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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

28. September 1994

38

AUSSENPOLITIK

AUFRUF ZU WELTWEITER ZUSAMMENARBEIT
Rede Präsident Clintons vor der
UN-Generalversammlung

USA-EUROPA

URSACHEN FÜR KONFLIKTE NACH DEM
KALTEN KRIEG
Rede von Abteilungsleiter Holbrooke

DIE HERAUSFORDERUNG DER GESCHICHTE
Rede von John Kornblum

USA-DEUTSCHLAND

REDMAN: IN DEUTSCHLAND HABEN WIR
EINEN VERLÄSSLICHEN PARTNER
Anhörung vor Senatsausschuß

NICHTVERBREITUNG

CTB-VERTRAG "UNABDINGBAR" ZUR
EINDÄMMUNG DER NUKLEAREN
WEITERVERBREITUNG
Erklärung des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-334102

�AUSSENPOLITIK
28. September 1994

AUFRUF ZU WELTWEITER ZUSAMMENARBEIT
Rede Präsident Clintons vor der UN-Generalversammlung
VEREINTE NATIONEN - (AD) - In einer am 26. September 1994 vor der 49. UN-Generalversammlung
gehaltenen Rede machte Präsident Clinton den Vorschlag für einen ersten Schritt zur endgültigen Beseitigung
einer tödlichen globalen Bedrohung - den weltweit 85 Millionen gegen lebende Ziele gerichteten Landminen.
Clinton forderte seine Zuhörer auf, "gemeinsam mit uns ein Abkommen zur Reduzierung der Anzahl und
Verfügbarkeit dieser Minen abzuschließen".
Das Ende des Kalten Krieges und die Explosion von Technologie, Handel und Wirtschaft hätten ein "Zeitalter
der Hoffnung" eingeleitet, aber in dieser neuen Welt sähen sich die Länder "mit einem Kampf zwischen Freiheit
und Tyrannei" konfrontiert.
Der Präsident gab ferner bekannt, die Vereinigten Staaten würden im Geiste von Versöhnung und
Wiederaufbau alle unilateralen Sanktionen gegen Haiti aussetzen mit Ausnahme derjenigen, die die
Militärmachthaber und ihre direkten Anhänger betreffen.
Er stellte fest, die Situation in Bosnien habe sich verbessert, in dem Gebiet um Sarajevo jedoch in den letzten
Wochen beträchtlich verschlimmert. Zur Rettung Sarajevos sei eine neue Entschlossenheit der Vereinten
Nationen zur Durchsetzung ihrer Resolutionen erforderlich. Die NATO sei zum Handeln bereit.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Präsident Clintons vor der UN-Generalversammlung im Wortlaut.

Herr Präsident, Herr Generalsekretär, meine Damen
und Herren Abgeordneten. Zunächst möchte ich
Ihnen, Herr Präsident, meine Glückwünsche zu ihrer
Wahl als Präsident der 49. Generalversammlung
aussprechen. Das amerikanische Volk sieht einer
Zusammenarbeit mit Ihnen bei der Begehung des
50. Jahrestages der Gründung der Vereinten Nationen erwartungsvoll entgegen.
Wir treffen heute in einer Zeit großer Hoffnungen
und großer Veränderungen zusammen. Das Ende
des Kalten Krieges, die Explosion in den Bereichen
Technologie, Handel und Wirtschaft haben den
Menschen auf der ganzen Welt eine neue Chance
gegeben, ihre Träume zu verwirklichen und ihr von
Gott gegebenes Talent zu entfalten. Dies ist ein
Zeitalter der Hoffnung.
In dieser neuen Welt sehen wir uns jedoch einem
Wettstreit gegenüber, der so alt ist wie die Geschichte selbst - einem Kampf zwischen Freiheit und

AMERIKA DIENST 38

Tyrannei, zwischen Toleranz und Bigotterie, zwischen
Wissen und Unkenntnis, zwischen Offenheit und
Isolation. Es ist ein Kampf zwischen denen, die freie,
von Gesetzen regierte Gesellschaften aufbauen
wollen und denjenigen, die ihren Willen mit Gewalt
durchsetzen möchten. Der heute von uns geführte
Kampf in einer Welt, die stärker als jemals zuvor von
Spitzentechnologie bestimmt ist, sich schneller als je
zuvor verändert und chaotischer und vielfältiger als je
zuvor ist, ist der jahrhundertealte Kampf zwischen
Hoffnung und Angst.
Dreimal in diesem Jahrhundert - von den Schützengräben an der Somme über die japanische Insel Iwo
Jima zur gefallenen Berliner Mauer trugen die Kräfte
der Hoffnung den Sieg davon. Die Sieger des Ersten
Weltkriegs vergeudeten jedoch ihren Triumph als sie
sich zurückzogen, eine weltweite Depression herbeiführten und dann den Aufstieg des Faschismus mit
der Folge eines erneuten Weltkriegs zuließen.

Seite 1

�I

Nach dem Zweiten Weltkrieg beherzigten die Alliierten die Lektionen der Geschichte. Angesichts einer
neuen totalitären Gefahr und der atomaren Bedrohung kehrten die großen Nationen der Herausforderung des Augenblicks nicht den Rücken zu. Vielmehr beschlossen sie, andere einzubeziehen, den
Wiederaufbau voranzutreiben und eine Führungsrolle
zu übernehmen. Sie entschieden sich für die
Gründung der Vereinten Nationen und hinterließen
uns eine stärkere, sicherere und freiere Welt.
Unsere Generation hat eine schwierige Aufgabe:
Der Kalte Krieg ist vorüber, wir müssen den Frieden
sichern. Uns fällt die Aufgabe zu, die nach dem
Ersten Weltkrieg gezeigte Selbstgefälligkeit zu
vermeiden, ohne daß - wie nach dem Zweiten
Weltkrieg - ein Antrieb in Form einer direkten Bedrohung unserer Sicherheit gegeben wäre. Wir
müssen dafür sorgen, daß diejenigen, die kämpften
und den Mut zur Beendigung des Kalten Krieges
zeigten - die freiheitsliebenden Menschen im Osten
und Westen - sich nicht umsonst eingesetzt haben.
Unsere geheiligte Aufgabe besteht darin, eine neue
Welt für unsere Kinder zu schaffen - mit mehr
Demokratie, mehr Wohlstand und größerer Freiheit
vor überholtem Haß und modernen Massenvernichtungsmitteln. Schließlich sind die Mauern, die
selbst in dieser Kammer die Nationen spalteten,
gefallen. Mehr Nationen als jemals zuvor haben
sich für die Demokratie entschieden, mehr für freie
Märkte und wirtschaftliche Gerechtigkeit, für die
Werte Toleranz, Freiheit und bürgerliche Gesellschaft, die es uns gestatten, das Beste aus unserem
Leben zu machen.
Aber obwohl die Ideale der Demokratie und freien
Marktwirtschaft Auftrieb erhalten haben, ist das nicht
alles. Schreckliche Beispiele für Chaos, Unterdrückung und Tyrannei sind ebenfalls ein Charakteristikum unserer Zeit. Das 20. Jahrhundert hat
bewiesen, daß die Kräfte der Freiheit und Demokratie auch angesichts großer Widrigkeiten Bestand
haben. Es ist unsere Pflicht sicherzustellen, daß
diese Kräfte im 21. Jahrhundert den Sieg davontragen.
Die uns konfrontierenden Gefahren sind nicht so
stark, aber viel diffuser als während des Kalten
Krieges. Sie sind jedoch immer noch furchterregend: Ethnische Konflikte, die Millionen Menschen
aus ihrer Heimat vertreiben; Despoten mit dem
Willen zur Unterdrückung ihrer eigenen Völker oder
Eroberung ihrer Nachbarländer; die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen; im Besitz
tödlicher Waffen befindliche Terroristen; Verbrechersyndikate, die diese Waffen oder Drogen verkaufen
oder die Institutionen schwacher Demokratien infil-

Seite 2

trieren; eine Weltwirtschaft mit großen Versprechungen aber auch tiefsitzender Unsicherheit und vielerorts verringerten Chancen; Krankheiten wie AIDS, die
Nationen zu dezimieren drohen; die kombinierten
Gefahren Bevölkerungsexplosion und wirtschaftlicher
Niedergang, die die internationale Staatengemeinschaft bei der Kairoer Konferenz zu einem bemerkenswerten Konsens führten; globale und lokale
Gefahren für die Umwelt, die erfordern, daß umweltverträgliche Entwicklung Bestandteil des Lebens der
Menschen auf der ganzen Welt wird und schließlich in vielen unserer Länder - starker Drogenmißbrauch,
eine hohe Verbrechensrate und der Zusammenbruch
von Familien mit seinen schrecklichen Folgen. Das
sind die uns heute konfrontierenden Gefahren.
Wir müssen uns diesen Bedrohungen unserer Zukunft stellen. Glücklicherweise bietet das Ende des
Kalten Krieges uns die Möglichkeit, sie gemeinsam
anzugehen.
Im Rahmen unserer Bestrebungen
werden verschiedene Nationen sich in verschiedenen
Situationen vielleicht unterschiedlich verhalten. Ihre
Beweggründe müssen jedoch im Einklang mit der
Freiheit stehen und ihre Vorgehensweise dem
Völkerrecht entsprechen.
Jede Nation wird ihre besonderen Stärken - wirtschaftliche, politische oder militärische - in unsere
gemeinsame Aufgabe einbringen. Natürlich besteht
die oberste Pflicht jedes Mitgliedstaates der Vereinten
Nationen gegenüber seinen eigenen Bürgern, deren
Sicherheit, Wohlergehen und Interessen. Als Präsident der Vereinigten Staaten habe ich als erstes eine
Verpflichtung gegenüber den Bürgern meines Landes. Wenn unsere nationalen Sicherheitsinteressen
bedroht sind, werden wir wenn möglich gemeinsam
mit anderen, wenn nötig im Alleingang handeln. Wir
werden wenn möglich Diplomatie, wenn nötig Gewalt
einsetzen.
Die Vereinigten Staaten sind sich auch ihrer besonderen Verantwortung bei diesen gemeinsamen
Bestrebungen bewußt - eine Verantwortung, die mit
großer Macht sowie unserer langen Geschichte von
Demokratie und Freiheit einhergeht.

Wir möchten

dieser Verantwortung in Zusammenarbeit mit anderen
Ländern entsprechen. Zusammenarbeit erhöht die
Wirkung und Rechtmäßigkeit jeder unserer Aktionen,
und eine Verteilung der Lasten verringert die Belastung für den einzelnen. Wir wollen nicht der Weltpolizist sein, werden jedoch alles in unserer Macht
Stehende unternehmen, um bürgerlichen Gesellschaften bei der Befreiung von Unterdrückung
beizustehen, gefährdete Demokratien zu unterstützen
und weitere freie Märkte zu schaffen - und natürlich
die uns alle bedrohenden zerstörerischen Kräfte
einzudämmen.

AMERIKA DIENST 38

�In jedem Teil der Welt - von Südafrika über Asien,
Mittel- und Osteuropa, den Nahen Osten und Lateinamerika und jetzt bis zu einer kleinen Karibikinsel streben die Bürger danach, ihre eigene Zukunft
aufzubauen. Es ist die große Chance unserer
Generation, uns für ihre Sache einzusetzen - und
das müssen wir gemeinsam tun.
Eine Koalition für die Demokratie ist auch für Amerika von Vorteil. Denn Demokratien sind stabiler und
weniger geneigt, Krieg zu führen. Sie stärken eine
bürgerliche Gesellschaft. Sie können den Menschen
wirtschaftliche und politische Chancen bieten, in ihrer
Heimat eine Zukunft aufzubauen, anstatt aus ihr zu
fliehen.
Unsere Bestrebungen zum Aufbau von mehr Demokratien werden uns alle sicherer, wohlhabender und
erfolgreicher machen, während wir versuchen,
dieses Zeitalter tiefgreifenden Wandels zu unserem
Freund anstatt zu unserem Feind zu machen.
In unserem Land gibt es wie in allen Ihren Ländern
viele Menschen, die sich verständlicherweise gegen
solche Bestrebungen sträuben, denn oftmals ist die
Entfernung zu diesen Völkern groß und ihre Kultur
sehr verschieden. Es gibt guten Grund für die von
diesen Menschen gezeigte Vorsicht. Oftmals sind
die Aussichten auf Erfolg oder die möglichen Kosten
nicht abzusehen. Und natürlich steckt in jeder
gemeinsamen Bestrebung auch die Möglichkeit ihres
Scheiterns oder des Verlusts kostbarer Menschenleben. Und trotzdem hat unser Volk - wie wir bei der
bemerkenswerten internationalen Reaktion auf die
schreckliche Krise in Ruanda gesehen haben - den
aufrichtigen Wunsch, seinen Nachbarn auf der
ganzen Welt zu helfen und einen Beitrag zu unserer
gemeinsamen Sache zu leisten.
Wir haben auch gesehen, daß Fortschritte gemacht
werden können. Das Problem lautet, darüber zu
entscheiden, wann wir reagieren und wie wir unser
Widerstreben überwinden. Das ist nie leicht, und es
gibt kein einfaches Rezept. Wir alle treffen diese
Entscheidungen, teilweise aufgrund der Entfernung
des Problems von unseren Küsten, aufgrund der
Interessen unserer Nation, der Erfolgschancen, der
erforderlichen Kosten oder der Gefahr für unsere
eigenen Bürger bei diesem Unterfangen. Es bleiben
jedoch schwierige Fragen bestehen, die nicht nach
einem einfachen Schema beantwortet werden
können.
Wir sollten jedoch zuversichtlich sein, daß diese
Bestrebungen zum Erfolg führen können, seien es
Bestrebungen zur Rettung von Menschenleben
angesichts einer entsetzlichen Tragödie wie in
Ruanda oder zur Vermeidung einer Tragödie wie am

AMERIKA DIENST 38

Hörn von Afrika oder zur Förderung von Entwicklungen, die buchstäblich die Zukunft von Millionen
Menschen verändern. Die Geschichte ist auf unserer
Seite.
Wir sollten hierbei Zuversicht zeigen. Denken Sie an
den Vormarsch der Freiheit allein im vergangenen
Jahr. Wer hätte noch vor einem Jahrzehnt gewagt,
die erstaunlichen Veränderungen in Südafrika, im
Nahen Osten, in Irland vorauszusagen, den bemerkenswerten Triumph von Demokratie und Mehrheitsentscheidungen, die Erfüllung von Nelson Mandelas
Lebenszweck, die mutigen Bestrebungen Israels und
seiner arabischen Nachbarn zum Aufbau von Brükken des Friedens zwischen ihren Völkern, das
ernsthafte Streben der Menschen Nordirlands,
Großbritanniens und Irlands nach der Beendigung
jahrhundertealter Spaltung und jahrzehntelangen
Terrors. In jedem Fall ist es das Verdienst der
führenden Persönlichkeiten dieser Nationen und ihrer
couragierten Völker. Aber in jedem Fall genossen die
Vereinigten Staaten und andere Nationen das Privileg, in dieser Sache Beistand leisten zu können.
Die wachsende Zusammenarbeit zwischen den
Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation
sollte für uns alle ebenfalls Anlaß zu großer Zuversicht sein. Diese Partnerschaft wurzelt in der Demokratie, diese Partnerschaft funktioniert, diese Partnerschaft basiert nicht auf vollständiger Übereinstimmung, sondern auf echtem gegenseitigem Respekt.
Nach vielen Jahren atomaren Schreckens unternehmen unsere beiden Nationen dramatische Schritte
zur Lockerung der Spannungen auf der ganzen Welt.
Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg sind Mittel- und
Osteuropa nicht von ausländischen Truppen besetzt,
die baltischen Staaten sind frei, russische und
amerikanische Raketen sind nicht länger gegen das
jeweils andere Volk gerichtet. Drei der vier im Besitz
von Atomwaffen befindlichen Mitgliedstaaten der
ehemaligen Sowjetunion haben sich auf einen Abzug
aller Atomwaffen von ihrem Gebiet geeinigt. Und wir
arbeiten an Abkommen zur Einstellung der Produktion spaltbaren Materials für Nuklearexplosionen, zum
offenen und irreversiblen Abbau nuklearer Gefechtsköpfe und zur weiteren Verringerung unserer Atomwaffen in Trägersystemen.
Die Vereinigten Staaten und Rußland sind sich ferner
bewußt, daß wir bei der Kontrolle der wachsenden
Bedrohung durch Terroristen zusammenarbeiten
müssen, die Nuklearmaterial schmuggeln.
Um
Nuklearmaterial am Produktionsort in sichere Verwahrung zu nehmen, haben wir uns mit Rußland auf
eine Einstellung der Plutoniumproduktion bis zum
Jahr 2000 geeinigt, auf den Bau einer Lagerstätte für
spaltbares Material, den Aufkauf von Vorräten waffen-

Seite 3

�fähiger Brennstoffe sowie die Bekämpfung von
Verbrechern, die Materialien für Nuklearexplosionen
schmuggeln wollen.
Unsere beiden Nationen und Deutschland haben
ihre Zusammenarbeit verstärkt und beteiligen sich an
gemeinsamen Ausbildungsmaßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus. Wir werden in Kürze unter
Führung des FBI in Europa eine Akademie für die
Ausbildung von Polizeibeamten einrichten, in der
Polizisten die wirksamere Bekämpfung des Handels
mit atomwaffenfähigem Material, des Drogenhandels,
des organisierten Verbrechens und der Geldwäsche
erlernen.
Fördern werden die Vereinigten Staaten ferner eine
umfassende Tagesordnung zur Nichtverbreitung,
eine globale Konvention zur Einstellung der Produktion spaltbaren Materials, Bestrebungen zur Eindämmung der nuklearen Ambitionen Nordkoreas,
transparente Verfahren zum Abbau nuklearer Gefechtsköpfe sowie unsere Arbeit an einem Verbot
von Atomversuchen und der Ausweitung des Nichtverbreitungsvertrags.
Heute schlage ich einen ersten Schritt zur endgültigen Beseitigung einer weniger sichtbaren, aber
dennoch tödlichen Bedrohung vor: der weltweit 85
Millionen gegen lebende Ziele gerichteten Landminen - eine für je 50 Menschen auf der Erde. Ich rufe
alle Nationen dazu auf, gemeinsam mit uns ein
Abkommen zur Reduzierung der Anzahl und Verfügbarkeit dieser Minen abzuschließen. Die Befreiung
der Welt von diesen versteckten Waffen wird helfen,
in den kommenden Jahren das Leben Zehntausender von Männern, Frauen und unschuldigen Kindern
zu retten.
Die von uns im letzten Jahr erzielten Fortschritte
geben auch Anlaß zur Zuversicht, daß wir in den
Jahren nach dem Kalten Krieg internationale Institutionen anpassen und schaffen können, die
weltweit die Sicherheit erhöhen und Wirtschaftswachstum fördern.
Seit ich hier im vergangenen Jahr eine Rede hielt,
sind 22 Nationen der Partnerschaft für den Frieden
beigetreten. Es wurden erste gemeinsame Manöver
veranstaltet, die Europa die Chance geben, ein
geeinterer Kontinent zu werden, auf dem demokratische Nationen in sicheren Grenzen leben. In Asien
werden die Gespräche über Sicherheit und wirtschaftliche Zusammenarbeit zu mehr Stabilität
führen. Indem die Ängste der Nationen bezüglich
ihrer Grenzen abgebaut und sie in die Lage versetzt
werden, weniger Geld für ihre Verteidigung auszugeben, kann unsere Koalition für die Demokratie den
Nationen zu einem Übergang verhelfen - und damit

Seite 4

zu der Chance, ihren Bürgern neue Freiheiten und
Möglichkeiten zu bieten.
Es ist an der Zeit, erneut über die Struktur dieser
Weltwirtschaft nachzudenken - Nationen trennende
Mauern niederzureißen, anstatt sich hinter ihnen zu
verstecken.
Auf dem diesjährigen Treffen der G-7 in Neapel
haben wir uns dieser Erneuerung verschrieben, der
erneuten Überprüfung der Wirtschaftsinstitutionen, die
uns in der Vergangenheit so gute Dienste geleistet
haben. Im Interesse gemeinsamen Wohlstands sind
die Vereinigten Staaten ein aktiverer Förderer offener
Märkte. Obwohl das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) noch in seinen Kinderschuhen
steckt, hat es den Handel zwischen den Vereinigten
Staaten und Mexiko bereits dramatisch erhöht und
allein in den Vereinigten Staaten schätzungsweise
200.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Es bietet
den Nationen auf dem gesamten amerikanischen
Kontinent ein Modell, auf dem wir hoffentlich aufbauen können.
Diese Woche werde ich dem Kongreß ein Gesetzeswerk zur Umsetzung des GATT vorlegen, der größten
Handelsvereinbarung der Geschichte. Das GATT
und sein Nachfolger, die Welthandelsorganisation
WTO, bergen für uns alle das Versprechen gesteigerter Exporte, höherer Löhne und eines verbesserten
Lebensstandards. In den kommenden Monaten und
Jahren werden wir uns für die Erhöhung der Reichweite offener Märkte einsetzen, angefangen mit dem
Forum für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit und dem Gipfel der amerikanischen
Staaten Ende dieses Jahres.
Hier bei den Vereinten Nationen müssen wir einen
konkreten Plan zur Bewältigung der Herausforderungen der kommenden 50 Jahre erarbeiten, während
wir das 50jährige Bestehen der UNO feiern. Meines
Erachtens sollten wir den nächstes Jahr anstehenden
50. Jahrestag der Gründung der Vereinten Nationen
nicht nur zu einem Jahr der Feierlichkeiten, sondern
auch zu einem Jahr der Erneuerung erklären. Wir
bitten den Generalsekretär um die Bildung einer
Arbeitsgruppe, damit wir bei unserer Sitzung im
kommenden Jahr über einen konkreten Aktionsplan
zur erneuten Belebung der Pflichten der Vereinten
Nationen verfügen, um die vor uns liegenden wirtschaftlichen, politischen und sicherheitspolitischen
Herausforderungen angehen zu können - Pflichten,
die wir alle bereitwillig erfüllen müssen.
Unsere Ziele sollten auch einsatzbereite, effiziente
und fähige UN-Friedenstruppen umfassen. Ich freue
mich berichten zu können, daß die Vereinigten
Staaten - wie von mir im letzten Jahr zugesagt und

AMERIKA DIENST 38

�dank der Unterstützung durch den amerikanischen
Kongreß - 1,2 Milliarden Dollar für diese entscheidende Aufgabe zur Verfügung gestellt haben.
Wir müssen uns ferner verpflichten, die Reform der
Vereinten Nationen voranzutreiben, damit wir mit
weniger Mitteln mehr erreichen. Und wir müssen
unsere Fähigkeit verbessern, schnell auf dringende
Erfordernisse zu reagieren. Es ist für die Mitglieder
der Generalversammlung an der Zeit, ernsthaft den
von Präsident Menem unterbreiteten Vorschlag zur
Schaffung einer schnellen zivilen Reaktionsfähigkeit
auf humanitäre Krisen zu prüfen.
Nicht aus den Augen verlieren dürfen wir die besondere Rolle, die Entwicklung und Demokratie bei der
Verhütung von Konflikten spielen können, nachdem
der Frieden einmal geschaffen wurde.
Die Vereinten Nationen befanden sich noch nie in
einer besseren Position, die demokratischen Ziele
unserer Gründerväter zu erreichen. Das Ende des
Kalten Krieges hat uns von Jahrzehnten lähmender
Teilungen befreit, und wir alle wissen, daß multilaterale Zusammenarbeit angesichts der neuen Bedrohungen nicht nur notwendig ist, sondern auch
zum Erfolg führen kann.
Die von uns in Haiti gemeinsam unternommenen
Bestrebungen sind ein vorzügliches Beispiel. Unter

Einklang damit beabsichtige ich, zügig im Rahmen
der Resolutionen 917 und 940 des Sicherheitsrats
vorzugehen, damit wir Gesundheitsfürsorge, Wasserund Elektrizitätsversorgung wiederherstellen und
Material für humanitäre Bestrebungen, das Kommunikationswesen, Landwirtschaft und Erziehung
bereitstellen können.
Ferner gebe ich heute bekannt, daß die Vereinigten
Staaten alle unilateralen Sanktionen gegen Haiti
aussetzen werden, mit Ausnahme der die Militärmachthaber und ihre Anhänger betreffenden. Dazu
zählen der Linienverkehr, nachdem Luftunterstützung
verfügbar wurde, Finanztransaktionen und Reisebeschränkungen. Ich fordere alle anderen Nationen
dringend dazu auf, ebenso zu handeln.
In Haiti haben die Vereinigten Staaten demonstriert,
daß sie eine multinationale Streitmacht führen würden, wenn unsere Interessen offensichtlich, die
Sache richtig, die Mission durchführbar und die
Unterstützung der Nationen der Welt gewiß ist. Die
Haitianer werden jedoch Energie und Geduld an den
Tag legen müssen, um den Weg der Freiheit zu
gehen. Sie müssen das für sich selbst tun. Jede
neu entstehende demokratische Nation steht auf
tönernen Füßen, aber der Tag wird kommen, an dem
die auf Haiti lebenden Menschen ihr Streben nach
Freiheit erfüllt sehen und sie erneut tatsächliche
wirtschaftliche Fortschritte machen.

der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen geben

amerikanische Streitkräfte, jetzt unterstützt von einer
wachsenden internationalen Koalition aus mehr als
zwei Dutzend Nationen, den Menschen in Haiti ihre
Chance auf Freiheit.
Kreative Diplomatie, der
Einfluß wirtschaftlicher Macht, glaubwürdige militärische Drohung - sie alle haben die derzeitigen
Chancen herbeigeführt.
Die unentbehrliche zivile Ordnung wird wiederhergestellt. Menschenrechtsverletzungen wird Einhalt
geboten. Am heutigen Tag kehren bereits die ersten
Flüchtlinge zurück. Die Militärmachthaber werden
abtreten, eine demokratische Regierung wird wiederhergestellt. Präsident Aristide wird zurückkehren.
Die multilaterale Mission wird ihre Verantwortung an
eine Mission der Vereinten Nationen übergeben, die
1995 in Haiti bleibt, bis ein neuer Präsident gewählt
worden ist. Während dieses Zeitraums werden
durch multilaterale Entwicklungsbemühungen über
eine Milliarde Dollar zu Verfügung gestellt, um den
Haitianern beim Wiederaufbau ihres Landes zu
helfen.
Im Geiste der Versöhnung und des Wiederaufbaus
forderte Präsident Aristide gestern die sofortige
Lockerung der Sanktionen, damit die Wiederaufbauarbeit unverzüglich aufgenommen werden kann. Im

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Die Aktionen der Vereinten Nationen in Bosnien
bezeugen ebenso wie die in Haiti, daß Fortschritte
gemacht werden können, wenn eine Koalition ihre
Diplomatie mit militärischer Macht untermauert. Die
NATO hat seit unserer Zusammenkunft im vergangenen Jahr überhaupt zum ersten Mal außerhalb des
Territoriums ihrer Mitgliedstaaten eine militärische
Aktion durchgeführt. Die Drohung mit der Luftmacht
der NATO hat zur Errichtung der Sperrzone um
Sarajevo geführt und zur Beendigung der Frühjahrsoffensive der bosnischen Serben gegen Gorazde
beigetragen. Das von der NATO im Februar gestellte
Ultimatum unterstützte unsere Vermittlungsbemühungen, die zur Beendigung des Krieges zwischen der
bosnischen Regierung und den bosnischen Kroaten
beitrugen und eine Föderation zwischen diesen
beiden Gemeinschaften bildeten.
Die Situation in Bosnien hat sich bis zu diesem Grad
verbessert. In den letzten Wochen hat sich die
Situation um Sarajevo jedoch beträchtlich verschlechtert, und die Stadt ist wieder in Gefahr,
eingekesselt zu werden. Jetzt ist eine erneute
Entschlossenheit der Vereinten Nationen zur Durchsetzung ihrer Resolutionen erforderlich, um Sarajevo
zu retten. Die NATO ist zum Handeln bereit.

Seite 5

�Die Situation in Bosnien erinnert uns erneut an die
größte Ironie in diesem auslaufenden Jahrhundert:
Dieses so von Hoffnung und Chancen erfüllte
Jahrhundert war auch ein Zeitalter tiefgehender
Zerstörung und Verzweiflung.
Wir müssen an die Millionen von Menschen denken,
die während der beiden Weltkriege ihr Leben gaben
und an den ein halbes Jahrhundert währenden
Kampf der Männer und Frauen in Ost und West, die
sich schließlich im Namen den Freiheit behaupteten.
Wir müssen aber auch an unsere Kinder denken und
die Welt, die wir ihnen im 21. Jahrhundert hinterlassen.
*

Seite 6

Die Geschichte hat uns eine sehr seltene Gelegenheit beschert - die Chance, auf dem großartigsten
Vermächtnis dieses Jahrhunderts aufzubauen, ohne
seine dunklen Kapitel noch einmal zu durchleben.
Und wir haben demonstriert, daß wir das uralte
Streben der Menschheit nach Freiheit fortsetzen
können: den Aufbau einer Welt, in der die Demokratie keine Grenzen kennt, die Nationen aber wissen,
daß ihre Grenzen immer sicher sind, einer Welt, die
allen Menschen die Chance zur Entfaltung und zur
Verwirklichung ihrer Träume bietet.

* * * *

AMERIKA DIENST 38

�USA-EU ROPA
28. September 1994

URSACHEN FÜR KONFLIKTE
NACH DEM KALTEN KRIEG
Rede von Abteilungsleiter Holbrooke
WASHINGTON - (AD) - Der Abteilungsleiter für europäische und kanadische Angelegenheiten im
Außenministerium, Richard C. Holbrooke, stellte in einer Rede vor dem Unterausschuß für Europa und den
Nahen Osten des Auswärtigen Ausschusses des Repräsentantenhauses am 20. September 1994 fest: "Die
Berliner Mauer ist gefallen, aber unsichtbare Mauern bestehen weiter - Mauern der Ignoranz, Intoleranz und
des Neides."
In seinen Ausführungen über die Entwicklungen in Europa äußerte Holbrooke: "Fortschritte für den von uns
angestrebten dauerhaften Frieden werden nur erzielt, wenn wir die Ursachen der Konflikte in Angriff nehmen",
insbesondere in Zentraleuropa. Nachdem diese Länder die Übel des Faschismus und Kommunismus, des
heißen und Kalten Krieges erduldet haben, seien sie frei, so Holbrooke, "doch sie benötigen unsere Hilfe".
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext von Abteilungsleiter Holbrooke.

Es ist mir eine Ehre, heute vor Ihnen sprechen zu
dürfen. Ich danke Ihnen für die Gelegenheit darzulegen, wie diese Administration die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten in einem Europa
fördert, in dem sich tiefgreifende Veränderungen
vollziehen.
Am 8. September 1994 - einem meiner letzten Tage
als amerikanischer Botschafter in Deutschland verließen die amerikanischen Truppen Berlin in
einem Triumphzug, nachdem sie über 49 Jahre lang
die Freiheit und Sicherheit dieser Stadt erfolgreich
verteidigt hatten.
Der Abzug der Truppen war vielleicht die letzte
symbolische Erinnerung an das Ende des Kalten
Krieges. Er bedeutet jedoch nicht das Ende unseres
aktiven Engagements in Europa.
Der Fall der Berliner Mauer, der Zusammenbruch
des sowjetischen Imperiums und das Entstehen
neuer Demokratien bieten den Vereinigten Staaten
eine beispiellose Chance, einen Beitrag zu einem
freien und ungeteilten Europa zu leisten. Das Ende
des Kalten Krieges hat die Europäer und Amerikaner
von der Notwendigkeit der ausschließlichen Konzentration auf eine gemeinsame Bedrohung von außen
befreit. Wir sind jetzt frei, über das Gleichgewicht
des Schreckens des Kalten Krieges hinauszugehen,
um einen dauerhafteren Frieden und Sicherheit
aufzubauen, die auf der Stärke unserer Gesellschaf-

AMERIKA DIENST 38

ten und Institutionen gründen. Wir können jetzt
nachhaltiger andere gemeinsame Ziele verfolgen Förderung von Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit
im Inland, Menschenrechten, Freiheit und Marktreformen im Ausland.
Gemeinsam können wir unsere ehemaligen Gegner
zu beständigen Partnern machen. Wir können ein
Europa aufbauen, das in Demokratie vereinigt ist; ein
Europa, dessen Sicherheit auf dem Bau von Brücken,
nicht Mauern, basiert; ein Europa, das als unser
globaler Partner bei gemeinsamen Bestrebungen zur
Erweiterung von Frieden und Wohlstand dienen kann.
Aber wenn wir diese historische Chance ergreifen
wollen, ist es unerläßlich, daß wir auch die vor uns
liegenden Herausforderungen verstehen und bewältigen. Anstelle des Wettkampfs zwischen Totalitarismus und Demokratie im Europa des Kalten Krieges
ist eine andere Form des Wettstreits getreten zwischen den Kräften der Integration, Toleranz und
Einbeziehung und denen der Zersplitterung, Intoleranz und Ausgrenzung.
In dem Maße, in dem wir uns von der gefährlichsten
Konfrontation in der Geschichte der Menschheit
entfernt haben, werden wir Zeuge des schlimmsten
Ausbruchs von Gewalt und Blutvergießen in Europa
seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Seite 1

�Die Berliner Mauer ist gefallen, aber unsichtbare
Mauern bestehen weiter - Mauern der Ignoranz,
Intoleranz und des Neides. Heute entstehen die
Sicherheitsherausforderungen für Europa ebensosehr durch Ungerechtigkeit, wirtschaftliche Bedürfnisse und ethnischen Haß wie durch militärische
Aggression. Fortschritte für den von uns angestrebten dauerhaften Frieden werden nur erzielt, wenn wir
die Ursachen der Konflikte in Angriff nehmen, die
sich durch Mauern und Waffen manifestieren.
Dies ist eine enorme Herausforderung, insbesondere
für die riesigen und jahrtausendealten Gebiete in
Zentraleuropa. Sie haben entsetzlich unter den
Übeln des Faschismus und Kommunismus, des
heißen und Kalten Krieges gelitten. Heute sind sie
frei - doch sie benötigen unsere Hilfe.
Einige stellen die Frage, warum es uns etwas
angeht, was in diesen anscheinend so weit entfernten Regionen geschieht. Es wird das Argument
vorgebracht, nun, da die Tyrannei abgeschafft sei,
seien unsere Ziele in Europa erreicht und wir könnten uns abwenden.
Diese Administration teilt diese Sichtweise nicht.
Ohne Demokratie, Stabilität und freie Marktwirtschaften sind die Gebiete Mittel- und Ostmitteleuropas weiterhin anfällig für viele der althergebrachten Probleme - ethnische Konflikte, Gebietsstreitigkeiten, falschen Nationalismus, rassische
Vorurteile und institutionell verankerte Korruption.
Wenn eines dieser Übel triumphiert - wie es bereits
in Teilen des Balkans der Fall ist - besteht erneut ein
Risiko für die Stabilität Europas. Wenn diese Übel
triumphieren, könnte die Tragödie in Bosnien ein
häßlicher Vorläufer einer neuen Ära europäischer
Unsicherheit sein, gekennzeichnet durch virulente
ethnische und nationalistische Animositäten, Massenmigration, Fremdenfeindlichkeit und wirtschaftliche Unsicherheit.
Dreimal in diesem Jahrhundert mußte Europa
erleben, was solche Instabilität kostet - und jedes
Mal wurden die Vereinigten Staaten benötigt, um
das Gleichgewicht wiederherzustellen.
Der mörderische Konflikt im ehemaligen Jugoslawien
führt uns vor Augen, daß Streitkräfte in der heutigen
Welt nach wie vor relevant sind. Er enthüllt auch die
Schwierigkeiten des Einsatzes von Streitkräften bei
Konflikten in einem Staat und zwischen Staaten.
Und er lehrt uns, daß frühzeitiges Handeln das beste
Mittel zur Verhinderung von Konflikten ist, die wir
später vielleicht nicht mehr kontrollieren können.

Blutvergießens auf dem Balkan herbeizuführen, die
Ausweitung der Kämpfe zu einem größeren Konflikt
zu verhindern, der sowohl unsere Verbündeten als
auch die Stabilität der neuen demokratischen Staaten
bedrohen könnte, und um den destabilisierenden
Flüchtlingsstrom einzudämmen.
Während wir auf die Lösung dieser Tragödie und die
Milderung des Leidens seiner Opfer hinarbeiten,
müssen wir auch unsere Sicherheitsinstitutionen
verändern, damit sie derartige Konflikte besser
bewältigen und die europäische Integration fördern
können. Viele Institutionen werden eine Rolle spielen, darunter die Europäische Union, die Westeuropäische Union, der Europarat, die KSZE und die
Vereinten Nationen. Aber die NATO - das erfolgreichste politisch-militärische Bündnis der Geschichte
- ist von zentraler Bedeutung.
100.000 amerikanische Soldaten werden in Europa
stationiert bleiben. Wie Vizepräsident Gore vor
kurzem feststellte, sind sie ein Zeichen unseres
Engagements für die NATO, sie sind das Symbol für
unsere Entschlossenheit zur Unterstützung von
Frieden und Freiheit auf diesem Kontinent. Diese
Truppen bilden eine solide Basis für die Beteiligung
der Vereinigten Staaten an multinationaler Ausbildung
und bewahren unsere Fähigkeit zur Abschreckung
von und Reaktion auf größere Bedrohungen in
Europa sowie gegebenenfalls zur Unterstützung von
NATO-Operationen "out of area".
Unser Engagement für die Sicherheit Europas bleibt
unerschütterlich. Das Ende des Kalten Krieges
bedeutet jedoch, daß wir die Bedeutung der europäischen Sicherheit an sich überdenken müssen.
Gemeinsam mit unseren Verbündeten arbeiten wir an
der Umgestaltung der NATO, damit sie den neuen
Sicherheitsherausforderungen Europas gerecht
werden kann.
Unser Ansatz zur europäischen Sicherheit gründet
sich auf Kooperation und Einbeziehung. Sowohl der
Nordatlantische Kooperationsrat (NAKR) als auch die
Initiative Partnerschaft für den Frieden sind einbeziehende Sicherheitsarrangements der Zeit nach
dem Kalten Krieg, die gewohnheitsmäßige Kooperation und die demokratische Verwaltung der Sicherheit
aufbauen. Beide leisten einen Beitrag zu unserer
Strategie der europäischen Integration durch die
Erweiterung unserer Sicherheitszusammenarbeit auf
22 Länder, die zur Zeit nicht Mitglieder des Bündnisses sind. In der vergangenen Woche wurden in
Polen die ersten multilateralen Manöver im Rahmen
der Partnerschaft für den Frieden erfolgreich abgehalten.

Wir engagieren uns insbesondere in der Kontaktgruppe aktiv mit unseren Partnern, um ein Ende des

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AMERIKA DIENST 38

�Aufbauend auf der Partnerschaft für den Frieden und
dem NAKR haben mehrere Länder bereits ihren
Wunsch zum Ausdruck gebracht, Vollmitglieder des
Bündnisses zu werden. Wie Präsident Clinton im
Sommer in Warschau erklärt hat, ist die Aufnahme
neuer Mitglieder in die NATO eine Frage des Wann
und Wie, nicht des Ob. Vizepräsident Gore hat
diesen Ansatz am 10. September bekräftigt und
angedeutet, daß wir die Gespräche über diese
wichtige Frage im Herbst aufnehmen werden.
Ein essentielles Ziel der Partnerschaft für den Frieden, des NAKR und nicht zuletzt einer erweiterten
NATO ist die Stabilität in Zentraleuropa. Die Erweiterung der NATO wird - wenn sie erfolgt - die Sicherheit und Stabilität der gesamten Region fördern. Wir
müssen die Gewohnheiten militärischer Zusammenarbeit, ziviler Kontrolle des Militärs und der Transparenz der Verteidigungshaushalte, wie wir sie in der
NATO kennen, erweitern - nicht weil wir eine neue
Bedrohung von einem Land oder einer Kombination
von Ländern ausmachen, sondern weil die Ausdehnung des Einflußbereichs der NATO die Erweiterung eines Rahmens bedeutet, der zur Konsolidierung der Demokratie und Förderung größerer Einheit
auf dem gesamten europäischen Kontinent beitragen
kann. Von einer Erweiterung der NATO werden
sogar die Länder profitieren, die nicht als erste
Gruppe beitreten werden, weil eine erweiterte
NATO-Mitgliedschaft die Sicherheit für alle europäischen Nationen verbessern wird.
Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE) ist zu einem wichtigen Bestandteil
der europäischen Sicherheit geworden, indem sie
sich den Prinzipien verschrieben hat, die die Beziehungen zwischen Regierungen sowie zwischen
Regierungen und ihren Bürgern regeln sollten. Sie
spielt eine wichtige und innovative Rolle bei Konfliktverhütung und demokratischer Entwicklung. Die
Aufrechterhaltung der an Werten orientierten Grundlage der KSZE wird bei der Bewahrung ihrer Sonderrolle von Bedeutung sein. Die Folgekonferenz und
das Gipfeltreffen in Budapest im Dezember sollten
der Arbeit der KSZE neuen politischen Auftrieb
verleihen. Gleichzeitig sollte die KSZE nicht eine
Koordinierungsfunktion für andere Gremien - wie die
NATO - übernehmen, die sich bewährt haben.
Wie ich in meiner Anhörung vor dem Senat im
vergangenen Monat erklärt habe, beabsichtige ich,
den Ländern Zentraleuropas höchste Priorität einzuräumen, damit sie sich der Demokratie erfreuen
können, die ihnen so lange verwehrt war. Der Erfolg
dieser demokratischen und marktwirtschaftlichen
Reformen bewirkt mehr Sicherheit für uns alle. Sie
sind die beste Antwort auf den aggressiven Nationalismus und ethnischen Haß, der durch das Ende des

AMERIKA DIENST 38

Kalten Krieges freigesetzt wurde. Zur Unterstützung
dieses Ansatzes nehmen wir als ersten Schritt
organisatorische Veränderungen im Büro für europäische Angelegenheiten vor. Die erste Tat ist
sowohl einfach als auch grundlegend: Ab dieser
Woche schaffen wir die Bezeichnung "Osteuropa" für
den betreffenden Teil des Büros ab. Dieses Vermächtnis aus der Zeit der künstlichen Trennung
Europas nach 1945 hat im Europa nach dem Kalten
Krieg keinen Platz mehr, und wir werden jetzt als
Organisationstitel dieselben Namen wie die Länder
Zentraleuropas wählen.
Das Büro für europäische und kanadische Angelegenheiten wird auch eng mit Jim Collins und seinen
Kollegen im Büro für die neuen unabhängigen
Staaten zusammenarbeiten sowie mit dem Stellvertretenden Außenminister Stöbe Talbott, um sicherzustellen, daß wir Brücken über das gesamte freie und
ungeteilte Europa schlagen.
Unseren Beziehungen zu Europa kommt weiterhin
eine entscheidende strategische Komponente zu. Sie
ruhen jedoch auch in gleichem Maße auf anderen
Pfeilern - insbesondere Wirtschaft und Handel,
Wissenschaft und Kultur sowie familiären Banden.
Um die Bedeutung unserer Beziehungen zu Universitäten, Unternehmen, nichtstaatlichen Organisationen
und Parlamenten bei unserem neuen Ansatz zu
Europa zu unterstreichen, beabsichtige ich eine
Umstrukturierung unseres Büros für Öffentlichkeitsarbeit.
Damit reagieren wir auf Außenminister
Christophers Forderung nach einem "Amerikabüro"
im Außenministerium, indem wir systematisch Arbeitsbeziehungen zu den zahlreichen Personen und
Organisationen im Privatsektor herstellen, die bereits
das Rückgrat unserer Verbindungen zu Europa
darstellen. Unsere geographischen Büros werden
ermutigt, die Talente der Experten von nichtstaatlichen Organisationen besser zu nutzen.
Ein wichtiger Pfeiler unserer Strategie für Europa ist
die Wirtschaft. Offene und prosperierende Volkswirtschaften in Europa bedeuten mehr Arbeitsplätze für
Amerikaner im Inland und Investitionschancen im
Ausland. Aus diesem Grund unterstützen wir den in
der Europäischen Union (EU) verankerten Integrationsprozeß uneingeschränkt und streben eine
Vertiefung unserer Partnerschaft mit der EU an.
Darüber hinaus engagieren wir uns für intensiveren
bilateralen Handel mit den Nichtmitgliedstaaten der
EU und Investitionen in diesen Ländern. Wir arbeiten
mit unseren westeuropäischen Partnern auf die
Schaffung von Arbeitsplätzen und die Förderung
langfristigen Wachstums hin, indem wir auf die
Ergebnisse der Arbeitsplatzkonferenz von Detroit und
das Gipfeltreffen der G-7 in Neapel aufbauen.

Seite 3

�Diese Administration unterstützt ferner tatkräftig die
Marktreformen in den neuen Demokratien Europas.
Letztlich wird der Erfolg der Marktreformen in diesen
Ländern mehr von Handel als von Wirtschaftshilfe
abhängen. Eine unserer Prioritäten ist daher der
Abbau von Handelshemmnissen in den ehemals
kommunistischen Staaten.
Natürlich ist Europa nicht der einzige wichtige Teil
der Welt für die Vereinigten Staaten, aber wir teilen
auch regionale und globale Interessen, die für die
nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten und das
Wohlergehen der Amerikaner von zentraler Bedeutung sind. Ob das Problem regionale Instabilität,
ethnische Konflikte, nukleare Weiterverbreitung, die
Zukunft der demokratischen Marktreformen in den
ehemals kommunistischen Staaten, Umweltverschmutzung oder rasches Bevölkerungswachstums
ist - es gibt wahrscheinlich keine Region in der Welt,
die unsere regionalen und globalen Interessen in
dem Maße teilt wie Europa. Die Nationen Europas
besitzen auch die Mittel, zahlreiche dieser globalen
Probleme in Angriff zu nehmen. Darüber hinaus ist
die Unterstützung unserer europäischen Partner
entscheidend für die Förderung eines offenen Handels- und Investitionssystems, das wiederum unerläßlich für Weltwirtschaftswachstum und Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten ist. Wie haben ein
reiches gemeinsames Erbe an Menschen, Ideen und
Kultur.
Präsident Clinton hat eindeutig klargestellt, wo die
Zukunft Europas aus der Sicht der Vereinigten
Staaten liegen sollte. Seine Definition der europäischen Sicherheit gründet sich auf den festen Glauben an die Leistungen der vergangenen 50 Jahre.
Einheit und Demokratie sind die Schlüsselbegriffe im
amerikanischen Vokabular. Wir erarbeiten eine

*

Seite 4

neue Definition der Sicherheit, in der gesunde Gesellschaften entscheidender für die Chancen des Friedens sind als der Umfang ihrer Verteidigungsapparate.
Die Vereinigten Staaten werden aus einem einfachen
Grund ein aktiver Beteiligter an europäischen Angelegenheiten sein - unser Eigeninteresse erfordert es.
Erfolg bei der Umsetzung einer gemeinsamen Tagesordnung mit gleichgesinnten Staaten ist der beste
Weg zum Schutz der Sicherheit und des Wohlstands
der Vereinigten Staaten. Der Erfolg unserer eigenen
innenpolitischen Tagesordnung erfordert die aktive
Verfolgung unserer Tagesordnungen im In- und
Ausland. Wenn die Vereinigten Staaten und ihre
europäischen Partner sich nicht nach außen wenden,
nicht weiterhin gemeinsam Handel treiben, in dem
jeweils anderen Land investieren und gemeinsam an
der Beseitigung neuer Hindemisse für Frieden und
Wohlstand arbeiten, werden unsere jeweiligen
Bestrebungen zur innenpolitischen Erneuerung nicht
von Erfolg gekrönt sein.
Während wir diesen Kurs verfolgen, sehe ich der
engen Zusammenarbeit mit den Mitgliedern dieses
Ausschusses und dem Kongreß erwartungsvoll
entgegen. Die Förderung unserer nationalen Interessen in Europa erfordert kontinuierliches amerikanisches Engagement, das von der breiten, überparteilichen Unterstützung des amerikanischen Volkes und
ihrer Vertreter im Kongreß getragen ist. Ich möchte
hinzufügen, wie stolz ich darauf bin, wieder im
Außenministerium tätig zu sein und mit den ausgezeichneten Mitarbeitern des Auswärtigen Dienstes
zusammenzuarbeiten, die sich die Förderung der
Interessen unseres Landes in Europa zur Aufgabe
gemacht haben. Ich danke Ihnen nochmals für die
Gelegenheit, heute vor Ihnen sprechen zu dürfen.

* * * *

AMERIKA DIENST 38

\
*

�USA-EUROPA
28. September 1994

DIE HERAUSFORDERUNG DER GESCHICHTE
Rede von John Kornblum
KNOKKE-HEIST - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Stellvertretenden Abteilungsleiter für
europäische und kanadische Angelegenheiten, John Kornblum, bei der 10. Jahreskonferenz der Amerikanischen Botschaft über strategische Studien am 16. September 1994 gehaltene Rede.

Wenn wir uns die transatlantische Welt der neunziger Jahre betrachten, sind wir häufig von dem
tiefgreifenden Wandel überwältigt. Überall neue
Probleme, neue Konflikte und neue Chancen. Es ist
zur Gewohnheit geworden, die Notwendigkeit für
radikal veränderte Strategien zur Bewältigung
nahezu revolutionärer Entwicklungen zu erörtern.

wenn man sich nur auf genügend Streitkräfte und
genügend Verhaltensregeln einigt, könnten diese
Konflikte beendet werden. Wir haben das in den
zwanziger Jahren mit einer Reihe von Verträgen und
Erklärungen getan, die sich mit demselben Problem
befassen sollten. Wir kennen das Ergebnis dieser
Bestrebungen, Krieg als unrechtmäßig zu erklären.

Ein genauerer Blick enthüllt eine weitere wichtige
Tatsache. So neu die uns konfrontierenden Herausforderungen auch sein mögen, in vielen Fällen
entstehen sie durch eine Wiedergeburt der Geschichte. Statt radikal neu entworfener Verhaltensmuster in Europa scheint die durch den Kalten Krieg
bewirkte künstliche Stabilität viele der Trennlinien
eingefroren zu haben, die zu den vergangenen 80
Jahren der Konflikte geführt haben.

Dann gibt es die Rolle der Ost-West-Konfrontation an
sich. Wir fangen jetzt an zu erkennen, daß das durch
diese Konfrontation erzeugte Gefühl der Bedrohung
Zusammenhalt hervorbrachte, nicht nur für internationale Unternehmungen, sondern auch für die
politische Dynamik im Inland. Eine Versammlung von
Wissenschaftlern gelangte beispielsweise kürzlich zu
der Schlußfolgerung, daß die amerikanische Präsidentschaft in hohem Maße - negativ - durch diesen
Mangel an Dringlichkeit beeinflußt wurde. Politische
Botschaften müssen anders auf dieses neue Zeitalter
zugeschnitten werden.

Wenn wir die Zukunft der transatlantischen Beziehungen am Ende dieses Jahrhunderts erörtern,
müssen wir daher sowohl zurück als auch nach
vorne blicken. An der Schwelle zu dem neuen
Jahrtausend existieren neue Realitäten.
Viele
historische Muster sind jedoch noch gültig. In den
kommenden Jahren besteht eine der größten Herausforderungen für Politiker darin, das richtige
Gleichgewicht zwischen Altem und Neuem zu finden.
i

Ich möchte ein Beispiel anführen: Ethnische Konflikte erschüttern mehrere Teile Europas. In vielen
Fällen entstehen die Konflikte aus jahrhundertealten,
nie gelösten Streitigkeiten. Das Ende des von der
Sowjetunion ausgeübten Drucks deckte Spannungen
auf, die längst behoben schienen. Es ist wichtig,
Schritte zur schnellstmöglichen Überwindung dieser
Differenzen zu unternehmen.
Aber was tun wir? Es herrscht große Verwirrung
zwischen Lösungen der Vergangenheit und Hoffnungen für die Zukunft. Viele scheinen zu glauben,

AMERIKA DIENST 38

Die Lektionen der Geschichte scheinen eindeutig.
Europa ist immer noch belastet von innenpolitischen
ethnischen und kulturellen Konflikten, die die demokratische Zukunft vieler Teile des Kontinents bedrohen. Aber die Erkenntnisse des neuen Zeitalters
sollten ebenso klar sein. Alte Appelle zu Solidarität
oder die Notwendigkeit neuer Strukturen zur Bewältigung der Herausforderungen werden nicht funktionieren.
Statt dessen benötigen wir eine umfassende Strategie, die eine Verbindung zwischen Sicherheitsherausforderungen und den praktischen Erfordernissen von
Gesellschaften herstellt. Militärische Sicherheit muß
einhergehen mit Bestrebungen zur Inangriffnahme
der Ursachen von Konflikten. Dazu zählen die
Respektierung der Menschenrechte, Bemühungen zur
politischen und sozialen Entwicklung der neuen
demokratischen Staaten und Fortschritte zu einem

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�System freier Marktwirtschaft. Vor allem müssen die
Mittel und Methoden des Strebens nach Sicherheit
an die heutigen Zeiten angepaßt werden.
Dies erfordert auch konzertierte Anstrengungen zur
Anpassung unserer Institutionen an neue Aufgaben.
Innovationen wie die Partnerschaft für den Frieden
oder die Programme für demokratische Entwicklung
der KSZE und des Europarats oder die Arbeit der
zahlreichen nichtstaatlichen Organisationen sind
heute ebenso Bestandteil unserer Sicherheitspolitik
wie die nukleare Planung der NATO in der Vergangenheit.
Mit anderen Worten - wir müssen eifrig an einer
neuen Definition der Sicherheit arbeiten, die die
Fortschritte der vergangenen 50 Jahre beinhaltet,
aber nicht bei traditionellen Lösungen haltmacht.
Dabei müssen wir über die während des Kalten
Krieges erarbeiteten institutionellen und geographischen Definitionen hinausgehen. Wir müssen uns
an neue Realitäten anpassen und gleichzeitig die
historischen Wurzeln unserer Ziele und unseres
Verhaltens verstehen.
Seit ihrer Amtsübernahme war dies das Ziel der
Clinton-Administration. Die drei Bezugspunkte des
Präsidenten für die amerikanische Außenpolitik
militärische Stärke,
wirtschaftliche Stärke,
Menschenrechte
sind in der Tat eine völlig neue Definition der Sicherheitspolitik, die die scharfen militärischen und
politischen Spaltungen der Zeit des Kalten Krieges
aufheben.
Statt unsere Sicherheit unter dem Aspekt der Bedrohung und der Reaktion darauf zu sehen, schlägt
Präsident Clinton eine Tagesordnung für den Frieden vor, die Macht und Einfluß der Vereinigten
Staaten beim Streben nach mehreren miteinander

Mit der Festsetzung vereinbarter Verhaltensnormen
im Bereich der Menschenrechte wurde die Konferenz
über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa eine
ebenso gefährliche Bedrohung für das kommunistische System wie die gesamten Streitkräfte der
NATO-Partner.
Unser unblutiger Sieg über den
sowjetischen Totalitarismus sollte nicht nur Grund
zum Feiern sein. Er kann uns auch die Richtung bei
unseren Bestrebungen zur Bewältigung der Herausforderungen der Welt nach dem Kalten Krieg weisen.
Wenn neue Konflikte eher interne denn externe
Ursachen haben, müssen wir unsere Mittel zur
Bewältigung solcher Herausforderungen entsprechend anpassen. Außer wenn wir zu einer dauerhaften militärischen Besetzung bereit sind, wird
Militärmacht allein weder die Probleme im ehemaligen Jugoslawien noch in Berg-Karabach lösen. Und
wenn wir nicht neue Methoden für den Aufbau einer
Gesellschaft und zur Konfliktvermeidung erlernen,
werden alle Erklärungen der Welt nur wenig Wirkung
zeigen.
Von besonderer Bedeutung in dieser neuen Ära ist
die Auffassung von Macht und ihrer Ausübung. Das
sowjetische System ist von innen heraus zerfallen,
zum Teil deswegen, weil es selbst für einen durch
und durch totalitären Staat unmöglich ist, die Gedanken und das Verhalten seiner Bürger zu kontrollieren.
In dem neuen Zeitalter werden Macht und Einfluß in
zunehmendem Maße von der internen Dynamik einer
Gesellschaft anstatt von ihrer Au ßenpolitik abhängen.
Halten Sie sich den zunehmenden Einfluß der
ostasiatischen Staaten vor Augen, die allesamt die
traditionellen Aspekte militärischer Machtpolitik
vermeiden. Probleme wie Migration oder organisiertes Verbrechen können selbst Großmächte in die
Knie zwingen.
Für die transatlantischen Beziehungen haben diese
Entwicklungen mehrere Auswirkungen:
Erstens. Wir müssen uns bewußt werden, was in

verbundenen Zielen zu nutzen versucht.

unseren Beziehungen eine Konstante darstellt und

Diese Ziele sollen über die sterile Ost-West-Teilung
hinausgehen, die wir aus dem Kalten Krieg geerbt
haben. Sie überbrücken auch den Unterschied
zwischen innenpolitischem und außenpolitischem
Verhalten.

was wir verändern müssen. Die drei Bezugspunkte
Präsident Clintons stellen eine Bestrebung zur klaren
Definition der Konstanten dar. Unser Glaube an die
dynamische Rolle der NATO in Europa - in Gesamteuropa - ist ein Beispiel für das Verschmelzen einer
traditionellen Struktur mit neuen Herausforderungen.

Eine der wesentlichen Leistungen des Westens in
den späteren Jahren des Kalten Krieges war die
Feststellung der Tatsache, daß das innenpolitische
Verhalten eines Landes ebenso wichtig für die
internationale Sicherheit ist wie seine außenpolitischen Maßnahmen.

Die Vereinigten Staaten sind weiterhin der Auffassung, daß die Sicherheit aller am besten durch die
Kombination einer amerikanischen Sicherheitsverpflichtung im Rahmen der NATO mit einer soliden
Grundlage von Zusammenarbeit und Integration in
ganz Europa garantiert werden kann. Diese Struktu-

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AMERIKA DIENST 38

�ren müssen offen sein und alle einbeziehen. Die
Ablehnung neuer Grenzen in Europa bedeutet
jedoch nicht, daß jede Struktur jeden einbeziehen
muß. Innovative Methoden wie Freihandelszonen
oder die Partnerschaft für den Frieden können
dasselbe leisten.
Zweitens. Wir dürfen nicht an den alten Definitionen
unserer Politik festhalten.
Die grundlegendste
Neudefinition muß die von Europa selbst sein.
Präsident Clinton erntete einiges Stirnrunzeln, als er
Anfang des Jahres in seiner in Brüssel gehaltenen
Rede die Einigung ganz Europas als grundlegenden
Aspekt des Friedens forderte. Einige waren der
Ansicht, diese Definition bedeute, die Vereinigten
Staaten gäben ihre Unterstützung einer engeren
Integration der bestehenden Europäischen Union
auf.
Das entspricht jedoch absolut nicht der Wahrheit.
Unsere Unterstützung für die Ziele der Europäischen
Union braucht nicht wiederholt zu werden. Die alte
Definition des Westens von "Europa" als dem
Europa der NATO oder der Europäischen Union ist
jedoch nicht mehr gültig. Wenn wir in Europa
wirklichen Frieden wollen, müssen wir jeden, der für
die europäische Sicherheit eine Rolle spielt, in
unsere Zusammenarbeit einbeziehen. Das bedeutet
nicht, derzeitige Bestrebungen aufzugeben, stellt
jedoch offensichtlich eine Einbeziehung der Nationen
Mitteleuropas dar - und bezieht Rußland ein.
Die Definitionen von Europa, die unsere westlichen
Institutionen mit dem Europa der Zukunft auf die
gleiche Stufe stellen, sind völlig sinnlos.
Drittens. Die Nationen Europas werden schnell auf
andere Art und Weise mit der Rückkehr der Geschichte konfrontiert. Der mit dem Kalten Krieg
einhergehende Schutz vor Verantwortung - auf
lokaler und globaler Ebene - besteht nicht mehr.
Europa wird nicht nur mit dem Wandel konfrontiert,
sondern wird auch mehr Verantwortung für den
Umgang damit übernehmen müssen. Wenn manche
Europäer sich über das ärgerten, was sie für amerikanische Vormachtstellung hielten, sollten sie sich
jetzt nicht beklagen, wenn wir nicht länger automatisch Lösungen bereitstellen.
Viertens. Wir müssen das vorherrschende Gleichgewicht der Sicherheit verstehen. In Akademiker- und
Journalistenkreisen wurde in den letzten Monaten
viel über die verschiedenen Herausforderungen an
unsere Sicherheit geschrieben. Viele dieser Argumente beruhen weiterhin auf sicherheitspolitischen
Faktoren, die nicht länger gültig sind.

