekonferenz im
Pentagon, die amerikanischen Truppen würden von
der Arabischen Halbinsel "mit unverzüglicher Wirkung
in einer Größenordnung von etwa 5.000 pro Tag" nach
Hause zurückkehren. Williams stellt darüber hinaus
jedoch fest, daß das Verteidigungsministerium kein
Datum für die Rückkehr aller Streitkräfte festgesetzt
habe.
8. März
Das unter Beteiligung von 43 Staaten stattfindende
Treffen der UN-Menschenrechtskommission in Genf
verabschiedet zwei Resolutionen, in denen der Irak
aufgrund von Menschenrechtsverletzungen gegenüber dem kuwaitischen Volk während der siebenmonatigen Besatzung und wegen flagranter Menschenrechtsverletzungen gegen seine eigene Bevölkerung
verurteilt wird. Beide Resolutionen fordern die Einsetzung von Sonderberichterstattern, um die Verletzungen aufzulisten und der Kommission Bericht zu erstatten.
Das US-Finanzministerium erklärt, angesichts der
Resolution 686 des UN-Sicherheitsrats vom 2. März,
in der die Zusammenarbeit zum Wiederaufbau Kuwaits gefordert wird, würden die Handels- und Reisebeschränkungen für Kuwait gelockert.
In einem Wiederaufleben der öffentlichen Feindschaft
gegenüber dem Irak verurteilt der iranische Präsident
Hodschatoleslam Haschemi Rafsandschani beim
Freitagsgebet in Teheran Saddam Hussein und fordert
den Rücktritt des irakischen Präsidenten.
Die kuwaitische Nachrichtenagentur in London berichtet, das kuwaitische Menschenrechtskomitee habe
über das Rote Kreuz 1181 kuwaitische Gefangene
aufgenommen, die von den irakischen Streitkräften
am 7. März freigelassen wurden. Die Freigelassenen
wurden zur Untersuchung in das Al-Jahra-Hospital in
Nord-Kuwait eingeliefert, "da sie intensive Erschöpfungssymptome aufwiesen", erklärt KUNA.
9. März
Bei einem Treffen mit Außenminister Baker in KuwaitCity sagt der kuwaitische Kronprinz Saad Abdullah
Sabah politische Reformen im Einklang mit der Verfassung Kuwaits zu. Er verspricht zwar, daß "sehr, sehr
bald" Wahlen abgehalten würden, räumt jedoch der
Wiederherstellung der Stabilität in seinem Land Vorrang ein.
Etwa 40 ausländische Journalisten und zwei amerikanische Soldaten, die nahezu eine Woche im Irak
festgehalten wurden, treffen nach ihrer am 8. März in
Bagdad erfolgten Übergabe an das IKRK durch die
irakischen Behörden mit einem Konvoi in Amman ein.

Seite 3

�10. März
Der Emir von Kuwait, Scheich Dschabir al-Ahmed AlSabah erklärte bei seinem Treffen mit Außenminister
Baker in Taif, die kuwaitischen Herrscher werden ihr
Land so bald wie möglich demokratisieren. Aber Probleme wie Demokratie können nur gelöst werden,
wenn der irakische Präsident Saddam Hussein seines
Amtes enthoben werde. Vorher, so der Scheich, "wird
es niemals Frieden oder Stabilität in der gesamten Region geben".
11. März
In einem Brief an den Generalsekretär der Vereinten
Nationen, Javier Perez de Cuellar, verzichtet der Irak
auf Kuwait. Der vom 8. März datierte Brief des
irakischen ständigen Vertreters bei den Vereinten
Nationen, Botschafter Emir A. Al-Anbari, übermittelt
die Entscheidung seiner Regierung, die Annexion für
"null und nichtig" zu erklären. Die Entscheidung des
irakischen Revolutionsrats mit dem Datum 5. März war
dem Brief des Botschafters beigefügt und trug die
Unterschrift Saddam Husseins.
Die Export Import Bank der Vereinigten Staaten erklärt, all ihre Programme zur Förderung amerikanischer Exporte nach Kuwait wieder aufnehmen zu
wollen. Die Bank gibt aufgrund des unmittelbaren und
effektiven Finanzierungsbedarfs die Einführung eines
Sonderprogramms bekannt, im Rahmen dessen
amerikanische Handelsbanken der Nationalbank von
Kuwait und anderen kuwaitischen Banken Garantien
für kurz- und mittelfristige Kredite gewähren. Die
Ex Im-Bank führt ihre Entscheidung auf eine Erklärung
der Abteilung zur Kontrolle von Auslandsvermögen im
Finanzministerium zurück, die alle rechtlichen Beschränkungen für die Gründung neuer Unternehmen
in Kuwait aufhebt.
12. März
Eine aus 20 Mitgliedern bestehende Delegation unter
Leitung des Stellvertretenden UN-Generalsekretärs
Martti Artisaari trifft in Bagdad ein und bringt 20 Tonnen
dringend benötigter Arzneimittel mit, deren Lieferung
vom Sanktionsausschuß des UN-Sicherheitsrats
genehmigt war. Die von UN-Generalsekretär Perez de
Cuellar entsandte Delegation soll den Bedarf ermitteln
und wird bis zum 18. März im Irak bleiben. Danach
plant sie eine ähnliche Bestandsaufnahme des Bedarfs an humanitären Hilfsgütern in Kuwait.
Die Delegation umfaßt nicht nur Mitglieder des UNSekretariats, sondern auch Vertreter aus dem Amt des
Koordinators der Vereinten Nationen für Katastrophenhilfe (U.N. Disaster Relief Organization -UNDRO),
der Internationalen Organisation für Auswanderung
(Intematioal Organization of Migration), dem Ernährungs- und Landwirtschaftsprogramm (Food and Agriculture Organization - FAO) und seiner Unterorganisation, dem Welternährungsprogramm (World Food
Seite 4

Programme - WFP), dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) und dem
Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (U.N.
Development Programme - UNDP). Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, eine nicht mit den
Vereinten Nationen verbundene Organisation aus
freiwilligen Helfern, nimmt ebenfalls an dieser Maßnahme teil.
13. März
Präsident Bush nimmt nach Abschluß des Kriegs am
Persischen Golf in Ottawa eine fünftägige Reihe von
Konsultationen mit den Verbündeten auf. In einer
gemeinsamen Pressekonferenz mit dem kanadischen
Premierminister Mulroney weist Bush darauf hin, daß
der irakische Einsatz von Hubschraubern zur Bekämpfung von Rebellen im Irak eine Verletzung des vorläufigen Waffenstillstands darstellt und gelöst werden
muß, bevor ein endgültiger Waffenstillstand vereinbart
werden kann.
Kuwaits Wiederaufbaubestrebungen im Umfang von
100 Milliarden Dollar erhalten durch die Öffnung des
wichtigen Hafens AI Shuaiba für den internationalen
Seehandel erheblichen Auftrieb. Zunächst fuhren die
USS LaSalle und ein britisches Minensuchboot durch
einen Kanal, aus dem alliierte Taucher Minen geräumt
hatten. Dann liefen amerikanische und sowjetische
Handelsschiffe ein und löschten etwa42 Millionen Liter
Trinkwasser für die Kuwaiter, deren Wasserversorgung und Entsalzungsanlagen von fliehenden irakischen Soldaten zerstört worden waren.
14. März
Präsident Bush erklärte auf Martinique (Französisch
Westindien) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz
mit dem französischen Präsidenten Mitterand: "Wir
sind erfreut über Syriens Rolle" in der Golfkoalition "sehr erfreut, daß sie auf unserer Seite standen..." Er
bezeichnet Syrien als "ein wichtiges Land in der Region. Es ist entscheidend für alles, was im Libanon
geschieht und ebenso entscheidend bei den mittelfristigen Lösungen für die Palästinafrage."
Der kuwaitische Emir Scheich Dschabir al-Ahmad AlSabah kehrt aus siebeneinhalb Monaten Exil in SaudiArabien infolge der irakischen Besetzung Kuwaits
nach Kuwait zurück. Die Neuigkeit verbreitet sich,
schnell und Kuwait feiert seine Rückkehr. Der Emir
wird in einem Privathaus wohnen, weil der 100 Jahre
alte königliche Palast, wie fast alles in Kuwait, in Schutt
und Asche liegt.
15. März
Der Befehlshaber der alliierten Streitkräfte, General
Norman Schwarzkopf, entsendet Boten, um das irakische Militärkommando zu warnen, daß anhaltende

AMERIKA DIENST 12

�Flüge irakischer Flugzeuge die vorläufige Vereinbarung über einen Waffenstillstand zwischen den Alliierten und dem Irak unterlaufen könnten. Gleichzeitig
verfügen die Befehlshaber verstärkte Luftpatrouillen
über irakischem Territorium.
Auf Wunsch des kuwaitischen ständigen Vertreters bei
den Vereinten Nationen, Mohammed A. Abulhassan,
entsendet UN-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar eine 29 Mitglieder umfassende Wiederaufbaudelegation nach Kuwait. Das UN-Team unter Leitung des
früheren stellvertretenden UN-Generalsekretärs Abdulrahim A. Farah umfaßt Ingenieure, Umweltschützer
und Menschenrechtsexperten unterschiedlicher UNBehörden, "die die Erfordernisse zum Wiederaufbau

*

AMERIKA DIENST 12

des Landes feststellen", erklärt de Cuellar.
Das US-Verteidigungsministerium erklärt, 35 Länder
hätten Truppen zur Unterstützung der Operationen
Wüstenschild und Wüstensturm stationiert: Afghanistan (Mujahedin), Ägypten, Argentinien, Australien,
Bahrain, Bangladesh, Belgien, China, Dänemark,
Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Kanada, Katar, Kuwait, Marokko, die Niederlande, Neuseeland, Niger, Norwegen, Oman, Pakistan, Polen, SaudiArabien, Senegal, Spanien, Südkorea, Syrien, die
Tschechoslowakei, die Türkei, Ungarn, die Vereinigten Arabischen Emirate, das Vereinigte Königreich
und die Vereinigten Staaten.

* * *

*

Seite 5

�</text>
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                <text>Amerikadienst 27.03.1991</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. KSE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lehman: bei KSE feste Haltung gegenüber der UDSSR&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung im Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjetunion muss Hindernisse gegen KSE-Vertrag abbauen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Staatssekretär Bartholomew vor Unterausschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Verlängerung des "Fast-Tracks"-Mandats&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. März 1991&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

^ . .

eti*
11

20. März 1991

NAHER OSTEN

BAKER: POSITIVE REAKTION AUF IDEEN
ZUM NAHEN OSTEN
Pressekonferenz des
US-Außenministers

OSTEUROPAHILFE

OSTEUROPAHILFE HAT HOHEN STELLENWERT FÜR VEREINIGTE STAATEN
Erklärung von Botschafter
Robert L. Barry

ABRÜSTUNG

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

LEHMAN: NOCH IMMER PROBLEME
BEI KSE
Rede des ACDA-Direktors
vor dem Kongreß

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�Frage: Haben Sie sich bei den Vorplanungen als
Initiator einzelner Punkte gesehen, oder wollen Sie
sich heraushalten und Zugeständnisse von anderer
Seite erbitten, ohne auf Einzelheiten einzugehen? Mit
anderen Worten, werden Sie einen Plan vorlegen?
Antwort: Wir haben mit diesen Ländern Einzelheiten
besprochen. Wir wollten insbesondere dort Ideen
vortragen. Wir wollten unsere Ideen auf sie wirken
lassen und ihre Ansichten und Ideen dazu hören, und
das ist auch geschehen. Der sicherste Weg, unsere
eigenen Bemühungen zunichte zu machen, bestünde
darin, auf zuviele Einzelheiten zu pochen, weil sich
damit unsere Gesprächspartner zu - unter Umständen
negativen und verfrühten - Reaktionen genötigt sähen.
Frage: Was werden Sie diese Woche tun? Damit
möchte ich sagen, werden Sie als ^nächstes für die
Vereinigten Staaten eine Initiative starten, oder werden Sie bis zum Ablauf einer Art von Frist warten, die
Sie den anderen Parteien gesetzt haben?
Antwort: Wir haben bereits mit einigen dieser Länder
Gespräche geführt, und wir werden dies in der kommenden Woche weiterverfolgen. Wir werden dies
primär telefonisch tun. Wir haben aber bereits darüber
gesprochen. Wenn Sie mich nun nach dem Wer,
Wann und Wo fragen, so kann ich darauf nicht eingehen.
Frage: Ich wollte Sie fragen, ob Sie bei diesen
Telefongesprächen Antworten erwarten, oder ob sie
sie auffordern werden, neue Ideen zu unterbreiten?
Antwort: In einigen Fällen werden wir möglicherweise
eine spezielle Frage ansprechen und fragen:

Was

halten Sie davon? Welchen Eindruck macht der
folgende Gedanke auf Sie? Stellen Sie sich vor, wir
würden X veranlassen, Y zu tun, würden Sie dann
bereit sein, Z zu tun? Etwa in der Art.
Frage: Herr Minister, Sie haben alle in der Region
aufgefordert, sämtliche Geiseln oder Gefangene oder
sterbliche Überreste zu übergeben, die sie vielleicht
noch haben oder die von der anderen Seite gewünscht
werden könnten. Hatten Sie Grund zu der Annahme,
es könnte in diesem Bereich Fortschritte geben?
Antwort: Sie wissen, wie sensibel diese Frage ist, und
ich möchte darauf auch bei einem Hintergrundgespräch nicht eingehen, da ich nichts tun möchte, das in
irgeneiner Weise mögliche Aussichten und Chancen
auf Verbesserungen in der Geiselfrage gefährden
könnte. Ich werde dazu also nicht weiter Stellung
nehmen.
Frage: In Ihrer Pressekonferenz gestern abend hatten
Sie so etwas jedoch angedeutet.
Antwort: Ich habe nichts derartiges angedeutet,
au ßer, da ß wir diese Frage mit versch iedenen Ländern
erörtert haben.

Seite 2

Frage: Herr Minister, ich möchte Sie nicht zu den
Geiseln befragen. Ich möchte eine Frage zum Iran
stellen. Haben die Vereinigten Staaten eine Initiative
gestartet, um irgendeine Art neuer Kontakte mit der
Regierung des Iran aufzunehmen und Gespräche zu
führen, sei es über Geiseln oder Terrorismus oder
andere Fragen - Sicherheit am Golf, Beziehungen zu
Saudi-Arabien. Stehen wir am Beginn eines Prozesses mit dem Iran, der zu einem Wandel in der seit
einem Jahrzehnt bestehenden Politik führen könnte?
Antwort: Ich möchte Ihnen Unsere Politik im Hinblick
auf den Iran folgendermaßen erläutern: Erstens sprechen wir mit dem Iran, wie Sie alle wissen, über dritte
Parteien. Diese Kommunikation wurde während dieser Krise und danach von beiden Seiten fortgesetzt.
Frage: Wann das letzte Mal?
Antwort: Lassen Sie mich zunächst meine Ausführungen zu unserer Politik beenden, danach können Sie
gerne weiterfragen. Wir haben der Regierung des Iran
verdeutlicht, daß wir zur Aufnahme offizieller Kontakte
bereit sind - zu offiziellen Regierungskontakten. Jeder
sinnvolle Dialog mit dem Iran müßte jedoch notwendigerweise auch die Frage unserer Geiseln im Libanon
sowie der staatlichen Förderung des Terrorismus einbeziehen. Dies ist unsere politische Haltung gegenüber dem Iran, und es würde mich überraschen, wenn
Sie darüber erstaunt wären. Wann wir ihnen das letzte
Mal eine Botschaft übermittelt haben oder eine Botschaft von ihnen erhalten haben, möchte ich jetzt nicht
erörtern.
Frage: Meine Frage lautet aber, ob wir am Beginn
eines Prozesses stehen. Jahrelang war es jedoch so,
daß die Vereinigten Staaten zum Telefonhörer griffen
und keine positive Antwort erhielten. Besteht auf
iranischer Seite irgendeine Neigung dazu, sich an
einem Prozeß zu beteiligen?
Antwort: Ich möchte dazu nicht weiter Stellung nehmen. Es tut mir leid.
Frage: Herr Minister, in Ihrer Eingangserklärung
haben Sie zwei Bereiche aufgeführt, zu denen Konsens bestanden habe - Rüstungskontrolle und den
Friedensprozeß. Zu Beginn waren Sie von vier Bereichen ausgegangen. Einer davon war die Frage der
Wirtschaftszusammenarbeit, der andere die Sicherheit am Golf. Wollten Sie damit sagen, der Konsens
habe größtenteils bei den zwei von Ihnen erwähnten
Bereichen bestanden...?
Antwort: Nein, wahrscheinlich haben Sie mich mißverstanden. Ich sprach über Sicherheit. Ich erklärte,
wir seien auf breite Unterstützung für unsere Gedanken über Sicherheit gestoßen. Breite Unterstützung
zur Sicherheit und einen Konsens, daß es jetzt an der
Zeit ist, Bemühungen bei der Rüstungskontrolle und
dem Friedensprozeß zu unternehmen. Breite Unter-

