<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<itemContainer xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/browse?output=omeka-xml&amp;page=137&amp;sort_field=Dublin+Core%2CTitle" accessDate="2026-11-04T21:30:02+00:00">
  <miscellaneousContainer>
    <pagination>
      <pageNumber>137</pageNumber>
      <perPage>10</perPage>
      <totalResults>2223</totalResults>
    </pagination>
  </miscellaneousContainer>
  <item itemId="2173" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2184">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/fa3b60fb6bd6172990de83a1b15da385.pdf</src>
        <authentication>84dd50ae3065fab12919bc0a194e0239</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11017">
                    <text>cimcrikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

..tan scr/te*
_

47

._ . M M Ol " ' C ^

-

„~f^

^ "•£&amp;£»

28. November 1990

De'.'

5 3 00 Bonn

GOLFKRISE

AUSSENMINISTER NEHMEN AN SITZUNG DES
SICHERHEITSRATS TEIL
Baker sucht Unterstützung für Einsatz von Gewalt
DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse
vom 1. bis 15. November 1990

KSZE-GIPFEL

BUSH: RECHTSSTAATLICHKEIT MUSS
WELTWEIT DIE NORM WERDEN
Ansprache beim KSZE-Gipfel

UMWELT

BUSH UNTERZEICHNET GESETZE ZUR
ERFORSCHUNG DER ERDERWÄRMUNG,
SCHUTZ DER ANTARKTIS
Übersicht des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-33923 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
28. November 1990

AUSSENMINISTER NEHMEN AN SITZUNG DES
SICHERHEITSRATS TEIL
Baker sucht Unterstützung für Einsatz von Gewalt

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker hat die
Außenminister der 14 Mitgliedstaaten des UN-Sicherheitsrats zur Erörterung "weiterer Schritte" zu einem
Treffen nach New York eingeladen, um den Irak zur
Einhaltung der 10 vom Sicherheitsrat seit der irakischen Invasion Kuwaits Anfang August verabschiedeten Resolutionen zu zwingen.

erörtern. Augenzeugenberichte und Videoaufzeichnungen irakischer Aktionen werden ihm zufolge von
den kuwaitischen Behörden zur Verfügung gestellt.
Botschafter Thomas Pickering, der Ständige Vertreter
der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen,
beabsichtigt, am 28. November 1990 im Rat eine Rede
zu halten.

"Wir erwarten ein gutes Ergebnis", erklärte der Stellvertretende Sprecher des Außenministeriums, Richard
Boucher, bei einer Pressekonferenz am 26. November. Ein von den Vereinigten Staaten erarbeiteter
Entwurf einer Resolution wird unter den Mitgliedern
des Sicherheitsrats verteilt, Boucher nannte jedoch
keine Einzelheiten.

"Zwar mußten die Kuwaitis die Hauptlast der irakischen Aggression ertragen, aber auch eine große Zahl
von Ausländem hatte unter den irakischen Truppen zu
leiden", erklärte Boucher. "Bei dieser Sitzung wird
eine Bilanz der anhaltenden Repression durch irakische Behörden und der unverhüllten Aggression des
Irak in Kuwait vorgelegt."

Die Nachrichtenagentur Reuter und andere Medien
veröffentlichten einen Entwurf, mit dem die UN-Mitgliedstaaten ermächtigt würden, "alle erforderlichen
Schritte zu unternehmen, um die als Reaktion auf die
irakische Invasion und Besetzung Kuwaits verabschiedeten Resolutionen aufrechtzuerhalten und durchzuführen", es sei denn, der Irak "befolgt" die Resolutionen am oder vor dem 1. Januar 1991 "uneingeschränkt".

Nach Konsultationen mit praktisch allen Mitgliedstaaten des Sicherheitsrats forderte Außenminister Baker
in seiner Eigenschaft als Ratspräsident am 24. November die Einberufung einer Sitzung auf Ministerebene in New York am 29. November. "Wir werden
erörtern, welche zusätzlichen Schritte der Rat unternehmen könnte, um die Durchführung der als Reaktion
auf die unprovozierte irakische Invasion und andauernde Besetzung Kuwaits bereits verabschiedeten
zehn Resolutionen zu verwirklichen", so Baker in einer
am 24. November veröffentlichten Erklärung.

"Wir haben eindeutig klargestellt, daß die internationale Staatengemeinschaft sich bei dieser Frage gegen
Saddam Hussein verbündet hat", betonte der Stellvertretende Sprecher. "Bisher hat er noch keine Bereitschaft zur Einhaltung der UN-Resolutionen und der
Entscheidung der internationalen Staatengemeinschaft
angedeutet."
Vor der Ministertagung plant der Sicherheitsrat ein von
der kuwaitischen Regierung erbetenes zweitägiges
Treffen, um - mit Bouchers Worten - "die systematischen Bestrebungen des Irak zur Entmachtung der
kuwaitischen Regierung, Vertreibung des kuwaitischen
Volks und Kuwait dem Erdboden gleichzumachen", zu
AMERIKA DIENST 47

"Wenn der Rat gemäß der Charta der Vereinten Nationen Maßnahmen ergreift, um internationalen Frieden
und Sicherheit wiederherzustellen, müssen diese
Maßnahmen durchgeführt werden", erklärte Baker.
"Unsere Entschlossenheit zur Gewährleistung ihrer
Durchführung sollte Saddam Hussein die Notwendigkeit demonstrieren, diese Krise friedlich und unverzüglich beizulegen."
Baker wird voraussichtlich am 28. November 1990
nach New York fliegen und bei den Vereinten Nationen
Seite 1

�Konsultationen mit allen Mitgliedstaaten des Sicherheitsrats, einschließlich Kuba, führen. Boucher zufolge ist jedoch noch ungewiß, ob Baker persönlich mit
Vertretern der kubanischen Regierung zusammentrifft. Kuba ist das einzige Mitglied des Sicherheitsrats,
mit dem er während der dreiwöchigen intensiven diplomatischen Reisetätigkeit keine direkten Kontakte hatte, die mit Bakers Treffen mit Vertretern der kolumbianischen Regierung in Bogota und dem malaysischen
Außenminister in Los Angeles am 24. November beendet
wurde.
Boucher verwies darauf, daß Baker die Vorbereitung
für eine Sondersitzung des Sicherheitsrats auf Ministerebene und die Zielsetzung des Resolutionsentwurfs am Wochenende eingehend erörtert habe und er
keine weiteren Einzelheiten nennen könne.
"Wir sprechen von einer Resolution, die eine politische
Grundlage für den möglichen Einsatz von Gewalt
bilden würde, wenn es uns nicht gelingt, eine friedliche
und politische Lösung der Krise herbeizuführen", erklärte Baker am 24. November bei seinem Flug von
Los Angeles nach Houston vor Journalisten.
Wenn der Einsatz von Gewalt nicht als mögliche
Option ausgeschlossen wird, erklärte der Außenminister, muß er sowohl eine politische als auch militärische Grundlage haben, um glaubwürdig zu sein. Baker
zufolge ist es die Absicht der Vereinigten Staaten,
"daß der Rat eine Resolution in Erwägung zieht, die
den Einsatz aller erforderlichen Mittel genehmigen
würde", um die bisherigen zehn Resolutionen des
Sicherheitsrats durchzuführen.
"Meiner Ansicht nach wird der Rat eine Resolution
prüfen wollen, aus der eindeutig hervorgeht, daß sich
die Mitgliedstaaten nach einem bestimmten Zeitpunkt
aller verfügbaren Mittel bedienen, um die bisherigen
Resolutionen durchzusetzen", erklärte der Außenminister, ohne ein bestimmtes Datum zu nennen. "Eine
solche Resolution würde eindeutig die Botschaft an
Saddam Hussein enthalten, daß immer noch die
Möglichkeit besteht, diese Angelegenheit in einem
bestimmten Zeitrahmen friedlich und politisch zu lösen. Der Grund, warum der Rat unserer Meinung nach
eine solche Resolution erwägen sollte, liegt darin, daß
sie die besten Aussichten auf eine friedliche und
politische Lösung bietet," konstatierte Baker.
Baker wollte keine Prognosen darüber abgeben, wieviele der 15 Mitgliedstaaten des Rates zugunsten einer
solchen Resolution stimmen würden. Ein hochrangiger Vertreter der US-Regierung an Bord der Maschine
des Außenministers erinnerte die Journalisten jedoch
daran, daß Baker dem Sicherheitsrat keine solche
Resolution vorschlagen würde, "wenn nicht die Auffassung bestünde, sie könne eine erfolgreiche Wende
bedeuten". Nach dem Treffen mit dem malaysischen
Außenminister Hassan in Los Angeles am 24. Novem-

Seite 2

ber erklärte Baker vor Journalisten, "wir haben eine
Reihe von bindenden Zusagen erhalten".
Davor hatte Baker nach seinen Zusammenkünften mit
Präsident Gaviria und Außenminister Jaramillo aus
Kolumbien in Bogota betont, "wir ziehen eindeutig eine
friedliche und politische Lösung dieser Krise vor, und
das haben wir auch bisher angestrebt". Aber, so
Baker, "vielleicht besteht die beste Möglichkeit für eine
friedliche Lösung für uns darin, die Option einer möglichen Gewaltanwendung nicht auszuschließen. Dies
könnte das einzeige sein, was Saddam versteht. Wenn
das so ist, wäre es bedauerlich, aber dennoch müssen
wir - wenn diese Option glaubwürdig sein soll - eine
angemessene militärische und politische Grundlage
dafür schaffen. Und das streben wir mittels enger
Konsultationen mit den anderen Mitgliedern des Sicherheitsrats an."
"Wir hoffen, daß die Botschaft jetzt klar und deutlich
vernehmbar ist," erklärte Baker am 24. November
gegenüber Journalisten auf dem Weg nach Houston.
"Dies ist ein Grund, warum die internationale Staatengemeinschaft unserer Meinung nach handeln soll, um
die zehn vom Sicherheitsrat bereits verabschiedeten
Resolutionen durchzuführen. Wenn der Sicherheitsrat
tatsächlich handelt, scheint er mir damit ein klares,
deutliches und unmißverständliches Signal auszusenden."
Auf die Frage, ob die neue Resolution am 30. November - dem letzten Tag des Vorsitzes der Vereinigten
Staaten im Sicherheitsrat - bereits verabschiedet sein
werde, erklärte Boucher: "Ich möchte keine Prognosen darüber abgeben, wann bestimmte Dinge stattfinden. Ich möchte nur auf die Erklärung des Außenministers verweisen, daß wir die Minister am Donnerstag
zu einer Sitzung eingeladen haben, um weitere Schritte zu erörtern." Baker erklärte am Wochenende, er
hoffe, daß der Rat am 29. oder 30. November "in der
Lage ist, abzustimmen".
Auf die Frage, warum eine neue Resolution Saddam
Hussein dazu bringen könne, die bestehenden zehn
Resolutionen durchzuführen, erklärte der Stellvertretende Sprecher: "Meiner Ansicht nach haben wir nicht
gesagt, die Verabschiedung der Resolution würde ihn
dazu bringen, die bisherigen einzuhalten. Es ist vielmehr die Fortsetzung des internationalen Zusammenhalts und der auf ihn ausgeübte Druck, die ihn zu einer
Einhaltung veranlassen können. Darüber hinaus hat
der Außenminister darauf verwiesen, daß wir auch
über eine glaubwürdige Option für den Einsatz von
Gewalt verfügen müssen."
Nachfolgend die Erklärung von Außenminister Baker
zu seiner beabsichtigten Zusammenkunft des Sicherheitsrats:
Nach Abschluß unserer Konsultationen mit nahezu
allen im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vertre-

AMERIKA DIENST 47

�tenen Mitgliedstaaten laden wir in unserer Eigenschaft
als gegenwärtiger Vorsitzender des Rats diese Länder
am 29. November 1990 in New York zu einer Sitzung
auf Ministerebene ein. Bei dieser Gelegenheit werden
wir erwägen, welche zusätzlichen Schritte der Rat
unternehmen könnte, um die Durchführung der zehn
Resolutionen zu erreichen, die bereits als Reaktion auf
die nichtprovozierte Invasion und andauernde Besetzung Kuwaits durch den Irak verabschiedet wurden.

*

AMERIKA DIENST 47

Als Mitglieder des Sicherheitsrats haben wir eine
besondere Verantwortung gegenüber der übrigen Welt.
Wenn der Rat nach der Charta der Vereinten Nationen
Maßnahmen zur Wiederherstellng von Frieden und
Sicherheit auf der Welt ergreift, dann müssen diese
Maßnahmen durchgeführt werden. Unsere Entschlossenheit, ihre Durchführung zu garantieren, sollte Saddam
Hussein die Notwendigkeit demonstrieren, diesen
Konflikt friedlich und und unverzüglich zu lösen.

* * *

*

Seite 3

�GOLFKRISE
28. November 1990

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. November 1990
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für die Zeit vom 1. bis
15. November fort.

2. November
Unter Führung der Organisation "Bürger für ein freies
Kuwait" halten im Exil lebende Kuwaitis Mahnwachen
in den Vereinigten Staaten, Ägypten, Großbritannien
und Irland zum Gedenken daran, daß drei Monate seit
der irakischen Invasion in Kuwait vergangen sind.

t

•&gt;

Die Ausbildung irakischer Techniker auf einem sowjetischen Marinestützpunkt in der Nähe von Riga (Lettland) wird aufgrund einer Entscheidung des lettischen
Parlaments gegen die weitere Ausbildung von irakischem Militär auf lettischem Territorium abgekürzt.
4. November

Berichten zufolge sind drei französische Soldaten
während einer Patrouille in die Hände irakischer Soldaten gefallen. Sie werden angeblich der Französischen
Botschaft in Bagdad übergeben.

Der irakische Informationsminister Latif Nassif al-Jassem erklärt, Kuwait existiere nicht länger, und die Welt
solle die Unabhängigkeit Kuwaits aus ihrem Gedächtnis streichen.

Der österreichische Außenminister Alois Mock ordnet
"aufgrund der kontinuierlich wachsenden Gefahr eines
Krieges am Golf" die Ausrüstung aller diplomatischen
Vertretungen im Nahen Osten mit Gasmasken an.

5. November

Das Weiße Haus gibt bekannt, daß Präsident Bush
das Erntedankfest bei den in der Golf region stationierten amerikanischen Streitkräften verbringen und mit
saudiarabischen, ägyptischen und kuwaitischen Politikern Konsultationen über die Lage am Golf führen
wird.
3. November
Die Regierung von Tansania verbietet eine von der
irakischen Botschaft unterstützte Kampagne, tansanische Jugendliche für den Militärdienst im Irak anzuwerben, mit der Begründung, die Regierung wünsche
kein Engagement ihrer Staatsbürger bei der Golfkrise.
Der iranische Präsident Akbar Hashemi-Rafsanjani
erklärt, die Organisation der Islamischen Konferenz
(OIC) müsse sich zur Intervention in der irakischkuwaitischen Krise verpflichtet fühlen, da sie jetzt die
moslemische Welt bedrohe und die islamischen Staaten spalte.

AMERIKA DIENST 47

Die bolivianische Regierung erhebt bei der irakischen
Regierung Protest gegen den Angriff auf die bolivianische diplomatische Vertretung in Kuwait. "Bestimmte,
von Angehörigen der irakischen Streitkräfte gegen
unsere diplomatische Mission in Kuwait ergriffene
illegale Maßnahmen ... stellen eine eindeutige Verletzung des Völkerrechts dar, für die der Irak zur Verantwortung gezogen werden kann", stellt ein vom bolivianischen Außenministerium herausgegebenes Kommunique fest.
Der italienische Finanzminister Mario Sarcinelli gibt
bekannt, daß die durch das UN-Embargo gegen Irak
am härtesten betroffenen Länder Hilfsleistungen in
Höhe von 13 Milliarden Dollar von der Golfkrise-Finanzkoordinierungsgruppe erhalten werden. Die Summe
für 1990-1991 wurde von den 24 bei der Ausschußsitzung der Koordinierungsgruppe am 5. November
anwesenden Ländern festgesetzt. Zu den begünstigten Ländern gehören Jordanien, Ägypten, die Türkei,
Syrien und Marokko. Die 24 Mitglieder der GolfkriseFinanzkoordinierungsgruppe sind Belgien, Dänemark,
Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland,

Seite 1

�Großbritannien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Katar,
Korea, Kuwait, Luxemburg, Niederlande, Österreich,
Portugal, Saudi-Arabien, Schweden, Schweiz, Spanien, Vereinigte Arabische Emirate und die Vereinigten Staaten.
7. November
Der Irak kündigt die Freilassung von über 120 Geiseln,
zumeist Deutschen, aber auch einer ungenannten
Zahl Briten, Italiener, Amerikaner sowie anderer Nationalitäten an. In der Zwischenzeit fliegen 74 Japaner
nach dreimonatiger Gefangenschaft im Irak zurück in
die Freiheit.
8. November
Saddam Hussein entläßt seinen Generalstabschef,
Generalleutnant Nizar Khazraji - Berichten zufolge
aufgrund von Meinungsverschiedenheiten bezüglich
der Durchführung der Invasion, einschließlich der
geduldeten Flucht der kuwaitischen Königsfamilie nach
Saudi-Arabien während der ersten Stunden der irakischen Invasion in Kuwait am 2. August. Er ernennt
seinen Cousin und Schwiegersohn, Hussein Rashid,
zum Nachfolger Khazrajis.
Im Anschluß an ein Treffen mit seinem sowjetischen
Amtskollegen Schewardnadse erklärt Außenminister
Baker, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
stimmten in ihrer Ablehnung einer Teillösung der irakischen Invasion Kuwaits überein. Baker fügt hinzu, die
beiden Seiten hätten ferner Einigung erzielt, daß "wir
eine friedliche politische Lösung der Krise - definitiv bevorzugen, andere Optionen jedoch nicht ausschließen können".
Präsident Bush ordnet die zusätzliche Stationierung
von Land-, See- und Luftstreitkräften am Golf an Berichten zufolge soll es sich um bis zu 200 000
Soldaten handeln - und erklärt, er ziehe eine friedliche
Lösung der Krise auf der Basis der UN-Resolutionen
vor, werde aber den Einsatz von Gewalt nicht ausschließen, wenn andere Lösungen versagen. Bush
zufolge ist die Verstärkung erforderlich, um eine potentielle Gewaltanwendung glaubwürdig erscheinen zu
lassen.
9. November
Der Präsidialausschuß der UN-Generalversammlung
lehnt die Anfrage des Irak ab, einen Punkt auf die
Tagesordnung der UN-Generalversammlung zu setzen, der die militärische Konzentration der Vereinigten
Staaten am Golf als Bedrohung für Frieden und Sicherheit der arabischen Länder und der ganzen Welt
bezeichnet. Ausschußmitglieder verweisen vielmehr
darauf, daß der Irak die Bedrohung für die Region
darstellt, brandmarken den Irak als Aggressor und
beschuldigen Bagdad der Verzerrung, amoralischer
Aktionen, Arglistigkeit und Verkehrung von US-Aktionen.
Dem Präsidialausschuß gehören der Präsident der
Generalversammlung, die 21 Vizepräsidenten und die
Seite 2

Vorsitzenden der sieben Hauptausschüsse der Generalversammlung an. Er spricht Empfehlungen zur
Annahme der Tagesordnung, Plazierung der Punkte
und Organisation der Arbeit aus. In der laufenden
Sitzungsperiode kommt der Präsident aus Malta, die
21 Vizepräsidenten aus Ägypten, Brasilien, China,
Fidschi, Frankreich, Ghana, Großbritannien, Honduras, Indonesien, Jugolawien, Kanada, Libanon, Mauritius, Mosambik, Ruanda, Saint Lucia, Senegal, Sowjetunion, Vereinigte Arabische Emirate, Vereinigte
Staaten und Zypern. Die sieben Ausschuß Vorsitzenden sind aus Barbados, Chile, Griechenland, Kongo,
Nepal, der Tschechoslowakei und Uganda.
Außenminister Baker erklärt nach Gesprächen mit der
britischen Premierministerin Margaret Thatcher, zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien
herrsche im Hinblick auf die Durchführung der UNResolutionen des Sicherheitsrats zum Irak "völlige
Übereinstimmung" und "Teillösungen würden nicht
akzeptiert".
10. November
Außenminister Baker erklärt zum Abschluß seiner
einwöchigen Reise nach Bahrain, Saudi-Arabien,
Ägypten, in die Türkei, die Sowjetunion, nach Großbritannien und Frankreich - mit der er die internationale
Koalition zur Abwehr der irakischen Aggression gegen
Kuwait stärken wollte - bei einer Pressekonferenz in
Paris, die gegen Bagdad angetretenen Länder seien
sich einig, daß es in der Golfkrise keine "Teillösung"
geben kann.
12. November
Nach einen Außenministertreffen der EG und der
Arabischen Maghreb Union (Algerien, Libyen, Marokko, Mauretanien und Tunesien) erklärt der algerische
Außenminister Sid Ahmed Ghazali bei einer Pressekonferenz, die Arabische Maghreb Union wolle den
Irak davon überzeugen, zu Verhandlungen über die
Freilassung der Geiseln eine UN-Delegation zu empfangen. Ghazali zufolge stehen alle fünf Maghrebstaaten in ständigem Kontakt mit Irak.
13. November
Der Vorsitzende der Republikaner im Senat, Robert
Dole, und der republikanische Senator und ehemalige
Vorsitzende des Streitkräfteausschusses, Richard Lugar,
erklären, Präsident Bush solle die Unterstützung des
Kongresses für seine Politik am Golf einholen, um in
der amerikanischen Öffentlichkeit einen Konsens für
mögliche US-Aktionen in der Region zu bilden.
14. November
Der saudische Außenminister Prinz Saud al-Faisal
erklärt, der von Marokko vorgeschlagene arabische
Gipfel zur Golfkrise sei Zeitverschwendung, wenn sich
der Irak nicht aus Kuwait zurückzieht.
Führende Politiker beider Parteien im Senat bitten
Präsident Bush um Einberufung einer Sondersitzung

AMERIKA DIENST 47

�des Kongresses, um die Lage auf der Arabischen
Halbinsel zu erörtern.
Nach einem Treffen mit den Führern beider Parteien
im Kongreß erklärt Außenminister James Baker, Präsident Bush werde die in der Verfassung verankerten
Schritte einhalten, bevor er eine Offensive amerikanischer Streitkräfte im Golf anordnet.
15. November
Einer Meinungsumfrage der Wirthin Group zufolge
unterstützt die öffentliche Meinung in elf wichtigen
Städten der Welt eindeutig die Bestrebungen der
Vereinten Nationen, einschließlich eines militärischen
Einsatzes, um die irakischen Truppen zum Abzug aus
Kuwait zu zwingen und die rechtmäßige Regierung in

*

AMERIKA DIENST 47

*

Kuwait wiedereinzusetzen. Bei den untersuchten
Städten handelt es sich um Ankara, Frankfurt, London,
Moskau, Rom, Tokio, Brüssel, Lagos, Mexiko City,
Paris und Tel Aviv.
In Niger bricht ein Interventionsbataillon aus 481 Soldaten (Operation Zoumounchi) auf, um sich der multinationalen Streitmacht in Saudi-Arabien anzuschließen. Das Bataillon aus 21 Offizieren, 110 Unteroffizieren und 350 einfachen Soldaten umfaßt im wesentlichen Freiwillige, die das "heilige Land des Islam"
verteidigen wollen. Zum ersten Mal entsendet Niger
Truppen ins Ausland. Ihre Abreise wird mit besonderen Feierlichkeiten in Anwesenheit des Präsidenten,
des Premierministers, der Abgeordneten und des
diplomatischen Korps begangen.

*

*

Seite 3

�KSZE-GIPFEL
28. November 1990

BUSH: RECHTSSTAATLICHKEIT MUSS
WELTWEIT DIE NORM WERDEN
Ansprache beim KSZE-Gipfel
PARIS - (AD) - Präsident Bush zufolge hinterließe das Ende des kalten Krieges in Europa einen bitteren
Nachgeschmack, wenn in anderen Teilen der Welt das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit mit Fü ßen getreten würde.
In einer Ansprache beim Pariser Gipfeltreffen der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE) lobte Bush die diplomatischen Bemühungen, an deren Ende das Abkommen steht, das die politischen
und Menschenrechte der Völker in Ost- und Westeuropa festschreibt.
Jedoch kann "unser Erfolg hier", so Bush vor den Delegierten 33 anderer Länder Europas und Nordamerikas,
"weder durchgreifend noch dauerhaft sein, wenn das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit andernorts schamlos
mißachtet wird". Bush verwies dabei ausdrücklich auf die irakische Aggression am Persischen Golf.
Wir veröffentlichen die Rede Präsident Bushs beim KSZE-Gipfel nachfolgend im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, dies ist ein glorreicher Tag für
Europa. Heute morgen habe ich für mein Land ein
Rüstungskontrollabkommen unterzeichnet, mit dem
die militärische Konfrontation beendet wird, die jahrzehntelang wie ein Fluch auf diesem Kontinent lastete.
Heute nachmittag würdigen wir ein Gipfeldokument,
eine Pariser Charta, in der die gemeinsamen Bestrebungen unserer Gesellschaft zum Ausdruck kommen.
Mit Recht versammeln wir uns hier in dieser prächtigen
Stadt, einer Wiege der Zivilisation, um unsere Hoffnungen für die Zukunft zu erläutern und einen großen
Wendepunkt im Lauf der Geschichte zu markieren.
Heute werden wir den Begründern der Schlußakte von
Helsinki gerecht. Dank des Mutes so vieler Menschen,
die nicht nur zu hoffen, sondern auch zu handeln
wagten, haben die von ihnen gesetzten Ziele ihren
Wert bewiesen. Wir grüßen die mutigen Männer Havel und Masowiecki und Antall, die heute bei uns
sind - sowie all die anderen Aktivisten, die die Ziele von
Helsinki zu feierlichen Verpflichtungen machten und
litten, damit diese Verpflichtungen zu Ehren kämen.
Und wir grüßen all die Einzelpersonen und privaten
Gruppen im Westen, die bewiesen haben, daß der
Schutz der Menschenrechte nicht nur Aufgabe der
Regierungen ist, sondern die Aufgabe aller: nichtstaatlicher Organisationen, der Presse, der Kirchenvertreter und gewöhnlicher Bürger. Ihre Träume gehen
AMERIKA DIENST 47

vor unseren Augen in Erfüllung. Die aufstrebenden
Demokratien Mittel- und Osteuropas haben Jahrzehnte der Depression überwunden, um ihr angestammtes
Recht auf Freiheit geltend zu machen. In der Sowjetunion ist die Saat der Demokratie und der Menschenrechte auf fruchtbaren Boden gefallen, und die grausame Teilung Deutschlands wurde endlich beendet.
Ein so lange in Feindschaft erstarrter Kontinent wurde
zu einem Erdteil revolutionären Wandels. Um zu
gewährleisten, daß sich diese Veränderungen in einem sicheren Umfeld vollziehen, haben wir einen
Vertrag über konventionelle Rüstungen fertiggestellt,
der die militärische Landkarte dieses Kontinents
umgestaltet. Wir verabschieden Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen, die durch Offenheit zu
dauerhaftem Frieden beitragen. Heute morgen haben
22 von uns eine feierliche Verpflichtung zur Nichtanwendung von Gewalt unterzeichnet.
Heute jedoch, da alte politische Trennlinien verschwinden, treten neue Spannungsherde zutage, von denen
einige schon länger und andere erst seit kurzem schwelen. Nationalitätenkonflikte dauern an. Die Mißachtung von Minderheiten- und Menschenrechten besteht
weiter. Wo einstmals Millionen die Freizügigkeit verwehrt wurde, fühlen sich heute Millionen zum Wegggehen gezwungen, um vor wirtschaftlicher und politischer Bedrängnis zu fliehen.
Seite 1

�In mehreren Ländern beobachten wir das häßliche
Wiederaufleben des Antisemitismus und anderer ethnischer, rassischer und religiöser Intoleranz. Bigotterie und Haß haben in zivilisierten Ländern keinen Platz.
Minderheiten bereichern unsere Gesellschaften. Der
Schutz ihrer Rechte ist eine Vorbedingung der Stabilität.
Europa betritt Neuland. Für ihre Mitgliedstaaten ist die
KSZE eine ideale Richtschnur. Wir haben hervorragende Verhaltensnormen festgeschrieben, und heute
besteht unsere Aufgabe darin, die KSZE für den politischen Alltag nutzbar zu machen und auf ihrer Stärke
aufzubauen, um neuen Herausforderungen zu begegnen.
Meine Regierung hat dieses Jahr bereits einige Ideen
zur künftigen Entwicklung der KSZE vorgelegt, und ich
hoffe, daß sie zu den von den Mitgliedstaaten der
NATO beim Londoner Gipfel im Juli verkündeten Initiativen beigetragen haben und freue mich, daß so viele
der dort diskutierten Ideen in der Gipfelerklärung zum
Ausdruck kommen, die wir diese Woche unterzeichnen werden.
Ich möchte hervorheben, wie einige dieser Initiativen
und auch andere meines Erachtens der KSZE dabei
helfen werden, ihre Prinzipien in die Praxis umzusetzen. Die von uns zu unterzeichnende Erklärung legt
eine Tagesordnung fest, die unsere Arbeit bis zu
unserem nächsten Treffen in Helsinki leiten wird. Dies
betrifft wichtige Arbeit bei vielen für uns alle lebenswichtigen Fragen, etwa der friedlichen Beilegung von
Streitigkeiten, der Rolle von Minderheiten in unseren
Gesellschaften, dem Aufbau demokratischer Institutionen und, was von allem das Wichtigste ist, der
Förderung der Menschenrechte.
Darüber hinaus sind wir übereingekommen, daß wir
die Sicherheit unserer Gemeinschaft verbessern
müssen, indem wir unsere Gespräche über die konventionellen Streitkräfte abschließen, die Vorteile vertrauensbildender Maßnahmen ausbauen und das
Abkommen über offene Himmel erfolgreich fertigstellen. Und schließlich erkennen wir an, daß Europa
seine Wunden heilt, damit die KSZE zur vollen Blüte

gelangen kann.
Wir haben einen Rahmen für regelmäßige politische
Konsultationen geschaffen und Institutionen ins Leben
gerufen, um diesen Rahmen zu verstärken. Das
Sekretariat, das Büro für Freie Wahlen sowie das
Zentrum für Konfliktverhütung sind zwar, wie wir uns
eingestehen müssen, bescheidene, aber auch bedeutsame Schritte zu der von uns allen angestrebten
neuen Ordnung.
Ferner begrüßen wir die Forderung einer neuen parlamentarischen Dimension der KSZE, die den von uns
*

Seite 2

allen geteilten demokratischen Werten weitere Unterstützung verleihen kann.
Vor zwei Tagen habe ich in Prag an Europa und die
Vereinigten Staaten appelliert, gemeinsam auf einen
neuen Bund der Freiheit hinzuwirken, der auf diesen
gemeinsamen Prinzipien beruht, nämlich dem Glauben an die grundlegende Würde und die Rechte des
Menschen, daß Regierungen ihre Macht nur aus der
Zustimmung des Volkes ableiten und diesem rechenschaftspflichtig sind, daß der einzelne die Früchte
seiner Arbeit genießen kann und daß Regierungen und
Staaten als Voraussetzung für menschlichen Fortschritt das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit wahren
müssen. Dies sind die Grundsätze, von denen unsere
Nationen und die KSZE geleitet werden. Um sie
jedoch in unseren beiden Kontinenten zu sichern,
müssen sie in der ganzen Welt gewährleistet sein.
Heute, da wir uns hier diesen Prinzipien verschreiben,
werden dieselben Grundsätze am Persischen Golf
brutal mißachtet.
Ich möchte einen Satz aus der von Präsident Gorbatschow und mir im September in Helsinki verabschiedeten gemeinsamen Erklärung zitieren: "Nichts unterhalb der vollständigen Verwirklichung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats ist akzeptabel." Nun,
kann es hier auf diesem Kontinent, der so sehr unter
Aggressionen und ihrem Begleiter, der Beschwichtigungspolitik, gelitten hat, Platz für eine andere Ansicht
geben?
Die Prinzipien, die der KSZE Leben eingehaucht und
unseren Erfolg in Europa bewirkt haben, kennen keine
geographischen Grenzen. Unser Erfolg hier kann
weder durchgreifend noch dauerhaft sein, wenn das
Prinzip der Rechtsstaatlichkeit andernorts schamlos
mißachtet wird.
Zu Beginn des kalten Krieges im Frühjahr 1947 machte
der amerikanische Außenminister George Marshall
eine Feststellung, die ich hier zitieren möchte: "Probleme, die sich unmittelbar auf die Zukunft unserer
Zivilisation auswirken, können nicht durch allgemeines
Gerede oder vage Formulierungen aus der Welt geschafft werden. Sie verlangen nach konkreten Lösungen für präzise und äußerst komplizierte Fragen, Fragen,
die mit Grenzen zusammenhängen, mit der Macht zur
Verhinderung militärischer Aggression, mit Menschen,
die bittere Erinnerungen haben, mit der Produktion und
Kontrolle von Dingen, die für das Leben von Millionen
Menschen unerläßlich sind."
Wir in der KSZE haben in den vergangenen Monaten
große Fortschritte bei der Erarbeitung dieser konkreten Lösungen gemacht. Und heute sollten wir auf
diesem Erfolg an diesem Ort aufbauen und ihn andernorts standhaft verteidigen.

*

AMERIKA DIENST 47

�UMWELT
28. November 1990

BUSH UNTERZEICHNET GESETZE ZUR
ERFORSCHUNG DER ERDERWÄRMUNG,
SCHUTZ DER ANTARKTIS
Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine vom Weißen Haus herausgegebene Übersicht zu
acht Umweltgesetzen, die am 16. November 1990 von Präsident Bush unterzeichnet wurden und damit in Kraft
getreten sind:

Schutz der Natur
Das Gesetz zum Schutz der Antarktis von 1990 (Antarctic Protection Act - H.R. 3977) stärkt den Schutz der
Umwelt in der Antarktis - einem ursprünglichen, nicht
verschmutzten Kontinent, dessen einzigartige Natur
eine Vielfalt an Wildtierarten beherbergt und uns ein
natürliches Laboratorium bietet, von dem aus wir entscheidende Aspekte des Abbaus stratosphärischen
Ozons und globaler Umweltveränderungen beobachten können. Es besteht eine seitens der internationalen Staatengemeinschaft anerkannte Notwendigkeit,
diese zerbrechliche Umwelt besser vor ungezügelter
Wirtschaftstätigkeit zu schützen. Das Gesetz H.R.
3977 bietet diesen Schutz. Indem die Vereinigten
Staaten Aktivitäten zum Abbau von Mineralien in der
Antarktis bis zur Verabschiedung eines neuen internationalen Mineralienabkommens durch den Kongreß
verbieten, senden sie der übrigen Welt ein starkes
umweltpolitisches Signal. Dieses Gesetz wurde vom
amerikanischen Kongreß in einer Art und Weise
modifiziert, die mit der Haltung der Administration, die
ein energisches Umweltschutzabkommen zur Ergänzung des Antarktis-Vertrags befürwortet, in Einklang
steht.
Das Gesetz über das Naturschutzgebiet Florida Keys
(Florida Keys National Marine Sanctuary and Protection Act - H.R. 5909) bestimmt 2 600 Quadratseemeilen von Küstengewässern vor den Florida Keys zum
neunten nationalen Seenaturschutzgebiet der Verei-

AMERIKA DIENST 47

nigten Staaten. Damit soll ein langfristiger Schutz des
ökologisch einzigartigen Korallenriffs vor Florida gewährleistet werden. Insbesondere wird das Korallenriff vor dem Aufgrundlaufen von Schiffen geschützt,
wodurch das Riff in der jüngeren Vergangenheit geschädigt wurde sowie vor Wasserverschmutzung und
Raubbau. Gleichzeitig wird eine Nutzung des Naturschutzgebietes, die mit dem Ziel des Schutzes in
Einklang steht, weiterhin gestattet. Durch die Erklärung zum Naturschutzgebiet wird es heutigen als auch
künftigen Generationen ermöglicht, sich an der dortigen Natur zu erfreuen.
Das Allgemeine Gesetz zum Schutz der Natur und
Tierwelt (Omnibus Natural Ressources and Wildlife
Program - H.R. 3338) enthält zahlreiche wichtige
Programme, die zum Schutz und zur Erhaltung einiger
der bedeutendsten Naturreservate des Landes führen
werden. Insbesondere werden durch H.R. 3338 zwei
neue Nationale Wildtierparks (National Wildlife Refuges - NWR) geschaffen - der 18 000 Morgen umfassende Bayou Cocodrie NWR in Louisiana und der
Walkill River NWR in New Jersey auf einer Fläche von
7 500 Morgen. Darüber hinaus verbessert das Gesetz
die Unterstützung von Projekten, die entscheidend für
den Schutz und die Erhaltung von Feuchtgebieten und
anderer Lebensräume von Fischen und Wildtieren
sind. Femer wird durch das Gesetz eine Nationale
Waldstiftung (National Forest Foundation) ins Leben
gerufen, die Maßnahmen zur Unterstützung des Forstdienstes des US-Landwirtschaftsministeriums durch-

Seite 1

�führen wird. Schließlich verbessert H.R. 3338 regionale Meeresforschungsprogramme durch das Nationale
Amt für Ozeanographie und Atmosphäre, es verlangt
eine verstärkte Verfolgung von Umweltvergehen durch
das Umweltschutzamt (EPA) und gestattet die Freigabe zusätzlicher Mittel für die Wiederherstellung der
Fischbestände in bestimmten kleineren Flüssen in
Neuengland.
Durch das Red Rock Canyon National Conservation
Area Establishment Act von 1990 (H.R. 4559) werden
83 100 Morgen Land in Süd-Nevada zum Naturschutzgebiet Red Rock Canyon erklärt. Der in der MojaveWüste Nevadas gelegene Red Rock Canyon ist reich
an geologischen, landschaftlichen Naturschätzen, an
Wildtieren und Potential für Erholungssuchende. Das
Gebiet beheimatete verschiedene Kulturen, darunter
die prähistorischen Anasazi- und Pueblo-Indianer und
später die Paiutis. Darüber hinaus bietet es einen
Lebensraum für verschiedene Wildtierarten von Wüstenschafen, Wildpferden und -eseln bis zu den vom
Aussterben bedrohten Wüstenschildkröten und Gila
Monstern. Das Gebiet wird ferner von verschiedenen
Vogelarten bewohnt, darunter bedrohte Wanderfalken
und Goldadler. Das Büro für Landverwaltung (BLM)
des Innenministeriums wird dieses Gebiet zum Schutz
und zur Verbesserung dieser Naturschätze verwalten.
Der mit 62 000 Morgen größte Teil dieses Naturschutzgebiets wird bereits gemeinsam vom BLM und
der Nevada Division of State Parks verwaltet. Mit
diesem Gesetz wird das Innenministerium zur Beschaffung weiterer 21 000 Morgen durch Spenden,
Ankauf, Austausch oder Übereignung durch andere
Bundesbehörden ermächtigt.
Das Gesetz zur Verbesserung der Küstengebiete
(Coastal Barrier Improvement Act - H.R. 2840) von
1990 wird die Größe des bestehenden geschützten
ökologischen Systems im Küstengebiet nahezu verdreifachen. Nach H.R. 2840 werden dem System
818 000 Morgen hinzugefügt, womit sich seine Gesamtgröße auf 1,25 Millionen Morgen beläuft und
Küsten mit einer Gesamtlänge von 1 211 Meilen am
Atlantik, Golf von Mexiko und den Großen Seen. H.R.
2840 schützt die bedrohten Ökosysteme der Küstengebiete des Landes (die hervorragende Lebensräume
für Fische und wildlebende Tiere bieten, wichtigen
Schutz für die Strände liefern und hervorragende Plätze für Freizeitsport sind), indem Ausgaben und Beihilfen der Bundesregierung zur Erschließung bestimmter
Küstengebiete begrenzt werden. Es fordert ferner,
daß alle im Besitz der Bundesregierung befindlichen
Flächen in einem Küstengebiet dem System zugeführt
werden. Darüber hinaus wird eine Arbeitsgruppe über
Küstengebiete aus 11 Vertretern der Bundesregierung
ins Leben gerufen, die Arbeitsweise und Effektivität
des ökologischen Systems der Küstengebiete analysieren und darüber berichten sollen.

Seite 2

Forschung und Aufklärung
Das Gesetz zur Aufklärung über nationale Umweltprobleme (National Environmental Education Act - S.
3176) leistet einen wichtigen Schritt hin zu Fortschritten für die Umwelt unseres Landes und legt den
Grundstein, damit alle Generationen von Amerikanern
unsere Verantwortung bei der Verwaltung und den
klugen Umgang mit unseren Ressourcen besser verstehen - das heißt, wir wollen in diesem Land um mehr
Verständnis für die Umwelt werben. Die Gesetzgebung verbessert die Lernmöglichkeiten in allen Altersgruppen, konzentriert sich jedoch vornehmlich auf
Schüler und Lehrer. Dazu zählt der Vorschlag des
Präsidenten zur Vergabe von Preisen des Präsidenten
an Lehrer als Auszeichnung für Umwelterziehung.
Verschiedene andere Bestimmungen des Gesetzes
ermutigen Kreativität auf kommunaler Ebene durch
Stipendien, Preise und Ausbildungsprogramme und
sehen eine Führungsrolle auf nationaler Ebene durch
die Schaffung eines Büros für Umwelterziehung beim
Umweltschutzamt und einen Beratungsausschuß auf
breiter Basis vor.
Das Gesetz zur Erforschung globaler Umweltveränderungen (Global Change Research Act - S. 169) von
1990 unterstreicht die Führungsrolle der Vereinigten
Staaten bei der Erforschung von Umweltveränderungen auf der Welt. Der Haushalt sieht 1991 über 1
Milliarde Dollar (gegenüber dem Haushaltsjahr 1990
eine Steigerung um 57 Prozent) für dieses wichtige
Forschungsprogramm vor, dem der Kongreß im allgemeinen zugestimmt hat. S. 169 wird unserem Land
insbesondere helfen, die große wissenschaftliche
Unsicherheit abzubauen, die bei vordringlichen weltweiten Umweltproblemen henscht. Es geht auf die
Bestrebungen der Regierung ein, in dem es den Ausschuß für Geo- und Umweltwissenschaften (Committee on Earth and Environmental Sciences - CEES)
legitimiert, den der Präsident durch den Bundeskoordinierungsrat für Wissenschaft und Technologie ins
Leben gerufen hatte. Der CEES soll ein amerikanisches Programm zur Erforschung globaler Umweltveränderungen erarbeiten, um wissenschaftliche Grundlagen zur Lösung umweltpolitischer Fragen zu erarbeiten. Spitzenpolitiker auf der ganzen Welt zeigen
zunehmend Interesse an den wirtschaftlichen und
sozialen Auswirkungen weltweiter Umweltveränderungen und benötigen daher angesichts der großen wissenschaftlichen Unsicherheit immer mehr und bessere Informationen, wenn sie die Funktionsweise vieler
Prozesse auf der Erde vorhersagen wollen.
Das Gesetz über Soforthilfe für die Großen Seen
(Great Lakes Critical Programs Act - H.R. 4323) wird
den Bestrebungen der Vereinigten Staaten erheblichen Auftrieb verleihen, in Zusammenarbeit mit unseren kanadischen Nachbarn für die Sauberkeit der

AMERIKA DIENST 47

�Großen Seen zu sorgen. Dabei sind große Fortschritte
erzielt worden, aber es bleibt noch viel zu tun, insbesondere im Hinblick auf die Lösung des Problems der
Verseuchung der Großen Seen. Das Gesetz liefert
das Instrumentarium, um Fortschritte bei den so dringend benötigten Planungs- und Säuberungsaktivitäten erzielen zu können. Das Gesetz konzentriert

Bestrebungen der Bundesregierung, Einzelstaaten und
Gemeinden in Zusammenarbeit mit Kanada auf Lake
Champlain, ein Wasserreservoir, das für die Menschen in Nordosten der Vereinigten Staaten geschichtlich von großer Bedeutung ist und einen hohen Freizeitwert hat.

* * * * *

AMERIKA DIENST 47

Seite 3

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11012">
                <text>28.11.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11013">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11014">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11015">
                <text>Amerikadienst 28.11.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11016">
                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister nehmen an Sitzung des Sicherheitsrats teil&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Baker sucht Unterstützung für Einsatz von Gewalt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. November 1990&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. KSZE-Gipfel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Rechtsstaatlichkeit muss weltweit die Norm werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache beim KSZE-Gipfel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush unterzeichnet Gesetze zur Erforschung der Erderwärmung, Schutz der Antarktis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2420" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2431">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/975d154fd5caa245d1149b45986b526a.pdf</src>
        <authentication>e545d5e14f2d0069693eb19d9bc94968</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="12525">
                    <text>^ r i

0

H

&lt;o
^

cimerikci
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

28. November 1995

SONDERDIENST

BOSNIEN

USA SOLLTEN FRIEDEN IN BOSNIEN
UNTERSTÜTZEN
Rede von Präsident Clinton

Dieser Artikel ist elektronisch abrufbar.
Nähere Informationen erhalten Sie bei der
Presseabteilung der Amerikanischen Botschaft
unter den unten angegebenen Adressen.

Frau
Gaby N i e s s e n
USISsI

u

X

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel. 0228 - 339 23 72
Fax 0228 - 33 31 38
Internet bbsbonn@usia.gov

�BOSNIEN
28. November 1995

USA SOLLTEN FRIEDEN IN BOSNIEN UNTERSTÜTZEN
Rede von Präsident Clinton
WASHINGTON - (AD) - In einer landesweit übertragenen Femsehansprache appellierte Präsident Clinton am
27. November 1995 an das amerikanische Volk, den Friedensplan für Bosnien mit der Entsendung
amerikanischer Truppen als Teil der NATO-Truppe zur Umsetzung des Friedens zu unterstützen. Der
Präsident unterstrich, daß die Sicherung des Friedens in Bosnien "auch zum Aufbau eines freien und stabilen
Europa" beitragen wird. Frieden in Bosnien würde darüber hinaus zu "Stabilität in Zentraleuropa" führen, einer
Region, deren Freiheit und Stabilität "von elementarer Bedeutung" für die nationalen Interessen der Vereinigten
Staaten sei.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Fernsehansprache des Präsidenten im Wortlaut.

In der vergangenen Woche erzielten die kriegführenden Parteien in Bosnien ein Friedensabkommen als
Resultat unserer Bestrebungen in Dayton und der
Unterstützung unserer europäischen und russischen
Partner. Heute abend möchte ich zu Ihnen über die
Umsetzung des bosnischen Friedensabkommens
sprechen und begründen, warum unsere Werte und
Interessen als Amerikaner unsere Beteiligung erforderlich machen.
Als erstes möchte ich klarstellen, daß die amerikanische Rolle nicht darin besteht, einen Krieg zu
führen. Unsere Rolle ist es, den Menschen in
Bosnien bei der Sicherung ihres eigenen Friedensabkommens behilflich zu sein. Unsere Mission wird
begrenzt und zielgerichtet sein und unter dem
Oberbefehl eines amerikanischen Generals stehen.
Mit der Ausführung dieser Mission haben wir die
Chance, die Ermordung unschuldiger Zivilisten,
insbesondere von Kindern, zu beenden und gleichzeitig Stabilität in Zentraleuropa herbeiführen, einer
Rpgion, deren Freiheit und Stabilität von elementarer
Bedeutung für die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten ist. Wir tun das Richtige.
Seit der Gründung unserer Nation war Amerika stets
sehr viel mehr als nur irgendein Ort. Amerika
verkörpert eine Idee, die zum Ideal für Milliarden von
Menschen auf der ganzen Welt geworden ist.
Unsere Gründerväter haben es am besten formuliert:
Amerika steht für Leben, Freiheit und das Streben
nach Glück.

AMERIKA DIENST

Insbesondere in diesem Jahrzehnt hat Amerika mehr
getan als nur für diese Ideale einzutreten. Wir haben
im Geiste dieser Ideale gehandelt und Opfer für sie
gebracht. Unser Volk hat in zwei Weltkriegen gekämpft, damit Freiheit den Sieg über die Tyrannei
davontragen konnte. Nach dem Ersten Weltkrieg
zogen wir uns aus der Welt zurück und hinterließen
ein Vakuum, das von den Kräften des Hasses gefüllt

wurde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg haben wir weiterhin eine
Führungsrolle in der Welt übernommen. Wir gingen
die Verpflichtungen ein, die den Frieden bewahrten,
zur Verbreitung von Demokratie beitrugen, beispiellosen Frieden und Wohlstand schufen und die zum
Sieg im Kalten Krieg führten.
Wegen unseres Engagements streben heute immer
mehr Menschen auf der ganzen Welt nach den
amerikanischen Idealen - Freiheit, Demokratie und
Frieden. Es ist noch mehr die Macht unserer Ideale
als unsere Größe, unser Wohlstand und unsere
Militärmacht, die Amerika zu einer einzigartig bewährten Nation machen.
Mit dem Ende des Kalten Krieges stellen einige nun
die Notwendigkeit unserer andauernden aktiven
Führungsrolle in der Welt in Frage. Ebenso wie nach
dem Ersten Weltkrieg glauben sie, daß Amerika sich
jetzt seinen Pflichten als Führungsmacht entledigen
kann. Sie argumentieren, um sicher zu sein, müßten
wir nur unsere Grenzen sichern und daß es jetzt an
der Zeit sei, anderen die harte Arbeit der Führung
jenseits unserer Grenzen zu überlassen.
Dem
widerspreche ich entschieden.

Seite 1

�Während der Kalte Krieg dem Weltdorf weicht, ist
unsere Führungsrolle notwendiger denn je, weil
Probleme, die jenseits unserer Grenzen beginnen,
schnell zu Problemen innerhalb unserer Grenzen
werden können. Wir alle sind verwundbar durch die
organisierten Kräfte der Intoleranz und Zerstörung,
Terrorismus, ethnische, religiöse und regionale
Rivalitäten, die Verbreitung des organisierten Verbrechens, von Massenvernichtungswaffen und
Drogenhandel. Ebenso wie Faschismus und Kommunismus bedrohen auch diese Kräfte Freiheit und
Demokratie, Frieden und Wohlstand. Und auch sie
erfordern eine amerikanische Führungsrolle.
Aber nirgends ist das Argument für unsere Führungsrolle besser gerechtfertigt als im Kampf zur
Beendigung oder Verhinderung von Krieg und zivilen
Unruhen. Vom Irak bis Haiti, von Südafrika bis
Korea, vom Nahen Osten bis nach Nordirland sind
wir für Frieden und Freiheit eingetreten, weil es in
unserem Interesse lag, dies zu tun und weil es das
Richtige war.
Das heißt jedoch nicht, daß wir jedes Problem lösen
können. Meine Aufgabe als Präsident ist es, die
Anforderungen an die amerikanische Führungsrolle
mit unseren strategischen Interessen und unserer
Fähigkeit in Einklang zu bringen, etwas zu bewirken.
Amerika kann und darf nicht der Weltpolizist sein.
Wir können nicht alle Kriege für alle Zeiten beenden,
aber wir können einige Kriege beenden. Wir können
nicht alle Frauen und alle Kinder retten, aber wir
können viele retten. Wir können nicht alles tun, aber
wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun.
Es gibt Zeiten und Orte, wo unsere Führungsrolle
den Unterschied zwischen Frieden und Krieg ausmachen kann, wo wir unsere grundlegenden Werte
als Volk verteidigen und unseren fundamentalen
strategischen Interessen dienen können. Meine
amerikanischen Mitbürger - in diesem neuen Zeitalter gibt es immer noch Zeiten, in denen einzig und
allein Amerika Frieden herbeiführen kann und sollte.
Der schreckliche Krieg in Bosnien ist ein solcher
Fall. Nirgendwo auf der Welt von heute ist die
Notwendigkeit einer amerikanischen Führungsrolle
offensichtlicher oder vordringlicher als in Bosnien.
Seit nahezu vier Jahren spaltet ein schrecklicher
Krieg das Land. Schrecken, von denen wir beteten,
sie mögen für immer aus Europa verbannt sein,
brannten sich wieder in unser Gedächtnis: Abgemagerte Gefangene, eingepfercht hinter Stacheldrahtzäunen, als Instrument des Krieges systematisch
vergewaltigte Frauen und Kinder, wehrlose Männer
und Jungen, die vor Massengräbern exekutiert
wurden, beschworen Visionen der Konzentrationslager des Zweiten Weltkriegs und endloser Flucht-

Seite 2

lingsströme herauf, die in eine Zukunft der Verzweiflung marschierten.
Bei meiner Amtsübernahme drängten einige auf eine
unverzügliche Intervention in den Konflikt.
Ich
entschied, daß amerikanische Bodentruppen nicht in
dem Krieg in Bosnien kämpfen sollten, weil die
Vereinigten Staaten nicht den kriegführenden ethnischen Gruppen in Bosnien den Frieden aufzwingen
sollten: Den Serben, Kroaten und Muslims. Statt
dessen arbeiteten die Vereinigten Staaten mit ihren
europäischen Verbündeten beim Streben nach
Frieden zusammen, verhinderten eine Ausweitung
des Krieges und milderten das Leiden des bosnischen Volkes.
Wir verhängten strenge Wirtschaftssanktionen gegen
Serbien. Wir setzten unsere Luftwaffe für die längste
humanitäre Luftbrücke der Geschichte und zur
Durchsetzung der Flugverbotszone ein, die den Krieg
aus der Luft beendete. Wir trugen zur Schaffung des
Friedens zwischen zwei der drei kriegführenden
Parteien bei - den Muslims und den Kroaten.
Aber als aus den Monaten des Krieges Jahre wurden, wurde deutlich, daß Europa allein den Konflikt
nicht beenden kann. In diesem Sommer verwandelten die Artillerieangriffe der bosnischen Serben die
Spiel- und Marktplätze in Bosnien erneut in Felder
des Todes. Als Reaktion darauf führten die Vereinigten Staaten die schweren und kontinuierlichen
Luftangriffe der NATO an, die häufig von ausgezeichneten und mutigen amerikanischen Piloten geflogen
wurden. Zusammen mit der Entschlossenheit unserer europäischen Partner und den Gewinnen der
Bosnier und Kroaten auf dem Schlachtfeld überzeugten diese Luftangriffe schließlich die Serben, über
einen Frieden nachzudenken.
Gleichzeitig leiteten die Vereinigten Staaten intensive
diplomatische Bestrebungen in die Wege, die einen
Waffenstillstand in ganz Bosnien herbeiführten und
die Parteien dazu brachten, den grundlegenden
Prinzipien des Friedens zuzustimmen. Drei äußerst
engagierte Diplomaten - Bob Frasure, Joe Kruzel und
Nelson Drew - ließen dabei ihr Leben. Heute abend
gedenken wir ihres Opfers und das ihrer Familien,
und wir werden nie den außergewöhnlichen Dienst
vergessen, den sie unserer Nation erwiesen haben.
Vor nur drei Wochen kamen die Muslims, Kroaten
und Serben schließlich nach Dayton im Herzen
Amerikas, um eine Lösung auszuhandeln. Erschöpft
vom Krieg gingen sie dort die Verpflichtung zu
Frieden ein. Sie stimmten zu, ihre Waffen niederzulegen, Bosnien als einheitlichen Staat zu bewahren, gegen Kriegsverbrecher zu ermitteln und sie zu
verfolgen, die Menschenrechte aller Bürger zu

AMERIKA DIENST

�schützen und eine friedliche, demokratische Zukunft
aufzubauen. Und sie baten um die Hilfe der Amerikaner bei der Umsetzung dieses Friedensabkommens.
Amerika hat die Pflicht, auf diese Bitte einzugehen
und diesen Augenblick der Hoffnung zu einer dauerhaften Realität zu machen. Dafür würden Truppen
unseres Landes und aus der ganzen Welt nach
Bosnien entsandt, um den Menschen dort das
Vertrauen und die Unterstützung zu geben, die sie
zur Umsetzung ihres Friedensplans benötigen. Ich
weigere mich, amerikanische Truppen zu entsenden,
damit sie in einem Krieg in Bosnien kämpfen, aber
meines Erachtens müssen wir zur Sicherung des
bosnischen Friedens beitragen.
Ich möchte Ihnen heute abend sagen, was auf dem
Spiel steht, was unsere Truppen genau leisten
sollen, und warum wir unserer Verantwortung
gerecht werden müssen, bei der Umsetzung des
Friedensabkommens behilflich zu sein. Die Umsetzung des Abkommens in Bosnien kann das schreckliche Leid der Menschen beenden - die Kampfhandlungen, die Massenexekutionen, die ethnischen
Säuberungen, die Kampagnen der Vergewaltigung
und des Terrors. Wir wollen nie die Viertelmillion
Männer, Frauen und Kinder vergessen, die Artillerieangriffen oder Gewehrkugeln zum Opfer fielen oder
zu Tode gefoltert wurden. Zwei Millionen Menschen
- die Hälfte der Bevölkerung - wurden aus ihrer
Heimat in ein erbärmliches Flüchtlingsdasein vertrieben. Und diese gesichtslosen Zahlen haben
Millionen realer, persönlicher Schicksale, denn jedes
Opfer des Krieges war eine Mutter oder Tochter, ein
Vater oder Sohn, ein Bruder oder eine Schwester.
Jetzt ist der Krieg beendet. Die amerikanische
Führungsrolle hat die Chance geschaffen, einen
Frieden aufzubauen und das Leiden zu beenden.
Die Sicherung des Friedens in Bosnien wird auch
zum Aufbau eines freien und stabilen Europa beitragen. Bosnien liegt mitten im Herzen Europas,
umgeben von einigen der instabilen neuen Demokratien und einigen unserer engsten Verbündeten.
Generationen von Amerikanern haben verstanden,
daß die Freiheit und Stabilität Europas von elementarer Bedeutung für unsere nationale Sicherheit ist.
Aus diesem Grund haben wir zwei Kriege in Europa
geführt. Aus diesem Grund haben wir den Marshallplan zum Wiederaufbau Europas in die Wege
geleitet. Aus diesem Grund haben wir die NATO
gegründet und den Kalten Krieg geführt. Und aus
diesem Grund müssen wir den Nationen Europas
behilflich sein, den schlimmsten Alptraum seit dem
Ende des Zweiten Weltkriegs zu beenden - jetzt.