AMERIKA DIENST 38

Warum machen wir uns beispielsweise weiterhin so
viele Sorgen über die zukünftige Orientierung
Deutschlands? Der Grund liegt zum Teil in der
dramatischen Geschichte Deutschlands in diesem
Jahrhundert.
Ein anderer Grund ist jedoch die Tatsache, daß wir
immer noch mit den Konzepten der Vergangenheit
operieren.
Deutschland muß fest in Europa verankert sein.
Wenn aber nicht in Europa, wo sonst? Dieser Satz
bedeutet in Wirklichkeit, daß Deutschland ermutigt
werden sollte, mit seinen Partnern zusammenzuarbeiten, anstatt sie zu dominieren. Aber gibt es
irgendeinen Hinweis darauf, daß Deutschland nicht
die Absicht zur Zusammenarbeit hat?
Deutschland darf nicht zwischen seiner europäischen
und atlantischen Zugehörigkeit hin und her gerissen
sein. Diese Behauptung deutet jedoch auf einen
Widerspruch zwischen diesen beiden Elementen hin.
Eine der Lektionen der Geschichte ist die, daß die
atlantische und europäische Welt immer identischer
werden. Amerika ist ein Teil Europas, und Europa
wird zunehmend ein integraler Bestandteil der amerikanischen Realität. Hier besteht für keine atlantische
Nation ein Widerspruch.
Kroatien
Am erstaunlichsten waren die gegen Deutschland
erhobenen Beschuldigungen, als dieses Land sich für
die Anerkennung eines unabhängigen Kroatien
einsetzte. Wir können uns über die Substanz einer
Frage uneinig sein, aber aus der Vergangenheit
übernommenes Streben nach Vorherrschaft zu
vermuten demonstriert, wie sehr diese alten Dämonen noch am Leben sind.
Deutschland darf nicht den Versuchungen der Machtpolitik in Mittel- und Osteuropa erliegen. Was sind
das jedoch für Versuchungen? Das heutige Deutschland ist nicht nur demokratisch, sondern zum ersten
Mal in seiner Geschichte von demokratischen Partnern umgeben, die ihm kein Gefühl der Bedrohung
vermitteln.
Ähnliche Argumente werden oft angeführt, um eine
dynamische Entwicklung der NATO zu verhindern.
Einige fürchten, wenn die derzeitige Machtstruktur
verändert werde, könnte die alte Instabilität wieder in
West- und Mitteleuropa Einzug halten. Es scheint,
als würde die NATO mit denselben überholten
Kriterien beurteilt, die oft auf Deutschland angewandt
werden. Die Situation der NATO hat sich - ebenso
wie die Deutschlands - grundlegend geändert. Die
Betrachtung der NATO vor dem Hintergrund traditio-

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�neller Politik ist ebenso falsch und schädigend wie
die Anwendung dieser Kriterien auf Deutschland.
Dies führt mich zu meinem fünften Punkt. Die
Institutionen müssen angepaßt werden, wenn sie
überleben sollen. Weder die NATO noch die EU
können in den Mustern des Kalten Krieges gefangen
werden, die sich auf die alte Definition des Westens
bezogen.
Die in diesem Jahrhundert geführten Kriege waren
Folge von Spannungen im Herzen des Kontinents.
Wie ich bereits vorher gesagt habe, erfordert der
Umgang mit der Gefahr eines Wiederauflebens
dieser Spannungen eher kreative als statische
Ansätze. Zweifellos sollte es im Interesse jeden
Landes, einschließlich Rußlands, liegen, sich unserer
westlichen Institutionen zu bedienen, um die Angst
vor Instabilität in Mitteleuropa zu beseitigen.
Eine Rolle der NATO und der EU in Mitteleuropa
stellt folglich keine Bedrohung für den Frieden oder
die Interessen Rußlands dar, sondern fördert diese.
Aber - und das ist mein sechster Punkt - wenn
unsere Institutionen ihre Rolle ausbauen sollen,
dürfen die Hauptakteure in Europa sie nicht als auf
bestimmte Länder beschränkt betrachten.
Die
Erweiterung der Mitgliedschaft der NATO und der
EU wird nicht über Nacht geschehen. Und es ist
nicht möglich vorherzusagen, wer beitreten wird und
wann.
Wie Vizepräsident Gore jedoch kürzlich in einer nach
Berlin übertragenen Rede erklärte, wird die Erörterung dieser Möglichkeit bald beginnen. Es ist von
Bedeutung, daß diese Diskussion von einer Verständigung darüber begleitet wird, wie alle interessierten Parteien in den Prozeß der Erarbeitung
einer neuen Definition von Sicherheit in Europa
eingeschlossen werden können.
Die Erweiterung der bestehenden Institutionen ist
kompliziert. Während der Fortsetzung der Gespräche ist es von Bedeutung, alle uns zur Verfügung
stehenden Mittel einzusetzen - den Nordatlantischen
Kooperationsrat (NAKR), die Partnerschaft für den
Frieden, die KSZE und unsere bilateralen Beziehungen, um ein Konzept eines gemeinsamen Sicherheitsraums in Europa zu definieren. Wir müssen in
ganz Europa einen Gemeinschaftssinn entwickeln,
wie es im Westen nach den Römischen Verträgen
geschehen ist.

*

Seite 4

*

Eine solche Gemeinschaft darf nicht innerhalb der
Grenzen einer einzigen Organisation gesehen werden. Sie muß nicht auf einem Vertrag basieren oder
eine formale Organisation haben. Vielmehr sollte sie
ein wachsendes Gefühl unter allen relevanten Staaten repräsentieren, daß wir gemeinsame Ziele und
Methoden haben, um einen dauerhaften und gerechten Frieden in Europa zu sichern.
Ich möchte betonen, daß dieses Ziel eines gemeinsamen Sicherheitsraums über die Lage Europas
hinausgeht, so wichtig diese auch sein mag. In einer
mit neuen Problemen behafteten Welt - Problemen im
Bereich der Umwelt und der grundlegenden Menschenrechte - ist es wichtig, daß die wohlhabenden
Kontinente Europa und Nordamerika ein gemeinsames Versprechen für Engagement eingehen und
gemeinsame Anliegen haben.
Beide Kontinente unternehmen bereits sehr viel.
Aber solange Europa von Konflikten belastet wird
oder - wie Präsident Clinton es formulierte - solange
Amerika seine eigenen Sozialinstitutionen nicht
erneuert hat, werden wir weder die Energie noch die
Ressourcen für erweiterte Aufgaben haben.
Somit wird - wie in der Vergangenheit - die Sicherheit
Europas ein Indikator für das Gefühl der Sicherheit
auf der ganzen Welt. Die Aufgabe des Wiederaufbaus nach dem Kalten Krieg ist ebenso groß wie die
nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Vereinigten Staaten werden sich aus einem
einfachen Grund weiterhin für diese Aufgabe einsetzen: Es liegt in unserem Interesse. Die Energie
für die Entwicklung eines neuen Europa muß jedoch
aus Europa selbst stammen. Ressourcen, Ideen und
Engagement sollten aus den direkt betroffenen
Ländern kommen.
Aus diesem Grund werden wir uns weiterhin für eine
möglichst umfassende Definition unserer gemeinsamen Sicherheit einsetzen. Sicherheit muß jetzt als
die Aufgabe von Gesellschaften betrachtet werden.
Die Völker Litauens, der Slowakischen Republik und
Rumäniens beispielsweise tragen eine ebensolche
Verantwortung für den Erfolg unserer Mission wie die
Vereinigten Staaten oder Deutschland.
Es gibt guten Grund zu Optimismus, daß wir Erfolg
haben werden. Unsere Arbeit wird beschleunigt,
wenn wir die Rolle des Alten und des Neuen verstehen. Die Herausforderungen der Geschichte sind
heute ebenso wichtig wie zu jedem anderen Zeitpunkt
in diesem Jahrhundert.

*

*

AMERIKA DIENST 38

�USA-DEUTSCHLAND
28. September 1994

REDMAN: IN DEUTSCHLAND HABEN WIR
EINEN VERLÄSSLICHEN PARTNER
Anhörung vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Der von Präsident Clinton zum Botschafter der Vereinigten Staaten in Deutschland
nominierte Charles E. Redman erklärte am 21. September 1994 in seiner Anhörung vor dem Auswärtigen
Ausschuß des Senats: "In Deutschland haben wir einen verläßlichen Partner, dessen Wirtschaftsmacht und
geographische Lage im Herzen Zentraleuropas das Land zu einem unerläßlichen Mitspieler bei diesem
historischen Unternehmen macht."
Redman fügte hinzu: "Eine starke deutsch-amerikanische Partnerschaft wird für die erfolgreiche Integration
der Nationen des ehemaligen Warschauer Pakts in die wirtschaftlichen und politischen Strukturen des Westens
von entscheidender Bedeutung sein."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Anhörung von Botschafter Redman vor dem Senatsausschuß.

Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder,
es ist ein Privileg, heute als designierter Botschafter
der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik
Deutschland vor Ihnen sprechen zu dürfen. Diese
Ernennung durch Präsident Clinton ist eine große
Ehre, ganz besonders für einen Karrierediplomaten.
Ich bin mir vollkommen der Verantwortung bewußt,
die den so entscheidenden Beziehungen zwischen
Amerika und Deutschland zukommt, und im Falle
meiner Bestätigung werde ich alles in meiner Macht
Stehende tun, um das Vertrauen zu erfüllen, das der
Präsident mit dieser Ernennung in mich gesetzt hat.
Während meiner zwanzigjährigen Tätigkeit im
Auswärtigen Dienst habe ich gelernt, daß häufige
und offene Konsultationen mit dem Kongreß durch
nichts ersetzt werden können. Diese Kontakte
waren während meiner jüngsten Aufgabe als Gesandter für das ehemalige Jugoslawien unschätzbar,
und ich sehe der erneuten Zusammenarbeit mit
Ihnen in meiner neuen Funktion im Falle meiner
Bestätigung erwartungsvoll entgegen.
Herr Vorsitzender, die ausgezeichneten Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der
Bundesrepublik Deutschland sind einer der entscheidenden Faktoren, die in der letzten Hälfte
dieses Jahrhunderts Freiheit und Wohlstand in
Westeuropa herbeigeführt und garantiert haben. Der
Kalte Krieg ist vorüber, und wir befinden uns jetzt im
Prozeß der Anpassung unserer Partnerschaft an die

AMERIKA DIENST 38

Herausforderungen des sich abzeichnenden neuen
Europas.
In Deutschland haben wir einen verläßlichen Partner,
dessen Wirtschaftsmacht und geographische Lage im
Herzen Zentraleuropas das Land zu einem unerläßlichen Mitspieler bei diesem historischen Unternehmen
macht. In den vergangenen 40 Jahren hat sich die
Bundesrepublik aus den Ruinen der Tyrannei und
Niederlage erhoben, um sich demokratischen Werten
zu verpflichten, wirtschaftlich zu prosperieren und
eine Schlüsselrolle in den entscheidenden Institutionen Europas zu übernehmen - NATO, KSZE und der
Europäischen Union. Für Deutschland war es eine
radikale Umgestaltung, die das Land in nahezu
einzigartiger Weise dafür qualifiziert, sie anderen zu
vermitteln, die ebensolchen Wohlstand, diese Freiheit
und Stabilität anstreben. Eine starke deutsch-amerikanische Partnerschaft wird für die erfolgreiche
Integration der Nationen des ehemaligen Warschauer
Pakts in die wirtschaftlichen und politischen Strukturen des Westens von entscheidender Bedeutung
sein.
Herr Vorsitzender, während dieser Zeit des Übergangs für Europa und Deutschland müssen wir auf
den Leistungen der Vergangenheit aufbauen, während wir gleichzeitig auf die neuen Realitäten reagieren. Das erfordert Phantasie und Flexibilität. Am
wichtigsten ist jedoch vielleicht, daß wir Deutschland
unseres andauernden Engagements für die Sicherheit
Europas und die strategische Partnerschaft mit

Seite 1

�unseren europäischen Verbündeten versichern
müssen, selbst wenn wir den Umfang unserer
militärischen Präsenz auf ein der veränderten
europäischen Sicherheitssituation angemessenes
Niveau verringern. Dennoch wird eine beträchtliche
Zahl amerikanischer Soldaten als greifbarer Beweis
unserer Entschlossenheit zur Unterstützung von
Frieden und Freiheit durch das transatlantische
Bündnis in Europa - die Mehrzahl in Deutschland stationiert bleiben. Nachdem ich im NATO-Hauptquartier in Brüssel und als ehemaliger Direktor des
Büros im Außenministerium tätig war, das sich mit
der NATO und europäischer Sicherheit befaßt, hoffe
ich, meine Erfahrung in diesen entscheidenden
Aspekt der deutsch-amerikanischen Beziehungen
einbringen und ihm Glaubwürdigkeit verleihen zu
können.

Die Sicherheitsdimension ist jedoch nur ein Aspekt
des vielschichtigen Geflechts der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Im Falle meiner Bestätigung
als Botschafter werde ich meine Energien und die
Ressourcen der Botschaft der Erweiterung der
Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Deutschland widmen sowie neue Wege
zur Förderung persönlicher Kontakte und der Vertiefung des Verständnisses zwischen unseren beiden
Nationen sondieren. Auch hier können wir auf eine
starke Grundlage bisheriger Erfahrungen aufbauen,
aber das sich wandelnde internationale Umfeld
fordert kontinuierliche Innovationen.
Zweifelsohne bietet diese Position viele Herausforderungen und Chancen. Ich hoffe, sie mit Ihrer
Zustimmung und Unterstützung antreten zu können.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 38

�NICHTVERBREITUNG
28. September 1994

CTB-VERTRAG "UNABDINGBAR" ZUR EINDÄMMUNG
DER NUKLEAREN WEITERVERBREITUNG
Erklärung des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Ein Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot (Comprehensive Test Ban Treaty CTB) "ist unabdingbar für unsere Bestrebungen zur Eindämmung der Weiterverbreitung und Weiterentwicklung
von Nuklearwaffen sowie zur Gewährleistung einer Welt mit mehr Sicherheit und Frieden", stellte die
Pressesprecherin des Weißen Hauses, Dee Dee Myers, in einer schriftlichen Erklärung am 22. September
1994 fest.
Myers fügte hinzu: Die Genfer Abrüstungskonferenz "hat mit Tatkraft auf den Appell ... reagiert, den CTBVertrag zum frühestmöglichen Zeitpunkt abzuschließen".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut der Erklärung.

Bei einem gestern im Weißen Haus veranstalteten
Informationsgespräch für hochrangige Regierungsvertreter berichtete Botschafter Stephen Ledogar,
der Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen über ein umfassendes Atomtestverbot,
von den vor kurzem bei der Genfer Abrüstungskonferenz erzielten Fortschritten. Die Konferenz hat mit
Tatkraft auf den Appell der Vereinigten Staaten und
anderer Nationen reagiert, den CTB-Vertrag zum
frühestmöglichen Zeitpunkt abzuschließen.
Die Administration ist sich bewußt, daß die Gefahren
der nuklearen Weiterverbreitung auch nach dem
Ende des Kalten Krieges eine große Bedrohung für
unsere Nation sowie unsere Freunde und Verbündeten auf der Welt darstellen. Ein CTB-Vertrag ist
unabdingbar für unsere Bestrebungen zur Eindämmung der Weiterverbreitung und Weiterentwicklung
von Nuklearwaffen sowie zur Gewährleistung einer
Welt mit mehr Sicherheit und Frieden. Botschafter
Ledogar lobte den Vorsitzenden des Verhandlungsauschusses, Botschafter Miguel Marin Bosch aus
Mexiko, und seine Kollegen für ihre harte Arbeit.

Die Administration vertritt die Auffassung, es sei an
der Zeit für eine Beschleunigung dieser entscheidenden Verhandlungen und ist erfreut, daß der Ad-hocAusschuß für ein Atomtestverbot auf Drängen der
Administration und anderer die Entscheidung zur
Wiederaufnahme dieser wichtigen Arbeit gegen Ende
des Jahres getroffen hat.
Die Administration fordert alle an diesen entscheidenden Verhandlungen beteiligten Nationen auf, ihre
Anstrengungen zu verdoppeln und die erforderlichen
Ressourcen zum Abschluß eines CTB-Vertrags
bereitzustellen. Sie fordert darüber hinaus China auf,
gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und anderen
Ländern das derzeitige Moratorium für Atomexplosionen einzuhalten, um die Verhandlungen zu erleichtern.
Im nächsten Jahr blicken wir auf ein 50jähriges
Atomzeitalter zurück, das mit dem ersten Atomtest in
Alamagordo in New Mexico begann. Es sollte auch
das Ende aller Atomtests für alle Zeiten sein.

* * * * *

AMERIKA DIENST 38

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^ON

*

28 O k t o b e r 1987

38

I N H A L T

Dokumentation
Reagan verhängt Handelsembargo gegen Iran
- Erklärung des Präsidenten Reagan: US-Streitkräfte bleiben im Golf "solange wie nötig*
- Pressekonferenz im Weißen Haus Reagan; Wirtschaftshilfe fördert Demokratie und Pluralismus
- Rede des Präsidenten vor der Gruppe zur Finanzierung der
Außenpolitik Shultz: Führende NATO-Politiker sehen Fortschritte bei
INF-Gesprächen
- Pressekonferenz im NATO-Hauptquartier -

Hintergrundmaterial
Handelssanktionen gegen Iran
- Eine Übersicht des Weißen Hauses Rüstungskontrollinitiativen der Vereinigten Staaten
- Eine Übersicht des US-Außenministeriums -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST

\ %

VON

e

Dokumentation
28. Oktober 1987

38

REAGAN VERHÄNGT HANDELSEMBARGO GEGEN IRAN
- Erklärung des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Mit einer am 26. Oktober veröffentlichten Erklärung
verfügte Präsident Reagan ein Embargo für alle amerikanischen Importe aus dem
Iran sowie ein Verbot für den Export von 14 amerikanischen Produktkategorien,
die möglicherweise militärische Verwendung finden könnten, in den Iran. Der
Präsident erklärte, diese wirtschaftlichen Maßnahmen würden "nach erfolglosen
Versuchen zum Abbau der Spannungen" mit dieser Nation getroffen.
Reagan verwies weiter darauf, die "von mir eingeleiteten Maßnahmen sind
ein direktes Ergebnis von Aktionen der iranischen Regierung, einschließlich
ihrer unprovozierten Angriffe auf amerikanische Streitkräfte und Handelsschiffe".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung im Wortlaut:
bot
für
iranische Waren
wird
so
schnell wie möglich in Kraft gesetzt
Ich habe den Finanzminister und
werden.
Die zusätzlichen Kontrollen
den Außenminister angewiesen, Maßnahfür Exporte in den Iran werden in etmen für ein Embargo auf alle amerikanischen Importe aus dem Iran zu erwa einer Woche bis zu zehn Tagen in
greifen.
Gleichzeitig verfügen wir
Kraft treten.
ein Exportverbot von vierzehn umfassenden amerikanischen ProduktkategoDer Kongreß selbst ist in diesem
rien, die möglicherweise militärische
wichtigen Bereich schnell und entVerwendung finden könnten.
Wie es
schlossen vorangekommen, und die Addas Gesetz erfordert, haben wir den
ministration sieht einer engen ZusamKongreß zu diesen Aktionen konsulmenarbeit mit dem Kongreß gerne enttiert, und im Augenblick wird der
gegen, um sicherzustellen, daß jegliKongreß von uns über diese Maßnahmen
che zukünftige Gesetzgebung unserem
formell unterrichtet. Das Importverallgemeinen Ziel dient, die Sicher-

United States Information Service
D 5300 Bonn 2

Telex: 8-85432

�heitsresolution 598 der Vereinten Nationen anzuwenden
und Frieden und
Stabilität in der Golf-Region wiederherzustellen.

Worten eindeutig ablehnend.

* * * * *
Die von mir eingeleiteten Maßnahmen sind ein direktes Ergebnis von
Aktionen
der
iranischen Regierung,
einschließlich
ihrer
unprovozierten
Angriffe
auf amerikanische Streitkräfte und Handelsschiffe, ihrer Verweigerung einer Annahme der UN-Sicherheitsresolution 598, ihrer fortgesetzten Aggression gegen friedliche
Nationen im Persischen Golf und ihrer
Unterstützung
des Terrorismus dort
und in anderen Teilen der Welt. Diese Maßnahmen werden so lange in Kraft
bleiben, wie der Iran auf seiner aggressiven Mißachtung der grundlegendsten internationalen Verhaltensnormen
besteht.
Ich möchte besonders betonen, daß
wir diese wirtschaftlichen Maßnahmen
lediglich nach wiederholten, aber erfolglosen Versuchen
zum Abbau der
Spannungen mit dem Iran und als Reaktion auf das anhaltende und zunehmend
kriegerische Verhalten der iranischen
Regierung treffen. Sie bedeuten keine Auseinandersetzung mit dem iranischen Volk. Wie ich bereits vielfach
erwähnt habe, nehmen die Vereinigten
Staten die Revolution im Iran als
Tatsache hin und respektieren das
Recht des iranischen Volkes auf die
Wahl der von ihm gewünschten Regierung.
Die Vereinigten
Staaten
hoffen
auf normalere Beziehungen mit dem
Iran, wenn die Aggressivität des Iran
und die Spannnungen in der Region abnehmen.
Wir haben dem Iran diese
Punkte wiederholt auf diplomatischem
Wege und auch mit öffentlichen Erklärungen zur Kenntnis gebracht. Leider
war die Reaktion der iranischen Regierung bis heute in Taten wie in
- 2 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'V,oN^

38

28. Oktober 1987
REAGAN:

US-STREITKRÄFTE BLEIBEN IM GOLF "SOLANGE WIE NÖTIG"
- Pressekonferenz im Weißen Haus -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 22. Oktober 1987 während einer
vom Fernsehen übertragenen Pressekonferenz im Weißen Haus erklärt, daß die
amerikanischen Seestreitkräfte zur Sicherung der freien Schiffahrt im Golf
bleiben werden "solange dies nötig ist". Er warnte gleichzeitig die Iraner
vor "provokativen Akten gegen uns oder andere".
Zu den Aussichten eines Gipfeltreffens mit Generalsekretär Gorbatschow zur
Unterzeichnung eines INF-Abkommens sagte der Präsident, "wir haben weder Informationen darüber noch ein Datum, zu dem er nach Washington kommen wird".
Nachfolgend bringen wir die Pressekonferenz im Wortlaut:

Präsident:
Ich
möchte
zunächst
eine Erklärung abgeben.
Ich möchte
mit der Erklärung beginnen, daß ich
wirklich froh bin, daß Nancy wieder
zuhause ist und es ihr wirklich gut
geht.
In den vergangenen Tagen haben
wir Amerikaner die Turbulenzen an der
Börse beobachtet. Es ist wichtig für
uns zu verstehen, was geschieht und
daß wir darauf ruhig und besonnen reagieren.
Obwohl wir nach mehreren
Tagen der Kursverluste zwei Tage mit
Kurssteigerungen erlebt haben, können

United States Information Service
Embassy of the United States of America

wir nicht davon ausgehen, daß die
übermäßige
Unbeständigkeit
an der
Börse vorüber ist. Es scheint jedoch, daß das System funktioniert.
Obwohl
einiger
Grund
zur
Sorge
bleibt, besteht auch ein Handlungsbedarf.
Und heute abend plane ich die
folgenden Schritte, um dieser Herausforderung zu begegnen.
Erstens werde ich mich mit den
Führern beider Parteien im Kongreß
treffen, um ein Verfahren für die Gespräche zur Reduzierung des Defizits
auszuarbeiten, das sowohl produktiv

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�als auch konstruktiv ist. Ich ernenne Stabschef Howard Baker und meinen
Finanzminister Jim Baker zusammen mit
dem Direktor meines Haushaltsbüros,
Jim Miller, zu Leitern der Arbeitsgruppe des Weißen Hauses.
Und ich
ersuche
Sprecher
Jim
Wright, den
Mehrheitsführer im Senat Robert Byrd,
den Minderheitsführer Bob Dole sowie
den Minderheitsführer im Repräsentantenhaus, Bob Michel, ihre Vertreter
zu benennen, so daß dieses Verfahren
unverzüglich beginnen kann.
Zweitens stelle ich alle Bereiche
zur Diskussion, ausgenommen die Sozialversicherung, und zwar ohne weitere Vorbedingungen.
ich appelliere
an die Führer im Kongreß, das gleiche
zu tun.
Um diesem Verfahren Erfolg zu bescheren, wird in dieser Situation von
allen Seiten ein Beitrag verlangt.
Es muß ein Paket erarbeitet werden,
das Steuern und Ausgaben so niedrig
wie möglich hält.
Ich kann heute
abend die endgültigen Zahlen für das
Defizit des Haushaltsjahres 1987 verkünden, die eine Reduzierung von 228
Milliarden Dollar im Jahr 1986 auf
148 Miliarden Dollar in diesem Jahr
anzeigen, was einen Defizitrückgang
um 73 Milliarden Dollar bedeutet.
Dieser Wandel hat sich nicht lediglich aufgrund eines einmaligen Anstiegs der Steuereinnahmen vollzogen,
sondern aufgrund
einer Reduzierung
der Ausgaben.
Drittens appelliere ich an die
Mitglieder des Kongresses, sich mir
anzuschließen
und
unseren
Wirtschaftspartnern deutlich zu signalisieren, daß die Handelsmärkte offenbleiben und nicht geschlossen werden
sollten und daß die Vereinigten Staaten allen Rufen nach protektionistischen Maßnahmen widerstehen werden.
- 2

Und viertens setze ich eine Projektgruppe ein, die in den kommenden
30-60 Tagen die Verfahren an den Börsen untersuchen und Empfehlungen für
möglicherweise notwendige Änderungen
unterbreiten wird - diese Dreiergruppe wird von Senator Nick Brady geleitet.
In früheren Zeiten hat dieses
Land, wenn es sich mit Herausforderungen konfrontiert sah, diese dadurch gelöst, daß es sich zusammenschloß, und auch jetzt sollten wir
alle genau prüfen, wo wir stehen, als
Land und als Einzelpersonen. Es können und werden weiterhin Anpassungen
vorgenommen werden, damit dieses Land
auf dem Weg der fiskalischen Vernunft
und
anhaltenden
wirtschaftlichen
Stärke bleibt.
Frage:
Der
Kurseinbruch
an
den
Börsen zeigt, daß eine Vertrauenskrise
bezüglich
der
wirtschaftlichen
Stabilität und der Führung unserer
Regierung besteht.
Ist diese Furcht
berechtigt, und wie ernst ist die Gefahr einer Rezession oder etwas noch
schlimmerem?
Antwort:
Nun, zunächst waren alle
Indices - der Index, der dazu benutzt
wird, um zu beurteilen, ob wir wirtschaftlich gesund sind etc. - in 10
der vergangenen 11 Monate aufwärts
und auf weiteres Wachstum gerichtet.
Und mit unserer großen Beschäftigungsquote, der Tatsache, daß wir
eine zweistellige Inflationsrate gesenkt haben und mit dem bei uns bestehenden Wohlstand könnte bei diesen
Ereignissen an der Börse eine Rezession nur dann zustande kommen, wenn
genügend Leute, ohne die Situation zu
verstehen, in Panik verfielen und
sich dazu entschließen würden, Käufe
von Dingen zurückzustellen, die sie
normalerweise tätigen würden.
Dies

�könnte zu einer Rezession führen.
etwas ist schon einmal geschehen.

So

Aber ich glaube nicht, daß für so
etwas ein echter Grund besteht. Meiner Meinung nach war dies eine seit
langem überfällige Korrektur, und ich
weiß nicht, welche Faktoren zu diesem
gewissermaßen
panikartigen
Stadium
geführt haben. Wir werden dies jedoch eingehend beobachten.
Ich bin
sehr mit dem einverstanden, was die
Börsenleitung in den nächsten drei
Tagen unternehmen wird - der Handel
wird weitergehen, aber die Zeiten
werden um zwei Stunden gekürzt werden, um jedermann die Chance zu geben, die große Zahl an Aufträgen zu
verarbeiten.
Aber dies ist meiner Meinung nach
nur eine Angelegenheit der Börse und
überhaupt kein Anzeichen für eine Rezession oder schwere Zeiten.
Frage:
Ich möchte Sie noch fragen,
warum Sie ihre Ansicht zu Steuererhöhungen von "nur über meine Leiche" zu
"jede Erhöhung so niedrig wie möglich
halten" geändert haben?
Antwort:
Nun, ich werde mich mit
den Führern des Senats treffen, weil
es nach über sechseinhalb Jahren der
Bemühungen - meinerseits -, das Defizit zu senken und den Weg für einen
ausgeglichenen Haushalt zu ebnen, wie
dies vom Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz
vorgesehen war, höchste Zeit dc&lt;iür
ist.
Und falls dies ein Faktor bei
der Bildung von Vertrauen seitens des
Bürgers war, dann werde ich ihnen dabei entgegenkommen.
Nun, sie werden
ihre Tagesordnung haben. Sie werden
ihr Programm haben.
Aber ich habe
meine eigenen.
Ich habe zu Beginn
des Jahres ein Haushaltsprogramm vorgelegt, und wie sie dies jedes Jahr
seit meinem Amtsantritt getan haben,
haben sie es einfach beiseite gelegt

und sich geweigert,
berücksichtigen.

es

auch

nur

zu

Mein Programm enthielt jedoch 22
Milliarden
Dollar
an
zusätzlichen
Steuereinnahmen.
Ich sagte: zusätzliche Steuereinnahmen. Es gibt andere Wege, die man beschreiten kann und
die nicht abschreckend auf die Wirtschaft wirken, wie dies bei Steuern
der Fall sein kann.
Aber ich habe
gesagt: nun gut, ich werde ihnen zuhören, was ihnen als Antwort auf dieses Problem vorschwebt.
Ich erwarte
jedoch von ihnen auch, daß sie sich
anhören, was mir vorschwebt. Und die
Masse dieser 22 Milliarden Dollar hat
nichts mit Steuern zu tun. Tatsächlich könnte ich heute schon behaupten, daß wir 5,5 Milliarden dieser 22
Milliarden Dollar schon haben, und
der Kongreß hat erklärt, ich könnte
sie nicht zur Senkung des Defizits
verwenden.
Das ist das Spektrum von
Aktivposten und Schulden, die wir nur
in den letzten Wochen erreicht haben.
Frage:
Herr Präsident, Ihre Politik im Persischen Golf hat zu verbreiteter
Unsicherheit
und
Furcht
beigetragen, daß Vergeltung auf beiden Seiten zu einer Eskalation von
Feindseligkeiten und mehr Terrorismus
führen wird.
Haben sie sich verschätzt? Und gibt es für diese Politik eine Grenze? Ich möchte nach Ihrer Antwort noch eine Frage stellen.
Antwort:
Ich meine, wir haben uns
keineswegs
verschätzt.
Wir
sind
nicht dort, um einen Krieg vom Zaun
zu brechen.
Und wir sind dort, um
die Schiffahrt neutraler Nationen in
internationalen Gewässern zu schützen, die dem Völkerrecht zufolge für
jeglichen Verkehr offen sein sollen.
Andererseits haben die Iraner in
ihrem irrationalen Verhalten Angriffe
- wie dies auch bei dem jüngsten Vor3 -

�fall geschah -, gegen Kuwait durchgeführt und eine ölverladeplattform vor
der Küste, auf die sie offensichtlich
eine
Seidenraupen-Rakete
abgefeuert
haben, dadurch beschädigt. Wir haben
gesagt, daß wir uns im Falle eines
gegen uns gerichteten Angriffs verteidigen werden. Und wir werden uns
dieser Aufgabe sicherlich weiterhin
widmen.
inzwischen haben sich eine
Reihe anderer Staaten mit uns zusammengetan, um die Seewege offenzuhalten. Ich sehe jedoch nicht, das dies
zu einem Krieg oder ähnlichem führt.
Und ich denke nicht, daß es irgendeinen Grund zur Panik gibt.
Meiner
Meinung nach haben wir sehr gut gehandelt.
Frage:
Herr Präsident, sie haben
erklärt, daß Ihrer Meinung nach das
Gesetz über die Kriegsvollmachten des
Präsidenten (War Powers Act) nicht
verfassungskonform
ist.
Sind
Sie
denn der Meinung, daß Sie das Recht
haben, nur die von Ihnen ausgesuchten
Gesetze zu befolgen?
Antwort:
Nun,
andere
Präsidenten
haben dies auch so gehalten. Tatsache ist, daß wir einen Teil dieses
Gesetzes einhalten - obwohl wir das
nicht so nennen -, aber wir haben
Konsultationen mit dem Kongreß abgehalten, ihm Bericht erstattet und
mitgeteilt, was wir unternehmen - und
dies im voraus, wie im Falle dieses
jüngsten Schlages.
Aber es gehören
noch andere Teile zu diesem Gesetz,
die unserer Meinung zu sehr in unsere
Rechte und Strategien etc. eingreifen
würden.
Lassen sie mich ausführen, daß es
seit dem Jahr 1798 über 200 militärische Aktionen der Vereinigten Staaten
im Ausland gegeben hat.
In unserer
gesamten Geschichte waren wir jedoch
lediglich in fünf erklärte Kriege
verwickelt.
In 62 dieser über 200

Fälle handelte der Kongreß - entweder
durch die Bewilligung von Mitteln für
diese Aktionen oder die Verabschiedung von Resolutionen oder die Ratifizierung von Verträgen durch den Senat oder ähnliches.
Aber in der
Mehrheit - etwa 140 - dieser Fälle
handelten
amerikanische
Präsidenten
eigenständig, indem sie amerikanische
Truppen einsetzten, weil sie der Meinung waren, daß dies für unsere nationale Sicherheit und unser Wohlergehen nötig war.
Frage:
Herr Präsident, trotz ihrer
vorhergehenden Antwort - Sie und Ihre
Berater haben klargestellt, daß neue
Steuern möglich sind, wenn sie diese
Verhandlungen mit dem Kongreß aufnehmen.
Und viele unter uns sind nun
erstaunt.
Im Jahr 1984 versprachen
Sie, die Steuern nicht zu erhöhen,
und Sie werden sich erinnern, daß in
dem gleichen Jahr Walter Mondale erklärte, es sei an der Zeit, dem amerikanischen Volk reinen Wein einzuschenken.
Er sagte, Mr. Reagan und
ich werden beide die Steuern erhöhen,
der
Unterschied
bestehe darin, so
sagte er, daß Sie dies niemandem sagen
würden.
Verstoßen
Sie
jetzt
nicht gegen Ihr eigenes Wahlkampfversprechen, wenn Sie über neue Steuern
verhandeln?
Antwort:
Nein.
Und ich stehe nun
an einem Platz, wo ich meiner Meinung
nach diese Dinge oder künftige Maßnahmen nicht weiter besprechen kann,
weil ich ungefähr ein Viertel Jahrhundert lang Verhandlungen für eine Gewerkschaft gegen die Arbeitgeber geführt habe. Und man redet nicht vorher über seine Strategie oder darüber, was man tun wird und was nicht,
sonst ist es müßig, überhaupt an Verhandlungen teilzunehmen.
Ich werde
Ihnen also nur sagen, daß ich in diesen Verhandlungen
darauf
hinweisen
werde, daß ich, wie ich eben schon

�sagte, auf meiner Seite 22 Milliarden
Dollar habe.
Nun, die gesamte von
uns allen angestrebte Reduzierung beträgt 23 Milliarden Dollar. Und der
Großteil meiner
Summe besteht aus
Einnahmen, die nicht von steuern oder
ähnlichem herrühren. Lassen Sie mich
aber noch etwas erklären, das wir alle, wie ich denke, verstehen sollten
- warum ich eine so starke Überzeugung
bezüglich
der
Steuersituation
und der Zuflucht zu Steuererhöhungen
zur Beseitigung eines Defizits besitze, wenn dies nichts dazu beitragen
wird.
In all diesen Jahren, in diesen
59
Monaten
des
Wirtschaftsaufschwungs, sind unsere Einnahmen - also, meiner Meinung nach rührt dieser
Aufschwung
hauptsächlich
von
den
Steuersenkungen her, die wir zu Anfang meiner Administration durchgeführt haben. Aber in diesem gesamten
Zeitraum betrug der Anteil der Einnahmen am Bruttosozialprodukt Jahr
für Jahr etwa 19 Prozent. Dabei ist
das BSP in dieser Zeit enorm angestiegen. Wenn wir also heute Einnahmen erzielen, die immer noch 19 Prozent dieses größeren BSP betragen,
würde dies anzeigen, daß die Einnahmen ausreichend sind.
Das Problem
besteht jedoch darin, daß das Defizit
- nun, vielleicht sollte ich besser
sagen, daß
der
Ausgabenanteil
am
Bruttosozialprodukt ungefähr 23 bis
24 Prozent beträgt, so daß dies also
ansteigt, während die Einnahmen anteilsmäßig gleich bleiben. Und dies
ist etwas, was wir in Betracht ziehen
sollten, wenn wir den Wohlstand aufrecht erhalten wollen.
Ich sage dies im Hinblick
Steuern
und
Einnahmequellen.
dürfen keine nachteilige Wirkung
die Wirtschaft haben.
Frage:

Daran

anschließend,

auf
Sie
auf

Herr

Präsident, sind Ihrer Meinung nach
einige
Arten
von
Steuern
weniger
schädlich
als
andere?
Sagen
wir
"Sündensteuern" - auf Alkohol und Tabak?
Sind diese für die Wirtschaft
weniger schädlich als vielleicht eine
Erhöhung der Einkommensteuer?
Antwort:
Lassen Sie mich nur antworten, daß es einige Steuern gibt,
wie etwa die Einkommensteuer, die
eine direktere Wirkung auf die Wirtschaft haben als andere Steuern. Ich
werde aber nicht weiter darüber sprechen, was wir in dieser Hinsicht tun
werden.
Frage:
Herr Präsident, lassen Sie
uns bei diesen Thema bleiben, wenn
dies möglich ist. Am Montag (dem 19.
Oktober) sagten Sie, daß trotz des
Kurseinbruchs an der Börse die Wirtschaft gesund sei. Am Mittwoch (dem
21. Oktober) sagten Sie, daß sich die
Entwicklung umgekehrt habe. Nun sind
Sie heute bereit, sich mit dem Kongreß zu treffen.
Worauf ist diese
Kehrtwendung nach Monaten der Zurückweisung
eines Haushaltsgipfels zurückzuführen?
Antwort:
Nein, ich habe mich nicht
geweigert.
Wir haben, wie übrigens
in jedem Jahr, wie dies gesetzlich
vorgeschrieben
ist, einen Haushalt
vorgelegt.
Und dieser Haushalt hat
Einnahmen vorgesehen, wie ich eben
erläutert habe.
Der Kongreß wollte
sich diesen Haushalt noch nicht einmal ansehen. Und die Art und Weise,
in der wir unseren Haushalt entwikkeln unterscheidet sich von der Arbeitsweise des Kongresses.
Mit den
Männern und Frauen, die die Programme
durchführen müssen, den Abteilungsleitern
und
Kabinettsmitgliedern,
verbringen wir Wochen und täglich
Stunden und schöpfen aus ihrem Detailwissen, um zu entscheiden, wiviel
Geld sie benötigen, um die Aufgaben

- 5 -

�zu erfüllen, die uns der Kongreß mit
dem Programm auferlegt hat.
Dann
leiten wir dies an den Kongreß weiter.
Und diese Kongreßabgeordneten,
die von der Durchführeung dieser Programme keine Ahnung haben, haben gerade abgestimmt, um ein Programm für
eine bestimmte Aufgabe zu verabschieden. Dann drehen sie sich um und sagen, oh nein, Sie brauchen ja Millionen Dollar mehr zur Erreichung des
Ziels als Sie beantragt haben.
Nun, meiner Meinung nach ist dies
schlecht organisiert, und wir bemühen
uns seit langem darum, Wege zu finden, um die Ausgaben zu reduzieren.
Mit
dem
Gramm-Rudman-Hollings-Programm, mit der verabschiedeten Sequestrationsvorschrift
müssen wir uns
nun zusammensetzen und eine Entscheidung fällen.
Frage:
Wenn ich daran anschließen
dürfte - ich frage mich, ob es erst
einer Krise bedurfte, um Sie zu der
Bereitschaft zu bringen, sich mit dem
Kongreß zu treffen und ob Sie, wenn
Sie sich schon früher getroffen hätten, nicht die Marktkrise dieser Woche hätten abwenden können?
Antwort:
Nein, ich denke, daß die
Krise schon solange besteht, wie ich
Haushaltsentwürfe
vorlege, die sie
noch nicht einmal anschauen.
Wenn
sie unsere Haushaltsentwürfe geprüft
hätten, dann hätte im vergangenen
Jahr das kumulative Defizit - wenn
sie unseren Haushalt
verabschiedet
hätten - 207 Milliarden Dollar weniger betragen als schließlich der Fall
war.
Frage: Zurück zum Golf, Herr Präsident.
Wieviel Kooperation erhalten
Sie von der Sowjetunion bei der Wiederherstellung von Stabilität im Golf
und bei der Beendigung des Kriegs
zwischen Iran und Irak?

Antwort:
Nun, die Sowjetunion hat
mit uns zusammen die Resolution 598
verabschiedet. Das war, wie Sie wissen, die Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen.
Sie
haben sie mit uns zusammen unterstützt. Nun, der Iran ist der einzige von beiden, der sich bis heute
weigert, diese Resolution anzuerkennen.
Wir bemühen uns immer noch
energisch für ihre Durchführung, bevor wir uns dem zweiten Schritt zuwenden - nämlich, was wir tun werden,
falls sie nicht akzeptieren.
Wir
halten uns da noch zurück, weil der
Generalsekretär der UNO sich immer
noch bemüht, den Iran zur Zusammenarbeit zu bewegen. Wenn der Iran dazu
nicht bereit ist, dann werden wir im
Sicherheitsrat die Verabschiedung der
zweiten Bestimmung, einem Waffenembargo gegen den Iran, zu gewärtigen
haben.
Aber sie waren kooperativ und haben die Resolution anerkannt.
Frage:
Und welches sind die Aussichten für eine von den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion gemeinsam
geförderte Friedenskonferenz?
Antwort:
Nun, lange Zeit haben wir
die Meinung anderer geteilt, wonach
sich die arabischen Staaten technisch
immer noch mit Israel im Kriegszustand befinden, daß diese und Israel
sich an einen Tisch setzen könnten
und sollten. Einige haben große Anstrengungen unternommen, wie z. B.
König Hussein von Jordanien - wie
weit ist er gegangen, um dies zustande zu bringen. Aber es hat einfach
nicht
funktioniert.
Und
zunehmen
wurde die Ansicht vorgebracht, wir
sollten
eine
internationale
Gruppe
bilden, um ihnen dabei zu helfen,
sich
an einen Tisch zu setzen und
Frieden zu bringen. Und schließlich

�sind wir dazu übergegangen, dies zu
sondieren. Das hat der Außenminister
gerade im Nahen Osten getan. Und bis
jetzt zieht Israel es vor, diesen weg
nicht einzuschlagen.
Frage:
Zu Beginn dieser Woche haben die Vereinigten Staaten eine iranische Bohrinsel im Golf angegriffen.
Trotzdem feuerte der Iran wiederum
eine Seidenraupen-Rakete auf Kuwait.
Glauben Sie wirklich, daß Sie den
Ayatollah aufhalten können?
Antwort:
Nun, der Ayatollah befindet sich im Krieg, und wenn er seine
provokativen Akte gegen uns oder andere fortsetzt, dann nimmt er ein
großes Risiko in Kauf, weil wir reagieren werden. Wir werden nicht ruhig dort sitzen und sind der Überzeugung, auf der Grundlage von all dem,
was er gesagt und getan hat, daß er
das noch einmal getan hätte, was er
das erste Mal tat, wenn wir nicht zurückgeschlagen hätten, wie wir dies
unlängst getan haben.
Wir werden
versuchen, ihm klarzumachen, daß es
ein bißchen zu teuer ist, wenn er so
weitermacht.
Frage:
Herr Präsident, daran anschließend - als diese ganze Operation begann, hatten die Vereinigten
Staaten fünf Schiffe im Golf. Heute
haben Sie mehr als 30 in diesem Gebiet.
Können Sie irgendeine Grenze
des
amerikanischen
Engagements
im
Persischen Golf nennen und uns sagen,
wie lange diese Begleitaktion weitergehen soll?
Antwort:
Nein,
ich
kann
Ihnen
nicht sagen, wie lange dies noch dauern wird, aber ich kann Ihnen sagen,
daß wir genauso eine Flotte im Mittelmeer und in der Karibik unterhalten - wie auch an anderen Orten. Wir
unterhalten dort eine Flottenpräsenz
seit 1949.
Und wir müssen daran

festhalten solange es nötig ist, zu
handeln, um internationale Gewässer
für Handel und Wirtschaft offenzuhalten.
Und keine Nation besitzt das
Recht, diese zu schließen, insbesondere wenn es sich bei den Beteiligten
nicht um Feinde handelt, mit denen
sie sich im Kriege befindet, sondern
um neutrale Staaten.
Frage:
Glauben Sie, es wäre eine
gute Idee, wenn Sie mehr Banken dazu
bewegen könnten, ihre Zinssätze zu
senken, wie einige das diese Woche
getan haben, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wirtschaft wiederherzustellen?
Antwort:
Nun, ich denke, sie haben
das eigenständig getan, und ich denke, daß dies eine sehr weise Entscheidung war.
Frage:
Was ist mit den Unternehmen
- glauben Sie, daß die Unternehmen
einige Preise senken und etwas weniger Gewinn machen sollten, um den
Verkauf zu stimulieren und damit unsere Wirtschaft anzukurbeln?
Antwort;.
Ich werde keinerlei solche Vorschläge machen.
Ich denke,
daß das die Aufgabe der Unternehmen
selbst ist. Und wie ich schon sagte,
es bestehen keinerlei Anzeichen einer
sich verschlechternden Wirtschaftslage.
Wir haben heute die höchste Beschäftigungsquote in der gesamten Geschichte der Vereinigten Staaten.
Frage:
Herr
Präsident,
ich
habe
gehört, was Sie heute abend mitzuteilen hatten, und es ist mir immer noch
nicht klar, ob Sie einem Kompromißpaket zum Haushalt zustimmen werden,
das höhere Steuern beinhaltet. Werden Sie dies tun?

- 7 -

�Antwort:
Wie ich Ihnen bereits gesagt habe, kann ich nicht im vorhinein diskutieren, was ich tun werde
oder nicht, aber ich kann Ihnen sagen, daß ich meine Meinung nicht geändert habe, niemals steuern hinzunehmen, die schädliche Auswirkungen
auf die Wirtschaft haben werden. Und
die meisten Steuererhöhungen
haben
eine solche Wirkung.
Steuern sind nicht die politische
Maßnahme - oder das Problem - des Defizits. Das Defizit ist auf zu hohe
Ausgaben zurückzuführen.
Jeder einzelne Dollar zusätzlicher Staatseinnahmen seit 1980 - und das heißt,
einschließlich unserer Steuersenkungen
jedem
Dollar
zusätzlicher
Staatseinnahmen
stehen 1,25
Dollar
zusätzlicher Ausgaben gegenüber.
Frage:
Offensichtlich
liegt
ihnen
diese Angelegenheit sehr am Herzen.
Antwort:

Ja.

Frage:
Sie waren einer der stärksten Befürworter der angebotsorientierten Wirtschaft.
Was ist falsch
gelaufen?
Antwort:
Was ist wo falsch gelaufen?
Bei der
angebotsorientierten
Wirtschaft?
Frage:
Warum befinden wir uns dann
in solch einem wirtschaftlichen Chaos?
Antwort:
Weil mehr als ein halbes
Jahrhundert lang, das ausschließlich
von Kongreß bestimmt war - und zwar
beide Häuser des Kongresses von einer
Partei - man das Prinzip der öffentlichen Verschuldung, ausgehend
von
der
sogenannten
"Keynesianischen
Theorie" verfolgt hat - offene öffentliche Verschuldung auf der Grundlage der Behauptung, daß dies zur
Aufrechterhaltung des Wohlstands er-

forderlich gewesen sei - und es nicht
schädlich sei, da wir unsere eigenen
Schuldner waren. Und einige von uns
sagten Jahr um Jahr, daß es so lange
weitergehen würde, bis die Dinge ausser Kontrolle gerieten. Und sie müssen ihren Glauben daran aufgeben,
ich glaube, ich muß ihnen verdeutlichen, daß Maynard Keynes nicht einmal
einen Abschluß in Wirtschaftswissenschaften hatte.
Frage:
Antwort:

Die Demokraten Was?

Frage:
Waren
es
die
Demokraten,
die dafür verantwortlich waren?
Antwort:
Nun, Sie können nachsehen, wer in beiden Häusern des Kongresses in den vergangenen 50 Jahren
die Mehrheit hatte.
Frage:
Herr Präsident, Sie haben
sich in den vergangenen sechs Monaten
bei
ihren
öffentlichen
Auftritten
stets ein Vergnügen daraus gemacht zu
sagen, daß Sie gegen jegliche Steuererhöhung, die über Ihren Schreibtisch
geht, ein klares Veto einlegen werden.
Sie haben das in dieser oder
jener
Form zum Ausdruck gebracht.
Werden Sie es nun, angesichts der
Krise in der Wall Street in dieser
Woche, nicht mehr sagen?
Antwort:
Sie versuchen alle, mich
zu der Aussage zu bewegen, was ich
machen werde, wenn ich mich mit den
anderen an den Tisch setze. Und ich
werde Ihnen sagen, welche Schritte
meiner Meinung nach für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten unbedingt erforderlich sind. Zufälligerweise bin ich immer noch davon überzeugt, daß die Besteuerung die ganzen
Probleme verursacht hat, die wir hatten, als ich mein Amt übernahm.

�Frage:
Aber es klingt, als seien
Sie grundsätzlich immer noch gegen
eine
Steuererhöhung
eingestellt,
gleichgültig, ob Sie es nun Anhebung
der Staatseinnahmen oder Steuererhöhungen nennen.
Antwort:
Nein.
Es gibt zahlreiche
Quellen für Staatseinnahmen, die wir
angeführt haben.
Ich befürworte die
Bezahlung
bestimmter
Dienstleistungen, daß es Dinge gibt, die von der
Regierung für, sagen wir, eine bestimmte Gruppe von Menschen getan
werden, eine Dienstleistung, die erbracht wird.
ich finde nicht, daß
die Steuerzahler für die Dienstleistung zahlen sollten, wenn sie auf
eine bestimmte Gruppe begrenzt ist.
Diese Gruppen sollten einen Beitrag
für diese Dienstleistung entrichten.
Frage:
Sind Sie
Steuererhöhungen?

immer

noch

gegen

Antwort:
Sie werden es herausfinden, wenn ich mich dort hinsetzen
werde.
Frage:
Während Ihre Kommentare zur
Haushaltslage in den vergangenen Tagen und auch heute abend eher versöhnlich waren, haben Sie zu Beginn
der Woche dem Kongreß draußen auf dem
Rasen hinter dem Weißen Haus eindeutig die Schuld an dem Defizit zugewiesen.
Trägt das Weiße Haus nicht
auch seinen Teil an diesem Chaos?
Antwort:
Einen
Moment
mal.
Der
Präsident
der
Vereinigten
Staaten
kann keinen Pfennig ausgeben.
Nur
der Kongreß kann die Ausgabe von Geldern bewilligen.
Und seit nunmher
sechs Jahren habe ich den Kongreß
wiederholt um weniger Geld gebeten
und er hat im Gegenzug mehr bewilligt
- mehr Geld zum Ausgeben und zwar auf
solche Weise, daß ich dagegen kein
Veto einlegen kann, wenn sie alles in

einen Topf werfen anstelle von Zuwendungen in Haushaltsfortschreibungen wir hatten seitdem ich hier bin kein
Defizit - oder einen Haushalt. Nein
- dem Kongreß obliegt die Befugnis
und wir müssen ihn überzeugen, daß
die von uns angeforderten Mittel ausreichen, um die Programme so zweckmäßig zu unterstützen, wie von denjenigen vorgesehen, die sie ausarbeiten und durchführen. Und jeder Haushaltsplan, den ich dem Kongreß vorgelegt habe, wurde von ihm auf die lange Bank geschoben und mit wurde gesagt, er sei ein totgeborenes Kind.
Und kurz nach dem Ersten eines Fiskaljahres sehen wir uns dann mit Resolutionen konfrontiert, die ungefähr
13 Haushaltsvorlagen enthalten.
Ich
bin der Überzeugung, daß es absolut
gerechtfertigt ist, wenn ich sage,
daß der Präsident nicht dafür verantwortlich ist.
Sie können bis ins
Jahr 1931 zurückgehen - seitdem haben
wir immer defizitär gewirtschaftet.
Frage:
über
Ihren
AIDS-Ausschuß
sind Kontroversen und Unmut laut geworden.
Selbst
Kardinal O'Connor,
eines der prominentesten Mitglieder
dieses Ausschusses hat erklärt, daß
er seine Zeit im Kampf gegen diese
Seuche besser damit verbringen könnte, auf lokaler Ebene dagegen anzukämpfen.
Was werden Sie in diesem
Zusammenhang unternehmen?
Antwort:
Nun, die paar, die abgesprungen sind, werden wir ersetzen.
Wir haben einen neuen Vorsitzenden
für die Kommission ernannt. Wir sind
der Auffassung, daß die Kommission
eine Vielzahl von Fähigkeiten besitzen sollte, da sie sich mit einem
außerorentlich komplexen Problem befaßt. Daher versuchen wir, so viele
Vertreter wie möglich aus dem Geschäftsleben, dem medizinischen Bereich, aus dem Gesundheitswesen und
so weiter für unsere Sache zu gewin-

- 9 -

�nen.
Und es sind noch zwei Stellen
offen.
Ich gebe mich noch immer der
Hoffnung hin, daß wir Neues hinzulernen und herausfinden, was wir bei der
Bekämpfung dieser schrecklichen Seuche noch tun und besser tun können.
Wir haben unser Mittel zur Bekämpfung von AIDS in jedem Jahr neu
aufgestockt. Und im nächsten Jahr das heißt, im derzeitigen Fiskaljahr,
da der 1. Oktober ja bereits verstrichen ist - werden wir mehr als 1 Milliarde Dollar
für AIDS aufwenden.
Daher benötigen wir meiner Meinung
nach eine Kommission - jemanden, der
uns behilflich ist und uns berät, wie
wir diese Mittel am besten verwenden.
Frage:
Glauben Sie, daß der Ausschuß
seinen Bericht
termingerecht
vorlegen wird?
Antwort:
Ich hoffe
aus, daß er es kann.

und

gehe

Frage:
Wären Sie im Anschluß daran
bereit, wieder nach Kanada zu gehen
und einige der kanandischen Gesetzgeber zusammenzurufen und mit ihnen zu
sprechen, wie Sie das gerade jetzt
hier getan haben?

davon

Frage:
zurück
zu Wirtschaft
und
Handel und
Ihren Ausführungen des
heutigen Abends zum Thema Handel.
Viele Wirtschaftswissenschaftler sind
der Auffassung, daß ein rascher, todsicherer Weg, der Wirtschaft zu einem
starken Aufschwung zu verhelfen, in
der Schaffung eines tatsächlich gemeinsamen Marktes für Nordamerika läge. Sie haben jetzt diese Gespräche
mit Premierminister Mulroney in die
Wege
geleitet
und
Finanzminister
Baker hat die Verhandlungen kürzlich
zu Ende gebracht, aber das Abkommen das kanadisch-amerikanische Handelsabkommen wird vehement abgelehnt
insbesondere in Kanada und in einigen
Teilen der Vereinigten Staaten. Besteht eine Möglichkeit, daß sich Ihr
Büro dahinterstellt und den notwendigen Druck ausübt?
Antwort:
daß ich

besteht darin, daß es zur Zeit ein
Parlament in Kanada gibt, das auch
noch darüber entscheiden muß.
Und
soweit ich das verstehe, ist es bezüglich einiger weniger Punkte etwas
zurückhaltend.
Meiner Meinung nach
ist das Handelsabkommen, das wir mit
diesem Land erzielt haben, einer der
größten Meilensteine der Geschichte
in diesem Bereich.
Wir sind zwei
großartige Partner - und wir sind die
Größten - wir sind^ vom Volumen her
gesehen
die größten
Handelspartner
der Welt. Und dies wäre ein außerordentlicher Schritt nach vorne für alle von uns.