AMERIKA DIENST 11

�Stützung für die Sicherheit - unsere Gedanken zur
Sicherheit - und ein Konsens, daß in der Tat in den
beiden anderen Bereichen hier eine bedeutende Chance
besteht, eine Gelegenheit - ein Fenster der Gelegenheit. Sie haben dies bereits früher von mir gehört.
Frage: Herr Minister, Sie haben unverbindliche Pläne,
in naher Zukunft in die Sowjetunion zurückzukehren,
vielleicht in vier Wochen, jedenfalls haben wir das
gehört. Sie möchten dann über Rüstungskontrolle
sprechen.
Antwort: Nein, ich habe solche Pläne nicht.
Frage: Herr Minister, könnten Sie Ihre heutigen
Gedanken zum Irak etwas erläutern. Wir haben es hier
mit einem Land zu tun, bei dem es sich wirklich um eine
Art großen Libanon handelt und das nur von der
eisernen Faust Saddam Husseins zusammengehalten wurde. Was wird Ihrer Meinung nach geschehen,
wenn Saddam Hussein abgesetzt wird? Wie werden
wir dieses Land zusammenhalten?
Antwort: Erstens möchte ich sagen, daß wir und der
Rest der Koalition die Erhaltung der territorialen Integrität des Irak wünschen. Wir möchten keine Libanisierung des Irak. Ich kann Ihnen zur Zeit keine
Prognose über die zukünftige Lage geben. Im Hinblick
auf unsere Reaktionen auf die sich weiter entwickelnde Situation sind diese beiden Prinzipien sind für uns
jedoch vordringlich. Wir wünschen dort kein Machtvakuum, und wir haben dies seit Beginn der Krise erklärt.
Frage: Welches sind Ihrer Meinung nach die Konsequenzen, wenn Saddam Hussein es im Hinblick auf die
Erklärung des Präsidenten zum Einsatz chemischer
Waffen oder von Hubschraubern darauf ankommen
läßt...
Antwort: Sie erwarten von mir, daß ich Ihnen sage,
was wir tun werden, und das werde ich nicht tun. Ich

*

AMERIKA DIENST 11

habe das bereits gestern abend abgelehnt. Der Präsident hat es gestern abgelehnt.
Frage: Kann ich es anders formulieren? Vertrauen
Sie darauf, daß wir uns nicht in eine ungemütliche
militärische Situation verwickeln, wenn der Präsident
seine Warnung oder Drohung wahrmacht?
Antwort: Damit müßte ich sagen, welches die Folgen
wären, und dazu bin ich nicht bereit.
Frage: Herr Außenminister, dies ist ihr zweiter Versuch beim arabisch-israelischen Friedensprozeß.
Können Sie uns sagen, was Sie aus ihren bisherigen
Bestrebungen gelernt haben und ob Sie frühere Fehler
vermeiden konnten?
Antwort: Ich habe gelernt, wie hartnäckig dieses
Problem ist, und das habe ich bereits bei vielen Gelegenheiten erklärt. Ich - wir haben aus dem ersten
Unternehmen gelernt, daß noch andere Prinzipien
zum Tragen kommen, die da lauten, niemand kann
den Frieden zwischen Arabern und Israelis schaffen,
wenn beide Parteien ihn nicht wirklich wollen. Ich
denke, damit stellt sich die Situation jetzt etwas anders
dar, da in der Region erhebliche Veränderungen stattgefunden haben und wir damit vielleicht Gelegenheit
haben, als Katalysator zu fungieren. Aus den bei
dieser Reise geführten Gesprächen habe ich den
Eindruck gewonnen, daß es den Parteien um eine
echte Versöhnung geht und sie aktiv für den Frieden
arbeiten wollen. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieser

Eindruck bestätigt. Das wird sich noch erweisen. In
den nächsten Wochen werden wir dazu die Probe
aufs Exempel machen, indem wir bestimmte Ideen
und Vorschläge unterbreiten. Dabei können wir
erkennen, ob alte Klischees durchbrochen und traditionelle, wenig flexible Positionen zurechtgerückt werden können, denn wenn das nicht geschieht, wird es
keinen Frieden geben.

* * *

*

Seite 3

�OSTEUROPAHILFE
20. März 1991

OSTEUROPAHILFE HAT HOHEN STELLENWERT
FÜR VEREINIGTE STAATEN
Erklärung von Botschafter Robert L. Barry
WASHINGTON - (AD) - Dem Sonderberater im US-Außenministerium, Botschafter Robert L. Barry, zufolge
haben Mittel- und Osteuropa trotz der Krise am Persischen Golf weiterhin "einen hohen strategischen
Stellenwert für die Vereinigten Staaten".

Bei einer Anhörung vor dem Unterausschuß des
Repräsentantenhauses für den Nahen Osten und Europa
erläuterte Barry am 14. März 1991 die Haushaltsvorlage der Bush-Administration, die im Haushaltsjahr 1992
Hilfen in Höhe von 470 Millionen Dollar für die Region
vorsieht. Davon entfallen 70 Millionen Dollar auf die
Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung
(EBWE) und 180 Millionen auf Programme im Rahmen
des Gesetzes zur Unterstützung der Osteuropäischen
Demokratien (Development for Eastern European
Democracies - SEED). Die verbleibenden 220 Millionen Dollar sollen für Programme ausgegeben werden,
die bereits im Haushaltsjahr 1991 aufgenommen wurden.
Insgesamt sei die Administration bestrebt, ihr Osteuropaprogramm flexibel zu gestalten und keine spezifischen Projekte festzulegen, die in bestimmten Ländern durchgeführt werden sollten, erklärte Barry. Dies
"steht im Einklang mit unserem Wunsch, keine Mittelzuweisung nach Ländern oder Programmen vorzunehmen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von
Botschafter Barry im Wortlaut.

Ich begrüße die Gelegenheit, Ihnen heute unser Hilfsprogramm für die Länder Mittel- und Osteuropas zu
erläutern. Wie der Präsident in seiner Rede vor dem
New York Economic Club am 7. Februar erklärte, "hat
sich unsere Administration verpflichtet, zu helfen und
dabei eine Führungsrolle zu spielen". Trotz der Krise
am Persischen Golf hatte die Hilfe für Mittel- und
Osteuropa in den vergangenen Monaten weiterhin
einen hohen strategischen Stellenwert für die Vereinigten Staaten.

AMERIKA DIENST 11

Die Vereinigten Staaten haben die Bildung des
Zentrums für Volkswirtschaften im Übergang
durch die OECD gefordert, um Unterstützung
für wirtschaftliche Reformen zu gewähren.
Darüber hinaus haben wir eine führende Rolle
bei der Schaffung des Programms "Partner im
Übergang" gespielt, das eine engere Beziehung
zwischen der OECD und den Ländern in der
Region vorsieht, in denen die Reformen am weitesten gediehen sind.
Die Vereinigten Staaten übernahmen die Führung dabei, andere IWF-Mitglieder davon zu
überzeugen, die Kreditpolitik des IWF zu modifizieren und dadurch den von der Golfkrise
geschädigten Ländern mehr Mittel zur Verfügung zu stellen. Aufgrund dieser Veränderungen steht der IWF kurz vor der Vergabe von bis
zu 7,5 Milliarden Dollar an fünf Länder Mittelund Osteuropas in der ersten Hälfte dieses
Jahres.
Und die Vereinigten Staaten bemühen sich an
führender Stelle darum, im Pariser Club eine
echte und substantielle Reduzierung der polnischen Schulden zu erlangen.
Amerikanische Maßnahmen im Haushaltsjahr 1991
Im Jahr 1991 setzen wir die vom Präsidenten 1989
festgelegte und vom Kongreß im Gesetz für die Unterstützung der Osteuropäischen Demokratien ausgearbeitete Strategie fort - mit dem Ziel, demokratische
Reformen und die Schaffung von Marktwirtschaften zu
fördern.

Seite 1

�Wie Sie wissen, wurde der Stellvertretende Außenminister Eagleburger vom Präsidenten zum Koordinator
der amerikanischen Regierungshilfe für Mittel- und
Osteuropa ernannt. Seine Stellvertreter sind der Stellvertetende Finanzminister Robson sowie der Vorsitzende der Wirtschaftsberatergruppe, Boskin. Die
laufende Koordinierung unserer Hilfsbemühungen wird
von meinem Büro wahrgenommen. Bei der Entwicklung der Gesamtstrategie und der Festsetzung von
Prioritäten arbeiten wir eng mit dem Amt für Internationale Entwicklung (Agency for International Development - AID) zusammen. Femer setzen wir die enge
Zusammenarbeit mit unseren Kollegen in der G-24
fort, um sicherzustellen, daß unsere Programme die
von anderen Geberländern durchgeführten ergänzen.
Aufgrund unserer Erfahrungen bei der Durchführung
des SEED-Gesetzes von 1989 bat die Regierung um
Flexibilität, die der Kongreß uns im Haushaltsjahr 1991
auch gewährt hat. Dies war unserer Ansicht nach
notwendig, weil sich die Politik in manchen Ländern
schnell wandelte und sich infolgedessen der Anspruch
auf US-Hilfe und die Fähigkeit zu ihrer Nutzung ständig
veränderte. Diese Flexibilität haben wir folgendermaßen genutzt:
Zunächst haben wir einige Schlüsselsektoren herausgegriffen, in denen die Vereinigten Staaten unserer
Meinung nach einen vergleichbaren Vorteil hatten und
bei denen uns die hilfebedürftigen Länder bekannt
waren. Beispielhaft für diese Sektoren sind die Ausbildung von Führungskräften, Privatisierung und Umstrukturierung der Unternehmen, Finanzdienstleistungen, kommunale und öffentliche Verwaltung sowie
Ausbildung von Parlamentariern.
Dann haben wir mit den Regierungen der Gastgeberländer den Dialog über ihre Prioritäten aufgenommen.
Dabei haben wir mehrere Wege eingeschlagen. Unsere
Botschaften haben die Gespräche eingeleitet und sind
nach wie vor unsere wichtigste Verbindung zu den
Empfängerstaaten. Die Koordinatoren haben sowohl
in den Ländern selbst als auch in Washington Vertreter
der Gastregierung an der Planung beteiligt. Darüber
hinaus haben wir mit den künftigen Koordinatoren in
den Empfängerländern korrespondiert. Mit diesen
Mitteln entwerfen wir kontinuierlich unsere Länderprogramme und entwickeln sie weiter. Sobald AID-Vertreter in diesen Ländern stationiert sind, werden diese
eine wichtige Rolle spielen.
Als erster Schritt erarbeiten wir mit den Regierungen
und unseren Botschaftern Entscheidungen über grundlegende Bestandteile des Programms - Projekte, die
für ein bestimmtes Land in Frage kommen. Diese
Länderprogramme umfassen eine große Bandbreite
von kleinen, sehr speziellen Projekten in Rumänien bis
zu Programmen in großem Umfang etwa für Polen. In
diesem Rahmen wird die tatsächlich zu leistende Hilfe
von der Nachfrage gesteuert. Im Bereich der Hilfe zur
Privatisierung können sich zum Beispiel Länder, die

Seite 2

den Weg zur freien Marktwirtschaft eingeschlagen
haben, im Rahmen des Projekts zur Privatisierung und
Umstrukturierung von Unternehmen das Know-how
aus den Vereinigten Staaten zunutze machen. Dieses
Projekt leistet praktische Hilfe in verschiedenen Bereichen der Privatisierung in einer Volkswirtschaft Buchhaltung, Revision, Rechtsberatung, Bankgeschäfte etc.
Wir gewähren keine genauen Mittel pro Land, außer
für bestimmte Programme wie etwa die Unternehmensfonds. Im allgemeinen werden solche Länder,
die Reformen am schnellsten verwirklichen, unsere
verschiedenen Projekte am besten nutzen können.
Damit werden zwei Bedingungen erfüllt: unsere Hilfe
kann besser auf die tatsächlichen Bedürfnisse der
Länder eingehen, und die Menschen in Mittel- und
Osteuropa werden zu schnelleren Reformbestrebungen ermutigt.
Gleichzeitig werden wir unsere politische Hilfe vorrangig in Ländern leisten, wo demokratische Reformen
am notwendigsten sind, etwa in Rumänien.
Leitlinien
Für das nächste Jahr planen wir, uns von den folgenden Prinzipien leiten zu lassen:
Wir werden den Schwerpunkt auf Projekte legen, die
schnell eingeleitet werden und unmittelbare Erfolge
zeitigen können.
Wir werden unsere Hilfe auf einen bestimmten Bereich
konzentrieren, in dem die Vereinigten Staaten einen
vergleichbaren Vorteil haben.
Wir werden allgemeine Programme einführen, die je
nach den Bedürfnissen einzelner Länder modifiziert
werden können.
Wir werden diese Programm möglichst von Washington aus organisieren.
Wir werden Ausbildungsprogramme eher in den
Empfängerländern als in den Vereinigten Staaten
durchführen, um rentabler zu arbeiten und eine Abwanderung von Arbeitskräften zu verhindern.
Wir werden den Schwerpunkt auf die Ausbildung von
Lehrern und das "Erziehen der Erzieher" legen.
Wir werden in größtmöglichem Umfang die Entwicklung des Privatsektors fördern und dort, wo private
Stellen bereits existieren, mit ihnen zusammenarbeiten.
Wir werden möglichst mit den neuen Institutionen
zusammenarbeiten und die Gründung weiterer Stellen
vermeiden.
Wir werden dauerhafte Beziehungen zwischen amerikanischen Institutionen und Organisationen in Mittelund Osteuropa herstellen, um die Präsenz der VereiAMERIKA DIENST 11

�nigten Staaten in der Region zu verstärken und nach
Abschluß unserer offiziellen Hilfsprogramme Kontinuität zu gewährleisten.
Wir werden Programme fördern, die primär auf die
Bedürfnisse der Menschen in Mittel- und Osteuropa
eingehen und nicht vordringlich amerikanischen Organisationen dienen.
Wir werden die Aktivitäten anderer Geberländer und
der internationalen Finanzinstitutionen berücksichtigen, damit unsere Programme die Arbeit der anderen
ergänzen und nicht duplizieren.
Ferner werden alle Programme darauf ausgerichtet
sein, daß unsere Programme Übergangscharakter
haben, und wir sollten Programme vermeiden, die eine
langfristige Finanzierung der Vereinigten Staaten erfordern.
Ausblick ins Haushaltsjahr 1992
Die Regierung hat 470 Millionen Dollar für das Haushaltsjahr 1992 gefordert und damit mehr als 1991.
Davon entfallen 70 Millionen auf die Europäische Bank
für Wiederaufbau und Entwicklung. Von den verbleibenden 400 Millionen sollen etwa 180 Millionen Dollar
in die Finanzierung von Programmen fließen, die mit
SEEDI eingeführt wurden. Dazu zählen die polnischund ungarisch-amerikanischen Unternehmensfonds
sowie die Programme für Umwelt und Energie. Mit

dem Rest von etwa 220 Millionen sollen die 1991
begonnenen Programme und unsere neuen Initiativen
fortgeführt werden.
Bei der Erörterung dieser neuen Initiativen möchte ich
zunächst diejenigen erwähnen, für die wir um die
Ermächtigung des Kongresses ersuchen. Es handelt
sich hierbei zum einen um die Befugnis, neue Unternehmensfonds ähnlich dem kürzlich für die Tschechoslowakei ins Leben gerufenen zu gründen. Der Vorstand des tschechoslowakisch-amerikanischen Unternehmensfonds kam am Freitag, dem 8. März 1991
zum ersten Mal zusammen, und wir gehen davon aus,
daß bis Ende dieses Monats 5 Millionen Dollar transferiert werden.
Darüber hinaus ersuchen wir um die Befugnis der
Legislative, das Pilotprogramm zur Kapitalbildung der
Entwicklungsgesellschaft OPIC dahingehend zu erweitern, daß auch Mittel- und Osteuropa einbezogen
werden. Sobald wir diese Befugnis erhalten haben,
wird das Pilotprogramm Teil eines größeren Projekts
bilden, das wir zur Förderung der amerikanischen
Beteiligung am Privatsektor in der Region erarbeiten.
Eine Initiative, die keiner Aufstockung der Mittel, sondern besonderer Befugnis bedarf, ist ein Zusatz zum
Handelsgesetz von 1974, der die Entbindung der
Tschechoslowakei und Ungarns von den Bestimmungen von Titel IV, einschließlich des Jackson-VanikZusatzes vorsieht. Dieser Punkt ist nicht Teil unseres

AMERIKA DIENST 11

Gesetzentwurfs zur Hilfe für Mittel- und Osteuropa,
sondern vielmehr ein Zusatz zum Handelsgesetz, und
wir werden mit den entsprechenden Ausschüssen
zusammenarbeiten, um das beste Vorgehen in dieser
Angelegenheit zu ermitteln. Wir bitten dringend um
Ihre Unterstützung dieser Initiative, dank der wir uneingeschränkte GATT-Beziehungen mit der Tschechoslowakei und Ungarn unterhalten könnten.
Neben diesen speziellen Befugnissen nimmt der
Gesetzentwurf der Administration alle Befugnisse von
SEED I auf und erweitert sie auf andere Länder in
Mittel- und Osteuropa. Er sieht die Unterstützung
mehrerer umfassender Kategorien vor und nimmt keine
Auflistung einzelner, in bestimmten Ländern durchzuführender Projekte vor. Dies steht natürlich im Einklang mit unserem Wunsch, keine Mittelzuweisung
nach Ländern oder Programmen vorzunehmen.
Auch einige der neuen Initiativen für 1991 benötigen
keine besondere Befugnis. Die Administration hat sich
beispielsweise zur Beteiligung an der G-24-Zusatzfinanzierung für die Tschechoslowakei und Ungarn
verpflichtet. In beiden Fällen hat der IWF die Notwendigkeit der Zusatzfinanzierung ausgemacht, um deren
Bereitstellung er die G-24 gebeten hat. Der IWF hat
diesen Bedarf auf 1 Milliarde Dollar für die Tschechoslowakei und 500 Millionen für Ungarn eingestuft. Der
Großteil dieser Mittel wird in Form von Anleihen und
Krediten, teils mit Zuschüssen vergeben. Der amerikanische Anteil erfolgt in Form von sektoralen Zuschüssen, die von der AID verwaltet werden - 15
Millionen für die Tschechoslowakei und 10 Millionen
für Ungarn. Darüber hinaus erwägen wir die Beteiligung an solchen Mechanismen für Bulgarien, das dem
IWF zufolge Bedarf an zusätzlicher Finanzierung in
Höhe von 800 Millionen Dollar hat.
Wie ich oben bereits erwähnt habe, entwickeln wir ein
Projekt, um den Transfer amerikanischer Technologie
und den amerikanischen Kapitalfluß nach Mittel- und
Osteuropa zu erleichtern und die Beteiligung kleiner
und mittlerer amerikanischer Firmen an diesem Markt
zu stimulieren. Dies wird wiederum Wirtschaftsreformen und die Entwicklung des Privatsektors in der
Region fördern. Dieses Projekt enthält eine Reihe von
Komponenten, die eine größere Beteiligung amerikanischer Firmen in der Region zum Ziel haben, insbesondere in den Schlüsselsektoren Landwirtschaft,
Wohnungsbau, Telekommunikation, Energie und
Umwelt.
Andere von uns in die Wege geleitete Initiativen, die
keiner besonderen Ermächtigung bedürfen, sind unsere regionalen Umwelt- und Energieprogramme. Diese
Programme sollen die Zusammenarbeit zwischen den
Ländern in der Region fördern. Wir haben die Regierungen Mittel- und Osteuropas davon in Kenntnis
gesetzt, daß wir bereit sind, Anträge zu regionalen
Vorschlägen zu erörtern, die zwei oder mehr Länder in
der Region in vorgesehene Lösungen wechselseitiger
Seite 3

�verfügen, die sich jetzt vollziehenden Übergangsreformen dauerhaft zu gestalten. Das soll jedoch nicht
hei ßen, daß die technische Hilfe, die wir als Regierung
zur Verfügung stellen können, unwichtig ist. Im Gegenteil - die technische Hilfe wird dazu beitragen, die
Natürlich werden wir die Projekte in anderen Bereichen Bedingungen zu schaffen, unter denen der Privatsekfortführen, wie etwa demokratische Initiativen, Woh- tor florieren kann. Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen
nungsbau, Landwirtschaft, Gesundheitsfürsorge, für die Gelegenheit, heute hier sprechen zu dürfen und
Managementausbildung sowie Umstrukturierung des sehe der Zusammenarbeit mit Ihnen und dem AusArbeitsmarkts.
schuß in den kommenden Wochen und Monaten gerne entgegen, wenn wir die Verwirklichung unserer
Abschließend möchte ich betonen, daß die wahren Unterstützungsprogramme fortsetzen.
Retter Mittel- und Osteuropas die Privatunternehmer
sein werden, die über das Know-how und Kapital

Probleme einbeziehen. Viele dieser regionalen Projekte könnten zur Mitfinanzierung durch die EBWE,
IBWE und die Europäische Kommission in Betracht
kommen.

