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Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. Mai 1980

26

INHALT

DOKUMENTATION
USA fordern Beseitigung der Hindernisse bei der Kambodscha-Hilfe
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers in Genf WIRTSCHAFT
Botschafter Hormats: Handel - das zentrale Thema des Gipfeltreffens
in Venedig
- Von John J . Harter, US-Amt für Internationale Kommunikation HINTERGRUNDMATERIAL
Schieferöl - Amerikas ungehobener Energiereichtum
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Wasserstrahl statt Bohrhammer
- Fahrbares Hydraulikaggregat vereinfacht Straßenreparaturen

Um Übcr/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Dokumentation

I
26

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. Mai 1980

USA FORDERN BESEITIGUNG DER HINDERNISSE BEI DER KAMBODSCHA-HILFE
Rede des Stellvertretenden US-Außenministers in Genf

GENF - (AD) - Im Rahmen einer von Kurt Waldheim, dem Generalsekretär
der Vereinten Nationen, einberufenen zweitägigen Konferenz über humanitäre
Hilfe für das Volk von Kamputschea (Kambodscha) erläuterte Warren Christopher,
der Stellvertretende Außenminister der Vereinigten Staaten,am 26. Mai 1980
die Haltung seiner Regierung. Neben den über 85 Millionen Dollar, die
bereits von der amerikanischen Regierung bereitgestellt wurden,und den
über 40 Millionen Dollar, die von privater amerikanischer Seite als
Spenden eingegangen sind, werden die Vereinigten Staaten in den kommenden
vier Monaten weitere 29,6 Millionen Dollar zur Verfügung stellen. Allerdings
könne diese Hilfe das leidende Volk von Kamputschea nur dann erreichen,
wenn endlich die Hindernisse beseitigt würden, die aus militärischer
Besetzung und äußerer Einmischung erwachsen.
Die Rede des Stellvertretenden Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Gestatten Sie mir zunächst, Ihnen die Wertschätzung meiner Regierung
dafür zum Ausdruck zu bringen, daß Sie den Vorsitz in dieser Konferenz führen.

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�führen.

Wir danken den ASEAN-Staaten ebenso wie den ECOSOC-Mitgliedern dafür,

daß sie als erste ein solches Treffen forderten,und dem Generalsekretär für
dessen Einberufung.

Denn die drängende Not des kamputscheisehen Volkes

erfordert auch weiterhin unsere Aufmerksamkeit, unsere Verpflichtung und
unsere Mittel.
Letzten Herbst kamen wir zusammen, gerufen durch eine menschliche
Tragödie von rasch wachsendem Ausmaß.
Hungersnot.

Wir sahen eine immer größer werdende

Wir sahen eine steigende Flut von Kamputscheern, die in

verzweifelter Suche nach Nahrungsmitteln und nach Sicherheit durchs Land
zogen.

Wir sahen Oberlebende, die sogar zum Weinen zu schwach waren.

Wir sahen die Zukunft eines ganzen Volkes in Gefahr.

Die internationale

Gemeinschaft antwortete - durch Regierungen und durch Privatleute - sowie
durch die gemeinsame Anstrengung der Organe der Vereinten Nationen, des
Internationalen Roten Kreuzes und freiwilliger Privatorgahisationen.
Die Arbeit dieser Gruppen, besonders aber der Helfer an Ort und Stelle,
war gewiß heldenhaft. Diese internationale Hilfsanstrengung hat Hunderttausenden von Kamputscheern Hilfe gebracht, ja, das Leben selbst erhalten.
Dieses gewaltige Programm wäre noch unendlich schwieriger gewesen,
hätte nicht die Regierung von Thailand den vielen Kamputscheern Schutz
gewährt, die vor dem Krieg und der Hungersnot flohen. Für diese weitsichtige Politik der Anteilnahme gilt der Regierung und dem Volk von Thailand
der tiefe Respekt und die ganze Unterstützung meiner Regierung und - dessen
bin ich sicher - auch der Weltgemeinschaft.
Eine mögliche menschliche Tragödie führt uns erneut zusammen. Die
lange, dunkle Nacht hat für das Volk von Kamputschea noch nicht geendet.
Die letzte Ernte, dürftig wie sie war, ist praktisch aufgebraucht. Tod
durch Verhungern nimmt wieder zu; Krankheiten greifen wieder um sich.
Eine immer größere Zahl von Khmer flieht zur thailändischen Grenze und

- 2 -

�und unterliegt den Entbehrungen. Die Reisaussaat für die Ernte zum
Jahresende hat mit unzureichendem Saatgut - und daher mit begrenzten
Aussichten - angefangen.

Der Monsun wird bald kommen und neue schwer-

wiegende Probleme mit sich bringen.
Für das Volk von Kamputschea schwinden die Chancen für das überleben wieder dahin. Um eine erneute Hungersnot zu verhindern, muß unbedingt ein umfangreicher Versorgungsfluß an Nahrungsmitteln und Saatgut
durch das ganze Jahr 1980 hindurch anhalten.
Wir müssen uns noch einmal für ein neues Ausmaß an humanitärer Unterstützung und Hilfe einsetzen. Und wir müssen hier auch über die Hindernisse
sprechen, die die internationalen Hilfsanstrengungen davon abgehalten haben,
so wirkungsvoll zu sein, wie dies beabsichtigt war, und so wirkungsvoll,
wie es notwendig ist.
Bis heute hat die Regierung der Vereinigten Staaten über 85 Millionen
Dollar für die Hilfsanstrengungen zur Verfügung gestellt.

Im Rahmen

einer eindrucksvollen Unterstützungsaktion sind von privater amerikanischer
Seite 40 Millionen Dollar beigetragen worden.
Ich bin heute im Namen des Präsidenten der Vereinigten Staaten hier,
um weitere umfangreiche Mittel zu dieser so wesentlichen humanitären
Anstrengung beizusteuern. Wir sind bereit, zusätzliche 29,6 Millionen
Dollar an Lebensmittel- und Finanzhilfe für die kommenden vier Monate
zu geben, um dabei zu helfen, die dringendsten Ansprüche des kamputscheisehen
Volkes zu befriedigen.
Die internationale Gemeinschaft darf den flehendlichen Bitten eines
Volkes nicht den Rücken kehren, das an hoffnungslosem Mangel an Nahrungsmitteln, medizinischer Versorgung und dem Saatgut leidet, das wieder eine
kamputscheische Ernte ermöglichen würde. Wir fordern alle Spender auf, ihre

- 3 -

�ihre Verpflichtung beträchtlich zu erhöhen, um uns einer der größten
moralischen Herausforderungen unserer Generation zu stellen.
Sicherlich hat kein anderes Land auf Erden in den vergangenen Jahren
stärker gelitten als Kamputschea - verwüstet durch Krieg, verheert durch
die unaussprechlichen Greueltaten des Pol-Pot-Regimes, gequält durch
ausländische Invasion und Besetzung, und dem es derzeit in tragischen
Ausmaßen an den baren Notwendigkeiten des Lebens mangelt.
Aber es gibt eine Lösung - wenn diejenigen, die die Kontrolle ausüben, das menschliche Leben höher als den politischen Vorteil stellen.
Ich habe ernste Bedenken, daß weiteres Leiden und Hungersnot trotz unserer
Anstrengungen unvermeidbar sind, wenn wir nicht die derzeitigen Hindernisse
überwinden, die einer wirkungsvollen Verteilung der Hilfsmittel im Innern
Kamputscheas im Wege stehen.
Denn es ist Tatsache, daß Lebensmittel und andere Güter nicht diejenigen
erreichen, die sie am dringendsten benötigen.
Die Probleme sind beträchtlich, die mit einer solch umfassenden
Hilfsanstrengung verbunden sind. Nach langen Jahren des Bürgerkriegs
ist die Infrastruktur Kamputscheas zu weiten Teilen zerstört. Das Volk
der Khmer hat nicht mehr die Kraft, das ausgebildete Personal, die Ausrüstung oder die Möglichkeiten, Lebensmittel zu verteilen und seine Landwirtschaft ohne äußere Hilfe wieder aufzubauen.
Viele Monate lang stand die internationale Gemeinschaft in Bereitschaft, um bei der Überwindung dieser Hindernisse zu helfen.
Aber die Hilfsanstrengungen wurden behindert durch Einschränkungen
bei Zugang und Bewegungsfreiheit für die internationalen Helfer.
Sie mich in dieser Hinsicht deutlich sein.

Lassen

Diese Hindernisse haben es

�es unmöglich gemacht, alle Kamputscheer zu erreichen, die Hilfe brauchen.
Nur nach Beseitigung dieser Hindernisse können wir hoffen, den Teufelskreis
von Hungersnot, Krankheit und erneuter Massenflucht zu durchbrechen, der
die ganze Existenz eines Volkes, eines Staates bedroht.
Insbesondere ist eine Reihe von Schritten entscheidend.
Erstens: die Behörden in Phnom Penh und die Vietnamesen müssen die
Erlaubnis erteilen, daß die Provinzflugplä'tze für internationale und
Inlandsflüge geöffnet werden, die Hilfsgüter transportieren. Diese Flugplätze werden derezit für militärische Zwecke benützt. Sie müssen auch dazu
dienen, Lebensmittel zu den Hungernden zu bringen.
Zweitens:

Es muß für internationale Hilfsflüge ermöglicht werden,

nach Phnom Penh auf direkterem Weg einzufliegen, auf Wegen, die weniger
wertvolle Zeit und Treibstoff verbrauchen und die es erlauben würden, mit
jedem Flug zusätzliche Lebensmittel und medizinische Güter zu transportieren.
Drittens:

Diejenigen, die die Kontrolle ausüben, müssen eine größere

Anzahl von internationalen Helfern in Kamputschea arbeiten lassen. Es
muß genügend Personal geben, um beim Transport, bei der Verteilung und der
Überwachung einer großangelegten Hilfsanstrengung zu helfen.
Viertens: In Kamputschea herrscht ein katastrophaler Mangel an Ärzten
und anderem medizinischen Personal; dennoch haben die Behörden in Phnom Penh
und die Vietnamesen nur 27 Personen an medizinischem Personal ins Land
gelassen. Das ist einer für nahezu 200 000! Hunderte von Ärzten und anderem
medizinischen Personal stehen bereit und sind willens, nach Kamputschea
zu kommen, entweder individuell oder unter der Oberaufsicht internationaler
Hilfsorganisationen. Es muß ihnen gestattet werden, dies zu tun.
Fünftens:

�Fünftens:

Die Behörden in Phnom Penh und die Vietnamesen müssen gestatten,

daß Hilfsmittel per Lastwagen und Eisenbahn über die thailändisch-kamputscheische
Grenze gelangen.

Dieser Schritt allein würde eine gewaltige Ausweitung der

Hilfe ermöglichen, die jene Khmer erreicht, die in Not sind.
Schließlich rufen wir die Sowjetunion auf, sich der Beseitigung
der Hindernisse anzuschließen, um eine wirkungsvolle Hilfsanstrengung
zu ermöglichen. Die Vereinigten Staaten sind als Teil ihres Beitrags bereit,
Mittel für Lastwagen und andere Ausrüstung bereitzustellen, um die Hilfsgüter zu transportieren.
Hubschrauber

Wir drängen die Sowjetunion, die Güter mittels

oder anderer Arten

des Lufttransports zu verteilen, um

dadurch die Transportprobleme zu überwinden, die die kommende Regenzeit
stellt.
Ohne einen raschen Durchbruch würde Kamputschea eine weitere Welle
der Massenhungersnot und der Seuchen zu erleiden haben - und dies innerhalb
von Monaten, ja womöglich Wochen.
Da wir in gutem Glauben unsere eigenen Verpflichtungen ausweiten,
appellieren wir erneut an die Behörden in Phnom Penh, an die Regierung
Vietnams, an diejenigen, die Vietnam unterstützen:

Erlaubt, daß eine

wirkungsvolle Hilfsanstrengung einsetzt.
Schließlich aber kann die Lage des kamputscheisehen Volkes nicht
von ihren politischen Ursachen getrennt werden.

Denn die Tragödie von

Kamputschea wird nicht enden, bevor nicht die militärische Besetzung
aufhört und es eine Regierung gibt, die tatsächlich das kamputscheische Volk
repräsentiert, blockfrei ist und frei von ausländischer Einmischung.
Dies hier ist nicht das Forum, um jene kritischen Probleme im
einzelnen anzusprechen.

Aber lassen Sie mich dieses sagen:

Es ist

bedauerlich, daß einige derjenigen, die eine solche schwere Verantwortung

�Verantwortung für diese Krise der Menschheit tragen, sich uns hier nicht
als Teilnehmende angeschlossen haben, um dabei zu helfen, die wirkungsvollste
humanitäre Antwort auszuarbeiten.
In der Tat, wenn wir einen Blick auf die internationale Landschaft
werfen, so sehen wir, daß wir in den letzten Monaten Zeuge einer gewaltigen
neuen Menschenflut wurden - Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden,
sei es durch die Aggression in Afghanistan, durch von außen geschürten Konflikt
am Hörn von Afrika, sei es durch die harte Wirklichkeit des Lebens auf Kuba.
Der Tribut an Menschenleben ist erschreckend. Die Anforderungen an die
Nachbarländer sind gewaltig. Die humanitären Forderungen an die internationale
Gemeinschaft sind beunruhigend - und nehmen zu.
Die Staatengemeinschaft kann sich den Bitten derjenigen nicht verwehren,
die verzweifelt der Hilfe bedürfen. Aber wir dürfen auch die Augen nicht
verschließen vor der Tatsache, daß die Politik einiger weniger Leiden für
so viele schafft - und steigende Kosten für uns alle.
Wir können dieser umfassenderen Realität nicht entfliehen.

Aber die

Bedrängnis, die uns hier ruft, die Lage des kamputscheisehen Volkes, ist
beispiellos.
Denn die Zukunft des kamputschei sehen Volkes, sa'ner gesamten Kultur,
liegt auf der Waagschale.

Wenn sich die Bedingungen dort nicht ändern,

wird wenig von Kamputschea übrigbleiben - sein Volk zerstreut, sein Land
bewohnt von anderen.
Mit genügend Hilfsmitteln, mit der engen Zusammenarbeit aller
Betroffener und mit anhaltender Anstrengung können wir vielleicht erleben, daß
es das kamputscheisehe Volk schafft - von schier endloser Not hin auf eine
Zukunft in Hoffnung und Erwartung.

+ + + + +

- 7 -

�Wirt/choft

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. Mai 1980

26

BOTSCHAFTER HORMATS: HANDEL - DAS ZENTRALE THEMA DES
GIPFELTREFFENS IN VENEDIG
- Von John J. Harter, US-Amt für Internationale Kommunikation

WASHINGTON - (AD) - Fragen der Handelspolitik werden nach Aussage des
Stellvertretenden Sonderbeauftragten des Präsidenten für Handelsgespräche
das zentrale Thema des Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs der
wichtigsten Industrieländer sein, das am 22. und 23. Juni in Venedig stattfinden wird.
"Wir werden unsere Aufmerksamkeit sicherlich auf die Tatsache richten,
daß die Regierungen vor der Notwendigkeit stehen, protektionistische Maßnahmen zu vermeiden und die Abkommen zu verwirklichen, die voriges Jahr bei
der Runde der Handelsverhandlungen in Tokio in gutem Glauben geschlossen
wurden", bemerkte Botschafter Robert Hormats vor Pressevertretern am 20. Mai
1980 in Washington.

Die

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�Die Außen- und Finanzminister der Industriestaaten werden sich vom
3. bis 4. Juni am Sitz der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) treffen, um diese Fragen zu besprechen.

Danach

wird, so Hormats, die Tagesordnung für das Gipfeltreffen im einzelnen festgelegt werden.

"Ich bin jedoch sicher, daß wir unsere Aufmerksamkeit den positiven
Anpassungen widmen werden", stellte er fest, wobei er eine Formulierung gebrauchte, die jene Politik zusammenfaßt, die die Regierungen bei der Suche
nach der Vermeidung von Handelsbeschränkungen angesichts rasch steigender
Importe verfolgen können.

"Im wesentlichen werden die Staats- und Regierungschefs wohl ihren Segen zu den Abkommen der Tokio-Runde geben und versuchen, in die Bewegung zur
Handelsliberalisierung etwas mehr Schwung zu bringen," erklärte Botschafter
Hormats, der wahrscheinlich selbst beim Gipfeltreffen in

Venedig anwesend

sein wird.

Hormats zufolge wäre es der internationalen Gemeinschaft durchaus möglich, eine umfassende Runde von Handelsverhandlungen anzusetzen, die sich
innerhalb von zwei oder drei Jahren vornehmlich auf den Abbau von Handelsschranken bei den Dienstleistungen konzentriert.

"Die Vereinigten Staaten

exportieren derzeit jährlich im Werte von ungefähr 70 Milliarden Dollar im
Bereich der Dienstleistungen, nimmt man die Rückführung von Gewinnen aus Investitionen und ähnlichen Erträgen dazu", so stellte er fest.

"Und diese

Summe, die rasch zunimmt, wäre sogar noch beträchtlich höher, wenn nicht
so viele Maßnahmen der Regierung im Wege stünden."

Die wichtigsten "Exporte" im Bereich der amerikanischen Dienstleistungen
umfassen das Bankwesen, Versicherungen, Maschinenbau, Leasing, Hotels-,
Luft- und Seetransport.

Obgleich die amerikanische Gesetzgebung, die zur

amerikanischen Teilnahme an der Tokio-Runde ermächtigte, Verhandlungen forderte, um die Hindernisse im Bereich des Dienstleistungsverkehrs abzubauen,

- 2 -

�abzubauen, ist in diesem Bereich nur wenig geschehen. .
Hormats teilte mit, daß seine Behörde sehr eng mit den betroffenen
amerikanischen Industrien zusammenarbeitet, um die Hindernisse, vor denen
sie auf anderen Märkten stehen, so genau wie möglich zu identifizieren.
Außerdem "versuchen wir, eine passende Grundlage mit den anderen Ländern zu
schaffen, um in diesem Bereich Verhandlungen in Gang zu bringen."
Hormats nach untersuchen die Vereinigten Staaten auch, was im internationalen Rahmen getan werden kann, um die Handelsverzerrungen zu vermindern, die sich aus den Restriktionen der Regierung gegenüber ausländischen
Investitionen ergeben. Zum Beispiel können die Vorbedingungen für eine Zustimmung zum Bau neuer Produktionsstätten den Interessenten entmutigen, indem auf ausschließliche oder übertriebene Beteiligung lokaler Zulieferer
bestanden wird, die vielleicht gegenüber Zulieferern von außen nicht wettbewerbsfähig sind.
Hormats erklärte, daß einige Probleme hinsichtlich Dienstleistungshandel
und Investitionsrestriktionen aufgrund der neuen internationalen Regeln in
absehbarer Zeit gelöst werden können, die im Verlauf der Tokio-Runde entwickelt wurden, um Handelsschranken zu verringern, die auf Zollparitäten beruhen.
Der Subventionskodex im besonderen wird es der internationalen Gemeinschaft ermöglichen, Anschuldigungen zu untersuchen, ob eine Regierung Einfuhren dadurch blockiert, daß sie ihren
wirtschaftliche

inländischen Industrien besondere

Vorzüge gewährt.

Hormats unterstrich, daß die Anwendung der Kodizes der Tokio-Runde gut
vorangeht - trotz der unvermeidlichen Probleme, die mit der Errichtung neuer
Institutionen und der Einführung neuer Verfahren verbunden sind.
Auf eine diesbezügliche Frage bestätigte Hormats, daß die Regierung ermächtigt ist, mit der amerikanischen Stahlindustrie oder europäischen Re- 3 -

�Regierungen in Verhandlungen einzutreten, um eine Lösung für die Beschwerde
zu finden, europäische Hersteller hätten Stahl zu ungerechtfertigt niedrigen
Preisen auf den amerikanischen Markt geworfen.

Das Handelsministerium unter-

sucht gegenwärtig die Beschwerde.
Auf eine andere Frage antwortete Botschafter Hormats, daß die Regierung
Carter zu dem Schluß gekommen sei, Restriktionen für importierte japanische
Autos würden lediglich den Inflationsdruck in den Vereinigten Staaten verstärken, aber die Arbeitslosigkeit in der amerikanischen Automobilindustrie
nicht merklich verringern.

+ + + + +

�I 3

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28. Mai 1980

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SCHIEFERÖL - AMERIKAS UNGEHOBENER ENERGIEREICHTUM

- (AD) - Auf dem Territorium der Vereinigten Staaten liegen 73
Prozent aller bekannten förderfähigen ölschiefervorkommen in der Welt. Sie
machen mehr als das Doppelte dessen aus, was an konventionell erschließbaren
Ölvorkommen bekannt ist. Die Technologie zur Gewinnung des Schieferöls mit
oberirdischen Extraktionsverfahren ist nunmehr so weit entwickelt, daß
einer kommerziellen Anwendung nichts mehr im Wege steht. Dies gab jetzt
das amerikanische Energieministerium bekannt.
Armand Hammer, der Chef der "Occidental Petroleum Corporation",
erklärte in einer Anhörung vor dem US-Kongreß, daß bei angemessenen
finanziellen Anreizen die SchieferölProduktion 1982 oder 1983 aufgenommen
werden könne. Mehr als 40 amerikanische Firmen sind gegenwärtig auf dem
Ölschiefersektor engagiert.

Da gegenwärtig die Produktionskosten für ein

Faß (ca. 159 Liter) öl aus Ölschiefer - je nach dem angewandten Verfahren
und einschließlich der Investitionen - auf 15 bis 35 Dollar angesetzt werden,
ist die Wettbewerbsfähigkeit mit Importöl bereits erreicht.

Bedenken

wegen möglicher Umweltschäden sind etwas in den Hintergrund getreten, weil

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�weil die Forschung inzwischen die Auswirkungen der Ölschiefererschließung
genauer abschätzen und definieren kann.
Neue Gesetze sehen bereits Steuererleichterungen und Investitionskredite für die Produktion von Schieferöl vor; außerdem sollen noch im
laufenden Haushaltjahr 2,2 Milliarden Dollar Regierungsgelder dazu beitragen,
"daß die Synthesebrennstoff-Industrie vom Boden kommt", wie es ein Sprecher
des Energieministeriums formulierte.

Dem Kongreß liegen noch weitere

Gesetze zur Erörterung und Verabschiedung vor, die die für direkte Kredite
und andere Anreize bestimmten Summen noch um Milliarden Dollar erhöhen
würden.
Die im letzten Jahrzehnt erarbeiteten Grundlagen für eine kommerzielle
Nutzung des Ölschiefers führten dazu, daß private Firmen ihr Interesse gegenwärtig auf ein 41 400 qkm großes Gebiet in den Grenzbreichen der Bundesstaaten Colorado, Utah und Wyoming konzentrieren. Dort liegt Ölschiefer
bester Qualität - aus zwei Tonnen Gestein dürfte mindestens ein Faß öl
zu extrahieren sein. Das Einzugsgebiet des Green River in Colorado, eine
nur spärlich besiedelte Region, enthält mehr öl als die bekannten Erdölfundstätten des gesamten Mittleren Ostens. In den reichhaltigsten ölschieferschichten allein ist öl gebunden, das etwa 83 Milliarden Tonnen
ergeben würde.
Ölschiefer ist ein toniges Sedimentgestein, in dem organische
Bestandteile pflanzlicher und tierischer Herkunft KohlenwasserstoffVerbindungen - Kerogen genannt - gebildet haben.

Schlamm, Vulkanasche und

Gesteinsschutt vom Boden prähistorischer Seen sind darin verfestigt.
Gestein ist etwa 50 Millionen Jahre alt.

Das

In seiner Zusammensetzung ist

das Kerogen dem Petroleum ähnlich, und es kann dem Ölschiefer entzogen
werden, wenn man ihn auf 500 Grad Celsius erhitzt.
zu 70 Prozent aus öl

Das Produkt besteht

zu 10 Prozent aus Gas und Leichtöl und zu 20 Prozent

aus koksähnlichem Material.
Das
- 2 -

�Das Gestein kann auf verschiedene Weise "aufbereitet" werden»zum
Beispiel durch unterirdisches Verschwelen an Ort und Stelle mit "kontrolliertem
Verbrennen" nach dem Aufbrechen kerogenhaltiger Schichten.

Oder es wird

in einer Retorte durch Verbrennen der Koksrückstände in direktem Kontakt
mit dem Ölschiefer, durch von außen zugef'ührte heiße Gase oder mittels
Wärmeübertragung, nämlich durch direkten Kontakt des ölhaltigen Gesteins
mit Materialien wie vorgeheizten Keramikkugeln, verschwelt.

Das so

gewonnene öl kann in Pipelines transportiert und meist ohne weitere Aufbereitung
zur Kesselheizung verwendet werden.

Oder man gewinnt in Raffinerien daraus

hochwertiges Benzin, Dieselöl und Düsentreibstoffe.

Die Veredelungskosten

liegen bei fünf bis sieben Dollar pro Faß - das sind zwei Dollar pro Faß
mehr als für die Veredelung von Importöl.
Die amerikanische Industrie hat bisher mindestens eine Milliarde
Dollar in den Ölschiefer investiert und insgesamt fast 70 000 Tonnen öl
produziert - in erster Linie aus Ölschiefer vom Piceane Creek-Becken in
Colorado. Dabei werden sowohl die Verfahren unterirdischer Verschwelung
als auch der Verschwelung in oberirdischen Retorten angewandt. Bei der
letztgenannten Technologie belaufen sich die Investitionskosten auf
schätzungsweise 1,5 Milliarden Dollar für eine kommerzielle Anlage mit
einem Tagesausstoß von 6 700 Tonnen öl, bei Anwendung der unterirdischen
Verschwelung auf 800 Millionen Dollar für einen Betrieb ähnlicher Größenordnung.
Die Firma "Union Oil", die sich schon vor 50 Jahren Land, öl- und
Wasserrechte zu sichern begann, verfügt heute über genügend Reserven, um
für einen Zeitraum von 25 Jahren täglich 20 000 Tonnen öl zu produzieren.
Gegenwärtig baut das Unternehmen die erste von fünf Anlagen, die einen
Tagesausstoß von je 10 000 Faß (ca. 1 330 Tonnen) öl haben könnten. Die
erste Retorte, die etwa 170 Millionen Dollar kosten wird, soll 1983
betriebsbereit sein.
Die

- 3 -

�Die Retorte ist ein konisches Bauwerk von 18 m Höhe
messer an der Basis und 11 m Weite im oberen Teil.

3 m Durch-

Der geförderte Öl-

schiefer wird unter der Erde zerkleinert und ausgesiebt und dann der Retorte
zugeführt,in der ihn von oben eingeleitete heiße Gase erhitzen.

Das

als Gas freiwerdende Kerogen wird zu öl kondensiert, der Ölschieferrückstand gekühlt und über Rutschen zum 300 m tiefer gelegenen Talgrund
gebracht.

Dort wird er verteilt, verfestigt, den Bodenkonturen entsprechend

aufgeschüttet und begrünt.

Das zur Kühlung, öl gewinnung und Staubbindung

verwendete Wasser wird zurückgewonnen.
Das "modifizierte in-situ"-Verfahren der Firma "Occidental Oil"
macht es erforderlich, 15 bis 25 Prozent des Gesteins an die Oberfläche
zu bringen, um im Berg Raum für unterirdische Verschwelungskammern zu
schaffen. Diese werden so ausgehoben, daß das Gestein als Tragepfeiler
stehen bleibt. Dann läßt man die Decke mittels Sprengladungen einstürzen,
um die Kavernen mit gebrochenem Ölschiefer zu füllen, der dann entzündet
wird. Das Kerocen sickert in Bodentröge und wird an die Oberfläche
gepumpt. "Occidental" baut z.Zt. die siebte und achte Retorte. Retorte
Nr. 6 hatte die Höhe eines 30 Stockwerke hohen Bauwerks» Bis Juli 1979
waren dort 6 600 Tonnen öl produziert worden, wobei 40 Prozent des im
Gestein enthaltenen Öls gewonnen wurden. Jetzt hofft man, diesen Anteil
auf mindestens 70 Prozent steigern zu können. Bei Aufnahme der vollen
großtechnischen Produktion wird "Occidental" einen Ausstoß von 1,82 Millionen
Faß (ca. 246 000 Tonnen) im Jahr haben und 1 600 Leute beschäftigen.
"Geokinetics" wendet für oberflächennahe Vorkommen einen horizontalen
unterirdischen Verschwelungsprozeß an. Das Unternehmen berichtet, daß es
damit möglich sei, 70 Prozent des im Ölschiefer enthaltenen Kerogens zu
extrahieren. "Superior Oil" wiederum arbeitet nach einem sog. geschlossenen
System. Ein Teil der Aufbereitung, z.B. das Zerkleinern zum Entziehen von
Natriumbiokarbonat, erfolgt unterirdisch. Nach der Extraktion des Kerogens
in oberirdischen Retorten wird der Restschiefer ausgelaugt, um Aluminium-

�Aluminiumhydroxid und restliches Natrium herauszuholen. Der Abfall wird
dann auf 50 Prozent seines Volumens verfestigt und in die unterirdischen
Kavernen zurücktransportiert. Für das "Colony Project" wurde ein Verfahren
entwickelt, bei dem der Ölschiefer mit heißen Gasen vorgeheizt wird. Die
Verschwelung erfolgt dann in einer Retorte mittels Tausenden von kieselgroßen
heißen Keramikkugeln.
Einem Bericht des Energie-Instituts von Colorado zufolge ist der
erforderliche Wasserbedarf(Wassermenge im Verhältnis zur produzierten
ölmenge entspricht 2:1) mit dem Wasservorkommen in dem betreffenden Gebiet
zu vereinbaren. Das Wasser würde sogar für einen Tagesausstoß von ca.
274 000 Tonnen ausreichen. Salze, Spurenelemente und bestimmte andere
Beimengungen von den Überresten des Ölschiefers und dem im Prozeßverlauf
benutzten Wasser dürfen nicht ins Grundwasser gelangen.
Bei der Schieferölgewinnung kommt es außerdem zur Staubentwicklung
und der Einleitung unerwünschter Gase in die Atmosphäre.

Die Industrie

muß erst noch den Nachweis führen, daß diese Emissionen so gering gehalten
werden können, daß sie die Maximalwerte der bestehenden Gesetze zur Luftreinhaltung nicht überschreiten.
Die Deponie von verbrauchtem Ölschiefer stellt bei den oberirdischen
Aufbereitungsverfahren ein enormes Problem dar, weil dieses Material
voluminöser ist als das gebrochene Gestein und deshalb die unterirdischen
Kavernen dafür nicht ausreichen. In einigen Studien kam man zu dem Schluß,
daß für einen Betrieb mit 13 700 Tonnen Tagesausstoß zusätzlich zur
unterirdischen Abfalldeponie mindestens 12 Hektar Lagerfläche pro Jahr benötigt werden. Lokale Behörden wie Bundesbehörden schreiben Landschaftsschutzmaßnahmen und Rekultivierung vor. Der Ölschieferabfall hat allerdings
eine hohe Salzkonzentration und enthält zu wenig Nährstoffe. Dennoch
berichtet eines der Unternehmen von erfolgreichen Versuchen der Rekultivierung
und sogar des Anbaus von Feldfrüchten auf dem Abfallboden.
Einer
- 5 -

�Einer Studie des Forschungsdienstes der amerikanischen Kongreßbibliothek zufolge ist sowohl unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit
als auch des Umweltschutzes das unterirdische Verschwelungsverfahren der
oberirdischen Aufbereitung in Retorten vorzuziehen.

Der "in-situ"-Prozeß

erfordere, so heißt es darin, weniger Arbeitskräfte, verbrauche weniger
Wasser, ergebe eine geringere Umweltbelastung und führe zu merklich kleineren
Abfallmengen.

Jedoch seien in bezug auf manche Aspekte des Umweltschutzes

und der Arbeitssicherheit noch keine zufriedenstellenden Lösungen gefunden.
Teilweise bedingt durch die möglichen Umweltbelastungen sind für ein
Unternehmen, das einen Betrieb zur Verwertung von Ölschiefer anrichten will,
zur Zeit mindestens 100 verschiedene Genehmigungen erforderlich.

In

jüngster Zeit verabschiedete und einige noch anhängige neue Gesetze dürften
jedoch dazu beitragen, daß die Vorschriften standardisiert, die Bürokratie
in Grenzen gehalten und der Wirtschaft der Weg zum Aufbau dieser Industrie
erleichtert wird.

+ + + + +

�UJiz/cn/choft
und Technik

I 3

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28. Mai 1980

26

WASSERSTRAHL STATT BOHRHAMMER
Fahrbare Hydraulikaggregat vereinfacht Straßenreparaturen

- (AD) - Mit der Kraft eines Wasserstrahls aus rotierender Düse sind
Reparaturen von schadhaften Straßenbeton-Decken einfacher und billiger durchzuführen als nach den herkömmlichen Verfahren.

Dies ergaben Feldtests, über

die kürzlich die Nationale Forschungsstiftung der USA (NSF) berichtete. Sie
hatte zusammen mit der amerikanischen Bundesstraßen-Bauverwaltung (Federal
Highway Administration) die mehrjährigen Forschungen finanziert, die zur
Entwicklung des Verfahrens führten.

Wissenschaftler des "Illinois Institute

of Technology" (IITRI) in Chicago, der Universität von Missouri in Rolla und
des "Georgia Institute of Technology" in Atlanta waren maßgeblich an den
Studien beteiligt und führen derzeit die Feldversuche durch.
Bei Anwendung der bisher üblichen Verfahren verlangen großflächige
Straßenreparaturen zahlreiche Arbeitsgänge:

Mit einer Diamantsäge wird der

Umriß der Flächen für die Betonerneuerung angeschnitten.
- gewöhnlich mit Borhämmern - aufgebrochen werden.
wird mit starkem Gebläse abgeräumt.

Dann muß der Beton

Was sich nicht löst,

Die Stahlarmierung muß dann mit einem

Sandstrahlgebläse gesäubert werden, ehe man den neuen Beton gießen kann.
Vieles

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Vieles davon mache, wie John A. Hilaris vom IITRI berichtet, das Wasserstrahl-Verfahren überflüssig.

Die Maschine besteht im wesentlichen aus einer

Lade-Einheit, in der der hohe Druck für das Wasser aufgebaut wird, das dann
durch ein Rohr zu einer Düse strömt.

Diese rotiert in einem bestimmten An-

stellwinkel, damit der "Bohrstrahl" wirksam angesetzt werden kann. Auf Rädern montiert, ist die Maschine an jeder beliebigen Stelle einsetzbar.
Die Bohrkraft des Wasserstrahls ist auf einen sehr geringen Abstand beschränkt, so daß die Düse auf mindestens 5 cm und näher an den Beton herangebracht werden muß.

Würde sie nicht rotieren, wäre die Bohr- und Schneide-

wirkung auf einen zu engen Bereich begrenzt, um tiefer in den Beton eindringen und ihn aufbrechen zu können.

Durch das Rotieren des Düsenkopfes wird

jedoch der "Kanal", von dem aus der Beton aufgebrochen wird, breit genug gehalten, um auch die tieferen Schichten zu erreichen.

Dabei sammeln sich

kleinere Partikel im Wasser, größere Bruchstücke werden ausgeworfen und später
beseitigt.

An der Betonarmierung kommt es bei dieser Prozedur nicht zu ir-

gendwelchen Beschädigungen.

Die Stäbe werden nur freigelegt; Nachschweißen

oder andere Reparaturen erübrigen sich.
Schadensursache ausgeschaltet.

Damit ist bereits eine künftige

Denn bisher zeigte sich immer wieder, daß im

Bereich schon einmal reparierter Armierungsstäbe fortlaufend neue Straßenschäden auftreten.
Den Feldtests waren lange Serien von Laborversuchen vorausgegangen: Man
mußte den günstigsten Durchmesser der Wasserd'üse und den wirksamsten Austrittswinkel für den Wasserstrahl, den optimalen Wasserdruck und die beste Arbeitsgeschwindigkeit ermitteln. Der Wasserdruck ist exakt kontrollierbar - ein
wichtiger Faktor für den Schutz der Stahlarmierung im Beton. Beim Aufbrechen
des Betons gibt es so gut wie keine Staubentwicklung, die Geräuschentwicklung
ist unvergleichlich geringer als bei allen anderen Methoden. Das Verfahren
kann außerdem automatisiert werden.
Der Wasserstrahl läßt genügend Feuchtigkeit zurück, um die neue Betondecke sofort eingießen zu können.

Ein weiterer Vorteil sei, wie Hilaris be-

tont, die Tatsache, daß es praktisch keinen Verschleiß von Werkzeugen gebe,
- 2 -

�gebe, weil nur Wasser mit dem Beton in Berührung komme.

Im ersten Feldtest

- Reparatur der Betondecke einer Brücke in einem Vorort von Chicago - wurde
mit einem Wasserstrahl gearbeitet, der unter einem Druck von 3160 kg/qcm stand.
Der Verlautbarung der NSF zufolge liegen die Kosten bei Verwendung einer 110
PS-Maschine für das Aufbrechen einer 7,5 cm dicken Betondecke bei 14 Dollar
pro Quadratmeter (sie würden sich mit einer 220 PS-Maschine auf 7,6 Dollar
verringern), während bei Anwendung der herkömmlichen Verfahren 17,8 Dollar
anzusetzen sind.

Die amerikanische Bundesstraßen-Baubehörde beabsichtigt,

weitere Feldtests mit Wasserstrahlaggregaten durchführen zu lassen.

Auf dem gleichen Arbeitsprinzip basieren auch Versuche zum Schneiden von
Granit und anderem harten Gestein.

Schon im Januar 1979 gelang es Wissenschaft-

lern des IITRI und der Universität von Missouri in Rolla in einem Steinbruch
bei Elberton (Georgia), mit der Wasserkanone drei Meter tief ins Gestein einzudringen und Granitblöcke herauszulösen.

Mit einer 110 PS-Maschine lassen

sich bei Anwendung des Wasserstrahl-Verfahrens pro Stunde 2,2 qm Granit schneiden, während die durchschnittliche Leistung nach der bisher üblichen Methode
knapp 1 qm/Stunde beträgt.

Im Juni 1980 sollen Experimente an Elberton-Granit

mit einer 150 PS-Wasserkanone (bei einem Wasserdruck von ca. 2800 bar) fortgesetzt werden.

Gelenkte Sprengkraft

Forschungsingenieure der Universität Maryland und der Martin Marietta
Laboratories in Baltimore (Maryland) konnten außerdem mechanische Details der
Prozesse aufklären, die bei der Gesteinszertrümmerung mit Sprengladungen vor
sich gehen.

Damit schufen sie eine Grundlage für die Entwicklung wirtschaft-

licherer und umweltfreundlicherer Sprengverfahren.

Denn zum einen wird es

bei Berücksichtigung der neuen Erkenntnisse möglich, einigermaßen gleichgroße
Trümmerstücke zu gewinnen und die Abfallmenge an kleinen Teilen zu verringern,
zum anderen die Zahl und Stärke von Sprengungen zu reduzieren, wodurch weniger
Bodenerschütterungen und geringere Staubmengen verursacht werden.
Die
- 3 -

�•

Die Forschergruppe (W.L. Fourney, D.B. Barker und D.C. Holloway von der
Universität Maryland sowie S.R. Winzer, M.A. Ozol, V.l. Montenyohl und A.
Ritter von den Martin Marietta Laboratories) wies nach, daß die Gesteinszertrümmerung bei einer Sprengung nicht, wie bisher angenommen, vom Volumen der
unter hohem Druck stehenden Gase, sondern in erster Linie von den von der
Explosion ausgelösten Druckwellen und Spannungszustä'nden abhängig ist. Die
Hochdruckgase führen nur im unmittelbaren Umfeld des Bohrlochs, in dem die
Sprengladung zur Explosion gebracht wurde, zum Aufreißen des Gesteins.
Um einheitlichere Felsfragmente und Fragmente bestimmter Größe zu bekommen, sind den neuen Erkenntnissen zufolge jeweils ganz bestimmte Anordnungen für die Bohrlöcher, unterschiedliche Sprengstoffmengen für die einzelnen Bohrlöcher oder veränderte Zeitfolgen für die Detonation der Sprengladungen erforderlich.

Nach Aussage der Wissenschaftler leistet den Haupt-

beitrag zum Aufbrechen des Gesteins die Scherwirkung an den Kanten bestehender Gesteinsverbindungen oder an Verwerfungsstellen unter dem Einfluß der
Explosionsdruckwellen.

Die Tatsache, daß die Bildung von Rissen entsprechend

der Geschwindigkeit der Druckwellen erfolgt, erfordere gewisse Änderungen
hinsichtlich der Festlegung der optimalen Zeitfolge für den Ablauf einer Explosionsserie.
Die zahlreichen Labor- und Feldversuche, bei denen u.a. mit den modernsten
Fotomethoden zur Sichtbarmachung von Spannungs- und Druckwellen zunächst in
Plastikmodellen, dann in kleinen und größeren Steinplatten gearbeitet wurde,
haben auch unkorrektes Funktionieren der von der Industrie angebotenen Sprengkapseln aufgedeckt. Das bedeutet, daß für Steinbrucharbeiten nicht die optimalen Verzögerungszeiten bei einer Sprengserie berechnet werden können,
weil die wenn auch nur auf Tausendstel Sekunden Zeitverzögerung eingestellten Kapseln nicht in der angenommenen Weise zünden. Die amerikanischen Hersteller wurden bereits darauf aufmerksam gemacht. Sie haben inzwischen begonnen, die Qualitätskontrolle zu verbessern und ihre Produkte von der Konstruktion her zu überprüfen.
Die
- 4 -

�Die Forschungen wurden, wie im Falle der hydraulischen Beton- und Gesteinszertrümmerung, von der National Science Foundation finanziert.

+ + + + +

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA fordern Beseitigung der Hindernisse bei der Kambodscha-Hilfe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers in Genf -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Hormats: Handel - das zentrale Thema des Gipfeltreffens in Venedig&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von John J. Harter, US-Amt für Internationale Kommunikation -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schieferöl - Amerikas ungehobener Energiereichtum&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wasserstrahl statt Bohrhammer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fahrbares Hydraulikaggregat vereinfacht Straßenreparaturen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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VON

amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

*«&lt;&lt;?

Z12462 C

10

28. Mai 1997

AUSSENPOLITIK

ALBRIGHT FORDERT FINANZIELLE UNTERSTÜTZUNG INTERNATIONALER PROGRAMME
Rede der Außenministerin in Denver

USA-EUROPA

DIE USA, DIE EU UND UNSERE GEMEINSAMEN
AUFGABEN
Rede von Strobe Talbott

USA-DEUTSCHLAND

NEUE REALITÄTEN DER TRANSATLANTISCHEN BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DEN
VEREINIGTEN STAATEN UND DER NEUEN
BERLINER REPUBLIK
Rede von J.D. Bindenagel an der
Europa-Universität Viadrina

DIE BEDEUTUNG DER FORSCHUNGSKOOPERATION FÜR DIE DEUTSCHAMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN
Rede von J.D. Bindenagel

WIRTSCHAFT

USA BEZIEHEN KEINE STELLUNG ZUR EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND WÄHRUNGSUNION
Rede des Stellvertretenden Finanzministers

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�AUSSENPOLITIK
21. Mai 1997

Albright fordert finanzielle Unterstützung
internationaler Programme
Rede der Außenministerin in Denver

DENVER - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede, die US-Außenministerin
Madeleine Albright am 13. Mai 1997 beim Gastgeberkomitee für das G-8-Gipfeltreffen in Denver (Colorado) hielt.

Ich begrüße Sie alle ganz herzlich. Es ist schön für
mich, wieder zu Hause - in Denver - zu sein.
Ich weiß, daß Präsident Clinton seinem Besuch in
Denver erwartungsvoll entgegensieht, und ich darf
Ihnen seine Grüße sowie die Ihres ehemaligen
Bürgermeisters und meines derzeitigen Kabinettskollegen - Federico Pena - übermitteln.
Es ist wirklich schön, wieder hier zu sein und so viele
alte und neue Freunde zu sehen.
Eben hatte ich die Möglichkeit, meine alte Schule zu
besuchen, wo ich vor vielen Jahren einen Club für
internationale Angelegenheiten gründete und mich
selbst zur Präsidentin ernannte.
Ich hatte schon immer großes Interesse an der
Außenpolitik. Aber ich hätte nie erwartet, daß ich vier
Jahrzehnte, drei Töchter und zwei Enkelkinder später
Außenministerin sein würde. Oder daß ich die Welt
bereisen würde, wie ich es gerade letzte Woche mit
dem Präsidenten der Vereinigten Staaten tat.
Wie Sie vielleicht wissen, besuchte der Präsident
Mexiko, Zentralamerika und die Karibik, um die
amerikanischen Interessen an der Grenze im Süden
unseres Landes zu fördern und zu schützen. Als
ehemalige Professorin hielt ich diese Reise für ein
faszinierendes Beispiel dafür, was ich als das tägliche
Brot der Diplomatie bezeichnen würde. Es gab kein
aufsehenerregendes Abkommen, sondern eine
Vielzahl von Entscheidungen, die die Lebensqualität
der Menschen auf beiden Seiten der Grenze verbessern werden.

AMERIKA DIENST 10

Hierzu zählen die verbesserte Zusammenarbeit im
Kampf gegen den Drogenschmuggel, Übereinkünfte im
Bereich der Luftfahrt und beim Autodiebstahl sowie
eine Vielzahl von Abkommen im Gesundheits-, Arbeits-, Umwelt- und Energiebereich.
Diese mit diesen Ländern getroffenen Maßnahmen
sind Bestandteil eines übergeordneten Integrationsprozesses, den ich heute mit Ihnen erörtern möchte.
Zuvor möchte ich aber die Frage der Finanzmittel
ansprechen.
Dank der Bestrebungen von Administrationen beider
Parteien sowie dem Mut, der Energie und dem Genie
unserer Bevölkerung ist Amerika an der Schwelle zu
einem neuen Jahrhundert ein starkes, prosperierendes, respektiertes und friedliches Land.
Dies ist kein Zufall, und seine Fortdauer ist nicht
unvermeidlich. Der demokratische Fortschritt, ein
steigender Lebensstandard und erhöhte Sicherheit
müssen so erhalten werden, wie sie geschaffen
wurden - mit Hilfe der amerikanischen Führungsrolle.
Aber wir können nicht führen, wenn wir keine Mittel
haben.
Dementsprechend fordere ich Sie - ebenso wie ich das
bei Amerikanern im ganzen Land getan habe - dazu
auf, den Antrag des Präsidenten auf vollständige
Finanzierung unserer Programme für internationale
Angelegenheiten anzunehmen. Dieser Antrag umfaßt
alles - von der Flüchtlingshilfe über die Prüfung von
Visaanträgen bis zu Rüstungskontrollverhandlungen und entspricht etwa einem Prozent unseres Bun-

Seite 1

�deshaushalts. Dieses eine Prozent könnte jedoch 50
Prozent der Geschichte unseres Zeitalters bestimmen
und wird das Leben des amerikanischen Volkes zu
100 Prozent beeinflussen.

Beispielsweise werden Präsident Clinton und die
anderen Regierungschefs kommenden Monat hier in
Denver nach Wegen zur Förderung der Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Bedrohung durch
internationalen Terrorismus suchen.

Mit Ihrer Unterstützung und der des Kongresses haben
wir die einzigartige Chance zur Gestaltung einer
Zukunft, in der die Nationen sich in zunehmendem
Maße auf die Grundprinzipien von Demokratie, offenen
Märkten und Rechtsstaatlichkeit einigen.

Sie werden Strategien zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens erörtern, das weltweit verbreitet ist,
Demokratien korrumpiert, Gewalt fördert und unsere
Kinder mit tödlichen Drogen vergiftet.

Wir verfolgen dieses Ziel durch die Anpassung der
wichtigsten Institutionen und Bündnisse, den Aufbau
starker Beziehungen zu den Großmächten der Welt
und die Ziehung klarer Grenzen zwischen für die
internationale Staatengemeinschaft akzeptablem und
nicht akzeptablem Verhalten.

Sie werden einen Meinungsaustausch darüber führen,
wie die Verbreitung von Nuklear- und anderen Massenvernichtungswaffen gestoppt und die Geißel des
wahllosen Einsatzes von Landminen abgeschafft
werden kann, die seit allzu langer Zeit in allzu vielen
Ländern allzu viele Kinder tötet oder verstümmelt.

Aus diesem Grund arbeiten wir mit unseren Verbündeten am Aufbau einer NATO, die durch neue Mitglieder
gestärkt und auf neue Missionen vorbereitet ist.

Und sie werden Möglichkeiten zur fortgesetzten
Ausweitung der Weltwirtschaft erörtern, die eine der
zentralen Ziele der Außenpolitik der Vereinigten
Staaten darstellt.

Aus diesem Grund haben wir mit unseren Freunden in
Asien das nordkoreanische Nuklearprogramm eingefroren und den Weg für einen dauerhaften Frieden auf
der koreanischen Halbinsel geebnet.
Aus diesem Grund stellen wir uns im Nahen Osten, in
Nordirland, Bosnien und anderen Krisenherden der
Welt auf die Seite derjenigen, die Frieden schließen
und gegen diejenigen, die Bomben legen.
Aus diesem Grund räumen wir dem nächsten Monat
hier in Denver anberaumten G-8-Gipfel hohe Priorität
ein.
Ihre Stadt kann stolz darauf sein, daß sie während
dieses Gipfeltreffens Gastgeber eines historischen
Ereignisses sein wird. Erstmals wird Rußland ein
vollwertiges Diskussionsmitglied bei der bislang als
G-7 bekannten Gruppe sein. Das reflektiert den
Prozeß der Einbeziehung, den Präsident Clinton beim
Gipfel von Helsinki im März hervorhob. Und es zeigt,
daß wir wirklich eine neue Zukunft für Europa aufbauen - eine Zukunft, in der jede Demokratie, einschließlich Rußlands, unser Partner ist und jeder
Partner sich am Aufbau des Friedens beteiligt.
Es gibt weltweit zahlreiche internationale Organisationen und Abmachungen, aber die Gruppe der Sieben,
plus Rußland, ragt durch den wirtschaftlichen und
politischen Einfluß seiner Mitglieder heraus. Wenn
diese Länder beschließen, gemeinsam zur Förderung
von Frieden, wirtschaftlicher Sicherheit, Menschenrechten oder anderen Initiativen zu handeln, kann
dadurch wirklich etwas bewirkt, weltweit ein höherer
Maßstab gesetzt und politischer Einfluß ausgeübt
werden.

Seite 2

Während der letzten vier Jahre haben wir unter
Präsident Clinton unsere Diplomatie sehr erfolgreich
zur Schaffung von Wohlstand eingesetzt. Während
dieser Zeit wurden mehr als 200 Handelsvereinbarungen ausgehandelt, wodurch die Exporte in die
Höhe schnellten und schätzungsweise 1,6 Millionen
neuer amerikanischer Arbeitsplätze geschaffen
wurden.
Das ist besonders wichtig für stark exportabhängige
Bundesstaaten wie Colorado. Ihr Hochtechnologiesektor wird beispielsweise vom Zugang zu neuen Märkten
profitieren, die durch das von uns Anfang dieses
Jahres
ausgehandelte
Informationstechnologieabkommen erschlossen wurden. Bei unserer Reise
nach Zentralamerika letzte Woche unterzeichneten wir
Abkommen über "Offene Himmel" ähnlich denen, die
es dem internationalen Flughafen von Denver während
der vergangenen zwei Jahre gestatteten, Nonstopflüge
nach Frankfurt, Amsterdam, Toronto und zu anderen
Zielen in ihr Programm aufzunehmen.
Unsere Geschäftsleute wissen, daß auf den Weltmärkten erbitterter Wettbewerb herrscht. Oft veranstalten
unsere Unternehmen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit
ausländischen Konkurrenten, die von ihrer Regierung
aktiv unterstützt werden.
Unser Ziel besteht darin, amerikanischen Unternehmen, Arbeitnehmern und Landwirten gleiche Wettbewerbsbedingungen anzubieten - ob sie nun Erntemaschinen für Weizen verkaufen oder Technologien
zum Aufspüren von Scherwinden wie das System, das
eine von unserem Amt für Handel und Entwicklung
unterstützte Firma aus Boulder derzeit im Fernen
Osten baut.

AMERIKA DIENST 10

�Solange ich Außenministerin bin, wird unsere Diplomatie ein zunehmend offenes und faires globales Wirtschaftssystem anstreben. Unsere Botschaften werden
den amerikanischen Unternehmen angemessene
Hilfestellung leisten. Unsere Unterhändler werden
Handelsvereinbarungen anstreben, die zur Schaffung
neuer amerikanischer Arbeitsplätze beitragen. Und ich
persönlich werde immer wieder betonen - wie ich das
während meiner Besuche bei vielen unserer wichtigsten Handelspartner weltweit getan habe - daß die
Länder, die vor unserer Haustüre Geschäfte machen,
uns gestatten sollten, dasselbe vor ihrer zu tun.

Und gerade letzte Woche habe ich den Präsidenten in
den Regenwald von Costa Rica begleitet, wo wir das
Engagement der Vereinigten Staaten für den Schutz
der natürlichen Ressourcen der Welt unterstrichen und
dieses Engagement unter Beweis stellten, als wir naß
bis auf die Haut wurden.

Unsere Behauptung, die auch Grundlage für den G-8Gipfel ist, lautet, daß wirtschaftlicher Fortschritt kein
Nullsummenspiel ist.
Wenn wir das Wachstum
anderer Nationen fördern, erweitern wir das System
marktwirtschaftlicher Demokratien, an dem unsere
Nation das größte Interesse hat. Und wir schaffen
auch Chancen in unserem Land.

Beim Gipfel in Denver werden wir darüber sprechen,
wie wir diese Verpflichtung als Fortsetzung der
Umweltkonferenz von Rio vor fünf Jahren erfüllen
können. Es gibt kaum einen angemesseneren Ort für
eine solche Diskussion als Colorado, wo die Schönheit
der Natur große wirtschaftliche Vorteile bringt und viele
der modernsten Forschungsarbeiten zum weltweiten
Klimawandel stattfinden.

1995 stellte unser Amt für internationale Entwicklung
(AID) Weizen, Bohnen und Linsen aus Colorado im
Wert von nahezu 17 Millionen Dollar für hungernde
Menschen im Ausland zur Verfügung. Und so unterschiedliche Organisationen aus Colorado wie Global
Steel und Colorado Springs Junior Achievement haben
sich an unseren Hilfsprogrammen beteiligt.

Der Erhalt einer gesunden, vielfältigen globalen
Umwelt ist nicht nur ein außenpolitisches Interesse der
Vereinigten Staaten, sondern eine Verpflichtung
gegenüber zukünftigen Generationen, die jeder
einzelne von uns hat.

Colorado ist auch die Heimat unseres führenden
Umweltexperten im US-Außenministerium, des äußerst
aktiven und erfolgreichen Staatssekretärs für globale
Angelegenheiten, Timothy Wirth. Und von Dottie
Lamm, die vor anderthalb Jahren ein führendes
Mitglied der amerikanischen Delegation bei der
Weltfrauenkonferenz in Beijing war.

Ich werde dem G-8-Gipfel und der Aufgabe des
Aufbaus starker Volkswirtschaften, der Öffnung neuer

Dottie gründete auch zusammen mit Botschafterin

Märkte und der Schaffung von Arbeitsplätzen viel

Swanee Hunt die Women's Foundation of Colorado.

Aufmerksamkeit widmen. Wir werden aber auch einen
Zusammenhang zwischen diesen und anderen Zielen
herstellen - und das ist die Zukunft unserer globalen
Umwelt.
Die Menschen in Colorado wissen ebenso wie alle
anderen in unserem Land, wie wichtig es ist, daß
unser Wirtschaftswachstum gesund und nachhaltig ist.
In den letzten Jahren habe ich fast jede Region der
Welt bereist.
Ich bin über Bergketten geflogen, auf denen keine
Bäume mehr wuchsen.
Ich habe gesehen, wie sich Bauern in Afrika und Haiti
abmühten, auf viel zu steilen Hängen zu pflanzen, weil
andere Böden ausgelaugt waren.
Ich habe gesehen, wie in für ihre Wirtschaftsstärke
bekannten Gebieten die Lebensqualität durch verschmutzte Luft, verseuchtes Wasser und ein völlig
überlastetes Verkehrssystem beeinträchtigt war.
Ich habe mit Menschen gesprochen, deren Familien
seit Generationen Fischer sind und die verzweifelt
sind, weil die Fischbestände vernichtet wurden.

AMERIKA DIENST 10

Die Bestrebungen dieser Stiftung zur Förderung der
Unabhängigkeit der Frau spiegeln sich in denen
anderer Basisorganisationen auf der ganzen Welt
wider. Sie stellen unter Beweis, daß Frauen - ob sie im
Beruf benachteiligt werden oder schmutzige Arbeit
verrichten, vollwertige Partner bei der Entwicklung
ihrer Gesellschaften sein wollen. Ob sie diese Chance
erhalten, entscheidet über Erfolg oder Scheitern der
Förderung von nachhaltiger Entwicklung auf der
ganzen Welt.
Schließlich wissen wir aus Erfahrung, daß der Teufelskreis der Armut, in dem allzu viele Länder gefangen
sind, durchbrochen werden kann, wenn Frauen über
das Wissen und die Macht verfügen, selbst über ihr
Leben zu entscheiden. Die Geburtenrate sinkt. Das
Umweltbewußtsein steigt. Die Ausbreitung sexuell
übertragbarer Krankheiten verlangsamt sich. Und es
werden mehr positive Werte an die jüngere Generation
weitergegeben.
Eine der ermutigendsten Entwicklungen unseres
Zeitalters ist die weltweite Zusammenführung von
Organisationen und Einzelpersonen, die sich der
Herausforderung der Förderung des Status der Frau
stellen.

Seite 3

�Beispielsweise nahm ich vergangene Woche in
Zentralamerika mit unserer First Lady, Hillary Rodham
Clinton, und Frauen aus jedem Land dieser Region an
einem Zusammentreffen teil.

gemeinsamen Zukunft. Die amerikanischen Werte, die
uns gemein sind, gründen im Engagement für Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit - nicht
nur für einige, sondern für alle Menschen.

Dabei war es ermutigend zu erfahren, daß dank der
Bosrebungen von betroffenen Nichtregierungsorganisationen eines der Länder ein Gesetz verabschiedete, das von neuen Kongreßabgeordneten
ausstehende Unterhaltszahlungen für ihre Kinder
verlangt, bevor sie ihr Amt antreten dürfen. In einem
anderen Staat haben die Gerichte erstmals Gesetze
aufgehoben, die Frauen bei der Bestrafung von
Verbrechen nachweislich diskriminieren.

Nur in Freiheit kann das menschliche Potential durch
gleichberechtigte Männer und Frauen voll verwirklicht
werden, die sich ihrer Rechte sicher sind und ihre
Pflichten erfüllen können. Nur wenn unsere Nation
nach außen offen ist, wenn wir verantwortungsbewußt
und unseren Werten getreu handeln, können wir unser
Potential voll realisieren - zu führen und das nächste
amerikanische Jahrhundert zu gestalten.

Den Bestrebungen von Nichtregierungsorganisationen
sollte Beifall gezollt werden, aber auch die Regierungen müssen das Ihre unternehmen.
Als Außenministerin arbeite ich mit anderen Administrationsmitgliedern zusammen, um Fragen im
Zusammenhang mit dem Status der Frau die gebührende Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.
Beispielsweise unterstützen unsere Auslandshilfeprogramme Projekte zur Förderung der Möglichkeiten
für Frauen, umfassend am wirtschaftlichen und
politischen Leben ihrer Gesellschaften teilzunehmen.
Wir legen Wert darauf, daß Frauen und Mädchen
Zugang zu Bildung und Gesundheitsfürsorge erhalten
und richten unsere Flüchtlingshilfe auf die Bedürfnisse
der Frau aus.

Vor nahezu fünfzig Jahren kam meine Familie auf der
Flucht vor dem Kommunismus und auf der Suche nach
Freiheit hierher. Damals hatte die Denver Post den
Slogan "Es ist ein Privileg, in Colorado zu leben." Mein
Vater wiederholte dieses Motto regelmäßig, fügte aber
oft noch eine Ermahnung hinzu: "Kinder", pflegte er zu
sagen, "vergeßt nie, daß es auch ein Privileg ist, in den
Vereinigten Staaten zu leben".
Die Amerikaner in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg sahen sich der Herausforderung gegenüber,
einen dauerhaften Frieden zu schaffen.
Ihre Ziele waren unseren heutigen Zielen ähnlich. Sie
wußten, daß Nationen, die beim Handel und als
Partnerin Friedenszeiten zusammenarbeiten, geringere Gefahr liefen, in den Abgrund des Krieges zu fallen.

Wir unterstützen Bestrebungen zur Gewährung von
Darlehen an Kleinunternehmerinnen.

Sie waren der Ansicht, daß das Engagement der
Nationen für hohe Standards bei Gesetz und Menschenrechten die Welt weniger brutal und ungerecht
machen würde.

Wir bemühen uns, daß die Konvention über die
Abschaffung der Diskriminierung der Frau endlich
ratifiziert wird.

Und sie glaubten an menschlichen Fortschritt - denn
sie hatten gerade die größten Feinde des Fortschritts
bekämpft, die es je auf der Erde gegeben hatte.

Wir sind führend bei den globalen Bestrebungen im
Kampf gegen illegalen Frauen- und Mädchenhandel,
weil wir der Ansicht sind, daß nicht nur Drogenhändler,
sondern auch Menschenhändler hart bestraft werden
sollten.

Gemeinsam mit unseren Verbündeten riefen sie neue
Institutionen ins Leben, um die Freiheit zu bewahren,
Volkswirtschaften wiederaufzubauen, das Gesetz zu
verteidigten und den Frieden zu erhalten.

Wir setzen uns für die Beendigung von Gewalt gegen
Frauen ein. Heute werden weltweit entsetzliche
Greueltaten gegen Frauen verübt - von häuslicher
Gewalt über Mitgiftmorde bis zum Verkauf junger
Mädchen in die Prostitution. Manche sagen, das sei
kulturell bedingt und wir könnten nichts dagegen
unternehmen. Ich halte es für kriminell, und jeder
einzelne von uns hat die Pflicht, dem Einhalt zu
gebieten.
Wenn wir uns für die grundlegenden Werte von Gesetz
und Respektierung der Menschenwürde jedes einzelnen einsetzen, leisten wir einen Dienst an unserer

Seite 4

Heute sehen wir uns der Herausforderung gegenüber,
diese Institutionen zu stärken und an die Gegebenheiten unserer Zeit anzupassen. Es gibt keine Region auf
der Erde, die von den Vorteilen des internationalen
Systems oder seinen Verpflichtungen ausgeschlossen
werden sollte. Und es gibt keinen Amerikaner, der
keine Vorteile durch den Aufbau einer Welt mit mehr
Wohlstand, Sicherheit und Freiheit genießt.
Wie ich bereits sagte, obliegt die Aufgabe der Gestaltung der Zukunft nicht nur den Regierungen. Sie
erfordert stetige Bestrebungen und das unerschütterliche Engagement von Städten wie Denver und Bürgern
wie Ihnen für eine starke Partnerschaft.

AMERIKA DIENST 10

�Der Beschluß der Stadt Denver, Gastgeber des G-8Gipfels zu sein, und der Erfolg der Women's Foundation of Colorado beweisen, daß die Zukunft in guten
Händen liegt.

Ich begrüße alles, was Sie noch leisten werden.
Und ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und
Gastfreundschaft am heutigen Tag. Ganz herzlichen
Dank.

Ich bewundere Sie für alles, was Sie leisten und
geleistet haben.

* * * *

AMERIKA DIENST 10

*

Seite 5

�USA-EUROPA
28. Mai 1997

Die USA, die EU und unsere gemeinsamen Aufgaben
Rede von Strobe Talbott

WASHINGTON - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Stellvertretende Außenminister Strobe Talbott
am 6. Mai 1997 bei der US-EU-Konferenz "Die Brücke über den Atlantik - eine Verbindung von Volk zu Volk"
gehalten hat.

Diese Konferenz ist dem Brückenbau über den Atlantik
gewidmet. Ich arbeite für einen Präsidenten, der eine
Brücke ins nächste Jahrtausend bauen möchte; daher
finde ich den Vergleich durchaus angebracht. Viele
der hier Anwesenden beschäftigen sich mit den
praktischen Einzelheiten der Stärkung der Strukturen
der transatlantischen Zusammenarbeit, beispielsweise
mit Studenten- und Personalaustauschprogrammen,
Städtepartnerschaften,
wirtschaftlichen
Partnerschaften, Internet-Verbindungen und dem ständigen
hin und her der transatlantischen Beziehungen.
Ich möchte hier ganz besonders ein Austauschprogramm erwähnen, das als Vorbild für viele andere
gedient hat.
Vor etwa fünfzig Jahren hatte ein Staatsmann aus
Arkansas namens William Fulbright eine glänzende
Idee, nämlich ein Stipendium zu schaffen, das Amerikanern und anderen die Möglichkeit bot, im Ausland zu
leben und zu studieren. Seither haben Tausende ihr
Fulbright-Erlebnis dazu benützt, immer engere Bande
zwischen den Vereinigten Staaten und Europa zu
knüpfen.
Es ist mir eine besondere Freude, Frau Harriet Fulbright heute hier begrüßen zu können. Ich möchte
Ihnen sagen, Harriet, daß ein Freund, Bewunderer und
früherer Assistent Ihres Mannes im Senat, Präsident
Clinton, alles in seiner Macht Stehende tun wird, um
dieses bemerkenswerte Programm ebenso wie einige
ähnliche Programme zu stärken und zu verlängern,
wie die Ron-Brown- und Edmund-Muskie-Stipendien,
die es Studenten aus den neuen demokratischen
Ländern Europas ermöglichen, in Amerika zu studieren.

AMERIKA DIENST 10

Das Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Europäischen Union über höhere Schulen und
Berufsschulung hat schon zur Einrichtung von Dutzenden von Bildungskonsortien geführt. Die vom früheren
Außenminister Christopher im vergangenen September vorgeschlagene "Fellowship of Hope" ist bereits
eingeführt worden und bietet amerikanischen und
europäischen Beamten eine Chance, in den außenpolitischen Behörden unserer Regierungen Erfahrungen zu sammeln. Ich freue mich auch darüber, daß
ein transatlantischer Dialog im Gewerkschaftsbereich
zu dem transatlantischen Dialog im Geschäftsbereich
hinzugekommen ist, und ich weiß, daß Sie schon an
einer Reihe vielversprechender Vorschläge arbeiten angefangen mit einem transatlantischen AIDSNET bis
zu einer "Telecity" und einem digitalen Bibliothekenprojekt, von neuen Städtepartnerschaften mit Gemeinden in Mittel- und Osteuropa bis zu Austauschprogrammen für Manager und Angestellte.
Wir alle - die Regierungen, der Privatsektor, Universitäten und Nichtregierungsorganisationen - arbeiten an unserer gemeinsamen Aufgabe eng zusammen.
Ihr Zweck ist nicht nur, bestehende transatlantische
Strukturen zu stärken, sondern auch neue Strukturen
zu schaffen, die auf den Werten gründen, die uns in
einer einzigen transatlantischen Gemeinschaft vereinigen.
Ich möchte heute Morgen zu Ihnen darüber sprechen,
wie sich unsere Gemeinschaft in mehrfacher Weise
verändert. Grundsätzlich verändert sie sich zum
Guten, jedoch in einer Weise, die uns vor neue
Herausforderungen stellt.
Sowohl auf dieser Seite des großen Teichs, in der
westlichen Hemisphäre, als auch auf der anderen

Seite 1

�Seite, in Europa, heißt die Losung unserer Zeit "Integration". Außenministerin Albright, die Sie grüßen
läßt, ist gerade in Mexiko, wo sie sich zusammen mit
Präsident Clinton und mehreren anderen Kabinettsmitgliedern um die Verwirklichung der Integration unserer
Hemisphäre bemüht, die unserer Regierung sehr am
Herzen liegt.