Sie können darauf wetten,
dahinterstehe.
Das Problem
- 10

Antwort:
Ich bin nicht so sicher,
ob es mir mit ausländischen Gesetzgebern besser gelingt als mit unseren
eigenen.
Frage:
Jetzt, wo das INF-Abkommen
unmittelbar
vor
seinem
Abschluß
steht, wären die strategischen Waffen
an der Reihe. Die Sowjets haben ihre
Bereitschaft erklärt, diese Raketen
in dem von uns gewünschten Maße abzubauen, wenn Sie einigen Begrenzungen
bei der Erprobung strategischer Verteidigungswaffen
zustimmen
würden.
Zahlreiche
Experten
haben erklärt,
daß dafür
keine Verlangsamung des
Programms
in unmittelbarer
Zukunft
erforderlich sei.
Warum haben Sie
ihre Unterhändler angewiesen, daß sie
dieses Problem mit den Sowjets nicht
einmal diskutieren sollten?
Antwort:
Wenn man es zum Verhandlungsgegenstand macht, wird es ein
Verhandlungsgegenstand.
Und wir haben gesagt, daß dies, eine wahre Ver-

�teidigung
gegen Nuklearwaffen, den
wichtigsten Faktor darstellen kann,
der hoffentlich
eines Tages diese
Waffen überflüssig werden läßt - ich
habe meine eigenen Worte kürzlich aus
dem Munde von Herrn Schewardnadse gehört, als er mir gegenüber das erwähnte, was ich bereits unzählige Male in den Parlamenten und gesetzgebenden Gremien der Welt geäußert habe
- ein Nuklearkrieg kann nicht gewonnen und darf niemals gekämpft werden.
Und das Beste zur Erlangung dieses
Ziels ist die Perfektionierung dieses
Plans, von dem wir glauben, daß er
perfektioniert werden kann, und dann
der Welt sagen zu können: wir haben
eine Verteidigung gegen Nuklearraketen und werden sie der Welt zugänglich machen, wenn die Welt ihre Nuklearwaffen aufgibt.
Frage:
Angesichts der Wahrscheir.
lichkeit eines Gipfels hier in d^n
Vereinigten Staaten zur Unterzeichnung des Vertrages über Mittelstrekkenraketen - welche Art von Gipfeltreffen
sehen
Sie
mit
Herrn
Gorbatschow voraus? was soll er von
diesem Land sehen, was wollen Sie ihm
zeigen und auf welche Weise denken
Sie, daß dadurch die Beziehungen der
Supermächte beeinflußt werden?
Antwort:
Uns liegen weder Einzelheiten oder Termine vor noch wissen
wir, ob er kommt. Wir glauben, daß
es dazu kommen wird, und ich wünsche
es mir sehr. Ich hoffe auch, daü er
dann Zeit haben wird, sich viel von
Amerika anzusehen - er war nie zuvor
in diesem Land.
Und ich glaube, es
wäre gut, wenn er Dinge sehen könnte,
deren Inszenierung er uns nicht vorwerfen könnte. Er soll alles sehen.
Ich habe daran gedacht, es wäre
nett - nach dem was ich über ihre
Häuser am Strand weiß - ihn in unsere, im Jahr 1872 erbaute 1 500 Fuß

große Lehmhütte einzuladen, um ihm zu
zeigen, wie ein Kapitalist seine Ferien verbringt.
Frage:
Bitte nehmen Sie zur Bestätigung von Bork Stellung. Sie haben
gesagt, sie werden dem Senat, wenn er
Bork zurückweist, jemanden geben, den
sie genausowenig mögen. Das scheint
mir eine herausfordernde Bemerkung.
Sowohl Sie als auch der Senat haben
ihre verfassungsmäßigen Pflichten erfüllt.
Die Menschen üben mit ihrer
Meinungsäußerung ihre demokratischen
Privilegien aus.
Die Mehrheit der
Senatoren
und den
Meinungsumfragen
zufolge auch die Mehrheit des amerikanischen Volkes hat Bork zurückgewiesen.
Obwohl es schien, daß ihre
Herausforderung auf den Senat abzielte, haben Sie nicht in Wirklichkeit
die
funktionierende
Demokratie
in
Amerika herausgefordert, während sie
überall auf der Welt Demokratie postulieren?
Antwort:
Meiner Ansicht nach gab
es bei dieser Wahl eines Richters und
dem, was sie hier als Demokratie bezeichnet haben, keine Verfahrensweisen, wie sie hätten sein sollen. Wir
haben
keinen politischen
Vertreter
gewählt, der mit Wählerstimmen aus
seinem Amt entfernt werden könnte.
Zum ersten Mal in der Geschichte gab
es
private
Interessengruppen
von
vielfältiger
Schattierung, die auf
Einzelne Druck ausgeübt haben, eine
bestimmte Wahl zu treffen.
Ich habe
damit gemeint, ich werde versuchen,
jemand anderes zu finden, wenn er bei
der Wahl verliert.
Die fähigsten
Köpfe der Rechtsprechung, unter ihnen
der ehemalige Justizminister, haben
Borks Qualifikationen bezeugt.
Ich
werde versuchen, jemanden zu finden,
der ebenso qualifiziert ist.
Meiner Ansicht nach wurde
Angelegenheit politisiert, und

- 11 -

diese
Rich-

�ter Bork war einer der ersten, der
erklärte, abgesehen von seiner Person
sollten wir sicherstellen, daß dieser
Prozeß der Bestätigung eines vom Präsidenten
vorgeschlagenen
Kandidaten
durch den Senat nicht in einen politischen Wettbewerb verwandelt und so
getan wird, als ob das Volk darüber
abstimmen sollte.
Und ich glaube,
wenn sie die Qualifikationen der Personen, die sich für ihn ausgesprochen
haben mit denen seiner Gegner vergleichen, schneiden die Befürworter
weit besser ab.

ist sehr frustrierend für mich, weil
ich in diesem Kampf auf der anderen
Seite stand, lange, bevor es ein
Kampf wurde. Und ich möchte noch betonen, daß der Vorsitzende von CORE des Komitees zur Rassengleichheit einer der Zeugen war, die sich für
Richter Bork ausgesprochen haben.
Frage:

Vielen Dank, Herr Präsident.

* * * * *
Frage:
Sie sagen, die Sache wurde
politisiert. Sie wurde nicht von Anfang an politisiert, weil ich mich an
den Fall von vor zwei Jahren erinnere, als Senator Paul Trible den Verband schwarzer Rechtsanwälte in Virginia bat, einen Schwarzen als obersten Richter vorzuschlagen.
Und ich
zitiere hier
den Brief
von Paul
Trible, "schlagen Sie jemanden vor,
der die konservative Auffassung Präsident Reagans teilt".
Und wie Sie
wissen,
ist
es
schwierig,
einen
Schwarzen zu finden, der das tut.
Und dann sagen Sie, Interessengruppen
hätten Druck ausgeübt - macht das
nicht Amerika aus, die Interessengruppen? Ich weiß nicht, ob Sie über
die Bürgerrechtsbewegung, Frauen oder
wen auch immer sprechen - sie sind
amerikanische Bürger, und stehen ihnen nicht gewisse Rechte zu? Beantworten Sie mir bitte diese Frage.
Antwort:
Wenn das so wäre, hätten
wir bereits früher entschieden, Richter mittels einer öffentlichen Wahl
zu wählen. und man hat entschieden,
daß dies wahrscheinlich nicht der Weg
sei, um diejenigen mit den besten
Qualifikationen zu finden. Zur Frage
der Rassengleichheit bin ich mir darüber im klaren, daß manche glauben,
ich hätte in dieser Hinsicht Vorurteile und sei ein Rassist. Und das
- 12 -

�AMERIKA DIENST
V,oN

4

Dokumentation

28. Oktober 1987

38

REAGAN: WIRTSCHAFTSHILFE FÖRDERT DEMOKRATIE UND PLURALISMUS
- Rede des Präsidenten vor der Gruppe zur Finanzierung der Außenpolitik WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan erklärte am 21. Oktober, amerikanische Wirtschaftshilfe helfe den Entwicklungsländern dabei, "dem Unternehmertum
und den Chancen der eigenen Bevölkerung den Weg zu ebnen".
Der Präsident griff den Kongreß vor allem wegen dessen anhaltender Kürzungen seiner Forderungen für den Bereich Auslandshilfe im Haushalt an und erklärte, daß wirtschaftliche Hilfsleistungen den Ländern dabei helfen, "ihre
eigenen Institutionen des Pluralismus und der Demokratie zu schaffen" und sich
damit gegen Subversion und Aggression zu schützen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:
In diesem Jahr gedenken wir der
42 Jahre andauernden Friedens in der
Welt; das heißt nicht, daß keine Konflikte stattgefunden hätten - natürlich gab es die. Aber es bedeutet,
daß die Menschheit seit 42 Jahre keine Weltkriege mehr von der Art erfahren hat, wie sie in der ersten Hälfte
dieses Jahrhunderts zweimal die zivilisierten Völker heimgesucht haben.
Dieser Frieden ist nicht ohne Opfer zustande gekommen. Junge Amerikaner haben für seine Erhaltung gekämpft und ihr Leben gegeben, und er

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ist auch nicht ohne Entschlußkraft
hervorgebracht worden.
Er ist entstanden, weil Amerika bereit war, die
Verantwortung einer Führungsrolle auf
sich zu nehmen.
Niemand als die hier heute Anwesenden hat ein besseres Verständnis
davon, daß wir - ob es uns gefällt
oder nicht - in der freien Welt die
Führung übernehmen, und daß dies keine von uns erbetene Rolle ist.
Es
ist eine Rolle, die uns durch die Geschichte und die Hoffnungen all jener
auferlegt worden ist, die auf der

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Tel • 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ganzen Welt nach Frieden streben. Es
heißt, daß geographische Lage das
Schicksal bestimmt, aber ich möchte
behaupten, daß mehr als dies das
Schicksal ausmacht.
Wir sind eine
Weltmacht mit weltweiten Interessen
und weltweiter
Verantwortung.
Wir
können diese Grundwahrheit ignorieren, ihr aber nicht entrinnen, und
jeglicher Rückzug von unseren Pflichten gefährdet sowohl unsere nationalen Ideale als auch unsere nationalen
Interessen.
Alle Amerikaner sind sich über
die grundlegenden Zielsetzungen unserer Außenpolitik einig.
Wir wollen
die Demokratie fördern, weil sie das
Richtige ist, und weil es bei demokratischen Regierungen weniger wahrscheinlich ist, daß sie in Aggressionen verwickelt werden.
Wir wollen
eine wachsende Weltwirtschaft, in der
das
freie
Unternehmertum
funktioniert, weil dies genau die Welt ist,
in der die Menschen das beste und,
ich würde sagen, in materieller und
geistiger Hinsicht das annehmbarste
Leben führen. Und wir wollen mit unseren Freunden und Verbündeten dafür
arbeiten, regionale Konflikte zu vermeiden und die Sicherheit befreundeter Nationen zu verbessern. •
Diese Ziele stehen mit etwas in
Zusammenhang, das dauerhafter ist als
die täglich veraltenden Schlagzeilen
oder engstirnige Politik der Sonderinteressen, die allzu oft die Tagesordnung
in
Washington
beherrscht.
Sie stehen mit dem in Zusammenhang,
was wir das nationale Interesse nennen - das jeden Amerikaner angeht.
Dennoch ist in den vergangenen Jahren
jede alte und vielfach vorgebrachte
Ausrede, um keine Hilfe für diese
Ziele zu gewähren, mit zunehmender
Sympathie im Kongreß angehört worden.
Diese Ausreden kennen sie.

Wir können uns keine Auslandshilfe mehr leisten.
Es ist Verschwendung, Geld in
diese armen Länder zu pumpen, oder
Freunde kann man nicht kaufen andere Länder nehmen das Geld und
verachten uns dafür.
Diese Ausreden machen ihrem Namen
Ehre - sie sind völlig falsch.
Geld geben, ohne im Gegenzug etwas dafür zu erhalten?
Die Wahrheit
ist, daß wir gegenwärtig, wie auch in
der Vergangenheit, sehr wenig für die
Auslandshilfe ausgeben, wenn man den
gesamten Regierungshaushalt zugrundelegt.
In den späten vierziger und
frühen fünfziger Jahren haben wir zu
Zeiten des Marshall-Planes 11 Cents
eines jeden Dollar im Bundeshaushalt
für Auslandshilfe ausgegeben.
Diese Zahl ist vor zwanzig Jahren
bereits auf 4 Cents pro Dollar gefallen und weiter zurückgegangen bis in
die jüngste Zeit, in der wir weniger
als 2 Cents jedes Dollars zur Unterstützung unserer Außenpolitik ausgeben.
Und es ist genau dieses Geld, das
sich besonders auszahlt. Gibt es jemanden, der die Ansicht vertritt, wir
in Amerika würden dasselbe Leben und
ebensolche Sicherheit genießen, wenn
wir die Uhr zurückdrehen und den
Marshall-Plan ungeschehen machen würden?
Heute geht unsere Hilfe für die
wirtschaftliche
Entwicklung an die
Länder der Dritten Welt, die 35 Prozent unserer Exportgüter aufnehmen mehr als der Gesamtumfang amerikanischer Waren, die von West- und Osteuropa, der Sowjetunion und China zusammen importiert werden.
Und mit
jeder exportierten Milliarde Dollar
erhalten wir den Amerikanern 26 000

- 2 -

�auch - Demokratie. Wahre, volle und
sichtbare Demokratie.

Arbeitsplätze.
Ebensolche Bedeutung hat Lateinamerika, das im nächsten Jahrhundert
die Schlüsselrolle für unseren Frieden und Wohlstand einnehmen wird, die
Europa in diesem Jahrhundert zufällt.
Wenn wir das jetzt außer acht lassen,
werden wir später dafür zahlen müssen.
Wir steht es daher mit dem Vorwurf, wir verschwendeten unser Geld
mit dem Versuch, Freunde zu kaufen?
Die Wahrheit ist, daß das von uns für
die Förderung der Sicherheit ausgegebene Geld bedeutet, daß unsere Verbündeten auf der ganzen Welt wie auch
wir nicht nur die eigene, sondern unsere gemeinsame Sicherheit verteidigen können.
Und wir sollten nicht vergessen,
daß wir keine Freunde kaufen.
Wir
helfen unseren Freunden. Wir helfen
ihnen, dem Unternehmertum
und den
Chancen der eigenen Bevölkerung den
Weg zu ebnen, ihre eigenen Institutionen des Pluralismus und der Demokratie zu errichten, und wir helfen
ihnen, sich gegen von außen angefachten Druck und Subversion zu verteidigen.
Und jeder, der Zweifel darüber
hegt, wie etwa die Völker Mittelamerikas dazu stehen, hätte vergangene
Woche hier im Weißen Haus sein sollen, als Präsident Duarte aus El Salvador im Namen der Menschen seines
Landes von der Tribüne stieg, an der
Fahnenwache
vorbei
über den Rasen
ging, um die amerikanische Flagge zu
ehren und zu küssen. Oder vielleicht
hätten sie mit unserer früheren UN Botschafterin
Jeane
Kirkpartrick
letzte Woche in Managua sein sollen,
als diese dort von der jubelnden Menge begrüßt wurde. Jemand sagte dazu:
"Wir wollen das, was sie für Nicaragua fordert". Und genau das will ich

In den letzten Wochen hat der
Kongreß die Finanzierung der Außenpolitik soweit eingeschränkt, daß damit
jetzt das Interesse und die Sicherheit unserer Nation geschädigt werden. Wir mußten bereits unsere Beziehungen zu den Verbündeten im Bereich der wirtschaftlichen und militärischen
Unterstützung
drastisch
einschränken.
Und das geschieht angesichts erhöhter Ausgaben für nationale Programme.
Zum Beispiel stieg
der gesamte Bundeshaushalt im Jahr
1987 um fast 2 Prozent; im Gegensatz
dazu wurde die Auslandshilfe 1986 um
29 Prozent und 1987 um weitere 11
Prozent abgebaut.
Der Kongreß setzt bei der Verteilung des Geldes seine eigenen Prioritäten, läßt hingegen die Prioritäten
und Verpflichtungen, die diese Nation
bei der Gestaltung der nationalen
Sicherheit hat, außer acht. Wenn besondere
Interessen berührt werden,
verhält sich der Kongreß nur allzu
oft wie Annie in dem Musical 'Oklahoma' - er kann nicht nein sagen.
Für das in diesem Oktober beginnende Finanzjahr habe ich einen sehr
bescheidenen
Vorschlag
eingebracht,
mit dessen Hilfe wir immer noch den
in vergangenen Jahren durch Kürzungen
verursachten Schaden wettmachen und
auf einen Finanzierungsstand zurückkehren könnten, der unsere Sicherheit
nicht gefährdet.
Aber der Kongreß
kürzt jetzt wiederum, und die von den
Ausschüssen
sowohl des Senats als
auch des Repräsentantenhauses bewilligten Beträge - die jetzt dem Ausschuß zur Bewilligung des Verteidigungshaushaltes vorliegen - sind um
15 Prozent niedriger als der Betrag,
den wir zur notwendigen Durchführung
unserer Arbeit als Minimum fordern.

- 3 -

�Wie es jetzt steht, ist der für
die Auslandshilfe
vorgesehene Teil
des Haushalts einer der wenigen, die
zurückgegangen sind; alle anderen Titel sind angestiegen.
Und erst in
jüngster Zeit wurde noch mehr Schaden
angerichtet, als der Senat dem Gesetz
über die Genehmigung der Gelder für
das Außenministerium 86 Zusatzartikel
hinzufügte.
Es ist Zeit, daß der
Kongreß
die
besonderen
Interessen
beiseite schiebt und das nationale
Interesse zum Maß aller Dinge erhebt.
Deshalb bin ich heute hierher gekommen, um Ihnen allen für das zu
danken, was Sie tun. Wenn wir diese
Botschaft
übermitteln,
können
wir
einige
Ansichten
ändern.
Es
ist
nicht so, daß man auf dem Capitol
Hill nicht das Richtige tun will.
Die meisten tun es. Aber sie brauchen manchmal eine Ermutigung.
Und
wie ich oft gesagt habe: Um sie zu
erleuchten, muß man ihnen zuvor kräftig einheizen.
Ich könnte mit diesem Thema und
einigen anderen Punkten fortfahren,
aber ich möchte hier nur einige Zahlen der letzten Jahre anführen, die
für Sie von Interesse sein könnten.
Für jeden Dollar, den sie im Verteidigungshaushalt gekürzt haben, sind
zwei Dollar zusätzlich in nationale
Programme geflossen.
Und bei der
Verteidigung sind etwa 125 Milliarden
Dollar gekürzt worden.
250 Milliarden Dollar sind zusätzlich in die nationalen Ausgaben geflossen.
Ich denke, wir sind zu diesem
Thema einer Meinung. Und ich möchte
Ihnen sagen, daß es mir jetzt viel
besser geht, wo ich mich bei Ihnen
bedanke und Ihnen wünsche, daß Gott
Sie bei dem schützen möge, was Sie
tun. Vielen Dank.

- 4

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VoN^

38

28. Oktober 1987
SHULTZ:

FÜHRENDE NATO-POLITIKER SEHEN FORTSCHRITTE BEI INF-GESPRXCHEN
- Pressekonferenz im NATO-Hauptquartier -

WASHINGTON - (AD) - US-Außenminister Shultz hat anläßlich einer Pressekonferenz im Brüsseler NATO-Hauptquartier am 24. Oktober 1987 mitgeteilt, er habe
am Vortage führenden Politikern des Bündnisses über seine Moskauer Gespräche
berichtet. Die NATO-Politiker "teilen den Eindruck andauernder Fortschritte"
bei den INF-Verhandlungen, erklärte er. "Wir sehen dem Abschluß eines INFVertrages entgegen."
Nachfolgend geben wir die Pressekonferenz im Wortlaut wieder:
Ich komme gerade von mehr als
zweieinhalbstündigen
Konsultationen
mit meinen NATO-Kollegen. Generalsekretär Carrington teilte uns zu Anfang dieses Treffens mit, dies sei
das 56. Konsultationstreffen speziell
zu INF und damit zusammenhängenden
Fragen seit Beginn dieser Verhandlungen.
Ich sagte ihm, manchmal fühlte
ich mich, als ob ich an 75 dieser
Treffen teilgenommen hätte. Trotzdem
hat es sich wie immer gelohnt.
Ich
gab meinen Kollegen eine vollständige
Beschreibung der Treffen in Moskau,
und ich denke, daß jeder dazu Stellung nahm und seine Einschätzung aussprach. Meiner Meinung nach kann gesagt werden, daß wir alle den Eindruck andauernder Fortschritte teilen. Dies ist sehr erfreulich, ins-

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Embassy of the United States of America

besondere deshalb, weil wir alle den
Grund dafür erkennen können - nämlich
unsere Strategie, die bis zum HarmelBericht zurückgeht, und die wir, in
den Worten eines der Mitglieder, mit
"aktiver
Geduld"
umgesetzt
haben.
Wir werden diesen Kurs weiterverfolgen.
Es ist eine Frage der Beständigkeit, und wir sehen dem Abschluß
eines INF-Vertrages entgegen. Dieser
scheint klar erkennbar zu sein, und
gleichzeitig sehen wir, wie andere
Bereiche damit in Einklang kommen.
Ich würde sagen, daß die Beteiligten
ihr Interesse an der Entwicklung im

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�Bereich der Menschenrechte sowie auf
regionaler Ebene und selbstverständlich im Bereich der Rüstungskontrolle
zum Ausdruck brachten.
Es war also
ein sehr fruchtbarer Morgen, und ich
möchte allen meinen Kollegen hiermit
danken - fast alle nahmen an diesem
Treffen teil. Wir hatten einen guten
Austausch.
Frage:
Sind die Vereinigten Staaten bereit, ein INP-Abkommen ohne ein
Gipfeltreffen zu unterzeichnen?
Antwort:
ich
meine, wir
wollen,
daß es unterzeichnet wird, und ich
meine auch, es wäre gut, wenn dies im
Rahmen eines Gipfeltreffens geschähe.
Wenn aber auf absehbare Zeit kein
Gipfeltreffen
stattfindet, um dies
zeitgerecht zu tun, werden wir uns
nach anderen Wegen dafür umsehen.
Die Betonung liegt hier auf der Substanz und auf der Ausführung, aber es
ist ein sehr bedeutendes Abkommen,
und meiner Meinung nach ist es wünschenswert, wenn dies überhaupt möglich ist, es in Gegenwart der zwei
höchsten Politiker zu tun, die letztlich dafür verantwortlich sind.
Frage:
Bedeutet
dies, daß
Ihrer
Meinung nach die Sowjets ein INF-Abkommen nicht verzögern würden, bis
sie ihrer Ansicht zur strategischen
Verteidigungsinitiative
zum
Durchbruch verholfen haben?
Antwort:
Ich glaube, es gibt dafür
keine Anzeichen. Ich habe mir flüchtig das Protokoll der Pressekonferenz
angesehen,
die
Herr
Schewardnadse
nach meiner Abreise in Moskau gegeben
hat. Jemand fragte ihn etwas ähnliches, und er gab darauf etwa die
gleiche Antwort, die ich gerade gegeben habe.
Frage:
Gibt
es
Anzeichen
dafür,
daß
Herr
Gorbatschow
eventuell

Schwierigkeiten mit seinem Politbüro
und führenden Kräften innerhalb der
Sowjetunion haben könnte?
Antwort:
Ich kann dazu eigentlich
nichts Substantielles sagen.
Er ist
ein sehr eindrucksvoller, starker und
energischer
Mann,
wenn
man
ihn
trifft.
Soweit ich dies beurteilen
kann, scheiden weiterhin Mitglieder
des Politbüros aus demselben aus, die
schon lange vor ihm dazugehörten.
Ich kann dazu nichts sagen.
Er hat
viel von seiner Zeit für das Gespräch
mit mir verwendet.
Wir haben verschiedene Fragen erörtert.
Er hat
sehr vertraulich darüber gesprochen.
Frage:
Seit Sie Moskau verließen,
haben die Sowjets eine Tass-Nachricht
zu dem gestrigen Treffen veröffentlicht.
Darin sind zwei Vorschläge
enthalten, auf die Sie vielleicht reagieren könnten.
Der eine ist ein
Vorschlag Herrn Gorbatschows, wonach
ab 1. November ein Moratorium für Arbeiten in Verbindung mit Produktion,
Erprobung und Stationierung von Mittelstreckenraketen längerer und kürzerer
Reichweite
verkündet
werden
soll.
Der andere ist ebenfalls ein
Vorschlag von ihm, wonach - Tass zufolge - ein einseitiges einjähriges
Moratorium bezüglich aller Arbeiten
am Radarsystem
von Krasnojarsk
in
Kraft treten soll. Als Gegenleistung
würde er einen ähnlichen Schritt in
bezug auf das amerikanische Radar in
Schottland akzeptieren.
Könnten Sie
zu diesen Vorschlägen Stellung nehmen?
Antwort:
Ja, das kann ich.
Der
erste ist natürlich von der Art, daß
kein Fisch anbeißen würde.
Und es
ist der andauernde Prozeß, mit dem
man zu sehen versucht, ob man das Ergebnis, das wir mit Hilfe des Vertrages zu erreichen versuchen, nicht
auch erreichen kann, bevor der Vertrag vereinbart ist. Wir werden wei-

�teemachen bis wir ein Abkommen haben,
das wir gegenseitig erarbeitet haben,
und dann werden wir entsprechend handeln.
Was nun das Radar von Krasnojarsk
angeht, so stellt es eine eindeutige
Verletzung
des
ABM-Vertrages
dar.
Wir sprechen weiter über die Einhaltung des ABM-Vertrages.
Es bedeutet
eine klare Verletzung.
Der Vertrag
stipuliert, daß solch ein phasengesteuertes Radar, wenn ein neues gebaut wird, an der Peripherie eines
Landes erbaut und nach außen gerichtet sein muß.
Dieses System jedoch
steht im Landesinneren und ist nach
innen gerichtet.
Was immer man zu
seinem Zweck behaupten mag, es ist
eine Verletzung. Die Einstellung der
Arbeiten sind nicht das Entscheidende. Der entscheidende Punkt ist, daß
es nicht dort stehen sollte. Was nun
unsere beiden von ihm erwähnten Radar Systeme angeht, so besagt der ABMVertrag eindeutig, daß bestehende Radarsysteme zulässig sind und daß diese modernisiert werden können. Genau
dies tun wir.
Ich kann also diese
Gleichstellung nicht akzeptieren.
Frage:
Haben die europäischen Verbündeten enttäuscht darüber reagiert,
daß Ihre Treffen in Moskau nicht zu
einem Gipfeltreffen
geführt haben,
und haben sie die Position der Administration zu SDI unterstützt, das
wieder einmal den Weg zu versperren
scheint?
Antwort:
Natürlich
sind
alle an
der Frage des Gipfeltreffens interessiert.
Meiner Meinung nach ist es
mehr die Tatsache, daß Fragen gestellt werden, wie dieser Umschwung
der Ereignisse zu erklären ist, wenn
man bedenkt, daß es auf die sowjetische Initiative in Washington zurückzuführen ist, ein Gipfeltreffen für
den Herbst dieses Jahres anzukündi-

gen.
Die Voraussetzungen haben sich
nicht so entscheidend geändert, abgesehen von der Tatsache, daß ein INFAbkommen in noch greifbarere Nähe gerückt ist und bei START weitere Fortschritte erzielt worden sind. Meiner
Meinung nach konzentrierten sich die
Diskussionen mehr auf Inhalt und Substanz der stattfindenden Verhandlungen und hier herrschte die generelle
Ansicht vor, daß die Entwicklungen,
von denen ich berichtet habe und die
Herr Schewardnadse in seiner gut besuchten
Pressekonferenz
erläuterte,
entsprechend verliefen und sich Fortschritte abzeichneten.
Und auf eben
dies konzentrieren wir unsere Aufmerksamkeit.
Bei
unserem
Treffen
sind wir kaum auf die Strategische
Verteidigungsinitiative
eingegangen,
aber ich habe im großen und ganzen
das Gefühl, wenn wir lernen, wie wir
uns gegen ballistische Raketen verteidigen können, dann ist damit schon
viel erreicht. Und sicherlich ist es
für den Präsidenten ein Anliegen, daß
ein stabileres Gleichgewicht von Angriff und Verteidigung höchst wünschenswert ist. Was ist denn letztlich so gut an einer Welt, in der unsere Sich'theit von unserer Fähigkeit
abhängt, uns gegenseitig in 30 Minuten auszuradieren?
Ich glaube, wir
können Besseres leisten, und eben das
versucht der Präsident.
Frage:
In Moskau hätten bei INF
Fortschritte erzielt werden können;
die Sowjets sind jedoch nicht erschienen.
Können Sie uns Ihre Ansicht erläutern, warum sie nicht darauf eingegangen sind?
Antwort:
Gestern morgen fand die
Sitzung
einer Arbeitsgruppe statt;
man hatte sich auf eine bestimmte
Zeit für den Beginn der Sitzung geeinigt und die sowjetische Seite ist
nicht erschienen.
Im Verlauf der
zweitägigen Sitzungen in Moskau, ein-

- 3 -

�schließlich der allerletzten, die wir
im Anschluß an mein Treffen mit Generalsekretär Gorbatschow hatten, haben
wir selbst dort weiterhin Fortschritte bei INF und einer Vielzahl von
Themen erreicht, durch die wir uns in
Moskau
hindurchgearbeitet
hatten.
Wir haben einige sehr wichtige Themenkomplexe erledigt und ich glaube,
beide Seiten hatten das Gefühl, daß
wir die Anzahl der verbleibenden Themen ganz allmählich, aber entscheidend verringert haben.
Es ist nur
noch eine Frage von Wochen, diese
Probleme ganz vom Tisch zu schaffen.
Frage:
ist das Thema der deutschen
PIA erneut angeschnitten worden?

teidigung
im
haben,
die
deckten...

Weltraum
unterbreitet
sich
jedoch
nicht

Antwort:
Ich habe gesagt, daß unsere Vorschläge offensichtlich unterschiedlich sind. Aber wenn wir unsere Fähigkeit, in anderen Bereichen
eine Einigung oder Annäherung zu erzielen, in Gegensatz dazu stellen, so
liegt es vielleicht daran, daß wir
unterschiedliche Zielsetzungen haben.
Das erschwert den Kompromiß, der zur
Erlangung eines Abkommens erforderlich ist. Das heißt natürlich nicht,
daß wir das nicht können und wir werden es weiter versuchen.
Aber ich
habe dies nur als eine mögliche Erklärung dafür vorgebracht, warum es
dort schwieriger war.

Antwort:
Wir haben eine zufriedenstellende Lösung zur Bewältigung dieses Themas ausgearbeitet und die zufriedenstellende
Lösung
beinhaltet,
daß dieses Thema in dem Vertrag nicht
erwähnt wird.
Wir sehen dies als
eine Angelegenheit zwischen uns und
der Bundesrepublik Deutschland. Aber
auf der Grundlage der von Bundeskanzler Kohl einseitig abgegebenen
Erklärung konnten wir eine Verfahrensweise ausarbeiten, mittels derer man
sich mit den Gefechtsköpfen in amerikanischem
Besitz dann auseinandersetzten wird, wenn sie sozusagen unbelastet von ihrer Beziehung zu dem
zugehörigen System sind.
Man wirr*
mit ihnen genauso verfahren wie mit
anderen
ähnlichen
Gefechtsköpfen.
Wie genau dies geschehen soll habt.i
wir
sehr sorgfältig
ausgearbeitet,
und meiner Meinung nach ist das Ergebnis offensichtlich zur Zufriedenheit der Sowjets ausgefallen, zu unserer Zufriedenheit und zur Zufriedenheit der Bundesrepublik Deutschland. Dieses Problem ist also bewältigt.

Antwort:
Ich weiß
nicht, ob es
eine Voraussetzung für ein Gipfeltreffen ist oder nicht. Ich weiß jedoch, daß sich Herr Gorbatschow offensichtlich zu dem Zeitpunkt, als
wir die einzelnen Probleme und die
Lage besprachen, nicht auf die Festsetzung eines Termins einlassen wollte. Wir schienen beide die Möglichkeit eines Gipfeltreffens in den Vereinigten Staaten in diesem Jahr unbedingt offen halten zu wollen und haben während unserer Unterredung die
Möglichkeit
eines
Nachfolgetreffens
in Moskau im Frühjahr oder im weiteren Verlauf des Jahres 1988 erörtert.
Herr Gorbatschow ist sich also der
Termine vollständig gewahr und wir
werden einfach abwarten müssen.

Frage:
In Moskau haben Sie gesagt,
daß beide Seiten Vorschläge zur Ver-

Frage:
Gestern abend sagte
Fitzwater, der Sprecher des

- 4

Frage:
Werden
irgendwelche
neuen
Verteidigungsinitiativen erforderlich
sein, um die unterschiedlichen Zielsetzungen harmonisieren zu können, da
dies jetzt eine der Voraussetzungen
für ein Gipfeltreffen ist?

Marl in
Weißen

�Hauses, daß Herrn Gorbatschows Gesinnungswandel und die gescheiterte
Festsetzung des Termins Fragen über
die von ihm verfolgten Absichten laut
werden lassen. Würden Sie mit dieser
Bewertung übereinstimmen und sind Sie
jetzt alle besorgt, daß der Gesinnungswandel von Herrn Gorbatschow die
Verfolgung des sowjetischen Dialogs
erschwert?
Antwort:
Für Spekulationen
dieser
Art habe ich nicht sehr viel übrig.
Ich berichte Tatsachen und Tatsache
ist, daß wir uns getroffen haben und
bei der ganzen Bandbreite entscheidender Probleme beträchtliche Fortschritte erzielt worden sind.
Dies
ist von besonderem Interesse.
Seit
die Sowjets ihren Vorschlag zu einem
Gipfeltreffen im Herbst 1987 unterbreiteten und dem gestrigen Treffen
mit Herrn Gorbatschow scheint sich
einiges verändert
zu haben.
Wenn
überhaupt, so sind die gestern vorgelegten Bedingungen günstiger, könnte
man sagen, als noch vor einem Monat
oder so in Washington.
Worauf das
gestrige
Verhalten
zurückzuführen
ist, weiß ich auch nicht. Ich werde
es also einfach dabei belassen.
Frage:
Zwei Fragen zur Verifizierung. Erstens, sind sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion im
Hinblick auf den Zeitplan für den Abbau von Mittelstreckenraketen kürzerer und längerer Reichweite nähergekommen?
Und die zweite Frage ist,
haben Sie bei Ihrem heutigen Treffen
mit den NATO-Ministern mit den Ländern
gesprochen, die
amerikanische
INF-Streitkräfte aufnehmen, wie Sie
die Inspektionsrechte der Sowjets in
der Praxis handhaben werden, wenn und
falls ein Abkommen erzielt wird?
Antwort:
Zur ersten Frage lautet
die Antwort ja, wir haben uns auf das
sogenannte schrittweise Vorgehen ge-

einigt.
Das
ist
definitiv.
Zur
zweiten Frage möchte ich sagen, daß
wir uns durch das Inspektionsverfahren und die Vor-Ort-Inspektion bekanntgegebener und ehemals bekanntgegebener Einrichtungen hindurcharbeiten, die natürlich die Einrichtungen
der Stationierungsländer einschliessen. Das alles ist in der NATO ausgearbeitet worden und wir diskutieren
die Frage, wieviele Inspektionen jede
Seite forden kann.
Wir haben einen Vorschlag unterbreitet, sie haben einen Vorschlag
entgegengehalten, und daran arbeiten
wir jetzt. Verhandlungen durchlaufen
solch einen Prozeß. Er wird auf eine
professionelle und gute Art und Weise
durchgeführt.
Wir befinden uns natürlich in engen Konsultationen mit
den Regierungen der Länder, in denen
Stützpunkte bestehen, und es werden
keine Schritte ohne deren Einwilligung unternommen.
Frage:
Zwei Fragen.
Erstens, wie
stehen die Aussichten für einen Gipfel zwischen Präsident Reagan und den
Verbündeten in Brüssel oder anderswo,
der von dem Gipfeltreffen mit Gorbatschow abhängt; und zweitens, glauben
Sie, Herr Gorbatschow ist sich der
Tatsache bewußt, daß im kommenden
Jahr in den Vereinigten Staaten Wahlen stattfinden?
Antwort:
Ich denke, er weiß, daß
diese stattfinden werden.
Trotzdem
deuten alle von mir wahrgenommenen
Anzeichen - und ich habe seine Erklärungen wohl richtig wiedergegeben darauf hin, daß wir beide auf den Abschluß eines INF-Abkommens drängen.
Ich für meinen Teil sehe Bestandteile
eines
Abkommens
über
strategische
Waffen sich abzeichnen, dem eine ungeheure Bedeutung zukäme.
Natürlich
muß ich sagen, daß die damit in Zusammenhang stehenden Probleme der Ve5 -

�rifizierung im Vergleich die B e g e bungen zur Verifizierung bei INF wie
ein Kinderspiel aussehen lassen. Das
wird sehr viel schwieriger werden,
aber die Bestandteile liegen vor uns,
und der Generalsekretär scheint bereit zu sein, daran zu arbeiten.
Frage:
Was INF betrifft, besteht
bereits Übereinstimmung mit der anderen Seite, wann die weitere Stationierung
zusätzlicher
NATO-Mittelstreckenwaf fen eingestellt wird, nach
der Unterzeichnung oder nach der Ratifizierung des INF-Vertrages?
Die
zweite Frage lautet: haben Sie in
Moskau auch Fortschritte zur Frage
weiterer Verhandlungen beider Seiten
über den Abbau konventioneller Waffen
in Europa erzielt?
Antwort:
Ich habe darauf bereits
im Hinblick auf den vom Generalsekretär am 1. November
unterbreiteten
Vorschlag geantwortet.
Es wäre sehr
unklug von uns - und ich bin sicher,
er versteht das - uns nach dem mutmaßlichen Vertrag zu richten, bevor
er auch nur unterzeichnet oder ratifiziert ist. So kann man nicht verhandeln. Und natürlich wird der Vertrag Bestimmungen enthalten, die sich
mit der Frage der stufenweisen Durchführung der Reduzierungen befassen.
Ob die Verbündeten nach der Unterzeichnung dazu eine bestimmte Position beziehen wollen, bleibt abzuwarten. Darüber wird zur Stunde diskutiert.
So stehen also die Dinge.
Wie lautete Ihre zweite Frage?
Frage:
Ob Sie in Moskau ebenfalls
Fortschritte bei den künftigen Verhandlungen beider Seiten über einen
Abbau der konventionellen Streitkräfte erzielt haben.
Antwort:
Dieses Thema wurde diskutiert. Die Sowjets wollen weiterhin
den Bereich der Nuklearwaffen in die-

se Gespräche einbeziehen, was die
Bündnispartner zurückgewiesen haben,
und wir lehnen dies ebenfalls ab.
Aber grundsätzlich handelt es sich
hier um eine Angelegenheit des Bündnisses, nicht um ein bilaterales Problem.
Wir
sind natürlich bereit,
diese Probleme zu besprechen, aber
darüber wird man in Wien diskutieren.
Unser
Botschafter
Ledogar
und die
Botschafter der anderen NATO-Staaten
und ihre Kollegen des Warschauer Paktes diskutieren darüber, und das ist
der Stand der Dinge.
Frage:
Wie
sehen
Ihre
nächsten
Schritte zu INF und Gipfel aus?
Antwort:
Die nächsten Schritte zu
INF werden in Genf unternommen werden.
Ich bin bereits heute morgen,
vor dieser Pressekonferenz, mit Botschafter
Glitman
zusammengetroffen,
und wir haben weitere Vorgehensweisen
besprochen; es gibt viele Impulse.
Wir werden diese Probleme bearbeiten,
und ich erwarte von ihm regelmäßig
neueste Berichte über den Verlauf der
Verhandlungen.
Herr
Schewardnadse
und ich sind gestern abend vor meiner
Abreise aus Moskau übereingekommen,
daß wir unsere beiden Chef-Unterhändler bitten werden, uns zum Ende dieser und dann wieder zum Ende der
nächsten Woche einen Bericht vorzulegen. Mit anderen Worten, wir drängen
auf ein Ende hin, wollen uns aber natürlich die Zeit nehmen, um sicherzustellen, daß die Dinge auf eine befriedigende
Art und Weise beendet
werden.
Soviel zum Stand der Dinge
bei INF.
Und wir werden weiterhin an Fortschritten im Bereich der strategischen Waffen arbeiten.
wir wollen
den Prozeß der Überprüfung des Themas
Verifizierung anheizen, so daß wir
später nicht das Gefühl haben müssen,
zwar ein Abkommen zu haben, aber den-

�noch Frustration über die Verifizierung aufkommt, weil wir uns nicht
früh genug damit beschäftigt haben.
Wir müssen das jetzt angehen.
Das
werden wir tun und auch an anderen
Bereichen arbeiten, die ich hier erwähnt habe.
Was die Frage des Gipfels betrifft, so stehen die Dinge so, daß
eine Übereinkunft zwischen den beiden
Staatsoberhäuptern
in Genf
erzielt
wurde, man wolle sich gegenseitig sozusagen zu Hause besuchen.
Es ist
eine Einladung an Herrn Gorbatschow
ergangen, und wenn er bereit ist, sie
anzunehmen, werden wir bereit sein,
ihn zu empfangen.
Frage:
Ich weiß, daß Ihre Besprechungen mit dem Präsidenten vertraulich sind, trotzdem verlautete gestern abend aus Washington, Sie und
Botschafter Nitze hätten den Präsidenten gedrängt, beim Problem SDI
flexibler zu sein...
Antwort:
Dieser
Bericht
entbehrt
jeder realistischen Grundlage.
Ich
habe während meines Aufenthalts in
Moskau zweimal mit dem Präsidenten
gesprochen, ihm Bericht erstattet und
mir seine Ansichten angehört. Darüber fanden jedoch keine Diskussionen
statt. Sowohl Botschafter Nitze - er
nickt mit dem Kopf, weil er meinen
Aufführungen zustimmt, und weil er
weiß, was ich sagen will - als auch
ich sind einhellige Verfechter der
Idee, daß es wichtig für die Vereinigten Staaten und für unsere Freunde
ist, zu lernen, wie wir uns gegen
ballistische
Raketen
verteidigen,
wenn wir das können.

ven Fragen, aber wenn sich die Möglichkeit
herausstellen
sollte, ein
INF-Abkommen
bei
einem
Gipfel
in
einem Drittland, an einem Ort wie
Genf etwa, zu unterzeichnen, wäre das
möglich?
Antwort:
Ich glaube, es ist vordringlich, das INF-Abkommen hervorzubringen.
Und wir müssen abwarten,
was sich im Hinblick auf ein Gipfeltreffen ergibt - ich habe die Situation so gut ich kann, beschrieben und angesichts dessen müssen wir sehen, was zusätzlich benötigt wird,
damit es von den beiden Staatsoberhäuptern oder anderen auf irgendeine
Weise unterzeichnet wird.
Auf jeden
Fall stellt sich diese Frage erst in
der Zukunft.
Die maßgebenden Dinge
des Augenblicks sind: erstens, etwas
zustande zu bringen, das unterzeichnet werden kann; zweitens, wir werden
sehen, wie sich die Geschichte im
Hinblick auf ein Gipfeltreffen entwickelt. Aber wir wollen es zu Ende
bringen, und das will auch die Sowjetunion allem Anschein nach, und ich
bin sicher, wir werden einen Weg finden, um das zu tun.

Frage::
Sie haben angedeutet, es
bestünde im Hinblick
auf künftige
Gipfeltreffen
ein
Abkommen,
sich
wechselseitig zu Hause zu besuchen.
Ich weiß, sie mögen keine spekulati- 7 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
I7

Hintergrundmaterial

et

28. Oktober 1987

38

HANDELSSANKTIONEN GEGEN IRAN

Eine Übersicht des Weißen Hauses (Die folgende Übersicht über die Handelssanktionen gegen Iran wurde am 26. Oktober 1987 vom Weißen Haus veröffentlicht.)

Neue Sanktionen
Als Reaktion auf die fortgesetzte
Unterstützung
terroristischer
Anschläge durch den Iran und dessen unprovozierte Angriffe auf amerikanische Streitkräfte und unter amerikanischer Flagge fahrende Schiffe sowie
die neutrale Schiffahrt im Golf allgemein benutzt der Präsident die ihm
durch Abschnitt 505 des Gesetzes über
internationale Sicherheit und Zusammenarbeit (international Security and
Cooperation Development Act) verliehenen Befugnisse zum Verbot jeglicher

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Importe aus dem Iran. Durchführungsbestimmungen zu diesem Beschluß werden
vom Finanzministerium
erlassen
werden.
Diese Maßnahmen werden
genden Gründen ergriffen:

aus

fol-

- Die Regierung des Iran hat die
Resolution
598 des
Sicherheitsrats
der Vereinten Nationen nicht befolgt
und hält weiterhin an der Führung des
Krieges gegen den Irak fest.
-

Der

Großteil

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

der

Exporterlöse

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�des Iran wird durch Rohöl erzielt,
während Kaviar, Pistazien und einige
Textilprodukte geringere Erträge erbringen.
- Die amerikanischen Importe aus
dem Iran erreichten im Jahr 1986 insgesamt einen Wert von 600 Millionen
Dollar, und zwar 500 Milionen Dollar
für öl und 100 Millionen Dollar für
andere Importe.
Der vom Iran im
Zeitraum von Januar bis Juli 1987
durch den Verkauf von öl an die Vereinigten Staaten erzielte Erlös wird
auf 1 Milliarde Dollar geschätzt.
- Die Importe iranischen Rohöls
in die Vereinigten Staaten und ihre
Territorien betrugen im Jahr 1986
durchschnittlich 90 000 Faß pro Tag
(bpd); in den ersten sieben Monaten
des Jahres 1987 schnellten sie auf
durchschnittlich
250 000 bpd empor
(allein im Juli 1987 620 000 bpd).
Für den August werden die Einfuhren
auf 4 68 000 bpd und für September auf
345 000 bpd geschätzt.
Dieser Anstieg laßt sich teilweise durch die
gestiegene iranische Produktion zur
Erzielung höherer Einnahmen für die
Kriegsanstrengungen erklären.
Der
Präsident
verkündet
heute
(26. Oktober 1987) seine Absicht, zusätzliche
Exportkontrollen
für
14
weitergefaßte Kategorien von militärisch nutzbaren Artikeln einzuführen.
Dadurch erhöht sich die Zahl derjenigen Artikel, deren Export in den Iran
schon heute laut Exportverwaltungsgesetz kontrolliert wird (siehe Liste
am Ende dieser Übersicht).
Am 23. Januar 1984 stufte der
amerikanische Außenminister den Iran
als einen Staat ein, der wiederholt
den internationalen Terrorismus unterstützt hat. Deshalb wurden gemäß
Abschnitt 6 des Exportverwaltungsgesetzes von 1979 (EAA) und seiner Zu- 2

satzartikel außenpolitisch begründete
Exportkontrollen gegen den Iran verhängt.
Diese erstreckten sich auf
Flugzeuge, Hubschrauber sowie dazugehörige Teile und Komponenten, Außenbordmotoren mit 45 oder mehr PS,
Grundstoffe für die Herstellung chemischer Waffen, Artikel zur Verbrechensbekämpfung sowie alle Güter und
technischen Daten, die der nationalen
Sicherheitskontrolle
unterliegen,
wenn sie für einen militärischen Endverbraucher
oder
zum militärischen
Endverbrauch bestimmt sind.
Zusätzlich wurden am 25. September 1987
Atemgeräte und dazugehörige Tauchausrüstungen
der Liste
kontrollierter
Exportartikel
hinzugefügt.
Vorschriften
verschiedener
Statuten
schließen jegliche nukleare Zusammenarbeit größeren ümfangs mit dem Iran
aus.
Diesen Kontrollen, wie auch den
heute neu verkündeten Kontrollen liegen Ereignisse
zugrunde, die sich
nach den Vereinbarungen von Algier
aus dem Jahr 1981 zugetragen haben.
Sie stehen nicht mit den Handelskontrollen und der Einfrierung iranischer Vermögenswerte
zusammen, die
während
des Geiseldramas
im Jahr
1979-1980 gegen den Iran verhängt
wurden.
Diese frühreren Exportkontrollen wurden im Anschluß an die
Übereinkunft von Algier im Jahr 1981
aufgehoben.
Aufgrund unserer Politik der Neutralität im Krieg zwischen Iran und
Irak besteht weiterhin ein Embargo
für militärische Güter.
Weiterhin unterliegen die folgenden Produktkategorien Exportkontrollen für den Iran:
Mobile Kommunikationsausrüstungen
Boote,

einschließlich

Schlauch-

�booten
Radgetriebene,
Zugmaschinen

geländegängige

Große Dieselmotoren
Nichtstrategische
und -komponenten

Flugzeugteile

Tragbare Elektrogeneratoren
Alle Bootsmotoren (Außen- und Innenbordmotoren jeglicher Leistung)
Andere
Bootsausrüstungen
(Oberflächen- und
Tragflügelboote
sowie
akustische ünterwasserdetektoren)
Ausrüstungen
tographie

zur

Unterwasserpho-

Tauchfähige Systeme
Atemgeräte
Druckkabine

für

Flugzeuge

mit

Sonarausrüstungen
Elektronische Testgeräte
Verschlüsselungsgeräte

* * * * *
- 3 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

28. Oktober 1987

38

RÜSTUNGSKONTROLLINITIATIVEN DER VEREINIGTEN STAATEN
- Eine Übersicht des US-Außenministeriums (Die folgende Übersicht über die Rüstungskontrollinitiativen der Vereinigten
Staaten wurde am 20. Oktober 1987 vom US-Außenministerium veröffentlicht.)
Verhandlungen
zur
Verringerung
der Rüstungen bilden einen Hauptbestandteil der Strategie dieser Administration, um einen sicheren Frieden
zu schaffen und die nationale Sicherheit zu gewährleisten. Mit Rüstungsreduzierungen streben wir danach, die
strategische Stabilität auf niedrigeren Niveaus der militärischen Streitkräfte zu verbessern und dadurch das
Konfliktrisiko zu senken. Die Vereinigten Staaten versuchen, solche Verringerungen
bei
den
Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen (START,
INF sowie Verteidigung im Weltraum)
in Genf sowie in anderen Verhandlungsforen zu erreichen.
In diesen
Foren haben die Vereinigten Staaten
Initiativen unterbreitet, um die Welt
zu einem sichereren Ort zu machen.
Strategische
Offensivwaffen:
Die
Vereinigten Staaten messen ihren Bemühungen zur Erzielung eines gleichgewichtigen und wirksam verifizierba-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ren Abkommens mit der Sowjetunion
über
einschneidende
Reduzierungen
strategischer
Atomwaffen
höchste
Priorität bei. Als einen konkreten
Schritt zu diesem Ziel haben die Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) in Genf am 8.
Mai 1987 einen Vertragsentwurf vorgelegt. Der amerikanische Vertragsentwurf spiegelt grundsätzlich die Bereiche
wider,
in denen
Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow
im vergangenen
Oktober
in
Reykjavik
Übereinstimmung
erzielt

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�hatten.
Er sieht den 50prozentigen
Abbau amerikanischer und sowjetischer
strategischer Atomwaffen bis auf eine
Höchstgrenze von 1 600 stationierten
Interkontinentalraketen und schweren
Bombern mit bis zu 6 000 auf beiden
Seiten Gefechtsköpfen vor, mit angemessenen Untergrenzen und in einem
Zeitraum von sieben Jahren nach Inkrafttreten des Vertrages.
Der amerikanische Vertragsentwurf
setzt zusätzlich zu den Obergrenzen
bestimmte Beschränkungen bei den destabilisierendsten und gefährlichsten
Nuklearsystemen fest - den schnell
fliegenden ballistischen Raketen, besonders den sowjetischen schweren Interkontinentalraketen (ICBMs).
Deshalb haben wir Grenzen und Untergrenzen für bestimmte Typen von Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen und
eine Grenze für Wurfgewichte ballistischer Raketen vorgeschlagen.
Unser Vorschlag umfaßt außerdem detaillierte Bestimmungen, die darauf abzielen, jeden Zweifelsfall bei den
bereits vereinbarten Punkten auszuschalten sowie ausführliche Bestimmungen
zur
Verifizierung
einschließlich Inspektionen vor Ort -,
mit denen sichergestellt werden soll,
daß jede Seite auf die vollständige
Einhaltung des Abkommens durch den
Vertragspartner vertrauen kann.
Am 31. Juli haben die Sowjets
einen Vertragsentwurf vorgelegt, der
in seinem Aufbau dem amerikanischen
ähnlich ist und der einige gemeinsame
Sprachregelungen
enthält.
Dieser
sowjetische Entwurf hat jedoch bei
den wichtigsten, noch
ausstehenden
Problemen keinerlei Bewegung angeboten; dazu gehören auch die Untergrenzen für die gefährlichsten Raketensysteme.
Er machte weiterhin Verringerungen strategischer Offensivwaffen
von Beschränkungen für die strategische Verteidigung abhängig, die über
- 2

die im bereits bestehenden ABM-Vertrag vereinbarten hinausgehen.
Im
Rahmen
ihrer
Washingtoner
Treffen
im September
verständigten
sich die Außenminister
Shultz und
Schewardnadse darauf, die Bemühungen
bei den Genfer Verhandlungen zu intensivieren,
um
eine
Übereinkunft
über
die
50prozentige
Reduzierung
strategischer Offensivwaffen zu erlangen.
Die Minister kamen außerdem
überein, daß solche Reduzierungen ein
wichtiges Thema
ihrer Rüstungskontrollgespräche im Rahmen ihres im Oktober in Moskau stattfindenden Treffens bilden solle. Während des Ministertreffens - und seither bei den
Genfer Verhandlungen - wurden bei den
ausstehenden Problemen einige Fortschritte erzielt; beispielsweise haben die Sowjets nun eine Begrenzung
auf 1 540 Gefechtsköpfe auf schweren
ICBMs vorgeschlagen.
Trotzdem
bleiben
grundlegende
Probleme bestehen, darunter die von
den Vereinigten Staaten vorgeschlagene Untergrenze für die Gesamtzahl der
Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen, die vertraglich festgelegte Begrenzung der Wurfgewichte sowie das
Verbot mobiler ICBMs.
Ein weiteres
Problem ist das andauernde sowjetische Beharren auf einem Junktim zwischen
START-Verringerungen
und der
amerikanischen Zustimmung zu weiteren
Beschränkungen
für
Verteidigungssysteme gegen ballistische Raketen. In
diesem Bereich werden die Vereinigten
Staaten keinerlei Maßnahmen akzeptieren, mit denen die Strategische Verteidigungsinitiative
(SDI)
gelähmt
oder gänzlich beseitigt würde. Aufgrund der Aussichten, die sie als
sichereres
Mittel der
Abschreckung
bietet, ist SDI für die künftige Sicherheit der Vereinigten Staaten und
ihrer Verbündeten unverzichtbar.

�Die Vereinigten Staaten sind der
Ansicht, daß ihr Vertragsentwurf zu
START eine solide Grundlage für die
Schaffung eines faireren und dauerhaften Abkommens liefert, um zum ersten Mal in der Geschichte einschneidende Verringerungen
der strategischen
Atomarsenale der
Vereinigten
Staaten und der UdSSR zu erlangen.
Die Vereinigten Staaten sind überzeugt, daß ein START-Vertrag kurzfristig verwirklicht werden könnte, wenn
die Sowjets bereit wären, sich diesem
Ziel ebenso ernsthaft zu widmen wie
die Vereinigten Staaten.
Mittelstreckenwaffen
(INF):
Während
der Septembertreffen
zwischen
den Außenministern Shultz und Schewardnadse in Washington haben sich
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion grundsätzlich auf den Abschluß
eines Vertrags verständigt,
der eine gesamte Kategorie amerikanischer und sowjetischer INF (Reichweite: 500 - 5 500 Kilometer) beseitigen
würde.
Die Genfer Unterhändler beider Seiten wurden angewiesen, intensiv an der Lösung noch verbleibender
technischer Fragen zu arbeiten und
alsbald einen Vertragsentwurf zu erstellen. Die Minister werden sich am
22. und 23. Oktober in Moskau treffen, um die Fortschritte für ein INFAbkommen sowie andere Elemente der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
einer kritischen Überprüfung zu unterziehen.
Ein INF-Abkommen könnte
diesen Herbst im Rahmen eines Gipfeltreffens
zwischen
Präsident Reagan
und Generalsekretär Gorbatschow unterzeichnet werden.
Diese Fortschritte wurden durch
die westliche Entschlossenheit ermöglicht,
am
NATO-Doppelbeschluß
von
1979 festzuhalten, der eine Reaktion
auf die Stationierung von SS-20 Raketen durch die Sowjets darstellte.
Die Entschlossenheit der NATO zur Um-

kehrung des Ungleichgewichts im INFBereich durch die Stationierung amerikanischer
INF-Raketen
längerer
Reichweite bei gleichzeitiger Bereitschaft zu Verhandlungen mit den Sowjets, um ein Gleichgewicht bei INF
auf dem niedrigstmöglichen Niveau zu
erreichen, zahlt sich heute aus.
Das voraussichtliche INF-Abkommen
stimmt in den Hauptbereichen der Verhandlungen mit den seit langem von
den Vereinigten Staaten vertretenen
Positionen
überein.
Dieser
Erfolg
ist eine direkte Konsequenz des unerschütterlichen Einsatzes des Präsidenten für wahre Rüstungsreduzierungen und der Solidarität der Verbündeten bei der Unterstützung dieser Ziele:
Mittelstreckenraketen längerer
Reichweite (LRINF): Seit der Aufnahme formeller Gespräche mit der Sowjetunion im November 1981 haben die
Vereinigten Staaten die Abschaffung
aller amerikanischen und sowjetischen
LRINF-Systeme angestrebt.
Dies entsprach dem ursprünglichen Vorschlag
des Präsidenten einer "Null-Lösung",
der zuerst im Jahr 1981 erfolgte. Im
Juli
1987
stimmten
die
Sowjets
schließlich
der Beseitigung
dieser
Systeme zu.
Mittelstreckenraketen kürzerer
Reichweite
(SRINF):
Seit
Aufnahme
der Verhandlungen haben die Vereinigten Staaten darauf bestanden, daß ein
INF-Abkommen die SRINF begrenzen müsse, um die Umgehung einer Übereinkunft zu den LRINF durch eine sowjetische Aufrüstung mit Systemen kürzerer Reichweite zu verhindern.
Die
Vereinbarung
der Beseitigung
aller
amerikanischen und sowjetischen SRINF
als integraler Bestandteil eines INFAbkommens erfüllt diese amerikanische
Forderung.