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Seite 4

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*

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AMERIKA DIENST 11

�ABRÜSTUNG
20. März 1991

LEHMAN: NOCH IMMER PROBLEME BEI KSE
Rede des ACDA-Direktors vor dem Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Dem Direktor des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), Ronald Lehman,
zufolge ist der Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) noch immer mit "einigen Kernproblemen"
befrachtet.
Eines der beunruhigendsten dieser Probleme betrifft den Antrag der Sowjetunion, drei ihrer gepanzerten
Divisionen als Küsten Verteidigungskräfte der Marine zu reklassifizieren, erklärte Lehman vor dem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für Rüstungskontrolle, internationale Sicherheit und Wissenschaft am 13.
März 1991.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Direktor Lehman im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, wie immer ist es eine große Ehre
und ein Vergnügen, vor Ihnen und Ihren verehrten
Kollegen sprechen zu dürfen. Ich weiß das von dem
Ausschuß gezeigte starke Interesse an Rüstungskontrolle sowie die aktive Unterstützung des Amts für
Rüstungskontrolle und Abrüstung zu schätzen. Ebenso wie ich begrüßen andere ACDA-Vertreter jede
Gelegenheit zur Zusammenarbeit und Erörterung von
Rüstungskontrollproblemen mit Ihnen - sei es bei
inoffiziellen Zusammenkünften oder öffentlichen Anhörungen wie dieser.
So wichtig das vergangenen Jahr auch war - die
kommenden Monate werden von zentraler Bedeutung
für die Rüstungskontrolle sein. Der Abschluß der
bahnbrechenden KSE-Verhandlungen, die Unterzeichnung eines bilateralen Abkommens mit der Sowjetunion über die Zerstörung der C-Waffenbestände, die
Aussichten auf ein START-Abkommen und der erneute Auftrieb bei den Genfer Abrüstungsverhandlungen
illustrieren jüngste Fortschritte. Gleichzeitig unterstreichen die Entwicklungen in der Sowjetunion und
die ernüchternde Realität des Golf kriegs die Notwendigkeit, unsere Bemühungen zu den Fragen dieser
Veranstaltungen zu verdoppeln sowie aggressive Maßnahmen in anderen Bereichen zu verabschieden, insbesondere die Begrenzung des Transfers moderner
Technologien zur potentiellen Nutzung für Massenvernichtungswaffen oder von Trägersystemen größerer
Reichweite wie ballistische Raketen.
ACDA hat Ma ßgebliches zu den beachtlichen Entwicklungen des vergangenen Jahres beigesteuert. Wir
tragen weiterhin die Hauptverantwortung für die logistiAMERIKA DIENST 11

sche und substantielle Unterstützung unserer Ver handlungsdelegation. Darüberhinaus spielt das ACDA eine
Schlüsselrolle bei der Ausarbeitung von Maßnahmen,
die unsere internationalen Beziehungen fördern und
unsere nationalen Sicherheitsinteressen maximieren.
Im vergangenen Jahr haben wir bei ACDA lange und
hart gearbeitet, um Positionen zu entwickeln, die zu
den erwähnten Fortschritten geführt haben und Positionen zu verwirklichen, die den Abschluß neuer Abkommen zum Ziel hatten. Gleichzeitig waren wir
bemüht, die Verwaltungsverfahren innerhalb des ACDA
zu verbessern und insbesondere die Bestimmungen
des vom 101. Kongreß verabschiedeten Gesetzes
durchzusetzen, das gewisse Änderungen bei ACDAVerfahren vorsieht.
In meiner Anhörung heute morgen möchte ich zunächst eine Bilanz unserer Verhandlungen und Einhaltungsbestrebungen ziehen und dann die durchgeführten Verwaltungsreformen im einzelnen darlegen.
Abschließend möchte ich unseren Antrag zur Genehmigung der Gesetze für die kommenden zwei Jahre
erörtern.
Fortschritte bei der Rüstungskontrolle in sich
wandelnden Zeiten
Tiefgreifende Veränderungen beherrschen diese Zeiten. Bis zum 2. August 1990 bargen die Ereignisse auf
der Welt große Hoffnungen auf Frieden und die Tendenz zur Demokratie, insbesondere in einem Europa,
das lange in gegnerische, monolithische Blöcke geteilt
war. Die Aggression des Irak führte uns vor Augen,

Seite 1

�daß einige immer noch auf Gewalt zurückgreifen werden,
um ihre Ziele zu erreichen. Die Reaktion der von den
Vereinigten Staaten angeführten internationalen Koalition demonstriert unsere Kreativität und Entschlossenheit, die diplomatischen Mittel so gut wie möglich
auszuschöpfen und gleichzeitig die Tatsache zu bekräftigen, daß die zivilisierte Welt militärische Stärke
benötigt, um Aggression zu bekämpfen.
Seit August befindet sich das internationale Klima in
scharfem Kontrast zu dem der ersten Hälfte des Jahres 1990. Uns wurde vor Augen geführt, daß wir nicht
davon ausgehen können, die Ereignisse in Osteuropa
würden unweigerlich Freiheit und Demokratie mit sich
bringen. Dem Trend zur Demokratisierung in Osteuropa, der dazu beitrug, den Weg für Rüstungskontrollabkommen zu ebnen, die wenige zuvor für möglich
gehalten hatten, stehen jetzt ernsthafte Hindernisse
gegenüber, da das 'alte Denken' immer noch einige
Kreise in der Sowjetunion beherrscht und die Entwicklungen im Inland weiterhin von Unruhen gekennzeichnet sind. Letztlich können sich diese Ereignisse maßgeblich auf unsere Fähigkeit zum Abschluß der laufenden Verhandlungen auswirken.
Am 6. Februar 1991 erklärte Außenminister Baker vor
diesem Ausschuß:
"Wir sind besorgt über das Ausmaß, in dem das
sowjetische Außenministerium bei bestimmten Rüstungskontrollverpflichtungen nachhakt... Wir werden
dem Senat den KSE-Vertrag erst vorlegen, wenn die
gravierenden Probleme bei der sowjetischen Auslegung des Textes gelöst sind."
Obwohl KSE und START nicht formell gekoppelt sind,
erklärte Außenminister Baker auch, die Probleme mit
KSE "berühren den Nerv von Glaubwürdigkeit und
Vertrauen und erschweren den Abschluß anderer
Abkommen."
Trotz dieser Rückschläge wird Rüstungskontrolle
erwartungsgemäß weiterhin Kernstück der amerikanischen nationalen Sicherheitspolitik bleiben. Eine der
wichtigsten Prämissen der amerikanischen Sicherheitspolitik unter Präsident Bush lautet, daß Rüstungskontrolle dazu beitragen kann, die Symptome der
Konfrontation zu meistern, aber selbst keine Lösungen
für die zugrundeliegenden Spannungen aufzeigt. Die
derzeitigen Entwicklungen unterstreichen diese Regel.
Unsere Rüstungskontrollbestrebungen haben zur
Förderung politischen Wandels beigetragen und auf
Möglichkeiten aufgebaut, die diese gegenwärtigen
Veränderungen mit sich gebracht haben. Mit ihrer
Ratifizierung werden der KSE-Vertrag, das bilaterale
amerikanisch-sowjetische Abkommen über chemische
Waffen und der fast abgeschlossne START-Vertrag
den Höhepunkt der jahrzehntelangen Bestrebungen
zum Abbau der Bedrohung eines Krieges darstellen.

Der im November unterzeichnete KSE-Vertrag kodifiziert Reduzierungen der überwältigenden militärischen
Übermacht der Sowjetunion im konventionellen Bereich, die im kalten Krieg einen Schatten über Europa
geworfen hat. KSE wird den Abbau der Kernelemente
der konventionellen Streitkräfte von NATO und Warschauer Pakt auf gleiche Niveaus zur Folge haben. Er
wird die Bedrohung eines Überraschungsangriffs in
Europa und die Fähigkeit der Sowjetunion zu raumgreifenden Offensiven konventioneller Operationen
verringern. Man hofft, daß der Vertrag den Weg zu
einer auf Kooperation und nicht auf Konfrontation
aufgebauten neuen europäischen Sicherheitsarchitektur ebnen wird.
KSE ist jedoch derzeit von einigen Kernproblemen
belastet. Sie sind eine Mahnung, daß selbst sorgfältige Vertragsentwürfe die potentiellen Probleme mit
Verträgen nicht beheben können. Eines wurde in
Außenminister Bakers Rede vor dem Repräsentantenhaus speziell angesprochen: die sowjetische
Behauptung, die Reklassif izierung des Geräts von drei
gepanzerten Divisonen und anderem Gerät der Landstreitkräfte als Küstenverteidigungsstreitkräfte der Marine
falle unter die vereinbarten Obergrenzen nach Artikel
III. Die Sowjetunion steht mit dieser Argumentation
alleine da. Alle anderen KSE-Signatarstaaten, einschließlich der anderen Mitglieder des ehemaligen
Warschauer Pakts, weisen diese sowjetische Behauptung zurück. Zu den anderen Problemen zählen:
Daten, die zum Zeitpunkt der Unterzeichnung
ungenau waren, Unterschlagung von Zahlen bei
vertraglich begrenztem Gerät (treaty limited
equipment - TLE) im Gebiet vom Atlanitk bis
zum Ural (ATTU).
Beträchtliche Verlegungen von Gerät von der
Zone östlich des Urals vor der Unterzeichnung,
die zu Besorgnis über die Einhaltung des Abkommens durch die Sowjetunion Anlaß geben.
Diese Probleme führen uns vor Augen, daß die Hauptfunktion der Vertragsverifizierung letztlich darin besteht, strategische Warnung einer potentiellen Bedrohung unserer nationalen Sicherheit bereitzustellen.
Wirksame Verifizierungsmaßnahmen müssen mit
vernünftigen Einhaltungsmaßnahmen und Abkommen
einhergehen, die an sich schon stabilisierend wirken.
Der KSE-Vertrag hat eine Gemeinsame Konsultationsgruppe (Joint Consultative Group - JCG) gegründet, die sich mit den Problemen der Verifizierung und
Durchführung befassen soll. In der JCG sind Bestrebungen zur Lösung dieser Probleme im Gange. Aber
der Ball befindet sich eindeutig in der sowjetischen
Hälfte des Spielfelds. Die Sowjets sollten sich wohl
bewußt sein, daß die über zwei intensive Jahre hinweg
so vehement ausgehandelten Vertragsbestimmungen
durchgeführt werden müssen. Wir werden die Sowjetunion weiterhin drängen, den Vertrag im Hinblick auf

Statusbericht zu KSE
Seite 2

AMERIKA DIENST 11

�Artikel III und Daten einzuhalten. Wir werden dem
Kongreß regelmäßig über diese Bestrebungen Bericht
erstatten und den Vertrag vorlegen, wenn wir glauben,
die Ratifizierung sei angebracht.
Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des KSE-Vertrags
verabschiedete die 34 Nationen umfassende Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE) ein neues Abkommen über Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM). Die KSZEStaaten haben darüber hinaus ein ehrgeiziges Programm zur zukünftigen Zusammenarbeit bei politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Fragen
dargelegt. Die VSBM-Verhandlungen, die letzten Monat
in Wien wiederaufgenommen wurden, werden mindestens bis zur KSZE-Folgekonferenz im März 1992
andauern. Dann werden wir und die anderen Teilnehmerstaaten entscheiden, wie wir mit den beiden Verhandlungsrunden weiterverfahren.
Verhandlungen mit der Sowjetunion
Die vergangenen Jahre waren von der Arbeit an nuklearer Rüstungskontrolle beherrscht. Die erfolgreichen INF-Verhandlungen haben einen wichtigen Präzedenzfall geschaffen, einschließlich des ersten Abkommens zur Zerstörung von Kernwaffen und einschneidender Vor-Ort-Verifizierungsmaßnahmen. Das
START-Abkommen wird auf diese Präzedenzfälle
aufbauen. Die Verifizierung stellt eine vordringliche
Herausforderung dar. Aus mehreren offenkundigen
Gründen wird die START-Verifizierung sich noch
schwieriger gestalten, da START unterschiedliche Arten
von Systemen an Land, in der Luft und auf See betrifft
und Reduzierungen statt der weltweiten Vernichtung
einzelner strategischer Systeme fordert.
Wir stehen jetzt kurz vor der Realisierung unserer im
Jahr 1982 festgesetzten grundlegenden START-Zielsetzungen wie etwa der Verbesserung von Stabilität
und Sicherheit durch gerechte und verifizierbare Verträge, mit denen die meisten destabilisierenden Nuklearsysteme beträchtlich abgebaut werden. Der sich
abzeichnende Vertrag würde die 50prozentige Reduzierung der sowjetischen schweren Raketengefechtsköpfe zur Folge haben und sich dem 50prozentigen
Abbau des Wurfgewichts ballistischer Raketen annähern. Wie bei INF und KSE akzeptieren die Sowjets
das Prinzip asymmetrischer Reduzierungen bei START.

sowie Nationale Technische Mittel (NTM). Verglichen
mit INF - einem Vertrag mit rund 20 Seiten Text und
etwa 100 Zusätzen - umfaßt START über 600 Seiten,
ist von entschieden größerer technischer Komplexität
und wird erwartungsgemäß sehr viel schwieriger zu
verifizeren sein. Man sollte sich vielleicht nochmals
vor Augen führen, daß START keine Vereinbarung
über Nullösungen ist, während das INF-Abkommen
das weltweite Verbot landgestützter ballistischer Raketen und Marschflugkörper mittlerer Reichweite zwingend vorschreibt. Selbst nach maßgeblichen und
stabilisierenden Reduzierungen wird START den
Vertragsparteien die Aufrechterhaltung und Modernisierung zahlreicher land-, luft- und seegestützter strategischer Waffen gestatten. Dies sind nur einige
Aspekte der Herausforderung an die Verifizierung von
START.
Die Fortschritte bei der Erarbeitung von Verifizierungsprotokollen zum Schwellenvertrag (TTBT) und dem
erst im vergangenen Jahr ratifizierten Vertrag über
Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken (PNET) haben
auch START neuen Auftrieb verliehen. Das gemeinsame Verifizierungsexperiment bei Atomtests schuf
einen Präzedenzfall für die Erprobung von Abkommen
vor deren Unterzeichnung. Dazu zählen auch der
START-Ansatz zur Verifizierung sowie Stabilisierungsmaßnahmen mit einschlägigen Demonstrationen und
Vorführungen, die neben und in Einklang mit eher
traditionellen Ansätzen durchgeführt wurden.
So haben die Vereinigten Staaten und die Sowjets in
Zusammenhang mit START folgende Maßnahmen
vereinbart und durchgeführt:
Auf Gegenseitigkeit beruhende Demonstrationen der Verfahren, um die Zahl von Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen zu verifizieren.
Gegenseitige Vorführungen strategischer
Bomber, um die Verifizierung zu unterstützen.
Bei START werden wir also Verifizierungsregeln haben, die auf den Bestimmungen von INF auf bauen und
darüber hinausgehen. Und wie bei INF werden wir im
Rahmen des START-Regimes den Gesprächen über
dessen Durchführung in einer gemeinsamen Folgekommission eine bedeutende Rolle einräumen.

Nachdem ich all dies gesagt habe, muß ich an dieser
Stelle betonen, daß START nicht zum Tragen kommen wird, wenn wir nicht alle Pfeiler der strategischen
Triade modernisieren. START kann destabilisierende
Tendenzen im strategischen Gleichgewicht aufhalten
und den Anreiz zum Erstschlag verringern, wenn damit
die Verpflichtung zur Aufrechterhaltung einer lebensfähigen Abschreckungsstreitmacht einhergeht.

Nach seiner Verwirklichung wird START eine solide
Grundlage für weitere Fortschritte darstellen. Im Juni
1990 haben sich die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion darauf verständigt, daß dem weiteren
Abbau von Anreizen für einen Erstschlag sowie der
Konzentration von Gefechtsköpfen auf Interkontinentalraketen, insbesondere der mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV) ausgerüsteten und schweren ICBMs,
in den Folgeverhandlungen große Bedeutung zukommt.