AMERIKA DIENST

Die einzige Streitmacht zur Bewältigung dieser
Aufgabe ist die NATO - das mächtige Militärbündnis
von Demokratien, das unsere Sicherheit jetzt seit
einem halben Jahrhundert garantiert.
Und als
Führungsmacht der NATO und wichtigster Makler des
Friedensabkommens müssen die Vereinigten Staaten
unerläßlicher Bestandteil dieser Mission sein. Wenn
wir nicht dort sind, wird die NATO nicht dort sein.
Der Frieden wird brechen. Der Krieg wird Wiederaufflammen.
Das Gemetzel an Unschuldigen wird
wieder beginnen. Ein Konflikt, der bereits so viele
Opfer gefordert hat, könnte sich wie ein Flächenbrand
in der gesamten Region ausbreiten, die Stabilität
Europas unterminieren und unsere Partnerschaft mit
unseren europäischen Verbündeten aushöhlen.
Die amerikanische Verpflichtung zu einer Führungsrolle wird darüber hinaus in Frage gestellt, wenn wir
uns weigern, uns an der Umsetzung des Friedensabkommens zu beteiligen, das wir hier in den Vereinigten Staaten vermittelt haben, insbesondere, weil
die Präsidenten von Bosnien, Kroatien und Serbien
uns um die Beteiligung gebeten und alle ihr Wort für
die Sicherheit unserer Truppen gegeben haben.
Wenn die Partnerschaften Amerikas schwach sind
und unsere Führungsrolle bezweifelt wird, unterminiert dies unsere Fähigkeit, unsere Interessen zu
wahren und andere von der Zusammenarbeit mit uns
zu überzeugen. Wenn wir unsere Partnerschaften
und unsere Führungsrolle aufrechterhalten, müssen
wir nicht im Alleingang handeln. Wie wir im Golfkrieg
und in Haiti gesehen haben, werden viele andere
Nationen, die unsere Zielsetzungen teilen, auch die
Lasten teilen. Aber wenn Amerika keine Führungsrolle übernimmt, können die Konsequenzen äußerst
schwerwiegend sein, nicht nur für andere, sondern
letztlich auch für uns.
Während ich zu Ihnen spreche, schließt die NATO
die Planung für die IFOR ab - eine internationale
Truppe zur Umsetzung des Friedens in Bosnien von
rund 60.000 Mann. Über 25 andere Nationen,
darunter unsere wichtigsten NATO-Verbündeten,
haben bereits ihre Beteiligung zugesichert.
Sie
werden ungefähr zwei Drittel der gesamten Umsetzungstruppe stellen - rund 40.000 Soldaten. Die
Vereinigten Staaten würden den Rest beitragen,
ungefähr 20.000 Mann.
Gegen Ende der Woche wird mir der endgültige
NATO-Plan zur Überprüfung und Zustimmung vorgelegt. Ich möchte eindeutig klarstellen, was er
meine Ansicht nach enthalten sollte und enthalten
muß, damit ich meine Zustimmung zur Beteiligung
unserer Streitkräfte gebe:

Seite 3

�Erstens wird die Mission genau definiert sein mit
klaren, realistischen Zielen, die in einem bestimmten
Zeitraum erreicht werden können. Unsere Truppen
werden sicherstellen, daß jede Seite ihre Streitkräfte
hinter die Frontlinien abzieht und dort stationiert läßt.
Sie werden den Waffenstillstand aufrechterhalten,
um ein versehentliches erneutes Ausbrechen des
Krieges zu verhindern. Diese Bestrebungen werden
wiederum zur Schaffung eines sicheren Umfelds
beitragen, damit die Menschen in Bosnien in ihre
Heimat zurückkehren, bei freien Wahlen ihre Stimme
abgeben und mit dem Wiederaufbau ihres Lebens
beginnen können. Unsere Vereinigten Stabschefs
sind zu der Schlußfolgerung gelangt, daß diese
Mission ungefähr ein Jahr dauern sollte und wird.
Zweitens wird das Risiko für unsere Truppen auf ein
Minimum reduziert. Die amerikanischen Truppen
werden ihre Befehle von einem amerikanischen
General entgegennehmen, der NATO-Kommandeur
ist. Sie werden schwer bewaffnet und gut ausgebildet sein. Durch eine überwältigende Demonstration
von Macht werden sie die Notwendigkeit des Einsatzes von Gewalt verringern. Aber im Gegensatz
zu den UN-Truppen werden sie die Befugnis, die
Ausbildung und das Gerät haben, unverzüglich mit
überwältigender Macht auf jede Bedrohung ihrer
eigenen Sicherheit oder jede Verletzung der militärischen Bestimmungen des Friedensabkommens zu
reagieren.
Wenn der NATO-Plan meine Zustimmung findet,
werde ich ihn unverzüglich dem Kongreß übermitteln
und um seine Unterstützung ersuchen. Ich werde
auch die Beteiligung einer kleinen Anzahl amerikanischer Soldaten an einer NATO-Vorhut genehmigen,
die in der nächsten Woche die Vorbereitungsarbeit
für die IFOR übernimmt. Sie werden Hauptquartiere
einrichten und das hochmoderne Kommunikationssystem aufbauen, das vor der Entsendung der
Truppen, Panzer und Lastwagen der NATO nach
Bosnien funktionieren muß.
Die Truppe zur Umsetzung des Friedensabkommens
selbst würde in den Tagen nach der offiziellen

Unterzeichnung des Friedensabkommens Mitte
Dezember nach Bosnien disloziert. Die internationale Staatengemeinschaft wird bei der Umsetzung der
Rüstungskontrollbestimmungen des Abkommens
behilflich sein, damit zukünftige Feindseligkeiten
weniger wahrscheinlich und die Rüstungen begrenzt
werden, während die Völkergemeinschaft - die
Vereinigten Staaten und andere - sicherstellen, daß
die Bosnische Föderation die Mittel zu ihrer eigenen
Verteidigung nach dem Abzug der IFOR hat. Die
IFOR wird nicht Teil dieser Bestrebungen sein.

Seite 4

Zivile Behörden auf der ganzen Welt werden ein
getrenntes Programm humanitärer Hilfslieferungen
und für den Wiederaufbau in die Wege leiten, das
vornehmlich von unseren europäischen Verbündeten
und anderen interessierten Ländern finanziert wird.
Auch diese Bestrebungen sind absolut unerläßlich,
damit der Frieden dauerhaft ist.
Diese Behörden werden den Menschen in Bosnien
die Nahrungsmittel, Unterkünfte, Kleidung und
Medikamente bringen, die ihnen so lange verweigert
wurden. Sie werden ihnen beim Wiederaufbau helfen
- dem Wiederaufbau ihrer Straßen und Schulen, ihrer
Kraftwerke und Krankenhäuser, ihrer Fabriken und
Geschäfte. Sie werden Kinder wieder mit ihre Eltern
zusammenführen und Familien in ihre Häuser zurückbringen. Sie werden den Bosniern die freie Wahl
ihrer Politiker gestatten. Sie werden allen Menschen
in Bosnien ein sehr viel größeres Interesse an
Frieden als an Krieg vermitteln, so daß der Frieden
mit Leben erfüllt wird und seine eigene Logik entfaltet.
Wir können und werden in Bosnien Erfolg haben, weil
unsere Mission klar und begrenzt ist und unsere
Truppen stark und gut vorbereitet sind. Aber, meine
amerikanischen Mitbürger, keine Entsendung amerikanischer Truppen ist risikolos, und diese Mission
kann sehr wohl Opfer fordern. Es kann Zwischenfälle
im Feld oder mit Menschen geben, die ihren Haß
noch nicht aufgegeben haben. Ich werde jede
erdenkliche Maßnahme ergreifen, um diese Risiken
auf ein Minimum zu reduzieren, aber wir müssen auf
diese Möglichkeit vorbereitet sein.
Als Präsident gibt es für mich nichts Schwierigeres,
als die Männer und Frauen, die sich freiwillig in den
Dienst unserer Nation stellen, einem Risiko auszusetzen, wenn unsere Interessen und Werte es
verlangen. Ich übernehme die volle Verantwortung
für jeden Schaden, den sie erleiden könnten. Aber
jeder, der irgendeine Aktion in Betracht zieht, die
unsere Truppen in Gefahr bringen könnte, muß
wissen: Amerika schützt die Ihren. Jeder - jeder der die Hand gegen unsere Truppen erhebt, wird die
Konsequenzen zu spüren bekommen. Wir werden
Gleiches mit Gleichem - und mehr - vergelten.
Nach so viel Blutvergießen und Verlusten, nach so
viel abscheulichen Akten unmenschlicher Brutalität
wird es außergewöhnlicher Willenskraft seitens des
bosnischen Volkes bedürfen, sich von der Vergangenheit zu lösen und eine neue Zukunft des Friedens
aufzubauen. Aber mit unserer Führungskraft und
dem Engagement unserer Verbündeten kann das
bosnische Volk die Chance erhalten, seine Zukunft in
Frieden zu entscheiden. Es kann die Chance erhalten, die Welt daran zu erinnern, daß nur wenige

AMERIKA DIENST

�Jahre zuvor die Moscheen und Kirchen von Sarajevo
ein leuchtendes Symbol multiethnischer Toleranz
waren und Bosnien einst seine Einheit in Vielfalt
fand. In der Tat war der Friedhof im Zentrum der
Stadt vor nur wenigen Jahren das herrliche Stadion,
im dem die Olympischen Spiele stattfanden - unser
universelles Symbol für Frieden und Harmonie.
Bosnien kann wieder ein solcher Ort sein. Deswegen dürfen wir jetzt Bosnien nicht den Rücken
zukehren.
Und so bitte ich alle Amerikaner und jedes Mitglied
des Kongresses - Demokraten und Republikaner
gleichermaßen - sich für den Frieden zu entscheiden. Bei der Entscheidung zwischen Frieden und
Krieg muß Amerika den Frieden wählen.
Meine amerikanischen Mitbürger, ich bitte Sie, nur
einen Augenblick über dieses zu Ende gehende
Jahrhundert und das bald beginnende neue nachzudenken. Weil frühere Generationen von Amerikanern für die Freiheit eintraten und weil wir dies
weiterhin tun, lebt das amerikanische Volk in mehr
Sicherheit und Wohlstand. Und auf der ganzen Welt
leben mehr Menschen als je zuvor in Freiheit. Mehr
Menschen als je zuvor werden mit Würde behandelt.
Mehr Menschen als je zuvor können auf ein besseres Leben hoffen. Darum geht es bei der amerikanischen Führungsrolle.

Wir wissen, daß dies die Segnungen der Freiheit
sind, und Amerika war stets der größte Verfechter der
Freiheit. Wenn wir weiterhin alles in unserer Macht
Stehende tun, um diese Segnungen mit den Menschen auf der ganzen Welt zu teilen, wenn wir
weiterhin die Triebkraft für Frieden sind, dann kann
das nächste Jahrhundert die beste Zeit werden, die
unsere Nation je erlebt hat.
Vor wenigen Wochen hatte ich die Ehre, einige Zeit
mit Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. während
seines Besuches in den Vereinigten Staaten verbringen zu dürfen. Am Ende unseres Gesprächs
blickte der Papst mich an und sagte: "Ich habe den
Großteil dieses Jahrhunderts durchlebt. Ich erinnere
mich, daß es mit einem Krieg in Sarajevo begann.
Herr Präsident, Sie dürfen nicht zulassen, daß es mit
einem Krieg in Sarajevo endet."
In Bosnien hat dieser schreckliche Krieg unsere
Interessen herausgefordert und unsere Seelen
beunruhigt.
Glücklicherweise können wir etwas
dagegen unternehmen.
Ich sage es nochmals:
Unsere Mission wird klar, begrenzt und durchführbar
sein. Das bosnische Volk, unsere NATO-Verbündeten und die Menschen auf der ganzen Welt blicken
jetzt auf Amerika für die Übernahme der Führung.
Also wollen wir die Führungsrolle übernehmen. Das
ist unsere Pflicht als Amerikaner.
Gott schütze Amerika.

* * * *

AMERIKA DIENST

*

Seite 5

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12520">
                <text>28.11.1995</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12521">
                <text>Amerikadienst 28.11.1995 - Sonderdienst</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12522">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12523">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12524">
                <text>&lt;strong&gt;1. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA sollten Frieden in Bosnien unterstützen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Clinton&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2386" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2397">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/55f4821e156c2b5f6fe06fd6b4e64bbc.pdf</src>
        <authentication>97a89252f4bf226778332a3bac8cba42</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="12300">
                    <text>cimerikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

28. Dezember 1994

51

M

AUSSENPOLITIK

DIE DIPLOMATISCHEN PRIORITÄTEN DER
USA IM JAHR 1995
Treffen Christophers mit Pressevertretern

HANDEL

HANDEL UND TECHNOLOGIE - GRUNDLAGE
FÜR ARBEITSPLÄTZE UND WOHLSTAND
Konkurrenzdruck auf dem Weltmarkt

THEMENINDEX

DER AMERIKA DIENST
2. Halbjahr 1994

Mit dieser letzten Ausgabe des Jahres 1994
wünscht die Redaktion des Amerika Dienst allen
Lesern ein friedliches und erfolgreiches neues Jahr.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�AUSSENPOLITIK
28. Dezember 1994

DIE DIPLOMATISCHEN PRIORITÄTEN
DER USA IM JAHR 1995
Treffen Christophers mit Pressevertretern
WASHINGTON - (AD) - Die Pflege konstruktiver Beziehungen zu den wichtigsten Weltmächten, Stärkung der
Sicherheitsinstitutionen in Europa, Fortsetzung der Liberalisierung des Welthandels, Annäherung an eine
Friedenslösung im Nahen Osten und Eindämmung der Weiterverbreitung von Waffen stehen ganz oben auf
der Liste der außenpolitischen Ziele der Vereinigten Staaten für das Jahr 1995, erklärte US-Außenminister
Warren Christopher.
Der Minister stellte diese Ziele am 20. Dezember 1994 gegenüber Vertretern der Presse in groben Zügen dar
und verlieh seiner Überzeugung Ausdruck, sie könnten mit Unterstützung der neuen republikanischen Mehrheit
im Kongreß erreicht werden, "wenn wir die nationalen Interessen mit Entschlossenheit und Nachdruck
verfolgen".
Der Außenminister gab ferner einen Rückblick auf "ein erfolgreiches Jahr für die amerikanische Außenpolitik"
und zählte zu den 1994 erzielten Erfolgen die Inkraftsetzung des START I-Vertrags, die Initiative Partnerschaft
für den Frieden sowie neue Friedensabkommen im Nahen Osten und die Absetzung des diktatorischen
Regimes in Haiti.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus den Äußerungen Christophers im Rückblick auf das vergangene
und Ausblick auf das kommende Jahr.

Ich möchte kurz auf die im letzten Jahr geleistete
Arbeit eingehen und eine Vorausschau auf einige
unserer Prioritäten im kommenden Jahr geben.
Meiner Meinung nach war 1994 ein erfolgreiches
Jahr für die amerikanische Außenpolitik. Unter der
Führung des Präsidenten haben wir bei der Verfolgung der dauerhaften Ziele der Vereinigten
Staaten zur Schaffung einer Welt mit mehr Wohlstand, Sicherheit und Demokratie bedeutende
Fortschritte erzielt.
Zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen, daß
wir meines Erachtens bedeutende Schritte unternommen haben, um Amerika und die Welt sicherer
zu gestalten. Unsere entschlossenen diplomatischen
Bestrebungen haben dazu beigetragen, die Zusage
der Ukraine, Kasachstans und Belarus' über ihren
Beitritt zum Nichtverbreitungsvertrag (NW) als
atomwaffenfreie Staaten zu erhalten, was zur
Inkraftsetzung von START I führte. Jetzt sind
russische Raketen nicht länger auf unser Land
gerichtet, und erstmals in einem halben Jahrhundert

AMERIKA DIENST 51

gibt es in den baltischen Staaten keine russischen
Truppen mehr.
Wir haben bei der Anpassung der NATO an ein
ungeteiltes Europa greifbare Fortschritte erzielt. Wir
haben die Partnerschaft für den Frieden geschaffen
und mit unseren neuen Partnern gemeinsame Manöver abgehalten. Ferner haben wir einen sorgfältig
durchdachten Erweiterungsprozeß der NATO begonnen.
In Asien erzielten wir mit Nordkorea Einigung über
ein Einfrieren und eine Umstellung des Atomwaffenprogramms des Landes. Wir einigten uns mit China
auf eine Begrenzung seiner Raketenexporte.
Im Persischen Golf wurde durch das prompte Handeln des Präsidenten und die äußerst prompte
Dislozierung von Truppen eine mögliche irakische
Aggression eingedämmt - im Keim erstickt - und
diese Episode liegt glücklicherweise hinter uns.

Seite 1

�Die Vereinigten Staaten spielen auch eine wichtige
Rolle bei der Lösung von Konflikten auf der ganzen
Welt sowie bei der Förderung der Demokratie.
Im Nahen Osten hat unsere geduldige Diplomatie
bei der Umsetzung des Abkommens zwischen Israel
und der PLO geholfen. Sie trug auch zur Entwicklung des Friedensvertrags zwischen Jordanien und
Israel bei. Und sie brachte vielversprechende, wenn
auch kleine Fortschritte bei den Beziehungen zwischen Syrien und Israel.
In Haiti führte unsere Bereitschaft, unsere Diplomatie
mit Gewalt zu untermauern, zur Absetzung der
Diktatoren und Wiedereinsetzung der legitimen
haitianischen Regierung.
In Südafrika, Nordirland und Kambodscha waren das
Engagement und die Unterstützung Amerikas Teil
bemerkenswerter Fortschritte. Wir haben bedeutende Schritte zur Stärkung der wirtschaftlichen Sicherheit und Schaffung zusätzlicher amerikanischer
Arbeitsplätze unternommen. Wir brachten die
Uruguay-Runde des GATT zu einem Abschluß - eine
äußerst weitreichende Handelsvereinbarung.
Wir halfen, das APEC zu offenem und freiem Handel
im asiatisch-pazifischen Raum bis zum Jahr 2010
beziehungsweise 2020 zu verpflichten.
Vor wenigen Tagen einigten wir uns beim gesamtamerikanischen Gipfel auf die Verabschiedung von
Freihandelsabkommen in unserer Hemisphäre bis
zum Jahr 2005. Bei der Konferenz von Casablanca
trugen wir zur wirtschaftlichen Öffnung des Nahen
Ostens bei. Unser Rahmenabkommen mit Japan
und seine jüngsten Entwicklungen verschafften den
Amerikanern Marktzugang in wichtigen Bereichen.
Es gibt eindeutig Gebiete, auf denen wir unsere
Arbeit fortsetzen müssen. Die Arbeit an den meisten
der von mir angesprochenen Fragen ist noch nicht
abgeschlossen. Es gibt bei der Diplomatie nur sehr
wenige endgültige Siege. Der größte Fehler, den wir
begehen könnten, wäre der, uns bei irgendeiner
dieser Fragen auf unseren Lorbeeren auszuruhen.
Der Konflikt in Bosnien ist natürlich das ernsteste
ungelöste Problem, mit dem wir konfrontiert werden.
Wir müssen weiterhin auf eine Verhandlungslösung
drängen, die die Souveränität und Integrität des
belagerten Bosnien-Herzegowina bewahrt.
Wir sehen uns auch mit den schwierigen Problemen
der Eindämmung sowie der Zusammenarbeit mit
unseren Verbündeten und Freunden konfrontiert um
zu gewährleisten, daß so verbrecherische Staaten
wir der Iran oder Irak nicht den Friedensprozeß

Seite 2

stören oder diese Region auf andere Weise destabilisieren.
Abschließend möchte ich einige der Ziele ansprechen, für die wir uns im kommenden Jahr engagieren. Zunächst werden wir uns für die Aufrechterhaltung konstruktiver Beziehungen zu den wichtigsten
Wirtschafts- und Militärmächten der Welt einsetzen.
Wir werden weiterhin mit Rußland auf den Gebieten
zusammenarbeiten, auf denen wir gemeinsame
Interessen haben, und auf den Gebieten nach
Lösungen suchen, wo das nicht der Fall ist. Wir
möchten betonen, daß wir weiterhin Demokratie und
Marktwirtschaft in Rußland unterstützen.
Da wir sicherstellen wollen, daß wir als Großmacht
gute Beziehungen pflegen, sind wir uns auch bewußt,
daß eine gesunde Allianz mit Japan erforderlich ist.
Wir werden im nächsten Jahr hart daran arbeiten,
unsere Wirtschaftsbeziehungen mit Japan auf eine
ebenso stabile Grundlage zu stellen wie unsere
strategischen Beziehungen.
Wir sind uns auch der Notwendigkeit von Kontakten
zu China bewußt, da das Land anscheinend in naher
Zukunft eine neue Führung haben wird. Es ist ein
äußerst wichtiges Land, das eine schwierige Phase
durchläuft.
Unser zweites Ziel wird die Stärkung der Institutionen
europäischer Sicherheit und Ausweitung ihrer Vorteile
nach Osten hin sein. Wir werden mit unseren
Verbündeten an der Förderung der Ziele einer
Erweiterung der NATO und Fortsetzung der Arbeit an
der Partnerschaft für den Frieden und der Kernstruktur der NATO für die Zusammenarbeit mit
Nichtmitgliedstaaten arbeiten. Wir werden im Bereich
der Beziehungen zwischen der NATO und Rußland
tätig werden und gleichzeitig versuchen, die Fähigkeiten der KSZE zur Konfliktlösung zu verbessern.
Unser drittes Ziel wird es sein, die Dynamik für eine
Liberalisierung des regionalen und weltweiten Handels beizubehalten und zu versuchen, ein offenes
Handelssystem auf regionaler und globaler Ebene zu
fördern. Wir werden die Uruguay-Runde umsetzen.
Wir werden Verhandlungen beginnen, um Chile in
das NAFTA aufzunehmen und anschließend an der
in Miami eingegangenen Verpflichtung zu freiem und
offenem Handel in der gesamten Hemisphäre arbeiten. 1995 wird sich das Außenministerium auch auf
den nächsten APEC-Gipfel vorbereiten und zu
gewährleisten versuchen, daß wir konkrete Fortschritte für offenen und freien Handel im asiatischpazifischen Raum machen.
Unser viertes Ziel im nächsten Jahr wird darin
bestehen, den Nahen Osten einer umfassenden

AMERIKA DIENST 51

�Lösung näherzubringen. Unsere Herausforderung
ist die Konsolidierung der bereits zwischen Israel,
der PLO und Jordanien geschlossenen Abkommen
sowie das Drängen auf Fortschritte auf der schwierigen Verhandlungsschiene mit Syrien und dem
Libanon.
Wir hoffen, Israel bei der Herstellung enger Kontakte
mit den Golfstaaten behilflich sein, die Arabische
Liga zur Beendigung des Boykotts bewegen und auf
die Konferenz von Casablanca aufbauen zu können,
um eine Nahost-Entwicklungsbank zu gründen, mit wie Sie wissen - einem Treffen, das auf Einladung
des Präsidenten Anfang Januar stattfinden soll.
Unser fünftes Hauptziel ist die Beendigung der
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen. Wir
beginnen mit dem Versuch, hier die Ratifizierung des
START Il-Vertrags zu vollziehen.
Wir drängen auch - und das wird 1995 ein sehr
wichtiges Thema sein - auf die unbegrenzte Verlängerung des N W , auf einen Vertrag über ein
umfassendes Atomtestverbot (Comprehensive Test
Ban Treaty - CTBT) und eine Konvention über die
Einstellung der Produktion von raketenfähigem
Material.
Es erübrigt sich zu sagen, daß wir sehr wichtige

*

AMERIKA DIENST 51

*

Anhörungen haben und sehr wichtige Aktivitäten
entfalten werden, um die Einhaltung des Nuklearabkommens mit Nordkorea sicherzustellen.
Unser sechstes Ziel - und das letzte, das ich heute
hier nennen werde - ist die Bekämpfung neuer
Bedrohungen unserer Sicherheit, einschließlich
internationaler Verbrechen, Drogenhandel und
Terrorismus.
Eine Frage, die Sie sich wahrscheinlich stellen, lautet:
"Herr Außenminister, wie soll dies alles mit einem von
den Republikanern kontrollierten Repräsentantenhaus
und Senat vollbracht werden?" Ich möchte Sie
meines Vertrauens versichern, daß wir der Unterstützung der Republikaner auf dem Capitol Hill gewiß
sein können, wenn wir die nationalen Interessen mit
Entschlossenheit und Nachdruck verfolgen.
Natürlich wird es Meinungsverschiedenheiten geben.
Aber solange wir uns für die nationalen Interessen
einsetzen, bin ich zuversichtlich, daß wir die Unterstützung der Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses gewinnen können. Meines Erachtens kann
die Clinton-Administration ohne Furcht und wirklich
mit viel Vertrauen auf die nächste Phase in der
Außenpolitik blicken. Solange wir uns für die nationalen Interessen einsetzen, werden wir auch die
Unterstützung der Republikaner haben.

*

*

Seite 3

�HANDEL
28. Dezember 1994

HANDEL UND TECHNOLOGIE - GRUNDLAGE FÜR
ARBEITSPLÄTZE UND WOHLSTAND
Konkurrenzdruck auf dem Weltmarkt
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel über die Notwendigkeit einer Verknüpfung
von Handels- und Technologiepolitik.
Der Artikel erschien erstmals in Business America, August 1994.

Kurz nach seiner Amtsübernahme beschrieb Präsident Clinton die wichtigsten Grundsätze und Ziele
der Wirtschafts- und Handelspolitik seiner Administration. Der Präsident verpflichtete die Vereinigten
Staaten zu aktivem weltweitem Engagement zur
Förderung von Wachstum und Handel und stellte
fest, sein Land werde weiterhin für offene Märkte auf
der ganzen Welt eintreten. Um den Präsidenten zu
zitieren: "Wir müssen konkurrieren und dürfen uns
nicht zurückziehen."
Vor allem dank der Führungsrolle Amerikas sind die
Weltmärkte heutzutage offener als je zuvor, und der
Welthandel ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Dieses offenere Welthandelsklima birgt für die
Vereinigten Staaten neue Herausforderungen
aufgrund des Konkurrenzdrucks ihrer Handelspartner
auf der Welt. Mit diesen Herausforderungen im
Bereich des Wettbewerbs gehen jedoch auch
wirklich historische wirtschaftliche und handelspolitische Chancen für amerikanische Unternehmen
einher.
Das Welthandelsbüro (International Trade Administration - ITA) und das Technologiebüro (Technology
Administration - TA) des Wirtschaftsministeriums
sind der Entwicklung und Umsetzung einer Politik
verpflichtet, die den Vereinigten Staaten die umfassende Nutzung dieser neuen wirtschaftlichen
Chancen gestattet. Gleichzeitig sollen diese Maßnahmen der amerikanischen Industrie helfen, dem
Wettbewerbsdruck des heutigen Weltmarktes standzuhalten.
Ein Eckpfeiler der Strategie ist die Erkenntnis, daß
Handels- und Technologiepolitik gezielt verknüpft
werden müssen. Sowohl erweiterter Handel als

AMERIKA DIENST 51

auch größerer technologischer Fortschritt sind ein
Motor für Wirtschaftswachstum. Durch Technologie
wird die Produktivität unserer Arbeitnehmer verbessert und dadurch der Lebensstandard der Nation
erhöht. Auch der Handel wird in zunehmendem
Maße wichtig für unsere Wirtschaft. Die Löhne im
Exportsektor liegen beispielsweise um 17 Prozent
höher als der Durchschnitt der gesamten Volkswirtschaft.
Die Notwendigkeit einer Verknüpfung von Handelsund Technologiepolitik wird immer deutlicher. In den
letzten beiden Jahrzehnten stieg der Anteil Japans an
Spitzentechnologieexporten an, während der Amerikas fiel. Die Elektronikindustrie ist hierfür ein Beispiel. Die Verschlechterung der amerikanischen
Position begann bei Konsumgütern und verlief über
Büroausstattung bis zur Datenverarbeitung. Der
Verlust von Marktanteilen der Vereinigten Staaten im
Elektronikbereich bedeutete allein zwischen 1985 und
1989 ungefähr 100 Milliarden Dollar Umsatzeinbußen.
Der amerikanische Anteil am Weltmarkt für Produkte
der Luftfahrtindustrie sank von einem 79prozentigen
Höchststand 1970 auf 62 Prozent im Jahr 1988.
Beim heutigen Kapazitätsauslastungsgrad kommt das
einem Verlust von 300.000 amerikanischen Arbeitsplätzen gleich. Industriestudien zeigen, daß die
Vereinigten Staaten in Schlüsseltechnologien wie der
Produktion von Robotern, Silikonplättchen, moderner
Lithographie und anderem stark im Rückstand sind.
Die Gründe für diese Abnahme sind großenteils
unsere eigenen Unzulänglichkeiten. Beispielsweise
betrug das reale Wachstum bei Betriebs- und Geräteinvestitionen in Japan in den letzten beiden Jahrzehnten 194 Prozent, während die entsprechende
Zahl für die Vereinigten Staaten sich nur auf 65

Seite 1

�Prozent beläuft - damit stehen wir am unteren Ende
in der G-7. Mit anderen Worten war unser Ansatz
bei Entwicklung und Kommerzialisierung im nichtmilitärischen Bereich angesichts der Herausforderungen des Weltmarktes einfach unzulänglich.
Die Technologiepolitik der Vereinigten Staaten
reflektiert die Prioritäten der jeweiligen Zeit. Während des Zweiten Weltkriegs verfügten die Vereinigten Staaten über die einzigartige Fähigkeit, die
Ressourcen des Landes in den Bereichen Wissenschaft und Technologie für militärische Zwecke
einzusetzen.
Auf der Grundlage erfolgreicher
Nutzung dieser Ressourcen in Kriegszeiten entwikkelten die amerikanischen Politiker in der unmittelbaren Nachkriegszeit eine Wissenschafts- und
Technologieinfrastruktur zur Förderung der Grundlagenforschung und Entwicklung von Technologien zur
Erfüllung nationaler Aufgaben in Bereichen wie
Verteidigung, Landwirtschaft, Energie und Weltraumforschung. Die Ausweitung von Technologie auf den
Handel wurde vorwiegend durch die Deckung des
staatlichen Beschaffungsbedarfs mit Produkten,
Verfahren und Dienstleistungen aus dem Privatsektor erzielt.
In den vergangenen Jahren fanden jedoch bei der
Dynamik technologischer Innovationen sowohl auf
nationaler als auch auf globaler Ebene bedeutende
Veränderungen statt. Wegen des Wachstums auf
den Konsumgütermärkten ist der Rüstungsmarkt
nicht länger die dominierende Zugkraft für Technologie wie während der fünfziger und sechziger Jahre.
Vielmehr werden neue Technologien vorwiegend auf
dem Weltmarkt entwickelt und produziert.
Die
technologische Entwicklung wird jetzt von Produzenten aus vielen verschiedenen Ländern angetrieben,
und die technologische Überlegenheit amerikanischer Unternehmen - lange Zeit ein Privileg - wird
in Frage gestellt.
Der Privatsektor wird jetzt mit einer völlig veränderten Wettbewerbssituation konfrontiert.
Die Geschwindigkeit technologischer Anpassung von
Industriezweigen auf der ganzen Welt, der Zyklus
von Produktinnovationen und -veralterung, die
schnelle Wissensübermittlung und der intensive
Wettbewerb für amerikanische Unternehmen erfordern eine Technologiepolitik, die sich der wirtschaftlichen Konsequenzen staatlicher Maßnahmen bewußt
ist.
Diese Administration reagiert auf die neue Wettbewerbssituation. Sie engagiert sich für die Umlenkung und Ausweitung amerikanischer Wissenschafts- und Technologieprogramme, die Auswertung der Auswirkungen staatlicher Finanz-, Steuerund Lenkungspolitik, den Aufbau einer Wirtschaft mit

Seite 2

hochbezahlten, hochwertigen Arbeitsplätzen und die
Unterstützung amerikanischer Unternehmen, um die
Herausforderungen der heutigen Weltwirtschaft zu
bewältigen.
Die amerikanische Politik zur Unterstützung von
Wachstums- und produktivitätsfördernden Technologien umfaßt ein weites Feld von Prioritäten im
Bereich natürlicher Ressourcen und des Humankapitals. Zu den Beispielen zählen weitere Investitionen
in die Grundlagenforschung sowie der Einsatz
privater Mittel für technologische Entwicklung und
Vermarktung. Das Welthandelsbüro und das Technologiebüro prüfen, wie die Regierung durch Zusammenarbeit mit dem Privatsektor die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen mit Hilfe
einer verbesserten Entwicklung neuer Produkte und
des Einsatzes neuer Verfahren erhöhen kann.
Im Zusammenhang mit der Rolle der Bundesregierung bei der Förderung von Wettbewerbsfähigkeit hat
sich das Wirtschaftsministerium auf die Bedürfnisse
der amerikanischen Industrie konzentriert.
Das
Welthandelsbüro und das Technologiebüro informieren sich über die Bedürfnisse des Kunden - der
amerikanischen Industrie - um die Hemmnisse und
"Löcher" bei der Förderung technologischer Vermarktung durch die Bundesregierung zu entdecken.
In diese Untersuchung werden große und kleinere
Unternehmen aus dem Fertigungs- und Dienstleistungssektor einbezogen.
Durch die Prüfung Hunderter, von Verbänden abgegebener Empfehlungen, mit Hilfe detaillierter Interviews mit führenden Wirtschaftsvertretern aus allen
Sektoren sowie gemeinsamer Studien über die
Wettbewerbssituation der amerikanischen Industrie im
Vergleich zu ihren Konkurrenten befaßt sich das
Wirtschaftsministerium zunächst mit den Gebieten,
auf denen die amerikanische Position am stärksten
gefährdet ist.
Der Kongreß hat bereits Schritte zur Förderung der
Fähigkeit amerikanischer Unternehmen unternommen, mit ausländischer Technologie zu konkurrieren.
Er erließ Gesetze, um über staatliche Labors Technologie in den Privatsektor einzubringen und rief Programme ins Leben, die stärker auf die Industrie
zugeschnitten sind. In diesem Zusammenhang sind
vor allem das moderne Technologieprogramm
(Advanced Technology Program - ATP) und das
Technologie-Reinvestitionsprojekt
(Technology
Reinvestment Project - TRP) zu nennen. Der gesamte Etat für diese und andere Programme, deren
Hauptziel die Vermarktung von Technologieprodukten
durch die amerikanische Industrie darstellt, belief sich
1994 auf ungefähr 5 Milliarden Dollar. Zu diesen
umfassenden Programmen zählen Innovationsfor-

AMERIKA DIENST 51

�schung für mittelständische Unternehmen (Small
Business Innovation Research Program - SBIR),
Abkommen über kooperative Forschung und Entwicklung (Cooperative Research and Development
Agreements - CRADAs), Lizenzvergabe von staatlichen Forschungslabors (Licensing from Federal
Laboratories), das Programm über eine Ausweitung
der Vermarktung (Manufacturing Extension Program), ATP und TRP sowie staatlich finanzierte
Forschungskonsortien.

t

Es reicht jedoch nicht aus, die staatlichen Labors
umzustrukturieren und Grundlagen- sowie konkurrenzunabhängige Forschung zu fördern. Die
Industrie hat einen klar definierten Bedarf an techno*

AMERIKA DIENST 51

*

logischen Informationen, wirksamerem Schutz geistigen Eigentums und modernisierten Regelsystemen,
die neue Technologien nicht unterdrücken.
Der Präsident erklärte in seinem Technologieplan
vom Februar 1993: "Wir dürfen uns nicht auf die
zufällige Nutzung von Rüstungstechnologie im
Privatsektor verlassen. Wir müssen uns direkt auf
diese neuen Herausforderungen konzentrieren und
unsere Bestrebungen auf die neuen, vor uns liegenden Chancen richten in der Erkenntnis, daß die
Regierung eine Schlüsselrolle dabei spielen kann,
Privatunternehmen bei der Entwicklung und Nutzung
von Innovationen zu unterstützen."

*

*

Seite 3

�THEMENINDEX
28. Dezember 1994

DER AMERIKA DIENST
2. Halbjahr 1994

Abrüstung

46,50

Abschied

36

AIDS

39,50

Amerika-Gipfel

49

Amerikas Städte

36

Arbeitsmarkt

30

Arbeitswelt

35,40

Außenpolitik

31,38,40,
38, 40, 42
42, 43, Sonderdienst (4. Nov.), 44, 48, 51

Bevölkerung

33, 34, Sonde

Bildung

35

Bosnien

39, 45, 46, 48

Datenautobahn

37

Demokratie

42

Demokratische Partei

49

Deutsch-amerikanischer Tag

40

Drogen

45

Fulbright

41

GATT

47

Gesellschaft

46

Haiti

30

Handel

47,51

Innenpolitik

50

Irak

43, 44

Kongresswahlen

45

Kriegsverbrechen

30,36, 41, 45

KSZE

48

Kultur

47, 49

Landeskunde

31

Landminen

41

AMERIKA DIENST 51

Seite 1

�Literatur

40,41

Manfred Wörner

33

Menschenrechte

31, 37, 46, 49, 50

Militär

33, 47, 48

NATO

40, 43, 48, 50

Nichtverbreitung

31,38

Nordkorea

32,36

Osteuropa

31

Porträt

44,49

Rüstungskontrolle

32

Technologie

37

Thanksgiving

46

Umwelt

33, 34, 42

USA-Deutschland

36,38

USA-Europa

32,38

USA-Haiti

Sonderdienst (16. Sept.), 37, 39

USA-Irak

41

USA-Kuba

33

USA-Nordkorea

42

USA-Rußland

39

USA-Südafrika

40

Verbrechensbekämpfung

34

Verfassung

35

Wirtschaft

30, 32, 39, 40, 44

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 51

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12295">
                <text>28.12.1994</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12296">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12297">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12298">
                <text>Amerikadienst 28.12.1994</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12299">
                <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die diplomatischen Prioritäten der USA im Jahr 1995&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Treffen Christophers mit Pressevertretern&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Handel und Technologie - Grundlage für Arbeitsplätze und Wohlstand&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Konkurrenzdruck auf dem Weltmarkt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Themenindex &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Amerika Dienst&lt;br /&gt;&lt;em&gt;2. Halbjahr 1994&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2892" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2757">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/7ee6d335feb415e0259ed4965a94d0c7.pdf</src>
        <authentication>4138fe493ff4e482731b9ea483db1873</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15530">
                <text>Amerikadienst 29.01.1958</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15531">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15532">
                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15533">
                <text>29.01.1958</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15534">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20366">
                <text>&lt;strong&gt;1. Artikel&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Meilensteine&lt;br /&gt;Abraham Lincoln, die Personifizierung des besseren Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zum Geburtstag Abraham Lincolns am 12. Februar&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hochschulwesen&lt;br /&gt;Der Typ des neuen amerikanischen Hochschulprofessors: Lehrer und Gelehrter&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John B. Oakes&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von Kunst und Künstlern&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Broadway Musicals und der Film&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Norman Smith&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Kurz berichtet&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Deutsche Theater in Salt Lake City&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Liste der Gedenktage im Februar 1958&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Kernverschmelzung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neue Perspektiven für die Lösung des Energieproblems&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Erklärung von Lewis L. Strauss, Vorsitzender der amerikanischen AEC, vom 24. Januar 1958&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanischen Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der kontrollierten Kernverschmelzungsprozesse&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hintergrundmaterial, vorgelegt von Dr. Arthur E. Ruark, Leiter der Forschungsabteilung der AEC für kontrollierte Kernverschmelzungsprozesse&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ziel der USA: Aufrechterhaltung der nationalen Unabhängigkeit der Völker im mittleren Osten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut einer Rede von John Foster Dulles vor der Bagdadpakt-Konferenz vom 27. Januar 1958&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2988" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2828">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/6fbb09f766a05d21e413afeba0faa891.pdf</src>
        <authentication>fabfe0821fff1490d9f3ffd4afae45cf</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15885">
                <text>Amerikadienst 29.01.1960</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15886">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15887">
                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15888">
                <text>29.01.1960</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15889">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20424">
                <text>&lt;strong&gt;1. Atom und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuartiger Reaktortyp wird in den USA erprobt&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Steuerung der Spaltreaktionen durch Wasserdruck&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Höhere Arbeitstemperaturen für Graphit-Reaktoren möglich&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Neue Untersuchungen in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weltweite Untersuchung des Tritium-Gehalts im Wasser&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Magneto-Hydrodynamischer Generator entwickelt&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuer Sonnenofen für die Materialprüfung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Metallformung mit "Unterwasserblitz"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Maschine als Vorleser für Blinde&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Erziehungswesen&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Seminar-Übungen im eigenen Heim&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der Rektor der Universität Chicago erfand das Fernstudium&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Die Welt der Frau&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Am Messmikroskop in der Zentrifugenkammer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ungewöhnliche Spezialaufgabe einer jungen Physikerin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Susie berät junge Mütter&lt;br /&gt;&lt;em&gt;"Cradle Time", eine vielgehörte Rundfunksendung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Liste der Gedenktage im Februar 1960&lt;/strong&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1438" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1449">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/25c2a372a5ffdc63b2766a30545034f2.pdf</src>
        <authentication>74567d7ce32188da9e374447fdef6bc0</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="7608">
                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Postfach

Telex:

Wirtschaft

Service
300

08-85432

5/1973

PRÄSIDENT NIXON LEGT NEUEN AMERIKANISCHEN HAUSHALT VOR
- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft -

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat dem amerikanischen Kongreß am
29. Januar den neuen Haushalt für das am 1. Juli beginnende US-Finanzjahr
1973/74 vorgelegt, der bei Einnahmen von 256 Milliarden Dollar und Ausgaben
von 268,7 Milliarden Dollar ein Defizit von 12,7 Milliarden Dollar ausweist.
Die wesentlichen Teile der Einleitung zur Haushaltsbotschaft des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
" Mit dem Haushalt für das Finanzjahr 1973/74 wird mein Versprechen erfüllt, die Bundesausgaben niedrig zu halten, so daß sich keine Notwendigkeit
für eine Erhöhung der Steuern ergibt.
Dieser Haushalt wird die Wirtschaft unseres Landes weiter einem Ziel
näher bringen, das sie in fast zwei Jahrzehnten nicht erreicht hat: Hoher
Beschäftigtenstand und hoher Wohlstand für die Bürger Amerikas ohne Inflation
und ohne Krieg....

Seit

-1-

�Seit Mitte der fünfziger Jahre ist der Anteil am Bruttosozialprodukt
des Landes, den die öffentlichen

Verwaltungen in den Vereinigten Staaten

- die Bundesregierung, die Regierungen der Einzelstaaten und die Kommunen für sich in Anspruch genommen haben, von einem Viertel auf ein Drittel gestiegen. Er muß nicht und sollte nicht weiter steigen.
Die höheren Forderungen, die die Regierung an die Steuerzahler stellte,
waren nicht für Verteidigungsprogramme bestimmt. Tatsächlich ist der Anteil
der Verteidigungsausgaben am Bruttosozialprodukt um ein Viertel zurückgegangen, während der Anteil der zivilen Programme aller Verwaltungen um 75 Prozent stieg, nämlich von 14 Prozent des Bruttosozialproduktes im Jahre 1955
auf rund 25 Prozent im Jahre 1972. Die zivilen Programme der Bundesregierung
sind also keineswegs verkümmert....
In den letzten zwei Jahren, in denen die Kapazitäten der Wirtschaft zu
gering ausgenutzt waren und die Inflationsgefahr nachließ, gingen die Auftriebskräfte, die die Wirtschaft Fortschritte in Richtung auf eine Vollbeschäftigung machen ließen, vom Bundeshaushalt aus. Der Haushalt für das Finanzjahr 1973/74 trägt der fortdauernden Verpflichtung der Bundesregierung
Rechnung, durch eine gesunde Währungs-und Haushaltspolitik zur Schaffung der
Bedingungen beizutragen, unter denen die Volkswirtschaft aufblühen wird und
neue Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden. Der Haushalt muß jetzt jedoch,
statt in erster Linie nur Auftrieb zu sein, auch vor einer Inflation schützen.
Der sicherste Weg, Inflation oder höhere Steuern oder beides zu vermeiden, ist, daß der Kongreß sich mit mir zu gemeinsamen Bemühungen um eine
Kontrolle der Bundesausgaben zusammentut. Ich schlage daher vor, daß der Kongreß, bevor er irgend welche gesetzlichen Ausgaben billigt, ein starres Ausgabenlimit festlegt, durch das die Gesamtausgaben für das Finanzjahr 1973/74
auf die von mir im Haushalt empfohlenen 268,7 Milliarden Dollar begrenzt
werden.
Ich

�Ich glaube nicht, daß das amerikanische Volk höhere Steuern wünscht,
genauso wenig, wie es Inflation wünscht. Um sowohl höhere Steuern wie auch
Inflation zu vermeiden, schlage ich vor, daß die Ausgaben im Finanzjahr 1973/
74 und im Finanzjahr 1974/75 nicht höher sein sollen als die Einnahmen, die
sich bei einer Vollbeschäftigung ergeben würden.

Zusammenfassung des Haushalts 1973/74
Der Haushalt für das Finanzjahr 1973/74 bringt - bei Zugrundelegung
einer Vollbeschäftigung - in etwa einen Ausgleich und tatsächlich ein Defizit,
das nur halb so groß wie das Defizit im Finanzjahr 1972/73 ist. Der Gesamthaushalt, den ich hier für das Finanzjahr 1974/75 vorschlage, wird ebenfalls
- bei Zugrundelegung von Vollbeschäftigung - ausgeglichen sein. Ein Haushalt
im Finanzjahr 1973/74, der bei Vollbeschäftigung ausgeglichen wäre, unterstützt den anhaltenden Wirtschaftsaufschwung, ohne daß es zu einem Wiederaufleben der Inflation kommt. Ein stärkerer Auftrieb im Finanzjahr 1973/74 wäre
gefährlich und würde für künftige Haushalte nicht mehr tragbare Belastungen
bringen.
Die Haushaltseinnahmen im Finanzjahr 1973/74 werden auf 256 Milliarden
Dollar veranschlagt. Dies bedeutet gegenüber dem Finanzjahr 1972/73 eine Zunahme um 31 Milliarden Dollar, der den wachsenden Wohlstand, das höhere Persona leinkommen und die steigenden Gesellschaftsgewinne widerspiegelt. Bei den
Einkommenschätzungen wirken sich auch die Steuersenkungen aufgrund des Steuerreformgesetzes von 1969, die neue Wirtschaftspolitik, das Abgabengesetz von
1971 sowie die höheren Abgaben auf Löhne und Gehälter aus, um die gestiegenen
Sozialversicherungsleistungen zu finanzieren.
Die

�Die Haushaltsausgaben im Finanzjahr 1973/74 werden auf 268,7 Milliarden
Dollar veranschlagt. Der Gesamtbetrag wäre ganz erheblich höher gewesen
- wahrscheinlich bei 288 Milliarden Dollar -,wenn meine Regierung nicht
außergewöhnliche Anstrengungen unternommen hätte, um die Haushaltsleitzahl
im Finanzjahr 1972/73 bei einem Maximum von 250 Milliarden Dollar statt, was
sonst der Fall gewesen wäre, bei 261 Milliarden Dollar zu halten und für das
Finanzjahr 1973/74 bei Zugrundelegung von Vollbeschäftigung in etwa auszugleichen.
Aber auch so bringt dieser Haushalt zwangsläufig ein Ansteigen der Ausgaben um 19 Milliarden Dollar gegenüber dem Finanzjahr 1972/73 oder fast
8 Prozent gegenüber dem letzten Haushaltsjahr. Der Haushalt ist ausreichend
für die Gewährleistung von Sicherheit und Wohlstand in Amerika im kommenden
Jahr.
Das Haushaitsprogramm für das Finanzjahr 1973/74 sieht Ausgaben im
Finanzjahr 1974/75 - bei Zugrundelegung von Vollbeschäftigung - von 288 Milliarden Dollar vor, was zusammen mit den Einnahmen nach den gegenwärtigen Gesetzen
Vollbeschäftigung und einen ausgeglichenen Haushalt bedeuten würde....

Die Schaffung eines dauerhaften Friedens
Die Schaffung eines dauerhaften Friedens erfordert mehr als Wunschdenken.
Er kann nur durch geduldige Diplomatie und Verhandlungen, gestützt auf militärische Stärke,erreicht und erhalten werden. Um von Dauer zu sein, muß der
Friede auf einer Grundlage gegenseitiger Interessen und gegenseitiger Achtung
unter den Völkern basieren. Er muß so beschaffen sein, daß diejenigen, die
sonst versucht sein könnten, ihn zu zerstören, einen Anreiz haben, ihn zu erhalten.
Der

�Der Haushalt für das Finanzjahr 1973/74 unterstützt die Bemühungen
Amerikas um die Schaffung eines solchen Friedens auf zwei wichtigen Wegen.
Einmal wird die militärische Stärke aufrechterhalten, die wir zur Unterstützung
unserer Verhandlungen und unserer Diplomatie benötigen. Zum anderen bringt er
eine gesunde Haushaltspolitik, die, von einer ergänzenden monetären Politik
unterstützt, zu Wohlstand und wirtschaftlicher Stabilität hier und im Ausland
beitragen wird.
Unsere Stärke

zusammen mit unserer Bereitschaft zu Verhandlungen hat es

uns bereits ermöglicht, mit der Errichtung eines Gebäudes für einen dauerhaften Weltfrieden zu beginnen und zu einer allgemeinen Verminderung der Spannungen auf der Welt beizutragen.
-- Wir haben wesentlichen Fortschritt in Richtung auf eine Beendigung
unseres Engagements in dem schwierigen Krieg in Südostasien gemacht.
-- In den letzten vier Jahren haben wir mehr bedeutsame Abkommen mit
der Sowjetunion abgeschlossen als in all den vorangegangenen Jahren
seit dem zweiten Weltkrieg, darunter auch das historische Abkommen
über die Begrenzung der strategischen Nuklearwaffen.
-- Wir haben eine nahezu ein ViertelJahrhundert dauernde beiderseitige
Isolierung zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China
beendet und können der Entwicklung einer friedlichen Zusammenarbeit
auf Gebieten von beiderseitigem Interesse entgegensehen.
In dieser Atmosphäre haben andere Länder ebenfalls damit begonnen, in
Richtung auf eine friedliche Beilegung ihrer Meinungsverschiedenheiten voranzuschreiten.
Eines der Ergebnisse unserer Verhandlungen - zusammen mit dem Erfolg der
Nixon-Doktrin, unserem beträchtlichen Disengagement in Vietnam und der höheren Wirksamkeit neuerer Waffensysteme - war eine wesentliche, aber kluge

�kluge Verringerung unserer Streitkräfte. Die Gesamttruppenstärke ist seit
1968 um etwa ein Drittel verringert worden und wird weiter verringert werden,
wenn wir die Wehrpflicht aufheben und reine Freiwilligen-Streitkräfte haben
werden. Gleichzeitig übernehmen unsere Verbündeten einen wachsenden Anteil
der Lasten ihrer eigenen Verteidigung.
Als Folge hiervon sind die Verteidigungsausgaben etwa gleich geblieben.
Im Finanzjahr 1973/74 werden sie im wesentlichen die gleichen wie 1967/68
sein. In dieser Zeit ist der Gesamthaushalt um 50 Prozent gewachsen und haben die nicht für die Verteidigung bestimmten Ausgaben um 91 Prozent oder
90 Milliarden Dollar zugenommen. Bei Ausschaltung von Lohn-und Preiserhöhungen werden die Verteidigungsausgaben im Finanzjahr 1973/74 etwa die gleichen
wie im Finanzjahr 1972/73 sein und etwa ein Drittel unter denen des Finanzjahres 1967/68 liegen.
Wenn es dieser Regierung auch gelungen ist, die unnötigen Verteidigungsausgaben auszumerzen, so ist sie jedoch genau so entschlossen, die für die
nationale Verteidigung erforderlichen Ausgaben zu machen. Unser Haushalt
für das Finanzjahr 1973/74 entspricht diesem Ziel. Er garantiert uns eine
ausreichende Stärke, um unsere Sicherheit zu erhalten und weiterhin als wichtige Kraft für den Frieden zu wirken.
Ein wichtiger Teil unserer Bemühungen um den Frieden ist ein Rahmen für
den internationalen wirtschaftlichen Fortschritt. Ein solider Anfang bei einer
Reform des internationalen Währungssystems ist durch unsere Teilnahme an den
fortdauernden Gesprächen des Zwanziger-Ausschusses gemacht worden. Wir werden
diese Bemühungen im kommenden Jahr mit Nachdruck fortsetzen.
Unsere Auslandshilfeprogramme spiegeln ebenfalls unsere Absicht wider,
ein dauerhaftes Gebäude des Friedens durch gemeinsame Aufteilung von Lasten
und Vorteilen zu schaffen. Amerika wird weiterhin fest zu seiner Unterstützung
befreundeter Nationen stehen, die wirtschaftlichen Fortschritt und eine sichere Verteidigung anstreben. Wir erwarten jedoch, daß die anderen Länder ebenso

�ebenso ihren Teil hierzu beitragen, und das Auslandshilfebudget für das
Finanzjahr 1973/74 basiert auf dieser Erwartung.
Unser Ziel ist ein dauerhafter Friede, der von dem Selbstinteresse aller
Nationen getragen ist, ihn zu wahren. Unsere anhaltende militärische Stärke
und unsere Programme für einen internationalen wirtschaftlichen Fortschritt,
wie sie in diesem Haushalt vorgesehen sind, werden uns diesem für uns und
unsere Nachkommen angestrebten Ziel näherbringen.

Erfüllung menschlicher Erfordernisse
Die Programme für menschliche Aufgaben in dem Haushalt für das Finanzjahr
1973/74 spiegeln - wie die drei ihm unter meiner Regierung vorangegangenen meine Überzeugung wider, daß soziales Mitgefühl nicht lediglich durch Zuweisung öffentlicher Gelder bewiesen werden kann in der Hoffnung, so einen NotStand zu beheben, sondern nur dadurch, daß solche Gelder greifbare Verbesserungen für das Leben unserer Bevölkerung bringen. Meine Bemühungen um grundlegende Reformen, durch die die Leistungen der Bundesregierung verbessert werden, sollen in dem kommenden Finanzjahr fortgesetzt werden.
Gegenüber dem Finanzjahr 1968/69 sind die Ausgaben für Bundesprogramme
für menschliche Aufgaben im Finanzjahr 1973/74 um 97 Prozent gestiegen,während die Gesamthaushaltsausgaben lediglich um 46 Prozent gewachsen sind. Infolgedessen machen die Dollar-Ausgaben für menschliche Aufgaben heute fast
die Hälfte des Haushaltes aus, verglichen mit etwas über einem Drittel der
Gesamthaushaltssumme zur Zeit meines Amtsantrittes.
Wir konnten zahlreiche solide Erfolge verbuchen.... Wir können und werden
noch bessere Wege finden, um aus unseren Programmen für menschliche Aufgaben
das beste herauszuholen - durch Partnerschaft zwischen einer umstrukturierten
Bundesregierung und starken bundesstaatlichen Regierungen und Kommunalverwal-

�Kommunalverwaltungen sowie mit Hilfe einer sozial eingestellten Privatwirtschaft, gestärkt durch eine Wiederbelebung der individuellen Initiative und
des Selbstvertrauens der Menschen. Aber nur, wenn wir hier und jetzt unproduktive Programme einstellen, können wir die Mittel erhalten, die wir zur
Durchführung solcher Ergebnisse zeitigenden Programme benötigen."