Weltbank und der IWF - machten nicht nur den
Wiederaufbau der vom Krieg zerstörten Volkswirtschaften möglich, sondern auch die Versöhnung und
Integration unter den früheren europäischen Widersachern. Sie trugen letzten Endes wesentlich zur
Schaffung der Grundlage für die Europäische Union
selbst bei.

Aber das Bemühen um Integration ist ebenso ein
transatlantisches Phänomen und ist es seit den
Anfängen unseres Landes gewesen. Im Jahr 1785,
ehe Thomas Jefferson Außenminister wurde, war er
unser Gesandter in Frankreich. Das war eine Zeit
intensiver, häufig buchstäblich halsabschneiderischer
Konkurrenz in Europa. Von seinem Posten in Paris
aus arbeitete Jefferson einen Vorschlag zum Handel
zwischen der Alten und der Neuen Welt sowie zu
einem Übereinkommen über die universalen Rechte
der Staatsbürger aller Nationen aus.

Vor fünfzig Jahren brachen wir gemeinsam in eine
Epoche noch nie dagewesenen Friedens und Wohlstands auf, und zusammen haben wir die dynamischsten Handels- und Investitionsbeziehungen der Welt
aufgebaut.

Im selben Jahr, als Piraten von der Küste Nordafrikas
die Schiffahrtswege des Mittelmeers und des Atlantiks
bedrohten, schlug Jefferson vor, daß die Vereinigten
Staaten eine multinationale Seemacht zusammenstellen sollten, um dieser Bedrohung zu begegnen.
Man könnte im Rückblick fast sagen, daß einer
unserer Gründerväter einen Plan für einen Prototyp
der NATO erdacht habe. Jedoch wurde er von seinen
Vorgesetzten zurückgepfiffen mit der Begründung, daß
das Projekt für unser junges Land unter anderem
unerschwinglich sei. Wir sehen also, daß die gelegentlichen Schwierigkeiten, den Kongreß dazu zu
überreden, die Mittel für Amerikas außenpolitisches
Engagement zu bewilligen, nichts Neues sind.
Hundertdreißig Jahre später gingen Amerikaner "nach
drüben", nach Europa, um in dem Krieg, der wie
Woodrow Wilson sagte, alle Kriege beenden sollte, zu
kämpfen und die Welt für die Demokratie zu sichern.
Aber natürlich führte all das Blutvergießen zu nichts
dergleichen, zum Teil weil danach Amerika eine
längere Periode des Isolationismus durchmachte.
Erst nach einem zweiten Weltkrieg gelang es Amerika
und Europa endlich, eine dauerhafte Verbindung über
den Atlantik aufzubauen.
Dieses Jahr feiern wir den 50. Jahrestag des Marshallplans, der angemessenerweise zu etwa derselben
Zeit in Kraft trat wie das Fulbright-Austauschprogramm
und der ebenfalls der Förderung des Engagements für
transatlantische Zusammenarbeit diente.
Die langfristigen Auswirkungen des Marshallplans
können noch heute nicht nur in den Stahlwerken,
Eisenbahnnetzen und landwirtschaftlichen Unternehmen Westeuropas gesehen werden, sondern auch in
den Institutionen, welche die zwei Kontinente politisch
und wirtschaftlich näher zusammengebracht haben.
Die OECD und die Bretton-Woods-Institutionen - die

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Aber dies hat auch noch einen anderen entscheidenden Aspekt, sowohl historisch gesehen als auch
zukunftsweisend: Wir, das heißt die Vereinigten
Staaten und Europa, beschränkten unsere gemeinsamen Bemühungen oder ihre Früchte nicht auf uns
allein, sondern wir beziehen auch andere Regionen
und andere Märkte ein. Wir sahen das Muster der
Mosaiksteinchen, die wir zusammensetzten als einen
Teil eines größeren Mosaiks. Dabei handelte es sich
nicht um eine Abstraktion - im Gegenteil, es hätte nicht
praktischer sein können. Mit anderen Worten, es hatte
in erster Linie wirtschaftliche und kommerzieller
Bedeutung. Die USA und die EU bemühten sich
gemeinsam um die Liberalisierung des Welthandels.
Die Uruguay-Runde des GATT war der Höhepunkt
dieser Bemühungen.
Wir können also stolz darauf sein, daß wir uns angewöhnt haben, global zu denken, zu handeln und
Handel zu treiben, während wir regional aktiv waren.
Aber da unser prophetischer Weitblick begrenzt war,
gewöhnten wir uns auch an den Kalten Krieg. Wir
hielten ihn für einen dauerhaften Bestandteil des
menschlichen Lebens, und den Eisernen Vorhang für
eine permanente Einrichtung des europäischen
Kontinents. Unser Mangel an Voraussicht in dieser
Hinsicht erinnert mich an eine Bemerkung von Dan
Quisenberry, einem bekannten Baseball-Spieler der
Kansas City Royais, der sagte: "Ich habe die Zukunft
gesehen, und sie ist genau wie die Gegenwart, bloß
länger."
Dann plötzlich vor acht Jahren, im Jahr 1989, wurde
die Zukunft zur Gegenwart und sah ganz, ganz anders
aus. Die Mauern stürzten ein und enthüllten eine neue
Landschaft, in der die alten Denkweisen und die alten
Grenzen keine Bedeutung mehr hatten. Heute liegen
die Länder mit dem schnellsten Wirtschaftswachstum
östlich der Elbe. Soldaten aus Rußland und der
Ukraine, Estland und Polen, Großbritannien und
Frankreich, Amerika und Kanada und vielen anderen
Ländern, die vor nur einem Jahrzehnt Mitglieder
feindlicher Blöcke waren, dienen heute Seite an Seite
in Bosnien. Und letzte Woche war ich mit Außenministerin Albright in Moskau, um Verhandlungen über

AMERIKA DIENST 10

�ein kooperatives Verhältnis zwischen Rußland und der
NATO zu führen.
All dies beweist den treffenden Mutterwitz eines
weiteren berühmten philosophierenden Baseballspielers, des unvergleichlichen Yogi Berra, der sagte:
"Die Zukunft ist auch nicht mehr was sie mal war."
Mit dem Ende des Kalten Krieges wurden die Kräfte,
die uns die gemeinsame Verteidigung gekostet hatte,
zunehmend frei und konnten statt dessen zur Stärkung
unserer grundlegenden Institutionen eingesetzt
werden. Eine hiervon ist die EU selbst, über die ich
gerne ein paar Worte sagen möchte.
Aber ich möchte zuerst einen allgemeinen Grundsatz
aufstellen - einen Rahmen für die amerikanische
Unterstützung für die EU und die gelegentliche
Besorgnis über sie: Wir glauben, daß die regionale
Integration in Europa und andernorts den direkt
betroffenen Ländern ermöglichen sollte, die herkömmlichen Unterschiede in Gewohnheiten und Geschichte,
Geographie und Kultur zu überbrücken. Folglich sollte
die Integration eher nach außen als nach innen wirken.
Dies ist unsere beste Rückversicherung gegen die
Möglichkeit, daß die falsche Art von regionalem
Zusammenhalt die schlimmste Art interregionalen
Konflikts zeugen könnte. Diese Sorge hat einige
unserer besten, am weitesten vorausschauenden
Denker schon recht lange bewegt. Direkt nach dem
Zweiten Weltkrieg schrieb George Orwell seinen
futuristischen Alptraum "1984". Dieser Roman handelt
von einer Welt, die in drei gegeneinander kriegführende Superregionen - Eurasien, Ostasien und Ozeanien aufgeteilt ist. Nun, 1984 liegt jetzt schon 13 Jahre
zurück, und wir sind hoffentlich der Gefahr, vor der
Orwell gewarnt hat, sicher entkommen.
Aber wir dürfen uns nicht in einem falschen Gefühl der
Sicherheit wiegen. Wir müssen weiterhin dafür
sorgen, daß die Zusammenarbeit innerhalb der
Regionen die Zusammenarbeit zwischen den Regionen stützt und verstärkt. Von diesem Grundsatz läßt
sich unsere eigene Regierung in ihrer Haltung gegenüber der NAFTA leiten, wie Präsident Clinton und die
Minister Albright, Rubin und Daley heute in Mexiko
ihren Gastgebern versichern. Er bestimmt auch
unsere Politik gegenüber Südamerika und dem Fernen
Osten - und die Möglichkeiten, Brücken zwischen den
beiden Regionen zu schlagen. Wer hätte vor zehn
Jahren gedacht, daß Chile eines Tages eines der
dynamischsten Mitglieder einer Organisation namens
APEC sein würde - wobei das A und das P "asiatisch-pazifisch" bedeuten?
Und dieselbe Betonung der Weltoffenheit und des
Brückenschlags wird unsere Reaktion auf die EU und
unser Zusammenwirken mit ihr bestimmen.

AMERIKA DIENST 10

Um eine Sprache zu gebrauchen, die den hier vertretenen Europäern besonders geläufig ist: Wenn
unsere Regierung sagt, daß wir die europäische
Integration unterstützen, meinen wir damit sowohl ihre
Vertiefung als auch ihre Ausweitung. Wir meinen die
Konsolidierung internationaler Institutionen und ihre
Erweiterung oder Vergrößerung. Das bedeutet, daß
wir unsere Freunde und Bündnispartner in Europa
ermutigen, sich für die breiteste, umfassendste,
aufgeschlossenste Art der Integration zu engagieren.
Dies soll keine Kritik früherer oder gegenwärtiger
EU-Politik sein. Im Gegenteil, wir sind beeindruckt von
den weitsichtigen Entscheidungen, die die EU schon
getroffen hat, wie zum Beispiel ihre Unterstützungsprogrammefür Mittel- und Osteuropa, ihr Engagement
für die Erweiterung und die Rolle, die sie in der neuen
transatlantischen Tagesordnung spielt.
Andererseits sind wir uns auch bewußt, daß in Europa
gegenwärtig eine Debatte über ein Thema stattfindet,
von dem die Teilnehmer glauben, daß es weitgehend
eine interne europäische Angelegenheit sei. Ich meine
die europäische Währungsunion. Ich möchte einige
wohlüberlegte Worte über unsere Ansichten zu diesem
wichtigen und heiklen Thema sagen. Die Erfahrung
zeigt, daß die Vereinigten Staaten in den letzten fünfzig
Jahren jede frühere Initiative zur größeren politischen
und wirtschaftlichen Einheit der europäischen Völker
unterstützt haben. Dies lag in unserem eigenen
Interesse. Ein politisch geeintes Europa wird ein
stärkerer Partner zur Erreichung unserer gemeinsamen Ziele sein. Ein wirtschaftlich vereinigtes Europa
schafft ein weit attraktiveres Klima für amerikanische
Investitionen.
Was die EWWU betrifft, haben wir uns gehütet, in eine
Debatte einzugreifen, an der sich schon genügend
qualifizierte Parteien beteiligen. Es steht uns nicht an,
zu sagen, wie sich diese Initiative zu entwickeln hat
oder wer daran teilnehmen soll. Aber wir haben
keinen Zweifel und zögern nicht frei heraus zu sagen,
daß eine EWWU, die einen offenen Binnenmarkt festigt
und Wirtschaftswachstum in Europa anregt, gut für die
amerikanische Wirtschaft sein wird. Wenn die EU
dank dieser gewagten Initiative eine noch aktivere und
konstruktivere Rolle auf der Weltbühne spielen kann,
dann wird das auch gut für Amerika sein.
Ich möchte nun ein anderes Thema anschneiden, das
ebenfalls eine heftige Debatte ausgelöst hat, nämlich
die Beziehungen zwischen der EU und den Ländern im
Osten. Mittel- und Osteuropa ist die Region, in der die
beiden heißen Kriege unseres Jahrhunderts sowie der
Kalte Krieg begannen. Neue Gefahren lauern immer
noch dort, wie aus der erschreckenden Tatsache klar
wird, daß in den letzten fünf Jahren in Bosnien,
Kroatien und Albanien auf dem Balkan sowie in
Tschetschenien und Berg-Karabach im Kaukasus
mehr Europäer brutal umgekommen sind als in den

Seite 3

�vorangegangenen fünfundvierzig Jahren. Die Unruhen
in diesen Gebieten bedrohen den Frieden ganz
Europas.
Vaclav Havel hat uns alle daran erinnert - und ich
zitiere: "Ebenso wie es unmöglich ist, daß ein halbes
Zimmer immer warm bleibt und die andere Hälfte kalt,
ist es undenkbar, daß zwei verschiedene Europas auf
die Dauer nebeneinander existieren könnten ohne daß
es beiden schadet - und die stabilere und wohlhabendere Hälfte würde dabei den größeren Schaden
erleiden."
Havel ist einer der mutigen führenden Politiker tapferer
Völker, die seit 1989 die Ketten gesprengt, die Tore
weit geöffnet und die Mauern niedergerissen haben.
Staaten, die vor nur zehn Jahren noch in Knechtschaft
lebten, mit einer Festungsmentalität und Kommandowirtschaften, halten jetzt Wahlen ab, führen den
Rechtsstaat ein, öffnen ihre Märkte, erlauben Pressefreiheit und klopfen an die Türen der verschiedenen
internationalen Verbände und Institutionen unserer
Gemeinschaft.
Wir müssen auf dieses Klopfen hin unsere Türen
öffnen. In der Debatte darüber, ob , wie schnell und zu
welchen Bedingungen wir das tun, sollten wir daran
denken, daß zu der Zeit, zu der George Marshall den
Plan, der seinen Namen trägt, ins Leben rief, Deutschland und Frankreich völlig zerstört waren und es ihnen
in vieler Hinsicht schlechter ging als den mittel- und
osteuropäischen Länder heute. Deutschland, Frankreich und der Rest der EU personifizieren heute den
Triumph der Integration über das, was Marshall 1947
"den Hunger, die Armut, den Despotismus und das
Chaos" Westeuropas nannte.
Daher ist die Erweiterung der Strukturen, welche die
transatlantische Gemeinschaft stützen, kein riskantes
neues Unterfangen, sondern eine logische Fortführung
der Strategie von Marshall, Adenauer und Monnet.
Dies waren auch die Gründe für den Entschluß der
Staats- und Regierungschefs der NATO vor drei
Jahren, das Bündnis auf Mittel- und Osteuropa
auszudehnen. Die NATO hatte auch eine andere
Wahl. Sie hätte sich auf ihre Mitglieder der Zeit des
Kalten Krieges beschränken können. Aber das hätte
bedeutet, daß unsere Interessen und Hoffnungen am
Checkpoint Charlie Halt machen würden, oder, wie
kürzlich gesagt wurde, daß an diesem Punkt die
Geschichte selbst aufhört. Das wäre ein strategischer
Fehler ungeheuren Ausmaßes gewesen und hätte lang
andauernde Folgen gezeitigt.
Ich möchte die Beweggründe unserer Regierung
erklären. Wir - die Vereinigten Staaten - haben eine
Reihe sich gegenseitig verstärkender Gründe für die
NATO-Erweiterung. Wir glauben, daß dies der beste

Seite 4

Weg ist, um die Stabilität Osteuropas zu sichern und
die Demokratie zu stärken.
Aber ich will ganz ehrlich sein: Wir haben auch noch
einen anderen Grund. Wir hoffen nämlich, daß die
Erweiterung der NATO, in der wir auch Mitglied sind,
zu den Bedingungen für eine Erweiterung der EU
beitragen wird, in der wir zwar nicht Mitglied sind, aber
an der wir ein großes und entscheidendes Interesse
haben.
Dabei handelt es sich nicht nur darum, daß die NATO
mit gutem Beispiel vorangeht, sondern auch darum,
daß die NATO-Erweiterung ein Klima schafft, das
dadurch, daß es stabiler und friedlicher ist, die Erweiterung der EU nach Osten erleichtern wird. Viele
der neuen europäischen Demokratien haben große
Fortschritte in bezug auf die Erfüllung der wirtschaftlichen Bedingungen für die EU-Mitgliedschaft gemacht.
Aber die Regierungen der EU-Mitglieder und westliche
Investoren müssen auch darauf vertrauen können, daß
die Region auf die Dauer Sicherheit bieten kann, und
das ist Sache der NATO.
Es wurde auch schon argumentiert, daß das Gegenteil
der Fall sei - daß die NATO-Erweiterung der EU einen
Vorwand biete, keine neuen Mitglieder aufzunehmen.
Die Tatsachen beweisen jedoch das Gegenteil. Je
entschiedener wir uns für die feste Absicht der NATO
eingesetzt haben, neue Mitglieder aufzunehmen, desto
entschiedener ist auch die EU für ihre eigenen Erweiterungspläne eingetreten. Und außerdem muß
man ehrlich zugeben, es ist kaum vorstellbar, daß der
Prozeß der EU-Erweiterung schneller vorangetrieben
werden könnte. Die EU verlangt mit vollem Recht von
den Beitrittskandidaten, daß sie viele komplizierte
Änderungen in ihrer Wirtschafts- und Verwaltungspolitik einführen. Aber wie Außenministerin Albright
bereits sagte, sollte die von der NATO gebotene
Sicherheit nicht warten müssen "bis die Tomatenanbauer in Mitteleuropa die richtigen Schädlingsbekämpfungsmittel anwenden".
Wir betrachten die NATO-Erweiterung und die
EU-Erweiterung als separate aber parallele Prozesse,
die demselben Zweck dienen: Einer erweiterten und
vertieften transatlantischen Gemeinschaft.
Wenden wir uns nun einer dritten schwierigen und
wichtigen Frage zu, der sich die EU gegenübersieht,
wenn sie nach Osten - und Süden blickt. Ich rede von
der Herausforderung an das europäische Selbstverständnis und was ein EU-Beitritt der Türkei für die
Zukunft der EU bedeuten würde. Auch in dieser Frage
haben die Vereinigten Staaten kein offizielles Mitspracherecht, aber sie berührt zweifelsohne auch ihre
Interessen.
Die Türkei macht gegenwärtig die Wehen des Übergangs zur Modernität durch, und das betrifft auch die

AMERIKA DIENST 10

�Bereiche Demokratie und Menschenrechte. Diese
Bereiche
bieten
zusammen
mit
den
türkisch-griechischen
Beziehungen
gerechtfertigte
Gründe zur Besorgnis für die EU. Diese Schwierigkeiten bedeuten jedoch nicht, daß die Türkei deshalb
weniger europäisch ist. Genau genommen haben
viele gegenwärtige EU-Mitglieder in diesem Jahrhundert noch viel schlimmere Traumata überwunden,
um es milde auszudrücken. Und vergessen wir nicht,
daß die Türkei am Anfang dieses Jahrhunderts, nach
dem Ersten Weltkrieg und dem Zerfall des Osmanischen Reichs, unter der Führung von Kemal Atatürk
eine strategische Wahl in bezug auf ihr Wesen und
ihre Orientierung traf, und zwar eine Wahl, die von
unserem Standpunkt aus gesehen die richtige war.
Wir glauben, daß diese Wahl auch vom türkischen
Standpunkt her die richtige war.
Nach dem Zweiten Weltkrieg trat die Türkei dann der
NATO bei. Das geschah natürlich hauptsächlich weil
die Türkei eine gemeinsame Grenze mit der Sowjetunion hatte und dadurch buchstäblich an vorderster
Front im Kalten Krieg stand. Aber heute steht sie
ebenso an der vordersten Front im Hinblick auf die
vielen Herausforderungen der Epoche nach dem
Kalten Krieg. Die fortgesetzte strategische Bedeutung
der Türkei gründet auf der Tatsache, daß sie an den
Grenzen des Irak, Syriens und des Irans liegt, sowie
auf ihre geographische Nähe und sprachliche Verwandtschaft mit den Ländern des Kaukasus und
Zentralasiens.
Aus diesen Gründen haben wir weiterhin ein Interesse
daran, daß die Türkei sich zu einem starken, wohlhabenden, säkularen und demokratischen Staat
entwickelt, der voll in unsere Gemeinschaft integriert
ist. Nur mit einer solchen Türkei können wir gemeinsam die Oberhand behalten in dem Kampf, der an die
Stelle des Kalten Krieges getreten ist - dem Kampf
zwischen Sicherheit und Unsicherheit, zwischen
Wohlstand und Armut, kurz gesagt, zwischen den
Kräften der Integration und des Zerfalls.
Wir haben Verständnis dafür, wie schwierig und
vielschichtig das Thema Türkei ist, nicht zuletzt für die
Türkei selbst, aber auch für andere. Wir sind uns
bewußt, daß das Verhältnis der Türkei zu der EU für
mehrere größere EU-Staaten nicht nur ein außenpolitisches Problem darstellt, sondern auch ein
innenpolitisches in Anbetracht der Tatsache, daß eine
EU-Mitgliedschaft auch Freizügigkeit bedeutet.
Hier in den Vereinigten Staaten haben wir einige
Erfahrung mit derartigen Fragen, wie jeder weiß, der
die Debatte über das NAFTA verfolgt oder heute
Morgen die Nachrichten über die Demonstrationen
gehört hat, die Präsident Clinton bei seiner Ankunft in
Mexiko City erwarteten. Ich würde sogar sagen, daß
die Vereinigten Staaten und die EU gemeinsam das
Dilemma haben, wie man einerseits die Notwendig-

AMERIKA DIENST 10

keiten und Vorteile der regionalen Integration und der
offenen Grenzen mit unseren Nachbarn in Einklang
bringen kann und andererseits die Notwendigkeiten
einer vernünftigen und humanen Einwanderungspolitik.
Bei ihrem Besuch in Mexiko werden Präsident Clinton
und seine Minister betonen, daß wir die legale Einwanderung unterstützen wollen, die unsere Kultur und
Wirtschaft bereichert und die Vereinigten Staaten zum
fünftgrößten hispanischen Land der Welt gemacht hat.
Wir wollen legale Einwanderer ermutigen, unsere
Staatsbürgerschaft zu erwerben, während wir gleichzeitig die illegale Einwanderung verhindern wollen, die
nur den Konsens für engere Beziehungen stört.
Wir wissen, daß die EU und die Türkei entschlossen
daran arbeiten, diese komplizierten Probleme gegeneinander abzuwägen und so viele Gemeinsamkeiten
wie möglich zu finden. Seit über einem Jahr hat die
EU ein Zollunionsabkommen mit der Türkei, und letzte
Woche gab die EU bekannt, daß der Beitritt der Türkei
zu denselben Bedingungen, die für andere Beitrittskandidaten gelten, stattfinden kann. Wir begrüßen
auch die Einrichtung einer "Gruppe von Weisen" in der
letzten Woche, um die Probleme zu prüfen, die so
große Spannungen zwischen Griechenland und der
Türkei verursacht haben.
Und doch gibt es noch viele, die sich heftig dem
Gedanken widersetzen, daß Nationen östlich des
Gebiets, das man das "traditionelle Europa" nennen
könnte, je wirklich ein Teil eines größeren Europas des
einundzwanzigsten Jahrhunderts werden könnten. Wir
sind überzeugt, daß diese Haltung ganz und gar falsch
ist - und möglicherweise sehr gefährlich. Über die
Jahrhunderte hat Europa in seiner besten Form - und
in seinen friedlichsten und wohlhabendsten Zeiten sich nicht als durch künstliche Grenzen begrenzt
empfunden, wie einen Fluß hier, eine Bergkette dort,
oder eine Mauer aus Zement und Stacheldraht
woanders. Nein, Europa wurde Europa weil es solche
Grenzen überwand und sich zu einer Völkergemeinschaft mit gemeinsamen Werten, Zielen und Lebensweisen entwickelte.
Die Türkei ist seit dem 16. Jahrhundert ein Teil des
europäischen Systems gewesen. Selbstverständlich
hat sie kulturelle Bindungen an Zentralasien und den
Nahen Osten. Aber dasselbe gilt für Rußland, das
ebenfalls ein Teil des zukünftigen integrierten Europas
sein muß, wenn es so etwas überhaupt geben soll. Es
trifft zwar zu, daß der größte Teil der Türkei von
Europa durch eine schmale Wasserstraße getrennt ist,
aber dasselbe gilt auch für Großbritannien.
Ich möchte nun einige Worte über den Islam sagen. In
der gegenwärtigen Debatte über die Türkei hört man
häufig die Schlagworte "Kultur", oder manchmal auch
"Zivilisation". Diese Worte sind oft Euphemismen für
"Religion". Zur Zeit ist eine Theorie in Mode, nach der
die Rivalität des Kalten Krieges zwischen Kommu-

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�nismus und Kapitalismus von einem "globalen Kampf
der Kulturen" abgelöst worden ist, wie zum Beispiel
dem Kampf zwischen den westlichen und den islamischen Ländern.

Außenministerin Albright ist derselben Meinung, und
sie wird ihre Amtszeit dazu nutzen, Europa zu ermutigen, sich als möglichst umfassend und aufgeschlossen zu definieren.

Diese Vorstellung ignoriert sowohl die großen Unterschiede innerhalb dieser Kulturen als auch ihre
Gemeinsamkeiten. Sie unterschätzt ebenfalls die
ethnische und religiöse Vielfalt in den Vereinigten
Staaten, die auch zunehmend in Westeuropa anzutreffen ist. Und sie unterschätzt die Gefahren,
denen wir in der Zukunft ausgesetzt sein werden,
wenn wir heute künstliche Barrieren errichten gegen
die Bemühungen eines europäischen Landes, das
willens ist, die Normen und Pflichten unserer demokratischen Gemeinschaft zu akzeptieren, oder wenn wir
die Zugehörigkeit eines Dorfes zu Europa danach
bestimmen wollen, ob es von einem Kirchturm oder
einem Minarett überragt wird.

Abschließend möchte ich bemerken, daß die Vereinigten Staaten bezüglich der drei Fragen, die ich
heute Morgen angeschnitten habe - die EWWU, die
Beziehungen zwischen der EU und den früheren
kommunistischen Ländern im Osten sowie die Beziehungen zwischen der EU und der Türkei - als Leitgedanken für die Europapolitik weiterhin eben diese
Ziele und Werte empfehlen, die Ihrer Arbeit zugrundeliegen, die Sie hier zu dieser Konferenz zusammengeführt hat. Wir werden die EU ermutigen, in Zukunft das
zu tun, was die hier anwesenden Einzelpersonen und
die hier vertretenen Organisationen bereits tun,
nämlich Brücken zu schlagen, das Netzwerk von
Kontakten und Verbänden zu vertiefen und auszubauen sowie Austauschprogramme innerhalb und zwischen den lokalen, nationalen und regionalen Gemeinden zu fördern, die die weltweite Gemeinschaft
ausmachen zu der wir alle gehören.

Wie Warren Christopher im Frühjahr letzten Jahres
erklärte, darf unsere Integrationsstrategie "keine
grundsätzlichen Grenzen zwischen den katholischen,
orthodoxen und islamischen Teilen Europas dulden.
Diese Gegensätze trugen zu dem Krieg im früheren
Jugoslawien bei, und sie dürfen keinerlei Rolle spielen
in dem Europa, das wir jetzt schaffen."

* *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 10

�USA-DEUTSCHLAND
21. Mai 1997

Neue Realitäten der transatlantischen Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und der
neuen Berliner Republik
Rede von J.D. Bindenagel an der Europa-Universität Viadrina

FRANKFURT AN DER ODER - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die J.D. Bindenagel, Charge
d'Affaires der Botschaft der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik Deutschland, am 13. Mai 1997 an der
Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder hielt.

Rektor Weiler, sehr geehrte Fakultätsmitglieder, liebe
Studenten,
vielen Dank für die Einladung, bei dieser einzigartigen,
zukunftsorientierten Institution eine Rede zu halten.
Die Europa-Universität Viadrina mit ihrer Kombination
aus Altem und Neuem, ihrem interkulturellen und
internationalen Charakter und ihrer Lage in der Nähe
des geographischen Herzens von Europa verkörpert
viele der neuen Realitäten, die Deutschland nach der
Revolution von 1989 und der Vereinigung umgeben.
Diese Universität zeigt ihre Anerkennung und Würdigung dieser neuen Realitäten durch die Zusammensetzung ihrer Studentenschaft und ihrer Studienschwerpunkte. Aktivitäten wie die unlängst erfolgte Gründung
des Instituts für Transformationsstudien repräsentieren
das innovative Denken, das von uns allen verlangt
wird - in der akademischen Welt, der Regierung, der
Wirtschaft und bei unseren zwischenmenschlichen
Kontakten.
Ich weiß die Veränderungen zu würdigen, die Deutschland bewältigt hat und gegenwärtig in Angriff nimmt.
Während der Revolution von 1989 in der DDR war ich
in der Amerikanischen Botschaft in Ostberlin Stellvertretender Botschafter und hatte das Privileg, Augenzeuge eines Ereignisses von immenser historischer
Bedeutung zu werden: Die lange schwelende Unzufriedenheit der Menschen gipfelte in einer Revolution, die friedlich genug war, um Blutvergießen zu
verhindern, aber machtvoll genug, die Berliner Mauer
zu Fall zu bringen.

AMERIKA DIENST 10

Es war das Zusammentreffen mehrerer Zufälle - von
der Zurückhaltung der Demonstranten über die von
der NATO verfolgte Politik der Abschreckung bis zur
Bereitschaft des sowjetischen Präsidenten Gorbatschow, den Völkern der Sowjetunion ein gewisses
Maß an Freiheit zu geben - die zusammenwirkten, um
das klassische Element europäischer Revolutionen
zurückzuhalten: Gewalt.
Der Zusammenbruch des Systems, das Deutschland
und Europa so viele Jahrzehnte lang geteilt hatte, ist
dem Mut und Optimismus der Menschen aus beiden
Blöcken zu verdanken, die der Überzeugung waren,
daß die Demokratie obsiegen konnte und sollte. Der
Fall der Berliner Mauer wurde weder durch die auf
beiden Seiten des Eisernen Vorhangs massierten
Armeen erreicht, die auf den Beginn des unvermeidlichen Krieges warteten, noch durch ein mysteriöses,
historisches Ende der kommunistischen Idee. Die
Berliner Mauer wurde durch die ununterdrückbare
Sehnsucht der Menschen nach Freiheit durchbrochen
und schließlich zu Fall gebracht.
Vor wenigen Jahren schien dieser grundlegende
Wunsch, der die Menschen im Ostblock aufgrund der
Verweigerung der Reisefreiheit erfaßte, wie ein
unerfüllbarer Traum. Heute ist er eine Realität, die so
tief in unserem Denken verwurzelt ist, daß wir uns
kaum vorstellen können, dieses Recht nicht zu
besitzen.
Wir haben in den letzten acht Jahren einen langen
Weg zurückgelegt. Die Teilung Europas rückt immer

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�mehr in die Ferne, insbesondere da Länder im Osten
und Westen, die so lange als entfremdete Nachbarn
auf einem einzigen Kontinent gelebt hatten, sich jetzt
gegenseitig neu entdecken und den Reichtum der
Kultur und Geschichte des anderen in sich aufnehmen.
Die negative Spannung aus der Zeit des Kalten
Krieges, die einst in Berlin vorherrschend war, ist jetzt
durch die positive Spannung von Aktivität, Umgestaltung und Kreativität ersetzt worden.
Europa setzt seinen Einigungsprozeß fort, und wo
einst Mauern standen, entstehen jetzt Brücken. Die
Brücke, die Sie so passend in das Abzeichen Ihrer
Universität aufgenommen haben, ist das wesentliche
Symbol unserer Zeit. Sie ist das Symbol für Freundschaft und den Weg zu mehr Interaktion und Verständigung.
Deutschland verlegt in Anerkennung seiner Rolle im
Zentrum Europas seinen Regierungssitz in die Hauptstadt Berlin. Bei diesem Umzug können wir eine
Mischung aus Alt und Neu sehen. Die Berliner
Republik repräsentiert die Vermischung der demokratischen Entwicklung Deutschlands mit seiner Ablehnung
des Totalitarismus, seiner Anerkennung historischer
Realitäten und Verantwortung sowie seiner Stärke als
führender Akteur in den wichtigsten europäischen und
transatlantischen Institutionen.

Ebenso wie die Vereinigten Staaten vor 50 Jahren den
Marshallplan entwickelten, um Deutschland und dem
übrigen Westeuropa beim Wiederaufbau nach dem
Zweiten Weltkrieg zu helfen, kann Deutschland als
führendes Mitglied der wichtigsten Institutionen
Europas eine positive Rolle bei der Förderung von
Sicherheit und Wohlstand im Osten übernehmen.
Die Erweiterung der Europäischen Union wird nach
dem Ende des Kalten Krieges eine entscheidende
Entwicklung für Europa darstellen. Die Einbeziehung
aller Länder Zentraleuropas und der baltischen
Staaten in die EU wird äußerst positive Auswirkungen
auf die Region haben. Sie wird diese Länder enger an
den Westen binden, die marktwirtschaftliche Entwicklung stärken, demokratische Institutionen fördern und
einen großen Anreiz für die Weiterentwicklung der
engen gutnachbarschaftlichen Beziehungen geben,
wie wir sie an Orten wie Frankfurt an der Oder sehen.

Deutschland ist ein natürlicher Fürsprecher der
Nationen, die früher in der Tyrannei des Ostblocks
gefangen waren. Das gilt insbesondere für Polen, ein
Land, dessen Geschichte stark von Deutschland
beeinflußt wurde. Von besonderer Bedeutung sind die
Bestrebungen Deutschlands und Polens, neue

Ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie multilaterale
Zusammenarbeit in dieser Region zur Bewältigung der
Herausforderungen in einem geeinten Europa funktionieren kann, ist das Border Region Study Project, das
jetzt mit Unterstützung des US-Informationsamts
(USIA) und des German-American Marshall Fund
durchgeführt wird. Diese Initiative vereint die Regierung, den Privatsektor und die akademische Welt. Sie
setzt einen weitreichenden und fruchtbaren Austausch
von Ideen und Erfahrungen bei der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und Entwicklung zwischen
Frankfurt an der Oder und seinen polnischen und
tschechischen Partnern und Pendants in Yuma
(Arizona) und Sonara (Mexiko) in Gang. Der EuropaUniversität Viadrina kommt bei diesem Prozeß eine

Bindeglieder zu finden.

Schlüsselrolle zu.

Ein Symbol für diese neue

enge Beziehung zwischen Deutschland und Polen ist
die Tatsache, daß der polnische Außenminister
Dariusz Rosati den Nationalfeiertag seines Landes am
3. Mai dieses Jahr nicht in Polen, sondern in Deutschland feierte. Dieses Ereignis zeigt, wie weit Polen und
Deutschland bei der Erneuerung ihrer Beziehungen
und dem Verheilen alter Wunden gekommen sind.
Ein weiteres Beispiel sind persönliche Kontakte. Als
Institution, die sich der multikulturellen Bildung verschrieben hat, kennen Sie die Vorteile, wenn Parlamentsabgeordnete, Geschäftsleute und interessierte
Bürger zusammentreffen, um gemeinsame Probleme
zu erörtern und Ideen auszutauschen. All diese
Bestrebungen leisten einen Beitrag zum Aufbau
dauerhafter Verbindungen, die die polnisch-deutschen
Beziehungen bereichern und stärken.
Multilaterale Bestrebungen wie die militärische Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Frankreich und
Polen sind ein anderer Weg zur Stärkung von Kontakten und dem Auffinden gemeinsamer Interessen.
Derartige Bestrebungen können alte Grenzen abschaffen und die Stabilität Europas stärken.

Seite 2

Parallel zu dieser Initiative wird eine neue, vielversprechende Städtepartnerschaft zwischen Frankfurt an
der Oder und Yuma (Arizona) begründet, die beim
bevorstehenden Besuch des Bürgermeisters von
Yuma offiziell ins Leben gerufen wird.
Die Vereinigten Staaten als europäische Macht und als
ein Land mit vielen Bürgern, die Vorfahren in diesem
Teil der Alten Welt haben, sind an der Ausweitung von
Stabilität und Wohlstand in dem neuen, geeinten
Europa interessiert. Ob man sich unsere Bestrebungen in den baltischen Staaten, die Investitionen
amerikanischer Unternehmen in den östlichen Bundesländern, die Bestrebungen zur Entsorgung von
Altlasten auf den ehemaligen Militärstützpunkten oder
die Finanzhilfeprogramme der Vereinigten Staaten
betrachtet - man spürt das aktive Interesse der
Amerikaner an der Anknüpfung neuer Beziehungen
und der Entwicklung engerer Kontakte.
Mit einem Investitionsvolumen von 12 Milliarden Mark
sind die Vereinigten Staaten der größte Investor in den
neuen Ländern. Die jährlichen Steigerungsraten

AMERIKA DIENST 10

�betragen mehr als 20 Prozent. Damit sind 50.000
Arbeitsplätze neu geschaffen oder gesichert worden.
Die Investitionen sind ein wichtiger Beitrag zum
Wachstum dieser Region und der Schlüssel für die
wirtschaftliche Zukunft der neuen Bundesländer.

Bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zählen
jedoch nicht nur Investitionen, sondern auch vertiefte
Information und Kommunikation. So haben wir versucht, unsere Erfahrungen mit neuen Finanzierungskonzepten wie Risikokapital in den neuen Ländern
publik zu machen.

Bundeskanzler Kohl hat kürzlich auf einer Tagung der
American Chamber of Commerce in Germany das
Engagement der USA als führender Investor ausdrücklich gewürdigt. In der Welt nach dem Ende des Kalten
Krieges sind diese Investitionen die wesentlichen
Pfeiler der Brücken über den Atlantik.

Wirtschaftliches Engagement führt auch zu verstärkten
zwischenmenschlichen Kontakten. Das Engagement
von Dow Chemical hat 40 amerikanische Familien in
den Raum Leipzig gebracht. Es entstand eine internationale Schule mit amerikanischen Lehrplänen, die
auch für deutsche Schüler interessant ist.

Zu den wichtigsten Investitionsprojekten gehören:

Wichtig ist, daß wir das "networking" verstärken. Ich
selbst habe vor kurzem mit dem Vorsitzenden der
Max-Planck-Gesellschaft an einer Konferenz der
Universität Leipzig teilgenommen, um nach Wegen zu
suchen, das "networking" zwischen Wissenschaftlern
in den neuen Ländern und den USA zu beschleunigen.
Eine derartige transatlantische Forschungsinfrastruktur

Die Mehrheitsbeteiligung von Dow Chemical in
Höhe von vier Milliarden DM in der Chemieindustrie der neuen Länder.
Coca Colas Engagement von mehr als einer
Milliarde DM in Abfüllanlagen, Zuteilungs- und
Verkaufszentren.
Die neue Halbleiterfabrik, die der amerikanische Konzern AMD in Dresden baut. Diese
hat ein Volumen von 1,2 Milliarden DM. Damit
faßt einer der zukunftsträchtigsten Industriezweige in den neuen Ländern Fuß, der entscheidend für die Hochtechnologie in den
neuen Ländern wie auch in Osteuropa sein
wird.
Investitionen von mehr als einer Milliarde DM
in das Automobilwerk Opel in Eisenach, wo
das aufgebaut wird, was wir auf amerikanisch
eine state-of-the-art Fabrik nennen. Diese
Fabrik setzt Maßstäbe für den Automobilbau in
ganz Europa.
Aber nicht nur die publizitätsträchtigen großen Projekte
sind wichtig. Über 300 amerikanische Firmen - dazu
zählen das verarbeitende Gewerbe, die Bereiche
Landerschließung und Bau, Unternehmensberatung
und Handel - sind in den neuen Bundesländern aktiv
und agieren im gesamten Spektrum wirtschaftlicher
Aktivitäten durch Errichtung von Niederlassungen,
Firmenvertretungen und Franchise-Unternehmen.
Gleichzeitig pflegen wir eine enge Zusammenarbeit
zwischen der Botschaft und der American Chamber of
Commerce zur Förderung von Investitionen. Wir haben
gemeinsam Investitionskonferenzen in Leipzig,
Weimar/Erfurt und Potsdam organisiert, die ein
großartiges Beispiel dafür waren, wie die Partnerschaft
zwischen dem öffentlichen und dem Privatsektor
amerikanische Investitionen fördern und eine starke
neue wirtschaftliche Präsenz in den neuen Bundesländern schaffen kann. Und wir werden diese Tradition
dieses Jahr in Dessau fortsetzen.

AMERIKA DIENST 10

ist unverzichtbar, wenn Technologie und Wissenschaft

eine immer größere Rolle bei Investitionsprojekten
spielen.
Unsere Aktivitäten hierzulande sind jedoch nicht nur
wirtschaftlicher Natur. Sie spiegeln unser Engagement
für die Zukunft dieses Kontinents wider - eine auf den
Werten Demokratie und freie Marktwirtschaft basierende Zukunft. Ein anderer Aspekt ist für die hier lebenden Amerikaner ebenfalls von Bedeutung - die Möglichkeit, den kulturellen und historischen Reichtum in
diesen Teilen der Welt wiederzuentdecken, die so
lange unzugänglich waren. Die Wiederentdeckung
und Verbindung der Teile Europas, die früher getrennt
waren, sowie der Kulturaustausch zwischen Zentralund Osteuropa und Westeuropa ist eine der interessantesten Entwicklungen. Europa und die Welt
werden durch diese Erfahrung reicher. Natürlich ist
das nicht einfach und geschieht auch nicht automatisch. In einigen Teilen Westeuropas akzeptiert man
die Tatsache nur zögernd, daß es einen völlig neuen
wachsenden und dynamischen Teil Europas gibt. Hier
im Zentrum Europas ist noch viel zu entdecken und zu
würdigen.
Häufig haben die Amerikaner einen natürlichen Hang,
diese früher isolierten Teile Europas zu entdecken.
Viele Amerikaner haben hier ihre kulturellen Wurzeln.
Ungefähr 60 Millionen Amerikaner sind deutscher
Herkunft und Millionen andere haben ihre Wurzeln in
der jetzigen Tschechischen Republik, der Slowakei,
Polen, Ungarn und den Baltischen Staaten.
Genau diese prägenden Verbindungen wurden
kürzlich von Vaclav Havel in seiner Rede vor dem
Deutschen Bundestag angesprochen. Präsident Havel
äußerte:

Seite 3

�"Der Mensch, wie bekannt, ist keine
Erscheinung an sich, deren Identität
in keinem Zusammenhang mit ihrer
Umgebung stünde und davon völlig
unabhängig wäre.
Im Gegenteil:
Unsere Identität wird durch zahlreiche
Schichten oder Kreise dessen mitgestaltet, was im allgemeinen als
unser Zuhause bezeichnet werden
kann."
Kontakte sind von lebenswichtiger Bedeutung und
schaffen dauerhafte Verbindungen. Sie reichen jedoch
nicht aus, um dauerhafte Sicherheit und Stabilität in
einer Region zu schaffen, die von so vielen Kriegen
heimgesucht wurde. Das wichtigste multilaterale Ziel
der Vereinigten Staaten besteht im Aufbau von
Sicherheit und Stabilität auf dem gesamten europäischen Kontinent. Zur Erlangung dieses Ziels bereiten
wir die NATO auf das 21. Jahrhundert und die damit
einhergehenden Herausforderungen vor.
Mit der Umgestaltung der NATO verfolgen wir folgende
Ziele: Einbeziehung von Frankreich und Spanien in die
integrierte Militärstruktur, Aufnahme neuer Mitglieder,
Aufbau guter Beziehungen zu Rußland, Stärkung
unserer Beziehungen zu den Partnerstaaten. In
Anbetracht des für Juli anberaumten NATO-Gipfels in
Madrid und der laufenden Arbeit am Aufbau neuer
Beziehungen zwischen der NATO und Rußland stehen
wir vor enormen Herausforderungen aber auch großen
Chancen.
Wir verfolgen nicht nur die Mitgliedschaft von neuen
Staaten, sondern parallel dazu sollen neue Beziehungen zwischen Rußland und der NATO geknüpft
werden, um zur Überwindung der alten Denkweise,
alter Feindseligkeiten und Konflikte beizutragen. Wir
wollen Rußland ein Stimm-, aber kein Vetorecht
einräumen und unter Beweis stellen, daß Zusammenarbeit für alle Parteien von Vorteil ist. Ferner haben wir
unseren Standpunkt deutlich gemacht: Keine Mitgliedstaaten zweiter Klasse und keine Verringerung der
militärischen Fähigkeiten des Bündnisses.
Wir arbeiten darauf hin, dieser Partnerschaft mit
Rußland durch eine Charta zwischen der NATO und
Rußland Gestalt und Inhalt zu verleihen und hoffen,
diese bald zu verabschieden. Präsident Clinton
machte bei seinem Gipfeltreffen mit Präsident Jelzin in
Helsinki einen großen Schritt in diese Richtung, und
Bundeskanzler Kohl unternahm in Baden-Baden einen
weiteren wichtigen Schritt.
Außenministerin Albright und NATO-Generalsekretär
Solana arbeiten weiterhin mit ihren russischen Amtskollegen an dieser Frage. Wir hoffen, daß wir in den
nächsten Wochen Fortschritte machen können. Die
Arbeit an dieser Charta wird heute und morgen (am 13.

Seite 4

und 14. Mai) in Moskau fortgesetzt. Sie ist jedoch erst
beendet, wenn die Substanz der Charta stimmt.
Die Sicherheitsagenda wird verändert, um den Anforderungen des neuen Jahrhunderts gerecht zu
werden. Dasselbe kann über die kulturelle Präsenz
der Vereinigten Staaten in Europa gesagt werden, die
sich verändert und gleichzeitig stark und lebensfähig
bleibt. Die menschlichen Bande stellen einen der
dauerhaftesten Beiträge zu Verständigung und
Freundschaft zwischen Deutschland, den Vereinigten
Staaten und Zentraleuropa dar. Das ist ein Grund
dafür, daß die Vereinigten Staaten so großes Interesse
an der Erneuerung dieses Pfeilers unserer Beziehungen haben.
Wie Sie in der akademischen Welt wissen, stellen
Austauschprogramme für Studenten ein besonders
lebendiges und ausbaufähiges Gebiet dar. Tausende
von Studenten überqueren jährlich den Atlantik, um
Erfahrungen auszutauschen und - vor Ort - etwas über
Umfeld und Kultur des anderen zu lernen. Es sind
diese intensiven Beziehungen, die ich neben den
zahlreichen kulturellen Kontakten zwischen uns
hervorheben möchte, um die These zurückzuweisen,
es gäbe einen Kulturbruch zwischen Europa und den
Vereinigten Staaten.
Das Gegenteil ist der Fall. Unsere Beziehungen sind
zu umfassend, zu vielfältig und zu dynamisch, um nur
in Beschreibungen von Aktivitäten einiger weniger
Institutionen eingefaßt zu werden. Denken Sie an die
Amerikaner deutscher Herkunft, die nicht nur in den
Vereinigten Staaten eine wesentliche Rolle spielten,
sondern auch in der Weltgeschichte - beispielsweise
Albert Einstein und Henry Kissinger. Und Levi Strauss
hat nicht Weltgeschichte gemacht, aber er ist hier
wahrscheinlich gut vertreten.
Unsere Beziehungen bestehen aus vielen Brücken,
nicht nur aus einer. Unsere Kontakte verändern sich
und passen sich an die uns umgebenden neuen
Realitäten an.
Derzeit gestalten wir unsere Präsenz in Deutschland
um. Wir stützen uns dabei in zunehmendem Maße auf
Tausende von Privatleuten wie Austauschstudenten,
Lehrer, jährlich den Atlantik überquerende Touristen,
Investoren und Geschäftsleute. Ihre individuellen
Bestrebungen sind Teil eines noch engmaschigeren
Netzes von Clubs und Organisationen, die die
deutsch-amerikanische Freundschaft fördern und die
Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern
bereichern.
Konkret haben Deutsche und Amerikaner während der
vergangenen Jahre intensive Bestrebungen unternommen, um die Beziehungen zwischen Deutschland und
Amerika auszubauen. Wir werden uns der gemeinsamen historischen Erfahrung bewußt durch das U.S.

AMERIKA DIENST 10

�Holocaust Memorial Museum, das Alliierte Museum
und das Haus der Geschichte der Bundesrepublik
Deutschland.
Es reicht jedoch nicht aus, sich auf die Vergangenheit
zu konzentrieren. Wir müssen auch die Aktivitäten
ausweiten, die uns näher zusammenbringen und auf
die Zukunft gerichtet sind. Programme wie das
Austauschprogramm zwischen dem Kongreß und dem
Bundestag stoßen auf großes Interesse. Der 1983
begonnene Austausch zwischen Kongreß und Bundestag hat jetzt ungefähr 10.000 Ehemalige.
Das Aspen Institute Berlin fördert Kontakte und
erweitert in Berlin die Beziehungen zu Amerikanern,
Zentral- und Osteuropäern.
Die jüngsten Besuche der 1987 gegründeten Studiengruppe Deutschland des Kongresses sind Beweis für
den ungebrochenen Einsatz dieses Gremiums für die
Förderung enger Beziehungen zwischen Deutschland
und den Vereinigten Staaten.
Von der Bundesregierung gegründete Centers of
Excellence an Universitäten wie Harvard, Georgetown
und Berkeley gewährleisten einen lebhaften akademischen Austausch.
Die RIAS-Kommission fördert aktiv herausragende
journalistische Leistungen im Gedenken an den
während des Kalten Krieges geleisteten Beitrag des
Rundfunks.
Das American Institute for Contemporary German
Studies in Washington stellt im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit ein Forum für Gespräche über unsere
drängendsten Fragen dar.
Und die deutsch-amerikanischen Clubs haben die
deutsch-amerikanischen
Beziehungen
dauerhaft
geprägt. Sie haben nicht nur dauerhafte zwischenmenschliche Bande geknüpft. Sie sind auch im
Sozialleben ihrer Gemeinden aktiv.
Kürzlich habe ich zu meiner Freude erfahren, daß eine
der ersten Aktivitäten des Deutsch-Amerikanischen
Clubs in Hamburg - die Bereitstellung von elf Kinderspielplätzen - auch heute noch einen Beitrag zur
Gemeinde leistet. Wenn ich daran denke, wieviele
Generationen von Kindern durch solche Projekte gute
Erfahrungen gemacht haben, kann ich nur meine
Überzeugung wiederholen, daß durch diese privaten
Initiativen sehr viel Gutes getan werden kann. Wenn
man sich bewußt macht, daß diese Initiativen mit
einem Minimum an Unterstützung durch die Hamburger Stadtverwaltung durchgeführt wurden, ist das ein
überzeugendes Beispiel dafür, was Privatleute für die
Gesellschaft tun können.

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In diesem Zusammenhang möchte ich insbesondere
die Bedeutung des Privatsektors und von Einzelinitiativen hervorheben. Die Amerikaner fühlen sich
aufgrund ihrer Kultur - nicht so sehr durch ihre Steuern
- gezwungen, einen Beitrag zur Gesellschaft in Form
von Zeit, Wohltätigkeitsarbeit und Kunstpflege zu
leisten. Diese Idee wird im Deutschen als Mäzenatentum bezeichnet. Sie bezieht sich auf den römischen
Staatsmann Maecenas, der einen Beitrag zur Kultur
leistete, indem er Horaz und Vergil - die wichtigsten
Dichter seiner Zeit - in seinen Palast einlud.
Etwas von seiner Zeit, seinem Geld und seiner
Kreativität zu opfern, ist ein wichtiger Beitrag zur
Gemeinschaft. Diese Denkweise ist bereits ein fester
Bestandteil der erfolgreichen Arbeit der DeutschAmerikanischen Clubs. Anstatt auf die Intervention der
Regierung zu warten, zeigen diese Clubs ein Verständnis davon, was durch gemeinsamen Einsatz für
eine gute Sache bewirkt werden kann.
Ich freue mich berichten zu können, daß viele neue
Pläne für die Ausweitung von Kontakten zwischen
Deutschen und Amerikanern bestehen. In Berlin wird
die American Academy for Scholars in the Arts and
Humanities gegründet. Das American Jewish Committee eröffnete vor kurzem ein Büro in Berlin. Und der
Austausch zwischen dem amerikanischen Militär und
Bundeswehrsoldaten, insbesondere den in den
Vereinigten Staaten stationierten, und den Millionen
von Angestellten und Familienmitgliedern deutscher
und amerikanischer Unternehmen in jedem Land ist
eine reiche Quelle für unsere nächste Generation,
neue gemeinsame Erfahrungen zu sammeln.
Aus diesem Grund ist es so wichtig für jeden einzelnen
von uns, zu prüfen, wie wir zur Stärkung der persönlichen Bande zusammenarbeiten können, um neue
Gelegenheiten für den Austausch von Erfahrungen
und ihre künftige Nutzung zu finden.
Wir beginnen unsere Arbeit nicht in einem Vakuum.
Vielmehr stehen wir auf einer soliden Basis gemeinsamer Interessen und Werte - unser wachsamer
Schutz der Freiheit, unser Engagement für Demokratie, unser Streben nach Erhalt von Frieden und
Stabilität in Europa. Diese Prinzipien einen die
Vereinigten Staaten und ihre Partner in Europa seit
Jahrzehnten.
Abschließend möchte ich die in Reichweite von
Studenten wie Ihnen liegenden Chancen hervorheben,
einen Beitrag zur Umgestaltung Europas zu leisten.
Ihr Geist ist nicht von alten Paradigmen und überholter
Denkweise belastet, zu deren Überwindung wir in
älteren Generationen uns immer wieder bewußt
aufrufen müssen. Unmittelbar vor Ihnen liegt die
Chance, die Zukunft zu gestalten.

Seite 5

�Betrachten Sie einen Moment die Worte Victor Hugos,
der sagte: "Die Zukunft hat viele Namen.

Für die Überlegten und Mutigen ist sie das Ideal."

Für die Schwachen ist sie das Unmögliche.

Auch Sie sollten nach dem Ideal streben. Die Chance
liegt direkt vor Ihnen.

Für die Furchtsamen ist sie das Unbekannte.

Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 10

�USA-DEUTSCHLAND
21. Mai 1997

Die Bedeutung der Forschungskooperation
für die deutsch-amerikanischen Beziehungen
Rede von J.D. Bindenagel

LEIPZIG - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Charge d'Affaires der Botschaft der
Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik Deutschland, J.D. Bindenagel, am 7. Mai 1997 an der Universität
Leipzig hielt.

Ich freue mich sehr über die Gelegenheit, heute hier in
Leipzig zu Ihnen sprechen zu dürfen. Jedes Mal,
wenn ich diese historische Stadt besuche, erinnere ich
mich an die dramatischen Veränderungen, die hier
stattgefunden haben. Vor fünfzig Jahren versprach
George Marshall wirtschaftliche Hilfe und einen neuen
Anfang für Europa. Allerdings konnte ein Teil Europas
- genauso zerstört wie der Rest des Kontinents - sich
nicht daran beteiligen. Und als William Fulbright es
jungen Menschen - Studenten und Wissenschaftlern ermöglichte, ins Ausland zu reisen und sich am freien
Austausch von Menschen und Meinungen zu beteiligen, war die Hälfte Europas davon ausgeschlossen. In dieser Stadt, während der großen Montagsdemonstrationen auf dem Leipziger Ring - nur wenige
Meter von hier entfernt - begann eine Revolution.
Diese Revolution brachte letztlich die SED-Herrschaft
zu Fall und verhalf diesem Teil Deutschlands sowie
den Ländern Osteuropas zur Freiheit.
Im Laufe der letzten vierzig Jahre haben wir oft davon
gesprochen, Brücken über den Atlantik zu bauen. Wir
haben den Meinungsaustausch und den Austausch
von Bürgern unserer Länder gefördert. Dies beinhaltet
politischen Dialog und Beratung ebenso wie wirtschaftliche Zusammenarbeit, kulturelle Kontakte,
Studentenaustausch, Städtepartnerschaften und natürlich - die wissenschaftliche Zusammenarbeit. Die
Kooperation von Forschern und Studenten ist ein
Grundelement unseres Verständnisses und der
Zusammenarbeit. Die professionelle Zusammenarbeit
und die persönlichen Freundschaften, die daraus
erwachsen sind, gehören zu den Herzstücken unserer
bilateralen Beziehungen.

AMERIKA DIENST 10

Das Symbol der Brücke ist oft eine angemessene
Analogie zur Beschreibung unserer bilateralen Austauschprogramme. Als ich aber meinen heutigen
Redebeitrag vorbereitete, habe ich erkannt, daß dieses
Symbol unsere wissenschaftlichen Beziehungen nicht
länger adäquat wiedergibt. Wir sehen den gegenwärtigen Stand der deutsch-amerikanischen wissenschaftlichen Kooperation mehr als ein dynamisches
Netzwerk. Das Netzwerk hat einen stabilen Kern,
aber außen verändert es sich und wächst unter dem
Einfluß zahlreicher äußerer Faktoren.
Die neuen Technologien üben sicher einen starken
Einfluß auf unsere Forschungsbeziehungen aus, denn
damit ist die Interaktion einfach und effizient geworden:
Delta Airlines fliegt täglich von Berlin nach New York.
Telefon, Faxverbindungen und E-mail ermöglichen uns
den unmittelbaren Kontakt miteinander. Und wenn wir
"online" miteinander kommunizieren, dann sind wir
über das Internet virtuell präsent im "Global Village"
und im "Cyberspace". Es kann Ihnen passieren, daß
Sie gar nicht mehr genau wissen, wo die Person, mit
der Sie Kontakt aufnehmen, sich gerade aufhält. Oder
wo sich der Computer befindet, von dem Sie sich
Informationen herunterladen.
Im globalen Wettstreit um Wissen, Technologie und
Innovation zählt nur noch die verfügbare Information,
das vorhandene Fachwissen. Viele unserer internationalen Firmen nutzen dies zu ihrem Vorteil. Wenn
die Mitarbeiter der deutschen Forschungsabteilung
abends nach Hause gehen, werden die Daten in die
USA überspielt, wo gerade ein neuer Arbeitstag
begonnen hat. Acht Stunden später wird die Arbeit
fortgesetzt von Industrieforschern in Japan oder

Seite 1

�anderen asiatischen Ländern. Was vor nicht allzu
langer Zeit als Zukunftsmusik gegolten hätte, ist heute
Realität. Dies ist einer der Gründe, warum wir für
unsere Konferenz den Titel "Netzwerke" vorgeschlagen haben.
Mit diesem Titel möchten wir jedoch Ihr Augenmerk
auch auf die Komplexität der Bindungen zwischen
deutschen und amerikanischen Forschern lenken.
Die heutigen wissenschaftlichen Verbindungen haben
viele Facetten und Verknüpfungen. Sie existieren auf
verschiedenen Ebenen und nehmen verschiedene,
manchmal sich überlagernde Formen an. Dies reicht
vom einmaligen bilateralen Austausch von Forschungsergebnissen oder Publikationen bis zur
langfristigen, kontinuierlichen Zusammenarbeit in der
Forschung. Sie bestehen auf der Ebene des einzelnen Wissenschaftlers ebenso wie auf regionalem
oder institutionellem Niveau, oder in Kombination aller
Möglichkeiten. Wir haben zwar einen technischen
Begriff gewählt, um den Stand unserer Forschungszusammenarbeit zu beschreiben. Wir sollten aber
bedenken, daß zu einem Netzwerk mehr gehört als
technische Anschlüsse, Gateways und Hochgeschwindigkeitsverbindungen. Im innersten Kern der Partnerschaft finden wir Deutsche und Amerikaner mit dem
gemeinsamen Wunsch zu forschen, zu entdecken und
Erfolg zu haben.
Besonders hervorheben möchte ich, daß ein Netzwerk
integrieren kann und fähig ist, sich an neue und
veränderte Umstände anzupassen. Wir sind nicht nur
daran interessiert, die bestehenden Verbindungen und
Verknüpfungen zu pflegen. Wir möchten vielmehr
auch die Netzwerke erweitern, um immer mehr Partner
aus den neuen Ländern einzubinden.
Später werden einige Wissenschaftler über ihre
persönlichen Erfahrungen in Bereich Austausch und
Zusammenarbeit berichten. Lassen Sie mich Ihnen
einen Überblick geben, wie umfangreich das deutschamerikanische Kooperationsnetzwerk ist. Im Bereich
der Industrieforschung sind unsere beiden Länder eng
verbunden. Deutsche Firmen betreiben mehr als 100
Forschungslabors in den USA. Diese Einrichtungen
sind vor allem in den Sektoren tätig, in denen die
deutsche Wirtschaft besonders stark ist, also im
Automobilbereich, in der Chemie und in der pharmazeutischen Industrie.
Umgekehrt haben amerikanische Firmen erheblich in
ihre deutschen Forschungskapazitäten investiert.
Allein im Jahr 1993 waren dies mehr als 3 Milliarden
Dollar.
Angesichts der jüngsten amerikanischen
Investitionen in den neuen Ländern wird diese Zahl
noch ansteigen. Ich möchte hier Dow-Chemical in
Sachsen-Anhalt, Opel in Thüringen und AMD in
Sachsen nennen. Damit ist Deutschland der bevorzugte ausländische Standort für die Forschung
amerikanischer Firmen.

Seite 2

Es gibt weitere Beispiele für die Internationalisierung
der Forschung. Amerikaner sind die bevorzugten
Partner der meisten deutschen Wissenschaftler. Etwa
ein Viertel aller internationalen Projekte in Deutschland
werden in Verbindung mit einem US-Partner durchgeführt. Zwar sind umgekehrt die USA nicht ganz so
konzentriert auf Deutschland, aber im Hinblick auf
gemeinsame Vorhaben sind die Deutschen immer bei
den drei Besten. Die Zusammenarbeit mit Deutschland macht etwa 10 Prozent aller internationalen
Programme in den Vereinigten Staaten aus. Nur zwei
Länder, beide englischsprachig, erreichen dieses
Niveau: Kanada und Großbritannien.
In unseren beiden Ländern sind die Universitäten
Bastionen der Forschung und der neuen Ideen. Da wir
heute in einem Universitätshörsaal zusammen-gekommen sind, ist der Hinweis angebracht, daß es mehr
als 500 Kooperationsabkommen zwischen deutschen
und amerikanischen Universitäten gibt. Diese Kontakte gehen zurück bis ins Jahr 1954, als die Universität
Bonn ihr Kooperationsprogramm mit der Universität
von Wisconsin in Madison aufnahm. Ein Jahr später
folgte die Verbindung der Universität Köln mit der
Universität von Kalifornien in Berkeley, und die
Partnerschaft der Universität von Minnesota mit der
Freien Universität Berlin.
Heute sind Hunderte von Universitäten auf beiden
Seiten beteiligt, viele auch in den neuen Bundesländern. Allein die Universität von Washington in Seattle
unterhält seit 1975 Kooperationsabkommen mit zehn
deutschen Universitäten, darunter der Hochschule
Weimar. Die Leipziger Universität hat sechs Partnerschaften. Darunter sind nicht nur Programme mit
anderen amerikanischen Universitäten, sondern auch
mit den National Institutes of Health - der führenden
amerikanischen Forschungseinrichtung in der Medizin
und den Biowissenschaften. Die National Institutes of
Health sind heute hier vertreten durch Prof. Henry
Webster, dessen Beteiligung an der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit ich gerne hervorheben
möchte.
Wir haben Sie heute aber nicht eingeladen, um den
beiderseitigen Nutzen unseres wissenschaftlichen
Netzwerkes zu betonen. Ich glaube, daß Sie ohnehin
darin mit mir übereinstimmen. Als wir die Idee für eine
"Netzwerke"-Konferenz entwickelten, hatten wir
mehrere Ziele vor Augen. Als erstes und vielleicht
bescheidenstes Ziel hoffen wir, daß Sie heute Ihr
eigenes Netzwerk erweitern durch das Zusammentreffen und die Interaktion mit Wissenschaftlern aus
anderen Regionen, Instituten und Fachgebieten. Diese
persönlichen Beziehungen sind eine Grundlage für
jedes Netzwerk.
Zweitens möchten wir Ihnen im Workshop heute
nachmittag etwas vermitteln von der Vielfalt der
Möglichkeiten für die deutsch-amerikanische Zu-

AMERIKA DIENST 10

�sammenarbeit. Heute sprechen zu Ihnen Vertreter der
führenden Wissenschafts- und Austauschorganisationen Deutschlands und Amerikas. Zusätzlich bieten wir
eine Informationsbörse - eine Internet "homepage", die
Ihnen helfen soll, Kontakte zu den wesentlichen
amerikanischen Forschungs-instituten und Universitäten zu entwickeln.
Schließlich - und das ist vielleicht unser ehrgeizigstes
Ziel - hoffen wir, daß unsere verehrten Sprecher heute
morgen Sie dazu anregen, den gegenwärtigen Stand
der Forschung und unsere Rolle darin zu bedenken.
Hat sich diese Rolle im neuen Deutschland verändert?
Sind die Netzwerke so schnell gewachsen, wie es
notwendig ist, um die Wissenschaftler der neuen
Länder zu integrieren? Welchen Problemen, die einer
Zusammenarbeit hinderlich sind, stehen die Forscher
gegenüber? Was könnte getan werden, um die
Hindernisse zu überwinden?
Lassen Sie mich kurz einige Felder benennen, auf
denen wir herausgefordert sind. Wir leben in einer
Zeit, in der unsere beiden Regierungen unter enormem
Druck stehen, Gelder einzusparen und die Notwendigkeit jedes einzelnen Programms zu prüfen und zu
rechtfertigen. Nun gibt es eine wohlbekannte Verbindung zwischen wissenschaftlicher Spit-zenleistung und
Wettbewerbsfähigkeit. Wir glauben, daß der wissenschaftliche Austausch ein effizienter Weg ist, Informationen zu übermitteln, unnötige Duplikation wissenschaftlicher Arbeit zu vermeiden und unsere beiderseitige Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.
Manche meinen, der Austausch zwischen unseren
Ländern sei etwas einseitig: Viel mehr Deutsche
gehen zu Forschungs- oder Studienzwecken nach
Amerika als umgekehrt. Wenn man sich die Statistiken
ansieht, gibt es dafür sicher einige Berechtigung.
Professor Berchem, der Präsident des Deutschen
Akademischen Austauschdienstes, hat die Vereinigten
Staaten "die spröde Geliebte" genannt. Amerikanische
Wissenschaftler sind in einem großen Land zu Hause
und mögen manchmal den Blick über die eigenen
Grenzen vernachlässigen.
Oder sie können auf
Angebote für gemeinsame Projekte aus der ganzen
Welt warten. Aber während es sicher viele Länder
gibt, die um die amerikanischen Forscher werben, sind
doch nur wenige so gut wie Deutschland darauf
vorbereitet, sich Aufmerksamkeit zu verschaffen. Ich
möchte Deutschland ermutigen, auf seine Stärken zu
bauen: seine exzellenten Einrichtungen, sein hohes
akademisches Niveau und seine Nähe zu den europäischen Forschungseinrichtungen.
In der gegenwärtigen Debatte zum Standort Deutschland wird oft gesagt, daß es den Deutschen an
Unternehmergeist fehle. Lothar Späth, der frühere
Ministerpräsident und heutige Vorsitzende von Jenoptik, hat einmal auf den philosophischen Unterschied
zwischen dem englischen Begriff "Venture Capital"

AMERIKA DIENST 10

und dem deutschen "Risikokapital" hingewiesen:
Wenn sie eine Investition erwägen, konzentrieren sich
die Amerikaner auf die Chancen, die Deutschen auf
die Risiken. Ich möchte behaupten, daß die deutschen
Wissenschaftler
grundsätzlich
Unternehmergeist
haben. Schließlich sind Experi-mente auf der Suche
nach Wissen die Basis ihrer Arbeit. Hunderte von
neuen Firmen in der Computerindustrie, in der Biotechnologie und in der Umwelttechnologie belegen,
daß deutsche Wissenschaftler sowohl über innovative
Technologien verfügen als auch über den Unternehmergeist in der Vermarktung.
Derzeit können wir auf dem Gebiet der Gentechnik in
Deutschland - einem Feld intensiver Debatten - viele
Erneuerungen und Veränderungen beobachten. Ich
beziehe mich dabei auf die Gesetzgebung, die als
Reaktion auf die befürchteten Einschränkungen der
Forschungsfreiheit verändert wurde. Das neue deutsche Gentechnikgesetz hat die Genehmigungsverfahren für Genforschung wesentlich vereinfacht.
Die daraus resultierende Zunahme der Forschung in
diesem Bereich kann großen Nutzen in der Medizin
und den Biowissenschaften bringen. Die deutschen
Forscher haben beste Voraussetzungen für den
Wettbewerb mit der Weltspitze. Ich bin fest davon
überzeugt, daß Deutschland auf diesem Gebiet in den
kommenden Jahren eine führende Rolle spielen wird.
Bevor ich zum Schluß komme, möchte ich die Bedenken ansprechen, es könnte für die Wissenschaftler in
den neuen Ländern schwierig sein, Zugang zu den
bestehenden wissenschaftlichen Netzwerken zu
finden. Deutsche und amerikanische Institute haben
viele Jahre erfolgreich zu-sammengearbeitet, und
vielleicht wird der Nutzen aus der Integration der
Neueinsteiger nicht immer erkannt. Wir sollten immer
bedenken, daß persönliches Engagement und Initiative
den entscheidenden Unterschied machen können.
Große Fortschritte sind erzielt worden - für manche
mag es jedoch zu langsam gehen.
Zum Abschluß möchte ich sagen, daß die
wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den USA einen Mikrokosmos
unserer gesamten bilateralen Verbindungen darstellt.
Dieselbe Offenheit und Initiative, die wir in unsere
wirtschaftlichen und politischen Beziehungen einbringen, bereichern auch den wissenschaftlichen
Austausch. Wenn Wissenschaftler und Forscher wie
Sie Ihre Sache weiterhin mit Optimismus und Engagement vorantreiben, sind Ihnen keine Grenzen gesetzt
für das, was Sie erreichen können. Und wir auf der
anderen Seite des Netzwerks freuen uns auf die
Zusammenarbeit mit Ihnen in künftigen Projekten.
Lassen Sie mich in der Hoffnung schließen, daß diese
Konferenz einen weiteren Baustein darstellt für eine
fruchtbare Kooperation auf viele Jahre hinaus. Vielen
Dank.

