<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<itemContainer xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/browse?output=omeka-xml&amp;page=134" accessDate="2026-11-04T21:25:36+00:00">
  <miscellaneousContainer>
    <pagination>
      <pageNumber>134</pageNumber>
      <perPage>10</perPage>
      <totalResults>2223</totalResults>
    </pagination>
  </miscellaneousContainer>
  <item itemId="2235" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2246">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/39810851f3d9c92f8f8ce9cd96f525c4.pdf</src>
        <authentication>0c03d99147e6b36a9c415ea5efa634bb</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11392">
                    <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the UnitedStates of America

530°

4. März 1992

29
BöH^ 2 -

HANDEL

HANDELSBEAUFTRAGTE LEGT DREI
HANDELSPRIORITÄTEN FÜR 1992 FEST
Bericht über das handelspolitische
Programm für 1992

GUS-HILFE

AKTION HOFFNUNG BEENDET PARTNERSCHAFT BEGINNT
Luftbrücke durch Lieferungen per
Schiff, Straße und Schiene abgelöst

WAHLEN '92

WICHTIGE ROLLE DES SÜDENS
AM "SUPERDIENSTAG"
Der Einfluß der konservativen Region

UMWELT

USA FORDERN INTEGRIERTE UMWELTSTRATEGIEN
Anhörung vor dem Kongreß
NEUE AMERIKANISCHE MASSNAHMEN ZUR
MILDERUNG DER KLIMAVERÄNDERUNGEN
Eine Übersicht der amerikanischen
Regierung
BÜRGERINITIATIVEN ORGANISIEREN SICH
FÜR UNO-UMWELTKONFERENZ
Konferenzen und Demonstrationen
geplant

PORTRAT

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

PERKINS HAT SICH IN AFRIKA EINEN
NAMEN GEMACHT
Porträt des designierten US-Botschafters
bei den Vereinten Nationen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�HANDEL
4. März 1992

HANDELSBEAUFTRAGTE LEGT DREI
HANDELSPRIORITÄTEN FÜR 1992 FEST
Bericht über das handelspolitische Programm für 1992
WASHINGTON - (AD) - Dem Büro der US-Handelsbeauftragten zufolge werden 1992 drei umfassende Ziele in
der Handelspolitik verfolgt, die zur Öffnung von Märkten und der Liberalisierung des ausländischen Handels
führen sollen.
In dem am 28. Februar 1992 veröffentlichten Bericht umreißt die Handelsbeauftragte unter anderem folgende
drei Bereiche:
erfolgreicher Abschluß der Uruguay-Runde globaler Handelsgespräche,
regionale und bilaterale Liberalisierung des Handels durch den Abschluß eines Nordamerikanischen
Freihandelsabkommens, Fortschritte bei der Initiative des Präsidenten zur Förderung der Privatwirtschaft
in den Ländern Amerikas und erweiterter Zugang zu den japanischen Märkten,
Durchsetzung der amerikanischen Handelsvereinbarungen und -gesetze zur Förderung der sektoralen
Öffnung von Märkten für Telekommunikation, Stahl, Schiffbau, Verkehrsflugzeugbau und staatliche Beschaffung.
Dem Bericht zufolge wird die Handelsbeauftragte auch die Arbeit an Umweltschutzmaßnahmen und deren
Verhältnis zur Handelspolitik intensivieren. "Die Vereinigten Staaten müssen nach besseren Mitteln suchen, um
der steigenden Zahl von Beschwerden nachzugehen, die sich aus den unterschiedlichen weltweit gültigen
Hygiene- und Sicherheitsvorschriften ergeben.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text des handelspolitischen Programms für 1992.

Das handelspolitische Programm
Die Erweiterung der Möglichkeiten für amerikanische
Firmen und Personen, Waren und Dienstleistungen im
Ausland anzubieten, ist nach wie vor ein Eckpfeiler der
Handelspolitik der Bush-Administration. Sie ist femer
ein Schlüsselelement unserer langfristigen Wachstumspolitik, da offene Märkte und zunehmende Exporte Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen in den Vereinigten Staaten zur Folge
haben.
Seit 1988 haben die Exporte in der Tat um nahezu 90
Milliarden Dollar zugenommen und schätzungsweise
1,8 Millionen neue exportbezogene Arbeitsplätze
geschaffen. Hätten die Exporte nicht expandiert, wäre
die Wirtschaftsflaute noch gravierender gewesen.
1991 war auch geopolitisch ein bemerkeswertes Jahr.
Die Nationen in Europa, Lateinamerika und Afrika
strebten weiterhin nach einer mehr marktwirtschaftlich
AMERIKA DIENST 9

orientierten Wachstumspolitik und weg von den planwirtschaftlichen, protektionistischen, zum Scheitern
verurteilten Maßnahmen der Vergangenheit.
Die Bush-Administration verfolgt 1992 drei umfassende handelspolitische Ziele:
a)

den Abschlu ß der Uruguay-Runde multilatera'e r Handelsgespräche. Das GATT-System hat
der Welt 40 Jahre lange gute Dienste geleistet,
mL|
ß jedoch überarbeitet werden, wenn es mit
den sich verändernden Handelspraktiken und
-problemen Schritt halten will.

b

Fortsetzung unserer Arbeit zur Förderung der
Liberalisierung des Handels auf bilateraler und
regionaler Ebene. Unsere Ziele sind der baldmögliche Abschluß eines umfassenden Nordamerikanischen Freihandelsabkommens mit
Mexiko und Kanada, weitere Fortschritte bei
anderen regionalen Programmen wie der Intitia-

)

Seite 1

�•

c)

tive zur Förderung der Privatwirtschaft in den
Ländern Amerikas und verbesserter Zugang zu
spezifischen Märkten wie dem japanischen. Die
amerikanischen Exporte nach Japan haben in
den vergangenen 3 Jahren um 30 Prozent
zugenommen und bewiesen, daß Fortschritte
möglich sind, jedoch noch immer zahlreiche
struturelle und sektorale Handelshemmnisse
bestehen.

ten und zu neuen und besser bezahlten Arbeitsplätzen
für amerikanische Arbeitnehmerführen. Schätzungen
von Ökonomen zufolge - denen wir uneingeschränkt
vertrauen - wird ein gutes Abkommen der UruguayRunde in den Vereinigten Staaten und weltweit zu
einem Nettozuwachs bei Arbeitsplätzen und einem
beachtlichen Anstieg des Lebensstandards führen.

Durchsetzung unserer Handelsabkommen und
Ausübung von Druck durch den amerikanischen
Markt und amerikanische Handelsgesetze zur
Förderung der weiteren Öffnung sektoraler Märkte
wie etwa für Telekommunikation, Stahl, Schiffbau, Verkehrsflugzeugbau und staatliche Beschaffung.

Nord- und Lateinamerika

Darüber hinaus werden das Büro der Handelsbeauftragten sowie andere für Umwelt, Hygiene- und Sicherheitsnormen zuständige Behörden 1992 neue
Aufgabenbereiche übernehmen. Während die Welt
immer interdependenter wird, müssen wir Mechanismen finden, mit denen die Nationen Normen zum
Schutz der Öffentlichkeit und des Gemeinwohls unter
angemessener Berücksichtigung der Rechte anderer
Nationen verabschieden können.
Diese Übersicht vermittelt einen besseren Eindruck
von den Handelsprioritäten der Administration im
kommenden Jahr.
A. Erfolgreicher Abschluß der Uruguay-Runde
Unserer Ziele und Ambitionen für die Uruguay-Runde
lauten auch im Jahr 1992 gleich. Wir möchten das
multilaterale Handelssystem besser an die aktuellen
Handelsmuster anpassen, indem wir neue Regeln für
Dienstleistungen, Investitionen, Landwirtschaft und
nichttarifäre Handelshemmnisse - der herkömmlichen
Aufgabe des GATT - einführen.
Am 20. Dezember 1991 veröffentlichte der Generaldirektor des GATT, Arthur Dunkel, einen auf die Erkenntnisse der vergangenen fünf Verhandlungsjahre gegründeten Entwurf für einen endgültigen Vertrag. Obwohl
alle Nationen einschließlich der Vereinigten Staaten
Vorbehalte gegenüber bestimmten Textabschnitten
zum Ausdruck gebracht haben, besteht Konsens, daß
der Vertragsentwurf die Grundlage für den erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde bilden kann. Es
muß jedoch noch ein beachtliches Stück Arbeit geleistet werden, nicht zuletzt im Bereich von Verpflichtungen beim Marktzugang, wo die Nationen bestimmte
Verpflichtungen zur Senkung der tarifären und nichttarifären Handelshemmnisse eingehen und den dauerhaften Zugang für ausländische Anbieter von Dienstleistungen sicherstellen müssen.
Ein umfassendes Paket der Uruguay-Runde könnte
für die US-Wirtschaft in den nächsten zehn Jahren
einen Aufschwung in Höhe von 1 Billion Dollar bedeuSeite 2

B. Regionale und bilaterale Initiativen

NAFTA: Die ehrgeizigste in die Wege geleitete regionale Initiative sind unsere Verhandlungen über ein
trilaterales Freihandelsabkommen mit Kanada und
Mexiko. Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) wird 360 Millionen Menschen mit einer
Gesamtproduktion von über 6 Billionen Dollar einbeziehen.
Die Verbesserung des Lebensstandards in Nordamerika gereicht zu unserem Vorteil. Die amerikanischen
Waren machen nicht nur 70 Prozent der Gesamtimporte Mexikos aus, sondern die Mexikaner konsumieren auch mehr amerikanische Produkte pro Person als
die europäischen oder japanischen Verbraucher (1991
im Wert von rund 28 Milliarden Dollar). Je weiter
Mexiko wächst, desto mehr amerikanische Exporte
werden in Mexiko konsumiert und desto mehr exportbezogene Arbeitsplätze werden dort geschaffen.
Ein Freihandelsabkommen wird zur Aufrechterhaltung
und Verbesserung der von Präsident Salinas verabschiedeten wachstumsorientierten Maßnahmen beitragen. Dauerhaftes Wirtschaftswachstum in Mexiko
wird Arbeitsplätze für Mexikaner schaffen und den
Druck zur Auswanderung mildern. Zunehmender
Wohlstand wird auch uns Ressourcen zur Bekämpfung gemeinsamer Probleme wie Umweltverschmutzung und Drogenhandel sowie zur Verbesserung der
gemeinsamen Infrastruktur wie Straßen, Brücken und
Müllentsorgungsanlagen an die Hand geben.
Dank harter Arbeit haben die drei Parteien einen
fundierten, jedoch mit zahlreichen Klammern versehenen Text über ein künftiges NAFTA-Abkommen erarbeitet. In den nächsten Wochen und Monaten werden
wir unsere Arbeit mit dem Kongreß, mit unseren privatwirtschaftlichen Beratern und mit der Öffentlichkeit
fortsetzen, um Problembereiche auszumachen und
Strategien zur Erarbeitung eines endgültigen Abkommens zu entwerfen. Geschwindigkeitsoll einem guten
Abkommen nicht im Wege stehen, aber wir wollen das
Abkommen auch so rasch wie möglich zum Abschluß
bringen, damit wir bald davon profitieren können.
Die Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft
in den Ländern Amerikas (EAI): Im Juni 1990 legte
der Präsident seine Vision eines Freihandelsgebiets
von Alaska bis Argentinien dar, mit dem die beiden
Teile Amerikas durch Handel und Wohlstand einander
nähergebracht werden sollen. Die Vision des PräsiAMERIKA DIENST 9

�denten wurde mit Enthusiasmus begrüßt. Seit damals
haben die Vereinigten Staaten Rahmenabkommen zu
Handel und Investitionen (entweder einzeln oder kollektiv) mit 31 ihrer Nachbarstaaten abgeschlossen.
Die EAI zielt darauf ab, den sich in Lateinamerika und
der Karibik vollziehenden dramatischen Umbruch zu
offenen Marktwirtschaften, freiem Handel und begrenzteren staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft zu
fördern. Praktisch jede bedeutende Volkswirtschaft in
der Region hat Handels- und Investitionshemmnisse
beseitigt, und die amerikanischen Exporte in die Region (mit Ausnahme Mexikos) haben sich insgesamt
von 31 Milliarden im Jahr 1986 auf 53 Milliarden 1990
erhöht. Das "verlorene Jahrzehnt" der achtziger Jahre
wird in Lateinamerika und der Karibik vergessen sein,
wenn es uns gelingt, diese neuen Chancen zu ergreifen und ein gesünderes Verhältnis zwischen Handel
und Investitionen aufzubauen. Die EAI hat genau das
zum Ziel, und wir beabsichtigen, im Jahr 1992 auf
dieser Grundlage aufzubauen.
Gesetz über Handelspräferenzen für die
Andenstaaten (ATPA): Eine weitere Initiative des
Präsidenten zur Erweiterung des Handels in der Region ist das ATPA, mit dem Produkten aus den Andenstaaten, die den Drogenhandel bekämpfen, besserer
Zugang zu unseren Märkten gewährleistet wird. Dank
der Mitarbeit des Kongresses wurde die GesetzesvorIage1991 verabschiedet. 1992 werden wir die in Frage
kommenden Andenstaaten ermutigen, die Bedingungen des ATPA zu erfüllen und sich die Chancen des
ATPA zunutze zu machen.
Pazifisches Becken
Japan: Wie schon durch die Reise des Präsidenten
nach Japan im Januar verdeutlicht wurde, wird der
weiteren Erschließung des zweitgrößten Industrielands der Welt von der Administration nach wie vor
höchste Priorität eingeräumt.
Unsere Handelspolitik gegenüber Japan wird auf vier
Ebenen fortgesetzt. Erstens werden wir im Jahr 1992
eine Vereinbarung über die Marktöffnung für Papierprodukte anstreben (ein Markt von 65 Milliarden Dollar). Wir sehen ferner einer kartellrechtlichen Überprüfung in den Bereichen Papier, Flachglas, Automobile
und Autoteile entgegen. In jedem dieser Sektoren
haben amerikanische Erzeugnisse ihre internationale
Wettbewerbsfähigkeit bewiesen, jedoch haben Handelsschranken und die Praxis von Absprachen auf
dem japanischen Markt amerikanische Anbieter behindert oder ausgeschlossen.
Diese Verhandlungen werden andere unter Präsident
Bush ausgehandelte sektorale Vereinbarungen ergänzen, darunter Vereinbarungen über Mobiltelephone, Mobilfunk, Holzprodukte und unlängst das Abkommen über die staatliche Beschaffung von Computern.
Diese Vereinbarungen haben bereits zusätzliche
Umsätze in Millionenhöhe zur Foige gehabt.
AMERIKA DIENST 9

Zweitens werden wir auf den von Premierminister
Miyazawa gegenüber Präsident Bush eingegangenen
Verpflichtungen zur Stärkung und Erweiterung der
Initiative gegen strukturelle Hemmnisse (Structural
Impediments Initiative - SM) aufbauen. Die Sil liefert
einen systematischen Ansatz zur Öffnung des japanischen Marktes. Sie hat der japanischen Kommission
für fairen Handel bereits ein verbessertes Instrumentarium zur Verfügung gestellt, um die japanischen
Gesetze gegen Monopole durchzusetzen, zur Aufhebung von Schranken geführt, die 'Toys R Us" und
andere große Einzelhandelsketten an der Niederlassung in Japan hinderten, und zusätzliche Nischen für
private ausländische Investoren geschaffen.
Drittens werden wir im Rahmen der Uruguay-Runde
weiterhin auf verbesserten Zugang zum japanischen
Markt drängen. Wir fordern Japan auf, sich unseren
Vorschlägen beispielsweise zum Abbau von Zöllen auf
Nichteisenmetalle und Holzprodukte anzuschließen
und streben im Rahmen der Verhandlungen über
Zugang zum Dienstleistungsmarkt verbesserten Zugang zu Finanz- und juristischen Dienstleistungen an.
Der Entwurf der Schlußakte der Uruguay-Runde enthält wichtige Regelungen für amerikanische Interessen, darunter das Recht für Inhaber von Urheberrechten an audio-visuellem Material, den Verleih ihrerTonund Filmaufzeichnungen zu kontrollieren.
Schließlich werden wir mit der japanischen Regierung
bei deren weiteren Bestrebungen zur Öffnung der
verschlossenen Industriemärkte des Landes zusammenarbeiten. Die japanische Regierung hat jahrelang
Importe behindert und Partnerschaften zwischen japanischen Unternehmen und ausländischen Anbietern
entmutigt. Heute muß die Regierung eine Führungsrolle beim Aufbrechen verkrusteter Gewohnheiten und
Praktiken spielen. Ihre neue Initiative "Global Business Partnership" hat zum Beispiel 23 amerikanischen
Gro ßunternehmen konkrete Verpflichtungen zur Erhöhung ihrer Importe um 10 Milliarden Dollar bis zum Jahr
1993 abgerungen. Dieser Ansatz ergänzt die dem
Präsidenten von der japanischen Automobilindustrie
zugestandenen Verpflichtungen, ihre Ankäufe ausländischer Automobile und Autoteile in den nächsten drei
Jahren um 10 Milliarden Dollar zu steigern.
China: Im vergangenen Jahr haben wir gemäß Abschnitt 301 des Handelsgesetzes zwei Überprüfungen
gegen die Volksrepublik China eingeleitet - eine zum
mangelhaften Schutz von Urheberrechten, Patenten
und sonstigen Rechten an geistigem Eigentum, die
andere zu Marktzugangsbeschränkungen, darunter
hohe Zölle, Quoten und mangelnde Transparenz von
Bestimmungen. Die Verhandlungen über geistiges
Eigentum wurden mit einer am 17. Januar 1992 unterzeichneten Regierungsvereinbarung erfolgreich abgeschlossen. Nach ihrer Verwirklichung und Durchsetzung wird diese Vereinbarung den Schutz von Patenten, Urheberrechten und Betriebsgeheimnissen sowie
die rechtliche Durchsetzung von Rechten an geistigem
Seite 3

�Eigentum in China verbessern. Insbesondere die
pharmazeutische und Computerindustrie der Vereinigten Staaten werden von dieser Vereinbarung profitieren.

strument verbesserter wirtschaftlicher Zusammenarbeit im Pazifischen Becken dienen kann, wie etwa der
Prozeß der asiatisch-pazifischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit (APEC).

Die Verhandlungen über Marktzugang müssen spätestens am 10. Oktober 1992 abgeschlossen sein.
Während die chinesische Regierung beim Abbau einiger Handelshemmnisse Fortschritte gemacht hat,
einschließlich des Abbaus von Zöllen auf eine kleine
Kategorie von Waren und der Veröffentlichung einiger
ihrer Handelsgesetze, müssen noch ernsthafte Probleme aus dem Weg geräumt werden. Es bestehen
weiterhin hohe Zölle auf ein breites Spektrum amerikanischer Waren, Importlizenzen und Quoten sind immer
noch gültig, amerikanische Produkte werden weiterhin
diskriminierenden Normen unterworfen, und das chinesische System entbehrt der Transparenz im Hinblick auf die Verkündung und Anwendung von Handelsgesetzen und -Verfügungen. Alle diese Faktoren
müssen angesprochen werden, um die Überprüfung
erfolgreich abzuschließen.

Europa und der Mittelmeerraum

Neben diesen Untersuchungen nach Abschnitt 301
werden US-Zollbehörde und USTR weiter ermitteln
und Maßnahmen ergreifen, um Betrügereien im Textilbereich zu verhindern. Zusammen mit anderen
Behörden werden sie sich bemühen, das Problem der
von Häftlingen produzierten Waren zu behandeln.
Wir werden weiterhin mit unseren Handelspartnern
zusammenarbeiten, um den chinesischen Antrag auf
Mitgliedschaft im GATT zu prüfen.
Asien/Pazifik: Das Handelsprogramm der BushAdministration im Hinblick auf Asien und die Pazifikregion verfolgt zwei Ziele: 1) die Verbesserung des
Marktzugangs für Exporte amerikanischer Waren und
Dienstleistungen, und 2) die Emutigung von Ländern
der Region zur Einhaltung multilateraler Handelsvorschriften und Disziplinen bei der täglichen Abwicklung
ihrer handelspolitischen Maßnahmen und Praktiken.
Für den erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde
benötigen wir die aktive Beteiligung Koreas sowie der
sechs Staaten des Verbands südostasiatischer Staaten (ASEAN) - Thailand, Indonesien, Malaysia, die
Philippinen, Brunei und Singapur -, insbesondere bei
den Verhandlungen über Marktzugang. Wir messen
der Verwirklichung unserer Vorschläge zum Abbau
von Zöllen mit ASEAN sowie eines verstärkten Zugangs zu ihren Dienstleistungsmärkten, insbesondere
den Finanzdienstleistungen, große Bedeutung bei.
Zu unseren langfristigen Zielen gehören: Mitgliedschaft Koreas in der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die Beteiligung Taiwans am GATT, die Beendigung des Entwicklungslandstatus für die ASEAN-Staaten sowie die
Schaffung einer regionalen Organisation, die als In-

Seite 4

Die Europäische Gemeinschaft (EG): Die aus zwölf
Ländern bestehende EG bleibt insgesamt unser wichtigster Handelspartner und Standort für den Großteil
unserer Investitionen in Übersee. Seit 1983 erzielen
die Vereinigten Staaten gegenüber der EG einen kleinen aberwachsenden Handelsüberschuß.
Unser wichtigstes Ziel gegenüber der EG wird im Jahr
1992 der angestrebte Abschluß der Uruguay-Runde
sein. Im Gegensatz zum Eindruck der Öffentlichkeit
haben die Vereinigten Staaten und die EG in der
Runde viel gemeinsam, darunter den Wunsch nach
stärkerem Schutz der Rechte an geistigem Eigentum
in den Entwicklungsländern, den Bedarf nach soliden
Verpflichtungen für weltweiten Marktzugang bei Waren und Dienstleistungen sowie den Wunsch zur Aufrechterhaltung strenger Vorschriften gegen Dumping.
Aber wir haben auch Meinungsverschiedenheiten, die
einen Verzögerungseffekt hatten.
Eine Reihe von sektorspezifischen Handelsproblemen
müssen mit Europa dringend behandelt werden. Wir
werden sowohl bilaterale Lösungen als auch Lösungen im Rahmen der Uruguay-Runde anstreben. Zu
unseren Anliegen gehören: staatliche Subventionen
für den Verkehrsflugzeugbau, Stahlproduzenten und
Schiffbauer, unfaire Unterstützung des Ölsaatenbereichs der EG, EG-Quoten, die die Ausstrahlung
amerikanischer Filme durch europäische Fernsehsender beschränken, staatliche Telekommunikations- und
Stromversorgungsunternehmen, die ausländische
Produkte ausgrenzen sowie Schranken gegen amen-1
kanische Lieferanten von Waren und Dienstleistungen
im Telekommunikationswesen.
Der EG-Binnenmarkt soll bis zum 31. Dezember 1992
verwirklicht sein, obwohl einige entscheidende Komponenten bis dahin noch nicht in die Praxis umgesetzt
sein werden. Über unsere normale Überprüfung der
Richtlinien für den EG-Binnenmarkt hinaus werden wir
dieses Jahr der Aushandlung akzeptablen Zugangs zu
den künftigen europäischen Regelungen in bezug auf
Normen, Erprobung und Zulassungsbestimmungen
Priorität einräumen.
Mittel- und Osteuropa: Wir werden uns weiterhin
bemühen, den aufstrebenden Demokratien in Mittelund Osteuropa sowie der ehemaligen Sowjetunion zu
helfen, indem wir die beiderseitigen Handelsmöglichkeiten erweitern. Der Präsident hat am 30. März 1991
eine Initiative zur Förderung des Handels verkündet.
Eine der darin enthaltenen Maßnahmen ist die zollfreie
Behandlung zusätzlicher Exporte aus diesen Ländern

AMERIKA DIENST 9

�nach dem Allgemeinen Präferenzsystem. Die Überprüfung wird im April beendet und veröffentlicht werden. Unser Ziel besteht darin, diese Staaten in das
offene Welthandelssystem einzugliedern und Wachstum durch Handel zu fördern.
Der Mittelmeerraum: Die Administration verfolgt in
der Region eine Reihe von Prioritäten, darunter die
Stärkung des unzureichenden Schutzes der Rechte
an geistigem Eigentum in der Türkei, die Verbesserung unseres Freihandelsabkommens mit Israel sowie
die Erweiterung unserer Handelsmöglichkeiten mit der
arabischen Welt, indem wir uns das durch Operation
Wüstensturm geschaffene positive Klima zunutze
machen.
Afrika, Vorder- und Mittelasien
Die Administration muß im Rahmen von Abschnitt 301
des Handelsgesetzes bis zum 26. Februar 1992 eine
Überprüfung des fehlenden Schutzes für Rechte an
geistigem Eigentum in Indien durchführen. Zwar wurden

in den Bereichen Urheberrechte und Warenzeichen
Fortschritte erzielt, aber in der Frage des ausreichenden Patentschutzes in der indischen Gesetzgebung
differieren unsere ansichten weiterhin erheblich.
Im Hinblick auf Afrika wünscht die Administration die
Ausweitung von bilateralem Handel und Investitionen.
Die auf dem afrikanischen Kontinent stattfindenden
Veränderungen sind in vielfacher Hinsicht ebenso
tiefgreifend wie die in der ehemaligen Sowjetunion. Im
Jahr 1992 wird die Bush-Administration weiterhin Mittel und Wege suchen, um den Zugang für amerikanische Waren und Dienstleistungen zu verbessern und
die wirtschaftlichen Bindungen zu Ländern zu verstärken, die sich von Jahrzehnten der Mißwirtschaft und
sozialistischen Politik befreien.
C. Sektorale Verhandlungen und die Umwelt
Das Stahlliberalisierungsprogramm des Präsidenten: Die Bush-Administration ist entschlossen, den
Marktkräften im Stahlbereich erneut Geltung zu verschaffen und unfaire Handelspraktiken, wie etwa staatliche Subventionen, abzubauen. Die Selbstbeschränkungsvereinbarungen - die den Handel mit Stahl über
sieben Jahre lang geregelt haben - werden am 31.
März 1992 auslaufen. Bis zu diesem Zeitpunkt hoffen
die Vereinigten Staaten ein Multilaterales Stahlabkommen mit 30 anderen Staaten (die über 90 Prozent des
Stahlhandels repräsentieren) abgeschlossen zu haben, das die meisten Subventionen im Stahlbereich
untersagen, tarifäre und nichttarifäre Handelsschranken beseitigen und einen wirksamen Schlichtungsmechanismus enthalten würde. Ohne ein solches Abkommen werden sich die amerikanischen Firmen zur
Bekämpfung unfairer ausländischer Stahlhandelspraktiken erneut auf die amerikanischen Handelsgesetze
verlassen.

AMERIKA DIENST 9

Verkehrsflugzeug- und Schiffbau: Die Administration möchte so bald wie möglich die Verhandlungen mit
dem Airbus-Konsortium (EG, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Spanien) abschließen, um den
Verkehrsflugzeugsektor den Regeln und Disziplinen
des Markts zu unterwerfen. Unser Ziel ist es, zunächst
- vorzugsweise bis April - ein Abkommen mit den
Airbus-Staaten abzuschließen und die Regeln danach
multilateral auszudehnen. Diese würden Begrenzungen der Subventionen für Forschung und Entwicklung,
ein Verbot von Produktionssubventionen und einen
Schlichtungsmechanismus vorsehen.
Die Administration möchte in der ersten Hälfte 1992
ähnliche Verhandlungen mit den wichtigsten Schiffbaunationen der Welt abschließen.
Textilien und Bekleidung: Die vierte und jüngste
Verlängerung des Mehrfaserabkommens (MFA) - das
etwa 80 Prozent unserer Textil- und Bekleidungsimporte regelt - wird am 31. Dezember 1992 auslaufen.
Bis dahin hoffen wir ein neues System ausgehandelt
zu haben: Im Rahmen der Uruguay-Runde würden die
Vereinigten Staaten einwilligen, das MFA schrittweise
abzubauen und Textilien/Bekleidung den normalen
Regeln des GATT zu unterwerfen.
Die Umwelt und andere neue Fragen: Überschneidungen zwischen umweltpolitischen Aktionen und
Handelsmaßnahmen treten immer häufiger auf. Bestimmte Programme - etwa das amerikanische Einfuhrverbot für Thunfisch, bei dessen Fang auch Delphine getötet werden, oder das EG-Einfuhrverbot für
Pelze von Tieren, die mit Eisenfallen gefangen wurden
- können unerwartete Auswirkungen auf den Handel
haben. Das Einfuhrverbot für Thunfisch wurde bereits
vom GATT angefochten. Darüber hinaus gibt es
verschiedene internationale Umweltabkommen, die
bei Nichteinhaltung handelspolitische Strafmaßnahmen vorsehen.
Im vergangenen Jahr haben die Vereinigten Staaten
und andere Länder die GATT-Arbeitsgruppe zu
Umweltfragen gestärkt. Diese wird die in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geleistete Arbeit zu Handel und
Umwelt ergänzen. Die Administration hat ferner eine
Reihe von Umweltexperten zu Mitgliedern unserer
Beratungsgremien für Handelsgespräche ernannt.
Im Laufe des Jahres 1992 werden die Vereinigten
Staaten mit ihren Partnern zusammenarbeiten, um zu
gewährleisten, daß Umweltprogramme und Handelspolitik weiterhin in Einklang stehen. Die Arbeit im
GATT wird ebenso weitergeführt wie in den Vereinten
Nationen und gemäß anderen internationalen Konventionen wie dem Montrealer Protokoll über den Abbau
der Ozonschicht und der Konvention über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten.

Seite 5

�Die Vereinigten Staaten müssen nach besseren Mitteln suchen, um der steigenden Zahl von Beschwerden nachzugehen, die sich aus den unterschiedlichen
weltweit gültigen Hygiene- und Sicherheitsvorschriften ergeben. Die Exporte zahlreicher landwirtschaftlicher Produkte der Vereinigten Staaten wurden zum
Beispiel durch variierende, gelegentlich willkürliche
Hygienevorschriften blockiert. Dem steht jedoch die
erforderliche Aufrechterhaltung der Rechte von Bundesregierung und Einzelstaaten entgegen, Hygieneund Sicherheitsvorschriften zu erlassen.
D. Durchführung der US-Handelsgesetze
1992 wird die Regierung mit Hilfe der US-Handelsgesetze ihre bilateralen, regionalen und multilateralen
Initiativen vervollständigen, um Märkte zu öffnen und
fairen Handel zu gewährleisten. Dazu zählt die vollständige Durchführung des Handelsgesetzes von 1988,
einschließlich seiner Bestimmungen zum Schutz der

Rechte an geistigem Eigentum, Telekommunikation
und staatliche Beschaffung auf eine Art, die den handelspolitischen Zielen der Vereinigten Staaten Rechnung trägt.
Femer werden die Vereinigten Staaten Marktöffnungsvereinbarungen eingehend beobachten, die im vergangenen Jahr unter Abschnitt 301 ausgehandelt wurden
und Verhandlungen über Fragen weiterführen, die
gegenwärtig unter Abschnitt 301 beantragt werden.
Unser Handelsprogramm wird weiterhin international
anerkannte Arbeitnehmerrechte auf der ganzen Welt
fördern.
Schließlich werden die Antidumping- und Ausgleichszollvorschriften, die Meistbegünstigungsklausel und
die Handelsgesetzbestimmungen zum Schutz der nationalen Sicherheit nach bestem Wissen und Gewissen angewandt.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 9

�GUS-HILFE
4. März 1992

AKTION HOFFNUNG BEENDET PARTNERSCHAFT BEGINNT
Luftbrücke durch Lieferungen per Schiff, Straße und Schiene abgelöst
WASHINGTON - (AD) - Die Aktion Hoffnung, eine
amerikanische Luftbrücke, mit der etwa 2.000 Tonnen
humanitärer Hilfsgüter in die ehemalige Sowjetunion
geliefert wurden, hat ihre Mission erfolgreich abgeschlossen und mit den Worten ihres amerikanischen
Koordinators "den Weg für Folgeaktionen massiven
Ausmaßes" bereitet.
Zwei Wochen lang legten Besatzungen der amerikanischen Luftwaffe mit 65 Flugzeugen der Typen C-5 und
C-141 nahezu 640.000 Kilometer zurück, um dringend
benötigte Hilfsgüter - darunter 16 Millionen Mahlzeiten
- aus den Vereinigten Staaten, Deutschland und der
Türkei zu 24 Orten in 11 Mitgliedstaaten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) zu transportieren.
Für US-Botschafter Richard Armitage, den Vor-OrtKoordinator der Aktion, stellt das Ende der Luftbrücke
am 26. Februar 1992 den Beginn einer Partnerschaft
nicht nur zwischen den Vereinigten Staaten und anderen Ländern, die in diesem Zusammenhang Hilfe leisteten, sondern auch zwischen privaten Hilfsorganisationen und der US-Regierung dar. Eine neue Partnerschaft wurde Armitage zufolge auch zwischen den
Vereinigten Staaten und der GUS eingeleitet, als zwei
riesige russische Transportflugzeuge des Typs Antonow 124 - die größten der Welt - am letzten Tag der
Luftbrücke Paletten mit Hilfsgütern in Frankfurt abholten.
"Wir haben den Menschen in den neuen unabhängigen
Staaten gezeigt, daß sich die Vereinigten Staaten als
Partner voll und ganz an den wirklich internationalen
Bemühungen zur Milderung und Beseitigung der Not
beteiligen", erklärte Armitage. "Wir haben den Weg für
Folgeaktionen massiven Ausmaßes bereitet." So stellte
das Landwirtschaftsministerium beispielsweise große
Mengen an Nahrungsmitteln wie Mehl, Säuglingsnahrung und Reis für den Transport in die ehemaligen
Sowjetrepubliken bereit.

AMERIKA DIENST 9

Die Vereinigten Staaten werden "der Gemeinschaft
Unabhängiger Staaten weiterhin beim Übergang zu
mehr politischer und wirtschaftlicher Freiheit zur Seite
stehen", so Pentagon-Sprecher Pete Williams, und
"mit anderen Staaten zusammenarbeiten, die zum
Erfolg dieser Aktion beigetragen haben".
Armitage verwies darauf, daß langfristig "Flugzeuge
nicht die Lösung darstellen... weil man so einfach nicht
genug Fracht transportieren kann". In Zukunft werden
die meisten humanitären Hilfsgüter per Schiff, Schiene
oder Straße in die ehemaligen Sowjetrepubliken geliefert werden - ein langsameres, aber preiswerteres
Verfahren als der Lufttransport. 14.000 Tonnen überschüssiger Nahrungsmittelrationen aus Beständen des
US-Verteidigungsministeriums wurden bereits in Pisa
für künftige Lieferungen bereitgestellt, die Anfang Juni
erwartet werden.
Armitage betonte jedoch, er werde die Möglichkeit
gelegentlicher künftiger Lufttransporte verderblicher
Güter, etwa von Medikamenten, nicht ausschließen,
da die medizinische Situation in der GUS "außerordentlich schlecht ist". Bis heute wurden dort medizinische Güter im Wert von 22,9 Millionen Dollar verteilt,
und weitere Lieferungen in Höhe von 17 Millionen
Dollar stehen bereit. Die American Hospital Association (AHA) und die US-Regierung arbeiten bereits
gemeinsam an einem Überprüfungssystem für von
Mitgliedskrankenhäusem der AHA unlängst angebotenen Medikamenten und Materialien.
Am letzten Tag der Luftbrücke dankte die Sozialministerin der Russischen Föderation, Ella Alexandrowna
Pamfilowa, mit folgenden Worten: "Wir wissen die
Hilfe und Sympathie außerordentlich zu schätzen, die
uns von den Bürgern der Vereinigten Staaten, Deutschlands und anderer Länder zuteil wird", erklärte sie. "Wir
sind mit einer Reihe von Problemen konfrontiert, und
wir machen nach wie vor Fehler, weil unser Weg zur
Demokratie sehr schwierig ist. Wir sind jedoch davon

Seite 1

�überzeugt, daß wir mit Ihrer Hilfe und... Sympathie in
der Lage sein werden, diese Schwierigkeiten früher zu
überwinden, als uns dies allein möglich wäre."

Agency, American Orthodox Church, CARE, CitiHope
International, Mercy Corps International, die Heilsarmee und das Rote Kreuz.

Amerikanische Teams, die die am 10. Februar begonnene Hilfsaktion organisierten, fanden rasch heraus,
daß verschiedene Städte gegensätzliche Bedürfnisse
und unterschiedliche Prioritäten hatten. Während zum
Beispiel in St. Petersburg Milch besonders wichtig war,
war in Aschchabad der Bedarf an Medikamenten größer als der an Nahrungsmitteln. Armitage zufolge
waren die Bürger von Aschchabad froh über die Lieferungen und stellten fest, daß bisher immer "Moskau
alles bekommen hat". Die psychologische Wirkung
der Lieferungen war fast ebenso wichtig wie die Güter
selbst, erklärte er.

Während der Luftbrücke brachten die Russen häufig
ihr Erstaunen über so viele amerikanische Frauen in
Uniform zum Ausdruck. Leutnant Stephanie
Hofcombe
erklärte, man habe ihr gesagt, russische Frauen dürften beim Militär Bürotätigkeiten ausüben, aber nicht als
Flugzeugbesatzung arbeiten, wie sie es während der
Luftbrücke beobachten konnten. Sowohl Pilot als auch
Dolmetscher an Bord des Flugzeugs nach Duschanbe
waren Frauen.

Jede Palette wurde mit einer Liste des Inhalts und ins
Russische übersetzten Anweisungen geliefert, um den
Empfängern die beste Verwendung der Güter zu erleichtern. "Eine ganze Reihe von Übersetzern haben
sehr hart gearbeitet, um zu erklären, was genau sich in
jeder dieser Lieferungen befindet", stellte Armitage
fest.
Die Luftbrücke flog folgende Ziele an: Eriwan (Armenien), Baku (Aserbaidschan), Bischkek (Kyrgysstan),
Aschchabad (Turkmenistan), Minsk (Weißrußland),
Taschkent (Usbekistan), Duschanbe (Tadschikistan),
Kischinew (Moldowa), Kiew, Charkow und L'wow
(Ukraine), Alma-Ata und Semipalatinsk (Kasachstan),
Moskau, St. Petersburg, Nowokusnetz, Kemerowo,
Perm, Jekaterinenburg, Tscheljabinsk, Archangelsk,
Ulan-Ude, Tschita und Irkutsk (Rußland). Obwohl
aufgrund der politischen Unruhen in Georgien keine
Hilfsgüter dorthin geliefert wurden, verprach Armitage,
daß dies in Zukunft der Fall sein werde.
Eine Reihe anderer Länder haben Spenden zu der
Hilfsaktion beigetragen, darunter Belgien, das Milch
beisteuerte, und Italien, das Orangen zur Verfügung
stellte. Deutschland, Japan, Katar, die Vereinigten
Arabischen Emirate und Norwegen spendeten Nahrungsmittel und Medikamente, Großbritannien Babynahrung und medizinische Hilfsgüter. Die Türkei,
Kanada, Frankreich, Portugal und Spanien leisteten
unterschiedliche Beiträge.
Zu den an der Verteilung beteiligten privaten Hilfsorganisationen zählen: the Diocese of the Armenian Church
of America, Catholic Relief Services, Worldvision Relief
and Development, Russian Winter Campaign,
Brother's
Brother Foundation, Sister Cities, American Jewish
Joint Development, Adventist Development Relief

* *

Seite 2

Major Susan Ives und Generalleutnant Albert Abramow, die hochrangigsten amerikanischen und russischen Offiziere, die die Lieferungen nach St. Petersburg koordinierten, erörterten die Rolle der russischen
weiblichen Militärs, die für gewöhnlich mit der Krankenfürsorge betraut werden. Ives stellte fest, sie sei
überrascht gewesen, daß sie beide angesichts der
noch vor einem Jahr gültigen militärischen Beschränkungen so ausführlich miteinander sprechen konnten.
Man habe die Möglichkeit gemeinsamer Ausbildungsprogramme für amerikanische und russische Offiziere
erörtert.
In einem kürzlich im Programm Press Conference
USA der Stimme Amerikas ausgestrahlten Interview
erklärte Armitage, die Vereinigten Staaten sähen ihre
Hilfe an die GUS als "Investition" in die Zukunft. Sollten
sich die Vereinigten Staaten je in einer Notlage befinden, hoffe er, die GUS würde ihre Hand in Freundschaft reichen. In seinen Gesprächen mit Ives brachte
Abramow seine Hoffnung zum Ausdruck, daß sich sein
Land eines Tages erkenntlich zeigen und den Vereinigten Staaten behilflich sein könne, sollten sie sich je
in einer Notlage befinden.
Auf lange Sicht, so Armitage, wird der Westen seine
Bestrebungen auf technische Hilfe für die GUS verlagern müssen. Wohin auch immer die amerikanischen
Teams reisten, stellten sie fest, daß "der Hunger und
Durst nach dem Know-how der technischen Hilfe noch
größer war" als der Bedarf an Nahrungsmitteln und
medizinischen Hilfsgütern.
Es liegt im Interesse der Vereinigten Staaten, des
Weltfriedens und der Stabilität, daß dem Kampf um
Demokratie Erfolg beschieden ist, fuhr Armitage fort.
Die humanitäre Hilfe der Vereinigten Staaten an die
GUS sind keine Almosen, betonte er. "Sie liegt im
nationalen Interesse."

* *

*

AMERIKA DIENST 9

�W A H L E N '9 2
4. März 1992

WICHTIGE ROLLE DES SÜDENS
AM "SUPERDIENSTAG"
Der Einfluß der konservativen Region

WASHINGTON - (AD) - Es ist nicht leicht, den amerikanischen Süden zu charakterisieren. Der sich vom
Atlantik im Westen zu den Bergen des westlichen
Texas erstreckende ungeheuer große Sonnengürtel
ist komplexer und vielschichtiger als der traditionell
ländliche "alte Süden" der Lieder und Legenden.
Es ist immer noch eine Region, in der Religion sehr
ernst genommen wird und das Militär großen Respekt
genießt - und wo man sich schnell und leicht kennenlernt. Aber der Zuzug von oftmals aus dem Norden
stammenden Außenseitern in die Städte, die Zunahme der Büroberufe und das Wachstum der Dienstleistungsindustrie sowie der steigende Einfluß schwarzer Wähler haben die Erwartungen im Süden verändert.
"Der Süden hat sich in den vergangenen 30 Jahren so
stark verändert," erklärt der Dozent an der University of
Mississippi, Charles Wilson Reagan, "daß Politik heute
viel komplizierter ist. Zwischen dem traditionellen
Süden und dem moderneren Süden findet ein Kampf
statt." Deshalb ist es für die amerikanischen Präsidentschaftskandidaten schwierig, in der Region Fuß
zu fassen.
Bei den frühen Vorwahlen und Parteiversammlungen
im letzten Monat haben die Kandidaten in den kleineren nördlichen Bundesstaaten das praktiziert, was
Beobachter "bürgernahe Politik" nennen - von Angesicht zu Angesicht, im direkten Kontakt mit den Wählern. In New Hampshire konnten sie leicht die einzelnen Städte mit dem Bus abfahren und mit vielen
Wählern direkt sprechen.
Aber der Zeitplan der Vorwahlen erfaßt jetzt auch den
Hest des Kontinents, und die "bürgernahe Politik"
weicht der "Politik für die Masse" großangelegter
Werbefeldzüge, Briefsendungen und Marathonflugreisen zwischen vielen Staaten, in denen die Bürger
gleichzeitig wählen. Am vergangenen Wochenende

AMERIKA DIENST 9

haben sich die führenden Präsidentschaftskandidaten
der Demokraten zu drei verschiedenen Debatten getroffen - eine im Westen im gebirgigen Staat Colorado,
eine im Südstaat Georgia und eine im Osten, in Maryland. Politiker wenden einen Begriff ausdernationalen
Basketballliga an, um das Tempo der Kampagne zu
beschreiben - "March madness".
Am 10. März, dem "Superdienstag", werden in Texas,
Florida, Louisiana, Mississippi, Oklahoma, Tennessee, Massachusetts und Rhode Island die Vorwahlen
und in Missouri, Delaware und auf Hawaii die Parteiversammlungen stattfinden. (Sieben dieser 11 Staaten liegen im Süden oder an der Grenze zum Süden).
Davor findet am 3. März der "Juniordienstag" statt, an
dem in Georgia, Maryland und Colorado Vorwahlen
und in Utah und Washington die Parteiversammlungen
sowohl der Demokraten und als auch der Republikaner, in Idaho und Minnesota nur die Versammlungen
der Demokraten, stattfinden (in diesen beiden Bundesstaaten werden die republikanischen Parteiversammlungen zu einem späteren Zeitpunkt abgehalten). Zwischen diesen beiden Terminen führt South
Carolina am 7. März seine Vorwahlen durch, und an
diesem Datum finden in Arizona und Wyoming Parteiversammlungen statt, die in Nevada erst am 8. März
abgehalten werden.
Nach dem Superdienstag werden die beiden wichtigsten politischen Parteien über ein Drittel der Delegierten für ihre nationalen Nominierungskonvente ausgewählt haben.
Der Superdienstag wurde von Politikern im Süden ins
Leben gerufen, die das Konzept des "starken Südens"
wieder einführen wollten, das Mitte des Jahrhunderts
zu bröckeln begann. Die Wähler im Süden erinnerten
sich immer noch daran, daß die republikanische Partei
den Norden im Bürgerkrieg vor 80 Jahren angeführt
hatte und stimmten deshalb für die Demokraten. Aber
obwohl sie in den letzten Jahren auf kommunaler und
Seite 1

�bundesstaatlicher Ebene vorwiegend Demokraten
gewählt haben, entschieden sie sich für republikanische Präsidentschaftskandidaten.
Wenn alle Staaten des Südens sich zusammenschlössen und ihre Vorwahlen am gleichen Tag abhielten,
würden sie den Parteivorsitzenden zufolge einen einzigen demokratischen Kandidaten aus ihrer Region
unterstützen, ihn durch die Partei nominieren lassen
und ins Weiße Haus katapultieren.
1988 hielten die Demokraten am Superdienstag in 20
Bundesstaaten Vorwahlen oder Parteiversammlungen ab. Aber das Ereignis konnte ihre Erwartungen
nicht erfüllen. Der Senator aus Tennessee, Albert
Gore, war ihr Wunschkandidat und siegte mehrmals
im Süden, was jedoch nicht ausreichte und zum Scheitern seiner Kampagne führte. Auf der Seite der
Republikaner gewann Präsident Bush an diesem Tag
soviele Vorwahlen, daß ihm die Nominierung durch
seine Partei sicher war.
In diesem Jahr wurde der Superdienstag in seiner
Bedeutung etwas heruntergeschraubt, und viele Staaten im Süden entschieden gegen eine Teilnahme an
einer regionalen Vorwahl. Georgia verlegte seine
Vorwahl vor, und einige andere Staaten wie Alabama,
Arkansas, Kentucky und North Carolina halten ihre
Vorwahlen später ab. Aber Texas und Florida, zwei
der bevölkerungsreichsten Bundesstaaten des Landes, bleiben beim Superdienstag, der immer noch ein
wichtiges Ereignis des Wahlkampfes ist.
An diesem Tag wird die Stärke aller Kandidaten gemessen, insbesondere die des einzigen Demokraten
aus dem Süden in diesem Jahr, dem Gouverneur von
Arkansas, Bill Clinton. Er ist der angebliche Spitzenreiterunterden demokratischen Kandidaten insbesondere im Süden, aber das muß sich noch bei einer
Vorwahl oder Parteiversammlung erweisen - bis jetzt
war er in Kontroversen über seinen Kriegsdienst und

angebliche Eheprobleme verwickelt. Clinton hat die
Unterstützung vieler Politiker im Süden, aber zum Sieg
benötigt er die Förderung sowohl der schwarzen wie
der weißen Wähler. Die Wahlbeteiligung der Schwarzen wird erwartungsgemäß nicht so hoch sein wie
1988, als für den Bürgerrechtskandidaten Reverend
Jesse Jackson Unterstützung mobilisiert wurde.
Am Superdienstag wird sich auch erweisen, ob der
frühere Gouverneur von Massachusetts, Paul Tsongas, außerhalb seines Heimatstaats Neuengland
gewinnen kann und ob der Sieg des Senators von
Nebraska, Bob Kerrey, bei den Vorwahlen in South
Dakota diesem Auftrieb gegeben hat.
Bei den Republikanern wird Bush seine Beziehung
zum Süden ins Spiel bringen. Er ist zwar in Neuengland geboren und zur Schule gegangen, war aber
Geschäftsmann und Kongreßabgeordneter in Texas
und hat immer noch einen Wohnsitz in Houston. Nach
seinem überwältigenden Sieg am Superdienstag 1988
gibt es keine Anzeichen, daß er in den wohlhabenden
südlichen Vororten an Unterstützung verliert, und Bush
will sich von einer Rebellion der Wähler in dem von der
Rezession betroffenen Hew Hampshire erholen. Der
Süden mit seiner stärkeren Wirtschaft gilt als friedlicheres Territorium für den Präsidenten.
Aber sein konservativer Herausforderer, Patrick Buchanan, rekrutiert andere Wählergruppen. Derfrühere
Ku-Klux-Clan-Führer David Duke ist ein weiterer Stachel in Bushs Fleisch. Sein Name wird bei allen
Vorwahlen am Superdienstag auf dem Stimmzettel
erscheinen. Viele der südlichen Bundesstaaten haben
offene Vorwahlen, das heißt, die Wähler können zwischen einem demokratischen oder republikanischen
Stimmzettel wählen, ohne der betreffenden Partei
angehören zu müssen. Buchanan und Duke hoffen
auf die Unterstützung konservativer Demokraten und
unabhängiger Wähler, die vom Präsidenten desillusioniert sind.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 9

�UMWELT
4. März 1992

USA FORDERN INTEGRIERTE UMWELTSTRATEGIEN
Anhörung vor dem Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Die Erarbeitung globaler, regionaler und nationaler Strategien zum Schutz der Umwelt
bei gleichzeitiger Förderung der Wirtschaftsentwicklung ist einem Vertreter des US-Außenministeriums zufolge
das "Hauptziel" der bevorstehenden Umweltkonferenz.
"Durch Zusammenarbeit können die Nationen der Welt grö ßere Fortschritte zur Verwirklichung einer umweltverträglichen Entwicklung machen als wenn jeder einzelne seine Programme durchführt", erklärte der Abteilungsleiter für Ozeane und internationale Umweltfragen, Curtis Bohlen, in einer Anhörung vor dem Kongreß am 26.
Februar 1992. Bohlen sprach in seiner Funktion als Leiter der US-Delegation für die Vorbereitung der UNOKonferenz über Umwelt und Entwicklung, die im Juni in Brasilien stattfinden soll.
Unterhändler aus über 150 Ländern versuchen, eine Vereinbarung über die Grundsätze zu erarbeiten, von denen
die Umwelt- und Wirtschaftsprogramme einzelner Länder und Nationen geleitet sein sollen, zum Beispiel Charta
Erde und Agenda 21 - ein Katalog von Maßnahmen, die jede Nation zur Förderung umweltverträglicher Entwicklung ergreifen würde.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Abteilungsleiter Bohlen im Wortlaut.
Herr Vorsitzender, ich danke für die Gelegenheit, die
Vorbereitungen der amerikanischen Delegation für die
UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung sowie
deren Bedeutung für die Vereinigten Staaten und ihre
Bürger zu erläutern. Die im allgemeinen als UNCED
bezeichnete Konferenz wird vom 1. bis 12. Juni 1992
in Rio de Janeiro stattfinden. Nächste Woche, am 2.
März, beginnt das vierte und letzte Treffen des Vorbereitungskomitees bei der UNO in New York.
Wir sehen uns in New York mit einer schwierigen
Aufgabe konfrontiert. Das Komitee muß alle zur
Verabschiedung in Rio vorgeschlagenen Dokumente
fertigstellen. Dazu zählen ein Aktionsprogramm mit
dem Titel "Agenda 21", ein Leitfaden für die nationalen
und internationalen Umwelt- und Entwicklungsbestrebungen bis zum 21. Jahrhundert, eine Erklärung der
allgemeinen Prinzipien sowie eine Erklärung der Prinzipien zum Schutz der Regenwälder. Diese sollen von
rund 160 Regierungen verhandelt werden. Die Fortschritte waren bisher verständlicherweise gering, da
solche Dokumente normalerweise einstimmig verabschiedet werden müssen. Bis heute wurde der Großteil der Entwürfe vom Sekretariat und nicht von den
Regierungen erstellt.
Darüber hinaus werden globale Konventionen über
Klima und Artenschutz zur Zeit in getrennten UNOKomitees verhandelt mit dem Ziel, sie bis zur Konferenz von Rio unterschriftsreif zu haben.

AMERIKA DIENST 9

Bedeutung der UNCED
Die Leistungen der UNCED können in der Tat etwas
bewirken. Trotz der zunehmenden Umweltschutzbestrebungen in den Vereinigten Staaten und im Ausland
und jahrzehntelanger Konzetration auf die Bedürfnisse der Entwicklungsländer waren die weltweiten Probleme der Armut und Umweltverschmutzung niemals
dringlicher. Das Hauptziel der UNCED besteht darin,
die Entwicklung globaler, regionaler und nationaler
Strategien zu verabschieden oder zu ermutigen, die
gleichzeitig der Umwelt und auch der Entwicklung
Rechnung tragen. Durch Zusammenarbeit können die
Nationen der Welt größere Fortschritte zur Verwirklichung einer umweltverträglichen Entwicklung machen
als wenn jeder einzelne seine Programme durchführt.
Dieser Grundsatz, daß alle Nationen - arm und reich eine dauerhafte Entwicklung anstreben sollten, verspricht mehrere Vorteile: effizientere Nutzung der
Ressourcen einschließlich Energie, wachsender Lebensstandard und die Aussicht, daß dieser Trend andauern
wird, bessere Gesundheit sowie das Aufhalten weiterer Umweltschäden.
Die Vereinigten Staaten werden auch materiell davon
profitieren. Umweltverträgliche Produkte, Dienstleistungen und Technologie werden im kommenden
Jahrhundert einen großen und zunehmenden Teil des
Welthandels ausmachen. Wir haben in dieser Hinsicht

Seite 1

�viel anzubieten und sollten die sich durch den Übergang zu umweltverträglicher Entwicklung bietenden
wirtschaftlichen Chancen nutzen.

andere Länder sind wir der Meinung, daß die Prioritäten für dieses Programm auf nationaler Ebene gesetzt
werden müssen.

Dauerhafte Entwicklung

Die erfolgreiche Verwirklichung der Agenda 21 wird
nach unserer Auffassung einen demokratischen Prozeß erfordern - die Beteiligung der Öffentlichkeit an
politischen Entscheidungen. Ebenso kann eine kontinuierliche Entwicklung nicht ohne die Überzeugung
und Beteiligung des Privatsektors und das Vertrauen
auf Marktmechanismen erzielt werden. Wir arbeiten
daran, daß die UNCED-Dokumente insgesamt diese
Grundsätze widerspiegeln.

Ich möchte kurz erklären, was ich unter dauerhafter
Entwicklung verstehe. Es handelt sich hierbei nicht um
ein weiteres Auslandshilfekonzept, nicht nur eine andere
Variante dessen, wie die reichen Nationen mit den
Entwicklungsländern umgehen. Im Idealfall würde
dadurch sowohl die Planung der Investoren aller Größenordnungen und Nationalitäten beeinflußt, vom
einzelnen Landwirt bis zu multinationalen Unternehmen als auch die Art und Weise, in der Regierungen
auf allen Ebenen Entscheidungen treffen und Ausgaben tätigen.
Eine kontinuierliche Entwicklung erfordert eine langfristige Perspektive: Wo wird Los Angeles in 20 oder 50
Jahren sein Trinkwasser herbekommen? Wie wird die
Welt ihre gegenwärtige Abhängigkeit vom ÖL überwinden und den Energiebedarf einer steigenden und
wohlhabenderen Bevölkerung decken? Wie werden
sich die Menschen in Bangladesh ernähren, wenn sie
keine Almosen entgegennehmen, sondern ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen? Diese Probleme
können nicht allein von der Stadt Los Angeles, der
Ölindustrie oder der Bevölkerung Bangladeshs gelöst
werden. Sie erfordern strategisches Denken, zielgerichtete Investitionen und gemeinsame Anstrengungen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene.
Eine kontinuierliche Entwicklung hei ßt Vorsorge für die
Zukunft, damit unsere Kinder und Enkel dieselben
oder bessere Chancen haben wie wir. Aber das ist nur
ein Teil des Konzepts. Es beinhaltet die vernünftige
Nutzung von Ressourcen, sowohl im Hinblick auf ihre
wirtschaftliche Effektivität als auch in Bezug auf deren
sparsamen Einsatz, damit der gegenwärtige ebenso
wie der zukünftige Bedarf gesichert werden kann. Es
erfordert ferner die Sammlung und Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie umweltverträglicher Technologien. Ebenso ist es entscheidend, daß
der Prozeß der Enscheidungsfindung in der Entwicklungs- und Wirtschaftspolitik die Sorge für die Umwelt
einschließt.
Wie wird die UNCED dies erreichen? Nicht an einem
Tag durch Regierungserlaß oder als Ergebnis einer
Zusammenkunft hochrangiger Vertreter in Rio de Janeiro.
Die UNCED kann sehr positiven Einfluß auf unsere
Welt nehmen, aber das hängt davon ab, was dort
entschieden wird und wie sehr sich die Regierungen
und internationale Organisationen für die Durchführung der Prinzipien und Programme einsetzen, die sich
in Rio ergeben. Obwohl die Schlußdokumente der
UNCED nicht verbindlich sind, sollten sie einen starken Ausdruck politischen Willens dokumentieren. Die
Agenda 21 wird eine lange Liste von Empfehlungen für
das weitere Vorgehen enthalten. Ebenso wie viele

Seite ?

Prioritäten der Vereinigten Staaten
Die Vereinigten Staaten haben die Führungsrolle bei
der Erarbeitung realistischer und erfüllbarer Programme übernommen, mit denen vordringliche Umweltund Entwicklungsprobleme gelöst werden sollen. Kein
anderes Land hat soviele konstruktive Vorschläge
unterbreitet.
Die Vereinigten Staaten betrachten die Aushandlung
einer international gültigen Konvention zum Schutz der
Wälder als wichtige Priorität. Zu Beginn des UNCEDProzesses hatten wir gehofft, zur Unterzeichnung bei
der Konferenz in Rio eine Rahmenkonvention konzipieren zu können, aber Juni 1992 war ein zu kurzfristiger Termin, zumal eine beschränkte Mitarbeiterzahl in
vielen Ländern bereits unter Druck stand, in demselben Zeitrahmen Konventionen über Klimaveränderungen und Artenvielfalt aushandeln zu müssen. Wir
konnten breite Unterstützung für die Aushandlung
einer nichtverbindlichen Grundsatzerklärung über die
Erhaltung und Pflege der Wälder verbuchen. Unser
Ziel ist die Verabschiedung der Grundsätze für die
Wälder in Rio, damit sie die Basis für baldige internationale Verhandlungen über eine Konvention zum Schutz
der Wälder bilden können.
Vor dem 3. Vorbereitungskomitee im August letzten
Jahren haben die Vereinigten Staaten einen Vorschlag
über Grundsätze zum Schutz der Wälder unterbreitet,
der die Grundelemente einer weltweit gültigen Konvention umfassen könnte. Er enthielt Grundsätze über
kontinuierliche Pflege, Erhaltung, Wiederaufforstung,
Ureinwohner, Brennholz, Forschung, Aus- und Weiterbildung, internationale Zusammenarbeit und die
Milderung der Auswirkungen von Umweltverschmutzung und Klimaveränderungen. Die 3. Vorbereitungskonferenz legte einen Entwurf vor, der zahlreiche
amerikanische Vorschläge einbezog, enthielt aber auch
problematische Aussagen über Fragen wie Finanzhilfe, Technologietransfer und Handel. In New York
müssen wir diese Meinungsverschiedenheiten ausbügeln.
Zusammenarbeit in der Technologie ist ein Bereich, in
dem die UNCED den Entwicklungsländern besondere
Vorteile bringen kann. Leider haben sich die UNCED-

AMERIKA DIENST 9

�Gespräche vor allem auf Rechte an geistigem Eigentum und das angebliche Bedürfnis der Entwicklungsländer konzentriert, Technologie gegen entsprechende Auflagen zu erhalten. Der größte Teil der umweltverträglichen und angemessenen Technologie ist allgemein zugänglich. Unserer Ansicht nach liegt der
Schutz der Rechte an geistigem Eigentum tatsächlich
im Interesse der Entwicklungsländer, damit Technologie in privatem Besitz zunehmend verfügbar wird.
Wir halten es für notwendig, den Entwicklungsländern
beim Erwerb der Fähigkeit zu helfen, ihren Bedarf an
Technologie festzustellen, sich über deren Verfügbarkeit auf dem laufenden zu halten und sie effektiv zu
nutzen. Die Vereinigten Staaten haben ein Programm
vorgeschlagen, mit dem die Entwicklungsländer besseren Zugang zu Technologie erhalten können. Unter
anderem sieht es Maßnahmen vor, die die Fähigkeit
verbessern, sich an umweltverträgliche Technologien
anzupassen und diese einzusetzen, den Entwicklungsländern die Suche nach der für sie erforderlichen
Technologie erleichtern und ihnen bei der Einschätzung ihrer Ressourcen, Zwänge und Optionen zu
helfen. Wir sind uns bewußt, daß auch das beste
Programm ohne einen politischen Rahmen versagen
wird und sind bereit, auch in diesem Bereich zu helfen.
Die effektive Durchführung der Agenda 21 wird vom
richtigen institutionellen Rahmen abhängen. Unbedingt hingewiesen werden muß auf den Punkt, daß
viele Maßnahmen in der Agenda 21 von nationalen
Regierungen oder kommunalen Verwaltungen durchgeführt werden müssen. Dabei muß jede Regierung
ihre eigenen Prioritäten bestimmen. Das schließt nicht
die Notwendigkeit der Stärkung von Institutionen und
der Zusammenarbeit der UN-Behörden in den Bereichen Umwelt und Entwicklung aus. Die Vereinigten
Staaten haben einen Sechs-Punkte-Vorschlag unterbreitet, der zumindest in einigen Punkten breite Unterstützung findet.
Wir übernehmen die Führungsrolle bei der Konzipierung detaillierter Maßnahmen im Zusammenhang mit
dem Schutz der Meere. Die Vereinigten Staaten
haben dazu vier detallierte Entwürfe über Probleme
der Meere vorgelegt, die den entsprechenden Texten
in der Agenda 21 zugrundeliegen. Wir streben die
Verabschiedung von Prinzipien zur Erhaltung der Meere
an, um menschliches Handeln zu kontrollieren, das ein
Überleben der Arten im Meer bedroht, gefährdete
Arten schützt und ungefährliche Praktiken für die
Hochseefischerei fördert. Wir messen einem Aktionsplan hohe Priorität bei, der die Ursachen der Verschmutzung der Meere auf dem Land beseitigen soll,
die eine Hauptbedrohung für den gesunden Zustand
der Meere darstellen. Andere Vorschläge umfassen
ein größeres Schwergewicht auf der Sammlung von
Daten über die Meere, Beobachtung der Umwelt und
effektivere Kontrolle der Küstenregionen.

AMERIKA DIENST 9

Um das Problem der künstlich verursachten Umweltverschmutzung in den Griff zu bekommen, haben die
Vereinigten Staaten neue internationale Ansätze für
die Probleme mit toxischen Chemikalien, festen Abfällen und Sondermüll vorgeschlagen. Wir standen bei
der UNCED an vorderster Front bei den Bemühungen,
die Harmonisierung der Systeme zur Klassifizierung
und Kennzeichnung chemischer Stoffe zu fördern.
Damit werden der Öffentlichkeit bessere Informationen zum Schutz der Gesundheit übermittelt und ein
freierer Handel ermöglicht. Die Vereinigten Staaten
haben ferner das Informationsrecht von Gemeinden
über chemische Risiken unterstützt. Dieses Programm sowie ein System zur Bestandsaufnahme
toxischer Emissionen haben in den Vereinigten Staaten zur freiwilligen Verringerungen chemischer Emissionen ermutigt.
Schließlich hat die amerikanische Delegation in der
Agenda 21 einen tragfähigen Ansatz zur Bewahrung
der Artenvielfalt betont. Unser Ansatz hebt das Ökosystem-Management und die grundlegende Rolle
wissenschaftlicher Forschung hervor. Darüber hinaus
haben sich die Vereinigten Staaten erfolgreich für
getrennte Programmbereiche zu bevölkerungspolitischen Problemen sowie zur Rolle von Frauen und
Ureinwohnern eingesetzt. Wir haben uns aktiv an der
Debatte über Entwicklungsfragen wie Armut und Siedlungswesen beteiligt.
Die Prioritäten der Entwicklungsländer
Die politischen Differenzen, die Industriestaaten und
Entwicklungsländer voneinander trennen, spiegeln
sowohl Unterschiede in Ansichten und Philosophie als
auch die reale Kluft aufgrund verschiedener Entwicklungsstufen wider. Die Entwicklungsländer sind verständlicherweise bestrebt, ihren ökonomischen Nachteil wettzumachen. Viele lassen sich nicht überzeugen, wenn wir ihnen erklären, daß Entwicklung und
umweltpolitische Ziele miteinander vereinbar sind.
Der Erfolg des Vorbereitungskomitees IV bei der Verabschiedung von Agenda 21 wird wesentlich von der
Fähigkeit der Delegierten abhängen, die Frage zu
beantworten, wie neue Ansätze zu dauerhafter Entwicklung finanziert werden sollen. Die Vereinigten
Staaten sind der Überzeugung, daß die UNCED eine
internationale Partnerschaft zur Förderung dauerhafter Entwicklung schmieden sollte. Dazu gehören eine
Überprüfung dessen, wie alle Regierungen und internationalen Institutionen Entwicklung fördern sowie die
Neuorientierung der Finanzhilfe auf dauerhafte Programme. Das auf lange Sicht wichtigste Ergebnis wird
im Engagement bestehen, sich an einer weltweiten
Anstrengung zu beteiligen. Mittel- bis langfristig werden
dauerhafte Investitionsstrategien in den Entwicklungsländern ein schnelleres Wirtschaftswachstum und
größere finanzielle Fähigkeiten hervorbringen als Ad-

Seite 3

�hoc-Entwicklung, durch die Umwelt zerstört und Ressourcen verschwendet werden. Deshalb wäre nach
unserer Ansicht der wertvollste Konsens, den die
UNCED im Hinblick auf finanzielle Ressourcen hervorbringen könnte, die Aufforderung zu einer Neuorientierung der Entscheidungsfindung im Investitionsbereich
auf dauerhafte Entwicklungsziele.
Die Konventionen
Parallel zum Vorbereitungsprozeß für die UNCEDsind
viele der daran beteiligten Länder auch bei den Verhandlungen über bindende Konventionen zum Klimawandel und zum Artenschutz zugegen. Das amerikanische Ziel ist der Abschluß dieser Verhandlungen,
damit ein solches Abkommen in Rio unterzeichnet
werden kann.
Die Verhandlungen über Klimaveränderungen gehen
in ihr zweites Jahr. Die fünfte Sitzungsrunde findet
gegenwärtig in New York statt, und die letzte wird im
April oder Mai veranstaltet. Verschiedene von den
Vereinigten Staaten eingebrachte oder unterstützte
Konzepte werden heute von den meisten Ländern
allgemein akzeptiert: insbesondere die Berücksichtigung aller Treibhausgase, die Berechnung der gegenwärtigen Emissionen nach einzelnen Ländern, die
Erstellung nationaler Reaktionsstrategien und Berichte sowie die Förderung der technischen Zusammenarbeit, um den Entwicklungsländern bei der Erarbeitung
ihrer nationalen Strategien zu helfen. Andere Fragen
stehen weiter zur Verhandlung, darunter das Ausmaß
der Verpflichtungen zum Abbau von Emissionen sowie
die Art der Finanzhilfe an die Entwicklungsländer.
Im Jahr 1989 hat das Umweltprogramm der Vereinten
Nationen auf Initiative der Vereinigten Staaten Verhandlungen über eine Rahmenkonvention zum Arten-

schutz gefordert. Dieses Konzept wurde bei den
Weltwirtschaftsgipfeln in Houston und London unterstützt. Ein Internationales Verhandlungskomitee hat
bisher vier Verhandlungsrunden abgehalten. Die
Vereinigten Staaten haben die Bedeutung des Artenschutzes im Rahmen der nationalen Gesetze und über
die nationale Rechtsprechung hinaus betont, die Zusammenarbeit bei der Sammlung von Daten und Erforschung von Arten und Lebensräumen sowie den Zugang
zu biologischen Ressourcen auf gleichberechtigter
Basis erweitert. Fortschritte im Bereich Artenschutz
wurden bei wissenschaftlichen und technischen Fragen erzielt. Die Unterhändler suchen weiterhin Mittel
und Wege, um die große Kluft zwischen Nord und Süd
in Fragen der finanziellen Ausstattung und Finanzierungsmechanismen zu überbrücken. Einige Länder
sind bestrebt, die Konvention zur Kontrolle der Biotechnikanzuwenden, eine Position, die von den Vereinigten Staaten nicht akzeptiert werden kann. Die letzte
Verhandlungsrunde vor Rio wird im Mai in Nairobi
zusammentreten.
Schlußbemerkung
Ich möchte nochmals feststellen, wie dankbar ich dafür
bin, mit Ihnen heute die amerikanischen Ziele bei der
UNCED und einige der noch anstehenden Fragen zu
erörtern. Wir begrüßen Ihren Rat zu sämtlichen Aspekten der amerikanischen Vorbereitungen für Vorbereitungskomitee 4 und die Konferenz in Rio, um zur
Verwirklichung der amerikanischen Ziele beizutragen.
Wir sehen der vollen Teilnahme von Beratern aus
Repräsentantenhaus und Senat Anfang Juni in Rio
erwartungsvoll entgegen. Eine effektive Partnerschaft
zwischen der Administration und dem Kongreß wird
einen wichtigen Beitrag zu einem erfolgreichen Ausgang des möglicherweise wichtigsten internationalen
Treffens dieses Jahrzehnts leisten.

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 9

�UMWELT
4. März 1992

NEUE AMERIKANISCHE MASSNAHMEN ZUR
MILDERUNG DER KLIMAVERÄNDERUNGEN
Eine Übersicht der amerikanischen Regierung
NEW YORK - (AD) - Die folgende Übersicht wurde am 27. Februar 1992 bei den Vereinten Nationen anläßlich
eines Treffens des mit den Verhandlungen über eine Konvention zur Erderwärmung betrauten Zwischenstaatlichen Komitees übergeben. Sie enthält die von den Vereinigten Staaten zur Reduzierung der Emissionen von
Treibhausgasen ergriffenen Maßnahmen.
Die folgenden Maßnahmen wurden von den Vereinigten Staaten in den Bereichen Energieausnutzung,
Verkehr, Einsatz schadstoffärmerer Versorgungstechnologien, Landwirtschaft und Rohstoffe sowie technische Forschung und Entwicklung eingeleitet. Femer
werden Beispiele für Maßnahmen genannt, die vom
Privatsektor und den 50 Bundesstaaten durchgeführt
werden:

Besondere Erwähnung verdienen darüber hinaus die
vielfältigen Bemühungen von Bundesstaaten und
Energieversorgungsuntemehmen, den Stromverbrauch
durch integrierte Ressourcenplanung und Initiativen
zur Nachfragesteuerung zu senken.
Verbesserungen im Verkehrswesen

verbesserte Energieausnutzung

Um Treibhausgasemissionen im Verkehrswesen zu
verringern, ergreifen wir folgende Maßnahmen:

Um den effizienten Einsatz von Energie in Industrie,
Handel und Wohnungsbau zu fördern, wurden folgende Schritte eingeleitet:

Förderung des Kombination mit mehrerer Verkehrsmittel, beispielsweise durch mehr Mautstellen auf den
Bundesautobahnen.

Verschärfung der Normen für den Wirkungsgrad von
Haushaltsgeräten und Maschinen.

Vermehrte Anschaffung von Bundesfahrzeugen, die
mit alternativen Treibstoffen betrieben werden.

Erweiterte Kennzeichnung von Geräten im Hinblick
auf deren Energieverbrauch.

Forderung an zentral betankte Fahrzeugflotten, Fahrzeuge zu kaufen, die mit alternativen Brennstoffen
betrieben werden können.

Entwicklung und Förderung von Wärmeschutznormen
für Gebäude.
Förderung von Überprüfungen der Privatindustrie im
Hinblick auf deren effizienten Umgang mit Energie.
Gründung von freiwilligen "grünen" Partnerschaften
zwischen Staat und Privatwirtschaft in den Bereichen
Beleuchtung, Verrohrung, Bürohäuser, Computersysteme, Programm für industrielle Motoren und Kühlge'äte. Dadurch soll die Energieausnutzung verbessert
werden. So haben sich zum Beispiel über 300 Großunternehmen und Energieversorger verpflichtet, freiwillig an Programmen zur Modernisierung ihrer Einrichtungen mit energiesparender Beleuchtungstechnik teilzunehmen.

AMERIKA DIENST 9

Verstärkter Einsatz von öffentlichem Personennahverkehr, Fahrgemeinschaften und Mitfahrgelegenheiten durch Anhebung der Steuerfreibeträge für Fahrten
zum und vom Arbeitsplatz.
Beschleunigung der Entwicklung einer neuen Generation von Batterientechnologie für elektrisch betriebene
Fahrzeuge durch öffentliche und private Konsortien
und
Aufstockung der Produktion von wettbewerbsfähigen
flüssigen Brennstoffen wie Äthanol aus nicht für die
Nahrungsmittelproduktion angebauten Pflanzen und
anderen erneuerbaren Biomassen durch den Einsatz
von Pilotprogrammen.

Seite 1

�Angebot von verbesserter Technologien zum Abbau
der Emissionen

sauberere und effizientere Kohletechnologien,
ein zu 60 % von der Industrie finanziertes Programm von Regierung und Industrie;

Zur vermehrten Anwendung von schadstoffärmeren
Versorgungstechnologien unternehmen wir folgende
Schritte:

Entwicklung kosteneffektiver Flüssigtreibstoffe
aus nicht der Nahrungsmittelproduktion dienender Biomasse;

Rationalisierung der Konstruktionsüberprüfung von
Erdgasrohrleitungen, Deregulierung der Verkaufsquoten für Rohrleitungen auf freien Märkten und Verbesserung des Zugangs zu Erdgasrohrleitungen.

Entwicklung von Elektro- und Hybridfahrzeugen;
Technologien auf der Basis von Solar- und
Windenergie und

Rationalisierung der Lizenzvergabe für Atomreaktoren
und Entwicklung standardisierter Konstruktionen für
die nächste Generation von Kraftwerken.
Aufstockung der Steuerfreibeträge für erneuerbare
Energien, Vorschlag einer Solarbank im Wert von 10
Millionen Dollar, die subventionierte Kredite für die
Anwendung von Solarenergie in Wohnungs- und
Bürohausbau liefert, vermehrte Wiederverwertung fester
Abfallstoffe der Gemeinde und
Rationalisierung der Lizenzvergabe für Wasserkraftwerke.
Landwirtschaft und Rohstoffe
Zusätzlich zu den im vergangenen Jahr bekanntgegebenen Bestimmungen für Mülldeponien, die jetzt auch
Methangas einbeziehen, werden die Vereinigten Staaten die vermehrte Gewinnung von Methangas im
Kohlebergbau und aus landwirtschaftlichen Quellen
fördern. Darüber hinaus gibt es ein Programm, das
folgenden Maßnahmen vorsieht:
Der jährliche Getreideanbau auf stark erodiertem Land
wird durch perennierende Pflanzen ersetzt, wodurch
die Kohlenstoffreserven des Bodens erhalten werden
und

aus Abfall gewonnene Treibstoffe.
Der Finanzierungsantrag für das Forschungsprogramm
im Bereich weltweite Klimaveränderungen wurde für
das Haushaltsjahr 1993 um 24% auf fast 1,4 Milliarden
Dollar erhöht.
Industrielle Programme zur Verringerung von Emissionen
Die US-Industrie wendet eine Reihe nationaler und
internationaler Programme zum Abbau von Treibhausgasen an und studiert auch andere Möglichkeiten
des Vorgehens. Nachfolgend Beispiele für nationale
Programme:
Der Nationale Verband der verarbeitenden Industrie,
eine Vereinigung, der 18.000 Fertigungsbetriebe angehören, verfügt über ein Ausbildungs- und Aktionsprogramm, das effektive Energienutzung in alle Bereiche der Produktion einbeziehen will;
Das Programm "Responsible Care" der chemischen
Industrie fördert sowohl die effiziente Nutzung von
Energie als auch Umweltschutzmaßnahmen;

erweiterte Baumpflanzungsprogramme in Wald- und
Stadtgebieten.

Am Programm 33/50 zum Abbau des Einsatzes toxischer Chemikalien sind über 300 Unternehmen beteiligt. Sie erklären sich zu einer Reduzierung des
Gesamtausstoßes von über 225 Millionen Pfund be-

Maßnahmen bei Forschung und Entwicklung

röli.

Damit effizientere und geringere Emissionen begünstigende Technologien langfristig auf dem Markt Fuß
fassen können, verfolgen die Vereinigten Staaten in
den folgenden Technologiebereichen nachdrücklich
Forschungs- und Entwicklungsprogramme:

Zwischen den öffentlichen Versorgungsbetrieben und
der Automobilindustrie wurden Joint ventures geschlossen, um die Entwicklung von Elektrofahrzeugen zu
fördern und

Hochleistungsmotoren für Flugzeuge und Hochgeschwindigkeitszüge;
intelligente Fahrzeuge und Autobahnsysteme;
Baustoff tech nolog ie;
Reduzierung und Recycling von Industrieabfällen;
die nächste Generation passiv sicherer Atomreaktoren;

Seite 2

200 Versorgungsbetriebe geben 2 Milliarden Dollar für
1.300 Umweltschutzprogramme aus.
Beispiele internationaler Zusammenarbeit zwischen
der US-Industrie und Betrieben in anderen Ländern
umfassen Aktivitäten in jedem wichtigen Industriezweig in allen Teilen der Welt. Mit Hilfe von Joint
ventures und gemeinsamer Forschung und Entwicklung fördern die Automobilindustrie, die petrochemische Industrie, die öffentlichen Versorgungsbetriebe,
der Bergbau und die Fertigungsindustrie der Vereinig-

AMERIKA DIENST 9

�ten Staaten die weltweite Verbreitung von Technologien, mit denen sich Treibhausgaskonzentrationen
verringern lassen.

nen. Diese Maßnahmen werden unabhängig von und/
oder zusammen mit der Bundesregierung durchgeführt. Wir haben noch keinen Maßnahmenkatalog für
alle 50 Bundesstaaten erarbeitet, aber eine Bewertung
von Programmen der Bundesstaaten und Kommunen
wird später vorgelegt werden, zusammen mit Schätzungen, welche Auswirkungen diese Programme auf
Treibhausgasemissionen haben.

Maßnahmen der Bundesstaaten und Kommunen
Die Regierungen in Bundesstaaten und die Gemeindeverwaltungen der Vereinigten Staaten ergreifen
Maßnahmen zum Abbau der Treibhausgasemissio*

AMERIKA DIENST 9

*

*

Seite 3

�UMWELT
4. März 1992

BÜRGERINITIATIVEN ORGANISIEREN SICH FÜR
UNO-UMWELTKONFERENZ
Konferenzen und Demonstrationen geplant
WASHINGTON - (AD) - Nach einem Jahr organisatorischer Vorarbeiten werden sich über 1.000 Vertreter von
Hunderten amerikanischer Umwelt-, Kirchen-, Frauen- und Wissenschaftlergruppen im März in New York
einfinden, um zu versuchen, die internationalen Verhandlungen zur Festlegung von Umwelt- und Entwicklungsprinzipien für den Rest dieses Jahrhunderts zu beeinflussen.

Bis zum Beginn der letzten Verhandlungsrunde, die im
Juni in Brasilien stattfinden soll, wird die Zahl der
Vertreter nichtstaatlicher Organisationen in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern voraussichtlich
auf 10.000 oder mehr anschwellen. Darüber hinaus
werden bei der UNO-Konferenz über Umwelt und
Entwicklung im Juni, die von einigen als Earth Summit
bezeichnet wird, weitere etwa 8.000 offizielle Delegierte aus über 150 Ländern erwartet.
"Im Vorfeld dieser Konferenz hat es mehr Aktivitäten
nichtstaatlicher Organisationen gegeben als ich jemals in der Vergangenheit beobachtet habe", meinte
Andrew Rice, der Vorsitzende des Komitees für Öffentlichkeitsarbeit der Dachorganisation U.S. Citizens
Network kürzlich in einem Interview. Der Dachverband
umfaßt über 450 nichtstaatliche Organisationen. Rice
ist ehemaliger Vorsitzender der International Development Conference, einer gemeinnützigen Organisation
in New York.
Der geschäftsführenden Direktorin des Citizens Network, Catherine Porter, zufolge ist diese Institution
bestrebt, "jedermann über die Fragen zu informieren
und auf Teilnahme an der UNO-Konferenz zu drängen". Citizens Network hat Zusammenfassungen zu
den Hunderten von Themen veröffentlicht, die in den
Verhandlungen erörtert wurden, sowie Broschüren, in
denen Möglichkeiten der Einflußnahme auf die amerikanische Politik zu diesen Fragen beschrieben werden.
Ein wichtiger Grund für die breite Beteiligung der
NGOs besteht darin, daß sie sowohl von den Vereinten
Nationen als auch von amerikanischen Regierungs-

AMERIKA DIENST 9

vertretern ermutigt wurden, sich am Verhandlungsprozeß zu beteiligen, so Rice. "Sie haben die Teilnahme
nichtstaatlicher Organisationen sehr aktiv gefördert",
erklärte er.
Die Verhandlungen sollen in Brasilien mit der Unterzeichnung einer "Agenda 21" und einer Erdcharta
abgeschlossen werden, die Vertretern des US-Außenministeriums zufolge eine Präambel der Agenda oder
ein separates Dokument sein wird.
Agenda 21 soll mindestens eine Strategie für den
Schutz der Umwelt bei gleichzeitiger Förderung der
Entwicklung bis zum Jahr 2000 festlegen. Zwischen
Industrie- und Entwicklungsländern sowie zwischen
Ländern innerhalb dieser Gruppierungen haben sich
Meinungsverschiedenheiten darüber ergeben, wie
konkret Agenda 21 diese Strategien beschreiben sollte.
Die Erdcharta wird als Grundsatzerklärung betrachtet,
die einen Rahmen für die Art von Wachstum absteckt,
das in Industrie- und Entwicklungsländern ohne
Umweltschäden stattfinden kann. UNO-Vertreter, die
mit der Organisation der Konferenz in Brasilien betraut
sind, betrachten sie als "moralischen Rahmen".
Zwei weitere Verhandlungsforen bestehen seit über
einem Jahr, und offizielle Vertreter hoffen, daß vor
oder bei der Konferenz in Brasilien Vereinbarungen
getroffen werden können. Das eine beschäftigt sich
mit Tier- und Pflanzenschutz in der ganzen Welt,
insbesondere jedoch in den tropischen Regenwäldern,
da dort die Arten Vielfalt am größten ist. Dieses Forum
sind die Verhandlungen über Artenvielfalt.

Seite 1

�Das andere Verhandlungsforum beschäftigt sich mit
Gasen wie Kohlendioxid, Methan und Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), die in die Atmosphäre aufsteigen, zu einer Erwärmung der Erde führen und
umfassende Klimaveränderungen auslösen könnten.
Amerikanische Industrieverbände sind nicht Teil des
Citizens Network und haben bei den Diskussionen
über Agenda 21 und die Erdcharta keine prominente
Rolle gespielt. Bei den Verhandlungen über die Veränderung des Erdklimas haben sie jedoch eine starke
Position bezogen.
46 Unternehmen und Wirtschaftsvereinioungen sind
der Global Climate Coalition beigetreten, weil sie sicn
Sorgen machen, daß ein Abkommen über ein Einfrieren oder die Reduzierung von Kohlendioxidemissionen schwerwiegende Auswirkungen für sie haben
könnte. Sie unterstützen die Politik der Bush-Administration zum Abschluß eines Abkommens über alle
Gasemissionen, 1*3 zur Erderwärmung führen könnten. Sie lehnen die Sonderstellung von Kohlendioxid
ab, da diese den Lebensnerv einer industriellen Wirtschaft treffen würde: die Energiegewinnung durch
Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas.

würden auch bei informellen Treffen gerne mit Delegierten zusammentreffen, weil bei diesen Gelegenheiten häufig Vereinbarungen vorbereitet würden.
Sie möchten verstärkten Zugang, weil viele der amerikanischen Haltung zu verschiedenen Themen kritisch gegenüberstehen. Sie erteilen der Bush-Administration beim Schutz der Meere und Wälder gute
Noten, stellen jedoch fest, daß ihr Sträuben gegen
zusätzliche Finanzhilfe für Entwicklungsländer diese
davon abhalten würde, neue Technologien einzuführen, die eine Industrialisierung mit geringen Umweltbelastungen gestattet.
"Ich bin von der Führungsrolle unseres^ Landes tief
enttäuscht", meinte unlängst Frances Spivy-Weber,
die Vorsitzende des Verwaltungsausschusses des
Citizens Network und Leiterin des Bereichs internationale Fragen der National Audubon Society bei einem
Forum. Sie argumentierte, weltweiter Umweltschutz
lasse sich ohne zusätzliche Hilfe für die Entwicklungsländer nicht verwirklichen.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des
Repräsentantenhauses, Dante FasceH, erklärte beim
selben
Forum, auch er wünsche sich, daß Kongreß
Bürgerinitiativen planen während der im März in New
und
Administration
eine stärkere Führungsrolle spieYork stattfindenden Verhandlungen über den Earth
len
würden.
Das
Problem
sei jedoch, die Mittel für
Summit über 20 Aufmärsche, Demonstrationen und
zusätzliche
Hilfe
aufzutreiben,
stellte er fest, ein HinKonferenzen zu einem breiten Themenspektrum. Wie
weis
auf
die
Tatsache,
daß
die
amerikanische Regiebei den vier Verhandlungsrunden des vergangenen
rung
im
vergangenen
Jahrzehnt
mit einem grpßen
Jahres wird es Vertretern der akkreditierten nichtstaatHaushaltsdefizit
gearbeitet
hat.
lichen Organisationen erlaubt sein, mit den Delegierten zu diskutieren und bei einigen Treffen auch Reden "Man ist hier äußerst vorsichtig", so Faecell.
zu halten. Amerikanische Gruppen haben erklärt, sie
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 9

�PORTRAT
4. März 1992

PERKINS HAT SICH IN AFRIKA EINEN
NAMEN GEMACHT
Porträt des designierten US-Botschafters bei den Vereinten Nationen
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bushs Nominierung von Edward Perkins als nächstem US-Botschafter bei den
Vereinten Nationen bildet den Höhepunkt der erfolgreichen Laufbahn eines der herausragendsten USDiplomaten afrikanischer Abstammung.
Perkins, 63, ein freimütiger Kritiker der Apartheid in
Südafrika, trat 1966 in den diplomatischen Dienst ein.
Seinen Aufstieg verdankt er unbeugsamer Entschlossenheit zum Erfolg, guter Ausbildung und harter Arbeit.
1978 wurde er zum Botschaftsrat für politische Angelegenheiten der Amerikanischen Botschaft in Ghana
und 1983 zum Leiter des Westafrika-Büros im USAußenministerium ernannt. 1985 wurde Perkins USBotschafter in der Republik Liberia, und ein Jahr später
überzeugte ihn George Shultz, US-Botschafter in
Südafrika zu werden. Er zögerte drei Tage und bat vor
seiner Zusage um eine Unterredung mit Präsident
Reagan. Berichten zufolge trug er maßgeblich zur
Formulierung der diplomatischen Zielsetzungen der
Administration für diese Nation bei.
Perkins scheute in Südafrika kein Risiko. Er spielte
eine führende Rolle bei den Bestrebungen der Reagan-Administration zur Liberalisierung der Apartheid.
In einem Artikel für die einflußreiche, 14tägig erscheinende Zeitschrift "Leadership" stellte er fest: "Es wird
mir zunehmend bewußt, daß ein tragfähiges politisches System hier eines sein muß, das der Bevölkerungsstruktur des Landes entspricht - nicht nur Beteiligung der oder Zusammenarbeit mit Schwarzen, sondern
eine Regierung, die die Mehrheit der Südafrikaner
wirklich vertritt."
Obwohl Perkins offiziell gegen den Rückzug amerikanischer Unternehmen aus Südafrika war, stellte er vor
einem amerikanischen Publikum fest, die amerikanischen Wirtschaftssanktionen gegen das Land seien
"Ausdruck des Abscheus des amerikanischen Volkes
gegen ein verhaßtes System".

Dem Time Magazine zufolge wurde seine Berufung
auf den Posten "von vielen Weißen (Südafrikanern) als
symbolischer Affront angesehen. Perkins... reagierte
durch Zurückhaltung, um dann in strategisch günstigen Intervallen gezielt zu kontern." In dem Artikel
wurde der Vorsitzende einer schwarzen Bürgerrechtsbewegung in Südafrika mit dem Satz zitiert: "Nach
einer Weile waren wir durch sein offensichtliches
Engagement für die südafrikanischen Schwarzen
beeindruckt."
1928 in Sterlington (Louisiana) geboren, verbrachte
Perkins seine Kindheit bei seinen Großeltern in Arkansas, die als Sklaven geboren wurden und Analphabeten waren. Später erklärte er: "Ich habe es (die
Rassentrennung in Arkansas) nicht akzeptiert, und
auch meine Großmutter hat es nicht akzeptiert. Sie
sah meine Frustration. Infolgedessen veranlaßte sie
mich und meine Cousins, uns auf den Erwerb von
Bildung als Rezept gegen die bestehenden Ungerechtigkeiten zu konzentrieren."
Perkins trat nach dem Abschuß der High School in das
US-Heer ein und wurde nach Asien versetzt. Drei
Jahre später schrieb er sich am Lewis and Clark
College in Portland (Oregeon) ein, und kurz danach
ging er zu den Marineinfanteristen.
"Ich war ein bißchen unsicher, welchen Weg ich einschlagen sollte", erklärte er später. "Das Marinekorps
bot Disziplin. Ich glaube, das war eine der besten
Erfahrungen meines Lebens."
Perkins legte 1967 im Alter von 39 Jahren seinen
Bakkalaureus der politischen Wissenschaften an der
University of Maryland ab. Zwei Jahre später trat er ins
US-Außenministerium ein und promovierte 1978 an
der University of Southern California in öffentlicher
Verwaltung.

* * * * *
AMERIKA DIENST 9

Seite 1

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11387">
                <text>04.03.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11388">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11389">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11390">
                <text>Amerikadienst 04.03.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11391">
                <text>&lt;strong&gt;1. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Handelsbeauftragte legt drei Handelsprioritäten für 1992 fest&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht über das handelspolitische Programm für 1992&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GUS-Hilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aktion Hoffnung beendet - Partnerschaft beginnt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Luftbrücke durch Lieferungen per Schiff, Straße und Schiene abgelöst&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wichtige Rolle des Südens am "Superdienstag"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der Einfluß der konservativen Region&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA fordern integrierte Umweltstrategien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung vor dem Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue amerikanische Maßnahmen zur Milderung der Klimaveränderungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht der amerikanischen Regierung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bürgerinitiativen organisieren sich für UNO-Umweltkonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Konferenzen und Demonstrationen geplant&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Porträt&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Perkins hat sich in Afrika einen Namen gemacht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten US-Botschafters bei den Vereinten Nationen&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2234" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2245">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/5da639ad4bd88c1700880d75fa104463.pdf</src>
        <authentication>a1a85667d93f66e2bbe5258c6f141837</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11386">
                    <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
8

26. Februar 1992

USA-GUS

BAKER ERWARTET ZUSAMMENARBEIT
UND HANDEL MIT GUS-STAATEN
Bericht vor Unterausschuß des
Repräsentantenhauses

USA-DEUTSCHLAND

STEUBEN UND SCHURZ ALS SYMBOLE
DEUTSCH-AMERIKANISCHER
ZUSAMMENARBEIT
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt

MENSCHENRECHTE

USA BENENNEN IN GENF
MENSCHENRECHTSVERLETZER
Rede von Botschafter Blackwell vor der
UN-Menschenrechtskommission
MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN SIND
"HAUPTURSACHE"VON
FLÜCHTLINGSSTRÖMEN
Rede von Botschafter Abram vor der
UN-Menschenrechtskommission

WAHLEN '92

DIE VORWAHLEN IN NEW HAMPSHIRE
Amerikanische Pressestimmen
UNTERSCHIEDLICHE ANSICHTEN ZUM
WELTHANDEL BEI DEN DEMOKRATEN
Tsongas gegen Handelsschranken, blinde
Vorwürfe gegen das Ausland

DROGEN

DROGENGIPFEL SOLL NETZ GEGEN
DROGENHÄNDLER AUSBAUEN
Informationsgespräch mit Martinez, Aronson
und Levitsky

KOLUMBUS

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

VERANSTALTUNGEN ZUM 500. JAHRESTAG
DER ENTDECKUNG AMERIKAS
Eine Übersicht

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�USA - GUS
26. Februar 1992

BAKER ERWARTET ZUSAMMENARBEIT
UND HANDEL MIT GUS-STAATEN
Bericht vor Unterausschuß des Repräsentantenhauses
WASHINGTON - (AD) - Mit dem Hinweis, es gebe eine "reale Aussicht, den Alptraum der atomaren Konfrontation zwischen den Supermächten hinter uns zu lassen", hat Außenminister Baker am 24. Februar 1992 die
amerikanischen Parlamentarier aufgefordert, die politischen und wirtschaftlichen Chancen in den neuen
Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu nutzen.
Vor einem Unterausschuß des Repräsentantenhauses erklärte Baker, seine soeben beendete Reise durch
mehrere Staaten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) habe bedeutsame Möglichkeiten für die
amerikanische Wirtschaft aufgezeigt sowie eine Chance, "die Saat der Demokratie in einer Region ausgebracht
zu sehen, die lange Zeit als ungastlicher Ort für politische und wirtschaftliche Freiheit galt".
Baker setzte den 15. März als Zieldatum für die Eröffnung von Botschaften in jedem der bereisten Staaten fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir Wortlautauszüge aus Bakers Bericht vor dem Unterausschuß.

Ich freue mich, vor diesem Unterausschuß zu unserem
Auslandshilfebudget für das Haushaltsjahr 1993 Stellung nehmen zu können. Mit Ihrer Erlaubnis bitte ich
darum, daß mein detaillierter schriftlicher Bericht in
das Protokoll aufgenommen wird.

Und ich bin der Überzeugung, daß dies eine Chance
ist, die wir gemeinsam mit unseren Verbündeten ergreifen müssen.

Einleitung

Die Aussichten

In den vergangenen drei Monaten habe ich 11 der 12
Staaten der ehemaligen Sowjetunion besucht. Ich
habe dabei mit den dortigen politischen Entscheidungsträgern gesprochen, ihnen unsere Politik erläutert und mir ihre Hoffnungen und Sorgen angehört. In
der vergangenen Woche habe ich eine Reise nach
Rußland, Usbekistan, Turkmenistan, Tadschikistan,
Aserbaidschan, Armenien und Moldawien abgeschlossen. Für viele Amerikaner waren mehrere dieser
Länder noch vor einem Jahr nicht mehr als obskure
Namen auf einer Landkarte. Heute stehen sie an
vorderster Front bei unseren Bemühungen, die Weltgemeinschaft stabiler demokratischer Nationen zu
erweitern.

Die folgenden Aussichten wären noch vor wenigen
Jahren unvorstellbar gewesen:

Herr Vorsitzender, in mehreren Staaten war dies mein
erster Besuch überhaupt. Ich kehre mit der Überzeugung von dort zurück, daß wir eine sich nur einmal in
hundert Jahren bietende Chance haben, den Lauf der
Geschichte zu beeinflussen und für unsere Kinder und
Enkel ein neues Zeitalter zu definieren.

AMERIKA DIENST 8

Die Aussichten und die Risiken sind groß.

Die Aussicht, daß nahezu 300 Millionen Menschen aus 70 Jahren der totalitären Herrschaft
hervortreten und ihr demokratisches Geschick
selbst in die Hand nehmen würden.
Die Möglichkeit, daß 12 neue Länder den schwierigen Prozeß in Angriff nehmen würden, um eine
lähmende Kommandowirtschaft zu pulsierenden freien Märkten umzugestalten.
Und, was vielleicht am wichtigsten ist, die reale
Aussicht, den Alptraum der atomaren Konfrontation zwischen den Supermächten hinter uns
zu lassen.
Die Risiken
Wir sollten jedoch nicht vergessen, daß auch Risiken
bestehen. Die meisten Staaten der ehemaligen

Seite 1

�Sowjetunion kämpfen mutig für die Schaffung neuer
Gesellschaftssysteme, die auf der Grundlage einer
repräsentativen und rechenschaftspflichtigen Regierung, von Rechtsstaatlichkeit und freien Märkten beruhen. Dabei drückt sie jedoch die Last von über 70
Jahren politischer und ökonomischer Mißwirtschaft.
Die Versuchungen zu ethnischen Konflikten und autoritärer Herrschaft sind weiterhin stark, und trotz dramatischer Fortschritte in der Rüstungskontrolle verbleiben bei den Staaten der ehemaligen Sowjetunion
nahezu 30.000 atomare Waffen.
Die Einbindung der neuen unabhängigen Staaten
Während meiner Reise in die ehemalige Sowjetunion
bin ich sowohl auf die Aussichten als auch die Risiken
eingegangen.
Meine Reise verfolgte drei Zielsetzungen: dem Beginn
von Aktion Hoffnung beizuwohnen, persönliche Gespräche mit den politisch Verantwortlicheil von Moldawien, Aserbaidschan, Turkmenistan, Tadschikistan
und Usbekistan zu führen, Armenien zu besuchen
sowie die russische Führung zu treffen, um militärische, wirtschaftliche und politische Fragen zu erörtern.
In Frankfurt war ich gemeinsam mit Bundesaußenminister Genscher beim Beginn von Aktion Hoffnung auf
der Rhein-Main Air Base zugegen. Ich war erfreut
feststellen zu können, daß über 10 Staaten direkt an
dieser amerikanischen Initiative teilnahmen - insbesondere die Türkei und Japan, deren Beteiligung es
weit einfacher und kostengünstiger machte, Städte im
Kaukasus, in Mittelasien und dem russischen Fernen
Osten zu erreichen. Wir haben die Zahl der amerikanischen Hilfsflüge von 54 auf 64 gesteigert und waren
in der Lage, im Rahmen des zweiwöchigen Einsatzes
bei Aktion Hoffnung Lieferungen in 24 Städte der
ehemaligen Sowjetunion zu transportieren.
Die russische Führung zeigte sich besonders erfreut
darüber, daß wir Nahrungsmittel und Medikamente zu
schwer zugänglichen Städten in Sibirien, dem Ural und
dem fernen Norden bringen konnten. Sämtliche Berichte aus den anderen unabhängigen Staaten waren
ebenfalls sehr positiv, und viele erwähnten die Tatsache, daß diese amerikanischen Hilfsflüge die ersten
humanitären Lieferungen brachten, die sie überhaupt
erhalten hatten.
Wir gingen von Anfang an davon aus, daß diese Flüge
sowohl Substanz als auch Symbolcharakter hatten.
Die Macht beider Elemente sollte nicht unterschätzt
werden. Unsere Botschaft der Hoffnung war in der
gesamten ehemaligen Sowjetunion klar zu vernehmen. Und für diejenigen, deren Leben durch das
rechtzeitige Eintreffen von Medikamenten und Nahrungsmitteln erleichtert - vielleicht sogar gerettet wurde, waren diese Flüge in der Tat substantiell.

