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                    <text>i ^^^^

T*y

Information
und
Dokumentation

r»i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Juli 1980

34

INHALT

DOKUMENTATION
Auszüge aus dem Parteiprogramm der Republikanischen Partei für
die Wahlen 1980
INFORMATION
Wissenschaftliche Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik
Wechsel an der Spitze der National Science Foundation
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
VELA-SIGNAL: Kernexplosion unwahrscheinlich
- Bericht einer amerikanischen Wissenschaftlergruppe Kohlereinigung auf magnetischem Wege
US-Krebsinstitut testet Laetril

Um Übersendung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Juli 1980

34

AUSZÜGE AUS DEM PARTEIPROGRAMM
DER REPUBLIKANISCHEN PARTEI FÜR DIE WAHLEN 1980

DETROIT

- (AD) - Der Nationalkonvent der Republikanischen Partei

nahm am 15. Juli 1980 in Detroit ein 75 Seiten umfassendes Wahlprogramm
an, das ihre Vorstellungen zu einer weitgesteckten Bandbreite von innenund außenpolitischen Themenkreisen ausführlich darlegt.
Das Wahlprogramm - die "platform" - einer politischen Partei in Amerika
dient traditionell als eine Art Wegweiser dafür, welche Politik die entsprechende Partei zu verfolgen gedenkt, sollte sie die Wahlen gew'nnen
Es hat jedoch nicht den verbindlichen Charakter wie die Parteiprogramme
deutscher Parteien. Wahl Programme sind außerdem traditionell besonders
kritisch gegenüber ihren politischen Widersachern - vor allem, wenn die
Partei in der Opposition steht. So gibt das Wahlprogramm der Republikaner
der Regierung Carter Schuld an einer schwachen Wirtschaft, an einer
verschlechterten internationalen Lage und an einem schwindenden Einfluß
der Vereinigten Staaten in der Welt. Es konstatiert: "Die Republikaner
sind sich einig in der Oberzeugung, daß Amerikas internationale Demütigung

Postfach20 0 3 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
T e | e x : 08-85432

�»

Demütigung und sein Niedergang allein durch starke Führung durch den
Präsidenten und eine einheitliche, weitsichtige Außenpolitik rückgängig
gemacht werden kann, die unterstützt wird durch eine umfassende Verstärkung
der Streitkräfte, durch eine Vertiefung unserer Verpflichtungen gegenüber
unseren Verbündeten und durch die Entschlossenheit, unsere nationalen
Interessen nachdrücklich zu schützen."
Im wirtschaftlichen Bereich tritt das Wahlprogramm für Steuersenkungen
und eine Politik des Freihandels ein, wobei allerdings die Förderung
amerikanischer Exporte stärker betont wird.

Auch wird mehr Wert gelegt

auf bilaterale Auslandshilfe für befreundete Länder als auf Hilfe über
multilaterale Organisationen.

Preiskontrollen für öl, Erdgas und öl-

produkte sollen aufgehoben wenden.
Nachstehend folgen im Wortlaut die wesentlichen Auszüge aus diesem
Parteiprogramm:

Steuern
—_____

... die Republikanische Partei setzt sich für eine generelle Senkung
der Einkommensteuer über drei Jahre hinweg ein; dies wird die Steuersätze
von der Größenordnung zwischen 14 bis 70 Prozent auf eine Größenordnung
zwischen 10 bis 50 Prozent senken

Energie
2
—

Um die Inlandsproduktion von Energie zu erhöhen, setzen sich die
Republikaner für eine Aufhebung der Preiskontrollen für Erdöl und Erdgas

- 2 -

�Erdgas ab Förderstelle ein. Wir sind der Meinung, daß die sogenannte
Sondersteuer auf Situationsgewinne (windfall profits tax), die in keinem
Verhältnis zum Gewinn steht, abgeschafft werden sollte, da sie Anwendung
findet auch auf Kleineigentümer, auf neugefördertes öl, auf Kleinstquellen,
auf drittklassige Gewinnung sowie auf Schweröl, und daß das Auslaufen der
Steuer für Altöl beschleunigt werden sollte. Diese Steuergesetzgebung sollte
durch den Einschluß einer Bestimmung hinsichtlich der Rückführung von
Gewinnen ergänzt werden. Wir werden die Aufhebung der Preisbindung bei
allen Erdölprodukten suchen und mit der Befugnis der Regierung Schluß
machen, ülvorräte zuzuteilen - ausgenommen im nationalen Notstand. Wir
sind auch der Meinung, daß alle Markthindernisse zur Verwendung von
Erdgas aufgehoben werden müssen.

Die Republikaner unterstützen ein umfassendes Programm zur Reform
der Bestimmungen für verbesserte Anreize und zur Revision der schwerfälligen und zu scharfen Bestimmungen des Gesetzes über Luftverunreinigung
(clean air act). Dieses Programm wird die Umstellung der Kraftwerke,
der Industrie und der großen kommerziellen Heizungen von öl auf Kohle im
größtmöglichen Umfang beschleunigen und dadurch unsere Abhängigkeit
von ausländischem öl wesentlich verringern.
Kohle, Gas und Kernfusion bieten die besten Zwischenlösungen für
den Energiebedarf Amerikas. Wir unterstützen die beschleunigte Verwendung
der Kernenergie mit Hilfe von solchen Technologien, die sich als wirksam
und sicher erwiesen haben. Der sichere Betrieb genauso wie der Entwurf
von Kernkraftwerken wird bei uns höchste Priorität haben, um die weitere
Verfügbarkeit dieser bedeutsamen Energiequelle zu gewährleisten. Entwurf
und Betrieb dieser Anlagen kann in einer kürzeren Probezeit sichergestellt
werden als in den zehn bis zwölf Jahren, die derzeit für Lizenz und Bau
erforderlich sind. Wir sind der Meinung, daß der Lizenzierungsprozeß durch
Konsolidierung des derzeitigen Prozesses und durch die Verwendung standardisierter
Reaktorentwürfe beschleunigt werden kann und soll.
Der
- 3 -

�Der Vorfall von Three Mile Island weist auf die Notwendigkeit bestimmter
Reformen hin - wie etwa im Bereich der Ausbildung für die Bedienung -,
aber zeigt zugleich, daß angemessen entworfene und betriebene Kernkraftwerke die öffentliche Gesundheit oder Sicherheit nicht gefährden.

Weiterhin

ermutigen wir zur Forschung, Entwicklung und Demonstration des Brutreaktors
mit seinem Potential, auf sichere Weise zur Energieversorgung beizutragen.
Die Entwicklung der Kernenergie fordert solide Pläne für die Lagerung
von Atommüll und für die Wiederaufbereitung von Brennmaterial.

Technische

Lösungen für diese Probleme gibt es, und entscheidend ist nunmehr die
entschlossene Handlungsweise des Bundes zur Auswahl und Durchsetzung dieser
Lösungen....

Inflation
Wir sind der Ansicht, daß die Inflation und deren Auswirkung auf die
Arbeitsplätze die größte Bedrohung darstellen, vor der unser Land heute
innenpolitisch steht...
Die Republikanische Partei glaubt, daß die Inflation einzig durch
Steuer- und währungspolitische Zurückhaltung in Verbindung mit einer einschneidenden Verringerung der abschreckenden Steuer- und Durchführungsbestimmungen im Bereich der Spartätigkeit, der Investitionen und der Produktivität
unter Kontrolle gebracht werden kann. Aus diesem Grund lehnt die Republikanische Partei die Einführung von Lohn- und Präskontrollen sowie Kreditkontrollen ab...

•

Getreideembargo

4 -

�Getreideembargo
&lt;

Wir sind der Ansicht, daß landwirtschaft:&lt;vhe Embargos nur symbolischen
Charakter haben und unwirksame Werkzeuge der A SenpoV"
wir wahren
uns dagegen, die amei manischen Bauern dazu auszusuchen, die -asten von
Präsident Carters unbesonnenem, wirkungslosem und unangemessen durchgeführtem
Getreideembargo zu tragen. Das Cartersche Getreideembargo sollte sofort
aufgehoben werden....

Einwanderungs- und Fllichtlingspolitik
... Wir Republikaner sind stolz darauf, daß unser Volk seine Arme
und sein Herz für die Menschen aus dem Ausland geöffnet hat, und wir sind
für eine Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik, die in Einklang mit dieser
Tradition steht. Wir sind der Ansicht, daß diejenigen Einwanderer in
größtmöglichem Maße aufgenommen werden sollten, die einen positiven Beitrag
für Amerika leisten werden, und die bereit sind, die grundlegenden Werte
und die Lebensweise Amerikas anzunehmen. ' Gleichzeitig muß die Einwaiderungsund Flüchtlingspolitik der Vereinigten Staaten die Interessen unserer nationalen
Sicherheit und unseres wirtschafltichen Wohlergehens widerspiegeln. Die
Immigration in dieses Land darf nicht einzig durch ausländliche Regierungen
bestimmt werden - nicht einmal durch die Millionen Menschen in der ganzen
Welt, die nach Amerika kommen wollen. Die Bundesregierung hat die Pt k h t ,
Einwanderungsgesetze zu erlassen und Überwachungsverfahren einzuhalten, die
die vom amerikanischen Volk gewünschte Einwanderungspolitik fair und
wirkungsvoll durchsetzt.
Die sofortige Annahme dieser Politik ist entscheidend für eine
ordnungsgemäße Lösung des gewaltigen Problems der unterdrückten Menschen,
die Einlaß suchen, damit diejenigen, die einen Anspruch haben, ohne zusätz-

�%

zusätzliche Leiden in Amerika aufgenommen werden können.
Das Flüchtlingsproblem ist ein internationales Problem und es
sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um die Pläne zur Aufnahme
von Flüchtlingen zu koordinieren; dies sollte auf weltweiter Grundlage in
Zusammenarbeit mit regionalen Körperschaften, wie etwa der Organisation
Amerikanischer Staaten (OAS) und der Vereinigung Südostasiatischer Staaten
(ASEAN) geschehen.

Nationale Sicherheit
... Die Republikaner verpflichten sich zu einer sofortigen Erhöhung
der Verteidigungsausgaben, die sinnvoll für die am dringendsten benötigten
Programme verwendet werden soll. Wir werden auf anhaltende Verteidigungsausgaben hinarbeiten, die ausreichend sind, um die Lücke zwischen uns und
den Sowjets zu schließen und um schließlich die Position militärischer
Überlegenheit zu erreichen, die das amerikanische Volk wünscht.

Kernwaffen
Kernwaffen sind der höchste militärische Garant amerikanischer
Sicherheit und der unserer Verbündeten. Dennoch haben sich die Vereinigten
Staaten seit 1977 im Bereich der strategischen Kernwaffen von einer Position
praktischer Gleichwertigkeit auf eine Position der Unterlegenheit gegenüber der Sowjetunion hinbewegt. Dieser Niedergang ergab sich aus Carters
Streichung oder Verzögerung strategischer Initiativen wie dem B-1-Bomber,
der MX-Rakete und der Programme für die TRIDENT II-Unterseeboot-Raketen
sowie aus seinen Entscheidungen zur Einstellung der MINUTEMAN Produktion

�Produktion und zur Nichtaufnahme der Produktion von Waffen mit verstärkter
Strahlenwirkung (Neutronenwaffe),
Mit zunehmender Disparität zwischen amerikanischer, und sowjetischen
strategischen Kernwaffen werden im Lauf der nächsten drei Jahre die meisten
der amerikanischen landgestützten Raketen, schweren Bomber und Unterseeboote in Häfen gegenüber einem sowjetischen Erstschlag verwundbar sein.
Eine solche Situation lädt im kommenden Jahrzehnt zu diplomatischer Erpressung der Vereinigten Staaten und zu Druck auf sie durch die Sowjetunion ein.
Um uns dem Problem der Verwundbarkeit der interkontinentalen ballistischen
Raketen (ICBM) zu stellen, werden wir eine Reihe von Initiativen vorschlagen, um die notwendige Überlebensfähigkeit der ICBM-Streitmacht auf
möglichst rasche und wirkungsvolle Weise sicherzustellen. Zudem werden wir
vorangehen mit:
-

der frühestmöglichen Dislozierung der MX-Rakete in umsichtiger
und überlebensfähiger Konfiguration;

-

der beschleunigten Entwicklung und Dislozierung eines neuen
bemannten stretegisehen Bombers mit DurchdringsUnfähigkeit
(penetrating bumber). wodurch die bereits im B-i--...nber
investierten 5,5 Milliarden Dollar verwertet werden, während
gleichzeitig die fortgeschrittenste Technologie eingesetzt wird,
die zur Verfügung steht;

-

der Dislozierung eines Luftverteidigungssystems, bestehend aus
eigens hierzu entwickelten modernen Aufklärungsflugzeugen und
einem Unterstützungssystem zur Frühwarnung;
- der

- 7 -

�-

der beschleunigten Entwicklung und Dislozierung strategischer
Marschflugkörper zur Dislozierung auf Flugzeugen, zu Land, auf
Schiffen und auf Unterseebooten;

-

der Modernisierung des militärischen Kommando- und Kontroll Systems,
um die Reaktionsbereitschaft der amerikanischen strategischen
Nuklearstreitkrä'fte gegenüber dem Präsidentenbefehl in Frieden oder
Krieg sicherzustellen sowie

-

der tatkräftigen Forschung und Entwicklung eines wirkungsvollen
antiball istischen Raketensystems (ABM-System), wie es der Sowjetunion bereits zur Verfügung steht sowie modernerer ABM-Technologien.

Seit über 20 Jahren - seit Mitte der fünfziger Jahre - unterhalten
die Vereinigten Staaten taktische Kernwaffen in Europa zum Zweck der Verhinderung eines tiefen Vorstoßes der sowjetischen Streitkräfte nach
Westen.

Seit 1977 jedoch hat es die Administration zugelassen, daß

unsere ehemalige Überlegenheit bis zu dem Punkt ausgehöhlt wurde, an dem
wir nunmehr in einem Verhältnis von über 3 zu 1 im Nachteil sind.
Eine republikanische Regierung wird sich für eine frühzeitige
Modernisierung unserer nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF) einsetzen,
damit ein nahtloses Abschreckungsnetz auf allen Angriffsstufen aufrechterhalten werden kann und unsere Glaubwürdigkeit bei unseren europäischen
Verbündeten wiederhergestellt wird. In gemeinsamer Konsultation mit ihnen
werden wir mit der Dislozierung von Mittelstrecken-Marschflugkörpern,
ballistischen Raketen, Gefechtsköpfen mit verstärkter Strahlenwirkung
(Neutronengefechtsköpfe) und der Modernisierung der Nuklear-Artillerie
vorangehen.

Konventionelle

�Konventionelle Streitkräfte
Wir sind der Meinung, daß es derzeit nicht machba" ist und auch
langfristig nicht durchführbar wäre, umfangreiche ?~eri vär,&gt;i;he Landstreitkräfte in Gebieten wie dem Persischen Golf auf permanenter Basis zu
dislozieren, wie wir dies in Europa und an anderen Orten tun.

Eine

wirkungsvollere Strategie muß sich gründen auf zwei Pfeiler: einmal
auf Unterhaltung einer begrenzten Anwesenheit auf Dauer in dem entsprechenden
Gebiet als glaubwürdiger Abschreckungskraft, verbunden mit der sichtbaren
Fähigkeit, diese Präsenz rasch durch die zum Sieg notwendigen Streitkräfte
zu verstärken; zuwanderen muß diese Strategie auch militärische Maßnahmen
an anderer Stelle ins Auge fassen - an Punkten, wo die Sowjetunion verletzbar
ist.

Das ist ein Ausdruck der klassischen Doktrin des globalen Manövers.

Die Streitkräfte, die zur Unterstützung einer solchen Strategie
nötig sind, müssen eine wesentlich verbesserte Marine umfassen, da sie
die Streitmacht ist, die zur Aufrecnterhaltung amerikanischer Präsenz in
bedrohten Gebieten und zum Schutz der Seeverbindungswege am geeignetsten
ist. Zudem werden wir eine umfangreiche Verbesserung der Streitkräfte
für die Mobilität zur Luft und der See sowie verbesserten Zugang zu
regionalen Anlagen fordern. Eine republikanische Regierung wird ihre
umfangreiche Verbesserung vorschlagen, einschließlich der permanenten
Stationierung einer Flotte im Indischen Ozean.

Amerikanisch-sowjetische Beziehungen
... Die Republikaner glauben, daß die Vereinigten Staaten mit der
Sowjetunion nur aus einer Position unbestrittener Prinzipien und unbestrittener
Stärke verhandeln können...
Da

- 9 -

�&gt;0&gt;'-

,-V\v

;(

Da die Sowjetunion an ihrem expansionistischen Kurs festhält, hat
das Potential gefährlicher Konfrontationen zugenommen.

Die Republikaner

werden sich darum bemühen, kritische Probleme durch friedliche Verhandlungen
zu lösen; aber wir erkennen, daß Verhandlungen, die aus einer Position
militärischer Schwäche geführt werden, nur zusätzlichen Schaden für die
amerikanischen Interessen mit sich bringen können.
Eine republikanische Regierung wird auch weiterhin versuchen, eine
Verminderung der sowjetischen strategischen Waffen auszuhandeln.

Beim

Umfang der Streitkräfte des Ostblocks in Mitteleuropa sowie in anderen
Bereichen,die für Verminderungen oder Begrenzungen geeignet sind, werden
wir hartnäckige Verhandlungen für ausgewogene, verifizierbare und durchführbare Abkommen führen.

Wir werden kein Abkommen nur um seiner selbst

willen schließen. . Und wir werden keine Abkommen akzeptieren, die nicht
unsere nationale Sicherheit grundlegend erhöhen.
Die Republikaner sind gegen den Transfer fortschrittlicher Technologie
in die Sowjetunion und deren osteuropäische Satelliten, wie dies in der
Vergangenheit geschehen ist, da dies die Entwicklung hochkomplizierter
militärischer Waffen ermöglicht, die die Vereinigten Staaten und unsere
Verbündeten bedrohen...
Die Republikaner fordern, den Technologiestrom in die Sowjetunion
einzudämmen, der direkt oder indirekt zum Anwachsen ihrer militärischen
Macht beitragen könnte. Dieses Ziel wird von einer republikanischen
Regierung zusammen mit unseren Verbündeten und anderen befreundeten
Staaten verfolgt werden. Wir werden sicherstellen, daß die Sowjetunion
genau versteht, daß von ihr erwartet wird, all die kommerziellen und
diplomatischen Verpflichtungen zu erfüllen, die sie in ihren internationalen
Abkommen eingegangen ist...

Wir

- 10 -

�Wir bekräftigen erneut unsere Verpflichtung, die Sowjetunion dazu
zu drängen, die Erklärung der Vereinten Nationen über die Menschenrechte
sowie die Übereinkommen von Helsinki in die Tat umzusetzen, die Rechte wie
etwa den freien Austausch von Information und das Recht zur Auswanderung
garantieren. Eine republikanische Regierung wird die Sowjetunion dazu
drängen, mit Verfolgung und Einkerkerung jener aufzuhören, die sich gegen
die offizielle Politik stellen, und die ihr eigenes religiöses Bekenntnis
ausüben wollen oder die verschiedene ethnische Minderheiten und Nationalitäten vertreten...
Als Mitunterzeichner der Schlußakte von Helsinki wird eine republikanische Regierung auf umfassender sowjetischerEinhaltung der humanitären
Bestimmungen der Übereinkommen bestehen.
Die Republikaner bieten ihre anhaltende Unterstützung auch dem
kubanischen Volk und den gefangenen Völkern in Mittel- und Osteuropa
in ihrer Hoffnung auf Selbstbestimmung.
Jugoslawiens.

Wir stehen ein für die Unabhängigkeit

Wir unterstützen die Selbstbestimmung und echte Unabhängigkeit

der geknechteten jungen Staaten in Afrika und Lateinamerika, die von der
wachsenden Herrschaft der Sowjetmacht bedroht sind.
Eine republikanische Regierung wird der fortdauernden Politik Carters,
nämlich seiner Irreführung des amerikanischen Volkes hinsichtlich sowjetischer
Politik und sowjetischen Verhaltens, ein Ende bereiten. Wir werden keine
Anstrengung scheuen, um der Welt die grundlegenden Unterschiede der beiden
Systeme klarzumachen, und wir werden Medien wiedas Amt für Internationale
Kommunikation (ICA), die Stimme Amerikas (VOA), Radio freies Europa (RFE)
und Radio Liberty aktiv dabei unterstützen, amerikanische Werte und Politik
zu artikulieren und die Schwäche des Totalitarismus zu beleuchten.
Wir verpflichten uns dazu, den von Carter verursachten sowjetischen
Verletzungen von SALT I und SALT II ein Ende zu bereiten, den Vertuschungen

- 11 -

�Vertuschungen der sowjetischen Verletzungen der Konvention über biologische
Kriegsführung und den Verheimlichungen des sowjetischen Einsatzes von Gas
und chemischen Waffen in Afghanistan und an anderen Orten.

NATO und Westeuropa
... Die Republikanische Partei weiß um die Tatsache, daß die NATO
dem lebenswichtigen Interesse der gesamten westlichen Welt dient, und wir
haben im Lauf der Jahre dem Bündnis stets unsere ungeschmälerte und überparteiliche Unterstützung gegeben...
Durch ihre ungeeignete Politik hat die Regierung Carter in großem
Maß zu der deutlichen Erosion der Sicherheit und des Vertrauens des Bündnisses
in die Vereinigten Staaten beigetragen. Daher wird eine republikanische
Regierung als eine ihrer obersten Prioritäten und in enger Zusammenarbeit
mit unseren NATO-Partnern sicherstellen, daß die Vereinigten Staaten in
einer konzertierten Anstrengung vorangehen, wieder ein starkes, zuversichtliches
Bündnis aufzubauen, um sich den Bedrohungen und Herausforderungen der
achtziger Jahre zu stellen...
Die Widersprüchlichkeiten der Regierung Carter haben Uneinigkeit
im Bündnis verursacht. Wir erkennen Verwirrung im Bereich der Handels-,
der Finanz- und der Energiepolitik. Der Mangel an enger Koordination
hinsichtlich des Iran, des Nahen Ostens, Afghanistans, des Olympiaboykotts,
der Weiterverbreitung von Kernwaffen, des Ost-West-Handels, der Menschenrechte, der Nord-Süd-Fragen und einer Vielzahl von weiteren internationalen
Problemen, die die Interessen des Bündnisses betreffen, hat die Bedenken
der Verbündeten verstärkt. Die Republikaner machen sich Sorgen darüber,
daß diese Maßnahmen der Regierung Carter die Versuchung der Verbündeten
erhöht, unabhängige Diplomatie zu betreiben und angesichts des Drucks seitens

- 12 -

�seitens der Sowjetunion auf Anpassung hinzustreben. In dieser Hinsicht
weisen wir kategorisch einseitige Moratorien über die Dislozierung von
nuklearen Mittel Streckenwaffen (TNF) durch die- Vereinigten Staaten und
die NATO zurück. Außerdem wenden sich die Republikaner gegen solche
Rüstungskontrollabkommen, die den Transfer von Militärtechnologie an unsere
Verbündeten behindern.
Indem sie sich zu erneuter amerikanischer Führung, zu Zusammenarbeit
und Konsultation verpflichten, bringen die Republikaner ihre Erwartung
zum Ausdruck, daß jeder der Verbündeten seinen fairen Anteil an der gemeinsamen Verteidigungsanstrengung übernehmen wird und daß sie zur Unterstützung der gemeinsamen Zielsetzungen des Bündnisses eng zusammenarbeiten
werden...

Naher Osten, Persischer Golf
Heute sind die Länder des Nahen und Mittleren Ostens und am Persischen
Golf wie nie zuvor von sowjetischen Beratern und Truppen eingekreist,
die ihre Stützpunkte am Hörn von Afrika, im Südjemen und in Afghanistan
haben. Darüber hinaus haben die Sowjets enge politische und militärische
Bindungen zu anderen Staaten und Regionen...
Die Republikaner sind der Auffassung, daß die Wiederherstellung
von Ordnung und Stabilität in dieser Region auf der Erkenntnis der inneren
Beziehung zwischen sowjetischen und radikalen palästinensischen Zielen,
den fundamentalen Erfordernissen einer stabilen wirtschaftlichen Entwicklung
und der Vermarktung der Ressourcen des Gebietes und der zunehmenden
Gärung unter radikalen islamischen Gruppen basieren muß. Die Republikaner
sind der Überzeugung, daß eine kluge und glaubwürdige amerikanische
Politik klarmachen muß, daß unser größtes Anliegen die langfristige friedliche

- 13 -

�friedliche Entwicklung aller Staaten der Region ist und nicht lediglich
eine Ausbeutung ihrer Ressourcen im eigenen Interesse.

Unser Ziel besteht

darin, im arabisch-israelischen Konflikt einen gerechten und dauerhaften
Frieden zu bringen.
Im Hinblick auf eine endgültige Friedensregelung lehnen die Republikaner
jede Forderung nach einer Einbeziehung der PLO als nicht im langfristigen
Interesse Israels und der palästinensischen Araber stehend ab.

Die Verleihung

von Legitimität an Organisationen, die noch nicht bereit sind, das
fundamentale Existenzrecht des Staates Israel anzuerkennen, ist falsch.
Wiederholte Hinweise der Regierung Carter, auch wenn sie später dementiert
wurden, auf eine Einbeziehung der PLO haben der Glaubwürdigkeit der
amerikanischen Politik im Nahen Osten schweren Schaden zugefügt und die
Position der Unnachgiebigkeit der PLO gestärkt.

Wir sind der Überzeugung,

daß die Schaffung eines palästinensischen Staates in der West Bank
(Westjordanien) destabilisierend und schädigend für den Friedensprozeß
wäre.
Unsere langfristige und kurzfristige Politik für das Gebiet muß in
Konsultation mit unseren NATO-Verbündeten, Israel, Ägypten und anderen
Freunden in dem Gebiet entwickelt werden, und wir werden keine Mühe scheuen,
während des politischen Prozesses ihren Rat zu suchen, und nicht einfach
ihre stillschweigende Einwilligung in unsere Pläne fordern.
Die Souveränität, Sicherheit und Integrität des Staates Israel ist
ein moralisches Gebot und dient den strategischen Interessen der Vereinigten
Staaten. Die Republikaner bekräftigen unsere fundamentale und dauerhafte
Verpflichtung zu diesem Grundsatz. Wir werden die Verpflichtung unseres
Landes weiterhin durch politische, wirtschaftliche, diplomatische und
militärische Unterstützung honorieren...
Frieden

- 14 -

�Frieden zwischen Israel und seinen Nachbarn erfordert direkte Verhandlungen
der beteiligten Staaten,,

Dementsprechend wird eine republikanische

Regierung den jetzt im Gang befindlichen Friedensprozeß zwischen Ägypten
und Israel ermutigen, versuchen, ihn auszuweiten, und jene arabischen
Länder willkommen heißen, die bereit sind, in Frieden mit Israel zu
leben...
Wir begrüßen die Vision und den Mut des ägyptischen Präsidenten
Anwar Sadat und verpflichten uns, unser Verhältnis zu Ägypten in kulturellen
Angelegenheiten, in der wirtschaftlichen Entwicklung und der militärischen
Zusammenarbeit auszubauen, „ *
Während eine republikanische Regierung unsere Verpflichtung gegenüber
Israel erneut bekräftigen wird, wird sie auch enge Bindungen und die
Freundschaft mit gemäßigten arabischen Staaten anstreben. Wir werden den
wirtschaftlichen und militärischen Rahmen in Angriff nehmen, der eine
langfristige Stabilität in der inneren Entwicklung der Staaten oer Region
und einen geordneten Markt für die Ressourcen des Gebietes gewährleistet.
Wir werden klarmachen, daß jede Wiedereinführung eines ölembargos als
feindlicher Akt betrachtet würde. Wir werden uns gegen diskriminierende
Praktiken wenden, Boykotte eingeschlossen, und wir werden uns gegen Waffenverkäufe wenden, die zur Instabilität der Region beitragen.
Die Republikaner sind der Überzeugung, daß Jerusalem eine ungeteilte
Stadt mit weiterem freiem und ungehindertem Zugang zu allen heiligen
Stätten durch Menschen aller Religionen bleiber sollte.

Die westliche Hemisphäre
Wir bedauern die Machtübernahme in Nicaragua durch die marxistischen
Sandinisten und die marxistischen Versuche, El Salvador, Guatemala und

- 15 -

�und Honduras zu destabilisieren.

Wir sind nicht für eine amerikanische

Unterstützung irgendeiner marxistischen Regierung in der westlichen
Hemisphäre, und wir wenden uns gegen das Hilfsprogramm der Regierung
Carter für die Regierung von Nicaragua.

Wir werden jedoch Anstrengungen

des Volkes von Nicaragua unterstützen, eine freie und unabhängige Regierung
zu errichten.
Die Republikaner bedauern die gefährliche und unbegreifliche Politik
der Regierung Carter gegenüber Kuba...
Die Republikaner sind sich der Bedeutung unserer Beziehungen innerhalb dieser Hemisphäre bewußt und setzen sich für eine starke neue Politik
der Vereinigten Staaten in den beiden Amerikas ein. Wir werden fest zu
solchen Ländern halten, die bestrebt sind, ihre Gesellschaften zu entwickeln,
während sie gleichzeitig die Subversion und die Gewalt bekärrpfin, die Kuba
und Moskau exportieren. Wir werden zu dem grundlegenden Prinzip zurückkehren, wonach ein Freund als Freund behandelt wird, und derjenige, der
sich selbst zu unserem Feind erklärt, als Feind - ohne uns dafür zu
entschuldigen. Wir werden der Sowjetunion und Kuba klarmachen, daß ihre
Subversion und der Ausbau ihrer offensiven Streitkräfte unannehmbar sind.
Die Republikaner erkennen die besondere Bedeutung Puerto Ricos
und der amerikanischen Virgin Islands für die Verteidigung der Freiheit
in der Karibik. Wir sind der Ansicht, daß die Aufnahme Puerto Ricos in
die Union eine Demonstration unserer gemeinsamen Anliegen angesichts des
wachsenden sowjetischen und kubanischen Drucks in diesem Gebiet darstellen würde...
Wir werden uns dafür einsetzen, daß der Panamakanal offen, sicher
und frei von feindlicher Kontrolle bleibt.
Die

- 16 -

�Die Bedingungen und Übereinkommen der Panamakanal-Verträge, einschließlich derjenigen, die den Vereinigten Staaten die besondere Verantwortung
hinsichtlich des Schutzes und der Verteidigung des Kanals zusichern, sind
integraler Bestandteil dieser Verträge, und wir werden Panama zu strikter
Interpretation der Vertragssprache anhalten, die eindeutig durch den
gesetzgeberischen Prozeß festgelegt ist, in dem anläßlich der Zustimmung
des Senats zu diesen Verträgen die Ergänzungen, Vorbehalte und Abkommen
durch den Senat angenommen wurden...
Wir werden uns für ein Nordamerika-Abkommen einsetzen, das die enge
Zusammenarbeit und den gegenseitigen Nutzen für die Vereinigten Staaten,
Kanada und Mexiko fördert„

Asien und der Pazifik
Die Vereinigten Staaten sind eine Macht des pazifischen Raumes und
müssen dies bleiben. Es liegt in unserem vitalen Interesse, die von den
Vereinigten Staaten garantierte Stabilität in diesem Raum aufrechtzuerhalten. Die Republikaner erkennen die gefährlichen Machtverschiebungen,
die sich unter der gegenwärtigen demokratischen Regierung nur noch
beschleunigt haben. Das Gleichgewicht auf der koreanischen Halbinsel hat
sich auf gefährliche Weise zum Norden hin verschoben. Die sowjetischen
Seestreitkräfte in Asien und im Pazifik haben ständig zugenommen und
sind nunmehr mindestens ebenso stark wie die dortigen amerikanischen Seestreitkräfte. Die einseitige Aufkündigung des gegenseitigen Verteidigungsabkommens mit Taiwan durch die Vereinigten Staaten und die abrupte
Ankündigung des Abzugs amerikanischer Landstreitkräfte aus Korea haben in
den Ländern der gesamten Region dazu geführt, den Wert eines Bündnisses
mit den Vereinigten Staaten in Frage zu stellen.
Eine

- 17 -

�Eine neue, republikanische Administration wird in Asien und im
Pazifik wieder eine starke amerikanische Rolle spielen.

Wir werden klar- ,

stellen, daß jede militärische Maßnahme, die die Unabhängigkeit der
Verbündeten und Freunde Amerikas bedroht, eine Reaktion hervorrufen wird,
deren Kosten für einen potentiellen Gegner diesen davon abhalten werden.
Japan wird auch weiterhin eine Säule der amerikanischen Politik in
Asien sein.
Die Republikaner erkennen die besondere Gefahr, vor der unser Verbündeter
Südkorea steht. Wir werden die anhaltenden Anstrengungen zur Ausweitung
der politischen Beteiligung und der individuellen Freiheiten im Innern
des Landes unterstützen, werden uns aber auch mit den besonderen Problemen
befassen, die die Subversion und potentielle Aggression vom Norden her
mit sich bringen. Wir werden amerikanische Landstreitkräfte und Luftverbände in Südkorea beibehalten und werden unsere Präsenz nicht weiter
verringern. Unsere vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Südkorea
werden wieder in eindeutigen Worten zum Ausdruck gebracht werden, und wir
werden den Prozeß enger Konsultation zwischen unseren Regierungen wieder
einführen.
Wir werden uns um die Schaffung von Bedingungen bemühen, die die
friedliche Entwicklung unserer Beziehungen zur Volksrepublik China fördern.
Hinsichtlich unserer eigenen lebenswichtigen Interessen - insbesondere
auf dem Gebiet zunehmenden Handels - werden wir angemessene Vorsicht
und Klugheit walten lassen - einschließlich des Transfers komplizierter
Technologie mit potentiell offensiver militärischer Verwendung. Die
Beziehung zwischen den beiden Ländern muß sich auf gegenseitigen Respek*
und Wechselseitigkeit gründen und in angemessener Weise die Notwendigkeit
der Aufrechterhaltung von Frieden und Stabilität in Asien oerücksichtigen.
Gleichzeitig

- 18 -

�Gleichzeitig beklagen wir die Behandlung Taiwans, unseres alten
Verbündeten und Freundes, durch die Regierung Carter.

Wir geloben, daß

unsere Sorge um die Sicherheit und den Schutz der '7 Millionen Menschen
Taiwans von Dauer sein wird.

Wir würden jeden Versuch, Taiwans Status

mit Gewalt zu verändern, als eine Bedrohung des Friedens in der Region
betrachten.

Afrika
... In enger Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten wird eine
republikanische Regierung danach trachten, den Ländern Afrikas mit unserer
Präsenz, unseren Märkten, unserem Wissen und unseren Investitionen beizustehen. Wir werden auf die Schaffung eines Klimas der wirtschaftlichen
und politischen Entwicklung und des Vertrauens hinarbeiten. Wir werden
die Geschäftswelt dazu ermutigen und ihr dabei behilflich sein, eine
wichtige Rolle bei der Unterstützung regionaler industrieller Entwicklungsprogramme, Förderanlagen für Mineralien und landwirtschaftlicher Selbstversorgung zu spielen,„„
Eine republikanische Regierung wird eine Politik verfolgen, die die
vielfältigen Ursprünge der Konflikte in Afrika widerspiegelt, die unser
Wissen darum demonstriert, wo die amerikanischen Interessen liegen, und
die diese Interessen auf sinnvolle Weise unterstützt. Wir werden die
bedeutsame Rolle der wirtschaftlichen und militärischen Beistandstrogramme
anerkennen und werden umfangreiche Hilfsmittel zur Verfügung stellen, um
der Entwicklung und der Stabilität in Afrika beizustehen, wenn eine solche
Hilfe auf bilateraler Grundlage gegeben wird und direkt zu amerikanischen
Interessen auf dem Kontinent beiträgt.
Im

- 19 -

�Im südlichen Afrika muß eine amerikanische Politik von gesundem
Menschenverstand und von unseren eigenen humanitären Prinzipien geleitet
werden.

Wir Republikaner glauben, daß unsere eigene Geschichte für

Afrika dadurch Bedeutung hat, daß sie nachweist, daß eine vielrassige
Gesellschaft mit Garantien für individuelle Rechte möglich ist und
funktionieren kann.

Wir müssen gegenüber allen Parteien offen und hilfreich

sein - gleichgültig, ob im neuen Simbabwe, in Namibia oder in der Republik
Südafrika.

Eine republikanische Regierung wird keine Situationen oder

Verfassungen unterstützen - in welcher Gesellschaft auch immer -, die ihrem
Zweck oder ihrer Wirkung nach rassistisch sind.

Sie wird keine Wunder

erwarten, wird aber darauf drängen, daß es echten Fortschritt auf Ziele
hin gibt, die in Einklang mit den amerikanischen Idealen stehen.

Auslandshilfe und regionale Sicherheit
Die Vereinigten Staaten haben seit vier Jahrzehnten Auslandshilfe
und regionale Sicherheit als eines der wesentlichsten Elemente in ihre
Außenpolitik eingebunden. Angemessen verwaltet und ausgerichtet, kann die
Auslandshilfe ein wirkungsvolles Mittel zur Förderung der Zielsetzungen
amerikanischer Außenpolitik sein und der Erhöhung der amerikanischen Sicherheit
dienen, indem sie befreundeten Staaten dabei hilft, stärker und fähiger zu
werden, sich selbst und ihr Umfeld gegen ausländische Sib/ersion und
Angriffe zu verteidigen.
Die Bedrohung, der die einzelnen Staaten der Dritten Welt ausgesetzt
sind, ist weit größer, als daß sie sich ihr allein und einzeln stellen
könnten. Eine republikanische Regierung wird sich darum beirühen, regionale
Sicherheitsübereinkommen zwischen solchen Staaten zu unterstützen und zu
stärken, die bereit sind, die Last ihrer Verteidiugng auf sich zu nehmen.
Programme
- 20 -

�Programme der amerikanischen Auslandshilfe sollten nicht mehr länger
versuchen, die Übernahme amerikanischer Regierungsformen aufzuzwingen.
Die wesentliche Überlegung sollte sein, ob Hilfeleistung an einen Staat
oder eine Gruppe von Staaten Amerikas Interessen und Zielsetzungen fördert.
Der zielbewußte Versuch, amerikanische Werte und Demokratieverständnis
aufzuzwingen, hat verschiedene befreundete Staaten untergraben und in den
vergangenen vier Jahren das Vordringen sowjetischer Interessen in Asien,
im Mittleren Osten, Afrika und in der westlichen Hemisphäre ermöglicht.
Die Wirtschaftshilfe Amerikas im Ausland ist kein mildtätiges Unternehmen; Wohtätigkeit wird am wirkungsvollsten von privaten Körperschaften
ausgeübt. Stets wurde die Armut allein durch private Wirtschaftsentwicklung
und durch die Menschen der betroffenen Staaten Liberwunden. Die amerikanische
Wirtschaftshilfe im Ausland sollte vielmehr einen katalytischen Effekt auf
die eigenständige wirtschaftliche Entwicklung haben und nur dann gewährt
werden, wenn sie im Einklang mit den außenpolitischen Interessen Amerikas
steht. Die amerikanischen Hilfsprogramme im Ausland sollten ein Mittel
sein, um die amerikanischen Wertvorstellungen zu exportieren.
Eine republikanische Regierung wird bilaterale Hilfsprogramme betonen,
wo immer dies möglich ist. Bilaterale Programme bieten die beste Gewähr
dafür, daß Hilfsprogramme dem amerikanischen Steuerzahler gegenüber eindeutig
erklärbar sind und in völligem Einklang mit unseren außenpolitischen
Interessen stehen.
Das Bemühen der Regierung Carter, die Rolle der amerikanischen
Militärhilfe und der militärischen Verkäufe ins Ausland in unserer Außenpolitik zu vermindern, hat mehrere negative Auswirkungen gezeitigt:
Viele Tausende von amerikanischen Arbeitsplätzen gingen ans Ausland
verloren, indem die Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich Lieferaufträge übernommen haben, die den amerikanischen Herstellern verboten waren;

- 21 -

�waren;
es hat die Fähigkeit befreundeter Staaten verringert, ihre Unabhängigkeit gegenüh2r von den Sowjets unterstützter Subversion zu verteidigen was in mehreren Fällen zu niederträchtigen Machtübernahmen durch offen
prosowjetische Regime geführt hat; und
es hat das Gewebe der amerikanischen Bündnisstruktur geschwächt, weil
dadurch die Vereinigten Staaten als unzuverlässiger Verbündeter erschienen ein Trend, der nur zu dem unerwünschten Versuch des Erwerbs eigener Kernwaffen durch Staaten führen kann, die um ihre Sicherheit besorgt sind.
Entscheidungen über die Vergabe von Militärhilfe sollten auf der
Grundlage der au3enpolitischen Zielsetzungen der Vereinigten Staaten
gefällt werden.

Solcher Beistand an Staaten muß nicht unbedingt gänzliche

Zustimmung zur Innenpolitik einer Regierung beinhalten.

Die Republikaner

verpflichten sich zur Stärkung der Auslandspräsenz Amerikas durch wohlüberlegte Programme der Militärhilfe, um die nationale und regionale
Sicherheit zu fördern...

Welthandel und Wirtschaftspolitik
... Die Republikaner werden die internationale Wirtschaftspolitik
auf eine Weise betreiben, die den Wert des Dollar zu Hause und im Ausland
stabilisiert.
Die republikanische Partei ist der Überzeugung, daß die Vereinigten
Staaten eine aggressive Exportpolitik annehmen müssen. ,Zu lange schon
war unsere Handelspolitik darauf gerichtet, unseren ausländischen Handelspartnern zu helfen.

Wir müssen nunmehr die Vereinigten Staaten wieder au£

�auf die Weltkarte der Exporte zurückbringen.

Wir haben anderen Ländern

dabei geholfen, sich aus dem wirtschaftlichen Chaos nach dem Zweiten Weltkrieg zu ziehen; es ist Zeit, unsere eigene Krise in den Griff zu bekommen.
Handel - und insbesondere der Export - müssen auf der Liste unserer
nationalen Prioritäten ganz oben stehen.

Dorthin werden ihn die Republikaner

stellen und den Handel fördern, um die langfristige Gesundheit der
amerikanischen Wirtschaft zu sichern.
Exporte können eine Hauptrolle bei der Stärkung der amerikanischen
Wirtschaft, bei der Schaffung von Arbeitsplätzen und bei der Verbesserung
unseres Lebensstandards spielen.
... Die Förderung des Exports wird ein zentrales Ziel der Welthandelspolitik einer republikanischen Regierung sein.
Eine republikanische Regierung wird die Betonung auf eine Politik des
freien Handels legen, wird aber gleiches von unseren Handelspartnern
erwarten. Das Versagen der Regierung Carter, energisch solche Verhandlungen
zu verfolgen, die geeignet sind, um den Zugang der amerikanischen Exporte
zu den ausländischen Märkten zu verbessern, hat zum Teil zu der protektionistisehen Stimmung beigetragen.
Die Republikaner sind der Meinung, daß die internationale Handelsbilanz dieses Landes durch die Abschaffung der hemmenden Faktoren für unsere
Exporteure verbessert werden kann. Gesetzliche und regulative Erfordernisse,
die den Export behindern, sollten überprüft und, wo immer praktisch möglich,
beseitigt werden. Weiterhin sind wir der Ansicht, daß die Regierung eine
Rolle bei der Förderung des Welthandels spielen kann, indem sie Anreize
für Exporte bietet, besonders für die kleinen und die mittleren Unternehmen.
Wir verpflichten uns dazu, mit unseren Handelspartnern zusammenzuarbeiten,
um Exportzuschüsse und Dumping zu beseitigen.
+ + + + +

- 23 -

�Information

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23. Juli 1980

34

WISSENSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT MIT DER BUNDESREPUBLIK

- (AD) - Eine Vereinbarung über Zusammenarbeit in Grundlagenforschung und angewandter Forschung auf den Gebieten Natur- und Sozialwissenschaften, Mathematik und Ingenieurwissenschaften wurde zwischen der
Nationalen Wissenschaftsstiftung (National Science Foundation - NSF)
der Vereinigten Staaten und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
geschlossen. Das für fünf Jahre gültige Abkommen unterzeichneten Dr. Richard
G. Atkinson, der bisherige Direktor der NSF, und Dr. Carl Heinz Schiel,
Generalsekretär der DFG, in Washington am 24. Juni 1980. Die Max-PlanckGesellschaft und die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewdndten
Forschung sind in das neue Abkommen einbezogen. Vorgesehen sind gemeinsame
Forschungsprojekte, Austausch von Wissenschaftlern und Fachkräften, ferner
gemeinsame Seminare, Arbeitsgruppen und Tagungen.

+ + + ++

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34

23. Juli 1980

WECHSEL AN DER SPITZE DER NATIONAL SCIENCE FOUNDATION

- (AD) - Präsident Carter beabsichtigt, Dr. John B. Slaughter zum
neuen Direktor der Nationalen Wissenschaftsstiftung der USA (National
Science Foundation - NSF) zu berufen. Dr. Slaughter ist gegenwärtig
Akademischer Vizepräsident und Rektor der Staatsuniversität von Washington
in Pullman (Washington). Er ist als Nachfolger von Dr. Richard C. Atkinson
vorgesehen, der am 30. Juni 1980 ausschied, um Kanzler der Universität
Kalifornien in San Diego zu werden.
Dr. Slaughter, der bereits von 1977-79 die NSF-Abteilung für Astronomie,
Aeronomie, Geo- und Meeresforschung geleitet hatte, kam damals von der
Universität Washington in Seattle, wo er den Lehrstuhl für Elektrotechnik
inne hatte und als Direktor des Laboratoriums für angewandte Physik für
die Leitung und Organisation eines Forschungs- und Entwicklungsprogramms
für die marine und ökologische Forschung und Technik verantwortlich war.
Er initiierte neue Programme zur sparsamen Nutzung und Erschließung von
Energie- Rohstoffquellen sowie auf den Gebieten Geophysik, Akustik und
Biotechnik. Zuvor war Prof. Slaughter Chef des "Information Systems

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�Systems Department" des zentralen Elektroniklaboratoriums der US-Marine
(NELC) in San Diego. Mit einem Stab von Mitarbeitern entwickelte er die
modernen Kommunikations- und Kommandokontroll-Systeme der U.S. Marine.
Unter seiner Führung wurden außerdem neue Programme auf dem Gebiet der
biomedizinischen Technik zu Schwerpunktprogrammen ausgebaut.

Das NELC, in

dem Slaughter von 1960 - 1975 tätig war, nominierte ihn 1965 zum "Wissenschaftler des Jahres".
Dr. John Slaughter, der 1934 in Topeka (Kansas) geboren wurde, studierte
an der Staatsuniversitä't Kansas, an der Universität von Kalifornien in
Los Angeles sowie in San Diego, wo er mit einer Arbeit aus der Elektrotechnik zum Dr. pil. promovierte.

Seine wissenschaftliche Arbeit fand in

zahlreichen Veröffentlichungen ihren Niederschlag.

Seit 1977 ist Prof.

Slaughter Herausgeber der Fachzeitschrift "International Journal of
Computers and Electrica! Engineering".
Auf bildungspolitischem Gebiet engagierte sich Dr. Slaughter vor allem
für die Förderung von Angehörigen der Minderheitengruppen, um diesen den
Weg zur Laufbahn eines Forschers und Praktikers in den Natur- und IngenieurWissenschaften zu ebnen. Seit 1976 ist er Mitglied des "Komitees für Minderheiten" der "National Akademie für Ingenieurwissenschaften".
Dr. Donald Langenberg, der seit dem Ausscheiden Dr. Atkinsons die
"National Science Foundation" kommissarisch leitet, wurde nach der
Bestätigung durch den US-Senat offiziell das Amt des Stellvertretenden
NSF-Direktors übertragen. Er löste Dr. George C. Pimentel ab, der als
Direktor des Laboratoriums für chemische Biodynamik an die Universität
von Kalifornien in Berkeley zurückkehrte.
Dr. Langenberg, der als Physiker seit 1960 dem Lehrkörper der Universität
von Pennsylvanien angehört, war dort Direktor des Laboratoriums für die
Erforschung der Materiestruktur und in seiner Eigenschaft als Konrektor für

- 2 -

�für das Graduiertenstudium sowie für Forschung verantwortlich.

Als

Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der NSF, Mitglied der Nationalen
Forschungskommission und Berater der Abteilung Kältephysik des "National
Bureau of Standards" (Bundesamt für Normung und Materialforschung) hatte
er bereits wichtige Funktionen in Regierungsinstitutionen wahrgenommen.
Er gilt als "Experte für die Physik der kondensierten Materie bei tiefen
Temperaturen", wie Dr. Lewis M. Branscomb, der Vorsitzende des Nationalen
Wissenschaftsrates der USA, hervorhob.

Die Ergebnisse seiner Forschung

finden bereits praktische Anwendung in der Supraleitertechnik und auf anderen
Gebieten.

+ + + + +

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�I a

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23. Juli 1980

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VELA-SIGNAL: KERNEXPLOSION UNWARHSCHEINLICH
Bericht einer amerikanischen Wissenschaftlergruppe

- (AD) - Das von einem amerikanischen VELA-Satelliten im September
1979 erfaßte Lichtphä'nomen stammte "vermutlich nicht von einer Kernwaffenexplosion". Zu diesem Ergebnis kam ein vom Weißen Haus bestelltes Gremium
von neun unabhängigen Wissenschaftlern, deren Bericht am 15. Juli 1980
veröffentlicht wurde. Ihre Schlußfolgerung steht im Widerspruch zu der am
gleichen Tag herausgegebenen Mitteilung des amerikanischen Verteidigungsministeriums, in der es heißt, bei dem "Vorkommnis" ("event") habe es
sich wahrscheinlich um eine Kernwaffenexplosion im Sudatlantik gehandelt.
Die neun Wissenschaftler - unter ihnen Physiknobelpreisträger
Dr. Luis Alvarez (Universität Kalifornien in Berkeley), Dr. Riccardo
Giaconni (Harvard-Smithsonian-Institut für Astrophysik), Dr. Jack Ruina
(Massachusetts Institute of Technology) und Prof. Wolfgang Panofsky
(Leiter des Linearbeschleunigerlaboratoriums der Stanford-Universität)
werteten in den letzten 10 Monaten alle verfügbaren Daten aus, um die
Frage zu klären, ob es sich bei dem am 22. September 1979 registrierten

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�registrierten Lichtblitz um eine nukleare Explosion gehandelt haben könne
oder nicht.

VELA-Satelliten die die Erde in großer Höhe umkreisen, sind

mit speziellen BeobachtungsInstrumenten zur Ermittlung von Kernwaffenexplosionen ausgerüstet.
Nach Auffassung des Wissenschaftlergremiums unterschied sich das
"Vorkommnis" vom 22. September 1979 von allen durch VELA-Satelliten in
den letzten zehn Jahren registrierten Kernexplosionen in einem ganz
wesentlichen Punkt - nämlich in der Lichtintensität, die von den zwei
Detektoren an Bord des Überwachungsgeräts gemessen wurde.

Sie entsprach

nicht der Intensität, "die bei einer nuklearen Explosion nahe der Erdoberfläche zu erwarten ist...

Ein derart anomales Verhalten wurde

bei

Bhangmeter-Daten (d.h. Detektor-Meßdaten) von früheren Nuklearexplosionen
niemals beobachtet.

Somit weicht das Vorkommnis vom 22. September, auch

wenn es viele Merkmale von nuklearen Signalen enthält, in einem ganz
wesentlichen Punkt davon ab".
Die Wissenschaftler verglichen das "event" vom 22. September mit
allen bekannt gewordenen nuklearen Detonationen. Zwar seien, so heißt
es in dem Bericht, einige ihrer Merkmale, u.a. ein typisches "Doppelmaximum", zu erkennen, jedoch enthielten die Daten so viele widersprüchliche
Charakteristika, daß ernsthaft bezweifelt werden müsse, daß das Signal von
einer nuklearen Explosion herrührte. Auch mit Tausenden anderer von
VELA-Satelliten registrierten "Vorkommnissen" wurden die in Frage stehenden
Signale verglichen - u.a. mit astronomischen Phänomenen, gewöhnlichen
Blitzen, Superblitzen, Reflexion von Sonnenlicht durch andere Satelliten,
Sonnenlichtreflexion durch Meteoriten in Nähe des VELA-Satelliten und
Sonnenlichtreflexion durch Partikel, die bei Kollisionen von Meteoriten
mit dem Fluggerät aus diesem herausgeschlagen wurden.
Das letztgenannte Ereignis könnte nach Meinung der Wissenschaftler
Ursache für das Lichtphänomen mit den gemessenen Lichtintensitäten am

- 2 -

�am nächsten kommen.

Denn im Verlauf der Untersuchung stellte sich heraus,

daß früher nicht erklärbare Lichtblitze - ähnlich denen, die der VELASatellit registriert hatte - von der Sonde PIONIER 10 auf ihrem Weg zum
Planeten Jupiter beim Passieren des Asteroidengürtels registriert worden
waren.

Der Asteroidengürtel ist ein Ring aus Staub und Gesteinsbrocken

zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter auf ihrem Weg um die Sonne.
Meteoriten-Detektoren an Bord der PIONIER-Sonde registrierten Kollisionen
mit Staubpartikeln, die mit gleichzeitig erfaßten Lichtblitzen in Zusammenhang gebracht werden konnten. Mit einer Kollision dieser Art ist
Berechnungen zufolge bei einem VELA-Satelliten im Durchschnitt einmal in
zehn Jahren zu rechnen.
Die Forschergruppe berichtete ferner, daß weltweit geführte Untersuchungen keinen Hinweis erbracht hätten, der die Hypothese einer Nuklearexplosion hätte stützen können. Es wurden weder radioaktive Niederschläge
noch seismische Signale oder irgendwelche andere Daten beobachtet, die
gewöhnlich mit derartigen Detonationen einhergehen.

+ + + + +

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und Technik
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34

23. Juli 1980

KOHLEREINIGUNG AUF MAGNETISCHEM WEGE

- (AD) - Die Kohle erfährt ein massives Comeback - gibt sie doch
die Möglichkeit, einen Ersatz für das ständig teurer werdende Importöl
zu schaffen. Aber Kohle ist "schmutzig". Deshalb äußern Umweltschützer
auch erhebliche Bedenken gegen den Ausbau der Kohlenutzung, sofern der
zusätzlichen Belastung nicht durch verbesserte Filter- und Reinigungsverfahren begegnet wird.
Einen neuen Weg beschritten Wissenschaftler des Kernforschungsinstituts "Oak Ridge National Laboratory" mit dem Versuch, Schadstoffpartikel aus trockener, fein gemahlener Kohle magnetisch abzuscheiden.
Im gegenwärtigen Stadium der Erprobung des neuen Verfahrens ist bereits
anzunehmen, daß es auch im großtechnischen Rahmen durchführbar ist. Es
war möglich, mehr als 60 Prozent derasche-und schwefelhaltigen Mineralien
aus der Kohle herauszuholen, deren Heizwert zu mehr als 90 Prozent
erhalten blieb.

Das

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�Das Oak-Ridge-Verfahren gilt als Alternative zum gegenwärtig angewandten Naßreinigungsprozeß fein gemahlener Kohle. Der Trockenprozeß
basiert auf der Tatsache, daß anorganische (kohlenstoff-freie) Beimengungen
von Kohle von Magnetkräften angezogen werden, während rein organische Kohle
abgestoßen wird.

Die Trennapparatur besteht im wesentlichen aus einer

Serie von Behältern, die die fein gemahlene Kohle über Drahtnetze führen.
Die Netze, die wie Siebe wirken, sind magnetisiert.

Die Beimengungen

bleiben darin hängen, die Kohle dagegen fällt durch und wird auf diese
Weise abgetrennt.

Angrenzend an ein Kohlekraftwerk, in dem Heizverfahren

nach der neuesten Technik angewandt werden, soll nach Abschlußder Testserien eine Trennungsanlage gebaut werden, um dort das Verfahren unter
Industriebedingungen zu erproben.

+ + + + +

- 2 -

[

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23. Juli 1980

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US-KREBSINSTITUT TESTET LAETRIL

- (AD) - Unter der Leitung des Nationalen Krebsinstituts (NCI) der
Vereinigten Staaten begannen Anfang Juli 1980 erste klinische Tests
zur Klärung der Frage, ob das umstrittene Präparat Laetril ("Amygdalin"
ist die chemische Bezeichnung) in der Krebstherapie eingesetzt werden kann.
Entsprechende Versuche werden an vier amerikanischen Krebsforschungsinstituten durchgeführt, und zwar an der Mayo-Klinik in Rochester
(Minnesota) von Dr. Charles Moertel, am Memorial Sloan-Kettering Cancer
Center (New York) von Dr. Charles Young, am Jonsson Cancer Center der
Universität Kalifornien in Los Angeles von Dr. Gregory Sarna und am Health
Sciences Center der Universität Arizona in Tuscon von Dr. Stephen Jones.
In die vorläufig auf zwei Jahre befristete Studie werden etwa
200 Krebspatienten einbezogen, bei denen bisher keine andere Therapie
ansprach. Sie erhalten Laetril zusammen mit einer Spezialdiät und
Vitaminpräparaten. Amygdalin ist eine aus Pflanzen gewonnene Verbindung,
die Cyanwasserstoff freisetzen kann, wenn im Körper das Molekül aufgebrochen wird. Die Substanz ist beispielsweise in den Kernen von bitteren

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�bitteren Mandeln, von Aprikosen, Pfirsichen und Pflaumen enthalten.
Bevor die FDA (US-Bundesamt für Nahrungs- und Arzneimittel) die
Durchführung von Wirksamkeitstests mit Laetril genehmigte, mußte geprüft
werden, unter welchen Voraussetzungen mit möglichen toxischen Wirkungen
von Laetril zu rechnen ist.
statt.

Diese Untersuchungen fanden an der Mayo-Klinik

Dabei zeigte sich erneut, wie bereits in einer früheren Einzel-

studie f\ Kalifornien ermittelt, daß der Genuß roher Mandeln in unverhältnismäßig großer Menge Vergiftungserscheinungen auslöst.

Mandeln

scheinen, wenn sie während einer Laetril-Behandlung verzehrt werden,
die Cyanid-FreiSetzung anzuregen und mengenmäßig zu fördern.
In einer weiteren klinischen Studie, die in Kürze beginnt, soll
Laetril daraufhin getestet werden, ob durch das Präparat bei Krebskranken
bestimmte Symptome, z.B. Schmerzen, gemildert werden können

und ob das

Präparat Patienten, bei denen andere Therapiemöglichkeiten versagen,
hilft, mit den alltäglichen Dingen besser fertigzuwerden.

+ + + + +

- 2 -

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1

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24. Juli 1980

\

VEREINIGTE STAATEN BESORGT ÜBER MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN IN BOLIVIEN
- Erklärung des Sprechers des amerikanischen Außenministeriums -

t

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�WASHINGTON

- (AD) - John Trvttner, der Sprecher des amerikanischen

Außenministeriums, verlas am 23. Juli 1980 eine Sondererklärung, in der
die militärische Führung Boliviens aufgefordert wird, die Menschenrechte
in diesem Land zu respektieren und warnte, daß die Vereinigten Staaten
die laufenden Wirtschaftsprogramme mit Bolivien wesentlich reduzieren
könnten.
Die Erklärung des Außenministeriums hat folgenden Wortlaut:
Das Außenministerium ist weiterhin zutiefst besorgt über den Coup
vom 17. Juli und die darauffolgenden Entwicklungen in Bolivien. Wir
sind besonders beunruhigt über Berichte, die uns durch eine Anzahl zuverlässiger Quellen zugegangen sind, von weit verbreiteten, ja brutalen
Verletzungen der Menschenrechte, die diesen Berichten zufolge von den
bolivianischen Streitkräften in ihrer Operationszentrale in den MirafloresKasernen von La Paz begangen werden» Es heißt, daß häufiges und brutales
Schlagen, Folter und die Verweigerung notwendiger medizinischer Versorgung
üblich sind. Wir verfügen über Berichte, wonach Hunderte von Menschen
an verschiedenen Orten im ganzen Land gefangengehalten werden. Diese
Berichte beschäftigen uns zutiefst. Wir drängen nachhaltig darauf, daß
die Rechte aller Bolivianer respektiert werden und die Führung des
bolivianischen Militärs sicherstellt, daß diese Verletzungen der Menschenrechte aufhören - wannimmer und woimmer sie sich ereignen mögen.
Wir setzen unsere Konsultationen mit einer Reihe betroffener
Regierungen über die Lage in Bolivien fort. Wir haben betont, daß wir
diesen Coup des bolivianischen Militärs, die Unterbrechung des demokratischen
Prozesses und die begleitende Gewalttätigkeit bedauern» Die Andenstaaten
haben ein Treffen des Ständigen Rates der Organisation amerikanischer
Staaten (OAS) gefordert, das für den 24. Juli angesetzt worden ist, mit
dem Ziel, die Situation der Menschenrechte in Bolivien zu überprüfen.
Wir unterstützen diese Initiative und werden in vollem Umfang an den

- 1-

�den Beratungen dieses Treffens teilnehmen.
Wie angekündigt, haben wir jedwede militärische Hilfe sowie jede
weitere Verpflichtung zu Wirtschaftshilfe suspendiert und Botschafter Weissman
zu Konsultationen zurückgerufen.

Wir sind derzeit mit einer umfassenden

Überprüfung aller laufenden amerikanischen Programme in Bolivien beschäftigt,
was durchaus zu einer deutlichen Reduzierung dieser Programme führen
könnte, mit Ausnahme der von Care und anderen freiwilligen Privatorganisationen
durchgeführten humanitären Programme.

Diese Überprüfung der amerikanischen

Programme läuft und wir erwarten, daß wir hierzu etwa im Lauf der nächsten
Woche Ergebnisse vorlegen können.

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

31
I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

35

30. J u l i 1980

&lt;N

I N H A L T

INFORMATION
USA ergreifen weitreichende Maßnahmen gegen Putsch in Bolivien
- Erklärung von Außenminister Muskie -

DOKUMENTATION
Carter: Entschlossenes Handeln notwendig
- Erklärung des Präsidenten zum Bericht "Die Welt im Jahre 2000'
"Die Welt im Jahre 2000"
- Ergebnisse und Schlußfolgerungen des "Global 2000 Report"
Mondale e_rl_äutert Afrika-Politik der USA
- Ansprache des amerikanischen Vizepräsidenten in Nigeria -

HINTERGRUNDMATERIAL
US-Delegierter hofft auf Einigung auf der Genfer Seerechtskonferenz
- Wortlaut eines USICA-Interviews mit Botschafter Richardson -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Information

i 3

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30. Juli 1980

35

USA ERGREIFEN WEITREICHENDE MASSNAHMEN GEGEN PUTSCH IN BOLIVIEN
- Erklärung von Außenminister Muskie -

WASHINGTON

- (AD) - Die Vereinigten Staaten haben am 25. Juli 1980

weitere weitreichende Maßnahmen gegen den Militärputsch in Bolivien ergriffen.

Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie teilte in einer

Erklärung mit, daß die USA ihre Militärberatergruppe aus Bolivien zurückziehen, ihr Botschaftspersonal in La Paz wesentlich verringern und alle
wirtschaftlichen Hilfsprojekte einstellen würden.
Bereits am 23. Juli hatte das amerikanische Außenministerium in
einer Erklärung die militärische Führung Boliviens aufgefordert, die
Menschenrechte in diesem Lande zu respektieren, und davor gewarnt, daß
die Vereinigten Staaten ihre laufenden Wirtschaftsprogramme mit Bolivien
wesentlich reduzieren könnten.
Außenminister Muskie hatte seine Erklärung persönlich vor der
Presse verlesen, um den Ernst der amerikanischen Besorgnis über den
Rückschlag für die Demokratie in Bolivien zu unterstreichen. Die Militär-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�.•

'

Militärberatergruppe der USA in Bolivien setzt sich aus sechs Mann
militärischem Personal und zwei Angestellten des amerikanischen Verteidigungsministeriums zusammen.