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�WIRTSCHAFT

28. Mai 1997

USA beziehen keine Stellung zur
Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion
Rede des Stellvertretenden Finanzministers

NEW YORK - (AD) - Die Vereinigten Staaten unterstützen seit langem die umfassenden Ziele der europäischen
Integration, beziehen jedoch keine Stellung zur Gründung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion
(EWWU), erklärte der Stellvertretende Finanzminister Lawrence Summers.
Diesbezügliche Fragen müßten die Europäer selbst beantworten, stellte Summers am 30. April 1997 bei der
Euromoney-Konferenz in New York fest. Er sprach jedoch den Einfluß an, den die Gründung der EWWU auf die
amerikanische Wirtschaft, das internationale Wirtschafts- und Finanzsystem und die Rolle Europas in der Welt
haben wird.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext des Stellvertretenden Finanzministers.

Es ist mir ein Vergnügen, heute bei dieser wichtigen
Konferenz über "Die EWWU und das sich wandelnde
Gesicht Europas" anwesend sein zu dürfen. Wie Sie
wissen, sind die Beziehungen der Vereinigten Staaten
zu Europa seit langem der Eckpfeiler unserer
Wirtschafts- und Außenpolitik. In der Tat feiern wir in
diesem Jahr den 50. Jahrestag des Marshallplans, der
zusammen mit den Institutionen von Bretton Woods,
der OECD und unserem Militärbündnis NATO zur
Schaffung der Bedingungen für ein halbes Jahrhundert
von Frieden und Wohlstand beigetragen hat. Heute ist
das Schicksal der Vereinigten Staaten weiterhin sehr
eng mit dem Europas verbunden. Natürlich haben wir
ein Sicherheitsinteresse an dem, was auf dem europäischen Kontinent geschieht. Wir haben jedoch auch ein
elementares wirtschaftliches Interesse an dem, was
jenseits des Atlantiks geschieht.
Im Jahr 1995 betrug unser jährlicher Warenhandel mit
der Europäischen Union über 250 Milliarden Dollar,
während unser Handel mit Dienstleistungen 115
Milliarden Dollar erreichte.
Die amerikanischen
Direktinvestitionen in Europa belaufen sich auf 360
Milliarden Dollar - das ist mehr als die Hälfte aller
amerikanischen ausländischen Direktinvestitionen.
Und obwohl viele glauben, Europa sei nichts Neues
und keine wirtschaftliche Grenze, haben die amerika-

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nischen Direktinvestitionen in Europa von 1982 bis
1995 im Durchschnitt jährlich um 11,1 Prozent zugenommen, verglichen mit einer Wachstumsrate von
9,9 Prozent für amerikanische Direktinvestitionen
weltweit.
Die europäische Integration ist ein Schlüsselelement in
diesem Prozeß. Die Vereinigten Staaten unterstützen
seit langem die umfassenden Ziele der europäischen
Integration und werden dies auch weiterhin tun, obwohl
die Entscheidung über die Fortsetzung dieses Prozesses bei Europa liegt.
Die vorgeschlagene Europäische Wirtschafts- und
Währungsunion ist der letzte Schritt in dem Prozeß der
europäischen Integration und einer der komplexesten.
Er wird einen grundlegenden Wandel in der Finanzstruktur Europas und seiner makroökonomischen
Politik darstellen. Angesichts unseres Interesses an
der Zukunft Europas sollte es nicht überraschen, daß
wir die Entwicklungen an dieser Front genau verfolgen.
Gleichzeitig ist es jedoch eine europäische Angelegenheit, die von den Europäern entschieden werden muß.
Ich möchte mich von Anfang an klar ausdrücken. Ich
werden keine Stellung zu folgenden Fragen beziehen:
"Wird oder soll es eine EWWU geben?", "Wie sollte die

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�EWWU strukturiert sein?" oder "Wer sollte beitreten?".
Diese Fragen müssen die Europäer selbst beantworten.
Ich möchte heute jedoch zu Ihnen darüber sprechen,
wie dieses Projekt wahrscheinlich die amerikanischen
Interessen beeinflussen wird. Heute Nachmittag
werde ich meine Ausführungen auf drei Themen
konzentrieren: Erstens die direkten Auswirkungen der
Einführung einer einheitlichen Währung auf die
amerikanische Wirtschaft; zweitens die Auswirkungen
der EWWU auf das internationale Wirtschafts- und
Finanzsystem als Ganzes; und drittens die Auswirkungen auf die Rolle Europas in der Welt.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der EWWU auf
die Vereinigten Staaten
Der Hauptmechanismus, mit dem die EWWU die
amerikanische Wirtschaft beeinflussen kann, ist ihr
Einfluß auf die wirtschaftliche Lebensfähigkeit Europas. Den amerikanischen Wirtschaftsinteressen ist gut
gedient, wenn Europa prosperiert. Ein schneller
wachsender europäischer Markt ist gut für unsere
Exporte, und ein wirtschaftlich stärkeres Europa ist auf
der ganzen Welt ein stärkerer Partner für uns.
Die westeuropäischen Volkswirtschaften haben in
vieler Hinsicht eine beneidenswerte wirtschaftliche
Bilanz erzielt - die Einkommen und der Lebensstandard sind hoch, die Inflationsrate und die Armutsgrenze niedrig. Dennoch sieht sich Europa heute mit
einer Reihe wirtschaftlicher Herausforderungen
konfrontiert. Ich möchte diese kurz erörtern, denn wie
die EWWU diese bewältigt, wird letztlich über ihren
Erfolg und ihre Auswirkungen auf die Vereinigten
Staaten entscheiden.
Hohe Arbeitslosenquoten in einem Großteil Europas
sind das offensichtlichste Symptom der wirtschaftlichen Herausforderungen Europas.
Langfristige
Arbeitslosigkeit hat enorme Kosten an entgangenem
Output und vergeudeten Leben zur Folge. Dies trifft
insbesondere auf die Jugendlichen zu. In mehreren
europäischen Ländern ist jeder Vierte Anfang zwanzig
arbeitslos, 40-50 Prozent der Arbeitslosen sind seit
über einem Jahr ohne Arbeit.
Europäische Beobachter haben auch auf andere
Herausforderungen verwiesen. Die große Zunahme
der Verschuldung des öffentlichen Sektors in vielen
europäischen Ländern in den vergangenen 15 Jahren
erfordert große Aufmerksamkeit. Um die Konvergenzkriterien des Maastricht-Vertrags einhalten zu können,
haben viele europäische Regierungen ihre Bestrebungen zur Kontrolle der Haushaltsdefizite erheblich
verstärkt.
Dank dieser Fortschritte konnten die
Zinssätze in den vergangenen Jahren beträchtlich
gesenkt werden, und niedrigere Zinssätze in Europa
halten auch die Zinssätze in den Vereinigten Staaten

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niedrig. Dennoch sehen sich die meisten europäischen Länder ebenso wie die Vereinigten Staaten
aufgrund der Überalterung der Bevölkerung und der
damit einhergehenden Belastung der Renten- und
Krankenkassen dauerhaften
Herausforderungen
gegenüber. Wir alle wissen, wie unpopulär es sein
kann, diese Probleme anzusprechen, insbesondere
wenn sie eine Reform der Versicherungsansprüche
beinhalten.
Die Regierungen in Europa wissen, was getan werden
muß, und sie haben wiederholt angedeutet, daß sie die
Verabschiedung der zur Bewältigung der hohen
Arbeitslosigkeit und der drohenden Haushaltsengpässe erforderlichen langfristigen Strukturreformen
beabsichtigen.
Dennoch hat sich die Erlangung des politischen
Konsenses zur Lösung dieser Probleme als ziemlich
schwierig erwiesen, weil die notwendigen Reformen
den Kern des sozialdemokratischen Konsenses in
Europa betreffen.
Es ist paradox, daß der Erfolg der EWWU davon
abhängt, Strategien zur Bewältigung dieser Herausforderungen zu finden, die EWWU sie selbst jedoch
nicht direkt anspricht.
Als Mitglieder der Währungsunion werden die Länder
die Fähigkeit zur Verfolgung unabhängiger Interessen
und Wechselkursmaßnahmen verlieren, die den
Freiraum gewähren, auf länderspezifische wirtschaftliche Störungen zu reagieren. Das ist im gegenwärtigen
Kontext von besonderer Bedeutung, weil die Fähigkeit
der Länder zum Einsatz von Haushaltsmaßnahmen als
antizyklisches Instrument gravierend beschränkt wird,

bis die Defizite und der Schuldenbestand auf ein
besser zu bewältigendes Niveau gesenkt werden. In
einem solchen Umfeld macht die EWWU strukturelle
Arbeitsmarkt- und langfristige Etatreformen zur
Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und Erlangung
soliden Wachstums noch erforderlicher.
Unter dem Aspekt, daß die EWWU einen Anreiz für die
von Europa einzuführenden Wirtschafts- und Strukturreformen bietet, wird sie eindeutig von Vorteil sein.
Wenn jedoch der die Währungsunion umgebende
Prozeß Europa von einigen seiner wirtschaftlichen und
strukturellen Herausforderungen ablenkt, wird er
Opportunitätskosten im Hinblick auf entgangenes
Wirtschaftswachstum mit sich bringen.
Ein erfolgreicher Übergang zur EWWU birgt das
Potential, die Fähigkeit Europas zur Inangriffnahme der
bedeutenden wirtschaftlichen Herausforderungen zu
verbessern, mit denen sich das Land konfrontiert sieht.
Die Vereinigten Staaten würden eine EWWU begrüßen, die einen glaubwürdigen, wachstumsorientierten
politischen Rahmen in Europa schafft, der mit beträcht-

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�liehen Fortschritten bei den mikroökonomischen
Hemmnissen für schnelleres Wachstum einhergeht.
Die EWWU und das globale Währungssystem
Ich möchte mich jetzt der Frage zuwenden, wie die
Europäische Währungsunion das globale Währungssystem beeinflussen würde. Die EWWU verspricht,
die dramatischste Veränderung im internationalen
Währungssystem seit dem Zusammenbruch des
Bretton Woods-Systems vor über 20 Jahren zu
werden. Sie ist ein außergewöhnliches Unterfangen
auf dem Gebiet von Währungsinnovationen. Mit
wenigen Ausnahmen gab es historisch stets ein
Verhältnis von 1:1 zwischen Ländern und Währungen.
Es gibt außergewöhnlich viele Spekulationen über die
Auswirkungen der EWWU auf den Stand des Dollar
und die Rolle des Dollar in dem System. Ich kann
diese Spekulationen für Sie heute nicht aus dem Weg
räumen. Wir spekulieren generell nicht über den
zukünftigen Wert existierender Währungen - seien sie
unsere oder andere. Diese Bescheidenheit erstreckt
sich zweifelsohne auf zukünftige Trends beim Wert
von Währungen, die noch nicht existieren. Mit diesen
generellen Einschränkungen möchte ich einige
generelle Anmerkungen über die möglichen Auswirkungen der EWWU auf das Währungssystem
insgesamt machen.
Grundsätzlich denke ich, daß der Dollar in absehbarer
Zukunft weiterhin die Hauptwährungsreserve bleiben
wird und jede weitere Aushöhlung seiner Stellung in
dem System - wenn sie geschieht - sich nur langsam
vollzieht. Es stimmt, daß die Rolle des Dollar als
Währungsreserve in den vergangenen zwei Jahrzehnten etwas abgenommen hat. Seit 1973, als der Dollar
ungefähr 76 Prozent der offiziellen Währungsreserven
ausmachte, ist sein Anteil an den Gesamtreserven um
rund zehn Prozentpunkte auf ungefähr 65 Prozent
gefallen. Einigen glauben, daß dieser Prozeß sich
drastisch beschleunigen wird, weil die Investoren den
Euro als attraktiveres Investitionsinstrument ansehen
als die einzelnen Währungen, die er ersetzt.
Meines Erachtens sind die Vorhersagen aus mehreren
Gründen stark übertrieben.
Erstens benötigen die Märkte wahrscheinlich etwas
Zeit, um sich an die neue Währung zu gewöhnen und
ihr zu vertrauen. Es braucht normalerweise Zeit, bis
sich Glaubwürdigkeit einstellt. Und selbst unter den
besten Bedingungen ist es vernünftig, eine gewisse
Unsicherheit zu erwarten, wie das neue währungspolitische Regime in Europa operieren und ob der
politische Kontext, in dem es operiert, zu einer Verpflichtung zu einer so soliden Preisstabilität führen
wird, wie sie die Bundesbank demonstriert.

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Zweitens wird die Revolution auf den europäischen
Finanzmärkten, die viele im Gefolge der EWWU
erwarten, nicht über Nacht stattfinden. Es stimmt, daß
der unmittelbare Effekt der EWWU eine substantielle
Ausweitung der in Euros denominierten Vermögenswerte sein wird - vielleicht ein mehrfaches derjenigen,
die jetzt in der D-Mark denominiert sind. Dennoch wird
es immer noch unterschiedliche Einschätzungen
bezüglich der Kreditrisiken der von den Mitgliedstaaten
ausgegebenen Staatsanleihen geben.
Und die
Bandbreite verfügbarer Instrumente könnte erst in
einiger Zeit denen der amerikanischen Kapitalmärkte
entsprechen.
Und schließlich darf man die Macht der Trägheit nicht
unterbewerten. Märkte können vorausschauend und
viele Teilnehmer zuversichtlich sein, daß sie letztlich
eine dramatische Verlagerung von anderen Währungen zum Euro beobachten können, aber Vorsicht ist
angesichts von Unsicherheit auch eine mächtige Kraft.
Der möglichen Rolle der Zentralbanken in diesem
Prozeß wurde sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet.
Man muß sich jedoch vor Augen führen, daß die
Aktionen der offiziellen Behörden von denen der
Privatinvestoren in den Schatten gestellt werden. Die
gesamten offiziellen Reserven der Vereinigten Staaten,
der Europäischen Union und Japans machen weniger
als fünf Prozent der gesamten ausstehenden Staatsverschuldung und einen etwas geringeren Prozentsatz
der gesamten finanziellen Vermögenswerte aus. Und
es ist zu diesem Zeitpunkt äußerst unklar, wie die
Regierungen - sogar in Europa - auf das Erscheinen
des Euro reagieren werden.
Einige Beobachter in Europa haben den Wunsch zum
Ausdruck gebracht, dem Euro aus Prestigegründen
eine dominante Reserverolle zukommen zu lassen.
Meines Erachtens verwechselt diese Sichtweise
Ursache und Wirkung. Prestige alleine wird kein
erfolgreiches wirtschaftliches Ergebnis bewirken.
Erfolgreiche wirtschaftliche Ergebnisse schaffen
Prestige. Letztlich wird es die Glaubwürdigkeit des
neuen makroökonomischen politischen Regimes in
Europa und sein Erfolg bei der Herbeiführung einer
dynamischeren Volkswirtschaft - nicht der Währungsunion per se - sein, die den Einsatz des Euro als
Währungsreserve entscheidet.
Aus allen diesen Gründen erwarten wir, daß der
Einfluß des Euro auf das Währungssystem anfänglich
ziemlich begrenzt ist und sich nur allmählich bemerkbar macht. Aus der amerikanischen Perspektive wäre
das beste Ergebnis ein solider - von soliden europäischen makroökonomischen Maßnahmen untermauerter - Euro.
Letztlich wird die Stellung des Dollar in dem System
wahrscheinlich mehr von den Entwicklungen in den
Vereinigten Staaten als denen in Europa oder Japan

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�abhängen. Wenn die Vereinigten Staaten einschneidende und glaubwürdige Maßnahmen beibehalten,
wird der Dollar eine solide Währung bleiben. Das
Schicksal des Dollar liegt immer noch im Großen und
Ganzen in unserer Hand.
Europas Rolle in der Welt
Ebenso wichtig für die potentiellen wirtschaftlichen
Auswirkungen der EWWU sind ihre potentiellen
Auswirkungen auf die Rolle Europas in der Welt und in
den internationalen Foren.
Dies ist nicht der Ort für Spekulationen über die
spezifischen Veränderungen der Institutionen des
Systems, das die Währungsunion letztlich benötigt. Es
gibt umfassendere Fragen bezüglich der möglichen
Entwicklung der G-7 und der Beteiligung Europas in
internationalen Foren wie den internationalen Finanzinstitutionen.
Diese Fragen müssen nicht unverzüglich angesprochen werden. Und unabhängig von der Art und Weise,
in der sie behandelt werden, ist entscheidend, daß
Europa aus dem Prozeß der EWWU mit der Fähigkeit
zur Übernahme einer aktiven, konstruktiven Rolle auf
der Weltbühne im Hinblick auf politische, währungspolitische und andere Themen hervorgeht.
Würde die EWWU die Politiker vom Handeln bei
innenpolitischen Herausforderungen ablenken, wäre
dies ebenso bedauerlich wie wenn sie Europa von den
das Land konfrontierenden wichtigen internationalen
Herausforderungen ablenken würde.
Von besonderer Bedeutung in diesem Zusammenhang
sind die Osterweiterung der EU, die europäische
Führungsrolle bei der Förderung der weiteren Integration in die Weltwirtschaft insgesamt und die
Fähigkeit Europas zur effektiven Zusammenarbeit mit
den Vereinigten Staaten und anderen Ländern bei der
Bewältigung anderer besonders besorgniserregender
Herausforderungen in der Weltwirtschaft.

*

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Die Europäische Union zieht jetzt eine größere
Erweiterung und Integration vieler der ehemaligen
Ostblocknationen in Betracht. Dies ist ein ehrgeiziges
Unterfangen, von dem die US-Regierung hofft, daß es
Erfolg hat. Obwohl die Herausforderungen groß und
die Kosten hoch sind, ist auch die potentielle Belohnung groß. Die EU-Erweiterung würde nicht nur
eine Chance zum Transfer von Technologie und
Kapital darstellen, sondern auch für einen Transfer
demokratischer und marktorientierter Institutionen und
Kulturen. Die Tatsache, daß dies eine europäische
Lösung für ein europäisches Problem wäre, bedeutet,
daß wir auf lange Sicht ihre Tragfähigkeit erwarten
können.
Mit Blick in die Zukunft muß Europa weiterhin seine
Märkte öffnen und seine Verbindungen zur Weltwirtschaft stärken. Das erfordert ein starkes Europa mit
einem EntScheidungsprozeß, der rasches und effektives Handeln auf der internationalen Bühne gestattet.
Und es erfordert, daß Europa nicht über die Maßen
durch die andauernde innenpolitische Beschäftigung
mit den politischen und wirtschaftlichen Dimensionen
des äußeren und inneren Aufbaus der Währungsunion
beschränkt wird.
Ich möchte dort abschließen, wo ich begonnen habe.
Letztlich muß die Entscheidung der Länder Europas,
wie sie diese nächste Phase der Integration angehen,
eine europäische Entscheidung sein.
Die Vereinigten Staaten haben großes Interesse an
dem zukünftigen Wachstum und Wohlstand der
Region. Unserer Interesse besteht in der Entwicklung
einer soliden und gesunden europäischen Wirtschaft,
die für die Weltmärkte offen ist.
Die Vereinigten Staaten werden erfolgreiche Bestrebungen uneingeschränkt unterstützen, die Europa die
Stärke und das Vertrauen verleihen, die es für Fortschritte bei den Reformen und der weiteren Integration
seiner Volkswirtschaft in die übrige Welt benötigt.

* * *

*

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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Nummer

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

Telex:08-85432

2 8 . J u n i 1972

26

Inhalt

DOKUMENTATION:
Der wahre Weg zum Frieden
Von Präsident Richard M. Nixon

Rush vor dem American Council on Germany
-Auszüge aus der Ansprache vom 19. Juni-

1NF0RMATI0N:

Walter J. Stoessel zum neuen Unterstaatssekretär für Europäische
Angelegenheiten nominiert

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

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T e I e x : 08 - 8 54 32

26/1972

DER WAHRE WEG ZUM FRIEDEN
Von Präsident Richard M. Nixon

(Nachdruck in deutscher Übersetzung aus
U.S. News &amp; World Report", Ausgabe vom
26. Juni 1972, Washington, D.C.)
Copyright (c) 1972, U.S. News &amp; World
Report, Inc.
Hinweis des Herausgebers:
Präsident Nixon begann mit der Analyse
der amerikanischen Außenpolitik - die
ausdrücklich für "U.S. News &amp; World Report"
geschrieben wurde - vor seiner historischen Reise nach Peking. Der Regierungschef überarbeitete und revidierte den
Artikel nach seiner Rückkehr aus China und
überarbeitete ihn erneut, als er von seinem
Gipfeltreffen in Moskau nach den Vereinigten
Staaten zurückflog. Er schloß die hier vorliegende endgültige Fassung am Sonntag, den
11. Juni, ab. Es ist der erste mit seinem
Namen gezeichnete Artikel, den Richard Nixon
seit seiner Amtsübernahme als Präsident
exklusiv und ausdrücklich für irgendeine
Publikation verfaßt hat.

1 -

�EINE NEUE AUSSENPOLITIK FÜR EINE NEUE WELT

Jede Generation kann zu Recht behaupten, daß sie in einer neuen Welt lebe.
Aber in unseren Zeiten hat sich die Welt rascher und tiefgreifender verändert
als je in einem Zeitalter zuvor. Eine intelligente Außenpolitik muß nicht nur
mit diesem Wandel Schritt halten, sondern sie muß ihm zuvorkommen; sie darf
sich nicht lediglich von der Woge der Geschichte tragen lassen, sondern sie
muß diese auf die großen Ziele hinzuwenden versuchen, an die wir als Nation
glauben.

In den letzten dreieinhalb Jahren hat die Außenpolitik der Vereinigten
Staaten umfassende und weitreichende Veränderungen durchgemacht - aber sie
hat auch eine grundsätzliche Folgerichtigkeit beibehalten. Wir haben unsere
Grundvorstellung der Zielsetzung Amerikas nicht aufgegeben, aber wir haben
den Weg eingeschlagen, auf dem diese Zielsetzung entsprechend den sich verändernden Umständen einer sich verändernden Welt verfolgt werden kann.
In den Jahren unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg waren die Vereinigten Staaten unausweichlich vor die Hauptverantwortung für die Aufrechterhaltung
des Friedens in der Welt und für die Unterstützung des Wiederaufbaus jener
Nationen gestellt, die vom Kriege verwüstet worden waren. Aber die Welt hat sich
seit jenen Tagen tiefgreifend verändert. Die Bedingungen, die die amerikanische
Politik damals bestimmten, haben sich fundamental gewandelt:
- Die Nationen Westeuropas und Japan, nach dem zweiten Weltkrieg niedergestreckt und erschöpft, erlebten mit unserer Hilfe einen ans Wunderbare gren zenden Wiederaufschwung. Unsere Verbündeten in aller Welt sind unabhängiger
und selbstsicherer geworden.
-Entwicklungsländer

�-Entwicklungsländer haben ebenfalls eine neue Kapazität gewonnen, um für
ihre eigene Sicherheit und ihr eigenes Wohlergehen zu sorgen. Heute werden die
meisten ihrer Entscheidungen von einem

neuen Gefühl der nationalen Autonomie

bestimmt.
- Die überwältigende Überlegenheit unserer früheren militärischen Macht
gegenüber der Sowjetunion hat einer ausgeglicheneren militärischen Gleichung
Platz gemacht. Unser militärisches Potential steht auch heute noch hinter niemandem zurück, aber wir können nicht länger erwarten, daß die bloße Tatsache
einer massiven amerikanischen Überlegenheit den Frieden überall auf Erden bewahren wird.
- Der solide Block kommunistischer Nationen, der uns nach dem zweiten
Weltkrieg gegenüberstand, ist heute kein solider Block mehr. Ja, so wie die
kommunistischen Nationen von der Solidarität zur Verschiedenheit gelangt sind,
sogar zur intensiven Rivalität in ihren Beziehungen untereinander, so haben
sie sich in der Periode nach Stalin von einer permanenten kriegerischen Haltung
zu einer Haltung der zumindest teilweisen Anpassung an die übrige Welt gewandelt.
Das Ergebnis all dieser Veränderungen war eine Bewegung weg von der
starren Bipolarität der vierziger und fünfziger Jahre und hin zu einer fliessenderen und heterogeneren, multipolaren internationalen Ordnung - einer Ordnung, die ausgewogener und stabiler ist, da sie auf breiteren und vielfältigeren Fundamenten ruht.
Als ich das Amt des Präsidenten übernahm, war ich unbedingt der Auffassung, daß die amerikanische Außenpolitik den amerikanischen Interessen nicht
förderlich sein konnte, wenn sie sich nicht sofort an diese neue diplomatische Landschaft anpaßte. Diese Anpassung - in ihrer einfachsten Form - erforderte von uns, daß wir größeren Nachdruck auf Verhandlungen mit unseren Gegnern und auf Partnerschaft mit unseren Verbündeten legten.
Diese
-3-

�Diese neuen Erfordernisse wiederum stellten uns sowohl vor harte Aufgaben
als auch vor erregende Möglichkeiten. Die Tatsache, daß wir bestimmte Aufgaben
nicht mehr allein erfüllen konnten, mag unsere Autonomie eingeschränkt haben,
aber sie hat auch einige unserer Bürden erleichtert. Die Tatsache, daß einfache
militärische Überlegenheit keine ausreichende Antwort mehr auf eine stärkere
und vielfältigere kommunistische Herausforderung war, komplizierte zwar unsere
Diplomatie, aber sie hat auch neue Wege zu Fortschritt und Frieden erschlossen.
Trotz all dieser Veränderungen hat sich eine Grundrealität nicht geändert:
Die Beteiligung Amerikas ist auch heute noch die conditio sine qua non jeder
stabilen und harmonischen internationalen Ordnung. Die reife Einsicht, daß wir
ganz allein den Frieden nicht machen können, darf nicht mit der gefährlichen
Illusion verwechselt werden, der Friede könne etwa ohne uns erreicht werden.
Wenn die Vereinigten Staaten den von den neuen Isolationisten befürworteten
Kurs verfolgen würden, dann wären Frieden und Freiheit in der Welt in tödlicher
Gefahr. Die neuen Verhältnisse der siebziger Jahre verlangen eine schöpferische
Neudefinition der amerikanischen Führungsrolle, nicht ihre verdrossene Aufgabe.
Wenn wir uns nach innen kehren würden, wenn wir unsere Verpflichtungen in
der Welt aufgeben würden, wenn wir uns in eine Orgie der Beschäftigung mit uns
selbst und der Selbstzufriedenheit stürzen würden, dann, so könnten wir sicher
sein, würde das Vakuum, das wir in der Weltpolitik hinterlassen würden, rasch
von anderen ausgefüllt. Wir könnten auch gewiß sein, daß eine solche Welt für
Amerika, für die Demokratie und für die Menschheit weniger sicher wäre.
Ein Verstecken vor den Realitäten würde weder Sicherheit noch Frieden
bringen. Zu viele Generationen haben bei zu vielen Gelegenheiten den schreckliehen Preis dafür bezahlt, daß sie, eigene Anstrengungen scheuend, den Weg
der Flucht vor der Welt gegangen sind.
Wir

-4-

�Wir haben nicht das Ziel, dieses Jahrhundert zu einem amerikanischen Jahrhundert zu machen - aber ebenso wenig können wir uns damit zufrieden geben, daß
es zu dem Jahrhundert wird, in dem Amerika in den Schatten gestellt wurde. Wir
können durch unsere eigenen Anstrengungen allein keine gerechte und stabile Weltordnung erreichen. Aber eine solche Ordnung kann ebenso wenig ohne die aktive
Beteiligung der Vereinigten Staaten aufgebaut werden.
Wir haben daher beschlossen,

unsere aktive Führungsrolle in der Welt wei-

terzuführen - ebenso wie wir beschlossen haben, diese Rolle auf neue Weise auszufüllen. Das fundamentale Ziel dieser Führung ist der Aufbau eines tragfähigen
und dauerhaften Gebäudes des Friedens.
Beim Aufbau eines Gebäudes des Friedens ist die wichtigste Überlegung,daß
eine Reihe von Abkommen, Vereinbarungen und Praktiken erreicht wird, durch die
diejenigen, die den Wandel anstreben, sich verpflichten, dies nur mit friedlichen Mitteln zu tun.
Das ist der Weg zu einer Generation des Friedens. Das ist das Kernstück
unserer Außenpolitik.
Diese Politik trägt bereits Früchte;
- Nach einer Generation der Feindseligkeit ist in unseren Beziehungen zur
Volksrepublik China eine neue und vielversprechendere Seite aufgeschlagen worden.
- Nach einer Ära der Konfrontation ist jetzt eine Ära der Verhandlungen
angebrochen, wie sich das am augenfälligsten aus dem ganzen Bereich unserer Gespräche und Abkommen mit der Sowjetunion ergibt.

-Nach

-5-

�- Nach einer Periode der Unsicherheit und Anpassung werden unsere Bündnisse erneuert und verstärkt.
Nach zehn Jahren des Krieges geht unser Engagement in Vietnam dem Ende
entgegen - auf eine Weise, die unsere Zielsetzungen intakt läßt und die zu
einem dauerhaften Frieden im Pazifik beitragen wird,
- Nach einem Jahrzehnt immer wiederkehrender Krisen ist der Anfang für
den Aufbau eines internationalen Währungssystems gemacht worden, das gegenüber
den Vereinigten Staaten und gegenüber der Welt fair ist.

DIE GIPFELTREFFEN

Das Fehlen einer gesunden Wechselwirkung, das zeitweilig an eine politische Lähmung der Beziehungen unseres Landes zu den beiden wichtigsten kommunistischen Mächten grenzte, war eines der gefährlichsten Elemente der Weltlage,
als diese Administration im Jahre 1969 ihr Amt übernahm. George Washingtons
einsichtige Warnung aus der Napoleonischen Zeit - daß ein Frönen in "ewigen,
eingefleischten Antipathien gegen bestimmte Nationen" eine Nation "zum Sklaven
ihrer (eigenen) Animosität" machen würde - hatte in der Ära des Kalten Krieges
neue Bedeutung bekommen - und zwar in noch viel schlimmerem Maße, da jetzt die
Arsenale aller drei an diesem tödlichen Patt beteiligten Mächte von Raketen und nicht, wie in Washingtons Zeiten, von Musketen - starrten. Wir kamen 1969
zu der Erkenntnis, daß wir, wenn die Welt von der Konfrontation als Lebensform
befreit werden sollte, neue Beziehungen sowohl zur Sowjetunion als auch zur

-6-

�zur Volksrepublik China entwickeln mußten.
Als wir dieses Ziel verfolgten, erkannten wir, daß in den Erwartungen der
kommunistischen Führer gewisse Änderungen eingetreten waren. Welche Hoffnungen
sie auch immer gehegt haben mochten, daß die kapitalistischen Nationen in einer
Wolke des marxistischen Dogmas zusammenbrechen würden - diese Hoffnungen hatten
sich zerschlagen. Dementsprechend waren sie soweit, daß sie nach Wegen suchten,
um mit den Vereinigten Staaten, einem Westeuropa

und einem freien Asien zu-

sammenzuleben, die stärker und nicht schwächer wurden, die genug Erfahrung hatten, was es heißt, nicht vorbereitet zu sein, und die daher ihren Schild festhielten und ihn nicht etwa senkten.
Dies war eine Änderung in der Politik von profunder Bedeutung. Es ist jedoch wichtig, zu erkennen, daß es sich um einen verstandesmäßigen Wandel und
nicht um eine Änderung der Gesinnung handelte. Es war eine rationale, berechnete Erkenntnis, daß die alte Taktik nicht funktionieren würde.

Weder die Sowjetunion noch China haben ihre besondere Weltanschauung
aufgegeben. Beide haben jedoch den Gedanken akzeptiert, daß ihren eigenen besten
Interessen durch Verhandlungen besser gedient ist als durch Konfrontation. Wir
waren der gleichen Auffassung bezüglich des besten Weges, den amerikanischen Interessen zu dienen. Damit begann eine Reihe von Initiativen, die in diesemJahr
in dem ersten Besuch eines amerikanischen Präsidenten in Peking und Moskau
gipfelten.
Mit China war die Einleitung vielleicht dramatischer, da die Feindseligkeit
und Isolation zwischen uns stärker gewesen waren. Bevor ich Präsident wurde,
hatte ich bereits 1967 in der Viertel Jahresschrift "Foreign Affairs" geschrieben:
Auf

-7-

�Auf lange Sicht gesehen können wir es uns einfach nicht leisten, China
auf ewig außerhalb der Völkerfamilie zu lassen - um dort seinen Phantasien nachzugehen, seinen Haß zu pflegen

und seine Nachbarn zu bedrohen.

Auf diesem Planeten ist kein Platz dafür, daß eine Milliarde seiner potentiell fähigsten Bewohner in zorniger Isolation leben könnte.

Von den ersten Tagen dieser Administration an geduldig verfolgt, begann
diese treibende Kraft die Dinge vorwärts zu bewegen - zunächst kaum bemerkbar,
dann vor einem Jahr mit dem ersten diplomatischen Kontakt auf hoher Ebene seit
dem Korea-Krieg und dann schließlich im Februar dieses Jahres mit meiner
"Friedensreise" nach Peking.
Mit dieser Reise begannen wir eine Kluft zu überbrücken, die durch 22 Jahre bitteren Schweigens zwischen der mächstigsten Nation dieser Erde und der
volkreichsten Nation dieser Erde vertieft worden war. Wir haben demonstriert,
daß Nationen mit sehr tiefen und fundamentalen Differenzen diese Differenzen
ruhig, vernünftig und offen erörtern können, ohne ihre Grundsätze preiszugeben oder ihre Lebensinteressen zu opfern.

Unsere Zusammenkünfte mit den chi-

nesischen Führern erbrachten keinerlei Zauberformeln, durch die unsere Differenzen beseitigt würden. Wir haben jedoch einen wichtigen Anfang in Richtung
auf eine Ausweitung der Kontakte auf kulturellem und journalistischem Gebiet
sowie auf dem Bildungssektor, in Richtung auf eine Ausweitung des Handels und
in Richtung auf eine Stärkung und Erweiterung der von uns geschaffenen Kommunikationen gemacht.
Am wichtigsten war jedoch, daß wir Übereinstimmung über einige grundlegende Prinzipien des internationalen Verhaltens erzielten, die das Risiko einer
Konfrontation und eines Krieges in Asien und im Pazifik verringern werden. Wir
stimmten darin überein, daß wir gegen die Beherrschung des pazifischen Raumes
durch irgendeine Macht sind. Wir stimmten darin überein, daß internationale
Streitigkeiten ohne Anwendung oder Androhung von Gewalt beigelegt werden sollten, und wir stimmten darin überein, dieses Prinzip auf unsere Beziehungen zueinander anzuwenden. Und wir erreichten diese Übereinstimmung, ohne irgendwelche unserer früheren Verpflichtungen gegenüber der Republik China (Anmerkung

�(Anmerkung der Redaktion: die nationalchinesische Regierung auf Formosa)
oder gegenüber unseren anderen Freunden aufzugeben.
Alles in allem war der Besuch ein großer erster Schritt in Richtung
auf die Anbahnung eines ständigen fruchtbaren Dialogs mit der Volksrepublik China und zwar in einer Weise, die zum Frieden nicht nur im Pazifik,
sondern in der gesamten Welt beitragen wird. Der zweite Schritt und weitere
Schritte erfolgen bereits mit den Besuchen führender Mitglieder unserer
Legislative in Peking, mit periodischen Botschaftertreffen in Paris und
durch andere Kontakte, die noch vor einem Jahr unmöglich erschienen wären.
Bei der Absteckung des Kurses für bessere Beziehungen zur Sowjetunion
sahen wir uns einer völlig anderen und in vieler Hinsicht komplexeren
Situation gegenüber, als dies im Hinblick auf Peking der Fall war. Die
UdSSR verfolgte Ende der sechziger Jahre, wie dies die Vereinigten Staaten
seit langem getan hatten, eine globale Außenpolitik; jeder von uns verfolgte Interessen und Aktivitäten, die mit denen des anderen an zahlreichen
Punkten auf der Welt zusammenprallten. Jeder von uns verfügte über ein
nukleares Potential, das, falls ein totaler

Krieg ausbrechen sollte, die

gesamte Zivilisation vernichten konnte.
Schon diese letztere Tatsache allein sprach nachdrücklich für ein
amerikanisch-sowjetisches Treffen auf höchster Ebene, um zur Verringerung
der Kriegsgefahr beizutragen. Aber die konkrete Realität unserer Differenzen
- und der Rüstungen, die auf diese Differenzen zurückgehen - bedingte ebenfalls, daß jede lohnende Gipfelkonferenz dem entsprechend konkrete Aussichten für Regelungen bei einigen der wirklich schwierigen Streitfragen
bieten muß. Die bloße Atmosphäre eines Gipfeltreffens wäre, so glaubten
wir, schlimmer als nichts; zu oft in der Vergangenheit hatte die Welt
eine falsche Euphorie erlebt, der "Geist" dieses oder jenes Tagungsortes
führte nur zu Selbstgefälligkeit, Fehleinschätzung und Enttäuschung..
Wir
- 9-

�Wir schlugen daher einen Weg ein, der die amerikanischen und die sowjetischen Führer nicht wie bisher "per Luftbrücke" auf den Gipfel brachte - mit der
sich daraus ergebenden Notwendigkeit, in Hast und mit wenig Gepäck zu reisen
und rasch wieder in die Niederungen der alten Beziehungen zurückzukehren sondern auf einer festen, bis zum Gipfel ausgebauten Straße, so daß das schwere
Verhandlungsgepaeck mitgeführt werden konnte und echte Erfolge erzielt werden
konnten. Wir traten daher auf einem weiten Fragenbereich mit den Sowjets in
Verhandlungen ein - in der Hoffnung, ein Erfolgsklima zu schaffen, so daß Fortschritte auf einem Gebiet zu Fortschritten auf anderen führen würden.
Dieser Auftrieb wurde erreicht. Auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle erlebten wir nicht nur, daß der Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen zustandekam,

sondern die Vereinigten Staaten und die UdSSR erzielten

auch eine Einigung über Verträge, die eine Stationierung von Massenvernichtungswaffen im Meeresbett untersagen und den Besitz und die Herstellung biologischer
und toxischer Waffen verbieten. Unsere Gespräche über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen erbrachten Übereinstimmung über einen zuverlä^sigeren"heißen
Draht" als Kommunikationsmittel zwischen Washington und Moskau sowie über Maßnahmen zur Notifizierung und Konsultation mit dem Ziel, das Risiko eines ungewollten Nuklearkrieges zu verringern. Ebenso erzielten wir einen bedeutsamen
Fortschritt in Richtung auf eine Einschränkung der nuklearen Rüstungen, wobei
meine persönliche Intervention wie auch die der sowjetischen Führer dazu beitrugen, an mehreren Stellen einen toten Punkt in den Verhandlungen zu überwinden.
Gerade dieser Fortschritt bei den Gesprächen in Wien und Helsinki ebnete
schließlich zusammen mit dem historischen Viermächte-Abkommen über Berlin im
vorigen Herbst den Weg zum Moskauer Gipfel.
Die Pläne für dieses Treffen wurden durch die Ereignisse,die in den sieben
Monaten zwischen ihrer Bekanntgabe im Oktober und meiner Reise im Mai eintraten, nicht verändert - eine Tatsache, die in krassem Gegensatz zu der Zerstörung

-lo-

�Zerstörung der Gipfelhoffnungen im Jahre i960 durch den U»2-Zwischenfall und
im Jahre 1968 durch die Invasion der Tschechoslowakei stand. Das allein schon
war ein Beweis für eine neue Reife und Stabilität in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen.
Die Ereignisse in Moskau im Mai erhärteten dies voll und ganz. Wenn wir
auch keinen sofortigen Frieden aushandelten oder eine unvollkommene Welt über
Nacht vollkommen

machten oder ein Viertel Jahrhundert grundlegender Differen-

zen zwischen uns ausräumten, so haben wir doch die Grundlagen fuer neue Beziehungen zwischen den beiden mächtigsten Nationen der Erde geschaffen. Kennzeichen für diese neuen Beziehungen sollen sein gegenseitige Achtung und
Gleichberechtigung, Beilegung von Meinungsverschiedenheiten ohne Anwendung
oder Androhung von Gewalt sowie die Heraushebung von Gebieten der Zusammenarbeit und nicht von Streitpunkten.
Unsere Abkommen über gemeinsame amerikanisch-sowjetische Bemühungen zur
Bekämpfung der Umweltverschmutzung und zur Förderung der medizinischen Forschung
und des öffentlichen Gesundheitswesens sowie über eine Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie dürften im Laufe der Zeit immer mehr an Umfang zunehmen und so ein ständig wachsendes, festbegründetes Interesse am Frieden zwischen
unseren beiden Ländern schaffen. Das dramatische Abkommen über eine Zusammenarbeit im Weltraum, einschließlich eines Apollo-Sojus-Rendezvous und eines Andockens im Jahre 1975 weist in dieselbe Richtung. Das gleiche gilt für das umfassende Handelsabkommen, das von der amerikanisch-sowjetischen Handelskommission, die wir auf dem Gipfeltreffen eingesetzt haben, in einigen Monaten ausgearbeitet werden dürfte.
Aber wir haben in Moskau mehr getan, als nur wertvolle Brücken auf diesen
relativ wenig kontroversen Gebieten zu schlagen; wir haben uns direkt mit den
großen militärischen Fragen befaßt, die zwischen uns stehen.
Was Europa anbetrifft, so bestand beiderseitiges Einvernehmen, den Abbau
der Spannungen fortzusetzen, der mit dem kürzlichen Berlin-Abkommen und den
-11-

�westdeutschen Verträgen begann. Sondierende Konsultationen werden in Kürze beginnen und sollen zu einer Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sowie zu gesonderten Gesprächen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa führen.
Angesichts der Gefahren, die sich aus Berührungen auf hoher See zwischen
den beiden größten Flotten der Welt ergeben könnten, haben wir das erste von
Mj iitär zu Militär auf hoher Ebene erzielte amerikanisch-sowjetische Abkommen
seit dem Ende unserer Allianz während des zweiten Weltkrieges abgeschlossen,
das Flottenzwischenfälle verhindern soll.
Und schließlich, was für die Friedensaussichten am wichtigsten isl, haben
wir ein beispielloses Abkommen über die Begrenzung der strategischen nuklearen
Raketenstreitkräfte der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion unterzeichnet .
Der Vertrag, der jedem der beiden Länder nur zwei ABM-Abschußgebiete zugesteht und das Interimsabkommen, das bestimmte Arten von Offensivraketen auf fünf
Jahre einfriert, kennzeichnen den Anfang vom Ende des unkontrollierten nuklearen
Wettrüstens, das 1945 einsetzte. Sie stärken die Sicherheit beider Vertragspartner, während sie gleichzeitig die Gefahr eines weltweiten Krieges wesentlich
verringern. Die Verträge wahren das bestehende strategische Gleichgewicht, indem
Waffenkategorien eingefroren werden, bei denen wir ohnehin vor 1977 keine neuen
Systeme hätten dislozieren können und bei denen die UdSSR dies in großer Zahl
hätte tun können und getan hätte. Auf diese Weise wird eine Situation aufrechterhalten, in der die Verteidigung der Vereinigten Staaten voll ausreichend ist
und hinter niemandem auf der Welt zurücksteht.
Beide Seiten standen praktisch vor der Wahl, die Rüstungen zu beschränken
oder dem Wettrüsten freien Lauf zu lassen - und bei einem solchen Wettrüsten
würde es keine Gewinner, sondern nur Verlierer geben. Weder die Vereinigten Staaten noch die Sowjetunion würden auf lange Sicht eine Situation zulassen, in
der der eine den anderem mit einem so überwältigenden nuklearen Vorteil konfron-

-12-

�konfrontieren würde, wie ihn die Vereinigten Staaten zum Zeitpunkt der kubanischen Raketenkrise im Jahre 1962 besaßen. Bliebe die nukleare Rüstungsschraube weiterhin unkontrolliert, so würde dies ein Wettrüsten auslösen,
bei dem keine Seite etwas zu gewinnen hätte, denn jede Seite würde glauben,
daß sie es sich nicht leisten könnte, die andere gewinnen zu lassen.

Das in Moskau Erreichte war natürlich nur ein Anfang; in jedem Bereich,
in dem Fortschritte erzielt wurden, liegt noch ein langer Weg vor uns. In
Indochina und im Nahen Osten müssen gerechte und dauerhafte Friedensregelungen erreicht werden; die Entspannung in Europa muß von einer Chance zu
einer Realität werden; die Verhandlungen über eine Rüstungsbegrenzung müssen
in Richtung auf eine ständige Beschränkung der Offensivwaffen vorangetrieben
werden.

Ich glaube jedoch, daß eine gute Grundlage für den Fortschritt geschaffen
worden ist

- sowohl durch die auf dem Gipfeltreffen unterzeichneten spezi-

fischen Abkommen wie auch durch die Erklärung, die "die Grundsätze für die
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken" aufzeigt, und über die am letzten Tage
meines Aufenthalts in Moskau Einigung erzielt wurde. Die in diesen Grundsätzen niedergelegten beiderseitigen Verpflichtungen - direkte Konfrontationen zu vermeiden; Zurückhaltung zu üben und bei kleineren Konflikten,
die einen größeren Krieg auslösen könnten,konstruktiv einzuwirken, keine besonderen Privilegien oder Einflußsphären für sich zu beanspruchen; das Schwergewicht in unseren Beziehungen auf Konsultation, Verhandlung und Zusammenarbeit zu legen - alle diese Versprechen bedeuten eine Abwendung von den Formen
einer feindseligen Vergangenheit und eine Hinwendung zu einer gesicherten
und offeneren Welt.

So wie die Verhaltensnormen, auf die wir uns mit den chinesischen Führern
in Peking einigten, so müssen sich diese Grundsätze jetzt in der Praxis bewahren. Wenn sie sich jedoch bewährt haben, dann befindet sich die Welt wirklich auf dem Wege von einer Zeit der Gipfeltreffen zu einer Generation oder noch mehr - eines dauerhaften Friedens
Es
- 13 -

�Es wäre ein Fehler, jedes dieser Gipfeltreffen als ein Allheilmittel
für die Krankheiten der Welt zu betrachten. In der Weltpolitik sind Präparate, die als "Universalmittel" angepriesen werden, nur zu oft giftig.
Ein Grund, warum die Gipfeltreffen so erfolgreich verliefen, war, daß ihre
Zielsetzungen so realistisch waren. So sagte ich in meiner Tischrede zu
dem chinesischen Volk, "aber wenn wir auch die Kluft zwischen uns nicht
schließen können, so können wir doch versuchen, sie zu überbrücken, so
daß wir über sie hinweg miteinander sprechen können"; und an das sowjetische
Volk gewandt sagte ich, "wir werden manchmal Konkurrenten sein, aber wir
brauchen niemals Gegner zu sein". Ähnlich im Motiv,aber voneinander unabhängig in der Konzeption,haben diese beiden Treffen uns unserem großen
Ziel näher gebracht: Das Ende der ständigen Konfrontation zwischen der
freien Welt und den kommunistischen Mächten und die Schaffung besserer Beziehungen der Vereinigten Staaten zu allen Völkern der Welt.

UNSERE BUNDNISSE BLEIBEN LEBENSWICHTIG

Der Energie, mit der wir neue Beziehungen zu denen suchten, die unsere
Gegner waren, kamen auch in jeder Beziehung unsere Bemühungen gleich, einen
neuen Geist der Partnerschaft in unseren Beziehungen zu unseren Freunden zu
schaffen.

So erklärte ich vor dem Kongreß nach meiner Rückkehr aus Moskau:

"Die Erhaltung der Stärke, der Integrität und Festigkeit unserer
Bündnisse in der freien Welt ist die Grundlage, auf der alle unsere
anderen Initiativen für Frieden und Sicherheit in der Welt basieren
müssen. Während wir bessere Beziehungen zu jenen suchen, die unsere
Gegner waren, werden wir unsere Freunde und Verbündeten in der Welt
nicht aufgeben."

Die
- 14 -

�Die Tatsache, daß unsere Freunde und Verbündeten heute stärker sind,
bedeutet, daß wir alle Überreste eines Paternalismus ablegen wie auch alle
Erwartungen aufgeben können und sollten, daß unsere Vorschriften stets und
automatisch befolgt würden. Das bedeutet, daß wir von unseren Verbündeten
erwarten können und werden, daß sie in verstärktem Maße zu den menschlichen
und physischen Hilfsquellen beitragen, die für Verteidigung und Entwicklung
überall auf der Welt erforderlich sind. An uns liegt es jedoch, sie dabei
nicht im Stich zu lassen, sondern uns ihnen bei diesen Bemühungen anzuschließen.

Eine ausgewogene Neuordnung der Pflichten wird sich auf das neue Selbstvertrauen stützen können, das viele unserer Freunde jetzt zeigen - ja sie
wird sogar helfen, es zu fördern. Eine achtlose Vernachlässigung unserer
Pflichten würde jedoch dieses Selbstvertrauen untergraben und den Frieden
gefährden.
Die Sicherheit des atlantischen Bündnisses und die Stärke und das
Wohlergehen der atlantischen Welt haben immer Ecksteine der amerikanischen
Politik seit dem zweiten Weltkrieg gebildet. Das ist auch heute noch der Fall.

Einer meiner ersten Schritte als Präsident war es, mitzuhelfen, das NATOBündnis zu stärken, das damals 20 Jahre alt war und von dem viele meinten,
daß es eine stolze Vergangenheit, aber keine Zukunft habe. Bei der Wiederbelebung dieses Bündnisses haben wir klargestellt, daß nach unserer Ansicht
die Tage des amerikanischen Übergewichts in der NATO vorbei seien; haben wir
den Konsultationsprozeß innerhalb des Bündnisses erweitert; und haben wir
die Initiative dabei ergriffen, seinen Aufgabenkreis - durch den Ausschuß
für die Aufgaben der Modernen Gesellschaft - zu erweitern, so daß nun ein
weiter Bereich von sozialen, umweltlichen und technischen Problemen erfaßt
wird, denen sich die Industriestaaten heute gegenübersehen.

Die Ergebnisse waren ermutigend. Die Nachrufe, die Ende der sechziger
Jahre der NATO so gerne gezollt wurden, erwiesen sich entschieden als verfrüht; und in den ersten Jahren dieses siebten Jahrzehnts waren nur noch

- 15 -

�noch wenige zu hören. Die NATO hat nicht nur die Sicherheit Westeuropas bewahrt, sondern ihre europäischen Mitglieder einigten sich 1970 darauf, zusätzlich eine Milliarde Dollar an Sicherheitskosten zu übernehmen, und 1971
übernahmen sie eine weitere Milliarde Dollar der Verteidigungslasten, Inzwischen ist die Bewegung in Richtung auf eine wirtschaftliche und politische
Zusammenarbeit in Europa - dazu gehört auch das Abkommen über den Beitritt
Großbritanniens, Irlands, Dänemarks und Norwegens in den Gemeinsamen Markt in einer Weise vorangeschritten, die große Verheißungen für die Zukunft in
sich birgt.

Auf der anderen Seite der Welt, im Pazifik, haben wir der Erhaltung der
Starke unserer Bindungen an Japan besondere Aufmerksamkeit geschenkt - und
wir haben diese Bindungen durch unser freiwilliges Abkommen über die Wiedervereinigung von Okinawa mit den japanischen Heimatinseln noch verstärkt. Aufgabe für die siebziger Jahre ist es, unsere Bindungen an Japan neu zu gestalten und zu stärken, von dem Paternalismus, der für unsere Beziehungen
nach dem zweiten Weltkrieg charakteristisch war, ab - und zu ein.?r reiferen
Partnerschaft überzugehen, die den Realitäten der neuen wirtschaftlichen
Dynamik Japans mehr angemessen ist.

In manchen Kreisen ist man geneigt, auf die Enttäuschungen des südostasiatischen Konflikts und auf die Lasten, die sich in dem Viertel Jahrhundert
der Führungsrolle Amerikas nach dem zweiten Weltkrieg angehäuft haben, zu
negativ zu reagieren. Es gibt Amerikaner, die das Gute wollen, aber weltmüde
sind und die das Pendel von der Vorherrschaft - als dem einen Extrem - in
mangelndes Selbstvertrauen - als dem anderen Extrem - umschlagen lassen
möchten; von der Gefahr einer zu starken Ausweitung zur Gefahr einer zu
starken Hinwendung nach innen

Diese Menschen hoffen - und manche andere be-

fürchten - daß die neue Doktrin dieser Administration einen einseitigen Rückzug aus der Welt verschreibe.

Solche Beobachter irren in bezug auf das, was unser Land tun sollte, und
in bezug auf das, was diese Administration tut. Der Vogel Strauß ist nicht
dabei, den Adler abzulösen.
Natürlich
- 16 -

�Natürlich ist es uns gelungen, die militärische Präsenz Amerikas im
Ausland, nicht nur in Vietnam, sondern auch anderswo, wesentlich zu verringern. Das ist jedoch eine Folge der wachsenden Stärke unserer Verbündeten
und kein Überbordwerfen unserer Verpflichtungen. Eine wirksame amerikanische
Präsenz im Ausland und ein starkes militärisches Hilfsprogramm in zahlreichen
freien Ländern werden auch weiterhin auf absehbare Zeit hinaus erforderlich
sein.

Wir können von anderen erwarten, daß sie sich stärker an den Wirtschaftshilfeanstrengungen beteiligen. Aber auch hier müssen wir eine starke führende
Stellung beibehalten - das ist der Grund, warum Kongreß und Exekutive zusammenarbeiten müssen, um eine neue Einstellung zur Auslandshilfe zu entwickeln.

Wir legen großes Gewicht auf Verhandlungen mit potentiellen Gegnern.
Aber wir haben nicht die Absicht, altbewährte Freundschaften wegzugeben.
Unsere Verhandlungen können und sollten die Schranken gegenüber unseren
Gegnern abbauen; aber wir werden weiterhin jede Vorsichtsmaßnahme treffen,
daß sie keine Schranken gegenüber unseren Freunden aufrichten.

DIE NIXON-DOKTRIN
Was als Nixon-Doktrin bekannt geworden ist, ist im wesentlichen ein
Plan zur Stärkung unserer Bündnisse, für eine gerechtere Verteilung der Lasten
der Friedenswahrung, für die umfassendere Beteiligung von mehr Nationen an
der Aufgabe der Sicherung ihrer eigenen Verteidigung und für die Mitwirkung
an der Garantie, daß künftige Konflikte, die die zentralen Interessen der
Großmächte nur am Rande berühren, diese nicht direkt in diese Auseinandersetzungen mit hineinziehen.
Kleine

�Kleine Länder können kleine Kriege beginnen, aber nur die Großmächte
können große Kriege auslösen. Die gesarate Welt hat ein ungeheures Interesse
daran, daß die nuklearen Arsenale derjenigen Nationen, die sie besitzen,
niemals benutzt werden.

Natürlich erhoffen wir alle eine Welt, in der es niemals Kriege irgendeiner Art geben wird. Aber dennoch müssen wir auf die Möglichkeit vorbereitet
sein, daß zwischen kleineren Nationen Streitfälle ausbrechen und diese den
Einsatz von Waffen mit sich bringen werden.
Seit Ende des zweiten Weltkrieges hat es über hundert bewaffnete Konflikte der einen oder anderen Art zwischen Nationen gegeben. Wenn auch unser
letzliches Ziel die Ausschaltung solcher Konflikte überhaupt ist, so muß
unser unmittelbares Ziel doch die Verhinderung der Auslösung eines katastrophalen Krieges globalen Ausmaßes sein.
In meiner Botschaft über die Lage der Nation vom Januar dieses Jahres
habe ich die Nixon-Doktrin wie folgt umrissen:

- Wir werden eine ausreichende nukleare Abschreckung aufrechterhalten,
um jeder Bedrohung der Sicherheit der Vereinigten Staaten oder unserer Verbündeten zu begegnen.

- Wir werden anderen Nationen helfen, das Potential für ihre eigene Verteidigung aufzubauen.

- Wir werden getreulich alle unsere vertraglichen Verpflichtungen erfüllen.
- Wir werden handeln, um unsere Interessen zu verteidigen, wann immer
und wo immer diese irgendwo auf der Welt bedroht sind.
- Wo jedoch

unsere Interessen oder unsere vertraglichen Verpflichtungen

nicht berührt werden, wird unsere Rolle begrenzter Natur sein.
- Wir
- 18 -

�- Wir werden militärisch nicht intervenieren.
- Wir werden jedoch unseren Einfluß zur Verhinderung von Kriegen
geltend machen.
- Falls es zu einem Kriege kommt, werden wir unseren Einfluß zum
Tragen bringen, um ihm Einhalt zu gebieten.
- Sobald ein Krieg vorüber ist, werden wir unseren Teil dazu beitragen, um die Wunden jener heilen zu helfen, die daran beteiligt
waren.

VIETNAM
Ein Gebiet, in dem sich unsere neuen Methoden der Außenpolitik vor eine
ganz besondere Aufgabe gestellt sahen, war Vietnam. Wir sind dieser großen
Herausforderung während der letzten dreieinhalb Jahre erfolgreich begegnet.
Wir ziehen aus Vietnam ab, aber wir tun dies mit intakten Zielsetzungen.

Als diese Administration ihr Amt übernahm, beherrschte der Vietnamkrieg
die Aufmerksamkeit Amerikas. Er beschäftigte unsere Gemüter, er zehrte an
unseren Hilfsquellen und stellte unsere Geduld auf eine harte Probe.

Bei meiner Amtsübernahme waren nahezu 550 000 amerikanische Soldaten
in Vietnam stationiert, und es gab keinen Plan für ihre Rückführung. Die
Zahl der im Kampf gefallenen Amerikaner belief sich auf durchschnittlich
über 1000 im Monat. Die zunehmende Amerikanisierung des Krieges zusammen
mit einer paternalistischen Einstellung gegenüber den Vietnamesen hatte
unsere Verbündeten demoralisiert, während gleichzeitig unser eigenes Engagement eskalierte.

Angesichts dieses doppelten Problems gingen wir sofort auf zwei Gleisen vor: Einerseits machten wir ernsthafte und anhaltende Anstrengungen,
um den Krieg so rasch wie möglich durch eine Regelung auf dem Verhandlungswege zu beenden. Andererseits gingen wir daran, die Südvietnamesen sowohl

- 19 -

�sowohl militärisch als auch psychologisch darauf vorzubereiten, die Hauptlast ihrer eigenen Verteidigung für den Fall zu übernehmen, daß die Verhandlungen keinen Erfolg haben sollten.
Heute kennt jeder die Intensität, mit der wir die offene wie auch die geheime Diplomatie einsetzten,um zu einer Lösung auf dem Verhandlungswege zu gelangen. Die südvietnamesische Regierung hat bei diesem Bemühen in vollem Umfang mit uns zusammengearbeitet. Gleichzeitig haben die Regierung und die Bevölkerung Südvietnams energisch daran gearbeitet, neue und repräsentative konstitutionelle Prozesse in Gang zu setzen, während ein Krieg um das nationale
Überleben geführt wurde. Nur wenige Länder haben in der Geschichte mitten im
Kriege den Aufbau repräsentativer Institutionen versucht, und noch weniger
haben dabei die Erfolge erzielt, die Südvietnam erreicht hat. Und im Zuge der
ständigen Rückführung der amerikanischen Truppen haben die Südvietnamesen kontinuierlich - und in den meisten Fällen erfolgreich - die Kampftatigkeit auf
sich genommen.
Als Nordvietnam am Ostarwochenende dieses Jahres seine massive Invasion
des Südens begann, wurde der Krieg in diesem belagerten Land plötzlich und in
augenfälliger Weise wieder eskaliert, und der Charakter der Kämpfe änderte
sich.
Nachdem Hanoi fast seine gesamte Armee außerhalb seiner Grenzen aufmarschieren ließ, konnte man nicht mehr behaupten, daß es sich hier um einen Bürgerkrieg
handele. Panzer, schwere Artillerie, Schützenpanzer, modernste Boden-Luft-Raketen sowie 12 Divisionen der regulären nordvietnamesischen Armee, die in Südvietnam einfielen, änderten den Charakter der Kämpfe völlig. Es hat nicht nur
keinen Aufstand in Südvietnam gegeben, sondern der Flüchtlingsstrom führte in
allen Fällen von den "Befreiern" weg und hin zur Sicherheit hinter den südvietnamesischen Linien. Nordvietnam hat damit auch die letzte fadenscheinige Rechtfertigung verloren, den Konflikt als etwas anderes als eine brutale bewaffnete
Aggression seitens des kommunistischen Nordens gegen ein Südvietnam hinzustellen, das um die Wahrung seiner Unabhängigkeit kämpft.
Diese
-20-

�Diese massive nordvietnamesische Invasion stellte uns vor eine neue
Situation. Sie erforderte eine massive Reaktion - durch die südvietnamesischen
Streitkräfte zu Lande, durch kombinierte südvietnamesische und amerikanische
Luftangriffe

und durch amerikanische Seestreitkräfte.

Diese Reaktion wurde eingeleitet. Gleichzeitig unternahmen wir eine
weitere wichtige Anstrengung, um den Krieg durch Verhandlungen zu beenden
- durch die Mission Dr. Kissingers in Moskau und durch unsere Rückkehr an
den Verhandlungstisch in Paris. Die Antwort der Nordvietnamesen machte jedoch
klar, daß sie auch weiterhin nicht bereit waren, zu einer Regelung zu gelangen, außer zu Bedingungen, die Südvietnam eine kommunistische Regierung aufzwingen würden.
Angesichts der andauernden Invasion Hanois und seiner Unnachgiebigkeit
am Konferenztisch beschloß ich am 8 Mai,

entscheidende militärische

Maßnahmen zu ergreifen, um damit zu einer baldigen Beendigung des Krieges
beizutragen. Nachdem ich sorgfältig alle damit zusammenhängenden Überlegungen
abgewogen hatte, gab ich meine Entscheidung bekannt, alle Einfahrten nordvietnamesischer Häfen zu verminen,und wies unsere Streitkräfte an, die Anlieferung
aller Nachschubgüter zu unterbinden und alle Schienen - wie andere Verbindungswege im größtmöglichen Ausmaß abzuschneiden. Diese Maßnahmen waren gegen
keine andere Nation gerichtet, Sie waren lediglich dazu bestimmt, Hanoi die
Waffen und Nachschubgüter zu verwehren, die es zur Fortsetzung seiner Aggression benötigt.
Diese rasche und wirksame Antwort war aus verschiedenen Gründen notwendig.
Erstens war sie notwendig,
zu schützen

um unsere in Vietnam verbliebenen Truppen

und um den Hebel in der Hand zu behalten, der erforderlich ist, um

die Freilassung unserer Kriegsgefangenen zu bewerkstelligen. Zweitens war sie
im Interesse der 18 Millionen Menschen in Südvietnam notwendig, die durch mehr
als 20 Jahre Krieg erschöpft und gequält worden sind

-21-

und die - legt man auch

�auch nur die mindeste Norm der internationalen Moral, des Völkerrechtes
oder des menschlichen Anstandes zugrunde - ein Recht darauf haben, ihr eigenes
Schicksal zu bestimmen und es nicht durch eine Invasionsarmee aufgezwungen zu
bekommen.
Drittens war sie im Interesse der künftigen Stabilität in Südostasien
erforderlich. Nachdem sich nordvietnamesische Armeen bereits in Laos und Kam
bodscha befinden, nachdem Hanoi bereits einen immer stärker werdenden Aufruhr
in Thailand unterstützt, wäre die Gefahr für alle Nachbarn Vietnams gestiegen - wie die Führer dieser Länder dies auch betont haben - hätte man es zugelassen, daß dieser versuchte Todesstoß gegen Südvietnam erfolgreich gewesen
wäre.
Viertens war sie notwendig, um den Führern anderer Nationen deutlich zu
machen, daß Amerika seine Verpflichtungen einhält und daß eine solche direkte
Herausforderung nicht ungestraft erfolgen kann. Während der vorhergehenden
drei Jahre hatte ich wiederholt erklärt, daß wir eine entsprechende Antwort
erteilen würden, sollte Nordvietnam versuchen, aus unserem Truppenabzug Nutzen
für eine Eskalation des Krieges zu ziehen.
Fünftens war sie notwendig, um ein Prinzip zu stärken, das für die Hoffnungen der Welt auf einen dauerhaften Frieden von zentraler Bedeutung ist,
nämlich das Prinzip, daß kein Land das Recht hat, das Territorium seines Nachbarn anzugreifen. Sieben Jahre lang haben Amerikaner Seite an Seite mit Südvietnamesen gekämpft, und über 45 000 Amerikaner sind im Kampf gefallen. Wir
und die Südvietnamesen hatten uns gemeinsam bemüht, eine Regelung auf dem
Verhandlungswege zu erlangen; wir haben den Südvietnamesen geholfen, sich auf
eine Selbstverteidigung vorzubereiten, falls sich eine Regelung als unmöglich
erweisen sollte. Zur Zeit der Invasion befanden sich noch etwa 85 000 amerikanische Soldaten in Vietnam. Angesichts dieser Fakten wäre es eine gemeine Abkehr von der Verantwortung gewesen, die die Geschichte uns nicht vergeben
hätte, wären wir einfach beiseite geblieben, als der Angriff erfolgteSeit
-22-

�Seit dieser nordvietnamesischen Invasion sind jetzt elf Wochen vergangen
Die Kämpfe dauern an, aber die Südvietnamesen haben standgehalten. Sie haben
nicht nur militärisch standgehalten, sondern die Art und Weise, in der die Bevölkerung Südvietnams sich zur Verteidigung ihres Landes zusammengefunden hat,
sollte auch die verbissensten Anhänger des Gegners überzeugen, daß Saigon
und nicht Hanoi für das südvietnamesische Volk spricht.
Militärisch und politisch verliert Hanoi sein verzweifeltes Spiel

Wir

sind dennoch bereit, den Konflikt zu ehrenhaften Bedingungen auf dem Verhandlungswege beizulegen.. Bedingungen, die von niemandem eine Kapitulation und
eine Demütigung fordern. Wir sind bereit, die gegenwärtigen Gewaltmaßnahmen
gegen Nordvietnam einzustellen, wenn unsere Kriegsgefangenen freigelassen
worden sind, über unsere Vermißten Auskunft erteilt worden ist und eine international überwachte Waffenruhe in ganz Indochina begonnen hat. Wir werden
dann mit einem völligen Abzug aller amerikanischen Streitkräfte aus Vietnam
innerhalb von vier Monaten fortfahren.
Das sind großzügige Bedingungen. Sie würden den Krieg beenden und unsere
Kriegsgefangenen nach Hause bringen
gestatten, ehrenhaft abzuziehen

Sie würden es den Vereinigten Staaten

Sie würden Verhandlungen über eine politi-

sche Lösung zwischen den Vietnamesen selbst ermöglichen. Es ist nun an Hanoi,
sich zu entscheiden: für den Weg des Krieges oder für den Weg des Friedens.