Seite 2

Gegenwärtig werten wir die Ergebnisse der Aktion
Hoffnung aus und untersuchen gemeinsam mit unseren Verbündeten Mittel und Wege, um unsere Hilfsprogramme zu beschleunigen und auszubauen.
Von Frankfurt aus bin ich nach Kischinew, Baku,
Aschchabad, Duschanbe und Taschkent gereist, um
mit den politisch Verantwortlichen dieser neuen Staaten die Frage diplomatischer Beziehungen zu erörtern.
Bei jedem Aufenthalt habe ich die jeweiligen Prinzipien
dargelegt, deren Einhaltung die Vereinigten Staaten
im Hinblick auf demokratische politische Praktiken,
eine verantwortungsvolle Sicherheitspolitik und freie
Marktwirtschaften erwarten.
Bei jedem Aufenthalt haben die Präsidenten dieser
neuen Staaten mir die Zusicherungen gegeben, die wir
benötigen, um die diplomatischen Beziehungen voranzubringen. Wir machen uns keine Illusionen. Wir sind
uns bewußt, daß die Qualität dieser Verpflichtungen
von Staat zu Staat und von Politiker zu Politiker variiert.
Aus diesem Grund habe ich bei jedem Aufenthalt
klargestellt, daß die Art und Tiefe dieser Beziehungen
von der kontinuierlichen Einhaltung unserer Prinzipien
und der Verwirklichung der uns gegebenen Zusicherungen abhängt, auch wenn die diplomatischen Beziehungen vorankommen.
Wir haben Fortschritten bei den diplomatischen Beziehungen auch wegen einer ständigen amerikanischen
Präsenz in diesen neuen Staaten Bedeutung beigemessen. Bei jedem Aufenthalt begegnote mir ein
hohes Maß an gutem Willen gegenüber den Vereinigten Staaten, und entlang der Straßen hatten sich
Menschen versammelt, um unsere Delegation zu
begrü ßen. In jedem dieser Staaten bestehen einzigartige Chancen, da beide Regierungen und die Öffentlichkeit nach Hilfe und Rat dürsten.
Um diese Chancen zu nutzen, ist es entscheidend,
daß sich während einer schwierigen Zeit des Übergangs Amerikaner auf dem Territorium jedes dieser
Staaten befinden. Wir haben auch das Gefühl, daß
dies ein Weg ist, mit dem amerikanische Unternehmen
zur Entwicklung dieser Sektoren beitragen können, die
eindeutig nach amerikanischem Know-how, Investitionen und Waren hungern. Es bestehen zweifelsohne
Chancen für amerikanische Unternehmen, insbesondere bei der Entwicklung und Erweiterung von Märkten. Und es bestehen auch eindeutige politische
Chancen, die Saat der Demokratie in einer Region
ausgebracht zu sehen, die lange Zeit als ungastlicher
Ort für politische und wirtschaftliche Freiheit galt. Aus
diesem Grund habe ich das Ziel gesetzt, bis zum 15.
März Botschaften in jedem dieser Staaten zu eröffnen,
die ich besucht habe.
Ich bin ferner nach Armenien gereist, um der aufstrebenden Demokratie Armeniens unsere Unterstützung

AMERIKA DIENST 8

�anzubieten. Sowohl in Eriwan als auch in Baku haben
wir Nagorny-Karabach diskutiert, und ich habe den
Armeniern und Aserbaidschanern erklärt, sie seien mit
dem Aufbau ihrer eigenen unabhängigen Staaten so
sehr beschäftigt, daß das Problem Nagorny-Karabach
friedlich beigelegt werden müsse. Ich habe klargestellt, daß wir die Bestrebungen Rußlands und Kasachstans zur Vermittlung in dem Konflikt ebenso
unterstützen wir die Mission des KSZE-Berichterstatters.
Ich habe meine Reise nach Rußland am Institut für
technische Physik in Tscheljabinsk-70 im Ural begonnen. In dieser streng geheimen Einrichtung in einer bis
vor wenigen Wochen noch geschlossenen Stadt wurde ich von Arbeitern willkommen geheißen, die mich
und meine Delegation freundlich und offen begrüßten.
Mit den Wissenschaftlern dieser Einrichtung - die Los
Alamos oder Li vermore Labs vergleichbar ist - habe ich
erörtert, welche Lösungen wir gegen die Abwanderung
von Wissenschaftlern ins Ausland finden könnten.
Damit konnten wir den gemeinsamen Vorschlag weiter
verbessern, den wir dann zusammen mit Deutschland
und Rußland bekanntgegeben haben, ein internationales Wissenschaftszentrum zu gründen, um russischen Atomwissenschaftlern zu helfen. Wir sind erfreut über die positive und umfassende internationale
Reaktion auf diese Initiative, die den Konstrukteuren
von Massenvernichtungswaffen in all den neuen unabhängigen Staaten helfen werden, ihre Arbeit auf zivile
Bereiche zu verlagern.
In Moskau traf ich zu konstruktiven, zweitägigen
Gesprächen mit Präsident Jelzin und Außenminister
Kosyrew zusammen.
Im Hinblick auf Sicherheitsfragen haben wir meines
Erachtens das in die Wege geleitet, was man als neue
Sicherheitspartnerschaft zwischen Rußland und den
Vereinigten Staaten bezeichnen könnte. Wir haben
bei einem breiten Spektrum von Themen echte Fortschritte erzielt, insbesondere bei atomarer Sicherheit
und Zerstörung von Atomwaffen.
Erstens werden die Vereinigten Staaten Rußland 25
gepanzerte Eisenbahnwaggons zum Transport von
Nuklearwaffen zur Verfügung stellen. Zweitens haben
wir Rußland 250 große Spezialcontainer zum Transport von Nuklearwaffen angeboten. Drittens haben wir
gepanzerte Container für Komponenten von Nuklearwaffen angeboten und - falls diese Container ihren
Zweck gut erfüllen - haben sich die Vereinigten Staaten verpflichtet, sie in großen Mengen herzustellen.
Viertens werden unsere Experten in der nächsten
Woche zusammenkommen, um alternative Wege der
Lagerung von Plutonium und angereichertem Uran in
Ru ßland zu erörtern. Fünftens werden wir mit Ru ßland
zusammenarbeiten, um das russische Zählsystem für
atomare Materialien zu verbessern sowie Computer
und Software bereitzustellen.
AMERIKA DIENST 8

Sechstens werden wir eine technische Arbeitsgruppe
ins Leben rufen, um die Endlagerung von Plutonium
und angereichertem Uran auf eine Art zu erörtern, die
zum beiderseitigen Nutzen unsere Länder wäre.
Schließlich werden unsere Experten zusammentreffen, um Wege der Zusammenarbeit für eine unverzügliche und angemessene Reaktion auf jeden Reaktorunfall oder -Zwischenfall zu diskutieren.
Im Hinblick auf Rüstungskontrolle haben wir Fortschritte bei der Kombination der Elemente der Vorschläge unserer beiden Präsidenten erzielt, so daß die
Sicherheit für beide Seiten verbessert wird. Ferner
haben wir die Ratifizierung von START und KSE erörtert. Wir kamen überein, daß Rußland die Partei zur
Ratifizierung von START ist, und Weißrußland, Kasachstan und die Ukraine uns eine schriftliche Verpflichtung zukommen lassen sollten, in der sie ihre
rechtlich bindende Absicht zur Einhaltung und Durchführung von START bekunden.
Am wichtigsten ist, daß wir definitiv das Zeitalter des
Wettbewerbs hinter uns gelassen und Schritte zur
Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich zwischen
unseren beiden Ländern unternommen haben. In
Moskau haben wir vereinbart, unsere Gespräche über
die strategische Verteidigung zu beschleunigen. Als
ersten Schritt werden wir die Einrichtung eines gemeinsamen ballistischen Frühwarnsystems in Erwägung ziehen, das Warnsignale der Vereinigten Staaten, Rußlands und anderer Teilnehmerstaaten aufzeigen würde.
Wir haben uns femer geeinigt, unsere Bestrebungen
zur Zusammenarbeit im All zu verbessern. Wir werden
bei der Überwachung von Umweltverschmutzung vom
All aus, bei Flügen unserer jeweiligen Astronauten, bei
Gesprächen über die zivile Nutzung des Weltalls und
der möglichen Verwendung der Rettungsfahrzeuge
der Sojus-Besatzung zusammenarbeiten.
Im Geiste von Camp David haben wir auch Fortschritte
bei politischen und wirtschaftlichen Fragen erzielt. Wir
haben vereinbart, eine amerikanisch-russische Kommission zu gründen, die sich Kriegsgefangener und
vermißter Soldaten annimmt. Hierbei wird es sich um
ein gemeinsames Gremium handeln, das der Exekutive untersteht, zu dem jedoch auch Vertreter unserer
jeweiligen Legislative gehören. Wir werden ferner mit
den russischen Experten bei der Suche in Archiven
zusammenarbeiten, um herauszufinden, ob es zusätzliche Informationen über vermißte Soldaten gibt.
Im Bereich der Wirtschaft haben wir unser Gesamtkonzept für humanitäre Nothilfe, technische Hilfe und
makroökonomische Reformen erörtert. Präsident Jelzin
hat 600 Millionen Dollar zusätzlich an Kreditbürgschaften für Getreide gefordert. Wir erwägen dieses Gesuch und überdenken kreative Wege zur Steuerung
unserer Nahrungsmittelhilfe, um das Wachstum freier

Seite 3

�Märkte zy fördern. Ich habe unseren Wunsch herausgestellt, daß Rußland - und die anderen neuen unabhängigen Staaten - so schnell wie möglich Mitglied des
Internationalen Währungsfonds und der Weltbank
werden und da ß der IWF mit Ru ßland und den anderen
Staaten zusammenarbeitet, damit diese ihre wirtschaftlichen Reformpläne weiterentwickeln können. Mit der
baldigen Mitgliedschaft in den internationalen Finanzinstitutionen können diese Staaten mehr Mittel erhalten, und ihre Bestrebungen zum Aufbau von Demokratie und freier Marktwirtschaft werden gefördert.
Weitere Herausforderungen
Herr Vorsitzender, mein Besuch in den neuen unabhängigen Staaten hat mir die ungeheuren Möglichkeiten vor Augen geführt, die sich durch den Zerfall der
Sowjetunion ergeben. Aber wir dürfen die anderen
Herausforderungen, denen wir uns heute gegenübersehen, nicht außer acht lassen. Auf einige davon
möchte ich kur. eingehen.
«
Die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen bleibt
eine tödliche Bedrohung für den Weltfrieden. Enthüllungen über das moderne Atomwaffenprogramm des
Irak und das Gespenst eines Markts für sowjetisches
Know-how lehren uns eine klare Lektion: nur durch
kontinuierliche, gemeinsame Wachsamkeit - die Art
von Wachsamkeit, die uns im Golfkrieg den Sieg
gebracht hat - können wir unsere nationale und die
internationale Sicherheit gewährleisten.
In dieser Hinsicht begrüßen wir Chinas schriftliche
Erklärung vom 1. Februar - die am Samstag öffentlich
bestätigt wurde - sich an die Leitlinien und Direktiven
des Kontrollregimes für Raketentechnologie zu halten,
wie Außenminister Qian und ich im November letzten
Jahres in Beijing vereinbart haben. Dieser wichtige
Schritt stellt ebenso wie Chinas Zustimmung, dem
Nichtverbreitungsvertrag beizutreten, einen echten
Fortschritt dar - aber einen Fortschritt, den wir in den
kommenden Monaten und Jahren eingehend beobachten müssen.
Darüber hinaus begrüßen wir Präsident Jelzins Absichtserklärung, Gesetze zum Umgang mit Mehrzwecktechnologie zu verabschieden und die Entscheidung
Brasiliens und Argentiniens, Sicherheitsvorschriften
im Rahmen der IAEO zu verabschieden.
Regionale Konflikte haben sich verringert - aber nicht
überall und nicht in demselben Umfang. Alte Gegner
in Mittelamerika, Südostasien und im Süden Afrikas
geben erstmals ihr jahrzehntelanges Mißtrauen auf.
Sogar im Nahen Osten - Schauplatz von Kriegen über
Generationen, Bitterkeit und Haß - haben sich uralte
Feinde zu Gesprächen an einen Tisch gesetzt: ein
erster, aber notwendiger Schritt auf dem Weg zum
Frieden.
* *

Seite 4

Im letzten Jahr haben wir tatsächlich eine bemerkenswerte Expansion multilateraler Friedensmissionen und
Friedensinitiativen beobachtet. Vor kaum einem Monat
hat der Präsident zusammen mit 13 anderen Staatsund Regierungschefs beim Sicherheitsrat Unterstützung für die neugewonnene Bedeutung der Vereinten
Nationen für den Weltfrieden und die internationale
Sicherheit demonstriert.
Aber Friedensmissionen ziehen sich schmerzlich in
die Länge. Indien und Pakistan zum Beispiel haben
soeben erst den ersten Versuch zum Versöhnungsprozeß unternommen. Friedensmissionen in El Salvador, Kambodscha und anderen Ländern werden teuer.
Gemeinsam mit der internationalen Staatengemeinschaft müssen wirbeides dauerhaft unterstützen. Das
ist der Preis des Erfolgs.
Die Öffnung von Märkten für amerikanische Produkte
und Dienstleistungen stellt uns vor eine besonders
komplexe Herausforderung. Auf bilateraler Ebene
müssen wir verhandeln, um zu gewährleiten, daß
unsere Waren und Dienstleistungen nicht von einzelnen Auslandsmärkten verbannt bleiben. Weltweit
müssen wir die Führungsrolle übernehmen und sicherstellen, daß die Uruguay-Runde erfolgreich ist und
Handelsschranken weltweit abgebaut werden. Das ist
nicht nur für die Vereinigten Staaten eminent wichtig,
sondern auch für Entwicklungsländer und die aufstrebenden Demokratien Mittel- und Osteuropas und der
früheren Sowjetunion.
Femer müssen wir weiterhin dem Nordamerikanischen
Freihandelsabkommen Impuise geben, das letztlich
den größten Markt der Welt hervorbringen wird, mit
einer Jahresproduktion von 6 Billionen Dollar und einer
Bevölkerung von über 360 Millionen.
Schließlich, Herr Vorsitzender, sollten wir die Aufgabe
der Konsolidierung demokratischer Werte nicht vergessen. Die Demokratie hat nicht überall gesiegt. Ihr
Sieg ist sicherlich nicht zwangsläufig. In weiten Teilen
der Welt bleiben repräsentative Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ein kaum realisierter oder sogar femer
Traum. Das Beispiel Haiti ist hierfür ein tragisches
Beispiel.
Wir müssen daran denken, daß die Vereinigten Staaten nicht nur aus militärischer und wirtschaftlicher
Macht bestehen: Wir sind überall das Sprachrohr
demokratischer Werte.
Meiner Meinung nach können wir diesen und anderen
Herausforderungen gerecht werden. Ich denke, wir
können eine effektive Politik konzipieren, die unserem
Interesse an einer freien, wohlhabenden und friedlichen Welt gerecht wird. Meiner Ansicht nach wird uns
dieser Haushalt diesem Ziel ein Stück näher bringen.

AMERIKA DIENST 8

�USA-DEUTSCHLAND
26. Februar 1992

STEUBEN UND SCHURZ ALS SYMBOLE
DEUTSCH-AMERIKANISCHER ZUSAMMENARBEIT
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt
MAGDEBURG - (AD) - Bei einem Besuch der Stadt Magdeburg traf der Botschafter der Vereinigten Staaten in
Bonn, Robert M. Kimmitt, am 24. Februar 1992 mit Landes- und Kommunalpolitikern zusammen.
Bei dieser Gelegenheit übergab der Botschafter in Anwesenheit von Kultusminister Werner Sobetzko eine
Bücherspende von 6.000 Bänden an die neue Internationale Bibliothek der Stadtbücherei. Die Bücher stammen
aus der im Rahmen des Truppenabzugs schließenden amerikanischen Gemeindebibliothek in Neckarsulm.
Nach der Eintragung ins Goldene Buch der Stadt Magdeburg hielt Botschafter Kimmitt eine Rede vor der
Steuben-Schurz-Gesellschaft zu Fragen der deutsch-amerikanischen Beziehungen, der Neuordnung der
internationalen Beziehungen nach dem Ende des kalten Krieges und zum amerikanischen Engagement in den
neuen Bundesländern.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kimmitt im Wortlaut.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
als ich im vergangenen Jahr in Deutschland ankam,
war ich mir darüber im klaren, das der Arbeit in den
neuen Bundesländern ein hoher Stellenwert gegeben
werden mu ßte. Die Gründung einer Steuben-SchurzGesellschaft in Magdeburg ist ein bedeutendes Ereignis, und ich freue mich, daß mein erster offizieller
Besuch in Sachsen-Anhalt es mir ermöglicht, die Freude darüber mit Ihnen zu teilen.

Ich möchte heute nachmittag auf vierThemenbereiche
eingehen:
Erstens auf den Beitrag, den Steuben und Schurz
für die amerikanische Geschichte geleistet haben.
Zweitens auf das deutsche Erbe in Amerika.
Drittens auf die transatlantischen Beziehungen
in der Zeit nach dem kalten Krieg.
Und viertens auf Amerikas Engagement in den
neuen Bundesländern.

Ich habe absichtlich den Ausdruck "offizieller Besuch" verwendet, weil mein erster privater Besuch in
Sachsen-Anhalt im November 1960 stattfand, als mein
Vater bei den US-Streitkräften in Heidelberg stationiert
war. Damals konnte ich nur auf der Autobahn zwischen Helmstedt und Berlin an der Ausfahrt Magdeburg vorbeifahren. Also war es ein herrliches Gefühl,
heute diese Ausfahrt zu benutzen und dieser schönen
Stadt zum ersten Mal persönlich und nicht nur als
Name auf einem Schild zu begegnen.

Steuben und Schurz und die amerikanische
Geschichte

Es war ein sehr angenehmer Tag für mich, an dem ich
Magdeburg und seine Bürger kennengelernt habe.
Neben einer Anzahl interessanter Treffen hatte ich die
Ehre, eine Sammlung amerikanischer Bücher an die
Stadtbibliothek zu übergeben. Doch darüber spreche
ich später.

Carl Schurz wanderte 1852 in die USA aus. Er wurde
im Bundesstaat Wisconsin ansässig und sagte bald
der Sklaverei den Kampf an und ermutigte viele seiner
deutsch-amerikanischen Mitbürger ebenfalls dazu. Beim
Ausbruch des Bürgerkrieges trat er freiwillig in die
Armee ein und setzte sich dann als Generalmajor für

AMERIKA DIENST 8

Diese Organisation, die Steuben-Schurz-Gesellschaft,
hat zwei Namenspatrone - Friedrich Wilhelm von Steuben
und Carl Schurz - die beide außerordentlich gute
Beispiele für prominente deutsch-amerikanische Persönlichkeiten sind und dafür, was unsere beiden Völker gemeinsam haben. Ich denke, auch heute können
beide immer noch durchaus als Vorbilder gelten.

Seite 1

�den Kampf gegen die Sklaverei und für die nationale
Einheit ein. Zehn Jahre nach Beendigung des Bürgerkrieges wurde er Innenminister und kämpfte leidenschaftlich für die staatsbürgerliche Gleichberechtigung
der von der Sklaverei befreiten Schwarzen, unter
anderem auch für ihre Zulassung zur Tätigkeit im
öffentlichen Dienst. Carl Schurz war auch ein früher
Verfechter des Umweltschutzes und setzte sich besonders für den Schutz der öffentlichen Forsten ein.
Ein besonderer Grund, hier in der Landeshauptstadt
eine Steuben-Schurz-Gesellschaft zu gründen, ergibt
sich aber durch Friedrich Wilhelm von Steuben. Steuben wurde 1730 - wie Sie sicher alle • !-,sen - in
Magdeburg geboren. Aufgrund seines Fleißes und
seiner Fähigkeiten brachte er es bis zum Hauptmann
in der preussischen Armee. Nach dem Frieden von
1763 wurde er aus der Armee entlassen und gelangte
kurz nach Beginn des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges durch die Vermittlung des amerikanischen
Vertreters in Paus, Benjamin Franklin, in die neue
Welt. Steuben beeindruckte den amerikanischen
Oberbefehlshaber General Washington mit seinem
praktischen Wissen und seinen Erfahrungen, die er als
preussischer Stabsoffizier gemacht hatte, so sehr,
daß Washington ihn zum Generalinspekteur und Generalleutnant ernannte. Steuben machte aus amerikanischen Bauern und Handwerkern eine effektive Streitkraft, die eine wesentliche Voraussetzung für die Erringung der Unabhängigkeit der neuen Vereinigten Staaten war.
Diese beiden Deutsch-Amerikaner verkörpern vieles,
was wir als transatlantische Partner gemeinsam haben. Sie strebten die gleichen Werte an, die auch
unsere beiden Völker insbesondere während der letzten 45 Jahre verbunden haben: das Streben nach
Einheit und Freiheit, Demokratie und Wahrung der
Menschenrechte. So wie Steuben und Schurz viel zum
Aufbau und zum Erhalt der Vereinigten Staaten beigetragen haben, wollen wir Amerikaner den neuen Bundesländern unsere Hilfe bei der Herstellung der inneren Einheit Deutschlands in all ihren Dimensionen
anbieten.
Das deutsche Erbe in Amerika
Viele Amerikaner haben familiäre Bande zu Deutschland - nach der letzten Volkszählung fast ein Drittel. Für
viele von ihnen ist Deutschland die "alte Heimat"
geblieben. Die Vorfahren meiner Mutter kamen in der
Mitte des 18. Jahrhunderts aus der Nähe von Hannover.
Es ist schön, daß nun auch dieser Teil des Landes
leichter zugänglich ist für Amerikaner, die sich freuen,
jetzt die Wirkungsstätten von Goethe, Schiller, Luther,
Telemann und nicht zuletzt von Otto von Guericke
besuchen zu können.

Seite 2

Ein weiterer, sehr wichtiger Grund für unsere Verbundenheit mit Deutschland ist die gemeinsame Geschichte der letzten 45 Jahre mit dem westlichen Teil dieses
Landes. Diese gemeinsame Geschichte war stets
getragen von den gemeinsamen Prinzipien wie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, freier Marktwirtschaft,
Verpflichtung gegenüber den sozial Schwachen und
Wahrung der Rechte und der Freiheit des einzelnen.
Die erfreulichste Entwicklung innerhalb der deutschamerikanischen Geschichte ist dabei die deutsche
Vereinigung. Diese Entwicklung war ein stetes Ziel der
USA und ist von amerikanischer Seite von Anfang an
stets ohne irgendwelche Vorbehalte gefördert worden.
An dieser Stelle möchte ich Ihnen und Ihren Mitbürgern
aus der früheren DDR meine Hochachtung ausdrükken für Ihren Mut, mit dem Sie für eine Wende in Ihrem
Land eingetreten sind. Damit - so hoffen wir - stehen
wir Amerikaner am Ende des kalten Krieges endlich
auch am Anfang einer gemeinsamen Geschichte mit
dem östlichen Teil Deutschlands.
Die transatlantischen Beziehungen nach dem
kalten Krieg - gemeinsame Werte binden
Europa und Amerika
Dieses neue Kapitel der Geschichte eröffnet nicht nur
für Deutschland, sondern für ganz Europa sicherlich
viele neue Chancen.Die Vereingten Staaten sind und
wollen eine europäische Macht bleiben, und unsere
Politik in Europa folgt weiterhin dem Grundsatz des
einvernehmlichen Handelns von untereinander gleichberechtigten Partnern in der transatlantischen Wertegemeinschaft.
Aber Europas Gewicht, besonders in Hinsicht auf die
EG-Einigung, wird im Verhältnis zu den Vereinigten
Staaten größer. Die Vereinigten Staaten unterstützen
die Bestrebungen zur europäischen Integration genauso vorbehaltlos und energisch wie vor 35 Jahren,
als die Römischen Verträge unterzeichnet wurden.
Denn ein erfolgreiches, vereintes Europa hat positiven
Einfluß auf Stabilität, Demokratie und Wohlstand auf
der ganzen Welt. Wir Amerikaner hoffen aber, daß die
politische und wirtschaftliche Einigung der EG eher
einklammernd als ausklammernd ist und daß die EG
aufgrund ihrer inneren Stärke der Welt noch offener
gegenübertreten wird. So hoffen wir zum Beispiel, daß
die GATT-Verhandlungen für freien Welthandel bald
zu einem positiven Ergebnis kommen werden.
Auch die NATO wandelt sich in diesem neuen Kapitel
unserer gemeinsamen Geschichte. Sie ist, war und
wird stets ein defensives Bündnis durch gemeinsame
Werte verbundener Nationen sein. Angesichts der
Tatsache, daß wir noch nicht im ewigen Frieden leben
und deshalb auch in Zukunft mit Problemen rechnen
müssen, bleibt die Sicherheitsstruktur und -gewährleistung der NATO weiterhin unabdingbar. Aber obwohl

AMERIKA DIENST 8

�die NATO in einer sich rasch verändernden Welt
Stabilität gewährleistet, hat auch sie neue Aufgaben
übernommen. Im Rahmen der von Außenminister
Baker und seinem Amtskollegen Genscher vorgeschlagenen erweiterten "transatlantischen Gemeinschaft von Vancouver bis Wladiwostok" beinhalten
diese neuen Aufgaben der NATO die Institutionalisierung des Dialogs mit den Ländern Ost- und Mitteleuropas sowie den Nachfolgestaaten der Sowjetunion und
humanitäre Hilfsaktionen. Was die letztgenannten
Maßnahmen anbelangt, so konnten im Rahmen der
heutigen Luftbrücke "Aktion Hoffnung" die ersten
NATO-Militärflugzeuge in Frankfurt und Berlin in Richtung ehemalige Sowjetunion starten.
Es ist also klar zu erkennen, daß in diesem neuen
Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte die transatlantische Gemeinschaft als Ganzes sowie Deutschland und die Vereinigten Staaten als Mitglieder in eine
Phase tiefgreifenden Wandels eingetreten sind.
Sie öffnen sich nach Osten, während sich gleichzeitig
die inhaltlichen Akzente verschieben. Die Sicherheitspolitik tritt in den Hintergrund, Wirtschaft und Kultur
rücken in den Vordergrund.
Amerikas Beitrag in den neuen Bundesländern
Wirtschaft und Kultur bilden auch die Schwerpunkte
unserer Freundschaft mit den neuen Bundesländern.
Was den wirtschaftlichen Aufbau angeht, so ist das
amerikanische Engagement oder auch das anderer
Partner sicherlich nicht an dem der westdeutschen
Investoren zu messen, aber es bleibt dennoch beachtlich. Über hundert US-Konzerne sind vertreten. Allein
die fünf Spitzeninvestoren haben über zwei Milliarden
DM eingesetzt und über 20.000 Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten.
Ich habe übrigens selbst auch eine persönliche Beziehung zu Produkten aus dem Osten und weiß sie zu
schätzen. Meine Eltern haben im Jahr 1947 in Berlin
geheiratet, und ich wurde genau neun Monate später
in den Vereinigten Staaten geboren. Somit bin auch ich
"Made in Germany".
Neben der Privatwirtschaft ist die amerikanische
Regierung - vertreten durch ihre Bonner Botschaft, die
Konsulate und die Amerika-Häuser - in den neuen
Ländern aktiv. Unser Ziel besteht darin, über Amerika
und seine Rolle in der transatlantischen Gemeinschaft
zu informieren, Kontakte aufzubauen und auf diese
Weise auch die Bürger der neuen Länder Schritt für
Schritt in die freundschaftlichen Beziehungen einzubeziehen, die wir zu unseren westdeutschen Partnern
bereits seit rund 45 Jahren unterhalten.
Ein Schwerpunkt unserer Arbeit hier liegt auchauf den
Austauschprogrammen, die Menschen aus dem einen
Partnerland ins andere führen. Sie zielen überwiegend

AMERIKA DIENST 8

auf Personenkreise, aus denen sich in den nächsten
Jahrzehnten die Führungsspitzen von Politik, Wirtschaft, Medien und Geistesleben rekrutieren werden.
Viele dieser Programme bestanden schon vor dem
Fall der Mauer und wurden inzwischen auf die neuen
Länder ausgedehnt, andere werden speziell für die
neuen Länder entwickelt.
Zu den erfolgreichsten Programmen dieser Art zählen
die folgenden:
Der Spitzenreiter ist das traditionsreiche Fulbright-Programm, von dem bisher 25.000 Deutsche und Amerikaner profitieren konnten.
Hervorzuheben ist auch das parlamentarische
Patenschaftsprogramm Deutscher Bundestag/
Kongreß USA. Es gilt Schülern und jungen
Berufstätigen, vermittelt Stipendien und Familienaufnahme im Partnerland und kam seit seiner Gründung im Jahre 1983 rund 5.400 Deutschen und Amerikanern zugute.
Sehr erfolgreich ist auch das 1982 ins Leben
gerufene deutsch-amerikanische Partnerschaftsprogramm, das kompletten Schulklassen einschließlich ihren Lehrern einmonatige Aufenthalte an Schulen des Partnerlandes ermöglicht.
Bilanz bisher: Rund 63.000 Teilnehmer aus
beiden Ländern, Tendenz steigend.
Älter und traditionsreicher ist das "International
Visitors Program" der Regierung der Vereinigten Staaten. Es ermöglicht jüngeren Aufsteigern aus Politik, Medien und Kultur vierwöchige
Studienreisen durch die USA und hatte bisher
ca. 17.000 deutsche Nutznießer.
Wie ich im Januar während eines Besuchs in Neubrandenburg bekanntgeben konnte, werden die Vereinigten Staaten 1992 trotz der Haushaltsengpässe die
Gelder für das Fulbright-Programm und andere Austauschprogramme um mehr als eine Million Dollar
erhöhen. Damit soll dem erweiterten Bedarf in den
neuen Bundesländern Rechnung getragen werden.
Andere Projekte und Maßnahmen in den neuen Ländern kommen hinzu: Fortbildungsseminare für Englischlehrer, die Einrichtung eines Generalkonsulats
und eines Amerika-Hauses in Leipzig, oder auch das
Bücherprogramm, in dessen Rahmen schon weit über
100.000 Bände aus den Beständen der Bibliotheken
heimkehrender amerikanischer Truppenteile an Büchereien in den neuen Ländern verschenkt wurden.
Es freut mich, Ihnen mitteilen zu können, daß Ihr
Oberbürgermeister, Herr Dr. Polte und ich gerade von
der feierlichen Übergabe einer solchen Truppenbibliothek kommen. Anhand von 6.000 Bänden aus unserer
Kaserne in Heilbronn können Sie sich jetzt in der neuen

Seite 3

�Internationalen Bibliothek der Stadt Magdeburg in der spielen eine wesentliche Rolle bei der VölkerverstänEinsteinstraße 11 selbst über Wissenswertes aus den digung. Und ich bin sicher, daß, wenn wir beiderseits
USA informieren.
die Partnerschaft im Geiste von Schurz und Steuben
pflegen, wir auch zuversichtlich sein können, daß sie
Wir Amerikaner bemühen uns mit allen Kräften, die sich positiv entwickeln wird. Ich hoffe von ganzem
Menschen in den neuen Bundesländern zu erreichen Herzen, daß sich viele interessante und nützliche
und eine fruchtbare Zusammenarbeit mit ihnen anzu- Kontakte zwischen Ihnen und meinen amerikanischen
streben. Da es aber bei der Entstehung und Erhaltung Landsleuten ergeben werden. Ich wünsche Ihnen bei
einer Freundschaft immer zwei Partner braucht, bin ich der Gründung der Steuben-Schurz Gesellschaft viel
sehr froh, daß so viele von Ihnen ein Interesse an der Glück und alles Gutel
Gründung einer deutsch-amerkanischen Freundschaftsorganisation haben. Ich denke, solche Organisationen Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 8

�MENSCHENRECHTE
26. Februar 1992

USA BENNENEN IN GENF
MENSCHENRECHTSVERLETZER
Rede von Botschafter Blackwell vor der
UN-Menschenrechtskommission
GENF - (AD) - Kuba, der Irak, Iran, Nordkorea, China und Burma sind "grundsätzlich repressive Gesellschaften", erklärte Botschafter J. Kenneth Blackwell am 19. Februar 1992 vor der UN-Menschenrechtskommission.
"Manche Regierungen sind mit willkürlicher Gewalt nicht zufrieden. Statt dessen bekämpfen sie unentwegt die
Rechte ihrer Bürger und zeigen dabei wenig - oder keine - Skrupel", stellte der amerikanische Vertreter gegenüber
der aus 53 Nationen zusammengesetzten Kommission in einer Ansprache fest, die Verletzungen von
Menschenrechten und Grundfreiheiten weltweit zum Inhalt hatte.
Blackwell verwies jedoch auch auf "beachtliche Leistungen" bei der Förderung von Menschenrechten oder
positive Tendenzen wie in Argentinien, Chile, den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion und den
aufstrebenden Demokratien in Osteuropa, Benin, Sambia, Angola, Äthiopien und El Salvador.
Blackwell zufolge sind die Vereinigten Staaten der "festen Überzeugung", daß die Freiheit trotz immer noch
vorkommender Menschenrechtsverletzungen weltweit auf dem Vorsmarsch ist.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Blackwell im Wortlaut.

Eine Nation, die Menschenrechte geringschätzt, fordert das von dem amerikanischen Dichter Robert Frost
beschriebene Schicksal heraus - auf nichts mit Stolz
zurückblicken und auf nichts hoffnungsvoll vorausschauen zu können. Denn die Verpflichtung zu den in
der Allgemeinen Deklaration verankerten Menschenrechtsprinzipien begründet im wesentlichen den Grad
der Zivilisation einer Nation, ihr Recht auf die Loyalität
ihrer Bürger.
Aus der Sicht der Vereinigten Staaten werden die
Rechte des einzelnen wie Redefreiheit und freie Religionsausübung nicht durch die Großzügigkeit des
Staates vergeben, sondern die Hand Gottes. Eine
Nation, die diese Rechte wahrt, trägt nicht nur dem
immanenten Wunsch des Menschen zur Kontrolle
seines Schicksals Rechnung, sondern auch seinem
Wunsch nach Fortpflanzung und Mehrung des Wohlstands. In dieser speziellen Hinsicht sind Menschenrechte ebenso eine Voraussetzung für Entwicklung
wie für individuellen Ausdruck.
Die Einhaltung von Menschenrechtsgrundsätzen durch
eine Nation ist nicht nur eine Angelegenheit interner
Erörterung oder gar eine Frage der Einhaltung interna-

AMERIKA DIENST 8

tionaler Verplf ichtungen - so wichtig dies ist. Es ist eine
Angelegenheit, die uns alle betrifft, denn, wann immer
einem von uns Rechte verweigert werden, sind unser
aller Rechte bedroht.
Aus diesem Grund können Menschenrechte nicht die
interne Angelegenheit eines Landes sein, über die es
selbst entscheiden kann. Daher ist es die Pflicht
dieses Gremiums, die dunklen Geheimnisse zu enthüllen, die einige Länder lieber verbergen würden. Wir
müssen Schritte gegen die ungeheuerlichsten Menschenrechtsverletzer unternehmen und sie zur Rechenschaft ziehen.
Beachtliche Leistungen und positive Tendenzen
Bevor ich die Verletzungen anspreche, die in einigen
Teilen der Welt vorkommen, möchte ich auf eine Reihe
beachtlicher Leistungen und positiver Tendenzen eingehen. Argentinien beispielsweise hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte bei seinen Bestrebungen zur Wiederherstellung sozialer Gerechtigkeit
und der Förderung von wirtschaftlicher Entwicklung
erzielt. Die Inflationsrate ist bemerkenswert gesunken, die Währung hat sich stabilisiert, und ein erweiter-

Seite 1

�ter Prozeß der Deregulierung und Privatisierung macht
Fortschritte. All dies hebt sich sehr positiv gegen die
schmerzliche Menschenrechtssituation vor zehn oder
mehr Jahren ab. In dem der Menschenrechtskommission 1983 vorgelegten Bericht (E/CN.4/1983/14) der
Arbeitsgruppe zu verschwundenen und verschleppten
Personen stellte die Arbeitsgruppe test, sie habe rund
850 Fälle vermißter Personen in Argentinien geprüft
und der argentinischen Regierung Berichte und die
einschlägigen Dokumente zu 637 dieser Fälle vorgelegt.
Anfänglich erforderte die Notwendigkeit der Wiedergeburt und Erneuerung einen Prozeß der Recnenschaftspflicht und Katharsis, der nicht alle zufriedenstellte.
Am 29. Dezember 1990 begnadigte Präsident Menem
fünf Mitglieder der ehemaligen Militärjunta sowie andere Angehörige der Regierung und des Militärs, die
unter der Militärherrschaft wegen Menschenrechtsverletzungen verurteilt worden waren. Auch der ehemalige Montenero-Führer Mario Firmenich wurde begnadigt. Präsident Menem verteidigte diese Begnadigungen als notwendigen Schritt zur nationalen Aussöhnung, und es ist nur fair zu sagen, daß Argentinien
als Ganzes jetzt seine Energien auf einen konstruktiven und zukunftsorientierten Kurs konzentriert. Die
Vereinigten Staaten freuen sich sehr darüber, und wir
beglückwünschen die argentinische Regierung und
das Volk zu den beeindruckenden Leistungen.
Chile ist eine weitere Nation, in der Beschuldigungen
über Menschenrechtsverletzungen lange ein Thema
waren, das zu großer Besorgnis der internationalen
Staatengemeinschaft Anlaß gab. Verbesserungen
wurden von Zeit zu Zeit festgestellt, aber die Fortschritte erfolgten relativ langsam. Der Bericht des Sonderberichterstatters von 1981 über die Situation der
Menschenrechte in Chile (A/36/594) zitierte beispielsweise Daten, die von Menschenrechtsorganisationen
zur Verfügung gestellt worden waren, denen zufoge
die Gesamtzahl der Verhaftungen aus politischen Gründen von 771 im Jahr 1979 auf 729 1980 und 675 im
Jahr 1981 zurückgegangen war.
Dies gehört jedoch einer relativ fernen Vergangeneheit
an, denn der Prozeß der politischen und humanitären
Aussöhnung macht in Chile jetzt gute Fortschritte. Am
5. März 1991 hielt Präsident Aylwin eine längere Rede
vor der Nation, in der er den Bericht der nationalen
Kommission für Wahrheit und Aussöhnung zusammenfaßte. Mit der Aussage, "Begnadigung erfordert
auf der einen Seite Reue und auf der anderen Großzügigkeit", übernahm Präsident Aylwin die Last der
Menschenrechtsverletzungen im Namen der Nation
und bat die Angehörigen der Opfer um Vergebung.
Zehn Monate später, am 31. Januar 1992, führte
Präsident Aylwin den Vorsitz bei einer feierlichen
Zeremonie, während der er ein Gesetz verabschiedete, das den Angehörigen von Opfern von Menschenrechtsverletzungen Wiedergutmachungszahlungen
gewährt.
Seite 2

Die Vereinigten Staaten sind über diese positiven
Entwicklungen in Chile sehr erfreut, und wir stellen
fest, daß sie mit kontinuierlichem Wirtschaftswachstum und abnehmender Inflation einhergehen. Wir
beglückwünschen die Regierung und das Volk Chiles
zu den beeindruckenden Leistungen.
Im vergangenen Jahr haben die tiefgreifendsten Veränderungen auf der Welt in Rußland, der Ukraine,
Weißrußland und den anderen Republiken stattgefunden, die ehemals Teil der Sowjetunion waren. Diese
Ereignisse haben - ebenso wie die vorherigen Umwälzungen in Ungarn, Polen, der Tschechoslowakei,
Bulgarien, Rumänien und Albanien - enorme positive
Auswirkungen für die verbesserte Achtung der Menschenrechte und den praktischen Genuß grundlegender Freiheiten. Während diese Länder ihre nationalen
Institutionen wiederaufbauen, um sie humaner und
flexibler zu machen, sind die Vereinigten Staaten
bereit, mit jedwedem Rat oder technischer Hilfe zur
Seite zu stehen, die erbeten werden könnten.
Die Vereinigten Staaten sind sich darüber hinaus der
tiefgreifenden Fortschritte in Afrika zu demokratischeren Praktiken, politischem Pluralismus und verbessertem Genuß grundlegender Freiheiten wohl bewußt.
Benin und Sambia sind gute Beispiele für diesen
Trend. Wir hoffen und glauben, daß weitere progressive Veränderungen in Afrika andauern und die Entwicklung des Kontinents zu verbesserter Achtung der
Menschenrechte intensivieren wird.
Angola, Äthiopien und El Salvador lassen jetzt die
lange Zeit des anhaltenden Bürgerkriegs hinter sich.
Dies ist Grund zu beträchtlichem Optimismus, und wir
blicken der verbesserten Wahrung der Menschenrechte in den kommenden Jahren hoffnungsvoll entgegen.
Weiterhin besorgniserregende Situationen
Ich bedaure, daß sich in anderen Teilen der Welt
weiterhin Anlaß zu ernster Sorge bietet. Am 29.
Januar habe ich die Auffassung der Vereinigten Staaten im Hinblick auf die Frage der Mißachtung von
Menschenrechten in den arabisch besetzten Gebieten
erläutert. Dabei habe ich unsere Hoffnung auf einen
umfassenden und dauerhaften Frieden in der Region
ebenso bekundet wie unsere Überzeugung, daß die
Achtung der Menschenrechte aller unabdingbar ist
und die Verhandlungen positiv beeinflussen wird.
Am 3. Februar habe ich auf die Notwendigkeit verwiesen, den unumkehrbaren Prozess bahnbrechender
Veränderungen in Südafrika fortzuführen, um die
Abschaffung der Apartheid zu vollenden und andere
noch bestehende Menschenrechtsprobleme zu lösen.
Wir gratulieren nochmals der Regierung Präsident De
Klerks, dem ANC und anderen an den Verhandlungen
beteiligten Organisationen in der Hoffnung, daß sie
den Prozeß in einem angemessenen Zeitrahmen
durchführen und beschleunigen.
AMERIKA DIENST 8

�In Haiti wurde eine demokratisch gewählte Regierung
am 29. September 1991 durch einen Militärputsch
gestürzt. Die verfassungsmäßige Ordnung ist noch
nicht wiederhergestellt, trotz der Aufforderung
der Generalversammlung und konstruktiver Verhandlungen der Organisation amerikanischer Staaten.
Willkürliche Festnahmen zählen nach wie vor
zu den Menschenrechtsverletzungen in Haiti.
Im Sudan hat der anhaltende Bürgerkrieg auf allen
Seiten zahlreiche Opfer unter der Zivilbevölkerung
gefordert, und viele Menschen wurden mißhandelt.
Die Vereinigten Staaten sind sehr besorgt, in welchem
Maße die Regierung freie Rede, die Presse, Versammlungsfreiheit und politische Wahlfreiheit unterdrückt. Die Regierungsbehörden haben zu Mitteln
gegriffen wie willkürliche Festnahmen, Haft ohne
Anklageerhebung und unfaire Porzesse gegen Zivilisten vor Militärgerichten. Darüber hinaus konnten die
staatlichen Sicherheitsdienste ungehindert operieren,
haben dabei oftmals Bürger schikaniert und belästigt
und Zivilisten gefoltert, die als Regimegegner galten.
Eine Maßnahme der Regierungsbehörden verursacht
ungeheures Leid: die Zwangsumsiedlung von über
200.000 Menschen aus Khartum in einsame und öde
Landstriche ohne Wasser und andere lebensnotwendige Voraussetzungen.
Der kalte Krieg ist beendet, aber der Konflikt unter den
Bürgern in Afghanistan ist nach wie vor ungelöst. Fünf
Millionen Afghanen sind geflüchtet, vor allem nach
Pakistan und in den Iran, eine weitere Million wurde
innerhalb des Landes vertrieben. Trotz einiger größtenteils kosmetischer Reformen bei Gesetzen und der
1990 eingeführten Verfassung schränkt das Regime
immer noch fast alle Menschenrechte ein. Es gibt
weniger Einschränkungen persönlicher Freiheiten in
Gebieten, die nicht der Kontrolle des Regimes unterliegen, obwohl glaubwürdige Berichte vorliegen, daß
auch Widerstandsgruppen ihre Gegner angegriffen,
gefoltert, getötet oder inhaftiert haben.
Auch die Bürger Zaires sind Opfer willkürlicher Inhaftierungen und körperlicher Mißhandlungen. Bei den
Unruhen vom 23. und 24. September 1991 und den
Aufständen im darauffolgenden Oktober waren die
Sicherheitskräfte für einen großen Teil der Plünderungen verantwortlich. Ferner schikanieren sie nach wie
vor einzelne Bürger und stehlen ihnen ihr Eigentum.
Die Vereinigten Staaten begrüßen die Entscheidung
der indonesischen Regierung, die Zwischenfälle vom
12. November in Osttimor zu untersuchen. Wir stellen
fest, daß sich die indonesische Regierung für Disziplinarmaßnahmen gegenüber den Sicherheitskräften
einsetzt, die exzessive Gewalt anwenden, und sie hat
versprochen, daß sich solche Zwischenfälle nicht
wiederholen werden.
Im Kontext der jüngsten Kämpfe in Jugoslawien scheinen verschiedene Seiten viele Greueltaten und andere
Verletzungen von Menschenrechten und GrundfreiAMERIKA DIENST 8

heiten begangen zu haben. Wir finden dies höchst
beunruhigend und unterstützen aktiv die kontinuierlichen Bestrebungen der Vereinten Nationen und der
Europäischen Gemeinschaft zugunsten friedlicher
Dauerlösungen.
Durch und durch repressive Gesellschaften
Manche Regierungen sind mit willkürlicher Gewalt
nicht zufrieden. Stattdessen bekämpfen sie unentwegt die Rechte ihrer Bürger und zeigen dabei wenig
oder keine Skrupel.
Leider müssen wir feststellen, daß hiermit das Verhalten der kubanischen Regierung angemessen beschrieben ist, die den Willen der internationalen Staatengemeinschaft mißachtet und die Zusammenarbeit mit
dem Sonderbeauftragten des Generalsekretärs verweigert. Die Regierung Kubas schränkt alle grundlegenden Menschenrechte stark ein, Rede-, Versammlungs- und Bewegungsfreiheit ebenso wie das Recht
auf Privatsphäre, Arbeitnehmerrechte und das Recht
der Bürger, ihre Regierung zu verändern. Im November vergangenen Jahres haben die kubanischen
Behörden eine Welle der Unterdrückung gegen Menschenrechtsaktivisten gestartet, größtenteils durch
"organisierten Widerstand" - Angriffe staatlich organisierter Mobs, die als spontane Ausbrüche gegen die
Aktivitäten von Dissidenten ausgegeben werden.
1991 gab es mindestens sechs Fälle, bei denen die
kubanischen Sicherheitskräfte gemordet haben, und
vertrauenswürdige Beobachter der Menschenrechte
haben erklärt, es gebe etwa 200 politische Gefangene
und Untersuchungsgefangene. Die Rechtsprechung
in Kuba wird internationalen Maßstäben an faire und
unparteiische öffentliche Prozesse nicht gerecht, und
offizielle Einmischung in Privat- oder Familienangelegenheiten bleibt eines der repressivsten und vorherrschenden Merkmale des Lebens in Kuba. Darüber
hinaus diskriminiert die kubanische Regierung Gläubige und belegt die Ausübung der Religion mit strengen
Einschränkungen.
Das Regime im Irak verletzt weiterhin systematisch
nahezu alle Menschenrechte, und politische Morde
sind an der Tagesordnung. Die Exekution vermeintlicher Systemgegner trat besonders deutlich im Frühjahr letzten Jahres bei den Bestrebungen des irakischen Militärs und der Sicherheitskräfte zutage, die
Aufstände im Süden und Norden niederzuschlagen.
Im Laufe dieser Kampagne bombardierten irakische
Truppen fortgesetzt dicht besiedelte Gebiete, wobei
schätzungsweise Zehntausende von Menschen getötet wurden. In der zweiten Hälfte des Jahres 1991
führten irakische Bodentruppen und Kampfhubschrauber regelmäßige Angriffe gegen Stellungen der Dissidenten im südlichen Sumpfland durch, einschließlich
der Stadt Nasiriya. Die Büros der Vereinten Nationen
und andere internationale Beobachter schätzen, daß
etwa eine halbe Million Schiiten durch die Militärblockade in einem Gebiet gefangen sind.
Seite 3

�Trotz eines verfassungsmäßigen Verbots der Folter
praktizieren die irakischen Sicherheitsorgane routinemäßig verschiedene Techniken körperlicher Folter darunter Verbrennen von Körperteilen, Elektroschocks,
Schläge, Brechen von Gliedmaßen sowie die Verweigerung von Nahrung und Wasser. Presse- und Redefreiheit existieren im Irak nicht, und abweichende politische Meinungen werden nicht toleriert. Irakische
Bürger dürfen sich nicht versammeln oder organisieren, es sei denn zur Unterstützung des Regimes, und
irakische Arbeitnehmer dürfen sich keinen Gewerkschaften anschließen, die nicht der Kontrolle des
Regimes unterliegen.
Auch im Hinblick auf den Iran kann es keinen Zweifel
daran geben, daß dort weiterhin ernsthafte Menschenrechtsverletzungen begangen werden. Die iranische
Regierung bemüht sich jedoch intensiv darum, ihre
wahre Bilanz an Übergriffen zu verbergen und der
internationalen S^atengemeinschaft einzureden, die
Lage habe sich grundlegend und erheblich gebessert.
Wir haben keinen Grund, dies zu glauben. Statt
dessen gibt es zahlreiche Beweise für das Gegenteil:
Zu den andauernden Übergriffen gehören Massenexekutionen, der verbreitete Einsatz der Folter, Unterdrückung der Rechte auf Rede-, Presse-, Versammlungs- und Koalitionsfreiheit, das Fehlen fairer Prozesse, die anhaltende Unterdrückung der Religionsgemeinschaft der Bahai, schwere Einschränkungen der
Rechte von Frauen und Arbeitnehmern sowie die
Verweigerung des Rechts der Bürger auf Änderung
ihrer Regierung.
Die Vereinigten Staaten nehmen positiv zur Kenntnis,
daß die iranische Regierung im Dezember 1991 dem
Sonderberichterstatter erlaubte, den Iran zu besuchen, und wir sind erfreut, daß der Iran eine Vereinbarung unterzeichnet hat, die Besuche von Vertretern
des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in
iranischen Gefängnissen vorsieht. Es muß jedoch
festgestellt werden, daß bisher noch kein solcher
Besuch stattgefunden hat und die Vielfalt und Qualität
der Anschuldigungen und Beschwerden, die dem
Sonderberichterstatter vorgetragen wurden, weiterhin
tiefgreifende und umfassende Übergriffe belegen.
Im Hinblick auf die anhaltende Notwendigkeit der
Beschäftigung mit den Menschenrechtsverletzungen
im Iran stehen sicherlich die Glaubwürdigkeit der
Organisation und das Ansehen dieses Gremiums auf
dem Spiel. Die Mitgliedstaaten der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen dürfen nicht zulassen, daß uns PR-Bemühungen, die letztlich ohne
Substanz sind, von unserer grundsätzlichen Pflicht der Bewahrung der in der Allgemeinen Deklaration der
Menschenrechte und anderen internationalen Urkunden proklamierten Prinzipien - ablenken. Wir gehen
nachdrücklich davon aus, daß die Kommission das
Mandat des Sonderberichterstatters zur Lage der

Seite 4

Menschenrechte im Iran erneuern muß und sind zuversichtlich, daß die Mitgliedstaaten der Kommission
ihrer Verantwortung gerecht werden.
In der Demokratischen Volksrepublik Korea existiert
ein willkürlicher und strenger Sicherheitsapparat, und
die Regierung übt umfassende und allgegenwärtige
Kontrolle über alle Aspekte des täglichen Lebens aus.
Routinemäßige und systematische Unterdrückung der
Rechte auf Rede-, Presse-, Koalitions- und Religionsfreiheit sowie die Verweigerung weiterer Menschenrechte haben den nordkoreanischen Behörden einen
Spitzenplatz unter den repressivsten Despotien der
Welt beschert.
In China leben über eine Milliarde Menschen unter
einer Regierung, die weiterhin ihre Bürger für den
gewaltlosen Ausdruck ihrer politischen und religiösen
Überzeugungen bestraft. Zweieinhalb Jahre nach der
militärischen Unterdrückung auf dem Tiananmen- Platz
in Beijing sind immer noch Hunderte von Personen in
Gefängnissen und Umerziehungslagem eingesperrt,
weil sie es gewagt hatten, sich auf einem öffentlichen
Platz zu versammeln, um Demokratie und persönliche
Freiheit zu unterstützen. Die stattgefundenen Prozesse haben die in der chinesischen Verfassung vorgesehenen Bestimmungen für ordentliche Gerichtsverfahren ignoriert. Wir fordern die chinesische Führung auf,
diese mutigen Einzelpersonen freizulassen, die friedlich für ihre Überzeugungen demonstriert haben.
Anhänger von Religionsgemeinschaften sind in China
ebenfalls der Verfolgung preisgegeben. Katholiken
und Protestanten wurden bestraft, weil sie außerhalb
der staatlich gelenkten religiösen Organisationen ihren
Glauben praktizierten, und tibetische Nonnen und
Mönche sind inhaftiert, weil sie gegen die Regierung
demonstrierten. Auch dies steht einem Land schlecht
an, das in der Vergangenheit so viel zur Weltzivilisation
beigetragen hat und ein solch großes Potential für die
Zukunft aufweist.
In Myanmar (Burma) verweigert die herrschende Militärdiktatur weiterhin das Recht der Bevölkerung auf
Veränderung der Regierung, indem sie die Ergebnisse
der Wahlen von 1990 ignorierte. Eine Oppositionspartei, die Nationalliga für Demokratie, errang damals 80
Prozent der Sitze in der neuen Nationalversammlung,
aber der neuen Versammlung wurde bisher nicht
gestattet zusammenzutreten. Siebzig der neuen
Abgeordneten wurden aufgrund von politischen Anschuldigungen festgenommen, nahezu zwanzig flohen aus dem Land, mindestens sechs traten zurück,
und zumindest einer starb in der Haft. Die Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi steht weiterhin unter
Hausarrest.
Folter, willkürliche Verhaftungen und Zwangsarbeit
sind Beispiele für die brutale Unterdrückung der Menschenrechte in Myanmar. Die Rechte auf Rede-,

AMERIKA DIENST 8

�Presse-, Versammlungs- und Koalitionsfreiheit sind
weiterhin nicht gewahrt. Ein umfassendes Netz von
Informanten bespitzelt Dissidenten und Kritiker der
Militärregierung, und die Sicherheitskräfte überwachen selektiv Telephongespräche und Privatkorrespondenz. Arbeitnehmer haben nicht das Recht, sich
zu organisieren und an Tarifverhandlungen teilzunehmen, und sämtliche Wirtschaftsverbände und berufsständischen Gremien werden von der Militärregierung
beherrscht.

Ich möchte jedoch noch ein Wort der Vorsicht anbringen. Trotz der Ausbreitung von Demokratie und
Freiheit dürfen wir durch deren Erfolg niemals in Selbstzufriedenheit verfallen. Es wird immer den Kampf
gegen jene geben, die sie untergraben wollen, ob von
rechts oder von links. Und für diejenigen unter uns, die
in der glücklichen Lage sind, in Demokratien zu leben,
wird stets die Herausforderung bestehen, die Freiheiten, derer wir uns erfreuen, aufrechtzuerhalten und zu
nähren.

In ihrer Resolution 46/132 hat die Generalversammlung ihre Besorgnis über die ernste Menschenrechtssituation in Myanmar sowie die Notwendigkeit einer
baldigen Verbesserung zum Ausdruck gebracht. Wir
sind überzeugt, daß die Menschenrechtskommission
dasselbe tun und energische und effektive Maßnahmen für das Volk von Myanmar ergreifen sollte.

Abschließend möchte ich einen großen Afro-Amerikaner zitieren, eine der herausragenden Figuren im
Kampf gegen die Sklaverei in meinem Land - Frederick
Douglass. Und ich selbst spreche zu Ihnen als Urururenkel eines Sklaven. Douglass schrieb: "Die gesamte Geschichte des Fortschritts bei der Freiheit des
Menschen zeigt, daß alle für ihre hohen Forderungen
eingegangenen Konzessionen aus ernstem Kampf
hervorgegangen sind. Ohne Kampf gibt es keinen
Fortschritt. Diejenigen, die behaupten, sie seien für die
Freiheit und gleichzeitig Agitation mißbilligen, sind
Menschen, die Früchte pflanzen wollen ohne den
Boden umzupflügen, sie wollen Regen ohne Blitz und
Donner. Sie wollen den Ozean ohne das schreckliche
Tosen seiner vielen Wasser."

Trotz der von mir heute erörterten Mißstände sind die
Vereinigten Staaten der festen Überzeugung, daß die
Freiheit überall auf der Welt auf dem Vormarsch und es
nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die Tyrannen und
Unterdrücker die Botschaft verstehen, daß ihre Zeit
abgelaufen ist und ein neues Zeitalter anbricht, in dem
Demokratie und Menschenrechte vorherrschen.
*

AMERIKA DIENST 8

*

*

Seite 5

�MENSCHENRECHTE
26. Februar 1992

MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN SIND
"HAUPTURSACHE" VON FLÜCHTLINGSSTRÖMEN
Rede von Botschafter Abram vor der UNO-Menschenrechtskommission
GENF - (AD) - Menschenrechtsverletzungen sind die "Hauptursache" von Flüchtlingsströmen, erklärte der
Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten bei der UNO-Menschenrechtskommission (UNCHR), Botschafter
Morris B. Abram, am 17. Februar 1992 in Genf.
Der Kommisson gegenüber stellte Abram fest, sie solle die Regierungen zur Verantwortung ziehen, deren
Menschenrechtsbilanz zur Flucht ihrer Bürger geführt hat und diejenigen ausklammern, deren Menschenrechtspolitik zu einer Massenflucht führen könnte und Korrektivmaßnahmen zur Behebung solcher Menschenrechtsverletzungen fordern, bevor ein Massenexodus einsetzt.
Abram, der alternierende US-Vertreter bei der diesjährigen UNCHR-Sitzung rief die Länder auf, bei der
Aufnahme von Mitgliedstaaten der Kommission sorgfältiger vorzugehen.
"Einige der krassesten Menschenrechtsverletzer", sind Mitglieder dieser Kommission, erklärte Abram und
forderte jeden Staat zur Übernahme seiner besonderen Verantwortung bei künftigen Wahlen zur Aufnahme in
die Kommission auf.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen von Botschafter Abram im Wortlaut.

Heute möchte ich zwei getrennte Bereiche ansprechen, die sich direkt auf "die weitere Förderung von
Menschenrechten und Grundfreiheiten" beziehen. Der
erste ist Massenflucht. Danach möchte ich die Grundstruktur der Kommission einer Überprüfung unterziehen. Beides sind schwierige, aber wichtige Angelegenheiten. Wir sprechen sie an, weil wir dieses
Gremium ernst nehmen.
Erschütternde Szenen mit Männern, Frauen und Kindern, die vor einer der zahlreichen Tyranneien in der
Welt fliehen, erzählen die schreckliche Geschichte der
Konsequenzen erzwungener Völkerwanderungen.
Regime, die Grundrechte verletzen, veranlassen ihre
Bürger häufig zur Flucht. Wenn diese Rechte mit
Füßen getreten werden, haben die folgenden erzwungenen Flüchtlingsströme Auswirkungen auf alle Gesellschaften, ihre Volkswirtschaften, ihr Bildungssystem und Staatswesen.
Derzeit haben schätzungsweise 17 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene ihr Heimatland verlassen, um
Zuflucht in den Nachbarländern zu suchen, die häufig
selbst erschreckend arm sind. Darüber hinaus wurden
rund 20 Millionen in ihrem eigenen Land verschleppt.

AMERIKA DIENST 8

Diese beispiellosen erzwungenen Flüchtlingsströme
sind eine Tragödie monumentalen Ausmaßes mit ernst
haften Konsequenzen.
Dies ist nicht nur eine kleine Welt, sondern sie wird
zunehmend - wie Wendeil Willkie, ein amerikanischer
Präsidentschaftskandidat während des Zweiten Weltkriegs vorhersagte - eine Welt. Diese Prognose hat
sich als richtig erwiesen, bedenkt man, daß moderne
Kommunikations- und Verkehrssysteme Menschen
binnen Stunden durch Zeitzonen und über Grenzen
hinweg befördern. Das Problem der Massenflucht und
Vertreibung in dieser kleiner werdenen Welt wird auf
der weltpolitischen Tagesordnung immer drängender.
Es ist ein Problem, das von dem UN-System als
Ganzes vordringlich angesprochen werden muß. Es
gibt kein anderes Forum.
Ein einheitliches UN-System erfordert eine einheitliche Reaktion. Die Hohe Flüchtlingskommissarin der
Vereinten Nationen spielt bei der Bereitstellung von
humanitärer Hilfe und dem Schutz von Flüchtlingen
sowie bei der Lösung von Flüchtlingsproblemen eine
entscheidende Rolle. Sie kann das Problem der
Flüchtlingsströme allein nicht in Angriff nehmen. Ein-

Seite 1

�mutige Vereinte Nationen müssen die Ursachen der
Flüchtlingsströme erforschen und den Flüchtlingen
Schutz bieten. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen UNDP hat die Aufgabe, Massenwanderungen zu verhindern und die Heimkehrer wieder zu
integrieren. Andere UN-Gremien müssen sich mit den
zahlreichen anderen sozialen, kulturellen, politischen
und wirtschaftlichen Faktoren befaßen, die Wanderungsbewegungen erzwingen. Hierbei handelt es sich
um ein gravierendes und bedrohliches Problem, aber
die Vereinten Nationen haben bisher sehr wenig unternommen, um es an seiner Wurzel zu beseitigen.
Die Menschenrechtskommission hat ein cesonderes
Mandat für die Behandlung von Menschenrechtsproblemen bei großen Bevölkerungsbewegungen, bevor
diese auftreten. Wenn sie auftreten, sollte sie sich um
eine Lösung bemühen, so daß die Menschen sicher
und in Würde in ihre Heimat zurückkehren können.
Menschenrechtsvorletzungen gelten als Hauptursache erzwungener Völkerwanderungen, was auch
zahlreiche Untersuchungen der UNO belegen, vor
allem der Bericht eines Sonderberichterstatters an
diese Kommission von 1982. Ferner liegt uns der
Bericht der Gruppe von Regierungsexperten über die
internationale Zusammenarbeit zur Abwendung neuer
Flüchtlingsströme vor. Welchen Sinn haben diese
Studien, wenn ihre Schlußfolgerungen ignoriert werden? Führen wir hier eine sinnlose Übung durch?
Nehmen wir diese Berichte nicht ernst?
Per definitionem ist die Mißachtung von Menschenrechten eine Hauptursache für die Massenflucht von
Menschen, die in begründeter Angst vor Verfolgung
leben. Diese Verfolgung ist eine wichtige Ursache
dafür, daß es Flüchtlinge gibt.
Weniger offensichtlich - aber nicht weniger wichtig - ist
die Rolle, die Menschenrechtsverletzungen als Beitrag zu anderen Formen des Massenexodus leisten.
Die unmittelbare Ursache der meisten größten Flüchtlingsströme waren in den letzten Jahren bewaffnete
Konflikte, insbesondere Bürgerkriege. In vielen Fällen
sind diese bewaffneten Konflikte das Ergebnis einer
tiefverwurzelten ethnischen und politischen Spaltung,
hervorgerufen durch den Unmut von ethnischen oder
religiösen Minderheiten (manchmal auch Mehrheiten),
denen grundlegende Menschenrechte und Freiheiten
vorenthalten werden. Hier handelt es sich um Menschenrechtsverletzungen im großen Stil.
Die Entbehrungen und die Erniedrigung des Exils in
einem fremden Land haben unverhältnismäßig oft (zu
80 Prozent) Frauen und Kinder zu tragen. Wenn das
Jahrzehnt der Frauen und der Kindergipfel des vergangenen Jahres etwas wert sein sollen, dann muß diese
Kommission dem Schutz der Menschenrechte für die
Verwundbarsten - Frauen und Kinder - ihre besondere
Aufmerksamkeit widmen.

Seite 2

Meine Delegation hat unter dem Tagesordnungspunkt
18 bereits die Bedeutung erörtert, die Rechtsstaatlichkeit und Achtung der Menschenrechte bei der Konfliktvermeidung zukommt. Auf diese Einzelheiten werde
ich heute nicht näher eingehen. Den Delegationen
möchte ich aber folgende Fragen stellen: Wäre die
allgemeine Achtung der Menschenrechte in der Vergangenheit die Norm gewesen, wieviele der Bürgerkriege und bewaffneten Konflikte, die den Massenexodus von heute hervorrufen, hätten dann verhindert
werden können? Was liegt den meisten Bürgerkriegen
und Menschenrechtsverletzungen zugrunde? Können wir tatsächlich hoffen, dieser Problem des Massenexodus zu lösen, wenn die Wurzel allen Übels Menschenrechtsverletzungen - immer noch existiert
und von dieser Kommission nicht bekämpft wird?
Meiner Meinung nach liegt die Antwort auf der Hand.
Natürlich kann auch extreme Armut zum Massenexodus führen, denn zwischen Menschenrechten und
wirtschaftlichem Fortschritt besteht eine komplizierte
und zugleich auffällige Verbindung. Auch die Rechte
des einzelnen sind ein Schlüssel für wirtschaftliche
Entwicklung. Westeuropa und Nordamerika sind nicht
die einzigen Beispiele für Regionen auf der Welt, wo
der Schutz der Rechte und grundlegenden Freiheiten
des einzelnen mit einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium einhergehen. Auch andernorts sind
dafür zunehmend Beispiele zu beobachten - in Lateinamerika, Asien und Afrika.
Ich habe in anderen Foren darauf verwiesen, daß zum
Beispiel in Botswana zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit - 1966 - das Inlandsprodukt pro Kopf 69 Dollar
betrug. Heute, in einem demokratischen Rechtsstaat
mit zwei Parteien, beträgt es 1.500 Dollar. Von Botswana aus hat kein Massenexodus stattgefunden, wie
er an anderen Stellen des Kontinents erfolgt ist.
Es sind die angrenzenden armen Länder in Afrika,
Asien und Lateinamerika, die gezwungen sind, Tausenden, manchmal Millionen, Unterschlupf zu gewähren. Sie tragen die Hauptlast der Verantwortung, sich
um Vertriebene zu kümmern.
Was sollte die Kommission tun, um diese dringenden
Probleme zu lösen? Wir sollten diejenigen Regierungen zur Verantwortung ziehen, deren Umgang mit den
Menschenrechten zur Flucht ihrer Bürger geführt haben.
Wir sollten fordern, daß einzelne Länder grundlegende
Rechte akzeptieren, so daß Bürgersich nicht gezwungen fühlen, innerhalb oder außerhalb der Grenzen zu
fliehen. Wir sollten diejenigen Länder benennen, deren Menschenrechtspolitik zu massiven Strömen von
Flüchtlingen und Vertriebenen führen könnten und
fordern, daß sie Schritte unternehmen, um Menschenrechtsverletzungen abzubauen, bevor es zu solchen
Auswüchsen kommt. Es sollte zur Regel werden, daß
der UN-Flüchtlingskommissar jedes Jahr vor diesem
Gremium spricht und Fakten liefert, wo die größte Zahl
der betroffenen Menschen herstammt.

AMERIKA DIENST 8

�Dabei sollte eine Analogie berücksichtigt werden. Die
Charta der Vereinten Nationen stellt eindeutig eine
Beziehung zwischen der Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat und den Handlungen eines Mitgliedstaates
her. Insbesondere sollten Mitgliedstaaten "der Bewahrung des Weltfriedens und der internationalen
Sicherheit" verpflichtet sein. Ein vergleichbares Prinzip sollte für die Mitgliedschaft in der Kommission
gelten. Die Mitgliedstaaten sollten der Einhaltung der
Menschenrechte verpflichtet sein.

Die Menschenrechtskommission sollte als Licht in der
Dunkelheit leuchten. Dieses Licht kann die Dunkelheit
nicht ganz erhellen. Aber es kann einen bestimmten
Punkt beleuchten und den Bedürftigsten helfen, den
Weg in die Sicherheit zu finden.
Um es klar und deutlich zu sagen: Wenn die Stimme
der Kommission nicht zur Ursache dieser Agonie ertönen kann, welchen Sinn hat sie dann? Was ist ihr
Zweck? Es gibt Staaten, deren Verhalten bei den
Menschenrechten Massenfluchten hervorruft, die weder
in öffentlichen noch in vertraulichen Sitzungen jemals
zur Sprache gekommen sind. Warum?

Wie der Vizepräsident vorschlug, hat jeder Staat eine
besondere Verantwortung zur Wahrung des Ansehens dieser Kommission. Ebenso hat der Wirtschaftsund Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC) die
Pflicht, die Glaubwürdigkeit der Kommission zu schützen, indem nur Mitgliedstaaten mit positiver Menschenrechtsbilanz hineingewählt werden - sicherlich
nicht Staaten, die selbst Gegenstand von Untersuchungen dieser Kommission sind.

Es ist nicht nur richtig, das Problem des Massenexodus unter menschenrechtlichen Gesichtspunkten in
bedeutsamer und umfassender Weise zu erörtern.
Dies zu tun, ist vielmehr die Pflicht dieser Kommission.
Ich wende mich nun der grundlegenden Frage der
Zusammensetzung der Kommission zu.

Dies ist keine unvernünftige Forderung, denn alle
UNO-Mitglieder haben sich den Prinzipien der Allgemeinen Deklaration der Menschenrechte verpflichtet.
Und diese Kommission ist dafür verantwortlich, die
Kultur der Menschenrechte auf der ganzen Welt zu
verbreiten.

In der vergangenen Woche hat der Vizepräsident der
Vereinigten Staaten ein wichtiges Anliegen meiner
Regierung betont. Einige der krassesten Menschenrechtsverletzer sitzen als Mitglieder in der Kommission. Der Vizepräsident stellte in diesem Zusammenhang fest:

Wenn wir wollen, daß die Menschenrechtsorgane den
größtmöglichen Einfluß auf die Kultur der Menschenrechte ausüben, dürfen wir nicht noch einmal eine
Situation wie im Jahr 1989 entstehen lassen, als das
Büro der Unterkommission das von ethnischem Zwist
zerissene Äthiopien, Kuba und Ceausescus Rumänien zu seinen Mitgliedern zählte. Die schweizerische
Presse bezeichnete diese Länder sogar verächtlich als
"Troika". Dies war nicht gerade ein Ruhmesblatt
unseres Untergremiums.

"Diese Kommission sollte unter ihren Mitgliedern keine Staaten haben, die selbst grobe
Verletzer der Menschenrechte sind. Wenn wir
von Menschenrechten sprechen ... müssen wir
die schärfsten Normen von Fairneß, Anständigkeit und Achtung der Menschenwürde zugrundelegen."
Um dies klarzustellen: Meine Delegation zieht weder
die Souveränität irgendeines Staates noch die Universalität des Systems der Vereinten Nationen in Zweifel.
Wir stellen nicht die Akkreditierung irgendeines Staates in Frage. Auch das Prinzip der Vielfalt in dieser
Kommission wird von uns nicht abgelehnt, und wir
stellen uns auch nicht gegen das traditionelle Rotationsprinzip, wenn es verantwortungsbewußt benutzt
wird. Was wir jedoch in Frage stellen, ist der Mißbrauch dieser Prinzipien sowie der Schaden, der dadurch
dem Ansehen und der Effektivität dieser Kommission
zugefügt wird.

* *

AMERIKA DIENST 8

Meine Delegation fordert heute keine offiziellen Schritte dieser Kommission. Wirfordern keine Maßnahmen,
die die Akkreditierung irgendeines hier anwesenden
Staats betreffen. Wir werden mit anderen Staaten
über Möglichkeiten für künftige Reformen beraten.
Ich habe heute zwei wichtige Fragen erörtert - die
Probleme der Massenflucht sowie die Mitgliedschaft in
der Kommission. Ich habe offen gesprochen, weil
meine Delegation, wie ich zu Beginn feststellte, die
Arbeit dieser Kommission ernst nimmt. Wir engagieren uns für die Förderung der ihr anvertrauten Werte.
*

Seite 3

�W A H L E N '92
26. Februar 1992

DIE VORWAHLEN IN NEW HAMPSHIRE
Amerikanische Pressestimmen
WASHINGTON - (AD) - Eine Reihe amerikanischer Zeitungen haben den Vorwahlen in New Hampshire ihre
Leitartikel gewidmet. Nachfolgend veröffentlichen wir einige dieser Kommentare.

The Baltimore Sun
Die Vorwahlen von New Hampshire lassen das Ergebnis des Präsidentschaftswahlkampfs so sehr im Dunklen, daß sich andere führende Demokraten sehr
versucht fühlen werden, den Kampf aufzunehmen.
Die Herausforderung des konservativen Patrick Buchanan an Präsident Bush beschert den Republikanern eine angeschlagene Führung im Weißen Haus,
stellt aber keine überzeugende Alternative für die
Spitze der "Grand Old Party". Infolgedessen wird sich
die Aufmerksamkeit in den kommenden zwei Wochen
bis zur Vorwahl in Maryland am 3. März wahrscheinlich
auf das Gerangel der Demokraten konzentrieren.
USA Today
Die Unzufriedenheit der Wähler liegt auf der Hand.
Aber ihre Botschaft ist unklar. Wenn die Ergebnisse
von New Hampshire die Kandidaten veranlassen,
schnelle Lösungen anzubieten, dann hat man die
wahren Lehren dieses Dienstags nicht verstanden.
Wenn die Ergebnisse die Kandidaten jedoch bewegen, glaubwürdige Vorschläge zur Bekämpfung der
langfristigen Probleme des Landes anzubieten, wäre
das ein Gewinn.
The Phoenix Gazette
Republikanische Wähler haben genug von der Show.
Nach vier Jahren der Exzesse, galoppierender Ausgaben im Inland und der größten Steuererhöhung in der
Geschichte des Landes konnten die Republikaner in
New Hampshire kaum glauben, daß George Bush jetzt
die Erleuchtung gekommen sein soll.
The Dallas Morning News
Dem Republikaner George Bush haben die Wähler in
New Hampshire folgendes mitgeteilt: Das Leben im
Weißen Haus mag schön sein, aber andernorts sieht
es für viele düster aus. Der Präsident erklärt, er habe

AMERIKA DIENST 8

die Botschaft verstanden - vielen Dank, Pat Buchanan... Was Buchanan betrifft, werden weitere Feuerproben zeigen, ob die Wähler so unzufrieden mit dem
Präsidenten sind, daß sie tatsächlich für einen politischen Kommentator stimmen, der keine Erfahrung in
einem öffentlichen Amt hat und für seine zweifelhaften
antisemitischen Äußerungen bekannt ist.
The Des Moines Register
Diejenigen, die auf die Wahrheit pochen, hatten in New
Hampshire Erfolg. Das war ungeheuer erfrischend.
Patrick Buchanan lenkte die Aufmerksamkeit auf die
Tatsache, daß George Bush sein Wort nicht gehalten
hat und der Präsident seinen Prinzipien nicht treu ist.
Buchanan mag bei vielen Dingen falsch liegen, aber in
diesem Punkt hatte er recht.
The New York Times
Aus drei Gründen versetzt einen das Ergebnis in einen
Buchanan-Schock.
Einmal rührt dieser Schock daher, daß sein Auftauchen insbesondere im Ausland als Zeichen häßlichen
Überlegenheitsdenkens und kaum verbrämter Feindseligkeit gegenüber Minderheiten gewertet wird.
Buchanan wehrt sich gegen Bezeichnungen wie Rassist oder Antisemit. Seine Äußerungen stehen jedoch
im Raum und bedürfen einer Überprüfung.
Er hätte keinen Grund, die zweite Ursache dieses
Schocks zu beanstanden - sein Wahlergenis belegt ein
stark verändertes Verhältnis der Amerikaner zum Rest
der Welt. Dieses Gefühl Isolationismus zu nennen,
hie ße, es mit einem belasteten Begriff zu belegen. Es
gibt wenige Themen, die die Amerikaner taktvoller aus
der Welt schaffen sollten.
Die dritte unstreitige Schockwelle ergibt sich aus der
Tatsache, wie sehr viele Wähler gegen ihre wirtschaftliche Notlage protestieren wollen.

Seite 1

�The Washington Post
Unserer Meinung nach hat Bush viel zu revidieren. Er
denkt womöglich, daß er dabei so weitermachen oder
sich Buchanan annähern kann, daß er die Demokraten
schärfer attackieren sollte oder Methoden anwenden
kann, derer er sich in der Vergangenheit bedient hat.
Aber unserer Ansicht nach sinkt seine Popularität jetzt
vor allem durch seine Weigerung, weder auf seine
Gegner noch auf die Themen einzugehen, die sie
ernsthaft und geradeheraus vorbringen. Tsongas
Sieg belegt die Neigung der Wähler, für einen Kandidaten zu stimmen, der offensichtlich ein Programm
hat. Die Meinungsumfragen über Gouverneur Clinton
sehen ähnlich aus.
The Christian Science Monitor
Es ist unklar, ob Buchanan auch außerhalb des kleinen, von der Rezession angeschlagenen New Hampshire genauso e&lt;*nr den Nerv der unzufriedenen Wähler
trifft. Seine protektionistische, von Überlegenheitsdenken geprägte Botschaft ist nicht das, was die
Vereinigten Staaten heute brauchen und etwas dünn
für einen langen Wahlkampf. Darüber hinaus fehlt
seiner dürftigen Kampagne das Geld.
Dennoch wird Buchanan wahrscheinlich genügend
Unterstützung für seine rechtskonservativen Parolen
verbuchen, um es mit dem Präsidenten bei einer Reihe
weiterer Vorwahlen aufnehmen geben zu können.
The Boston Globe
Selbst abgesehen von der Tatsache, daß er als regionaler Kandidat angesehen werden könnte, der direkt
hinter der Staatsgrenze von New Hampshire lebt, war
Tsongas Auftritt ausgezeichent. Niemand - und wahrscheinlich noch nicht einmal Tsongas selbst - hätte
gedacht, daß seine Kandidatur im Gegensatz zu seinen Ideen so gut ankommen würde.
Zusammen mit Buchanan steht er in den nächsten
beiden Wochen im vollen Rampenlicht. Er wird die
Chance haben, seine Argumente vorzubringen, zu

seh. Nichts wäre angebrachter als ein wirtschaftlicher
Gesundungsplan...
Die demokratische Mehrheit im Kongreß ist besonders
verärgert, daß sich die Herren Tsongas und Clinton um
die Nominierung bewerben. Ihnen gefallen Clintons
gegen Washington gerichtete Parolen nicht, aber sie
können in dem etwas progressiveren Liberalismus der
werten Hillary Clinton einen gewissen Trost suchen.
Sie könnten ein Geschäft mit Clintons Präsidentschaft
machen. Ihre Hauptangst ist, daß er im November
unwählbar ist.
Dasselbe sagen sie über Paul Tsongas Wählbarkeit,
was sie jedoch wirklich erschreckt, ist seine erklärte
Entschlossenheit, die Partei von ihrer Abhängigkeit
von Klassenkampfpolitik und ihrer sklavischen Verehrung kleiner Interessengruppen zu heilen.
Kolumnist David Broder
Nach New Hampshire kann niemand bezweifeln, daß
George Bush seine Präsidentschaft neu gestalten
muß - nicht nurseine Kampagne sondern seine Regierung - wenn ereine zweite Amtszeit gewinnen will. Und
nach New Hampshire ist ebenso sicher, daß die
Demokratische Partei endlich zu einer Veränderung
bereit ist.
Diese beiden wichtigen Fakten ergeben sich aus einer
Vorwahl, diedie Hoffnung birgt, daß sowohl die Wähler
als auch die Medien bereit sind, 1992 die ernsthafte
und wichtige Wahl über den nationalen Kurs zu treffen,
der 1988 hätte angeboten wei den müssen - aber nicht
wurde.
Kolumnist George Will
Bush hat nicht nur einen beträchtlichen Anteil der
republikanischen Wähler verloren, er hat praktisch die
gesamten Stimmen derer verloren, die am meisten
zählen - die Konservativen, die die Basis jedes republikanischen Präsidenten ausmachen. Politik besteht
nicht nur aus Zahlen - auch Stärke zählt, und die
starken Republikaner sind Konservative.

demonstrieren, daß seine Ideen landesweit Anklang

finden. Er wird seine Chance bekommen. Selbst bei
schlimmstem Kirchturmdenken können wir beruhigt
sein, daß er den guten Namen der Politik von Massachusetts bereits ein bißchen wiederhergestellt hat.
The Wall Street Journal
Vergessen Sie Pat Buchanan. George Bush kämpft
gegen George Bush. Als Ausdruckeines Gefühls, das
das politische Leben Amerikas durchzieht, lautet die
von den Wählern in New Hampshire am Dienstag
ausgesendete Botschaft, sie wollen, daß Bush anfängt
so wie der Präsident zu handeln, den sie 1988 mit so
überwältigender Mehrheit gewählt haben. Als ersten
Schritt sollte Bush ihnen sagen, daß er ihre Botschaft
verstanden hat und dann etaws tun, um es zu bewei-

Seite 2

Einige Konservative werden die Zähne zusammenbeißen und bei Bush bleiben, weil sie Angst vor Buchanans konservativen Grundsätzen haben. Aber sehr
viel mehr Konservative könnten bald zu der Überzeugung gelangen, es sei besser für ihren Glaubenskampf, in der Opposition zu sein als auf Bushs Art an
der Macht - in einer Unordnung, die den Konservatismus diskreditiert. Und es wird nicht möglich sein, sie
durch große Angst vor Tsongas oder vielleicht selbst
Clinton in den Schoß der Partei zurückzuholen.
Kolumnist Paul Greenberg
Wenn er nicht der Präsident mit nur einer Amtsperiode
werden will, muß Bush eine kurze aber aufrichtige
Entschuldigung aussprechen - die Wähler werden

AMERIKA DIENST 8

�gerne bereit sein, ihm zu vergeben, wenn sie darum
gebeten werden - und am Ende kraftvoll dastehen: im
Kongreß, bei den Demokraten und den Ignoranten,
den Isolationisten und berechenbaren Nativisten, die
Pat Buchanans natürliche und natürlicherweise kleine
Gemeinde der Claqueure ausmacht. Nur die Lethargie
des Präsidenten hat es seinem Herausforderer ermöglicht, eine Splittergruppe zu einer Protestwählergemeinde aufzublähen.
Kolumnist William Satire
Buchanan hat Bush angeschlagen. Der medienwirksame Kämpfer wird zeitweilig seinen Anteil an den
Proteststimmen mit David Duke teilen müssen, und es
wird lange dauern, bis er noch einmal 40 Prozent
erreicht. Aber Buchanans Anti-Einwanderungsrhetorik wird in Kalifornien gewisse rassistische Ressentiments aufgreifen.
Der republikanische Wahlparteitag 1992 wird eine
Wiederholung von 1976 bringen: der Amtsinhaber
gewinnt, aber die Rückzugsrede des Herausforderers
wird ihm die Show stehlen. Buchanan wird versuchen,
dem Präsidenten Ford in Gestalt von Bush einen
Herausforderer Reagan entgegenzustellen: Am Ende
des Parteitags wird Buchanan mit grimmiger Miene die
republikanische Liste unterstützen, wobei seine Anhänger davon ausgehen werden, daß er insgeheim auf
eine republikanische Niederlage hofft.
Richard Cattani vom Christian Science Monitor
Die Leistungen des Präsidenten wurden in der Außenund nicht in der Innenpolitik erbracht. Er muß zeigen,
daß er ein Gespür dafür besitzt, wo Amerikas wirtschaftliche Schwierigkeiten liegen. Außerdem muß er
eine Orientierungshilfe für die sozialen und ökonomischen Herausforderungen der neunziger Jahre geben.
New Hampshire hat ein Signal gegeben: Der Präsident hat nicht zugehört.
Amerika ist nicht in einer "America Firsf-Stimmung,
wie auch immer der Stimmenanteil Buchanans ausfiel.
Auf Japan und auf Liberale einzudreschen, ist töricht.
Bushs wundester Punkt ist der starke Geruch von
Verwundbarkeit an sich. Wird seine Autorität bei der
Aufsicht über die Nahost-Friedensgespräche, zum
Beispiel, auf die Probe gestellt werden?

*

AMERIKA DIENST 8

Er sollte seine besten Berater um sich scharen, insbesondere Außenminister James Baker III, und einen
stetigen Kurs für das Land festsetzen.
Norman Ornstein, politischer
American Enterprise Institute

Experte

beim

Von Anfang an war klar, daß Buchanan kandidierte,
um Führer der konservativen Bewegung zu werden, da
diese Position in der Republikanischen Partei seit den
Tagen Ronald Reagans vakant ist. Er möchte, daß
seine besondere Vision des Konservatismus - isolationistisch, nationalistisch und America First - gegenüber
der deplazierten Splitterbewegung des Neokonservatismus die Oberhand gewinnt.
Zu Beginn seiner Kampagne konnte Buchanan nicht
realistisch annehmen, er werde Präsident, aber dies
hat sich nun geändert. Ein Gefühl der Schwäche im
Hinblick auf Quayle tut bei den Republikanern ein
übriges. Solange er sich keinen völligen Flop leistet,
hat Buchanan allen Grund bis zum Ende im Rennen zu
bleiben, um mit großem Elan am Wahlparteitag teilzunehmen und diesen Schwung bis 1996 zu konservieren.
William Schneider, freier Redakteur des National
Journal
Der Sieg im Golfkrieg hat Bush in New Hampshire
wenig genutzt. Sicherlich, er erhielt 95 Prozent der
Stimmen von Republikanern, die den Krieg als wichtiges Thema bezeichneten. Aber es waren genau
sieben Prozent der Republikaner, die dies sagten.
Siebenmal soviele erklärten, die Wirtschaft sei ein
wichtiges Thema.
Was Bush vorder völligen Erniedrigung in New Hampshire rettete, war nicht der Krieg, sondern die Frauen.
Bei den Männern waren die Stimmen in der republikanischen Vorwahl in etwa gleichmäßig auf Bush und
Buchanan verteilt. Aber die Frauen stimmten 2 zu 1 für
Bush. Anscheinend haben Buchanans kontroverse
Ansichten sowie seine Reputation als Störenfried viele
Wählerinnen abgeschreckt. Zum Glück für Bush hatte
sein Gegner ein solch widerliches Image.
Buchanans Erfolg hat den Demokraten in einer Hinsicht geschadet: er lenkte die Aufmerksamkeit von
Tsongas' Sieg ab. Tsongas muß jedes Quentchen an
Schubkraft nutzen, das er aus diesem Sieg in New
Hampshire ableiten kann.

* * *

*

Seite 3

�WAHLEN

'92
26. Februar 1992

UNTERSCHIEDLICHE ANSICHTEN ZUM
WELTHANDEL BEI DEN DEMOKRATEN
Tsongas gegen Handelsschranken,
blinde Vorwürfe gegen das Ausland

WASHINGTON - (AD) - Wenn die wichtigsten demokratischen Präsidentschaftskandidaten nicht Präsident
Bush für den schlechten Zustand der amerikanischen
Wirtschaft verantwortlich machen, bezichtigen sie
Ausländer unfairer Handelspraktiken, die angeblich
amerikanische Arbeitnehmer ihre Arbeitsplätze kosten.
Das heißt: alle Kandidaten außer dem ehemaligen
Senator von Massachusetts Paul Tsongas, dem Sieger in der Vorwahl von New Hampshire, einer der
ersten von 33 Vorwahlen und 17 Parteiversammlungen, die bis zum 2. Juni der amerikanischen Öffentlichkeit eine gute Vorstellung davon vermitteln werden,
wer für die Demokraten als Präsidentschaftkandidat
ins Rennen geht.
Während Tsongas Protektionismus und blinde Anklagen gegen das Ausland verwirft und staatliche Unterstützung der Industrie ablehnt, fordern die Senatoren
Tom Harkin (Iowa) und Bob Kerrey (Nebraska) sowie
der Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, schärfere
US-Handelsgesetze sowie staatliche Hilfen für die
Industrie, um diese im Wettbewerb auf den Weltmärkten zu unterstützen.
Tsongas erklärt, die Rufe nach Protektionismus seien
nichts anderes als "die Akzeptanz eines umfassenden
Rückzugs vom Wettbewerb".
"Dies ist ein warmer Zufluchtsort, der aber nur vorübergehend zur Verfügung steht und letztlich tödlich ist",
schreibt Tsongas in einem Positionspapier mit dem
Titel "A Call to Economic Arms". Er stellt fest, die
amerikanischen Bemühungen sollten sich auf die Öffnung anderer Märkte und nicht auf die Abschottung
des amerikanischen Markts konzentrieren.
"Ich möchte eines klarstellen: Ich bin kein Protektionist... Ich bin ein Internationalist. Protektionismus
AMERIKA DIENST 8

wäre ein tragischer Fehler", erklärte Tsongas am
7. Oktober 1991 während einer Rede im National
Press Club.
"Wir können nicht mit Japan und Europa konkurrieren,
wenn wir versuchen sie herunterzuziehen, wenn wir
sie zu zwingen versuchen, den Konkurrenzdruck
abzubauen. Sie werden dem niemals zustimmen.
Und sie sollten es auch nicht. Wir würden das auch
nicht tun, wenn wir in ihren Schuhen steckten. Wir
können nur dadurch konkurrieren, daß wir uns selbst
verbessern. Indem wir Amerika zu einem effektiveren
Konkurrenten machen. Indem wir uns auf unsere
Stärken besinnen, indem wir Verantwortung für unsere
Zukunft übernehmen."
Tsongas ist darüber hinaus der Ansicht, daß es zwar
angebracht sei, andere Länder zu kritisieren, wenn
deren Maßnahmen fehlerhaft seien, ein Eindreschen
auf das Ausland jedoch gefährlich wäre, weil es die
notwendige Selbstprüfung und Neuorientierung verzögere, die zur Verbesserung der amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit führe.
Blinde Anklagen gegen das Ausland, so Tsongas,
"gestatten es den Menschen, sich mit Ressentiments
gegen andere Länder zu begnügen, wenn sie statt
dessen Veränderungen bei unseren eigenen Praktiken in Amerika verlangen sollten".
Tsongas vertritt also die Auffassung, die amerikanischen Verbraucher sollten sich für amerikanische
Produkte entscheiden, wenn sie in Preis und Qualität
konkurrieren können.
"Zwischen den Extremen - dem gedankenlosem 'Buy
America' und der gefühllosen Illoyalität der achtziger
Jahre - gibt es einen logischen Mittelweg", schreibt er
und erklärt: "Ich wohne in einer schneereichen Gegend und möchte einen Wagen mit Allradantrieb.
Seite 1

�Meine Wahl beschränkt sich auf einen Jeep und einen
isuzu. Bei meiner Entscheidung spielen Design und
Kosten eine Rolle, aber das ist noch nicht alles. Wenn
ich den Jeep sehe, denke ich an einen amerikanischen
Automechaniker, der seinen Arbeitsplatz behält, wenn
ich dieses Auto kaufe. Es bereitet mir ein stilles
Vergnügen, daß mein Geld in unsere Volkswirtschaft
fließt und sich multipliziert."
Bill Clinton, der in New Hampshire knapp hinter Tsongas lag, geht zu Handelsfragen eher auf Konfrontationskurs. Er befürwortet die Wiederbelebung und
Stärkung des Handelsgesetzes Super 301, das zwischen 1988 und 1990 der Administration vorschrieb,
unfaire Handelspraktiken und -partner zu benennen
und Vergeltung bei Nichteinsteilung dieser Praktiken
anzudrohen.
In seinem Positionspapier "A Plan for America's
Future" schreibt Clinton, bei seiner Wahl zum Präsidenten würde ei die Entschlu ßkraft an den Tag legen,
die japanischen Märkte unter Anwendung eines verbesserten und sorgfältiger ausgerichteten 'Super 301 Ansatzes' für wettbewerbsfähige amerikanische
Produkte zu öffnen".
"Wir benötigen eine Handelspolitik, die Europa, Japan
und unseren anderen Handelspartnern gegenüber
feststellt: wir befürworten ein offenes Handelssystem,
aber wenn Ihr Euch nicht an die Spielregeln haltet,
werden wir unsere anwenden", so Clinton. "Eine
Clinton-Administration wird auf harten Handelsmaßnahmen bestehen."
Clinton scheint auch eine Industriepolitik zu befürworten, die bestimmte Industrien für Regierungssubventionen vorsieht. Er erklärt, die Vereinigten Staaten
benötigten eine neue Bundesbehörde, um die Forschung zur Entwicklung neuer, kritischer ziviler Technologien zu unterstützen und zu koordinieren.
Tsongas stellt fest, eine Industriepolitik, die versucht,
Gewinner und Verlierer in der amerikanischen Industrie auszumachen, sei zum Scheitern verurteilt. "Die
Privatwirtschaft und die Märkte treffen im allgemeinen
die besseren Wirtschaftsentscheidungen", so Tsongas. "Ich glaube an freie Märkte."
Senator Bob Kerrey - Dritter bei den Vorwahlen in New
Hampshire - klingt ähnlich wie Clinton, obwohl seine
Argumente bezüglich Japan sehr viel drastischer sind.
Ebenso wie Clinton ist er für die Erneuerung von Super
301 und unterstützt höhere staatliche Subventionen
für die amerikanische Industrie.
Kerrey behauptet, Japan weigere sich, seine Märkte
fairem Handel zu öffnen, die japanische Regierung übe
strikte Kontrolle über die Handelspolitik aus und ermu-

Seite 2

tige und unterstütze ein breites Spektrum der Produktpiraterie, die japanischen Unternehmen unfaire Vorteile verschaffe.
"Wenn es uns nicht gelingt, unseren Handel mit Japan
durch den Verkauf von mehr amerikanischen Waren
auszugleichen - wie wir es vorziehen würden - dann
müssen wir bereit sein, dies durch den Kauf von
weniger japanischen Produkten zu bewerkstelligen",
erklärte Kerrey in einer Rede vor dem Massachusetts
Institute of Technology am 11. Dezember 1991. "Im
Gegensatz zu George Bush hätte ich keine Angst,
Handelssanktionen wie die in 'Super 301' anzuwenden. Ich verspreche Ihnen, daß die Vereinigten Staaten bis zum Ende meiner ersten Amtszeit als Präsident
große Fortschritte im Hinblick auf ein Gleichgewicht
unserer Handelsbeziehungen mit Japan erzielt haben
werden."
In seinem Wirtschaftsplan mit dem Titel "Building
America's Greatness", schreibt Kerrey, seine Regierung würde keine ruinöse Preisgestaltung oder geschlossenen Märkte irgendwo auf der Welt tolerieren.
Er erklärt, die Beziehungen zu den aufstrebenden
Industrieländern wie Indien, Indonesien und Brasilien
fördern zu wollen, um ihre stark abgeschirmten Märkte
aufzubrechen.
Kerrey befürwortet die Einführung einer multilateralen
Handelsorganisation als Nachfolgerin des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens - mit größeren
Vollmachten, um Beschwerden im Handel zu untersuchen und die Einhaltung von Regein im Welthandel zu
überwachen. Darüber hinaus unterstützt er die Kodifizierung von Mindestanforderungen beim Umweltschutz in den internationalen Handeisgesetzen.
Wie Clinton spricht sich Kerrey für eine zivile Behörde
aus, die mit der Privatindustrie zusammenarbeitet, um
Prioritäten bei Forschung und Entwicklung auf Schlüsseltechnologien wie Telekommunikation, Informatik
und Raumfahrt zu konzentrieren.
"Ich höre schon, wie manche Leute sagen, diese Art
Aktivismus des Präsidenten bedeute Einmischung in
den Markt. Daß er den freien Handel zerstöre. Daß die
Regierung sich nicht einmischen soll, um Gewinner
und Verlierer festzustellen," erklärt Kerrey. "Aber
wenn die Regierung sich weigert, bei Handel und
Technologie eine vernünftige Politik zu machen, dann
wird sie letztlich doch den Verlierer bestimmen - den
amerikanischen Arbeitnehmer."
Senator Tom Harkin fordert Härte gegenüber unfairen
ausländischen Handelspartnern, zu denen seiner
Meinung nach nicht nur Japan sondern auch China
und die Europäische Gemeinschaft zählen.

AMERIKA DIENST 8

�Harkin möchte die Handelsvorteile für China beenden,
bis das Land die Sklavenarbeit abschafft und Menschenrechte zu achten beginnt.
"Chinas Handelsvorteile sind so verwerflich, weil sie
mit eklatanten Menschenrechtsverletzungen erkauft
wurden, mit dem Elend und Leid der chinesischen
Bevölkerung," schreibt Harkin in "A Blueprint to Build a
New America".
Zu Japan erklärt Harkin, wenn japanische Exporteure
Zugang zu amerikanischen Automärkten haben wollten, müßten US-Exporteure auch Zugang zum japanischen Markt sowie Beschaffungsverträge für Kommunikationsgeräte, Mikrochips, Computer, Reis, Zitrusfrüchte, Rindfleisch und Fertigprodukte aus Holz erhalten.
Er nimmt ebenfalls zu europäischen Subventionen für
die Landwirtschaft und den Flugzeugbau Stellung.
"Wir müssen beim europäischen

Harkin bezeichnet sich ferner als einzigen Präsidentschaftskandidaten, der sich gegen den Vorschlag der
Bush-Regierung ausspricht, das Nordamerikanische
Freihandelsabkommen (NAFTA) nach dem "Fast-track"Verfahren durch den Kongreß zu bringen. Danach
wäre der Kongreß gezwungen, die Handelsabkommen mit Mexiko und Kanada ohne die Option eventueller Zusatzartikel zu überdenken.
Ebenso wie Clinton und Kerrey unterstützt Harkin eine
zivile Behörde, die neue Technologien entwickeln, auf
den Markt bringen und verbreiten soll.
Harkin erklärt, er werde bald Gesetzentwürfe vorlegen, die amerikanische geschäftsführende Direktoren
beim Internationalen Währungsfonds, der Weltbank
und anderen multilateralen Finanzinstitutionen anweisen, Einspruch gegen Kredite und Hilfe an Länder zu
erheben, die mehr für ihr Militär als für Gesundheit,
Bildung und Grundversorgung ihrer Bürger ausgeben.