- 3 -

�Reduzierungen
weltweit:
Die
Vereinigten
Staaten
bestehen
seit
langem darauf, daß jegliche Begrenzung von INF-Systemen weltweit gelten
muß, um eine Verlagerung der Bedrohung von einer Region in eine andere
zu verhindern.
Die Sowjets haben
dies im Kontext der weltweiten Beseitigung beider Kategorien amerikanischer
und sowjetischer
INF akzeptiert, die unter dem Terminus "weltweite doppelte Null-Lösung" bekannt
ist.
Während diese und weitere Grundsatzvereinbarungen
mit den Sowjets
erreicht wurden, haben die Vereinigten Staaten jedoch klargestellt, daß
bilaterale Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR weder
die Streitkräfte von Drittstaaten begrenzen noch bestehende Kooperationsprogramme mit unseren Verbündeten beeinträchtigen können.
Obwohl
die Vereinigten
Staaten
und die Sowjetunion sich prinzipiell
auf den Abschluß eines INF-Abkommens
verständigt haben, bedürfen bedeutende Fragen weiterhin einer Lösung,
insbesondere die wichtigen Einzelheiten der Verifizierungsverfahren und
des Zeitplans für die Reduzierungen.
Die wirksame Verifizierung ist unentbehrlich, um sicherzustellen, daß ein
INF-Abkommen dauerhaft zu Frieden und
Stabilität beiträgt.
Demgemäß haben
wir die strengste Verifizierungsregelung vorgeschlagen, die jemals für
ein Rüstungskontrollabkommen angewendet wurde.
Die Genfer Delegationen
beider Seiten sind sehr darum bemüht,
verbleibende Probleme zu lösen.
Probleme der Verteidigung im Weltraum:
Während
ihrer
Washingtoner
Treffen im September haben die Außenminister Shultz und Schewardnadse sowie Experten beider Seiten ihre Positionen zu Fragen der Weltraumvertei-

digung entwickelt, wobei die Kluft
zwischen ihnen nicht verringert werden konnte. Sowohl bei den im April
1987 abgehaltenen Treffen von Außenminister Shultz in Moskau als auch im
Anschluß daran bei den Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen in Genf
legten die Vereinigten Staaten einen
neuen Vorschlag zu Problemen der Verteidigung im Weltraum vor.
Dieser
neue Vorschlag umfaßt folgende Bestandteile:
- die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion würden die Verpflichtung
eingehen, sich bis 1994 nicht vom
ABM-Vertrag zurückzuziehen.
- Während dieses Zeitraums würden
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion alle Vorschriften des ABMVertrags strikt einhalten und gleichzeitig die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sowie Tests weiterführen, die dem ABM-Vertrag zufolge erlaubt sind.
- Diese Verpflichtung wäre abhängig von der Anwendung 50prozentiger
Reduzierungen strategischer Offensivwaffen auf gleiche Niveaus innerhalb
von sieben Jahren nach Inkrafttreten
eines START-Abkommens.
- Jede Seite hat das Recht, sich
aus Gründen höchster Interessen oder
des materiellen Bruchs dieses, des
START- oder
des
ABM-Vertrags, den
vorgeschlagenen Vertrag zu kündigen.
- Nach 1994 hätte jede Seite das
Recht, moderne
Verteidigungssysteme
zu stationieren, sofern die Vertragsparteien keine anderweitige Regelung
beschließen.
Als Reaktion auf die vorgebrachten sowjetischen Anliegen haben die
Vereinigten
Staaten
außerdem
Vorschläge unterbreitet, um gegenseitig

- 4 -

�das Vertrauen und die Berechenbarkeit
der
Erforschung
moderner
strategischer
Verteidigungstechnologien
zu
stärken.
In dieser Hinsicht haben
die Vereinigten Staaten vorgeschlagen, daß sie selbst und die Sowjetunion jährlich Daten über geplante
Aktivitäten im Bereich der strategischen Verteidigung austauschen sollten. Darüber hinaus bemühen wir uns
darum, daß die Vereinigten Staaten
und die UdSSR gegenseitige Informationsgespräche über ihre jeweiligen
Bemühungen bei der strategischen Verteidigung und Besichtigungen der damit in Zusammenhang stehenden Einrichtungen durchführen, wie wir dies
bereits mit unserer Initiative der
Offenen Labors vorgeschlagen haben.
Schließlich haben wir vorgeschlagen,
gemeinsam vereinbarte Verfahrensweisen für die gegenseitige Beobachtung
der Erprobung im Bereich der strategischen Verteidigung anzuwenden.
Atomtests:
Im Rahmen des Washingtoner Ministertreffens im September
1987
vereinbarten
die
Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion, am 1.
Dezember 1987 umfassende und stufenweise Verhandlungen
über Atomtests
aufzunehmen. Als ersten Schritt werden beide Seiten wirksame Verifizierungsmaßnahmen
vereinbaren, die es
ermöglichen sollen, den Schwellenvertrag sowie den Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken zu
ratifizieren.
Nach Erfüllung dieser
Verifizierungsanliegen und Ratifizierung der Verträge würden die Vereinigten Staaten und die UdSSR umgehend
in Verhandlungen über Möglichkeiten
zur schrittweisen Durchführung eines
Parallelprogramms - in Zusammenhang
mit einem Programm zur Reduzierung
und
letztlichen
Beseitigung
aller
Atomwaffen - eintreten, um Atomtests
zu begrenzen und schließlich ganz abzuschaffen.

Zentren zur Reduzierung des nuklearen Risikos:
Am 15. September 1987
unterzeichneten
die
Außenminister
Shultz und Schewardnadse ein Abkommen
zur Errichtung von Zentren zur Reduzierung des nuklearen Risikos in ihren jeweiligen Hauptstädten.
Dieses
Abkommen, das unmittelbar auf eine
amerikanische Initiative zurückgeht,
stellt eine praktische Maßnahme dar,
die
die
internationale
Sicherheit
durch die Verringerung des Konfliktrisikos
zwischen
den
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion erhöhen
wird, das durch Zufälle, Fehlinterpretation oder falsche Berechnungen
entstehen könnte. Die Zentren werden
eine Rolle beim Austausch von Informationen und Ankündigungen spielen,
die gemäß den bestehenden und möglichen zukünftigen Rüstungskontrollabkommen und Vereinbarungen vertrauensbildender Maßnahmen erforderlich sind.
Nichtverbreitungsvertrag:
Vom
28.
- 30. Juli 1987 hielten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion die
neunte Rund der andauernden Konsultationsserie zur Nichtverbreitung von
Atomwaffen ab, die im Dezember 1982
begonnen hatte. Diese Konsultationen
deckten ein breites Spektrum von Fragen ab, einschließlich der Aussichten
auf
Stärkung
der
internationalen
Nichtverbreitungsregelung, Unterstützung
des
Nichtverbreitungsvertrags
und des beiderseitigen Wunsches der
Vereinigten Staaten und der UdSSR zur
Stärkung der Internationalen Atomenergiebehörde.
Diese Konsultationen
sind keine Verhandlungen sondern eher
Gespräche
zur
Überprüfung
unterschiedlicher Themen gemeinsamen Interesses.
Die Vereinigten
Staaten
und die Sowjetunion sind beide außerordentlich
daran
interessiert, die
gefährliche Verbreitung von Atomwaffen zu verhindern und haben sich darauf geeinigt, diese Konsultationen
als Forum
für Gespräche und einen

- 5 -

�Meinungsaustausch zu benutzen.
Die
nächste Gesprächsrunde ist vorläufig
für Januar 1988 in Washington angesetzt.
Chemische
Waffen:
Im April
1984
haben die Vereinigten Staaten bei der
Genfer Abrüstungskonferenz, an der 40
Nationen teilnahmen, einen umfassenden Vertrag vorgelegt, der das Verbot
der Entwicklung, Herstellung, des Gebrauchs, Transfers und der Lagerung
chemischer Waffen mit verschiedenen
Mitteln zu verifizieren sucht und damit sofortige und obligatorische VorOrt-Inspektionen
in
Zweifelsfällen
verbindet. Beim Genfer Gipfeltreffen
vom November 1985 vereinbarten Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow die Intensivierung bilateraler Gespräche über alle Aspekte eines
umfassenden weltweiten Verbots chemischer Waffen und dessen Verifizierung. Seitdem haben wir sechs Runden
bilateraler Gespräche zu einem Vertrag über chemische Waffen abgehalten.
Eine siebte Runde ist für Dezember 1987 anberaumt.
Die bilateralen Vertragsgespräche
haben einige Meinungsverschiedenheiten abgebaut, und die Sowjets gaben
schließlich im März 1987 den Besitz
chemischer Waffen zu.
(Tatsächlich
besitzen die Sowjets das bei weitem
größte Arsenal an chemischen Wafen,
das sie zudem auch regelmäßig modernisiert haben.) Trotzdem bleiben bedeutende Meinungsverschiedenheiten in
wichtigen
Bereichen bestehen, einschließlich der Beseitigung von Produktionsstätten für chemische Waffen,
der Überwachung der chemischen Industrie zum Schutz vor Aktivitäten, die
einem solchen Vertrag zufolge verboten sind, der Verfahren für unangemeldete Inspektionen in Verdachtsfällen,
Durchführungsbestimmungen
zum
Vertrag, Kostenverteilung und technischer Unterstützung.

Zusätzlich zu den Vertragsgesprächen arbeiten wir mit Verbündeten und
anderen befreundeten Nationen sowie
mit den Sowjets zusammen, um die
Weiterverbreitung
chemischer
Waffen
zu verhindern.
Besonders als Reaktion auf die andauernde Verwendung
chemischer Waffen im Krieg zwischen
Iran und Irak haben die Vereinigten
Staaten und siebzehn andere westliche
Industrienationen seit 1985 Konsultationen abgehalten, um Exportkontrollen für mit chemischen waffen in Verbindung zu bringende Artikel abzustimmen und andere Mechanismen zu
entwickeln, die der illegalen Verwendung chemischer Waffen und deren gefährlicher Verbreitung in andere Länder
Einhalt
gebieten.
Wir
haben
ebenfalls in bilateralen Gesprächen
mit den Sowjets über die Weiterverbreitung chemischer Waffen Exportkontrollen und politische Schritte geprüft, um die Verbreitung chemischer
Waffen einzudämmen.
Konferenz
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE):
Nach fast
dreijährigen
Verhandlungen
hat die
Stockholmer
KVAE-Konferenz
mit
35
Teilnehmerstaaten im September 1986
eine Reihe konkreter Maßnahmen verabschiedet, die der Verbesserung von
Offenheit und Berechenbarkeit militärischer Aktivitäten in Europa dienen
sollten.
Diese auf Vorschläge der
NATO zurückgehenden Maßnahmen sehen
die vorherige Benachrichtigung über
alle militärischen Aktivitäten oberhalb einer Größenordnung von 13 000
Soldaten oder 300 Panzern vor, sowie
die Beobachtung militärischer Aktivitäten oberhalb einer Grenzevon 17 000
Soldaten und die jährliche Vorankündigung
bevorstehender
militärischer
Aktivitäten.
Das Abkommen
enthält
ebenfalls Bestimmungen für Vor-Ortinspektionen in der Luft und am Boden

�zwecks Verifizierung.
Trotz
ihres
bescheidenen
Umfangs
stimmten
die
Sowjets damit zum ersten Mal einer
Inspektion auf ihrem eigenen Staatsgebiet zur Verifizierung eines internationalen
Sicherheitsabkommens
zu.
Die Vereinigten Staaten sehen sich
durch die bis zu diesem Zeitpunkt demonstrierte Art der Durchführung ermutigt, in der sich insgesamt sowohl
Buchstaben als auch Geist des Stockholmer Dokuments widerspiegeln.
Am 30. August 1987 haben die Vereinigten Staaten - unter den Bestimmungen des Stockholmer Dokuments
erfolgreich die erste jemals durchgeführte Vor-Ort-lnspektion eines sowjetischen
Manövers
abgeschlossen.
Die Vereinigten
Staaten
betrachten
den erfolgreichen Abschluß dieser Inspektion als Schritt im Prozeß der
Verbesserung von Offenheit sowie bei
der Bildung von Vertrauen und Sicherheit in Europa.
Im September hat
Großbritannien ein Manöver in der DDR
inspiziert, an dem sowjetische und
DDR-Truppen teilnahmen; Anfang Oktober führte die Sowjetunion eine ähnliche Inspektion bei einem Manöver in
der Türkei durch, an dem US-Truppen
beteiligt waren.
Beiderseitige und Ausgewogene Truppenreduzierungen (MBFR):
Am 5. Dezember 1985 legte die NATO bei de t
MBFR-Verhandlungen eine wichtige neue
Initiative vor, die auf Anliegen des
Ostblocks
eingeht.
Der
Vorschlag
stellte den Wunsch des Westens nach
einer Datenübereinkunft über den augenblicklichen Stand der Streitkräfte
noch vor Unterzeichnung des Vertrages
zurück.
Die Sowjets hatten geltend gemacht, daß diese westliche Forderung
das Haupthemmnis
für ein Abkommen
sei.
Der Vorschlag forderte ferner
einen zeitlich begrenzten, in einer

ersten Phase durchgeführten Abzug von
5 000 amerikanischen und 11 500 sowjetischen Soldaten, dem eine dreijährige Verpflichtung aller dort Truppen
unterhaltenden Parteien folgen sollte, ihre Truppenstärke nicht zu erhöhen.
In diesem Zeitraum würden die
verbleibenden Streitkräfte durch nationale technische Maßnahmen verifiziert, sowie durch vereinbarte Einund Auslaßpunkte, den Austausch von
Daten und 30 jährliche Vor-Ort-Inspektionen. Bis jetzt haben die Sowjets nicht konstruktiv auf die Initiative des Westens reagiert.
NATO-Arbeitsgruppe auf höchster Ebene für konventionelle
Rüstungskontrolle:
Diese Arbeitsgruppe
legte
dem Nordatlantikrat am 11. Dezember
1986 ihren Bericht über Tendenzen der
konventionellen Rüstungskontrollpolitik der NATO vor. Bei dieser Sitzung
verabschiedeten die NATO-Minister die
"Erklärung von Brüssel", in der die
Bereitschaft der NATO zu neuen Verhandlungen mit dem Warschauer Pakt
dargelegt wird, die darauf ausgerichtet sind, ein "verifizierbares, umfassendes und stabiles Gleichgewicht
konventio.oller Streitkräfte auf niedrigerer Ebene" in ganz Europa vom
Atlantik bis zum Ural herzustellen.
Im Februar 1987 nahm die NATO Gespräche mit dem Warschauer Pakt zur Erarbeitung eines Mandats für neue Verhandlungen auf.
Im Juli legten Vertreter der NATO den Entwurf eines
Mandats für Verhandlungen vor, das
die 23 Nationen von NATO und Warschauer Pakt direkt einschließen und
sich auf ihre konventionellen Streitkräfte zu Lande in ganz Europa vom
Atlantik bis zum Ural erstrecken würde.
Diese Verhandlungen würden im
Rahmen des KSZE-Prozesses stattfinden, aber in bezug auf Themen, Teilnahme und Verfahren eigenständig sein.

- 7 -

�Chronologie:

1. Januar 1986 bis 20. Oktober 1987

AMERIKANISCH-SOWJETISCHE RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN

Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen
Runde
Runde
Runde
Runde

IV
V
VI
VII

Runde

VIII

16. Januar
- 4. März
1986
8. Mai
- 26. Juni
1986
18. September - 13. November
1986
15. Januar
- 6. März
1987
(INF dauerten bis 26. März)
Aufnahme am 23. April (INF) und 5. Mai 1987
(START und Gespräche über Verteidigung im Weltraum)

Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und
Abrüstung in Europa (multilateral)
Runde
Runde
Runde
Runde

IX
X
XI
XII

- 15. März
1986
Januar
April
- 23. Mai
1986
Juni
- 18. Juli
1986
- 19. September 1986
August
Ein Abkommen wurde geschlossen

28.
15.
10.
19.

Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
Erste Runde der Nachfolgekonferenz:
4. November - 20. Dezember 1986
Zweite Runde der Nachfolgekonferenz:
27. Januar
- 11. April
1987
Dritte Runde der Nachfolgekonferenz:
4. Mai
- 31. Juli
1987
Vierte Runde der Nachfolgekonferenz:
22. September - 21. November 1987
(voraussichtlicher Abschlußtermin)

Abrüstungskonferenz (multilateral)
Rumpfsitzung des Ausschusses für chemische Waffen:
13. Januar
- 31. Januar
1986
Früh Jahrssitzung:
4. Februar
- 25. April
1986
Sommersitzung:
10. Juni
- 29. August
1986
Konsultationen der Vorsitzenden des Auschusses für chemische Waffen:
24. November
- 17. Dezember 1986
RumpfSitzung des Ausschusses für chemische Waffen:
6. Januar
- 30. Januar
1987
Früh Jahrssitzung:
2. Februar
- 30. April
1987
Sommersitzung:
8. Juni
- 26. August
1987
- 8

�Beiderseitige und Ausgewogene Truppenreduzierungen
Runde
Runde
Runde
Runde
Runde
Runde

38
39
40
41
42
43

(multilateral)

- 20. März
1986
30. Januar
1986
15. Mai
3 Juli
25. September - 4 Dezember 1986
1987
- 19. März
29. Januar
- 2. Juli
1987
14. Mai
24. September - 3 Dezember 1987
(voraussichtlicher AbSchlußtermin)

Zentren zur nuklearen Risikoverringerung
Runde I:
Runde II:

13. Januar
1987
3. - 4. Mai 1987
(ein Abkommen wurde ad referendum geschlossen)
Das Abkommen wurde am 15. September 1987 in Washington unterzeichnet

AMERIKANISCH-SOWJETISCHE RÜSTUNGSKONTROLLSITZUNGEN AUF EXPERTENEBENE

Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen
11. - 12. August
1986 in Moskau
5. - 6. September 1986 in Washington
2. - 5. Dezember 1986 in Genf auf Unterhändlerebene
Gespräche über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen
6. 11. -

7. August
1986 in Moskau
12. September 1986 in Washington

Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und
Abrüstung in Europa
14. - 15. August

1986 in Stockholm

Gespräche über den Vertrag über chemische Waffen
28.
15.
1.
28.
16.
20.

Januar
April
Juli
Oktober
Februar
Juli

- 3. Februar
- 25. April
- 18. Juli
- 18. November
- 5. März
- 7. August

1986
1986
1986
1986
1987
1987

in
in
in
in
in
in

Gen
Genf
Genf
New York
Genf
Genf

Konvention über biologische und toxische Waffen
Expertensitzung :

31. März - 15. April 1987 in Genf

- 9 -

�Gespräche über die Nichtverbreitung von chemischen Waffen
5. 4. 7. -

6. März
1986 in Bern
5. September 1986 in Bern
8. Oktober
1987 in Bern

Atomtests
Erste Sitzung
Zweite Sitzung
Dritte Sitzung
Vierte Sitzung

Fünfte Sitzung :
Sechste Sitzung:

25. Juli
- 1. August
1986 in Genf
4. September
- 18. September 1986 in Genf
13. November
- 25. November 1986 in Genf
22. Januar 1987, am 9. Februar unterbrochen,
am 16. März wiederaufgenommen, am 20. März in
Genf beendet
18. Mai
- 29. Mai
1987 in Genf
13. Juli
- 20. Juli
1987 in Genf

Zentren zur nuklearen Risikoverringerung
5. - 6. Mai 1986 in Genf
25. August 1986 in Genf
Gespräche über die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen
15. - 18. Dezember 1986 in Washington
28. - 30. Juli
1987 in Moskau

- 10 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan verhängt Handelsembargo gegen Iran&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Reagan: US-Streitkräfte bleiben im Golf "solange wie nötig"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz im Weißen Haus&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Wirtschaftshilfe fördert Demokratie und Pluralismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor der Gruppe zur Finanzierung der Außenpolitik&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: führende NATO-Politiker sehen Fortschritte bei&lt;br /&gt;INF-Gesprächen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz im NATO-Hauptquartier&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Handelssanktionen gegen Iran&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rüstungskontrollinitiativen der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des US-Außenministeriums&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

28. Oktober 1992

43

&gt;

i

GUS-HILFE
IRAK

WAHLEN '92

BUSH UNTERZEICHNET FREEDOM
SUPPORT ACT
Erklärung des Präsidenten
USA VERNEINEN UNTERSTÜTZUNG
IRAKISCHER RÜSTUNGSPROGRAMME
Offener Brief von Eagleburger an
New York Times
DIE VERTEILUNG DER WAHLMANNERSTIMMEN NACH BUNDESSTAATEN
Neue Verteilung bei gleicher Anzahl
PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATEN VERTRETEN ÄHNLICHE ANSICHTEN
ZU VERTEIDIGUNGSPOLITIK
Sprecher verweisen auf wenige bedeutende
Unterschiede
SCHARFE UNTERSCHIEDE ZWISCHEN CLINTON
UND BUSH BEI UMWELTPOLITIK
Engagierte Umweltschützer unterstützen Clinton
WACHSENDES INTERESSE DER WÄHLER
IN USA, ZUNEHMENDE REGISTRIERUNG
VERZEICHNET
Rezession, ungewisser Wahlausgang als
Hauptfaktoren
MEDIEN WICHTIGER FAKTOR BEI
PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLEN
Aktuelle Berichte und Anzeigen als
wichtigste Elemente
UNABHÄNGIGE KANDIDATEN UND
PRÄSIDENTSCHAFTSBEWERBER VON
DRITTPARTEIEN
von Robert E. Mutch

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�GUS - H I L F E
28. Oktober 1992

BUSH UNTERZEICHNET FREEDOM SUPPORT ACT
Erklärung des Präsidenten
BILLINGS (MONTANA) - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Erklärung von Präsident Bush zur Hilfe für
die ehemalige Sowjetunion. Sie wurde am 25. Oktober in Billings (Montana) von der Pressestelle des Weißen
Hauses herausgegeben.
Heute habe ich mit meiner Unterschrift S. 2532, dem
"FREEDOM Support Act", Gesetzeskraft verliehen.
Dieses historische Gesetz bewilligt ein breites Spektrum von Programmen zur Förderung freier Marktwirtschaften und demokratischer Reformen in Rußland,
der Ukraine, Armenien und den anderen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion. Insbesondere
werden mit diesem Gesetz die Anhebung des amerikanischen Anteils am Internationalen Währungsfonds
(IWF) um 12 Milliarden Dollar und 410 Millionen Dollar
an bilateraler amerikanischer Hilfe freigegeben. Darüber hinaus beseitigt das Gesetz eine Reihe überholter gesetzlicher Beschränkungen der amerikanischen
Beziehungen mit den neuen unabhängigen Staaten,
die noch aus der Zeit des Kalten Krieges stammen.

Staaten einbezieht. Verschiedene Bestimmungen dieses
Gesetzes werden die speziellen Fähigkeiten und das
Fachwissen der amerikanischen Privatwirtschaft nutzen. S. 2532 wird Unterstützung für die Handels- und
Investitionstätigkeit amerikanischer Unternehmen
gewähren, die zum Aufbau des wirtschaftlichen und
kommerziellen Fundaments beitragen sollen, auf dem
die neuen Demokratien ruhen werden. Dies ist eine
Investition in unsere ebenso wie in deren Zukunft.

Die Quotenaufstockung des IWF wird sicherstellen,
daß dem IWF angemessene Mittel zur Förderung
freier Märkte in der ehemaligen Sowjetunion ebenso
wie andernorts in der ganzen Welt zur Verfügung
stehen. Durch seinen Beitrag zu einer blühenderen
Wertwirtschaft wird der IWF Märkte für amerikanische
Ich bin stolz darauf, daß die Vereinigten Staaten diese Exporteure erweitern und zusätzliche Arbeitsplätze für
historische Chance haben, Demokratie und freie Märkte amerikanische Arbeitnehmer schaffen.
in diesem entscheidenden Teil der Werl zu unterstützen. Obwohl allen klar ist, daß die Zukunft der neuen Dieses Gesetz wird uns darüber hinaus gestatten, im
unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion in kommenden Winter humanitäre Hilfe bereitzustellen,
deren eigenen Händen liegt, stellt die Verabschiedung die demokratischen Reformen und freie Marktwirtdes FREEDOM Support Act das Engagement der schaften zu unterstützen, Handel und Investitionen zu
Vereinigten Staaten zur Unterstützung dieses Vorha- fördern, bei Vorhaben in den Bereichen Gesundheit
und Arbeitswesen zu helfen, zur Überwindung von
bens unter Beweis.
Problemen im Energiebereich, bei der Sicherheit ziviler
Kernreaktoren, des Verkehrswesens und der TeleWieder einmal hat sich das amerikanische Volk zukommunikation
beizutragen, bei der Bewältigung der
sammengeschlossen, um die Sache der Freiheit vorschweren
Umweltprobleme
in der Region mitzuwirken
anzutreiben, um Frieden zu erlangen und um dazu
und
ein
breites
Spektrum
an
persönlichen Austauschbeizutragen ehemalige Gegner zu friedlichen Partnern
programmen
ins
Leben
zu
rufen,
deren Ziel die endgülzu machen. Dieser demokratische Frieden wird auf
tige
Beseitigung
des
Mißtrauens
und
der Mißverständdem soliden Fundament politischer und wirtschaftlinisse
ist,
die
unsere
Beziehungen
mit
der Sowjetunion
cher Freiheit in Rußland und den anderen unabhängiin
der
Vergangenheit
geprägt
haben.
gen Staaten gründen. Wir müssen die Reformer in
Rußland, der Ukraine, Armenien und den anderen
Das Gesetz sieht außerdem weitere Mittel und Befugneuen Staaten weiterhin unterstützen.
nisse vor, um Bemühungen zur Zerstörung nuklearer
Ich freue mich darüber, da ß dieses Gesetz wie niemals und anderer Waffen zu unterstützen und die Produkzuvor unseren Privatsektor bei der Bereitstellung tech- tionseinrichtu ngen dieser Waffen für friedliche Zwecke
nischer Hilfe für Rußland und die anderen neuen umzurüsten.

AMERIKA DIENST 43

Seite 1

�Wir führen diese Hilfsprogramme durch, weil wir uns
für mehr Sicherheit von uns selbst, von unseren Verbündeten und den Völkern der neuen unabhängigen
Staaten engagieren. Diese Programme werden unsere Sicherheit durch Demilitarisierung sowie humanitäre und technische Hilfe fördern.
Eine Reihe von Bestimmungen in diesem Gesetz
geben jedoch Anlaß zu verfassungsrechtlichen Bedenken. Einige Bestimmungen beabsichtigen, mir
oder meinen Bevollmächtigten Anweisungen im Hinblick auf die Beteiligung an internationalen Institutionen zu geben. Unserem Verfassungssystem zufolge
ist allein der Präsident in solchen Angelegenheiten
zuständig. Ich werde solche Bestimmungen deshalb
nur als beratend betrachten.
Darüber hinaus könnte das Gesetz mit meiner Aufsichtskompetenz für die Exekutive kollidieren, indem
ein untergeordneter Beamter des Außenministerium
bevollmächtigt wird, gewisse interministerielle Streitfälle zu lösen und indem es regelt, wie andere Behörden Lizenzanträge der nationalen Raumfahrtbehörde
(NASA) behandeln sollen. Ich werde diese Bestimmungen im Licht meiner verfassungsmäßigen Pflichten interpretieren.
Das Gesetz gestattet femer die Einrichtung angeblich
nichtstaatlicher Gebilde - des Democracy Corps und

einer Stiftung, die wissenschaftliche Aktivitäten und
Austauschprogramme durchführen wird -, die staatlichen Anweisungen unterliegen würden, überwiegend
zur Ausführung staatlicher Maßnahmen geschaffen
und großenteils auf staatliche Finanzierung angewiesen wären. Wie ich bereits erklärt habe, untergraben
Gebilde, die weder eindeutig staatlichen noch eindeutig privaten Charakter haben die Prinzipien der Gewaltenteilung und der politischen Rechenschaftspflicht.
Bei der Entscheidung über die Ausübung der mit
diesem Gesetz gewährten Vollmacht werde ich berücksichtigen - und ich weise auch den Direktor der
Nationalen Wissenschaftsstiftung an dies zu berücksichtigen -, ob diese Gebilde im Einklang mit diesen
Grundsätzen geschaffen und betrieben werden können.
Ferner melde ich einen Vorbehalt bezüglich der Bestimmung an, dergemäß Gerichtsverfahren nach dem
Datenschutzgesetz (Freedom of Information Act) im
Hinblick auf das Democracy Corps in der "Zuständigkeit" des Amts für Internationale Entwicklung liegen.
Diese Zuständigkeit sollte nicht als Antastung der
allgemeinen Prozeßvollmacht des Justizministers
aufgefaßt werden. Deshalb weise ich das Amt für
Internationale Entwicklung an, alle Angelegenheiten
dieser Art im Einklang mit dessen gültiger Vollmacht an
den Justizminister zu überweisen.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 43

�IRAK
28. Oktober 1992

USA VERNEINEN UNTERSTÜTZUNG
IRAKISCHER RÜSTUNGSPROGRAMME
Offener Brief von Eagleburger an New York Times
WASHINGTON - (AD) - Das US-Außenministerium hat Behauptungen in aller Schärfe zurückgewiesen, wonach
die Vereinigten Staaten vor dem Golfkrieg die Rüstungsprogramme Saddam Husseins unterstützt hätten. Zu
diesem Thema veröffentlichte das US-Außenministerium am 20. Oktober 1992 einen Brief des amtierenden
Außenministers, Lawrence Eagleburger, der am 21. Oktober in der New York Times erschienen ist.
"Der Gedanke, daß wir ihm Waffen geliefert haben, ist
völlig unzutreffend", erklärte der Sprecher des Außenministeriums, Richard Boucher, am 21. Oktober 1992
bei einer Pressekonferenz, in deren Verlauf er eine
detaillierte Widerlegung aus der Luft gegriffener Behauptungen über eine amerikanische Unterstützung
der Rüstungsprogramme des Irak abgab.
Nach mehreren Anhörungen im Kongreß, Hunderten
von Fragen und 45 Inspektionen der Vereinten Nationen "ist unseres Erachtens die Bilanz eindeutig", erklärte Boucher.
"Es gibt keinerlei Beweise, daß amerikanische Technologie einen bedeutsamen Beitrag zu den militärischen Fähigkeiten des Irak oder seinen Programmen
zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen geleistet hat", stellte der Sprecher fest. Tatsächlich
entharte die Bilanz der Inspektionen Beweise dafür,
daß in den Vereinigten Staaten beschaffte Ausrüstung
und Technologie keinen bedeutsamen Beitrag darstellten.

Seit der Schaffung des Regimes zur Kontrolle von
Raketentechnologie (MTCR) im Jahr 1987 wurden
Boucher zufolge keine Lizenzanträge für die Ausfuhr
von dem MTCR unterliegenden Gütern - Raketen,
wichtigen Subsystemen oder Komponenten, darunter
auch Mehrzweckgerät - in den Irak genehmigt.
Exportlizenzen für alle in chemischen oder biologischen Waffen verwendbaren Wirkstoffe, die auf der
amerikanischen Munitionskontrolliste stehen, wurden
dem Irak verweigert, erklärte Boucher und verwies
darauf, daß seit 1984 eine wachsende Liste chemischer Grundstoffe bestanden habe, die durch eine
eindeutige Verweigerungspolitik gegenüber dem Irak
gestützt wurde.
"Irak war der Schwerpunkt der amerikanischen Bemühungen gegen die Weiterverbreitung, besonders in
den Jahren 1989 und 1990", erklärte der Sprecher. Zu
diesen Bemühungen gehörten die Verbesserung der
Kontrollen in multilateralen Foren sowie eine neue
Initiative, die chemischen und biologischen Waffen
sowie Raketenprojekten galt. Ausländische Regierungen wurden aufgefordert, keine Technologien dieser
Art an den Irak zu liefern.

Die amerikanische Exportkontrollpolitik gegenüber dem
Irak vor dem Golfkrieg war "schärfer als die jedes
anderen Industriestaates, und sowohl die Reagan- als
auch die Bush-Administration verfolgten eine strikte Zwischen 1985 und 1990 wurden sogenannte MehrPolitik, den Export von Waffen oder Waffensystemen zweckexporte in Höhe von rund 500 Millionen Dollar
in den Irak zu verwehren", erklärte Boucher.
von den Vereinigten Staaten an den Irak geliefert,
während tatsächlich Exportlizenzen für Lieferungen in
Darüber hinaus hätten die Vereinigten Staaten seit Höhe von 1,5 Milliarden Dollar erteilt wurden. Dabei
langem eine Politik betrieben, die eine nukleare Zu- handelte es sich um Gegenstände, "die im konventiosammenarbeit mit dem Irak ausschließe. "Die Verei- nellen und nichtkonventionellen militärischen Sinne
nigten Staaten haben keine Exporte von Gerät oder als unbedenklich betrachtet wurden", erklärte er.
Technologie in den I rak genehmigt, die für Kernreaktoren, Urananreicherung oder die Wiederaufarbeitung "Es waren Mehrzweckgüter", so der Sprecher. "Viele
von Plutonium genutzt werden könnten."
davon waren einfache Computer, schwere Lastkraftwagen und dergleichen. Die amerikanische Regierung
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�hat im allgemeinen versucht, unschädliche Verkäufe
von Mehrzweckgerät zu gestatten - von Dingen, die
auch andernorts frei verfügbar sind und bei denen es
keinen großen Unterschied macht, ob man sie exportiert oder nicht."

Ob absichtlich oder nicht, die Redaktion der New York
Times - wie auch zahlreiche Kolumnisten der Zeitung
- entstellen weiterhin die Tatsachen im Hinblick auf die
amerikanische Politik gegenüber dem Irak vor dem
Golfkrieg. Das jüngste Beispiel dieser Neigung zu
verzerrter Darstellung findet sich in Ihren Leitartikeln
vom 6. und 14. Oktober. Erlauben Sie mir, für Sie und
Ihre Leser die Dinge zurechtzurücken.

Keines dieser Güter diente "nuklearen, chemischen,
biologischen oder anderen einschlägigen Zwecken",
erklärte Boucher. "Es handelte sich um Mehrzweckgüter, die allgemein erhältlich waren und wenig - oder Erstens, bis heute hat keine Untersuchung - vom
praktisch gar keine- Auswirkungen auf die Programme Kongreß, vom US-Staatsanwalt in Atlanta oder von
des Irak hatten."
irgendeiner Bundesbehörde - Beweise für einen irakischen Mißbrauch von Kreditbürgschaften zum Kauf
Inspektionsteams der Sonderkommission der Verein- von Waffen, noch für eine Umleitung von an den Irak
ten Nationen (UNSCOM) und der Internationalen verkauften Waren in Drittstaaten erbracht.
Atomenergie-Organisation (IAEO), die den Irak besucht haben, "haben in irakischen Rüstungsbetrieben Zweitens, die Banca Nazionale del Lavoro (BNL) war
eine sehr begrenzte Menge von Mehrzweckgerät nie in irgendeiner Weise mit den 500 Millionen Dollar
amerikanischen Ursprungs vorgefunden", so Boucher. an Kreditbürgschaften befaßt, die von der Bush"Aber weder die Menge noch der Charakter dieser Administration tatsächlich für den Ankauf amerikaniGegenstände deuten darauf hin, daß amerikanische scher Agrarprodukte durch den Irak genehmigt wurGüter einen bedeutsamen Beitrag zu den Rüstungs- den.
programmen des Irak geleistet haben."
Drittens, die Exportkontrollpolitik der amerikanischen
In dieser Hinsicht führte erdas irakische Programm zur Regierung gegenüber dem Irak war schärfer als die
Herstellung von Kernwaffen an, dessen Kosten auf bis jedes anderen Industriestaates - und sie funktionierte.
zu 10 Milliarden Dollar geschätzt wurden. Der Wert Während der Operation Wüstensturm stießen die
von Gütern amerikanischer Herkunft, die von den Koalitionsstreitkräfte auf dem Schlachtfeld auf keinerUNO-Inspektoren in dem irakischen Kernwaffenpro- lei von den Vereinigten Staaten gelieferte Waffen oder
gramm entdeckt wurden, betrage hingegen weniger irgendwelche anderen amerikanischen Exporte. Die
über 40 seit dem Golfkrieg von der Internationalen
als 15 Millionen Dollar.
Atomenergie-Organisation und der UNO-SonderkomObwohl der Irak einige Güter legal durch von den USA mission im Irak durchgeführten Inspektionen haben
genehmigte Exportlizenzen beschaffte, "erwarb er eine darüber hinaus überzeugend bewiesen, daß amerikaMenge Material von anderen Personen, und er erwarb nische Technologie keinen bedeutsamen Beitrag zu
einige Waren illegal", erklärte Boucher.
den militärischen Fähigkeiten des Irak geleistet hat.
Er bekräftigte die Erkenntnisse der UN-Inspektionen,
wonach die Waren, die der Irak - legal oder illegal - aus
den Vereinigten Staaten bezogen hat, keinen großen
Einfluß auf seine militärischen Fähigkeiten gehabt
hätten.
"Die Inspektoren waren dort draußen. Sie haben ein
wenig amerikanische Ausrüstung gefunden, darunter
einiges unwichtige Material, für das eine Lizenz erteilt
worden war sowie Dinge, die Saddam illegal beschafft
hatte. Das Material ist vorhanden, aber es hat keinen
großen Einfluß gehabt", erklärte er. "Es gibt keine
Beweise dafür, daß auf dem Schlachtfeld entdecktes
Material amerikanische Technologie war - illegal, legal
oder was auch immer - oder amerikanische Waffen",
so Boucher. "Die Vorstellung, daß wir ihm Waffen
geliefert haben, ist eindeutig unzutreffend."

viertes, bei d?r amerikanischen Politik gegenüber
dem Irak gab «s weder Geheimnisse noch Verschleierungen. Unser Ziel bestand schlicht darin, durch eine
Mischung aus begrenzten Anreizen und starker Abschreckung ein gemäßigtes Verhalten des Irak anzustreben.
Schließlich, die Beschuldigung einer Vertuschung durch
die amerikanische Regierung entbehrt jeder Grundlage. Wir haben dem Kongreß buchstäblich Tausende
von Dokumenten auf Kosten von Zehntausenden von
Arbeitsstunden und Hunderttausenden Dollar zur
Verfügung gestellt. Die Administration hat dem Kongreß den Zugang zu keinem einzigen Dokument in
Zusammenhang mit der amerikanischen Politik gegenüber dem Irak verweigert.

Dies sind die schlichten Tatsachen zur amerikaniDer Brief des amtierenden Außenministers, Lawrence schen Politik gegenüber dem Irak vor dem Golfkrieg.
Eagleburger, an die New York Times zum selben Unabhängig von den Einwänden, die die New York
Thema hat folgenden Wortlaut:
Times gegen diese Politik vorbringen mag, sind Sie es
Ihren Lesern schuldig, die Fakten korrekt darzustellen.
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«9 2
28. Oktober 1992

DIE VERTEILUNG DER WAHLMÄNNERSTIMMEN
NACH BUNDESSTAATEN
Neue Verteilung bei gleicher Anzahl
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Liste der Gesamtzahl von Wahlmännerstimmen,
die jedem Bundesstaat und dem District of Columbia bei der Wahl des Präsidenten und des Vizepräsidenten der
Vereinigten Staaten zufallen.
Das Gewicht eines Bundesstaates im Wahlmännergremium entspricht seiner Vertretung im Kongreß - seinem
proportionalen Anteil an der Zahl der Mitglieder im Repräsentantenhaus plus zwei, um der für jeden Bundesstaat
gleichen Zahl der Senatoren gerecht zu werden.
Diese tabellarische Darstellung, in der die Neueinteilung zum Ausdruck kommt, wie sie bei der letzten der alle
zehn Jahre durchgeführten Volkszählungen im Jahr 1990 festgelegt wurde, ist zum ersten Mal am 3. November
1992 gültig.
Die Gesamtzahl der Stimmen im Wahlkollegium liegt jedoch unabhängig von demographischen Veränderungen
immer bei 538 - für die 535 Mitglieder des Kongresses plus drei für den District of Columbia, der keinen
Bundesstaat sondern eher eine Bundesenklave darstellt. Für den Sieg im Wahlkollegium ist eine einfache
Mehrheit von 270 Stimmen erforderlich.
Alabama

9

Kansas

6

Alaska

3

Kentucky

8

Arizona

8

Louisiana

9

Arkansas

6

Maine

4

Kalifornien

54

Maryland

10

Colorado

8

Massachusetts

12

Connecticut

8

Michigan

18

Delaware

3

Minnesota

10

District of Columbia

3

Mississippi

7

Florida

25

Missouri

11

Georgia

13

Montana

3

Hawaii

4

Nebraska

5

Idaho

4

Nevada

4

Illinois

22

New Hampshire

4

Indiana

12

New Jersey

15

7

New Mexico

5

Iowa
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�New York

33

Tennessee

11

North Carolina

14

Texas

32

North Dakota

3

Utah

5

21

Vermont

3

Oklahoma

8

Virginia

13

Oregon

7

Washington

11

Pennsylvania

23

West Virginia

5

Rhode Island

4

Wisconsin

11

South Carolina

8

Wyoming

3

South Dakota

3

Ohio

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'92
28. Oktober 1992

PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATEN VERTRETEN
ÄHNLICHE ANSICHTEN ZU VERTEIDIGUNGSPOLITIK
Sprecher verweisen auf wenige bedeutende Unterschiede
WASHINGTON - (AD) - Bei der von den Präsidentschaftskandidaten der drei großen Parteien vertretenen Haftung zur Zukunft der amerikanischen Verteidigungsstrategie bestehen mehr Gemeinsamkeiten als
Unterschiede.

Der Umfang der Streitkräfte muß sich an den möglichen Bedrohungen orientieren, erklärte Bingaman.
Das Verteidigungsministerium könne nicht als Behörde geführt werden, deren einzige Aufgabe die Verteilung von Arbeitsplätzen ist.

Im Zeitalter nach dem Kalten Krieg betonen sowohl die
republikanischen als auch die demokratischen Kandidaten die Notwendigkeit einer anhaltenden technologischen Überlegenheit der Vereinigten Staaten, der
Beibehaltung hochqualifizierten Militärpersonals und
einerstarken Rüstungsindustrie. Beide Seiten fordern
die Aufrechterhaltung einer starken Verteidigung und
scheinen sich über die wahrscheinlich zu erwartenden
künftigen Bedrohungen einig zu sein. In der Frage
jedoch , wie man sich darauf am besten vorbereiten
sollte, gehen ihre Meinungen auseinander.

Bingaman, der Vorsitzender des Senatsunterausschusses für Rüstungsindustrie und militärische Technologie ist, verteidigte den Plan seines Kandidaten, ab
1996 nur noch 100.000 Soldaten in Europa zu stationieren. Die Bush-Administration geht davon aus,
150.000 seien eine angemessene Zahl. Der Senator
verwies darauf, es werde schwierig sein, einen hohen
Truppenbestand in Europa auf unbegrenzte Sicht
politisch zu rechtfertigen.

Der ehemalige Direktor des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung unter der Regierung Reagan,
Präsident Bush und Gouverneur Clinton möchten in Ken Adelman, erklärte der ADPA, Clinton wolle die
den kommenden Jahren über kleinere Streitkräfte und amerikanischen Truppen in Europa reduzieren, um
Militärhaushalte verfügen, wenn auch in unterschied- damit Einsparungen zugunsten anderer von dem
Gouverneur befürworteter großer innenpolitischer
lichem Ausmaß.
Ausgabenprogramme zu identifizieren. Adelman verDer Plan der Demokraten sieht im Zeitraum von 1993 wies jedoch darauf, es sei billiger, Truppen im Ausland
bis 1997 Einsparungen von 60 Milliarden Dollar zu- zu stationieren als im Inland. Darüber hinaus erläutersätzlich zu den von den Republikanern angekündigten te er, es werde kostspieliger sein, in Zukunft Truppen
Kürzungen vor. Das Pentagon hat für den gleichen von den Vereinigten Staaten zu Krisenherden - etwa
Zeitraum bereits geplante Einsparungen von 63,8 im Nahen Osten - zu verlegen als dies von Europa aus
Milliarden Dollar bekanntgegeben. Die Demokraten zu tun.
wollen die weitere Senkung durch die zusätzliche
Auf die Frage zur Truppenstärke im Pazifikraum deuDemobilisierung von 200.000 Soldaten erreichen.
tete Bingaman an, unter einer Clinton-Administration
Senator Jeff Bingaman, der Clinton bei einer Zusam- werde es "gewisse Verringerungen" geben. Der
menkunft des Ortsvereins Washington der American Gouverneur wolle jedoch die heutige Zahl amerikaniDefense Preparedness Association (ADPA) am 21. scher Truppen in Südkorea beibehalten, bis die SpanOktober 1992 vertrat, stellte fest, der demokratische nungen auf der koreanischen Halbinsel abgebaut seiKandidat schlage "keine einseitige Abrüstung vor". en.
Obwohl in Zukunft weniger amerikanische Truppen in
Übersee stationiert würden, werde die von Clinton Adelman, der zur Zeit Vizepräsident des Institute for
beabsichtigte Beibehaltung von 1,4 Millionen aktiven Contemporary Studies in Washington ist, erklärte, es
Soldaten die Vereinigten Staaten als "bei weitem fähig- gebe "einen grundlegenden Unterschied" zwischen
ste Militärmacht der Welt" erhalten. (Dem Bush-Plan den Kandidaten im Hinblick auf die Zukunft der Stratezufolge würden im Jahr 1993 schätzungsweise 1,7 gischen Verteidigungsinitiative (SDI). Unter Hinweis
darauf, daß Clintons Programm von weltraumgestützMillionen aktive Soldaten beibehalten.)
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Seite 1

�ten Verteidigungssystemen wie "Brilliant Pebbles"
abgerückt sei, stellte Adelman fest, die Bush-Administration befürworte die Entwicklung land- und weltraumgestützter Systeme, weil die Hauptbedrohung für
die Vereinigten Staaten von ballistischen Raketen
ausgehe. Darüber hinaus verlieh er seiner Besorgnis
Ausdruck, Länder der Dritten Welt könnten "Waffen
der Ersten Welt" erlangen.

Zum Thema Lastenteilung erklärte Bingaman, die im
Kalten Krieg an einigen amerikanischen Verbündeten
geäußerte Kritik wegen unzureichender Beiträge sei
"eine legitime Klage" gewesen. Heute, so Bingaman,
ist es "unsererseits nicht länger produktiv, sie zu
drängen, mehr zu tun". Statt dessen wäre es dem
Senator zufolge wichtiger, die amerikanischen militärischen Fähigkeiten "besser mit den Realitäten der Welt
in Einklang zu bringen". Die Vereinigten Staaten
Bingaman stellte fest, die Clinton/Gore-Kampagne trügen "einen zu großen Teil der Lasten, aber das ist
unterstütze zwar gefechtsfeldgebundene Raketenab- unser eigener Fehler... Wir müssen diesen Anteil
wehrprogramme wie Patriot und Arrow, lehne jedoch - senken."
wie beide Kandidaten bereits seit 1983 betonten - die
Verschwendung von "Milliarden und Abermilliarden Vertreter der Bush-Administration haben die amerikaDollar" für nichtfunktionierende oder nicht besonders nischen Verbündeten wiederholt beim Thema Lastenwirtschaftliche exotische SDI-Programme ab. Er teilung verteidigt. Adelman erklärte lediglich, die Verappellierte für Realismus bei der Einschätzung der bündeten sollten "Sicherheitsfragen mit mehr VerantZukunft von SDI und verwies auf landgestützte Syste- wortungsbewußtsein handhaben" und verwies auf die
me, die am vielversprechendsten seien.
Fehlschläge im Hinblick auf das ehemalige Jugoslawien.
Adelman erklärte, das Ziel solle es sein zu versuchen,
die SDI-Forschungsarbe'rten so rasch wie möglich In bezug auf die konventionellen Streitkräfte stellte
abzuschließen, um ein System herzustellen, das im Bingaman fest, eine Clinton-Administration werde die
größtmöglichen Ausmaß Schutz vor künftigen Verringerung der Flugzeugträgergruppen von 12 auf
Raketenangriffen bieie.
10 vorschlagen (die Republikaner verringern die Zahl
von 14 auf 12). 10 seien ausreichend, um auf "regioZum Thema der Waffenverkäufe und Exporte ameri- nale Krisen" zu reagieren.
kanischer Technologie meinte Adelman, Rüstungsexporte seien erforderlich, um die rüstungsindustrielle Die Bush-Administration hat festgestellt, aufgrund des
Basis zu erhalten und Arbeitsplätze zu sichern. Das Fehlens der sowjetischen Bedrohung werde das
Bush/Quayle-Lager unterstütze dieses Konzept, so- Angriffsunterseeboot Seawolf nicht mehr benötigt,
lange die Technologie "für die schlechten Burschen während Clinton das Programm befürwortet. Bingaaußer Reichweite" bleibt. Der Empfänger des Sy- man zufolge untermauert Clintons Entscheidung desstems ist wichtiger, stellte er fest, als die eigentlichen sen Verpflichtung zur Bewahrung der industriellen
Fähigkeiten des Systems.
Basis. Adelman kritisierte dies als "Bevorzugung"
bestimmter Gemeinden, die auf die Produktion der
Bingaman zufolge unterstützt Clinton "aggressivere Seawolf angewiesen sind und erklärte, wenn die EntBemühungen" zur Förderung aller Arten von Industrie' Verringerung der Verteidigungsausgaexporten, einschließlich von Rüstungsgütern.
ben gefaiien sei, könnten Programme ohne echten
Zweck nicht fortgesetzt werden.
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�WAHLEN

'92
28. Oktober 1992

SCHARFE UNTERSCHIEDE ZWISCHEN CLINTON
UND BUSH BEI UMWELTPOLITIK
Engagierte Umweltschützer unterstützen Clinton
WASHINGTON - (AD) - George Bush schien im
Wahlkampf 1988 eine ganz eindeutige Position zu
vertreten, als er versprach, er werde der "Umweltpräsident" sein. Innerhalb weniger Monate nach Amtsantritt schlug er dann ein durchgreifendes Gesetz zur
Reinhaltung der Luft vor.

um 50 Prozent, Smog um 40 Prozent und Emissionen
toxischer Schadstoffe um 75 Prozent reduzieren würde. Nach harten Verhandlungen wurde es ein Jahr
später vom Kongreß gebilligt. Das heißt, der Präsident
erreichte ein Gesetz, das Umwehschützer 10 Jahre
lang gefordert hatten.

Umweltschützer begrüßten das Versprechen und den
Vorschlag, beklagen aber seither, der Präsident habe
mehr Schaden angerichtet als Gutes getan. Der Sierra
Club, eine der größten Umweltorganisationen in den
Vereinigten Staaten, ist nur eine der Gruppen, die
Bushs Gegner im Jahr 1992, den seit 12 Jahre amtierenden Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, unterstützt haben.

Bald darauf wurden die Haushalte des Bundesamts für
Umweltschutz (EPA) aufgestockt, ein 10jähriges
Moratorium der Öl-und Erdgasexploration vor weiten
Teilen der Atlantik- und Pazifikküste sowie freiwillige
Programme eingeführt, um Unternehmen in Bemühungen zur Senkung des Energieverbrauchs und toxischer Emissionen einzubinden.

Clinton selbst erklärt, seine Sorge um den Zustand der
Erde werde am besten durch seine Wahl von Albert
Gore Jr. als Vizepräsidentschaftskandidat unterstrichen. Gore ist einerderführenden Umweltschützer im
US-Senat.
Präsident Bush und insbesondere Vizepräsident Quayle
haben Clinton wegen dessen auch von seinen Anhängern eingeräumten dürftigen Umweltbilanz als Gouverneur angegriffen. Im Fall von Gore behauptet die
Wahlpropaganda von Bush, die Positionen, die dieser
im Senat und in einem von ihm verfaßten Buch vertreten habe, seien so extrem, daß sie viele Arbeitsplätze
kosten würden, falls sie Gesetzeskraft erlangten.
Der unabhängige Kandidat Ross Perot, ein wohlhabender Geschäftsmann, und dessen Vizepräsidentschaftskandidat, der Admiral a.D. James Stockdale,
haben über ihr umweltpolitisches Programm wenig
gesprochen. In einem von Perot geschriebenen Buch
über seine Wahlkampfvorschläge betont dieser Anreize für die Industrie zur Verringerung der Schadstoffbelastung sowie Investitionen im rasant wachsenden
Bereich der Umwelttechnologie.
Innerhalb von fünf Monaten nach seinem Amtsantritt
im Januar 1989 legte Bush dem Kongreß ein Gesetz
vor, das innerhalb von 10 Jahren den sauren Regen

AMERIKA DIENST 43

Auf internationaler Ebene beschleunigte Bush die
Beendigung des Einsatzes von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), die die den Menschen vor Hautkrebs schützende Ozonschicht abbauen, schlug einen
Waldschutzvertrag vor und führte Bemühungen an,
um die in großem Stil betriebene Treibnetzfischerei
und den Handel mit Elfenbein von afrikanischen Elefanten zu verbieten.
Zu Beginn des Jahres 1991 setzte sich Bush jedoch für
die Erschließung der allgemein vermuteten erheblichen ö l - und Gasvorkommen in einem WikJschutzgebiet am Polarmeer in Alaska ein. Er teilte dem Kongreß
mit, die Bohrungen würden die Umwelt nicht schädigen, wohingegen Umweltschützer und ihre Verbündeten im Kongreß seinen Plan erbittert bekämpften und
seine Streichung aus dem vorgesehenen Energiegesetz erwirkten. Der Preis, den sie dafür zahlten, war
die Ausklammerung einer anderen, von Bush abgelehnten Maßnahme, die den Automobilherstellern
schärfere Grenzwerte für den Energieverbrauch der
von ihnen hergestellten Fahrzeuge vorgeschrieben
hätte.
Die Frage, ob man die Hersteller zwingen sollte, verbrauchsgünstigere Automobile zu produzieren, war
eines der wenige Umweltthemen, die von den Kandidaten oder ihren Fragestellern in den vier Fernsehdebatten des Jahres 1992 zur Sprache gebracht wurden.

Seite 1

�Bush behauptete, die amerikanische Automobilindustrie würde schwer angeschlagen, wenn sie versuchen
müßte, schärfere Grenzwerte für den Treibstoffverbrauch von Automobilen einzuhalten. Clinton wiederholte seinen Standpunkt, daß die amerikanischen
Hersteller schärfere Normen erfüllen und damit einen
Wettbewerbsvorteil erringen könnten. Er ließ sich
jedoch nicht darauf festlegen, wie scharf die neuen
Grenzwerte sein sollten.
Während der erbittert geführten Debatte des Jahres
1991 über die Erschließung von Bodenschätzen in
Alaska und die Verbrauchsnormen schwächte sich die
Konjunktur infolge der 1990 begonnenen Rezession
weiter ab, und Präsident Bush begann, die Notwendigkeit zur Erhaltung von Arbeitsplätzen und Hilfe für
Unternehmen zu betonen, die durch einen Abbau
belastender staatlicher Vorschriften erreicht werde.
Bald darauf begann ein Ausschu ß des Wei ßen Hauses
unter dem Vorsitz von Vizepräsident Quayle die vom
EPA vorgeschlagenen Vorschriften unter die Lupe zu
nehmen. Ein Ergebnis war die Änderung einer vom
EPA vorgelegten Verfügung, um es den Industrien zu
gestatten, "geringfügige" Steigerungen umweltbelastender Emissionen ohne staatliche Genehmigung
oder öffentliche Anhörungen vorzunehmen.

Bush wandte sich erfolgreich gegen die vertragliche
Festlegung rechtlich verbindlicher Verpflichtungen zur
Stabilisierung des wichtigsten Treibhausgases, des
Kohlendioxids, auf dem Niveau von 1990 bis zum Jahr
2000. Als einziger Industriestaat vertraten die Vereinigten Staaten die Ansicht, es sei voreilig, die in einer
Volkswirtschaft erforderlichen einschneidenden Veränderungen zur Stabilisierung von Kohlendioxidemissionen vorzunehmen, weil die Wissenschaftler noch
nicht sicher seien, wie stark die Erwärmung in verschiedenen Regionen ausfallen wird.
Gore stimmte mit amerikanischen Umweltschützem
und europäischen Regierungen überein, die der Meinung waren, daß Volkswirtschaften durch Stabilisierungsmaßnahmen nicht geschädigt würden und daß
die Stabilisierung eine gewisse Sicherheit vor den
Auswirkungen möglicher Klimaveränderungen gewährleisten werde. Seine Position ist heute fester Bestandteil von Clintons Programm.

In einer kürzlich veranstalteten Debatte von Anhängern der verschiedenen Kandidaten erklärte Michael
Deland, Vorsitzender des Rats für Umweltqualität des
Präsidenten, der Ausschuß des Weißen Hauses zur
Überprüfung der von Bundesbehörden empfohlenen
Bestimmungen solle seine Arbeit fortsetzen. Er stelle
Als ein Bundesgericht ein Gesetz bestätigte, das den sicher, daß die jährlich von Staat und Wirtschaft zum
Holzeinschlag in einem unberührten Waldgebiet unter- Schutz der Umwelt ausgegebenen 130 Milliarden Dollar,
sagte, weil dadurch der Lebensraum einer gefährde- "was mehr ist, als die Ausgaben jedes anderen Lanten Eulenart zerstört würde, forderte Bush eine Ge- des", klug verwendet werden.
setzesänderung. Er bat darum, daß die wirtschaftlichen Auswirkungen des Schutzes bedrohter Arten bei Die Anwältin Cathleen Stone, die das Clinton-Team
jeder Maßnahme zu deren Rettung einbezogen wer- vertritt, stellte fest, dies sei ein wichtiger Unterschied
zwischen den beiden Lagern. Der Ausschuß habe der
den sollten.
Großindustrie dabei geholfen, rechtliche BestimmunBei Beginn des Wahlkampfs 1992 gab es unter gen zur Verringerung der Umweltverschmutzung zu
Umweltschützern wenig Unterstützung für die Bush- VÖI meiden, "bubl. hat eine Bilanz der Versäumnisse
Administration.
bei der Verwirklichung geltender Rechtsnormen vorzuweisen", erklärte sie vor einem Publikum von RechtsAls Gouverneur Clinton seinen Wahlkampf startete, anwälten.
verwiesen Umweltschützer und seine Gegner bei den
Vorwahlen der Demokratischen Partei darauf, daß er Deland konzentrierte sich auf eine Punkt-für-Punktals Gouverneur von Arkansas bisweilen Wirtschaftsin- Verteidigung der Umweltbilanz Bushs und versicherte,
teressen nachgegeben habe. Das schlagendste Bei- Umweltschutz werde auch in einer neuen Administraspiel ist die Erlaubnis, Abfälle aus der Hühnerzucht in tion hohe Priorität genießen. "Kein Präsident seit Teddy
Flüsse seines Bundesstaates einzuleiten.
Roosevelt hat so viel für den Schutz der Umwelt
getan", erklärte er. Roosevelt war zu Beginn des
Er und seine Anhänger erkennen an, daß dies ein Jahrhunderts Präsident und förderte die Einrichtung
Fehler war und erklären, das Problem werde positiv von Nationalparks, Naturschutz und Forschungsvorgelöst. Was ihn bei Umweltschützern jedoch am haben.
beliebtesten machte, war die Wahl Gores als Vizepräsidentschaftskandidat.
Stone versprach, eine Clinton-Gore-Administration
werden ein Spektrum von Reformen durchführen,
Gore ist seit langem ein hartnäckiger und scharfer darunter Anreize für die Industrie zur Verringerung der
Kritiker von Bushs Umweltpolitik. Dies traf insbeson- Abfallproduktion und Förderung des Recycling, ein
dere während der von großer öffentlicher Aufmerk- schärferes Gesetz zur Wasserreinhaltung, Bewahsamkeit begleiteten internationalen Verhandlungen zu, rung größerer Feuchtgebiete und verstärkte Nutzung
die Mitte 1992 mit einem Vertrag zur Kontrolle von von Erdgas in Fahrzeugen, um die Emissionen von
Treibhausgasen ihren Höhepunkt erreichten, die das Treibhausgasen einzudämmen.
Erdklima erwärmen und große klimatische Veränderungen hervorbringen könnten.
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�Perot fordert in seinem Buch die Einstellung von
Subventionen für umweltschädigende Maßnahmen in
der Bergbau- und Holzindustrie, den Einsatz von An-

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reizen anstatt Vorschriften zur Erlangung von Umweltzielen sowie Hilfen für andere Länder zur Stabilisierung des Bevölkerungswachstums und zum Abbau
der Armut.
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28. Oktober 1992

WACHSENDES INTERESSE DER WÄHLER IN USA,
ZUNEHMENDE REGISTRIERUNG VERZEICHNET
Rezession, ungewisser Wahlausgang als Hauptfaktoren
WASHINGTON - (AD) - In der Endphase des Wahlkampfes 1992 erschüttert die amerikanische Öffentlichkeit die gängige Vorstellung vom apathischen und
desinteressierten Bürger.
Anekdotenhaftes Material und die zur Verfügung stehenden ersten statistischen Daten enthalten eine gemeinsame Aussage: Eine wachsende Zahl von
Amerikanern interessiert sich für den Wahlprozeß und
hat sich entschieden, selbst dabei mitzuwirken.
Dieser Schluß läßt sich aus der großen Zahl von
Menschen ziehen, die die jüngste Serie von Femsehdebatten der drei Hauptkandidaten für das Präsidentenamt mitverfolgten ebenso wie aus der steigenden
Registrierung von Wählern im ganzen Land vorder am
3. November stattfindende Wahl.
Beobachter betrachten diesen offenkundigen sprunghaften Anstieg der Wählerbeteiligung als Reaktion auf
die schweren wirtschaftlichen Zeiten im Verein mit
einem sehr offenen Rennen um die Präsidentschaft,
das der einzelnen Wählerstimme mehr Bedeutung
verleiht. Darüber hinaus habe das Auftreten eines
dynamischen unabhängigen Kandidaten, Ross Perot,
dazu beigetragen, das Interesse der Öffentlichkeit zu
wecken.
Die Registrierung von Wählern hat dem Komitee zur
Untersuchung der amerikanischen Wählerschaft
(Committee for the Study of the American Electorate)
zufolge, einer überparteilichen Forschungsgruppe, die
statistische Daten sammelt und auswertet, dieses
Jahr in 9 von den 10 Verwaltungsbezirken zugenommen, die als erste ihre offiziellen Gesamtzahlen bekanntgaben. (Da jeder Bundesstaat sein eigene Verfahren und Zeitpläne fürdie Registrierung festlegt, sind
umfassendere landesweite Ergebnisse noch nicht verfügbar.)
Die Gruppe berichtete, daß zumindest in drei dieser
Verwaltungsbezirke - den Bundesstaaten Louisiana
und North Carolina sowie dem District of Columbia - bei
der Registrierung Rekordmarken erreicht wurden. Ein

AMERIKA DIENST 43

neuer Höchststand könnte auch im Staat Mississippi
erzielt worden sein, obwohl die Nachlässigkeit bei der
Führung der in diesem Staat erstellten Wählerverzeichnisse einen Vergleich mit früheren Jahren erschweren mag.
Nur in Alaska ging die Registrierung zurück.
Der Analyse zufolge stieg die Registrierung in den 10
erfaßten Verwaltungsbezirken 1992 auf 70,85 Prozent
der Bevölkerung im Wahlalter, gegenüber 69,0 Prozent im Jahr 1988. Damit wurde der höchste Stand seit
den 72,98 Prozent registrierter Wähler im Jahr 1964
erzielt.
Der Direktor der Forschungsgruppe, Curtis Gans, gibt
an, die ersten Resultate veranlaßten ihn zu der Überzeugung, daß in vielen Staaten ein weiterer Zuwachs
zu erwarten sei, der jedoch relativ bescheiden ausfallen und keine neuen nationalen Rekordmarken erreichen werde.
Gans führt den diesjährigen Zuwachs auf drei klar
definierbare Gründe zurück: die Rezession, die Einführung von Verfahren in zahlreichen Bundesstaaten,
die eine Registrierung durch die Verbindung mit der
Beantragung eines Führerscheins erleichtern sowie
"wahrscheinlich aber nicht sicher die Registrierung
vordem nicht eingetragener Perot-Anhänger, die sich
registrieren lassen mußten, um Petitionen zu unterschreiben", mit denen ihr Kandidat auf die Stimmzettel
der Bundesstaaten gelangte.
"Die Rezession ist einer der Faktoren, die die Leute
veranlassen - entweder aus Angst oder aus Verärgerung - zu den Wahlurnen zu gehen. Dieses Jahr
scheint es von beidem etwas zu sein", erklärt Gans.
Der letzte Anstieg der Wahlbeteiligung wurde 1982
verzeichnet, als es ebenfalls eine Rezession gab.
Gans zufolge wird der sprunghafte Anstieg in der
Wählerregistrierung am 3. November eine höhere
Wahlbeteiligung nach sich ziehen. Das könnte jedoch
ausbleiben, "wenn die republikanischen Angriffe auf

Seite 1

�Gouverneur Clinton andauern und seine Negativeinschätzungen so hochtreiben, daß den Menschen nur
eine unattraktive Auswahl bleibt", warnt er.

ten, dann hoffen sie, mit dem Urnengang ihr Leben
verändern zu können."