Zum gegenwärtigen Stab der amerikanischen

Botschaft gehören 112 Personen,
Ein Vertreter des State Department teilte in diesem Zusammenhang mit,
daß bisher noch kein Datum für die Rückkehr von US-Botschafter Weismann
nach La Paz festgesetzt worden sei. Er gab ferner bekannt, daß sich in
der amerikanischen Botschaft in der bolivianischen Hauptstadt kein
Asyl suchender befinde.
Die Mitteilung des amerikanischen Außenministers erfolgte zu einem
Zeitpunkt, da der Rat der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS)
in Washington tagt, um über eine Resolution zu beraten, in der der Putsch
in Bolivien verurteilt wird.
Die Erklärung, die Außenminister Muskie vor der Presse verlas, hat
folgenden Wortlaut:
"Wir sind zutiefst besorgt über den Putsch in Bolivien und die sich
daran anschließenden Entwicklungen. Der demokratische Prozeß Boliviens
ist stark gehemmt worden. Der Wille des bolivianischen Volkes, der bei
den kürzlichen Wahlen frei zum Ausdruck kam, ist in flagranter Weise
verletzt worden. Wir bedauern diese Maßnahmen. Wir sind der Überzeugung,
daß der demokratische Prozeß wiederaufgenommen werden und der Wunsch des
bolivianischen Volkes zum Ausdruck kommen sollte. Wir bedauern ferner die
Verletzung der Rechte von hunderten von politischen, religiösen und gewerkschaftlichen Führern, die von dem neuen Regime festgehalten werden.
Wir stehen mit anderen Ländern in Konsultationen. Unsere Auffassungen
werden sowohl in der westlichen Hemisphäre als auch anderswo auf der Welt
weitgehend geteilt. Am bemerkenswertesten dabei ist, daß die Anden-Staaten d_i_e

- 2 -

�die Initiative ergriffen haben, um die Situation in Bolivien vor die
Organisation der Amerikanischen Staaten zu bringen.

Mit allem Nachdruck

unterstützen wir diese Initiative.
Wir unsererseits haben verschiedene Schritte ergriffen, um unsere
Besorgnisse über die Entwicklungen in Bolivien zu unterstreichen. Wir
haben unsere Militärhilfe eingestellt. Wir sind keine neuen Verpflichtungen
hinsichtlich der Wirtschaftshilfe eingegangen. Wir haben unseren Botschafter
zu Konsultationen zurückberufen.
Wir haben heute die Entscheidung getroffen, unsere Militärgruppe
aus Bolivien abzuziehen und unser Botschaftspersonal wesentlich zu reduzieren.
Darüber hinaus haben wir unsere gegenwärtigen Wirtschaftshilfsprogramme
im Hinblick auf wesentliche Kürzungen überprüft. Ich habe heute die
Einstellung aller Projekte der Wirtschaftshilfe angeordnet, wo dies unter
den bestehenden Abkommen nur immer möglich ist. Die einzige Ausnahme
bilden die Programme der humanitären Unterstützung, wie NahrungsmittelProgramme, die von privaten freiwilligen Stellen durchgeführt werden.
Diese Maßnahmen sollen den Ernst unserer Besorgnisse über die Situation
in Bolivien unterstreichen. Die Vereinigten Staaten können diesen Versuch,
den Willen des bolivianischen Volkes zu vereiteln, nicht unterstützen.
Sein Weg, in Richtung auf eine stabile demokratische Herrschaft war nicht
einfach. Aber das Volk hatte sein Bestreben, diesen Weg zu verfolgen,
unter Beweis gestellt. Wir verurteilen diesen Versuch, das Volk zu zwingen,
die Uhr zurückzudrehen."
In der am 23. Juli veröffentlichten Erklärung des State Department
hatte es unter anderem hinsichtlich der Verletzung der Menschenrechte in
Bolivien geheißen:
Das
- 3 -

�"... Das Außenministerium ist weiterhin zutiefst besorgt über den
Putsch vom 17. Juli und die darauffolgenden Entwicklungen in Bolivien.
Wir sind besonders beunruhigt über Berichte, die uns durch eine Anzahl zuverlässiger Quellen zugegangen sind, von weit verbreiteten, ja brutalen
Verletzungen der Menschenrechte, die diesen Berichten zufolge von den
bolivianischen Streitkräften in ihrer Operationszentrale in den Miraflores-Kasernen von La Paz begangen werden.

Es heißt, daß häufiges und

brutales Schlagen, Folter und die Verweigerung notwendiger medizinischer
Versorgung üblich sind.

Wir verfügen über Berichte, wonach Hunderte von

Meischen an verschiedenen Orten im ganzen Land gefangengehalten werden.
Diese Berichte beschäftigen uns zutiefst.

Wir drängen nachhaltig darauf,

daß die Rechte aller Bolivianer respektiert werden und die Führung des
bolivianischen Militärs sicherstellt, daß diese Verletzungen der Menschenrechte aufhören - wann immer und wo immer sie sich ereignen mögen..."

+ + + + +

�Dokumentation

I 3

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35

30. Juli 1980

CARTER:

ENTSCHLOSSENES HANDELN NOTWENDIG

Erklärung des Präsidenten zum Bericht "Die Welt im Jahre 2000"

WASHINGTON - (AD) - Jimmy Carter hat die USA und alle Länder zu
einem entschlossenen Handeln aufgefordert, um die großen Zukunftsaufgaben
zu bewältigen.

Der Präsident hatte amerikanische Regierungsstellen kurz

nach seiner Amtsübernahme angewiesen, einen zukunftsweisenden Bericht
über die Entwicklung der Welt bis zum Jahre 2000 auszuarbeiten, der unter
dem Titel "The Global 2000 Report to the President" am 24. Juli 1980
veröffentlicht wurde.
Die Erklärung des Präsidenten zu dem Bericht hat folgenden Wortlaut:
Kurz nach meiner Amtsübernahme im Jahre 1977 habe ich den Rat für
Umweltqualität, das Außenministerium und andere Regierungsbehörden
angewiesen, eine Studie über die tiefgreifenden Veränderungen zu erstellen, die im Hinblick auf unsere Weltbevölkerung, die natürlichen
Ressourcen und die Umwelt bis zum Ende dieses Jahrhunderts stattfinden
könnten.
Noch

Postfach 20 03 OO Tel: 0228-89 32 40
D5300 Bonn 2
T e | e X : 08-85432

�Noch nie zuvor hat unsere Regierung oder irgendeine Regierung versucht, einen so umfassenden, langfristigen Ausblick auf mit einander in
Zusammenhang stehenden Fragen, wie Weltbevölkerung, Landwirtschaft,
Wasserwirtschaft, Forstwirtschaft, Energiebedarf und die gesamte Umweltqualität der Erde zu geben, auf der wir leben»
Die Studie "Die Welt im Jahre 2000" ist jetzt abgeschlossen.

Ihr

Bericht projiziert die Bedingungen auf der Erde, die sich bis Ende
dieses Jahrhunderts entwickeln könnten, wobei sie davon ausgeht, daß
die gegenwärtigen Trends und Verhaltensweisen in der ganzen Welt anhalten.
Viele der Ergebnisse des Berichtes müssen für uns alle Anlaß zu großer
Sorge sein. Diese Ergebnisse zeigen Entwicklungen bezüglich der Bevölkerung und der Ressourcen der Welt auf, die wir beheben können, wenn
wir ihnen sofort Beachtung schenken. Wir werden die Informationen des
Berichtes "Die Welt im Jahre 2000" dazu benutzen, unsere öffentliche
Politik wo immer möglich danach auszurichten.

Darüber hinaus müssen wir

die ernsten aufgeworfenen Fragen weiterhin analysieren«
Es ist wichtig zu begreifen, daß die in dem Bericht projizierten
Bedingungen keineswegs unausweichlich sind.

Diese Projektionen sollten

und können vielmehr rechtzeitige Warnungen sein, die die Länder der Welt
auf die Notwendigkeit eines nachhaltigen und entschlossenen Handelns
auf nationaler und internationaler Ebene hinweisen.
Die Vereinigten Staaten stehen in ihrer Antwort auf Fragen der
Weltbevölkerung, der natürlichen Ressourcen und der Umwelt nicht allein.
Die Erklärung auf dem kürzlichen Gipfeltreffen in Venedig verpflichtete
die westlichen Industrieländer zur Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern in der Bewältigung der weltweiten Ernährungs-, Energie- und
Bevölkerungsprobleme. Die auf dem Gipfeltreffen vertretenen Länder kamen
über die Notwendigkeit eines besseren Verständnisses für die Auswirkungen
der Verfügbarkeit von Ressourcen und des Bevölkerungswachstums auf die

�die wirtschaftliche Entwicklung überein.

In den Vereinten Nationen

werden viele der in dem Bericht "Die Welt im Jahre 2000" angeschnittenen
Grundprobleme bei der Formulierung einer neuen internationalen Entwicklungsstrategie herangezogen.
Eine Reihe amerikanischer und internationaler Antworten auf kritische
weltweite Fragen ist bereits im Gange, So hat beispielsweise unsere
Regierung seit der Konferenz der Vereinten Nationen über die menschliche
Umwelt im Jahre 1972 aktiv zu ener Reihe von Weltkonferenzen über diese
Fragen und die Folgetätigkeiten beigetragen.
Trotzdem bin ich wegen der Bedeutung, des Umfangs und der Vielfalt
der in dem Bericht aufgezeigten Aufgaben der Auffassung, daß Amerika
eine besondere Führung bei der Inangriffnahme weltweiter Bedingungen
übernehmen muß. Ich ernenne daher heute eine Präsidial-Arbeitsgruppe
für weltweite Ressourcen und Umwelt, deren Vorsitz der Vorsitzende des
Rates für Umweltqualität übernimmt und der der Außenminister, der Berater
des Präsidenten für innenpolitische Angelegenheiten, der Direktor des
Amtes für Wissenschafts- und Technologiepolitik sowie der Direktor des
Amtes für Verwaltung und Haushalt angehören. Die Arbeitsgruppe wird mir
so bald wie möglich mit Empfehlungen für Maßnahmen auf Problemgebieten
berichten, die vorrangige Aufmerksamkeit erfordern. Ich weise andere
Bundesbehörden an, mit der Arbeitsgruppe zusammenzuarbeiten.
Ich weise ferner das Außenministerium an, die in dem Bericht "Die
Welt im Jahre 2000" aufgezeigten Fragen und Probleme in allen geeigneten
internationalen Zusammenkünften anzuschneiden, und ich werde sie auch
selbst anschneiden. So habe ich beispielsweise in meiner zweiten Umweltbotschaft vom August vorigen Jahres meiner Besorgnis über den Verlust
tropischer Wälder Ausdruck veHiehen, Als Sofortmaßnahme für dieses
kritische Problem weise ich alle zuständigen Bundesbehörden an, innerhalb
von 60 Tagen auf den Bericht der interministeriellen Arbeitsgruppe für

- 3 -

�für tropische Wälder, der mir im vorigen Monat vorgelegt wurde, zu antworten.

In ihren Antworten werden die Bundesstellen im Detail die Schritte

darlegen, die sie unternehmen werden, um die Empfehlungen des Berichtes
zu verwirklichen.

Nach Eingang dieser Berichte wird die interministerielle

Arbeitsgruppe für tropische Wälder als ein Organ der Präsidialarbeitsgruppe
für weltweite Ressourcen und Umwelt arbeiten. Und schließlich ersuche ich
die Kommission für die achtziger Jahre, diesen weltweiten Problemen
sorgfältige Aufmerksamkeit zu schenken.
In unserem 20. Jahrhundert bleiben uns noch weniger als zwanzig
Jahre.

Jetzt ist die Zeit, auf die Welt zu blicken, die wir im Jahre

2000 haben und künftigen Generationen hinterlassen wollen.

Es ist meine

feste Oberzeugung, daß wir eine Zukunft aufbauen können, in der alle
Menschen ein volles, anständiges Leben in Harmonie mit einem gesunden
und bewohnbaren Planeten leben können. Und ich bin ebenso überzeugt,
daß die Fähigkeiten, die Erfahrung, der Weitblick und der Mut des amerikanischen Volkes heute die Vereinigten Staaten zu einem natürlichen Führer
machen, wenn es gilt, den Kurs der Menschheit zu einer besseren Welt von
morgen abzustecken und zu steuern.

�3
3

Dokumentation
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30. Juli 1980

35

"DIE WELT IM JAHRE 2000"
Ergebnisse und Schlußfolgerungen des "Global 2000 Report"

WASHINGTON - (AD) - Die von Präsident Carter 1977 angeregte
Studie über die Lage im Jahr 2000, die unter der Federführung des Außenministeriums und des Rates für Umweltqualität (Council on Environmental
Quality) erarbeitet wurde, ist am 24. Juli 1980 in Washington vorgelegt
worden. Der Bericht kommt zu der Schlußfolgerung, daß - abgesehen von
umwälzenden Fortschritten in der Technologie das Leben für die meisten
Menschen auf der Erde im Jahr 2000 schwieriger sein wird, als es derzeit
ist.
Nachstehend geben wir den Wortlaut des Kapitels "Wesentliche Ergebnisse und Schlußfolgerungen" des Berichts wieder.
Wenn die gegenwärtigen Trends anhalten, wird die Welt im Jahr 2000
dichtbesiedelter, verschmutzter, ökologisch instabiler und gegenüber
Zersetzungsprozessen anfälliger sein als die Welt, in der wir derzeit
leben. Starke Spannungen hinsichtlich Bevölkerung, Ressourcen und Umwelt

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Tel: 0228-89 32 40
T e | e x : 08-85432

�Umwelt sind deutlich erkennbar.

Trotz höherer materieller Produktion

werden die Menschen dieser Welt in vieler Hinsicht ärmer sein, als sie
es heute sind.
Für Hunderte Millionen der erschreckend Armen wird die Aussicht
auf Nahrungsmittel und andere Lebensnotwendigkeiten keineswegs besser
sein; für viele sogar noch schlechter.

Abgesehen von umwälzenden Fort-

schritten in der Technologie wird das Leben für die meisten Menschen auf
der Erde im Jahr 2000 schwieriger sein, als es derzeit ist, solange die
Staaten dieser Welt nicht entschlossen handeln, um die gegenwärtigen
Trends umzukehren.
Dies ist im wesentlichen das Bild, das sich aus den Projektionen
der amerikanischen Regierung über wahrscheinliche Veränderungen bei
Weltbevölkerung, Ressourcen und Umweltbedingungen gegen Ende des Jahrhunderts ergibt, wie sie in der Global 2000 Studie dargelegt werden.
Es wird nicht vorhergesagt, was geschehen wird.

Vielmehr werden Be-

dingungen vorgeführt, die sich wahrscheinlich so weiterentwickeln werden,
wenn es keine Änderungen in der öffentlichen Politik, den Institutionen
und der Beschleunigung des technologischen Fortschritts und wenn es
keine Kriege oder andere tiefgreifende Veränderungen gibt.

Eine sorg-

fältigere Bewußtwerdung der Natur der derzeitigen Entwicklungsrichtungen
könnte indessen Änderungen hervorrufen, die diese Trends umkehren und mit
ihnen die projizierten Ergebnisse.
.-.

Die wesentlichen Ergebnisse
Der rasche Anstieg der Weltbevölkerung wird sich bis zum Jahr 2000
kaum verändern.

Die Weltbevölkerung wird von 3 Milliarden im Jahr 1975

auf 6,350 Milliarden im Jahr 2000 ansteigen - ein Zuwachs um mehr aU.

- 2 -

�als 50 Prozent.

Die Zuwachsrate wird nur unmerklich abnehmen: von 1,8

Prozent jährlich auf 1,7 Prozent.

In reinen Zahlen ausgedrückt wird die

Bevölkerung im Jahr 2000 rascher zunehmen als heute - um 100 Millionen
jedes Jahr im Vergleich zu 75 Millionen im Jahr 1975.

90 Prozent dieses

Zuwachses werden in den ärmsten Ländern auftreten.
Obgleich die Volkswirtschaften der Entwicklungsländer wahrscheinlich
mit rascheren Zuwachsraten expandieren als jene der Industriestaaten,
bleibt doch das Bruttosozialprodukt per capita in den meisten Entwicklungsländern niedrig. Das Durchschnitts-Bruttosozialprodukt per capita wird
voraussichtlich in manchen Entwicklungsländern (vor allem in Lateinamerika)
kräftig ansteigen, aber in den großen und dichtbevölkerten Staaten
Südasiens bleibt es unter 200 Dollar pro Jahr - in Dollarwerten des Jahres
1975 gerechnet. Die bereits bestehende große Lücke zwischen den reichen
und den armen Ländern wird noch größer.
Den Projektionen zufolge wird die Nahrungsmittelproduktion global
im Lauf der 30 Jahre von 1970 bis 2000 um 90 Prozent ansteigen. Dies
bedeutet einen Zuwachs um weniger als 15 Prozent für den genannten Zeitraum hinsichtlich der globalen Bevölkerungszahl. Denn der Hauptanteil
dieses Zuwachses geht in Länder, die bereits hinsichtlich ihres Nahrungsmittelverbrauchs per capita relativ weit vorne liegen. Währenddessen
wird sich der Pro-Kopf-Verbrauch in SUdasien, im Mittleren Osten und
in den Entwicklungsländern Afrikas kaum verbessern - oder sogar unter das
derzeitige, unangemessene Niveau sinken. Gleichzeitig kann man davon ausgehen, daß sich die Realpreise für Nahrungsmittel verdoppeln.
Ackerland wird es um das Jahr 2000 nur zweimal so viel geben wie
jetzt, so daß eine erhöhte Nahrungsmittel Produktion aus vermehrten Erträgen kommen muß.

Die meisten Elemente, die derzeit zu höheren Erträgen

beisteuern - Düngemittel, Schädlingsbekämpfungsmittel, Energie für Bewässerung und Treibstoff für die Maschinen - hängen in hohem Maß von Dl

- 3 -

�öl und Gas ab.
Im Verlauf der neunziger Jahre wird die Erdölförderung nach geologischen
Schätzungen ihre maximale Förderkapazitä't erreichen, aber auch rasch steigende
ölpreise mit sich bringen.

Die Studie geht davon aus, daß die reicheren

Industriestaaten in der Lage sein werden, über genug öl und andere
kommerzielle Energieversorgung zu verfügen, um sich der steigenden Nachfrage in den neunziger Jahren anzupassen.

Durch die erwarteten Preisan-

stiege wenden viele der Entwicklungsländer auch zunehmende Schwierigkeiten
bei der Deckung ihrer Energiebedürfnisse haben.

Für ein Viertel der

Menschheit, das in erster Linie auf Holz als Energieträger angewiesen ist,
sind die Aussichten erschreckend.

Die Nachfrage nach Holz wird noch vor

Ende des Jahrhunderts das verfügbare Angebot um etwa 25 Prozent übersteigen.
Obgleich die nichterneuerungsfähigen Energiequellen der Welt - wie
Kohle, öl, Gas, Ölschiefer, Teersand und Uran - noch theoretisch für Jahrhunderte reichen, sind sie doch nicht gleichmäßig verteilt; außerdem
schaffen sie schwierige wirtschaftliche Probleme und Umweltprobleme;
auch sind sie sehr verschieden, was Zugänglichkeit für Förderung und
Verwendung angeht.
Die mineralischen Ressourcen, die nicht dem Brennstoffbereich zugehören, scheinen im großen und ganzen auszureichen, um die projizierte
Nachfrage bis zum Jahr 2000 zu befriedigen; allerdings sind weitere
Funde und Investitionen nötig, um die Reserven auf diesem Stand zu halten.
Zudem werden die Förderkosten mit den Energiepreisen steigen und manche
dieser Bodenschätze unwirtschaftlich machen. Das Viertel der Weltbevölkerung, das in den Industriestaaten lebt, wird auch weiterhin drei
Viertel der Mineralförderung der Welt absorbieren.
Regionaler

�Regionaler Wassermangel wird problematischer werden.

Im Zeitraum

von 1970 bis 2000 wird allein der Zuwachs der Bevölkerung so viel Wasser
erfordern, daß sich die Nachfrage danach in fast der hä'lfte der Welt
verdoppeln wird.

Eine noch stärkere Zunahme wäre erforderlich, um den

Lebensstandard zu verbessern.

In vielen Entwicklungsländern werden die

Wasservorräte aufgrund der extensiven Abholzung im Jahr 2000 noch weit
unberechenbarer.

Die Entwicklung neuer Möglichkeiten der Wasserversorgung

wird praktisch überall teurer.
Umfangreiche Waldverluste werden auch in den nächsten zwanzig Jahren
andauern, da die Nachfrage nach Holzprodukten und Brennholz ansteigt.
Die bisher zunehmenden Lager von Nutzholz in kommerziellen Ausmaßen werden
den Projektionen nach um 50 Prozent per capita zurückgehen. Die Wälder
dieser Welt verschwinden derzeit mit einer Rate von 18-20 Millionen Hektar
pro Jahr (ein Gebiet von der halben Größe Kaliforniens), wobei der größte
Teil davon in den feuchten Regenwäldern von Afrika, Asien und Südamerika
zu verzeichnen ist. Die Projektionen zeigen an, daß im Jahr 2000 etwa
40 Ptozent des Waldes, der die Entwicklungsländer noch bedeckt, verschwunden sein werden.
Ernste Verschlechterungen des landwirtschaftlich nutzbaren Bodens
werden weltweit auftreten angesichts der Erosion, des Verlusts an Organstoffen, der Verwüstung, der Versalzung, der Verlaugung und Versumpfung.
Schon jetzt werden Wiesen und Felder von annähernd der Größe von Maine
jedes Jahr zu unfruchtbarem Land; die Verbreitung wüstenähnlicher Bedingungen
nimmt wahrscheinlich zu.
Die Konzentration von Kohlendioxyd und Sauerstoffzerstörenden Chemikalien in der Atmosphäre wird wahrscheinlich mit einer Schnelligkeit
zunehmen, die das Klima der Welt und die äußere Atmosphäre im Jahr 2050
deutlich verändern könnte. Versauerter Regen aufgrund erhöhter Verbrennung
fossiler Brennstoffe (vor allem Kohle) bedroht die Seen, den Boden und

- 5 -

�und die Ernte.

Radioaktive und andere gefährliche Stoffe schaffen in immer

mehr Ländern Gesundheits- und Sicherheitsprobleme.
Das Aussterben von Pflanzen-

und Tierarten wird dramatisch zunehmen.

Hunderttausende von Arten - unter Umständen bis zu 20 Prozent aller Arten werden unwiederbringlich verlorengehen, da ihre Wohnräume, besonders in
den tropischen Wäldern, verschwinden.
Die Zukunft, wie sie in den Projektionen der amerikanischen Regierung
aufgezeichnet wird und wie sie oben kurz dargestellt wurde, könnte dabei
sogar noch die anstehenden Probleme unterbewerten.

Die zur Durchführung

der Studie zur Verfügung stehenden Methoden führten zu bestimmten Lücken
und Unvereinbarkeiten, die die Tendenz haben, einen optimistischen Eindruck
zu geben.

So nehmen zum Beispiel die meisten der Einzelprojektionen bei

den verschiedenen untersuchten Sektoren - Nahrungsmittel, Bodenschätze,
Energie u.s.w. - an, daß genügend Kapital, Energie, Wasser und Land in
jedem dieser Sektoren verfügbar sein wird, um die Bedürfnisse zu befriedigen, ohne auf konkurrierende Bedürfnisse anderer Sektoren zu achten.
Besser übereinstimmende, besser miteinander verbundene Projektionen
würden ein noch eindringlicheres Bild der sich verstärkenden Zwänge
bieten, während die Welt sich dem 21. Jahrhundert nähert.

Schlußfolgerungen
Bei der derzeitigen und projizierten Wachstumsrate würde die Weltbevölkerung im Jahr 2030 10 Milliarden und Ende des 21. Jahrhunderts
annähernd 30 Milliarden zählen. Diese Zahlen entsprechen ziemlich genau
den Schätzungen der Nationalen Akademie der Wissenschaften in den Vereinigtet
Staaten hinsichtlich der maximalen Aufnahmefähigkeit der gesamten Erde.
Schon die Bevölkerung im Saharagürtel von Arika und am Himalayagebirge Asiens

- 6 -

�Asiens hat die Aufnahmefähigkeit der unmittelbar betroffenen Gebiete
überschritten und eine Erosion der Kapazität des Landes ausgelöst, das
Leben zu erhalten.

Die daraus rührende Armut und schlechte Gesundheit

haben die Anstrengungen zur Verringerung der Fruchtbarkeit weiter erschwert.

Wenn dieser Kreislauf miteinander zusammenhängender Probleme nicht

bald aufgebrochen wird, wird der Bevölkerungszuwachs in solchen Regionen
unglücklicherweise durch andere Ursachen als die rückgängigen Geburtenraten verlangsamt werden:

Hunger und Krankheit werden mehr Neugeborene

und Kleinkinder fordern,und immer mehr derjenigen, die überleben, werden
durch falsche Ernährung in ihrer Kindheit geistig und körperlich behindert
sein.
In der Tat sind die Probleme der Erhaltung der Aufnahmefähigkeit
der Erde und die Bewahrung der Möglichkeit eines annehmbaren Lebens für die
Menschen, die sie bewohnen, gewaltig und stehen unmittelbar vor uns.
Dennoch gibt es Grund zur Hoffnung. Es muß unterstrichen werden, daß die
Projektionen der Global 2000 Studie auf der Annahme beruhen, daß die
nationalen Politiken hinsichtlich Bevölkerungstabilisierung, Konservierung
von Ressourcen und Schutz der Umwelt im wesentlichen bis zum Ende des
Jahrhunderts unverändert bleiben. In der Tat aber beginnen sich diese
Politiken zu ändern. In manchen Bereichen werden Wälder nach der Abholzung
angepflanzt. Manche Staaten ergreifen Maßnahmen,um Bodenverluste und
Versteppung zu vermindern. Das Interesse an Energieeinsparung wächst,
und gewaltige Summen werden für die Erforschung von Alternativen zur ölabhängigkeit investiert. Die Notwendigkeit der Familienplanung wird
langsam besser verstanden. Die Wasserversorgung wird verbessert, und
Systeme zur Abfallverwertung werden installiert. Ertragreicher Samen
ist in großen Mengen verfügbar, und Samenbanken breiten sich aus. Manche
Landschaftsstriche mit ihren Tier- und Pflanzenarten werden unter Naturschutz gestellt. Natürliche Feinde und ausgewählte Schädlingsbekämpfungsmittel ersetzen wieder Pestizide mit Nachwirkung und Zerstörungsfähigkeit.

Wir
- 7 -

�Wie ermutigend diese Entwicklungen auch sind, so sind sie doch bei
weitem nicht angemessen, um den globalen Herausforderungen gerecht zu
werden, die diese Studie projiziert.

Energische, entschlossene neue

Initiativen sind notwendig, wenn zunehmende Armut und menschliches Leiden,
der Verfall der Umwelt sowie internationale Spannungen und Konflikte verhindert werden sollen.

Es gibt keine raschen Lösungen.

Die Lösungen der

Probleme Bevölkerung, Ressorcen und Umwelt sind komplex und langfristig.
Diese Probleme sind unentwirrbar verbunden mit einigen der kompliziertesten
und hartnäckigsten Probleme der Welt - Armut, Ungerechtigkeit und sozialem
Konflikt.

Neue und einfallsreiche Ideen und die Bereitschaft, sie in die

Tat umzusetzen, sind entscheidend.
Die erforderlichen Veränderungen gehen weit über die Fähigkeit
und Verantwortung dieses oder jenes einzelnen Staates hinaus. Ein Zeitalter von noch nicht dagewesener Zusammenarbeit und Verpflichtung ist von
entscheidender Bedeutung. Aber es gibt Gelegenheiten - und guten Grund für die Vereinigten Staaten, die Führung unter den Nationen zu ergreifen.
Eines der wichtigsten Erfordernisse für dieses Land muß eine sorgfältige
Beurteilung seiner Außen- und Innenpolitik hinsichtlich Bevölkerung,
Ressourcen und Umwelt sein. Die Vereinigten Staaten, die die stärkste
Volkswirtschaft der Welt haben, können von ihrer Politik erwarten, bedeutsamen
Einfluß auf die weltweiten Entwicklungen zu nehmen. Ein gleich wichtiges
Erfordernis für die Vereinigten Staaten ist die großzügige und gerechte
Zusammenarbeit mit anderen Ländern - besonders im Bereich des Handels,
der Investitionen und der Hilfe -, um Lösungen für die vielen Probleme
zu suchen, die sich jenseits unserer Landesgrenzen ausdehnen. Es gibt
viele noch zu ergreifende Gelegenheiten zur Zusammenarbeit mit anderen
Staaten in der Anstrengung, Armut und Hunger zu erleichtern, die Bevölkerung zu stabilisieren und die wirtschaftliche Produktivität und das
Umweltbewußtsein zu stärken. Mehr Zusammenarbeit unter den Staaten ist
auch notwendig, um die internationalen Mechanismen zum Schutz und zur
Nutzung der "globalen Gemeingüter" - der Meere und der Atmosphäre - zu_

�zu stärken.
Um sich den Herausforderungen zu stellen, die in dieser Studie
beschrieben werden, müssen die Vereinigten Staaten ihre Fähigkeit zur
Identifizierung auftauchender Probleme und zur Beurteilung alternativer
Antworten verbessern.

Während sie sich der derzeitigen Kapazitäten der

Regierung für langfristige, globale Analysen bediente und diese auswertete,
traf die Studie auf schwerwiegende Unvereinbarkeiten bei Methoden und
Postulaten, die von den verschiedenen Behörden zur Erstellung ihrer
Projektionen angewandt werden.

Die Studie selbst machte einen Anfang

damit, diese Unzulänglichkeiten ausoer Welt zu schaffen.

Sie stellt

die ersten Umweltprojektionen d&amp;r Regierung dar und liefert die bisher
übereinstimmendste Sammlung globaler Projektionen aller amerikanischen
Behörden.

Dennoch enthalten die Projektionen noch immer schwerwiegende

Lücken und Widersprüche, die berichtigt werden müssen, wenn die Fähigkeit
der Regierung zur Analyse verbessert werden soll.

Es muß gesagt werden,

daß derzeit die Bundesbehörden nicht immer in der Lage sind, Projektionen
von der Qualität zu liefern, wie sie für langfristige Entscheidungen
im politischen Bereich notwendig sind.
Obgleich begrenzte Ressourcen in manchen Fällen ein mitwirkender
Faktor sein können, so besteht das Hauptproblem doch im Mangel an
Koordination. Die amerikanische Regierung benötigt einen Mechanismus zur
ständigen Überprüfung der Postulate und Methoden, derer sich die Bundesbehörden bei ihren Projektionsmodellen und zur Sicherstellung dafür bedienen, daß diese Modelle stichhaltig, folgerichtig und gut dokumentiert
sind. Die verbesserten Analysen, die sich daraus ergeben könnten, würden
nicht nur ein besseres Verständnis der auftretenden Probleme und Möglichkeiten
bieten, sondern wären auch ein besseres Mittel zur Bewertung alternativer
Antworten und eine bessere Grundlage für Entscheidungen von weltweiter
Bedeutung, die der Präsident, der Kongreß und die Bundesregierung als
ganzes treffen müssen.
Mit
- 9 -

�Mit ihren Einschränkungen und ungefähren Annäherungen sollte die
Global 2000 Studie nur als eine Erkundung der Zukunft angesehen werden;
dennoch werden ihre Schlußfolgerungen unterstützt durch ähnliche Ergebnisse
anderer Globalstudien der jüngsten Zeit, die im Verlauf der Arbeiten zur
Studie untersucht wurden.

All diese Berichte stimmen hinsichtlich der Natur

der Probleme und der Bedrohungen, die sie für das künftige Wohlergehen
der Menschheit darstellen, überein.

Die verfügbaren Beweise lassen keinen

Zweifel daran, daß die Welt - einschließlich dieses Landes - in den unmittelbar vor uns liegenden Jahrzehnten vor gewaltigen, drängenden und komplexen
Problemen steht.

Rascher und tatkräftiger Wandel in der öffentlichen

Politik auf der ganzen Welt ist nötig, um diese Probleme zu vermeiden
oder so gering wie möglich zu halten, bevor sie überhaupt nicht mehr in
den Griff zu bekommen sind.
Maßnahmen erforderlich.

Lange Anlaufzeiten sind für wirkungsvolle

Wenn die Entscheidungen hinausgeschoben werden,

bis die Probleme noch drängender geworden sind, wird die Auswahl an
wirkungsvollen Maßnahmen stark eingeschränkt sein.

+ + + + +

- 10 -

�30. Juli 1980

35

MONDALE ERLÄUTERT AFRIKA-POLITIK DER USA
Ansprache des amerikanischen Vizepräsidenten in Nigeria

LAGOS

- (AD) - Im Verlauf eines Staatsbanketts, das der nigerianische

Vizepräsident Alex Ekwueme zu Ehren des amerikanischen Vizepräsidenten
Walter Mondale am 22. Juli 1980 in Lagos gab, ging dieser auf die Grundlagen und Ziele der amerikanischen Afrikapolitik ein.
Die Rede Mondales hat folgenden Wortlaut:
Man hat mir gesagt, daß jetzt in Nigeria das meistverkaufte Buch
die nigerianische Verfassung ist; dies beweist etwas, woran ich schon
immer geglaubt habe: die Freiheit mag eine Last sein, aber es ist eine
ruhmvolle Last. Und es gibt kein Volk auf Erden, das sich weigern würde,
diese Last auf die Schultern zu nehmen. Die Demokratie mag Lärm machen,
aber es ist das Geräusch des menschlichen Geistes; und es gibt kein Volk
auf Erden, das unter seiner Befreiung leiden müßte. Die Entwicklung mag
schwierig sein, aber es ist eine Aufgabe für den Menschen; und es gibt
keine Gesellschaft auf Erden, deren Menschenrechte sie nicht beschleunigen

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�beschleunigen würden.
Lassen Sie mich daher zu Beginn den Übergang Nigerias zur Demokratie
begrüßen und die Weisheit aller Nigerianer, sie zu erzielen.

Lassen

Sie mich nicht nur Ihre Rückkehr zu einer Zivilregierung feiern, sondern
zugleich den Prozeß, durch welchen sie eine solche erreichten.
Unsere Freude über Nigerias neue Demokratie unterstreicht den grundlegenden Wechsel in Amerikas Beziehungen zu Afrika.

Als Präsident Carter

und ich 1977 unser Amt antraten, waren wir entschlossen, unsere Außenpolitik
auf der Grundlage der demokratischen Wertvorstellungen Amerikas aufzubauen.
Wir schätzen die Gerechtigkeit.

Und daher verpflichteten wir unser

Land zu einem Afrika, das frei von Rassismus und Unterdrückung ist.
'

i

•

Wir schätzen die Würde des Menschen. Und daher verpflichteten wir unser
Land zu einem Afrika, das frei von Entbehrungen und von Leiden ist.
Wir schätzen den Frieden. Und daher verpflichteten wir unser Land
zu einem Afrika, das frei von Krieg und ausländischer Beherrschung ist.
Diese drei Ziele - Menschenrechte, wirtschaftlicher Fortschritt und
Frieden - wurden vor zwei Jahren hier in Lagos von Präsident Carter
unterstrichen, beim ersten Staatsbesuch eines amerikanischen Präsidenten
in Afrika. Und als er dies tat, wurde er mit Worten begrüßt, die freundlich
und deutlich waren. "Das nigerianische Volk", so sagte man ihm, "hat
es gelernt, politische Verkündigungen an ihren Ergebnissen zu messen und
nicht an den Aussichten."
Dies war ein angemessener Standpunkt. Und heute abend ist ein
angemessener Augenblick, diese Ergebnisse zu bewerten - und die Arbeit
zu überschauen, die vor uns liegt.
Erstens:
- 2 -

�Erstens:

die Menschenrechte.

Für die Vereinigten Staaten ist es

keine Frage, ob wir uns um die Förderung der Gerechtigkeit in Afrika
bemühen sollten, sondern wie wir dies tun können.
Heute abend tun wir einen historischen Schritt nach vorn - Mehrheitsregierung und Unabhängigkeit für das Volk von Simbabwe.

Dies war eine

Leistung, auf die die afrikanischen Regierungen, die britische Regierung
und alle Einwohner von Simbabwe stolz sein sollten.

Und ich bin stolz

darauf, daß mein Land fest zu dem Ihren und zu den anderen hielt.

Denn

heute bestimmt das Volk von Simbabwe über seine eigene Zukunft - frei von
äußerer Einmischung, sei es durch seine Nachbarn oder durch andere
Kontinente.
Während all der Jahre der Anstrengung um eine Lösung hielten die
Vereinigten Staaten an ihrer Politik der Unterstützung freier und fairer
Wahlen fest, die für alle Parteien offen sein sollten; an ihrer Politik
der Unterstützung einer demokratischen und fairen Verfassung und einer
Regelung durch Verhandlungen, die sich auf diese Prinzipien stützte.
Präsident Carter bestand auf fortgesetzten amerikanischen Sanktionen
gegenüber Rhodesien bis zu dem Augenblick, da ein unparteiischer Wahlprozeß seinen Anfang nehmen würde.

Es gab heftigen Druck zur Abkehr von

diesem Kurs, wir sollten unsere Prinzipien über Bord werfen und unsere
Interessen unter einem kurzsichtigen Gesichtspunkt betrachten.

Beide,

Präsident und Kongreß, weigerten sich.
Wir wissen, daß es in unserem eigenen nationalen Interesse liegt,
weitere Fortschritte in Simbabwe zu unterstützen.

Die Vereinigten Staaten

haben sich zu umfangreicher Hilfe für Simbabwe verpflichtet, denn wir
glauben, daß seine Zukunft dabei helfen wird, über die Zukunft des südlichen
Afrika zu entscheiden.
Einer

- 3 -

�Einer unserer Partner bei der Suche nach Frieden in Simbabwe war
Sir Seretse Khama aus Botswana.

Er war ein begnadeter, feinfühliger

Führer des modernen Afrika - der Vater eines nichtrassistischen und
demokratischen Staates in einer bewegten Region, die bisher noch zu wenig
von beiden Eigenschaften kannte.

Wir alle trauern um sein Ableben.

Aber wir feiern auch eine Sache, für die er sich einsetzte - demokratische
Regierung in Afrika.

Wir begrüßen die Rückkehr zu Zivilregierungen in

Nigeria, Ghana und Obervolta sowie die Demokratisierungsbewegung in anderen
Staaten dieser Region.

Wir heißen die verstärkte Betonung der Menschen-

rechte in vielen afrikanischen Staaten und in den Gremien der Organisation
für afrikanische Einheit (OAU) willkommen.
für die Zukunft von Simbabwe an.

Wir bieten unsere Unterstützung

Aber wir müssen uns auch um solche

Bereiche kümmern, wo die Menschenrechte mit Füßen getreten werden.
Ungerechtigkeit, die sich auf rassische Diskriminierung gründet,
gilt Menschen und Frauen in aller Welt als abscheulich. Aus diesem
Grund sind die Probleme im südlichen Afrika von besonderer Bedeutung.
Wir sind der Meinung, daß ein Abkommen über einen Plan für Frieden
und Gerechtigkeit in Namibia, gegründet auf faire und öffentliche Wahlen,
in Reichweite ist. Der vom Generalsekretär der Vereinten Nationen vorgeschlagene Plan hat breite afrikanische Unterstützung gefunden und auch
das Einverständnis der Organisation des südwestafrikanischen Volkes
(SWAPO). Südafrika hat den Plan akzeptiert - stimmt aber noch nicht der
Art und Weise zu, wie er durchgeführt werden soll.
Nun ist die Zeit für Südafrika gekommen, Vertrauer in den von ihm
akzeptierten Plan zu setzen. Wenn es dies nicht tut, wenn es stattdessen
auf seine eigenen Versionen besteht und den Konflikt auch in die Anliegerstaaten hineinträgt, wäre die Gelegenheit für einen Frieden verloren,
würde der Konflikt andauern. Wir drängen Südafrika dazu, auf den Erfahrungen

- 4 -

�Erfahrungen mit Simbabwe aufzubauen und hinsichtlich der Namibia-Frage
vorwärts und nicht rückwärts zu gehen, solange es noch Zeit ist.
Ereignisse auch innerhalb Südafrikas erregen unsere Bedenken.

Im

Mai 1977 traf ich in Wien mit dem damaligen Ministerpräsidenten Vorster
zusammen.

Ich gab ihm in den klarsten Worten zu verstehen, daß die

Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern von dem Fortschritt in Richtung
auf umfassende Menschenrechte und umfassende politische Beteiligung aller
Menschen in Südafrika abhängen würden.

Ich brachte unsere tiefe Hoffnung

zum Ausdruck, daß sich die südafrikanische Regierung bald mit den repräsentativen Führern aus allen Schichten der Gesellschaft Südafrikas zusammensetzen möge, um die Zukunft des Landes festzulegen.
Ich wiederhole diesen Appell heute - denn die Uhr in Südafrika tickt.
Wir setzen uns nicht für eine simple Formel ein. Wir wissen, daß es
keine einfache Antwort gibt. Wir sehen die Notwendigkeit, ein Problem zu
lösen. Und wir glauben, daß nur Schwarze und Weiße, die miteinander sprechen
und miteinander denken, dessen Lösung finden können.
Ein bedeutender afrikanischer Dichter hat geschrieben "who would
bring life's memory back to the men of gutted hopes?" (Wer vermag die
Erinnerung an das wahre Leben jenen zurückzugeben, deren Hoffnungen
zerstört wurden?) Wir glauben, daß es noch immer für die Männer und Frauen
Südafrikas Hoffnung gibt.

Und noch immer ist Zeit - für Versöhnung,

für Fortschritt, für Vernunft. Aber die Zeit verrinnt.
Unser zweites Ziel in Afrika ist der wirtschaftliche Fortschritt:
Freiheit von Bedürftigkeit und menschlichem Leiden.
Seit dem Amtsantritt Präsident Carters hat sich die amerikanische
Wirtschaftshilfe für Afrika verdoppelt - auf mehr als 1 Milliarde Dollar
pro Jahr.
. Wi£
.-

- 5 -

�Wir haben uns mit dieser Hilfe auf die Menschen konzentriert Menschen, die sauberes Wasser und Nahrungsmittel benötigen,
Gesundheitsvorsorge, Wohnung und Ausbildung brauchen.

die ordentliche

Wir unterstützen die

besonderen Anstrengungen, um jenen zu helfen, die gezwungen sind, ihre
Heimat wegen Trockenheit oder Krieg zu verlassen.

Und wir haben zu

regionale Wirtschaftskooperation ermutigt, wie etwa bei der ECOWAS
(Economic Community of West African States - Wirtschaftsgemeinschaft der
Westafrikanischen Staaten).
Viel von unserer Hilfe fließt in die Landwirtschaft.

Hunger bringt

nicht nur Leiden für Millionen mit sich; er macht ein Volk auch verletzbar
gegenüber politischer Manipulation.

Eine starke Landwirtschaft bringt

nicht nur Millionen ein wohlanständiges Leben, sie stärkt auch ihre
Freiheit.

Alle Menschenrechte sind miteinander verbunden - und Freiheit

von Bedürftigkeit stärkt die Freiheit von Unterdrückung.
Die Landwirtschaftsabkommen, die wir während dieses Besuchs zu
unterzeichnen hoffen, werden Nigerias "Grüne Revolution" fördern. Und
sie werden nicht nur Zusammenarbeit zwischen unseren Regierungen, sondern
auch zwischen unseren Geschäftsleuten und Experten im technischen Bereich
bedeuten.
Denn Hilfe allein kann nicht die Ressourcen und die Technologie
bereitstellen, die nötig sind, um Afrikas umfangreichen Entwicklungserfordernissen zu entsprechen. Heutzutage suchen sogar marxistische
Führet in Afrika offen verstärkte Handels- und Investitionsbindungen
mit den industrialisierten Demokratien. Wir heißen diesen Pragmatismus
willkommen, und wir ermutigen die amerikanische Geschäftswelt, darauf
zu antworten, damit amerikanisches Kapital, Technologie und Märkte in
diesem Entwicklungsprozeß eine Rolle spielen können.
Für

- 6 -

�\

Für die Entwicklung noch bedeutsamer - letztlich sogar bedeutsamer
als der Transfer von Gütern und von Kapital - ist die Gemeinsamkeit der
Ideen.

Aus diesem Grund haben wir in unseren Gesprächen hier und in unseren

Programmen den Austausch von Experten im technischen Bereich und andere
gemeinsame Ausbildungsunternehmen so betont.
Denn von all den Werten, die wir Amerikaner mit den Nigerianern
teilen, umschreibt kein anderer deutlicher unseren Nationalcharakter als
unser gemeinsamer Glaube an die Erziehung. Der ausgebildete Verstand
ist unsere beste Quelle. Heute studieren mehr als 20 000 Nigerianer in
Amerika - die zweitgrößte Gruppe ausländischer Studenten in unserem Land.
Sie bereichern uns; sie bereichern Sie; und sie beweisen, daß Wissen
ein Schatz ist, der wächst, wenn man ihn teilt.
Amerikas drittes Ziel für Afrika ist Frieden:

Freiheit von der

Vergeudung durch den Krieg, Freiheit von äußerer Beherrschung und
militärischer Intervention.
Ich habe über aktive Unterstützung für friedliche Lösungen in
Simbabwe und Namibia gesprochen.
Lassen Sie mich auch sagen, daß die Vereinigten Staaten Ihre Anstrengungen und jene von anderen Staaten in der OAU (Organisation für
afrikanische Einheit) unterstützen, um Lösungen für Konflikte auf diesem
Kontinent - im Tschad, in der Westsahara und anderswo - zu finden, Lösungen,
die durch Verhandlungen zustande kommen.
Wir respektieren den Status der Unabhängigkeit und der Blockfreiheit
der Staaten dieser Region.

Wir wenden uns gegen militärische Inter-

vention in Afrika von außen.
Am

- 7 -

�Am Hörn von Afrika und anderswo haben wir gesehen, daß militärische
Intervention aus dem Ausland nur die Spannungen verstärkt, die Konflikte
verlängert und den eingesessenen Völkern das Recht verwehrt, ihre eigenen
Lösungen zu finden, sowie das Recht der Afrikaner bedroht, frei zu leben.
Aus all diesen Gründen heraus haben die Vereinigten Staaten es nicht
nur unternommen, den Staaten in Afrika dabei behilflich zu sein, ihre
Gesellschaften aufzubauen und ihre Institutionen zu stärken; wir haben
uns auch dazu verpflichtet, befreundeten Nationen dabei zu helfen, sich
selbst gegen äußere Einmischung zu stärken.

Und wir sind bereit, dieser

Verpflichtung zu entsprechen.
Wir müssen noch weit gehen, um unsere Ziele zu erreichen.

Aber wie

Präsident Franklin Roosevelt einmal sagte: "Die demokratische Regierung
hat eine ihr innewohnende Fähigkeit, ihr Volk gegen Katastrophen zu
schützen, die vormals als unvermeidlich angesehen wurden, und Probleme
zu lösen, die einst als unlösbar galten."
Und daher möchte ich heute abend über unsere Anstrengungen als
Amerikaner und Nigerianer, als Amerikaner und Afrikaner folgendes sagen:
Wir Demokratien werden stärker werden - nicht weil wir unsere Meinungsverschiedenheiten unterdrücken, sondern weil wir sie schätzen. Wir
werden reicher werden - nicht weil wir die persönliche Freiheit zerstampfen,
sondern weil wir sie respektieren. Wir werden gerechter werden - nicht weil
wir unsere Ungleichheiten verleugnen, sondern weil wir uns ihnen stellen.
Meinungsverschiedenheiten machen uns vielleicht manchmal zu Nationen
mit heiserer Stimme, aber wir schätzen den Geist höher ein als die Stille.
Die Freiheit macht uns vielleicht manchmal zu widerspenstigen Staaten, aber
wir schätzen eine offene Gesellschaft mehr als eine unterdrückte. Das
Eingeständnis unserer Ungerechtigkeiten macht uns manchmal vielleicht zu
ungeduldigen Nationen - aber wir würden lieber unsere Sehnsüchte zugeben

- 8 -

�zugeben als einer unverrichteten Arbeit den Rücken zuzuwenden.
Andere Staaten mögen sich einem anderen Kurs zuwenden.

Sie kon-

solidieren ihre Stärke, indem sie die Freiheit ihrer Völker unterdrücken.
Sie vergrößern ihren Reichtum, indem sie die Würde ihrer Völker schmälern.
Sie posaunen ihre Leistungen hinaus, indem sie die Unzufriedenheit ihrer
Völker dämpfen.
Aber wir glauben, und wir sehen es in Simbabwe, daß die Demokratie
ein Mittel zum Frieden ist.

Wir glauben, daß wie in Nigeria die Demokratie

ein Mittel zur wirtschaftlichen Entwicklung ist.

Und wir glauben, wie

in Afrika, in den Vereinigten Staaten und in der ganzen Welt, daß die
Demokratie mehr als jede andere Waffe das beste Arsenal der nationalen
Sicherheit ist.
Gesegnet sind diejenigen von uns, die sich der Demokratie erfreuen.
Und diejenigen, die noch nicht frei sind, dürfen nicht die Hoffnung verlieren.

"Haltet die Träume fest", sagt Langston Hughes, ein schwarzer

amerikanischer Dichter, "denn,wenn die Träume sterben, wird das Leben ein
Vogel sein mit gebrochenen Schwingen, der nicht mehr fliegen kann."
Jene Träume werden nicht sterben, weder hier in Nigeria, noch
sonstwo auf diesem Kontinent, der so reich ist, so schön und so voll
des Versprechens nach Menschlichkeit.

+ + + + +

- 9 -

�35

30. Juli 1980

US-DELEGIERTER HOFFT AUF EINIGUNG AUF DER GENFER SEERECHTSKONFERENZ
- Wortlaut eines USICA-Interviews mit Botschafter Richardson -

GENF - (AD) - Der amerikanische Delegierte auf der Dritten Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen, Botschafter Elliot L. Richardson,
hat in einem vcr Beginn der Konferenz am 28. Juli 1980 veröffentlichten
Interview mit dem US-Amt für Internationale Kommunikation (USICA) die
Hoffnung ausgesprochen, daß es zu einer Einigung über die noch umstrittenen
Fragen der Ausbeutung der Schätze des Meeresbodens kommen werde. Die
Konferenz in Genf, die bis zum 29. August dauern soll, ist die insgesamt
neunte Verhandlungsrunde. Richardson betonte, daß es außer dem Abbau
von Bodenschätzen auf dem Meeresgrund kaum noch strittige Fragen gebe.
Die Verabschiedung eines amerikanischen Gesetzes über Meeresbodenbergbau,
so unterstrich Richardson, brauche einer Einigung auf der Konferenz
nicht im Wege zu stehen.
Das Interview mit Botschafter Richardson hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�FRAGE:

Herr Botschafter, was,glauben Sie, wird auf dieser Runde der

Seerechtskonferenz geschehen?
ANTWORT:

Wir können damit rechnen, daß die Sitzungsrunde wichtige

Fortschritte in der Lösung der relativ wenigen substantiellen Fragen
machen wird, die noch offen stehen.

Die einzige Frage, die in diesem

Stadium wirklich noch in der Schwebe ist, ist, ob wir eine endgültige
Revision des Entwurfs des Seerechtsvertrages erreichen können oder ob
einige Fragen an eine weitere Sitzung der Konferenz im nächsten Jahr
verwiesen werden müssen.

Aber es ist wirklich noch zu früh, etwas über

das Tempo des Fortschritts zu sagen, den wir auf dieser Sitzung erzielen
können.

Die meisten Beteiligten sind der Meinung, daß eine echte Chance

besteht, die Verhandlungen nach über sieben Jahren Dauer zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen, und daß mit Entschlossenheit und harter Arbeit
die Chance genutzt und zum Wohle aller in Genf vertretener Länder genutzt
werden kann.
FRAGE:

Welches sind die Hauptfragen, die noch offen stehen?

ANTWORT: Diese zerfallen in drei Hauptkategorien: Fragen bezüglich
der Ausbeutung der Ressourcen des Meeresbodens, vor allem des Abbaus der
polymetallischen Knollen, die Nickel, Kupfer, Kobalt und Mangan enthalten;
wesentliche Fragen bezüglich anderer Gebiete des Textentwurfes eines
Seerechtsvertrages; und die Abschlußklauseln des Textes bezüglich der
Unterzeichnung, Ratifizierung und des Inkrafttretens des Vertrages und
möglicher Änderungen.
Genau gesehen ist die Zahl der Probleme außerhalb des MeeresbodenBergbaus bemerkenswert klein.

Und es ist außerordentlich wichtig, daß

die Delegation der Vereinigten Staaten keine Änderungen der nicht mit
dem Meeresboden zusammenhängenden Fragen anstrebt, die im Vertragstext
bereits ausgehandelt sind.

Die Vereinigten Staaten betrachten all diese

- 2 -

�diese Bestimmungen als zufriedenstellend.

Aber das bedeutet nicht, daß sie

auf der Konferenz nicht weiter erörtert werden.
Die Festlegung von Grenzen zwischen gegenüberliegenden Staaten
und Anrainerstaaten ist eines der Gebiete, auf dem seit Ende der letzten
Sitzungsrunde, als der derzeitige Seerechtsvertrags-Verhandlungstext
veröffentlicht wurde, ein bedeutsames Maß an Unzufriedenheit bei einigen
Ländern entstanden ist. Ferner gibt es einige Kritik seitens einiger
weniger Länder an den Bestimmungen an dem Regime für die wissenschaftliche Meeresforschung, die von den Vereinigten Staaten als zu den wesentlichen Fortschritten der letzten Sitzungsrunde gehörend gerechnet werden.
Es muß noch ein Punkt bezüglich der Jurisdiktion über den Festlandsockel
über 200 Meilen hinaus geklärt werden. Und es wird wahrscheinlich einige
Versuche geben, Fischerei rechte über Bestände zu erlangen, die über die
Grenze der exklusiven Wirtschaftszone von 200 Meilen hin- und zurückwandern.
FRAGE: Welche Fragen des Meeresboden-Bergbaus müssen von der
Konferenz noch gelöst werden?
ANTWORT: Die wichtigste Einzelfrage, vor der die Konferenz steht,
ist der Entschluß über das Entscheidungsverfahren im Rat der Internationalen
Meeresboden-Behörde. Das ist das Gremium, das die Ausbeutung der Ressourcen
des Meeresbodens in den Ozeanen jenseits der Grenzen der nationalen
Jurisdiktion regeln wird. Darüber hinaus wird die Konferenz sich darüber
einigen müssen, wie die Internationale Meeresboden-Behörde in der ersten
Zeit nach Inkrafttreten des Seerechtsvertrages finanziert werden soll.
Dann tritt auch immer wieder das Problem der Beteiligung von Unabhängigkeitsbewegungen, wie etwa die PLO, an den Einkünften aus dem Abbau
am Meeresboden in qroßen Tiefen auf - ferner einige Restprobleme bezüglich
der Erfordernisse des Lizenzzwangs für die Technologie des Meeresboden-Berg-

- 3 -

�Bergbaus.
FRAGE:

Welche Auswirkung auf die laufenden Verhandlungen wird die

amerikanische Gesetzgebung über den Meeresboden-Bergbau haben, die
Präsident Carter am 28. Juni unterzeichnet hat?
ANTWORT:
anzustellen.

Es ist wirklich nutzlos, darüber im Augenblick Spekulationen
Aber es lohnt sich zu unterstreichen,daß es mir gelungen ist,

das Einverständnis potentieller Meeresboden-Bergbaufirmen zu einem einseitigen Moratorium für den Meeresboden-Bergbau in dem Gesetz zu erlangen,
das den Meeresboden-Bergbau in kommerziellem Umfang bis nach dem
1. Januar 1988 verbietet.

Wir sind auch seit der Unterzeichnung des Ge-

setzes durch Präsident Carter mt

anderen Delegationen in Kontakt getreten,

um ihnen zu erklären, daß dieser Aufschub reichlich Gelegenhat bieten
dürfte, daß der Vertrag in Kraft treten kann und daß das Gesetz nicht als
eine Bedrohung der Ziele der Konferenz betrachtet werden sollte.
FRAGE:

Welcher Zeitraum wird zwischen der Unterzeichnung eines

Seerechtsvertrages und seinem Inkrafttreten notwendig sein?
ANTWORT: Natürlich kann niemand mit völliger Sicherheit einen
erfolgreichen Abschluß der Verhandlungen, ja gar ein Inkrafttreten des
Seerechtsvertrages voraussagen. Wir hoffen jedoch, daß das Datum vom
1. Januar 1988 einen Anreiz für die prompte Ratifizierung des abgeschlossenen
Seerechtsvertrages bieten wird. Und die Vereinigten Staaten werden in
den Schlußklauseln Bestimmungen anstreben, die zu einer baldigen Ratifizierung ermutigen. Unter anderem treten die Vereinigten Staaten dafür ein,
daß nur 50 Staaten einen Seerechtsvertrag ratifizieren müssen, damit er
in Kraft treten kann, und nicht 70, wie es im gegenwärtigen Vertragsentwurf vorgesehen ist.
FRAGE:

�FRAGE:

Was, glauben Sie, wird in der Meeresboden-Bergbauindustrie

in der unsicheren Periode zwischen der Unterzeichnung des Vertrages und
seinem Inkrafttreten geschehen?
ANTWORT: Das ist für diese Firmen ein echter Anlaß zur Sorge. Es
ist richtig, daß während dieses Zwischenzeitraums voraussichtliche Investoren
nicht sicher sein können, daß ein Vertrag in Kraft treten wird, oder wenn
er in Kraft tritt, wann das sein wird. Wir haben deshalb versucht, das
Problem dadurch in den Griff zu bekommen, daß wir für den Investor die
Zusicherung zu erhalten suchen, daß er ein Vorzugsrecht für die Ausbeutung
eines Vorkommens erhalten wird, die er sich in dem Zwischenzeitraum
reserviert hat, und zwar im Rahmen eines Sonderverfahrens, das als "Vorbereitender Investitionsschutz" (Preparatory Investment Protection) bezeichnet wird. Dieses Verfahren, das die Vereinigten Staaten vorgeschlagen
haben, wird einer Gesellschaft, die die Exploration eines bestimmten
Vorkommens in vollem Umfang eingeleitet hat, das Recht geben, einen
Kontrakt für diese Vorkommen zu beantragen, wenn der Vertrag in Kraft
tritt. Das bedeutet, daß sich Gesellschaften sicher fühlen können, wenn
sie solche Investitionen vornehmen, die nur für dieses bestimmte Vorkommen
getätigt werden können, wie etwa die Anpassung ihres Geräts für das Vorkommen und die detaillierte Vermessung des Vorkommens. Ohne solche Zusicherungen bestünde das Risiko einer Auflösung der amerikanischen Meeresboden-Bergbauindustrie.

FRAGE: Welche Auswirkungen wird der Abbau von Mineralien aus dem
Meeresboden in großer Tiefe auf die Produzenten solcher Mineralien auf dem
Festland haben?
ANTWORT:

Die Produzenten solcher Mineralien auf dem Festland haben

gewisse Besorgnisse geäußert hinsichtlich der Konkurrenz seitens des
Meeresboden-Bergbaus.

Diese Besorgnisse haben zu der Formulierung

einer sogenannten "Produktionshöchstgrenze" hinsichtlich der aus dem

- 5 -

�dem Meeresboden abgebauten Mineralien geführt, um die traditionellen
Produzenten auf dem Festland gegen eine Meeresboden-Konkurrenz zu schützen.
Die Produktionshöchstgrenze sichert in der Praxis zu, daß den Festlandproduzenten zumindest ihre gegenwärtigen Märkte für diese Mineralien garantiert
werden, plus einem wesentlichen Anteil des zukünftigen Nachfragezuwachses
für Nickel. Nickel ist der treibende Faktor hinter dem Umfang des Meeresboden-Bergbaus, da Nickel das wichtigste Metall ist, das man in den Knollen
findet.

Der Entwurfstext beinhaltet Bestimmungen für einen Fonds, mit

dessen Hilfe die Industrie auf dem Festland entschädigt werden soll, die
unter Umständen unter der Meeresboden-Konkurrenz zu leiden hat.

Dies trifft

insbesondere auf die Kobaltproduzenten zu, da nur etwa 20 000 Tonnen
gegenwärtig im Jahr produziert werden und schon vier Meeresbodenprojekte
den gegenwärtigen Bedarf an Kobalt decken könnten.
FRAGE:

Wie wird der Seerechtsvertrag - wenn überhaupt - zur Nahrungs-

mittelversorgung der Welt beitragen, beispielsweise durch seine Auswirkungen
auf die Fischerei?
ANTWORT:

Ein solcher Beitrag wird sich in erster Linie aus einer

vernünftigen Erhaltung und Regulierung der Fischbestände ergeben, die
durch diesen Vertrag geschaffen würden.

Der Vertrag wird die Hauptver-

antwortung für die Regulierung der Grundfischbestände den Küstenstaaten
übertragen.

Für die Wanderfische, wie beispielsweise den Thunfisch,

sieht der Vertrag die Schaffung regionaler Gremien für diese Bestände vor.
In beiden Fällen ist im Hinblick auf dieses Ziel die Rede von einem
"optimal tragbaren Ertrag", und danach richtet sich, welcher Anteil an
Fischbeständen sicher eingebracht werden kann, während gleichzeitig
sichergestellt wird, daß ausreichende Bestände erhalten bleiben, um die
Fortpflanzung der Fischarten zu gewährleisten.
FRAGE:

Könnten Sie kurz die wesentliche politische und wirtschaftliche

Bedeutung des Vertrages umreißen:
ANTWORT:
- 6 -

�•»

ANTWORT:

Der Vertrag legt die Jurisdiktion über zumindest ein Drittel

der verbleibenden öl- und Erdgasreserven der Welt fest.
-

Er legt die Struktur fest, innerhalb derer der Abbau des Bedarfs
von zumindest tausend Jahren an Nickel, Mangan, Kupfer und Kobalt
durchgeführt werden kann.

-

Er wird die Beweglichkeit von Luft- und Seestreitkräften sowie
das Tempo berühren, mit dem diese Kräfte in entlegene Gebiete der
Welt verlegt werden können.

-

Er stellt einen wesentlichen Fortschritt in Richtung auf die Schaffung
eines umfassenden Systems zum Schutze der marinen Umwelt gegen
vom Festland und von der Schiffahrt ausgehende Quellen der Verschmutzung dar.

-

Er festigt den Rahmen, innerhalb dessen die wissenschaftliche
Meeresforschung durchgeführt werden kann, die von so entscheidender
Bedeutung für das Wissen um marine Ressourcen und das Verständnis
für das Klima der Erde sowie die ozeanischen Strömungen ist.

-

Und zusätzlich zu all diesen Punkten wird der Vertrag einen
wesentlichen Beitrag leisten zur Errichtung der Herrschaft des
Rechts an Stalle der Gefahren eines Konflikts in mehr als zwei
Dritteln der Oberfläche der Erde.

+ + + + +

- 7 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA ergreifen weitreichende Maßnahmen gegen Putsch in Bolivien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von Außenminister Muskie -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter: Entschlossenes Handeln notwendig&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Präsidenten zum Bericht "Die Welt im Jahre 2000" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mondale erläutert Afrika-Politik der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des amerikanischen Vizepräsidenten in Nigeria -&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Delegierter hofft auf Einigung auf der Genfer Seerechtskonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut eines USICA-Interviews mit Botschafter Richardson -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation

3
3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

36

6. August 1980

INHALT

DOKUMENTATION
Carter:

Sowjets haben Prinzipien von Helsinki mißachtet

- Erklärungen zum 5. Jahrestag der Unterzeichnung der Schlußakte Muskie gibt überblick über amerikanische Außenpolitik
- Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuß

INFORMATION
Gemeinschaftsprojekt:

Synthesebrennstoff-Produktion

- Abkommen zwischen Bundesrepublik, Japan und USA in Washington
unterzeichnet -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Billigeres Verfahren zur Abscheidung von Staub

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�36

6. August 1980

CARTER: SOWJETS HABEN PRINZIPIEN VON HELSINKI MISSACHTET
Erklärungen zum 5. Jahrestag der Unterzeichnung der Schlußakte -

WASHINGTON

- (AD) - Präsident Jimmy Carter hat anläßlich des

5. Jahrestages der Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki darauf hingewiesen, daß die Sowjetunion die von ihr selbst unterzeichneten Übereinkommen
zum Abschluß der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE) im eigenen Lande und durch die Invasion Afghanistans mißachtet
habe.