Internationale

-23-

�INTERNATIONALE WIRTSCHAFTSPOLITIK

Die Außenpolitik eines Landes umfaßt mehr als nur seine diplomatischen
Beziehungen - und im Falle der Vereinigten Staaten bildet unsere Außenwirtschaftspolitik einen entscheidend wichtigen Bestandteil des Ganzen. Dies ist
zum Teil auf den gewaltigen Umfang unserer außenwirtschaftlichen Tätigkeiten
zurückzuführen:

Die privaten amerikanischen Auslandsinvestitionen belaufen

sich gegenwärtig auf insgesamt 86 Milliarden Dollar; der Wert unserer Warenexporte und Importe betrug im vorigen Jahr zusammen 89 Milliarden Dollar. Und
dies ist ebenso darauf zurückzuführen, daß der amerikanische Handel

eine

entscheidend wichtige Rolle für die Volkswirtschaften der meisten Länder der
Welt spielt und daß der amerikanische Dollar viele Jahre der Eckpfeiler des
internationalen Währungssystems war.
Außenhandel und Auslandsinvestitionen tragen zur Dynamik unserer eigenen
Wirtschaft sowie zu der Vielfalt unseres Verbrauchsgüterangebots bei; zahlreiche Länder sind von der Verfügbarkeit amerikanisches Kapitals abhängig;
unsere Handelspartner sind von dem amerikanischen Markt abhängig; die Weltwirtschaft ist von der Stabilität des Dollar abhängig.
Während des letzten Jahrzehnts hat sich die Position Amerikas innerhalb
der Weltwirtschaft dramatisch verändert. Wesentliche Veränderungen vollzogen
sich auch in der Struktur der Weltwirtschaft. Wir sahen uns einem starken und
wachsenden Wettbewerb seitens anderer großer Industriestaaten gegenüber. Zum
Beispiel stiegen die Exporte Japans von 1960 bis 1971 um 493 Prozent, die
Westdeutschlands nahmen um 242 Prozent zu, während die der Vereinigten Staaten
sich nur um 115 Prozent erhöhten.
Wir

-24-

�Wir haben keine Angst vor dem verstärkten Wettbewerb seitens unserer Han
delspartner: im Gegenteil, wir begrüßen ihn. Er beweist den Erfolg unserer
noch immer beispiellosen Anstrengungen nach dem zweiten Weltkrieg, zum Wiederaufbau der zerstörten Volkswirtschaften der Sieger wie auch der Besiegten in
gleicher Weise beizutragen.-.nd den zahlreichen jungen

Nationen, die mit der

Auflösung der alten Kolonialreiche entstanden, eine helfende Hand zu reichen
Da das höhere Produktivität, größeren Wciilstand und schnelleres Wachstum be
deutet, bringt dies für die Völker überall auf der Welt auch große Verheißun
gen auf ein besseres Leben mit sich. Aber es stellt ebenso die Vereinigten
Staaten vor eine neue Aufgabe

Das bedeutet, daß die alten Zeiten, da wir

Vereinbarungen zu akzeptieren

bereit, waren, die uns gegenüber unseren Han-

delspartnern einen Wettbewerbsnachteil brachten, vorbei sind -

und die alte

Politik muß ebenfalls vorbei sein.
Im Jahre 1971 nahmen wir eine neue Politik mit dem Ziele auf. eine neue
internationale Wirtschaftsordnung zu schaffen

Unter dem vor über einem Vier-

tel Jahrhundert in Bretton Woods unterzeichneten internationalen Währungsabkommen war die Welt von einer Währungskrise in die andere getaumelt,und sie
hatte auf diese Krisen lediglich dadurch reagiert, daü hier ein Flicken und
dort ein Flicken aufgesetzt wurde

Die Vereinigten Staaten ihrerseits hatten

seit 1948 eine fast ununterbrochene Reihe von grundlegenden Zahlungsbilanzdefiziten aufzuweisen. Im Jahre 1971 hatten wir außerdem, zum ersten Mal seit
1888, ein Handelsdefizit

Unsere gesamten Währungsreserven gingen von 21

Milliarden Dollar im Jahre 1946 auf rund 12 Milliarden Dollar Ende 1971 zu
rück

Und während dies alles vor sich ging, behielten viele unserer Handels-

partner verzerrte Wechselkurse bei - die ihren Export begünstigten und den
unsrigen beeinträchtigten - sowie Handelsschranken, die sich in einer Einschränkung des Zugangs für amerikanische Erzeugnisse zu ihren Märkten aus
wirkten.

Als

-25-

�Als wir im letzten Jahr diese Probleme untersuchten; wurde klar, daß weitgehende Reformen notwendig waren. Daher habe ich, als ich am 15. August vorigen Jahres unsere neue Wirtschaftspolitik in bezug auf Arbeitsplätze und Bekämpfung der Inflation bekanntgab, Maßnahmen mit dem Ziel mit einbezogen, eine
dringend notwendige Neufestsetzung der Wechselkurse herbeizuführen, den Abbau
der Schranken für den amerikanischen Export sicherzustellen und die anderen
großen Nationen zu der überfälligen Schaffung neuer internationaler Währungsvereinbarungen zu zwingen, die den Erfordernissen der kommenden Jahrzehnte entsprechen würden.
Ziel dieser Maßnahmen war nichts Geringeres als eine grundlegende, langfristige Reform des internationalen Wirtschaftssystems. Unser Ziel war es, für
unsere Erzeugnisse einen gleichen Zugang zu den Weltmärkten sicherzustellen und
zu gewährleisten, daß die Erzeugnisse unserer Arbeiter, Farmer und Geschäftsleute auf gleicher Basis den Wettbewerb mit denen anderer Länder aufnehmen
können.
Aber gleicher Zugang und gleiche Wettbewerbschancen werden uns wenig
nützen, wenn sich das amerikanische Volk nicht der Herausforderung eines verstärkten ausländischen Wettbewerbs stellt. Mit einem verstärkten Wettbewerb ausländischer Volkswirtschaften konfrontiert, ist die erste Reaktion vieler einfach
der Versuch, einen Wall um Amerika zu errichten und sich dahinter zu verstecken.
Das nützt nichts. In der heutigen Welt kann es keine Prosperität hinter einem
Schutzwall geben, genausowenig wie es Sicherheit hinter einer Mauer geben kann.
Nur wenn wir nach draußen blicken, können wir vorankommen. Und nur, wenn wir
den nationalen Geist aufbringen, der den Wettbewerb dadurch besteht, dau er
noch dynamischer als der Konkurrent ist; statt vor dem Wettbewerb davonzulaufen,
können wir unsere Größe als Nation und unsere Lebensfähigkeit als eine Kraft
des Guten in der Welt behalten.
Die

-26-

�DIE ENTWICKLUNGSLANDES.

Die Notwendigkeit, in neuen Dimensionen zu denken und zu handeln, wurde
auch offensichtlich, als wir unsere Haltung gegenüber den Entwicklungsländern
Lateinamerikas, Afrikas und Asiens - die wir jetzt "die dritte Welt" nennen neu formulierten.
Eine unserer zentralen Feststellungen war die Tatsache, daß der Terminus
"die dritte Welt" eine Ähnlichkeit oder einen Zusammenhalt unter den Entwicklungsländern beinhalten mag, die nicht so stark waren, wie zunächst gedacht.
Denn in dem Maße, wie diese Länder immer dynamischer wurden, so wurden sie auch
immer ungleicher. Natürlich suchen wir ein Gefühl regionaler Identität unter
den Entwicklungsländern zu fördern, die einen lebenswichtigen Anstoß für den
Fortschritt und für die Zusammenarbeit, die erst den Fortschritt ermöglicht,
geben kann. Aber wir lernen auch, die besonderen Umstände zu berücksichtigen,
die Land von Land und Region von Region unterscheiden.
Vor allem haben wir gelernt, daß es nicht allein in unserer Macht steht,
über die Zukunft dieser Länder - in wirtschaftlicher, sozialer und politischer
Hinsicht - zu entscheiden. Das besagt nicht, daß wir unser Interesse an diesen
Fragen verloren haben, sondern es besagt, daß wir unsere Rolle nicht in der
Anleitung, sondern in der Hilfe sehen. Das Potential für den wirtschaftlichen
Fortschritt der Entwicklungswelt ist riesig, aber es wird nur voll genutzt werden, wenn die Entwicklungsländer selbst ihre eigene Zukunft auf ihre eigene Weise gestalten.
Wir glauben an unser eigenes System. Es hat uns gute Dienste geleistet, indem es mehr Freiheit für alle und mehr Wohlstand für einen größeren Teil unseres
Volkes brachte, als

irgendein anderes System in

irgendeinem anderen Lande.

Aber wir sind uns auch klar darüber, daß das, was für uns am besten ist, nicht

-27-

�nicht unbedingt auch für andere Länder mit völlig anderer Geschichte, völlig
anderen Traditionen und Problemen

am besten ist; und was noch wichtiger ist,

wir glauben an das Recht jeder einzelnen Nation, sich ihr eigenes System zu
wählen. So sehr wir unser eigenes System für uns schätzen, so werden wir doch
nicht versuchen, es

irgendeinem anderen Lande aufzuzwingen.

Eine wichtige Manifestation unserer Lebensanschauung war eine neue Einstellung zur Auslandshilfe überall auf der Welt, von der Teile bereits verwirklicht worden sind, während andere noch dem Kongreß vorliegen.
Ganz generell berücksichtigt diese neue Einstellung das wachsende Potential der Industriestaaten, Auslandshilfe zu gewähren, die wachsende Wirksamkeit multilateraler Institutionen bei der Verteilung solcher Hilfe sowie die
wachsende Fähigkeit der Empfängerländer, ihre eigenen Entscheidungen bezüglich
der Verwendung der Hilfe zu treffen.
Unsere neue Einstellung legt ferner größeres Gewicht auf die private Hilfe, auf Investitionen und auf internationalen Handel als positive Einflüsse
für die wirtschaftliche Entwicklung. Sie sieht harte Sanktionen vor, die vor
einer Enteignung amerikanischen Eigentums im Ausland abschrecken sollen.
Wir müssen der Versuchung widerstehen, unsere Hilfe drastisch zu kürzen
gerade in einer Zeit, in der wir andere Länder auffordern, sich aktiver an
den Lasten ihrer eigenen Verteidigung und der wirtschaftlichen Entwicklung
zu beteiligen. Sie von der Hilfe auszuschließen, bevor sie in der Lage sind,
auf eigenen Füßen zu stehen, würde sie in einem Status der Abhängigkeit erstarren lassen. Die Folgen eines solchen Versuches, für Amerika kurzfristig kleine
Einsparungen zu erzielen, wären auf lange Sicht mit Sicherheit weit größere
Lasten für Amerika.
Durch Fortsetzung und Reform unserer Auslandshilfeanstrengungen können wir
den Tag näher bringen, an dem alle Länder voll an einem wachsenden Wohlstand
der Welt teilhaben - und voll zu ihm beitragen - werden. Und wenn wir das tun,
-28-

�tun, werden wir auch den Tag näher bringen, an dem alle Nationen eines dauerhaften Friedensteilhaftig sein werden.

EIN STARKES AMERIKA

Wenn wir in die Zukunft blick en, so ist es von entscheidender Bedeutung,
daß unsere potentiellen Gegner nicht den Respekt vor der amerikanischen Stärke
verlieren, Es ist entscheidend wichtig, daß andere sich - wie ich es in der
Ansprache anläßlich meiner Amtseinführung ausgedrückt habe - darüber im klaren sind, daß "...wir solange so stark sein werden, wie dies für uns notwendig
ist". Es ist entscheidend wichtig, daß sie voll und ganz unseren Wunsch verstehen, in einer Welt des Friedens zu leben, sowie unsere Entschlossenheit,
das zu tun, was notwendig ist, um dieser Welt den Frieden zu bewahren.
Keine Nation braucht jemals die Macht der Vereinigten Staaten zu fürchten,
solange sie die Rechte ihrer Nachbarn respektiert. Wir erhalten unsere militärische Macht nicht aufrecht, um die amerikanischen Interessen voranzutreiben,
sondern um die amerikanischen Interessen zu verteidigen - und vor allem unser
Interesse an der Sicherung eines Gebäudes des Friedens, der Stabilität und des
Fortschritts in der Welt.
Es gibt Leute, die die Idee, daß Frieden Stärke erfordert, zu diskreditieren suchen. Sie verurteilen sie als ein Relikt einer "Mentalität des Kalten
Krieges" und tun die militärischen Ausgaben als verschwenderisch und unmoralisch
ab.
Wie populär diese Haltung auch immer sein mag und wie sie auch in dem
großen Wort "Idealismus" ihren Ausdruck finden mag, angesichts aller menschlichen Erfahrung kann sie dennoch nicht bestehen. Wie wir immer und immer wieder

-29-

�wieder erfahren mußten - vor allem in diesem Jahrhundert - gibt es einfach
keinen Ersatz für die rilitärische Stärke, der ausreichen würde, um vor einer
Aggression abzuschrecken. Ein Amerika, das ungenügend verteidigt wäre, würde
ein so verlockendes Ziel darstellen, daß ein Krieg unvermeidlich werden würde.
Ebenso würde eine Schwächung unserer Bündnisse die Versuchung bis zum Gefahrenpunkt steigern. Denn potentielle aggressive Absichten in einigen Ländern werden nicht durch Idealismus in Schach gehalten, sondern durch die klare Erkenntnis, daß sie nur zu einem nicht akzeptablen Preis verwirklicht werden könnten.
Wenn wir den Frieden erhalten wollen, dann müssen wir sicherstellen, daß der
Preis weiterhin unakzeptabel bleibt.
Diejenigen, die sich über eine "Diplomatie des Gleichgewichts der Macht"
auf weltpolitischer Bühne lustig machen, sollten sich darüber im klaren sein,
daß die einzige Alternative zu einem Gleichgewicht der Macht ein Ungleichgewicht
der Macht ist, und die Geschichte lehrt uns, daß nichts die Gefahr des Krieges
so drastisch eskaliert wie solch ein Ungleichgewicht. Gerade die Tatsache, daß
die Elemente des Gleichgewichts gegenwärtig vorhanden sind, gewährt uns die
seltene Möglichkeit, ein System der Stabilität zu schaffen, das den Frieden
nicht nur für ein Jahrzehnt, sondern feine Generation bewahren kann - und hoffentlich noch darüber hinaus..
Die vor uns liegenden Jahre werden nicht leicht sein. Sie werden uns Opfer
abverlangen. Sie werden unsere Klugheit erfordern. Sie werden eine Herausforderung ernsthaftester Art darstellen und den Prüfstein dafür bilden, ob eine
demokratisch regierte Nation das tun kann, was notwendig ist, um den Frieden zu
bewahren.
Meiner Auffassung nach können und werden wir diese Herausforderung bestehen, wie wir andere Herausforderungen bestanden haben, denen wir uns während
der letzten zwei Jahrhunderte gegenübersahen. Aber wir sollten uns sehr klar
darüber sein, daß dies eine besondere Art der Disziplin von uns verlangen

-30-

�verlangen wird. Es wird notwendig sein, daß wir ein besonderes Maß an Sorgfalt aufwenden, um zwischen Rhetorik und Wirklichkeit, zwischen leichtfertiger
Versuchung und harter Notwendigkeit zu unterscheiden. Man wird uns sagen, daß
es kürzere Wege gibt. Man wird uns sagen, daß alle Dinge, die wir hier in den
USA erreichen möchten, ganz einfach finanziert werden könnten, wenn wir nur
unsere militärischen Ausgaben reduzieren würden. Man wird uns sagen, daii wir
Frieden haben können, wenn wir nur darum bitten, daß unsere Gegner - wenn
wir nur "guten Willen" und "guten Glauben" demonstrieren - genauso reagieren
werden und daß wir nichts weiteres zu tun brauchen. Das ist ein bestechender
Unsinn.
Eine schwere Verantwortung lastet auf den Schultern derjenigen, die in
der Welt von heute Macht haben oder sie anstreben - nämlich die Verantwortung,
nicht um die Gunst der Öffentlichkeit zu buhlen, indem die Illusion genährt
wird, daß der Frieden erreicht oder gewahrt werden könne, ohne daß dafür
ein Preis zu bezahlen wäre.

AUF DEM WEGE ZU EINEM GEBÄUDE DES FRIEDENS

Der eigentliche Prüfstein für eine Außenpolitik ist, ob sie sich bewährt.
Wenn wir heute die Welt betrachten, so stellen wir fest, daß wir das amerikanische Engagement im Vietnamkrieg nahezu abgebaut haben - und daß wir dies in
einer Weise getan haben, die es dem südvietnamesischen Volk ermöglicht, sein
eigenes Land zu verteidigen, während gleichzeitig die Stabilität ganz Südostasiens gestärkt wird - ein Gebiet mit 300 Millionen Menschen, das für die
künftigen Hoffnungen der gesamten Welt auf Frieden von großer Wichtigkeit
ist.
Wir

-31-

�Wir stellen fest, daß der Streit im Nahen Osten immer noch nicht beigelegt
ist, daß aber zumindest dort seit fast zwei Jahren eine Waffenruhe herrscht.
Wir stellen fest, daß Amerikas Bündnisse stärker sind und daß Ressentiments
ob der einstigen Unbeholfenheit Amerikas einem neuen Verständnis für gemeinsame Zielsetzungen gewichen sind.
Wir stellen fest, daß die gefährliche Isolierung der Volksrepublik China
gebrochen und eine neue Form der Kommunikation zwischen dem bevölkerungsreichsten und dem mächtigsten Land der Welt geschaffen worden ist.
In unseren Beziehungen zur Sowjetunion stellen wir fest, daß gerade in
den letzten dreieinhalb Jahren bedeutsamere und weiterreichende Abkommen ausgehandelt worden sind, als in all den vorangegangenen Jahren nach dem zweiten
Weltkrieg.
Wir haben noch einen langen Weg vor uns, um ein stabiles und dauerhaftes
Gebäude des Friedens zu schaffen. Aber wir wissen auch, daß der Rahmen gesetzt
worden ist. Wir schreiten in Richtung auf ein Ziel voran, das den Staatsmännern
der Welt in allen bisherigen Jahrzehnten dieses Jahrhunderts entglitten ist,
und wir schreiten voran in Richtung auf dieses Ziel in einer sachlicheren Form
als jemals zuvor seit dem zweiten Weltkrieg. Dies wäre nicht möglich gewesen,
wenn wir nicht unsere gesamte Politik

sorgfältig auf dieses zentrale Ziel aus-

gerichtet hätten. Es wäre nicht möglich gewesen, wenn es uns nicht gelungen wäre,
unsere Stärke zu wahren, unsere Entschlossenheit zu zeigen, unsere Beharrlichkeit unter Beweis zu stellen,in unseren Gesprächen mit potentiellen Gegnern
wie auch mit Freunden höflich, aber fest zu bleiben, Maßnahmen zu ergreifen,die
im Augenblick unpopulär waren - ja, bestimmte Risiken für den Frieden auf uns
zu nehmen.
Ich

-32-

�Ich habe oft den Begriff "ein Gebäude des Friedens" benutzt. Ich habe ihn
in diesen Darlegungen wieder benutzt. Es ist wichtig, daß wir verstehen, was
dieser Begriff besagt - wichtig, weil es an den Kern der Art und Weise rührt,
wie wir in den kommenden Jahren den Frieden zu erreichen suchen.
Viele Menschen sprechen sehr gefühlsbetont vom Frieden - aber so kann er
nicht erreicht werden. Er läßt sich nicht herbeiwünschen. Er muß sorgfältig
aufgebaut werden. Ein gesundes Gebäude des Friedens muß ein weltweites Netz
von Bündnissen einschließen; es muß ausreichende Streitkräfte zur Abschreckung
vor einer Aggression einschließen; es muß auf mustergültigenAbsprachen zwischen einer Vielzahl von Regierungen beruhen,. Diese mustergültigen Absprachen
bedingen mehr als nur ein Wissen, wie andere Länder und andere Völker beschaffen sind oder was sie denken. Vielmehr muß es sehr konkrete beiderseitige Absprachen darüber geben, welche internationalen Verhaltensnormen akzeptabel
sind und welche nicht

und an welche sich die Länder in bestimmten Fällen un-

ter bestimmten Bedingungen halten sollen. Einige dieser Absprachen sind in
Verträgen oder Regierungsabkommen niedergelegt. Zahlreiche andere sind es
nicht, aber sie bilden trotzdem einen wichtigen Bestandteil des geschriebenen
und ungeschriebenen Kodex, nach dem sich die Beziehungen zwischen den Ländern
richten.
Nichts könnte für unsere Hoffnungen auf Frieden destruktiver sein

als

die mangelnde Erkenntnis der Notwendigkeit einer solchen Ordnung.
Wenn es überhaupt eine Lehre gibt, die die Geschichte uns bietet, so ist
es die, daß bei der Suche nach Frieden gute Absichten kein Ersatz für geduldiges Aufbauen, harte Arbeit und die Erhaltung einer ausreichenden Stärke zur
Wahrung des Friedens sind. Der Welt ist es bisher noch niemals gelungen, sich
auf eine Reihe internationaler Institutionen zu einigen, die als solche den
Frieden erhalten könnten. Der Friede wurde durch Klugheit oder Torheit der
betreffenden Länder erhalten oder verloren. Ein Gleichgewicht der Stärke ist

-33-

�ist immer noch ein unerläßliches Element zur Wahrung des Friedens. Das neue
Abkommen, das wir mit der Sowjetunion über die Begrenzung der strategischen
Rüstungen erreicht haben, wird einen wichtigen Faktor für die Aufrechterhaltung
eines solchen Gleichgewichts bilden. Das gleiche gilt für die Entwicklung von
Formen gegenseitiger Beziehungen zwischen den wichtigsten Mächten und den
verschiedenen Gruppen von Ländern. Es ist entscheidend wichtig, daß kein Land,
das aggressive Absichten hegt oder entwickelt, jemals zu der Auffassung kommt,
es könnte solche Absichten ungestraft verfolgen.

DIE GEISTIGE STÄRKE

Schließlich müssen wir, wenn wir unsere Außenpolitik gestalten, auch
auf unsere geistige, intellektuelle, wirtschaftliche und politische Stärke
hier im eigenen Lande bauen.
Unsere Fähigkeit, im. Ausland Frieden zu schaffen, hängt von dieser Stärke
ab.
Unser Einfluß im Ausland ist nicht nur von der militärischen Stärke unserer Waffen abhängig, sondern auch von der moralischen Kraft unseres Beispiels
- und seit jetzt fast zwei Jahrhunderten hat das Beispiel, das Amerika der
Welt gab, die Hoffnungen von Millionen auf allen Kontinenten beflügelt.
Das letzte Jahrzehnt war ein Jahrzehnt der Spaltung und oftmals heftiger
Meinungsverschiedenheiten. Es wurde Mode, an Amerika nur das Schlechte zu
sehen, jede Unzulänglichkeit - gleichgültig, wie lange sie zurückliegt - als
eine akute Krise hinzustellen, nicht nur die Politik,sondern auch die Motive
der Männer in führenden Positionen herabzusetzen, Debatten durch Kritik zu

-34-

�zu ersetzen und im Laufe der Zeit mit Verzweiflung und Entfremdung Glauben und
Hoffnung zu vertreiben. Es ist Mode geworden, zu erklären, daß Amerika seine
Zielstrebigkeit verloren habe und sie wiederfinden müsse. Aber das ist falsch.
Wir haben Zielstrebigkeit. Was wir brauchen, ist eine Wiederbelebung unseres
Stolzes auf unsere Zielstrebigkeit - den Stolz, der von den Legionen armseliger
Schmäher so heruntergezogen worden ist. Wir müssen unser Vertrauen wiedergewinnen, daß wir unser Ziel erreichen werden.
Wenn wir darauf zurückblicken, was unsere Nation auf dem Gebiete der
Außenpolitik geleistet hat, dann haben die Amerikaner ein Recht dazu, sich
stolz zu fühlen - und wir alle sollten aufgrund dieser Leistungen erhobenen
Hauptes einhergehen. Wir sind die erste Nation, die zu einer großen Weltmacht
geworden ist, ohne daß sie nach Macht strebte. Wir haben erkannt, daß zu großer
Macht auch große Verantwortung gehört, und wir waren bestrebt, unseren Einfluß
nicht lediglich in engem nationalen Interesse, sondern im Interesse der Welt zur
Geltung zu bringen. Junge Amerikaner haben in diesem Jahrhundert in vier Kriegen
gekämpft - nicht um zu erobern, nicht um Territorium zu erlangen, sondern um dazu beizutragen, daß das Recht anderer Völker auf Freiheit von Aggression gewahrt
wird. Unser Ziel war eine friedlichere Welt - eine Welt, in der die Schwachen
zumindest genau so sicher sind wie die Starken und in der alle Nationen, die
großen wie die kleinen, in ihrer Unabhängigkeit sicher sein können.
Unser Ziel in der Welt ist Frieden - nicht der trotzige Frieden der Niederlage, nicht der stumme Frieden der Verzweiflung, sondern der gefestigte Frieden,
der den Fortschritt ermöglicht und der den Geist des Menschen für die Aufgaben
der Freiheit frei macht. Kein edleres Ziel hat in der gesamten Geschichte der
Menschheit jemals irgendeine Nation bewegt.
Wir streben den Frieden als ein Ziel an sich an. Aber unsere Zielsetzungen
gehen noch weiter. Denn der Friede, den wir anstreben, ist eine entscheidende
Voraussetzung, wenn der Mensch jene großen humanen Ideale verfolgen soll, die

-35-

�die in unserem religiösen Erbe verwurzelt sind und die unsere höchsten Kulturen
inspiriert haben. Wenn wir bestrebt sind, Krieg zu verhindern, dann suchen wir
gleichzeitig jene Fortschritte auf dem Gebiete des menschlichen Wohlergehens,
der Kunst, der Wissenschaft und der Philosophie sowie der Bereicherung der
menschlichen Erfahrungen zu verwirklichen, die die höchste Bestimmung des
Menschen hier auf Erden bedeuten. Wenn es uns gelingt, ein dauerhaftes Gebäude
des Friedens zu errichten, dann wird nicht dieser Friede allein, sondern eine
Chance für die Menschheit, diese höchste Bestimmung zu erfüllen, das Monument
unseres Erfolges sein.

MIM)

Copyright (c) 1972, U.S. News &amp; World Report, Inc.

-36-

�' amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

Dokumentation

300

08-85432

26/1972

RUSH VOR DEM AMERICAN COUNCIL ON GERMANY
-Auszüge aus der Ansprache vom

19. Juni-

WASHINGTON --(AD)-- Der stellvertretende amerikanische Verteidigungsminister
und ehemalige Botschafter der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik,
Kenneth Rush, hat am 19. Juni vor dem American Council on Germany eine Ansprache gehalten, in der er sich mit Deutschland betreffenden Fragen befaßte.
Rush führte unter anderem aus:
Wir können heute auf das erste Viermächte-Abkommen über Berlin seit der
Zeit nach Beendigung des zweiten Weltkrieges zurückblicken. Bevor ich näher
darauf eingehe, möchte ich all meinen Kollegen danken, die mithalfen, ein
Abkommen auszuhandeln, das nach unserer Ansicht das Leben aller Berliner
-im Osten wie im Westen- sowie weiterer Millionen Deutscher bereichert, die
von den praktischen Verbesserungen berührt werden und auf Grund dieses Abkommens neue Hoffnung gewonnen haben. Ich möchte auch nicht versäumen, die
enge Zusammenarbeit zwischen den beteiligten vier westlichen Mächten zu erwähnen, wozu selbstverständlich der sehr wesentliche Beitrag zur westlichen
Verhandlungsposition gehört, den die Deutschen selbst geleistet haben. Unsere

-l-

�Unsere Koordination hätte kaum enger sein können, und unsere Einigkeit erhöhte den Wert des Abkommens, das wir erreichen konnten.
Als Hauptunterhändler der Vereinigten Staaten konnte ich mich in überaus starkem Maße auf das persönliche Vertrauen und die Richtlinien Präsident
Nixons stützen, der entschlossen war und ist, daß Berlin ein Meilenstein auf
dem Wege zu einem konstruktiveren Verhältnis zwischen den Weltmächten sein
sollte. ...
Jetzt, da wir weiter in die Ära der Verhandlungen eintreten, geht es uns
um den vor uns liegenden Zeitraum. Dank des

Berlinabkommens, dank der Ini-

tiativen der deutschen Bundesregierung gegenüber ihren östlichen Nachbarn
und vor allem dank des kürzlichen Besuches Präsident Nixons in Moskau ist eine
Atmosphäre geschaffen worden, in der es vielleicht leichter ist, Fortschritte
zu erzielen, als in der Vergangenheit....
Selbstverständlich möchte ich nicht die gewaltigen Hindernisse bagatellisieren, die sich gegenüber dem auftun, was wir weiterhin als langfristige Ziele ansehen müssen. Leider sind die Differenzen zwischen Ost und West nicht lediglich Mißverständnisse, die durch Geduld, guten Willen oder durch vernünftige Argumente ausgeräumt werden könnten. Sie haben ihre Wurzel vielmehr in
grundlegend verschiedenen Vorstellungen von der Natur des Menschen und der Gesellschaft und sind durch die Verflechtung mit Machtfaktoren und Faktoren des
nationalen Interesses noch schwerer lösbar geworden. Aus der Erkenntnis heraus,
daß es schwierig sein würde, diese Hindernisse zu überwinden, haben wir uns
bei Beginn der Berlin-Verhandlungen dafür entschieden, nach konkreten Verbesserungen zu suchen, die mit einem Minimum an Auseinandersetzungen über Prinzipien
erreicht werden könnten. Das soll nun nicht heißen, daß wir Prinzipien etwa
als irrelevant angesehen hätten. Vielmehr ist gerade die Tatsache, daß die
Sowjetunion uneingeschränkt erklärt hat, der Transitverkehr zwischen der Bundesrepublik und den Westsektoren Berlins solle ohne Behinderung sein, in der

-2-

�der einfachsten und schnellsten Weise vor sich gehen und Begünstigungen erfahren,eine überaus deutliche Bestätigung der seit langem von den drei Westmächten
vertretenen Rechtsauffassung hinsichtlich der sowjetischen Verantwortlichkeit
für den Zugang nach Berlin. Das Ziel unserer Verhandlungen war es jedoch, ein
Maximum an Verbesserungen im täglichen Leben der Berliner zu erreichen. Dadurch
haben wir dazu

beigetragen, daß es für sie möglich wurde, ihren Kontakt mit

anderen Deutschen in Ost und West wesentlich zu erweitern und auf diese Weise
in der Praxis den Trend zu einer ständig wachsenden politischen und sozialen
Isolierung des einen Teiles Deutschlands vom anderen in sein Gegenteil zu verkehren. .. .
Meiner Auffassung nach müssen wir realistischerweise damit rechnen, daß
sich die Führung der Deutschen Demokratischen Republik - mit Unterstützung
der sowjetischen Regierung - weiterhin bemühen wird, das zu unterstreichen, was
Deutschland teilt, nicht was es einigt. Der in den Verhandlungen bisher erzielte Fortschritt hat sich auf diese Betrachtungsweise nicht ausgewirkt, die
sich so grundlegend von dem westlichen Standpunkt unterscheidet. Ohne Frage
wird die Deutsche Demokratische Republik, wenn sie im Zuge des Entspannungsprozesses eine sichtbarere internationale Rolle erlangt, darum bemüht sein,
dies auszunutzen, um ihre Doktrin einer klaren "Abgrenzung" von dem übrigen
Deutschland zu unterstreichen. Nur die Zeit wird ergeben, ob diese Taktik in
Zukunft erfolgreicher sein wird, als dies in der Vergangenheit der Fall war.
Wenn im Prozeß des Wandels die in Ostberlin und in der Deutschen Demokratischen
Republik lebenden Menschen ein größeres Maß an persönlicher Freiheit und ein
höheres Maß an Wohlstand erlangen, wenn es in zunehmendem Maße für die Ostdeutschen möglich sein wird, mit ihren deutschen Mitbürgern sowie anderen Menschen aus dem Westen zusammenzutreffen, mit denen sie immer noch die großen
Werte einer gemeinsamen Tradition verbinden, dann wird die Zeit sicherlich
die Beseitigung der potentiellen Ursachen der Spannungen in Mitteleuropa mit
sich bringen. Für uns besteht keine Notwendigkeit, diesen Prozeß zu fürchten;
wir haben vielmehr allen Grund zur Hoffnung....
Wir

�Wir stehen also vor einer neuen Runde des diplomatischen Meinungsaustausches zwischen Ost und West. Lassen Sie uns nun für einen Augenblick diese verschiedenen Entwicklungen vom Gesichtspunkt ihrer wahrscheinlichsten Auswirkung
auf die Situation in Deutschland sowie auf die amerikanisch-deutschen Beziehungen
untersuchen.
Die Regierung von Bundeskanzler Brandt wird sich darum bemühen, eine Form
amtlicher Beziehungen mit der Deutschen Demokratischen Republik zu schaffen, die
dem besonderen Charakter der deutschen Situation Ausdruck verleiht. Der erste
Meinungsaustausch über das Thema eines Grundvertrages hat bereits stattgefunden,
und nach der Sommerpause werden diese Gespräche wieder aufgenommen werden. Angesichts der Haltung der ostdeutschen Führer kann dies -wie wir wissen- eine
schwierige Aufgabe werden. Andererseits können sie hoffen, bei einem Erfolg dieser Verhandlungen wesentliche Vorteile in Form eines verstärkten internationalen
Status zu erlangen. Ein akzeptabler Modus vivendi zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik einschließlich der Bestätigung, daß die Rechte der Vier Mächte im Zuge dieses Prozesses, nicht berührt
werden, könnte den Weg für eine deutsche Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen
frei machen. Wie Sie wissen, hat die Bundesrepublik Deutschland gegenwärtig
einen Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen und gehört allen Sonderorganisationen der UN an. Durch eine volle Mitgliedschaft in der Weltorganisation könnte der bereits überaus wichtige Beitrag der Bundesrepublik zur Arbeit der
Vereinten Nationen noch mehr gestärkt werden.
Was nun die Deutsche Demokratische Republik anbetrifft, so würde diese, da
sie in den Vereinten Nationen gegenwärtig überhaupt keinen Status hat, aus jedem
Abkommen, das den Weg für ihre Aufnahme in die Vereinten Nationen und deren
Sonderorganisationen ebnet, einen sehr beträchtlichen Nutzen ziehen. Somit besteht für sie ein Anreiz, in ihrem eigenen Interesse eine Übereinkunft mit der
Bundesrepublik Deutschland zu erzielen.
Ich

�I

Ich habe bereits die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
erwähnt, für die die Vorbereitungen im Spätherbst dieses Jahres beginnen könnten. Auch hier bieten sich für beide Seiten Chancen, und es wird an uns liegen, daß wir uns darum bemühen, das beste aus ihnen zu machen. Beide, die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik würden an einer
solchen Konferenz teilnehmen. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten würden die erforderlichen Schritte ergreifen, jeder stillschweigenden Folgerung
entgegenzuwirken, daß die Teilnahme der Deutschen Demokratischen Republik oder
irgendein von der Konferenz selbst vorgenommener Akt die Rechte und Pflichten
der Vier Mächte in Deutschland als ganzes und in Berlin beeinträchtigen könnten. Von einer etwas positiveren Einstellung ausgehend hoffen wir jedoch, daß
die Ergebnisse einer solchen Konferenz zu der gleichen Art praktischer Verbesserungen auf einer umfassenderen europäischen Ebene führen könnten, wie wir sie
in dem Berlin-Abkommen sichergestellt haben und wie sie die Bundesrepublik
Deutschland in ihren derzeitigen bilateralen Beziehungen zur Deutschen Demokratischen Republik anstrebt.
Nehmen wir beispielsweise das Ziel des Westens, sich um die Förderung
einer größeren Freizügigkeit von Menschen, Ideen und Informationen über die
traditionelle Form des kulturellen Austausches hinaus zu bemühen. Unsere Regierung mißt den Ergebnissen auf diesem Bereich große Bedeutung zu, weil diese den progressiven Abbau der grundlegenden Meinungsversoh iedenheiten, die Ost
von West trennen, fördern und so auf die Linderung von Problemen hinwirken
könnten, statt einfach deren Existenz zu bestätigen. Die Bedeutung dieses Zieles für die deutsche Situation ist offensichtlich, da die vermehrte Freizügigkeit sich zu einem großen Teil auf deutschem Boden abspielen würde. In der
Tat war Bundeskanzler Brandts 14. Punkt in Kassel, daß"der Vertrag Maßnahmen
vorsehen soll, die den gegenwärtigen Reiseverkehr erweitern, und das Ziel der
Freizügigkeit anstreben". Wir wissen natürlich, daß es einigen Regierungen
nicht leicht fallen wird, einer größeren Freizügigkeit von Menschen, Ideen

-5-

�Ideen und Informationen zuzustimmen, aber dies ist die einzige Richtung, in
der ein echtes gegenseitiges - und ich unterstreiche das Wort gegenseitig Verständnis gefunden werden kann. Wir werden ferner auf einer Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit versuchen, Fragen der Zusammenarbeit herauszustellen, bei denen ein Ost-West-Fortschritt - wie zum Beispiel vermehrter Handel, verstärkter wissenschaftlicher und technologischer Austausch und eine
verbesserte menschliche Umwelt - erreichbar ist. Sollten wir Erfolg haben,
wie wir hoffen, so werden diese Erfolge auf europäischer Ebene diejenigen
ergänzen, die zu erreichen sich die deutschen Unterhändler bilateral bemühen
und die Deutschland alleine betreffen.
Ich möchte kurz auf die Auswirkungen eingehen, die Verhandlungen über
eine beiderseitige Reduzierung der Streitkräfte und Rüstungen (MBFR) in
Mitteleuropa auf Deutschland haben könnten. Das Vorhandensein starker Streitkräfte in Mitteleuropa bietet gerade eine weitere Möglichkeit, die Stabilität
durch ausgehandelte Reduzierungen zu erhöhen. Als Teil des Gebietes, auf das
sich der Fortschritt auswirkt, würde notwendigerweise ganz Deutschland berührt
werden. In diesem Zusammenhang möchte ich hinzufügen, daß die Bundesrepublik
stets ein aktiver Verfechter von MBFR-Verhandlungen war - in der Hoffnung, daß
schon ausgehandelte Fortschrittewie auch die möglichen Resultate zu der Gesamtentwicklung verbesserter Ost-West-Beziehungen beitragen würden. Ich kann Ihnen
versichern, daß die Bundesrepublik ebenfalls die Ansicht voll und ganz teilt,
die Präsident Nixon in seinem Bericht an den Kongreß für die amerikanische
Außenpolitik für die siebziger Jahre gemacht hat, als er sagte: "unverminderte
militärische Sicherheit für die NATO ist das einzige vernünftige Kriterium für
die Durchführung von Truppenreduzierungen."
Wenn es uns gelingt, einen Weg für die Reduzierung der Streitkräfte in
Mitteleuropa zu finden, ohne daß dadurch die Sicherheit des Westens beeinträchtigt wird, dann werden wir auch ermöglicht haben, daß eine Entspannung in ganz
Deutschland

eher zum Tragen kommt. In einer Atmosphäre, in der Truppenredu-

-6-

�Truppenreduzierungen erörtert oder durchgeführt werden, ist es für Regierungen
umso schwerer, zu argumentieren, daß normale menschliche Kontakte eine Gefahr
für ihre Sicherheit darstellten. Und gerade diese menschlichen Kontakte
schließen in sich die nicht untergegangene Konzeption von den besonderen Beziehungen innerhalb Deutschlands unter Menschen ein, die füreinander keine
Ausländer sind.
In der vor uns liegenden Zeit wird es sowohl Risiken wie auch Chancen
geben. Wir gehen einer neuen Runde von Verhandlungen mit dem Osten, bilateralen wie auch multilateralen, entgegen mit dem Wissen, daß die Ziele der beiden
Seiten nicht identisch sind und daß die Beseitigung der Hindernisse für ein
wirklich normales internationales Klima eher die Arbeit von Jahrzehnten als
von Wochen, Monaten oder selbst Jahren sein wird.
Ich glaube, daß in diesem Zusammenhang bestimmte gemeinsame Prinzipien
sowohl in den Berlin-Verhandlungen als auch in den Verhandlungen der Bundesregierung mit Moskau und Warschau verfolgt wurden, die sich als nützliche Richtlinien erweisen können, wenn wir uns in den kommenden Jahren um weiteren Fortschritt beim Aufbau von Frieden und Verständigung in Europa bemühen.
Wenn ich für einen Augenblick zu den Berlin-Verhandlungen zurückkehren
darf, so möchte ich betonen, daß unsere Bemühungen darin bestanden, pragmatische Verbesserungen der Situation in und um Berlin anzustreben, ohne in irgendeiner Weise den rechtlichen Status der Stadt und die Rechte und Pflichten der
Vier Mächte zu ändern oder zu beeinträchtigen.

Ich glaube, das ist uns ge-

lungen. Beide Seiten waren bereit, bestimmte Realitäten

anzuerkennen, die

heute bestehen und die zur Zeit der ursprünglichen Kriegs-und Nachkriegsvereinbarungen, die von uns in Bezug auf Berlin getroffen worden waren, nicht bestanden haben. Die Sowjetunion akzeptierte die Bindungen zwischen den westlichen Sektoren und der Bundesrepublik, die von so entscheidender Wichtigkeit
sind. Die westliche Seite nahm von dem Bestehen der Deutschen Demokratischen

-7-

�Demokratischen Republik Kenntnis sowie davon, daß diese nicht bereit oder in
der Lage ist, die tragische Realität der Mauer zu beseitigen. Doch, während
wir dies noch zur Kenntnis nahmen, suchten wir eine Option für die Zukunft zu
erhalten, die über die für die Gegenwart erzielten Verbesserungen hinausgehen
würde. Wir haben das Berlin-Abkommen keine "Regelung" genannt, weil es das
Berlin-Problem nicht für immer regelt. Es bietet nur eine Basis und zwar eine
weit bessere, als wir bis jetzt hatten, um von da aus auf eine solche Lösung
hinzuarbeiten, die den Interessen aller Berliner, aller Deutschen, ja aller
Europäer gerecht werden wird.
Ähnlich suchte die Bundesregierung auch in ihren Verhandlungen mit dem
Osten verbesserte Beziehungen zu erreichen, ohne das VerteidigungsverhäLtnis
zu ändern oder zu präjudizieren, das das atlantische Bündnis mit seinen unerläßlichen Sicherheits-und Wirtschaftsbeziehungen darstellt, aus denen sich
gegenwärtig eine integrierte europäische Gemeinschaft entwickelt. Gleich den
Drei Mächten in

Berlin ist die Bundesrepublik Deutschland auch bei diesem Be-

streben erfolgreich gewesen. In gleicher Weise hat die Bundesregierung sich
ebenfalls, während sie die gegenwärtige Realität der bestehenden Grenzen anerkannte, auch eine Option für die Zukunft offen gelassen, die über solche gegenwärtigen Realitäten hinausführen würde.
Diese Prinzipien, die einen gemeinsamen Faden in den Berlin-Verhandlungen
wie auch in den Verhandlungen der Bundesregierung mit ihren östlichen Nachbarn
bilden, können kurz wie folgt definiert werden: Erstens, die bestehende Basis für
die Sicherheit darf nicht beeinträchtigt werden; zweitens, im Interesse einer
Erzielung echter Verbesserungen in den Beziehungen zwischen Völkern und Regierungen muß den bestehenden Realitäten Rechnung getragen werden; und drittens, diese
Realitäten dürfen jedoch keine Grenze für die Zukunft setzen.
Ich

�i

Ich möchte annehmen, daß diese Prinzipien in den Positionen Ausdruck finden werden, die wir auf der westlichen Seite in den Verhandlungen über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und über beiderseitige und ausgewogene
Truppenreduzierungen einnehmen werden

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-9-

�; amerika dienst
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United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

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G o d e s b e r g l ,

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26/1972

WALTER J. STOESSEL ZUM NEUEN UNTERSTAATSSEKRETÄR FÜR
EUROPÄISCHE ANGELEGENHEITEN NOMINIERT

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat den Berufsdiplomaten und bisherigen
amerikanischen Botschafter in Polen, Walter J. Stoessel jr., zum neuen
Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im US-Außenministerium
nominiert. Stoessel wird, sobald er durch den US-Senat in seinem Amt bestätigt worden ist, im State Department die Nachfolge von Martin J. Hillenbrand
antreten, der jetzt die Vereinigten Staaten als Botschafter in Bonn vertritt.
Stoessel hat an der Stanford-Universität studiert und dort 1941 promoviert. Im darauffolgenden Jahr trat er in den auswärtigen Dienst der USA
ein. Sein erster Auslandsposten war Caracas, wo er sowohl in der Konsularwie auch in der Wirtschafts-und der politischen Abteilung arbeitete. Gegen
Ende des zweiten Weltkrieges wurde er zur amerikanischen Marine eingezogen.
Nach dem Kriege kehrte er in den auswärtigen Dienst zurück und wurde der
Osteuropaabteilung des State Department als Berater zugeteilt, in der er
bis 1947 tätig war. Die beiden folgenden Jahre war Stoessel Leiter der
Konsularabteilung an der amerikanischen Botschaft in Moskau.

In

-1-

�I

f

In den fünfziger Jahren war Stoessel zunächst als Leiter der Special
Research Division in Bad Nauheim, später als Berater für sowjetische Angelegenheiten im State Department sowie im Weißen Haus als Assistent des außenpolitischen Beraters des Präsidenten tätig. Weitere Stationen seiner Tätigkeit im
auswärtigen Dienst waren 1956 die amerikanische Botschaft in Paris, 1959 das
Harvard Center für Internationale Fragen, 1960 das Exekutivsekretariat des
State Department und 1961 erneut die US-Botschaft in Paris. Von 1963 bis 1965
war er als Gesandter und Botschaftsrat an der US-Botschaft in Moskau und von
1965 bis zu seiner Ernennung zum amerikanischen Botschafter in Warschau als
stellvertretender Unterstaatssekretär in der Europaabteilung des State
Department tätig.

i-Miiiniii

-2-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der wahre Weg zum Frieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Präsident Richard M. Nixon&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rush vor dem American Council on Germany&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Ansprache vom 19. Juni -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Walter J. Stoessel zum neuen Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten nominiert</text>
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                    <text>K?

.!•&gt;

16

2B. Juni 1978

DEUTSCHLAND-BESUCHE AMERIKANISCHER PRÄSIDENTEN UND VIZEPRÄSIDENTEN

- (AD) - Mit dem Besuch von Präsident Jimmy Carter in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin vom 13. bis 15. Juli 1978 - der anschließende Aufenthalt bis zum 17, Juli gilt dem Wirtschaftsgipfel haben alle Präsidenten der Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg
eine Deutschlandreise unternommen. Der Besuch von Harry S. Truman fand
allerdings erst nach seiner Amtszeit als Präsident statt und ist daher
als Privatbesuch zu bezeichnen.
Im folgenden eine kurze Aufstellung der Besuche der amerikanischen
Präsidenten und Vizepräsidenten:
Harry S. Truman, 6. und 7. Juni 1956, München und Bonn (Privatbesuch).
Dwight D. Eisenhower, 26. und 27. Auqust 1959, Bonn, (anschließend
London und Paris) in Vorbereitung seines Treffens mit Chruschtschow im
gleichen Jahr, Gespräche mit Bundeskanzler Konrad Adenauer, Bekräftigung

I

UNJTSD Sl-.\7*s
•Ui.ru;. •;. -•.;••:.-

- fiua^

�Bekräftigung des Rechtes auf Wiedervereinigung und der Freiheit Berlins.

John. F. Kennedy, 23. bis 26. Juni 1963, Köln, Bonn, Frankfurt, Berlin,
Begrüßung durch Bundeskanzler Adenauer, Bekräftigung der deutsch-amerikanischen
Freundschaft, gemeinsamer Besuch des Kölner Doms, eingehende Besprechungen
in Bonn, Besuch bei Bundespräsident Lübke, Besuch einer US-Luftwaffeneinheit in Hanau, Ansprache in der Paulskirche in Frankfurt mit Bekräftigung
der atlantischen Partnerschaft, am 26. Juni Besuch in Berlin, Begrüßung
durch den Regierenden Bürgermeister Willy Brandt, Ansprache vor dem
Schöneberger Rathaus: "Ich bin ein Berliner".

Lyndon B. Johnson, 23. bis 26. April 1967, Bonn, Köln zu den Beisetzungsfeierlichkeiten des verstorbenen Bundeskanzlers Konrad Adenauer, Besprechnungen in Bonn mit Bundeskanzler Georg Kiesinger und westlichen
Staatsmännern, wie Premierminister Wilson und Staatspräsident de Gaulle
und Ministerpräsident Moro; deutsch-amerikanische Gespräche über Nichtweiterverbreitungsvertrag (Nonproliferationsvertrag), Zoll- und Handelsverhandlungen, Stationierung der US-Truppen in Deutschland, Zusage der
intensiven Konsultation.

Richard M. Nixon, 26. und 27. Februar 1969, Bonn, Berlin, Gespräche mit
Bundeskanzler Kiesinger und deutschen Regierungsvertretern, Bekräftigung
der amerikanisch-europäischen Zusammenarbeit und des Selbstbestimmungsrechts der Deutschen, Rede vor dem Deutschen Bundestag mit Hauptthema
NATO, Besuch in Berlin, Ansprache in den Siemens-Werken mit feierlicher
Verpflichtung zum Schutze der Freiheit Berlins.

Gerald R. Ford, 26. bis 28. Juli 1975, Bonn, Gießen, (auf dem Wege zur •
Abschlußsitzung der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
- KSZE - in Helsinki), Gespräche mit Bundeskanzler Helmut Schmidt,
Hauptaugenmerk auf Wirtschaftsfragen und Abstimmung der deutschen und
EG-Wirtschaftspolitik mit der amerikanischen Wirtschaftspolitik, Besuch

- 2 -

�UNITED STATES
r
CULTUR/V
^

Besuch bei einer amerikanischen Truppeneinheit in Kirchgöns bei Gießen.
Besuche amerikanischer Vizepräsidenten:
Lyndon B. Johnson, 19. bis 21. August 1961 Bonn, Berlin (nach Mauerbau)
Hubert H. Humphrey, 5. und 6. April 1967, Bonn, Berlin
Nelson A. Rockefeller, 13. bis 15. Mai 1976, Berlin, Frankfurt
Walter F. Mondale, 24. bis 26. Januar 1977, Bonn
Am 16. Mai 1973 stattete Jimmy Carter als Gouverneur des Staates
Georgia Bonn einen Besuch ab.

+ + + + +

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5LV. \. $ \

�PAM

Deutschland-Besuche amerikanischer Praesidenten ...

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*

'VON

28. J u n i 1989

25

INHALT
DOKUMENTATION
Baker verurteilt Gorbatschows "Zurückhaltung" zu China
- Rede des Außenministers vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats USA benötigen zur Abschreckung zwei mobile ICBM-Systeme
- Rede des Staatssekretärs für Verteidigungspolitik im Senat -

HINTERGRUNDMATERIAL
Stand der Rüstungskontrollverhandlungen
- Wöchentliche Übersicht -

WIRTSCHAFT
Weltwirtschaftsgipfel in Paris; Polen und Umwelt als Hauptthemen
- Kommentare der amerikanischen Regierung -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
«

Mebr Drogenabhängigkeit durch neue Rauschgifte

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
28. Juni 1989

25

BAKER VERURTEILT GORBATSCHOWS "ZURÜCKHALTUNG" ZU CHINA
- Rede des Außenministers vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats -

WASHINGTON - (AD) - In einer Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Senats erklärte Außenminister Baker am 20. Juni 1989, die Vereinigten Staaten
seien von Gorbatschows "zurückhaltenden Äußerungen" zu den tragischen Ereignissen der vergangenen Wochen in China enttäuscht.
Baker nahm darüber hinaus zu den Ergebnissen des jüngsten NATO-Gipfeis,
den Ost-West-Beziehugen allgemein und den in der europäischen Sicherheitspolitik erzielten Fortschritten Stellung.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Rede im Wortlaut:

Ich freue mich, heute nachmittag
zu Ihnen über die Ost-West-Beziehungen und die von uns in der europäischen
Sicherheitspolitik
erzielten
Fortschritte sprechen zu dürfen.
Der Einsatz der NATO für den
Schutz unserer Sicherheit und die
Förderung demokratischer Werte hat zu
einem großen Teil die positiven Entwicklungen bewirkt, die wir heute auf
internationaler
Ebene
wahrnehmen.
Beim NATO-Gipfel sind alle westlichen
Spitzenpolitiker übereingekommen, daß
wir uns in den Ost-West-Beziehungen
in einer bemerkenswerten Übergangsphase befinden. Durch das Zusammenspiel von westlicher Entschlossenheit
und wirtschaftlichen Problemen innerhalb der Sowjetunion scheint die sowjetische Führungsspitze zu der Über-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

zeugung gelangt zu sein, daß sie eine
große Bandbreite innen- und außenpolitischer Themen neu überdenken muß.
Die Aufgabe des Westens besteht
nunmehr darin, die durch das neue
"Zusammenspiel der Kräfte" - um eine
Moskauer Formulierung zu verwenden hervorgebrachte Gelegenheit zu ergreifen.
In dieser Ubergangsphase
müssen wir zusammenarbeiten, um die
im
Nordatlantikvertrag
und
der
Schlußakte von Helsinki verankerten
demokratischen Grundsätze des Westens
zu fördern.
Der Präsident hat die Vereinigten
Staaten und den Westen aufgefordert,
"über Containment hinaus" auf ein
neues Ziel zuzusteuern: die Teilung
Europas zu überwinden, indem wir die

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Teilung Europas aufheben und Freiheit
nach Europa bringen. Wir wollen eine
neue Einigkeit nach Europa bringen eine Einigkeit, die auf westlichen
Werten basiert.
Der Präsident hat seine Strategie
erläutert, wie er dieses Ziel erreichen will. Er hat erklärt, wie Amerika beim "Umgang mit den Veränderungen" eine FUhrungsrolle übernehmen
und neue Aufgaben für das Bündnis und
den Westen festlegen muß.

Das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
Wir leben in einem Zeitalter des
Übergangs.
Das System der Nachkriegszeit wandelt sich, und es entsteht ein neues Umfeld.
Um diese
Veränderungen in eine Perspektive zu
rücken, ist es nützlich, sich vor Augen zu führen, welche Veränderungen
in der Sowjetunion stattfinden.
Der Kurs, den wir in der sowjetischen Politik wahrnehmen, birgt das
Potential für eine Revolution, von
der wir hoffen, daß sie Erfolg hat.
"Neues Denken" ist in Wahrheit ein
Überdenken fehlgeschlagener Ideologie.
Aber niemand - nicht einmal
Gorbatschow - weiß, wie eine Sowjetunion aussehen wird, in der diese
Veränderungen stattgefunden haben.
In dieser Übergangsphase haben
uns unsere Werte und Interessen dazu
bewogen, den Osten aktiv einzubeziehen. Wir dürfen nicht tatenlos zusehen. Wir sind entschlossen vorgegangen, als es darum ging, den Dialog
mit der Sowjetunion auszubauen und
waren betrebt, zum Schlagwort vom
"neuen Denken" in der Sowjetunion Inhalte beizutragen.
Die Sowjets haben in einer Reihe
von wichtigen Bereichen konkrete und
ermutigende
Schritte
unternommen.
Die Zahl der Auswanderer ist drastisch gestiegen. Es hat ernsthafte
Reaktionen auf unsere RUstungskontrollvorschlage - etwa bei den Mit-

telstreckenraketen und den Reduzierungen im konventionellen Bereich gegeben. Die Sowjets haben wie versprochen ihre Truppen aus Afghanistan
abgezogen. Sie haben aktiver Zusammenarbeit bei grenzüberschreitenden
Fragen von internationalem Interesse
zugestimmt. Aber bevor das Versprechen der Perestrojka Wirklichkeit und
der Fortschritt
institutionalisiert
wird, ist noch ein langer Weg zurückzulegen.
Wir müssen realistisch und geduldig sein, wenn wir die Sowjets auf
das Ausmaß ihrer Kooperationsbereitschaft testen. Wir werden hart arbeiten, um Ergebnisse in jedem Bereich zu erzielen. Einzelne Schritte
mögen von geringer Bedeutung sein,
aber zusammengenommen könnten sie zu
einem sehr viel konstruktiveren amerikanisch-sowjetischen
Verhältnis
führen.
Ergebnisse sind nicht leicht zu
erzielen, und viele der uns beide betreffenden wirklich wichtigen Probleme lassen sich nicht so leicht und
schnell lösen.
Aber der Präsident und ich sind
optimistisch, daß Fortschritte möglich sind, wenn wir die Unterstützung
heider Parteien im Kongreß haben, gemeinsam mit unseren Verbündeten zu
unseren Überzeugungen stehen, aktiv
bleiben und uns vor allem einig sind.
Die Bush-Administration hat mit
den Sowjets die gesamte Bandbreite
unserer Anliegen erörtert. Wie immer
haben wir mit den Menschenrechten angefangen. Bei meinen Ministertreffen
im Mai in Moskau habe ich einzelne
Fälle von Menschenrechtsverletzungen
vorgebracht und Außenminister Schewardnadse erklärt, daß wir nicht ruhen werden, ehe die mehreren hundert
akuter Fällen gelöst sind.
Ich habe ihn darüber hinaus darauf hingewiesen, daß wir uns wünschen, die Sowjets würden aus dem
"Zeitalter der Listen" herauskommen.
Wir möchten, daß sie Menschenrechte

�garantieren, indem sie die dort erzielten Veränderungen institutionalisieren. Wir wünschen uns eine offenes politisches System in der Sowjetunion und eine Rechtsprechung, mit
der die jüngsten Verbesserungen nur
noch schwer umkehrbar sind.
Auch in der Rüstungskontrolle
gibt es Fortschritte. Wir haben Bewegung bei der Reduzierung konventioneller Waffen versprochen. (Im folgenden werde ich auf den ehrgeizigen
Vorschlag des Präsidenten im konventionellen Bereich und die Situation
der KSE-Verhandlungen näher eingehen.) Der Präsident hat einen Vorschlag über "Offene Himmel" unterbreitet, mit dem Vertrauen durch mehr
Transparenz geschaffen werden kann.
Wir gehen auf multilateraler Ebene
mit den im Rahmen der KSZE geführten
Gesprächen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen in Wien
vor. Wir haben soeben ein bilaterales Abkommen mit der Sowjetunion unterzeichnet, mit dem militärische Aktivitäten verhindert werden sollen,
die zu unbeabsichtigten Konflikten
führen könnten.
Gestern wurden in
Genf die Rüstungskontrollverhandlungen über strategische Waffen wieder
aufgenommen.
Und wir haben ferner gegenüber
den Sowjets unser Interesse an der
Erweiterunug des RUstungskontrollprogratnms bekundet, das die Verbreitung
ballistischer Raketen, chemischer und
atomarer Waffen umfassen soll. Diese
Waffen werden von verantwortungslosen
Regierungen in instabilen Regionen
erworben und steigern die Gefahr einer Eskalation.
Obwohl wir mit Hilfe von Rüstungsreduzierungen und -kontrolle an
der Überwachung von Technologie im
Wettbewerb der Supermächte arbeiten,
haben wir Moskau gegenüber deutlich
klargemacht, daß regionale Konflikte
aufgrund der gefährlichen Bedrohung
einer Eskalation, die sie beinhalten,
zentraler Punkt der Zusammenarbeit
zwischen den Supermächten werden sollen.

In Moskau haben Generalsekretär
Gorbatschow und Außenminister Schewardnadse meinen Ausführungen zu Nicaragua und dem Friedensprozeß im Nahen Osten aufmerksam zugehört. Sie
verstehen, daß wir in Mittelamerika
der Diplomatie eine Chance geben und
daß unsere Politik die Unterstützung
beider Parteien hat. Sie kennen die
Bedeutung, die wir der Einhaltung der
von den Sandinisten in Esquipulas II
eingegangenen Verpflichtungen beimessen.
Im Nahen Osten verstehen sie
unsere Unterstützung für Wahlen in
den besetzten Gebieten, und sie verstehen ebenfalls, warum eine vorzeitige internationale Konferenz nur von
den Veränderungen ablenken wird, die
wir dort sehen wollen. Wir beteiligen uns gegenwärtig an einer Reihe
von Expertengesprächen mit den Sowjets in allen Bereichen, in denen regionale Konflikte herrschen.
Indem
die
Sowjets
positive
Schritte zur Lösung regionaler Konflikte unternehmen, können sie uns
dokumentieren, daß ihr "neues Denken"
weltweit gilt. Insbesondere in Mittelamerika und im Nahen Osten, aber
auch im Südlichen Afrika, am Hörn von
Afrika und in Asien, ist es an der
Zeit, daß die Sowjets ihre Vasallen
zu neuem Denken bewegen.
Beim Ministertreffen hatten wir
ebenfalls
fruchtbare
Diskussionen
über länderübergreifende und bilaterale Fragen. Die länderübergreifenden Probleme wurden auf unser Betreiben hin in die Tagesordnung aufgenommen. Wir haben darauf hingewiesen,
daß die Ölkatastrophe in Alaska, das
Erdbeben in Armenien, Tschernobyl,
die Erwärmung der Erde - daß all diese Probleme über die traditionelle
geopolitische Sorge hinausgehen, Souveränität und Sicherheit könnten das
internationale
Wohlbefinden
beeinträchtigen.
Außenminister Schewardnase und ich haben darüber hinaus ein
Abkommen zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung in der Beringstraße und
der Tschukschensee unterzeichnet
ein kleiner Schritt auf einem, wie
ich hoffe, langen Weg zur Lösung der

�internationalen Umweltprobleme, von
denen die gesamte Menschheit bedroht
ist.
Beim Terrorismus wollen wir Kontakte zwischen Regierungsstellen knüpfen und Informationen über terroristische Vereinigungen austauschen.
Zu bilateralen Fragen haben wir
einen vollen Arbeitsplan mit 23 so
unterschiedlichen Punkten wie Ozeanographie, zivile Luftfahrt, Atomenergie und Grenzen auf See aufgestellt.
Ich möchte diesen kurzen Überblick über die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
folgendermaßen
zusammenfassen: niemand kann die Ergebnisse der in Moskau und in den anderen kommunistischen Ländern stattfindenden Veränderungen vorhersagen.
Letztlich wissen wir, daß der Erfolg
der Reformen vor allem von Entscheidungen abhängen wird, die in Moskau,
Peking oder Ost-Berlin und nicht In
Washington, Brüssel oder Bonn getroffen werden. Wir wissen jedoch, daß
der Osten nur durch politische und
wirtschaftliche Reformen Fortschritte
erzielen kann. Sich solchen notwendigen historischen Veränderungen In
den Weg zu stellen - wie wir dies zu
unserer Empörung und mit Betroffenheit in China beobachten - heißt,
sich der Zukunft in den Weg zu stellen. Und deshalb sind Generalsekretär Gorbatschows zurückhaltende Äußerungen zu diesen tragischen Ereignissen enttäuschend.
Wir sind der festen Überzeugung,
daß Reformen in der kommunistischen
Welt - in Asien oder in Europa - voll
und ganz in unserem Interesse liegen. Aus diesem Grunde bauen wir auf
Bestrebungen der Vergangenheit auf
und erzielen in unserem Programm mit
der Sowjetunion Fortschritte.
Wir
erforschen und finden neue Mittel,
die systematische Zusammenarbeit unterstützen.
Und wir werden unsere
umfassenden Diskussion bei den Ministertreffen im September fortführen.
Wir beteiligen Moskau aktiv, hal-

ten dabei die Augen offen und konzentrieren uns weiterhin auf unsere traditionellen
Ziele und Interessen:
den Schutz der Sicherheit des Westens
und die Förderung der demokratischen
Werte, Ziele und Interessen, die wir
beim NATO-Gipfel bekräftigt haben.

Ein Schritt nach vorn - der NATO-Gipfel
Beim Gipfeltreffen zum 40. Jahrestag der NATO haben wir die nachsten 40 - nicht die vergangenen 40 Jahre als Leitlinie genommen.
Wir
haben einen kühnen Schritt gewagt,
damit ein Krieg in Europa undenkbar
und unmöglich wird, mit dem Ziel vor
Augen, daß Europa ungeteilt und frei
und die Welt für alle ein besserer
Platz zum Leben wird.