Der Nutzen von START wird ferner von vollständiger
Durchführung und strikter Einhaltung abhängen. START
beinhaltet zahlreiche Arten von Vor-Ort-Inspektionen

Ebenfalls entscheidend für die Stabilität nach START
wird neues Denken zu strategischen Verteidigungssystemen sein. Durch die Weiterverfolgung von SDI und

AMERIKA DIENST 11

Seite 3

�den Gesprächen über Verteidigung im Weltraum können die Abschreckung gestärkt und die Stabilität verbessert werden. Die Weiterverbreitung ballistischer
Raketen in der dritten Welt ist ein Hauptgrund dafür,
daß Präsident Bush das Programm der Strategischen
Verteidigungsinitiative neu orientiert hat und ihm neue
politische Impulse verleiht. Dem Präsidenten zufolge
"sind strategische Verteidigungssysteme sinnvoller
als je zuvor".
Unsere jüngsten Kriegserfahrungen mit Patriot-Raketen im Nahen Osten beweisen über alle begründeten
Zweifel hinaus, daß Verteidigungssysteme gegen
ballistische Raketen zur Stabilität beitragen können.
Die israelischen und saudiarabischen Zivilisten, deren
Leben durch Verteidigungssysteme gerettet wurde,
würden das soeben Gesagte zweifelsohne noch als
Untertreibung betrachten.
Wir werden die Sowjetunion drängen, dieser Tatsache
in den Verhandlungen über Verteidigung im Weltraum
Rechnung zu tragen und den ABM-Vertrag in einer
Weise zu modernisieren, die eine verantwortungsbewußte Stationierung defensiver Systeme gestatten
wird. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf
verweisen, daß sich die Eignung dieser Systeme
wesentlich erhöht, da mit dem START-Vertrag die Zahl
dislozierter Gefechtsköpfe verringert wird. Beide
Gesprächsrunden gehen also Hand in Hand, um ein
neues strategisches Gleichgewicht zwischen offensiven und defensiven Fähigkeiten herzustellen. Dieses
Gleichgewicht wird weit stabiler sein als ein einzig und
allein auf die Androhung gegenseitiger Vernichtung
gestütztes.
Die Verhandlungen über START und Verteidigung im
Weltraum waren im vergangenen Jahr äußerst intensiv. Wir hatten gehofft, den Vertrag bis heute fertigzustellen. Die Verhandlungsdelegationen haben monatelang nahezu ohne Unterbrechung gearbeitet. Die
zusätzlichen Kosten dieser Bemühungen haben meinem Amt neue Lasten auferlegt, die im kommenden
Jahr auf die Tagesordnung gesetzt werden müssen.
Die Herausforderung im Nahen Osten
Die Fähigkeiten der Welt, Rüstungskontrollregime zu
entwickeln und durchzusetzen, werden im Nahen Osten
nach dem Krieg auf ihre schwierigste Probe gestellt.
"Selbst die konventionellen Arsenale mehrer Staaten
des Nahen Ostens stellen die der meisten europäischen Staaten bei weitem in den Schatten", erklärte
Außenminister Baker im Kongreß. Es sei an der Zeit,
so der Minister, "den Fluß von Rüstungsgütern in eine
Region zu reduzieren, die bereits übergerüstet ist".
Wir werden ein sorgfältiges Gleichgewicht schaffen
müssen, das sowohl der Verteidigung unserer Verbündeten in der Region als auch unserem Interesse an der
Eindämmung unbegrenzter Waffenlieferungen in die
Region Rechnung trägt. Der Außenminister hat darüber hinaus unsere Experten und die unserer Freunde

Seite 4

und Verbündeten aufgefordert, Mittel und Wege zur
Förderung der Stabilität im Nahen Osten zu entwikkeln, darunter:
Begrenzung der Beschaffung von Massenvernichtungswaffen und konventionellen Waffen
mit offensiven Fähigkeiten durch den Irak.
Effektive regionale vertrauensbildende Maßnahmen.
Weltweite Maßnahmen zur Stärkung der Rüstungskontrolle im Nahen Osten, einschließlich
der schnellen Verabschiedung der Konvention
über chemische Waffen sowie schärferer Kontrollen über den Fluß von Waffen und mehrfach
nutzbarer Technologie.
Die Nichtverbreitung von Atomwaffen
Die durch die Verbreitung von Atomwaffen in weitere
Staaten hervorgerufene Bedrohung wurde durch die
Golfkrise schlaglichtartig erhellt. Wir dürfen in unserer
Wachsamkeit gegenüber den Versuchen radikaler
Staaten, diese Fähigkeit zu erwerben, nicht nachlassen. Bei einem kürzlich veranstalteten Treffen aller
wichtigen Lieferanten von Nukleartechnik war man
sich über die Bedeutung strenger Kontrollen für Nuklearexporte einig und verständigte sich darauf, mit
den Vereinigten Staaten bei der Entwicklung eines
multilateralen Arrangements zusammenzuarbeiten, um
die Kontrollen auf nuklearfähige mehrfach nutzbare
Gegenstände auszuweiten.
Exportkontrollen sind zwar unerläßlich, aber wir müssen uns darüber hinaus bemühen, die Motivation von
Staaten fürden Erwerb von Atomwaffen zu verringern.
Die Vereinigten Staaten begrüßen die gemeinsame
Ankündigung der Präsidenten von Argentinien und
Brasilien, derzufolge sie noch in diesem Jahr beabsichtigen, ein Sicherheitsabkommen mit der IAEO
auszuhandeln, das alle ihre nuklearen Maßnahmen
umfassen und Schritte vorsehen soll, um dem Vertrag
von Tlatelolco seine volle Gültigkeit zu verschaffen.
Auch Südafrika unternimmt Schritte, um die Sicherheitsbestimmungen der IAEO vollständig einzuhalten
und dem NPT beizutreten. Wir werden weiterhin
bestrebt sein, vergleichbare Ergebnisse in Südasien,
der koreanischen Halbinsel und dem Nahen Osten zu
erzielen.
Raketen, chemische und biologische Waffen
Von 1984, als der damalige Vizepräsident Bush einen
Vertragsentwurf zum Verbot chemischer Waffen vorlegte, bis zum heutigen Tag ist die Zahl der Staaten, die
des Besitzes oder des Versuchs der Beschaffung
chemischer Waffen verdächtigt werden, von 5 auf über
20 gestiegen. Dazu gehört auch Libyen, das die
wahrscheinlich größte Chemiewaffenfabrik unter den
Entwicklungsländern errichtet hat.

AMERIKA DIENST 11

�Entsprechend verdoppeln die Vereinigten Staaten ihre
Bemühungen, um der Verbreitung chemischer Waffen
entgegenzutreten und ein verifizierbares, weltweites
Verbot zu erreichen. Das bilaterale amerikanischsowjetische Abkommen zum Abbau des Großteils der
Chemiewaffenbestände beider Staaten ist ein nützlicher Schritt in diese Richtung. Zur Zeit warten wir auf
eine Entscheidung der Sowjetunion über die Methode,
die sie zur Zerstörung anwenden möchte, sowie auf
die Vorlage des Zeitplans für diese Zerstörung und die
Übermittlung eines glaubhaften Programms, einschließlich angemessener Finanzierung, um ihre Ziele zu
verwirklichen. Wir gehen davon aus, daß wir aus
diesem Proze ß Lehren ziehen werden, die sich bei den
multilateralen Verhandlungen in Genf über eine Konvention über chemische Waffen (CWC) als ungemein
wertvoll erweisen werden.
Bei den multilateralen Gesprächen der Genfer Abrüstungskonferenz bleiben noch schwierige Fragen zu
lösen, insbesondere ein komplexes Verifizierungsregime, Verfügungen zur Sicherstellung der allgemeinen
Einhaltung der Konvention sowie Bestimmungen, Zielen
chemischer Angriffe beizustehen.
Im Gegensatz zu chemischen Waffen, sind biologische Waffen bereits durch ein internationales Abkommen verboten - die Konvention über biologische Waffen von 1972. Einige wichtige Staaten, darunter der
Irak, haben die Konvention zwar unterzeichnet, aber
nicht ratifiziert und andere, wie etwa die Sowjetunion,
haben sie verletzt. Bei einer im September stattfindenden Überprüfungskonferenz werden die Vereinigten
Staaten darauf drängen, die Konvention über biologische Waffen zu stärken.
Die Verbreitung ballistischer Raketen ist eine weitere
zunehmende Gefahr. Ich habe bereits über die Bedeutung gesprochen, die der Entwicklung von Verteidigungssystemen zukommt, die Raketen - selbst aus
Ländern der dritten Welt - abfangen können. An der
diplomatischen Front bemühen wir uns, das Regime
zur Kontrolle von Raketentechnologie (Missile Technology Control Regime - MTCR) auszubauen und
wirksamer zu gestalten. Das MTCR umfaßt alle Teilnehmerstaaten am Weltwirtschaftsgipfel, während
andere Staaten, darunter die UdSSR, ihr Interesse an
einem Beitritt oder ihre Bereitschaft zur Einhaltung
seiner Richtlinien erklärt haben. Das MTCR sieht
Maßnahmen wie etwa Exportkontrollen vor, um die
Verbreitung von Raketentechnik einzudämmen.
Im vergangenen November unterzeichnete Präsident
Bush eine Verfügung, um die amerikanischen Maßnahmen zur Verhängung von Sanktionen gegen Einzelpersonen oder Regierungen zu verstärken, die zur
Verbreitung chemischer und biologischer Waffen beitragen. Wir sind uns des beträchtlichen Interesses im
Kongreß an dieser Frage bewußt und sehen der
Zusammenarbeit mit dem Kongreß erwartungsvoll
entgegen, um ein tragfähiges Gesetz zu dieser Frage

AMERIKA DIENST 11

auszuarbeiten. In diesem Zusammenhang muß die
Exekutive ein gewisses Maß an Flexibilität besitzen,
wenn wir solchen Situationen Rechnung tragen wollen, in denen dem amerikanischen Interesse durch
blind verhängte Sanktionen kein Dienst erwiesen würde.
Ich bin zuversichtlich, daß mit gutem Willen und Zusammenarbeit Administration und Kongreß einen
Mechanismus finden können, in dem Ausnahmeregelungen zu unserem Vorteil genutzt werden können.
Die multilaterale Herausforderung
Wir stehen heute am Beginn eines Zeitalters, in dem
Versuche unternommen werden, bedeutende neue
multilaterale Rüstungskontrollabkommen zu schließen. Wir sind äußerst befriedigt über die Errungenschaften des KSE-Vertrags und der Vertrauens- und
sicherheitsbildenden Maßnahmen, die sich aus dem
KSZE-Prozeß ergeben haben. Mit ihrer Durchführung
werden KSE und VSBM zu einem Abbau des Mi ßtrauens beitragen, das den kalten Krieg in Europa charakterisierte. Rüstungskontrolle sollte jedoch nicht ausschließlich als eine Angelegenheit zwischen Ost und
West betrachtet werden. Rüstungskontrolle ist ein
wichtiges politisches Instrument für jeden, der Aggression eindämmen und eine neue, auf Zusammenarbeit
anstatt Konflikt gegründete Weltordnung fördern möchte.
Die Vereinigten Staaten werden in den kommenden
zehn Jahren eine Führungsrolle bei den Bemühungen
übernehmen, realistische und tragfähige internationale Abkommen zu entwickeln, um das Potential für
bewaffnete Konflikte zu verringern. Trotzdem ist in
diesem Zusammenhang auch ein Wort der Vorsicht
angebracht. Selbst wenn diese Erwartung erfüllt wird,
möchte ich allen Vorstellungen entgegentreten, verbesserte regionale und multilaterale Bemühungen zur
Rüstungskontrolle seien leicht zu erreichen. Es kann
als Axiom gelten, daß mit der arithmetischen Zunahme
der Zahl von Verhandlungsparteien die Schwierigkeiten bei der Erlangung einer Einigung überproportional
ansteigen.
Das Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung war und
wird bei diesen Bemühungen an vorderster Front
stehen. In den vergangenen Jahren hat sich unser
Mitarbeiterstab intensiv darum bemüht, Verhandlungspositionen zu entwickeln, Vereinbarungen mit unseren
Verhandlungspartnern zustandezubringen und neue
Bereiche für mögliche Abkommen zu sondieren. Darüber
hinaus sind wir führend daran beteiligt, bestehende
Verträge zu verifizieren und den Prozeß verwaltungsmäßig zu leiten, durch den wir unsere Forderung
geltend machen, daß ein Vertragspartner sich vollständig an die Vertragsbedingungen hält. Für uns war
dies sicherlich eine intensive und aufregende Zeit.
Verbesserung in der Verwaltung von ACDA
In diesem Zusammenhang legen wir den ACDA-Haushalt für die Jahre 1992 und 1993 vor. Als Teil dieses

Seite 5

�Verfahrens möchte ich mit Ihnen über unsere Bemühungen sprechen, die Bestimmungen aus dem letzten
Haushaltsgesetz zu verwirklichen.
Mit diesem Gesetz wurde das ACDA-Gesetz ergänzt,
um dem Stellvertretenden Direktor unmittelbare Zuständigkeit für die Verwaltung der Behörde, geheimdienstliche Maßnahmen, Sicherheit und für den Geheimschutz einzuräumen. Aufgrund dieser Ergänzung hat der Stellvertretende Direktor die persönliche
Verantwortung für die Verwaltung des ACDA sowie die
Oberaufsicht über seine Gutachter und Berater. Um
dem Stellvertretenden Direktor die Befugnis zum
Umgang mit Sicherheitsfragen zu geben, haben wir die
Befugnisse des Leiters der Sicherheitsabteilung erweitert und sowohl die Position als auch den Rang
angehoben. Er untersteht nun unmittelbar dem Stellvertretenden Direktor und gehört jetzt zum ersten Mal
vollständig dem ACDA an. Die Position war zuvor von
einem delegierten Beamten des Außenministeriums
besetzt.
Aufgrund der letztgenannten Veränderung strebt ACDA
auch bei den von uns vorgelegten Gesetzentwürfen
erstmals die Befugnis an, im Zuge von Untersuchungen Vereidigungen vorzunehmen. Bisher wurde diese
Befugnis vom Außenministerium durch seine Arbeitsgruppe im Sicherheitsbüro ausgeübt. Wir schlagen
einen Zusatzartikel für Paragraph 41 unseres Gesetzes (22 U.S.C. 2581) vor, um dem Direktor diese
Befugnis so einzuräumen, daß sie dem Leiter der
Sicherheitsabteilung übertragen werden kann.
Darüber hinaus haben wir die Sicherheit durch Einführung einer computergestützten Registratur verbessert, die einen besseren Nachweis über streng geheime und als vertraulich eingestufte Informationen zuläßt.
Paragraph 103 des Gesetzes 101-216 ergänzt das
Gesetz des ACDA, indem es die Funktionen der beiden Sonderbeauftragten neu definiert. Einer von ihnen
soll als Sonderbeauftragter bei den Verhandlungen
über Konventionelle Rüstungskontrolle fungieren und
der andere als Sonderbeauftragter und leitender wissenschaftlicher Berater des Direktors.
Angesichts der jüngsten Unterzeichnung des KSZEVertrags und der erwarteten Veränderungen in Umfang und Inhalt der Gespräche über konventionelle
Waffen nach der Helsinki-Konferenz 1992 prüfen wir
die langfristigen Bedürfnisse und Aufgaben eines
Sonderbeauftragten für konventionelle Rüstungskontrolle. Erwartungsgemäß wird ein Berater in einer
solchen Funktion diese Politik aktiv mitgestalten und
vertreten.
Das ACDA hat in diesem Jahr Schritte unternommen,
um die Rolle des Sonderbeauftragten und leitenden
wissenschaftlichen Beraters zu definieren und einen
geeigneten Bewerber für diese wichtigte Position einzustellen. Über seine beratende Funktion hinaus wird
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der leitende wissenschaftliche Berater für die Organisation der internen Forschung bei ACDA verantwortlich sein, unsere Arbeitsgruppe für Analysen und das
externe Forschungsprogramm leiten und die interministerielle Forschung und Entwicklung zur Rüstungskontrolle koordinieren. Der Bewerber wird meiner
Ansicht nach eine wichtige Position unter den Beratern
für Rüstungskontrolle einnehmen.
Paragraph 104 des Gesetzes 101-216 fordert den
Direktor auf, zu untersuchen und zu berichten, ob es
zweckmäßig ist, eine Abteilung für Durchführung und
Einhaltung der Rüstungskontrolle zu schaffen. Das
Gesetz schlägt vor, daß diese Arbeitseinheit die Durchführung gegenwärtig bestehender und künftiger Rüstungskontrollabkommen organisieren und die Aktivitäten des Sonderausschusses zur Verifizierung und
des Ständigen Konsultativausschusses koordinieren
könnte. Es soll ferner umfassene Analysen und politische Positionen zur effektiven Lösung von Problemen mit der Einhaltung der Rüstungskontrolle erarbeiten.
Im Jahr 1990 hat ACDA das Aufgabenfeld seiner
Abteilung für Verifizierung und Aufklärung erweitert.
Als Teil der jetzigen Abteilung für Verifizierung und
Durchführung hat ACDA eine Unterabteilung für Einhaltung und Durchführung geschaffen. Diese Unterabteilung hat die Aufgabe, die Politik der Behörde zur
Durchführung gegenwärtig bestehender und künftiger
Abkommen auszuarbeiten und zu koordinieren. Fernersollen die Einhaltung bewertet sowie Untersuchungen und Arbeitspapiere zu diesem Thema erstellt
werden. Für den diesjährigen Haushalt werden wir
unter anderem Mittel zur Ergänzung der Ressourcen
von Abteilung VI fordern, um diese Aktivitäten zu
fördern.
In Paragraph 105 des Gesetzes 101-216 wird der
Präsident aufgefordert, eine Arbeitsgruppe ins Leben
zu rufen, um Verifizierungspläne für ein Abkommen
zur Reduzierung strategischer Waffen und andere
Rüstungskontrollabkommen zu entwerfen und die
Bedeutung solcher Abkommen für die Verifizierungsbestimmungen des INF-Vertrags zu bewerten.
Der Präsident hat zu bestimmten Themen Koordinierungsausschüsse (Policy Coordinating Committees PCC) ins Leben gerufen, unter anderem einen Ausschuß für Rüstungskontrolle. Ihm ist der Unterausschuß für Verifizierung und Einhaltung angegliedert,
der bei allen Verhandlungen, insbesondere denen
über strategische Waffen, für die Verifizierungspolitik
verantwortlich zeichnet. Darüber hinaus haben verschiedene Behörden die im INF-Vertrag geschaffenen
Präzedenzfälle geprüft. Ihre Ergebnisse - vor allem die
der Behörde für Vor-Ort-Inspektionen - sind im einzelnen aufgelistet und vielen Bereichen der Regierung
zugänglich gemacht worden.
Die interministerielle Entscheidungsfindung profitiert
beträchtlich von den Erfahrungen, die aus der DurchAMERIKA DIENST 1 I