Die brutale Besetzung Afghanistans, so erklärte der Präsident auf

einer Gedenkfeier im Weißen Haus am 29. Juli 1980, könne weder mit den
Prinzipien der Schlußakte noch mit der Charta der Vereinten Nationen
vereinbart werden.
Zuvor hatten in einer Feierstunde im State Department auch der
amerikanische Außenminister Edmund Muskie sowie der Berater des Außenministeriums, Botschafter Rozanne L. Ridgway zu den amerikanischen Zielen
auf der KSZE-Folgekonferenz im November dieses Jahres in Madrid Stellung
genommen. Muskie nannte den Fortschritt in den Menschenrechten, verstärkte
menschliche Kontakte, einschließlich der Familienzusammenführung sowie

Postfach 20 03 00 Tel: 0228-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�sowie weitere vertrauensbildende Maßnahmen auf militärischem Gebiet,
die nicht nur "kosmetisch" sein duften, als die drei Hauptziele der
Vereinigten Staaten für Madrid.
Botschafter Ridgway wies auf den einzigartigen Charakter der Schlußakte hin, die den Zusammenhang zwischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der
Menschenrechte und der Zusammenarbeit auf anderen Gebieten, wie Wirtschaft
und Sicherheit, herstelle.

Die USA würden auch die anderen Gebiete

neben den Menschenrechten in Madrid nicht hintanstellen.
Die Erklärung Präsident Carters auf der Feierstunde im Weißen Haus
hat folgenden Wortlaut:
Ich freue r, ich, daß Sie heute nach Washington kommen konnten, um
über den Prozeß zu sprechen, der vor fünf Jahren in Helsinki eingeleitet
wurde.
Sie sind jetzt mit den Leuten zusammengekommen, die an der Spitze
der amerikanischen Delegation auf der Madrider Folgekonferenz stehen
werden.

*

Sie und die neueiMitglieder aus der Öffentlichkeit, die hier

anwesend sind, gehören alle zu dem Team, auf das wir uns stützen, wenn
es um die Förderung der Sache von Helsinki gegen jede Opposition im Ausland
geht - und gegen die Skepsis, die sie im eigenen Lande bei einigen anderen
findet, die die fundamentale Wahrheit nicht begreifen, daß Frieden und
Förderung der Menscrenrechte Hand in Hand gehen.
der Menschenrechte bestärken sich gegenseitig.

Frieden und Förderung
Sie können beide nicht

unabhängig von einander erfolgreich vorangebracht werden.
Diese Überzeugung steht über der Partei politik - wie die Geschichte
des Helsinki-Prozesses erwiesen hat. Eine republikanische Administration
unterzeichnete die Übereinkommen; eine demokratische Administration verwirklichte sie. Die Übereinkommen verkörpern Ziele und Werte, an die

- 2 -

*

�die die Amerikaner als Menschen glauben, die um den Aufbau einer besseren,
menschlicheren Welt kämpfen.
Die auf dem Gipfeltreffen vor fünf Jahren in Helsinki von 35 Nationen
übernommenen Verpflichtungen wurden nicht leichtfertig eingegangen.
können nicht leichtfertig aufgegeben oder mißachtet werden.

Sie

Das Dokument,

das dort unterzeichnet wurde, ist, obwohl es als die Schlußakte bezeichnet
wird, nicht das Ende unserer Arbeit, sondern ein Neubeginn.
Die Konferenz in Madrid in diesem Jahr soll dazu dienen, Bilanz zu
ziehen, welche Fortschritte erreicht worden sind, und - wenn möglich das Tempo des Fortschritts und sein Ausmaß zu vergrößern.

Wie die Konferenz

in Belgrad 1977/78 bietet Madrid eine Gelegenheit, sorgfältig zurückzublicken, damit wir mit Nachdruck in die Zukunft gehen können.
Es gibt Leute, die gesagt haben, wir sollten nicht nach Madrid gehen daß wir aus dem Helsinki-Prozeß ausscheiden sollten. Solche Gedanken
entspringen dem Unwissen über die Bedeutung von Madrid. Manche Leute
haben die Konferenz sogar mit der Olympiade in Moskau verglichen und
gemeint, wenn amerikanische Sportler nicht nach Moskau gehen, dann sollten
amerikanische Diplomaten auch nicht nach Madrid gehen.
Das ist ein Trugschluß. Als Gastgeber der Olympiade hat die Sowjetunion versucht, sowohl die Früchte der Aggression in Afghanistan als
auch das Prestige und den Propagandawert als Veranstalter olympischer Spiele
einzuheimsen. Amerikanische Sportler und Sportler aus rund 50 Ländern
lehnten diese Gleichung als ungehörig ab. Ich spreche ihnen meine Anerkennung
aus. Sie blieben unter großen Opfern zuhause - und ohne sie wurde das
imposante Schauspiel in Moskau zum pathetischen Spektakel.
Aber Madrid wird kein Propagandafestival eines Aggressors werden»
Die Gastgeber sind die Spanier, nicht die Sowjets. Die Sowjetunion wird

- 3 -

�wird dort vertreten sein - wie die anderen 34 Staaten dort vertreten sein
werden -, um Rechenschaft abzulegen über die Art und Weise, wie sie ihre
Verpflichtungen erfüllt oder nicht erfüllt hat.
Es würde sicherlich jenen, die sich am meisten der Verletzung der
Menschenrechte schuldig gemacht haben, gefallen, von der Rechenschaft über
ihr Handeln vor dar Weltöffentlichkeit in Madrid befreit zu sein.
In Madrid werden keine Medaillen verliehen.

Hier geht es nicht um

Ringkämpfe oder turnerische Wettbewerbe für Diplomaten.

*

Die Prüfung

gilt dem Fortschritt in der internationalen Tagesordnung der Sicherheit
und Zusammenarbeit und der Festigkeit der Prinzipien, zu denen sich die
35 Beteiligten verpflichtet haben.
Beim Verfolg der Sache der Menschenrechte durch die Übereinkommen
von Helsinki gibt es keine Abkürzungen. Der Weg, den wir gehen, ist der
richtige. Als die Belgrader Konferenz zu Ende ging, bemerkte Dante
Fascell, daß "das Eintreten für die Menschenrechte kein Fingerschnippen
ist... Hier bieten sich keine leichten Siege an." Und doch müssen wir
diesen Weg gehen. Und in Madrid werden wir diesen Weg gehen.
Als ich Präsident wurde, unterstrich ich unsere Verpflichtung gegenüber den Menschenrechten als ein fundamentales Gebot unserer Außenpolitik.
Diese Verpflichtung ist mir heute so wichtig, wie sie mir damals war.
Sie ist heute so zentral für die Interessen Amerikas, wie sie es war,
als unser Land geboren wurde.
Damals wie heute war und ist unsere Verpflichtung weltweit, über
Europa hinaus haben wir uns in Afrika, Asien und Lateinamerika bemüht,
hinter den Grundprinzipien der Achtung jeder Person, des fairen Prozesses,
der politischen Freiheit und der wirtschaftlichen und sozialen Gerechtigkeit
zu stehen. Wir haben klargemacht, daß die Vereinigten Staaten der Überzeugung

. 4 -

�Überzeugung sind, daß Folter unter keinen Umständen geduldet werden kann,
daß ein amtlich gebilligtes "Verschwinden" in jeder Gesellschaft abscheulich
ist.

Und so wie wir Liberall auf dem Recht der Freizügigkeit bestanden

haben, so haben wir uns hart darum bemüht, den Flüchtlingen der Welt die
vor Unterdrückung und Not fliehen mußten, Hilfe zu leisten.
Wir verfolgen diese Politik, weil wir erkannt haben, daß unser Land
und unsere Welt sicherer sind, wenn die Grundwerte des Menschen international
geachtet werden.
Wenn wir für unsere Werte eintreten, dann treten wir für unsere
Sicherheit ein. Möge niemand daran zweifeln, daß unsere Werte und unsere
Taten nich+ ihre Spuren hinterlassen haben. Viele Regierungen haben politische
Gefangene freigelassen. Andere haben den Belagerungszustand aufgehoben willkürliche Verhaftungen eingeschränkt - weniger gefoltert. Weil wir
Führung gezeigt haben, hat die Verteidigung der Menschenrechte heute ihren
rechtmäßigen Platz auf der moralischen Tagesordnung unserer Zeit. Jene,
die dem einzelnen seine Rechte zu verwehren suchen, müssen heute wegen ihres
Handelns Antwort geben. Jene tapferen Männer und Frauen, die, oft unter
größten Schwierigkeiten, für die Freiheit kämpfen, wissen, daß sie nicht
allein sind.
Zusammen mit den 35 Staaten von Helsinki in Nordamerika, Osteuropa
und Westeuropa verfolgen wir die gleichen Ziele mit dem gleichen Nachdruck.
Die Übereinkommen von Helsinki verpflichten die Signatarstaaten, militärische
Bedrohungen und internationale Spannungen abzubauen, den Fortschritt zu
fördern und die Menschenrechte, die Grundfreiheiten und die Selbstbestimmung
der Völker zu achten.
Wir haben niemals mit einem ununterbrochenen Fortschritt gerechnet.
Vor allem das Verhalten der Sowjetunion hat die Prinzipien der Übereinkommen
von Helsinki mißachtet - innerhalb und außerhalb ihrer Grenzen.
Die
- 5 -

�Die sowjetische Invasion Afghanistans und die zunehmend brutale
Besetzung dieses einst freien Landes kann ebenso wenig mit den Verpflichtungen
von Helsinki wie mit der Charta der Vereinten Nationen vereinbart werden.
Für dsn Überfall auf einen Nachbarn steht die Sowjetunion vor der Welt als
verurteilt da - und die Welt hat den sofortigen und vollständigen Abzug
der sowjetischen Truppen gefordert.

Wenn sie zum Zeitpunkt der Madrider

Konferenz noch dort sein werden, dann werden wir weiterhin ihren Abzug
fordern.
Auch im eigenen Lande haben die sowjetischen Behörden ihre Unterdrückung der Freiheiten intensiviert, die zu fördern sie 1n Helsinki versprochen haben.
Die Verbannung von Andreij Sacharow, einem großen Wissenschaftler
und großen Humanisten, ins innere Exil ist der bekannteste aber leider
nicht der einzige Fall einer solchen Verletzung der Übereinkommen von
Helsinki,

über 40 mutige Männer und Frauen sind heute im Gefängnis oder

im Exil, weil sie in privaten Gruppen daran gearbeitet haben, die sowjetische
Regierung dazu zu bewegen, ihre Verpflichtungen von Helsinki zu erfüllen.
Sie sind zum Schweigen gebracht - aber in Madrid kann niemand ihre Sache
zum Schweigen bringen.
Die Madrider Konferenz wird eine nüchterne Konferenz sein. Es wird
offen und klar geredet werden - aber, so hoffen wir, auch ohne Polemik.
Wir streben nach Fortschritt, nicht nach Propaganda.

»
*

Natürlich gibt es auch einigen Fortschritt, den wir begrüßen können.
Einige vertrauensbildende Maßnahmen sind durchgeführt worden.

Die über-

einkommen von Helsinki haben dem langwierigen Prozeß des Abbaus der
Schranken zwischen Ost und West und der Erleichterung des Flusses von
Menschen und Ideen über einst geschlossene Grenzen hinweg Auftrieb gegeben.

So

sind beispielsweise im vorigen Jahr Tausende von Menschen aus

7 6 -

�aus osteuropäischen Ländern im Einklang mit den Verpflichtungen von
Helsinki nach dem Westen ausgewandert.

Es hat jüngst Anstrengungen einer

Reihe von Staaten gegeben, offene Fälle der Familienzusammenführung mit
den Vereinigten Staaten zu lösen, und wir begrüßen auch das.

Die Be-

stimmungen von Helsinki haben auch sowjetischen Juden zur Auswanderung
verholfen, obwohl die ermutigenden Rekordhöchststände, die 1979 erzielt
wurden, dieses Jahr nicht erreicht werden.

In Madrid werden wir eine

Erklärung für diesen Rückgang und eine Verpflichtung zum

Positiven ver-

langen.
Bei all diesen Fragen können wir in Madrid auf die Unterstützung
der großen Mehrheit der Teilnehmerstaaten rechnen.

Sie teilen mit uns

die Auffassungen über die internationalen Beziehungen, die den Absprachen
von Helsinki zugrunde liegen.

Ja, die Bemühungen um die Aushandlung

der Abkommen von Helsinki und nunmehr um die Garantie ihrer Durchführung
haben Westeuropa und die Vereinigten Staaten deutlicher denn jemals zuvor
die politischen und moralischen Werte und Interessen erkennen lassen,
die wir gemeinsam haben.

Zu einer Zeit, da häufig von westlicher Disharmonie

die Rede ist, kann das Folgetreffen von Madrid unserer Einigkeit über
fundamentale Werte und Zielsetzungen klaren Ausdruck verleihen.
Mit dieser Unterstützung können wir in Madrid die Ziele weiterverfolgen, denen wir uns in Helsinki verschrieben haben.
Wir wollen zu Fortschritten bei der Verwirklichung der Menschenrechte
seitens der Sowjetunion und ihrer Verbündeten ermutigen, und wir zögern
überhaupt nicht, in Madrid unsere eigene Bilanz den anderen zur Prüfung
vorzulegen.

Wir sind nicht perfekt, und wir sind mit Nachdruck und laufend

um Verbesserungen bemüht, weil die Wahrung und die Erweiterung der Menschenrechte Herz und Seele unseres gesamten Systems darstellen.
In

- 7 -

�In Madrid werden wir den KSZE-Prozeß nutzen, um noch mehr Schranken
gegenüber menschlichen Kontakten zwischen Ost und West niederzureißen
und um die Wiederzusammenführung von Familien sowie die Freizügigkeit, den
Fluß von Ideen und die LÖusng von Auswanderungsfragen zu fördern.
Als Teil eines ausgewogenen Ergebnisses werden wir versuchen, praktische
Fortschritte auf dem Gebiet der militärischen Sicherheit zu erreichen.

Das

Helsinki-Gremium sollte nicht in erster Linie zu einem Rüstungskontrollforum werden, aber die Vereinigten Staaten sind bereit, die Möglichkeit
zu prüfen, ob bedeutsame, verifizierbare und umfassende vertrauensbildende
Maßnahmen getroffen werden können, die zur Förderung der Sicherheit in
Europa beitragen.
Madrid bietet uns eine wichtige Gelegenheit, sowohl unseren echten
Wunsch nach besseren Ost-West-Beziehungen als auch unsere feste Ansicht
bezüglich der Grundsätze der Gegenseitigkeit und der beiderseitigen Zurückhaltung zu bekräftigen, auf denen sich praktisch durchführbare Bindungen
gründen müssen.
In Madrid wird es scharfe Gegensätze zwischen den Werten geben, die
wir hochhalten, und jenen, die die kommunistischen Länder zu fördern
versuchen. Wir werden jedoch nicht nach Madrid gehen, um Konflikte zu
suchen. Wir gehen vielmehr nach Madrid mit der Bereitschaft, Fortschritte
zu erzielen, und fühlen uns nur einem einzigen Wettstreit verpflichtet:
Dem Kampf um die Förderung der Freiheit und, durch Freiheit, der gegenseitigen Sicherheit.
Die Abkommen von Helsinki beinhalten für uns das Versprechen auf
ein freieres, humanereres und somit sichereres Europa - das nicht nur
auf einer Anpassung der Supermächte, sondern auf den fundamentalen
Grundsätzen des internationalen Verhaltens basiert.

- 8 -

Diese Prinzipien

�Prinzipien erfordern, daß die einzelnen Länder den Respekt ihrer Nachbarn
dadurch gewinnen, daß sie ihre Staatsbürger mit voller Achtung ihrer Rechte
und ihrer Würde als Einzelperson behandeln.
Mein eigenes Vertrauen in das letztliche Ergebnis dieses langen
Kampfes ist ungetrübt.
gezogen werden.

Die Rolle unseres Landes darf niemals in Zweifel

Um mit Archibald MacLeish zu sprechen:

"Es gibt Leute, die sagen werden, daß die menschliche Freiheit die Freiheit des Einzelnen und seines Geistes - nichts als ein Traum ist.
Und sie haben recht, es ist ein Traum. Es ist der amerikanische Traum."

+ + + + +

- 9 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. August 1980

36

MUSKIE GIBT ÜBERBLICK ÜBER AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK
Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuß

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie hat
in einer längeren Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Repräsentantenhauses einen Überblick über die Außenpolitik der Vereinigten Staaten gegeben.

In seinen Ausführungen am 30. Juli 1980 befaßte er sich dabei

in erster Linie mit der sowjetischen Invasion Afghanistans, mit den amerikanischen Geiseln in Teheran und mit den Bemühungen um einen Frieden im
Nahen Osten.
Die Ausführungen des amerikanischen Außenministers vor dem Ausschuß
haben folgenden Wortlaut:
Ich trete heute vor Sie mit der chronischen Beschwerde, daß ich in zu
kurzer Zeit über zu viele Dinge sprechen muß.
Das ist mir in den letzten zweieinhalb Monaten eigentlich immer passiert.
Heute möchte ich Sie mit meinen jüngsten Tätigkeiten, vor allem meine
jüngsten Gespräche im Ausland, vertraut machen.
Bevor

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Bevor ich mich jedoch diesen Reisen zuwende, möchte ich einige Worte
zu drei Themen sagen, die diese Gespräche bestimmten:

die sowjetische Be-

setzung Afghanistans, die amerikanischen Geiseln im Iran und der Verhandlungsprozeß im Nahen Osten.
Zuerst zu Afghanistan:
Ich brauche nicht auf die Geschichte eingehen.
dere haben unsere Auffassung klar dargelegt:

Der Präsident und an-

Die sowjetische Invasion ist

nicht nur ein Angriff auf das Volk von Afghanistan, sondern sie ist auch ein
Angriff auf die fundamentalen Prinzipien der internationalen Ordnung und
des internationalen Wohl Verhaltens.

Sie stellt eine ernsthafte potentielle

Bedrohung für den Weltfrieden und lebenswichtige westliche Interessen im
Gebiet des Persischen Golfes dar.
Aus all diesen Gründen haben die Vereinigten Staaten fest reagiert.
Wir haben Restriktionen für Getreide-, Hochtechnologie- und Phosphatexporte
nach der Sowjetunion verhängt.

Wir boykottierten die Olympischen Spiele

in Moskau und haben mitgeholfen, 59 weitere Staaten davon zu überzeugen,
das gleiche zu tun. Wir sind für die weitverbreitete Verurteilung der
sowjetischen Invasion durch die internationale Gemeinschaft eingetreten und
haben uns ihr angeschlossen.

Wir haben den vollständigen Abzug der sowje-

tischen Streitkräfte aus Afghanistan und eine politische Lösung der Krise
gefordert.
Welches sollten die Elemente einer solchen politischen Lösung sein?
Nach unserer Auffassung sind vier Elemente wesentlich:

sofortiger und voll-

ständiger Abzug aller sowjetischen Streitkräfte; Nichteinmischung in die
inneren Angelegenheiten Afghanistans durch ausländische Mächte; eine für
das afghanische Volk akzeptable Regierung und schließlich ein unabhängiges
und blockfreies Afghanistan.

- 2 -

�Wir sind bereit, über Übergangsregelungen für die Wiederherstellung
des Friedens in Afghanistan zu sprechen.

Solche Vereinbarungen könnten

zusammen mit dem sofortigen Abzug der sowjetischen Truppen verwirklicht
werden.
Aber ich sehe keine Anzeichen, daß die Sowjetunion an irgend etwas
anderem interessiert wäre, als dieses Land in ihrem militärischen Griff
zu halten
Nach unserem Urteil bedeutet der im vorigen Monat verkündete
"Abzug" nur eine Redislozierung von Truppen - meist von Einheiten, die für
diese Art Krieg nicht geeignet sind. Auf die sowjetische Ankündigung erfolgten keinerlei Schritte, die darauf schließen ließen, daß die Sowjets
bereit wären, über eine politische Lösung zu sprechen. In den letzten Tage
scheinen sich die Kämpfe sogar verstärkt zu haben. Der Widerstand des
afghanischen Volkes wächst weiterhin.
Daher halten wir es für wesentlich, den Druck aufrechtzuerhalten,
mit den Sanktionen fortzufahren und der Sowjetunion für ihre Aggression
einen anhaltenden Preis aufzuerlegen.
Wir werden auch weiterhin andere Staaten zu einer standhaften Haltung
drängen.
Und wir werden fortfahren, Aufmerksamkeit und Unterstützung für die
Sicherheit von über einer Million afghanischer Flüchtlinge zu fordern, die
derzeit heimatlos in Pakistan und im Iran leben.
Im Iran tragen das noch immer andauernde Festhalten der amerikanischen
Geiseln und das anhaltende revolutionäre Chaos zusätzlich zur Instabilität
der Region bei und verlängern die Krise zwischen unseren beiden Ländern.
Die Führung des Iran wird durch diese

hausgemachte Krise davon abgelenkt,

sich mit. den wirklichen Bedrohungen seiner Unabhängigkeit und Sicherheit
ausei nanderzusetzen.

Zu

�Zu diesem Zeitpunkt können wir einfach noch nicht vorhersagen, welche
Wirkung - wenn überhaupt eine - der kürzliche Tod des Schah auf die Lage
haben könnte, auch wenn iranische Persönlichkeiten in Führungspositionen
sagen, daß dies keinen Einfluß auf ihre Entscheidung hinsichtlich der Freilassung der Geiseln haben wird.
Wir drängen über alle uns offenen Wege auch weiterhin auf eine baldige
Freilassung der Geiseln.

Und wir erlegen auch weiterhin wirtschaftliche

Sanktionen auf, die dem Zweck dienen, den Führungspersonen des Iran die
Kosten klarzumachen, die diese Krise für ihre ureigensten Interessen mit
sich bringt.

Die meisten der wichtigsten Handelspartner des Iran haben in

großem Maß eine Politik der Isolierung des Iran unterstützt.
Gleichzeitig haben wir klarqestellt, daß wir und die Welt bereit sind,
uns auf der Grundlage des gegenseitigen Respekts mit dem Iran auseinanderzusetzen, sobald unsere Geiseln erst einmal freigelassen sind,

Es ist das

Festhalten der Geiseln, was den Iran daran hindert, sich besserer Beziehungen zu seiner Mitwelt zu erfreuen.
nisiert sich.

Das neue iranische Parlament orga-

Es gibt etwas Hoffnung, daß die Aussicht auf Freilassung

der Geiseln sich verbessern wird, wenn der interne Machtkampf innerhalb
des Iran einigermaßen entschieden ist. Jetzt und in den kommenden Wochen
werden wir alle diplomatische Quellen nützen, um die iranischen Führer zu
drängen, die Krise zu beenden.
Ich wünschte, ich könnte davon berichten, daß die kürzliche Freilassung
von Richard Queen zugleich vielversprechendere Folgerungen für die anderen
52 Geiseln habe.
tionen anstellen.

In der Tat können wir jedoch ganz einfach keine SpekulaWir sind ermutigt dadurch, daß die iranischen Autoritäten

Mitleid mit dem Leiden einer Geisel zeigten: wir hoffen, daß sie die fundamentale menschliche Dimension der ganzen Lage erkennen und rasch zur Freilassung der verbleibenden 52 schreiten.
Die iranischen Führer haben gesagt, sie hätten keinen Streit mit dem
amerikanischen Volk. Aber sie müssen einsehen , daß es gerade das ameri-

�amerikanische Volk ist, das die Freilassung der Geiseln fordert, solange
diese festgehalten werden.

Es sind Menschen wie Richard Queen und seine

Familie, die gelitten haben und die ihrer Freude Ausdruck geben werden,
wenn die Krise vorüber ist.
Ein dritter Bereich anhaltender Sorge, Herr Vorsitzender, ist der Nahe
Osten.

Die Camp David-Vereinbarungen von 1978 stellen einen historischen

Schritt in Richtung auf den Frieden dar.

Der Vertrag zwischen Ägypten und

Israel trägt auch weiterhin Früchte; er hat die Gefahr eines Krieges im
Nahen Osten vermindert.
Wie wir erwartet haben, haben sich die Verhandlungen hinsichtlich der
Autonomie für die Bewohner der West Bank und des Gaza-Streifens als schwierig und komplex erwiesen.
Aber es gibt Zeichen der Hoffnung.

Unsere Verhandlungsdelegation

hat sich in der Region aufgehalten und hat sich mit Israelis und Ägyptern
in intensiven Gesprächen über rechtliche, wirtschaftliche Themen und Probleme der Sicherheit sowie über die groben Umrisse
halten.

eines Abkommens unter-

Bei diesen Gesprächen haben beide Seiten eine neue Ernsthaftigkeit

ihrer Zielsetzung und die Bereitwilligkeit gezeigt, zu erwägen, wie man an
die schwierigen noch verbliebenen Probleme in neuer Weise herangehen kann.
Wenn die Gespräche in dieser positiven Weise weitergehen, dann erwarten
wir, daß die Leiter der Delegationen erneut mit Botschafter Linowitz etwa
Mitte August zusammentreffen werden.

Wir werden in den kommenden Monaten

weiterhin alles in unseren Kräften stehende tun, um ein Abkommen über die
Autonomie für die Bewohner der West Bank und des Gaza-Streifens zustandezubringen:

ein Abkommen, das die Sicherheitsbelange Israels voll berücksich-

tigen, das aber auch zu einem bedeutsamen und echten Wandel in der Situation
der Palästinenser führen muß.
In

- 5 -

�In unserem Bemühen, reale Verhandlungschancen zu fördern, werden wir
fest in unserer Haltung gegen einseitige Resolutionen über den Nahen Osten
in den Vereinten Nationen bleiben, wie gegenüber der einen soeben auf der
Sondersitzung der Vollversammlung vorgebrachten.
unausgewogen,
für eine

Diese Resolution war völlig

Sie berücksichtigte nicht die Resolution 242 als die Grundlage

Friedenslösung.

Sie anerkannte auch nicht das Existenzrecht Israels.

Wir stimmten gegen sie und waren erfreut, daß eine beträchtliche Zahl anderer
Mitglieder der Auffassung waren, sie könnten diese Resolution nicht unterstützen.

Solche Versuche werden uns dem Frieden nicht näher bringen.

Noch ein anderer Grundsatz gilt eindeutig für unsere Verhandlungsbemühungen.

Es ist der folgende:

Während die Verhandlungen geführt werden,

müssen alle Parteien einseitige Aktionen vermeiden, die dazu bestimmt sind,
den Ausgang der Verhandlungen zu präjudizieren, oder die bewirken könnten,
die Atmosphäre für erfolgreiche Verhandlungen zu verschlechtern.

Verhand-

lungen können nie zum Erfolg führen, wenn einer der Partner am Verhandlungstisch versucht, gleichzeitig einseitige Erfolge auf dem Terrain zu erzielen.
Sollten die Partner zu keinem Erfolg gelangen oder sollte der Prozeß
von Camp David durch mißgeleitete Interventionen zum Scheitern kommen,
dann könnte dies allerdings sehr ernsthafte Folgen haben.

Denn die Inter-

essen der gesamten Welt sind im Nahen Osten zutiefst engagiert.

Ein andau-

ernder Konflikt in dieser Region bedroht diese Interessen, gefährdet die Zukunft unserer Freunde in dieser Region, bringt die Gefahr einer Intervention
durch auswärtige Mächte - und gefährdet den Frieden der Welt.
Ich beginne mit der Erwähnung dieser drei gefährlichen Situationen,
Herr Vorsitzender, weil sie bei vielen meiner in jüngster Zeit geführten
außenpolitischen Diskussionen - und auch bei denen des Präsidenten - hier wie
im Ausland den Hintergrund gebildet haben.
Afghanistan, beispielsweise, war eindeutig das vordringlichste politische
Thema auf der Tagesordnung bei dem jüngsten Gipfeltreffen in Venedig. Ich

- 6 -

�Ich möchte kurz über das Treffen in Venedig - und über die anschließenden
Diskussionen in Ankara, wo die NATO-Minister zusammenkamen, berichten; ferner in K'a"!- Lumpur, wo ich mit den Außenministern der ASEAN-Staaten zusammentraf, und in Tokio, wo Präsident Carter dem verstorbenen Ministerpräsidenten Ohira die letzten Ehren erwies und mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Hua Guofeng zusammenkam.
Die Ergebnisse des Gipfeltreffens von Venedig, denen in der Öffentlichkeit am meisten Aufmerksamkeit zuteil wurde, waren die von den Staatschefs abgegebenen gemeinsamen Erklärungen zur Wirtschafts- und Energiesituation; und in der Tat haben Wirtschafts- und Energiefragen zwei der drei Gesprächsabschnitte des Gipfels beansprucht.
Die Ei&gt; r g«

hc+. in der Tat über 7 5 Prozent der Tagesordnung der Wirt-

schaftsgespräche eingenommen.

Das Resultat der Diskussion war ein klares,

starkes und un \vt.ide'jtiges Übereinkommen auf Seiten der großen Industriestaaten, bestimmte Ziele einzeln und im Verein zu verfolgen.

Die Staatschefs

kamen überein, auf eine beträchtliche Verringerung in ihrer Abhängigkeit
von ausländischem öl - innerneu o dieses Jahrzehnts - hinzuarbeiten; auf große
Energiecinsparungsanstrengungen zu drängen und wo möglich andere

Energie-

quellen als das öl zu nutzen - Kohle, Kernenergie, synthetische und erneuerbare Energiequellen.
Die Gespräche i" Venedig beschäftigten sich auch mit anderen Wirtschaftsfragen - vor allem r '~. der Inflation, !em Devisenmarkt v^ den schwerwiegenden wirtschaftlichen Problemen der weniger entwickelten Länder.
Ich will nicht den Versuch unternenmen, das zu wiederholen, was bereits
in den Kommuniques gesagt worden ist.

Lassen Sie mich lediglich unterstreichen,

was wir als die wesentliche Leistung dieser Wirtschaftsgespräche ansehen.
Erstens stellen sie einen Neubeginn dar - eine konzertierte Anstrengung der
Industriestaaten zur gemeinsamen Analyse ihrer wirtschaftlichen Probleme und
zur Erstellung gemeinsamer Ziele zu deren Lösung.

- 7 -

Zweitens sind die Kommu-

�Kommuniques in Einklang mit unseren eigenen Energie- und Wirtschaftspolitiken, ja, sie verstärken sie sogar.
Die politischen Gespräche in Venedig waren von einer ähnlichen Einheitlichkeit gekennzeichnet. Am Vorabend des Gipfeltreffens kündigten die Sowjets
ihren beabsichtigten Truppenabzug an.
war standhaft.

Die westliche Antwort kam rasch und

Die Führer forderten die Sowjetunion zu einem vollständigen,

nicht nur kosmetischen Abzug auf, falls sie wünschte, den durch die afghanische

Invasion hervorgerufenen Bruch zu heilen.

Lassen Sie mich kurz einen anderen Aspekt des Gipfeltreffens in Venedig
aufgreifen, der für die Vereinigten Staaten von großer Bedeutung war: die
Initiative der Europäischen Gemeinschaft zum Nahen Osten.
Die Vereinigten Staaten haben vor, während und nach den Treffen in
Venedig, hart daran gearbeitet, einen Punkt klarzustellen:

daß wir Initia-

tiven begrüßen, die den Camp David-Prozeß unterstützen - und daß wir nachdrücklich von Initiativen abraten, die diesen Prozeß untergraben könnten.
Nach Klarstellung dieses Punktes habe ich die Erklärung des italienischen
Premierministers Cossiga begrüßt, wonach die Europäische Gemeinschaft den
Camp David-Prozeß unterstützen möchte,.
Vorige Woche entschlossen sich die neun europäischen Außenminister,
den Außenminister von Luxemburg, Herrn Thorn, darum zu ersuchen, eine
Erkundungsmission in den Nahen Osten zu unternehmen. Wir gehen davon aus,
daß es sich um eine Mission handelt, die Tatsachen zusammenträgt, die die
Europäische Gemeinschaft in die Lage versetzen, sich ein klareres Bild davon zu machen, was man im Nahen Osten über den Friedensprozeß denkt.
Während diese Erkundung ihren Lauf nimmt, bleibt die Position der Vereinigten Staaten auch weiterhin klar und beständig:

wir sind der Meinung,

daß die Anstrengung der Europäer höchst konstruktiv sein wird, solange sie

- 8 -

�sie auf den laufenden Verhandlungen aufbaut.
ligung an diesen Verhandlungen begrüßen.

Wir würden eine größere Betei-

Aber wir glauben, daß es ein

schwerer Fehler wäre, eine Lösung zu ermutigen, die nicht ausgehandelt werden kann, oder die zentrale Tatsache zu ignorieren, daß die komplexen politischen Verhältnisse bereits in autonomen Verhandlungen in Angriff genommen
werden.
Gleich nach dem Gipfeltreffen in Venedig flog ich nach Ankara zum Ministertreffen des Nordatlantikrates - das erste Treffen dieser Art in der
Türkei seit 1960.
In Ankara unterstrich ich so nachdrücklich wie möglich die Bedeutung
der Schritte unserer Verbündeten für unser gemeinsames Ziel der Abschreckung
weiterer sowjetischer Aggression. Nach einer äußerst freimütigen Diskussion
einigten sich die Minister auf ein standhaftes, Afghanistan betreffendes
Kommunique, das auf der Erklärung von Venedig aufbaute.
Ich nützte meine Anwesenheit in Ankara zu einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Demirel und dem griechischen Außenminister
Mitsotakis.

Ich unterstrich ihnen gegenüber die Bedeutung der Stärkung des

südöstlichen Flügels der NATO; daß es zur Erreichung dieses Zieles nötig
sei, daß Griechenland seine aktive Teilnahme an der NATO wiederaufnimmt und
daß Griechenland und die Türkei weiter an der Lösung ihrer Gegensätze arbeiten.

Sie wiederum betonten erneut ihre Verpflichtung, auf diese Ziele hinzu-

wirken - und nach dem NATO-Ministertreffen führten der türkische und der
griechische Außenminister längere Gespräche, die, soweit ich hörte, recht
positiv verlaufen sind.
Nach dem Abflug von Ankara reiste ich um die halbe Welt nach Kuala Lumpur.
Dort traf ich die Außenminister der ASEAN-Staaten - Thailands, Malaysias,
Singapurs, Indonesiens und der Philippinen, sowie mehrerer anderer Staaten,
die den Dialog mit ASEAN unterstützen - Australien, Neuseeland, Kanada und
Japan.
Diese
- 9 -

�Diese Gespräche fanden angesichts des vietnamesischen Angriffs über die
thailändische Grenze hinweg statt - eines Angriffs, den wir zutiefst verurteilen.

Ich kündigte in Kuala Lumpur eine Reihe konkreter Schritte zur Stär-

kung der thailändischen Verteidigung an.

Diese beinhalten zwei Millionen

Dollar Soforthilfe, beschleunigte Lieferung von Panzern und anderen Waffen
sowie verbesserte Kreditbedingungen für Thailand.
Die zehn Außenminister veröffentlichten in Kuala Lumpur außerdem ein
gemeinsames Ersuchen an Generalsekretär Waldheim, um das Prestige seines
Amtes einzusetzen, damit die Nahrungsmittel lieferungen zur Unterstützung
Tausender verzweifelter kambodschanischer Flüchtlinge entlang der thailändischen Grenze wieder aufgenommen werden.

Ich bestätigte erneut unsere Ab-

sicht, nach Konsultationen mit dem Kongreß im Haushaltsjahr 1981

168 000

Flüchtlinge aus Südostasien aufzunehmen und so mitzuhelfen, die gewaltige
Last etwas zu vermindern, die die ASEAN-Staaten als erste Zufluchtstätte
tragen.
Der Besuch in Kuala Lumpur verwirklichte mehrere Absichten.

Er unter-

strich die Bedeutung, die wir unseren Beziehungen zu Asien beimessen.
stärkte unsere wachsende Beziehung zu ASEAN.

Er

Und er demonstrierte Hanoi

und Moskau unsere fortgesetzte Unterstützung der Unabhängigkeit und Integrität des nicht-kommunistischen Südostasiens.
Am 29. Juni kehrte ich von Kuala Lumpur nach Hause zurück. Am 9. Juli
reiste ich erneut in den pazifischen Raum, um Präsident Carter nach Tokio
zum Begräbnis von Präsident Ohira zu begleiten.
Mit Rücksicht auf Japans offizielle Trauer wurden keine Gespräche mit
den Japanern anberaumt.

Doch glaube ich, daß der lebendige Ausdruck unseres

Respekts für Ministerpräsident Ohira und für unsere Freundschaft zu Japan
durch den Präsidenten eine äußerst günstige Atmosphäre des guten Willens in
unseren Beziehungen geschaffen hat.
In
- 10 -

�In Tokio traf Präsident Carter zum ersten Mal mit dem Ministerpräsidenten
der Volksrepublik China, Hua Guofeng, zusammen.
drucksvolle Weise entspannt und herzlich.

Dieses Treffen war auf ein-

Es bestätigte, daß die strate-

gischen Ansichten unserer beiden Länder an mehreren wichtigen Punkten übereinstimmen.

Wir sind beispielsweise einer Meinung hinsichtlich der Bedeu-

tung der Unterstützung von Staaten, die durch Aggression an ihren Grenzen
unter Druck gesetzt werden, wie etwa Thailand und Pakistan.

Und wir sind

einer Meinung darüber, daß die chinesisch-amerikanischen Beziehungen gute
Fortschritte machen.
Die Treffen, die ich beschrieben habe, unterschieden sich in vieler
Hinsicht, Herr Vorsitzender.

Aber zusammenfassend glaube ich, einige ge-

meinsame Nenner zu finden.
Erstens:

obwohl es ohne Frage unterschiedliche Auffassungen zwischen

uns und unseren Freunden und Verbündeten über die Art und Weise der Reaktion
gibt, so habe ich doch eine eindrucksvolle Übereinstimmung auf beiden Seiten
der Erde hinsichtlich eines Punktes gefunden:

daß die Sowjetunion Kräfte

und Ereignisse in Bewegung gesetzt hat, die die Weltstabilität bedrohen,
die eine Gefahr für die Interessen und die Sicherheit freier und unabhängiger Staaten sind - und denen es sich zu widersetzen gilt.

Ich glaube, es

gelang mir, meinen Kollegen unsere Absicht deutlich zu machen, uns unserer
Verantwortung zu stellen, und wie wichtig es ist, daß sie ihr Teil beitragen.
Zweitens: auf beiden Seiten der Welt habe ich eindrucksvolle Unterstützung für die Ansichten und Positionen der Vereinigten Staaten gefunden.
Das Zeitalter der Einheit im Gleichschritt zwischen den Vereinigten Staaten
und ihren Verbündeten ist vorbei - das ist sicher. Die verstärkte wirtschaftliche und politische Macht der anderen Industriestaaten und die Wahrnehmung
ihrer eigenen Interessen machen dies unvermeidlich. Die gegenwärtige Lage
aber als "Verwirrung" oder "Uneinigkeit" zu beschreiben, würde bedeuten, den
wirklichen Zustand unserer Beziehungen völlig zu verkennen. Unter dem Strich
stehen nach Venedig und Ankara und den anderen erwähnten Treffen gegenseitiger

- 11 -

�gegenseitiger Respekt und Kooperation.

Darüber sollte es keine Zweifel geben.

Lassen Sie mich damit schließen, Herr Vorsitzender, daß ich mich von
den speziellen Themen und Ereignissen ab- und der Diskussion zweier allgemeinerer Probleme zuwende: dem Zustand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen und dem Zustand unserer bedeutendsten kooperativen Struktur, des NATOBündnisses.
Daß die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
äußerst angespannt sind, kann nicht geleugnet werden.

Und daß diese Spannung

zum großen Teil durch das sowjetische Verhalten hervorgerufen wurde, ist
ebenfalls nicht zu leugnen.
Was bedeutet diese derzeitige Spannung für die Zukunft?

Lassen Sie mich

kurz einige Punkte aufführen.
Die Beziehung zwischen den beiden Großmächten hat den wohl entscheidendsten
Einfluß auf den Frieden in der Welt. Daher bleibt eine stabile, ausgewogene
Beziehung zwischen unserem Land und der Sowjetunion unser Ziel.
Wir bleiben auch weiterhin an einer Verminderung der Spannung und der
sich ausweitenden Zusammenarbeit mit der Sowjetunion interessiert. Wie aber
der Präsident letztes Frühjahr in Philadelphia sagte: "Entspannung muß aufbauen auf einer stabilen Grundlage der Abschreckung". Die Sowjets müssen begreifen, daß sie nicht rücksichtslos den Weltfrieden bedrohen können, daß sie
keine Aggression begehen und dennoch sich der Vorteile der Zusammenarbeit
mit den Vereinigten Staaten und dem Westen erfreuen können.
Sie müssen begreifen, daß die Invasion Afghanistans eine tiefgreifend
negative Auswirkung auf die öffentliche Meinung der Welt - einschließlich
Amerikas - hatte.
Lassen Sie mich nach dieser Feststellung klarmachen, daß der Weg zu besseren Beziehungen offen steht, wenn die Sowjets ihr Verhalten ändern.
- 12 -

Diesen

�Diesen Wag ziehen wir eindeutig vor.

Wir sind bereit, die Sowjetunion als

eine große Weltmacht mit eigenen legitimen Interessen zu akzeptieren.

Wir

haben ke&gt;n Interesse an einem unversöhnlichen kalten Krieg, in dem die
Sowjetunion für alle Instabilitäten der Welt verantwortlich gemacht wird.
Wir wissen sehr wohl, daß die Welt für solche simplen Vorstellungen zu kompliziert ist.
Aber wir werden darauf beharren, daß Moskau die legitimen Interessen anderer Nationen respektiert und daß es seinen eigenen Vorteil nicht auf eine
Weise verfolgt, die das Gewebe des Weltfriedens bedroht.
».

Kurz gesagt, wir streben nach Verhandlungen und besseren Beziehungen
zur Sowjetunion. Aber wir haben nicht die Absicht, unsere Interessen, unseren
gesunden Menschen.erstand und unsere langfristigen Friedensaussichten im
Namen der Entspannung zu opfern.
Diese Haltung wird ganz deutlich in unserer Einstellung zu einer akuten
Ost-West-Frage:

die Frage der nuklearen Raketensysteme in Europa.

Im Dezember vorigen Jahres haben die NATO-Verbündeten, wie Sie wissen,
den Beschluß gefaßt, in einem zweigleisigen Verfahren das militärische Ungleichgewicht in Europa, das durch die sowjetische Aufrüstung mit SS-20-Raketen und Backfire-Bombern hervorgerufen wurde, anzupacken.
Das erste Verfahren besteht darin, die NATO-Streitkräfte mit Pershing
II-Raketen und Boden-LuFt-Marschflugkörpern aufzurüsten, und dieser Beschluß
ist in der Durchführung.
Das zweite Verfahren besteht im Streben nach Verhandlungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion im Zusammenhang mit SALT III-Verhandlungen über eine Begrenzung landgestützter Fernraketen.
Im vorigen Monat verzichteten die Sowjets auf ihre Forderung, daß solche Gespräche nicht stattfinden könnten, bevor die NATO ihre Modernisierungs- 13 -

�Modernisierungspläne eingestellt oder aufgegeben habe.

Wir und unsere Ver-

bündeten betrachten dies als einen Erfolg unserer zweifachen Verpflichtung,
ein stabiles militärisches Gleichgewicht und gleichzeitige Rüstungsbegrenzungen anzustreben.
Wir bereiten uns jetzt auf diesen ersten Gedankenaustausch vor.

Wir

werden uns eng mit unseren Verbündeten konsultieren, ehe wir mit den Sowjets
zusammenkommen.

Wenn SALT II ratifiziert sein wird - ein Ziel, dem wir fest

verpflichtet bleiben - kann dieser erste Gedankenaustausch zu formellen Verhandlungen und, wie wir hoffen, zu einer echten Begrenzung der TNF im Rahmen
von SALT III führen.
Wir sind der Überzeugung, daß die Klugheit unserer Politik - einer Politik der Festigkeit und der Bereitschaft zu kooperativen Vereinbarungen durch die Ereignisse bestätigt worden ist.
Es ist wichtig, sich darüber klar zu werden, daß dies auch die Grundeinstellung unserer Verbündeten ist.

Die Sowjetunion würde einen großen

Fehler machen, wenn sie glaubte, daß sie uns in grundlegenden Fragen von
unseren Verbündeten trennen könnte.

Die Ergebnisse von Venedig und Ankara

machen das ganz deutlich - und die Erklärungen von Bundeskanzler Schmidt bei
seinem Besuch in Moskau bekräftigten diesen Punkt.
Lassen Sie mich ganz offen reden.

Wir und unsere Verbündeten haben

vor einigen Monaten eine schwierige Periode durchgemacht.

Wir stießen auf

Schwierigkeiten, weil wir vor einer beispiellosen Situation standen.

Die

sowjetische Invasion Afghanistans war eine Herausforderung unserer gemeinsamen
Interessen, wenn auch nicht unseres kollektiven Territoriums.

Und wir such-

ten nach Wegen, um eine gemeinsame Antwort auf diese neue Herausforderung
zu finden, und dabei entstanden Differenzen zwischen uns.
Wir haben diese Schwierigkeiten überwunden.

In Venedig und Ankara zeig-

ten die Verbündeten sich als fähig, gemeinsam zu handeln und zu sprechen.

- 14 -

Wir

�Wir signalisierten den Sowjets, daß wir es mit Afghanistan ernst meinen und mit der weitergehenden Frage der Einhaltung der Regeln des internationalen Verhaltens.
Heute stehen die Verbündeten in Fragen des Interesses zusammen, das
jenseits der Grenzen des Vertragsgebietes liegt.
Und sicherlich stehen wir zusammen, wenn es zur Verteidigung dieses
Gebietes kommt.

Die Verpflichtungen der NATO in den letzten Jahren sind ein

deutlicher Beweis dafür:

das Langfristige Verteidigungsprogramm; die gemein-

same Verpflichtung zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben um real drei Prozent pro Jahr; die Entscheidung vom Dezember vorigen Jahres, das TNF-Gleichgewicht in Europa durch die Dislozierung neuer Raketen und durch Verhandlungen über eine Begrenzung der Raketenstreitkräfte wiederherzustellen.
Es wird ein zentrales Problem bleiben, die Sowjets daran zu hindern,
unser Bündnis zu spalten - und der verführerischen aber gefährlichen Illusion
zu widerstehen, daß Europa eine stabile Insel der Entspannung bleiben könne,
während die Sowjets anderswo gefährliche Situationen schaffen. Um mit diesem Problem fertig zu werden, wird es einer nachhaltigen und subtilen Diplomatie bedürfen; es wird vom amerikanischen Volk Geduld und Klugheit verlangen.
Aber wir sind auf dem richtigen Wege.
Diese Regierung, Herr Vorsitzender, hat sich einer Außenpolitik verschrieben, die gleichzeitig stark und großzügig ist.
Wir verfolgen das ehrgeizigste militärische Programm seit zwei Jahrzehnten.

Aber wir werden uns dagegen wehren, in einen Kreis neuerlichen Wett-

rüstens eingeschlossen zu werden - denn ein ungezügeltes Wettrüsten würde
Amerika im eigenen Lande bedrohen, ohne unsere Sicherheit zu erhöhen.
Wir
- 15 -

�Wir arbeiten mit unseren Verbündeten in einer Atmosphäre gegenseitiger
Anhörung und Unterstützung zusammen.

Aber wir lehnen die Illusion ab, daß

wir zu der Art von Vorherrschaft zurückkehren könnten - oder sollten - derer
wir uns erfreuten, als sich unsere Verbündeten noch vom Zweiten Weltkrieg
erholten.
Wir wenden uns nachdrücklich gegen sowjetisches Abenteurertum.

Aber

wir haben kein Interesse an einer Politik sturer Feindseligkeit, die hinter
jedem dritten Stein in der Welt einen Russen sieht.
Und schließlich, Herr Vorsitzender, arbeiten wir daran, Frieden und Stabilität aufzubauen - in Afrika, im Nahen Osten, in Mittelamerika und in anderen Unruhegebieten.
In jedem dieser Gebiete haben wir das Verständnis und die Zusammenarbeit
dieses Ausschusses gefunden und, Herr Vorsitzender, Ihre Unterstützung für
die Mittel, die für den Erfolg notwendig sind.
Wir begrüßen diese anhaltende Unterstützung, denn ich bin, Herr Vorsitzender, überzeugt, daß wir die beste Politik für heute und für das kommende Jahrzehnt machen.

Und ich bin überzeugt, daß diese Politik der Aus-

druck der Meinung und des Willens, des Realismus und des gesunden Menschenverstandes der großen Mehrheit des amerikanischen Volkes ist.

- 16 -

�Information

vO

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

36

6. August 1980

GEMEINSCHAFTSPROJEKT: SYNTHESEBRENNSTOFF-PRODUKTION
Abkommen zwischen Bundesrepublik, Japan und USA in Washington
unterzeichnet

WASHINGTON - (AD) - Die Regierungen und einige Firmen der Länder Bundesrepublik, Japan und Vereinigten Staaten sind an dem Gemeinschaftsprojekt zur
Herstellung synthetischer Flüssigbrennstoffe aus Kohle beteiligt, zu dem
am 31. Juli 1980 in Washington im Rahmen einer Zeremonie im Weißen Haus die
endgültige Vereinbarung von Präsident Carter, dem deutschen Botschafter
Peter Hermes und dem japanischen Botschafter Yoshiro Okawara unterzeichnet
wurde.

Das erste internationale Programm für diesen Bereich der Technik

sieht den Bau einer Demonstrationsanlage zur Kohleverflüssigung in Morgantown
(West-Virginia) vor, die 1984 in Betrieb genommen werden soll.
werden mit 1,4 Milliarden Dollar veranschlagt.

Die Kosten

Bei einem Tagesdurchsatz von

6000 Tonnen Kohle von hohem Schwefel- und Aschegehalt will man pro Tag
20 000 Faß Syntheseöl erzeugen.

Das Produkt eignet sich u.a. zur Gewinnung

von Benzin, leichtem Heizöl und Kesselheizöl.

Die Firmen Gulf Oil Corpo-

ration (USA), Ruhrkohle AG und VEBA (Bundesrepublik) sowie Japan SRC, Inc.
(ursprünglich vertreten durch das japanische Unternehmen Mitsui) sind die
industriellen Partner des Projekts.
Es

Postfach 20 03 00 Tel: 0228-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Es gilt als ein wichtiger Schritt der drei Länder, um ihre starke
Abhängigkeit von Importöl abzubauen, und den auf den Wirtschaftsgipfelkonferenzen von Tokio und Venedig eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen.

Gleichzeitig werden sich durch die Zusammenarbeit neue Impulse

zur Intensivierung der Handelsbeziehungen der drei Staaten ergeben.

Das

in Morgantown demonstrierte Verfahren dürfte von Japan und der Bundesrepublik auch in eigenen Verflüssigungsanlagen für Kohle angewandt werden.
Die Bundesrepublik Deutschland und Japan übernehmen je ein Viertel
der Kosten.

Die Gulf Oil Corporation, die bereits im Stadium von Pilot-

projekten über ihre Tochtergesellschaft "Pittsburg and Midway Coal Mining
Company" das Verflüssigungsverfahren erprobte, wird eng mit den deutschen
und japanischen Firmen zusammenarbeiten und 100 Millionen Dollar zum Bau
und Betrieb der Anlage beisteuern.

Die restlichen Kosten für das Projekt

selbst und die einschlägigen Forschungsarbeiten, d.h. etwa 43 Prozent des
1,4 Milliarden-Dollar-Programms, übernimmt das US-Energie-Ministerium.
Im Werk Morgantown kommt als SRC-Prozeß (Abkürzung von "Solvent
Refined Coal") ein Verfahren zur Anwendung, das die direkte Kohleverflüssigung unter Vermeidung des Umwegs über die Kohlevergasung ermöglicht.
Pittsburg &amp; Midway leisteten bereits Anfang der sechziger Jahre Pionierarbeit auf diesem Gebiet und haben die Methode seitdem mit finanzieller
Unterstützung durch die US-Regierung ständig weiter verbessert. Die erste
Versuchsanlage wurde 1965 in Merriam (Kansas) in Betrieb genommen; seit
1974 arbeitet eine Pilotanlage mit einem Kohledurchsatz von 50 Tonnen pro
Tag in Fort Lewis bei Tacoma (Bundesstaat Washington).
Das SRC-Verfahren zeichnet sich dadurch aus, daß es nicht nur wirtschaftlicher ist als die Mehrzahl der bisher entwickelten Hydrierprozesse,
sondern auch die Umwandlung hoch schwefel- und aschehaltiger Kohle zuläßt.
Bei den älteren Verfahren bereiten diese Beimengungen erhebliche Schwierigkeiten. Beim SRC-Prozeß werden in einer Reaktorkammer, dem sog. Dissolver,
bei hoher Temperatur und unter hohem Druck auf direktem Wege flüssige

- 2 -

�flüssige Brennstoffe erzeugt.

Dabei entstehen Kohlenwasserstoffe verschie-

dener Viskosität und Flüchtigkeit - vom Heizöl bis zum Methan.

Der in der

Kohle enthaltene Schwefel wird größtenteils in Schwefelwasserstoff umgewandelt, der leicht abzuscheiden ist. Das SRC-Verfahren ist so angelegt, daß
es Lösungsmittel, Katalysator und Wasserstoff, die dafür benötigt werden,
selbst produziert.
Wie Robert Hänfling vom US-Energieministerium erklärte, zählt der SRCProzeß zu den relativ umweltschonenden Verfahren der Kohleumwandlung. Das
Hydrierwerk emittiert nur einen Bruchteil dessen an Schwefeldioxid und
Kohlendioxid, was Anlagen abgeben, die Kohle verbrennen. Stoffe, die während des SRC-Prozesses entstehen, können zurückgeführt oder am Standort
des Werks beseitigt werden.
16 Elektrizitätswerke haben sich bisher bereit erklärt, als Teil eines
Forschungs- und Entwicklungsprogramms SRC-Produkte vom Werk Morgantown abzunehmen und einen Aufschlag von zwei Dollar zum Weltmarktölpreis zu bezahlen.

Das Firmenkonsortium für Morgantown beabsichtigt, sofern sich in den

ersten zwei Betriebsjahren keine besonderen Schwierigkeiten ergeben, das
Hydrierwerk auf eine Kapazität von 30 000 Tonnen Kohledurchsatz pro Tag zu
erweitern.

Die Produktion im großtechnischen Ausmaß könnte, so Hänfling,

wahrscheinlich 1989 beginnen.

Der Tagesausstoß einer solchen Anlage ent-

spräche etwa dem einer Erdölraffinerie mit 100 000 Faß pro Tag; eine Produktionskapazität dieser Größenordnung würde ausreichen, um pro Jahr bis
zu 35 Millionen Faß Importöl zu ersetzen.

- 3 -

�ai
3

UUi//cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

36

6. August 1980

BILLIGERES VERFAHREN ZUR ABSCHEIDUNG VON STAUB

- (AD) - Ein neues, kostengünstigeres Verfahren zur Entstaubung der
Abluft kohlebefeuerter Heizkessel in der Industrie wurde von der amerikanischen Firma General Motors Corporation entwickelt.

Wie ein Sprecher des

Unternehmens bekanntgab, wird die neue SpezialVorrichtung, ein sogenannter
Seitenstrom-Separator, mit den heute üblichen mechanischen Staubsammlern
an Kesseln mit Stokerfeuerung gekoppelt.

Dadurch wird es möglich, aus der

Abluft Staubteilchen auszufiltern, die kleiner sind als 10 Micron (1/100 mm),
Der Kostenaufwand für den Einbau einer solchen Anlage ist um 30 bis 60 Prozent geringer als bei anderen Vorrichtungen für die Emissionskontrolle
- beispielsweise bei der Verwendung elektrostatischer Staubabscheider oder
verschiedener anderer Systeme.
Die General Motors Corp., deren Ingenieure den Seitenstrom-Separator
ursprünglich zur Anwendung in ihren Karosserie-Werken entwickelt hatten,
erklärten sich bereit, das Verfahren dem US-Bundesamt für Umweltschutz
(EPA) und interessierten amerikanischen Firmen, die Kessel mit Stokerfeuerung verwenden, kostenlos zur Verfügung zu stellen. Das Unternehmen hofft,
auf diese Weise dazu beitragen zu können, daß in der Industrie die Umstellung von öl- auf Kohlefeuerung beschleunigt vorgenommen wird. Gegenwärtig
sind in den Vereinigten Staaten etwa 7500 kohlebefeuerte Kesselanlagen, davon 4800 mit Stokerfeueruno.. in Betrieb.
Postfach 2 0 0 3 OO
D 5 3 0 0 Bonn 2

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                <text>Amerikadienst 06.08.1980</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter: Sowjets haben Prinzipien von Helsinki mißachtet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärungen zum 5. Jahrestag der Unterzeichnung der Schlußakte -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Muskie gibt Überblick über amerikanische Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuß -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gemeinschaftsprojekt: Synthesebrennstoff-Produktion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;-Abkommen zwischen Bundesrepublik, Japan und USA in Washington unterzeichnet -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Billigeres Verfahren zur Abscheidung von Staub</text>
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I 3

Information
und
Dokumentation

1

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. August 1980

37

INHALT

DOKUMENTATION
Außenminister Muskie erläutert Bündnissysteme der USA
- Rede vor dem Commonwealthclub in San Francisco Brown:

USA wollen keinen Atomkrieg

- Schreiben an die NATO-Verteidigungsminister -

HINTERGRUNDMATERIAL
Ausreichende Reserve entscheidend fürj^ahrung^smHtelversorgung der
Weltbevölkerung
- USICA-Interview mit Dale Hathaway, Staatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Das Meer - Energiequelle für Inseln und Küstenländer
- USA intensivieren Forschungs- und Entwicklungsprogramme
Start des Raumtransporters: Mä'rz 1981

Um Übcr/cncJung von
BcIcgcKcmplorcn wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Dokumentation

a

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. August 1980

37

AUSSENMINISTER MUSKIE ERLÄUTERT BÜNDNISSYSTEME DER USA
- Rede vor dem Commonwealthclub in San Francisco -

SAN FRANCISCO - (AD) - Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie
hielt am 9. August 1980 in San Francisco vor dem Commonwealthclub eine Rede,
in der er sich eingehend mit den Bündnissystemen, denen die Vereinigten Staaten angehören, befaßte.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Als der Präsident mir den Posten des neuen Außenministers anbot, sicherte er mir zu, daß es nicht allzu viel zu reisen geben werde.
Seither bin ich in Brüssel und Wien gewesen, in Venedig, Ankara und
Kuala Lumpur; zweimal in Japan.
Nun ist das Reisen gar nicht so schlecht.

Denn ich habe herausgefunden,

daß es eine Ähnlichkeit gibt zwischen Auslandsreisen und dem Senioritä'tssystem im Senat: man findet mit der Zeit immer mehr Geschmack daran.
Teils

Postfach 20 0 3 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Teils aufgrund der Umstände, aber zum größeren Teil aus eigenem Antrieb,
verwendete ich einen ansehnlichen Teil meiner Zeit im Verlauf der letzten
zweieinhalb Monate - sowohl während meiner Reisen als auch zu Hause - auf das
Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Hauptverbündeten.
Ich habe dies getan, weil ich zutiefst davon überzeugt bin - und das
war zu jedem Zeitpunkt meiner öffentlichen Laufbahn der Fall -, daß die Stärke und der Zusammenhalt unserer Bündnisse für unser Wohlergehen als Amerikaner
lebenswichtig sind.
Heute möchte ich gemeinsam mit Ihnen einige Überlegungen hinsichtlich
unserer grundlegenden Bündnisse anstellen: hinsichtlich ihres derzeitigen Zustandes und ihrer Entwicklung in der Zukunft.
Meine eigene öffentliche Laufbahn begann, als unsere Sicherheitsbündnisse der Nachkriegszeit - vor allem der NATO und unsere Bündnisse mit Japan geschlossen wurden.

Von jenem Zeitpunkt an bis heute gab es kaum einen Augen-

blick, in dem die Stärke dieser Partnerschaften nicht in Frage gestellt wurde.
Journalisten und andere "Untersuchungsbeamte" überprüften regelmäßig
unsere Bündnisse und fanden sie gefährdet:
auch durch "gähnende Löcher".

durch "Haarrisse" -, manchmal

Sie beschreiben diese Probleme mit Worten wie

"Verwirrung und Unordnung".
Vor den gleichen Behauptungen stehen wir heute.
Es wäre wahrscheinlich möglich, eine Antwort darauf einzig auf die höchst
reale und breite Übereinstimmung zu gründen, die sich auf dem Gipfeltreffen
von Venedig sowie auf dem Treffen der NATO-Minister in Ankara zeigte.
Aber ich möchte nicht in der Rhetorik globaler Beteuerungen schwelgen.
Tatsache ist, daß es Meinungsverschiedenheiten zwischen uns gibt.
Auch
- 2 -

�Auch biete ich nicht die Rhetorik der Gegenbeschuldigungen an. Gelegentliche Spannung zwischen freien Verbündeten ist verständlich.

Wir und

unsere Verbündeten stehen jetzt sowohl vor neuen Herausforderungen als auch
vor den alten Herausforderungen für die Interessen außerhalb der Grenzen
unserer Bündnisse und wieder anderen, die sich aus unserer wachsenden wirtschaftlichen Interdependenz ergeben.

Unsere gemeinsamen Ziele jedoch sind dauerhaft:

wir stehen zusammen,

um unsere demokratische Lebensweise zu erhalten, indem wir vor Krieg abschrecken und indem wir daran arbeiten, die Spannungen zwischen uns und unseren Gegnern abzubauen.

Aber während wir diese überdauernden, zentralen Ziele verfolgen, müssen die Formen unserer Zusammenarbeit ausgeweitet werden.
über unsere gemeinsame Verteidigung hinaus ist es stets für uns und
unsere Verbündeten wünschenswert gewesen, unsere Handlungen in anderen Teilen der Welt zu koordinieren.

Heutzutage jedoch ist diese weitere Zusammen-

arbeit nicht nur wünschenswert, sondern unabdingbar.
in einer neuen Ära.

Denn wir befinden uns

Wir leben in einer Zeit, da die zentralen Interessen der

demokratischen Industriestaaten nicht nur durch drohende militärische Gewalt
an den unmittelbaren Grenzen berührt werden, sondern auch durch die Tatsache
entfernterer Aggression.

Es ist ein Zeitalter, da die Wirtschaftspolitik

ebenso wie die militärische Strategie unserer Sicherheitsinteressen grundlegend beeinflussen - ein Zeitalter, da wir uns sowohl über die direkte
Bedrohung durch bewaffnete Angriffe als auch die Bedingungen Gedanken machen
müssen, die in der Welt der Entwicklungsländer Aufruhr schaffen.

Und es ist

ein Zeitalter, in dem die Verteidigung der gemeinsamen westlichen Interessen
in zunehmendem Maße konzertierte westliche Reaktion erfordert.

Den Herausforderungen dieses neuen Zeitalters müssen wir uns stellen.
Die demokratischen Industrieländer

müssen eine koordinierte Reaktion auf

- 3 -

�auf die bedrohlichen Ereignisse jenseits der Bündnisgebiete entwerfen.
wir dies nicht, so könnten die Folgen schwerwiegend sein.

Tun

In allen unseren

Staaten könnte sich das Vertrauen in unsere Bündnisse und das Vertrauen zueinander aushöhlen.

Und wenn wir zulassen, daß kurzfristige nationale Anliegen

uns davon abbringen, uns den strategischen Herausforderungen zu stellen, die
wir alle teilen - wie etwa in Afghanistan -, würden wir unsere zukünftige
Sicherheit gefährden.

*

Es gab in den vergangenen Monaten Spannungen, als wir und unsere Verbündeten neue Reaktionen auf die Aggression in Afghanistan und den Terrorismus
in Teheran ausarbeiteten.
Aber die Meinungsverschiedenheiten, die es dabei gegeben hat, sollten
eine zentrale Tatsache nicht verdunkeln: mit den Maßnahmen, die wir ausarbeiten, schaffen wir zugleich neue Formen der Zusammenarbeit.
zeß hat beträchtlichen Lärm verursacht.