Internationale Angelegenheiten und Finanzen
Die wichtigsten Teile des Kapitels "Internationale Angelegenheiten und
Finanzen" haben folgenden Wortlaut:
"Mit den Reisen des Präsidenten nach Moskau und Peking, den Abkommen
über die Begrenzung der strategischen Rüstungen, dem Berlin-Abkommen und dem
Abbau des militärischen Engagements der USA in Vietnam haben die Vereinigten
Staaten entscheidende Schritte getan, um die Nachkriegsära der Konfrontation
zu beenden und ein dauerhaftes Gebäude des Friedens zu errichten, Unser Ziel
ist ein Netz von Beziehungen und Interdependenz, das jedem Land ein Interesse am Frieden gibt.
Unsere Werkzeuge hierzu sind Diplomatie und Verhandlungen, Auslandshilfe,
Reform des internationalen Währungssystems und Ausweitung des Handels sowie
der Austausch von Personen und Ideen.
Das Budget für internationale Programme im Finanzjahr 1973/74 stellt die
Mittel bereit, um dieses Ziel - den Frieden - im Einklang mit unseren Möglichkeiten und mit dem Minimum an erforderlichen Hilfsquellen anzustreben ...
Wirtschafts- und Finanzhilfe. Die Auslandshilfeprogramme spiegeln unsere Absicht wider, ein dauerhaftes Gebäude des Friedens zu errichten, wobei Lasten
und Vorteile sich auf alle verteilen. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin
fest zu ihrer Unterstützung befreundeter Länder stehen, die wirtschaftlichen
Fortschritt und eine sichere Verteidigung anstreben; aber wir erwarten auch
von den anderen Ländern, daß sie ihren Teil hierzu beitragen ...
Internationale Sicherheitshilfe. Durch Gewährung von Hilfe an Länder, deren
Volkswirtschaften die Sicherheitserfordernisse noch nicht ausreichend tragen

�tragen können, unterstützen diese Programme befreundete Länder bei der Entwicklung und Erhaltung des Potentials, sich selbst zu verteidigen. Die gesamten Bundesausgaben (in diesem Bereich) im Finanzjahr 1973/74 werden auf
rund 1,5 Milliarden Dollar veranschlagt.
Die Militärhilfe, die vom Verteidigungsministerium verwaltet und unter
nationale Verteidigung eingestuft ist, schließt nicht-rückzahlbare Zuwendungen
für Ausrüstungen und Ausbildung wie auch Kreditverkäufe von militärischen Ausrüstungen ein. (Die Militärhilfe an Laos und Südvietnam fällt ebenfalls unter
die Kassenzuweisungen des Verteidigungsministeriums..)
In dem Maße, in dem sich die Volkswirtschaften der Empfängerländer und
die internationale politische Lage bessern, kann auch die Militärhilfe
schrittweise von nicht-rückzahlbaren Zuwendungen auf Kredit- und Barverkäufe
umgestellt werden. Daher wird für das Finanzjahr 1973/74 mit vermehrten

Kre-

ditverkäufen gerechnet. Die gesamten Bundesausgaben für die Militärhilfe,
einschließlich der Kreditverkäufe an Israel, werden sich im Finanzjahr
1973/74 auf 791 Millionen Dollar belaufen.
Die ergänzende Wirtschaftshilfe, die vom Amt für

Internationale Entwick-

lung (AID) verwaltet wird, soll die politische und wirtschaftliche Stabilität
in Ländern fördern, die außenpolitisch für die Vereinigten Staaten von Bedeutung sind. Die Ausgaben sind im Finanzjahr 1973/74 auf 708 Millionen Dollar
veranschlagt worden ...

Internationale Entwicklungshilfe. Diese Programme fördern das langfristige
wirtschaftliche Wachstum der Entwicklungsländer sowohl über multilaterale wie
auch über bilaterale Kanäle. Die Ausgaben werden im Finanzjahr 1973/74 auf
rund 1,5 Milliarden Dollar veranschlagt ...
Zur Bereitstellung des amerikanischen Beitrages zu international vereinbarten Kapitalaufstockungen werden für das Finanzjahr 1973/74 folgende Haushaltsermächtigungen beantragt:
— 320
- 9-

�-- 320 Millionen Dollar für die Internationale Entwicklungsgesellschaft
(IDA);
—

193 Millionen Dollar für das Stammkapital der Interamerikanischen
Entwicklungsbank und zusätzlich eine Zahlung von 500 Millionen Dollar an deren Sonderfonds; und

---100 Millionen Dollar an den Sonderfonds der Asiatischen Entwicklungsbank sowie weitere 109 Millionen Dollar für das Stammkapital der
Bank nach Verabschiedung des Rahmengesetzes.
Der größte freiwillige Beitrag an Internationale Organisationen wird an
das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen gehen, das technische Hilfsprogramme sowie Erhebungen über Investitionsvorhaben finanziert. Für das
Finanzjahr 1973/74 wird ein Beitrag von 90 Millionen Dollar vorgeschlagen.
Ferner wird ein Beitrag von 10 Millionen Dollar zu dem neuen Umweltfonds
der Vereinten Nationen vorgeschlagen.
Die bilaterale Hilfe wird in erster Linie vom Amt für Internationale
Entwicklung (AID) verwaltet. Die Ausgaben werden für das Finanzjahr 1973/74
auf 871 Millionen Dollar veranschlagt. Der Personalstand des AID wird im
Finanzjahr 1973/74 weiter verringert werden, so daß der Personalabbau seit
dem Finanzjahr 1967/68 insgesamt 44 Prozent ausmachen wird.
Die Interamerikanische Stiftung mit einem Ausgabenansatz im Finanzjahr
1973/74 von 8 Millionen Dollar gewährt in erster Linie gemeinnützigen Privatorganisationen nicht-rückzahlbare Zuwendungen für neue Entwicklungsvorhaben
in Lateinamerika.
Die internationale humanitäre Hilfe, die vom Außenministerium und dem
AID verwaltet wird, gewährt Flüchtlingen und Opfern von Naturkatastrophen
Unterstützung. Sie wird weitgehend aus dem Lebensmittel-für-den-Frieden^Programm, dem Sonderfonds des Präsidenten für Auslandshilfe und aus Sonderbe-

-10-

�Sonderbewilligungen für Unterstützung finanziert. Die Vereinigten Staaten haben erst kürzlich zu der dringend notwendigen Hilfe für Südasien,die Philippinen, Zentralafrika und Nicaragua beigetragen.

Friedenskorps. Der Haushaltsansatz von 78 Millionen Dollar an Ermächtigungen
für die Arbeit des Friedenskorps im Finanzjahr 1973/74, wozu noch wachsende
Beiträge der Gastländer kommen, wird es gestatten, den gegenwärtigen Stand
an Freiwilligen aufrechtzuerhalten.

Lebensmittel-für-den-FrJeden. Durch Verkauf und Schenkung von Agrarerzeugnissen an andere Länder will das Lebensmittel-für-den-Frieden-Programm Hunger
und Unterernährung bekämpfen, das wirtschaftliche Wachstum in den Entwicklungsländern fördern und die Exportmärkte für amerikanische Agrarerzeugnisse erweitern. Die Ausgaben werden für das Finanzjahr 1973/74 auf 766 Millionen Dollar
veranschlagt, wovon 500 Millionen Dollar auf Nettoverkäufe und 266 Millionen
Dollar auf Schenkungen entfallen."

Haushaltsübersicht

�•

Haushaltsübersicht
(in Milliarden Dollar)

Haushaltsjahr

1971/72
tatsächlich

1972/73
geschätzt

1973/74
geschätzt

Haushaltseinnahmen

208,6

225,0

256,0

Haushaltsausgaben

231,9

249,8

268,7

Haushaltsdefizit

-

23,2

-12-

-

24,8

-

12,7

�Haushaltsausgaben
(in Milliarden Dollar)

Haushaltsjahr

1971/72
tatsächlich

Nationale Verteidigung

78,3

1972/73
geschätzt

1973/74
geschätzt

76,4

81,1

Internationale Angelegenheiten und
Finanzen

3,7'

3,3

3,8

Weltraumforschung und Technologie

3,4

3,1

3,1

Landwirtschaft

7,1

6,1

5,6

Natürliche Hilfsquellen u. Umwelt

3,8

0,9

3,7

11,2

12,5

11,6

Städteentwicklung u.Wohnungsbau

4,3

4,0

4,9

Ausbildung und Arbeitskräfte

9,8

10,5

10,1

Gesundheitswesen

17,1

18,0

21,7

Sicherung der Einkommen

64,9

75,9

82,0

Kriegsveteranen

10,7

11,8

U,7

Zinsendienst

20,6

22,8

24,7

4,9

5,6

6,0

6,8

6,0

—

0,5

1,8

Handel und Verkehr

Allgemeine Verwaltung
Finanzausgleich
Zusätzliche Ausgaben
Interne Transaktionen

-

2,8

3,0

-

3,2

Zinseinnahmen aus Treuhandfonds

-

5,1

5,4

-

6,0

231,9

249,8

-13-

268,7

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7604">
                <text>29.01.1973</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7605">
                <text>Amerikadienst 29.01.1973</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7606">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7607">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14238">
                <text>Präsident Nixon legt neuen amerikanischen Haushalt vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1510" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1521">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/ebe74470d8c90c4072876b5b21801fb6.pdf</src>
        <authentication>085ebe7b95d95278826fc4235b96ada4</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="7904">
                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 5 4 3 2

29. Januar 1975

Nummer

Inhalt
DOKUMENTATION:
US-Außenministerium veröffentlicht Bericht über Lage in Vietnam
-WortlautKommunique der Zehnergruppe vom 16. Januar 1975
-WortlautKommunique des IWF-Interimsausschusses vom 16. Januar 1975
-Wortlaut»

WIRTSCHAFT:

Erfolgreicher Abschluß der Washingtoner Währungsgespräche
Von Eugene Brake

HINTERGRUNDMATERIAL:
John J. Sparkman
-Der neue Vorsitzende des Außenpolitisches Ausschusses des US-Senats-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Satelliten wachen über die Umwelt
-ERTS-System wird ausgebaut-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�- amerika dienst
i

United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

Postfach 300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

2/1975

US-AUSSENMINISTERIUM VERÖFFENTLICHT BERICHT ÜBER LAGE I N VIETNAM
-

Wortlaut

-

WASHINGTON --(AD)— Das amerikanische Außenministerium hat am 24. Januar
1975 einen Sonderbericht veröffentlicht, in der die Lage in Vietnam dargestellt wird, wie sie sich in den zwei Jahren seit Unterzeichnung des Pariser
Abkommens vom 27. Januar 1973 entwickelt hat. Der dokumentarische Bericht hat
folgenden Wortlaut:
Am 27. Januar 1973 wurde in Paris das Abkommen zur Beendigung des Krieges
und der Wiederherstellung des Friedens in Vietnam unterzeichnet. Wir erzielten
eine Regelung, die die Herauslösung der amerikanischen Streitkräfte erlaubte,
die Regelung der politischen Zukunft Vietnams Verhandlungen zwischen den vietnamesischen Beteiligten überließ und die die amerikanischen Kriegsgefangenen
heimführte. Wir machten unsere Absicht deutlich, unser noch bestehendes Engagement in Vietnam so rasch zu beenden, wie es die Umstände erlaubten.
Die Nordvietnamesen haben jetzt einen stark intensivierten militärischen
Feldzug begonnen. Zum ersten Mal seit 1972 ist eine Provinzhauptstadt (Song
Be in der Provinz Phuoc Long) überrannt worden. Der umfang der Verluste und
der Zerstörung hat den höchsten Punkt seit Unterzeichnung des Abkommens er-

-1-

�erreicht. Die jüngsten Angriffe scheinen die erneute Entschlossenheit Hanois
widerzuspiegeln, Südvietnam mit Gewalt zu erobern.
Diese Entwicklungen lassen es jetzt, da wir uns dem zweiten Jahrestag
der Unterzeichnung des Pariser Abkommens nähern, besonders wichtig erscheinen,
daß wir die Lage in Vietnam, wie sie sich in den letzten zwei Jahren entwickelt
hat, und ihre Auswirkungen für die Zukunft eingehend untersuchen.
Es kann heute kein wirkliches Argument mehr geben, ob wir unser langes
und kostspieliges Engagement in Vietnam beenden werden. Die einzige Frage ist,
wann und wie wir es beenden.
Unser Ziel ist der Abschluß des Prozesses der Beendigung unseres Engagements so rasch wie möglich, und zwar auf eine Weise, die:
- einen politischen, wirtschaftlichen oder militärischen Zusammenbruch
in Südvietnam verhindert, der zur neuen Instabilität und Unruhe in dem Gebiet
•führen und neue Herausforderungen an einander zuwiderlaufende Großmachtinteressen stellen würde;
- ein vernünftiges Maß an politischer Stabilität und geordneter Entwicklung in Südostasien unterstützt und die friedliche Lösung des Konflikts in dem
Gebiet und sonstwo in der Welt fördert;
- die Opfer respektiert, die das amerikanische Volk in Vietnam gebracht
hat; und
- unserer Verantwortung als Signatarmacht gerecht wird, das Pariser Abkommen zu erfüllen.
Durch Unterzeichnung des Abkommens (und durch unsere Politik der Vietnamisierung des Krieges) haben wir den Südvietnamesen praktisch erklärt, daß wir
sie nicht mehr mit unseren Streitkräften verteidigen, aber sie - wie in dem Ab-

�Abkommen erlaubt - mit den Mitteln ausstatten würden, um sich selbst verteidigen zu können. Sie haben nach Übernahme dieser Aufgabe diese sehr wirksam erfüllt. Nun sollten wir das, was wir zugesagt haben, auch halten.

Die Einhaltung des Pariser Abkommens
Die Nordvietnamesen unterzeichneten das Pariser Abkommen zu einem Zeitpunkt, da sie gleichzeitig eine Offensive in letzter Minute durchführten, um
so viel südvietnamesisches Territorium wie möglich in ihre Hand zu bekommen,
bevor der Waffenstillstand eintrat. Nach Unterzeichnung des Abkommens und der
Abwehr dieser Offensive gingen die Feindseligkeiten eine Zeit lang zurück. Wir
hegten die Hoffnung, daß das Abkommen nun einen Rahmen bieten würde, innerhalb
dessen die Vietnamesen ihre eigene politische Wahl treffen und ihre eigenen
Probleme in einer Atmosphäre des Friedens lösen könnten. Leider wurde diese
Hoffnung - eine Hoffnung, die die Republik Vietnam und das südvietnamesische
Volk teilten - durch die Handlungen Nordvietnams und der Provisorischen Revolutionsregierung zunichtegemacht. In klarer Verletzung des Abkommens haben
sie:
- über 170 000 nordvietnamesische Soldaten nach Südvietnam eingeschleust
und ihre Hauptstreitmacht im Süden von 220 000 Mann zur Zeit des Abkommens auf
jetzt 300 000 Mann verstärkt (von denen 225 000 Nordvietnamesen sind);
.

- ihr militärisches Nachschubsystem durch Laos, Kambodscha und die ent-

militarisierte Zone, sowie auch innerhalb Südvietnams ausgebaut und ihre Waffenlager verstärkt;
- sich

�- sich geweigert, den Teams Zugang zu gewähren, die nach dem Abkommen
den Waffenstillstand überwachen sollen;
- sich geweigert, ihren vereinbarten Teil an den Ausgaben für die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission (ICSS) zu leisten;
- ihre Verpflichtungen zur Zusammenarbeit bei der Aufklärung des Schicksals amerikanischer und anderer Militärpersonen,die als vermißt gelten, nicht
erfüllt,ja, sie haben alle Gespräche über diese Angelegenheit abgebrochen und
sich seit sieben Monaten geweigert, mit Vertretern der Vereinigten Staaten und
der Republik Vietnam in dem Gemeinsamen Viermächte-Militärausschuß zusammenzutreffen;
- alle Verhandlungen mit der Republik Vietnam abgebrochen, einschließlich der politischen Verhandlungen in Paris und der Verhandlungen der Gemeinsamen Zweimächte-Militärkommission in Saigon und auf die wiederholten Forderungen nach bedingungsloser Wiederaufnahme der Verhandlungen mit unsinnigen
Forderungen nach dem Sturz der Regierung als Vorbedingung für eine Wiederaufnahme der Gespräche reagiert; und
- ihren militärischen Druck ständig erhöht, mehrere Gebiete überrannt,
darunter elf Distriktstädte, die zum Zeitpunkt des Waffenstillstandes eindeutig und unbestritten in der Hand der Republik Vietnam waren. Ihre jüngste und
gefährlichste Eskalation der Kämpfe begann Anfang Dezember 1974 mit Offene-i^ron

in

Aov

r. S\A 1 1 ~ U « «

USlfi-.

C."J-.-*-J

J

*

�Alle amerikanischen Streitkräfte und Berater wurden innerhalb von 60 Tagen nach Unterzeichnung des Abkommens abgezogen. Es besteht keine faktische
Grundlage für die Behauptung Hanois, daß sich Tausende amerikanischer Militärberater als Zivilisten getarnt in Vietnam befänden.
Die amerikanische Militärhilfe an die Republik Vietnam hat sich dem Zugum-Zug-Ersatz, dem Stück-für-Stück-Ersatz, nicht einmal angenähert, der durch
das Abkommen genehmigt ist, während die russische und chinesische Militärhilfe
an Nordvietnam während der letzten fünf Jahre praktisch auf dem gleichen Stand
geblieben ist (mit Ausnahme sehr großer Lieferungen im Jahre 1972, dem Hauptinvasionsjahr) und eine wesentliche Verstärkung der nordvietnamesischen Arsenale im Süden seit Unterzeichnung des Abkommens erlaubt hat.
Da das Abkommen der südvietnamesischen Regierung keine einseitige Waffenruhe auferlegt, hat die Republik Vietnam militärische Maßnahmen ergriffen,um
ihre Bevölkerung und ihr Territorium zu verteidigen. Dazu ist allerdings zu
sagen:
- Die südvietnamesischen Streitkräfte stehen in der Defensive. Sie
kämpfen nicht in Nordvietnam und sie versuchen nicht, dessen Regierung oder
politisches System zu stürzen.
- Die Regierung hat die Stärke ihrer Streitkräfte nicht erhöht.
- Sie hat mit der Internationalen Kontroll-und Überwachungskommission voll
zusammengearbeitet und ihren Anteil an den Kosten für die Kommission bezahlt.
- Sie hat die bedingungslose Wiederaufnahme der Verhandlungen mit der Demokratischen Republik (Nord) Vietnam und mit der Provisorischen Revolutionsregierung gefordert.
- Sie

-5-

�- Sie hat Pläne für eine politische Regelung, einschließlich international
überwachter Wahlen zu einem bestimmten Zeitpunkt,unterbreitet.

Die Lage in Südvietnam
Das Pariser Abkommen sollte dem südvietnamesischen Volk die Gelegenheit
bieten, seine eigene Wahl zu treffen und seine eigenen Probleme auf friedliche
Weise zu lösen. Es war und ist nicht die Politik der Vereinigten Staaten, Südvietnam eine Regierung oder ein Gesellschaftssystem aufzuzwingen, das den Wünschen der Mehrheit der Bevölkerung zuwiderliefe. Nach Auffassung der amerikanischen Regierung stellt die Auferlegung politischer Lösungen durch militärische
Gewalt nicht nur eine Verletzung unserer Prinzipien von Recht und Gerechtigkeit
dar, sondern führt auch nicht zu einem echten Frieden.
Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die südvietnamesische Regierung in •&gt;'
fairen und freien Wahlen wie in jedem anderen sinnvollen Test der öffentlichen
Meinung in Südvietnam einen überwältigenden Sieg über die kommunistische Seite
davontragen würde. Das ist selbst den Kommunisten klar, weshalb sie alle Bemühungen zur Verwirklichung der Bestimmungen des Pariser Abkommens, die Wahlen
unter internationaler Überwachung vorsehen, bisher so beharrlich vereitelt haben.
Da sind zunächst einmal die Aussagen der Flüchtlinge. Sie sind bisher fast
ausnahmslos nach von der Regierung kontrollierten Gebieten geflohen, selbst
wenn es für sie leichter und sicherer gewesen wäre, dort zu bleiben, wo sie
waren und die kommunistische Herrschaft auf sich zu nehmen, oder nach Gebieten
abzuwandern, die unter der Kontrolle der Kommunisten stehen. Das ist auch heute

-6-

�heute noch der Fall, wo immer die Kampfhandlungen neue Flüchtlinge schaffen.
Hinzu kommt, daß es für alle, die dies wünschen, sehr leicht ist, nach Gebieten unter kommunistischer Kontrolle abzuwandern (und die Kommunisten ermutigen sogar hierzu) - sehr wenige aber haben bisher von dieser Möglichkeit
Gebrauch gemacht.
An den Kriegsanstrengungen der Regierung sind rund zwei Millionen Südvietnamesen aktiv und unmittelbar beteiligt. Wenn sich die Regierung nicht der
Unterstützung durch die Allgemeinheit erfreute, würden diese Menschen sicherlich ihre Gewehre gegen die Regierung richten, statt für sie zu kämpfen, oder
zumindest desertieren, statt Tag für Tag ihr Leben oder die Ermordung von Familienangehörigen durch kommunistische Terroristen zu riskieren..
Manche Kritiker der amerikanischen Vietnam-Politik behaupten, die beste
Methode zur Herstellung des Friedens wäre es, die amerikanische Hilfe für Südvietnam zu verringern oder gänzlich einzustellen und damit die südvietnamesische Regierung zu zwingen, eine politische Lösung auszuhandeln. Dieser Vorschlag beruht auf der irrigen Annahme, es sei die südvietnamesische Regierung,
die die Verhandlungen zur Herbeiführung einer Regelung blockiere.
In Wahrheit sind es die Nordvietnamesen, denen der Abbruch der Verhandlungen und die Fortsetzung des Krieges zuzuschreiben ist. Die einzige Art von
Frieden, die Nordvietnam anstrebt, ist ein mit Waffengewalt aufgezwungener
Friede.
Das ist nicht die Art von Frieden, die das Pariser Abkommen vorsieht.
Das ist nicht die Art von Frieden, um dessentwillen wir und das südvietnamesische Volk so lange gekämpft haben.
Das

-7-

�Das ist nicht die Art von Frieden, die sich mit den Grundsätzen vereinbaren läßt, für die die Vereinigten Staaten eintreten.
Südvietnam hat ausgezeichnete langfristige Möglichkeiten. Seine Streitkräfte haben die Fähigkeit unter Beweis gestellt, ihr Land gegen den militärischen
Druck aus Nordvietnam zu verteidigen, und sie werden bei angemessener logistischer Unterstützung auch weiterhin dazu in der Lage sein. Die natürlichen
Hilfsquellen des Landes, darunter auch eine tüchtige Bevölkerung, sein reicher
Boden und seine Fischgründe, und insbesondere die kürzlich entdeckten Ölvorkommen, bieten eine feste Basis für eine rasche wirtschaftliche Entwicklung,
die der anderer Länder in diesem Gebiet gleichkommen könnte.
Unserer Auffassung nach ist Südvietnam fähig, wirtschaftlich und militärisch stark genug zu werden, sich selbst zu verteidigen. Unserer Auffassung
nach sollte es - wie im Pariser Abkommen vorgesehen - in die Lage versetzt
werden, sein politisches System und dessen Führer selbst zu bestimmen und ein
langfristiges Arrangement mit dem Norden auszuhandeln. Unserer Auffassung nach
wären dann unsere Ziele in Südvietnam erreicht.

XXX

-8-

�1
t

amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

Postfach 300

Telex:

0 8 - 8 54 3 2

2/1975

KOMMUNIQUE DER ZEHNERGRUPPE VOM 16. JANUAR 1975
- Wortlaut WASHINGTON — ( A D ) — Die Minister und Zentralbank-Gouverneure der in der
Zehnergruppe vertretenen Länder haben zum Abschluß ihrer Washingtoner Beratungen am 16. Januar folgendes Kommunique herausgegeben:

1.

Die Minister und Zentralbank-Gouverneure der zehn Teilnehmerländer an

den Allgemeinen Kreditvereinbarungen traten am 14. und 16. Januar 1975 unter
dem Vorsitz des japanischen Finanzministers Masayoshi Chira in Washington
zusammen.
Der Geschäftsführende Direktor des Internationalen Währungsfonds, H.J.
Witteveen, nahm an der Sitzung teil, bei der auch der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, F. Leutwiler, der Generalsekretär der OECD, E. van
Lennep, der Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich,
R. Larre, und der Vizepräsident der EG-Kommission, W. Haferkamp, zugegen
waren.
2.

-1-

�2.

Nachdem sie einen Bericht des Vorsitzenden ihrer Stellvertreter, Rinaldo

Ossola, gehört hatten, einigten sich die Minister und Gouverneure darauf, daß
ein Solidaritäts-Fonds als neue, allen OECD-Mitgliedern zugängliche finanzielle Unterstützungs-Vereinbarung zum frühestmöglichen Zeitpunkt geschaffen werden
sollte. Jeder Teilnehmer erhält eine Quote, mit der seine Verpflichtungen und
seine Kreditansprüche sowie sein relatives Stimmgewicht festgelegt werden. Die
Aufteilung der Quoten erfolgt hauptsächlich auf der Basis von Bruttosozialprodukt und Außenhandel. Die Summe aller Teilnehmerquoten wird etwa 25 Milliarden
US-Dollar betragen.

3.

Das Ziel dieser Vereinbarung ist es, die Entschlossenheit der teilnehmen-

den Länder zur Verfolgung einer angemessenen Binnen-und Außenwirtschaftspolitik zu unterstützen, einschließlich

gemeinschaftlicher Maßnahmen zur Ermuti-

gung von Produktionserhöhungen und Energieeinsparungen. Es wurde vereinbart,
daß diese Vereinbarung ein Sicherheitsnetz sein soll, das nur als letzte Möglichkeit in Anspruch genommen werden soll. Teilnehmer, die unter der neuen Vereinbarung Kredite beantragen, müssen nachweisen, daß sie in ernsthaften Zahlungsbilanz-Schwierigkeiten sind und ihre eigenen Reserven sowie die ihnen auf
anderen Wegen zugänglichen Hilfsquellen voll und in angemessenem umfang nutzen.
Alle unter dieser Vereinbarung gewährten Kredite werden unter angemessenen
wirtschaftspolitischen Bedingungen eingeräumt. Es wurde darüber hinaus vereinbart, daß alle Teilnehmer das Risiko der Nicht-Rückzahlung von Krediten unter
dieser Vereinbarung gemeinsam im Verhältnis und bis zur Grenze ihrer Quoten
tragen.

�4.

Stellt ein Teilnehmer einen Kreditantrag, so beschließen die anderen

Teilnehmer bei Krediten bis zur Höhe der Quote mit Zweidrittel-Mehrheit über
die Einräumung des Kredits, seine Bedingungen und darüber, ob irgendein Land
aus Zahlungsbilanzgründen nicht dazu verpflichtet sein sollte, einen direkten
Beitrag zu leisten.
Die Einräumung eines Kredits über die Cuote hinaus und bis zu 200 %
der Quote erfordert eine sehr hohe Mehrheit und darüber hinaus einen einstimmigen Beschluß. Falls ein oder mehrere Teilnehmer nicht zur Leistung eines
Beitrags zur Finanzierung eines Kredits verpflichtet sind, so müssen die
Voraussetzungen für die Genehmigung des Kredits auch

hinsichtlich der Bei-

träge leistenden Teilnehmer erfüllt sein.
5.

Weitere Untersuchungen sind noch erforderlich, um die Art der Finanzie-

rung festzulegen. Diese könnte durch direkte Beiträge und/oder durch gemeinsame Kreditaufnahme auf den Kapitalmärkten erfolgen. Bis zur vollen Funktionsfähigkeit der neuen Vereinbarung könnte die Finanzierung vorübergehend durch
Kreditvereinbarungen der Zentralbanken vorgenommen werden.

6.

Die Minister und Gouverneure vereinbarten, die sofortige Einsetzung einer

ad-hoc-Arbeitsgruppe der OECD unter Beteiligung von Vertretern aller interessierten OECD-Länder zu empfehlen, um entsprechend den obigen Grundsätzen
den Entwurf eines Abkommens vorzubereiten. Nach ihrer Ansicht sollte diese Arbeit so rechtzeitig abgeschlossen werden, daß es vom Rat der OECD Ende Februar
1975 gebilligt werden kann.
XXX

-3-

�* amerika dienst
4

United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

Postfach 300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

2/1975

KOMMUNIQUE DES IWF-INTERIMSAUSSCHUSSES VOM 16.JANUAR 1975
-Wortlaut-

WASHINGTON — ( A D ) — Das vom Interimsausschuß des Internationalen Währungsfonds
(IWF) zum Abschluß seiner Washingtoner Beratungen am 16. Januar herausgegebene Kommunique hat folgenden Wortlaut:
1.

Der Interimsausschuß des Internationalen Währungsfonds trat am 15. und

16. Januar 1975 in Washington D.C. zu seiner zweiten Sitzung zusammen. Den
Vorsitz führte John N. Turner, Finanzminister von Kanada. Der Geschäftsführende Direktor des Internationalen Währungsfonds, H. Johannes Witteveen, nahm
an der Sitzung teil. Die folgenden Beobachter waren bei der Erörterung der
in den folgenden Absätzen 2,3 und 4 behandelten Themen durch den Ausschuß anwesend: Henri Konan Bedie,Vorsitzender des Gemeinsamen Entwicklungsausschusses von Weltbank und Währungsfonds

Gamani Corea, Generalsekretär der UNCTAD;

Wilhelm Haferkamp, Vizepräsident der EG-Kommission

Mahjoob A. Hassanain,

Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der OPEC- RenS Larre, Generaldirektor der BIZ' Emile van Lennep, Generalsekretär der OECD

Olivier Long, Ge-

neraldirektor des GATT; Robert S. Mcnamara, Präsident der Weltbank.
2.

-1-

�2.

Der Ausschuß erörterte die weltwirtschaftlichen Aussichten und vor diesem

Hintergrund den internationalen Anpassungsprozeß. Dabei wurde über Ausmaß und
Dauer der gegenwärtigen rezessiven Tendenzen große Besorgnis geäußert. Mit
Nachdruck wurde auf die Verfolgung einer gegen die Rezession gerichteten Politik gedrängt, bei gleichzeitiger Fortsetzung des Kampfes gegen die Inflation,
insbesondere seitens der Länder in relativ starker Zahlungsbilanzposition. Es
wurde darauf hingewiesen, daß sehr hohe Ungleichgewichte nicht nur zwischen
den großen ölexportierenden Ländern als Gruppe und allen anderen Ländern bestehen, sondern auch unter den Ländern der zuletztgenannten Gruppe, vor allem
zwischen Industriestaaten und rohstoffproduzierenden Ländern. Auch wurde die
Befürchtung geäußert, daß nicht genügend Mittel zur Verfügung stehen könnten,
um das gegenwärtige, sehr hohe, etwa 30 Milliarden US-Dollar betragende
Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren, das für die Entwicklungsländer (ohne
die großen ölexportierenden Länder) für 1975 erwartet wird.

3. Der Ausschuß kam überein, daß 1975 die Olfazilität auf breiterer Grundlage
bestehen bleiben sollte. Er forderte den Geschäftsführenden Direktor auf, so
bald wie möglich mit wichtigen ölexportierenden Mitgliedern des Fonds und mit
anderen Mitgliedern in starker Reserve-und Zahlungsbilanzposition Gespräche
über Darlehen dieser Länder zur Finanzierung der Fazilität zu führen. Der Ausschuß einigte sich auf eine Summe von 5 Milliarden SZR als Gesamtbetrag der
für diesen Zweck aufzunehmenden Darlehen. Ferner wurde vereinbart, etwa ungenutzte Teile der 1974 aufgenommenen Darlehen im Jahre 1975 verfügbar zu machen
Der Ausschuß war der Ansicht, daß es wegen der derzeitigen Unsicherheiten der
Weltwirtschaftslage erforderlich ist, das Funktionieren der Olfazilität fort-

�fortlaufend zu überprüfen,um zu weiteren Maßnahmen bereit zu sein, die im Interesse der internationalen Völkergemeinschaft notwendig werden könnten.
Außerdem hielt man es für nützlich, im Verlauf der nächsten Monate die Politik, die Geschäftspraktiken und die Mittel des Fonds zu überprüfen, da es angebracht sei, zwecks Deckung des Bedarfs der in Schwierigkeiten geratenen
Mitglieder von den regulären Währungsbeständen des Fonds stärkeren Gebrauch
zu machen.

4.

Der Ausschuß unterstrich die Notwendigkeit durchschlagender Hilfsmaßnah-

men zu Gunsten der besonders hart betroffenen Entwicklungsländer. Im Zusammenhang mit der Ölfazilität unterstützte der Ausschuß voll die Empfehlung des
Geschäftsführenden Direktors, daß angemessene Beiträge der ölexportierenden
Staaten, der Industrieländer und vielleicht auch anderer beitragsfähiger Mitglieder auf ein neu einzurichtendes Sonderkonto gezahlt werden sollten und daß
der Fonds dieses Sonderkonto verwalten sollte, um den besonders hart betroffenen Mitgliedern die ihnen im Rahmen der Ölfazilität entstehenden Zinslasten
zu erleichtern.

5.

Der Ausschuß befaßte sich mit Fragen, die mit der im Gang befindlichen

sechsten allgemeinen Überprüfung der Mitgliedsquoten zusammenhängen und vereinbarte, daß vorbehaltlich einer zufriedenstellenden Änderung der IWF- Statuten der Gesamtbetrag der derzeitigen Quoten um 32,5 %, aufgerundet auf
39 Milliarden SZR, heraufgesetzt werden sollte. Man verständigte sich darauf,
daß der Zeitraum bis zur nächsten allgemeinen Quotenüberprüfung von fünf auf
drei Jahre verkürzt werden sollte.
Außerdem

�Außerdem vereinbarte der Ausschuß, daß die Quoten der wichtigen Ölexporteure durch Verdoppelung des Anteils dieser Gruppe beträchtlich heraufgesetzt werden sollten und daß der gemeinsame Anteil aller anderen Entwicklungsländer nicht unter seinen derzeitigen Stand fallen sollte. Da ein wichtiges
Ziel der Heraufsetzung der Quoten die Stärkung der Fondsliquidität ist, bestand Übereinstimmung darüber, daß Vorkehrungen getroffen werden sollten, um
alle Landeswährungsbestände des Fonds im Einklang mit seiner Geschäftspolitik
verwendbar zu machen. Der Ausschuß forderte die Exekutivdirektoren auf, die
Quoten auf der Grundlage der vorstehenden Absprachen zu überprüfen und so
schnell wie möglich detaillierte Empfehlungen für die Heraufsetzung der Quoten der einzelnen Mitgliedsländer vorzulegen.
I

6.

I.

Der Ausschuß behandelte die Frage der Änderung der IWF-Statuten.
4

Es wurde vereinbart, daß die Exekutivdirektoren gebeten werden sollten, mit
ihren Arbeiten in dieser Angelegenheit fortzufahren und dem Ausschuß so bald
wie möglich Änderungsentwürfe zu den folgenden Themen zur Prüfung vorzulegen:
(A) Umwandlung des Interimsausschusses in einen ständigen Ministerausschuß ("Council") zu gegebener Zeit, in dem jedes Mitglied die Stimmen der
von ihm vertretenen Länder gesondert abgeben darf. Der Ministerausschuß soll
gemäß den ihm vom Gouverneursrat übertragenen Vollmachten zu Beschlüssen legitimiert sein.
(B) Verbesserungen im Generalkonto,die Folgendes einschließen würden:
(1) Abschaffung der Verpflichtung von Mitgliedsländern, bei Zahlungen
an den Fonds für Subskriptionen und Rückkäufe Gold zu verwenden sowie - nach
Prüfung durch die Exekutivdirektoren - die Festlegung der Zahlungsmedien;und

�•

und
2.

Vorkehrungen, die sicherstellen, daß unter zufriedenstellenden Absiche-

rungen die Fondsbestände an allen Währungen bei seinen Operationen für alle
Mitglieder verwendbar sind.
(C) Verbesserungen der Wesensmerkmale der SZR, die geeignet sind, sie zum
Hauptreserve-Aktivum des internationalen Währungssystems zu machen.
(D) Vorkehrungen für stabile, aber anpassungsfähige Paritäten und für
die Freigabe von Wechselkursen in besonderen Situationen und unter geeigneten
Regeln sowie Überwachung durch den Fonds, wie in den Richtlinien für die Reform vorgesehen.

II. Der Ausschuß diskutierte auch die Möglichkeit einer Statutenänderung zwecks
Herstellung einer Verbindung zwischen der Zuteilung von SZR und der Entwicklungsfinanzierung, doch bestehen in dieser Angelegenheit auch weiterhin unterschiedliche Meinungen. Es wurde vereinbart, die Angelegenheit weiter aktiv zu
untersuchen, zugleich aber andere Wege zur vermehrten Übertragung realer Hilfsquellen an die Entwicklungsländer zu prüfen.

7.

Der Ausschuß kam weiter überein, die Exekutivdirektoren zu beauftragen,

mögliche Verbesserungen der Fonds-Fazilitäten für die kompensierende Finanzierung von Ausfuhrfluktuationen und die Stabilisierung von Rohstoffpreisen zu
untersuchen und dabei die Möglichkeit einer Statutenänderung zu prüfen, die dem
Fonds die unmittelbare Unterstützung internationaler Ausgleichslager von Rohstoffen erlauben würden.

-5-

�i
8.

Eingehend wurde über künftige Vereinbarungen über das Gold diskutiert.

Der Ausschuß bekräftigte, daß so bald wie möglich Schritte unternommen werden sollten, um dem Sonderziehungsrecht die zentrale Stellung im internationalen Währungssystem zu geben. Es bestand allgemeines Einverständnis, daß
der offizielle Goldpreis abgeschafft und die Verpflichtung der Mitgliedsländer zu Goldzahlungen an den Fonds beseitigt werden sollte. Bei der Vorbereitung eines vollständigen Pakets vereinbarter Statutenänderungen zum Gold ist
beträchtlicher Fortschritt erzielt worden, unter anderem über die Abschaffung
des offiziellen Goldpreises und die Freiheit der nationalen Währungsbehörden
zum Abschluß von Goldgeschäften unter bestimmten Einzelregelungen, die unabhängig von den IWF-Statuten zwischen den nationalen Währungsbehörden getroffen werden, um sicherzustellen, daß die Rolle des Goldes im internationalen
Währungssystem allmählich vermindert wird. Es wird erwartet, daß nach weiteren
Untersuchungen durch die Exekutivdirektoren, bei denen die Interessen aller
Mitgliedsländer berücksichtigt werden, in nächster Zeit volles Einverständnis
erzielt werden kann, so daß es möglich wäre, diese Statutenänderungen mit
dem in den obigen Abschnitten 6 und 7 beschriebenen Anderungspaket zusammenzufassen.

9.

Der Ausschuß vereinbarte, Anfang Juni 1975 in Paris erneut zusammenzu-

treten.

XXX
•

-6-

�I amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Wirtschaft

300

T e I e x : 08 - 8 54 32

2/1975

ERFOLGREICHER ABSCHLUSS DER WASHINGTONER WÄHRUNGSGESPRÄCHE
Von Eugene Brake

WASHINGTON —(AD)-- Die in der ersten Januarhälfte in Washington auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Gremien geführten mehrtägigen Währungsgespräche haben zu einer Reihe von Abkommen geführt, die den Industriestaaten wie den
Entwicklungsländern ohne eigene Ölvorkommen die Finanzierung der - aufgrund der
starken Ölpreiserhöhungen durch die OPEC-Länder - jetzt erheblich teureren 01importe wesentlich erleichtern werden. Allerdings müssen die meisten dieser Abkommen noch von den Parlamenten der einzelnen Länder ratifiziert werden.
Die im Zehnerklub sowie im IWF-Interimsausschuß beschlossenen Abkommen
sehen unter anderem vor:
-- Die Schaffung eines Solidaritätsfonds der Industriestaaten, auf den solche Industrieländer zurückgreifen können, die sich nach Ausschöpfung aller eigenen Finanzierungsquellen noch immer hohen Zahlungsbilanzdefiziten gegenübersehen,
sofern diese durch die derzeitige Ölpreissituation entstanden sind.
-- Die Verlängerung der Laufzeit der IWF-Ölfazilität (Sonderfonds für ölbedingte Zahlungsbilanzdefizite) um ein Jahr und ihre Aufstockung auf über

-1-

�über 6 Milliarden Dollar ( 5 Milliarden IWF-Sonderziehungsrechte).
—

Einrichtung eines neuen IWF-Sonderfonds zur Zinssubventionierung von

Krediten der Entwicklungsländer, die durch die weltwirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Zeit am härtesten betroffen wurden. Dieser Fonds soll mit
Finanzbeiträgen der übrigen IWF-Mitgliedsstaaten in Höhe von 65 Millionen Dollar ausgestattet werden.
-- Eine Erhöhung der IWF-Quoten um 32,5 Prozent, die 1976 in Kraft treten und dem Internationalen Währungsfonds neue Mittel zuführen soll.
-- Die Durchführung einer Studie über Statutenänderungen, so daß der
IWF künftig mehr Kredite in mehr Währungen zur Verfügung stellen kann. Damit
wäre es dann auch möglich, Ziehungen in Währungen der erdölexportierenden
Länder vorzunehmen.
Ferner wurden auf den Konferenzen Fortschritte in Richtung auf eine internationale Währungsreform erzielt. So sollen den Mitgliedsstaaten noch in
diesem Jahr verschiedene Änderungsvorschläge zu den IWF-Statuten vorgelegt
werden.
Der Vorsitzende des IWF-Interimsausschusses, der kanadische Finanzminister John M. Turner,

bezeichnete die neuen Abkommen vor der Presse als

einen Beweis für die Zusammenarbeit zwischen den Ländern der Welt und betonte, daß nunmehr die einzelnen Länder nicht mehr in Versuchung geraten würden,
Zu einseitigen Maßnahmen wie Handels-oder Devisenbeschränkungen zu greifen.
Der Staatssekretär im amerikanischen Finanzministerium, Jack Bennett,
äußerte sich äußerst zufrieden über das Ausmaß der erzielten Vereinbarungen.

Der

-2-

�Der Solidaritätsfonds wird allen Mitgliedsstaaten der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

OECD; offen stehen. Die Mit-

gliedsstaaten werden einen Gesamtbetrag von rund 25 Milliarden Dollar bereitstellen, die in den nächsten zwei Jahren auf Abruf für Finanzierungsaufgaben
verfügbar gemacht werden können, falls dies notwendig werden sollte. Die Quoten
der einzelnen Länder sollen in Kürze nach der. Bruttosozialprodukt und dem
Außenhandel fixiert werden. Eine Anleihe aus diesem Fonds kann mit zwei Drittel Mehrheit gewährt werden, soweit sie die Einlagequote des Anleihenehmers
nicht übersteigt. Das gleiche gilt, falls ein Land aus Zahlungsbilanzgründen
um eine temporäre Befreiung von der Einlagepflicht ersucht. Bei Anleihen bis
zu 200 Prozent der Quote ist eine erheblich größere Stimmenmehrheit erforderlich und bei noch höheren Beträgen muß die Anleihe einstimmig gebilligt werden.
Die auf über 6 Milliarden Dollar aufgestockte Ölfazilität des IWF soll
aus Krediten der großen Erdölexportstaaten sowie solcher Mitglieder gespeist
werden, die starke Reserve-und Zahlungsbilanzpositionen aufweisen. Gespräche
zwischen dem IWF und den betreffenden Ländern sollen in Kürze aufgenommen werden. Unabhängig hiervon soll ein IWF-Sonderfonds zur Zinssubventionierung von
Krediten der Entwicklungsländer eingerichtet werden. Die Mittel in Höhe von
65 Millionen Dollar sollen durch Beiträge der reichen Länder aufgebracht werden. Bei einer Zinsverbilligung um 5 Prozent könnte so eine Kreditaufnahme
der ärmsten Entwicklungsländer in Höhe von bis zu 1,3 Milliarden subventioniert werden.
Beide

�Beide, Finanzminister Turner wie auch Staatssekretär Bennett, unterstrichen vor der Presse, daß die Finanzierung des hohen "Öldefizits" der Länder ohne eigene Ölvorkommen keineswegs auf die 6 Milliarden Dollar der IWFÖlfazilität und die 25 Milliarden Dollar des Solidaritätsfonds beschränkt
sei. Der Solidaritätsfonds stelle praktisch nur ein letztes "Sicherheitsnetz"
dar, wenn alle anderen Finanzierungsmöglichkeiten der betreffenden Länder voll
ausgeschöpft worden seien, zum Beispiel die Möglichkeiten des internationalen
Geschäftsbankensystems, zwischenstaatliche Abmachungen, Vereinbarungen innerhalb der Europäischen Gemeinschaft, Geldanlagen oder andere Maßnahmen der
erdölexportierenden Länder oder Unterstützung durch internationale Hilfsorganisationen wie die Weltbank und deren Tochtergesellschaften.
Die Änderungsvorschläge zu den IWF-Statuten sollen von den Experten bis
zur Junisitzung des Interimsausschusses entscheidungsreif ausgearbeitet werden. So sollen zum Beispiel der Interimsausschuß zu einem ständigen Gremium
mit Entscheidungsbefugnissen ausgebaut und die Vorschrift aufgehoben werden,
daß die IWF-Mitgliedsstaaten einen Teil ihrer Quoten beim Währungsfonds in
Gold hinterlegen müssen. Hinsichtlich des Goldpreises waren sich die Finanzminister einig darüber, daß der offizielle Goldpreis aufgehoben werden soll.
Staatssekretär Bennett bezeichnete es als möglich, daß die Vorschläge des Interimsausschusses dem amerikanischen Kongreß bereits nach der Junisitzung des
Ausschusses zugeleitet werden können. Das Abkommen über den Solidaritätsfonds
dagegen werde schon früher dem Kongreß vorgelegt werden und er rechne mit
seiner Verabschiedung in diesem Jahr.

XXX

�• amerika dienst
'

Uni t e d States
53

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Hintergrundmaterial

Postfach 300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

2/1975
JOHN J. SPARKMAN
Der neue Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses des US-Senats

WASHINGTON --(AD)-- Der Name John J. Sparkman mag vielleicht noch nicht den
Klang haben wie J. William Fulbright, und der demokratische Senator aus Alabama mag vielleicht nicht so in den Ruf eines "spiritus rector" der amerikanii

sehen Außenpolitik kommen wie sein demokratischer Vorgänger aus Arkansas.
Fest steht, daß auch Senator Sparkman als Vorsitzender des Außenpolitischen

*
Ausschusses des Senats wesentlich mit an den Weichen stellen wird.
Der Lebensweg des am 20. Dezember 1899 als Sohn armer Farmpächter auf
dem Lande in Alabama geborenen John J. Sparkman kann als Modellfall für die
Aufstiegschancen des Tüchtigen in den USA gelten. Mit den 75 Dollar aus einer
Baumwollernte schrieb er sich im Jahre 1917 an der Universität des Staates
Alabama ein, arbeitete hart, legte ein Examen nach dem anderen mit Auszeichnung
ab und ließ sich dann als erfolgreicher Anwalt nieder.
Nichts wäre törichter, als die Auffassung Sparkmans, die Außenpolitik sei
die Domäne des Präsidenten, als "hinterwäldlerisch" zu bezeichnen. Sparkman
kennt das politische Geschäft in Washington seit fast 40 Jahren aus eigener

-1-

�eigener Anschauung, und er beeilt sich, zu betonen, daß der Außenpolitische
Ausschuß an der "Gestaltung" der Außenpolitik beteiligt sein und klar zum
Ausdruck bringen müsse und werde, wenn er nicht einer Meinung mit dem Präsidenten sei. Man braucht jedoch kein Konservativer wie Sparkman zu sein, um
zu wissen, daß die Verfassung der Vereinigten Staaten den Senat zu einem Gremium des "Anratens und der Zustimmung" macht, dem Präsidenten aber die "vollziehende" Gewalt überträgt. Sparkman dürfte also - bei entsprechender Haltung des Präsidenten - wenig Neigung verspüren, in die Außenpolitik "hineinzuregieren".
In einem Rundfunkinterview kurz vor der Übernahme des Vorsitzes im Ausschuß legte Senator Sparkman seine Auffassung selbst dar: "Unsere Augabe (im
Ausschuß; ist es, uns mit Rat und Zustimmung -

oder auch NichtZustimmung -

zu den Fragen zu äußern, die an uns herangetragen werden. Das ist die Position,
die uns gegenüber dem Präsidenten zugeschrieben ist. Das heißt keineswegs,daß
wir alles tun müssen, was er von uns verlangt - und das werden wir auch nicht..
...
Aber wir müssen in einer Position bleiben, ihm das zu gewähren, was die
Verfassung verlangt: "Anraten und Zustimmung". Wir machen keine Außenpolitik;
nach der Verfassung ist der Präsident mit der Aufgabe der Gestaltung der Aussenpolitik beauftragt, und der Außenminister ist sein ausführendes Organ ...
Wir können zur Gestaltung der Außenpolitik beitragen, aber dies geschieht
durch den Verfassungsauftrag des "Anratens und der Zustimmung".
Die "New York Times" schrieb, Senator Sparkman habe weder im Kongreß
noch in der Administration Feinde. Er sei wegen seines brillanten Geistes
hoch angesehen, wenn auch als Liberaler

etwas zu "pro-Administration"

�.
1

»
"pro-Administration" eingestellt. Sicher ist, daß der Senator aus Alabama ebenso "ablehnen" wie "zustimmen" kann.
Die öffentliche Karriere Sparkmans begann im Jahre 1936, als Freunde in
Huntsville, Alabama, wo er als Anwalt praktizierte, ihn zu einer Kandidatur als
Kongreßabgeordneter überredeten..Daß diese Freunde wußten, was sie taten, ergibt sich aus der Tatsache, daß er fünfmal hintereinander wiedergewählt wurde.
Sparkman ist auch der einzige Amerikaner, der je in das Repräsentantenhaus und in den Senat zugleich gewählt wurde. Im Jahre 1936 stand er auf der
Liste für das Repräsentantenhaus, wurde gewählt, und dann mußte eine Nachwahl
für die noch nicht abgelaufene Legislaturperiode eines verstorbenen demokratischen Senators stattfinden. Auch hier erreichte Sparkman mühelos die Mehrheit
und gab dann seinen Sitz im Repräsentantenhaus ab. Seither ist er wiederum
fünfmal - zuletzt 1972 - in den Senat wiedergewählt worden.
Im Ausschußwesen ist Senator Sparkman ebenfalls ein alter Hase. Ob im
Militärausschuß des Repräsentantenhauses, als Vorsitzender des Gemeinsamen Ausschusses für Verteidigungsproduktion oder als Vorsitzender des Banken-und Währungsausschusses des Senats hat sein Wort stets Gewicht gehabt.
Sparkman ist sicherlich alles andere als ein Isolationist. Er tritt für
die Auslandshilfe und für die Vereinten Nationen ein, und er hält an den Verpflichtungen der USA in der Welt, vor allem am NATO-Bündnis, fest. Daß ihm die
Anliegen der Landwirte, vor allem der armen, in den USA und in aller Welt am
Herzen liegen, erklärt sich aus seiner Herkunft.
Sein

-3-

�*

Sein Interesse an und seine Erfahrung in der Außenpolitik stammen aus
seinem weitgefächertem Studium der Geschichte und der Politischen Wissenschaften neben Jura und nicht zuletzt aus seiner engen Freundschaft mit dem verstorbenen Präsidenten Harry S. Truman. Dieser entsandte ihn als Mitglied der
amerikanischen Delegation zu den Vereinten Nationen, und Sparkman reiste auch
dreimal nach der Sowjetunion und kennt praktisch alle wichtigen Länder der Erde aus eigener Anschauung.
Sein Wort wird in der künftigen Außenpolitik der Vereinigten Staaten
sicherlich Gewicht haben.

XXX

k

�i amerika dienst
I

United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Wissenschaft
und
Technik

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

2/1975

SATELLITEN WACHEN ÜBER DIE UMWELT
-ERTS-System wird ausgebaut-

--(AD)=.~ "Wenn ich eine Entwicklung der Raumfahrttechnik nennen sollte, mit
der der Welt am meisten gedient sei, dann wäre es das System ERTS und die
daraus entwickelten Satelliten, die in den nächsten Jahren folgen."
Dr. James C. Fletcher, der Leiter des US-Amtes für Luft-und Raumfahrt (NASA),
geht in seiner Begeisterung für die ERTS-Geräte zur Erforschung von Bodenschätzen, Beobachtung von Vegetation oder Erfassung von Umweltschäden sicherlich nicht zu weit. Denn in 29 Monaten hat der im Juli 1972 gestartete
Satellit ERTS-1 mit mehr als 100 000 Aufnahmen

und vielen anderen Messungen

demonstriert, wie wichtig dieses Projekt für eine wissenschaftliche und
wirtschaftliche Bestandsaufnahme unserer Erde und für künftige Planungsaufgaben tatsächlich ist.
Inzwischen hat der Satellit, der noch immer fotografiert, mißt und sendet, Gesellschaft bekommen. ERTS-2, am 22. Januar 1975 von der Abschußbasis
in Kalifornien ebenfalls auf eine polare Umlaufbahn gebracht, wird mit gleichen Instrumenten die Untersuchungen ergänzen und fortführen, wenn ERTS-1,
der in bezug auf Qualität und Betriebsdauer alle Erwartungen übertraf, einmal
seine Sendungen einstellt.

Diese
-1-

�Diese Geräte machen es möglich, Boden, Wasser und Luft unter ganz bestimmten Gesichtspunkten zu sondieren und Entwicklungen aufzudecken, die das
menschliche Auge kaum wahrzunehmen vermag, oder die bei Untersuchungen, welche unmittelbar an der Erdoberfläche mit Instrumenten vorgenommen werden, nur
schwer erfaßt werden können. So lieferte ERTS-1 Meßdaten, die genaue
Schätzungen der Wachstumsgeschwindigkeit von Getreide wie Weizen, Gerste,
Mais und Reis sowie der zu erwartenden Erntemengen zuließen. Aufnahmen von
den von verheerender Dürre heimgesuchten Gebieten der Sahel-Zone in Afrika
zeigten eindrucksvoll, welche Schutzwirkung die Einzäunung von Weideflächen
besitzt und daß auf diese Weise Wüstenboden einer produktiven Nutzung zugeführt werden kann.
Für die Forstwirtschaft ließen sich genaue Schätzwerte für den Nutzholzbestand und die Holzmengen erarbeiten, die geschlagen werden können. Zur Vorbereitung von Karten waren nur noch Tage statt wie früher Monate und Jahre
erforderlich - Karten, die Stadtverwaltungen und Behörden von Bundesstaaten
der USA für Zwecke der Raumordnung und Bodennutzung verwendeten . Bisher nicht
bekannte geographische Merkmale wie Berge in unzugänglichen Regionen und Land
in der Antarktis wurden entdeckt. ERTS-Bilder von Gebieten, vor und nach
einer Überschwemmung, gaben wichtige Hinweise, welche Maßnahmen zum Schutz
gegen Hochwasser am wirksamsten sind.
Geologen können Verwerfungszonen und Risse im Oberflächenbereich der
Erdkruste identifizieren, die häufig mit Erdbeben und mit bestimmten Mineralvorkommen in Zusammenhang stehen. Die Belastung von Flüssen mit Sedimenten
und die Auswirkung der Beseitigung von Industrieabfällen und Abwasser in
Küstengewässern läßt sich mit Hilfe der ERTS-Daten vorhersagen und über-

�überwachen. Diese Daten spielen z.B. auch für Planungen zum Ausbaggern von
Häfen und für die Bekämpfung von Wasserverschmutzung eine wichtige Rolle.
Alle 18 Tage überfliegen die ERTS-Satelliten die gleichen Gebiete und
sondieren die gleichen Geländeausschnitte von 180 mal 180 km/Fläche. Fernsehkameras machen Aufnahmen in verschiedenen Spektralbereichen. Die separate
Auswertung dieser "Falschfarbenbilder", die übereinanderkopiert ein originalgetreues Farbbild ergeben, lassen Rückschlüsse auf veränderliche Prozesse
wie abnehmende und zunehmende Bodenfeuchtigkeit oder das Auftreten und die
Verbreitung von Pflanzenkrankheiten bereits in einem Stadium zu, in dem der
Befall normalerweise noch gar nicht erkannt wird.
Gleichzeitig mit den Kameras tasten Sensoren den überflogenen Raum ab
und registrieren elektromagnetische Strahlungen, die unter der Einwirkung von
Sonnenergie alle tote und lebende Materie abgibt. Da die verschiedenen Materialien Sonnenenergie unterschiedlich und jeweils auf eine für sie typische
Weise reflektieren, wird es mit Hilfe solcher Sensoren möglich, auch unbekanntes Material zu identifizieren. Eine an Hand der Erfahrungswerte ständig verfeinerte Auswertung der Daten führte z.B. dazu, große Fischschwärme und ihre
Wanderwege im Meer, die Konzentration von Nährstoffen im Oberflächenwasser,
die Wassertrübung in Küstengewässern, die Verdünnung von Industrieabgasen in
der Luft oder sogar die Quelle besonders schädlicher Luftverschmutzung ausfindig zu machen.
Die ERTS-Satelliten sind außerdem Vorreiter für die Schaffung eines weltweiten Netzes von automatischen Meßstationen für Umweltdaten. Sie sammeln die
über Funk abgestrahlten Meßwerte über Temperaturen am Boden, Luftfeuchtigkeit,

�Luftfeuchtigkeit, Windstärke und Windrichtung von bis zu 1 ooo Plattformen
in den USA - alles Daten, die die Meßwerte der Bordinstrumente ergänzen. Diese
werden von drei amerikanischen Empfangsstationen aufgefangen und an das
Goddard Space Flight Center in Greenbelt (Maryland)

zur Auswertung weiterge-

geben. Kopien aller Meßdaten und Fotos gehen anschließend an die Zentrale für
die "Earth Resources Observation Systems" (EROS) in Sioux Falls (Süddakota),
die sie gegen geringe Gebühr jedem Interessenten im In-und Ausland zur Verfügung stellt.
Mehr als 40 Länder sind mit eigenen Forschungsprojekten am ERTS-Programm
beteiligt. Kanada und Brasilien haben bereits eigens Bodenstationen eingerichtet, wo sie die über ihren Ländern aufgenommenen Daten direkt von den Satelliten empfangen können.
|
XXX

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7901">
                <text>29.01.1975</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7902">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7903">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14341">
                <text>Amerikadienst 29.01.1975</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14342">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Außenministerium veröffentlicht Bericht über Lage in Vietnam&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kommuniqué der Zehnergruppe vom 16. Januar 1975&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kommuniqué des IWF-Interimsausschusses vom 16. Januar 1975&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erfolgreicher Abschluss der Washingtoner Währungsgespräche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;John J. Sparkman&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Der neue Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses des US-Senats -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Satelliten wachen über die Umwelt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- ERTS-System wird ausgebaut -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1941" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1952">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/c0eaf55eef60c4bd28b05c613fcfaf82.pdf</src>
        <authentication>5df989791e2131af628b4ceb398c8dd6</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9717">
                    <text>AMERIKA DIENST
'VON**

29.