�führung des INF-Vertrags gewonnen wurden. Erfolgreich bei INF eingeführte Bestimmungen finden auch
Eingang in viele anderen Abkommen, insbesondere
das im KSE-Vertrag ausgehandelte Verifizierungssystem, mit dem Zeichen gesetzt wurden.
Paragraph 105b des Gesetzes 101-216 weist ACDA
an, ausreichende Mittel für die Entwicklung und Erhaltung eines umfassenden Informationssystems über
Verifizierungskonzepte, Technologien und Systeme
bereitzustellen und Informationen über alle Aspekte
der Rüstungskontrollverifizierung und -Überwachung
für gegenwärtige und künftige Abkommen zu sammeln
und zu analysieren. Die im Rahmen dessen zusammengetragenen Informationen soll Forschung ebenso
unterstützen wie Aktivitäten der Verifizierung und
Überwachung und dem Kongreß im Jahresbericht der
Behörde vorgelegt werden.
Das ACDA führt den Vorsitz im Ausschuß zur Koordinierung der Rüstungskontrollforschung und hat die
wichtige Aufgabe, jährlich eine umfassende Liste privater und staatlicher Untersuchungen über Fragen der
Rüstungskontrolle und Abrüstung zusammenzustellen und zu verbreiten. In dieser Sammlung sind
Forschungsergebnisse und Analysen, wie sie das
Gesetz fordert, enthalten. Die Liste wird dem Kongreß
jedes Jahr im Juni vorgelegt.
Darüber hinaus leitet ACDA mit seinem Vizevorsitz in
der interministeriellen Arbeitsgruppe zur Verifizierungstechnologie und der nachrangigen Arbeitsgruppe über
chemische Waffen behördenübergreifende Bestrebungen zur Ermittlung des Bedarfs an Datenbanken, mit
denen die Verifizierung und Einhaltung der Rüstungskontrolle unterstützt werden soll. Die Rolle von ACDA
in dieser Arbeitsgruppe und die aktive Mitarbeit der
Behörde in der Arbeitsgruppe des Verteidigungsministeriums über Forschung und Entwicklung von Verifizierungstechnologie erlauben es der Behörde, die von
allen Regierungsbehörden durchgeführte Forschung
zur Verifizierung zu beobachten und zu unterstützen.
Sie sehen, Herr Vorsitzender, ACDA hat die Bestimmungen des Gesetzes 101-216 durchgeführt und andere
Verbesserungen zur Organisation der Behörde vorgenommen, mit denen unsere Fähigkeit erhöht wird, bei
Rüstungskontrollinitiativen der Regierung eine leitende Funktion zu übernehmen sowie technische Fachkenntnisse und Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Ich habe ferner bereits darauf verwiesen, daß
diese Verbesserungen trotz ungewöhnlich vieler Verhandlungen und politischer Erwägungen durchgeführt
wurden, die alle - auch in Zukunft - von ACDA volle
Unterstützung verlangen.
Ausgabeermächtigungen für 1992 und 1993
Herr Vorsitzender, bei diesem Anlaß möchte ich dem
Unterausschuß den Antrag der ACDA für Ausgabeund andere Ermächtigungen im kommenden Zweijahreszeitraum unterbreiten. Das ACDA beantragt für
AMERIKA DIENST 11

das Haushaltsjahr 1992 die Ermächtigung, 47,4 Millionen Dollar zweckgebundene Mittel ausgeben zu dürfen. Für das Haushaltsjahr 1992 beantragen wir, daß
dieser Ausschuß uns ermächtigt, gemäß dem Haushaltsgesetz von 1989 (PL-101-5-8) Mittel in der erforderlichen Höhe ausgeben zu können. Ich habe mir die
Freiheit genommen, zu diesem Zweck einen Gesetzentwurf zu unterbreiten. Sie können ihm entnehmen,
daß er einen Zusatzartikel zu dem entsprechenden
Gesetz vorschlägt, damit die Regierung eine Entscheidung in dem oben beschriebenen Sinne fällen kann.
Wie Sie sehen, stellt dieser Antrag gegenüber dem
Finanzierungsansatz des Haushaltsjahrs 1991 (37,0
Millionen) eine Steigerung von 10,4 Millionen Dollar
oder 28 Prozent dar. Sie wissen auch, daß etwa 50
Prozent oder 23,5 Millionen Dollar des ACDA-Haushalts auf Personalkosten entfallen - Gehälter und
Sozialleistungen. Der Antrag sieht 252 Vollzeitstellen
sowie zusätzliche rückerstattungsfähige Stellen für
Mitarbeiter anderer Behörden vor, insbesondere aus
dem Außen- und Verteidigungsministerium. Mit der
Steigerung könnten 24 neue Stellen geschaffen, vorgeschriebene Erhöhungen von Gehältern und Sozialleistungen sowie andere Gehaltsanpassungen vorgenommen werden.
Ich mu ß die Bedeutung der erhöhten Ausgabeermächtigung ausdrücklich hervorheben. Seit mehreren Jahren
ist die Personaldecke der ACDA unverändert, obwohl
Tempo und Intensität der Rüstungskontroilaktivitäten
erheblich zugenommen haben. ACDAs wichtige Rolle
bei Washingtons Vorbereitungen für und Organisation
der laufenden Aktivitäten verschiedener Verhandlungsdelegationen hat uns schnell an die Grenzen unserer
Personalkapazitäten stoßen lassen. Die zusätzliche
Anforderung, den Verhandlungsdelegationen leitende
Mitarbeiter und Bürokräfte zur Verfügung zu stellen,
hat unsere Ressourcen erheblich belastet. Unsere
Personalsituation stellt sich so dar, daß jede vorgeschlagene Aufgabe nicht daraufhin abgeklopft wird,
wie unsere Leistungsfähigkeit zu steigern wäre, sondern wie der Schaden für ACDA am besten zu begrenzen ist. Jede Personalentscheidung bei ACDA erfordert, daß wir einer Stelle etwas wegnehmen, um es
einer anderen zu geben.
Um diese Situation noch komplizierter zu gestalten,
haben wir neue Aufgaben übernommen. Die Durchführung von Rüstungskontrollabkommen ist personalintensiv geworden. Das ACDA spielt bei der Durchführung von in verschiedenen Verträgen ausgehandelten Maßnahmen eine wichtige Rolle und ist für die Bewertung der Einhaltung von Vertragsbestimmungen
verantwortlich.
In den nächsten Jahren wird Rüstungskontrolle als
wichtiger Bestandteil unserer nationalen Sicherheitspolitik ingesamt eine große Rolle spielen. Wir müssen
unser Augenmerk auf Fragen der Weiterverbreitung
von Massenvernichtungswaffen richten. Wir müssen
Seite 7

�die sehr realen und stabilisierenden Beschränkungen
besser abstecken, die bei den Zahlen und Fähigkeiten
offensiver Waffen erreicht wurden. Wir müssen all
dies und noch mehr tun, um die Sicherheit der Vereinigten Staaten, ihrer Freunde und Verbündeten zu
verbessern. Damit wir unsere wichtige Rolle bei diesen Bestrebungen spielen können, muß ACDA unbedingt eine zusätzliche Ausgabeermächtigung erhalten.

die Austattung unserer Büros mit EDV, damit wir
innerhalb der Behörde und mit Genf unsere Vernetzung ausbauen können. Zusätzliche Ausgabensteigerungen für Dienstleistungen anderer Behörden, wie
Vermietung, Druck, Post sowie Wartung und Instandsetzung machen den Rest der vorgeschlagenen Erhöhung aus.

Mir ist bewußt, daß unser Antrag für die Ausgabeermächtigung im Haushaltsjahr 1992 erheblich über dem
Eine weitere wichtige Steigerung in unserem Haus- Stand des laufenden Jahres liegt. Aber angesichts des
haltsantrag betrifft die externe Forschung. Dieser zunehmenden Umfangs der Verhandlungsaktivitäten
Antrag entspricht einer Steigerung von über 1,7 Millio- mit der Sowjetunion und anderen Ländern sowie andenen Dollar gegenüber dem Ansatz von 241 000 Dollar ren Programmen, die ACDA - wie in diesem Vortrag
im Haushaltsjahr 1991. Darüber hinaus fordern wir bereits erläutert - unbedingt durchführen muß, kann
mehr Mittel - 220 000 Dollar für Ausgaben, die mit der ich Ihnen versichern: dieser Umfang der Finanzierung
Durchführung in Zusammenhang stehen und die not- ist für die Aufgaben unserer Behörde unabdingbar.
wendig sind, um Produktionsstätten für chemische
Waffen zu inspizieren und andere Maßnahmen durch- Ich möchte schließen, indem ich Sie, Herr Vorsitzenzuführen, die sich aus amerikanisch-sowjetischen der, bitte, unsere Bestrebungen zur Aushandlung und
Durchführung neuer Rüstungskontrollabkommen zu
Abkommen ergeben.
unterstützen und vom Kongreß die Ermächtigung zu
Das gestiegene Tempo der Rüstungskontrollaktivitä- erhalten, unsere Aktivitäten wie oben beschrieben
ten erfordert im Haushaltsjahr 1992 einen Zuwachs steigern zu können. Meine Mitarbeiter, die Mitglieder
von 640 000 Dollar für Reisekosten. Diese Mittel der Verhandlungsdelegationen und ich freuen uns, mit
werden auch die Abwertung des Dollar gegenüber diesem Unterausschuß an den entscheidenden Rüanderen Währungen auffangen. Darüber hinaus stungskontrollproblemen zusammenzuarbeiten, die sich
benötigen wir einen Zuwachs von 160 000 Dollar für uns heute stellen.
* * * *

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AMERIKA DIENST 11

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                <text>&lt;strong&gt;1. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: positive Reaktion auf Ideen zum Nahen Osten &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des US-Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Osteuropa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Osteuropahilfe hat hohen Stellenwert für Vereinigte Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Botschafter Robert L. Barry&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Abrüstung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lehman: noch immer Probleme bei KSE&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des ACDA-Direktors vor dem Kongreß&lt;/em&gt;</text>
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13. März 1991

10

NAHER OSTEN

BUSH: REGIONALE SICHERHEIT IM NAHEN
OSTEN ERFORDERLICH
Rede des Präsidenten vor beiden
Häusern des Kongresses

GOLFKRIEG

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom
15. bis 28. Februar 1991

CHEMIEEXPORTE

USA ERWEITERN LISTE GENEHMIGUNGSPFLICHTIGER CHEMIKALIEN
Übersicht des Weißen Hauses

NEUER
LANDWIRTSCHAFTSMINISTER

DIE BIOGRAPHIE DES NEUEN
LANDWIRTSCHAFTSMINISTERS
Edward Madigan vom Senat bestätigt

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�N A H ER

OSTEN
13. März 1991

BUSH: REGIONALE SICHERHEIT
IM NAHEN OSTEN ERFORDERLICH
Rede des Präsidenten vor beiden Häusern des Kongresses
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat die Heimkehr der ersten Kampfeinheiten vom Persischen Golf
angeordnet und zugleich betont, daß die Vereinigten Staaten weiterhin an gemeinsamen Militärmanövern mit
Sireitkräften der Koalition teilnehmen werden, um die regionale Sicherheit im Nahen Osten zu gewährleisten.

In einer Ansprache vor beiden Häusern des Kongresses erklärte der Präsident am 6. März 1991, die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten müßten nach dem Ende des Krieges und der Niederlage des Irak "zusammenarbeiten, um gemeinsame Sicherheitsarrangements in der Region hervorzubringen".
Dies bedeutet nicht die Stationierung amerikanischer Landstreitkräfte auf der Arabischen Halbinsel, sondern
die amerikanische Beteiligung an gemeinsamen Übungen von Luft- und Landstreitkräften", bekräftigte Bush.
"Darüber hinaus bedeutet es die Beibehaltung einer fähigen amerikanischen Marinepräsenz in der Region, wie
dies in den vergangenen 40 Jahren bereits der Fall war."
Bush forderte ferner die Kontrolle der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen im Nahen Osten, die Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung sowie die kontinuierliche Suche nach Lösungen für den arabischisraelischen Konflikt und die Probleme im Libanon.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush im Wortlaut.

Herr Präsident, Herr Vorsitzender, Mitglieder des
Kongresses. Erst vor fünf kurzen Wochen kam ich
hierher, um Ihnen über die Lage der Nation zu berichten. Damals kamen wir in einer Zeit des Krieges
zusammen. Heute abend treffen wir uns in einer Welt,
die mit der Aussicht auf Frieden gesegnet ist.
Vom Beginn der Operation Wüstensturm am 16. Januar bis zu dem Zeitpunkt um Mitternacht vor einer
Woche, an dem die Waffen verstummten, hat diese
Nation mit Stolz auf ihre Söhne und Töchter geblickt und sie mit Gebeten begleitet. Als Oberbefehlshaber
kann ich Ihnen melden: Unsere Streitkräfte haben mit
Ehre und Tapferkeit gekämpft. Als Präsident kann ich
der Nation mitteilen - die Aggression ist besiegt. Der
Krieg ist vorüber.
Dies ist ein Sieg für jedes an der Koalition beteiligte
Land und für die Vereinten Nationen. Ein Sieg einmaliger internationaler Zusammenarbeit und Diplomatie,
die von unserem Außenminister James Baker so hervorragend unter Beweis gestellt wurde. Es ist ein Sieg
der Rechtsstaatlichkeit und dessen, was richtig ist.

AMERIKA DIENST 10

Der Erfolg von Wüstensturm ist dem Team zu verdanken, das unsere Streitkräfte auf solch fähige Art und
Weise führt - unserem Verteidigungsminister und
unserem Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs:
Dick Cheney und Colin Powell.
Und sicherlich gehört dieser militärische Sieg demjenigen, den die Briten als den "besten Mann auf dem
Spielfeld" bezeichnen würden - dem Pol der Ruhe im
Auge des Wüstensturms - General Norman Schwazkopf.
Und wir sollten darüber weder den saudischen General
Khalid, noch den britischen General de la Billiere oder
General Roquejoffre aus Frankreich vergessen, noch
all die anderen, deren Führungskraft eine solch entscheidende Rolle spielte. Und vor allem gilt dies für
diejenigen, die im Felde gedient haben.
Ich danke den Mitgliedern dieses Kongresses - die hier
gezeigte Unterstützung für unsere Truppen im Kampf
war überwältigend. Vor allem möchte ich jedoch
denen danken, deren unermüdliche Unterstützung

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�unsere mutigen Männer und Frauen aufrichtete: ich
danke dem amerikanischen Volk.
Ich bin heute abend in dieses Haus gekommen, um
über die Welt zu sprechen - die Welt nach dem Krieg.
Die jüngste Herausforderung hätte nicht eindeutiger
sein können. Saddam Hussein war der Schurke,
Kuwait das Opfer. Diesem kleinen Land kamen Staaten aus Nordamerika und Europa, aus Asien und
Südamerika, aus Afrika und der arabischen Welt zu
Hilfe - alle standen vereint gegen die Aggression.
Unsere ungewöhnliche Koalition muß nun mit dem
gemeinsamen Ziel zusammenarbeiten, eine Zukunft
zu gestalten, die nie mehr von der dunkleren Seite der
menschlichen Natur überschattet wird.
Heute abend ist Saddam Hussein im Irak von Ruinen
umgeben. Seine Kriegsmaschinerie ist zerschmettert.
Seine Fähigkeit zur Androhung von Massenvernichtung wurde zerstört. Seine Bevölkerung wurde belogen - die Wahrheit wurde ihr vorenthalten. Und wenn
seine besiegten Legionen heimkehren, werden alle
Iraker die von ihm angerichtete Verheerung sehen und
fühlen. Und ich verspreche Ihnen: Für alles, was
Saddam seinem eigenen Volk, den Kuwaitern und der
ganzen Welt zugefügt hat - dafür müssen sich Saddam
und seine Umgebung verantworten.
Wir alle trauern um die Opfer des Krieges und mit dem
kuwaitischen Volk wegen des Leids, das der Seele
jener stolzen Nation zugefügt wurde. Wir trauern um
unsere gefallenen Soldaten und deren Familien, um all
die Unschuldigen, die von diesem Konflikt erfaßt wurden. Und wir trauern auch mit den Menschen im Irak
- einem Volk, das niemals unser Feind war. Ich hoffe,
daß wir sie eines Tages wieder als Freunde in der
internationalen Staatengemeinschaft begrüßen können.
Unser Engagement für den Frieden im Nahen Osten
endet nicht mit der Befreiung Kuwaits. Ich möchte
deshalb heute abend vier große Herausforderungen
erörtern, die zu bewältigen sind:
Erstens müssen wir zusammenarbeiten, um gemeinsame Sicherheitsarrangements in der Region hervorzubringen. Unsere Freunde und Verbündeten im
Nahen Osten erkennen, daß sie den Hauptteil der
Verantwortung für die regionale Sicherheit tragen
werden. Wir möchten ihnen jedoch versichern, daß die
Vereinigten Staaten - ebenso wie sie ihnen zur Abwehr
der Aggression beigestanden haben nun bereit sind,
mit ihnen bei der Sicherung des Friedens zusammenzuarbeiten.
Dies bedeutet nicht die Stationierung amerikanischer
Landstreitkräfte auf der Arabischen Halbinsel, sondern die amerikanische Beteiligung an gemeinsamen
Übungen von Luft- und Landstreitkräften. Darüber
hinaus bedeutet es die Beibehaltung einer fähigen