Protektionismus

genauso hart sein wie bei den Japanern," erklärt er.
*

AMERIKA DIENST 8

*

*

*

Seite 3

�DROGEN
26. Februar 1992

DROGENGIPFEL SOLL NETZ GEGEN
DROGENHÄNDLER AUSBAUEN
Informationsgespräch mit Martinez, Aronson und Levitsky

WASHINGTON - (AD) - Durch gemeinsame Bemühungen werden die sieben Teilnehmerstaaten am Drogengipfel in San Antonio (Texas) vom 26. bis 27.
Februar 1992 in der Lage sein, "ein wesentlich engmaschigeres Netz" gegen den Drogenhandel zu knüpfen,
wenn sie ihr Engagement zur Reduzierung von Angebot und Nachfrage sowie zur Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung verstärken, so die Meinung
dreier hochrangiger Vertreter der amerikanischen Regierung.
Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus erklärte
der Direktor des Amts für nationale Drogenbekämpfungspolitik, Bob Martinez, am 24. Februar 1992, der
Gipfel werde "im Hinblick darauf, was wir in Zukunft tun
werden, wesentlich detaillierter sein" als das Treffen
vom Februar 1990 in Cartagena (Kolumbien), das eine
breitangelegte Strategie für die Bekämpfung alier
Facetten des illegalen Drogenhandels hervorbrachte.
"Beim Gipfel wird angekündigt werden, welche spezifischen Ziele in dieser Hinsicht festgelegt werden
könnten", und zwar in den Bereichen Angebotseindämmung, Nachfragereduzieung und alternativer
Wirtschaftsentwicklung, erklärte Martinez und fügte
hinzu, daß möglicherweise ein Verfahren entwickelt
werde, "um hochrangigen Vertretern dieser Länder die
Möglichkeit zu geben, sich von Zeit zu Zeit zu treffen
und auszuwerten, was wir bei diesen speziellen Zielen
tun".
"Aufgrund der mehrjährigen Arbeit zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Partnern in den Anden",
stellte Martinez fest, "und heute mit der Erweiterung
unsere Gipfels werden wir ein wesentlich engmaschigeres Netz" gegen den Drogenhandel knüpfen".
Der für internationale Drogenfragen zuständige Abteilungsleiter im US-Außenministerium, Melvyn Levitsky,
erklärte, der Gipfel sei von den ursprünglich vier Ländern - Bolivien, Kolumbien, Peru und Vereinigte Staa-

AMERIKA DIENST 8

ten - auf sieben erweitert worden, da "wir erkannten,
daß, wenn man den Druck" in einem Bereich "verstärkt, die Drogenhändler ihre Geschäfte auf andere
Länder ausdehnen".
Die anderen drei zum Gipfel eingeladenen Länder Venezuela, Ecuador und Mexiko - "sind zu Sprungbrettern für die Drogenhändler geworden, besonders Mexiko,
da wir unsere Bemühungen in der Karibik intensiviert
haben", stellte Levitsky fest. "Ecuador und Venezuela
sind Transitländer für Chemikalien (nach Lateinamerika) und Drogen von dort."
Der Gipfel sei "der nächste Schritt zur Einbeziehung
weiterer Länder" in regionale Bemühungen zur Drogenbekämpfung.
Der Abteilungsleiter für interamerikanische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Bernard Aronson, umriß die Bemühungen der Administration zur
Einhaltung der von Präsident Bush in Cartagena eingegangenen Verpflichtung, neue Möglichkeiten für
legitimen Handel zwischen den Andenstaaten und den
Vereinigten Staaten zu eröffnen.
Er verwies darauf, Bush und Außenminister Baker
hätten den Kongreß persönlich um die Verabschiedung des - im Dezember vergangenen Jahres in Kraft
getretenen - Gesetzes über den bevorzugten Handel
mit den Andenstaaten ersucht, das die zollfreie Einfuhr
der meisten Waren aus Bolivien, Ecuador, Kolumbien
und Peru in die Vereinigten Staaten zuläßt.
Vier Monate nach dem Gipfel von Cartagena hat Bush
seine Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in
allen Ländern Amerikas (Enterprise of the Americas
Iniviative - EAI) bekanntgegeben, eine umfassende
Strategie, um den Handel auszudehnen und eine
Freihandelszone auf dem Kontinent zu schaffen, Investitionen zu fördern und die Schuldenlast der Länder
Lateinamerikas und der Karibik im Ausland zu erleichtern.
Seite 1

�"Wir haben Bolivien bereits seine Schulden bei den
Vereinigten Staaten im Rahmen der EAI um 370
Millionen Dollar erlassen," erklärte Aronson. "Wenn
der Kongreß die Forderung des Präsidenten nach
Schuldenerleichterung im Rahmen der EAI voll finanziert, können wir auch Kolumbiens Schulden bei uns
erlassen. Peru, Bolivien und Kolumbien können im
Rahmen der EAI Kredite der Interamerikanischen
Entwicklungsbank für den Investitionssektor in Anspruch nehmen."

Prozent erzielt. Er betonte darüber hinaus Kolumbiens
Leistung, die Bosse des Drogenkartells von Medellin
ihrer gerechten Strafe zuzuführen sowie die jüngsten
Schläge gegen das Cali-Kartell.
Auf die Frage nach der angeblichen Korruption in Peru
erklärte Aronson: "Korruption gibt es in jedem Land, in
dem Drogenhändler am Werk sind... Auch in Peru ist
dies ein Problem. Trotzdem gelten dieser Präsident
(Alberto Fujimori) und seine Regierung in Peru im
allgemeinen als vertrauenswürdig. Sie bekämpfen die
Korruption."

Aronson erläuterte ferner, die Regierung unterstütze
ein Freihandelsabkommen zwischen den Vereinigten
Staaten, Mexiko und Kanada, dasgegenwaitig ausge- Er betonte ferner, "man hat zu lange gewartet", um sich
der Bedrohung durch den Drogenhandel zu stellen,
handelt wird.
"und infolgedessen sehen wir uns alle mit einem Monster
Aronson beschrieb die Fortschritte in Bolivien, wo konfrontiert. Es wird Jahre des anhaltenden Kampfes
landwirtschaftliche Anpflanzungen in den Koka-An- dauern, sich diesem Monster zu stellen und es zu
baugebieten Alto Beni und Chapare gefördert werden. besiegen."
Femer hat das Land 1991 eine Wachstumsrate von 4,1
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 8

�KOLUMBUS
26. Februar 1992

VERANSTALTUNGEN ZUM 500. JAHRESTAG
DER ENTDECKUNG AMERIKAS
Eine Übersicht
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht über die wichtigsten Veranstaltungen in
den Vereinigten Staaten, mit denen des 500. Jahrestages der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus
gedacht wird. Die Liste wurde von der U.S. Quincentenary Jubilee Commission, einer im Jahr 1984 vom Kongreß
zur Planung und Koordinierung der amerikanischen Beteiligung an diesem internationalen Gedenkjahr ins Leben
gerufenen Bundesbehörde zusammengestellt.
Eine der Hauptaufgaben der Kommission besteht in der Erarbeitung eines computergestützten Kalenders der
amerikanischen Veranstaltungen in Zusammenhang mit den Fünfhundertjahrfeiern. Gegenwärtig weist dieser
Kalender über 1.300 Einträge auf. Weitere Informationen sind bei der folgenden Anschrift erhältlich:
The Christopher Columbus Commission, 1801 F St. N.W., Washington, D.C., 20006. Tel.: (202) 632-1992,
FAX: (202)523-9254.

Höhepunkte der Fünfhunderljahrfeiern in den
Vereinigten Staaten
Miami (Florida)
Von vielen als Brücke zwischen Nord- und Lateinamerika betrachtet, begann Miami bereits im Oktober
vergangenen Jahres mit einjährigen Feierlichkeiten.
Am 15. Februar begrüßte Miami als erster amerikanischer Hafen die in Spanien gebauten Nachbildungen
der Schiffe Nina, Pinta und Santa Maria, mit denen
Kolumbus einst nach Amerika gesegelt war, mit einer
Parade von Tausenden von Segel- und Motorschiffen.
Die Karavellen werden noch 20 weitere amerikanische
Hafenstädte anlaufen.
Philadelphia (Pennsylvania)
Einjährige Feiern unter dem Motto "Nachbarn in der
neuen Welt" werden am 11. Oktober (dem ColumbusDay-Wochenende) mit einer von dem italienischen
Opernstar Luciano Pavarotti als "Grand Marshai"
angeführten riesigen Parade ihren Höhepunkt erreichen. Zuvor werden im Rahmen der Philadelphia
Flower Show vom 8 . - 1 5 . März ein Garten und ein
Innenhof aus dem spanisch beeinflußten Südwesten
der Vereinigten Staaten vorgestellt. Im ganzen Jahr
1992 wird das Franklin Institute Science Museum eine
Ausstellung von Navigationsinstrumenten und Schiffswerkzeugen zeigen.

AMERIKA DIENST 8

Memphis (Tennessee)
Das jährliche Memphis in May International Festival ist
dieses Mal dem Geburtsland von Kolumbus, Italien,
gewidmet. Im gesamten Monat Mai werden über 100
Veranstaltungen oder Ausstellungen stattfinden, darunter eine Ausstellung italienischer Gemälde, eine
Ausstellung etruskischer Gebrauchsgegenstände, ein
italienisches Wein- und Lebensmittelfestival sowie ein
Popkonzert mit dem Titel "Viva Italia".
Columbus (Ohio)
Als größte amerikanische Stadt, die den Namen des
berühmten Seefahrers trägt, organisiert Columbus in
Ohio die sechsmonatige Ameriflora '92. Die in einem
Stadtpark stattfindende 95-Millionen-Dollar-Ausstellung umfaßt eine internationale Gartenschau und ein
Kulturfestival. Daneben werden auch exotische Gerichte angeboten. Die Ausstellung findet vom 20. April
bis 12. Oktober statt.
Corpus Christi (Texas)
1989 ernannte das Parlament in Texas Corpus Christi
offiziell zur Stadt für die Fünfhundertjahrfeier in Texas.
Die Stadt finanziert die Aufstellung einer KolumbusStatue im Hafen von Corpus Christi am Dock Eins und
koordiniert in den ersten beiden Oktoberwochen das
Festival of the Americas.

Seite 1

�New York (New York)
Am 4. Juli werden die nachgebauten Schiffe des
Kolumbus zusammen mit der größten Schiffsflotte in
der neueren Geschichte Kolumbus' Ankunft in Amerika feiern. Diese Grand Regatta Columbus wird am
3. Mai von Cadiz in Spanien lossegeln und in San Juan,
Puerto Rico, New York City, Boston und Liverpool
anlegen. In New York wird es ein Feuerwerk und ein
Open-Air-Konzert geben.
Boston (Massachusetts)
Die an der Grand Regatta Columbus '9" Zunehmenden Schiffe werden am 10. Juli im äußeren Hafen von
Boston anlegen. In der Nähe der Anlegestelle finden
musikalische Darbietungen und Ausstellungen über
die Geschichte der Seefahrt sowie Festivals einzelner
Volksgruppen statt. Beim World Trade Center wird ein
Pavillon der internationalen Seefahrt errichtet. Die
Schiffe werden am 16. Juli zu ihrer Fahrt nach Liverpool aufbrechen, wo die letzte Etappe der Grand
Regatta beginnt.
San Francisco (Kalifornien)
Die nachgebauten Schiffe des Kolumbus werden sich
am Wochenende, auf das der Columbus Day folgt vom 10. bis 12. Oktober - in San Francisco aufhalten.
Die Stadt plant aus diesem Anlaß eine Gala-Veranstaltung. Dabei werden ein Überblick über die internationale Seefahrt geboten und moderne Schiffe gezeigt,
femer wird eine Segelregatta stattfinden, das größte
Feuerwerk an der Westküste veranstaltet und die
Landung des Kolumbus nachgestellt.

Im National Air and Space Museum wird die Ausstellung
Where Next, Columbus? gezeigt, die einen Ausblick
auf die nächsten fünfhundert Jahre gibt und sich
vorwiegend mit der Raumfahrt befaßt. Sie wird im
Dezember eröffnet.
Nordamerikatour 1992 der Schiffe Pinta, Nina,
Santa Maria
Nachfolgend veröffentlichen wir die Reiseroute der
Nachbauten von Kolumbus' Schiffen in den Vereinigten Staaten.
Miami

15. Feb. - 1. März

Corpus Christi

13. März - 22. März

Galveston/Houston

25. März - 29. März

New Orleans

2. April - 5. April

Tampa

10. April -19. April

St. Augustine

25. April - 27. April

Charleston

I.Mai

- 3. Mai

Norfolk

8. Mai

-10. Mai

Baltimore

15. Mai

- 25. Mai

Annapolis

27. Mai

- 29. Mai

Philadelphia

5. Juni - 1 4 Juni

Wilmington

16. Juni -17. Juni

Atlantic City

19. Juni - 21. Juni

Smithonian Institution (Washington, D.C.)

New York

26. Juni -19. Juli

Die Ausstellung Seeds of Change im Nationalen
Naturkundemuseum zeigt Exponate aus Europa, der
Karibik und Südamerika, die die Auswirkung von fünf
Seeds (Samen) oder Elementen der Veränderung
beschreiben, die die alte und die neue Welt gleichermaßen beeinflußt haben - Getreide, Kartoffeln, Pferde, Zucker und Krankheiten. Die Ausstellung läuft bis
April 1993.

New London/Mystic

24. Juli

- 26. Juli

Boston

31. Juli

-16. Aug.

San Francisco

2. Okt.

- 25. Okt.

San Luis Obispo

30. Okt. -

Die im Nationalen Museum für amerikanische Geschichte gezeigte Ausstellung American Encounters
vermittelt ein Bild vom amerikanischen Südwesten,
dem Zusammenleben von Indianern, Hispaniern,
Amerikanern afrikanischer Abstammung und Angloamerikanern, die sich in New Mexico im oberen Tal des
Rio Grande angesiedelt haben. Die Ausstellung wird
am 24. Juni eröffnet.

I.Nov.

Los Angeles

6. Nov. - 29. Nov.

San Juan Capistrano

4. Dez. - 6. Dez.

San Diego

11. Dez. - 20. Dez.

Jede angelaufene Stadt wird in Zusammenarbeit mit
der Stiftung Spanien '92 geplante besondere öffentliche und private Veranstaltungen wie Feuerwerke,
Paraden, öffentliche Konzerte, Symphonien und Kunstausstellungen organisieren.

* * * * *

SpitP ?

AMERIKA DIENST 8

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11381">
                <text>26.02.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11382">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11383">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11384">
                <text>Amerikadienst 26.02.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11385">
                <text>&lt;strong&gt;1. USA-GUS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker erwartet Zusammenarbeit und Handel mit GUS-Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht vor Unterausschuß des&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Repräsentantenhauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Steuben und Schurz als Symbole deutsch-amerikanischer Zusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA benennen in Genf Menschenrechtsverletzer &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Blackwell vor der&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;UN-Menschenrechtskommission&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Menschenrechtsverletzungen sind "Hauptursache" von Flüchtlingsströmen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Abram vor der&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;UN-Menschenrechtskommission&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wahlen'92&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die Vorwahlen in New Hampshire&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Pressestimmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unterschiedliche Ansichten zum Welthandel bei den Demokraten &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Tsongas gegen Handelsschranken, blinde&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vorwürfe gegen das Ausland&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Drogengipfel soll Netz gegen Drogenhändler ausbauen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Informationsgespräch mit Martinez, Aronson&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;und Levitsky&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Kolumbus&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Veranstaltungen zum 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2233" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2244">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/366b48a2c414e0be252c6d2b08a32d1b.pdf</src>
        <authentication>75ae2868dc201f9434ff21b8e7e3904d</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11380">
                    <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
^Vce

^ S«

1\W

etctf
\*\e
, MTW

en**

5

MtV

V.-ÄS

*V2

5300

19. Februar 1992

GUS

NEUE DEMOKRATIEN WERDEN PROBLEME
LÖSEN UND ÜBERLEBEN
Rede des Stellvertretenden Außenministers

UMWELT

USA BESCHLEUNIGEN ABBAU
OZONSCHÄDIGENDER STOFFE
Eine Übersicht des Weißen Hauses

AMERIKA HEUTE

WAS MACHT EINE NATION GROSS?
von Max Lerner

WAHLEN '92

BUSH HOFFT AUF ERNEUERUNG
SEINES MANDATS
Porträt des republikanischen
Präsidentschaftskandidaten Bush
IN NEW HAMPSHIRE GEFALLT DAS SYSTEM
DER VORWAHLEN
Ein Test für Ideale und Ausdauer der Kandidaten

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 2003 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�GUS
19. Februar 1992

NEUE DEMOKRATIEN WERDEN PROBLEME
LÖSEN UND ÜBERLEBEN
Rede des Stellvertretenden Außenministers
NEW YORK - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 11. Februar 1992 vor dem Institut für Ost-WestSicherheitsstudien gehaltene Rede des Stellvertretenden Außenministers Lawrence Eagleburger.
Es erübrigt sich zu sagen, daß wir historische Zeiten
durchleben. Ob dies jedoch - ebenso wie am Ende
eines früheren revolutionären Jahrhunderts - die besten oder die schlechtesten Zeiten sind, bleibt abzuwarten. Einige preisen das Zeitalter der Demokratie
als neues Jahrtausend, andere fürchten ein Zeitalter
des Chaos. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo zwischen beiden Extremen. Zweifelsohne muß die
Euphorie, mit der die Welt die demokratischen Revolutionen in Osteuropa und danach in den Ländern der
ehemaligen Sowjetunion begrüßt hat, jetzt durch ein
gewisses Maß an Vorsicht gedämpft werden.
Aber heute abend möchte ich Ihnen beweisen, daß die
Menschen dieser Region nicht durch die Geschichte
zu einer chaotischen und undemokratischen Zukunft
verdammt sind. Im Gegenteil - die Zukunft liegt
vielmehr in ihren und unseren Händen und die zur
Gewährleistung der Demokratie erforderlichen Opfer
bewegen sich im Rahmen unserer Möglichkeiten. So
schmerzlich diese Opfer auch sein mögen, sie sind
sicherlich verschwindend gering verglichen mit den
enormen Kosten eines Scheiterns.
Lassen Sie uns zunächst das Positive hervorheben:
Der Stern der Freiheit hat seit dem späten 18. Jahrhundert auf der Welt nicht mehr so hell geleuchtet wie jetzt.
Es gab eine Zeit, in der die geistigen Väter der Demokratie - die Männer der Aufklärung - davon ausgingen,
daß die Menschheit dazu bestimmt sei, immer rationaler, zivilisierter und freier zu werden. Sie glaubten, daß
freie Regierungen sich auf der ganzen Welt durchsetzen und die Nationen eher zu friedlichem Handel als
Krieg veranlassen würden. Ihre Annahmen wurden
jedoch durch die kollektivistischen Ideologien im 19.
Jahrhundert auf die Probe gestellt und ihre Hoffnungen
durch den sich verbreitenden Totalitarismus im 20.
Jahrhundert zunichte gemacht. Es schien eine Zeit-

AMERIKA DIENST 7

lang, als ob Demokratie - weit davon entfernt, unvermeidbar zu sein - in der Tat zum Scheitern verurteilt
sei.
Jetzt ist es plötzlich möglich, sich zumindest vorzustellen, daß der universelle Traum der Aufklärung verwirklicht werden kann. Es ist möglich, in den tragischen
Erfahrungen des 20. Jahrhunderts ein bloßes Zwischenspiel auf dem Weg der Demokratie zu universeller Herrschaft zu sehen. Unleugbar ist, daß die
Demokratie heute keinen glaubwürdigen ideologischen
Rivalen auf der internationalen Bühne hat. Sie ist,
zumindest für einen Moment, der Maßstab politischer
Legitimität für die Menschen überall auf der Welt, und
dank dem Untergang der Rivalen der Demokratie ist
die unnatürliche Teilung Europas beendet, und die
Menschen im Osten haben jetzt die Chance, sich dem
Weg der westlichen Zivilisationen anzuschließen. Sie
klopfen an unsere Tür, und hinter ihnen stehen Milliarden mehr Menschen, deren Erwartungen von den
Gedanken der westlichen Ausklärung geweckt und
revolutioniert wurden.
Auch eine pessimistischere Einschätzung ist möglich
- die in den jüngsten Ereignissen nicht den Fortschritt
der Demokratie sondern den Zusammenbruch des
internationalen Systems und eine Rückkehr zu derselben Instabilität sieht, mit der das Jahrhundert begann.
Es ist auf jeden Fall schwierig für uns, den Glauben der
Aufklärung an die Perfektionierbarkeit des Menschen
und die Unvermeidlichkeit von Fortschritt nach diesem
Jahrhundert der Gaskammern und Gulags zu teilen.
Uns ist die dunklere Seite der menschlichen Natur
sowie das jedem Menschen innewohnende Potential
für Gewalt und Haß zu gut vertraut, als daß wir mit
naivem Optimismus in die Zukunft blicken könnten.
Wir sind auch mit unseren Schwächen und Verpflichtungen - unseren David Dukes und sonstigen Defiziten

Seite 1

�- zu gut vertraut um zu verkennen, daß Demokratie
selbst unter widrigen Umständen ein herausforderndes Unterfangen ist.
Und genau das ist der Haken - die Umstände, unter
denen die Demokratie entstand. Nur drei Jahre nach
Beginn der demokratischen Revolution im Osten sehen wir uns mit einigen sehr ernüchternden Fakten
konfrontiert.
Zuallererst besteht die Tatsache instabiler Wirtschaftsverhältnisse. Die Bedingungen, die den Fall der
Kommunisten bewirkten, haben sich größtenteils nicht
verbessert, und in einigen Fällen wie de- hemaligen
Sowjetunion verschlechtern sie sich weiter. Würde
man den Menschen in der Region Präsident Reagans
berühmte Frage von 1980 stellen - Geht es Ihnen
heute besser als vor vier Jahren? - könnte die rein auf
materielle Aspekte gegründete Antwort sehr wohl "Nein"
lauten.
Jeder denkende Mensch weiß natürlich, daß der wirkliche Grund für wirtschaftlichen Niedergang die zu
vielen Jahre des Kommunismus sind und daß schmerzliche Reformen die unabdingbare Medizin für langfristige Gesundung sind. Darüber hinaus beginnen die
Reformen Erfolg zu zeitigen - in Polen, wo sich die
Währung stabilisiert und Waren reichlich vorhanden
sind; in Ungarn, wo die privaten Sparguthaben steigen,
ausländische Investitionen die Wirtschaft ankurbeln
und Arbeitsplätze schaffen sowie auch andernorts in
der Region. Aber langfristige Perspektiven stehen in
den Köpfen der meisten Menschen nicht an erster
Stelle. Die Tatsache, daß die Zeiten hart sind und in
einigen Ländern härter werden, steht im Mittelpunkt
der Aufmerksamkeit. Dies gilt insbesondere für Rußland, wo der Verlust der imperialen Herrschaft und des
Supermachtstatus eines stolzen Volkes das Gefühl
der Demoralisierung verschärft hat.
Eine zweite ernüchternde Tatsache ist der offenkundige Druck, den harte Wirtschaftsbedingungen auf die
zerbrechlichen neuen demokratischen Institutionen
der Region ausüben. Es ist im Westen nur natürlich,
daß der Mißwirtschaft beschuldigte Reigerungen
abgewählt werden. In Ostmitteleuropa und der ehemaligen Sowjetunion gibt es jedoch Beweise für Ungeduld mit dem demokratischen System selbst und auf
einigen Seiten eine Sehnsucht nach der Art von strenger Führung und Eindeutigkeit der nationalen Aufgabe, an die die Völker so lange gewöhnt waren.
Grundlegender ist, daß der Region offenkundig der
soziale und wirtschafliche Unterbau fehlt, der für die
Stabilität der Demokratie im Westen so wichtig ist beispielsweise die allgemeine Verteilung von Kapital
und Privateigentum, das der Bürgerschaft einen Anteil
an der demokratischen Ordnung und den Veränderungen insgesamt verschafft und die pluralistischen Institutionen einer bürgerlichen Gesellschaft, die zur Schlich-

Seite 2

tung konkurriernder Ansprüche tendieren und die großen
Belastungen des Lebens in einem demokratischen
und kapitalistischen System absorbieren. Wo eine
bürgerliche Gesellschaft schwach oder nichtexistent
ist, blicken die Bürger nicht auf sich selbst oder den
anderen für Lösungen, sondern nach oben zur Erlösung von der unter ihnen herrschenden Verwirrung.
Wenn sie keine zufriedenstellenden Antworten von
verantwortungsbewußten demokratischen Politikern
erhalten, werden sie ein leichtes Opfer von Demagogen, die autoritäre Lösungen versprechen oder die
ausländische Gegner oder ethnische Minderheiten
zum Sündenbock für Probleme machen, die sie nicht
bewältigen können.
Dennoch, trotz dieser beim Übergang von einer Diktatur zur Demokratie unvermeidlichen Probleme bin ich
der festen Überzeugung, daß die Völker Ostmitteleuropas und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten
sowohl das tragische Vermächtnis der Geschichte als
auch die enormen Probleme von heute überwinden
werden. Sie werden mit der Zeit eine Zukunft für
Demokratie und Wirtschaftswachstum sicherstellen vorausgesetzt, sie finden in sich die Kraft, andauernden Härten zu widerstehen und im Westen einen
Partner, der bereit ist, mit ihnen Blut, Schweiß und
Tränen zu vergießen solange es dauert.
Mein Optimismus gründet sich auf mehrere Faktoren.
Erstens haben die Menschen in der Region Kraft,
Flexibilität und vor allem eine große Liebe zur Freiheit
unter Beweis gestellt - nicht nur in dem, was sie in den
vergangenen Jahren geleistet, sondern in dem, was
sie einen Großteil dieses Jahrhunderts erduldet haben. Die schrecklichste totalitäre Herschaft seit Menschengedenken überlebt zu haben und dennoch den
Durst nach Wahrheit und Freiheit zu stillen, ist eine bemerkenswerte Leistung, die sie nicht leichtfertig vergeuden werden. Aus diesem Grund würde ich auf Präsident Reagans Frage die Antwort "Ja" wagen - trotz
der materiellen Härten, denen sie immer noch ausgesetzt sind. In Rußland hat sich die gerade entstandene
bürgerliche Gesellschaft, angefeuert durch den Mut
Boris Jelzins, als ausreichend stark erwiesen, um den
Versuch der Putschisten zu vereiteln, die Uhr in das
vordemokratische Zeitalter zurückzudrehen. Und auch
in Rußland sind die alten von den Zaren und Kommissaren verwendeten Argumente zur Unterdrückung
bürgerlicher Freiheiten - vor allem notwendig zur Aufrechterhaltung des Imperiums und zum Schutz gegen
Gefahren von außen - durch die jüngsten Ereignisse
überholt worden. Mit anderen Worten, die Menschen
in der Region verstehen im großen und ganzen, daß
die derzeitigen Härten den Grundstein für zukünftigen
Wohlstand legen. Sie werden der Demokratie die
Chance bieten, die sie benötigt, solange Hungersnöte
vermieden und ethnische Konflikte überwunden oder
unter Kontrolle gehalten werden können.

AMERIKA DIENST 7

�Der zweite Grund, warum ich optimistisch bin, ist - so
hart das klingen mag -, daß es in diesen Tagen einfach
keine Alternative zu dem zur Vervollständigung des
Übergangs zur Marktwirtschaft erforderlichen Schmerz
und den Opfern gibt. Nur durch Privatisierung der
Wirtschaft und Einführung der Regeln von Profit und
Effizienz können die Volkswirtschaften des Ostens
umgestaltet werden. Dies ist keine vom Westen
aufgezwungene Realität, es ist eine altbekannte Tatsache in einer aufstrebenen Weltwirtschaft, die allen
schwierige Anpassungen auferlegt - uns selbstverständlich eingeschlossen. Das Fazit ist mit anderen
Worten, daß Demagogen die Güter nicht liefern können und wollen. Ein Reformgegner kann die Macht
ergreifen oder ins Amt gewählt werden, aber er wird mit
der wirtschaftlichen Realität fertigwerden müssen, und
er wird letztlich mit den Konsequenzen der Nichtlieferung leben müssen.
Natürlich ist die Gefahr und die echte Herausforderung
für den Reformprozeß im Osten, daß - wie in Georgien
und Jugoslawien - Demagogen sich statt dessen dafür
entscheiden könnten, mit Haß zu bezahlen, indem sie
ethnische Spannungen ausnutzen und die Rechtsstaatlichkeit unterminieren. Aber selbst unter solchen
Umständen besteht berechtiger Anlaß zur Hoffnung,
daß die Situation mit der Zeit in den Griff zu bekommen
ist und umgekehrt werden kann. Was wir vielleicht
nicht ausreichend zu schätzen wissen, ist die Tatsache, daß die demokratischen Institutionen im Osten
heute durch eine größere bürgerliche Gesellschaft
gestützt werden als in der Region selbst existiert. Sie
werden durch eine größere Gemeinschaft von Demokratien verstärkt, der diese Nationen beitreten wollen
und deren Unterstützung für ihr Überleben unabdingbar ist.
Obwohl es im Bereich der Wirtschaftspolitik wichtig ist,
daß die Menschen in der Region ihre eigene Medizin
wählen und nicht das Gefühl haben, bestimmte
Patentrezepte würden ihnen aufgezwungen, ist es für
den Westen unerläßlich, die Normen eindeutig zu definieren, die wir respektiert sehen wollen, was Werte
und politisches Verhalten anbetrifft. Ich beziehe mich
letztlich auf die Normen, die sich die westlichen Nationen in den vergangenen fünfzig Jahren selbst auferlegt haben - Normen, die es dem Westen ermöglicht
haben, de facto eine Gemeinschaft von Demokratien
zu gründen und die Beziehungen unter allen Mitgliedern dieser Gemeinschaft zu befrieden, einschließlich
derjenigen, die noch vor wenigen Jahrzehnten Gegner
waren.
Außenminister Baker hatte diese Normen im Blick, als
er im vergangenen September die Grundsätze umriß,
die den amerikanischen Beziehungen mit den neuen
unabhängigen Staaten zugrunde liegen. Er bezog sich
dabei nicht auf amerikanische Prinzipien als solche,
sondern auf allgemeingültige Regeln die für uns alle

AMERIKA DIENST 7

im Westen bindend sind und auch für diejenigen bindend sein müssen, die danach streben, sich uns
anzuschließen und unsere Zusammenarbeit und Hilfe
in Anspruch nehmen möchten. Zu diesen Normen
gehören die Wahrung der Menschenrechte - einschließlich von Gruppen- und Minderheitenrechten, die Einhaltung demokratischer Praktiken sowie die Achtung
des Prinzips friedlicher und auf dem Verhandlungsweg
erzielter Veränderungen internationaler Grenzen.
Die Artikulierung dieser Normen impliziert jedoch weder
ein Recht des Westens, über den Osten zu richten,
noch legt sie die selbstgefällige Annahme nahe, daß
unsere eigenen Handlungen immer diesen Idealen
gerecht werden - was nicht der Fall ist. Sie bedeutet
schlicht und einfach, daß wir einen Hebel besitzen, den
wir einsetzen können und sollten, um den neuen
Demokratien bei der Abwehr jeglicher antidemokratischer Tendenzen zu helfen, die ihre eigenen Gesellschaften noch nicht einzudämmen in der Lage sind.
Wir im Westen können diese Art von positiver Verstärkung jedoch nicht leisten, wenn die Menschen in der
Region glauben, daß ihnen die Tür zur Mitgliedschaft
im westlichen Staatenbund verschlossen ist. Wir
können sie nicht um Geduld bitten, wenn sie verhungern, und wir können sie nicht in gutem Glauben
auffordern Opfer zu bringen, wenn wir nicht bereit sind,
dasselbe zu tun. Wir müssen deshalb eine Reihe von
Dingen tun, die nicht nur den Schmerz des Übergangs
lindem, sondern auch den Menschen Hoffnung geben,
daß sie eines Tages eine bessere Zukunft haben
werden, wenn sie dem demokratischen Kurs treu
bleiben. Wir müssen humanitäre Hilfe leisten, um
sicherzustellen, daß Nahrungsmittel und Medikamente verfügbar sind und gerecht verteilt werden, technische Hilfe, um der Region bei der Entwicklung der
Institutionen einer pluralistischen zivilen Gesellschaft
beizustehen, Strukturhilfe, um die Einleitung des
makroökonomischen Übergangs zur Marktwirtschaft
zu fördern und schließlich Investitionen, um Arbeitsplätze zu schaffen und reales langfristiges Wirtschaftswachstum hervorzubringen.
Ich möchte heute abend nicht auf einzelne Programme
eingehen, die wir für Ostmitteleuropa und die neuen
unabhängigen Staaten entwickelt haben, sondern das
tun, was mir vom Präsidenten und vom Außenminister
im vergangenen Dezember aufgetragen wurde - nämlich,
für unsere Hilfsmaßnahmen zu "werben". Ich möchte
jedoch klarstellen, daß wir keinesfalls vorschlagen, mit
unseren Bemühungen diejenigen der Menschen in der
Region zu ersetzen. Sicherlich müssen sie ihr Haus
selbst in Ordnung bringen, und wenn sie beispielsweise nicht genügend Anreize geben, damit ausländisches Kapital in ihren Volkswirtschaften investiert wird,
wird dieses Kapital andernorts eingesetzt. Kein Land
kann sich im ausgehenden 20. Jahrhundert den Gesetzen des Weltmarkts entziehen.

Seite 3

�Es ist überdies wichtig zu verstehen, daß unsere Politik
und unsere Hilfsbemühungen in der Region keine
Wohltätigkeitsveranstaltung sind, ebensowenig wie
der Marshallplan im Jahr 1947 ein Akt der Wohltätigkeit war. Wir tun, was den Interessen der Vereinigten
Staaten und dem Wohl des amerikanischen Volkes
dient. Es ist eben so, daß wir uns selbst helfen, wenn
wir andere dabei unterstützen, dem internationalen
Konzert der Demokratien, dem wir angehören, beizutreten und dieses damit zu stärken. Mit der Erweiterung dieser Gemeinschaft durch Einbeziehung ehemaliger Gegner nach dem Zweiten Weltkrieg haben
wir Sicherheit und Wohlstand unseres Vo!' 3 über alle
Maßen gemehrt - und das ibi genau das, wozu wir
heute aufgerufen sind.
Unser Interesse an diesem Vorhaben ist weder rein
abstrakter Natur, noch unterliegt es Einschränkungen
im Gesamtzusammenhang der nationalen Prioritäten.
Tausende junge r Amerikaner gaben in zwei Weltkriegen in diesem Jahrhundert ihr Leben, um ein Europa
zu gewährleisten, das freundlich gesonnen, friedlich
und demokratisch ist. Wir haben während des kalten
Kriegs Billionen von Dollar ausgegeben, um die Ambitionen eines expansionistischen totalitären Systems
zu zügeln, das die Fähigkeit besaß, uns, unsere Freunde und den größten Teil der Welt auszulöschen. Ja,
der kalte Krieg endete im Triumph, aber dieser Triumph
darf nicht mit einem Sieg auf Dauer verwechselt werden. Was wir gewonnen haben, ist die Chance für
einen Sieg - die Chance sicherzustellen, daß befreundete und demokratische Kräfte weiterhin das Schicksal von Völkern bestimmen werden, die einst gegen
uns standen.

kratischen Westens gemeinsam erfüllen müssen. Denn
ebenso fest steht, daß die Folgen eines Scheiterns in
Bonn, Brüssel, Paris, London und Tokio direkter und
unmittelbarer zu spüren wären als in Washington.
Die Bundesrepublik Deutschland hat rasch und großzügig gehandelt, um den demokratischen Wandel in
Ostmitteleuropa und der ehemaligen Sowjetunion zu
unterstützen. Die Europäische Gemeinschaft und
unsere anderen Freunde und Verbündeten in Europa
haben ebenfalls einen erheblichen Beitrag geleistet.
Aber dies ist auch nur recht und billig, denn von den
Vereinigten Staaten, die ihre politischen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen während des Großteils
eines halben Jahrhunderts stark belastet haben, um
die freie Welt zu verteidigen und weltweite Stabilität zu
erhalten, kann und sollte nicht erwartet werden, die
einzige - oder auch nur die hauptsächliche - Quelle zur
Unterstützung von Reformen und Wiederbelebung im
Osten zu bilden. Darüber hinaus sollte die Tatsache
berücksichtigt werden, daß die Vereinigten Staaten als
einzige Weltmacht weiterhin eine weltweite Last von
Verpflichtungen tragen, die bei weitem größer ist als
die von jeder anderen Nation getragene.
Ich möchte dies ganz präzis feststellen: Ich möchte
nicht anklingen lassen, daß die Vereinigten Staaten
ihren eindeutigen und erheblichen Verpflichtungen
gegenüber Ostmitteleuropa und den neuen unabhängigen Staaten ausweichen können oder sollten. Präsident Bush und Außenminister Baker nahen klargestellt, daß wir unseren Teil beitragen und noch mehr
tun werden. Aber diejenigen, deren Sicherheit und
Wohlstand zumindest in erheblichem Umfang die Folge
des amerikanischen Engagements während eines
halben Jahrhunderts ist, haben eine besondere Verpflichtung, heute als Mitglieder einer ebenbürtigen
Partnerschaft, um deren Verwirklichung sie und wir
uns solange bemüht haben, Leistungen zu erbringen.

Natürlich sind dies schwere Zeiten für die Vereinigten
Staaten, Zeiten, in denen die meisten Amerikaner der
Meinung sind, unsere begrenzten Mittel sollten zuerst
und vorrangig für dringende innenpolitische Erfordernisse eingesetzt werden. Es trifft ebenfalls zu, daß es
für Politiker während eines Wahljahrs besonders schwierig sein wird, gegen den Strom anzuschwimmen. Aber
wenn ausreichend erklärt wird, was auf dem Spiel
steht, gehe ich fest davon aus, daß sich das amerikanische Volk nicht als Pfennigfuchser erweisen wird.
Die Summen, die wir gegenwärtig ausgeben, sind
sicherlich erheblich. Aber sie sind nichts im Vergleich
zu dem, was wir zur Abwehr der sowjetischen Bedrohung während des kalten Kriegs ausgaben, und sie
sind nichts im Vergleich zu den Mitteln, die wir vielleicht
aufwenden müßten, wenn ein wirtschaftlicher und
politischer Zusammenbruch zu einer Wiederkehr autoritärer Herrschaft im Osten führen sollte. Künftige
Generationen würden uns schlechter beurteilen als wir
dies selbst überhaupt könnten, wenn wir ihnen die Last
einer Bedrohung hinterlassen würden, deren endgültige Beseitigung in unserer Macht stand.

Ich begann meine Ausführungen heute abend mit dem
Hinweis, ich würde weder die Euphorie noch die düsteren Prognosen akzeptieren, von denen die westlichen
Reaktionen auf die Revolutionen in Ostmitteleuropa
und der ehemaligen Sowjetunion gekennzeichnet waren.
Die Probleme, mit denen diese Länder konfrontiert
sind, sind erschreckend, und dasselbe gilt für die
Härten, die ihre Völker jetzt bewältigen müssen. Es ist
meines Erachtens unmöglich zu sagen, welches die
schwierigere Herausforderung ist - der wirtschaftliche
Übergang vom Kommunismus zum freien Markt oder
der politische Übergang vom Totalitarismus zur Demokratie. Die Völker der Region versuchen beides zu
leisten, und indem sie dies tun, versuchen sie, Phasen
der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung zu
überspringen, für deren Überwindung der Westen
Jahrhunderte benötigte.

Aber die Unterstützung für die Festigung der Demokratie im Osten ist sicherlich eine kollektive Pflicht zur
Übernahme von Lasten, die alle Nationen des demo-

Trotzdem werden sie es schaffen - unter der Voraussetzung, daß wir und sie bereit sind, die Schwierigkeiten dieser Übergangsphase gemeinsam zu meistern.

Soito A

AMERIKA DIENST 7

�Ein Großteil Ostmitteleuropas gehört traditionell zum
Westen und hat zu den politischen und kulturellen
Fortschritten der europäischen Aufklärung beigetragen oder davon profitiert. Die Region nahm ihre
Lehrzeit in freier Marktwirtschaft vor dem kommunistischen Zwischenspiel auf, und ihre Bewohner haben in
den letzten Jahren wahre politische Reife unter Beweis
gestellt. Darüber hinaus sind die Hindernisse, die sie
zur Wiedereingliederung in Europa überwinden müssen, nichts im Vergleich zu den Schrecken, die sie in
den vergangenen Jahren erdulden mußten. Sie müssen
nur das Vertrauen besitzen, daß die Tür zum Westen
offensteht und für sie selbst dann offen bleibt, da wir
weiter nach Osten blicken, um weitere Völker in den
Schoß der Demokratie aufzunehmen.
Die Aussichten sind für die neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion sicherlich schwieriger, aber ich bin optimistisch, daß auch sie erfolgreich
sein werden. Ihre Geschichte ist heldenhaft. Sie
haben eine enorme Opferfähigkeit demonstriert, und
sie werden letztlich in Zeiten größter nationaler Gefahr
obsiegen. Die Russen sind eines der großen Völker
der Geschichte, und wir Amerikaner haben in mehreren der dunkelsten Stunden dieses Jahrhundert wenn
es hart auf hart kam mit ihnen großartige Dinge vollbracht. Was sie und ihre Nachbarn jetzt von uns
benötigen, liegt sicherlich nicht außerhalb unserer
Möglichkeiten. Sie benötigen etwas Nahrung auf dem
Tisch, um mehrere Jahre des Übergangs zur Marktwirtschaft zu überstehen. Sie benötigen unser Fachwissen, um ihnen beim Aufbau einer modernen Wirtschaft zu helfen. Sie benötigen das Know-how von
Durchschnittsamerikanern aus allen Lebensbereichen,
um eine starke, pluralistische bürgerliche Gesellschaft
aufzubauen, und sie brauchen unsere Unternehmer,
um zum Vorteil für unsere beiden Länder in ihre
Zukunft zu investieren.
Es ist wohlbekannt, daß Rußland seit Anbruch des
Zeitalters der Aufklärung ein zwiespältiges Verhältnis
zum Westen hatte. Während sie sich zu Freiheit und
materiellem Fortschritt des Westens hingezogen fühlten, schreckten die Russen davor zurück, was sie als
westlichen Materialismus und geistigen Niedergang
betrachteten. Das Dilemma, ob man sich dem Westen
anschließen solle oder nicht, ist älter als Dostojewski,
und es besteht auch heute noch, sogar bei der prowestlichsten Regierung in der russischen Geschichte,
die heute im Kreml sitzt. Aber eine russische Entscheidung, die Eintrittskarte zum Westen zurückzugeben,
würde eine selbstmörderische Rückkehr zur Tyrannei

*

AMERIKA DIENST 7

im eigenen Land bedeuten. Es gibt einfach keinen
Mittelweg. Was für die Russen existiert, ist eine
Chance, die Moderne und den Westen in einer russischen Version mitzugestalten - das heißt, im Einklang
mit denjenigen, die die russische Nation über Jahrhunderte der Prüfungen bewahrt haben. Kurzum: Es ist
an der Zeit, daß ein Volk, das der Zivilisation auf der
Welt in Form von kulturellen und wissenschaftlichen
Errungenschaften soviel gegeben hat, jetzt auch seinen Stempel im politischen und wirtschaftlichen Bereich aufdrückt.
Sich die Alternative auszumalen, ist furchteinflößend nicht nur für die Russen, sondern auch für uns alle.
Eine Rückkehr zu einer feindseligen autoritären Herrschaft im Osten würde allen Hoffnungen auf eine
Wiederholung des westlichen Erfolgs nach dem Zweiten Weltkrieg einen schrecklichen Schlag versetzen,
als wir den Kreis der demokratischen Nationen erweiterten und den Rahmen für ein halbes Jahrhundert von
Frieden und Wohlstand schufen. Dies würde wahrscheinlich einen Triumph der Geschichte - das heißt,
des endlosen Kreislaufs der Feindschaft und Gewalt anstatt einer Transzendenz der Geschichte bedeuten,
die von den westlichen Staaten innerhalb ihres eigenen Kreises in der Nachkriegszeit kollektiv verwirklicht
wurde. Dies würde wahrscheinlich auch unsere jüngsten Hoffnungen zunichte machen, das ursprüngliche
Versprechen der Aufklärung zu retten, um die gesamte
Menschheit von den Schrecken und dem Pessimismus dieses Jahrhunderts zu befreien.
Denn wir müssen uns der Tatsache erinnern, daß
unsere Vorfahren die Welt ins 20. Jahrhundert brachten und dabei völlig unvorbereitet waren, um in den
Griff zu bekommen, was sich als eine der barbarischsten Episoden erwies, seit es geschichtliche Aufzeichnungen gibt. Wir, die Überlebenden dieser Periode
arbeiten unter der historischen Verpflichtung, ihre Fehler
nicht zu wiederholen. Wir müssen deshalb unsere
neuen Partner in Ostmitteleuropa und der ehemaligen
Sowjetunion fest und auf Dauer in den Schoß des
Westens aufnehmen, wenn wir uns angesichts immer
verzweifelterer Anspruchsteller und einer immer gefährlicheren Welt nicht beim Aufbau einer Wagenburg
wiederfinden wollen. Die Geschichte hat uns eine
zweite Chance gegeben, um das Versprechen der
Aufklärung einzulösen. Wie wir auf diese Chance
reagieren, wird großenteils darüber entscheiden, ob
unsere Kinder in ein 21. Jahrhundert eintreten, das
sicherer und gesünder ist als die schreckliche Periode,
die wir hinter uns gelassen haben.

* * *

*

Seite 5

�UMWELT
19. Februar 1991

USA BESCHLEUNIGEN ABBAU
OZONSCHÄDIGENDER STOFFE
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat angekündigt, die Vereinigten Staaten würden - als Reaktion auf neue
Erkenntnisse zu den Ozonschäden über der nördlichen Erdhalbkugel - den stufenweisen Abbau chemischer
Stoffe, die die Ozonschicht der Erde zerstören, beschleunigen.
Nachfolgend veröffentlichen wir dazu eine vom Weißen Haus am 11. Februar 1992 herausgegebene Übersicht
über den Zeitplan des beschleunigten Abbaus.

Beschleunigter Abbau
ozonzerstörender Substanzen
Präsident Bush hat heute erklärt, daß die Vereinigten
Staaten die Verringerung von Substanzen einseitig
beschleunigen werden, die die Ozonschicht der Erde
zerstören, und er forderte andere Länder auf, einem
Zeitplan für einen beschleunigten Abbau zuzustimmen. Die gegenwärtige US-Produktion liegt bereits
über 40 Prozent unter den im Montrealer Protokoll
erlaubten Niveaus und mehr als 20 Prozent über den
in Europa verwirklichten Verringerungen. Nach dem
neuen Zeitplan des Präsidenten werden die Vereinigten Staaten die meisten ozonzerstörenden Substanzen fünf Jahre vor den gegenwärtigen internationalen
Fristen verringern und damit die amerikanische Führungsrolle beim Schutz der Ozonschicht erneut bekräftigen.
Wissenschaftliche Handlungsgrundlagen
Die vom Menschen verursachten Emissionen von
Chemikalien einschließlich Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), Halonen, Tetrachlorkohlenstoff und
Methylchloroform sind dafür bekannt, daß sie das
stratosphärische Ozon über der Antarktis zerstören
und scheinen die Ursache für die Zerstörung des
Ozons zu sein, die das ganze Jahr überin mittleren und
höheren Breitengraden auf beiden Erdhalbkugeln
beobachtet wird.
Die Zerstörung des stratosphärischen Ozons führt zu
einem Anstieg der schädlichen ultravioletten Strahlen,
die die Erde erreichen und unter Umständen auch
mehr Fälle von Hautkrebs, Störungen im Immunsystem des Menschen, Überflutungen und Umweltschäden mit sich bringen.
AMERIKA DIENST 7

Die jüngsten im Rahmen des Umweltprogramms der
Vereinten Nationen gewonnenen Erkenntnisse, niedergelegt im internationalen Ozonbericht des UNOUmweltprogramms (Oktober 1991) und die US-Expedition zur Erforschung der arktischen Stratosphäre
(Februar 1992) deuten auf eine schnellere, um sich
greifende Zerstörung der Ozonschicht hin, als bisher
angenommen wurde und liefern Einblicke in Prozesse,
die unter Umständen zu diesem Schwund beitragen.
Die Vereinigten Staaten werden ihren Zeitplan
zum Abbau beschleunigen
Der Präsident hat heute folgende Maßnahmen angekündigt:
Die Vereinigten Staaten werden die Produktion von
FCKWs und den meisten anderen ozonzerstörenden
Substanzen bereits bis Dezember 1995 - statt bis zum
Jahr 2000 - aufheben, wobei letztere Frist in den
Londoner Zusatzartikeln zum Montrealer Protokoll über
ozonzerstörende Substanzen gesetzt wurde.
Zur kurzfristigen Beschleunigung von Fortschritten hat
der Präsident die US-Industrie aufgefordert, die Produktion von 1992 auf die Hälfte des Stands von 1986
zu reduzieren. Nach den geltenden Gesetzen sind
Herstellern 1992 80 Prozent des Stands von 1986
erlaubt.
Der Präsident hat angekündigt, daß die Vereinigten
Staaten den Zeitplan der Abschaffung von FCKWs
prüfen und jüngste Beweise berücksichtigen wollen,
die die mögliche Notwendigkeit der Beseitigung von
Methylbromid nahelegen.

Seite 1

�Da weniger als 20 Länder die Londoner Zusätze zum
Montrealer Protokoll ratifiziert haben, hat der Präsident andere Länder aufgefordert, mit dem Engagement der Vereinigten Staaten gleichzuziehen, das
erweiterte Protokoll zu ratifizieren und ihre Zeitpläne
für eine Beseitigung entsprechender Stoffe zu beschleunigen.
Im Artikel VI des Gesetzes zur Luftreinhaltung sind für
wichtige Anwendungsbereiche Ausnahmen von der
Beseitigung zugelassen, etwa für Feuerlöscher und
Inhaliergeräte für Asthmatiker. Die neue Politik läßt die
Verfügbarkeit begrenzter Mengen für solche Anwendungsbereiche und die Wartung der in Beirieb findlichen Geräte zu.
Der Präsident hat eine beschleunigte Überprüfung von
FCKW-Ersatzstoffen angeordnet, die die Ozonschicht
in geringerem Umfang schädigen.
Eine Bilanz der jS-Führungsrolle
Politische Maßnahmen. Zum großen Teil aufgrund der
Nutzung innovativer, marktorientierter Mechanismen
wie Gebühren und wiederverkäufliche Boni liegt die
US-Produktion von FCKWs gegenwärtig 42 Prozent
unter dem Stand von 1986 und damit unter der im
Gesetz zur Luftreinhaltung und dem Montrealer Protokoll geforderten Reduzierung. Damit wird eine kontinuierliche Führungsrolle der Vereinigten Staaten zum
Schutz der Ozonschicht demonstriert. Unter anderem
wurden amerikanische Maßnahmen zum Schutz der
Ozonschicht ergriffen.
1978 haben die Vereinigten Staaten einseitig und
freiwillig den Einsatz von FCKWs als Treibmittel in

Spraydosen verboten. Viele Länder nutzen FCKWs
weiterhin für diesen Zweck.
1985 waren die Vereinigten Staaten Vorreiter bei
Bestrebungen zur Unterzeichnung der Wiener Konvention zum Schutz der Ozonschicht, dem Vorläufer
des Montrealer Protokolls.
Mit dem Haushaltsgesetz von 1990 haben die Vereinigten Staaten eine Steuer auf die FCKW-Produktion
erhoben, einen Schritt, den noch kein anderes Land
unternommen hat. Die Steuer richtet sich auf das
ozonzerstörende Potential jeder Substanz und bieten
einen Anreiz für die baldige Abschaffung der schädlichsten Substanzen.
Im Februar 1989 war Präsident Bush unter den ersten
Politikern der Welt, die sich für eine vollständige Beseitigung von FCKWs und anderen ozonzerstörenden
Substanzen bis zum Jahr 2000 aussprachen.
Durch die Verabschiedung der Zusatzartikel zum Gesetz
über die Luftreinhaltung von 1990 waren die Vereinig-

ten Staaten das erste Land, das die vollständige
Beseitigung von FCKWs gesetzlich verankert hat.
Die Vereinigten Staaten waren ferner das erste Land,
das in den multilateralen Fonds einzahlte, um den
Entwicklungsländern zu helfen, ihren im Montrealer
Protokoll eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen. Die Vereinigten Staaten übernehmen volle 25
Prozent der Gelder des Fonds, das Doppelte des
Beitrags jedes anderen Landes.
Die Vereinigten Staaten waren das erste Land der
Welt, das Verletzungen von FCKW-Bestimmungen
strafrechtlich verfolgt hat.
Die wissenschaftliche Führungsrolle
Seit Jahren haben amerikanische Wissenschaftler einen
großen Teil der Wissensgrundlage für den Umgang mit
diesem Problem geliefert. Mitte der siebziger Jahre
haben Forscher der University of Michigan und der
University of California-Irvine erstmalig die Verbindungen zwischen FCKWs und der Zerstörung der Ozonschicht entdeckt und in weiteren Forschungen Ursache und Wirkung aufgedeckt.
Über 100 amerikanische Wissenschaftler haben an
der jüngsten unter der Schirmherrschaft des UNUmweltprogramms (U.N. Environment Programme UNEP) durchgeführten Untersuchung mitgewirkt, unter
anderem Experten der NASA, des Büros für Ozeane
und Atmosphäre, des Umweltschutzamtes, des Energieministeriums und anderer Behörden ebenso wie
der Universitäten und der Privaiindustrie.
Die Arbeit im Rahmen des US-Forschungsprogramms
über globale Veränderungen liefert zusätzliche wissenschaftliche Informationen über das Ozonproblem.
Seit 1990 hat die Regierung Bush die Finanzierung
dieser Arbeit von 659 Millionen Dollar auf 1,1 Milliarden
Dollar angehoben und für das Haushaltsjahr 1993 1,3
Milliarden Dollar gefordert.
Mit Hilfe des Spektrometers zur Ozonkontrolle (Total
Ozone Management Spectrometer - TOMS) und des
Forschungssatelliten für die obere Atmosphäre (Upper
Atmosphere Research Satellite - UARS) haben Wissenschaftler den Umfang und das regionale Ausmaß
der Ozonzerstörung präzise gemessen. Beobachtungsstationen auf der Erde und Modellstudien werden
Einblicke in künftige Ozonverluste geben.
Erst kürzlich ist in den Vereinigten Staaten mit Hilfe
staatlich geförderter Forschung - unter Einsatz des
UARS und amerikanischer Flugzeuge bei der ArktisExpedition zur Untersuchung der Stratosphäre - die
Möglichkeit einer weiteren Zerstörung der Ozonschicht
aufgedeckt worden.

* *

Seite 2

AMERIKA DIENST 7

�AMERIKA

HEUTE
19. Februar 1992

WAS MACHT EINE NATION GROSS?
von Max Lerner
Die Stärken Amerikas können auf die langfristigen revolutionären Veränderungen - in der Vermittlung von Wissen
und in der Telekommunikation - sowie seine das Vorstellungsvermögen der Menschen weltweit fesselnde Rolle
als "Mythos" und seine persönliche Verpflichtung auf das Streben des einzelnen nach Selbstverwirklichung
zurückgeführt werden, schreibt der Autor und umreißt darüber hinaus die bleibenden Herausforderungen.
Max Lerner ist Historiker und politischer Theoretiker. Er ist der Autor von America as a Civilization (Neuausgabe 1987 bei Holt). Sein jüngstes Buch hat den Titel Later Than You Think: The Need for a Militant
Democracy (1988), Neuausgabe mit einer Einführung von James MacGregor Burns und einem Vorwort des
Autors (Transaction Press 1989).
Ein Nachdruck dieses Artikels ist mit folgendem Zusatz gestattet: "Dieser Artikel ist in der Ausgabe Juli 1991
von The World &amp; I, einer Publikation von The Washington Times Corporation erschienen und wird mit
Genehmigung des Verlags nachgedruckt. Copyright (c) 1991.
Eine große Nation erfordert eine große Idee - eine
Idee, die sie beseelt und ihr einen besonderen Charakter verleiht. Amerika hatte eine solche Idee, seit der
Zeit der ersten Siedler aus England und Westeuropa
bis zur jüngsten Welle von Einwanderern.
Dabei handelt es sich um mehr als die Idee von Freiheit
und Rechten des einzelnen, so grundlegend diese
auch sein mag. Was den Ruf des amerikanischen
Mythos begründet und Menschen aus den entferntesten Winkeln der Erde geradezu magisch angezogen
hat, ist die Idee vom eigentlichen Wert individueller
Anstrengungen. Es ist die Überzeugung, daß man es
in Amerika mehr als andernorts durch harte Arbeit und
seine Fähigkeiten im Leben zu etwas bringen kann.
Diese Idee macht Amerika zu mehr als einer Anhäufung individueller Begierden und der Jagd nach gesellschaftlichem Status.
Aber eine Idee ist abstrakt, sie benötigt Fleisch und
Blut sowie Persönlichkeiten, um zum Leben zu erwachen. Vor der Schaffung der Verfassung, in den
achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts, stellte Hector
St. John in seinen Letters f rom an American Farmer
die heute historische Frage: "Was ist denn nun der
Amerikaner, dieser neue Mensch?" Seine Antwort
lautete, er sei "ein neuer Mensch, der nach neuen
Prinzipien handelt".
Über zwei Jahrhunderte danach erscheint es nahezu
als ein Wunder, daß die Welt immer noch diese Frage

AMERIKA DIENST 7

stellt und diese Antwort gibt. Es ist nicht allzu oft
geschehen, daß sich in der Geschichte der Zivilisation
ein "neuer Mensch" herausbildete. Es gab den griechischen Menschen, den römischen Menschen, den
Renaissancemenschen, den westlichen Menschen und
dann "den Amerikaner, diesen neuen Menschen".
Nach 1917 wurde sogar der Versuch unternommen,
einen "kommunistischen Menschen" zu schaffen,
komplett mit einer neuen politischen Religion. Aber er
erwies sich als "der Gott, der scheiterte" und zerfiel
gemeinsam mit dem Zusammenbruch der dem Kommunismus zugrundeliegenden Idee. Der utopische
Traum, der dem Kommunismus den Weg bereitet
hatte, wurde zum Alptraum. Der kommunistische
Mensch war nicht mehr glaubwürdig.
Als Nation ist Amerika immer noch jung. Wenig mehr
als zwei Jahrhunderte sind für eine Nation keine lange
Zeitspanne. China, Indien, Japan, der europäische
Westen - sie alle bestehen bereits viel länger. Aber sie
alle haben auch bedeutende Brüche erlebt, sei es
durch Tyrannei, das Unglück des Krieges, Besetzung
oder Holocaust. Amerika hat die Kontinuität eines
freien Volkes in einer bürgerlichen Gesellschaft mit
verfassungsmäßigen Schutzmechamismen und Rechtsstaatlichkeit bewahrt. Das Element der Dauerhaftigkeit, der Kontinuität inmitten des Wandels, liegt der
Qualität des Optimismus zugrunde, der Amerika von
Anfang an charakterisiert hat.

Seite 1

�Kann dies von Dauer sein? Die Antwort lautet, daß
Amerika eine Abfolge beängstigender Herausforderungen im Innern überlebt hat. Der "neue Mensch" hat
sich rücksichtslos über die Indianer und ihren Lebensstil hinweggesetzt, die den Fortgang der Besiedelung
behinderten. Bei der Bewältigung des Krebsgeschwürs
der Sklaverei als Institution wurde die Nation vom
Bürgerkrieg fast zerrissen. Die Agonie der Reconstruction hinterlie ß im Süden ebenso wie im Norden ein
Vermächtnis lokalpatriotischer und rassischer Bitterkeit. Das "Ende der Grenze" in den neunziger Jahren
des 19. Jahrhunderts erschien vielen als Ende des
amerikanischen Raums für Expansion und -'oshalb als
"Ende der Geschichte". Dies trat jedoch nicht ein.
Die Nation mußte jedoch noch weitere traumatische
Erfahrungen verarbeiten. Mit der Jahrhundertwende
und der beschleunigten Einwanderung entwickelte
sich in Amerika Fremdenfeindlichkeit gegen eine
Überflutung mit "Ausländern". Nach den Auseinandersetzungen über Woodrow Wilsons Völkerbund kam es
zu einer starken Welle des Isolationismus. In den
dreißiger und vierziger Jahren bildeten die Große
Depression, der New Deal und die unmittelbare Bedrohung durch die Nazis eine dreifache Herausforderung,
die die amerikanische Idee auf eine harte Probe stellte.
Die sechziger Jahre mit der Ermordung Kennedys und
dem "Vietnam-Syndrom" verursachten zahlreiche
Traumata. Die siebziger Jahre waren vom WatergateSchock und der Geiselnahme in Teheran geprägt, und
in den achtziger Jahren kam es zur Iran-Contra-Aff äre.
Dies ist alles andere als eine Idylle. Ein freimütiger
Historiker könnte es kaum als Saga einer glücklichen
Republik bezeichnen. In den zwei Jahrunderten seiner
Existenz als Nation hat Amerika eine stürmische historische Entwicklung durchgemacht. Allein in diesem
Jahrhundert erlebte es als Präsidenten eine Reihe
mächtiger Varianten von Macchiavellis Fürst, von den
beiden Roosevelts in der ersten Hälfte des Jahrhunderts bis zu Harry Truman, Dwight Eisenhower und
John Kennedy um die Jahrhundertmitte sowie Ronald
Reagan und George Bush in den achtziger und frühen
neunziger Jahren. Aber wie Harvey Mansfield Jr.
einmal feststellte, war die Geschichte der Präsidenten
auch stets von der "Zügelung des Fürsten" gekennzeichnet, die eine Beschneidung der Macht der Exekutive zur Folge hatte.
Für eine große Nation kann die Reise durch die Geschichte nicht reibungslos verlaufen. Aber trotz der
Tumulte resultiert die Stärke Amerikas zu einem großen Teil aus der Tatsache, daß es die großen politischen und moralischen Katastrophen vermeiden konnte, von denen Europa erfaßt wurde. Sie entstanden
aus der Geißel des Kommunismus, der Kierkegaardschen "Krankheit bis zum Tode" Europas unter den
Nazis, dem radikalen Unheil des Holocaust.

QoitQ O

In America as a Civilization (1957, Neuausgabe
1987) habe ich diese Abweichung vom Weg Europas
als "amerikanischen Sonderweg" bezeichnet. Wäre
Amerika dem europäischen Weg gefolgt, hätte es
keine große Nation bleiben können. Glücklicherweise
verfolgte es seinen eigenen Weg - mit allen Fehlern,
Traumata, schöpferischen Taten. Walt Whitman wußte
dies bereits sehr früh, wie er in seinem leidenschaftlichen Credo mitteilte, das er öffentlich an Ralph Waldo
Emerson richtete: "Meister, ich bin ein Mensch des
völligen Vertrauens. Meister, wir haben nicht Jahrhunderte, Kasten, Heroismen, Freiheiten überdauert, um
heute in diesem Land innezuhalten!"
Auch in der heutigen Zeit gibt es in Amerika kein
Innehalten. Ich sage dies trotz der Vielzahl innerer
Verletzungen, von denen die Nation blutet. Sie sind
uns heute nur zu vertraut: Drogen, Verbrechen, verkommene Städte, massive Defizite, der Angriff auf die
Familie, ein Schulsystem, das in Leistungsdefiziten
und Gewalt versinkt, ein Gefühl ethnischer Ungerechtigkeit, der Verfall traditioneller Werte.
Es ist jedoch eine auffällige Tatsache, daß zu keiner
Zeit in der Geschichte Amerikas zeitgenössische Kritiker Schwierigkeiten hatten, ein vergleichbar beängstigendes Szenarium scheinbar unlösbarer Probleme
zu konstruieren. Sie gehören zum Wesensgehalt der
Demokratie. Die Frage lautet nicht, ob sie existieren das tun sie -, sondern ob in Kultur und Gesellschaft
Stärken vorhanden sind, derer sich die Amerikaner zu
ihrer Lösung bedienen können.
Eine Nation universeller Prägung
Eine Methode, um diese Frage zu beantworten, ist die
Untersuchung des Auf und Ab langfristiger revolutionärer Veränderungen, die Amerika umgestaltet und
seine neuen Konturen geprägt haben.
Die zentrale und fortdauernde Veränderung ist die
Revolution des Wissens, die eine neue Kategorie des
Wissens und eine neue Computer- ("Informations"-)
Sprache und Bildung hervorgebracht hat. Selbst die
schärfsten Kritiker Amerikas haben sein kreatives
wissenschaftliches Klima als eine der primären Komponenten seines historischen Rangs anerkannt. Andere
Nationen - Japan, Deutschland, Korea - haben die
Fähigkeit bewiesen, die wissenschaftlichen Errungenschaften Amerikas zu nutzen und sie in äußerst konkurrenzfähige Technologien umzusetzen. Aber die
Kombination von Wissenschaft und Technik - von
Griechenland und Rom - verleiht Amerika eine beispiellose Rolle.
Genau das ist es, was das sinkende Niveau des
naturwissenschaftlichen Unterrichts und der damit
verbundenen Fähigkeiten im heutigen amerikanischen
Schulsystem zu einem solch prägnanten Paradoxon

AMERIKA DIENST 7

�macht. In diesem Bereich ist die Größe Amerikas
besonders verwundbar geworden. Die Bedrohung gilt
nicht nur der amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit
auf den Weltmärkten, sondern auch der beständigen
empirischen Innovationstätigkeit, die Amerika seit den
Tagen Benjamin Franklins, Thomas Jeffersons und
der ersten Werkzeugmacher unter den Yankees charakterisierte.
Die zweite gro ße Revolution - Telekommunikation - hat
eine Debatte über ihre Auswirkungen auf den Zustand
und Erfolg amerikanischer Kultur entfacht. Sie hat
dazu geführt, daß alles, auch Nachrichten und Kultur,
für jedermann sofort verfügbar sind. In diesem Sinne
verbindet sie die Nation in einem kollektiven Bewußtsein, das von einer Mode zur anderen, von einem
Skandal zum nächsten treibt und sich an ständig
wechselnden Prominenten orientiert.
Sie macht eine bereits fieberhafte Kultur noch fieberhafter, treibt sie dem Vergänglichen eher entgegen als
dem Dauerhaften. Dies bringt eine zweifelhafte Verlagerung mit sich - statt Arbeitsethos bezahltes Vergnügen, statt Produktivität und Sparen wird Konsum und
Geldausgeben propagiert, anstatt daß eine Kultur von
Helden gefeiert wird, werden Stars aus der Unterhaltungsbrache imitiert.
Diesen Ausführungen muß ich etwas hinzufügen, was
langfristigere Auswirkungen zeitigen könnte. Der
demokratisierende Effekt der amerikanischen Medien
auf Ereignisse in der Welt tritt überall zutage. Die
Medien haben Amerikas anregende Idee auf der ganzen
Welt verbreitet - daß Menschen, nicht unpersönliche
"Kräfte", Geschichte machen, indem sie die Gestaltung ihres persönlichen Schicksals selbst in die Hand
nehmen. In diesem Sinne sind die amerikanischen
Medien eine weltumspannende Lingua franca von
China über Warschau bis Pretoria, von Moskau und
Berlin bis zu den Hauptstädten des Nahen Ostens
geworden.
Zur gleichen Zeit, da Amerika von seinem vielzitierten
"Niedergang" einem unzweifelhaften Aufstieg entgegengeht, hat es auch an "Mythos" gewonnen. Ich
meine das in einem tieferen Sinn, der die Phantasie der
Menschen auf der ganzen Welt einbezieht, auf viele
magische Anziehungskraft ausübt und Feinden wie
Neidern als Zielscheibe dient.
Die Dimension des Mythos läßt sich noch stärker auf
die neueste Welle von Einwanderern in Amerika
anwenden, die sich von diesem Land angezogen fühlen, um Armut, Tyrannei oder beidem zu entrinnen. Mit
der Zeit wird eine neue Ausrichtung der Einwanderungspolitik erforderlich werden, die sich auf diejenigen mit den Fähigkeiten und der Ausbildung konzentriert, die Amerika am dringendsten benötigt. In der
Zwischenzeit übernehmen die Medien die Aufgabe,
Neuankömmlinge in das amerikanische Leben zu inte-

AMERIKA DIENST 7

grieren und das zu bilden, was Ben Wattenberg ein
Amerika genannt hat, das "die erste Nation universeller Prägung" wird.
Aber auch eine ausgesprochen persönliche, die das
Streben des einzelnen nach Individualismus unterstützt. Tatsächlich ist die Aufteilung zwischen dem,
was für das Leben des einzelnen gut ist und dem Wohl
der Allgemeinheit dient, falsch. Von den frühen Siedlern bis zur jüngsten Flut von Einwanderern haben die
- von Tocqueville so genannten - "Gewohnheiten des
Herzens" an das Überleben eines jeden Menschen das
Überleben aller geknüpft. Bei der schwierigen Durchführung des Lebens haben sich Individualismus und
Unterstützung als Notwendigkeit für eine starke Nation
erwiesen.
Wir müssen hier zwischen zwei Arten von Individualismus unterscheiden, die oft durcheinander gebracht
werden. Eine ist die Betonung der Individualität nach
Emerson, die ihren Ausdruck in Selbstbewußtsein und
Selbstvertrauen findet. Die andere übt sich in Aufgeblasenheit und Selbstverherrlichung. Dem "Ich" wird
es ermöglicht und sogar notwendig gemacht, Teil des
"Wir" zu werden. Das andere ist das imperiale Ego,
Kennzeichen der "Ich-Generation" in den siebziger
und frühen achtziger Jahren.
In den neunziger Jahren entdecken Amerikaner wieder, daß das "Wir" das "Ich" übertrifft, obwohl sie ein
gesundes Selbstbewußtsein beibehalten. "Vereinfacht, Vereinfacht!" war Henry David Thoreaus Einwurf bereits in einem Zeitalter, da das Leben wesentlich weniger komplex war als heute. Nach dem Konkurrenzdenken und dem auffallenden Überfluß der
achtziger Jahre streben die Amerikaner in den neunziger Jahren ein einfacheres Leben an, das ihnen Zeit
sowohl für Einsamkeit als auch für Gesellschaft läßt,
ferner für die Fortsetzung einer Arbeitsethik in einem
Kontext enger Familienbindungen und die Erziehung
einer neuen Generation mit Hilfe traditioneller Werte,
die in Gefahr sind, in Vergessenheit zu geraten.
Die Familie ist der Schlüssel
Wenn im Amerika der neunziger Jahre eine Wiederbelebung von Werten stattfinden soll, dann sind die
Bestandteile dafür bereits vorhanden und warten darauf, zusammengeführt zu werden. Man geht davon
aus, daß ein zu hektischer wirtschaftlicher Wettbewerb zu einem ausgebrannten Leben führt. Man
macht sich keine Illusionen überzu starken Dirigismus,
was ein Neuaufleben von privatem Engagement zur
Folge hat - Gleichgesinnte schließen sich für eine
gemeinsame Sache zusammen -, das Tocqueville als
charakteristisches Merkmal Amerikas betrachtete. Da
die politischen Parteien immer weniger Einfluß haben
und die Bundesregierung immer stärker zu einem
Leviathan wird, will dieser vom einzelnen ausgehende
Impuls des Zusammenschließens den Einfluß unper-

Seite 3

�sönlicher Kräfte auf verletzbare Menschenleben
dämpfen. Als George Bush dies mit dem Begriff
"Tausend Punkte des Lichts" umschrieb, zeigte der
Grad der Reaktion, daß er damit bei den Amerikanern
einen Nerv getroffen hatte.
Anfang des Jahrhunderts schrieb der Ökonom Joseph
Schumpeter über die "kreative Zerstörung", die der
Kapitalismus hinterläßt, wenn er alte Technologien
und Ineffizienz zerstört. Die Nebenwirkungen technologischer Veränderungen lassen sich auch in Form
von Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, zerstörten Karrieren und ruinierten Menschenleben beschreiben.
Für diejenigen, die an der Beseitigung dies„. Zustände
mithelfen können, ist dies eine Möglichkeit, sich gebraucht und nützlich zu fühlen. Die Sorge für andere
kann dem Leben mehr Sinn geben und die beste Form
der Therapie sein.
Es gibt jedoch starke Anzeichen dafür, daß Amerikaner ihr Vertrauen auf eine andere und kleinere Gemeinschaft konzentrieren - ihr Zuhause. Sie ziehen
sich darin zurück als den Hafen von Kontinuität in
stürmischen Zeiten ständigen Wandels. Viele betrachten es als Refugium vor der Hetzjagd eines
qualvollen Wettbewerbs, Konsumterror und einem
Jahrmarkt der Eitelkeiten voller Statussymbole. Was
auch die Motive sein mögen, es gibt einen deutlich
erkennbaren Trend - kurz- oder langfristig - zu einer
neuen Ausrichtung von Energien, bei der die Bestreitung des Lebensunterhalts nur Teil einer größeren
Anstrengung ist, das Leben zu meistern.
Eine Kultur, bei der das Zuhause im Mittelpunkt steht,
bedeutet für die meisten Amerikaner eine familienorientierte Kultur. Diese gewinnt an Bedeutung, wenn
man sich die Angriffe vor Augen führt, denen die
Familie in den letzten 25 Jahren ausgesetzt war,
beginnend mit der Kulturrevolution der sechziger Jahre.
Wir erkennen zunehmend, wie zentral die Auflösung
der Familie für das Auftreten eines ganzen Komplexes
von Problemen war, die in den Städten auftraten. Mit
dieser Erkenntnis kam die Abwendung von den Riesenstädten, den Straßen, in denen Gewalt und den
Schulen, in denen Drogen regieren.
Dies könnte auch die gegenwärtige Rückkehr zu Heiraten in jüngeren Jahren erklären, insbesondere bei
Frauen, die ihren Kinderwunsch nicht mehr aufschiebenwollen. Das bedeutet weniger Scheidungen, mehr
zweite Ehen und erneut ein Amerika, in dem Kinder im
Mittelpunkt stehen. Damit einher geht eine starke
Entschlossenheit zum Wiederaufbau eines Schulsystems, das zum Konkursverwalter einer auseinanderfallenden Familie und Gemeinschaft wurde und von
den sämtlichen Verirrungen der Gesellschaft zersetzt
wird.
Der Wiederaufbau der Schulen wird jedoch die Auseinandersetzung mit einem verzerrenden Paradox mit
sich bringen. Eine starke Nation muß ihre jungen

Seite 4

Bürger irgendwie mit den neuen Fähigkeiten und Einsichten ausstatten, damit sie neuen Technologien
gewachsen sind, ihnen aber auch die Sicherheit traditioneller und erwiesener Werte vermitteln, unter anderem Arbeitsethos, persönliche Integrität sowie die
Bereitschaft zu Opfern und Engagement. Die Familie
bleibt das, was sie seit dem Start der Republik ist - der
Schlüssel zur Erziehung, weil sie der Schlüssel zur
frühen Verinnerlichung von Werten und zum Zusammenhalt der Gesellschaft ist.
In den sechziger Jahren wurde der Ruf nach "Befreiung" laut, von Zwängen, Einschränkungen und Bindungen. Übrig blieb nur ein atomistischer Hedonismus, der dieser Zivilisation nicht besser gedient hat als
früheren. Ich erkenne jetzt eine andere Art von Hunger
- den Hunger nach Bindungen. Ich benutze diesen
Begriff im Sinn langfristiger Bindungen, die Liebe,
Wünsche, Geschlechter, Kinder, Familien und die
Gemeinschaft durch eine große Kette der Zugehörigkeit verbinden. Ich möchte hinzufügen, daß dies eine
Kette ist, deren schwächstes Glied sie zerbrechen
kann. Dieses Glied ist die Abspaltung von Gruppen,
insbesondere an den Universitäten, die jetzt als "kulturelle Vielfalt" gelten. Amerika war immer pluralistisch,
eine "Nation von Nationen". Aber es gibt eine starke
Tendenz, es in eine Herrschaft einander feindlich
gegenüberstehender Aktivitäten einzelner Völkergruppen umzuwandeln. Wenn das imperiale Ego der
siebziger und achtziger Jahre eine schlechte Medizin
war für das, was Amerika weh tat, wäre oin Mischmasch imperialer Gruppenegos in den neunziger Jahren
noch schlimmer. Rückgratloses Scheitern von Hochschullehrern und -Verwaltungen bei ihrer Bekämpfung
würde zu einem Verrrat an den Hochschulen führen.
Es kann ein ethnisches Bewußtsein geben, das die
Nation spaltet oder eines, das ihr hilft, zusammenzuhalten. Der Kampf zwischen beiden, manchmal sogar
als miteinander kämpfende Kräfte in derselben Brust,
wird über die Zukunft und ihre Richtung entscheiden.
Das gilt auch für die große Flut religiöser Gefühle, die
die achtziger Jahre bestimmt haben und in den neunziger Jahren keine Anzeichen für einen Rückzug zeigen. Davon ist keine etablierte Religionsgemeinschaft
unberührt geblieben. Bis jetzt hat sie nicht die trennende Wand zwischen Kirche und Staat durchbrochen, die
amerikanische Freiheiten unterstützt. Die verfassungsmäßigen Schutzmechnismen bleiben bestehen. Die
grundlegende Herausforderung gilt nicht der Freiheit
sondern der stark weltlichen Orientierung, wie sie
immer noch in Europa vorherrscht und es damit von
einem religiös orientierten Amerika abgrenzt.
Man sollte das, was in Amerika vorgeht, als weniger
und mehr als eine Auferstehung der Religion betrachten. Ich ziehe es vor, es als Rückkehr zu einem Sinn
für Sakrales zu betrachten - Ehrfurcht und Verbeugung
vor Mysterien, die unser Verständnis übersteigen und

AMERIKA DIENST 7

�dennoch die Lebensführung bestimmen. In diesem
Sinne dient die Rückkehr zum Sakralen als Basis einer
Innerlichkeit, die organisierte Religion übersteigt, die
Heiligkeit aller Rituale des täglichen Lebens und der
Bindungen anerkennt, die wir zu anderen Menschen
eingehen, mit denen wir nicht verwandt sind.

Es handelt sich auch um Bindungen mit der Ökologie
der Erde selbst und dem Platz des Menschen und des
zivilisierten Lebens in der Natur. Amerikaner könnten
daraus lernen, daß ein Volk nicht groß sein kann, wenn
es nicht die Bindungen wertschätzt, die es nicht nur
untereinander vereint sondern auch mit ihrem Lebensraum auf der Erde, den Gott ihnen gegeben hat, um ihn
zu "pflegen und zu bewahren".

* * * * *

AMERIKA DIENST 7

Seite 5

�WAHLEN

'92
19. Februar 1992

BUSH HOFFTAUF ERNEUERUNG
SEINES MANDATS
Porträt des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Bush
WASHINGTON - (AD) - Die Aussicht auf einen weiteren Wahlkampf ist genau das richtige für Bushs Konkurrenzdenken. "Ich kann es nicht erwarten", erklärt er,
den Angriff gegen die politischen Gegner aufzunehmen, die "den Präsidenten demontieren wollen". Der
Wahlkampf hat tatsächlich begonnen - mit fünf Demokraten, die die Nominierung durch ihre Partei anstreben, um gegen Bush anzutreten und einem überzeugten Konservativen, Patrick Buchanan, der Bush die
Nominierung durch die Republikanische Partei abringen will. Bush strebt bei der allgemeinen Wahl am 3.
November 1992 eine zweite vierjährige Amtszeit im
Weißen Haus an, wenn er erwartungsgemäß im August erneut nominiert wird. Bush bekundet offen, daß
er seine Stärke - die Außenpolitik - in den Vordergrund
stellen will, obwohl er eine zunehmend aktive Rolle
beim Umgang mit der desolaten Wirtschaft übernimmt.
Indem er die Wähler bittet, auf den Beginn seiner
Amtszeit im Jahr 1989 zurückzublicken, erinnert der
Präisdent sie daran, daß die Welt damals "in einen
enormen Kampf verwickelt war, den man als nukleares
Patt bezeichnen könnte" und fügt hinzu, heute "haben
wir sehr viel mehr Grund zur Dankbarkeit", nicht zuletzt
für den "Weltfrieden... Es ist gut, daß meine Enkelkinder ... mit weniger Furcht vor Nuklearwaffen aufwachsen können." Der Präsident fügt hinzu, heute "ist der
kalte Krieg (mit) einem großen Sieg für diese Nation
beendet."
Nicht nur der kalte Krieg ist vorüber, der Präsident ist
auch der anerkannte Führer internationaler Bestrebungen, mit denen Saddam Husseins Aggressionsversuch vereitelt wurde, Washington ist der Katalysator dabei, Israel und seine arabischen Nachbarn an
den Verhandlungstisch zu bringen, und die amerikanischen Beziehungen zu einem Großteil der Welt sind
ausgezeichnet.
Da Frieden und Wohlstand stets stimmenträchtige
Themen für amerikanische Präsidenten waren, ist
Präsident Bushs Betonung der radikalen Veränderungen der vergangenen vier Jahre verständlich. Seine

AMERIKA DIENST 7

Gegner wollen die Wähler auch an 1988 erinnern,
konzentrieren sich jedoch auf das wirtschaftliche
Wohlergehen der Amerikaner.
Buchanan und die fünf demokratischen Herausforderer - sowie die Medien - führen den Wählern vor Augen,
daß Bush ihnen 1988 rundweg versprochen hat, es
werde ihnen wirtschaftlich besser gehen, wenn er
gewählt würde. Er versprach ferner, daß seine Administration die Schaffung von 30 Millionen Arbeitsplätzen in fünf Jahren übernehmen werde. Bush ist der
erste Präsident in über 20 Jahren, in dessen Amtszeit
sich die Kaufkraft des Durchschnittsamerikaners - um
rund 2 Prozent - verringert hat. Über 8 Millionen
Amerikaner sind arbeitslos, und die Bush-Administration kann nur die Schaffung von 1,8 Millionen Arbeitsplätzen in den ersten drei Jahren ihrer Amtszeit für sich
in Anspruch nehmen.
Vielleicht mit diesen Zahlen vor Augen versucht der
Präsident die Erinnerung der Wähler an die bemerkenswerteste Leistung des vergangenen Jahres - die
Versammlung der Golfkoalition - mit dem Kampf zur
Behebung der wirtschaftlichen Misere in Verbindung
zu bringen. Bush erklärte wiederholt, er wolle sein
Streben nach wirtschaftlichem Aufschwung mit der
Einstellung untermauern, von der die Operation Wüstensturm geleitet gewesen sei. Im Hinblick auf Wüstensturm stellt er fest: "Das Land hat etwas unter
Beweis gestellt, das wir seit dem Zweiten Weltkrieg
verloren hatten: Wir kamen im Krieg zusammen, und
wir kamen im Sieg zusammen. Dies hat dem Land
Auftrieb gegeben. Ich möchte diese Einstellung nehmen - die Haltung, wir schaffen es - und sagen, 'mal
sehen, ob uns dasselbe auch mit unserer Wirtschaft
gelingt.'"
Um dieses Ziel zu verwirklichen, schlägt Präsident
Bush einen Aktionsplan vor, von dem er sich die
Wiederbelebung der stagnierenden US-Wirtschaft
erhofft. Kernstück dieses - in seinem Bericht zur Lage
der Nation am 28. Januar 1992 angekündigten -

Seite 1

�Maßnahmenpakets sind einige neue und einige in den
vergangenen Jahren vorgeschlagene, vom Kongreß
jedoch abgelehnte Steuersenkungen. Der Präsident
fordert ferner einschneidende Kürzungen bei den
Verteidigungsausgaben - weitere 50 Milliarden in den
nächsten fünf Jahren. Er verspricht, sich bei seinem
Etatentwurf an die Haushaltsvereinbarung von 1990
zu halten, die die Aussetzung von Steuersenkungen
und Ausgabenzuwächsen fordert, um einen weiteren
Anstieg des Defizits zu verhindern.

Monaten besonderen Wert auf die Feststellung gelegt,
daß ein internationales Abkommen über die Öffnung
von Märkten eine potentielle Zunahme amerikanischer
Arbeitsplätze bedeutet, da die amerikanischen Exporte steigen.
Aus diesem Grund hat der Präsident verschärft auf
Siege bei Handelsfragen gesetzt, bis hin zu dem
Abkommen über die Öffnung von Märkten mit Japan
für Computer, Glas, Papierprodukte und Autos sowie
die in der Uruguay-Runde erörterten Maßnahmen zur
Liberalisierung des Handels. Er befürwortet ferner ein
Freihandelsabkommen mit Mexiko, mit dem eine
Nordamerikanische Freihandelszone geschaffen würde, da Kanada teilnimmt.

Der Präsident weist Anschuldigungen zurück, er habe
sich zu ausgiebig der Außenpolitik gewidmet. Er
erklärt, er habe "ein anhaltendes Interesc. an Innenpolitik" und entkräftet die Voi würfe mit der Feststellung, "wir befinden uns im Wahljahr und da hört man
alle möglichen Behauptungen und Gegendarstellungen".

Sieg oder Niederlage - Bush könnte sehr wohl der
letzte Angehörige der Generation des Zweiten Weltkriegs sein, der als Präsident dient. Keiner seiner
erklärten Gegner war alt genug, um in dem zu dienen,
was häufig als der "letzte gute Krieg" - der Kampf zur
Ausrottung des Faschismus in Deutschland und Japan
- beschrieben wurde.

Seiner Ansicht nach erkennen die Amerikaner "sein
Engagement", P'CH der Innenpolitik zu widmen. "Ein
Teil dieses Engagementsfürdie Innenpolitik", erläutert
er, "wurde durch die phantastischen Veränderungen in
den Hintergrund gedrängt, die auf der Welt stattgefunden haben. Wenn Sie auf meinen Terminkalender
blicken... werden Sie feststellen, daß dieses Engagement stets vorhanden war..."

Der Präsident war einer der jüngsten Kampf piloten der
US-Marine, der von der USS San Jacinto aus Torpedobomber zum Kriegsschauplatz im Pazifik flog. Am
Ende des Krieges schrieb er sich an der Universität
Yale ein und machte im Jahr 1948 seinen Abschluß in
Wirtschaftswissenschaften. Zwei Amtsperioden lang
war Bush Abgeordneter im Repräsentantenhaus, verlor den Kampf um einen Sitz des Bundesstaates Texas
im US-Senat und war von 1971 bis 1972 Ständiger
Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten
Nationen. 1973 und 1974 führte er den Vorsitz des
Nationalen Ausschusses der Republikaner und 1974
und 1975 war er Leiter des US-Verbindungsbüros in
Peking. Im darauffolgenden Jahr wurde er Direktor
des amerikanischen Nachrichtendienstes CIA.

Beim Handel hat Bush das beste Argument, indem er
die Außenpolitik und innenpolitische Erwägungen sowie
die Gesundung der Wirtschaft miteinander in Verbidung bringt. Die Botschaft des Präsidenten lautet, der
von Buchanan und einigen Demokraten befürwortete
Protektionismus sei ein Schuß, der nach hinten losgeht, da er die überseeischen Märkte für amerikanische Produkte eingrenze und damit zu weiterer Arbeitslosigkeit führe. Bush würde die Nation auch auf
einen anderen Kurs führen mit dem Versprechen, für
"ein ausgewogenes Aktionsfeld" im internationalen
Handel zu kämpfen und sicherzustellen, daß der
amerikanische Arbeitnehmer bessere Produkte produzieren und sie stärker absetzen kann, wenn der
Handel frei und fair ist.

In seiner Funktion als Vizepräsident von 1981 bis 1989
bereiste Bush im Auftrag von Präsident Reagan 74
Länder.
Bush und seine Frau Barbara haben vier Kinder und 10
Enkelkinder.

Bush hat sehr empfindlich auf den Vorwurf reagiert, er
widme außenpolitischen Belangen zuviel Zeit und
Aufmerksamkeit und hat in den vergangenen drei

* *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 7

�W A H L E N '92
19. Februar 1991

IN NEW HAMPSHIRE GEFÄLLT
DAS SYSTEM DER VORWAHLEN
Ein Test für Ideale und Ausdauer der Kandidaten
CONCORD (NEW HAMPSHIRE) - (AD) - Ideologisch Meilen voneinander entfernt, aber eigentlich nur acht
Haustüren auf der gegenüberliegenden Stra ßenseite vom Sitz des Gouverneurs voneinander getrennt, sind sich
die Republikanische und Demokratische Partei New Hampshires in ihrer Bewertung des Systems der Vorwahlen für das Präsidentenamt in ihrem Bundesstaat ziemlich einig: es gefällt ihnen.

Wie andere im Bundesstaat auch, gestehen sie ihm
Schwachstellen und Eigenarten zu, sind aber der
Meinung, es funktioniere im großen und ganzen gut.
Die lokalen Parteien verhalten sich den Kandidaten
gegenüber neutral. Noch spielen sie nur eine unterstützende Rolle. Im Hinblick auf die Logistik räumen
sie den Kandidaten Platz in ihren Informationsblättern
und Veranstaltungsprogrammen ein. Darüber hinaus
interagieren sie mit den Kandidaten - landesweit prominenten Persönlichkeiten - und den Medien, wobei
sie versuchen, den Mitarbeitern der Kampagne des
Kandidaten das Terrain zu bereiten. Dem demokratischen Parteivorsitzenden Chris Spirou zufolge liegt
hier die Idee zugrunde, "zu versuchen, Harmonie zu
erhalten, so daß wir uns nach den Vorwahlen für das
Präsidentenamt auf die Durchführung der Wahlen im
Bundesstaat konzentrieren können".
Spirou, seit vielen Jahren Politiker in New Hampshire,
hat in seinem Bundesstaat viele Vorwahlen erlebt, die
er als "politisches Labor (betrachtet), in dem die Ideale
und die Ausdauer der Kandidaten alle vier Jahre
getestet werden".
Ihm zufolge handelt es sich hierbei um ein gut funktionierendes System, in dem die Politik von der Basis
ausgeht. 1952, als junges Mitglied des Parlaments,
arbeitete er an der Verabschiedung des Gesetzes mit,
nach dem die Vorwahlen in New Hampshire jeweils die
ersten im Land sein sollten.
"Ursprünglich fanden unsere Vorwahlen am ersten
Dienstag im März statt, damit sie auf den Tag der
Stadtratssitzung fielen," erklärt Spirou. "Aber bereits
1974 haben die anderen Bundesstaaten erkannt, daß

AMERIKA DIENST 7

New Hampshire ungeheuren Einfluß auf den Präsidentschaftswahlkampf hat und suchten die Termine
für ihre Vorwahlen vorzuverlegen." Schrittweise, so
Spirou, haben "wir dann auch unsere vorverlegt".
Jetzt finden die Vorwahlen in New Hampshire am
dritten Dienstag im Februar statt und Spirou zufolge
besteht eine Abmachung mit der nationalen Parteiebene, daß nicht mehr versucht wird, dies zu ändern.
Spirous republikanischer Amtskollege ist ebenfalls der
Meinung, daß das System gut funktioniert. Es ist
einmalig, erklärt die Vorsitzende der Republikanischen
Partei, Rhona Charbonneau, weil "Kandidaten auf die
Straße gehen, mit den Menschen reden und ihnen
dabei in die Augen schauen müssen". Das erwarten
die Menschen in New Hampshire mittlerweile, und sie
werden die Kandidaten nicht als ehrlich empfinden,
wenn sie ihnen nicht ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit schenken, erläutert Charbonneau.
Charbonneau - ebenfalls Abgeordnete im Parlament
des Bundesstaats vor Übernahme ihrer Position in der
Partei - erklärt, das System der Vorwahlen im Bundesstaat wird auch in Zukunft in seiner gegenwärtigen
Form bestehen, weil die Kandidaten das Gefühl haben, in New Hampshire gewinnen zu müssen. Der
Grund? "Aberglaube und Tradition", glaubt sie.
In vielen Staaten muß ein Kandidat, der auf dem
Stimmzettel für die Vorwahl erscheinen möchte, zunächst von seiner Partei in dem betreffenden Bundesstaat die Genehmigung dazu einholen. Das gilt jedoch
nicht für New Hampshire, wo dieses Jahr eine Rekordzahl von 63 Namen auf dem Stimmzettel steht. Ein
Bürger muß lediglich einen einseitigen Antrag ausfül-

Seite 1

�len und eine Gebühr von 1.000 Dollar bezahlen, so
Wahlleiter Bill Gardner. "Es ist leicht, auf dem Stimmzettel aufgeführt zu werden. Wir meinen, daß wir
verpflichtet sind, Exklusivität auszuschließen." Das
Büro des Wahlleiters in Concord ist für den Druck der
Stimmzettel und deren unversehrte Lieferung an 297
Städte und Gemeinden in New Hampshire zuständig.
Es wird allgemein angenommen, daß viele Stimmberechtigte den ersten Namen auf der Liste wählen, und
da sich dieses Jahr bei den Republikanern und Demokraten gleichermaßen so viele Kandidaten zur Wahl
stellen, hat Gardner dieses Mal ein Rotationssystem
angewandt. Auf Stimmzetteln an verschiedenen Orten in New Hamshire erscheinen belspb.c-.veise die
Namen der demokratischen Kandidaten Bill Clinton
und Paul Tsongas an verschiedenen Stellen.
Wenn die Funktionsweise der Vorwahl in New Hampshire überhaupt kritisiert wird, dann wegen der Rolle
der Medien bei der Berichterstattung darüber, erklärt
Robert Hackey, ci.i Politologe am St. Anselm College
in Manchester.
Hackey zufolge neigen die Medien dazu, die Vorwahl
wie ein Pferderennen zu betrachten und sie ebensosehr im Hinblick auf gefühlsmäßige Reaktionen wie auf
die wirklichen Resultate zu analysieren. Schneidet ein
Kandidat besser als erwartet ab - selbst wenn er noch
nicht einmal zweiter oder dritter wird -, so wird ihm
dieses Ergebnis Hackey zufolge "Auftrieb" verleihen
und seinen Bekanntheitsgrad vor der nächsten Vorwahl in einem anderen Staat erhöhen. Medienberichte
jedoch, wonach ein Kandidat weniger Stimmen erhalten hat als erwartet, können einen negativen Schneeballeffekt hervorrufen. "Ob zu Recht oder zu Unrecht,
es wird so betrachtet, als ob damit ein Kandidat gemacht oder erledigt wird", stellt Hackey fest.

Dies traf bei mehreren Vorwahlen der Vergangenheit
zu, meint ein anderer Politologe, Professor Bob Craig
von der University of New Hampshire in Durham. Craig
verweist darauf, daß Präsident Truman im Jahr 1952
die Vorwahl gegen einen demokratischen Konkurrenten verlor und danach beschloß, nicht zur Wiederwahl
zu kandidieren.
Ähnliches geschah im Jahr 1968 mit Präsident Johnson. Er gewann zwar die Vorwahl in New Hampshire,
aber wie Craig feststellt, war sein Vorsprung gegenüber dem damaligen Senator Eugene McCarthy so
gering, daß sein Erfolg als Niederlage gewertet wurde.
Auch Johnson beschloß schließlich, nicht mehr zu
kandidieren.
Im Jahr 1972 galt Senator Edmund Muskie allgemein
als Favorit. Auch er gewann in New Hampshire, jedoch
mit einem solch kleinen Vorsprung, daß sein Sieg als
Niederlage aufgefaßt wurde und er später aus dem
Rennen ausschied, so Craig.
Wie sich das Rennen im Jahr 1992 entwickeln wird,
steht wenige Tage vor der Abstimmung noch in den
Sternen. "Es gibt dort noch eine Menge unentschlossener Wähler, und sie haben viel Zeit, um ihre Meinung
zu ändern", meint Craig.
Der Wahlexperte bei der Zeitung Concord Monitor,
Michael Birkner, meint, bei den Demokraten sei das
Rennen "offen. Der Gouverneur von Arkansas, Bill
Clinton, hat seine Spitzenstellung in den Meinungsumfragen eingebüßt, aber die Schwankungsbreite unter
den Wählen ist hoch." Bei den Republikanern hat sich
Birkner zufolge "die Diskussion weniger darauf konzentriert, wer gewinnen wird, sondern darauf, wieviele
Prozent Pat Buchanan erringen muß, um seine Abtrünnigenkampagne weiterzuführen und dem Präsidenten weh zu tun".