Januar

1986

I N H A L T

DOKUMENTATION
Trauer um Tod der "CHALLENGER"-Astronauten
- Ansprache des amerikanischen Präsidenten nach Explosion
der Raumfähre NATO zur Vorlage eines Abkommens bei der KVAE in
Stockholm bereit
- Pressekonferenz des amerikanischen KVAE-Delegationsleiters Barry - (Auszüge)
USA appellieren an Pretoria: Freilassung Mandelas
- Rede von Unterstaatssekretär Michael Armacost INFORMATION
Reagan fordert ein Ende des Mordens in Afghanistan
- Besuch von verwundeten afghanischen Kindern im Weißem
Haus HINTERGRUNDMATERIAL
PEN-KongreQ: Sowjetische Schriftsteller werden weiterhin
verfolgt
.*

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Planet Uranus - wichtiger Markstein für die Forschung
- Raumsonde VOYAGER 2 auf dem Weg zu neuen Aufgaben in der
Außenregion unseres Sonnensystems * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'i?

"•"*•

Ä

Dokumentation

«

29. Januar 1986

TRAUER UM TOD DER "CHALLENGER"-ASTRONAUTEN
Ansprache des amerikanischen Präsidenten nach Explosion
der Raumfähre -

WASHINGTON - (AD) - In einer landesweiten Ansprache, die
von Rundfunk und Fernsehen übertragen wurde, beklagte Präsident Reagan den Tod der sieben amerikanischen Astronauten, die
am 28. Januar 1986 bei der Explosion der Raumfähre CHALLENGER
ums Leben kamen und lobte ihren Mut.
Die Ansprache hatte folgenden Wortlaut:
Meine Damen und Herren, heute abend wollte ich eigentlich
über die Lage der Nation zu Ihnen sprechen. Aber die Ereignisse des heutigen Tages haben mich dazu bewogen, diese Absicht zu ändern. Heute ist ein Tag der Trauer und der Erinnerung.
Die Tragödie der Raumfähre CHALLENGER erfüllt Nancy und
mich mit tiefem Schmerz. Wir wissen, daß alle Menschen unseres Landes diesen Schmerz teilen. Dies ist wahrhaft ein nationaler Verlust.
Fast auf

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Fast auf den Tag genau vor 19 Jahren sind drei Astronauten
bei einem schrecklichen Unfall vor dem Start umgekommen. Aber
wir haben noch nie einen Astronauten nach dem Start verloren;
wir haben noch nie solch eine Tragödie erlebt. Und wir haben
vielleicht zu selten an den Mut der Besatzung der Raumfähre
gedacht. Aber diese Menschen in der CHALLENGER Seven waren
sich der Gefahren bewußt; sie haben sie überwunden und ihre
Arbeit großartig gemacht. Wir betrauern sieben Helden:
Michael Smith, Dick Scobee, Judith Resnik, Ronald McNair,
Ellison Onizuka, Gregory Jarvis und Christa McAuliffe. Wir
alle als Nation betrauern ihren Tod.
Zu den Familien dieser sieben möchte ich sagen, daß wir
diese Tragödie nicht in ihrer ganzen Tragweite erfassen können. Aber wir nehmen Anteil an Ihrem Verlust und denken an
Sie. Ihre Familienangehörigen waren wagemutig und unerschrokken und besaßen eine besondere Gnade, nämlich eine Geisteshaltung, die besagt: gebt mir eine Herausforderung und ich werde
mich ihr mit Freude stellen. Sie strebten danach, das Weltall
zu erforschen und seine Wahrheiten zu ergründen. Sie wollten
dienen und das haben sie getan. Sie haben uns allen gedient.
Wir haben uns in diesem Land an Wunder gewöhnt. Es ist
schwierig, uns zu faszinieren. Aber das Raumfahrtprogramm der
Vereinigten Staaten hat genau das getan. Wir haben uns an die
Idee des Weltraums gewöhnt und wir vergessen vielleicht manchmal, daß wir erst am Anfang stehen. Wir sind immer noch Pioniere, wie auch die Mitglieder der Besatzung von CHALLENGER
Pioniere waren.
Und ich möchte auch noch etwas zu den amerikanischen
Schulkindern sagen, die den Start der Raumfähre vor Ort miterlebt haben. Ich weiß, daß es schwer zu verstehen ist, aber
manchmal passieren so schmerzvolle Ereignisse wie dieses. Sie
sind Bestandteil des Prozesses der Erforschung und Entdeckung.
Sie sind Bestandteil des Wagnisses, den Gesichtskreis des Menschen zu erweitern. Die Zukunft gehört nicht den Kleinmütigen, sondern den Wagemutigen. Die Besatzung von CHALLENGER
hat uns der Zukunft nähergebracht; wir werden ihr auch weiterhin folgen.
Ich habe schon immer großes Vertrauen und großen Respekt
gegenüber unserem Raumfahrtprogramm gehabt, und was heute passiert ist, trägt nicht dazu bei, diese Gefühle zu zerstören.
Wir verstecken unser Raumfahrtprogramm nicht. Wir haben keine
Geheimnisse und vertuschen nichts. Wir tun alles im Licht der
Öffentlichkeit. Das ist unsere Vorstellung von Freiheit und
wir würden sie nicht eine Minute lang eintauschen wollen.
Wir werden unsere Suche im All fortsetzen.

Es wird weite-

�wird weitere Flüge von Raumfähren geben, weitere Mannschaften
und auch weitere Freiwillige, Zivilisten und Lehrer im All.
Nichts ist jetzt zu Ende. Unsere Hoffnungen und unsere Reisen
werden bleiben.
Ich möchte noch hinzufügen, daß ich mir wünsche, jedem
Mann und jeder Frau, der oder die für die NASA arbeitet oder
an dieser Mission mitgearbeitet hat, sagen zu können, "Ihre
Hingabe und ihre Perfektion haben uns seit Jahrzehnten beeindruckt und bewegt. Wir sind uns Ihrer Qualen bewußt und fühlen mit Ihnen".
Am heutigen Tag treffen zwei Ereignisse zusammen: heute
vor 390 Jahrenn starb der große Entdecker Sir Francis Drake
auf seinem Schiff vor der Küste Panamas. Zu seiner Zeit
stellten die Weltmeere enorme Grenzen dar und später sagte ein
Historiker dazu: "Er lebte auf See, starb auf ihr und wurde
in ihr begraben".
Wir können heute sagen, daß die Besatzung der CHALLENGER,
wie auch Drake, ihre Bestimmung erfüllt haben. Die Besatzung
der Raumfähre CHALLENGER ehrt uns durch die Art und Weise, wie
sie ihr Leben gelebt hat. Wir werden sie niemals vergessen,
und auch nicht den Augenblick, als wir sie heute morgen zum
letzten Mal sahen, als sie sich für ihre Reise vorbereitete,
zum Abschied winkte und 'die sicheren Gefilde der :rde verließ, um 'das Antlitz Gottes zu berühren'
Vielen Dank.

* *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

29. Januar 1986

NATO ZUR VORLAGE EINES ABKOMMENS BEI DER KVAE
IN STOCKHOLM BEREIT
- Pressekonferenz des amerikanischen
KVAE-Delegationsleiters Barry (Auszüge)

BRÜSSEL - (AD) - Botschafter Robert L. Barry, Leiter der
amerikanischen Delegation bei der Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung (KVAE) in Stockholm, erklärte
im Anschluß an ein Treffen des NATO-Rates in Brüssel am 24.
Januar 1986, die Mitgliedsstaaten des Nordatlantischen Bündnisses seien sich darin einig, daß es "nunmehr an der Zeit
ist, in Stockholm in die Entwurfsphase einzutreten, sobald unsere Delegationen dorthin zurückkehren."
Die Pressekonferenz von Botschafter Barry hat in ihren wesentlichsten Auszügen folgenden Wortlaut:
BARRY: ... Wir hatten heute im Rat ein gutes, sehr konstruktives und vorausplanendes Treffen. Zweck dieses Treffens
war es, den Fortschritt zu analysieren, den wir auf der Stockholmer Konferenz bislang gemacht haben, einen Blick in die
Zukunft zu werfen und auch darüber zu sprechen, wie sich die
Stockholmer Konferenz in das Gesamtbild der
Ost-West-Beziehungen einfügt.
Das wich tigste Ergebnis war meiner Meinung nach die Ankündigung des h eutigen Vorsitzenden, des Leiters der dänischen
Delegation, Botschafter Melben, daß die Leiter der NATO-Delegationen auf ihrem gestrigen Treffen übereingekommen sind, daß
es "nunmehr an der Zeit ist, in Stockholm in die Entwurfsphase
einzutreten, sobald unsere Delegationen dorthin zurückkehren
und daß wir versuchen werden, zu einer Einigung hinsichtlich
der ModalitS ten eines Entwurfs zu gelangen. Wir werden also
tatsächlich ein Abkommen entwerfen.
Es bleiben

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Es bleiben uns bei der Stockholmer Konferenz nur 24 Wochen
Verhandlungszeit, d.h. die Konferenz endet am 19. September
und bis Beginn der Überprüfungskonferenz in Wien müssen wir
mit unserer Arbeit fertigwerden und deshalb damit anfangen,
die Dinge zu Papier zu bringen.
Wie die Erklärung, die nach meinem Treffen mit dem Präsidenten herausgegeben wurde, zeigt, ist dieser mit dem von uns
dort erzielten Fortschritt recht zufrieden und er ist der Meinung, es könne in diesem Jahr ein Abkommen erzielt werden, das
für die Gesamtheit der Ost-West-Beziehungen erhebliche Bedeutung hat. Meine Anweisungen bestehen darin, nach meiner Rückkehr ein solches Abkommen am Verhandlungstisch in Stockholm zu
verfolgen. Unser Ziel - wie auch das Ziel von uns allen innerhalb der NATO - ist ein Abkommen, das sich erstens im Rahmen
des Mandats bewegt, hinsichtlich dessen in Madrid Übereinstimmung erzielt wurde, das zweitens militärisch bedeutsam ist und
das drittens verifizierbar ist.
Dabei betone ich den Verifizierungsaspekt für die Vereinigten Staaten. Verifizierbarkeit bedeutet Inspektionen vor
Ort. Wir sind der Meinung, daß ein Abkommen dieser Art im Rahmen der Ost-West-Beziehungen eine ganze Reihe wichtiger Ziele
erfüllen kann. Wir arbeiten auf ein risikominderndes Abkommen,
nicht auf ein waffenverringerndes Abkommen hin, d.h. es geht
dabei um die unmittelbaren Ursachen eines Krieges, nicht um
Kriegswaffen an sich. Aber wir sind der Ansicht, daß ein Abkommen mit konkreten vertrauensbildenden Maßnahmen die militärische Lage in Europa vorhersagbarer - und damit stabiler machen kann, daß es den Einsatz militärischer Aktivitäten
zwecks politischer Einschüchterung verhindern kann und daß es
dazu beitragen kann, die Barrieren abzubauen, die Ost und West
trennen - und daß dadurch die Lage in Europa stabiler wird.
Wir betonten in der Erklärung des Präsidenten, ebenso wie
wir es alle im heutigen Ratstreffen betonten, daß die Stockholmer Konferenz Teil des gesamten KSZE-Prozesses ist, wie er
durch die Schlußakte von Helsinki in Gang gesetzt wurde, und
daß dadurch ein Beitrag zur Sicherheit im weiteren Sinn geleistet werden kann, in dem Sinne, der auch politische, wirtschaftliche, kulturelle und humanitäre Fragen, also Menschenrechte genau wie rein militärische Fragen, umfaßt. Es ist ein
grundlegendes Ziel der Vereinigten Staaten bei diesen Verhandlungen, zu einem solch umfassenderen Konzept von Sicherheit zu
gelangen.
Ich möchte abschließend noch betonen, welche Bedeutung die
Solidarität zwischen den NATO-Staaten bei diesen Verhandlungen
- wie auch bei den anderen Ost-West-Verhandlungen des Jahres
1985, die jetzt 1986 in ein konkreteres Stadium übergehen gespielt hat... Wir sind der Meinung, daß diese Art Solidarität einen erheblichen Beitrag zu unserer Verhandlungsposition

�unserer Verhandlungsposition leistet und sich dadurch unsere
Diskussionen wirklich auf das konzentrieren, was unserer Ansicht nach am wichtigsten ist: etwas konkretes zu erreichen,
das das Prinzip der Nichtanwendung von Gewalt unterstützt, das
aber nicht im Übermaß von rhetorischen Erklärungen dominiert
wird und das konkret ist im Hinblick auf seine Anwendbarkeit
und seine politisch bindende Natur.
Hier also stehen wir. Ich beantworte nun gern Ihre Fragen.
FRAGE:
(Zu den verbleibendenden Meinungsverschiedenheiten zwischen
Ost und West in Stockholm)
ANTWORT: Es gibt noch eine Reihe solcher Punkte, aber es
gibt meiner Meinung nach noch etwa drei oder vier entscheidende Bereiche, die es noch zu lösen gilt.
So etwa das Problem der Information bezüglich der Präsenz
und Aufstellung der Truppen in Europa. Unserer Ansicht nach
ist derlei Information von größter Bedeutung, weil sie die Datenbasis darstellt, die ein Urteil darüber erlaubt, was hinsichtlich militärischer Aktivitäten in Europa normal ist und
was nicht. Der Informationsaspekt ist also ein Punkt erheblicher Differenz zwischen Ost und West. Und ich glaube, daß
auch die neutralen und blockfreien Staaten diesen Informationen einen hohen Wert beimessen. Dies ist der eine Bereich.
Dann würde ich den Bereich der Einbeziehung von Luft- und
Seeaktivitäten in die Stockholmer Gespräche nennen. Es ist unsere Position, d.h. die Position des Bündnisses, daß diese
Fragen im Rahmen des Mandats gelöst werden sollten, das in
Madrid ausgehandelt wurde und nicht wieder aufgeworfen werden
sollten. Wir sind der Meinung, daß die militärischen Aktivitäten, um die es in Stockholm geht, allein die bodenbezogenen
Aktivitäten sowie die funktionell hiermit in Verbindung stehenden Luft- und Seeaktivitäten sein sollten. Das geht unserer
Meinung nach aus dem Mandat hervor.
Drittens möchte ich die Verifizierung als Hauptbereich der
Meinungsverschiedenheiten nennen. Wie ich schon sagte, bedeutet für uns Verifizierung Inspektion vor Ort. Der Osten ist
durchaus der Auffassung, die angemessenen Mittel der Verifizierung seien diejenigen, die das Mandat benennt, aber wenn es
zur Inspektion kommt, so gibt es da ganz offenkundig ein Problem.
Als vierten Punkt sollte ich die Frage der Beschränkungen
nennen, insofern als sie Begrenzungen bei militärischen Übungen und Manövern darstellen; auch hier sind die neutralen und
blockfreien Staaten der Meinung, solche Beschränkungen seien
- 3 -

�Beschränkungen seien notwendig. Bislang wurde unsrer Ansicht
nach noch keine einschränkende Maßnahme vorgeschlagen, die für
alle Beteiligten gleiche Wirkung hat. Wir sind gegenüber dem
Gedanken von Beschränkungen offen, bislang wurde aber noch
keiner formuliert, der uns gefallen hätte.
FRAGE: Sie nannten uns Bereiche, wo es erhebliche Meinungsunterschiede gibt. Vielleicht könnten Sie noch etwas auf
den Punkt der Information hinsichtlich der Standorte von
Streitkräften eingehen und was beide Seiten hier vorschlagen.
Zweitens: Wie sehen Sie die jüngsten sowjetischen Erklärungen
hinsichtlich einer offenkundigen neuen Bereitschaft bei Inspektionen vor Ort - zumindest in einigen Bereichen der
Rüstungskontrolle. Und drittens: Bei welchen Punkten gibt es,
wenn überhaupt, Übereinkunft?
ANTWORT: Es gibt einen breiten Konsens, der sich im Lauf
der letzten zweieinhalb Jahre in Stockholm hinsichtlich der
Tagesordnung herausgeschält hat. Wir sprechen jetzt mehr oder
weniger von denselben Themen.
Wir schlugen zum Beispiel gleich als diese Verhandlungen
1984 begannen, vor, daß militärische Aktivitäten ein Jahr im
voraus angekündigt werden sollten. Die neutralen und blockfreien Staaten schlugen dann gleichfalls vor, daß es Vorankündigungen militärischer Aktivitäten geben solle. Als dann Gorbatschow nach Paris kam, gab er eine Erklärung ab, in der er
gleichfalls von Vorankündigung militärischer Aktivitäten
sprach. Alle waren also der Meinung, man solle ein Jahr im
voraus die wichtigsten militärischen Aktivitäten benennen, die
auf der Tagesordnung stehen.
Desgleichen herrschte Übereinstimmung dahingehend, daß die
Ergebnisse von Stockholm einen erheblichen Qualitativen
Schritt nach vorn gegenüber dem in Helsinki Vereinbarten sein
sollten.
Wir sind alle der Meinung, daß die Notifizierungsschwelle
erheblich herabgesetzt werden müsse und daß das Abkommen verifizierbar sein muß, auch wenn es noch Meinungsunterschiede
dahingehend gibt, wie man es verifizieren kann.
Wir sind alle der Meinung, daß es in Fällen von nennenswerten Aktivitäten auch entsprechende Beobachtung geben soll,
d.h. es sollte viel mehr Beobachtung geben als bisher. Wir
sind wie die neutralen Staaten der Meinung, daß die Beobachtung in allen Fällen obligatorisch sein sollte - und die Sowjets haben dem nicht widersprochen.
Wir sind alle der Meinung, daß es einen Zusammenhang gibt
zwischen dem was hier in Stockholm geschieht und dem übrigen
KSZE-Prozeß, und daß die Ergebnisse dieser Konferenz genau wie
die Ergebnisse des gesamten KSZE-Prozesses in Wien einer Prüfung unterzogen werden sollten.
Des weiteren haben Sie einen Bereich erwähnt, in dem es

�dem es Meinungsverschiedenheiten gibt. Wir schlugen vor, daß
die Aufstellung militärischer Einheiten angegeben wird, damit
wir zum Beispiel sagen können, wenn Streitkräfte, die in diesen oder jenen Kasernen stehen, nicht mehr dort sind. Wir waren der Ansicht, daß eine solche Datengrundlage sehr wichtig
für den gesamten Notifizierungs-Verifizierungs-Prozeß ist. Die
neutralen und blockfreien Staaten haben zwar die Notifizierung
nicht wie wir als separate Maßnahme vorgesehen, aber ihre Vorschläge über die Vorankündigung militärischer Aktivitäten enthalten sehr konkrete Informationsaspekte. Die Sowjets hingegen
sagen noch immer, daß Vorkehrungen über diese Art von Information eine Legalisierung der Spionage bedeute.
Was den zweiten Teil Ihrer Frage angeht, so bin ich als
Unterhändler natürlich am Kleingedruckten von Erklärungen interessiert. Da macht die Erklärung Gorbatschows vom 15. Januar
keine Ausnahme. Es ist sehr wichtig, daß wir herausfinden, was
genau sich hierin verbirgt, und das werden wir erst, wenn wir
ihnen am Verhandlungstisch in Stockholm gegenübersitzen. Nun
hat Gorbatschow keine Vor-Ort-Inspektionen im Stockholmer Kontext erwähnt, sondern in einem anderen Zusammenhang. Da aber
die Sowjets nunmehr den Grundsatz von Vor-Ort-Inspektionen öffentlich in einer ganzen Reihe von Bereichen erwähnt haben, so
macht mich dies optimistisch, daß sie dieses Prinzip auch im
Stockholmer Rahmen akzeptieren werden.
Wir sind nun einmal der Meinung, daß dies ein entscheidendes Element eines Abkommens ist, denn wir sehen nicht, wie
sonst ein Abkommen verifiziert werden könnte.
FRAGE: Was ist mit den sowjetischen Vorschlägen bei der
KVAE hinsichtlich des Nichtangriffsteils, den die Sowjets einbezogen wissen möchten?
ANTWORT: Die Sowjets sind der Meinung, daß ein Teil des
Abkommens die Frage der Nichtanwendung von Gewalt abdecken
solle. Präsident Reagan unterstrich im Juli 1984 in Dublin,
daß wir in Stockholm eine angemessene Bekräftigung des Prinzips der Nichtanwendung von Gewalt im Rahmen einer Reihe von
konkreten Vertrauens- und sicherheitsbildenden Maßnahmen in
Erwägung ziehen würden, die diesem Grundsatz der Nichtanwendung von Gewalt Nachdruck verleihen würde. Und in der Tat werden wir uns in Stockholm mit dem Thema der Nichtanwendung von
Gewalt wie mit konkreten Vertrauens- und sicherheitsbildenden
Maßnahmen beschäftigen. Das Dokument, das sich aus der Arbeit
in Stockholm ergeben wird, wird eine Bestimmung über die
Nichtanwendung von Gewalt enthalten.
Wir sind allerdings der Ansicht, daß der Grundsatz der
Nichtanwendung von Gewalt in der Charta der Vereinten Nationen
bereits absolut angemessen definiert ist. Wir sind nicht für
eine Abänderung dieses Grundsatzes, denn eine jegliche Modifizierung dieses Grundsatzes würde ihn wahrscheinlich schwächen

�wahrscheinlich schwächen und seinen universellen Charakter
einschränken. Wir sind jedoch der Überzeugung, daß die Maßna
men, an denen wir arbeiten, bei der Verwirklichung dieses
Grundsatzes der Nichtanwendung von Gewalt behilflich sein we
den und meinen, daß dies im Abkommen selbst zum Ausdruck kom
men sollte.

- 6 -

�AMERIKA DIENST
^7

C&amp;

Dokumentation

29. Januar 1986

USA APPELLIEREN AN PRETORIA: FREILASSUNG MANDELAS
- Rede von Unter Staatssekretär Michael Arraacost -

Northfield, Minnesota - (AD) - Die Reagan-Administration
fordert die Regierung Südafrikas zur Freilassung des schwachen
NatLonalisbenEührers Nelson Mandela und anderer politischer
Gefangener und zur Eröffnung "sinnvoller" Gespräche mit den
"wahren" Führern der Schwarzen auf.
In einer Rede, die er am 24. Januar im Carleton College in
Minnesota hielt, sagte der Unter Staatssekretär für Politische
Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Michael
Armacost, daß es die Vereinigten Staaten "vermieden haben,
Vorschriften ?•! inachen", wie Südafrika seine Zukunft gestalten
solle.
"Die Entwicklung innerhalb Südafrikas miß von den im Lande
lebenden Menschen bestimmt werden," sagte er. "Es müssen jedoch sicherlich Verhandlungen mit den anerkannten Führern der
Schwarzen beqonnen werden, und dies kann nicht geschehen, wenn
diese Führer im Gefängnis sitzen. Deshalb haben wir an die
südafrikanische Reqierunq appelliert, Nelson Mandela und andere seit lanqem qefangengehaltene politische Häftlinge freizulassen und sinnvolle Gespräche mit den wahren Führern der
schwarzen Bevölkerung 4U beginnen."
"Die Herrschenden in Südafrika müssen allen, die dort leben, ein Signal geben, daß sie es ernst mit der Beendigung der
Apartheid meinen. Und die schwarzen Führer müssen zur Teilnahme an einem Dialog darüber bereit sein, welche Art von Zukunft
sie für Südafrika wünschen."
In der laut Außenministerium programmatischen Rede über

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Rede über die Politik der Administration gegenüber Südafrika
wandte sich Armacost gegen den Abzug von Investitionen als
Mittel zur Bewirkung eines positiven Wandels in Südafrika.
"Ich glaube nicht, daß ein genereller Abzug von Anlagekapital zu einem vorteilhaften Ergebnis führen wird," sagte er.
"Im Gegenteil, statt sich aus Südafrika und der Region zurückzuziehen, sollten die Vereinigten Staaten vielmehr nach zusätzlichen Wegen für eine positivere Entwicklung suchen."
Im Hinblick auf andere Punkte der Regierungsdiplomatie im
südlichen Afrika erwähnte Armacost, daß die Unahängigkeit für
Namibia "ein Hauptziel" sei, welches in Verbindung mit dem
Rückzug kubanischer Truppen aus Angola verwirklicht werden
könne. Zusätzlich deutete er an, daß Vertreter der amerikanischen Regierung Gespräche mit dem Führer der UNITA-Freiheitskämpfer, Jonas Savimbi, während dessen für Ende Januar geplanten Besuches in Washington über den Bürgerkrieg in Angola führen würden. "Während dieses Besuches möchten wir darüber sprechen, wie die Vereinigten Staaten zur Verwirklichung der echten Interessen Angolas beitragen können," betonte er.
Wir bringen den Text der Rede von Unterstaatssekretär Armacost in leicht gekürzter Form:
Ziele der Vereinigten Staaten im südlichen Afrika
Ich spreche nicht nur von der Apartheid und unserem Wunsch
nach einem friedlichen politischen Wandel in Südafrika; ich
spreche auch von unseren Anstrengungen zur Förderung des regionalen Friedens im südlichen Afrika. Unsere Ziele sind klar:
Unabhängigkeit für Namibia; der Abzug der kubanischen Truppen
aus Angola; und ein Ende der grenzüberschreitenden Gewalt, die
die Bedrängnis der Bevölkerung in der ganzen Region noch verschärft hat.
Der Terminus "Interdependenz" könnte geprägt worden sein,
um die Situation im südlichen Afrika zu beschreiben. Die Länder in der Region sind durch Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Verkehrs- und Kommunikationsnetz miteinander verbunden. Geschehnisse in einem Land des südlichen Afrika beeinflussen rasch auch dessen Nachbarn.
Deshalb erlauben Sie mir bitte, unsere Südafrika betreffenden Sorgen dadurch in die rechte Perspektive zu rücken, daß
ich mit dem weitergefaßten regionalen Lagebild beginne.
Förderung der Unabhängigkeit Namibias
Unabhängigkeit für Namibia bildet ein Hauptziel der amerikanischen Diplomatie. Namibia ist Afrikas letzte Kolonie. Es
- 2 -

�verlangt nach Freiheit und die gesamte Staatengemeinschaft ist
sich darin einig. Wir sind bereit, unser Teil dazu beizutragen. Seit einer Reihe von Jahren stehen wir in vorderster
Front der diplomatischen Anstrengungen zur Durchführung der
UNO-Resolution 435. Während der vergangenen fünf Jahre hat
sich unsere Diplomatie deshalb auf die Entwicklung eines regionalen Konsenses zur Versöhnung der verschiedenen beteiligten
Interessen konzentriert.
Entfernung ausländischer Truppen aus Angola
Die Situation im südlichen Afrika - und damit die Verwirklichung der Unabhängigkeit Namibias - wurde vor zehn Jahren
durch die Entsendung einer kubanischen Stellvertreterarmee
nach Angola durch die Sowjetunion enorm kompliziert. Diese Interventionsarmee, deren Stärke heute 30 000 Mann beträgt, bildet eine Bedrohung für die Sicherheit aller Staaten in der Region .
Jahre hindurch var Afrika ein Kontinent, der glücklich vom
militärischen Wettstreit zwischen Ost und West verschont war:
bis diese sowjetische Stellvertreterarmee erschien. Ihre Präsenz hat Angola destabilisiert und das Problem der Beendigung
des Bürgerkrieges in Angola noch verschärft; sie hat die sowjetische Macht in diese Region ausgedehnt und auf diese Weise
unsere eigenen strategischen Interessen verändert, insbesondere durch den von ihr geschaffenen Präzedenzfall. Die sowjetisch-kubanische Intervention bildete den ersten einer Reihe
von sowjetischen Schritten in der Dritten Welt in den späten
siebziger Jahren, die das globale Kräfteverhältnis auf gefährliche Weise in Frage stellten. Auf Angola folgten die sowjetischen Interventionen in Äthiopien, Kampuchea und Afghanistan:
Ereignisse, die zur Unterhöhlung der Ost-West-Beziehungen und
der Rüstungskontrolle während dieses Jahrzehnts beitrugen.
Deshalb möchten wir der kubanischen Militärpräsenz in Angola ein Ende bereiten. Es ist uns gelungen, die Zustimmung
Südafrikas zu erreichen, daß Südafrika im Falle der Lösung des
kubanischen Problems in Angola bereit ist, die internationalen
Abkommen für die Unabhängigkeit Namibias zu erfüllen. Gleichermaßen haben wir die angolanische Regierung dazu bewegen
können, dem Prinzip des kubanischen Rückzuges zuzustimmen. Wir
versuchen gegenwärtig beide Parteien zur Annahme eines Zeitplanes für diese wechselseitigen Schritte zu bewegen. Diese
Annahme würde ein Ende von Kubas destabilisierender Präsenz in
Angola, von Südafrikas Bedrohung der Sicherheit Angolas und
die Unabhängigkeit für Namibia bedeuten, alles Ziele, die jede
Mühe wert sind.
Obwohl vir mit der Regierung Angolas keine formellen diplomatischen Beziehungen unterhalten, haben wir regelmäßig

�wir regelmäßig Treffen mit angolanischen Vertretern abgehalten, um eine Regelung zu erreichen. Das jüngste Treffen fand
diesen Monat in Luanda statt, als der stellvertretende Aussenminister ehester Crocker Gespräche mit führenden angolanischen Regierungsvertretern führte.
Die Probleme Angolas werden jedoch nicht einzig und allein
durch ein Abkommen über Namibia gelöst werden. Der angolanische Bürgerkrieg ist eine Realität. Seit über einem Jahrzehnt
sehen sich die MPLA-Regierung und ihre sowjetischen und kubanischen Verbündeten einer zutiefst entschlossenen einheimischen Opposition gegen die marxistische Herrschaft konfrontiert. Freiheitskämpfer der von Dr. Jonas Savimbi geführten
UNITA haben trotz massiver sowjetischer Waffenlieferungen und
kubanischer Unterstützung ihren Widerstand in ganz Angola verbreitet.
Wir glauben jedoch, daß zu diesem Zeitpunkt eine militärische Lösung für den angolanischen Bürgerkrieg unmöglich ist.
Friede kann nur durch Versöhnung zwischen den konfliktfUhrenden Parteien erreicht werden. Dies ist eine Aufgabe der Angolaner, die jedoch nicht bewältigt werden kann, solange angolanisches Territorium von einer ausländischen Armee besetzt ist.
Wir haben seit langem Dr. Savimbis mutigen Kampf anerkannt, der trotz wachsender Nachteile durchgeführt wird. Wir
haben Kontakte mit der UNITA unterhalten, und wir haben die
Rechtmäßigkeit ihres Kampfes anerkannt. Dr. Savimbi wird in
Bälde die Vereinigten Staaten besuchen. Während dieses Besuches möchten wir besprechen, was die Vereinigten Staaten zur
Verwirklichung der wirklichen Interessen Angolas beitragen
können.
Verminderung der grenzüberschreitenden Gewalt
Die Flammen der Gewalt erstrecken sich über das ganze südliche Afrika. Wir sind entschlossen, alles in unserer Macht
Stehende zu tun, um die Gewalt zwischen den Staaten zu vermindern und zu beenden. Wir betrachten Terrorakte von GuerillaVerbänden über regionale Grenzen hinweg in Südafrika und von
Südafrika in Nachbarstaaten durchgeführte Militäraktionen als
gleichermaßen unannehmbar. Wir haben Südafrika und seine Nachbarn zur Zurückhaltung und zur Ersetzung von Gewalt durch Dialog aufgefordert.
Die Resultate dieser Anstrengungen waren gemischt. Mit der
Unterzeichnung des Nkomati-Abkommens verpflichteten sich Mozambique und Südafrika 1984 dazu, die Unterstützung für regierungsfeindliche Elemente im jeweils anderen Land einzustellen.
Dies war ein positiver Schritt in Richtung auf die Reduzierung
grenzüberschreitender Gewalt und die Lösung ihrer Differenzen
- 4 -

�ihrer Differenzen auf diplomatischem Wege. Wir haben unsere
Aufmerksamkeit außerdem auf die Verringerung der Spannungen
zwischen Zimbabwe, Lesotho und Botswana auf der einen Seite
und Südafrika auf der anderen gerichtet.
Diese Abkommen sind jedoch offensichtlich brüchig. Mit den
wachsenden Spannungen in Südafrika treten täglich neue Herausforderungen für den Frieden auf. Südafrikas Angriff nach Botswana letzten Sommer bedeutete einen Rückschlag für unsere
Friedensbemühungen und zwang uns zur Rückberufung unseres Botschafters aus Pretoria. Die während der letzten Wochen aufgetretene Gewalt an den Grenzen Zimbabwes und Lesothos bedeutet
eine neue Herausforderung für die regionale Stabilität.
Bete iligung Südafr ikas
Sogar während unserer Bemühungen um diplomatische und
friedliche Lösungen für die regionalen Konflikte zwischen den
Staaten im südlichen Afrika haben wir uns für friedlichen Wandel und Versöhnung zwischen den Völkern Südafrikas selbst eingesetzt .
Über die Politik der vereinigten Staaten gegenüber Südafrika ist viel gelästert worden - und sie ist oft mißverstanden
worden. Sie wird ausnahmslos als die Beschreibung der Beziehungen zwischen den Regierungen verstanden.
Aber dies ist falsch. Mit unserer Politik möchten wir einen positiven Dialog mit allen Kräften Südafrikas schaffen mit seiner Regierung und seinen Menschen aller Rassen. Und darüber hinaus ermutigen wir amerikanische Organisationen, sich
mit den entsprechenden Organisationen in Südafrika zu engagieren. Ich glaube, daß wir einander auf einem breiten Feld von
Beziehungen etwas zu bieten haben und daß wir damit fortfahren
sollten.
Wie Sie wissen, ist dies eine höchst problematische Aufgabe. Unser Einfluß, obwohl nicht unbedeutend, ist eben doch begrenzt. Gerade, wenn es darum geht, anderen soziale oder politische Ratschläge zu geben, dann ist Bescheidenheit angebracht. Wir besitzen keine Wunderformel für die Beseitigung
vergangener und heutiger Ungerechtigkeiten in Südafrika. Wir
gehen jedoch von der Annahme aus, daß ein Plan für mehr Gerechtigkeit und Harmonie zwischen den Rassen nur aus politischem Dialog und Verhandlungen zwischen den südafrikanischen
Behörden und den Führern der Schwarzen erwachsen kann. Wir
werden mit unseren Bemühungen für die Herbeiführung solch eines Dialogs fortfahren.
Für uns stellt sich in Südafrika nicht das Problem, ob wir
für das Ende der Apartheid kämpfen sollten. Das ist selbstver-

�ist selbstverständlich. Die Apartheid ist moralisch falsch.
Sie läuft unseren fundamentalsten Prinzipien zuwider. Sie verletzt unser Gerechtigkeitsempfinden. Die Apartheid muß beendet
werden. Das, so glaube ich, ist unvermeidlich. Die praktische
und ethische Frage ist, wie wir ihr Verschwinden beschleunigen
und die Förderung der Evolution zu einer gerechteren Gesellschaft am wirksamsten unterstützen können.
Und es steht auch außer Zweifel, daß wir Schritte zu einem
Ende der Gewalt ermutigen müssen. Ich spreche hier nicht nuc
von der Unterdrückung durch die Behörden, sondern auch von
bösartigen Akten Schwarzer gegen andere Schwarze, ich kann mir
keine amerikanische Administration vorstellen, die einen gewaltsamen Umsturz oder extremistische Lösungen begrüßen würde.
Der einzige Kurs, der mit amerikanischen Werten vereinbar ist,
besteht darin, daß wir uns für politische Lösungen, Verhandlungen und friedlichen Wandel zu einem gerechteren System einsetzen .
Einige bestehen darauf, daß wir Südafrika als Pariah behandeln sollten, so wie andere von uns verlangen, daß wir uns
nicht mit marxistischen Regierunugen in Angola oder Mozambique
einlassen sollten. Die Annahme solcher Ratschläge würde uns
jedoch wenig Raum für Diplomatie lassen. Es würde unsere Gegner in dieser Welt dazu ermutigen, die Instabilität, rassisches Unrecht und Gewalt als Mittel zur Ausdehnung ihres Einflusses in der Region zu benutzen. Es würde sicherlich unsere
Fähigkeiten zur konstruktiven Einflußnahme auf alle Parteien
beschneiden.
Die Nationen des südlichen Afrika haben außerdem kein Verlangen nach unserem Ausstieg. Sie wünschen unsere Beteiligung.
Mehr als jeder andere Staat besitzen wir das Vertrauen aller
Parteien. Dadurch werden wir befähigt, als Vermittler und ehrlicher Makler zu handeln. Wir müssen schwierige Entscheidungen
treffen, wenn wir garantieren wollen, daß die von uns eingesetzten Mittel zu den von uns angestrebten politischen Zielen
führen. Und damit komme ich zur Frage von Wirtschaftssanktionen.
Eine wachsende Wirtschaft als Kraft für den Wandel
Wir werden von vielen Leuten gefragt, warum die Reagan-Administration allgemein Widerstand gegen bestrafende Wirtschaftssanktionen gegen Südafrika geleistet hat. Lassen Sie
mich ohne Umschweife zu dieser Frage Stellung nehmen.
Erstens ist Südafrika der wirtschaftliche Gigant des südlichen Afrika. Was dort geschieht, ist wichtig für die Nachbarstaaten, die zu einem Großteil ihrer Nahrungsmittel- und
Industrieproduktion von Südafrika abhängen, Tausende von Ar-

�von Arbeitskräften nach Südafrika schicken, um dort in Minen
und Industriebetrieben zu arbeiten, und sich auf Südafrikas
gut entwickeltes Hafen- und Transportsystem für den Export ihrer Produkte verlassen. Wirtschaftliche Schwierigkeiten innerhalb Südafrikas würden allen schwarzen Staaten der Region noch
größsere Schwierigkeiten auferlegen. Und es ist außerdem für
die vereinigten Staaten und ihre Verbündeten unmöglich, das zu
ersetzen, was durch die südafrikanische Wirtschaft zur Verfügung gestellt wird. Wir sind außerstande, das Kapital, die
Märkte, die Transportmittel, die Dienstleistungen und die
Technologie zu liefern, welche die Region so dringend benötigt
Da der hauptsächliche Antrieb für den Wandel in Südafrika
internationaler Natur ist - und ich würde argumentieren, daß
dies so ist -, ist zweitens der größte Feind der Apartheid eine sich modernisierende Industrie und ein expandierender Arbeitsmarkt, denn beide benötigen Facharbeiter ohne Ansehen der
Hautfarbe. Es sind diese Realitäten, die die südafrikanischen
Behörden in den letzten Jahren dazu veranlaßt haben, die Investitionen für die Bildung der Schwarzen zu erhöhen, die sie
ermutigt haben, die Bildung schwarzer Gewerkschaften zuzulassen und die sie nach und nach dazu bewegt haben, durch die
Aufhebung von Beschränkungen, die Schwarze von einigen Berufen
ausschlössen, die Apartheid am Arbeitsplatz im wesentlichen zu
beseitigen.
Wirtschaftliches Wachstum führt nicht notwendigerweise zu
politischer Liberalisierung. Aber es kann, wie in Südafrika,
das Tempo des Wandels in eine konstruktive Richtung beschleunigen. Die Schädigung dieser Wirtschaft würde nicht nur das
Wirtschaftswachstum hemmen, sondern auch eine ganze Generation
junger Südafrikaner zu Arbeitslosigkeit und Verzweiflung verurteilen. Viele junge schwarze Südafrikaner sind jetzt schon
gebildet, politisiert und arbeitslos - eine explosive Mischung. Wir fühlen doch, wie drei Jahre wirtschaftlicher Rezession in Südafrika Frustration und Verbitterung unter der
Apartheid verschlimmert haben.
Ich möchte deshalb wiederholen, daß eine pulsierende südafrikanische Wirtschaft eine Kraft für den Wandel darstellen
kann. In einer schnell wachsenden Wirtschaft ist es zunehmend
schwierig, wenn nicht unmöglich, die Rassentrennung unter dem
System der Apartheid aufrechtzuerhalten. Es gibt einfach nicht
genug Weiße, um weiterzukommen. Der Beweis für diese Tatsache
besteht darin, daß es heute in Südafrika einen Mangel von 100
000 Facharbeitern gibt. Wenn es irgendeine Hoffnung auf politischen Wandel gibt, so hängt sie mit großer Sicherheit von
einem Klima dauerhaften wirtschaftlichen Wohlergehens ab.
Deshalb hat sich die Politik der Vereinigten Staaten gegen
bestrafende Sanktionen mit dem Ziel der Destabilisierung der
Wirtschaft gewandt. Andere westliche Verbündete sind zu ähnli-

�zu ähnlichen Schlüssen gelangt und haben den Druck auf die
südafrikanische Regierung aufrechterhalten, ohne Sanktionen zu
verhängen, die nur zusätzliches Leid schaffen würden, ohne zu
einer Lösung beizutragen.
Die Anordnung Präsident Reagans
In diesem Sinne hatte die von Präsident Reagan am 9. September 1985 erlassene Anordnung nicht das Ziel, Südafrikas
Wirtschaft zu schädigen oder einzelnen Südafrikanern zu schaden. Sie beabsichtigte, gezielte Sanktionen als ein klares
Signal der Unzufriedenheit der Vereinigten Staaten über das
Tempo der Reformen an die südafrikanische Regierung einzusetzen. Sie reflektierte die Empfindung innerhalb der Vereinigten
Staaten, daß schärfere Aktionen notwendig wären. Der Präsident
handelte, um zur Entschärfung des Klimas der Polarisierung und
Gewalt in Südafrika beizutragen. Aber er verschloß sich der
Forderung nach bestrafenden Sanktionen, welche die Wirtschaft
destabilisieren und schwarze Südafrikaner sowie die umliegenden schwarzen Staaten schädigen würden.
Die Anordnung spiegelte unsere Verpflichtung wider, eine
starke Präsenz in Südafrika aufrechtzuerhalten und amerikanische Firmen dazu zu ermutigen, dort Kräfte des Wandels zu bilden. Sie erhöhte außerdem die von der amerikanischen Regierung für Stipendien und Menschenrechtsaktivitäten bereitgestellten Mittel. Sie verbot in den meisten Fällen die Gewährung von Bankkrediten an Südafrika, Computerverkäufe an mit
der Aufrechterhaltung der Apartheid verbundene Behörden und
Sicherheitskräfte, Nukleargeschäfte und den Kauf von südafrikanischen Waffen. Sie schlug ein Verbot des Verkaufs des Kruger-Rand in den Vereinigten Staaten vor, das jetzt durchgeführt wird.
Am 19. Dezember 1985 kündigte Außenminister Shultz an, daß
zwölf hervorragende Amerikaner sich an einem Beratungsgremium
über Südafrika beteiligen würden. In den kommenden Monaten
wird dieses Gremium, dessen Vorsitz Bill Coleman und Frank
Cary führen, die Politik Südafrikas und der Vereinigten Staaten unter die Lupe nehmen und Außenminister Shultz seine Vorschläge unterbreiten.
Ich möchte wiederholen: Die meisten unserer westlichen
Verbündeten haben einen ähnlichen, vorsichtigen Ansatz bei der
Behandlung der Probleme dieser Region gewählt.
Argumente gegen den Abzug von Investitionen
Parallel zu dem Argument, daß die amerikanische Regierung
wirtschaftliche Sanktionen gegen Südafrika verhängen solle,

�verhängen solle, gibt es die Auffassung, daß amerikanische Institutionen ihre Investitionen bei in Südafrika tätigen amerikanischen Firmen abziehen sollten. Aus denselben Gründen, aus
denen ich glaube, daß generelle Wirtschaftssanktionen gegen
Südafrika kontraproduktiv sein würden, glaube ich nicht, daß
ein genereller Abzug von Kapital zu einem vorteilhaften Resultat führt.
Anstatt sich aus Südafrika und der Region zu entfernen,
sollten die Vereinigten Staaten vielmehr nach zusätzlichen Wegen suchen, um zu einem positiven Wandel zu kommen. Und hier
müssen wir zwischen Entscheidungen der amerikanischen Regierung und denjenigen unterscheiden, die von privaten Gebilden,
wie etwa den amerikanischen Privatfirmen, getroffen werden.
Im Gegensatz zu dem, was von manchen Kreisen geglaubt
wird, geht von den US-Firmen keine Dominanz der südafrikanischen Wirtschaft aus. Obwohl 300 amerikanische Firmen in Südafrika operieren, liegen die amerikanischen Direktinvestitionen dort noch unter zwei Milliarden Dollar. Neunzig Prozent
der Investitionen in Südafrika stammen von Südafrikas eigenem
Kapital. Die vereinigten Staaten repräsentieren weniger als
ein Fünftel der zehn Prozent, die aus ausländischen Quellen
stammen. Deshalb können die amerikanischen Investitionen kaum
als ein Druckmittel dienen, das allein zu einem Ende der
Apartheid führen könnte.
Zweitens: Selbst wenn die amerikanischen Firmen ihre Mittel abzögen und Südafrika verließen, würde sich wenig verändern, solange britische, deutsche, japanische und, was mehr
als wahrscheinlich ist, südafrikanische Firmen willens und fähig wären, zu produzieren, was zur Zeit von amerikanischen
Firmen produziert wird. Wenn Firmen sich entschließen, sich
zurückzuziehen, schicken sie ihr Personal und ihr Kapital nach
Hause: Fabrik und Ausrüstung bleiben an Ort und Stelle - und
werden oft zu Spottpreisen von jemand anderem erworben. Und
gleichermaßen wird die Verpflichtung zu rassischer Gleichbehandlung verschwunden sein, die von den meisten amerikanischen
Unternehmen Tag für Tag in ihren Handlungen und Beschäftigungspraktiken in Südafrika verwirklicht wird. Verschwunden
sein werden die bedeutenden Investitionen - über 100 Millionen
in den letzten Jahren -, die von amerikanischen Firmen für
Bildung, Ausbildung und Beschäftigung schwarzer Südafrikaner
ausgegeben wurden. Die Erfahrung hat gelehrt, daß, wenn eine
Firma sich einmal zurückzieht, dieser Entschluß wahrscheinlich
von Dauer ist. Aber die Wirkungen sind nicht unbedingt die beabs Lchtigten.
Ein bemerkenswerter Fall ist auch die seit 21 Jahren in
Südafrika ansässige Firma Motorola. Als das Unternehmen sich
1985 entschloß, seinen Betrieb einzustellen, kaufte eine südafrikanische Firma das Werk und die Anlagen auf und erstellt
_ g _

�und erstellt heute ähnliche Produkte wie ehemals Motorola. Ob
in dieser Firma die Schicksale schwarzer Arbeiter betroffen
sind, wissen wir nicht. Aber ich denke, daß diese Frage es
wert ist, gestellt zu werden.
U.S.-amerikanische Unternehmen spielen in Südafrika eine
konstruktive Rolle. Im Jahre 1977 untersuchte Pfarrer ueon
Sullivan, ein Bürgerrechtsführer aus Philadelphia, die Bedingungen bei der General Motors Corporation in Südafrika. Pfarrer Sullivan war das erste schwarze Aufsichtsratmitglied bei
GM. Als Ergebnis seiner Untersuchung stellte er fest, daß
U.S.-Firmen die Grundlage für Veränderungen bei amerikanischen
Firmen schaffen könnten, indem sie eine Reihe von Maßstäben
anlegten, die inzwischen als die 'Sullivan-Doktrin' bekannt
geworden sind.
Die Rol1e der Su11ivan-Doktr in
Die Sullivan-Doktrin fordert gleichen Lohn für gleiche Arbeit, einen gerechten Mindestlohn und eine Steigerung der Anzahl benachteiligter Südafrikaner in Verwaltungs- and Führungspositionen sowie gerechte Gewerkschaften.
Zusätzliche Regelungen schließen die Aufhebung der Rassentrennung in Kantinen, Aufenthaltsräumen, Umkleidekabinen und
Arbeitsstätten ein; ferner die Verbesserung der Lebensqualität
für Arbeiter außerhalb ihrer Arbeitsstelle durch Zuschüsse zu
Wohn-, Freizeit-, Gesundheits- und Fortbildungsprogrammen, sowie die Verbesserung von Ausbildungsprogrammen, mit deren Hilfe Nicht-Weiße auf ihre Aufgaben als leitende Angestellte,
Verwaltungsfachleute, Bürokräfte und Techniker vorbereitet
werden sollen.
Die Sullivan-Doktrin wurde im Laufe der Jahre immer weiter
entwickelt. Im Jahr 1977 hatten zwölf U.S.-Firmen die Sullivan-Doktr in übernommen. Heute richten sich 192 Firmen danach,
die Mehrheit aller amerikanischen Unternehmen in Südafrika.
Die U.S.-Firmen haben anderen, in diesem Land tätigen Firmen
den Weg vorgezeichnet.
Pfacrac Sullivan sagt selbst: " Wir können davon ausgehen,
daß die Grundsätze selbst einigen Einfluß auf den politischen
Wandel gehabt haben und daß sie den auch in Zukunft haben werden. Wenn man einem Menschen dabei hilft, seine wirtschaftlichen Rechte zu erlangen, wird man gleichzeitig den Zuwachs
seiner politischen Rechte fördern. Die Gleichheit an der Arbeitsstätte und massive Fortbildungsprogramme für schwarze und
nicht-weiße Arbeiter werden letztendlich jeden Bereich ihres
Lebens berühren, den öffentlichen wie den privaten. ... Um es
ganz einfach zu sagen: die Anhaltspunkte zeigen, daß die
Grundsätze einen Leitfaden der Arbeitsstätte darstellen, durch
- 10 -

�darstellen, durch den die Arbeiter lernen, weitreichendere gesellschaftliche Probleme anzugehen, die politischen Rechte
eingeschlossen. . .
Ich stimme dem zu. Ich bin der tiefen Überzeugung, daß unsere Sullivan-Unternehmen die Dinge in Südafrika verändern und
darin bestärkt werden sollten, fortzufahren. Unsere qemeinsame
Fähigkeit, den Wandel zu beeinflussen, wird sich verringern,
wenn sie gezwungen werden, das Land zu verlassen. Wir brauchen
schöpferischere Eingriffe in Südafrika und die Sullivan-Unternehmen sind eines unserer besten Zugpferde bei der Förderung
des Wandels zum Positiven. Ich möchte den Vorstand, die Lehrer
und die Studenten Carletons bitten, diese Überle gungen in Betracht zu ziehen, wenn sie über die weitere Linie bei diesem
wichtigen Problem entscheiden.
Ermutigender Dialog
Überdies fordern heute amerikanische Geschäftsleute zusammen mit südafrikanischen Firmen die Regierung auf, sich mit
den fechtmäßigen schwarzen Führern zu Verhandlungen zusammenzusetzen.
Dieser Dialog ist nicht einfach, zumal die Politik der
südafrikanischen Regierung ihn während der vergangenen 38 Jahre verhindert hat. Allseits herrschen Mißtrauen und mangelndes
Vertrauen. Schwarze und weiße Südafrikaner betrachten ihr Land
und sehen zwei sich widersprechende Bilder.
Die weißen Südafrikaner merken, wie viel sich in den letzten paar Jahren verändert hat. Es gibt keine Rassentrannung
mehr in privaten Schulen, Sportmannschaften spielen zusammen;
die Gesetzgebung gegen Unmoral und gemischtrassige Ehen wurde
abgeschafft; die Reservierung von Arbeitsplätzen, die nur
Weißen zugänglich sein sollten, wurde zunehmend umstritten; in
einigen Theatern, Restaurants und Hotels existiert keine Rassentrennung mehr; zum ersten Mal ist es auch Nicht-Weißen erlaubt, Sitze im Parlament zu erhalten; die Zwangsumsiedlung
schwarzer Bevölkerungsgruppen aus den sogenannten weißen Wohngebieten wurde ausgesetzt; schwarze Gewerkschaften wurden legalisiert; die Finanzierung von Erziehungsprogrammen für
Schwarze wurde ausgeweitet. Diese Veränderungen erscheinen
weißen Südafrikanern rapide, fast revolutionär. Bei manchen
Weißen rufen sie Furcht hervor; bei anderen Widerstand.
Die schwarzen Südafrikaner sehen den selben Vorgang natürlich mit anderen Augen. Die bereits erfolgten Veränderungen
erscheinen ihnen unwesentlich und widerwillig gewährt sowie
ohne die Konsultation Farbiger statisch. Es gab nur eine geringe Verständigung. Welche Konzessionen auch gewährt wurden,
es gibt immer noch keine Bürgerrechte für Schwarze; sie können
- II -

�sie können immer noch nicht wählen. Sie müssen immer noch die
verhaßten Pässe bei sich tragen. Schwarze Lohnarbeiter müssen
immer noch ihre Frauen und ihre Familien in den Homelands zurücklassen, wenn sie in dem Teil Südafrikas arbeiten, der nur
Weißen vorbehalten ist und der 87 % des Landes ausmacht. Dies
ist eine Zeit der steigenden Erwartungen seitens der Schwarzen
in Südafrika. Aber die Fronten haben sich in den fast zwei
Jahren der Gewalt, die mehr als tausend Menschenleben gefordert ha- ben, verhärtet.
Die Radikalisierung macht es den verhandlungsbereLten
Schwarzen immer schwerer, ihre Glaubwürdigkeit aufrechtzuerhalten, das Risiko auf sich zu nehmen und sich auf den Dialog
einzulassen. Dies ist eine Zeit, die Führungsqualitäten nicht
nur von weißen, sondern auch von schwarzen Führern fordert,
wenn der Friedensprozess fortgesetzt und der Kreis der Gewalt
gebrochen werden soll. Die Regierenden Südafrikas müssen es
allen Menschen, die dort leben, mitteilen, daß sie die Apartheid beenden wollen.
Was sich in Südafrika herausbildet, muß von den Menschen,
die dort leben, bestimmt werden. Die Vereinigten Staaten haben
es v/er mieden, hier Vorschriften zu machen. Es müssen jedoch
sicherlich Verhandlungen mit den anerkannten Führern der
Schwarzen begonnen werden, und dies kann nicht geschehen, wenn
diese Führer im Gefängnis sitzen. Deshalb haben wir an die
südafrikanische Regierung appelliert, Nelson Mandela und andere seit langem gefangengehaltene politische Häftlinge frei zu
lassen und sinnvolle Gespräche mit den wahren Führern der
schwarzen Bevölkerung zu beginnen.
Bestrebungen der Vereinigten Staaten ssuc Unterstützung der
Benachteiligten
Es gibt noch andere, konkretere Dinge, die die Vereinigten
Staaten tun und auch weiterhin fortsetzen werden, um einen
Wandel /.um Positiven voranzutreiben. Im folgenden einige Beispiele:
- Sin Fonds für Menschenrechte von mehr als einer Million
Dollar, der von der amerikanischen Botschaft verwaltet wird,
hilft bei der Unterstützung wichtiger Anti-Apartheid-Gruppen
in Südafrika, die an einem wirtschaftlichen, sozialen, rechtlichen und politischen Wandel arbeiten. Der Fonds wird verwendet für Seminare über Menschenrechte, Rechtsbeistand für Untersuchungsgefangene und ihre Familien, sowie die Bezahlung
von Anwälten, die bei den Gerichten als Herausforderer der
Apartheid auftreten.
- Die Vereinigten Staaten stellen im Augenblick jährlich acht
Millionen Dollar für Stipendien an schwarze und^n^chtweiße
- 12 -

�und nichtweiße Südafrikaner zur Verfügung und versetzen sie
damit in die Lage, sowohl amerikanische als auch südafrikanische Universitäten zu besuchen.
- Ein Programm über eine Million Dollar, daß von dem amerikanischen Gewerkschaftsverband AFL/CIO verwaltet wird, bildet
schwarze und nichtweiße Gewerkschaftsführer für Verhandlungen
und OrganisationsauEgaben sowie in anderen Bereichen aus, die
bisher den Schwarzen unter der Apartheidsgesetzgebung verschlossen waren und jetzt geöffnet sind.
- Ein Programm von zwei Millionen Dollar hilft schwarzen
High-School-Studenten bei den Aufnahmeprüfungen für die Univecsitäten.
- Mit Hilfe eines Drei-Millionen-Dollar-Programms werden
schwarze Unternehuiec darin ausgebildet, Kleinbetriebe ins Leben zu rufen und aus den jüngsten Änderungen in den Apartheid-Gesetzen ihren Nutzen zu ziehen, die es nun Nicht-Weißen
erlauben, Betriebe in zentralen Geschäftszentrnen zu eröffnen.
Andere Programme zielen darauf ab, sowohl bei der Entwicklung einer schwarzen Führungsschicht zu helfen als auch zwischen Weißen und Nicht-Weißen Südafrikas Brücken zu schlagen.
Wir bauen diese Programme weiter aus und fügen neue hinzu, mit
dem Ziel, schwarze und andere nicht-weiße Südafrikaner dahingehend umzurüsten, daß sie, politisch wie wirtschaftlich, eine wirkungsvollere Rolle in der Zeit nach der Apartheid spielen können.
Zu diesem Zweck laden wir auch Südafrikaner ein, unsere
eigene, durch viele Rassen geprägte, Gesellschaft zu besuchen.
Jedes Jahr bringen unser internationales Besucher- wie auch
das Fulbrightproqramm viele Südafrikaner zum Besuch oder zum
Studium in die Vereinigten Staaten. Neue Programme werden
schwarze südafrikanische Journalisten ins Land brinqen, um in
amerikanischen Medienorganisafcionen zu arbeiten, sowie schwarze Lehrer, um sich an amerikanischen Institutionen weiterzubtldfin .
In Südafrika selbst ziehen wir in Betracht, in Port Elizabeth das Konsulat wieder zueröffnen, um unsere Fähigkeit zur
Verständigung mit den Bevölkerungsgruppen in diesem immer
wichtiger werdenden industriellen Gebiet wiederherzustellen.
Über diesen Schritt beraten wir im Augenblick mit dem Kongress
und der südafrikanischen Regierung.

tun?