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amerikanischen Marinepräsenz in der Region, wie
dies in den vergangenen 40 Jahren bereits der Fall
war. Eines steht eindeutig fest: Unsere vitalen nationalen Interessen hängen von einem stabilen und sicheren Golf ab.
Zweitens müssen wir handeln, um die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und der zu ihrem
Abschuß eingesetzten Raketen zu kontrollieren. Es
wäre tragisch, wenn die Länder im Nahen Osten und
am Persischen Golf jetzt nach dem Krieg einen neuen
Rüstungswettlauf aufnehmen würden. Dem Irak gebührt
besondere Aufmerksamkeit. Bis der Irak die Welt von
seinen friedlichen Absichten überzeugt - daß seine
Führer nicht erneut Mittel einsetzen, um seine bedrohliche Kriegsmaschinerie neu auszurüsten und wiederaufzubauen - darf der Irak keinen Zugang zu Instrumenten der Kriegführung bekommen.
Drittens müssen wir an der Schaffung neuer Möglichkeiten für Frieden und Stabilität im Nahen Osten
arbeiten. In der Nacht, als ich die Operation Wüstensturm ankündigte, habe ich auch meine Hoffnung
bekundet, daß sich aus den Schrecken des Krieges
neue Impulse für den Frieden ergeben. Wir haben in
der heutigen Zeit gelernt, daß die geographische Lage
keine Sicherheit garantiert und Sicherheit nicht allein
aus militärischer Stärke resultiert.
Wir alle kennen die tiefe Bitterkeit, die den Streit
zwischen Israel und seinen Nachbarn so schmerzlich
und schwierig gestaltet. Dennoch standen in dem
soeben beendeten Konflikt Israel und viele arabische
Staaten erstmals einem gemeinsamen Aggressor gegenüber. Heute sollte allen Parteien klar sein, daß ein
Frieden im Nahen Osten Kompromisse erfordert.
Gleichzeitig bringt Frieden allen Seiten echte Vorteile.
Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um
die Kluft zwischen Israel und den arabischen Ländern
- und zwischen Israelis und Palästinensern - zu überbrücken. Die Taktik des Terrors führt zu nichts - es gibt
keinen Ersatz für Diplomatie.
Ein Frieden für alle muß sich auf die Resolutionen 242
und 338 des UN-Sicherheitsrats und das Prinzip Land
für Frieden gründen. Dieses Prinzip muß weiterentwickelt werden, um Israel Sicherheit und Anerkennung
zu verschaffen und gleichzeitig den Palästinensern zu
ihren legitimen politischen Rechten zu verhelfen. Alles
andere würde den beiden Proben auf Fairness und
Sicherheit nicht standhalten. Die Zeit für eine Beendigung des Konflikts zwischen Israelis und Arabern ist
reif.
Der Krieg mit dem Irak ist vorbei. Die Suche nach
Lösungen für das Problem im Libanon, im arabischisraelischen Konflikt und am Golf muß mit neuer Dynamik
und Entschlossenheit weitergehen.
Viertens müssen wir zugunsten von Frieden und Fortschritt die wirtschaftliche Entwicklung ankurbeln. Der
Persische Golf und der Nahe Osten gehören zu einer
AMERIKA DIENST 10

�Region, die reich an Bodenschätzen ist und wo Menschen leben, die über große, ungenutzte Potentiale
verfügen. Zugunsten militärischer Macht verschwendete Ressourcen müssen friedlicheren Zwecken zugeführt werden. Wir behandeln bereits die unmittelbaren wirtschaftlichen Auswirkungen der irakischen
Aggression. Wir stehen vor der Herausforderung,
mehr anzustreben - wirtschaftliches Wachstum und
Wohlstand für alle Menschen in der Region zu fördern.
Wenn wir diesen vier Herausforderungen gerecht
werden, können wir einen Rahmen für den Frieden
aufbauen. Ich habe Außenminister Baker gebeten, in
den Nahen Osten zu reisen, um diesen Prozeß einzuleiten. Er wird reisen, um zuzuhören, zu sondieren,
Vorschläge zu machen und Bestrebungen für Frieden
und Stabilität zu fördern. Darüber hinaus habe ich ihn
gebeten, das Thema der im Libanon festgehaltenen
Geiseln anzuschneiden. Wir haben sie nicht vergessen, und wir werden sie nicht vergessen.
Für all die Herausforderungen, die sich in dieser Weltregion stellen, gibt es keine einzige Lösung, und darauf
gibt es keine rein amerikanische Antwort. Aber wir
können etwas bewirken. Amerika wird unermüdlich als
Katalysator für positive Veränderungen arbeiten.
Aber wir können keine Führungsrolle in einer neuen
Welt übernehmen, wenn die amerikanische Verteidigung und Diplomatie keine neuen Wege gehen. Es ist
an derzeit, der Versuchung zu widerstehen, unnötige
Waffensysteme und überflüssige Stützpunkte zu schützen. Es ist an der Zeit, dem kleinlichen Management
der außen- und sicherheitspolitischen Hilfsprogramme ein Ende zu bereiten, das unsere Freunde und
Verbündeten erniedrigt und unsere Diplomatie lähmt.
Es ist an der Zeit, sich über Engstirnigkeit und Lobbyismus hinwegzusetzen, um das zu tun, was nötig ist und
womit diese Nation die Führungsrolle übernehmen
kann, die man uns abverlangt.
Die Auswirkungen des Konflikts am Golf sind weit über
die Grenzen des Nahen Ostens hinaus spürbar. Bereits zweimal in diesem Jahrhundert wurde die gesamte Welt vom Krieg erschüttert. Zweimal in diesem
Jahrhundert haben die Schrecken des Krieges die
Hoffnung auf dauerhaften Frieden hervorgebracht.
Bereits zweimal haben sich diese Hoffnungen als
entfernter Traum erwiesen, der außerhalb der Reichweite des Menschen liegt.
Bis jetzt war die Welt, wie wir sie kennen, eine geteilte
Welt - eine Welt aus Stacheldraht und Beton, Konflikten und kaltem Krieg.
Jetzt sehen wir eine neue Welt. Eine Welt, in der die
sehr reale Aussicht auf eine neue Weltordnung besteht. Winston Churchill zufolge "eine Weltordnung",
in der "die Grundsätze von Gerechtigkeit und Fair
play... die Schwachen vor den Starken schützen...".
Eine Welt, in der die Vereinten Nationen, befreit vorn

AMERIKA DIENST 10

Patt des kalten Krieges, die historische Vision ihrer
Gründerväter verwirklichen wollen. Eine Welt, in der
Freiheit und Achtung der Menschenrechte ihren Platz
in allen Ländern finden.
Der Golf krieg hat diese neue Welt auf ihre erste Probe
gestellt. Meine amerikanischen Mitbürger - wir haben
diese Probe bestanden.
Wir sind für unsere Prinzipien - für das kuwaitische
Volk - eingestanden. Weil die Welt sich nicht abgewandt hat, Herr Botschafter (Al-Sabah), ist Kuwait frei.
Heute abend, da unsere ersten Soldaten nach Hause
zurückkehren, sollten wir uns vor Augen führen, daß
die harte Arbeit der Freiheit uns immer noch fordert.
Wir haben die schweren Lektionen der Geschichte
gelernt. Der Sieg über Irak wurde nicht als Krieg
geführt, "der alle Kriege beenden sollte". Auch die
neue Weltordnung kann kein Zeitalter andauernden
Friedens garantieren. Aber andauernder Frieden muß
unser Ziel sein.
Unser Erfolg am Golf wird nicht nur die von uns
angestrebte neue Weltordnung gestalten, sondern
auch unsere Mission im Inland.
In dem soeben beendeten Krieg gab es eindeutige
Zielsetzungen, Zeitpläne und vor allem eine überwältigende Notwendigkeit von Ergebnissen. Wir müssen
dieselbe Selbstdisziplin und dieselbe Inbrunst für unsere
Herausforderungen im Inland aufbringen.
In meinem Bericht zur Lage der Nation und meiner
Haushaltsvorlage habe ich ein umfassendes Programm
zur Vorbereitung auf das nächste amerikanische Jahrhundert vorgestellt.
Unsere höchste Priorität besteht darin, diese Wirtschaft wieder anzukurbeln. Angst und Unsicherheit,
wie sie die Krise am Golf verursacht haben, waren
verständlich. Aber jetzt ist der Krieg vorüber, die
Ölpreise sinken ebenso wie die Zinssätze, und zu
Recht haben die Menschen wieder Vertrauen. Die
Amerikaner können wieder Geld verleihen, ausgeben
und investieren - in dieser stärksten Wirtschaft auf der
Welt.
Darüber hinaus müssen wir die Gesetze verabschieden, die der Schlüssel zum Aufbau eines besseren
Amerikas sind. Zum Beispiel haben wir 1990 das
historische Gesetz zur Reinhaltung der Luft verabschiedet. Jetzt haben wir eine Nationale Energiestrategie vorgelegt. Wir haben einem Gesetz über Kinderbetreuung zugestimmt, das die Kontrolle in die Hände
der Eltern legt. Heute sind wir bereit, ebenso mit
unseren Schulen zu verfahren und die Wahlmöglichkeiten in den Schulen zu verbessern. Wir haben ein
Strafgesetz verabschiedet, das ein guter Anfang bei
der Bekämpfung von Verbrechen und Drogen ist. In
diesem Jahr werden wir zur Vervollständigung unserer
Arbeit unser umfassendes Strafrechtspaket an den

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�Kongreß weiterleiten. Wir haben das umwälzende
Behindertengesetz verabschiedet. Jetzt legen wir
unser Gesetz über Bürgerrechte vor. Ferner haben wir
ein Gesetz über den Luftverkehr verabschiedet, und in
diesem Jahr werden wir unser neues Autobahngesetz
an den Kongreß weiterleiten.
Und dies sind nur einige unserer Vorschläge zu Reform und Erneuerung.
Heute abend appelliere ich an den Kongreß, im innenpolitischen Bereich schnelle Fortschritte zu machen.
Lassen Sie uns mit zwei Initiativen beginnen, über die
wir sicherlich rasch Einigung erzielen können: Transportwesen und Straftaten. Wir wollen dann auf den
Erfolg bei diesen beiden Problembereichen aufbauen
und unsere übrige Tagesordnung verabschieden. Wenn
unsere Streitkräfte den Landkrieg in 100 Stunden
gewinnen konnten, dann wird der Kongreß dieser
Gesetzesvorlage zweifelsohne in 100 Tagen zustimmen können. Lassen sie uns dem amerikanischen
Volk am heutigen Abend dieses Versprechen geben.
Als ich vor diesem Haus über die Lage unserer Nation
berichtete, habe ich Ihnen allen gesagt: Wenn wir
selbstlos das Böse um des Guten willen in einem so
weit entfernten Land bekämpfen können, dann werden
wir sicherlich in der Lage sein, dieses Land zu dem zu
machen, was es sein sollte. Seit damals haben die
tapferen Männer und Frauen der Operation Wüstensturm mehr erreicht als selbst sie sich vielleicht bewußt
sind. Sie brachen auf, um einen Feind im Ausland zu
bekämpfen und haben dabei ihr Heimatland verändert.
Erinnern Sie sich daran, wie sie ihre Mission angingen
- mit Vertrauen und stillem Stolz. Denken Sie an ihr
Pflichtbewu ßtsein - an all das, was sie uns über unsere
Werte und uns selbst gelehrt haben.
Wir hören so oft von der Auflehnung unserer Jugendlichen, daß unsere Kinder zu kurz kommen, unsere
Schulen versagen und amerikanische Produkte und
Arbeiter zweitklassig sind. Glauben Sie das besser
nicht. Das Amerika der Operation Wüstensturm war
erstklassig.
Und wir haben unser Ziel unter Anwendung der modernsten amerikanischen Technologie erreicht. Wir
konnten die Patriot-Rakete als Verkörperung dieses1
modernsten Stands der Technik und die Patrioten
beobachten, die sie abgeschossen haben.
Wir haben Soldaten gesehen, die Begriffe wie Ehre,
Mut, Pflicht und Vaterland und die welterschütternde
Bedeutung dieser Worte ernst nehmen.
Stolz und Patriotismus enthalten etwas Hehres und
Erhabenes, das wir heute abend spüren.
Alle hier Versammelten und alle zu Hause an den
Bildschirmen sollten an die Männer und Frauen der
Operation Wüstensturm denken. Wir wollen sie mit

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unserer Dankbarkeit ehren. Wir wollen die Angehörigen der Gefallenen trösten und jedes kostbare geopferte Leben in Erinnerung bewahren.
Wir wollen auch daraus lernen. Wir wollen diejenigen
ehren, die uns durch ihren Dienst an anderen gedient
haben.
Wir wollen jeden einzelnen ehren - Männer und Frauen
jeglicher Rasse, Religion und Hautfarbe - indem wir
uns in diesem Land gegen Diskriminierung, Bigotterie
und Haß auflehnen.
Sicherlich haben viete von Ihnen im Fernsehen die
unvergeßliche Szene gesehen* als vier verängstigte
irakische Soldaten sich ergaben. Sie kamen aus ihrem
Bunker - gebrochen, mit Tränen in den Augen und
Furcht vor dem Schlimmsten. Und dann war da der
amerikanische Soldat. Erinnern Sie sich daran, was er
sagte? Er sagte: "Es ist in Ordnung. Sie sind jetzt in
Sicherheit."
Diese Szene sagt viel über Amerika aus, viel darüber,
wer wir sind. Amerikaner sind ein fürsorgliches Volk.
Wir sind ein gutes und großmütiges Volk. Lassen Sie
uns stets in allem, was wir tun, fürsorglich, gut und
großmütig sein.
Bald werden unsere Truppen den Weg antreten, auf
den wir gewartet haben - den Heimweg. Ich habe
Verteidigungsminister Cheney angewiesen, die unverzügliche Rückkehr der amerikanischen Kampfeinheiten vom Golf in die Wege zu leiten.
In knapp zwei Stunden wird das erste Flugzeug mit
amerikanischen Soldaten aus Saudi-Arabien nach USA
abheben. In ihm befinden sich Männer und Frauen der
24. Motorisierten Infanteriedivision mit Ziel Fort Stewart in Georgia. Dies ist nur der Anfang eines kontinuierlichen Stroms amerikanischer Truppen auf dem
Heimweg.
Ihre Rückkehr sollte uns daran erinnern, daß alle, die
zuvor aufgebrochen sind, mit uns in dem langen Marsch
zur Freiheit verbunden sind. Die Amerikaner haben
immer versucht zu dienen und hehre Opfer für die
Sache zu bringen, die sie als richtig erachten.
Heute abend bitte ich jede Gemeinschaft in diesem
Land, den kommenden 4. Juli zum besonderen Gedenktag für unsere heimkehrenden Truppen zu machen. Vielleicht haben sie das Erntedankfest und
Weihnachten vermißt, aber ich kann Ihnen versichern:
Wir machen diesen Feiertag für sie und ihre Familien
zu einem Tag, den sie niemals vergessen werden.
Im wahrsten Sinne des Wortes gehört dieser Sieg
ihnen - den Gefreiten und Piloten, den Feldwebeln und
Nachschuboffizieren, den Männern und Frauen in den
Fahrzeugen und denen, die für ihr Funktionieren zuständig waren. Er gehört den Berufssoldaten, den
Reservisten, der Nationalgarde. Dieser Sieg gehört
der besten S'reitmacht, die dieses Land je gekannt hat.
AMERIKA DIENST 10

�Wir sind um die halbe Welt gegangen, um das zu tun,
was moralisch richtig und gerechtfertigt ist. Wir haben
hart gekämpft und - zusammen mit anderen - den Krieg
gewonnen. Wir haben das Joch der Aggression und
Tyrannei von einem kleinen Land genommen, von
dem viele Amerikaner zuvor noch nie gehört hatten und wir verlangen nichts dafür.

Wir kehren jetzt - von Stolz erfüllt - nach Hause zurück.
Vertrauensvoll, mit hoch erhobenem Kopf. Im In- und
Ausland bleibt viel zu tun. Undwirwerdenestun. Wir
sind Amerikaner.
Möge Gott diese große Nation - die Vereinigten Staaten von Amerika - schützen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 10

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�GOLFKRIEG
13. März 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 15. bis 28. Februar 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
15. bis 28. Februar 1991 fort.