Dieser Pro-

Aber zum größten Teil sind die

Töne, die wir hören, konstruktive Töne.
Verschaffen wir uns zunächst Klarheit über die grundlegende Stärke, die
im Mittelpunkt dieser Beziehungen steht.
Unsere Bündnisse sind erfolgreich, was ihre grundlegende Sinngebung anbelangt - die kollektive Verteidigung ihres gemeinsamen Territoriums.
Die Nordatlantische Verteidigungsgemeinschaft hat mehr als 30 Jahre Frieden hervorgebracht. Eben weil sie eine Aggression gegen Westeuropa vernichtend zurückweisen könnte, hat die NATO diese Aggression abgeschreckt.
»

In diesem Prozeß hat die NATO bemerkenswerte Elastizität und Wachstum
gezeigt.
- Wir haben erfolgreich weitreichende Anpassungen der strategischen
Doktrin in den Griff bekommen: den Übergang aus dem Zeitalter der massiven

- 4 -

�massiven Vergeltung zu einer realistischeren Strategie - einer Strategie
der flexiblen Antwort auf die gesamte Bandbreite der Gefahren, denen wir
gegenüberstehen.
- Im Juni 1978 hat die NATO das Langfristige Verteidigungsprogramm angenommen, um die Schwächen in unserer Verteidigung auszumerzen und für die
Zukunft vorzusorgen.
- Die NATO-Verbündeten haben sich zu dem Ziel eines dreiprozentigen
Real Zuwachses der Verteidigungsausgaben pro Jahr verpflichtet.
- Die NATO reagiert wirkungsvoll auf die Anwesenheit neuer sowjetischer
Kernwaffen im europäischen Bereich: mit neuen eigenen Systemen und mit einem
Angebot, mit den Sowjets wirklich gleichmäßige Beschränkungen dieser Waffen
auszuhandeln.
Dies sind die Anstrengungen eines Verteidigungsbündnisses, das kraftvoll seinen grundlegenden Zweck verfolgt: starke und entschlossene Verteidigung.
Das gleiche gilt für den Pazifik.
Unsere strategische Beziehung zu Japan weitet sich aus.

Und unser Ver-

hältnis zu den ANZUS-Staaten - zu Australien und Neuseeland - ist fest.
So steht am Anfang die Tatsache, daß unsere wichtigsten Beziehungen
auf dem Gebiet der Friedenssicherung auf beiden Seiten des Globus funktionieren.

Sie sind solide.

geschaffen wurden:

Sie machen Fortschritte.

Sie tun das, wofür sie

sie schrecken vor einer Aggression ab.

Dennoch wäre es töricht, die neuen Gegebenheiten zu ignorieren, die
uns dazu drängen, neue Formen der Zusammenarbeit zu gestalten.
Eine
- 5 -

�Eine dieser neuen Gegebenheiten zeigt sich beispielhaft in der sowjetischen Militärpräsenz in Afghanistan.
In den vergangenen Jahren hat sich die militärische Reichweite der
Sowjetunion bis in die Dritte Welt hinein ausgedehnt. Afghanistan ist der
jüngste und dramatischste Beweis für die wachsende sowjetische Militärtätigkeit in der Entwicklungswelt.
Durch ihre Nähe und durch ihr Beispiel hat die sowjetische Invasion
die Bedrohung der Energieversorgung und der Handelswege verstärkt, die für
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten lebenswichtig sind.

Und sie

beweist deutlich, daß es für die westlichen Interessen neue Herausforderungen
jenseits der unmittelbaren Bündnisgrenzen gibt.
•

Ein zweiter neuer strategischer Gesichtspunkt ist die verbesserte wirtschaftliche und politische Lage unserer Verbündeten. Die Vereinigten Staaten halten noch immer den strategischen Schirm. Aber unter diesem Schirm
hat sich eine Gruppe von immer wohlhabenderen und mächtigeren Staaten versammelt.
Die Probleme, die diese Entwicklung mit sich bringt, ähneln etwas den
Steuerproblemen eines Multimillionärs: sie sind zwar schwierig, aber trotzdem ist es eine Art von Problemen, die man nicht ungern hat.
Starke Partner verdienen nachdrückliche Überlegung: bei den amerikanischen Entscheidungen wird es keine automatische Fügsamkeit geben. Diese
Tatsache kann nur diejenigen beunruhigen, die auf die Tage warten, da Amerika
womöglich seine Verbündeten dominiert. Nichtsdestoweniger ist der Wandel
eine Tatsache.
Daß Entscheidungen jetzt tatkräftig debattiert werden, ist kein Zeichen
eines geschwächten Bündnisses; es ist ein Zeichen für Verbündete» die stärker geworden sind.
Tatsache
- 6 -

�Tatsache ist auch, daß unsere wirtschaftlichen und politischen Interessen nicht immer identisch sind.

Für viele Amerikaner ist die Entspannung

eine Abstraktion - durchaus eine vernünftige Politik, aber dennoch eine, die
weit von ihrem täglichen Leben entfernt ist. Für die Menschen in der Bundesrepublik Deutschland hingegen hat das Maß an Spannung zwischen Ost und
West direkte Auswirkung auf die Probleme des Alltags.

Die Möglichkeit zu

Verwandtenbesuchen, die Möglichkeit für Deutsche, aus dem Osten zu emigrieren, die tägliche Lage in Berlin - um all das geht es.
Und es gibt noch andere Unterschiede.

Die Abhängigkeit der Staaten

Europas und Japans von ausländischen Energiequellen ist größer als unsere.
Diese unterschiedlichen Standpunkte müssen bei der Festlegung gemeinsamer
Positionen in Einklang gebracht werden.
Wir in den Vereinigten Staaten müssen ein Gefühl für die besonderen
Bedenken und Verletzlichkeiten unserer Verbündeten bekommen.
Gleichzeitig müssen unsere Verbündeten die wachsende Verantwortung übernehmen, die mit der wachsenden Stärke einhergeht. Sie müssen bereit sein,
ihren Anteil an der gemeinsamen Last zu übernehmen.
Der Anfang der Weisheit ist die freimütige Erkenntnis dieser Realitäten
- und die Verwendung dieser Grundlage für neue Formen der Zusammenarbeit.
Lassen Sie mich kurz darlegen, wie ich die Entwicklung dieser Formen sehe.
Der erste Bereich ist unsere gemeinsame Strategie zur Bewältigung der
Ost-West-Beziehungen.
Die Grundlage dieser Strategie muß - heute wie in der Vergangenheit - eine
militärische Abschreckung sein, die außer Frage steht.

Denn Abschreckung ist

auch weiterhin der Eckstein des Friedens, den wir zu bewahren beabsichtigen.
Der
- 7 -

�Der Beitrag unserer NATO-Partner für unsere kollektive Verteidigung wird
hier bei uns zu Hause nicht ausreichend erkannt.

Unsere Partner kommen für

fast die Hälfte der Verteidigungsausgaben der NATO auf; für fast 60 Prozent
der Streitkräfte; für etwa 75 Prozent der Panzerfahrzeuge; für mehr als 90
Prozent der Panzerdivisionen.
Aber angesichts der ständigen Zunahme der sowjetischen Militärmacht sind
wir und unsere Verbündeten gezwungen, noch größere Verteidigungsanstrengungen
zu unternehmen.
werden.

Diese neuen Lasten müssen fair und gleichmäßig verteilt

Da wir in den Vereinigten Staaten unsere eigenen Verteidigungsausgaben
deutlich erhöhen, erwarten wir von unseren Verbündeten,ihrer Verpflichtung
nachzukommen und ihre eigenen Ausgaben um drei Prozent pro Jahr zu erhöhen.
Und da die Vereinigten Staaten die Führungsrolle übernehmen, um gemeinsame Bündnisinteressen im Persischen Golf und in Südwestasien zu schützen,
werden unsere Verbündeten einen größeren Anteil an der Stärke der NATO in
Europa übernehmen.
Kurz gesagt, da wir das tun, was zur Aufrechterhaltung eines militärischen
Gleichgewichts notwendig ist, werden wir unsere Verbündeten weiterhin auffordern, Verteidigungslasten zu übernehmen, die ihrem Wohlstand, ihrem Einfluß
und ihrer Stärke entsprechen.
Eine gemeinsame Strategie bezüglich der Ost-West-Beziehungen erfordert
auch eine abgestimmte politische Antwort auf die sowjetischen Aktionen in
der ganzen Welt.
Die demokratischen Industriestaaten müssen den sowjetischen Führern unmißverständlich klarmachen, daß Abenteuer wie in Afghanistan echt auf Kosten
unserer direkten Beziehungen gehen.
Wie
- 8 -

�Wie der Präsident in Venedig sagte, kann Europa keine "Insel der Entspannung" sein, während anderswo eine Aggression stattfindet.

Denn das würde

einfach zu neuen Abenteuern und Krisen in Europa und anderswo einladen.
Wir müssen bereit sein, an unserem Kurs in der Afghanistanfrage so
lange festzuhalten, wie dieser Angriff auf die nationale Freiheit andauert.
Wenn Länder des Bündnisses oder ihre Firmen dort einspringen, wo die Vereinigten Staaten und amerikanische Firmen abseits bleiben, dann wird dieser Bruch
des Vertrauens und der Zusammenarbeit hier die öffentliche Unterstützung untergraben, auf der ein starkes Bündnis beruht.
Die Länder des Bündnisses müssen ausdauernd und stark sein, um die
Sowjets zur Zurückhaltung zu bewegen. Und diese Zurückhaltung ist für einen
Fortschritt in den Ost-W,est-Beziehungen notwendig. Entspannung und Abschrekkung sind also untrennbare Teile desselben Ganzen.
Aus diesem Grunde ist auch ein Fortschritt an einer anderen Front von
entscheidender Bedeutung für den Zusammenhalt des Bündnisses.

Neben unserer

anhaltenden Festigkeit hängt eine gemeinsame Strategie des Bündnisses gegenüber der Sowjetunion von unserer echten Bereitschaft ab, konkrete Abmachungen
anzustreben, die den Interessen des Westens dienen - vor allem vernünftige
Beschränkungen des Wettrüstens.
Wenn wir uns - und hier spreche ich hauptsächlich von den Vereinigten
Staaten - von unserer Verpflichtung zu einem stetigen Fortschritt in der
Rüstungskontrolle abwenden, dann wird die Stärke und die Einheit des Bündnisses echt erschüttert werden. Man kann sich wirklich kaum einen schwereren
Schlag vorstellen.
Wollen wir uns keinen Täuschungen hingeben:

Der Schlüssel zur künfti-

gen Rüstungskontrolle ist die Ratifizierung des SALT II-Vertrages.
Alle die strategischen Programme, die wir geplant haben, können unter
diesem Vertrag fortgesetzt werden.
Aber
- 9 -

�Aber ohne den Vertrag könnten wir 1985 vor 7000 bis 8000 mehr sowjetischen
Raketen und Bombern stehen, als es wären, wenn der Vertrag in Kraft wäre.
Ohne den Vertrag gäbe es nichts, um die Sowjets davon abzuhalten, jede
ihrer schweren Raketen mit 20 oder 30 mehr Nukleargefechtsköpfen statt der im
Vertrag vorgesehenen 10 auszurüsten.
Ohne den Vertrag stünde es den Sowjets frei, ihre strategischen Programme
vor der Beobachtung durch unsere Satelliten und andere Beobachtungseinrichtungen zu verbergen.

Wir wüßten weniger über die künftigen Bedrohungen, vor

denen wir stehen könnten.
Natürlich werden wir alles notwendige tun, um einer erhöhten Bedrohung
zu begegnen.

Aber das Wettrüsten wird während immer weiter hinausgezogener

Verhandlungen zu seiner Kontrolle nicht stillstehen.

Das war niemals der

Fall und wird auch niemals der Fall sein.
Und jeder,der behauptet, wir könnten ein besseres Abkommen aushandeln,
ohne zuerst SALT II unter Dach und Fach zu bringen, macht sich selbst etwas
vor.
Afghanistan hat ohne Frage die Ratifizierungsgespräche erschwert. Es
hat die Ratifizierung kein Jota weniger wichtig für unsere nationalen Interessen gemacht; nicht ein Jota weniger entscheidend für die Aufrechterhaltung
einer gemeinsamen Strategie der Ost-West-Beziehungen mit unseren Verbündeten.
Ein zweites und damit zusammenhängendes Gebiet, auf dem die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und dem Bündnis wachsen muß, ist unsere Gesamteinstellung zur Entwicklungswelt.
Ich rede hier nicht von einer Art Verschwörung der Industriestaaten, bei
der die Starken dem Rest der Welt ihren Willen aufzwingen.

Diese Zeiten sind

vorbei. Und wir sollten ihnen nicht nachtrauern.
Aber
- 10 -

�Aber es liegt in unserem gemeinsamen Interesse, miteinander zusammenzuarbeiten, um an die Wurzeln der Instabilität und des Konflikts zu gehen,
bevor es zur Explosion kommt.
Es liegt in unserem Interesse, die Regierungen der Dritten Welt in ihrem
Kampf gegen Armut und Krankheit und Hoffnungslosigkeit zu unterstutzen, bevor
die Enttäuschungen den Siedepunkt erreichen.
Es liegt in unserem Interesse, in einem vernünftigen Umfang Sicherheitsbeistand zu leisten, wo das dazu beitragen wird, die nationale Unabhängigkeit
gegen Bedrohungen von außen zu verteidigen.
Und es liegt in unserem Interesse an Harmonie, wenn wir nach praktischen
Lösungen auf dem Verhandlungswege für Streitfälle in unruhigen Gebieten der
Welt, wie dem Nahen Osten, streben.
Und schließlich wird unser Verhältnis zu unseren Verbündeten in zunehmendem Maße durch Wirtschaftsfragen gestaltet werden, denn die wirtschaftlichen Strömungen, die unser tägliches Leben gestalten, fließen durch die
ganze Industriewelt.
Was die Energie anbetrifft: Werden wir uns als Konkurrenten um das
knappe öl den Hals abschneiden - oder werden wir gemeinsam als Mitverbraucher
handeln, um unsere Abhängigkeit zu verringern und die Stabilität und Zurückhaltung auf dem Markt zu fördern?
Was den Handel anbetrifft:

Werden wir in einen neuen protektionistischen

Kreislauf hineinschlittern - oder werden wir weiterhin Formen des Handels
entwickeln, die frei und fair sind?
Was die Wirtschaftspolitik angeht:

Wird jeder von uns einfach seinen

zeitweiligen Vorteil anstreben - oder werden wir unser binnenwirtschaftliches
Handeln koordinieren, um unseren langfristigen Gesamtinteressen zu dienen?
Die
- 11 -

�Die Zukunft der Bündnisbeziehungen wird ebenso sehr davon bestimmt werden,
wie diese Fragen beantwortet werden - von dem Ausmaß unserer wirtschaftlichen
Zusammenarbeit ebenso wie von der Gestaltung unserer militärischen Zusammenarbeit.
- . Daß wir alle diese Dinge tun müssen, liegt auf der Hand - ob wir sie jedoch tun werden, steht noch keineswegs fest.
Es könnte sein, daß die demokratischen Industriestaaten es zulassen
werden, daß unsere abweichenden Interessen und unsere individuellen Probleme
uns auseinander treiben.
Oder aber wir können auf den neuen Formen der Zusammenarbeit aufbauen,
die Gestalt anzunehmen beginnen.
- Die Industriestaaten koordinieren in einem größeren Maße als bisher
ihre nationale wie ihre internationale Energie- und Wirtschaftspolitik.
- Die NATO-Verbündeten haben einen festen Standpunkt gegen den außerordentlichen sowjetischen Druck eingenommen, unseren Kurs bezüglich der Modernisierung der nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF) zu revidieren.
- In den letzten Jahren haben die westlichen Demokratien ein beispielloses Maß an Zusammenarbeit bei der Lösung gefährlicher regionaler Streitigkeiten - in Rhodesien und Namibia - gezeigt.
- Die demokratischen Industriestaaten haben sich in einem massiven Hilfsprogramm für die Türkei zusammengeschlossen.
- Obwohl wir umfassendere Maßnahmen angestrebt haben, so ist es doch
eine Tatsache, daß sich unsere Verbündeten uns in der Verhängung wirtschaftlicher Saktionen gegen den Iran wegen des Festhaltens amerikanischer Geiseln
angeschlossen haben.
- Und
- 12 -

�- Und das Gipfeltreffen in Venedig und die NATO-Tagung in Ankara demonstrierten die wesentliche Einigkeit der Verbündeten, indem sie auf einem
völligen - nicht kosmetischen - sowjetischen Abzug aus Afghanistan beharrten.

Die Sowjets sollten diese Entschlossenheit nicht unterschätzen.

Es entstehen neue Formen der Zusammenarbeit im Bündnis.
eindeutig mehr - viel mehr - getan werden.

Aber es muß

Wir müssen verhindern, daß wir

hinter den Fortschritten der letzten Monate zurückbleiben.

Ich habe keinen Zweifel, daß es in den kommenden Monaten und Jahren
weiterhin Meinungsverschiedenheiten und gegenteilige Auffassungen geben wird.
Die Vereinigten Staaten werden in solchen Zeiten ihre Auffassung nachhaltig
vertreten.

Aber wir sollten in solchen Augenblicken ein Gefühl für den größeren
Fortschritt einbringen, der gemacht werden muß.

Jene, die zweifeln, daß dieser Fortschritt möglich ist, sollten die
gegenwärtigen Augenblicke mit Augenblicken in der Vergangenheit vergleichen
- Augenblicke, in denen der Lärm, den die Welt vernahm, nicht der Lärm des
Aufbaus war, sondern das Knirschen der Zahnräder der Zusammenarbeit im Bündnis, die zum Stehen kamen.

Denken wir an die Suez-Krise im Jahre 1956, als

sich die Vereinigten Staaten im Gegensatz zu ihren Hauptverbündeten Großbritannien und Frankreich befanden

oder an die Zeit von Vietnam.

Wir sollten uns auch an einige fundamentale Tatsachen erinnern:

Die großen Industrieländer sind trotz all ihrer wirtschaftlichen Probleme die Hauptquelle des Wohlstandes der Welt.

Sie sind die Quelle der

Ideen, des technischen Geistes und der oragnisatorischen Fähigkeit, nicht
nur einen Großteil der Güter der Welt zu liefern, sondern auch die größte
Hoffnung auf einen Forschritt der Menschheit.

Und
- 13 -

�V

Und bei all ihren Unzulänglichkeiten sind unsere Länder die wesentlichen Hüter des demokratischen Erbes.

Wir haben Systeme, die an die Würde

des Einzelmenschen, die Unabhängigkeit von Nationen und die Zustimmung der
Regierten glauben und dies fördern.
Im Besitz solcher Aktiva und solcher Werte brauchen wir und unsere Verbündeten uns weder vor derzeitigen Meinungsverschiedenheiten noch vor unserer
gemeinsamen Zukunft zu fürchten.

+ + + + +

- 14 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. August 1980

37

BROWN: USA WOLLEN KEINEN ATOMKRIEG
Schreiben an die NATO-Verteidigungsminister -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown
hat in einem Schreiben vom 8. August 1980 an die Verteidigungsminister der
NATO-Länder, das am 11. August in Washington veröffentlicht wurde, die neue
Nuklearstrategie der Vereinigten Staaten erläutert.

Brown bezeichnete die

Verlagerung der strategischen Schwerpunkte in dieser neuen Konzeption als
eine "evolutionäre Entwicklung" durch die die Abschreckung verstärkt und die
Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges verringert werde.
Das Schreiben des amerikanischen Verteidigungsministers hat folgenden
Wortlaut:
Als ich am 1. Juni auf der Tagung der Nuklearen Planungsgruppe in Bodo
(Norwegen) unsere Strategie des Gegenzugs (countervailing strategy) erörterte, wies ich darauf hin, daß vom Präsidenten in Kürze eine Direktive ausgehen werde, in der diese Politik formell dargelegt würde.
berichten wissen, ist dies inzwischen geschehen.

Wie Sie aus Presse-

(Ich werde wohl bereits in

naher Zukunft eine öffentliche Erklärung zu unserer Politik abgeben, möchte

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�möchte aber diese Gelegenheit wahrnehmen, um mich mit Ihnen direkt über diese
Politik in Verbindung zu setzen.)
Die Politik des Präsidenten, wie sie in der neuen Direktive dargelegt
wird, ist die von mir beim Treffen der Nuklearen Planungsgruppe beschriebene
Politik des Gegenzugs. Es ist eine Strategie, die dazu bestimmt ist, die Abschreckung gegenüber einer jeden sowjetischen Aktion, die zu einem Atomkrieg
führen könnte, zu steigern, indem sie keinen Zweifel daran läßt, daß wir sowohl die Kapazitäten als auch die Pläne zum Einsatz unserer Streitkräfte
haben, falls die Abschreckung versagt.

Das heißt, daß ein Sieg für die UdSSR

kein irgendwie wahrscheinlicher Ausgang eines solchen Krieges wäre, wie immer
auch die Sowjets einen Sieg definieren mögen.
Da in einigen Presseberichten diese evolutionäre Entwicklung unserer
Doktrin als ein deutlicher Bruch mit der früheren Politik dargestellt worden ist, möchte ich hervorheben, wie ich dies auch bei der Nuklearen Planungsgruppe getan habe, daß die Vereinigten Staaten seit langem in ihre Pläne eine
wirksame und weitestgehende Erfassung der militärischen und Kontrollziele einbezogen haben.
Unsere diesbezüglichen Kapazitäten werden weiterhin verbessert und flexibler gestaltet werden, während wir diese Strategie des Gegenzugs durchführen.
Denn es ist von entscheidender Bedeutung, daß die sowjetische Führung erkennt,
daß sie durch eine Aggression nicht nur einen allgemeinen amerikanischen Vergeltungsschlag gegen den Gesamtbereich der Ziele riskieren würde, sie müssen
auch begreifen, daß im Falle sie eine Art Mittelstufe der Eskalation wählen,
die Vereinigten Staaten ihnen durch begrenztere Gegenzüge einen unannehmbar
hohen Preis hinsichtlich dessen aufzwingen könnten, was die sowjetische Führung am höchsten schätzt - die politische und militärische Kontrolle, die militärische Macht sowohl im nuklearen wie konventionellen Bereich und die
industrielle Kapazität zur Inganghaltung militärischer Operationen.
Wir

- 2 -

�Wir wissen um die großen Gefahren und Unsicherheiten einer jeden Anwendung von Kernwaffen, sei es als Vergeltung oder zu Beginn eines Konflikts.
Wir alle wissen darüber hinaus, daß auch die ausgeklügeltste Theorie für
den Einsatz von Kernwaffen uns nicht der Notwendigkeit einer Aktion behebt,
durch die wir alle eine adäquatere konventionelle Komponente in unserer militärischen Kapazität zur Abschreckung und Verteidigung schaffen.

Ein Atom-

krieg kann nicht ein bewußt gewolltes Instrument zur Erlangung unserer Sicherheitsziele oder zur Förderung unserer Interessen sein.

Aber selbst wenn wir

diese Beschränkungen und Risiken, wie sie von unserem Standpunkt aus im

We-

sen der Kernwaffen liegen,anerkennen, so können wir uns nicht das Risiko
leisten, daß die sowjetische Führung die Illusion hegt, daß ein Atomkrieg
eine Option - oder die Androhung eines nuklearen Krieges ein Zwangsmittel
zur Förderung sowjetischer Interessen sein könnte.

Diese lehrmäßigen Erklärungen und die Planungsmaßnahmen, die wir ergreifen, um sie durchzuführen - sowie unsere Modernisierungsprogramme für die
Streitkräfte und natürlich auch unsere Rüstungskontroilbemühungen - verbessern den Beitrag unserer strategischen Nuklearstreitkräfte für die Abschrekkung über das gesamte Spektrum der Bedrohungen, mit denen wir alle ernsthaft
rechnen müssen, und für die Erhaltung des Friedens in Freiheit.

Wir haben

nicht den Wunsch, einen Atomkrieg zu führen; er wäre eine unvorstellbare
Katastrophe.

Wir haben auch keinerlei Illusionen über die Schwierigkeiten

der Begrenzung seiner Eskalation noch über die sich daraus ergebenden Folgen.
Aber der beste Weg, um einen solchen Krieg zu vermeiden ist, sicherzustellen,
daß die sowjetische Führung sich keine Illusionen darüber macht, was ein derartiger Krieg für die sowjetische Staatsmacht bedeuten würde.

Natürlich sind es die Kapazitäten unserer Streitkräfte und nicht die
Worte, die wir darüber machen, die den stärksten Einfluß auf die sowjetischen
Anschauungen ausüben.

Aber ich bin zuversichtlich, daß die formelle Erklä-

rung des Präsidenten über unsere Gegenzug-Strategie in Verbindung mit unseren energisch durchgeführten Modernisierungsprogrammen in Moskau als eine

- 3 -

�37

20. August 1980

AUSREICHENDE RESERVE ENTSCHEIDEND FÜR NAHRUNGSMITTELVERSORGUNG
DER WELTBEVÖLKERUNG
- USICA-Interview mit Dale Hathaway, Staatssekretär im
US-Landwirtschaftsministerium -

WASHINGTON - (AD) - Dale Hathaway, Staatssekretär im amerikanischen Landwirtschaftsministerium, äußerte sich in einem Interview mit dem Korrespondenten
des US-Amtes für Internationale Kommunikation (USICA), John J. Harter, zur
internationalen Situation und zu den Problemen der Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln.

Es bestehe, so erklärte Hathaway, eine dringende

Notwendigkeit zu verbreiteter Reservehaltung von Nahrungsmitteln im Rahmen
eines allgemein gültigen Aktionsprogramms, das in Mangelzeiten die Freigabe
regelt.

Der Staatssekretär verwies darauf, daß die Vereinigten Staaten bisher

stets 55 bis 60 Prozent der gesamten internationalen Nahrungsmittelhilfe geleistet hätten und in diesem Jahr beabsichtigten, für bedürftige Entwicklungsländer mehr als sechs Millionen Tonnen Nahrungsmittel bereitzustellen.
Das Interview mit Staatssekretär Hathaway hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

�FRAGE:

Was bedeutet der Begriff "NahrungsmittelSicherung für die Welt"?

ANTWORT:

Im Grunde bedeutet er, daß genügend Nahrungsmittel erzeugt und

verfügbar gemacht werden müssen, um der Weltbevölkerung die Möglichkeit zu
ausreichender Ernährung zu geben.

Hierbei ist eine Unterteilung notwendig.

Die erste Hälfte der Forderung bezieht sich auf die Tatsache, daß bei einem
großen Teil der armen Länder - in Afrika, Asien und Lateinamerika - sowohl
die Wachstumsrate der Bevölkerung als auch ihre sehr bescheidene, gleichwohl
aber zunehmende Einkommensverbesserung folgendes bedeutet:

Die Nachfrage nach

Nahrungsmitteln steigt mit weitaus größerer Geschwindigkeit als die Fähigkeit
zur Produktion von Nahrungsmitteln.

Wenn diese Tendenzen anhalten, vermögen

schon um die Jahrhundertwende selbst agrarwirtschaftlich so leistungsfähige
Länder wie die Vereinigten Staaten den Nahrungsmittel bedarf dieser Menschen
nicht mehr zu decken.

Manche werden nichts bekommen, weil Nahrungsmittel so

rar und teuer werden.

Das zweite Element im sogenannten Ernährungssicherungsprogramm hat mit
der Tatsache zu tun, daß ein großer Teil der Weltproduktion an Nahrungspflanzen nach wie vor von natürlichen Regenmengen abhängt. Und wie das Wetter von
Jahr zu Jahr verschieden ist - daß es zu viel oder zu wenig regnet, daß es zu
kalt oder zu warm ist -, so verschieden fallen auch die Ernten aus. Wenn man
nicht über Nahrungsmittelreserven aus guten Erntejahren verfügt, kann es bei
schlechtem Wachswetter zu erheblicher Nahrungsmittel Verknappung kommen, Menschen verhungern, obgleich langfristig gesehen zufriedenstellende Produktionstrends bestehen. Eine echte Nahrungsmittel Sicherung muß beide Elemente
haben: Es muß eine ausreichende, lange anhaltende Wachstumsrate der Weltagrarproduktion und eine Politik ausreichender Vorratshaltung vorhanden sein,
um den veränderten Wetterverhältnissen von einem Jahr zum andern Rechnung
zu tragen.
FRAGE:

Glauben Sie, daß die Notwendigkeit einer weltweiten Nahrungsmittel-

Sicherung in dem Maße stärker in den Vordergrund tritt, in dem viele Entwicklungsländer immer weniger in der Lage sind, ihren eigenen Nahrungsmittel bedarf
selbst zu decken?

ANTWORT:

�ANTWORT:

Ein hoher Prozentsatz der Weltbevölkerung ist heute von Im-

porten, insbesondere von Getreideimporten abhängig.

Von immer größerer Be-

deutung ist eine ausreichende Vorratshaltung geworden, um sicherzustellen,
daß die Handelskanäle bei der Deckung des Weltbedarfs funktionieren.

Ganz

besonders notwendig ist ein Vorrat an Nahrungsgetreide, der in weiten Regionen unter Bestimmungen angelegt wird, die eine Freigabe in Zeiten der Verknappung vorsehen.

In den letzten paar Jahren haben wir in bezug auf dieses

Element der Nahrungsmittel Sicherung für die Welt keinen wirklich bedeutsamen
Fortschritt erzielt.

In den Jahren 1977 und 1978 bemühten wir uns sehr um

ein internationales Weizenabkommen, das eine Vorratshaltung vorsah.

Leider

brachten wir es nicht zustande, weil andere Länder keinen Beitrag zu den
Kosten leisten wollten.

FRAGE:

In welcher Form würde die neue Konvention über Nahrungsmittel -

hilfe zur Lösung dieses Problems beitragen?
ANTWORT:

Bei den Verhandlungen über die Nahrungsmittelhilfe-Konvention

hatten wir mehr Erfolg.

Wir konnten erreichen, daß die Mindestbeiträge im

Rahmen der Nahrungsmittelhilfe-Konvention gegenüber den Mengen nach der früheren Konvention verdoppelt wurden.

Es war also ein weiter Weg bis zur re-

gelmäßigen Nahrungsmittelhilfe für jene Länder, die sie entweder infolge
langewährender Schwierigkeiten oder kurzfristiger schlechter Ernten benötigen.
Wir hatten sehr gehofft, daß die so schnell zu Reichtum gekommenen ölexportierenden Länder beachtliche Beiträge zur Nahrungsmittelhilfe-Konvention
leisten würden, weil sie es sich wirklich leisten können.

Bisher haben sie

dies jedoch nicht getan.

FRAGE: Welchen Bezug hat der Gesetzesvorschlag der Regierung Carter von
1979 für die Schaffung einer, wie man es nennt, "Reserve zur NahrungsmittelSicherung" zur Nahrungsmittelhilfe-Konvention?

ANTWORT:

Eine Reserve zur Nahrungsmittel Sicherung ist das Programm un-

serer Regierung, mit dem gewährleistet werden soll, daß die Vereinigten Staaten
stets genügend Getreide verfügbar haben, um ihren Verpflichtungen zur Nah- 3-

�Nahrungsmittelhilfe im Rahmen der Konvention nachzukommen - mag unsere Ernte
in diesem oder jenem Jahr noch so karg bemessen sein, und ohne Rücksicht auf
den kommerziellen Bedarf.

Das heißt mit anderen Worten, daß wir vier Mil-

lionen Tonnen Weizen in Reserve halten, die ausschließlich für Zwecke der Lebensmittelhilfe zu verwenden sind, wenn das Angebot so knapp geworden ist,
daß wir über den Markt dafür nicht genügend Nahrungsmittel erhalten können.
FRAGE:

Manche behaupten, "Nahrungsmittelhilfe" sei im Grunde ein Weg

für Lebensmittel exportierende Länder, genügend Weizen über nichtkommerzielle
Kanäle loszuwerden, um sicherzustellen, daß auf den Weltmärkten die Weizenpreise hoch bleiben.
ANTWORT:
für 1980 zu.

Was sagen Sie dazu?

Das mag 1960 so gewesen sein, aber es trifft ganz gewiß nicht
Unsere Lebensmittelhilfe macht heute etwa vier Prozent des Ge-

samtwertes unserer Agrarexporte aus.

Unsere Lebensmittelhilfe ist nicht ge-

ringer geworden, aber unsere kommerziellen Exporte sind stark angestiegen.
Wir exportieren heute pro Jahr mehr als 100 Millionen Tonnen Getreide, wovon
nur vier Prozent auf die Nahrungsmittelhilfe entfallen.

Sie war einmal ein

höchst bedeutsamer Faktor im Weizenexport, Reisexport und im Export einiger
anderer Güter.

Das ist sie aber jetzt nicht mehr.

-

FRAGE: Obgleich durch die Nahrungsmittelhilfe-Konvention die garantierte
Mindestmenge der Nahrungsmittelhilfe für bedürftige Entwicklungsländer von
4,2 auf 7,6 Millionen Tonnen jährlich angehoben wurde, ist damit noch immer
nicht das 1974 auf der Welternährungskonferenz gesteckte Ziel von 10 Millionen Tonnen erreicht. Besteht Aussicht, daß man ihm doch noch näher kommt?
ANTWORT:

Ich hoffe es. Die Vereinigten Staaten boten an, bis zur Hälfte

der zehn Millionen Tonnen jeweils so viel zu liefern, wie die Länder der ganzen übrigen Welt.

Bisher wurde dieses Angebot nicht - oder zumindest nur

ungenügend - angenommen.

Eine Anzahl immens reicher Länder nimmt in diesem

Jahr aus ölexporten etwa 150 Milliarden Dollar ein - und manche sind der Meinung, diese Länder könnten in bemerkenswerter Weise zur Lebensmittelhilfe bei
tragen.

Wir hoffen, daß sie es in Zukunft tun.
FRAGE:
- 4 -

�FRAGE:

Wie wird der amerikanische Beitrag zur Lebensmittelhilfe im

Rahmen der Konvention und anderweitig aussehen?
ANTWORT:

Die USA haben ihren früheren Mindestbeitrag in etwa verdoppelt,

so daß wir uns gegenwärtig auf die Lieferung von 4,4 Millionen Tonnen von insgesamt 7,6 Millionen Tonnen festgelegt haben. Jahr um Jahr haben wir 55 bis
60 Prozent aller Lebensmittelhilfe in der Welt bereitgestellt.

Tatsächlich

kommt von den Vereinigten Staaten und von anderen Ländern mehr als nur der
Mindestbeitrag.

Gegenwärtig beabsichtigen wir, pro Jahr mehr als sechs Mil-

lionen Tonnen Nahrungsmittelhilfe zu geben, und die Welt als Ganzes stellt
wesentlich mehr als 7,6 Millionen Tonnen zur Verfügung.
FRAGE:

Wird das ausreichen, um das Problem der Nahrungsmittel Sicherung

zu lösen?
ANTWORT: Das Nahrungsmittel sicherungsproblem wird durch Lebensmittelhilfe als solche nicht gelöst, Sie hilft zwar armen Ländern, die sich infolge temporärer schlechter Ernten, wie wir sie in Ostafrika und Kambodscha
erlebt haben, in einem Notstand befinden. Und sie hilft Ländern mit chronischem Nahrungsmittelmangel wie z.B. Ägypten und Bangladesch, wo die Agrarproduktion mit der Wachstumsrate bei der Bevölkerungszahl nicht mehr Schritt
halten kann. Aber weder die eine noch die andere Art der Unterstützung kann
die Reserven ersetzen, die angelegt werden müssen, um mit den jährlichen
Schwankungen der Ernteerträge fertig zu werden.
FRAGE: Besteht die Gefahr, daß arme Länder von Nahrungsmittelhilfe abhängig werden und sich dann plötzlich infolge unvorhergesehener Umstände einer
drastischen Reduzierung gegenübersehen?
ANTWORT: Eben aus diesem Grunde haben wir unsere Reserve für die Nahrungsmittelsicherung in den Vereinigten Staaten angelegt. Das jüngste Beispiel für eine solche Situation erlebten wir 1974-75, als durch das Zusammentreffen von schlechten Ernten und einem rapide wachsenden kommerziellen Bedarf die Vereinigten Staaten ohne ausreichende Reserven dastanden, um ihren
- 5 -

�ihren Verpflichtungen zur Nahrungsmittel hilfe zu einem Zeitpunkt nachzukommen, wo sie dringend gebraucht wurde. Wenn der Kongreß die von uns empfohlene
Anlegung von Reserven zur Nahrungsmittel Sicherung billigt, wird sich dies
nicht wiederholen,
FRAGE:

Wo sollten Reserven angelegt werden?

In Erzeugerländern oder

in Verbraucher!ändern?
ANTWORT:

In beiden.

Es ist ungemein kostspielig, Nahrungsgetreide in

den Tropen auf Vorrat zu halten.

Aber da die Logistik schwierig ist und die

Ernteerträge stark schwanken, sollte eine Mindestmenge von Nahrungsmittel Vorräten in den Verbraucher!ändern in Reserve liegen - gleichgültig, ob wir von
reichen Ländern wie Japan oder armen Ländern wie Bangladesch sprechen.
Da man aber auch nicht im voraus weiß, wo von einem Jahr zum andern besonderer Bedarf besteht, und es viel billiger ist, Getreide in gemäßigtem
Klima auf Vorrat zu halten, ist es außerdem sinnvoll, größere Mengen in den
Exportländern in Reserve zu halten.
vernünftigen Schlüssel teilen.

In die Kosten könnte man sich nach einem

Damit meine ich, daß die Vereinigten Staaten,

die EG und Japan einen Teil der Kosten übernehmen sollten - ebenso die Sowjetunion, die eine erhebliche Quelle für die Instabilität der Weltmärkte darstellt.

Außerdem bin ich der Meinung, daß zumindest ein Teil der Kosten für

die lokale Vorratshaltung von den ärmeren Ländern übernommen werden könnte
- auch wenn vieles dafür spricht, daß sie sowohl auf den Import von Getreide
als auch auf Hilfe von außen zum Aufbau der Lager angewiesen sind,
FRAGE-

Welche Rolle könnte hier die Organisation der erdölexportieren-

den Staaten (OPEC) spielen?
ANTWORT: Die OPEC könnte eine überaus bemerkenswerte Rolle insofern
übernehmen, als sie hilft, die Vorratsspeicher in den ärmeren Ländern, den
Ankauf von Reserven zu finanzieren, und indem sie sich an den laufenden Lebensmittel hrfe-Programmen beteiligt.
FRAGE:
- 6 -

�FRAGE:

Gibt es einen echten Hinweis darauf, daß andere Exportländer

für Nahrungsmittel einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung des Weltprogramms
für die Nahrungsmittel Sicherung leisten?
ANTWORT:

Mehrere Länder - u.a. Kanada, Australien, die Europäische Ge-

meinschaft und Japan in bescheidenem Rahmen - haben zu erkennen gegeben, daß
sie dazu bereit sind.
FRAGE:

Glauben Sie, daß man sich in den "Globalverhandlungen" im Januar

auf die von uns erörterten Fragen konzentrieren wird?
ANTWORT: Ich vermute, daß sie auf der Tagesordnung stehen. Eine ausreichende Nahrungsmittelversorgung ist wohl zwangsläufig ein Dauerproblem.
Aber ich sehe nicht ein, wieso diese Frage wichtiger sein soll als die Probleme, die durch die Eskalation der Preise für fossile Brennstoffe und deren
schlimme Auswirkungen auf Entwicklungsländer entstehen; deren Fähigkeit zur
Produktion ihrer Nahrungsmittel wird durch die sich unaufhörlich drehende
Preisspirale für Düngemittel, Dieselkraftstoff und andere in ihrer Landwirtschaft notwendigen Dinge aufs Spiel gesetzt. So scheint mir, daß es einen
ganzen Komplex von Fragen gibt, der international erörtert werden müßte:
Nahrungsmittel, die Auswirkungen der Brennstoffpreise auf die NahrungsmittelProduktion und eine Vielzahl anderer Probleme.
Es ist schrecklich einfach, sich auf eine weltweite Nahrungsmittel- und
Agrarstrategie zu konzentrieren und die Tatsache außer acht zu lassen, daß
die einzelnen Länder keine entsprechenden Strategien besitzen.

Wenn man keine

realistische Politik betreibt, um die Systeme zur Nahrungsmittelproduktion
und des Agrarwesens der einzelnen Länder funktionsfähig zu machen, hilft es
nicht viel, hinauszugehen und zu sagen:
gie".

"Wir brauchen eine globale Strate-

Wir sollten mit länderbezogenen Strategien anfangen, die funktionieren

- und dazu gehörten auch Handel und Hilfsaktionen -, und dann prüfen, ob wir
unsere verschiedenen Länderstrategien in eine realistische Globalstrategie
einbringen können.
Ich
- 7 -

�Ich bezweifle, daß die "GlobalVerhandlungen" zu den echten Sachfragen
vorstoßen, um für diese Lösungen zu finden. Meines Erachtens ist das wahre
Problem erkannt und recht gut umrissen. Jetzt brauchen wir stetige und wachsende Aufmerksamkeit für eine Vielzahl relativ wichtiger Dinge - tagein und
tagaus. Gelegentliche internationale Konferenzen, mögen sie einmal im Jahr
oder alle fünf Jahre stattfinden, sind von untergeordneter Bedeutung gegenüber der Tatsache, sich stets der Existenz des Problems bewußt zu sein und
unermüdlich, wenn auch in kleinen Schritten, auf seine Lösung hinzuarbeiten.

- 8 -

�3

L

öMOfi

Wi/scn/choft
und Technik
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20. August 1980

37

DAS MEER - ENERGIEQUELLE FÜR INSELN UND KÜSTENLÄNDER
- USA intensivieren Forschungs- und Entwicklungsprogramme

WASHINGTON - (AD) - Nach der Einrichtung eines Sonderprogramms im USEnergieministerium, die Nutzbarmachung der thermischen Meeresenergie durch
intensivere Forschung und Entwicklung zu beschleunigen, unterzeichnete Präsident Carter am 4. August 1980 ein Gesetz, das entsprechende Genehmigungsund Förderverfahren für die Industrie regelt. Die Vereinigten Staaten beabsichtigen, mit der Umwandlung der im Meer gespeicherten Wärmeenergie in
elektrische Energie einen Teil des Programms zu bestreiten, mit dem bis zum
Jahr 2000 ca. 20 Prozent des gesamten amerikanischen Energiebedarfs aus
Sonnenenergie und anderen regenerierfähigen Energiequellen gedeckt werden
sollen. Der Anteil der aus dem Meer gewonnenen Energie könnte zu diesem
Zeitpunkt bei 10 000 Megawatt liegen.
Bei der Umwandlung der im Meer gespeicherten Wärmeenergie (das entsprechende US-Programm läuft unter der Bezeichnung "Ocean Thermal Energy
Conversion - 0TEC") nutzen die Ingenieure die Temperaturunterschiede zwischen warmem Oberflächenwasser und kaltem Tiefenwasser.

Am rentabelsten

dürfte das Verfahren für Inseln und Küstenbereiche innerhalb des Gürtels

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Gürtels vom 20. Breitengrad nördlich bis zum 20. Breitengrad südlich des
Äquators sein. So bezeichnete ein hoher Verwaltungsbeamter aus Puerto Rico
die OTEC-Technik, für die amerikanische, japanische und französische Wissenschaftler Pionierarbeit leisteten, als "die natürliche Lösung für Puerto
Rico".

Dort wurden bereits mehrere Standorte auf ihre Eignung für eine 0TEC-

Demonstrationsanlage getestet.

Bereits im Jahr 1990 könnte, wie Robert

Cohen, Leiter des OTEC-Programms im US-Energieministerium, auf der 7. Konferenz über Meeresenergie (2. - 5. Juni 1980) in Washington erklärte, eine
Konversionsanlage von 250 Megawatt Stromleistung vor den Küsten Puerto Ricos
Elektrizität sehr viel billiger produzieren als ein neu installiertes, mit
öl beheiztes Kraftwerk.
Die Vereinigten Staaten wollen bis zum Jahr 1985 eine OTEC-Pilotanlage
in Betrieb nehmen, die zunächst 10 Megawatt Strom produziert, dann jedoch
aufgrund der vorgesehenen Modularbauweise auf die Leistungskapazität von
40 Megawatt erweitert werden kann. Eine solche Anlage lieferte genügend
Strom, um 40 000 Haushalte zu versorgen. Bisher vorliegenden Studien zufolge würde die erste 40-Megawatt-Anlage etwa 280 Millionen Dollar kosten.
Für technisch ausgereifte, kommerzielle OTEC-Anlagen mit ca. 400 Megawatt
Leistung dürften nach gegenwärtigen Berechnungen etwa 880 Millionen bis
1,2 Milliarden Dollar zu investieren sein.
Im äquatornahen Gürtel beträgt der Temperaturunterschied zwischen dem
Oberflächenwasser von 26 C Durchschnittstemperatur und den Schichten in
1000 m Tiefe etwa 20 - 22°C. Er reicht aus, um nach einem schon mehr als
100 Jahre bekannten Prinzip unter Einsatz modernster technischer Ausrüstungen elektrischen Strom zu erzeugen: In einem Wärmeaustauscher wird ein
flüssiges Arbeitsmedium, dessen Siedepunkt unter dem von Wasser liegt
(z.B. Freon oder Ammoniak) mit Hilfe des warmen Oberflächenwassers in den
gasförmigen Zustand übergeführt. Dabei dehnt sich das Arbeitsmedium aus
und treibt eine mit einem Stromgenerator gekoppelte Turbine. Das kältere
Tiefenwasser bringt das Gas wieder zur Kondensation, und nun kann der Zyklus
im geschlossenen OTEC-System von neuem beginnen. Der dabei produzierte

- 2 -

�produzierte Strom ließe sich über Kabel zur Küste leiten oder zum Betrieb von
schwimmenden Produktionsstä'tten auf künstlichen Inseln nutzen.

Das Arbeitsprinzip wurde mit einem als "Mini-OTEC" bezeichneten System
in den Gewässern vor Hawaii, in Laboratorien des US-Energieministeriums sowie
in Japan und Frankreich bereits erprobt.

Die vom US-Bundesstaat Hawaii und

einem Konsortium der Firmen Lockheed Missiles &amp; Space Company, Dillingham
Corporation, Alfa-Laval und Roto-Flo finanzierte Versuchsanlage "Mini-OTEC"
erreichte im vergangenen Jahr eine elektrische Leistung von 50 kW.

Aufgrund

der bisher gesammelten Erfahrungen ist anzunehmen, daß wegen der relativ
kostspieligen technischen Ausrüstungen der Preis für OTEC-Strom gegenwärtig
zwar mit dem Preis für Strom aus ölbeheizten Kraftwerken vergleichbar wäre,
aber angesichts der ständig weiter anziehenden ölpreise schon in einem Jahrzehnt wesentlich kostengünstiger sein wird.
In der ersten Phase des amerikanischen OTEC-Programms wurden in kleinem
Maßstab angefertigte Ausrüstungen erprobt.

Man wollte zunächst einmal er-

kunden, ob und in welcher Weise das System Wassertemeperaturen und im Wasser
lebende Organismen beeinflußt, welcher Art und wie umfangreich Schäden und
Korrosion am System durch Seewasser, Schlick, Algen und andere Faktoren sind
und wie die Anlage sauber gehalten werden kann.
gramms ist inzwischen angelaufen:

Die zweite Phase des Pro-

Ein ehemaliger Tanker der US-Marine, umge-

rüstet zur schwimmenden Versuchsstation ("The Ocean Energy Experiment"),
erprobt Wärmeaustauscher für eine 1-Megawatt-Anlage auf See.

Die dritte

Phase schließlich soll die technischen und wirtschaftlichen Informationen
bringen, die als Grundlage für den Bau kommerzieller Anlagen notwendig sind.

Auf technischem Gebiet ist in bezug auf die Entwicklung optimaler Grundausrüstungen - Ketten, Verankerung, Rohrleitungen, Kabel, usw. - noch viel
zu tun.

Beispielsweise wurde jetzt vom US-Energieministerium eine 300 m

lange Kaltwasserleitung aus glasfaserverstärktem Kunststoff (Rohrdurchmesser:
3 m) mit Erfolg erprobt.

Für eine kommerzielle Anlage jedoch wären sehr viel

längere Kaltwasser-Rohrleitungen mit dem fünf- bis zehnfachen Durchmesser er-

- 3-

�erforderlich.

Für die Wärmeaustauscher müssen besonders korrosionsbestän-

dige Werkstoffe, möglicherweise rostfreier Stahl oder gar Titan, verwendet
werden.

Denn Seewasser ist sehr aggressiv und zerstört Metalle wie Alu-

minium in relativ kurzer Zeit.

Schlick oder Algenbesatz in den Rohrleitun-

gen würde mit der Zeit die Leistung der Wärmeaustauscher beeinträchtigen.
Um dies zu verhindern und die Rohre sauber zu halten, presst man mit einem
Abriebmittel überzogene Schwammgummikugeln durch die Ansaugrohre.
•

.

In einer auf drei Jahre angesetzten Gemeinschaftsstudie mit Kollegen
vom US-Amt für Umweltschutz (EPA) untersuchen derzeit Wissenschaftler des
US-Energieministeriums Fragen wie mögliche Umweltbelastungen durch chemische
Schadstoffe aus einer OTEC-Anlage, den Einfluß derartiger Strukturen auf
ökologische Systeme im Meer sowie Art und Umfang eventueller Gefahren für
das Betriebspersonal, die durch Sicherheitsmaßnahmen auszuschalten sind.

+ + + + +
...
. •

•

•

�3
3

Uli//cn/chofl
und Technik
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20. August 1980

37

START DES RAUMTRANSPORTERS: MÄRZ 1981

- (AD) - Mit allen verfügbaren Kräften und Mitteln arbeitet das USBundesamt für Luft- und Raumfahrt (NASA) darauf hin, den neu festgesetzten
Termin für den ersten Orbitalflug eines bemannten Raumtransporters (Space
Shuttle) im März 1981 einzuhalten. Wie NASA-Administrator Dr. Robert Frosch
auf einer Pressekonferenz am 1. August 1980 in Washington erklärte, sei dies
trotz des gedrängten Zeitplanes und die endgültige Lösung der noch bestehenden Probleme beschlossene Sache.
Der "Space Shuttle", ein wiederverwendbares Orbitalgerät für bemannte
Raumflüge, wird vertikal wie eine Rakete gestartet, kehrt aber wie ein Flugzeug zur Erde zurück. Das neue System soll die bemannte Raumfahrt wirtschaftlicher und flexibler machen. Infolge zwischenzeitlich aufgetretener
technischer Schwierigkeiten ist die NASA mit dem ersten bemannten Orbitalflug fast zwei Jahre im Verzug. Der jüngste Zwischenfall war ein Brand,
durch den während eines Tests am 30. Juli in Mississippi ein Triebwerk beschädigt wurde. Die Verzögerungen bereiten der NASA vor allem deshalb erhebliche Sorgen, weil nicht nur amerikanische Kunden, sondern auch eine Anzahl anderer Länder, z.B. die Bundesrepublik und Kanada, erhebliche Mittel
für Reservierungen im Nutzlastraum des Space Shuttle bereitgestellt haben

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

T e l : 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�haben oder beabsichtigen, dies zu tun.

Im Frachtraum werden beispielsweise

Satelliten zum Absetzen oder Instrumente für Experimente während des Fluges
in der Erdumlaufbahn untergebracht.

Wichtigste Nutzlast des Orbiter ist

das wiederverwendbare Laboratorium SPACELAB, das von einem Konsortium europäischer Firmen unter Federführung der Europäischen Weltraumorganisation
ESA gebaut wurde.
Als das bisher kritischste technische Problem erwies sich der Hitzeschild.

Er besteht aus mehr als 30000 quadratischen Plättchen aus keramischem

Material, die einzeln an der Außenwand des Raumgleiters befestigt werden
müssen.

In mehreren Tests hat sich immer wieder eine Anzahl von ihnen gelöst

oder gelockert.
sert.

Das gesamte System wurde inzwischen verstärkt und verbes-

Gegenwärtig wird die Außenseite der Orbiterzelle erneut mit den Schutz-

platten besetzt.
Der Zeitplan bis zum März 1981 sieht folgendermaßen aus:
Bis zum 23. November hofft die NASA, den Orbiter im Montagegebäude
des Kennedy-Raumfahrtzentrums am Cape Canaveral zu haben. In der Zwischenzeit müssen die Flugtüchtigkeit der Triebwerke gesichert, die Änderungen am
Manövriersystem des Orbiter durchgeführt und die restlichen Arbeiten am
Startplatz beendet werden. In der riesigen Montagehalle werden die zwei als
Booster dienenden großen Feststoffraketen und der außen befestigte Treibstofftank mit dem Orbiter zusammengebaut. Dann folgen Tests für das integrierte System. Für Februar 1981 ist das Ausrollen des Fluggeräts zum Startplatz geplant. Dort werden weitere Tests, einschließlich Brenntests der
Triebwerke, sowie die "Generalprobe" für den Start im März durchgeführt.

+ + + + +

�</text>
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und
Dokumentation

3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. August 1980

38

INHALT

DOKUMENTATION
USA entwickeln neue Flugzeug-Technologie
- Erklärungen des US-Verteidigungsministers und des Staatssekretärs
für Forschung und Entwicklung Brown: Strategische Waffen schrecken vor Atomkrieg ab
- Rede des US-Verteidigungsministers vor dem Naval War College -

INFORMATION
USA bedauern Störung der Stimme Amerikas durch Moskau
- Erklärung des State Department Neues Brennstoff-Synthesewerk in Kentucky geplant
Positive Bilanz der Geschwindigkeitsbegrenzung

Um Übcr/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. August 1980

38

USA ENTWICKELN NEUE FLUGZEUG-TECHNOLOGIE
Erklärungen des US-Verteidigungsministers und des Staatssekretärs
für Forschung und Entwicklung -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben eine neue FlugzeugTechnologie entwickelt, die es erlaubt, bemannte oder unbemannte Flugzeuge
zu bauen, die von den bestehenden Luftverteidigungssystemen nicht erfaßt
werden können. Die Entwicklung dieser Technologie, die die Bezeichnung
"Stealth" (heimlich) trägt, wurde am 22. August 1980 von dem amerikanischen
Verteidigungsminister Harold Brown und dem Staatssekretär im Verteidigungsministerium für Forschung und Entwicklung, Dr. William J. Perry, auf einer
Pressekonferenz bekanntgegeben.
Brown betonte, die Bekanntgabe erfolge, weil Berichte in der Presse
über die bisher geheime Entwicklung aufgetaucht seien, und nicht wegen der
bevorstehenden Präsidentschaftswahlen. Es gehe hier um eine Entwicklung für
Bomber, Kampfflugzeuge und Marschflugkörper, die das militärische Kräfteverhältnis wesentlich verändere.

Die

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D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Die Erklärung des amerikanischen Verteidigungsministers hat folgenden
Wortlaut:
Ich gebe heute einen wichtigen technologischen Fortschritt von großer
militärischer Bedeutung bekannt.

,

Diese sogenannte "Stealth"-Technologie erlaubt es den Vereinigten Staaten, bemannte und unbemannte Flugzeuge zu bauen, die von den bestehenden
Luftverteidigungssystemen nicht erfolgreich abgefangen werden können.

Wir

haben zu unserer Befriedigung herausgefunden, daß die Technologie funktioniert.
Dieser Erfolg wird ein hervorragendes Instrument für den Frieden sein.
Er verspricht, unseren taktischen Streitkräften und der Abschreckungsstärke
unserer strategischen Streitkräfte eine einzigartige neue Dimension hinzuzufügen.

Gleichzeitig wird er uns Fähigkeiten verleihen, die im völligen

Einklang mit unserem Streben nach verifizierbaren R'üstungskontrollabkommen,
vor allem mit den Bestimmungen von SALT II, stehen.
Wir haben die Geheimhaltung dieses Programms drei Jahre lang erfolgreich aufrechterhalten. Das war möglich aufgrund der gewissenhaften Anstrengungen der relativ wenigen Personen in der Exekutive und in der Legislative,
die über die Tätigkeit unterrichtet wurden, und der daran arbeitenden Vertragsfirmen.
In den letzten Monaten wurde jedoch der Kreis der Personen, die von dem
t

Programm wußten, ausgedehnt, zum Teil wegen des erweiterten Bereichs der Anstrengung und zum Teil wegen der Debatte im Kongreß über Vorschläge für neue
Bomber. Bedauerlicherweise hat es in den letzten Tagen einige undichte
Stellen bezüglich des Stealth-Programms in der Presse- und Fernsehberichterstattung gegeben.
Angesichts

- 2 -

�Angesichts dieser durchgesickerten Meldungen halte Ich es nicht fUr angebracht oder glaubwürdig, daß wir die Existenz dieses Programms dementieren.
Und es ist jetzt wichtig, einige der durchgesickerten Informationen zu korrigieren, die den Standpunkt der Regierung bezüglich eines neuen Bomber-Programms falsch darstellten.

Der sogenannte Stealth-Bomber spielte bei unserer

Entscheidung im Jahre 1977, den B-1-Bomber einzustellen, keine Rolle, ja, er
war noch nicht einmal im Entwurf vorhanden.
Ich freue mich, daß bisher keine der höchst sensitiven und wichtigen
geheimen Informationen über die Charakteristika dieses Programms enthüllt
worden sind.

Ein wichtiges Ziel der heutigen Bekanntgabe besteht darin, die

Art von Informationen klarzustellen, die wir mit der höchsten Geheimhaltungsstufe mit allen Mitteln zu schützen beabsichtigen.

Dr. Perry, mein Staats-

sekretär für Forschung und Entwicklung, einer der Hauptarchitekten dieses
Programms, wird diesen Punkt näher erläutern.
Kurz gesagt, wir haben eine neue Technologie von außerordentlicher militärischer Bedeutung entwickelt.

Wir wenden diese Technologie mit Nachdruck

an, um eine Reihe von Militärflugzeugen zu entwickeln, und diese Programme
sind sehr vielversprechend.

i.

Wir können auf diesen jüngsten Erfolg der amerikanischen Technologie
sehr stolz sein. Er kann eine wichtige Rolle spielen in der Stärkung unserer
strategischen und taktischen Streitkräfte, ohne in irgendeiner Weise irgend eine unserer Rüstungskontroll initiativen zu gefährden. Und er kann zur
Aufrechterhaltung des Friedens beitragen, indem er einen neuen und bedeutsamen Ausgleich zu dem Versuch der Sowjetunion darstellt, mit dem zahlenmäßigen
Gewicht eine militärische Überlegenheit zu gewinnen.
Ich möchte jetzt Bill Perry bitten, Ihnen zusätzliche Einzelheiten über
unser Stealth-Programm mitzuteilen.
Die Erklärung von Dr. Perry hat folgenden Wortlaut:

- 3 -

Der

�Der Zweite Weltkrieg hat gezeigt, welche entscheidende Rolle die Luftmacht bei militärischen Operationen spielen kann.

Er zeigte auch das Poten-

tial des Radar als Hauptmittel der Ortung von Flugzeugen und der Feuerleitung
gegen sie.

Im Endeffekt lag jedoch der Vorteil deutlich beim Flugzeug.

Nach

dem Zweiten Weltkrieg wurden Verteidigungsraketen - sowohl landgestützte als

,

auch luftgestützt - entwickelt und mit Radar-Feuerleitsystemen "verheiratet".
Dies erhöhte die Wirksamkeit der Luftverteidigungssysteme wesentlich, und
das Verhältnis verschob sich zu Ungunsten des Flugzeuges.

In den letzten

Jahrzehnten haben wir an Techniken gearbeitet, um solche Luftverteidigungssysteme zu überwinden.

Derzeit machen unsere Militärflugzeuge reichlich Ge-

brauch von elektronischen Gegenmaßnahmen (Störung) und fliegen tief, um sich
im "Radarschatten" (im Konturenflug) zu bewegen, was beides die Wirksamkeit
von Luftverteidigungsradar herabsetzt.

Durch diese Mittel haben wir die Wirk-

samkeit unserer Militärflugzeuge gegen Radar-geleitete Verteidigungsraketen
aufrechterhalten.
Die Sowjets legen jedoch weiterhin sehr großen Nachdruck auf die Entwicklung und Dislozierung von Luftverteidigungsraketen - in dem Versuch, den
Vorteil auszugleichen, den wir in der Luftmacht haben. Sie haben Tausende
von Boden-Luft-Raketensysteme gebaut, sie wenden Hochleistungsradar mit Monopuls-Zielverfolgungsverfahren an, die sehr schwer zu stören sind, und in den
letzten Jahren haben sie Luft-Luft-Raketen entwickelt, die von "Abwärtssicht"("look down")-Radar geleitet werden, die in der Lage sind, Flugzeuge zu orten,
die im Konturenflug (im "Radarschatten") fliegen.
Wegen dieser Entwicklungen und wegen der Bedeutung, die wir der Aufrechterhai tung unserer Luftüberlegenheit beimessen, haben wir seit Jahren an der
Entwicklung der sogenannten "Durchdringungs"-Technologie gearbeitet: der
Technologie, die die Wirksamkeit von Radar und anderen in Luftverteidigungssystemen benutzten Sensoren herabsetzt. Besonderer Nachdruck wurde auf die
Entwicklung jener Technologie gelegt, die ein Flugzeug für Radar "unsichtbar"
macht (wobei "unsichtbar" natürlich nur in übertragenem Sinne gemeint ist).
Anfang der sechziger Jahre wandten wir eine besondere Version dieser Tech-

._ 4 _

^

�Technologie für einige unserer Aufklärungsflugzeuge an. Mitte der siebziger
Jahre wandten wir sie bei den damals entwickelten Marschflugkörpern (Tomahawk
und ALCM) an.

Im Sommer 1977 wurde klar, daß diese Technologie in ihrer

Wirksamkeit wesentlich ausgedehnt werden und auf einen weiten Bereich von
Vehikeln, einschließlich bemannte Flugzeuge, Anwendung finden konnte.

Wir

kamen zu dem Schluß, daß es möglich wäre, Flugzeuge zu bauen, die so schwer
zu orten sind, daß sie von keinem der existierenden Luftverteidigungssysteme
erfolgreich erfaßt werden könnten.
In Erkenntnis der großen Bedeutung einer solchen Entwicklung unternahmen
wir drei miteinander zusammenhängende Maßnahmen: Erstens, wir nahmen eine
rund zehnfache Erhöhung unserer Investitionen zur Förderung dieser Technologie
vor; zweitens, wir leiteten eine Reihe ganz vordringlicher Programme für die
Anwendung dieser Technologie ein; drittens, wir gaben dem gesamten Programm
einen außerordentlichen Geheimhaltungsschutz - bis zu dem Punkt, daß sogar
die Existenz eines solchen Programmes geheimgehalten wurde.
&gt;

Zunächst waren wir,in der Lage, die Kenntnis von dem Programm auf ganz
wenige Regierungsvertreter in der Exekutive und Legislative zu begrenzen,
und es gelang uns,,die Existenz des Programms völlig geheimzuhalten.

Als

das Programm jedoch in seinem Umfang zunahm - derzeit wird jährlich hundertmal mehr Geld für das Programm ausgegeben als zu dem Zeitpunkt 1977, als wir
beschlossen, das Programm zu beschleunigen -, war es notwendig, mehr Personen
zu unterrichten.
kannt geworden.

Die Existenz des Stealth-Programms ist jetzt öffentlich beAber selbst wenn wir jetzt die Existenz eines Stealth-Pro-

gramms bestätigen, so werden wir eine neue Geheimhaltungslinie ziehen, um
jene Information über das Programm zu schützen, die ein sowjetisches Gegenprogramm erleichtern könnte.

Wir werden weiterhin mit der höchsten Geheim-

haltungsstufe Informationen schützen über:
a) die spezifischen Techniken, die wir zur Herabsetzung der Ortungsfähigkeit verwenden;
b) das

�b) das Ausmaß des Erfolgs jeder dieser Techniken;
c) die Charakteristika der spezifischen Vehikel, die entwickelt werden;
d) die Mittel, die für spezifische Programme eingesetzt werden; und
e) die Zeitpläne spezifischer Programme.

*

Aus diesen Grundregeln werden Sie, wie ich meine, erkennen, daß mir in
dem, was ich Ihnen über das Programm sagen kann, außerordentlich enge Grenzen
gesetzt sind.

Ich möchte so sagen:

Erstens, bei der Stealth-Technologie

handelt es sich nicht um einen einzigen technischen Weg, sondern um eine komplexe
Synthese vieler Wege.

Selbst wenn ich es Ihnen beschreiben dürfte, könnte ich

das nicht in einem Satz oder in einem Absatz.

Zweitens, wir haben zwar in den

letzten drei Jahren bemerkenswerte Fortschritte in dieser Technologie erzielt,
aber wir konnten auf der ausgezeichneten Arbeit in unserem Verteidigungstechnologie-Programm der letzten zwei Jahrzehnte aufbauen.

Drittens, diese Tech-

nologie könnte - zumindest theoretisch - auf jedes militärische Vehikel angewandt werden, das mit Radar-geleitetem Feuer angegriffen werden kann.