Was können amerikanische Einzelpersonen und Organisationen
'
"
Einige Maßnahmen der U.S.-Regierung haben wir aufgezeigt.
- 13 -

�wir aufgezeigt. Sie werden sich vielleicht fragen, was einzelne Amerikaner und Organisationen tun können, um ein Ende der
Apartheid in Südafrika herbeiführen zu helfen und Anstöße zu
Reformen zu geben. Ein Bereich geht dabei das Carleton-College
an: schwarze Südafrikaner müssen erhebliche Hindernisse überwinden, um die gleiche Ausbildung zu erlangen wie Weiße.
Ausbildung ist dabei eine Art Druckmittel. Indem wir
schwarzen Universitätsstudenten Ausbildungsmöglichkeiten anbieten, helfen wir Südafrika aktiv bei der Ausbildung zukünftiger schwarzer Führer. Sei es bei der Überwindung der Auswirkungen der Apartheid oder bei den Qualifikationen für die zukünftige Führungsrolle: sie brauchen unsere Hilfe.
Für einige Südafrikaner bedeutet das ein Grund- oder
Hauptstudium in den Vereinigten Staaten. Verglichen mit unseren BemUhungen In Nigeria, dessen Bevölkerung dreimal so groß
ist wie die Südafrikas, und von dem derzeit 20.000 Studenten
an amerikanischen Universitäten eingeschrieben sind, beträgt
die bestürzende Anzahl der schwarzen Südafrikaner in amerikanischen Institutionen nur 450. Was auch immer passiert: Südafrika wird ausgebildete schwarze Bürger brauchen, um Führungspositionen zu übernehmen.
Für andere benachteiligte Südafrikaner bedeutet es eine
Unterstützung, um in Südafrika selbst studieren zu können. Es
gibt eine Menge von Möglichkeiten für private Organisationen,
Hilfe zu leisten. Wegen des Wertverlustes des südafrikanischen
Rand gegenüber dem Dollar sind die Gesamtkosten für Unterkunft, Verpflegung und Studiengebühren für ein akademisches
Jahr an einer südafrikanischen Universität auf weniger als 3
500 Dollar gefallen.
Ich möchte noch anfügen, daß es eine bedeutsame Bewegung
gibt, um nichweißen, besonders schwarzen, Südafrikanern die
Gelegenheit zu einer Ausbildung ohne die Zwänge der Rassentrennung in diesem Lande zu verschaffen. Kürzlich haben fast
alle der traditionell weißen Universitäten ihre Absicht verkündet, allen Studenten ohne Ansehen der Rasse eine Ausbildung
zu ermöglichen. Zusätzlich ist eine Reihe von glaubwürdigen
privaten Bildungsinstitutionen entstanden, um angesichts des
ausserordentlich schädlichen Schulboykotts Schüler auszubilden.
Amerikaner sollten sich durch Radikale mit dem Motto "Revolution jetzt, Bildung später" nicht davon abhalten lassen, Studenten zu helfen, deren Bildung selbst ein Instrument für
Fortschritte der Schwarzen ist.
Welch bedeutenderen Beitrag könnten Amerikaner leisten als
die finanziellen Möglichkeiten zu schaffen, damit ein benachteiligte'- südafrikanischer Student eine Ausbildung erhält? Und
was könnte uns als Amerikaner mehr mit Stolz erfüllen, als uns
in einer positiven Weise zu verbinden, um etwas «u tun"? Es
- 14 -

�tun? Es gibt innerhalb Südafrikas eine Reihe von privaten Organisationen, die Studenten auswählen könnten, welche dieser
Stipendien würdig sind.
Amerikanische Institutionen haben eine lanqe und positive
Tradition auf diesem Gebiet. Durch die südafrikanische Niederlassung des Internationalen Bildungsinstituts, die SACHED, ist
nichtweißen Südafrikanern direkt und indirekt dazu verholten
worden, Bildungsdefizite zu überwinden. Das Carle ton College
könnte mit Organisationen wie dieser Kontakte anknüpfen.
Praktische Ausbildung ist ein weiterer Weg, um Hilfe zu
leisten. Während unserer Sommerferien herrscht in Südafrika
Winter. Zwischen Mai und Juli findet in den dortigen Schulen
Unterricht statt. Studenten aus Carleton könnten sich durchaus
als Lehrkräfte zuc Verfügung stellen, besonders in Mathematik
und Natur Wissenschaften, wo es einen Mangel an ausgebildeten
Lehrern gibt. Oder eine amerikanische Institution wie das Carleton College könnte Lehrkräfte für ein innerschulisches AusbLidungsprogramm für Lehrer der Naturwissenschaften in Südafrika zur Verfügung stellen.
Ich glaube, daß die Amerikaner im Hinblick auf Südafrika
etwas Positives tun wollen, statt zu den Rassenspannungen oder
3en v/i c tschaf tlichen Schwierigkeiten beizutragen. Das ist die
auerikanische Art - helfen statt schaden; etwas Besseres ?..\
fördern, anstatt die Lage zu verschlechtern.
Dies ist der Grund, warum unsere Regierung versucht hat,
las von uns -tllen angestrebte positive Ziel im Auge zu behalten und ihre Ablehnung der Apartheid durch eine aktive Rolle
bei der Unterstützung des Wandels zu demonstrieren. Es geht
hier nicht einfach darum, eine tugendhafte Pose einzunehmen.
Wir haben einigen Einfluß; deshalb haben wir die moralische
Pflicht, ihn verantwortungsbewußt einzusetzen.
Dadurch, daß wir die Südafrikaner zur Aufnahme des politischen Dialogs ermutigen, sind wir Erbauer und keine Zerstörer.
Durch die Benutzung unseres wirtschaftlichen Gewichts im
Dienste des Fortschritts der Schwarzen verschaffen wir den
sch-r-ir;v:.;n Südafrikanern Möglichkeiten und Hoffnung.
Ich lade Sie dazu ein, uns bei diesen Bemühungen zu unterstützen .

* * * * *

- 15 -

�^eos&gt;

AMERIKA DIENST
Information

^,DN ^

4

29. Januar 1986

REAGAN FORDERT EIN ENDE DES MORDENS IN AFGHANISTAN
- Besuch von verwundeten afghanischen Kindern im Weißen Haus Washington -(AD)- Präsident Reagan, der von den Verletzungen afghanischer Kinder, die ihn kürzlich im Weißen Haus besuchten, sichtlich betroffen war, forderte ein "Ende des Mordens in Afghanistan".
Reagan traf am 24. Januar mit den afghanischen Kindern zusammen, die zu einer ärztlichen Behandlung von Saudi-Arabien
und der 'Freien afghanischen Allianz', einer privaten amerikanischen Gruppe freiwilliger Helfer, in die Vereinigten Staaten
gebracht worden waren.
Die zu diesem Anlaß vom Weißen Haus herausgegebene Presse-Erklärung hatte folgenden Wortlaut:
Der Präsident traf heute mit fünf afghanischen Kindern,
Opfern des andauernden Krieges der Sowjetunion gegen das Volk
von Afghanistan, zusammen. Die Kinder werden in den Vereinigten Staaten wegen schwerer Verwundungen und Verbrennungen behandelt, die ihnen bei den Kämpfen in ihrer Heimat zugefügt
worden waren. Sie wurden von der 'Freien Afghanischen Allianz'
in die Vereinigten Staaten gebracht, einer privaten Organisation freiwilliger Flelfer mit Sitz in Cambridge, die die Kinder
in einer Zweigstelle des Massachusetts General Hospital behandeln und mit Prothesen versehen lassen will.
Diese Kinder stellen eine schmerzvolle Erinnerung an die
tausende von anderen Kindern dar, die seit der sowjetischen
Besetzung Afghanistans getötet und verletzt worden sind und
(He keine oder nur sehr geringe Aussichten auf angemessene medizinische Behandlung haben. Die Regierung der Vereinigten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der Vereinigten Staaten stellt mit Unterstützung des Kongresses den Freiheitskämpfern und Opfern des sowjetischen Krieges
die finanziellen Mittel für eine humanitäre Hilfe, einschließlich medizinischer Ausbildung, zur Verfügung. Das amerikanische Volk, besonders Gruppen wie die 'Freie Afghanische Allianz' und das 'Kommitee für ein freies Afghanistan' haben Spenden gesammelt, um die Not der Flüchtlinge und all jener, die
in Afghanistan bleiben mußten, zu lindern. Aber die wahre Lösung des Problems muß politischer Natur sein und den vollst-1-' i
digen Rückzug sowjetischer Truppen einschließen, Bedingunger
für eine sichere Rückkehr der Flüchtlinge beinhalten und dem
afghanischen Volk das Recht auf Selbstbestimmung garantieren.
Nach dem Besuch der Kinder bei Präsident Reagan sagte der
Präsident der 'Freien Afghanischen Allianz', Dr. Scott Kramer,
gegenüber Reportern, daß fast drei Millionen Menschen durch
die Kämpfe in Afghanistan nach Pakistan, in fast einhundert
Flüchtlingslager, vertrieben worden sind. "Wir schätzen, daß
seit der sowjetischen Invasion mehr als 100.000 Kinder getötet
oder verstümmelt worden sind", sagte Kramer.
Kramer zitierte Präsident Reagan mit den Worten: "Wir müssen das Morden in Afghanistan beenden". Er erklärte gegenüber
dem Präsidenten, daß die fünf Kinder für hunderte von anderen
Kindern stehen, die verletzt wurden und sich nun in ärztlicher
Behandlung befinden. Er sagte, daß vierzehn weitere schwerverletzte Kinder auf den Transport in die Vereinigten Staaten
war ten.
Kramer stellte eins der Kinder, ein verbranntes Opfer, als
Gulranga vor, der Name bedeutet 'Kleine Blume Gottes'. Für
Gulranga sind eine Reihe von Operationen zur Wiederherstellung
ihres Gesichts vorgesehen, das von einer sowjetischen Brandbombe zerstört wurde. "Sie konnte ein Auge nicht zumachen und
lief Gefahr, ihr Augenlicht ganz zu verlieren", sagte er, "und
sie wird noch erhebliche plastische Chirurgie benötigen. Sie
können hier sehen, was eine Brandbombe einer kleinen Blume antun kann". Kramer meinte von Gulranga, daß sie "schliesslich
ganz gut aussehen werde".
Charles Brockunier, ein Vertreter der Allianz, beklagte,
daß die sowjetische Strategie in Afghanistan darin bestehe,
"Krieg gegen die Zivilbevölkerung zu führen, was eine Verletzung des Genfer Abkommens über Kriegsführung darstellt. Wir
appellieren an Gorbatschow, den Führer der Sowjetunion, falls
er ein Mann des Friedens ist: er soll es uns 1986 am Beispiel
Afghanistan zeigen ... er soll uns 1986 zeigen, daß er ein
Mann ist, der den Krieg beenden wird".
Laut Kramer kommt der Presse eine "Vermittlerrolle" dabei
zu, die Sowjetunion zu bewegen, keine Waffen in der Form von
Spielzeug mehr zu verwenden, die bereits Hunderte von Kindern

�von Kindern getötet und verstümmelt haben. Die sogenannten
Spielzeugbomben seien "eigens dazu konstruiert, ganze Dörfer
zu terrorisieren und die Menschen zu vertreiben". Er sagte
ferner, daß der Gebrauch des 'gelben Regens', "sei es ein berechtigtes Mittel der Kriegführung oder nicht" wegen der internationalen Presse-Berichterstattung eingestellt worden sei.
Kramer berichtete von Gesprächen mit Mitgliedern der Nationalen Sicherheitsbehörde "in der Hoffnung, daß sie jetzt eine
Kommission für Kriegsverbrechen einrichten würde, um alles
festzuhalten für den Tag der Abrechnung, der sicher kommen
wird".
Dr. Haschmatullah Mojaddidi, der die fünf Kinder, die zur
Behandlung in die Vereinigten Staaten gebracht wurden, ausgesucht hat, berichtete den Reportern, daß er bei Präsident Reagan um Waffen gebeten habe. "Sie sollten uns wirksame Waffen,
speziell Raketen gegen Geschütze und Hubschrauber, schicken,
um der schweren Bombardierung dieser Dörfer und Städte" durch
sowjetische Truppen entgegentreten zu können.
Der Arzt sagte, er habe auch um medizinischen Bedarf und
Nahrungsmittel nachgesucht. Er berichtete, Präsident Reagan
"drücke seine große Besorgnis über die Situation aus" und er
sagte, daß Washington jede mögliche humanitäre Hilfe zur Verfügung stellen will.
Der stellvertretenden Regierungssprecher Larry Speakes
sagte zu dieser Forderung nach Waffen, "wir diskutieren nie
unser System der Hilfe für die afghanischen Freiheitskämpfer
und werden das auch in Zukunft nicht tun".

* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
29. Januar

SOWJETISCHE

1986

PEN-KONGRESS:
SCHRIFTSTELLER WERDEN WEITERHIN VERFOLGT

Washington -(AD)- Trotz vorsichtiger Hinweise darauf, daß
in Zukunft im Kleinkrieg gegen nonkonformistische Schriftsteller in der Sowjetunion einige Erleichterungen in Aussicht seien, wird deren Los zur Zeit dennoch weiterhin von Verfolgung
und Inhaftierungen bestimmt. Dieser Tatbestand wurde beim
kürzlich abgehaltenen PEN-Kongress durch gut unterrichtete
Kreise bestätigt.
Der Kongress ging an einem Punkt speziell auf das von der
langen Verfolgung des kommunistischen Systems herrührende,
schwere Schicksal der Schriftsteller in der Sowjetunion ein.
Im Namen von sieben verhafteten sowjetischen Autoren, deren
Gesundheit - vielmehr, deren Überleben - gegenwärtig von den
Bedingungen ihrer Gefangenschaft bedroht ist, wurde ein Telegramm an den sowjetischen Führer Gorbatschow gesandt.
Im Rahmen einer im Verlauf des Kongresses abgehaltenen
Pressekonferenz diskutierten Vertreter von PEN mit emigrierten
russischen Schriftstellern über die Einzelheiten einer Reihe
von Fällen und deckten dabei auf, daß 59 Autoren aufgrund von
Aktivitäten, die im Zusammenhang mit ihrer Arbeit stehen, in
der Sowjetunion inhaftiert sind. Der PEN-Dokumentation zufolge
starben in der letzten zwei Jahren wenigstens vier Schriftsteller in Arbeitslagern.
Bei einem der bekanntesten dringlichen Fälle handelt es
sich um die 30jährige Dichterin, Physikerin und Dissidentin
Irina Ratuschinskaja, die sich seit zwei Jahren in einem sowjetischen Arbeitslager befindet. Nach Unterlagen von PEN hat

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�PEN hat sich die Gesundheit der Frau in dem Umfang verschlechtert, daß nunmehr ihr Leben in Gefahr ist.
Lew Timofejew, ein in Moskau geborener Dramatiker und
Essayist, dessen Arbeiten sowohl in der Sowjetunion offiziell als auch in russischen Emigrantenzeitschriften inoffiziell erschienen sind, wurde vor einem Jahr verhaftet und wegen "anti-sowjetischer Verleumdung und Propaganda" zu sechs
Jahren Arbeitslager sowie fünf Jahren Verbannung verurteilt.
Der 65jähriger ukrainische Dichter, Romancier und Essayist
Mikola Rudenko verbüßt wegen "anti-sowjetischer Agitation und
Propaganda" gerade 12 Jahre Haft und Verbannung. Rudenko, ein
ehemaliges Ehrenmitglied der Ukrainischen Schiftsteller-Vereinigung, engagierte sich in den frühen siebziger Jahren in der
internationalen Menschenrechtsbewegung und verlor bald darauf
seine Freiheit.
Mikail Maylach aus Riga wurde verhaftet und sowohl wegen
des Besitzes und der Verteilung ausländischer Bücher, speziell
solcher von in der Sowjetunion verbotenen Autoren, als auch
wegen des Zusammentreffens mit ausländischen, speziell englischsprachigen Gästen unter Anklage gestellt.
Obwohl die Anzahl der Fälle weiterhin zunimmt und Informationen zufolge 1984 und 1985 vier Schriftsteller in den Arbeitslagern des Gulag umgekommen sind, gibt es nach Angaben
einiger Autoren doch Anzeichen einer möglichen Verbesserung
der Situation.
Der anerkannte US-Dramatiker und ehemaliger Präsident des
PEN-Clubs, Arthur Miller, beschrieb Reportern gegenüber die
Situation als die des "angehaltenen Atems", um zunächst die
Ergebnisse im Nachgang des Gipfeltreffens zwischen Reagan und
Gorbatschow Ende 1985 abzuwarten.
Er beschrieb seine Erfahrungen in der Sowjetunion zur Zeit
des Gipfeltreffens, als er sich im Rahmen eines bereits seit
Jahrzehnten durchgeführten Austauschprogramms mit sowjetischen
Autoren traf.
Miller berichtete vom Zusammentreffen in Vilnius kurz vor
dem Gipfel, wo die Veranstaltung bald zu einem Affront gegen
die amerikanische Politik und Gesellschaft ausartete und mit
der angeblichen Absicht des Treffens, des "Bekanntwerdens miteinander und der Diskussion von Literatur" nichts mehr zu tun
hatte. Angesichts der Art und Weise der Diskussion legte der
amerikanische Dramatiker den Russen eine Liste von inhaftierten sowjetischen Schriftstellern vor und vor allem auch das
Dossier der internationalen PEN-Vereinigung über den Fall Ratuschinskaja.
Miller erinnerte
- 2 -

�Miller erinnerte sich, daß die Sowjets empört waren und
leugneten, daß es sich bei dem Fall der Frau um etwas anderes
als den einer Physikerin und Chemikerin handele. Aber er blieb
hartnäckig und forderte sie zu Nachforschungen auf.
Eine Woche später, nach dem Treffen zwischen den amerikanischen und sowjetischen Staatsoberhäuptern, ging der amerikanische Dichter Alan Ginsberg, der Miller nach Moskau und noch
weiter begleitet hatte, zur sowjetischen Sehriftsteller-Vereinigung, um die Verlängerung seiner Aufenthaltsgenehmigung sicherzustellen. Hier begegnete er Herrn Fedorenko, dem Leiter
der sowjetischen Delegation beim Treffen in Vilnius.
Fedorenko berichtete ihm, daß es ihm gelungen sei, sich
die Gedichte von Frau Ratuschinskaja zu beschaffen. "Ich gebe
zu, daß sie Schriftstellerin ist", sagte der sowjetische Beamte, "Ich habe mich geirrt. Sie ist keine besondere Schriftstellerin, aber sie ist eine Schriftstellerin". Er bemerkte,
daß er die Gedichte Vertretern der Sehriftsteller-Vereinigung
zugänglich machen wollte.
"Ich habe mich in gewisser Weise seit 1966 mit den Russen
beschäftigt", sagte Miller, "und dies ist das erste Mal, daß
ich es jemals erlebt habe, oder davon gehört habe, daß jemand
anders es erlebt hat, daß irgendein Offizieller diese Art von
Vorwurf auch nur in Erwägung gezogen hätte. Ich weiß nicht
was, oder ob überhaupt irgendetwas dabei herauskommen wird,
aber es ist schon ein Ereignis".
Miller wies auch darauf hin, daß er in seinen Gesprächen
mit Schriftstellern und ihm bekannten Theaterschauspielern einen Eindruck der Hoffnung gewonnen habe - ohne konkrete Anzeichen allerdings - daß Gorbatschow "die Lage gern etwas erleichtern" würde. Die große Frage dabei war aber, "ob er es
schaffen könnte, daß sich im Apparat irgendetwas bedeutend bewegt" .
Der bekannte russische Schriftsteller und einstige praktische Arzt Wassili Aksionow (52), der 1980 in die vereinigten
Staaten auswanderte, beschrieb einen weiteren hoffnungsvollen
Fall zweier Autoren und Redakteure, Felix Swietow und seiner
Frau Soja Krachmalnikowa, die wegen ähnlicher Aktivitäten in
bezug auf ihre kreative Arbeit einige Jahre lang getrennt voneinander inhaftiert waren. Frau Krachmalnikowa erhielt vor einiger Zeit ein hartes Urteil, während ihrem Mann nach seiner
jüngst erfolgten Verhaftung eine relativ milde Strafe auferlegt wurde.
"Dies ist das einzig positive Anzeichen - andere sehe ich
nicht", berichtete Aksionow gegenüber Reportern. Als Gegenbeispiel führte er den Fall Timofejews an, dessen Urteil er als
"eine völlig gnadenlose, sinnlose Verurteilung - nur für das
- 3 -

�für das Schreiben von Büchern" bezeichnete, "er arbeitete mit
keinem Menschenrechtskomittee zusammen, er hat lediglich umstrittene Bücher geschrieben". Aksionow führte darüber hinaus
den Fall Maylach als Beispiel dafür an, daß sich der gegenwärtige Zustand fortsetzt.
Weitere Hinweise dafür, daß erst die Zukunft eine mögliche
Entspannung bringen wird, liegen in der Tatsache, daß acht
sowjetische Autoren, die als Ehrengäste zum PEN-Kongress nach
New York eingeladen waren, um mit internationalen Meistern wie
Saul Bellow und Susan Sontag aus den Vereinigten Staaten, Mario Vargas Llosa aus Peru, Kobo Abe aus Japan, Nadine Gordiiner
aus Südafrika und Wang Meng aus China zusammenzutreffen, ihre
Teilnahme absagten.
Es gibt Anzeichen dafür, daß die sowjetischen Behörden gegen die Anwesenheit und Teilnahme von so bekannten russischen
Emigranten wie Aksionow, Sergeji Dowlatow und Joseph Brodsky
Einspruch einlegten. Aksionow meinte hingegen, daß die Anwesenheit von Vertretern baltischer Emigrantenverbände bei der
Konferenz auch eine Rolle gespielt haben könnte. Und überhaupt, fragte er, "welche Art von Kulturaustausch wollen sie
mit diesen Maßnahmen fördern"?
Der Präsident der französischen Abteilung des PEN-Clubs,
Rene Tavernier stellte fest, daß sowohl internationale als
auch individuelle Anstrengungen fortgesetzt werden, da diese
offensichtlich ihrem Zweck dienen. Seine Gruppe hat zehn der
am meisten gefährdeten russischen Schriftsteller, die sich im
Gefängnis oder im Exil befinden, adoptiert.
Um den weiterhin notwendigen internationalen Druck zu unterstreichen, berichtete Tavernier von einer Unterhaltung mit
einem aus der Sowjetunion ausgewiesenen Schriftsteller.
"Ich fragte ihn, ob all unsere Bemühungen irgendetwas nützen würden, oder ob es nur Lärm sei, der unser Gewissen beruhigt. Er sagte, daß auch Inhaftierte schließlich von den Bemühungen der Leute erfahren. Es kann eventuell für das Verhältnis zwischen den Gefangenen und der Lagerleitung nützlich
sein. Aber, was nach Aussage des Schriftstellers noch wichtiger ist: es gibt ihnen das Gefühl, in der Welt nicht allein
dazustehen" .
Tavernier sagte weiterhin: "Darum tun wir das, was wir
tun, auch wenn wir manchmal sehen, daß nichts passiert. Wir
müssen es tun. Diese Menschen verdienen unser Gefühl der Solidarität" .

�AMERIKA DIENST
'VON

^

Wissenschaft und Technik

29. Januar 1986

PLANET URANUS - WICHTIGER MARKSTEIN FÜR DIE FORSCHUNG
- Raumsonde VOYAGER 2 auf dem Weg zu neuen Aufgaben in der
Außenregion unseres Sonnensystems -

- (AD) - Die Ergebnisse der Beobachtung von Jupiter und
Saturn durch die amerikanischen PIONEER- und VOYAGER-Sonden
waren gewiß sensationell. Daß es aber möglich ist, mit einer
Raumsonde wie derzeit mit VOYAGER 2 selbst aus drei Milliarden
Kilometern Entfernung der astronomischen Forschung eine so gut
wie unbekannte Planetenwelt fotografisch und durch vielfältige
Meßdaten zu erschließen, zeugt von einer kaum abschätzbaren
Qualität der Technik. Ihr Einsatz ist jedoch nur sinnvoll auf
der Grundlage einer detaillierten Kenntnis der Gesetze der
Himmelstechnik, der Gravitationskräfte der Körper im Raum und
deren Ausnutzung für eine präzise Kursführung.
Nun hat VOYAGER 2 mit seinem Vorbeiflug an Uranus (24/25.
Januar 1986) die Wissenschaftler auch mit diesem Planeten, dem
drittgrößten im Sonnensystem, bekannt gemacht. Zwar kommen
die Funksignale der Raumsonde unvorstellbar schwach hier an,
brauchen derzeit zwei Stunden und 45 Minuten bis zur Erde, und
mit wachsender Entfernung künftig sogar noch länger. Sie
bringen Informationen aus einer Region, die über 20mal weiter
von der Erde entfernt ist als die Sonne. Die Ausgangsleistung

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die Ausgangsleistung des Bordsenders, der seine Betriebsenergie aus einer Nuklearbatterie bezieht, beträgt nicht mehr als
20 Watt. Allein das Ausfiltern der VOYAGER-Funkzeichen aus
der elektromagnetischen Wellenflut um unseren Planeten und ihre Verstärkung bis zu dem Punkt, wo eine Bewertung und Deutung
durch Fachleute möglich wird, ist eine Meisterleistung für
sich.
Instrumente noch immer intakt
Mehr als acht Jahre sind seit dem Start von VOYAGER 2 (20.
August 1977) vergangen. Den elf Instrumenten an Bord hat jedoch der Flug durch den Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, das Strahlen- und Materienbombardement am Jupiter (Juli
1979) und am Saturn (August 1981) offenbar nichts anhaben können. Das zeigt die erste Übersicht von Bildern und Meßdaten
vom Uranus, aufgenommen und gesendet aus dem "Nahbereich" in
ca. 82 000 km Abstand vom Planeten. Die eigentliche Datenflut
kommt sowieso erst noch. Mit den Analysen, die Aufschluß über
die tatsächliche Natur des Uranussystems geben sollen, werden
die Forscher monate-, ja jahrelang beschäftigt sein.
Individualist
Auf Fotos, die von der Erde aus gemacht werden, erscheint
Uranus als grünlich-blau leuchtendes Objekt mit etwas unscharfem Rand. Die Oberfläche unauffällig - es sind keine Strömungsvorgänge in der dichten Atmosphäre zu erkennen, die z.B.
Hinweise auf die Rotationsgeschwindigkeit oder Rotationsrichtung geben könnten. So werden von manchen Forschern anhand
spektroskopischer Messungen 12, von anderen zwischen 16 und 24
Stunden als Dauer einer Umdrehung vermutet. Wie kurz vor dem
VOYAGER-Rendezvous mit Uranus Programm-Manager Earl Montaya
auf einer Pressekonferenz in Washington berichtete, werde angenommen, daß der Planet mit seinem Ring- und Satellitensystem
von der Erde aus gesehen entgegen dem Uhrzeigersinn rotiert.
Die Lage der Planetenachse ist ungewöhnlich und nach bisherigen Erkenntnissen einzigartig im Sonnensystem. Im Gegensatz zu den anderen acht Planeten steht die Rotationsachse des
Uranus nicht senkrecht zur Ekliptik, d.h. der Umlaufebene um
die Sonne. Vielmehr rollt der Planet gewissermaßen auf der
Seite durchs All. Die Pole heben sich mit nur acht Grad Winkelabstand (statt der üblichen Winkel von oder nahe 90 Grad)
von der Ober- und Unterseite der Bahnebene ab. So kommt es,
daß zur Zeit - von Erde und Sonne aus gesehen - das Südpolgebiet direkt im Blickfeld liegt. Die Halbkugel jenseits des
'Äquators mit der Nordpolregion bildet die Nachtseite und ist
- 2 -

�und ist nicht zu sehen. Bei der Umlaufzeit von 84 Jahren des
Uranus um die Sonne beginnt für die Nordhälfte erst in etwa
zwei Jahrzehnten wieder "Dämmerung" und "Tag", und dies für
die Zeitspanne von 42 Jahren. Die Südhalbkugel wird sich dann
im Dunkeln befinden.
Fünf Monde waren in der "Vor-VOYAGER-Zeit", d.h. bis zum
Beginn der intensiven Beobachtung der Sonde ab November 1985,
aufgrund von Fernrohraufnahmen bekannt. Oberon, mit 1630 Kilometern Durchmesser der größte dieser Monde, umkreist Uranus
in ca. 670 000 km Abstand vom Planetenzentrum und bilden den
Abschluß des Systems. Dann folgen Titania (Durchmesser ca.
1600 km, A80 000 km Abstand), Umbriel (Durchmesser ca. 1100
km, Abstand 293 000 km), Ariel (Durchmesser ca. 1300 km, Abstand 213 000 km) und schließlich Miranda (Durchmesser ca. 500
km, Abstand etwa 140 000 km). Knapp 30 000 km unterhalb des
Mondes und ca. 82 000 km über der Wolkenobergrenze des Planeten durchflog VOYAGER 2 die Rotationsebene des Trabantensystems auf leicht schrägem Kurs.
Sie steht auf der Ekliptik nahezu senkrecht. Und dies war
der Grund dafür, daß aufgrund der Flugrichtung des VOYAGER für
seinen Durchgang (mit einer Geschwindigkeit von ca. 64 000
km/Stunde) und damit auch für Aufnahmen und Messungen vor Ort
nur wenige Stunden zur Verfügung standen. Angesichts der
schlechten Lichtverhältnisse in der großen Sonnenferne waren
die Aufnahmebedingungen ohnehin noch wesentlich ungünstiger
als beispielsweise am Saturn. Durch längere Belichtungszeit
mit gleichzeitigem Gegendrehen der Instrumentenplattform versuchte man diesen Nachteil so weit wie möglich auszugleichen.
Auch das Ringsystem ist in diese Rotationsebene eingebettet. Es liegt noch näher am Planeten und endet bereits 26 000
km über der Wolkenobergrenze. Zwischen ihm und Miranda folgte
VOYAGER 2 am 24. Januar 1986 seiner Bahn.
Zehn neue Monde, ein weiterer Ring entdeckt
Schon am 8. Januar 1986 hatten während des Anflugs auf
Uranus die Bordkameras einen sechsten Mond im Bild erfaßt. Er
hat 56 km Durchmesser und umkreist den Planeten ca. 60 000 km
über der Wolkenobergrenze, d.h. in ca. 85 800 km Abstand vom
Planetenzentrum. Das Auftauchen eines so relativ kleinen Körpers in diesem Bereich, 32 000 km außerhalb des Ringsystems
mit den bis dahin bekannten neun Ringen, brachte zunächst einige Verwirrung. Man hatte die Existenz weiterer Monde vermutet. Jedoch war analog zu den Erfahrungen aus der Beobachtung
des Saturn und seines Ringsystems angenommen worden, daß
Kleinstmonde auf dieses beschränkt seien. Wie beim Ringsystem
- 3 -

�beim Ringsystem des Saturn weisen nämlich auch die Ringe des
Uranus scharf abgegrenzte Konturen auf. Dies ist ein Hinweis
auf das Vorhandensein sehr kleiner Trabanten, die infolge komplexer mechanischer Wechselwirkungen mit den Ringpartikeln im
Randbereich diese daran hindern, abzudriften und sich aus dem
Verband zu lösen. Die Kleinstmonde in Planetenringen werden
mit Hirtenhunden verglichen, die die Schafherde zusammenhalten
Ul, wie der zuerst entdeckte neue Uranus-Mond vorläufig
bezeichnet wird, gehört offenbar nicht zu dieser Kategorie.
Aber bei den meisten der weiteren neun, die mit Hilfe von
VOYAGER 2 inzwischen gefunden wurden, scheint dies der Fall zu
sein. Auch ein weiterer Ring, der zehnte im System, wurde als
dünner Strich auf den Fotos erkennbar. Von der Erde aus gesehen erscheinen die Uranusringe als dunkle Objekte. VOYAGER 2
konnte zeigen, daß sie zwar von erheblich geringerer Leuchtkraft als die des Saturn sind, sich aber in der Farbe doch
voneinander unterscheiden.
D ie Au fnahmen von Ura nus aus der letzt en Phase währ end des
Anflu gs ma chen de utlich, daß die Atmo sphär e in der Polr egion
sehr wohl "Strukt ur" besi tzt, di e auf Strö mungsvor gänge
schli eßen läßt, Erst die Auswer tung der R adiosign ale k ann zu
Aussa gen d arüber führen. VOYAGE R 2 s andte sie aus , damit
Struk tur, Dichte und Druc kverhäl tniss e in der Atmo sphär e sowie
Masse und Schwere feld des Planet en Ur anus untersuc ht we rden
könne n. M it eine m Ultrav iolett- Spekt romet er hofft e man die
Verte ilung von Ha uptbesta ndteile n der Atmo sphäre z u erm itteln.
Bishe rige Ergebni sse steh en im G egens atz z u den Vo rauss agen,
denen zufol ge vor allem Wa ssersto ff un d Hei ium (let ztere s zu 40
Proze nt) z u erwar ten sein sollte n. D ie ta tsächlic he He liumKonze ntrat ion lie gt bei h ochsten s 15 Proze nt - ein Resu ltat,
das U ranus zu ein em beson ders in teres sante n Objekt im S onnensyste m mac ht. Au ch auf d er Sonn e ist Heli um in di esem Anteil
vorha nden, nicht aber bei m Jupit er, d er ja als "kl einer Bruder" der S onne gi lt, weil er meh r Energie abgibt a ls au fnimmt.
So kö nnte das Stu dium der Uranus -Atmo sphär e gewiss e Hin weise
auf d ie Zu sammens etzung d er Mate riene bei g eben, au s denen sich
Sonne und Planete n konden sierten
Angesichts der Position der Rotationsachse des Planeten
Uranus wird von manchen Wissenschaftlern vermutet, daß es irgendwann zu einer Kollision mit einem großen Objekt gekommen
sein könnte, die Uranus gewissermaßen umgekippt hat. Übrigens
sind auf den Großmonden Oberon und Titania Krater, ähnlich wie
beim Erdmond oder den Planeten Merkur und Mars, zu erkennen.
Auf einer Oberon-Aufnahme wurde außerdem eine ansehnliche Erhebung ausgemacht. Ob bzw. inwieweit Vulkanismus oder andere
Vorgänge eine Rolle dabei spielten, harrt noch der Untersuchung. Auch fällt auf, daß die Oberfläche der anderen Großmonde nahezu strukturlos erscheint. Weshalb, ist bisher unklar.
Magnetfeld - ja

�Magnetfeld - ja oder nein?
Bis zuletzt wurde herumgerätselt, ob Uranus ein Magnetfeld
besitzt oder nicht. Erst als VOYAGER 2 am 23. Januar 1986 die
"Bugwelle" der Magnetosphäre passierte, jene Zone also, wo der
Sonnenwind mit einem Magnetfeld kollidiert, war die Bestätigung für seine Existenz gegeben. Nach den vorläufigen Erkenntnissen ist aber seine Position ganz ungewöhnlich. Denn
die Achse zwischen den magnetischen Polen ist gegen die Achse
der geographischen Pole um 55 Grad geneigt. Dieser Umstand
bringt neue und ganz spezielle Gesichtspunkte für Ionisationsvorgänge in Atmosphäre und Ringsystem auf den Plan. Die Stärke des Magnetfeldes dürfte etwa ein Drittel so groß sein wie
die des Erdmagnetfeldes.
Nächstes Ziel:

Neptun

Noch bis Mitte Februar 1986 wird VOYAGER 2 das Uranussystem im "Gegenlicht" beobachten, da von der Sonde aus gesehen,
die sich jetzt im Außenbereich unseres Sonnensystems entfernt,
die Sonne hinter dem Planeten steht. Am 25. August 1989 ist
die Begegnung mit dem vorletzten Außenplaneten, dem Neptun, zu
erwarten. Und dann beginne, so Projektmanager Montoya, ein
neues großes Abenteuer - die Sondierung der unbekannten Grenzzone unseres Sonnensystems.
"Wir wissen nicht, wo diese Grenzzone liegt", sagte der
Wissenschaftler. "Die Theorie besagt, daß unser Sonnensystem
wandert und wahrscheinlich von einer 'Blase' umgeben ist, einem Regentropfen vergleichbar. Vom Innern dieses Tropfens
drückt der Sonnenwind gegen die Wandung, von außen drücken die
Kräfte anderer Sternsysteme. Es dürfte eine deutliche Grenzzone vorhanden sein, die 'Heliopause'. Wenn wir diese passieren, dann erst verlassen wir das Sonnensystem." Aber noch
keine der beiden PIONEER-Sonden - PIONEER 19 ist inzwischen
sechs Milliarden Kilometer von der Erde entfernt - hat den
Eintritt in diese Zone bisher gemeldet.

- 5 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9714">
                <text>29.01.1986</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9715">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9716">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13551">
                <text>Amerikadienst 29.01.1986</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13552">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Trauer um Tod der "CHALLENGER-Astronauten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des amerikanischen Präsidenten nach Explosion der Raumfähre -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;NATO zur Vorlage eines Abkommens bei der KVAE in Stockholm bereit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des amerikanischen KVAE-Delegationsleiters Barry - (Auszüge)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA appellieren an Pretoria: Freilassung Mandelas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Unterstaatssekretär Michael Armacost -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert ein Ende des Mordens in Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Besuch von verwundeten afghanischen Kindern im Weißen Haus -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;PEN-Kongress: Sowjetische Schriftsteller werden weiterhin verfolgt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Planet Uranus - wichtiger Markstein für die Forschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Raumsonde VOYAGER 2 auf dem Weg zu neuen Aufgaben in der Außenregion unseres Sonnensystems -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2230" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2241">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/c8fc61080a029f482899de47bd6e8914.pdf</src>
        <authentication>707728c96bc83a4c0b7152ffdcbe487c</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11362">
                    <text>&lt;^ e Sv?^

ciniGrikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

. « -: •

•&amp;-'

• &lt;y

,&lt;v

29. Januar 1992

V
^ &lt;*&lt;?

BERICHT ZUR LAGE
DER NATION

BUSH ERLÄUTERT NEUE WELTORDNUNG,
PLÄNE ZUR WIRTSCHAFTLICHEN
ERHOLUNG
Bericht des Präsidenten zur Lage der Nation

GUS-HILFE

BUSH DRÄNGT AUF WELTWEITE HILFE
FÜR EHEMALIGE SOWJETREPUBLIKEN
Rede des Präsidenten bei der GUS-Konferenz
BAKER: WELTWEITE HILFE FÜR EHEMALIGE
SOWJETUNION ERFORDERLICH
Rede des US-Außenministers
bei Koordinierungskonferenz
HILFE DER USA FÜR EHEMALIGE
SOWJETREPUBLIKEN
Eine Übersicht des US-Außenministeriums
DIE AMERIKANISCHE HILFE FÜR DIE
EHEMALIGE SOWJETUNION
Eine Übersicht der US-Regierung

LIBYEN

PICKERING: UN-ABSTIMMUNG "KLARES
SIGNAL" AN LIBYEN
Erklärung im UN-Sicherheitsrat

PORTRAT

CARD ALS"MACHER"BEKANNT
Porträt des nominierten Verkehrsministers

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�BERICHT ZUR

LAGE

DER

NATION
29. Januar 1992

BUSH ERLÄUTERT NEUE WELTORDNUNG,
PLÄNE ZUR WIRTSCHAFTLICHEN ERHOLUNG
Bericht zur Lage der Nation
WASHINGTON - (AD) - Nach dem Ende des kalten Krieges und "dem Verschwinden des imperialen
Kommunismus" hat Präsident Bush jetzt eine Reihe von Kürzungen bei den amerikanischen Kernwaffen
angekündigt, um zur Erlangung einer friedlichen neuen Weltordnung beizutragen.
In seiner Rede zur Lage der Nation erläuterte der Präsident darüber hinaus kurzfristige Pläne für Steuersenkungen und geplante Ausgaben zur Ankurbelung der Wirtschaft sowie längerfristige Maßnahmen zur Sicherung der
amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit in der Weltwirtschaft.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bushs Rede zur Lage der Nation im Wortlaut.
Herr Vorsitzender, Herr Präsident, ehrenwerte Mitglieder des Kongresses, verehrte Gäste und Mitbürger,
ich möchte heute abend von großen Dingen sprechen,
von großen Veränderungen und den Aussichten, die
sie bieten, sowie von einigen großen Problemen und
darüber, wie wir sie zusammen lösen und unser Land
als unbestrittene Führungsmacht dieses Zeitalters nach
vorne bringen können.
Wir versammeln uns heute abend hier an einem dramatischen und äu ßerst vielversprechenden Zeitpunkt
in unserer Geschichte und der Geschichte der Menschheit.
Denn in den vergangenen zwölf Monaten hat die Welt
Veränderungen nahezu biblischen Ausmaßes erlebt.
Und selbst heute, Monate nach dem gescheiterten
Staatsstreich, der einem gescheiterten System den
Todesstoß versetzte, bin ich mir nicht sicher, ob wir die
Auswirkungen und die Bedeutung des Geschehenen
vollständig erfaßt haben. Aber der Kommunismus ist
in diesem Jahr gestorben.
Obwohl ich mich als Präsident in der bestmöglichen
Ausgangsposition befinde, gab es Zeiten, in denen ich
mich so engagiert der Bewältigung dieses Wandels
und der Führungsrolle bei diesen Veränderungen
gewidmet habe, daß ich nicht immer die Freude zeigte,
die ich in meinem Herzen empfand.
Aber das größte, was in der Welt zeit meines Lebens
- zeit unseres Lebens - geschah, ist dies: Durch die
Gnade Gottes hat Amerika den kalten Krieg gewonnen.
AMERIKA DIENST 4

Ich möchte heute abend über die Veränderungen
sprechen, die in unserem Lande nun stattfinden können, da wir nicht mehr die Opfer bringen müssen, die
wir zu bringen hatten, als wir eine Supermacht zum
erklärten Gegner hatten. Heute können wir uns noch
mehr auf unser Land selbst konzentrieren und uns
anschicken, richtigzustellen, was richtig gestellt werden muß.
Ich werde über diese Dinge sprechen. Aber ich möchte
Ihnen noch etwas mitteilen, was mir in den vergangenen Monaten durch den Sinn ging. Es handelt sich
dabei um eine Art Ehrenappell. Denn der kalte Krieg
ist nicht einfach zu Ende gegangen - er bedeutete
Arbeit.
Und ich denke an all diejenigen, die ihn gewonnen
haben, an Orten wie Korea und Vietnam. Und einige
von ihnen kamen nicht zurück. Damals waren sie
Helden, aber in diesem Jahr wurden sie, was sie
damals noch nicht wissen konnten: Sieger.
Der lange Appell - all die einfachen Soldaten und
Soldatinnen, all diejenigen, die loyal für die Freiheit
kämpften, die zu Boden gingen, den Staub einatmeten
und ihren Teil der Schrecken erlebt haben.
Dies mag leichtfertig klingen - ich meine es aber nicht
so -, aber es bewegt mich tief, wie die Welt sie sah.
Die Welt sah nicht nur ihren besonderen Mut, sondern
auch ihren besonderen Stil - ihre lärmende, optimistische Tapferkeit, ihre Einigkeit auf Leben oder Tod, die
nicht durch Klasse, Rasse oder Religion eingeschränkt
wurde. Was für eine Gruppe haben wir nun schon seit
Seite 1

�Generationen hervorgebracht - von denen, die "Kilroy
was Here" auf die Mauern deutscher Stalags schrieben bis zu denjenigen, die in der irakischen Wüste
Schilder mit der Aufschrift "I Saw Elvis" hinterließen.
Welch eine Gruppe junger Menschen haben wir in die
Welt entsandt.
Und noch jemand verdient besondere Erwähnung obwohl dies unangebracht erscheinen mag. Ich meine
eine Masse von Menschen, die als Der Amerikanische
Steuerzahler bezeichnet wird. Niemand kommt je auf
den Gedanken, den Menschen zu danken, die die
Rechnungen eines Landes oder die Rechnungen eines Bündnisses bezahlen. Aber seit einem halben
Jahrhundert hat das amerikanische Volk jetzt die Last
getragen und höhere Steuern bezahlt als nötig gewesen wäre, wenn der imperiale Kommunismus nie existiert hätte.

Der kluge Einsatz von Macht brachte viel Gutes zustande. Und viel Gutes kann daraus entstehen: Eine
einstmals in zwei bewaffnete Lager geteilte Welt erkennt heute eine einzige und überragende Macht an:
die Vereinigten Staaten von Amerika.
Und sie tut dies ohne Furcht. Denn die Welt vertraut
unserer Macht - und die Welt hat recht. Sie vertraut auf
unsere Fairneß und Zurückhaltung, sie vertraut uns,
daß wir auf der Seite der Anständigkeit sind. Sie
vertraut uns das zu tun, was richtig ist.

Aber er hat existiert.

Ich benutze diese Worte mit gutem Grund. Wenige
Tage nach Ausbruch des Krieges erhielt ich ein Telegramm von Joanne Speicher, der Frau des ersten im
Golfkrieg getöteten Piloten, Korvettenkapitän Scott
Speicher. Selbst inmitten der Trauer wollte sie mich
wissen lassen, daß sie ihren Kindern eines Tages,
wenn diese alt genug sind, sagen wird: "...ihr Vater zog
in den Krieg, weil es das Richtige war.".

Aber er existiert nicht mehr.

Sie hat den Kern getroffen. Es war das Richtige.

Und dies ist eine Tatsache, der die Welt meines
Erachtens Rechnung tragen sollte: Der amerikanische Steuerzahler hat die Hauptlast getragen und
verdient einen großen Anteil an der Ehre.

Und wir taten es gemeinsam. Es gab hier in dieser
Kammer ehrliche Meinungsverschiedenheiten. Aber
als der Krieg begann, haben Sie die Parteizugehörigkeit zurückgestellt und unsere Truppen unterstützt.

Und deshalb stehen unsere strategischen Bomber
zum ersten Mal seit 35 Jahren am Boden. Sie befinden
sich nicht mehr rund um die Uhr im Alarmzustand.
Morgen werden unsere Kinder zur Schule gehen und
Geschichte studieren oder lernen, wie Pflanzen wachsen. Und sie werden nicht, wie das bei meinen Kindern
noch der Fall war, an Luftschutzübungen teilnehmen,
bei denen sie unter ihre Pulte kriechen und ihre Köpfe
vor einem Atomangriff schützen müssen. Meine Enkel
müssen das nicht tun, und sie werden nicht die Alpträume haben, die Kinder dereinst, in vergangenen Jahrzehnten hatten. Es gibt immer noch Bedrohungen.
Aber die lange, permanente Angst ist vorüber.

Dies ist immer noch eine Zeit, um stolz zu sein - aber
dies ist kein Augenblick zum Prahlen. Denn wir sind
mit Problemen konfrontiert, und wir müssen erneut
zusammenstehen, um sie zu lösen - und unser Land
nicht im Stich lassen.

Vor einem Jahr habe ich an diesem Abend zu einem
Zeitpunkt großer Gefahr zu Ihnen gesprochen. Die
amerikanischen Streitkräfte hatten gerade die Operation Wüstensturm eingeleitet. Und nach vierzig Tagen
am Himmel über der Wüste und vier Tagen am Boden

haben die Männer und Frauen der amerikanischen
Streitkräfte gemeinsam mit unseren Verbündeten die
von mir erklärten und von Ihnen unterstützten Ziele
erreicht: Wir befreiten Kuwait.
Bald danach setzten sich die arabische Welt und Israel
zu ernsthaften und umfassenden Friedensgesprächen
zusammen - zum ersten Mal in der Geschichte. Und
bald darauf, am Weihnachtsfest, kehrten die letzten
amerikanischen Geiseln heim. Unsere Politik wurde
bestätigt.

Seite 2

Vor zwei Jahren begann ich mit den Planungen zur
Kürzung der Militärausgaben, in denen sich die Veränderungen dieses neuen Zeitalters widerspiegeln. Jetzt
jedoch, in diesem Jahr, kann dieser Prozeß nach dem
Verschwinden des imperialen Kommunismus beschleunigt werden.
Heute abend kann ich Ihnen über dramatische Veränderungen bei unseren strategischen Nuklearstreitkräften berichten. Dies sind Maßnahmen, die wir unabhängig ergreifen - weil sie das Richtige sind.
Nach der Fertigstellung von 20 Flugzeugen, mit deren
Beschaffung wir begonnen haben, werden wir die
weitere Produktion des B-2 Bombers einstellen. Wir
werden das Programm für die kleine Interkontinentalrakete (ICBM) beenden. Wir werden die Produktion
der neuen Gefechtsköpfe für unsere seegestützten
ballistischen Raketen einstellen. Wir werden die Herstellung der Peacekeeper-Rakete stoppen, und wir
werden keine weiteren modernen Marschflugkörper
beschaffen.

AMERIKA DIENST 4

�Ich werde an diesem Wochenende in Camp David mit
Boris Jelzin von der Russischen Föderation zusammentreffen. Ich habe Präsident Jelzin mitgeteilt, daß
ich folgendes tun werde, wenn die Gemeinschaft - die
ehemalige Sowjetunion - alle landgestützten ballistischen Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen beseitigt:
Wir werden alle Peacekeeper-Raketen beseitigen. Wir
werden die Zahl der Gefechtsköpfe auf unseren Minuteman-Raketen auf einen reduzieren und die Zahl der
Gefechtsköpfe auf unseren seegestützten Raketen
um ein Drittel verringern. Ferner werden wir einen
erheblichen Teil unserer strategischen Bomber für
vorrangig konventionelle Einsätze umrüsten.
Präsident Jelzins erste Reaktion war sehr positiv, und
ich erwarte, daß unsere Gespräche in Camp David
fruchtbar sein werden.
Ich möchte sie wissen lassen, daß sich amerikanische
Präsidenten seit einem halben Jahrhundert danach
sehnen, solche Entscheidungen zu treffen und solche
Worte zu sprechen. Aber selbst inmitten des Feierns
müssen wir als Freund auf der Hut sein.

Manche sagen, wir könnten uns nun von der Welt
abwenden, wir hätten keine besondere Rolle, keinen
besonderen Platz.
Aber wir sind die Vereinigten Staaten von Amerika, die
Führungsmacht des Westens, die zur Führungsmacht
der Welt geworden ist.
Solange ich Präsident bin, werden wir weiterhin unsere
Führungsrolle bei der Unterstützung der Freiheit überall ausfüllen - nicht aus Arroganz und nicht aus Altruismus, sondern um der Sicherheit und des Schutzes
unserer Kinder willen.
Dies ist eine Tatsache: Stärke beim Streben nach
Frieden ist keine Untugend. Isolationismus beim Streben nach Sicherheit ist keine Tugend. Heute bestehen
unsere Probleme im Inland. Nicht alle sind ökonomischer Natur, aber das vordringliche Problem ist unsere
Wirtschaft. Es gibt einige gute Anzeichen: die Inflation, dieser Dieb, ist gering, und die Zinssätze sind
niedrig. Aber die Arbeitslosigkeit liegt zu hoch, einige

Industriebereiche haben Probleme, und das Wachstum ist nicht so, wie es sein sollte.

Denn die Welt ist immer noch ein gefährlicher Ort. Nur
für die Toten sind alle Konflikte beendet. Und obgleich
die Herausforderungen von gestern hinter uns liegen,
entstehen jetzt die von morgen.

Ich möchte Ihnen gleich von Anfang an und aus
tiefstem Herzen versichern: Ich weiß, daß wir harte
Zeiten erleben, aber ich weiß auch noch etwas anderes: Dies wird nicht Bestand haben.

Der Verteidigungsminister hat mir nach Konsultationen mit den Vereinigten Stabschefs diese Kürzungen
empfohlen. Und ich führe sie in vollem Vertrauen
durch. Aber mißverstehen Sie mich nicht:

Meine Freunde in dieser Kammer: Wir können für die
Wirtschaft ebensoviel Mut und ebensoviel Zielstrebigkeit aufbringen wie für Wüstensturm. Und gemeinsam
können wir die harten Zeiten überwinden.

Die von mir genehmigten Kürzungen werden in den
nächsten fünf Jahren 50 Milliarden Dollar einsparen.
Bis zum Jahre 1997 werden wir den Verteidigungshaushalt seit meinem Amtsantritt um 30 Prozent reduziert haben. Dies sind einschneidende Kürzungen,
und Sie sollten meine Entschlossenheit kennen: Bis
hierhin und nicht weiter.

Ich glaube, daß Sie dabei helfen werden. Ein Grund
dafür ist, daß Sie Patrioten sind und das Beste für Ihr
Land wollen. Und ich glaube, daß Sie im Grunde Ihrer
Herzen die Parteipolitik außer acht lassen und die
Aufgabe erfüllen wollen - weil es das Richtige ist.

Weniger zu tun, hie ße, sich dem Fortschritt in den Weg
zu stellen - aber mehr tun, hieße, die Geschichte außer
acht zu lassen.
Wir dürfen nicht wieder zu den Tagen der "hohlen
Armee" zurückkehren. Wir können die Fehler nicht
wiederholen, die wir in diesem Jahrhundert bereits
zweimal gemacht haben, als Waffenstillstand von
Rücksichtslosigkeit gefolgt und die Verteidigung so
sehr geschwächt wurde als ob die Welt auf Dauer
sicher sei.
Ich erinnere Sie heute abend daran, daß ich um Ihre
Unterstützung für die Finanzierung eines Programms
gebeten habe, um unser Land vor einem begrenzten
Angriff mit Kernwaffen zu schützen. Wir brauchen
diesen Schutz, weil zu viele Menschen in zu vielen
Ländern Zugang zu Kernwaffen haben.

AMERIKA DIENST 4

Die Macht Amerikas beruht auf einer bewegenden,
aber einfachen Idee: Daß Menschen große Dinge
vollbringen werden, wenn man ihnen nur die Freiheit
läßt.
Nun, wir werden die Wirtschaft befreien, denn, wenn
dieses Zeitalter der Wunder und erstaunlichen Ereignisse uns irgend etwas gelehrt hat, dann, daß wir,
wenn wir die Welt verändern können, auch Amerika
verändern können.
Wir müssen zu Investitionen ermutigen. Wir müssen
es einfacher machen, zu investieren und neue Produkte, neue Industrien und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Wir müssen Wachstumshindernisse aus dem
Weg räumen - hohe Steuern, zu viele Vorschriften,
Bürokratie und, jawohl, verschwenderische Staatsausgaben.