Die Rolle der Konjunkturschwäche für den Anstieg der
Wahlbeteiligung wird auch von dem Kolumnisten Charles
Krauthammer angeführt. In einem von der Washington Post am 23. Oktober veröffentlichten Beitrag
erklärt Krauthammer, eine hohe Wahlbeteiligung am
3. November "wird nur schwerlich als ein plötzlicher
Anstieg staatsbürgerlichen Bewußtseins oder eine
jähe Erneuerung des Vertrauens in den demokratischen Prozeß erklärt werden können."

Über 100 Millionen Zuschauer schalteten ihr Fernsehgerät zumindest bei einer dieser Debatten ein, wie
ABC Research herausfand. Tatsächlich deutet eine
Untersuchung der von allen Fernsehsendern gelieferten Zahlen darauf hin, daß allein bis zu 96 Millionen
Zuschauer die letzte Debatte der Präsidentschaftskandidaten mitverfolgten.

Welche Gründe sie auch haben mag, die Tatsache der
Ein weiterer Veteran unter den Wahlbeobachtern, stärkeren Registrierung ist unbestreitbar. "Praktisch
William Kimberling, betrachtet die Gründe für die dies- überall erklären die Beamten, mit denen wir gesprojährige Zunahme in der Registrierung unter ähnlichen chen haben, sie scheine hoch zu sein", erklärt KimberGesichtspunkten.
ling. Darüber hinaus habe es eine starke Nachfrage
nach Briefwahlunterlagen gegeben, wobei in einigen
Kimberling, der stellvertretender Leiter des Büros für Gegenden den Verwaltungen sogar die Formulare
die Durchführung von Wahlen der amerikanischen ausgegangen seien.
Bundeswahlkommission ist, stimmt der Ansicht zu, der
Hauptauslöser sei die Tatsache, daß "es der Wirt- Die beiden großen Parteien haben ebenso wie verschaft schlecht geht und sich die Menschen persönlich schiedene ethnische Gruppen im ganzen Land große
davon betroffen fühlen. Es gibt kein wichtigeres Pro- Erfolge mit ihren Kampagnen zur Wählerregistrierung.
blem als die Bedrohung des eigenen Geldbeutels."
In einem Bundesstaat, Texas, könnte die WahlbeteiliDies werde noch durch die Tatsache ergänzt, daß die gung überdies durch ein Verfahren gesteigert werden,
Wahl "dieses Mal wirklich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ist demzufolge registrierte Wähler ihre Stimme bis zu 20
- ein Rennen, bei dem die einzelne Wählerstimme Tage vor dem eigentlichen Wahltag in Wahllokalen
wirklich einen U nterschied bewirken kann". Kimberling abgeben können, die über jeden Landkreis verteilt
zufolge hat darüber hinaus "der Eintritt Perots... einige sind.
Leute angeregt, die sonst von den beiden großen
Daß das Interesse hoch ist, kommt auch in der großen
Parteien abgeschreckt würden".
Zahl von Zuschauern zum Ausdruck, die die in einem
Wie Gans erwartet auch Kimberling nach 20 Jahren Zeitraum von neun Tagen im Oktober ausgestrahlten
des Rückgangs, der im Jahr 1988 zu einem Tiefstand drei Fernsehdebatten der Präsidentschaftskandidaten
von lediglich 50,15 Prozent der wahlfähigen Bevölke- sowie eine Debatte der Vizepräsidentschaftskandidarung führte, dieses Jahr eine höhere Wahlbeteiligung. ten am Bjldschirm verfolgten.

Diese fahlen steiior. im Vergleich zu den 73 Millionen
Zuschauern, die im Jahr 1988 die erste Debatte zwiSie wird wesentlich leichter als Funktion der Unzufrie- schen dem damaligen Vizepräsidenten Bush und seidenheit zu erklären sein", so Krauthammer. "Wenn nem demokratischen Herausforderer, Gouverneur
sich die Dinge negativ entwickeln, wenn die Menschen Michael Dukakis, erlebten.
arbeitslos sind oder sich vor der Arbeitslosigkeit fürch-

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�WAHLEN

'92
28. Oktober 1992

MEDIEN WICHTIGER FAKTOR
BEI PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLEN
Aktuelle Berichte und Anzeigen als wichtigste Elemente
WASHINGTON - (AD) - Die Berichterstattung der
Massenmedien über die amerikanische Präsidentschaftswahl umfaßt zwei besonders wichtige Elemente - aktuelle Nachrichten und bezahlte Anzeigen.
Gemeinsam machen sie die Medien zu einem bedeutenden - und einflußreichen - Faktor im Wahlprozeß.
Die Medien - Zeitungen, Illustrierte, Fernsehen und
Rundfunk - zählen auf die Wahlkampagnen, um Nachrichten und Einnahmen zu erzielen. Die Kandidaten
wiederum zählen auf die Medien, um die größtmögliche Zahl von Wählern zu erreichen.
Die meisten Amerikaner beziehen ihre Informationen
über Politik und aktuelle Fragen aus den Medien, und
das Fernsehen ist die dominierende Kraft. Über
Wahlkampfereignisse wird in den Abendnachrichten
berichtet, und die Kandidaten treten nicht nur in Interviews der Nachrichtenprogramme auf, sondern auch
im Rahmen von tagsüber ausgestrahlten Talkshows.
Debatten und Parteikonventen wird viel Sendezeit
eingeräumt. Und das betrifft lediglich die nationale
Ebene.
Auf Bundesstaats- und Gemeindeebene räumt ein
Kandidat bei jedem Aufenthalt während einer Wahlkampfreise Zeit für ein Exklusivinterview mit Journalisten in der betreffenden Region ein. Die Kandidaten
haben im Lauf der Jahre erkannt, daß die nationalen
Medien, die stets auf der Suche nach schlagzeilenträchtigen Berichten sind, häufig dazu neigen, sich auf
die kontroversen Aspekte des Wahlkampfs zu konzentrieren, während die Berichterstattung auf lokaler Ebene
oft positiver ist.

sorgfältig inszenierte Medienereignisse an solch photogenen Orten wie Fahnenfabriken oder nationalen
Denkmälern veranstalten, mit Ballons und Transparenten im Hintergrund. Dabei geben sie sogenannte
"sound bites" ab - kurze, sorgfältig formulierte Sätze,
die in der Nachrichtensendung einen bleibenden Eindruck hinterlassen sollen.
Im Jahr 1992 gab es einen dramatischen Anstieg bei
den tagsüber ausgestrahlten Talkshows als politischem
Forum, was hauptsächlich auf die Bereitschaft der
Kandidaten zurückzuführen ist, Einladungen zu Interviews von den Moderatoren dieser Programme anzunehmen. Der unabhängige Kandidat Ross Perot leitete dieses Phänomen im Februar ein, als er während
eines Auftritts in der CNN-Talkshow Larry King Live, an
der sich Zuschauer mit Telefonanrufen beteiligen können,
die Bedingungen erläuterte, unter denen er eine Präsidentschaftskandidatur erwägen würde.
Solche Shows sind für Fernsehzuschauer, Rundfunkhörer und das Studiopublikum ein Mittel, um mehr von
den Kandidaten zu sehen als die von den Sendern
ausgestrahlten Kurzstatements gestatten. Durch das
direkte Gespräch mit den Kandidaten haben die Wähler
darüber hinaus eine Möglichkeit, ihre eigene Meinung
auszudrücken.
Die Präsidentschaftskandidaten sind vielleicht die
wichtigsten Medienereignisse in einem Wahlkampf,
weil die Wähler erleben können, wie die Kandidaten
unter Stress reagieren und danach zahlreiche Artikel
mit Analysen der Debatten erscheinen.

Die Zeitungen räumen dem Wahlkampf jedoch im
allgemeinen
mehr Platz ein als das Fernsehen, weil sie
Die Medien "neigen dazu, sich auf negative Aspekte zu
nicht
unter
den
gleichen zeitlichen und finanziellen
konzentrieren", erklärt der politische Analyst Norman
Beschränkungen
arbeiten wie letzteres. Die ZeitunOrnstein vom American Enterprise Institute, "um am
gen
können
außerdem
eine tiefgreifendere Berichterschärfsten die Amtsinhaber oderdie in Führung liegenstattung
bieten,
weil
sie
in der Lage sind, eine größere
den Kandidaten zu kritisieren und Skandale zu betoZahl
von
Reportern
für
den
Wahlkampf abzustellen.
nen".
Die Kandidaten versuchen dem entgegenzuwirken
und benutzen die Medien zu ihrem Vorteil, indem sie
AMERIKA DIENST 43

Die neue Computertechnik gibt den Zeitungen darüber
hinaus den Vorteil des von dem politischen Analysten

Seite 1

�Stephen Hess von der Brookings Institution so bezeichneten "Korrektivjournalismus". Anstatt an einem
Tag die Erklärung eines Kandidaten abzudrucken, am
nächsten Tag eine Gegendarstellung der Opposition
und am dritten Tag einen damit in Zusammenhang
stehenden Kommentar verleiht die Technik, indem sie
unmittelbaren Zugang zu Informationen bietet, den
Journalisten Hess zufolge heute die Fähigkeit, Behauptungen, Gegenbehauptungen, Hintergrundmaterial und Analysen in ein und demselben Artikel zu
liefern.

jedoch darauf, daß seit dem Abschluß der Vorwahlen
im Juni die negative Beurteilung des Präsidenten in
den Nachrichten im Verhältnis von 3:2 überwog, während
bei Clinton ein ausgewogeneres Verhältnis bestand.
Infolgedessen wurden die Demokraten in den Fernsehnachrichten dieses Jahr gegenüber den Republikanern tendenziell bevorzugt.

Eine weitere Forschungseinrichtung, das in New York
ansässige Freedom Forum Media Studies Center, hat
in seiner Bewertung der Berichterstattung über den
Präsidentschaftswahlkampf durch die Medien erklärt,
Hess verweist jedoch darauf, daß diese Veränderung ein Hauptkritikpunkt sei dieses Jahr die Betonung der
im Journalismus, obwohl sie Kandidaten zu schärferen "Charakterfrage" gewesen.
Erklärungen veranlassen und zur Informierung der
Wähler beitragen wird, bisher zu verstärkter Kritik an Gegen Clinton vorgebrachte Beschuldigungen der
den Medien wegen Voreingenommenheit und wach- Untreue, des Drogenmißbrauchs und der Drückebergerei haben die Frage aufgeworfen, welches Material
sendem Zynismus unter den Wählern geführt hat.
für die Medien zur Einschätzung eines Kandidaten
In einer Untersuchung von über 1.600 Wahlkampfbe- herangezogen werden sollte. Ein Querschnitt vom
richten, die in diesem Jahr bereits in den Abendnach- Freedom Forum Center befragter politischer Journalirichten der Fernsehsender ausgestrahlt wurden, kam sten erklärte, die Konzentration auf den Charakter
das Zentrum für Medien und öffentliche Angelegenhei- liefere den Wählern einen Maßstab, um die Integrität
ten (Centerfor Media and Public Affairs), eine überpar- und Führungskraft eines Kandidaten zu beurteilen.
teiliche Forschungseinrichtung in Washington, zu dem
Schluß, daß die politischen Positionen der Kandidaten Im Bereich der Werbung werden Millionen von Dollar
unter allen Wahlkampfaspekten die größte Aufmerk- an Spendengeldern der Kandidaten für Zeitungsanzeisamkeit erhielten und in über einem Drittel der Berichte gen und Fernseh- oder Rundfunkwerbung ausgegebesonders hervorgehoben wurden. Dies geschah ben, besonders für das Fernsehen. Diese Sendungen
nahezu doppelt so häufig wie im Präsidentschafts- reichen von den gegenwärtig von Bush und Clinton
eingesetzten 30-Sekunden-Spots, in denen der Chawahlkampf 1988.
rakter des Gegners in Frage gestellt wird - sogenannter
"Angriffswerbung"- bis zu den von Perot eingekaufDagegen war das am meisten behandelte Einzeltheten
30-Minutensendungen, um sein Wirtschaftsproma im Wahlkampf 1988 das sogenannte "Pferderengramm
anhand von Tabellen und Grafiken zu erläunen", nämlich an welcher Stelle die Kandidaten lagen
tern.
und welche Aussichten sie hatten. Dieses Thema
rangierte 1992 an vierter Stelle.
Negativ« Gpots cc^ecken viele Wähler ab, aber dem
Zwei andere Aspekte des Wahlkampfs - die Strategie Politikwissenschafiler William Rosenberg von der Drexel
und Kontroversen wie etwa Skandale und Fehlleistun- University zufolge sind "Negativspots nicht per definigen - erhielten etwa gleich viel Aufmerksamkeit wie vor tionem uninformativ. Sie können Informationen über
vier Jahren, stellte das Zentrum fest.
einen Gegenkandidaten enthalten, die man in einem
Wahlkampf vernünftigerweise weitergeben sollte."
Darüber hinaus wurde festgestellt, daß während der
Vorwahlen sowohl Präsident Bush als auch dem Und das ist es, was die Medien in einem Präsidentdemokratischen Kandidaten Bill Clinton in den Fern- schaftswahlkampf sowohl durch Reportagen als auch
sehnachrichten mehr negative Berichterstattung zuteil durch bezahlte Anzeigen zu tun versuchen - vernünfwurde als ihren Gegnern. Das Zentrum verweist tige Informationen weiterzugeben.
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�WAHLEN

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28. Oktober 1992

UNABHÄNGIGE KANDIDATEN UND PRÄSIDENTSCHAFTSBEWERBER VON DRITTPARTEIEN
von Robert E. Mutch
In dem nachfolgenden Beitrag untersucht der Verfasser die erfolgreicheren Bewerbungen amerikanischer
Präsidentschaftskandidaten seit dem frühen 19. Jahrhundert. Dagegen seien in diesem Jahrhundert unabhängige Kandidaten und Bewerber von Drittparteien für das Präsidentenamt "zunehmend politische Randfiguren"
gewesen.
Robert Mutch ist freiberuflicher Schriftsteller in Washington.
Seit George Washington im Jahr 1797 seine Amtszeit
beendete, waren die meisten Präsidentschaftswahlen
in den Vereinigten Staaten Wettbewerbe zwischen
zwei Kandidaten der beiden großen politischen Parteien. Zwar gab es bei jeder Wahl noch weitere Bewerber, aber diese konnten nurwenige Wähler für sich gewinnen. Wenn ein solcher Kandidat auch nur fünf
Prozent der Gesamtstimmen erhält, ist dies bereits ein
Zeichen der Unzufriedenheit mit den beiden großen
Parteien und häufig ein Vorbote politischen Wandels.
Die spektakuläre Kandidatur des texanischen Milliardärs Ross Perot im Jahr 1992 bietet einen guten Anlaß
für eine Rückschau auf relativ erfolgreiche Kandidaturen solcher Drittkandidaten.

drei Bewerbern auswählt, die die meisten Stimmen
erhalten haben. Nach längeren internen politischen
Auseinandersetzungen wählte das Repräsentantenhaus John Quincy Adams. General Andrew Jackson,
einer der Verlierer, war so verbittert, daß er und seine
Anhänger die nächsten vier Jahre damit verbrachten,
die Demokratische Partei zu organisieren, die ihm bei
der Wahl von 1828 zum Einzug ins Weiße Haus
verhalf. Damit schuf er die heute älteste Partei der
Welt. Die weniger gut organisierten Gegner des
Generals scharten sich um einen seiner Rivalen aus
dem Jahr 1824.

Die erste dritte Partei, die Anti-Masons, war wenig
mehr als ein Sammelbecken von Jackson-Gegnern in
Die erste Gründung einer dritten Partei in Amerika fand New York, Pennsylvania und Massachusetts. Die
statt, als sich das erste Zweiparteiensystem des Lan- Partei entlehnte ihren Namen einer kurzlebigen Volksdes gerade aufgelöst hatte und das zweite im Entste- bewegung, die nach dem Verschwinden eines unzuhen begriffen war. Die erfolglose Bewerbung von friedenen Freimaurers im Bundesstaat New York im
Präsident John Adams von der Federalist Party um die Jahr 1826 entstand, derein Buch geschrieben hatte, in
Wiederwahl im Jahr 1800 leitete den Abstieg der dem die Geheimnisse dieses Ordens enthüllt wurden.
Federalists als nationaler Partei ein und bildete den Politiker machten sich die Gelegenheit zunutze, um
Anfang vom Aufstieg der Democratic-Republtcans, der Bewegung politische Inhalte zu geben und sie auf
der Partei des neugewählten Präsidenten Thomas Nachbarstaaten auszudehnen. Um eine breitere ÖfJefferson. Da wegen des Fehlens einer politischen fentlichkeit zu gewinnen, spielten diese Politiker die
Opposition die Grenzen der Democratic-Republicans Angriffe auf die Freimaurer herunter. In der Folgezeit
als Partei immer verschwommener wurden, wurde wurden zahlreiche Vertreter der Partei in Ämter auf
auch das System der Parteiversammlungen zur Gemeinde- und Bundesstaatsebene gewählt. Als die
Nominierung von Präsidentschaftskandidaten immer Führer der Anti-Masons 1832 beschlossen, sich an
weniger angewandt. Infolgedessen gab es bei der der Präsidentschaftswahl zu beteiligen, entdeckten
Präsidentschaftswahl von 1824 vier selbstnominierte sie, daß ihr einziger gemeinsamer Nenner die AblehKandidaten, von denen keiner eine Stimmenmehrheit nung Jacksons war, und sie konnten sich nur mit
erreichte. Dies war der erste und bisher einzige Schwierigkeiten auf einen Präsidentschaftskandidaderartige Fall in der amerikanischen Geschichte. ten einigen. Trotzdem hat die Partei gerade in diesem
Aufgrund dieses Vorgangs wurde auf eine Bestim- Bereich einen dauerhaften Beitrag zur amerikanischen
mung der US-Verfassung zurückgegriffen, derzufolge Politik geleistet.
das Repräsentantenhaus den Präsidenten unter den
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Seite 1

�Die Anti-Masons hatten zuwenige Vertreter im Kongreß, um eine Nominierungsversammlung abzuhalten, selbst wenn dieses System noch existiert hätte.
Auf der Suche nach einem Weg, um jemanden auf für
alle als legitim akzeptierte Weise zu nominieren, griff
die Parteiführung den Gedanken des Konvents auf.
1831 veranstaltete sie in Baltimore (Maryland) einen
nationalen Konvent und forderte die Bundesstaaten
auf, eine ihrer Zahl von Kongreßabgeordneten entsprechende Zahl von Delegierten zu entsenden. Dies
war der erste Nominierungskonvent für eine Präsidentschaftswahl in der Geschichte des Landes, der
von den Anti-Masons darüber hinaus benutzt wurde,
um das erste Parteiprogramm zu verfassen. Andere
Parteien übernahmen umgehend beide Praktiken, die
bis heute benutzt werden.

Nachdem Abraham Lincoln, der Präsidentschaftskandidat der Republikaner im Jahr 1860, im Norden eine
Stimmenmehrheit erhalten hatte, gelangten die führenden Politiker der Südstaaten zu der Überzeugung,
daß sie ihre Interessen nicht mehr innerhalb der Union
verteidigen könnten. Sie spalteten sich von den Vereinigten Staaten ab, und dieser Beschluß löste den
vierjährigen Bürgerkrieg aus.
Die Republikanische Partei beherrschte nicht nur die
Politik des Nordens, sondern auch die Unionsarmee.
Als diese Armee dann nach dem Krieg die besiegten
konföderierten Staaten des Südens regierte, dominierten die Republikaner auch die Politik in diesen Bundesstaaten. Die Demokraten behielten nur wenige der
Mitglieder, die sich vor dem Krieg gegen die Sklaverei
gewandt hatten, und nach dem Krieg erstand die
Demokratische Partei neu als eine schwache nationale Partei, in der sich Wähler aus den Städten des
Nordens, insbesondere von der Begünstigung der
Einheimischen durch die Republikaner abgestoßene
Einwanderer aus Irland und anderen Staaten, mit
wegen des Kriegsrechts aufgebrachten Südstaatlern
zusammenfanden. Für über einhundert Jahre nach
Einstellung der Feindseligkeiten blieben die weißen
Südstaatler nahezu geschlossen demokratisch. Die
Farmer im Westen und Mittelwesten blieben nahezu
ebenso hundertprozentige Republikaner. Die ländlichen Protestparteien des ausgehenden 19. Jahrhunderts stellten Farmergegen Eisenbahngesellschaften
und Banken. Dieser Konflikt hatte auch eine ausgeprägte regionale Dimension zwischen Ost und West
und brachte den einzigartigen Charakter der amerikanischen Entwicklung zum Vorschein: die Landwirtschaft hatte sich nach Westen ausgedehnt, während
sich gleichzeitig eine wachsende, städtisch geprägte
lndu«*"esf,?eii&lt;«haft in den älteren Staaten des Nordostens entwickelte.

Der Partei gelang es nicht, einen landesweit anerkannten Politiker zur Annahme der Nominierung zu bewegen , ein Problem, das auch später andere dritte Parteien belastete. Schließlich nominierten die Anti-Masons
den ehemaligen Justizminister William Wirt, der an
dem Konvent überhaupt nicht teilgenommen hätte,
wenn er nicht zufällig in seiner Heimatstadt stattgefunden hätte. Wirt errang 1832 nur knapp acht Prozent
der abgegebenen Stimmen, und zwei Drittel davon
stammten aus einem Bundesstaat, aus Pennsylvania.
Wenige Jahre danach vereinigte sich die Partei mit
zwei anderen Gruppen und bildete die Whig Party. Die
Whigs hatten kaum begonnen, sich als Partei zu
organisieren, als sie und die Demokraten unter dem
Druck der Sklavenfrage bereits wieder auseinanderbrachen. Im Jahr 1848 hatten beide Parteien wegen
der Haltung zur Ausdehnung der Sklaverei auf neue
Bundesstaaten Anhänger im Norden verloren. In
jenem Jahr schlössen sich abtrünnige Fraktionen von
Whigs in Neu-England und Demokraten aus New York
mit Gruppen von Abolitionisten (deren Ziel die Abschaffung der Sklaverei war) zur Free Soil Party zuSeit den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts wandsammen.
ten sich die Farmer der Präriestaaten hilfesuchend an
Die Partei nominierte den ehemaligen Präsidenten die Parlamente der Bundesstaaten, um den EisenMartin Van Buren, der die Ausdehnung der Sklaverei bahngesellschaften die Frachtraten für den Transport
ablehnte und dessen eigene Demokratische Partei ihrer Produkte zu den Märkten des Ostens vorzu1848 seine Nominierung abgelehnt hatte. Van Buren schreiben. Da sie außerstande waren, sich gegen die
schnitt im Norden gut ab, erhielt jedoch landesweit nur Macht der Eisenbahnmagnaten in den großen Partei10 Prozent der Stimmen. Der Mißerfolg der Partei die en durchzusetzen, gründeten die Bauern ihre eigenen
Wähler im Norden davon zu überzeugen, daß sie ein Parteien und brachten Kandidaten in Staatsämter von
wirksames politisches Instrument darstellte, veranlaß- Indiana bis Kalifornien. Die Forderung der Landwirte
te die ehrgeizigen Politiker, die sie erst vor wenigen nach einer Inflationswährung, die sie als "Greenbacks"
Monaten ins Leben gerufen hatten, wieder zu ihren bezeichneten und die den Farmern bei der Begleialten Parteien zurückzukehren. Trotzdem blieb die chung ihrer Schulden bei Banken im Osten helfen
Free Soil Party bis 1854 intakt, als das Problem der sollte, gewann nach dem finanziellen Zusammenbruch und der Depression der siebziger Jahre des 19.
Sklaverei erneut zum heißen Eisen wurde.
Jahrhunderts wachsende Anziehungskraft. GewerkIn diesem Jahr schlössen sich die Anhänger der Free schaftliche und städtische Reformgruppen schlössen
Soil Party mit die Sklaverei ablehnenden Whigs und sich mit den Farmerparteien im Westen zur GreenDemokraten zur Republikanischen Partei zusammen. back-Partei zusammen, die auf Gemeinde- und BunBei den Kongreßwahlen des Jahres 1854 errangen die desstaatsebene sehr erfolgreich abschnitt.
Republikaner sogleich den Status einer großen Partei.

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�Diese Bündnisse zwischen Stadt und Land, zwischen
Bauern und Industriearbeitern waren stets brüchig,
aber sie blieben angesichts des Schweigens der großen Parteien in den Fragen der Monopole und Regulierung der Eisenbahnen sowie ihres Engagements für
eine harte Währung hartnäckig bestehen. Schließlich
schlössen sich im Jahr 1891 Bauernorganisationen
des Südens und Westens mit den Knights of Labor
zusammen, um mit der People's Party die stärkste
dritte Partei der amerikanischen Geschichte zu gründen.

sen sich ebenso den Republikanern an. Diese Reform-Republikaner und populistischen Demokraten
trugen auf unterschiedliche Weise zur Fortschrittsbewegung des frühen 20. Jahrhunderts bei.

Wie bereits bei früheren politischen Bewegungen bestand
die Basis der Fortschrittsbewegung aus Bauern und
Arbeitern. Im Gegensatz zu früheren Bewegungen
erhielt sie beispiellose Unterstützung wohlhabender
Unternehmer, was zu einer politischen Richtung führte, die davon ausging, daß die Regierung wie ein
Unternehmen geführt werden sollte. Die Progressiven
Am 4. Juli 1892 nominierten die Populisten zwei Generäle begannen ebenfalls nicht als dritte Partei, sondern
aus dem Bürgerkrieg, je einen von der Union und den arbeiteten innerhalb der beiden großen Parteien. Es
Konföderierten, als Präsidentschafts- und Vizepräsi- war eine Spaltung der Republikanischen Partei, die zur
dentschaftskandidaten. Der Präsidentschaftskandi- ersten Kandidatur der Fortschrittspartei führte, der
dat, James B. Weaver, war ein Demokrat, der sich der Kandidatur des ehemaligen Präsidenten Theodore
Free Soil Party und den Republikanern angeschlossen RooseveK im Jahr 1912.
hatte, bevor er 1880 zum Präsidentschaftskandidaten
der Greenback-Partei nominiert worden war. Sowohl Zwischen 1908 und 1912 hatte sich zwischen Konserdie Greenback-Partei als auch die Populisten befür- vativen und Progressiven in der Republikanischen
worteten eine progressive Einkommenssteuer, Bun- Partei eine tiefe Kluft gebildet. Roosevelt hatte enge
desvorschriften für den Verkehr zwischen den Bun- Bindungen zu beiden Lagern, aber seine Fehde mit
desstaaten, einen achtstündigen Arbeitstag und das Präsident William Howard Taft, seinem Nachfolger im
Weißen Haus und Anführer der Konservativen, veranallgemeine Wahlrecht.
laßte ihn dazu, die Progressiven unter seinem eigenen
Weaver erhielt bei der Wahl von 1892 8,5 Prozent der Banner aus der Partei herauszuführen. Roosevelt
Wählerstimmen. Wichtiger war jedoch, daß der Partei errang 27,4 Prozent der Wählerstimmen und verzeichdie Wahl von Gouverneuren in drei Bundesstaaten nete damit das beste jemals von einem dritten Kandigelang, sie eine Mehrheit der Sitze im Parlament von daten erzielte Ergebnis. Der Preis dieses Erfolges war
Nebraska errang und in anderen Bundesstaaten die die Spaltung der republikanischen Wählerschaft, die
Republikaner oder Demokraten als wichtigste Opposi- zum Wahlsieg eines anderen Progressiven führte, des
tionspartei ablöste. Darüber hinaus stellte die Partei - demokratischen Kandidaten Woodrow Wilson. Im
bisweilen auf gemeinsamen Listen mit den Demokra- Jahr 1916 war Roosevelt wieder Mitglied
ten - drei US-Senatoren und 11 Mitglieder des Repräsentantenhauses. Keine andere dritte Partei hat jemals An der Wahl von 1912 nahm noch eine weitere "dritte"
Partei teil, die Socialist Party of America. Diese Partei
auf allen Ebenen so gut abgeschnitten.
war 1897 von Eugene V. Debs gegründet worden, der
Die Populisten gewannen jedoch nur wenige Arbeiter damals Präsident der amerikanischen Eisenbahnerin den Städten des Ostens für sich, deren Unterstüt- gewerkschaft war. Die Einbeziehung von Bauern
zung für den Erfolg einer wirklich landesweit vertrete- durch die Partei stellte diese in die Tradition der
nen dritten Partei von solch entscheidender Bedeu- Versuche im 19. Jahrhundert, eine Verbindung zwitung war. Auch gelang es ihnen nicht, den tiefverwur- schen Stadt und Land herzustellen, aber sie wurde
zelten Partikularismus des Parteiensystems der Zeit auch von europäischen Einwanderern beeinflußt, die
nach dem Bürgerkrieg zu überwinden. Mitglieder aus sich in den Städten des Ostens niedergelassen hatten.
den Südstaaten lehnten den Weg einer dritten Partei Die Kombination aus eingewanderten Industriearbeiab, da sie wahrscheinlich die Demokraten spalten und tern und im Land geborenen Bauern schuf darüber
den Republikanern eine neue Chance eröffnen werde. hinaus unterschiedliche Definitionen des Sozialismus:
Die Mitglieder aus dem Westen und mittleren Westen Erstere befürworteten die europäische Idee, Sozialiswaren bereit, mit den Demokraten zusammenzuarbei- mus bedeute die Verstaatlichung der Produktionsmittel, während die letzteren, insbesondere die Parteimitten ohne sich mit ihnen zu vereinigen.
glieder aus Oklahoma, die amerikanische Erfahrung
1896 kooptierte die Demokratische Partei die Populi- einbezogen und Sozialismus als gleichmäßigere Versten, indem sie sich deren Parteiprogramm zu eigen teilung privaten Eigentums betrachteten. Debs errang
machte. Diese Maßnahme trieb die Populisten aus 1912 sechs Prozent der Wählerstimmen, das erste
dem Westen erneut den Republikanern in die Arme und letzte Mal, daß er so gut abschnitt. Die Partei
und provozierte den "Wall-Street-Flügel" der Demo- errang darüber hinaus in diesem und folgenden Jahren
kraten, in diesem Jahr einen eigenen Versuch zur Hunderte von Mandaten auf Gemeindeebene, aber
Schaffung einer dritten Partei zu starten. Viele Refor- ihre sehr verschiedenartige Wählerschaft ging schließmer aus der Oberschicht des Ostens, die bereits früher lich getrennte Wege.
in Drittparteibewegungen aktiv gewesen waren, schlösAMERIKA DIENST 43

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�Vordem Beginn der Depression wurde noch ein letzter
Versuch unternommen, um Bauern und Arbeiter in
einer dritten Partei miteinander zu verbinden. 1922
bildeten die Eisenbahnergewerkschaften, die Sozialistische Partei, verärgerte RooseveR-Progressive und
eine Bauernorganisation aus dem Mittelwesten (die
heute noch unter dem Namen Minnesota DemocraticFarmer-Labor Party existiert) die Conference for Progressive Political Action. Diese Organisation beabsichtigte lediglich Progressive in beiden Parteien zu
unterstützen und nicht, eine dritte Partei zu gründen.
Erst als sowohl die Republikaner als auch die Demokraten im Jahr 1924 konservative Präsidentschaftskandidaten aufstellten, startete die Conference eine
eigene Kampagne für den Einzug ins Weiße Haus.
Man wählte einen Kandidaten, den man bereits sehr
gut kannte - Senator Robert M. LaFollette, den meistbekannten republikanischen Progressiven des Landes. Die erfahrene Organisation der Sozialisten auf
lokaler Ebene war im Wahlkampf hilfreich, ebenso wie
die demokratischen Progressiven, die den von der
eigenen Partei nominierten Rechtsanwalt aus der Wall
Street ablehnten. LaFollette blieb mit nur 16,5 Prozent
der Wählerstimmen weit unter dem Resultat Roosevelts. Er verstarb im folgenden Jahr, und mit ihm
verschwand auch die Partei.

und Progressiven. Sie löste sich schlicht auf. Bis zum
Jahr 1982 hatte sich das politische Klima so sehr
verändert, daß Wallace bei seiner erfolgreichen Kampagne für eine vierte Amtszeit als Gouverneur von
Alabama selbst erfolgreich um schwarze Wählerstimmen warb. (Wallace hat jedocn 1968 einen Wandel
beschleunigt: Seine Kampagne führte gemeinsam mit
der Entfremdung liberaler Demokraten wegen der
Unterstützung ihrer Partei für den Vietnamkrieg zu
einem knappen Wahlsieg des republikanischen Kandidaten Richard M. Nixon.

Die unabhängige Präsidentschaftskampagne des
republikanischen Kongreßabgeordneten John Anderson 1980 paßt nicht in das Schema früherer Kandidaturen unabhängiger Bewerber. Wie andere zuvor,
scheint Anderson bei den Vorwahlen angetreten zu
sein, um seine Ablehnung der von seiner Partei eingeschlagenen Richtung auszudrücken. Solche Kandidaten möchten im allgemeinen lediglich eine Plattform,
um ihre Meinung kundzutun und streben nicht ernsthaft nach einer Nominierung. Doch anstatt seine
Kampagne einzustellen, als deutlich wurde, daß Ronald Reagan von den Republikanern nominiert werden
würde, startete Anderson einen unabhängigen Wahlkampf fürden Einzug ins Weiße Haus. Anderson hatte
weder ein Thema noch eine persönliche Gefolgschaft.
Über vierzig Jahre vergingen, bevor erneut ein unab- Er hatte sich bestenfalls mit einer Stimmung identifihängiger Kandidat - der Gouverneur von Alabama ziert, die von gemäßigten und liberalen Republikanern
George C. Wallace - so viele Stimmen auf sich verei- und Demokraten geteilt wurde, die mit den von ihren
nigen konnte wie die obengenannten Kandidaten. Parteien Nominierten unzufrieden waren. Damit erWallace hatte zum ersten Mal landesweit Aufmerk- rang er 1980 6,6 Prozent der Stimmen.
samkeit erregt, als er sich im Jahr 1963 in die Tür d?s
Verwaltungsgebäudes der University of Alabama stell- Ross Perots Einbruch in die Politik der Präsidentte, um die Einschreibung von zwei schwarzen Studen- schaftswahlen unterscheidet sich noch stärker von
ten zu verhindern. Er erklärte sich selbst zum Symbol frühere.i Bewerbungen dritter Kandidaten. Perot baut
des Widerstands gegen die gerichtlich erzwungene seine Kandidatur nicht auf einem öffentlichen Amt,
Rassenintegration, und fünf Jahre später benutzte z; 3«i wörri aui seil .er? ^«atus als erfolgreicher Unternehsein gewonnenes nationales Ansehen um eine unab- mer aüt. Auen er identifiziert sich mit einer Stimmung
hängige Kandidatur für das Präsidentenamt zu beflü- und hat umgehend eine große Anhängerschaft von
Menschen um sich geschart, die von den Politikern
geln.
genug haben. Die unabhängigen Kandidaten hatten
Wallaces Wahlkampf im Jahr 1968 demonstrierte, daß sich zur Rekrutierung von Wahlkampfhelfern und
ein einstmals regional begrenztes Thema zu einem Beratern auf lokale oder regionale Parteiorganisationationalen Anliegen geworden war. Es hatte sich nen gestützt, selbst wenn diese zu Parteien gehörten,
inzwischen eine große schwarze Bevökerung im Norden aus denen die Anhänger dieser unabhängigen Kandigebildet, und deshalb gab es auch dort eine Opposition daten gerade austraten. Perot stützt sich statt dessen
gegen die Integrationspolitik der Bundesregierung. auf seinen immensen Reichtum, um aus seinen so
Nur durch die Gewinnung von Anhängern im Norden verschiedenen unpolitischen Bewunderern eine neue
gelang es Wallace, mit 13,5 Prozent der abgegebenen politische Organisation zu schmieden.
Stimmen ein zweistelliges Ergebnis zu erzielen. Indem er zeigte, daß sich der Widerstand gegen die Im 19. Jahrhundert repräsentierten Drittkandidaten
Integration auch im Norden ausgebreitet hatte, ver- echte Parteien. Weder die Anti-Masons noch die Free
deutlichte er gleichzeitig jedoch ebenfalls, daß die Soil Party kamen der Wahl eines Präsidenten nahe,
Unterstützung dafür auch den Süden erfaßt hatte. Die aber beide schufen Netze auf Gemeinde- und BundesProtestbewegung, die seine unabhängige Kandidatur staatsebene, die den Grundstein für Präsidentschaf1968 angetrieben hatte, wurde weder zur Grundlage ten der großen Parteien legten. Das Programm der
einer neuen Partei - wie im Falle der Anti-Masons und Free Soil Party wurde zum Programm der Republikader Free Soil Party -, noch wurde sie von einer der nischen Partei, und die Demokraten nahmen das
großen Parteien einverleibt, wie bei den Populisten Programm der Populisten auf.

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AMERIKA DIENST 43

�Im 20. Jahrhundert waren die Kandidaten von Drittpar- was seiner Kandidatur nahezu Zufallscharakter verteien, ausgenommen Eugene V. Debs, mehr oder leiht. Perot handelte völlig außerhalb des Parteiensyweniger charismatische Persönlichkeiten anstatt stems und nominierte sich selbst zum Kandidaten der
Unpolitischen.
Bannerträger wirklicher Parteien. Theodore RooseveK und Robert LaFollete verbrachten Jahre damit,
Im 20. Jahrhundert vollzog sich eine Entwicklung hin
einen Ruf als republikanische Progressive aufzubauzu
Kandidaten, die sich zunehmend als politische
en, bevor sie die Partei verließen, um als Unabhängige
Randfiguren
erwiesen. Ross Perots Kandidatur jezu kandidieren. George Wallace bereitete seine
doch
bezeugt
ein weiteres Mal die anhaltende Stärke
Kandidatur vor, indem er einen Protest gegen die
jener
Art
progressiven
Denkens, die die Politik verabPolitik seiner Partei anführte. John Anderson fand bis
scheut
und
bestrebt
ist,
Probleme des Regierens mit
zum Beginn seiner Kampagne keine Gefolgschaft,
unternehmerischen Methoden zu lösen.

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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Nummer

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

45

28. November 1973

Inhalt

DOKUMENTATION:

Nixon erläutert Energiepolitik der USA
-Wortlaut der Fernsehansprache des Präsidenten am 25. November-

W1RTSCHAFT:

US-Wirtschaftswissenschaftler fordern Widerstand gegen arabische
Erpressung

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Öl aus Alaska
Hochkonjunktur für Prospektoren
«Strikte Maßnahmen zur Sicherung der Energieversorgung in den USA-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�' amerika dienst
t

United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Dokumentation

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

45/1973

NIXON ERLÄUTERT ENERGIEPOLITIK DER USA
-Wortlaut der Fernsehansprache des Präsidenten am 25.November-

WASHINGTON — ( A D ) — Präsident Nixon hat am 25. November in einer Fernseh-und
Rundfunkansprache an das amerikanische Volk die künftige amerikanische Energiepolitik erläutert und weitere energiesparende Maßnahmen bekanntgegeben.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Vor drei Wochen habe ich z u Ihnen über die nationale Energiekrise und
unsere Politik zu ihrer Bewältigung gesprochen. Heute abend möchte ich erneut zu Ihnen sprechen, um Ihnen über unseren Fortschritt zu berichten,und
um weitere Maßnahmen bekanntzugeben,die wir zur Fortführung unserer Energiepolitik ergreifen müssen.
Als ich damals zu Ihnen sprach, deutete ich an, daß die plötzliche Unterbindung des Ölflusses aus dem Nahen Osten die von uns für diesen Winter
erwarteten ernsten Energieverknappungen zu einer größeren Energiekrise ausgeweitet haben. Diese Krise macht sich jetzt überall auf der Welt bemerkbar,
nachdem die übrigen Industriestaaten ebenfalls Ölkürzungen aus dem Nahen
Osten hinnehmen mußten.
Die Verknappungen in Europa beispielsweise sind weit schwerwiegender
als die in den Vereinigten Staaten. Sieben europäische Länder haben bereits

�bereits ein Sonntagsfahrverbot verfügt. Glücklicherweise sind die Vereinigten Staaten nicht so stark abhängig vom Nahost-Öl, wie dies bei zahlreichen
anderen Ländern der Fall ist. Wir werden kein Sonntagsfahrverbot anordnen,
aber wie Sie später hören werden, werden wir das Fahren an Sonntagen einzuschränken versuchen. Trotzdem rechnen wir damit, daß unser Defizit bis
zu 17 Prozent betragen könnte. Das bedeutet, daß wir sofort nachhaltige
und wirksame Gegenmaßnahmen ergreifen müssen.
Um Störungen in unserer Wirtschaft auf ein Minimum zu begrenzen, habe
ich am 7. November alle Amerikaner aufgerufen, bestimmte energiesparende
Maßnahmen zu ergreifen, um mitzuhelfen, die durch die verminderte Energieversorgung gestellten Aufgaben zu bewältigen. Diese Schritte umfassen ein
Herabsetzen der Temperaturen für die Wohnraumbeheizung, geringere Höchstgeschwindigkeiten für Kraftfahrzeuge sowie Beseitigung des unnötigen Lichtverbrauchs. Das amerikanische Volk, wir alle, haben auf diese Aufforderung
mit dem Geist der Opferbereitschaft geantwortet, der dieses Land zu einer
so großen Nation hat werden lassen.
Der Kongreß hat ebenfalls Maßnahmen auf dem Energiesektor ergriffen.
Das Gesetz über die Alaska-Pipeline ist verabschiedet worden. Ich habe es
vor neun Tagen hier an diesem Schreibtisch unterzeichnet und damit in Kraft
gesetzt. Der Kongreß hat ein Gesetz über BrennstoffZuteilung verabschiedet,
das ich am Dienstag unterzeichnen werde. Ein weiteres Energie-Notstandsgesetz, das besondere Vollmachten zur Bewältigung dieses Problems gibt, ist
jetzt vom Senat verabschiedet worden. Ich rechne damit, daß das Repräsentantenhaus, sobald es nach seiner Sitzungspause wieder zusammentritt, umgehend handeln wird, so daß dieses entscheidend wichtige Gesetz etwa Mitte
Dezember unterzeichnet werden kann.
Wir haben also einige ermutigende Fortschritte erzielt, doch bleibt
noch weit mehr zu tun, und darüber möchte ich heute abend zu Ihnen sprechen.

Ich

�Ich habe einen Energiekrisenstab eingesetzt, der unter meinem Chef-Energieberater, Gouverneur John Love, steht, um unsere Situation auf einer kontinuierlichen Basis zu analysieren und mich über alle Maßnahmen zu beraten,
die im Hinblick auf die Situation erforderlich werden.
Aufgrund der Schritte und Empfehlungen dieses Krisenstabes gebe ich
heute abend zur Überwindung der Energiekrise die folgenden Maßnahmen bekannt:
Zur Erhöhung des in diesem Winter verfügbaren Heizölangebotes müssen
wir erstens eine Anpassung der Produktionspläne vornehmen und Erdöl, das normalerweise für die Benzingewinnung verwandt werden würde, für die Erzeugung
von mehr Heizöl abzweigen.
Um dies zu erreichen werden die Benzinmengen, die die Raffinerien an die
Groß-und die Einzelhändler verteilen, im gesamten Land um 15 Prozent gekürzt
werden. Wenn wir die Benzinversorgung herabsetzen, müssen wir auch Maßnahmen
ergreifen, um eine vernünftige Verwendung der restlichen Benzinmengen und
weitestmögliche Einsparungen sicherzustellen.
Daher fordere ich als zweite Maßnahme heute abend, daß alle Tankstellen,
beginnend mit dem Wochenende am 1. Dezember, von Samstag 2100 Uhr bis Sonntag 2400 Uhr geschlossen bleiben. Wir ersuchen darum, daß dieser Schritt jetzt
auf freiwilliger Basis erfolgt.
Nach Verabschiedung des Energienotstandsgesetzes durch den Kongreß werden die Tankstellen verpflichtet sein, während dieser Stunden geschlossen zu
bleiben. Dieser Schritt dürfte für keine amerikanische Familie zu schwerwiegenden Härten führen. Er wird jedoch an den Wochenenden von Fernfahrten abhalten. Das bedeutet vielleicht, daß man etwas mehr Zeit zu Hause verbringt.
Diese Einsparungen allein erbringen aber nur einen kleinen Teil dessen,
was wir einsparen müssen, um die Benzinverknappung insgesamt zu überwinden.
Wir können wesentliche weitere Einsparungen dadurch erzielen, daß wir unser
Fahrverhalten ändern. Obwohl die freiwillige Reaktion auf mein Ersuchen um

-3-

�um eine Herabsetzung der Geschwindigkeit beim Autofahren hervorragend war,so
ist es jetzt unerläßlich, daß diese wichtige Maßnahme im ganzen Lande verbindlich und uneingeschränkt eingehalten wird.
Dementsprechend wird der dritte Schritt die Festsetzung einer Höchstge- schwindigkeitsgrenze für Personenkraftwagen im gesamten Land von 50 Meilen pro
Stunde (80 km) sein, sobald unser Energienotstandsgesetz den Kongreß passiert
hat. Wir rechnen damit, daß diese Maßnahme Einsparungen von 200 000 Barrel
Benzin pro Tag bringen wird. Autobussen im Intercity-Verkehr und schweren
Lastwagen, die bei höheren Geschwindigkeiten rationeller fahren und daher
nicht mehr Treibstoff verbrauchen,wird eine Geschwindigkeitsgrenze von 55 Meilen pro Stunde eingeräumt werden.
Der vierte Schritt, den wir ergreifen werden, betrifft unsere Düsenflugzeuge. Es wird eine phasenweise Reduzierung des Verbrauchs von Düsenbrennstoff
für Passagierflugzeuge um weitere 15 Prozent vorgenommen werden, so daß die
gesamte Herabsetzung etwa 25 Prozent betragen wird.
Diese Einsparungen werden durch eine vorsichtige Verringerung der Flugpläne sowie eine höhere Auslastung der Flugzeuge im Passagierverkehr erreicht
werden. Wir werden den Flugverkehr nicht einstellen müssen, aber wir werden
ihn

sorgfältiger planen müssen.
Der fünfte Schritt betrifft die Reduzierung unserer Außenbeleuchtungen.

Sobald das Energienotstandsgesetz den Kongreß passiert, werde ich Einschränkungen der Außenbeleuchtung an Wohngebäuden sowie die Einstellung der gesamten
kommerziellen Lichtwerbung, Firmenbezeichnungen ausgenommen, anordnen.
Bis dahin beabsichtigen wir hier im Weißen Haus, die übliche Weihnachtsbeleuchtung einzuschränken, und ich appelliere an Sie alle, daß Sie auf freiwilliger Basis handeln und unnötige Außenbeleuchtungen verringern oder abschalten.
Ich

�Ich möchte nur ein Beispiel anführen, wie stark sich eine solche Initiative auswirken kann. Allein die in unserem Lande wieder zu Schmuck-und Stiramungszwecken installierte Gasbeleuchtung entspricht einem Energieverbrauch von
etwa 35 000 Barrel Öl pro Tag, und diese Brennstoffmenge würde ausreichen, um
175 000 Wohnungen zu beheizen.
Und schließlich möchte ich Ihnen heute abend berichten, daß wir jetzt
endgültige Pläne für die Zuteilung der reduzierten Heizölmengen in diesem Winter ausgearbeitet haben, und Sie alle wissen, wie wichtig Heizöl gerade im
Winter ist.
Diese Pläne, die am Dienstag veröffentlicht werden, sehen eine durchschnittliche Reduzierung des Heizölverbrauchs für industrielle Zwecke um 10
Prozent, für den privaten Bedarf um 15 Prozent und für den kommerziellen Bedarf um 25 Prozent vor.
Die Reduzierungen für den privaten Bedarf allein werden zu Einsparungen
von rund 315 000 Barrel Heizöl pro Tag führen, was ausreicht, um über eineinhalb Millionen Wohnungen täglich zu beheizen. Für die durchschnittliche amerikanische Familie bringt diese Heizölkürzung, die ich bereits vor drei Wochen
angedeutet habe, keine schwerwiegenden Unannehmlichkeiten. Aber sie bedeutet,
daß jeder seinen Thermostaten herunterschalten soll - so wie das jetzt in diesem Büro hier der Fall ist und im ganzen Weißen Haus und überall in allen Bundesgebäuden. Sie sollten den Thermostaten um 6 Grad (Fahrenheit) unter den üblichen Stand einstellen, so daß wir am Tage im ganzen Lande eine durchschnittliche Temperatur von 68 Grad Fahrenheit (20 Grad Celsius) erreichen können.
Diejenigen, die nicht zurückschalten, riskieren es, daß sie noch vor Ende des Winters ohne Heizöl sein werden. Obwohl noch weitere Maßnahmen notwendig sein werden, um die zu erwartende Verknappung von 17 Prozent auszugleichen,
werden die von mir heute abend aufgezeigten Maßnahmen eine Erleichterung dieser Verknappung um 10 Prozent bringen.

Sie

-5-

�Sie werden einen sehr wesentlichen Beitrag zur Erreichung unseres Nah-

'

Zieles darstellen, nämlich zu gewährleisten, daß wir genug Brennstoff haben,
um unsere Wohnungen in diesem Winter ausreichend beheizen zu können, um zur
Arbeit gehen zu können und um keine ernsthaften Störungen unseres normalen
Lebensablaufs erfahren zu müssen.
Vor allem wird alles getan werden, um zu gewährleisten, daß etwaige
Störungen unserer Wirtschaft, die Arbeitsplätze kosten könnten, so kurz wie
nur möglich sein werden, und daß sie keinen ernsten Schaden verursachen.
Nichts, was wir tun, kann jedoch Erfolg haben, ohne die volle Mitarbeit
des Kongresses bei der Schaffung der notwendigen Gesetzgebung, ohne die volle
Mitarbeit der einzelstaatlichen und kommunalen Behörden in der Gewährung der
notwendigen Führung und ohne die volle Mitarbeit eines jeden von Ihnen, des
gesamten amerikanischen Volkes, durch ein kleines Opfer, damit niemand echte
Not zu leiden braucht.
Was mich angeht, so verpflichte ich mich, alles in meiner Macht stehende,
zu tun, um sicherzustellen, daß die von mir verkündeten Entscheidungen rasch,
wirksam und fair durchgeführt werden, und auch weitere zusätzliche Maßnahmen,
die sich als notwendig erweisen sollten, um unser Ziel zu erreichen.
Ich habe die Absicht, mich persönlich und regelmäßig - wie ich dies seit
meiner Ansprache an Sie vor drei Wochen getan habe - an der Arbeit meiner Energie-Berater zu beteiligen. Ich habe die Absicht, die führenden Vertreter des
Kongresses regelmäßig über Probleme und Fortschritte zu unterrichten. Und ich
habe die Absicht, dafür zu sorgen, daß die Personen und Organisationen,die
auf diesem Gebiet verantwortlich und zuständig sind, voll und regelmäßig informiert werden.
Wenn wir diese Aufgabe meistern wollen, brauchen wir neue Regeln. Aber
vor allem brauchen wir unablässiges und ernsthaftes Handeln und die Zusammenarbeit von Millionen von Männern und Frauen, wenn wir unser Ziel erreichen wollen, und das bedeutet, von Millionen von Amerikanern im ganzen Land, die mir
heute abend zuhören.
Lassen

�Lassen Sie mich damit schließen, daß ich erneut unser oberstes Ziel definiere: Es kann mit einem Wort ausgedrückt werden, das unsere Nation und
ihr eigentliches Wesen am besten charakterisiert, und dieses Wort heißt
•Unabhängigkeit». Seit seinen Anfängen vor 200 Jahren und in seiner ganzen
Geschichte hat Amerika große Opfer an Blut und auch an Geld gebracht, um seine Unabhängigkeit zu erreichen und zu erhalten. Im letzten Drittel dieses
Jahrhunderts wird unsere Unabhängigkeit von der Aufrechterhaltung und Erreichung der Autarkie auf dem Energiesektor abhängen.
Was ich als Projekt »Unabhängigkeit 1980* bezeichnet habe, besteht aus
einer Reihe von Plänen und Zielsetzungen, die gewährleisten sollen, daß bis
zum Ende dieses Jahrzehnts Amerikaner sich auf keine andere Energiequelle zu
verlassen brauchen als unsere eigenen.
Was Energie angeht, so bedeutet das, daß wir unser Schicksal und unsere
Zukunft allein in unseren eigenen Händen tragen werden. Wenn wir in die Zukunft blicken, dann tun wir das mit der Zuversicht, daß die Energiekrise
nicht nur für unsere Zeit, sondern für immer gelöst sein wird. Wir werden wieder über die überreiche Energieversorgung verfügen, die dazu beigetragen hat,
die größte Industrienation aufzubauen und mit den höchsten Lebensstandard in
der Welt zu schaffen.
Die Fähigkeit zur Autarkie in der Energieversorgung ist ein großes Ziel.
Sie ist auch ein entscheidend wichtiges Ziel, und wir werden es erreichen.
Heute abend möchte ich Sie alle bitten, sich zusammenzuschließen und
dieses Ziel in dem Geiste der Disziplin, der Selbsteinschränkung und der Einigkeit anzugehen, der der Eckstein unseres großen und guten Landes ist."

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45/1973

US-WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLER FORDERN WIDERSTAND GEGEN ARABISCHE
ERPRESSUNG

CAMBRIDGE, Massachusetts --(AD)— Acht bekannte amerikanische Wirtschaftswissenschaftler, unter ihnen vier Nobelpreisträger, haben die Vereinigten
Staaten aufgefordert, bei der Formulierung ihrer Nahostpolitik der arabischen Erpressung nicht nachzugeben. In einer gemeinsamen Erklaerung, die
am 20. November von den Nobelpreisträgern Professor Kenneth Arrow, Professor Simon Kuznets, Professor Wassily Leontief und Professor Paul Samuelson
sowie den Wirtschaftswissenschaftlern Professor John Kenneth Galbraith
(Harvard-Universität), Professor Franklin Fisher und Professor Robert Solow
(Massachusetts Institute of Technology) und Professor Merton Peck (YaleUniversität) unterzeichnet wurde, betonen die Professoren, wer erst einmal
der Erpressung nachgegeben habe, werde immer wieder aufs Neue erpresst wer«
denDie Erklärung bringt die persönliche Auffassung der Unterzeichner zum
Ausdruck und nicht die Regierungspolitik der USA.
Der amerikanische Außenminister Henry A. Kissinger hat sich auf seiner
Pressekonferenz am 21. November nachdrücklich für Verhandlungen und Aussöhnung ausgesprochen, hat aber allerdings auch unmißverständlich darauf hingewiesen, daß die Vereinigten Staaten, falls das arabische Erdölembargo unbegrenzt fortgesetzt werden sollte, prüfen müßten, welche Gegenmaßnahmen er-

-1-

�I
ergriffen werden könnten. Dies werde jedoch nur im äußersten Fall und sehr
zögernd geschehen. Gleichzeitig wies Kissinger darauf hin, daß der amerikanische Energiebedarf zu 85 Prozent im Inland gedeckt werden könne, "so daß
wir dem ausländischen Druck nicht völlig preisgegeben sind."
Der Staatssekretär im amerikanischen Außenministerium, William Porter,
hatte am 19. November darauf verwiesen, "daß wirtschaftliche Erpressung
ein zweischneidiges Schwert ist", denn keine Gruppe von Ländern verfüge über
alle benötigten Rohstoffe. Gleichzeitig betonte Porter,, daß ein großer Teil
der Weltexporte an Lebensmitteln und Industrieerzeugnissen aus den Vereinigten Staaten komme.
In ihrer gemeinsamen Erklärung betonen die vorgenannten Wirtschaftswissenschaftler unter anderem:
"Man kann der Auffassung sein, daß die amerikanische Hilfe an Israel und
die Unterstützung der israelischen Position in gewisser Weise verantwortlich \
für die Schwierigkeiten auf dem Energiesektor sind (das Wort «Krise1 ist viel
zu stark).