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 7

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11375">
                <text>19.02.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11376">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11377">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11378">
                <text>Amerikadienst 19.02.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11379">
                <text>&lt;strong&gt;1. GUS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;neue Demokratien werden Probleme lösen und überleben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Umwelt&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA beschleunigen Abbau ozonschädigender Stoffe &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Amerika Heute&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Was macht eine Nation groß?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Max Lerner&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wahlen'92&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Bush hofft auf Erneuerung seines Mandats&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des republikanischen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsidentschaftskandidaten Bush&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In New Hampshire gefällt das System der Vorwahlen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Test für Ideale und Ausdauer der Kandidaten&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2232" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2243">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/7c53547e78a720dd7016201b63d8003f.pdf</src>
        <authentication>757bddff51610e7ce47f888b44f849de</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11374">
                    <text>/iyr%

cimcrikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

'

6

Library Services
Deichmanns Aue 29
5300 Bonn 2

12. Februar 1992

WEHRKUNDETAGUNG

REDE VON VIZEPRÄSIDENT QUAYLE BEI DER
WEHRKUNDETAGUNG IN MÜNCHEN

GUS-HILFE

BAKER: "PROJEKT HOFFNUNG"
INVESTITION IN STABILITÄT
Erklärung am Frankfurter Flughafen

GUS

HUMANITÄRE HILFE DER USA AN DIE
GUS ANGEROLLT
Rede von Außenminister Baker
vor dem Kongreß

UMWELT

USA BEREIT ZUM ENTWURF EINES PLANS
ZUR KONTROLLE VON TREIBHAUSGASEN
Interview mit Robert Reinstein

EINWANDERER

EINWANDERUNGSPOLITIK: OFFEN FÜR
OFFENE GRENZEN
von Stephen Moore

GESUNDHEITSWESEN

NEUE GESETZESVORSCHLÄGE IM
GESUNDHEITSWESEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�WEHRKUNDETAGUNG
12. Februar 1992

REDE VON VIZEPRÄSIDENT QUAYLE
BEI DER WEHRKUNDETAGUNG IN MÜNCHEN
MÜNCHEN - (AD) - Die nachfolgend veröffentlichte Rede, deren vorbereiteten Text wir abdrucken, wurde am
9. Februar 1992 von Vizepräsident Dan Quayle anläßlich der Münchner Wehrkundetagung gehalten.
Ich danke Ihnen allen. Ich freue mich, wiederum an
dieser hervorragenden Konferenz über Sicherheit in
Europa teilzunehmen. Das erste Mal liegt schon über
zehn Jahre zurück. Und für die Akten möchte ich
festhalten - dies ist die überragende Konferenz weniger würde unser unser geschätzter Gastgeber
auch nicht zulassen.
Vergangenes Jahr habe ich Herrn Baron von Kleist die
Auszeichnung für besondere öffentliche Verdienste
verliehen - die höchste zivile Auszeichnung, die das
US- Verteidigungsministerium zu vergeben hat. Ihnen,
Ewald, nochmals meinen Glückwunsch. Seit Jahren
kamen wir hier als Verbündete in einem großen Kampf
zusammen, heute sind wir Partner in einem großen
Sieg. Wir haben den kalten Krieg gewonnen. Europa
hat erneut eine dramatische Umgestaltung erfahren.
Deutschland ist vereinigt, und die Sowjetunion gibt es
nicht mehr. Der Eiserne Vorhang hat sich gehoben, die
dunkle Wolke nuklearer Vernichtung hat sich verzogen. Wir haben viel zu feiern und vielen zu gratulieren:
Diplomaten, Soldaten, Intellektuellen und vor allem
den unterdrückten Völkern, die ihren Traum von Freiheit niemals aufgaben. Sie sind die wahren Sieger des
kalten Kriegs.
Obwohl sich die Bedingungen positiv verändert haben,
trifft dies nicht für den Bedarf an Sicherheit zu. Vielfach
wird die Frage laut, wie das Atlantische Bündnis in die
neue Weltordnung paßt. Für meine Kollegen in diesem Raum, Experten für europäische Sicherheit, ist
die Antwort klar: Die NATO war die erfolgreichste
Allianz in der Geschichte. Aber dieser Erfolg ist keine
Begründung, um getrennte Wege zu gehen, im Gegenteil ist er der Grund, zusammenzustehen. Und,
meine Freunde, meine Botschaft heute lautet, daß die
Mitglieder des Atlantischen Bündnisses einander immer
noch brauchen - und die Welt braucht das Bündnis,
wenn sie einen gerechten Frieden erreichen will. Die
Bedrohungen werden nicht für immer verschwinden sie werden vielmehr in neuer Gestalt wiederauftauchen. Und eine neue Bedrohung wird sich viel leichter
entwickeln als daß sich ein neues Bündnis etabliert.
AMERIKA DIENST 6

Wir haben Faschismus, Nazismus, Kommunismus
und den extremen islamischen Fundamentalismus
erlebt. Wir wissen nicht, wann und wo der nächste
"...ismus" einen gerechten Frieden bedroht. Aber es
wird Bedrohungen und Konflikte geben. Es stimmt
natürlich, daß in den nächsten Jahren die sicherheitspolitischen Probleme, denen sich die NATO stellen
muß, einen größeren politischen Schwerpunkt haben
als je zuvor. Aber es wäre ein Fehler zu denken, daß
alle Probleme von morgen politischer Natur sein werden.
Das wird nicht der Fall sein. Niemand bestreitet die
Tatsache, daß die Welt immer noch ein gefährlicher
Ort ist. Die Aufgabe der NATO ist immer noch grundsätzlich Sicherheit. Tatsächlich können die Hauptfunktionen des Bündnisses immer noch mit den Worten des 25 Jahre alten Harmel-Berichts über die sicherheitspolitische Konzeption des Bündnisses beschrieben werden. Die vordringlichste Pflicht des
Bündnisses besteht dem Bericht zufolge darin, "eine
ausreichende militärische Stärke und politische Solidarität beizubehalten, um gegenüber Aggressionen
abschreckend zu wirken und das Gebiet der Mitgliedstaaten zu verteidigen". Die zweite ist "die weitere
Suche nach Fortschritten in Richtung auf dauerhafte
Beziehungen, mit deren Hilfe die grundliegenden politischen Probleme gelöst werden können". Diese beiden Funktionen sind nach wie vor gültig und entscheidend.
Aber die Art und Weise, wie wir sie erfüllen, hat sich
verändert.
"Ausreichende militärische Stärke" erfordert zum Beispiel nicht mehr acht NATO-Korps an der deutschen
Grenze, um sich gegen doppelt soviele Truppen des
Warschauer Pakts auf der anderen Seite zu verteidigen. Die NATO kann diese konventionellen Streitkräfte erheblich reduzieren und umstrukturieren. Zum
Beispiel werden die US-Streitkräfte in Deutschland
von zwei Korps mit vier Divisionen auf ein Korps mit
zwei Divisionen reduziert. Dementsprechend wird

Seite 1

�auch der Umfang der US-Streitkräfte in Europa abgebaut. In den nächsten Jahren wird der Schwerpunkt
auf flexiblen und sehr mobilen Eingreiftruppen liegen,
die eine große Bandbreite von Eventualfällen abdekken können.
"Auf Aggressionen abschreckend zu wirken", erfordert
nicht länger zahlreiche landgestützte Nuklearwaffen
auf dem europäischen Kontinent. Im Einklang mit
Präsident Bushs Initiative, der die NATO zustimmt,
ziehen wir diese Waffen ab und zerstören sie. Ebenso
nehmen wir einschneidende Reduzierungen bei der
Zahl luftgestützter Nuklearwaffen in Europa vor. Das
historische Vertrauen der NATO auf Nuklearwaffen
wird dem Wortsinn gerecht - es wird ein Teil der
Geschichte. Die nukleare Abschreckung hat funktioniert und bleibt für die NATO-Strategie wichtig. Das
neue strategische NATO-Konzept fordert eine angemessene Mischung nuklearer und konventioneller
Waffen - auf erheblich reduziertem Niveau.
Was die Bewahrung der "politischen Solidarität" angeht, so ist die Aufgabe der NATO angesichts der
politischen und wirtschaftlichen Integration Europas in
mehrfacher Hinsicht sogar noch anspruchsvoller
geworden. Seit Amtsantritt dieser Administration hat
Präsident Bush den gesunden und langwierigen Prozeß der europäischen Integration unterstützt. Er
bekräftigte diese Haltung beim Gipfeltreffen der NATO
in Rom. Es ist jedoch von lebenswichtiger Bedeutung,
daß die Integration auch ein Mittel zur Zusammenarbeit mit Nordamerika darstellt. Darüber hinaus sollte
die Außenpolitik eines integrierten Europas auf dem
Sicherheitsfundament des Atlantischen Bündnisses
aufbauen. Um Präsident Bush zu zitieren: "Wir sehen
keinen Ersatz für das Bündnis als Garanten unserer

Verteidigung und der Sicherheit Europas. "Wir unterstützen die Entwicklung der WEU, weil sie das Bündnis
ergänzen und die europäische Rolle darin stärken
kann... Aber wir betrachten die WEU nicht als europäische Alternative zum Bündnis. Unsere Prämisse
lautet, daß die amerikanische Rolle bei der Verteidigung und den Angelegenheiten Europas durch die
europäische Union nicht überflüssig gemacht wird."
Ich bitte Sie, sich der Tatsache zu erinnern, daß die
Vereinigten Staaten vor einem halben Jahrhundert
dem Isolationismus entsagten ... und eine dauerhafte
Verpflichtung für die Sicherheit und Stabilität Europas
eingingen. Wir taten dies als Ergebnis einer sehr
harten Lektion. Nach dem Ersten Weltkrieg zogen wir
uns unklugerweise aus Europa zurück. Wir versäumten es nicht nur, Beziehungen auf der Grundlage
gemeinsamer Interessen zu entwickeln, sondern weigerten uns häufig auch noch, solche Interessen zur
Kenntnis zu nehmen. Blinder Isolationismus und verhängnisvoller Protektionismus waren an der Tagesordnung und zogen verheerende Folgen nach sich.
Amerika wird diesen Fehler nicht noch einmal machen.

Seite 2

In diesem Präsidentschaftswahljahr werden Sie Stimmen von links und rechts vernehmen, die sagen "Komm
nach Hause, Amerika". Nun, Europa ist unser Zuhause, und solange wir willkommen sind, werden wir
hierbleiben. Die Vereinigten Staaten verstehen heute
in der Tat die Bedeutung der "politischen Solidarität"
auf der ganzen Welt. Unsere Rolle im Atlantik wird
ergänzt von einem ebenso entscheidenden Bündnis
im Pazifik. Als einzige Nation mit wichtigen Bündnissen in beiden dieser strategisch wichtigen Regionen
sollten die Vereinigten Staaten als Sicherheitsbrücke
zwischen den beiden betrachtet werden.
Ein weiterer Begriff, die "Verteidigung des Gebiets" der
NATO-Mitgliedstaaten, erhält ebenso eine neue Bedeutung. Die sich verändernde Welt birgt neue Quellen der Ungewißheit und Besorgnis - politischer wie
auch militärischer Art - die sich unmittelbar auf unsere
Interessen auswirken. Eine dieser Quellen ist die
Tendenz zu stärkerer nationaler und ethnischer Identität. Dies ist auf vielfältige Art und Weise eine positive
und anregende Entwicklung, denn sie beinhaltet eine
Wiederbelebung uralter Träume und kultureller Identitäten, eine Erneuerung geschätzter Institutionen sowie
eine Wiedergeburt des Glaubens. Doch in einigen
Regionen wird diese Entwicklung vom Wiederauftreten leidenschaftlicher Rivalitäten begleitet. Man braucht
nur nach Armenien oder Aserbeidschan zu blicken
oder auf die Schrecken Jugoslawiens, um die möglichen Gefahren solcher Rivalität zu verstehen. Und
jeder dieser Konflikte kann sich potentiell auf unbeteiligte Länder ausbreiten oder Flüchtüngsstrcme hervorbringen. Dies sollte für uns eins Angelegenheit anhaltender Besorgnis und Erörterungen sein.
Eine weitere entscheidende Frage bei der "Verteidigung des Gebiets" betrifft natürlich die Waffen - wer sie
besitzt, wer sie beschafft, wo sie gelagert werden und
welche Fähigkeiten sie haben. Die Auflösung des
imperialen Kommunismus hat die nukleare Bedrohung
durch eine sowjetische Supermacht beseitigt. In der
ehemaligen Sowjetunion existieren jedoch noch Tausende von Kernwaffen. Dies ist ebenfalls für uns alle
ein drängendes Thema. Diese Waffen müssen einer
verläßlichen zentralen Kontrolle unterstellt werden und
den Händen instabiler oder bedrohlicher Regime entzogen bleiben. Gemeinsam mit unseren Verbündeten
erörtern wir dieses Thema mit den Mitgliedern der
Gemeinschaft Unabhängiger Staaten. Ich fühle mich
durch unsere Fortschritte ermutigt. So hat zum Beispiel Präsident Jelzin in Camp David angekündigt, daß
alle taktischen Kernwaffen aus Kasachstan abgezogen wurden, bald vollständig aus Weißrußland und bis
zum 1. Juli 1992 aus der Ukraine abgezogen würden.
Damit verblieben taktische Nuklearwaffen nur noch in
Rußland. Mit Nachdruck begrüßen wir diese Nachricht, und wir fordern die Mitglieder der GUS auf,
ebensolche Fortschritte im Bereich der strategischen
Kernwaffen zu machen.

AMERIKA DIENST 6

�Generell gesprochen beschleunigt sich das Tempo der
Weiterverbreitung in andere Regionen. Diesem Thema wurde kürzlich besondere Aufmerksamkeit gewidmet, als die UN-Sonderkommission beunruhigende
Einzelheiten über den modernen Stand der Fähigkeiten spezieller Waffengattungen des Irak enthüllte.
Während wir hier konferieren, besitzt eine Reihe von
Staaten bereits - nukleare, chemische oder biologische - Massenvernichtungswaffen und deren Trägersysteme oder ist aktiv um deren Entwicklung bestrebt.
Der Irak, Libyen und der Iran sind nur die augenfälligsten Bedrohungen, die der Überwachung bedürfen.
Bis zum Jahr 2000 werden schätzungsweise 15 Nationen der dritten Welt die Fähigkeit zur Produktion
ballistischer Raketen im eigenen Land besitzen. Bis zu
30 Länder verfügen möglicherweise über die Fähigkeit
zur Herstellung chemischer Waffen. Zehn könnten
unter Umständen biologische Waffen stationieren und
acht könnten Nuklearfähigkeiten besitzen. Unser Ziel
muß eine kollektive Aktion zur Begrenzung von Entwicklung und Transfer solch destruktiver Waffen und
deren Trägersystemen sein.
Im vergangen Jahr hat sich die Zahl der dem Nichtverbreitungsvertrag beigetretenen Nationen um fünf erhöht. Frankreich und China haben ihre Absicht zum
Beitritt bekundet, und wir sollten darauf hinarbeiten,
auch die ehemaligen Sowjetrepubliken einzubeziehen. In eben dieser Woche hat Präsident Bush die
Nichtverbreitungsbestrebungen der US-Regierung
zentralisiert und nur einem Koordinator, Robert Gallucci, unterstellt. Mit Blick in die Zukunft ist es meines
Erachtens an der Zeit, bei der Konferenz über die
Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags im Jahr
1995 auf eine unbefristete Verlängerung zu drängen.
Darüber hinaus sollten wir die Verbesserung der bestehenden Nichtverbreitungsmaßnahmen anstreben
wie das Raketentechnologie-Kontrollregime MTCR und
neue, wie die von Präsident Bush verabschiedete
Konvention über ein Verbot chemischer Waffen.
Wir müssen uns eine der wichtigsten Lektionen des
Golfkriegs und die in seinem Anschluß erfolgten Enthüllungen vor Augen führen. Das Vertrauen auf Abschreckung durch Androhung von Vergeltung wird
labile Diktatoren oder Terroristen nicht von der Beschaffung und dem möglichen Einsatz dieser modernen Waffentechnologien abhalten. Aus diesem Grund
hat Präsident Bush das Programm der Strategischen
Verteidigungsinitiative SDI geändert, so daß es sich
erneut auf die Gewährleistung von Schutz vor begrenzten Angriffen mit ballistischen Raketen konzentriert, welcher Herkunft sie auch sein mögen. Wie wir
alle wissen, hat die NATO der Rolle der Verteidigung
gegen Raketen in unserer Nichtverbreitungsstrategie
Rechnung getragen. Während die Vereinigten Staaten mit SDI und ihrem Programm zum weltweiten
Schutz gegen begrenzte Schläge (global protection
against limited strikes - GPALS) Fortschritte machen,

sind wir für das Engagement und die Zusammenarbeit
mit unseren Verbündeten offen. Nicht zuletzt aus
geographischen Gründen ist Europa sehr viel wahrscheinlicher einer Bedrohung durch einen Angriff mit
ballistischen Raketen von Ländern wie dem Irak ausgesetzt als die Vereinigten Staaten. Wir haben uns zur
Aushandlung eines neuen Vertragsregimes verpflichtet, das die begrenzte Stationierung von Verteidigungssystemen gestattet. Europa sollte sein Interesse und Engagement für ein ATBM-System verstärken.
Femer begrüßen wir das wachsende Interesse an
Verteidigung in der GUS - insbesondere die von Präsident Jelzin in New York und Camp David unterbreiteten Vorschläge.
Zwei dem Bündnis zugrundeliegende Definitionskonzepte - das "Streben nach stabileren politischen Beziehungen" und die Lösung "grundliegender politischer
Fragen" - beinhalten jetzt die Notwendigkeit, Wege zur
Bewältigung der Sicherheitsanliegen der neuen Demokratien im Osten zu erarbeiten. Die Völker dieser
Nationen erwaten von uns Hilfe - und die Zusicherung,
daß sie nie wieder der Tyrannei unterworfen werden.
Wir sollten und müssen diese Hilfe und Zusicherung
bieten. In Rom haben die NATO-Mitgliedstaaten die
Gründung des Nordatlantischen Kooperationsrats
beschlossen. Der NACC hat sein erstes Treffen der
Außenminister im Dezember abgehalten, und zeitgleich mit dieser Tagung sind das Bündnis und seine
Liaison-Partner mit der Entwicklung eines Programms
befaßt. Der NACC ist eine Erfolgsstory, die jetzt
geschrieben wird. Wir alle müssen sicherstellen, daß
er wirklich das Tor zu einer neuen Sicherheitsbeziehung mit diesen Ländern wird. Schließlich lehrt die
Geschichte, daß die Aussichten für Stabilität, Frieden
und langfristige Sicherheit verbessert sind, wenn
demokratische Institutionen Fuß fassen.
Demokratische Institutionen stehen für mehr Freiheit
und Gleichheit, ihr Kernstück bilden Fair play, Verständnis und Zusammenarbeit. Angesichts aufstrebender demokratischer Werte lauten die Schlagworte
von morgen: Freiheit, Gleichheit, Fair play, Verständnis und Zusammenarbeit.
Und diesen Worten möchte ich das unerläßliche Element der Kommunikation hinzufügen. Die Konstruktion einer neuen Sicherheitsarchitektur in Europa ist
absolut abhängig von einem effektiven, geschlossenen Forum für Konsultationen. Glücklicherweise haben
wir ein solches Forum - auf Prinzipien gegründet, von
Vertrauen getragen und von der Zeit erprobt. Seit über
vierzig Jahren wußten die Bündnispartner, selbst wenn
es Meinungsverschiedenheiten gab, daß ihre Ansichten in einem respektvollen, geordneten Rahmen geäußert werden konnten. In der Welt von gestern hat uns
- und der Sache des Friedens - dieser Rahmen außerordentlich gute Dienste geleistet. Wenn wir unseren
historischen Geist der Zusammenarbeit bewahren,
wird dies auch für die Welt von morgen gelten.
*

AMERIKA DIENST 6

*
Seite 3

�GUS-HILFE
12. Februar 1992

BAKER: "PROJEKT HOFFNUNG"
INVESTITION IN STABILITÄT
Erklärung am Frankfurter Flughafen
FRANKFURT - (AD) - Zum Beginn des "Projekt Hoffnung" hat US-Außenminister Baker am 10. Februar 1992
auf dem Frankfurter Flughafen erklärt, das Vorhaben zur Lieferung dringend benötigter Nahrungsmittel und
medizinischer Hilfsgüter in die Republiken der ehemaligen Sowjetunion sei eine Investition in "weltweite
Sicherheit und Stabilität auf Jahrzehnte hinaus".
"Projekt Hoffnung ist keine Wohltätigkeitsveranstaltung; es ist eine Partnerschaft für eine bessere Zukunft",
stellte Baker fest und charakterisierte dabei das amerikanische Militär, das sich an den Sonderflügen zur
Lieferung der Hilfsgüter beteiligt, als "Friedensstifter".
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Erklärung im Wortlaut.

Erst vor 18 Tagen haben wir in Washington das
"Projekt Hoffnung" angekündigt - eine helfende Hand
für die neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen
Sowjetunion. Unser Ziel war nicht nur Hilfe, um eine
steigende Flut menschlicher Not zu bekämpfen, sondern auch die Aussendung einer Botschaft der Hoffnung und Unterstützung in harten Zeiten.

tigte Nahrungsmittel und Medikamente für Waisenhäuser, Altersheime und Schulen transportieren. Sie
werden helfen, die Kranken zu behandeln und die
Hungernden zu verpflegen. Vor allem werden sie den
Menschen der neuen unabhängigen Staaten eine
dramatische Botschaft der Hoffnung überbringen. Diese
Botschaft ist schlicht:

Ich möchte zu Beginn den anderen Mitgliedern der
internationalen Staatengemeinschaft danken, die
beschlossen haben, sich den Bemühungen der Vereinigten Staaten nicht nur hier, sondern auch an anderen
Orten auf der Welt anzuschließen. Noch während ich
hier spreche, steigen weitere Hilfsflüge von Ankara
und Incirlik auf, und wir beglückwünschen die Türkei
für die Bereitstellung dieser entscheidenden "Brücke"
in die neuen unabhängigen Staaten. Auch von Japan
werden Hilfsgüter an Bestimmungsorte im Fernen
Osten Rußlands transportiert. Dies zeigt erneut, daß
die internationale Staatengemeinschaft auf dem Weg
der Arbeitsteilung die dringenden humanitären Bedürfnisse in der ehemaligen Sowjetunion besser erfüllen
kann.

Der kalte Krieg ist beendet, und jetzt ist es an der
Zeit, daß sich alle zum Aufbau eines neuen
Friedens zusammenschließen.

Meine Damen und Herren, wir wissen, daß 54 amerikanische Hilfsflüge nicht alle leeren Regale Rußlands
und Tadschikistans, Armeniens und Turkmeniens füllen können. Wir wissen, daß 54 amerikanische Hilfsflüge nicht alle leeren Apotheken der Ukraine, Usbekistans oder Aserbeidschans mit Medikamenten versorgen können. Aber diese Flüge werden dringend benö-

AMERIKA DIENST 6

Wir blicken auf Sie als Partner, nicht Gegner.
Wir bewundern Ihren Mut beim Aufbau neuer
Gesellschaften auf der Basis freier Märkte und
freier Ideen. Wir wissen, daß dies nicht leicht
sein wird und werden dabei helfen.
Diese Flugzeuge sollen unsere Boten sein und unser
Engagement symbolisieren, die Freiheit in diesen neuen
Ländern zum Blühen zu brigen. In Minsk und Moskau,
Kiew und Eriwan, Bischkek und Alma-Ata werden
unsere Flugzeugbesatzungen keine alten Feinde
sondern neue Freunde finden - Freunde, die unsere
wichtigsten Werte teilen: eine demokratische Regierung, Rechtsstaatlichkeit, Marktwirtschaft. Unsere
Besatzungen werden keine demütigen Nationen vorfinden, die Almosen entgegennehmen wollen, sondern
stolze Völker, die unsere Hilfe bei der Gestaltung ihrer
demokratischen Schicksale verdienen.

Seite 1

�Unsere jungen Menschen, die diese Nahrungs- und
Arzneimittel verteilen, werden entdecken, daß das
Ende des kalten Kriegs ein Sieg nicht nur für Amerika
und seine Verbündeten war: Es war ein Triumph des
menschlichen Geistes überall. Jeder, der Freiheit
schätzt, hat gewonnen, als der Kommunismus verloren hat. Und jeder, der Freiheit schätzt, wird gewinnen,
wenn die Demokratie in den neuen unabhängigen
Staaten erfolgreich ist.

Meine Damen und Herren, ich halte es nur für richtig,
daß sich das US-Militär an diesem Feldzug der Hoffnung beteiligt. Es ist richtig, weil die Männer und
Frauen der US-Streitkräfte sich niemals als Kriegstreiber sondern als Friedensstifter verstanden haben.
Ebenso wie sie den Krieg verhindert haben, können sie
jetzt den neuen Frieden schaffen.
Als Friedensstifter nehmen sie heute am Projekt Hoffnung teil.

Projekt Hoffnung ist keine Wojltätigkeitsveranstaltung.
Als Friedensstifter wünschen wir ihnen: Viel Glück und
Es ist eine Partnerschaft - Partnerschaft für eine
bessere Zukunft. Darüber hinaus ist es eine Investition Gott mit Ihnen!
in die Sicherheit - die Sicherheit des Westens, weltweite Sicherheit und Stabilität auf Jahrzehnte hinaus.
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 6

�GUS
12. Februar 1992

HUMANITÄRE HILFE DER USA
AN DIE GUS ANGEROLLT
Rede von Außenminister Baker vor dem Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Die Bestrebungen der Vereinigten Staaten, den ums Überleben kämpfenden neuen
Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu helfen, sind in die Wege geleitet worden, erklärte der Au ßenminister am
5. Februar 1992 vor dem Kongreß.
"Projekt Hoffnung" - eine umfassende, kurzfristige Luftbrücke mit Hilfsgütern für die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) - läuft in der nächsten Woche an, berichtete Baker vor dem Senatsausschuß für Auswärtige
Beziehungen. Dann werden "Flugzeuge der US-Luftwaffe dringend benötigte Nahrungsmittel und medizinische
Güter in jeden der 12 neuen unabhängigen Staaten fliegen, in dem ein solcher Transport kein Risiko bedeutet."
"Allein in den nächsten drei Monaten", fuhr Baker fort, "werden wir die am meisten Gefährdeten - die Alten, die
Jungen und die Kranken - mit Weizen, Molkereiprodukten, Babynahrung, Speiseöl, Fleisch, Antibiotika und
anderen Medikamenten versorgen."
Die langfristige Herausforderung besteht Baker zufolge darin, diesen Staaten zu helfen, "ihren Platz als friedliche,
demokratische und wohlhabende Mitglieder der internationalen Staatengemeinschaft zu finden... Wie wir diese
Herausforderung angehen, wird...das internationale Geschehen im nächsten Jahrhundert beeinflussen."
Baker erläuterte vor dem Ausschuß den Antrag der Administration zur Bewilligung der Mittel für internationale
Angelegenheiten im Haushaltsjahr 1993.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen von Außenminister Baker im Wortlaut.
Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, vor diesem
Ausschuß unseren Antrag zur Bewilligung der Mittel
für auswärtige Angelegenheiten im Haushaltsjahr 1993
erläutern zu dürfen. Mit Ihrer Erlaubnis möchte ich
meine detaillierten schriftlichen Ausführungen ins
Protokoll aufnehmen lassen.
Ein Jahr der Umgestaltung
Herr Vorsitzender, in dieser Woche vor einem Jahr
habe ich diesem Ausschuß unseren Haushaltsentwurf
1992 vorgelegt. In der inzwischen vergangenen Zeit
haben wir ein dramatisches Jahr erlebt, ein Jahr rascher Veränderungen, ein Jahr, das das Ende einer
Ära und die Geburt einer neuen symbolisiert, ein Jahr,
über das unsere Kinder und Enkelkinder in ihren Geschichtsbüchern lesen werden.
Es war das Jahr, in dem eine beispiellose, von
den Vereinigten Staaten angeführte Koalition
die irakische Aggression zunichte machte, die
legitime Regierung Kuwaits wiedereinsetzte und
sicherstellte, daß wir nicht zur Geisel der Ambitionen eines Diktators wurden.

AMERIKA DIENST 6

Es war das Jahr, in dem unsere Investitionen in
den Frieden weltweit Dividenden zu bringen begannen, als ehemalige Gegner in El Salvador,
Kambodscha und Südafrika begannen, Jahrzehnte des Mißtrauens zu überbrücken.
Es war das Jahr, in dem wir sogar im Nahen
Osten - für Jahrzehnte Schauplatz von Kriegen,
Bitterkeit und Haß - Zeuge wurden, wie ehemalige Feinde sich zu Gesprächen zusammensetzten: Nur ein erster Schritt, jedoch ein lebenswichtiger auf dem Weg zum Frieden. Die Vereinigten Staaten können auf ihre Rolle bei diesem historischen Durchbruch stolz sein.
Es war das Jahr, in dem wir die Verhandlungen
über ein Nordamerikanisches Freihandelsabkommen aufgenommen haben - ein Abkommen, das auf lange Sicht den größten Markt der
Welt mit einer Jahresproduktion von 6 Billionen
Dollar und über 360 Millionen Menschen schaffen wird.

Seite 1

�Vor allem jedoch war es das Jahr, in dem der
Stalinismus und die Sowjetunion zusammenbrachen und ein Dutzend neuer Staaten um
ihren Platz in der demokratischen Staatengemeinschaft kämpften. Herr Vorsitzender, beim
Treffen zwischen Präsident Bush und seinem
Amtskollegen Jelzin am vergangenen Wochenende wurde diese Umgestaltung offiziell in der
Erklärung von Camp David festgeschrieben:
Der kalte Krieg ist beendet, und jetzt haben wir
die Chance, einen demokratischen Frieden zu
schmieden, einen dauerhaften, auf gemeinsamen Werten - Demokratie sowie politische und
wirtschaftliche Freiheit - aufgebauten Frieden
Der Triumph dieser Werte in Rußland und den
anderen neuen unabhängigen Staaten wird in
den kommenden Jahrzehnten die sicherste
Grundlage für Frieden bieten - und die stärkste
Garantie unserer nationalen Sicherheit. Es
werden jedoch weitere Herausforderungen auf
uns zukommen.
Herr Vorsitzender, die Welt ist heute ein vielversprechenderer und besserer Ort als noch vor einem Jahr.
Die dramatischen Ereignisse, die wir beobachten und
mitgestaltet haben, berechtigen zu Optimismus. Dieser Optimismus sollte - und darf - uns jedoch nicht
gegenüber den verbleibenden Herausforderungen blind
machen. Diese Herausforderungen sind real. Ich
möchte nur einige nennen:
Die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen ist nach wie vor eine tödliche Bedrohung des
internationalen Friedens. Die Enthüllungen über
das moderne Atomwaffenprogramm des Irak
und das Gespenst eines Käufermarktes für
sowjetisches Know-how lehren uns eine deutliche Lektion: Nur durch konstante, koordinierte
Wachsamkeit - die Art von Wachsamkeit, die
uns den Sieg im kalten Krieg beschert hat können wir unsere nationale und internationale
Sicherheit gewährleisten.
Regionale Konflikte wurden beigelegt - aber
nicht überall und nicht gleich schnell. Indien und
Pakistan haben beispielsweise gerade erst den
schwierigen Versöhnungsprozeß begonnen.
Ebenso wie im Nahen Osten wird der Friedensschluß schmerzlich in die Länge gezogen. Den
Frieden in El Salvador, Kambodscha und andernorts zu bewahren, wird teuer. Wir und die
internationale Staatengemeinschaft dürfen bei
unserer Unterstützung für beides nicht wanken.
Die Öffnung von Märkten für amerikanische
Güter und Dienstleistungen stellt uns vor eine
besonders große Herausforderung. Auf bilateraler Ebene müssen wir verhandeln um sicherzustellen, daß bestimmte Auslandsmärkte sich
nicht gegen unsere Güter und Dienstleistungen
abschotten. Regional müssen wir die Antriebs-

Seite 2

kraft zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen erhalten. Und international müssen
wir die Führungsrolle übernehmen, um den Erfolg
der Uruguay-Runde und den Abbau von Handelshemmnissen weltweit zu gewährleisten.
Und, Herr Vorsitzender, wir dürfen die Aufgabe
der Konsolidierung demokratischer Werte nicht
außer acht lassen. Der Sieg der Demokratie
wurde nicht überall errungen, und er ist sicherlich nicht selbstverständlich. In einem Großteil
der Welt stehen repräsentative Regierungen
und Rechtsstaatlichkeit noch immer auf schwachen Füßen oder sind nach wie vor ein femer
Traum. Wir müssen uns vor Augen führen, daß
die Vereinigten Staaten mehr sind als die grö ßte
Demokratie der Welt: Wir sind überall der
Sprecher der demokratischen Staatengemeinschaft. Keine dieser Herausforderungen kann
durch Wunschdenken bewältigt werden, keine
wird verschwinden, wenn wir unsere Augen
schließen. Ich bin jedoch überzeugt, daß wir bei
der Verfolgung unserer Interessen in einer freien, wohlhabenden und friedlichen Welt eine
wirksame Politik erarbeiten können. Dies gilt
insbesondere im Hinblick auf die größte heute
vor uns liegende Herausforderung: Den neuen
Staaten der ehemaligen Sowjetunion dabei zu
helfen, ihren Platz als friedliche, demokratische
und wohlhabende Mitglieder der internationalen
Staatengemeinschaft zu finden. Wie wir diese
Herausforderung angehen, wird meines Erachtens das internationale Geschehen im nächsten
Jahrhundert beeinflussen. Herr Vorsitzender,
ich glaube jedoch, daß wir das Instrument zur
Bewältigung dieser Herausforderung zur Hand
haben - ein Instrument, das unsere bilaterale
Diplomatie verbessert und unseren Einfluß
erweitert. Es ist ein Instrument, das uns geholfen hat, über den Irak zu siegen. Und es ist das
Instrument, das in unserer Außenpolitik einen
noch größeren Stellenwert einnehmen wird, wenn
wir die Politik des Containment hinter uns lassen.
Vom Containment zum kollektiven Engagement
Dieses Instrument ist kollektives Engagement: Nationen ergreifen zur Verfolgung gemeinsamer Interessen
und Lösung gemeinsamer Probleme konzertierte
Maßnahmen. In den vergangenen Wochen habe ich
dieses Konzept bereits auf der ganzen Welt in Aktion
gesehen:
In Prag bin ich mit den anderen 47 Mitgliedern
der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zusammengekommen, um ihre
wertvolle Aufgabe als Gewissen eines Kontinents voranzubringen und dazu beizutragen,
Demokratie von Vancouver bis Wladiwostok
aufzubauen.
AMERIKA DIENST 6

�In Moskau traf ich drei Dutzend Minister, während die Nahost-Friedensgespräche eine neue
multilaterale Dimension annahmen, indem sie
die Interessen der internationalen Staatengemeinschaft anerkannten, Frieden in diese krisengeschüttelte Region zu bringen.
In New York kam Präsident Bush mit 14 Staatsund Regierungschefs und Generalsekretär
Boutros Ghali zusammen, um einen neuen Kurs
für den UN-Sicherheitsrat zu entwerfen - ein
Gremium, das als Forum für internationale
Konsensbildung und gemeinsames Vorgehen
jetzt zu voller Reife gelangt und
- vielleicht am außergewöhnlichsten von allem
- in Washington versammelten sich 54 Nationen
und internationale Organisationen zu einer Koordinierungskonferenz, um die Arbeit bei der
Befriedigung der dringenden humanitären Bedürfnisse der ehemaligen Sowjetunion untereinander aufzuteilen.
Eine zweite Koalition
Herr Vorsitzender, diese Konferenz hat eine neue
Koalition hervorgebracht, eine nicht weniger wichtige
Koalition, als diejenige, die Kuwait befreite:
Eine Koalition zur Unterstützung von Demokratie in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion.
Eine Koalition, die den Menschen bei ihrem
Kampf mit dem schmerzlichen Übergang zu
einer Marktwirtschaft hilft.
Eine Koalition zur Bewältigung eines dringenden, sehr menschlichen Notstands. Und - vor
allem eine Koalition, die in harten Zeiten Hoffnung
bietet - Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht
nur für die Menschen in den neuen unabhängigen Staaten sondern auf der ganzen Welt.
Die Erwartungen
Viele derjenigen, die bei der Koordinierungskonferenz
eine helfende Hand ausgestreckt haben, waren einstmals - ebenso wie wir - Gegner der Sowjetunion.
Einige wurden bisher vom Stalinismus beherrscht.
Aber alle waren in der gemeinsamen Wertschätzung
der mit dem Zusammenbruch des Totalitarismus in der
Sowjetunion einhergehenden außerordentlichen Erwartungen geeint. Diese Erwartungen wären noch vor
wenigen Jahren unvorstellbar gewesen:
Die Aussicht, daß an die 300 Millionen Menschen aus einem über 70jährigen Alptraum der
totalitären Herrschaft erwachen und ihr demokratisches Schicksal selbst in die Hand nehmen.

AMERIKA DIENST 6

Die Chance, daß sich die 12 Nachfolgestaaten
von einer siechenden Kommandowirtschaft zu
pulsierenden freien Märkten wandeln.
Und - am wichtigsten vielleicht - die reale Hoffnung, den Alptraum der nuklearen Konfrontation der Welt hinter uns zu lassen.
Gemeinsame Interessen, konzertierte Aktionen,
amerikanische Führungsrolle
Um aus meiner Rede vor der Koordinierungskonferenz
zu zitieren: Globale Probleme erfordern globale Lösungen. Und so war es bei der Konferenz: Nicht nur
die Vereinigten Staaten und ihre europäischen Verbündeten sondern Länder aus Osteuropa, dem Fernen Osten, Lateinamerika und dem Persischen Golf
setzten sich zusammen, um Bewertungen zu vergleichen und Aktionspläne zur Befriedigung humanitärer
Bedürfnisse zu schmieden.
Diese Koalition ist ebenso wie die Koalition, die den
Sieg am Golf erlangte, tief im Prinzip der geteilten
Verantwortung verwurzelt. Das heißt nicht, eine
Rechnung zu addieren und dann den Betrag zu teilen.
Es bedeutet die Aufbietung - finanzieller, technischer
und menschlicher - Ressourcen aller interessierten privaten und öffentlichen - Parteien zur Unterstützung
eines gemeinsamen Ziels. Durch Zusammenarbeit
mit den anderen internationalen Protagonisten - insbesondere den Ländern der G-7, der Europäischen
Gemeinschaft und der NATO - können wir gemeinsam
das erreichen, was wir alleine niemals leisten könnten.
Und diese Koalition erfordert ebenso wie diejenige, die
wir während der Golfkrise gebildet haben, daß die
Vereinigten Staaten wiederum Führungskraft demonstrieren. Ebenso wie wir das Bündnis angeführt haben, das den kalten Krieg gewonnen hat, müssen wir
jetzt mit die Koalition zur Erlangung des Friedens
anführen. Was die Vereinigten Staaten anbetrifft, Herr
Vorsitzender - unsere Bestrebungen sind in die Wege
geleitet:
In der vergangenen Woche traf in Minsk ein
"Kontaktteam" mit Vertretern der Nachfolgestaaten zusammen, um die Aktionspläne der
Koordinierungskonferenz zu erörtern und den
Prozeß der internationalen Zusammenarbeit bei
der Bewältigung eines globalen Notstands zu
beschleunigen.
Projekt Hoffnung - eine umfassende, kurzfristige Luftbrücke mit Hilfsgütern an die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) - läuft in
der nächsten Woche an. Flugzeuge der USLuftwaffe werden dringend benötigte Nahrungsmittel und medizinische Güter in jeden der 12
neuen unabhängigen Staaten fliegen, in dem
ein solcher Transport kein Risiko bedeutet.
Allein in den nächsten drei Monaten werden wir
die am meisten Gefährdeten - die Alten, die
Seite 3

�Jungen und die Kranken - mit Weizen, Molkereiprodukten, Babynahrung, Speiseöl, Fleisch,
Antibiotika und anderen Medikamenten versorgen.

müssen wir sicherstellen, daß die neuen Staaten ihr Versprechen einhalten, die Atomwaffen
weiterhin einer zentralen Kontrolle zu unterstellen;

Und wir haben Botschafter Richard Armitage,
einen erprobten Krisenmanager, zum Koordinator der amerikanischen Bemühungen ernannt.
Diese und andere Hilfsleistungen für die neuen
Staaten sind kein Ersatz für durchgreifenden
Reformen in den jeweiligen Ländern. Diese
neuen Staaten müssen ihrer Verpflichtung zu
wirtschaftlichen und politischen Reformen nachkommen. Wir wissen das ebenso wie die Politiker und Völker dieser neuen Staaten. Ich bin
jedoch überzeugt, daß internationale Hilfe bei
der Bewältigung dieses Notstands und der
Herbeiführung von Reformen eine entscheidende Rolle spielen kann.

müssen wir die Zerstörung taktischer Nuklearwaffen weiterführen, wie sie Präsident Bush in
seiner dramatischen Initiative vom 27. September vorgeschlagen hat. Wir helfen den neuen
Staaten, die Zerstörung von Atomwaffen zu
beschleunigen;

Das Risiko
Ich habe bereits von den mit dem Zerfall der Sowjetunion einhergehenden Erwartungen gesprochen. Ich
möchte jetzt offen über die Risiken sprechen. Die
neuen unabhängigen Staaten kämpfen tapfer, um
neue, auf eine repräsentative und rechenschaftspflichtige Regierung gegründete Gesellschaften, Rechtsstaaten und freie Märkte zu schaffen. Sie tun dies
jedoch mit der von über 70 Jahren der politischen und
wirtschaftlichen Mißwirtschaft hinterlassenen Last. Die
Versuchungen ethnischer Konflikte und autoritärer
Herrschaft sind weiterhin groß. Und trotz der dramatischen Fortschritte bei der Rüstungskontrolle sind
noch immer über 30.000 Nuklearwaffen in den Staaten
der ehemaligen Sowjetunion stationiert. Während wir
also bei der Bewältigung des humanitären Notstands
vorankommen, müssen wir den neuen Staaten auch
helfen, die Sicherheit von Nuklearwaffen zu gewährleisten, einen Großteil dieser Waffen zu beseitigen und
Vorsorge gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und Technologien zu deren Herstellung
treffen. Im Hinblick darauf habe ich Rußland, die
Ukraine, Kasachstan und Weißrußland besucht, um
mit den neuen Regierungen über die Notwendigkeit zu
sprechen, sich für eine verantwortungsvolle Sicherheitspolitik zu engagieren und diese auch durchführen.
Wir haben den Staatssekretär für internationale Angelegenheiten, Botschafter Bartholomew, im vergangenen Monat zu Gesprächen über Themen wie die
Führungs- und Kontrolleinrichtungen für Atomwaffen,
die Zerstörung von Waffen und Nichtverbreitung im
allgemeinen in die frühere Sowjetunion entsandt.
Darüber hinaus habe ich letzte Woche in Moskau
ebenso produktive Gespräche mit Präsident Jelzin
geführt wie Präsident Bush in Camp David. Daran
werde ich anschließen, wenn ich nächste Woche nach
Moskau reise. Die Zusicherungen, die wir bei diesem
Dialog auf höchster Ebene erhalten haben, waren sehr
positiv, und wir freuen uns auf ihre Fortsetzung. Bei
weiteren Fortschritten

Seite 4

müssen wir erkennen, daß die neuen Staaten
ihr Versprechen einhalten, die START-,KSEund Nichtverbreitungsverträge durchzuführen;
müssen wir den neuen Staaten der früheren
Sowjetunion bei der Erarbeitung effektiver Exportkontrollen helfen. Präsident Jelzins angekündigte Absicht, Gesetze zum Umgang mit
Mehrzwecktechnologie zu verabschieden, ist
dabei sehr willkommen;
müssen wir einzelne Vorschläge für die wissenschaftliche Zusammenarbeit entwickeln, mit dem
Ziel, daß den Wissenschaftlern der Anreiz
genommen wird, ihr Know-how potentiellen
Weiterverbreitern zur Verfügung zu stellen. Wir
werden in Kürze einen hochrangigen Beamten
des Außenministeriums benennen, der diese
Bestrebungen koordinieren soll.
Natürlich müssen auch wir selbst den START-Vertrag
ratifizieren. Herr Vorsitzender, ich kai m diesen letzten
Punkt nicht eingehend genug betonen. START bleibt
entscheidender Bestandteil unserer Beziehungen zu
den neuen Staaten. Erstens erhöht das Verifizierungsregime von START Transparenz und Offenheit
zu einer Zeit turbulenter Veränderungen. Zweitens
schafft START ein rechtsverbindliches Regime, das
Verpflichtungen aufstellt, die es uns leichter machen,
substantielle und stabilisierende Reduzierungen festzuschreiben. Drittens liefert START eine stabile Struktur und ebensolche Grundregeln, im Rahmen derer
weitere Reduzierungen schnell erreicht werden können. Schließlich werden durch START die Ukraine,
Weißrußland und Kasachstan ermutigt, eine nichtnukleare Zukunft anzustreben. Ich möchte hier keinen
Alarm schlagen. Vielmehr bin ich, ebenso wie die
Politiker und Menschen in den neuen Staaten selbst,
voller Hoffnung auf eine bessere Zukunft für sie und
uns. Aber ich muß betonen: die Auffassung, die Welt
sei sicher genug, um eine geringfügige Vernachlässigung durch Amerika zu vertragen, ist ganz einfach
falsch. Diese Regierung vertritt die Meinung - und
unser Haushalt geht davon aus -, daß die amerikanische Führungsrolle nach wie vor eine Notwendigkeit kein Luxus - ist.

AMERIKA DIENST 6

�Überblick über unsere Haushaltsvorlage
Herr Vorsitzender, im Haushaltsjahr 1993 fordern wir
22,1 Mrd. Dollar als frei verfügbare Ausgabeermächtigung für internationale Angelegenheiten und 20,6
Milliarden Dollar an Ausgaben. Im Haushaltsjahr 1992
betrug die geforderte oder gewährte Ausgabeermächtigung 22,2 Milliarden Dollar und 20,1 Milliarden Dollar
für Ausgaben. Unser Antrag liegt im Rahmen der
Bestimmungen über die Ausgabeermächtigung und
Ausgaben des Haushaltsgesetzes von 1990. Als
Außenminister bin ich täglich den Herausforderungen
ausgesetzt, denen sich die Vereinigten Staaten auf der
ganzen Welt stellen müssen. Aber ich bin auch ein
Staatsdiener und mir damit meiner Pflicht bewußt, die
Dollars des Steuerzahlers in einer Zeit wirtschaftlicher
Schwierigkeiten hier im Land sparsam einzusetzen.
Der Haushalt spiegelt diese beiden Tatsachen wider.
Es ist ein magerer Haushalt für magere Zeiten. Aber
es ist auch ein flexibler Haushalt, der dem veränderten
internationalen Umfeld Rechnung trägt, in dem wir
leben. Bevor ich einen allgemeineren Überblick gebe,
möchte ich zwei Initiativen hervorheben.
Hilfe für die neuen unabhängigen Staaten
Hilfe für die Staaten der früheren Sowjetunion ist das
Kernstück unserer Haushaltsvorlage. Wir fordern für
die Haushaltsjahre 1992 und 1993 620 Millionen an
neuen Mitteln:
500 Millionen für einen Sonderfonds für besondere humanitäre und technische Hilfe, um vordringlichen humanitären Bedürfnissen und
besonderem Bedarf an Hilfe gerecht zu werden;
100 Millionen für den Wirtschaftshilfefonds zur
Unterstützung demokratischer Reformen, wirtschaftlicher Umstrukturierung und Umwandlung
der Rüstungsindustrie;
10 Millionen Dollar Entwicklungshilfe für die
ärmeren Republiken und
10 Millionen im Rahmen des Projekts PL-480,
"Food for Peace" für ein technisches Hilfsprogramm von Farmern für Farmer.
Zusammen mit den im Rahmen geltender Gesetze
verfügbaren 860 Millionen Dollar und 3,75 Milliarden
an Exportgarantien wird unser Vorschlag den neuen
Staaten dringend benötigte Hilfe in Höhe von über 5
Milliarden Dollar leisten.
Unterstützung internationaler Organisationen und
multilateraler Friedensbestrebungen
Bei den Friedensmissionen beabsichtigen wir ebenso
wie bei unserer Hilfe für die Republiken der früheren
Sowjetunion, unser Geld dort zu verteilen, wo es auch
uns besonders zugute kommt. Wir wollen die neue

AMERIKA DIENST 6

Solidarität der Vereinten Nationen stärken, die sich
erstmals während der Golfkrise zeigte und ihre Schlüsselrolle bei der Entschärfung internationaler Konflikte
unterstützen. Deshalb schlagen wir 350 Millionen
Dollar als Ergänzung zum Haushalt 1992 und 350
Millionen zusätzlich zum Haushalt 1993 vor, um unseren gerechten Anteil an den neuen und erwarteten
Friedensmissionen in Kambodscha, El Salvador, Afrika, dem Nahen Osten und vielleicht Jugoslawien zu
leisten. Wir betrachten diese Mittel als Investitionen in
den Frieden. Darüber hinaus schlagen wir vor, eine
dritte Rate von 115 Millionen der Rückstände zu zahlen, die wir den Vereinten Nationen und anderen
internationalen Organisationen schulden, und wir fordern einen Vorschuß auf die Haushalte 1994 und
1995, um die kontinuierliche Abzahlung der Rückstände sicherzustellen. Darüber hinaus halten wir es auch
für entscheidend, unseren Verpflichtungen im Hinblick
auf die Erhöhung der Beteiligung am IWF nachzukommen. Gemeinsam mit anderen Mitgliedstaaten würden wir damit das Kapital des IWF erhöhen, das
notwendig ist, wenn diese Institution eine führende
Rolle bei der Förderung wirtschaftlicher Umstrukturierung in Rußland und den anderen jetzt unabhängigen
Staaten übernehmen soll.
Auslandshilfe
Auslandshilfe bleibt in den neunziger Jahren ein wichtiges Instrument zur Förderung amerikanischer Interessen. Sie gestattet die rechtzeitige, flexible Unterstützung unseres Interesses an politischem Pluralismus, der Entwicklung freier Marktwirtschaft, Friedenstiftung und starken Bündnissen. Die Auslandshilfe
wird insgesamt im Haushaltsjahr 1993 um 465 Millionen Dollar gesenkt, von 16,3 Milliarden in unserer
Haushaltsvorlage 1992 auf 15,8 Milliarden Dollar.
Herausragende Merkmale unseres Programms bilateraler Hilfe für das Haushaltsjahr 1993 sind:
Ein 11 prozentiger Abbau der Militärhilfe von 4,7
Milliarden auf 4,2 Milliarden Dollar, was die
geringeren internationalen Spannungen widerspiegelt. Israel und Ägypten erhalten etwa 70
Prozent der gesamten Militärhilfe, der Rest geht
an andere Verbündete, darunter Portugal, die
Türkei, Griechenland und die Andenstaaten.
Eine Kürzung um 100 Millionen Dollar bei Wirtschaftshilfefonds von 3,2 Milliarden auf 3,1 Milliarden Dollar. Israel und Ägypten werden etwa
65 Prozent aller Mittel aus diesem Programm
erhalten. Andere wichtige Empfänger sind die
frühere Sowjetunion, El Salvador, Nicaragua
und die Andenstaaten.
Eine Steigerung um 50 Millionen Dollar bei der
Osteuropahilfe von 400 Millionen auf 450 Millionen Dollar, mit dem Schwerpunkt der Stärkung
demokratischer Institutionen und Marktwirtschaft.

Seite 5

�In etwa konstante Wirtschaftshilfe von 2,5 Milliarden Dollar, einschließlich des Entwicklungsfonds für Afrika. Erwartungsgemäß werden wir
70 Ländern Hilfe mit Programmen leisten, die
dauerhaftes breitgefächertes Wirtschaftswachstum betonen.
Ein Sonderfonds für Kapitalprojekte im Umfang
von 100 Millionen Dollar, um den Empfängerländern bei Investitionen in ihre Infrastruktur zu
helfen.
Eine Umweltinitiative für Asien über 25 Millionen
Dollar, um die ernsthaften Umweltprobleme anzugehen, die Asiens Wirtschaftswachstum beeinträchtigen.
1,3 Milliarden Dollar Nahrungsmittelhilfe im
Rahmen des Programms PL-480, mit dem Ziel,
Bedürftigen auf der ganzen Welt zu helfen und
künftige Märkte für US-Agrarprodukte zu erschließen.
286 Millionen Dollar für die Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas, um die Schuldenlast gegenüber den Vereinigten Staaten abzubauen, die Länder auf dem
Weg zur wirtschaftlichen Liberalisierung angesammelt haben.
eine Investition in die Zukunft eines schnell
wachsenden Markts für amerikanische Exporte.
Multilaterale Entwicklungsinstitutionen
Für das Haushaltsjahr 1993 fordern wir 1,8 Milliarden
Dollar für multilaterale Entwicklungsorganisationen,
die wirtschaftliche Reformen und Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern fördern. Darin enthalten
sind 100 Millionen Dollar für den von der Interamerikanischen Entwicklungsbank verwalteten Multilateralen
Investitionsfonds EAI. Der Fonds gewährt Ländern
technische Hilfe und finanzielle Unterstützung, die ihre
Investitionsregimes liberalisieren. Darüber hinaus
schlagen wir eine neue vierjährige Auffüllung des
Entwicklungsfonds für Asien vor, mit einer ersten Rate
von 170 Millionen Dollar im Jahr 1993.
Freiwillige Beiträge
Femer fordern wir für das Haushaltsjahr 1993 257
Millionen Dollar für freiwillige Beiträge an internationale Organisationen wie das UN-Entwicklungsprogramm
(124 Millionen Dollar) und den Kinderhilfsfonds der
Vereinten Nationen (60 Millionen Dollar).
Flüchtlingsprogramme
Die Vereinigten Staaten spielen seit langem eine wichtige und entscheidende Rolle beim Umgang mit dem
weltweiten Flüchtlingsproblem - 1991 nirgendwo offensichtlicher als bei unserer unmittelbaren Hilfe für die

Seite 6

Kurden. Unser Antrag für das Haushaltsjahr 1993
umfaßt 550 Millionen Dollar an Auswanderungs- und
Flüchtlingshilfe und 20 Millionen Dollar zur Aufstokkung des Notfonds für Flüchtlingshilfe. Für unsere
Flüchtlingsprogramme im Ausland beantragen wir 265
Millionen Dollar, um internationale Bestrebungen zu
unterstützen und Flüchtlingen Schutz, Versorgung,
Hilfe bei Umsiedlung und Repatriierung zu gewähren.
Zur Finanzierung unseres Programms für die Einreise
und Umsiedlung von Flüchtlingen beantragen wir 208
Millionen Dollar. Damit werden die Ausgaben für
schätzungsweise 122.000 Flüchtlinge gedeckt, deren
Einreise in die Vereinigten Staaten geplant ist. Schließlich schlagen wir zur Fortführung eines 1973 eingeführten Programms 50 Millionen Dollar für die Umsiedlung von Flüchtlingen in Israel vor.
Drogenbekämpfung
Im Haushaltsjahr 1993 beantragen wir etwa 580 Millionen Dollar für internationale Drogenbekämpfungsprogramme, um dem Fluß illegaler Drogen in die Vereinigten Staaten Einhalt zu gebieten - eine oberste nationale Priorität. Dabei sollen mit 173 Millionen Dollar
Aktivitäten des Amts für Internationale Drogenangelegenheiten finanziert werden, unter anderem polizeiliche Maßnahmen in Lateinameria und Asien und die
Drogenbekämpfung per Flugzeug. 250 Millionen Dollar Hilfe aus dem Wirtschaftsförderungsfonds werden
Kolumbien, Peru und Bolivien dabei unterstützen, ihre
legale Wirtschaft neuzubeleben und Alternativen zum
Koka-Anbau zu schaffen. Programme von FMF, dem
US-Amt für internationale Entwicklung und dem USInformationsamt runden das Paket zur Drogenbekämpfung im Rahmen der Außenpolitik ab.
Investitionen in die Diplomatie
Der Zusammenbruch der Sowjetunion verschafft uns
eine einzigartige Chance, amerikanische Interessen
und Werte weltweit zu fördern. Eine unserer ersten
Prioritäten wird die Eröffnung neuer Botschaften in der
früheren Sowjetunion und die Verstärkung unserer
Präsenz im Baltikum und in Kambodscha sein. Erst im
vergangenen Monat haben wir Botschaften in Kiew,
Minsk, Alma-Ata, Bischkek und Eriwan eröffnet. Wenn
wir diese Chance nutzen wollen, müssen wir auch das
Einwanderungsgesetz von 1990 durchführen, Amerikanern im Ausland konsularische Dienste anbieten,
unsere Beamten ausbilden, neue Sprachen zu sprechen und neue Probleme zu erkennen und unser lange
aufgeschobenes Programm für Instandsetzung, Modernisierung oder Neubau unserer diplomatischen und
konsularischen Vertretungen fortsetzen. Im Haushaltsjahr 1993 beantragen wir 2,1 Milliarden Dollar für
den Betrieb des Au ßenministeriums - eine Steigerung
von 115 Millionen Dollar gegenüber dem laufenden
Jahr. Darüber hinaus fordern wir 600 Millionen Dollar
für unser Bauprogramm im Ausland. Von dieser
Gesamtsumme werden 140 Millionen Dollar in die

AMERIKA DIENST 6

�Fertigstellung moderner und sicherer Gebäude in
Moskau fließen - ein wichtiger Schritt, um dieses noch
ausstehende Problem zu lösen.

zu 500 Freiwillige in die Republiken der früheren
Sowjetunion entsandt, ohne daß unsere Bestrebungen an anderen Orten verringert werden müßten.

Öffentlichkeitsarbeit

Schlußbemerkung

Die amerikanische Öffentlichkeitsarbeit nahm bei der
amerikanischen Politik gegenüber den Revolutionen in
Osteuropa und der früheren Sowjetunion einen hohen
Stellenwert ein. Im Haushaltsjahr 1993 fordern wir 1,1
Milliarden Dollar für das US-Informationsamt, das seine
Aktivitäten in den Ländern der früheren Sowjetunion
und in Kambodscha auszuweiten plant. Ferner streben wir 220 Millionen Dollar für den Internationalen
Rundfunkrat an.

Herr Vorsitzender, nach diesem Parforceritt durch
unseren Haushalt für die Au ßenpolitik möchte ich gern
auf eine Beobachtung zurückkommen, die ich zu Beginn
dieser Ausführungen gemacht habe: Wir sind auf dem
Weg in ein neues Zeitalter. Es ist so neu, daß dafür
noch eine Bezeichnung gefunden werden muß. Wir
erfreuen uns der einmaligen Chance, an der Gestaltung dieser neuen Ära mitzuwirken und sie für künftige
Generationen zu definieren. Wird sie als Zeitalter des
Neoisolationismus bekannt werden? Das Zweite Zeitalter des Protektionismus? Das Zeitalter der Weiterverbreitung? Die Ära schmutziger kleiner Kriege?
Oder wird sie als Zeitalter des Wohlstands, der Demokratie, des langen Friedens in die Geschichte eingehen? Wir haben die Wahl.

Peace Corps
Im Haushaltsjahr 1993 fordern wir 218 Millionen Dollar
für das Peace Corps. Damit werden vordringliche
Aktivitäten in Mittel- und Osteuropa unterstützt und bis

*

AMERIKA DIENST 6

* * *

*

Seite 7

�UMWELT
12. Februar 1992

USA BEREIT ZUM ENTWURF EINES PLANS ZUR
KONTROLLE VON TREIBHAUSGASEN
Interview mit Robert Reinstein
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten sind bereit, bis Juni 1993 einen Plan zur Kontrolle von
gasförmigen Emissionen - darunter Kohlendioxid - zu erarbeiten, die durch die Erwärmung der Erde möglicherweise zu den weltweiten Klimaveränderungen beitragen.
In einem Interview mit dem US-Informationsamt erklärte der Referatsleiter für Umweltfragen im US-Außenministerium, Robert Reinstein: "Eine einschneidende Verringerung von Treibhausgasen läßt sich ohne die
Einbeziehung von Kohlendioxid nicht erreichen, da Kohlendioxid einen solch erheblichen Anteil an den
Gesamtemissionen hat."
Reinstein ist der amerikanische Chef Unterhändler beim Zwischenstaatlichen Verhandlungsausschuß (INC) von
Vertretern aus etwa 130 Ländern, die gegenwärtig ein Rahmenabkommen über Grundsätze der Erforschung und
Kontrolle von Treibhausgasen erörtern. Die Unterhändler bemühen sich, bis zur Umweltkonferenz der Vereinten
Nationen in Rio de Janeiro vom 1.-12. Juni 1992 einen solchen Vertrag zu erarbeiten.
Reinstein zufolge könnte der amerikanische Entwurf für einen Plan zur Eindämmung von Treibhausgasen
frühestens ein Jahr nach Unterzeichnung eines internationalen Rahmenabkommens fertig sein. Für gewöhnlich ist bis zur Ratifizierung eines Vertrags, die meistens ein Jahr nach der Unterzeichnung oder noch später
stattfindet, kein Land zum Handeln verpflichtet.
Wissenschaftler haben herausgefunden, daß sich durch die Verbrennung von Kohle und Öl entstehendes
Kohlendioxid und andere Gase in der Atmosphäre konzentrieren und so das Entweichen eines Teils der
Erdwärme in den Weltraum verhindern. Es ist nicht sicher, ob dies schwerwiegende Klimaveränderungen zur
Folge haben wird.
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview mit Reinstein in Auszügen.

Frage: Soviel ich weiß, fand das letzte, das vierte
Treffen des Zwischenstaatlichen Verhandlungsausschusses im Dezember in Genf statt. Wurden bei der
Konvention über Klimaveränderungen Fortschritte
erzielt?

lich, den viele jedoch noch nicht demonstriert haben,
sowie viel Geduld und harte Arbeit. Wir können dies
leisten, aber viele werden im Februar mit der Bereitschaft antreten müssen, auf eine praktische und
machbare Lösung hinzuarbeiten...

Antwort: Nun, die gute Nachricht lautet, daß zahlreiche Länder ziemlich detailliert ihre nationalen Positionen und Interessen dargelegt haben, indem sie entweder eigene Sprachregelungen für bestimmte Verfügungen vorgeschlagen oder gewisse andere Sprachregelungen abgelehnt haben. Die nationalen Positionen einer Reihe von Staaten sind also jetzt wesentlich
deutlicher. Das ist die gute Nachricht.

Einige der unterbreiteten Vorschläge sind jedoch in der
kurzen noch verbleibenden Zeit einfach nicht zu verwirklichen. Sie liegen zu weit außerhalb des allgemeinen Konsenses und sind zu komplex, um in dem zur
Verfügung stehenden engen Zeitrahmen verabschiedet zu werden.

Die schlechte Nachricht ist, daß dieser Text im Ergebnis so viele Klammern enthält, daß er nahezu unlesbar
ist. Um bis April eine Einigung herbeizuführen, ist von
zahlreichen Staaten der politische Wille dazu erforderAMERIKA DIENST 6

Frage: Können Sie mir sagen, wie die amerikanische
Position in den Verhandlungen aussieht? Wurden im
Dezember Veränderungen an der amerikanischen
Position vorgenommen? Ganz konkret, haben die
Vereinigten Staaten erklärt, sie würden die Verpflichtung eingehen, innerhalb von sechs Monaten nach
Seite 1

�Unterzeichnung einer Rahmenkonvention in Rio einen
Zeitplan für die Verringerung von Treibhausgasen
vorzulegen?
Antwort: Ja, das trifft in etwa zu. Unsere Position hat
sich in der Tat nicht grundsätzlich verändert. Sie hat
sich an den ursprünglich entwickelten Leitlinien orientiert, sich aber grundsätzlich nicht verändert, und das
heißt, daß wir grundsätzlich einer Rahmenkonvention
zustimmen sollten.
Innerhalb dieser Rahmenkonvention könnten wir weitergehen als bei den früheren Rahmenkonventionen,
etwa bei der Wiener Konvention zum Schutz der
Ozonschicht, und einen Prozeß der Zusammenarbeit
und Weiterentwicklung nationaler Ansätze zu Klimafragen schaffen.
Diese Art von Ansatz geht über eine reine Rahmenkonvention hinaus. Wir sind der Ansicht, daß diese Art
von Ansatz dem gegenwärtigen Wissensstand und
Verständnis von Klimafragen sowie den technischen
und wirtschaftlichen Aspekten von Reaktionen auf
Klimaveränderungen gerecht wird und die größtmögliche Zahl von Ländern in eine Konvention einbeziehen
würde.
Im Dezember haben wir lediglich darauf verwiesen,
daß wir im Februar des vergangenen Jahres einen
Aktionsplan zu Klimaveränderungen veröffentlicht
hatten, der eine erste Bestandsaufnahme von Maßnahmen umfaßte, die im Hinblick auf das Klima Vorteile bringen könnten.
In Genf habe ich dargelegt, daß wir die Maßnahmen
und Zahlen überprüfen, die in Zusammenhang mit
dem Bericht genannten Schätzungen von Treibhausgasen, um herauszufinden, ob es bei diesen Zahlen
Veränderungen gegeben hat, ob noch andere Maßnahmen, die vor einem Jahr noch nicht einbezogen
wurden, als weitere Schritte zur Bewältigung der Klimaveränderungen hinzugefügt werden könnten.
Wir haben erklärt, daß wir einige Ergebnisse dieser
Überprüfung im Rahmen des Verhandlungsprozesses
mit anderen Ländern teilen würden. Das heißt, wir
würden sie über die vorgesehenen Maßnahmen informieren, die wir kurzfristig zur Unterstützung der allgemeinen Reaktion auf die Klimaveränderungen ergreifen würden.
Zu einer Konvention oder einem Abkommen dieser Art
gehört für gewöhnlich eine Regelung für das Inkrafttreten. Der Vertrag tritt erst in Kraft, nachdem eine
bestimmte Zahl von Ratifizierungen erfolgt ist... Die
Konvention würde voraussichtlich bis zu einem bestimmten Termin nach dem Inkrafttreten die Unterbreitung nationaler Klimaaktionspläne fordern. Die Vorlage dieser nationalen Aktionspläne könnte somit erst
bis 1994 oder 1995 erforderlich werden.

In Genf habe ich darauf verwiesen, daß die Vereinigten
Staaten nach der Unterzeichnung einer solchen Konvention im Juni dieses Jahres die Arbeit an ihrem
nationalen Aktionsplan aufnehmen und einen Entwurf
erwartungsgemäß innerhalb eines Jahres nach Unterzeichnung veröffentlichen würden. Das ist vor dem
Inkrafttreten und natürlich lange vor dem Termin, den
die Konvention für die Unterbreitung eines solchen
Plans fordert.
Frage: Das heißt also, innerhalb eines Jahres nach
Rio?
Antwort: Innerhalb eines Jahres - bis Juni 1993 - wird
es einen Entwurf der Vereinigten Staaten geben, nicht
unbedingt zum Zweck der Zustimmung und Kommentierung durch die Öffentlichkeit, aber sicher zu deren
Information.
Frage: Was sollte ein solcher Plan enthalten? Würde
er das umfassen, was man gemeinhin Ziele und Zeitpläne nennt?
Antwort: Das könnte sein, aber er sollte unserer
Meinung nach keine ausdrücklichen Ziele und Zeitpläne enthalten, an die sich alle Teilnehmer der Konvention halten müßten. In den einzelnen Ländern gibt es
unterschiedliche Situationen, die solch starre Ziele und
Zeitvorgaben insbesondere bei Umweltproblemen
unangemessen erscheinen lassen.
In einigen Bereichen könnten sie angemessen sein.
Zum Beispiel bei Schwefeldioxid und saurem Regen.
Es könnte auch für Fluorchlorkohlenwasserstoffe (die
das Ozon in der Atmosphäie zerstören) zutreffen. Im
Hinblick auf das Klima wünschen wir uns eher, daß
sich einzelne Länder zu Maßnahmen bereiterklären
und die Resultate abschätzen, damit wir die Maßnahmen ingesamt auf internationaler Ebene einschätzen
können.
Projektionen von Ergebnissen hängen notwendigerweise von einer Reihe Faktoren ab, etwa Wirtschaftswachstum, den Weltpreisen und der Entwicklung
einer Vielzahl von Technologien, die heute noch nicht
existieren oder kommerziell genutzt werden. Deshalb
gibt es im Aktionsplan eines jeden Landes natürlich
viele Vorbehalte.
Japan hat zum Beispiel vorgeschlagen, bis zur Jahrtausendwende 40 neue Atomkraftwerke zu bauen.
Das ist ein guter Trick. Man braucht dazu nicht nur
Geld sondern auch die Zustimmung der Öffentlichkeit.
Manchmal sind im Hinblick auf den Standort des neuen
Kraftwerks wichtige politische Fragen zu lösen. Meiner Ansicht nach müßte sich jedes Land mit einem
nationalen Plan verpflichten, sein Bestes zu tun, um
bestimmte Ergebnisse zu erzielen.

•

Seite 2

AMERIKA DIENST 6

�Aber jeder muß sich der Tatsache bewußt sein, daß
die tatsächliche Realisierung bestimmter Lösungen
von einer Reihe wirtschaftlicher und politischer Faktoren abhängt, die nicht von einer kleinen einflußreichen
Gruppe kontrolliert werden.
Frage: Wie Sie wissen, konzentrieren sich viele
Umweltschützer in diesem Land und viele Kongreßabgeordnete auf das, was sie als Notwendigkeit zum
Abbau von Kohlendioxidemissionen betrachten. Würden
Sie prognostizieren, daß im Falle eines Abkommens
der US-Plan innerhalb eines Jahres Bestimmungen
zur Stabilisierung oder Reduzierung von Kohlendioxidemissionen enthalten würde?
Antwort: Wir haben uns nicht entschieden, ein Treibhausgas wie etwa Kohlendioxid hervorzuheben. Es
gibt andere Treibhausgase, die ebenso wichtig sind.
Ozon ist ein sehr wichtiges Treibhausgas. Weiterhin
ist Methan sowohl im Energiesektor als auch im Agrarsektor ein sehr wichtiges Treibhausgas.
Unserer Meinung nach muß unser Ansatz umfassend
sein, alle Treibhausgase einbeziehen und sowohl ihre
Quellen als auch ihre Einsickersteilen (Ozeane, die
Wärme absorbieren) berücksichtigen. Die Haltung der
Vereinigten Staaten dazu hat sich nicht verändert, und
es gibt sehr gute wissenschaftliche und wirtschaftliche
Gründe, warum sie sich nicht verändern sollte. Kohlendioxid ist das am weitesten verbreitete Treibhausgas, das durch Aktivitäten des Menschen entsteht.
Und meiner Meinung nach wird sich jeder von den
Vereinigten Staaten oder einem anderen Land veröffentlichte Plan mit Kohlendioxid beschäftigen. Eine
einschneidende Verringerung von Treibhausgasen läßt
sich ohne die Einbeziehung von Kohlendioxid nicht
erreichen, da Kohlendioxid einen solch erheblichen
Anteil an den Gesamtemissionen hat.
Kohlendioxid muß also unbedingt angesprochen werden, aber unserer Meinung nach als Teil einer umfassenden Reaktion, die nicht andere wichtige Treibhausgase unberücksichtigt läßt.
Frage: Dieses Angebot war im Dezember neu?
Antwort: Wir hatten es bisher noch nicht unterbreitet,
aber es ist in der Tat ganz vernünftig. Wir haben
vorgeschlagen, daß andere Länder ähnliche Verpflichtungen eingehen. Ich habe noch nicht gehört, daß
irgendein anderes Land eine solche Verpflichtung
ausdrücklich eingegangen ist. Auf der anderen Seite
wurden ausdrücklich Zusagen im Hinblick auf Ziele
und Zeitpläne bei Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen gemacht, einige nur bei Kohlendioxid, andere
bei Treibhausgasen insgesamt.
Ich sehe nicht, wie sie die Ziele ohne einen nationalen
Plan oder im Fall der EG einen regionalen Plan mit
besonderen Maßnahmen zur Erlangung der Reduzierungen erreichen wollen. Ziele reduzieren noch keine
Emissionen, Taten reduzieren Emissionen. Ohne eine
AMERIKA DIENST 6

Festlegung der Maßnahmen ist es sehr schwierig zu
erkennen, wie sie die zur Erlangung der Ziele erforderlichen Maßnahmen verwirklichen wollen.
Jetzt hat die EG-Kommission eine Energiesteuer vorgeschlagen, die zum Teil eine Kohlesteuer, zum Teil
tatsächlich eine Energiesteuer ist, die im Falle ihrer
Verabschiedung einen wichtigen Beitrag zur Erlangung der Stabilisierung leisten könnte. Aber ich möchte darauf verweisen, daß die EG tatsächlich eine
solche Steuer noch nicht verabschiedet hat, obwohl
die Umwelt-und Energieminister der EG im Dezember
vereinbarten, die Kommission zu ermächtigen, einen
eingehenden Vorschlag bis zum Frühjahr nächsten
Jahres zu erarbeiten... Die Einzelheiten, wie eine
solche Steuer funktionieren sollte, sind noch nicht
bekannt und werden bis zum Frühjahr auch nicht
bekannt werden. Es bleibt abzuwarten, ob sie verabschiedet werden wird.
Als früherer Energiefachmann kann ich dazu sagen:
Wenn diese Steuer so verabschiedet wird, wie sie von
der Kommission vorgeschlagen wurde - 50 Prozent auf
Kohlendioxid und 50 Prozent andere Energie, wenn sie
mit dem Gegenwert von 3 Dollar pro Barrel Öl im Jahr
1993 beginnt und auf 10 Dollar pro Barrel bis zum Jahr
2000 ansteigt, aber energieintensive Industriezweige
unberücksichtigt läßt und einkommensneutral angelegt ist - wenn sie so verabschiedet wird, würde sie
nicht die Hälfte dessen erzielen, was zur Stabilisierung
erforderlich ist.
Ich erkenne also immernoch nicht, daß diejenigen, die
Ziele vorgeschlagen haben, auch die Maßnahmen zu
deren Verwirklichung bestimmen, außer Japan vielleicht, aber auch abhängig vom Bau der 40 neuen
Atomkraftwerke und unter der Annahme niedrigerer
Wachstumsraten als die Wirtschaft gegenwärtig verzeichnet.
Frage: Könnten Sie bitte die Position der Entwicklungsländer in Genf oder danach umreißen? Gibt es
einen einheitlichen Ansatz?
Antwort: Nein. Die sogenannte Gruppe der 77 oder
G-77 der blockfreien Länder, die sich jetzt auf nahezu
130 Länder plus China beläuft, hat in der Tat keinen
Konsens über die Sprachregelung bezüglich der Verpflichtungen erzielt.
Es bestehen erwartungsgemäß einige signifikante
Unterschiede innerhalb einer solch großen Gruppe
und es gibt ein beträchtliches Gefälle bei der Wirtschaftsentwicklung der G-77. Der Grad der Betroffenheit durch Klimaveränderungen variiert, was zur Gründung des Verbands kleiner Inselstaaten geführt hat,
die eine sehr aggressive Position einnehmen, da sie
über den Anstieg des Meeresspiegels besorgt sind.
Und dann gibt es natürlich die Organisation der erdölausführenden Länder (OPEC), die sich über voreilige Aktionen zur reduzierten Verwendung fossiler BrennSeite 3

�Stoffe - insbesondere ö l - angesichts noch immer nicht
wissenschaftlich fundierter Erkenntnisse Sorgen macht.
Und dann bestehen natürlich andere unterschiedliche
Interessen und Meinungsverschiedenheiten innerhalb
der Gruppe. Aber es ist ihnen nicht gelungen, einen
Konsens zu einer gemeinsamen Position bezüglich
der Verpflichtungen in Genf zu erzielen.

vernünftige Weise finanziert werden können, wobei wir
so weit wie möglich auf bestehende Institutionen,
Verfahren und Ressourcen zurückgreifen.
Frage: Bedeutet das, den Weg über die Internationale
Umwelteinrichtung der Weltbank zu gehen?
Antwort: Das ist unser bevorzugter multilateraler
Mechanismus. Natürlich gibt es auf bilateraler Ebene
beträchtliche Aktivitäten. Hier ist Geld im Spiel, eine
beachtliche Menge ... rund 100 Millionen Dollar an
Projekten. An die Adresse derjenigen, die sagen, die
Vereinigten Staaten tun nichts, lautet die Botschaaft:
Wir tun ziemlich viel. Und vielleicht sollten wir mehr
über das spechen, was wir tun.

Frage: Herrscht allgemein die Position vor, daß eine
Reduzierung der Treibhausgase beträchtliche zusätzliche Finanzhilfe sowie einen Austausch von Technologie und Know-how benötigt?
Antwort: Ja, all dies wurde erwähnt. Sie haben dies
immer wieder in Bezug auf praktisch jedes internationale Umweltabkommen gesagt. Und sie haben es
natürlich im Hinblick auf das Klima gesagt - sollten
irgendwelche Aktionen oder Verpflichtungen von ihnen gefordert werden, die über diejenigen hinausgehen, die sie in jedem Fall im Gefolge der nationalen
Wirtschaftsentwicklung vorgenommenen hätten, müßten
diese bezahlt werden - die zusätzlichen Kosten hätten
die Industrienationen zu tragen, und jede erforderliche
Technologie mü ßte ihnen bevorzugt und auf nichtkommerzieller Basis übermittelt werden. Wir haben diese
Forderungen nicht akzeptiert.

Frage: Konnten Sie feststellen, daß die amerikanische Position in den Verhandlungen unterstützt wurde? In diesem Land wurden von den Umweltschützern
und sogar von Kongreßabgeordneten wiederholt
Anschuldigungen vorgebracht, die Vereinigten Staaten seien praktisch isoliert bei den Verhandlungen?
Antwort: Ich würde nicht sagen isoliert, und ich
glaube, in dem Maße, in dem die Länder verstanden
haben, was wir sagen, haben eine ganze Reihe ihre
Unterstützung zum Ausdruck gebracht, teils privat,
teils öffentlich.

Frage: Gibt es eine Vorstellung, wie hoch diese
Kosten sein könnten?

Einige haben den Eindruck, wir seien isoliert. Meines
Erachtens ist dies ein falscher Eindruck, aber in dem
Maße, in man nicht verstanden hat, was wir sagen, war
man vielleicht nicht so sehr zur Unterstützung bereit
wie sonst. Wir müssen die offenkundig positive Seite
der von uns eingenommenen Position deutlicher zum
Ausdruck bringen.

Antwort: Das hängt von der Definition ab. Einigen
Berechnungen zufolge - von einem Delegationsmitglied aus einem Entwicklungsland wurden sie als massiv
bezeichnet. Aber aus einer anderen Perspektive - und
abhängig davon, wie man den Nutzen für die Umwelt
berechnet, die wirtschaftliche Vorteile einbezieht und
die durch die Einsparungen auf Dauer erzielte Wirtschaftlichkeit berücksichtigt, erfordern viele diese Dinge
in der Tat keine zusätzlichen Kosten.

Frage: Sind Sie optimistisch oder pessimistisch, daß
in Rio ein Abkommen erzielt werden kann?
Antwort: Ich möchte mich nicht 100prozentig festlegen, bin aber eher optimistisch als pessimistisch.
Meines Erachtens ist es eindeutig möglich. Wie ich zu
Anfang gesagt habe, wird es politischen Willen, Geduld und harte Arbeit erfordern, aber es ist sicherlich
möglich. Und ich habe Anzeichen gesehen, daß eine
Reihe von Regierungen bereit ist, das Erforderliche zu
tun, um es zuwegezubringen, und so könnte es zweifelsohne Zustandekommen.

Auf der anderen Seite wurde das Argument vorgebracht, daß die Entwicklungsländer sehr viel tun könnten, indem sie einfach einem anderen Entwicklungsmuster beim Energieverbrauch folgen als die Industrienationen in früheren Jahren, als bestimmte Dinge
nicht gemacht wurden und bestimmte Technologien
nicht zur Verfügung standen, und dies ist für die
Entwicklungsländer nicht besonders lästig oder belastend.

Aber auch dies wird davon abhängen, daß einige
Regierungen von ihren teils unrealistischen Erwartungen Abstand nehmen, was in der begrenzten verfügbaren Zeit und beim aktuellen Stand von Wissenschaft
und Wirtschaft erreicht werden kann.

Wir müssen Chancen für kostengünstige oder kostenlose Maßnahmen ausmachen oder ihnen dabei helfen,
dies zu tun und dann darüber hinaus prüfen, ob weitere
Maßnahmen, die zusätzliche Kosten verursachen auf
* *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 6

�EINWANDERER
12. Januar 1992

EINWANDERUNGSPOLITIK:
OFFEN FÜR OFFENE GRENZEN
von Stephen Moore
WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Einwanderungspolitik ist seit langem ein kontroverses Thema, der
Konsens scheint jedoch dahin zu gehen, daß eine liberale Einwanderungspolitik der amerikanischen Kultur und
Wirtschaft dient. In dem nachfolgenden Artikel geht der Autor näher darauf ein. Der Artikel darf - mit folgendem
Zusatz versehen - nachgedruckt werden: Nachdruck mit Genehmigung von Business and Society Review,
Frühjahr 1991, Nr. 77. Copyright (c) 1991, Management Reports, Inc., 25-13 Old Kings Highway North, Suite
107, Darien, Connecticut 06820.
Stephen Moore ist zuständig für Einwanderungspolitik am Cato Institute, einer Denkfabrik mit Sitz in Washington.
1961 flüchtete Alfred Sklar aus Kuba in die Vereinigten
Staaten - einer von Tausenden, die dem kommunistischen Regime Castros entflohen. Heute ist Sklar einer
der führenden amerikanischen Unternehmer im Bereich der Hochtechnologie. Als Gründer und Forschungsdirektor bei Phoenix Laser Systems ist Sklar
als führender Kopf bei Pionierprojekten zur Perfektionierung der operativen Lasertechnik anerkannt, mit
der verschiedene Formen der Erblindung geheilt und
letztlich die optische Chirurgie revolutioniert werden
könnte.
Skiars Erfolgsstory in den Vereinigten Staaten ist in der
Tat anregend. Sie ist jedoch keineswegs ungewöhnlich. Er ist nur einer von Hunderttausenden von
Einwanderern, die dazu beitragen, die weltweite Führungsrolle der Vereinigten Staaten in den Hochtechnologiebranchen sicherzustellen. In den achtziger Jahren wendeten sich Tausende von Hochtechnologieunternehmen an die Einwanderer als Quelle von Talent
und Einfallsreichtum - ein Faktor, der vielen zufolge
dazu beigetragen hat, die Wettbewerbsfähigkeit der
Vereinigten Staaten bei der Entwicklung hochmoderner Computer, elektronischer, pharmazeutischer und
medizinischer Technologien aufrechtzuerhalten.
Amerikanische Unternehmer sehen Einwanderer
zunehmend als unabdingbare Quelle für neue Talente
und Ideenreichtum. Das soll nicht heißen, daß die
amerikanische Erfindungsgabe nicht mehr funktioniert, scheinen die amerikanischen Industriebosse zu
sagen. Das Problem ist vielmehr, daß die Nation mehr
davon benötigt.
AMERIKA DIENST 6

Im Oktober 1990 wurden die Rufe der Unternehmer
nach mehr hochqualifizierten Einwanderern zumindest teilweise erhört. Der amerikanische Kongreß
verabschiedete ein historisches Einwanderungsreformgesetz, das in den neunziger Jahren sehr viel mehr
Einwanderern die Tore öffnen wird. Dies war seit rund
25 Jahren die erste Überarbeitung der amerikanischen
Einwanderungsgesetze und insgesamt erst die fünfte.
Die Gesamteinwandererzahl wird ungefähr um 30
Prozent erhöht - auf 800.000 Neuankömmlinge pro
Jahr. Ebenso wichtig ist, daß die Zahl der anhand ihrer
hohen Qualifikation und Ausbildung zugelassenen
Einwanderer pro Jahr von 54.000 auf 140.000 fast
verdreifacht wird. Gleichzeitig bleibt der Eckpfeiler der
amerikanischen Einwanderungspolitik - die Familienzusammenführung - im wesentlichen intakt.
Trotz dieses neuen Gesetzes ist Einwanderung jedoch
nach wie vor eines der umstrittensten nationalen Themen.
Geschäftsinteressen, private Denkfabriken und ethnische Gruppen fordern weiterhin höhere Quoten.
Gleichzeitig ist die breite Öffentlichkeit skeptisch bezüglich der liberalisierten Einwanderungsbestimmungen. Einer jüngsten öffentlichen Meinungsumfrage
zufolge lehnen rund 70 Prozent der Amerikaner höhere Quoten ab.
Das ist natürlich nicht Neues. Die amerikanische
Einstellung gegenüber Ausländern war immer ein
kurioses Paradoxon. Obwohl eine Nation der Einwanderer, hat Amerika die jeweils letzten Neuankömmlinge nie mit offenen Armen empfangen.

Seite 1

�Gefühle gegen Einwanderer werden von einem sich
ausdehnenden Netz laut- und finanzstarker Einheimischer geschürt. Zu der Bewegung zählen führende
Umweltschutz- und Bevölkerungskontrollgruppen, die
Einwanderer als Ursache zunehmenden Drucks auf
die Umwelt betrachten, Gewerkschaftsverteter, die
Einwanderer als Konkurrenten verunglimpfen und sozialkonservative Organisationen, die fürchten, die Einwanderer verwässerten das weiße, europäische Erbe
der Vereinigten Staaten.
Die Dachorganisation dieses Netzes ist die 50.000
Mitgliederzählende Federationfor American Immigration Reform (FAIR). FAIR vertritt folgende Auffassung: "Zahlreiche soziale und ökologische Probleme
entstehen durch unkontrollierte Einwanderung. Sie
rangieren vom Mißbrauch unserer Rohstoffe über höhere
Steuern bis zu einer Überlastung des sozialen Netzes."
Natürlich haben diese Einheimischen in dem Sinne
recht, daß Einwanderer nicht eine ungetrübte Segnung sind. Wenn sie in den Vereinigten Staaten
ankommen, verursachen die Neuankömmlinge der
Gesellschaft durch ihren Schulbesuch, die Inanspruchnahme des Gesundheitswesens, der Straßen und der
Infrastruktur im allgememeinen häufig Kosten. In
rasch wachsenden Vororten, wo Verkehrsstaus und
Wohnungsmangel akut sind - Los Angeles, Miami und
Seattle beispielsweise - ist die Furcht der Öffentlichkeit
gegenüber ausländischen Neuankömmlingen verständlich. Zahlreiche Amerikaner sind insbesondere besorgt über den beobachteten Widerstand einiger Gruppen von Einwanderern, sich in die amerikanische
Gesellschaft zu integrieren - der sich am offenkundigsten in der Abneigung, Englisch zu lernen, manifestiert.
Dies alles sind berechtigte öffentliche Anliegen. Für
die meisten Amerikaner besteht das wichtigste Problem jedoch darin, ob es sich die Vereinigten Staaten
leisten können, erheblich mehr Einwanderer aufzunehmen. Werden die Vorteile steigender Einwanderung für die Gesellschaft - auf angenommen eine
Million Visa pro Jahr - die Kosten aufwiegen? Dieses
Problem beinhaltet demographische, wirtschaftliche
und kulturelle Erwägungen.
Was den ersten Punkt - Bevölkerungsentwicklung betrifft, so deutet alles darauf hin, daß Amerika weitere
Einwanderer aufnehmen kann. Verglichen mit früheren Zeitabschnitten der amerikanischen Geschichte
ist die Einwanderungsquote heute nicht besonders
hoch. Die neue Obergrenze von 800.000 Einwanderern pro Jahr liegt immer noch etwa 25 Prozent unter
dem Höchststand von einer Millionen jährlich in der
Zeit der großen Völkerwanderungen um die Jahrhundertwende. Als Prozentsatz der amerikanischen
Bevölkerung - eine nützliche Meßlatte für die Fähigkeit

Seite 2

des Landes, Einwanderer in die neue wirtschaftliche
und soziale Infrastruktur zu integrieren - akzeptiert
Amerika drei Einwanderer pro eintausend Einwohner.
Das ist fünfmal weniger als die höchsten Einwanderungsquoten und die Hälfte des geschichtlichen Durchschnitts.
Die meisten als Erwachsene in die Vereinigten Staaten
einreisenden Immigranten streben sofort auf den
Arbeitsmarkt. Können sie aufgenommen werden,
ohne daß viele Amerikaner den Verlust ihres Arbeitsplatzes riskieren? Die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamts der USA bestätigen, daß sie es
können. Der Arbeitsmarkt in Amerika wird in den
neunziger Jahren langsamer wachsen als in vier der
letzten fünf Jahrzehnte. Auf den Arbeitsmärkten besteht
landesweit ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften.
Die Untersuchungen des Amts zeigen, daß der Arbeitsmarkt in den neunziger Jahren jährlich um genau
ein Prozent wachsen, die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften im technischen Bereich aber um das
Doppelte steigen wird. Das legt den Schluß nahe, daß
die Einwanderer genau zu der Zeit zahlreicher kommen, wo sie auf dem Arbeitsmarkt am meisten benötigt
werden.
Eine wichtige Studie des US-Arbeitsministeriums über
die Auswirkungen der Einwanderung auf den Arbeitsmarkt kommt zu dem Ergebnis, daß kein Beweis die
Annahme stützt, Einwanderer drängten US-Bürger
aus ihren Arbeitsplätzen. "Weder US-Arbeitnehmer,
die ungelernte Tätigkeiten ausüben noch die meisten
Minderheiten angehörenden Arbeitnehmer scheinen
durch Einwanderung beeinträchtigt zu werden", schließt
der 1988 veröffentlichte Bericht. George Borjas von
der University of California in Davis bestätigt diese
Erkenntnis. Borjas erklärt: "Die moderne Ökonometrie kann auch nicht den Funken eines Beweises dafür
erbringen, daß Einwanderer negative Auswirkungen
auf die Löhne und Gehälter sowie die Arbeitsmarktchancen gebürtiger Amerikaner haben.
Einwandererfüllen oftmals auf dem Arbeitsmarkt wichtige Nischen. Eine Prüfung der Berufsgruppenkategorien von im Ausland Geborenen zeigt, daß sie unverhältnismäßig häufig entweder Arbeitsplätze mit sehr
hohen Qualifikationsanforderungen - in Wissenschaft,
Medizin und Technik - innehaben oder auf der untersten Stufe des Dienstleistungsbereichs beschäftigt
sind, wo sie Geschirr spülen, Kinder betreuen oder
Obst und Gemüse pflücken. Manche dieser Tätigkeiten werden so ausschließlich von Einwanderern ausgeübt, daß ganze amerikanische Industriezweige ohne
sie geschrumpft oder ganz verschwunden wären. Das
gilt zum Beispiel für einen Großteil der landwirtschaftlichen Industrie in Kalifornien und im Staat Washington, die Viehzüchter in Idaho und New Mexico, die
Geflügelindustrie in Maryland und den New Yorker
Stadtteil, wo die Textilindustrie ansässig ist. Der

AMERIKA DIENST 6

�Präsident der Gewerkschaft Damenoberbekleidung,
Mazaffar Christie, vertritt die Auffassung, daß dieser
heimische Industriezweig in den vergangenen Jahrzehnten nur durch die ständige Zuwanderung neuer
Einwanderer am Leben erhalten wurde. Dasselbe trifft
einem Bericht der New York Times zufolge für einige
städtische Krankenhäuser in New York zu, die schließen müßten, wenn es keine Einwanderer gäbe, die als
Krankenschwestern oder Sanitäter arbeiteten. Diese
verborgenen Vorteile eingewanderter Arbeitnehmer
werden in der Debatte über Einwanderungspolitik selten erwähnt.

Rats der Wirtschaftsberater des amerikanischen Präsidenten. Dazu gehörten acht Nobelpreisträger, darunter Milton Friedman, Theodore W. Schultz, George
J. Stigler, James Tobin und James M. Buchanan. Der
Untersuchung zufolge sind 80 Prozent dieser international anerkannten Wirtschaftswissenschaftler der
Meinung, daß Einwanderer insgesamt einen "sehr
günstigen Einfluß auf das Wirtschaftswachstum des
Landes in diesem Jahrhundert" ausgeübt haben. Ebenso
waren nahezu zwei Drittel für eine Erhöhung der
Einwanderungsquoten als Weg, um "den Lebensstandard in den Vereinigten Staaten anzuheben".

Es sind nicht nur Beschäftigungen, die mittlere Qualifikationen erfordern, deren Überleben und Rentabilität
von Einwanderern abhängt. Die amerikanische Hochtechnologieindustrie blüht heute zum großen Teil, weil
Amerika immer wieder auf die besten und fähigsten
Köpfe aus der ganzen Welt zurückgreifen kann. Ein
gutes Beispiel dafür ist die erfolgreiche kalifornische
Computerfirma Intel, wo drei Mitglieder der Geschäftsleitung, einschließlich des Präsidenten und Vorstandsvorsitzenden Andrew S. Grove (aus Ungarn) Einwanderer sind. Viele der bekanntesten Erfindungen bei
Computerchips für Mikroprozessoren wurden in den
siebziger und achtziger Jahren von Einwanderern
gemacht. "Unsere gesamte Industrie basiert auf Erfindungen für die nächste Generation der Computertechnologie," erklärt dazu ein Abteilungsleiter von Intel,
Dick Ward. "Der Motor, der diese Suche antreibt, ist

Die Bewertung kultureller und sozialer Auswirkungen
der Einwanderung für das moderne Amerika läßt sich
nicht einfach anhand von Statistiken und Zahlen vornehmen. Ob sich neue Einwanderer erfolgreich in die
amerikanische Gesellschaft integrieren, hängt zum
großen Teil von der Einstellung des Betrachters ab.
Viele, die in der Nähe von Little Saigon oder rein
hispanisch geprägten Vierteln in Los Angeles leben,
beschweren sich, daß sich diese neuen Amerikaner
nicht "amerikanisieren". Ein Autor spottete, Los Angeles sei zur amerikanischen Version einer Stadt in der
dritten Welt geworden.

Intelligenz. Und hier bei Intel sind es Einwanderer, die

einen großen Teil dieser Intelligenz stellen."
Im Jahr 1988 hat der hochangesehene Nationale
Forschungsrat (National Research Council) die Bedeutung im Ausland geborener Ingenieure für Branchen der amerikanischen Spitzentechnologie untersucht. Dabei ergab sich, daß viele amerikanische
Industriezweige von Wissen und Talent der Einwanderer profitieren. Die Schlußfolgerung des Rats ist es
wert, wiederholt zu werden: "Sehr wichtige positive
Aspekte ergeben sich aus der Anwesenheit im Ausland geborener Ingenieure in unserer Gesellschaft.
Die Vielfalt von geistigem Hintergrund und Erfahrungen, die im Ausland geborene Ingenieure in der Vergangenheit mitgebracht haben, hat erheblich zur technischen Leistungsfähigkeit der Vereinigten Staaten
beigetragen, und es gibt keinen Grund zu der Annahme, daß neue Einwanderer nicht einen ebensolchen
Beitrag leisten werden."
Die Einwanderung ist eine der wenigen Fragen, bei
denen sich nahezu alle Wirtschaftswissenschaftler
über die positiven öknomischen Auswirkungen einig
sind. Im Jahr 1990 habe ich für das Hudson-Institut
und das amerikanische Einwanderungsinstitut eine
Untersuchung über 38 prominente Wirtschaftswissenschaftler durchgeführt - ehemalige Präsidenten des
amerikanischen Wirtschaftsverbands (American Economic Association) sowie ehemalige Mitglieder des
AMERIKA DIENST 6

Es ist jedoch nichts Neues, daß sich neue Einwanderer
in ethnischen Enklaven ansiedeln. Wellen von deutschen, griechischen, ungarischen, irischen, italienischen, jüdischen und polnischen Einwanderern in
Boston, Chicago, Milwaukee und New York haben
diesen Metropolen einen nachhaltigen ethnischen
Stempel aufgedrückt. Im 19. Jahrhundert weigerten
sich deutsche Einwanderer Englisch zu lernen und
versuchten beharrlich, ihre Sprache zu bewahren, bis
diese schließlich ausstarb. Damals wie heute war die
Klage dieselbe: Die "neuen" Einwanderer weigerten
sich, sich zu assimilieren. Dies wirft eine Frage auf:
Wenn sich die Europäer bei ihren Landsleuten niederließen, sich aber schließlich in die amerikanische
Gesellschaft einfügten, warum sollten wir uns dann
solche Sorgen darüber machen, ob neue asiatische
und hispanische Einwanderer im großen und ganzen
dem gleichen Muster folgen werden?
Amerika ist immer noch der Schmelztiegel, der es
schon vor 50 und 100 Jahren war, obwohl sich die
Geburtsorte der neuen Einwanderer verändert haben.
So ist zum Beispiel die Zahl der Ehen zwischen Angehörigen der verschiedenen ethnischen Gruppen in den
Vereinigten Staaten heute höher als je zuvor. Der
Volkszählung von 1980 zufolge heiraten 30 Prozent
der mexikanischstämmigen Amerikaner außerhalb ihrer
Volksgruppe. Dasselbe gilt für 60 Prozent der "sonstigen Hispanier" und 40 Prozent der Amerikaner chinesischer Herkunft. Die Besorgnis, Englisch werde in
den Vereinigten Staaten zur Zweitsprache und die
Vereinigten Staaten würden zur vielsprachigen Gesellschaft ist unbegründet. Im Jahr 1980 sprachen 98
Prozent der Amerikaner zumindest teilweise Englisch,
Seite 3

�so das amerikanische statistische Bundesamt, ein
höherer Prozentsatz als jemals zuvor in der amerikanischen Geschichte. Nahezu alle Kinder von Einwanderern beherrschen die englische Sprache neben ihrer
Muttersprache.

nehmerischsten Talente aus der ganzen Welt anzuziehen - sei die Formel, mit der Energie und Ehrgeiz der
Nation ständig aufgefrischt werden. Dieser Ansicht
zufolge sind Einwanderer der größte Wettbewerbsvorteil Amerikas in der Welt.

Die amerikanische Einwanderungspolitik scheint an
einem kritischen Punkt angekommen zu sein, während sich die Vereinigten Staaten für das nächste
Jahrhundert rüsten. Es gibt solche, wie etwa den
konservativen Kommentator Pat Buchanan, die vehement das Argument vertreten, die Stärke Amerikas
liege in seiner "euro-amerikanischen" Tradition. Millionen Amerikaner teilen diese Meinung. Zahllose andere jedoch, darunter viele führende Industrievertreter,
beharren darauf, die kulturelle Vielfalt Amerikas - seine
Fähigkeit, die fleißigsten, engagiertesten und unter-

Die Frage, wer diese entscheidende Debatte über die
Zukunft der nationalen Einwanderungspolitik gewinnen wird, steht weiterhin im Raum und bleibt weitgehend unbeantwortet. Wenn die Geschichte uns in
diesem Punkt leiten soll, so wird sich am Ende sicherlich die letztere Ansicht durchsetzen. Es erscheint
unvorstellbar, daß der Wert des Einwanderungsprozesses, der den Vereinigten Staaten seit über zweihundert Jahren zum Vorteil gereicht, heute in Zweifel
gezogen werden und zu Mißtrauen Anlaß geben sollte.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 6

�GESUNDHEITSWESEN
12. Februar 1992

NEUE GESETZESVORSCHLÄGE
IM GESUNDHEITSWESEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Zu Präsident Bushs Reformplänen im Gesundheitswesen hat das Weiße Haus die
nachfolgend veröffentlichte Übersicht herausgegeben, die Kernpunkte des Programms enthält.
Verbesserter Zugang zu Krankenversicherung
Übertragbare Gutscheine für die Krankenversicherung oder Steuervergünstigungen sollen eingeführt
werden, damit sich Familien mit bescheidenem oder
sehr geringem Einkommen eine Krankenversicherung
leisten können. Etwa 95 Millionen Amerikaner würden
damit unterstützt. Bei Einführung dieser Maßnahme
würden Familien mit nicht steuerpflichtigem Einkommen, das etwa an der Armutsgrenze liegt, einen Gutschein über bis zu 3.750 Dollar erhalten, was ausreichen würde, um bei der Krankenversicherung eine
Grundversorgung zu bezahlen. Dementsprechend
würden Einzelpersonen 1.250 Dollar und Familien mit
zwei Personen 2.500 Dollar erhalten. Einzelpersonen,
aus zwei Personen bestehende und größere Familien
mit Jahreseinkommen bis jeweils 50.000, 65.000 und
80.000 Dollar könnten den übertragbaren Gutschein
zur Krankenversicherung oder Steuervergünstigungen (auch bis zu 3.750 Dollar pro Familie) in Anspruch
nehmen.
Marktreformen
Grundversorgung. Die Bundesstaaten müßten ein
elementares Kranken versicherungspaket im Wert der
übertragbaren Gutscheine entwickeln. Damit könnten
Familien mit geringerem Einkommen eine ausreichende Krankenversicherung bezahlen.
Versicherungsgarantie. Arbeitnehmer, die ihre Stelle
wechseln, müßten sich nicht mehr um ihre "Kettung an
den Arbeitsplatz" sorgen - sie würden nicht mehr an
einem Arbeitsplatzwechsel gehindert, weil sie den
Verlust ihres Versicherungsschutzes fürchten. Die
Versicherungsträger müßten allen Arbeitgebern Leistungen gewähren, die dies wünschen. Der Versicherungsschutz wäre garantiert, verlängerbar, und bisherige Einschränkungen bei den Konditionen würden
abgeschafft.