*

In Brüssel hat der Präsident drei
bedeutsame Schritte unternommen, um
im Bündnis die Führungsrolle zu übernehmen, wenn es sich der vor uns liegenden veränderten Welt stellt. Zu- ,
nächst hat diese Administration die
Gelegenheit ergriffen, um eine mögliche
historische
Veränderung
im
Gleichgewicht der Streitkräfte in Europa zu begünstigen und zu beschleunigen. Zweitens haben wir eine Vereinbarung zum Gesamtkonzept der NATO
erzielt.
Drittens haben wir neue
Aufgaben für die NATO festgelegt.

Der Vorschlag des Präsidenten
konventionellen Abrüstung

zur

Ich möchte den Vorschlag des Präsidenten zur konventionellen Abrüstung erläutern, indem ich den hier
Anwesenden einen kurzen Abriß der
bisherigen Verhandlungen gebe.
Im März dieses Jahres haben die
NATO und der Warschauer Pakt in Wien
Verhandlungen
über
Konventionelle
Streitkräfte in Europa (KSE) aufgenommen, mit dem Ziel, die durch die
Überlegenheit des Warschauer Pakts
bei den wichtigsten konventionellen
Fähigkeiten entstandene Bedrohung ab-

- 4 -

*
*

�zubauen.
Bei der Eröffnung der
KSE-Verhandlungen haben wir gemeinsam
mit unseren westlichen Verbündeten
detaillierte und umfassende Vorschläge unterbreitet, mit denen Sicherheit
und Stabilität in Europa auf erheblich
verringerten
konventionellen
Streitkräfteniveaus
herbeigeführt
werden soll.
Der Vorschlag des Westens, der
die Grundlage der Verhandlungen bildet, fordert gleiche Obergrenzen für
NATO und Warschauer Pakt bei den
wichtigsten Waffenkategorien, mit denen Territorium erobert und gehalten
werden kann. Neben dem Abbau der
entscheidenen militärischen Vorteile
des Warschauer Pakts zielt der Vorschlag des Westens bei den KSE-Verhandlungen darauf ab, die Fähigkeit
des Warschauer
Pakts zu Überraschungsangriffen und raurogreifenden
Offensiven zu verringern oder seine
Streitkräfte
zur politischen Einschüchterung
einzusetzen.
Darüber
hinaus wollen wir die Gesamtstärke
der sowjetischen Streitkräfte, den
Umfang ihrer Stationierung in Osteuropa sowie die relative Geschwindigkeit, mit der sie im Falle eines Konflikts mobilisiert werden können, abbauen oder begrenzen.
Schließlich beinhaltet unser Vorschlag vier Obergrenzen für Unterzonen, mit denen die Streitkräftekonzentratton in allen Teilen Europas
begrenzt weren könnte. So versuchen
wir die Abschreckung zu erweitern,
indem ein Gleichgewicht zwischen Ost
und West bei den Fähigkeiten zur
Durchführung und Fortsetzung militärischer Aktionen geschaffen wird.
Eine entscheidende Möglichkeit zu
Fortschritten bei den Wiener Verhandlungen ergab sich aus meinem Treffen
mit Generalsekretär Gorbatschow in
Moskau am 11. Mai 1989. Generalsekretär Gorbatschow legte mir bestimmte zahlenmäßige Obergrenzen und einen
detaillierteren Zeitplan für den Vorschlag vor, den der Osten zuvor in
Wien unterbreitet hatte. Diese Zahlen wurden offiziell kurz vor dem

NATO-Gipfel veröffentlicht.
Der Präsident gelangte zu der
Schlußfolgerung, daß die spezifischen
Vorschläge des Warschauer Pakts einer
stillschweigenden Billigung des westlichen Konzepts und des Rahmens für
die KSE-Verhandlungen gleichkämen und
die Zeit reif sei, die Verhandlungen
einen entscheidenden Schritt voranzubringen.
Der Präsident entschied,
unseren ursprünglichen Vorschlag in
vier Bereichen zu erweitern.
Beim
Gipfeltreffen wurde der Plan einmütig
von unseren Verbündeten begrüßt. Unser Vorschlag umfaßt folgenden Forderungen:
Erstens, Einbeziehung der Zustimmung des Ostens zu den vom Westen
vorgeschlagenen Obergrenzen für die
wichtigsten Teile der Landstreitkräfte. Dies würde bedeuten, eine gemeinsame Obergrenze für Panzer bei
20 000, für Schützenpanzer bei 28 000
und bei Artilleriegeschützen zwischen
16 500 und 24 000 festzusetzen, je
nach der Lösung der Definitionsfragen. Das abgebaute Gerät würde verschrottet.
Zweitens, Erweiterung
des ursprünglichen Vorschlags des Westens
unter Einbeziehung der Begrenzungen
für alle ständig an Land stationiei—
ten Flugzeuge oder für Hubschrauber
vom Atlantik bis zum Ural bei 15 Prozent unter der derzeitigen Gesamtzahl
der NATO. Alles abgebaute Gerät würde zerstört.
Drittens, ein Abkommen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, mit dem die in Europa stationierten Einsatztruppen außerhalb
des nationalen Territoriums auf einen
Gleichstand 20 Prozent unter dem derzeitigen NATO-Niveau reduziert würden. Die entsprechenden Obergrenzen
für amerikanische und sowjetische in
Europa stationierte Landstreitkräfte
würden dann bei etwa 275 000 Soldaten
liegen. Die abgezogenen Streitkräfte
würden auf beiden Seiten demobilisiert.
Bei diesen Obergrenzen für
Personal müßten die Sowjets ungefähr

- 5 -

�325 000 Soldaten aus Osteuropa abziehen und damit den im ursprünglichen
Vorschlag des Westens enthaltenen
Obergrenzen bei stationierten Streitkräften entsprechen.
Viertens, ein Abkommen über die
Beschleunigung der Zeitpläne von Ost
und West, damit ein KSE-Abkommen entsprechend der von mir gerade umrissenen Vorstellungen und zur Verwirklichung der erforderlichen Verringerungen erzielt werden kann. Der sowjetische Vorschlag forderte die vollständige Verwirklichung einer Übereinkunft bis zum Jahr 1997. Der Präsident hat als Frist für ein Abkommen
sechs Monate oder ein Jahr festgesetzt, wobei die notwendigen Verringerungen bis 1992 oder 1993 durchgeführt sein sollen.
Diese Bestimmungen würden beide
Seiten verpflichten, eine beträchtliche Anzahl an Gerät zu zerstören.
Entscheidend wäre jedoch, daß die
Überlegenheit des Warschauer Pakts
bei den wichtigsten Komponenten seiner militärischen Stärke beseitigt
würden.
Diese Bestrebungen laufen den Modernisierungsplänen der NATO nicht
zuwider. Sie sollten als Teil eines
umfassenden Ansatzes zur Verbesserung
unserer Sicherheit durch Streitkräftemodernisierung einerseits und Rüstungskontrolle und Abrüstung andererseits verstanden werden.
Die westlichen Regierungen sind
jetzt damit befaßt, die Erweiterung
unseres
ursprünglichen
Vorschlags
vorzubereiten, die bei der Eröffnung
der dritten Verhandlungsrunde in Wien
am 7. September 1989 unterbreitet
werden soll. Darüber hinaus ist der
Westen immer noch mit der Entwicklung
bestimmter Bestandteile der Verifizierungsmaßnahmen und einem Paket von
"Stabillsierungsmaßnahmen"
befaßt,
die darauf ausgerichtet sind, die
Vorteile von Obergrenzen für Gerät zu
untermauern.
Gleichzeitig wird die
Arbeit für Verhandlungen mit dem
Osten über die Entwicklung gemeinsa-

mer Definitionen und Zählvorschriften
fortgesetzt.
Beide Seiten haben grundsätzlich
Einigung darüber erzielt, daß Untergrenzen für Streitkräfte auf ausländischem Gebiet in Europa, Begrenzungen für die Streitkräfte der jeweiligen Länder sowie Unterzonen eingeführt werden sollten.
Es bestehen
jedoch entscheidende Unterschiede in
der Art und Weise, in der Ost und
West diese Grundsätze anwenden. Der
Osten muß seine Verifizierungsmaßnahmen noch verbessern, aber wir erwarten zügige Fortschritte.

Die umfassenderen Auswirkungen des
vom Präsidenten unterbreiteten Vorschlags
Ich möchte mich hier nicht in
Zahlen verlieren. Abrüstung und Rüstungskontrolle sind sehr viel mehr
als eine schlichte Subtraktion. Und
die Initiative des Präsidenten ist
mehr als nur ein militärisches Konzept.
Unser Vorschlag hat weitreichende
politische
Auswirkungen
auf
die
Schaffung des von uns angestrebten
ungeteilten und freien Europas. Wir
ergreifen diese Gelegenheit, um den
Schatten zu verringern, den die sowjetische
Militärmacht
auf
Europa
wirft. Wir versuchen, Westeuropa von
der Bedrohung der Aggression oder
politischen Einschüchterung durch die
überlegenen
Streitkräfte
des Warschauer Pakts zu befreien. Und nicht
zuletzt wollen wir dazu beitragen,
den politischen Reformprozeß in Osteuropa von der schweren Last der
übermäßigen sowjetischen Militärpräsenz zu befreien. Während wir dahin
tendieren, die sowjetischen Streitkräfte als potentielle Invasionsstreitmacht zu sehen, sind die Sowjets für Millionen Menschen im Osten
immer noch eine Besatzungsmacht.
Insgesamt wollen wir Europa zu
einem Zentrum der Kooperation und
nicht
der
Konfrontation
machen.

�Die Rolle von
NATO-Strategie

Atomwaffen

in

der

Beim Gipfeltreffen veranlaßte der
Präsident das Bündnis, einen zweiten
wichtigen Schritt in Richtung auf die
Zukunft zu unternehmen: Die Zustimmung des Westens zu den Bestandteilen
eines "Gesamtkonzepts für Rüstungskontrolle und Abrüstung". Diese Leistung ist Beweis für die Fähigkeit
der NATO, sich an Veränderungen anzupassen und gleichzeitig zu unserer
Grundüberzeugung zu stehen, daß Atomwaffen eine entscheidende Rolle dabei
spielen, die Wirksamkeit unserer Abschreckungsstrategie
zu gewährleisten. Im Lichte des bestehenden Ungleichgewichts bei den konventionellen Streitkräften gab das Bündnis
seine Zustimmung, daß Verhandlungen
über Kurzstreckenraketen erst dann
aufgenommen werden sollten, wenn die
Durchführung eines KSE-Abkommens in
die Wege geleitet worden ist. Darüber hinaus wird der vereinbarte Abbau
von SNF nicht vorgenommen, bevor das
KSE-Abkommen tatsächlich verwirklicht
ist.
Das
Gipfel-Kommunique
unterstreicht - im wahrsten Sinne des Wortes - unser Ziel, teilweise Reduzierungen dieser Streitkräfte bei den
SNF-Verhandlungen
herbeizuführen.
Das Bündnis hat sich verpflichtet, in
absehbarer Zukunft ein angemessenes
Niveau von land-, see- und luftgestützten Nuklearsystemen aufrechtzuerhalten, einschließlich landgestützter SNF-Raketen.
Damit hat das Bündnis unsere seit
langem geteilte Überzeugung bekräftigt, daß Atomwaffen einen unersetzlichen Beitrag zur Glaubwürdigkeit
der Abschreckungsstrategie der NATO
leisten. Wir hoffen, daß das katastrophale Potential einer nuklearen
Eskalation in einem Konflikt weiterhin abschreckend auf einen möglichen
Aggressor wirken wird.
Selbst bei
einem konventionellen Gleichgewicht
sind Atomwaffen immer noch von einzigartiger Bedeutung in unserer Strategie.

Neue Aufgaben für die NATO
Der dritte, vom Präsidenten beim
Gipeltreffen unternommene Schritt in
die Zukunft war seine Aufforderung an
das Bündnis, neue Probleme in Angriff
zu nehmen. Er ermutigte unsere Bündnispartner, neue Aufgaben für das
Bündnis in Betracht zu ziehen. Da es
uns gelingt, die militärische Konfrontation in Europa zu verringern,
müssen wir das Bündnis neuen Herausforderungen zuführen. Die Hauptaufgabe der NATO wird stets in der Aufrechterhaltung der kollektiven Sicherheit des Westens bestehen. Der
Schwerpunkt der Aktivitäten des Bündnisses wird in einem günstigeren europäischen Sicherheitsumfeld
jedoch
offensichtlich ein anderer sein als
in den vergangenen 40 Jahren.
Erstens sprach der Präsident über
unser Interesse an der weiteren Dezentralisierung
politischer, wirtschaftlicher und sozialer Macht in
Osteuropa.
Während wir den Westen
schützen,
müssen
wir
dem
Osten
gleichzeitig entgegenkommen, um unserer Verpflichtung zur Überwindung
der Teilung Europas Substanz zu verleihen.
In dieser Hinsicht könnten die
Rolle der NATO als politisches Konsultativforum und unsere Verpflichtung zum KSZE-Prozeß wirksamer genutzt werden, um die Haltung des Westens gegenüber dem Osten abzustimmen.
Gemeinsam mit Aktivitäten in
der Europäischen Gemeinschaft und anderen westlichen Institutionen sollten die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten eine einheitliche Strategie zur Bewältigung der Veränderungen
in Osteuropa entwickeln.
Zweitens unterstrich der Präsident die neuerkannte Gefahr für unsere Sicherheit und unser Wohlergehen
durch die Bedrohung der Umwelt. Er
schlug neue Maßnahmen vor, die der
Westen ergreifen könnte, um dem Osten
bei der Behebung seiner massiven Umweltprobleme behilflich zu sein. Darüber hinaus haben sich die Bündnis-

- 7 -

�partner dazu verpflichtet, mehr Mittel für bestimmte nichtmilitärische
Projekte bereitzustellen, die Aufgaben der Europäischen Gemeinschaft und
anderer europäischer Gemeinschaftsinstitutionen ergänzen, beispielsweise bei Umweltproblemen und im Bereich
der wissenschaftlichen Zusammenarbeit.
Drittens lenkte der Präsident das
Augenmerk auf die Notwendigkeit zur
Zusammenarbeit bei der Behandlung der
gesamten Bandbreite von Sicherheitsbedrohungen, insbesondere diejenigen,
die durch regionale Konflikte und die
Weiterverbreitung chemischer und nuklearer Waffen und ihrer Trägersysteme entstehen. Die NATO muß weder augenfällige einheitliche Antworten auf
all diese neuen Sicherheitsbedrohungen entwickeln noch sollten diese Bestrebungen auf die Zusammenarbeit
zwischen den Ländern des Westens begrenzt sein. Diese neuen Bedrohungen
sind eine Gefahr für Verbündete,
Freunde und Gegner gleichermaßen.
Wir haben unsere Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit allen betroffenen
Nationen bei ihrer Bewältigung signalisiert.

Schlußfolgerung
Der Erfolg des Gipfeltreffens und nicht zuletzt für das Bündnis
selbst - ist Beweis für die Dauerhaftigkeit der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Bande, die
Amerika seit 40 Jahren mit seinen europäischen Verbündeten einen.
Wie
der Präsident betont hat, sind und
bleiben die Vereinigten Staaten eine
europäische Macht.
In Brüssel haben wir mit unseren
Bündnispartnern ehrgeizige Zukunftspläne entwickelt.
Wir haben entscheidende Fortschritte im Bereich
der Sicherheit erzielt und erfolgreich die Richtlinien für die Entwicklung unseres nuklearen und konventionellen Einsatzkonzepts und für
die Rüstungskontrollpolitik festgelegt. Darüber hinaus haben wir das
Augenmerk auf die Notwendigkeit für
- 8

die Bündnispartner und die anderen
westlichen Nationen gelenkt, das sehr
viel umfassendere Programm in Angriff
zu nehmen, mit dem wir uns in Europa
und weltweit in den neunziger Jahren
konfrontiert sehen.
Am wichtigsten ist jedoch, daß
wir und unsere Bündnispartner beim
40. Jahrestag der Unterzeichnung des
Nordatlantikvertrags
und
in einer
Zeit tiefgreifender Veränderungen in
den Ost-West-Beziehungen eine neue
Grundlage für Einheit geschaffen haben.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

*

Dokumentation

25

28. Juni 1989

USA BENÖTIGEN ZUR ABSCHRECKUNG ZWEI MOBILE ICBM-SYSTEME
- Rede des Staatssekretärs für Verteidigungspolitik im Senat -

WASHINGTON - (AD) - Dem Staatsekretär für Verteidigungspolitik im Senat,
Paul Wolfowitz, zufolge benötigen die Vereinigten Staaten zwei Systeme mobiler
Interkontinentalraketen (ICBM) zur Abschreckung einer potentiellen sowjetischen Aggression. Wolfowitz forderte am 21. Juni den Streitkräfteausschuß des
Senats auf, im Hinblick auf die gerade in Genf aufgenommenen amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über Strategische Rüstungen (START) diesem Vorschlag
des Präsidenten zuzustimmen, der ein zweifaches System vorsieht, bei dem
MX-Raketen des Typs Peacekeeper mit 10 Gefechtsköpfen auf Schienenfahrzeugen
disloziert werden und kleinere Raketen mit nur einem Gefechtskopf auf LKWs
stationiert würden.
Nachfolgend veröffentlichen wir Wolfowitz' Ansprache im Wortlaut:

Herr Vorsitzender, verehrte Mitglieder des Streitkräftesausschusses,
Es ist mir eine Ehre, heute hier
gemeinsam mit General Welch über das
Programm
der
Administration
zur
ICBM-Modernisierung
referieren
zu
können.
Wie Sie wissen, hat die Administration eine umfangreiche Überprüfung unserer nationalen Sicherheitspolitik durchgeführt. Bei der Untersuchung aller Aspekte strategischer
Fragen sind wir zu einer Reihe von
Schlußfolgerungen
gelangt, die ich
Ihnen heute darlegen möchte, bevor
ich mich der Frage der ICBM-Modernisierung im einzelnen zuwende.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die strategische Triade
Unsere Bilanz hat die Notwendigkeit einer Triade strategischer Offensivstreitkräfte
bestätigt.
Die
drei Säulen unserer Abschreckung leisten zusammengenommen weit mehr als
die Summe der einzelnen dies vermuten
ließe.
Jede Säule hat einzigartige
Stärken und Fähigkeiten, die insgesamt den Präsidenten mit einer effektiven und flexiblen Abschreckung mit
der Fähigkeit ausstattet, sich einer
großen Bandbreite potentieller Bedrohungen zu stellen - und sie damit abzuschrecken.
Das
von
Präsident
Reagan
im
Herbst 1981 eingeleitete strategische
Modernisierungsprogramm war in höchstem Maße erfolgreich: Es hat viele

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�strategische Mängel beseitigt, mit
denen wir die achtziger Jahre begonnen haben, unsere Abschreckung gestärkt, indem es bisher existierende
einseitige Vorteile der Sowjets wie
etwa das Treffen gehärteter Ziele außer Kraft gesetzt und damit die
Grundlage für bedeutende Fortschritte
bei den RUstungsreduzierungen geschaffen hat.
Da das strategische
Verhältnis jedoch dynamisch ist und
das Reagan-Programm darauf abzielte,
alle drei Säulen der Triade in einem
Zeitrahmen von 15 bis 20 Jahren zu
modernisieren, bleibt noch viel zu
tun. Wir müssen weiterhin U-Boote,
Bomber und ICBM wie auch die sie unterstützenden Führungs- und Kommunikat ionseinrichtungen modernisi eren.

reiten Bombern und den bereits auf
See befindlichen SSBN die größtmögliche Abschreckung gegen einen sowjetischen Präventivschlag gewährleistet.
Nach Erwägung all dieser Punkte
haben wir die verschiedenen Situationen
analysiert, in denen unsere
ICBM-Silos angegriffen werden könnten. Dabei ergeben sich zwei potentielle Szenarien.
Ein sowjetischer Schlag als Reaktion auf einen Konflikt, der so
groß ist, daß er bereits zu einem
konventionellen
Krieg
zwischen
den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion geführt haben könnte
oder,
-

Die ICBM-Streitkräfte
Mit der Stationierung von 50 ICBM
des Typs Peacekeeper und der Modernisierung
der
Minuteman-Raketen
wurde eine in höchstem Maße fähige
Abschreckung geschaffen, die ein Risiko für nahezu alle Arten sowjetischer
Ziele
bedeutet.
Die
ICBM-Streitkräfte können heute jedoch
den Sowjets nicht die Fähigkeit bestreiten, einen Teil der Streitkräfte
in einem Präventivschlag zu treffen.
Der Ausschuß ist sich bewußt, daß
dieses Problem den zwanzig Jahren der
Debatte
und
Kontroverse
um
die
ICBM-Modernisierung
zugrundegelegen
hat.
Vor diesem wichtigen Hintergrund fand unsere Überprüfung statt.
Wir sind zu dem Schluß gekommen,
daß es vom Standpunkt der Abschrekkung her in der Tat wünschenswert
ist, wenn zumindest ein Teil jeder
SMule der Triade überlebensfähig wäre. Unsere alarmbereiten Bomber und
unsere nukleargetriebenen Raketenunterseeboote (SSBN) auf See werden
diesen Anforderungen heute gerecht.
Wenn einige unserer ICBM heute Uberlebensfähig wären, würde damit unter
anderem eine Vorbeugemaßnahme getroffen, wenn bei den Bombern oder den
U-Booten
Schwachstellen
auftreten,
und damit zusammen mit den alarmbe-

ein Angriff
der zuweilen als
"Blitz aus heiterem Himmel" bezeichnet wird und in Ermangelung
akuter internationaler Konflikte
oder
Feindseligkeiten
durchgeführt wird.

Wir haben große Fortschritte beim
Wiederaufbau unserer Triade gemacht
und glauben nicht, daß die Abschrekkung versagen wird. Ein Versagen der
Abschreckung und ein Angriff auf unsere ICBM-Silos ist sehr unwahrscheinlich, aber eben deshalb haben
wir viel investiert, um unsere Abschreckung effektiv zu machen, und
das müssen wir angesichts wiederkehrender Bedrohungen weiterhin tun. Da
es unabdingbar ist, daß wir gegen
beide der oben beschriebenen Szenarien eine angemesse Abschreckung haben, führen wir beide Raketenprogramme aufgrund ihrer unterschiedlichen
Entwicklungsstadien konsequent durch
und auch, weil wir damit sowohl auf
die Bedrohung als auch auf haushaltsmäßige Gegebenheiten reagieren.

Das Programm des Präsidenten
Das Mittel zur Vorbeugung gegen
die erste Art der Bedrohung steht zur
Verfügung
kann kurzfristig stationiert werden und ist darüber hinaus
voll finanzierbar. Wenn wir die exi-

�stierenden
50
Peacekeeper-Raketen
aus ihren Silos entnehmen und sie auf
Schienenfahrzeugen stationieren - womit sich die Gesamtkosten des Programms auf etwa 6 Milliarden Dollar
beliefen - hätten wir damit 50 in
drei
Jahren
Peacekeeper-Gefechtsköpfe, die voll überlebensfähig werden können, und in fünf Jahren werden
die insgesamt 500 Gefechtsköpfe umfassenden
Peacekeeper-Streitkräfte
dazu in der Lage sein.
Die Lösung für das zweite Szenarium, bei dem wir nur taktische Warnung vor einem Angriff hätten, besteht in der Entwicklung einer neuen
kleinen ICBM (Small ICBM - SICBM).
Wir könnten mit der Stationierung der
SICBM auf ihren gehärteten mobilen
Abschußvorrichtungen erst Ende der
neunziger Jahre beginnen, also lange
nach der Zeit, in der wir die 50
Peacekeeper-Raketen
in Eisenbahndepots neu stationieren könnten. Aufgrund der unmittelbaren Bedrohung,
der technologischen Reife und der
Haushaltslage hat der Präsident sich
zur Fortführung dieses Programms entschieden, will aber die 50 Peacekeeper-Raketen zuerst stationieren.
In den nächsten Jahren werden wir untersuchen, wie und wo die SICBMs zu
stationieren sind, wie viele erforderlich sein werden, wie hoch ihre
Sprengladung sein könnte und welche
Maßnahmen wir ergreifen müssen, um
die Kosten des Gesamtprogramms zu
senken.

sere befinden sich noch in der Planung.
Bevor mobile ICBM im Rahmen eines
START-Abkommens
zugelassen
werden,
müssen wir sichersteilen, daß jegliche Begrenzungen bei diesen Systemen
wirksam verifizierbar sind. Andernfalls sind die Vorteile der Stationierung mobiler ICBM zur Sicherheit
der Vereinigten Staaten das Risiko
sowjetischer Täuschungsmanöver nicht
wert. Damit die Sowjets einem befriedigenden Ergebnis bei START zustimmen, ist es von entscheidender
Bedeutung, daß die Vereinigten Staaten ihre Bereitschaft und Fähigkeit
zur Stationierung eines mobilen Systems demonstrieren.
In dieser Wochen wurden in Genf
die START-Verhandlungen wiederaufgenommen. Zusäztlich zur Verifizierung
bleiben für uns und die Sowjets noch
wichtige Fragen offen. Deshalb können wir wirklich nicht vorhersagen,
wann ein Vertrag unterschriftsreif
sein wird. Darüber hinaus wäre es
unvorsichtig, wenn wir unsere strategischen Streitkräfte so konzipierten,
daß sie einem noch unvollständigen
und nicht vereinbarten Dokument entsprächen.
Zusätzlich zu den Abschreckungsvorteilen
steilen
die
Fortführung
der Stationierung der
Peacekeeper in Eisenbahndepots und
die Konstruktion der SICBM vorsichtige Schritte und eine Vorbeugemaßnahme
dar, wenn kein Vertrag erzielt wird,
der amerikanische Interessen berücksichtigt.

Erwägungen zur Rüstungskontrolle
In Ermangelung eines START-Abkommens möchten die Vereinigten Staaten
in der Lage sein, mobile ICBM-Streitkräfte zu stationieren, die denen der
Sowjets vergleichbar sind. Die Vereinigten Staaten dürfen sich nicht in
eine Situation bringen, in der die
Sowjets überlebensfähige ICBM haben
und sie nicht. Die Sowjets haben uns
gegenüber in diesem Bereich einen
Vorsprung
da
sie
zwei
mobile
ICBM-Systeme stationiert haben. Un-

Schlußfolgerung
Herr Vorsitzender, das Programm
des Präsidenten steht für eine gesunde Abschreckungspolitik wie auch eine
gesunde Haushaltspolitik.
Und es
steht auch für eine gesunde Rüstungskontrollpolitik. Es wägt die Risiken
und Möglichkeiten vorsichtig ab, denen wir uns in den kommenden Jahren
gegenübersehen. Meiner Ansicht nach
haben wir heute die Gelegenheit, die

- 3 -

�Debatten der Vergangenheit hinter uns
zu lassen. Wenn wir uns weiter auf
dem Weg bewegen, wie er im neuen
Haushalt vorgezeichnet ist, können
wir auf angemessene Weise sowohl die
strategischen als auch die haushaltspolitischen Schwierigkeiten angehen,
die bisher so schwer zu lösen waren.
Die Kehrseite all dessen lautet
natürlich, daß drastische Veränderungen zugunsten des Programms der zwei
Raketensysteme zusäztliche Probleme
mit sich bringen werden. Die Verzögerung
des
Peacekeeper-Programms
wird seine Kosten steigern und unsere
Fähigkeit
behindern, schnell eine
verwundbare Stelle in unserem strategischen Einsatzkonzept zu heilen, das
sich auf die wahrscheinlichere von
uns abzuschreckende Bedrohung bezieht.
Wenn wir schnelle Entscheidungen
über die SICBM erzwingen, könnte das
dazu führen, daß wir voreilig eine
Rakete stationieren, die teurer als
notwendig und nicht auf eine Weise
stationiert ist, die dem Abschrekkungspotential
am
besten
gerecht
wird. Darüber hinaus könnte mangelnder Konsens zur ICBM-Modernisierung
die Position unserer Unterhändler in
Genf schwächen und auf selten der Sowjets zu der Auffassung führen, daß
wir niemals mobile ICBM stationieren
werden und sie deshalb diese Aussicht
bei ihrer Position in den START-Verhandlungen nicht in Betracht ziehen
müssen.
Wir haben genug Zeit mit der Erörterung dieser Frage verbracht. Das
Programm des Präsidenten ist eine
überlegte, logische Antwort auf ein
Problem, das aus oftmals sehr schwer
lösbaren Fragen bestand. Unser Programm verdient die Unterstützung des
Senats und des gesamten Kongresses,
und ich möchte den Ausschuß auffordern, das Programm wie auch die anderen Teilbereiche des strategischen
Modernisierungsprogramms
zu unterstützen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

"W"

Hintergrundmaterial

Ä&lt;

25

28. Juni 1989

STAND DER RÜSTÜNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Wöchentliche Übersicht -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 22. Juni 1989
vom US-Informationsamt (USIA) herausgegebene Übersicht über den Stand der
START-Verhandlungen, SDI, gemeinsame amerikanisch-sowjetische Experimente sowie die MX- und Midgetman-Raketenprogramme.

Betonung der Verifizierung
START-Verhandlungen

bei den

Die elfte Runde der Verhandlungen
Über

Kern- und

Weltraumwaffen

beider Länder herbeizuführen, um die
strategische Stabilität zu erhöhen
und die Möglichkeit eines Atomkrieges
zu verringern.

wurde

am 19. Juni 1989 mit einem Treffen
zwischen den beiden Chefunterhändlern
der amerikanischen und sowjetischen
Seite, Richard Burt und Juri Nasarkin, aufgenommen. Die Verhandlungen
beinhalten auch die ersten unter der
Bush-Administration geführten Gespräche über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) und die ersten Gespräche über die Verteidigung
im Weltraum.
Das amerikanische Ziel bei den
START-Verhandlungen
besteht
darin,
verifizierbare Reduzierungen bei den
strategischen
NuklearStreitkräften

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Noch ungelöste Hauptprobleme betreffen
see- und
luftgestützte
Marschflugkörper, mobile Interkontinentalraketen
(ICBM),
Untergrenzen
für ICBM-Gefechtsköpfe sowie die sowjetischen Bestrebungen, START an den
ABM-Vertrag aus dem Jahr 1972 zu koppeln.
In der laufenden Verhandlungsrunde, die voraussichtlich sechs bis
sieben Wochen dauern wird, werden
sich die Unterhändler vornehmlich auf
Fragen der Verifizierung konzentrieren. Die Vereinigten Staaten werden
bestimmte
Verifizierungsmaßnahmen

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Telex: 8-85432

�vorschlagen, die Botschafter Burt zufolge "vor dem Abschluß eines Rüstungskontrollabkommens" durchgeführt
werden sollen.
Präsident Bush erläuterte am 19.
Juni 1989 den Vorschlag der Vereinigten Staaten, beide Seiten sollten
"besondere Anstrengungen unternehmen,
um Einigung bei auf den Vorschlägen
basierenden Maßnahmen zur Verifizierung und Stabilität zu erzielen, die
beide Seiten bereits im Rahmen der
START- und anderer Verhandlungen unterbreitet haben".
Die
vorgeschlagenen
Verifizierungsmaßnahmen
sollen
angeblich
Vor-Ort-Inspektionen,
24stündige
Überwachung der Raketenproduktionsstätten, ein Verbot der bei Raketentests vorgenommenen Kodierung elektronischer Signale sowie einen Plan
zum Austausch von Daten über strategische Nuklearstreitkräfte enthalten.
Präsident Bush erklärte, ein baldiges Abkommen und die Durchführung
von Verifizierungsmaßnahmen "werden
die Lösung noch zu behandelnder Themen beschleunigen und den Bestrebungen unserer beiden Länder zum raschen
Abschluß eines START-Abkommens zusätzlichen Auftrieb verleihen".
Der stellvertretende Pressesprecher des Weißen Hauses, Roman Popadiuk, führte ein hypothetisches Beispiel dafür an, wie die Verifizierung
funktionieren könnte, indem er erklärte, mit der Gründung von amerikanischen und sowjetischen technischen
Expertengruppen könnten die Meinungsverschiedenheiten bei der Verifizierung gelöst und Entscheidungen über
die Art des Geräts herbeigeführt werden, das bei den Inspektionen zum
Einsatz kommen könnte.
Ein amerikanischer Verteidigungsexperte erklärte am 16. Juni, man
verfolge das Ziel, die Verifizierungsmaßnahmen
voranzubringen
und
"Mechanismen zur Art und Weise der
Verifizierung zu prüfen, so daß wir
in Genf nicht nur zusammensitzen und

darüber sprechen, sondern tatsächlich
etwas tun".
Die Sowjets halten nach wie vor
an
der
Position
fest, daß ein
START-Vertrag nur vorbehaltlich der
Zustimmung der Vereinigten Staaten
geschlossen werden kann, Begrenzungen
bei der Entwicklung der strategischen
Verteidigung gegen ballistische Raketen einzuführen.
Die Vereinigten
Staaten behaupten, START und die
Strategische
Verteidigungsinitiative
(SDI) seien getrennte Themenbereiche
und Begrenzungen bei SDI inakzeptabel.
Botschafter Burt erklärte am
20. Juni 1989, Präsident Bush vertrete die Auffassung, "es sei unverantwortlich, diese Option (SDI) zum jetzigen Zeitpunkt aufzugeben".
Burt fuhr fort: "Offen gesagt,
unserer Ansicht
nach
sollte ein
START-Abkommen nicht zum Pfand für
ein Abkommen über Verteidigung im
Weltraum oder andere Restriktionen
bei unserem Recht zur Entwicklung und
Erprobung im Bereich der strategischen Verteidigung gemacht werden."

Kongreßkoalition
strebt
der Mittel für SDI an

Kürzungen

Obwohl
die
Bush-Adminsitration
das SDI-Programm
weiterhin unterstützt, plant eine überparteiliche
Koalition von 33 Kongreßabgeordneten
eine Kürzung der Mittel für SDI in
Höhe von 1,8 Milliarden Dollar als
Zusatz zum bewilligten Verteidigungshaushalt für 1990.
Bei einer Pressekonferenz in Genf
erklärte Burt jedoch, die Bush-Administration werde das SDI-Programm "in
völligem Einklang mit" dem ABM-Vertrag von 1972 fortführen.
In der vergangenen Woche wurde
ein neuer Termin für ein wichtiges
SDI-Experiment für Mitte Juli festgesetzt: der Abschuß des ersten neutralen Teilchenstrahls in den Weltraum von New Mexico aus wurde nach
Schwierigkeiten bei der Zündung der

�Aries-Rakete abgebrochen.
Mit dem
Teilchenstrahlexperiment
in Raketen
(Beam Experiment Aboard Rockets
BEAR) soll herausgefunden werden, wie
Explosionen von Teilchenstrahlen im
Weltraum reagieren.

Amerikanische und sowjetische Wissenschaftler versuchen seegestützte
Waffen zu verfizieren
Eine Gruppe von Wissenschaftlern
vom amerikanischen Natural Resources
Defense Council (NRDC) und der sowjetischen Akademie der Wissenschaften werden vom 5. bis 8. Juli 1989
ein gemeinsames Experiment durchführen, um sowjetische Nukleargefechtsköpfe auf See aufzuspüren und zu veri fizieren.
Amerikanische Wissenschaftler der
Stanford University, dem Massachusetts Institute of Technology und dem
Brookhaven National Laboratory werden
am 1. Juli die Reise nach Moskau antreten.
John Spratt, Mitglied des
Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses wird das Experiment beobachten, das im Schwarzen Meer an
Bord eines sowjetischen Kreuzers der
Slava-Klasse durchgeführt wird, der
mit Marschflugkörpern bestückt ist.
Einem Sprecher des NRDC zufolge
besteht der Zweck des Experiments darin, "die Fähigkeit passiver Strahlungsmonitore zum Aufspüren von Nukleargefechtsköpfen auf See zu bewerten."
Präzise Methoden zur Verifizierung der Präsenz von nuklearbestückten unterseebootgestutzten Marschflugkörpern sind noch nicht entwickelt worden.

Bush versucht, die Unterstützung des
Kongresses für mobile Rakten zu gewinnen
Präsident Bush kam am 20. Juni
mit Vertretern des Kongresses zusammen, um ihre Unterstützung für seinen
Plan zur Entwicklung von zwei getrennten amerikanischen mobilen Rake-

tensystemen zu gewinnen, der MX mit
Mehrfachgefechtsköpfen und der mobilen Interkontinentalrakete Midgetman
mit einem Gefechtskopf.
Dem Sprecher des Weißen Hauses,
Marlin Fitzwater, zufolge benötigt
die Administration die Zusicherung
des Kongresses zur Finanzierung der
beiden Systeme, bevor die Genfer Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen weitere Fortschritte machen.
"Bei den Verhandlungen brauchen wir
größtmögliche Flexibilität, damit wir
unseren sowjetischen Kollegen über
den Tisch hinweg sagen können: 'Zu
diesen Systemen hat der Kongreß seine
Zustimmung erteilt, und jetzt können
wir darüber verhandeln, wie wir mit
ihnen verfahren sollen'", stellte er
fest.
Die
Reagan-Administration
hat
aufgrund der Schwierigkeiten mit der
Verifizierung beim Abbau ein Verbot
mobiler Raketen vorgeschlagen.
Die
Sowjetunion, die bereits zwei mobile
Systeme besitzt, hat sich jedoch geweigert, ein solches Verbot in Erwägung zu ziehen.
Einige Kongreßmitglieder bestehen
darauf, daß die Vereinigten Staaten
es sich nicht leisten können, zwei
mobile Systeme anzuschaffen. Die Senatoren Carl Levin und John McCain
erklärten
beispielsweise
kürzlich,
der "Zwei-Raketen-Ansatz" würde etwa
47 Milliarden Dollar kosten, "zu einer Zeit, in der wir uns mit einem
enormen Haushaltsdefizit konfrontiert
sehen und das Pentagon viele Jahre
eines stagnierenden oder gekürzten
Budgets vor sich hat".
Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses des Senats, Sam Nunn, erklärte jedoch, er sehe die Zukunft
für die beiden Raketensysteme positiv. "Es ist eindeutig klar, daß der
Präsident, der Außen- und der Verteidigungsminister ihre Bereitschaft angedeutet haben, die Genfer Position
zum Verbot mobiler Raketen zu überprüfen, wenn der Kongreß seine Zustimmung sowohl zur Finanzierung der

- 3 -

�schienenmobilen MX-Rakete als auch
der (LKW-gestützten) Midgetman gibt",
sagte er im Anschluß an ein Treffen
mit dem Präsidenten.
Verteidigungsminister Cheney hat
den Kongreß davon in Kenntnis gesetzt, daß das Pentagon für die Haushaltsjahre 1992-94 zusätzlich 1 Milliarde Dollar für das Midgetman-Raketenprogramm benötigen wird.

Berater Rowny bleibt im Amt; Hadley
wird Nachfolger von Lehman
Das Weiße Haus gab bekannt, daß
Botschafter Edward Rowny weiterhin
das Amt als Sonderberater des Präsidenten und des Außenministers für RUstungskontrollangelegenheiten
innehat. In dieser Position war er vier
Jahre lang für die Reagan-Administration tätig.
Präsident Bush nominierte außerdem Stephen Hadley zum Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium für
internationale
Sicherheitspolitik.
Vorbehaltlich
seiner
Bestätigung
durch den Senat wird Hadley dann
Nachfolger von Ronald Lehman, der
diese Position innehatte, bevor er
sein neues Amt als Leiter der Rüstungskontroll- und Abrüstungsbehörde
antrat.
Hadley, ein Sozius der Washingtoner Rechtsanwaltskanzlei
Shea and
Gardner, war Anfang der siebziger
Jahre für das Verteidigungsministerium und von 1974 bis 1977 für den Nationalen Sicherheitsrat tätig.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
%

Wirtschaft

"*" c&amp;

28. Juni 1989

25

WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL IN PARIS:

POLEN UND UMWELT ALS HAUPTTHEMEN

- Kommentare der amerikanischen Regierung -

WASHINGTON
(AD)
Die
Staats- und Regierungschefs der führenden Industrieländer bereiten sich
auf den 15. jährlich stattfindenden
Weltwirtschaftsgipfel vor, und amerikanische Regierungsvertreter erwarten, daß Probleme wie das Ungleichgewicht im Handel, der Dollar, die
Umwelt sowie die Unterstützung wirtschaftlicher Fortschritte in Osteuropa die Diskussionen vom 14. bis 16.
Juli bestimmen werden.
Das in diesem Jahr in Paris
stattfindende Gipfeltreffen ist das
erste, an dem Präsident Bush teilnehmen wird, der unmittelbar vor seiner
Ankunft in Frankreich am 13. Juli Ungarn und Polen besucht.
In einer

Pressekonferenz am 27.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Juni 1989 erklärte Bush, die Vereinigten Staaten seien bereit, Polen
und Ungarn zusätzliche Hilfe zu leisten. "Wir haben ein Paket, das ich
jetzt nicht im einzelnen erörtern
möchte, von dem ich aber überzeugt
bin, daß es hilft. Ich weiß, daß die
polnische Wirtschaft nach meinem Besuch in Polen bei unserem Gipfeltreffen eine große Rolle spielen wird."
Bush verwies darauf, daß ein Teil des
Pakets noch der Zustimmung des Kongresses bedürfe. Er betonte jedoch,
sichergehen zu wollen, daß die notwendigen Wirtschaftsreformen in Polen
durchgeführt worden seien, um zu gewährleisten, daß die amerikanischen
"Gelder vernünftig ausgegeben werden". "Wir werden diejenigen unterstützen, die sich wirtschaftlich, politisch und im Hinblick auf die Men-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�schenrechte unserem
erklärte Bush.

Kurs

annähern",

In einem Informationsgespräch mit
ausländischen Journalisten über den
bevorstehenden Wirtschaftsgipfel erklärte ein hochrangiger Regierungsvertreter am 26. Juni 1989, die im
vergangenen Jahr in Osteuropa beobachteten Ereignisse seien "mit die
ermutigendsten" der letzten 25 Jahre.
"Es besteht nun wahrhaft Aussicht
auf grundlegende politische und wirtschaftliche Verbesserungen in diesem
Teil der Welt. Nicht nur wir, sondern jeder ist nur allzu bereit, alles in seiner Macht Stehende zu tun,
um diese Entwicklung im Rahmen der
verfügbaren Mittel zu unterstützen",
erklärte er.
Der Regierungsvertreter erwartet,
daß die Gipfelteilnehmer positiv auf
die Situation in Osteuropa reagieren
werden - in welcher Form, konnte er
noch nicht sagen, da dieses Thema
noch erörtert wird.
Am Pariser Weltwirtschaftsgipfel
werden die Staats- und Regierungschefs der Bundesrepublik Deutschland,
Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, Kanadas und der Vereinigten
Staaten sowie ein Vertreter der Europäischen Gemeinschaft teilnehmen.
Das Gipfeltreffen fällt in diesem
Jahr mit dem 200. Jahrestag der Französischen Revolution von 1789 zusammen. Obwohl diese Feierlichkeiten am
13. und 14. Juli unabhängig von den
Diskussionen des Wirtschaftsgipfels
stattfinden, nehmen daran Staats- und
Regierungschefs aus 30 verschiedenen
Ländern teil.
Außer der besonderen Hilfe für
Polen sind dem Regierungsvertreter
zufolge die auf dem diesjähirgen Gipfel erörterten Themen die Lage der
Weltwirtschaft, weltweite Umweltprobleme, "der Schutz und die Ausweitung
der Gemeinschaft freier Nationen insbesondere in Osteuropa", internationaler
Terrorismus, Drogenhandel

und die Verbreitung chemischer Waffen.
Der Regierungsvertreter warnte,
diese Probleme seien zwar bei den
vorbereitenden Treffen erörtert worden, es bestehe jedoch keine Möglichkeit, vorherzusagen, welchen Verlauf
die Diskussion beim Zusammentreffen
der Staats- und Regierungschefs nehmen werden. Ihm zufolge gibt es verschiedene Probleme, auf die die Vereinigten Staaten beim Gipfel "besonderen Wert legen möchten".
"Wir möchten unbedingt sicherstellen, daß die Umweltproblematik
eingehend erörtert wird, wir wollen
gewährleisten, daß die Brady-Initiative (der von Finanzminister Nicholas
Brady unterbreitete Vorschlag zur Bewältigung der Schuldenprobleme der
Dritten Welt) die Zustimmung und Unterstützung erhält, die sie verdient,
und wir wollen garantieren, daß eine
inhaltsreiche
Diskussion
über die
Frage geführt wird, wie sich die
Volkswirtschaften auf der ganzen Welt
gegenseitig unterstützen können, um
einen Ausgleich zu erzielen", erklärte der Regierungsvertreter.
Zum letzten Punkt erläuterte er,
daß die Verbesserungen im Handel und
Leistungsbilanzdefizit im vergangenen
Jahr stagniert oder sich zumindest
verlangsamt haben, und die Vereinigten Staaten die Auffassung vertreten,
daß in Paris Diskussion
darüber
stattfinden müssen, wie das Ungleichgewicht abgebaut werden kann.
"Alle sollten darüber nachdenken,
warum das Ungleichgewicht besteht,
was dagegen getan werden kann, welche
Maßnahmen unserer Ansicht nach die
anderen dabei ergreifen sollen und
welche Schritte wir unternehmen wolI en .
tt

Nach dem Abbau des Ungleichgewichts im Handel zwischen den Vereinigten Staaten und Japan in Höhe von
nur 5 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr sei diese Verbesserung rückläufig und das amerikanische Handelsdefizit gegenüber Japan könne sich in

- 2-

�diesem Jahr in einer Größenordnung
von 50 Milliarden Dollar bewegen.
Dem amerikanischen Regierungsvertreter zufolge bereitet der Höhenflug
des Dollars der vergangenen Monate
gegenüber den wichtigsten Währungen
den Teilnehmerstaaten des Gipfeltreffens Schwierigkeiten beim weiteren
Abbau der Ungleichgewichte im Handel
und "dieses Thema wird ebenfalls erörtert werden".
r

»

In dieser Hinsicht biete das Gipfeltreffen den Teilnehmern eine gute
Gelegenheit zur gemeinsamen Beratung,
wie größere Koordination und Kooperation ihrer jeweiligen Volkswirtschaften herbeigeführt werden kann.
Während der letzten beiden Gipfeltreffen hatten die Vertreter Japans und der Bundesrepublik Deutschland auf eine Stimulierung der Binnennachfrage gedrängt und die Vereinigten Staaten zum Ausgleich ihres
Haushaltsdefizits aufgefordert.
Dem
Regierungsvertreter
zufolge
werden
Fortschritte bei diesen Bestrebungen
überprüft.
Die Gipfelteilnehmer würden die
Erörterungen des vergangenen Jahres
über strukturelle Wirtschaftsreformen
fortsetzen - "was die einzelnen Länder unternehmen sollten, um ihre
Volkswirtschaften effizienter zu gestalten".
Ein Ansatz zur Behebung des Ungleichgewichts im Handel zwischen den
Vereinigten Staaten und Japan läge in
der Beseitigung der japanischen Behinderung amerikanischer Exporte.

i

Der
Regierungsvertreter
fuhr
fort, Fragen der Umwelt kämen bei allen Gipfelteilnehmern zentrale Bedeutung zu, einschließlich der eingehender Erörterung solcher Probleme wie
der weltweiten KlimaVeränderung, Rodung der Wälder, Verschmutzung der
Meere, Giftmüll, saurer Regen sowie
Schwund der Ozonschicht. Die Gipfelteilnehmer werden
ein gemeinsames
Vorgehen zur Verbesserung der For-

schung und Datenerfassung in diesen
Bereichen in Betracht ziehen, fügte
er hinzu.
Im Zusammenhang mit dem BradyPlan, in dem die Handelsbanken und
Schuldnerländer aufgefordert werden,
mit Unterstützung der Weltbank und
Mitteln des Internationalen Währungsfonds einen Abbau sowohl der Schuldenlast als auch des Schuldendienstes
auszuhandeln, erklärte der Regierungsvertreter, er erwarte die Unterstützung dieser Initiative durch
die Gipfelteilnehmer.
"Wir alle wissen, daß die jeweiligen Verhandlungen
(zwischen den
Banken und den Schuldnerländern) diesem Konzept zufolge langwierig sein
werden, insbesondere die ersten Verhandlungsrunden", fuhr er fort. "Wir
haben das Gefühl, daß sie einen
Schritt in die richtige Richtung machen. Und ich glaube, daß die Gipfelteilnehmer dieses Gefühl teilen
werden."
Der amerikanische Regierungsvertreter räumte ein, daß von den Gipfelteilnehmern andere Vorschläge bezüglich der Schuldenstrategie unterbreitet worden sind, fügte jedoch
hinzu, "der Konsens konzentriert sich
im Augenblick auf den Brady-Plan".
Dem hochrangigen amerikanischen
Regierungsvertreter
zufolge
werden
auch Fortschritte bei der laufenden
Uruguay-Runde multilateraler Verhandlungen erörtert und die Vereinigten
Staaten würden auch in Zukunft kein
Hehl aus ihrer Ansicht machen, daß
Fortschritte bei solchen Themenbereichen wie Landwirtschaft und geistigem
Eigentum unabdingbar sind.
"Wir sind sehr bestrebt, dieser
Runde in der zur Verfügung stehenden
Zeit auf den Kurs zu verhelfen", erklärte er, "damit sie sich nicht allzusehr in die Länge zieht und ihren
Terminplan einhält", der auf Ende des
Jahres 1990 festgesetzt ist.
Dem

Regierungsvertreter

zufolge

�erwarten
die
Vereinigten
Staaten
nicht, daß unfaire Handelspraktiken
gemäß dem neuen Abschnitt "Super 301"
des Handelsgesetzes ein Streitpunkt
beim Gipfeltreffen sein werden.
Zu politischen Themen erklärte
er, die Ereignisse in China sowie die
kollektive oder individuelle Reaktion
der Gipfelteilnehmer werden bei dem
Pariser Treffen eine Schlüsselrolle
einnehmen.
"Meiner Ansicht nach hat sich ein
enormes Gefühl der Enttäuschung darüber verbreitet, daß die im vergangenen Jahr noch so vielversprechenden
Ansätze in China eine solch unglückliche Wendung genommen haben ... Zu
recht sei man besorgt, hier könne ein
Präzedenzfall für Ereignisse in anderen Regionen der Welt geschaffen werden, wo die Planwirtschaften eine gewisse Liberalisierung erfahren", erklärte er.
"Man hat das Gefühl, zu den Ereignissen in China eindeutig Position
beziehen zu müssen, und sei es nur,
um ähnliche Zwischenfälle in Osteuropa in der Zukunft zu verhindern",
fuhr er fort.
Der Regierungsvertreter gab keinen Kommentar dazu ab, wie diese Besorgnis von den Gipfelteilnehmern zum
Ausdruck gebracht werden könnte.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Wissenschaft und Technik

28. Juni 1989

25

MEHR DROGENABHÄNGIGKEIT DURCH NEUE RAUSCHGIFTE

(AD) - Heroin und das Aufputschmittel Metamphetamin werden neuerdings in Formen angeboten, bei denen
der Stoff nicht gespritzt oder als
Tablette
eingenommen, sondern geraucht wird. Noch sind die neuen Zubereitungen in der Drogenszene wenig
verbreitet, erklärte kürzlich Dr.
Nicholas J. Kozel, Epidemiologe am
"Nationalen Institut für NarkotikaMißbrauch (NIDA - National Institute
on Drug Abuse).
Jedoch ist man in
den Vereinigten Staaten darauf vorbereitet, daß diese in wachsenden Mengen auf den Markt gebracht werden.
Sie könnten ähnliche verheerende Auswirkungen haben wie das Kokainderivat
Crack. Eine weitere Form von Rauschgift, die neue synthetische Droge
"Ecstacy", ist schon leicht erhältlich und wird vor allem von jungen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Leuten konsumiert. Sie verändere die
Stimmungslage, gelte aber als harmlos, "weil sie einen nicht schon beim
ersten oder zweiten Mal umwirft", bemerkte Kozel.
Auf ähnliche Weise kam in den
siebziger Jahren Kokain in Mode. Es
führte zu der jetzt von niemandem
mehr geleugneten Epidemie - nicht zuletzt deshalb, weil zunächst eindeutige wissenschaftliche Beweise für
das Risiko der Droge fehlten. "Heute
wissen wir, daß Kokain, insbesondere
das rauchbare Kokain-Crack, schon
beim ersten Mal zum Tode führen
kann", sagte Dr. Kozel. "Wir haben
inzwischen auch unwiderlegbare Beweise, daß Marihuana wichtige Regionen
des Gehirns zerstört". Die Besorgnisse der NIDA-Mitarbeiter hinsieht-

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�lieh der neuen Rauschgiftpräparate
werden von Vertretern der DEA (Drug
Enforcement Administration - Bundesbehörde zur Strafverfolgung von Drogendelikten) geteilt. Als Warnsignal
gilt die Tatsache, daß mehr denn je
versucht wird, Opium ins Land zu
schmuggeln. So wurde etwa im Februar
Heroin in bisher nie dagewesener Menge
beschlagnahmt.
Herkunftsländer
sind Burma und Laos, aber auch Iran,
Pakistan, Mexiko und Afghanistan.
In einer Reihe von Studien versucht man am NIDA-Institut derzeit
die
zerstörerischen
Nebenwirkungen
der rauchbaren Formen von Heroin, Metamphetamin und Ecstacy zu erforschen. Auf keinen Fall sollte die
Öffentlichkeit noch einmal - wie bei
Kokain-Crack - den Fehler begehen,
neue Rauschgifte für harmlos zu halten, solange ihre Risiken nicht mit
wissenschaftlichen Daten belegt sind.
Außerdem ist Dr. Kozel zufolge keine
klare Unterscheidung mehr zwischen
Ländern möglich, in denen Drogen produziert oder konsumiert werden. Beispielsweise sind die rauchbaren Metaraphetamine von den Philippinen über
Hawaii in die Vereinigten Staaten gekommen. Und hier wurde kürzlich von
Beamten der DEA ein Metamphetaminlabor auf dem Lande ausgehoben, das Abnehmer in England mit seinen gefährlichen Produkten
beliefert hatte.
Kokain findet gegenwärtig in Westund
Osteuropa weite Verbreitung - Grund
genug für Regierungen, Behörden und
Öffentlichkeit, wachsam zu sein.
Nach Meinung von Melvyn Levitsky,
der als Nachfolger von Abteilungsleiterin Ann Wrobleski für internationale Narkotika-Angelegenheiten im USAußenministerium
nominiert
wurde,
müßte dem illegalen Drogenhandel in
der Außenpolitik generell mehr Bedeutung beigemessen werden. Der Karrierediplomat setzte sich vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats dafür
ein, Drogenprobleme als Teil der bilateralen Beziehungen mit anderen
Ländern zu betrachten.
Als einige
seiner Prioritäten nannte er

Verhinderung
der
Abzweigung
legaler Grundstoffe für die
Herstellung illegaler Drogen;
Erleichterung
zur
Aufhebung
des
Bankgeheimnisses
und
anderer
Maßnahmen,
um
die
Geldwäsche illegaler Drogenprofite zu verhindern;
-

Weltweite
Unterstützung
des
moralischen Grundsatzes, daß
Drogenkonsum "ein Übel ist,
das Regierungen und Demokratie
bedroht";
Unterstützung der Vernichtung
von
Koka-Anpflanzungen
mit
Herbiziden, die von Flugzeugen
aus versprüht werden und unschädlich für Mensch und Umwelt sind, und Verbreitung von
Informationen über die Schäden, die durch den Kokastrauch-Anbau angerichtet werden;
Verringerung
der
weltweiten
Nachfrage nach Rauschgiften;

-

Bemühungen um mehr internationale Zusammenarbeit, insbesondere mit den Industrieländern.

Wenn Melvyn Levitsky bestätigt
wird, steht er an der Spitze einer
Behörde mit einem Jahresbudget von
115 Millionen Dollar, die für die Unterstützung von Projekten zur Zerstörung von Drogenpflanzen-Kulturen und
zur Strafverfolgung von Drogendelikten in 13 Ländern zuständig ist. Ihr
Jahresbericht entscheidet darüber, ob
andere Länder als kooperationsbereit
zu betrachten sind und somit auch
weiterhin US-Auslandshilfe bekommen
können.
Eine wichtige Ergänzung zum Programm Levitskys stellt der Vorschlag
des Premierministers
von Jamaika,
Michael Manley, dar, ähnlich der
Friedenstruppe der Vereinten Nationen
eine internationale Anti-RauschgiftTruppe aufzustellen.
Sie soll Spezialisten ausbilden und Unterstützung

- 2 -

�bei der Fahndung und Festsetzung von
Drogenhändlern geben, ebenso bei der
Vernichtung von Anpflanzungen. Ausserden soll sie Ländern als "paramilitärische Truppe" im Kampf gegen
Drogen auf Anforderung zur Verfügung
stehen. Bekämpfungsmaßnahmen im nationalen oder bilateralen Rahmen reichen einfach nicht mehr aus, weil die
Drogenländer weltweit
operieren
gleichgültig, ob es sich um Produktion, Transport, Verteilung oder Absatz handelt.

* * * * *

- 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker verurteilt Gorbatschows "Zurückhaltung" zu China&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Außenministers vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA benötigen zur Abschreckung zwei mobile ICBM-Systeme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Staatssekretärs für Verteidigungspolitik im Senat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stand der Rüstungskontrollverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wöchentliche Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltwirtschaftsgipfel in Paris: Polen und Umwelt als Hauptthemen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kommentare der amerikanischen Regierung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mehr Drogenabhängigkeit durch neue Rauschgifte</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Artikel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Große Hoffnung Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das neue Flüchtlingsprogramm läuft auf vollen Touren&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hummel Hummel am Potomac&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Deutsche Schiftsbesatzung in Amerika sehr beliebt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Peter Heidenberger&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Segenspendende Atomenergie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neue Beobachtungen auf dem Gebiet der atomaren Heilkunde&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Der Einspalter&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Squaw Valley - Schauplatz der Winterolympiade 1960&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Gedenktage im August 1955&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Kurznachrichten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;I. Schlussansprache Präsident Eisenhowers auf der Genfer Konferenz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;II. Eisenhower berichtet über Genfer Konferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der am 25. Juli 1955 von allen amerikanischen Rundfunk- und Fernsehstationen übertragenen Ansprache des Präsidenten&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Politik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kennedys literarische Berater&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Morton Blum, Professor für Geschichte an der Yale-Universität&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Aus der medizinischen Forschung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neues Narkosemittel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ultraviolettlicht gegen Staphylokokken&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diät gegen schwere Störung des Eiweißstoffwechsels&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Ergebnisse in der Erforschung und Behandlung der Koronarsklerose&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hormone gegen Anämie&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neues aus der Läukämieforschung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kohlendioxyd lockt Moskitos an&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Biotechnik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schallorientierung des Delphins&lt;br /&gt;&lt;em&gt;SONAR-Spezialisten gehen bei intelligenten Meerestieren in die Lehre&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Kulturnachrichten aus den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sechs Meldungen aus dem Reich der Künste&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Liste der Gedenktage im August-September 1961&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy unterstreicht feste Haltung der USA in der Berlin-Frage&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy vom 25. Juli 1961&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumcfllcilion
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. Juli 1982

29
INHALT

DOKUMENTATION
Amerika begeht "Woche des Gedenkens an die Völker in Fesseln"
- Erklärung und Proklamation Präsident Reagans Peter McPherson:

Politik der Entwicklungsländer SchlLissel zum Wachstum

- Rede des Direktors des amerikanischen Entwicklungshilfe-Programms INFORMATION
Kenneth Dam: Der neue Stellvertretende Außenminister der USA
HINTERGRUNDMATERIAL
Fälschungen, Falschinformationen und politische Einflußnahme als Mittel
der sowjetischen Außenpolitik
- Ergänzender Bericht des US-Außenministeriums USA suchen Verbesserung von Nukleartestverträgen

•*

Realistische Abrüstung
- Ein Kommentar der "Stimme Amerikas" Kanadische Studie untermauert Verdacht auf Anwendung chemischer Waffen

^

- Bericht an die Vereinten Nationen veröffentlicht Einschränkung der Ost-West-Telefonverbindungen durch UdSSR beklagt
- Presseerklärung der Helsinki-Kommission des amerikanischen Kongresses Nutzung der Raumfahrttechnik im Interesse aller Menschen
- NASA-Direktor Beggs zur Haltung der USA auf der UN-Weltraumkonferenz -

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. Juli 1982

29

AMERIKA BEGEHT "WOCHE DES GEDENKENS AN DIE VÖLKER IN FESSELN"
- Erklärung und Proklamation Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - In einer Erklärung, die Präsident Reagan am 19.
Juli 1982 im Zusammenhang mit der Unterzeichnung der Proklamation zur "Woche
des Gedenkens an die Völker in Fesseln" abgegeben hat, ermahnte er das amerikanische Volk und die freien Nationen, fest zu den Prinzipien der Freiheit
zu stehen.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Bei meinem Besuch unserer Freunde und Verbündeten in Europa vor sechs
Wochen erfuhr ich, auf welch

lebhaftes Interesse der Aufruf dieser Nation

zu einer weltweiten Kampagne für die Freiheit stößt.

Unsere unverblümte

Kritik an totalitären Regimen und unsere Bereitwilligkeit, für die Ideale
der persönlichen Freiheit und eine repräsentative Regierungsform einzutreten,
fanden ein verständnisvolles Echo unter den Europäern und, wie ich glaube,
auch unter vielen Millionen Menschen rund um die Erde.
Doch selbst in dem Augenblick, in dem ich unserem Vertrauen Ausdruck
gab, daß die Ideale der Freiheit und der Wunsch nach Selbstregierung letzt-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Selbstregierung letztlich über jene triumphieren werden, die den Einzelmenschen dem Staat unterordnen möchten, sah ich mich den unwiderlegbaren
Beweisen dessen gegenüber, wie schwer dieses Ringen sein wird.
In Berlin steht ein finsteres Monument aus Stahl und Stein - eine Mahnung an jene, deren selbstverkündetes Ziel es ist, alle Völker der Erde zu
beherrschen.
Die Tragödie unserer Zeit ist es, daß sie dieses Ziel bisher so weitgehend verwirklichen konnten.

Im Baltikum, in Osteuropa und in Asien und

nunmehr auch in Afrika und Lateinamerika fällt ein Volk um das andere einer
Ideologie zum Opfer, die all das zu ersticken trachtet, was gut am Geist
des Menschen ist - selbst wenn sie versucht, ein kommunistisches Regime zu
rechtfertigen.
Der Totalitarismus und seine Ausbreitung sind weder das Ergebnis einer
Volksbewegung noch das freier Wahlen.

Er wurde vielmehr durch militärische

Gewalt oder subversive Maßnahmen eines winzigen Kader errichtet, dessen einzig wirkliches Ideal der Wille zur Macht ist.
Es ging hier nicht, wie verheißen, um eine neue klassenlose Gesellschaft
oder um die Diktatur des Proletariats.

Es ging vielmehr um Zwangsarbeit und

Massenverhaftungen, um Hunger und Massaker, den Polizeistaat und das Pochen
an der Haustür mitten in der Nacht.
Dieser Totalitarismus bedeutete auch den Aufbau des größten Imperiums
in der Geschichte der Erde - eines Imperiums, dessen territorialer Ehrgeiz
ein sinnloses Wettrüsten provoziert hat und dessen ideologische Besessenheit
die größte Einzelgefahr für den Frieden unter den Völkern bleibt.
Die unheilkündende Zunahme dieser Gefahr und das menschliche Leid, das
sie hervorruft, sind eindeutig das wichtigste Nachrichtengeschehen in unserer
Generation und, wie gesagt, die Tragödie unserer Zeit.
Im Jahr
- 2 -

�Im Jahr 1959 beschloß der Kongreß der Vereinigten Staaten erstmals
unter dem Eindruck des rücksichtslosen und blutigen Angriffs auf die freie
ungarische Regierung von 1956 des Heroismus und der Standhaftigkeit jener
Menschen zu gedenken, die in Ländern leben, die ihnen das Recht auf Selbstbestimmung verweigern.
Heute stehen wir mit dieser Proklamation zum Gedenken der Nationen in
Fesseln und mit diesem ersten öffentlichen Akt ihrer Unterzeichnung treu
zu dieser Tradition und zu jenen, denen sie Hoffnung und moralische Festigkeit geben soll.
Heute erinnern wir uns als Nation selbst an die Kostbarkeit unserer eigenen Freiheit und erneuern unsere heilige Entschlossenheit,dafür einzutreten, daß eines Tages alle Völker der Erde die gottgegebenen Rechte freier
Männer und Frauen genießen können.
Wir bekräftigen insbesondere unsere Hoffnung, daß jene Länder Osteuropas, Asiens, Afrikas und Lateinamerikas, die gegenwärtig kommunistischer
Herrschaft unterliegen, eines Tages ihre nationale Souveränität zurückgewinnen und sich wieder der Würde ihrer eigenen nationalen Traditionen erfreuen können.
Seit jene erste Resolution zum Gedenken der Völker in Fesseln angenommen wurde, haben wir mehrere schmerzliche Beispiele für Angriffe auf den
Geist des Menschen erlebt. Unabhängige Menschen in Afghanistan geben gegenwärtig ihr Leben im Widerstand gegen eine Aggression der blutigsten Art.
Und einmal mehr in Polen werden wir Zeuge der Unterdrückung der Rechte der
polnischen Arbeiter und der Einkerkerung der führenden Kräfte der "Solidarität".
Alle diese Aktivitäten, die von der sowjetischen Militärmacht unterstützt und
geleitet werden, sind ein weiteres tragisches Kapitel in der Suche des polnischen Volkes nach Freiheit und nationaler Souveränität.
Wir im Westen müssen mehr tun, als nur über die Angriffe auf die Freiheit des Menschen zu schimpfen. Dieser Kampf ist seinem Wesen nach letztlich
- 3 -

�nach letztlich so geartet, daß er nicht durch militärische Macht, sondern
durch die geistige Entschlossenheit und das Vertrauen in die Zukunft der
Freiheit entschieden werden wird - insbesondere angesichts der welkenden
und dahinschwindenden Träume des Marxismus-Leninismus.
Lenin befürwortete den Rückgriff auf strategische Tricks, Kunstgriffe,
Manöver, illegale Methoden, Ausflüchte und Täuschungen aller Art.

Wir im

Westen gebieten über weit potentere Waffen als Drohungen, Täuschungen und
Fälschungen.

Wir besitzen die Macht der Wahrheit - einer Wahrheit, die

über Mauern aus Stein und Stahl eines Polizeistaats hinwegreicht und in
kommunistischen Ländern Kampagnen und Koalitionen für die Freiheit auf den
Plan rufen kann.
Wie lange kann man die einfache Tatsache ignorieren oder übersehen:
Nur totalitäre Staaten bestücken ihre Grenzen mit Mauern und Stacheldraht,
um ihre Bürger davon abzuhalten, dem "Arbeiterparadies" zu entfliehen.
Vor einigen Monaten erhielt ich einen Brief von führenden Männern der
"Solidarität", die sich zur Zeit der Aktion der herrschenden Militärjunta
gegen die "Solidarität" gerade in der freien Welt aufhielten. Die Schreiber
des Briefes wiesen darauf hin, daß ein totalitäres Regime "nur von innen
her und durch den nichtgewaltsamen Druck des Volkes zerfallen kann. Unsere
Erfahrungen in Polen zeigen, wie wirksam ein derartiger Drang nach Veränderungen sein kann. Unser Gegner ist sich dessen völlig bewußt, daß unser
Widerstand ohne einen freien Strom von Informationen und Ideen nicht aufrechterhalten werden kann."
Die führenden Gewerkschaftler fuhren fort, "wir wenden uns an sie
wegen der gleichen Achtung vor der Macht der Ideen und der Wirksamkeit des
Rundfunks als deren Träger.