Wir

erwägen,alle solche Anwendungsmöglichkeiten zu entwickeln, die am praktikabelsten sind und die die größte militärische Bedeutung haben.

Viertens, wir

haben in dem Programm außerordentliche Erfolge erzielt, einschließlich der
Flugerprobung einer Reihe verschiedener Vehikel.

i

+ + + + +

- 6 -

�lO

•L

ilWill Hfl

3PS

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. August 1980

38

BROWN: STRATEGISCHE WAFFEN SCHRECKEN VOR ATOMKRIEG AB
Rede des US-Verteidigungsministers vor dem Naval War College

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown
hat sich am 20. August 1980 in einer Rede vor dem Naval War College (Kriegsschule der US-Marine) ausführlich mit der Entwicklung der strategischen Politik der Vereinigten Staaten befaßt.

Er nannte sie "ein ausgewogenes Ganzes

aus Streitkräftemodernisierung, ausgehandelter Begrenzung sowie überzeugender
und wirkungsvoller Abschreckungsdoktrin."

Es sei das einzige Ziel der ameri-

kanischen strategischen Streitkräfte, den Frieden zu bewahren und die Gefahren
eines Atomkrieges zu vermindern.
Die Rede des Verteidigungsministers hat folgenden Wortlaut:
Es ist für mich eine echte Freude, hier im Naval War College zu sein.
Ihr Dienst hier ist eine vorzügliche Gelegenheit, etwas Distanz zu den Verantwortlichkeiten des Alltags zu gewinnen und sich über eine Reihe von wichtigen nationalen Sicherheitsfragen einige intensive und ernsthafte Gedanken
zu machen.
Eine

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Telex: 08-85432

�Eine der kritischsten dieser Fragen und zugleich eine, der derzeit viel
öffentliche Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist die strategische Nuklearpolitik.

Sie ist auch das Thema meiner heutigen Anmerkungen.
Die Ausarbeitung einer strategischen Nuklearpolitik, die uns von einem

Atomkrieg weg und nicht auf einen hin führt, erfordert leidenschaftslose
Analyse, ausgewogenes Urteil und ein klares Verständnis der komplexen Vielgestaltigkeit des Atomzeitalters.
Die überragende Zielsetzung unserer strategischen Streitkräfte ist die
Abschreckung vor einem Atomkrieg. Abschreckung erfordert Stabilität. Um
strategische Nuklearstabilität zu erzielen, müssen drei Voraussetzungen erfüllt werden:
Erstens: wir müssen über strategische Kernwaffen verfügen, die einen
sowjetischen Erstschlag absorbieren und auch dann noch mit verheerender Wirkung zurückschlagen können.
Zweitens: wir müssen den Anforderungen im Sicherheitsbereich gerecht
werden und insgesamt ein strategisches Gleichgewicht auf dem niedrigsten
und stabilsten Niveau aufrechterhalten, das durch unsere eigene Streitkräfteplanung und durch unsere Rüstungskontrollabkommen möglich gemacht wird.
Drittens: wir brauchen eine Doktrin und Pläne für den Einsatz unserer
Streitkräfte - im Bedarfsfall -, die den Sowjets die harte Realität klarmachen,
daß sie - welchen Kurs in Richtung auf einen Atomkrieg sie auch immer einschlagen mögen - niemals einen Vorteil erzielen könnten, der den unannehmbaren Preis aufwiegen würde, den sie dafür zu zahlen hätten.
Die Fähigkeit unserer Streitkräfte zum überstehen eines Überraschungsangriffs ist das Wesen der Abschreckung. Derzeit garantiert unsere Triade
der strategischen Kernwaffen, daß unsere Abschreckung überlebensfähig ist.
Aber

�Aber in Zukunft könnten die sowjetischen Militärprogramme zumindest
potentiell die Überlebensfähigkeit jeder Komponente unserer strategischen
Streitkräfte bedrohen.

Was unsere Interkontinentalraketer, (ICßMs) anbelangt,

so ist die Möglichkeit mehr oder minder erkannt worden.

Die Sowjets sind

derzeit dabei, Tausende von ICBM-Gefechtsköpfe zu dislozieren, die treffsicher genug sind, um unsere festen MINUTEMAN-Silos zu bedrohen.

Was unsere

Bomber anbelangt, so sind die Bedrohungen weniger konkret, hinsichtlich unserer U-Boot-gestützten Raketen (SLBMs) mehr hypothetisch.

Jedoch entwickeln

die Sowjets derzeit fliegende Radarstationen und Antiflugzeugraketen, um unsere durchdringenden B-52 Bomber abzuschießen.

Und sie suchen intensiv nach

Systemen, um unsere U-Boote zu entdecken und zu zerstören, die mit ballistischen Raketen bestückt sind.

Diese sowjetischen Anstrengungen dürfen wir

nicht ignorieren.
Als Reaktion auf diese derzeitigen und zukünftigen Bedrohungen verstärken wir unsere strategischen Nuklearkapazitäten in angemessenem Umfang und
in allen Bereichen.

Dies ist notwendig, weil - bei derzeitig im wesentlichen

ausgewogener Stärke - der Umfang und die Schwungkraft der sowjetischen Programme im Lauf der siebziger Jahre, die sich unvermeidlicherweise auf ihre
Dislozierung im Lauf der achtziger Jahre auswirken werden, ausgleichende
Schritte der Vereinigten Staaten erfordern.

Obwohl wir einige bedeutsame Fortschritte erzielt haben, vor allem bei
den Mehrfachgefechtsköpfen, betrugen unsere Investitionen in strategische
Programme weniger als ein Drittel dessen, was die Sowjets für ihre strategischen Programme ausgaben.
*•

Wenn wir eine Fortsetzung dieses Trends zuge-

lassen hätten, dann hätten wir Mitte der achtziger Jahre vor einer Situation
gestanden, die man bestenfalls als eine Vorstellung von Unterlegenheit,
schlimmstenfalls als eine echte Möglichkeit der nuklearen Erpressung bezeichnen müßte.

Daher verstärken wir alle drei Elemente unserer strategischen Streitkräfte:

In
- 3 -

�In dreieinhalb Jahren haben wir das Programm der TRIDENT-Rakete und
das Unterseeboot-Programm wieder ins Gleis gebracht.

Wir haben damit be-

gonnen, unsere Poseidon-Unterseeboote mit der neuen TRIDENT I-Rakete auszurüsten, die die Meeresgebiete, in denen die Unterseeboote patroullieren
können und noch in Reichweite ihrer Ziele sind, um ein Zehnfaches vergrößert.
Das erste TRIDENT-Unterseeboot, die USS Ohio, wird noch in diesem Jahr in
die Seeerprobung und im kommenden Jahr in den aktiven Flottendienst gehen.
Ihr Schwesterschiff, die USS Michigan, wird bald vom Stapel laufen.
Wir unternehmen wichtige Schritte, um eine lebensfähige und wirksame
Bomberflotte aufrechtzuerhalten.

Bereits zu Beginn seiner Amtsperiode kam

Präsident Carter zu dem Schluß, daß Luft-Boden-Marschflugkörper eine wirksamere und leistungsfähigere strategische Waffe wären als der Bomber vom
Typ B-l. Seither haben technische Entwicklungen in den USA und Erkenntnisse der Aufklärung über Fortschritte in der sowjetischen Luftverteidigung
dieses Urteil nachdrücklich bestätigt.
In der Zwischenzeit setzen wir die Entwicklung der Technologie und
die Entwürfe für ein neues Trägerflugzeug für Marschflugkörper und einen
neuen Bomber fort, sollten sie notwendig werden, um mit der Bedrohung in
den neunziger Jahren und darüber hinaus fertig zu werden.
Die Verwundbarkeit unserer festverbunkerten Interkontinentalraketen
wird für die nächsten paar Jahre der am meisten Sorge bereitende Mangel unserer Streitkräfte sein. Beobachter haben diese Entwicklung seit vielen
Jahren kommen sehen, aber eine brauchbare technische Lösung war nicht zu
finden, bis das Programm der multiplen Schutzbunker für die MX entwickelt
und im Jahre 1979 angenommen wurde. Dieses Programm - das, wie wir glauben,
der Kongreß und die öffentliche Meinung auch weiterhin unterstützen werden ist äußerst wichtig für die Erhaltung des strategischen Gleichgewichts auf
lange Sicht. Die anderen Elemente unserer strategischen Streitmacht - von
denen jedes Anfang der achtziger Jahre rasch weiterentwickelt werden wird ermöglichen es uns, das Gleichgewicht und eine überlebensfähige Abschrekkung während der Zeitspanne aufrechtzuerhalten, in der unsere Interkonti-

�Interkontinentalraketen noch verwundbar bleiben.

Dies ist natürlich eine Si-

tuation, in der wir nicht für immer leben wollen.

Wir müssen uns gegen die

möglichen Verwundbarkeiten der anderen Pfeiler der Triade sichern und beispielsweise nicht zulassen, daß sich die Sowjets völlig auf ihre Kapazitäten
zur U-Bootbekämpfung konzentrieren.

Daher die Notwendigkeit der MX.

Die

große Anstrengung - und die erheblichen Kosten -, die wir aufzubringen gewillt sind, um die Überlebensfähigkeit der MX sicherzustellen, sind der Beweis dafür, daß wir in der Planung unseren strategischen Streitkräften eine
Vergeltungsrolle zuweisen.

Ein überlebensfähiges System bedeutet weniger

Gefahr als das verwundbare, das es ersetzt.
Nicht im eigentlichen Sinne ein Teil unserer strategischen Streitkräfte,
aber doch entscheidend wichtig für das nukleare Gesamtgleichgewicht, sind
die nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF).

Im vergangenen Jahr ist das NATO-

Bündnis zu einer gemeinsamen Entscheidung gelangt - zu einer für einige Verbündete sehr schwierigen Entscheidung - auf den im großen Rahmen durchgeführten
Aufbau der sowjetischen TNF zu reagieren.

Diese Entscheidung umfaßt ein kom-

biniertes Programm verbesserter amerikanischer TNF - landgestützter Marschflugkörper (cruise missiles) und PERSHING II-Raketen - und die Weiterverfolgung der Bemühungen, mit den Sowjets eine faire und verifizierbare Begrenzung der TNF auf beiden Seiten auszuhandeln.

Wir haben ferner unser Eintre-

ten für eine starke alliierte Nuklearkapazität durch das jüngste Abkommen
unter Beweis gestellt, durch das TRIDENT-Raketen einer modernisierten britischen
Nuklearstreitmacht verfügbar gemacht werden sollen.
Diese Programme ziehen Nutzen aus der technologischen Stärke der Vereinigten Staaten - bei der Gestaltung und der Qualität der U-Boote, bei der
Treffsicherheit und minimalen Größe der Marschflugkörper und bei einem wirksamen Programm für die Mobilität landgestützter Raketen.

Sie bieten lang-

fristige Lösungen und sind nicht Maßnahmen zur bloßen überbrückung von Lücken.
Vor allem bei den strategischen Streitkräften müssen wir unsere Ressourcen
für solche Waffensysteme aufwenden, die unseren Bedürfnissen auf lange Sicht
hin dienen werden, nicht aber unsere Kräfte vergeuden, um rasche aber nur unvollständige und kurzlebige Lösungen zu finden.
Zusammengenommen
- 5 -

�Zusammengenommen stärken diese Programme die Abschreckung.

Sie sorgen

für eine vermehrte überlebensfSh1gkelt unserer strategischen Streitkräfte,
Indem sie unsere Verwundbarkelt gegenüber sowjetischen Drohungen vermindern.
Sie halten die strategische Stabilität aufrecht, indem sie unsere Kapazität
zur Abschreckung vor einem Atomkrieg vermehren.
Ein zweiter Teil unseres Programms zur Erzielung einer strategischen
Stabilität besteht 1n dem Bemlihen um das Zustandekommen gerechter und verlflzlerbarer Abkommen zur Kontrolle der strategischen Rüstungen, wie der SALT IIVertrag.

Rüstungskontrolle Ist nicht ein Ersatz fUr eine energisch durchge-

führte Modernisierung der Streitkräfte, sondern eher eine Ergänzung, indem sie
wirksame Kontrollen in bezug auf Größe und Kapazität der sowjetischen strategischen Streitkräfte an die Hand gibt.

Gleichzeitig erlaubt sie uns die Durch-

führung derjenigen Programme, die wir brauchen, um das strategische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Diese Administration hat sich wie alle anderen Administrationen in
Washington seit Beginn des Nuklearzeitalters um die Kontrolle der nuklearen
Rüstung bemüht - nicht unseren Gegnern zuliebe oder aus irgendeiner Illusion
über ihren wahren Charakter, sondern als Mittel zur Stärkung unserer eigenen
Sicherheit und des Friedens in der Welt.

Wir wollen Rüstungskontrollabkommen

mit den Sowjets, und sie wollen sie mit uns, gerade weil wir Gegner sind - zwischen Freunden sind solche Abkommen nicht nötig.

Beiderseitiges Interesse

ist hier die treibende Kraft und beiderseitiger Nutzen das notwendige Kriterium für ein jedes Rüstungskontroi labkommen zwischen den Supermächten.
Der SALT II-Vertrag wird den Ausbau der strategischen Waffen der Sowjet- i
union erheblich einschränken, weit unterhalb des Niveaus, das wahrscheinlich
ohne die Begrenzungen durch diesen Vertrag erreicht worden wäre; die Sowjets
werden ihre derzeitigen strategischen Kernwaffen um etwa zehn Prozent reduzieren
müssen und werden bei der Zahl von Gefechtsköpfen begrenzt sein, die sie dislozieren können.
SALT II

�SALT II wird bei den zukünftigen strategischen Waffen der Sowjetunion
sowohl hinsichtlich ihrer Anzahl als auch ihrer Eigenschaften genauere Aussagen zulassen - und dadurch unsere eigene Verteidigungsplanung erleichtern.
SALT II wird ein unnötiges, ungehindertes und Liberaus kostspieliges Wettrüsten im Bereich der strategischen Waffen mit der Sowjetunion verhindern.
Dies ist umso wichtiger, als wir vor der dringenden Notwendigkeit stehen, mehr
Mittel für die konventionellen Streitkräfte bereitzustellen - ein Erfordernis,
das nunmehr als Ergebnis der sowjetischen Invasion Afghanistans nur noch umso
dringlicher geworden ist.
Die Chefs des Gemeinsamen Stabes betrachten auch weiterhin die von dem
Vertrag auferlegten Begrenzungen als in unserem nationalen Sicherheitsinteresse liegend.
Die sowjetische Invasion Afghanistans machte es in der praktischen Politik notwendig, die Ratifizierung von SALT II zu verschieben, während wir
die sowjetischen Maßnahmen einer Beurteilung unterzogen und die notwendigen
Antworten gaben. Aber die Ratifizierung des Vertrags zum frühestmöglichen
Zeitpunkt ist auch weiterhin für unser nationales Sicherheitsinteresse von Bedeutung.
Zusätzlich zu den strategischen Waffen, die technisch angemessen sind,
benötigen wir einen politischen Rahmen:
Wir müssen das Notwendige anordnen, damit die Abschreckung auch weiterhin
funktioniert;
wir müssen unsere Beschaffungsstrategie für den Erwerb strategischer Kernwaffen sowie für die entsprechenden Befehls-, Kontroll- und Kommunikationssysteme lenken; und
wir
- 7 -

�wir müssen unsere operative Planung für den Einsatz unserer Streitkräfte
- sollte dies notwendig sein - ausgestalten.
Als Ergänzung zu unseren Anstrengungen bei der Waffenmodernisierung und
bei den RüstungskontrollVerhandlungen haben wir in den vergangenen drei Jahren
intensiv daran gearbeitet, die Abschreckung sicherer und wirkungsvoller zu
machen - durch bessere Planung und durch eine überzeugendere Darlegung unserer
strategischen Doktrin.

Im Verlauf dieses Prozesses haben wir eine Reihe wich-

tiger analytischer und operativer Schritte unternommen.
;

' .

'"

Im Sommer 1977 ordnete Präsident Carter eine grundlegende Überprüfung
unserer Zielpolitik an.

Im Verlauf der folgenden 18 Monate wurde diese Studie

von militärischen und zivilen Experten durchgeführt, wobei unsere Streitkräfte,
Pläne, Probleme und Kapazitäten sowie die Perspektiven, die Stärke und die Verwundbarkeit der Sowjetunion in Rechnung gestellt wurden.
Seit ich dem Präsidenten meinen Bericht zu dieser Analyse vorgelegt habe,
sind wir mit Bedacht daran gegangen, seine Grundprinzipien durchzuführen.
Ich habe die wesentlichen Regeln dieser Strategie des Gegenzuges Anfang 1979
in meinem Verteidigungsbericht ausgeführt, mehr in die Einzelheiten gehend im
Januar dieses Jahres.
Auf einem Treffen der Nuklearen Planungsgruppe der NATO im Juni dieses
Jahres informierte ich unsere Verbündeten über die Schlußfolgerungen, zu denen
wir gelangt sind, und die Maßnahmen, die wir nunmehr ergreifen. Sie unterstützen voll und ganz die Notwendigkeit für die Vereinigten Staaten, über eine
große Bandbreite von nuklearstrategischen Optionen zu verfügen. Unsere Strategie des Gegenzuges steht in völligem Einklang mit der flexiblen Antwort
der NATO und zeigt in der Tat unsere Entschlossenheit an, diese Strategie
des Bündnisses in die Tat umzusetzen.
Präsident Carter hat vor kurzem eine Durchführungsdirektive erlassen
- die Präsidialdirektive No. 59 -, in der unsere neuformulierte Doktrin kodifiziert wird und durch die eine Orientierung bei der weiteren Entwicklung
- 8 -

�Entwicklung unserer Planung und unserer Zielerfassung geschaffen wird.

Es ist offensichtlich, daß die Einzelheiten unserer Planung Pin streng
behütetes Geheimnis bleiben müssen.
unserer Politik öffentlich
zu gefährden.

Dennoch kann die grundlegende Prämisse

mitgeteilt werden, ohne unsere eigene Sicherheit

In der Tat liegt es gerade in unserem nationalen Interesse,

daß unsere Abschreckungspolitik - und die Folgen einer Aggression - sowohl
von Freund als auch von Feind verstanden werden.

Lassen Sie mich zunächst betonen, daß die Präsidialdirektive 59 (P.D.59)
keine neue strategische Doktrin ist; sie ist keine grundlegende Abkehr von
der amerikanischen Strategiepolitik während etwa des vergangenen Jahrzehnts.
Sie ist vielmehr eine Verfeinerung, eine Kodifizierung vorhergehender Erklärungen zu unserer Strategiepolitik.

Die P.D.59 übernimmt die gleiche wesent-

liche strategische Doktrin und formuliert sie klarer, überzeugender angesichts
der gegenwärtigen Bedingungen und der gegenwärtigen Möglichkeiten.

überdies ist es eine Absicht meiner heutigen Darlegung des Problems - sowie meiner früheren Erklärungen zu diesem Thema -, den Sowjets die Natur
unserer Strategie des Gegenzuges klarzumachen.

Dies geschieht, um sicherzu-

stellen, daß kein potentieller Gegner der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten jemals zu der Schlußfolgerung gelangen könnte, eine Aggression könne
die Kosten wert sein, die in ihrem Verlauf entstehen.

Dies gilt für jedwedes

Konfliktniveau, das ins Auge gefaßt werden könnte.

Die Abschreckung bleibt unser grundlegendes strategisches Ziel, so, wie
es dies bisher in der Geschichte der Fall gewesen ist. Aber Abschreckung muß
eine weit größere Bandbreite von Bedrohungen im Zaum halten als nur einen massiven Angriff auf amerikanische Städte.

Wir wollen jeden Gegner von jeder Art

Kurs abschrecken, der zu einem allgemeinen Atomkrieg führen könnte.

Unsere

strategischen Streitkräfte müssen auch von Nuklearangriffen auf kleinere Ziele
in den Vereinigten Staaten oder auf amerikanische Streitkräfte abschrecken sowie ein Schutzwall gegen nuklearen Zwang oder nuklearen Angriff auf unsere

�unsere Freunde und Verbündeten

sein.

Und die strategischen Waffen müssen in

Verbindung mit den nuklearen Mittel Streckensystemen (TNF) zur Abschreckung
auch von konventioneller Aggression beitragen.

(Ich sage "beitragen", denn

wir erkennen, daß weder die Kernwaffen noch die klügste Theorie ihres Einsatzes für uns - und unsere Verbündeten - die Notwendigkeit beseitigen können,
eine wirkungsvolle konventionelle Abschreckung zu unterhalten.)
In unserer Analyse und in unseren Planungen verwenden wir notwendigerweise größere Aufmerksamkeit darauf, wie ein Atomkrieg wirklich auf beiden
Seiten ausgetragen werden würde, wenn die Abschreckung versagen sollte.

Es

gibt dabei keinen Widerspruch zwischen der Überlegung, wie ein Krieg ausgetragen werden würde und welche seine Ergebnisse sein würden einerseits sowie unserer Absicht andererseits, durch gegenseitige Abschreckung auch weiterhin den
Frieden zu sichern.

Ja, diese Betrachtungsweise hilft uns sogar dabei, Ab-

schreckung und Frieden zu erzielen, indem sie nämlich sicherstellt, daß unsere
Fähigkeit zur Vergeltung in vollem Umfang glaubwürdig ist.
Per Definition bedeutet erfolgreiche Abschreckung unter anderem, den
Blick der Sowjets dafür zu schärfen, was ein Krieg bedeuten und welche Risiken
und Verluste eine Aggression beinhalten würde. Wir brauchen Streitkräfte,
Pläne für den Eventualfall, sowie Befehls- und Kontrollkapazitäten, die die
sowjetische Führung davon überzeugen, daß kein Krieg und kein Aggressionskurs
ihrerseits, der zum Einsatz von Kernwaffen führen würde, auf welcher Angriffsskala und in welchem Stadium des Konflikts auch immer, zum Sieg führen könnte wie immer sie auch den Sieg definiert. Sie von dieser grundlegenden Wahrheit
zu überzeugen, ist die sicherste Gewähr dafür, daß sie nicht in die Versuchung
einer Aggression gerät.
Operativ erfordert unsere Strategie des Gegenzuges, daß unsere Pläne und
Kapazitäten so strukturiert werden, daß sie mehr Gewicht auf die Fähigkeit legen, strategische Kernwaffen selektiv genauso wie bei einer umfassenden Vergeltung als Antwort auf massive Angriffe auf die Vereinigten Staaten einzusetzen.
Es ist unsere Politik - und wir haben in zunehmendem Maß die Mittel und die de- 10 -

�detaillierten Pläne, um diese Politik durchzuführen -, sicherzustellen, daß
die sowjetische Führung weiß, daß wir - sollte sie irgendein mittleres
Aggressionsniveau wählen - durch selektive, umfangreiche (aber noch immer
nicht maximale) Angriffe einen unannehmbar hohen Preis in Gestalt von Dingen
erzwingen können, die die sowjetischen Führer am höchsten einzuschätzen
scheinen, nämlich die politische und militärische Kontrolle, die militärische
Macht sowohl nuklearer als auch konventioneller Art, sowie die industrielle
Kapazität, einen Krieg durchzustehen.

Bei unseren Planungen haben wir nicht

das Problem der Beendigung eines Krieges ignoriert; wir würden dies auch nicht
im Fall eines Krieges tun.

Und natürlich haben wir eine überlebensfähige und

dauerhafte Kapazität - und werden sie aufrechterhalten -, um die ganze Bandbreite von Zielen anzugreifen - einschließlich der sowjetischen Wirtschaftsbasen -, sollte dies die angemessene Antwort auf einen sowjetischen Schlag
sein.
Auf Anweisung des Präsidenten hat das Verteidigungsministerium seit 1977
an der Erhöhung der Flexibilität unserer Pläne gearbeitet, um uns der innewohnenden Kapazitäten unserer Streitkräfte zu bedienen. Wir unternehmen außerdem Schritte zur Verbesserung unserer Fähigkeit zum Unterhalt wirkungsvoller
Kommunikation sowie des Kommandos und der Kontrolle unserer Streitkräfte sogar
unter den höchst ungewissen und chaotischen Bedingungen, die bei einem Atomkrieg herrschen würden. Diese Maßnahmen sind eine große Verstärkung unserer
Abschreckung.
Diese Doktrin - ich habe es schon vorher betont - ist kein Neuanfang.
Die Vereinigten Staaten haben zu keiner Zeit eine Doktrin gehabt, die sich einfach und einzig auf reflexhafte, massive Angriffe sowjetischer Städte gründete.
Stattdessen waren unsere Pläne schon immer selektiver (Optionen, die den urban-industriellen Schaden begrenzten) und umfassender (eine ganze Bandbreite
militärischer Ziele).

Auch frühere Regierungen bis weit in die sechziger

Jahre hinein erkannten die Unangemessenheit einer strategischen Doktrin, die
uns einen zu engen Optionsspielraum gab.

Die grundlegende Prämisse der Stra-

tegie des Gegenzuges ist eine natürliche Entwicklung aus den theoretischen
Grundlagen, die sich im Verlauf einer Generation herausgebildet haben - etwa

�etwa unter den Verteidigungsministern McNamara und Schlesinger, um nur zwei
meiner Vorgänger zu nennen, die am engsten mit der Entwicklung unserer Nukleardoktrin identifiziert worden sind.
Diese Regierung erhebt nicht den Anspruch, die Notwendigkeit für eine
breite Skala der Abschreckung, für verbesserte Flexibilität, für sicheres
und verläßliches Kommando und Kontrolle unserer eigenen Streitkräfte im Fall
des Versagens der Abschreckung oder für wirkungsvollen Zieleinsatz der Streitkräfte sowie ihrer politischen Führung und militärischen Kontrolle erfunden
zu haben.
Diese Entwicklung unserer Doktrin erhöht die Abschreckung und vermindert
die Wahrscheinlichkeit eines Atomkriegs.

Dies tut sie, weil sie - wie unsere

nuklearen Modernisierungsprogramme - die Überlebensfähigkeit unserer Streitkräfte betont und den Sowjets die Botschaft übermittelt, daß jede oder alle
Komponenten sowjetischer Macht - und nicht nur ihr urban-industrieller Komplex - im Rahmen der Vergeltung angegriffen werden könnten.
Was wir in den vergangenen dreieinhalb Jahren getan haben,war, einen genaueren Blick auf unsere Kapazitäten, unsere Doktrin und unsere Pläne zu werfen angesichts dessen, was wir über die sowjetischen Streitkräfte, ihre Doktrin
und ihre Pläne wissen. Es scheint, daß die sowjetische Führung zumindest mit
der Möglichkeit eines verhältnismäßig langen Schlagabtausches rechnet, falls
es zu einem Krieg kommen sollte; und zumindest in einigen Kreisen scheint die
theoretische Möglichkeit eines Sieges in einem solchen Krieg ernstgenommen zu
werden. Wir können es uns nicht leisten, diese Ansichten zu ignorieren, sogar
dann nicht, wenn wir anders denken - wie ich etwa. Wir brauchen - und wir
haben - eine Position sowohl hinsichtlich der Streitkräfte als auch der Doktrin,
die den Sowjets und der Welt klarmacht, daß jeder Gedanke an Sieg in einem
Atomkrieg unrealistisch ist.
.

Die Einführung unserer Strategie erfordert von uns, bei unserer operativen Planung einige Änderungen vorzunehmen - wie etwa einen graduellen Anstieg
- 12 -

�Anstieg bei Umfang, Vielfalt und Flexibilität der uns für den Fall einer
sowjetischen Aggression zur Verfügung stehenden Optionen.
ist seit 1977 bereits getan worden.

Einiges davon

Aber es muß noch mehr getan werden.

Wir müssen auch die Überlebensfähigkeit und Ausdauer unseres Befehls- und
Kontroll Systems verbessern.

Es handelt sich nicht um eine Strategie des Erstschlags.

Wir sprechen

darüber, was wir tun könnten und entsprechend der Natur eines sowjetischen
Angriffs tun würden in Beantwortung eines sowjetischen Angriffs.

Nichts

an dieser Politik faßt ins Auge, daß ein Atomkrieg ein absichtliches Instrument zur Erreichung unserer nationalen Sicherheitsziele sein könnte - denn
dies kann es nicht sein.

Aber wir können es nicht riskieren, daß die sowje-

tische Führung sich der Illusion hingibt, ein Atomkrieg könne eine Option
darstellen - oder die Drohung damit ein Mittel für sie, um Druck auszuüben.

Während wir unsere Fähigkeit und unsere Absicht erklären, einen sowjetischen Sieg - sogar unter den gefährlichsten Umständen - zu verhindern,
machen wir uns keine Illusionen darüber, was ein Atomkrieg für die Menschheit bedeuten würde.

Er würde eine unvorstellbare Katastrophe sein.

Wir sind uns auch der gewaltigen Ungewißheiten bewußt, die mit jeder
Art Einsatz von Kernwaffen verbunden sind.

Wir wissen, daß das, was als ein

angeblich kontrollierter, begrenzter Schlag anfangen würde, leicht - und
meiner Ansicht nach sogar sehr leicht - zu einem totalen Atomkrieg eskalieren
könnte.

Wir wissen außerdem, daß sogar ein begrenzter nuklearer Schlagab-

tausch gewaltige Verluste und Zerstörung mit sich bringen würde.

Aber neben

der massiven Vergeltung haben wir schon immer als Antwort auf schwerwiegende,
aber immer noch begrenzte Provokation auch andere Optionen benötigt.

Die

Ausweitung der sowjetischen strategischen Kapazität im Verlauf der letzten
zehn Jahre sowie unsere Bedenken darüber, daß die Sowjets womöglich nicht
daran glauben, daß ein Atomkrieg nicht zu gewinnen ist, stellen die Vereinigten Staaten vor die Notwendigkeit weiterer und selektiverer Vergeltungsoptionen.
Die
- 13 -

�Die Maßnahmen bei Doktrin und Planung, die wir ergreifen, verbessern
in Verbindung mit unseren Waffenmodernisierungsprogrammen die Wirksamkeit
unserer strategischen Kernwaffen angesichts der gesamten Bandbreite von Bedrohungen.

Sie verdeutlichen unsere Einstellung, wonach der beste Weg zur

Vermeidung eines Krieges ist, sicherzustellen, daß die sowjetische Führung
sich keinerlei Illusionen darüber hingibt, was ein solcher Krieg für die
sowjetische Staatsmacht und für die sowjetische Gesellschaft bedeutet.
Zusammengenommen ist unsere Strategiepolitik ein ausgewogenes Ganzes
aus Streitkrä'ftemodernisierung, ausgehandelter Begrenzung sowie überzeugender
und wirkungsvoller Abschreckungsdoktrin.

Wir haben ein einziges Ziel:

Frieden zu bewahren und die Gefahr eines Atomkrieges zu vermindern.

den

Dies ist

gleichzeitig ein militärisches, ein politisches und ein moralisches Ziel.
Wir werden auchi weiterhin eine integrierte Politik der Aufrechterhaltung und
Modernisierung unserer Streitkräfte zum Erhalt eines angemessenen Gleichgewichts verfolgen und versuchen, den Rüstungswettlauf zu stabilisieren sowie
unsere Doktrin und unsere Planung zu verbessern, um den Sowjets jede Hoffnung
auf einen Sieg in einem Atomkrieg zu rauben, wie immer sie auch einen Sieg
definieren und auf welche Ebene auch immer ein solcher Konflikt ausgetragen
werden sollte.
•

Es ist von entscheidender Bedeutung, daß unsere Politik der nuklearen
Abschreckung vom amerikanischen Volk, von unseren Freunden und Verbündeten
sowie auch von unseren Gegnern verstanden wird. Dies ist der Sinn und Zweck
dieser Rede. Es liegt vor allem an Experten wie Ihnen, diese verwickelten
und doch so bedeutsamen Politiken der nationalen Sicherheit zu verstehen und
zu erklären. Ja, dies ist eine der wichtigsten Funktionen derjenigen unter
uns, die im Rahmen der Formulierung oder der Durchführung unserer Politik den
nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten dienen.

+ + + + +

- 14-

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. August 1980

38

USA BEDAUERN STÖRUNG DER STIMME AMERIKAS DURCH MOSKAU
- Erklärung des State Department -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat die Tatsache
bedauert, daß die Sowjetunion die Störungen der Sendungen der Stimme Amerikas
sowie anderer westlicher Rundfunksender wieder aufgenommen hat. In einer Erklärung vom 20. August 1980 betonte das State Department, man könne nur den
Schluß ziehen, daß die sowjetische Maßnahme - der erste derartige Schritt
seit sieben Jahren - durch den großen Unterschied zwischen sowjetischzensierten Nachrichten und dem freien Informationsfluß aus dem Westen ausgelöst worden sei.
Die Erklärung des amerikanischen Außenministeriums hat folgenden Wortlaut:
"Wir bedauern die Tatsache, daß die Sowjetunion die Störung von Sendungen
der Stimme Amerikas nach der Sowjetunion sowie anderer westlicher Rundfunksendungen zum ersten Mal seit 1973 wieder aufgenommen hat.

Diese Maßnahme der

Sowjetunion erfolgt unter krasser Mißachtung der Bestimmungen der Schlußakte
von Helsinki hinsichtlich der Verbreitung von Informationen.
Wir

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D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Wir wissen nicht, warum die Sowjetunion diesen unglücklichen Rückschritt
getan hat, und wir wissen auch nicht, ob er zeitweiliger oder langfristiger
Natur ist.

Die Rundfunkpolitik der Stimme Amerikas hat sich im Verlaufe der

letzten sieben Jahre nicht wesentlich geändert, und man kann nur annehmen,
daß die sowjetischen Stellen in der letzten Zeit besorgt geworden sind über
die große Lücke zwischen den stark zensierten Nachrichten, wie sie dem sowjetischen Volk durch die sowjetischen Nachrichtenmedien dargeboten werden,
und den Nachrichten, wie sie die Stimme Amerikas bringt."
In einer Erklärung der Stimme Amerikas wird darauf hingewiesen, daß nicht
nur die eigenen, sondern auch die Sendungen der British Broadcasting Company
(BBC) und der Deutschen Welle gestört werden.

Man habe festgestellt, daß zu-

mindest sechs Frequenzen gestört würden, auf denen in russischer, ukrainischer
und armenischer Sprache gesendet werde.

Die Direktorin der Stimme Amerikas,

Mary Bitterman, erklärte in diesem Zusammenhang, es sei nicht an Vergeltungsmaßnahmen gedacht, da sich Amerika dem freien Fluß von Informationen verpflichtet fühle.

i

�ä

a
38

Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. August 1980

NEUES BRENNSTOFF-SYNTHESEWERK IN KENTUCKY GEPLANT

- (AD) - Ein Kooperationsabkommen über den Bau einer Demonstrationsanlage für die Herstellung von Synthesebrennstoffen in Newman (Kentucky) wurde
vom amerikanischen Energieministerium mit dem Bundesstaat Kentucky und der
"International Coal Refining Company", einem amerikanischen Privatunternehmen,
unterzeichnet. Das 1,5-Milliarden-Dollar-Projekt kann jedoch erst nach Abschluß der Umweltbelastungsanalyse in Angriff genommen werden.
Die Anlage soll 1984 den Betrieb aufnehmen. Bei einem Tagesdurchsatz
von 5400 Tonnen stark schwefelhaltiger Kohle wird sie nach dem SRC-I-Verfahren
(SRC ist die Abkürzung für die Verfahrensbezeichnung "Solvent Refined Coal",
eine neue Methode für die Entfernung von Schwefel und anderer Beimengungen
aus Kohle) ein "sauber" verbrennendes Produkt liefern. Es kann als fester
Brennstoff verwendet oder zu flüssigen Brennstoffen weiterverarbeitet werden.
Demgegenüber wird im Werk Morgantown (Westvirginia), das gemeinsam von den
USA, der Bundesrepublik Deutschland und Japan errichtet wird, das bereits verbesserte SRC-II-Verfahren angewandt. Dieses erlaubt die direkte Umwandlung
von Kohle in flüssige Brennstoffe.

Die

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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Die Tagesmenge, die im Werk Newman erzielt werden wird, entspricht etwa
20 000 Faß Rohöl.

Die Internationale Coal Refining Company beabsichtigt,

die Demonstrationsanlage ganz zu übernehmen, wenn sich die Methode als erfolgreich erweist, und den Betrieb zu einem großtechnischen Werk mit einer
Tageskapazität auszubauen, die 100 000 Faß Rohöl entspricht.

Während der

ersten Betriebsjahre will man zunächst weitere praktische Erfahrungen sammeln und technische, finanzielle und betriebstechnische Parameter bekommen.
Zwei weitere Demonstrationsanlagen für die Kohleumwandlung, für die das USEnergieministerium erhebliche Mittel zur Verfügung stellt, sind das Hydrierwerk von Catlettsburg (Kentucky) und ein Exxon-Betrieb in Baytown (Texas).

+ + + + +

�Information

i

31

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

38

27. August 1980

POSITIVE BILANZ DER GESCHWINDIGKEITSBEGRENZUNG

- (AD) - Seit Januar 1974 sind auf den meisten amerikanischen Fernstraßen aus Gründen der Energieeinsparung 88 km pro Stunde (55 mph) als
Höchstgeschwindigkeit zugelassen. Wie Energieminister Neil Goldschmidt
kürzlich berichtete, haben inzwischen Untersuchungen zu den Auswirkungen
dieser Maßnahme ergeben, daß pro Jahr im Durchschnitt 12,87 Milliarden Liter
Benzin weniger verbraucht wurden. Außerdem ist die Zahl der Verkehrstoten
merklich zurückgegangen. Während 1973 bei Zugrundelegung von jeweils 160
Millionen Fahrkilometern noch 4,11 tödliche Verkehrsunfälle zu verzeichnen
waren, betrug 1974 die entsprechende Durchschnittszahl 3,52; bis 1979 war
sie auf 3,35 zurückgegangen.
Fachleute schätzen, daß die Einführung der Geschwindigkeitsbeschränkung
wesentlich dazu beitrug, daß in den letzten sechs Jahren der Verkehr etwa
37 000 weniger Todesopfer forderte, als die Statistiken der Jahre vor 1974
hätten erwarten lassen. Bei Umfragen in allen Teilen der USA sprachen sich
mehr als 70 Prozent der amerikanischen Bevölkerung für die Beibehaltung der
Geschwindigkeitsbeschränkung aus.
+ + + + +

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�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA entwickeln neue Flugzeug-Technologie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärungen des US-Verteidigungsministers und des Staatssekretärs für Forschung und Entwicklung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Brown: Strategische Waffen schrecken vor Atomkrieg ab&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Verteidigungsministers vor dem Naval War College -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA bedauern Störung der Stimme Amerikas durch Moskau&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des State Department -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neues Brennstoff-Synthesewerk in Kentucky geplant&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Positive Bilanz der Geschwindigkeitsbegrenzung</text>
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                    <text>^T^|
FO

BEI ajij^j

Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. September 1980

39

INHALT

DOKUMENTATION
Auszüge aus dem Parteiprogramm der Demokratischen Partei für die
Wahlen 1980

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Vorläufiger Abschied vom Mars
- Zweite VIKING-Kamera-Sonde wurde abgeschaltet von G. Weiss

Um Ubcr/cncJung uon

BcIcgcMcmplorcn wird
gebeten

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Telex: 08-85432

D 5 3 0 0 Bonn 2

�3. September 1980

39

AUSZÜGE AUS DEM PARTEIPROGRAMM DER DEMOKRATISCHEN PARTEI
FÜR DIE WAHLEN 1980

NEW YORK

- (AD) - Der Nationalkonvent der Demokratischen Partei

hat am 14. August 1980 ein 130 Seiten umfassendes Wahlprogramm verabschiedet,
das die Grundeinstellung der Partei zu innen- und außenpolitischen Fragen
widerspiegelt.
Das nach eingehender Diskussion formulierte Programm - die "platform" räumt ein, daß die Regierung Carter in den letzten dreieinhalb Jahren
nicht alle Probleme Amerikas gelöst habe, weist jedoch darauf hin, daß die
meisten dieser Probleme von vorangegangenen republikanischen Regierungen
geerbt worden seien.
Das Programm, als "Vertrag mit dem Volk" bezeichnet, fordert außenpolitisch eine Stärkung der Beziehungen zur Dritten Welt, eine Erhöhung
der militärischen Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
sowie eine Verpflichtung zur Rüstungskontrolle.
Auf

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D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Auf wirtschaftlichem Gebiet sieht die

platform

ein nachhaltiges

Arbeitsplatzbeschaffungsprogramm, Zurückhaltung bei den Staatsausgaben,
anti-inflationäre Steuersenkungen; Priorität für Kohle und Sonnenenergie
und verstärkte Hilfe für die Dritte Welt vor.
Nachstehend wesentliche Auszüge aus diesem Parteiprogramm im Wortlaut:

I. WIRTSCHAFT

Die Demokratische Partei wird keine Maßnahme ergreifen, deren Auswirkung zu einer fühlbaren Erhöhung der Arbeitslosigkeit führen würde keine fiskalische Maßnahme, keine geldpolitische Maßnahme, keine haushaltsmäßige Maßnahme...
Hohe Zinssätze legen unfaire Lasten auf - auf Farmer, kleine Geschäftsleute und jüngere Familien, die ein Heim kaufen. Die Rezession legt denen
eine unfaire Last auf, die sie am wenigsten tragen können. Demokratische
Wirtschaftspolitik muß Fairness gegenüber den Arbeitern, den älteren
Menschen, den Frauen, den Armen, den Minderheiten und der Mehrheit jener
Amerikaner mit einem mittleren Einkommen garantieren. Wir versprechen 1980
eine echte demokratische Wirtschaftspolitik, um eine blühende wirtschaftsliche
Zukunft zu sichern.

Wirtschaftliche Stärke
Die Demokratische Partei ist verpflichtet, die notwendigen Schritte
zur Bekämpfung der gegenwärtigen Rezession zu unternehmen. Wir können
jedoch unseren Kampf gegen die Inflation nicht aufgeben. Wir müssen diese

�diese beiden Probleme gleichzeitig bekämpfen; dazu sind wir verpflichtet.
Wir werden den Kampf gegen die Inflation mit Mitteln fortsetzen, die nicht
darauf abzielen oder hinwirken, die Arbeitslosigkeit zu vergrößern...

Antirezessionshilfe
Wir müssen sofort ein kurzfristiges Antirezessionsprogramm in Angriff
nehmen, um die Flut einer verstärkten Rezession und steigender Arbeitslosigkeit umzukehren...
Wir versprechen ein Antirezessionsprogramm in Höhe von 12 Milliarden
Dollar zur Schaffung von Arbeitsplätzen, das mindestens 800 000 neue Arbeitsplätze schaffen wird, einschließlich der vollen Finanzierung des antizyklischen
Hilfsprogramms für die Städte, einer großen Ausweitung der Arbeitsplätze für
Jugendliche und eines Ausbildungsprogramms, um unseren jungen Menschen in
den Stadtkernen neue Hoffnung zu geben, erweiterte Ausbildungsprogramme
für Frauen... und neuer Chancen für die älteren Menschen...

Steuersenkungen
Wir verpflichten uns zu gezielten Steuersenkungen, die dazu dienen,
die Produktion anzuregen und die Rezession zu bekämpfen, sobald erkennbar
ist, daß sie keine unverhältnismäßig großen Auswirkungen auf die Inflation
haben werden.

Wir müssen ungezielte Steuersenkungen vermeiden, die die

Inflation steigern würden...

Bundesausgaben
Zurückhaltung bei den Ausgaben muß jene berücksichtigen, die von der

- 3 -

�der Bundesregierung Hilfe und Unterstützung erwarten, vor allem unsere
Arbeiter 1n Zelten hoher Arbeitslosigkeit.

Gleichzeitig ist jedoch,

solange der inflationäre Druck so stark bleibt, fiskalische Vorsicht
wichtig, um zu vermeiden, daß der bisher bei der Senkung der Inflationsrate gemachte Fortschritt zunichte gemacht wird.
Die RHtlk des Fiskus muß ein flexibles wirtschaftliches Instrument
bleiben.

Wir widersetzen uns einem Verfassungszusatz, der einen aus-

geglichenen Haushalt verlangen würde...

Zinssätze
Die Demokratische Partei ist in der Geschichte immer einer Rjitik
verpflichtet gewesen, die zu niedrigen Zinssätzen führte, um den Arbeitern,
kleinen Geschäftsleuten, Farmern und Hausbesitzern unseres Landes zu helfen.
Daher müssen wir weiterhin eine harte anti-inflationistische Politik
verfolgen, die zu einer generellen Senkung der Zinsen für Kredite führen
wi rd...

Wiederaufbau der amerikanischen Industrie
Um neue Märkte für amerikanische Erzeugnisse zu erschließen und den
Dollar zu stärken, müssen wir nach neuen Möglichkeiten für amerikanische
Exporte suchen; stabile, langfristige Handelsbeziehungen unter den Ländern
anstreben; auf den Weltmärkten konkurrierenden Firmen technische Unterstützung gewähren; auf der Basis der Gegenseitigkeit die Handelsbedingungen
für Länder fördern, die hier Geschäfte betreiben; und sicherstellen, daß
die Neuausstattung im eigenen Lande im Einklang mit der Schaffung neuer
Möglichkeiten im Außenhandel steht...
Haushalt

- 4 -

�Haushalt
Internationale Ereignisse haben eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben notwendig gemacht. Die sowjetische Herausforderung darf nicht außer
acht gelassen werden.

Wir mußten den stetigen Rückgang der Verteidigungs-

ausgaben, der unter der republikanischen Regierung eintrat, umkehren.
Wir dürfen und werden nicht zulassen, daß der Bundeshaushalt eine
inflationäre oder rezessionstreibende Kraft in unserer Wirtschaft wird,
aber wir dürfen auch nicht zulassen, daß die dringenden menschlichen Ansprüche ignoriert werden...
Wir werden als Demokraten unsere Politik fortsetzen, uns gegen
drastische Kürzungen in sozialen Programmen zu wenden, die den Armen und
Alten, den Frauen, den Kindern und den Minderheiten unfaire Lasten aufbürden würden...

II. REGIERUNG UND MENSCHLICHE ANSPRÜCHE

Verkehr
... Die Kohle steht im Mittelpunkt der Energiepolitik unseres Landes.
Wir sind besorgt über die Transportkosten für Kohle, um sie auf ihre Märkte
zu bringen, vor allem über die Kosten des Bahntransports.

Im Rahmen der

Reform der Bestimmungen müssen wir uns daher vor allem über die Auswirkungen
der Bahntarife auf die Kohle im klaren sein...
Die Autoindustrie und ihre Arbeiter müssen in dieser schweren Zeit
unterstützt werden. Wir haben uns einer intensiven Überprüfung der

- 5 -

�der fundamentalen Probleme der Automobilindustrie und sofortigen, wirksamen
Maßnahmen zur Behebung dieser Probleme verschrieben.

Wir haben uns auch

einem nachhaltigen Handelsanpassungsprogramm verschrieben, um den derzeit
arbeitslosen Automobilarbeitern zu helfen...
Wir müssen eine Schiffahrtspolitik entwickeln, die den Ausbau und
die Aufrechterhaltung eines Seeschiffahrtssystems unter amerikanischer
Flagge ermutigt, bemannt mit ausgebildetem und leistungsfähigem amerikanischem
Personal und in der Lage, einen wesentlichen Teil unseres internationalen
Handels in konkurrenzfähiger und leistungsfähiger Weise abzuwickeln...

III. REGIERUNGSTÄTIGKEIT UND REFORM

Steuerreform
... Wir versprechen Steuerreformen, die
-

die Spartätigkeit der Steuerzahler mit niedrigem und mittlerem
Einkommen fördern;

-

Lücken in der Steuergesetzgebung schließen, die nur Sonderinteressen
auf Kosten des durchschnittlichen Steuerzahlers zugute kommen;...

-

Kapitalbildung, Innovation und neue Produktion in den Vereinigten
Staaten ermutigen; ...

-

Schluß machen mit dem Mißbrauch in der steuerlichen Behandlung
ausländischer Quellen, wie etwa der besonderen steuerlichen Behandlung
und den Anreizen für multinationale Gesellschaften, die Arbeitsplätze

- 6 -

�Arbeitsplätze und Kapital aus der amerikanischen Wirtschaft
abziehen...

IV. ENERGIE, NATURSCHÄTZE, UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT

Energie
Wir müssen der Einsparung von Energie höchste Priorität einräumen...
Wir müssen ein massives Programm finanzieller Beihilfe für Energieeinsparungsmaßnahmen beim privaten Wohnungsbau aufstellen. Wir müssen
subventionierte Darlehen, direkte finanzielle Hilfe und andere gewichtige
Anreize verfügbar machen, um alle Wohnungen in den Vereinigten Staaten
energiesparend zu machen... Besondere Unterstützung sollte die Verwendung
von erneuerbaren Energiequellen, wie die passiven und aktiven Sonnenenergiesysteme, erhalten. Unser Ziel muß es sein, sicherzustellen, daß bis 1990
alle wirtschaftlich gerechtfertigten Investitionen zur Ratifizierung und
Einsparung von Energie getätigt werden.
Wir müssen die Verwendung von Kohle in unserem Land steigern.

Damit

dies gelingt, müssen wir darauf achten, daß der Transport der Kohle nicht
durch exzessive Frachtkosten belastet wird...
Die Kohleveredlung kann und muß in einer Weise erfolgen, durch die
die öffentliche Gesundheit geschützt wird... Durch diese Kohleveredlung
kann und muß der Kohleverbrauch gesteigert, die Nachfrage nach ül verringert,
und es müssen dadurch Arbeitsplätze an solchen Orten geschaffen werden,
wo dies am dringendsten notwendig ist.
Wir

�Wir müssen in der westlichen Welt die FUhrung Übernehmen bei der
Entwicklung eines Programms zur stärkeren Nutzung der Kohle 1n Europa,
Japan und den Entwicklungsländern.
Die Erschließung und Entwicklung von Energiequellen 1n den KUstengewässern sollte unter voller Berücksichtigung des Schutzes der Umwelt und
der maritimen Ressourcen erfolgen... Die Nutzung der Sonnenenergie sollte
1n verstärktem Maße erfolgen,und große Anstrengungen, wozu auch eine stetige
finanzielle Unterstützung gehört, rnUssen unternommen werden, um sicherzustellen, daß wir das Ziel erreichen, bis zum Jahre 2000 den Anteil der
Sonnenenergie an unserem Gesamtenergieverbrauch auf 20 Prozent zu bringen.
Ein Notstandsplan für die Rationierung von Kraftstoff muß aufgestellt
werden für den Fall einer ernsthaften Unterbrechung des Energienachschubs...
Die strategische Erdölreserve sollte, soweit es die Marktbedingungen erlauben,
in Einklang mit den Bestimmungen des bestehenden Gesetzes aufgefüllt werden.
Wir müssen der Bewältigung des Problems der nuklearen Entsorgung die
höchste Priorität einräumen. Die derzeitigen Bemühungen um die Entwicklung
eines sicheren, die Umwelt nicht gefährdenden Planes für die Lagerung
von Atommüll müssen fortgeführt und intensiviert werden. Der Nationale
Forschungsrat darf keine Lizenzen oder Genehmigungen für neue Atomanlagen
vergeben, ehe nicht die Empfehlungen der Kemeney-Kommission voll verwirklicht
worden sind.

V. AUSSENPOLITIK
1

Amerikas militärische Stärke ist unübertroffen und muß es bleiben.
Die demokratische Regierung ist darangegangen, den drohenden Abstieg der

- 8 -

�der amerikanische Position in der Welt umzukehren.

Während die Nixon-

Ford-Regierung zwar vorgab, um die Verteidigungsbereitschaft unserer Nation
besorgt zu sein, hat sie doch zugelassen, daß die amerikanischen Verteidigungsausgaben zwischen den Jahren 1968 und 1976 um rea1 33 Prozent zurückgingen.
Als Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen der demokratischen Regierung
und des Kongresses hat es in jedem Jahr seit 1976 in unseren Verteidigungsausgaben einen realen Zuwachs gegeben. Dieser Zuwachs ist notwendig, um
das Absinken der militärischen Stärke der USA während der vorausgegangenen
acht Jahre wettzumachen und um eine hohe Qualität des militärischen
Personals, eine wirksame nukleare Abschreckungskapazität, eine fähige
konventionelle Streitmacht und eine verbesserte Kapazität des Nachrichtendienstes zu gewährleisten. Wir sind entschlossen die Nachrichtenbeschaffung
und Auswertung weiter zu verbessern...
Wir werden die Einsatzbereitschaft unserer Streitkräfte weiter verbessern.

Höchste Priorität werden wir der Kampfausbildung, der Aufstellung

einer leistungsstarken Reserve und Nationalgarde sowie der Anlage von
ausreichenden Nachschub-, Ersatzteil-, Treibstoff- und Munitionslagern
geben...
Wir müssen angesichts der fortgesetzten Weiterentwicklung der strategischen
Streitkräfte der Sowjets etwas tun, um unsere Vergeltungskapazität zu
schützen.
Unser Land ist darangegangen, seine strategische Abschreckung durch die
MX-Trident- und Marschflugkörpersysteme zu modernisieren. Die Dislozierung
der MX-Rakete wird die Überlebensfähigkeit unserer landgestützten Interkontinentalraketen verbessern. Die Marschflugkörper werden unsere strategische
Luftabschreckung modernisieren,und das neue Trident-Unterseeboot wird mit
einer Raketenreichweite von über 4000 Meilen mithelfen, die Unverwundbarkeit
unserer nuklearen Abschreckung zu verbessern und zu gewährleisten.
Die

�Die Vereinigten Staaten haben gehandelt, um das gefährliche militärische
Ungleichgewicht zu korrigieren, das sich in Europa entwickelte, indem sie sich
um die Unterstützung und die schließliche Zustimmung der Verbündeten für ein
lange überfälliges Langfristiges Verteidigungsprogramm der NATO bemühten und
darüberhinaus für die Dislozierung nuklearer Mittel Streckensysteme (TNF) als
Abschreckungswaffen in Europa eintraten, um dadurch dem sowjetischen Aufbau
solcher Waffensysteme in Europa zu begegnen.

Unsere Verpflichtung, die Ver-

teidigungsausgaben um mindestens drei Prozent im Jahr zu erhöhen, ist von
entscheidender Bedeutung für die Aufrechterhaltung des Konsenses und des
Vertrauens der Verbündeten in dieser Hinsicht.

Wir müssen unsere konventionellen

militärischen Kapazitäten modernisieren, damit wir das Leben der Amerikaner
und die amerikanischen Interessen im Ausland besser schützen können.
Die demokratische Regierung hat Schritte unternommen, um unsere
Fähigkeit zu verbessern, auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren:
Organisation und Unterstützung der Schnellen Eingreiftruppen ermöglichen
eine Antwort auf militärische Probleme in allen Erdteilen, in denen unsere
lebenswichtigen Interessen bedroht sind. Zu diesem Zweck setzen wir uns
für die Entwicklung und die Produktion einer neuen Flotte von Transportflugzeugen mit internationaler Reichweite ein sowie für den Entwurf und
Ankauf einer Flotte von Vorausbereitstellungsschiffen, die die schwere Ausrüstung und den Nachschub für drei Brigaden des Marinekorps aufnehmen können,
schließlich für vermehrte regionale Militärübungen im Zusammenwirken mit
befreundeten Staaten...

Amerikanisch-sowjetische Beziehungen
Eine starke, konsequente und auf Prinzipien ruhende Politik gegenüber
der Sowjetunion ist ein lebenswichtiges Element unserer gesamten Außenpolitik.

Die demokratische Regierung wird alle ihre Mittel einsetzen - ein-

schließlich standhafter Diplomatie und militärischer Macht -, um vor Abenteuer-

�Abenteuertum abzuschrecken und um Zurückhaltung zum einzig annehmbaren
Kurs zu machen, der unseren Gegnern bleibt.
Wir sind bereit, bei jeder Gelegenheit und über eine große Bandbreite
von Themen in gutem Glauben Verhandlungen mit der Sowjetunion aufzunehmen einschließlich über strategische Waffen, nukleare Mittel Streckensysteme in
Europa und andere Fragen, die zum Frieden sowie zu einer unverfälschten
und gegenseitigen Entspannung beitragen könnten.
Im Mittelpunkt unserer Politik gegenüber der Sowjetunion muß die klare
Erkenntnis der Realität sowjetischer Macht stehen. Wir müssen die bequeme
Vorstellung zurückweisen, die Sowjets würden die Welt genauso sehen wie
wir. Eine langfristige Strategie für die achtziger Jahre erfordert ein klares
Bild von der Sowjetunion, ein Bild, das sich keine falschen Vorstellungen
macht, unser Gegner sei entweder gütig oder allmächtig.
Eine starke amerikanische Antwort auf die rechtswidrige und brutale
Invasion Afghanistans dient den Sicherheitsinteressen unseres Landes. Sie
wird und muß andauern, solange die sowjetischen Truppen dort stehen...
Während die Invasion Afghanistans das Streben nach einer produktiven
Beziehung zur Sowjetunion auf das Abstellgleis

geschoben hat, unter-

stützt die Demokratische Partei Anstrengungen zur Stärkung der Beziehungen
zu den Staaten Osteuropas...

Rüstungskontrolle
Der SALT-II-Vertrag dient auch den Sicherheitsinteressen unseres
Landes. Er ist ein entscheidender Schritt in einem Rüstungskontrollprozeß,
der einen Anfang dabei darstellen wird, den Schatten eines Atomkriegs von
der Menschheit zu wenden. Auch dieser Prozeß muß vorangehen.
Die
- 11 -

�Die sowjetische Aggression gegen Afghanistan hat den Ablauf der
Ratifizierung des SALT II-Vertrags verzögert, aber wir müssen auch weiterhin beide Sicherheitsprioritä'ten verfolgen:

Abschreckung sowjetischer

Aggression und ausgewogene Rüstungskontroi labkommen.

Sowohl die Reaktion

auf Afghanistan als auch der SALT Il-Vertrag dienen diesem Zweck.
Der SALT-Vertrag liegt im amerikanischen Interesse, denn er ist ein
wichtiges Mittel, um Zurückhaltung im sowjetischen Verhalten zu erreichen.
Ohne SALT II könnten die Sowjets noch Hunderte von Raketen und
Tausende von atomaren Gefechtsköpfen mehr haben,als der Vertrag zuläßt.
Mit dem Vertrag hätten sie viele Kernwaffen auszumustern, über die sie
oereits verfügen.
Der Vertrag trägt dazu bei, eine starke amerikanische Position in
der Welt aufrechtzuerhalten. Unsere Verbündeten und auch andere Staaten
in der ganzen Welt wissen, daß der SALT Il-Vertrag ihren Sicherheitsinteressen
genauso dient wie unseren eigenen. Der amerikanische Einsatz für Rüstungskontrolle ist für unser Ansehen in der internationalen Gemeinschaft wichtig dieselbe Gemeinschaft, die die Sowjets für ihre versuchte Unterdrückung
Afghanistans zurechtgewiesen hat. Er ist auch für unsere Anstrengungen
notwendig, eine dauerhafte Antwort auf die wachsende Bedrohung Europas
durch die sowjetischen SS-20-Nuklearraketen und die sowjetische Aggression
in Afghanistan zu finden.
Zusammen mit dem Eintreten für den SALT-Vertrag beabsichtigen wir,
in Europa ein stabiles Gleichgewicht im konventionellen und im nuklearen
Mittelstreckenbereich (TNF) zu unterhalten.

Wir unterstützen Modernisierungs-

programme, bei denen die europäischen Länder ihren gerechten Anteil an den
Kosten und den anderen Lasten tragen.

Gleichzeitig werden wir sicherstellen,

daß keine Möglichkeit für wirkungsvolle Begrenzungen bei den TNF-Waffen
unausgeschöpft gelassen wird.

Die demokratische Regierung wird zusammen

- 12 -

�zusammen mit unseren NATO-Verbündeten weitreichende gerechte und
verifizierbare Vorschläge für nukleare und konventionelle Rüstungskontrolle
in Europa unterbreiten.
Wir werden auch andere Möglichkeiten der Rüstungskontrolle verfolgen,
die sowohl unsere nationale Sicherheit als auch die Aussichten auf Frieden
erhöhen. Insbesondere wird die demokratische Regierung sich für einen
umfassenden Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen einsetzen.
Ein solcher Vertrag ist von entscheidender Bedeuturiy r'ür unsere Hoffnungen
darauf, die Weiterverbreitung von Kernwaffen zu kontrollieren...
Wir haben für unsere Lieferungen konventioneller Waffen bedeutsame
Begrenzungen eingeführt, und wir werden andere Waffenlieferanten und
-empfänger nachdrücklich darauf drängen, wechselseitige Zurückhaltung zu
üben.
Die demokratische Regierung hat unsere Fähigkeit erhöht, gegen den
internationalen Terrorismus anzugehen - sowohl auf nationaler Ebene als
auch in Zusammenarbeit mit anderen Regierungen - und mit Akten des
Terrorismus fertigzuwerden - einschließlich von Geiselnahmen durch einzelne
oder durch Regierungen.

Menschenrechte
Im Bereich der internationalen Politik hat die demokratische Regierung
die Macht Amerikas in den Dienst einer besseren Welt gestellt, indem sie
gemäß unserer eigenen Wertvorstellungen handelt und formell und überlegt
darauf hinarbeitet, die Prinzipien zu fördern, die in der Universellen
Erklärung der Menschenrechte niedergelegt sind...
Wir

- 13 -

�Wir müssen wachsam bei Menschenrechtsverletzungen in allen Ländern
sein, in denen sie verübt werden, einschließlich Südafrikas. Wir stellen
insbesondere fest, daß viele der kommunistisch beherrschten Länder andauernd die grundlegendsten menschlichen Freiheiten verletzen - das Recht
auf freie Rede, das Recht auf religiöse Freiheit, das Recht auf Bewegungsfreiheit und Auswanderung sowie das Recht darauf, frei von willkürlicher
Verfolgung zu leben.
Wir unterstützen die Ratifizierung der Vökermordkonvention durch den
Senat und eine möglichst baldige Zusammenkunft auf internationaler Ebene
zum Thema Menschenrechte.
Wir unterstützen die Führungsrolle, die die Vereinigten Staaten auf
dem Gebiet der Menschenrechte übernommen haben, und drängen darauf, daß die
demokratische Regierung auch weiterhin offen und tatkräftig ihre Stimme
zu Menschenrechtsverletzungen erhebt, woimmer und wannimmer solche
geschehen...

Flüchtlinge und Menschenströme
Amerikas Wurzeln sind jene Einwanderer und Flüchtlinge, die an unsere
Gestade gekommen sind, um sich in einer neuen Welt ein besseres Leben zu
schaffen.

Die Demokratische Partei verpflichtet sich dazu, unsere historische

Bindung an dieses Erbe zu ehren.
Die erste umfassende Reform der Flüchtlingspolitik dieses Landes wurde
nach über 25 Jahren mit der Unterzeichnung des Flüchtlingsgesetzes aus dem
Jahre 1980 im März 1980 vervollständigt, das sich auf die Gesetzgebung
stützt, die dem Kongreß im März 1979 durch die Regierung Carter vorgelegt
wurde...
Der

- 14 -

�Der Nahe und Mittlere Osten
Im Anschluß an Präsident Carters Reise in den Nahen Osten im März 1979
unterzeichneten Ministerpräsident Begin und Präsident Sadat im Weißen Haus
den israelisch-ägyptischen Friedensvertrag.

Ein Jahr später führte dieser

Vertrag zur Obergabe von zwei Dritteln der Sinai-Halbinsel an Ägypten,
zusammen mit den öl fei d e m des Sinai; Botschafter wurden ausgetauscht;
Grenzen wurden geöffnet; die Normalisierung der Beziehungen macht gute
Fortschritte.

Israel hat endlich Frieden mit seinem größten arabischen

Nachbarn« Zusammengefaßt: diese demokratische Regierung hat mehr dazu beigetragen, Israels Traum vom Frieden zu verwirklichen als alle anderen
Regierungen in dreißig Jahren...
Die amerikaniscne Politik wird auch durch die folgenden Prinzipien
geleitet - und sollte dies weiterhin sein:
Die unveränderte Resolution 242 des Sicherheitsrats der Vereinten
Nationen und die Camp-David-Übereinkommen sind die Grundlage für den Frieden
im Nahen Osten.
Wir unterstützen Israels Sicherheit und werden auch weiterhin zu diesem
Zweck großzügige militärische und wirtschaftliche Hilfe leisten.
Wir verpflichten uns dazu, Israels potentiellen Gegnern keine hochentwickelten offensiven Rüstungsgüter zu liefern, die die Sicherheit Israels
gefährden könnten,
Jerusalem sollte für immer ungeteilt bleiben, mit freiem Zugang zu
den heiligen Stätten für Menschen jeglichen Glaubens.
Wir sind gegen die Schaffung eines unabhängigen palästinensichen
Staates.
Wir
- 15 -

�Wir werden mit der Palästinensischen Befreiungsorganisation weder
verhandeln noch sie anerkennen, solange sie nicht das Existenzrecht Israels
sowie die Resolutionen 242 und 338 des Sicherheitsrats der Vereinten
Nationen anerkennt.