AMERIKA DIENST 6

Gebündelte Kaufkraft bei Krankenversicherungsnetzwerken (Health Insurance Networks - HIN). Im
Hinblickauf Krankenversicherung haben kleine Betriebe nicht die vielen Vorteile der Gro ßbetriebe. Gro ßuntemehmen können selbst versichern und damit teure
Leistungsverordnungen und Versicherungssteuem vermeiden. Großunternehmen können Leistungen ebenso wie kleinere Firmen kaufen, aber zu viel niedrigeren
Preisen. Mit HINs - der neuen Art und Weise des
Abschlusses von Versicherungen - könnten kleinere
Firmen eine preiswerte und qualitativ gute Krankenversicherung erwerben. Damit könnten Kleinunternehmen auch preiswertere Versicherungen abschließen, weil die Verwaltungskosten gesenkt und die
durch sie erworbenen Versicherungen von übermäßigen Vorschriften der Bundesstaaten, einengenden
Gesetzen und Versicherungssteuern befreit würden.
Zum ersten Mal wären Gruppen wie der Nationale
Verband unabhängiger Unternehmen, die Vereinigung
von mittelständischen Unternehmen und die US-Handelskammer in der Lage, ihren Mitgliedern landesweit
eine bezahlbare Krankenversicherung zur Verfügung
zu stellen oder sich mit anderen Gruppen zusammenzuschließen, um die Kaufkraft am Markt des Bundesstaats oder des Standorts zu erhöhen.
Finanzierung der Versicherung. In absehbarer Zeit
dürfen die Beiträge für ähnliche, den Firmen eines
Industriezweigs verkaufte Versicherungspolicen um
nicht mehr als 50 Prozent variieren. Eine Anpassung
des Gesundheitsrisikos durch den Versicherungsträger wird stufenweise eingearbeitet, wodurch Unterschiede bei der Beitragsbemessung ausgeglichen
würden und dem Plan Flexibilität im Rahmen eines
neuen Versicherungsmarktes eingeräumt würde, der
von Wettbewerb bei Qualität und Kosten gekennzeichnet ist.

Seite 1

�Kostendämpfung im Gesundheitswesen
Vermeidung von Kunstfehlern. Ein drohender Prozeß wegen ärztlicher Kunstfehler veranlaßt die Ärzte,
Tests vorzuschreiben und Verfahren anzuwenden, mit
denen sie sicherstellen können, daß alles zur bestmöglichen Krankenversorgung unternommen wurde.
Diese defensiven Praktiken sind außerordentlich kostspielig für das System. Zur Behebung dieses Mißstands sieht der Plan des Präsidenten folgende Anreize für die Bundesstaaten vor: 1) Abschaffung der gemeinschaftlichen und Einzelhaftung für nichtwirtschaftliche Schäden, 2) Begrenzung nichtwirtschaftlicher
Schäden, 3) Aufhebung von Bestimmungen, die zweimalige Rekonvaleszenz gestatten, 4) Forderung gestaffelter Vergünstigungen, 5) Erarbeitung von Alternativen vor einem Gerichtsverfahren und 6) Einführung neuer Verfahren zur Verbesserung der Qualität
der Versorgung. In Zusammenarbeit mit Medizinern
entwickelte Normen für das Gesundheitswesen sollten
femer als Mittel zur Behebung von Unsicherheiten des
Arztes bezüglich der Bestrafung bei Kunstfehlem geprüft
werden.
Verbesserung der Verbraucherinformation. Um
Einzelpersonen und Arbeitgebern bei der Beurteilung
der unterschiedlichen Krankenversicherungspolicen
behilflich zu sein, erhalten die Verbraucher Zugang zu
ähnlichen Informationen wie in den "blauen Büchern"
über die durchschnittlichen Kosten der Dienstleistungen und die von Ärzten, Kliniken, Kliniklabors und
anderen Institutionen angebotenen Qualität der Versorgung. Dies trägt zur Kostendämpfung bei, indem
den Verbrauchern Vergleichswerte zur Verfügung gestellt
werden, anhand derer sie eine fundiertere Entscheidung treffen können.
Senkung der Verwaltungskosten. Dem Plan des
Präsidenten zufolge werden die Verwaltungskosten die sich jetzt auf 43 Milliarden Dollar pro Jahr belaufen
- durch elektronische Verrechnungsstellen für den
Anbieter der Leistungen, elektronisch erstellte Krankenscheine für den Versicherten, vereinfachte Handhabung sowie eine Reform des Versicherungsmarkts
gesenkt.
Änderungen der Gesetze zur Krankenversicherung
und Marktreformen werden die Papierflut reduzieren,
mit der sich jeder versicherte Amerikaner konfrontiert
sieht - und die Milliarden von Dollar kostet. Einheitliche
Erstattungsverfahren und andere Reformen werden
die administrativen Kosten senken. Für Kleinunternehmen machen die Verwaltungskosten bis zu 40
Prozent der abgeschlossenen Versicherung aus. Für
den Versicherungsträger sind Kleinunternehmer kostenintensiv. HINs, in denen sich mehrere Versicherungsnehmer zusammenschließen, würden die Kosten für Verwaltung und Beiträge der Versicherung
reduzieren. Diese Kosten liegen für Großunternehmen gewöhnlich bei unter 10 Prozent. Staatlich zuge-

Seite 2

lassene HINs wären femer für einheitliche Erstattungsverfahren erforderlich - einerweiteren Quelle zur
Senkung der Vewaltungskosten.
Stärkerer Einsatz aufeinander abgestimmter
Versicherungen. 1990 hatten rund40 Millionen Amerikaner aufeinander abgestimmte Krankenversicherungen abgeschlossen - verglichen mit 10 Millionen im
Jahr. 1980. Der Plan des Präsidenten ermutigt die
breitere Nutzung abgestimmter Versicherungen einschließlich bevorzugter Versicherungsträger, unterschiedlicher Versicherungspläne, HMOS, Pflegeversicherung und anderer Formen abgestimmter Vorsorge.
Die Bundesstaaten werden zur Erarbeitung aufeinander abgestimmter Gesundheitsvorsorgesysteme ermutigt und Gesetze verboten, die dem wirksamen
Einsatz dieser Systeme zuwiderlaufen. Überdurchschnittliche staatlich vorgeschriebene Lesitungen - die
die Versicherungskosten aufblähen - werden verboten.
Reformen bei Medicare würden zu verstärkter und
aufeinander abgestimmter Mitgliedschaft in der Krankenversicherung ermutigen und die Anreize für koordinierte Krankenversicherungssysteme zum Vertragsabschluß mit Medicare steigern. Der Plan des Präsidenten würde es darüber hinaus den Anspruchsberechtigten von Gruppenkrankenversicherungen für
Rentner erleichtem, Leistungen aufeinander abgestimmter Gesundheitssysteme in Anspruch zu nehmen.
Verstärkte Flexibilität von Programmen
der Bundesstaaten. Die Bundesstaaten werden ermutigt, ein koordiniertes ieistungsbezogenes Medicaid-Programm zu verwirklichen. Darüber hinaus würden
sie die Flexibilität haben, ihr gesamtes Krankenversicherungssystem umzugestalten.
Die Bundesstaaten könnten entscheiden, die heutige
Finanzierung von Medicaid mit den neuen, durch die
Krankenversicherungsgutscheine gewährten Leistungen zu kombinieren, um eine einheitliche Krankenversicherung für einkommensschwache Einwohner zu
entwickeln.
Durch die neuen, vom Bund gewährten Krankenversicherungsgutscheine wird allen armen Einwohnern ohne
zusätzliche Belastung der Bundesstaaten eine medizinische Grundversorgung garantiert. Damit wird es den
Bundesstaaten ermöglicht, ihre Ressourcen im Gesundheitswesen gezielter für Medicaid und die nichtarme Bevölkerung einzusetzen.
Erweiterung kostengünstiger Dienstleistungen
In unterversorgten Gebieten. Die Innenstädte und
ländlichen Gebiete sind von akuten Engpässen bei der
Zahl der Ärzte und Krankenhäuser gekennzeichnet.
Der vom Präsidenten unterbreitete Haushalt 1993
erweitert die Finanzierung von gemeindeeigenen

AMERIKA DIENST 6

�Gesundheitszentren, mobilen Gesundheitszentren und
des Nationalen Gesundheitsdienstes, um die Gesundheitsvorsorge in diesen Gebieten zu verbessern.
Prävention.
Der vom Präsidenten vorgelegte Haushalt 1993 enthält 26,4 Milliarden Dollar für Vorsorgemaßnahmen,
was einer Steigerung um nahezu 4 Milliarden Dollar
oder 18 Prozent entspricht. Die Mittel für Vorsorgemaßnahmen wurden seit 1989 um über 11 Milliarden
Dollar oder 74 Prozent gesteigert. Der Haushalt 1993
schlägt eine Aufstockung um 18 Prozent bei Schutzimpfungen für Kinder sowie zur Reduzierung der Kindersterblichkeit, um 27 Prozent beim Programm Head
Start und für die frühkindliche Entwicklung, um 24
Prozent für die Vorsorge gegen Brust- und Gebärmutterkrebs sowie um 90 Prozent für die Prävention von
Bleivergiftungen im Kindesalter vor.
Alternative Ansätze
Die beiden alternativen Ansätze zur Reform des
Gesundheitswesens weisen grundlegende strukturelle Schwächen auf:
Das kanadische Modell. In Kanada haben weder
Leistungsanbieter noch Verbraucher einen Anreiz zur
Effizienz. Die Kosten im Gesundheitswesen wachsen
schneller als in den Vereinigten Staaten. Die Patienten
müssen lange Schlangen und Wartezeiten bei Operationen sowie Zugang zu moderner Technologie in Kauf
* *

AMERIKA DIENST 6

nehmen, und hochwertige medizinische Versorgung
ist rationiert. Ein Plan nach kanadischem Muster
würde zwischen 250 und 500 Milliarden Dollar an
neuen Steuern erfordern. Für qualitativ hochwertige
medizinische Versorgung begeben sich viele Kanadier
in die Vereinigten Staaten.
Das "Play-or-Pay"-Modell. Das "Play-or-Pay"-Modell (wonach der Arbeitgeber Beiträge entweder in eine
private oder eine öffentliche Krankenversicherung
einzahlen müßte) würde den Arbeitnehmern schaden,
indem es einen Anstieg der Arbeitslosigkeit zur Folge
haben und zahlreiche Arbeitgeber zwingen würde, zur
Bewältigung der vorgeschriebenen Kosten die Löhne
zu senken. Einer Studie zufolge würde dieses System
kurzfristig zwischen 400.000 und 700.000 und langfristig bis zu 2 Millionen Arbeitsplätze kosten. Das "Playor-Pay"-System ist strukturell unsolide und wird zwangsläufig zu einer nationalen Krankenversicherung degenerieren. Mit seiner Einführung würden 59 Millionen
privat versicherter Amerikaner unter diesen öffentlichen Plan fallen, und die Instabilität des Plans würde
rasch eine allgemeine öffentliche Versicherung erzwingen. "Play-or-Pay" ist eine Steuer für einkommensschwache Arbeitnehmer und würde zum Verlust
von Millionen von Arbeitsplätzen führen. Schließlich
würden jährlich mindestens 37 Milliarden Dollar von
durch den Steuerzahler finanzierten Subventionen
erforderlich, um diesen öffentlichen Plan angemessen
zu finanzieren.

* *

*

Seite 3

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11369">
                <text>12.02.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11370">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11371">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11372">
                <text>Amerikadienst 12.02.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11373">
                <text>&lt;strong&gt;1. Wehrkundetagung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Rede von Vizepräsident Quayle bei der Wehrkundetagung in München&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GUS-Hilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: "Projekt Hoffnung" Investition in Stabilität&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung am Frankfurter Flughafen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Humanitäre Hilfe der USA an die GUS angerollt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Baker vor dem Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Umwelt&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA bereit zum Entwurf eines Plans zur Kontrolle von Treibhausgasen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit Robert Reinstein&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Einwanderer&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Einwanderungspolitik: offen für offene Grenzen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Stephen Moore&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Gesundheitswesen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Gesetzesvorschläge im Gesundheitswesen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2231" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2242">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/6a96ab1b9f5af1a172fb6f974ed72079.pdf</src>
        <authentication>2a1d4011e4e5786e0dc9d8ab94b80a98</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11368">
                    <text>«*%£*&gt;

amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

/ 4 /&lt;*'
^ A •&gt;&lt;£#

4&gt;

,

5. Februar 1992

^

-&lt;?&amp;

,

HAUSHALT

PRÄSIDENT BUSHS HAUSHALT
IM KONTEXT BETRACHTET
Eine Übersicht zur
Haushaltsvorlage 1993

VERTEIDIGUNG

WAFFENMODERNISIERUNG NEUER
SCHWERPUNKT DES PENTAGON
Erklärung des
US-Verteidigungsministeriums

VEREINTE NATIONEN

BUSH: NEUES ZEITALTER FÜR VEREINTE
NATIONEN NACH DEM KALTEN KRIEG
Rede des Präsidenten beim
UN-Sicherheitsrat

MENSCHENRECHTE

NEUE DEMOKRATIEN BERECHTIGEN ZU
HOFFNUNG BEI MENSCHENRECHTEN
Bericht des US-Außenministeriums

HANDEL

DOBBINS DRANGT AUF BALDIGE EINIGUNG
ÜBER HANDELSABKOMMEN
Rede des US-Botschafters bei der EG

SOZIALES

WOHLTÄTIGKEIT IN DEN USA: EINE
TRADITION DES GEBENS UND NEHMENS
Überblick über ehrenamtliche
Tätigkeit

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�HAUSHALT

5. Februar 1992

PRÄSIDENT BUSHS HAUSHALT
IM KONTEXT BETRACHTET
Eine Übersicht zur Haushaltsvorlage 1993
WASHINGTON - (AD) - Die kurzfristigen Prognosen bei Staatsverschuldung und Haushaltsdefizit "sind weiterhin
unattraktiv". Dies schreibt der Direktor der Haushaltsbehörde, Richard Darman, in seinem Vorwort zur soeben
veröffentlichten Haushaltsvorlage der Bush-Administration für das am 1. Oktober 1992 beginnende Haushaltsjahr 1993.
Geringere Steuereinnahmen als erwartet, die hauptsächlich auf die Rezession und die anhaltende Konjunkturflaute zurückzuführen sind, die von der Sparkassenkrise verursachten hohen Kosten, ein steigender Schuldendienst in Zusammenhang mit in der Vergangenheit eingegangenen Verpflichtungen sowie der ungebremste
Zuwachs zwingend vorgeschriebener Ausgabenprogramme werden in dem am 30. September 1992 endenden
Haushaltsjahr 1992 nach Schätzungen der Bush-Administration ein Rekorddefizit von 399,4 Milliarden Dollar zur
Folge haben. Im Vergleich zum letztjährigen Rekordbetrag von 268,7 Milliarden Dollar bedeutet dies eine
Zunahme von annähernd 49 Prozent.
Präsident Bushs Vorlage für das am 30. September 1993 endende nächste Haushaltsjahr sieht eine bescheidene Verringerung des Defizits auf 351,9 Milliarden Dollar vor, geht jedoch bis 1997 von weiterhin beträchtlichen
Fehlbeträgen aus - bis zu einem Minimum von annähernd 200 Milliarden Dollar.
Die Vorlagen und Ansätze sind in einem Dokument von über 1.700 Seiten enthalten, das am 29. Januar dem
US-Kongreß zugeleitet und am selben Tag veröffentlicht wurde.
Nachfolgend die wichtigsten Punkte der Haushaltsvorlage 1993:

Gesamthaushalt

Haushaltsjahr

Defizit

Ausgaben: 1.516,7 Milliarden

1986

221,167

Einnahmen: 1.164,8 Milliarden

1987

149,687

1988

155,097

1989

153,378

Defizitabbau

1990

220,396

Der letzte Rekord beim US-Haushaltsdefizit wurde im
Haushaltsjahr 1991 erreicht, in dem das bisherige
Rekorddefizit aus dem Haushaltsjahr 1986 bei weitem
übertroffen wurde. Die jüngsten geschätzten oder
prognostizierten Defizitzahlen betragen in Milliarden
Dollar:

1991

268,728

1992 (geschätzt)

399,400

1993 (Vorschlag)

351,900

Defizit:

351,9 Milliarden

AMERIKA DIENST 5

Seite 1

�Gesamtausgaben

Frei verfügbare Ausgaben für Inlandsprogramme

Um 41,6 Milliarden Dollar oder 2,8 Prozent höher als
1992.

Der Haushalt 1993 sieht ein Einfrieren der Ausgabeermächtigungen für Inlandsprogramme auf dem
Niveau von 1992 in Höhe von 203,1 Milliarden
Dollar vor. Die Ausgaben werden infolge dieses
Moratoriums auf 224,7 Milliarden Dollar geschätzt.
Insgesamt sieht der Haushaltsansatz für 177 Programme eine Aufstockung um 9,740 Milliarden Dollar
vor, bei 359 Programmen Einsparungen von 552 Millionen, die Streichung von 246 Programmen im Gesamtumfang von 964 Millionen Dollar sowie die Verlagerung von Bundesprogrammen im Gesamtumfang
von 14,6 Milliarden Dollar auf Staats- und Gemeindeebene.

Steuereinnahmen
Um 89,1 Milliarden Dollar oder 8,2 Prozent höher als
1992.
Verteilung der vorgesehenen Ausgaben
im Haushaltsjahr 1993 (Prozent):
Verteidigung

19

Zahlungen an Einzel46
personen (mit Sozialleistungen)
Nettozinsen

14

Zuschüsse an Bundesstaaten
und Gemeinden

12

Einlagensicherung

5

Sonstige

4

Einnahmequellen
Einkommensteuer

44

bei Personen
Sozialversicherung

38

Untemehmenssteuem
Verbrauchssteuern

9
4

Sonstige

5

Verteidigungsausgaben
Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der
verringerten militärischen Bedrohung sieht die Administration bis 1997 Einsparungen im Verteidigungshaushalt von 50,4 Milliarden Dollar bei den bewilligten
Mitteln und 27,4 Milliarden bei den Ausgaben vor. Die
Ausgaben des Verteidigungsministeriums würden im
Haushaltsjahr 1993 um 1,6 Prozent auf 273,5 Milliarden Dollar fallen. Die Ausgabeermächtigungen würden um 1,1 Prozent zurückgehen, was inflationsbereinigt im Vergleich zu 1992 einen 7prozentigen Kaufkraftschwund bedeuten würde. Die Verteidigungsaufwendungen als Prozentsatz des amerikanischen Bruttosozialprodukts werden bis zum Haushaltsjahr 1997
voraussichtlich auf 3,4 Prozent sinken, den niedrigsten
Anteil der vergangenen 50 Jahre. Die Verteidigungsausgaben als Prozentsatz der Gesamtausgaben des
Bundes werden im Jahr 1997 auf 16 Prozent sinken,
ebenfalls der niedrigste Stand seit 50 Jahren.

Seite 2

Zwingend vorgeschriebene Ausgaben
Ohne die Zinszahlungen für die Staatsschulden werden die Ausgaben für zwingend vorgeschriebene
Bundesprogramme wie Gesundheitswesen und landwirtschaftliche Subventionen auf 765,9 Milliarden Dollar
im Haushaltsjahr 1993 veranschlagt. Das jährliche
Wachstum soll in den kommenden fünf Jahren 7,2
Prozent betragen. Der Haushaltsansatz sieht eine
Verringerung zwingend erforderlicher Ausgaben um
68,4 Milliarden Dollar durch eine Obergrenze für den
Zuwachs sowie eine Reduzierung staatlicher Subventionen bei zahlreichen Programmen vor.
Neue Vorschläge
Der neue Haushalt ist besonders auf die Förderung
von Investitionen und die Ankurbelung des Wirtschaftswachstums ausgelegt. Spezielle Vorschläge, von
denen einige bereits früher gemacht und vom Kongre ß
abgelehnt worden waren, sind:
Verringerte Steuersätze für Kapitalgewinne aus
langfristigen Investitionen.
Eine neue Steuergutschrift von 5.000 Dollar für
Ersterwerber einer Immobilie.
Erhöhte Abschreibungen für Unternehmensausstattung.
Steuerliche Anreize zur Förderung verstärkter
Investitionstätigkeit bei Forschung und Entwicklung im Privatsektor.
Ein um 500 Dollar pro Kind erhöhter Steuerfreibetrag.
Andere Vorschläge umfassen:
Höhere Ausgaben für ausgewählte Bildungsprogramme und Gesundheitsfürsorge, insbesondere in den ersten Lebensjahren.
Zusätzliche Ausgaben für die Eindämmung des
Drogenmißbrauchs, die hauptsächlich Strafverfolgung und Behandlung von Abhängigen betreffen.
AMERIKA DIENST 5

�Höhere Ausgaben für den Umweltschutz, darunter Wiederaufforstung, Beseitigung von Sondermüll, die Klärung von Abwässern an der
amerikanisch-mexikanischen Grenze sowie die
Erforschung der weltweiten Klimaveränderungen.
Eine umfassende Krankenversicherung
Der Präsident wird in den nächsten zwei Wochen
Vorschläge veröffentlichen, mit denen der Krankenversicherungsschutz für Einkommensschwache erweitert werden soll. Dem Programm zufolge sollen
einkommensschwache Familien, die heute keinen
Versicherungsschutz haben, als Beitrag zur Krankenversicherung Steuergutschriften oder Gutscheine in
Höhe von bis zu 3.750 Dollar pro Familie erhalten.
Ausgaben für Raumfahrt und wissenschaftliche
Forschung
Im Haushaltsansatz 1993 sind 15,158 Milliarden Dollar
für die Raumfahrt vorgesehen - ein Zuwachs von 738
Millionen Dollar oder 5 Prozent im Vergleich zum
Haushalt 1992. Die vorgesehenen Erhöhungen umfassen auch Mittel für ein neues Raumfährenabschußsystem, einen 11 prozentigen Zuwachs für die Raumstation Freedom sowie zusätzliche Mittel für die Erforschung von Mond und Mars.
Der Haushalt sieht ferner 76,557 Milliarden Dollar für
Forschung und Entwicklung vor - fünf Prozent mehr als
im Jahr 1992. Zu den vorrangigen Projekten gehören:
ein Anstieg um 148 Millionen Dollar für die Entwicklung
der nächsten Generation von Hochleistungscomputern, ein Zuwachs von 162 Millionen Dollar auf 1,821
Milliarden zur Verbesserung von Synthese, Verarbeitung und Leistungsfähigkeit von Materialien (kleinere
Computerchips, Wolkenkratzer aus elastischem Beton, Leichtflugzeuge), eine Steigerung um 271 Millionen Dollar auf 4,030 Milliarden für Biotechnologie,
insbesondere in Bereichen wie Wiederherstellung und
Schutz der Umwelt, alternative Energien, Gesundheitswesen und landwirtschaftliche Produktion.

Rekordstand von 6,3 Prozent im Jahr 1983 erzielt,
aber ein neuer Rekord wird im gegenwärtigen Haushaltsjahr 1992 erwartet. Von den Haushaltsansätzen
1983 bis 1993 gestaltet sich die Entwicklung folgendermaßen:
Haushaltsjahr

Defizit als Anteil
am BSP

1983

6,3

1984

5,0

1985

5,4

1986

5,3

1987

3,4

1988

3,2

1989

3,0

1990

4,1

1991

4,7

1992 (geschätzt)

6,7

1993 (Vorschlag)

5,5

Amerikanische Staatsausgaben und -einnahmen
in Prozent des BSP
Haushaltsjahr

Ausgaben in
Einnahmen in
Prozent des BSP Prozent des BSP

1989

22,3

19,3

1990

23,2

19,1

1991

23,2

18,5

1992 (geschätzt)

24,8

18.1

1993 (Vorschlag) 24,0

18,4

Das Defizit als Anteil am BSP
Im Zweiten Weltkrieg erreichte das amerikanische
Haushaltsdefizit als Prozentsatz des Bruttosozialprodukts (BSP) bis zu 31,6 Prozent. Nach 1946 wurde der

AMERIKA DIENST 5

Seite 3

�VERTEIDIGUNG
5. Februar 1992

WAFFENMODERNISIERUNG NEUER
SCHWERPUNKT DES PENTAGON
Erklärung des US-Verteidigungsministeriums
WASHINGTON - (AD) - Verteidigungsminister Cheney zufolge hat die Auflösung der ehemaligen Sowjetunion
"die militärische Bedrohung amerikanischer Interessen verringert und damit die Notwendigkeit der Herstellung
moderner Waffensysteme weniger dringlich gemacht".
In einer am 29. Januar 1992 veröffentlichten Erklärung zum Verteidigungshaushalt 1993, der 267,6 Milliarden
Dollar umfassen soll, zitiert das Pentagon den Minister mit der Äu ßerung, es würden in Zukunft weniger moderne
Waffensysteme hergestellt. Statt dessen werde man sich auf die Modernisierung bestehender Systeme
konzentrieren.
Als ein Beispiel für die Strategie führte Cheney Pläne an, nur 20 B-2-Tarnkappenbomber sowie 640 moderne
Marschflugkörper zu produzieren, anstatt der ursprünglich vorgesehenen 75 Flugzeuge und 1.000 Flugkörper.
Femer würde das Programm für die kleine Midgetman Interkontinentalrakete eingestellt, und das Pentagon
werde auch keine zusätzlichen Gefechtsköpfe des Typs W-88 für die mit ballistischen Trident-Raketen
ausgerüsteten U-Boote benötigen.
Die Erklärung des Pentagon hat folgenden Wortlaut:

Der Haushalt des Präsidenten für das Jahr 1993
fordert einen neuen Ansatz bei der Beschaffung wichtiger Waffensysteme und Streitkräftemodernisierung
durch das Verteidigungsministerium bei gleichzeitiger
Aufrechterhaltung von Streitkräften, die zur Reaktion
auf regionale Einsatzerfordernisse befähigt sind. Das
Programm des Präsidenten für die Haushaltsjahre
1992 bis 1997 sieht darüber hinaus Veränderungen im
strategischen Nuklearprogramm der Vereinigten Staaten vor, die eine Abkehr von einer Beziehung der
nuklearen Konfrontation mit den Republiken der ehemaligen Sowjetunion bedeuten, erklärte Verteidigungsminister Richard Cheney heute.
Die Administration beantragt Ausgabeermächtigungen für das Verteidigungsministerium in Höhe von
267,6 Milliarden Dollarfürdas Haushaltsjahr 1993 - 9,9
Milliarden Dollar weniger als im vom Kongreß verabschiedeten Haushalt 1992 sowie inflationsbereinigtein
Rückgang um real 7 Prozent. Die Kürzungen im
Verteidigungshaushalt gehen über die bereits vorgenommenen erheblichen Streichungen hinaus - sie
erreichen im Vergleich zu 1985 bei den Ausgabeermächtigungen einen realen Rückgang von über einem
Drittel.

AMERIKA DIENST 5

Die Haushaltsvorlage für 1993 reduziert darüber hinaus im Vergleich zu dem im Vorjahr unterbreiteten
Sechsjahresplan den Sechsjahresverteidigungsplan
des Ministeriums für 1992-1997 um 63,8 Milliarden
Dollar. Diese Gesamtsumme umfaßt 50,4 Milliarden
Dollar an Streichungen in Verteidigungsprogrammen
sowie 13,4 Milliarden Dollar für Anpassungen im Rahmen
des Haushaltsabkommens, jeweils auf der Grundlage
der Inflationsrate von 1991. Der Haushalt 1993 sieht
Ausgaben von 272,8 Milliarden Dollar vor - 9,8 Milliarden weniger als im Jahr 1992. Die Ausgaben für die
Haushaltsjahre 1992 bis 1997 würden im Vergleich
zum letztjährigen Verteidigungsplan um 27,4 Milliarden Dollar gekürzt.
"Das Bild der nationalen Sicherheit hat sich für die
Vereinigten Staaten seit dem Vorjahr erheblich verändert. Die Auflösung der ehemaligen Sowjetunion hat
die Bedrohung amerikanischer Interessen verringert
und damit die Notwendigkeit der Herstellung moderner
Waffensysteme weniger dringlich gemacht", erklärte
Cheney. Viele dieser Entwicklungen seien in der von
Präsident Bush im August 1990 angekündigten regionalen Verteidigungsstrategie bereits berücksichtigt,
stellte der Minister fest.

Seite 1

�"Wir können es uns heute leisten, das Tempo der
Modernisierung unserer Streitkräfte bewußter zu
gestalten. Das Auftreten demokratisch geleiteter
Reformer in den Republiken der ehemaligen Sowjetunion bietet darüber hinaus eine historische Chance,
weitere Reduzierungen im strategischen Kernwaffenarsenal der Welt vorzunehmen, wie der Präsident
gestern abend in seiner Botschaft zur Lage der Nation
vorschlug", erklärte er.
Verteidigungsminister Cheney teilte mit, er werde deshalb
das Programm für den Tarnkappenbomber B-2 nach
Herstellung der 20. Maschine stoppen, das Programm
für die kleine Interkontinentalrakete Midgetman streichen und die Produktion moderner Marschflugkörper
bei 640 anstatt der ursprünglich vorgesehenen 1.000
einstellen. Allein diese Maßnahmen bei strategischen
Programmen werden bis zum Haushaltsjahr 1997
annähernd 20 Milliarden Dollar einsparen.
Cheney erklärte darüber hinaus, sein Ministerium werde
keine zusätzliche Produktion des schwereren Gefechtskopfes der Marine für dessen U-Boot-gestützte
ballistische Raketen anstreben. Damit werde die
weitere Produktion des Gefechtskopfs vom Typ W-88
für das Unterseeboot Trident hinfällig.
Obgleich es sich hierbei um einseitige Schritte handelt,
hat der Präsident auch Präsident Jelzin aufgefordert,
seine eigenen strategischen Modemisierungsprogramme zu kürzen.
Weitere Kürzungen bei den strategischen Streitkräften
Das Programm des Verteidigungsministeriums für die
Haushaltsjahre 1992 bis 1997 treibt die vom STARTVertrag und der Nuklearinitiative Präsident Bushs vom
September 1991 vorgesehenen tiefen Einschnitte bei
Kernwaffen weiter voran. Das Programm reagiert
ferner auf die zusätzlichen Veränderungen bei den
strategischen Nuklearstreitkräften, die der Präsident
in seiner Ansprache zur Lage der Nation 1992 vorgeschlagen hat.
Im vergangenen September hat der Präsident das
Pentagon angewiesen, auf die schienengestützte
Stationierungsmethode der MX-Rakete, die Kurzstrekkenangriffsrakete SRAM-II sowie die mobile Version
der kleinen Interkontinentalrakete zu verzichten. In
seiner Rede zur Lage der Nation schlug er eine weitere
Reduzierung der amerikanischen strategischen Nuklearstreitkräfte vor, falls Rußland ähnliche Schritte
unternimmt.
Dem jüngsten Vorschlag des Präsidenten zufolge würden
die Vereinigten Staaten ihre MX-Raketen beseitigen,
die Zahl der Gefechtsköpfe auf ihren Minuteman-IllRaketen von drei auf einen verringern, die Zahl der
Gefechtsköpfe der U-Boot-gestützten ballistischen

Seite 2

Raketen um ein Drittel reduzieren und viele ihrer
strategischen Bomber für vorrangig konventionelle
Zwecke umrüsten. Diese Maßnahmen würden durchgeführt, wenn Rußland all seine landgestützten, mit
Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüsteten ballistischen
Raketen beseitigt und seine strategischen Nuklearstreitkräfte auf ein Niveau verringert, das der fehlenden Bedrohung aus dem Westen Rechnung trägt.
Die wachsende Verbreitung von ballistischen Raketen
und Massenvernichtungswaffen verleiht der Finanzierung des Programms des Präsidenten zum weltweiten
Schutz vor begrenzten Schlägen hohe Priorität für
unsere strategischen Programme. Die Finanzierung
der Strategischen Verteidigungsinitiative genießt weiterhin höchste Priorität, und es werden im Haushaltsjahr 1993 Ausgabeermächtigungen von 5,4 Milliarden
Dollar für diesen Zweck beantragt, gegenüber 4,1
Milliarden im Haushaltsjahr 1992.
Tendenzen im Verteidigungshaushalt
Vom Haushaltsjahr 1993 bis zum Haushaltsjahr 1997
werden die Ausgabeermächtigungen des Verteidigungsministeriums real um durchschnittlich 4 Prozent jährlich sinken. Im Haushaltsjahr 1997 wird der kumulative
reale Rückgang bei Ausgabeermächtigungen seit dem
Haushaltsjahr 1985 - dem Jahr mit den höchsten
Verteidigungsausgaben - insgesamt 37 Prozent betragen. Die inflationsbereinigten Ausgabeermächtigungen für das Haushaltsjahr 1997 werden etwa dieselbe
Kaufkraft haben wie der Verteidigungshaushalt von
1960 und nur geringfügig mehr als die Verteidigungshaushalte von 1974 bis 1976, die im Zeichen des
militärischen Abbaus nach Vietnam standen.
Die Verteidigungsausgaben in Prozent des US-Bruttosozialprodukts werden im Haushaltsjahr 1997 voraussichtlich auf 3,4 Prozent fallen, den niedrigsten Stand
seit dem Zweiten Weltkrieg. Im Haushaltsjahr 1997
werden die Verteidigungsausgaben wahrscheinlich auf
16 Prozent aller Bundesausgaben gesunken sein.
Obwohl die Verteidigungsausgaben seit 1985 kontinuierlich abnahmen, sind die Inlandsausgaben ständig
gestiegen - sie wuchsen etwa im selben Maß, wie die
Verteidigungsausgaben zurückgingen. Bis zum Haushaltsjahr 1997 wird der reale Schwund in den Verteidigungsausgaben seit dem Haushaltsjahr 1985 zusammengenommen 26 Prozent erreichen. Zwingend erforderliche Bundesausgaben werden im gleichen Zeitraum real um 33 Prozent zunehmen, undfrei verfügbare Ausgaben werden um etwa 8 Prozent steigen.
Ein neuer Ansatz bei Beschaffungen
Die Auflösung der Sowjetunion hat die militärische
Bedrohung amerikanischer Interessen verringert und
damit die Notwendigkeit der Herstellung moderner
Waffensysteme weniger dringlich gemacht. Das Ver-

AMERIKA DIENST 5

�teidigungsministerium kann sich bei der Entwicklung
und Auswertung neuer Technologien mehr Zeit lassen, bevor Entscheidungen über die Produktion von
Waffen getroffen werden. Bei verstärkter Stützung auf
seine Forschungs- und Entwicklungsbemühungen kann
das Ministerium die technologische Fähigkeit bewahren, umfangreichere Streitkräfte rasch auszurüsten,
falls in der Zukunft größere Bedrohungen amerikanischer Interessen entstehen sollten.
Während das Verteidigungsministerium künftig weniger moderne neue Waffensysteme produzieren läßt,
wird das aggressive Streben nach neuen Technologien unerläßlich sein, um die von den amerikanischen
Streitkräften zur Abschreckung und erfolgreichen
Bewältigung künftiger Konflikte erforderlichen Vorteile
aufrechtzuerhalten. Ein Waffenprogramm wird nur
dann in vollem Umfang zur Produktion gelangen,
nachdem die Notwendigkeit seiner Herstellung eingehend geprüft und die technischen sowie die Herstellungs- und Betriebskosten minimiert wurden. Das
Pentagon wird ferner die Modernisierung bestehender
Waffensysteme unter Berücksichtigung erprobter
Technologien betonen, wenn diese den operativen
Erfordernissen gerecht werden, anstatt neue Waffensysteme zu produzieren.
"Wir möchten auch weiterhin, daß unsere Streitkräfte
die am besten ausgerüsteten der Welt sind. Aber wir
können uns jetzt mehr Zeit lassen, um die Fähigkeiten
neuer Systeme zu verfeinern und die Produktion nur
dann aufzunehmen, wenn wir voll und ganz davon
ausgehen können, daß wir das Erforderliche zu einem
Preis bekommen, den sich der Steuerzahler leisten
kann", erklärte Cheney.
Die neue nationale Sicherheitsstrategie
Mit dem Haushalt 1993 wird die Verwirklichung der
neuen nationalen Sicherheitsstrategie fortgesetzt, mit
der die verteidigungspolitischen Prioritäten der Vereinigten Staaten von der Politik des Containments des
kalten Krieges zu einem neuen Schwerpunkt, der
Reaktion auf regionale Konflikte, verlagert werden.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin die erforderliche Führungskraft bereitstellen, um weltweit Frieden
und Sicherheit zu fördern. Ihre Streitkräfte werden von
der Notwendigkeit gekennzeichnet sein, strategische
Abschreckung und Verteidigung, eine vorgeschobene
Präsenz, Reaktionsfähigkeit und raschen Aufbau in
Krisen bereitzustellen.
Streitkräftestruktur und Personal
Die heutigen militärischen Herausforderungen können
mit wesentlich kleineren aktiven und Reservestreitkräften bewältigt werden. Die Sockelstreitmacht trägt
der sich verändernden Weltordnung, innenpolitischen
Haushaltsbeschränkungen und den Erfordernissen der
neuen nationalen Sicherheitsstrategie Rechnung. Die

AMERIKA DIENST 5

geplanten Reduzierungen bei der Anzahl aktiven,
Reserve- und Zivilpersonals zur Erlangung einer geringeren Sollstärke schreiten rasch voran. Der durch
den Golfkrieg erforderlich gemachte Personalumfang
hat den Beginn des Abbaus verzögert, der aber seither
in beschleunigtem Tempo wiederaufgenommen wurde. Der Personalumfang wird bei den aktiven Streitkräften im Haushaltsjahr 1992 um 138.000 und im
Haushaltsjahr 1993 um 99.000 Mann verringert. Damit
wurde das Tempo im Vergleich zum letztjährigen Plan
gesteigert, der 88.000 im Haushaltsjahr 1992 und
91.000 im Haushaltsjahr 1993 vorsah.
Von ihrem Höchststand nach Vietnam von 2.174.000
im Haushaltsjahr 1987 wird sich die Stärke der aktiven
Einheiten bis zum Haushaltsjahr 1995 auf 1.644.000
verringern - ein Abbau um 530.000 Mann. Bis zum
Haushaltsjahr 1997 wird die Personalstärke auf
1.626.000 sinken - etwa 25 Prozent unter dem Höchststand von 1987, und der Personalumfang der Reserve
wird 20 Prozent unter dem Stand von 1987 liegen.
Die Personalstärke der beim US-Verteidigungsministerium beschäftigten Zivilpersonen wird bis zum
Haushaltsjahr 1997 auf 904.000 abgebaut und liegt
damit rund 20 Prozent unter dem Höchstand nach dem
Vietnamkrieg im Jahr 1987. Dieser vorgesehene
Abbau spiegelt sowohl die Ausdünnung des US-Militärs als auch Verbesserungen in der Verwaltung des
US-Verteidigungsministeriums wider.
Die wichtigsten Programmänderungen
Der Tarnkappenbomber B-2. Selbst in geringerer
Zahl ist der B-2 wesentlicher Bestandteil unserer
Schlüsselfähigkeiten - die in einer Ära erforderlich
bleiben, in der Zeitpunkt und Ort künftiger Bedrohungen nicht verhergesagt werden können. Er wird sein
Potential als strategischer Bomber beibehalten, und
wir werden uns jetzt auf die zur Erweiterung seiner
konventionellen Rolle bei regionalen Krisen erforderlichen Waffengattungen und Entwicklungen konzentrieren. Der Golfkrieg bestätigte den Vorteil einer
Kombination von Präzisionswaffen und Tarntechnologien. Zwanzig B-2-Bomber werden der US-Luftwaffe
die Beibehaltung von zwei Geschwadern einschließlich der Wartung der Maschinen gestatten. Angesichts
der veränderten sowjetischen Bedrohung wird sich die
amerikanische Luftverteidigung wahrscheinlich nicht
mit der hochmodernen Luftverteidigung konfrontiert
sehen, für die der B-2 ausgelegt ist. Die derzeitige
strategische Flotte der Typen B-1B und B-52 kann
umgerüstet werden, um angemessene Fähigkeiten für
strategische nukleare und konventionelle Missionen
sicherzustellen. Die Tarntechnologie ist nach wie vor
ein Hauptvorteil der US-Streitkräfte, und das Verteidigungsministerium wird die eingehende Erforschung
verbesserter Tarntechnologien in die Wege leiten. Bis
zum Jahr 1997 werden durch die B-2-Anpassungen
insgesamt 14,5 Milliarden Dollar eingespart.
Seite 3

�Minuteman-Ill-ICBM. Um die Einstellung der kleinen
Interkontinentalrakete (ICBM) Midgetman zu kompensieren, wird das Verteidigungsministerium ein verbessertes Lenksystem für die Minuteman-Ill-ICBM und
andere Maßnahmen zur Verlängerung ihrer Lebensdauer tinanzieren, wodurch bis zum Jahr 1997 Nettoeinsparungen in Höhe von 1 Milliarde Dollar erzielt
werden.
Unterseeboot Seawolf. Aufgrund der Auflösung der
Sowjetunion brauchen die Vereinigten Staaten die
Arbeit an einer neuen Klasse von Angriffs-U-Booten
nicht fortzusetzen. Entsprechend wird das SeawolfProgramm beendet. Das bestehende SSN-688 Unterseeboot zählt zu den fähigsten der Welt und wird der
Nation auf Jahre hinaus noch gute Dienste leisten.
Das Verteidigungsministerium plant eine kostengünstigere U-Boot-Konstruktion, mit der es auf lange Sicht
Modernisierungen vornehmen und gleichzeitig in den
kommenden Jahren eine angemessene U-Boot-Streitmacht aufrechterhalten kann. Das Verteidigungsministerium wird ferner andere Unterseeboot-Abwehrsysteme weiterentwickeln. Diese Veränderungen im UBoot-Beschaffungsprogramm werden bis 1997 17,5
Milliarden Dollar einsparen.
Hubschrauber Comanche. Da sich die US-Streitkräfte jetzt nicht mehr so sehr auf die sowjetische
Bedrohung sondern regionale Einsatzmöglichkeiten
konzentrieren, können sie durch die bestehende ApacheHubschrauberflotte angemessen unterstützt werden,
die mit dem modernen Feuerleitradarsystem Longbow, OH-58D-Aufklärungs- und leichten Angriffshubschraubern sowie vermehrtem Einsatz unbemannter
Luftfahrzeuge modernisiert werden. Das Verteidigungsministerium wird das Entwicklungsprogramm für
den leichten Hubschrauber Comanche durch Zurückstellung der Produktion umstrukturieren und sich statt
dessen auf den Bau von Prototypen, die Entwicklung
von Avionik, Modernisierung des Motors und Einbeziehung von Longbow konzentrieren. Die Umgestaltung
des Programms wird bis 1998 Einsparungen in Höhe
von 3,4 Milliarden Dollar bewirken.
Luftverteidigungspanzerabwehrsystem. Weil nichtsowjetische Bedrohungen amerikanischer Landstreitkräfte aus der Luft von Anzahl und Fähigkeit her
begrenzt sind, können die US-Streitkräfte mit ihren
bestehenden Abfangjägern und Verteidigungssystemen wie Patriot, Hawk und Stinger eine angemessene
Luftverteidigung aufrechterhalten. Das Verteidigungsministerium stellt daher die Herstellung des Luftverteidigungspanzerabwehrsystems ADATS der US-Armee
ein. Als Ausgleich wird das Verteidigungsministerium
die Entwicklung eines verbesserten Flugzeug-Verfolgungsystems und mehrerer modemer Lenktechnologien in die Wege leiten. Diese Programmänderungen
werden bis 1997 1,7 Milliarden Dollar einsparen.

Seite 4

Weitere wichtige Programmanpassungen. Die
Haushaltsvorlage sieht außerdem vor, die Finanzierung des Block-Ill-Panzers - der Teil des Modernisierungsprogramms für gepanzerte Systeme der USArmee ist - bis 1997 zurückzustellen, wodurch 400
Millionen Dollar eingespart werden; den Entwurf und
die Herstellung der modernen Luft-Luft-Rakete aufzuschieben, was Einsparungen in Höhe von 500 Millionen Dollar zur Folge hat; die Beschaffung zurückzustellen und nur mit Forschung, Entwicklung, Erprobung und Auswertung für das stationäre Verteilersystem Unterwasser-Überwachungsnetz der US-Marine
fortzufahren und damit 700 Millionen Dollar einzusparen sowie die Beschaffung zu verschieben und Forschung, Entwicklung, Erprobung und Auswertung des
sichtlinienabhängigen
Panzerabwehrprogramms
(LOSAT) der US-Armee zu verlängern.
Diese wichtigsten Programmanpassungen infolge einer
reduzierten Bedrohung und eines neuen Ansatzes zur
Beschaffung wichtiger moderner Waffensysteme werden
bis 1997 insgesamt Nettoeinsparungen in Höhe von
42,1 Milliarden Dollar bewirken. Die Beendigung anderer
in der Haushaltsvorlage für 1993 enthaltener Programme wird bis 1997 weitere 7,3 Milliarden Dollar einsparen.
In den vergangenen zwei Jahren hat Verteidigungsminister Cheney die weitere Produktion von über 100
Waffenprogrammen eingestellt. Dazu zählen der
Apache-Hubschrauber, der Panzer M-1, das Trident
U-Boot, der Bau der F-14D, F-15, F-16, des modernen
taktischen Jägers der Marine, das Tarnkappenflugzeug A-12 und die MX-Rakete.
Annullierungen gestatten zunehmende Finanzierung der Beseitigung von Umweitschäden
Die durch die Einstellung von Programmen gemachten
Einsparungen finden ihren Niederschlag in einem Antrag
auf Annullierungen in Höhe von 7,7 Milliarden Dollar im
Verteidigunghaushalt für 1992. Der Annullierungsvorschlag würde darüber hinaus auch die Finanzierung
von Programmen beenden, die zur Unterstützung der
überarbeiteten Verteidigungsprogramme nicht erforderlich sind. Dazu zählen auch solche, die vom
Verteidigungsministerium und anderen veranschlagt
wurden und ohne Antrag des Verteidigungsministeriums in den dem Kongreß vorgelegten Haushaltsentwurf aufgenommen wurden. Die Zustimmung des
Kongresses zu diesen Annullierungen ist unabdingbar, damit das Verteidigungsministerium gekürzte
Verteidigungsausgaben so effektiv wie möglich nutzen
kann.
Der Antrag auf Annullierung wird nicht nur Ausgaben
für unnötige Programme verhindern, sondern auch die
Ausgabeermächtigung und Ausgaben im Zusammenhang mit dem geplanten Nachtragshaushalt 1992 in

AMERIKA DIENST 5

�Höhe von 1,1 Milliarden Dollar zur Beseitigung von
Umweltschäden und der Einhaltung von Vorschriften
durch das Verteidigungsministerium mehr als ausgleichen. Die zusätzlichen Mittel für 1992 sind erforderlich, damit das Verteidigungsministerium die Behebung der verursachten Umweltschäden auch auf den
zur Schließung bestimmten Stützpunkten beschleunigen und Gesetze und Bestimmungen auf Bundes-,
Staats- und Gemeindeebene uneingeschränkt einhalten kann.
Operation Wüstenschild und Operation Wüstensturm
Der heute vorgelegte Haushaltsentwurf enthält keinerlei Mittel zur Begleichung der zusätzlichen Kosten der
Vereinigten Staaten für die Operationen Wüstenschild
und Wüstensturm in Höhe von 61,1 Milliarden Dollar.
Im Rahmen des Haushaltsdurchführungsgesetzes von
1990 werden die Ausgaben der Vereinigten Staaten
am Persischen Golf als Nothilfefinanzierung behandelt, die dem vom Kongreß und der Administration
festgesetzten Haushaltslimit nicht unterliegen.
Zur Deckung dieser zusätzlichen Kosten haben die
Verbündeten der Vereinigten Staaten einen Beitrag
von 54 Milliarden Dollar zugesagt. Die Vereinigten
Staaten werden einige Typen beschädigter oder zerstörter Geräte nicht ersetzen, die mit 1,2 Milliarden
veranschlagt werden, weil das Verteidigungsministerium über ausreichende Reserven verfügt. Damit
belaufen sich die Nettokosten der Vereinigten Staaten
für den Golfkrieg auf 5,9 Milliarden Dollar.
Von diesem Betrag entfallen 1 Milliarde Dollar auf
Transaktionen im Rahmen des für 1990 bewilligten
Verteidigungshaushalts und weitere 2 Milliarden auf
einen Nachtrag im Jahr 1990. Die langfristigen Personalkosten für diejenigen, die im Golfkrieg gedient haben,
belaufen sich somit auf 2,9 Milliarden Dollar. Diese
Kosten werden in den kommenden Jahren von der
Veteranen-Verwaltung übernommen.
"Der Krieg am Golf hat im Hinblick auf die Zusammenarbeit einen bemerkenswerten Standard gesetzt und
zwar nicht nur auf dem Schlachtfeld. Es ist absolut
*

AMERIKA DIENST 5

*

einmalig, daß über vier Fünftel der Kosten der amerikanischen Beteiligung an der Operation von unseren
Verbündeten am Persischen Golf und andernorts
übernommen wurden", stellte Cheney fest.
Im Januar 1992 belief sich der Beitrag der Verbündeten an die Vereinigten Staaten für die Kosten des
Golfkriegs auf 52,5 Milliarden Dollar - 47 Milliarden in
Form von Geld und 5,6 Milliarden als Hilfsleistungen.
Die Zahlungen der Verbündeten werden fortgesetzt
und der Rest wird bis Juli 1992 erwartet.
Wesentliche Punkte des Verteidigungshaushalts
1993
Bereitschaft. Obwohl das amerikanische Militär
abgebaut wird, verpflichtet sich das Verteidigungsministerium, die Aufrechterhaltung einer voll bemannten,
ausgebildeten und ausgerüsteten Streitmacht zu
gewährleisten. Entprechend sieht die Haushaltsvorlage für 1993 die zur Beibehaltung des von den USStreitkräften in den letzten zehn Jahren erzielten hohen
Bereitschaftsgrads erforderliche Ausbildung, Wartung
und anderen Bedarf vor. Aktive Land- und Luftausbildungsoperationen liegen weiterhin bei 800 Meilen pro
Jahr für Kampffahrzeuge und bei 14,5 Flugstunden pro
Monat für Besatzungen taktischer Flugzeuge. Die
Seetage der Marine belaufen sich weiterhin auf 50,5
Tage im Quartal für stationierte Flotten und 29 Tage
pro Quartal für nichtstationierte Flotten. Die Flugstunden für aktive Mannschaften taktischer Flugzeuge
bleiben bei 21 Stunden pro Monat.
Forschung, Entwicklung, Erprobung und Auswertung. Unter Berücksichtigung der Konzentration des
Verteidigungsministeriums auf technologische Forschung zur Anwendung bei Waffensystemen der Zukunft
werden die Mittel für Wissenschaft und Technologie wobei die Forschung nicht an ein bestimmtes Waffenprogramm gebunden ist - von 10,6 Milliarden Dollar im
Haushaltsjahr 1992 auf 12 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 1993 aufgestockt, was einem realen Zuwachs von 9,1 Prozent entspricht. Bei Forschung,
Entwicklung, Erprobung und Auswertung ist im Haushaltsjahr 1993 ein realer Zuwachs von 1,5 Prozent zu
verzeichnen.
*

*

Seite 5

�VEREINTE

NATIONEN
5. Februar 1992

BUSH: NEUES ZEITALTER FÜR
VEREINTE NATIONEN NACH DEM KALTEN KRIEG
Rede des Präsidenten beim UN-Sicherheitsrat
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Der Zerfall des imperialen Kommunismus und das Ende des kalten Krieges
"läuten bei den Vereinten Nationen ein neues Zeitalter ein", erklärte Präsident Bush am 31. Januar 1992 bei einer
Sondersitzung der Regierungschefs im Weltsicherheitsrat.
Bush erinnerte an die standhafte Haltung des Sicherheitsrats gegenüber der irakischen Aggression in Kuwait und
erklärte, die Zeit sei gekommen, um "neue Schritte nach vorn zu unternehmen, interne Reformen durchzuführen, die Neubelebung zu beschleunigen und die für tatkräftige und effektive Vereinte Nationen erforderlichen
Pflichten zu übernehmen".
Der Präsident verwies ferner darauf, daß die Vereinten Nationen bei dieser Aufgabe auf die volle Unterstützung
der Vereinigten Staaten bauen können.
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Rede im Wortlaut.

Herr Präsident, ich danke Ihnen für Ihre Schlüsselrolle
bei der Einberufung dieses ersten Gipfels des UNSicherheitsrats.
Ihnen, Herr Generalsekretär, gratulieren wir zu Ihrer
Amtseinführung in dieser Zeit ungeheurer Herausforderungen und Möglichkeiten. Was die Vereinigten
Staaten betrifft, so ist es uns eine große Ehre, bei
diesem epochemachenden Ereignis zu sprechen.
Wir kommen in einem Augenblick des Neuanfangs für
diese Institution und tatsächlich alle Mitgliedstaaten
zusammen. Die längste Zeit ihrer Geschichte waren
die Vereinigten Staaten im Kreuzfeuer des kalten
Kriegs gefangen. Ich denke in diesem Zusammenhang zurück an meine Zeit hier als ständiger Vertreter
in den siebziger Jahren und an die Art und Weise, wie
damals die Polemik das Friedenstiften verdrängte.
Lange bevor ich hier tätig war und lange nach meiner
Zeit waren die Vereinten Nationen nur allzu oft durch
schreckliche ideologische Trennlinien und den Kampf
zur Eindämmung sowjetischer Expansionsbestrebungen gelähmt. Heute hat sich all dies geändert. Der
Zerfall des imperialen Kommunismus und das Ende
des kalten Krieges läuten bei den Vereinten Nationen
ein neues Zeitalter ein.
Erst vor einem Jahr konnte die Welt diese neu gestärkten Vereinten Nationen in Aktion beobachten, als
dieser Rat der Aggression standhaft entgegentrat und
AMERIKA DIENST 5

sich zu den in der Charta der Vereinten Nationen
verankerten hehren Prinzipien bekannte. Jetzt ist es
an der Zeit, neue Schritte nach vorn zu unternehmen,
interne Reformen durchzuführen, die Neubelebung zu
beschleunigen und die für tatkräftige und effektive
Vereinte Nationen erforderlichen Pflichten zu übernehmen
Ich möchte den Mitgliedern dieses Rats und dem
Generalsekretär versichern, daß die Vereinten Nationen bei dieser Aufgabe auf unsere volle Unterstützung
rechnen können.
Anläßlich dieser kurzen Ausführungen werde ich heute
nicht über das von Präsident Borja so vehement vorgetragene wirtschaftliche und soziale Programm sprechen, sondern auf die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, regionale Konflikte und einzelne
destabilisierende Regime eingehen, die sich abzeichnen. Terrorismus, Menschenrechte-all diese Themen
fordern unsere unmittelbare Aufmerksamkeit.
Die Welt bietet uns auch die Herausforderung, positive
Veränderungen zu stabilisieren und zu erhalten. Wir
müssen die dynamische Hinwendung zu Demokratie
und Freiheit - die Demokratisierung, wie sie unser
Generalsekretär Boutros Ghali genannt hat - fördern
und den Kreis von Ländern erweitem, die sich für
Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit engagieren.

Seite 1

�Das ist eine aufregende Chance für unsere Vereinten
Nationen, die wir nicht verstreichen lassen dürfen.
Gerade jetzt arbeiten die Vereinten Nationen auf der
ganzen Welt Tag und Nacht für die Sache des Friedens. Niemals zuvor in den vier Jahrzehnten ihres
Bestehens haben sich die Blauhelme und die blauen
Barette der Vereinten Nationen so für die Friedensmissionen engagiert, bis hin zur Wegbereitung für freie
Wahlen. Nie zuvor waren die Vereinten Nationen so
bereit und entschlossen, sich der Aufgabe von Friedensmissionen zu stellen, einmal, um heiße Kriege zu
lösen und zum anderen zugunsten zukunftsweisender
Missionen wie Präventivdiplomatie.
Wir müssen ebenso praktisch wie prinzipientreu sei,
wenn wir die Menschen aus schrecklichen Konflikten
befreien wollen. Unserer Meinung nach ist jedes Land
verpflichtet, in den Frieden zu investieren. Wenn
Konflikte gelöst sind und Gewalt nachläßt, können die
Institutionen freier Gesellschaften festen Halt finden.
Und wenn sie das tun, werden sie unsere stärkste
Versicherung gegen Aggression und Tyrannei.
Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit dies sind die Bausteine von Frieden und Freiheit. Und
ihre Einbindung in die Leben von Millionen Menschen
auf der ganzen Welt ist einfach: sie kann den Unterschied zwischen Krieg und Frieden, Heilung und Haß
ausmachen, und wo Furcht und Verzweiflung herrschen, kann sie Hoffnung bedeuten.
Wir blicken auf den Generalsekretär, daß er diesem
Rat seine Empfehlungen für effektive und effiziente
Friedensmissionen und vorbeugende Diplomatie unterbreitet. Wirfreuen uns auf die gemeinsame Erarbeitung dieser Ideen.
Wir sind Zeuge von Veränderungen geworden, die ein
ungeheures Tempo und eine große Bandbreite haben
- all dies in nur wenigen Jahren. Eine bewerkenswerte
Revolution hat die alten Regime von Managua bis
Moskau hinweggefegt. Aber überall werden freie
Regierungen und die sie gestaltenden Institutionen
Zeit brauchen, um zu wachsen und reifen.
Freie Wahlen geben der Demokratie Wurzeln, aber
echte Demokratie bedeutet mehr als nur die Macht der
Mehrheit. Sie bedeutetet eine unwiderrufliche Verpflichtung auf demokratische Prinzipien. Sie bedeutet
gleiche Rechte für Minderheiten. Und vor allem bedeutet sie die Unantastbarkeit auch des einzelnen Menschen gegenüber Übergriffen der Staatsmacht.
Der Wille der Mehrheit darf niemals den Launen der
Mehrheit zum Opfer fallen. Dieses grundlegende
Prinzip ist grenzüberschreitend. Menschenwürde, die
unveräußerlichen Menschenrechte - sie gehören nicht
dem Staat. Sie sind allgemeingültig. In Asien, Afrika,
Europa, den Ländern Amerikas, müssen die Vereinten
Nationen zu denen stehen, die mehr Freiheit und

Seite 2

Demokratie anstreben. Dies ist meine feste Überzeugung und auch die des amerikanischen Volkes. Und
es ist diese Überzeugung, die dem umfassenden
Prinzip der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte Leben einhaucht.
Unsere veränderte Welt ist eine hoffnungsvollere Welt,
auch wenn nicht diejenigen fehlen, die die Uhr gern in
die dunklen Tage der Bedrohungen und Schikanen
zurückdrehen möchten. Unsere Welt ist immer noch
eine gefährliche Welt mit zu vielen schrecklichen Waffen.
In meiner ersten Rede bei den Vereinten Nationen als
Präsident habe ich die Sowjetunion aufgefordert,
chemische Waffen zu beseitigen und jede Nation
gebeten, uns bei diesem Kreuzzug zu unterstützen Seine Majestät, König Hassan II. von Marokko hat
diesen Punkt heute hier angesprochen. Welch große
Aufgabe für dieses großartige Gremium - zu gewährleisten, daß die Welt diese schrecklichen Waffen nicht
mehr erdulden muß. Lassen Sie uns geloben, dieses
Jahr zu dem Jahr zu machen, in dem sich alle Länder
bereit erklären, diese Geißel zu bannen.
Im Hinblick auf Massenvernichtungswaffen bleibt noch
mehr zu tun. Erst vor drei Tagen habe ich in meinem
Bericht zur Lage der Nation die - weitreichenden
einseitigen - Schritte angekündigt, die wir unternehmen wollen, um unser Atomwaffenarsenal zu verringern. Und diese Schritte betreffen jeden Bereich
unserer strategischen Triade - Land-, See- und Luftstreitkräfte.
Zusätzlich zu diesen einseitigen Schritten sind wir
bereit, bei der gemeinsamen Rüstungskontrolle Fortschritte zu machen. Ich habe Präsident Jelzins konstruktive Kommentare heute hier verzeichnet. Morgen
werden wir bei unserem gemeinsamen Treffen die
Suche nach Gemeinsamkeiten in diesem entscheidenden Punkt fortsetzen. Er hat erst kürzlich mit sehr
ernstzunehmenden Vorschlägen reagiert.
Wir begrü ßen ebenso wie die ganze Welt die Erklärungen mehrerer neuer Staaten, die nach dem Zerfall der
Sowjetunion ihre Unabhängigkeit gewonnen haben,
sie würden dem Nichtverbreitungsvertrag beitreten.
Dennoch müssen wir realistischerweise in dieser Zeit
der Veränderungen wachsam sein.
Die Gefahr der Verbreitung bleibt bestehen. Und
wiederum möchte ich dazu auf die Äußerungen des
französischen Staatspräsidenten Mitterand verweisen,
den Appell, etwas zu unternehmen. Wir müssen
gemeinsam vorgehen, damit von nun an die an diesen
modernen Waffenprogrammen beteiligten Menschen
ihre Energien in friedliche Aufgaben umleiten.
Wir werden gemeinsam mit unseren Verbündeten
mehr tun, um zu gewährleisten, daß gefährliche Materialien und Technologien nicht in die Hände von Terro-

AMERIKA DIENST 5

�listen fallen. Und wir werden gemeinsam mit diesen
neuen Staaten daran arbeiten, in Wort und Tat ein
starkes Engagement für die Standards der Nichtweiterverbreitung sicherzustellen.
Heute ist die Drohung eines weltweiten Atomkrieges
weiter entfernt als zu irgendeinem Zeitpunkt im Atomzeitalter. Der Abbau der Arsenale des kalten Kriegs
wird diese Bedrohung weiter senken. Aber die Gefahr
der Massenvernichtung bleibt allgegenwärtig, insbesondere weil einige Länder weiterhin Massenvernichtungswaffen und ihre Trägersysteme zu erwerben
suchen.
Unser Triumph im Golf dient den UN-Missionen als
Vorbild. Ihre Sicherheit ist unsere gemeinsame Pflicht.
Heute stellt diese Institution das gesetzlose Regime
Saddam Husseins unter Quarantäne. Mein Land ist
der festen Überzeugung, daß wir Sanktionen beibehalten und folgende Schritte zur Wahrung unserer gemeinsamen Sicherheit unternehmen müssen:
Wir müssen uns weiterhin auf die Fähigkeit des Iraks
konzentrieren, Massenvernichtungswaffen zu bauen
oder beizubehalten. Und wir müssen der Welt - und
was noch wichtiger ist, den Menschen im Irak - erklären, daß keine Normalisierung möglich ist, solange
Saddam Hussein an der Macht bleibt.

Vor zwei Wochen hat dieser Rat einstimmig eine
eindeutige Botschaft an Libyen übermittelt. Heute
möchte ich wiederholen, daß die von diesem Rat
einstimmig verabschiedete Resolution 731 Libyen
auffordert, die Forderungen der drei Staaten dieses
Rats zu erfüllen. Ich möchte diese Sitzung heute
benutzen, um Libyen aufzufordern, auf die Forderung
der Sicherheitsrats der Vereinten Nationen einzugehen.
Vergangenes Jahr haben wir am Golf gemeinsam auf
einen Angriff auf die Souveränität einer Nation reagiert
und ihn als Angriff auf uns alle betrachtet. Wir sollten
es uns zur Aufgabe machen, dieses Prinzip im Verhalten der Länder untereinander zu verwirklichen.
Heute stehen wir an einem anderen Scheideweg.
Vielleicht zum ersten Mal seit jenem hoffnungsvollen
Augenblick in San Francisco können wir unsere Charta
als lebendiges Dokument betrachten. Nach so vielen
Jahren mag sie immer noch in den Kinderschuhen
stecken und eine sorgfältige und aufmerksame Pflege
ihrer Eltern erfordern, aber ich glaube von ganzem
Herzen, daß sie lebendig und gesund ist.
Unsere Aufgabe besteht darin, sie durch verstärktes
Engagement und mehr Zusammenarbeit stark und
widerstandsfähig zu machen, und ich weiß, daß wir
dieser Herausforderung gerecht werden. Die hier
vertretenen Länder haben es ebenso wie die Gemeinschaft der Vereinten Nationen, die hier heute durch
soviele ständige Vertreter repräsentiert wird, in der
Hand, etwas für Frieden und Freiheit zu tun.

Wie bei allen dringenden Themen, die ich heute genannt habe, entstehen Fortschritte durch gemeinsames Handeln, und wir müssen mit diesen gesetzlosen
Regimen resolut verfahren, falls erforderlich mit Sanktionen oder härteren Maßnahmen, um sie zur Einhaltung internationaler Verhaltensmaßregeln zu zwingen. Möge Gott die Vereinten Nationen bei der VerwirkliWir stehen den immer noch anstehenden Gefahren chung ihrer Ziele schützen.
nicht blind gegenüber. Terroristen und die sie unterstützenden Länder müssen wissen, daß sie bei Verletzungen des Völkerrechts ernsthafte Konsequenzen
tragen müssen.
* * * * *

AMERIKA DIENST 5

Seite 3

�MENSCHENRECHTE
5. Februar 1992

NEUE DEMOKRATIEN BERECHTIGEN ZU
HOFFNUNG BEI MENSCHENRECHTEN
Bericht des Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Einem hochrangigen US-Regierungsvertreter für Menschenrechtsfragen zufolge ist "der
weltweite Auftrieb der Demokratie zweifelsohne eine gute Nachricht für die Sache der Menschenrechte".
"Selbst demokratisch gewählte Regierungen können sich ernsthafter Menschenrechtsverletzungen schuldig
machen" warnte er jedoch.
Richard Schifter, Abteilungsleiter im US-Au ßenministerium für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten, stellte in einem am 31. Januar 1992 veröffentlichten Bericht ferner fest, "insbesondere die neuen
Demokratien haben vielleicht noch keinen institutionellen Schutz gegen den willkürlichen Einsatz der Exekutive
- vor allem der Sicherheitskräfte".
1991 war ein Jahr "großer Fortschritte für die Sache der Demokratie und Menschenrechte weltweit", so Schifter. "Die Probleme, mit denen sich die Welt bei der Konsolidierung solcher Fortschritte und der Bewältigung alter
und neuer Bedrohungen grundlegender Freiheiten konfrontiert sieht, dürfen jedoch nicht unterbewertet werden",
fügte er hinzu.
Schifter trifft diese Feststellungen in der Einleitung zum Jahresbericht des Außenministeriums über die Situation
der Menschenrechte auf der Welt. Der vom Kongreß vorgeschriebene Bericht schildert die Menschenrechtspraktiken in allen Nationen, die Hilfe von den Vereinigten Staaten erhalten sowie in allen Mitgliedstaaten der
Vereinten Nationen. International anerkannte Menschenrechtsnormen werden bei der Erstellung des Berichts
angewandt.
Nachfolgend veröffentlichen wir Schifters Einleitung zum Menschenrechtsbericht 1991.

Dieser Bericht wird dem Kongreß und dem Außenministerium gemäß Abschnitt 116(d) und 502(b) des
Gesetzes über Auslandshilfe von 1961 und seiner
Zusatzartikel vorgelegt. Das Gesetz fordert einen
Menschenrechtsbericht über alle Länder, die Hilfe von
den Vereinigten Staaten erhalten sowie über alle Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen. In der Überzeugung, daß diese Informationen dem Kongreß und
anderen Lesern dienlich sein könnten, haben wir auch
Berichte über die wenigen Länder hinzugefügt, die in
keine dieser Kategorien und damit nicht unter die
Vorschriften des Kongresses fallen.
Der Kongreß hat das Gesetz über Auslandshilfe und
die entsprechenden Gesetzesabschnitte geändert, damit
er diese Berichte konsultieren kann, wenn er Hilfsprogramme für bestimmte Länder in Erwägung zieht. Eine
der wesentlichen - vielleicht unbeabsichtigten - Konsequenzen dieser Rechtsvorschriften ist, daß sie Menschenrechtsbelange zum integralen Bestandteil der
AMERIKA DIENST 5

täglichen Berichte und täglichen Entscheidungsfindung des Außenministeriums gemacht haben. Ein für
Menschenrechtsfragen zuständiger Regierungsvertreter in einer Botschaft im Ausland, der einen guten
Jahresbericht über die Menschenrechtslage in dem
Land schreiben möchte, in dem er tätig ist, muß die
Entwicklungen im Bereich der Menschenrechte das
ganze Jahr über sorgfältig und täglich im Auge behalten und beobachten. Infolgedessen wird er über
solche Entwicklungen stets berichten, wenn etwas für
die Menschenrechte Bedeutsames in dem Land geschieht, in das er entsandt wurde. In den vergangenen
13 Jahren wurde das Außenministerium über die auf
der Welt stattfindenden Menschenrechtsverletzungen
entschieden besser informiert und dafür sensibilisiert.
Praktisch im gesamten Verlauf des 20. Jahrhunderts
kam die wichtigste ideologische Herausforderung für
die Sache der Demokratie und Achtung der Menschenrechte aus den zu Beginn dieses Jahrhunderts
Seite 1

�von Wladimir Lenin niedergelegten Doktrinen und
geschaffenen Bewegungen. Die Schrecken des Zweiten
Weltkriegs, so vernichtend sie für die direkt Betroffenen auch sein mochten, waren im Hinblick auf ihre
Auswirkung in Zeit und Ort begrenzt. Es waren Lenin
und der Kommunismus, die den bei weitem längsten
Schatten geworfen und Jahrzehnt um Jahrzehnt die
Entwicklungen auf der gesamten Welt beeinflußt haben.
Hand in Hand mit der messianischen Prophezeiung
kam der gefürchtete Apparat der Geheimpolizei, dessen Aufgabe es war, alle abweichenden Meinungen zu
unterdrücken und damit alle unter seiner Herrschaft
grundlegender Menschenrechte zu berauben. In diesen Bänden haben wir in den vergangenen vier Jahren
die wesentlichen Veränderungen, die sich in dem von
Lenin geschaffenen Staat und seiner Partei vollzogen
haben sowie die Lockerung der totalitären Herrschaft
unter der Führung von Michail Gorbatschow, chronologisch verzeichnet. Wir müssen jetzt die dramatischen Ereignisse des Jahres 1991 festhalten, die
Lenins sozialem Experiment in eben dem Land den
Todesstoß versetzten, in dem es ins Leben gerufen
wurde.
In diesem Bericht über die Menschenrechtsentwicklungen möchten wir besonders auf die Ereignisse vom
22. August 1991 verweisen, als die Statue von Felix
Dscherschinski von ihrem Podest vor dem KGB-Hauptquartier in Moskau gestürzt wurde. "Der eiserne Felix",
Lenins Chef der Geheimpolizei und Gründer eines den
gesamten Globus umspannenden Netzes von Agenten der brutalen Unterdrückung, der noch am 20.
August versucht hatte, der Sowjetunion seinen Willen
aufzuzwingen, war endlich von seinem Ehrenplatz
entfernt worden. Es war ein symbolischer Akt, aber er
markierte in passender Weise das Ende einer Ära.
Weit von seinem Geburtsort entfernt ist der Leninismus - wenn auch im Absteigen begriffen - immer noch
die Überzeugung, in deren Namen die Menschen
unterdrückt werden. Und es gibt andere weniger
traditionelle Herausforderungen für die Menschenrechte ebenso wie neue Herausforderungen.
Nun, da das albanische Volk sein Land auf den Weg
der Demokratie gebracht hat, verschwinden die Überzeugungen, die von dem europäischen Kontinent
ausgingen und die Stalin Marxismus-Leninismus taufte, im großen und ganzen aus Europa. Als ausländischer Import überleben sie jedoch in China, wo sie das
Leben eines Fünftels der Menschheit kontrollieren
sowie in vier anderen Ländern: Nordkorea, Kuba,
Vietnam und Laos. Die Überzeugung, die diese
Bewegung einst inspirierte, ist längst dahin. Kommunismus ist heute eher ein System für die Ausübung von
Macht durch alternde herrschende Eliten, die - obwohl
zunehmend der Denkweise ihrer Untertanen entrückt
- immer noch die ihnen zur Verfügung stehende Macht
benutzen, um jeden unabhängigen Gedanken zu unterdrücken.

Seite 2

Repressive Regierungen sind jedoch nicht auf die
Länder beschränkt, die immer noch für leninistische
Prinzipien eintreten. Diktaturen, die ihre höchst eigenen oder überhaupt keine Ideologien anbieten, bestehen weiterhin. Burma, dessen gefangengehaltene
populäre Politikerin Aung San Suu Kyi den Friedensnobelpreis erhielt, lenkte im Jahr 1991 besondere
Aufmerksamkeit auf sich. Dasselbe tat natürlich auch
die Einmanndiktatur im Irak. Dies sind nur zwei
Beispiele einer Kategorie von Ländern, in denen entweder im Namen einer religiösen und weltlichen Ideologie oder ohne irgendeine ideologische Verpflichtung
jegliche Oppositon gegenüber dem Staat und alle
unabhängigen Institutionen durch eine allgegenwärtige Geheimpolizei oder einen innenpolitischen Apparat
von Spitzeln unterdrückt werden, die dem Bürger
Angst einflößen.
Zwischen den völlig repressiven Diktaturen einerseits
und den Demokratien andererseits besteht eine ganze
Bandbreite autoritärer Regime, die nicht versuchen,
alle Formen sozialer Interaktion in ihren Ländern zu
kontrollieren, sondern die ihre Position und Vorrechte
sorgfältig gegen jede Gruppe verteidigen, die versucht, sie abzulösen. Die Zahl von Regimen dieser Art
ist insbesondere in Afrika im Verschwinden begriffen,
wo Demokratien mit mehreren Parteien und freie Wahlen
in einer wachsenden Zahl von Ländern an die Stelle
der Einmannherrschaft und manipulierter Wahlen
getreten sind. AfrikasüdlichderSaharawar1991 nach
wie vor die Region, in der Demokratie und Achtung der
Menschenrechte neue Fortschritte machen. Sambia,
in dem das lange herrschende Einparteienregime in
einer freien und fairen Wahl vernichtend geschlagen
wurde, ist ein besonders bemerkenswerter Fall.
Obwohl demokratische Prinzipien die Grundlage bilden, auf der ein die Menschenrechte wahrendes Regierungssystem aufgebaut werden kann, garantiert
die bloße Tatsache, daß die Vertreter von Exekutive
und Legislative eines Landes in freien und fairen
Wahlen gewählt werden, nicht notwendigerweise, daß
die Grundfreiheiten und Menschenrechte aller Bürger
voll und ganz geschützt werden. Dies gilt insbesondere in Abwesenheit einer unabhängigen Judikative, die
in der Lage ist, die Rechte der Bürger gegen Aktionen
der Exekutive oder Legislative zu schützen, die zu international anerkannten Menschenrechtsnormen im
Widerspruch stehen.
Der weltweite Auftrieb der Demokratie ist zweifelsohne
eine gute Nachricht für die Sache der Menschenrechte. Wir müssen jedoch berücksichtigen, selbst demokratisch gewählte Regierungen können sich ernsthafter Menschenrechtsverletzungen schuldig machen.
Insbesondere die neuen Demokratien haben vielleicht
noch keinen institutionellen Schutz gegen den willkürlichen Einsatz der Exekutive - vor allem der Siclierheitskräfle. Die alltäglichsten dieser Menschenrechtsverletzungen sind der Einsatz unangemessenen Drucks

AMERIKA DIENST 5 .

�oder sogar der Folterung, um Geständnisse von Personen zu erzwingen, die schwerer Verbrechen verdächtigt werden, insbesondere die des Terrorismus
Angeklagten. Je ernsthafter die terrroristische Bedrohung, desto größer die Anzahl der Zwischenfälle des
Mißbrauchs polizeilicher Macht. (Mißbrauch polizeilicher Macht und Folterung sind natürlich auch unter
autoritärer oder totalitärer Herrschaft an der Tagesordnung).

stischen Diktaturen in vielen Ländern bewirkt, sondern
auch gewalttätige Konflikte und Menschenrechtsverletzungen verursacht, die sich auf den weltweiten Niedergang politischer Ideologie gründen. Gleichzeitig
haben wir bedauerlicherweise vermehrt ernsthafte
bewaffnete Konflikte und Menschenrechtsverletzungen beobachtet, die sich aus ethnischen und religiösen
Differenzen ergeben. Die Schaffung von Mechanismen zur Lösung dieser auf Volkszugehörigkeit oder
Religion gegründeten Differenzen und Bestrebungen
zur Bekämpfung von Intoleranz stehen zweifelsohne
an oberster Stelle der Herausforderungen, mit denen
sich die internationale Staatengemeinschaft jetzt konfrontiert sieht.

In Abwesenheit einer unabhängigen Judikative und
eines fest verankerten demokratischen Bewußtseins
in den neuen Demokratien sind die jüngsten Fortschritte keinesfalls gesichert. Die Gefahr eines Rückfalls in
autoritäre Herrschaft ist am größten, wo die Erwartungen für baldige wirtschaftliche Verbesserungen enttäuscht worden sind. Die Herausforderung für die
etablierten Demokratien der Welt besteht darin, diesen
neuen die Hürde überwinden zu helfen, sich selbst zu
erhalten.

Zusammenfassend läßt sich sagen, 1991 war ein Jahr
großer Forschritte für die Sache der Demokratie und
Menschenrechte weltweit. Die Probleme, mit denen
sich die Welt bei der Konsolidierung solcher Fortschritte und der Bewältigung alter und neuer Bedrohungen
grundlegender Freiheiten konfrontiert sieht, dürfen
jedoch nicht unterbewertet werden.

Der krasse Verlust an Einfluß der kommunistischen
Bewegung weltweit hat nicht nur das Ende der lenini* *

AMERIKA DIENST 5

*

Seite 3

�HANDEL
5. Februar 1992

DOBBINS DRÄNGT AUF BALDIGE EINIGUNG
ÜBER HANDELSABKOMMEN
Rede des US-Botschafters bei der EG
BRÜSSEL- (AD) - Es liegt in den Händen der Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft, die
Genfer Verhandlungen über ein neues Welthandelsabkommen zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen,
erklärte der amerikanische Botschafter James F. Dobbins am 27. Januar 1992.
In einer Rede bei dem Seminar über Unternehmenspolitik des Center for European Policy Studies (CEPS)
unterstrich der US-Vertreter bei der Europäischen Gemeinschaft die Notwendigkeit für eine "baldige Einigung"
über ein Welthandelsabkommen.
"Wenn es uns nicht gelingt, ein solches Abkommen zu erlangen", so Dobbins, "könnte der daraus resultierende Druck den Schlüsselbereich der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Westeuropa auszuhöhlen beginnen, auf den sich jede umfassendere Vision der Zusammenarbeit gründet."
Gleichzeitig würde ein erfolgreicher Abschluß der Verhandlungen "den aufstrebenden Demokratien des Ostens
demonstrieren, daß ein globales System freien Handels mit Privilegien und Regeln beim Handel mit Waren,
Dienstleistungen und geistigem Eigentum existiert, dem sie beitreten und von dem alle Sektoren ihrer Wirtschaft
profitieren können", stellte Dobbins fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Dobbins im Wortlaut.

Die Auflösung der Sowjetunion bewirkte eine Flut von
Leitartikeln, die das vermeintliche Entstehen einer
unipolaren Welt mit den Vereinigten Staaten als alleiniger Supermacht andeuteten. Viele von denen, die
sich 40 Jahre lang über das Gespenst von Supermachtblöcken Sorgen gemacht haben, scheinen jetzt
den Verlust der mäßigenden Wirkung der Sowjetunion
auf den amerikanischen Einfluß zu bedauern.
Alle Sorgen, daß Amerika in der Welt nach dem kalten
Krieg danach trachten wird, seine globale Verantwortung auszuweiten, scheinen schlecht begründet, wie
selbst die oberflächlichste Betrachtung der innenpolitschen Debatten in den Vereinigten Staaten belegen
sollte. Andererseits wären die Vereinigten Staaten die
ersten, die dem Gedanken zustimmen würden, daß
die Auflösung der Sowjetunion Fortschritte zur europäischen Integration noch zwingender erforderlich macht.
Das herausragende Kriterium der amerikanischen
Diplomatie während des kalten Kriegs war die Suche
nach mächtigen, verläßlichen Partnern. Die amerikanische Reaktion auf jede größere internationale Herausforderung, vom Fall des Eisernen Vorhangs bis zur
irakischen Invasion in Kuwait bestand darin, eine kolAMERIKA DIENST 5

lektive Reaktion der umfassendsten internationalen
Koalition anzustreben, die versammelt werden konnte.
Das Ende des kalten Kriegs und der Zerfall der Sowjetunion haben die amerikanische Entschlossenheit gefestigt, die Kosten, Risiken und Verantwortung für die
Bewahrung einer friedlichen und demokratischen internationalen Ordnung so weit wie möglich zu teilen.
Mit ihrer Zustimmung, der europäischen Gemeinschaft
1989 die Verantwortung zur Organisation der gesamten westlichen Hilfe für Osteuropa zu übertragen, mit
ihrer Unterstützung der EG-Führungsrolle in Jugoslawien, dem Vorschlag einer Beteiligung der EG am
Friedensprozeß im Nahen Osten, mit dem Antrag an
die EG und ihre Mitglieder, den Vorsitz bei vier der fünf
Arbeitsgruppen bei der jüngsten Washingtoner Konferenz über Hilfe für die ehemalige Sowjetunion zu
übernehmen und dem Vorschlag, daß die EG Veranstalter und Gastgeber einer zweiten solchen Konferenz in Europa sein sollte, haben sich die Vereinigten
Staaten wiederholt um Unterstützung und Führung
beim Aufbau einer neuen Weltordnung nach dem
kalten Krieg an die Europäische Gemeinschaft gewandt.

Seite 1

�Der Gipfel von Maastricht war nicht nur der Höhepunkt
eines intensiven Prozesses europäischer Diplomatie,
sondern auch ein wichtiger Schritt nach vorn im umfassenderen Prozeß des europäischen und atlantischen
Umbruchs, für den sich auch die Vereinigten Staaten
stark engagiert haben. Ich möchte daher meine Ausführungen über die Aussichten für eine gemeinsame
europäische Außen- und Sicherheitspolitik nach
Maastricht in diesen breiteren Kontext stellen.
Erstens möchte ich die sich abzeichnende
amerikanische Haltung gegenüber der Europäischen Gemeinschaft ansprechen.
Zweitens möchte ich die Prioritäten der Gemeinschaft bei der Außen- und Sicherheitspolitik kommentieren.
Und schließlich möchte ich einige Betrachtungen über die längerfristigen Aussichten einer
Europäischen Union anstellen.
Das neue Europa und der neue Atlantizismus
Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Einen
Monat später legte Außenminister Baker in seiner
Rede in Berlin die amerikanische Reaktion auf die in
Europa und der Welt stattfindenden demokratischen
Veränderungen dar.
Bei dieser Gelegenheit sprach Baker von einem neuen
Europa und einem neuen Atlantizismus. Er befürwortete:
Ein in alle westlichen Institutionen voll integriertes vereinigtes Deutschland,
eine erneuerte NATO mit neuer politischer
Verantwortung,
eine institutionalisierte KSZE mit neuen Strukturen und Mandaten sowie
eine geschlossenere europäische Gemeinschaft
mit stärkeren, offizielleren Verbindungen zu den
Vereinigten Staaten.
In weniger als einem Jahr war jeder dieser Vorschläge
verwirklicht worden.
Im Juli 1990 lud die NATO alle Länder des
Warschauer Pakts ein, Vertreter nach Evere zu
entsenden und eine direkte Liaison-Beziehung
zum Atlantischen Bündnis aufzunehmen.
Am 3. Oktober gelangten die "Zwei-plus-Vier"Verhandlungen über die Wiedervereinigung
Deutschlands zu ihrem historischen Abschluß.
Am 21. November schufen die europäischen
und atlantischen Staats- und Regierungschefs
in Paris eine neue institutionelle Grundlage für

Seite 2

den KSZE-Prozeß einschließlich eines Sekretariats, eines Konfliktverhütungszentrums, eines Büros für freie Wahlen und einer Parlamentarischen Versammlung.
Zwei Tage später, am 23. November, gaben die
Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft eine gemeinsame Erklärung ab. Sie
erweiterten den Umfang ihrer Zusammenarbeit
und leiteten sechs hochrangige Treffen pro Jahr
in die Wege - zwei Gipfel, zwei Treffen der 12
EG- und des amerikanischen Außenministers
sowie zwei Sitzungen wichtiger Mitglieder der
Kommission und des amerikanischen Kabinetts.
Sie vereinbarten ferner, daß dieser einzigartig
dichtgedrängte Zeitplan hochrangiger Kontakte
durch ein erweitertes Netz der Zusammenarbeit
auf der Ebene hochrangiger Regierungsvertreter und Experten unterstützt werden sollte.
Kaum waren die Innovationen in der europäischen und
atlantischen Architektur eingeführt, als das Tempo des
Wandels im Osten weitere Kreativität im Westen stimulierte. 1990 reagierten wir auf die Befreiung Osteuropas und die Wiedervereinigung Deutschlands. 1991
lenkte der Westen sein Augenmerk auf die sich in der
Sowjetunion vollziehende Auflösung.
Am 18. Juni 1991 - durch Zufall wiederum in Berlin entwickelte Außenminister Baker die amerikanische
Vision der europäischen und atlantischen Strukturen
weiter. Indem er die Evolution in Westeuropa zu
supranationalen Autoritätsformen dem Zerfall im Osten gegenüberstellte, argumentierte Baker, die grundlegende Herausforderung bestehe darin, eine "euroatlantische Gemeinschaft" zu schaffen, die mit der Zeit
die Atlantische Partnerschaft auf freie Menschen und
demokratische Regierungen von "Vancouver bis Wladiwostok" ausdehnen würde. Bei der Schaffung dieser
umfassenderen Gemeinschaft sollte die EG eine zentrale
Rolle spielen.
In den seit dem Sommer vergangenen Monaten wurden bereits eine Reihe von Schritten zur Stärkung
westlicher Institutionen und der Integration der aufstrebenden Demokratien des Ostens in umfassendere
kooperative Strukturen unternommen.
Am 22. Oktober vereinbarten EG und EFTA die
Schaffung eines Europäischen Wirtschaftsraums,
mit dem der Europäische Binnenmarkt auf 19
Länder und 380 Millionen Menschen erweitert
würde.
Am 8. November luden die Staats- und Regierungschefs der NATO alle Mitglieder des ehemaligen Warschauer Pakts zur Teilnahme an
einem zur Zeit unter der Schirmherrschaft der
NATO stehenden Sicherheitsforum ein, das sich
"von Vancouver bis Wladiwostok" erstreckt.

AMERIKA DIENST 5

�Vom 9. bis 10. Dezember einigten sich die
Staats- und Regierungschefs der Europäischen
Gemeinschaft in Maastricht auf einen Vertrag
über eine Europäische Politische, Wirtschaftsund Währungsunion.
Am 16. Dezember unterzeichnete die Europäische Gemeinschaft Assoziierungsabkommen
mit Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei
mit der langfristigen Aussicht auf Mitgliedschaft
in der Gemeinschaft.
Am 17. Dezember unterzeichneten die Vereinigten Staaten, die Europäische Gemeinschaft,
die Nationen Osteuropas und die Republiken
der ehemaligen Sowjetunion eine Europäische
Energiecharta.
Am 20. Dezember nahmen Vertreter der Sowjetunion und ihrer fünf ehemaligen Verbündeten im NATO-Hauptquartier in Evere am ersten
Ministertreffen des Nordatlantischen Kooperationsrats teil.
Im vergangenen Herbst riefen die atlantischen Bündnisparter in nur acht Wochen somit durch getrennte
und gemeinsame Bestrebungen folgende Institutionen
ins Leben:
einen Europäischen Wirtschaftsraum,
ein neues Euro-Atlantisches Sicherheitsforum,
eine Europäische Währungsunion und
eine Europäische Politische Union.
Mißerfolg beim GATT
In einer wichtigen Hinsicht ist es den Bündnispartnern
in den letzten Monaten des Jahres 1991 nicht gelungen, ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Infolgedessen fehlt uns immer noch einer der entscheidenden
Bausteine der euro-atlantischen Gemeinschaft. Ich
beziehe mich auf die nichtzustandegekommene Einigung zwischen den Vereinigten Staaten und der EG
über ein neues Welthandelsabkommen im Rahmen
der Uruguay-Runde des GATT.
Dieses Problem dominierte die von Präsident Bush mit
Kommissions-Präsident Delors und Premierminister
Lubbers am 8. November in Den Haag geführten
Gespräche. Auch beim Treffen von Außenminister
Baker mit diesen beiden Politikern und anderen Mitgliedern der EG-Kommission am 20. Dezember in
Brüssel wurde diese Frage wiederholt angeschnitten.
Im November und Dezember vergangenen Jahres
erzielten die Vereinigten Staaten und die EG gemeinsam beachtliche Fortschritte, am Jahresende waren
wir jedoch nach wie vor beim entscheidenden Thema
der Agrarsubventionen uneinig.

AMERIKA DIENST 5

Die Genfer Verhandlungen über ein neues Welthandelsabkommen stehen jetzt an der Schwelle des Erfolgs - oder Mißerfolgs. Es liegt in den Händen der
Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft, diese Gespräche zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen. Dadurch könnten sie den aufstrebenden Demokratien des Ostens demonstrieren, daß
ein globales System freien Handels mit Privilegien und
Regeln beim Handel mit Waren, Dienstleistungen und
geistigem Eigentum existiert, dem sie beitreten und
von dem alle Sektoren ihrer Wirtschaft profitieren
können.
Im Hinblick auf die derzeitige Situation kommentierte
Wirtschaftsminister Möllemann vor kurzem: "Am
Vorabend des Abschlusses der Uruguay-Runde bieten die Gemeinschaft und ihre Mitgliedstaaten ein
frustrierendes Bild der Widersprüche und ängstlicher
Unentschlossenheit."
Außenpolitische Prioritäten nach Maastricht
Dies ist keine Zeit der Unentschlossenheit. In den
kommenden Jahren wird das Tempo des Wandels im
Osten weiterhin das Tempo institutioneller Innovationen aus dem Westen bestimmen. Der Europäischen
Gemeinschaft wird keine Atempause nach den Strapazen von Maastricht gegönnt, keine Muße, um über
die übernommenen neuen Aufgaben nachzudenken.
Selbst während Europa mit der Verstärkung der zur
Erlangung einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik erforderlichen Instrumente beginnen muß,
müssen die Bedürfnisse der ehemaligen Sowjetunion
angesprochen, ein Ende des Bürgerkriegs in Jugoslawien vermittelt, Frieden im Nahen Osten herbeigeführt
und auf die länger werdende Schlange der Länder
reagiert werden, die den Beitritt zur EG anstreben.
Vergangene Woche wurde die erste Koordinierungskonferenz über Hilfe für die Nachfolgestaaten der
ehemaligen Sowjetunion in Washington abgehalten.
Die Europäische Gemeinschaft und ihre Mitgliedstaaten waren unsere wichtigsten Partner bei der Veranstaltung dieses Treffens und werden bei der Nachfolgekonfernz eine noch zentralere Rolle spielen. Wir
beide sehen das Washingtoner Treffen als Ausgangspunkt für langfristige Bestrebungen an. Wir beabsichtigen, daß die in Washington gegründeten Arbeitsgruppen, von denen vier von der EG und ihren Mitgliedstaaten geleitet werden, dauerhafte Verantwortung für
die Koordinierung der Hilfe in ihren Bereichen übernehmen sollen. Wir haben die Gemeinschaft gebeten,
die zweite von drei Konferenzen zu organisieren und
den Vorsitz zu übernehmen, und die Gemeinschaft hat
ihre Zustimmung gegeben.
Auch die NATO wird bei diesen Bestrebungen eine
positive Rolle zu spielen haben. Seite an Seite haben
die NATO und die Europäische Gemeinschaft vergan-

Seite 3

�gene Woche an der Washingtoner Konferenz über
Hilfe für die ehemalige Sowjetunion teilgenommen.
Beide Organisationen haben herausragende Fähigkeiten beizutragen - die Gemeinschaft bei der Mobilisierung von Unterstützung und die NATO bei der
Organisation der Lieferungen. Die Krise in der ehemaligen Sowjetunion bietet diesen beiden Institutionen,
die bis heute wenig Erfahrung in direkter Kooperation
haben, eine Chance, mit dem Aufbau einer neuen, auf
Zusammenarbeit ausgerichteten Beziehung zu beginnen, einer Beziehung, die auf die Bedürfnisse der Welt
nach dem kalten Krieg und die Entwicklung einer
europäischen Union mit einer gemeinsamen Ausgangsbasis zur Außen-, Sicherheits- und gegebenenfalls
Verteidigungspolitik eingeht.
Die Diplomatie der Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft im Nahen Osten und in Jugoslawien ist durch eine stillschweigende Arbeitsteilung
charakterisiert - die Vereinigten Staaten übernehmen
die Führungsrolle bei der Beilegung des arabischisraelischen Konflikts und die EG bei der Herbeiführung von Frieden in Jugoslawien. Dies ist eine rationelle Arbeitsteilung, die den jeweiligen Mustern von Hilfe
und Handel, historischen Bindungen und lokalen Empfindlichkeiten Rechnung trägt. Während die Bestrebungen Fortschritte machen, muß jeder von uns jedoch im anderen Bereich aktiver werden. Die Vereinigten Staaten werden aufgefordert, ein Friedenstruppe
in Jugoslawien zu unterstützen. Die Europäische Gemeinschaft wird, so hoffen wir, eine herausragendere
Rolle beim Friedensprozeß im Nahen Osten übernehmen, wenn sich dieser über bilaterale Verhandlungen
zwischen den Parteien der Region zu einer umfassenderen Berücksichtigung regionaler wirtschaftlicher,
umweltpolitischer und anderer Fragen ausdehnt.

Osten, Jugoslawien, EG-Beitritt, Hilfe für die Sowjetunion befassen müssen - selbst während sie mit ihrer
eigenen umfangreichen Tagesordnung kämpft, einschließlich der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik,
dem Delors-Il-Haushaltspaket, Verwirklichung des
Binnenmarkts, Erarbeitung und Ratifizierung des
Abkommens von Maastricht.
Nie zuvor hat sich die Gemeinschaft mit einer solch
komplexen und anspruchsvollen Bandbreite von internen und externen Herausforderungen konfrontiert
gesehen. Nie zuvor wurde soviel von ihr erwartet. Für
einen Amerikaner, für den unser Streben nach "einer
perfekteren Union" geschichtsträchtig ist, sieht Europas Weg zu einer"noch engeren Union" in der Tat steil
aus. Einige der Hindernisse haben bekannte Vorläufer
in unserer Vergangenheit - beispielsweise das Gerangel um Macht und Souveränität zwischen der Union
und ihren Mitgliedstaaten. Aber in vieler Hinsicht sind
die Herausforderungen für eine Europäische Union
einzigartig.
Die Sprachenvielfalt ist eine von ihnen. Die Wirksamkeit jeder Außenpolitik hängt nicht nur von dem hinter
ihr stehenden wirtschaftlichen und militärischen Gewicht ab, sondern auch von der Genauigkeit, den
Nuancen und der Entschlossenheit, mit der sie durchgeführt wird. Einfluß in einer zunehmend dynamischen Welt hängt auch von dem Tempo ab, mit dem
die geeigneten Maßnahmen entwickelt, verwirklicht
und geändert werden können. Es liegt im Wesen der
Gemeinschaft begründet, daß sie sich in diesen Bereichen im Nachteil befindet. In dem Maße, in dem die
Erweiterung und nationaler Druck die Zahl der Arbeitssprachen erhöhen, in denen die Gemeinschaft ihre
Außenpolitik entwickeln und durchführen muß, scheint

sich dieser Nachteil zwangsläufig zu potenzieren.
In Maastricht haben die europäischen Staats- und
Regierungschefs die Kommission angewiesen, Vorschläge im Hinblick auf die Frage des EG-Beitritts zu
unterbreiten, die dem Europäischen Rat im kommenden Juni zur Erörterung vorgelegt werden sollen. Die
Liste der Anwärter ist lang und noch nicht abgeschlossen. Die Debatte der Gemeinschaft über die Erweiterung, die in diesem Jahr noch an Hitzigkeit zunehmen
wird, ist eine Diskussion über die zukünftige Gestaltung Europas. Es ist eine Debatte über die Definition
Europas und wer ein Europäer ist. Es ist auch eine
Debatte über die zukünftige Beziehung Europas zu
den Vereinigten Staaten. Wir erhoffen von der Gemeinschaft Antworten, die sowohl die europäische
Einheit als auch die transatlantische Partnerschaft
fördern.
Aussichten einer Europäischen Union in
Außen- und Sicherheitspolitik
In den kommenden Wochen wird die Gemeinschaft
sich mit all diesen vordringlichen Problemen wie Naher

Seite 4

Ein ähnliches Hindernis für eine europäische Union ist
die national geprägte öffentliche Meinung in Europa.
Es ist in der Tat irreführend, von einer europäischen
öffentlichen Meinung zu sprechen. In den meisten
Bereichen - zumindest in der außenpolitischen Arena
- ist die europäische Meinung deutlicher entlang nationaler Grenzen geteilt als nach After, Geschlecht, Schicht,
Einkommen oder politischer Partei. Die enormen nach Nationalität gegliederten - Unterschiede der öffentlichen Reaktionen auf die irakische Invasion in
Kuwait und jüngst auf die Auflösung Jugoslawiens
illustrieren das vielleicht größte einzelne Hindernis bei
der Erarbeitung eines gemeinsamen europäischen
Ansatzes zu solchen Herausforderungen.
Angesichts des Fehlens echter Euro-Medien ist dies
ein Phänomen, das schwer zu ändern sein wird. Der
Erfolg von CNN - oder, was das anbetrifft, MTV - legt
den Schluß nahe, daß es einen Markt für grenzüberschreitende Nachrichten- und Unterhaltungsprogramme gibt. Auch hier kann der nationale Druck es jedoch

AMERIKA DIENST 5

�der Gemeinschaft erschweren, Euro-Programme in
einer oder zwei der wichtigsten Sprachen zu fördern,
was sich kommerziell als die einzig mögliche Option
erweisen könnte.
Die Kontrolle über die Außen- und Sicherheitspolitik
ist eine der grundlegendsten Voraussetzungen für
Souveränität. Es überrascht daher kaum, daß die
Mitgliedstaaten nach wie vor zögern, in diesen Breichen Boden abzutreten. Weit davon entfernt, ihren
Sitz in internationalen Foren aufzugeben, ist die derzeit favorisierte Lösung schlicht und einfach, einen 13.
Sitz hinzuzufügen. In Wirklichkeit bittet die Gemeinschaft vielmehr die Nichtmitglieder statt der Mitglieder,
für die sich abzeichnende Europäische Union Platz am
Tisch zu machen. Eine meiner Aufgaben in den
vergangenen Monaten bestand darin, mit der Komplexität europäischer Institutionen weniger vertrauten
Vertretern meiner Regierung wiederholt zu erläutern,
warum ein Europa auf dem Wege der Vereinigung
größere Vertretung benötigt als wenn es noch immer
geteilt wäre.
Das Streben der Gemeinschaft nach einem 13. Sitz an
jedem Verhandlungstisch nimmt immer noch an Dynamik zu. Wir verstehen die institutionellen Bedürfnisse
Europas. Wir wissen den Beitrag zu schätzen, den die
Kommission selbst in einerwachsenden Zahl internationaler Foren macht. Letztlich wird jedoch die wahre
Meßlatte der europäischen Fortschritte zu einer noch
geschlosseneren Union die Konsolidierung seiner
Vertretung, nicht deren Multiplizierung sein.
Einer von Shakespeares Protagonisten verweist auf
seine Fähigkeit, "Geister aus der wüsten Tiefe" zu
rufen. "Ei ja, das kann ich auch, das kann ein jeder",
ist die skeptische Antwort. "Doch kommen sie, wenn
Ihr nach Ihnen ruft?"
Der wahre Test für eine gemeinsame europäische
Außenpolitik wird nicht in der Fähigkeit bestehen, sich
auf eine gemeinsame Formulierung zu einigen, sondern der Fähigkeit, gemeinsame Ziele zu erlangen. In
ihren frühen Jahren manifestierte sich die Europäische
Politische Zusammenarbeit vornehmlich in öffentlichen Erklärungen, die - welche Befriedigung sie auch
immer im eigenen Land ausgelöst haben mögen hauptsächlich dazu führten, die Regierungen vor den
Kopf zu stoßen, gegen die sie gerichtet waren. Israels
Einstellung gegenüber der Europäischen Gemeinschaft
ist immer noch von den Narben belastet, die dem Land
während dieser Periode manifestartiger Diplomatie
zugefügt wurden.
In den vergangenen Jahren hat die Gemeinschaft
begonnen, ihre Diplomatie mit der Kommission zur
Verfügung gestellten substantielleren Ressourcen zu
untermauern, um die von der Gemeinschaft vereinbarten Ziele zu erreichen. Dies hat Einfluß und Wirkung
der EG-Diplomatie auf Osteuropa, den Nahen Osten
und die ehemalige Sowjetunion maßgeblich verstärkt.
AMERIKA DIENST 5

Die so verwendeten Ressourcen können in Einfluß
umgesetzt werden. Der Einfluß der Gemeinschaft ist
jedoch nicht einfach die Summe der von den Mitgliedstaaten eingebrachten Ressourcen. In dem Maße, in
dem die Mitgliedstaaten tatsächlich Handel und Investitionen in unterschiedlicher, wenn nicht gar konkurrierender Weise tätigen, können sich ihre Bestrebungen negativ statt konstruktiv bei der Kalkulation des
Einflusses der Gemeinschaft insgesamt auswirken.
Der deutsche finanzielle Beitrag zur Sicherstellung des
sowjetischen Truppenabzugs aus Ostdeutschland ist
beispielsweise von entscheidender Bedeutung für die
westliche Sicherheit. Niemand - am wenigsten die
Empfänger - wird jedoch Ressourcen, die so eindeutig
von einem ihrer Mitgliedstaaten für solch einen andersartigen und unterschiedlichen Zweck zur Verfügung
gestellt wurden, den humanitären Hilfsleistungen der
Europäischen Gemeinschaft zuschreiben.
Die Bereitschaft der Gemeinschaft zur Zusammenlegung ihrer Ressourcen und die noch immer wachsende Anziehungskraft ihres Binnenmarkts sichern der
Gemeinschaft zunehmendes diplomatisches Gewicht.
Es liegt in der Natur der Gemeinschaft, daß ihr politischer Prozeß jedoch noch immer im großen und
ganzen ein offener ist. Ihre kollektive Diplomatie ist
daher noch immer nahezu ausschließlich öffentlich.
Man kann sich schwerlich die EG-Außenminister vorstellen, die eine Entscheidung erzielen, zu deren
unverzüglicher Bekanntgabe sie sich nicht gezwungen
fühlen. Vertrauliche Diplomatie bleibt daher im Wesentlichen den Mitgliedstaaten überlassen, die dazu
tendieren, die Ziele der Gemeinschaft abhängig von
nationalen Perspektiven und Prioritäten mit mehr oder
weniger Enthusiasmus zu verfolgen.
Ich erwähne all diese bekannten Hindernisse für eine
Union - Sprachenvielfalt, national orientierte Medien
und öffentliche Meinung sowie die Spannungen zwischen der Autorität der Zentralregierung und den Mitgliedstaaten - nicht, um die Gemeinschaft zu kritisieren
und noch weniger, um die Bedeutung der in Maastricht
errungenen Leistungen herabzuwürdigen. In der Tat
kann man nur anerkennen, wie weit die Gemeinschaft
in Maastricht gekommen ist und wie beeindruckend
ihre Errungenschaften bei der Erarbeitung einer gemeinsamen Politik gegenüber Osteuropa, Jugoslawien und der ehemaligen Sowjetunion waren, wenn
man sich vor Augen führt, wie gro ß die Hindernisse für
eine Europäische Union sind.
Auf längere Sicht könnte die europäische Außen- und
Verteidigungspolitik durch die sehr tiefgreifenden
Bestimmungen des Maastrichter Abkommens zu einer
Währungsunion eher Auftrieb erfahren als durch die
vorsichtigeren Verfügungen, die spezifisch auf die
Entwicklung einer "gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik" abzielen. Kann eine zentrale Währungsbehörde lange existieren, ohne das Entstehen einer
zentralen Wirtschafts- und Finanzbehörde zu bedinSeite 5

�gen? Wenn eine zentrale Gewalt für Wirtschafts- und
Finanzpolitik entsteht, wie lange wird dann die Verantwortung für Außen- und Sicherheitspolitik außerhalb
ihrer Kompetenz bleiben? Die Geschichte enthält
wenige Beispiele, in denen die Behörde für Wirtschaftspolitik lange von der Verantwortung für auswärtige Angelegenheiten getrennt blieb.