Auf die Dauer kann sich der Rundfunk als die

billigste und wirksamste der verfügbaren Optionen erweisen."
Lassen Sie mich heute klarstellen, daß wir im Einklang mit den haushaltsmäßigen Erfordernissen mit einem Programm vorangehen werden, unser primäres

�unser primäres Medium der internationalen Kommunikation, unser internationales Rundfunksystem, zu modernisieren.
Mit der Durchführung dieses entscheidenden Elements unserer Vorwärtsstrategie für die Freiheit werden wir das Versprechen einlösen, das ich dem
amerikanischen Volk während der Wahlkampagne abgegeben habe- ein Versprechen,
das mir damals am Herzen lag und das mir auch heute am Herzen liegt.

Der

Plan der Modernisierung zu relativ bescheidenen Kosten über mehrere Jahre
hinweg wird es Millionen von Menschen, die unter kommunistischer Herrschaft
leben, leichter machen, die Wahrheit über den Kampf zu erfahren, der heute
zwischen den Kräften des Totalitarismus und denen der Freiheit in der Welt
ausgetragen wird.
Es ist eine traurige Tatsache, daß die Stimme Amerikas, Radio Free
Europe und Radio Liberty viele Jahre hindurch vernachlässigt wurden. Ihre
technischen Einrichtungen sind veraltet und werden immer anfälliger, ihr
Programmbudget ist angespannt. Es geschieht wenig, den Störsendern zu begegnen, die ihre Tätigkeit in den letzten Jahren intensiviert haben.
Die Sowjets, das sollte man meines Erachtens wissen, wenden etwa drei
bis vier Mal mehr auf, um unsere Fremdsprachen-Sendungen zu stören, als wir
ausgeben, um diese Sendungen zu übertragen.

Und irgendwer - wir können

hinsichtlich seiner Identität nur Spekulationen anstellen - richtete im
vergangenen Jahr einen zerstörerischen Bombemangriff auf den Sitz von Radio
Free Europe und Radio Liberty.
Ich möchte dem Kongreß meinen Dank dafür aussprechen, daß er kürzlich
seine Zustimmung zur Reorganisierung des Managements dieser internationalen
Rundfunkanstalten gab, und ich möchte ihn heute dringlich ersuchen, die Geldmittel bereitzustellen, die so dringend benötigt werden, damit das Volk von
Kuba über Radio Marti die Wahrheit über die Auseinandersetzung zwischen Freiheit und Totalitarismus erfährt.
Wir können

�Wir können die Angst jener voll und ganz verstehen, die nicht wünschen,
daß die Wahrheit die Menschen in der kommunistischen Welt erreicht - die
Angst jener, die bereit sind, die Vereinbarungen von Helsinki in aller Offenheit zu verletzen, oder die sich gar terroristischer Gewalt bedienen, um die
Wahrheit zu ersticken.

Denn die Ereignisse in Polen während der letzten bei-

den Jahre haben gezeigt, daß die Wahrheit zu einer mächtigen Waffe wird,
wenn man ihr auch nur eine geringe Sendezeit und ein wenig Atemraum einräumt - zu einer Waffe, die jeder noch so repressive Polizeistaat fürchten
muß.
Wir sind zuversichtlich, daß die Kräfte des Totalitarismus in Polen,
in Afghanistan und in allen Völkern in Fesseln nur einen vorübergehenden,
flüchtigen Sieg errungen haben.

Gegen die Anziehungskraft demokratischer

Ideen und gegen den Freiheitsdurst von Männern und Frauen können die Drohungen des Kriegsrechts, Einkerkerung oder andere der kunstvollen Formen der
Repression niemals einen dauerhaften Triumph erringen.
In einem Interview, das hier kurz vor seiner Gefangensetzung publiziert
wurde, sprach Lech Walesa "vom Weizen, der auf Steinen wachsen kann", davon
auch, wie brutale Unterdrückung die Freiheitshoffnungen und den Freiheitsdurst jener nur stärkt, die sich nach Freiheit sehnen. Und er erklärte ferner, "unsere Seelen enthalten genau das Gegenteil dessen, was jene wünschen.
Sie, die kommunistischen Machthaber, erwarten von uns, daß wir nicht an
Gott glauben - und unsere Kirchen sind voll. Sie erwarten von uns, daß wir
materialistisch und zu Opfern unfähig sind; wir aber sind anti-materialistisch
und opferbereit. Sie erwarten von uns, daß wir uns vor Panzern und Kanonen
fürchten; und wir haben überhaupt keine Angst vor ihnen." Die Liebe zur Freiheit und das Feuer der Freiheit brennen in Polen weiter, so wie sie in allen
Völkern in Fesseln brennen.
Den Führern der "Solidarität", dem Volk von Polen und allen jenen, denen
die Freiheit vorenthalten wird, schicken wir heute eine Botschaft:

Eure

Sache ist nicht verloren, Ihr selbst seid nicht vergessen und Eure Suche nach

�Eure Suche nach Freiheit lebt in Euren und in unserem Herzen weiter.

Wenn

Gott will, dann werden wir den Tag erleben, an dem wir gemeinsam von den
Freuden der Freiheit und von dem Weizen sprechen können, der auf Steinen
wächst.

Die Proklamation, mit der Präsident Reagan
die Woche vom 18. Juli 1982 zur Woche des
Gedenkens an die Völker in Fesseln bestimmte und die er erstmals vor Vertretern der
Öffentlichkeit unterzeichnete, lautet:
Im vergangenen Jahr wurden wir Zeuge einer weiteren tragischen Demonstration des Versagens der Tyrannei in dem Versuch, in Wettstreit mit den Prinzipien der Freiheit zu treten. Die Verhängung des Kriegsrechts in Polen am 13.
Dezember 1981 war eine bittere Erinnerung daran, daß das Streben nach Freiheit und Selbstbestimmung nur durch Gewalt eingedämmt werden kann. Ein solches Vorgehen ist ein Beweis für den moralischen Bankrott eines Systems, das
unfähig ist, die Unterstützung des Volkes zu gewinnen, nachdem es sich mehr
als 35 Jahre an der Macht befindet.
Die gleiche Repression, der das polnische Volk unterworfen wurde, wird
auf verschiedene Weise auch in den anderen Völkern in Fesseln sichtbar, die
durch eine ausländische Militärmacht und eine fremde marxistisch-leninistische
Ideologie beherrscht werden. Die brutale Unterdrückung der Souveränität in
Afghanistan und die Versklavung der Völker in Osteuropa halten an. Zu den
Unterdrückten müssen wir auch die Völker vieler Nationalitäten innerhalb der
Sowjetunion selbst zählen; sie sind Opfer von Jahrzehnten der Unterdrückung.
Vor 33 Jahren ermächtigte und ersuchte der Kongreß den Präsidenten in
einer gemeinsamen Resolution, die am 17. Juli 1959 angenommen wurde, die dritte
Woche im Juli zur Woche des Gedenkens an die Völker in Fesseln zu proklamieren.
Diese Woche

�Diese Woche bietet den Amerikanern Gelegenheit, die Gründervä'ter unserer eigenen Nation zu ehren, deren Weisheit und deren Verpflichtung auf
die Selbstbestimmung und die Freiheit diesem Land mehr als 200 Jahre hindurch
als Richtschnur gedient haben. Laßt uns einmal mehr unseren Glauben bekräftigen, daß die Sehnsucht nach Freiheit letztlich über die Herrschaft der Gewalt und des Zwanges siegen wird, die Völkern in vielen anderen Teilen der
Erde heute die Menschenrechte verweigert.
Deshalb bestimme ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, hiermit die Woche, die am 18. Juli 1982 beginnt, zur "Woche
des Gedenkens an die Völker in Fesseln".
Ich fordere das Volk der Vereinigten Staaten auf, diese Woche mit angemessenen Feierlichkeiten und Aktivitäten zu begehen und seine Hingabe an
die Ideale zu bekräftigen, die uns einen und andere inspirieren.
Zum Zeugnis dessen habe ich an diesem 19. Tag des Juli im Jahre des
Herrn 1982 und im 207. Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten dieses
Dokument eigenhändig unterzeichnet.

+ + + + +

�ä

mIER

J 1 1kl

I Dl Ell

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29

28. Juli 1982

PETER MCPHERSON: POLITIK DER ENTWICKLUNGSLÄNDER SCHLÜSSEL ZUM WACHSTUM
- Rede des Direktors des amerikanischen Entwicklungshilfe-Programms -

BALTIMORE - (AD) - Der Leiter des amerikanischen Amtes für Internationale Entwicklung (AID), Peter McPherson, unterstrich in einer Rede am 19.
Juli 1982 vor der 25. Jahreskonferenz der Gesellschaft für internationale
Entwicklung in Baltimore, daß die Industriestaaten auch weiterhin den Entwicklungsländern Hilfe gewähren müssen; gleichzeitig wies er aber darauf
hin, daß diese Staaten auch selbst Beträchtliches zur Verbesserung ihrer
Volkswirtschaften und zum Wohlergehen ihrer Völker beitragen können.
Die Rede McPhersons hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte Sie im Namen von Präsident Reagan zu dieser Konferenz willkommen heißen und Ihnen ein produktives Treffen wünschen.
Die Vereinigten Staaten sind sich der Probleme der Dritten Welt voll
bewußt und möchten auch weiterhin zu ihrer Lösung beitragen.
Wir sind uns z.B. der Tatsache bewußt, daß der Nahrungsmittelverbrauch
pro Kopf in der Sub-Sahel-Zone Afrikas seit einem Jahrzehnt ständig zurück-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ständig zurückgegangen ist.

In der Tat stellt ein großer Teil Afrikas für

uns ein Thema größter Besorgnis dar - mit seinen schrecklichen Zahlen bei
der Kindersterblichkeit, bei seinen Statistiken hinsichtlich der Lebenserwartung und bei anderen Indikatoren tiefer Armut.
Aber dies gilt nicht nur für Afrika.

Mitte der sechziger Jahre habe ich

beim Friedenskorps gedient und in diesem Zusammenhang in einem Slumviertel
von Lima gearbeitet, "El Monton" genannt - einem Müll häufen im wörtlichsten
Sinn:

Es handelte sich um eine alte Müllgrube von Lima, zu der eines Nachts

Leute kamen, um sich dort niederzulassen.

Es ist traurig, aber man muß sa-

gen, daß sich in El Monton im Lauf der letzten Jahre wenig geändert hat.
Der Schmutz scheint so groß wie eh und je zu sein.
Lassen Sie mich noch etwas berichten, um die verzweifelten Erfordernisse
zu illustrieren.
Pakistan.

Eine Bekannte von mir kam kürzlich nach Belutschistan in

Sie traf dort auf eine Frau, jung an Jahren, aber mit ihren zehn

Kindern schon früh gealtert.

Die Besucherin zeigte ihr Interesse an dem

zehnten Kind, das die Frau auf ihrem Arm hielt.
Kleine in die Arme und rief:

Da drückte diese ihr das

"Hier, nehmen Sie das Baby, ich kann mich ein-

fach nicht um noch eins kümmern!"
Aber nicht alles ist Düsternis. Langfristig gesehen, gibt es auch deutlich Fortschritt. So ging z.B. Mitte der fünfziger Jahre nur ein Prozent der
nepalesischen Kinder, die das Schul alter erreicht hatten, auch dorthin. Heute
gehen zumindest zeitweilig 70 Prozent dieser Kinder zur Schule. AID ist stolz
auf die Hilfe, die wir den Nepalesen beim Aufbau ihres Erziehungssysteme gewährten.
Und noch ein Beispiel: Mitte der fünfziger Jahre betrug die Getreideproduktion Indiens etwa 50 Millionen Tonnen jährlich. Kann man die Bilder
mancher der vergangenen Jahre vergessen, die hungernde Inder zeigten? Im Gegensatz dazu betrug die Getreideernte im letzten Jahr in Indien über 130 Millionen Tonnen. Das bedeutet mehr oder weniger Selbstversorgung bei Getreide

- 2 -

�bei Getreide - auch wenn es noch immer Verteilungsprobleme gibt. Welch

eine

Leistung für das indische Volk sowie für die Vereinigten Staaten und andere
Geberländer, die zu dieser Anstrengung beitrugen.
Ja, wir haben Fortschritte gemacht, aber.es bleiben noch immer gewaltige Probleme.

In welche Richtung gehen wir von hier aus?

Die Vereinigten Staaten sind der Meinung, daß wir die Produktivität in
der Dritten Welt erhöhen müssen, aber indem wir dies tun, dürfen wir nicht
unsere Aufgabe aus den Augen verlieren, den Lebensstandard der armen Menschen
in diesen Ländern zu verbessern. Man mag über die Mittel streiten, wie man
den Armen helfen kann - aber das Ziel steht außer Frage. Wir sind der Überzeugung, daß die Steigerung der Produktivität in allen Bereichen einer Gesellschaft das Mittel ist, den Armen zu helfen.

Die Vereinigten Staaten wis-

sen, daß die weniger entwickelten Länder von außen Hilfe brauchen, aber es
geht dabei um mehr als nur um den Transfer von Ressourcen.

Diese Länder kön-

nen eine Menge für sich selbst tun, indem sie ihre Politik ändern. So stellt
die Nahrungsmittelsubvention für die Stadtbevölkerung in Form des Preisdruckes
auf bäuerliche Erzeugnisse oft genug einen Weg dar, eine höhere Produktivität
zu entmutigen, ja, es dürfte dies letztlich auch eine Diskriminierung der
ärmsten Bevölkerungsgruppe eines solchen Landes sein. Hilfe aus dem Ausland,
für Düngemittel und für billige Kredite an diese Bauern verwendet, bringt oft
genug nichts weiter als niedrige Preise und ist daher nur eine schlecht
kaschierte Subvention für die Nahrungsmittel in den Städten.

Andererseits

gibt es auf der Erde eine Menge Beispiele dafür, wie diese Diskriminierung
der armen Bauern beendet oder doch vermindert wurde und diese dann mit größerer Produktivität darauf reagierten.

Eine solche Produktivität aber ist

schließlich vorteilhaft für jedermann - einschließlich der städtischen Verbraucher.

Betrachtet man etwa die Weizenernten in Pakistan über die letzten

Jahre hinweg:

Innerhalb von nur wenigen Jahren verdoppelte Pakistan seine

Produktion nahezu, zum Teil wegen höherer Preise, die den Bauern bezahlt wurden.

Kurz:

Wir sind der Meinung, daß Bauern genau wie andere Leute auch

mehr produzieren können, wenn sie einen Grund dafür sehen und wenn sie die
Werkzeuge haben, es zu tun.
Lassen Sie
- 3 -

�Lassen Sie mich unser Interesse an einer verstärkten Produktion in einen
umfassenderen politischen Rahmen stellen:

Ich glaube, daß zumindest sechs

Faktoren wichtig für das Wachstum in den weniger entwickelten Ländern sind.
Nämlich (1) Handel, (2) starke Volkswirtschaften in den entwickelten Ländern
sowie in denen, die in jüngerer Zeit ins Stadium der Industrialisierung eingetreten sind, (3) anhaltende und umfangreiche Auslandshilfe der Industrieländer, (4) ausländische Investitionen in den LDC-Ländern, (5) das richtige
politische Umfeld in diesen Staaten und (6) weitere technologische Entwicklung, deren Anpassung an und deren Transfer in die LDC-Länder.
Lassen Sie mich im einzelnen einen Blick auf diese Faktoren werfen.
Erstens:

Was den Handel angeht, so haben sich die Vereinigten Staaten

schon immer für den Freihandel eingesetzt.

Unsere Initiative für das Kari-

bische Becken ist Beispiel dieser Anstrengungen.

Wir schlagen hier einseiti-

gen Freihandel für die Länder der Karibik und Mittelamerikas vor, wobei wir
von der Annahme ausgehen, daß diese Staaten selbst die politischen Veränderungen herbeiführen, die notwendig sind, um zu einem Wachstum beizutragen.
Außerdem hat die amerikanische Regierung schon vorher - sowie seitdem
erneut auf dem Gipfeltreffen von Versailles - den Vorschlag unterbreitet,
das Internationale Zoll- und Handelsabkommen (GATT) für Gespräche mit den LDCLändern zu öffnen.

Dies könnte von gewaltiger Bedeutung sein und einmal die

Kämpfe um Ressourcen-Transfers in den Schatten stellen.
Zweitens: Ich habe die Notwendigkeit starker Volkswirtschaften in den
entwickelten Ländern und in den Staaten erwähnt, die in jüngerer Zeit in das
Stadium der Industrialisierung eingetreten sind. Deren Volkswirtschaften
sind ganz offensichtlich der Schlüssel zu starken Märkten für viele Exporte
aus den LDC-Staaten. Die Vereinigten Staaten sind sich auch zutiefst der negativen Auswirkungen bewußt, die unsere hohen Zinsen auf unsere Volkswirtschaften und auf die Kreditkosten der LDC-Länder und auch anderer Staaten haben. Wir hoffen, daß diese Zinssätze in den vor uns liegenden Monaten zurückgehen werden.
Drittens:
_ 4 _

Die

�Drittens:

Die Industrieländer müssen mit ihrer Wirtschaftshilfe für die

LDC-Staaten fortfahren.

Diese Hilfe wird für Ausbildung und für den Aufbau

von Institutionen benötigt. Wir dürfen nicht vergessen, daß ausgebildetes
Personal in funktionstüchtigen Institutionen normalerweise das entscheidende
Bindeglied zur wirtschaftlichen Entwicklung ist. Selten sind Rohstoffe ein
Ersatz für solche Menschen und solche Institutionen.

Das Auslandshilfepro-

gramm der Vereinigten Staaten verstärkt seine Anstrengungen in diesem Bereich.
Die Zeit erlaubt mir nicht, all diese Notwendigkeiten aufzuzeigen, aber ich
sollte zumindest die wichtige Rolle erwähnen, die diese Hilfe beim Aufbau
einer Infrastruktur spielt - wie etwa in vielen Gegenden Afrikas.
Die Vereinigten Staaten sind auch weiterhin einem solchen Auslandshilfeprogramm verpflichtet. Tatsächlich wurde trotz der Beschneidung der meisten
öffentlichen Programme der Vereinigten Staaten die bilaterale Auslandshilfe
angehoben.
Viertens: Zu ausländischen Investitionen in den Entwicklungsländern muß
ermutigt werden.

Die Vereinigten Staaten benötigten in den frühen Phasen

ihrer wirtschaftlichen Anfänge wesentliche Investitionen aus dem Ausland, und
nur wenige Länder hatten einen solchen Start ohne große Auslandsinvestitionen.
Die potentiellen Investitionen eines Landes sollten insgesamt herrühren
aus Steuern, den Ersparnissen seiner Bürger, Reinvestitionen aus Gewinnen der
Industrie und der Geschäftswelt und Auslandshilfe. Sehr vereinfacht ausgedrückt: Das Gesamtvolumen sollte verglichen werden mit den Kapitalerfordernissen des erhofften wirtschaftlichen Wachstums. Fast immer wird ein Entwicklungsland finden, daß es ein Defizit gibt, das nur durch Investitionen von
außen ausgeglichen werden kann.
Wir schlagen nicht nur - und schon gar nicht in erster Linie - amerikanische Investitionen vor.

Die Welt verfügt über eine aktive Investitionsge-

meinschaft, die sich dort engagieren wird, wo es Möglichkeiten und Chancen
gibt.

Natürlich kann ein Entwicklungsland erwarten, daß die Investoren Ver-

antwortung zeigen und die Dinge langfristig ins Auge fassen, aber ein Ent- 5 -

�ein Entwicklungsland kann Investoren nicht zu Anlagen überreden, wenn seine
Politik praktisch ausschließt, daß die Investoren Gewinne erzielen.
Wir glauben, daß manches getan werden kann, um zu solchen Investitionen
zu ermutigen.

Das Wichtigste ist natürlich das Gesamtumfeld im Gastland.

Darüber hinaus unterstützen wir die Idee, die kürzlich von Weltbankpräsident
Clausen vorgeschlagen wurde.

Er empfahl die Schaffung eines mit der Welt-

bank in Zusammenhang stehenden Gremiums, um gewisse nicht wirtschaftlich bedingte Risiken auszuschalten, denen Investoren in Entwicklungsländern ausgesetzt sein könnten.

Die Vereinigten Staaten verfügen über eine solche Insti-

tution, wie auch einige andere Länder.

Aber Investoren aus anderen Ländern

versichern uns, daß sie eine solche Institution sehr wohl gebrauchen könnten.
Fünftens: Die Politiken der Entwicklungsländer sind häufig wichtiger für
diese Länder selbst als die Unterstützung, die sie von Geberländern erhalten.
So kann beispielsweise ein Land nicht erwarten, seine Exporte zu diversifizieren und zu erhöhen, wenn die Wechselkurse und Kontrollen praktisch eine
wesentliche Exportsteuer darstellen. Wir brauchen nur auf Korea und Singapur
zu blicken, um zu wissen, daß Exporte gesteigert werden können.
Die Gesundheitsfürsorge ist ein weiteres Gebiet, auf dem die Politik der
Entwicklungsländer von Bedeutung ist. In den nächsten Jahren werden die meisten
Entwicklungsländer sich wahrscheinlich mit der Forderung auseinandersetzen
müssen, daß eine solche Versorgung kostenfrei sein sollte. Wir glauben, daß
gewisse Kosten bei der Gesundheitsfürsorge zu einer besseren Anwendung dieser
Versorgung führen und auch dazu, daß mehr Menschen in ihren Genuß kommen.
Kurz: "Freie Gesundheitsfürsorge"stellt oft eine Diskriminierung gegenüber
vielen armen Menschen dar, weil viele der Armen letztlich mangels der erforderlichen Ressourcen nicht versorgt werden können. Die Vereinigten Staaten
sind stolz auf die Rolle, die sie auf diesem Gebiet spielen. Wir fördern in
etwa 40 Ländern solche Projekte, aber es gibt viele fundamentale Fragen politischer Natur, denen sich zahlreiche Entwicklungsländer stellen müssen.
Als ein

�Als ein weiteres Beispiel habe ich vorhin die politische Diskriminierung
gegenüber den armen Bauern angeführt.

Ich bezweifle, daß Indien diesen Zu-

wachs im Getreideanbau ohne den Preiszuwachs für die Bauern hätte erreichen
können.
Ich bin der festen Überzeugung, daß viele Subventionen in den Entwicklungsländern letztlich die ärmsten Menschen diskriminieren, weil diese politisch am wenigsten zu sagen haben und weil sie am wenigsten mit einem Regierungsprogramm anfangen können.
Die Gebergemeinschaft sieht sich mehr und mehr in der Rolle von Bankiers,
die ihre Mittel in Programme investieren, die eine reelle Chance für Wachstum
und Wechsel bieten, gegenüber anhaltenden Zuschüssen und Abhängigkeit. Dieses
politische Bewußtsein ist unter den Gebern weitverbreitet. Das ist ohne Frage
die Woge der Zukunft angesichts der Knappheit der Mittel für Auslandshilfe.
Sechstens: Die technologische Kreativität, Aufnahme und Transferierung
sind von lebenswichtiger Bedeutung. Auf dem Gebiete der Landwirtschaft, des
Gesundheitswesens, der Familienplanung usw. muß es mehr "grüne" Revolutionen
geben.
Lassen Sie mich einen Augenblick von dem Beitrag sprechen, den die Vereinigten Staaten auf technologischem Gebiet geleistet haben und auch in Zukunft leisten möchten. Wir verstärken unsere bio-medizinisehen Anstrengungen
wesentlich. Wir sind stolz auf unsere Beiträge zur Technologie der oralen
Rehydration - eine Technologie, die offensichtlich eine wesentliche Auswirkung auf die Verminderung der Kindersterblichkeit haben wird. Wir werden
auch weiterhin die Bemühungen nachhaltig unterstützen, einen Impfstoff gegen
die Malaria zu finden.
Wir werden ferner weiterhin die größten Beiträge für internationale
Forschungszentren auf dem Gebiet der Landwirtschaft leisten und haben erst
kürzlich die amerikanischen Universitäten mobilisiert, um zusätzliche Agrarforschung zu betreiben, beispielsweise Arbeiten zur Steigerung der Erzeugung
- 7 -

�der Erzeugung von Hirse. Hirse ist das Getreide des armen Mannes, und hier
ist bisher nur wenig Arbeit geleistet worden.

Eine derartige landwirtschaft-

liche Forschung ist überaus wichtig, weil die Geber nur allzu oft Länder ermutigt haben, Erweiterungsprogramme in Angriff zu nehmen, wo es praktisch
gar nichts zu erweitern gab.
Die Vereinigten Staaten rechnen damit, einen wesentlichen Beitrag zur
Bewässerungstechnologie zu leisten.
entfallen auf Asien.

Acht Prozent der Bewässerungsprojekte

Und wir meinen, daß zusätzliche Technologie den Men-

schen auf diesem Kontinent sowie auch anderswo wesentlich helfen kann.
Wir verdoppeln unsere Forschungsanstrengungen auf dem Gebiet der Geburtenkontrolle. Wir benötigen größere Erfolge, um mit der Bevölkerungsexplosion
in so vielen armen Ländern fertigzuwerden.

Die Vereinigten Staaten sind stolz

auf ihren Beitrag zur Familienplanung in Ländern wie Indonesien, Thailand
und Kolumbien, aber es muß noch so viel getan werden.

Sehen Sie sich Kenia

an mit seinem jährlichen vierprozentigen Bevölkerungszuwachs.

Die Vereinigten

Staaten werden ihre gegenwärtigen Familienplanungsprogramme fortführen, aber
wir benötigen neue und sichere Verhütungsmethoden, um größere Erfolge zu haben.
Zusammenfassend möchte ich sagen: Die Entwicklungsländer werden gestärkt,
wenn sie energisch eine Politik verfolgen, die zu Wachstum und nicht zur Abhängigkeit führt. Die Industrienationen müssen ihren Teil leisten durch wirtschaftliche Unterstützung, durch einen freieren Handel und dadurch, daß sie
ihre Volkswirtschaften so stark wie möglich halten, in den Entwicklungsländern
investieren und diesen bei der Schaffung und dem Transfer von Technologie helfen. Die beiderseitigen Vorteile einer Zusammenarbeit auf all diesen Gebieten
liegen auf der Hand. Und der Schaden, der angerichtet wird, wenn man nicht
zusammenarbeitet, ist so groß. Wir müssen diese Herausforderung bestehen.

+ + + + +

- 8-

�29

28. Juli 1982

KENNETH DAM: DER NEUE STELLVERTRETENDE AUSSENMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Kenneth Dam, der neuernannte Stellvertretende amerikanische Außenminister, hat mit dem neuen Außenminister der Vereinigten
Staaten, George Shultz, bereits in den siebziger Jahren im Amt für Verwaltung und Haushalt (0MB) eng zusammengearbeitet. Dam, der die Nachfolge
von Walter J. Stoessel antritt, wurde am 19. Juli 1982 von Präsident Reagan
für sein Amt nominiert; seine Ernennung muß noch vom amerikanischen Senat
bestätigt werden.
Geboren wurde Kenneth Dam am 10. August 1932 in Marysville im Staate
Kansas, wo er auch zur Schule ging. Seinen ersten akademischen Grad erwarb
Dam an der Universität von Kansas und studierte dann Jura an der Universität
von Chicago. Nach seinem Staatsexamen wurde er juristischer Mitarbeiter des
Obersten Bundesrichters Charles Whittaker und praktizierte dann in einer Anwaltsfirma in New York.
Im Jahr 1960 nahm er eine Lehrtätigkeit an der juristischen Fakultät
der Universität von Chicago auf und wurde 1964 zum Professor ernannt. Im
Jahr 1971 trat er in den Regierungsdienst als Beigeordneter Direktor für
Nationale Sicherheit und Internationale Angelegenheiten im Amt für Verwal-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�für Verwaltung und Haushalt ein, dessen damaliger Direktor George Shultz
war. Im Jahr 1973 wurde Dam zum Direktor des Rates für Wirtschaftspolitik
ernannt. Nach drei Jahren kehrte er an die Universität von Chicago zurück,
blieb jedoch als Berater für mehrere Bundesbehörden tätig. Bis zu seiner
Berufung in das Außenministerium war Dam Vorsteher (Provost) der Universität
von Chicago und Ordinarius für Recht. Er ist ferner Mitglied des Akademischen Beratungsausschusses des amerikanischen Unternehmensinstituts, Berater der Rand Corporation und gehört dem Vorstand des privaten Rates für
Auswärtige Beziehungen von Chicago an.

- 2 -

�7

Hintergrund
materiell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29

28. Juli 1982

FÄLSCHUNGEN, FALSCHINFORMATIONEN UND POLITISCHE EINFLUSSNAHME
ALS MITTEL DER SOWJETISCHEN AUSSENPOLITIK
- Ergänzender Bericht des US-Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat in einem ergänzenden Bericht über "Aktive Maßnahmen" der Sowjets erneute Beispiele dafür
geliefert, daß die Sowjetunion Methoden der Fälschung, Falschinformation und
politischen Einflußnahme benutzt, um die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
herabzusetzen und die eigenen außenpolitischen Ziele voranzutreiben. Ein Vertreter
des Außenministeriums betonte im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Berichts am 8. Juli 1982, daß das beste Mittel gegen die sowjetischen Machenschaften in der Aufklärung der Öffentlichkeit bestehe. Die Abteilung für öffentliche
Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium hatte bereits im Oktober
1981 einen Bericht über "Aktive Maßnahmen" der Sowjets veröffentlicht. Der neue
Bericht erfaßt nur Fälle, die nach dem Oktober 1981 bekanntgeworden sind.
Der Sprecher des State Department wies erneut darauf hin, daß die Sowjetunion
für ihre Zwecke internationale Frontorganisationen, moskauorientierte kommunistische Parteien und eigene Agenten für die Beeinflussung der öffentlichen Meinung

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�öffentlichen Meinung benutze. Die sowjetische Kampagne zur Schaffung von
Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten und zur allgemeinen Diffamierung des Gegners spekuliere auf den kumulativen Effekt - auch
wenn damit die USA sicherlich nicht aus den Angeln zu heben seien, so erklärte
der Sprecher. Trotzdem würden die Falschinformationen auf lange Sicht einen
negativen meinungsbildenden Einfluß auf die Einstellung gegenüber den Vereinigten
Staaten hervorrufen.
Zu den Quellen der Fälschungen wies der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums darauf hin, daß diese sich fast nie bis ganz ins Detail feststellen
ließen, daß man aber "mit höchster Wahrscheinlichkeit" die Sowjetunion als
Ursprungsland bestimmen könne. Vor allem ließen sich typische sowjetische Verhaltensmuster erkennen.
Was die Manipulation der Medien und die Verbreitung von Falschinformationen
betrifft, so heißt es in dem Bericht, geht es Moskau in erster Linie darum,
Falsifikate bei angesehenen nichtkommunistischen Zeitungen unterzubringen,
worauf die sowjetischen Medien den entsprechenden Bericht unter Hinweis auf die
glaubwürdige Quelle aufgreifen und damit reelle Chancen haben, daß er auch von
Blättern außerhalb des Ostblocks übernommen wird.
Wie es in dem Bericht weiter heißt, suchen die kommunistischen Parteien
und deren Gliederungen im Ausland die sowjetischen Interessen auch dadurch
zu fördern, daß sie ihre Aktivitäten auf die Friedensbewegungen in Westeuropa
und in den Vereinigten Staaten konzentrieren. Der Bericht enthält Angaben aus
dem Jahresprogramm des Weltfriedensrates, die beweisen, daß sich dessen AntiAtomwaffen-Kampagne ausschließlich gegen die amerikanische Politik richtet.
Der jüngste Bericht des amerikanischen Außenministeriums über "Aktive
Maßnahmen der Sowjets: Ein Nachtrag" hat folgenden Wortlaut:
Die Sowjetunion

�Die Sowjetunion benutzt den Begriff "aktive Maßnahmen" zur Kennzeichnung
einer großen Vielfalt von Aktionen zur Förderung der Ziele ihrer Außenpolitik
- wozu auch die Schädigung des Ansehens von Gegnern der Sowjetunion zählt. Zu
diesen "aktiven Maßnahmen" rechnen: die Verbreitung von Falschinformationen,
Nachrichtenunterdrückung, die Manipulation der Medien in anderen Ländern,
der Einsatz kommunistischer Parteien und deren Gliederungen und direkte Maßnahmen
zur Ausweitung des politischen Einflusses der Sowjets. Im Gegensatz zur offenen
Diplomatie, die alle Nationen

praktizieren, werden die sowjetischen "aktiven

Maßnahmen" häufig heimlich ausgeführt und schließen Fälschungen ein. "Aktive
Maßnahmen" werden nicht nur durch das KGB, den sowjetischen Staatssicherheitsdienst, sondern auch durch das Internationale Büro und das Büro für internationale
Informationen des Zentralkomitees

der Kommunistischen Partei der Sowjetunion

(KPdSU) ausgeführt.
Die in diesem Bericht dargestellten "aktiven Maßnahmen" beschränken sich
notwendigerweise auf solche, die entlarvt werden konnten. Sie machen deutlich,
daß diese Aktivitäten in aller Welt betrieben werden. Die offenen Gesellschaften
vieler Industrie- und Entwicklungsländer bieten den Sowjets Gelegenheit, "aktive
Maßnahmen" zur Meinungsbeeinflussung im Sinne der sowjetischen Politik und gegen
die Politik der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten durchzuführen. Wir
hoffen, daß dieser Bericht das Bewußtsein der Öffentlichkeit und das Verständnis
für die "aktiven Maßnahmen" der Sowjets vertiefen und die Wahrscheinlichkeit verringern wird, daß sich Menschen durch sie täuschen lassen.
FÄLSCHUNGEN
Fälschungen sind eine häufig angewandte "aktive Maßnahme".
In den letzten Monaten wurde eine ganze Reihe von ihnen aufgedeckt. Ihre Verbreitung war terminlich so gehalten, daß sie die öffentliche Meinung im Westen
zu aktuellen Fragen von großer Empfindlichkeit beeinflussen sollten. Soweit
wir hierüber Bescheid wissen, wurde nur eine dieser Fälschungen aus jüngster
Zeit von den Medien unkritisch aufgegriffen.
Fälschungen werden gewöhnlich Journalisten, Beamten oder anderen Personen
per Post zugesandt, von denen man erwarten kann, daß sie diese den Medien

�den Medien zugänglich machen. Postsendungen mit Fälschungen tragen in der
Regel keine Absenderangabe, und dieser läßt sich auch nicht anderweitig
identifizieren. Wie der getarnte Absender in den Besitz der Dokumente gelangt
ist, beläßt man nach einem unveränderlichen Muster im Dunkeln.
Die angeblichen NATO-Dokumente: Gegen Ende Oktober 1981 erhielten spanische
Journalisten in Brüssel Formbriefe, die den Eindruck zu erwecken suchten, sie
kämen vom NATO-Informationsdienst. Die Briefe schlössen eine Mappe mit zur
Veröffentlichung bestimmtem Informationsmaterial ein, das auf den neuesten
Stand gebracht worden war und Spanien als neuen Mitgliedstaat des Bündnisses
auswies. Da im spanischen Parlament die Debatte um den Antrag Spaniens auf
Aufnahme in die NATO noch anhielt, mußte der Brief bei den Spaniern den Eindruck erwecken, als zeige die NATO wenig Respekt vor den demokratischen Institutionen Spaniens. Die Journalisten allerdings hielten Rücksprache mit der
NATO,und so berichtete die spanische Presse von einer Fälschung, die die Absicht
verfolgte, die innerspanische Debatte über die NATO zu beeinflussen.
Der angebliche Brief Präsident Reagans an den König von Spanien: Im
November 1981 wurde in Madrid der Versuch unternommen, in der Öffentlichkeit
einen gefälschten Brief zu kursieren, den Präsident Reagan angeblich dem König
von Spanien gesandt hatte. Mit Formulierungen, von denen man erwarten konnte,
daß sie die Empfindlichkeit der Spanier verletzen würden, wurde der König in
dem Brief aufgefordert, auf den Beitritt Spaniens zur NATO zu drängen und hart
gegen Gruppen wie die "Opus Dei"-Pazifisten und die "Linksoppositionellen" vorzugehen.
Nachdem die erste Postverteilung an spanische Journalisten zu keiner Veröffentlichung führte, wurde das Falsifikat am 11. November an alle Delegationen
(außer an die amerikanische und die spanische) auf der KSZE-Nachfolgekonferenz
in Madrid verteilt. Dieses Mal berichteten die Madrider Zeitungen über den
Brief, bezeichneten ihn allerdings als ein Machwerk von wahrscheinlich sowjetischer Herkunft.
Der angebliche

- 4 -

�Der angebliche Clark-Stearns-Brief: Im Januar 1982 machte in Athen ein
gefälschtes Schreiben mit einer beigeschlossenen wissenschaftlichen Analyse von
Richter William Clark, dem damaligen stellvertretenden Außenminister, an den
amerikanischen Botschafter in Griechenland, Monteagle Stearns, die Runde, das
das Datum vom 23. September 1981 trug. In dieser Fälschung war von der Unterstützung der Konservativen bei den griechischen Oktoberwahlen durch die
Amerikaner und einem möglichen militärischen Coup für den Fall eines Wahlsiegs
des Sozialistenführers Papandreou die Rede. Auf die Versicherung der Botschaft
hin, daß das Schreiben eine Fälschung sei, unterblieb zunächst einmal jede
Veröffentlichung. Einige Wochen später, nachdem bei der KSZE-Nachfolgekonferenz
in Madrid Kopien herumgereicht worden waren, veröffentlichte die Athener Tageszeitung "Vrathini" einen Bericht, der das Schreiben als von zweifelhafter
Authentizität bezeichnete, das wahrscheinlich dem Geheimdienst einer "dritten
Macht" zuzuschreiben sei.

Die angeblich schwedischen Brieftelegramme: In der Woche vom 8. November
1981 wurden mindestens zehn Brieftelegramme - telefonisch bei der Western Union
aufgegeben - an Journalisten im Gebiet von Washington zugestellt. Die dem Anschein nach von amerikanischen Regierungsbeamten ausgehenden Telegramme enthielten
das Angebot, dem Empfänger den Wortlaut einer angeblichen Geheimvereinbarung über
die Benutzung des schwedischen Marinestützpunktes Karlskrona für Spionagezwecke
durch die Amerikaner.zugänglich zu machen.
Die Brieftelegramme waren unmittelbar nach dem Stranden eines sowjetischen
U-Bootes in dem Sperrgebiet des Marinestützpunktes Karlskrona aufgegeben worden,
das großes Aufsehen erregt hatte. Die Wahl dieses Zeitpunktes erhärtet die Folgerung, daß es sich hierbei um einen Versuch handelte, ein Gegengewicht zur
negativen Publizität zu schaffen, die dieser Vorfall der Sowjetunion eingebracht
hatte.
Das angebliche Schreiben Haigs an Luns; Am 22. April 1982 veröffentlichte
die linksorientierte belgische Wochenschrift "de nieuwe" ein Schreiben, das der
scheidende NATO-Oberbefehlshaber Alexander Haig angeblich im Juni 1979 an NATO-

- 5 -

�an NATO-GeneralSekretär Joseph Luns gerichtet haben soll, und das sowohl die
NATO als auch amerikanische Regierungsbeamte als Machwerk bezeichneten.
Das gefälschte Schreiben befaßte sich mit einem möglichen nuklearen Erstschlag und forderte "Maßnahmen sensitiver Art",um "die Schwachherzigen in Europa
aufzurütteln", die gegen eine Modernisierung der nuklearen Mittelstreckenraketen
sind. Die Wahl des Zeitpunktes für die Absendung dieses Falsifikats steht im
Zusammenhang mit den vielen Anti-Atomwaffen-Demonstrationen, die im Frühjahr
1982 in Europa stattgefunden haben. Das Schreiben wurde im Organ der Kommunistischen Partei Luxemburgs, "Zeitung",am 10. Mai 1982 abermals veröffentlicht.
Ein angebliches Dokument aus dem US-Handelsministerium: Ende Mai 1982, unmittelbar vor dem Versailler Wirtschaftsgipfel, wurde ein angebliches amerikanisches Regierungsdokument mit dem Datum des 18. Februar 1982 in Brüssel verbreitet.
Das Dokument, das den Eindruck zu erwecken suchte, als handele es sich um
Empfehlungen der Arbeitsgruppe für Fragen der Wirtschaftspolitik,deren Vorsitz
der amerikanische Handelsminister innehat, stellte die Politik der Vereinigten
Staaten im Zusammenhang mit Problemen des Handels mit strategischen Gütern so
verdreht dar, daß diese Darstellung mit großer Wahrscheinlichkeit zu Reibungen
zwischen den USA und ihren europäischen Verbündeten führen mußte. Mehrere Journalisten brachten die Angelegenheit amerikanischen RegierungsVertretern zur Kenntnis,
die sie prompt als Fälschung kennzeichneten. Soweit wir wissen, hat die Presse
das gefälschte Dokument nicht gebracht.
Manipulation der Medien und Falschinformationen
Zweck der Verbreitung von Falschinformationen ist es, die Zustimmung der
Öffentlichkeit zu etwas zu erlangen, was nicht wahr ist. Da es den sowjetischen
Medien an Glaubwürdigkeit mangelt, suchen sie die Publikation von Falschinformationen in nichtkommunistischen Medieneinrichtungen zu erreichen. Sowjetische
Medien wie TASS oder Radio Moskau kommen dadurch in die Lage, glaubwürdige
Quellen für die Wiederholung solcher Berichte anzuführen - in der Hoffnung, daß
diese anschließend von anderen nichtkommunistischen Medien aufgegriffen werden.

- 6 -

�aufgegriffen werden. Falschinformationen werden häufig auch bei prosowjetischen
Zeitungen in der Hoffnung plaziert, daß sie von unabhängigen Medieninstituten
übernommen werden oder einfach durch ständige Wiederholung an Glaubwürdigkeit
gewinnen.
Eine von Moskau finanzierte Tageszeitung in Griechenland: Eine weitere
Methode, Einfluß auf die Medien zu gewinnen, ist die geheime Finanzierung
von Zeitungen. Das wurde neulich in Griechenland deutlich. Im Mai 1982 berichtete
die Athener Tageszeitung "Messimvririi" daß im September 1981 eine neue, auflagenstarke Tageszeitung "To Ethnos" herausgekommen sei - dank eines geheimgehaltenen
sowjetischen Zuschusses in Höhe von 1,8 Millionen Dollar; "Messimvrini" nimmt
an, daß die heimliche Bezuschussung fortgesetzt werde. Die griechische Regierung
hat inzwischen eine Untersuchung angeordnet.
Angola - Zaire - Südafrika
Eine andere sowjetische Kampagne verfolgte die Absicht, die amerikanische
Politik in Südafrika in Miskredit zu bringen - insbesondere die Glaubwürdigkeit
der amerikanischen Bemühungen um die Lösung des Namibia-Problems durch Medienberichte zu untergraben, denen zufolge die Vereinigten Staaten versuchten, die
Regierung von Angola zu stürzen. Eine Reihe von Beispielen ist geeignet, die
diesbezüglichen Anstrengungen zu illustrieren:
- Am 15., 23. und 24.September 1981 veröffentlichte die der Sozialistischen
Partei nahestehende Tageszeitung "Portugal Hoje" in Lissabon Berichte, denen zufolge Vertreter der Vereinigten Staaten, Zaires

und Südafrikas insgeheim zu-

sammengekommen seien, um eine Konspiration gegen das Regime in Angola anzuzetteln. Der Gewährsmann für die Geschichte, ein Angolaner, der nach Lissabon
gereist war, behauptete, er habe als Beweis hierfür in Zaire Dokumente gestohlen,
Dokumente - die er aber nie offenlegte. Zaire und die USA wiesen diese Anschuldigungen zurück; TASS aber griff die Hoje-Story prompt auf, die dann in
mehreren afrikanischen Zeitungen abgedruckt wurde, so auch im "Journal de Angola".
Am 22. Dezember 1981

�Am 22. Dezember 1981

berichtete "Diario do Lesboa", eine prokommunistische

Zeitung, die Vereinigten Staaten würden "2 000 besonders geschulte Scharfschützen", die in Zaire zusammengezogen werden, bei einem Angriff auf Angola
unterstützen. Das US-Außenministerium dementierte diese Geschichte am 24. Dezember, TASS übernahm sie aber trotzdem. Im Anschluß daran griffen dann mehrere
afrikanische Zeitungen und Rundfunkstationen und auch die flämische sozialistische Tageszeitung "de Morgen" diese Beschuldigungen auf - gestützt auf den
TASS-Bericht.
- Eine ähnliche Geschichte erschien am 17. April 1982 in der kongolesischen
Zeitung "Etumba", die von einer angeblichen Zusammenkunft zwischen Vertretern
der Vereinigten Staaten, Südafrikas und anderer Länder im Jahre 1981 berichtete,
die der Planung eines Komplotts gegen Angola gedient haben soll. Die amerikanische Botschaft in Brazzaville wies diesen Bericht prompt zurück.
Der angebliche Umsturzversuch auf den Seychellen: Einen Tag nach dem am
25. November 1981 unternommenen Versuch einer Gruppe von Söldnern, die Regierung
der Seychellen zu stürzen, unterstellten Berichte in der sowjetischen Presse,
der amerikanische Spionageabwehrdienst CIA wäre für diesen Coup verantwortlich.
Einer häufig geübten sowjetischen Praxis folgend, wurden diese Anschuldigungen
ungenannten und daher nicht nachprüfbaren "afrikanischen Rundfunkkommentaren"
zugeschrieben. Trotz einer Erklärung des Präsidenten der Seychellen, France
Albert Rene, vom 2. Dezember 1981, daß seiner Regierung keine Hinweise auf eine
Beteiligung ausländischer, außer südafrikanischer, Kräfte vorlägen, fuhren die
sowjetischen Medien mit ihren Beschuldigungen gegen die Vereinigten Staaten fort.
Im weiteren Verlauf des Dezember nahmen dann noch mehrere afrikanische Zeitungen
- darunter die "Nation" in Nairobi und die "Daily Times" in Lagos, die führenden
Tageszeitungen in Kenia beziehungsweise Nigeria - diese Geschichte auf. Nunmehr
wiederholten die sowjetischen Medien diese Beschuldigungen - unter Nennung
dieser afrikanischen Zeitungen als ihrer Quelle.
Die Geschichte

�Die Geschichte von den Moskitos in Pakistan
Im Nachgang zum Bekanntwerden zwingender Beweise für den Einsatz chemischer
Waffen durch die Sowjets in Afghanistan und für die Lieferung von Mykotoxinen
zur Verwendung in Laos und Kampuchea, startete Moskau eine Kampagne mit Falschinformationen, die sich auf Pakistan konzentrierte. Die "Literaturnaya Gazeta"
behauptete in ihrer Ausgabe vom 2. Februar 1982, das Malaria-Bekämpfungsprogramm
des Pakistanischen Malaria-Forschungszenters in Lahore stelle einen vom CIA
finanzierten Versuch dar, spezielle Moskitos zu züchten, "die ihre Opfer mit
tödlichen Viren infizieren - im Rahmen amerikanischer Pläne, die biologische
Kriegsführung in Afghanistan aufzunehmen." In Wahrheit befaßt sich das
Pakistanische Malaria-Forschungszentrum schon seit 20 Jahren mit der Erforschung
von Methoden zur Malariaabwehr. Ein Großteil der hierfür benötigten Forschungsmittel wird über einen Forschungskontrakt mit der Universität von Maryland vom
U.S. National Institute of Health, dem amerikanischen Gesundheitsdienst, und dem
US-Amt für Internationale Entwicklung (AID) aufgebracht. Das amerikanische
Außenministerium bezeichnete die sowjetischen Beschuldigungen umgehend als
"jeglicher Grundlage entbehrend." Der Direktor des American Center, Dr. David
Nalin, erklärte gegenüber der "Baltimore Sun" am 9. Februar 1982, die Beschuldigungen seien eine Form der sowjetischen Praxis der Verbreitung von Falschinformationen, mit denen sie den amerikanischen Vorwürfen im Zusammenhang mit dem
"gelben Regen" entgegenzuwirken suchten. Dennoch verbreitete TASS auch weiterhin
Falschmeldungen, die nicht nur von notorischen Verbreitern von Falschmeldungen
wie dem in Bombay erscheinenden "Blitz" und dem in New Delhi erscheinenden
"Patriot" abgedruckt wurden, sondern Eingang auch in unabhängige Zeitungen wie
die einflußreiche "Times of India", die pakistanische "Pakistani Daily Jang"
und die "Muslim News" in Kapstadt, Südafrika, fanden, die man normalerweise nicht
als mit der sowjetischen Propaganda unter einer Decke steckend bezeichnen kann.
Der Schwindel mit den Militärstützpunkten: Zu den Routinemethoden der Falschinformierungskampagnen gehört die Verbreitung von Falschmeldungen über die
amerikanische

militärische Kooperation mit anderen Ländern. Zu den Beispielen

aus jüngster Zeit gehören Falschmeldungen in den Medien der Sowjetunion und
anderer kommunistischer Länder, die besagen, die Vereinigten Staaten hätten Basen

- 9 -

�hätten Basen auf der hondurianischen Insel Ampala, der kolumbianischen Insel
San Andres und auf den Comoros-Inseln vor der afrikanischen Ostküste errichtet
oder würden dies zumindest planen.

Während man diesen Meldungen wenig Glauben

schenkte, gewann eine weitere, auf Pakistan bezogene Falschmeldung mehr Aufmerksamkeit. Infolgedessen erachtete es das pakistanische Außenministerium am
10. Dezember 1981 für notwendig, die Behauptung Radio Moskaus zurückzuweisen,
die Vereinigten Staaten würden beim Besuch Außenminister Haigs die Zustimmung
zur Errichtung militärischer Stützpunkte in Pakistan zu erreichen suchen. Unter
anderem beteuerte Radio Moskau wahrheitswidrig, der indische Außenminister Rao
habe vor dem indischen Parlament behauptet, Pakistan habe sich zur Bereitstellung
von Stützpunkten für Amerikas rasche Einsatzstreitmacht bereiterklärt.
Frontorganisationen und moskauorientierte kommunistische Parteien
Frontorganisationen sind nominell unabhängige Organisationen, die von den
Sowjets kontrolliert werden - gewöhnlich durch die Internationale Abteilung des
Zentralkomitees der KPdSU. Diese Organisationen werben seit langem um Verständnis für die Ziele der sowjetischen Außenpolitik. In den letzten Monaten legten
die Frontorganisationen das Schwergewicht ihrer Anstrengungen auf Versuche,
dafür zu sorgen, daß sich die Friedensbewegung in Westeuropa und

in den Ver-

einigten Staaten ausschließlich gegen die amerikanische Politik wendet und jede
Kritik an der nuklearen Bedrohung durch die Sowjets vermeidet. Das Jahresprogramm
des Weltfriedensrates für 1982 sieht beispielsweise vor:
- "Eine weitere Intensivierung von Aktionen gegen die Gefahren eines nuklearen
Krieges und gegen die Dislozierung neuer amerikanischer Massenvernichtungswaffen
in Westeuropa...".
- Nationale Ereignisse (Demonstrationen, Seminare, Kolloquien usw.) unter
internationaler Beteiligung

"gegen den Ausbau der nuklearen Rüstung und

die Dislozierung amerikanischer Raketen in Europa; für Frieden und Entspannung
in Europa."
- "Internationale Tagungen von Bürgermeistern, gewählten Stadträten und
von Friedenskräften aus europäischen Städten und Regionen, in deren Nähe neue

- 10 -

�Nähe neue amerikanische nukleare Raketen disloziert werden sollen ..."
Die mit Moskau liierten kommunistischen Parteien verfolgen denselben Kurs.
Die Wirksamkeit des Einsatzes von Frontorganisationen und örtlichen kommunistischen Gruppen ist von Land zu Land sehr unterschiedlich und läßt sich nur sehr
schwer messen. Dennoch wächst das Bewußtsein, daß die Kommunisten und ihre
Helfershelfer die Friedens- und Anti-Atomwaffenbewegungen so kanalisieren, daß
sie den Zwecken Moskaus dienen. Das hat in einigen Ländern zu Reibungen innerhalb
dieser Bewegungen geführt.
In der Bundesrepublik Deutschland kritisierte Petra Kelly, eine prominente
Politikerin der Umweltschutz-Partei, der "Grünen", die Deutsche Kommunistische
Partei (DKP) in aller Öffentlichkeit, weil deren Anstrengungen Anfang April
1982 antiamerikanische Schlagworte hervorriefen, während das sowjetische Arsenal
an Kernwaffen als Bedrohung des Friedens nicht einmal erwähnt wurde. Sie wiederholte diese Kritik in einem Interview, das sie dem CBS-Fernsehen während des
Bonner Besuchs Präsident Reagans gab. In ähnlicher Weise vermied in Österreich
ein von den Organisatoren eines Friedensmarsches am 15. Mai gebilligtes Programm
unter dem Druck moskaufreundlicher Kommunisten jede Kritik an der sowjetischen
Atomrüstung. Die Nichtkommunisten gliederten sich hierauf aus, was wiederum
dazu führte, daß der österreichische Jugendrat ein weniger einseitiges Programm
herausgab.

Maßnahmen zur politischen Beeinflussung
Maßnahmen, die darauf abzielen, politischen Einfluß zu gewinnen, sind
schwerer zu enttarnen als andere "aktive Maßnahmen", insbesondere, wenn dies
unter Einsatz von Agenten zur direkten Beeinflussung geschieht. Bei solchen
Aktionen verbergen die Beteiligten ihre Beziehungen zum KGB solange, wie sie
eine aktive Rolle in der Politik spielen. Wenn es gelegentlich doch zu einer
Enttarnung kommt, dann ist sie meist das Ergebnis der Untersuchung von Spionagefällen. Das Ausmaß unzulässiger sowjetischer Aktivitäten spiegelt sich auch in
der Zahl von 19 Ausweisungen von Sowjetbeamten aus zehn Ländern während der
ersten fünf Monate dieses Jahres wider - wegen Verwicklung in Spionagefälle oder

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�Spionagefälle oder aktive Maßnahmen". Hierzu rechnen die Ausweisung des
sowjetischen Militärattaches in Washington und die Aufdeckung von Spionagenetzen in Indonesien und Singapore.
Dänemark: Im Oktober 1981 wies die dänische Regierung den KGB-Angehörigen
Wladimir Merkulow aus, der als Zweiter Sekretär an der sowjetischen Botschaft
tätig war. Er wurde unerlaubter Tätigkeiten,darunter der Führung des dänischen
Einflußnahmeagenten Arne Herloew Petersen, beschuldigt. Am 17. April 1982 teilte
das dänische Justizministerium in einer Erklärung Einzelheiten über Petersens
Arbeit für das KGB mit:
- Im Sommer 1981 trafen die Sowjets Vorkehrungen, Petersens Aufwendungen
für eine Anzeigenserie zu vertuschen, in der dänische Künstler ihr Eintreten
für eine kernwaffenfreie Zone im hohen Norden zum Ausdruck brachten.
- Petersen schaffte außenpolitische Dokumente, die ihm von der sowjetischen
Botschaft übergeben worden waren, zur Botschaft von Nordkorea. Aufgrund sowjetischer Anweisungen mißinterpretierte er diese Dokumente als von einem amerikanischen Journalisten herrührend.
- Petersen übergab der sowjetischen Botschaft mehrmals Informationen über
den "linken Flügel" in Dänemark und über progressive Journalisten, die nicht
der kommunistischen Partei angehören.
- Petersen veranlaßte den Druck einer Broschüre, in der die britische
Primierministerin Thatcher angegriffen wurde. Der Text stammte von der sowjetischen Botschaft.
Der Justizminister stellte fest, daß es über mehrere Jahre hinweg zu heimlichen Zusammenkünften zwischen Petersen und drei sowjetischen Diplomaten gekommen
war (von denen Merkulow der letzte war). Peterson wurde von seinen KGB-Oberen
ausdrücklich aufgefordert, nicht der "Dänischen Kommunistischen Partei" beizutreten .
Die dänische

�Die dänische Regierung entschied, Petersen außer Strafverfolgung zu setzen,
obwohl sie gleichzeitig erklärte, er habe gegen das dänische Recht verstoßen.
In einem Fernsehinterview, das zwei Tage nach Abgabe der angeführten amtlichen
Erklärung ausgestrahlt wurde, forderte der dänische Außenminister Petersen auf,
eine Verleumdungsklage einzureichen, damit die in den Händen der Regierung
befindlichen Beweise der Öffentlichkeit in vollem Umfang zugängig gemacht werden.

- Schweden: Der sowjetische Dritte Botschaftssekretär Albert Liepa wurde
im April 1982 aus Schweden ausgewiesen. Dem Sprecher des schwedischen Außenministeriums zufolge, hatte Liepa systematische Anstrengungen unternommen,
Informationen über die litauische Kolonie in Schweden zu sammeln und Einfluß
auf sie zu gewinnen. Vor seiner Versetzung nach Stockholm war Liepa Vorsitzender
eines in Riga gebildeten Ausschusses,der sich um die Aufrechterhaltung der
"kulturellen Bindungen" zu den außerhalb der Sowjetunion lebenden Litauern
kümmern soll.
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28. Juli 1982

USA SUCHEN VERBESSERUNG VON NUKLEARTESTVERTRÄGEN

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten werden eine Verbesserung
der Verifizierungsbestimmungen des Vertrages über die Begrenzung unterirdischer Kernwaffenversuche (Schwellenvertrag) und des Vertrages über unterirdische Kernexplosion für friedliche Zwecke anstreben.
Ein leitender Vertreter der amerikanischen Regierung erklärte am 20.
Juli 1982 vor der Presse, daß die Reagan-Administration in Genf die Oberprüfbarkeit des vorgeschlagenen Vertrages über ein umfassendes Verbot von
Kernversuchen erörtern wird. Noch größeren Vorrang habe zunächst jedoch die
Verbesserung der Verifizierungsverfahren im Rahmen der bereits bestehenden
Verträge, die beide von den Vereinigten Staaten schon unterzeichnet, aber
noch nicht ratifiziert wurden. Der Regierungsvertreter erklärte, daß
Washington die Absicht habe, der Sowjetunion eine Stärkung des Protokolls
zu diesen Verträgen vorzuschlagen.
Der Vertrag über die Begrenzung unterirdischer Kernwaffenversuche
(Schwellenvertrag) wurde 1974 unterzeichnet und sieht vor, daß keine unterirdischen Kernwaffenversuche mit einer Sprengkraft von mehr als 150 Kilotonnen durchgeführt werden dürfen. Kernwaffenversuche über der Erde und in
der Atmosphäre waren bereits 1963 verboten worden. Im Jahr 1976 wurde der

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�wurde der Vertrag über unterirdische Explosionen für friedliche Zwecke unterzeichnet, der ebenfalls die Begrenzung auf höchstens 150 Kilotonnen Sprengkraft übernahm.
Der amerikanische Regierungsvertreter betonte, daß sich die Vereinigten
Staaten an die Bestimmungen der Verträge gehalten hätten, obwohl keiner von
beiden ratifiziert wurde.
Nach Auffassung der Reagan-Administration hat sich die Sowjetunion jedoch geweigert, Verifizierungsmaßnahmen zuzulassen, die Washington die Gewißheit gäben, daß die Verträge in der Tat eingehalten werden.

Der Regierungs-

vertreter gab zu verstehen, daß bei mehreren Gelegenheiten die von amerikanischen Geräten aufgenommenen seismographischen Signale Zweifel an der Einhaltung des Vertrages durch die Sowjets aufkommen ließen.

Die Signale seien

andererseits jedoch nicht so eindeutig, erklärte der Regierungsvertreter, daß
der Kreml einer tatsächlichen Verletzung beschuldigt werden könnte.
Um diese "Unsicherheiten" in Zukunft auszuschalten, wolle Washington mit
Moskau über eine Verbesserung der Verifizierungsbestimmungen sprechen.

Die

nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten lasse es nicht zu, sagte er,
daß die Reagan-Administration einen Vertrag billige, dessen Einhaltung nicht
überprüft werden kann.

"Wir können uns eine Wiederholung der Episode mit dem

gelben Regen nicht leisten", fügte er hinzu.
Er bezeichnete die Verifizierungsbestimmungen des Vertrages über die Begrenzung unterirdischer Kernwaffenversuche als "rudimentär". Auf die Frage,
ob Kontrollen vor Ort unabdingbar seien, um die Einhaltung der Vertragsbedingungen sicherzustellen, erklärte der Regierungsvertreter, daß Inspektionen
an Ort und Stelle nicht unbedingt notwendig sein müßten. "Bezüglich spezifischer Verifizierungsbestimmungen muß jedoch viel mehr getan werden", so
sagte er, "und es muß vor allem versucht werden, das Element der Ungewißheit
wesentlich zu verringern".
Die erste
- 2 -

�Die erste Aufgabe müsse es sein, das schon Bestehende (den Schwellenvertrag und das Abkommen über Versuche im Zusammenhang mit der friedlichen
Nutzung von Kernkraft) voll funktionsfähig zu machen, erklärte der Regierungsvertreter.

Er unterstrich, daß darüber hinaus die Vereinigten Staaten

über den Abrüstungsausschuß der Vereinten Nationen in Genf sich auch weiterhin an Verhandlungen über andere Versuchsverbotsverträge beteiligen würden.
Die Frage der Prioritätszuweisung für Kernversuchsbegrenzungsverträge
sei von der Administration im Rahmen einer umfassenden Bewertung von RUstungskontrollinitiativen überprüft worden, sagte der Beamte. Er wies darauf hin,
daß Präsident Reagan die Vereinigten Staaten in Verhandlungen mit Moskau über
ein Verbot von nuklearen Mittel Streckensystemen in Europa (INF), Verhandlungen über eine wesentliche Verringerung der strategischen Nuklearstreitkräfte
(START) und über einen schrittweisen Abbau der konventionellen Streitkräfte
in Europa (MBFR) geführt habe.
Präsident Reagan habe ferner Gespräche mit der Sowjetunion über sogenannte Vertrauensbildende Maßnahmen vorgeschlagen, die das Risiko von Fehleinschätzungen von Manövern und anderen Aktivitäten auf beiden Seiten verringern würden.

Dazu sollten unter anderem die Vorankündigung von Raketen-

testflügen und von strategischen Übungen gehören.
Darüber hinaus seien die Vereinigten Staaten an der Arbeit der Arbeitsgruppe zur Prüfung von Kernversuchsverboten in Genf beteiligt, sagte der amerikanische Beamte.

Und er betonte, daß ein umfassendes Verbot für alle nukle-

aren Versuchsexplosionen nach wie vor das langfristige Ziel der Reagan-Administration bleibe.

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�29

28. Juli 1982

REALISTISCHE ABRÜSTUNG
Ein Kommentar der "Stimme Amerikas"

WASHINGTON - (AD) - Einige Politiker verschiedener Länder sowie private
Gruppen haben ihrer Enttäuschung über das Ergebnis der zweiten Abrüstungskonferenz der Vereinten Nationen Ausdruck verliehen. Sie hätten gerne einen
greifbaren Fortschritt bei dem Vorhaben gesehen, Schwerter in Pflugscharen
umzuwandeln. Sie haben ihre Besorgnis darüber ausgedrückt, daß die Welt immer noch von Waffen strotzt und in Afghanistan, zwischen dem Irak und dem
Iran sowie im Nahen Osten und anderswo auf der Erde Krieg geführt wird.
Trotz all dieser Enttäuschungen sehnt sich die Welt weiterhin nach Frieden. Dies kam auf der Sondersitzung der Vereinten Nationen selbst zum Ausdruck und auch in Friedensdemonstrationen, die im Zusammenhang mit der Konferenz veranstaltet wurden. Und dieser Friedenssehnsucht wird auch bei den
Rüstungskontroll Verhandlungen in Genf und Wien Rechnung getragen. Genf ist
der Ort zweier amerikanisch-sowjetischer Gesprächsrunden: über die strategischen Kernwaffen (START) und über die Mittelstreckenraketen (INF).. Und
in Wien versuchen Staaten der NATO und des Warschauer Paktes,die konventionellen Streitkräfte zu vermindern. Bei allen drei Gesprächsrunden liegen
amerikanische Vertragsentwürfe oder wichtige Vorschläge auf dem Tisch und
werden ernsthaft erwogen.
Die Sondersitzung

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�Die Sondersitzung der Vereinten Nationen hat in ihr Schlußdokument eine
Empfehlung aufgenommen, die dazu beitragen kann, den RüstungskontroiIprozeß
voranzubringen. Da wird zu einer Weltabrüstungskampagne aufgerufen, die in
allen Ländern die Möglichkeit zu Diskussionen über alle mit Abrüstungsfragen
zusammenhängenden Gesichtspunkte bieten soll. Aber selbst dieser einfache
Aufruf zu einem offenen, in der Öffentlichkeit durchgeführten Meinungsaustausch über die Abrüstung wurde auf der Sondersitzung von den sowjetischen
Delegierten zurückgewiesen.
Der Grund dafür liegt auf der Hand. Moskau hat alle Arten von Abrüstungsdemonstrationen im Ausland ermutigt, insbesondere jene, die die westlichen Abrüstungsvorschläge kritisieren. In der Sowjetunion selbst ist es
nur offiziell sanktionierten Friedenskomitees, die die sowjetischen Vorschläge unterstützen, gestattet, tätig zu sein. Und die sowjetische Polizei handelte denn auch schnell und verhaftete die Handvoll unabhängiger Friedensmarschierer, die anläßlich der Sondersitzung der Vereinten Nationen Plakate mit
der Aufschrift "Brot, Leben und Abrüstung" enthüllten. Wie der amerikanische
Delegierte Edwin Feulner auf der Abschlußsitzung der Konferenz erklärte,
machten die Demonstranten in Moskau den Fehler, Worte zu gebrauchen, die in
der Sowjetunion als "staatsfeindliche" angesehen werden, selbst wenn diese
im Ausland als Ausdruck der offiziellen Politik gelten.
Die Abrüstungskampagne der Vereinten Nationen hat Besseres verdient. Und
die Delegierten haben dann auch am Ende der Idee zugestimmt, daß die Informationen über Abrüstungsfragen allen und weltweit zugänglich gemacht werden sollen. Das ist eine kluge Entscheidung - und es wäre eine noch klügere Entscheidung, wenn diejenigen Regierungen, die bisher eine übertriebene Geheimhaltung betrieben haben, sich jetzt öffnen und den freien Austausch über diese so lebenswichtigen Fragen zulassen würden.