Seite 3

�Nichts davon wird im Handumdrehen geschehen aber es wird geschehen. Und die Feuerprobe für einen
Plan besteht nicht darin, ob er als neu oder glänzend
bezeichnet wird. Das amerikanische Volk läßt sich
nicht durch Tricks beeindrucken: es ist in dieser
Hinsicht wesentlich klüger als irgend jemand in diesem
Hause. Die einzige Probe für einen Plan ist folgende:
Ist er solide, und wird er funktionieren?

zurück in unsere Wirtschaft fließen - Geld, das die
Menschen dazu verwenden können, Kleidung, das
College oder ein neues Auto zu bezahlen.
Schließlich werden wir in Zusammenarbeit mit der
Zentralbank weiterhin eine Geldpolitik unterstützen,
die sowohl Zinssätze als auch Inflation niedrig hält.

Wir müssen einen kurzfristigen Plan haben, um unsere
unmittelbaren Erfordernisse zu erfüllen und die Wirtschaft anzukurbeln. Und wir benötigen einen langfristigen Plan, um den Motor in Schwung zu halten und
unseren Platz in der Weltwirtschaft zu gewährleisten.

Dies sind die Dinge, die ich tun kann. Und nun,
Mitglieder des Kongresses, möchte ich Ihnen sagen,
was Sie für Ihr Land tun können. Sie müssen die
anderen Elemente meines Plans verabschieden, um
unsere vordringlichen wirtschaftlichen Erfordernisse
zu erfüllen.

Es gibt gewisse Dinge, die der Präsident ohne den
Kongreß tun kann - und ich werde sie tun.

Jeder weiß, daß Investitionen die Erholung beschleunigen.

Ich habe heute abend wichtige Ministerien und Behörden angewiesen, ein 90tägiges Moratorium für neue
Bundesvorschriften zu erlassen, die das Wachstum
behindern könnten. In diesen 90 Tagen werden wichtige Ministerien und Behörden eine vollständige Überprüfung aller Vorschriften, alter und neuer, vornehmen
- um diejenigen zu stoppen, die das Wachstum behindern und diejenigen zu beschleunigen, die das Wachstum fördern werden.

Ich schlage heute abend eine Änderung beim alternativen Mindeststeuersatz sowie die Schaffung eines
neuen 15prozentigen Steuertreibetrags für Investitionen vor. Damit werden Unternehmen ermutigt, mehr
zu investieren und wieder mehr Arbeitskräfte einzustellen.

Darüber hinaus sage ich den ungezählten hart arbeitenden, pflichtbewußten amerikanischen Arbeitnehmern und Geschäftsleuten, die gezwungen wurden,
ohne benötigte Darlehen auszukommen: Der Engpaß
bei den Bankdarlehen muß beendet werden. Ich
werde meine Verantwortung für solide Vorschriften,
die dem öffentlichen Wohl dienen, nicht vernachlässigen, aber der Overkill durch gesetzliche Vorschriften
muß aufgehalten werden.
Und ich habe die Verantwortlichen in der Regierung
angewiesen, ihn aufzuhalten.
Ich habe Ministerien und Behörden angewiesen,
wachstumsfördernde Ausgaben so schnell wie möglich zu beschleunigen. Damit sollten in den nächsten
sechs Monaten weitere 10 Milliarden Dollar in unsere
Wirtschaft fließen. Und unser neues Verkehrsgesetz
sieht über 150 Milliarden Dollar für Bau- und Instandhaltungsmaßnahmen vor, die für unser Wirtschaftswachstum und unseren Wohlstand lebenswichtig sind.
Das bedeutet Arbeitsplätze im Straßenbau, Brückenbau und Eisenbahnbau.
Ich habe den Finanzminister heute abend angewiesen, die Lohnsteuertabellen zu ändern. Mit dieser
Änderung können Millionen von Amerikanern, von
denen die Regierung mehr Steuern als notwendig
einbehält, nun entscheiden, daß die Regierung von
ihrem Gehalt weniger als vorher abzieht. Ich habe das
Gefühl, eine Reihe von Steuerzahlern wird dieses
Angebot annehmen. Dank dieser Initiative könnten in
den nächsten zwölf Monaten etwa 25 Milliarden Dollar

Seite 4

Die Bauwirtschaft hat unsere Volkswirtschaft aus nahezu
allen Krisen geführt, die wir jemals hatten. Mit dem
Beginn neuer Bautätigkeit werden Zimmerleute und
Installateure Arbeit haben und Menschen Häuser
erwerben und Hypotheken aufnehmen.
Mein Plan würde die passiven Abschreibungsmöglichkeiten für aktive Bauträger modifizieren. Und er würde
es Pensionskassen ermöglichen, Immobilien zu erwerben.
Denjenigen Amerikanern, die vom Ersterwerb eines
Hauses träumen, sich dies aber eigentlich nicht leisten
können, würde mein Plan gestatten, beim Ersterwerb
eines Hauses straffrei Ersparnisse aus der Rentenkasse abzuheben - und er würde eine Steuergutschrift
von 5.000 Dollar für den Ersterwerb eines Hauses
vorsehen.
Und schließlich appelliert mein Sofortplan an den
Kongreß, allen Eigenheimbesitzern, all denen, die ein
Unternehmen, einen landwirtschaftlichen Betrieb
besitzen oder eine einzelne Investition tätigen, lebenswichtige Hilfe zu gewähren.
Dieses Mal, zu dieser Stunde, kann ich ein Nein als
Antwort nicht akzeptieren: Sie müssen die Kapitalzuwachssteuer für die Menschen dieses Landes senken.
Nie zuvor ist ein Thema von seinen Gegnern mehr zu
demagogischen Zwecken mißbraucht worden. Aber
die Demagogen haben unrecht - und sie wissen es.
Sechzig Prozent der Leute, die von einer niedrigeren
Kapitalzuwachssteuer profitieren, haben Einkommen
von unter 50.000 Dollar. Eine Senkung der Kapitalzuwachssteuer schafft Arbeitsplätze und hilft so gut wie
jedem in unserem Land.

AMERIKA DIENST 4

�Und ich werde denjenigen von Ihnen sagen, die argumentieren: "Oh nein, jemand, dem es gut geht, könnte
davon profitieren", Sie erinnern mich irgendwie an die
Definition des Puritaners, der nachts vor lauter Sorgen
nicht schlafen kann, daß irgendwie irgendjemand irgendwo Spaß hat.
Die Gegner dieser Maßnahme - und diejenigen, die
mehrere der Gesetzentwürfe konzipiert haben, die in
dieser Kammer herumgeistern, mit denen die Reichen
sozusagen gemolken werden - sollten sich eins vor
Augen führen: Wenn sie es auf die Großen abgesehen
haben, treffen sie für gewöhnlich die Kleinen. Und
vielleicht ist es an der Zeit, daß dem ein Ende bereitet
wird.
Mein kurzfristiger Plan lautet folgendermaßen. An
Ihnen, den Mitgliedern des Kongresses, ist es, diese
auf gesunden Menschenverstand gegründeten Vorschläge zu verwirklichenn, die starke Auswirkungen
auf die Wirtschaft haben werden - ohne die Haushaltsvereinbarungen zu verletzen oder die Steuern zu erhöhen.
Während mein Plan verabschiedet wird und seinen
Beitrag leistet, müssen wir uns um diejenigen kümmern, die heute in Schwierigkeiten sind. Ich habe in
meiner Haushaltsvorlage bis zu 4,4 Milliarden Dollar
zur Verlängerung der Arbeitslosenunterstützung vorgesehen. Ich möchte hier und jetzt um die sofortige
Behandlung im Kongreß bitten.
Lassen Sie uns offen sein:
Sie und ich wissen, daß mein Plan zu einem politisch
brisanten Zeitpunkt vorgelegt wird. Sie und ich wissen,
daß alles, was ich vorschlage, von einigen nur unter
parteipolitischen Gesichtspunkten gesehen wird. Ich
möchte Sie jedoch um Verständnis für das bitten, was
mich in meinem tiefsten Inneren bewegt: Mein Ziel
besteht darin, das Wohlergehen unseres Landes zu
verbessern. Ich tue das, was ich für richtig erachte. Ich
schlage das vor, was meines Erachtens helfen wird.
Ich rühme mich, ein weiser Mann zu sein. Ich glaube,
daß Geduld eine Tugend ist, bin mir jedoch bewußt,
daß Politik für einige ein Spiel ist - und manchmal das
Spiel darin besteht, alle Fortschritte aufzuhalten und
dann über den Mangel an Verbesserungen zu lamentieren.
Ich möchte Ihnen jedoch sagen: sehr viel wichtiger als
meine - und Ihre - politische Zukunft ist das Wohlergehen unseres Landes. Die Mitglieder dieser Kammer
sind Praktiker und ich wei ß, daß Sie nichts gegen einen
praktischen Rat einzuwenden haben: Wenn Menschen die Geschicke ihrer Partei vor das öffentliche
Wohlergehen stellen, fordern sie nicht nur für ihr Land
sondern auch für sich selbst eine Niederlage heraus.
Und die haben sie zweifelsohne verdient.

AMERIKA DIENST 4

Ich werde morgen meinen Plan vorlegen. Ich bitte Sie,
ihn bis zum 20. März zu verabschieden. Und ich bitte
das amerikanische Volk, Ihnen zu sagen, daß es bis
zum 20. März Ihr Handeln erwartet.
Ab dem Tag danach heißt es, wenn es sein muß: die
Schlacht ist eröffnet.
Und Sie wissen, wenn Prinzipien auf dem Spiel stehen,
bin ich für einen guten fairen Kampf.
Wie ich bereits gesagt habe, hat mein Plan zwei Teile.
Im zweiten Teil geht es ums Wesentliche. Denn nur ein
sofortiger Aufschwung ist nicht genug - wir benötigen
eine langfristige Verbesserung unserer wirtschaftlichen Position.
Wir alle wissen, daß der Schlüssel zu unserer wirtschaftlichen Zukunft darin liegt sicherzustellen, daß
Amerika weiterhin die wirtschaftliche Führungsmacht
der Welt ist. Es liegt in unseren Händen.
Dies ist mein langfristiger Plan zur Sicherung unserer
Zukunft.
Erstens Handel: Wir werden die Mauern niederreißen,
die den Welthandel behindern. Wir werden überall
offene Märkte schaffen.
Bei unseren wichtigsten Handelsgesprächen werde
ich weiterhin darauf hinarbeiten, Zölle und Subventionen abzubauen, die Amerikas Landwirten und Arbeitern schaden. Und wir werden durch das Nordamerikanische Freihandelsabkommen und die Initiative zur
Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern Amerikas mehr gute amerikanische Arbeitsplätze auf unserem Kontinent schaffen.
Aber es vollziehen sich Veränderungen und weitere
stehen in Aussicht. Der Arbeitsplatz der Zukunft wird
höher qualifizierte Arbeitnehmer als je zuvor erfordern
- mehr Menschen, die mit Computern umgehen können und eine gute Bildung haben.
Wir müssen im Bildungswesen eine Führungsrolle in
der Welt übernehmen. Wir müssen Amerikas Schulen
revolutionieren.
Meine Strategie Amerika 2000 wird uns helfen, dieses
Ziel zu erreichen. Mein Plan wird den Eltern mehr
Wahlmöglichkeiten, den Lehrern größere Flexibilität
bieten und den Gemeinden helfen, neue amerikanische Schulen zu schaffen.
Dreißig Staaten haben landesweit das Amerika-2000Programm eingeführt. Hunderte von Städten haben
sich dieser Initiative angeschlossen.
Jetzt muß sich auch der Kongreß dieser großen
Bewegung anschließen: Geben Sie Ihre Zustimmung
zu meinen Vorschlägen für neue amerikanische Schulen.

Seite 5

�Dies war mein zweiter langfristiger Vorschlag. Mein
dritter lautet folgendermaßen:
Wir müssen auf gesunden Menschenverstand gegründete Investitionen tätigen, die uns auf lange Sicht auf
dem Markt konkurrenzfähig machen.
Wir müssen Forschung und Entwicklung ermutigen.
Mein Plan besteht darin, die Steuervergünstigungen
für Forschung und Entwicklung festzuschreiben und
Rekordsummen - über 76 Milliarden Dollar allein in
diesem Jahr - für diejenigen bereitzustellen, die neue
Technologien erforschen.
Viertens müssen wir etwas gegen Verbrechen und
Drogen unternehmen.
Es ist an der Zeit für größere, erneute Investitionen in
den Kampf gegen Gewalt auf der Straße. Sie zehrt an
unserer Stärke und untergräbt das Vertrauen in unsere
Gesellschaft und unsere Zukunft.
Zweifelsohne verdient eine müde Frau auf dem Weg
zur Arbeit morgens um sechs in der Untergrundbahn
das Recht, sicher an ihrem Arbeitsplatz anzukommen.
Es ist sicherlich richtig, daß jeder, der sein Leben
aufgrund von Gewalt ändert - von denjenigen, die
Angst haben, Nachts auszugehen bis zu denjenigen,
die sich fürchten, in den Parks spazierenzugehen, für
die sie bezahlen - all diesen Menschen ist ein Grundrecht verweigert worden.
Es ist an der Zeit, dies zu beheben. Ich bitte den
Kongreß, meine umfassende Gesetzesvorlage zur
Verbrechensbekämpfung zu verabschieden. Sie geht
hart gegen Kriminelle vor und unterstützt die Polizei und schlummert seit Jahren in diesen heiligen Hallen.
Verabschieden Sie meinen Plan. Helfen Sie Ihrem
Land.
Fünftens bitte ich Sie heute abend, unsere Vorlage
zum Wohnungsbau HOPE zu finanzieren - und meinen
Gesetzentwurf zur Schaffung von Wirtschafszonen zu
verabschieden, mit dem Unternehmen in den Innenstädten angesiedelt werden sollen. Wir müssen den
Armen den Stolz geben, der aus Hausbesitz, einem
Arbeitsplatz und der Teilnahme am Geschehen herrührt.
Mein Plan ermutigt den Bau von Immobilien, indem er
die Steueranreize für Hypotheken und Sozialwohnungen verlängert.
Und ich bitte heute abend um Rekordaufwendungen
für das Programm, das den Kindern, die in Armut
geboren werden, zu Wohlstand verhelfen soll: Head
Start.
Punkt sechs - wir müssen unser Gesundheitswesen
reformieren. Denn auch dies ist ausschlaggebend, ob
wir in der Welt konkurrieren können oder nicht.

Seite 6

Die Kosten des amerikanischen Gesundheitswesens
explodieren. In diesem Jahr werden die Vereinigten
Staaten über 800 Milliarden Dollar für Gesundheitsfürsorge ausgeben. Und diese Summe wird voraussichtlich bis Ende des Jahrzehnts auf 1,6 Billionen ansteigen.
Die Kosten des Gesundheitswesens schlagen sich
nicht nur in Ihrem privaten Budget nieder, sondern
auch im Preis für alles, was wir kaufen oder verkaufen.
Wenn die Krankenversicherung für einen Kollegen am
Fließband Tausende von Dollar kostet, werden die
Kosten auf das Produkt aufgeschlagen, das er herstellt
- und Sie bezahlen die Rechnung.
Wir müssen eine Entscheidung treffen.
Einige geben vor, wir könnten alles haben. Sie nennen
es Spiel oder Zahl - aber dieser teure Ansatz ist
unsicher. Er bedeutet höhere Steuern, weniger Arbeitsplätze und letztlich ein uneingeschränkter staatlicher Kontrolle unterliegendes System.
Es gibt in Wirklichkeit nur zwei Optionen: Wir können
uns für eine Verstaatlichung entscheiden - mit der die
freie Arztwahl des Patienten eingeschränkt und die
Regierung gezwungen wird, die Dienstleistugnen willkürlich zu kürzen. Das Ergebnis sind lange Schlangen
von Patienten, ein indifferentes Leistungsangebot und
eine riesige neue Steuerlast.
Oder wir können unsere private Gesundheitsfürsorge
reformieren - die uns trotz all ihrer Mängel noch immer
die beste Gesundheitsfürsorge der Welt bietet.
Lassen Sie uns auf unsere Stärken aufbauen.
Mein Plan sieht Krankenversicherungen für alle Amerikaner vor - während er gleichzeitig die Idee der freien
Arztwahl erhält und verbessert. Wir machen die Mindestkrankenversicherung für alle einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen erschwinglich, die jetzt
nicht abgedeckt sind. Wir tun dies, indem wir jeder
einkommensschwachen Familie einen Steuernachlaß
für die Krankenversicherung von bis zu 3.750 Dollar
gewähren. Auch der Mittelklasse wird unter die Arme
gegriffen. Und indem wir den Krankenversicherungsmarkt reformieren, stellt mein Plan sicher, daß die
Amerikaner wenigstens eine Mindestkrankenversicherung abschließen können, selbst wenn sie ihren Arbeitsplatz wechseln oder ernsthafte Gesundheitsprobleme haben.
Wir müssen die Kosten unter Kontrolle bringen, die
Qualität und Wahlmöglichkeiten erhalten und die täglichen nagenden Sorgen der Menschen um ihre Krankenversicherung beschwichtigen. Mein Plan, dessen
Einzelheiten ich in Kürze bekanntgeben werde, tut
genau das.
Siebtens müssen wir das Haushaltsdefizit unter Kontrolle bringen.

AMERIKA DIENST 4

�Wir haben jetzt gesetzlich vorgeschriebene Ausgabenobergrenzen - eine Vorschrift, daß wir für die Programme bezahlen, die wir ins Leben rufen.
Einige Kongreßabgeordnete würden diese Vorschrift
jetzt gerne lockern. Aber ich kann - und werde - es
ihnen nicht gestatten.
Meinem Plan zufolge würden alle nichtgebundenen
Ausgabebewilligungen für innenpolitische Programme
eingefroren - das bedeutet, "Im nächsten Jahr nicht
mehr als in diesem Jahr". Die Sozialversicherung ist
davon ausgeklammert, aber ich werde definitiv Obergrenzen für Wachstum und unkontrollierte Ausgaben
festsetzen. Ich werde auch einen Einstellungsstop für
Bundesbedienstete verhängen.
Mit Hilfe des Kongresses werden wir 246 Programme
abschaffen, die staatliche Finanzierung nicht verdienen. Einige von ihnen haben noble Titel, aber keines
von ihnen ist unerläßlich. Wir können jedes einzelne
von ihnen abschaffen.
Wie Sie wissen, ist es an der Zeit, eine "Binsenwahrheit" wiederzuentdecken, die das amerikanische Volk
niemals vergessen hat: Diese Regierung ist zu aufgebläht und gibt zuviel aus.
Ich fordere den Kongreß zur Verabschiedung einer
Maßnahme auf, die dazu beitragen wird, dem jährlichen Ritual ein Ende zu bereiten, den Haushalt mit
Wahlgeschenken aufzufüllen. Jedes Jahr macht sich
die Presse einen riesigen Spaß aus den wildesten
Beispielen - ein Lawrence Welk Museum, ein Forschungsstipendium für belgische Endivien.
Wir alle wissen, wie diese Dinge in den Haushalt
gelangen. Vielleicht benötigen Sie jemanden, der
Ihnen hilft, Nein zu sagen. Ich weiß, wie man Nein
sagt. Und Sie wissen, was ich brauche, damit dieses
Nein Bestand hat. Geben Sie mir das, was 43 Gouverneure haben: Das selektive Veto.
Wir müssen nichtfinanzierten Mandaten der Bundesregierung ein Ende bereiten. Das sind die Vorschriften, die der Kongreß unseren Städten, Gemeinden
und Bundesstaaten auferlegt - ohne das Geld dafür
bereitzustellen. Wenn der Kongreß ein Mandat verabschiedet, soll er gezwungen werden, dafür zu bezahlen und die Kosten mit an anderer Stelle gemachten
Einsparungen ausgleichen. Schließlich erhöht ein
Mandat nur die Last eines anderen - und das bedeutet
höhere Steuern auf Bundesstaaten- und Gemeindeebene.
Punkt acht: Der Kongreß sollte die kühnen Reformpläne durchsetzen, die immer noch seiner Aktionen harren - Bankenreform, Zivilrechtsreform, Strafrechtsreform und meine nationale Energiestrategie.
Und schließlich müssen wir die Familie stärken - denn
es ist die Familie, die den Ausschlag für unsere Zukunft
gibt. Wenn Barbara ein AIDS-infiziertes Baby in den
AMERIKA DIENST 4

Armen hält und Kindern vorliest, sagt sie zu jedem in
diesem Land: "Es ist die Familie, die zählt".
Heute abend gebe ich die Gründung einer neuen
Kommission für Familien in den Städten Amerikas
bekannt. Wie Sie wissen, haben ich neulich Bürgermeister vom Städtebund empfangen, und sie haben
mir etwas Erstaunliches erzählt. Sie erklärten, sie alle
- Republikaner und Demokraten gleichermaßen - seien sich über eines einig: Die Hauptursache der Probleme in den Städten ist die Auflösung der Familie.
Sie haben um die Gründung dieser Kommission gebeten, und es war richtig von ihnen, darum zu bitten, denn
es ist an der Zeit zu entscheiden, was wir tun können,
um die Familien stark und gesund zusammenzuhalten.
Eines können wir sofort tun: Die Kosten für die
Kindererziehung senken. Ich bitte Sie heute abend,
den Kinderfreibetrag um 500 Dollar pro Kind für jede
Familie anzuheben. Für eine Familie mit vier Kindern
bedeutet dies eine Erhöhung auf 2.000 Dollar. Dies ist
ein guter Anfang, ein Schritt in die richtige Richtung,
und es ist das, was wir uns leisten können.
Wir müssen den Familien ermöglichen, die Zinsen für
Darlehen zur Finanzierung des Studiums ihrer Kinder
abzusetzen. Genau darum möchte ich Sie bitten. Und
ich bitte Sie, die Möglichkeit zu schaffen, Ersparnisse
aus der Rentenkasse abzuheben, um Ausgaben für
medizinische Versorgung und Ausbildung zu bezahlen
- und zwar straffrei.
Und ich bitte um mehr. Fragen Sie amerikanische
Eltern, was ihnen in unserem Land nicht gefällt, und die
Chancen stehen gut, daß sie bald auf Sozialhilfe zu
sprechen kommen.
Die Amerikaner sind das großzügigste Volk der Welt.
Aber wir müssen uns die Erkenntnis von Franklin
Roosevelt vor Augen führen, der, als er über das
später als Sozialhilfe bekanntgewordene Programm
sprach, warnte, es dürfe nicht zum "Betäubungsmittel"
und einem "subtilen Zerstörer" des Geistes werden.
Sozialhilfe war nie als Lebensstil gedacht, nie als
Gewohnheit, sie sollte nie wie ein Vermächtnis von
Generation zu Generation weitervererbt werden.
Es ist an der Zeit, die Vorgaben des Wohlfahrtsstaats
zu revidieren und das Sozialwesen zu reformieren.
Die Bundesstaaten beginnen landesweit anhand neuer Vorgaben zu operieren: Wenn gesunde und fähige
Erwachsene staatliche Unterstützung erhalten, tragen
sie eine Verantwortung gegenüber dem Steuerzahler.
Die Verantwortung, Arbeit, Ausbildung oder Fortbildung anzustreben - die Verantwortung, ihr Leben in
den Griff zu bekommen, die Verantwortung, ihre Familie
zusammenzuhalten, keine unehelichen Kinder in die
Welt zu setzen - und die Verantwortung, Gesetze zu
befolgen.
Seite 7

�Wir werden diese Bewegung unterstützen. Häufig
erfordern staatliche Reformen die Aufhebung bestimmter Bundesgesetze. Ich werde darauf hinarbeiten,
diesen Prozeß zu vereinfachen und für jeden der
Staaten zu beschleunigen, der um unsere Hilfe bittet.
Ich möchte hinzufügen, daß es nicht in unserer Absicht
liegt, Sündenböcke zu suchen oder mit dem Finger auf
andere zu zeigen, während wir diese Änderungen
vornehmen. Wenn Sie die Zeitung lesen oder fernsehen, wissen Sie, daß man in diesen Tagen vermehrt
eine gewisse Bitterkeit, rassistische und antisemitische Bemerkungen vernimmt und ein wachsendes
Gefühl der Teilung verspürt.
Dies entspricht in der Tat nicht unserem Stil. Und es
ist nicht akzeptabel.
Daher habe ich meinen Plan für Amerika. Ich bitte um
große Dinge - aber ich bin in meinem tiefsten Inneren
davon überzeugt, Sie werden das tun, was richtig ist.
Wie Sie wissen, ist es eine Art amerikanischer Tradition, eine gewisse Skepsis gegenüber unseren demokratischen Institutionen an den Tag zu legen. Selbst
ich habe gelegentlich gedacht, der Alterungsprozeß
könnte herausgezögert werden, wenn er seinen Weg
durch den Kongreß machen muß.
Sie werden beraten und erörtern, und das hat seine
Richtigkeit.
Aber, meine Freunde: Das Volk kann nicht warten. Es
benötigt Ihre Hilfe jetzt.

Es machen sich Stimmungen breit. Die Menschen
sind besorgt, man spricht von Niedergang. Jemand
hat sogar gesagt, unsere Arbeiter seien faul und nicht
kreativ.
Und ich dachte, tatsächlich? Sagen Sie das Neil
Amstrong, der als erster den Mond betrat. Sagen Sie
das den Männern und Frauen, die ihn dorthin gebracht
haben. Sagen Sie das dem amerikanischen Farmer,
der sein Land und die Welt ernährt. Sagen Sie das zu
den Männern und Frauen, die an Operation Wüstensturm teilgenommen haben.
Stimmungen kommen und gehen, aber Größe überdauert. Und unsere wird überdauern.
Vielleicht ist es gut, sich einen Augenblick lang an
etwas zu erinnern, das wir im Alltag gerne vergessen:
Wir sind und werden stets die freieste Nation der Welt
sein - die freundlichste Nation der Welt - die stärkste
Nation der Welt - und wir haben uns stets der Lage
gewachsen gezeigt.
Wir werden diese Nation Schritt für Schritt und Tag für
Tag aus den harten Zeiten herausführen, und diejenigen, die uns aufhalten wollen, treten besser zur Seite.
Denn ich sehe harte Zeiten und ich gelobe: Sie werden
nicht von Dauer sein.
Und so schreiten wir voran, gemeinsam, eine aufstrebende Nation, das ehemalige und zukünftige Wunder,
das heute abend noch immer die Hoffnung der Welt ist.
Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie. Gott schütze unser
geliebtes Land.

* * * *

Seite 8

*

AMERIKA DIENST 4

�GUS-HILFE
29. Januar 1992

BUSH DRÄNGT AUF WELTWEITE HILFE
FÜR EHEMALIGE SOWJETREPUBLIKEN
Rede des Präsidenten bei der GUS-Konferenz
WASHINGTON - (AD) -Präsident Bush hat die internationale Staatengemeinschaft zur Zusammenarbeit
aufgerufen, um den erfolgreichen Übergang zu freien Marktwirtschaften in den neuen unabhängigen Staaten der
ehemaligen Sowjetunion sicherzustellen.
In seiner Ansprache bei der Eröffnung der zweitägigen Konferenz über Hilfe für die Nachfolgestaaten erklärte
der Präsident am 22. Januar 1992, die Teilnehmer aus 47 Nationen und sieben internationalen Organisationen
sollten sich "zusammenschließen, um diesen Menschen einen Grund zur Hoffnung zu geben".
Bush kündigte an, er werde den Kongreß um weitere 600 Millionen Dollar an Hilfe für Rußland und die
Nachfolgestaaten bitten. Damit würde sich die amerikanische Hilfe auf über 5 Milliarden Dollar belaufen.
Er forderte die Konferenz auf, jetzt zu handeln, um den in allen 12 Nachfolgestaaten offenkundigen Mangel an
Nahrungsmitteln, Medikamenten, Unterkünften und Energie zu beheben.
"Wir sehen uns mit einer internationalen Herausforderung konfrontiert, die Bemühungen und das Engagement
aller Nationen der Welt erfordert", stellte Bush fest. "Und unsere Anwesenheit hier ist ein anschaulicher Beweis,
daß dies eine weltweite Koalition ist und sein muß. Alles andere ist zum Scheitern verurteilt."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush im Wortlaut.

Zunächst möchte ich feststellen, daß mich der Außenminister für mein Zuspätkommen gerügt hat. Ich finde
allerdings, nicht ich bin zu spät, sondern Sie sind zu
früh hier.
Ich möchte die zahlreichen, heute in diesem Saal
versammelten erlesenen Gäste, unter ihnen Außenminister und hochrangige Regierungsvertreter aus 47
Nationen, von den Vereinten Nationen, führenden
internationalen Finanzinstitutionen und anderen wichtigen internationalen Organisationen, sehr herzlich in
den Vereinigten Staaten und in Washington willkommen heißen.
Wir haben uns hier heute morgen als Partner an einem
historischen Zeitpunkt versammelt, einem Wendepunkt in diesem Jahrhundert und in der modernen
Geschichte, denke ich. Unsere Aufgabe lautet, gemeinsam auf die dramatische Revolution zu reagieren,
die den Untergang des Sowjetkommunismus bewirkt
und an seiner Stelle 12 Nachfolgestaaten hervorgebracht hat, die versuchen, ihren Platz in der Welt zu
finden und damit kämpfen, ihren Menschen Nahrungs-

AMERIKA DIENST 4

mittel, Kleidung und Unterkunft in diesem Winter, im
kommenden Frühjahr und danach zu beschaffen.
Bevor Sie diese Probleme in den nächsten beiden
Tagen im einzelnen erörtern werden, möchte ich kurz
auf die Bedeutung der Ereignisse in der ehemaligen
Sowjetunion für uns in Nordamerika, Europa, im Nahen Osten, in Afrika, Lateinamerika, Asien, am Pazifik
- an allen Orten der Erdkugel - eingehen.
Nahezu 50 Jahre lang, während eines Großteils des
Erwachsenendaseins von praktisch jedem hier in diesem Saal Anwesenden, mußte die Menschheit einen
gefährlichen globalen Konflikt ertragen - den kalten
Krieg. Er teilte Kontinente und Völker und hielt alle
Länder im Würgegriff einer möglichen nuklearen Vernichtung. Die freie Welt erhob sich gegen die durch
den sowjetischen Expansionismus in den Jahrzehnten
nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffene Bedrohung.
Wir gaben für diesen großen Kampf Hunderte Milliarden Dollar aus, opferten wertvolle Menschenleben und
nationale Ressourcen.

Seite 1

�Mit der Revolution in Osteuropa von 1989 und in der
Sowjetunion im Jahr 1991 ist diese tödliche Bedrohung
geschwunden. Und mit der Auflösung der Sowjetunion
vor nur einem Monat stehen wir am Tor zu einer neuen
Welt - einer Welt der Hoffnung auf dauerhaften Frieden
und wachsenden Wohlstand.
Angeführt von ihrem mutigen Präsidenten Boris Jelzin
sind die Reformer in der riesigen Russischen Föderation an die Macht gekommen. Die Ukraine hat ihre
Unabhängigkeit erlangt. Und die Regierung von Präsident Leonid Krawtschuk birgt das Versprechen auf
eine neue politische und wirtschaftliche Ordnung.
In Armenien hat ein ehemaliger politischer Gefangener, Präsident Ter-Petrosjan, außergewöhnliche nationale Anstrengungen zur Umgestaltung des Wirtschaftssystems seines Landes und Befreiung seines
Volkes von politischer Unterdrückung unternommen.
Und in Zentralasien können wir dieselbe Entwicklung
beobachten. Dort führen die Präsidenten Nasarbajew
und Akajew den Kampf um Reformen an. In der
gesamten Gemeinschaft Unabhängiger Staaten ist ein
neuer Tag angebrochen mit Hoffnung auf eine tiefgreifende Umgestaltung der Lebens-, Arbeits- und Denkweise der Menschen.
Während wir dieses neue Jahr antreten und unseren
Kurs für den Rest dieses Jahrzehnts festsetzen, sollten wir der Herausforderung zum Aufbau und zur
Bewahrung von Demokratie und wirtschaftlicher Freiheit in der ehemaligen UdSSR ebensolches Engagement entgegenbringen wie dem Sieg im kalten Krieg.
Lassen Sie uns den Menschen in allen Nachfolgestaaten helfen, den Sprung von Kommunismus zu Demokratie, von Kommando- zu freien Marktwirtschaften,
von autoritären Regierungssystemen zu Freiheit zu
bewältigen. Und lassen Sie uns gemeinsam daran
arbeiten, Frieden in dieser Ära nach dem kalten Krieg
zu erlangen.
Wir sollten die Größenordnung dieser Herausforderung und die Schwierigkeiten nicht unterschätzen, die
sich bei der Entwirrung des durch über 70 Jahre der
Planwirtschaft verursachten wirtschaftlichen Chaos
ergeben. Der Erfolg oder Mißerfolg hängt letztlich
gleichermaßen von den Bestrebungen und der Klugheit der Völker in der Ukraine und im Kaukasus in
Zentralasien ab. Es ist an ihnen, den Kampf zu
gewinnen. Aber sie können ihn nicht allein gewinnen.
Diese 12 Nachfolgestaaten benötigen die harte Arbeit,
Kreativität und den guten Willen aller unserer Länder
auf jedem Kontinent.
Aus diesem Grund haben wir uns heute hier versammelt - um sicherzustellen, daß unser Engagement und
unsere Hilfe - gut durchdacht und effizient durchgeführt - der Aufgabe gewachsen sind. Und wir sind

Seite 2

zusammengekommen, um den Menschen in den
Nachfolgestaaten zu demonstrieren, daß die internationale Staatengemeinschaft um sie besorgt ist und
ihren harten Kampf beim Aufbau neuer Gesellschaften
auf den Ruinen des Kommunismus unterstützt.
Wir wollen uns zusammenschließen, um diesen Menschen einen Grund zur Hoffnung zu geben. Wir wollen
uns heute morgen bei der Bewältigung dieser Aufgabe
der Arbeit in ebenbürtiger Partnerschaft verschreiben.
Erstens müssen wir in diesem Winter, im kommenden
Frühjahr und im gesamten Verlauf des Jahres 1992
entschlossen handeln, um die dringlichsten Bedürfnisse dieser Staaten zu erfüllen - Nahrungsmittel, Medikamente, Energie und Unterkunft. Die jetzt in den 12
Staaten offenkundigen Engpässe werden nicht rasch
behoben sein und auf lange Sicht unser Augenmerk
erfordern.
Zweitens müssen wir uns der Herausforderung stellen,
Wirtschaftswachstum und die Entwicklung neuer
marktwirtschaftlicher Institutionen zu fördern, indem
wir durch kollektive internationale Bestrebungen technische Hilfe bereitstellen. Unsere Arbeit wird entscheidend dazu beitragen, Bank- und Steuersysteme in
den Nachfolgestaaten aufzubauen, um ein gesunderes Umfeld zu schaffen, Rechtsstaatlichkeit und auch
nukleare Sicherheit zu fördern.
Mit anderen Worten, wir müssen diejenigen unterstützen, die für Reformen und Freiheit eintreten. Wir
sollten konkrete Investitionen und erweiterten Handel
stimulieren. Präsident Boris Jelzins mutige Wirtschaftsreformen verdienen unsere Unterstützung ebenso wie
die Bestrebungen in den anderen Staaten zur Einleitung des wirtschaftlichen Wandels.
Unser Erfolg oder Mißerfolg wird von unserer Fähigkeit
abhängen, für diese gemeinsame Sache effektiv zusammenzuarbeiten. Die Herausforderung ist für eine
einzelne Nation oder Staatengruppe allein zu groß.
Wir sehen uns mit einer internationalen Herausforderung konfrontiert, die Bemühungen und das Engagement aller Nationen der Welt erfordert. Und unsere
Anwesenheit hier ist ein anschaulicher Beweis, daß
dies eine weltweite Koalition ist und sein muß. Alles
andere ist zum Scheitern verurteilt.
Wenn wir während dieser beiden Tage und sicherlich
in den kommenden Monaten zusammenkommen, sollten
wir dies konstruktiv im Geist der Partnerschaft tun und
sterile Debatten darüber vermeiden, wer von uns am
meisten oder am wenigsten geleistet hat und wer die
Führungsrolle bei unserer Reaktion auf diese historische Herausforderung übernehmen sollte.
Wir alle haben eine Rolle und eine Verpflichtung zu
erfüllen. Und viele von uns haben bereits konkrete

AMERIKA DIENST 4

�Hilfsmaßnahmen in die Wege geleitet. Die Europäische Gemeinschaft hat einen großen und großzügigen
Anteil der Lasten übernommen. Ihr unverzügliches
Vorgehen über Jahre hinweg humanitäre Unterstützung bereitzustellen, war unerläßlich, und ihr Engagement für ein umfangreiches technisches Hilfsprogramm
ist weitreichend und wird außerordentlich begrüßt.
Deutschland allein hat enorme Verantwortung bei der
Beschaffung von Wohnungen für Militärangehörige
und der Vergabe von Krediten in die ehemalige UdSSR
und jetzt in die Russische Föderation übernommen.
Andere EG-Staaten haben ebenfalls wichtige Beiträge
geleistet. Das Atlantische Bündnis ist zur Bereitstellung seines Wissens bereit, damit die Menschen in der
ehemaligen UdSSR dieselben Werte erlangen können, die das Bündnis seit seiner Gründung gefestigt
haben.
Es ist besonders befriedigend, unsere Freunde aus
Mittel- und Osteuropa als Pioniere der Abschaffung
des Kommunismus und der Hinwendung zur Demokratie heute hier anwesend zu sehen.
Sie sind hier als Symbol des Erfolgs. Und obwohl Sie
sich immer noch Problemen gegenübersehen, begrüßt die Welt Ihre Bereitschaft, anderen zur Freiheit
zu verhelfen.
Die vor uns liegenden Herausforderungen erfordern
nicht nur Anstrengungen von Europa, sondern auch
von anderen Regionen und Ländern. Japan hat einen
bedeutenden Beitrag geleistet, ist Verpflichtungen
eingegangen und wird entscheidend an unseren Bestrebungen beteiligt sein. Und jetzt sollten andere
Nationen im Nahen und Mittleren Osten sowie in
Lateinamerika ihr Know-how und ihre Ressourcen zur
Verfügung stellen, um den Erfolg der Reformen sicherzustellen.
Ich kann Ihnen heute versichern, daß die Vereinigten
Staaten, die so lange den Kampf zur Eindämmung des
Kommunismus angeführt haben, ebenfalls ihren Teil
beitragen werden, damit er auf immer durch Demokratie ersetzt wird. Seit über 40 Jahren haben wir beim
Wiederaufbau und der Verteidigung der freien Welt
eine Führungsrolle übernommen. Und heute , da die
Fackel der Freiheit auch bei unseren ehemaligen
Gegnern leuchtet, sind die Früchte unserer langen
Arbeit endlich sichtbar.
*

AMERIKA DIENST 4

Die Vereinigten Staaten können und werden nicht in
dem Moment versagen, in dem diese neuen Staaten
darum kämpfen, eben die Ideale zu erlangen, zu deren
Förderung und Bewahrung die Vereinigten Staaten
gegründet wurden. Als weiteren amerikanischen Beitrag zu dieser dringenden weltweiten Aufgabe schlage
ich daher vor, daß der Kongreß über 600 Millionen
Dollar für neue technische und humanitäre Hilfsprogramme bewilligt. Zusätzlich zu den bereits angekündigten Hilfsleistungen beläuft sich die amerikanische
Unterstützung damit auf über 5 Milliarden Dollar für
diese Völker in ihrer Zeit der Not.
Abschließend möchte ich nochmals betonen, wie wichtig
es ist, diesen Augenblick zu ergreifen, um einzeln oder
kollektiv eine Chance zu ergreifen, die sich uns im
weiteren Verlauf unseres Lebens vielleicht nie wieder
bietet. Die Aussicht, daß unsere ehemaligen Gegner
unsere Freunde und Partner werden könnten, liegt im
nationalen Interesse aller hier an diesem Tisch vertretenen Länder und auch derjenigen, die heute nicht
anwesend sind.
Indem wir unsere Bestrebungen auf gemeinsame Ziele
ausrichten, bietet sich uns eine Chance, die Welt für
unsere Kinder und nachfolgende Generationen neuzugestalten. Wenn wir diese Chance nicht nutzen,
riskieren wir eine Umkehrung des historischen Sprungs
zur Freiheit, den die Völker Rußlands, der Ukraine, in
Armenien und andernorts in diesen vergangenen
Monaten unternommen haben.
Lassen Sie uns also in den nächsten beiden Tagen
gemeinsam daran arbeiten, unsere nationale und kollektive Sicherheit sowie dauerhaftes weltweites Wirtschaftswachstum zu fördern und das Richtige für die
Menschen zu tun, die nach einem besseren, freien
Leben in diesen neuen unabhängigen Staaten streben.
Ich danke Ihnen allen für Ihre Anwesenheit. Ich weiß,
es ist nicht leicht, diesen langen Weg zu gehen, aber
es ist von entscheidender Bedeutung. Ich danke Ihnen
für diese Gelegenheit, heute zu Ihnen sprechen zu
können. Möge Gott die Völker aller heute hier vertretenen Länder schützen und die Völker der neuen, ums
Überleben kämpfenden unabhängigen Staaten. Wir
haben volles Vertrauen, daß uns Erfolg beschieden
sein wird, wenn wir alle zusammenarbeiten.

* * *

*

Seite 3

�GUS-HILFE
29. Januar 1992

BAKER: WELTWEITE HILFE FÜR EHEMALIGE
SOWJETUNION ERFORDERLICH
Rede des US-Außenministers bei Koordinierungskonferenz
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge ist eine weltweite koordinierte Reaktion erforderlich, um
die Hilfsmaßnahmen für die Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu erweitern und beschleunigen.
"In den letzten Monaten hat sich das Leben in Rußland und den anderen unabhängigen Staaten in gefährlich
zunehmendem Tempo verschlechtert", erklärte der US-Außenminister am 22. Januar 1992 bei der Eröffnungssitzung der Konferenz zur Koordinierung der Hilfsmaßnahmen für die ehemalige Sowjetunion.
Vor Vertretern von 54 Staaten und internationalen Organisationen verwies Baker darauf, die Probleme seien so
enorm, daß nur eine weltweite Reaktion den 300 Millionen Menschen in den jetzt unabhängigen Staaten helfen
könne, die ein Sechstel des Erdballs umfassen.
Bakers Rede hat folgenden Wortlaut.

Meine Damen und Herren,
heute vor einem Jahr und einer Woche nahm eine
weltweite Koalition eine erfolgreiche Schlacht gegen
nackte Aggression auf. Heute schließen wir uns
zusammen, um eine neue Koalition zu gründen, die
eine neue Schlacht kämpfen muß - eine Schlacht für
ein ebenso ehrenwertes und bedeutendes Anliegen.
Wir kommen heute in diesem Saal zusammen, um
eine Koalition zur Unterstützung von Freiheit und
Demokratie zu bilden, eine Koalition, um Völkern, die
gerade ihre Unabhängigkeit erlangt haben, dabei zu
helfen, eine echte humanitäre Notlage zu überwinden,
eine Koalition, um sie zu unterstützen, während sie
darum bemüht sind, sich von den Ängsten und Schatten ihrer totalitären Vergangenheit zu befreien.
Wenn es sich hier um einen Krieg handelte, würden wir
dies als Operation Provide Hope bezeichnen. Aber
dies ist kein Krieg zur Bekämpfung einer Aggression,
sondern eine friedliche Schlacht zur Unterstützung
von Demokratie und Freiheit. Denn obwohl die Völker
Rußlands und der anderen unabhängigen Staaten
dringend Nahrungsmittel und Treibstoff, Medikamente
und Obdach benötigen, bedürfen sie noch viel mehr
der Hoffnung:
Der Hoffnung, daß sie ein normales Leben mit Brot in
den Regalen und Medikamenten in den Krankenhäusern leben können.
AMERIKA DIENST 4

Der Hoffnung, daß es Auswege aus dieser Notlage
gibt.
Und vor allem der Hoffnung, die aus dem Wissen
darum entsteht, daß die Welt an ihrem Schicksal Anteil
nimmt und zu helfen bereit ist.
Das ist die Botschaft, die von dieser Konferenz ausgesandt werden muß.
Hier in Washington haben sich heute 54 Nationen und
internationale Organisationen zusammengeschlossen
und sich verpflichtet, den Kampf für die Freiheit miteinander zu koordinieren.
Denn wir alle wissen, daß die Völker Rußlands, der
Ukraine, Kasachstans, Armeniens, Weißrußlands,
Kirgisiens und der anderen unabhängigen Staaten um
unsere Hilfe bitten, damit Demokratie und freie Märkte
in ihren Ländern feste Wurzeln schlagen können.
Diese Völker, die gerade erst ihre Freiheit erlangt
haben, wissen, daß die Verantwortung für ihren Erfolg
letztlich bei ihnen selbst liegt. Sie versuchen nicht, sich
der von Präsident Bush so bezeichneten "harten Arbeit
der Freiheit" zu entziehen. Sie möchten auch keine Almosen.
Aber diese Völker wissen, daß wir alle ein Interesse an
ihrem Erfolg haben. Sie wissen, daß wir alle etwas zu
bieten haben. Sie lernen erst jetzt, wie Demokratie und

Seite 1

�freie Märkte funktionieren. Sie erwarten von uns
Führung, um ihnen zu zeigen, wie unsere demokratischen Werte in ihren Ländern verwirklicht werden
können. Sie möchten sich unsere Jahre, Jahrzehnte
und Jahrhunderte der Erfahrung mit freien Märkten
und Demokratie zunutze machen, damit auch sie ihren
rechtmäßigen Platz in der weltweiten Gemeinschaft
freier Nationen einnehmen können.

kenhäuser ohne Impfstoffe, Aeroflot-Maschinen, die
durch Treibstoffmangel am Boden blieben und Offiziere, die gegen den Wohnungsmangel protestierten.

Denn der Zusammenbruch der Sowjetunion hat überall den Schutt des Kommunismus hinterlassen - und
wir müssen dazu beitragen, die schwere Last des
Kommunismus zu beseitigen, damit die neuen Demokratien eine Chance haben, Fuß zu fassen. Wir
müssen ihnen bei der Bewältigung des Erbes der
Kommandowirtschaften, der übermäßigen Militarisierung und des gesellschaftlichen Niedergangs behilflich
sein. Sie benötigen unseren Beistand in allen Sektoren.

Es handelt sich hier zweifellos um einen weltweiten
Notstand, und dieser wird ein weltweites kollektives
Engagement erfordern, um einen weiteren Niedergang zu verhindern und Bedingungen für den Erfolg
demokratischer und marktwirtschaftlicher Reformen
zu unterstützen.

Im nuklearen Bereich, zum Beispiel, bemühen sich die
Vereinigten Staaten und andere energisch darum, die
Weiterverbreitung von Kernwaffen oder anderer Massenvernichtungswaffen zu verhindern. Präsident Bush
hat ein Expertenteam nach Moskau, Minsk, Kiew und
Alma-Ata entsandt, um zu erörtern, wie die Vereinigten
Staaten die sichere Kontrolle, rasche Entschärfung
und Zerstörung von Kernwaffen unterstützen können.
Dies ist eine Aufgabe, an der wir alle ein großes
Interesse haben und großen Anteil nehmen.
Diese Aufgabe umfaßt auch Vorschläge zur Nutzung
geistigen Potentials - das heißt, Möglichkeiten zur
Zusammenarbeit amerikanischer Wissenschaftler mit
ihren Kollegen in Rußland und andernorts, um wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen, anstatt Waffen
zu entwerfen. Wir hoffen, andere werden ebenfalls zu
diesen Bemühungen beitragen.
Aber der nukleare Bereich ist nur ein Beispiel. Die
Völker der neuen unabhängigen Staaten wünschen
den Rat der Welt über das ganze Spektrum hinweg insbesondere durch praxisorientierte Fachleute, die
ihnen den Weg in eine bessere Zukunft weisen können. Die meisten unter uns tun dies auf die eine oder
andere Weise, und wir müssen unsere Bemühungen
verdoppeln.

Dieser humanitäre Notstand umfaßt Gebiete, die sich
über 11 Zeitzonen erstrecken und die ein Sechstel der
Weltlandmasse ausmachen. Dieser Notstand betrifft
annähernd 300 Millionen Menschen.

Unsere Reaktion muß weltweit sein, weil ein anderer
Ansatz nicht funktionieren wird. Die Probleme der
neuen unabhängigen Staaten sind zu groß, als daß
eine Region oder Nation sie alleine lösen könnte. Die
EG-Kommission und EG-Mitgliedstaaten, insbesondere Deutschland, haben bei der Unterstützung von
Reformen und Hilfsangeboten eine Vorreiterrolle übernommen.
Die Nationen Mittel- und Osteuropas - die selbst mit
dem Aufbau von Demokratie und wirtschaftlicher Freiheit kämpfen - haben sich mit uns zusammen hier
eingefunden, weil sie wissen, daß Demokratie in
Rußland, der Ukraine, Weißrußland, Moldawien und
andernorts auch ihre Demokratien unterstützen wird.
Sie wissen ferner, daß unser Engagement für ihre
Zukunft unerschütterlich ist, und wir beabsichtigen
nicht, unsere Hilfe für sie zu verringern.
Aber dieser Notstand in den neuen unabhängigen
Staaten hat grundlegende Folgen über Europa hinaus,
die für uns alle offenkundig sind. Als weltweiter Notstand hat er weltweite Auswirkungen und erfordert
deshalb weltweite Bemühungen.

Aber während die internationalen Finanzinstitutionen
mit den Russen und anderen zusammenarbeiten, um
glaubwürdige langfristige Reformpläne zu entwickeln,
und während einzelne Staaten politische und wirtschaftliche Reformen durch technische Hilfe unterstützen, muß sich die Welt nun auf die ganz reale Notlage
konzentrieren, mit der die Völker Rußlands und der
anderen unabhängigen Staaten heute konfrontiert sind.

Unsere Reaktion muß kollektiv erfolgen, weil wir unsere Ressourcen so am besten einsetzen können. Wir
müssen unsere Arbeit teilen, um ihren Bedürfnissen
gerecht werden zu können. Durch Zusammenarbeit
können wir die Stärken jedes einzelnen vervielfachen,
um die Soforthilfe, die wir bereitstellen können, besser
zu koordinieren und dadurch zu beschleunigen und zu
erweitern. So wurde im vergangenen Monat zum
Beispiel deutsches Milchpulver mit kanadischen Flugzeugen nach Rußland transportiert. Durch Zusammenarbeit können wir unsere Hilfe dort konzentrieren,
wo sie am nötigsten gebraucht wird und die größten
Vorteile erbringen kann. Auf diese Weise können wir
darüber hinaus die Duplizierung von Bemühungen
vermeiden.

In den letzten Monaten hat sich das Leben in Rußland
und den anderen unabhängigen Staaten in gefährlich
zunehmendem Tempo verschlechtert. Wir haben
Usbeken gesehen, die in blutigen Preisunruhen starben, Russen, die zitternd um Brot anstanden, Kran-

Unsere Reaktion muß die Menschen hier und dort
einbeziehen. Unsere kollektiven Bemühungen müssen an den unschätzbaren Elan und die Erfahrung
unseres Privatsektors und gemeinnütziger Organisationen appellieren. Diejenigen, die unserer Hilfe be-

Seite 2

AMERIKA DIENST 4

�dürfen, führen eine Revolution von der Basis bis zu den
höchsten Regierungsstellen durch. Wir müssen ihnen
von der Basis bis zu den höchsten Regierungsstellen
helfen. Partnerschaften zwischen öffentlichen und
privaten Organisationen können - wie wir durch Präsident Bushs medizinische Initiative erfahren haben Beiträge mobilisieren und damit den Wert unserer
Bemühungen vervielfachen. Aus diesem Grund haben wir das Bürgerkorps Demokratie gebeten, heute
und morgen eine parallele Konferenz zu veranstalten,
um unsere nichtstaatlichen und gemeinützigen Organisationen neu anzuspornen.
Unsere kollektive Reaktion muß vor allem darauf
abzielen, die Russen und Ukrainer, Kasachen und
Kirgisen, Armenier und Weißrussen sowie all die anderen
zu motivieren, die von mir anfangs erwähnte entscheidende Botschaft der Hoffnung weiterzutragen. Maxim
Gorki schrieb im Jahr 1923 an Herbert Hoover: "Es ist
nicht nur die physische Hilfe, die wertvoll ist, sondern
(auch) der moralische Beistand, der sich an den Verstand der Menschen richtet." Kurzum, wir müssen
zusammen mit Nahrungsmitteln und Medikamenten
auch moralische Unterstützung leisten.
Wir haben diese Konferenz einberufen, um diese
Bemühungen zu koordinieren, beschleunigen und zu
erweitern. Wir gehen davon aus, daß diese Konferenz
nur ein Schritt auf dem Weg des anhaltenden Engagements zur Unterstützung dieser neuen Staaten ist. Sie
ist nicht darauf angelegt, die Bemühungen anderer in
den Schatten zu stellen oder zu kopieren. Sie soll
diejenigen zusammenführen, die am meisten dazu
befähigt sind, zu diesen Sofortmaßnahmen beizutragen, und die Koordinierung zwischen uns zu verbessern.
Im Lauf dieser Konferenz werden wir neue Ideen dazu
vorlegen, wie wir gemeinsam die kritischen Bedürfnisse erfüllen und durch technische Hilfe eine "Brücke" zu
langfristiger Demokratie und freien Märkten schlagen
können. Wir ermutigen andere, ihrerseits Ideen dazu
vorzuschlagen.
Was für jeden in diesem Saal von entscheidender
Bedeutung sein sollte, ist das, was wir zustande bringen und nicht, wer das Lob dafür erntet. Es steht für
uns zuviel auf dem Spiel, als daß wir irgendeinen
anderen Kurs verfolgen könnten.
Es sind die Ergebnisse, die zählen. Die Lieferung von
Soforthilfe an die Völker in Not kann ihnen Hoffnung für
die Zukunft machen. Sie kann ihnen das Vertrauen in
die demokratischen Entscheidungsträger geben, die
sich auf diesen mutigen Weg begeben haben, um sie
in jene neue Zukunft zu führen. Das ist es, was auf dem
Spiel steht.
*

AMERIKA DIENST 4

Im Hinblick auf den Schwerpunkt der nächsten beiden
Tage sind zwei Ziele von übergeordneter Bedeutung.
Erstens sollten die Arbeitsgruppen "Arbeitspläne"
erstellen. Mit "Plan" meinen wir keinen festen Entwurf
oder ein statisches Dokument. Statt dessen erwarten
wir Arbeitsdokumente, die von den Vorsitzenden der
Arbeitsgruppen und den anderen Teilnehmern als
Leitlinien zum Handeln benutzt werden können.
Zweitens müssen wir geeignete Folgemechanismen
identifizieren. Unabhängig von der möglichen Organisation müssen wir sicherstellen, daß die Koordinierung
auch in naher Zukunft fortgesetzt wird.
Ich möchte meine Ausführungen folgendermaßen
abschließen:
Den Völkern Rußlands und der anderen unabhängigen
Staaten sage ich: Bleibt eurem Kurs treu, denn die
Freiheit funktioniert. Demokratie und wirtschaftliche
Freiheit sind keine Experimente, sondern euer einziger
Weg in eine bessere Zukunft. Die Geschichte appelliert erneut an euer Heldentum, auf daß ihr euch gegen
neue Widrigkeiten wappnet. Durch Zusammenarbeit
untereinander und mit der Welt können Demokratie,
Freiheit und ein besseres Leben euer sein.
Den Völkern Europas und Amerikas, Asiens und des
Persischen Golfs sage ich: Zusammen können wir
erreichen, was wir als einzelne nicht schaffen können.
Dem amerikanischen Volk, Republikanern wie Demokraten, sage ich: Gemeinsam können wir eine Quelle
der Hoffnung sein. Laßtuns den Schlaf des Isolationismus vermeiden, der zu einer Wiederholung der Geschichte zu führen droht.
Laßt uns statt dessen geloben, die Herausforderungen
im In- und Ausland in Angriff zu nehmen.
Wie Martin Luther King, ein großer Amerikaner, dessen Geburtstag wir diese Woche gedenken, einmal
gesagt hat: "Ein Mann wird letztlich nicht daran gemessen, welchen Standpunkt er in Zeiten des Wohlergehens und der Ruhe einnimmt, sondern wie er sich in
Zeiten der Herausforderungen und Kontroversen verhält. Der wahre Nachbar wird seine Stellung, sein
Prestige und sogar sein Leben für das Wohlergehen
anderer aufs Spiel setzen. In gefährlichen Tälern und
auf unsicheren Pfaden wird er einem verletzten und
geschlagenen Bruder zu einem höheren und erhabeneren Leben verhelfen."
Wir alle sind Nachbarn der Völker Rußlands und der
neuen unabhängigen Staaten.
Also laßt uns alle an die Arbeit gehen, denn es ist zu
schaffen.