Die Verwirklichung dieses Ziels hängt stark von der
Fähigkeit der Gemeinschaft ab, die für sie in Maastricht definierten Ziele zu erlangen. Der Erfolg hängt
auch von der weiteren Ausdehnung der in der gemeinsamen Erklärung der Vereinigten Staaten und der EG
am 1. November 1990 formulierten transatlantischen
Partnerschaft ab.

Die jüngsten Erfahrungen mit der Angleichung der
deutschen Währung legen eine solche Verbindung
nahe. Bundeskanzler Kohl schlug die deutsche
Währungsunion als Abkürzung zur deutschen politischen Union vor. Sicherlich waren sich einige der
Verfechter der Europäischen Währungsunion - unter
denen Bundeskanzler Kohl eine prominente Stellung
einnimmt - der deutschen Erfahrung bewußt. Wir
können daher auf eine ähnliche Synergie zwischen
Währungs- und Politischer Union auf europäischer
Ebene hoffen.

Wir haben begonnen, maßgebliche Fortschritte zu
diesen Zielen zu machen. Im Abkommen zwischen
EG und EFTA über einen Europäischen Wirtschaftsraum, in den Assoziierungsabkommen der EG mit
Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei, mit der
Schaffung des Nordatlantischen Kooperationsrats der
NATO und im Maastrichter Abkommen über eine
Politische, Wirtschafts- und Währungsunion haben
Europa und die Vereinigten Staaten Schritte zu solch
einer neuen europäischen und atlantischen Architektur unternommen. Bei der Washingtoner Konferenz
haben die Atlantische Gemeinschaft und die Europäische Gemeinschaft in der vergangenen Woche begonnen, ihre kollektiven Fähigkeiten in die vordringliche Aufgabe der Unterstützung der ehemaligen Sowjetunion einzubringen.

Zu einer euro-atlantischen Gemeinschaft
Wenn wir die zukünftige Gestalt Europas betrachten,
liegt es auf der Hand, ziemlich grundlegende Fragen
zu stellen. Wie werden sich Institutionen wie die NATO
und die EG entwickeln? Wer sind ihre Mitglieder und
wie lautet ihr Mandat in zehn, zwanzig Jahren? Wird
es eine gemeinsame europäische Währung geben
und wie werden Institutionen wie der IWF und die G-7
infolgedessen angepaßt werden müssen? Wird es
eine gemeinsame europäische Verteidigung geben,
und in welcher Verbindung steht sie zum Engagement
der Vereinigten Staaten und der NATO?
Angesichts des Maßes an Unsicherheit über zukünftige Entwicklungen, insbesondere im Osten, kann niemand diese Fragen mit großer Sicherheit beantworten. Die Vereinigten Staaten haben jedoch versucht,
ihre eigene Vision der europäischen und atlantischen
Beziehungen für das nächste Jahrhundert darzulegen.
Die amerikanische Vision steht meines Erachtens voll
und ganz im Einklang mit dem Ziel einer immer geschlosseneren europäischen Union, das von den europäischen Staats- und Regierungschefs im vergangengen Monat in Maastricht umrissen wurde.
Das langfristige Ziel der Vereinigten Staaten ist der
Aufbau der von Außenminister Baker so bezeichnetenen euro-atlantischen Gemeinschaft. Das Konzept
selbst beinhaltet eine beträchtliche Erweiterung der
größten Errungenschaft Europas und der Vereinigten
Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg - der "Atlantischen Gemeinschaft". Dieser Begriff vermittelt unsere
Hoffnung, daß die Muster der Zusammenarbeit und
das Gefühl gemeinsamer Werte, die nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen wurden, im Anschluß an den
kalten Krieg allmählich ganz von "Vancouver bis Wladiwostock" ausgedehnt werden können.

*
Seite 6

Wie ich festgestellt habe, fehlt ein wichtiger Stein
dieses Mosaiks noch. Wir benötigen baldige Einigung
über ein neues Welthandelsabkommen. Wenn es uns
nicht gelingt, ein solches Abkommen zu erlangen,
könnte der daraus resultierende Druck den Schlüsselbereich der Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Westeuropa auszuhöhlen beginnen, auf
den sich jede umfassendere Vision der Zusammenarbeit gründet. Eine GATT-Vereinbarung ist vornehmlich ein Thema für die Vereinigten Staaten und die EG.
Handel, und insbesondere der Agrarhandel, ist der
Bereich, in dem die Kompetenzen der Europäischen
Gemeinschaft am weitesten entwickelt und die Bestrebungen zu einer europäischen Union bereits am weitesten verwirklicht sind. Wenn die Vereinigten Staaten
und Europa hier keine Einigung erzielen können, wo
sich das Engagement unserer gemeinsamen Interessen am deutlichsten manifestiert, wie können wir dann
unsere Bestrebungen zu einer umfassenderen Partnerschaft verwirklichen, von der ebenfalls so viel abhängt.
Europas und Amerikas Bilanz gemeinsamer Leistungen in den letzten beiden Jahren - die Kraft, Flexibilität
und Fähigkeit zu Innovation, die sowohl die Atlantische
als auch die Europäische Gemeinschaft in diesem
Zeitraum unter Beweis gestellt haben - berechtigt zu
Hoffnungen, daß wir gemeinsam dieses Hindernis
überwinden können. Dies ist unabdingbar, wenn Europa
und Amerika Fortschritte zu unseren ehrgeizigen längerfristigen Zielen erlangen wollen: die Schaffung
einer europäischen Union, die Vertiefung der Partnerschaft zwischen der Union und den Vereinigten Staaten sowie die Erweiterung der Atlantischen Gemeinschaft bis zum Pazifik.

*
AMERIKA DIENST 5

�5. Februar 1992

WOHLTÄTIGKEIT IN DEN USA:
EINE TRADITION DES GEBENS UND NEHMENS
Überblick über ehrenamtliche Tätigkeit
WASHINGTON -(AD) - Nirgendwo auf der Welt ist
ehrenamtliche Tätigkeit - das Konzept, eine Sache
oder Organisation durch freiwillige Arbeit zu unterstützen - weiter verbreitet als in den Vereinigten Staaten.
Und nirgendwo ist der Geist der Nächstenliebe offenkundiger als im amerikanischen Volk.
1990, dem letzten statistisch erfaßten Jahr, gaben die
Amerikaner der American Association of Fund Raising
Counsel in New York zufolge über 122 Milliarden Dollar
für Wohltätigkeits- und gemeinnützige Organisationen aus.
Der größte Batzen - über 65 Milliarden Dollar - ging an
Kirchen und religiöse Einrichtungen. 12 Milliarden
wurden für Bildungseinrichtungen gegeben - der Großteil für Colleges und Universitäten. Weitere 11 Milliarden wurden für humanitäre Zwecke und 10 Milliarden
Krankenhäusern und Gesundheitsverbänden gespendet.
83 Prozent dieser Summe kamen von Einzelpersonen.
6,4 Prozent entfielen auf testamentarische Zuwendungen, 5,7 Prozent auf Stiftungen und 4,8 Prozent auf
Unternehmen.
Anderen auf freiwilliger Basis Hilfe zu leisten, ist eine
im dem Pioniergeist verwurzelte amerikanische Tradition, die Nachbarn dazu veranlaßte, sich gegenseitig
beim Überleben in der Neuen Welt zu helfen. Dies ist
das Wesen der Demokratie. Das Konzept ist in vielen
Ländern unbekannt, in denen die Menschen die Auffassung vertreten, jeder sei sich selbst der Nächste.
In Europa verläßt man sich praktisch ausschließlich
auf aus Steuern finanzierte Mittel, die durch den politischen Prozeß verteilt werden.
Die meisten wohltätigen Spenden der Amerikaner
werden direkt für eine spezifische Sache oder Organisation getätigt. Beispielsweise machen Kollekten und
der Zehnte einen Großteil des für religiöse Zwecke
gespendeten Geldes aus. Auch in Einkaufszentren
und auf der Straße spenden manche Leute für Organsiationen wie das Rote Kreuz und die Heilsarmee.
AMERIKA DIENST 5

Sammelaktionen am Arbeitsplatz - im Büro oder Betrieb um eine Spende bitten - ist eine andere weit
verbreitete Methode, in den Vereinigten Staaten Geld
aufzubringen.
Zwei Spendenaktionen - United Way und Combined
Federal Campaign (CFC) - sind in den Vereinigten
Staaten sehr bekannt. Nach Kirchen, Universitäten
und Krankenhäusern bringen sie das meiste Geld für
wohltätige Zwecke auf.
Bei einer einmal pro Jahr durchgeführten Spendenaktion fordern CFC und United Way die Arbeitnehmer
auf, Abzüge von ihrem Lohnstreifen zur Weiterleitung
an einen Wohltätigkeitsverband nach Wahl des Beschäftigten zu gestatten.
Der Hauptunterschied zwischen den beiden Organisationen besteht darin, daß United Way Gelder in der
Privatwirtschaft sammelt, wohingegen CFC sich bei
ihren Spendenaktionen an die Bundesbediensteten
wendet.
Die ältere der beiden Organisationen, United Way,
sammelte 1990 landesweit 3,11 Milliarden Dollar. Aus
ihrer Kampagne des Jahres 1991 fließen immer noch
Mittel, die endgültigen Zahlen werden erst im März zur
Verfügung stehen. CFC, die vom Bundesamt für
Personalverwaltung (Office of Personnel Management
- OPM) kontrolliert wird, sammelte 1990 landesweit
190 Millionen Dollar von Bundesbediensteten.
United Way, die 1988 ihr hundertjähriges Jubiläum
feierte, hat über die Vereinigten Staaten verstreut
2.200 Ortsgruppen, die jeweils eigenständig und unabhängig arbeiten. Im Jahr 1990 halfen Millionen von
United Way angeschlossenen Freiwilligen, Mittel für
über 50 Millionen Menschen aufzubringen.
United Way leitet das gesammelte Geld an Schwesterbehörden, die damit Nahrungsmittel für hungrige Kinder, Beratung für Familien, Kuren bei Krankheiten,
Trost für Sterbende, Unterkunft für Obdachlose und
zahllose andere humanitäte Zwecke finanzieren.

Seite 1

�Auch CFC, Anfang der sechziger Jahre gegründet,
verteilt Mittel für solche Zwecke. Im Gegensatz zu
United Way kann CFC auch Mittel für Bürgerinitiativen
bereitstellen, wie diejenigen, die sich der Beseitigung
von Umweltschäden verschreiben.
1990 sprach CFC 4,7 Millionen Bundesbedienstete im
ganzen Land an, darunter Mitarbeiter in militärischen
Dienststellen und der amerikanischen Bundespost.
Der Leiter der landesweiten Aktivitäten von CFC,
Dennis Matteotti vom OPM, erklärte gegenüber dem
US-Informationsamt, an der Kampagne von 1990 hätten
sich 2,5 Millionen Mitarbeiter beteiligt.
In Washington, wo die meisten Bundesbediensteten
arbeiten, sprach CFC 410.000 Arbeitnehmer an. Über
60 Prozent - etwa 250.000 - stifteten mehr als 30
Millionen der landesweit insgesamt gesammelten 190
Millionen Dollar.
Beide Sammelaktionen für einen guten Zweck, United
Way und CFC, sind eine Symbiose eingegangen. In
den meisten Gemeinden verwaltet United Way die
Kampagne von CFC, weil United Way bereits dort im
Privatsektor etabliert ist.
Die Leiterin von CFC Washington, Kristin J. Oliver, hat
als Mitarbeiterin von United Way in den vergangenen
sieben Jahren für CFC-Kampagnen gearbeitet.
Gemeinsam mit vier anderen Angestellten von United
Way ist sie einem CFC-Vorstand gegenüber verantwortlich.
"Wir führen die Kampagne in Washington als eine Art
Subunternehmer für die Bundesregierung durch", erklärt
sie in einem Interview mit USIA.
United Way wurde 1888 in Denver (Colorado) gegründet, als vier Priester unterschiedlicher Glaubensrichtungen dem Aufruf folgten, sich um die Gesundheit von
Silberminenarbeitern zu kümmern, die sich in der
Gegend angesiedelt hatten. Die Gruppe in Denver
sammelte in jenem Jahr mit der ersten gemeinsamen
Kampagne des Landes 21.000 Dollar.
CFC begann als Reaktion auf eine explosionsartig
zunehmende Zahl von einzelnen Sammelaktionen, bei
denen Bundesbedienstete zu Spenden aufgerufen
wurden. Mit einem 1964 unterzeichneten Präsidialerlaß erhielten Mitarbeiter im öffentlichen Dienst die
Möglichkeit, direkt durch Gehaltsabzug für wohltätige
Zwecke zu spenden.
"Die Bundesbediensteten waren es leid, daß jeden
Monat gesammelt wurde, einen Monat für die Herzstif*

Seite 2

tung, im nächsten für das Rote Kreuz, dann wieder für
andere Zwecke," erklärte Oliver.
"Sie nahmen sich also die gemeinsamen Aktionen von
United Way zum Vorbild, wandten sich an das OPM
und riefen CFC ins Leben. Es geschah nichts anderes,
als daß die Beschäftigten im öffentlichen Dienst sich
sagten: Wir müssen das hier besser organisieren."
"Meiner Ansicht nach ist dies etwas, was Bundesbedienstete stärker überdenken sollten. Es lohnt sich."
Ebenso bemerkenswert ist die Tatsache, daß die
Betriebskosten sowohl bei CFC als auch bei United
Way verglichen mit anderen Sammelaktionen für
wohltätige Zwecke außerordentlich gering sind.
Die Kosten für die Aktion von United Way in Washington lagen bei unter 7 Prozent des gesammelten Betrags. Die Kosten bei CFC betrugen etwa 4 Prozent
der Gesamtsumme.
Sowohl CFC als auch United Way führen jährliche
Revisionen durch, um eine ordentliche Verwaltung der
Finanzen sicherzustellen.
Über 150 Bundesbehörden beteiligten sich 1991 an
den Mitte Dezember beendeten CFC-Aktionen.
Obwohl täglich neue Spenden eingehen, hat die
Sammelaktion von CFC in Washington bereits ihr Ziel
von 32.750.000 Dollar um 2 Millionen Dollar übertroffen. Dabei hat das Marineministerium am meisten
gespendet - 3 Millionen Dollar. Dann folgten die
Bundespost mit 2,3 Millionen Dollar und das Gesundheitsministerium mit 1,8 Millionen Dollar.
Die Spenden werden an die 1.500 beteiligten Wohltätigkeitsorganisationen im Stadtgebiet von Washington
verteilt.
Bemerkenswert ist, daß die Rekordsummen an CFC
zu einer Zeit wirtschaftlicher Rezession sowohl in
Washington als auch im ganzen Land gespendet werden.
"Die meisten Bundesbediensteten haben einen Ehepartner oder einen Nachbarn, der eine schwere Zeit
durchmacht und schätzen sich glücklich, eine Stelle zu
haben. Vielleicht haben sie gedacht: dieses Jahr sind
wir an der Reihe, mal einzuspringen um zu helfen,"
erklärte Oliver.
"In schweren Zeiten sind sich die Menschen der Bedürftigkeitstärker bewußt und scheinen mehr zu spenden."
"Das ist typisch amerikanisch."

* * *

*

AMERIKA DIENST 5

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11363">
                <text>05.02.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11364">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11365">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11366">
                <text>Amerikadienst 05.02.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11367">
                <text>&lt;strong&gt;1. Haushalt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Bushs Haushalt im Kontext betrachtet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht zur Haushaltsvorlage 1993&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Verteidigung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Waffenmodernisierung neuer Schwerpunkt des Pentagon&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des US-Verteidigungsministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Vereinte Nationen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Neues Zeitalter für Vereinte Nationen nach dem Kalten Krieg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten beim UN-Sicherheitsrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Demokratien berechtigen zu Hoffnung bei Menschenrechten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dobbins drängt auf baldige Einigung über Handelsabkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Botschafters bei der EG&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Soziales&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wohltätigkeit in den USA: eine Tradition des Gebens und Nehmens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Überblick über ehrenamtliche Tätigkeit&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2230" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2241">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/c8fc61080a029f482899de47bd6e8914.pdf</src>
        <authentication>707728c96bc83a4c0b7152ffdcbe487c</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11362">
                    <text>&lt;^ e Sv?^

ciniGrikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

. « -: •

•&amp;-'

• &lt;y

,&lt;v

29. Januar 1992

V
^ &lt;*&lt;?

BERICHT ZUR LAGE
DER NATION

BUSH ERLÄUTERT NEUE WELTORDNUNG,
PLÄNE ZUR WIRTSCHAFTLICHEN
ERHOLUNG
Bericht des Präsidenten zur Lage der Nation

GUS-HILFE

BUSH DRÄNGT AUF WELTWEITE HILFE
FÜR EHEMALIGE SOWJETREPUBLIKEN
Rede des Präsidenten bei der GUS-Konferenz
BAKER: WELTWEITE HILFE FÜR EHEMALIGE
SOWJETUNION ERFORDERLICH
Rede des US-Außenministers
bei Koordinierungskonferenz
HILFE DER USA FÜR EHEMALIGE
SOWJETREPUBLIKEN
Eine Übersicht des US-Außenministeriums
DIE AMERIKANISCHE HILFE FÜR DIE
EHEMALIGE SOWJETUNION
Eine Übersicht der US-Regierung

LIBYEN

PICKERING: UN-ABSTIMMUNG "KLARES
SIGNAL" AN LIBYEN
Erklärung im UN-Sicherheitsrat

PORTRAT

CARD ALS"MACHER"BEKANNT
Porträt des nominierten Verkehrsministers

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�BERICHT ZUR

LAGE

DER

NATION
29. Januar 1992

BUSH ERLÄUTERT NEUE WELTORDNUNG,
PLÄNE ZUR WIRTSCHAFTLICHEN ERHOLUNG
Bericht zur Lage der Nation
WASHINGTON - (AD) - Nach dem Ende des kalten Krieges und "dem Verschwinden des imperialen
Kommunismus" hat Präsident Bush jetzt eine Reihe von Kürzungen bei den amerikanischen Kernwaffen
angekündigt, um zur Erlangung einer friedlichen neuen Weltordnung beizutragen.
In seiner Rede zur Lage der Nation erläuterte der Präsident darüber hinaus kurzfristige Pläne für Steuersenkungen und geplante Ausgaben zur Ankurbelung der Wirtschaft sowie längerfristige Maßnahmen zur Sicherung der
amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit in der Weltwirtschaft.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bushs Rede zur Lage der Nation im Wortlaut.
Herr Vorsitzender, Herr Präsident, ehrenwerte Mitglieder des Kongresses, verehrte Gäste und Mitbürger,
ich möchte heute abend von großen Dingen sprechen,
von großen Veränderungen und den Aussichten, die
sie bieten, sowie von einigen großen Problemen und
darüber, wie wir sie zusammen lösen und unser Land
als unbestrittene Führungsmacht dieses Zeitalters nach
vorne bringen können.
Wir versammeln uns heute abend hier an einem dramatischen und äu ßerst vielversprechenden Zeitpunkt
in unserer Geschichte und der Geschichte der Menschheit.
Denn in den vergangenen zwölf Monaten hat die Welt
Veränderungen nahezu biblischen Ausmaßes erlebt.
Und selbst heute, Monate nach dem gescheiterten
Staatsstreich, der einem gescheiterten System den
Todesstoß versetzte, bin ich mir nicht sicher, ob wir die
Auswirkungen und die Bedeutung des Geschehenen
vollständig erfaßt haben. Aber der Kommunismus ist
in diesem Jahr gestorben.
Obwohl ich mich als Präsident in der bestmöglichen
Ausgangsposition befinde, gab es Zeiten, in denen ich
mich so engagiert der Bewältigung dieses Wandels
und der Führungsrolle bei diesen Veränderungen
gewidmet habe, daß ich nicht immer die Freude zeigte,
die ich in meinem Herzen empfand.
Aber das größte, was in der Welt zeit meines Lebens
- zeit unseres Lebens - geschah, ist dies: Durch die
Gnade Gottes hat Amerika den kalten Krieg gewonnen.
AMERIKA DIENST 4

Ich möchte heute abend über die Veränderungen
sprechen, die in unserem Lande nun stattfinden können, da wir nicht mehr die Opfer bringen müssen, die
wir zu bringen hatten, als wir eine Supermacht zum
erklärten Gegner hatten. Heute können wir uns noch
mehr auf unser Land selbst konzentrieren und uns
anschicken, richtigzustellen, was richtig gestellt werden muß.
Ich werde über diese Dinge sprechen. Aber ich möchte
Ihnen noch etwas mitteilen, was mir in den vergangenen Monaten durch den Sinn ging. Es handelt sich
dabei um eine Art Ehrenappell. Denn der kalte Krieg
ist nicht einfach zu Ende gegangen - er bedeutete
Arbeit.
Und ich denke an all diejenigen, die ihn gewonnen
haben, an Orten wie Korea und Vietnam. Und einige
von ihnen kamen nicht zurück. Damals waren sie
Helden, aber in diesem Jahr wurden sie, was sie
damals noch nicht wissen konnten: Sieger.
Der lange Appell - all die einfachen Soldaten und
Soldatinnen, all diejenigen, die loyal für die Freiheit
kämpften, die zu Boden gingen, den Staub einatmeten
und ihren Teil der Schrecken erlebt haben.
Dies mag leichtfertig klingen - ich meine es aber nicht
so -, aber es bewegt mich tief, wie die Welt sie sah.
Die Welt sah nicht nur ihren besonderen Mut, sondern
auch ihren besonderen Stil - ihre lärmende, optimistische Tapferkeit, ihre Einigkeit auf Leben oder Tod, die
nicht durch Klasse, Rasse oder Religion eingeschränkt
wurde. Was für eine Gruppe haben wir nun schon seit
Seite 1

�Generationen hervorgebracht - von denen, die "Kilroy
was Here" auf die Mauern deutscher Stalags schrieben bis zu denjenigen, die in der irakischen Wüste
Schilder mit der Aufschrift "I Saw Elvis" hinterließen.
Welch eine Gruppe junger Menschen haben wir in die
Welt entsandt.
Und noch jemand verdient besondere Erwähnung obwohl dies unangebracht erscheinen mag. Ich meine
eine Masse von Menschen, die als Der Amerikanische
Steuerzahler bezeichnet wird. Niemand kommt je auf
den Gedanken, den Menschen zu danken, die die
Rechnungen eines Landes oder die Rechnungen eines Bündnisses bezahlen. Aber seit einem halben
Jahrhundert hat das amerikanische Volk jetzt die Last
getragen und höhere Steuern bezahlt als nötig gewesen wäre, wenn der imperiale Kommunismus nie existiert hätte.

Der kluge Einsatz von Macht brachte viel Gutes zustande. Und viel Gutes kann daraus entstehen: Eine
einstmals in zwei bewaffnete Lager geteilte Welt erkennt heute eine einzige und überragende Macht an:
die Vereinigten Staaten von Amerika.
Und sie tut dies ohne Furcht. Denn die Welt vertraut
unserer Macht - und die Welt hat recht. Sie vertraut auf
unsere Fairneß und Zurückhaltung, sie vertraut uns,
daß wir auf der Seite der Anständigkeit sind. Sie
vertraut uns das zu tun, was richtig ist.

Aber er hat existiert.

Ich benutze diese Worte mit gutem Grund. Wenige
Tage nach Ausbruch des Krieges erhielt ich ein Telegramm von Joanne Speicher, der Frau des ersten im
Golfkrieg getöteten Piloten, Korvettenkapitän Scott
Speicher. Selbst inmitten der Trauer wollte sie mich
wissen lassen, daß sie ihren Kindern eines Tages,
wenn diese alt genug sind, sagen wird: "...ihr Vater zog
in den Krieg, weil es das Richtige war.".

Aber er existiert nicht mehr.

Sie hat den Kern getroffen. Es war das Richtige.

Und dies ist eine Tatsache, der die Welt meines
Erachtens Rechnung tragen sollte: Der amerikanische Steuerzahler hat die Hauptlast getragen und
verdient einen großen Anteil an der Ehre.

Und wir taten es gemeinsam. Es gab hier in dieser
Kammer ehrliche Meinungsverschiedenheiten. Aber
als der Krieg begann, haben Sie die Parteizugehörigkeit zurückgestellt und unsere Truppen unterstützt.

Und deshalb stehen unsere strategischen Bomber
zum ersten Mal seit 35 Jahren am Boden. Sie befinden
sich nicht mehr rund um die Uhr im Alarmzustand.
Morgen werden unsere Kinder zur Schule gehen und
Geschichte studieren oder lernen, wie Pflanzen wachsen. Und sie werden nicht, wie das bei meinen Kindern
noch der Fall war, an Luftschutzübungen teilnehmen,
bei denen sie unter ihre Pulte kriechen und ihre Köpfe
vor einem Atomangriff schützen müssen. Meine Enkel
müssen das nicht tun, und sie werden nicht die Alpträume haben, die Kinder dereinst, in vergangenen Jahrzehnten hatten. Es gibt immer noch Bedrohungen.
Aber die lange, permanente Angst ist vorüber.

Dies ist immer noch eine Zeit, um stolz zu sein - aber
dies ist kein Augenblick zum Prahlen. Denn wir sind
mit Problemen konfrontiert, und wir müssen erneut
zusammenstehen, um sie zu lösen - und unser Land
nicht im Stich lassen.

Vor einem Jahr habe ich an diesem Abend zu einem
Zeitpunkt großer Gefahr zu Ihnen gesprochen. Die
amerikanischen Streitkräfte hatten gerade die Operation Wüstensturm eingeleitet. Und nach vierzig Tagen
am Himmel über der Wüste und vier Tagen am Boden

haben die Männer und Frauen der amerikanischen
Streitkräfte gemeinsam mit unseren Verbündeten die
von mir erklärten und von Ihnen unterstützten Ziele
erreicht: Wir befreiten Kuwait.
Bald danach setzten sich die arabische Welt und Israel
zu ernsthaften und umfassenden Friedensgesprächen
zusammen - zum ersten Mal in der Geschichte. Und
bald darauf, am Weihnachtsfest, kehrten die letzten
amerikanischen Geiseln heim. Unsere Politik wurde
bestätigt.

Seite 2

Vor zwei Jahren begann ich mit den Planungen zur
Kürzung der Militärausgaben, in denen sich die Veränderungen dieses neuen Zeitalters widerspiegeln. Jetzt
jedoch, in diesem Jahr, kann dieser Prozeß nach dem
Verschwinden des imperialen Kommunismus beschleunigt werden.
Heute abend kann ich Ihnen über dramatische Veränderungen bei unseren strategischen Nuklearstreitkräften berichten. Dies sind Maßnahmen, die wir unabhängig ergreifen - weil sie das Richtige sind.
Nach der Fertigstellung von 20 Flugzeugen, mit deren
Beschaffung wir begonnen haben, werden wir die
weitere Produktion des B-2 Bombers einstellen. Wir
werden das Programm für die kleine Interkontinentalrakete (ICBM) beenden. Wir werden die Produktion
der neuen Gefechtsköpfe für unsere seegestützten
ballistischen Raketen einstellen. Wir werden die Herstellung der Peacekeeper-Rakete stoppen, und wir
werden keine weiteren modernen Marschflugkörper
beschaffen.

AMERIKA DIENST 4

�Ich werde an diesem Wochenende in Camp David mit
Boris Jelzin von der Russischen Föderation zusammentreffen. Ich habe Präsident Jelzin mitgeteilt, daß
ich folgendes tun werde, wenn die Gemeinschaft - die
ehemalige Sowjetunion - alle landgestützten ballistischen Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen beseitigt:
Wir werden alle Peacekeeper-Raketen beseitigen. Wir
werden die Zahl der Gefechtsköpfe auf unseren Minuteman-Raketen auf einen reduzieren und die Zahl der
Gefechtsköpfe auf unseren seegestützten Raketen
um ein Drittel verringern. Ferner werden wir einen
erheblichen Teil unserer strategischen Bomber für
vorrangig konventionelle Einsätze umrüsten.
Präsident Jelzins erste Reaktion war sehr positiv, und
ich erwarte, daß unsere Gespräche in Camp David
fruchtbar sein werden.
Ich möchte sie wissen lassen, daß sich amerikanische
Präsidenten seit einem halben Jahrhundert danach
sehnen, solche Entscheidungen zu treffen und solche
Worte zu sprechen. Aber selbst inmitten des Feierns
müssen wir als Freund auf der Hut sein.

Manche sagen, wir könnten uns nun von der Welt
abwenden, wir hätten keine besondere Rolle, keinen
besonderen Platz.
Aber wir sind die Vereinigten Staaten von Amerika, die
Führungsmacht des Westens, die zur Führungsmacht
der Welt geworden ist.
Solange ich Präsident bin, werden wir weiterhin unsere
Führungsrolle bei der Unterstützung der Freiheit überall ausfüllen - nicht aus Arroganz und nicht aus Altruismus, sondern um der Sicherheit und des Schutzes
unserer Kinder willen.
Dies ist eine Tatsache: Stärke beim Streben nach
Frieden ist keine Untugend. Isolationismus beim Streben nach Sicherheit ist keine Tugend. Heute bestehen
unsere Probleme im Inland. Nicht alle sind ökonomischer Natur, aber das vordringliche Problem ist unsere
Wirtschaft. Es gibt einige gute Anzeichen: die Inflation, dieser Dieb, ist gering, und die Zinssätze sind
niedrig. Aber die Arbeitslosigkeit liegt zu hoch, einige

Industriebereiche haben Probleme, und das Wachstum ist nicht so, wie es sein sollte.

Denn die Welt ist immer noch ein gefährlicher Ort. Nur
für die Toten sind alle Konflikte beendet. Und obgleich
die Herausforderungen von gestern hinter uns liegen,
entstehen jetzt die von morgen.

Ich möchte Ihnen gleich von Anfang an und aus
tiefstem Herzen versichern: Ich weiß, daß wir harte
Zeiten erleben, aber ich weiß auch noch etwas anderes: Dies wird nicht Bestand haben.

Der Verteidigungsminister hat mir nach Konsultationen mit den Vereinigten Stabschefs diese Kürzungen
empfohlen. Und ich führe sie in vollem Vertrauen
durch. Aber mißverstehen Sie mich nicht:

Meine Freunde in dieser Kammer: Wir können für die
Wirtschaft ebensoviel Mut und ebensoviel Zielstrebigkeit aufbringen wie für Wüstensturm. Und gemeinsam
können wir die harten Zeiten überwinden.

Die von mir genehmigten Kürzungen werden in den
nächsten fünf Jahren 50 Milliarden Dollar einsparen.
Bis zum Jahre 1997 werden wir den Verteidigungshaushalt seit meinem Amtsantritt um 30 Prozent reduziert haben. Dies sind einschneidende Kürzungen,
und Sie sollten meine Entschlossenheit kennen: Bis
hierhin und nicht weiter.

Ich glaube, daß Sie dabei helfen werden. Ein Grund
dafür ist, daß Sie Patrioten sind und das Beste für Ihr
Land wollen. Und ich glaube, daß Sie im Grunde Ihrer
Herzen die Parteipolitik außer acht lassen und die
Aufgabe erfüllen wollen - weil es das Richtige ist.

Weniger zu tun, hie ße, sich dem Fortschritt in den Weg
zu stellen - aber mehr tun, hieße, die Geschichte außer
acht zu lassen.
Wir dürfen nicht wieder zu den Tagen der "hohlen
Armee" zurückkehren. Wir können die Fehler nicht
wiederholen, die wir in diesem Jahrhundert bereits
zweimal gemacht haben, als Waffenstillstand von
Rücksichtslosigkeit gefolgt und die Verteidigung so
sehr geschwächt wurde als ob die Welt auf Dauer
sicher sei.
Ich erinnere Sie heute abend daran, daß ich um Ihre
Unterstützung für die Finanzierung eines Programms
gebeten habe, um unser Land vor einem begrenzten
Angriff mit Kernwaffen zu schützen. Wir brauchen
diesen Schutz, weil zu viele Menschen in zu vielen
Ländern Zugang zu Kernwaffen haben.

AMERIKA DIENST 4

Die Macht Amerikas beruht auf einer bewegenden,
aber einfachen Idee: Daß Menschen große Dinge
vollbringen werden, wenn man ihnen nur die Freiheit
läßt.
Nun, wir werden die Wirtschaft befreien, denn, wenn
dieses Zeitalter der Wunder und erstaunlichen Ereignisse uns irgend etwas gelehrt hat, dann, daß wir,
wenn wir die Welt verändern können, auch Amerika
verändern können.
Wir müssen zu Investitionen ermutigen. Wir müssen
es einfacher machen, zu investieren und neue Produkte, neue Industrien und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Wir müssen Wachstumshindernisse aus dem
Weg räumen - hohe Steuern, zu viele Vorschriften,
Bürokratie und, jawohl, verschwenderische Staatsausgaben.

Seite 3

�Nichts davon wird im Handumdrehen geschehen aber es wird geschehen. Und die Feuerprobe für einen
Plan besteht nicht darin, ob er als neu oder glänzend
bezeichnet wird. Das amerikanische Volk läßt sich
nicht durch Tricks beeindrucken: es ist in dieser
Hinsicht wesentlich klüger als irgend jemand in diesem
Hause. Die einzige Probe für einen Plan ist folgende:
Ist er solide, und wird er funktionieren?

zurück in unsere Wirtschaft fließen - Geld, das die
Menschen dazu verwenden können, Kleidung, das
College oder ein neues Auto zu bezahlen.
Schließlich werden wir in Zusammenarbeit mit der
Zentralbank weiterhin eine Geldpolitik unterstützen,
die sowohl Zinssätze als auch Inflation niedrig hält.

Wir müssen einen kurzfristigen Plan haben, um unsere
unmittelbaren Erfordernisse zu erfüllen und die Wirtschaft anzukurbeln. Und wir benötigen einen langfristigen Plan, um den Motor in Schwung zu halten und
unseren Platz in der Weltwirtschaft zu gewährleisten.

Dies sind die Dinge, die ich tun kann. Und nun,
Mitglieder des Kongresses, möchte ich Ihnen sagen,
was Sie für Ihr Land tun können. Sie müssen die
anderen Elemente meines Plans verabschieden, um
unsere vordringlichen wirtschaftlichen Erfordernisse
zu erfüllen.

Es gibt gewisse Dinge, die der Präsident ohne den
Kongreß tun kann - und ich werde sie tun.

Jeder weiß, daß Investitionen die Erholung beschleunigen.

Ich habe heute abend wichtige Ministerien und Behörden angewiesen, ein 90tägiges Moratorium für neue
Bundesvorschriften zu erlassen, die das Wachstum
behindern könnten. In diesen 90 Tagen werden wichtige Ministerien und Behörden eine vollständige Überprüfung aller Vorschriften, alter und neuer, vornehmen
- um diejenigen zu stoppen, die das Wachstum behindern und diejenigen zu beschleunigen, die das Wachstum fördern werden.

Ich schlage heute abend eine Änderung beim alternativen Mindeststeuersatz sowie die Schaffung eines
neuen 15prozentigen Steuertreibetrags für Investitionen vor. Damit werden Unternehmen ermutigt, mehr
zu investieren und wieder mehr Arbeitskräfte einzustellen.

Darüber hinaus sage ich den ungezählten hart arbeitenden, pflichtbewußten amerikanischen Arbeitnehmern und Geschäftsleuten, die gezwungen wurden,
ohne benötigte Darlehen auszukommen: Der Engpaß
bei den Bankdarlehen muß beendet werden. Ich
werde meine Verantwortung für solide Vorschriften,
die dem öffentlichen Wohl dienen, nicht vernachlässigen, aber der Overkill durch gesetzliche Vorschriften
muß aufgehalten werden.
Und ich habe die Verantwortlichen in der Regierung
angewiesen, ihn aufzuhalten.
Ich habe Ministerien und Behörden angewiesen,
wachstumsfördernde Ausgaben so schnell wie möglich zu beschleunigen. Damit sollten in den nächsten
sechs Monaten weitere 10 Milliarden Dollar in unsere
Wirtschaft fließen. Und unser neues Verkehrsgesetz
sieht über 150 Milliarden Dollar für Bau- und Instandhaltungsmaßnahmen vor, die für unser Wirtschaftswachstum und unseren Wohlstand lebenswichtig sind.
Das bedeutet Arbeitsplätze im Straßenbau, Brückenbau und Eisenbahnbau.
Ich habe den Finanzminister heute abend angewiesen, die Lohnsteuertabellen zu ändern. Mit dieser
Änderung können Millionen von Amerikanern, von
denen die Regierung mehr Steuern als notwendig
einbehält, nun entscheiden, daß die Regierung von
ihrem Gehalt weniger als vorher abzieht. Ich habe das
Gefühl, eine Reihe von Steuerzahlern wird dieses
Angebot annehmen. Dank dieser Initiative könnten in
den nächsten zwölf Monaten etwa 25 Milliarden Dollar

Seite 4

Die Bauwirtschaft hat unsere Volkswirtschaft aus nahezu
allen Krisen geführt, die wir jemals hatten. Mit dem
Beginn neuer Bautätigkeit werden Zimmerleute und
Installateure Arbeit haben und Menschen Häuser
erwerben und Hypotheken aufnehmen.
Mein Plan würde die passiven Abschreibungsmöglichkeiten für aktive Bauträger modifizieren. Und er würde
es Pensionskassen ermöglichen, Immobilien zu erwerben.
Denjenigen Amerikanern, die vom Ersterwerb eines
Hauses träumen, sich dies aber eigentlich nicht leisten
können, würde mein Plan gestatten, beim Ersterwerb
eines Hauses straffrei Ersparnisse aus der Rentenkasse abzuheben - und er würde eine Steuergutschrift
von 5.000 Dollar für den Ersterwerb eines Hauses
vorsehen.
Und schließlich appelliert mein Sofortplan an den
Kongreß, allen Eigenheimbesitzern, all denen, die ein
Unternehmen, einen landwirtschaftlichen Betrieb
besitzen oder eine einzelne Investition tätigen, lebenswichtige Hilfe zu gewähren.
Dieses Mal, zu dieser Stunde, kann ich ein Nein als
Antwort nicht akzeptieren: Sie müssen die Kapitalzuwachssteuer für die Menschen dieses Landes senken.
Nie zuvor ist ein Thema von seinen Gegnern mehr zu
demagogischen Zwecken mißbraucht worden. Aber
die Demagogen haben unrecht - und sie wissen es.
Sechzig Prozent der Leute, die von einer niedrigeren
Kapitalzuwachssteuer profitieren, haben Einkommen
von unter 50.000 Dollar. Eine Senkung der Kapitalzuwachssteuer schafft Arbeitsplätze und hilft so gut wie
jedem in unserem Land.

AMERIKA DIENST 4

�Und ich werde denjenigen von Ihnen sagen, die argumentieren: "Oh nein, jemand, dem es gut geht, könnte
davon profitieren", Sie erinnern mich irgendwie an die
Definition des Puritaners, der nachts vor lauter Sorgen
nicht schlafen kann, daß irgendwie irgendjemand irgendwo Spaß hat.
Die Gegner dieser Maßnahme - und diejenigen, die
mehrere der Gesetzentwürfe konzipiert haben, die in
dieser Kammer herumgeistern, mit denen die Reichen
sozusagen gemolken werden - sollten sich eins vor
Augen führen: Wenn sie es auf die Großen abgesehen
haben, treffen sie für gewöhnlich die Kleinen. Und
vielleicht ist es an der Zeit, daß dem ein Ende bereitet
wird.
Mein kurzfristiger Plan lautet folgendermaßen. An
Ihnen, den Mitgliedern des Kongresses, ist es, diese
auf gesunden Menschenverstand gegründeten Vorschläge zu verwirklichenn, die starke Auswirkungen
auf die Wirtschaft haben werden - ohne die Haushaltsvereinbarungen zu verletzen oder die Steuern zu erhöhen.
Während mein Plan verabschiedet wird und seinen
Beitrag leistet, müssen wir uns um diejenigen kümmern, die heute in Schwierigkeiten sind. Ich habe in
meiner Haushaltsvorlage bis zu 4,4 Milliarden Dollar
zur Verlängerung der Arbeitslosenunterstützung vorgesehen. Ich möchte hier und jetzt um die sofortige
Behandlung im Kongreß bitten.
Lassen Sie uns offen sein:
Sie und ich wissen, daß mein Plan zu einem politisch
brisanten Zeitpunkt vorgelegt wird. Sie und ich wissen,
daß alles, was ich vorschlage, von einigen nur unter
parteipolitischen Gesichtspunkten gesehen wird. Ich
möchte Sie jedoch um Verständnis für das bitten, was
mich in meinem tiefsten Inneren bewegt: Mein Ziel
besteht darin, das Wohlergehen unseres Landes zu
verbessern. Ich tue das, was ich für richtig erachte. Ich
schlage das vor, was meines Erachtens helfen wird.
Ich rühme mich, ein weiser Mann zu sein. Ich glaube,
daß Geduld eine Tugend ist, bin mir jedoch bewußt,
daß Politik für einige ein Spiel ist - und manchmal das
Spiel darin besteht, alle Fortschritte aufzuhalten und
dann über den Mangel an Verbesserungen zu lamentieren.
Ich möchte Ihnen jedoch sagen: sehr viel wichtiger als
meine - und Ihre - politische Zukunft ist das Wohlergehen unseres Landes. Die Mitglieder dieser Kammer
sind Praktiker und ich wei ß, daß Sie nichts gegen einen
praktischen Rat einzuwenden haben: Wenn Menschen die Geschicke ihrer Partei vor das öffentliche
Wohlergehen stellen, fordern sie nicht nur für ihr Land
sondern auch für sich selbst eine Niederlage heraus.
Und die haben sie zweifelsohne verdient.

AMERIKA DIENST 4

Ich werde morgen meinen Plan vorlegen. Ich bitte Sie,
ihn bis zum 20. März zu verabschieden. Und ich bitte
das amerikanische Volk, Ihnen zu sagen, daß es bis
zum 20. März Ihr Handeln erwartet.
Ab dem Tag danach heißt es, wenn es sein muß: die
Schlacht ist eröffnet.
Und Sie wissen, wenn Prinzipien auf dem Spiel stehen,
bin ich für einen guten fairen Kampf.
Wie ich bereits gesagt habe, hat mein Plan zwei Teile.
Im zweiten Teil geht es ums Wesentliche. Denn nur ein
sofortiger Aufschwung ist nicht genug - wir benötigen
eine langfristige Verbesserung unserer wirtschaftlichen Position.
Wir alle wissen, daß der Schlüssel zu unserer wirtschaftlichen Zukunft darin liegt sicherzustellen, daß
Amerika weiterhin die wirtschaftliche Führungsmacht
der Welt ist. Es liegt in unseren Händen.
Dies ist mein langfristiger Plan zur Sicherung unserer
Zukunft.
Erstens Handel: Wir werden die Mauern niederreißen,
die den Welthandel behindern. Wir werden überall
offene Märkte schaffen.
Bei unseren wichtigsten Handelsgesprächen werde
ich weiterhin darauf hinarbeiten, Zölle und Subventionen abzubauen, die Amerikas Landwirten und Arbeitern schaden. Und wir werden durch das Nordamerikanische Freihandelsabkommen und die Initiative zur
Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern Amerikas mehr gute amerikanische Arbeitsplätze auf unserem Kontinent schaffen.
Aber es vollziehen sich Veränderungen und weitere
stehen in Aussicht. Der Arbeitsplatz der Zukunft wird
höher qualifizierte Arbeitnehmer als je zuvor erfordern
- mehr Menschen, die mit Computern umgehen können und eine gute Bildung haben.
Wir müssen im Bildungswesen eine Führungsrolle in
der Welt übernehmen. Wir müssen Amerikas Schulen
revolutionieren.
Meine Strategie Amerika 2000 wird uns helfen, dieses
Ziel zu erreichen. Mein Plan wird den Eltern mehr
Wahlmöglichkeiten, den Lehrern größere Flexibilität
bieten und den Gemeinden helfen, neue amerikanische Schulen zu schaffen.
Dreißig Staaten haben landesweit das Amerika-2000Programm eingeführt. Hunderte von Städten haben
sich dieser Initiative angeschlossen.
Jetzt muß sich auch der Kongreß dieser großen
Bewegung anschließen: Geben Sie Ihre Zustimmung
zu meinen Vorschlägen für neue amerikanische Schulen.

Seite 5

�Dies war mein zweiter langfristiger Vorschlag. Mein
dritter lautet folgendermaßen:
Wir müssen auf gesunden Menschenverstand gegründete Investitionen tätigen, die uns auf lange Sicht auf
dem Markt konkurrenzfähig machen.
Wir müssen Forschung und Entwicklung ermutigen.
Mein Plan besteht darin, die Steuervergünstigungen
für Forschung und Entwicklung festzuschreiben und
Rekordsummen - über 76 Milliarden Dollar allein in
diesem Jahr - für diejenigen bereitzustellen, die neue
Technologien erforschen.
Viertens müssen wir etwas gegen Verbrechen und
Drogen unternehmen.
Es ist an der Zeit für größere, erneute Investitionen in
den Kampf gegen Gewalt auf der Straße. Sie zehrt an
unserer Stärke und untergräbt das Vertrauen in unsere
Gesellschaft und unsere Zukunft.
Zweifelsohne verdient eine müde Frau auf dem Weg
zur Arbeit morgens um sechs in der Untergrundbahn
das Recht, sicher an ihrem Arbeitsplatz anzukommen.
Es ist sicherlich richtig, daß jeder, der sein Leben
aufgrund von Gewalt ändert - von denjenigen, die
Angst haben, Nachts auszugehen bis zu denjenigen,
die sich fürchten, in den Parks spazierenzugehen, für
die sie bezahlen - all diesen Menschen ist ein Grundrecht verweigert worden.
Es ist an der Zeit, dies zu beheben. Ich bitte den
Kongreß, meine umfassende Gesetzesvorlage zur
Verbrechensbekämpfung zu verabschieden. Sie geht
hart gegen Kriminelle vor und unterstützt die Polizei und schlummert seit Jahren in diesen heiligen Hallen.
Verabschieden Sie meinen Plan. Helfen Sie Ihrem
Land.
Fünftens bitte ich Sie heute abend, unsere Vorlage
zum Wohnungsbau HOPE zu finanzieren - und meinen
Gesetzentwurf zur Schaffung von Wirtschafszonen zu
verabschieden, mit dem Unternehmen in den Innenstädten angesiedelt werden sollen. Wir müssen den
Armen den Stolz geben, der aus Hausbesitz, einem
Arbeitsplatz und der Teilnahme am Geschehen herrührt.
Mein Plan ermutigt den Bau von Immobilien, indem er
die Steueranreize für Hypotheken und Sozialwohnungen verlängert.
Und ich bitte heute abend um Rekordaufwendungen
für das Programm, das den Kindern, die in Armut
geboren werden, zu Wohlstand verhelfen soll: Head
Start.
Punkt sechs - wir müssen unser Gesundheitswesen
reformieren. Denn auch dies ist ausschlaggebend, ob
wir in der Welt konkurrieren können oder nicht.

Seite 6

Die Kosten des amerikanischen Gesundheitswesens
explodieren. In diesem Jahr werden die Vereinigten
Staaten über 800 Milliarden Dollar für Gesundheitsfürsorge ausgeben. Und diese Summe wird voraussichtlich bis Ende des Jahrzehnts auf 1,6 Billionen ansteigen.
Die Kosten des Gesundheitswesens schlagen sich
nicht nur in Ihrem privaten Budget nieder, sondern
auch im Preis für alles, was wir kaufen oder verkaufen.
Wenn die Krankenversicherung für einen Kollegen am
Fließband Tausende von Dollar kostet, werden die
Kosten auf das Produkt aufgeschlagen, das er herstellt
- und Sie bezahlen die Rechnung.
Wir müssen eine Entscheidung treffen.
Einige geben vor, wir könnten alles haben. Sie nennen
es Spiel oder Zahl - aber dieser teure Ansatz ist
unsicher. Er bedeutet höhere Steuern, weniger Arbeitsplätze und letztlich ein uneingeschränkter staatlicher Kontrolle unterliegendes System.
Es gibt in Wirklichkeit nur zwei Optionen: Wir können
uns für eine Verstaatlichung entscheiden - mit der die
freie Arztwahl des Patienten eingeschränkt und die
Regierung gezwungen wird, die Dienstleistugnen willkürlich zu kürzen. Das Ergebnis sind lange Schlangen
von Patienten, ein indifferentes Leistungsangebot und
eine riesige neue Steuerlast.
Oder wir können unsere private Gesundheitsfürsorge
reformieren - die uns trotz all ihrer Mängel noch immer
die beste Gesundheitsfürsorge der Welt bietet.
Lassen Sie uns auf unsere Stärken aufbauen.
Mein Plan sieht Krankenversicherungen für alle Amerikaner vor - während er gleichzeitig die Idee der freien
Arztwahl erhält und verbessert. Wir machen die Mindestkrankenversicherung für alle einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen erschwinglich, die jetzt
nicht abgedeckt sind. Wir tun dies, indem wir jeder
einkommensschwachen Familie einen Steuernachlaß
für die Krankenversicherung von bis zu 3.750 Dollar
gewähren. Auch der Mittelklasse wird unter die Arme
gegriffen. Und indem wir den Krankenversicherungsmarkt reformieren, stellt mein Plan sicher, daß die
Amerikaner wenigstens eine Mindestkrankenversicherung abschließen können, selbst wenn sie ihren Arbeitsplatz wechseln oder ernsthafte Gesundheitsprobleme haben.
Wir müssen die Kosten unter Kontrolle bringen, die
Qualität und Wahlmöglichkeiten erhalten und die täglichen nagenden Sorgen der Menschen um ihre Krankenversicherung beschwichtigen. Mein Plan, dessen
Einzelheiten ich in Kürze bekanntgeben werde, tut
genau das.
Siebtens müssen wir das Haushaltsdefizit unter Kontrolle bringen.

AMERIKA DIENST 4

�Wir haben jetzt gesetzlich vorgeschriebene Ausgabenobergrenzen - eine Vorschrift, daß wir für die Programme bezahlen, die wir ins Leben rufen.
Einige Kongreßabgeordnete würden diese Vorschrift
jetzt gerne lockern. Aber ich kann - und werde - es
ihnen nicht gestatten.
Meinem Plan zufolge würden alle nichtgebundenen
Ausgabebewilligungen für innenpolitische Programme
eingefroren - das bedeutet, "Im nächsten Jahr nicht
mehr als in diesem Jahr". Die Sozialversicherung ist
davon ausgeklammert, aber ich werde definitiv Obergrenzen für Wachstum und unkontrollierte Ausgaben
festsetzen. Ich werde auch einen Einstellungsstop für
Bundesbedienstete verhängen.
Mit Hilfe des Kongresses werden wir 246 Programme
abschaffen, die staatliche Finanzierung nicht verdienen. Einige von ihnen haben noble Titel, aber keines
von ihnen ist unerläßlich. Wir können jedes einzelne
von ihnen abschaffen.
Wie Sie wissen, ist es an der Zeit, eine "Binsenwahrheit" wiederzuentdecken, die das amerikanische Volk
niemals vergessen hat: Diese Regierung ist zu aufgebläht und gibt zuviel aus.
Ich fordere den Kongreß zur Verabschiedung einer
Maßnahme auf, die dazu beitragen wird, dem jährlichen Ritual ein Ende zu bereiten, den Haushalt mit
Wahlgeschenken aufzufüllen. Jedes Jahr macht sich
die Presse einen riesigen Spaß aus den wildesten
Beispielen - ein Lawrence Welk Museum, ein Forschungsstipendium für belgische Endivien.
Wir alle wissen, wie diese Dinge in den Haushalt
gelangen. Vielleicht benötigen Sie jemanden, der
Ihnen hilft, Nein zu sagen. Ich weiß, wie man Nein
sagt. Und Sie wissen, was ich brauche, damit dieses
Nein Bestand hat. Geben Sie mir das, was 43 Gouverneure haben: Das selektive Veto.
Wir müssen nichtfinanzierten Mandaten der Bundesregierung ein Ende bereiten. Das sind die Vorschriften, die der Kongreß unseren Städten, Gemeinden
und Bundesstaaten auferlegt - ohne das Geld dafür
bereitzustellen. Wenn der Kongreß ein Mandat verabschiedet, soll er gezwungen werden, dafür zu bezahlen und die Kosten mit an anderer Stelle gemachten
Einsparungen ausgleichen. Schließlich erhöht ein
Mandat nur die Last eines anderen - und das bedeutet
höhere Steuern auf Bundesstaaten- und Gemeindeebene.
Punkt acht: Der Kongreß sollte die kühnen Reformpläne durchsetzen, die immer noch seiner Aktionen harren - Bankenreform, Zivilrechtsreform, Strafrechtsreform und meine nationale Energiestrategie.
Und schließlich müssen wir die Familie stärken - denn
es ist die Familie, die den Ausschlag für unsere Zukunft
gibt. Wenn Barbara ein AIDS-infiziertes Baby in den
AMERIKA DIENST 4

Armen hält und Kindern vorliest, sagt sie zu jedem in
diesem Land: "Es ist die Familie, die zählt".
Heute abend gebe ich die Gründung einer neuen
Kommission für Familien in den Städten Amerikas
bekannt. Wie Sie wissen, haben ich neulich Bürgermeister vom Städtebund empfangen, und sie haben
mir etwas Erstaunliches erzählt. Sie erklärten, sie alle
- Republikaner und Demokraten gleichermaßen - seien sich über eines einig: Die Hauptursache der Probleme in den Städten ist die Auflösung der Familie.
Sie haben um die Gründung dieser Kommission gebeten, und es war richtig von ihnen, darum zu bitten, denn
es ist an der Zeit zu entscheiden, was wir tun können,
um die Familien stark und gesund zusammenzuhalten.
Eines können wir sofort tun: Die Kosten für die
Kindererziehung senken. Ich bitte Sie heute abend,
den Kinderfreibetrag um 500 Dollar pro Kind für jede
Familie anzuheben. Für eine Familie mit vier Kindern
bedeutet dies eine Erhöhung auf 2.000 Dollar. Dies ist
ein guter Anfang, ein Schritt in die richtige Richtung,
und es ist das, was wir uns leisten können.
Wir müssen den Familien ermöglichen, die Zinsen für
Darlehen zur Finanzierung des Studiums ihrer Kinder
abzusetzen. Genau darum möchte ich Sie bitten. Und
ich bitte Sie, die Möglichkeit zu schaffen, Ersparnisse
aus der Rentenkasse abzuheben, um Ausgaben für
medizinische Versorgung und Ausbildung zu bezahlen
- und zwar straffrei.
Und ich bitte um mehr. Fragen Sie amerikanische
Eltern, was ihnen in unserem Land nicht gefällt, und die
Chancen stehen gut, daß sie bald auf Sozialhilfe zu
sprechen kommen.
Die Amerikaner sind das großzügigste Volk der Welt.
Aber wir müssen uns die Erkenntnis von Franklin
Roosevelt vor Augen führen, der, als er über das
später als Sozialhilfe bekanntgewordene Programm
sprach, warnte, es dürfe nicht zum "Betäubungsmittel"
und einem "subtilen Zerstörer" des Geistes werden.
Sozialhilfe war nie als Lebensstil gedacht, nie als
Gewohnheit, sie sollte nie wie ein Vermächtnis von
Generation zu Generation weitervererbt werden.
Es ist an der Zeit, die Vorgaben des Wohlfahrtsstaats
zu revidieren und das Sozialwesen zu reformieren.
Die Bundesstaaten beginnen landesweit anhand neuer Vorgaben zu operieren: Wenn gesunde und fähige
Erwachsene staatliche Unterstützung erhalten, tragen
sie eine Verantwortung gegenüber dem Steuerzahler.
Die Verantwortung, Arbeit, Ausbildung oder Fortbildung anzustreben - die Verantwortung, ihr Leben in
den Griff zu bekommen, die Verantwortung, ihre Familie
zusammenzuhalten, keine unehelichen Kinder in die
Welt zu setzen - und die Verantwortung, Gesetze zu
befolgen.
Seite 7

�Wir werden diese Bewegung unterstützen. Häufig
erfordern staatliche Reformen die Aufhebung bestimmter Bundesgesetze. Ich werde darauf hinarbeiten,
diesen Prozeß zu vereinfachen und für jeden der
Staaten zu beschleunigen, der um unsere Hilfe bittet.
Ich möchte hinzufügen, daß es nicht in unserer Absicht
liegt, Sündenböcke zu suchen oder mit dem Finger auf
andere zu zeigen, während wir diese Änderungen
vornehmen. Wenn Sie die Zeitung lesen oder fernsehen, wissen Sie, daß man in diesen Tagen vermehrt
eine gewisse Bitterkeit, rassistische und antisemitische Bemerkungen vernimmt und ein wachsendes
Gefühl der Teilung verspürt.
Dies entspricht in der Tat nicht unserem Stil. Und es
ist nicht akzeptabel.
Daher habe ich meinen Plan für Amerika. Ich bitte um
große Dinge - aber ich bin in meinem tiefsten Inneren
davon überzeugt, Sie werden das tun, was richtig ist.
Wie Sie wissen, ist es eine Art amerikanischer Tradition, eine gewisse Skepsis gegenüber unseren demokratischen Institutionen an den Tag zu legen. Selbst
ich habe gelegentlich gedacht, der Alterungsprozeß
könnte herausgezögert werden, wenn er seinen Weg
durch den Kongreß machen muß.
Sie werden beraten und erörtern, und das hat seine
Richtigkeit.
Aber, meine Freunde: Das Volk kann nicht warten. Es
benötigt Ihre Hilfe jetzt.

Es machen sich Stimmungen breit. Die Menschen
sind besorgt, man spricht von Niedergang. Jemand
hat sogar gesagt, unsere Arbeiter seien faul und nicht
kreativ.
Und ich dachte, tatsächlich? Sagen Sie das Neil
Amstrong, der als erster den Mond betrat. Sagen Sie
das den Männern und Frauen, die ihn dorthin gebracht
haben. Sagen Sie das dem amerikanischen Farmer,
der sein Land und die Welt ernährt. Sagen Sie das zu
den Männern und Frauen, die an Operation Wüstensturm teilgenommen haben.
Stimmungen kommen und gehen, aber Größe überdauert. Und unsere wird überdauern.
Vielleicht ist es gut, sich einen Augenblick lang an
etwas zu erinnern, das wir im Alltag gerne vergessen:
Wir sind und werden stets die freieste Nation der Welt
sein - die freundlichste Nation der Welt - die stärkste
Nation der Welt - und wir haben uns stets der Lage
gewachsen gezeigt.
Wir werden diese Nation Schritt für Schritt und Tag für
Tag aus den harten Zeiten herausführen, und diejenigen, die uns aufhalten wollen, treten besser zur Seite.
Denn ich sehe harte Zeiten und ich gelobe: Sie werden
nicht von Dauer sein.
Und so schreiten wir voran, gemeinsam, eine aufstrebende Nation, das ehemalige und zukünftige Wunder,
das heute abend noch immer die Hoffnung der Welt ist.
Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie. Gott schütze unser
geliebtes Land.

* * * *

Seite 8

*

AMERIKA DIENST 4

�GUS-HILFE
29. Januar 1992

BUSH DRÄNGT AUF WELTWEITE HILFE
FÜR EHEMALIGE SOWJETREPUBLIKEN
Rede des Präsidenten bei der GUS-Konferenz
WASHINGTON - (AD) -Präsident Bush hat die internationale Staatengemeinschaft zur Zusammenarbeit
aufgerufen, um den erfolgreichen Übergang zu freien Marktwirtschaften in den neuen unabhängigen Staaten der
ehemaligen Sowjetunion sicherzustellen.
In seiner Ansprache bei der Eröffnung der zweitägigen Konferenz über Hilfe für die Nachfolgestaaten erklärte
der Präsident am 22. Januar 1992, die Teilnehmer aus 47 Nationen und sieben internationalen Organisationen
sollten sich "zusammenschließen, um diesen Menschen einen Grund zur Hoffnung zu geben".
Bush kündigte an, er werde den Kongreß um weitere 600 Millionen Dollar an Hilfe für Rußland und die
Nachfolgestaaten bitten. Damit würde sich die amerikanische Hilfe auf über 5 Milliarden Dollar belaufen.
Er forderte die Konferenz auf, jetzt zu handeln, um den in allen 12 Nachfolgestaaten offenkundigen Mangel an
Nahrungsmitteln, Medikamenten, Unterkünften und Energie zu beheben.
"Wir sehen uns mit einer internationalen Herausforderung konfrontiert, die Bemühungen und das Engagement
aller Nationen der Welt erfordert", stellte Bush fest. "Und unsere Anwesenheit hier ist ein anschaulicher Beweis,
daß dies eine weltweite Koalition ist und sein muß. Alles andere ist zum Scheitern verurteilt."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush im Wortlaut.

Zunächst möchte ich feststellen, daß mich der Außenminister für mein Zuspätkommen gerügt hat. Ich finde
allerdings, nicht ich bin zu spät, sondern Sie sind zu
früh hier.
Ich möchte die zahlreichen, heute in diesem Saal
versammelten erlesenen Gäste, unter ihnen Außenminister und hochrangige Regierungsvertreter aus 47
Nationen, von den Vereinten Nationen, führenden
internationalen Finanzinstitutionen und anderen wichtigen internationalen Organisationen, sehr herzlich in
den Vereinigten Staaten und in Washington willkommen heißen.
Wir haben uns hier heute morgen als Partner an einem
historischen Zeitpunkt versammelt, einem Wendepunkt in diesem Jahrhundert und in der modernen
Geschichte, denke ich. Unsere Aufgabe lautet, gemeinsam auf die dramatische Revolution zu reagieren,
die den Untergang des Sowjetkommunismus bewirkt
und an seiner Stelle 12 Nachfolgestaaten hervorgebracht hat, die versuchen, ihren Platz in der Welt zu
finden und damit kämpfen, ihren Menschen Nahrungs-

AMERIKA DIENST 4

mittel, Kleidung und Unterkunft in diesem Winter, im
kommenden Frühjahr und danach zu beschaffen.
Bevor Sie diese Probleme in den nächsten beiden
Tagen im einzelnen erörtern werden, möchte ich kurz
auf die Bedeutung der Ereignisse in der ehemaligen
Sowjetunion für uns in Nordamerika, Europa, im Nahen Osten, in Afrika, Lateinamerika, Asien, am Pazifik
- an allen Orten der Erdkugel - eingehen.
Nahezu 50 Jahre lang, während eines Großteils des
Erwachsenendaseins von praktisch jedem hier in diesem Saal Anwesenden, mußte die Menschheit einen
gefährlichen globalen Konflikt ertragen - den kalten
Krieg. Er teilte Kontinente und Völker und hielt alle
Länder im Würgegriff einer möglichen nuklearen Vernichtung. Die freie Welt erhob sich gegen die durch
den sowjetischen Expansionismus in den Jahrzehnten
nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffene Bedrohung.
Wir gaben für diesen großen Kampf Hunderte Milliarden Dollar aus, opferten wertvolle Menschenleben und
nationale Ressourcen.

Seite 1

�Mit der Revolution in Osteuropa von 1989 und in der
Sowjetunion im Jahr 1991 ist diese tödliche Bedrohung
geschwunden. Und mit der Auflösung der Sowjetunion
vor nur einem Monat stehen wir am Tor zu einer neuen
Welt - einer Welt der Hoffnung auf dauerhaften Frieden
und wachsenden Wohlstand.
Angeführt von ihrem mutigen Präsidenten Boris Jelzin
sind die Reformer in der riesigen Russischen Föderation an die Macht gekommen. Die Ukraine hat ihre
Unabhängigkeit erlangt. Und die Regierung von Präsident Leonid Krawtschuk birgt das Versprechen auf
eine neue politische und wirtschaftliche Ordnung.
In Armenien hat ein ehemaliger politischer Gefangener, Präsident Ter-Petrosjan, außergewöhnliche nationale Anstrengungen zur Umgestaltung des Wirtschaftssystems seines Landes und Befreiung seines
Volkes von politischer Unterdrückung unternommen.
Und in Zentralasien können wir dieselbe Entwicklung
beobachten. Dort führen die Präsidenten Nasarbajew
und Akajew den Kampf um Reformen an. In der
gesamten Gemeinschaft Unabhängiger Staaten ist ein
neuer Tag angebrochen mit Hoffnung auf eine tiefgreifende Umgestaltung der Lebens-, Arbeits- und Denkweise der Menschen.
Während wir dieses neue Jahr antreten und unseren
Kurs für den Rest dieses Jahrzehnts festsetzen, sollten wir der Herausforderung zum Aufbau und zur
Bewahrung von Demokratie und wirtschaftlicher Freiheit in der ehemaligen UdSSR ebensolches Engagement entgegenbringen wie dem Sieg im kalten Krieg.
Lassen Sie uns den Menschen in allen Nachfolgestaaten helfen, den Sprung von Kommunismus zu Demokratie, von Kommando- zu freien Marktwirtschaften,
von autoritären Regierungssystemen zu Freiheit zu
bewältigen. Und lassen Sie uns gemeinsam daran
arbeiten, Frieden in dieser Ära nach dem kalten Krieg
zu erlangen.
Wir sollten die Größenordnung dieser Herausforderung und die Schwierigkeiten nicht unterschätzen, die
sich bei der Entwirrung des durch über 70 Jahre der
Planwirtschaft verursachten wirtschaftlichen Chaos
ergeben. Der Erfolg oder Mißerfolg hängt letztlich
gleichermaßen von den Bestrebungen und der Klugheit der Völker in der Ukraine und im Kaukasus in
Zentralasien ab. Es ist an ihnen, den Kampf zu
gewinnen. Aber sie können ihn nicht allein gewinnen.
Diese 12 Nachfolgestaaten benötigen die harte Arbeit,
Kreativität und den guten Willen aller unserer Länder
auf jedem Kontinent.
Aus diesem Grund haben wir uns heute hier versammelt - um sicherzustellen, daß unser Engagement und
unsere Hilfe - gut durchdacht und effizient durchgeführt - der Aufgabe gewachsen sind. Und wir sind

Seite 2

zusammengekommen, um den Menschen in den
Nachfolgestaaten zu demonstrieren, daß die internationale Staatengemeinschaft um sie besorgt ist und
ihren harten Kampf beim Aufbau neuer Gesellschaften
auf den Ruinen des Kommunismus unterstützt.
Wir wollen uns zusammenschließen, um diesen Menschen einen Grund zur Hoffnung zu geben. Wir wollen
uns heute morgen bei der Bewältigung dieser Aufgabe
der Arbeit in ebenbürtiger Partnerschaft verschreiben.
Erstens müssen wir in diesem Winter, im kommenden
Frühjahr und im gesamten Verlauf des Jahres 1992
entschlossen handeln, um die dringlichsten Bedürfnisse dieser Staaten zu erfüllen - Nahrungsmittel, Medikamente, Energie und Unterkunft. Die jetzt in den 12
Staaten offenkundigen Engpässe werden nicht rasch
behoben sein und auf lange Sicht unser Augenmerk
erfordern.
Zweitens müssen wir uns der Herausforderung stellen,
Wirtschaftswachstum und die Entwicklung neuer
marktwirtschaftlicher Institutionen zu fördern, indem
wir durch kollektive internationale Bestrebungen technische Hilfe bereitstellen. Unsere Arbeit wird entscheidend dazu beitragen, Bank- und Steuersysteme in
den Nachfolgestaaten aufzubauen, um ein gesunderes Umfeld zu schaffen, Rechtsstaatlichkeit und auch
nukleare Sicherheit zu fördern.
Mit anderen Worten, wir müssen diejenigen unterstützen, die für Reformen und Freiheit eintreten. Wir
sollten konkrete Investitionen und erweiterten Handel
stimulieren. Präsident Boris Jelzins mutige Wirtschaftsreformen verdienen unsere Unterstützung ebenso wie
die Bestrebungen in den anderen Staaten zur Einleitung des wirtschaftlichen Wandels.
Unser Erfolg oder Mißerfolg wird von unserer Fähigkeit
abhängen, für diese gemeinsame Sache effektiv zusammenzuarbeiten. Die Herausforderung ist für eine
einzelne Nation oder Staatengruppe allein zu groß.
Wir sehen uns mit einer internationalen Herausforderung konfrontiert, die Bemühungen und das Engagement aller Nationen der Welt erfordert. Und unsere
Anwesenheit hier ist ein anschaulicher Beweis, daß
dies eine weltweite Koalition ist und sein muß. Alles
andere ist zum Scheitern verurteilt.
Wenn wir während dieser beiden Tage und sicherlich
in den kommenden Monaten zusammenkommen, sollten
wir dies konstruktiv im Geist der Partnerschaft tun und
sterile Debatten darüber vermeiden, wer von uns am
meisten oder am wenigsten geleistet hat und wer die
Führungsrolle bei unserer Reaktion auf diese historische Herausforderung übernehmen sollte.
Wir alle haben eine Rolle und eine Verpflichtung zu
erfüllen. Und viele von uns haben bereits konkrete

AMERIKA DIENST 4

�Hilfsmaßnahmen in die Wege geleitet. Die Europäische Gemeinschaft hat einen großen und großzügigen
Anteil der Lasten übernommen. Ihr unverzügliches
Vorgehen über Jahre hinweg humanitäre Unterstützung bereitzustellen, war unerläßlich, und ihr Engagement für ein umfangreiches technisches Hilfsprogramm
ist weitreichend und wird außerordentlich begrüßt.
Deutschland allein hat enorme Verantwortung bei der
Beschaffung von Wohnungen für Militärangehörige
und der Vergabe von Krediten in die ehemalige UdSSR
und jetzt in die Russische Föderation übernommen.
Andere EG-Staaten haben ebenfalls wichtige Beiträge
geleistet. Das Atlantische Bündnis ist zur Bereitstellung seines Wissens bereit, damit die Menschen in der
ehemaligen UdSSR dieselben Werte erlangen können, die das Bündnis seit seiner Gründung gefestigt
haben.
Es ist besonders befriedigend, unsere Freunde aus
Mittel- und Osteuropa als Pioniere der Abschaffung
des Kommunismus und der Hinwendung zur Demokratie heute hier anwesend zu sehen.
Sie sind hier als Symbol des Erfolgs. Und obwohl Sie
sich immer noch Problemen gegenübersehen, begrüßt die Welt Ihre Bereitschaft, anderen zur Freiheit
zu verhelfen.
Die vor uns liegenden Herausforderungen erfordern
nicht nur Anstrengungen von Europa, sondern auch
von anderen Regionen und Ländern. Japan hat einen
bedeutenden Beitrag geleistet, ist Verpflichtungen
eingegangen und wird entscheidend an unseren Bestrebungen beteiligt sein. Und jetzt sollten andere
Nationen im Nahen und Mittleren Osten sowie in
Lateinamerika ihr Know-how und ihre Ressourcen zur
Verfügung stellen, um den Erfolg der Reformen sicherzustellen.
Ich kann Ihnen heute versichern, daß die Vereinigten
Staaten, die so lange den Kampf zur Eindämmung des
Kommunismus angeführt haben, ebenfalls ihren Teil
beitragen werden, damit er auf immer durch Demokratie ersetzt wird. Seit über 40 Jahren haben wir beim
Wiederaufbau und der Verteidigung der freien Welt
eine Führungsrolle übernommen. Und heute , da die
Fackel der Freiheit auch bei unseren ehemaligen
Gegnern leuchtet, sind die Früchte unserer langen
Arbeit endlich sichtbar.
*

AMERIKA DIENST 4

Die Vereinigten Staaten können und werden nicht in
dem Moment versagen, in dem diese neuen Staaten
darum kämpfen, eben die Ideale zu erlangen, zu deren
Förderung und Bewahrung die Vereinigten Staaten
gegründet wurden. Als weiteren amerikanischen Beitrag zu dieser dringenden weltweiten Aufgabe schlage
ich daher vor, daß der Kongreß über 600 Millionen
Dollar für neue technische und humanitäre Hilfsprogramme bewilligt. Zusätzlich zu den bereits angekündigten Hilfsleistungen beläuft sich die amerikanische
Unterstützung damit auf über 5 Milliarden Dollar für
diese Völker in ihrer Zeit der Not.
Abschließend möchte ich nochmals betonen, wie wichtig
es ist, diesen Augenblick zu ergreifen, um einzeln oder
kollektiv eine Chance zu ergreifen, die sich uns im
weiteren Verlauf unseres Lebens vielleicht nie wieder
bietet. Die Aussicht, daß unsere ehemaligen Gegner
unsere Freunde und Partner werden könnten, liegt im
nationalen Interesse aller hier an diesem Tisch vertretenen Länder und auch derjenigen, die heute nicht
anwesend sind.
Indem wir unsere Bestrebungen auf gemeinsame Ziele
ausrichten, bietet sich uns eine Chance, die Welt für
unsere Kinder und nachfolgende Generationen neuzugestalten. Wenn wir diese Chance nicht nutzen,
riskieren wir eine Umkehrung des historischen Sprungs
zur Freiheit, den die Völker Rußlands, der Ukraine, in
Armenien und andernorts in diesen vergangenen
Monaten unternommen haben.
Lassen Sie uns also in den nächsten beiden Tagen
gemeinsam daran arbeiten, unsere nationale und kollektive Sicherheit sowie dauerhaftes weltweites Wirtschaftswachstum zu fördern und das Richtige für die
Menschen zu tun, die nach einem besseren, freien
Leben in diesen neuen unabhängigen Staaten streben.
Ich danke Ihnen allen für Ihre Anwesenheit. Ich weiß,
es ist nicht leicht, diesen langen Weg zu gehen, aber
es ist von entscheidender Bedeutung. Ich danke Ihnen
für diese Gelegenheit, heute zu Ihnen sprechen zu
können. Möge Gott die Völker aller heute hier vertretenen Länder schützen und die Völker der neuen, ums
Überleben kämpfenden unabhängigen Staaten. Wir
haben volles Vertrauen, daß uns Erfolg beschieden
sein wird, wenn wir alle zusammenarbeiten.

* * *

*

Seite 3

�GUS-HILFE
29. Januar 1992

BAKER: WELTWEITE HILFE FÜR EHEMALIGE
SOWJETUNION ERFORDERLICH
Rede des US-Außenministers bei Koordinierungskonferenz
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge ist eine weltweite koordinierte Reaktion erforderlich, um
die Hilfsmaßnahmen für die Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu erweitern und beschleunigen.
"In den letzten Monaten hat sich das Leben in Rußland und den anderen unabhängigen Staaten in gefährlich
zunehmendem Tempo verschlechtert", erklärte der US-Außenminister am 22. Januar 1992 bei der Eröffnungssitzung der Konferenz zur Koordinierung der Hilfsmaßnahmen für die ehemalige Sowjetunion.
Vor Vertretern von 54 Staaten und internationalen Organisationen verwies Baker darauf, die Probleme seien so
enorm, daß nur eine weltweite Reaktion den 300 Millionen Menschen in den jetzt unabhängigen Staaten helfen
könne, die ein Sechstel des Erdballs umfassen.
Bakers Rede hat folgenden Wortlaut.

Meine Damen und Herren,
heute vor einem Jahr und einer Woche nahm eine
weltweite Koalition eine erfolgreiche Schlacht gegen
nackte Aggression auf. Heute schließen wir uns
zusammen, um eine neue Koalition zu gründen, die
eine neue Schlacht kämpfen muß - eine Schlacht für
ein ebenso ehrenwertes und bedeutendes Anliegen.
Wir kommen heute in diesem Saal zusammen, um
eine Koalition zur Unterstützung von Freiheit und
Demokratie zu bilden, eine Koalition, um Völkern, die
gerade ihre Unabhängigkeit erlangt haben, dabei zu
helfen, eine echte humanitäre Notlage zu überwinden,
eine Koalition, um sie zu unterstützen, während sie
darum bemüht sind, sich von den Ängsten und Schatten ihrer totalitären Vergangenheit zu befreien.
Wenn es sich hier um einen Krieg handelte, würden wir
dies als Operation Provide Hope bezeichnen. Aber
dies ist kein Krieg zur Bekämpfung einer Aggression,
sondern eine friedliche Schlacht zur Unterstützung
von Demokratie und Freiheit. Denn obwohl die Völker
Rußlands und der anderen unabhängigen Staaten
dringend Nahrungsmittel und Treibstoff, Medikamente
und Obdach benötigen, bedürfen sie noch viel mehr
der Hoffnung:
Der Hoffnung, daß sie ein normales Leben mit Brot in
den Regalen und Medikamenten in den Krankenhäusern leben können.
AMERIKA DIENST 4

Der Hoffnung, daß es Auswege aus dieser Notlage
gibt.
Und vor allem der Hoffnung, die aus dem Wissen
darum entsteht, daß die Welt an ihrem Schicksal Anteil
nimmt und zu helfen bereit ist.
Das ist die Botschaft, die von dieser Konferenz ausgesandt werden muß.
Hier in Washington haben sich heute 54 Nationen und
internationale Organisationen zusammengeschlossen
und sich verpflichtet, den Kampf für die Freiheit miteinander zu koordinieren.
Denn wir alle wissen, daß die Völker Rußlands, der
Ukraine, Kasachstans, Armeniens, Weißrußlands,
Kirgisiens und der anderen unabhängigen Staaten um
unsere Hilfe bitten, damit Demokratie und freie Märkte
in ihren Ländern feste Wurzeln schlagen können.
Diese Völker, die gerade erst ihre Freiheit erlangt
haben, wissen, daß die Verantwortung für ihren Erfolg
letztlich bei ihnen selbst liegt. Sie versuchen nicht, sich
der von Präsident Bush so bezeichneten "harten Arbeit
der Freiheit" zu entziehen. Sie möchten auch keine Almosen.
Aber diese Völker wissen, daß wir alle ein Interesse an
ihrem Erfolg haben. Sie wissen, daß wir alle etwas zu
bieten haben. Sie lernen erst jetzt, wie Demokratie und

Seite 1

�freie Märkte funktionieren. Sie erwarten von uns
Führung, um ihnen zu zeigen, wie unsere demokratischen Werte in ihren Ländern verwirklicht werden
können. Sie möchten sich unsere Jahre, Jahrzehnte
und Jahrhunderte der Erfahrung mit freien Märkten
und Demokratie zunutze machen, damit auch sie ihren
rechtmäßigen Platz in der weltweiten Gemeinschaft
freier Nationen einnehmen können.

kenhäuser ohne Impfstoffe, Aeroflot-Maschinen, die
durch Treibstoffmangel am Boden blieben und Offiziere, die gegen den Wohnungsmangel protestierten.

Denn der Zusammenbruch der Sowjetunion hat überall den Schutt des Kommunismus hinterlassen - und
wir müssen dazu beitragen, die schwere Last des
Kommunismus zu beseitigen, damit die neuen Demokratien eine Chance haben, Fuß zu fassen. Wir
müssen ihnen bei der Bewältigung des Erbes der
Kommandowirtschaften, der übermäßigen Militarisierung und des gesellschaftlichen Niedergangs behilflich
sein. Sie benötigen unseren Beistand in allen Sektoren.

Es handelt sich hier zweifellos um einen weltweiten
Notstand, und dieser wird ein weltweites kollektives
Engagement erfordern, um einen weiteren Niedergang zu verhindern und Bedingungen für den Erfolg
demokratischer und marktwirtschaftlicher Reformen
zu unterstützen.

Im nuklearen Bereich, zum Beispiel, bemühen sich die
Vereinigten Staaten und andere energisch darum, die
Weiterverbreitung von Kernwaffen oder anderer Massenvernichtungswaffen zu verhindern. Präsident Bush
hat ein Expertenteam nach Moskau, Minsk, Kiew und
Alma-Ata entsandt, um zu erörtern, wie die Vereinigten
Staaten die sichere Kontrolle, rasche Entschärfung
und Zerstörung von Kernwaffen unterstützen können.
Dies ist eine Aufgabe, an der wir alle ein großes
Interesse haben und großen Anteil nehmen.
Diese Aufgabe umfaßt auch Vorschläge zur Nutzung
geistigen Potentials - das heißt, Möglichkeiten zur
Zusammenarbeit amerikanischer Wissenschaftler mit
ihren Kollegen in Rußland und andernorts, um wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen, anstatt Waffen
zu entwerfen. Wir hoffen, andere werden ebenfalls zu
diesen Bemühungen beitragen.
Aber der nukleare Bereich ist nur ein Beispiel. Die
Völker der neuen unabhängigen Staaten wünschen
den Rat der Welt über das ganze Spektrum hinweg insbesondere durch praxisorientierte Fachleute, die
ihnen den Weg in eine bessere Zukunft weisen können. Die meisten unter uns tun dies auf die eine oder
andere Weise, und wir müssen unsere Bemühungen
verdoppeln.

Dieser humanitäre Notstand umfaßt Gebiete, die sich
über 11 Zeitzonen erstrecken und die ein Sechstel der
Weltlandmasse ausmachen. Dieser Notstand betrifft
annähernd 300 Millionen Menschen.

Unsere Reaktion muß weltweit sein, weil ein anderer
Ansatz nicht funktionieren wird. Die Probleme der
neuen unabhängigen Staaten sind zu groß, als daß
eine Region oder Nation sie alleine lösen könnte. Die
EG-Kommission und EG-Mitgliedstaaten, insbesondere Deutschland, haben bei der Unterstützung von
Reformen und Hilfsangeboten eine Vorreiterrolle übernommen.
Die Nationen Mittel- und Osteuropas - die selbst mit
dem Aufbau von Demokratie und wirtschaftlicher Freiheit kämpfen - haben sich mit uns zusammen hier
eingefunden, weil sie wissen, daß Demokratie in
Rußland, der Ukraine, Weißrußland, Moldawien und
andernorts auch ihre Demokratien unterstützen wird.
Sie wissen ferner, daß unser Engagement für ihre
Zukunft unerschütterlich ist, und wir beabsichtigen
nicht, unsere Hilfe für sie zu verringern.
Aber dieser Notstand in den neuen unabhängigen
Staaten hat grundlegende Folgen über Europa hinaus,
die für uns alle offenkundig sind. Als weltweiter Notstand hat er weltweite Auswirkungen und erfordert
deshalb weltweite Bemühungen.

Aber während die internationalen Finanzinstitutionen
mit den Russen und anderen zusammenarbeiten, um
glaubwürdige langfristige Reformpläne zu entwickeln,
und während einzelne Staaten politische und wirtschaftliche Reformen durch technische Hilfe unterstützen, muß sich die Welt nun auf die ganz reale Notlage
konzentrieren, mit der die Völker Rußlands und der
anderen unabhängigen Staaten heute konfrontiert sind.

Unsere Reaktion muß kollektiv erfolgen, weil wir unsere Ressourcen so am besten einsetzen können. Wir
müssen unsere Arbeit teilen, um ihren Bedürfnissen
gerecht werden zu können. Durch Zusammenarbeit
können wir die Stärken jedes einzelnen vervielfachen,
um die Soforthilfe, die wir bereitstellen können, besser
zu koordinieren und dadurch zu beschleunigen und zu
erweitern. So wurde im vergangenen Monat zum
Beispiel deutsches Milchpulver mit kanadischen Flugzeugen nach Rußland transportiert. Durch Zusammenarbeit können wir unsere Hilfe dort konzentrieren,
wo sie am nötigsten gebraucht wird und die größten
Vorteile erbringen kann. Auf diese Weise können wir
darüber hinaus die Duplizierung von Bemühungen
vermeiden.

In den letzten Monaten hat sich das Leben in Rußland
und den anderen unabhängigen Staaten in gefährlich
zunehmendem Tempo verschlechtert. Wir haben
Usbeken gesehen, die in blutigen Preisunruhen starben, Russen, die zitternd um Brot anstanden, Kran-

Unsere Reaktion muß die Menschen hier und dort
einbeziehen. Unsere kollektiven Bemühungen müssen an den unschätzbaren Elan und die Erfahrung
unseres Privatsektors und gemeinnütziger Organisationen appellieren. Diejenigen, die unserer Hilfe be-

Seite 2

AMERIKA DIENST 4

�dürfen, führen eine Revolution von der Basis bis zu den
höchsten Regierungsstellen durch. Wir müssen ihnen
von der Basis bis zu den höchsten Regierungsstellen
helfen. Partnerschaften zwischen öffentlichen und
privaten Organisationen können - wie wir durch Präsident Bushs medizinische Initiative erfahren haben Beiträge mobilisieren und damit den Wert unserer
Bemühungen vervielfachen. Aus diesem Grund haben wir das Bürgerkorps Demokratie gebeten, heute
und morgen eine parallele Konferenz zu veranstalten,
um unsere nichtstaatlichen und gemeinützigen Organisationen neu anzuspornen.
Unsere kollektive Reaktion muß vor allem darauf
abzielen, die Russen und Ukrainer, Kasachen und
Kirgisen, Armenier und Weißrussen sowie all die anderen
zu motivieren, die von mir anfangs erwähnte entscheidende Botschaft der Hoffnung weiterzutragen. Maxim
Gorki schrieb im Jahr 1923 an Herbert Hoover: "Es ist
nicht nur die physische Hilfe, die wertvoll ist, sondern
(auch) der moralische Beistand, der sich an den Verstand der Menschen richtet." Kurzum, wir müssen
zusammen mit Nahrungsmitteln und Medikamenten
auch moralische Unterstützung leisten.
Wir haben diese Konferenz einberufen, um diese
Bemühungen zu koordinieren, beschleunigen und zu
erweitern. Wir gehen davon aus, daß diese Konferenz
nur ein Schritt auf dem Weg des anhaltenden Engagements zur Unterstützung dieser neuen Staaten ist. Sie
ist nicht darauf angelegt, die Bemühungen anderer in
den Schatten zu stellen oder zu kopieren. Sie soll
diejenigen zusammenführen, die am meisten dazu
befähigt sind, zu diesen Sofortmaßnahmen beizutragen, und die Koordinierung zwischen uns zu verbessern.
Im Lauf dieser Konferenz werden wir neue Ideen dazu
vorlegen, wie wir gemeinsam die kritischen Bedürfnisse erfüllen und durch technische Hilfe eine "Brücke" zu
langfristiger Demokratie und freien Märkten schlagen
können. Wir ermutigen andere, ihrerseits Ideen dazu
vorzuschlagen.
Was für jeden in diesem Saal von entscheidender
Bedeutung sein sollte, ist das, was wir zustande bringen und nicht, wer das Lob dafür erntet. Es steht für
uns zuviel auf dem Spiel, als daß wir irgendeinen
anderen Kurs verfolgen könnten.
Es sind die Ergebnisse, die zählen. Die Lieferung von
Soforthilfe an die Völker in Not kann ihnen Hoffnung für
die Zukunft machen. Sie kann ihnen das Vertrauen in
die demokratischen Entscheidungsträger geben, die
sich auf diesen mutigen Weg begeben haben, um sie
in jene neue Zukunft zu führen. Das ist es, was auf dem
Spiel steht.
*

AMERIKA DIENST 4

Im Hinblick auf den Schwerpunkt der nächsten beiden
Tage sind zwei Ziele von übergeordneter Bedeutung.
Erstens sollten die Arbeitsgruppen "Arbeitspläne"
erstellen. Mit "Plan" meinen wir keinen festen Entwurf
oder ein statisches Dokument. Statt dessen erwarten
wir Arbeitsdokumente, die von den Vorsitzenden der
Arbeitsgruppen und den anderen Teilnehmern als
Leitlinien zum Handeln benutzt werden können.
Zweitens müssen wir geeignete Folgemechanismen
identifizieren. Unabhängig von der möglichen Organisation müssen wir sicherstellen, daß die Koordinierung
auch in naher Zukunft fortgesetzt wird.
Ich möchte meine Ausführungen folgendermaßen
abschließen:
Den Völkern Rußlands und der anderen unabhängigen
Staaten sage ich: Bleibt eurem Kurs treu, denn die
Freiheit funktioniert. Demokratie und wirtschaftliche
Freiheit sind keine Experimente, sondern euer einziger
Weg in eine bessere Zukunft. Die Geschichte appelliert erneut an euer Heldentum, auf daß ihr euch gegen
neue Widrigkeiten wappnet. Durch Zusammenarbeit
untereinander und mit der Welt können Demokratie,
Freiheit und ein besseres Leben euer sein.
Den Völkern Europas und Amerikas, Asiens und des
Persischen Golfs sage ich: Zusammen können wir
erreichen, was wir als einzelne nicht schaffen können.
Dem amerikanischen Volk, Republikanern wie Demokraten, sage ich: Gemeinsam können wir eine Quelle
der Hoffnung sein. Laßtuns den Schlaf des Isolationismus vermeiden, der zu einer Wiederholung der Geschichte zu führen droht.
Laßt uns statt dessen geloben, die Herausforderungen
im In- und Ausland in Angriff zu nehmen.
Wie Martin Luther King, ein großer Amerikaner, dessen Geburtstag wir diese Woche gedenken, einmal
gesagt hat: "Ein Mann wird letztlich nicht daran gemessen, welchen Standpunkt er in Zeiten des Wohlergehens und der Ruhe einnimmt, sondern wie er sich in
Zeiten der Herausforderungen und Kontroversen verhält. Der wahre Nachbar wird seine Stellung, sein
Prestige und sogar sein Leben für das Wohlergehen
anderer aufs Spiel setzen. In gefährlichen Tälern und
auf unsicheren Pfaden wird er einem verletzten und
geschlagenen Bruder zu einem höheren und erhabeneren Leben verhelfen."
Wir alle sind Nachbarn der Völker Rußlands und der
neuen unabhängigen Staaten.
Also laßt uns alle an die Arbeit gehen, denn es ist zu
schaffen.

*

Seite 3

�GUS-HILFE
29. Januar 1992

HILFE DER USA FÜR EHEMALIGE
SOWJETREPUBLIKEN
Eine Übersicht des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Das US-Außenministerium hat eine detaillierte Aufstellung der humanitären und
technischen Hilfsleistungen veröffentlicht, die von den Vereinigten Staaten für die Nachfolgestaaten der
ehemaligen Sowjetunion bereitgestellt werden.
Die am 23. Januar 1992 herausgegebene Aufstellung umfaßt ein breites Spektrum von Hilfsmaßnahmen, die
sich auf medizinische Versorgung, Nahrungsmittel, Energie, Unterkunft und technische Hilfe erstrecken.
Im medizinischen Bereich beinhaltet die amerikanische Hilfe die Lieferung und Verteilung überschüssiger
medizinischer Güter, großangelegte Impfkampagnen, Bereitstellung von Flugzeugen und Besatzungen zum
Transport der Spenden in die neuen unabhängigen Staaten sowie Bestrebungen zur Förderung von Handel und
Investitionen der Vereinigten Staaten im medizinischen Bereich.
Die Nahrungsmittelhilfe umfa ßt staatliche Unterstützung für Spenden der Privatwirtschaft in Form der benötigten
Lebensmittel, Förderung der Entsendung freiwilliger Helfer aus dem Landwirtschaftsbereich und Hilfe beim
Aufbau von Lagerkapazitäten. Zu den zugesagten Nahrungsmittelspenden zählen auch vom Verteidigungsministerium zur Verfügung gestellte Güter im Wert von 44,8 Millionen Dollar.
Im Hinblick auf die Energieversorgung beihalten die Bestrebungen dem Außenministerium zufolge Projekte, die
eine Verbesserung der Beheizung von Wohnhäusern und der Sicherheit von Kohlebergwerken zum Ziel haben.
Zur Bereitstellung von Unterkünften sollen zur Lösung der kurz- und langfristigen Wohnungsprobleme Beraterteams entsandt werden.
Die technische Hilfe umfaßt Programme, die auf die Entwicklung von Demokratie und Marktwirtschaft sowie die
Umstellung der Rüstungsindustrie auf zivile Produktion abzielen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Übersicht des Außenministeriums im Wortlaut.

Medizinische Versorgung
Medizinische Hilfsleistungen des Verteidigungsministeriums
Die US-Regierung wird überschüssige medizinische
Güter (Reservebestände) in die bedürftigen Regionen
liefern und die Verteilung durch freiwillige Privatorganisationen vornehmen.
Das US-Verteidigungsministerium stellt in Oakland (Kalifornien) gelagerte überschüssige
Bestände von Operation Desert Storm zur Verfügung. Hierzu zählen medizinische Güter
(Mullbinden, Spritzen, Katheter etc.), die der
Ladekapazität von 5 Transportflugzeugen vom
Typ C-5 entsprechen.

AMERIKA DIENST 4

Das US-Verteidigungsministerium stellt femer
Bestände der Operation Desert Storm an oralen
Antibiotika (Ciprofloxacin) im Wert von 8,7 Millionen Dollar bereit. Dies entspricht über einer
Million Dosierungen und einer sechsten C-5Ladung. Diese Güter sind in Pirmasens gelagert.
Das US-Verteidigungsministerium hat die Verschiffung von 58 Seecontainern überschüssiger, in Kalifornien gelagerter medizinischer
Verbrauchsgüter in die neuen unabhängigen
Staaten veranlaßt.
Das US-Verteidigungsministerium nimmt eine
weitere Überprüfung seiner Bestände an überschüssigen medizinischen Gütern vor, die für
Soforthilfe eingesetzt werden können.