+ + + + +

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28. Juli 1982

KANADISCHE STUDIE UNTERMAUERT VERDACHT AUF ANWENDUNG CHEMISCHER WAFFEN
- Bericht an die Vereinten Nationen veröffentlicht -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Ein bekannter kanadischer Wissenschaftler hat erklärt, die verfügbaren Beweise untermauerten die amerikanischen
Feststellungen über den Einsatz chemischer Waffen in Südostasien.

Diese

Analyse ist in einem Bericht der kanadischen Mission an die Vereinten Nationen
enthalten.

In dem Bericht unterstreicht die kanadische Regierung ferner die

Notwendigkeit einer gründlichen Untersuchung der Angelegenheit durch Experten
der Vereinten Nationen.
Um die Untersuchungen der Vereinten Nationen aufgrund der Behauptungen,
daß in Südostasien chemische Waffen zum Einsatz kämen, zu unterstützen, hat
die kanadische Regierung den Leiter der toxologischen Abteilung an der Universität von Saskatchewan, Dr. Bruno Schiefer, ersucht, eine unabhängige
Studie durchzuführen.

Der Bericht über diese Untersuchung wurde am 21. Juni

1982 der Sondersitzung der Vereinten.Nationen über Abrüstung zugeleitet, jedoch erst am 20. Juli veröffentlicht.

Dr. Schiefer hat im Februar eine zwei-

wöchige Reise nach Thailand unternommen und dort in Flüchtlingslagern an der
Grenze zu Laos und Kampuchea (Kambodscha) Augenzeugen gehört und Kontrollproben gesammelt. Ferner hat er mit thailändischen Regierungsvertretern und
Wissenschaftlern gesprochen.

"Die Geschehnisse,

�"Die Geschehnisse, von denen berichtet wird, daß sie während der angegebenen Angriffe mit chemischen Waffen stattgefunden hätten, können nicht auf
der Grundlage natürlich auftretender Krankheiten erklärt werden", so schloß
Dr. Schiefer.

"In Südostasien kommen weder Mykotoxinosen noch andere Krank-

heiten vor, die so rasch und kompakt auftretende Symptome oder die Auswirkungen auf alle Arten von Lebensformen hervorrufen könnten, über deren Auftreten berichtet wurde."
Der kanadische Wissenschaftler führt in seinem Bericht aus, daß es in
Thailand und den Nachbarländern zwar bestimmte Arten von Mykotoxinen gebe,
aber keine Krankheiten, deren natürliche Symptome den Auswirkungen chemischer
Waffen entsprechen würden.
Der kanadische Bericht deckt sich weitgehend mit mehreren Berichten, die
die Vereinigten Staaten im letzten Jahr vorgelegt haben; erst im Mai dieses
Jahres berichtete das amerikanische Außenministerium über neue Beweise für
den Einsatz chemischer Kampfstoffe in Kampuchea.
In dem kanadischen Bericht wird auch die Möglichkeit von Übertreibungen
oder Erfindungen in den Berichten von Flüchtlingen geprüft. "Bei dem nicht
endenden Strom von Berichten über Vorfälle und den Beweisen ist es höchst unwahrscheinlich, daß die wesentlichen Punkte aller Berichte das Produkt von
Einbildung, Erfindung oder Propaganda sind", so heißt es dazu in dem Bericht.
Aufgrund der Tatsache, daß es keine Hinweise auf Krankheiten mit den gleichen
Symptomen in Thailand und unter den Lebensbedingungen in Thailand gibt - die
denen der umliegenden Staaten entsprechen - "ist es höchst unwahrscheinlich,
daß die von den Flüchtlingen berichteten Vorfälle auf natürliche Ursachen zurückzuführen sind".
Dr. Schiefer erkannte die Gründlichkeit und Objektivität der Untersuchungen durch die Experten der Vereinten Nationen an, nahm jedoch Anstoß an der
dort angedeuteten Möglichkeit, daß in der Region natürliche Mykotoxine vorkommen könnten.

Die Expertengruppe der Vereinten Nationen hatte im November

- 2 -

�im November 1981 berichtet, daß ihre Studie nicht schlüssig sein könne, da
es keinen rechtzeitigen Zugang zu den Gebieten gegeben habe, aus denen die
Vorfälle berichtet wurden.
Im Auftrag der Vollversammlung der Vereinten Nationen setzt die Expertengruppe ihre Untersuchungen fort.

+ + + + +

- 3 -

�T

Hintergrund
materiell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. Juli 1982

29

EINSCHRÄNKUNG DER OST-WEST-TELEFONVERBINDUNGEN DURCH UdSSR BEKLAGT
- Presseerklärung der Helsinki-Kommission des amerikanischen Kongresses -

WASHINGTON - (AD) - Die Mitglieder der Helsinki-Kommission des amerikanischen Kongresses, die sich mit Fragen der Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa befaßt, haben am 23. Juli 1982 eine Presseerklärung veröffentlicht,
die die Einschränkung der Telefonverbindungen zwischen Ost und West beklagt.
Die Presseerklärung hat folgenden Wortlaut:
Die Kongreßmitglieder der Kommission für Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (Helsinki-Kommission) bedauerten die jüngste sowjetische Entscheidung über Einschränkungen der telephonischen Direktwählverbindungen zum Westen
als eine flagrante Verletzung des Geistes und der Grundsätze der Helsinki-Vereinbarungen sowie als ein weiteres Hindernis für ihre Verpflichtung zur Entwicklung der gegenseitigen Verständigung durch "freiere und größere Verbreitung von Informationen aller Art."
"Es ist schwer, die wiederholten sowjetischen Zusicherungen über die Absicht zu akzeptieren, im November wieder nach Madrid zu kommen und auf dem

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�auf dem KSZE-Folgetreffen ein umfassendes und ausgewogenes Abschlußdokument
zu erarbeiten," so unterstrichen der Vorsitzende der Helsinki-Kommission, das
republikanische Mitglied des Abgeordnetenhauses, Dante B. Fascell, und der
Stellvertretende Vorsitzende, Senator Robert Dole, in einer gemeinsamen Erklärung, "wenn ihr Verhalten seit Beginn des Treffens immer wieder nur das
eine zeigt, nämlich Geringschätzung der Verpflichtungen gemäß der HelsinkiSchlußakte."
In einem Schreiben an den sowjetischen Botschafter Anatoly Dobrynin
brachten Fascell und Dole ihre "tiefe Enttäuschung" und ihren "scharfen Protest über einen weiteren Schritt nach rückwärts und weg von den Verpflichtungen, die Ihre Regierung eingegangen ist..." zum Ausdruck.
"Wir sind der Meinung, daß diese Schritte eine eindeutige Verletzung
der Bestimmungen der Helsinki-Schlußakte über menschliche Kontakte sowie ein
direkter Widerspruch zu den Bestimmungen der Schlußakte sind, die eine Verbesserung der Möglichkeiten für Journalisten fordern, mit den Informationsorganen zu kommunizieren, die sie vertreten."
Die Beschneidung der Telefonverbindungen um zwei Drittel stellt eine
drastische Einschränkung des Kommunikationsflusses dar. Die Helsinki-Kommission schenkt der sowjetischen Behauptung keinen Glauben, wonach die Verringerung "von technischen Gründen" herrühre, sondern sieht viel eher den
Grund darin, daß die Überwachung von Telefonanrufen erleichtert und die Kontakte zwischen sowjetischen Emigranten und ihren Familien und Freunden in
der Sowjetunion erschwert werden sollen. Dies wird besonders durch die Tatsache deutlich, daß die drastischste Verringerung der Telefonleitungen (von
24 auf 4) Österreich betrifft, da Wien nicht nur ein erster Sammelplatz für
Emigranten aus der UdSSR ist, sondern auch zu ihrem Informations- und Koordinationszentrum geworden ist. Außenminister Gromyko beseitigte allen Zweifel, als er den österreichischen Bundespräsidenten in Moskau während eines
Gespräches über dieses Thema mit den Worten beschied: "Es gibt gute und
schlechte Telefonanrufe" (Die Presse, 25. Juni).
Weitere Beweise

�Weitere Beweise für den Versuch der Sowjetunion, ihre Bürger vom Westen
zu isolieren, zeigt sich in dem fortdauernden Eingriff in Postsendungen,
einer eindeutigen Verletzung der weltweit gültigen Postkonvention, die auch
von der UdSSR unterzeichnet wurde und der gegenüber sie auch Verpflichtungen
hat, die sich aus dem Prinzip 10 der Helsinki-Schlußakte ergeben.

Die ameri-

kanische Delegation hat das Problem des Eingriffs in den internationalen Postaustausch zwischen amerikanischen und sowjetischen Bürgern auf der Madrider
Nachfolgekonferenz im Dezember 1980 vorgebracht.

Die Kommission stellt mit

Bedauern fest, daß es seit dieser Intervention keine Verbesserung der Lage
gegeben hat.
Die Kommission ist der festen Überzeugung, daß sowohl auf dem Gebiet
des Fernmeldewesens wie des internationalen Postverkehrs das Konzept schneller, gewissenhafter und verläßlicher Dienstleistung es möglich macht, daß
der Kontakt zwischen den Angehörigen verschiedener Staaten aufgebaut, aufrechterhalten und ausgeweitet wird und daß dies für den Geist von Korb 3 der
Schlußakte von grundlegender Bedeutung ist.
Unmittelbar im Anschluß an die sowjetische Verweigerung eines Ausreisevisums für die sich im Hungerstreik befindlichen Sergei Petrov und Yuri
Balovlenkov kann die jüngste Entscheidung, die Fernsprechverbindungen zu kappen, eine erfolgreiche Beendigung des Madrider Treffens im November nur noch
schwieriger, wenn nicht unmöglich machen.
Mit seiner Unterschrift unter der Schlußakte von Helsinki am 1. August
1975 verpflichtete der sowjetische Staats- und Parteichef Leonid Breschnew
die Sowjetunion feierlich zur Achtung vor den Menschenrechten und den anderen
grundlegenden Freiheiten, zur Erleichterung einer Wiederzusammenführung von
Familien und dazu, den "freien" Fluß von Informationen zwischen West und Ost
zu ermöglichen.
Das, was die Sowjetunion bisher zur Verwirklichung dieser Verpflichtungen
vorzuweisen hat, ist in der Tat enttäuschend.
+ + + + +
- 3 -

�T

HintefQfundmateriell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. Juli 1982

29

NUTZUNG DER RAUMFAHRTTECHNIK IM INTERESSE ALLER MENSCHEN
- NASA-Direktor Beggs zur Haltung der USA auf der
UN-Weltraumkonferenz -

- (AD) - James M. Beggs, der Leiter des amerikanischen Amtes für Luftund Raumfahrt (NASA), umriß vor dem Unterausschuß für Weltraumwissenschaften
des Repräsentantenhauses das Programm der Vereinigten Staaten für ihre Teilnahme an der Konferenz der Vereinten Nationen für die Erforschung und friedliche Nutzung des Weltraums (UNISPACE '82) in Wien.

Auf der vom 9. - 21. Au-

gust 1982 anberaumten Tagung werden sich, so Beggs, die USA darum bemühen,
daß "die Nutzung der Raumfahrttechnik zum Wohl der ganzen Menschheit" gefördert und die internationale Zusammenarbeit im Weltraum verstärkt werde.
Die amerikanische Delegation sei sich bewußt, erklärte Beggs, daß "wir
wichtige Dinge über unsere zahlreichen Errungenschaften im Weltraum, über die
Offenheit unserer Programme für internationale Zusammenarbeit und die amerikanische Führungsrolle bei der Entwicklung von Raumfahrttechnologien zu berichten haben, die für alle Menschen von praktischem Nutzen sind.

Die Zusammen-

setzung unserer Delegation, unsere Stellungnahmen auf der Konferenz und die
Qualität unserer Ausstellung werden zeigen, daß das US-Raumfahrtprogramm in
ganz besonderer Weise die Kreativität und den Optimismus der amerikanischen
Gesellschaft zum Ausdruck bringt."
Bei den

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Bei den offiziellen Sitzungen wie in privaten Gesprächen mit den Vertretern anderer Länder werde die amerikanische Delegation prüfen, wie internationale Zusammenarbeit im Weltraum am besten zu verbessern sei.

Andere

Regierungen werden eigene Ideen ebenso wie Befürchtungen, die einzelne vielleicht hegen, in die Erörterungen einbringen.

"Wir hoffen", so Beggs, "daß

UNISPACE '82 zu einer Begegnungsstätte wird, wo solche Ideen und Befürchtungen in einen geordneten Prioritätenkatalog für die Zukunft umgesetzt werden
können."
Der Beitrag der Vereinigten Staaten zur UNISPACE-Ausstellung wurde von
Regierungsstellen und von 12 amerikanischen Firmen gestaltet. Die USA beteiligen sich u.a. an den von den Vereinten Nationen veranstalteten Programmen, mit denen neue Technologien demonstriert werden. So stellt COMSAT (Gesellschaft für Nachrichtensatelliten) eine Satelliten-Direktverbindung zwischen Wien und dem UN-Hauptquartier in New York her, damit der UN-Dolmetscherdienst einen Teil der Vorträge oder Konferenzprotokolle simultan übersetzen
kann. NOAA (US-Amt für Meere und Atmosphäre) zeigt Ausrüstungen im Rahmen
einer Demonstration mit Wettersatelliten, welche von der WMO (UN-Organisation
für Meteorologie) koordiniert wird. Die NASA führt neuartige Ausrüstungen
zur Verarbeitung und Aufbereitung der Daten von Erderkundungssatelliten vor
und zeigt Anlagen zur Stromerzeugung, die aus der Solartechnik für die Raumfahrt weiterentwickelt wurden und für Entwicklungsländer besonders gut geeignet sind. AID (US-Bundesamt für internationale Entwicklung) demonstriert
Anlage und Gebrauch von Ausrüstungen, wie sie im Zusammenhang mit ihrem
Satellitenprogramm für ländliche Gebiete zu Schulungszwecken für die Bevölkerung in abgelegenen Regionen verwendet werden. Viele dieser Demonstrationen
wären ohne die Beiträge der amerikanischen Industrie nicht denkbar - ein überzeugendes Beispiel für das Teamwork zwischen Behörden und Privatwirtschaft in
den USA.

NASA-Direktor Beggs ging auch auf zu erwartende Kontroversen ein und erklärte vor dem Kongreßausschuß wörtlich:

"Obgleich dies kein Punkt auf der

UNISPACE-Tagesordnung ist, äußerten sich einige Länder besorgt über eine mögliche 'Militarisierung' des Weltraums, die nicht nur die internationale In- 2 -

�internationale Instabilität verstärkt, sondern auch die Möglichkeiten einer
Teilhabe an der friedlichen Anwendung von Raumfahrttechnologien mindert.

Die

Befürchtungen gehen offensichtlich über die Frage von Rüstungskontrolle hinaus
und gelten der Benutzung des Weltraums für militärische Zwecke. Wenn wir diese Frage ansprechen, werden wir deutlich machen, daß wir kein

Wettrüsten im

Weltraum sehen wollen und daß die Vereinigten Staaten bereit sind, die Vielzahl technischer Fragen im UN-Abrüstungsausschuß zu erörtern, dem die UN-Vollversammlung das Thema der Rüstungskontrolle im Weltraum übertragen hat.

Auch

werden wir die wichtige Rolle militärischer Aktivitäten in Form hochmoderner
technischer Methoden zur Verifizierung der Einhaltung strategischer Rüstungskontrollvereinbarungen hervorheben, die sie für die Erhaltung des Friedens besitzen.

Wir wollen sicherstellen, daß keine Debatte auf der UNISPACE-Konferenz

die Aussichten auf eine konstruktive Behandlung des Themas im Abrüstungsausschuß verringert.
Die nächsten strittigen Themenkomplexe betreffen die künftige Benutzung
des geostationären Orbits (erdsynchrone Umlaufbahn in ca. 36 000 km Höhe) und
die Funkfrequenzen für Nachrichtensatelliten.

Einige Entwicklungsländer fürch-

ten, daß ihnen in Zukunft der geostationäre Orbit nicht mehr zur Verfügung steht,
weil ihn die industriell besser entwickelten Länder immer mehr mit Satelliten
vollpacken.

Viele dieser Entwicklungsländer bestehen deshalb jetzt darauf, daß

ihre Interessen besonders berücksichtigt werden, beispielsweise durch Regelung
und Benutzung des Radiowellenspektrums und Zuteilung von Frequenzen entsprechend
einer mutmaßlichen künftigen Entwicklung.

Einige dieser Länder hat dies sogar

dazu gebracht, Souveränitätsansprüche auf den geostationären Orbit zu erheben.
Wir weisen jegliche Souveränitätsansprüche auf den geostationären Orbit eindeutig zurück.

Im Weltraumvertrag ist festgelegt, daß es keine Souveränitätsan-

sprüche im Weltraum geben kann.
Strittige Fragen im Zusammenhang mit der künftigen Benutzung und Regelung
des geostationären Orbits und der Frequenzbereiche wird von einigen Entwicklungsländern ganz besondere Bedeutung beigemessen, was uns veranlaßt, uns dafür einzusetzen, daß UNISPACE nicht als Forum zur vorzeitigen Beurteilung dieser
Fragen benutzt wird.

Denn sie müssen im Rahmen der ITU (Internationale Fern- 3 -

�(Internationale Fernmeldeunion) auf deren Plenarsitzung im Herbst dieses Jahres
und auf weiteren, teils spezialisierten Tagungen in den Jahren 1983, 1985 und
1987 erörtert werden.
Die Haltung der amerikanischen Delegation in dieser Frage, die voll und
ganz mit den an den Vorbereitungen für die ITU-Konferenzen beteiligten US-Behörden koordiniert wird, ist die, daß für die Erörterung technischer Fragen im
Zusammenhang mit der Regelung des internationalen Fernmeldewesens die ITU zuständig ist.

Unseres Erachtens darf eine Debatte über diese Streitfragen auf

der UNISPACE-Konferenz keinesfalls die Arbeit der ITU vorwegnehmen.

Unsere

Delegation befürwortet den Zugang aller Länder zum geostationären Orbit und
zum Funkfrequenzspektrum und ermutigt dazu, die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft auf die künftigen Bedürfnisse von Entwicklungsländern bei
der Nutzung dieser Ressourcen zu lenken.

Die Delegation weist den Gedanken

einer "Regelung auf Verdacht" zurück, weil dieses Verfahren einer konstruktiven
Lösung entgegenwirken würde.
Die Vereinigten Staaten
Ressourcen - im Gegensatz zu
spricht, den technologischen
Kapazität notwendig sind und

unterstützen einen vernünftigen Einsatz dieser
unflexibler Planung -, da dies am ehesten verFortschritten Raum zu geben, die zur Erhöhung der
zu kostengünstigeren Systemen führen.

Im ursprünglichen Entwurf für den Konferenzbericht gab es mehrere Vorschläge, daß Raumfahrtaktivitäten wie Satellitensysteme für Meteorologie, Navigation und Erderkundung internationalisiert oder den Vereinten Nationen weiterreichende Koordinierungsvollmachten in bezug auf diese Systeme gegeben werden
sollten. Obgleich viele dieser Vorschläge inzwischen abgeschwächt wurden, erwartet unsere Delegation während der Konferenz die Wiederholung von Vorschlägen zur Prüfung internationaler Systeme, insbesondere auf dem Gebiet der Fernerkundung der Erde. Vom amerikanischen Standpunkt aus sollte zunächst einmal
die bestehende internationale Zusammenarbeit erkannt und untersucht und andere
Modalitäten im Vergleich zu nationalen Zielen und Erfordernissen sorgfältig
analysiert werden, ehe man die Schaffung zusätzlicher internationaler Institutionen zu erörtern beginnt...
Einige Länder
4 -

�Einige Länder mögen auch den Wunsch auf Garantien für eine Fortsetzung
der Belieferung mit Fernerkundungs-Daten äußern - ein Zeichen für Besorgnisse
bei Entwicklungsländern, daß der Datenfluß von Raumfahrtsystemen unterbrochen
werden könnte.

Wir erkennen voll an, daß vom Benutzerstandpunkt aus Garantien

für eine Fortsetzung der Dienstleistungen und der Ausgabe von zuverlässigen Daten zu einer vernünftigen Gebühr wünschenswert sind.

Jedoch steht es UNISPACE

nicht zu, von nationalen Betreibern Garantien für noch nicht operative Fernerkundungssysteme zu verlangen.

Aber die Frage ist wichtig genug und könnte

Betreibern solcher Systeme helfen, sie wirksamer anzugehen.
Die Streitfrage des Technologie-Transfers kommt auf allen UN-Konferenzen
unweigerlich zur Sprache, und UNISPACE dürfte keine Ausnahme sein. Aus der
Stellungnahme der UN zum Konferenzbericht geht bereits hervor, daß einige Länder versuchen werden, die üblichen UN-Rezepte für den Technologie-Transfer auf
das Gebiet der Weltraumforschung anzuwenden. Es gibt technologische Lücken
zwischen Industrie- und Entwicklungsländern, aber schnelle und einfache Lösungen für dieses Problem gibt es nicht. Nach der Überzeugung der amerikanischen
Delegation sind Aufgeschlossenheit für diese Frage, verbesserte internationale
Zusammenarbeit, kommerzielle Arrangements mit der amerikanischen Wirtschaft
und Selbsthilfe seitens der Entwicklungsländer hier von allergrößter Bedeutung.
Die Vereinigten Staaten werden auch künftig zu internationaler Mitarbeit an
ihren Raumfahrtprogrammen einladen und das damit erzielte Wissen zugänglich
machen, damit alle Menschen davon profitieren...
Die Vereinigten Staaten machen bereits bemerkenswerte Anstrengungen als
Reaktion auf den Wunsch von Entwicklungsländern, sie an Raumfahrtaktivitäten
stärker zu beteiligen - ein Wunsch, der bei der Tagung UNISPACE '82 eine wichtige Rolle spielen wird. Die USA werden bei der Konferenz auf dieses ihr Engagement verweisen. Auf wirtschaftlicher Ebene sollte man anerkennen, daß viele
amerikanische Firmen technische Dienstleistungen erbringen, die gegenwärtig keine
anderen Ländern erbringen können - in der Anwendung von Raumfahrttechnologien
geschieht dies weltweit. Auf Regierungsebene leistet AID Hilfe bei der Anwendung
von Fernerkundungssystemen in vielen Gebieten, in denen die soziale und wirtschaftliche Entwicklung entscheidende Bedeutung haben. Dies hat zu einer Reihe
von erfolgreichen Projekten in mehreren Entwicklungsländern und zum Aufbau regionaler und nationaler Fernerkundungs-Zentren in Afrika und Asien geführt.
- 5 -

�Asien geführt. Speziellere Hilfe und Ausbildung für die Anwendung von Fernerkundungssystemen geben das Geologische Bundesamt der USA und das US-Landwirtschaftsministerium. Das AID-Satellitenprogramm für ländliche Regionen, zu dem Pilotprojekte mit Nachrichtensatelliten zur Demonstration der Möglichkeiten für die Herstellung von Nachrichtenverbindungen mit abgelegenen Gebieten in Entwicklungsländern gehöeren, wird mit ersten Pilotprojekten in Indonesien, Peru und Senegal begonnen... Für die UNISPACE-Konferenz arbeitet z. Zt. eine von Vertretern der zu- .
ständigen amerikanischen Behörden gebildete Gruppe an Initiativen, die die Nutzung von Raumfahrttechnologien zum Wohl der ganzen Menschheit fördern könnten.
Dazu gehört u.a. auf dem Gebiet Fernerkundung die Vorbereitung eines auf der
UNISPACE-Konferenz zu verteilenden Katalogs, der, nach Region und Land geordnet,
die weltweiten LANDSAT-Daten enthält, die von den amerikanischen Satelliten
LANDSAT 1, 2 und 3 seit 1972 gesammelt wurden und beim Auswertungszentrum EROS
("Earth Resources Observation Systems" - Beobachtungssysteme für Ressourcen der
Erde) in Sioux Falls (Süddakota) archiviert werden. Diese Kataloge - der letzte
wurde 1974 zusammengestellt - dürften für die Benutzer weltweit von größtem praktischem Wert sein. Die USA hoffen ferner, auf der UNISPACE-Konferenz die Vorbereitung einer Katalogserie unter Einbeziehung aller LANDSAT-Bestände - amerikanische wie ausländische - ankündigen zu können. Diese Kataloge protokollieren
umfassend alle während der ersten zehn Jahre des LANDSAT-Betriebs erfaßten Daten
und würden von allen zehn Ländern, die eigene LANDSAT-Bodenstationen unterhalten,
gemeinsam erstellt.
Die amerikanischen Initiativen, die US-Ausstellung und die Demonstrationen
auf der UNISPACE-Konferenz belegen die Führungsrolle der Vereinigten Staaten bei .
der friedlichen Nutzung des Weltraums. Von ebenso großer Bedeutung werden die
Bemühungen der amerikanischen Delegation sein, den Entwicklungsländern die Vor- «
teile der Raumfahrttechnologien und die Möglichkeiten stärker bewußt zu machen,
die sich daraus für sie ergeben, so daß sie sich möglicherweise mehr auf diesem
Gebiet engagieren werden."

+ + + + +

�</text>
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28. Juli 1993

HAUSHALT

CLINTON: DEFIZITPLAN HAT HANDLUNGSSPIELRAUM IN TOKIO GESCHAFFEN
Rede des Präsidenten vor Demokraten

AUSSENPOLITIK

CHRISTOPHER SKIZZIERT ZIELE SEINER
REISE NACH ASIEN, AUSTRALIEN,
NAHOST
Pressekonferenz des Außenministers

NICHTVERBREITUNG

NICHTVERBREITUNG IST PRIORITÄT DER
US-SICHERHEITSPOLITIK
Rede des Außenministers beim ASEAN

BALKAN

OXMAN ERLÄUTERT US-BALKANPOLITIK
Stellungnahme vor KSZE-Kommission

KRIEGSVERBRECHEN

USA UNTERSTÜTZEN KRIEGSVERBRECHERTRIBUNAL ZU JUGOSLAWIEN
USIA-Film zeigt Tragik der Situation

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 4102

�G-7

PRODUKTIVSTER G-7-GIPFEL SEIT
10-15 JAHREN
Erklärung von Staatssekretär Summers
über WorldNet

WIRTSCHAFT

GREENSPAN: ZEIT FÜR DEFIZITABBAU
LÄUFT AB
Clintonplan vielversprechender
erster Schritt
DIE SOZIALE DIMENSION DER WIRTSCHAFTLICHEN UMSTRUKTURIERUNG
Auszüge aus einer Rede
von Thomas R. Donahue (AFL-CIO)

PORTRAT

FREEH GENIESST DEN RUF EINES
ERFAHRENEN VERBRECHENSBEKÄMPFERS
Porträt des designierten FBI-Direktors

�HAUSHALT
28. Juli 1993

CLINTON: DEFIZITPLAN HAT HANDLUNGSSPIELRAUM
IN TOKIO GESCHAFFEN
Rede des Präsidenten vor Demokraten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton zufolge haben die Maßnahmen des Kongresses zum Abbau des
amerikanischen Haushaltsdefizits ihm den erforderlichen Handlungsspielraum verschafft, um mit den anderen
Staats- und Regierungschefs der G-7 während des kürzlich abgeschlossenen Wirtschaftsgipfels in Tokio
entscheidende Vereinbarungen zur Senkung der Zölle auszuhandeln.
"Eines steht fest", äußerte Clinton vor den demokratischen Abgeordneten des Repräsentantenhauses am 20.
Juli 1993,"... die Vereinbarung beim G-7-Gipfel wäre niemals zustande gekommen, wenn Sie nicht dem Haushalt
im Senat und Repräsentantenhaus zugestimmt und mir den Spielraum verschafft hätten, zu sagen, wir tun das
Unsere, tun Sie jetzt das Ihre."
Der Präsident erklärte, ernsthafte amerikanische Bestrebungen zum Abbau des Haushaltdefizits hätten femer
dazu beigetragen, die Japaner zu einer Überprüfung ihres großen bilateralen Handelsüberschusses mit den
Vereinigten Staaten zu veranlassen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten in wesentlichen Auszügen.

Wir kommen in einer schwierigen Zeit für das Land und
die Welt hier zusammen. Die Welt befindet sich in
einer gravierenden Wirtschaftskrise. Alle wohlhabenderen Länder der Welt sehen sich mit Problemen bei
der Schaffung von Arbeitsplätzen konfrontiert. Seit
sehr langer Zeit hat es eine Art politischer Lähmung in
diesem Land gegeben, bei der wir stets gewu ßt haben,
was wir tun mußten, uns jedoch nie ganz überwinden
konnten, es auch zu tun. Und weil wir eine geteilte
Regierung hatten, konnte eine Seite der anderen immer
die Schuld für das zuweisen, was nicht getan wurde.
Je schlimmer die Probleme wurden, desto schmerzhafter wurden die Lösungen. Das ist immer so im
menschlichen Leben, nicht nur in der Regierung, sondern
in jedem Bereich unseres Lebens.

das von ihm verursachte Defizit sei groß genug, um
selbst mit sich fertigzuwerden. Heute scherzt niemand
darüber und keiner bezweifelt, daß wir uns ernsthaft
mit der Reduzierung dieses Defizits befassen und
versuchen, uns aus seinem Würgegriff zu befreien, um
jetzt bessere Zeiten und eine bessere Zukunft für
unsere Kinder zu schaffen.
Statt zu debattieren, ob wir das Defizit ignorieren
sollen, haben wir jetzt eine ernsthafte Diskussion
begonnen, wie wir es wirklich verringern können. Das
bedeutet, Wandel herbeizuführen und nicht, sich mit
den Tatsachen abzufinden. Wo Ihnen einstmals Präsidenten Haushaltsentwürfe vorlegten, die das Papier
nicht wert waren, auf dem sie gedruckt waren, haben
wir jetzt einen echten Wirtschaftsplan, der - trotz aller
Kontroversen - im Rekordtempo durch den Kongreß
geht.

Dank Ihrer Hilfe, Ihrer Führungsrolle und des von
vielen von Ihnen bewiesenen seltenen Muts haben wir
einen grundlegenden wirtschaftlichen Wandel in unserem Land vorgenommen. In nur sechs Monaten haben Ich bin amüsiert, wenn ich lese, daß unsere Mehrheitswir zweifelsohne den Charakter der Wirtschaftsdebat- partei jetzt den schwierigen, harten Entscheidungen,
ten hier in der Hauptstadt unserer Nation verändert. die ich dem Kongreß abverlange, mit knapper MehrDie neue Richtung, die ich mit Ihnen im Februar im heit zustimmt, wohingegen im vergangenen Jahr 75
Prozent der Mitglieder des Repräsentantenhauses der
Bericht zur Lage der Nation erörtert habe, ist offenanderen
Partei gegen den Haushalt ihres Präsidenten
sichtlich. Ein Präsident hat einmal im Scherz gesagt,

AMERIKA DIENST 30

Seite 1

�stimmten und jahrelang die Etats des Präsidenten
politische Dokumente und nicht ernsthafte Versuche
waren, eine Wende in diesem Land herbeizuführen.
Jetzt unternehmen wir einen ernsthaften Versuch, dies
zu tun. Sie und ich führen den Wandel herbei. Wo
einstmals die andere Partei die Mittelschicht besteuerte, so daß die höheren Einkommensgruppen nicht
einmal den ihnen gebührenden Anteil zu entrichten
hatten, haben wir einen Plan, der von denjenigen
fordert, die in den achtziger Jahren am meisten profitiert haben und deren Steuern gesenkt wurden, jetzt
ihren gerechten Anteil zu bezahlen - nicht, weil wir
Erfolg bestrafen wollen, sondern weil es die amerikanische Art ist, jeden zu bitten, entsprechend seiner
Fähigkeiten zu zahlen. Das wird von der Mittelklasse
gefordert, und das ist eine Veränderung, die wir vornehmen.
Wo einstmals nationale Regierungen Schlagworte für
mittelständische Unternehmen hatten, haben wir jetzt
einen Wirtschaftsplan, der tatsächlich Anreize für
Unternehmen enthält, echte Arbeitsplätze zu schaffen
- etwas, das wir seit langer Zeit benötigten. Und diese
Bestrebungen, diesen Plan, so wie er durch den Kongreß gebracht wurde, zu verabschieden, waren eindeutig - wie der Vorsitzende der Notenbank vor nicht
allzulanger Zeit feststellte - die treibende Kraft bei der
Senkung der Zinssätze auf den niedrigsten Stand seit
20 Jahren. Dies bewirkt eine riesige Summe zur
Refinanzierung von Hypotheken für Eigenheime, Unternehmenskrediten - und wird zweifelsohne positive
Auswirkungen haben, die sich heute in neuen Investitionen und in naher Zukunft in neuen Arbeitsplätzen
niederschlagen.
Wo einstmals die staatlichen Ausgaben explodierten
selbst als die Investitionen in die Zukunft abnahmen,
haben wir jetzt einen Wirtschaftsplan, der eine drastische Abkehr der Ausgabeprioritäten von verschwenderischen Investitionen, von verschwenderischen
Kürzungen ist und dennoch einige vernünftige, kluge
Investitionen vorsieht.
Früher haben sich unsere Wirtschaftsplaner im Weißen Haus auf rasche Lösungen für die nächste Wahl
konzentriert. Jedes Haushaltsdokument, das in dieses Gebäude gelangte, wurde von ernsthaften Experten beider Parteien abgelehnt. Sie wissen das so gut
wie ich. Es war nur ein politisches Dokument, um
sicherzustellen, daß sich der Präsident weiterhin gut
mit dem amerikanischen Volk verstand, statt ihm die
Wahrheit zu sagen und die harten Entscheidungen zu
treffen.

te, ohne irgendetwas zu unternehmen, um eine einzige
Person von der Sozialhilfe zu einem neuen Arbeitsplatz zu bringen, haben wir jetzt einen Wirtschaftsplan,
der der erste Schritt einer langfristigen Strategie zur
Beendigung der Sozialhilfe wie wir sie kennen, ist. Die
gerechtfertigten Einkommenssteuerfreibeträge in diesem Plan werden für jeden Einsparungen mit sich
bringen, der mit Kindern 40 Stunden im Haushalt
arbeitet - das ist echte Arbeit, und wir werden sie
vergüten und Sie aus der Armut führen. Dies ist die
einschneidendste Sozialreform, die in diesem Land
seit einer Generation verabschiedet wurde. Und wir
verwirklichen sie durch das Steuersystem, indem wir
Arbeit vergüten.
Wo einstmals ein Präsident mit dem Hut in der Hand
auf internationale Wirtschaftkonferenzen wie die gehen mu ßte, an der ich gerade teilgenommen habe, und
dort sitzen mußte, während Teilnehmer aus anderen
Ländern die Vereinigten Staaten unablässig mit den
Worten kritisierten: "Wie können Sie von uns ein
Wachstum der Weitwirtschaft erwarten, wenn Sie ein
großes Defizit haben und Sie - ein wohlhabendes Land
- die Ersparnisse der ganzen Welt aufsaugen, die
Hälfte - oder zumindest ein Drittel - Ihrer öffentlichen
und privaten Verschuldung aus ausländischen Quellen finanzieren?" Ich hatte das Privileg, an einem G-7Treffen teilzunehmen, bei dem zum ersten Mal seit 10
Jahren die Vereinigten Staaten nicht kritisiert, sondern
zu ihrem ernsthaften Versuch beglückwünscht wurden, ihr Defizit zu reduzieren.
Eines steht fest, das ist es, was mir Handlungsspielraum verschafft hat - Ihre Maßnahmen zur Reduzierung dieses Defizits haben mir den Handlungsspielraum verschafft zu argumentieren, daß es an der Zeit
ist, diese Zölle zu senken und sie zum Bestandteil
eines internationalen Handelsabkommens zu machen, das in den kommenden Jahren Hunderttausende von Arbeitsplätzen im Fertigungsbereich in diesem
Land schaffen wird.
Das von uns geschlossene Abkommen wird Arbeitsplätze im Fertigungsbereich in den Vereinigten Staaten schaffen. Daran besteht kein Zweifel. Jeder kann
es sehen. Jeder, der es je studiert hat - es ist nicht wie
viele der Themen, die wir hier vorliegen haben, bei
denen es viele Diskussionen und Argumente gibt.
Jeder weiß, daß dies für die Vereinigten Staaten ein
gutes Geschäft ist - wir müssen es bis zum Jahresende
zum Bestandteil des weltweiten Handelsabkommens
machen, und wir haben eine gute Chance, es jetzt zu
tun, denn die Vereinbarung beim G-7-Gipfel wäre
niemals zustande gekommen, wenn Sie nicht dem
Haushalt im Senat und Repräsentantenhaus zugestimmt und mir den Spielraum verschafft hätten, zu
sagen, wir tun das Unsere, tun Sie jetzt das Ihre.

Heute liegt Ihnen ein Wirtschaftsplan vor, der auf lange
Sicht angelegt ist, nicht nur bis zu nächsten Wahl. Wir
blicken auf die nächste Generation in der Hoffnung,
daß das amerikanische Volk bis zur nächsten Wahl Eines steht fest: Wir hätten diese Vereinbarung mit
erkennen wird, genau dies wurde getan. Wo einstmals Japan zur Veränderung unserer Handelsbeziehungen
die andere Partei Sozialhilfe als Prügelknaben benutz- niemals - niemals - erzielt, wenn ich nicht die Autorität
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AMERIKA DIENST 30

�gehabt hätte zu sagen - Ich weiß, daß Sie in den
achtziger Jahren den Handelsüberschuß, den Sie
hatten, in ein Investitionsdefizit verwandelten, indem
Sie viel von Ihrem Geld zurück in dieses Land leiteten
um uns zu helfen, unser Defizit zu finanzieren und eine
Explosion unserer Zinssätze zu verhindern. Wir bekommen dieses Problem jedoch derzeit in den Griff.
Wir tun das, worum Sie uns gebeten haben. Wir
reduzieren unser Defizit, investieren mehr in unsere
Wirtschaft, und unsere Produktivität steigt. Wir sind
wieder konkurrenzfähig. Jetzt müssen wir die Handelsregeln ändern. Wenn Sie - jedes Haus - nicht eine
Fassung dieses Haushalts verabschiedet hätten, wären
wir nicht in der Lage gewesen, dies zu tun. Genau dies
geschieht heute.

Genau dieses Argument habe ich von Beginn dieses
Prozesses an zu vertreten versucht. Ja, es wird
marginale Veränderungen geben. Ja, es hat bereits
marginale Veränderungen gegeben. Aber wir müssen
einen grundsätzlichen Wandel vollziehen. Welche
Elemente gehören zu diesem Wandel? Erstens müssen
wir die Kontrolle über unser wirtschaftliches Schicksal
erlangen, unser fiskalisches Haus in Ordnung bringen.
Dieses Defizit steckt wie eine Gräte im Hals Amerikas,
und wir sollten es in Angriff nehmen, indem wir einen
Plan verabschieden, der es um 500 Milliarden Dollar
abbaut.

Ich möchte sagen, wie sehr es mich bisweilen schmerzt,
daß dies zu einer Auseinandersetzung zwischen den
Ja, es ist schmerzhaft. Ja, es ist schwierig. Aber es ist Parteien geworden ist. Das habe ich nicht angestrebt.
Fortschritt. Es ist Wandel. Es wird einen Unterschied Ich hege immer noch die Hoffnung, daß einige der
bewirken. Und der Schwerpunkt liegt auf den langfri- wirklich gewissenhaften und verantwortungsbewußstigen Interessen der Bevölkerung dieses Landes. Wir ten Mitglieder der anderen Seite diesem Konferenzbesind bereits weit gekommen. Dies ist nicht die Zeit, um richt zustimmen werden, wenn er fertiggestellt ist. Ich
einen Rückzieher zu machen. Wir sind kühn gewesen. weiß, viele von ihnen sind der Auffassung, daß viel
Gutes darin steckt. Und wir haben offen gestanden
Dies ist keine Zeit für Ängstlichkeit. Wir sind diese
einige Veränderungen vorgenommen, die diese VorlaKrise frontal angegangen. Dies ist nicht der Zeitpunkt
ge in die Richtung bringen, die von den gemäßigteren
zurückzuweichen.
und verantwortungsbewußteren Mitgliedern der andeWir können diese Wirtschaftskonferenz mit einem ren Seite erbeten wurde.
Plan abschließen, der den Kongreß passieren und was am wichtigsten ist - dem kritischen Urteil des Ich werde mich jedoch nicht scheuen, das zu verteidiamerikanischen Volkes standhalten kann, wenn wir gen, von dem ich in meinem tiefsten Innern weiß, daß
es der Wirtschaft helfen wird, wenn es zum Ziel unehrgewährleisten, daß es weiß, was er beinhaltet. Während Sie sich durch die Vielzahl wichtiger Einzelheiten licher und unfairer Angriffe wird. Dies entspricht wohl
dieser massiven Wirtschaftskonferenz arbeiten, wür- dem Charakter unseres Berufs - aber irgendwann
de es uns gut anstehen, im Auge zu behalten, daß die sollte auch das zählen, was wirklich im Interesse des
Geschichte nicht festhalten wird, wer den Sieg in der amerikanischen Volkes liegt.
Arena technischer Einzelheiten davonträgt, die einen
Zum Schluß möchte ich sagen, wenn man weiß, daß
Großteil der Debatte ausmachen könnten.
man diesen Weg allein gehen mu ß und kaum Hilfe von
der
anderen Seite erwarten kann, dann besteht eine
Unsere Kinder und Enkel werden sich jedoch daran
schreckliche
Versuchung, nämlich nichts zu tun, oder
erinnern, ob wir ängstlich oder kühn waren. Sie
zumindest
eine
Zeitlang nichts zu tun. Und ich kann
werden sich entsinnen, ob wir Mut unter Beweis geIhnen
sagen,
der
Preis des Nichtstuns ist in politischer
steift haben oder vor dieser Herausforderung zurückund
ökonomischer
Hinsicht wesentlich höher als wenn
geschreckt sind. Sie werden sich daran erinnern, ob
man
heute
den
Preis
für den Fortschritt bezahlt.
wir uns einer Pattsituation und der Art von leicht
ausgesprochener Rhetorik gefügt haben, die unsere
Politik in den letzten Jahren immer stärker beherrscht
hat, oder ob wir regieren.
Ich bin mir bewußt, daß Kompromiß, Konsens und
Ausgleich das Gebot der Stunde sein müssen. Nichts
von solcher Schwierigkeit und Komplexität läßt sich
erreichen, ohne daß man unterschiedlichen Stimmen
und verschiedenen Ideen zuhört. Ich mache mir
jedoch keine Illusionen über die vor uns liegenden
Herausforderungen.
Gewiß, dies ist politisch schwierig und institutionell
anspruchsvoll. Das wiederum macht diese Herausforderung so reizvoll. Bedenken Sie folgendes: Nichts
wird irgendetwas wert sein, wenn wir am Schluß
weniger als einen grundlegenden Wandel präsentieren.
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Wir wurden gewählt, um zu regieren. Wir wurden
gewählt, um das Patt zu brechen. Ich weiß nicht, wie
viele Leute mir letztes Jahr erklärt haben, wenn Sie
mich in Rage bringen, dann tun Sie etwas. Tun Sie
etwas. Sorgen Sie für Bewegung. Bringen Sie uns da
heraus. Bringen Sie etwas zustande. Wenn wir
kneifen oder scheitern, um unser Mandat für den
Augenblick zu erhalten, würde die Reaktion darauf
weit stärker ausfallen als jede einzelne unpopuläre
Maßnahme im Rahmen dieser Bemühungen.
Wenn wir Erfolg haben und unsere Nation auf einen
neuen Kurs bringen... und dies wird am Tag nach der
Verabschiedung eines gemeinsamen Plans durch beide
Häuser geschehen ... werden die Bürger die Fakten
sehen, nicht den Nebel, sondern die Fakten darüber,

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�was zu diesem Programm gehört. Die Realität wird
zum Vorschein kommen. Dann werden wir auf dem
Weg sein, um eine Volkswirtschaft aufzubauen, die
den Amerikanischen Traum wiederherstellt. Seit 20
Jahren sehen wir, wie er uns immer weiter entrückt.

Pflicht ignorieren, unser Haus in Ordnung zu bringen,
in unser Volk zu investieren und die Art von Programm
hervorzubringen, das uns ins 21. Jahrhundert führt.

Dieses Land vollbringt viele gute Dinge, die aufgrund
momentaner Unsicherheiten häufig unbeachtet bleiDer Wohlstand der Mittelschicht erreichte seinen ben. Der Privatsektor hatte einen enormen ProduktiHöhepunkt vor 20 Jahren, im Jahr 1973. Seither sind vitätszuwachs zu verzeichnen. Ihr Land produziert zu
alle Einkommenszuwächse dadurch entstanden, daß geringen Kosten Hunderte, ja Tausende qualitativ
die Menschen länger arbeiteten oder mehr Mitglieder hochwertige, billige Waren und Dienstleistungen, die
einer Familie beschäftigt waren. Seither gab es 20 uns helfen können, wenn wir Märkte öffnen können,
Jahre lang unterschiedliche, aber unzureichende wenn wir unser Haus in Ordnung bringen können,
Reaktionen auf die Herausforderungen der Weltwirt- wenn wir weiterhin die Qualifikationen unserer Menschaft. Und dann probierten wir in den letzten 12 schen verbessern können und wenn wir die speziellen
Probleme verschiedener Teile des Landes und verJahren eine Volkswirtschaft mit Sickereffekt aus, deschiedener
Teile der Wirtschaft in den Griff bekommen
ren Credo lautete, alles nach oben umzuschichten und
können.
Wir
können dies vollbringen. Wir brauchen
zu hoffen, daß es wieder unten investiert wird und dann
nicht
in
der
Klemme
zu bleiben, in der wir gegenwärtig
gut funktioniert.
stecken. Aber wir sind auf die eine oder andere Weise
Ich gehe davon aus, daß die Wahrheit irgendwo dazwi- zwei Jahrzehnte lang auf diesem Weg gewesen. Wir
schen oder jenseits der alten staatlichen Verhaltens- können nicht erwarten, ihn innerhalb von sechs Monamuster liegt. Wir können diese Krise nicht durch ten zu verlassen. Wir werden ihn jedoch nie verlassen,
Mehrausgaben überwinden. Die Regierung kann das wenn wir uns nicht bewegen. Wir können nicht einfach
amerikanische Volk nicht allein von dieser Krise befrei- herumsitzen und um Regen beten. So funktioniert das
en. Wir können aber auch nicht unsere fundamentale nicht.

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*

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�AUSSENPOLITIK
28. Juli 1993

CHRISTOPHER SKIZZIERT ZIELE SEINER REISE
NACH ASIEN, AUSTRALIEN, NAHOST
Pressekonferenz des Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Bei den Vorbereitungen für seine Reise in den Fernen Osten, nach Australien und Nahost
stehen Außenminister Christopher zufolge regionale Sicherheitsfragen, Handelsangelegenheiten und der
Nahost-Friedensprozeß im Mittelpunkt der Themen, die er mit Vertretern in diesen Regionen erörtern werde.
Während einer Pressekonferenz skizzierte Christopher am 21. Juli 1993 die Tagesordnung seiner bevorstehenden Gespräche mit Politikern in aller Welt sowie andere drängende außenpolitische Fragen, darunter auch
Bosnien-Herzegowina und Somalia.
"Meine... Reise zum ASEAN und nach Australien", erklärte der Minister, "unterstreicht das Engagement unserer
Administration für die neue pazifische Gemeinschaft, die der Präsident in seinen Reden in Asien beschrieben
hat."
Christopher äußerte, er hoffe, seine Mission in den Nahen Osten werde dazu beitragen "den Friedensprozeß
voranzutreiben", verwies jedoch darauf, Durchbrüche seien nicht zu erwarten.
Die Krise in Bosnien-Herzegowina bezeichnete Christopher als "das schwierigste diplomatische Problem der
Welt". Die Vereinigten Staaten unternähmen "alles in ihrer Macht und im Einklang mit unseren nationalen
Interessen Stehende", um die Lage dort zu verbessern.
Nachfolgend veröffentlichen wir Christophers Eingangserklärung bei der Pressekonferenz im Wortlaut.

Ich werde mit einer kurzen Eingangserklärung im
Hinblick auf meine morgen beginnende Reise anfangen.

bei der Reise, die ich morgen antreten werde, auf
diesen Fortschritten aufzubauen.

Ich sehe der Folgekonferenz zum ASEAN-Ministertreffen, an der ich in Singapurteilnehmen werde, sowie
den anschließenden gemeinsamen Treffen der Außen- und Verteidigungsminister in Australien erwartungsvoll entgegen. Meine auf den Besuch Präsident
Clintons folgende Reise zum ASEAN und nach Australien unterstreicht das Engagement unserer AdminiErstens Bekräftigung der amerikanischen Si- stration für die neue pazifische Gemeinschaft, die der
cherheitsverpflichtung und des aktiven Engage- Präsident in seinen Reden in Asien beschrieben hat.
ments in Asien;
Die Säulen dieser neuen pazifischen Gemeinschaft
zweitens die Öffnung von Weltmärkten und sind Fortschritte zu offeneren Volkswirtschaften und
Schaffung von Arbeitsplätzen;
verstärktem Handel, die Verpflichtung der Vereinigten
drittens die Unterstützung der Demokratie in der Staaten zur Aufrechterhaltung einer militärischen
Präsenz in Asien sowie die Unterstützung von Demoehemaligen Sowjetunion, in ganz Asien und
kratie und Menschenrechten. Eine wichtige Stoßrichweltweit.
tung unserer Außenpolitik wird darin bestehen, diese
An jeder dieser drei Fronten wurden gute Fortschritte Engagements in Asien zu stärken, und ein zentrales
erzielt. Unsere Herausforderung besteht nun darin, Anliegen wird sein, dieser Region, die für unsere

Zu Beginn dieses Monats fuhr Präsident Clinton zum
G-7-Gipfel und zu Gesprächen mit den Japanern nach
Tokio und anschließend - wie Sie alle wissen - nach
Seoul. Seine Ziele bei dieser Reise waren klar definiert
und lauteten folgendermaßen:

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�künftige Sicherheit und unseren Wohlstand von solch unsere wirtschaftlichen Bande stärken. Australien hat
großer Bedeutung ist, große Aufmerksamkeit zu schen- bei vielen asiatisch-pazifischen Fragen von Kambodken.
scha über die Uruguay-Runde bis zur APEC eine
Führungsrolle gespielt.
Die ASEAN-Staaten und andere Länder Asiens haben
multilaterale Sicherheitsgespräche eingeleitet, um Fragen des regionalen Friedens und der Stabilität
Frieden und Stabilität in der Region zu fördern. Die werden auch den letzten Teil meiner Reise, einen
Vereinigten Staaten erwarten, sich aktiv daran zu Besuch im Nahen Osten, beherrschen. Ich habe
beteiligen und diese Fragen bei unserer Konferenz in beschlossen, zu diesem Zeitpunkt in den Nahen Osten
Singapur zu erörtern. Diese regionalen Sicherheits- zu fahren, weil es wichtig ist, den Friedensprozeß
dialoge werden unsere militärische Vornestationie- voranzutreiben.
rung und die bilateralen Bindungen, die Amerika in
dieser Region aufgebaut hat, ergänzen aber nicht Wir sind derzeit und auch in Zukunft kein Ersatz für
direkte Verhandlungen, aber unsere Rolle hat sicherablösen.
lich grundlegenden Charakter.
Die ASEAN-Staaten haben beim historischen und
immer noch risikoreichen Übergang zur Demokratie in Wir sollten uns alle erinnern, daß viel geschehen
Kambodscha eine entscheidende Rolle gespielt. Ich mußte, bevor die Schranken niedergerissen wurden,
werde die ASEAN-Mitglieder auffordern, ihre stand- und wir waren in der Lage, die Schranken zu überwinhafte Unterstützung dieses Prozesses in Kambodscha den und die bilateralen Gespräche aufzunehmen. Heute
bemühen wir uns, den Parteien bei der Überwindung
ebenso wie wir weiterhin aufrechtzuerhalten.
von Hindernissen für substantielle Vereinbarungen zu
Während des ASEAN-Treffens werde ich mehrere helfen. Dies wird sich nicht unmittelbar aus einer
wichtige bilaterale Gespräche führen, zum Beispiel mit einzelnen Reise meinerseits ergeben, aber meine
den Außenministern von Rußland, Japan, China und zeitweilige Präsenz in der Region kann gemeinsam mit
Vietnam, mit den ASEAN-Staaten und deren Dialog- der Präsenz von Dennis Ross und seinem Team dazu
beitragen, das Fundament für künftige Fortschritte zu
partnern.
legen. Sicherlich müssen noch schwierige EntscheiDanach werde ich, wie bereits erwähnt, zum jährlichen dungen getroffen werden, und wir ermutigen zu solamerikanisch-australischen Ministertreffen nach Au- chen Entscheidungen, weil sie getroffen werden müssen,
stralien reisen. Australien ist einer unserer engsten wenn wir Fortschritte auf dem Weg zum Frieden in
Verbündeten, und unsere Konsultationen mit diesem dieser Region erzielen wollen, die allzulange keinen
Land werden sowohl unsere militärischen als auch Frieden gehabt hat.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 30

�NICHTVERBREITUNG
28. Juli 1993

NICHTVERBREITUNG IST PRIORITÄT
DER US-SICHERHEITSPOLITIK
Rede des Außenministers beim ASEAN
SINGAPUR - (AD) - Außenminister Christopher zufolge steht "an oberster Stelle der (amerikanischen)
sicherheitspolitischen Tagesordnung die Notwendigkeit für starke internationale Bestrebungen zur Bekämpfung
der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und ihrer Trägersysteme".
In einer am 26. Juli 1993 beim Ministerfolgetreffen des Verbands Südostasiatischer Nationen (ASEAN)
abgegebenen Erklärung betonte Christopher: "Die Vereinigten Staaten verpflichten sich an erster Stelle zu
strengen und effektiven weltweiten Regeln zur Eindämmung der Verbreitung von Nuklearwaffen."
"Aus diesem Grund hat Präsident Clinton die Entscheidung zur Fortsetzung des Moratoriums für Atomtests bis
September 1994 getroffen - solange auch andere Nationen auf weitere Tests verzichten. Aus diesem Grund
verpflichten sich die Vereinigten Staaten zur Aushandlung eines umfassenden multilateralen Vertrags über das
Verbot von Atomtests. Und deshalb werden wir 1995 vehement die unbegrenzte Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags verfolgen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Christopher im Wortlaut.
Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, die Vereinigten jedoch stets der Tatsache erinnern, daß Sicherheit an
Staaten beim Ministerfolgetreffen des ASEAN vertre- ersterStelle kommt." Ich möchte eindeutig klarstellen,
ten zu dürfen.
die Vereinigten Staaten werden sich in Asien weiterhin
aktiv engagieren. Amerika ist und bleibt eine asiatischWährend seiner Asienreise Anfang dieses Monats hat pazifische Macht. Wir werden unsere feierlichen
der Präsident die Vereinigten Staaten zur Zusammen- Vertragsverpflichtungen einhalten, unsere Vornepräarbeit mit den asiatischen Nationen verpflichtet, um sertz fortsetzen und mit den Nationen der Region
eine "neue pazifische Gemeinschaft" zu gründen, "die zusammenarbeiten, um ein friedliches und sicheres
auf gemeinsamer Stärke, gemeinsamem Wohlstand Asien zu bewahren. Wir werden dies tun, weil es im
und der gemeinsamen Verpflichtung zu demokrati- Interesse der Vereinigten Staaten und seiner asiatischen Werten aufbaut". Die ASEAN-Nationen - und schen Partner liegt.
dieses Folgeforum des Ministertreffens - müssen bei
der Erarbeitung der Vision einer neuen pazifischen An oberster Stelle der (amerikanischen) sicherheitsGemeinschaft eine entscheidende Rolle spielen.
politischen Tagesordnung (steht) die Notwendigkeit
für starke internationale Bestrebungen zur BekämpHeute möchte ich Ihnen meine Gedanken über die fung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen
Herausforderungen vermitteln, mit denen wir uns in und ihrer Trägersysteme.
drei Bereichen konfrontiert sehen - Sicherheit, Wirtschaftspolitik und Demokratie. Darüber hinaus möch- Die Vereinigten Staaten verpflichten sich an erster
te ich mit Ihnen Wege sondieren, wie wir durch Zusam- Stelle zu strengen und effektiven weltweiten Regeln
menarbeit erfolgreich die globalen, regionalen und zur Eindämmung der Verbreitung von Nuklearwaffen.
nationalen Dimensionen dieser Herausforderungen Aus diesem Grund hat Präsident Clinton die Entscheiansprechen können.
dung zur Fortsetzung des Moratoriums für Atomtests
bis September 1994 getroffen - solange auch andere
Sicherheit
Nationen auf weitere Tests verzichten. Aus diesem
Grund verpflichten sich die Vereinigten Staaten zur
Um Präsident Clintons Worte vor der koreanischen
Aushandlung eines umfassenden multilateralen VerNationalversammlung zu zitieren: "Wir müssen uns
trags über das Verbot von Atomtests. Und deshalb
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Seite 1

�werden wir 1995 vehement die unbegrenzte Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags verfolgen.
Entsprechend sind der Beitritt zum Nichtverbreitungsvertrag und die uneingeschränkte Einhaltung der IAEOSicherheitsbestimmungen sowie der Nord-Süd-Entnuklearisierungserklärung durch Nordkorea unabdingbar. Die Vereinigten Staaten sind entschlossen, eine
atomwaffenfreie nordkoreanische Halbinsel anzustreben. Wie Sie wissen, führen wir intensive Gespräche
mit Nordkorea mit dem Ziel, es in das Gefüge der
nuklearen Verantwortung zurückzuführen. Die jüngsten Gespräche in Genf markierten drei weitere Schritte zur Lösung dieser Probleme. Nordkorea wird Konsultationen mit der IAEO über anhängige Sicherheitsfragen aufnehmen. Nordkorea hat sich verpflichtet,
atomare und andere Themen mit Südkorea zu erörtern. Und Nordkorea hat seine Bereitschaft angekündigt, auf Reaktoren umzurüsten, die sehr viel weniger
zur Produktion von Nuklearwarfenmatehal geeignet
sind. Wir sind zu kontinuierlichen Fortschritten für eine
Lösung des Nuklearproblems entschlossen und werden unseren Dialog mit Nordkorea fortsetzen, solange
er konstruktiv ist. Unsere Wachsamkeit wird erst mit
Nordkoreas uneingeschränkter Einhaltung seiner
Verpflichtungen nachlassen.

verweisen, Frieden und Demokratie für die seit langem
leidenden Menschen in Kambodscha herbeizuführen durch Diplomatie, Stationierung von Einheiten und die
Bereitstellung von Gerät.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin mit Ihnen
und anderen zusammenarbeiten, um eine vielversprechendere Zukunft für das kambodschanische Volk zu
gewährleisten. Seit 1986 haben wir rund 200 Millionen
Dollar für humanitäre Hilfsleistungen bereitgestellt, um
den dringendsten Bedarf in Kambodscha zu decken.
Wir haben über 500 Millionen Dollar für die UN-Friedensmission in Kambodscha beigesteuert. Wir haben
uns zu weiterer Hilfe bei der schwierigen Aufgabe
verpflichtet, das Land wiederaufzubauen.

Auf regionaler Ebene hat die Dynamik nach dem
Kalten Krieg radikale Verlagerungen des althergebrachten Kräftegleichgewichts bewirkt. Eine neue
pazifische Gemeinschaft muß ein neues regionales
Gleichgewicht herstellen, das Stabilität, regionale
Rüstungskontrolle und die friedliche Beilegung von
Konflikten fördert. Der ASEAN ist sich bewußt - und
die Vereinigten Staaten unterstützen dies uneingeschränkt - daß wir einen neuen regionalen Sicherheitsdialog benötigen, um gemeinsame Herausforderungen zu bewältigen. Dieses Forum ist in dieser Hinsicht
Eine zweite große Herausforderung ist die Verbreitung besonders vielversprechend. Asien ist nicht Europa.
Die neunziger Jahre sind nicht der Kalte Krieg. Daher
von chemischen und biologischen Massenvernichtungswaffen sowie ihrer Trägerraketen. Dies stellt ein streben wir gemeinsam nicht die Bildung von Blöcken
wachsendes Problem für Asien dar, weil die wirtschaft- gegen einen gemeinsame Bedrohung an, sondern
lichen und technologischen Entwicklungen bedeuten, vielmehr intensivierte Gespräche unter den Nationen,
daß die Region jetzt Chemikalien, moderne Elektronik die über die Intentionen des anderen besorgt sind.
sowie andere Produkte und Dienstleistungen herstellen kann, die die Verbreiter wollen, die jedoch heute Unter Berufung auf einen Wandel in der amerikanivon Europa und den Vereinigten Staaten verweigert schen Politik hat Präsident Clinton vor der koreaniwerden. Asien ist in einem Stadium, in dem seine schen Nationalversammlung Anfang dieses Monats
Beteiligung an internationalen Abkommen und die bekanntgegeben, daß wir uns aktiv an einem regionaSchaffung von Exportkontrollregimen äußerst wichtig len Sicherheitsdialog mit Asien beteiligen werden.
Unseres Erachtens können solche Gespräche unsere
ist. Die Vereinigten Staaten werden in absehbarer
Zukunft neue Bestrebungen zur Verwirklichung dieser bilateralen Beziehungen ergänzen, zum Abbau von
Ziele in die Wege leiten. Wir sehen der Zusammenar- Spannungen beitragen, Offenheit und Transparenz
vergrößern und einen destabilisierenden Rüstungsbeit mit Ihnen allen erwartungsvoll entgegen.
wettlauf verhindern. Diese Dialoge sollten daher
Eine andere sicherheitspolitische Herausforderung, umfassend sein: Die Vereinigten Staaten begrüßen
der wir uns gegenübersehen, ist die Notwendigkeit, die progressive Integration von China und Rußland
sowie anderer Nationen in diesen Rahmen des ASEANdurch kollektives Engagement auf die Konflikte weltMinisterfolgetreffens. Präsiden Clinton hat erklärt:
weit zu reagieren. Diese Herausforderung der Friedenssicherung - an Orten wir Bosnien, Somalia und "Diese Arrangements können funktionieren wie einanKambodscha - erfordert eine globale Reaktion, und die der übertappende Panzerplatten... und zusammen die
asiatischen und pazifischen Nationen haben eine lebens- Gesamtheit unserer gemeinsamen Sicherheitsanliegen abdecken." Ich möchte jedoch betonen, daß
wichtige Rolle zu spielen.
regionale Sicherheitsdialoge in keiner Weise BündnisDer ASEAN hat besonders wertvolle Beiträge zum se der Vereinigten Staaten oder ihre Vornepräsenz in
regionalen Frieden geleistet. Seit seiner Gründung im Asien überflüssig machen. Sie sind vielmehr ErgänJahr 1967 war der ASEAN eine Kraft für regionale zungen, um ein friedliches und stabiles Asien in der
Stabilität und Zusammenarbeit. Ich möchte vor allem Zeit nach dem Kalten Krieg sicherzustellen.
auf seine zentrale Rolle bei den mutigen Bestrebungen

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AMERIKA DIENST 30

�Wohlstand
Ich möchte mich nun der wirtschaftlichen Dimension
zuwenden.
Als Außenminister bin ich der Ansicht, daß unsere
Fähigkeit zur Einhaltung vitaler Sicherheitsverpflichtungen durch die Erneuerung der wirtschaftlichen Stärke
Amerikas im In- und Ausland nachhaltig gefördert wird.
Langfristig wird nur ein gesundes, selbstsicheres Amerika
in der Lage und bereit sein, sich positiv in Asien zu
engagieren.
Unter der Führung Präsident Clintons hat Amerika
wieder verantwortungsbewußt die Leitung seiner Volkswirtschaft übernommen und spielt erneut eine führende Rolle bei weltweiten wirtschaftlichen Themen. Die
Reduzierung unseres Haushaltsdefizits um 500 Milliarden Dollar über die nächsten fünf Jahre ist in
greifbare Nähe gerückt. Wir ergreifen die erforderlichen harten Maßnahmen beim Defizit sowie in Bereichen wie Bildung, Gesundheitswesen und Wettbewerbsfähigkeit, und wie wir beim G-7-Gipfel festgestellt haben, nimmt der Rest der Welt davon Notiz.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, ein vollwertiger
Partner in einer neuen pazifischen Gemeinschaft zu
sein. Vierzig Prozent des amerikanischen Handels
werden heute mit Asien abgewickelt und sichern 2,3
Millionen amerikanische Arbeitsplätze. Noch vor einem Vierteljahrhundert betrug der gesamte amerikanische Handel mit ganz Ostasien weniger als der mit
Lateinamerika - und unser Handel mit den ASEANStaaten war nur ein Bruchteil davon. Im vergangenen
Jahr erreichte unser transpazifischer Handel in beiden
Richtungen 325 Milliarden Dollar - dreimal soviel wie
mit Lateinamerika und nahezu 50 Prozent mehr als
unser Handel mit Westeuropa. Der ASEAN ist heute
unser viertgrößter Handelspartner.
Keine Region ist abhängiger vom Handel als Asien und für keine Region steht beim Erfolg der weltweiten
Handelsliberalisierung mehr auf dem Spiel. Die asiatischen Nationen haben die Vereinigten Staaten gebeten, ihren Markt offen zu harten - und wir sind entschlossen, dies zu tun. Die asiatischen Nationen
haben Amerika gebeten, sich weiterhin in der Region
zu engagieren - und wir sind entschlossen, dies zu tun.
Damit das amerikanische Volk jedoch die Vorzüge
eines solchen Engagements zu würdigen weiß, müssen die asiatischen Märkte für amerikanische Waren
und Dienstleistungen offen sein.
Teilweise dank der Arbeit des jüngsten G-7-Gipfels
besteht ein erneuertes Gefühl der Dringlichkeit beim
Streben nach offeneren Märkten. Die Staats- und
Regierungschefs erzielten eine wichtige Vereinbarung
über Zollsenkungen in der Uruguay-Runde. Der ASEAN
und seine Dialogpartner können einen unmittelbaren
und konstruktiven Beitrag zum Werthandelssystem
leisten, indem sie den beim G-7-Gipfel erzielten Durchbruch beim Marktzugang unterstützen - und indem sie
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sich anderen Staaten beim Streben nach einem erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde in diesem Jahr
anschließen. Diese Region kann beim erfolgreichen
Abschlußder Runde viel gewinnen und beim Scheitern
der Verhandlungen viel verlieren.
Unser Glaube an die Vorteile der Handelsliberalisierung liegt unserem Engagement für das APEC (Forum
für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit) als Eckpfeiler der regionalen wirtschaftlichen
Zusammenarbeit zugrunde. Mit der Hälfte des Bruttoinlandsprodukts der Welt kann das APEC einen
Schwerpunkt beim Aufbau einer neuen pazifischen
Gemeinschaft bilden - und es wird den Rahmen für die
Ausweitung der Handels- und Investitionsströme durch
die asiatisch-pazifische Region bereitstellen.
Wir sehen der Ausrichtung des APEC-Ministertreffens
in Seattle diesen November erwartungsvoll entgegen.
Ich hoffe, Sie werden gemeinsam mit mir dieses Treffen dazu benutzen, einen Handels- und Investitionsrahmen für marktorientierte Maßnahmen zu verabschieden, dem Privatsektor eine stärkere Rolle einzuräumen und das APEC als Institution zu stärken.
Wie Sie wissen, würde Präsident Clinton es begrüßen,
wenn seine APEC-Kollegen unmittelbar nach dem
Ministertreffen mit ihm gemeinsam an einem ruhigen
Ort die wirtschaftlichen Herausforderungen erörterten,
die wir bewältigen müssen, um die Vision einer neuen
pazifischen Gemeinschaft zu verwirklichen. Der Präsident geht davon aus, daß wir für unsere wirtschaftlichen Probleme kooperative Lösungen finden müssen
- wie das Wachstum aufrechterhalten, Arbeitsplätze
geschaffen, die Konkurrenzfähigkeit unserer Industrien
und der Lebensstandard aller unserer Bürger verbessert werden können. Ich hoffe, Ihre Regierungschefs
werden einer Teilnahme zustimmen.
Demokratie
Unsere Erfolge in den Bereichen Sicherheit und Wirtschaft haben einen starken neuen Impuls für Freiheit
und Demokratie hervorgebracht. Präsident Clinton hat
dazu erklärt: "Erweiterter Handel und offenere Volkswirtschaften bereichern die Menschen nicht nur, sondern geben ihnen auch mehr Macht." Durch die
Förderung freier Märkte stärken wir freie Gesellschaften sowie regionalen Frieden und Stabilität.
Demokratien sind nicht nur ein moralisches Gebot. Sie
sind eine praktische Notwendigkeit. Demokratien
bedrohen nicht ihre Nachbarn. Sie praktizieren keinen
Terrorismus. Sie bringen keine Flüchtlinge hervor. Sie
gehen auf die Bedürfnisse ihrer Bürger ein - und
erzielen damit mehr Stabilität und Wohlstand für alle.
Wir respektieren die religiösen, sozialen, politischen
und kulturellen Charakteristika, die jedes Ihrer Länder
einzigartig machen. Wir waren erfreut darüber, daß
alle unsere Länder trotz unterschiedlicher Perspektiven in der Lage waren, sich vergangenen Monat bei
Seite 3

�der Weltkonferenz über Menschenrechte in Wien darauf
zu einigen, daß die Menschenrechte universell sind.
Kulturelle, soziale und andere Unterschiede können
die Verweigerung dieser Rechte nicht rechtfertigen.

von der universellen Anziehungskraft von Demokratie
und Rechtsstaatlichkeit ablegen. Vergangene Woche
erinnerte Präsident Clinton an den vierten Jahrestag
der Inhaftierung der mutigen burmesischen Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San
Einige haben argumentiert, die Demokratie sei für Suu Kyi. Er erneuerte seine Forderung an die burmeAsien irgendwie ungeeignet und unsere Betonung der sische Militärführung, "die Nobelpreisträgerin Aung
Menschenrechte sei eine Maske für westlichen Kultur- San Suu Kyi und alle anderen politischen Gefangenen
imperialismus. Sie haben ganz und gar unrecht. bedingungslos freizulassen, die Ergebnisse der WahTatsächlich ist die Demokratie im letzten Jahrzehnt len von 1990 zu respektieren und echte demokratische
überall in Asien gestärkt worden - in Taiwan und Korea, Reformen durchzuführen".
auf den Philippinen und in Thailand, in der Mongolei
und andernorts. Das Verlangen nach mehr Freiheit ist Ebenso wie in der übrigen Welt ist in Asien die Freiheit
kein Export des Westens, es ist ein menschlicher mit Entwicklung, Wohlstand und der Verbreitung
Instinkt.
marktwirtschaftlicher Prinzipien verbunden. Unsere
gemeinsame Arbeit und unsere gemeinsamen demoDie ASEAN-Staaten haben eine entscheidende Rolle kratischen Werte werden im kommenden Jahrhundert
beim demokratischen Übergang in Kambodscha geein noch stärkeres Band zwischen Amerikanern und
spielt. Eine 90prozentige Beteiligung an der jüngsten Asiaten knüpfen.
Wahl in Kambodscha ist angesichts von Gewalt und
Einschüchterung Zeugnis vom Mut des kambodschaIn Anerkennung dessen, was wir bisher erreicht hanischen Volkes. Diese Wahlbeteiligung ist darüber ben, gehe ich davon aus, daß wir die Vision einer
hinaus ein Beweis für den Wert hartnäckiger - gemein- neuen pazifischen Gemeinschaft, einer Gemeinschaft
samer - Bemühungen in dieser Frage. Selbst auf dem freier Völker und Nationen verwirklichen können, die
unfruchtbaren Terrain, das einst ein "Feld des Todes" stark genug ist, um Asien und den Pazifik in ein neues
war, schlägt die Demokratie Wurzeln. Die internatio- Zeitalter von Frieden, Wohlstand und Freiheit zu fühnale Staatengemeinschaft muß jedoch engagiert und ren.
wachsam bleiben und den Kambodschanern helfen,
sich eine friedliche und wirtschaftlich blühende Zukunft Meine Delegation und ich sehen den Gesprächen
dieser Folgekonferenz erwartungsvoll entgegen.
zu sichern.
In ganz Asien gibt es vorausschauende und mutige
Personen, deren Leben und Worte beredtes Zeugnis
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Seite 4

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AMERIKA DIENST 30

�BALKAN
28. Juli 1993

OXMAN ERLÄUTERT US-BALKANPOLITIK
Stellungnahme vor KSZE-Kommission

WASHINGTON - (AD) - Der Leiter der Abteilung für europäische und kanadische Angelegenheiten im USAußenministerium, Stephen Oxman, hat am 21. Juli 1993 bei einer Anhörung der KSZE-Kommission zum
Thema "Der Jugoslawienkonflikt: Das Potential einer Ausweitung auf dem Balkan" eine Stellungnahme
abgegeben, deren vorbereiteten Text wir nachfolgend im Wortlaut veröffentlichen.