*

Seite 3

�GUS-HILFE
29. Januar 1992

HILFE DER USA FÜR EHEMALIGE
SOWJETREPUBLIKEN
Eine Übersicht des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Das US-Außenministerium hat eine detaillierte Aufstellung der humanitären und
technischen Hilfsleistungen veröffentlicht, die von den Vereinigten Staaten für die Nachfolgestaaten der
ehemaligen Sowjetunion bereitgestellt werden.
Die am 23. Januar 1992 herausgegebene Aufstellung umfaßt ein breites Spektrum von Hilfsmaßnahmen, die
sich auf medizinische Versorgung, Nahrungsmittel, Energie, Unterkunft und technische Hilfe erstrecken.
Im medizinischen Bereich beinhaltet die amerikanische Hilfe die Lieferung und Verteilung überschüssiger
medizinischer Güter, großangelegte Impfkampagnen, Bereitstellung von Flugzeugen und Besatzungen zum
Transport der Spenden in die neuen unabhängigen Staaten sowie Bestrebungen zur Förderung von Handel und
Investitionen der Vereinigten Staaten im medizinischen Bereich.
Die Nahrungsmittelhilfe umfa ßt staatliche Unterstützung für Spenden der Privatwirtschaft in Form der benötigten
Lebensmittel, Förderung der Entsendung freiwilliger Helfer aus dem Landwirtschaftsbereich und Hilfe beim
Aufbau von Lagerkapazitäten. Zu den zugesagten Nahrungsmittelspenden zählen auch vom Verteidigungsministerium zur Verfügung gestellte Güter im Wert von 44,8 Millionen Dollar.
Im Hinblick auf die Energieversorgung beihalten die Bestrebungen dem Außenministerium zufolge Projekte, die
eine Verbesserung der Beheizung von Wohnhäusern und der Sicherheit von Kohlebergwerken zum Ziel haben.
Zur Bereitstellung von Unterkünften sollen zur Lösung der kurz- und langfristigen Wohnungsprobleme Beraterteams entsandt werden.
Die technische Hilfe umfaßt Programme, die auf die Entwicklung von Demokratie und Marktwirtschaft sowie die
Umstellung der Rüstungsindustrie auf zivile Produktion abzielen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Übersicht des Außenministeriums im Wortlaut.

Medizinische Versorgung
Medizinische Hilfsleistungen des Verteidigungsministeriums
Die US-Regierung wird überschüssige medizinische
Güter (Reservebestände) in die bedürftigen Regionen
liefern und die Verteilung durch freiwillige Privatorganisationen vornehmen.
Das US-Verteidigungsministerium stellt in Oakland (Kalifornien) gelagerte überschüssige
Bestände von Operation Desert Storm zur Verfügung. Hierzu zählen medizinische Güter
(Mullbinden, Spritzen, Katheter etc.), die der
Ladekapazität von 5 Transportflugzeugen vom
Typ C-5 entsprechen.

AMERIKA DIENST 4

Das US-Verteidigungsministerium stellt femer
Bestände der Operation Desert Storm an oralen
Antibiotika (Ciprofloxacin) im Wert von 8,7 Millionen Dollar bereit. Dies entspricht über einer
Million Dosierungen und einer sechsten C-5Ladung. Diese Güter sind in Pirmasens gelagert.
Das US-Verteidigungsministerium hat die Verschiffung von 58 Seecontainern überschüssiger, in Kalifornien gelagerter medizinischer
Verbrauchsgüter in die neuen unabhängigen
Staaten veranlaßt.
Das US-Verteidigungsministerium nimmt eine
weitere Überprüfung seiner Bestände an überschüssigen medizinischen Gütern vor, die für
Soforthilfe eingesetzt werden können.

Seite 1

�Medizinisches Sofortprogramm
Dieses Programm wird dazu beitragen, den Mangel an
wichtigen Arzneimitteln und medizinischen Gütern zu
beheben, einschließlich Antibiotika für die Behandlung
von Respirations- und anderen ansteckenden Krankheiten, Impfstoffen zur Immunisierung von Kindern
und ältemen Menschen gegen lebensbedrohende
Krankheiten, Medikamenten zur Behandlung cardiovaskularer Krankheiten und unterschiedlicher Arten
von Krebs sowie Einweghandschuhen und -spritzen,
um die Verbreitung von Infektionen zu vermeiden.
Zusammen mit privaten Beiträgen wird dieses
Programm Medikamente und medizinische Güter
für die neuen unabhängigen Staaten im Wert
von 50 Millionen Dollar umfassen.
Über 50.000 Kinder werden im Rahmen dieses
Programms behandelt oder geimpft. Das Programm soll im Sommer 1992 anlaufen.
Medizinische Luftbrücke
Die US-Regierung wird logistische Unterstützung zur
Verfügung stellen (das heißt, Flugzeuge und Besatzungen) für die einer C-5-Ladung entsprechende Lieferung von Medikamenten und medizinischen Gütern,
die den Nachfolgestaaten von den Konferenzteilnehmern gespendet wurden.
Krankenhauspartnerschaften zwischen Nationen
Zusammmen mit anderen Konferenzteilnehmern werden die Vereinigten Staaten die Gründung von "Krankenhauspartnerschaften" mit vergleichbaren Einrichtungen in den neuen unabhängigen Staaten unterstützen, um Hygiene, OP, Klinikverwaltung und Geräte zu
verbessern. Das Ziel der Vereinigten Staaten besteht
in der Errichtung von sieben solcher Kliniken bis Ende
1992.
Kinderklinik. Die erste dieser Partnerschaften
wird zwischen dem Norfolk Medical Center und
der Kinderklinik in Moskau gegründet, um die
Qualität der angebotenen Versorgung bei ansteckenden Kinderkrankheiten und in der
Hämatologie zu verbessern.
Förderung von Handel und Investitionen der USA im
medizinischen Bereich
Die Herstellung und Lieferung von Medikamenten,
Impfstoffen und medizinischen Gütern hat sich dramatisch verschlechtert. Zusammen mit amerikanischen
Unternehmern wird die US-Regierung den neuen
unabhängigen Staaten dabei behilflich sein, den Übergang von der Abhängigkeit von gespendeten Medikamenten und medizinischen Gütern zur Entwicklung
eigener privatisierten Produktionskapazitäten zu vollziehen. Dazu zählen:

Seite 2

Entsendung amerikanischer Expertenteams aus
der Industrie, um rasche Lösungen für solche
Probleme auszumachen, die die Produktion
begrenzen. Ein Nebeneffekt sind Kauf und
Montage von amerikanischem Gerät sowie die
Schaffung von Märkten für die amerikanische
Pharmaindustrie.
Aktivitäten zur Ermutigung amerikanischer
Unternehmen, einschließlich der Einberufung
von Gesprächsrunden, Handels- und Investitionsmissionen, den Investitionen vorausgehende Dienstleistungen und die Unterstützung der
Beteiligung der Privatwirtschaft am Gesundheitswesen . Dies würde in Zusammenarbeit mit
dem Wirtschaftsministerium, der Entwicklungsgesellschaft OPIC und Handelsentwicklungsprogrammen ausgeführt.
Nahrungsmittel
US-Partnerschaften "Nahrungsmittel für Freiheit"
Die US-Regierung wird Bestebungen der Privatwirtschaft und nichtstaatlicher Organisationen für Nahrungsmittelspenden und kostengünstiges landwirtschaftliches Gerät durch die Bereitstellung von logistischer
Unterstützung, Transportmitteln und Fachwissen fördern. Dazu zählen Spendenangebote für Mehl, Milchprodukte, verarbeitete Nahrungsmittel und andere Güter
von amerikanischen Landwirten, Kirchen, Freiwilligenorganisationen und Unternehmen.
Programme "von Landwirt zu Landwirt"
In den nächsten drei Jahren werden die Vereinigten
Staaten bis zu 2.000 Freiwillige aus der Landwirtschaft
für 30 bis 90 Tage zur Verfügung stellen, um direkt mit
Landwirten in den unabhängigen Staaten bei der Steigerung von landwirtschaftlicher Produktion und Einkommen zusammenzuarbeiten. Dieses Programm
konzentriert sich zunächst auf Armenien, Rußland, die
Ukraine und Kasachstan und wird im kommenden
Frühjahr beginnen.
Kostengünstige Nahrungsmittellagerung
Die US-Regierung wird dazu beitragen, eines der
schwierigsten Probleme der Nahrungsmittel-Produktionskette zu lösen, indem sie die Einrichtung kostengünstiger Lagerungssysteme zur Reduzierung der
Nahrungsmittelverschwendung finanziert.
Zusätzliche Dienstleistungen der USA im Agrarbereich
Die Vereinigten Staaten werden ihr derzeitiges Programm zusätzlicher Dienstleistungen in Armenien auf
Kasachstan und Usbekistan ausdehen, um den Landwirten Grundkenntnisse zu vermitteln, die Nahrungsmittelverteilung und Marktinformationen zu verbessern.

AMERIKA DIENST 4

�Lieferung von Desert-Storm-Beständen

Unterkunft

Das US-Verteidigungsministerium stellt rund 17.280
Tonnen Nahrungsmittel aus den Beständen von Desert Storm zur Verfügung. Dies entspricht Nahrungsmitteln im Wert von 44,8 Millionen Dollar, die 16
Millionen Mahlzeiten ergeben.

Internationales Wohnberatungsprogamm

Diese Bestände können dazu beitragen, die
Nahrungsmittelengpässe in den Industrieregionen am Donbas-Kohlebecken, an der Wolga, im
Ural und in der Region Kuzbas sowie in St.
Petersburg, Moskau, Archangelsk, Murmansk
und Petrosawodsk zu beheben.
165 Millionen Dollar an Nahrungsmittelhilfe
Die Vereinigten Staaten haben bereits ihre Absicht
bekundet, Nahrungsmittelhilfe in Höhe von 165 Millionen Dollar zu spenden. Dieses Geld ist zum Teil
bereits zur Finanzierung folgender Projekte verwandt
worden:
Nahrungsmittellieferungen nachSt.Petersburg.
Die Vereinigten Staaten werden mit Behörden
vor Ort zusammenarbeiten, um in den nächsten
vier Monaten 400 Tonnen Milchpulver nach St.
Petersburg zu liefern.
Nahrungsmittellieferungen an Armenien. Über
die armenisch-amerikanische Kirche wird die
US-Regierung 10.600 Tonnen Butter, Butteröl
und Weizenschrot für Armenien bereitstellen.
Energie
Energiesparprojekt (Wohnungsbeheizung)
Amerikanische Experten werden helfen, die Zentralheizungsanlagen für Wohngebiete zu reparieren, effektiver zu machen und zu demonstrieren, wie Energie
in Industrieanlagen eingespart werden kann.
Dieses Programm konzentriert sich auf Raffinerien, Heizkraftwerke und Energiesparmaßnahmen für Wohngebiete in den neuen unabhängigen Staaten.
Projekt für Sicherheit von Kohlebergwerken
Diese Initiative beinhaltet Unterstützung für ein erweitertes Programm "Partner bei der Wirtschaftsreform",
einer Initiative der amerikanischen Kohleindustrie,
mehrerer amerikanischer Eisenbahnen und des
Gewerkschaftsdachverbandes AFL-CIO. Das "Partner-Programm trägt dazu bei, logistische Engpässe
zu beseitigen und Ausbildung bei Sicherheit im Bergbau bereitzustellen.

AMERIKA DIENST 4

Diese Beratergruppen werden aktiv mit lokalen und
nationalen Regierungsvertretern der neuen unabhängigen Staaten sowie mit Unternehmern zusammenarbeiten, um zur Lösung der kurz- und langfristigen
Wohnungsprobleme beizutragen.
Die Vereinigten Staaten werden ihrerseits internationale Wohnberatungsteams in fünf Provinzstädten und einer Hauptstadt sowie 5 Mann/
Jahre für entsandte Spezialisten zur Verfügung
stellen. Wir erwarten, daß dieses Programm in
Zusammenarbeit mit unseren Konferenzteilnehmern entwickelt wird.
Technische Hilfe
Ausbildungsprogramm "Demokratie in der Praxis"
Die Vereinigten Staaten werden ein Programm in die
Wege leiten, das technische Unterstützung und Ausbildung in politischer Arbeit auf allen Regierungsebenen anbietet.
Das Programm sieht die Ausbildung von neu
gewählten staatlichen, regionalen und lokalen
Regierungsvertretern in den Vereinigten Staaten vor.
Das Programm umfaßt femer ein technisches
Hilfsprogramm, das Städte und Bundesstaaten
in Amerika mit Partnern in den Nachfolgestaaten verbindet.
Diese Initiative erstreckt sich auf mindestens
500 Teilnehmer.
Eurasische Stiftung für Demokratie, freies Unternehmertum und Ausbildung in Führung und Management
Die Vereinigten Staaten werden eine Stiftung gründen,
deren Zweck die Förderung und Stärkung von freier
Marktwirtschaft und Institutionen ist, die sich mit repräsentativer Regierung, wirksamen Rechtssystemen,
Menschenrechten und verantwortungsbewußten Medien
befassen. Besondere Aufmerksamkeit wird der Entwicklung einer tragfähigen Privatwirtschaft durch Bereitstellung technischer Hilfe für Privatisierung und
Managementausbildung gewidmet.
Die Stiftung würde beispielhaft ausgestattet, um
gemeinsam mit amerikanischen Freiwilligen- und
nichtstaatlichen Organisationen unverzügliche,
schnell anlaufende, praxisorientierte Hilfe für
alle Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion zur Verfügung zu stellen.

Seite 3

�Demonstrationsprojekte zur Umstellung der Rüstungsindustrie
Die US-Regierung wird vordringlich Konsultationen mit
zivilen und militärischen Behörden vor Ort führen, um
die wichtigsten Demonstrationsprojekte zur Umstellung der Rüstungsindustrie auszumachen, die durchführbar sind und unseren jeweiligen Zielen gerecht
werden.

Dazu zählen neue Aufgaben für Atomwissenschaftler wie Forschung an zivilen Projekten,
die Umrüstung militärischer Stützpunkte in Industriezentren und -parks sowie die Umstellung
der Industrie für zivile Zwecke durch Umstrukturierung, Umschulung und Förderung neuer Investitionen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 4

�GUS-HILFE
29. Januar 1992

DIE AMERIKANISCHE HILFE FÜR
DIE EHEMALIGE SOWJETUNION
Eine Übersicht der US-Regierung
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht über die amerikanischen Hilfsmaßnahmen für die neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion, die am 22. Januar 1992 von der
amerikanischen Regierung herausgegeben wurde.
Die amerikanische Hilfe für die ehemalige Sowjetunion
beträgt insgesamt über 5 Milliarden Dollar.
Ankündigung bei der Koordinierungskonferenz
Der Präsident beantragt für die Haushaltsjahre 1992
und 1993 zusätzlich 645 Millionen Dollar für folgende
Zwecke:
einen neuen Sonderfonds für humanitäre/technische Hilfe im Qesamtumfang von 500 Millionen Dollar, um Ressourcen zur Deckung unvorhergesehener humanitärer und besonderer Hilfsmaßnahmen bereitzustellen;
Bewilligung von 85 Millionen Dollar im Rahmen
des Wirtschaftshilfefonds (ESF) für technische
Hilfe;
25 Millionen Dollar für medizinische Hilfe;
20 Millionen Dollar für das Programm P.L.-480
("von Landwirt zu Landwirt"), das Fortbildungsmaßnahmen für private Landwirte und Agraruntemehmen vorsieht;
15 Millionen Dollar für Entwicklungshilfe.
Kreditbürgschaften für Nahrungsmittel (CCC)
Die Vereinigten Staaten haben die Vergabe von 3,75
Milliarden Dollar an CCC-Kreditbürgschaften für den
Ankauf von Nahrungsmitteln durch die ehemalige
Sowjetunion bekanntgegeben. Etwa 3 Milliarden wurden
bereits in Anspruch genommen, um über 19,5 Millionen Tonnen Nahrungsmittel anzukaufen und zu transportieren.
Nahrungsmittelhilfe
Die Vereinigten Staaten haben die Bereitstellung von
Nahrungsmittelhilfe des US-LandwirtschaftsminfsteAMERIKA DIENST 4

riums in Höhe von bis zu 165 Millionen Dollar angekündigt. Darüber hinaus wurden überschüssige Nahrungsmittelvorräte des Verteidigungsministeriums im
Wert von 45 Millionen Dollar auf Spendenbasis zugesagt. Damit erreicht der Gesamtumfang der Nahrungsmittelhilfe 210 Millionen Dollar.
Nukleare Abrüstung
Das Verteidigungsministerium wird 400 Millionen Dollar aus seinem Haushalt 1992 umschichten, um der
ehemaligen Sowjetunion bei der Vernichtung atomarer
und chemischer Waffen zu helfen.
Transport humanitärer Hilfsgüter
Das Verteidigungsministerium wird darüber hinaus
100 Millionen Dollar aus seinem Haushalt 1992 umschichten, um den Transport humanitärer Hilfsgüter zu
finanzieren.
Medizinische Hilfe des AID
Das Amt für internationale Entwicklung (AID) hat im
Jahr 1991 5 Millionen Dollar für medizinische Hilfe
bereitgestellt. Damit wurden private Spenden medizinischer Hilfsgüter für über 25 Millionen Dollar an die
ehemalige Sowjetunion und die baltischen Staaten
gefördert.
Technische Hilfe
Die Vereinigten Staaten haben Pläne zur Bereitstellung von 120 Millionen Dollar an technischer Hilfe für
die ehemalige Sowjetunion bekanntgegeben. Die
Mittel werden Geldern des Wirtschaftshilfefonds und
des Landwirtschaftsministeriums aus den Haushaltsjahren 1991 und 1992 entnommen. Damit wird auf
Maßnahmen zur technischen Zusammenarbeit aufgebaut, die seit 1989 hauptsächlich von amerikanischen
Regierungsbehörden ohne ausdrückliche FinanzieSeite 1

�rungszusagen durchgeführt wurden. Nachfolgend
veröffentlichen wir eine Liste beispielhafter Projekte,
die für die Zukunft geplant sind.

rungen aus erster Hand über die Arbeitsweise des
Privatsektors und die Leitung gewinnorientierter Unternehmen zu vermitteln.

Beispiele technischer Hilfe für die ehemalige
Sowjetunion

Konversion der Rüstungsindustrie

Modellfarmen
Das US-Landwirtschaftsministerium wird landwirtschaftliche Modellbetriebe bei Moskau, Kiew und einer weiteren Großstadt unterstützen, die anfangs von amerikanischen Farmern geleitet und nach privatwirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt werden sollen. Diese
Betriebe sollen als Demonstrationsobjekte und Ausbildungseinrichtungen für Landwirte dienen.
Großmärkte
Das amerikanische Landwirtschaftsministerium wird
Experten entsenden, die beim Aufbau privater Großmärkte für Nahrungsmittel behilflich sind, mit denen
das staatliche Verteilungssystem ersetzt werden soll.

Die Vereinigten Staaten werden Projektstudien fördern und Experten bereitstellen, um Ressourcen und
Humankapital von der Rüstungsindustrie zu nichtmilitärischen wirtschaftlichen Sektoren zu verlagern.
Energieversorgung
Die Vereinigten Staaten werden Experten aus dem
Privatsektor sowie preiswertes amerikanisches Material liefern, um städtischen Heizkraftwerken, Elektrizitätswerken und lebenswichtigen Industrien zu helfen,
Bereitstellung und Effizienz von Energielieferungen zu
verbessern. Die Vereinigten Staaten werden femer
ihre Bemühungen fortsetzen, um das Klima für ausländische Investitionen im Energiebereich in der ehemaligen Sowjetunion zu verbessern.
Gesundheitswesen

Management-Berater
Das US-Landwirtschaftsministerium und das AID werden
Freiwillige aus der amerikanischen Wirtschaft in wichtigen Positionen einsetzen, um drei bis sechs Monate
lang als Beraterin Organisationen der Nahrungsmittelwirtschaft und Industrie tätig zu sein. Femer werden
Experten entsandt, die bei der Privatisierung von
Staatsunternehmen mitwirken sollen.
Rechtsberater
Die Vereinigten Staaten werden juristische Berater
entsenden, um bei der Erstellung von Gesetzentwürfen mitzuwirken, die eine rechtliche Grundlage für eine
freie Marktwirtschaft liefern (Privateigentum, Schutz
geistigen Eigentums, Investitionsgesetze, Liegenschaftsrecht, Wettbewerbs- und Kartellgesetzgebung
etc.).
Fortbildungsmaßnahmen

Die Vereinigten Staaten werden amerikanischen
medizinischen Einrichtungen Mittel zur Verfügung stellen,
um Fachwissen mit Einrichtungen des Gesundheitswesens in der ehemaligen Sowjetunion auszutauschen.
Demokratisierung
Private amerikanische Organisationen werden in
Anspruch genommen, um Gerät, Beratung und Anleitung bei Wahlverfahren und der Entwicklung eines
parlamentarischen Systems bereitzustellen.
Rechtsstaatlichkeit
Die Vereinigten Staaten werden Fortbildungsprogramme einrichten, um zur Entwicklung einer unabhängigen Justiz beizutragen und die Überarbeitung von
Straf- und Zivilrecht sowie Verwaltungsverfahren zu
fördern.

Das Wirtschaftsministerium wird Praktikantenstellen
in amerikanischen Unternehmen fördern, um Erfah* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 4

�LIBYEN
29. Januar 1992

PICKERING: UN-ABSTIMMUNG "
KLARES SIGNAL" AN LIBYEN
Erklärung im UN-Sicherheitsrat
NEW YORK - (AD) - Dem amerikanischen UNO-Botschafter Thomas Pickering zufolge hat der Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen mit seiner Resolution vom 21. Januar 1992, wonach Libyen "bei der Auslieferung seiner
Regierungsvertreter ohne wenn und aber zusammenarbeiten" muß, die der Bombenanschläge gegen zwei
Verkehrsmaschinen beschuldigt werden, "das klarste mögliche Signal" gegeben.
In einer Erklärung zu der Resolution im Sicherheitsrat verwies Pickering darauf, diese "stellt klar, daß weder
Libyen noch irgendein anderer Staat versuchen kann, die Unterstützung des internationalen Terrorismus mit
traditionellen Prinzipien des Völkerrechts und staatlicher Praxis zu kaschieren".
In der vom Sicherheitsrat einstimmig verabschiedeten Resolution wird Libyen aufgefordert, unverzüglich,
uneingeschränkt und effektiv mit den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich bei der Aufklärung der
Bombenanschläge gegen Pan Am Flug 103 über Lockerbie sowie Flug UTA 772 über dem Niger zusammenzuarbeiten.
Nachfolgend veröffentlichen wir Pickerings Erklärung im UN-Sicherheitsrat im Wortlaut.

Herr Präsident, mit der Verabschiedung dieser Resolution hat der Rat erneut die wichtige Rolle unter
Beweis gestellt, die er in diesem neuen und hoffnungsvollen Zeitalter der internationalen Beziehungen spielen sollte. Seine Pflichten im Hinblick auf Frieden und
Sicherheit in der Welt nehmen den höchsten Stellenwert ein, und er hat erneut gezeigt, daß er diese
Pflichten äußerst ernst nimmt.
Der Rat war mit der außergewöhnlichen Situation
konfrontiert, daß ein Staat und seine Vertreter in zwei
verabscheuungswürdige Bombenanschläge gegen
Verkehrsflugzeuge verwickelt sind. Dies ist eine Situation, auf die normale Verfahrensweisen nicht angewendet werden können. Die Folgen solchen Verhaltens für Frieden und Sicherheit in der Welt sind eindeutig und unausweichlich.
Die Regierungen Frankreichs, des Vereinigten Königreichs und der Vereinigten Staaten haben diesem Rat
die Ermittlungsberichte vorgelegt, die Vertreter der
libyschen Regierung mit den Bombenanschlägen gegen
Pan Am 103 über Lockerbie und UTA 772 über dem
Niger in Verbindung bringen. 441 völlig unschuldige
Menschen aus 32 Ländern, darunter sieben Mitgliedstaaten dieses Rats, wurden in einem Akt des offenkundigen, kaltblütigen und brutalen Terrorismus ermordet.
AMERIKA DIENST 4

Bei der entscheidenden Frage geht es nicht um irgendwelche unterschiedlichen Meinungen oder Ansätze,
die durch Vermittlungen oder Verhandlungen miteinander versöhnt werden können. Es geht, wie der
Sicherheitsrat erkannt hat, um ein Verhalten, das uns
alle bedroht und eine unmittelbare Gefahr für Frieden
und Sicherheit in der Welt bedeutet. Das Mandat des
Sicherheitsrats verpflichtete diesen, sich seiner Verantwortung in diesem Fall zu stellen. Er darf sich durch
libysche Versuche, diese Angelegenheit des Friedens
und der Sicherheit in der Welt zu einer Frage bilateraler
Meinungsverschiedenheiten umzumünzen, nicht beirren lassen.
Die soeben verabschiedete Resolution reagiert auf
eine besondere Situation, die diesem Rat vorgelegt
wurde. Sie stellt eine konkrete Forderung an Libyen:
daß es ohne wenn und aber bei der Auslieferung seiner
Vertreter, die dieser Bombenanschläge angeklagt oder
mit ihnen in Verbindung gebracht werden, zusammenarbeitet und konkrete Maßnahmen einleitet, wie es
einem gesetzestreuen Staat gebührt. Darüber hinaus
fordert sie den Generalsekretär auf, gemeinsam mit all
den anderen Staaten Libyen zu ermutigen, diese
Resolution vollständig und effektiv zu befolgen. Die
Resolution stellt eindeutig fest, daß der Rat bestrebt
ist, im Einklang mit den Bestimmungen des Völker-

Seite 1

�rechts die unverzügliche Einleitung eines Gerichtsver- staatliche Verstrickung in den Terrorismus sowie dem
fahrens gegen die Beschuldigten zu gewährleisten. Fehlen einer unabhängigen Justiz in dem beschuldigDie Resolution fordert, daß die Angeklagten ohne ten Staat konfrontiert. Angesichts eines derartigen
Verhaltens mußte der Rat handeln, um Bedrohungen
wenn und aber der Justiz der Länder übergeben werden, die nach dem Völkerrecht für ihre Gerichtsverfah- für Frieden und Sicherheit in der Welt zu bewältigen,
die sich aus äußerst schwerwiegenden terroristischen
ren zuständig sind.
Anschlägen ergeben, und er tat dies mit Festigkeit,
Bis heute hat sich Libyen geweigert, auf diese Forde- Würde, Entschlossenheit und Mut. Die Aktion des
rungen einzugehen, hat versucht, sich seinen Pflichten Rats gibt deshalb das klarste mögliche Signal, daß die
zu entziehen und eine Verzögerungstaktik angewandt. internationale Staatengemeinschaft solches VerhalObgleich die libyschen Versuche, den Charakter des ten nicht tolerieren wird.
Problems vor dem Rat zu verschleiern, auch das
ausdrückliche Zugeständnis beinhalten, daß seine Wir hoffen jetzt, daß Libyen effektiv und rasch reagiert.
Staatsangehörigen andernorts vor Gericht gestellt Die Stimme der internationalen Staatengemeinschaft
werden könnten, wird gleichzeitig krampfhaft versucht, ist in diesem Fall unmißverständlich und entschlossen.
Orte vorzuschlagen oder anzubieten, die den Wert des Der Rat erwartet von Libyen die Einhaltung der soeben
in langen und gründlichen Ermittlungen der Staaten, verabschiedeten Resolution. Das Ausmaß der begandie eine Auslieferung fordern, so akribisch gesammel- genen Verbrechen und die Angriffe auf Frieden und
ten Beweismaterials verringern oder sogar zunichte Sicherheit in der Welt gebieten nichts weniger. Der Rat
machen würden.
wir sorgfältig beobachten, wie Libyen reagiert. Der Rat
wird weiterhin Schritt für Schritt sein Engagement für
Mit der Verabschiedung dieser Resolution hat der Rat Frieden und Sicherheit in der Welt aufrechterhalten. Er
umsichtig und klug auf die einzigartige Situation rea- wird auch in Zukunft sicherstellen, daß seine Stimme
giert, die mit der eindeutigen Aufdeckung staatlich und seine Entscheidungen alles mögliche dazu beitrageförderter terroristischer Anschläge gegen die Zivil- gen werden, um Libyen sowie jeden anderen Staat, der
luftfahrt einhergeht. Der Rat hat unmißverständlich sich in Zukunft zu ebensolchen Handlungen veranlaßt
das Recht aller Staaten bekräftigt, ihre Bürger im fühlen könnte, dazu zu bewegen, solche Aktionen
Einklang mit der Charta zu schützen. Die Resolution heute und in Zukunft einzustellen. Falls weitere
stellt klar, daß weder Libyen noch irgendein anderer
Maßnahmen erforderlich sein sollten - und wir hoffen,
Staat versuchen kann, die Unterstützung des interna- dies ist nicht der Fall -, gehen wir davon aus, daß der
tionalen Terrorismus mit traditionellen Prinzipien des Rat weiterhin bereit ist, seine Pflichten voll und ganz
Völkerrechts und staatlicher Praxis zu kaschieren. Der wahrzunehmen.
Rat war in diesem Fall mit eindeutigen Beweisen für
* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 4

�PORTRAT
29. Januar 1992

CARD ALS "MACHER" BEKANNT
Porträt des nominierten Verkehrsministers

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat den von
ihm als nächsten Verkehrsminister nominierten Andrew Card als Mann bezeichnet, der im Weißen Haus
als "Macher" bekannt ist.
Card war bisher als Stellvertretender Stabschef im
Weißen Haus tätig. Vorbehaltlich seiner Bestätigung
durch den Senat wird er Nachfolger von Samuel Skinner, der nach dem Rücktritt John Sununus Stabschef
im Weißen Haus wurde.
Als langjähriger Gefolgsmann Bushs war Card an der
erfolglosen Präsidentschaftskampagne Bushs im Jahr
1980 in Massachusetts beteiligt. 1988 war er Wahlkampfleiter Bushs für die Vorwahl in New Hampshire,
die entscheidend zum späteren Sieg Bushs im Präsidentschaftswahlkampf beitrug. Zuvor war Card im
Weißen Haus unter Reagan Leiter des Büros für
zwischenstaatliche Angelegenheiten.
Der 44jährige Card, ein Ingenieur und ehemaliger
Vizepräsident einer Softwarefirma, war von 1974 bis
1983 Abgeordneter im Repräsentantenhaus von
Massachusetts und kandidierte 1982 für das Gouverneursamt in diesem Staat.
Card wurde am 10. Mai 1947 in Brockton (Massachusetts) geboren. An der University of South Carolina
erwarb er ein Bakkalaureat in Ingenieurwesen. Darüber hinaus besuchte er die United States Merchant

Marine Academy sowie die John F. Kennedy School of
Government an der Harvard University.
Im Repräsentantenhaus von Massachusetts war er
sechs Jahre lang Mitglied der republikanischen Fraktionsführung und wurde im Jahr 1982 von der Nationalen Vereinigung Republikanischer Abgeordneter zum
Abgeordneten des Jahres gewählt.
Im September 1983 wurde Card zum persönlichen
Referenten Präsident Reagans für zwischenstaatliche
Angelegenheiten ernannt und arbeitete in dieser Position hauptsächlich mit den Gouverneuren der Bundesstaaten zusammen. 1988 war er unter Präsident
Reagan Leiter des Büros für zwischenstaatliche Angelegenheiten im Wei Ben Haus. In diesem Amt fungierte
er als Verbindungsmann des Präsidenten zu den
Gouverneuren, den gewählten Vertretern in den Bundesstaaten, Abgeordneten, Bürgermeistern und anderen Gemeindevertretern.
Im Wahlkampf 1988 diente Card als wichtiger Berater
für den Wahlkampf Bush/Quayle. Neben seinem
Einsatz als Wahlkampfmanagerfür die Vorwahl in New
Hampshire war er regionaler politischer Direktor und
Verbindungsmann zu den republikanischen Gouverneuren.
Card ist verheiratet und hat drei Kinder.

* * * * *

AMERIKA DIENST 4

Seite 1

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11357">
                <text>29.01.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11358">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11359">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11360">
                <text>Amerikadienst 29.01.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11361">
                <text>&lt;strong&gt;1. Bericht zur Lage der Nation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush erläutert neue Weltordnung, Pläne zur wirtschaftlichen Erholung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht des Präsidenten zur Lage der Nation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GUS-Hilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush drängt auf weltweite Hilfe für ehemalige Sowjetrepubliken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten bei der GUS-Konferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker: weltweite Hilfe für ehemalige Sowjetunion erforderlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Außenministers bei Koordinierungskonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hilfe der USA für ehemalige Sowjetrepubliken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Hilfe für die ehemalige Sowjetunion &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht der US-Regierung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Libyen&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Pickering: UN-Abstimmung "klares Signal" an Libyen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung im UN-Sicherheitsrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Card als "Macher" bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des nominierten Verkehrsministers&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2450" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2461">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/a08d0021eebf7a039017aac2cd643ae9.pdf</src>
        <authentication>04885c6577c3bc67868871fa9158b8ba</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="12725">
                    <text>e

/ $r%

amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

02

29.Januar 1997

AUSSENPOLITIK

INVESTITIONEN IN DIE AMERIKANISCHE
FÜHRUNGSROLLE
Abschiedsrede von Außenminister Christopher
ENTWURF EINER ÜBERPARTEILICHEN
AUSSENPOLITIK
von Außenministerin Madeleine K. Albright

ABRÜSTUNG

DIE VERRINGERUNG VON BEDROHUNGEN
Rede des designierten Verteidigungsministers

WIRTSCHAFT

AMERIKAS SPITZENPOSITION IN DER
WELTWIRTSCHAFT
Rede des designierten Wirtschaftsministers

PORTRAT

MADELEINE KORBEL ALBRIGHT
Porträt der neuen Außenministerin
WILLIAM S. COHEN
Porträt des neuen Verteidigungsministers

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�AUSSENPOLITIK
29.Januar 1997

Investitionen in die amerikanische Führungsrolle
Abschiedsrede von Außenminister Christopher

WASHINGTON - (AD) - In seiner Abschiedsrede als US-Außenminister unterstrich Warren Christopher am 15.
Januar 1997 an der John F. Kennedy School of Government der Harvard University in Boston (Massachusetts)
die Notwendigkeit einer besseren Finanzierung der diplomatischen Missionen der Vereinigten Staaten im
Ausland. Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Abschiedsrede.

Dies ist das dritte Jahr in Folge, daß ich zu Ihnen
sprechen darf, und ich danke Ihnen für den freundlichen Empfang. Vor einigen Jahren nahm ich mir fest
vor, jeden Januar nach Boston zu kommen, bis die
Patriots in den Super Bowl kommen. Nachdem ich
dieses Versprechen erfüllt habe, kann ich beruhigt
nach Hause gehen. Vorher möchte ich jedoch die
letzten vier Jahre Revue passieren lassen und mich
auf die Investitionen konzentrieren, die wir zur Bewahrung der Führungsrolle und des weltweiten Engagements der Vereinigten Staaten tätigen müssen.
Beim Amtsantritt unserer Administration 1993 konzentrierten wir uns auf eine Vielzahl von Herausforderungen, die dringender Aufmerksamkeit bedurften. In
Rußland befand sich die Demokratie in der Krise und
die Wirtschaft stand kurz vor dem Zusammenbruch.
Das Nuklearwaffenarsenal der ehemaligen Sowjetunion war auf vier neue Länder mit wenigen Sicherheitsvorrichtungen verstreut. Die Krieg in Bosnien
befand sich auf dem Höhepunkt seiner Brutalität und
drohte sich auszuweiten. Nordkorea entwickelte
Nuklearwaffen. Der Friedensprozeß im Nahen Osten
war in eine Sackgasse geraten; die Verhandlungen
kamen nicht voran. Die Unterdrückung in Haiti
verursachte Flüchtlingswellen an unseren Küsten. Die
Annahme des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA war sehr zweifelhaft, was unsere
Beziehungen zur gesamten Hemisphäre gefährdete.
Im Laufe der letzten vier Jahre haben wir diese
drängenden Fragen Schritt für Schritt beantwortet und
eine dauerhafte Grundlage für unser Engagement in
einer Welt mit mehr Sicherheit und größerem Wohlstand gelegt. Tatsächlich begann die Welt des 21.

AMERIKA DIENST 02

Jahrhunderts in diesem Zeitraum unter unserer
Führung Gestalt anzunehmen. Es ist eine Welt, in der
keine Großmacht eine andere für eine unmittelbare
Bedrohung hält, in der die von uns nach dem Zweiten
Weltkrieg gegründeten Institutionen an neue Herausforderungen angepaßt werden, in der offene Gesellschaften und offene Märkte einen Wettbewerbsvorteil
genießen und Amerika eine unerläßliche Nation bleibt.
Ein neues und charakteristisches Element unserer
Strategie war die Priorität, die wir dem Umgang mit
neuen globalen Fragen wie Weiterverbreitung, Terrorismus, internationalem Verbrechen, Drogenhandel
und Umweltzerstörung einräumen. Diese grenzüberschreitenden Fragen können nicht durch die traditionelle nationale Diplomatie und auch nicht auf regionaler Basis gelöst werden. Globale Probleme erfordern
globale Lösungen.
1993 ernannten wir erstmals einen Staatssekretär für
globale Angelegenheiten im Außenministerium, der
sich mit vielen dieser Fragen befassen soll. Meines
Erachtens können die seither gemachten Fortschritte
als Hauptvermächtnis der Präsidentschaft Bill Clintons
und hoffentlich auch meiner Zeit als Außenminister
betrachtet werden.
Ein zentraler Bestandteil unserer globalen Strategie ist
die Gewährleistung, daß das amerikanische Volk nicht
mit Massenvernichtungswaffen bedroht wird. Aus
diesem Grund haben wir so hart an der unbegrenzten
Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags und an
der Sicherung des Vertrags über ein umfassendes
Atomtestverbot (CTB-Vertrag) gearbeitet. Aus diesem
Grund haben wir ein Programm eingeleitet, das

Seite 1

�verhindern soll, daß Nuklearwaffen aus der ehemaligen Sowjetunion in die Hände von Terroristen oder
verbrecherischen Staaten fallen. Aus diesem Grund
habe ich mich für das Einfrieren und letztlich die
Beseitigung des nordkoreanischen Nuklearprogramms
eingesetzt. Aus diesem Grund waren wir so fest zur
Stillegung des irakischen Programms für biologische
Waffen entschlossen, und aus diesem Grund wird der
Präsident in den kommenden Monaten auf die Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention drängen.
Ebenso wichtig ist, daß wir die neuen sicherheitspolitischen Bedrohungen angehen, die seit dem Ende
des Kalten Krieges deutlich sichtbar entstanden sind.
Wir haben den Kampf gegen Terror, Drogen und
Verbrechen ganz oben auf die Tagesordnung der G-7
und der Vereinten Nationen gesetzt. Infolgedessen ist
die Zusammenarbeit der Nationen auf dem Gebiet der
strafrechtlichen Verfolgung enger denn je. Wichtige
Terroristen wurden gefaßt, und viele terroristische
Gewaltakte wurden verhindert.
Ich habe die Einbeziehung von Umweltfragen in jeden
Aspekt unserer Diplomatie zu meiner persönlichen
Priorität gemacht. Auf meinen Reisen war ich bestürzt
über die explodierenden, übervölkerten Städte, die ich
in vielen Teilen der Welt sah - Großstädte wie Sao
Paulo, Mexico City, Jakarta, Manila und Kairo - Städte,
in denen Überbevölkerung und Verschmutzung
Gesundheit und Wohlergehen der Nationen und
Regionen bedrohen. Im Nahen Osten habe ich
gesehen, wie Wassermangel Quelle von Konflikten ist.
In den Neuen Unabhängigen Staaten der ehemaligen
Sowjetunion war ich erschrocken über die ruinösen
Auswirkungen von Verschmutzung auf die Gesundheit
des einzelnen, die Lebenserwartung und die Aussicht
auf wirtschaftliche Erholung. Vor einigen Jahren
standen diese Fragen nur selten auf unserer Tagesordnung. Jetzt stehen sie im Mittelpunkt unserer
Diplomatie und werden meines Erachtens im nächsten
Jahrhundert noch mehr Bedeutung erlangen.
Eine weitere dauerhafte Hinterlassenschaft der ersten
Amtszeit des Präsidenten werden unsere Leistungen

Jenseits des Atlantiks befinden wir uns an der Schwelle zur Schaffung eines stabilen, demokratischen und
ungeteilten Europas. Die amerikanische Führungsrolle
beendete den Krieg in Bosnien und gewinnt den
Frieden. Wir haben die Führungsrolle bei der Stärkung
und Umgestaltung der NATO übernommen. Alle
neuen Demokratien Europas sind der Partnerschaft für
den Frieden beigetreten, und dieses Jahr wird die
NATO mehrere Länder zu Verhandlungen über einen
Beitritt zum Bündnis einladen. In den entscheidenden
Momenten standen wir an der Seite der Demokratie in
Rußland und haben die Tür zur Integration dieses
Landes geöffnet, einschließlich einer neuen Charta mit
der NATO.
Auch Asien geht prosperierend und in Frieden in das
nächste Jahrhundert, und seine neuen Strukturen der
Zusammenarbeit zielen darauf ab, daß das so bleibt.
Wieder war die von uns übernommene Führungsrolle
von elementarer Bedeutung. Wir haben durch die
Aufrechterhaltung unserer militärischen Präsenz
Stabilität geschaffen, unser wichtiges Bündnis mit
Japan gestärkt und gemeinsam mit Südkorea den aus
dem Norden des Landes kommenden Provokationen
die Stirn geboten. Wir haben Weitblick gezeigt, als wir
das Forum für asiatisch-pazifische wirtschaftliche
Zusammenarbeit APEC zu einer Befürwortung offenen
Handels veranlaßten. Wir arbeiten mit China an der
Förderung unserer gemeinsamen vitalen Interessen,
auch wenn wir unsere schwerwiegenden Differenzen
bei Fragen wie den Menschenrechten ebenfalls
ansprechen.
Im Nahen Osten sind wir der Erlangung unseres Ziels
eines umfassenden Friedens nähergekommen.
Unsere Diplomatie war entscheidend, Israel beim
Abschluß von Abkommen mit den Palästinensern
sowie einem Friedensvertrag mit Jordanien zu unterstützen. Wir trugen zur Eröffnung einer neuen Dimension des Friedensprozesses bei, indem wir die Wirtschaftsgipfel von Casablanca, Amman und Kairo zu
bedeutenden Schritten für eine Normalisierung der
Beziehungen zwischen Israel und seinen arabischen
Nachbarn ermutigten. Obwohl der Frieden in den

zur Förderung unserer Wirtschaftsinteressen sein.

letzten Monaten viele harte Proben bestehen mußte,

Dank der Uruguay-Runde und des NAFTA sind die
Zölle auf amerikanische Exporte jetzt niedriger denn je.
Dank der mehr als 200 Abkommen zur Marktöffnung
haben wir 1,6 Millionen amerikanische Arbeitsplätze
geschaffen. Dank der in unserer Hemisphäre und
jenseits des Pazifiks eingegangenen Verpflichtungen
zu Freihandel haben wir die Chance, zum Mittelpunkt
eines dynamischen, offenen Marktes zu werden, der
von Chile bis Kanada und von Australien bis Korea
reicht. Wir dürfen diese Chance nicht ungenutzt
verstreichen lassen.

sind seine Errungenschaften dauerhaft und wir zu
Fortschritten entschlossen.

In jeder Region der Welt war unsere Führungsrolle
entscheidend für die Förderung unserer Interessen
und Ideale.

Seite 2

Das Hebron-Abkommen und andere gestern abend
erzielte Übereinkünfte stellen eine außerordentliche
Leistung dar. Sie zeigen, daß dem Frieden eine
machtvolle Logik innewohnt - ein Gebot, das mächtig
genug zur Überwindung der Rückschläge und dem
Zögern der letzten Monate ist.
Das Hebron-Protokoll und die von den Vereinigten
Staaten entworfene Note sind ein klarer Kurs für die
Zukunft. Sie setzen Verpflichtungen fest und geben
Israel und den Palästinensern einen Zeitrahmen für die
Umsetzung der bereits erzielten Abkommen. Ferner

AMERIKA DIENST 02

�setzt die Note einen Zeitpunkt für die Aufnahme der
Verhandlungen über den endgültigen Status fest.
Nachdem die Parteien diesen schwierigen Schritt
getan haben, dürfen sie nicht müde werden und die
Hände in den Schoß legen. Sie müssen diese neue
Dynamik nutzen, um bei der Schaffung des Friedens
Fortschritte zu machen, der im Interesse von Israelis
und Palästinensern gleichermaßen liegt. Und wir
müssen daran denken, daß wir den Parteien bei der
Erlangung eines Abkommens aufgrund unserer
Führungsrolle und unseres Engagements helfen
konnten und weil wir über die Mittel zur Unterstützung
derjenigen verfügen, die um des Friedens willen
Risiken eingehen.
In der westlichen Hemisphäre sahen wir eine dramatische Bewegung zu offenen Gesellschaften und
offenen Märkten - in einer Region, die weltweit den am
schnellsten wachsenden Markt für amerikanische
Exporte darstellt. Als der demokratische Trend in der
Hemisphäre durch die verbrecherischen Diktatoren in
Haiti bedroht wurde, handelten die Vereinigten Staaten
entschlossen, um die legitime Regierung wiedereinzusetzen. Als durch die Finanzkrise in Mexiko die
freien Märkte in Gefahr gerieten, war unsere Führungsrolle zur Wiederherstellung des Vertrauens
vonnöten.
In Afrika sind wir auf einem Kontinent engagiert, der
jetzt an einem Scheideweg angelangt ist - einem
Punkt, an dem eine solide Politik und stetiges internationales Engagement den Unterscheid zwischen Krieg
und Frieden, Armut und Wachstum bewirken können.
Aus diesem Grund haben wir entschlossene Bestrebungen zur Ermutigung von Demokratie, Lösung von
Konflikten und Förderung von Handel und Investitionen
unternommen. Aus diesem Grund arbeiten wir an der
Aufstellung einer Krisenreaktionstruppe für Afrika, die
die Länder der Region in die Lage versetzen soll, auf
Notsituationen mit ihren eigenen Soldaten, aber mit
finanzieller und logistischer Unterstützung der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten zu reagieren.
In all diesen Bereichen sind die von uns erzielten
Leistungen das beste Argument für eine prinzipientreue und starke Politik des amerikanischen Engagements in der Welt. Aufgrund unserer militärischen und
wirtschaftlichen Macht und weil man Vertrauen in uns
setzt, daß wir die universellen Werte wahren, gibt es
Zeiten, zu denen nur Amerika eine Führungsrolle
übernehmen kann. Wir müssen führen - nicht weil die
Übernahme einer Führungsrolle ein Selbstzweck ist,
sondern weil sie zur Förderung der Interessen und
Ideale unserer großartigen Nation erforderlich ist.
Das ist die zentrale Lektion unseres Zeitalters. Weil
die Vereinigten Staaten eine Führungsrolle übernahmen, endet ein Jahrhundert, das nie sicher genug

AMERIKA DIENST 02

für die Demokratie war, mit einer Zunahme von
Frieden und Freiheit. Das Ende des Kalten Krieges
hat die Notwendigkeit einer amerikanischen Führungsrolle nur noch verstärkt. Wie Präsident Clinton sagte:
"Dies ist das großartigste Zeitalter menschlicher
Möglichkeiten in der Geschichte, das besondere
Chancen, aber auch besondere Pflichten impliziert."
Die Notwendigkeit einer amerikanischen Führungsrolle
wird in unserem Land selten in Zweifel gezogen.
Heute wird jedoch unsere Fähigkeit zu führen in Frage
gestellt. Lassen Sie mich das erklären: Niemand im
öffentlichen Leben wird aufstehen und sagen "wir
können uns erlauben, uns zurückzuziehen, wir können
unsere Verpflichtungen ignorieren; wir können Amerika
mit einer Mauer umgeben". Die Kongreßabgeordneten
sagen mir nicht: "Schließen Sie einige unserer Botschaften, rollen Sie die Flagge ein und bringen Sie
unsere Diplomaten bis Weihnachten nach Hause
zurück."
Im Gegenteil: Der Kongreß protestiert immer, wenn wir
widerwillig die Schließung einer Mission infolge von
Haushaltskürzungen des Kongresses beschließen
müssen. Darüber hinaus verringert der Kongreß zwar
unser Budget, fordert uns aber regelmäßig auf, unser
globales Engagement zu erhöhen, indem wir die NATO
erweitern, die Unabhängigkeit der russischen Nachbarn unterstützen, Investitionen in Afrika fördern und
die Arbeitnehmerrechte in Asien schützen, um nur
einige Beispiele zu nennen.

Natürlich hat der Kongreß Recht, wenn er sagt, wir
sollten das alles tun. Aber unsere Außenpolitik wird
nicht durch Rhetorik oder Absichtserklärungen unterstützt. Reden ist billig, die Übernahme einer Führungsrolle nicht.
Eine Führungsrolle in der Außenpolitik erfordert
Ressourcen: Genügend Ressourcen, damit unsere
Botschaften geöffnet bleiben und unsere Mitarbeiter
weiterhin gut ausgebildet werden können. Genügend
Ressourcen, um konstruktive Beziehungen zu den
Großmächten der Welt zu unterhalten. Genügend
Ressourcen, um unseren Einfluß durch internationale
Institutionen zu multiplizieren. Genügend Ressourcen,
um aufstrebenden Demokratien, die eines Tages zu
Verbündeten und Exportmärkten werden können,
gezielte Hilfe zu bieten. Genügend Ressourcen, um
neue Bedrohungen wie Terrorismus und internationales Verbrechen zu bekämpfen.
Das größte Problem für unsere Außenpolitik heute ist,
ob wir das ausgeben werden, was wir für eine effektive
Außenpolitik ausgeben müssen. Seit 1985 wurden
unsere Ausgaben für internationale Angelegenheiten in
realen Zahlen um 50 Prozent gekürzt. 50 Prozent.
Unser Haushalt für auswärtige Angelegenheiten
beträgt jetzt nur etwas über ein Prozent des gesamten
Bundeshaushalts.