Seite 1

�Medizinisches Sofortprogramm
Dieses Programm wird dazu beitragen, den Mangel an
wichtigen Arzneimitteln und medizinischen Gütern zu
beheben, einschließlich Antibiotika für die Behandlung
von Respirations- und anderen ansteckenden Krankheiten, Impfstoffen zur Immunisierung von Kindern
und ältemen Menschen gegen lebensbedrohende
Krankheiten, Medikamenten zur Behandlung cardiovaskularer Krankheiten und unterschiedlicher Arten
von Krebs sowie Einweghandschuhen und -spritzen,
um die Verbreitung von Infektionen zu vermeiden.
Zusammen mit privaten Beiträgen wird dieses
Programm Medikamente und medizinische Güter
für die neuen unabhängigen Staaten im Wert
von 50 Millionen Dollar umfassen.
Über 50.000 Kinder werden im Rahmen dieses
Programms behandelt oder geimpft. Das Programm soll im Sommer 1992 anlaufen.
Medizinische Luftbrücke
Die US-Regierung wird logistische Unterstützung zur
Verfügung stellen (das heißt, Flugzeuge und Besatzungen) für die einer C-5-Ladung entsprechende Lieferung von Medikamenten und medizinischen Gütern,
die den Nachfolgestaaten von den Konferenzteilnehmern gespendet wurden.
Krankenhauspartnerschaften zwischen Nationen
Zusammmen mit anderen Konferenzteilnehmern werden die Vereinigten Staaten die Gründung von "Krankenhauspartnerschaften" mit vergleichbaren Einrichtungen in den neuen unabhängigen Staaten unterstützen, um Hygiene, OP, Klinikverwaltung und Geräte zu
verbessern. Das Ziel der Vereinigten Staaten besteht
in der Errichtung von sieben solcher Kliniken bis Ende
1992.
Kinderklinik. Die erste dieser Partnerschaften
wird zwischen dem Norfolk Medical Center und
der Kinderklinik in Moskau gegründet, um die
Qualität der angebotenen Versorgung bei ansteckenden Kinderkrankheiten und in der
Hämatologie zu verbessern.
Förderung von Handel und Investitionen der USA im
medizinischen Bereich
Die Herstellung und Lieferung von Medikamenten,
Impfstoffen und medizinischen Gütern hat sich dramatisch verschlechtert. Zusammen mit amerikanischen
Unternehmern wird die US-Regierung den neuen
unabhängigen Staaten dabei behilflich sein, den Übergang von der Abhängigkeit von gespendeten Medikamenten und medizinischen Gütern zur Entwicklung
eigener privatisierten Produktionskapazitäten zu vollziehen. Dazu zählen:

Seite 2

Entsendung amerikanischer Expertenteams aus
der Industrie, um rasche Lösungen für solche
Probleme auszumachen, die die Produktion
begrenzen. Ein Nebeneffekt sind Kauf und
Montage von amerikanischem Gerät sowie die
Schaffung von Märkten für die amerikanische
Pharmaindustrie.
Aktivitäten zur Ermutigung amerikanischer
Unternehmen, einschließlich der Einberufung
von Gesprächsrunden, Handels- und Investitionsmissionen, den Investitionen vorausgehende Dienstleistungen und die Unterstützung der
Beteiligung der Privatwirtschaft am Gesundheitswesen . Dies würde in Zusammenarbeit mit
dem Wirtschaftsministerium, der Entwicklungsgesellschaft OPIC und Handelsentwicklungsprogrammen ausgeführt.
Nahrungsmittel
US-Partnerschaften "Nahrungsmittel für Freiheit"
Die US-Regierung wird Bestebungen der Privatwirtschaft und nichtstaatlicher Organisationen für Nahrungsmittelspenden und kostengünstiges landwirtschaftliches Gerät durch die Bereitstellung von logistischer
Unterstützung, Transportmitteln und Fachwissen fördern. Dazu zählen Spendenangebote für Mehl, Milchprodukte, verarbeitete Nahrungsmittel und andere Güter
von amerikanischen Landwirten, Kirchen, Freiwilligenorganisationen und Unternehmen.
Programme "von Landwirt zu Landwirt"
In den nächsten drei Jahren werden die Vereinigten
Staaten bis zu 2.000 Freiwillige aus der Landwirtschaft
für 30 bis 90 Tage zur Verfügung stellen, um direkt mit
Landwirten in den unabhängigen Staaten bei der Steigerung von landwirtschaftlicher Produktion und Einkommen zusammenzuarbeiten. Dieses Programm
konzentriert sich zunächst auf Armenien, Rußland, die
Ukraine und Kasachstan und wird im kommenden
Frühjahr beginnen.
Kostengünstige Nahrungsmittellagerung
Die US-Regierung wird dazu beitragen, eines der
schwierigsten Probleme der Nahrungsmittel-Produktionskette zu lösen, indem sie die Einrichtung kostengünstiger Lagerungssysteme zur Reduzierung der
Nahrungsmittelverschwendung finanziert.
Zusätzliche Dienstleistungen der USA im Agrarbereich
Die Vereinigten Staaten werden ihr derzeitiges Programm zusätzlicher Dienstleistungen in Armenien auf
Kasachstan und Usbekistan ausdehen, um den Landwirten Grundkenntnisse zu vermitteln, die Nahrungsmittelverteilung und Marktinformationen zu verbessern.

AMERIKA DIENST 4

�Lieferung von Desert-Storm-Beständen

Unterkunft

Das US-Verteidigungsministerium stellt rund 17.280
Tonnen Nahrungsmittel aus den Beständen von Desert Storm zur Verfügung. Dies entspricht Nahrungsmitteln im Wert von 44,8 Millionen Dollar, die 16
Millionen Mahlzeiten ergeben.

Internationales Wohnberatungsprogamm

Diese Bestände können dazu beitragen, die
Nahrungsmittelengpässe in den Industrieregionen am Donbas-Kohlebecken, an der Wolga, im
Ural und in der Region Kuzbas sowie in St.
Petersburg, Moskau, Archangelsk, Murmansk
und Petrosawodsk zu beheben.
165 Millionen Dollar an Nahrungsmittelhilfe
Die Vereinigten Staaten haben bereits ihre Absicht
bekundet, Nahrungsmittelhilfe in Höhe von 165 Millionen Dollar zu spenden. Dieses Geld ist zum Teil
bereits zur Finanzierung folgender Projekte verwandt
worden:
Nahrungsmittellieferungen nachSt.Petersburg.
Die Vereinigten Staaten werden mit Behörden
vor Ort zusammenarbeiten, um in den nächsten
vier Monaten 400 Tonnen Milchpulver nach St.
Petersburg zu liefern.
Nahrungsmittellieferungen an Armenien. Über
die armenisch-amerikanische Kirche wird die
US-Regierung 10.600 Tonnen Butter, Butteröl
und Weizenschrot für Armenien bereitstellen.
Energie
Energiesparprojekt (Wohnungsbeheizung)
Amerikanische Experten werden helfen, die Zentralheizungsanlagen für Wohngebiete zu reparieren, effektiver zu machen und zu demonstrieren, wie Energie
in Industrieanlagen eingespart werden kann.
Dieses Programm konzentriert sich auf Raffinerien, Heizkraftwerke und Energiesparmaßnahmen für Wohngebiete in den neuen unabhängigen Staaten.
Projekt für Sicherheit von Kohlebergwerken
Diese Initiative beinhaltet Unterstützung für ein erweitertes Programm "Partner bei der Wirtschaftsreform",
einer Initiative der amerikanischen Kohleindustrie,
mehrerer amerikanischer Eisenbahnen und des
Gewerkschaftsdachverbandes AFL-CIO. Das "Partner-Programm trägt dazu bei, logistische Engpässe
zu beseitigen und Ausbildung bei Sicherheit im Bergbau bereitzustellen.

AMERIKA DIENST 4

Diese Beratergruppen werden aktiv mit lokalen und
nationalen Regierungsvertretern der neuen unabhängigen Staaten sowie mit Unternehmern zusammenarbeiten, um zur Lösung der kurz- und langfristigen
Wohnungsprobleme beizutragen.
Die Vereinigten Staaten werden ihrerseits internationale Wohnberatungsteams in fünf Provinzstädten und einer Hauptstadt sowie 5 Mann/
Jahre für entsandte Spezialisten zur Verfügung
stellen. Wir erwarten, daß dieses Programm in
Zusammenarbeit mit unseren Konferenzteilnehmern entwickelt wird.
Technische Hilfe
Ausbildungsprogramm "Demokratie in der Praxis"
Die Vereinigten Staaten werden ein Programm in die
Wege leiten, das technische Unterstützung und Ausbildung in politischer Arbeit auf allen Regierungsebenen anbietet.
Das Programm sieht die Ausbildung von neu
gewählten staatlichen, regionalen und lokalen
Regierungsvertretern in den Vereinigten Staaten vor.
Das Programm umfaßt femer ein technisches
Hilfsprogramm, das Städte und Bundesstaaten
in Amerika mit Partnern in den Nachfolgestaaten verbindet.
Diese Initiative erstreckt sich auf mindestens
500 Teilnehmer.
Eurasische Stiftung für Demokratie, freies Unternehmertum und Ausbildung in Führung und Management
Die Vereinigten Staaten werden eine Stiftung gründen,
deren Zweck die Förderung und Stärkung von freier
Marktwirtschaft und Institutionen ist, die sich mit repräsentativer Regierung, wirksamen Rechtssystemen,
Menschenrechten und verantwortungsbewußten Medien
befassen. Besondere Aufmerksamkeit wird der Entwicklung einer tragfähigen Privatwirtschaft durch Bereitstellung technischer Hilfe für Privatisierung und
Managementausbildung gewidmet.
Die Stiftung würde beispielhaft ausgestattet, um
gemeinsam mit amerikanischen Freiwilligen- und
nichtstaatlichen Organisationen unverzügliche,
schnell anlaufende, praxisorientierte Hilfe für
alle Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion zur Verfügung zu stellen.

Seite 3

�Demonstrationsprojekte zur Umstellung der Rüstungsindustrie
Die US-Regierung wird vordringlich Konsultationen mit
zivilen und militärischen Behörden vor Ort führen, um
die wichtigsten Demonstrationsprojekte zur Umstellung der Rüstungsindustrie auszumachen, die durchführbar sind und unseren jeweiligen Zielen gerecht
werden.

Dazu zählen neue Aufgaben für Atomwissenschaftler wie Forschung an zivilen Projekten,
die Umrüstung militärischer Stützpunkte in Industriezentren und -parks sowie die Umstellung
der Industrie für zivile Zwecke durch Umstrukturierung, Umschulung und Förderung neuer Investitionen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 4

�GUS-HILFE
29. Januar 1992

DIE AMERIKANISCHE HILFE FÜR
DIE EHEMALIGE SOWJETUNION
Eine Übersicht der US-Regierung
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht über die amerikanischen Hilfsmaßnahmen für die neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion, die am 22. Januar 1992 von der
amerikanischen Regierung herausgegeben wurde.
Die amerikanische Hilfe für die ehemalige Sowjetunion
beträgt insgesamt über 5 Milliarden Dollar.
Ankündigung bei der Koordinierungskonferenz
Der Präsident beantragt für die Haushaltsjahre 1992
und 1993 zusätzlich 645 Millionen Dollar für folgende
Zwecke:
einen neuen Sonderfonds für humanitäre/technische Hilfe im Qesamtumfang von 500 Millionen Dollar, um Ressourcen zur Deckung unvorhergesehener humanitärer und besonderer Hilfsmaßnahmen bereitzustellen;
Bewilligung von 85 Millionen Dollar im Rahmen
des Wirtschaftshilfefonds (ESF) für technische
Hilfe;
25 Millionen Dollar für medizinische Hilfe;
20 Millionen Dollar für das Programm P.L.-480
("von Landwirt zu Landwirt"), das Fortbildungsmaßnahmen für private Landwirte und Agraruntemehmen vorsieht;
15 Millionen Dollar für Entwicklungshilfe.
Kreditbürgschaften für Nahrungsmittel (CCC)
Die Vereinigten Staaten haben die Vergabe von 3,75
Milliarden Dollar an CCC-Kreditbürgschaften für den
Ankauf von Nahrungsmitteln durch die ehemalige
Sowjetunion bekanntgegeben. Etwa 3 Milliarden wurden
bereits in Anspruch genommen, um über 19,5 Millionen Tonnen Nahrungsmittel anzukaufen und zu transportieren.
Nahrungsmittelhilfe
Die Vereinigten Staaten haben die Bereitstellung von
Nahrungsmittelhilfe des US-LandwirtschaftsminfsteAMERIKA DIENST 4

riums in Höhe von bis zu 165 Millionen Dollar angekündigt. Darüber hinaus wurden überschüssige Nahrungsmittelvorräte des Verteidigungsministeriums im
Wert von 45 Millionen Dollar auf Spendenbasis zugesagt. Damit erreicht der Gesamtumfang der Nahrungsmittelhilfe 210 Millionen Dollar.
Nukleare Abrüstung
Das Verteidigungsministerium wird 400 Millionen Dollar aus seinem Haushalt 1992 umschichten, um der
ehemaligen Sowjetunion bei der Vernichtung atomarer
und chemischer Waffen zu helfen.
Transport humanitärer Hilfsgüter
Das Verteidigungsministerium wird darüber hinaus
100 Millionen Dollar aus seinem Haushalt 1992 umschichten, um den Transport humanitärer Hilfsgüter zu
finanzieren.
Medizinische Hilfe des AID
Das Amt für internationale Entwicklung (AID) hat im
Jahr 1991 5 Millionen Dollar für medizinische Hilfe
bereitgestellt. Damit wurden private Spenden medizinischer Hilfsgüter für über 25 Millionen Dollar an die
ehemalige Sowjetunion und die baltischen Staaten
gefördert.
Technische Hilfe
Die Vereinigten Staaten haben Pläne zur Bereitstellung von 120 Millionen Dollar an technischer Hilfe für
die ehemalige Sowjetunion bekanntgegeben. Die
Mittel werden Geldern des Wirtschaftshilfefonds und
des Landwirtschaftsministeriums aus den Haushaltsjahren 1991 und 1992 entnommen. Damit wird auf
Maßnahmen zur technischen Zusammenarbeit aufgebaut, die seit 1989 hauptsächlich von amerikanischen
Regierungsbehörden ohne ausdrückliche FinanzieSeite 1

�rungszusagen durchgeführt wurden. Nachfolgend
veröffentlichen wir eine Liste beispielhafter Projekte,
die für die Zukunft geplant sind.

rungen aus erster Hand über die Arbeitsweise des
Privatsektors und die Leitung gewinnorientierter Unternehmen zu vermitteln.

Beispiele technischer Hilfe für die ehemalige
Sowjetunion

Konversion der Rüstungsindustrie

Modellfarmen
Das US-Landwirtschaftsministerium wird landwirtschaftliche Modellbetriebe bei Moskau, Kiew und einer weiteren Großstadt unterstützen, die anfangs von amerikanischen Farmern geleitet und nach privatwirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt werden sollen. Diese
Betriebe sollen als Demonstrationsobjekte und Ausbildungseinrichtungen für Landwirte dienen.
Großmärkte
Das amerikanische Landwirtschaftsministerium wird
Experten entsenden, die beim Aufbau privater Großmärkte für Nahrungsmittel behilflich sind, mit denen
das staatliche Verteilungssystem ersetzt werden soll.

Die Vereinigten Staaten werden Projektstudien fördern und Experten bereitstellen, um Ressourcen und
Humankapital von der Rüstungsindustrie zu nichtmilitärischen wirtschaftlichen Sektoren zu verlagern.
Energieversorgung
Die Vereinigten Staaten werden Experten aus dem
Privatsektor sowie preiswertes amerikanisches Material liefern, um städtischen Heizkraftwerken, Elektrizitätswerken und lebenswichtigen Industrien zu helfen,
Bereitstellung und Effizienz von Energielieferungen zu
verbessern. Die Vereinigten Staaten werden femer
ihre Bemühungen fortsetzen, um das Klima für ausländische Investitionen im Energiebereich in der ehemaligen Sowjetunion zu verbessern.
Gesundheitswesen

Management-Berater
Das US-Landwirtschaftsministerium und das AID werden
Freiwillige aus der amerikanischen Wirtschaft in wichtigen Positionen einsetzen, um drei bis sechs Monate
lang als Beraterin Organisationen der Nahrungsmittelwirtschaft und Industrie tätig zu sein. Femer werden
Experten entsandt, die bei der Privatisierung von
Staatsunternehmen mitwirken sollen.
Rechtsberater
Die Vereinigten Staaten werden juristische Berater
entsenden, um bei der Erstellung von Gesetzentwürfen mitzuwirken, die eine rechtliche Grundlage für eine
freie Marktwirtschaft liefern (Privateigentum, Schutz
geistigen Eigentums, Investitionsgesetze, Liegenschaftsrecht, Wettbewerbs- und Kartellgesetzgebung
etc.).
Fortbildungsmaßnahmen

Die Vereinigten Staaten werden amerikanischen
medizinischen Einrichtungen Mittel zur Verfügung stellen,
um Fachwissen mit Einrichtungen des Gesundheitswesens in der ehemaligen Sowjetunion auszutauschen.
Demokratisierung
Private amerikanische Organisationen werden in
Anspruch genommen, um Gerät, Beratung und Anleitung bei Wahlverfahren und der Entwicklung eines
parlamentarischen Systems bereitzustellen.
Rechtsstaatlichkeit
Die Vereinigten Staaten werden Fortbildungsprogramme einrichten, um zur Entwicklung einer unabhängigen Justiz beizutragen und die Überarbeitung von
Straf- und Zivilrecht sowie Verwaltungsverfahren zu
fördern.

Das Wirtschaftsministerium wird Praktikantenstellen
in amerikanischen Unternehmen fördern, um Erfah* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 4

�LIBYEN
29. Januar 1992

PICKERING: UN-ABSTIMMUNG "
KLARES SIGNAL" AN LIBYEN
Erklärung im UN-Sicherheitsrat
NEW YORK - (AD) - Dem amerikanischen UNO-Botschafter Thomas Pickering zufolge hat der Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen mit seiner Resolution vom 21. Januar 1992, wonach Libyen "bei der Auslieferung seiner
Regierungsvertreter ohne wenn und aber zusammenarbeiten" muß, die der Bombenanschläge gegen zwei
Verkehrsmaschinen beschuldigt werden, "das klarste mögliche Signal" gegeben.
In einer Erklärung zu der Resolution im Sicherheitsrat verwies Pickering darauf, diese "stellt klar, daß weder
Libyen noch irgendein anderer Staat versuchen kann, die Unterstützung des internationalen Terrorismus mit
traditionellen Prinzipien des Völkerrechts und staatlicher Praxis zu kaschieren".
In der vom Sicherheitsrat einstimmig verabschiedeten Resolution wird Libyen aufgefordert, unverzüglich,
uneingeschränkt und effektiv mit den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich bei der Aufklärung der
Bombenanschläge gegen Pan Am Flug 103 über Lockerbie sowie Flug UTA 772 über dem Niger zusammenzuarbeiten.
Nachfolgend veröffentlichen wir Pickerings Erklärung im UN-Sicherheitsrat im Wortlaut.

Herr Präsident, mit der Verabschiedung dieser Resolution hat der Rat erneut die wichtige Rolle unter
Beweis gestellt, die er in diesem neuen und hoffnungsvollen Zeitalter der internationalen Beziehungen spielen sollte. Seine Pflichten im Hinblick auf Frieden und
Sicherheit in der Welt nehmen den höchsten Stellenwert ein, und er hat erneut gezeigt, daß er diese
Pflichten äußerst ernst nimmt.
Der Rat war mit der außergewöhnlichen Situation
konfrontiert, daß ein Staat und seine Vertreter in zwei
verabscheuungswürdige Bombenanschläge gegen
Verkehrsflugzeuge verwickelt sind. Dies ist eine Situation, auf die normale Verfahrensweisen nicht angewendet werden können. Die Folgen solchen Verhaltens für Frieden und Sicherheit in der Welt sind eindeutig und unausweichlich.
Die Regierungen Frankreichs, des Vereinigten Königreichs und der Vereinigten Staaten haben diesem Rat
die Ermittlungsberichte vorgelegt, die Vertreter der
libyschen Regierung mit den Bombenanschlägen gegen
Pan Am 103 über Lockerbie und UTA 772 über dem
Niger in Verbindung bringen. 441 völlig unschuldige
Menschen aus 32 Ländern, darunter sieben Mitgliedstaaten dieses Rats, wurden in einem Akt des offenkundigen, kaltblütigen und brutalen Terrorismus ermordet.
AMERIKA DIENST 4

Bei der entscheidenden Frage geht es nicht um irgendwelche unterschiedlichen Meinungen oder Ansätze,
die durch Vermittlungen oder Verhandlungen miteinander versöhnt werden können. Es geht, wie der
Sicherheitsrat erkannt hat, um ein Verhalten, das uns
alle bedroht und eine unmittelbare Gefahr für Frieden
und Sicherheit in der Welt bedeutet. Das Mandat des
Sicherheitsrats verpflichtete diesen, sich seiner Verantwortung in diesem Fall zu stellen. Er darf sich durch
libysche Versuche, diese Angelegenheit des Friedens
und der Sicherheit in der Welt zu einer Frage bilateraler
Meinungsverschiedenheiten umzumünzen, nicht beirren lassen.
Die soeben verabschiedete Resolution reagiert auf
eine besondere Situation, die diesem Rat vorgelegt
wurde. Sie stellt eine konkrete Forderung an Libyen:
daß es ohne wenn und aber bei der Auslieferung seiner
Vertreter, die dieser Bombenanschläge angeklagt oder
mit ihnen in Verbindung gebracht werden, zusammenarbeitet und konkrete Maßnahmen einleitet, wie es
einem gesetzestreuen Staat gebührt. Darüber hinaus
fordert sie den Generalsekretär auf, gemeinsam mit all
den anderen Staaten Libyen zu ermutigen, diese
Resolution vollständig und effektiv zu befolgen. Die
Resolution stellt eindeutig fest, daß der Rat bestrebt
ist, im Einklang mit den Bestimmungen des Völker-

Seite 1

�rechts die unverzügliche Einleitung eines Gerichtsver- staatliche Verstrickung in den Terrorismus sowie dem
fahrens gegen die Beschuldigten zu gewährleisten. Fehlen einer unabhängigen Justiz in dem beschuldigDie Resolution fordert, daß die Angeklagten ohne ten Staat konfrontiert. Angesichts eines derartigen
Verhaltens mußte der Rat handeln, um Bedrohungen
wenn und aber der Justiz der Länder übergeben werden, die nach dem Völkerrecht für ihre Gerichtsverfah- für Frieden und Sicherheit in der Welt zu bewältigen,
die sich aus äußerst schwerwiegenden terroristischen
ren zuständig sind.
Anschlägen ergeben, und er tat dies mit Festigkeit,
Bis heute hat sich Libyen geweigert, auf diese Forde- Würde, Entschlossenheit und Mut. Die Aktion des
rungen einzugehen, hat versucht, sich seinen Pflichten Rats gibt deshalb das klarste mögliche Signal, daß die
zu entziehen und eine Verzögerungstaktik angewandt. internationale Staatengemeinschaft solches VerhalObgleich die libyschen Versuche, den Charakter des ten nicht tolerieren wird.
Problems vor dem Rat zu verschleiern, auch das
ausdrückliche Zugeständnis beinhalten, daß seine Wir hoffen jetzt, daß Libyen effektiv und rasch reagiert.
Staatsangehörigen andernorts vor Gericht gestellt Die Stimme der internationalen Staatengemeinschaft
werden könnten, wird gleichzeitig krampfhaft versucht, ist in diesem Fall unmißverständlich und entschlossen.
Orte vorzuschlagen oder anzubieten, die den Wert des Der Rat erwartet von Libyen die Einhaltung der soeben
in langen und gründlichen Ermittlungen der Staaten, verabschiedeten Resolution. Das Ausmaß der begandie eine Auslieferung fordern, so akribisch gesammel- genen Verbrechen und die Angriffe auf Frieden und
ten Beweismaterials verringern oder sogar zunichte Sicherheit in der Welt gebieten nichts weniger. Der Rat
machen würden.
wir sorgfältig beobachten, wie Libyen reagiert. Der Rat
wird weiterhin Schritt für Schritt sein Engagement für
Mit der Verabschiedung dieser Resolution hat der Rat Frieden und Sicherheit in der Welt aufrechterhalten. Er
umsichtig und klug auf die einzigartige Situation rea- wird auch in Zukunft sicherstellen, daß seine Stimme
giert, die mit der eindeutigen Aufdeckung staatlich und seine Entscheidungen alles mögliche dazu beitrageförderter terroristischer Anschläge gegen die Zivil- gen werden, um Libyen sowie jeden anderen Staat, der
luftfahrt einhergeht. Der Rat hat unmißverständlich sich in Zukunft zu ebensolchen Handlungen veranlaßt
das Recht aller Staaten bekräftigt, ihre Bürger im fühlen könnte, dazu zu bewegen, solche Aktionen
Einklang mit der Charta zu schützen. Die Resolution heute und in Zukunft einzustellen. Falls weitere
stellt klar, daß weder Libyen noch irgendein anderer
Maßnahmen erforderlich sein sollten - und wir hoffen,
Staat versuchen kann, die Unterstützung des interna- dies ist nicht der Fall -, gehen wir davon aus, daß der
tionalen Terrorismus mit traditionellen Prinzipien des Rat weiterhin bereit ist, seine Pflichten voll und ganz
Völkerrechts und staatlicher Praxis zu kaschieren. Der wahrzunehmen.
Rat war in diesem Fall mit eindeutigen Beweisen für
* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 4

�PORTRAT
29. Januar 1992

CARD ALS "MACHER" BEKANNT
Porträt des nominierten Verkehrsministers

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat den von
ihm als nächsten Verkehrsminister nominierten Andrew Card als Mann bezeichnet, der im Weißen Haus
als "Macher" bekannt ist.
Card war bisher als Stellvertretender Stabschef im
Weißen Haus tätig. Vorbehaltlich seiner Bestätigung
durch den Senat wird er Nachfolger von Samuel Skinner, der nach dem Rücktritt John Sununus Stabschef
im Weißen Haus wurde.
Als langjähriger Gefolgsmann Bushs war Card an der
erfolglosen Präsidentschaftskampagne Bushs im Jahr
1980 in Massachusetts beteiligt. 1988 war er Wahlkampfleiter Bushs für die Vorwahl in New Hampshire,
die entscheidend zum späteren Sieg Bushs im Präsidentschaftswahlkampf beitrug. Zuvor war Card im
Weißen Haus unter Reagan Leiter des Büros für
zwischenstaatliche Angelegenheiten.
Der 44jährige Card, ein Ingenieur und ehemaliger
Vizepräsident einer Softwarefirma, war von 1974 bis
1983 Abgeordneter im Repräsentantenhaus von
Massachusetts und kandidierte 1982 für das Gouverneursamt in diesem Staat.
Card wurde am 10. Mai 1947 in Brockton (Massachusetts) geboren. An der University of South Carolina
erwarb er ein Bakkalaureat in Ingenieurwesen. Darüber hinaus besuchte er die United States Merchant

Marine Academy sowie die John F. Kennedy School of
Government an der Harvard University.
Im Repräsentantenhaus von Massachusetts war er
sechs Jahre lang Mitglied der republikanischen Fraktionsführung und wurde im Jahr 1982 von der Nationalen Vereinigung Republikanischer Abgeordneter zum
Abgeordneten des Jahres gewählt.
Im September 1983 wurde Card zum persönlichen
Referenten Präsident Reagans für zwischenstaatliche
Angelegenheiten ernannt und arbeitete in dieser Position hauptsächlich mit den Gouverneuren der Bundesstaaten zusammen. 1988 war er unter Präsident
Reagan Leiter des Büros für zwischenstaatliche Angelegenheiten im Wei Ben Haus. In diesem Amt fungierte
er als Verbindungsmann des Präsidenten zu den
Gouverneuren, den gewählten Vertretern in den Bundesstaaten, Abgeordneten, Bürgermeistern und anderen Gemeindevertretern.
Im Wahlkampf 1988 diente Card als wichtiger Berater
für den Wahlkampf Bush/Quayle. Neben seinem
Einsatz als Wahlkampfmanagerfür die Vorwahl in New
Hampshire war er regionaler politischer Direktor und
Verbindungsmann zu den republikanischen Gouverneuren.
Card ist verheiratet und hat drei Kinder.

* * * * *

AMERIKA DIENST 4

Seite 1

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11357">
                <text>29.01.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11358">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11359">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11360">
                <text>Amerikadienst 29.01.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11361">
                <text>&lt;strong&gt;1. Bericht zur Lage der Nation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush erläutert neue Weltordnung, Pläne zur wirtschaftlichen Erholung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht des Präsidenten zur Lage der Nation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GUS-Hilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush drängt auf weltweite Hilfe für ehemalige Sowjetrepubliken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten bei der GUS-Konferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker: weltweite Hilfe für ehemalige Sowjetunion erforderlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Außenministers bei Koordinierungskonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hilfe der USA für ehemalige Sowjetrepubliken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Hilfe für die ehemalige Sowjetunion &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht der US-Regierung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Libyen&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Pickering: UN-Abstimmung "klares Signal" an Libyen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung im UN-Sicherheitsrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Card als "Macher" bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des nominierten Verkehrsministers&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2229" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2240">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/5d5619ea8e1a3cf5a681f809ef9c9ccb.pdf</src>
        <authentication>b8ede9e01744bba55d31e06a9cd0a307</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11356">
                    <text>cimcrikci
U.S. Information Service f | I ^ ^ ^ ^ ^ V l
Embassy ofthe United States of America % • l ^ ™ l _ " J ^

er «S o-

/

/

£

'S"
1

22. Januar 1992

*

/

DEUTSCH-AMERIKANISCHE
BEZIEHUNGEN

DEUTSCHLAND UND DIE VEREINIGTEN
STAATEN IM ANGESICHT GLOBALER HERAUSFORDERUNGEN IN EINER VERÄNDERTEN WELT
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt
bei der Friedrich-Ebert-Stiftung

WEITERVERBREITUNG

USA: BESORGNIS ÜBER WEITERVERBREITUNG
KONZENTRIERT AUF GUS UND NORDKOREA
CIA-Direktor Gates vor dem Senat

MARTIN LUTHER KING

BUSH WÜRDIGT VERMÄCHTNIS
MARTIN LUTHER KINGS
Proklamation zum gesetzlichen Feiertag

GOLFKRIEG

UNTERNEHMEN WUSTENSTURM EIN JAHR DANACH
von Henry E. Catto

WAHLEN '92

DIE LISTE DER VORWAHLEN UND
WAHLVERSAMMLUNGEN

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�DEUTSCH-AMERIKANISCHE

BEZIEHUNGEN
22. Januar 1992

DEUTSCHLAND UND DIE VEREINIGTEN STAATEN
IM ANGESICHT GLOBALER HERAUSFORDERUNGEN
IN EINER VERÄNDERTEN WELT
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt
bei der Friedrich-Ebert-Stiftung
BONN - (AD) - In einer Rede bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn hat sich der Botschafter der Vereinigten
Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, Robert M. Kimmitt, am 21. Januar 1992 für eine
aktivere weltpolitische Rolle Deutschlands ausgesprochen. Er verwies darauf, daß die Vereinigten Staaten
Deutschland nach wie vor als "Partner in der Führung" betrachten und äußerte sich befriedigt darüber, daß die
Bundesregierung sich zur Übernahme größerer Verantwortung in der Welt bekannt habe.
Botschafter Kimmitt fuhr dann fort: "In den vergangenen Wochen wurde vor allem von 'ungenannten Quellen'
häufig gesagt und geschrieben, die Amerikaner seien über das deutsche Selbstbewußtsein, das heißt
'assertiveness', besorgt, wenn nicht sogar beunruhigt. Ich möchte hier klar und unmißverständlich feststellen,
daß wir dieses deutsche Selbstbewußtsein im Rahmen kollektiver Aktionen zur Verwirklichung gemeinsamer
Ziele und Vorstellungen begrüßen und schätzen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Botschafters im Wortlaut.

Herr Minister Gerster,
Herr Börner,
Herr Dr. Lübkemeier,
meine Damen und Herren,
vielen Dank für diese freundlichen Einführungsworte.
Ich bin Ihrer Einladung, hier im Rahmen einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung zu aktuellen Fragen des deutsch-amerikanischen Verhältnisses Stellung zu nehmen, sehr gerne gefolgt. Gerne deshalb,
weil ich weiß, welche wichtige, ja einzigartige Rolle die
politischen Stiftungen im politischen Leben und in der
politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland
spielen: sei es mit ihrer breit angelegten politischen
und gesellschaftlichen Bildungsarbeit im Geiste der
Demokratie oder in ihrer Funktion als Mittler und
Förderer des internationalen Austausches und - nicht
zu vergessen - im Bereich der Politikberatung und
wissenschaftlichen Forschung. Diese Merkmale zeichnen alle politischen Stiftungen in Deutschland aus,
aber gerade die Friedrich-Ebert-Stiftung als die älteste
deutsche Stiftung dieser Art kann hier natürlich auf
eine besonders lange und erfolgreiche Tradition zurückblicken.
AMERIKA DIENST 3

In den Vereinigten Staaten verfügen wir über Institutionen mit ähnlichen Zielen, die ebenfalls Zuschüsse der
Regierung erhalten. Dazu zählen die vier regionalen
Institute der AFL-CIO, die National Endowment for
Democracy sowie die Stiftungen der Republikanischen
und Demokratischen Partei. Ich hoffe, die sich verändernde Welt wird neue Möglichkeiten der Kommunikation und Kooperation zwischen diesen verwandten
deutschen und amerikanischen Institutionen eröffnen.
Mein Vorgänger, der von mir sehr geschätzte Botschafter Vernon Walters, hat fast auf den Tag genau
vor zwei Jahren hier an dieser Stelle eine Rede zur
deutschen Frage und zur europäischen Sicherheit aus
amerikanischer Sicht gehalten.
Ich erwähne dies deshalb, weil schon an der Themenstellung deutlich wird, mit welch rasanter Geschwindigkeit in den letzten beiden Jahren wahrhaft revolutionäre Veränderungen von welthistorischer Bedeutung
vor unseren staunenden Augen stattgefunden haben.
Das Thema der europäischen Sicherheit stellt sich
heute, nach der Herausbildung demokratisch legiti-

Seite 1

�mierter Regierungen in Mittel- und Osteuropa, nach
der Auflösung des Warschauer Paktes, nach dem
Zerfall der Sowjetunion und nach den Erfahrungen des
Golfkrieges in einem ganz neuen und radikal veränderten Lichte dar.
Die deutsche Frage, das heißt die Wiedererlangung
der staatlichen Einheit Deutschlands, die damals immer
noch auf der internationalen Tagesordnung stand,
aber von einer Lösung noch Jahre entfernt schien, ist
inzwischen bereits Geschichte, wenn auch, zugegebenermaßen, die Vollendung der inneren Einheit noch
viel Geduld und Zeit braucht.
Mein Land ist stolz darauf, daß es Deutschland von
Anfang an bei der Wiedererlangung seiner staatlichen
Einheit in Freiheit tatkräftig und ganz ohne Vorbehalte
unterstützt hat. Wir haben es jedoch dabei nicht
bewenden lassen. Genauso engagiert sind wir dabei,
einen Beitrag dazu zu leisten, daß auch die innere
Einheit Deutschlands in all ihren Aspekten möglichst
bald vollendet werden kann.
100 amerikanische Firmen sind in den fünf neuen
Bundesländern tätig geworden; sie schaffen und erhalten über 20.000 Arbeitsplätze und erzielen ein Investitionsvolumen von 2 Milliarden DM. Ich weiß Produkte
aus dem Osten persönlich zu schätzen. Meine Eltern
haben im Jahr 1947 in Berlin geheiratet, und ich wurde
exakt neun Monate später in den Vereinigten Staaten
geboren. Ich bin also auch "Made in Germany".
Wie ich am 6. Januar in Neubrandenburg bekanntgab,
haben wir die Mittel für das amerikanisch-deutsche
Fulbright-Programm, den Englischunterricht und andere Austauschprogramme trotz unserer Haushaltsengpässe um über eine Million Dollar aufgestockt. Bei
diesem Besuch in Neubrandenburg habe ich auch der
dortigen Regionalbibliothek 16.000 Bücher eines unlängst geschlossenen amerikanischen Militärstützpunkts
in Gelnhausen übergeben. Die Zahl der von West
nach Ost gespendeten Bände ist damit auf über 100.000
gestiegen. Was wäre besser, um Schwerter zu Pflugscharen zu verwandeln, als eine ganze Bevölkerung
mit den kulturellen, akademischen und anderen Charakteristika eines anderen Landes und Volkes in Berührung zu bringen. Unsere Verpflichtung, die U.S.A.
der Bevölkerung der neuen Bundesländer näher zu
bringen, hat auch dazu geführt, unsere Handelspräsenz im Osten zu verdoppeln, ein neues Konsulat und
bald ein Amerika-Haus in Leipzig zu eröffnen, und die
RIAS Kommission in Berlin zu errichten, die es den
Ostdeutschen erlauben wird, die USA zu besuchen
und Einsicht aus erster Hand in die amerikanischen
Medienerfahrungen zu bekommen.
Die deutsch-amerikanische Partnerschaft
Als Präsident Bush in seiner Mainzer Rede vom Mai
1989 zum ersten Mal von Deutschland als Amerikas
Partner in der Führung sprach, wurde diese Geste hier
wohlwollend aufgenommen. Ich möchte jedoch beSeite 2

zweifeln, ob in dieser Aussage in der Bundesrepublik
damals mehr gesehen wurde als nur ein willkommenes
Zeichen dafür, daß unser bilaterales Verhältnis über
die Jahre einen so hohen Grad der Reife erreicht hat,
daß wir damit zu gegenseitig sich vertrauenden und,
wenigstens vom Grundsatz her, gleichberechtigten
Partnern geworden sind. Wer wollte jedoch bestreiten,
daß dieses deutsch-amerikanische Verhältnis heute,
nach der Wiedererlangung der Einheit Deutschlands
und der Wiedergewinnung seiner vollen Souveränität,
nach den dramatischen internationalen Umwälzungen
der letzten zweieinhalb Jahre entscheidender denn je
ist und eine Bedeutung erlangt hat, die von vielen
damals vielleicht noch nicht erkannt wurde?
Partnerschaft in der Führung bedeutet, daß ein jahrzehntelanges enges und freundschaftliches Verhältnis
eine neue Dimension erlangen muss. Ihre erste
Bewährungsprobe bestand diese Partnerschaft bei
der Behandlung und schließlich bei der Regelung der
äußeren Aspekte der deutschen Vereinigung. Der
Zwei-Plus-Vier Prozeß, der es erst ermöglichte, daß
die Vereinigung der beiden deutschen Staaten so
schnell und scheinbar reibungslos zustande kommen
konnte, entstand aus den engen deutsch-amerikanischen Konsultationen. Ich freue mich, daß als angemessenes und aufregendes Zeichen dieser Partnerschaft, der deutsche Astronaut Ulf Merbold - so Gott
will - morgen gemeinsam mit einer amerikanischen
Besatzung zu einem Flug mit der Raumfähre starten
wird.
Präsident Bush hat in Mainz auch darauf verwiesen,
daß der ständige Begleiter der Führungsrolle die Verantwortung ist. Nach seiner Vereinigung hat Deutschland wegen seiner gewachsenen Größe und seinem
gestiegenen Einfluß international eine höhere Verantwortung zu übernehmen. Mit Genugtuung können wir
feststellen, daß Bundeskanzler Kohl und andere führende deutsche Politiker in mehreren öffentlichen
Erklärungen im letzten Jahr Präsident Bushs Angebot
zur Partnerschaft in der Führung dankbar begrüßt und
sich zu der Übernahme größerer Verantwortung in der
Welt bekannt haben.
In den vergangenen Wochen wurde vor allem von
"ungenannten Quellen" häufig gesagt und geschrieben, die Amerikaner seien über das deutsche Selbstbewußtsein, das heißt "assertiveness", besorgt, wenn
nicht sogar beunruhigt. Ich möchte hier klar und
unmißverständlich feststellen, daß wir dieses deutsche Selbstbewußtsein im Rahmen kollektiver Aktionen zur Verwirklichung gemeinsamer Ziele und Vorstellungen begrüßen und schätzen. Eine Partnerschaft bringt diejenigen mit gemeinsamer Sichtweise
und Orientierung einander näher, die ihre Erfolgschancen durch die Synergie kollektiven Vorgehens verbessern wollen. Ist das Ziel einmal gesteckt, wird von
jedem Partner erwartet - ja gefordert - bei der Verwirklichung dieses Ziels Selbstbewußtsein an den Tag zu
legen. Die Lektion der jüngeren Geschichte lautet, daß
AMERIKA DIENST 3

�uns mit kollektiven Aktionen eher Erfolg beschieden
sein wird als durch nationale Alleingänge. Und mit
wem könnten die Vereinigten Staaten besser gemeinsam vorgehen als mit Deutschland - einem vertrauenswürdigen, verläßlichen Verbündeten, mit dem wir täglich auf der Grundlage von Respekt und Gleichberechtigung agieren, einem Land, das unter aggressiven
nationalen Alleingängen gelitten, sich davon abgewandt und sie durch eine nahezu fünfzigjährige Bilanz
der Konsultationen und des Multilateralismus ersetzt
hat?
Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind traditionell stark, und der Ruf nach Partnerschaft ist daher
nur natürlich, weil sie sich auf eine sehr solide Grundlage gemeinsamer Prinzipien und Werte stützen:
Demokratie, freie Marktwirtschaften, Achtung der Rechte
und Freiheit des einzelnen und Rechtsstaatlichkeit
sowie die Bereitschaft, den Bedürftigen eine helfende
Hand zu reichen. Diese gemeinsamen Interessen
waren die Basis für unsere Kooperation in der Nachkriegszeit, in der NATO, beim Wiederaufbau Deutschlands und Europas, im Handel, im Golfkrieg und bei
einer Reihe anderer Fragen.
Wie ich bereits ausgeführt habe, gibt es zwischen uns
eine breite gemeinsame Basis bei sehr vielen Fragen.
Man kann meiner Ansicht nach mit Sicherheit sagen,
daß die Vereinigten Staaten und Deutschland bei ihren
Ansätzen zu internationalen Problemen vielleicht zu
95 Prozent übereinstimmen. Es ist unvermeidlich, daß
wir von Zeit zu Zeit unterschiedliche Meinungen und
Interessen haben. Aber ungeachtet dieser Differenzen - den 5 Prozent der Themen, bei denen wir nicht
übereinstimmen - ist es ein größerer Beweis unserer
guten Beziehungen, daß wir die Notwendigkeit erkennen, auch in diesen Fällen unsere Ansichten auszutauschen und - mit anderen Worten - einander 100prozentig zu konsultieren. Partner können unterschiedlicher Meinung sein, aber die zugrundeliegenden gemeinsamen Werte - Eckpfeiler der Beziehungen stehen niemals in Frage.
Die Übereinstimmung unserer beiden Länder wird
besonders darin sichtbar, daß wir in den Zielen stets
einig waren. Uneinigkeit gab es nur über Mittel und
Wege, diese Ziele zu erreichen - wie zum Beispiel in
jüngster Zeit im Falle Jugoslawien. Wir streben beide
eine friedliche Einigung in Jugoslawien an, auf der
Basis bestimmter Prinzipien, wie sie in der Schlußakte
von Helsinki und anderen Erklärungen, zum Beispiel
der Pariser Charta, niedergelegt sind.
Trotz unserer Differenzen bei der Anerkennung ist es
jetzt an der Zeit, sich in der EG und in den Vereinten
Nationen auf multilaterale Ansätze zu konzentrieren,
die auf eine Lösung des Konflikts hoffen lassen. Am
vordringlichsten ist die Stärkung der Präsenz internationaler Beobachter, um die Elemente in Jugoslawien
zu stärken, die ihre Streitigkeiten ohne weitere Rück-

AMERIKA DIENST 3

griffe auf Gewalt beilegen wollen. Deutschland, die
Vereinigten Staaten und andere Länder müssen alles
in ihrer Macht Stehende tun, um die notwendigen
Bedingungen für die effektive Arbeit der Friedensmissionen in diesem krisengeschüttelten Land zu schaffen.
Die Vereinigung beider deutscher Staaten bedeutet für
uns außerdem, daß es wieder ein ungeteiltes Europa
gibt, und wir haben unsere bilateralen Beziehungen zu
Deutschland immer als einen wesentlichen Bestandteil des europäischen Integrationsprozesses betrachtet. Was die Weiterentwicklung der Europäischen
Gemeinschaft zu einer wirtschaftlichen und politischen
Union mit einer wichtigen Sicherheitskomponente betrifft,
so sind wir uns Deutschlands Rolle als treibender Kraft
bei der Verwirklichung dieses Zieles wohl bewußt und
wissen diese zu würdigen. Die Vereinigten Staaten
unterstützen die Bestrebungen zur Integration Europas genauso vorbehaltlos und energisch wie bereits
vor 35 Jahren und so, wie sie das Ziel der deutschen
Einheit in Freiheit ohne wenn und aber unterstützt
haben. Denn ein erfolgreiches, vereintes Europa hat
positiven Einfluß auf Stabilität, Demokratie und Wohlstand auf der ganzen Welt.
Aber ebenso wie bei der deutschen Vereinigung gewisse Fragen im Rahmen des Zwei-plus-Vier Prozesses in einer alle Seiten zufriedenstellenden Form gelöst werden konnten, gilt es nun, bestimmte Fragen in
Zusammenhang mit der europäischen Integration, wie
es sich unter Freunden gehört, offen zu diskutieren
und einer Lösung zuzuführen. Dies betrifft zum Beispiel die Offenhaltung der EG für den Handel mit
andern Ländern und die Frage, wie die auch von uns
geförderte Schaffung einer europäischen Verteidungsidentität mit der bestehenden NATO-Struktur in Einklang gebracht werden kann.
Dabei müssen wir uns immer vergegenwärtigen, daß
der transatlantische Verbund nichts von seiner Wichtigkeit eingebüßt, sondern im Gegenteil, angesichts
der neuen, nur gemeinsam zu bewältigenden Herausforderungen, noch weiter an Bedeutung gewonnen
hat. Die Vereinigten Staaten sind eine europäische
Macht und haben nicht die Absicht, diese Rolle aufzugeben. Verteidigungsminister Cheney erklärte bei
seinem jüngsten Besuch in Bonn, Amerika würde
erhebliche Streitkräfte in Europa und Deutschland
beibehalten, solange seine Verbündeten dies wünschen. Mit Freude habe ich von praktisch allen offiziellen Vertretern Deutschlands, mit denen ich gesprochen habe, einschließlich der SPD-Führung, starke
Worte der Unterstützung für eine glaubwürdige amerikanische Präsenz vernommen. Aber ein Element der
geteilten Verantwortung, auf das ich bereits verwiesen
habe, ist Deutschlands Pflicht, öffentlich die Gründe
dafür darzulegen, warum eine US-Präsenz immer
noch erforderlich ist.

Seite 3

�Dies trifft nicht nur auf den von mir bereits angesprochenen europäisch-amerikanischen Sicherheitsverbund
im klassischen politisch-militärischen Sinne zu. Wie
wir alle wissen, kann man heutzutage Sicherheit nicht
mehr allein unter diesem Aspekt sehen. Sicherheit in
allen ihren Dimensionen umfaßt auch wirtschaftliche,
ökologische, soziale und kulturelle Gesichtspunkte,
die bei der heutigen Sicherheitsgleichung eine mindestens ebenso große Rolle spielen wie die militärischen.
Gemeinsame Bemühungen in der ehemaligen
Sowjetunion
Wenn wir weiteeWenn wir weiter nach Osten blicken,
stehen wir alle noch unter dem Eindruck der atemberaubenden Entwicklungen, die sich in den letzten
Wochen auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion
ereignet haben. Ich weiß, daß dieselben Fragen in
Deutschland sowohl für Politiker als auch für die Öffentlichkeit von großem und unmittelbarem Interesse
sind. Vor ein paar Wochen habe ich zu einer Gruppe
wichtiger Vertreter der Partei gesprochen, der diese
Institution angeschlossen ist, und ich war von dem
starken und intensiven Interesse an den Problemen
der Integration der neuen Demokratien im Osten und
dem Umgang mit der zerfallenden Sowjetunion beeindruckt.
Aus vielen Kommentaren an diesem Tag war herauszuhören, die Vereinigten Staaten täten nicht genug,
um die Probleme in diesem Teil der Welt lösen zu
helfen. Ironischerweise war dies derselbe Tag, an
dem Außenminister Baker in Princeton einen starken
und aktiven Ansatz zu genau diesen Themen darlegte,
auf den ich gleich zurückkommen werde.
Lassen Sie mich deshalb im folgenden einige Zahlen
und Beispiele für die von den USA geleistete wirtschaftliche und humanitäre Hilfe für Osteuropa anführen. Vorausschicken möchte ich, daß ich mir dessen
wohl bewußt bin und es zu würdigen weiß, daß gerade
Ihr Land auf diesem Gebiet bereits enorm viel geleistet
hat und auch weiterhin einen nicht unerheblichen Teil
dieser Verantwortung trägt. Schließlich hat Deutschland klar gemacht, daß es hier schon allein wegen
seiner geographischen Nähe, seiner speziellen Verbundenheit mit den deutschen Volksgruppen im Osten
und auch wegen seiner im Zusammenhang mit dem
Abzug der sowjetischen Streitkräfte übernommenen
Verpflichtungen eine besondere Verantwortung zu tragen
hat.
Die für die Integration der neuen Länder notwendigen
Opfer sind ebenso Teil der Bestrebungen wie die
verschiedenen Formen der Hilfe, die Deutschland und
die Deutschen der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa leisten - von Finanzhilfe bis zu freiwilligen
Nahrungsmittel- und Kleiderspenden. Deutschland
stand an vorderster Front in dem Bestreben, die neuen

Seite 4

Länder Ost- und Mitteleuropas in europäische Foren
wie die Europäische Gemeinschaft und die KSZE
einzuführen und sie enger an die NATO zu binden.
Das jüngste Zeichen dessen war Deutschlands starke
Unterstützung für die Schaffung des Nordatlantischen
Kooperationsrats und seine Initiative, die neuen Republiken der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten in
dieses Gremium einzubeziehen.
Die bilaterale Hilfe der Vereinigten Staaten für Mittelund Osteuropa und für die ehemalige Sowjetunion ist
umfangreich und breit gefächert. Die Nahrungsmittelhilfe für die Sowjetunion und ihre Nachfolgestaaten
hatte im Jahre 1991 einen Umfang von vier Milliarden
Dollar. Größtenteils handelte es sich hier um Warenkreditbürgschaften, aber diese Hilfe schließtauch 165
Millionen Dollar an humanitärer Nahrungsmittelhilfe
ein. 1991 schickten die USA 18 Millionen Tonnen
Lebensmittel in die Sowjetunion - mehr als jedes
andere Land. 72 Prozent unserer Nahrungsmittelhilfe
ist bereits freigegeben und geliefert worden. Hinzu
kamen medizinische Hilfsgüter im Wert von rund 25
Millionen Dollar. Die USA sind ebenfalls ein Teilnehmer am Abkommen über eine zeitweise Aussetzung
der Schuldenrückzahlung und unterstützen die schnelle Mitgliedschaft im Internationalen Währungsfonds
und der Weltbank.
Der Gesamtumfang der bilateral vergebenen Hilfe für
die anderen osteuropäischen Länder lag in den Jahren
1990-91 bei rund zwei Milliarden Dollar. Allein die
Lebensmittelhilfe belief sich in diesem Zeitraum auf
218 Millionen Dollar. Die USA haben einen Beitrag von
200 Millionen Dollar zum polnischen Stabilisierungsfonds geleistet und beteiligen sich außerdem an den
umfangreichen Programmen der Weltbank (neun Milliarden Dollar für Osteuropa über einen Zeitraum von
drei Jahren), des Internationalen Währungsfonds (fünf
Milliarden Dollar 1991) und der Europäischen Bank für
Wiederaufbau und Entwicklung (sieben Milliarden Dollar
über fünf Jahre). Der amerikanische Anteil an Kapitalbeiträgen an diese Institutionen ist der Größte aller
Länder und beträgt 20 Prozent an den Internationalen
Währungsfonds, 18 Prozent an die Weltbank und 10
Prozent an die Europäische Bank für Wiederaufbau
und Entwicklung.
Exportförderung und Entwicklung der Privatwirtschaft
bilden einen Schwerpunkt unseres Hilfsprogramms.
Die Initiative des Präsidenten zur Förderung des Handels
könnte Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei helfen,
ihre Textil-, Käse-, und Stahlexporte in die USA zu
verdreifachen. Für mehrere osteuropäische Länder
gibt es bilaterale Fonds zur Unternehmensförderung,
deren Kapitalausstattung 400 Millionen Dollar übersteigen wird. Allein in polnische und ungarische Privatunternehmen sind bereits über 130 Millionen Dollar
geflossen. Für die CSFR sind 65 Millionen Dollar
vorgesehen, für Bulgarien 50 Millionen.

AMERIKA DIENST 3

�Dies sind einige der größeren Einzelposten unseres
Hilfsprogramms. Neben den staatlichen amerikanischen Hilfsprogrammen laufen auch noch eine Vielzahl privater Initiativen, die die mit öffentlichen Mitteln
geförderten Projekte ergänzen und später oftmals
sogar ersetzen können. Dabei sollte man nicht vergessen, daß die Vereinigten Staaten jahrzehntelang
Hunderte Milliarden von Dollar für die Aufrechterhaltung des Friedens und die Gewährleistung der Sicherheit in Europa ausgegeben haben, was im Endeffekt
eine Grundvoraussetzung für die nach 1989 eingetretene Entwicklung gewesen ist.
Doch wenden wir uns nun der Zukunft zu. Die Aufgabe
ist immens, und die Zeit drängt. Wir haben beide viel
geleistet, aber uns allen bleibt noch wesentlich mehr zu
tun.
Wir im Westen, allen voran unsere beiden Länder,
haben dabei eine ganz besondere Verantwortung
wahrzunehmen. Wie Außenminister Baker in seiner
Rede im letzten Monat in Princeton darlegte, erwächst
aus dem Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums für den Westen die "historische Aufgabe",
seinen Beitrag dazu zu leisten, daß Demokratie und
wirtschaftliche Freiheit in den Nachfolgestaaten der
Sowjetunion und in den anderen Reformstaaten Osteuropas kräftige Wurzeln schlagen und schließlich
blühen und gedeihen können. Gleichzeitig müssen wir
alles daran setzen, daß sich eine Situation, wie wir sie
in den letzten neun Monaten in Jugoslawien erlebt
haben, nicht wiederholt.

anderer moderner Waffentechnologien über die Grenzen der ehemaligen Sowjetunion hinaus kommt.
Schließlich müssen wir Unterstützung bei der Entmilitarisierung der Wirtschaft und bei der Aufstellung von
Konversionsprogrammen leisten.
Der zweite wichtige Bereich einer koordinierten westlichen Hilfe betrifft den Aufbau stabiler Demokratien
und die Schaffung politischer Legitimität in den Staaten Mittel- und Osteuropas und der ehemaligen Sowjetunion. Bereits im September letzten Jahres hatte
Außenminister Baker fünf Prinzipien definiert, von
denen sich die amerikanische Politik gegenüber diesen Staaten leiten läßt und die nach wie vor gültig sind.
Wir müssen uns dafür einsetzen, daß sie:
das Selbsbestimmungsrecht ihrer Völker achten;
demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien
einhalten;
Menschenrechte, einschließlich des Schutzes
von Minderheiten gewährleisten;
bestehende Grenzen achten und ihre Veränderung nur mit friedlichen Mitteln und mit Zustimmung der anderen Seite anstreben;
und schließlich internationale Verpflichtungen
und die Normen des Völkerrechts einhalten, insbesondere die Bestimmungen der Schlußakte
von Helsinki und der Charta von Paris.

Deshalb beginnt morgen in Washington auf Vorschlag
von Präsident Bush eine internationale Konferenz zur
Koordinierung der westlichen Hilfsleistungen für die
Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Bereits im
Vorfeld dieser Konferenz hatte Außenminister Baker
die Hauptpunkte eines solchen Aktionsprogramms
gemeinsamer westlicher Hilfe umrissen, insbesondere
die dringend benötigte humanitäre Soforthilfe zur
Deckung des lebenswichtigen Bedarfs, zum Beispiel
an Nahrungsmitteln und Medikamenten. Wir sind
erfreut, daß Außenminister Genscher die deutsche
Delegation anführen wird.

Wenn das demokratische System in diesen Ländern
dauerhaft verankert werden soll, dann ist es vor allem
wichtig, den Menschen demokratisches Denken und
Handeln nahezubringen, insbesondere bei den Trägern und Repräsentanten staatlicher Gewalt. Ähnlich
wie es hier bei der Friedrich-Ebert-Stiftung und bei
anderen deutschen politischen Stiftungen spezielle
Austausch- und Ausbildungsprogramme für Angehörige der öffentlichen Verwaltung aus den Ländern Mittelund Osteuropas gibt, hat auch die United States
Information Agency ihre Arbeit auf diesem wichtigen
Gebiet intensiviert und ausgeweitet.

Darüber hinaus nannte er drei vordringliche Aufgaben,
zu deren Bewältigung ein kollektives Aktionsprogramm
des Westens aufgebaut werden sollte:

Der wirtschaftliche Wiederaufbau und die Einführung
marktwirtschaftlicher Strukturen in den Ländern Osteuropas und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion
ist der dritte große Bereich, in dem eine koordinierte
westliche Hilfe von ausschlaggebender Bedeutung ist.
Nach jahrzehntelanger kommunistischer Mißwirtschaft,
die praktisch zu einem Zusammenbruch des gesamten Wirtschaftssystems geführt hat, ist dies wohl das
schwierigste, aber auch dringendste Problem. Es
erfordert eine gewaltige Anstrengung aller Industriestaaten des Westens, dafür zu sorgen, daß in den
betroffenen Ländern das zarte und gerade erst aufkeimende Pflänzchen der Demokratie nicht wieder im
eisigen Wind wirtschaftlicher Widrigkeiten zugrunde
geht.

Erstens geht es darum, daß wir den Nachfolgestaaten
der Sowjetunion helfen, die militärischen Relikte des
kalten Krieges zu zerstören und zu kontrollieren, insbesondere die atomaren, biologischen und chemischen Massenvernichtungswaffen. Am besten wäre
es, wenn diese Waffen - wie unlängst in Minsk beschlossen - dauerhaft unter einheitlicher, zentraler
Kontrolle bleiben würden. Wir haben ein elementares
Interesse daran, daß die START- und KSE-Verträge
von den betroffenen Republiken möglichst bald ratifiziert und umgesetzt werden. Genauso wichtig ist es,
daß es nicht zu einer Weiterverbreitung atomarer und
AMERIKA DIENST 3

Seite 5

�Denn die Wendung zur Demokratie und Marktwirtschaft in den Ländern des ehemaligen Ostblocks kann
nur dann auf Dauer erfolgreich sein, wenn sie sich von
innen heraus nährt, wenn sie auf Erfolgen aus eigener
Kraft aufbaut. Nur so können sie zu integralen und
vollwertigen Mitgliedern einer euro-atlantischen Gemeinschaft von Staaten werden, die fast die gesamte
nördliche Erdhalbkugel, von Vancouver bis Wladiwostok umspannen und die sich auf die freiheitlichen und
demokratischen Prinzipien der Schlußakte von Helsinki stützen wird. Außenminister Baker hat diese kühne
Vision in seiner Berliner Rede im Juni letzten Jahres
entworfen, und sie ist und bleibt das Leitbild für die
neuen, umwälzenden Entwicklungen in der internationalen Politik am Ende dieses Jahrhunderts bis weit in
das nächste hinein.
Der erste konkrete Schritt auf dem Wege zu dieser
euro-atlantischen Gemeinschaft wurde am Ende des
vergangenen Jahres mit der Schaffung des Nordatlantischen Kooperationsrates getan. Schon wenige
Wochen, nachdem die NATO auf ihrem Gipfel in Rom
das Ziel formuliert hatte, ein stärker institutionalisiertes
Verhältnis der Konsultation und Kooperation in politischen und Sicherheitsfragen zwischen ihren Mitgliedsstaaten und den Staaten Mittel- und Osteuropas zu
entwickeln, konnte das Atlantische Bündnis dieses
Vorhaben in die Tat umsetzen.
An dieser Stelle möchte ich hervorheben, daß gerade
unsere beiden Länder bei der Vorbereitung und Ausarbeitung des sogenannten Liaison-Konzeptes, das dem
Nordatlantischen Kooperationsrat zugrunde liegt, ganz
wesentlich und an führender Stelle beteiligt waren. In
der Tat geht der Kooperationsrat auf eine gemeinsame
Initiative der beiden Außenminister Baker und Genscher vom Oktober letzten Jahres zurück. Hier haben
wir ein gutes Beispiel dafür, wie der von Präsident
Bush geprägte Begriff von der deutsch-amerikanischen Partnerschaft in der Führung erfolgreich in die
Praxis umgesetzt und mit Leben erfüllt werden kann.
Gemeinsame Bemühungen in anderen Teilen der
Welt
Schon in meiner ersten Rede als Botschafter in Deutschland im September vergangenen Jahres habe ich
weitere Bereiche erwähnt, in denen Deutschland und
die Vereinigten Staaten gemeinsame Interessen haben und sich ihnen die Möglichkeit zu einer fruchtbaren
Partnerschaft in der Führung bietet. Dies sind Bereiche, in denen wir unsere diplomatischen, politischen
und wirtschaftlichen Ressourcen zu unserem beiderseitigen Vorteil zusammenlegen können. Insbesondere mit dem Ende der die Nachkriegszeit beherrschenden Ost-West-Konfrontation ist nun für unsere beiden
Länder die Zeit reif, einen neuen, kreativen und umfassenden Kurs in der Weltpolitik in Europa und auch
darüber hinaus abzustecken.
Dazu möchte ich ein paar Beispiele anführen. Mittelamerika ist eine Region, in der diese und andere
Seite 6

deutsche Stiftungen seit langem eine Schlüsselrolle
spielen. Ihre Kontakte zu allen Ebenen und Schichten
dieser Gesellschaften liefern viele Möglichkeiten, um
Ihre Freunde in Gespräche über demokratische und
marktwirtschaftliche Grundsätze einzubeziehen, die
das beste Rezept für die langfristige Stabilität einer
Gesellschaft sind. Mit einer von der UNO vermittelten
Schlichtungslösung in El Salvador und der beginnenden Verankerung der Demokratie in Nicaragua können
wir in bisher einzigartiger Weise moralische und materielle Unterstützung leisten, um den Fortschritt in dieser Region zu fördern.
Deutschland hat beim Eintreten für Menschenrechte in
bestimmten Teilen Afrikas sein erhebliches Gewicht in
die Waagschale geworfen, und seine politischen Stiftungen sind bereits seit langem dort aktiv. In Korea und
Kambodscha bietet die Erfahrung der deutschen
Wiedervereinigung und Aussöhnung eine Hilfe zur
Überwindung der Teilung. Im Nahen Osten werden
Ihre Bindungen und Ihr Einfluß zweifellos zu den Ende
dieses Monats in Moskau beginnenden multilateralen
Gesprächen beitragen. Ob bei EG-Ratssitzungen
oder direkt in den betroffenen Regionen, Ihre Initiative
und Ihr Beispiel können in all diesen Fällen eine
bedeutende Führungsrolle spielen. Aus diesem Grund
betrachte ich den deutsch-amerikanischen Dialog bei
solchen regionalen Konflikten als so wichtig und vielversprechend für die Entwicklung unserer Partnerschaft.
Dasselbe gilt für dringende grenzüberschreitende
Probleme. Dazu gehören der Schutz der Umwelt, die
Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung und
unser gemeinsamer Kampf gegen die Geißel der Drogen.
Dazu zählen ferner die Förderung des freien Handels,
wo im Hinblick auf den erfolgreichen Abschluß der
Uruguay-Runde im Rahmen des GATT für unsere
beiden Länder so viel auf dem Spiel steht.
Ich habe bereits unser gemeinsames Interesse daran
zum Ausdruck gebracht, die Kernwaffen im Osten
unter einer verantwortungsbewußten, zentralen Kontrolle zu belassen und die in den vergangenen Jahren
mit der ehemaligen Sowjetunion so sorgfältig ausgehandelten Abrüstungsmaßnahmen sicherzustellen.
Ebenso stellen jüngste Ereignisse in der gesamten
Welt für uns Herausforderungen für die Nichtverbreitung nuklearer, biologischer und chemischer Waffen
sowie ballistischer Trägersysteme dar. Als technologisch führende Staaten müssen unsere beiden Länder
an vorderster Front der Bemühungen zur Nichtverbreitung stehen, wenn wir die Welt für uns und unsere
Kinder sicherer gestalten möchten.
Dies sind einige Beispiele für unsere Partnerschaft in
der Führung außerhalb des Bündnisgebiets der NATO.
Dieses Konzept basiert teilweise auf der Tatsache,
daß wir den deutschen 'Input' bei diesen Fragen sehr
hoch bewerten. Es liegt aber auch daran, daß wir
wollen, daß Deutschland eine klare und unzweideutige
Vorstellung davon hat, wie wir unsere Interessen defiAMERIKA DIENST 3

�nieren, in der Hoffnung und in der Erwartung, daß die
Bundesrepublik ihren Einfluß geltend machen wird,
damit es zum Aufbau einer stabilen neuen Weltordnung kommen kann.

log" zwischen Europa, Japan und Nordamerika. Sie ist
unentbehrlich sowohl für ein globales wirtschaftliches
Wachstum wie auch für weltweite politische Aktivitäten.

Deutschland sollte die Vereinigten Staaten beim Wort
nehmen. Wir haben die Vereinigung bereits in der
Vergangenheit unterstützt - jetzt unterstützen wir mit
gleicher Kraft eine aktivere weltpolitische Rolle der
Bundesrepublik. Und wir unterstützen eine aktivere
deutsche Rolle nicht, wie einige gemeint haben, nur
aufgrund ihres Scheckbuchs, sondern wegen des breiten
Spektrums von Talenten, die sie für die uns konfrontierenden schwierigen Fragen mitbringt. Ich möchte
hinzufügen, daß wir zusätzlich zu erweiterter Zusammenarbeit bei wirtschafts- und außenpolitischen Fragen ein Deutschland begrüßen würden, das zur Übernahme größerer Verantwortung im Bereich der kollektiven Sicherheit in der Lage ist. Eine solche Entscheidung muß zweifelsohne den deutschen Wählern und
den politisch Verantwortlichen überlassen bleiben. Aus
den jüngsten Bemerkungen schließe ich jedoch, daß
die Debatte über militärische Aktivitäten in bündnisfremdem Gebiet auch innerhalb der SPD vorankommt.

Unsere Vorgänger - und damit meine ich alle Menschen, die in der Nachkriegszeit, gleich ob in öffentlicher Funktion oder auf private Initiative hin, die deutschamerikanischen Beziehungen gefördert haben - diese
Menschen haben in den letzten vierzig Jahren an
dieser Brücke der transatlantischen Partnerschaft gebaut
und sie zu einem beeindruckenden, fast alles überragenden Bauwerk in der Architektur der internationalen
Politik des 20. Jahrhunderts geformt. Genausowenig
- wie ich mir habe sagen lassen - können die Ausbesserungs- und Erhaltungsarbeiten an einem Weltbauwerk wie dem Kölner Dom jemals eingestellt werden,
genausowenig dürfen wir zulassen, daß die Arbeiten
an dieser transatlantischen Brücke jemals zum Erliegen kommen, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, daß
diese Brücke einmal unpassierbar wird.

Mit Beginn dieses Jahres hat die Bundesrepublik
Deutschland den Vorsitz der G-7, der Gruppe führender Industriestaaten übernommen, und es wird auch
im kommenden Juli Veranstalter des Gipfels der G-7 in
München sein. Diese Gipfel verleihen der Koordinierung weltweiter wirtschaftlicher und politischer Fragen
eine wichtige neue Dimension. München wird ein
bedeutendes Forum für die deutsche Führungsrolle
werden. Diese Rolle steht auch in Einklang mit Präsident Bushs Forderung nach einem verbesserten "Tria-

*

AMERIKA DIENST 3

Ich habe bereits darauf verwiesen, daß wir vielleicht
hier eine neue Fahrspur bauen und dort eine neue
Strebe einziehen müssen. Jedenfalls bleibt die Weiterentwicklung und Stärkung der transatlantischen
Partnerschaft, und hier insbesondere der deutschamerikanischen Freundschaft, eine immerwährende
Aufgabe. Ich fordere uns alle auf, wo immer im
einzelnen unser Verantwortungsbereich diesseits oder
jenseits des Atlantiks liegen mag, unseren Beitrag zur
Erfüllung dieses weit ins nächste Jahrhundert hineinreichenden Auftrages zu leisten.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

* * *

*

Seite 7

�WEITERVERBREITUNG
22.Januar 1992

USA: BESORGNIS BEI DER WEITERVERBREITUNG
KONZENTRIERT AUF GUS UND NORDKOREA
CIA-Direktor Gates vor dem Senat

WASHINGTON - (AD) - Obwohl die Vereinigten Staaten die internationale Staatengemeinschaft erfolgreich
mobilisiert haben, die Weiterverbreitung von Waffen nach dem Golfkrieg zu bekämpfen, warnt ein wichtiger
Vertreter des US-Nachrichtendienstes vor "einer kontinuierlichen und besorgniserregenden Zunahme der
Weiterverbreitung moderner Waffen".
Der CIA-Direktor Robert Gates erklärte am 15. Januar 1992 im Kongreß, der Zerfall der früheren Sowjetunion
und die aufstrebende neue Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) bedrohe die Stabilität der in Moskau
zentralisierten Führungs- und Kontrolleinrichtungen und könne zu einer Freisetzung von 'Technologien und
Material führen, die bisher streng kontrolliert wurden".
Gates warnte den Senatsausschuß für Regierungsangelegenheiten, "das Potential für technologische Überraschungen in der dritten Welt" steige mit dem Ende des kalten Krieges "da einige internationale Beschränkungen
für den ausländischen Zugang zu Mehrzwecktechnologie gelockert werden".
Der CIA-Direktor verwies auf die große Sorge, mit der die Vereinigten Staaten Nordkoreas Atomwaffenprogramm beobachten. "Pjöngjang besitzt die gesamte zur Entwicklung von Kernwaffen erforderliche Infrastruktur", erklärte er, "vom Uranabbau über die Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen bis zur Plutoniumgewinnung". Die Pir^c Jer Vereinigten Staaten betrifft Gates zufolge nicht nur die koreanische Halbinsel, weil "die
Möglichkeit besteht, daß Pjöngjang mit diesen Waffen und seiner Nukleartechnologie auf den Weltmarkt geht".
Gates erörterte darüber hinaus die Verbreitung chemischer und biologischer Waffen durch den Irak, Iran, Syrien,
Israel, Saudi-Arabien, Ägypten, Libyen, Algerien, Indien, Pakistan und China.
Nachfolgend veröffentlichen wir Gates' Anhörung im Wortlaut.

Wir beobachten eine kontinuierliche und besorgniserregende Zunahme der Weiterverbreitung moderner
Waffen. Heute verfügen mehr als 20 Länder über
nukleare, biologische oder chemische Waffen und ihre
Trägersysteme, sind vermutlich in deren Besitz oder
entwickeln diese Waffen.
Für die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen
gibt es verschiedene Gründe. Erstens sind die für
diese Waffen benutzten Technologien freier verfügbar
und von Dritte-Welt-Ländern eher zu beschaffen als je
zuvor. Die Technologie für nukleare und ballistische
Raketen ist, an den Vereinigten Staaten gemessen,
eine Technologie aus den vierziger Jahren. Die Technologie für biologische und chemische Waffen ist noch
älter, und sie ist einfacher und preiswerter zu entwickeln.
AMERIKA DIENST 3

Zweitens handelt es sich bei den meisten dieser Technologien um Mehrzwecktechnologien - das heißt, sie
können auch zu legitimen zivilen Zwecken verwendet
werden. Das macht es schwierig, den Handel mit
ihnen zu beschränken, weil wir die Fähigkeit der Entwicklungsländer, sich weiterzuentwickeln, beschneiden würden. Zum Beispiel ist ein großer Teil der
Technologie für ein ballistisches Raketenprogramm
dieselbe wie für ein Weltraumprogramm. Die chemischen Verbindungen für Nervengase werden auch bei
der Herstellung von Kunststoffen und der Verarbeitung
von Lebensmitteln eingesetzt. Darüber hinaus könnte
eine moderne pharmazeutische Industrie ebenso leicht
Mittel zur biologischen Kriegführung herstellen wie
Impfstoffe und Antibiotika.

Seite 1

�Ein dritter Grund für die Zunahme besteht darin, daß
Einzelpersonen, Firmen und manchmal auch einzelne
Länder, die sich bei ihren legitimen Geschäften scharfer Konkurrenz ausgesetzt sehen, schnelle Gewinne
durch illegalen Absatz machen wollen.

fen, die diese Raketen erwerben, werden das bereits
im Nahen Osten und Südasien stattfindende Wettrüsten noch ausweiten und beschleunigen.

Länder wie der Irak sind nicht länger zufrieden mit
zweitklassiger Technologie, die ihnen von größeren
Mächten überlassen wird. Statt dessen wollen sie
modernste Waffen, die ihnen Prestige ebenso verleihen wie erstklassige Fähigkeiten. Wenn dieser Trend
anhält und Haushaltskürzungen sowie Rüstungskontrollabkommen unsere Fortschritte einschränken,
werden wir zunehmend technisch ausgereifte Waffen
in der dritten Welt sehen, die für die Verteidigungssysteme der Vereinigten Staaten eine Herausforderung
wären.

Die neunziger Jahre sind gerade erst angebrochen,
aber das Problem der Weiterverbreitung hat bereits
eine neue Dimension. Der Zerfall der Sowjetunion
bedroht die Stabilität der in Moskau zentralisierten
Führungs- und Kontrolleinrichtungen und kann zu einer
Freisetzung von Technologien und Material führen, die
bisher streng kontrolliert wurden. Rußland und die
anderen neuen Republiken sehen sich mit vielfältigen
inneren Krisen konfrontiert - dem möglichen Zusammenbruch der Autorität, einer potentiell großen Unruhe unter der Zivilbevölkerung und sich auflösender
sozialer Disziplin - während sie immer noch über
30.000 Nuklearwaffen verfügen, deren mächtigte auf
uns gerichtet sind.

Wenn schließlich manche Länder Massenvernichtungswaffen erwerben, sehen sich ihre Nachbarn gezwungen, aus politischen Gründen, Stolz und wegen der
Abschreckung vergleichbare Fähigkeiten zu entwickeln.
Lassen Sie mich nun die Bedrohung in ihren Einzelheiten darlegen. Nur China und die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten verfügen mit ihren Raketen über die
Fähigkeit, direkt das Territorium der Vereinigten Staaten zu erreichen. Wir erwarten kein stärkeres Risiko
für unser Territorium durch die Waffen anderer Länder
- im konventionellen militärischen Sinne - für mindestens zehn weitere Jahre. Dennoch ist die Bedrohung
für Europa, den Nahen Osten und Asien real, und sie
nimmt zu:
Im Ausland stationierte US- oder multinationale Streitkräfte könnten bis zum Ende des Jahrzehnts einer
zunehmenden Bedrohung durch luftgestützte Atomwaffen ausgesetzt sein. Mehrere Länder verfügen
jetzt über Raketen, die nukleare Gefechtsköpfe tragen
können, und andere könnten in den nächsten Jahren
ballistische Raketen mit nuklearen Gefechtsköpfen
stationieren. Wenn irgendeins dieser Länder auch nur
wenige nukleare Gefechtsköpfe erwerben könnte, würde
es bald zu einer nuklearen Bedrohung werden können.
Die meisten der wichtigen Länder im Nahen Osten
verfügen über Programme zur Entwicklung chemischer Waffen, und manche von ihnen haben Arsenale,
die gegen Zivilisten oder schlecht verteidigte militärische Ziele eingesetzt werden könnten. Die meisten
Länder haben ihre Trägersysteme noch nicht für
Massenvernichtungswaffen ausgerüstet, aber in den
nächsten zehn Jahren werden viele Länder - von
Nordafrika bis Südasien - dies tun, wenn dem nicht mit
Hilfe internationaler Bestrebungen Einhalt geboten
werden kann.
China und Nordkorea könnten anderen Ländern Raketen größerer Reichweite und die Technologie zu deren
Herstellung verkaufen. Länder mit besonderen WafSeite 2

Die GUS-Dimension

Moskaus zentralistisches Führungs- und Kontrollsystem für die Nuklearwaffen funktioniert weiterhin, auch
wenn die Kontrolle der konventionellen Streitkräfte
sich in die Republiken verlagert. Der Präsident der
russischen Förderation, Jelzin, übernahm am 1. Weihnachtstag von Präsident Gorbatschow die Kontrolle
der strategischen Nuklearstreitkräfte der GUS. Unter
den gegenwärtigen und absehbaren Umständen glauben wir, daß die Nationalen Kommandobehörden in
der Lage sein werden, ihr nukleares Arsenal weiterhin
effektiv zu kontrollieren. Dennoch war dieses ausgefeilte und zentralistische System so konzipiert, daß es
teilweise auf professionelle Integrität baut. Wenn wir
den Zerfall der Führung und des Militärs beobachten,
müssen wir uns um die zunehmende Unzufriedenheit
unter Angehörigen der Streitkräfte Sorgen machen,
auch denjenigen, die für die Bewachung, den Einsatz
und die Wartung von Nuklearwaffen zuständig sind.
Traditionell verfügten die Sowjets über drei Koffer zur
Kontrolle der Atomwaffen, jeweils einen für den Präsidenten, den Verteidigungsminister und den Generalstabschef. Heute scheinen es nur noch zwei zu sein.
Der vorläufige Oberbefehlshaber der Streitkräfte der
Gemeinschaft (und frühere Verteidigungsminister)
Schaposchnikow erklärte vor zwei Wochen, er und
Präsident Jelzin seien die einzigen mit einem solchen
Koffer. Der dritte befindet sich jetzt in Reserve.
Wir warten immer noch ab, wie Rußland und die
anderen Republiken die Besitzverhältnisse der Atomwaffen ordnen und welche Verfahren sie zu ihrer
Wartung und Kontrolle ausarbeiten. Kasachstan,
Wei ßru Bland und die Ukraine haben erklärt, sie wollten
die auf ihrem Territorium befindlichen Waffen Rußland
zurückgeben, damit sie zerlegt und zerstört werden
können. Sie wollen die Entscheidungen gemeinsam
mit Rußland treffen, aber das Ausmaß, in dem sie die
Entscheidungen beeinflussen können, ist noch nicht

AMERIKA DIENST 3

�klar. Insbesondere wird der Aufbau eines Führungsund Kontrollsystems schwierig sein, das es den politisch Verantwortlichen außerhalb Moskaus gestattet,
an der termingerechten Befehlsausführung teilzuhaben.
Im Hinblick auf die Fähigkeit zur Zerlegung von Nuklearwaffen behaupten Vertreter Rußlands, etwa 1.500
Waffen pro Jahr zerstören zu können. Wir glauben
ihnen schon, daß sie das können, aber es würde über
10 Jahre dauern, wenn sie die 15.000 Waffen zerlegen, die sie zerstören wollen.
Wenn wir uns der Frage der Weiterverbreitung infolge
des Zerfalls der Sojetunion stellen, sehen wir uns mit
einer Reihe von beunruhigenen Möglichkeiten konfrontiert, unter Umständen etwa dem Verkauf von
Material, Waffen oder einer "Abwanderung" von Waffenprogrammen ins Ausland. Als Reaktion darauf gibt
es internationale Bestrebungen unter Führung der
Vereinigten Staaten, aber in Kooperation mit den meisten
Ländern Europas und der GUS, um die Gefahr zu
bannen. Boris Jelzin und die meisten anderen Führer
der Republiken wollen dies ernsthaft verhindern und
haben Maßnahmen angekündigt, um ein solches
Ausbluten zu verhindern.
Wir erwarten Versuche der Rüstungsindustrie der
früheren Sowjetunion, besorgniserregende Mehrzwecktechnologie zu vermarkten, insbesondere für die Nutzung der Kernenergie und für Weltraumraketen. Zum
Beispiel hat sich die Weltraumbehörde Glawkosmos
neu organisiert, um ein gemeinsames russisch-kasachisches Weltraumprogramm zu vermarkten, wozu
Rußland SS-25-Antnebsraketen für Raketenstarts liefert.
Andere LäncL-i -.m ehrgeizigen Waffenentwicklungsprogrammen werden sicherlich die Möglichkeit in
Erwägung ziehen, einige der modernsten Waffentechnologien der Welt und entsprechendes Material zu
Schleuderpreisen zu erwerben.
Uns liegen eine Reihe von Presseberichten vor, denen
zufolge spaltbares Material der Sowjets bereits auf
dem schwarzen Markt angeboten wird. Bis jetzt liegen
uns noch keine Beweise für die Echtheit dieser Geschichten vor. Alles, was wir bisher überprüft haben,
hat sich als falsch herausgestellt. Aufgrund der gro ßen
Nachfrage nach diesem Material, der Schwierigkeit
zur Bestimmung der Herkunft von spaltbarem Material
und der weitverbreiteten Verfügbarkeit kleiner Mengen
Urans und Plutoniums in Forschungseinrichtungen
werden wir erwartungsgemäß noch viel Schwindel
aufdecken. Dadurch wird unsere Arbeit noch schwieriger.
Trotz der Bestimmungen der Gemeinschaft könnten
einige Republiken oder Regionen sich enger an ihre
nicht der GUS beigetretenen Nachbarländer anschließen. Harte Devisen bringender Handel wird voraus-

AMERIKA DIENST 3

sichtlich ermutigt, und Vorbehalte gegen den Handel
mit bestimmten Waffengattungen oder Gerät könnten
schwächer und ganz ausgeräumt werden.
Wir behalten die Abwanderung von Wissenschaftlern
aus den ehemaligen sowjetischen Republiken im Auge.
Die bloße Zahl von mit sowjetischen Waffenprogrammen vertrauten Personen läßt den möglichen Umfang
der Abwanderung erahnen. Unseren Schätzungen
zufolge waren nahezu 1 Million Sowjets auf die eine
oder andere Weise an Nuklearwaffenprogrammen
beteiligt, nur ein- oder zweitausend sind jedoch in der
Lage, Nuklearwaffen zu konstruieren. Und wenige
Tausend verfügen über das Wissen und die Fähigkeiten, biologische Waffen zu entwickeln und herzustellen. Das beunruhigende Problem sind wahrscheinlich
diejenigen, deren Fähigkeiten im zivilen Erwerbsleben
nicht vertreten sind, wie die Konstrukteure von Atomwaffen und Ingenieure, die auf die Waffenausrüstung
mit chemischen und biologischen Wirkstoffen spezialisiert sind. Sie wurden unter dem sowjetischen System gut behandelt und werden Schwierigkeiten haben, jetzt vergleichbare Positionen zu finden.
Die meisten auswanderungswilligen sowjetischen
Wissenschaftler würden es wahrscheinlich vorziehen,
sich im Westen niederzulassen, aber der Westen kann
sie wohl nicht alle aufnehmen. Aufgrund der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit der Sowjetunion in
den achtizger Jahren verfügen Kuba, Indien, Syrien,
Ägypten und Algerien am ehesten über die Kontakte
und bereits im Lande lebende Wissenschaftler, die den
emigrierenden Sowjets behilflich sein könnten. Voraussichtlich möchten Rußland und die anderen Republiken ab einem gewissen Punkt die Abwanderung von
Talenten aufhalten. Aber die Wissenschaftler müssen
das Land überhaupt nicht verlassen, um Spezifikationen oder ihren Rat an Agenten anderer Länder weiterzugeben.
Ich muß hinzufügen, daß wir auch das Durchsickern
von Informationen über hochmoderne aber weniger
kontrollierte "konventionelle" Militärtechnologie und
Waffensysteme aus den ehemaligen sowjetischen
Republiken beobachten könnten. Zu den Anlaß zur
Sorge gebenden Technologien zählen "getarnte"
Systeme und Systeme zu deren Abwehr, Wärmebildtechnologie und elektronische Kriegführung. Bei den
Waffen könnte es sich um Brennstoff/LuftgemischSysteme, präzisionsgesteuerte Munition und moderne
Torpedos handeln.
In den kommenden Jahren wird unsere größte Herausforderung darin bestehen, die Entwicklung ausländischer militärischer Fähigkeiten zu verfolgen. Das
Potential für technologische Überraschungen in der
dritten Welt wächst, da einige internationale Beschränkungen für den ausländischen Zugang zu Mehrzwecktechnologien gelockert werden.

Seite 3

�Die einzelnen Regionen
Irak
Es besteht kein Zweifel, daß die Operation Wüstensturm den speziellen Waffenproduktionsprogrammen
des Irak beträchtlich geschadet hat. Es wird unterschiedlich lange dauern, bis Bagdad die Herstellung
folgender Waffensysteme wiederaufnehmen kann:
Die Atomwaffenproduktion wird wahrscheinlich am
längsten benötigen. Obwohl das technische Fachwissen noch vorhanden ist, muß ein Großteil der Infrastruktur für die Produktion von spaltbarem Material
wiederaufgebaut werden. Wir gehen bei der erforderlichen Zeit jedoch eher von wenigen als von vielen
Jahren aus.
Auch die Infrastruktur zur Herstellung chemischer
Waffen wurde ernsthaft beschädigt und muß wiederaufgebaut werden. Ein Großteil der schwer zu erwerbenden Produktionsgeräte wurde jedoch verlagert und
versteckt bevor die Bombardierung begann und wäre
für den Wiederaufbau verfügbar. Wenn die UNOSanktionen gelockert würden, könnte der Irak unseres
Erachtens praktisch sofort bescheidene Mengen chemischer Wirkstoffe herstellen, es würde allerdings ein
Jahr oder länger dauern, um die bisherige C-Waffenfähigkeit wiederzuerlangen.
Auch das B-Waffenprogramm wurde beschädigt, das
dafür entscheidende Gerät jedoch ebenfalls während
des Krieges versteckt. Da nur eine geringe Menge an
Gerät benötigt wird, könnten die Iraker B-Waffenmaterial in wenigen Wochen produzieren, sobald die Entscheidung dafür getroffen wird.
Unseres Erachtens ist noch immer eine beachtliche
Anzahl - vielleicht Hunderte - SCUD-Raketen und
Condor-Produktionsgerät vorhanden. Zeit und Kosten
der Wiederbelebeung des Raketenprogramms hängen von dem kontinuierlichen Inspektionsregime und
dann davon ab, wie leicht entscheidendes Gerät aus
dem Ausland erworben werden kann.
Aus unserer Sicht wird der Irak - zumindest solange
Saddam Hussein an der Macht bleibt - weiterhin die
größte Bedrohung bei der Verbreitung darstellen. Der
Kader von für diese Programme ausgebildeten Wissenschaftlern und Ingenieuren wird in der Lage sein,
alle ruhenden Programme unverzüglich wiederzubeleben. Zweifelsohne hofft Saddam Hussein, seine
Kompromißlosigkeit würde die internationale Entscheidung zu Sanktionen überdauern. Glücklicherweise ist
die internationale Entschlossenheit zur Aufrechterhaltung der Sanktionen einschließlich der UNO-Inspektionen weiterhin ungebrochen. Solange dies andauert,
wird Saddam ernsthaft am Wiederaufbau seiner Waffenprogramme gehindert sein.

Seite 4

Sollte die irakische Regierung jemals ernsthaft in
Erwägung ziehen, ihre Fähigkeit zur Produktion von
Massenvernichtungswaffen - wie durch UNO-Resolution 678 vorgeschrieben - aufzugeben, könnte sie für
ihr bisheriges Vorgehen voll und ganz verantwortlich
gemacht werden. Dazu würde eine Bestandsaufnahme des irakischen Nuklearmaterials zählen, femer
eine Beschreibung der Infrastruktur zur Produktion
von Raketen und Gefechtsköpfen, das Eingeständnis,
daß Bagdad in der Tat ein offensives biologischen
Waffenprogramm unterhält einschließlich der Herstellung und Waffenausrüstung mit biologischen Wirkstoffen und vor allem eine genaue Liste der an den
Programmen beteiligten wichtigsten Personen sowie
ausländischen Lieferanten, so daß die Vereinten Nationen die Einstellung verbotener Aktivitäten besser
überwachen können.
Iran
Der Irak ist nicht das einzige Land, das am Golf und im
Nahen Osten Anlaß zur Sorge bereitet. Der Iran hat
übergreifende Bestrebungen zur Entwicklung seiner
Rüstungsindustrie in die Wege geleitet. Diese Bestrebungen umfassen Programme für Massenvernichtungswaffen, nicht nur um sich gegen das mögliche
Wiederauftreten einer Bedrohung mit speziellen Waffen durch den Irak zu wappnen, sondern um die
Vorrangstellung des Iran am Golf und in Südwestasien
zu festigen.
Der Iran kauft nach wie vor auf westlichen Märkten
Nuklear- und Raketentechnologie ein und versucht,
einige der von Teheran in den achtziger Jahren ausgewiesenen technischen Experten zurückzulocken. Der
Iran hat sich jedoch zunehmend an asiatische Quellen
für militärische und technische Hilfe gewandt und hofft,
Kontakte in Kasachstan werden ihm das Anzapfen der
sowjetischen Waffentechnologie gestatten. Teherans
Hauptquelle für spezielle Waffen seit dem iranischirakischen Krieg sind Nordkorea für SCUDs längerer
Reichweite, China für Gefechtsfeldraketen, Marschflugkörper und verwandte Technologien.
China liefert beispielsweise einen Miniaturneutronenquellenreaktor und einen elektromagnetischen Isotopentrenner. Diese Geräte dienen legitimen friedlichen
Zwecken, die öffentlichen Erklärungen des Iran, er sei
im Besitz von Atomwaffen, legen jedoch einen anderen Schluß nahe. Der Iran beansprucht ferner das
Recht auf chemische Waffen angesichts des Einsatzes chemischer Waffen gegen Iran durch den Irak.
Unseres Erachtens hat er diese Option ausgeübt.
Wir haben darüberhinaus Grund zu der Annahme, daß
der Iran mit anderen potentiellen Waffenkonstrukteuren in der Region gemeinsame Vereinbarungen trifft.

AMERIKA DIENST 3

�Syrien
Auch Syrien hat sich an Nordkorea gewandt. Da
Damaskus keine SS-23 von der Sowjetunion erhielt,
beschaffte es eine Rakete mit größerer Reichweite
von Pjöngjang. Ferner wird offensichtlich die Unterstützung Chinas und westlicher Firmen für verbesserte
Fähigkeiten mit C- oder B-Waffengefechtsköpfen
angestrebt. Im nuklearen Bereich verhandelt Damaskus mit China über einen Reaktor.
Israel, Saudi Arabien, Ägypten
Andere Länder in der Region scheinen sich vor kurzem
für die Verstärkung ihrer Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeiten als Absicherung gegen langfristige
Bedrohungen aus dem Iran und dem wieder erstarkenden Irak entschieden zu haben.
Die Israelis investieren weiterhin in die Entwicklung des Abwehrflugkörpers gegen den taktischen Flugkörper Arrow und erproben ihre ballistischen Raketenstreitmacht.
Die Saudis erweitern ihre CSS-2 Raketenunterstützungseinrichtungen.
Ägypten hat eine Raketenproduktionseinrichtung, die jederzeit den Betrieb aufnehmen könnte.
Libyen
Trotz internationaler Proteste wird das C-Waffenprogramm Libyens in Nordafrika fortgesetzt. Unseren
Schätzungen zufolge hat die Einrichtung in Rabita
einen Bestand von annähernd 100 Tonnen chemischer Wirkstoffe produziert.
Die Libyer haben die Anlage in Rabita gereinigt, vielleicht als Vorbereitung für die lange erwartete Öffnung
der Anlage für die Öffentlichkeit, um ihre angeblich
zivile Produktion von Arzneimitteln unter Beweis zu
stellen. Die Anlage muß jedoch noch umgebaut werden, um die Herstellung chemischer Wirkstoffe auszuschließen.
Selbst wenn Rabita geschlossen wird, beabsichtigen
die Libyer nicht, ihre C-Waffenproduktion aufzugeben.
Einer Reihe von Berichten zufolge bauen die Libyer
eine neue Anlage - von der sie hoffen, sie entgeht der
internationalen Aufmerksamkeit.
Seit einigen Jahren haben die Libyer verstärkte Anstrengungen zum Bau einer B-Waffenanlage unternommen, sind jedoch nicht sehr weit gediehen. Unseres Erachtens benötigen sie Unterstützung von technologisch weiter entwickelten Ländern, um die Einrichtung zu bauen und in Betrieb zu nehmen.

AMERIKA DIENST 3

Anhaltende Bestrebungen, den Libyern den Zugang
zu atomaren und biologischen Waffen sowie der Technologie für deren Trägersysteme zu verweigern, haben zweifelsohne die Weiterentwicklung dieser Programme in großem Umfang vereitelt und Gaddafi
gezwungen, sich weniger weit entwickelter Technologie und weniger vertrauenswürdigen Quellen auf grauen und schwarzen Märkten in den Entwicklungsländern zuzuwenden.
Libyen hat keineswegs sein langfristiges Ziel aufgegeben, seinen militärischen Aktionsradius über den östlichen Mittelmeerraum hinaus auszudehnen. Durch
Rückschläge ist Libyen auf die SCUD-Raketen mit
relativ kurzer Reichweite beschränkt, die sich derzeit in
seinem Besitz befinden. Sowohl Rußland als auch
China haben libysche Kaufanfragen abgelehnt. Tripolis bemüht sich zur Zeit in der ganzen Welt eingehend
um alternative Bezugsquellen, und jüngste Darstellungen Südkoreas deuten darauf hin, daß Nordkorea zum
Verkauf solcher Waffen an Libyen bereit sein könnte.
Algerien
Wie Sie wissen, hat Algerien den Bau eines von China
gelieferten Kernreaktors nahezu vollendet. Sowohl die
Algerier als auch die Chinesen haben uns versichert,
daß der Reaktor nur für friedliche Zwecke eingesetzt
wird. Dennoch machen wir uns aufgrund der Geheimhaltung des ursprünglichen Abkommens und des
Fehlens von Inspektionen Sorgen.
Der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO)
zufolge hat Algerien mit dieser Behörde ein Abkommen über die Sicherheit dieses Reaktors ausgehandelt. Das Leitungsgremium der IAEO wird diese
Vereinbarung bei seinem Treffen im Februar erörtern.
Wir hoffen, daß es eine rasche Inspektion zur Folge
haben und einige unserer Bedenken ausräumen wird.
Indien und Pakistan
In Südasien ist das Wettrüsten zwischen Indien und
Pakistan ein Grund zu starker Besorgnis. Beide Länder unterhalten nicht nur Programme zum Bau von
Kernwaffen und Trägersystemen, sie waren unlängst
auch bestrebt, chemische Waffen zu beschaffen. Diese
Programme sind wegen der ständigen Spannungen
und Konflikte in Kaschmir besonders besorgniserregend.
Wir haben keinen Grund zu der Annahme, daß Indien
oder Pakistan fertig montierte oder stationierte Atombomben besitzen. Solche Waffen könnten jedoch
rasch zusammengebaut werden, und beide Länder
besitzen Kampfflugzeuge, die sich im Krisenfall zu
Trägersystemen umrüsten lassen. Beide haben sich
öffentlich zu gewissen vertrauensbildenden Maßnahmen bereiterklärt, einschließlich des Versprechens,

Seite 5

�die Nukleareinrichtungen des Gegners nicht anzugreifen, und hoffen, daß der anhaltende Dialog Früchte
tragen wird.
Die Vereinigten Staaten lehnen weiterhin Exporte von
Technologie zum Bau von Trägerraketen oder modernen Rechnersystemen an beide Länder durch die
GUS, China oder die MTCR-Partnerab, da eine solche
Technologie mit hoher Wahrscheinlichkeit für ein
Programm zum Bau ballistischer nuklearer Langstrekkenraketen eingesetzt würde.
Nordkorea
Die Programme Nordkoreas bilden die dringlichste
Bedrohung unserer nationalen Sicherheit in Ostasien.
Die Volksrepublik Korea hat erhebliche Investitionen in
seine Streitkräfte vorgenommen und hängt im Hinblick
auf seine Deviseneinnahmen großenteils von Waffenverkäufen ab. Sie hat sowjetische SCUD-Raketen im
Eigenbau hergestellt und an mehrere Staaten des
Nahen Ostens geliefert. Darüber hinaus hat sie ihre
SCUDs modifiziert, ihnen dadurch eine grö ßere Reichweite verliehen als die der irakischen Raketen und
solche Raketen an den Iran und Syrien verkauft.
Pjöngjang steht kurz vor der Verkaufsreife einer wesentlich größeren Rakete mit einer Reichweite von
mindestens 1.000 km - genug, um nach einer Stationierung in Nordkorea Osaka, Wladiwostok oder Schanghai zu erreichen.
Dem Nuklearprogramm des Nordens gilt unsere größte Besorgnis. Pjöngjang besitzt die gesamte zur
Entwicklung von Kernwaffen erforderliche Infrastruktur, vom Uranabbau über die Wiederaufbereitung von
Kernbrennstoffen bis zur Plutoniumgewinnung. Es hat
zwei Kernreaktoren gebaut, deren einziger Zweck die
Produktion von Plutonium ist. Einer dieser Reaktoren
arbeitet bereits seit vier Jahren, der zweite, wesentlich
größere wird dieses Jahr den Betrieb aufnehmen.
Im Dezember haben Nord- und Südkorea ein historisches Abkommen ausgehandelt, das im Prinzip eine
kernwaffenfreie koreanische Halbinsel vorsieht. Jede
Seite hat sich dazu verpflichtet, Kernwaffen nicht "zu
erproben, herzustellen, zu produzieren, beschaffen,
besitzen, lagern, stationieren oder einzusetzen". Beide Seiten haben sich ferner darauf geeinigt, keine
Einrichtung zur Wiederaufarbeitung oder zur Anreicherung von Uran zu besitzen. Die Verifizierung,
einschließlich von Vor-Ort-Inspektionen, muß jedoch
noch ausgearbeitet werden.
Unseres Erachtens kann die Bedeutung - ja, der Wert
- des Nuklearabkommens zwischen Nord- und Südkorea nur aufgrund des Inspektionsregimes bewertet
werden, dem Pjöngjang letztlich zustimmen wird.
Nordkorea war bis vor kurzem bei diesem Thema nicht

Seite 6

gerade entgegenkommend. Es hatte im Dezember
1985 den Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen unterzeichnet und war danach verpflichtet, alle
nuklearen Einrichtungen anzumelden und internationaler Kontrolle zu unterstellen. Aber erst diesen Monat
hat sich Pjöngjang endlich bereiterklärt, bis Februar
eine Kontrollvereinbarung zu unterzeichnen. Wir sind
weiterhin besorgt darüber, wie der Norden seine Pflichten zur Gestattung von IAEO- Inspektionen interpretieren wird. Der Norden hat bisher noch nicht einmal die
Existenz seiner Reaktoren zur Plutoniumgewinnung
und der Wiederaufarbeitungsanlage im Forschungszentrum Jöngbjon zugegeben, geschweige denn diese angemeldet. Er hat konsequent die Fristen für den
Abschluß der einschlägigen Verfahren verstreichen
lassen und für den Beitritt zu dem Abkommen Zusatzbedingungen gestellt.
Unsere Besorgnis über die nuklearen Bestrebungen
des Nordens geht insgesamt weit über die koreanische
Halbinsel hinaus. Wir sind nicht nur über die Konsequenzen für die Stabilität in Nordostasien besorgt,
wenn der Norden Kernwaffen beschafft, sondern
ebenfalls darüber, daß Pjöngjang mit diesen Waffen
und seiner Nukleartechnologie auf den Weltmarkt geht.
China
Als Nachbar Nordkoreas hat China einige wichtige
öffentliche Erklärungen abgegeben, die auf seine Absicht
verweisen, internationale Abkommen zur Verbreitung
von Raketen und Kernwaffen einzuhalten. Beijing
entwickelt gegenwärtig zwei mit Festtreibstoff betriebene ballistische Kurzstreckenraketen - die M-9 und
die M-11 -, die in Reichweite und Nutzlast die Begrenzungen des MTCR (500 Kilogramm und 300 Kilometer) übertreffen. Es hat diese Raketen in der Vergangenheit zum Verkauf angeboten, aber angedeutet,
seine bedingte Verpflichtung zur Einhaltung der MTCRLeitlinien und -Parameter träfe auf beide Raketen zu.
Im vergangenen August verpflichtete sich China zur
Unterzeichnung des Nichtverbreitungsvertrags, und
der Nationale Volkskongreß ratifizierte dieses Abkommen. China ist heute verpflichtet, von allen Abnehmern für Nuklearkomponenten die Einhaltung der IAEONormen zu verlangen. Diese Entwicklung ist wichtig,
weil China seit langem ein Lieferant von Nukleartechnologie in die dritte Welt ist. Obwohl China behauptete,
all diese Exporte dienten lediglich friedlichen Zwecken,
hat es nicht immer von den Empfängern die Einhaltung
von Kontrollbestimmungen verlangt. Trotz seines
Beitritts zum Nichtverbreitungsvertrag sind wir weiterhin besorgt darüber, daß Beijing behaupten könnte,
bestehende Verträge würden Bestandsschutz genießen und seien deshalb von den lAEO-Kontrollen ausgenommen.