Herr Vorsitzender, Herr Ko-Vorsitzender, ich möchte
Ihnen für die Gelegenheit danken, heute vor dieser
Kommission eine Stellungnahme zur Möglichkeit einer
Ausweitung des Bosnienkonflikts und im allgemeineren zu den Auswirkungen dieses Konflikt auf den
Balkan abzugeben.
Wie Sie wissen, ist die Verhütung eines größeren
Balkankrieges seit jeher eines der Hauptziele dieser
Administration. Der Balkan ist nach wie vor das
Pulvorfaß Europas. Wenn der derzeitige Konflikt auf
den Kosovo oder Makedonien oder ein anderes Gebiet
übergreifen würde, könnte dies die gesamte Region
destabilisieren. Andere Länder, darunter auch Verbündete in der NATO, könnten in die Kämpfe hineingezogen werden, was schwerwiegende Konsequenzen
für die europäische Sicherheit haben könnte. Schließlich würde ein größerer Konflikt die Bemühungen der
Balkanstaaten zurückwerfen, Demokratien und Marktwirtschaften aufzubauen.
In meinen Ausführungen werde ich zunächst die Wege
erörtern, auf denen sich der gegenwärtige Konflikt
ausbreiten und warum ein größerer Konflikt wichtige
amerikanische Interessen berühren könnte. Ich werde
sodann erläutern, welche Schritte von den Vereinigten
Staaten und der internationalen Staatengemeinschaft
unternommen werden, um eine Ausweitung der Kämpfe zu verhindern. Schließlich werde ich beschreiben,
was wir tun, um die umfassenderen Tendenzen zu
Demokratie und freien Märkten in der Region zu fördern.
Die Möglichkeit einer Ausbreitung ergibt sich aus der
ethnischen Geographie des Balkans. Die BalkanNationen sind nicht homogen, sondern enthalten verAMERIKA DIENST 30

mischte ethnische, religiöse und nationale Gruppen.
Wie die serbischen Nationalisten uns ständig in Erinnerung rufen, gibt es Serben in Kroatien, Bosnien und
Makedonien ebenso wie in Serbien. Es gibt Ungarn in
Serbien und Rumänien, Albaner leben in Serbien und
Makedonien, und ich könnte noch weitere Beispiele
anführen.
Das ethnische Pulverfaß kann gezündet werden, wenn
politische Führer die Flammen des Nationalismus und
Separatismus anfachen. Rufe nach einem Großserbien gründen sich beispielweise auf die Behauptung,
serbische Minderheiten könnten nur durch die Union
mit dem eigentlichen Serbien geschützt werden. Wir
sind der Auffassung, daß die Rechte nationaler Minderheiten geschützt und gewahrt werden müssen, und
wir lehnen jeden Versuch ab, nationale Grenzen
gewaltsam zu verändern. Unsere Politik in dieser
geschundenen Region muß die mächtigen emotionalen Auswirkungen berücksichtigen, die solche Rufe
nach ethnischer Solidarität verursachen können.
Ich möchte Ihnen den neuesten Stand in den Gebieten
erläutern, in denen sich der Konflikt ausbreiten könnte:
Kroatien
Die Bedrohung in Kroatien geht nicht von einer Ausweitung des Konflikts im eigentlichen Sinne, sondern
von einer möglichen Intensivierung des Konflikts zwischen der kroatischen Regierung und den kroatischen
Serben in der Krajina aus, die rund ein Viertel des
Landes kontrollieren. Wie Sie sich erinnern werden,
gab es 1991 erbitterte Kämpfe zwischen den Serben
und Kroaten. Die internationale Staatengemeinschaft
hat - bis heute ohne viel Erfolg - versucht, eine SchlichSeite 1

�tungslösung zu vermitteln, obwohl internationale Vermittlungsbemühungen zumindest für den Augenblick
dazu beigetragen haben, am vergangenen Wochenende eine Krise zu entschärfen, als die kroatische
Regierung eine Brücke wiedereröffnete, die Süddalmatien mit dem Rest des Landes verbindet. Präsident
Tudjman hat unlängst zugestimmt, das Mandat der
UN-Friedenstruppe in Kroatien für weitere drei Monate
zu verlängern. Die Lage ist jedoch nach wie vor
äußerst gespannt, und umfassende Kämpfe könnten
jederzeit ausbrechen.

gesetzlichen Schutzes und fühlen sich deshalb verwundbar für Drohungen und Gewalt.

Kosovo und Makedonien

Alle diese Situationen enthalten das Potential für einen
größeren Konflikt, der auf vielfältige Art und Weise
Auswirkungen auf die europäische Sicherheit und
amerikanische Interessen haben könnte:

Unsere Hauptsorge im Kosovo ist, daß die serbische
Regierung entweder zur Förderung der "ethnischen
Säuberung" oder als Reaktion auf Provokationen albanischer Nationalisten im Kosovo mit Gewalt vorgehen
könnte. Kämpfe könnten ferner von extremistischen
Gruppen serbischer Nationalisten ausgelöst werden,
die Operationsbasen in der Region unterhalten. Gewalt
könnte einen Flüchtlingsstrom nach Makedonien hervorbringen, dieses Land in Unruhe stürzen und destabilisieren. Kampfhandlungen im Kosovo könnten ferner auf Makedonien und Albanien übergreifen, wenn
sich Kombattanten zurückziehen oder jenseits der
Grenzen Zuflucht in diesen Ländern suchen, beziehungsweise wenn Angehörige der albanischen Volksgruppe aus der Region versuchen, ihren Brüdern im
Kosovo zu helfen. Schließlich können wir die Möglichkeit einer serbischen Invasion in Makedonien unter
dem Vorwand, die serbische Minderheit dort schützen
zu wollen, nicht völlig ausschließen.
Die Atmosphäre im Kosovo erscheint heute jedoch
stabil, wenn auch gespannt. Obwohl wir nicht davon
ausgehen, daß Gewalttaten unmittelbar bevorstehen,
könnte ein unerwartetes Ereignis doch jederzeit eine
Explosion auslösen. Die Zahl potentiell gefährlicher
Vorfälle hat in den vergangenen Wochen zugenommen, nachdem Serbien seine Absicht zur Beendigung
der Beobachtermission der KSZE bekanntgab. Ich
werde später noch auf die Bemühungen eingehen, die
Serben umzustimmen und die Beobachtermission
fortzusetzen.
Sandschak und Vojvodina

Bisher sind die Maßnahmen der Serben in der Vojvodina und im Sandschak nicht in großem Stil durchgeführt worden. In beiden Regionen sind wir jedoch
besorgt, daß die derzeitigen Aktivitäten lediglich das
Vorspiel einer aggressiveren Kampagne der ethnischen Säuberung darstellen. Tatsächlich sind viele
Mitglieder von Minderheitengruppen in beiden Regionen bereits geflohen.

Flüchtlinge könnten vor ausufernden Gewalttaten in Nachbarstaaten fliehen. Es gibt bereits
über 2,5 Millionen Flüchtlinge aus den Ländern
des ehemaligen Jugoslawien. Ein neuer Flüchtlingsstrom würde die begrenzten Ressourcen
der Balkanländer belasten und könnte einen
destabilisierenden Einfluß ausüben.
Nachbarstaaten könnten hineingezogen werden, um ihre ethnischen Brüder direkt oder
indirekt zu schützen, oder sie könnten versucht
sein, sich den Aufruhr zunutze zu machen, um
territoriale Gewinne zu erzielen. Eine Ausbreitung der Kämpfe in dieser Region, in der auch
zwei unserer NATO-Partner liegen, wäre fürdie
europäische Sicherheit äußerst gefährlich.
Eine Ausweitung des Konflikts könnte den
anderen Balkanstaaten den Todesstoß versetzen, die zur Zeit versuchen, den schwierigen
Übergang zu multiethnischen, demokratischen
Staaten zu vollziehen. Ich werde gleich noch
auf diesen Punkt zurückkommen.
Wenn es uns nicht gelingt, einen größeren Konflikt
zu verhindern, würden sich mögliche Aggressoren, Fanatiker und extreme Nationalisten ermutigt fühlen, Gewalt in anderen Gebieten anzufachen, und die Glaubwürdigkeit der Vereinigten
Staaten und der internationalen Völkergemeinschaft könnte in Mitleidenschaft gezogen werden.

Der Sandschak und die Vojvodina sind derzeit weniger
explosiv als der Kosovo und Kroatien. In beiden
Aufgrund dieser Gefahren haben die VereinigRegionen sind Bevölkerungsminderheiten jedoch
ten Staaten im Alleingang und durch internatioSchikanen und Einschüchterungsversuchen der Sernale Organisationen wie die Vereinten Nationen
ben ausgesetzt. So war zum Beispiel im Sandschak
und die KSZE an mehreren Fronten gehandelt,
die Minderheit der Muslime Ziel von Prügeleien und
um eine Ausbreitung zu verhindern.
Schußwaffengebrauch durch örtliche Vertreter der
Serben und paramilitärischer Gruppen. In der Vojvo- Im Kosovo:
dina fand eine "stille" ethnische Säuberung gegen die
Wir haben die serbischen Behörden aufgeforungarische Volksgruppe statt. Daß die serbischen
dert, die Unterdrückung der albanischen MinBehörden das Personal von Polizei und Justiz auf
derheit einzustellen, die Anwendung von Gelokaler Ebene in der Vojvodina durch Serben ersetzt
walt zu vermeiden und die Autonomie der Rehaben, empfinden die Ungarn in der Region als Verlust

Seite 2

AMERIKA DIENST 30

�gion wiederherzustellen. Wir sind ferner mit
dem politischen Vertreter der Albaner im Kosovo, Dr. Rugova, zusammengetroffen, um unsere öffentlich bekundete Ablehnung der vollständigen Unabhängigkeit des Kosovo zu bekräftigen.

Die KSZE-Mission hat auch im Sandschak und der
Vojvodina operiert. Wenn die Mission beendet ist,
werden die Beobachter diese Regionen ebenfalls
verlasssen. Unsere Bestrebungen zielen darauf ab,
Milosevic dazu zu bewegen, auch den weiteren Verbleib dieser Beobachter zu gestatten.

Ich möchte mich jetzt Makedonien zuwenden. Vor
einigen Wochen hatte ich das Privileg, den Kongreß
über die Entscheidung des Präsidenten zu unterrichten, amerikanische Streitkräfte zur Verstärkung des
Kontingents der Vereinten Nationen in Makedonien
Wir haben Milosevic gewarnt, daß wir bereit anzubieten. Die Stationierung dieser Streitkräfte ist
sind, auf einen von serbischen Handlungen aus- jetzt abgeschlossen. Rund 330 amerikanische Soldagelösten Konflikt im Kosovo zu reagieren.
ten sind zu den bereits in Makedonien stationierten 700
nordischen UNPROFOR-Truppen gestoßen.
Wir haben die KSZE-Langzeitmission in Serbien-Montenegro angeregt, unterstützt und uns Nach einmonatiger Ausbildung werden unsere Trupdaran beteiligt. Bis vor kurzem befanden sich 10 pen regelmäßig an die Grenze zwischen Makedonien
KSZE-Beobachter, davon vier Amerikaner, im und dem Kosovo entsandt, um die Grenze auf destaKosovo. Wie Sie wissen, haben wir im Gemein- bilisierende Aktivitäten hin zu überwachen und Sanksamen Aktionsprogramm eine Aufstockung der tionsverletzungen auszumachen. Aufgrund der derZahl von Beobachtern gefordert. Die serbische zeitigen Situation sind wir nicht der Auffassung, daß
Regierung hat jedoch kürzlich angedeutet, sie unsere Truppen drohenden Feindseligkeiten ausgewerde die Mission beenden.
setzt sind. Ihre Präsenz sollte jedoch als Abschrekkung für eine Ausweitung des Konflikts dienen.
Die internationale Staatengemeinschaft ist überzeugt,
daß die KSZE-Beobachtermission fortgesetzt und die Seit September hat die KSZE darüber hinaus eine
Zahl der Beobachter erhöht werden sollte. Die Prä- Langzeitmission in Skopje unterhalten, um die Spansenz der Beobachter hat eine beträchtliche Abnahme nungen zu entschärfen und die Situation auf dem
der Menschenrechtsverletzungen zur Folge gehat, Boden zu überwachen. Die Vereinigten Staaten hainsbesondere Schikanen und Brutalität seitens der ben den Leiter dieser Mission gestellt, seit sie ins
Polizei. Weil die Beobachter Beschwerden schnell Leben gerufen wurde.
und unparteiisch prüfen, entschärfen sie Spannungen
und verhindern, daß Funken zu Feuern werden. Die In Kroatien sind seit Mitte 1992 ungefähr 13.000 UNBeobachter haben der internationalen Staatengemein- Schutztruppen stationiert. Das Mandat dieser Schutzschaft auch ihre "Augen und Ohren" im Kosovo gelie- truppen wurde vor kurzem mit Zustimmung der kroatihen, um angebliche Menschenrechtsverletzungen zu schen Regierung für weitere drei Monate verlängert.
verifizieren oder zu widerlegen.
Obwohl die UNPROFOR-Truppen die Kämpfe nicht
vollständig beenden oder eine friedliche WiederherSie wissen wahrscheinlich, daß Außenminister Chri- stellung der kroatischen Oberhoheit über die von den
stopher eine Botschaft an Präsident Milosevic übermit- kroatischen Serben gehaltenen Gebiete bewirken
telt hat mit der Aufforderung, die Mission zu verlängern konnten, ist ihnen eine Eingrenzung der Kämpfe geund einer maßgeblichen Erhöhung der Anzahl von lungen. Dennoch dauern der bewaffnete Konflikt und
Beobachtern zuzustimmen. Der Minister hat Milosevic die Bombardierungen an, und die Situation ist nach wie
gegenüber erklärt, sollte er die Mission nicht verlän- vor sehr unsicher.
gern, würde dies von unserer Seite als äußerst ernst
angesehen. Andere Länder, einschließlich Rußlands Schließlich ermutigen wir die Parteien des derzeitigen
und der EG, haben ähnliche Demarchen entsandt. Die Konflikts, eine Verhandlungslösung zu erzielen. Eine
KSZE ist mit Vertretern Serbiens und Montenegros von allen Parteien vereinbarte Verhandlungslösung ist
zusammengetroffen, um auf die Verlängerung der der beste Weg zur Beendigung des Konflikts und
Mission zu drängen. Wir arbeiten darüber hinaus mit seiner Ausweitung.
der KSZE zusammen, um diese Angelegenheit vor
den UN-Sicherheitsrat zu bringen, weil Milosevics Wie Sie bei der Ankündigung dieser Anhörung festgeAktion eindeutig das Risiko einer Ausweitung des stellt haben, hat der jugoslawische Konflikt jedoch
Konflikts in der Region birgt. Wir werden Milosevic bereits "wirtschaftlich, politisch und sozial einschneiweiterhin drängen, den Verbleib der Beobachter als dende Auswirkungen auf die anderen Balkanstaaten
substantiellen Beitrag zur Abschwächung der Span- gehabt". Die neuen Demokratien auf dem Balkan
nungen in diesem Gebiet zu gestatten. Sollte er nicht beobachten den blutigen Konflikt in Bosnien - das
zustimmen, werden wir andere Mittel zur Überwa- anfänglich ein multiethnischer, demokratischer Staat
war, der sich westlichen Werten verschrieben hatte chung der Region sondieren.
Wir stellen für den Kosovo humanitäre Hilfe in
Höhe von 5 Millionen Dollar für Nahrungsmittel
und andere Grundversorgungsgüter zur Verfügung.

AMERIKA DiENST 30

Seite 3

�zu einem Zeitpunkt, an dem sie selbst versuchen, die
schwierige Aufgabe zu bewältigen, multiethnische,
demokratische Staaten mit westlichen Werten zu werden.
Der Konflikt in Bosnien ermutigt die Stimmen der
Intoleranz und Reaktion in der gesamten Region. Eine
Ausweitung des Konflikts würde die neuen Demokratien auf dem Balkan gefährden, wo sie am verwundbarsten sind.

donien, Rumänien und Slowenien hartnäckige Verbissenheit bei der Verfolgung von politischen und wirtschaftlichen Reform- und Wiederaufbauprogrammen
an den Tag gelegt, die bereits große Fortschritte erzielt
haben. Dies ist ein Gesicht des Balkans, dessen sich
viele Amerikaner nicht bewußt sind. Meines Erachtens ist es jedoch entscheidend für den langfristigen
Erfolg der amerikanischen Politik in der Region.

Im Hinblick auf die wirtschaftlichen Auswirkungen des
Konflikts gebührt den an Serbien grenzenden BalkanDemokratien ein Großteil des Verdiensts für die Wirksamkeit der UN-Sanktionen gegen Serbien und Montenegro. Die Durchsetzung der Sanktionen durch
diese Länder kommt sie jedoch teuer zu stehen Kosten, die ihre Volkswirtschaften, die bereits an
Unterentwicklung und den verheerenden Folgen von
vier Jahrzehnten kommunistischer Herrschaft leiden,
nicht leicht verkraften können. Die Sanktionen haben
ihnen traditionelle Exportmärkte entzogen, sie in unterschiedlichem Maße voneinander und jetzt von neuen
Märkten isoliert, die sie in Westeuropa zu erschließen
suchen. Und die enormen Profite für diejenigen, die zu
einer Verletzung der Sanktionen bereit sind, belasten
die Integrität der Strafverfolgungsbehörden.

Die Balkan-Demokratien führen uns eine Reihe wichtiger Lektionen vor Augen. Sie beweisen, daß demokratische Institutionen das beste Mittel zur Kanalisierung ethnischer, religiöser und anderer Konflikte in den
politischen Prozeß sind. Sie demonstrieren, daß
demokratische Werte und Institutionen Fuß fassen
und selbst an Orten gedeihen können, wo der gesunde
Menschenverstand ihnen den Erfolg abspricht. Und
sie bieten den willkommenen Beweis, daß demokratische Entwicklung im Inland kooperative regionale
Beziehungen fördern kann, selbst unter historischen
Gegnern. Diese Lektionen sind auf der ganzen Welt
anwendbar.

Wir unterstützen die Bestrebungen der Frontlinienstaaten zur Durchsetzung der Sanktionen durch die
Sanktions-Unterstützungsmissionen unter der Schirmherrschaft der KSZE und der Europäischen Gemeinschaft. 187 Zollbeamte aus 26 Ländern arbeiten mit
den Zolldienststellen vor Ort zusammen, um die Durchsetzung der Sanktionen zu überwachen, zu beraten
und technische Hilfe sowie Ausbildung anzubieten. 27
der Beobachter sind Amerikaner. Die Präsenz der
Sanktionsmissionen versetzt uns in die Lage, die
Durchsetzung der Sanktionen zu überwachen und zu
verbessern sowie die internationale Staatengemeinschaft über Probleme zu unterrichten. Die Berichte der
Missionen waren die Grundlage für erforderliche Aktionen des UN-Sicherheitsrats zur Verstärkung und
Verschärfung der Wirksamkeit des Embargos.
Abgesehen von den Auswirkungen der Sanktionen
hatte der jugoslawische Konflikt andere negative wirtschaftliche Effekte auf die Region. Der bittere Krieg in
dem Nachbarland verschreckt potentielle ausländische Investoren aus den Balkan-Demokratien, die
dringend Kapital aus dem Ausland benötigen, um die
Expansion ihrer aufstrebenden offenen Martkwirtschaften zu fördern. Und die nationale Unsicherheit könnte
die neuen Demokratien zwingen, Mittel für militärische
Zwecke aufzuwenden, wobei sie es sich nicht leisten
können, diese Mittel aus der geschwächten öffentlichen Verwaltung und den sozialen Dienstleistungen
abzuziehen.
Das Bild für diese aufstrebenden Balkan-Demokratien
ist jedoch nicht nur düster. Ungeachtet der Bedingungen, die den Untemehmergeist weniger flexibler Völker zerstört hätten, haben Albanien, Bulgarien, MakeSeite 4

Die Grundlage unserer Politik auf dem Balkan muß
daher in der Unterstützung der kontinuierlichen Entwicklung demokratischer Institutionen, freier Marktwirtschaften und offener Gesellschaften sowie letztlich
der Integration dieser Nationen in ein europäisches
Sicherheitssystem bestehen. In unmittelbarer Zukunft
beabsichtigen wir die Förderung der demokratischen
Entwicklung in der Region durch die folgenden, sich
gegenseitig verstärkenden Mittel:
Wir werden unser Engagement für die BalkanDemokratien und den Dialog mit ihnen sowohl
bilateral als auch durch die KSZE fortsetzen, um
weiterhin die demokratischen und Marktreformen zu unterstützen, die sie erfolgreich in die
Wege geleitet haben.
Wir werden auf eine Erweiterung des amerikanischen und europäischen Handels mit den Balkanstaaten und Investitionen in diese Länder
hinarbeiten. Die Administration hat den Vorschlag unterbreitet, Rumänien den Meistbegünstigungsstatus einzuräumen - ein wichtiger Schritt
bei der Unterstützung der Volkswirtschaft dieses Landes.
Wir werden wirtschaftliche Unabhängigkeit und
die Integration sowohl zwischen den BalkanDemokratien untereinander als auch zwischen
ihnen und dem Westen fördern.
Durch kulturelle Austausch- und Bildungsprogramme sowie die Zusammenarbeit mit privaten Gruppen wie Geschäftsleuten und privaten
Hilfsorganisationen hoffen wir, das an der Basis
in den Vereinigten Staaten vorhandene immense Interesse und die Ressourcen zu mobilisieren, um die Vereinigten Staaten und den Balkan

AMERIKA DIENST 30

!

�SEED-Programm fortsetzen, um diesen Ländern in den kommenden Jahren behilflich zu
sein. Und wir müssen auch unsere europäischen Verbündeten ermutigen, das Ihre bei der
Bereitstellung von Hilfe und der Öffnung ihrer
Märkte für die Länder dieser Region zu tun.

in einem dichten Beziehungsgeflecht zu verknüpfen.
Schließlich werden wir unsere Hilfsprogramme
zur Förderung unserer Ziele in dieser Region
fortsetzen. Unser wichtigstes Mittel, den Balkan-Demokratien zu helfen, ist das Gesetz zur
Unterstützung der Osteuropäischen Demokratien SEED (Support for Eastern European
Democracies Act). Seit der Verabschiedung
von SEED durch den Kongreß im Jahr 1989
haben wirüber 150 Millionen Dollarfür Albanien,
Rumänien, Bulgarien und einige andere Länder
im ehemaligen Jugoslawien bereitgestellt, um
ihnen bei der Entwicklung von demokratischen
Institutionen, dem Übergang zu freien Marktwirtschaften und der Verbesserung der Lebensqualität behilflich zu sein. Allein im Rahmen der
SEED-Programme zur Unterstützung der
Demokratie haben wir beispielsweise Schulbücher ohne Propaganda, Geräte und Ausbildung
für unabhängige Medien, Unterstützung neuer
Gewerkschaften und politischer Parteien sowie
technische Hilfe für parlamentarische Institutionen zur Verfügung gestellt. Wir müssen das

* *

AMERIKA DIENST 30

Diese Maßnahmen können unser Ziel entscheidend
voranbringen, langfristigen Frieden für den Balkan
herbeizuführen. Das beste Mittel gegen die Pest des
Krieges ist Wohlstand und Demokratie. Ich möchte die
Überzeugung der Administration unterstreichen, daß
der Balkan von morgen nicht aussehen muß wie
Bosnien heute. Die Zukunft wird nicht von den Gewehrläufen gewalttätiger Nationalisten oder Aggressorenbestimmt. Sie wird jetzt von den Einzelpersonen
und Gruppen gestaltet, die mit Geduld und Entschlossenheit auf Demokratie, offene Märkte und ethnische
Toleranz hinarbeiten. In Zusammenarbeit mit internationalen Organisation hoffen wir, den gegenwärtigen
Konflikt einzudämmen, damit diese gemäßigten Kräfte
in der gesamten Region triumphieren können.
Ich danke Ihnen. Jetzt bin ich gerne zur Beantwortung
Ihrer Fragen bereit.

* *

*

Seite 5

�KRIEGSVERBRECHEN
28. Juli 1993

USA UNTERSTÜTZEN KRIEGSVERBRECHERTRIBUNAL
ZU JUGOSLAWIEN
USIA-Film zeigt Tragik der Situation

WASHINGTON - (AD) - Das vom Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen eingerichtete Kriegsverbrechertribunal, das Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien aufklären und verfolgen soll, wird von den Vereinigten Staaten "nachhaltig unterstützt", erklärte der
Erste Stellvertretende Rechtsberater des US-Außenministeriums, Michael Matheson, am 22. Juli 1993
Seine Stellungnahme erfolgte nach der Vorführung
eines Dokumentarfilms mit dem Titel "Crimes Against
Humanity" (Verbrechen gegen die Menschlichkeit) im
Auslandspressezentrum. Der Film, der Greueltaten
im ehemaligen Jugoslawien dokumentiert, wurde unter der Leitung des US-Informationsamts produziert.

Auf die Frage eines Reporters, wer entscheide, wann
die Beweise für Kriegsverbrechen so erdrückend sind,
daß die internationale Strafverfolgung gerechtfertigt
ist, erwiderte Matheson, diese Entscheidung werde
vom UN-Sicherheitsrat stellvertretend für die internationale Staatengemeinschaft getroffen.
Der Vertreter des Außenministeriums betonte, das
Kriegsverbrechertribunal sei nicht "die umfassende
Antwort" auf die Tragödie im ehemaligen Jugoslawien.
Es sei ebenso wichtig, den politischen Prozeß weiterzuverfolgen, um zu versuchen, einen Frieden herbeizuführen.

Auf die Frage, warum die Vereinigten Staaten das
Matheson zufolge erwarten die Vereinigten Staaten, Waffenembargo gegen die bosnischen Muslime nicht
daß die Richter dieses Tribunals im Sommer und aufheben, äußerte Matheson: "Es ist den Vereinigten
Herbst "ausgewählt und berufen werden". Zur Vorbe- Staaten nicht möglich, das Waffenembargo einseitig
reitung der Verfahren werde ein großer Mitarbeiterstab zu verletzen, weil es kollektiv vom Sicherheitsrat beschlossen wurde." Er betonte jedoch, die Vereinigten
angestellt.
Staaten hätten versucht, andere Staaten von ihrer
Matheson warnte jedoch vor der Erwartung, es werde Haltung in dieser Hinsicht zu überzeugen.
rasch oder leicht zu Verurteilungen kommen. "Es wird
ein langes und detailliertes juristisches Verfahren", Der Direktor des US-Informationsamts, Dr. Joseph
äußerte er. Auf die Frage, ob alle identifizierten Duffey, stellte fest, daß "der KriegsverbrecherkommisKriegsverbrecher und nicht nur Serben verfolgt wür- sion in Genf eine enorme Menge an Aussagenmaterial
den, erwiderte Matheson, die Vereinigten Staaten zugestellt wurde".
unterstützten einen fairen Ansatz. "Die Nationalität ist
Auf die Feststellung eines Reporters, es bestehe
hier nicht entscheidend", fügte er hinzu.
anscheinend ein Mangel an Besorgnis über die Situation,
besonders in Europa, äußerte Duffey: "Ich würde
Auf die Frage, warum lediglich Kriegsverbrechen im
Ihre
Annahme,
es gebe einen Mangel an Besorgnis
ehemaligen Jugoslawien und nicht auch Kriegsverbreüber
die
Situation,
in Frage stellen." Antworten auf die
chen an anderen Orten verfolgt würden, erklärte MaLage
im
ehemaligen
Jugoslawien zu finden, "untertheson, "es könnte durchaus sein, daß anderen Maßzieht
unsere
Zivilisation
einem schmerzhaften Pronahmen gegen andere Länder ergriffen werden sollzeß",
erklärte
er.
ten". Er erwähnte insbesondere ein mögliches Vorgehen gegen Kriegsverbrecher im Irak.
AMERIKA DIENST 30

Seite 1

�Der 50minütige Dokumentarfilm enthält zahlreiche
Aussagen von Augenzeugen und nimmt eine ausgewogene Haltung zu der Tragödie ein. "Die Schuldigen
und ihre Opfer sind Serben, Kroaten und Muslime",

erklärt der Sprecher an einer Stelle. Es mu ß die Pflicht
der internationalen Staatengemeinschaft sein, "die
Schuldigen der Gerechtigkeit zuzuführen, wer immer
sie auch sein mögen", schließt er.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 30

�G-7
28. JUL11993

PRODUKTIVSTER G-7-GIPFEL SEIT 10-15 JAHREN
Erklärung von Staatssekretär Summers über WorldNet
WASHINGTON - (AD) - Der für internationale Angelegenheiten zuständige Staatssekretär im US-Finanzministerium, Lawrence Summers, hat erklärt, der unlängst abgeschlossene G-7-Gipfel in Tokio sei "der produktivste"
seiner Art in den letzten 10-15 Jahren gewesen.
"Wir konnten in einer Reihe von Schlüsselbereichen echte Fortschritte verzeichnen", teilte Summers am 20. Juli
1993 den europäischen Teilnehmern einer von WorldNet, dem Satellitenfernsehdienst des US-Informationsamts, ausgestrahlten Pressekonferenz mit. In einem dieser entscheidenden Bereiche, nämlich der UruguayRunde, "stellten wir fest, wie Versprechungen durch wichtige Maßnahmen zur Beseitigung von Zöllen in einer
Reihe von Schlüsselsektoren sowie zu ihrer beträchtlichen Reduzierung in zahlreichen anderen untermauert
wurden", erklärte Summers.
Andere entscheidende Bereiche, in denen Fortschritte erzielt wurden, waren die Unterstützung für Ru Bland, eine
Verpflichtung zur Hilfe für die Entwicklungsländer sowie die politische Koordinierung zwischen den sieben
führenden Industriestaaten. "Der wahre Prüfstein für jeden Gipfel ist jedoch nicht, welche Erklärungen
abgegeben werden, sondern welche Maßnahmen danach getroffen werden", äußerte er. "Deshalb haben wir
im weiteren Verlauf noch viel Arbeit vor uns."
Nachfolgend veröffentlichen wir die einleitende Stellungnahme von Summers im Wortlaut.

Dies war meines Erachtens der produktivste G-7Gipfel seit 10 oder 15 Jahren, denn wir konnten in einer
Reihe von Schlüsselbereichen echte Fortschritte verzeichnen, echte Fortschritte, die sich aus dem Gipfelprozeß ergaben, echte Fortschritte, die aus den Ankündigungen folgten, die beim Gipfel abgegeben wurden.

etwas, woran die G-7 in den vergangenen sechs
Monaten gearbeitet hat. Wir haben uns über den Kurs
verständigt. Das US-Defizit muß abgebaut werden.
Damit werden auch die Zinssätze sinken. Europa mu ß
das Erforderliche tun, um seine Zinssätze zu senken,
und Japan muß seine Wirtschaft ankurbeln, damit
seine derzeit unausgewogene Leistungsbilanz korrigiert wird, damit es mehr Waren aus anderen Ländern
Der erste entscheidende Bereich des Fortschritts war beziehen wird und mehr Arbeitsplätze in anderen
die Uruguay-Runde. Wir haben bereits früher Gipfel- Ländern geschaffen werden. Wir hatten hier bereits
versprechungen erlebt, die Runde abzuschließen. Fortschritte zu verzeichnen: Die Zinssätze in DeutschDieses Jahr stellten wir fest, wie Versprechungen land wurden gesenkt, der Defizitabbau in Amerika
durch wichtige Maßnahmen zur Beseitigung von Zöl- kommt in Gang, und Japan hat ein staatliches Konlen in einer Reihe von Schlüsselsektoren sowie zu ihrer junkturprogramm vorgelegt.
beträchtlichen Reduzierung in zahlreichen anderen
untermauert wurden. Damit werden die Unterhändler Aufgrund der schweren Rezession in Europa, der
mit neuem Schwung nach Genf zurückkehren, und schwachen Wachstumsaussichten in Japan und der
dies wird meines Erachtens ein Abkommen der Uru- nach wie vor bestehenden Fragen im Hinblick auf die
guay-Runde hervorbringen, das eine Wirtschaftslei- amerikanische Wirtschaft bleibt für uns jedoch noch
stung von 5 Billionen Dollar und über eine Million viel mehr zu tun. Die Wirtschaftserklärung dieses
Arbeitsplätze bis zum Ende des Jahrzehnts bedeuten Gipfels enthielt deshalb die nachdrücklichste Sprachkönnte.
regelung seit vielen Jahren bezüglich der Verpflichtung zu einer gemeinsamen Wachstumsstrategie.
Der zweite entscheidende Bereich des Fortschritts
beim Gipfel war die politische Koordinierung. Dies ist
AMERIKA DIENST 30

Seite 1

�Der dritte entscheidende Bereich des Fortschritts ergab
sich bei der Unterstützung für Rußland. Hier kann die
G-7 auf eindrucksvolle Leistungen zurückblicken. Vor
sechs Monaten bestand in Rußland eine echte Möglichkeit der Hyperinflation. Vor sechs Monaten bestand die echte Möglichkeit einer Art Rückkehr zum
Kommunismus, einer Art Rückfall in den Totalitarismus. Heute ist Rußland vom Abgrund der Hyperinflation zurückgetreten, und die Aussichten für Totalrtarismus sind durch den massiven Erfolg bei der Privatisierung erheblich geschwunden. Die Zahl der privatisierten Unternehmen erreicht mittlerweile nahezu 100.000.
Ferner arbeiteten in den vergangenen drei Monaten 10
Prozent der Arbeiter in Rußland in Unternehmen, die
bereits privatisiert wurden.
Die G-7 gab diesem Prozeß der Privatisierung, der
letztlich zur Umgestaltung Rußlands erforderlich ist,
einen wichtigen Impuls, indem sie sich auf ein
18monatiges Privatisierungsprogramm im Umfang von
3 Milliarden Dollar verständigte. Diese Mittel werden
teilweise von den internationalen Finanzinstitutionen
gewährt und teilweise von Exportkreditstellen in jedem
der G-7-Länder. Sie werden dazu beitragen, Exporte
zu fördern sowie Arbeitsplätze in diesen Ländern zu
schaffen, und sie werden diese Unterstützung mit
Geldern zur Förderung von Kapitalbeteiligungen kop-

*

Seite 2

peln - sie können entscheidende technische Hilfe für
diese privatisierten Unternehmen in Rußland unterstützen.
Der vierte wichtige Bereich des Fortschritts der G-7
betraf die Entwicklungsländer. Wir stellten eine Erneuern ng der Verpflichtungen zum Ziel der umweltverträglichen Entwicklung, zum grundsätzlichen Ziel des
Umweltschutzes in den Entwicklungsländern fest. Zum
ersten Mal gab es die allgemeine Verpflichtung - der
sich die Vereinigten Staaten anschließen konnten - zu
einem sehr erheblichen Schuldenabbau für afrikanische Länder und andere Staaten, die sehr arm sind.
Es gab Übereinstimmung zur Verbesserung der Qualität der internationalen Hilfe. Auf unserer Seite in den
Vereinigten Staaten gab es mit den vom Präsidenten
ergriffenen wichtigen Initiativen zur Bildung einer neuen
pazifischen Gemeinschaft echte Bewegung zur Globalisierung unserer Außenpolitik.
Insgesamt bin ich der Auffassung, daß dies einen sehr
erfolgreichen Gipfel ergibt. Der wahre Prüfstein für
jeden Gipfel ist jedoch nicht, welche Erklärungen
abgegeben werden, sondern welche Maßnahmen
danach getroffen werden. Deshalb haben wir im
weiteren Verlauf noch viel Arbeit vor uns.

*

AMERIKA DIENST 30

�WIRTSCHAFT
28. Juli 1993

GREENSPAN: ZEIT FÜR DEFIZITABBAU LÄUFT AB
Clintonplan vielversprechender erster Schritt

WASHINGTON - (AD) - Der Vorsitzende der amerikanischen Notenbank, Alan Greenspan, betrachtet den
von Präsident Clinton vorgelegten auf fünf Jahre angelegten Plan zum Abbau des Defizits um 500 Milliarden
Dollar als vielversprechenden ersten Schritt, der von
weiteren Kürzungen gefolgt werden muß, um stabile
langfristige Zinssätze sicherzustellen und das Wirtschaftswachstum anzukurbeln.
In einer Stellungnahme zum Halbjahresbericht über
die Geldmarktpolitik an den Kongreß warnte Greenspan jedoch, die Zeit für die Verabschiedung des
Clintonplans laufe rasch ab.
"Meines Erachtens ist es wichtig, daß eine glaubwürdige weitreichende Vorlage zum Defizitabbau verabschiedet wird", erklärte er einem Unterausschuß für
Bankwesen des US-Repräsentantenhauses. "Wenn
wir dies nicht tun, werden die (Finanz)märkte negativ
reagieren."
Greenspan äußerte die Meinung, wenn Kongreß und
Präsident auf "den richtigen Augenblick" zur Bewältigung des Problems warteten, werde nie etwas geschehen.
"Ich glaube, wir haben keine Zeit mehr", erklärte er.
"Wenn wir dieses Problem nicht jetzt in den Griff
bekommen, werden wir es niemals schaffen."
Der Chef der US-Notenbank verwies darauf, daß die
Finanzmärkte auf den vom Präsidenten geplanten
Defizitabbau reagiert haben, indem sie die mittel- und
langfristigen Zinssätze auf den niedrigsten Stand seit
20 oder 30 Jahren zurücknahmen. Dies hat ihm
zufolge wiederum die Cash-flows der Kreditnehmer
verbessert, zinsbewußtes Ausgabenverhalten ermutigt und ein bescheidenes Wirtschaftswachstum hervorgebracht.
Auf die Frage, ob eine Vorlage zum Defizitabbau um
400 Milliarden Dollar ausreichen würde, antwortete
AMERIKA DIENST 30

Greenspan: "Ich glaube nicht. Unser Problem ist
substantieller Natur. Selbst die von beiden (großen)
Parteien vorgelegten Gesetzesvorschläge erfüllen nicht
die Erfordernis, die nach oben gerichtete Tendenz des
Defizits zu beseitigen... Meiner Ansicht nach - zu
Einzelheiten möchte ich nicht Stellung nehmen - hat
ein Programm von 500 Milliarden Dollar als erste von
zwei- oder mehreren Tranchen, die zum Abbau des
Defizitabbaus benötigt werden, in etwa den richtigen
Umfang."
Greenspan räumte ein, daß sowohl Steuererhöhungen als auch die Reduzierung von Staatsausgaben
Instrumente zum Defizitabbau sind, die dämpfende
Auswirkungen auf die Wirtschaft haben können. Er
sprach sich jedoch eindeutig dahingehend aus, daß
verringerte Ausgaben langfristig vorzuziehen sind, da
dies den destabilisierenden Effekt staatlicher Kreditaufnahme auf das Wirtschaftswachstum minimiere.
"Wenn wir die Ausgaben nicht reduzieren, wird keine
Steuererhöhung das langfristige Problem des Haushaltsdefizit wirksam lindern können", erklärte er. "Für
die Verringerung der Ausgabenquote und ihre Rückführung auf ein gesundes Verhältnis zur Steuerbasis
gibt es keine Alternative... Unabhängig davon, was auf
der steuerlichen Seite unternommen wird, ist es zur
Lösung dieses Problems unerläßlich, die Ausgaben in
den Griff zu bekommen."
Wie bereits in der Vergangenheit argumentierte Greenspan erneut, die wirksamste Einzelmaßnahme des
Kongresses zur Schaffung von Arbeitsplätzen und
Ankurbelung des Wirtschaftswachstums wäre die
Senkung oder völlige Abschaffung der Kapitalgewinnsteuer.
"Im Grunde müssen wir die Anreize zur Schaffung
neuen Wohlstands und zu Risikobereitschaft überdenken", äu Berte er. Diese Volkswirtschaft verändert sich
sehr rasch. Es gibt ein großes Risiko, aber der

Seite 1

�gesamte von uns geschaffene Wohlstand resultiert
aus Risiken."
Auf die Frage, ob ein ausgeglichener Haushalt erforderlich sei, um langfristig die grundlegenden Probleme
des Landes zu lösen, erwiderte Greenspan: "Was wir
mindestens tun sollten, ist, die Verschuldung zu stabilisieren. Ich möchte entweder einen ausgeglichenen
Haushalt oder einen Haushaltsüberschuß sehen, weil
wir ein Spardefizit aufweisen."

kein großes Problem darstellen", erläuterte er. "Aber
wir würden weit weniger effizient arbeiten als wenn wir
einen Haushalt hätten, der ausgeglichen ist oder einen
Überschuß aufweist."

Greenspan stellte fest, die gegenwärtigen Kreditengpässe seien "grundsätzlich ein psychologisches Problem", das nicht von den Zinssätzen, sondern vom
außerordentlichen Anstieg der Schulden sowie dem
Wertverfall von Immobilien und anderem Anlagevermögen in den achtziger Jahren herrühre. Die NotenDer Vorsitzende der Notenbank räumte ein, die Verei- bank und andere Regierungsbehörden versuchten
nigten Staaten könnten mit einem Defizit im Bundes- heute, zur Lösung des Problems beizutragen, indem
haushalt leben, das rund 2,0 Prozent des Brutto- sie eine stärkere Kreditvergabe als gewöhnlich ermuinlandsprodukts beträgt. "Das würde für die Wirtschaft tigten, fügte er hinzu.

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�WIRTSCHAFT
28. Juli 1993

DIE SOZIALE DIMENSION DER
WIRTSCHAFTLICHEN UMSTRUKTURIERUNG
Auszüge aus einer Rede von Thomas R. Donahue (AFL-CIO)
WASHINGTON - (AD) - Unter der Schirmherrschaft der Interamerikanischen Entwicklungsbank (Inter-American
Development Bank - IDB), der Interamerikanischen Regionalorganisation der Arbeitnehmer (Inter-American
Regional Organization of Workers - ORIT) sowie des Amerikanischen Instituts für Freie Gewerkschaftsentwicklung (American Institute for Free Labor Development - AIFLD) fand am 19. und 20. November 1992 in
Washington eine Konferenz zum Thema "Die soziale Dimension der wirtschaftlichen Umstrukturierung in
Lateinamerika und der Karibik" statt. Ein Hauptredner bei dieser Veranstaltung war der Schatzmeister des
Gewerkschaftsdachverbandes AFL-CIO, Thomas R. Donahue, dessen Rede wir nachfolgend in Auszügen
veröffentlichen.
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von The Bulletin of the Department of International Affairs,
AFL-CIO.

Wie können wir sicherstellen, daß wir im Zuge der
Förderung wirtschaftlichen Wachstums in den weniger
entwickelten Ländern den arbeitenden und einkommensschwachen Menschen in den Industriestaaten
ebenso wie in den Entwicklungsländern keine neuen
Lasten auferlegen? Wie können wir gewährleisten,
daß die Arbeitnehmer in den Entwicklungsländern
prosperieren, wenn ihre Gesellschaften prosperieren?

das Wohlergehen der Arbeitnehmer über die Interessen der Reichen und Mächtigen setzten.
Dies sind nach wie vor unsere Ziele.

In einer Reihe von Ländern konnten wir Siege verzeichnen - und auch in den Vereinigten Staaten feiern wir
einen solchen Sieg. Nach 12jähriger Herrschaft von
Regierungen, die sich die Förderung der Interessen
derjenigen
zum Ziel gesetzt hatten, die bereits reich
Wie können wir sicherstellen, daß die Arbeitnehmer in
sind,
konnten
wir erfolgreich eine Administration ins
den Industriestaaten keinen unverhältnismäßig hohen
Amt
bringen,
die
sich dem Wohlergehen des NormalAnteil an den Lasten in ihren Ländern tragen - oder, um
bürgers
verschrieben
hat. Wir setzen große Hoffnunes anders auszudrücken, wie können wir sicherstellen,
gen
in
die
Administration
des gewählten [am 20. Januar
daß alle Lasten in den Industriestaaten von allen
1993
vereidigten]
Präsidenten
Clinton - große HoffnunBürgern gleichmäßig getragen werden und nicht nur
gen
und
große
Erwartungen.
Wir
zählen auf ihn bei der
von den Arbeitnehmern? Für uns alle in der GewerkVerbesserung
des
wirtschaftlichen
Lebens in diesem
schaftsbewegung trifft diese Frage den Kern unserer
Land
und
bei
den
Bemühungen,
die
Volkswirtschaften
Existenz. Einkommensschwache Menschen und
aller
Staaten
der
westlichen
Hemisphäre
wiederzubeArbeitnehmer bilden unsere Bezugsgruppe, und wir
leben
und
angemessene
Aufmerksamkeit
auf diese
sind da, um zu gewährleisten, daß sie einen fairen
Hemisphäre
zu
konzentrieren.
Anteil an dem von ihnen hervorgebrachten Wohlstand
erhaHen.
Aber selbst in den anderen Staaten der Hemisphäre, in
Viele Jahrzehnte lang haben wir darum gekämpft, denen demokratische Regierungen die Herrschaft
ihnen ein breites Spektrum von sozialen Schutzme- übernommen haben, sehen wir unsere Hoffnungen
chanismen zu verschaffen - das Recht, sich zu organi- durch Wirtschaftspläne bedroht, deren Ziel die Anhesieren und Tarifverträge auszuhandeln, eine faire bung des Bruttoinlandsprodukts und des Wohlstands
Einkommensverteilung, sichere und anständige Ar- eines Landes ist ohne zu berücksichtigen, wie dieser
beitsbedingungen -, und wir haben uns energisch für neue nationale Wohlstand verteilt werden soll - und
die Wahl von Entscheidungsträgern eingesetzt, die anscheinend mit blindem Eifer für die Auffassung,
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�wenn die Reichen reicher werden, wenn die Unternehmen florieren, wird von diesem Reichtum auch etwas
nach unten durchsickern. In den Vereinigten Staaten
haben wir in den vergangenen zehn Jahren einen
Rückgang der Reallöhne erlebt, während die Einkommen des einen wohlhabendsten Prozents unserer
Bevölkerung von 1980 bis 1990 um 75,3 Prozent
gestiegen sind. Dies legt beredtes Zeugnis vom
Scheitern der Wirtschaftspolitik ab, die auf diesen
Sickereffekt baut.

dem Markt basierenden Ideologie - deren Ethos auf
dem Überleben des Stärkeren und der Verfolgung von
Eigeninteresse gründet - haben solche Werte keinen
sicheren Platz.

Das ist die ideologische Dynamik. Sie wirkt sich im
Verein mit einem weiteren dynamischen Faktor aus,
der strukturellen Charakter hat - der wachsenden Internationalisierung der nationalen Volkswirtschaften.
Die Welt wird kleiner. Wir alle werden wechselseitig
immer abhängiger von unseren Brüdern und SchweDiese Wirtschaftspläne und dieses Kleben an geschei- stern in anderen Ländern. Multinationale Unternehterten Wirtschaftsdoktrinen werden von zwei dynami- men und Finanzinstitutionen sind für uns von einer
schen Faktoren angetrieben.
Bedeutung, die noch vor 20 Jahren niemand von uns
hätte vorhersagen können.
Der erste ist ideologischer Natur. Die meisten wirtschaftlichen Anpassungsprogramme in unserer Hemi- Eines steht fest: Für uns Gewerkschafter sind engere
sphäre sind von einer konservativen Ideologie ge- wirtschaftliche Verbindungen zwischen Nationen nicht
prägt, die vorgibt, an freie Märkte zu glauben. In von vorneherein schlecht - überhaupt nicht. Wir defieinigen Fällen wurde diese konservative Ideologie nieren uns selbst als Internationalisten. Wir glauben
durch ausländischen Druck gefördert - oder sogar daran, daß das Schicksal von Arbeitnehmern in Prttsaufgezwungen. In anderen Fällen wurde sie von Eliten burgh (Pennsylvania) und Los Angeles unauflöslich
der betreffenden Länder aufgegriffen, die auf eigene mit dem von Arbeitnehmern in Mexiko-Stadt, Toronto
Initiative handeln. Aber was auch immer der Impuls und Buenos Aires und natürlich auch von Arbeitnehsein mag, diese Ideologie führt für gewöhnlich zu der mern in Prag und Lusaka verknüpft ist. Aber wir wissen
häßlichen Haltung, daß Einkommensschwache und auch, wenn diese Interdependenz auf das falsche
Arbeitnehmer ein politisches Problem darstellen, wenn Gleis gerät - wenn sie nicht oder schlecht organisiert ist
man ihnen in dem wirtschaftlichen Drama eine bedeu- - kann sie ein Desaster werden.
tende Rolle überträgt. Also gibt man ihnen eine kleine
Wenn wir einen Strom von Investitionskapital oder ein
Rolle oder verweist sie von der Bühne.
neues Handelsabkommen sehen, stellen wir die FraDie Gewerkschaftsbewegung hat schon vor langer ge: Ist es die verschwindend kleine Gruppe am oberen
Zeit begriffen, daß unbeschränkte Märkte nicht ganz
Ende der Wirtschaftsleiter, die davon profitiert, oder
so wunderbar sind wie ihre Befürworter auf der Rech- die ungeheure Zahl derjenigen, die in der Mitte oder
ten uns glauben machen wollen. Tatsächlich zielten unten stehen?
die meisten historischen Bemühungen unserer Bewegung - zur Einführung eines Mindestlohns, Abschaf- Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir gute Gründe, eine
fung der Kinderarbeit, Entwicklung von Arbeitsschutz- skeptische Haltung gegenüber der wachsenden Intergesetzen sowie die Tarifverhandlungen selbst - darauf nationalisierung der nationalen Volkswirtschaften einab, einige der brutalsten Auswirkungen des freien zunehmen. Es ist nicht schwer zu erkennen, warum
dies der Fall ist. Betrachten Sie die Muster von Handel
Markts zu mildem und beschränken.
und Investitionen. Eines der klassischen Argumente
Wir wissen sehr gut, daß wir von einem freien Markt, für den freien Handel lautet, jede Nation werde ihren
der seinen eigenen Mechanismen überlassen bleibt, eigenen relativen Vorteil haben - Wolle in Großbritannien, Wein in Portugal. Heute jedoch hat diese Lehre
nicht erwarten können, gleichmäßiges Wirtschaftswachstum und sozialen Fortschritt hervorzubringen. einen unheilvollen neuen Zug. Einige Regierungen
Die meisten erfolgreichen Volkswirtschaften in Europa vertreten die Auffassung, ihr bester relativer Voneil sei
und Asien haben sich die Lehre des Laissez-faire nie eine Erwerbsbevölkerung, die in Armut und Furcht
zu eigen gemacht. In unserer Hemisphäre jedoch gehalten wird und anfällig für Ausbeutung ist. Diese
sahen sich einige Regierungen gezwungen, auf harte Regierungen möchten die westliche Hemisphäre in
einen riesigen Basar verwandeln, auf dem jede Nation
Weise herauszufinden, was sie bewirken kann.
versucht, eine billigere Erwerbsbevölkerung zu verEin jüngeres Beispiel ist das unserer Nachbarn in kaufen als die Nachbarn. Die Käufer auf diesem
Venezuela. Hier lautet die Lehre, daß die Märkte in riesigen Basar sollen die multinationalen Konzerne
bestimmte Richtungen gelenkt werden müssen, wenn sein. Sie können prosperieren, während die Arbeitdie Wirtschaft den Menschen dienen soll - und das ist nehmer aufgrund niedriger Löhne und schlechter
von höchster Bedeutung. Wir sind der Überzeugung, Arbeitsbedingungen leiden.
daß der Mensch im Mittelpunkt der Wirtschaftsordnung stehen muß. Wir bestehen darauf, daß die Der irische Staatsmann und politische Philosoph Edmund
Wirtschaftsordnung dem einzelnen dienen sollte und Burke hat gesagt, "eine Nation ohne die Mittel, sich
nicht umgekehrt. Dies sind unsere Werte. In einer auf selbst zu reformieren, entbehrt die Mittel, sich selbst zu

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�erhalten". Was für Nationen gilt, gilt auch für die
hemisphärische Gemeinschaft. Die Zeit ist reif, um
über die Mittel für unsere Selbstreform zu sprechen.
Wir müssen Institutionen aufbauen, die Prozesse
einleiten, mit denen die nachteiligen Auswirkungen
wirtschaftlicher Anpassungspläne und der sie prägenden Dynamik abgebaut werden.
Und ebenso wie die Probleme und die sie verursachende Dynamik grenzüberschreitend sind, werden
auch viele der Lösungen grenzüberschreitend sein
müssen. Hier in Nordamerika benötigen wir dringend
ein neues Regime zur Regelung von Handel und
Investitionen - und zwar sehr verschieden vom Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA) mit
all seinen Schwächen und Unzulänglichkeiten, das
von der Bush-Administration ausgehandelt wurde.

Schließlich gibt es Schritte, die von unseren Gewerkschaftsbewegungen in Erwägung gezogen werden
sollten. Wir können weder auf den Staat warten noch
auf den Staat bauen. Unsere Rolle ist entscheidend,
denn wenn Regierungen auf den Sirenengesang der
Markttheorie hereinfallen, sind die Gewerkschaften
die größte - und manchmal die einzige - Institution, die
die Interessen der gro ßen Mehrheit des Volkes vertritt.

Es gibt bereits internationale Gewerbesekretariate als
Strukturen zur Entwicklung der Interessen von Gewerkschaften in ähnlichen Berufs- und Industriezweigen über die nationalen Grenzen hinweg. Sie koordinieren schon einen Teil der Tarifverhandlungen über
nationale Grenzen hinweg und können auf der bisher
geleisteten guten Arbeit aufbauen. Innerhalb der
amerikanischen Bewegung haben wir versucht, Normen für unsere Gewerkschaften zu entwickeln, um
Das NAFTA muß neuverhandelt, seine Konzepte angeschlossene Organisationen zu ermutigen, bei
müssen verändert werden. Die Regierungen Mexikos, Organisationsgrad und Tarifverhandlungen bestimmKanadas und der Vereinigten Staaten sollten einen te Leistungsniveaus zu erreichen. Ein ähnliches
neuen Rahmen für wechselseitiges Wachstum schaf- Konglomerat von "sozialen Zustimmungsnormen", mit
fen, der nachdrückliche und durchsetzbare Schutzbe- denen wir Leistungsverbesserungen nationaler Zenstimmungen für die Rechte der Arbeitnehmer und die tren bei Organisationsgrad, Lohnerhöhungen und
Umwelt sowie demokratische Garantien in allen drei sozialen Schutzbestimmungen fördern könnten, sollte
Ländern beinhaltet. Diese Schutzbestimmungen innerhalb der ORIT entwickelt werden.
könnten unterschiedliche Formen haben. Eine gute
Möglichkeit ist eine interamerikanische Sozial- und All diese Vorschläge beruhen auf derselben Einsicht.
Umweltcharta, ähnlich der EG-Sozialcharta, die Teil Die Welt verändert sich, die Hemisphäre verändert
eines größeren Rahmens ist und Mechanismen zur seh, und wir müssen anerkennen, daß nationale Grenzen
effektiven Durchsetzung beinhaltet.
eine völlig andere Bedeutung haben als in der Vergangenheit.
Dieselben Prinzipien, die ein neues Handelsabkommen in Nordamerika regeln, sollten auch Teil der Der Status einer Nation und nationale Souveränität
amerikanischen Auslandshilfestruktur in der gesam- sind jedoch domige Fragen. Der deutsche Dichterund
ten Hemisphäre sein. Zum Beispiel sollten alle mit Philosoph Johann Gottfried Herder hat einmal gesagt,
Mitteln der US-Auslandshilfe finanzierten Verträge ein Mensch zu sein bedeute, sich an irgendeinem Ort
Klauseln für Arbeitnehmerrechte enthalten, die bei mit Seinesgleichen Zuhause fühlen zu können. Jede
Nichteinhaltung scharfe Sanktionen vorsehen.
Nation in unserer Hemisphäre besitzt, was Herderden
Volksgeist genannt hat: ein Geflecht von GebräuProjekte des AID (US-Amt für Internationale Entwick- chen und Lebensstil, eine Art der Empfindung und des
lung) sollten über örtliche, mit Gewerkschafts, Arbeit- Verhaltens, die dieser Nation zu eigen ist.
geber- und Regierungsvertretern besetzte Gremien
abgewickelt werden. Darüber hinaus sollten politische Wir sollten diese nationalen Identitäten bewahren Initiativen des AID in Zusammenhang mit wirtschaftli- aber wir sollten nicht zulassen, daß nationale Souvecher Umstrukturierung die Beteiligung freier Gewerk- ränität von Regierungen als Entschuldigung benutzt
schaften beim Planungsprozeß und bei der Durchfüh- wird, um arbeitende Menschen zu unterdrücken, die
rung ermutigen.
Umwelt zu zerstören und auf demokratischen Rechten
herumzutrampeln.
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�PORTRAT
28. Juli 1993

FREEH GENIESST DEN RUF EINES ERFAHRENEN
VERBRECHENSBEKÄMPFERS
Porträt des designierten FBI-Direktors

WASHINGTON - (AD) - Der von Präsident Clinton zum
neuen Leiter des amerikanischen Bundeskriminalamts
Federal Bureau of Investigation (FBI) nominierte Louis
Freeh ist ein Bundesrichter mit einer langen und weithin geachteten Karriere als Strafverfolgungsbeamter
sowie höchsten Auszeichnungen als Staatsanwalt und
FBI-Agent.
Zur Zeit als Bezirksrichter in New York tätig, genießt
der 43jährige Freeh den Ruf eines unbeugsamen
Strafverfolgungsbeamten, der aggressiv das organisierte Verbrechen bekämpft.
Rudolph Giuliani, ein ehemaliger Bundesanwalt für
Manhattan, bezeichnete Freeh als "denjenigen in den
Vereinigten Staaten, der zur Leitung des FBI am
besten qualifiziert ist".

den. "Wir leben heute im Hinblick auf die Strafverfolgung in einem 'internationalen Dorf'", stellte er fest.
"Interpol und Rechtshilfemaßnahmen... sind entscheidend für unseren Erfolg und ... müssen fortgesetzt
werden."
Clinton bezeichnete Freeh als "eine Legende der Strafverfolgung ... und am besten zur Leitung des FBI
geeignet". Mit der Feststellung, daß Freeh "einige der
schwersten und kompliziertesten Verbrechen unserer
Zeit aufgeklärt hat", erklärte Clinton, der Nominierte
wird "gut und hart sein - gut für das FBI und hart
gegenüber den Verbrechern".

1974 machte Freeh seinen Abschluß an der Rutgers
Law School und trat 1975 dem FBI als Spezialagent
bei. In den späten siebziger Jahren überwachte er die
Ermittlungen, die zur Verurteilung des Vorsitzenden
In der anläßlich seiner Nominierung am 20. Juli 1993 der internationalen Gewerkschaft der Schauerleute,
abgegebenen Erklärung verwies Freeh auf das FBI als Anthony Scotto, und 125 seiner Anhänger aufgrund
"die größte Strafverfolgungsbehörde, die jemals von von organisierter Erpressung führte. Er erhielt eine
einer demokratischen Gesellschaft geschaffen wurde" besondere Auszeichnung für seine Arbeit an diesem
und versprach "uneingeschränktes Engagement" für Fall.
eine Organisation, "deren einzige Leitlinie die Rechtsstaatlichkeit ist".
Freeh verließ 1981 das FBI und wurde Stellvertretender Bundesanwalt für Manhattan. 1983 führte er
Das FBI, so Freeh, "muß für absolute Integrität stehen, erfolgreich die Ermittlungen und Anklage eines von der
frei von jeglichem politischen Einflu ß, frei von jeglicher sizilianischen Mafia geleiteten Heroinhändlerrings. Der
rassischer oder anderer Willkür sein und ausschließ- als "Pizza Connection" bekannte Fall - weil Pizzarelich im öffentlichen Interesse arbeiten".
staurants zur Tarnung für die Operationen der Bande
benutzt wurden - ist das "umfassendste und komplexeEr verprach eine effiziente Organisation zur Verbreste strafrechtliche Ermittlungsverfahren, das je von
chensbekämpfung, mit 'lachkundigen und engagierder Regierung in die Wege geleitet wurde".
ten Mitarbeitern, modernster Technologie ... und der
größtmöglichen Kooperation" mit den anderen ameri- 1987 zum Leiter der Abteilung für organisiertes Verkanischen Strafverfolgungsbehörden.
brechen des Bundesanwalts von Manhattan ernannt,
leitete Freeh die Ermittlungen bei den BriefbombenanEr verpflichtete sich darüber hinaus zur engen Zusamschlägen
auf einen Bundesrichter und einen Rechtsmenarbeit mit ausländischen Strafverfolgungsbehör-

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Seite 1

�anwalt der Bürgerrechtsbewegung. Aufgrund seiner
Leistungen wurde der Attentäter gefaßt und verurteilt.

Freeh wurde in Jersey City geboren und ist Sohn eines
Immobilienmaklers. 1971 erlangte er seinen Abschluß
am Rutgers College. Er ist verheiratet und hat vier
1991 wurde Freeh vom ehemaligen Präsidenten Bush Kinder.
an das Bundesgericht berufen.

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�</text>
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Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Atom und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Thermofusion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neuer Beitrag amerikanischer Forscher zur Lösung eines schwierigen Problems&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Kerigan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Größter medizinischer Reaktor der USA im Bau&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;9. Internationaler Lehrgang in Argonne&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dresden-Reaktor in Kürze betriebsbereit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nautilus übernimmt neuen Kernbrennstoff&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Medizin&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gegen Parasiten von Mensch und Tier&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein neues Mittel zur Bekämpfung von Wurmkrankheiten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Das Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein Besuch bei Dr. Lillian Gilbreth&lt;br /&gt;&lt;em&gt;der amerikanischen Autorität für "Scientific Management"&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Arthur Herzog&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Liste der Gedenktage im September 1959&lt;/strong&gt;</text>
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