Es besteht jedoch nur ein begrenzter und sehr flüchtiger Zusammen^

hang, und unsere Außenpolitik sollte sich auf keinen Fall der Illusion hingeben, daß wir durch ein Nachgeben gegenüber der Ölerpressung tatsächlich irgend
etwas gewinnen könnten.
Die internationale Rohölsituation hat zwei Aspekte, Da ist einmal das
Kartell der Erdölländer; die Mitglieder der Organisation der Erdöl exportierenden Länder (OPEC), bei denen es sich um arabische und nicht-arabische
Länder handelt. Dieses Kartell konnte in der Vergangenheit wiederholt die
Preise heraufsetzen, indem es einfach die Abgaben auf die Erdölexporte erhöhte.... Die Obergrenze für dieses Monopol sind die Kosten alternativer Brennstoffquellen..„. Es dürfte sicher sein, daß die OPEC-Länder fortfahren werden, sich an diese Grenze heranzutasten. Sie haben diesen Prozeß mit den
Teheran-•Abkommen* von 1971 begonnen, die wenige Monate später gebrochen wurden. Anfang Oktober dieses Jahres haben sie diese Verhandlungs-Scharade
beendet und die Preise einseitig heraufgesetzt. Zweifellos werden sie das
immer wieder tun.
-2-

�Es bestand und besteht kein Zusammenhang zwischen Frieden im Nahen
Osten und dem Erdölmonopol der arabischen und nicht-arabischen Länder. Selbst
wenn morgen eine perfekte politische Nahostregelung erreicht würde, so würden die OPEC-Länder nicht einen Deut von dem Erreichten aufgeben und sie würden nicht aufhören, zu überlegen, wann und um wie viel sie die Preise erhöhen
können...
Das neue Element der Situation sind die Kürzungen, die unabhängig von
der allgemeinen Verknappung Mitte Oktober von den arabischen Ländern bekannt
gegeben wurden und die, wie sie erklärten, solange beibehalten würden, bis
die Grenzen Israels wieder dort sind, wo sie vor dem Sechstage-Krieg von
1967 waren, und bis dem palästinensischen Volke seine 'Rechte1 eingeräumt
worden sind - eine Konzeption, die nicht näher erläutert wurde...
Die Kürzung der Gesamtförderung der arabischen Länder fügt den Verbraucherstaaten echten Schaden zu, auch wenn die Vereinigten Staaten am wenigsten von ihnen betroffen werden. Presseberichten zufolge scheint die Kürzung
25 Prozent des arabischen Erdöls oder etwa 15 Prozent des gesamten international gehandelten Erdöls auszumachen
In den Vereinigten Staaten ist die Verknappung von Benzin und Heizöl
für den privaten Bedarf in erster Linie auf eine zu niedrige Raffineriekapazität der USA zurückzuführen, die nicht vor 1977 behoben sein dürfte....
Die Importe an arabischem Erdöl beliefen sich auf täglich eine Million
Barrel,während die Einfuhren

von Raffinerieerzeugnissen aus arabischem Brdöl

schwer zu schätzen sind, sich aber noch einmal auf die gleiche Menge stellen
dürften,,, Diese maximal 2 Millionen Barrel - bei einem täglichen Verbrauch
von 17 Millionen Barrel - werden zum Teil durch erhöhte Importe aus nicht-arabischen Quellen ausgeglichen, die nach den Vereinigten Staaten umdirigiert
wurden (eine Entscheidung, die zu einem beträchtlichen Teil von amerikanischen Ölgesellschaften abhängig ist), so daß der Gesamtausfall sich für die
USA auf höchsten 12 Prozent beläuft,... Die Verbraucherländer sind nicht völ»
lig waffenlos, wenn sie erst erkennen, daß sie sich in einem - wie es der
Erdölmininister Saudi-Arabiens, Scheich Jamani, zu Recht genannt hat -

-3-

�hat - 'Krieg' befinden.... Wenn sie einig sind, dann können sie die Lieferung von Lebensmitteln und Fertigerzeugnissen an solche Länder verweigern,
die sich an dem feindseligen Schritt eines Embargo beteiligen. Der Sowjetunion dürfte es schwerfallen, das Defizit auszugleichen, und es könnte durchaus sein, daß die Araber nicht bereit sind, die hieraus resultierende Abhängigkeit zu akzeptieren. Es wäre nutzbringender, wenn die Verbraucherländer
über solche Gegenmaßnahmen beraten würden, statt sich an Unterwürfigkeit zu
überbieten, die ihnen nichts einbringt....
Die Drohung, die sich gegen die amerikanischen Verbrauchsgewohnheiten
richtet, könnte sogar nützliche Auswirkungen haben. Die Erhaltung der Energie
ist zu einer wichtigen Notwendigkeit geworden, um sowohl die kurzfristigen
Schwierigkeiten als auch die wachsende langfristige Verknappung zu überwinden. Und mit einem Rückgang des Energieverbrauchs werden auch unsere ernsten
Luftverschmutzungsprobleme abnehmen.
Wir äußern keine Meinung, wie ein Frieden im Nahen Osten aussehen sollte, oder was die Vereinigten Staaten tun könnten oder sollten, um ihn herbeizuführen. Wir warnen jedoch, daß es so zwecklos wie auch unehrenhaft wäre,
unsere Politik durch die Androhung von Nachteilen bestimmen oder auch nur beeinflussen zu lassen. Bei Erdöl handelt es sich nicht um ein Dauergut. Wenn
wir uns um der Aufrechterhaltung des Erdölflusses in diesem Jahr willen auf
einen politischen Kurs einlassen, den wir sonst nicht wünschen würden, dann
würde dem - so sicher wie die Nacht dem Tage - eine Erpressung nach der anderen folgen. Die japanische Regierung gehörte viele Jahre lang zu denen, die
den Arabern am wohlwollendsten gegenüberstanden, und doch ist sie wegen ihrer
•widerlichen Neutralität' geschmäht worden... und es wurde noch mehr gefordert: Der Abbruch der Beziehungen zu Israel, wirtschaftliche Sanktionen und
militärische Hilfe für die Araber.... Je mehr gegeben wird, umso mehr wird
gefordert....
Der

-4-

�Der größte Dienst, den die Vereinigten Staaten den befreundeten Ländern in Europa und Asien erweisen können, ist, sich nicht von dieser Erpressung in die Knie zwingen zu lassen. Denn wenn die Vereinigten Staaten
nicht gepackt oder beeinflußt werden können, dann sind die Nadelstiche gegen Europa und Asien ohne jeden Zweck, dann haben die Araber kein Motiv
mehr für die Fortsetzung der Kürzungen und dann werden die üblichen finanziellen Anreize zur Wiederaufnahme der normalen Förderung zum Tragen kommen."

+++

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45/1973

ÖL AUS ALASKA

- (AD) - Der US-Kongreß folgte den dringenden Appellen Präsident Nixons
und verabschiedete jetzt das Gesetz, das den Bau der Alaska-Pipeline ermöglicht. Vier Jahre

währende Auseinandersetzungen zwischen dem US-Innenministerium

und einem Firmenkonsortium der Mineralölwirtschaft auf den einen und Umweltschützern auf der anderen Seite wurden damit beendet. Die neue Ölleitung, die
fast 1300 km lang werden soll, wird die Felder im Norden Alaskas - die Vorkommen wurden erst 1968 entdeckt - mit dem eisfreien Hafen Valdez am Golf von
Alaska verbinden. Allerdings dürfte es fast fünf Jahre dauern, bis das 4,5
Milliarden-Dollar-Projekt fertiggestellt sein wird.

Die Transalaska-Pipeline ist das aufwendigste Vorhaben,das die amerikanische Privatwirtschaft bis heute in Angriff nahm. Durch eine Rohrleitung von
1,20 m Durchmesser sollen spätestens ab 1980 täglich fast 300 OOO Tonnen Rohöl
nach Valdez fließen, um dort von Tankern übernommen und zu Häfen der amerikanischen Westküste transportiert zu werden. Die Menge entspräche knapp zehn Prozent des vorausberechneten Tagesbedarfs in den USA. Sie soll in einem Gebiet gefördert werden, dessen bisher bekannt gewordene
auf gut

Vorräte an Erdöl die Geologen

1,5 Milliarden Tonnen schätzen. Das macht etwa ein Drittel der be-

kannten kontinentalen Vorkommen in den Vereinigten Staaten aus.
Mit dem Alaska-Öl könnte Amerika in einigen Jahren die Versorgung mit Energierohstoffen aus dem Ausland weitgehend entlasten. Der gegenwärtige Tagesbedarf
der USA an Energie entspricht, auf Erdöl umgerechnet, rund 5 Millionen Tonnen; da-

�davon entfallen 46 Prozent (d.h. ca. 2,3 Millionen Tonnen) auf den tatsächlichen Tagesverbrauch an Erdöl. Wie Herbert Stein, Vorsitzender des Wirtschaftsbeirats Präsident Nixons, kürzlich in Bonn ausführte, hat am Gesamtenergie verbrauch die Industrie mit 43 Prozent den größten Anteil. Auf die übrige
Wirtschaft kommen 14 Prozent, auf das Transportwesen 24 und auf die Haushalte
19 Prozent,

Der Alaska-Pipeline, so wie sie jetzt vorgesehen ist - mit dem Bau kann
angesichts der klimatischen Verhältnisse erst nach Winterende im Jahr 1974 begonnen werden - wurde vor einer Leitung durch Kanada der Vorzug gegeben. Dieses
Projekt hatten jene Amerikaner unterstützt, die die Benutzung von Tankern und
das umladen in Häfen in Anbetracht der möglichen Umweltgefährdung durch auslaufendes Öl grundsätzlich vermeiden wollten. Dazu hätte eine 4800 km lange,
in weiten Strecken über kanadisches Territorium zu führende Leitung gebaut
werden müssen. Angesichts der technischen Schwierigkeiten wäre jedoch dieses
Projekt bis zur Fertigstellung äußerst langwierig und sehr viel kostspieliger
in der Ausführung. Es hätte weit über sechs Milliarden Dollar verschlungen.

.

Das Firmenkonsortium und das US-Innenministerium holten, nicht zuletzt
unter dem Druck der Umweltschützer, immer wieder neue Gutachten ein, um optimale
Lösungen für den Bau einer Pipeline unter dem Polarkreis zu finden. Einwände
wurden vor allem deshalb gemacht, weil die Leitung nicht nur durch unberührte
Natur mit Gebirge, Tundra-Landschaft und Dauerfrostzonen führt, sondern weil
das Gebiet auch durch Erdbeben gefährdet ist. Immer mehr Vorsichtsmaßnahmen
wurden eingebaut, um eine ölverseuchung der überquerten Landstriche, aber auch
der Gewässer um Valdez zu verhindern. So werden automatische Ventile in den
einzelnen Leitungsabschnitten den ölfluß sofort stoppen, wenn auch nur ein geringfügiges Leck auftritt. Täglich sollen Patrouillen von Flugzeugen aus die
Leitung inspizieren; dazu kommen häufige Kontrollen durch Spezialisten entlang
der Trasse. Den Tankern wird es untersagt, im Golf von Alaska öliges Ballastwasser abzulassen. Die USA erwarten von der Inangriffnahme des neuen Projekts
auf weitere Sicht nicht nur eine Entlastung der angespannten Versorgungsläge
auf dem ölsektor, sondern schon in absehbarer Zeit günstige Auswirkungen auf die
Beschäftigungslage in Alaska sowie auf die Auftragseingänge in der Schiffbauindustrie.
+ + + + +

- 2-

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54/1973

HOCHKONJUNKTUR FÜR PROSPEKTOREN
Strikte Maßnahmen zur Sicherung der Energieversorgung in den USA

- (AD) - Keine Benzinabgabe an den Tankstellen von Samstag abend bis
Sonntag um Mitternacht, Geschwindigkeitsbeschränkung auf 80 Stundenkilometer
auf allen Straßen für das Gros der Fahrzeuge, Kürzung der Benzinproduktion
um 15 Prozent bei den Raffinerien zugunsten des leichten Heizöls, Heizölzuteilung für Haushalte und Industrie - das sind die wichtigsten Punkte der
Maßnahmen, die Präsident Nixon am 25. November 1973 verkündete, um den Auswirkungen der Energiekrise in den Vereinigten Staaten zu begegnen. Die
Schwierigkeiten haben mit dem Boykott der USA durch die arabischen Länder
- im Gegensatz zur Ursache der Schwierigkeiten in Europa - nicht viel zu tun.
Die Rohölimporte aus diesen Gebieten beliefen sich nur auf ca. 140 000 Tonnen
pro Tag. Dagegen fallen die Verbrauchsgewohnheiten und vor allem die zu
niedrigen Raffineriekapazitäten in den Vereinigten Staaten viel mehr ins Gewicht. Die Kapazität wird erst 1977 auf den Umfang ausgeweitet sein, den
Amerika für eine angemessene eigene Versorgung braucht.

Das Emporschnellen der Kosten für Energie entwickelt sich jedoch jenseits wie diesseits des Atlantik gleichermaßen zum Problem. Verständlich,
daß Prospektoren in aller Welt ihre Suche nach zusätzlichen Rohstoffquellen,
insbesondere nach Erdöl und Erdgas, immer mehr intensivieren. Dementsprechend
steigen die Kosten für die Exploration. Die nichtkommunistischen Länder gaben
dafür in der Zeit von 1968 bis 1970 ca. 1,4 Milliarden Dollar pro Jahr aus. Na-

�Nahezu 200 Mal so viel wird jedoch in den kommenden zehn Jahren erforderlich
sein. Übrigens wird nach Ansicht des "American Petroleum Institute" ein erheblicher Anteil davon auf die Suche nach neuen Quellen auf dem Territorium
der Vereinigten Staaten entfallen.

Diese Meinung gründet sich u.a. auf die Tatsache, daß in den Vereinigten
Staaten mehr Bohrungen niedergebracht werden als in allen anderen Ländern
zusammengenommen. Allein im Bereich der untermeerischen Ölfeider, insbesondere
am Golf von Mexiko, sind es mehr als 900 pro Jahr. Die Kosten sind erheblich.
Während für eine Tiefbohrung zu Lande ca. 100 000 Dollar veranschlagt werden,
erfordert eine Bohrung im Schelfgebiet etwa das Sechsfache. In Alaska verschlang eine Explorationsbohrung sogar sechs Millionen Dollar, ohne daß man
fündig wurde. Das war zwar ein Ausnahmefall. Aber im Durchschnitt erschließt
nur jede 60. Bohrung eine rentable Quelle.

Im großen Ganzen sind nach Ansicht namhafter Experten die Schelfgebiete
derzeit die lohnendsten Explorationszonen - gleichgültig, in welcher Region
der Erde sie sich befinden. Gegenwärtig liefern sie 17 Prozent des Erdöls.
Aber schon 1980 dürfte man dort 30 Prozent der Weltproduktion fördern. Die
Nordsee und Indonesien gelten heute bei amerikanischen Fachleuten als die
aussichtsreichsten

Explorationsfeider sowohl für Erdöl als auch für Erdgas

seit der Erschließung der Vorkommen im Mittleren Osten. Mehr als 650 Bohrungen
haben amerikanische und westeuropäische Mineralölgesellschaften in der Nordsee seit 1964, als der erste Versuch unternonmen wurde, bereits niedergebracht.
Geologen haben auf Grund der Nordseefunde eine Steigerung der westeuropäischen
Energierohstoff-Reserven um das Vierfache errechnet.

Ihre Erschließung braucht jedoch Zeit. Erst 1985 könnten beispielsweise
Gas und Öl aus Nordseequellen vor den Küsten Englands, Norwegens und der
Niederlande ca. 15 Prozent des westeuropäischen Energiebedarfs decken. Allerdings gewinnt Großbritannien schon jetzt 90 Prozent des benötigten Erdgases
aus der Nordsee. Bis 1980 will es 50 Prozent seines Ölbedarfs aus den untermeerischen Vorkommen decken.
Indonesien

�Indonesien - größter Produzent des Fernen Ostens

Etwa die Hälfte des im Fernen Ostens geförderten Erdöls kommt aus Indonesien, das 1941 zum fünftgrößten Produzenten der Erde aufgerückt war. Im
Gegensatz zu dem Rohöl aus manchen Mittelost-Feldern hat das indonesische
öl einen relativ niedrigen Schwefelgehalt und ist deshalb in den Vereinigten
Staaten besonders geschätzt. Bei 1,4 Milliarden Tonnen förderfähiger Reserven dürfte der Ausstoß im Jahr 1973 etwa 47 Millionen Tonnen erreichen.
Bisher haben 24 ausländische Gesellschaften mehr als eine Milliarde Dollar in
Indonesien investiert.

Öl aus Afrika
Von Bohrplattformen aus sondieren Prospektoren gegenwärtig das afrikanische Kontinentalschelf vor Mosambique. Die nigerianische Ölindustrie erfuhr
bereits nach dem Bürgerkrieg in den sechziger Jahren einen ungeahnten Aufschwung. Die Produktion stieg von 8 Millionen Tonnen im Jahr 1968 auf 75 Millionen im Jahr 1971. Gegenwärtig erreicht sie sogar 300 000 Tonnen pro Tag,
so daß Nigeria heute den achten Platz unter den öllieferländern der Welt einnimmt. Im Verlauf von zwei Jahren dürfte die Produktion aus den Vorkommen, die
auf 1,6 Millionen Tonnen geschätzt werden, um weitere 25 Prozent ansteigen.
Kongo (Brazzaville) verzeichnete schon 1972 eine erhebliche Steigerung der
Ölproduktion, die erst ein Jahr zuvor aufgenommen worden war. Auch in Angola,
Kamerun, Gabun und Zaire wurden inzwischen Ölvorkommen entdeckt.

Ostasien
Im Ostchinesischen Meer vermutet man reiche Ölvorkommen. Gegenwärtig
werden in Korea, Thailand, Südvietnam und im Gebiet der Philippinen Probebohrungen vorgenommen. In Australien war die Suche bereits erfolgreich. Die
Felder von Barrow Island und im Gebiet der Bass-Meerenge könnten bis zu 70
Prozent des Eigenbedarfs decken. Vor kurzem wurden auch an der australischen

�i

australischen Nordwestküste Probebohrungen vorgenommen. Am Ostrand der
Tasman-See, im Gebiet um Neuseeland, sind ebenfalls Prospektoren am Werk.

Süd- und Nordamerika

Venezuela liefert heute doppelt so viel öl wie alle übrigen lateinamerikanischen Länder zusammen. Und angesichts der Tatsache, daß dort im
vergangenen Jahr mehr neue Quellen gebohrt wurden als in einem der letzten
zehn Vergleichsjähre,ist zu vermuten, daß die Produktion weiter ausgeweitet
werden kann. Ekuador verzeichnete im vergangenen Jahr (1972) einen erheblichen Anstieg der Produktion. Eine ähnliche Entwicklung ergab sich in Bolivien
und Trinidad, in geringerem Ausmaß in Peru und Argentinien. Weitere reiche
Vorkommen in Kanada sind größtenteils noch gar nicht erschlossen. Nach Ansicht
von William J. Casey, Staatssekretär für Wirtschaftfragen im US-Außenminister!um,
wäre es weltweit möglich, die erforderlichen Mengen an Erdöl zu gewinnen.

,
f

"Diese Aufgabe erfordert jedoch einen enormen Einsatz von Kapital, Anstrengungen
i.

und gutem Willen, wenn sie sicher und ohne Gefährdung der Stabilität erfüllt

i

werden soll."

S t a t i s t i s c h e Angaben über die wichtigsten Erdöl-Förderländer:
Bohrungen im Jahr 19 71

Reserven
Produktion
(in Millionen Tonnen)
Saudi-Arabien
UdSSR
Kuwait
Iran
USA
Irak
Libyen
Vereinigte Arabische
Emirate
Volksrepublik China
Venezuela
Algerien
Nigeria
Indonesien
Kanada

20 945
lo 200
9 459
8 783
6 116
4 840
4 OOO
2
2
1
1
1
1
1

429
394
160
291
552
84
132

716
700
984
590
579
400
368

51
25
185
36
75
47
66

+ + + + +
-

4 -

mindest.
-

63
11 061
16
20
29 325
17
87
44

nicht bekannt

mindest.
mindest.

506
109
55
287
3 097

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 28.11.1973</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon erläutert Energiepolitik der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Fernsehansprache des Präsidenten am 25. November -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Wirtschaftswissenschaftler fordern Widerstand gegen arabische Erpressung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Öl aus Alaska&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hochkonjunktur für Prospektoren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Strikte Maßnahmen zur Sicherung der Energieversorgung in den USA -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>w

und
Dokumentation

•

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. November 1979

45
INHALT

INFORMATION
Präsident Carter nominiert Philip M. Klutznick als neuen Handelsminister
Neuer US-Vertreter im Europäischen Hauptquartier der UN
Sparen für den Notfall
- Appell Präsident Carters an US-Bundesstaaten DOKUMENTATION
US-Staatssekretär fordert Vereinfachung der NATO-Logistik
- Amerikanisches Gesetz soll Beschaffung erleichtern US-Landwirtschaftsminister ruft zum Kampf gegen den Hunger auf
- Rede vor der FAO in Rom WIRTSCHAFT
Bergsten rechnet mit stärkerer US-Handelsposition und stärkerem Dollar
- Ausführungen des US-Unterstaatssekretärs in Boston WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Computer als Verbündeter bei der Schädlingsbekämpfung
- Simulationsmodelle

sollen Bedeutung von Einzelfaktoren klären helfen

Topfgucker in der Erzküche von Mutter Erde
- Forschungs-U-Boot ALVIN sondiert heiße Quellen im Ostpazifik -

Um Ubcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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10 an m

Information

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28. November 1979

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PRÄSIDENT CARTER NOMINIERT PHILIP M. KLUTZNICK ALS NEUEN HANDELSMINISTER

WASHINGTON - (AD) - Am 16. November 1979 nominierte Präsident Carter zum
Nachfolger der aus privaten Gründen zurückgetretenen Handelsministerin Juanita
Kreps den schon seit den frühen sechziger Jahren im öffentlichen Leben Amerikas
bekannten Philip M. Klutznick.
Klutznick kann in der Tat auf eine erstaunlich vielseitige Karriere zurückblicken:

Doktor der Jurisprudenz, Anwalt für Investmentfragen, Anwalt für

das Justizministerium;

Entwicklung einer Satellitenstadt bei Chicago, Mitar-

beit bei der Planung eines Industriezentrums und Tiefseehafens in Israel; Mitarbeiter von Adlai Stevenson, als dieser Botschafter bei den Vereinten Nationen
war;

Chef einer Investmentgesellschaft, die in der Welt höchster Betonkonstruk-

tion, dem Chicagoer Watertower Place, residiert und die ebenfalls von Klutznick
konzipiert wurde.

Daneben ist Philip Klutznick Präsident des Weltjudenkongresses,

Vorsitzender des amerikanischen Wohnungsbauausschusses für Israel und Mitglied
des Direktoriums der amerikanischen UN-Gesellschaft; außerdem Vertrauensmann
des Komitees für wirtschaftliche Entwicklung, einer überparteilichen Gruppierung
von Geschäftsleuten und Wissenschaftlern, die Vorschläge zur Behandlung wesentlicher Wirtschaftsfragen unterbreitet,sowie Vorstandsmitglied verschiedener
Unternehmen.
Seine

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
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�Seine Entscheidung, sich als Handelsminister zur Verfügung zu stellen,
geht wohl auch auf die Tatsache zurück, daß eine wesentliche Reorganisation
der Handelspolitik vorgesehen ist, die die Rolle des Handelsministeriums deutlich ausweiten wird.

So wird dem Ministerium künftig etwa die Aufsicht über

die an den amerikanischen Botschaften tätigen Handelsattaches zufallen.
Zwei Problemkreise liegen dem designierten Handelsminister besonders am
Herzen:

Zum einen ist für den überzeugten Anhänger eines Maximums an Frei-

handel klar, daß "wir in der Vergangenheit noch nicht alles getan haben, um
die amerikanische Handelsposition zu stärken" und daß die Vereinigten Staaten
"ihre Muskeln im Bereich des Handels entwickeln müssen". Gleichzeitig aber
soll Handel auch zum Nutzen jener Länder sein, denen bereits in früheren Jahren
sein Mitgefühl galt:

vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen hatte

Klutznick schon 1961 "zu einem neuen Anlauf bei nationalen und internationalen
Anstrengungen gegen Armut, Analphabetentum und Krankheit in den Entwicklungsländern" aufgerufen und als Vertreter Amerikas beim Wirtschafts- und Sozial rat
der Vereinten Nationen auf größere internationale Anstrengungen zur Entwicklung
der Dritten Welt gedrängt.
Klutznick ist am 9. Juli 1907 in Kansas City, Missouri geboren, ist mit
der ehemaligen Ethel Riekes verheiratet und hat fünf Kinder und 12 Enkel.

- 2 -

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Information

I

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28. November 1979

NEUER US-VERTRETER IM EUROPÄISCHEN HAUPTQUARTIER DER UN

WASHINGTON

- (AD) -

Präsident Jimmy Carter hat am 20 November 1979

den bisherigen Stellvertretenden Unterstaatssekretär im amerikanischen
Außenministerium, Gerald B. Helman, zum neuen Vertreter der Vereinigten
Staaten beim europäischen Hauptquartier der Vereinten Nationen in Genf
nominiert.

Helman tritt an die Stelle von William Vanden Heuvel, der

zum Stellvertretenden US-Chefdelegierten bei der Weltorganisation in
New York ernannt worden ist.

Er bekleidet den Rang eines Botschafters.

Helman, am 4. November 1932 in Detroit geboren, hatte seit 1977
den Posten eines Stellvertretenden Unterstaatssekretärs für internationale
Organisationen im State Department inne.

Von Haus aus Jurist praktizierte

er kurze Zeit als Anwalt im Staate Michigan, bevor er 1956 in den Auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten eintrat und bei den diplomatischen
Vertretungen der USA in Mailand, Wien und auf Barbados tätig war.

Von

1968 bis 1973 war Helman Botschaftsrat für politisch-militärische Angelegenheiten bei der amerikanischen NATO-Mission in Brüssel.

Im Jahre

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�Im Jahre 1974 wurde Helman ins State Department berufen, wo er
zunächst zwei Jahre lang mit NATO-Angelegenheiten betraut war, um dann
1976 die Leitung des Büros für politische Angelegenheiten der Vereinten
Nationen im State Department zu übernehmen.

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28. November 1979

SPAREN FÜR DEN NOTFALL
- Appell Präsident Carters an US-Bundesstaaten -

- (AD) - Präsident Carter hat ranghohe Vertreter der einzelnen amerikanischen Bundesstaaten ersucht, sich dafür einzusetzen, daß der allgemeine
Energieverbrauch um fünf Prozent und der Kraftstoffverbrauch um zehn Prozent
gesenkt werde.

Auf diese Weise solle ein gewisser Ausgleich für den Ausfall

von ca. 100 000 Tonnen Iran-Öl pro Tag geschaffen werden.

Auf einer Konferenz

mit Repräsentanten der einzelstaatlichen Verwaltungen im Weißen Haus, unter
ihnen 39 Gouverneure, unterstrich der Präsident, daß Sparen die einzige schnell
wirksame Gegenmaßnahme gegen ölverknappung in den Vereinigten Staaten sei, die
sich in den nächsten 50 Tagen als Folge des Ausfalls des Iran als öllieferant
bemerkbar machen dürfte.

"Die. Amerikaner dürfen die Bedeutung der größtmöglichen Anstrengungen zum
Einsparen keinesfalls unterschätzen", meinte der Präsident.

Zwar seien die Vor-

räte an Heizöl, Benzin und anderen Brennstoffen "verhältnismäßig gut", doch
wäre in der gegenwärtigen Situation eine baldige und anhaltende Verpflichtung
hilfreich, um Energieverschwendung in jeder Form weitestgehend zu reduzieren.

US-Energieminister

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�US-Energieminister Charles W. Duncan, Jr., erklärte gegenüber Pressevertretern, daß der Präsident in Kürze für die einzelnen Bundesstaaten bestimmte
Ziele für das Einsparen von Benzin vorschlagen werde.

Aufgrund des Notstands-

gesetzes zur Energieeinsparung, das Präsident Carter am 5. November 1979 unterzeichnete, ist der Präsident ermächtigt, je nach Bundesstaat unterschiedliche
Einsparungsziele festzusetzen, wenn eine einschneidende Unterbrechung der Versorgung droht oder bereits besteht.

Ein Maximal verbrauch in den einzelnen

Bundesstaaten kann auch dann angeordnet werden, wenn Verpflichtungen der USA
im Rahmen von internationalen Energie-Verträgen zu erfüllen sind.
Ist ein Bundesstaat nicht in der Lage oder nicht gewillt, eigene Einsparungsziele vorzugeben, kann der Präsident einen Einsparungsplan verfügen. Präsident Carter ersuchte die Gouverneure, eine Reihe von sofort wirksam werdenden Energiesparmaßnahmen in Erwägung zu ziehen. Dazu zählen z.B. die Wiedereinführung von Plänen zur Abgabe kleiner Benzinmengen sowie von bestimmten Tanktagen für die, Autofahrer entsprechend der geraden oder ungeraden Endziffer des
Nummernschildes, ferner die strikte Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung
von 89 km/Stunde auf Autobahnen, die Einrichtung von Fahrgemeinschaften im Berufsverkehr, Einhaltung der Vorschriften für die Beheizung und Kühlung von Gebäuden und schließlich eine weitergehende Verwendung des Mischkraftstoffs
GASOHOL, als dies bisher der Fall war. Wie Duncan erklärte, werde die Regierung von ihren Notstandsvollmachten zur gerechten Zuteilung und Abgabe von Rohöl Gebrauch machen, sobald die Auswirkungen des Ausbleibens von Öl aus dem Iran
erkennbar werden.

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�1

Dokumentation
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28. November 1979

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US-STAATSSEKRETÄR FORDERT VEREINFACHUNG DER NATO-LOGISTIK
- Amerikanisches Gesetz soll Beschaffung erleichtern -

WASHINGTON - (AD) - Der Staatssekretär für politische Angelegenheiten
im amerikanischen Verteidigungsministerium, Botschafter Robert W.Komer, hat
sich für gesetzliche Regelungen ausgesprochen, die die gegenseitige logistische Unterstützung der amerikanischen Streitkräfte in Europa und der Streitkräfte der europäischen Verbündeten vereinfachen und erleichtern.

Eine ent-

sprechende Gesetzesvorlage des Verteidigungsministeriums wird gegenwärtig im
Repräsentantenhaus von den Unterausschüssen für internationale Sicherheit und
wissenschaftliche Angelegenheiten sowie für Europa und den Nahen Osten des
Außenpolitischen Ausschusses und dem Unterausschuß für Beschaffung und militärische Nuklearsysteme des Militärausschusses behandelt.

Auf einer gemein-

samen Sitzung der genannten Unterausschüsse machte Staatssekretär Komer folgende Ausführungen:

Ich möchte diesen Unterausschuß dringend ersuchen, etwas zu tun, was nach
meiner Überzeugung unbedingt in unserem nationalen Interesse liegt, nämlich
eine Gesetzgebung zu billigen, die die gegenseitige logistische Unterstützung
zwischen unseren Streitkräften in Europa und den Streitkräften unserer Verbündeten erleichtert.

Wir suchen Mittel und Wege zur Vereinfachung amerikanischer

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Telex:08-85432

�amerikanischer Verfahren, um die logistische Unterstützung im Bündnis vor
Ort sicherzustellen und zu gewähren, denn die derzeitigen Vereinbarungen funktionieren nicht gut, verursachen große Schwierigkeiten mit unseren Verbündeten
und beeinflussen die Einsatzbereitschaft der NATO negativ.
Als Hauptzeugen habe ich Generalleutnant Arthur Gregg, den Stellvertretenden Chef des Stabes der Armee für Logistik und früheren Direktor für Logistik
des Gemeinsamen Stabes der Streitkräfte und früheren Chef der Logistik der USArmee in Europa mitgebracht, da er mit dem Problem bestens vertraut ist.

Er

wird Ihnen die militärische Seite darlegen, während ich von den Auswirkungen
auf das NATO-Bündnis und einigen anderen wichtigen Punkten sprechen möchte.

Ich

habe ferner mitgebracht Walter Ligon, Direktor für Planung und Programm im Amt
für Sicherheitsverteidigungshilfe; Benjamin Forman vom Beraterstab des Verteidigungsministeriums; Brigadegeneral Wayne Alley, Oberster Militärrichter der
US-Armee in Europa; und James Saylor von der Finanzabteilung des Verteidigungsministeriums.
Das amerikanische Verteidigungsministerium hat bereits 1978 eine korrigierende Gesetzgebung vorgeschlagen. Diese wurde unter der Nummer HR 11607
eingereicht, kam aber nie bis zum Plenum des Hauses. Der neuformulierte Vorschlag, 96-4, wurde im Juni dieses Jahres unter der Nummer HR 4623 von dem Vorsitzenden Zablocki und Ihnen sowie vom Vorsitzenden Price und dem Abgeordneten
Wilson vom Militärausschuß unterbreitet. Wir hatten gehofft, daß dieser neue
Entwurf einige der Einwände zerstreuen würde, die wir gegen die Version des
vorigen Jahres gehört haben, es stellte sich in den letzten Monaten jedoch
heraus, daß unsere Formulierungen noch immer einige rechtliche und verfahrensmäßige Fragen aufwarfen, die in dieser Sitzungsperiode des Kongresses nicht
gelöst werden konnten. Wir unterstützen daher jetzt eine weniger umfassende
Version, die vom Vorsitzenden Daniel des NATO-Unterausschusses des Militärausschusses unter der Nummer HR 5580 eingebracht wurde.
Wie Sie, Herr Vorsitzender.wissen, hat der Daniel-Unterausschuß am 25. Oktober 1979 eine Anhörung über diese Vorlage abgehalten.
Wie
- 2 -

�Wie er damals dem Vorsitzenden Daniel sagte, hat (NATO-Oberbefehlshaber)
General Rogers die Vorlage HR 4623 des Verteidigungsministeriums nachdrücklich
unterstützt.

Erst kürzlich hat er in einem Schreiben an Verteidigungsminister

Brown erneut bekräftigt, daß "die Verabschiedung von HR 4623 entscheidend wichtig ist, wenn wir im Bündnis eine Kapazität für gegenseitige logistische Unterstützung in Krisenzeiten oder im Konfliktfall schaffen wollen.
Die Regierung der Niederlande hat zu erkennen gegeben, daß sie das Manöver
Reforger 80 ohne eine solche Gesetzgebung nicht unterstützen werde. Darüber
hinaus sind alle Vereinbarungen über gegenseitige Unterstützung von der Verabschiedung dieser Gesetzesvorlage abhängig. Nach unserer Auffassung ist ein
starkes gemeinsames Übungsprogramm in großem Rahmen in zunehmendem Maße wichtig, um Entschlossenheit zu demonstrieren und unsere Kapazität zur Verstärkung
Europas zu verbessern. Es ist dringend erforderlich, daß der Kongreß HR 4623
noch in dieser Sitzungsperiode verabschiedet."
General Rogers hat in der Zwischenzeit HR 5580 geprüft und amtlich erklärt, daß diese Vorlage mit einigen wenigen
generell erfüllen würde.

Änderungen seine Erfordernisse

Diese Änderungen wurden in der Ihrem Unterausschuß

jetzt vorliegenden Gesetzesvorlage weitgehend berücksichtigt.
Lassen Sie mich zunächst das Problem darlegen, um das es bei dieser Gesetzgebung geht, und was sie nach meiner Überzeugung in der realen Welt militärischer Operationen der NATO bedeutet. Wir geben den Großteil der bewilligten Mittel für unsere Verteidigung für die allgemeinen Streitkräfte aus, und
die meisten dieser Streitkräfte werden weitgehend für die Verteidigung Europas
ausgebildet und ausgerüstet.
Aber wir können Europa nicht allein verteidigen, und das ist auch gar
nicht unser Plan.

Wir sind vielmehr von einem gemeinsamen Vorgehen abhängig,

einem Vorgehen, das die NATO-Streitkräfte aller NATO-Staaten unter einem gemeinsamen NATO-Befehl integriert. Amerikanische Streitkräfte werden Seite an
Seite mit Deutschen, Briten, Belgiern, Niederländern, Italienern, Norwegern,

- 3 -

�Norwegern, Türken und anderen Truppen des Bündnisses kämpfen (und in Friedenszeiten Seite an Seite ausgebildet werden).

Daraus ergeben sich wichtige Fragen

der gegenseitigen logistischen Unterstützung im Felde. Wir können nicht alle
so tun, als wären wir logistisch unabhängig, wenn wir unter Belastung alle voneinander abhängig sind.

Daher besteht der Hauptzweck der unterbreiteten Vorlage

darin, eine solche gegenseitige Unterstützung zu erleichtern, vor allem bei der
Ausbildung und bei Übungen in Friedenszeiten, und die gemeinsame Bereitschaft
im Kriegsfall zu verbessern.
Zweitens, wir Amerikaner müssen in Europa am Ende einer 3000 Meilen langen
logistischen Versorgungsleitung operieren.

Wir haben zwar mehr Erfahrung in

der Logistik über große Entfernungen als irgendeine

andere Großmacht in der

Geschichte der modernen Kriegführung, aber es gibt immer kurzfristige Anforderungen an die Versorgung amerikanischer Truppen unter Einsatzverhältnissen in
Friedenszeiten.

Wir können nicht damit rechnen, diese mit der Einstellung des

"als wenn nichts wäre" zu erfüllen.

In gleicher Weise brauchen unsere Verbün-

deten, selbst mit ihren viel kürzeren logistischen Versorgungslinien unter
Übungsbedingungen kurzfristig Unterstützung von uns. Wenn wir diese nicht direkt und wirksam leisten können, dann können wir überhaupt nichts leisten.
In dem Zeitraum von September 1979 bis Dezember 1980 werden amerikanische
Streitkräfte voraussichtlich an zehn verschiedenen großen Felddienstübungen
der NATO teilnehmen. Wir werden unter anderem auch die gegenseitige logistische
Unterstützung üben. Ich glaube, jeder von uns hier begreift, daß im Falle einer
Krise oder eines Krieges es um alles geht und wir logistisch so vorgehen werden,
wie wir müssen. Aber der Zweck dieser Übungen besteht eben darin, die Fähigkeit
unserer Streitkräfte und der Streitkräfte unserer Verbündeten zu erproben, unter Kriegsbedingungen zu operieren. Ich möchte daher dringend vorschlagen,
daß unsere Vereinbarungen für die gegenseitige logistische Unterstützung während Übungen so realistisch sein müssen, wie es nur eben geht. Es hat schließlich wenig Sinn, wenn verbündete Einheiten Ellbogen an Ellbogen im Feld operieren und nicht in der Lage sind, sich sofort vor Ort gegenseitig logisitsch
zu unterstützen.
Über

�über die speziellen Erfordernisse von Übungen müssen wir uns mit den
Auswirkungen der ständigen Verlagerung der Schwerpunkte von Schwanz zu Kopf
- vom Tross zur eigentlichen Truppe - befassen.

Der Kongreß hat das Vertei-

digungsministerium bedrängt, mehr aus dem Geld zu machen, das für das Militär
verausgabt wird, und wir waren mehr als bereit, diesem Wunsch zu entsprechen.
In der Tat bin ich seit je einer der nachdrücklichsten Fürsprecher dieser
Neugewichtung unserer Streitkräfte in Europa gewesen, weil - wie ich glaube es durchaus richtig ist, auf das beträchtliche Potential europäischer Ressourcen für die logistische Unterstützung zurückzugreifen.

Wir nennen das Unter-

stützung durch das Gastland }und wir sind energisch darum bemüht, davon mehr zu
bekommen.

Die Europäer - und vor allem die Deutschen - verstehen diese "Schwanz

bis Kopf-Gleichung und wollen die Kampfkapazitat der Vereinigten Staaten so
hoch wie möglich steigern.
Das kann - wenn wir erfolgreich sind - bedeuten:

Unterstützung durch das

Gastland im Frieden wie im Krieg für den Routinebetrieb der militärischen
Stützpunkte und Basen, einschließlich der Geländesicherung, der Lebensmittelbeschaffung, der technischen Wartung und baulichen Unterhaltung, des Transports
und einer ganzen Reihe anderer Dienstleistungen, die jetzt amerikanische Soldaten von den Kampfeinheiten und der direkten Unterstützung der Kampfeinheiten
abziehen.

Aber auch hier brauchen wir flexible amerikanische Verfahren, die

sich besser den realen Gegebenheiten anpassen können.
Zur Zeit sind uns die Hände buchstäblich gebunden, weil die Gesetze und
Verfahren, die für den Erwerb und den Transfer von Gütern und Dienstleistungen
maßgeblich sind, allzu schwerfällig und zu wenig flexibel für solche Situationen sind, wie ich sie soeben beschrieben habe.

Wenn wir von unseren Verbün-

deten logistische Unterstützung kaufen, dann zwingen wir ihnen komplizierte
Kontraktformulare, Verfahren und Klauseln auf, wie sie das Beschaffungsgesetz
der Streitkräfte und ähnliche Statuten erforderlich machen.

Wenn wir Unter-

stützung gewähren, dann müssen wir uns nach den Bestimmungen des Rüstungsexportkontrollgesetzes richten, die für Transaktionen dieser Art völlig unangebracht
sind.

Dieses Gesetz schließt auch die Gewährung von logistischer Unterstützung

auf der Grundlage einer Rückerstattung in Sachleistungen aus.

Ahnp^Phpn

�Abgesehen von der Tatsache, daß die vorhandenen Restriktionen, es für
uns sehr schwierig machen, unsere militärische Aufgabe bei der Verteidigung
Europas zu erfüllen, haben auch unsere Verbündeten sich energisch dem widersetzt, was sie als einen Zwang, ja als einen Eingriff in ihre Souveränitätsrechte ansehen.

Die Niederländer haben uns seit zwei Jahren gewarnt, daß sie

unter unseren restriktiven Bedingungen nicht weiterhin logistische Unterstützung
für die Übungen leisten könnten.

Bei den Manövern "Reforger 78" und 'Reforger 79"

unterstützten sie uns nach schriftlich festgelegten Vereinbarungen, die auf unsere Gesetzesklauseln verwiesen.

Sie haben uns jetzt mitgeteilt, daß sie die-

se außerordentlichen Maßnahmen nicht auf "Reforger 80" ausweiten werden.

Von

der Bundesrepublik Deutschland, Belgien, Italien und Norwegen sind ähnliche
Warnungen gekommen.
Und auf der anderen Seite dieser zweiseitigen logistischen Medaille
wiederum hat es eine ganze Reihe von Fällen gegeben, wo amerikanische Streitkräfte nicht in der Lage waren, verbündeten Einheiten während militärischer
Übungen kurzfristig lokale Unterstützung zu gewähren wegen der FMS-Restriktionen, die erfordern, daß alle Transaktionen Stück für Stück und bei sofortiger
Bezahlung erfolgen.
Die Verabschiedung dieser Gesetzesvorlage würde es uns ermöglichen, gegensetige Abmachungen auszuhandeln, die auf unsere besonderen Erfordernisse
in Europa zugeschnitten sind. Es würde dadurch auch wesentliches getan, um
sicherzustellen, daß die NATO-Streitkräfte die gleichen logistischen Verfahren
bei Übungen in Friedenszeiten anwenden, die sie unter der Belastung kriegerischer
Verhältnisse anzuwenden hätten.
•

Ich glaube, der Unterausschuß sollte auch zur Kenntnis nehmen, daß alle
unsere Verbündeten übereingekommen sind, die vereinfachten Verfahren für die
gegenseitige logistische Unterstützung zu benutzen, Sie haben also einigen
Grund, mit unserem Beharren auf den üblichen Verfahren unzufrieden zu sein.
Ich darf Ihnen versichern, daß wir mit der neuen Vorlage nicht um die
Vollmacht ersuchen, Erstausstattungsmengen an Großgerät oder irgendwelches der

�der Kontrolle unterworfenes Kampfmaterial zu kaufen

oder zu verkaufen.

Das war niemals unsere Absicht, und ich bedaure, daß die allgemeine Fassung,
in der wir unsere ursprügnliche Gesetzesvorlage ausgearbeitet hatten, Anlaß
zu der Besorgnis gegeben haben könnte, daß wir die Vollmacht für diese Zwecke
benutzen könnten.

Ich werde es den Experten überlassen, was genau unter der Rubrik "logistische Unterstützung" aufgezählt werden sollte.

Ich möchte lediglich

feststellen, daß der Nachdruck auf Dienstleistungen liegt, weil das am meisten
Arbeitsaufwand erfordert und das ist, was zu leisten die Gastländer am besten
ausgestattet sind.

Die materiellen Dinge - Bekleidung, Munition usw. - wer-

den hauptsächlich für Übungen und für Situationen benötigt, in denen sich
amerikanische Truppen oder Truppen der Verbündeten zeitweilig von ihren eigenen Versorgungsquellen abgeschnitten finden.

Ich glaube, der Unterausschuß

wird zustimmen, daß das, was wir tun wollen, Sinn und Verstand hat.

Im Hinblick auf die besonderen Interessen des Außenpolitischen Ausschusses an dieser Angelegenheit möchte ich kurz auf die Bereiche des Rüstungsexportkontrollgesetzes eingehen, die durch HR 5580 berührt werden.

Erstens,

wir ersuchen in der unterbreiteten Vorlage um eine völlige Befreiung von dem
genannten Gesetz, was den Transfer von Verbrauchsgütern und überschüssigen
Beständen und die Gewährung von Dienstleistungen angeht.
Flexibilität, um in Ausbildungs- und Manöverlagen

Wir brauchen diese

mit unseren Verbündeten so

verfahren zu können, wie sie es jetzt mit uns können.

Die transferierten

Versorgungsgüter müssen aus Beständen der amerikanischen Streitkräfte in
Europa kommen, und die Bestände dürfen nicht aufgestockt werden, um diese
besonderen Erfordernisse zu erfüllen.

Bei Dienstleistungen kann es sich nur

um solche handeln, die normalerweise von diesen selben amerikanischen Streitkräften zur Verfügung stehen.

Ich kann Ihnen über die im Gesetz enthaltenen

Sicherungen gegen einen Mißbrauch dieser Vollmacht hinaus versichern, daß
HR 5580 absolut keinen Einfluß auf amerikanische Verkäufe von Waffen oder
Großgerät an die NATO haben wird.

Das neue Gesetz wird auch nicht an die

Stelle von Abkommen über die normalen Lieferungen von Verschleiß- und Ersatz-

- 7 -

�Ersatzteilen im Rahmen des Rlistungsexportkontrollgesetzes treten, noch wird
es auf die Ausbildung auf dem Territorium der Vereinigten Staaten im Rahmen
dieses Gesetzes Anwendung finden.
Mein zweiter Punkt, Herr Vorsitzender, ist, daß Abschnitt 8 der Vorlage
Grenzen für die Beträge setzt, die von den Vereinigten Staaten aufgrund dieser Gesetzgebung angewiesen oder angesammelt werden können.

Ohne ins Detail

gehen zu wollen - General Gregg wird das gerne tun - möchte ich einfach feststellen, daß unsere Verpflichtungen, d.h. Erwerbungen, bis zum Haushaltsjahr
1981 diese Grenzen sehr wahrscheinlich erreicht haben werden.

Allein die For-

derungen für die Wartung von am Ort bereitgestelltem Material könnten in dem
Zeitraum der Haushaltsjahre 1982-86 die 100 Millionen Dollar-Grenze erreicht
haben.

Auf der Seite fälliger Gelder, die diesen Ausschuß mehr interessieren

dürfte, sind die Zahlen bescheidener,und wir rechnen nicht damit, daß diese
die derzeitige Grenze vor den Haushaltsjahren 1983 oder 1984 erreichen dürften.
Das ist normal, da wir auf dem Boden unserer Verbündeten operieren und wir
mehr von ihnen brauchen als sie von uns. Wie dieser Unterausschuß sehr wohl
weiß, laufen die großen FMS-Fälligkeiten auf einem anderen Konto an und lassen
diese Zahlen hier unbedeutend erscheinen.
Mein letzter Punkt~bezüglich der Einzelheiten im Zusammenhang mit dem
Rüstungsexportkontrollgesetz betrifft die unausweichliche Frage der Weitergabe
an Dritte. Das ist eine heikle Frage, und ich bin mir darüber im klaren, daß
hier die Position des amerikanischen Verteidigungsministeriums eindeutig sein
muß. Im wesentlichen, Herr Vorsitzender, sind wir überzeugt, daß die Dinge,
die wir mit der Vollmacht im Rahmen dieser Vorlage tun müssen, uns nicht vor
diese Frage stellen werden. Wir sprechen von Dienstleistungen und kleinen
materiellen Gegenständen, wie etwa einem Reservegenerator oder einem Faß Düsentreibstoff. Und selbst wo es sich um kritische Ersatzteile handelt, glauben
wir, daß die Risiken einer Weitergabe an Dritte minimal sind, weil die Mengen,
um die es hier geht, einfach zu gering sind, um ins Gewicht zu fallen.
•

Zusammenfassend

�Zusammenfassend möchte ich sagen, daß das Verteidigungsministerium
während der letzten Sitzungsperiode des Kongresses und während dieser ein
Maß an gesetzgeberischer Erleichterung angestrebt hat, das wir als vernünftig und wirksam betrachten.

HR 5580 wird uns den Sattel einiger grundlegen-

der Erfordernisse geltender Gesetze nicht abnehmen, aber es würde uns sicherlich in die Lage versetzen, einen großen Schritt zur Beseitigung unserer
gegenwärtigen Schwierigkeiten zu tun.

Ich bin ferner der Meinung, daß un-

sere Verbündeten diese Verbesserung als eine positive Entwicklung betrachten würden und bereit wären, die normalen Versorgungsvereinbarungen aufrechtzuerhalten, wenn HR 5580 Gesetz wird.

Lassen Sie mich auch noch einmal wieder-

holen, daß wir mit diesem Gesetz nicht beabsichtigen, es als Mittel für die
Beschaffung oder die Weitergabe von Großgerät zu benutzen.

- 9 -

�Dokumentation

I

3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. November 1979

45

US-LANDWIRTSCHAFTSMINISTER RUFT ZUM KAMPF GEGEN DEN HUNGER AUF
- Rede vor der FAO in Rom -

ROM - (AD) - Der amerikanische Landwirtschaftsminister Bob Bergland hat
am 13.November 1979 in einer Rede vor der 20. Jahreskonferenz der Organisation
für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) der Vereinten Nationen alle Länder der
Erde aufgerufen, sich an dem Kampf gegen Armut und Hunger zu beteiligen.
Die Rede Berglands hat folgenden Wortlaut:
Die Botschaft der Vereinigten Staaten an die 20. Konferenz der FAO will
zweierlei: sie ist zum einen Feststellung einer Tatsache, der Tatsache zunehmender weltweiter gegenseitiger Abhängigkeit - Interdependenz. Und sie ist
zum andern eine Forderung, eine dringende Forderung, dieser wachsenden gegenseitigen Abhängigkeit eine stärkere Zustimmung aller Nationen zur gemeinsamen
Verantwortung für die Armen und die Hungrigen dieser unserer Welt entgegenzustellen.
Im Verlauf der zwei Jahre, seit ich die Ehre hatte, vor der 19. FAO-Konferenz zu sprechen, ist auf nationaler und internationaler Ebene viel erreicht

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�erreicht worden, um die weltweite Gefahr des Hungers zu vermindern.
gibt keinen Anlaß zur Selbstzufriedenheit.

Aber es

Noch bleibt viel zu tun übrig.

Nur wenige Länder sind heutzutage bei allen Nahrungsmitteln autark.

Die

Produktion von Nahrungsmitteln hat in vielen Entwicklungsländern nicht mit dem
Bevölkerungswachstum Schritt gehalten.

Obwohl die Nahrungsmittelproduktion in

den Entwicklungsländern pro Jahr zwischen 1970 und 1978 um ungefähr drei Prozent
anstieg, machte der Bevölkerungszuwachs diese Gewinne praktisch zunichte.

Der

durchschnittliche Jahreszuwachs der Nahrungsmittelproduktion pro Kopf betrug
in den Entwicklungsländern lediglich 0,3 Prozent.

In den ärmsten Ländern sank

dieser durchschnittliche Jahreszuwachs an Nahrungsmittel Produktion pro Kopf
sogar.
Die Entwicklungsländer mußten ihre Nahrungsmittelimporte wesentlich erhöhen.

Im Lauf der sechziger Jahre stiegen die Nahrungsmittelimporte der Ent-

wicklungsländer um etwa 2,7 Prozent.
lich um 6,9 Prozent.

In den siebziger Jahren stiegen sie jähr-

Während Länder mit rasch steigenden Einkommen für einen

großen Teil dieses Anstiegs verantwortlich sind, müssen doch auch einige Länder mit niedrigem Einkommen mehr einführen.
Wie das FAO-Sekretariat in seinem umfassenden Bericht "Landwirtschaft
bis zum Jahr 2000" dargelegt hat, ist die Zahl der Menschen, deren Ernährung
unter dem kritischen Mindestmaß liegt, nicht geringer geworden. Noch heute
sind ungefähr eine halbe Milliarde Menschen unterernährt. Derzeitige Vorausschätzungen zeigen, daß diese Zahlen in den kommenden Jahren eher zu- als abnehmen werden, solange keine Änderungen von außen kommen.
Die Nachfrage nach Nahrungsmitteln in den Entwicklungsländern wird wahrscheinlich zwischen heute und dem Jahr 2000 um 3,7 Prozent jährlich ansteigen.
Um diese Nachfrage zu befriedigen, müssen die Entwicklungsländer ihre Nahrungsmittelproduktion in den nächsten 20 Jahren um mindestens 75 Prozent erhöhen .
Dies macht deutlich, daß die Zukunft der Entwicklungsländer, und besonders jener
mit einem geringen Einkommen und einem Defizit an Nahrungsmitteln, für uns
alle ein überaus schwerwiegendes Problem darstellt.
Als
- 2 -

�Als ich 1977 vor der 19. FAO-Sitzung in Rom sprach, empfahl ich eindringlich, Themen, die nur am Rande mit der eigentlichen Entwicklungsarbeit
zu tun haben - wie etwa Lösung der Handels- und Rohstoffprobleme -, in anderen internationalen Körperschaften zu behandeln, die sich speziell mit diesen
Problemkreisen befassen.

Ich drängte die FAO, sich als die eigentliche Welt-

organisation für Ernährung und Landwirtschaft auf wachsende Nahrungsmittelproduktion und verbesserte Ernährung zu konzentrieren - besonders in den Entwicklungsländern.

Natürlich war dies kein Ziel, das sich in den zwei Jahren zwi-

schen zwei Konferenzen erreichen ließe.

Zu diesem Ziel stehe ich auch im Jahr

1979 als der anhaltenden und in der Tat alles überschattenden, immer dringlicher
werdenden Herausforderung unseres Zeitalters.
Es steht außer Zweifel, daß Erhöhungen der Hilfe von außen notwendig sind.
Aber eine solche Hilfe von außen ist nur dann wirkungsvoll, wenn sich die Entwicklungsländer fest dazu verpflichten, dem Ernährungs- und Landwirtschaftssektor bei ihren eigenen Entwicklungsplänen eine höhere Priorität einzuräumen.
Die Entwicklungsländer müssen einen größeren Anteil ihrer eigenen Hilfsquellen
für die landwirtschaftliche Entwicklung bereitstellen und ihren NahrungsmittelProduzenten höhere Anreize bieten. Ihre Politik und ihre Investitionen müssen
eine Steigerung der Beschäftigung im Auge haben, damit die Kleinbauern und die
Armen ohne Landbesitz genug verdienen, um die Nahrungsmittel kaufen zu können,
die sie brauchen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihre Hilfe anzubieten. Aber die Aufgabe erfordert die konzertierte Anstrengung aller Mitglieder der internationalen Gemeinschaft. Wir müssen die Verantwortung dafür teilen, daß der Hunger
im 20. Jahrhundert zugunsten eines gesunden und starken 21. Jahrhunderts überwunden wird.

Maßnahmen

�Maßnahmen zur Erhöhung der Landwirtschaftsproduktion, zur Verminderung der
Unterernährung und zur Stärkung der weltweiten Sicherstellung der NahrungsmittelVersorgung
Eine Anzahl von Maßnahmen zur Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion, zur
Verminderung der Unterernährung und zur Stärkung der weltweiten Sicherstellung
der Nahrungsmittel Versorgung wurde auf der Sitzung des Welternährungsrates im
September vorgeschlagen.

Ich möchte diese Gelegenheit wahrnehmen, sie darzu-

legen und ihre Bedeutung für das Agrarsystem der Welt zu erörtern.
Unsere Energien müssen zuallererst auf eine Beschleunigung der Produktion
von Nahrungsmitteln und die Agrarproduktion gerichtet werden, besonders in Ländern mit geringem Einkommen und einem Defizit an Nahrungsmitteln.
Nahrungsmittel, die auf der Welt produziert werden
den in den Erzeugerländern verbraucht.

Die meisten

- 85 bis 90 Prozent -»wer-

Ohne anhaltende Produktionsanstiege

- besonders in den ärmsten Ländern - kann es keine langfristige Sicherstellung
der Nahrungsmittel Versorgung für den größten Teil der Menschheit geben.
Die Vereinigten Staaten sehen in der Entwicklung von Strategien auf dem
Nahrungsmittelsektor einen ersten wichtigen Schritt zur Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion. Solche Strategien würden den Entwicklungsländern bei der
Koordinierung ihrer Programme zur Nahrungsmittelproduktion helfen und ihre
Hilfsquellen wirkungsvoller nutzen. Die FAO ist bestens dazu geeignet, ihre
Fähigkeiten auf diesem Gebiet anzubieten. Wir empfehlen der FAO dringend, mit
der Weltbank, den regionalen Entwicklungsbanken und dem Welternährungsrat zusammenzuarbeiten, um den Ländern bei der Entwicklung dieser Strategien zu helfen. Die Vereinigten Staaten können auch auf diesem Gebiet technischen Beistand gewähren.
Ein zweiter Schritt zur Verbesserung der Nahrungsmittel Produktion ist die
verstärkte Unterstützung für internationale Forschung im Bereich der Landwirtschaft.

Forschung ist wesentlich für die Art von technischen Erneuerungen,

die die Ernteerträge erhöhen können.

Wir freuen uns, daß die FAO in ihrem Be-

�Bericht über mittelfristige Zielsetzungen die größere Unterstützung nationaler und internationaler Agrarforschung empfiehlt.

Schließlich müssen wir erhöhte Aufmerksamkeit der Erhaltung von Anbauland gegen Erosion, Erschöpfung und Verkarstung schenken.

Dies ist wahrlich ein weltweites Problem.

In den Vereinigten Staaten

wird derzeit der jährliche Verlust an Erde auf unseren Farmen auf neun Tonnen
pro Morgen (etwa 22 Tonnen pro Hektar) geschätzt.

Und bald könnte Wasser das

Land als wichtigste Beschränkung der amerikanischen Nahrungsmittel Produktion
verdrängen:

Wir erschöpfen rasch unsere Grundwasserreserven im Westen, Süd-

westen und den Großen Ebenen.

Der größte Teil derjenigen Landstriche der Erde, die für den Anbau geeignet sind, wird derzeit genutzt.
volle Quelle zu verschwenden.

Wir können es uns nicht leisten, diese wertWir unterstützen die Anstrengungen der FAO und

des Umweltschutzprogramms der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Erschöpfung des Weidelands und ermutigen stärkere nationale und internationale Anstrengungen zu diesem Zweck.

Erhöhte Nahrungsmittel Produktion ist ein Punkt von entscheidender Bedeutung, jedoch nicht der einzige Faktor bei der Verminderung von Hunger und
Unterernährung.

Unterernährung wurzelt zugleich in Armut und ungleicher Verteilung der
Nahrung.