Es ist auch allerhöchste Zeit für eine Beendigung

des Terrorismus und aller Gewaltakte gegen Israel.
Wir haben unsere Hilfe für Israel nicht als Verhandlungsmittel
benützt und werden dies nicht tun.

Wir werden auch nie zulassen, daß öl-

Politik unsere Politik für den Frieden und für unsere Unterstützung
Israels beeinflußt...
Die demokratische Regierung wird außerdem die notwendigen Maßnahmen
zum Schutz der amerikanischen Interessen im Persischen Golf treffen,
einschließlich der Energiesicherung, der regionalen Stabilität und der
nationalen Unabhängigkeit.

Dies wird sowohl subtile Diplomatie als auch

militärische Kapazität erforderlich machen.

Wir werden sowohl äußerer

Bedrohung entgegentreten als auch zur notwendigen politischen und wirtschaftlichen Entwicklung ermutigen.

Letztlich haben auch unsere Verbündeten

ein ebenso großes oder sogar noch größeres Interesse an der Sicherheit
der Ölversorgung und der regionalen Stabilität als wir, und die
demokratische Regierung wird auch weiterhin mit ihnen bei der gemeinsamen
Strategie und der Verteilung der gemeinsamen Lasten zusammenarbeiten.
Wir verurteilen die Regierung des Iran für ihr empörendes Verhalten
bei der Gefangennahme unseres diplomatischen Personals als Geiseln.

Wir

bestehen auf Respektierung des Prinzips der Unverletzlichkeit des diplomatischen
Personals - wie dies wiederholt vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
und dem internationalen Gerichtshof zum Ausdruck gebracht wurde.

Wir rufen

alle Regierungen dazu auf, sich an diese Grundregel des zi/ilisierten
internationalen Verhaltens zu halten und sie zu unterstützen.
Was

�Was die Region insgesamt anbelangt, so müssen wir unsere gefährliche
Abhängigkeit von ausländischem öl beenden.

Nur auf diese Weise kann

unsere Außenpolitik wirkungsvoll dem Druck der Organisation erdölerzeugender
Länder (OPEC) und der Sowjetmacht begegnen, der von Afghanistan aus über
dem Persischen Golf dräut.

Die demokratische Regierung wird ihre Verpflichtung

hinsichtlich einer strategischen ülreserve erfüllen, um Amerika vor einem
ölembargo zu schützen.

Indem wir den Ölverbrauch und die Abhängigkeit

von der OPEC vermindern, werden wir in der Lage sein, unter gleichen
Bedingungen mit den OPEC-Staaten über die Zusicherung garantierter Ölversorgung zu stabilieren Preisen zu verhandeln.

Europa und Japan
Amerika und seine Verbündeten brauchen auch weiterhin das gegenseitige Vertrauen, die wechselseitige Verpflichtung und den Sinn für die
gemeinsame Zielsetzung, die jahrzehntelang unsere Beziehungen gekennzeichnet
haben.

Die Probleme, vor denen wir stehen, sind weltweiten Ausmaßes.

Wir können nicht mit ihrer Lösung beginnen, wenn jeder von uns seinen
eigenen Weg geht. Wir müssen lernen,bei immer mehr Problemen Partnerschaft! ich zusammenzuarbeiten - wie etwa in den Bereichen Afrika und
Persischer Golf sowie bei weltweiten Wirtschafts- und Sicherheitsfragen.
Die demokratische Regierung verpflichtet sich zu einer starken NATO
und einem stabilen militärischen Gleichgewicht in Europa.

Wir werden uns

sowohl für die Modernisierung der konventionellen Waffen und der Kernwaffen der NATO als auch für faire Begrenzungen zwischen der NATO und dem
Warschauer Pakt einsetzen...
Unsere Beziehungen zu Japan haben ein neues Niveau der Reife und
der Zusammenarbeit erreicht.

Die Vereinigten Staaten sind in der Lage,

sich geduldig und verständnisvoll mit einer ganzen Reihe schwieriger und

- 17 -

�und strittiger Wirtschaftsfragen auseinanderzusetzen.

Im Bereich der

Außen- und Sicherheitspolitik braucht die Haltung Japans im Hinblick auf
die Unterstützung der außenpolitischen Zielsetzungen der Vereinigten
Staaten keinen Vergleich zu scheuen. Wir werden diese Beziehung auch
weiterhin pflegen.

Handel
Der Handel schafft neue Arbeitsplätze für amerikanische Arbeiter,
neue Märkte für Farmer und Geschäftsleute und bringt niedrigere Preise
für die Verbraucher. Aber der Handel kann auch innerhalb der Volkswirtschaft Verzerrungen hervorrufen,und wir haben nach Wegen gesucht - und werden
dies auch weiterhin tun -, um die Last der Anpassung an ausländischen
Wettbewerb zu erleichtern, ohne den Prozeß des strukturellen Wandels zu
behindern, der für unsere volkwirtschaftliche Gesundheit von so entscheidender
Bedeutung ist. Wir sind für ein System des internationalen Freihandels,
aber dieses System muß zugleich auch fair sein. Wir werden nicht zulassen,
daß unsere Arbeiter und unsere Industrien durch unfairen Einfuhrwettbewerb
verdrängt werden. Wir haben ordnende Marktabkommen und andere Absprachen
in Bereichen wie Farbfernsehen, Schuhwerk und Textilien getroffen, um der
amerikanischen Industrie bei der Verbesserung ihrer Wettbewerbslage zu
helfen.

Weitere Schritte könnten notwendig sein...

Um die amerikanische Volkswirtschaft zu stärken und unsere Wettbewerbslage in der Weltwirtschaft zu verbessern, muß sich die amerikanische
Import-Export-Politik auf das Prinzip des fairen Handels stützen, das
unsere Exporte erhöhen wird, während es gleichzeitig die Industrie im
eigenen Lande vor unfairen Handelspraktiken schützt. Damit ein ordnungsgemäßer ausländischer Handel sichergestellt ist, müssen die Vereinigten
Staaten die Beachtung ihrer Handelsgesetze sowie Zusammenarbeit bei unseren
Handelspolitiken verlangen, damit Störungen im Wirtschaftsleben vermieden

- 18 -

&lt;

�vermieden werden können.

Währungsfragen
Wir werden auch weiterhin alle notwendigen Schritte unternehmen,
um einen gesunden und stabilen Dollar zu erhalten. Wir werden mit anderen
Staaten zusammenarbeiten, um Wechselkursverzerrungen so klein wie möglich
zu halten. Wir unterstutzen voll und ganz die unternommenen Anstrengungen,
um die Fähigkeit der internationalen Finanzinstitutionen zu verbessern,
sich den veränderten Notwendigkeiten anzupassen und das Recycling der Mittel
der ölfördernden Länder, mit Zahlungsbilanzüberschüssen in jene Länder zu
erleichtern, die vor hohen, von den ölimporten herrührenden Defiziten
stehen.

Wir werden die OPEC-Länder darauf drängen, konstruktiv an diesem

Prozeß teilzunehmen.

Internationale Zusammenarbeit im Energiebereich
Wir haben auf Gipfeltreffen und bei der Internationalen Energieagentur
(IEA) mit den anderen Industriestaaten zusammengearbeitet, um gemeinsame
Programme zur rinsparung von öl und zur erhöhten Produktion alternativer
Energiequellen zu entwickeln.

Wir werden auch weiterhin solche Anstrengungen

unterstützen...

Die Entwicklungswelt
Die demokratische Regierung wird mit dem Kongreß zusammenarbeiten,
um Politiken und Programme der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den
Entwicklungsländern auszuarbeiten und durchzuführen, die vom Gedanken des
gegenseitigen Interesses geleitet werden.

- 19 -

Wir werden die im nächsten Jahr

�Jahr stattfindenden Verhandlungen über die Wirtschaftsbeziehungen zwischen
dem industrialisierten Norden und dem sich entwickelnden SUden in diesem
positiven Geist angehen.

Wir werden den fairen Anteil der Vereinigten

Staaten zum Kapital der multilateralen Entwicklungsbanken und den entsprechenden Stellen beitragen, und wir werden mit den umfangreichen und
innovativen amerikanischen Programmen zur direkten Entwicklungshilfe flir
Staaten mit niedrigem Volkseinkommen fortfahren.
Diese Politik wird sich in der weiteren Konzentration der amerikanischen
Entwicklungshilfe auf Länder zeigen, die diese Hilfe sinnvoll einsetzen,und
bei Programmen, die sich um die grundlegenden Ansprüche der Mittellosen
kümmern, besonders also um Nahrungsmittel, Gesundheitsfürsorge und Hilfe
bei freiwilliger Familienplanung.

Wir werden die amerikanische und

multilaterale Technik- und Finanzhilfe für öl importierende Staaten erhöhen,
damit sie ihre eigenen Energiequellen entwickeln können.

Die Beteiligung

amerikanischer Privatunternehmen am wirtschaftlichen Wachstum der Entwicklungsländer wird abgestimmt und unter angemessener Beachtung der eigenen Beschäftigungsziele gefördert.
Wir sind zutiefst über das wachsende Problem des Welthungers besorgt,
wie dies die vom Präsidenten eingesetzte Kommission zur Untersuchung des
Welthungers berichtet.

Wir sind entschlossen, unsere Mittel zu erhöhen

und eine ähnliche Erhöhung seitens anderer Staaten zu erreichen - mit der
Absicht, dieses Problem gegen Ende des Jahrhunderts zu lösen.
Gemeinsam mit unseren Verbündeten wird die demokratische Regierung
die OPEC-Länder und die kommunistischen Staaten dazu auffordern, eine neue,
gemeinsame, weltweite Verpflichtung zur wirtschaftlichen Entwicklung einzugehen.

Alle Seiten müssen ihre Beiträge zu dieser Entwicklung erhöhen,

damit die Welt dem Gespenst eines internationalen Bankrotts aufgrund
steigender Energiepreise und zunehmender Schuldenlast entrinnen kann...
Lateinamerika

- 20 -

�Lateinamerika und die Karibik
In krassem Gegensatz zu der Politik früherer republikanischer
Regierungen hat diese demokratische Regierung mit der Ausgestaltung einer
neuen, auf Zusammenarbeit beruhenden Beziehung zwischen den Staaten
Lateinamerikas und der Karibik begonnen - eine Beziehung, die sich auf eine
feste Verpflichtung gegenüber den Menschenrechten, der Demokratisierung,
der erhöhten wirtschaftlichen und industriellen Entwicklung sowie der
Nichteinmischung gründet.
Wir müssen nunmehr in neuer Weise darangehen, unsere Bindungen
zu unseren Nachbarn in der westlichen Hemisphäre zu stärken; erstens,
um jedes Vakuum für äußere Intervention zu verhindern und zweitens, um
bilaterale Schritte hin auf sozialen Fortschritt und wirtschaftliche
Entwicklung - einschließlich der Energiequellen - zu fördern.

Asien
Die Aufnahme diplomatischer und wirtschaftlicher Beziehungen zu
China ist eine historische außenpolitische Leistung...
Die Demokratische Partei verpflichtet sich zu einer Ausweitung
und Vertiefung unserer Beziehungen zu China auf eine Weise, die unseren
beiden Völkern sowie dem Frieden und der Si :herheit der Welt dient. Wir
werden auch weiterhin neue Bereiche suchen, in denen die Vereinigten Staaten
und China zur Wahrnehmung gemeinsamer Interessen zusammenarbeiten können.
Wir haben die "chinesischen Karten" oder andere gefährliche Spiele nie
gespielt - und werden dies nicht tun. Wir werden aber auch nicht zulassen,
daß unsere Beziehungen zu irgendeinem Land unseren Anstrengungen im Wege
stehen, den Prozeß der Normalisierung unserer Beziehungen zu China fortzusetzen.

- 21 -

�Afri ka
Afrika wird für die amerikanische Außenpolitik der achtziger Jahre
von zentraler Bedeutung sein.

Als die republikanische Regierung im

Januar 1977 abtrat, hatten die Vereinigten Staaten in Schwarzafrika wenig
Glaubwürdigkeit, denn sie hatten keine oder nur wenige Versuche unternommen,
die afrikanischen Probleme von einem afrikanischen Gesichtspunkt aus zu
sehen.

Unsere Politik hatte damals keine klar festgelegten Zielsetzungen.

Als Folge davon waren unsere Versuche, den Krieg im südlichen Afrika zu
beenden, wirkungslos.

Wir wurden in den Augen der Afrikaner unbedeutend,

ja sogar im Widerspruch zum afrikanischen Streben stehend...
Wir erzielten bedeutende Erfolge, vielleicht am deutlichsten erkennbar
im südlichen Afrika.
In Südafrika werden wir unseren Einfluß ausüben, um den Fortschritt
in Richtung auf eine Herrschaft der Mehrheit und eine Beendigung des
rassistischen Systems der Apartheid zu fördern. Wir verurteilen die brutale
Unterdrückung der eingeborenen schwarzen Bevölkerung in Soweto und Kapstadt
durch das südafrikanische Regime und unterstützen erhöhten politischen
und wirtschaftlichen Druck mittels legaler Sanktionen auf dieses tyrannische
Regime.

Die Vereinten Nationen und internationalen Organisationen
überall auf der Erde werden die internationalen Organisationen und
Einrichtungen im kommenden Jahrzehnt geprüft werden und werden in zunehmendem
Maß eine entscheidende Rolle spielen. Die Vereinten Nationen sind auch
weiterhin das einzige Forum, wo Reiche und Arme, Ost und West sowie die
neutralen Staaten zusammenkommen können, um ihren Beschwerden Ausdruck zu
verleihen, um sich an den respektierten Foren der Weltmeinung zu beteiligen

- 22 -

�beteiligen und um Mechanismen zu finden, Meinungsverschiedenheiten aus
der Welt zu schaffen, ohne zur Gewalt Zuflucht nehmen zu müssen...
Wir werden auf neue Strukturen hinarbeiten, die die Vereinten Nationen
in den Bereichen der wirtschaftlichen Entwicklung stärken werden, einschließlich
der internationalen Handelsorganisationen, der Fortbilding, der Freiwilligendienste, der Vermittlung und Versöhnung, der internationalen Abrüstung,
der Anwendung des Abkommens über Seerecht und der Kontrolle des internationalen Terrorismus.

+ + + + +

- 23 -

�3

Wi//cn/chaft
w\d Technik

L

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. September 1980

39

VORLÄUFIGER ABSCHIED VOM MARS
Zweite VIKING-Kamera-Sonde wurde abgeschaltet
von G. Weiss

- (AD) - Die aktive Phase des amerikanischen Marsforschungsprogramms
VIKING ist praktisch beendet.

Was noch bis 1990, vielleicht sogar bis

1994 anfallen wird, sind einmal wöchentlich abgerufene Meßdaten des
Landegerä'ts VIKING 1 über Bedingungen vom Standortbereich am Westhang
der Chryse-Ebene auf der Nordhalbkugel des Planeten.

Die Lander-Antenne

wurde rechtzeitig zur Erde ausgerichtet, nachdem sich im Juli 1980 herausgestellt hatte, daß der in der Marsumlaufbahn verbliebene VIKING l-0rbiter
wegen Erschöpfung der TreibstoffVorräte bald
würde.

manövrierunfähig werden

Mitte August 1980 wurde schließlich der Orbiter abgeschaltet.

Er hatte dem Landegerät als Relaisstation für den Funkkontakt mit der Erde
bei der Datenübermittlung gedient.

Seine Hauptaufgabe war allerdings,

ebenso wie die der schon im Juli 1978 abgeschalteten VIKING 2-0rbitersonde, die Marsfotographie.

In

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�In den vier Jahren seit dem Eintritt der beiden VIKING-Forschungsgeräte in eine Marsumlaufbahn (VIKING 1 nach 10 Monaten Anflugdauer am
19. Juli 1976, Absetzen des Landegeräts einen Tag später mit Standort
22,3° Nord/48 0 West, VIKING 2 nach elfmonatigem Anflug am 7. August 1976,
Absetzen des Landegeräts am 3. September 1976 ca. 20 Grad weiter nördlich)
machten die beiden Orbiter 53 500 Aufnahmen von der Oberfläche des Planeten
Mars und seiner beiden Satelliten.

Jedes einzelne Bild enthält 20 mal

mehr Information als die Aufnahmen der Marssonde MARINER 9 von 1971,
die damals angesichts des Erkenntnisstandes von der Oberflächenbeschaffenheit
des Roten Planeten als sensationell galten.

Dazu kommen jetzt noch weitere

4 500 Farb-Stereoaufnahmen, die die beiden Landegeräte von der unmittelbaren
und weiteren Umgebung ihres jeweiligen Standorts übermittelten.

Auf

der reichen Bildausbeute des mit einer Milliarde Dollar ausgestatteten
VIKING-Programms, dessen aktive Forschungsdauer ursprünglich nur auf
wenig mehr als drei Monate befristet war, basiert der kürzlich von der NASA
herausgegebene "Atlas vom Mars".

Insgesamt 97 Prozent der Marsoberfläche

sind nunmehr kartographisch erfaßt.

Der Atlas enthält zahlreiche Fotos

und Karten, dazu Beschreibungen der besonderen Merkmale - Strombetten
inzwischen völlig ausgetrockneter Flüsse, ausgedehnte Grabensysteme,
erloschene Vulkane, von Lavaströmen und Erosion geprägte Landschaften,
durch Meteoritenbombardement entstandene Krater aller "Altersstufen",
an Steilwänden freiliegende Schichten verschiedener geologischer Formationen.
Dies alles ist auf dem Mars nicht weniger spektakulär als z.B. auf unserer
Erde, auf dem Mond, dem Merkur oder, wie die Radarsondierung durch die
amerikanische PIONIER-Orbitersonde in den letzten eineinhalb Jahren ergab,
auf dem Planeten Venus.

Die Hauptarbeit bei der Auswertung der VIKING-

Meßdaten, die noch Jahre in Anspruch nehmen wird, dürfte jedenfalls den
Geologen zufallen.

- Außerirdisches

- 2 -

�- Außerirdisches Leben? Ein wesentlicher Punkt des so erfolgreichen VIKING-Programms, nämlich
herauszufinden, ob auf dem Mars Leben in irgend einer Form existiert oder
nicht, konnte nicht einwandfrei geklärt werden.

Die beiden Landegeräte,

als automatische Laboratorien zur Bodenanalyse nach verschiedenen Verfahren
eingerichtet, fanden keine organischen Moleküle*

"Das bedeutet aber nicht",

so VIKING-Projektmanager Kermit Watkins, 'daß es Leben auf dem Mars nicht
gibt.

Es bedeutet nur, daß wir an den Landepunkten keine Anzeichen dafür

fanden."

Die US-Raumfahrtbehörde NASA hofft, in den neunziger Jahren ein

mobiles Robotergerät zum Mars entsenden zu können, das in verschiedenen
Regionen operiert und auch aus größerer Tiefe Bodenproben für Analysen und
Altersbestimmungen zur Erde schickt.
Die heute auf dem Mars herrschenden Bedingungen sind gewiß nicht lebensfreundlich.

Beispielsweise wurden vom Lander VI KING 1 als höchste Mittags-

temperatur minus 31 Grad Celsius, von VIKING 2 etwa 20 Breitengrade weiter
nördlich kurz vor Sonnenaufgang minus 124 Grad Celsius gemessen. Aber es
gibt z.B. Wasser, ohne das ja Leben nicht existieren könnte. Die Pol kappen
des Mars bestehen aus Kohlendioxid - und Wassereis. Je nach der Jahreszeit
nehmen sie an Masse zu oder ziehen sich wieder zurück.

Bei hohen Feuchtig-

keitswerten enthält die Marsatmosphäre etwa einen Kubikkilometer Eis, wie
Prof. James E. Tillman von der Universität Washington berichtet.

Der

Wissenschaftler ist überzeugt, daß unter der sandigen Oberfläche noch viel
Wasser im Dauerfrostboden gespeichert ist. Bei höheren Temperaturen würde
Schmelzwasser in beachtlichen Mengen freigesetzt.
Dies ist für die Biochemiker von besonderem Interesse. Denn einige
Ergebnisse der Analyse von Meteoriten, die in den letzten Jahren in der
Antarktis gefunden wurden, lieferten den Beweis, daß außerirdische Materie
bestimmte organische Moleküle enthalten kann, die als Vorläufer der Bausteine lebender Materie gelten. Es handelt sich um Aminosäuren, aus denen

- 3 -

�denen beispielsweise Proteine aufgebaut sind, die ihrerseits wichtige
Nucleinsäuren bilden - einschließlich der DNS-Moleküle als Träger der
genetischen Information.

Prof. Cyril Ponnamperuma (Universität Maryland)

analysierte die in den Meteoriten gefundenen Aminosäuren äußerst sorgfältig,
"Wir stellten fest, daß sie in manchen Punkten anders sind als Aminosäuren,
die wir in irdischen Organismen finden.

Vielmehr sind sie jenen ähnlich,

die wir produzieren, wenn wir bei Laborexperimenten den chemischen und
energetischen Prozessen auf die Spur kommen wollen, die sich in grauer
Vorzeit auf der jungen Erde abgespielt und eine Art 'Ursuppe* organischer
Moleküle gebildet haben könnten. Wir bezeichnen deshalb bestimmte, bei
solchen Versuchen entstehende Verbindungen als 'präbiotische Aminosäuren'."
Darunter sind organische Moleküle zu verstehen, die es gab, noch ehe
"Leben" da war.
Ponnamperuma verweist darauf, daß die Meteoriten, die z.T. schon
Millionen Jahre in der Antarktis lagen und wegen der dort herrschenden
Bedingungen frei sind von irdischen Verunreinigungen, aus dem Asteroidengürtel stammen - einem Ring aus Gesteinstrümmern und Staub zwischen den
Umlaufbahnen der Planeten Mars und Jupiter. Daß Materie aus diesem
Bereich unseres Sonnensystems, die das gleiche Alter wie unsere Erde hat,
präbiotische Aminosäuren enthält, war für die Wissenschaftler ein aufregender Fund. "Wir dürfen vermuten, daß die Prozesse, die auf der Erde
Leben hervorbrachten, nicht nur hier, sondern auch an anderer Stelle in
unserem Sonnensystem ablaufen können", erklärt Prof. Ponnamperuma. "Zwar
haben wir außerhalb der Erde, z.B. bei unseren bisherigen Forschungen
am Mars oder am Jupiter, keine Anzeichen für Leben entdeckt - aber wir
wurden in unseren Vermutungen bestärkt und werden, vielleicht mit anderen
Mitteln, weitersuchen."

- Atmosphäre

- 4 -

�Atmosphäre und Wetter
Die VIKING-Sonden fanden neben dem durch frühere Forschungen bereits
bekannten Kohlendioxid, Sauerstoff und Wasser auch Stickstoff, Argon, Neon,
Krypton und Xenon in der Atmosphäre des Planeten Mars,

Auf Grund der Analyse

dieser Elemente nehmen die Wissenschaftler an, daß die GashUlle des Mars
einst sehr viel dichter gewesen sein muß als sie heute ist.

Die Sonden

registrierten auffa'1 1 ige,häufig unterschiedliche Wetteränderungen.

So

erwies sich das Wetter am polna'heren Standort von VIKING 2 (das Gerät arbeitete
bis April 1980) als viel wechselhafter und dynamischer als in der ChryseEbene bei VIKING 1 - mit Reif und Bodenfrost, Wetterfronten und Zyklonen.
Stürme tragen Sand und Staub hoch in die Atmosphäre und transportieren sie
über große Entfernungen,

Die Staubwolken sind gelegentlich so dicht, daß

den Kamerasonden zeltweise der Blick auf die Oberfläche verwehrt war.
In der Atmosphäre haben die VIKING-Orbiterkameras dann und wann
ausgedehnte Eiswolkenfelder entdeckt. In einem Fall dürfte die Wolkenhöhe
etwa 27 000 m betragen haben. Manchmal ließ die Struktur der Wolkenfelder
auf weiträumige Wellenbewegung in der Atmosphäre schließen„ Einige der
dünnen Eiswolken waren dennoch dicht genug, um Schatten auf dem Boden zu
werfen.

- Boden und Topographie Die rötlich gefärbte oberste Bodenschicht, die dem Mars die Bezeichnung
"Roter Planet" eintrug, hat ihrer Zusammensetzung nach große Ähnlichkeit
mit stark eisenhaltigem Ton.

Die Schwefelkonzentration ist ziemlich hoch.

An manchen Stellen, so z.B. an den Böschungen von "Kanälen" und an Seitenwänden des bis einige Tausend Meter tiefen zentralen Grabens Vallis
Marineris in Äquatornähe, waren auf Fotos bis zu acht verschiedene geologische
Schichten auszumachen.

Sie könnten in Überflutungsperioden durch dij?

- 5 -

�die Ablagerung von Schwemmgut aus höher gelegenen Gebieten, oder aber durch
Lavaströme verschiedener Eruptionsperioden entstanden sein. Immerhin fanden
sich im Tharsis-Gebirge allein drei Vulkan-Kolosse von gut 17 000 m Höhe,
dazu eine Anzahl kleinerer Vulkane.
Die "Datierung" verschiedener,das Terrain formender Perioden und der
geologischen Prozeße auf dem Mars wird Wissenschaftler des Geologischen
Bundesamtes der USA künftig besonders beschäftigen. Anzahl, Größe und Höhe
von Vulkan- und Meteoritenkratern und die Untersuchung von Abbruchstellen
und ausgewaschenen Grabensteilwänden spielen dabei eine wichtige Rolle.
Die NASA jedoch wird sich mittlerweile auf Beobachtungen am Planeten Venus
konzentrieren. Ein zweiter PIONIER-Orbiter soll durch Radarsondierung
der Oberfläche durch die dichte Wolkendecke hindurch mehr Details herausfinden, als sie mit der Vorgänger-Sonde zu erhalten waren. Das zweite
große Ziel ist der Planet Saturn, dem VOYAGER 1 nach dem Vorbeiflug am
Planeten Jupiter im vergangenen Jahr am 12. November 1980 einen Informationsbesuch abstatten wird. Die NASA erwartet etwa 6000 Färb- und SchwarzweißAufnahmen, die das Ringsystem und den Saturnmond Titan aus relativ großer
Nähe zeigen.
+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auszüge aus dem Parteiprogramm der Demokratischen Partei für die Wahlen 1980&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vorläufiger Abschied vom Mars&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Zweite VIKING-Kamera-Sonde wurde abgeschaltet -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von G. Weiss&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

31

0 jlHi

•

^

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. September 1980

40

INHALT

INFORMATION
Vertragstext für neues Seerecht im wesentlichen fertiggestellt
- US-Sonderbotschafter Richardson erwartet Unterzeichnung im Frühjahr 1981
HINTERGRUNDMATERIAL
CIA-Mitarbeiter informiert über erhöhte sowjetische Verteidigungsausgaben
- 11 bis 13 Prozent des Bruttosozialprodukts für Rüstung WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-Krebsforschungsinstitut gibt Interferon-Produktion in Auftrag

Um Übersendung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 OO Tel: 0228-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�einzige wesentliche, noch nicht endgültig gelöste Frage sei die genaue Formulierung für die Bestimmungen, die die Abgrenzung der Wirtschaftszonen und
der Bereiche im Festlandsockel zwischen benachbarten Ländern regeln, obgleich
jetzt festzustehen scheine, daß eine Beilegung dieser Angelegenheit in keinem
Fall zu einschneidenden Änderungen des gegenwärtigen Vertragstextes führen
würde.
Zu Beginn der letzten Sitzungsperiode habe es große Meinungsverschiedenheiten zur Frage der sog. endgültigen Klauseln des Vertragswerkes gegeben.
Dank der intensiven Arbeit hinsichtlich dieser Punkte wurde, so Richardson,
ein Text formuliert, der die Integrität der Konvention als "Paketlösung",
d.h. die umfassende Behandlung aller anstehenden Fragen, wahren werde.
Richardson erklärte auf der abschließenden Pressekonferenz wörtlich:

"Nahe-

zu alle (der grundlegenden offenen Fragen) wurden in einer Weise gelöst, die
die breite Unterstützung durch die Konferenzteilnehmer finden mußten.

Es

ist jetzt so gut wie sicher, daß der Text einer Konvention über das Seerecht
im Jahr 1981 unterzeichnungsreif sein wird... Dies ist ein glücklicher Tag
für viele Menschen, die lange und hart an dieser Konvention gearbeitet haben.
Die Welt ist jetzt der Erlangung einer geschriebenen Verfassung für fast
drei Viertel der Erdoberfläche nahe.
oder irgendeine

Dies ist kein Sieg für irgendein

Ideologie oder irgendeinen

Standpunkt.

Land

Es ist ein Sieg

für die Grundsätze friedlicher Zusammenarbeit und von Recht und Gesetz."

Auf die Äußerung des kanadischen Botschafters hin angesprochen, daß der
Vertragsentwurf eine ungleichgewichtige Paketlösung zugunsten der Industrieländer zu sein scheine, erklärte Richardson:

"Damit sollten sich eher die

Kritiker des Vertrages in der Bundesrepublik Deutschland, in Japan, Großbritannien und den Vereinigten Staaten auseinandersetzen,die meinen, daß wir
im Hinblick auf die überwältigende Anzahl und die Findigkeit der Verhandlungsteilnehmer im Interesse der 77 (d.h. Entwicklungsländer) mit unseren Zugeständnissen viel zu weit gegangen seien".

Für das Problem der Einbezie-

hung der Europäischen Gemeinschaft als Vertragspartei müsse und werde nach
Richardsons Überzeugung eine Lösung gefunden werden.

- 3-

Denn in Konferenz-

�Konferenzkreisen sei man sich weitgehend der Tatsache bewußt und erkenne an,
daß die EG-Staaten an die Konferenz Vollmachten bezüglich einiger ihrer
Interessen delegiert haben... Wenn also diese Länder die Rechte und Pflichten in bezug auf Angelegenheiten, die im Vertrag der Europäischen Gemeinschaft
zur Wahrnehmung übertragen sind, akzeptieren sollen, führe der einzige Weg,
sie dazu zu bringen, über die Gemeinschaft.

Bei der Textformulierung für den

Vertrag werde sich dies als ein schwieriges Problem erweisen.
Richardson äußerte sich jedoch überzeugt, daß es gelöst werde.

+ + + + +

Elliot

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

40

10. September 1980

VERTRAGSTEXT FÜR NEUES SEERECHT IM WESENTLICHEN FERTIGGESTELLT
US-Sonderbotschafter Richardson erwartet Unterzeichnung im Frühjahr 1981

GENF - (AD) - Botschafter Elliot Richardson, der die amerikanische Delegation auch während der neunten Sitzungsperiode der III. UN-Seerechtskonferenz
leitete, hält die Unterzeichnung einer neuen Seerechtskonvention im nächsten
Jahr für so gut wie sicher.

Die Ergebnisse der fünfwöchigen Tagung in Genf,

die am 29. August 1980 zu Ende ging, bezeichnete er als "das bemerkenswerteste
Ereignis in der Geschichte der friedlichen Zusammenarbeit und der Entwicklung
des Seerechts seit der Gründung der Vereinten Nationen".
Vor der internationalen Presse umriß Richardson nach Abschluß der Tagung die drei wichtigsten Aufgaben, die noch gelöst werden müßten, wenn die
Konferenz im Frühjahr 1981 zu ihrer letzten Arbeitsitzung zusammentrete.
Notwendig sei erstens die Fertigstellung einer Resolution über die Berufung
einer Vorbereitungskommission, die die Grundlagen für die Internationale
Meeresbodenbehörde schafft; zweitens die Ausarbeitung von Vorrang-Bestimmungen bezüglich eines vorgesehenen Fördergebietes für Investoren des Meeresbergbaus, gültig für die Zeit zwischen der Unterzeichnung und dem Inkraft-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
T e | e x : 08-85432

�Inkrafttreten des Vertrages; und drittens die Entscheidung darüber, welche
Organisationen zusätzlich zu den souveränen Staaten Vertragspartei werden
können - z.B. die Europäische Gemeinschaft, die assoziierten Staaten der
pazifischen Mandatsgebiete und - was möglicherweise negative Auswirkungen
auf den Vertragsabschluß haben könnte - die Beteiligung von Befreiungsorganisationen.

Das Entwurfskomitee müsse seine Arbeit vor Beginn der nächsten

Sitzungsperiode beenden, wenn die Konferenz in der Lage sein soll, eine Konvention mit mehr als 400 Artikeln in sechs offiziellen Konferenzsprachen
zu debattieren und anzunehmen.

Dies sei eine enorme Aufgabe.

Während der jetzt zu Ende gegangenen Sitzungsperiode war laut Richardson
das bei weitem schwierigste Problem die Behandlung der Frage, wer in den Rat
der neuen Meeresbodenbehörde gewählt werden soll.

Aufgrund der abschließenden

Paketlösung wären in dem aus 36 Mitgliedern bestehenden Rat der Meeresbodenbehörde für Beschlüsse je nach deren Kategorie verschiedene Mehrheiten erforderlich.

So brauchten

beispielsweise Verfahrensfragen nur eine einfache

Mehrheit, substantielle Fragen dagegen (d.h. heikle Angelegenheiten, die mehr
Unterstützung im Rat finden müssen) eine Zweidrittel- bis Dreiviertelmehrheit

und die besonders sensitiven Angelegenheiten die Zustimmung aller.

Richardson hatte sich strikt gegen eine Erweiterung des Rates ausgesprochen, die, wie er erklärte, die inzwischen ausgehandelten Entscheidungsmodalitäten möglicherweise "aus dem Gleichgewicht" gebracht hätte. Der
dritten Vertragsüberarbeitung zufolge sollen im Rat vertreten sein: Vier
Meeresbergbau betreibende Länder, vier Länder, die Mineralproduktion auf dem
Festland betreiben, vier wichtige Verbraucherländer für jene Minerale, die
in den Metallknollen auf dem Tiefseeboden enthalten sind, sechs besonders
wenig entwickelte Länder und 18 weitere, entsprechend den UN-Regeln zur Gewährleistung einer gerechten geographischen Verteilung ausgewählte Staaten.
Neben der zufriedenstellenden Lösung dieses Fragenkomplexes konnte im
Verlauf der neunten Sitzungsperiode, wie Richardson erklärte, auch eine beträchtliche Anzahl weiterer Probleme im Zusammenhang mit den Vertragsformulierungen zur Rechtsordnung für den Meeresbergbau geklärt werden.
- 2 -

Die ein-

�10. September 1980

40

CIA-MITARBEITER INFORMIERT ÜBER ERHÖHTE SOWJETISCHE VERTEIDIGUNGSAUSGABEN
- 11 bis 13 Prozent des Bruttosozialprodukts für Rüstung -

WASHINGTON

- (AD) - Der Direktor für strategische Studien beim

amerikanischen Amt für Nachrichten und Abwehr (CIA), Robert Huffstutler,
hat am 3. September 1980 vor einem Unterausschuß des Repräsentantenhauses
zu Umfang und Entwicklung der sowjetischen Verteidigungsausgaben Stellung
genommen.

Danach beliefen sich diese Ausgaben zwischen 1971 und 1979

auf geschätzte 165 Milliarden Dollar und liegen damit um rund 50 Prozent
über den entsprechenden amerikanischen Ausgaben.
Der folgende Text gibt im Wortlaut die Passage "Derzeitige Schätzungen"
der Erklärung Huffstutlers wieder:

Schätzungen über Ausgaben in Rubel
Ich möchte mit unseren Schätzungen der sowjetischen Verteidigungsausgaben in Rubel beginnen.

Unsere jüngsten Schätzungen werden hier iji

Postfach 20 03 00 Tel: 0228-89 32 40
Bonn 2
Telex: 08-85432

0 5 3 0 0

�in konstanten Rubel-Preisen wiedergegeben, um lediglich die realen
Veränderungen bei der Mittel Zuweisung widerzuspiegeln, nicht aber die
Auswirkungen der Inflation.
Wir Amerikaner und die Sowjets verwenden einigermaßen unterschiedliche
Definitionen darüber, welche Aktivitäten zur Verteidigung gehören, wobei
die Sowjets ein breiter angelegtes Konzept haben.

Die sowjetischen

Verteidigungsausgaben - hier zum Zweck einer besseren Analyse mit amerikanischen
Maßstäben gemessen - sind zumindest seit 1965 durchschnittlich real um 4 bis
5 Prozent pro Jahr gestiegen und werden wahrscheinlich im Jahr 1980 61 bis
66 Milliarden Rubel betragen.

Legen wir den breiteren sowjetischen Maßstab

an, so erhöht sich diese Summe noch um etwa 5 bis 6 Milliarden Rubel.
Die Verteidigungsausgaben beliefen sich im Zeitraum von 1865 bis 1978
wahrscheinlich auf etwa 11 bis 13 Prozent des sowjetischen Bruttosozialproduktes, was für diese Periode in etwa einen konstanten Anteil bedeutet,
da Verteidigung und Volkswirtschaft sich mit ziemlich gleicher Geschwindigkeit
entwickelten. Obgleich in jüngster Zeit die Verteidigungsausgaben auch
weiterhin die nahezu gleiche Zuwachsrate aufwiesen wie in der Vergangenheit,
ging die Wachstumsrate der sowjetischen Wirtschaft auf ihren niedrigsten
Stand seit dem Zweiten Weltkrieg zurück. Aus diesem Grund stieg im Jahr
1979 der Anteil des sowjetischen Bruttosozialproduktes, der für Militärausgaben verwendet wird, um nahezu einen Prozentpunkt auf 12 bis 14 Prozent,
Was die einzelnen Kategorien der Mittel Zuweisung angeht, so floß
seit 1965 etwa die Hälfte der geschätzten sowjetischen Verteidigungsausgaben in Investitionen für Waffen, Ausrüstung, und Anlagen; nahezu
ein Drittel wurde für Betriebskosten bereitgestellt; etwa ein Fünftel
für militärische Forschung und Entwicklung.

Davon scheinen die Kosten für

Forschung, Entwicklung, Technologie und Ausrüstung am schnellsten gestiegen
zu sein.
Seit

- 2 -

�Seit 1965 haben die Marine und die Luftwaffe jeweils etwas über ein
Fünftel der Mittel für Investitions- und Betriebskosten erhalten. Auch
die Landstreitkräfte hatten einen Anteil von etwa einem Fünftel.
Streitkräfte

Die

der nationalen Luftverteidigung haben durchschnittlich

etwas weniger als 15 Prozent der Verteidigungsausgaben erhalten, für die
strategischen Raketen wurde ein Durchschnittsanteil von weniger als 10 Prozent
zugewiesen.

Künftige Trends
Der derzeitige und voraussehbare Rückgang des sowjetischen Wirtschaftswachstums bringt Fragen über die Fähigkeit der UdSSR mit sich,
die Verteidigungsausgaben auch weiterhin zu erhöhen. Wir verfolgen diese
Entwicklung sehr genau und sind aufgrund von Informationen über Verteidigungsprogramme, die derzeit laufen oder geplant sind, zu dem Schluß gekommen, daß die
sowjetischen Verteidigungsausgaben real auch weiterhin - zumindest bis
1985 - steigen werden.
Die uns vorliegenden Informationen zeigen an, daß die Verteidigungsausgaben wahrscheinlich im Lauf der nächsten fünf Jahre mit der gleichen
- oder zumindest fast gleichen - Rate zunehmen werden wie in den vergangenen
15 Jahren, wenn die Sowjets ihre derzeitigen Pläne nicht ändern.

Sollte

der wirtschaftliche Druck jedoch noch zunehmen, könnten die Sowjets die
Wachstumsrate bei ihren Verteidigungsausgaben senken, indem sie sich
auf eine Weise einschränken, die nur eine bescheidene Wirkung auf die
Modernisierung ihrer Streitkräfte haben würde - indem sie zum Beispiel
ausgewählte Waffenprogramme zeitlich strecken oder indem sie die begrenzten
direkten Ersparnisse ausnützen, die durch Abkommen bei der Rüstungskontrolle
möglich werden.
Längerfristig

- 3 -

�Längerfristig gesehen könnten zunehmende wirtschaftliche Schwierigkeiten die sowjetische Führung dazu bringen, ihre Pläne unter dem Gesichtspunkt einer Verminderung des Anwachsens der Verteidigungsausgaben zu überprüfen.

Sie wird dabei jedoch abwägen müssen zwischen ihren Bedenken im

Wirtschaftsbereich einerseits sowie ihrer Vorstellung von den zukünftigen
militärischen Erfordernissen und ihrem Verständnis vom Nutzen militärischer
Macht zur Förderung ihrer politischen Zielsetzungen andererseits. Welche
Wahl sie aber auch immer hinsichtlich ihrer Verteidigungsausgaben treffen
wird, so sind wir doch der Meinung, daß es sogar längerfristig gesehen
höchst unwahrscheinlich ist, daß wirtschaftliche Schwierigkeiten eine
Wende der Langzeitpolitik der sowjetischen Führung erzwingen können, auch
weiterhin ihre militärischen Möglichkeiten zu verbessern.

Schätzungen in Dollar
Unsere Methode des direkten Kostenvergleichs ermöglicht es uns aber
auch, zu einer Schätzung der sowjetischen Verteidigungsmaßnahmen in Dollar
zu gelangen - was nützlich ist, um sie mit den amerikanischen Verteidigungsausgaben zu vergleichen. Dabei nehmen wir dieselben detaillierten
Schätzungen über die absoluten Mittel, die unseren Schätzungen der Ausgaben
in Rubel zugrunde lagen, und wenden sodann die entsprechenden amerikanischen
Preis- und Lohnraten an. Die Durchführung dieses Verfahrens ist komplex,
aber in etwa machen wir folgendes:
-

Hinsichtlich der Beschaffung schätzen wir, was es kosten würde,
die entsprechenden Objekte in den Vereinigten Staaten zu bauen zu derzeitigen Dollarpreisen für Materialien und Arbeitskraft
und unter der Annahme, daß die notwendigen Anlagen und die notwendige Versorgung verfügbar wären.
- Hinsichtlich

- 4 -

�-

Hinsichtlich der Betriebs- und Unterhaltskosten schätzen wir die
Preise in Dollar, die die Vereinigten Staaten für Arbeit, Material,
Ersatzteile, laufende Unkosten und Brennstoff zu zahlen hätten,
um die Ausrüstung auf die Weise zu bedienen und zu unterhalten,
wie dies die Sowjets tun.

-

Hinsichtlich des Militärpersonals schätzen wir zunächst ab,
welcher militärische Rang in den Vereinigten Staaten eingesetzt
würde, um die Funktionen jedes sowjetischen Militärs auszuführen,
und legen dann die entsprechenden amerikanischen Gehalts- und
Entschädigungsraten für den jeweiligen Posten an. Diese Verfahrensweise ist wegen der deutlichen Unterschiede zwischen den Strukturen
des Militärpersonals in beiden Ländern erforderlich.

Für den Zeitraum von 1970 bis 1979 übersteigt unsere Dollar-Schätzung
der sowjetischen Verteidigung die amerikanischen Ausgaben um etwa 30 Prozent.
Es muß festgestellt werden, daß wir für diese Vergleiche 1970 als Ausgangspunkt benützen, um Verzerrungen zu vermindern, die durch amerikanische
Verteidigungsausgaben Zustandekommen, die sich aus dem Vietnamkrieg ergeben.
Die Trends sind jedoch ziemlich unterschiedlich.

Der Dollar-Wert der

sowjetischen Militäraktivitäten wuchs beständig über diesen Zeitraum
hinweg mit einer durchschnittlichen Jahresrate von etwa 3 Prozent - mit
einer Aufwährtsbewegung bei fast allen wesentlichen Elementen des sowjetischen
Vertei di gungsberei chs.
Die amerikanischen Ausgaben hingegen gingen von Anfang des Jahrzehnts
bis 1976 zurück. Danach stiegen sie langsam, da Preiserhöhungen bei
Forschung, Entwicklung, Technologie und Ausrüstung sowie bei den Betriebskosten den anhaltenden Rückgang bei Herstellungs- und Personal kosten aufwogen.
Der

- 5 -

�Der geschätzte Dollar-Wert der sowjetischen Verteidigungsaktivitäten
hat die amerikanischen Ausgaben seit 1971 in zunehmendem Maß übertroffen.
Im Jahr 1979 lagen die Sowjets insgesamt bei 165 Milliarden Dollar - etwa
50 Prozent über den amerikanischen Ausgaben.

Vergleich der Mittel
Unsere Bausteine-Methode erlaubt es uns, die Mittel zu vergleichen,
die in den Vereinigten Staaten und bei den Sowjets den einzelnen Komponenten
der Verteidigungsanstrengung zugeteilt werden.

Zum Beispiel: bei Unter-

suchung der Investitionen in Waffen, Ausrüstung, wichtigste Ersatzteile
und Anlagen gelangen wir zu der Schätzung, daß der Dollar-Wert der sowjetischen
Programme um 50 Prozent über den vergleichbaren amerikanischen Ausgaben der
Gesamtperiode liegt.

Die sowjetischen Investitionen nahmen ständig zu,

während die amerikanischen Investitionen nach dem Vietnam-Ausbau scharf
zurückgingen, bevor sie nach 1976 erneut anstiegen.

Seit 1975 liegen die

sowjetischen Kosten im Durchschnitt bei etwa 80 Prozent über den amerikanischen
Ausgaben für Investitionen.
Die geschätzten Betriebskosten der Sowjets - einschließlich Personal,
Ausrüstung und Unterhaltung - lagen etwas höher als die entsprechenden
amerikanischen Kosten.

Jedoch waren auch hier die relativen Entwicklungs-

linien ziemlich unterschiedlich, wobei die sowjetischen Trends 1979 um
nahezu 30 Prozent höher lagen.

Vergleich der militärischen Ausgaben
Wir können unsere Dollar-Schätzungen auch benutzen, um die Mittel,
die die Sowjets für die verschiedenen militärischen Aufgaben bereitstellen,
mit den Mitteln der Vereinigten Staaten zu vergleichen,die diese dafür

- 6 -

�r

dafür festlegen. Für diesen Vergleich definieren wir die Aufgaben gemäß
der Kategorien der amerikanischen Verteidigungsplanung und der dazugehörigen
Programme,
Die Sowjets scheinen einen wesentlich höheren Anteil ihrer Mittel
als die Vereinigten Staaten fUr alle militärischen Aufgaben bereitzustellen •
mit Ausnahme der allgemeinen Seestreitkräfte und der taktischen Luftwaffe.
Die Trends der beiden Länder waren jedoch unterschiedlich, wobei die Sowjets
in allen wesentlichen Kategorien ein ständiges Wachstum aufweisen.

+ + + + +

- 7 -

�sJF

21Ja IE

lili//cn/chofl
wid Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. September 1980

40

US-KREBSFORSCHUNGSINSTITUT GIBT INTERFERON-PRODUKTION
IN AUFTRAG

- (AD) - Einen Auftrag zur Produktion von 50 Milliarden internationalen Einheiten von menschlichem Leukozyten-Interferon vergab jetzt
das Nationale Krebsforschungsinstitut der USA an die Meloy-Laboratorien
in Springfield (Virginia). Die Aufwendungen sind auf fast 990 000 Dollar
veranschlagt. Das Interferon wird zusammen mit anderen Präparationen in
klinischen Tests verwendet, die noch vor Ende des Jahres an verschiedenen
Kliniken beginnen sollen. Die bei den Meloy-Laboratorien bestellte Menge
reicht aus, um eine mögliche krebshemmende Wirkung der Substanz an etwa
150 Patienten zu untersuchen.
Zwei ähnliche Kontrakte vergab das Institut bereits an die
"Parke-Davis Pharmaceutical Research Division" der Warner-Lambert Company
(ebenfalls zur Produktion von 50 Milliarden Einheiten von menschlichem
Leukozyten-Interferon) und an die Flow-Laboratorien, die 50 Milliarden
Einheiten von menschlichem Fibroblasten-Interferon herstellen werden.
Da die hierbei erforderliche Technik sehr viel aufwendiger ist als bei

Postfach 20 03 OO
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�bei der Gewinnung von Leukozyten-Interferon, wurden dazu mehr als zwei
Millionen Dollar bereitgestellt.
Interferon ist ein natürlich vorkommendes Protein, das Zellen
als eine Reaktion auf das Eindringen von Viren und anderen krankheitsverursachenden Substanzen bzw. Organismen in winzigen Mengen produzieren.
Bisher dienten in der Forschung drei Arten menschlicher Zellen - Leukozyten,
Fibroblasten und Lymphob!asten - als Interferonquellen. Untersuchungen über
die mögliche Rolle, die Interferon bei der Behandlung verschiedener Formen
von Krebs, bei Virusinfektionen und anderen Krankheiten spielen könnte,
waren bisher dadurch auf ein Minimum beschränkt, daß viel zu wenig davon
zur Verfügung stand.

+ + + + +

-

•

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vertragstext für neues Seerecht im wesentlichen fertiggestellt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Sonderbotschafter Richardson erwartet Unterzeichnung im Frühjahr 1981 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;CIA-Mitarbeiter informiert über erhöhte sowjetische Verteidigungsausgaben&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 11 bis 13 Prozent des Bruttosozialprodukts für Rüstung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Krebsforschungsinstitut gibt Interferon-Produktion in Auftrag</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

41

17. September 1980
INHALT

DOKUMENTATION
USA: Amerikanisch-iranische Probleme sollten neu überdacht werden
- Schreiben Muskies an den neuen iranischen Ministerpräsidenten Vest erläutert Anstrengungen zur Bewältigung bevorstehender Herausforderungen
- Erklärung des Unterstaatssekretärs für europäische Angelegenheiten
Die Vereinigten Staaten und die Arabische Halbinsel
- Unterstaatssekretär Saunders nimmt vor Repräsentantenhaus Stellung

INFORMATION
Staatssekretär John C. Sawhill leitet "Synthetic FuelsCorporation"

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
100 Millionen Dollar für Windenergie-Forschung

Um Übcr/cndung von
ßclcgcxcmplorcn wird
gebeten

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Berichtigung:
In dem Artikel "Vorläufiger Abschied vom Mars" von G. Weiss in
Nr. 39 des Amerika Dienstes vom 3. September 1980 muß es auf Seite 2,
dritte Zeile, richtig heißen:
"... 19. Juni 1976, Absetzen des Landegeräts einen Monat später..."

�Dokumentation

1

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. September 1980

41

USA: AMERIKANISCH-IRANISCHE PROBLEME SOLLTEN NEU ÜBERDACHT WERDEN
- Schreiben Muskies an den neuen iranischen Ministerpräsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Das State Department hat am 9. September 1980
das Schreiben des amerikanischen Außenministers Edmund Muskie an den neuen
iranischen Ministerpräsidenten Mohammad Ali Rajai veröffentlicht, das
vom 20. August datiert und in dem Muskie die Hoffnung äußert, daß die USA
und der Iran gemeinsam an konstruktiven Lösungen für die zwischen beiden
Ländern bestehenden Schwierigkeiten arbeiten werden.
Das Schreiben Muskies hat folgenden Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
ich schreibe Ihnen als jemand, der in seiner Position als Außenminister
erst vor kurzem mit den Problemen konfrontiert worden ist, die gegenwärtig
die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern belasten. Ich weiß, daß
diese Probleme nur einen Aspekt der schweren neuen Verantwortlichkeiten
darstellen, die Sie als der erste Ministerpräsident des Iran unter der

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�der Verfassung der Islamischen Republik auf sich nehmen.

Es ist meine

aufrichtige Hoffnung, daß wir - zusammen mit dem Außenminister, den Sie
ernennen werden - in der Lage sein werden, in Richtung auf konstruktive
Lösungen für die Schwierigkeiten zwischen unseren Ländern hinzuarbeiten.
Mit dem Tode des früheren Schahs ist ein Kapitel der iranischen
Geschichte nunmehr endgültig abgeschlossen.

Mit der Etablierung Ihrer

Regierung ist ein neues Kapitel aufgeschlagen worden.

Ich bin der Meinung,

daß dies der Augenblick ist, wo wir die Probleme zwischen dem Iran und
den Vereinigten Staaten neu überdenken sollten.
Die Vereinigten Staaten anerkennen die Realität der iranischen
Revolution und die Legitimität der islamischen Republik. Das iranische
Volk hatte in einer Reihe aufeinander folgender Schritte die Chance gehabt,
sich an dem Prozeß der Schaffung neuer Institutionen zu beteiligen.
Ich versichere Ihnen, daß die Vereinigten Staaten nicht den Wunsch gehabt
haben, in diesen Prozeß einzugreifen. Wir sind überzeugt, daß keine äußere
Macht sich in die Rechte des iranischen Volkes, seine eigenen politischen
Entscheidungen zu treffen, einmischen sollte.
Zweiundfünfzig meiner amerikanischen Landsleute werden weiterhin im
Iran nach neun Monaten Gefangenschaft festgehalten. Ich bin mit ihren
Familien zusammengekommen. Ich kann das tiefe und verzweifelte Leid, das
diese Menschen erfahren haben, Ihnen gegenüber nicht in der angemessenen
Form zum Ausdruck bringen. Amerikaner aller politischen Richtungen und
Gesellschaftsschichten stehen vereint in der Sorge um ihre baldige Freilassung. Ich hoffe, Sie stimmen mir zu, daß es nunmehr an der Zeit ist,
das Leid dieser Menschen in ehrenhafter Weise zu beenden und die Geiseln
zu ihren Familien heimzusenden.
Ich bin mir bewußt, daß auch die Iraner gelitten haben.

Das weitere

Verharren in dieser Sackgasse kann nur zu weiterer Bitterkeit und weiterem

- 2 -

�weiterem Leid auf beiden Seiten führen.
voll.

Die Kelche des Leids sind nunmehr

Wir sollten sie leeren und neu beginnen.

Ich versichere Ihnen, daß

wir den vollsten Respekt für Ihre Unabhängigkeit» Ih^e territoriale
Integrität und für das Prinzip der Nichteinmischung bekunden werden.
Wir wissen, daß das iranische Parlament als Vertretung des iranischen
Volkes mit der Behandlung der Geiselkrise betraut worden ist. Wir wissen
auch, daß es im Iran, wie in den Vereinigten Staaten, tiefgehende Emotionen
aufgrund von in der Vergangenheit erlebten Kümmernissen gibt.

Es gibt,

viele schwierige Fragen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten.
Wir sind unsererseits gewillt, in fairer Weise vorzugehen und uns mit jeder
dieser Fragen auf der Basis gegenseitiger Achtung und Gleichberechtigung
zu befassen.
Um mit dem Prozeß eines besseren gegenseitigen Verstehens zu beginnen,
wäre es, wie ich glaube, nützlich, einen regulären Kommunikationsweg
einzurichten.

Ich persönlich würde es vorziehen, daß dies in direkter -

und wenn Sie es wünschen - sehr diskreter Weise zwischen Vertretern unserer
beiden Regierungen geschieht.

Ein offenes und direktes Gespräch ist der

beste Weg, um Feindseligkeit und Mißtrauen aus dem Weg zu räumen.

Wenn

sie es jedoch vorziehen, wären wir auch gern bereit, durch dritte Parteien
miteinander in Verkehr zu treten, die Botschaften zwischen uns auf einer
regulären Basis übermitteln könnten.

Die Botschaften der Schweiz und Algeriens

könnten diese Rolle übernehmen, da sie ja bereits die Schutzmächte sind.
Andere Personen könnten, entweder als offizielle oder private Vermittler, die
gleiche Funktion ausüben.
Ich möchte hoffen, daß Sie sich bereit finden, uns Ihre Gedanken
über Punkte, die bei einem solchen Austausch in nützlicher Weise erörtert
werden könnten, mitzuteilen.
Ich sehe Ihrer Antwort

im Interesse unserer beiden Völker erwartungsvoll

entgegen.
+ + + + +

- 3 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. September 1980

41

VEST ERLÄUTERT ANSTRENGUNGEN ZUR BEWÄLTIGUNG
BEVORSTEHENDER HERAUSFORDERUNGEN
Erklärung des Unterstaatssekretärs für europäische Angelegenheiten

WASHINGTON

-

(AD) - Der Unterstaatssekretär für europäische

Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, George S. Vest, gab
am 15. September 1980 vor dem Unterausschuß für Europa des Außenpolitischen
Ausschusses des Repräsentantenhauses die folgende Erklärung ab:
Ich freue mich über die Gelegenheit, gerade jetzt vor Ihnen zu
erscheinen. Es ist jetzt fast neun Monate her, daß die Sowjets in
Afghanistan einmarschiert sind, und noch länger, daß der Iran ins Chaos
abglitt. Wir treten nunmehr in eine neue Periode diplomatischer Aktivität
ein - im Rahmen der Vollversammlung der Vereinten Nationen und der intensiven
Runde von Konsultationen, die sich am Rande abspielen. Während wir uns
dieser Periode nähern, freue ich mich darüber, hier kurz auszuführen,
wie die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten darangehen, mit den
Herausforderungen fertigzuwerden, vor denen wir stehen, um weiter auf der
Einheit und der schöpferischen Kraft aufzubauen, die wesentlicher Bestandteil

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�Bestandteil unserer Gesellschaften sind.
Es kann keinen Zweifel darüber geben, daß wir in den kommenden
Jahren vor einer komplexeren Welt stehen werden.

Eine rasche Aufzählung

der jüngsten Entwicklungen zeigt, daß wir einen Zeitraum hinter uns
gelassen haben, der durch Entspannung charakterisiert war - oder durch
ein Nachlassen der Spannungen zwischen Ost und West - und in einen Zeitraum eintreten, in dem es mehr Frost und mehr Wettstreit bei den OstWest-Beziehungen geben wird - zugleich ein Zeitraum, der unsicherer und
schwieriger zu behandeln sein wird.
Denken Sie an folgendes:
-

Die gewaltige Zunahme der sowjetischen Militärmacht über rein
defensive Erfordernisse hinaus, wie wir sie erkennen können;

-

ihre bewiesene Bereitschaft, diese Macht jenseits der sowjetischen
Grenzen in Afghanistan einzusetzen, die anhaltende Besetzung
dieses bislang blockfreien Landes und die Unterstützung eines
unrechtmäßigen Regimes in Kabul;

-

die jüngste Krise unter der Arbeiterschaft in Polen, die ungewisse
Zukunft dort, die unkalkulierbare Auswirkung, die deren Lösung
auf das übrige Osteuropa haben kann, sowie ihr Einfluß auf die
Beziehungen zwischen der Sowjetunion und ihren Nachbarn;

-

die anhaltenden Wirtschaftsprobleme im Westen:
sowie die Kostenschraube beim Importöl.

Inflation, Rezession

Alle diese Ereignisse und Probleme sind Grund genug, zu überlegen,
wie wir auf das reagieren sollen, was auf uns zukommt.
Innerhalb

�Innerhalb des NATO-Bündnisses haben diese und andere Entwicklungen
eine beispiellose Serie von Konsultationen sowohl auf multilateraler als
auch auf bilateraler Ebene in Gang gebracht.

Darin aber liegt die elementare

Stärke des Nordatlantischen Bündnisses - in der Gelegenheit, die sie für
den freimütigen Austausch der Ansichten über die gesamte Bandbreite derjenigen
Probleme bietet, welche die Sicherheit aller Verbündeten berühren.

Dies

hat im wesentlichen zu einer gemeinsamen Beurteilung der Probleme geführt,
vor denen wir stehen.

Es herrscht auch weiterhin die klare Erkenntnis,

daß es notwendig ist, zusammenzustehen, um all die wesentlichen politischen
Zielsetzungen zu verwirklichen, in denen wir übereinstimmen.

Daher haben

sich die Verbündeten verpflichtet, eine rationale und ausgewogene Arbeitsteilung auszuarbeiten und durchzuführen, die die besonderen Möglichkeiten
jedes Verbündeten respektiert.
Während wir an der Verwirklichung dieser Ziele arbeiten, müssen wir
an die demokratische Vielfalt denken, die dieses Bündnis kennzeichnet und
die oft unterschiedliche Standpunkte zur Folge hat, die bei entscheidenden
Fragen ins Spiel kommen. Man kann die Realitäten des europäischen Lebens,
der europäischen Politik und Wirtschaft nicht umgehen.

Die Nähe der

Sowjetunion, einer kontinentalen Supermacht, zu unseren europäischen
Verbündeten, die größere Rolle marxistischer Sozialtheorie in der Geistesgeschichte der meisten dieser Länder und das Vorhandensein kommunistischer
Parteien in vielen europäischen Staaten, die noch immer frische Erinnerung
an zwei Weltkriege, die auf europäischem Boden ausgetragen wurden - alle diese
Faktoren wirken zusammen und schaffen einen starken Glauben an die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung eines Dialogs mit der Sowjetunion und
einen starken Drang nach Rüstungskontrolle und Abrüstung.

Vermehrte

Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit den Staaten des Ostens, einschließlich
einer wachsenden Rolle der sowjetischen Energieversorgung in den letzten
Jahren sind Faktoren von unbestreitbarer Bedeutung für Westeuropa, die
es abzuwägen gilt, wenn Maßnahmen überlegt werden, um sich einer, sogar
von allen erkannten, sowjetischen Bedrohung zu stellen.

- 3 -

Letztlich aber •

�aber ••• und weit wichtiger - legen die Europäer,im Bewußtsein der sowjetischen
Militärmacht an ihrer östlichen Grenze, die Hauptbetonung darauf, militärisch
gerüstet zu sein, um potentiellen direkten Vorstößen der sowjetischen Streitmacht zu begegnen.
Wenn sie Überlegungen zu der notwendigen Arbeitsteilung anstellen,
so ist es für sie nur natürlich, daß sie von der globalen Supermacht
Amerika erwarten, daß diese die Hauptrolle beim Schutz der lebenswichtigen
Interessen des Westens etwa in Bereichen wie Südwestasien tragen,

über-

flüssig zu sagen, daß es nie eine leichte Aufgabe war, keine ist und nie
eine sein wird, konkrete Schritte zur Abwendung dieser Bedrohungen auszuarbeiten und gleichzeitig die Bedürfnisse von fünfzehn verbündeten
Demokratien zu befriedigen.

Dies erfordert amerikanische Führung - aber

zugleich geduldige, wirksame Konsultation und ebensolchen Dialog.
Stellt man diese verschiedenen Perspektiven in Rechnung, so haben
die Verbündeten bei einer Reihe von Reaktionen im Verteidigungsbereich
auf die sowjetische Herausforderung in Afghanistan und auf den umfangreichen
Ausbau der Streitkräfte des Warschauer Paktes große Übereinstimmung erzielt:
-

sie haben in den meisten Fällen die schwierige wirtschaftliche
und politische Entscheidung eines jährlichen Real Zuwachses der
Verteidigungsausgaben in Höhe von 3 Prozent getroffen;

-

sie haben sich auf das Langfristige Verteidigungsprogramm und den
ständigen Fortschritt bei der Zusammenarbeit, Rationalisierung,
Standardisierung der Ausrüstung sowie der Interoperabilität
der Ausrüstung des Bündnisses geeinigt;

-

sie einigten sich letzten Dezember auf ein Programm der Modernisierung
der TNF-Waffen großer Reichweite, verbunden mit Rüstungskontroll-

- 4 -

�R'üstungskontroll verhandl ungen;
-

sie arbeiten mit den Vereinigten Staaten auf mehreren Sektoren zusammen, um die westliche Sicherheit am Persischen Golf und im
Bereich Südwestasiens zu erhöhen; und

-

sie sind übereingekommen, die Modernisierung der konventionellen
Streitkräfte der NATO in Europa zu beschleunigen und die Schwächung
besser auszugleichen, die durch die Redislozierung amerikanischer
Streitkräfte in andere Bereiche hervorgerufen wurde.

Während wir beabsichtigen, das militärische Gleichgewicht wiederherzustellen, bringen wir und unsere Verbündeten gleichzeitig auch weiterhin
unsere Bereitschaft zum Ausdruck, mit den Sowjets Verhandlungen über
Rüstungsbegrenzung zu führen, dienen solche Verhandlungen doch den höchsten
Sicherheitsinteressen des Bündnisses und tragen sie zu Weltfrieden und
Stabiltät bei. Afghanistan hat die Rüstungskontrolle erschwert; es hat
die Ratifizierung von SALT II verzögert.