15. Februar
Der irakische Präsident Saddam Hussein unterbreitet
ein erstes Angebot zum Rückzug aus Kuwait - unter
der Bedingung, daß "alle Fälle von Gebietsbesetzungen in der Region gleichzeitig gelöst werden". Das
Angebot ist ferner an die Bedingung des Abzugs aller
ausländischen Truppen geknüpft, einschließich des
unverzüglichen und bedingungslosen Rückzugs Israels aus den besetzten Gebieten und des Abzugs
Syriens aus dem Libanon. Das irakische Angebot gibt
vor, alle militärischen Rückzüge und alle damit verbundenen politischen Vereinbarungen berücksichtigten
die "historischen territorialen Rechte des Irak" und
garantierten dem kuwaitischen Volk das Recht, über
seine Zukunft zu bestimmen.
Präsident Bush bezeichnet das irakische Friedensangebot als "grausamen Scherz". Er erklärt, er sehe
"kein Anzeichen eines irakischen Rücl&lt;zugs aus Kuwait.
Bis das geschieht, wird es bedauerlicherweise keine
Einstellung der Feindseligkeiten geben. Es wird keine
Feuerpause und keinen Waffenstillstand geben."
Abdullah Bishara, der Generalsekretär des sechs
Nationen umfassenden Golf-Kooperationsrats, erklärt,
es dürfe keinen Handel geben und der Krieg werde
fortgesetzt, bis alle Resolutionen des I IN-Sicherheitsrats durchgeführt seien. Mitgliedstaaten des GolfKooperationsrates sind Bahrain, Katar. Kuwait, Oman,
Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirale.
Die verbündeten Nationen geben bekannt, der Abzug
des Irak aus Kuwait müsse bedingungslos erfolgen
und die Militäroperationen zur Vertreibung der irakischen Truppen würden fortgesetzt. Der britische
Premierminister Major stellt fest, die irakische ErkläAMERIKA DIENST 10

rung stünde in "diametralem Gegensatz" zu Resolution 660 des UN-Sicherheitsrats, die den bedingungs
losen Rückzug des Irak fordert. Der französische
Außenminister Dumas drängt auf eine sorgfältige Prüfung
des Vorschlags, dennoch müsse man sich vorsehen,
daß es sich "nicht um einen Trick handelt"
Der
sowjetische Botschafter Julij Woronzow stellt fest,
obwohl die Erklärung in Moskau "mit Befriedigung
aufgenommen wurde", benötige der Rat "noch eine
Reihe von Klarstellungen", insbesondere im Hinblick
auf Resolution 660. Der ägyptische Botschafter Amre
Mousa erklärt, das einzig ermutigende Zeichen sei die
Erwähnung des Worts "Rückzug". Regierungsvertreter in Deutschland, Spanien, Belgien, Kanada und
Japan geben ähnliche Erklärungen ab.
In einer CBS-Nachrichtensendung wird berichtet, vier
Mitglieder eines CBS-Fernsehteams, die vor drei
Wochen in der saudiarabischen Wüste in der Nähe der
Grenze zu Kuwait verschwunden waren, würden
angeblich in Bagdad festgehalten. Peter Arnett. CNNKorrespondent in Bagdad, erklärt, das Team sei von
einer irakischen Miltärpatrouille festgenommen worden und werde noch immer vom irakischen Geheimdienst verhört.
Die schwedische Regierung weist vier irakische Diplomaten aus, die angeblich in der schwedischen Gesetz
gebung zuwiderlaufende Aktivitäten verwickelt waren.
und zwar Spionage gegen Flüchtlinge.
16. Februar
Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF)
gibt eine gemeinsame Mission mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekannt, bei der eine Ladung
medizinischer Hilfsgüter nach Bagdad transportiert
werden soll. Bei dieser Mission wer den Lieferungen im
Seite 1

�Wert von 600 000 Dollar für Kinder, Mütter und andere
Personen bereitgestellt, die dringende Gesundheitsfürsorge benötigen.
17. Februar
Präsident Bush zufolge wird der Krieg gegen den Irak
fortgesetzt, bis Kuwait befreit ist. Der Präsident erklärt, die Sowjetunion stehe unerschütterlich hinter
den Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, die den
bedingungslosen Abzug des Irak aus Kuwait fordern.
"Wir sind Frieden und Gerechtigkeit verpflichtet und
zur Erfüllung unserer Verpflichtung entschlossen, indem
wir eine friedlichere Weltordnung aufzubauen versuchen".

18. Februar
In Moskau legt der sowjetische Präsident Gorbatschow dem irakischen Außenminister Tarik Asis einen
Plan zur Beendigung des Krieges vor.
Präsident Bush zufolge ist der sowjetische Plan "unzureichend" bei der Einhaltung atler Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats.
Die Londoner Sunday Times berichtet, der irakische
Präsident Saddam Hussein sei vor neun Tagen bei
einem Bombenangriff der Alliierten auf einen Konvoi
von 50 Autos und Lastwagen bei der Rückkehr von der
Frontiinie 100 Meilen nördlich von Basra beinahe getötet worden. Die Piloten hätten nicht gewußt, daß sich
Saddam Hussein in dem Konvoi befunden habe.
Frankreich weist Medienberichten zufolge den irakischen Botschafter in Paris aus. Der Botschafter und
ein Großteil seiner Mitarbeiter reisen ab. Die französische Regierung verweigert die Angabe von Gründen
für die Ausweisung.
20. Februar
Das türkische Au ßenministerium erklärt, fast 900 irakische Soldaten und über 1 000 Zivilisten seien über das
Gebirge vom Irak in die Türkei gekommen, beinahe die
Hälfte von ihnen in den vergangenen vier Tagen. Viele
demonstrieren auf einem Hoteldach dagegen, eventuell in den Irak zurückgeschickt zu weiden.
21. Februar
Die Ermordung kuwaitischer Zivilisten durch die irakischen Streitkräfte nehmen zu, erklärt der kuwaitische
Planungsminister Sulaiman Al-Mutawa in einer in London
abgegebenen Erklärung. Ihm zufolge vergraben die
Iraker die Opfer, um alle Beweise zu vernichten.
Das US-Außenministerium ordnet die Ausreise von
einem der vier in den Vereinigten Staaten verbliebenen
irakischen Diplomaten wegen "nicht im Einklang mit
dem Diplomatenstatus stehenden Aktivitäten" an.

Seite 2

22. Februar
Die niederländische Regierung gibt einen Kabinettsbeschluß zur Entsendung von zwei Minensuchbooten
in den Golf bekannt, um sich nach Ende des Kriegs im
Rahmen der internationalen Koalition an Minenräumoperationen zu beteiligen.
Präsident Bush erklärt, wenn ein Landkrieg am Golf
vermieden werden soll, müsse der irakische Präsident
Saddam Hussein "den unverzüglichen und bedingungslosen Abzug aus Kuwait" bis 18.00 Uhr MEZ am
23. Februar 1991 beginnen.
In einer vom Sprecher des Weißen Hauses Marlin
Fitzwater veröffentlichten Stellungnahme erklärt der
Präsident, der Bodenkrieg werde nicht begonnen,
wenn der Irak folgende Bedingungen akzeptiere und
dies den Vereinten Nationen mitteile:
Beginn eines umfassenden Rückzuges aus
Kuwait bis zum 23. Januar, 18.00 Uhr MEZ.
Dieser Abzug müsse binnen einer Woche abgeschlossen sein.
Abzug aller Truppen aus Kuwait City innerhalb
von 48 Stunden; der rechtmäßigen Regierung
Kuwaits müsse die Rückkehr gestattet weiden.
Abzug von alten ausgebauten Verteidigungsstellungen an der saudi-kuwaitischen und saudi-irakischen Grenze, von den Inseln Bubiyan
und Warbah sowie vom Ölbohrfeld Rumailah in
Kuwait innerhalb einer Woche; im Einklang mit
Resolution 660 Rückkehr alter irakischen Streitkräfte zu ihren Stellungen vom 1. August 1990.
Freilassung sämtlicher Kriegsgefangener und
Zivilisten aus Drittländern, die gegen ihren Willen festgehalten werden; Rückgabe der sterblichen Überreste gefallener und gestorbener
Soldaten. Der Prozeß der Freilassung muß
unverzüglich beginnen und binnen 48 Stunden
abgeschlossen sein.
Beseitigung aller Sprengsätze und versteckten
Sprengladungen; Benennung militärischer Verbindungsoffiziere, die beim Abzug der irakischen Truppen mit den Koalitionsstreitkräften
zusammenarbeiten; Lieferung alter Informationen über Lage und Art von Land- und Seeminen.
Einstellung der Flüge von Kampfflugzeugen über
Irak und Kuwait, ausgenommen von Transportmaschinen, die Truppen aus Kuwait ausfliegen.
Den Flugzeugen der Koalition ist die exklusive
Kontrolle und Nutzung des gesamten kuwaitischen Luftraums zu übertragen.

AMERIKA DIENST 10

�Einstellung aller Zerstörungsmaßnahmen gegen Bürger und Eigentum in Kuwait sowie Freilassung aller inhaftierten Kuwaitis.
Die Vereinigten Staaten und ihre Koalitionspartner
bekräftigen, daß ihre Streitkräfte keine unbewaffneten
irakischen Truppen beim Rückzug angreifen und Zurückhaltung üben werden, solange der Abzug im Einklang mit den Richtlinien stattfindet.
23. Februar

'

WHO-Beamte erklären nach der Rückkehr von einer
Informationsreise nach Bagdad und der Lieferung von
54 Tonnen medizinischer Versorgungsgüter für Frauen und Kinder, sie hätten während ihres einwöchigen
Besuchs keine Unterernährung irakischer Kinder festgestellt. Die Gruppe wurde von Dr. Ali Khogali, dem
Direktor des WHO-Büros für das östliche Mittelmeer,
geleitet.
Brigadegeneral Richard Neal zufolge haben die Iraker
in Kuwait eine Terrorkampagne eingeleitet. Bei einem
Vortrag des US-Central Command erklärt er, es gebe
"eine systematische Exekutionskampagne, insbesondere gegen solche Personen, die bereits gefoltert
wurden. Man könnte dies als Vernichtung von Beweismitteln bezeichnen."
"Die Befreiung Kuwaits ist nun in ihre letzte Phase
getreten", erklärt Präsident Bush und weist General
Norman Schwarzkopf an, gemeinsam mit den Koalitionsstreitkräften "alle zur Verfügung stehenden Streitkräfte, einschließlich der Bodentruppen, einzusetzen,
um die irakische Armee aus Kuwait zu vertreiben."
Der Botschafter Kuwaits bei den Vereinten Nationen,
Mohammad Abulhassan, erklärt am Sitz der UNO sein
Bedauern, daß "wir- die ganze Welt - nicht in der Lage
waren, Saddam Hussein davon zu überzeugen, Kuwait zu verlassen und seiner Nation, seinem Land und
der Region die von ihm verursachte Katastrophe zu
ersparen".

&gt;

In getrennten Erklärungen befehlen der britische Premierminister John Major und der französische Präsident Francois Mitterrand kurz nach der Ankündigung
von Präsident Bush ihren Streitkräften, am alliierten
Angriff zur Befreiung Kuwaits teilzunehmen.
24. Februar
Der Kommandeur der Alliierten, General Norman
Schwarzkopf, verkündet, daß die Koalitionstruppen
um 02.00 Uhr MEZ die Bodenoffensive zur Befreiung
Kuwaits eröffnet hätten. An der Offensive nehmen die
Vereinigten Staaten, Saudi Arabien. Großbritannien,
Frankreich, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar, Oman, Syrien und Kuwait teil, erklärt
Schwarzkopf.

AMERIKA DIENST 10

Maschinen aus zehn Koalitionsstaaten fliegen am
zweiten Tag hintereinander eine Rekordzahl von
Bombenangriffen über Kuwait, darunter 1 200 Einsätze gegen irakische Stellungen. An der Front schlagen
Bulldozer eine Bresche durch die Sandwälle an der
Nordgrenze Saudi-Arabiens. Die alliierte Artillerie
beschießt die feindlichen Linien und Wellen von
Kampfhubschraubern greifen über kuwaitischem Territorium an. Auf See machen Minenräumer der Koalition Seekorridore für den möglichen Einsatz amphibischer Kräfte frei.
Der irakische Präsident hält im Bagdader Rundfunk
von einem unbekannten Ort und zu unbestimmter Zeit
eine Rede, in der er seine Truppen auffordert, gegen
die alliierten Streitkräfte zu kämpfen "und ihnen gegenüber keine Gnade zu zeigen..."
Deutschland bekräftigt seine Solidarität mit den Alliierten und Partnern beim Kampf zur Befreiung Kuwaits im
Namen der Vereinten Nationen.
Der kanadische Premierminister Brian Mulroney stellt
in einer Erklärung fest: "In jeder Phase dieser Krise
hatte Saddam Hussein die Wahl zwischen Krieg und
Frieden. In jeder Phase hat er den Krieg dem Frieden
vorgezogen. Tragischerweise hat er dies auch ein
letztes Mal getan."
Der portugiesische Premierminister Anibal Cavaco
Silva bringt Portugals uneingeschränkte Solidarität mit
den Koalitionsstreitkräften zum Ausdruck und stellt
fest, Saddam Hussein sei für die neue Phase des
Krieges verantwortlich.
25. Februar
Der UN-Sicherheitsrat tritt auf Verlangen der Sowjetunion zusammen, um einen Friedensplan zu erörtern,
der im Einklang mit der Resolution 660 des UNSicherheitsrats ein Datum für den irakischen Rückzug
festsetzen, eine kurze Abzugsfrist vorsehen und keine
anderen Bedingungen zulassen würde. Die Mitglieder
des Sicherheitsrats kommen zu dem Schluß, daß
keine Entscheidung gefällt werden kann, solange der
Irak die Vereinten Nationen nicht offiziell unterrichtet,
daß er die UN-Resolutionen einhalten wird. USBotschafter Thomas Pickering erklärt nach zweistündigen vertraulichen Beratungen im Namen der Koalition: "Wir möchten, daß der Irak sobald wie möglich
auf uns zukommt und erklärt, er werde die Resolutionen einhalten." Er bekräftigt, der Irak müsse sich
binnen einer Woche aus Kuwait und innerhalb von 48
Stunden aus Kuwait City zurückziehen, alle Kriegsgefangenen und Bürger von Drittländern freilassen und
alle Sprengsätze und versteckten Sprengladungen
aus Kuwait entfernen.

Seite 3

�Der Inlandsdienst des Bagdader Rundfunks strahlt in
Arabisch eine Erklärung eines "offiziellen Sprechers"
aus, derzufolge "die Führung (des Irak) ihre Zustimmung zum Abzug im Einklang mit der Resolution 660
des UN-Sicherheitsrats ... bekräftigt. Den Streitkräften wurde befohlen, sich in geordneter Weise auf die
vor dem 1. August 1990 bestehenden Stellungen
zurückzuziehen."
Präsident Bush und die Alliierten bestehen darauf, daß
der Irak alle Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
anerkennen und mit einem massiven Truppenabzug
beginnen muß; weniger würden die Alliierten nicht
anerkennen.
Teile einer irakischen SCUD-Rakete fallen auf eine
US-Kaserne bei Dhahran in Saudi Arabien. 28 USSoldaten werden getötet, 100 verwundet.
Die 10. medizinische Mission des jordanischen Roten
Halbmonds verläßt Amman mit 28 Tonnen Arzneimitteln, medizinischen Geräten und Säuglingsnahrung
für den irakischen Roten Halbmond in Bagdad.
Der Emir von Kuwait Scheich Jabir AI-Ahmad AlSabah hält aus Anlaß des 30. Jahrestages der Unabhängigkeit Kuwaits eine Rede in Taif, in der er erklärt,
die Krise "hat Kuwaits nationales Bewußtsein gestärkt
und den wahren Charakter des kuwaitischen Volks
zutage gefördert".
26. Februar
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK)
appelliert an den Irak, die dritte Genfer Konvention
anzuerkennen und dem IKRK Besuche bei den vom
Irak festgehaltenen Kriegsgefangenen zu gestatten.
Generalleutnant Thomas Kelly erklärt bei einem Informationsgespräch über die Operation Wüstensturm,
die irakische Armee befinde sich auf dem Rückzug,
obwohl im Golfkrieg immer noch Kampfhandlungen
stattfänden. Kelly zufolge haben die Alliierten bis jetzt
über 30 000 Iraker gefangengenomen und 2 085 Panzer,
562 gepanzerte Fahrzeuge und 1 505 Artilleriegeschütze zerstört. "Wir tun alles in unserer Macht
Stehende, um die sich in unserer Obhut befindenden
Iraker angemessen zu versorgen. Ich möchte Ihnen
versichern, daß es den Irakern in unserer Obhut besser geht als vorher".
Saddam Hussein gibt über Radio Bagdad bekannt, die
irakischen Truppen "werden ganz aus Kuwait abziehen". Aber er erklärt den Irakern auch, "Kuwait ist Teil
Eures Landes", und fügt hinzu, "am 8. August wurde
Kuwait rechtmäßig, verfassungsgemäß und tatsächlich Teil des Irak".
Präsident Bush konstatiert in einer kurzen Ansprache
an die Nation, der irakische Führer "gibt Kuwait nicht
freiwillig auf", sondern "er will die Reste von Macht und
Kontrolle im Nahen Osten mit allen Mitteln behalten".