Wir brauchen eine vielseitige Methode zur Beseitigung von Hunger

und Unterernährung.

Die Entwicklungsländer brauchen die Gestaltung einer Po-

litik und eines Programms, die verstärkte Produktion und verbesserte Verteilung in Verbindung miteinander bringen.

Strategien auf dem Nahrungsmittel-

sektor werden dabei helfen, diese Verbindungen zu identifizieren.

Für die

FAO besteht eine Hauptrolle darin, die Nahrungsmittelverteilung und die Konsumkomponenten der Strategien auf dem Nahrungsmittelsektor zu gestalten.

Dies

könnte in angemessenem Rahmen Interventionsprogramme für Nahrungsmittel beinhalten.
Wir
- 5 -

�Wir unterstützen die zunehmende Betonung, die die FAO in den nächsten
zwei Jahren auf Ernährung legt. Wir sind jedoch beunruhigt darüber, daß

das

Arbeitsprogramm und das Budget der FAO für 1980/81 die Sammlung und Bewertung
von Daten betont,und empfehlen der FAO dringend, eine umfassendere und handlungsorientiertere Methode zur Lösung dieses Problems einzuschlagen.

Die Ver-

einigten Staaten haben große Erfahrung in den verschiedensten Programmen zur
Verteilung von Nahrungsmitteln und sind bereit, technische Hilfe anzubieten.
Die Vereinigten Staaten sind der Meinung, daß eine verstärkte Sicherstellung der weltweiten Nahrungsmittel Versorgung von entscheidender Bedeutung
ist.

Wir werden auch weiterhin auf das Ziel einer stabilen Getreideversorgung

und angemessener Reserven hinarbeiten.

Wir bedauern, daß die Verhandlungen

für ein neues internationales Weizenabkommen (IWA) noch zu keinem Erfolg geführt
haben,und hoffen, daß ein neues Abkommen doch noch abgeschlossen wird.
Wir sind mit FAO-Generaldirektor Saouma einer Meinung, daß das Fehlen
eines Abschlusses der Verhandlungen über das IWA den zwischenzeitlichen Fortschritt hin auf eine weltweite Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung
nicht entmutigen sollte. Wir glauben, daß die Zeit reif ist, um weiter auf
zwei Ziele dieser Sicherstellung zuzugehen:

den Abschluß einer neuen Konven-

tion für Nahrungsmittelhilfe und die Errichtung von Systemen zur Sicherstellung
der Nahrungsmittel Versorgung in den Entwicklungsländern.Eine neue Konvention für Nahrungsmittelhilfe (FAC) wird ein wichtiger
Schritt zur Sicherstellung einer ausreichenden Nahrungsmittelhilfe sein. Wir
unterstützen das 10-Millionen-Tonnen-Ziel für jährliche Nahrungsmittelhilfei
und haben uns zu 4,47 Millionen Tonnen Getreide als unseren jährlichen Mindestbeitrag verpflichtet. Wir empfehlen den Regierungen, die noch keinen separaten FAC-Verhandlungen zugestimmt haben, ihre Position noch einmal zu überdenken. Wir empfehlen auch all den Ländern, die sich in der Lage befinden,
e
einen sinnvollen Beitrag zur Konvention zu leisten - egal, ob in bar oder in
Waren -, dies zu tun. Die Wirksamkeit sowie die Quantität der Nahrungsmittel hilfe kann noch durch zusätzliche finanzielle und technische Hilfe weit vergrößert werden.
Nationale
- 6 -

�Nationale Systeme zur Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung in den
Entwicklungsländern können bei der Erhöhung verfügbarer Reserven helfen und
die rasche Verteilung von Nahrungsmitteln in bedürftigen Gebieten erleichtern.
Aber diese Systeme bedürfen der Hilfe beim Aufbau von Lagerungsmöglichkeiten
und beim Entwurf von Systemen zur Unterhaltung und zur Verteilung von Nahrungsmittelreserven.

Wir ermutigen die Weltbank dazu, stärkere Betonung auf Einrich-

tungen zur Nahrungsmittellagerung und auf Verteilungssysteme zu legen.

Wir

empfehlen darüber hinaus der FAO dringend, mit der Weltbank zusammenzuarbeiten,
woimmer

es bei diesem Unternehmen möglich ist.

Die Rolle der FAO angesichts der bevorstehenden Herausforderung
-

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In den über 30 Jahren ihres Bestehens kann die FAO eine hervorragende
Leistungsbilanz vorweisen. Bei der Sammlung und Verbreitung von Statistiken
über Erzeugnisse, bei der Unterstützung von Agrarinvestitionen in Entwicklungsländern und bei anderen Programmen hat die FAO uns allen einen unschätzbaren
Dienst erwiesen. Unser Lob gilt der FAO für ihre gute Arbeit und besonders
für die Unterstützung bei der weltweiten Sicherstellung von Nahrungsmitteln
durch Initiativen wie den Fünf-Punkte-Aktionsplan.
In den Augen der Vereinigten Staaten ist die FAO die wichtigste Organisation der Vereinten Nationen, die sich besonders um Angelegenheiten bemüht,
die mit der Welternährungslage und der Landwirtschaft zu tun haben. Da die
Bekämpfung von Hunger und Unterernährung das Hauptanliegen der FAO sein sollte,
empfehlen wir ihr dringend, einen größeren Anteil ihrer Mittel in die Länder
mit niedrigem Einkommen und mit Nahrungsmitteldefiziten zu leiten.
Unserem Vorschlag gemäß kann die FAO diesen Ländern dabei helfen, Strategien auf dem Nahrungsmittelsektor zu entwickeln, Interventionsprogramme für
Ernährung durchzuführen und Erfordernisse im Bereich der Nahrungsmittellagerung und -Verteilung zu beurteilen.

Wir ermutigen die FAO auch dazu, noch

aktiver die Beschäftigung auf dem Land zu unterstützen - mit besonderer Beach-

- 7 -

�Beachtung der Bedürfnisse der Ärmsten und der am meisten Benachteiligten.
Die FAO hat viele eben dieser Bereiche in ihrem Plan für mittelfristige Zielsetzungen hervorgehoben.
Die FAO kann eine schwerwiegende Informationslücke schließen, indem sie
Daten im Bereich der Agrarinvestitionen in den Entwicklungsländern sammelt
- sowohl intern als auch extern.

Als Teil der Verfolgung der Ziele der Welt-

konferenz über Agrarreform und ländliche Entwicklung (WCARRD), kann die FAO
den Fortschritt der ländlichen Entwicklung überwachen.
Es wird somit deutlich, daß die FAO eine entscheidende Rolle dabei spielen
kann, wie wir uns der Herausforderung im Bereich der Ernährung und der Landwirtschaft in den nächsten 20 Jahren
kämpfen.

stellen.

Aber wir müssen alle zusammen

Die Herausforderung ist zu gewaltig, um von einer einzigen Organi-

sation allein bewältigt zu werden.
In einer Reihe weltweiter Debatten, die gerade beginnen, werden die internationalen Entwicklungsziele für die achtziger Jahre dargelegt. Die FAO kann
die größte Wirksamkeit entfalten, wenn sie ihre Arbeit an diesen Zielen ausrichtet, zusammen mit den anderen multilateralen Organisationen, die sich mit
dem Problem der Welternährung und der Landwirtschaft befassen.
Durch ihre Programme außerhalb des normalen Budgets hat die FAO enge
Bindungen zum Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen. Sie arbeitet auch
eng mit der Weltbank zusammen, indem sie Gutachten für mögliche Investitionen
erstellt und sollte diese Zusammenarbeit auch bei Strategien im Ernährungsbereich und bei der Beurteilung von Nahrungsmittellagerung fortführen. In Verfolgung der WCARRD-Ziele wird die FAO auch mit der Einsatzgruppe der Vereinten
Nationen für ländliche Entwicklung und anderen Organisationen zusammenarbeiten
müssen. Wir erwarten auch, daß die FAO weiterhin ihre Politik und Programme
mit dem Welternährungsrat und dem Internationalen Weizen-Rat in einer gemeinsamen Anstrengung koordiniert, um die weltweite Sicherung auf dem Nahrungsmittel sektor zu verstärken.
Die

�Die Arbeit der FAO kann durch gemeinsame Aktivitäten mit bilateralen
Gremien verbessert werden.

Das gemeinsame Programm der FAO und der amerika-

nischen Hilfe für die Sahel-Länder illustriert die Segnungen gemeinsamer Anstrengungen.

Die FAO könnte auch die Entwicklung einer engeren Zusammenarbeit

mit Organisationen außerhalb des Regierungsbereichs ausloten, von denen viele
über umfangreiche Mittel und Fachwissen bei landwirtschaftlichen Entwicklungsprogrammen verfügen.

Die Rolle der Vereinigten Staaten im internationalen Ernährungssystem
Die Vereinigten Staaten haben auf die weltweiten Erfordernisse reagiert,
indem sie auf angemessene Nahrungsmittel Produktion für den kommerziellen und
konzessionellen Verkauf hinarbeiteten.

Wir haben für das Erntejahr 1980

die Programme zur Rücklage von Weizen und Futtermittel aufgehoben, um unsere
Farmer zur Ausweitung ihrer Produktion zu ermutigen.

In einer Anstrengung zum Schutz unserer Erzeuger gegen zeitweilige Unausgeglichenheiten bei Angebot und Nachfrage und zur Aufrechterhaltung von
Investitionsanreizen haben wir durch Reserven im Besitz der Farmer selbst
Stabilität in die amerikanische Landwirtschaft eingebaut.

In weniger als zwei Jahren lagerten unsere
Weizen und Futtermittel als Reserven ein.

Farmer 33 Millionen Tonnen

Als die Preise in diesem Frühjahr

und Sommer stiegen, zogen die Bauern nahezu 12,6 Millionen Tonnen dieser Reserven ab und bedienten (vom 1. Oktober an) die wachsende Nachfrage.

Indem

sie das Angebot in einer Periode der verstärkten Nachfrage ausweiteten, stabilisierten die Reserven die Welthandels- und die Inlandpreise.
Mittels dieser Reserve waren wir in der Lage, den Umfang der Nahrungsmittelproduktion auch in Perioden relativ niedriger Preise beizubehalten.
Es ist daher für die Vereinigten Staaten wesentlich, ihre Produktionskapazität
zu erhalten.

Als ein Land, das Getreide zu niedrigen Kosten produziert, haben

- 9-

�haben die Vereinigten Staaten in dieser Hinsicht eine besondere Verpflichtung.
Wir stellen fest, daß unsere landwirtschaftliche Erzeugung ein wesentlicher
Faktor ist, um die Sicherstellung der Welternä'hrung zu gewährleisten.

Aber

wir erkennen auch, daß die amerikanischen Farmer ihre Produktion nur dann erhöhen, wenn ihnen nach Abzug ihrer Kosten noch ein vernünftiges Einkommen
bleibt.
Die Vereinigten Staaten sind traditionell ein Hauptlieferant bei der
Nahrungsmittelhilfe.

Gegenwärtig stellen wir nahezu zwei Drittel der globalen

Unterstützung im Nahrungsmittelbereich.

In diesem Jahr beläuft sich unser

Beitrag auf 1,4 Milliarden Dollar oder nahezu 6,5 Millionen Tonnen landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

So lange es notwendig ist, werden wir versuchen,

durch bilaterale und multilaterale Programme kurzfristigen Notlagen und Hungersnöten entgegenzusteuern.
Am 14. August verabschiedeten wir neue Gesetze, um den am schwersten
betroffenen Ländern noch mehr zu helfen. Im Rahmen des Gesetzes für internationale Entwicklung und Zusammenarbeit von 1979 betont die amerikanische
bilaterale Unterstützung diejenigen Programme, die die Nahrungsmittelversorgung in den Entwicklungsländern erhöht und denjenigen Ländern die Nahrungsmittelbeschaffung erleichtert, die besonders arm und im Bereich der Ernährung
verwundbar sind.
Ein Hauptziel der Vereinigten Staaten ist es, den Entwicklungsländern
bei der Verbesserung ihrer eigenen Nahrungsmittel Produktion und -Verteilung
zu helfen.

Langfristig gesehen bedeutet Sicherung im Nahrungsmittelbereich,

daß die Entwicklungsländer ihren Pro-Kopf-Verbrauch an Nahrungsmitteln zumindest beibehalten, wenn möglich sogar erhöhen können.

Nahezu die Hälfte

unserer bilateralen wirtschaftlichen Entwicklungshilfe entfällt auf landwirtschaftliche und ländliche Entwicklung.
In den kommenden Jahren werden wir versuchen, einen noch größeren Anteil
unserer Nahrungsmittel- und Entwicklungshilfe jenen Entwicklungsländern mit
niedrigem Einkommen zufließen zu lassen, die zu erhöhter Inlandsproduktion von
- 10 -

�von Nahrungsmitteln und zu ausgeglichenerer Verteilung von Nahrungsmitteln
und landwirtschaftlichen Erzeugnissen ermutigen.
Internationale Agrarforschung könnte eine treibende Kraft zu erhöhter
Agrarproduktion sein.

Wir haben regelmäßig nahezu 25 Prozent der Mittel der

Konsultativgruppe für internationale Agrarforschung (CGIAR) beigetragen.
In unserer Eröffnungsansprache auf der 24. Vollversammlung der Vereinten Nationen kündigten wir unsere Unterstützung für eine Verdoppelung der Mittel des
internationalen Forschungssystems bis 1985 an.
Im Jahr davor schuf das amerikanische Amt für Internationale Entwicklung
(AID) auch das Unterstützungsprogramm für gemeinsame Forschung (CRSP). Mit
seiner Hilfe soll versucht werden, die Zusammenarbeit zwischen ausgewählten
amerikanischen Universitäten und Institutionen der Entwicklungsländer zu erleichtern. Derzeit laufen unter diesem Programm drei Projekte&gt;und 21 weitere
Projektbereiche wurden abgesteckt.
Im Haushaltsjahr 1978 verteilten die Vereinigten Staaten nahezu 556 Millionen Dollar ihrer bilateralen Hilfsmittel an Landwirtschaft, ländliche
wicklung und Ernährung.

Ent-

Im Haushaltsjahr 1979 brachten wir für diese Ziele

schätzungsweise 610 Millionen Dollar auf und haben für das Haushaltsjahr 1980
715 Millionen Dollar vom Kongreß angefordert.
Eine immer größer werdende Zahl von Entwicklungsländern kann inzwischen
als "Länder mit mittlerem Einkommen" bezeichnet werden. Obwohl viele dieser
Länder aus unseren bilateralen Auslandshilfsprogrammen herausgewachsen sind,
benötigen sie doch immer noch unser technisches Know-how, um ihre Nahrungsmittelproduktion und -Verteilung zu verbessern. Die Vereinigten Staaten haben
ihre technische Kooperationsprogramme beträchtlich ausgeweitet, um die Nachfrage nach fortgeschrittener Technologie zu befriedigen. Im letzten Jahr
haben wir in kooperativen Vereinbarungen mit mehr als 30 solcher Länder gemeinsame Beschlüsse hinsichtlich der Bereiche des wissenschaftlichen und technologischen Austausches gefaßt.
Zum
- 11 -

�Zum Beispiel riefen wir ein gemeinsames Programm mit unserem südlichen
Nachbarn (Mexiko) ins Leben, um die Bebauung von trockenem und halbtrockenem
Land zu verbessern.

Ebenso zielt das Programm auf die Ausweitung von Beschäf-

tigungsmöglichkeiten und Einkommenschancen in dem dortigen landlichen Gebiet.
Die Vereinigten Staaten haben aktiv daran mitgearbeitet, die Anwendung
der neuen Wissenschaft und Technologie im Bereich des Getreideanbaus in den
Entwicklungsländern zu fördern.

Es wurde ein interbehördlicher Mechanismus

geschaffen, speziell um Ländern dabei zu helfen, neue Unternehmen zur Züchtung
und Vermarktung neuer landwirtschaftlicher Produkte in tropischen und trockenen
Gebieten zu errichten.
Schließlich möchte ich betonen, daß die Vereinigten Staaten auch weiterhin Wege suchen werden, um den Handel für Nahrungsmittel und landwirtschaftliche
Produkte mit den Entwicklungsländern auszuweiten. Die Vereinigten Staaten sind
heute der größte Importeur von landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus der Dritten
Welt. Im Haushaltsjahr 1978 beliefen sich die amerikanischen Einfuhren von
Nahrungsmitteln und landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus den Entwicklungsländern auf fast 9,4 Milliarden Dollar - 500 Millionen mehr als unsere Agrarausfuhren in diese Länder. Im Haushaltsjahr 1979 stiegen unsere Rohstoffeinfuhren
aus den Entwicklungsländern auf 10,6 Milliarden Dollar. Die bei den Multilateralen Handelsverhandlungen erreichten Konzessionen sollten sogar zu noch mehr
Handel im Agrarbereich zwischen den Entwicklungsländern und den Vereinigten
Staaten und der übrigen Welt führen.

Schlußfolgerung
Die Vereinigten Staaten sind ein verantwortungsvoller Partner im Weltagrarsystem und werden es bleiben. Wir werden unseren Beistand den unterschiedlichen Ansprüchen der Länder mit geringem und mittlerem Einkommen anpassen.
Wir werden auch weiterhin das Land sein, das die höchsten Beiträge an die multilateralen Behörden zahlt, während wir zugleich unsere bilateralen Programme
auszuweiten suchen. Und wir werden unsere Politik so gestalten, daß sowohl
- 12 -

�sowohl die Versorgung mit Nahrungsmitteln als auch das technische Know-how
bereitgestellt wird, das die Welt benötigt.

Genau wie Sie erkennen wir die

Dringlichkeit der Herausforderung,vor der wir stehen:

die Bekämpfung von

Hunger und Unterernährung in den vor uns liegenden Jahrzehnten.

Wir freuen

uns auf die Zusammenarbeit mit der FAO und mit Ihnen allen bei diesem Unternehmen.

Gehen wir gemeinsam voran.

- 13 -

�I

Uüirt/choft
»

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. November 1979

45

BERGSTEN RECHNET MIT STÄRKERER US-HANDELSPOSITION UND STÄRKEREM DOLLAR
- Ausführungen des US-Unterstaatssekretä'rs in Boston -

BOSTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für internationale Angelegenheiten im amerikanischen Finanzministerium, C. Fred Bergsten, rechnet mit
einem Abbau des Defizits der Leistungsbilanz der Vereinigten Staaten im
Jahre 1979 auf wenige Milliarden Dollar und für 1980 sogar mit einem
Überschuß. Ferner erwartet er eine weitere Stärkung des US-Dollar und
lehnt die Behauptung ab, eine "Dollarschwäche" rechtfertige eine Erhöhung
der ölpreise. Die Ausführungen des Unterstaatssekretärs vor dem World
Affairs Council (Rat für Weltpolitik) in Boston am 13. November 1979 haben
folgenden Wortlaut:
Vor etwas über einem Jahr haben die Vereinigten Staaten in augenfälliger Weise eine Reihe von Maßnahmen zur Stärkung des Dollar auf den
Devisenmärkten durchgeführt.

Im Laufe der letzten vier Wochen haben

wir eine Reihe weiterer Schritte vorgenommen, die diese Anstrengungen
ergänzen und verstärken.
Es ist

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Es ist daher nützlich, noch einmal die Ereignisse auf dem internationalen Währungsgebiet während der letzten zwölf Monate zu betrachten,
und zwar unter dem Gesichtspunkt dreier entscheidend wichtiger Fragen:
-

Ist eine größere Stabilität der Devisenmärkte erreicht worden?

-

Hat eine grundlegende Angleichung der zugrundeliegenden Ungleichheiten stattgefunden?

-

Funktioniert das internationale Währungssystem gut genug, oder
sind weitere Verbesserungen seines Funktionierens notwendig?

Es hat in dem genannten Zeitraum sicherlich Enttäuschungen gegeben,
die unsere Bemühungen zurückgeworfen haben. Die Inflation hat sich
beschleunigt. Die ölsituation hat eine starke Auswirkung auf Preise,
Wachstum und Zahlungsbilanzungleichheiten hier und im Ausland.
Ich meine jedoch, daß auch ein erheblicher Fortschritt erzielt worden
ist, daß man diesem Fortschritt zu wenig Beachtung geschenkt hat:
-

Der Dollar ist stärker geworden und dem Durcheinander auf den
Devisenmärkten ist Einhalt geboten worden.

-

Der Prozeß der Angleichung der Zahlungsbilanzen ist fast lehrbuchmäßig abgelaufen.

-

Die Auswirkung des ölpreises und der Ölversorgungslage hat den
Blick etwas abgewendet von der erfolgreichen Anpassung der großen
Ungleichgewichte der Vereinigten Staaten, der Bundesrepublik
Deutschland und Japans, die in den letzten Jahren die Hauptursachen
für die Instabilität auf den Devisenmärkten waren.
Es liegt
- 2 -

�-

Es liegt also auf der Hand, daß das Wä'hrungssystem wirksam
funktioniert, wobei wir allerdings in diesem Zeitraum auch die
Notwendigkeit für eine Weiterentwicklung erkannt - und uns in
diese Richtung in Marsch gesetzt haben.

Die Entwicklungen auf den Devisenmärkten
Es mag angebracht sein, meine Darlegungen damit zu beginnen, daß
ich an die Lage auf den Devisenmärkten im Herbst vorigen Jahres erinnere.
Obwohl die Vereinigten Staaten begonnen hatten, Fortschritte beim Abbau
ihres Rekordhandels- und Leistungsdefizits zu erzielen, wurde das Vertrauen
in unsere Fähigkeit, eine stabile Position zu erreichen, durch die
steigende Inflation und die Verzögerungen in der Verwirklichung eines
Energieprogramms untergraben. Es traten schwere und anhaltende Unruhen
auf den Devisenmärkten auf, die zu einer übertriebenen Abwertung des
Dollar führten. Im Monat Oktober fiel der Dollar scharf gegen praktisch
alle wichtigen Währungen zurück.
Dieser übertriebene Rückgang des Dollar trug unnötigerweise zur
Inflation in unserer eigenen Wirtschaft bei. Da der Dollar die Schlüsselwährung der Welt bleibt, bedrohte dieser Rückgang auch die Stabilität
des gesamten internationalen Finanzsystems. Dies wiederum bedrohte unsere
eigene Wirtschaft - weil jeder achte Arbeitsplatz in der Produktion in
unserem Lande und jeder dritte Hektar landwirtschaftlich genutzten Landes
für den Export arbeiten, und weil fast ein Dollar von drei Dollar der
amerikanischen Körperschaftsgewinne aus internationalen Tätigkeiten
(Investitionen wie Exporten) amerikanischer Firmen stammt.
Es bedurfte daher kräftiger, direkter Maßnahmen, um die psychologische
Atmosphäre zu überwinden, das Vertrauen wiederherzustellen und eine Grund-

�Grundlage für größere internationale Finanzstabilität zu schaffen.
Unsere Maßnahmen begannen im August 1978 mit einer intensivierten Anstrengung zur Kontrolle der Inflation.

Zu diesen Maßnahmen gehörte

eine Reihe von Schritten in der Währungspolitik und die Einführung von
Lohn-Preis-Richtlinien.

Die einzelnen Schritte wurden jedoch, jeder

für sich allein betrachtet, als unzureichend angesehen und verstärkten
sogar noch die negative Atmosphäre.
Am 1. November 1978 gaben die Vereinigten Staaten ein Paket von
Maßnahmen bekannt, um den Dollar im eigenen Land und im Ausland zu stärken.
Zu dem Paket gehörte eine damals als beispiellos betrachtete Erhöhung
des Diskontsatzes um ein Prozent und andere Maßnahmen für eine straffere
Währungspolitik, erhöhte Goldverkäufe zur Verbesserung der Handelsposition
und die Mobilisierung von bis zu 30 Milliarden Dollar an Devisenmitteln,
um den amerikanischen Anteil an den gemeinsamen Marktinterventionen zusammen mit der Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz und Japan zu finanzieren und wieder stabile Verhältnisse herzustellen.
Nach einer kurzen Zeitspanne, in der man die offiziellen Absichtserklärungen testete kamen die Devisenmärkte wieder zur Ruhe und im
ersten Halbjahr ergab sich eine steigende Dollarnachfrage. Abschwächungen
und Steigerungen kehrten wieder zu normalen Werten zurück. Es setzte
ein starker Nettokapitalzufluß nach den Vereinigten Staaten ein, als die
Titel mit kürzeren Laufzeiten aufgegeben wurden.
Trotz dieser Ende 1978 ergriffenen Maßnahmen stieg unsere Inflationsrate ständig weiter an. Dies hatte zur Folge, daß am Markt wieder eine
Baissestimmung gegenüber dem Dollar aufkam. Die Kurve der Besorgnis
stieg - zwar mit Schwankungen, aber im September 1979 mit wachsender
Stärke und in die Wechselkurse kam wieder eine gewisse Bewegung» Die
Aufmerksamkeit konzentrierte sich jedoch nicht allein auf den Dollar.
Die Deutsche Mark zeigte im Europäischen Währungssystem (EWS) wachsende

- 4 -

�wachsende Stärke, was zu Spekulationen über eine Neufestsetzung der
Kurse innerhalb dieses Systems führte, was aber auch den Dollar unter
neuen Druck brachte.
Drei Faktoren halfen diese Episode zu beenden: eine Neuanpassung
der Wechselkurse innerhalb des Europäischen Währungssystems, Maßnahmen,
die die amerikanische Bundesbank am 6. Oktober ergriff und die darauffolgenden Maßnahmen des US-Finanzministeriums. Trotz der Periode, in
denen der Dollar unter Druck geriet, steht der Dollar heute erheblich
über dem Stand vom vergangenen Oktober. Gemessen im handelsgewichteten
Durchschnitt gegenüber den Währungen der anderen großen Industrieländer,
hat der Dollar einen Wertzuwachs von etwa 8 Prozent erfahren, einschließlich
eines 35prozentigen Wertzuwachses gegenüber dem japanischen Yen und
einer dreiprozentigen Steigerung gegenüber der Deutschen Mark.
Der Dollar ist auch um etwa 8-12 Prozent höherbewertet im Vergleich
zu den Hauptwährungen, die zur Bezahlung der Importe für die OPEC benötigt
werden. (Die genaue Zahl hängt von der dabei angewandten Durchschnittsbewertung ab). Entgegen dem weitverbreiteten Eindruck, daß sich der
Dollar seit Jahresmitte wesentlich abgeschwächt habe, hat er sich seit
der OPEC-Konferenz im Juni um zwei Prozent gegenüber dem Durchschnitt
der anderen Hauptwährungen verstärkt. Dieser Punkt ist außerordentlich
wichtig, weil der "schwächere Dollar" manchmal als Rechtfertigung für
erhöhte öl preise angeführt wird. Die Realität steht dazu im Gegensatz.
Die erneute Stärke des Dollar hat eine Reihe von Ursachen. Ganz
eindeutig haben die Maßnahmen vom 1. November 1978 und unsere darauffolgenden Aktionen eindrucksvoll unter Beweis gestellt, daß wir entschlossen
sind, mit den Unruhen an den Devisenmärkten fertigzuwerden. Wir werden
weiterhin aktiv in den ausländischen Devisenmarkt eingreifen, wenn die
Bedingungen dies erfordern und es stehen uns hierzu ausreichende Hilfsmittel zur Verfügung. In diesem Zusammenhang hat das Finanzministerium

- 5 -

�Finanzministerium kürzlich auf Deutsche Mark lautende Wertpapiere im
Gegenwert von 1,1 Milliarden Dollar ausgegeben und

plant ein weiteres

Angebot bis zur Höhe von 2 Milliarden Deutsche Mark im Januar.
Wir haben außerdem beim Verkauf von Gold ein flexibleres Programm
aufgestellt, das mit dazu beitragen soll, die spekulativen Turbulenzen
am Goldmarkt zu verhindern, weil durch sie eine Instabilität auf anderen
Warenmärkten und den Devisenmärkten verursacht wurde.

In Zukunft werden

die amerikanischen Goldverkäufe den verschiedensten Änderungen in bezug
auf Menge und Zeitpunkt des Angebots unterliegen und dadurch die Unsicherheiten und die Risiken, die mit der Goldspekulation verbunden sind,
erhöhen.

Diesem neuen Programm entsprechend wurden am 1. November 1,25

Milliarden Unzen Gold verkauft.

Der Anpassungsprozeß
Interventionen am Devisenmarkt und andere Bemühungen der direkten
Einwirkung auf die Marktkräfte können natürlich nur dann von Erfolg sein,
wenn sie eine solide Grundlage haben. So konnten wir im November 1978
einen kühnen Schritt tun, weil wir zuversichtlich waren, daß die Grundtendenzen in der richtigen Richtung liefen - und im Rückblick zeigt
sich, daß wir recht hatten, insofern sich die amerikanische Außenposition
bereits nach dem ersten Quartal dieses Jahres merklich zu bessern begonnen
hatte.
In der Tat ist inzwischen eine erhebliche Verbesserung in der
Bilanz der laufenden Posten der Vereinigten Staaten zu verzeichnen. Im
vergangenen November hatten wir eine Halbierung des Defizits von 14
Milliarden Dollar im Jahre 1978 auf 6-8 Milliarden Dollar im Jahre 1979
in Aussicht genommen, unter der Voraussetzung keines weiteren Dlpreis-

- 6 -

�öl Preisanstiegs.

Nun sind aber die ölpreise um mehr als 60 Prozent ge-

stiegen - eine Entwicklung, mit der niemand rechnete und die unsere
ölrechnung für 1979 um rund 16 Milliarden Dollar erhöht hat.
Trotzdem betrug das Defizit unseres laufenden Kontos während der
ersten Hälfte dieses Jahres nur 1 Milliarde Dollar. Man rechnet für
das gesamte Jahr mit einem Defizit von höchstens einigen Milliarden Dollar
Für 1980 rechnen wir damit, daß die Vereinigten Staaten einen ganz
erheblichen Überschuß ihres laufenden Kontos verzeichnen können, immer
vorausgesetzt, daß die ölpreise nicht mehr als die Preise für andere
Güter steigen. Ja, wir erwarten, daß die Vereinigten Staaten bei weitem
den höchsten Überschuß in ihrem laufenden Konto außerhalb der OPECStaaten haben werden.
Die Verbesserung der amerikanischen Leistungsbilanz ist auf zwei
entscheidende Entwicklungen zurückzuführen.

Erstens:

unser Handels-

defizit in den ersten drei Quartalen des Jahres 1979 liegt mit einer
Jahresrate von 6 Milliarden Dollar unter dem 34 Milliarden-Dollar-Defizit
im Jahre 1978 - trotz des Anstiegs um 16 Milliarden Dollar bei den ölimporten.

Unsere Handelsbilanz ohne das öl hat sich im Verlauf der

letzten sechs Quartale um die gewaltige Jahresrate von 44 Milliarden
Dollar verbessert.
Bis Ende September dieses Jahres wird das Volumen der nicht-landwirtschaftlichen Exporte um schätzungsweise 20 Prozent höher sein als
im gleichen Zeitraum des Jahres 1978. Gleichzeitig erhöhte sich das
Volumen der Nichtöl-Einfuhren um nur zwei Prozent.

Da der Umfang des

Welthandels insgesamt um fünf bis sechs Prozent angewachsen ist, wird
offenkundig, daß sowohl unsere e&lt;port- als auch importorientierten
Industrien große Fortschritte hinsichtlich ihres Marktanteils gemacht
haben.

Die sich hinziehenden Auswirkungen wettbewerbsmäßiger Gewinne

aus früheren Wechselkursänderungen sowoie die Verlagerungen bei den

- 7 -

�den relativen Wachstumsraten haben zu dieser wesentlichen Verbesserung
der Wettbewerbsposition der Vereinigten Staaten geführt.

Im Jahre J.980

werden diese Faktoren zu einer anhaltenden Verbesserung unserer Gesamthandelsbilanz beitragen, obwohl die Kosten für unsere ölimporte um
weitere 10 Milliarden Dollar in etwa ansteigen werden - sogar auf der
Basis der gegenwärtigen Preise.
Zweitens:
transaktionen

der Überschuß der Vereinigten Staaten an Dienstleistungswächst ebenfalls schnell an.

Er liegt gegenwärtig um

sieben Milliarden Dollar über dem Überschuß von 20 Milliarden Dollar,
der im Jahre 1978 erzielt wurde.

Die Einkünfte aus den amerikanischen

Direktinvestitionen im Ausland waren besonders hoch, was die verbesserten
Ertragschancen aus Auslandstätigkeiten in dem Maße reflektiert, wie das
Wachstum im Ausland zunahm und was auf die Auswirkungen vergangener
Wechselkursbewegungen zurückzuführen ist.

Im Jahre 1980 sollten weitere

Fortschritte auf diesem Gebiet zu einem sogar noch größeren Dienstleistungsüberschuß führen.
Hierbei ist zu beachten, daß die Vereinigten Staaten bei der derzeitigen Höhe unseres Dienstleistungsüberschusses ein Warenhandelsdefizit
von fast 30 Milliarden Dollar hinnehmen können und dabei immer noch
einen Überschuß in ihrem laufenden Konto ausweisen würden - der beste
Einzelindikator für die internationale wirtschaftliche Position eines
Landes. Die Struktur unseres laufenden Kontos ist somit sehr verschieden
von der Japans und der Bundesrepublik Deutschland, die beide ein beträchtliches Dienstleistungsdefizit ausweisen und daher einen beträchtlichen
Überschuß im Warenhandel erzielen müssen, um ihre Gesamtbilanz auszugleichen.
Neben der Verbesserung der amerikanischen Position erleben wir auch
eine sehr bemerkenswerte Anpassung in den Positionen der anderen großen
Industrieländer. Insbesondere hat die Position Japans eine dramatische

�dramatische Wendung erfahren.

Für 1979 wird mit einem beträchtlichen

japanischen Defizit gerechnet - möglicherweise in der Größenordnung von
7-8 Milliarden Dollar, im Gegensatz zu dem im Jahre 1978 erzielten
Überschuß von 16,5 Milliarden Dollar.

Das bedeutet einen Umschwung

in der japanischen Position um 20-25 Milliarden Dollar in nur einem
Jahr.

Außerdem aber dürfte Japan auch 1980 weiterhin im Defizit ver-

bleiben.

Der Überschuß der Bundesrepublik - der sich im Jahre 1978 auf

runde 9 Milliarden Dollar belief - ist in diesem Jahr nahezu aufgehoben
und ein geringes Defizit ist für das nächste Jahr wahrscheinlich.
Diese Entwicklungen zeigen klar und deutlich, daß der internationale
Anpassungsprozeß wirkt. Sicherlich gibt es - wie wir immer gewußt haben eine beträchtliche Verzögerung zwischen den Veränderungen in relativen
Preisen und Wachstumsraten auf der einen Seite und den Handelsflüssen
auf der anderen Seite. Jedoch sind die Ergebnisse jetzt für alle klar
ersichtlich - so wie sie es übrigens nach den Wechselkursanpassungen
Anfang der siebziger Jahre waren.
Diese Anpassungen werden so etwa im Verlauf des nächsten Jahres ein
System von Zahlungsbilanzen zwischen den großen Industriestaaten
entstehen lassen, das ein entscheidender Faktor für eine größere Stabilisierung des Devisenmarktes sein wird.
Gleichzeitig aber ist offenkundig, daß selbst ausgewogene Positionen
im laufenden Konto nicht genügen, um die Devisenmärkte zu stabilisieren,
sofern nicht ein vernünftiges Maß von Vertrauen in die Angemessenheit der
Wirtschaftspolitiken der großen Länder besteht und speziell in die Entschlossenheit der verantwortlichen Stellen in den Vereinigten Staaten,
nicht nachzugeben, bis die Inflation unter Kontrolle gebracht ist.
Preise für Lebensmittel und Energie haben zeitweilig die Kurve
der amerikanischen Preisindizes in den Bereich zweistelliger Zahlen

- 9 -

�Zahlen getrieben.

In den kommenden Monaten wird dieser Druck nachlassen,

wenn die Lebensmittelpreise in der Folge guter Ernten nachgeben und die
Maßnahmen der OPEC von der Wirtschaft voll verkraftet sind - immer vorausgesetzt allerdings, daß es nicht einen neuen Anstieg der ölpreise gibt.
Aber die bestehende Inflationsrate ist immer noch viel zu hoch und
muß unter Kontrolle gebracht werden.

Die Bandbreite von Maßnahmen der

amerikanischen Politik ist auf dieses Ziel gerichtet.

Die jüngsten Maßnahmen

der amerikanischen Bundesbank zur Drosselung eines vermehrten Geldumlaufs
sind eine starke Medizin und werden beibehalten.

Eine disziplinierte

Finanzpolitik wird die von der Bundesbank unternommenen Anstrengungen
ergänzen.

So sind in den letzten beiden Jahren bereits mehr als 30

Milliarden Dollar von dem Hochbeschä'ftigungs-Budget für Spar- und Einschränkungsprojekte übergegangen.

Die zwischen Administration und Gewerk-

schaften erzielte nationale Übereinkunft schaffte eine Basis für ein
wirksameres Programm der Lohn-Prefs-Mäßigung auf dem privaten Sektor.
Doch hat sich die Inflation tief in unsere Wirtschaftsstruktur eingefressen
und es wird eine längere Zeitspanne äußerster Einschränkung notwendig
sein, um sie auszurotten.

Die Entwicklung des internationalen Währungssystems
Die Wirtschaftsprobleme der letzten zehn Jahre haben den Vereinigten
Staaten die Interdependenz der Volkswirtschaften eindringlich und klar
vor Augen geführt. Unsere Fähigkeit, allein und unabhängig mit diesen
Problemen fertigzuwerden, ist weit eingeschränkter als viele wahrhaben
wollen. Unsere tatsächliche wirtschaftliche Souveränität ist weitaus
geringer als unsere Souveränität, die wir dem Namen nach haben. Der
Erfolg unserer Anstrengungen, die Inflation unter Kontrolle zu bringen,
zufriedenstellendes Wachstum zu erzielen und einen starken und stabilen

- 10 -

�stabilen Dollar zu erhalten, wird durch die Handlungsweisen anderer in
entscheidendem Maße beeinflußt.
Die wirtschaftlichen Realitäten der Interdependenz haben jedoch die
institutionellen Mechanismen zu ihrer Bewältigung weit hinter sich gelassen. Trotz des oben erwähnten Fortschrittes bei der Angleichung
nationaler Zahlungsbilanzpositionen sind wir uns alle nur allzu deutlich
der sich wiederholenden Ausbrüche von Instabilität im Währungssystem und
der häufigen Verzögerungen beim Ergreifen wirkungsvoller Anpassungsmaßnahmen bewußt. Wir befinden uns noch immer in den Anfängen eines
Systems der flexiblen Wechselkurse und benötigen weitere Verbesserungen
seiner Funktionstüchtigkeit. Auf der Tagesordnung der achtziger Jahre
muß die Entwicklung eines Rahmens stehen, der sicherstellt, daß die internationalen Dimensionen der Wirtschaftspolitiken sich angemessen in den
nationalen politischen Entscheidungen widerspiegeln.
Die Übereinkünfte des Internationalen Währungsfonds (IWF) stellen
einen nützlichen Ausgangspunkt in den kritischen Bereichen der mulitlateralen
Behandlung der Weltwirtschaft und der internationalen Geldliquidität dar.
Während die neuen Klauseln den Mitgliedern genug Raum bei der Wahl der
Wechselkursarrangements geben, erlegen sie doch die Verpflichtung auf,
wirtschaftliche Stabilität zu fördern und unfaire Wettbewerbspraktiken
bei den Wechselkursen zu vermeiden - was in einer Welt mit hoher Inflation
Anstrengungen einschließen kann, die Wechselkursraten künstlich hoch zu
halten, im gleichen Maß, wie eine Welt, die von übermäßigen Arbeitslosenraten in Anspruch genommen worden war, vor den regelmäßigen nationalen
Anstrengungen stand, die Wechselkurse künstlich niedrig zu halten.
Der IWF wurde mit erweiterter Verantwortung ausgestattet, um die
Funktionen des Systems zu überwachen und um sicherzustellen, daß die
Mitglieder diese Verpflichtungen erfüllen.

Im Bereich der Überwachung

hat der Fonds Prinzipien zur Unterrichtung von Mitgliedern bei der Durch-

- 11 -

�Durchführung ihrer Wechselkurspolitik entwickelt, sowie Verfahren und
Kriterien zur Beurteilung der Politik von Mitgliedern.

Die Richtlinien

und die Verfahren des IWF stellen fest, daß die Überwachung die ganze
Bandbreite der wirtschaftspolitischen Maßnahmen einschließen muß, die
die Zahlungsbilanzen sowie die Wechselkurspraktiken selbst berühren.
Die Überwachungsrolle stellt potentiell eine wesentliche Stärkung
der Möglichkeit des IWF dar, eine gesunde Weltwirtschaft zu fördern.

Denn

in der Vergangenheit beschränkte sich die Möglichkeit des Fonds, Mitglieder
zu beraten und zu einer angemessenen Politik zu ermutigen, hauptsächlich
auf Fälle, bei denen ernste Zahlungsbilanzprobleme Länder dazu nötigten,
sich vom Fonds Kredite geben zu lassen.

Die neuen Bestimmungen erweitern

die Vollmachten des Fonds und finden Anwendung auf Länder, die ihre Mittel
nicht nützen, einschließlich solcher, die eine positive Bilanz aufweisen
oder anderweitige Finanzierungsquellen erschlossen haben.

Diese ausge-

wogenere Betrachtung dürfte die Wirksamkeit des IWF erhöhen.
Verständlicherweise ist der IWF bei der Ausübung dieser Befugnis
sehr zurückhaltend, aber die Zeit ist für ihn gekommen, eine aktivere
Rolle zu spielen. Folglich haben die Vereinigten Staaten mehrere Schritte
vorgeschlagen, um die IWF-Überwachung zu stärken. Dazu gehören Maßnahmen
zur Bewertung der Leistungen eines bestimmten Landes im Vergleich zu
vereinbarten weltweiten Normen; die Aufforderung an Länder mit großen
Überschüssen oder Defiziten in ihrer Bilanz, dem IWF zur Kontrolle eine
Analyse vorzulegen, welche Vorschläge sie zur Überwindung dieser Bilanzunstimmigkeiten machen; eine aktivere Rolle für den Geschäftsführenden
Direktor des IWF bei der Herbeiführung von Konsultationen zwischen den
Mitgliedern; und die Errichtung eines Gouverneursrates mit Entscheidungsbefugnis, der den Beratenden Interimsausschuß ersetzt. Diese Schritte
könnten ein wichtiger Beginn bei der Entwicklung einer wirkungsvollen
Rolle des IWF sein, den Angleichungsprozeß der Zahlungsbilanzen zu
steuern.
Hand

�Hand in Hand mit der größeren Interdependenz zwischen den Ländern
ging ein größeres Gleichgewicht hinsichtlich der wirtschaftlichen Bedeutung.
Während der Dollar die zentrale Währung für internationale Reserven und
Liquidität bleibt, zeigen auch andere Währungen eine gesteigerte Kapazität
für eine internationale Rolle.

Die Entwicklung eines Mehrwährungssystems

würde jedoch ein unerwünschtes Langzeitpotential für Instabilität und
Zerrissenheit beinhalten, da dann die Möglichkeiten, von einer Währung
auf eine andere überzugehen, noch größer wären als heute.

Folglich besteht

erhöhtes Interesse an multilateralen Anstrengungen zur Regulierung der
weltweiten Liquitität.

Das Interesse konzentriert sich auf Anstrengungen zur Stärkung der
Rolle der Sonderziehungsrechte (SDR).

Die Sonderziehungsrechte wurden

1969 geschaffen als zusätzliche Liquiditätsquel1e, die sich nicht auf
Gold oder Zahlungsbilanzdefizite des Landes der Reservewährung stützte.
Die Unsicherheit der siebziger Jahre mit der raschen Ausdehnung einer
währungsgestützten Liquitität verzögerten die umfassende Entwicklung der
SDR.

Dennoch setzen die neuen IWF-Bestimmungen das Ziel fest, die SDR

zum wichtigsten Reserveinstrument im Währungssystem zu machen.

Zur Förderung der SDR wurde eine Reihe bedeutender Schritte unternommen.

Sie haben Gold als die zentrale Werteinheit des IWF ersetzt,

dienen als Maßeinheit für das System, als Rechnungseinheit und als Mittel
vieler IWF-Abschlüsse.

Zuteilungen der Sonderziehungsrechte wurden wieder

aufgenommen, wobei SDR im Umfang von 4 Milliarden jährlich im Zeitraum
von 1979-81 verteilt wurden.

Die Zinssätze der SDR wurden mit den Zins-

sätzen des Marktes stärker in Übereinstimmung gebracht, und die Anzahl
der Abschlüsse, bei denen SDR benutzt werden können, wurde erhöht, wodurch
die Möglichkeit der SDR verbessert wurde, mit anderen Reservewerten zu
konkurrieren.

Der IWF erwägt derzeit die Errichtung eines Substitutionskontos, bei

- 13 -

�bei dem Dollar und möglicherweise andere Währungen gegen auf SDR denominierte
Werte getauscht werden können.

Der Interimsausschuß folgerte auf seinem

jüngsten Treffen in Belgrad, daß ein korrekt entworfenes Konto zur Verbesserung des Systems und zur Förderung der Rolle der SDR beitragen könnte
und beauftragte den Exekutivrat des Fonds für nächsten April mit einem
weiteren Bericht.
Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß die Entwicklung eines
Substitutionskontos der internationalen Gemeinschaft insgesamt eine
Reihe von Vorzügen bietet.

Die SDR sind ein abwechslungsreiches Instrument,

das seiner Natur nach weniger Wechselrisiken beinhaltet als Anteile einer
einzelnen Währung.

Ein Substitutionskonto könnte ein international

anerkanntes, rißfestes Mittel für Länder sein, die gewünschte Zusammensetzung ihres Währungsbestands zu erzielen, ohne eine Reihe von Landeswährungen halten zu müssen.
wichtigen Schritt

Die Errichtung eines Kontos würde einen

zum klügeren Gebrauch der SDR darstellen und

zu ihrer

langfristigen Entwicklung als den wichtigsten Reservewert.
Es gibt jedoch viele schwierige Fraben bei der Errichtung eines
solchen Kontos und bei der Aufteilung der mit seinem Unterhalt verbundenen
Kosten. Zum Beispiel müssen Fragen beantwortet werden, die den Zinssatz
und die durch dieses Konto herausgegebene Liquidität seiner Werte angehen,
die Investition von Dollareinlagen, den Betrag und Verwendung von Zinsgewinnen sowie Maßnahmen, um die Kapital struktur des Kontos aufrechtzuerhalten. Dies sind überaus komplexe Themen und wir können nicht sicher
sein, ob und wann befriedigende Antworten gefunden werden. Dennoch
erachten die Vereinigten Staaten diese Anstrengung als lohnend und nehmen
auf kooperative, konstruktive Weise daran teil.

- 14 -

�Schlußfolgerung
Ich ziehe die folgenden Schlüsse aus der Bewertung der internationalen
Währungsentwicklungen des letzten Jahres und der gegenwärtigen Situation:
-

Erstens:

Eine Hauptquelle des Drucks und der Instabilität auf

den Devisenmärkten der letzten Jahre - das große amerikanische
Defizit und die großen deutschen und japanischen Überschüsse ist verschwunden. Die Struktur der Zahlungsbilanzen der wichtigsten
Staaten gibt eine gesunde Grundlage für die Stabilität der Devisenmärkte ab.
-

Zweitens: Diese Veränderungen zeigen, daß der internationale
Anpassungsprozeß funktioniert. Um das Funktionieren dieses
Prozesses noch zu verbessern, ist es jedoch wesentlich, Korrekturmaßnahmen frühzeitig zu ergreifen, bevor die Probleme sich von
selbst verschärfen und tiefgreifende Schritte erfordern. Der
IWF könnte in dieser Hinsicht eine viel größere Rolle spielen.

-

Drittens: Wir sollten nicht überrascht und auch nicht beunruhigt
sein, wenn die relative Rolle des Dollar im internationalen
Finanzgeschäft im Lauf der Zeit eine Tendenz zur Verkleinerung
aufweisen wird.

Anstelle eines Mehrwährungssystems von ziemlicher

Instabilität könnten wir Zeuge eines allmählichen Auftauchens
der Sonderziehungsrechte als wesentlicher Faktor der internationalen
Geldwirtschaft werden.
Schließlich ist klar, daß alle Lösungen unserer gegenwärtigen Probleme
internationale Antworten benötigen.

Der Mechanismus für kooperatives

Handeln muß verstärkt werden, um eine wirksame weltweite Behandlung des
Anpassungsprozesses bei den Zahlungsbilanzen und die Bestimmung internationaler Liquidität zu ermöglichen.

Wir leben in einer Welt gegenseitiger

- 15 -

�gegenseitiger Abhängigkeit und unsere Politiken und Institutionen müssen
sich auf diese Tatsache gründen.

+ + + + +

•

16

�an
I

Im
CO

31

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. November 1979

45

COMPUTER ALS VERBÜNDETER BEI DER SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG
Simulationsmodelle sollen Bedeutung von Einzelfaktoren klären helfen

- (AD) - Die Gewohnheiten und Lebenszyklen von Pflanzenschädlingen
untersuchen Wissenschaftler vom Institut für Tropenlandwirtschaft der Universität Florida in Gainesville unter Verwendung von Computermodellen.
grund der in Florida gewonnenen

Auf-

Erfahrungen will man Bauern in Entwicklungs-

ländern, insbesondere in tropischen und subtropischen Regionen, sowie landwirtschaftlichen Kleinbetrieben in den Vereinigten Staaten und Europa in Gebieten mit Vielfruchtanbau helfen, Schädlingsprobleme besser zu meistern.
Die Entomologen Dr. Carl Barfield und Dr. Jerry Stimac, dazu der Biologe Dr. Philip Koehler, wählten zwei einheimische Schädlinge für den Aufbau
von Datenmodellen aus:

Den Heerwurm (Raupe der Baumwollmotte) und eine vor

allem auf Leguminosen, Sojabohnen und Erdnüsse "spezialisierte" Raupenart.
Im Südosten der Vereinigten Staaten befallen sie gerne Feldkulturen bis hin
zum Mais.

Den Farmern machemsiie die wirksame Bekämpfung sehr schwer.

Denn

sie haben eine hohe Mobilität und sind bei ihrer Nahrungssuche keineswegs wählerisch.

An wild wachsenden Pflanzen wie Nutzpflanzen richten sie oft ver-

heerende Schäden an.
Für

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel. 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Für die Wissenschaft ist es von großer Bedeutung, mehr und Genaueres
über Entwicklung, Mobilität, Vermehrung und Nahrungsbedarf dieser Schädlinge
herauszufinden.

Nach Dr. Barfield könnten sie aus besonders warmen Gegenden

in Florida, aber auch aus Kuba und Inseln südlich von Kuba, ja sogar aus Südamerika, der Halbinsel Yukatan oder aus Mexiko kommen.

Man habe gelegentlich

beobachtet, daß sie mit Tiefruckgebieten ziehen und auf diese Weise weit in
den Norden, gelegentlich bis nach Kanada gelangen.
Erst wenn die Brutstätten genau bekannt sind, ist eine enge Zusammenarbeit
mit Wissenschaftlern und Behörden der betreffenden Regionen zur gezielten Bekämpfung der Schädlinge möglich.

Wie die Mitarbeiter des Instituts von

Gainesville erklärten, sei auch die bessere Kenntnis ökologischer Zusammenhänge
sehr wichtig.

Man müsse z.B. ihre natürlichen Feinde (Vögel, Insekten) kennen

und wissen, von welchen Krankheiten sie befallen werden können und ob bzw. welche Witterungsbedingungen ihre Entwicklung und ihr Verhalten beeinflussen.
Für einen Teil der vielen offenen Fragen versucht man in den ökokammern des
Schädlingsforschungsinstituts von Gainesville eine Antwort zu finden.

Dort

werden die Insekten unter ganz konstanten klimatischen Bedingungen gehalten und
sehr genau beobachtet.

Dabei zeigte sich z.B., daß ihre Eiablage sehr viel

größer ist, wenn sich die Futterpflanze in einem ganz bestimmten Reifestadium
befindet.

Vor und nach diesem Zeitpunkt sind sie weniger produktiv.

Diese

Beobachtung gab den Wissenschaftlern erste Hinweise auf Faktoren, die für den
Ausbruch regelrechter Epidemien eine Rolle spielen.
In der Anfangsphase des Programms kombiniert man noch herkömmliche mit
neuen Forschungsmethoden: Studenten suchen mit Farmern und deren Helfern die
Felder ab, um den Grad des Schädlingsbefalls zu ermitteln und dabei auch mögliche andere Krankheitsfaktoren bei den Kulturen zu erkennen. Die Ergebnisse
der Feldbegehung werden für das Computerzentrum des Instituts zusammengefaßt.
Vorläufiges Ziel ist es, daß schon eine Stunde nach der Feldbegehung die Datenverarbeitung abgeschlossen ist und die Ausarbeitung in der Form von Tabellen
und Diagrammen über den Schädlingsbefall vorliegt. Ältere Unterlagen von der
Datenbank des Instituts über Befunde früherer Feldbegehungen werden eingeblendet, um die Tendenz deutlicher zu machen und so den Farmern zu helfen, das in
- 2 -

�in der betreffenden Wachstumsphase wirksamste Pestizid in der optimalen Dosierung anzuwenden.
Auf der Basis des gesamten Datenmaterials möchte Dr. Stimac, der sich auch
eingehend mit Systemanalysen befaßt, schließlich Simulationsmodelle entwickeln,
bei denen u.a. Wetterverhältnisse, Bearbeitungs- und Anbauverfahren, Art des
verwendeten Düngers, Bodenbeschaffenheit, Kosten und viele andere Faktoren berücksichtigt sind. Auch die möglichen Auswirkungen verschiedenartigen Vorgehens
unter den jeweiligen Bedingungen und die Absatzmöglichkeiten für den einzelnen
Farmer sollen durchgespielt werden. Angesichts dieser gründlichen Vorarbeit
werden die Farmer, so hoffen die Wissenschaftler, darauf verzichten, bei der
Schädlingsbekämpfung nach eigenem Gutdünken zu handeln und vielleicht nicht mehr
korrigierbare Fehler zu machen.
Die Forscher beabsichtigen nicht, eine Computertechnik zu entwickeln, die
dem Landwirt alle Entscheidungen abnimmt.

Vielmehr soll ihm der Computer Ent-

scheidungshilfen an die Hand geben und so gute und umfassende Informationen liefern, daß er die bestmögliche Entscheidung treffen kann.

- 3 -

�31

M.

3

rji

Wi//en/chcift
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. November 1979

45

TOPFGUCKER IN DER ERZKÜCHE VON MUTTER ERDE
- Forschungs-U-Boot ALVIN sondiert heiße Quellen im Ostpazifik -

- (AD) - Mit dem bewährten amerikanischen Klein-Unterseeboot ALVIN begann unter der Leitung von Dr. John M. Edmond vom Massachusetts Institute of
Technology (MIT) in Boston am 2. November 1979 eine neue Serie von Tauchexperimenten. Sie dienen der Erforschung einer Region mit extrem heißen Quellen
am Grund des Ostpazifik in einem Gebiet, das zum sog. Ostpazifischen Rücken
gehört. Dieser ist ein hauptsächlich unterseeisch verlaufender Gebirgszug,
aus dem nur wenige Inselgruppen, z.B. die Oster- und Galapagos-Inseln, über
die Wasseroberfläche ragen. Es erstreckt sich vom Raum südöstlich von Neuseeland quer durch den östlichen Pazifik bis nach Niederkalifornien.
Im gegenwärtigen Forschungsbereich nahe dem Golf von Kalifornien waren
bei vorangegangenen Untersuchungen erstmals Vorgänge und Bedingungen beobachtet worden, die mit der Entstehung und Anreicherung von Erzen in direktem Zusammenhang stehen. Langfristiges Ziel des Projekts ist es, ein Geheimnis lüften
zu helfen, das die Wissenschaft seit vielen Jahren beschäftigt - die Frage nämlich, wie Mineral vorkommen am Boden der Tiefsee zu den Gebirgen verfrachtet
werden, die den Pazifik umgeben.
Schon

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Schon seit langem wird vermutet, daß gewisse Zusammenhänge zwischen
Schollenbewegungen der Erdkruste und der Existenz wertvoller Erzlager auf dem
Festland bestehen.

Durch Aufquellprozesse von Material aus dem Erdmantel an

den unterseeischen "Nahtstellen" von zwei Schollen, wo die Erdkruste unter
Umständen sehr dünn sein kann, dringen Minerale in oberflächennahen Meeresboden ein.

Dort machen sie, wenn Druck- und Temperaturverhältnisse günstig

sind, Umsetzungen durch, die der Bildung und Anreicherung von Erzen bestimmter
Gruppen von Wertmetallen wie Kupfer, Nickel, Eisen und Silber zugute kommen.
Die unterseeischen Erzanreicherungen im Ostpazifischen Rücken haben große
Ähnlichkeit mit den Kupfervorkommen auf Zypern, die seit Jahrtausenden abgebaut werden.

Ihre Beschaffenheit und ihr Reichtum führten bereits zu Spekula-

tionen, daß diese Erze einst im Meeresboden in einem Gebiet entstanden sein
könnten, wo Schollen der Erdkruste auseinanderdrifteten.
entlang des Ostpazifischen Rückens der Fall.

Genau das ist derzeit

Die "Ausbreitung" des Meeres-

bodens, d.h. die von der Riftzone nach beiden Seiten fort gerichtete Dehnung
("Seafloor Spreading"), beträgt hier ca. 10 cm pro Jahr.

Nach geologischen

Maßstäben ist das eine ungewöhnlich hohe Geschwindigkeit.
Das Anfang November angelaufene Forschungsprojekt, das im Februar 1980
beendet werden soll, bezeichnet Dr. Edmond als "das Aufregendste, was in der
geologischen Forschung zur Zeit im Gange ist". Das Unternehmen wird von der
Nationalen Wissenschaftsstiftung der NASA (National Science Foundation - NSF)
finanziert. Auf amerikanischer Seite sind Wissenschaftler vom MIT, von der
Universität Kalifornien in San Diego und Santa Barbara, vom Lamont-DohertyInstitut für Geologie (Columbia-Universität, New York) und vom Meeresforschungsinstitut Woods Hole (Massachusetts) beteiligt. Eine mexikanische Forschergruppe ist mit von der Partie. Mit dem 7,6 m langen Forschungs-U-Boot ALVIN
geht der Schiffsführer mit jeweils zwei Wissenschaftlern an Bord auf Tiefen
von nahezu 2500 m in einem Wasserbereich, wo Temperaturen um 370 Grad Celsius
und mehr auftreten.
Wegen

- 2 -

�Wegen dieser hohen Temperaturen mußten neuartige Instrumente zur Entnahme von Wasserproben und für Temperaturmessungen entwickelt werden.
die Geräte, die bei der vorangegangenen

Denn

Expedition im Mai 1979 verwendet

wurden, hielten dem heißen Wasser nicht stand.