Wir haben unseren Verbündeten

klargemacht, daß wir auch weiterhin seiner Ratifizierung sowie der Aufrechterhai tung des Verhandlungsprozesses zur Rüstungskontrolle verpflichtet
sind.

Durch die Richtung unserer Reaktion auf die sowjetische Militär-

intervention haben wir Freund und Feind gleichermaßen verdeutlicht, daß der
Zweck einer standhaften, maßvollen westlichen Antwort darin bestand, die
Chancen auf eine schließliche Rückkehr zu korrekten Beziehungen zu wahren,
wenn die Sowjetunion ihre Bereitschaft demonstriert, mit Zurückhaltung
zu handeln.

Dies wird von uns allen Geduld erfordern.

Wir erkennen, daß die Struktur der Ost-West-Beziehungen, die unter
vielen Schwierigkeiten über die letzten Jahrzehnte hinweg aufgebaut wurde,
langsam aber sicher dazu geführt hat, den Menschen in Europa im täglichen
Leben Vorteile zu bringen. Wir sind der Wahrung dieser Struktur verpflichtet.
So befindet sich gegenwärtig die von Botschafter Max Kampelman geleitete

- 5 -

�geleitete amerikanische Delegation in Madrid und nimmt an einer Konferenz
teil, die das Folgetreffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE) vorbereitet, das in Madrid stattfinden wird. Auf dieser
bedeutenden Konferenz im November sind wir gleichfalls bereit, unseren
Teil beizutragen, um auf ein konstruktives Ergebnis hinzuarbeiten - ein
Ergebnis, das Maßnahmen hervorbringen soll in der Absicht, die Verwirklichung
der Schlußakte von Helsinki zu verbessern und dadurch die reale Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa zu erhöhen. Unserer Ansicht nach kann dies
auf dem Treffen von Madrid nur durch Aufrechterhaltung eines angemessenen
Gleichgewichts zwischen der Behandlung der Menschenrechtsfrage und der
Sicherheitsthemen erzielt werden.
Schlußfolgerung: Durch diese und andere Anstrengungen überbringen
wir den Sowjets eine Botschaft, daß nämlich das Bündnis geeint bleibt
angesichts der durch die Schritte in Afghanistan und an anderen Orten
geschaffenen Bedrohung, während es gleichzeitig jene Struktur der Ost-WestBeziehungen aufrechterhält, die unserer Meinung nach von Nutzen ist, um
eine Rückkehr zu besseren Beziehungen zu erleichtern. Eine solche Rückkehr
ist für uns alle von lebenswichtiger Bedeutung.

+ + + + +

�IS

(TO

I 3
41

CO

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. September 1980

DIE VEREINIGTEN STAATEN UND DIE ARABISCHE HALBINSEL
- Unterstaatssekretär Saunders nimmt vor Repräsentantenhaus Stellung

WASHINGTON - (AD) - Am 3. September 1980 legte Harold H. Sanders, der
Unterstaatssekretär für Nahost und Südasien im amerikanischen Außenministerium,
in einer Erklärung vor dem Unterausschuß für Europa und den Mittleren Osten
des Repräsentantenhauses das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und
den Staaten der Arabischen Halbinsel dar.
Dabei war seine Absicht, dem Unterausschuß die amerikanischen Interessen
in diesem Gebiet zu verdeutlichen, wie sie sich im Lauf der letzten Jahre
herausgebildet haben. Der Bericht analysiert die Bewegkräfte, die im Bereich
des Persischen Golfs am Werke sind, stellt die Entwicklungen in diesem
Gebiet im Verlauf der letzten zehn Jahre dar, geht auf die kommenden Herausforderungen ein und erläutert die amerikanische Politik gegenüber den
Ländern des Persischen Golfs. Die schriftliche Erklärung von Saunders
hat folgenden Wortlaut:

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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Das amerikanische Verhältnis zu den Staaten der Arabischen Halbinsel am
Persischen Golf
In den beiden vergangenen Jahren wurde ich jeweils zu dieser Zeit
von diesem Unterausschuß darum ersucht, einen überblick über die Entwicklungen
im Mittleren Osten und in Südwestasien vorzulegen.

Auch wenn das heutige

"Hearing" nicht eigens für eine solche Darlegung vorgesehen ist, so ist
es doch angebracht, in diesem Zusammenhang mit dem Unterausschuß über
das Verhältnis zu diskutieren, wie es sich zwischen den Vereinigten Staaten
und den Staaten der Arabischen Halbinsel am Persischen Golf - Saudi-Arabien,
Kuwait, Bahrein, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman entwickelt hat.

Die Entwicklungen in der umliegenden Region und die Be-

deutung des Golfs selbst rechtfertigen es, daß wir diese Region zunzentralen
Teil einer bedeutsamen politischen Überprüfung gemacht haben.
Ziel und Zweck dieser Erklärung ist es:
-

Darzulegen wie sich unsere Interessen an diesen Staaten in den
letzten Jahren verstärkt haben;

-

unsere Vorstellung von der Dynamik dieses Gebietes aufzuzeigen,
wie es sich im vergangenen Jahrzehnt entwickelt hat und welche
Aufgaben vor uns liegen; und

-

zu erörtern, wie die von uns in bezug auf dieses Gebiet verfolgte
Politik unseren sich erweiternden Interessen und den sich verändernden Verhältnissen dort entspricht.

•

•

.

Die Interessen der Vereinigten Staaten in dieser Region
Unsere Interessen an diesem Gebiet bestehen seit langem, sie sind

- 2 -

�sind bedeutend und miteinander verbunden.
-

Sie stellen in Rechnung:

die strategische Lage des Gebietes und seine Bedeutung für die
Aufrechterhaltung eines globalen strategischen Gleichgewichts;

-

die Bedeutung, die wir der Souveränität und Unabhängigkeit dieser
Länder als ein Faktor für eine stabilere Welt beimessen;

-

den für die Welt lebenswichtigen Bedarf an öl aus diesem Gebiet

und

-

die Bedeutung dieser Staaten für die internationalen Geldmärkte und
für die Entwicklung sowie als Märkte für unsere Waren und unsere
Technologie.

Im vergangenen Jahrzehnt haben sich unsere Interessen an dieser Region
ihrem Wesen nach wenig verändert, sie haben jedoch an Bedeutung gewonnen:
-

Wir sprachen damals von dem lebenswichtigen Fluß des GolfÖls zu
unseren NATO-Verbündeten und unseren Freunden östlich von Suez.
Jetzt sind wir selbst in höchstem Maße abhängig vom Golföl.

-

In dem Maße wie die Länder am Golf reich geworden sind, haben sie
eine bedeutendere Rolle sowohl in regionalen Angelegenheiten
wie auch in der Weltpolitik übernommen.

-

Unser Handel mit diesem Gebiet hat sich ungeheuer erweitert, das
gleiche gilt für die Präsenz von Amerikanern in diesen Ländern.

-

Unsere kulturellen Beziehungen haben sich wesentlich verstärkt,
dazu gehört auch die Ausbildung einer großen Zahl von Studenten
aus diesen Ländern an amerikanischen Universitäten.
- Ereignisse

- 3 -

�-

Ereignisse in den umliegenden Ländern haben die Besorgnis über
einen sowjetischen Druck auf diese äußerst empfindliche Region
verstärkt.

Im vergangenen Jahrzehnt haben sich unsere Beziehungen zu den sechs
Golfstaaten 1n solider Weise auf einer Basis entwickelt, zu der gehört:
- die strategische Bedeutung dieses Gebietes flir die westliche
Welt und die Bedeutung, die die Golfstaaten unserer Fähigkeit
beimessen, ein globales strategisches Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, durch das jede Intervention von außen 1n dieses Gebiet
entmutigt wird;
- die Priorität, die diese Staaten einer gerechten und dauerhaften
Lösung des arabisch-israelischen Konflikts beimessen, und ihre
Erkenntnis, daß unter den ausländischen Mächten die Vereinigten
Staaten in einzigartiger Weise in der Lage sind, eine wirksame
Rolle bei der Bemühung um das Zustandekommen eines umfassenden
Friedens in Nahost zu spielen;
- die allgemeine Anerkennung der gemeinsamen Verantwortung der
großen ölförderlander und der ölverbraucher zur Aufrechterhaltung
geordneter Märkte, die für das internationale wirtschaftliche
Wohlergehen Voraussetzung sind;
- ein sich erweiterndes gemeinsames Interesse an wirtschaftlicher
Zusammenarbeit, wozu gehört: Wachstum des Handels, TechnologieTransfer für eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung der Golfstaaten; Aufrechterhaltung der internationalen finanziellen
Ordnung; Erleichterung der Entwicklung der ärmeren Staaten und
- der

- 4 -

�-

der Wunsch dieser Staaten nach amerikanischer Hilfe bei der
Entwicklung einer angemessenen Verteidigungskapazität

-

sowie

unsere Bereitschaft, sich unseren Verbündeten bei der Erfüllung
dieser Erfordernisse anzuschließen.

Ein Jahrzehnt des Fortschritts
Vor acht Jahren legte das Außenministerium vor diesem Unterausschuß
die amerikanische Politik hinsichtlich des Persischen Golfs dar, nachdem
es lang und intensiv die amerikanische Politik gegenüber dieser Region
angesichts der zu Ende gehenden vertraglichen Schutzverpflichtungen
Großbritanniens überprüft hatte, die es in der Vergangenheit mit den kleineren
Staaten auf der arabischen Seite des Golfs eingegangen war. Dann richteten wir
den Blick nach vorn, um formelle Beziehungen mit drei Staaten zu entwickeln,
die ihre volle Unabhängigkeit gewonnen hatten, während wir unsere historische
Beziehung zu Oman aufrechterhielten und weiter auf unseren seit langem
bestehenden Beziehungen zu Saudi-Arabien und Kuwait aufbauten.
Die internationale Gemeinschaft blickte jedoch mit verständlicher
Sorge auf den britischen Rückzug aus dem Golfgebiet, denn
-

revolutionäre Ideologien hatten schon des längeren die herrschende
Ordnung am Golf angegriffen;

-

territoriale Streitfragen erschwerten noch die Suche nach regionaler
Zusammenarbeit;

-

ein von kommunistischer Seite unterstützter Aufstand in der
Dhofar-Provinz von Oman bewies die destabilisierende Wirkung
äußerer Intervention;
- 5 -

die

�-

die Welt fragte sich, ob so kleine und dünnbesiedelte Staaten
überhaupt die Institutionen und den National Charakter entwickeln
konnten, die erforderlich sind, um in einer unruhigen Welt allein
bestehen zu können.

Es zeigte sich, daß die kleineren GolfStaaten bei ihrer Entwicklung
zum Staatsaufbau von einem relativ ruhigen Umfeld gefördert wurden.

Ihr

großer Nachbar, Saudi-Arabien, befand sich und befindet sich weiterhin 1n
einer Periode gewaltigen nationalen Fortschritts.

Das Konzept einer engen

Zusammenarbeit zwischen den Staaten der arabischen Halbinsel entlang des
Persischen Golfs entwickelte sich ständig.

Das harmonische Verhältnis,

das die beiden größten Länder des Mittleren Ostens, der Iran und Ägypten,
zueinander sowie zu Saudi-Arabien und den anderen Golfstaaten entwickelten,
brachte eine für geordnete Entwicklung günstige Atmosphäre.
Im Rahmen dieses Umfeldes war der Fortschritt auf der arabischen
Seite des Golfs eindrucksvoll:
-

Die sieben sogenannten "Waffenstillstands-Staaten" taten sich
zusammen und formten die Vereinigten Arabischen Emirate.

Bahrein

und Katar gestalteten gemeinsam ihre nationale Identität.

Alle

kleineren GolfStaaten entwickelten eine Grundlage der Zusammenarbeit auf einer ganzen Bandbreite wirtschaftlicher, politischer
und sicherheitspolitischer Fragen sowohl untereinander als auch
mit Kuwait und Saudi-Arabien.
-

Viele der problematischen Grenzstreitigkeiten am Golf wurden
beigelegt.

-

Der Aufstand in der Dhofar-Provinz von Oman, der durch das
radikale Regime in Südjemen unterstützt wurde, fiel angesichts
des überzeugten Widerstands und des Fortschritts zur nationalen

- 6 -

�nationalen Einheit in Oman in sich zusammen.

Dabei erhielt Oman

beträchtliche Unterstützung durch seine Nachbarn.
-

Saudi-Arabien und seine Nachbarn am Golf erzielten Fortschritte
bei der Entwicklung öffentlicher Verwaltungseinrichtungen und
paßten die traditionellen Gesellschaftsstrukturen an die Erfordernisse
moderner Regierung an. In den Vereinigten Arabischen Emiraten
hat sich die Bundesversammlung zu einem konstruktiven Ausdruck
öffentlicher Meinung entwickelt. Kuwait und Bahrein haben Versuche
mit vom Volk gewählten Nationalversammlungen angestellt und haben
im Verlauf dieses Prozesses wertvolle Erfahrungen dabei gesammelt,
wie man die öffentliche Meinung konstruktiv in die Ausformulierung
nationaler Politik mit einbezieht. Kuwaits Herrscher hat soeben
ein Dekret erlassen, das den Wiederzusammentritt einer gewählten
Nationalversammlung noch vor Ende Februar fordert. Saudi-Arabien
hat die baldige Errichtung eines Konsultativrats angekündigt.

Ausnahmslos haben diese sechs Regierungen bedeutsame Schritte unternommen, um die Vorteile des ölreichtums zu nützen und das Leben ihrer
Völker zu verbessern, indem sie die elementaren menschlichen Ansprüche
befriedigen und gleichzeitig das menschliche Potential entwickeln und
die materiellen Merkmale moderner Gesellschaften ausbauen.

Das äußere Umfeld
Derzeit und künftig muß diese eindrucksvolle Liste des Fortschritts
in diesen sechs GolfStaaten jedoch abgewogen werden gegen Ereignisse in
den umliegenden Ländern, die gewaltige Auswirkungen auf diese Staaten
haben.
Dazu gehören:
- die

�- die Revolution und der Niedergang der zentralen Gewalt im Iran,
die das strategische Umfeld der anderen GolfStaaten grundlegend
verändert haben;
- die sowjetische Invasion des blockfreien Afghanistan, die die
Sicherheit ganz SUdwestasiens bedroht;
-

eine regionale Atmosphäre, In der die sowjetische, kubanische und
ostdeutsche Präsenz am Hörn von Afrika und 1m SUdjemen alte
Sorgen Über sowjetischen Druck mittels Unterstützung radikaler
Kräfte verstärkt; und

- eine Atmosphäre deutlicher Instabilität, die Innerhalb der weiteren
Region herrscht.
Die Zurückweisung langgeschätzter Traditionen zivilen Verhaltens
wird immer deutlicher. Typische Beispiele dafür sind:
- die Verletzung des Völkerrechts und der Maßstäbe zivilisierten
Verhaltens unter Staaten durch das weitere Festhalten von Diplomaten
als Geiseln im Iran;
-

die beispiellose Terrorkampagne der libyschen Führung gegenüber
Landsleuten im Ausland;

- die Gewalt im Libanon und die Schwierigkeiten beim Wiederaufbau
einer zivilen Ordnung;
-

das Erbe der Unterstützung des Irak für radikale Terrorismusgruppen;

-

die Komplexität der Suche des Irak nach nationaler Existenz,
nach seinem zukünftigen Verhältnis mit den Nachbarn am Golf sowie

�sowie seine internationale Rolle als reiches Mitglied einer Welt,
die wirtschaftlich unter Druck steht - all das hat deutlich
Auswirkungen auf die Region zur Folge;
der historische Prozeß der Friedensschließung zwischen Ägypten
und Israel, der in seiner derzeitigen Ausgestaltung Spannungen
zwischen Ägypten und anderen arabischen Staaten hervorgerufen
hat; die momentane Isolierung Ägyptens von der arabischen Welt
hat Ägypten daran gehindert, seine Rolle als stabilisierende
Kraft in anderen Teilen des Nahen und Mittleren Ostens zu spielen.
Gleichzeitig nährt unsere Verpflichtung, uns mit allen Aspekten
des Palä'stinenserproblems auseinanderzusetzen - während wir Israels
Sicherheit schützen -, Hoffnungen auf die Ruhe, die ein Friede
dem ganzen Gebiet bringen kann. Aber diese Suche ist eine Herausforderung für die Führer im Golfgebiet und auch in anderen Bereichen
des Nahen und Mittleren Ostens zur Anhebung des Niveaus an Visionen
und an Mut, die erforderlich sind, um auf dem Weg zu einem dauerhaften Frieden vorwärts zu kommen.

Der Golf heute und in Zukunft:

Bedenken, Möglichkeiten und wie wir reagieren

können.
Die Golfstaaten betrachten sich und die Welt betrachtet die Golfstaaten
mit einer bemerkenswerten Mischung aus Angst und Hoffnung.

Spannungen in

angrenzenden Gebieten haben die Sorge um die Sicherheit des Golfs vermehrt,
während der Fortschritt selbst internen Druck in der Region hervorgerufen
hat.

Die ungeheuren Rohstoffe der Region und die von ihren Führern zur

Schau gestellte Bereitschaft, sich den neuen Herausforderungen im Innern und
im Ausland zu stellen, lassen vermuten, daß diese Staaten die Fähigkeit
besitzen, ihr eignes Haus in Ordnung zu halten und gleichzeitig eine immer

�immer konstruktivere und wichtigere Rolle bei regionalen und weltweiten
Angelegenheiten zu spielen.
Wir selbst können unsere Interessen in der Region in Einklang mit den
Wünschen und Sorgen der Menschen dort verfolgen. Zu diesem Zweck müssen
wir uns ständig daran erinnern, wie unsere verschiedenen Interessen und
ihre verschiedenen Bedürfnisse sich zueinander verhalten. Es besteht zum
Beispiel eine offenkundige Beziehung zwischen der Sicherheit der Region
und ihrer Verläßlichkeit als öl versorger. Der Umfang unserer wirtschaftlichen
Beziehungen wird Einfluß auf Tempo und Qualität der Entwicklung der Golfstaaten nehmen - und dies wiederum wird die Aussicht auf Stabilität beeinflussen. Unsere Fähigkeit zur Unterstützung der Sicherheit der Region
wird sowohl durch Faktoren der Internationalen Wirtschaft als auch der
regionalen Politik beeinflußt, und die regionale Sicherheit ihrerseits
wiederum wird die Aussicht auf geordnete Entwicklung und Stabilität
erhöhen. Die Fortschritte, die wir in Richtung auf einen umfassenden
Nahostfrieden machen können, werden nicht nur die Qualität unserer Beziehung
zu diesen Staaten sta***' beeinflussen, sondern werden auch eine tiefe Wirkung
auf ihre Hoffnungen nach geordnetem Fortschritt haben.

Sicherheit und geregelter Fortschritt
Aufgrund unseres starken Interesses an der Sicherheit der Region
und der Wachsamkeit der GolfStaaten gegenüber externem und internem Druck
auf ihre Stabilität könnten wir mögliche Bedrohungen der Region als ein
Rahmenwerk für die Diskussion eines Teil der politischen Reaktion der
Vereinigten Staaten definieren und klarstellen, daß unsere Haltung
Verteidigungscharakter hat und genau auf die Empfindlichkeit und die
Souveränität der Staaten in diesem Gebiet abgestimmt ist.

- 10 -

�Direkte sowjetische Aggression
Angesichts der historischen russischen Zielsetzungen und des Expansionismus
in Richtung auf Zentralasien haben die Golfstaaten guten Grund, hinsichtlich
der Möglichkeit einer direkten sowjetischen Militärintervention besorgt zu
sein. Die sowjetische Invasion Afghanistans verleiht dieser alten Sorge
eine neue, konkrete Qualität. Die Umwälzungen im revolutionären Iran
lassen auf eine weitere, unmittelbare Möglichkeit für die Sowjets schließen,
einen direkten Zugang zum Persischen Golf und sein öl sowie einen zusätzlichen
Hebel zu erhalten, mit dessen Hilfe die innere Stabilität der Golfregion
untergraben werden kann. Die dünnbesiedelten Golfstaaten erkennen, daß
sie keine Möglichkeit zum Aufbau einer militärischen Kapazität haben, um
diesen Bedrohungen zu begegnen. Sie richten ihre Blicke auf uns, um
jenen Einhalt zu gebieten - allerdings ziehen sie es vor, daß wir dies mit
Hilfe von Schritten außerhalb der Region sowie auf eine Weise tun, die
sie selbst nur so wenig wie möglich mit einbezieht. Sie hegen die tiefe
Furcht, daß das Gebiet die Arena für eine Konfrontation zwischen den
Supermächten werden könnte.

Unsere Antwort auf die sowjetische Bedrohung muß daher eine Vielfalt
von militärischen, wirtschaftlichen und politischen Schritten beinhalten
sowie die enge Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten, unseren Freunden am
Golf sowie den Schlüsselstaaten im weiteren Umfeld der Region.
-

Wir und unsere Verbündeten haben wirtschaftliche und politische
Maßnahmen ergriffen, um den Sowjets klarzumachen, daß ihre Kosten
für die Intervention in Afghanistan Teil dieser unserer Reaktion
sind. Die Golfstaaten haben im Rahmen des Islam die internationalen
Anstrengungen angeführt, um einen sowjetischen Abzug aus Afghanistan
zu erreichen.
- Andere

- 11 -

�-

Andere Industriestaaten haben sich uns in den verstärkten Anstrengungen angeschlossen, zwei der wichtigsten angrenzenden
Staaten, nämlich die Türkei und Pakistan, zu unterstützen, die
sich größte Sorgen um die sowjetischen Absichten in der Region
machen.

-

Wir sind zudem bestrebt, den Staaten der Region eine verbesserte
eigene Verteidigungskapazität zu ermöglichen.

-

Wir haben große Opfer gebracht, um knappe Mittel in eine verstärkte,
weltweite Militärkapazität zu lenken und um auch weiterhin mit
unseren Verbündeten bei der gemeinsamen Aufgabe zusammenzuarbeiten,
ein militärisches Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, das die Sowjets
vor einer Intervention am Golf oder an anderen Stellen abschreckt.

-

Wir und unsere NATO-Verbündeten fahren mit den Maßnahmen in Europa
fort, um die westliche Stärke gegenüber den Sowjets zu erhöhen
während wir gleichzeitig Mittel und militärische Kapazitäten in
das Gebiet des Persischen Golfs lenken, um auch dort eine Abschreckungskapazität aufzubauen.

-

Wegen seiner strategischen Lage und seiner entscheidenden Rohstoffe
ist der Golf unvermeidbar ein Faktor im weltweiten Gleichgewicht.
Unsere Fähigkeit zur Aufrechterhaltung dieses Gleichgewichts
erfordert die Möglichkeit, wirkungsvoll Macht in dieser Region
darzustellen mit dem Zweck, uns Aggressoren entgegenzustellen und
die Integrität der dortigen Staaten zu gewährleisten.

-

Wir sind zu einer Sicherung des Golfs vor äußerer Einmischung
entschlossen. In seiner Botschaft über die Lage der Nation
machte dies der Präsident klar, als er sagte: "Ein Versuch durch
eine Macht von außen, die Kontrolle über die Region des Persischen

- 12 -

�Persischen Golfes zu erlangen, wird als ein Angriff auf die
lebenswichtigen Interessen der Vereingten Staaten betrachtet
werden.

Und solch ein Angriff wird durch den Einsatz aller

notwendigen Mittel, einschließlich militärischer Macht, zurückgewiesen werden."
-

Die Logistik zur Aufrechterhaltung dieser Abschreckungskapazität
erfordert die Zusammenarbeit mit den befreundeten Staaten in der
Region,

über dreißig Jahre lang haben wir am Golf Militärpräsenz

aufrechterhalten und unsere dislozierten Streitkräfte hatten
Zugang zu den logistischen Versorgungseinrichtungen.

Unsere

weitere Fähigkeit, zur Sicherheit der Region beizutragen, hängt
in hohem Maß von solchem Zugang ab.
Um diese Politik in der Region zu verwirklichen, haben wir mehrere
Initiativen ergriffen:
-

Als Reaktion auf die destabilisierende Lage und den sowjetischen
Druck in der Region allgemein haben wir unsere Flottenpräsenz im
Indischen Ozean deutlich ausgeweitet.

-

Außerdem verbessern wir unsere Möglichkeiten zum Einsatz von
Streitkräften in diesem Gebiet, indem wir die Schnellen Eingreiftruppen (RDF-Rapid Deployment Forces) organisieren und unsere
Luft- und Seetransportkapazitäten verbessern, um die RDF rascher
zu verlegen.

-

Zusätzlich haben wir begrenzten Zugang zu Luft- und Seestützpunkten in dem Gebiet erstrebt und tun dies auch jetzt noch - wie
etwa in Oman, in Kenia und in Somalia.

Auch verbessern wir Anlagen

in diesem Gebiet - wie etwa Diego Garcia.
- Diese

- 13 -

�- Diese Anlagen dienen zur Unterstützung unserer Präsenz in Friedenszeiten, zu gelegentlichen Übungen und Dislozierungen sowie dazu,
es uns zu ermöglichen, umfangreichere Streitkräfte im Bedarfsfall
in das Gebiet zu verlegen.
- Wir wollen keine Stutzpunkte. Unsere kooperativen Vereinbarungen
respektieren völlig die Souveränität der zusammenarbeitenden
Staaten und Ihrer Nachbarn. Eine solche Zusammenarbeit reflektiert
den Realismus und das strategische Verständnis der Regierungen,
die entschlossen sind, Ihre eigene Unabhängigkeit zu bewahren
und ein sicheres regionales Umfeld zu fördern.

Aggression mit sowjetischer Unterstützung
Im Laufe der Jahre verbreitete sich unter den Regierungen der Golfstaaten Sorge über die militärische Unterstützung und den politischen
Einfluß der Sowjetunion 1n radikalen Nachbarstaaten, die eine aggressive
Politik verfolgen. In den vergangenen zehn Jahren hat das marxistische
Regime im Südjemen, das von den Sowjets stark unterstützt und schwer
bewaffnet wird, Grenzgefechte mit Saudi-Arabien ausgetragen, den Aufstand
in der Dhofar-Provinz von Oman unterstützt und ist im vorigen Jahr in den
NordJemen eingedrungen. Die sowjetische Position in Äthiopien erhöht
im Zusammenhang mit der bedeutenden Rolle der Sowjets im Südjemen die
Verwundbarkeit des Zugangs über Bab-el-Mandeb und das Rote Meer und hat
die Bedenken der GolfStaaten noch vermehrt. Kubaner und Ostdeutsche bieten
den sowjetischen Bemühungen in diesem Gebiet aktive Unterstützung.
Alle sechs Staaten der Arabischen Halbinsel, die am Persischen Golf
liegen, erstreben harmonische Beziehungen zu allen ihren Nachbarn, Es
ist ihre grundlegende Politik gewesen, zwischen den arabischen und islamischen
Staaten einen Sinn für gemeinsame Zielsetzungen zu entwickeln, der keinen

- 14 -

�keinen Raum für sowjetische Intervention lä'3t.
Diese Politik unterstützt unser eigenes Bestreben, das dahin geht,
Frieden und Ruhe für die Völker am Golf zu bewahren.

Wir werden durch

Anzeichen ermutigt, daß der Irak größere Harmonie mit seinen arabischen
Nachbarn am Golf entwickelt.

Wir sind Zeuge des Auftretens einer neuen

Führung im Südjemen geworden, und wir werden mit Sorgfalt nach greifbaren
Hinweisen dafür Ausschau halten, daß er bald in Frieden, vielleicht sogar
in Zusammenarbeit mit seinen Nachbarn lebt.
Genauso wie an anderen Stellen im Mittleren Osten, so sind wir auch
hier bereit, mit anderen in dieser Region zusammenzuarbeiten, um Spannungen
zu vermindern, solange unsere Hilfe von Nutzen ist. Unsere Anstrengungen
zur politischen und militärischen Unterstützung sowie unsere Dislozierungen
in Reaktion auf den Krieg im Jemen im letzten Jahr waren ein Beweis für
diese Absicht.
Aber wenn Saudi-Arabien und seine Nachbarn am Golf vor einer von
den Sowjets unterstützten militärischen Bedrohung oder dem politischen
Druck, den eine solche Bedrohung hervorrufen kann, frei sein wollen,
brauchen sie eine moderne Verteidigungskapazität.

Unser Sicherheits-

beistand für diese Länder ist ein bedeutender Faktor für die Schaffung
dieser Kapazität und ein entscheidendes Element unserer Beziehungen zu
ihnen.

Unsere Militärpräsenz in Friedenszeiten in dieser Region ist ein

zusätzliches Element der Sicherheitsgarantie für das Gebiet.
In der Vergangenheit haben wir eine wichtige Rolle dabei gespielt,
Saudi-Arabien bei der Entwicklung einer modernen Verteidigungskapazität
behilflich zu sein.

Im Laufe der letzten zehn Jahre haben wir eine wesentliche

Rolle im Verteidigungsprogramm von Kuwait gespielt.

In den vergangener,

Jahren haben wir unsere Bereitschaft gezeigt, bei den Verteidigungserfordernissen der anderen Golfstaaten Unterstützung zu leisten.
Unsere
- 15 -

�Unsere Waffenpolitik gegenüber dieser Region steht in Einklang mit
unserer weltweiten
bereitzustellen.

Einstellung, militärische Ausrüstung und Ausbildung
Unsere Waffenverkäufe an alle sechs Staaten haben nicht

das Ziel, uns kurzfristige politische oder kommerzielle Vorteile zu
verschaffen, indem wir sie mit unpassender oder mit zu viel Ausrüstung
überhäufen, sondern haben das Ziel, ihnen bei der Erstellung einer angemessenen und wirkungsvollen nationalen Verteidigung zu helfen.

Bei dieser

Anstrengung erstreben wir keine Einzel rolle und begrüßen Beiträge unserer
industrialisierten Verbündeten und der Regierungen der Region, wie etwa
Jordaniens, die auf vielfältige Weise Beiträge leisten können.

Regionaler Konflikt
Die Atmosphäre, in der die Golfstaaten ihre Zukunft gestalten,
wird beeinflußt durch Rivalitäten, Spannungen und Gewalt im weiteren
Umfeld der Region - durch den arabisch-israelischen Konflikt, im Libanon,
in teilen Afrikas sowie, ganz in der Nähe der Region selbst, durch die
gegenwärtigen Spannungen zwischen dem Irak und dem Iran, und durch den
Druck, den der Südjemen auf seine Nachbarn ausübt.

Die Golfstaaten

erkennen deutlich die Notwendigkeit, diese Spannungen abzubauen.
eigene Politik bleibt auch weiterhin diesem Ziel verbunden.

Unsere

In manchen

Fällen können wir eine wesentliche Rolle spielen, wobei wir zeitweilig
mit den Golfstaaten zusammenarbeiten.

In anderen wiederum - wie etwa

bei den Spannungen zwischen dem Irak und dem Iran, übersteigt unsere
Sorge unsere Fähigkeit zur Beeinflussung der Ereignisse.

Wir begrüßen

jedmöglichen Einfluß, den die Golfstaaten ausüben können, um die Wurzeln
regionaler Spannungen zu beseitigen.

Von außen

- 16 -

�Von außen unterstützte Subversion und innere Bedrohungen
Kein Katalog möglicher Bedrohungen für die Golfstaaten würde ohne
die Erkenntnis vollständig sein, daß es weithin bekannte Besorgnisse
hinsichtlich der Bedrohungen von innen gibt. Daß Kräfte von außen sich
um eine Unterwanderung dieser Staaten bemühen, weiß die Öffentlichkeit.
Die Golfstaaten sehen sich aber auch einer Anzahl von Herausforderungen
gegenüber, die zum Teil gerade aus dem von ihnen erzielten Fortschritt
resultieren.
-

Der Modernisierungsprozeß als solcher bringt Veränderungen der
traditionellen Gesellschaftsformen mit sich.

-

Der große Strom ausländischer Arbeitskräfte, die für die Verwirklichung der nationalen Entwicklungsprogramme dieser Staaten
so notwendig sind, hat den Golfstaaten eine Arbeiterschaft
beschert, die sich aus mehr Ausländern denn aus "Einheimischen"
zusammensetzt. Dies hat ein langfristiges Problem von Ansprüchen
ausländischer Einwohner gegenüber der Gesellschaft zur Folge.

-

Die Führungsschicht in diesen Ländern hat hinsichtlich der
Verwendung des ölreichtums Klugheit und Anteilnahme an der menschlichen
Entwicklung gezeigt.

In den vor uns liegenden Jahren wird sie

sich jedoch wahrscheinlich einem anhaltenden inneren Druck
gegenübersehen, um den verschiedenen Teilen der Gesellschaft
einen fairen Anteil und eine bedeutungsvolle Rolle zu garantieren.
Gerade die Sicherung einer bedeutungsvollen Rolle für den ungewöhnlich großen Prozentsatz junger Menschen in diesen Gesellschaften,
von denen jeder Zugang zur Bildung hat, ist eine besonders große
Herausforderung.
-

Nachdem sie Fortschritte bei der Schaffung von Regierungsinstitutionen

- 17 -

�Regierungsinstitutionen gemacht haben, sehen sich diese Staaten
der großen Aufgabe gegenüber, einen feinfühligen Kontakt mit ihren
Völkern aufrechtzuerhalten und Einrichtungen zu entwickeln, die
die traditionelle soziale Harmonie in das moderne Zeitalter hinübertragen.
-

Seit der Revolution im Iran gab die Haltung der schiitischen
Minderheitsgruppen in vielen Gesellschaften der Golfstaaten Anlaß
zur Besorgnis.

In der Propaganda aus Teheran werden die ansässigen

Schiiten aufgefordert, gegen die monarchischen Regime in den Golfstaaten und gegen deren westliche Bindungen zu opponieren.

Die

GolfStaaten wollen annehmbare Beziehungen zu Teheran aufrechterhalten,. Sie wünschen eine Verminderung der Spannungen zwischen
den USA und dem Iran als Mittel zur Förderung der Ruhe in diesem
Gebiet.
Wir werden uns nicht in die inneren Angelegenheiten irgendeines
Landes einmischen. Wir haben jedoch - sowohl durch offizielle als auch durch
private Kanäle - eine wichtige Rolle in der wirtschaftlichen und sozialen
Entwicklung dieser Region gespielt, und wir sind bemüht, diesen Beitrag
fortzusetzen, wo immer dies gewünscht wird. Wir teilen die Ansicht dieser
Regierungen, daß ihre wirtschaftliche und soziale Entwicklung gesund sein
und in einem vernünftigen Tempo voranschreiten muß. Die Regierungen der
Golfstaaten sind sich darüber im klaren, daß wir ihre Anstrengungen zur
Schaffung politischer Institutionen begrüßen, die in wirksamer Weise dem
Wunsch ihrer Völker entsprechen, an der Gestaltung einer nationalen Politik
in einer Zeit des raschen wirtschaftlichen und sozialen Wandels teilzuhaben. Diese Regierungen verstehen, daß wir keine besondere Doktrin und
kein besonderes politisches System für sie befürworten, sondern daß wir
ihr Interesse an der Entwicklung lebensfähiger Regierungsinstitutionen
unterstützen, die zur Gewährung des Schutzes der grundlegenden Menschenrechte beitragen.

18

�Der Frieden in Nahost - Sorgen und Chancen
Das Palästinenserproblem liegt als eine schwere Last auf allen
Regierungen der Golfstaaten und auf unseren Beziehungen zu ihnen. Die
Regierungen der Staaten am Golf suchen nach einem umfassenden Frieden im
Nahen Osten auf der Basis der Resolution 242 des Sicherheitsrates der
Vereinten Nationen.

Sie alle versichern mit Nachdruck, daß es keinerlei

Friedensregelung geben könne, wenn die Rechte des palästinensischen Volkes
darin nicht verwirklicht würden, und Saudi-Arabien vor allem fühlt sich
in besonderem Maße für den künftigen Status von Jerusalem verantwortlich.
Die Regierungen dieser Staaten sind einhellig der Auffassung, daß die
Hauptgefahr für die Sicherheit des Nahen Ostens und auch für die Stabilität
der Golfregion darin liegt, daß es keinen Frieden im Nahen Osten gibt.
Sie sehen in den Spannungen und Entfremdungen, wie sie durch den dreißigjährigen Konflikt zwischen den Arabern und Israelis geschaffen wurden, die
Hauptursache für den sowjetischen Einfluß in diesem Gebiet, durch den es
zu Revolutionen und radikalen politischen Strömungen im Nahen Osten
kommt und der das Haupthindernis für die Entwicklung von festen Beziehungen
zu den Vereinigten Staaten bildet, deren Entwicklung ihre nationalen
Interessen sonst fordern würden.
In den vergangenen beiden Jahren haben die Golfstaaten mit Ausnahme
Omans die von uns gegenüber den Friedensverhandlungen eingenommene Haltung
abgelehnt.

Selbst Oman hat vor kurzem öffentlich erklärt, daß die weiteren

Verhandlungen über die Autonomie der Palästinenser "eingestellt" werden
sollten, wenn Israel sich weigert, seine Bemühungen um die Konsolidierung
seiner Kontrolle über den im Juni 1967 besetzten Ostteil Jerusalems
einzustellen.

Die Golfstaaten sind ganz allgemein skeptisch, daß die

gemäß den Übereinkommen von Camp David geführten Verhandlungen zu einem
umfassenden Frieden führen könnten. Wir beabsichtigen mit ihnen in
engem Kontakt zu bleiben. Alle diese Staaten verstehen den unbedingten

- 19 -

�unbedingten Einsatz der Vereinigten Staaten für eine entschlossene Fortsetzung des Friedensprozesses und unsere einzigartige Befähigung unter
den ausländischen Mächten, einen Einfluß auf die Ereignisse zu nehmen.
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Das arabisch-israelische Problem ist das eindringlichste Beispiel
für die innere Verflechtung von Sorge und Hoffnung in den GolfStaaten.
Aber wenn es uns gelingt, auf dem Weg des Friedens recht bald in Zusammenarbeit mit den GolfStaaten weiter voranzuschreiten, dann können wir dabei
aus einer Gefahr eine Chance werden lassen. Denn der Fortschritt zum
Frieden wird die Sicherheit und die innere Ruhe am Golf stärken.

Er wird

die Qualität unserer gesamten Beziehungen zu dem Gebiet verbessern.

Und

durch ihn können enorme Ressourcen am Golf freigesetzt werden, um die
internationalen Anstrengungen zur Verbesserung der Lebensbedingungen für
alle Menschen im Nahen Osten und in den Gebieten darüber hinaus zu fördern,
Als letzten Punkt möchte ich hervorheben, daß eine Lösung des arabischisraelischen Problems zwar vielleicht nicht zur Bereinigung aller Probleme
am Persischen Golf führen wird, daß sie aber als ein sichtbarer Fortschritt
in dem Bemühen um eine solche Lösung doch erheblich zur Verfolgung unserer
Golfpolitik in aktiver Harmonie mit den Staaten dieser Region beitragen
würde.

Die wirtschaftlichen Probleme
Unsere Politik und unsere Beziehungen sind ausgerichtet auf den
Gesamtkomplex dieser Ländern, die eine wichtige Rolle bei einigen der
drängendsten Wirtschaftsprobleme, denen sich die Weltgemeinschaft gegenübersieht, spielen und weiterhin spielen werden.

Energie

- 20 -

�Energie
Diese sechs Golfstaaten liefern zur Zeit fast die Hälfte des Öls, das
die freie Welt importiert,, Da ihre Aufnahmekapazität, zumindest kurzfristig, begrenzt ist im Verhältnis zu ihren gewaltigen ölreserven, verfügen sie in ihrer Produktionspolitik über eine beachtliche Flexibilität. Da
das öl fast ausschließlich der Grundquell für ihre Volkswirtschaften ist,
sehen sie sich im eigenen Lande einem immer stärker werdenden Druck
gegenüber, dieses kostbare nationale Erbe sparsam zu verwalten„ Gerade
diese Länder standen im allgemeinen auf der Seite der Gemäßigten bei
den Preisdebatten der OPEC, und sie zeigten sich geneigt, mehr zu produzieren
als sie für Ausgaben im eigenen Lande brauchten, um dem internationalen
Bedarf entsprechend einen Beitrag zu leisten.
Vor allem Saudi-Arabien, der bei weitem größte Produzent, ist durch
sein Verantwortungsbewußtsein hervorgetreten, das es der Weltwirtschaft
gegenüber sowohl in seiner Preis- wie Produktionspolitik gezeigt hat.
Es ist für die Vereinigten Staaten und die Welt ganz allgemein eine
Frage von entscheidender Bedeutung in diesem Jahrzehnt, wie eng oder weit
diese öl produzierenden Länder den Begriff ihrer wirtschaftlichen Interessen
bei ihren Überlegungen über Produktions- und Preisentscheidungen fassen.
Angesichts der angespannten Energieversorgungslage, die wir für dieses
Jahrzehnt erwarten, wird weiterhin die Notwendigkeit bestehen, Mittel und
Wege zu finden, um diese Förderländer zur Beibehaltung ihrer Produktion
zu ermutigen. Wir haben mit ihnen in den letzten Jahren in stetigem
Meinungsaustausch über die Energiefragen und ihre Auswirkungen auf die
Beziehungen zur Weltwirtschaft gestanden. Wir bemühen uns, diesen Dialog
zu vertiefen, um ein stärkeres Gefühl für die gemeinsame Verantwortung
der wichtigsten Erzeuger- und Verbraucherländer für einen geordneten
Übergang zu einer weniger auf öl als Energiequelle angewiesenen Welt zu
entwickeln. So wie sich dieser Dialog im Verlauf des vergangenen Jahres

- 21 -

�Jahres gestaltet hat, muß man hervorheben, daß die ölstaaten am Persischen
Golf die Anstrengungen sehr begrüßt haben, die wir unternehmen, um unsere
Abhängigkeit vom Importöl zu verringern und daß sie uns gedrängt haben,
in dieser Hinsicht noch erheblich mehr zu tun.

Internationale Finanzen
Die amtlichen Auslandsguthaben dieser Golfstaaten betragen heute
insgesamt über 140 Milliarden Dollar und wachsen so rasch, wie diese
Staaten mehr öl fördern als sie für die Deckung Ihrer laufenden Ausgaben
im eigenen Lande brauchen.
Die Golfstaaten haben bei der Investition ihrer überschüssigen
Guthaben verantwortungsbewußt gehandelt, aber so gewaltige Summen bringen
eine Reihe von Problemen für die internationale Wirtschaft mit sich:
- die Schwierigkeit der Aufrechterhaltung des Wachstums der Weltwirtschaft mit finanzieller Stabilität angesichts des massiven
Transfers von Ressourcen aus demokratischen Industrieländern
und der Entwicklungswelt in die öl erzeugenden Länder;
- die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung ausreichender Chancen für
die Investitionen der GolfStaaten in den Vereinigten Staaten und
in anderen Ländern;
- die Notwendigkeit der Stabilität des internationalen Finanzsystems
und der Aufrechterhaltung des Vertrauens seitens der Investoren; und
- das Problem der Befriedigung der Ansprüche jener Entwicklungsländer, die in zunehmendem Maße überfordert sind, ihre ölrechnung
zu bezahlen.
Wir
- 22

�Wir konsultieren uns in einer Vielfalt von Gremien mit den wichtigsten
Golfländern über diese Probleme und andere finanzielle Fragen.

Sie sind

zu wichtigen und konstruktiven Mitgliedern der internationalen Hnanzgemeinschaft geworden.

Wir versuchen, sie zu stärkerer Beteiligung zu

ermutigen, einschließlich einer größeren Anerkennung der Notwendigkeit
für die reichen ölerzeuger, einen größeren Anteil an der Aufgabe zu übernehmen, den ärmeren Ländern dabei zu helfen, ihre großen Zahlungsbilanzdefizite durch Vorzugshilfe und direkte Kredite zu finanzieren.

Internationale Entwicklung
Saudi-Arabien, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar
haben gemeinsam über 20 Milliarden Dollar an Wirtschaftshilfe für Entwicklungsländer in der arabischen Welt und darüber hinaus zugesagt, einschließlich
von etwa 5 Milliarden Dollar zur Unterstützung einer Vielfalt regionaler,
OPEC-bezogener und internationaler Krediteinrichtungen.

Sie wenden rund

fünf Prozent ihres Bruttosozialprodukts für Anleihen für die wirtschaftliche
Entwicklung auf.

Wir versuchen, eng mit ihnen zusammenzuarbeiten in einer

gemeinsamen Anstrengung, Drittländern zu helfen.

Im kommenden Jahrzehnt

bietet sich ein weiter Bereich für eine noch engere Zusammenarbeit, in
einigen Fällen in der Kombination amerikanischer und anderer westlicher
Technologie mit der Finanzkraft der Golfstaaten im Verfolg konstruktiver
Entwicklungsprojekte in bedürftigen Ländern, einschließlich derer Unterstützung beim Ausbau von Energiequellen.

Handel
Die amerikanischen Exporte nach diesen sechs GolfStaaten übersteigen
heute 7 Milliarden Dollar pro Jahr und stellen die Hälfte unserer Lieferungen
nach dem Mittleren Osten dar.

Unsere Verkäufe an diese Länder schaffen

- 23 -

�schaffen Arbeitsplätze für etwa eine Viertelmillion Amerikaner.

Jedoch

wegen unserer Abhängigkeit vom Golföl und dem raschen Anstieg der öl preise
sind wir im vorigen Jahr in ein Handelsdefizit von 4 Milliarden Dollar mit
diesen Ländern geraten und rechnen damit, daß dieses Defizit in diesem Jahr
noch höher sein wird.
Amerikanische Exporteure halten derzeit über ein Sechstel des
Marktes in diesen Ländern und in Saudi-Arabien sogar ein Fünftel.

Aber

wir müssen weiterhin mit außerordentlich harter Konkurrenz seitens anderer
demokratischer Industriestaaten undaniger Entwicklungsländer rechnen, wenn
wir uns anstrengen, unsere Verkäufe zu halten und zu steigern»

Es gibt

eine Reihe wichtiger politischer Fragen unter der allgemeinen Überschrift
"Export-Abschreckungen", mit der sich die Administration und der Kongreß
weiterhin befassen müssen, wenn wir unser nationales Interesse an der
Ausweitung der kommerziellen Bindungen in dieser Region weiterverfolgen
wollen.

Technologie Transfer
Wir können Befriedigung aus der Rolle amerikanischer Privatleute
bei der Entwicklung der Ölindustrie der Golfregion ziehen, wurde dadurch
doch das Nötigste für die bemerkenswerte Verbesserung der Lebensbedingungen
der Menschen am Golf bereitgestellt. Amerikanische Technologie trägt auch
weiterhin auf einer großen Bandbreite von Aktivitäten zur Entwicklung bei.
Derzeit arbeiten rund 30 000 amerikanische Privatpersonen in Saudi-Arabien
und den anderen GolfStaaten und tragen dadurch zur geordneten Entwicklung
dieser Gesellschaften bei. Es liegt in unserem Interesse und steht in
Einklang mit anderen nationalen Politiken, zu noch stärkerer amerikanischer
Beteiligung zu ermuntern.
Seit

- 24 -

�Seit langem schon gibt es eine offizielle amerikanische Beteiligung
an der Entwicklung von Saudi-Arabien durch die Tätigkeiten des ame^'kanisehen
Vermessungsamtes und des US-Pionierkorps,

In den vergangenen Jahren haben

wir unsere offizielle Beteiligung im Rahmen der Gemeinsamen amerikanischsaudiarabischen Wirtschaftskommission beträchtlich ausgeweitet, die der
Regierung von Saudi-Arabien auf der Basis umfassender Entschädigung ihre
Erfahrungen zur Verfügung stellt.

Es gibt derzeit 20 Projekte dieser

Gemeinsamen Kommission in solchen Bereichen wie Planung von Wasserreservoiren,
Sonnenenergie, Berufsausbildung, Straßenbau, Meerwasserentsalzung, Datenverarbeitung und Informationsdienste im Finanzbereich.
Wir haben kürzlich eine Gemeinsame amerikanisch-omanische Wirtschaftskommission ins Leben gerufen, die sich ebenfalls auf technische Hilfe für
Entwicklungsprojekte konzentrieren wird. Die Vereinigten Staaten beabsichtigen,
gemeinsam mit dem Oman zur Finanzierung der Aktivitäten dieser Kommission
beizutragen, die wir als wichtigsten Teil der expandierenden wirtschaftlichen
Zusammenarbeit ansehen.
Seit einigen Jahren ist unser Friedenskorps in Oman tätig - genau wie
bis vor kurzem in Bahrein, Auch dort haben wir eine Anzahl von Experten auf
der Grundlage der Kostenteilung zur Verfügung gestellt.
In anderen Golfstaaten haben wir über eine Vielfalt von Wegen auf
die Bitte der Gastregierungen hin amerikanische Regierungsfachleute zur
Verfügung gestellt„ In den letzten Jahren war das Handels- und Entwicklungsprogramm des Internationalen Amtes für Entwicklung und Zusammenarbeit
(IDCA^ ein wirkungsvoller Mechanismus zur Förderung dieses Technologietransfers.
Es ist unsere Politik, immer dort behilflich zu sein, wo Gastregierungen
wünschen, daß offizielle amerikanische Erfahrung für ihre Entwicklungsprogramme
verfügbar gemacht wird.

Es ist jedoch unsere klare Erkenntnis, daß in Zukunft

- 25 -

�Zukunft wie in der Vergangenheit unser Privatsektor die führende amerikanische
Rolle dabei spielen wird, den Gesellschaften am Golf dabei behilflich zu
sein, ihre Hoffnungen auf Entwicklung zu erfüllen.

Beziehungen in Bildung und Kultur
Im vergangenen Jahrzehnt haben sich sowohl die offiziellen als auch
die privaten amerikanischen kulturellen und bildungsbezogenen Bande mit
den Ländern am Golf stark vertieft. Heute gibt es an den amerikanischen
höheren Bildungsstätten über 15 000 Studenten aus dem Bereich der Arabischen
Halbinsel.

Der Besucheraustausch öffentlicher und privater Fachleute aus

den Bereichen Bildung und Kultur hat deutlich zugenommen.

In unserer

Politik gegenüber der Golfregion erkennen wir deutlich die Notwendigkeit
nach fortgesetzter Förderung dieser Beziehungen. Unsere anhaltenden
Anstrengungen zur Entwicklung verstärkter Beziehungen zu den GolfStaaten
werden großen Nutzen aus dem Verständnis und den Bindungen ziehen, die
sich aus der Erfahrung der Studenten aus diesen Ländern an unseren
Universitäten herausbilden.

Die Bedeutung dieser Region für die Vereinigten

Staaten heute und in Zukunft macht in unserer Gesellschaft ein besseres
Verständnis für die Kultur und für die Wünsche der Menschen am Golf
erforderlich.

Das sich entwickelnde Verhältnis
Während wir bestrebt sind, unsere Beziehungen zu Saudi-Arabien
und dessen arabischen Nachbarn am Golf in einer Weise auszubauen, die
für alle Seiten von Nutzen sind, sind wir uns zugleich der Tatsache
bewußt, daß der Verfolg jeder unserer Interessen - Sicherheit, Frieden,
Energie, wirtschaftliche Entwicklung, Zusammenarbeit im Finanzbereich,
Handel und Kultur - Auswirkungen auf Aussichten der jeweils anderen

- 26 -

�anderen Interessen hat. Deshalb werden wir auch weiterhin in unseren
Beziehungen ein Gleichgewicht anstreben, das die Gesamtheit unserer
eigenen Interessen und die umfassenden Charakteristika der GolfStaaten
widerspiegelt.
Weder wir noch unsere Freunde in den GolfStaaten unterschätzen die
Probleme, die vor uns liegen und die Schwierigkeit der Fragen, die unsere
sich ausweitenden Beziehungen angehen müssen. Im Gegenteil: wir erkennen,
daß wir uns um Sicherheit und Stabilität angesichts komplexer und sich
überschneidender Problemstellungen in einer Region bemühen, deren weitere
Unabhängigkeit und geordneter Fortschritt in unserem ureigensten Interesse
liegen. Auf der Grundlage des bisher erzielten Fortschritts glauben wir
jedoch, auch weiterhin mit jedem dieser Länder eine gefestigte und enge
Beziehung knüpfen zu können und zwar auf eine Weise, die in zunehmendem
Maß den Interessen unseres Volkes und auch denen der Weltgemeinschaft
insgesamt dienen werden.

+ + + + +

- 27 -

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

41

17. September 1980

STAATSSEKRETÄR JOHN C. SAWHILL LEITET "SYNTHETIC FUELS CORPORATION"

- (AD) - Präsident Carter hat John C. Sawhill, seit 1979 Staatssekretär
für Energie im US-Energieministerium, zum Vorsitzenden der mit dem Energiesicherungsgesetz 1980 neu geschaffenen "Synthetic Fuels Corporation" (SFC)
nominiert. Auch die sechs anderen Mitglieder des Direktoriums der unabhängigen staatlichen Gesellschaft, die den Aufbau einer privatwirtschaftlichen
Industrie zur Erzeugung von Synthese-Brennstoffen beschleunigt in Gang setzen
und qualifizierte Projekte fördern soll, wurden inzwischen nominiert. Sie
müssen nun vom Kongreß bestätigt werden.
Die SFC hat die Aufgabe, die großtechnische Produktion von Brennstoffen
aus Kohle, Ölschiefer, Teersand, Biomasse und anderen Energiequellen zur
Substitution von Erdöl zu finanzieren.

Dies geschieht vor allem durch Kredite,

Kreditbürgschaften, Abnahme- und Preisgarantien an die Privatwirtschaft. Der
US-Kongreß bewilligte bereits 20 Milliarden von insgesamt 88 Milliarden Dollar,
die Präsident Carter für das in den nächsten 12 Jahren in mehreren Stufen zu
realisierende Programm vorgesehen hat.

Die "Synthetic Fuels Corporation" soll,

wie der Präsident erklärte, "einen Grundpfeiler der nationalen Energiepolitik"
und "unser wichtigstes Instrument" zur Verringerung der Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von Importöl bilden.
+ + + + +

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�Wi//en/ch&lt;ift
und Technik

I a

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41

17. September 1980

100 MILLIONEN DOLLAR FÜR WINDENERGIE-FORSCHUNG

- (AD) - Ein Gesetz über die Bereitstellung von 100 Millionen Dollar im
Haushaltjahr 1980/81 für ein neues Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsprogramm "zur beschleunigten Nutzbarmachung von Windenergie" wurde von
Präsident Carter unterzeichnet.

(Im Jahr 1979/80 lagen die Regierungsaufwen-

dungen für solche Projekte bei 60 Millionen Dollar.)

Damit soll erreicht

werden, daß schon im Jahr 1988 Windkraftwerke mit einer Kapazität von insgesamt 800 Megawatt verfügbar sind.

Ca. 700 Megawatt sollen aus großen Genera-

toranlagen mit Kapazitäten von jeweils mehr als 100 Kilowatt, die restlichen
100 Megawatt von kleinen Windkraftwerken kommen.

Mit Hilfe des Programms will

man außerdem die Stromkosten von Windenergie soweit senken, daß sie mit den
Stromkosten bei der Anwendung konventioneller Produktionsverfahren konkurrieren können.

Gleichzeitig sollen der Privatwirtschaft Anreize gegeben werden,

sich stärker auf dem Sektor "Windenergie" zu engagieren.
Windkraft ist nur eine von verschiedenen Formen der Sonnenenergie, die
nach dem Nationalen Energieprogramm der USA im Jahr 2000 etwa 20 Prozent des
amerikanischen Energiebedarfs decken soll. Gegenwärtig liegt in den Vereinigten Staaten der Anteil der Windkraft an der gesamten Energieproduktion bei knapp
einem Prozent.

Er könnte sich nach Ansicht von Regierungsvertretern noch inner-

halb dieses Jahrzehnts verdoppeln und bis Ende des Jahrhunderts auf acht bis

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�bis zehn Prozent anwachsen.
"für

Die Bereitschaft von Bürgern, Windkraftanlagen

den Hausgebrauch" zu installieren, unterstützt der Staat mit Steuerver-

günstigungen, wodurch die Anschaffungskosten bis zu 40 Prozent reduziert werden.

Die elektrische Leistung der modernen Windmühlen liegt im Durchschnitt

bei 1,5 Kilowatt.

Hausbesitzer und Farmer machen, sofern sie in windreichen

Gegenden oder am Rande oder außerhalb großer Ortschaften leben, in zunehmendem Maße von den vorhandenen Angeboten Gebrauch.

Das Problem der Gerä'usch-

belä'stigung durch den Windmühlenpropeller ist allerdings noch nicht gelöst.
Und viele Bürger wehren sich dagegen, daß das Landschaftsbild durch die Errichtung von zu vielen Windkraftwerken verdorben wird.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA: Amerikanisch-iranische Probleme sollten neu überdacht werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schreiben Muskies an den neuen iranischen Ministerpräsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vest erläutert Anstrengungen zur Bewältigung bevorstehender Herausforderungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Unterstaatssekretärs für europäische Angelegenheiten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinigten Staaten und die Arabische Halbinsel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Unterstaatssekretär Saunders nimmt vor Repräsentantenhaus Stellung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Staatssekretär John C. Sawhill leitet "Synthetic Fuels Corporation"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;100 Millionen Dollar für Windenergie-Forschung</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. September 1980

42

INHALT

DOKUMENTATION
Außenminister Muskie hebt starke Verteidigungsposition der USA hervor
- Wortlaut der Ansprache in Pittsburgh Muskie:

Ein Nuklearkonflikt ist kein Instrument der Politik

- Erklärung vor dem außenpolitischen Senatsausschuß Botschafter Kampelman:

KSZE-Prozeß muß fortgesetzt werden

- Erklärung auf dem Vorbereitungstreffen in Madrid -

HINTERGRUNDMATERIAL
Bericht "Welt im Jahr 2000" vor Kongreßausschuß
- Empfehlungen an US-Präsidenten werden vorbereitet

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Teersandaufbereitung - wirtschaftlicher und umweltschonend

Um Übcf/cndung von
ßcIcgcHcmplarcn wird
gebeten

Postfach 20 03 OO
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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Ijüiai ßtr
iii

a

Dokumentation

(*i

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42

24. September 1980

AUSSENMINISTER MUSKIE HEBT STARKE VERTEIDIGUNGSPOSITION DER USA HERVOR
- Wortlaut der Ansprache in Pittsburgh -

PITTSBURGH - (AD) - Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie hat am
18. September 1980 vor dem Rat für weltpolitische Fragen in Pittsburgh erklärt,
daß die Verteidigungsposition der Vereinigten Staaten aufgrund der ständigen
Verbesserung ihrer Streitkräfte stark sei und immer stärker werde.

Die Ansprache des Außenministers hat folgenden Wortlaut:

Während dieser Zeit der Behauptungen und Gegenbehauptungen ist es nützlich }sich eine Geschichte ins Gedächtnis zurückzurufen, die Abraham Lincoln
zu erzählen pflegte.

Wenn die Diskussionen in seinem Büro den Siedepunkt erreicht hatten,
unterbrach er die Erörterungen, um die Geschichte von dem Jäger zu erzählen,
der sich im Walde verirrt hatte, als ein schwerer Sturm losbrach.

Der hef-

tige Sturm machte es dem Jäger nahezu unmöglich, zu sehen, wohin er ging.
Dann brach die Nacht herein,so daß der Jäger sowohl mit der Finsternis als
auch mit dem heftigen Regen zu kämpfen hatte.

Der Donner war ohrenbetäubend.

Nur gelegentliche Blitze wiesen ihm den Weg.
Schließlich

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�Schließlich fiel der Jäger, durchnäßt und ermüdet, auf die Knie, um zu
beten. "Wenn es Dir nichts ausmacht, Herr," so sagte er, "dann wäre ich dankbar für etwas weniger Lärm und etwas mehr Licht."
In diesem Geiste möchte ich heute hier zu Ihnen sprechen.
In den vergangenen Monaten war die Atmosphäre ungewöhnlich dick von Erklärungen über eine Abnahme der militärischen Stärke der USA.
solche Grabgesänge nicht einstimmen.
nicht den Tatsachen.

Wir können in

Denn sie sind falsch und entsprechen

Und sie können, was ihre Auswirkung anbetrifft, gefähr-

lich sein.
Ich bin heute hier, um mich nachdrücklich mit diesen Predigern der amerikanischen Schwäche auseinanderzusetzen und um zu bekräftigen, daß Amerika heute
stark ist und immer stärker wird.
Wenn unser Land wirklich seine Verteidigung vernachlässigen würde, dann
wäre es die Pflicht aller informierten Leute, Alarm zu schlagen.

Aber falsche

Erklärungen, in denen von Schwäche die Rede ist, intensivieren nur die Gefahren, vor denen wir stehen.

Sie können dazu führen, daß unsere Freunde an

uns zweifeln und unsere Feinde uns falsch einschätzen.

Sie können von ande-

ren Anstrengungen ablenken, die notwendig sind, um unsere Gesellschaft stärker
und unsere Welt sicherer zu machen.
Wollen wir also unsere Verteidigungsposition bewerten, aber in fairer
Weise.

Wollen wir das Gleichgewicht zwischen Ost und West realistisch ab-

wägen.

Und wollen wir unsere eigene Stärke wie die unseres Gegners in ange-

messener Weise betrachten.
Unsere Verbündeten sind stärker, unsere Bündnisse fester als die der
Sowjetunion.

An wirtschaftlicher Kraft übertreffen die Vereinigten Staaten

und unsere NATO-Verbündeten den Warschauer Pakt im Verhältnis zwei zu eins.
Insgesamt verwenden wir mehr auf die Verteidigung als der Warschauer Pakt,
die Sowjetunion eingeschlossen.

Hin7u

�Hinzu kommt für unsere Bündnisse die Verläßlichkeit, die entsteht, wer»
Wertvorstellungen und Zielsetzungen gemeinsam getragen werden

anders als

beim Warschauer Pakt sind die NATO-Mitglieder sowie J a p ^ Verbündete
gener Wahl.

aus ei-

Der Zweck unserer Bündnisse ist nicht d^e Verschleierung der Am-

bitionen eines einzelnen Mitglieds, sondern die Verteidigung der

aiheit

aller.
Mindestens ein Viertel der Landstreitkräfte der Sowjetunion sind an der
langen gemeinsamen Grenze mit China gebunden.

Die Nationen an unseren Gren-

zen sind Freunde.
Technologie ist ein weiterer amerikanischer Vorteil. "Schneller" / G e nauer", "Moderner" - dies sind allgemein Begriffe, die auf amerikanische
Waffen und Systeme zutreffen. Die sowjetische Technologie ist hinter uns
zurückgeblieben.
Und unsere Sicherheit wird ferner gefördert durch den Inhalt unserer
Außenpolitik - durch die internationalen Prinzipien, die wir unterstützen.
Auf globaler Basis stehen wir ein für die Grundgebote der nationalen Souveränität und der Menschenrechte. Gewiß leben wir in einer tumultuarisehen
Welt, die durch einen ungestümen Nationalismus und durch hochfliegende menschliche Erwartungen in über hundert neuentstandenen Nationen gekennzeichnet
ist. Aber wenn eine solche uns umgebende Welt für uns verwirrend und beunruhigend ist, so wird sie sich noch als weitaus gefährliche^ für die Nationen erweisen, die versuchen, andere zu beherrschen und ihnen ihr System aufzuzwingen. Solche Ideen des Imperialismus gehören der Vergangenheit an,
Sie kollidieren frontal mit den historischen Trends, die heute faktisch überall auf der Welt wirksam sind - von den Patrioten in Afghanistan bis zu den
Nationalisten in jeder Nation der Dritten Welt, von den demokratischen Kräften in Zimbabwe bis zu den tapferen Arbeitern in Polen, die uns alle angespornt haben.
Kurzum:

unsere Technologie, unsere soliden Sicherheitspartnerschaften,

unsere Identifizierung mit nationaler Unabhängigkeit und menschlicher Frei- 3 -

�Freiheit - alle diese Aktivposten sollten unser Vertrauen stärken, wenn wir
uns fragen, ob unsere Verteidigung ausreichend ist.
Sie geben uns jedoch keinen Grund zur Selbstzufriedenheit.
Unsere militärische Position erfordert weiterhin unsere größte Aufmerksamkeit.
Mit der Sowjetunion steht uns ein Rivale gegenüber, der seit über einer
Generation dabei ist, seine militärischen Streitkräfte - sowohl die konventionellen als auch die strategischen - ständig weiter auszubauen.
Bei den strategischen nuklearen Streitkräften haben die Sowjets etwa
die Gleichwertigkeit erreicht. Auf konventionellem Gebiet haben sie die Gefahr für unsere asiatischen und europäischen Verbündeten vermehrt.