Seite 4

Er erklärt ferner, "Saddam ist nicht am Frieden interessiert, sondern nur an Umstrukturierung und weiteren
Kämpfen, und er gibt Iraks Anspruch auf Kuwait nicht
auf." Bush fügte hinzu, die Koalition "wird deshalb
weiterhin mit unverminderter Intensität Krieg führen".
Experten erklären bei der Umweltkonferenz in Bahrain, Flugzeuge hätten auf der Suche nach weiteren
Kriegsschäden einen neuen Ölteppich im Golf gesichtet. Dem Leiter der Forschungsabteilung für Öl und
Mineralien an der King Fahd Universität, Abdullah
Dabbagh, zufolge könnte der neue Ölteppich bis Juni
über Katar hinaus in den südlichen Teil des Golfs an die
Südostküste des Iran treiben.
27. Februar
Der Befehlshaber des US-Central Command, Norman
Schwarzkopf, erklärt in Riad, daß 29 irakische Divisionen von Koalitionsstreitkräften kampfunfähig gemacht
wurden, warnte aber, der Krieg werde unvermindert
fortgesetzt. Die Alliierten kämpfen ihm zufolge mit den
westlich von Basra liegenden Divisionen der Republikanischen Garde "eine klassische Panzerschlacht"
und in Kuwait gebe es immer noch Nester des Widerstands. Schwarzkopf erklärt ferner, etwa 3 008 irakische Kampfpanzer, 1 879 der 2 870 gepanzerten
Fahrzeuge und 2 140 der 3 100 Artilleriegeschütze
seien zerstört worden. Zahlreiche irakische Soldaten
sind in ihren Schützengräben getötet worden, viele
andere geflohen.
Die Vereinten Nationen erhalten und veröffentlichen
einen Brief des irakischen Außenministers Tarik Asis
in offizieller Übersetzung, in dem der Irak erklärt, er
akzeptiere lediglich drei der zwölf UN-Resolutionen 660, 662 und 674 - unter der Bedingung, daß der
Sicherheitsrat einen sofortigen Waffenstillstand fordert und unter der Voraussetzung, daß die Resolutionen über Sanktionen und das Embargo nicht länger
gelten.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen weist das
irakische Angebot, nur drei Resolutionen akzeptieren
zu wollen, zurück. Der Präsident des Rats fordert eine
bedingungslose und ausdrückliche Annahme aller zwölf
Resolutionen.
Die kuwaitischen Streitkräfte unter Beteiligung von
Saudi-Arabien, Ägypten, Katar, der Vereinigten Arabischen Emirate, Omans und Syriens werden bei ihrem
Einzug in Kuwait City von einer jubelnden Menge
begrüßt. Sie finden den Palast des Emirs und das mit
vielen Millionen erbaute Konferenzzentrum, Hotels,
Wohnhäuser und ganze Viertel zerstört. Die Koalitionsstreitkräfte hissen ihre Nationalflaggen über ihren
Botschaften in der kuwaitischen Hauptstadt.
Präsident Bush erklärt, die Koalitionsstreitkräfte am
Golf würden ihren Angriff am 28. Februar um 6 . 0 0 Uhr
(MEZ) aussetzen, um Irak die Möglichkeit zu geben,

AMERIKA DIENST 10

�Alliierten auf strategische und militärische Ziele im Irak
unversehrt sind. Der Unterabteilungsleiter im Außenministerium, David Mack, erklärt, die Photos seien
aufgenommen und veröffentlicht worden, um irakische
Behauptungen zu widerlegen, daß alliierte Piloten
absichtlich religiöse Stätten im Irak zerstören würden.

einen offiziellen Waffenstillstand auszuarbeiten. Er
warnte, die Koalition würde den Angriff wiederaufnehmen, wenn der Irak die Kampfhandlungen fortsetzt
oder Raketen auf irgendein Land abschießt. Bush
erklärte femer, ein dauerhafter Waffenstillstand werde
davon abhängen, ob der Irak alle Kriegsgefangenen
der Koalition, alle gefangenengenommenen Kuwaitis,
Drittstaatler und die sterblichen Überreste aller Gefallenen unverzüglich freigibt und alle UN-Resolutionen
zu Kuwait einhält. Dazu zählen die Aufgabe der
irakischen Annexion Kuwaits und Anerkennung der
Entschädigungszahlungen für alle Verluste im Rahmen der Invasion. Der Irak muß die kuwaitischen
Behörden über den Ort der Verlegung und die Typen
aller Land- und Seeminen in Kenntnis setzen und
militärische Befehlshaber benennen, die innerhalb
von 48 Stunden mit ihren Kollegen von den Koalitionsstreitkräften zusammentreffen, um die militärischen
Aspekte des Waffenstillstands zu erörtern.

Brigadegeneral Richard Neal erklärt bei einem Informationsgespräch des US-Central Command in Riad,
"alle Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der Koalition
befinden sich in Verteidigungsstellung", um Präsident Bushs Befehl zur Einleitung eines Waffenstillstands zu befolgen. Neal erklärt weiter, nach jüngsten Schätzungen seien etwa41 der 42 zur Besetzung
Kuwaits stationierten Divisionen des Irak "gefangengenommen, zerstört oder kampfunfähig gemacht
worden" und Soldaten in Divisionsstärke "konnten
nach Norden, in den Irak zurück fliehen". Neal
zufolge haben irakische Truppen bei ihrem Rückzug
aus Kuwait "bis zu 40 000" Zivilisten als Geiseln genommen und die US-Regierung sei "sehr besorgt"
über die von irakischen Soldaten in Kuwait begangenen Greueltaten.

Der irakische Botschafter bei den Vereinten Nationen,
Abdul Amir Al-Anbari, erklärt, dem Präsidenten des
Sicherheitsrats einen Brief von Außenminister Tarik
Asis übergeben zu haben, demzufolge der Abzug des
Irak aus Kuwait vollzogen und der Irak bereit ist, alle
Resolutionen des Rats bedingungslos zu akzeptieren.
Femer würde der Irak Kriegsgefangene "baldmöglichst"
in ihre Heimatländer zurückschicken. Der Brief von
Asis fordert einen Waffenstillstand.

Mit dem kuwaitischen Botschafter in Washington, Saud
Nasir al-Sabah, an seiner Seite erklärte Präsident
Bush, Bagdad habe zugestimmt, Militärs zu benennen, die mit ihren Kollegen der Koalition zusammentreffen sollten, "um militärische Aspekte" einer Waffenruhe zu erörtern. Der Irak stimmt damit der zweiten
Bedingung für einen Waffenstillstand zu, die Bush in
seiner Erklärung vom 27. Februar über eine Aussetzung der Kampfhandlungen von Koalitionsstreitki äffen fordert.

28. Februar
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen tritt zusammen, um den Brief des irakischen Außenministers
Tarik Asis entgegenzunehmen und zu erörtern und
erklärt, "der Irak sei zur vollständigen Einhaltung der
Resolution 660 und aller anderen Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats bereit".

Der kuwaitische Botschafter bei den Vereinten Nationen bittet den UN-Generalsekretär Perez de Cuellar,
eine Expertengruppe aus Mitgliedern des UN-Sekretariats, der Weltgesundheitsorganisation, des Kinderhilfswerks UNICEF, des UN-Umweltprogramms und
der UNESCO zu entsenden, um in Kuwait "die Schäden in allen Lebensbereichen" zu bewerten. Er schätzt,
daß seit dem 2. August 1990 mindestens 22 000
kuwaitische Zivilisten in den Irak verschleppt wurden
und noch einmal 5 000 Kuwaiter in die Hände der
Iraker fielen, als diese in den letzten 48 Stunden der
Kämpfe aus Kuwait flohen.

Saddam Hussein befiehlt seinen Truppen die Einstellung der Kampfhandlungen, und der Irak erklärt sich
mit der Aufnahme von Gesprächen einverstanden, bei
denen ein dauerhafter Waffenstillstand ausgearbeitet
werden soll.
Vom Pentagon veröffentlichte Aufklärungsphotos
bestätigen, daß die heiligen Stätten in den Städten An
Najaf und Karbala trotz sechswöchiger Luftangriffe der
* *

AMERIKA DIENST 10

*

Seite 5

�CHEMIEEXPORTE
13. März 1991

USA ERWEITERN LISTE GENEHMIGUNGSPFLICHTIGER CHEMIKALIEN
Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die Bush-Administration hat die Zahl chemischer Stoffe, deren Ausfuhr genehmigungspflichtig ist, von 11 auf 50 erhöht. Darüber hinaus werden in Zukunft zum ersten Mal Ausfuhrgenehmigungen
für Ausrüstungsgegenstände erforderlich, die zwar zu Recht kommerziell genutzt werden, aber auch der
Produktion chemischer und biologischer Waffen dienen können.
Die drei neuen Durchführungsverordnungen für die vom Präsidenten Ende 1990 gegen die Verbreitung
chemischer und biologischer Waffen erlassenen Verfügungen werden in einer Übersicht des Weißen Hauses
vom 6. März 1991 erläutert, die wir nachfolgend veröffentlichen.

Im Bundesgesetzblatt werden drei Verordnungen
veröffentlicht. Diese Verordnungen werden einen
Beitrag zu unseren Nichtverbreitungs-Bemühungen
leisten, da sie Teile der vom Präsidenten im vergangenen November erlassenen Verfügung über chemische
und biologische Waffen (CBW) und der im vergangenen Dezember eingeleiteten Initiative zur verbesserten Proliferationskontrolle verwirklichen. Gleichzeitig
sind die Verordnungen so angelegt, daß Eingriffe in
den legitimen internationalen Handelsverkehr so gering wie möglich gehalten werden.
Mit der ersten Verordnung wird eine Liste von mehrfach nutzbaren Ausrüstungsgegenständen aufgestellt,
die zwar zu Recht kommerziell genutzt werden, aber
auch der Produktion chemischer und biologischer Waffen
dienen können. Die Ausfuhr solcher mehrfach nutzbaren Ausrüstungsgegenstände in besonders sensible
Regionen, wie etwa den Nahen Osten und Südwestasien sowie in andere Staaten, deren Aktivitäten in
Zusammenhang mit CBW stehen könnten, ist nunmehrgenehmigungspflichtig. Die Ausrüstungsliste, in
der dreimonatige Bemühungen - darunter umfangreiche Konsultationen mit der Industrie ihren Niederschlag finden, ist einzigartig: Nie zuvor waren amerikanische Ausfuhren von mehrfach nutzbarer, CBWrelevanter Ausrüstung genehmigungspflichtig.
Die zweite Verordnung erweitert die Liste der "chemischen Grundstoffe", deren Ausfuhr genehmigungs-

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pflichtig ist, von 11 auf 50. Wie mehrfach nutzbare
Ausrüstungsgegenstände werden diese Chemikalien
allgemein für die Herstellung handelsüblicher Produkte benutzt. Sie wurden jedoch auch von der AustralienGruppe als Hauptbestandteile für die Herstellung
chemischer Waffen identifiziert. Die Australien-Gruppe ist ein multilaterales Forum von 20 Lieferstaaten
(einschließlich der Vereinigten Staaten), das sich für
die Begrenzung der Verbreitung chemischer Waffen
engagiert. Die Vereinigten Staaten werden sich nun
der wachsenden Zahl von Mitgliedstaaten der Australien-Gruppe anschließen, in denen Exporte dieser 50
chemischen Grundstoffe in ein Land außerhalb dei
Gruppe genehmigungspflichtig sind.
Die dritte Verordnung sieht zusätzliche Kontrollen vor,
konzentriert sich auf wissentliche Exporte oder andere
Hilfe von US-Firmen oder Einzelpersonen für CBW
oder Raketenprograrnme im Ausland. Gemäß ihren
Bedingungen kann die US-Regierung intervenieren,
um eine mögliche amerikanische Unterstützung dieser
Programme zu verhindern. Diese Verordnung wird in
folgenden Fällen neue Zulassungsbedingungen ver
hängen:
1.

Wenn ein US-Bürger Kenntnis von geplanten
Exporten oder anderen Hilfen für CBW oder den
Bau von Raketen hat, die für in der Liste enthaltene Regionen, Länder oder Projekte bestimmt
sind.

Seite 1

�2

w

Für den Export e.i^er, ganzen Chemiefabrik, die
irgendeinen der 50 chemischen. Grundstoffe
hersteitt odje.i; die Hilfe bei der Planung einer
solchen Fab$k, dje, für irgendein Nichtmitglied
der Australien-Gruppe bestimmt ist.

Gegenstand umfangreicher Konsultationen mit der
Industrie waren. Sie werden als Interimverordnungen
gelten. In dieser Form wird eine Verordnung am Tag
ihrer Veröffentlichung gültig sein, obwohlsie nach dem
30tägigen Zeitraul n für Öffentliche Einwäncle geändert
werden kann. Die dritte Verordnung über zusätzliche
Kontrollen wird als Vorschlag veröffentlicht. Diese
Verordnung tritt in Kraft, wenn eine abschließende
Vorschrift ei lassen ist und nach Ende des 30tägigen
Zeitraums dir öffentliche Einwände.

Die neue Tei^ahrAebeschränkwg für US-Bürger an
Projekten, bei denen es um chemische Waffen oder
Raketen geht, ähnelt den Exportbeschränkungen, die
bereits für den Export von Material zur Herstellung
biologischer und nuklearer Wallen gelten. Denjenigen, die diese Kontrollen verletzen, drohen strafrechtliche Verfolgung und Geldstrafen.

Vergleichbare Kontrollen müssen, wenn sie tatsächlich effektiv sein wollen, auf alle wichtigen Lieferanten
angewandt werden. Im Hinblick darauf verfolgt die
Regierung energisch die multilaterale Verabschiedung
dieser neuen Konti ollen in der Australien-Gruppe, dem
Kontrollregime für Raketentechnplogie und verschiedenen internationalen Atomforen.

-

3.

# W i Wt VJJS-PÖjrger von der; U S - R ^ e / ^
inform/e.rt wjrd, daß beabsichtigte Exporte oder
andere, H$eiür CBW oder den Bau von R a k e l n
in, irgendeinem Teil der Welt bestimmt sind.

Die Verordnungen sehen Kontrollen für Mehrzweckgeräte und chemische Grundstoffe vor, die bereits

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 10

�NEUER

LANDWIRTSCHAFTSMINISTER
13. März 1991

DIE BIOGRAPHIE DES NEUEN
LANDWIRTSCHAFTSMINISTERS
Edward Madigan vom Senat bestätigt
WASHINGTON - (AD) - Am 7. März 1991 wurde Edward Madigan vom US-Senat bestätigt. Nachfolgend
veröffentlichen wir seinen vom Landwirtschaftsministerium am 13. März herausgegebenen Lebenslauf.

Am 7. März 1991 wurde Edward Madigan vom Senat
mit 99 zu 0 Stimmen bestätigt und am 12. März als 24.
Landwirtschaftminister der Vereinigten Staaten vereidigt.

finanziellen Schwierigkeiten stecken und Anreize für
Umweltschutz bei der Bodenbewirtschaftung schaffen.

Als einer der renommiertesten Kenner der Landwirtschaft sicherte sich Madigan im Kongreß einen guten
Ruf. Madigan war 16 seiner 18 Jahre im Kongreß
Mitglied des Landwirtschaftsausschusses, acht Jahre
als rangältester Republikaner. Er wird von Mitgliedern
beider Parteien als Mitarbeiter an Gesetzen mit fundiertem Wissen und klugen Entscheidungen respektiert. Senator Richard Lugar (Republikaner aus Indiana) erklärt: "Ed Madigan hat mehr als jeder andere
Kongreßabgeordnete getan, um eine amerikanische
Landwirtschaftspolitik zu gestalten, die sich den wandelnden Weltmärkten anpaßt." Der Vorsitzende des
Landwirtschaftsausschusses im Senat, Senator Patrick Leahy (Demokrat aus Vermont) konstatierte: "Ich
weiß, er ist ein energischer, aber gerechter und vorurteilsfreier Mitarbeiter an Gesetzen."

Ausschusses zur kommerziellen Energienutzung und

Madigan war von 1985 bis 1990 maßgeblich an der
Erarbeitung der Landwirtschaftsgesetze beteiligt und
arbeitete entschlossen am Schutz der Einkommen von
Landwirten und der Expansion von Exportmärkten.
Als Landwirtschaftsminister wird Madigan die Durchführung des Landwirtschaftsgesetzes von 1990 überwachen, das als Bundesgesetz die Landwirtschaftspolitik der nächsten fünf Jahre festlegt. Zu Madigans
Leistungen bei der Gesetzgebung im Kongreß zählen
die Beschaffung der Mittel für die Behörde zur Elektrifizierung des ländlichen Raums. Ferner will er der
Behörde für landwirtschaftliche Betriebe mehr Flexibilität bei der Arbeit mit Landwirten einräumen, die in

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Im Kongreß war Madigan langjähriges Mitglied des
rangältester Republikaner im Unterausschuß für
Gesundheit und Umwelt, der Entscheidungsbefugnis
bei der öffentlichen Gesundheit, MEDICAID und gesetzlicher Krankenversicherung, Nahrungs- und Arzneimitteln, Umwelt- und Verbraucherschutz hat. Darüber hinaus war er Mitglied im Unterausschuß zur
Finanzierung von Telekommunikation, der bei der
Informationsübermittlung zwischen den Bundesstaaten und ins Ausland mitentscheiden kann, unter anderem bei Fernseh- und Radiosendungen, Satellitenund Kabelübertragungen und Gesetzen zur Finanzierung von Sicherheitsmaßnahmen. Madigan initiierte
ferner neue Gesetze, mit denen diese Ausschüsse
den Landwirten helfen sollten. Zum Beispiel enthielten
die Zusatzartikel zum Gesetz über die Reinhaltung der
Luft aus dem Jahr 1990 von Madigan erarbeitete
Bestimmungen, die den Einsatz alternativer Brennstoffe wie etwa Äthanol fördern. Diese Bestimmungen
schaffen bis 1995 einen zusätzlichen Markt für mindestens 750 Millionen Gallonen Äthanol jährlich.
Madigan wurde erstmals 1972 in den Kongreß gewählt, gewann seine Wiederwahl und war seitdem
ständig Abgeordneter. In den Jahren 1981 und 1982
war er Vorsitzender des Forschungsausschusses der
Republikaner. Madigan gehörte von 1966 bis 1972
dem Repräsentantenhaus von Illinois an und gewann
zweimal seine Wiederwahl. Er war Eigentümer des
Taxiuntemehmen Yellow-Lincoln in Illinois.

Seite 1

�Im Jahr 1974 wurde Madigan von der Vereinigung
ehemaliger Studenten des Lincoln College die Auszeichnung für besondere Verdienste im öffentlichen
Dienst verliehen. 1975 wurde er Ehrendoktor der
Geisteswissenschaften am Lincoln College, 1977 verlieh
ihm die James Millikin Universität die Ehrendoktorwürde der Jurisprudenz. Dieselbe Auszeichnung wurde
ihm 1979 von der Wesleyan Universität in Illinois
verliehen.

Madigan wurde am 13. Januar 1936 in Illinois geboren
und ist Absolvent des Lincoln College. Seine Frau
Evelyn und er haben drei Töchter. Kimberly ist Anwältin in Washington, Kellie Programmleiterin bei der
State Farm Isurance Company in Bloomington, und
Mary Elizabeth arbeitet als Produktmanager bei der
Sara Lee Corporation in Chicago. Die Familie Madigan
wohnt in Falls Church, Virginia.

* * * * *

Seite 2

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�</text>
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        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 13.03.1991</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: regionale Sicherheit im Nahen Osten erforderlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor beiden Häusern des Kongresses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Golfkrieg&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 15. bis 28. Februar 1991&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Chemieexporte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA erweitern Liste genehmigungspflichtiger Chemikalien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Neuer Landwirtschaftsminister&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die Biographie des neuen Landwirtschaftsministers&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Edward Madigan vom Senat bestätigt&lt;/em&gt;</text>
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