Manche begannen sogar zu

schmelzen.
Mutterschiff von ALVIN ist LULU, ein 30 m langer Katamaran mit Heimathafen Woods Hole. Die einzelnen Operationen im Mündungsbereichs des Golfes
von Kalifornien erfolgen jeweils von der mexikanischen Hafenstand Mazatlan
aus.
Wie Dr. Edmond erklärt, sei das Projekt geeignet, zum besseren Verständnis von Prozessen beizutragen, die zur Anreicherung von Mineralien mit der
Bildung von Erzschlamm und schließlich auch zur Verfrachtung solcher Erzanreicherungszonen führen. "Je mehr wir darüber wissen, desto besser werden
wir die kostbaren Rohstoffquellen sowohl an Land als auch unter Wasser nutzen
können", meint der Wissenschaftler. Wegen der großen technischen Probleme
sei es allerdings sehr unwahrscheinlich, daß unterseeische Mineral vorkommen
dieser Art schon in absehbarer Zeit kommerziell abbaufähig würden.

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter nominiert Philip M. Klutznick als neuen Handelsminister&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuer US-Vertreter im Europäischen Hauptquartier der UN&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sparen für den Notfall&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Appell Präsident Carters an US-Bundesstaaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2. Dokumentation&lt;br /&gt;US-Staatssekretär fordert Vereinfachung der NATO-Logistik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amerikanisches Gesetz soll Beschaffung erleichtern -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Landwirtschaftsminister ruft zum Kampf gegen den Hunger auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor der FAO in Rom -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bergsten rechnet mit stärkerer US-Handelsposition und stärkerem Dollar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausführungen des Unterstaatssekretärs in Boston -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Computer als Verbündeter bei der Schädlingsbekämpfung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Simulationsmodelle sollen Bedeutung von Einzelfaktoren klären helfen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Topfgucker in der Erzküche von Mutter Erde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Forschungs-U-Boot ALVIN sondiert heiße Quellen im Ostpazifik -&lt;/em&gt;</text>
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2 ü . November li&gt;ö4

I N H A L T

DOKUMENTATION
USA und S o w j e t u n i o n v e r e i n ü a r e n neue K u s t u n g s k o n t r o l l v e r h a n d l u n g e n
- Außenminister t r e f f e n s i c h i n Genf -

Vereinigte Staaten begrüßen Tschernenkos Äußerungen zur
Rüstungskontrolle
- I n t e r v i e w m i t US-Außenminister S h u l t z -

HINTERGRUNDMATERIAL
S o w j e t i s c h e Desinformationskampagne nach Ermordung I n d i r a Gandhis
- L h r o n o l o g i e der s o w j e t i s c h e n M e i n u n g s m a n i p u l a t i o n -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Umweltprobleme
- Z w e i f e l an Eignung von Methanol a l s K r a f t s t o f f - Methangehalt d e r
L u f t nimmt zu -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

28. November 1*84

48

USA UND SOWJETUNION VEREINBAREN NEUE RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- A u ß e n m i n i s t e r t r e f f e n s i c h i n Genf -

WASHINGTON -

(AD) - D i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n und d i e S o w j e t u n i o n

sind

übereingekommen,in neue Gespräche über den gesamten Bereich der Rüstungskontrolle einzutreten.

Wie der Berater des Präsidenten für nationale S i -

c h e r h e i t s f r a g e n , Robert McFarlane, am Tl.

November 198a m i t t e i l t e , werden

sich der amerikanische Außenminister George Shultz und sein sowjetischer
Amtskollege Andrei Gromyko am 7. und 8. Januar nächsten Jahres i n Genf
treffen,

um eine gemeinsame Verständigung über

Verhandlungen zu erreichen.

Inhalt

und Z i e l

dieser

McFarlane sagte, die USA würden mit der Be-

r e i t s c h a f t zum "echten Geben und Nehmen" nach Genf gehen, um konkrete Abkommen mit der Sowjetunion zu e r z i e l e n .
Vor der Presse gab der Sicherheitsberater Präsident Reagans dazu f o l gende Erklärung ab:
I c h freue mich, daß i c h a l s Ergebnis des während der l e t z t e n acht Wochen e r f o l g t e n Meinungsaustausches zwischen Präsident Reagan und dem so-

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Telex: 8-85432

�und dem sowjetischen Staats- und Parteichef Tschernenko heute mitteilen
kann, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion übereingekommen
sind, in neue Rüstungskontrollverhandlungen einzutreten. Auch die Sowjetunion gibt zu diesem Zeitpunkt folgendes bekannt:

"Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sind übereingekommen, in
neue Verhandlungen einzutreten, die das Ziel haben, beiderseitig annehmbare Abkommen über den gesamten Bereich der die Nuklear- und die Weltraumwaffen betreffenden Fragen zu erreichen.

Um zu einer gemeinsamen Verständigung hinsichtlich des Inhalts und
der Ziele solcher Verhandlungen zu gelangen, werden sich Außenminister
George P. Shultz und der sowjetische Außenminister Andrei A. Gromyko am
7. und 8. Januar 1985 in Genf treffen."

Als ich den Präsidenter am Montag dieser Woche in Santa Barbara über
diese Übereinkunft unterrichtete, sagte er:
richt.

"Dies ist eine gute Nach-

Es ist der erste Schritt auf einem langen und schwierigen Weg.

Aber die Welt verläßt sich auf uns.

Ich möchte, daß Sie nach Washington

zurückkehren und beschleunigt die Arbeiten fortsetzen, die zur Ausarbeitung unserer Position notwendig sind."

Die heutige Mitteilung hat ihren Ursprung in den persönlichen demühungen des Präsidenten, die ihren Höhepunkt in dem im September unterbreiteten Vorschlag fanden, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ihre auf einen Abbau der Kernwaffen gerichteten Verhandlungen wieder aufnehmen sollten.

Seit diesem Zeitpunkt haben die über vertrauliche

Kanäle geführten Erörterungen zwischen uns und der Sowjetunion eine Verständigung über den Umfang und die Prioritäten eines solchen Prozesses
gefördert.

Im Zuge dieses Meinungsaustausches während der letzten acht Wochen
hat der Präsident in über einem halben Dutzend Zusammenkünften, an denen
der Außenminister, der Verteigigungsminister

sowie

andere teilnahmen,

persönlich die Richtung abgesteckt; dies hat dann zu der heutigen Ankün- 2 -

�heutigen Ankündigung geführt.

Der Präsident hat die Regierungschefs der mit uns verbündeten Länder
unterrichtet.

Auch die Führung unseres Kongresses ist im voraus infor-

miert worden.

Der Präsident wird seine Bemühungen um die Stärkung und

Konsolidierung der überparteilichen Unterstützung des Kongresses fortsetzen, die von so entscheidender Bedeutung ist, wenn wir wirksame Rüstungsreduzierungen aushandeln wollen.

Wir haben immer wieder den Standpunkt vertreten, daß der Ahbau der
Kernwaffen das wichtigste Zeil für unsere beiden Länder ist, und wir sind
zu einem echten Geben und Nehmen mit der Sowjetunion bereit, um konkrete
Abkommen zu erreichen.

Wir haben unsere Vorbereitungen während dieses

Jahres fortgesetzt, und wir treten in die Gespräche im Januar mit dem
Geist echten Kompromisses und mit der Zielsetzung ein, zu Ergebnissen zu
gelangen.

In Beantwortung von Fragen unterstrich McFarlane, daß es das Ziel des
Treffens im Januar sei, "die Tagesordnung und den Kurs weiterer Verhandlungen abzustecken".

Präsident Reagan sei schon seit längerem der An-

sicht, daß eine Klärung der Atmosphäre erfolgen und ein neues, ernsthaftes Gespräch über den ganzen Fragenbereich - strategische Systeme, Mittelstreckensysteme und Weltraumsysteme - erfolgen müsse. Mit diesem Ziel
vor Augen habe der amerikanische Präsident in seiner Rede vor den Vereinten Nationen im September sowie in Zusammenkünften mit Außenminister
Gromyko die sogenannten "S^hirmgespräche" vorgeschlagen, die den ganzen
Bereich der Rüstungskontrollfragen umfassen würden.

Das Thema Weltraum-

waffen, so fügte der Sicherheitsberater hinzu, stelle kein Hindernis für
die allgemeinen Rüstungskontrollgespräche dar.

******

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2ö. November 1984

48

VEREINIGTE STAATEN BEGRUSSEN TSOERNENKOS ÄUSSERUNGEN
ZUR RÜSTUNGSKONTROLLE
- interview mit US-Außenminister Shultz -

Washington -(AD)- In einem Interview im Abendprogramm der NBL bewertete US-Außenminister George Shultz am 16. November 1984 die jüngsten
Äußerungen des sowjetischen Staats- und Parteichefs Tschernenko zu Fragen
der Rüstungskontrolle als "positiv", meinte aber, es sei an der Zeit, von
öffentlichen Erklärungen zum diplomatischen Meinungsaustausch zurückzukehren. Tschernenko hatte schriftlich auf Fragen geantwortet, die ihm von
der NBC gestellt worden waren.
Im folgenden geben wir die vom US-Außenministerium veröffentlicnte Umschrift des Interviews mit Shultz wieder:

FRAGE: Herr Minister, zunächst möchte ich Sie fragen, was Tschernenko
uns Ihrer Meinung nach zu verstehen geben will.

ANT1MDRT: Wir begrüßen seine Erklärung. Wir stimmen mit ihm hinsichtlich der von ihm dargelegten Ziele überein. Wir - der Präsident, der Vizepräsident und ich selbst - haben uns ebenfalls im Sinne vieler dieser

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432"

�vieler dieser Ziele geäußert.

FRAGE: Ich habe Tschernenko unter anderem gefragt, ob er zu einem
Gipfeltreffen mit dem Präsidenten innerhalb der ersten sechs Monate der
zweiten Amtszeit der Reagan-Administration bereit sei. Er sagte: "Offengestanden glaube ich das nicht, weil die Zeit dafür noch nicht reif ist."
Was glauben Sie, welche Antwort ich von unserer Regierung bekäme, wenn
ich diese Frage an sie richtete ?

ANTWORT: ich glaube nicht, daß die Aussage "die Zeit ist noch nicht
reif" sich darauf bezieht, daß seit den Wahlen noch nicht genug Zeit verstrichen ist. Das bezieht sich genau auf das, was er in seinem interview
mit Ihnen zum Ausdruck brachte, nämlich, aaß erst Bedingungen hergestellt
werden müssen, unter denen ein Gipfeltreffen zu Ergeonissen führen Kann.
Das ist aber genau das, was auch Präsident Reagan immerzu sagt.

Ich möchte noch etwas anfügen. Der Schwerpunkt in dem Interview mit
Ihnen lag auf der Rüstungskontrolle, die ja auch zweifellos ein wichtiges
Thema von zentraler Bedeutung bildet. Wir sind bereit, uns mit der Sowjetunion zu echten Verhandlungen über Rüstungskontrolle an einen Tisch
zu setzen, konkrete Ergebnisse anzustreben und den Problemen zu ueibe zu
rücken. Das ist der Sinn und Zweck des vom Präsidenten unterbreiteten
Vorschlags über "Schirmgespräche". Wir dürfen aber nicht vergessen, dab
es um noch viel mehr geht, als um Rüstungskontrolle. Tschernenko sprach
auch von einer Verbesserung der bilateralen Beziehungen, und das ist
wichtig.

Überall auf der Welt gibt es Brennpunkte, wo große Spannungen bestehen, die sich explosiv

entladen

können. Diese

Gefahrensituationen

müssen so weit wie möglich entschärft werden. Es bestehen auch grobe
Sorgen bezüglich der Lage der Menschenrechte in der Sowjetunion. Die
Sowjets sprechen rächt gern darüber, aber uns ist diese Angelegenheit
sehr wichtig, und daher müssen wir sie auf der Tagesordnung halten.

FRAGE: Herr Minister, es klingt fast so, als wollten Tschernenko und
Sie im großen und ganzen mehr oder weniger das gleiche zum Ausdruck
- 2 -

�zum Ausdruck bringen. Was steht Ihnen denn dann noch im Wege i
ANTWORT: Ich meine, es gibt schon Ergebnisse und Fortschritte. Die
Antwort, die Sie bekommen haben, würde ich positiv werten. Was wir jetzt
grundsätzlich tun müssen, ist, von den verschiedenen öffentlichen Erklärungen, die abwechselnd von Tschernenko und Präsident Keagan abgegeben
worden sind, zur vertraulichen Diplomatie zurückzukehren, uns im kleinen
Kreis an einen Tisch zu setzen, konkret an den Problemen zu arbeiten und
nach echten Ergebnissen zu suchen. Das kommt als nächstes.

FRAGE: Noch eine Frage zur Entspannungspolitik. Eine unserer Fragen
bezog sich auf die Entspannungspolitik, wie sie in den siebziger Jahren
betrieben wurde, und Tschernenko schien sagen zu wollen, daß das das Ideal sei, an das er gern wieder anknüpfen wolle. Die amerikanische Administration hat aber häufig erklärt, daß die Entspannung tot sei. Sehen Sie
darin einen unüberbrückbaren weltanschaulichen Gegensatz ?
ANTWORT: Ich glaube, wir sollten uns nicht an Worten festklammern. Es
geht darum, daß wir auf konkrete Ergebnisse bei der Rüstungskontrolle
hinarbeiten sollten. Es gibt natürlich bilaterale Fragen, wie zum Beispiel die Getreideverkäufe, bei denen die Zusammenarbeit funktioniert,
und das kann auch in anderen Themenbereichen der Fall sein. Es gibt noch
mehr, worüber wir sprechen möchten, etwa die Frage, was wir tun können,
um Spannungen in bestimmten Reyionen abzubauen, wo wir in explosive Entwicklungen verstrickt werden könnten, oder, wie ich schon sagte, unsere
Sorgen bezüglich der Menschenrechte.

- 5 -

�28. November 1984

48

SOWJETISCHE DESINFORMATIONSKAMPAGNE NACH ERMORDUNG INDIRA GANDHIS
- Chronologie der sowjetischen Meinungsmanipulation -

Washington -(AD)- In den Tagen nach der tragischen Ermordung der indischen Ministerpräsidentin Indira Gandhi kam es zu einer erneuten Manifestation der sowjetischen Strategie, die Meinung der Weltöffentlichkeit
durch gezieltes Ausstreuen von Fehlinformationen unu falschen Verdächtigungen zu manipulieren. Noch am 31. Oktober 1984, dem Tag, an dem die
tödlichen Schüsse auf Indira Gandhi abgegeben wurden, wuroe in uen sowjetischen Medien eine Mitverantwortung und Mittäterschaft des amerikanischen Geheimdienstes CIA unterstellt. Die folgende Chronologie, die am
21. November 1984 vom amerikanischen Auüenministerium veröffentlicht wurde, vermittelt einen Eindruck vom Umfang der sowjetischen Desinformationskampagne und von der Resonanz, die sie in Drittländern fand.

31. Oktober

Der englischsprachige Weltdienst von Radio Moskau behauptet, dald die
für die Ermordung Indira Gandhis Verantwortlichen "ihre ideologischen Anregungen" von der CIA empfangen hätten, und bringt den amerikanischen

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�den amerikanischen Geheimdienst darüberhinaus auch in Zusammenhang mit
dem Tod von Lumumba, Allende, Frau Bandaranaike

und Torrijos. Radio

Moskau behauptet weiter, daß die Ermordung all dieser Persönlichkeiten
dem Ziel gedient hätte, "die Lage in dem einen oder anderen Staat zu destabilisieren, Regierungen ins Wanken zu bringen, die Washington nicht
genehm waren, und den Reaktionären den Weg frei zu machen". In der Sendung wird ferner behauptet, daß die amerikanische Politik gegenüber anderen unabhängigen Nationen auf "Terrorismus von Staats wegen" hinauslaufe.

- UdSSR - Die sowjetische Nachrichtenagentur Tass zitiert die Erklärung des Weltfriedensrats, in der der Mordanschlag als Ergebnis einer
"verabscheuungswürdigen Verschwörung reaktionärer Kräfte im Inneren und
von außen" bezeichnet wird.

- UdSSR - In einem Kommentar des spanischsprachigen Dienstes von Radio Moskau für Lateinamerika wird unterstellt, daß die Vereinigten Staaten hinter der Ermordung Indira Gandhis stecken. Weiterhin wird vermerkt,
daß der Tod von Allende, Roldos und Torrijos das Ergebnis einer "langen
Kette von Verschwörungen zur Beseitigung fortschrittlicher Staatslenker"
gewesen sei.

- UdSSR - In einem Artikel von S. Bulantsew in der Moskowskaja Prawda
wird die Verantwortung für den Mord an Frau Gandhi dem CIA angelastet und
behauptet, daß "kein Zweifel daran bestehen kann, daß Washington bereit
ist, jeden Preis zu zahlen, um den von Inaira Gandhi geführten Indischen
Nationalkonkreß aus der Herrschaft über das Lana zu verdrängen". Die amerikanische Politik gegenüber den Entwicklungsländern wira als "Terrorismus von Staats wegen" gekennzeichnet.

- Ungarn - Das Budapester Fernsehen unterstellt eine amerikanische
Mittäterschaft an dem Mordanschlag, bezweifelt, daß es sich nur um eine
Verschwörung von drei Wachsoldaten gehandelt habe, und zitiert indische
Pressequellen, in denen von einer Unterstützung

der

separatistischen

Sikhs durch die Vereinigten Staaten und Pakistan die Rede ist.
- Indien - Im
- 2-

�- Indien - Im indischen Rundfunk und Fernsehen wird S.A. Uenge, der
Generalsekretär der Allindischen Kommunistischen Partei, mit der Behauptung

zitiert, daß

"westliche

Imperialisten"

hinter

dem

Mordanschlag

steckten und daß es sich dabei um die "gröbte Verschwörung des CIA" handele.

1. November

- UdSSR - In oem englischsprachigen Dienst der Moskauer Nachrichtenagentur Tass erscheint ein Bericht aus Berlin, in dem eine Erklärung des
Internationalen

Demokratischen

Frauenverbanas

(einer

kommunistischen

Frontorganisation) zitiert wird. In der Erklärung wird eine amerikanische
Verwicklung in das Geschehen in Indien unterstellt. Unter anderem heißt
es, daß "die reaktionärsten Kräfte, die sich aller erdenklichen Mittel
bedienen, ... um den gerechten Kampf des Volkes zum Scheitern zu bringen,
... hinter den Mördern" ständen.

- UdSSR - Uer Inlandsdienst von Raaio Moskau zitiert einen Bericht
aus der indischen Zeitung National Herald, in dem behauptet wird, aab der
indische Sicherheitsdienst eine vom Ausland gesteuerte Verschwörung nicht
ausschließe.

- UdSSR - In der ersten Ausyabe der Sowetskaja Rossija erscheint unter der Überschrift "Dem Leben Indira Gandhis wurde ein plötzliches Ende
gesetzt" ein Artikel von S. Bulantsew, in dem eine Verwicklung der Vereinigten Staaten in den Mordanschlag unterstellt wird.

- UdSSR - In der Prawda erscheint unter der Überschrift "Terrorismus
- die Politik Washingtons" ein Artikel von Wladimir Bolschakow, in dem
behauptet wird, daß "das amerikanische Aubenministerium in Zusammenarbeit
mit der CIA in der jüngsten Vergangenheit im Rahmen des 'Projekts Brahmaputra' eine Reihe von Operationen durchgeführt hat, deren Ziel aas Anheizen des Separatismus in Indien ist. Wie die indischen Wochenzeitung People's Democracy berichtete, bilden diese Operationen einen Bestandteil
der umfangreichen subversiven Aktionen der CIM gegen Indien."
- UaSSR - Das
- 3-

�- UdSSR - Das sowjetische Fernsehen unterstellt eine amerikanische
Beteiligung an dem Mordanschlag. Es strahlt eine Sendung aus, in der indische Demonstranten vor dem amerikanischen Konsulat in Madras gezeigt
werden, die das CIA bezichtigen, für den Mordanschlag verantwortlich zu
sein.

- Bulgarien - Die vom Zentralkomitee der bulgarischen KP herausgegebene Tageszeitung

Rabotnitschesko Delo unterstellt

eine

amerikanische

Mittäterschaft an dem Mordanschlag. Auch eine andere bulgarische Zeitung,
die Zemedelsko Znama, unterstellt eine ausländische Mitverantwortung am
Tode Indira Gandhis.

- Pakistan - Die englischsprachige Tageszeitung The Muslim berichtet,
daß der sowjetische Botschafter in Pakistan, Smirnow, der indischen Botschaft einen Besuch abgestattet habe, um sich über Einzelheiten zu informieren, und wartenden Journalisten zu verstehen gegeben habe, daß der
Mord an Frau Gandhi den "Imperialisten" anzulasten sei.

- Nicaragua - Die Sistema-Sandinista-Fernsehanstalt

in Managua be-

richtet, daß das Antiimperialistische Tribunal für unser Amerika (TANA)
den Mord an Indira Gandhi "dem amerikanischen Imperialismus anlastet".
Der Generalsekretär des TANA, Balzen, sagt, "dies Verbrechen, wie auch
andere, gehört zu der Politik des Terrorismus von Staats wegen, die vom
Imperialismus gefördert wird ... Das CIA.... ist zweifellos beteiligt."

- Polen - In der Warschauer Tageszeitung Trybuna Ludno erscheint ein
Bericht aus Delhi, in dem behauptet wird, daß das CIA und andere westliche Geheimdienste hinter den Sikhs ständen, und in dem diesen Diensten
unterstellt wird, hinter dem Mordanschlag zu stecken.

- Indien - Die Bombay Daily bemerkt, daß das Beileidstelegramm Präsident Reagans bereits um 14 Uhr eingegangen sei, während der Too der Ministerpräsidentin erst um 14.30 Uhr offiziell bekanntgegeben worden sei.
Die Zeitung unterstellt von daher, daß die Vereinigten Staaten im vornhinein von dem Mordanschlag gewußt hätten und zitiert nicht namentlich
genannte führende politische Persönlichkeiten mit der Behauptung, daß die
- 4 -

�daß die Mörder "lediglich Werkzeuge der westlichen Supermacht" gewesen
seien.

-

Indien - Die

führende

englischsprachiye

Tageszeitung

hindustan

Times berichtet, daß "eine überwältigende Mehrheit der Juristen am Obersten Gerichtshof ... ihre 'Überzeugung' zum Ausdruck gebracht haben, dau
ausländische Mächte hinter dem Mord an Indira Gandhi stecken. Juristen
der Kongrebpartei beschuldigten offen das CIA." Die Zeituny zitiert weiterhin eine Erklärung des Politbüros der Kommunistischen Partei Indiens,
in der es heißt, oaü "die imperialistischen Regierungsorgane der Vereinigten Staaten versuchen, Indien zu zerstückeln,

... und Indien mit

feindseligen Nachbarregierungen zu umgeben, indem sie Pakistan fieberhaft
aufrüsten und separatistische und sezessionistische Kräfte innerhalb Indiens selbst fördern und unterstützen."
- Indien - Die linksgerichtete Tageszeitung The Patriot veröffentlicht einen langen Artikel, in dem auf den angeblichen "Brahmaputra-Plan"
Bezug genommen und behauptet wird, dab "unser Land unter der Führung Indira Gandhis für Washington zu einer - wie ein amerikanischer Kolumnist
es ausdrückte - 'großen Enttäuschung' geworden war. Der Imperialismus und
die einheimische Reaktion wollten Indira Gandhi daher von den Schalthebeln der Macht entfernen. Da dies sehr schwer zu bewerkstelligen schien,
hat irgendjemand das Geschäft dieser Kräfte besoryt, indem er inoira
Gandhi umgebracht hat." In einem anderen Artikel ist die Rede von "geheimer Anstiftung von außen mit Rückendeckung durch Organe wie das CIA".

- Indien - Die in Hindi erscheinende Tageszeitung Janayug der Kommunistischen Partei Indiens behauptet, daß das CIA hinter der trmoroung des
Staatschefs von Bangladesch, Mujibur Rahman, gesteckt habe und daß "das
CIA und von ihr formierte extremistische Kräfte" auch hinter dem Mordanschlag auf Frau Gandhi steckten. Die Zeitung spielt auch auf den angeblichen "Brahmaputra-Plan" an und berichtet über eine Demonstration vor
dem amerikanischen Konsulat in Madras, wo die Menge Schlagworte skandiert
hatte, in denen das CIA der Beteiligung an dem Mordkomplott bezichtigt
wurde.
- Griechenland - Die
- 5-

�- Griechenland - Die linksgerichtete regierungsfreundliche Zeitung
Ethnos veröffentlicht auf Seite eins unter der Schlagzeile "CIA steckt
hinter dem Mordanschlag" einen Artikel, in dem behauptet wird, daß "der
Mord an Indira Gandhi das Ergebnis einer bis ins einzelne geplanten Verschwörung von Kräften innerhalb und außerhalb Indiens ist ... Die Ministerpräsidentin selbst hatte den Vorwurf erhoben, daß ausländische Mächte
bestrebt seien, ihr Land zu destabilisieren. In Presseberichten hieb es
wiederholt, daß die faschistischen Generäle Pakistans und das CIA die
Hintermänner des Sikh-AufStands seien." Die Zeitung

führt ferner die

Festnahme von drei Verdächtigen im Pandschab als Indiz für eine amerikanische Mittäterschaft bei dem Mordanschlag an.

- Griechenland - Die linksgerichtete regierungsfreundliche Zeitung Ta
Nea veröffentlicht unter der Überschrift "Verdächtige Ausfälle - Vereinigte Staaten wütend über sowjetische Anschuldigungen gegen das CIA" einen Beitrag, in üem sie die Behauptungen von Tass bezüglich einer amerikanischen Verwicklung in das Mordkomplott zitiert und anmerkt, dab das
amerikanische Außenministerium "wie der Blitz" auf diese Anwürfe reagiert
habe.

- Tunesien - In einem Artikel unter der Überschrift "Moskau weist indirekt auf Verstrickung des CIA hin" gibt die regierungseigene Zeitung La
Presse die von Tass erhobenen Anschuldigungen wieder und vermerkt, aab
das CIA bereits in der Verqangenheit in Mordkomplotte verwickelt gewesen
sei und die Sikh-Extremisten unterstützt habe.
- Spanien - Die Zeitung El Pais veröffentlicht einen Artikel ihres
Moskauer Korrespondenten, in dem vermerkt wird, daß die sowjetischen
Medien das CIA schon häufig der Unterstützung separatistischer Gruppen
beschuldigt haben.

- Tschechoslowakei - Das Parteiorgan Rüde Pravo führt in einem Kommentar indische Pressestimmen an, in denen die Vereinigten Staaten der
Einmischung in die inneren Angelegenheiten Indiens bezichtigt werden,
weist auf einen angeblichen amerikanischen Plan zur "Balkanisierung" Indiens

hin

(der

"Brahmaputra-Plan")

una

- 6-

beschuldigt

aie

Vereinigten

�die Vereinigten Staaten der Unterstützung der Sikh-Extremisten.

- Tschechoslowakei - In einer Meldung von 8.30 Uhr führt der Prager
Inlandsdienst Berichte von Kude Pravo über die amerikanische Abneigung
gegen den politischen Kurs Indiens und über Eingriffe des CIA an: "Indira
Gandhi bezahlte für die Zusammenarbeit zwischen den Separatisten und dem
Imperialismus mit ihrem Leben ..."

- Tschechoslowakei - In einer Meldung von 17.30 Uhr stellt der Prager
Inlandsdienst die Aufrichtigkeit der Beileidsbezeugungen Präsident Reagans in Frage und fügt an, daß "man sich des Eindrucks nicht erwehren
kann, daf3 es sich hier nur um vorgebliche Entrüstung handelt, die geäußert wird, um die Menschen zu verwirren und von vornherein alle Stimmen
zum Schweigen zu bringen, die die Aufmerksamkeit auf die wirklichen Urheber dieses Verbrechens lenken wollen." Der Artikel nimmt Bezug auf den
angeblichen Brahmaputra-Plan zur Destabilisierung Indiens und enthält die
Behauptung,

daß

"die

Bestrebungen

zur

Errichtung

eines

unabhängigen

Staats Khalistan von Washington unterstützt und finanziert wurden ... Dafür liegt eine Fülle von Beweisen vor."

- Bulgarien - Die Zeitung Rabotnitschesko Delo unterstellt eine Verantwortung der Vereinigten Staaten für den Tod Indira Gandhis und bringt
ihn in Zusammenhang mit der Ermordung Lumumbas, Frau Bandaranaikes und
anderer Persönlichkeiten.

- Tschechoslowakei - Die Zeitung Bratislawa Prawda behauptet, daß
amerikanische, pakistanische, britische und israelische Geheimdienste als
Hintermänner der Separatisten fungieren und unterstellt damit implizit,
daß sie für den Too von Frau Gandhi die Verantwortung tragen.

- Nepal - Die Samiksha Weekly, das Sprachrohr einer der Fraktionen
der Kommunistischen Partei Nepals, behauptet, der Mordanschlag sei "das
Ergebnis einer fortwährenden Verschwörung der Imperialisten gegen die
antiimperialistische

Führung

Indiens." Die Madhyam

Weekly, Sprachrohr

einer anderen Gruppierung innerhalb der Kommunistischen Partei Nepals,
behauptet ebenfalls, daß "die imperialistischen Mörder Indira Gandhis

�Indira Gandhis diesen heimtückischen Anschlag augenscheinlich im Hahmen
einer Verschwörung inszeniert haben, deren Ziel ist, diesen Teil der Welt
in ein Spannungs- und Konfliktgebiet zu verwandeln."

- Argentinien - Die Tiempo Argentino unterstellt unter Berufung auf
die Prawda und Tass eine amerikanische Verstrickung in das Mordkomplott,
beschreibt den angeblichen "Brahmaputra-Plan" und führt Beschuldigen an,
die von der Sowetskaja Rossija (vgl. 1. November) und der Sel'skaja Zhizn
(eine sowjetische Landarbeiterzeitung) wegen Unterstützung separatistischer Bewegungen gegen das CIA erhoben worden waren.

- Argentinien - Der Buenos Aires Herald bringt eine Meldung mit dem
Zeichen der Nachrichtenagentur AP, in der die sowjetischen Beschuldigungen bezüglich einer amerikanischen Mittäterschaft wiederholt und die amerikanischen Dementis hervorgehoben werden. Das Blatt berichtet auch über
das "Brahmaputra-Projekt" und die Unterstützung für Separatistenbewegungen.

- Argentinien - La Nacion und La Prensa veröffentlichen kurze Artikel, in denen hauptsächlich gemeldet wird, daß die Vereinigten Staaten
eine Verwicklung in das Mordkomplott bestreiten.

- Indonesien - Die Zeitung Sinar Harapan berichtet im einzelnen über
die sowjetischen Anschuldigungen bezüglich einer Beteiligung des CIA und
fügt an, daß der Antiamerikanismus in Indien zugenommen habe, seit der
Iran 1979 Gerüchte über eine amerikanische Verantwortung für die Besetzung der Großen Moschee in Mekka in Umlauf gesetzt habe.

- Spanien - Die Zeitung Diario 16 veröffentlicht einen nicht namentlich gezeichneten Bericht aus Moskau, in dem die Vorwürfe der Prawda gegen die Vereinigten Staaten in Zusammenhang mit dem Mordanschlag zusammengefaßt wiedergegeben werden.

3. November
- Indien - Die linksgerichtete Tageszeitung The Patriot veröffent- 8 -

�Patriot veröffentlicht unter der Überschrift "Sowjetische Presse macht
indirekt CIA verantwortlich" einen Artikel, in dem die sowjetischen Behauptungen einer amerikanischen Mittäterschaft ausführlich zitiert werden. Der Bericht beruft sich unter anderem auf Wladimir Lomeiko, den
Sprecher des sowjetischen Außenministeriums, und auf den englischsprachigen Dienst von Radio Moskau. In einem weiteren Beitrag wird ein Vertreter
der Kommunistischen Partei Indiens mit der Behauptung zitiert, dau "aer
Mord an Frau Gandhi von einem amerikanischen Geheimdienst in die Wege geleitet wurde." In einem dritten Artikel wird, allerdings ohne speziellen
Bezug auf Indien, behauptet, daü Präsident Reagan "den CIA-Apparat einsetzt, um das Leben von Millionen von Menschen überall auf der Welt zugrunde zu richten." In einer Meldung von drei Absätzen wird berichtet,
daß die Vereinigten Staaten bei der UdSSR wegen der Anschuldigungen bezüglich einer Verstrickung des CIA Protest eingelegt haben.

- Indien - Die Times of India und der Statesman veröffentlichen Artikel, in denen sachlich über das amerikanische Dementi gegen die Behauptung einer Beteiligung an dem Mordkomplott berichtet wird. Der Indian
Express vermerkt, daü sich keine Indizien für eine Verschwörung ergeben
hätten. Die Hindustan Times berichtet über "eine teuflische Freude", die
von in den Vereinigten Staaten lebenden Sikhs bekundet werde, behauptet
aber nicht, daß eine amerikanische Mittäterschaft bestehe.

- Spanien - Die Zeitung ABC veröffentlicht einen Artikel, in aem die
sowjetischen

Anschuldigungen

bezüglich

einer

amerikanischen

Mittäter-

schaft an dem Mordanschlag wiederholt werden.

- Argentinien - In einem Artikel über die im New Delhi Statesman beschriebenen Verzweigungen der Sikh-Verschwörung zitiert Tiempo Argentino
den Prawda-Bericht vom Vortag.

4. November

- UdSSR - Sowohl die Prawda als auch die Iswestija veröffentlichen
einen Tass-Artikel, in dem amerikanische Vorwürfe, daü die Sowjets versuchten, aus dem Mord an Frau Gandhi im Sinne ihrer eigenen Interessen
- 9-

�eigenen Interessen Kapital zu schlagen, zurückgewiesen werden. In dem Artikel heißt es, daß die amerikanischen Erklärungen "für amerikanische Regierungskreise und einige Presseorgane ein Startsignal für die Einleitung
einer neuerlichen antisowjetischen Kampagne gewesen sind".

- UdSSR - Die iswestija zitiert die linksgerichtete indische Tageszeitung The Patriot mit der Behauptung, daß die westliche Presse und einige Blätter der indischen "Bourgeoisie" Gerüchte über Instabilität in
Indien verbreitet hätten. Ebenfalls zitiert wird ein Kommentar der indischen Zeitung, in dem es heißt: "Es ist bemerkenswert, daß Washington
eilfertig mit einer provokativen

'Vorhersage' der weiteren Entwicklung

der Lage in Indien bei der Hand war."

- UdSSR - In seiner "Der Internationale Beobachter" betitelten Kolumne in der Prawda lastet der Kommentator Wsewolod Owtschinnikow den
"äußeren Feinden" Indiens die Schuld an dem Mordanschlay an und gibt klar
zu verstehen, wen diese "imperialistischen Kräfte" repräsentieren.

- UdSSR - In einem Artikel von S. Bulantsew in der Sowetskaja Rossija
wird behauptet, daß "die (indische) Presse einmütig der Meinung ist, daß
dieses ungeheuerliche Verbrechen das Ergebnis einer sorgfältig geplanten
Verschwörung reaktionärer Kräfte mit ausländischen Helfershelfern sei".
Der Artikel enthält auch ein Interview mit dem indischen Publizisten V.D.
Chopra, der den Moidanschlag dem Westen und Pakistan zur Last legt.

- Tschechoslowakei - Der Prager Inlandsdienst führt Waffen mit der
Kennzeichnung "Made in the United States", die angeblich im Goldenen
Tempel von Amritsar gefunden wurden, als Beweismittel für eine Unterstützung der Sikh-Separatisten durch die Vereinigten Staaten an und wertet
die Entwicklung von Atomwaffen in Pakistan als Beleg für die Bedrohungen,
denen sich Indien gegenübersehe.

- Indien - The Mirror, das wöchentlich erscheinende Ürgan der Kommunistischen Fortschrittlichen Volkspartei, behauptet, daß "es innerhalb
Indiens und der Vereinten Nationen als Binsenwahrheit gilt, daß die amerikanische Regierung und das CIA bei der sezessionistischen Agitation der
- 10 -

�Agitation der

fehlgeleiteten Sikh-Extremisten seit Jahren die Hand im

Spiel haben und daß der Mord an Frau Gandhi nur dem Imperialismus, und
zwar insbesondere dem amerikanischen Imperialismus, nutzen konnte."

Die

Zeitung erwähnt auch den angeblichen amerikanischen Plan zur "Balkanisierung Indiens.

- Argentinien - Die linksgerichtete Tageszeitung La Voz wiederholt
die Verschwörungstheorie und bringt kurze Zitate aus den Anschuldigungen
von Tass.

Der Buenos Aires Herald veröffentlicht einen Artikel, in dem

Präsident Reagans Einspruch gegen die sowjetischen Anwürfe zitiert wird.

5. November
- UdSSR - Radio Moskau zitiert auf Hindi einen Prawda-Artikel, in dem
behauptet wird, Frau Gandhi sei ein "Opfer der Konspiration internationaler Reaktionäre und imperialistischer Kräfte" gewesen. Die Sendung wird
anschließend auf Urdu wiederholt.

- Tschechoslowakei - Die Parteizeitung Rüde Pravo druckt einen TASSBericht nach, in dem zwar die amerikanischen Proteste in bezug auf eine
Verwicklung des CIA erwähnt werden, dazu jedoch ein Kommentar dies nur
als eine Taktik bezeichnet, um die Aufmerksamkeit von den "wirklichen
Eindringlingen" abzulenken.

- Indien - The National Herald und die Times of India bringen Artikel, in denen von den Beschuldigungen von Tass oder Prawda gegenüber einer amerikanischen Verwicklung in die Ermordung von Frau Gandhi die Rede
ist, und nennen dabei die sowjetischen Quellen dieser Unterstellungen.

- Indien - The Statesman bringt ein Interview mit dem altgedienten
indischen Journalisten V.D. Chopra (vgl. 4. November), der dann so zitiert wird, als erinnere er sich der Not Chiles und anderer Staaten, wo
es den "imperialistischen Kräften gelang, ihre subversiven Pläne zu verwirklichen."

Indien
- 11 -

-

Die

�- Indien - Die linksgerichtete Tageszeitung The Patriot zitiert den
indischen Botschafter in den Vereinigten Staaten, K.S. Bajpai, der behauptet , es sei "in zunehmendem Maß deutlich", daß die Sikh-Extremisten
in Indien finanzielle und andere Unterstützung von im Ausland lebenden
Sikhs erhielten.

- Indien - Die in der Marathi-Sprache erscheinende Tageszeitung Loksatta verurteilt die Sowjetunion für deren Behauptung einer amerikanischen Verwicklung in die Ermordung von Frau Gandhi und betonte, daß das
sowjetische Abstreiten derartiger Behauptungen "heuchlerisch" und erst
gekommen sei, "nachdem der Schaden bereits angerichtet war." Die Zeitung
stellte ferner fest, daß dieses Abstreiten sich für die kommunistischen
Parteien vor Ort als peinlich erwiesen habe, da diese die Propaganda ohne
Zögern wiederholt hatten.

-

Indien - Die auf Marathi erscheinende Tageszeitung Maharashtra

Times verurteilt gleichfalls die sowjetischen Unterstellungen und nannte
diese Behauptungen "den Höhepunkt der Dummheit". Auch sie verweist auf
die Schnelligkeit, mit der prosowjetische Parteien in Indien die Verleumdungen wiederholt hatten und stellt mit Genugtuung fest, daß die Sowjetunion diese mittlerweile bestritten hatte, bevor noch in größerem Umfang
antiamerikanische Demonstrationen organisiert werden konnten.

- Griechenland - Ta Nea zitiert in einem Artikel, betitelt "Ausländer in die Ermordung •verwickelt' - Prawda beschuldigt erneut die imperialistischen Kräfte", einen Leitartikel der Prawda , der die Frage aufwirft
"Wer profitiert" vom Tod von Frau Gandhi und zu dem Schluß gelangt, daß
dies "die Kräfte des Imperialismus und Kolonialismus" seien.

- Griechenland - Rizospastis, Parteiblatt der Kommunistischen Partei , beschuldigt das CIA, für die Ermordung von Frau Gandhi verantwortlich zu sein - wie auch für die angeblich beabsichtigte Ermordung von
Castro und Ghadafi. Das Blatt behauptet, "die ganze Welt und Washington
wissen, daß Indien durch die fanatische Aufwiegelung der Sikhs auf seine
Auflösung hingetrieben wird.. Der wohltätige Geheimdienst der USA ...
schämt sich nicht, offen zu sagen, daß jeder sein Teil bekommen wird, der
- 12 -

�wird, der sich ihr in den Weg stellt." Das Blatt nützt den Artikel zugleich dazu, ihrer Opposition zur Rechten eines auszuwischen, indem diese
als "quiekende" Verteidiger des CIA hingestellt werden.

- Indonesien - The Jakarta Post, ein unabhängiges, englischsprachiges Organ, verweist auf die anhaltenden Bemühungen Moskaus, die USA trotz deutlicher Beschwerden aus Washington - für den Mord verantwortlich
zu machen. Das Blatt zitiert sowohl die sowjetischen Erklärungen zu diesem Thema wie auch Präsident Reagans Charakterisierung der Beschuldigungen als "billiges Gerede".

6. November
- Indien - In einem Artikel "US-Beteiligung nicht ganz zurückzuweisen" zitiert die Hindustan Times Ralph Buultjens, Träger des "Toynbee
Literary Award" und Freund der toten Indira Gandhi, der sowjetische Behauptungen

"nicht gänzlich

zurückweisen" wolle, wonach ihre Ermordung

Teil einer breiterangelegten, vom Ausland gestützten Verschwörung gewesen
sei. Nach Buultjens "betreiben die Großmächte extensive Geheimoperationen
in Indien. Der Fall Larkins zeigte kürzlich das Ausmaß der Durchdringung
der verschiedenen Streitkräfte durch das CIA. Vielleicht tut dies auch
der KGB. Ich würde deshalb diese Art von Kommentar nicht gänzlich zurückweisen. Aber man muß ihn auch einer verantwortungsbewußten Beurteilung
unterziehen." Ein anderer Artikel zitiert längere Passagen eines PrawdaArtikels des Kommentators Wsewolod Owtschinnikow, der die Behauptung einer amerikanischen Verwicklung in die Ermordung aufstellt.

- Indien - Die linke Tageszeitung The Patriot fragt: "Wer zieht Vorteile" aus der Ermordung von Frau Gandhi und kommt zu dem Schluß, daß
"Indiens Verurteilung der amerikanischen Intervention in Indochina, seine
Unterstützung der arabischen Sache, seine Opposition gegen den Rassismus,
seine Forderung nach Schaffung einer Friedenszone Indischer Ozean, seine
realistische

Haltung

in der Frage Afghanistans und seine Anerkennung

Kamputscheas - daß all dies bei Indiens Feinden die Unzufriedenheit hat
steigen lassen, wie Prawda sagte."
- Indien - In
- 13 -

�- Indien - In einem Leitartikel mit dem Titel "Keine Zeit für den
Kalten Krieg" schreibt die Hindustan Times daß "Die sowjetischen Medien
in dem schrecklichen Ereignis eine goldene Gelegenheit sahen, die Propaganda des Kalten Krieges gegen die Vereinigten Staaten auszuweiten...
aber Propaganda des Kalten Krieges durch die Sowjetunion bei einer solch
tragischen

Angelegenheit

ist

unerwünscht

und

äußerst

unglücklich...

Gleichzeitig können die USA - auch wenn man das zeitliche Erscheinen der
sowjetischen Beschuldigungen in Frage stellen mag - nicht das Wissen um
abtrünnige Aktivitäten der in den USA lebenden militanten Sikhs abstreiten. Die Tatsache, daß Washington sich gsgenüber den aufrührerischen Reden und Aktionen dieser fanatischen Gruppe blind stellte, läßt den Verdacht aufkommen, daß sie Verbindungen zum CIA haben. Die USA können sich
nicht aus dieser Verantwortung herausstehlen. Sie sollten wissen, daß
Washingtons ehrliche Absichten, wie gutgemeint auch immer, verdächtig
sein müssen, solange diese militanten Sikhs, auch wenn sie nur einen
Bruchteil (der Bevölkerung) ausmachen, sich in antiindischen Aktivitäten
ergehen und von den USA eine Vorzugsbehandlung erhalten."

7. November

-

UdSSR

- Ein Artikel des indischen Journalisten Summit Chakra-

vartti in der Literaturnaya Gazeta behauptet, es sei "ein offenes Geheimnis, daß einige westliche Länder versuchen, Bedingungen zu schaffen, um
Indiens Einheit zu stören sowie die derzeitige indische Regierung zu destabilisieren und zu verdrängen ... die dunklen Kräfte, die versuchten,
die Situation in Indien zu destabilisieren, waren sicher, daß es ihnen
nicht gelingen würde, Indira Gandhi zu zerbrechen; deshalb begannen sie
damit, Pläne zu ihrer physischen Vernichtung zu schmieden und diese mit
Sorgfalt vorzubereiten."

- Kolumbien - die führende kolumbianische Tageszeitung El Tiempo kritisiert nachhaltig die sowjetische Desinformation bezüglich des Todes von
Frau Gandhi und nennt sie auf der ersten Seite ein klassisches Beispiel
sowjetischer Desinformation, wobei ein Bericht erst in einem obskuren

- 14 -

�einem obskuren linksgerichteten Blatt zur Veröffentlichung gebracht, dann
aufgegriffen und von den Sowjets zitiert wird.

8. November

- UdSSR - Tass zitiert auf Englisch einen Bericht, demzufolge ein
ehemaliger Offizier der indischen Armee, der angeblich "enge Beziehungen
zu einem ausländischen Geheimdienst unterhält", in Zusammenhang mit der
Ermordung von Frau Gandhi festgenommen wurde.
- Polen - Ein Artikel in der regierungsnahen Tageszeitung Rzeczpospolita mit dem Titel "Mörder GmbH" unterstellt die Existenz einer solchen
Organisation, behauptet die Verantwortlichkeit der Gruppe unter anderem
für den Mord an Kennedy , King und Aquino sowie ihre engen Beziehungen zum
CIA. Der Artikel spricht von dem vom CIA finanzierten Handbuch der Contras in Nicaragua und unterstellt deutlich eine Verstrickung des CIA in
die Ermordung von Frau Gandhi.

- UdSSR - Tass zitiert auf Englisch den National Herald und andere
indische Presseerzeugnisse, in denen die Besorgnis staatlicher Stellen in
Indien hinsichtlich "der Duldung von Sikh-Emigrantenorganisationen durch
die amerikanischen, britischen und kanadischen Behörden." Der Artikel zitiert Beschuldigungen des Deccan Herald, wonach die "New York Times und
das US-Fernsehen sich in den unterschiedlichsten Gerüchten und Behauptungen hinsichtlich der Lage in Indien ergehen, wobei die Schritte, die die
neue indische Regierung unternimmt, um das indische Volk zu einen und
seine Einheit zu fördern, absichtlich entstellt und in einer falschen
Perspektive dargestellt werden."

10. November

- UdSSR - In einem Artikel der Sovetskaya Rossiya mit der Überschrift "Wer im Westen inspiriert die antiindische Kampagne?" beschuldigt
S. Bulantsew die amerikanischen Medien einer "verleumderischen Kampagne"

- 15 -

�"verleumderischen Kampagne" gegen Indien. "Die amerikanische Presse ist
wieder einmal von einer Welle antiindischer Artikel überflutet, von denen
viele nur als eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Indiens bezeichnet werden können. ... Washingtons Propagandaapparat versucht, ganz
konkret Einfluß zu nehmen auf die Stimmung und die Einstellung der indischen Wählerschaft." Bulantsew fährt in seiner Anschuldigung fort, "ein
skrupelloses antiindisches Spiel wird auch in Großbritannien gespielt,"
wobei er behauptet, die Briten hätten es versäumt, Schritte gegen separatistische Sikhs in ihrem Land zu unternehmen.

- UdSSR - Die Prawda behauptet in einem längeren Artikel mit dem Titel "Indien: Treu dem gewählten Weg", daß "Imperialisten" Frau Gandhi ermordet hätten, um Indiens "unabhängigen außenpolitischen Kurs" zu untergrabens - wobei als Beweis Zitate aus dem prosowjetischen Magazin Blitz
herhalten. Der Artikel zitiert auch den National Herald, der die Frage
stellt, warum die britische und die amerikanische Regierung es extremistischen Sikhs erlauben, in ihren Ländern zu bleiben.

- UdSSR - Eine Sendung des Moskauer Rundfunks auf Persisch nach dem
Iran behauptet, daß Sezessionisten, "die in den Vereinigten Staaten und
in Großbritannien nisten", gedroht hätten, Rajiv Gandhi zu ermorden.

11. November
- UdSSR - TASS berichtet auf Englisch über das Buch "Die geheimen
Kriege des CIA" des Inders Pauly Parakal, wobei besondere Aufmerksamkeit
dem vermeintlichen

"Brahmaputra-Plan" zur DeStabilisierung

Indiens ge-

schenkt wird und in dem es heißt, den Sikh-Separatisten sei es sogar erlaubt worden, im Westen ein Konsulat des "Sikh Khalistan Staates" zu errichten.

12. November

- UdSSR - Jewgeni Kachanow, der Kommentator des Inlandsdiensts von
- 16 -

�Inlandsdiensts von Radio Moskau behauptet, "mehrere hochrangige Angehörige der US-Botschaft in Dehli verliessen sofort Indien - eher, als es der
normale Zeitplan vorsah", als eine Reihe angeblicher Agenten des CIA in
Delhi vor Gericht gestellt werdsen sollte; "Ein natürlich indirekter,
aber ausreichend überzeugender Beweis für eine Verwicklung amerikanischer
diplomatischer Dienste in Aktivitäten, die in keinster Weise in Einklang
mit ihrem Status standen." Bulantsew verwies auch auf das Buch von Parakal (vgl. 11. November), zitierte den sogenannten "Brahmaputra-Plan" und
beschuldigte

auch

die

Bundesrepublik

Deutschland

und

Großbritannien,

Sikh-Separatisten unterstützt zu haben.

- UdSSR - Eine Sendung von Radio Moskau in Bengali für Bangladesh zitiert die BBC-Sendung einer Rede von Sikh-Separatisten als Beweis offizieller britischer Unterstütung dieser Fraktionen. "Diesen antiindischen
Elementen die Einrichtungen zur Verfügung zu stellen, um die Sendekanäle
der BBC zu benützen, ist Beweis für diesen Einfluß," behauptet Radio Moskau und zitiert einen Artikel im National Herald, der gleichfalls Skepsis
zum Ausdruck bringt.

13. November

- UdSSR - Eine Sendung von Radio Moskau in Hindi spricht von einer
Konferenz "indischer Organisationen im Ausland" , die in Lahore abgehalten
wurde, als Beweis für die Unterstützung der Feinde Indiens durch Pakistan. Die Sendung wiederholt die Behauptung, wonach es den Sikh-Extremisten erlaubt sei, in einer Reihe westlicher Länder Konsulate zu eröffnen,
Pässe auszustellen, Briefmarken herauszugeben und Geld für den "SikhStaat von Khalistan" zu drucken.

- UdSSR - Literaturnaya Gazeta zitiert selektiv aus ausländischen
Zeitungen, durch die eine amerikanische Unterstützung der Sikh-Extremisten unterstellt wird. Zu den aus dem Zusammenhang zitierten Zeitungen
gehören die New York Times, Globe und Mail (Kanada), L' Humanite (Kommunistische Partei Frankreichs), National Herald, Hindustan Times, Statesman
(alle aus Indien) und People1s World (Kommunistische Partei, USA).

17. November
- 17 -

�17. November

- UdSSR - Tass spricht auf Englisch von der Existenz eines umfangreichen europäischen "Syndikats", das für die Unterstützung von Bemühungen
zur Destabilisierung Indiens verantwortlich sei und nennt als Beweis Separatistenbewegungen des Punjab, die in Belgien, Frankreich, den Niederlanden, in der Bundesrepublik Deutschland und in den USA repräsentiert
sind. Tass behauptet: "Das in Westeuropa aufgedeckte kriminelle Syndikat
ist, wie die "Times of India" aufzeigt, genügend Beweis dafür, daß die
Ereignisse im Punjab im vergangenen Sommer, gegen die sich die tote Premierministerin Indira Gandhi entschlossen wandte, keine 'örtliche Meuterei' waren, wie manche Stimmen im Westen jetzt zu behaupten versuchen,
sondern eine Verschwörung, die auf eine Destabilisierung des Landes abzielte und die vom Ausland aus organisiert und finanziert wurde."

- 18 -

�Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

28. November lS&gt;8a

48

UMWELTPROBLEME
- Zweifel an Eignung von Methanol als Kraftstoff - Methangehalt der i_uft
nimmt zu -

- (AD) - Auf Methanol als Ersatztreibstoff gründen sich seit der ersten Energiekrise vor zehn Jahren manche Hoffnungen.

Wissenschaftler der

Universität Kalifornien in Riverside bezweifeln jetzt jedoch, daß eine
verbreitete Anwendung

des Alkohols Methanol

anstelle

von Benzin als

Kraftstoff für Personenwagen die Luft sauberer machen würde.

Im Gegen-

teil - sie vermuten sogar, daß sich Verbrennungs- und Reaktionsprodukte
von Methanol länger als die meisten Verbindungen aus Benzin und Dieselöl
in der Luft halten.

Eine Studie, die im Auftrag der kalifornischen Behörde zur Überwachung der Luftqualität vom Forschungszentrum für Luftschadstoffe an der
Universität Riverside durchgeführt wird, soll nun klären helfen, welcher
Art die Abgasemissionen aus methanolbetriebenen Kraftfahrzeugen tatsächlich sind und wie sie sich auf die Belastung aer Luft auswirken würden.
Bei den umfangreichen Experimenten, für die gegenwärtig 18 Monate ange-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Monate angesetzt sind, wird u.a. die Methanolverbrennung in Klimakammern
unter den verschiedensten Witterungsbedingungen simuliert.

Die Chemiker William Carter und Koger Atkinson, die die Untersuchungen leiten, befassen sich seit geraumer Zeit mit Möglichkeiten der Nutzung von Methanol als Kraftstoff.

Er erfordere zwar gewisse technische

Veränderungen am Auto, beeinträchtige dann jedoch in keiner Weise Fahreigenschaften oder Kilometerleistung, sagt Carter.
ten gezeigt, daß Methanolabgase unter

Frühere Studien hät-

Verhältnissen, welche z. B. Smog-

bildung begünstigen, im 24-Stunden-Zeitraum weniger rasch reagieren als
Kohlenwasserstoffe.

Das sei bisher ein Hauptgrund dafür gewesen, Metha-

nol als aussichtsreichen Kraftstoff zu betrachten.

Als attraktiv gilt er

auch aufgrund der Tatsache, daß er aus einheimischen Energieträgern wie
Erdgas und Kohle sowie aus "nachwachsenden" Energieguellen gewonnen werden kann.

Zu letzteren zählen neben bestimmten landwirtschaftlichen Ab-

fällen Biomassen von Pflanzen, aie sich in regelrechten Energiefarmen
anbauen ließen.

Die Abgase von methanolbetriebenen Fahrzeugen enthalten Carter zufolge Methanol und Formaldehyd.

Diese sind zwar chemisch weniger aktiv als

Kohlenwasserstoffe aus Benzin, könnten sich aber länger als eine
statt nur ein bis zwei Tage in der Luft halten.

Woche

Infolge dieses Umstandes

könnte die Anreicherung der Luft mit Methanolabgasen in Zeiten problematisch werden, in denen die Witterungsverhältnisse eine ausreichende Luftdurchmischung nicht zulassen.

Methan verstärkt "Gewächshauseffekt"
Die Konzentrationen von Methan in der Luft nehmen seit 1977 zu, wie
Dr. F. Sherwood Rowland, Professor für Chemie der Atmosphäre (Universität
Kalifornien in Irvine), auf der Jahrestagung der "American Chemical Society" in Philadelphia berichtete.

Die Analyse der Luftproben, die Rowland

seit sieben Jahren weltweit sammeln läßt und mit einer Gruppe von Mitarbeitern untersucht, lasse erkennen, daß in der gesamten Troposphäre der
- 2 -

�Troposphäre der Methangehalt um jährlich 1,1 Prozent angestiegen sei.
Diese Meßergebnisse entsprächen den lokal ermittelten Befunden einer Reihe anderer Forschergruppen in verschiedenen Regionen sowohl auf der Nordais auch auf der Südhalbkugel.

Da Methan infrarote Strahlung sehr stark absorbiert, sei Rowland zufolge auch zu erwarten, daß ein höherer Methangehalt erheblich dazu beitrage, daß die Erde weniger Sonnenwärme in den

Weltraum zurückstrahle.

Diese allmähliche Erwärmung wird auch als "Gewächshauseffekt" bezeichnet.
Nicht alle, jedoch die meisten Experten sind sich einig darüber, daß die
Erde wärmer wird.
ten.

Allerdings ist der Grad der Aufwärmung sehr umstrit-

Als Hauptursache einer Aufwärmung wird das Verbrennen fossiler Ma-

terialien wie Kohle, Ol und Benzin angesehen. Das dabei freigesetzte Kohlendioxyd hält die Sonnenwärme zurück.

Die Auswirkungen von Methan sind nicht auf den "Gewächshauseffekt"
beschränkt.

Das Gas spielt aucn eine wichtige Rolle im Smogzyklus bzw.

der Bildung einer Dunstglocke über Stadt- und Industrieregionen sowie
heim Abbau von üzor in der Stratosphäre durch chlorhaltige Verbindungen.

Methan wird z. B. beim Vieh bei der Verdauung von Zellulose, ferner
durch biologische Reaktionen unter Wasser in überfluteten Reisfeldern und
in Sümpfen produziert.

Rowland nimmt an, daß die Methankonzentration

steigt, weil der Abbau der Verbindung in der Atmosphäre mit der Anreicherung nicht Schritt zu halten vermag.

Die wachsende Zahl der Erdbevölke-

rung führte zwischen 1^50 und 197!&gt; auch zu einem Anstieg des Viehbestandes um ca. 5Ü Prozent (im letzten Jahrzehnt sei allerdings ein wesentlich
geringerer Anstieg zu verzeichnen gewesen).

Die neuen Reisanbaumethoden,

die seit etwa zehn Jahren in weiten Gebieten angewendet würden, seien
nicht ohne Einfluß.

Mehrfachernten mit ertragreichen Sorten setzten sich

immer mehr durch.

Der geringe Abbau von Methan könne, so Rowland, ein Anzeichen für
grundlegende

Veränderungen

in

atmosphärischen

Wechselwirkungen

sein.

"Methan hält sich zehn Jahre in der Atmosphäre und wird durch einen Oxy- 3 -

�einen Oxydationsprozeü, nämlich durch die Reaktion mit Hydroxylradikalen,
abgebaut. Die steigende Methankonzentration deutet wahrscheinlich an, dato
andere organische Verbindungen in der Atmosphäre jetzt weniger schnell
als noch vor ein paar Jahren oxydiert werden, was ebenso bedeutsam wäre
wie ein Anstieg von Methan selbst."

Jedes Methanmoiekül in der Atmosphä-

re binde ein Hydroxylradikal, der Rest werde in Kohlenmonoxyd umgewandelt.

Dieses sei nur auf Kosten eines weiteren Hydroxylraaikals zu ent-

fernen, so daß schon ein geringes Ansteigen des Methangehalts die Konzentration immer höher treibe, erklärte Rowland.

Über den Umfang des Methananstiegs vor 1977 wisse man, so Rowland,
kaum etwas, cbgleicn Gasanalysen von Bohrkernen aus dem Antarktiseis vermuten ließen, daß die Werte gegenwärtig doppelt so hoch sind wie vor einigen hundert Jahren.

Jetzt komme es vor allem darauf an, die Methanpro-

duktion aus den verschiedenen biologischen Quellen besser abschätzen zu
können.

* * * * *

- 4-

�</text>
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