Seite 3

�Das Erstaunliche daran ist, daß diese Kürzungen nicht
von einer ernsthaften Debatte im Kongreß begleitet
wurden. Sie waren nicht durch eine Neubewertung
unserer Interessen in der Welt motiviert. Wie ich
bereits sagte, ist im Prinzip jeder für die amerikanische
Führungsrolle. Nur denken einige, wir könnten diese
Führungsrolle übernehmen, ohne den Preis dafür zu
bezahlen. Infolgedessen sind wir durch eine neue
Form des Isolationismus gefährdet, der eine amerikanische Führungsrolle erfordert, aber Amerika der
Fähigkeit zu führen beraubt.
Ein Opfer unserer unzulänglichen Ressourcen wird
das Prinzip der Universalität bei unserer Vertretung im
Ausland sein - das Prinzip, daß es in praktisch jedem
Land eine US-Mission geben sollte. Haushaltskürzungen haben uns gezwungen, mehr als zwei Dutzend
Konsulate und mehrere Botschaften zu schließen.
Wenn das Ausbluten andauert, haben wir keine andere
Wahl, als noch mehr Einrichtungen zu schließen.
In einer unberechenbaren Welt benötigen wir eine
Stimme in jeder Nation. In den vergangenen Jahren
haben wir immer wieder gesehen, wie lebenswichtig
unsere Präsenz sein kann, häufig zu ungewöhnlichen
Zeiten an ungewöhnlichen Orten. Über 170 Nationen
hatten das gleiche Mitspracherecht an der Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags und der Verabschiedung des CTB-Vertrags - und den gleichen
Bedarf, von amerikanischer Diplomatie vor Ort überzeugt zu werden. Wir hätten das Friedensabkommen
von Dayton nicht aushandeln können, wenn wir nicht
Botschaften in allen ehemaligen jugoslawischen
Republiken gehabt hätten. Wir brauchten Menschen
vor Ort in jeder Hauptstadt auf dem Balkan, um
Informationen zu sammeln, Verhandlungen zu führen,
Greueltaten aufzudecken, den Weg für unsere Truppen zu ebnen und nicht zuletzt unser Engagement zu
demonstrieren.
Ebenso hätten wir mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit Belarus, Kasachstan und die
Ukraine nicht von der Aufgabe der Nuklearwaffen auf
ihrem Territorium überzeugen können, wenn wir nicht
beschlossen hätten, beim Zusammenbruch der
Sowjetunion Botschaften in allen Neuen Unabhängigen Staaten zu eröffnen. Und dennoch, wenn wir uns
mit einer Situation wie dem Zusammenbruch der
Sowjetunion oder Jugoslawiens konfrontiert sähen,
bezweifle ich, daß wir uns die Eröffnung der erforderlichen neuen Einrichtungen leisten könnten.
Haushaltskürzungen haben auch die Menschen
gezwungen, die für unsere Nation im Ausland tätig
sind, unter unerträglichen Bedingungen zu arbeiten.
Unsere Diplomaten in Peking arbeiten mit veralteter
Technologie in zerfallenden Gebäuden. In unserer
Botschaft in Angola, die der zentrale Ort der Gespräche zur Beendigung des Bürgerkriegs in diesem Land
ist, arbeiten unsere Mitarbeiter behelfsmäßig in

Seite 4

Wohnwagen. Unsere Botschaft in Tadschikistan
operiert in einem Hotel aus der Sowjetära. Wasser
und Strom werden manchmal tagelang abgeschaltet,
und unsere Diplomaten müssen Krüge mit Wasser
nach oben tragen. Das sind die Menschen, an die wir
uns wenden, wenn Amerikaner in Schwierigkeiten
geraten, wenn unsere Unternehmen Hilfe bei der
Erschließung neuer Märkte benötigen, wenn wir
Terroristen und Drogenbarone verfolgen müssen.
Eines der wichtigsten Instrumente unserer Diplomatie
ist Auslandshilfe. Diese Programme geben uns den für
eine effektive Diplomatie erforderlichen Handlungsspielraum. Sie helfen uns, Konflikte und Katastrophen
zu verhindern. Wie eine Krise nach der anderen
bewiesen hat, sind die Kosten der Verhinderung nie so
hoch wie der Preis der Vernachlässigung. Wie haben
bereits fast ebenso viel Geld nur für die Bewältigung
der kurzfristigen Krisen in Ruanda und Burundi
aufgewandt wie wir letztes Jahr zur Förderung von
Entwicklung und Frieden in ganz Afrika ausgeben
konnten.
Unsere Hilfsprogramme haben in den vergangenen
zehn Jahren in realen Zahlen um 37 Prozent abgenommen. Die Hälfte unserer bilateralen Hilfe wird
heute zur Unterstützung des Nahostfriedensprozesses
aufgewandt. Diese Mittel fördern unsere vitalen
Interessen und müssen in vollem Umfang erhalten
werden. Aber die Hilfe für Israel, Ägypten und Jordanien wird unweigerlich unter Druck - möglicherweise
unwiderstehlichen Druck - geraten, wenn unsere
anderen Hilfsprogramme weiterhin dezimiert werden
und dieses Ungleichgewicht zunimmt.
Unsere Diplomaten tragen auch zur Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaft
bei. In der Tat haben wir in den vergangenen vier
Jahren einen tiefgreifenden kulturellen Wandel in
unseren Botschaften vollzogen. Sie unterstützen jetzt
aggressiv amerikanische Unternehmen dabei, Verträge abzuschließen und sie im Ausland durchzuführen. Amerikanische Geschäftsleute haben mir erzählt,
wie sehr ihnen dieser Aspekt unseres "Amerikabüros"
im Außenministerium geholfen hat. Aber jetzt höre ich
eine andere Botschaft. Sie sagen, daß unsere Botschafter enorme Anstrengungen unternehmen, die
Kürzungen die Personaldecke jedoch so dünn gemacht haben, daß sie nicht mehr das tun können, was
sie möchten um zu helfen.
Ein anderes Opfer ist unsere Unterstützung für
internationale Institutionen, einschließlich der internationalen Finanzinstitutionen und der Vereinten Nationen. 50 Jahre lang haben die Vereinigten Staaten in
den Vereinten Nationen eine Führungsrolle übernommen, weil sie ein wertvolles Instrument zur Förderung
unserer Interessen sind. Jetzt sehen wir uns mit
krassen Alternativen konfrontiert. Wir können weiterhin über die Vereinten Nationen globale Heraus-

AMERIKA DIENST 02

�forderungen bewältigen, wo wir die Last mit über 180
Nationen teilen. Oder wir können sie alleine meistern,
unsere Soldaten zwingen, das gesamte Risiko zu
übernehmen und unsere Steuerzahler, die Rechnung
zu begleichen. Das ist unsere Wahl.
Teils aufgrund der Außenstände der Vereinigten
Staaten sind die Vereinten Nationen bei der Ausführung von Ausgaben behindert, die für unsere
Interessen von großer Bedeutung sind - Friedenssicherung, Flüchtlingsoperationen, Menschenrechte,
weltweite Gesundheitsfürsorge - um nur einige Beispiele zu nennen. Wenn wir unsere Beiträge nicht
bezahlen, setzen wir auch unsere Fähigkeit aufs Spiel,
kleinere, abgespeckte Vereinte Nationen zu gestalten.
Aber unsere Reformkampagne hat begonnen, Fortschritte zu zeitigen. Die Vereinten Nationen haben
einen neuen Generalsekretär, eine Führungspersönlichkeit mit der Fähigkeit und Überzeugung, die
Vereinten Nationen zu einer effektiven Institution für
das nächste Jahrhundert zu machen. Die Vereinten
Nationen müssen das Ihre tun. Aber wir auch das
Unsere. Es ist an der Zeit, unsere Beiträge und unsere
Schulden zu bezahlen. Es ist an der Zeit zu erkennen,
daß wir nicht gleichzeitig Reformen durchführen und
uns zurückziehen können.
Im umfassenderen Sinn ist es an der Zeit zu erkennen,
daß wir ein vitales nationales Interesse an der angemessenen Finanzierung unserer internationalen
Bestrebungen haben. Ebenso wie wir unsere militärische Einsatzbereitschaft bewahren müssen, indem
wir Streitkräfte und Stützpunkte auf der ganzen Welt
unterhalten, müssen wir unsere diplomatische Einsatzbereitschaft bewahren, indem wir die Menschen und
Programme unterstützen, die unsere Soldaten aus
einem Krieg heraushalten. In einer Welt realer Gefahren wird die Last der Führung unweigerlich unserem
Militär übertragen, wenn es uns nicht gelingt, unsere
diplomatische Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten.
Die Kosten werden an verpaßten Chancen und
verlorenen Menschenleben gemessen.
Unser Verteidigungsministerium hat eine kluge
Strategie erarbeitet, um zwei nahezu gleichzeitige
größere regionale Konflikte zu bewältigen. Während
unser Verteidigungsministerium die Fähigkeit zur
Bewältigung von zwei Krisen hat, sieht sich das
Außenministerium der Gefahr ausgesetzt, ein Budget
zu haben, mit dem keine einzige Krise bewältigt
werden kann.
Wir können nicht auf eine Krise in einem Teil der Welt
reagieren, ohne Mittel von einem wertvollen Programm
in anderen Regionen abzuziehen. Zur Unterstützung
der Stationierung unserer Truppen in Haiti mußten wir
beispielsweise die Hilfe für die Türkei kürzen. Um den
Waffenstillstand im Nordirak zu überwachen, mußten
wir Mittel für den Friedensprozeß in Guatemala

AMERIKA DIENST 02

abziehen. Wenn heute eine neue Krise entstehen
würde, müßten wir die Wahl treffen: Welches langfristige Interesse - wahrscheinlich ein bereits unzureichend finanziertes langfristiges Interesse - sollte
geopfert werden, um den kurzfristigen Bedarf zu
erfüllen?
Ich fordere den Kongreß zur Überprüfung der Aushöhlung unserer diplomatischen Einsatzbereitschaft und
zur überparteilichen Unterstützung des Haushalts des
Präsidenten für auswärtige Angelegenheiten auf. Das
ist eine Herausforderung, die gemeistert werden muß,
wenn wir unsere Stärke im nächsten Jahrhundert
bewahren wollen.
Während ich aus diesem Amt scheide, habe ich viele
Gründe, optimistisch bezüglich der Zukunft zu sein.
Ich weiß, daß Präsident Clinton immer wieder - von
Haiti bis Bosnien, von Mexiko bis Rußland oder China
- die harten Entscheidungen getroffen hat, die eine
Führungsrolle erfordern, und ich weiß, er wird das
auch in Zukunft tun. Ich weiß, daß auch Botschafterin
Albright eine eloquente und effektive Verfechterin der
amerikanischen Tradition des globalen Engagements
sein wird. Ich weiß, daß die Männer und Frauen in
unserem auswärtigen und öffentlichen Dienst mit
einem vernünftigen Maß an Unterstützung weiterhin
unsere Interessen in jedem Teil der Welt fördern
werden, trotz der Härten und Gefahren, die sie auf sich
nehmen und erdulden.
Ich bin optimistisch, weil ich weiß, daß das amerikanische Volk an unserer Seite steht. Bei meinen Reisen
durch das Land habe ich gesehen: Die Amerikaner
sind stolz, daß wir die führende Nation der Welt sind
und sie wissen, daß mit der Führungsrolle Verantwortung einhergeht. Sie sehen den Beweis, der
Isolationisten entgeht: Daß die Sicherheit unserer
Nation von der Einsatzbereitschaft unserer Diplomaten
als unserer ersten Verteidigungslinie abhängt, daß die
Sicherheit unserer Straßen von unserem Kampf gegen
Drogen und Terror im Ausland abhängt, daß unsere
Arbeitsplätze im Inland von der Gesundheit unserer
Weltwirtschaft abhängen.
Ich bin optimistisch, weil meine eigene Karriere eine
inspirierende Periode in der Geschichte des amerikanischen Engagements in der Welt umspannt. Wenn
wir nicht alle eine große Überraschung erleben, werde
ich der letzte Außenminister sein, der im Zweiten
Weltkrieg gedient hat. Meine Erinnerungen an diese
Zeit und meine Erfahrungen der letzten 50 Jahre
lehren mich, Vertrauen in die Entscheidungen zu
haben, die die Amerikaner treffen werden.
Nach meinem Schulabschluß im Jahr 1949 arbeitete
ich für Richter William O. Douglas. Gegen Ende des
Jahres bei ihm bat ich ihn um einen Rat. Er antwortete: Begib Dich in den Strom der Geschichte und
schwimme so schnell Du kannst. Ich war sehr viel

Seite 5

�länger darin als ich mir je vorgestellt hätte, aber ich
möchte Ihnen erzählen, was ich auf dem Weg gesehen
habe.
Ich sah eine ganze Generation von Politikern beider
Parteien, die unser Interesse erkannten, Deutschland
und Japan wiederaufzubauen, so daß sie unsere
starken Verbündeten und Handelspartner werden
konnten. Ich sah das amerikanische Volk Investitionen
tätigen, die sich in einem halben Jahrhundert des
Friedens und Wohlstands und dem Sieg der Freiheit im
Kalten Krieg auszahlten. Als Außenminister habe ich
ehemalige politische Gefangene wie Havel und
Mandela gesehen, die jetzt die Präsidenten ihrer
Länder sind. Ich habe gesehen, wie frühere Gegner
zu unseren Verbündeten wurden. Ich habe einst

Seite 6

verarmte Länder gesehen, die unsere führenden
Exportmärkte wurden. Auf der ganzen Welt würdigen
die Menschen die Vereinigten Staaten für ihre Hilfe bei
dieser Umgestaltung und sie blicken auf uns, diese
Führungsrolle fortzusetzen.
Heute wie damals bedeuten Bündnisse Frieden,
bedeutet Engagement größere Sicherheit, bringt
Führung Freunde an unsere Seite. Und Ihre Generation hat eine noch größere Chance als meine: Sie
haben den Schlüssel, der die Tür zu einem weiteren
Amerikanischen Jahrhundert öffnet. Aber Sie haben
auch die Verantwortung, die Investitionen zu tätigen,
die meine Generation vornahm - die Investitionen, die
eine Führungsrolle verlangt, die Investitionen, die
diese Welt noch sicherer, freier und besser machen.

AMERIKA DIENST 02

�AUSSENPOLITIK
29.Januar 1997

Entwurf einer überparteilichen Außenpolitik
von Außenministerin Madeleine K. Albright

WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Artikel erschien erstmals in der Sunday New York Times vom 26.
Januar 1997.

Vor einem halben Jahrhundert schrieb Dean Acheson,
man müsse bei der Schaffung eines neuen Zeitalters
dabei sein. Auch wir haben heute dieses Privileg und
die Verantwortung, die damit einhergeht.
Damals hatten unsere Politiker den Weitblick, ein
starkes Amerika zu bewahren und gleichzeitig die
demokratischen Kräfte auf der Welt zu stärken und
Institutionen wie die NATO, die Vereinten Nationen und
die Weltbank aufzubauen, um internationale Zusammenarbeit und Wirtschaftswachstum zu fördern.
Sie taten dies auf überparteilicher Ebene.
Heute wird ein neuer Rahmen für die amerikanische
Führungsrolle geschaffen, der an die Erfordernisse
eines neuen Jahrhunderts angepaßt ist. Der Erfolg
dieser neuen Führungsrolle wird in beträchtlichem Maß
davon abhängen, ob der nach dem Zweiten Weltkrieg
entstandene Geist der Überparteilichkeit wiederbelebt
werden kann.
Zyniker könnten argumentieren, daß der Ruf einer
Administration nach Überparteilichkeit weniger durch
Prinzipien als durch eine Fähigkeit zu zählen motiviert
ist. Und wir werden zweifelsohne Stimmen von beiden
Parteien im Kongreß benötigen, um viele unserer
außenpolitischen Initiativen fortzuführen. Aber Überparteilichkeit paßt auch in unsere Zeit.
Jahrzehntelang hat der Kalte Krieg nicht nur Nationen,
sondern alle charakterisiert, die sich mit Außenpolitik
befassten. Heute bedeuten die Etiketten der Vergangenheit - Falke, Taube, liberal, konservativ - wenig.
Die größte Kluft besteht zwischen den Befürwortern
und Gegnern des amerikanischen Engagements, eine
Kluft, die keine Parteigrenzen respektiert.

AMERIKA DIENST 02

Glücklicherweise werden beide Parteien von Menschen angeführt, die die Bedeutung der amerikanischen Führungsrolle verstehen. Das ist wichtig, weil
eine überparteiliche Außenpolitik uns gestattet, mit
größerer Glaubwürdigkeit auf der Weltbühne zu
handeln. Sie fördert das Vertrauen unserer Verbündeten und den Respekt derjenigen, die versucht sind, uns
ablehnend gegenüberzustehen. Sie hilft uns, einen
diplomatischen Part - als Friedensstifter und Problemlöser- zu spielen, den andere Nationen nicht übernehmen können, und hebt damit unser Prestige bei
gleichzeitiger Förderung unserer Interessen. Und sie
verstärkt Amerikas Rolle als Modell für die Stärkung
demokratischer Kräfte.
Ungeachtet der Meinungsverschiedenheiten über
Taktiken werden die Aussichten für Überparteilichkeit
durch die bestehende breite Unterstützung unserer
vorrangigen Ziele verbessert. Es besteht ein Konsens
über die Notwendigkeit, Wohlstand im Inland durch die
Förderung einer offenen und expandierenden Weltwirtschaft zu mehren und über die Zusammenarbeit mit
unseren Verbündeten, um ein zunehmend vereintes,
demokratisches und stabiles Europa zu schaffen.
Beide Parteien sind sich der Bedeutung bewußt, eine
asiatisch-pazifische Gemeinschaft mit gemeinsamen
wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Zielen
aufzubauen und zur Beilegung gefährlicher Dispute im
Nahen Osten und anderen strategischen Regionen
beizutragen. Wir alle wollen die Verbreitung von
Massenvernichtungswaffen aufhalten und Terrorismus,
Drogenhändler und internationales Verbrechen
bekämpfen. Und es besteht eine Verpflichtung zur
Stärkung der Kräfte auf der ganzen Welt, die sich für
Menschenrechte, Demokratie, Entwicklung, eine
gesunde Umwelt und Rechtsstaatlichkeit einsetzen.

Seite 1

�Natürlich werden die mit diesen Prioritäten einhergehenden Fragen einer eingehenden Prüfung und
Erörterung unterzogen. Das sollte auch so sein.
Während dem Kongreß die Verantwortung zukommt,
eine vernünftige Erwartungshaltung einzunehmen, wird
die Administration die Last der Beweise tragen.
Unsere Aufgabe wird sein, die Verbindung zwischen
unseren umfassenden Zielen und den vor uns liegenden Themen zu schaffen: NATO-Erweiterung, Eindämmung verbrecherischer Regime, Gestaltung
wichtiger bilateraler Beziehungen (einschließlich der
zu China, Rußland und der Ukraine) sowie unsere
Strategien in häufig unbeachteten Regionen von
Lateinamerika, Afrika und Südasien. Die Komplexität
dieser Aufgabe wurde noch in der vergangenen
Woche durch Fragen über die Absichten Pekings in
Hongkong, ein Aufflammen der Spannungen bezüglich
Zyperns und eine neue Runde der Gewalt in Zaire und
Ruanda unterstrichen.
Die Hoffnung, daß Überparteilichkeit den Übergang
von Rhetorik zu Realität bewältigen kann, wird bald auf
die Probe gestellt.
Am 6. Februar wird der Präsident einen Haushalt
vorlegen, der das Defizit weiter verringert, internationale Prioritäten berücksichtig und den Vorschlag
einer Rückzahlung unserer Schulden bei den Vereinten Nationen und multilateralen Banken enthält. Die
Verabschiedung dieses Haushalts ist unerläßlich,
wenn wir die Instrumente haben wollen, um Einfluß auf
die Ereignisse zu nehmen, statt nur auf sie zu reagieren. Zur Bewahrung der Stärke Amerikas benötigen
wir nicht nur ein Militär von Weltklasse, sondern auch
eine Diplomatie von Weltklasse. Dennoch wurden in
den letzten Jahren die Ausgaben für internationale
Angelegenheiten - die normalerweise ein Prozent des
Bundeshaushalts ausmachen - drastisch gekürzt, und
unsere diplomatische Präsenz in Übersee wurde
verringert.
Wenn ich dem Kongreß unseren Haushaltsantrag
vorlege, bin ich mir meiner Pflicht bewußt, unsere
Pläne und Prioritäten mit einer Logik zu erläutern, die
die Amerikaner verstehen. Und ich werde alles in
meiner Macht Stehende tun, damit die Steuerzahler
die volle Dividende ihrer Investition erhalten. Ein wei-

*

Seite 2

terer Test der Überparteilichkeit wird kommen, wenn
die Administration um die baldige Zustimmung des
Senats zur amerikanischen Beteiligung an der unter
den Präsidenten Reagan und Bush ausgehandelten
Chemiewaffenkonvention ersucht. Wenn wir nicht vor
dem 29. April handeln, werden wir keine Gründungspartei des Vertrags sein. Wir würden unseren Interessen schaden, indem wir uns davon abhalten, zur
Formulierung der Regeln beizutragen, nach denen der
Pakt verifiziert wird.
Der Vertrag verkörpert eine Verpflichtung zu unserer
Sicherheit und zum Schutz unserer Streitkräfte. Er
wird von vielen in beiden Parteien, der Geschäftswelt
und dem Militär unterstützt. Aber er hat auch seine
Gegner.
Das amerikanische Volk verdient eine
gesunde Debatte, in der die amerikanischen Interessen abgewogen werden und eine rechtzeitige
Abstimmung stattfindet.
Ich habe einen Großteil meines Lebens im Kongreß
gearbeitet oder ihn studiert. Ich weiß, daß Überparteilichkeit keine Einbahnstraße ist. Ich weiß auch, daß
die Gesetzgeber fast immer das Gefühl haben, sie
seien zu außenpolitischen Fragen nicht ausreichend
konsultiert worden, während die Außenminister
manchmal das Gefühl haben, daß sie nichts anderes
tun, als Konsultationen mit dem Kongreß zu führen.
Die Überbrückung dieser divergierenden Perzeptionen
wird harte Arbeit und guten Willen erfordern.
Als Außenministerin werde ich den Kongreß vor die
Herausforderung stellen, konstruktiv in dem zu sein,
was er von uns fordert, aber meine Tür und auch ich
werden stets offen sein, um möglichst eingehende
Konsultationen sicherzustellen.
In unserer Demokratie ist Überparteilichkeit niemals
absolut. Aber die Geschichte bietet uns die Chance
am Ende des Jahrhunderts, den Geist der Zusammenarbeit wiederzubeleben, der unserer Nation und der
Welt früher gut gedient hat. Indem wir dem Ansatz
unserer gigantischen Vorgänger - Truman, Eisenhower
und Marshall - folgen, können wir ihrer Generation die
Anerkennung zollen, die sie verdient und der nächsten
Generation die Sicherheit geben, die sie verdient.

* * *

*

AMERIKA DIENST 02

�ABRÜSTUNG

29. Januar 1997

Die Verringerung von Bedrohungen
Rede des designierten Verteidigungsministers

WASHINGTON - (AD) - Der designierte Verteidigungsminister William Cohen erklärte in seiner Anhörung vor dem
Streitkräfteausschuß des Senats am 22. Januar 1997, obwohl "die Bedrohung des nuklearen Holocaust
beträchtlich verringert wurde, ist die Welt weiterhin ein krisengeschüttelter und gefährlicher Ort".
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext des designierten Verteidigungsministers unwesentlich gekürzt.

Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder,
ich fühle mich sehr geehrt, heute als von Präsident
Clinton ernannter Verteidigungsminister hier reden zu
dürfen.
Nahezu zwei Jahrzehnte lang hatte ich das Privileg,
mich als Senator und Mitglied Ihres Ausschusses mit
nationalen Sicherheitsangelegenheiten zu befassen
und habe in dieser Zeit mit sechs Verteidigungsministern zusammengearbeitet. Dank dieser Erfahrung habe ich ein Gefühl für die enorme Verantwortung
dieser Position bekommen. Aber seit dem 5. Dezember weiß ich das Gewicht dieser Verantwortung noch
mehr zu würdigen und fühle mich durch das von
Präsident Clinton in mich gesetzte Vertrauen zutiefst
geehrt.
Daß Präsident Clinton mich zum Verteidigungsminister
ernannt hat, ist meines Erachtens ein deutliches Signal
seiner Verpflichtung zu dem Prinzip, daß die Sicherheit
unserer Nation keine parteipolitische Angelegenheit ist
und auch nicht sein sollte - ein Prinzip, das ich während meiner gesamten Karriere im öffentlichen Dienst
aufrechtzuhalten versuchte. Es war für mich eine
äußerst befriedigende Erfahrung als Gesetzgeber,
wenn es mir gelang, einen Konsens für eine starke,
kohärente und tragfähige Verteidigungspolitik zu
erlangen, um Amerikas globale Interessen zu schützen
und zu fördern.
Wie der Präsident in seiner Rede bei der Einführung in
seine zweite Amtszeit betonte, war diese Zusammen-

AMERIKA DIENST 02

arbeit auch entscheidend für die Bewahrung der
amerikanischen Führungsrolle in der Welt.
Die
Schaffung unserer Bündnisse nach dem Zweiten
Weltkrieg wäre ohne überparteiliche Zusammenarbeit
nicht möglich gewesen, und genau das wird von uns
gefordert, wenn wir diese Bündnisse an die Welt nach
dem Kalten Krieg anpassen und andere Maßnahmen
ergreifen, um dieses vor uns liegende neue Zeitalter zu
gestalten.
Obwohl es immer Raum für legitime Diskussionen über
nationale Sicherheitsfragen geben wird, sollten
Parteilichkeit und Kirchturmdenken in unseren Erörterungen fehl am Platz sein - sei es in der Exekutive, den
Teilstreitkräften oder dem Kongreß. Wir müssen uns
vor Augen führen, daß am Ende jeder Debatte die
Soldaten, Seeleute, Flieger und Marineinfanteristen
stehen, die von uns eine Führungsrolle und keine
Tricks, Unterstützung und nicht politischen Zwist
erwarten.
Denn obwohl die Bedrohung des nuklearen Holocaust
beträchtlich verringert wurde, ist die Welt weiterhin ein
krisengeschüttelter und gefährlicher Ort. Feindlich
gesinnte Regime und Instabilität bedrohen unsere
Interessen in Schlüsselregionen wie Südwest- und
Nordostasien. Instabilität, Nationalismus und ethnische Spannungen stellen Gefahren in Europa dar.
Die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen
bedroht unsere Interessen, unsere Streitkräfte und
sogar unser Heimatland. Und die Bedrohungen durch
Terrorismus, internationales organisiertes Verbrechen
und Drogenhandel bestehen unvermindert weiter.

Seite 1

�Darüber hinaus müssen wir nicht die jahrhundertealte
Geschichte bemühen, um uns daran zu erinnern, daß
gefährliche Bedrohungen plötzlich und unvorhersehbar
entstehen können.
Politisch, wirtschaftlich und technologisch verändert
sich die Welt in einer beispiellosen und manchmal
alarmierenden Geschwindigkeit.
Die Technologie
miniaturisiert die Welt und verbindet unser Schicksal
noch enger mit dem unserer Verbündeten und Wirtschaftspartner auf der Welt.
Das wirkt sich zu unserem Vorteil aus, während wir
freie Märkte und die Prinzipien der Demokratie zu
fördern versuchen. Es erhöht jedoch auch das
Ausmaß, in dem wir von Entwicklungen im Ausland
betroffen sind. Selbst wenn wir wollten, könnten wir
uns nicht von den Kräften isolieren, die die Welt
erfassen.
Genauso wenig wie wir der Weltpolizist sind und
werden, dürfen wir zum Gefangenen der internationalen Ereignisse werden, isoliert und sicher behütet
in einem kontinentalen Kokon.
Vor diesem Hintergrund haben der Präsident und
Verteidigungsminister Perry eine nationale Sicherheitspolitik verfolgt, die nicht nur auf dieses sich wandelnde
Umfeld reagieren, sondern es auch in einer unseren
Interessen dienlichen Weise gestalten soll.
Sie
können auf ihre Leistungen bei der Beseitigung der
Relikte des Kalten Krieges stolz sein - sie verringerten
die nukleare Bedrohung durch die ehemalige Sowjetunion, riefen die Partnerschaft für den Frieden und die
pragmatische Partnerschaft mit Rußland - wie Verteidigungsminister Perry sie bezeichnete - ins Leben,
brachten die NATO auf den Kurs der Erweiterung,
stärkten unser Bündnis mit Japan und entwickelten
Beziehungen zu China auf militärischer Ebene.
Im Falle meiner Bestätigung beabsichtige ich, diese
Bestrebungen fortzusetzen und auf sie aufzubauen,
während wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten,
uns nicht nur mit dem Ende einer Ära, sondern auch
mit der Gestaltung der nächsten zu befassen.
Nach einem Jahrhundert, in dem zwei Weltkriege im
Herzen Europas ausbrachen und ein Kalter Krieg den
Kontinent mehr als vier Jahrzehnte spaltete, stehen wir
an der Schwelle zu einem neuen Jahrhundert mit der
realen Aussicht auf eine endgültige Überwindung der
Teilung Europas. Bevor Präsident Clintons zweite
Amtszeit zu Ende ist, wird die NATO ihre erste Runde
neuer Mitglieder aufgenommen haben, und die
Programme der Partnerschaft für den Frieden werden
erweitert worden sein. Die pragmatische Partnerschaft
mit Rußland wird durch die Verhandlungen über eine
Charta zwischen der NATO und Rußland, verstärkte
amerikanisch-russische Zusammenarbeit auf militärischer Ebene, die Fortsetzung der Aktivitäten zur

Seite 2

kooperativen Verringerung der Bedrohung und
Fortschritte bei unserer Rüstungskontrollagenda weiter
gestärkt.
Die Erlangung des richtigen Gleichgewichts zwischen
Strategie, Programmen und Ressourcen zur Erfüllung
unserer sicherheitspolitischen Erfordernisse der
Gegenwart und Zukunft stellt eine große Herausforderung dar. Dies wird zur Zeit vom Verteidigungsministerium überprüft und ebenfalls vom nationalen
Verteidigungsgremium überarbeitet.
Während wir diesen Prozeß durchlaufen, müssen wir
gewährleisten, daß unsere Streitkräfte die Kriege der
Nation führen und gewinnen können.
Den Präsidenten über den Einsatz von Gewalt zu
beraten, ist die größte Verantwortung, die einem
Verteidigungsminister obliegt. Und als Senator war ich
mir dessen bewußt, als ich in die saudi-arabische
Wüste zu einem Besuch der Truppen reiste, die sich
darauf vorbereiteten, die irakische Invasion in Kuwait
zu bekämpfen, und vor kurzem, als ich unsere tapferen
in Bosnien dienenden Männer und Frauen besuchte
und das Privileg hatte, einem mutigen jungen Soldaten
aus Maine das Purple Heart zu verleihen. Als designierter Verteidigungsminister gelobe ich Ihnen und
unseren Männern und Frauen in Uniform, mein Bestes
zu tun, dieses tiefe Vertrauen zu erfüllen.
Der Präsident hat es bereits gesagt: Wir sollten uns
nicht vor dem klugen Einsatz von Gewalt fürchten, und
hierbei sind der Mut, die Loyalität und die Bereitschaft
unserer Männer und Frauen in Uniform, ihr Leben aufs
Spiel zu setzen, ein nationales Gut, das nie als
selbstverständlich hingenommen werden sollte. Und
wenn unsere Soldaten in den Kampf geschickt werden,
müssen klare Ziele gesetzt werden, denen wir entschlossen verpflichtet bleiben und zu deren Erlangung
wir die Mittel haben. Das sind die Grundvoraussetzungen für humanitäre und andere Operationen mit
Ausnahme eines Krieges sowie für andere Eventualfälle größeren Ausmaßes.
Ich möchte auch darauf hinweisen, daß unsere
Streitkräfte ihre Mission nicht nur erfüllen, wenn sie zur
Beilegung einer Krise intervenieren - sie leisten jeden
Tag wichtige Arbeit.
Wenn unsere Schiffe strategische Gewässer patrouillieren, unsere Flugzeuge in weit entferntem Luftraum
fliegen und unsere Soldaten zu Manövern entsandt
werden, sind sie nicht nur bereit für den Fall, daß sich
etwas ereignet. Durch diese Aktionen ereignet sich
bereits etwas: Sie beeinflussen die Ansichten und
Entscheidungen ausländischer Regierungen - seien es
Freunde, die der Unterstützung bedürfen, oder Feinde,
die abgeschreckt werden müssen. Unsere Streitkräfte
gestalten durch ihre täglichen Operationen die Welt

AMERIKA DIENST 02

�und warten nicht einfach, bis sie auf momentane
Krisen reagieren müssen.

waffenprogramm wurde eingefroren, während es mit
der Wirtschaft weiterhin bergab geht.

Herr Vorsitzender, ich möchte auf zwei Punkte besonders eingehen. Seit meiner Nominierung haben
manche festgestellt, daß ich im Hinblick auf mehrere
Fragen der nationalen Sicherheit nicht mit dem
Präsidenten übereinstimme, und aufgrund dessen die
Frage gestellt, ob ich dem Präsidenten in Zukunft
wirksam dienen kann.

Was den Einsatz von Gewalt betrifft, habe ich mich
zwar für verstärkte Konsultationen mit dem Kongreß
ausgesprochen, mich aber geweigert, einmal vom
Präsidenten getroffene Entscheidungen zu unterlaufen. Beispielsweise gehörte ich zu denen, die sich
mit den Senatoren Dole und McCain für die Resolution
zur Unterstützung unserer in Bosnien stationierten
Streitkräfte einsetzten. Ich bin ein Befürworter echter
und andauernder Konsultationen, was meines Erachtens ein Grund für den Präsidenten war, mich in
sein Kabinett zu nehmen.

Ich habe die letzten 25 Jahre im Kongreß gleichermaßen mit denjenigen, deren Meinung ich teile, und mit
denen, deren Meinung ich nicht teile, zusammengearbeitet und habe versucht, das auf konstruktive Art
zu tun, die zu positiven Ergebnissen führt. Meines
Erachtens ist es mir in der Vergangenheit gelungen,
Differenzen zu überbrücken - sie nicht zu übertünchen,
sondern Konsens zu schaffen und vernünftige,
verantwortungsvolle Kompromisse zu schließen.
Ferner möchte ich darauf hinweisen, daß übereinstimmende Meinungen innerhalb einer Administration
weder ein Gebot noch ein anzustrebendes Ideal sind.
Es ist sehr anerkennenswert, daß der Präsident ein
Team energischer Berater haben möchte, die ihm
gemeinsam die beste Beratung zukommen lassen
können. Ich bin sicher, daß es im Falle meiner
Bestätigung wie in allen Administrationen manchmal
Meinungsverschiedenheiten zwischen uns geben wird,
die hinter verschlossenen Türen beigelegt werden
sollten. Und ich habe keinen Zweifel, daß wir bei
unserer Zusammenarbeit ebenso viel oder sogar noch
mehr Einvernehmen und Kooperationsbereitschaft
zeigen werden wie jede andere Administration der
letzten 25 Jahre.
Was einige der gestellten spezifischen Fragen betrifft,
habe ich keine Bedenken hinsichtlich meiner Fähigkeit
zur effektiven Arbeit innerhalb der Administration.
Was beispielsweise die Raketenverteidigung betrifft,
war ich eines der vier Mitglieder dieses Ausschusses,
die vom Vorsitzenden beauftragt wurden, einen
Konsens zu finden, der vom Kongreß angenommen
und als Gesetz verabschiedet würde. Die Senatoren
Warner, Levin, Nunn und ich haben lange und hart mit
anderen Abgeordneten und der Administration zusammengearbeitet. Uns gelang der Abbau bestehender analytischer und politischer Differenzen, und das
ausgearbeitete Gesetz wurde schließlich von Kongreß
und Administration unterstützt und wird jetzt unter
Berücksichtigung der technischen Aspekte umgesetzt.
In bezug auf das nordkoreanische Nuklearabkommen
war ich in der Tat skeptisch hinsichtlich der Einhaltung
des Rahmenabkommens durch Nordkorea. Es kann
jedoch nicht bestritten werden, daß das Abkommen
tatsächlich funktioniert. Das nordkoreanische Nuklear-

AMERIKA DIENST 02

Ich erwähne das, weil ich davon überzeugt bin, daß
Präsident Clinton zur Überwindung parteipolitischer
Trennlinien bei der Formulierung seiner Sicherheitspolitik entschlossen ist und weiß, wie wichtig es ist,
denjenigen zuzuhören, die anderer Meinung als er
oder seine Berater sind. So kann er sichergehen, daß
seine Aktionen begründet und nicht nur das Produkt
irgendwelcher Trends sind.
Herr Vorsitzender, ich bin es Verteidigungsminister
Perry schuldig, ihm besondere Anerkennung zu zollen.
Meines Erachtens ist er einer der fähigsten Staatsbeamten, die je in einer amerikanischen Regierung
tätig waren. Er verkörperte Unparteilichkeit bei der
Verfolgung unserer nationalen Sicherheitsinteressen.
Seine Integrität und sein Patriotismus, verbunden mit
seiner Brillanz und Ruhe, machten ihn zu einem
Verteidigungsminister, der die zweifelsohne einzigartige Fähigkeit hatte, effektiv und beliebt zu sein. Er
war im Hinblick auf den Einsatz von Gewalt immer
vorsichtig und präzise; er entwickelte pragmatische
Beziehungen zur russischen Regierung, stärkte
unsere Sicherheitspartnerschaft mit Japan und machte
echte Fortschritte beim langen Prozeß der Durchsetzung der Beschaffungsreform. Sein Dienst entspricht
der besten Tradition unseres Landes, und er hat
meiner Meinung nach für alle seine Nachfolger hohe
Maßstäbe gesetzt.
In der Schlußbemerkung seines Buches "On the
Origins of War" stellt der Historiker Donald Kagan fest:
"Ein hartnäckiger und wiederholter
Fehler im gesamten Verlauf der
Geschichte ist der Mangel an Einsicht, daß die Wahrung des Friedens
Mühe, Planung, Mittel und Opfer
verlangt - ebenso wie der Krieg.
Insbesondere in der modernen Welt
hat die Ansicht, der Frieden sei ein
natürlicher Zustand und Krieg ein
Irrweg, dazu geführt, daß in Friedenszeiten die Möglichkeit eines weiteren
Krieges nicht in Betracht gezogen
wurde, was wiederum die Bestrebun-

Seite 3

�gen verhinderte, die zur Wahrung des
Friedens erforderlich sind."
Der Präsident ist sich bewußt, daß die Wahrung des
Friedens aktive Bestrebungen, Planung und Opfer
erfordert. Es ist mir eine große Ehre, daß er mich
gebeten hat, ihn als Verteidigungsminister bei den
erforderlichen Planungen und Bestrebungen zu
unterstützen.

* *

Seite 4

Die von mir umrissenen Ziele stellen beträchtliche
Herausforderungen dar, aber unsere Wirtschaft ist
stark, unsere Nation lebt in Frieden, und das Verteidigungsministerium verfügt bei seinen militärischen und
zivilen Mitarbeitern über ein enormes Reservoir von
Begabungen und Fähigkeiten. Wenn wir zum Nutzen
des amerikanischen Volkes zusammenarbeiten,
können und werden wir diese Herausforderungen
bewältigen.

* *

*

AMERIKA DIENST 02

�WIRTSCHAFT
29. Januar 1997

Amerikas Spitzenposition in der Weltwirtschaft
Rede des designierten Wirtschaftsministers

WASHINGTON - (AD) - Bei seiner Anhörung vor dem Wirtschaftsausschuß des Senats am 22. Januar 1997
sprach sich der von Präsident Clinton zum Wirtschaftsminister ernannte William Daley für die Förderung
amerikanischer Exporte durch die Regierung aus.
Nachfolgend veröffentlichen wir den leicht gekürzten Redetext des designierten Wirtschaftsministers.

Herr Vorsitzender,
es ist mir eine Ehre, heute hier sein zu dürfen. In den
Wochen seit meiner Ernennung zum Wirtschaftsminister habe ich über diese Chance nachgedacht und
es hat mich mit großem Stolz erfüllt, daß meine
Ernennung mir die Möglichkeit bietet, die lange
Tradition meiner Familie im öffentlichen Dienst fortzusetzen. Ich bin dankbar für die Chance, der Nation
zu dienen - den Arbeitnehmern, Unternehmern, den
großen und kleinen Firmen, den einzelnen Gemeinden
und dem Präsidenten.
Auf unserem Weg zur letzten Administration des 20.
Jahrhunderts befinden wir uns auf einer noch nicht
beendeten Reise. Wir gestalten die Welt, in der wir
Geschäfte tätigen, neu und definieren gleichzeitig
unseren Platz in ihr neu. Ich sehe meine Nominierung
für das Wirtschaftsministerium folgendermaßen: In
einer neuen, von neuen Regeln regierten Welt hat
Amerika riesige Schritte zur Bewahrung der Wettbewerbsfähigkeit und des Wohlstands des Landes
unternommen. Aber unsere Arbeit ist noch nicht
beendet, und das Wirtschaftsministerium muß viel
unternehmen, damit wir in der Weltwirtschaft weiterhin
einen Vorsprung haben.
Um sicherzustellen, daß das Wirtschaftsministerium
seine elementare Aufgabe erfüllt, möchte ich, daß Sie
und Ihre Kollegen, die Unternehmer und unsere
Handelspartner auf der ganzen Welt volles Vertrauen
in das Ministerium setzen - und werde garantieren,
daß unsere Rolle unerläßlich ist und unsere Glaubwürdigkeit außer Frage steht. Ebenso sehr wie ich mich

AMERIKA DIENST 02

auf meine Arbeit freue, bin ich beeindruckt von den
Möglichkeiten dieses Ministeriums, rühmliche und
bedeutungsvolle Arbeit für Amerika zu leisten.
Die Annahmen, von denen unser Wachstum und unser
Platz in der Welt nach dem Krieg geleitet waren, gelten
nicht mehr. Es gab eine Zeit, in der wir unser Wachstum und einen besseren Lebensstandard durch unsere
Binnenwirtschaft bewahren konnten, aber heute steht
und fällt unser Wohlstand mit auf lange Sicht getroffenen Entscheidungen. Es ist nicht mehr nur die Börse,
die von Wirtschaftsnachrichten und Entscheidungen
auf der ganzen Welt betroffen ist: Amerikanische
Unternehmen von den größten 500 bis zu den kleinsten Anfängern sehen sich Wettbewerb von Volkswirtschaften in Europa und Asien sowie den aufstrebenden Mächten in Lateinamerika, Afrika und dem Nahen
Osten ausgesetzt, und gleichzeitig bieten sich ihnen
dort neue Chancen.
Nahezu ein Viertel unseres Bruttoinlandsprodukts ist
heute exportabhängig. Über 11 Millionen Arbeitnehmerverdanken ihren Arbeitsplatz den Geschäften, die
ihre Arbeitgeber jenseits unserer Küsten tätigen. Mein
Vorgänger Mickey Kantor erklärte gerne, eine Marktstudie der Vereinigten Staaten heute würde belegen,
daß wir vier Prozent der Weltbevölkerung ausmachen
und eine ziemlich niedrige Geburtenrate haben. Das
heißt, unser zukünftiger Lebensstandard gründet auf
den Verbindungen, die wir mit den anderen 96
Prozent der Welt haben und den Möglichkeiten, die wir
dort schaffen.

Seite 1

�Der Präsident hat einen klaren Plan für den Erfolg der
Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaft dargelegt. In
den ersten Wochen seiner Administration erklärte er,
die Vereinigten Staaten würden es begrüßen, wenn
unsere Konkurrenten hier unter fairen und offenen
Bedingungen Geschäfte abwickeln, wir jedoch denselben Zugang zu ihren Märkten erwarten. Die Administration hat über 200 Handelsabkommen mit
Partnern auf der ganzen Welt unterzeichnet, in die
Entwicklung modernster Technologie investiert, auf die
kluge Verwaltung unserer natürlichen Ressourcen
hingearbeitet, die Exporte angekurbelt, bessere und
nützlichere Wirtschaftsinformationen erarbeitet und
unsere städtischen und ländlichen Gemeinden zu
Mitspielern bei unserer wirtschaftlichen Expansion
gemacht.
Aufgrund dieser Entscheidungen und dank der
Zusagen von führenden Unternehmern und Politikern weil wir diese globale Wirtschaft einbeziehen - führen
die Vereinigten Staaten die Weltwirtschaft an. Wir
stehen seit drei aufeinander folgenden Jahren wieder
an oberster Stelle der Liste des Weltwirtschaftsforums
der produktivsten Volkswirtschaften der Welt. Heute
sind wir die größte Wirtschaftsmacht der Welt - der
größte Exporteur, der beste Innovator, der Motor, der
den weltweiten Wohlstand antreibt.
Vor einigen Jahren schien Amerika zu stagnieren.
Unsere Konkurrenten in so unterschiedlichen Industrien wie der Automobil-, Stahl- und Hightechindustrie,
dem Bankwesen sowie der Luft- und Raumfahrt waren
weltweit aktiv und kämpften um Aufträge, Verträge und
Chancen, während wir am Rande standen und
debattierten, ob wir uns in den Kampf begeben sollten.
Industrien in Japan, Taiwan, Deutschland und andernorts investierten in neue Technologien, während wir
den Verlust der amerikanischen Fertigungsindustrie
beklagten und uns fragten, warum andere die von uns
erfundene Technologie besser anwendeten. Ausländische Volkswirtschaften erlebten einen Boom,
während wir diskutierten, ob wachsende Haushaltsdefizite überhaupt wichtig sind oder nicht. Es war eine
Binsenwahrheit, daß unsere asiatischen und europäischen Konkurrenten unser Brot aßen, und ein wichtiges Buch, Der Aufstieg und Fall der Großmächte,
spekulierte, daß Amerika sich im Niedergang befand.
Wir hatten jede Menge Zwangsvollstreckungen und
Konkurse, aber wenig Vertrauen. Aber diese Tage
sind jetzt vorüber.
Heute ist die amerikanische Wirtschaft gesund, vital
und im Wachsen begriffen. Unsere Arbeitslosenquote
ist die niedrigste seit 25 Jahren. Es werden ebenso
viele Geschäfte gegründet und Häuser gekauft wie seit
Anfang der achtziger Jahre. Ein Haushaltsdefizit, das
unsere Ersparnisse aufbrauchte und unser Wachstum
behinderte, wurde in den vergangenen vier Jahren um
die Hälfte reduziert. Und die Produktionskapazität
unserer Volkswirtschaft ist seit 25 Jahren am schnell-

Seite 2

sten gestiegen. Jetzt sehen wir Forschung und
Entwicklung, Technologie und Bildung als Investitionen
in unsere Zukunft, die sich in Unternehmertum,
Arbeitsplätzen und Gehaltsschecks auszahlen. Und
wir geben das Tempo an, dem die übrige Welt bei
allem folgt - in herkömmlichen Industrien wie der
Automobilbranche und der Landwirtschaft bis zur Luftund Raumfahrt, Telekommunikations- und Hightechindustrie.
Das kommende Jahrhundert - das der Präsident als
"Zeitalter der Chancen" bezeichnet hat - wird auf dem
aufbauen, was die Wirtschaft am besten tut. Ich weiß,
daß einige in der modernen Wirtschaft keinen Platz für
das Ministerium sehen. Dem stimme ich überhaupt
nicht zu. In einer immer stärker konkurrierenden Welt
benötigt unsere Nation kohärente und aufeinander
abgestimmte wirtschaftliche, technologische, handelsund entwicklungspolitische Maßnahmen.
Wir haben zwei Alternativen, wenn wir uns den
Realitäten einer interdependenten Weltwirtschaft
stellen: Wir können am Rand stehen und über die
Rolle der Regierung debattieren, oder wir können
aggressiv, aktiv und ehrgeizig sein. Führen Sie sich
jedoch vor Augen, daß unsere Konkurrenten eifrig
Geschäfte tätigen und wirtschaftliche Verbindungen
um uns herum aufbauen, während wir diskutieren.
Bundeskanzler Helmut Kohl ist vor kurzem nach
Rußland gereist, während der kanadische Ministerpräsident Chretien vergangene Woche eine Handelsdelegation nach Korea anführte. Das sind Mahnungen, daß andere unabhängig von unseren Entscheidungen aktiv Exportchancen suchen.
Im Wirtschaftsministerium kommen Amerikas Potential
und seine Versprechungen zusammen, dort werden
unsere zukünftigen Arbeitsplätze geschaffen und
unser Wirtschaftswachstum genährt. Die ungleichen
Elemente des Handels kommen für eine Aufgabe
zusammen: Amerikas Konkurrenzfähigkeit zu verbessern und zu bewahren.
Die Wirtschaft trägt zur Öffnung von Märkten bei und
stellt sicher, daß unsere Partner das Versprechen
offenen und fairen Handels einhalten, das wir uns
gegeben haben. Und während mehr Mitspieler einen
Platz auf der internationalen Handelsbühne suchen,
wollen wir auch durch das Befürwortungszentrum des
Ministeriums und Handelsmissionen im Namen
amerikanischer Firmen und Arbeitnehmer gewährleisten, daß sie auf den dynamischsten Märkten Fuß
fassen können und an Projekten beteiligt sind. Unsere
Konkurrenten überlassen ihre Unternehmen nicht
ihrem Schicksal in der Welt, und das sollten wir auch
nicht tun. Gleichzeitig sollten wir unsere Arbeitnehmer
keinem Risiko durch unfaire Handelspraktiken aussetzen. Über einem Gebäude des Wirtschaftsministeriums steht Benjamin Franklins Mahnung geschrieben:

AMERIKA DIENST 02

�"Der Handel zwischen Nationen sollte fair und gerecht
sein." Das ist der Standard, den wir halten wollen.

peln, die den Ehrgeiz mitbringen und die Belohnung
dafür erhalten.

Unsere Exporte haben seit 1993 um 34 Prozent
zugenommen und 1,4 Millionen neue Arbeitsplätze
geschaffen. Im Rahmen der Aktivitäten der internationalen Handelsverwaltung hat das Wirtschaftsministerium 250 Millionen Dollar für die Exportförderung aufgewandt, die zu überseeischen Umsätzen
von über 40 Milliarden Dollar führten. Darüber hinaus
befreiten wir Hightechexporte in Milliardenhöhe von
veralteten Bestimmungen, ohne unsere nationale
Sicherheit aufs Spiel zu setzen. Auf diesen Leistungen
aufbauend möchte ich sicherstellen, daß die durch
offene Märkte und globalen Wettbewerb versprochenen hochbezahlten Arbeitsplätze Realität werden.

Aber dieses Versprechen kann nur erfüllt werden,
wenn die Vorteile eines wohlhabenden Amerikas
jedem Amerikaner zugute kommen. Wenn einige
Segmente Fortschritte machen, während andere
stagnieren, werden wir unsere Stärke vergeuden und
unsere Wettbewerbsvorteile aufgeben.
Bildung,
Ausbildung, wirtschaftliche Entwicklung, sogar Zugang
zur Datenautobahn sind der Schlüssel zur Verbesserung der Chancen für alle Amerikaner, damit ein
größerer Teil unserer Nation eine produktive Rolle in
unserer Volkswirtschaft übernehmen kann.

Während der Übergang von der Fertigung zu Information und Technologie das Wirtschaftswachstum auf der
Welt weiter ankurbelt, verleiht der Handel dem Wettbewerbsvorteil einen Bonus, den sich unsere Nation
durch modernste Technologien verschafft hat. Wir
müssen weiterhin neue Technologien entwickeln und
Unternehmen sowie die Industrie ermutigen, sie für die
kommerzielle Anwendung anzupassen. Weniger zu
tun - vor allem angesichts der Pläne Japans, sein
Budget für Wissenschaft und Technologie bis zum
Jahr 2000 zu verdoppeln, der Pläne Chinas, seine
Investitionen in Forschung und Technologie in dieser
Zeit zu verdreifachen und der Tatsache, daß die
gesamten Ausgaben der EU für Technologie in fünf
Jahren doppelt so hoch sein werden wie unsere würde einen Rückschritt bei einem Großteil unserer
Wettbewerbs- und Produktivitätsvorteile bedeuten, die
so viel dazu beigetragen haben, unser wirtschaftliches
Haus im letzten Jahrzehnt in Ordnung zu bringen.
Während heute die 50 größten Exporteure der Vereinigten Staaten für 30 Prozent der Warenexporte
unserer Nation verantwortlich sind, exportieren nur 12
Prozent unserer
kleinen und mittelständischen
Unternehmen. Gleichzeitig nehmen 40 Prozent der
amerikanischen Arbeitnehmer an Aus- und Weiterbildungsprogrammen teil, und heute besucht eine
Rekordzahl von Studenten das College. Für mich ist
diese Kombination kein unausgeschöpftes Potential,
sondern eine Chance für Wirtschaftswachstum. Wir
sollten in den kommenden Jahren die Exporte mittelständischer Unternehmen mit diesen gelernten und
ausgebildeten amerikanischen Arbeitnehmern verdop-

AMERIKA DIENST 02

Ich möchte die Wirtschaftsentwicklung an Exporte und
Technologie anpassen, um reale Chancen für jeden
Menschen, jede Familie und jedes Unternehmen im
Land zu schaffen. Zusammen werden diese Fäden
der wirtschaftlichen Sicherheit der Vereinigten Staaten
- Technologie, Handel und Information - zum Geflecht
unserer wohlhabenden Zukunft verwoben, indem sie in
jeder Gemeinde im ganzen Land Entwicklung, Unternehmertum und Wachstum ankurbeln. Darin sehe ich
die Aufgabe des Handels: Den Wohlstand Amerikas zu
bewahren, indem wir weiterhin auf der ganzen Welt
innovativ, wachsam und stark sind.
Letztlich werden die Ergebnisse dieses globalen
Wettbewerbs um Exporte und Marktöffnung entscheiden, wo die Arbeitsplätze im nächsten Jahrhundert sein und welche Nationen prosperieren
werden. Die Entscheidung über die Funktion oder
Vitalität des Wirtschaftsministeriums ist daher keine
akademische Übung oder eine in einem Vakuum
stattfindende politische Debatte.
Ich freue mich auf die Arbeit als 32. Wirtschaftsminister, weil der Erfolg des Ministeriums niemals
wichtiger für unser Land war. Ich bin der festen
Überzeugung, daß der Wirtschaftsminister nie vergessen darf, daß er dem Präsidenten, dem Kongreß und
letztlich dem amerikanischen Volk als Katalysator
dient, damit die Sicherheit und der Wohlstand unserer
Nation uns mit gutem Grund zu Vertrauen und Hoffnung ins 21. Jahrhundert bringen können. Ich sehe
der engen Zusammenarbeit mit Ihnen erwartungsvoll
entgegen, damit das Wirtschaftsministerium wie bisher
zur Stärke Amerikas beitragen kann, während wir an
der Spitze der Weltwirtschaft stehen.

Seite 3

�PORTRAT
29. Januar 1997

Madeleine Korbel Albright
Porträt der neuen Außenministerin

Madeleine Korbel Albright wurde am 23. Januar 1997
als 64. Außenminister vereidigt. Vor ihrer Ernennung
war sie Ständige Vertreterin der Vereinigten Staaten
bei den Vereinten Nationen (ihre Akkreditierung erfolgte am 6. Februar 1993) sowie Mitglied von Präsident Clintons Kabinett und des Nationalen Sicherheitsrats.
Davor war Botschafterin Albright Präsidentin des
Center for National Policy. Das Center ist eine 1981
von Vertretern der Regierung, Industrie, Gewerkschaften und des Bildungswesens gegründete gemeinnützige Forschungsorganisation. Sein Mandat besteht
in der Förderung von Studien und Diskussionen über
innenpolitische und internationale Themen.
Als Forschungsprofessorin für internationale Angelegenheiten und Direktorin des Programms "Frauen im
auswärtigen Dienst" der Georgetown University's
School of Foreign Service unterrichtete Albright Kurse
in internationalen Angelegenheiten, amerikanischer
Außenpolitik, russischer Außenpolitik sowie zentralund osteuropäischer Politik und war verantwortlich für
die Entwicklung und Umsetzung von Programmen zur
Verbesserung der Berufschancen von Frauen ini
internationalen Angelegenheiten.
Von 1981 bis 1982 erhielt Außenministerin Albright ein
Stipendium am Woodrow Wilson International Center

for Scholars der Smithsonian Institution im Anschluß
an einen internationalen Wettbewerb, bei dem sie über
die Rolle der Presse bei den politischen Veränderungen in Polen Anfang der achtziger Jahre geschrieben
hatte.
Albright war außerdem Senior Fellow für sowjetische
und osteuropäische Angelegenheiten am Center for
Strategie and International Studies, wo sie Forschung
zu Entwicklungen und Trends in der Sowjetunion und
in Osteuropa durchführte.
Von 1978-81 war Außenministerin Albright als Mitarbeiterin des Nationalen Sicherheitsrats und des
Weißen Hauses für die außenpolitische Gesetzgebung
verantwortlich. Von 1976-78 war sie persönliche
Referentin für Gesetzesfragen von Senator Edmund
Muskie.
Botschafterin Albright erwarb ihren Bachelor of Arts in
Politologie am Wellesley College mit Auszeichnung
und studierte an der School of Advanced International
Studies der John Hopkins University, erhielt ein
Zeugnis vom Russischen Institut der Columbia University und legte ihren Master of Arts und ihr Doktorexamen an der Fakultät für Öffentliches Recht und
Staatswissenschaft der Columbia University ab.
Außenministerin Albright hat drei Töchter.

* * * * *

AMERIKA DIENST 02

Seite 1

�PORTRAT
29.Januar 1997

William S. Cohen
Porträt des neuen Verteidigungsministers

Der ehemalige Senator William S. Cohen wurde am
Freitag, dem 24. Januar 1997 bei einer Feier im
Weißen Haus von Vizepräsident AI Gore als 20.
Verteidigungsminister vereidigt.
Präsident Clinton gab Cohens Nominierung am 5.
Dezember 1996 bekannt. Er wurde am 22. Januar
1997 vom Senat mit 99 zu 0 Stimmen bestätigt. Davor
hatte er dem Senat drei Sitzungsperioden für den
Bundestaat Maine (1979-97) und drei dem Repräsentantenhaus als Abgeordneter des zweiten Wahlbezirks
von Maine angehört (1973-79).
Der am 28. August 1940 in Bangor (Maine) geborene
Cohen besuchte die Bangor High School, die er 1958
abschloß. 1962 erwarb er seinen Bachelor of Arts in
Latein am Bowdoin College und 1965 seinen Bachelor
of Laws cum laude an der Boston University Law
School.
Verteidigungsminister Cohen war von 1979-97 Mitglied
des Streitkräfteausschusses des Senats sowie des
Ausschusses für Regierungsangelegenheiten. Von
1983-91 und von 1995-97 war er Mitglied des Sonderausschusses für die Nachrichtendienste und von
1987-91 dessen Stellvertretender Vorsitzender.
Mit seinem Einfluß bei Verteidigungs- und internationalen Sicherheitsfragen spielte Cohen eine führende
Rolle beim Entwurf des Goldwater-Nichols-Gesetzes
über die Umstrukturierung des Verteidigungsapparats
von 1986. Er war der Befürworter des Gl-Gesetzes
von 1984 im Senat sowie der folgenden Zusätze zu
diesem bahnbrechenden Gesetz. Cohens Bemühungen führten zur Gründung der Schnellen Einsatztruppe
(RDF), die später zum US-Zentralkommando wurde,
und des maritimen Voreinlagerungsprogramms, die
beide entscheidend für den Erfolg des Golfkrieges
waren. Darüber hinaus ist er Mitverfasser des Gesetzes über die Reform der Überwachung der Nachrichtendienste von 1991 sowie von Gesetzen über die

AMERIKA DIENST 02

Überarbeitung der amerikanischen Spionageabwehrbestrebungen und Verteidigung gegen ausländische
politische und Industriespionage.
Von dem von ihm verfassten Gesetz über Wettbewerb
bei Vertragsabschlüssen bis zum Erlass des Gesetzes
über die Reform der staatlichen Beschaffung von
1996, bei dessen Entwurf er eine entscheidende Rolle
spielte, stand Cohen an vorderster Front bei der
Reform des Beschaffungsprozesses der Bundesregierung. Aufgrund seines Engagements, Rechenschaftspflicht und die besten Praktiken des Privatsektors bei den Bundesbehörden einzuführen, verfasste
er auch das Gesetz über die Reform der Verwaltung
von Informationstechnologie von 1986 , um die Art und
Weise zu verbessern, in der Bundesbehörden Investitionen in Informationstechnologie verwalten und
den Beschaffungsprozeß zu verschlanken.
Cohen war von 1989-97 Vorstandsmitglied des
Council on Foreign Relations und 1996 Leiter der
Nahoststudiengruppe des Council. Er war ferner Leiter
und Mitglied zahlreicher Studiengruppen und Ausschüsse am Center for Strategie and International
Studies, der School for Advanced International Studies
und der Brookings Institution zu Themen wie der
Umstrukturierung des Verteidigungsministeriums, der
NATO-Erweiterung und der Kontrolle von Chemiewaffen. Seit 1985 war Cohen Leiter der amerikanischen
Delegation hochrangiger Vertreter der Exekutive und
von Abgeordneten des Kongresses bei der Münchner
Konferenz für Sicherheitspolitik, bei der hochrangige
Vertreter der NATO und der Mitgliedsstaaten der
Partnerschaft für den Frieden zusammenkommen. Er
war auch Leiter der amerikanischen Delegationen
beim amerikanisch-arabischen Dialog in Kairo und
dem pazifischen Dialog in Kuala Lumpur - den regionalen Konferenzen über sicherheitspolitische und wirtschaftliche Themen.

Seite 1

�1974 wählte die Zeitschrift TIME Cohen zu einer der
200 künftigen Führungspersönlichkeiten Amerikas.
Die U.S. Junior Chamber of Commerce ernannte ihn
1975 zu einem der zehn herausragenden jungen
Männer in Amerika. Ebenfalls 1975 ehrte die Boston
University Law School Cohen mit ihrem renommierten
"Young Lawyer's Chair" und 1976 verlieh ihm der
Ehemaligenverein der Boston University seine Auszeichnung für hervorragende Dienste zum Wohle der
Allgemeinheit. 1980 erhielt Cohen den "Vanguard"
vom Verband der Unteroffiziere für seine Arbeit für
Angehörige des Militärs und 1983 zeichnete dieselbe
Organisation ihn mit dem L. Mendel Rivers Award aus.
*

Seite 2

1996 wurde ihm die U.S. Special Operations Command Medal verliehen.
Cohen ist Autor oder Mitverfasser von acht Büchern,
darunter zwei Gedichtbänden, drei Romanen und drei
Sachbüchern.
Seine Frau Janet Langhart ist Präsidentin von Langhart Communications. Cohen hat zwei erwachsene
Söhne, Kevin und Chris.

* * *

*

AMERIKA DIENST 02

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12720">
                <text>29.01.1997</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12721">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12722">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12723">
                <text>Amerikadienst 29.01.1997</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12724">
                <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Investitionen in die amerikanische Führungsrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Abschiedsrede von Außenminister Christopher&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Entwurf einer überparteilichen Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Außenministerin Madeleine K. Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Abrüstung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Verringerung von Bedrohungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des designierten Verteidigungsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikas Spitzenposition in der Weltwirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des designierten Wirtschaftsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Madeleine Korbel Albright&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt der neuen Außenministerin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;William S. Cohen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des neuen Verteidigungsministers&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
</itemContainer>