Sie haben

den Status einer globalen Macht angestrebt - die Kapazität zur direkten Einmischung selbst in entfernten Regionen.

Und wie in Afghanistan haben sie

auch nicht gezögert, ihre Macht anzuwenden, in einem brutalen Versuch, einen
souveränen Nachbarstaat zu unterdrücken.
Die Frage, vor der wir Amerikaner stehen, ist nicht, ob wir auf diese
Entwicklungen reagieren sollten. Alle sind sich einig, daß wir das müssen.
Die eigentliche Frage ist, ob wir weitermachen wollen mit einer wohldurchdachten und abgewogenen Reaktion, angepaßt den wirklichen Bedrohungen,
denen wir uns gegenübersehen - oder ob wir wild in alle Richtungen zugleich
losstürmen werden und dabei weitaus größere Summen für einen geringen - wenn
überhaupt einen - Effekt ausgeben wollen.
Lassen Sie mich einen kurzen Überblick darüber geben, wie die Reaktion
bisher gewesen ist.
Insgesamt gesehen sind die Ausgaben für unsere Rüstung nicht länger rück
läufig.

Unsere
- 4 -

�Unsere Verteidigungsausgaben sanken in den sieben oder acht Jahren,unmittel bar

bevor Präsident Carter sein Amt übernahm, und zwar insgesamt um

mehr als 37 Prozent.

Seit der Amtseinführung Präsident Carters jedoch sind die Verteidigungsausgaben vier Jahre nacheinander gestiegen - ein Gesamtanstieg von zehn Prozent, nach Abzug der Inflationsrate.

Und wenn der Fünf-Jahresplan des Prä-

sidenten durchgeführt sein wird, wird der Zuwachs bis 1985 über 27 Prozent
hinausgehen.

Aber selbst hierbei gibt es manche, die erklären, daß diese Anstrengung
nicht ausreiche.

Sie bestehen auf einem noch größeren Rüstungsbudget.

Sie wollen uns jedoch nicht sagen, was in ihm enthalten sein soll.
se Entscheidungen lassen sie für später.

Die-

Sie wollen einfach "mehr" - was

auch immer, ganz als ob das Einsacken des Geldes der Steuerzahler ein erstrebenswerter Endzweck sei.

Das aber ist nicht die Formel für größere Sicherheit, sondern für garantierte Verschwendung - ein Fehler, wie er bei der Verteidigung genauso vermieden werden sollte wie in allen anderen Sparten des Haushaltsplanes.

Was wir brauchen, ist dagegen ein sorgfältig strukturiertes Verteidigungsprogramm, das in wirkungsvoller Weise den spezifischen Gefahren entspricht.
Und das haben wir.

Bei den konventionellen Streitkräften begann die Carter-Administration
sich 1977 unverzüglich mit den militärischen Schwächen der NATO zu befassen
- Fragen, denen man vorher zwar überreichlich Erörterungen, aber nur herzlich
wenig konkrete Beachtung gewidmet hatte.

Heute steht das Langfristige Verteidigungsprogramm der NATO - eine Initiative Amerikas - in seinem dritten Jahr.

Probleme, die von der Einsatzbe-

reitschaft und raschen Verstärkung bis zur integrierten Luftverteidigung rei- 5-

�reichen, werden nicht länger mehr nur einfach geprüft, sondern sie wurden
gelöst.
Diese Verbesserungen in der NATO werden getragen von einem übereinkommen
des Bündnisses, die Verteidigungsausgaben in jedem Jahr um mindestens drei
Prozent zu erhöhen - eine weitere Initiative der Vereinigten Staaten.
Wir sind dabei, die Waffen und die Ausrüstung des Heeres auf breiter
Basis zu modernisieren.

Wir haben mit der ersten großangelegten Modernisie-

rung der taktischen Luftstreitkräfte seit den Tagen des Vietnamkrieges begonnen.

Unser Schiffbauprogramm wird im Verlauf der nächsten fünf Jahre 97

neue Schiffe erstellen zum Aufbau einer neueren und leistungsfähigeren Flotte
von 550 Schiffen, im Gegensatz zu den 476 Schiffen im Jahre 1977.
Zusammen mit der Fortentwicklung dieser Programme haben wir auch damit
begonnen, unsere Fähigkeit zu verbessern, auf Krisensituationen außerhalb
der wichtigsten Bündnisregionen zu reagieren, dazu gehört auch das lebenswichtige Gebiet Nahost-Persischer Golf.

Unsere Flottenpräsenz dort ist die

stärkste seit je. Wir haben neue Abkommen über den Zugang zu Häfen und
Flugplätzen ausgehandelt.

Im Gebiet des Indischen Ozeans schaffen wir Ar-

senale für vorausgelagertes Gerät und Nachschubmaterial.
flugzeug wird entwickelt.

Ein neues Transport-

Die Einheiten für eine schnelle Eingreifgruppe

sind aufgestellt, und Einsatzübungen sind im Gange.
In unseren Programmen auf dem Gebiet der Kernwaffen spiegelt sich dieses
gleiche Eintreten für die Abschreckung vor einem Krieg durch die Gewißheit
der Stärke wider.
Im vergangenen Jahr hat die NATO unsere Empfehlungen zur Modernisierung
der nuklearen Mittel Streckenwaffen (TNF) angenommen.
Bei den Interkontinentalraketen oder strategischen nuklearen Streitkräften sind die harten Entscheidungen gefallen. Eine durchgreifende Modernisierung aller drei Elemente unserer nuklearen Triade - zu Land, zur See und in
der Luft - geht voran.
_ ,,
- 6 -

�- Was die strategischen Bomberverbände anbetrifft, so hat Präsident
Carter hier den vernünftigsten Weg eingeschlagen, auch wenn damit harte politische Debatten verbunden waren.

Statt Milliarden Dollar in den B-1-Bomber

mit einer zweifelhaften Zukunft zu stecken, beschloß er, unsere vorhandenen
Bomber mit luftgestützten Marschflugkörpern (ALCM) auszurüsten.

An Steile

der alten Konzeption, die im hohen Maße verwundbar gegenüber sowjetischen
Abwehrmaßnahmen war, wählte er einen Komplex fortschrittlichster Technologien, die alle vorhersehbaren sowjetischen Verteidigungsmaßnahmen überwinden
können.

- Zur See wurde das Trident-Unterseebootprogramm wieder aufgenommen.
Das erste dieser modernen U-Boote wird sich im kommenden Jahr in die Flotte
eingliedern.

Teile der bestehenden Flotte verfügen bereits über die Trident-

I-Rakete mit wesentlichen Verbesserungen hinsichtlich Reichweite und Stärke,
- Und zu Lande wird die neue MX-Rakete - auf mobiler Basis - die Hauptquelle einer potentiellen nuklearen Instabilität beseitigen:
Verwundbarkeit unserer verbunkerten Raketen.

die zunehmende

Wie bei unser Bomberflotte

verwarf Präsident Carter auch hier alle zweitbesten Vorschläge und vergewisserte sich, daß wir über den besten Plan verfügten, ehe mit der Konstruktion begonnen wurde - so daß wir weder Zeit noch Geld für die spätere Beseitigung von Fehlern zu vergeuden haben.

Zusammen mit diesen Programmen - Marschflugkörper, Trident, MX - gibt er
ein viertes Programm, das ich erwähnen möchte - eine "Geheimwaffe", wenn S'e
so wollen.

Lassen Sie mich einiges davon ausführen, was diese vermag.

Diese Geheimwaffe ganz allein schon würde etwa ein Viertel aller sowjetischen Langstreckenraketen und -bomber ausschalten, mit denen wir bis 1985
rechnen.

Sie würde das tun, ohne einen Nuklearkrieg zu entfesseln, ja, ohne

auch nur einen Schuß abzufeuern.

Im weiteren Verlauf würde sie tausende einzelner Raketensprengköpfe und

- 7 -

�und Bomben eliminieren, die das sowjetische Arsenal sonst für unser Land hätte
bereithalten können.
Die Geheimwaffe verfügt außerdem über Überwachungskapazitäten.

Mit ihrer

Hilfe wäre sie in der Lage, sich einen genaueren überblick über den Stand der
sowjetischen Streitkräfte und Programme zu verschaffen.
Und bei all ihrer militärischen Effektivität gibt es keinerlei Unvereinbarkeit zwischen dieser Geheimwaffe und unseren anderen strategischen Programmen.

Die Produktion der MX-Rakete, der Trident und der luftgestützter Marschflug-

körper kann weiterlaufen wie geplant.
Auch wird die Einbeziehung dieser neuen Waffe in unser System keine massiven neuen Budgetbewilligungen erfordern.

Vielmehr wird auf längere Sicht so-

gar noch Geld gespart werden.
Unsere Verbündeten werden sich ihretwegen keine Sorgen zu machen brauchen.
Im Gegenteil, sie ist ihnen bekannt, und sie treten mit Nachdruck für sie ein.
Ihre einzige Sorge ist, daß wir sie nicht akzeptieren könnten.
Natürlich ist die Waffe, von der ich spreche, überhaupt keine Waffe.

Es

ist ein Abkommen - der SALT II-Vertrag.
Aber dennoch leistet er all die Beiträge zu unserer Sicherheit, die ich
soeben beschrieben habe. Man kann die Bedeutung des Vertrages nicht unterschätzen.

Er ist ein integraler Teil einer harten Strategie der amerikanischen

Verteidigung.

Und er sollte als solcher auch anerkannt werden.

Ja, es kann durchaus sein, daß einige, die SALT II jetzt ablehnen, diesen
Vertrag unterstützen - sogar auf ihm bestehen würden, wenn es sich dabei um
eine Verteidigungsausgabe handeln würde, durch die man die gleichen Resultate
kaufen könnte.
Der
- 8 -

�Der Beitrag von SALT zu unserer Verteidigung unterstreicht die zweite der
beiden Botschaften, die ich hier heute verkünden möchte.
Die erste, wie ich bereits angeführt habe, ist, daß unsere Verteidigungsposition allein gesehen wie in Verbindung mit unseren Verbündeten keiner anderen unterlegen ist. Wir sind entschlossen, dafür zu sorgen, daß dies so
bleibt.

Diese Entschlossenheit schlägt sich nicht nur in Worten nieder; sie

wird durch unser Budget gestützt.
Die zweite Botschaft ist, daß nur weitere Ausgaben sowie die Produktion
weiterer Waffen, selbst wenn dadurch eine große militärische Macht entsteht,
nicht genug sind, um unsere Sicherheit in der Welt von heute zu garantieren.
Unsere Verteidigungsposition selbst hängt von anderen internationalen
Aktivposten und Qualifikationen ab.

Denken Sie an das Langfristige Verteidi-

gungsprogramm der NATO, an das Abkommen über größere Verteidigungsanstrengungen,
an die TNF-Entscheidung, an unseren Zugang zu Einrichtungen im Indischen Ozean.
Solche Maßnahmen kommen nicht durch einseitige Ankündigungen oder unspezifizierte neue Ausgaben zustande.

Sie sind vielmehr das Ergebnis sorgfältiger

Verhandlungen und anhaltender Führerschaft - Anstrengungen, die bis ins
kleinste genauso entscheidend für unsere Verteidigung sind wie Waffen.
Und diese Anstrengungen haben auch noch andere Ausweitungen, die für unsere Sicherheit unerläßlich sind.
Wahre Sicherheit im Atomzeitalter verlangt Maßnahmen, die das Risiko
eines Kriegsausbruches vermindern.

Es ist das Mandat der Rüstungskontrolle

- im Zusammenwirken mit einer starken Verteidigung -, zu einem stabilen Gleichgewicht beizutragen und Fehleinschätzungen durch die andere Seite zu vermeiden.

Denn wir wissen, daß ein Nuklearkrieg die Katastrophe für beide Seiten

bedeuten würde.

Es würde in unserer Zeit nur unsere Sicherheit gefährden,

würden wir die Rüstungskontrolle ablehnen und uns auf Doktrinen versteifen,
einschließlich des Hirngespinstes der nuklearen Überlegenheit, die nur zu
einem nuklearen Wettrüsten einladen.

,,
Unsere

�Unsere Sicherheit wird ferner gefördert durch eine energisc ie Diplom ti
die eine ausgereifte, stabile Basis der Zusammenarbeit schafft, selbst mit solchen Ländern wie beispielsweise China, die anderscrtige
ben.

Systeme als wir ha-

Wir dürfen nicht von solchen Anstrengungen zurücktreten, wir dürfen sie

nicht durcheinanderbringen, und wir dürfen uns nicht durch sie verwirren lassen.
Unsere Sicherheit wurde durch den Erfolg der Friedensstiftung in Zimbabwe
gefördert.

Diese Anstrengung verhinderte einen Konflikt, den unsere Gegner

hätten ausbeuten können.

Einige Amerikaner wünschten die Unterbrechung des

Friedensprozesses durch eine vorzeitige Beendigung unserer Beteiligung an internationalen Sanktionen.

Wir können alle nur dankbar sein, daß sie mit ih-

rer Meinung nicht die Oberhand behielten.
Unsere Sicherheit ist noch tiefer betroffen im Nahen Osten, wo

der Pro-

zeß von Camp David zum ersten wahren Friedensabkommen seit der Entstehung
Israels geführt hat. Nur durch eine geduldige, nachhaltige und einfallsreiche
Diplomatie können die noch bestehenden Streitfragen gelöst werden - dieselbe
Art von Diplomatie, durch die die Abkommen von Camp David zustandegebracht
wurden.

Kriegerische Äußerungen oder Angriffe auf den Verhandlungsprozeß,

die keine konkreten Alternativen anbieten, fördern weder dieses Unterfangen,
noch dienen sie der Sache des Friedens.
Und unsere Sicherheit wird auch berührt durch einen weiten Bereich wirtschaftlicher Fragen, an die man mit Waffen nicht heran kann. Niemals hätten
wir beispielsweise ein neues Handelsabkommen durch Sprengstoffe zustandebringen können.

Wir können an stagnierende Volkswirtschaften auch nicht mit

Drohungen herangehen, um sie gedeihlicher zu machen, noch können wir hungrige

Menschen durch Einschüchterung gesund machen.

Und doch hängt unser Schicksal letztlich von solchen Fragen ab, auch
wenn es auf dem Gleichgewicht der Macht beruht. Wenn wir solche Herausforderungen einfach vernachlässigen, dann wäre unser Schicksal vielleicht, langsam in die Vergessenheit abzurutschen, statt in sie katapultiert zu werden.
- 10 -

�werden.

Aber der Endpunkt wäre derselbe.

Kurz gesagt, unsere Sicherheit in der Zukunft erfordert die gleichen Prioritäten, die unsere Außenpolitik in der jüngsten Vergangenheit charakterisiert
haben.

Auf dem Felde der Verteidigung müssen wir die stetige und umsichtige Verbesserung unserer Streitkräfte fortsetzen.

Wir müssen insbesondere die fal-

sche Botschaft zurückweisen, daß unser Land schwach sei.

Und unsere Sicherheit verlangt noch mehr.

Sie erfordert ein realistisches

Verständnis der Art der Welt, in der wir gemeinsam leben, eine Verpflichtung
für den Frieden wie für die Macht, die Fähigkeit, konstruktiv mit anderen zusammenzuarbeiten, um die gemeinsamen Zielsetzungen zu fördern und der ganzen
Bandbreite der vor uns liegenden Herausforderungen zu genügen.

Ich bin überzeugt, daß das amerikanische Volk die Notwendigkeit für eine
ausgewogene amerikanische Einstellung gegenüber der Welt versteht.

Ich bin überzeugt, daß das amerikanische Volk eine Verteidigungsposition
der Stärke und des Vertrauens sowie eine Außenpolitik des Aufbaus und der Hoffnung unterstützt.

- 11 -

�1 ^^^1

vO

3

III

f •!

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
24. September 1980

42

MUSKIE:

EIN NUKLEARKONFLIKT IST KEIN INSTRUMENT DER POLITIK

- Erklärung vor dem außenpolitischen Senatsausschuß -

WASHINGTON

- (AD) - Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie

hat erneut unterstrichen, daß ein nuklearer Konflikt weder für die
Vereinigten Staaten noch für die Sowjetunion ein Instrument zur Erreichung
nationaler politischer Ziele sein kann. Vor dem außenpolitischen Ausschuß
des US-Senats sagte Muskie am 16. September 1980, in einem Nuklearkrieg
würde es keinen Sieger geben.
Die Erklärung des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, Mitglieder des Ausschusses,
ich bin erfreut, diese Gelegenheit zu haben, anschließend an Harold
Brown (US-Verteidigungsminister) mit Ihnen über die Zielsetzung unserer
nuklearen Strategie zu sprechen. Als ich Mitglied dieses Ausschusses war,
war ich zutiefst überzeugt, daß es zu unserer Verantwortung gehört, uns

Postfach 20 03 0 0 Tel: 0228-89 32 40
D5300 Bonn 2
T e | e x : 08-85432

�uns eindringlich mit den Problemen der strategischen Nuklearpolitik zu
befassen.

Im Verlauf der Jahre befragte ich eine Reihe von Vertretern

der Administration, aber auch andere Experten, wie Veränderungen in unserer
nuklearen Doktrin, den nuklearen Streitkräften und der Strategie sich auf
unsere Sicherheit und die internationale Stabilität auswirken würden.
Ich habe dieses Interesse nicht aufgegeben, als ich Außenminister
wurde.

Ja, es ist ein zentraler Teil meiner Verantwortlichkeiten, sicher-

zustellen, daß außenpolitische Erwägungen - im weitesten Sinne - bei
Entscheidungen über Verteidigungsprogramme und Verteidigungsdoktrin in
Rechnung gestellt werden.
Als Außenminister bin ich besonders daran interessiert, wie sich
unsere strategische Doktrin auf unsere Außenpolitik insgesamt gegenüber
unseren Verbündeten und Gegnern auswirkt.

Um unsere grundlegenden Ziele

in der Außenpolitik und der nationalen Sicherheit zu unterstützen, sollte
unsere nukleare Strategie folgenden Bedingungen genügen:
-

Sie sollte gewährleisten, daß potentielle Gegner völlig von
unserer Entschlossenheit überzeugt sind, daß wir einer nuklearen
Aggression jeden Ausmaßes, zu jeder Zeit und unter allen Umständen
Widerstand leisten werden.

-

Sie sollte vermeiden, einen Zirkel von falschen Vorstellungen
und Fehleinschätzungen in Gang zu bringen, der die strategische
Stabilität untergraben könnte.

-

Sie sollte voll in Einklang stehen mit unseren Rüstungskontroi 1zielen, damit wir die Chancen bewahren, Sicherheit und Stabilität
mittels gerechter und verifizierbarer Rüstungskontroi labkommen
zu stärken.
- Sie

- 2 -

�-

Sie sollte die Bereitwilligkeit unserer Freunde und Verbündeten,
ihre Sicherheit mit der unseren zu verbinden, unterstützen und
rechtfertigen,

Ich glaube, die Strategie des Gegenzugs besteht diese Prüfungen.
Die Strategie des Gegenzugs hebt zwei fundamentale Wahrheiten heraus und
macht sie den Sowjets unmißverständlich klar.

Erstens, sie könnten daraus,

daß sie den Anfang mit dem Einsatz von nuklearen Waffen machen, keinen auch
nur irgendwie denkbaren Gewinn ziehen, gleichgültig, wie begrenzt oder
umfassend der Angriff auch sei, und gleichgültig, in welchem Stadium eines
Konflikts sie eingesetzt würden.

Zweitens, ein nuklearer Konflikt kann

niemals ein Instrument zur Erreichung nationaler politischer Ziele sein;
denn gewiß wird es keinen Sieger in einem Atomkrieg geben,
Unsere Strategie und unsere Kapazität, als Vergeltung massive Zerstörung zuzufügen, liefern die Grundlagen, um die Sowjets von beiden Thesen
zu überzeugen.

Die Gegenzug-Strategie baut auf dieser traditionellen

Doktrin auf und vervollständigt sie, Sie erhöht unsere Fähigkeit, sowohl
selektive als auch massive Vergeltungsangriffe durchzuführen und den vollen
Bereich der Ziele zu erfassen, die für die Sowjets von Wert sind.

Sie

macht klar, daß wir die Kapazität haben, auf jeden nuklearen Angriff der
Sowjets - in welcher Größe und Form er auch erfolge - in der angemessenen
Größenordnung, Intensität und Zielgerichtetheit zu antworten.

Wir haben

den Schritt in diese Richtung getan, um sicherzustellen, daß die Sowjets welche Begriffe immer sie auch vom nuklearen Krieg oder der Nützlichkeit
von Kernwaffen haben mögen - nicht irrtümlich zu dem Schluß kommen, sie
könnten einen gewissen Vorteil erzielen, indem sie mit dem Einsatz von
Kernwaffen den Anfang machen oder begrenzte Schläge durchführen.
Die Strategie des Gegenzugs als solche ist kein radikales Abrücken
von der bisherigen Politik, Sie ist vie'mehr das Ergebnis einer schrittweisen Entwicklung unserer Dcktrin über eine ganze Reihe von Jahren als

- 3 -

�als Reaktion auf sich verändernde Verhältnisse und neue Erkenntnisse.
Die glaubwürdige Fähigkeit zur Vernichtung der Sowjetunion unter allen
Umständen bleibt ihr Grundpfeiler.
Spektrum der politischen

So werden wir auch weiterhin das volle

und militärischen wie auch der städtisch-industriellen

Ziele in unsere Planung miteinbeziehen»

Die Präsidialdirektive 59 (PD-59)

bedeutet nicht eine Verlagerung des Schwergewichts auf eine Kriegsführungsstrategie noch auf eine Erstschlag-Doktrin.

Sie hebt jedoch heraus - und

ich glaube, sie stärkt auch - die Glaubwürdigkeit unserer Kapazität, für
jeden nuklearen Angriff und unter allen Umständen Vergeltung zu üben gleichgültig, ob es sich dabei um einen massiven Schlag gegen die USA
oder einen mehr begrenzten gegen unsere Streitkräfte oder unsere Verbündeten
handeln sollte.
Die öffentliche Reaktion der Sowjets hat man erwarten können. Sie
behaupten, die Strategie des Gegenzugs stelle eine Kriegsführungsstrategie
und das Bemühen der USA dar, eine Erstschlagkapazität zu erlangen, die
die strategische Stabilität unterminieren würde. Sie behaupten ferner,
daß die PD-59 die wahre Erklärung für die Entscheidung der NATO über
TNF-Modernisierung sei und die Absicht der Vereinigten Staaten reflektiere,
jeden Nuklearkrieg auf Europa zu beschränken, während die USA gegenüber
jedem Angriff immun bleiben. Diese Behauptungen kommen weder überraschend,
noch sind sie wahr. Wir konnten vielmehr erwarten, daß die Sowjets
versuchen würden, die PD-59 zu benutzen, um einen Keil zwischen uns und
unsere Verbündeten zu treiben und uns der europäischen Unterstützung
für unsere Anstrengungen nach Afghanistan zu berauben. Wir können damit
rechnen, daß die Sowjets ihre Kräfte darauf konzentrieren werden, den
NATO-Konsensus zugunsten der TNF-Modernisierung zu unterminieren.
Diese sowjetischen Beschuldigungen klingen in der Tat hohl angesichts
ihrer eigenen Doktrin, der Aufmerksamkeit, die sie der nuklearen Kriegsführung widmen, sowie der Größe und des Charakters ihrer strategischen
nuklearen Streitkräfte. Darüberhinaus haben sie sich niemals besonders

- 4 -

�besonders behaglich gefühlt im Hinblick auf das, was sie als unsere
Philosophie der "Städte-Vernichtung" im Rahmen der nuklearen Abschreckung
ansehen.

Ich glaube nicht, daß sie diese Evolution in unserer Nuklear-'

Strategie wirklich als eine Hinwendung zu einer Erstschlag- und Kriegsführungskoktrin ansehen.

Der zentrale Zweck unserer Abschreckungspolitik

ist es, nachdrücklich die Konsequenzen für die Sowjets zu unterstreichen,
sollten sie jemals mit dem Einsatz nuklearer Waffen beginnen.
Wir wollen sichergehen, daß die Sowjets diese Botschaft erhalten.
Aber wir wollen auch sicherstellen, daß sie sie richtig verstehen. Wir
müssen auch weiterhin auf der Hut sein vor den Risiken falscher Vorstellungen
und falscher Einschätzungen, vor der Gefahr, daß die Sowjets vielleicht
eine Provokation sehen, wo von uns keine beabsichtigt ist. Ich möchte
nicht, daß irgend jemand zu der falschen Schlußfolgerung gelangt, daß
wir plötzlich zuversichtlich bezüglich unserer Fähigkeit geworden seien,
nukleare Schlagabtausche zu instrumentieren und eine Eskalation zu
kontrollieren, oder daß wir selbstgefällig hinsichtlich des Einsatzes
von Nuklearwaffen geworden seien.
Wir werden den Sowjets auch weiterhin vor Augen führen, daß unsere
Absichten friedlicher Natur sind und daß wir keine Gefahr für ihre
legitimen Sicherheitsinteressen darstellen.

Gleichzeitig werden wir auch

weiterhin darauf bestehen, daß sie die Interessen und Rechte anderer
respektieren, und wir werden sie auf die Konsequenzen hinweisen, sollten
sie zu Nuklearwaffen Zuflucht nehmen.
In diesem Zusammenhang brauche ich wohl kaum hinzuzufügen, daß wir
die Strategie des Gegenzugs in keiner Weise als einen Ersatz für die
Rüstungskontrolle oder als Symptom für eine Enttäuschung hinsichtlich des
Rüstungskontrollprozesses ansehen. Im Gegenteil, die Strategie des Gegenzugs steht in voller Übereinstimmung mit dem SALT II-Vertrag und unseren
längerfristigen Rüstungskontrollzielen. Nichts in der Strategie des

- 5 -

�des Gegenzuges ändert oder stellt unsere Überzeugung in Frage, daß die
nukleare Rüstungskontrolle einen wesentlichen Beitrag zu unserer Sicherheit
und zur internationalen Stabilität leisten kann.

Nichts in der Evolution

unserer nuklearen Doktrin hat uns dazu veranlaßt, den Nutzen gerechter und
verifizierbarer Rüstungskontroi labkommen mit unserem Hauptgegner neu zu
bewerten.

Insbesondere bin ich auch weiterhin der festen Überzeugung, daß

SALT II einen entscheidend wichtigen Beitrag zu unserer nationalen Sicherheit
darstellen würde.

Wir werden den Senat ersuchen, zum frühest möglichen

Zeitpunkt über die Ratifizierung abzustimmen.
Unsere Verbündeten teilen unsere Besorgnisse hinsichtlich der Abschreckung der ganzen Bandbreite sowjetischer nuklearer Drohungen wie auch
unseren anhaltenden Einsatz für die Rüstungskontrolle und die Aufrechterhaltung der strategischen Stabilität. Indem wir das Vertrauen unserer
Verbündeten in die Glaubwürdigkeit unserer nuklearen Garantie stärken,
wird die Strategie des Gegenzugs den Zusammenhalt und die Solidarität des
Bündnisses festigen und auch direkt die Wahrscheinlichkeit eines Konflikts
vermindern. Die Strategie des Gegenzuges reflektiert und unterstützt
die NATO-Strategie einer flexiblen Antwort, indem sie die Verfügbarkeit
eines vollen Spektrums nuklearer Reaktionen unterstreicht.
Wir haben die Evolution unserer nuklearen Strategie und ihres Verhältnisses zur flexiblen Antwort im Zuge normaler Konsultationen mit unseren
Verbündeten erörtert. Die detaillierte Darlegung der Strategie des Gegenzuges im Jahresbericht von Verteidigungsminister Brown an den Kongreß im
Januar bot eine ausgezeichnete Grundlage für unseren Dialog in diesem
Jahr. Verteidigungsminister Brown hat die Nukleare Planungsgruppe der
NATO im Juni ebenfalls umfassend unterrichtet.
Im Zuge dieser Konsultationen und nach den Presseberichten über die
PD-59 haben unsere Verbündeten zu erkennen gegeben, daß sie die Strategie
des Gegenzuges verstehen und die Mittel und Wege begrüßen, durch die sjhs

- 6 -

�sie die strategische Verzahnung der USA mit ihrer Sicherheit stärkt.
Ich möchte hier nicht den Eindruck hinterlassen, ciaß wir ihre Unterstützung
für selbstverständlich halten: sie muß verdient und dann geschützt werden
angesichts der sowjetischein Bemühungen, die Solidarität des Bündnisses zu
unterminieren.

Ich möchte jedoch nachdrücklich untersträchen, daß die

führenden Politiker in unserem Bündnis die Grundprinzipien, die hinter
der Strategie des Gegenzugs stehen, zu würdigen wissen
Ich bin zuversichtlich,
daß ihre Unterstützung im Verlaufe unserer kontinuierlichen Konsultationen
aufrechterhalten bleibt.
Nukleare Strategie und Doktrin sind wirklich nüchterne Themen,

Dies

sollte jedoch nicht den wichtigen positiven Beitrag verschleiern, den die
Strategie des Gegenzuges für unsere grundlegendsten außenpolitischen Ziele
leistet.
Ich bin überzeugt, daß die Strategie des Gegenzuges nicht nur die
Abschreckung stärkt, sondern auch eine festere Grundlage für unsere
Diplomatie mit den Sowjets schafft,

Sie unterstreicht unsere Entschlossenheit,

auf jede Herausforderung für unsere lebenswichtigen Interessen zu reagieren;
gleichzeitig bestätigt sie, daß wir für die legitimen Interessen anderer
Staaten keine Gefahr bilden.

Als solche läßt sie den Sowjets keinen Raum

für Zweifel hinsichtlich unseres Willens oder unserer friedlichen Absichten.
Selbstverständlich wird die Strategie des Gegenzugs das im Grunde
gegnerische Verhältnis zwischen uns und der Sowjetunion nicht umwandeln.
Aber sie verringert die Chancen der Fehleinschätzung durch eine Supermacht,
vermehrt den Anreiz für die Sowjets zur Zusammenarbeit bei Durchführung
und Eingrenzung des Wettstreits zwischen uns„

Sie verbessert daher die

Aussichten auf das Zustandekommen von Rüstungskontroi labkommen, durch die
die Gefahr eines Krieges begrenzt wird.
Aus

- 7 -

�aus den gleichen Gründen bestärkt die Gegenzug-Strategie bei unseren
Verbündeten und Freunden die Gewißheit, daß die Vereinigten Staaten sich
verpflichtet fühlen, in gleichem Maße unsere gemeinsamen Sicherheitsinteressen
und die internationale Stabilität zu schützen.

Ich rechne damit, daß sie

dazu dienen wird, unser Verhältnis zu ihnen und unsere Rolle als Führungsmacht
des westlichen Bündnisses zu festigen.
Erlauben Sie mir, daß ich mich zum Abschluß meiner Eröffnungserklärung
kurz mit der Frage befasse, inwieweit das amerikanische Außenministerium
und der Außenminister bei der Formulierung der Strategie des Gegenzuges
mit engagiert waren.

Ich habe die Unterlagen gründlich studiert.

Ich bin

zum Schluß gekommen, daß Außenminister Vance und das Außenministerium mit
im Spiel waren, als die wichtigsten Konzeptionen der Politik entwickelt
wurden und daß sie in einer Position waren, um ihre Ansichten zur Kenntnis
zu bringen.
Die Entwicklung der Hauptzüge der Strategie war im wesentlichen bereits
geraume Zeit, bevor ich das Amt übernahm, abgeschlossen und in öffentlichen
Erklärungen bereits dargelegt worden, so vor allem in dem Bericht von
Verteidigungsminister Brown vom Januar 1980 an den Kongreß. Auf Grund
meiner Verantwortlichkeiten im Senat kannte ich natürlich die Richtung der
strategischen Überlegungen der Administration. Ja, ich hatte mich mit
einigen dieser Überlegungen und Konzeptionen in einer Rede befaßt, die ich
im vergangenen Jahr gehalten habe.
Danach ist die Vorbereitung und Herausgabe einer Präsidialdirektive,
durch die unsere Nuklearstrategie kodifiziert wird, als solche eine bedeutsame
Aktion, die eine wichtige außenpolitische Dimension hat. Es ist daher
selbstverständlich, daß ich als Außenminister und das Außenministerium
in angemessener Weise an dieser Aktion hätten beteiligt sein sollen.
Ich betrachte die Situation, die sich hier entwickelt hat, als eine
unbeabsichtigte Ausnahme der von dieser Administration geübten Praxis einer

�einer wesentlich stärkeren Hinzuziehung des Außenministeriums bei Fragen
der nationalen Sicherheit.

Ich habe dies Geschehnis mit dem Präsidenten

und auch mit Verteidigungsminister Brown und Dr. Brzezinski erörtert.

Der

Präsident hat mir versichert, daß ich und - soweit notwendig - andere Beamten
des Außenministeriums voll über die außenpolitischen Implikationen derartig
bedeutsamer Entscheidungen in der nationalen Sicherheitspolitik konsultiert
werden.

+ + + + +

- 9 -

�24. September 1980

42

BERICHT "WELT IM JAHR 2000" VOR KONGRESSAUSSCHUSS
Empfehlungen an US-Präsidenten werden vorbereitet

WASHINGTON - (AD) - Mit ihrem Bericht "Die Welt im Jahr 2000" hat die gemeinsame Studienkommission des US-Außenministeriums und des amerikanischen Präsidialbeirats für Umweltqualität die Welt alarmiert.

Er ruft die Nationen

auf, aktiv zu werden, um den Umweltschäden, dem Raubbau an Rohstoffen und
einer Übervölkerung zu steuern und eine ausreichende Nahrungsmittel Produktion
zu sichern.

Andernfalls seien, so besagt der Bericht, schon zum Ende dieses

Jahrhunderts chaotische Verhältnisse vor allem in den armen Ländern und daraus
resultierende schwerwiegende Gefahren für die ganze Welt zu befürchten.
Solchen Entwicklungen gilt es nach bestem Vermögen vorzubeugen.

Vor dem

Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des US-Kongresses sind gegenwärtig Anhörungen
zu dem Bericht "Global 2000", wie der englische Titel der Studie lautet, im
Gange.

Sie sollen die Grundlage abgeben für spezielle Empfehlungen der Ex-

pertengruppe, die unter Einschaltung zahlreicher amerikanischer Regierungsbehörden den Bericht anhand ihrer dreijährigen Untersuchungen ausgearbeitet
hat.

Die Empfehlungen sollen dem Präsidenten spätestens im Dezember 1980 vor-

gelegt werden und der US-Regierung als Richtschnur für geeignete Maßnahmen
dienen.

Von

Postfach 20 03 00
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0 5 3 0 0

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Von grundsätzlicher Bedeutung sei, wie der Unterstaatssekretär im USAußenministerium, Thomas R. Pickering, vor dem Kongreßausschuß erklärte, die
Berücksichtigung der Tatsache, daß wirtschaftliche Entwicklung und natürliche
Ressourcen - darunter Nahrung(, Bevölkerung, Energie, Luft, Wasser - "in einer
symbiotischen Beziehung stehen".
das Wort.

Damit rede er keineswegs einem Nullwachstum

Denn die Untersuchungen hätten ja u.a. ergeben, daß "die Umwelt-

und Ressourcenfragen nicht ohne starke Wirtschaftsentwicklungen zu lösen sind".
Wenn aber Wirtschaftsentwicklung ohne Berücksichtigung der Ressourcenprobleme
betrieben werde, "kommen diese Probleme mit Sicherheit auf uns zurück", erklärte Pickering.
Neben Gesprächen auf diplomatischer Ebene bemüht sich die Arbeitsgruppe
"Global 2000" zur Zeit um Empfehlungen von internationalen Organisationen,
privaten Stiftungen, der amerikanischen Wirtschaft, vom US-Kongreß und von
den Regierungen anderer Länder. Außenminister Edmund Muskie hatte den Bericht
zum Kernstück seiner Rede vom 29. August 1980 vor den Delegierten der Sonderkonferenz der Vereinten Nationen über wirtschaftliche Entwicklung in New York
gemacht. Am 14. Oktober werden in Washington Delegierte der Teilnehmerstaaten
der Wirtschaftsgipfelkonferenz von Venedig im Juni 1980 und der EG-Kommission
die Ergebnisse des amerikanischen Berichts sowie die eigener Studien zu Umwelt- und Ressourcenfragen erörtern. Daß diese nicht nur für die betreffenden
Länder, sondern für die ganze Welt von Bedeutung sind, steht nach Ansicht
Pickerings außer Frage. "Sie zeigen globale Probleme auf, die einer globalen
Antwort bedürfen." Pickering äußerte sich besorgt über die Ausbeutung nicht
erneuerungsfähiger Rohstoffe wie Erdöl, aber auch über "die bemerkenswerte Bedrohung der nicht erneuerungsfähigen Ressourcen" - z.B. Wald, Fischbestände,
Landwirtschaft, Boden, Agrarland.

Wenn es nicht zu einer Umkehr der gegenwärtigen Trends komme, werde die
Erde,so errechneten die Verfasser des Berichts, in zwei Jahrzehnten von 6,4 Milliarden Menschen, 30 Jahre später gar von schätzungsweise 10 Milliarden bevölkert. Schon im Jahr 2000 würden 77 Prozent der Menschenmassen in Entwicklungsländern leben. Bereits überfüllte Städte werden noch mehr übervölkert:
- 2 -

�übervölkert:

Mexiko City werde dann etwa 30 Millionen, Kalkutta fast 20 Mil-

lionen Menschen beherbergen.
Solche Entwicklungen stellen praktisch unerfüllbare Anforderungen an Verwaltungen, Regierungen und die Welt als Ganzes,daß sie in ausreichendem Maße
Wohnung, Nahrung, Wasser, Gesundheitsdienste, Energie und Textilien verfügbar
machen, von Arbeitsmöglichkeiten ganz abgesehen.

Deshalb hoffe man, wie

Pickering betonte, daß die Probleme auf internationaler Ebene eingehend erörtert und koordinierte internationale Maßnahmen in die Wege geleitet werden.
Jedenfalls habe der inzwischen in dritter Auflage erscheinende Bericht "Global
2000" eine erfreulich starke Resonanz im Ausland gefunden.
Einige Zukunftsprognosen seien im folgenden angeführt:
- Die Waldbestände in Lateinamerika, Afrika, Asien und Ozeanien werden
in den nächsten 20 Jahren um 40 Prozent, in Europa, der UdSSR, Nordamerika,
Japan, Australien und Neuseeland um 0,5 Prozent zurückgehen. Bis zum Jahr 2020
dürften nahezu alle zugänglichen Wälder in den Entwicklungsländern geschlagen
sein.
- Der Wasserverbrauch nimmt in der Zeit zwischen 1975 und 2000 um
das Zwei- bis Dreifache zu - hauptsächlich für Zwecke künstlicher Bewässerung.
Wassermangel und schlechte Wasserqualität werden immer stärker in Erscheinung
treten.

Das Bevölkerungswachstum allein verdoppelt in fast 50 P^ozen^ der Län-

der dieser Erde den Wasserbedarf im Vergleich zu dem des Jahres 1971. Der
Verlust an Wald, die Bodenerosion und das Vordringen der Wüstengebiete bringen
den Wasserhaushalt zusätzlich aus dem Gleichgewicht.
- Für die Weltenergieprobleme ist keine Milderung in Sicht.
energiebedarf dürfte um 58 Prozent steigen.

Der Welt-

Der Pro-Kopf-Energieverbrauch wird

weltweit anwachsen - am stärksten zwischen 1975 und 1990 in Industrieländern
(ausgenommen USA). Der Anstieg für die Vereinigten Staaten wie für Entwicklungsländer

dürfte mit ca. 27 Prozent gleich groß sein, während für osteuro-

päische Länder etwa 12 Prozent anzunehmen sind.
- Schon

�- Schon 1994 werden in Entwicklungsländern 650 Millionen Kubikmeter Brennholz fehlen, d.h. 25 Prozent des errechneten Bedarfs. Stärker als bisher werden Dung und landwirtschaftliche Abfälle zu Brennzwecken benutzt.
- Der explosionsartige, in seinen Ausmaßen nicht vorhersehbare Anstieg
der öl preise in jüngster Zeit wird noch ungünstigere Auswirkungen auf andere
Sektoren haben, als die Prognosen des "Berichts 2000" besagen.
- Zur Zeit verliert die Erde jährlich etwa sechs Millionen Hektar nutzungsfähiges Land an die sich ausbreitenden Wüstengebiete, darunter 125 000 Hektar
künstlich bewässertes Agrarland.

Die Wüsten der Welt, z.Zt. ungefähr 800 Mil-

lionen Hektar, werden bis zur Jahrhundertwende um 20 Prozent anwachsen.

Böden

werden durch falsche Bewässerung, reduzierte Brachliegeperioden, Kultivierung
zu steilen oder schlecht geeigneten Landes und die Verringerung der Vegetationsdecke verdorben.

In Entwicklungsländern gehen dem Boden durch das Verheizen

von Dung, Torf und pflanzlichen Rückständen wichtige Nährstoffe verloren.

Und

die starke Abhängigkeit von chemischen Düngemitteln in anderen Ländern führt
zu Verlusten an organischen Düngestoffen, "was die Fähigkeit des Bodens zur
Bindung von Feuchtigkeit verringert."
- Der Verlust von Ackerland an die städtischen Bereiche setzt sich in
alarmierendem Ausmaß fort. In einigen Industrieländern nehmen die für Bauland
und andere Stadtentwicklungszwecke genutzten Flächen doppelt so schnell zu
wie die Bevölkerungszahl, und die aus anderen Ländern verfügbaren Daten zeigen
ähnliche Tendenzen.
- Dank der Verwendung ertragreicher Getreidesorten sind bemerkenswerte
Steigerungen der Ernteerträge zu erwarten. Aber mit dem ausgedehnten Anbau
"genetisch gleichartiger Feldfrüchte wächst die Gefahr katastrophaler Verluste
durch Insektenbefall oder Pflanzenkrankheiten".
- Wasserverseuchung durch massive Anwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln wird "wachsende Schwierigkeiten" verursachen.

In der Zeit zwischen

1975 bis zum Jahr 2000 dürften sich die in Entwicklungsländern eingesetzten

�eingesetzten Mengen zum mindesten vervierfachen.

Viele Bauern in Asien

zeigen nur noch wenig Eifer, Reisfelder zu bepflanzen und Fischteiche zu unterhalten, weil Schädlingsbekämpfungsmittel den Fischbestand dezimieren.

In-

folge der rapiden Bevölkerungszunahme in den Städten wird das Grundwasser in
deren Bereich durch Abwässer und Abfall noch stärker verschmutzt, als es heute
der Fall ist.

Die Verschmutzung von Küstengewässern wird fortdauern.

- Weltweit gesehen dürfte der Fischfang bis zum Jahr 2000 wenig, wenn
überhaupt noch ansteigen.

Die Weltfangquote hat sich in den siebziger Jahren

auf jährlich etwa 70 Millionen Tonnen eingependelt.

Im Jahr 1975 entsprach

die Menge 27 Prozent des Mindestbedarfs an Eiweiß von vier Milliarden Menschen«

- Der durch atmosphärisches Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid und Kohlendioxid verursachte saure Regen schädigt "Seen, Wälder, Böden, Feldfrüchte und
Baumaterialien", besagt der Bericht.

"Von 1500 Seen im südlichen Norwegen

mit einem pH-Wert von weniger als 4,3 (d.h. mit stark saurem Wasser) hatten
70 Prozent keine Fischbestände mehr."

- Eine halbe bis zwei Millionen Pflanzen- und Tierarten könnten, so schätzt
der Bericht, bis zur Jahrhundertwende ausgestorben sein - das wären 15 bis 20
Prozent aller auf der Erde lebenden Spezies.

Der Verlust an Wäldern, aber

auch Land- und Wasserbau (z.B. Flußregulierungen) und Umweltverschmutzung wären dafür in erster Linie verantwortlich zu machen.

Viele der bedrohten Arten

sind heute eine Quelle für Nahrungs- und Arzneimittel.

- Die Ozonschicht in der Stratosphäre, welche das Leben auf der Erdoberfläche gegen gefährliche Ultraviolettstrahlung von der Sonne abschirmt, ist
bedroht - insbesondere durch Stickstoffdioxid aus Stickstoffdüngemittel , durch
Fluorchlor-Kohlenwasserstoffe aus Sprühdosen und Kälteanlagen
Abgase hochfliegender Flugzeuge.

und durch die

Eine weitere Erhöhung des Kohlendioxidge-

haltes der Atmosphäre könnte zu einer Veränderung der Temperaturen an der Erdoberfläche und damit von Wetter und Klima führen.
Mineralstoffversorqung

- 5-

�Mineral StoffVersorgung vorläufig gesichert
Die künftige Versorgung mit Erzen und Mineralien wi^d alles in allem
optimistischer beurteilt - mehr Altmaterial Verwertung und die Nutzung weniger
ergiebiger Rohstoffquellen als bisher vorausgesetzt.

Dem Bericht zufolge soll-

te generell zur Erschließung von Mineral vorkommen in Entwicklungsländern mehr
investiert werden.

für "eine Erschöpfung der Ressourcen in nächster Zeit gibt

es keine Anzeichen", jedoch seien mehr Reserven erforderlich, um den steigenden
Bedarf der Industrieländer am Ende des Jahrhunderts zu decken.

Ein erhöhter

Bedarf der Dritten Welt, der sich zwangsläufig aus der Industrialisierung ergäbe, würde sich auf die Preise für Eisen, Kupfer, Aluminium und andere Metalle
an den Weltmärkten auswirken.
Prognosen über die Produktion und den Verbrauch von Mineralien seien allerdings wegen der Einflüsse nicht vorausberechenbarer anderer Faktoren schwierig.
So körnten beispielsweise schon in den nächsten Jahren die Preise für Mineralien
im Vergleich zu jenen anderer Güter stark anziehen, wenn nicht genügend neue
Vorkommen erschlossen würden. In diesem Fall dürfte die AltstoffVerwertung,
das sog. Recycling, in Industrieländern für die Wirtschaft allgemein attraktiv
und Abraum-, Schrott- und Müllhalden als reguläre Rohstoffquellen erschlossen
werden. Außerdem erlaubten technologische Entwicklungen der letzten Jahre nunmehr die Verwertung von Erzen, die bisher als minderwertig galten und angesichts niedriger Mineralstoffpreise nicht beachtet wurden.
Allerdings könnte selbst die moderne Technik, so der Bericht, für eine
Reihe von Metallen sicherlich keine oder nur wenig befriedigende Ersatzstoffe
schaffen,, Das gelte im besonderen für Blei und Antimon (in Batterien), Nickel
und Chrom (rostfreier Stahl), Zinn (Lötmittel), Helium (Kältetechnik), Uran
und Beryllium (Kernreaktoren), Wolfram (Hochgeschwindigkeitswerkzeuge) und
Silber (Fotografie). Die Studie macht darauf aufmerksam, daß Aluminium, Kupfer,
Eisen, Phosphate, Kali und Schwefel "wesentlicher Bestandteil des modernen
internationalen Handels" seien und für 13 weitere Stoffe (u.a. Chrom, Helium,
Industriediamanten, Blei, Mangan, Quecksilber, Metalle der Platin-Gruppe, Silber, Zinn, Wolfram und Zink) vermutlich starker Bedarf in der Weltwirtschaft
- 6 -

�Weltwirtschaft am Ende des Jahrhunderts vorhanden sein werde.

Der weltbe-

darf an diesen Produkten dürfte jährlich um drei bis fünf Prozent zunehmen
- das bedeute etwas mehr als eine Verdoppelung des heutigen Bedarfs bis zum
Jahr 2000.

Für die meisten Mineralien gebe es noch immer große, erschließ-

bare Vorkommen, insbesondere an geringwertigen Erzlagerstätten, jedoch seien
dafür ausreichend hohe Investitionen erforderlich.
Neuerdings müsse aber zwei Faktoren, die Investitionen für den Abbau
beeinflussen, besondere Beachtung geschenkt werden - nämlich "der Verlagerung von Investitionen für Extraktion und Verarbeitung im letzten Jahrzehnt
von den Entwicklungsländern in die Industrieländer" und dem rapiden Anstieg
der Energiepreise. "Die Gewinnung vieler Mineralstoffe ist stark energieintensiv", betont der Bericht, "und es steht zu erwarten, daß die anzunehmenden weiteren öl Preissteigerungen die Ausweitung des Angebots in diesen Bereichen bremsen". Das elementare langfristige Problem der Mineralstoffwirtschaft dller Nationen sei jedenfalls nicht die Erschöpfung der Rohstoffquellen, sondern die Erhaltung eines ausreichenden Vorrats an Mineralien für die
Weltwirtschaft zu wirtschafts- und umweltpolitisch tragbaren Kosten.

- 7 -

�Anwesenheit heute in Madrid ist ein Zeugnis für dieses Faktum.
Unsere Institution ist in ihrer Art einmalig.
Sie hat keine ständige formale Struktur.

Sie nat keinen Stab.

Doch hat sich zum erstenmal in

der Geschichte ein Prozeß entwickelt, nach dem die 35 hier an diesem
Tisch vertretenen Nationen regelmäßig zusammenkommen, um den ganzen Umfang
ihrer Beziehungen miteinander zu erörtern.
Unser Forum ist nicht nur deshalb einmalig, weil es die Gelegenheit
bietet zusammenzukommen, unser Verhalten zu überprüfen und unsere Verpflichtungen erneut zu bekräftigen. Es ist auch deshalb einmalig, weil
wir geeint sind in der Einschätzung, daß all unseren Bürgern das Verlangen
nach Menschenwürde und nach den grundsätzlichen menschlichen Freiheiten
gemeinsam ist.
Es gibt zwischen uns Differenzen. Wir werden auch weiterhin Differenzen
haben. Diese Differenzen werden - hoffentlich mit Klarheit und Würde auf unserer Hauptkonferenz im November zum Ausdruck kommen. Es wäre irreführend - ja, es wäre verhängnisvoll -.wollten wir das Bestehen solcher
Differenzen und die damit für uns bestehende Notwendigkeit leugnen, sie zu
einem Mechanismus und zu einer Verfahrensweise führen zu helfen, durch die
unsere Differenzen in Frieden gelöst und unsere gemeinsamen Werte geschützt
werden können.
Unsere Aufgabe ist es, ein Mittel zu finden, um das Bestehen unserer
Differenzen,ja, bis zu einem gewissen Maß sogar die große Tiefe dieser
Differenzen, anzuerkennen und doch zu gleicher Zeit unsere Verpflichtung
dem Prozeß des Friedens gegenüber, wie er in den Abkommen von Helsinki
symbolischen Ausdruck findet, zu erneuern.
Ich bekräftige daher ohne Zögern unsere eigene Entschlossenheit und
Überzeugung, daß als Endresultat unseres Vorgehens die Entscheidung stehen

- 3 -

�stehen muß, erneut gemäß den Bestimmungen der Schlußakte zusammenzukommen.
Es mag dies im diplomatischen Sinne nicht der recHe Zeitpunkt und der
rechte Ort für eine solche Erklärung sein, wie ich mi.' lehr

wohi bewußt

bin, aber dies ist 4er eine unumgängliche Weg, um unsere tiefe Verpflichtung
gegenüber diesem Prozeß und unsere Entschlossenheit zu bekunden, daß er
weiterleben und unseren Bedürfnissen gerecht werden soll.

Weniger zu tun,

hieße, unseren Bürgern, unseren Werten und den künftigen Generationen
einen schlechten Dienst erweisen. Aber nun ist es an der Zeit, sich
spezifischen Fragen zuzuwenden,
Wir alle haben mit Vergnügen und Befriedigung die von unseren Kollegen
hier rund um den Tisch abgegebenen Erklärungen gehört. Mit Vergnügen wegen
ihrer großen Beredtheit und mit Befriedigung wegen der offensichtlich
weitreichenden Übereinstimmung, die hier zum Ausdruck kam über die Art,
wie wir vorgehen, und die Ziele, die wir ansteuern sollten.

Gestatten

Sie mir, Herr Vorsitzender, daß ich kurz die Punkte dieses Konsensus,
wie sie sich mir darstellen, zusammenfasse.
Zunächst einmal scheint es unter uns weitgehende Übereinstimmung
hinsichtlich der Vorteile des "Gelben Buches" zu geben, das unser Treffen
in Belgrad bestimmte. Einige meiner Kollegen haben Bereiche genannt, in
denen jene Verfahrenweisen verbessert werden könnten; andere haben darauf
gedrängt, die Belgrader Verfahrensweisen genau einzuhalten. Aber Übereinstimmung scheint darüber zu herrschen, daß sie der geeignete Ausgangspunkt
für unsere Beratungen darstellen. Lassen Sie mich sagen, daß meine Regierung
mit dieser Verfahrensweise völlig übereinstimmt. Wie einige meiner
Kollegen bereits ausgeführt haben, waren diese Belgrader Verfahrensweisen
nicht perfekt. In der Tat gerieten wir stark in die Versuchung, Änderungen
vorzuschlagen, die unseren Bedürfnissen und unserer Bewertung entsprachen. Aber
jene Verfahrensweisen haben funktioniert. Ich brauche Sie nicht noch einmal
an die Meinungsverschiedenheiten zu erinnern, die zu überwinden waren,
um eine solche Liste von Verfahrensregeln aufzustellen; und sicher sollte

- 4 -

�2

^

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. September 1980

42

BOTSCHAFTER KAMPELMAN: KSZE-PROZESS MUSS FORTGESETZT WERDEN
- Erklärung auf dem Vorbereitungstreffen in Madrid -

MADRID

- (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation beim

Vorbereitungstreffen für die Folgekonferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), Botschafter Max Kampelman, hat am 11. September 1980
in Madrid in einer Erklärung die Überzeugung zum Ausdruck gebracht, daß
der KSZE-Prozeß sich "bester Gesundheit" erfreue, und unterstrichen, daß
die USA diesem Prozeß und seiner Fortsetzung verbunden sind.
Die Erklärung Kampelmans hat folgenden Wortlaut:
Verehrte Mitdelegierte,
ich erhebe mich hier heute nachmittag als Vertreter der Regierung
der Vereinigten Staaten. Es ist dies der dritte Tag unserer Beratungen,
und ich bemerke an mir selbst einen höheren Grad der Oberzeugung davon,
daß der KSZE-Prozeß sich bester Gesundheit erfreut.
Ich

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
T e | e x : 08-85432

�Ich bin hierher im Namen meiner Regierung gekommen - entschlossen,
unsere Ansicht darüber zu vertreten, daß wir diesem Prozeß und seiner
Fortsetzung als einem integralen und unabdingbaren Teil unserer internationalen Verpflichtungen verbunden sind.

Es ist für mich eindeutig,

daß diese Überzeugung meiner Regierung auch von den anderen Staaten geteilt
wird, die Mitunterzeichner der Schlußakte von Helsinki im Jahre 1975
waren.

Dies gibt mir eine große persönliche Befriedigung und ermöglicht

meiner Regierung eine noch höhere Wertschätzung der Tatsache, daß wir alle
gemeinsam einem edlen Werk im Namen des Friedens verpflichtet sind.
Wir haben dies bei der Vorbereitung für unsere Zusammenkünfte in
Madrid in diesem Monat mit allem Bedacht im Auge gehabt, weil wir alle
wünschen, daß die eigentliche Konferenz, die im November beginnt, ein
Erfolg sein möge.

Ein jeder von uns mag unterschiedliche Auffassungen

darüber haben, wie wir einen solchen Erfolg messen sollten, aber ich
glaube, daß ein Element einer jeden solchen Definition gemeinsam ist - das
unbedingte Eintreten für den Frieden, für die Sicherheit und für die
ewigen Grundsätze der menschlichen Würde, die ein unabdingbarer Teil der
Schlußakte von Helsinki sind.
Mit allergrößter Dankbarkeit ziehe ich als Bürger der Vereinigten
Staaten und als Vertreter meines Landes den Hut vor jenen unter den heute
Anwesenden, die mitgeholfen haben am Aufbau des KSZE-Systems, das sich
heute in der internationalen Gemeinschaft seinen Weg bahnt. Es hilft
uns bei unserem Streben nach Frieden. Jene unter Ihnen, die den Vorzug
hatten, an den Beratungen von Genf, Helsinki und Belgrad teilzunehmen,
haben die Dankbarkeit und Anerkennung von uns allen verdient.
Was als eine Art von Experiment in den internationalen Beziehungen
begann, ist zu einer lebendigen Institution geworden - einer Institution,
die sich entwickelt und wächst in dem Maße, wie sich unsere Probleme
verschärfen und aber auch unsere Chancen sich darbieten.

- 2 -

Unsere Anwesenheit

�sollte die Tatsache, daß wir uns jener Schwierigkeiten bewußt sind, uns
äußerste Zurückhaltung bei erneuter Änderung diese-- Verfahrenweisen auferlegen - ausgenommen solcher Änderungen, die sich aus dem Offenkundigen
ergeben, wie etwa Änderungen bei Zeit und Ort.
Meine Delegation hegt Zuversicht, daß sich das Gesetz der Vernunft
in unseren Verhandlungen durchsetzen wird,

Es gibt nützliche Änderunger;

um unseren Bedürfnissen und Bewertungen zu entsprechen, die im Rahmen der
mutatis mutandi-Formel aufgenommen werden sollten.

Wir hoffen, daß diese

Änderungen nicht Gegenstand einer Kontroverse zwischen uns werden.

Sollten

andere jedoch der Meinung sein, sie seien strittig, so werden wir sicherlicn
nicht insistieren, sondern diese Tatsache anerkennen.
Ich möchte Ihnen folgenden Vorschlag zur sorgfältigen Überlegung
unterbreiten: daß es unserer Ansicht nach weit besser ist, die Verfahrensweisen unverändert und wie im "Gelben Buch" dargelegt zu übernehmen, über
die wir bereits vorher Übereinstimmung erzielt haben, anstatt dieses Treffen
hier noch einmal für Empfehlungen zu öffnen, die getane Arbeit ungeschehen
machen und uns in eine lange - und womöglich fruchtlose - Debatte stürzen
würden.

Was uns angeht, so werden wir nichts unternehmen, um die Über-

einkunft hinsichtlich der Verfahrensweisen zu gefährden, die sich in
Belgrad durchsetzten und die unserer Meinung nach die einzig vernünftige
Grundlage für Madrid abgeben.
Ebenso scheint unter uns in zunehmendem Maß das Gefühl zu herrschen,
daß wir unsere Beratungen in einem Geist der Vernunft und des Pragmatismus
abhalten und unsere Pflichten rasch erfüllen und sodann zwecks Vorbereitung
der umfangreichen Diskussionen nach Hause zurückkehren sollten, die im
November beginnen werden.
Madrid ist schön.

Lassen Sie mich eine Tatsache feststellen:

Wir sind bereit, sc viel Zeit hier zu verbringen, wie

für unsere Aufgabe erforderlich ist - wenn auch nicht gerade die 49 Wochen,
die unser britischer Kollege als Grenze seines Ausharrungsvermögens andeutete.

- 5 -

�andeutete. Aber ich bin nicht sicher, ob zu viel Zeit unserem Prozeß
dienlich wäre.
Außerdem möchte ich, Herr Vorsitzender, noch etwas zu dem sagen,
was sich - wie ich meine - als allgemeine Übereinstimmung aus vielen
der Erklärungen herausbildet, die wir gehört haben, und aus vielen der
informellen Unterhaltungen, die wir hatten.

Diese Übereinstimmung betrifft

die Notwendigkeit, sich dessen zu erinnern, daß es sich hier um ein
Vorbereitungstreffer handelt,das - in Einklang mit Mandat und Präzedenz der Festlegung von Zeitpunkt, Dauer, Tagesordnung und anderen Modalitäten
des Haupttreffens gewidmet ist, welches nachfolgen wird.
hier, um selbständige Themen zu behandeln.

Wir sind nicht

Ja, es ist entscheidend für

den Erfolg unserer Anstrengungen - und ich glaube, hierin herrscht ebenfalls
weitverbreitetes

Einverständnis unter uns -, daß wir die Unterscheidung

zwischen der Aufgabe respektieren, für die wir uns hier im September
eingefunden haben, und den weitergehenden Aufgaben, die unsere Regierungen
vom 11. November an in Angriff nehmen werden.
Spricht man aber davon, daß die Aufgabe dieses vorbereitenden Treffens
eine begrenzte Aufgabe zu sein hat, so sagt man damit nicht, daß es eine
unwichtige Aufgabe ist. Ja, allein die Tatsache, daß wir unsere Arbeit
auf diesem Treffen gut machen, wird unsere kollektive Verpflichtung
gegenüber dem KSZE-Prozeß unterstreichen.

Es handelt sich dabei um eine

Verpflichtung, die in Madrid und bei den Folgetreffen, die nach Madrid
kommen werden, nur bekräftigt wird.
Herr Vorsitzender, ich hoffe, daß ich mit diesen kurzen Bemerkungen
nicht etwas fehlgedeutet habe, was mir die vorherrschende Stimmung hier
zu sein scheint.

Sollte dem so sein, so habe ich keine Zweifel darüber,

daß meine Kollegen mich berichtigen werden.
Herr

�Herr Vorsitzender, herausgefordert durch das gute Beispiel mehrerer
Delegationen, habe ich nach einem klassischen Zitat gesucht, das mir als
Abschluß meiner Anmerkungen dienen köntte.
angemessene spanische Quelle zu zitieren.

Es wäre gut gewesen, eine
Wäre ich mit dem Spanischen etwas

mehr vertraut, hätte ich sicherlich in dieser Sprache etwas Passendes
gefunden.

Lassen Sie mich als Ersatz ein Zitat aus einem anderen reichen

Kulturkreis anbieten, der im Rahmen der KSZE vertreten ist.

Hippokrates

legte für die Medizin eine Maxime fest, die auch für unser Streben in
diesem vorbereitenden Treffen gelten sollte:
Schaden an!

+ + + + +

- 7 -

Vor allem, richtet keinen

�42

24. September 1980

TEERSANDAUFBEREITUNG - WIRTSCHAFTLICHER UND UMWELTSCHONEND

- (AD) - Ein neues Verfahren, das von dem kanadisch-amerikanischen Unternehmen "Kruyer Tar Sands Development, Inc.," entwickelt wurde, macht die Extraktion von öl aus Teersanden wirtschaftlicher und umweltschonender.

Mit

Hilfe eines "oleophilen" Materials, das aus Forschungsarbeiten von Jan A.
Kruyer (Alberta) hervorgegangen ist, lassen sich die bitumenhaltigen Bestandteile der Teersande leichter als bei Anwendung der üblichen Verfahren herauslösen.

Bisher gewann man das im Sand gebundene öl durch Behandlung des Sandes
mit heißem Wasser und Natronlauge.

Anschließend muß das mit Schadstoffen

stark angereicherte Wasser zu Spezialklärbecken transportiert werden und dort
so lange verbleiben, bis sich die Natronlauge abgesetzt hat. Beim Kruyer-Verfahren dagegen läuft der mit Wasser versetzte Sand über ein als Förderband
konstruiertes Sieb, das mit einer oleophilen Substanz beschichtet ist. Das
öl bleibt am Sieb haften, während Sand und Wasser abgeschieden werden. Auf
diese Weise lassen sich 98 bis 99 Prozent des Öls extrahieren.
wird dem Aufbereitungsprozeß wieder zugeführt.

Das Wasser

Das dickflüssige "Rohöl"

wird vom Sieb gelöst und zu Düsentreibstoff, Benzin und anderen Produkten
weiterverarbeitet.
Jan

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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Jan Kruyer schätzt, daß der Verkaufspreis für das nach seinem Verfahren
gewonnene öl bei ca. 25 Dollar pro Barrel (Faß mit 159 Litern) liegt.

Damit

läge der Preis um fünf Dollar unter dem für Synthese-Rohöl, das man nach den
bisher üblichen Verfahren aus Teersand gewinnt.

Das Unternehmen hat inzwischen

Verhandlungen mit Landeigentümern im amerikanischen Bundesstaat Utah aufgenommen, um das neue Verfahren an sechs verschiedenen Teersanden, die in Utah
abgebaut werden, erproben zu können.

Bisher wurden dazu nur kanadische Teer-

sande als Ausgangsmaterial verwendet.

- 2 -

�</text>
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