AMERIKA DIENST 3

�Westliche Quellen
Bedauerlicherweise muß ich Ihnen berichten, daß
westliche Unternehmen auch weiterhin sensible Technologie an Länder liefern, die Massenvernichtungswaffen entwickeln. Dieser Handel wird teilweise über
Scheinfirmen oder Drittländer an harmlos klingende
Empfänger abgewickelt. Die meisten Verkaufe betreffen Gerät mit teilweise legitimen Zwecken, die Behauptungen von Lieferanten und Exportkontrollbehörden rechtfertigen, sie hätten nicht wissen können, daß
eine bestimmte Lieferung für ein besonderes Programm zur Waffenentwicklung gedient habe. In allzu
vielen Fällen wußten die Exporteure jedoch sehr gut,
mit wem sie es zu tun hatten. Sie hatten sich vielleicht
sogar um solche Geschäfte bemüht und mit dem
Käufer zusammengearbeitet, um die Exportbestimmungen zu umgehen.
Libyen, der Iran und Indien erhalten zum Beispiel
weiterhin modernes Material wie etwa SpezialStähle,
hochreines Graphit und Verbundwerkstoffe für Raketenmotoren aus westeuropäischen Beständen. Der
Verkauf von Präzisionswerkzeugmaschinen mit möglichen Anwendungsbereichen in der Raketen- und
Nukleartechnik bietet besonderen Anlaß zur Sorge.
Internationale Kontrollbestrebungen
Von der Weiterverbreitungsfront sind gute Nachrichten zu vermelden, die zum großen Teil auf die amerikanische Führung zurückgehen. Seit dem Golfkrieg
und den Enthüllungen über Saddams Programme
haben zahlreiche verantwortungsbewußte Staaten ihre
Exportkontrollgesetze verschärft, die Strafen förderen
Verletzung erhöht und die Durchführungsmaßnahmen
verstärkt. Internationale Organisationen und Abkommen, wie etwa die IAEO und das Regime zur Kontrolle
von Raketentechnologie (MTCR), wurden mit neuem
Leben erfüllt. Die Regierungen mehrerer Schlüsselstaaten haben dem US-Außenministerium versichert,
sie hätten Programme zum Bau von Kernwaffen oder
ballistischen Raketen eingestellt. So hat zum Beispiel
*

AMERIKA DIENST 3

*

Südafrika den Nichtverbreitungsvertrag unterzeichnet, und Argentinien und Brasilien haben Schritte
unternommen, die eine Abkehr von ihren nuklearen
Optionen bedeuten. Südkorea und Taiwan, die eine
Entwicklung von Kernwaffen in der Vergangenheit
erwogen hatten, haben beide dieser Option eine Absage erteilt. Die jüngsten Wiedervereinigungsgespräche
mit Nordkorea haben gezeigt, daß der Süden es mit
seinen Bemühungen zur Erlangung einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel ernst meint.
Israel hat öffentlich angekündigt, es werde sich an die
Leitlinien des MTCR halten und wird israelischen
Presseberichten zufolge nicht mehr mit Südafrika bei
der Entwicklung ballistischer Raketen zusammenarbeiten. Brasilien hat angekündigt, sein Weltraumprogramm sei unter zivile Kontrolle gestellt worden, und
die argentinische Regierung erklärte, sie überprüfe zur
Zeit das unterbrochene Condor-Il-Programm.
Obwohl die Mitgliedstaaten des MTCR und der Australien-Gruppe - des Regimes zur Kontrolle von C- und BWaffentechnologie - neue Mitglieder aufgenommen
und die Spezifikationen für betroffenes Gerät und
Material verfeinert haben, sind den Leistungen, die wir
von multilateralen Kontrollregimen erwarten können,
Grenzen gesetzt. Einige Länder werden einen Beitritt
niemals als in ihrem Interesse liegend empfinden.
Selbst die Mitgliedschaft ist keine Garantie für positives Verhalten. Handels- und andere Anreize, die auf
eine Mitgliedschaft ausgerichtet sind, könnten einige
Staaten zum Beitritt zwingen, auch wenn sie kaum die
Absicht hegen, sich an die Verfügungen zu halten.
Trotz des geschärften Bewußtseins und verstärkten
Interesses daran, etwas zur Lösung des Problems der
Weiterverbreitung zu tun, deuten die größere Verfügbarkeit einschlägiger Materialien und Technologien,
die schwierige Wirtschaftslage in vielen potentiellen
Lieferstaaten sowie anhaltende regionale Animositäten darauf hin, daß sich das Problem weiter verschärfen wird.

*

*

Seite 7

�MARTIN

LUTHER

KING
22. Januar 1992

BUSH WÜRDIGT VERMÄCHTNIS
MARTIN LUTHER KINGS
Proklamation zum gesetzlichen Feiertag
ATLANTA (GEORGIA) - (AD) - Präsident Bush hat am 17. Januar 1992 das Vermächtnis des ermordeten
Bürgerrechtlers Martin Luther King gewürdigt, weil dieser "mutig für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung
eintrat, obgleich seine Botschaft der Harmonie zwischen den Rassen auf hartnäckigen und manchmal sogar
brutalen Widerstand stieß".
King habe gewußt, daß sein "Handeln im Geist der Gewaltlosigkeit das Leiden zur Tugend erheben konnte",
erklärte Bush in einer Proklamation zum landesweiten gesetzlichen Feiertag am 20. Januar 1992.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation des Präsidenten im Wortlaut.

"Ein Mann wird letztlich nicht daran gemessen, welchen Standpunkt er in Zeiten des Wohlergehens und
der Ruhe einnimmt, sondern wie er sich in Zeiten der
Herausforderungen und Kontroversen verhält." Am
63. Geburtstag des Reverend Dr. Martin Luther King,
Jr., ehren wir einen Amerikaner, der mutig für Gerechtigkeit und f^'^berechtigung eintrat, obgleich seine
Botschaft der Harmonie zwischen den Rassen auf
hartnäckigen und manchmal sogar brutalen Widerstand stieß.
Martin Luther King rief uns trotz der grausamen Realität der Rassentrennung in den Vereinigten Staaten
zu: "Ich habe immer noch einen Traum. Es ist ein
Traum, der tief im amerikanischen Traum verwurzelt
ist. Ich träume davon, daß sich diese Nation eines
Tages erheben und gemäß der wahren Bedeutung
ihres Bekenntnisses leben wird." Er glaubte daran,
daß mit der wahren Erfüllung dieses Bekenntnisses
seine Kinder "eines Tages in einer Nation leben, in der
sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem
Charakter beurteilt werden".
In all seinen Jahren als Führer der Bürgerrechtsbewegung blieb Dr. King der Ethik der Gewaltlosigkeit treu.
Immer wieder appellierte er inständig an seine Zuhörer: "Laßt uns nicht danach streben, unseren Durst
nach Freiheit zu stillen, indem wir vom Kelch der
Bitterkeit und des Hasses trinken. Wir müssen uns
stets auf der hohen Ebene der Würde und Disziplin
bewegen." King wußte, daß viel Geduld, Mut und
Tapferkeit erforderlich waren, um angesichts biswei-

AMERIKA DIENST 3

len bitteren Widerstandes einen friedlichen Kampf zu
führen, aber er wußte auch, daß ein Handeln im Geist
der Gewaltlosigkeit das Leiden zur Tugend erheben
konnte. "Der gewaltfreie Ansatz... verändert zunächst
etwas in den Herzen und Seelen derjenigen, die sich
ihm verschrieben haben", stellte er fest. "Er verleiht
ihnen neue Selbstachtung, er fördert neue Reserven
an Stärke und Courage an den Tag, derer sie sich
überhaupt nicht bewußt waren." Dr. King drängte
seine Zuhörer, sich auf die Kraft der moralischen
Wahrheit zu verlassen.
In Anerkennung der erlösenden Kraft von Liebe und
Opfern strebte King danach, die Bürgerrechtsbewegung im Einklang mit seinen hehren Zielen anzuführen. "Man kann Gutes nicht mit schlechten Mitteln
erreichen", erklärte er, "weil die Mittel die Saat und der
Zweck der Baum sind." Dr. King wollte nicht nur
Gesetze ändern, sondern in den Herzen und Köpfen
des amerikanischen Volkes ein neues Gefühl der
Brüderlichkeit wecken.
Kings Ansatz war mehr als die Ablehnung von Bitterkeit und Gewalt - es war die lautstarke Bekräftigung der
Würde und Möglichkeiten jedes einzelnen. Im Vertrauen auf den Glauben, der ihm seit seiner Kindheit
vermittelt worden war, erklärte er, der Schlüssel zu
"Frieden auf Erden und gutem Willen gegenüber den
Menschen ist die ... Bekräftigung der Heiligkeit jeglichen menschlichen Lebens. Jeder Mensch bedeutet
etwas, weil er ein Kind Gottes ist." Diese Botschaft ist
es wert, heute wiederholt zu werden.

Seite 1

�In den vergangenen Jahrzehnten unternahm unsere
Nation enorme Anstrengungen, um gleiche Chancen
für alle zu gewährleisten. Die Bürgerrechtsgesetze
von 1957 und 1964 sowie das Gesetz über das Wahlrecht von 1965 waren nur der Anfang zahlreicher
entscheidender Fortschritte für die Minderheiten angehörenden Männer und Frauen - Fortschritte, die bis
zum heutigen Tag andauern. Obwohl wir das schmerzliche Vermächtnis der Rassentrennung in diesem Land
überwunden haben, sind wir uns bewu ßt, daß nach wie
vor noch viele Herausforderungen bestehen. Zu einer
Zeit, in der zu viele Menschenleben durch Gewalt in
unseren Städten, Drogenmißbrauch oder durch ungenutztes Potential gefordert werden, zu einer Zeit, in der
zu vielen jungen Amerikanern das Vertrauen in sich
und die Zukunft fehlt, sind wir gut beraten, erneut über
Martin Luther Kings zeitlose Botschaft nachzudenken
- eine Botschaft, die die Bedeutung von Glauben,
Familie, Selbstachtung und Achtung des anderen
hervorhebt.

ablehnte, trug Martin Luther King seinen Zuhörern
folgendes auf: "Laßt uns in diesen entscheidenden
Tagen, diesen Tagen der Herausforderung danach
streben, Amerika zu einer besseren Nation zu machen...'' Indem wir uns an diese Worte und an seinen
Traum für Amerika erinnern, wollen wir diesen Gedenktag zum Anlaß nehmen, unsere Verpflichtungen
gegenüber unseren Familien und Mitmenschen zu
erneuern.
Per Gesetz 98-144 ist der dritte Montag im Januar
jedes Jahres zum gesetzlichen Feiertag erklärt worden.
Aufgrund dessen erkläre ich, George Bush, Präsident
der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft der mir von
der Verfassung und dem Gesetz verliehen Autorität
Montag, den 20. Januar 1992 zum Gedenktag für
Martin Luther King, Jr.

Unterzeichnet am 17. Tag des Januar, im Jahre des
Herrn 1992 und im 216. Jahr der Unabhängigkeit der
In seiner letzten öffentlichen Rede, gehalten am Abend Vereinigten Staaten von Amerika.
bevor er Opfer der Gewalt wurde, die er so vehement
* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 3

�GOLFKRIEG
22. Januar 1992

UNTERNEHMEN WÜSTENSTURM EIN JAHR DANACH
Von Henry E. Catto
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel, den der Direktor des US-Informationsamts, Henry E. Catto, zum Jahrestag des Unternehmens Wüstensturm im Golfkrieg geschrieben hat.
Krieg ist niemals etwas, dem Staatsmänner oder Bürger
den Vorzug vor allen anderen Möglichkeiten geben. In
den Monaten nach dem brutalen Einmarsch des Irak in
Kuwait stellte Krieg auch für die amerikanische Regierung die letzte noch verbleibende Möglichkeit dar. In
enger Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen
schöpfte Präsident Bush jede andere Möglichkeit aus,
um die Krise zu einem friedlichen Abschluß zu bringen.
Bedauerlicherweise erwies sich Krieg als notwendig.
Ein Jahr später gibt es Stimmen, die behaupten, daß
der Golfkrieg kein richtiger Sieg gewesen sei, weil in
der Region immer noch zahlreiche Probleme bestehen. Tatsächlich wurde das Hauptziel des Golfkriegs
jedoch erreicht i ^ d er führte zu mehr Verbesserungen, als dies bei Kriegen gemeinhin der Fall ist. Die
Bilanz ist wie folgt:
Nach einem 43tägigen Luftkrieg, der bemerkenswerterweise nur geringe Verluste unter der
Zivilbevölkerung forderte, und nach einer glänzend geplanten und durchgeführten 1OOstündigen Bodenoffensive wurde Kuwait befreit.
Saddam Husseins Machtposition am Persischen
Golf sowie seine Fähigkeit, diese Region zu destabilisieren, wurden drastisch eingeschränkt.
Die Massenvernichtungswaffen des Irak wurden größtenteils zerstört. Vor einem Jahr stand
der Irak kurz davor, die Fähigkeit zur Herstellung einer Atomwaffe einfacher Bauart zu erwerben. Dem ist bis auf weiteres ein Riegel
vorgeschoben.
Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
behielten Zugang zu den Ölvorkommen des
Mittleren Ostens. Im Gegensatz dazu hätte der
Irak 20 Prozent der Welterdölreserven kontrolliert, wenn man die Eroberung Kuwaits hinge* *
AMERIKA DIENST 3

nommen hätte, und sogar mehr als die Hälfte,
falls der Irak die Kontrolle über die Vorkommen
in Saudi-Arabien und in dessen schwächeren
Nachbarländern gewonnen hätte.
Indem Amerika von Anfang an mit seinen Verbündeten und anderen Mitgliedern der Vereinten Nationen kooperierte, trug es dazu bei, eine
bislang einzigartige internationale Koalition gegen
Aggression zusammenzubringen.
Derzeit läuft die bislang einzige multinationale
Verhandlungsrunde, an der sowohl Israel als
auch die arabischen Staaten teilnehmen. Es ist
zwar noch zu früh, um sagen zu können, was am
Ende stehen wird, aber in der Geschichte des
Mittleren Ostens wurde eindeutig ein neues
Kapitel aufgeschlagen.
Der britische Militärwissenschaftler und Autor John
Keegan hat vielleicht am besten erklärt, worin der
Haupterfolg des Golfkriegs besteht. Im Londoner
Sunday Telegraph vom 12. Januar schrieb er, daß es
nun so etwas wie eine neue Weltordnung gebe, in
deren Rahmen Aggressoren nicht nur bestraft, sondern auch entwaffnet werden können, solange die Völkergemeinschaft ihre Entschlußkraft wahrt und solange Amerika und seine Verbündeten bereit sind, kraftvoll und umgehend zu handeln. Die meisten Möchtegern-Saddams scheinen dies begriffen zu haben.
Saddam selbst hat es sicherlich begriffen. Sein Größenwahn ist zunichte geworden, und seine Tage sind
gezählt. Nein, der Golfkrieg hat nicht alle Probleme
des Mittleren Ostens gelöst. Er hat jedoch die Lage in
der Region und sogar auf der Welt insgesamt zu unser
aller Nutzen deutlich verbessert - keine schlechte
Leistung, über die sich einige von denen, die gern alles
rückgängig machen würden, Gedanken machen sollten.
* * *
Seite 1

�W A H L E N '92
22. Januar 1992

DIE LISTE DER VORWAHLEN UND
WAHLVERSAMMLUNGEN 1992
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine chronologische Liste der im Wahljahr 1992
anstehenden Wahltermine. In den Bundesstaaten werden zur Auswahl eines Präsidentschaftskandidaten und
der Delegierten für die Nominierungskonvente entweder Vorwahlen (Primary - P) oder Wahlversammlungen
(Caucus - C) veranstaltet. Innerhalb eines Staates können Demokraten (D) und Republikaner (R) entgegengesetzte Systeme verwenden. In vielen Fällen werden die Kongreßvorwahlen (Kong) später abgehalten als die
Termine zur Bestimmung der Präsidentschaftskandidaten.

10. Februar
Iowa (C)
18. Februar
New Hampshire (P)
23. Februar
Maine (C)
25. Februar
South Dakota (P)
3. März

8. März
Nevada (C)
10. März
Delaware (C)
Florida (P)
Hawaii (C)
Louisiana (P)
Massachusetts (P)
Mississippi (P)

Colorado (P)

Missouri (C)

Georgia (P)

Oklahoma (P)

Idaho (D) (C)

Rhode Island (P)

Maryland (P)

Tennessee (P)

Minnesota (D) (C)

Texas (P)

Utah (C)
Washington (C)
5.-19. März
North Dakota (D) (C)
7. März
Arizona (C)
South Carolina (P)

17. März
Illinois (P)
Michigan (P)
24. März
Connecticut (P)
31. März
Vermont (C)

Wyoming (C)

AMERIKA DIENST 3

Seite 1

�9. Juni

2. April

Maine (Kong)

Alaska (C)

North Dakota (R) (P)

7. April
Kansas(P)

South Carolina (Kong)

Minnesota (R) (P)

Virginia (Kong)
21. Juli

New York (P)

Georgia (Kong)

Wisconsin (P)

4. August

11. April

Kansas(Kong)

Virginia (C)

Michigan (Kong)

28. April

6. August

Pennsylvania (P)

Missouri (Kong)

5. Mai

Tennessee (Kong)

District of Columbia (P)

11. August

Indiana (P)

Colorado (Kong)

North Carolina (P)

18. August

Ohio (P)

Wyoming (Kong)

12. Mai
•

25. August

Nebraska (P)

Alaska (Kong)

West Virginia (P)

Oklahoma (Kong)

19. Mai

I.September

Oregon (P)

Florida (Kong)

26. Mai

Nevada(Kong)

Arkansas(P)

8. September

Idaho (R) (P)

Arizona(Kong)

Kentucky (P)

New Hampshire (Kong)

2. Juni
Alabama (P)

Utah (Kong)

Kalifornien (P)

Vermont (Kong)

Iowa (Kong)
Montana (P)
New Jersey (P)

l

Wisconsin (Kong)
12. September
Delaware (Kong)

New Mexico (P)
South Dakota (Kong)

Seite 2

AMERIKA DIENST 3

�15. September
Connecticut (Kong)
Massachusetts (Kong)
Minnesota (Kong)

19. September
Hawaii (Kong)
3. Oktober
Louisiana (Kong)

New York (Kong)
Rhode Island (Kong)
Washington (Kong)

AMERIKA DIENST 3

Seite 3

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11351">
                <text>22.01.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11352">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11353">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11354">
                <text>Amerikadienst 22.01.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11355">
                <text>&lt;strong&gt;1. Deutsch-amerikanische Beziehungen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Deutschland und die Vereinigten Staaten im Angesicht globaler Herausforderungen in einer veränderten Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt bei der Friedrich-Ebert-Stiftung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Weiterverbreitung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA: Besorgnis über Weiterverbreitung konzentriert auf GUS und Nordkorea&lt;br /&gt;&lt;em&gt;CIA-Direktor Gates vor dem Senat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Martin Luther King&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush würdigt Vermächtnis Martin Luther Kings&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Proklamation zum gesetzlichen Feiertag&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Golfkrieg&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unternehmen Wüstensturm - ein Jahr danach&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Henry E. Catto&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wahlen'92&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die Liste der Vorwahlen und Wahlversammlungen</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2228" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2239">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/87fcbef2f566720b65521a50498d5a40.pdf</src>
        <authentication>dfb5dd27da6d3fb2397a75a97b1df708</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11350">
                    <text>reo

ST:

amcrika
U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Sr, 0 N

4

G
De«*mann

53 00

DROGEN

dienet

^e
15. Januar 1992

Bonn

BUSH: FORTSCHRITTE BEI DER
DROGENBEKÄMPFUNG ZU VERZEICHNEN
Rede des Präsidenten vor dem Rat
gegen Drogenmißbrauch

FORTSCHRITTE IM KAMPF
GEGEN DROGEN ERZIELT
Überblick über Maßnahmen im Jahr 1991

MARTIN LUTHER KING

DAS MARTIN-LUTHER-KING-ZENTRUM FÜR
GEWALTFREIEN SOZIALEN WANDEL
von Kathryn Johnson

WAHLEN '92

DREI PHASEN DER
PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLEN
Vorwahlen, Konvente und die
Präsidentschaftswahlkampagne

US-AUSSENPOLITIK

ENTSTEHUNG UND GESTALTUNG DER
AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
von Barbara Beroth

WELTWIRTSCHAFT

EINE STRATEGIE FÜR WELTWEITES
WIRTSCHAFTSWACHSTUM
Eine Übersicht des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�DROGEN
15. Januar 1992

BUSH; FORTSCHRITTE BEI DER
DROGENBEKÄMPFUNG ZU VERZEICHNEN
Rede des Präsidenten vor dem Rat gegen Drogenmißbrauch
WASHINGTON - (AD) - In einer Rede bei der Sitzung des Rats gegen Drogenmißbrauch erklärte Präsident Bush
am 10. Januar 1992 in Washington, bei der Drogenbekämpfung seien Fortschritte zu verzeichnen, "es bleibt
jedoch noch viel zu tun".
"Wir sehen Fortschritte", fuhr Bush fort. "Für 1990 überschreiten wir unser Ziel bei der Reduzierung des
allgemeinen Drogenkonsums. Wir hatten eine Abnahme von 10 Prozent zwischen 1988 und 1990 erwartet - und
der Drogenmißbrauch ging noch stärker- um 11 Prozent - zurück."
"Es bleibt jedoch noch viel zu iun", stellte Bush fest und verwies darauf, daß noch immer 12,5 Millionen Amerikaner Drogen konsumieren und 1,9 Millionen Amerikaner zur Zeit Kokain nehmen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des Präsidenten im Wortlaut.

Ich freue mich, nach einer interessanten Reise wieder
hier zu sein. Zehn faszinierende Tage des Redens,
Zuhörens und Lernens im Femen Osten - der harten
Arbeit für Ziele, die wir alle teilen beim Versuch, unsere
Exportmärkte zu erweitern. Wir haben unseren Freunden auch vc"r!chv«rt, daß wir im Pazifik weiterhin
engagiert bleiben. Wie Sie wissen, hegen wir angesichts all der Veränderungen in Osteuropa die Hoffnung, daß die Menschen, die sich einst gehaßt haben,
ehemals Feinde waren, jetzt im Nahen Osten miteinander sprechen. Einige im Pazifischen Raum dachten,
wir hätten unsere Interessen in diesem Teil der Welt
einfach aufgegeben. Ich wollte daher die politisch
Verantwortlichen dort davon überzeugen, daß wir unsere
Sicherheitsbelange in diesem entscheidenen Gebiet
wahrnehmen und in dieser Region engagiert bleiben.
Hierbei handelt es sich im übrigen um unseren größten
Handelspartner.
Ich bin jedoch heute in der Überzeugung hierher
gekommen, daß das von uns Geleistete für das
Wohlergehen unseres Landes unabdingbar ist. Das
wollte ich Ihnen sagen. Unser Land weiß die unerläßliche Arbeit Ihrer gemeindeorientierten Koalition zur
Drogen bekämpf ung zu schätzen, und unser Land ist
jedem einzelnen von Ihnen äußerst dankbar.
Wir alle arbeiten hart, um den Ruch der Drogen von
unserer Landkarte zu verbannen. Unsere Bestrebungen zur Drogenbekämpfung stehen im Bundeshaushalt an oberster Stelle aller innenpolitischen Initiativen.

AMERIKA DIENST 2

Unser Haushaltsvorschlag für 1992 sieht 11,7 Milliarden Dollar zur Drogenbekämpfung vor - eine Aufstokkung von 82 Prozent seit dem Beginn meiner Amtszeit
und eine 11 prozentige Zunahme seit dem vergangenen Jahr. Dies ist einer der höchsten Beträge im
gesamten Haushalt.
Sie und ich kennen die Antwort in unserem Kampf
gegen Drogen - wir sehen Fortschritte. Ich bin nicht
sicher, ob das gesamte Land dies versteht, aber
meines Erachtens können wir Fortschritte verzeichnen. Für 1990 überschreiten wir unser Ziel bei der
Reduzierung des allgemeinen Drogenkonsums. Wir
hatten eine Abnahme von 10 Prozent zwischen 1988
und 1990 erwartet - und der Drogenkonsum ging noch
stärker, ich glaube um 11 Prozent, zurück. Gelegentlicher Kokainkonsum ist seit der Festsetzung unseres
Ziels um 29 Prozent gesunken, und ich glaube, das
Ziel, das wir vor Augen hatten, waren 10 Prozent. Für
1991 belegen die Zahlen, daß wir viele unserer Ziele
noch weiter überschritten haben, insbesondere im
Bereich des Kokainkonsums unter Erwachsenen. Sie
und ich wissen, daß dies ein Problem ist. Es ist
schrecklich, daran zu denken, daß Erwachsene Kokain nehmen. Aber es ist eine Tatsache, und es ist hart
genug. Wir machen jedoch Fortschritte. Wir hatten
gehofft, den Konsum ab 1988 um 30 Prozent zu
reduzieren, und er ist um über 60 Prozent zurückgegangen. Unsere Arbeit bewirkt also Fortschritte. Was
Sie tun, zeigt Wirkung und rettet das Leben von
Kindern.

Seite 1

�Aber wir müssen uns vor Augen führen - es bleibt
jedoch noch viel zu tun. Zur Zeit konsumieren noch
über 12,5 Millionen Amerikaner Drogen - 1,9 davon
Kokain. Der Drogenkonsum unter Erwachsenen ist
zurückgegangen, aber noch über 1,3 Millionen unserer
Kinder nehmen derzeit Drogen.
Wir haben uns ferner der Verschärfung der Drogengesetze verschrieben. Wir verwenden mehr Zeit und
Arbeit auf Drogenbekämpfung als auf jeden anderen
Verbrechensbereich. Aber wir können es nicht alleine
schaffen. Wir benötigen Bundesdrogengesetze, die
auf der Seite der Menschen stehen. Wir brauchen
überparteiliche Bestrebungen, damit die Strafverfolgungsbehörden die Gegenwart und Zukunft unserer
Kinder schützen. Wie ich bereits vor zwei Jahren bei
der Ankündigung der Drogenstrategie sagte, sehen wir
uns bei diesem Drogenproblem mit der schwersten
Herausforderung in Jahrzehnten konfrontiert. Wir
stellen uns dieser Herausforderung nicht als einzelne
sondern als Nation.
Wir haben es immer gesagt - wir können den Drogenkrieg nicht durch Strafverfolgung allein gewinnen. Ich
bin davon überzeugt, daß wir im Bereich der Strafverfolgung mehr tun könnten. Und ich beglückwünsche
diejenigen, die unsere Gesetze durchsetzen. Aber wir
können nicht mit Strafverfolgung allein gewinnen. Wir
benötigen wirksame Therapieprogramme und nationales Vorgehen.
Vor über zwei Jahren haben wir diesen Rat gegen
Drogenmißbrauch gegründet. Amerika hatte außerordentlich großes Glück, diese herausragenden Amerikaner für unser gemeinsames Ziel gewinnen zu können, dieses Land von den durch illegale Drogen verursachten Verwüstungen zu befreien. Ich möchte den
Mitgliedern unseres Rats heute meinen besonderen
Dank aussprechen, die unermüdlich daran arbeiten,
die enormen Kräfte zu mobilisieren, die der Privatsektor im Kampf gegen Drogen aufbringen kann. Blicken
Sie auf den ersten Tisch, blicken Sie um sich, blicken
Sie auf die Namen der Männer und Frauen, die sich
dieser Sache verschrieben haben - und Sie sehen, hier
widmen sich äußerst engagierte, erfolgreiche Menschen der Hilfe für andere.
Darüber hinaus ist jeder der heute hier Anwesenden
ein Soldat in unserem Krieg gegen Drogen. Sie führen
die Bestrebungen unseres Landes auf lokaler Ebene
zum Abbau des Drogenmißbrauchs am Arbeitsplatz,
in den Schulen und in der Nachbarschaft an. Wir
haben ein gutes Programm. Vor nicht allzu langer Zeit
wurde ich von AI Casey und anderen über ihre Arbeit
unterrichtet, und Jim ist nach Camp David gekommen,
um mir über sein Konzept zum drogenfreien Arbeitsplatz zu berichten. Und wir machen Fortschritte. Es
bleibt jedoch noch viel zu tun.
Sie organisieren Ihre Gemeinden zu Koalitionen. Der
Schlüssel zur Gesundung diesei Nation liegt an der

Seite 2

Basis, bei den von mir so bezeichneten "Punkten des
Lichts" - indem Sie dem Nachbarn Ihre Hand reichen.
Und die hier Versammelten sind sicherlich im besten
Sinne Beispiele für die Hilfsbereitschaft von Amerikanern.
Wenn Amerikaner Ihre Geschichten hören, werden sie
sich bewußt, daß es eine Alternative zu Drogen gibt und der Name dieser Alternative lautet Hoffnung. Sie
hören die Geschichte von Leuten wie Brad Gates, dem
Sheriff in Orange County, der sich über von Drogen
verursachte Todesfälle so viele Gedanken machte,
daß er das Programm "Drug Use is Life Abuse" (Drogenkonsum ist Lebensmißbrauch) ins Leben rief.
Zusammen mit Unternehmern initiierte er ein massives Aufklärungsprogramm über Drogen, das sich an
die Jugendlichen seines Bezirks richtete. Und dieses
Programm funktioniert, weil es die Einstellung der
Menschen ändert - es bewirkt einen grundlegenden
Wandel in der Einstellung zu Drogen.
Dasselbe gilt für die Bemühungen Tad Footes. Als er
sah, wie Drogen seine Gemeinde zerstörten, versammelte er führende Unternehmer wie Alvah Chapman
und andere - die engagiertesten und erfolgreichsten,
und sie gründeten The Miami Coalition, eine Gemeindeorganisation auf breiter Grundlage. Sie verschrieb
sich dem Ziel, auf jeden Aspekt des Drogenproblems
einzugehen - und gründete deshalb acht Arbeitsgruppen. Sie überzeugte über ein Drittel aller Unternehmen
Miamis, Maßnahmen für drogenfreie Arbeitsplätze und
damit verbundene Hilfen für die Beschäftigten einzuführen. Ferner haben sie über 1.500 Crack-Häuser
geschlossen. Dies ist wirklich ein Erfolg, und er beruht
einzig und allein auf freiwilligen Anstrengungen.
Der entscheidende Punkt lautet: keine Gemeinde wirklich keine - muß Drogenmißbrauch hinnehmen.
Amerikaner müssen nicht in Furcht leben. Drogen und
zahlreiche andere soziale Probleme können aus jeder
Gemeinde verbannt werden - wenn jede Gemeinde
sich genug dafür engagiert, die Hand auszustrecken
und es zu versuchen.
Den Amerikanern gebührt großes Lob für ihre individuellen und kollektiven Bemühungen. Aber es bleibt
immer noch viel zu tun. Dieser Krieg fordert Opfer. Wir
leben in einem Zeitalter, in dem Jahr für Jahr Zehntausende drogengeschädigter Babies geboren werden.
Dies bedeutet eine echte Tragödie. Wenn Sie eines
dieser Babies in ihren Armen halten, kann Ihnen dies
nur das Herz brechen. Wir leben in einem Zeitalter, in
dem einer von 4.000 amerikanischen Jugendlichen
von eigener Hand oder der eines anderen stirbt, und
allzuoft spielen Drogen eine Rolle - eine grundlegende
Rolle - bei diesen Tragödien. Wir leben in einem
Zeitalter, in dem die Geißel der Drogen den Preis eines
Menschenlebens billig gemacht hat und das moralische Gefüge dieser unserer großen Nation auszuhöhlen droht.

AMERIKA DIENST 2

�Nun, Sie haben Zeichen gesetzt, die sich mit dem
folgenden Text der von Bürgern Albuquerques geschaffenen Anti-Drogen-Plakate zusammenfassen
lassen: "Es ist einfacher, ein Kind aufzubauen als
* *

AMERIKA DIENST 2

einen Erwachsenen zu reparieren." Mit dieser Art
unerschütterlichen Engagements werden wir den Sieg
davontragen. Jeder einzelne von Ihnen kann etwas
bewirken, und Gott möge Sie alle dafür segnen.
* *

Seite 3

�DROGEN
15. Januar 1992

FORTSCHRITTE IM KAMPF GEGEN DROGEN ERZIELT
Überblick über Maßnahmen im Jahr 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel, der sich mit den im Jahr 1991 erzielten
Fortschritten bei der Bekämpfung von Drogenhandel und- konsum beschäftigt.
Die beiden wichtigsten amerikanischen Regierungsvertreter zu Drogenfragen betrachten 1991 als ein Jahr
erheblicher Fortschritte bei der Zerschlagung von
Operationen der Kokain-Kartelle sowie der verbesserten regionalen und internationalen Zusammenarbeit.
"Im Lauf des Jahres haben wir unsere kooperativen
Programme mit den drei Andenstaaten im Hinblick auf
Strafverfolgung und wirtschaftliche Aspekte verbessert, und das Ergebnis waren eine stärkere Konzentration dieser Länder auf das Problem, mehr nationaler
Wille, mehr Drogenhändler im Gefängnis, mehr zerstörte Start- und Landebahnen," so Melvyn Levitsky,
Abteilungsleiter für internationale Drogenprobleme im
US-Au ßenministerium.
"In zwei weitr-""* wichtigen Bereichen, der Geldwäsche und Kontrolle chemischer Substanzen, haben wir
ebenfalls internationale Fortschritte erzielt", stellte
Levitsky fest und erklärte, die Europäische Gemeinschaft sowie die Organisation Amerikanischer Staaten
hätten über die Interamerikanische Kontrollkommission gegen Drogenmißbrauch (CICAD) Leitlinien zur
Überwachung von zur Drogenherstellung verwendeten chemischen Substanzen erlassen. Beide Organisationen bereiteten darüber hinaus Vorschriften oder
Modellgesetze gegen Geldwäsche vor.
Dem Direktor des Büros für Nationale Drogenkontrollpolitik (ONDCP), Bob Martinez, zufolge sind die Vereinigten Staaten "außerordentlich erfreut, daß seit dem
ersten Andengipfel (im Februar 1990) die beteiligten
Länder zusammen mit Mexiko ihre Fähigkeit unter
Beweis gestellt haben, Drogenlieferungen ins Ausland
abzufangen und zu unterbinden und damit den KokainKartellen echten Schaden zuzufügen.... Wir haben
eine großartige Zusammenarbeit auf bilateraler Grundlage festgestellt."
Levitsky führte darüber hinaus Ecuador und Venezuela an und verwies dabei auf ein Abkommen zwischen
den Vereinigten Staaten und Venezuela - das erste
seiner Art - zur Identifizierung und Unterbindung von
AMERIKA DIENST 2

Drogenhandel zur See. Infolgedessen kam es in den
Vereinigten Staaten im vergangenen Monat zur zweitgrößten jemals erfolgten Beschlagnahmung von Kokain - nahezu 11 Tonnen, die in auf venezolanischen
Frachtschiffen transportierten Betonpfosten versteckt
waren.
Die amerikanisch-kolumbianische Zusammenarbeit ist
Levitsky zufolge weiterhin sehr eng. Jm Dezember
führten kolumbianische und amerikanische Drogenfahnder in Kolumbien gleichzeitig 32 Razzien gegen
Finanzoperationen des Cali-Kartells durch. Bankkonten in Kolumbien, Großbritannien, Deutschland, Hongkong und den Vereinigten Staaten im Gesamtwert von
über 15 Millionen Dollar wurden eingefroren.
Er verwies femer darauf, "in Bolivien wie in Kolumbien
hätten sich nicht nur Pablo Escobar, sondern auch
andere Drogenhändler entweder gestellt oder sie seien verhaftet worden, mehr denn je sind im Gefängnis,
und einige wurden bei Polizeieinsätzen getötet". Escobar,
der Gründer des Medellinkartells in Kolumbien, wurde
inhaftiert, nachdem er sich im Juni vergangenen Jahres den Behörden gestellt hatte.
Darüber hinaus steht der frühere panamaische Diktator General Manuel Noriega wegen zwölf Vergehen im
Zusammenhang mit Kokainhandel vor Gericht. Noriega wird beschuldigt, das Medellinkartell bei seinem
Drogenhandel und der Geldwäsche in Panama unterstützt und gedeckt zu haben.
Levitsky zufolge gab es 1991 in Kolumbien und Mexiko
bei den Festnahmen einen "drastischen" Anstieg, "und
auch in den Ländern Mittelamerikas, wo in Zusammenarbeit mit uns wichtige Einsätze durchgeführt wurden,
erfolgten mehr Festnahmen".
Insgesamt - so Levitsky - " war es auf der Grundlage
der vorliegenden Zahlen unserer Meinung nach ein
gutes Jahr, aber es bleibt immer noch viel zu tun... Wir
sehen uns mit denselben Problemen konfrontiert, die
die Effektivität lokaler Streitkräfte und Korruption beSeite 1

�treffen ... Die illegale Drogenindustrie ist immer noch
stark, wir haben jedoch gezeigt, daß unser Programm
wirkungsvoll sein kann, wenn wir mit diesen Ländern
zusammenarbeiten."
Er erklärte, die Vereinigten Staaten hätten im Mai ein
bilaterales Abkommen mit Peru unterzeichnet, das
den Rahmen für die Entwicklung eines vielschichtigen
Drogenbekämpfungsprogramms bietet. Darüber hinaus wurden besondere Durchführungsvereinbarungen abgeschlossen, die denen mit Kolumbien und
Bolivien ähneln. Ein Teil der Hilfe für Perus Drogenbekämpfung ist eingefroren, bis der Kongreß davon
ausgehen kann, daß Peru all die damit verbundenen
Bedingungen erfüllt.
Peru sollte 1991 60 Millionen Dollar Wirtschaftshilfe
erhalten- im Rahmen der Strategie für die Andenstaaten der Bush-Administration, einem Fünfjahresplan in
Höhe von 2,2 Milliarden Dollar Hilfe für die Andenstaaten, damit sie den Drogenhandel reduzieren und wirtschaftliche Alternativen zur Kokaproduktion entwickeln können. Einige Gelder sind vom Kongreß freigegeben worden.
Im Rahmen der Strategie für die Andenstaaten hat
Kolumbien 50 Millionen und Bolivien 88 Millionen Dollar erhalten. Die Wirtschaftshilfe zur Drogenbekämpfung beläuft sich 1992 auf 50 Millionen Dollar für
Kolumbien und auf jeweils 100 Millionen Dollar für Peru
und Bolivien. Alle drei Länder erhalten darüber hinaus
Hilfe für die Strafverfolgung und militärische Drogenbekämpfungsprogramme.
Levitsky verwies femer darauf, "wir haben eine bessere Koordinierung mit den Europäern bei Programmen
in den Andenstaaten eingeleitet. Die EG hat ihr
Engagement erhöht, um mit ihnen zusammenzuarbeiten und finanzielle Ressourcen bereitzustellen, und
manche der einzelnen Länder leisten den Andenstaaten mehr Hilfe."
Am 4. Dezember hat Präsident Bush das Gesetz über
Handelspräferenzen gegenüber den Andenstaaten
unterzeichnet, das zollfreie Behandlung für die meisten Produkte aus Bolivien, Ecuador, Kolumbien und
Peru autorisiert. Das Gesetz ergab sich aus einer von
Bush beim Gipfel im Februar 1990 gegenüber den
Präsidenten der Andenstaaten in Cartagena (Kolumbien) eingegangenen Verpflichtung, diesen Ländern
zu helfen, ihre Wirtschaft zu stärken und den KokaAnbauem alternative Verdienstmöglichkeiten zu bieten.
Bush hat eine Einladung der Präsidenten Boliviens,
Kolumbiens, Ecuadors, Perus und Venezuelas angenommen, an einem zweiten Drogengipfel teilzunehmen, der auf die in Cartagena erzielten Ergebnisse
aufbauen würde. Er schlug vor, den Gipfel Anfang
1992 in den Vereinigten Staaten abzuhalten und hat
dazu die fünf Präsidenten und den Präsidenten von
Mexiko eingeladen.
Seite 2

"Alle Länder sind sich der Tatsache bewußt, daß man
mit dem Drogenproblem nicht fertigwerden kann, indem man sich Land für Land vornimmt. Eine bilaterale
Basis ist nicht möglich," erklärt Levitsky. "Nicht nur
diese sechs Länder sind gefordert, sondern internationale Kooperation ist notwendig, an der wir mit den
Europäern und Ländern in der Karibik und in Mittelamerika sehr hart arbeiten."
"Wir müssen das Ausmaß der Zusammenarbeit auf
dem Kontinent immer noch steigern und einen noch
stärkeren regionalen Ansatz verfolgen," fügte er hinzu,
"die Zeichen dafür stehen günstig... Das Problem ist
sehr groß, und deshalb muß der Schlag, den wir der
Drogenindustrie versetzen, in den nächsten Jahren
noch größer sein. Wir hoffen, der Gipfel und andere
Aktivitäten werden dies 1992 noch steigern."
Unter den Themen, die Martinez zufolge bei einem
zweiten Gipfel zur Sprache kommen werden, sind
"neue Herausforderungen - die Herausforderung der
kolumbianischen Drogenhändler, im Heroin-und
Kokainhandel in Europa Fuß zu fassen und das Ausufern (des Drogenhandels) von einem Land zum
anderen." Darüber hinaus wird ihm zufolge die Reduzierung der Nachfrage wichtig sein. "Wir in den Vereinigten Staaten machen weiterhin Fortschritte, indem
wir die Zahl der Drogenkosumenten verringern, aber
die weltweite Nachfrage muß zurückgehen."
Eine neue Untersuchung in amerikanischen Haushalten deutet darauf hin, daß seit Mitte der achtziger Jahre
eine Verlangsamung oder Verflachung des steilen
Rückgangs beim Drogenkonsum stattgefunden hat,
aber Martinez betonte, der Stand sei immer noch um
die Hälfte niedriger als in den Jahren des Spitzenkonsums 1979 bei Marihuana und 1985 bei Kokain, insbesondere unter Jugendlichem im After von 12 bis 17
Jahren.
Der Kokainkonsum in einer Gruppe - bei den über
35jährigen - ist zwischen 1990 und 1991 gestiegen,
obwohl er immer noch weit unter dem Stand von 1985
liegt. Der gegenwärtige Konsum (im letzten Monat)
der untersuchten Gruppe stieg von 0,6 auf 0,8 Prozent,
1985 betrug er 2 Prozent. Die Raten lagen am höchsten bei Männern, Arbeitslosen, Schwarzen, Hispanoamerikanern und Bewohnern großer Städte.
In der Altersgruppe der 12- bis 17jährigen fiel der
Kokainkonsum von 0,6 Prozent auf 0,4 Prozent der
Untersuchten. Der gegenwärtige Konsum aller Drogen nahm von 8,1 Prozent auf 6,8 Prozent ab. 1979,
im Jahr des Höchststandes, betrug der Konsum aller
Drogen 17,6 Prozent.
Darüber hinaus stieg die Zahl der mit Kokain in Zusammenhang stehenden ambulanten Behandlungen, eine
Tendenz, die die steigenden medizinischen Konsequenzen von Langzeitabhängigen widerspiegelt.

AMERIKA DIENST 2

�"Es ist klar, daß die Botschaft zur Aufklärung und
Verhinderung funktioniert" und Jugendliche von Drogenkonsum abhält, erklärt Martinez. "Wir drehen den
Abhängigen den Hahn zu, weil die Jugendlichen auf
die Botschaft reagieren."
Die Gruppe der über 35jährigen hat wohl vor Jahren
begonnen, Drogen zu nehmen, als dies sozial stärker
akzeptiert war. Viele von ihnen sind Martinez zufolge
jetzt abhängig. "Es handelt sich hierbei um Menschen,
die zu einer Zeit jung waren, als es in den Vereinigten
Staaten keine nennenswerten Programme zur Aufklärung und Vermeidung gab", erläuterte Martinez. "Diese
Gruppe müssen wir ansprechen."
Als Teil der Nationalen Drogenbekämpfungsstrategie
hat Martinez zufolge die Bush-Administration den
Kongreß um zusätzliche 99 Millionen Dollar gebeten,
um die Behandlung von bedürftigen Bevölkerungsgruppen finanzieren zu können, der Kongreß hat jedoch nur 9 Millionen Dollar bewilligt.
Der Etat für die Drogenstrategie im Haushaltsjahr 1992
- der alle Drogenbekämpfungsaktivitäten der Bundesregierung sowie Unterstützung für die Programme der
Bundesstaaten und Kommunen umfaßt - beträgt 11,6
Millionen Dollar, gegenüber 1991 ein Anstieg von 11
Prozent und seit Bushs Amtsantritt 1989 eine Steigerung um 82 Prozent.
Rückblick auf 1991
Im Inland hat die Beschlagnahmung von Heroin durch
die amerikanische Drogenbekämpfungsbehörde DEA
gegenüber 1990 um 70 Prozent zugenommen, bei
Kokain ist sie um 19 Prozent und bei Marihuana um 28
Prozent gesunken. Die US-Zollbehörde meldete eine
15prozentige Zunahme der Beschlagnahmung von
Heroin, eine 3prozentige Steigerung bei Kokain und
eine 29prozentige Zunahme bei Marihuana. Die
Küstenwache verzeichnete keine Beschlagnahmung
von Heroin, aber eine 79prozentige Zunahme bei
Kokain, während sie nur ein Drittel des Marihuanas
beschlagnahmt hat, das 1990 gefunden wurde.
*

AMERIKA DIENST 2

Die DEA verzeichnet auch einen Rückgang der Beschlagnahmung von gefährlichen Drogen wie LSD und
PCP, bei der Aufdeckung geheimer Labors zur Herstellung von Amphetaminen und anderen Drogen sowie
der Beschlagnahmung von Geld und Vermögen. Die
Zahl der Verhaftungen blieb mit 22.900 relativ konstant, während die Ausrottung kultivierter Marihuanapflanzen, einschließlich Sinsemilla, um 12 Prozent
zurückging.
Bis Ende des Jahres hatten 53 Länder bindende
Instrumente zur Ratifizierung, zu Beitritt oder Zustimmung zur UN-Konvention über Drogenhandel von 1988
unterbreitet.
Der Londoner Weltwirtschaftsgipfel verabschiedete
die von der Arbeitsgruppe zur Bekämpfung chemischer Stoffe (Chemical Action Task Force - CATF)
empfohlenen Maßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von Chemikalien zur illegalen Drogenherstellung. Die CATF empfahl, daß 10 zusätzliche Chemikalien in die Kontrollbestimmungen der UN-Konvention über Drogenhandel von 1988 aufgenommen werden sollten. Die UN-Kommission zur Internationalen
Kontrolle von Betäubungsmitteln prüft eine US-Petition, der zufolge diese Chemikalien aufgenommen
werden sollten, und die Europäische Gemeinschaft
überarbeitet ihre Kontrollvorschriften für Chemikalien,
die am 1. Juli vergangenen Jahres in Kraft traten und
die CATF-Empfehlungen berücksichtigen.
Viele Länder haben Schritte zur Bekämpfung der
Geldwäsche unternommen. Paraguay hat zum Beispiel eine Vorschrift erlassen, daß Banken Überweisungen von über 10.000 Dollar melden müssen, und
die Schweiz hat angekündigt, 1992 anonyme Bankkonten abschaffen zu wollen. Kolumbien hat eine
interministerielle Arbeitsgruppe zur Bekämpfung von
Geldwäsche ins Leben gerufen, die von Präsident
Cesar Gaviria angewiesen wurde, Empfehlungen für
die Gesetzgebung auszusprechen.

* * *

*

Seite 3

�MARTIN

LUTHER

KING
15. Januar 1991

DAS MARTIN-LUTHER-KING-ZENTRUM FÜR
GEWALTFREIEN SOZIALEN WANDEL
von Kathryn Johnson
WASHINGTON - (AD) - Am 20. Januar 1992 wird in den Vereinigten Staaten der Geburtstag von Dr. Martin
Luther King Jr. als gesetzlicher Feiertag begangen. Aus diesem Anlaß veröffentlichen wir den nachstehenden
Artikel, der sich mit Geschichte und Auftrag des Martin-Luther-King-Zentrums für gewaltfreien sozialen Wandel
in Atlanta (Georgia), Geburtsort und Wirkungsstätte von Dr. King, befaßt. Die Autorin ist Mitarbeiterin von Cable
News Network (CNN) in Atlanta (Georgia).

Es ist der Hüter seines Traums.
Dr. Martin Luther King Jr. wurde am 4. April 1968
ermordet, aber "Der Traum" lebt weiter im MartinLuther-King-Zentrum für gewaltfreien sozialen Wandel in Atlanta (Georgia).
Das Zentrum ist ein Gebäudekomplex, dessen Mittelpunkt Kings Grabstätte bildet - ein weißer Marmorsarkophag und eine ewige Flamme, die sich inmitten
eines Wasserbeckens, des "Reflecting Pool" befinden.
Daneben erhebt sich die Ebenezer Baptist Church, in
der King, sein Vater und sein Großvater in ihren
Predigten die Lehren von Menschenwürde und Gewaltlosigkeit verkündeten. Auf der anderen Straßenseite liegen das Martin Luther King Jr. Community
Center sowie das öffentliche Schwimmbad dieses
Stadtviertels. Ein paar Meter die Straße hinauf befindet sich Kings im viktorianischen Stil errichtetes Geburtshaus.
In diesen beiden Häuserblocks entlang der historischen Auburn Avenue kann man auch heute noch die
Wurzeln der Bürgerrechtsbewegung und das geistige
Zentrum des Amerikas des Schwarzen erkennen.
Das im Jahr 1968 gegründete Zentrum ist der Kristallisationspunkt der nationalen Bestrebungen, Kings
Traum und sein Vermächtnisder Gewaltfreiheit lebendig
zu erhalten. Sein Hauptziel ist die Bewahrung und
Förderung von Kings unvollendetem Werk durch Vermittlung, Interpretation, Befürwortung und Förderung
der Gewaltlosigkeit. Durch die unermüdliche Energie
Coretta Scott Kings findet seine Botschaft ein weltweites
Echo.
AMERIKA DIENST 2

Für Millionen schwarzer Amerikaner war Martin Luther
King Jr. der Prophet, der ihrem Kampf für rassische
Gleichberechtigung eine überzeugende Stimme verlieh. Er sprach ihr Leiden aus, rief ihren Schlachtruf für
Menschenwürde, derMann.derfürsie eine machtvolle
neue Waffe - den gewaltfreien Protest - als Taktik im
Kampf gegen die Rassentrennung schuf.
Für Millionen wei ßer Amerikaner gehörte King zu einer
Gruppe führender Persönlichkeiten, die eine Brücke
der Kommunikation zwischen den Rassen aufrechterhielten als um die Mitte der sechziger Jahre in den
Vereinigten Staaten ein Rassenkrieg drohte.
Im Jahr 1964 wurde King für "die konsequente Durchsetzung des Prinzips der Gewaltlosigkeit" der Friedensnobelpreis verliehen. Er erhielt diese Auszeichnung als dritter Schwarzer, 12. Amerikaner und jüngster Preisträger überhaupt in der Geschichte des Friedensnobelpreises.
Das King-Zentrum ist Teil einer nationalen historischen Gedenkstätte und zieht Jahr für Jahr Millionen
Touristen an. Bei ihrem Gang durch das zweistöckige
Geburtshaus Kings, während ihnen Geschichten aus
seiner Kindheit erzählt werden, können die Besucher
und ihre Kinder Andenken an den Kampf für die
Menschenrechte in Amerika sehen, berühren und
fühlen.
Ein Ausstellungssaal, der sich im Verwaltungs- und
Archivgebäude befindet, in dem auch Veranstaltungen
abgehalten werden, enthält die umfassendste Sammlung von Erinnerungsstücken an Kings Wirken über-

Seite 1

�haupt, darunter seine zahlreichen hochkarätigen
Auszeichnungen.

King schrieb diesen Brief im April 1963 an einen
weißen Geistlichen in dieser Stadt Alabamas, der ihn
kritisiert hatte, weil er den Massenprotest gegen die
In großen Glasvitrinen sind viele persönliche Gegen- Rassentrennungspraxis in dieser Stadt anführte. Bei
stände Kings ausgestellt. Er bevorzugte dunkle Anzü- dieser Demonstration war King festgenommen worge, von denen er einen trug, als ihn eine geistig den.
verwirrte Frau in New York zu erstechen versuchte.
Dieser Anzug sowie zahlreiche andere Artikel - ein- Darüber hinaus können Besucher die Unterlagen von
schließlich einer handschriftlich verfaßten Predigt und neun Bürgerrechtsorganisationen einsehen, darunter
des Schlüssels für sein Zimmer im Lorraine Motel in die Southern Christian Leadership Conference u nd der
Memphis (Tennessee), wo er erschossen wurde - Congress of Racial Equality, sowie 5.000 Bände von
gehören zu den Ausstellungsstücken.
Werken und Unterlagen zur afro-amerikanischen
Geschichte.
Mit Photographien und Begleittexten kann der Besucher Kings Leben zurückverfolgen, er kann Filme Die Bibliothek besitzt ferner die seltenen 87bändigen
ansehen, in denen die dramatischen Märsche und "Collected Works of Mahatma Gandhi", die von der
Demonstrationen im Süden während des Kampfs für indischen Regierung gespendet wurden. Hinter einer
Gerechtigkeit und Gleichheit in den sechziger Jahren Eichentür befindet sich ein klimatisierter,
noch einmal lebendig
abgeschlossener
werden. Ferner wird
Raum mit schätauch
an
Kings
zungsweise 500 Dokuenormen
Einfluß
menten und pererinnert, als sich die
sönlichen Stücken des
Turbulenzen
des
ehemaligen Führers
Rassenkonflikts auf
der Bürgerrechtsden Norden der Vereibewegung - darunter
nigten Staaten ausseine Uhr und seine
breiteten. Im EinLesebrille.
gangsbereich steht
eine große Statue mit
Im Zentrum nehmen
dem Titel "Behold". Sie
Studenten aus den
wurde von Patrick
gesamten Vereinigten
Morelli geschaffen, der
Staaten an Workshops
sie als universelle
über Gewaltlosigkeit
Verherrlichung des
teil, um Lösungen für
Lebens und fortdie scheinbar undauernde Ehrung für
lösbaren Probleme
Martin Luther Kings Grabstätte
Mut und Standvon Krieg, Gewalt und
haftigkeit des Menschen betrachtet
Rassenkonflikten zu finden. Das Stipendienprogramm
führt Studenten der besten Colleges und Universitäten
Die King-Bibliothek und das angeschlossene Archiv Amerikas zusammen, die an einemvoll angerechneten
beherbergen die weltweit größte Sammlung von Pri- Seminar über Geschichte, Philosophie und Methodik
märquellen zu King und der amerikanischen Bürger- der gewaltfreien Aktion teilnehmen.
rechtsbewegung, darunter auch den Großteil der perDie Freedom Hall ist eine internationale Konferenzsönlichen Unterlagen Kings.
und Kultureinrichtung mit einem großen Theater- und
Der Leiterder Öffentlichkeitsarbeit des Zentrums, Steve Konferenzsaal sowie einem Geschenkeladen. Das
Klein, bezeichnet es als "die beste Bürgerrechtsbiblio- Treppengeländer stammt von einem Sapeli-Baum aus
thek der Welt". Sie zieht zahlreiche Wissenschaftler, Nigeria. An einer Wand hängt ein Relief aus der
Schriftsteller, Forscher und Studenten aus vielen Republik Sambia mit dem Titel "Freedom and Justice".
Ländern an. Der leitenden Archivarin Diane Ware
zufolge wurde die Bibliothek im Jahr 1990 von nahezu Im Jahr 1968 wurde Kings Leichnam auf einem Eselskarren zum Southview Cemetery überführt. 1970
4.000 Personen aus 30 Ländern besucht.
wurden seine sterblichen Überreste dann in dem weiDer Besucher kann über 1.200 Predigten, Reden und ßen Marmorsarkophag beim Zentrum beigesetzt. Der
Manuskripte sowie 14.000 Briefe und Mitteilungen Sarkophag befindet sich auf einem kreisrunden PoKings in Augenschein nehmen, darunter seinen be- dest inmitten des "Reflecting Pool" von 82,8 Metern
rühmten "Brief aus dem Gefängnis in Birmingham". Länge, der den lebensspendenden Charakter des

Seite 2

AMERIKA DIENST 2

�Wassers symbolisiert. Coretta King zufolge ist der
Platz, an dem ihr Gatte heute ruht, derselbe Ort, an
dem er sich als Kind an Sommernachmittagen häufig
unter einer Eiche niedergelegt hatte.

gen wissenschaftlichen Edition der Reden, Predigten
und Korrespondenz von King und anderen Autoren.
Über 15.000 Forschungsanfragen wurden seit Beginn
des Projekts bearbeitet.

Als King im Jahr 1929 an der Aubum Avenue geboren
wurde, war das Viertel von einer dynamischen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung geprägt. Die
Geschichte der Aubum Avenue begann am Ende des
Bürgerkriegs (1861-65), als Schwarze auf der Suche
nach Freiheit ihre Chance in Atlanta suchten. Da sie
vom gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Leben der Stadt ausgeschlossen waren, taten sie
sich zusammen und begannen ihr Aufbauwerk.

Als zentrale Quelle für das Studium von Martin Luther
King Jr. und der Bürgerrechtsbewegung enthalten
diese Papiere seiner Witwe zufolge in erheblichem
Umfang noch unveröffentlichtes Material. Das Vorhandensein von Tonband- und Filmaufzeichnungen Mittel, die den meisten Forschern bisher nicht zur
Verfügung standen - trägt ebenfalls zur Einzigartigkeit
des Projekts bei.

Auburn wurde eine unabhängige, autarke schwarze
Gemeinde, die gleichzeitig den Kampf um Gerechtigkeit und Gleichheit innerhalb der Gesellschaft als
Ganzem fortführte. Auf der von einem der frühen
Bürgerrechtler Atlantas auf den Namen "Sweet Auburn" getauften Straße konnten Schwarze stolz erhobenen Hauptes einhergehen. Auburn brachte schwarze Führungspersönlichkeiten hervor, die ihr Leben und
ihr Schicksal selbst in die Hand nahmen. Sie wurden
Geistliche, Pädagogen, Verleger, Freiberufler und
Geschäftsleute. Bereits etabliert waren die großen
Kirchen der Auburn Avenue - Wheat Street Baptist, Big
Bethel und Ebenezer.
King wurde in dieses Viertel hineingeboren. Es war
zwar nicht rassisch gemischt, beherbergte jedoch
Angehörige aller sozialen Schichten.
Kings Geburtshaus wurde soweit möglich in dem
Zustand wiederhe.yestellt, in dem es sich bei Kings
Geburt im Ja'""' 1Q&lt;29 befand. Im Eingangsbereich
hängen mehrere Porträts, darunter eines des Reverend A.D. Williams, Kings Großvater mütterlicherseits.
Eine Treppe führt nach oben zu seinem Gebu rtszimmer,
einemgroßenSchlafzimmermitzweigroßen Fenstern,
stilvoll möbliert mit einem Doppelbett, einer Kommode
sowie einem Frisiertisch mit einem mannshohen Spiegel. In diesem Haus verbrachte King seine ersten 12
Lebensjahre.

Forscher werden in der Lage sein, nicht nur Entwürfe
und vorbereitete Texte sondern auch Reden und Predigten miteinander zu vergleichen, von denen keine
schriftlichen Aufzeichnungen existieren und so tiefere
Einblicke in wichtige Reden Kings zu gewinnen.
Das in Zusammenarbeit mit der kalifornischen Stanford University und unter der Leitung von Dr. Edward
Claybome Carson, Professor für Geschichte an dieser
Universität, durchgeführte Papers Project wurde aus
Mitteln der amerikanischen Nationalstiftung für Geisteswissenschaften, der Nationalen Kommission für
Historische Veröffentlichungen und Aufzeichnungen
sowie der Rockefeller-Stiftung finanziert
Das Zentrum arbeitet femer mit Bildungsinstitutionen
zusammen, um Filme und Dokumentationen zur Verfügung zu stellen, die in Tausenden von Klassenzimmern der gesamten Vereinigten Staaten gezeigt werden. Klein zufolge sind die Programme des Zentrums
heute wesentlich anspruchsvoller - so daß es ein
"lebendiges Laboratorium" für die Lehren der Gewaltlosigkeit darstellt.

Bei einer Führung erfährt der Besucher, daß King als
Junge auf dem Flurderoberen Etagegeme Brettspiele
spielte, daß er sich piekfein kleidete und sich als
kleines Kind häufig im Badezimmer versteckte, wenn
er mit dem Geschirrspülen an der Reihe war.

Das Zentrum entwickelt Aus-und Fortbildungsprogramme, damit Kinder, Jugendliche und Erwachsene
ihren gesellschaftlichen Status verbessern, ein positives Bild von sich selbst gewinnen und gleichzeitig
lernen können, Gewaltfreiheit im Alltagsleben zu praktizieren. Es arbeitet ferner mit Institutionen von Bundes- und Staatsregierungen sowie Gemeindeverwaltungen zusammen, um Strategien zur Verringerung
von Gewalt und Konflikten innerhalb von Familien, in
Schulen, am Arbeitsplatz, in Strafvollzugsanstalten, in
den Streitkräften, in Stadtvierteln und zwischen Nationen zu entwickeln.

Im Jahr 1984 wurde als Teil der anhaltenden Bemühungen zur Bewahrung des historischen Erbes der
Bürgerrechtsbewegung das Martin Luther King Jr.
Papers Project ins Leben gerufen. Im Mittelpunkt des
Projekts steht die Zusammenstellung einer 12bändi-

Das Gemeindezentrum beherbergt ein Zentrum für
Vorschulerziehung, das Betreuung für Kinder aus
einkommensschwachen Familien bietet. Darüber
hinaus erlernen Eltern und Kinder dort die gewaltfreie
Bewältigung von Alltagsproblemen.

AMERIKA DIENST 2

Seite 3

�Das King-Zentrum wird in den Worten Coretta Kings
"dem Vermächtnis Martins nur dann gerecht, wenn wir
uns weiterhin den Problemen der Gewalt widmen, die
uns heute betreffen... Armut, Krieg und Ungerechtigkeit", und sie fügt hinzu: "Martins Vision existiert auch
heute noch unter uns... und das gleiche gilt für seine
Botschaft der Standhaftigkeit und Liebe."

Die Nationalparkverwaltung plant, weitere Häuser in
dem gleichen Block unter Denkmalschutz zu stellen
und zu restaurieren, in dem King geboren wurde. Die
nationale historische Gedenkstätte umfaßt 67 Wohnund Geschäftshäuser in unterschiedlichem
Erhaltungszustand. Die meisten wurden zwischen
1890 und 1910 erbaut.

Gegenüber von Kings Geburtshaus stehen zum Beispiel zahlreiche bescheidenere Häuser. Diese als
"Shotgun"-Häuser bezeichneten Gebäude wurden um
das Jahr 1905 errichtet. Bei den "Shotgun"-Häusem
sind die einzelnen Räume hintereinander angeordnet,
wobei die Wände in der Mitte Türen aufweisen und
keine Flure existieren. Einer Redensart zufolge konnte
Nach einigem Nachdenken erklärt Frau King heute, man, wenn alle Türen geöffnet waren, ein Gewehr
daß die Welt erhebliche Fortschritte auf dem Weg zu (shotgun) durch die Eingangstüre abfeuern, und die
mehr Freiheit, Menschenrechten und Frieden gemacht Kugel würde am Hinterausgang wieder austreten ohne
habe. Sie glaubt, daß das King-Zentrum mit Program- irgend etwas getroffen zu haben.
men für Gruppen aus Deutschland, den Philippinen,
Griechenland, der Sowjetunion, Nordirland, Südafrika Arbeiter in den "Shotgun"-Häusern, Freiberufler in
und anderen Ländern seinen Teil dazu beigetragen größeren Anwesen - Akademiker, Arbeiter, arm und
reich, gebildet und ungebildet - sie alle wohnten an der
hat.
Auburn Avenue.
"Obwohl der kalte Krieg beendet wurde, haben uns die
Krise am Persischen Golf gemeinsam mit dem Fortbe- Viele sind der Ansicht, daß King in seiner Jugend
stehen der Apartheid und dem Leid am Hörn von Afrika dadurch beeinflußt wurde, daß er miterlebte, wie
daran erinnert, wieviel wir noch tun müssen, bevorwir Menschen verschiedener Herkunft miteinander arbeiDr. Kings Traum von einer Welt ohne Armut, Rassis- teten, lebten und in der Nachbarschaft zusammenarmus und Gewalt verwirklichen können", erklärt Frau beiteten.
King.
King wuchs darüber hinaus in einem religiösen und
Im Jahr 1990 besuchte sie mit mehreren Mitarbeitern gesellschaftlich aktiven Elternhaus auf, das von Mendes Zentrums Südafrika, um an der Gründung eines schen geprägt war, die Leistungen vollbrachten und
King-Luthuli-Zentrums mitzuwirken, die Lehren von sich Ziele setzten.
King zu verbreiten und damit zum Ende der Apartheid
beizutragen. Das Zentrum hat darüber hinaus in den In den zwanziger Jahren führte sein Großvater, der
Vereinigten Staaten umfangreiche Feiern zum Ge- Prediger A.D. Williams, den Boykott einer Zeitung an,
burtstag von Mahatma Gandhi im Oktober 1990 aus- die für ihre zahlreichen negativen Artikel über Schwargerichtet. Coretta King zufolge will es auch einen ze berüchtigt war. In den dreißiger Jahren war sein
sinnvollen Beitrag zu den Olympischen Spielen 1996 in Vater, der Reverend Martin Luther ("Daddy") King Sr.
Anführer einer Kampagne für die gleiche Bezahlung
Atlanta leisten.
schwarzer und weißer Lehrer in Atlanta. In den vierziDas Zentrum spielt ferner eine wichtige Rolle als Teil ger Jahren beteiligte sich King Sr. aktiv an Kampagnen
der nationalen historischen Gedenkstätte und des zur Registrierung schwarzer Wähler.
unter Denkmaschutz gestellten Viertels, das im Jahr
1980 zum Teil des US-Nationalparksystems erklärt Heute führt das Zentrum diesen sozialen Aktivismus
wurde. Der Leiter des Martin Luther King Jr. Historie fort. Darüber hinaus bietet es als Erinnerungsstätte an
Site, Jerry Belson, stellt fest, der Zweck sei die Ehrung King den Gemeinden, Organisationen und EinzelperKings sowie der Schutz und die begleitende Erläute- sonen Hilfe bei der Organisation von Veranstaltungen
rung der Orte gewesen, an denen er geboren wurde, zum Geburtstag von Martin Luther King. Darüber
arbeitete, betete und beigesetzt wurde. Durch den hinaus bildet es das Kernstück von Kings Stadtviertel
Schutz und die Restaurierung wichtiger Gebäude in - einer blühenden Gemeinde, in der Menschen leben,
diesem Bezirk trägt die Nationalparkverwaltung der ihren Alltagsgeschäften nachgehen und sich bei warVereinigten Staaten dazu bei, daß Besucher einen mem Wetter einer Fülle kostenloser kultureller VeranEindruck von den bemerkenswerten Erfolgen der staltungen im Freien, am "Reflecting Pool" erfreuen
Schwarzen in Atlanta zu Beginn des 20. Jahrhunderts können.
gewinnen.

Den ersten Spatenstich für das Zentrum tat Coretta
King am 15. Januar 1975, dem Tag, an dem ihr Mann
46 Jahre alt geworden wäre. Sieben Jahre später
wurde es offiziell eröffnet. Als in vielen unterschiedlichen Bereichen tätige Institution erhielt das Zentrum
staatliche Zuschüsse und privaten Spenden.

Seite 4

AMERIKA DIENST 2

�"Das Zentrum bewegt auch heute noch Herzen und
Geist von Menschen überall", stellt Coretta King fest
und verweist dabei auf die Gästebücher mit Eintragungen von Besuchern aus Brasilien, Japan, Schweden,
Deutschland, Griechenland und vielen anderen Ländern. Über die Besucher sagt sie:

"In dem Maß, in dem das King-Zentrum in diesen
Herzen und Seelen Gnade und Liebe stimulieren kann,
können wir sicherstellen, daß es nicht zum Monument
für Martins Tod sondern zu einem Meilenstein der
Größe und des Lebens wird."

* * * *

AMERIKA DIENST 2

*

Seite 5

�W A H L E N '92
15. Januar 1992

DREI PHASEN DER PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLEN
Vowahlen, Konvente und die Präsidentschaftswahlkampagne
WASHINGTON - (AD) - Die Präsidentschaftswahlkampagne begann dieses Mal schleppender als sonst,
aber das ändert sich sehr schnell: inzwischen stellen
sich mehr als sechs Kandidaten, Themen werden
debattiert und Programme vorgestellt, und im kommenden Monat werden die ersten offiziellen Schritte in
dem nahezu ein Jahr dauernden Wahlproze ß erfolgen.
Wie alle vier Jahre wird ein dreistufiger Prozeß stattfinden, in dem festgelegt wird, wer die Vereinigten Staaten in den nächsten vier Jahren führen wird.
Stufe eins besteht aus den Vorwahlen oder Parteiversammlungen in den 50 Bundesstaaten und dem District of Columbia, wobei in jeder der wichtigsten
politischen Parteien eine Kandidatenliste vorliegt. Stufe
zwei sind die nationalen Nominierungskonvente der
Demokraten und Republikaner, bei denen jede Partei
ihren Kandidaten offiziell wählt. In der letzten Phase
reisen die nominierten Kandidaten zwei Monate lang
quer durch 'lz.z Land, um Wählerstimmen für die
landesweiten Wahlen am 3. November zu gewinnen.
Nach Ansicht des erfahrenen politischen Beobachters
Thomas Mann von der Brookings Institution handelt es
sich hierbei um "einen sich ständig verändernden
komplexen Prozeß". Mann erläuterte ferner, im Hinblick auf einzelne Kandidaten oder Probleme träten
Fragen auf, die vor einem Monat bei den Wahlen noch
keine Rolle gespielt hätten oder an die niemand gedacht hätte.
Insgesamt wird dies ein Jahr der Reden, Kundgebungen, Medienspektakel, Werbekampagnen, Slogans
und oftmals nicht eingelösten Wahlversprechen. Auf
dem Spiel stehen nicht nur die Präsidentschaft, sondern auch 12 Gouverneursposten der Bundesstaaten,
35 Senatssitze und alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus.
Die Demokraten kontrollieren beide Häuser des Kongresses mit einer großen Mehrheit, und es gibt keinen
Grundzu der Annahme, daß die Republikanerin einem
von beiden die Kontrolle erlangen können, egal wie die
Präsidentschaftswahl ausgeht. In den ersten 165
Jahren der amerikanischen Geschichte hat die eine

AMERIKA DIENST 2

oder andere politische Partei den Kongreß und das
Präsidentenamt nur vierzehn Jahre lang gleichzeitig
innegehabt. Vor 35 Jahren hat sich jedoch die Philosophie der Wähler verändert, und seitdem haben sich
in allen - außer 12 - Jahren Demokraten und Republikaner die Regierung geteilt. Meinungsumfragen zeigen, daß die meisten Wähler jetzt dieses System der
gegenseitigen Kontrolle und geteilten Verantwortung
zwischen den beiden Teilen der Regierung vorziehen.
Die Wahlkampagne beginnt traditionell in Iowa, wo
sich dieses Mal am 10. Februar die Bürger des Staates
in Bezirksversammlungen treffen, um öffentlich einem
Präsidentschaftskandidaten ihre Unterstützung zu
bekunden. In einer komplizierten Berechnung von
Prozentsätzen gewinnen die Kandidaten eine anteilige
Zahl von Delegierten für die Konvente der Bezirke und
Bundesstaaten, die dann ihrerseits bestimmte Delegierte in die nationalen Nominierungskonvente wählen. Die nationale Aufmerksamkeit konzentriert sich
auf die Versammlungen in Iowa als dem ersten Test für
den Pulsschlag der amerikanischen Wähler.
Acht Tage später findet die erste Vorwahl in New
Hampshire statt, und das aufreibende Tempo wird bis
zum 2. Juni anhalten, wenn in Kalifornien und vier
anderen Staaten die Saison der Vorwahlen und Parteiversammlungen endet. Der sogenannte Super Tuesday fällt auf den 10. März, weil dann in 11 Staaten zumeist im Süden - die Vorwahlen stattfinden.
Obwohl Präsident Bushs Kandidatur zur Wiederwahl
bisher noch nicht offiziell bekanntgegeben wurde, hat
er die notwendigen Schritte unternommen, um auf den
Stimmzetteln für die Vorwahlen aufgeführt zu werden,
und seinem Büro zufolge wird die formelle Erklärung in
Kürze folgen. Bush genie ßt nicht den Vorzug, automatisch von der Republikanischen Partei zur Wiederwahl
nominiert zu werden. Er muß um seine erneute
Nominierung kämpfen. Herausforderer sind der konservative Kolumnist und Fernsehkommentator Pat
Buchanan sowie der ehemalige Ku-Klux-Klan-Führer
David Duke. Duke bewirbt sich ohne den Segen der
Republikanischen Partei, die in zahlreichen Staaten
sogar versucht, seinen Namen nicht auf den Stimmzetteln erscheinen zu lassen.

Seite 1

�Bei den Demokraten treten fünf Bewerber an: Der
Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, Senator Tom
Harkin aus Iowa, Senator Bob Kerrey aus Nebraska,
der ehemalige Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown
sowie der frühere Senator Paul Tsongas aus Massachusetts. Alle sind in ihren Heimatstaaten sehr bekannt, haben aber ein geringes nationales Profil.
Mehr Aufmerksamkeit als die Bewerber erregten diejenigen politischen Persönlichkeiten, die ankündigten,
sich nicht um eine Kandidatur zu bemühen. Prominentester Vertreter in diesem Kreis, zu dem auch der
Bürgerrechtler und ehemalige Präsidentschaftskandidat Jesse Jackson gehört, ist der Gouverneur von New
York, Mario Cuomo.
Einer der erklärten Kandidaten, der Gouverneur von
Virginia, Douglas Wilder, hat seine Bewerbung bereits
zurückgezogen und dabei erklärt, er müsse seinem
Staat beim Kampf gegen die Rezession helfen. Mehrere
andere werden erwartungsgemäß im Lauf der Vorwahlkampagne aufgeben, und am Tag der Nominierungskonvente wird wahrscheinlich in jeder Partei ein
Kandidat genügend Stimmen von Delegationen aus
den Bundesstaaten besitzen, um die Nominierung
sicherzuhaben.
Dieses Szenarium kann jedoch die Demokraten nicht
von ihrer Geschichte langwieriger Vorwahlschlachten
befreien. Die führenden Köpfe der Partei sähen es am
liebsten, wenn ein Kandidat schon frühzeitig in Führung ginge und zur Mitte der Vorwahlen bereits die
Nominierung in der Tasche hätte, was diesem Bewerber dann einen fliegenden Start in den Präsidentschaftswahlkampf ermöglichen würde.
Bis zum 17. März wird bereits die Hälfte der Delegierten für die Nominierungskonvente in verschiedenen
Vorwahlen ausgewählt sein. Die Demokratische Partei wendet in jedem Staat ein Verhältniswahlrecht an,
bei dem die Prozentzahl der auf einen bestimmten
Kandidaten festgelegten Delegierten auf dem Anteil
der für ihn abgegebenen Stimmen beruht. Die Republikaner benutzen dagegen das Alles-oder-Nichts-Prinzip, nach dem alle Delegiertenstimmen demjenigen
zufallen, der aus einer Vorwahl als Sieger hervorgeht.
Die Rolle der Konvente - die dieses Mal für die Demokraten Mitte Juli in New York und für die Republikaner
Mitte August in Houston stattfinden - wurde im Lauf der

Zeit immer geringer, da die im Vorwahlkampf erfolgreichen Kandidaten schon im ersten Wahlgang von den
Delegierten aus den Bundesstaaten zum Präsidentschaftskandidaten gewählt wurden. Die Konvente
erschöpfen sich heute vornehmlich in der Verabschiedung der Wahlkampfplattform, der Zustimmung zu
dem von dem nominierten Präsidenschaftskandidaten
ausgewählten Vizepräsidentschaftskandidaten und
dienen darüber hinaus als nationale Bühne für Kandidaten und Programme der jeweiligen Partei.
Das Wochenende zum Tag der Arbeit Anfang September bildet traditionell den Auftakt zum Präsidentschaftswahlkampf der von beiden Parteien nominierten Kandidaten, der von ständigen Reisen in Begleitung eines
großen Pressekorps gekennzeichnet ist. Bisweilen
kreuzen sich dabei ihre Wege, besonders bei der
Teilnahme an einem landesweit übertragenen Streitgespräch im Femsehen, das von einer überparteilichen Organisation veranstaltet wird. Damit erhalten
die Wähler eine Gelegenheit, die Ansichten der Kandidaten zu verschiedenen Themen zu vergleichen.
Die meisten politischen Beobachter gehen davon aus,
daß der Zustand der amerikanischen Wirtschaft, die
sich zur Zeit in einer Rezession befindet, das wichtigste Thema des Wahlkampfs 1992 sein wird. Niemand
kann mit Sicherheit vorhersagen, wie das Bild am
Ende des Wahlkampfs aussehen wird, aber allgemein
wird angenommen, daß es der Amtsinhaber leichter
hat, seine Position zu behaupten, wenn sich die Wirtschaftslage zu diesem Zeitpunkt nicht weiter verschlechtert.
Auf allen Regierungsebenen von der Gemeinde bis zur
Bundesregierung verwenden die Kandidaten viel Zeit
und enorme Geldsummen darauf, um die Stimmen
einer äußerst kleinen Wählergruppe, der sogenannten
"Wechselwähler", zu kämpfen. Der politische Beobachter Harrison Hickman, Inhaber eines eigenen Meinungsforschungsinstituts, meint, daß vor zahlreichen
Wahlen der Vergangenheit 45 Prozent als Wähler der
Repu blikaner und 40 Prozent als Wähler der Demokraten galten. Damit blieben Hickman zufolge 15 Prozent
Unentschlossene übrig, die deshalb die einzig echte
Zielgruppe für die Jagd der Kandidaten nach Stimmen
seien. Diese Jagd wird mit großer Intensität gefüh t,
die schließlich mit der Stimmabgabe am 3. November
ihren Abschluß findet - bis zum nächsten Mal.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 2

�US-AUSSENPOLITIK
15. Januar 1992

ENTSTEHUNG UND GESTALTUNG DER
AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
von Barbara Beroth
In dem nachfolgenden Artikel stellt Barbara Beroth, freie Journalistin in Washington, die an der Gestaltung der
amerikanischen Außenpolitik beteiligten Kräfte und Persönlichkeiten vor.
Ende 1945 lag der Großteil Europas nach sechs
Jahren eines verheerenden Krieges in Schutt und
Asche. Unzählige Wohnhäuser und Fabriken waren
zerstört. Brücken existierten nicht mehr, Straßen und
Schienenwege waren schwer beschädigt. Die Bauern
hatten kaum Saatgut und Dünger, um den Anbau auf
dem verwüsteten Boden wiederaufzunehmen. Selbst
die erzeugten Nahrungsmittel erreichten aufgrund der
zerstörten Verkehrswege nur unter Schwierigkeiten
die städtischen Ballungsgebiete.
Der Zweite Weltkrieg brachte nicht nur für Europa
sondern auch für r"« Zielrichtung der amerikanischen
Außenpolitik erhebliche Veränderungen, war es doch
dieser Krieg gewesen, der die Vereinigten Staaten von
einem nach innen gewandten mit seinen eigenen
Problemen beschäftigten zu einem nach außen, auf
internationale Lösungen und internationale Maßnahmen orientierten Land machte.
An keinem anderen Beispiel kam dies so klar zum
Ausdruck wie beim Marshallplan von 1947. Begründung, Entwicklung und Verwaltung des Plans (der
offiziell als Europäisches Wiederaufbauprogramm
bezeichnet wurde) zeigen, wie Außenpolitik in den
Vereinigten Staaten zustandekommt und welche
Auswirkungen amerikanische Maßnahmen für andere
Staaten haben können.
Am 5. Juni 1947 stand der amerikanische Außenminister George C. Marshall, der im Zweiten Weltkrieg
Stabschef und General des Heeres gewesen war, vor
einem Abschlußjahrgang der Harvard University in
Cambridge (Massachusetts), wo ihm die Ehrendoktorwürde verliehen werden sollte. Er sprach über seine
Hoffnungen und Pläne zum Wiederaufbau Europas.
Nachdem er die immer noch in Europa bestehenden
verzweifelten Bedingungen beschrieben hatte (obwohl bereits durch das Hilfswerk der Vereinten Nationen für den Wiederaufbau ein gewisses Maß an Hilfe
gewährt worden war), erklärte Marshall:
AMERIKA DIENST 2

"Unsere Politik ist nicht gegen irgendein Land
oder eine Doktrin, sondern gegen Hunger, Armut,
Verzweiflung und Chaos gerichtet. Ihr Zweck
sollte es sein, die Weltwirtschaft wiederherzustellen, um das Entstehen politischer und sozialer Verhältnisse zu ermöglichen, unter welchen
freie Institutionen existieren können."
Dies war der Beginn eines neuen Ansatzes in der
Außenpolitik und Auslandshilfe - nicht nur Hunger und
Armut zu bekämpfen, sondern die Systeme an sich,
die sie hervorbrachten.
Marshall stellte darüber hinaus fest: "Es wäre für die
amerikanische Regierung weder passend noch wirksam, einseitig ein Programm zu entwerfen, das bestimmt, wie Europa wirtschaftlich wieder auf die Füße
gestellt werden kann. Das ist die Aufgabe der Europäer selbst."
Und so geschah es dann auch. 18 europäische
Staaten beschlossen, an dem Programm teilzunehmen. Die Sowjetunion und die Länder Osteuropas
waren zur Teilnahme eingeladen, lehnten jedoch ab.
Die Teilnehmer trafen sich am 12. Juli 1947 als Konferenz über europäische wirtschaftliche Kooperation in
Paris. Es war eine Konferenz voller Debatten - wieviel
Verantwortung und welchen Anteil an der Leitung
sollten die Europäer für einen Plan übernehmen, der
von den Vereinigten Staaten finanziert werden würde?
Und wieviel "Führung" sollten die Vereinigten Staaten
haben, und mit welchem Nachdruck sollten sie diese
ausüben, denn es mußte ja letztlich ein Plan erarbeitet
werden, der für den amerikanischen Kongreß als
Kontrollinstanz über die Mittel eines solchen Programms annehmbar war.
Des weiteren wurde darüber debattiert, wieviel Kapital
erforderlich wäre (die Europäer gingen anfänglich von
29,2 Milliarden Dollar für ein Vierjahresprogramm aus,
Seite 1

�was jedoch von den Vereinigten Staaten für zu hoch
gehalten wurde) und welche Rolle das besiegte und
geteilte Deutschland bei den Wiederaufbauplänen
spielen sollte. (Die Vereinigten Staaten brachten
schließlich über 13 Milliarden Dollar für diesen Plan
auf.)
Während die Konferenz in Übersee stattfand, gingen
Präsident Harry S. Truman und seine Administration
an die Arbeit, um den Plan dem amerikanischen Volk
und dem Kongreß näherzubringen, dessen gewählte
Mitglieder in Repräsentantenhaus und Senat sehr
aufmerksam die Stimmung des amerikanischen Wählers
verfolgten.
Der Marshallplan - wie er später genannt wurde - stand
ziemlich im Einklang mit der Linie Trumans und seiner
Administration. Marshall konzipierte seinen Plan,
nachdem er solide Ratschläge von innerhalb und
außerhalb des Außenministeriums eingeholt hatte. Es
war fast schon eine Frage, wer "die Rede" als erster
halten würde.
George F. Kennan, ein Karrierediplomat, der von
Marshall zum Leiter des politischen Planungsstabes
im Außenministerium ernannt worden war, gab seine
Ansicht zu den Elementen eines solchen Plans mit den
Worten wieder, daß "es einen vier- oder fünfjährigen
Gesamtplan geben sollte; es darf kein Stückwerk von
einem Jahr zum anderen stattfinden."
Truman schuf drei Sonderausschüsse, um die Angelegenheit zu untersuchen. Ein Ausschuß beschäftigte
sich mit dem Verhältnis zwischen amerikanischen
Bodenschätzen und europäischem Wiederaufbau, ein
anderer untersuchte die Auswirkungen eines umfangreichen Hilfspakets auf die amerikanische Wirtschaft
und der dritte, den man als den wichtigsten ansah,
erarbeitete eine detaillierte Analyse des europäischen
Bedarfs auf regionaler und Rohstoffbasis, anstatt jedes Land einzeln zu untersuchen. Der von dem
ehemaligen Wirtschaftsminister W. Averell Harriman,
der von 1943 bis 1946 amerikanischer Botschafter in
der Sowjetunion gewesen war, geleitete dritte Ausschuß war eine aus Bankiers, Vertretern von Industrie
und Gewerkschaften, Verwaltungsfachleuten von
Universitäten und einem ehemaligen US-Senator
zusammengesetzte Gruppe.
Aufgrund der Dringlichkeit des Bedarfs bat der Präsident im Dezember 1947 um Nothilfe für Europa im
Winter 1947/48, die vom Kongreß gewährt wurde.
Nach einigen Debatten und mehreren Anhörungen im
Kongreß wurde das Gesetz zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Europa im Jahr 1948 vom Kongreß
verabschiedet. Für das erste Jahr des Programms
wurden 4,3 Milliarden Dollar bewilligt. Das Gesetz trat
am 3. April 1948 in Kraft.
Die nächste Frage bestand darin, wer das Hilfsprogramm aus amerikanischer Sicht verwalten sollte. Der
Seite 2

Kongreß war nicht bestrebt, dem Außenministerium
die Programmaufsicht zu übertragen. Das Außenministerium stimmte in der Annahme zu, daß der zeitaufwendige und detaillierte Charakter des Projekts nicht
mit den anderen Funktionen des Ministeriums vereinbar wäre. Deshalb wurde entschieden, zur Verwaltung
des Programms eine neue autonome Behörde ins
Leben zu rufen. Der Unternehmer Paul G. Hoffman,
Präsident des Automobilkonzems Studebaker, wurde
als deren Leiter berufen. Hoffman war bereits Mitglied
im Ausschu ß Averell Harrimans gewesen, und nun war
Harriman an der Reihe, in Hoffmans Behörde als
Sonderbeauftragter für den Marshallplan in Europa zu
dienen. In der Zwischenzeit hatten die europäischen
Staaten in Paris die Organisation für Europäische
Wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEWZ) gegründet.
Hier also war amerikanische Außenpolitik in der Entstehung begriffen. Außenminister George C. Marshall, ein Mitglied im Kabinett des Präsidenten und
verdienter Offizier, stand vor einem Publikum in Harvard, das nicht nur Dozenten und Studenten sondern
auch die Presse umfaßte, um einen Plan zu vermitteln,
der zu seiner Verwirklichung die Führung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, die Zustimmung und
Finanzierung des Kongresses sowie die Aufsicht eines
Unternehmers und zu seiner Unterstützung die Akzeptanz beim amerikanischen Volk erforderte.
Der Marshallplan hatte seine Kritiker: diejenigen, die
gegen ein weiteres Engagement in Europa waren,
insbesondere zu so hohen Kosten für den amerikanischen Steuerzahler, diejenigen, die ihn als zu provokativ für die Sowjetunion erachteten, und diejenigen, die
in ihm nur einen weiteren Versuch zur Öffnung von
Märkten für amerikanische Produkte sahen.
Diese Argumente waren jedoch nichtig angesichts der
vordringlichen Bedürfnisse der Völker Europas und
einer übermächtigen Besorgnis - zu verhindern, daß
Europa erneut in einen Krieg verstrickt wurde. Die
Lektion des Ersten Weltkriegs (1914 -1918) lautete:
ein vernichtender Friedensvertrag, der sehr viele
Ressentiments hervorrief und lähmende Reparationszahlungen von den Besiegten verlangte, die letztlich
wirtschaftliche Depression und den Zweiten Weltkrieg
zur Folge hatten.
Handelsbelange haben stets eine wichtige Rolle in der
amerikanischen Außenpolitik gespielt. Was sich seit
dem Zweiten Weltkrieg verändert hat, ist das Engagement.
Ende des 18. Jahrhunderts, als die Vereinigten Staaten eine unabhängige Nation wurden, wollten sich die
politisch Verantwortlichen in Amerika aus der europäischen Politik und den damit einhergehenden Bündnissen heraushalten. Sie kannten die lange Geschichte
europäischer Konflikte und vertraten die Auffassung,
die Unterstützung des einen oder anderen Landes
würde sie nur in diese Konflikte hineinziehen.

AMERIKA DIENST 2

�Von Präsident George Washington (1789 - 1797),
dessen Devise lautete, "sich von permanenten Bündnissen mit irgendeinem Teil der übrigen Welt fernzuhalten", bis zu Präsident Thomas Jefferson (1801 1809), der von verwickelnden Bündnissen sprach, war
die amerikanische Außenpolitik derart formuliert, solche Konflikte zu vermeiden. Die riesige Distanz zwischen Europa und Nordamerika tat ein übriges.
Während heute der Begriff "Isolationismus" als Politik
des Rückzugs eines Landes aus Bündnissen und Verpflichtungen gegenüber anderen Nationen definiert
wird, bedeutet isoliert, losgelöst oder getrennt zu sein,
und die natürlichen Grenzen der Vereinigten Staaten
und ihrer Nachbarländer spielten eine wichtige Rolle in
außenpolitischen Entscheidungen. Reisen, die heute
Stunden dauern, wurden damals in Wochen, wenn
nicht Monaten gemessen.
Die natürlichen Grenzen des Landes erlaubten den
Vereinigten Staaten eine Entwicklung in relativer Sicherheit und Frieden. Darüberhinaus entwickelte sich
ein optimistischer Zug des amerikanischen Charakters, der solche Sicherheit fördert. Der letzte größere
Krieg auf amerikanischem Boden unter Beteiligung
einer anderen Nation (Großbritannien) war der Krieg
von 1812 - ein in beiden Ländern höchst unpopulärer
Krieg. Er entstand vornehmlich aus dem andauernden
britisch-französischen Konflikt (den Napoleonischen
Kriegen), und war genau die Art von Verwicklung, die
die amerikanischen Politiker zu vermeiden gehofft
hatten. Aber nachdem man sich amerikanischer Schiffe
und Seeleute bemächtigt hatte (die Briten behaupteten, die Seeleute «eion britische Staatsbürger - einige
waren es, andere nicht), und Versuche unternommen
wurden, die &amp;. germanischen Schiffe von französischen
Häfen fernzuhalten, war Krieg unvermeidbar. Am
Ende gab es keine echten Gewinner, obwohl die
Amerikaner das Gefühl hatten, einen Erfolg errungen
zu haben und die Briten sehr großzügigen Friedensbedingungen zustimmten, mit denen praktisch der Status
quo wiederhergestellt wurde.
Andererseits gaben die europäischen Konflikte den
Vereinigten Staaten jedoch die Möglichkeit, ihrTerritorium durch Verträge und Verhandlungen zu erweitern,
einschließlich des direkten Kaufs von Land.
Der Kauf von Louisiana war eine solche Vereinbarung.
1803 befahl Napoleon seinem Außenminister Talleyrand, das gesamte französische Territorium Louisiana
(die westliche Hälfte des Mississippi-Beckens) den
Vereinigten Staaten zu einem Preis von rund 15 Millionen Dollar anzubieten. Was genau verkauft wurde,
war nie klar, aber mit diesem einen Kauf verdoppelten
die Vereinigten Staaten ihr Gebiet.
Das soll nicht hei ßen, daß die amerikanischen Politiker
sämtliche Konfrontationen mit europäischen Mächten
vermieden. Was sie zu umgehen versuchten, waren

AMERIKA DIENST 2

Bündnisse in diesen Konfrontationen. Die Monroedoktrin - noch heute Bestandteil des diplomatischen Vokabulars - ist ein solcher Fall. Bis 1823 hatten eine Reihe
ehemaliger spanischer Kolonien in Lateinamerika ihre
Unabhängigkeit erhalten, bestimmte europäische
Mächte wollten jedoch die spanische Herrschaft wiederhergestellt sehen. Sowohl Großbritannien als auch
die Vereinigten Staaten erhoben Einwände. Die Vereinigten Staaten waren femer über einen möglichen
russischen Vorstoß und die russische Besiedlung im
pazifischen Nordwesten besorgt. Großbritannien schlug
ein gemeinsames Vorgehen zu Lateinamerika vor. Die
Vereinigten Staaten lehnten diesen Vorschlag ab.
Statt dessen legte Präsident James Monroe (1817 1825) seine Doktrin in der traditionellen Jahresansprache des Präsidenten vor dem Kongreß dar, in der er
unter anderem feststellte: "die amerikanischen Kontinente dürfen aufgrund des freien und unabhängigen
Status', den sie errungen haben und bewahren, fortan
nicht mehr als Objekt künftiger Kolonialisierung durch
irgendeine europäische Macht angesehen werden..."
Das war eine kühne Doktrin für eine neue - und noch
immer schwache - Nation. Was zu ihrem Funktionieren beitrug, war die Zustimmung Großbritanniens zu
dieser Politik, und - was noch wichtiger war - die
mächtige britische Marine, die zwischen Europa und
Lateinamerika stand.
Amerika wuchs weiter, gelegentlich zur kurzsichtigen
Belustigung seiner Bürger. 1867 verhandelte Außenminister William Henry Seward mit dem russischen Zar
über den Kauf von 1.524.640 kmz nahezu unbekannten Landes zum Preis von 7,2 Millionen Dollar. Zu
jener Zeit wurde der Kauf als "Sewards Torheit" und
"Sewards Eisfach" verspottet. Es handelte sich um
das Gebiet Alaska.
In dem Maße, in dem Amerikas Wirtschaftsmacht
wuchs, nahm sein internationales Engagement zu.
Der spanisch-amerikanische Krieg von 1898 und der
Erste Weltkrieg waren nur Vorläufer des entscheidensten Engagements - des Zweiten Weltkriegs. Innenpolitische Belange konnten nicht länger getrennt von
der Außenpolitik betrachtet werden. Verteidigungsausgaben, die Kosten der Auslandshilfe, multinationale Unternehmen und Handel, Menschenrechtsfragen all dies bedeutete, daß "Verwicklungen" globalen
Ausmaßes jetzt zur Tagesordnung gehörten.
In seinem 1988 erschienenen Buch Diplomacy and
the American Democracy schreibt der ehemalige
amerikanische Botschafter in Libyen, Indonesien und
auf den Philippinen, David D. Newsom:
"Die Tatsache, daß sich Außenpolitik auf innenpolitische Belange gründet, ist ein Zeichen der Stärke, nicht
der Schwäche. Die Außenpolitik einer Demokratie
kann nicht effektiv sein, wenn sie nicht letztlich Unterstützung im Inland erfährt."

Seite 3

�Obwohl der amerikanische Präsident zweifelsohne die
Führungsrolle übernimmt und den Kurs der heutigen
Au ßenpolitik bestimmt, gibt es enorme Kräfte, die auf
ihn wirken: der Kongreß mit seinen Bewilligungsprivilegien und der Macht seiner Stimmen, die amerikanisehen Wähler, die sowohl die Kongreßabgeordneten
als auch den Präsidenten wählen, und eine freie und
unabhängige Presse.
Letztlich zählen die Resultate. Im Juni 1952, als der
Marshallplan auslief, lag die europäische Industriepro-

duktion 35 Prozent über dem Niveau der Vorkriegszeit
und die Agrarproduktion 10 Prozent darüber. Der
Marshallplan hat funktioniert. Anfangs vornehmlich für
die Beschaffung von Nahrungsmitteln, landwirtschaftlichem Gerät, Düngemitteln und Futter, Maschinen
und Material für den Fertigungsbereich gedacht, wurde der Plan auf Militärhilfe und Bündnisse ausgedeht
(die NATO wurde 1949 gegründet). Heute liegt die
Bedrohung eines Dritten Weltkriegs in weiter Feme
u n d i s t i m Verschwinden begriffen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 2

�WELTWIRTSCHAFT
15. Januar 1992

EINE STRATEGIE FÜR WELTWEITES
WIRTSCHAFTSWACHSTUM
Eine Übersicht des Weißen Hauses
TOKIO - (AD) - Am 8. Januar 1992 haben Präsident Bush und der japanische Premierminister Miyazawa eine
gemeinsame Strategie zur Förderung einer weltweiten wirtschaftlichen Erholung angekündigt. Dazu veröffentlichte das Weiße Haus die folgende Übersicht.
Die Strategie
Die Strategie ist eine wichtige Deklaration der jeweiligen Verpflichtungen, die von den Vereinigten Staaten
und Japan zur Förderung des Wirtschaftswachstums
übernommen werden. Die Strategie trägt der Tatsache Rechnung, daß Wirtschaftswachstum das wichtigste Anliegen der Weltwirtschaft ist, und sie ist deshalb
als kooperative politische Antwort konzipiert, um das
Wachstum der Weltwirtschaft zu stärken. Die Effektivität der Strategie würde durch die Einbeziehung weiterer Länder noch verbessert, und wir haben Gespräche mit den anderen Mitgliedstaaten der G-7 eingeleitet, um deren Ansichten über die Möglichkeit einer
Erweiterung ^mzunolen.
Die wirtschaftlichen Aussichten
Das Wachstum ist in den G-7-Ländern von 2,6% im
Jahr 1990 auf 1,1% im Jahr 1991 zurückgegangen. Im
Jahr 1992 wird eine Erholung auf 2,0% prognostiziert.
Die Inflationsrate in den G-7-Staaten ist im Jahr 1991
von 4,8% im Vorjahr auf 4,4% gefallen. Sie wird im
Jahr 1992 voraussichtlich weiter auf 3,7 Prozent sinken.
Die japanische Regierung prognostiziert für das am 1.
April beginnende Haushaltsjahr 1992 ein Wirtschaftswachstum von 3,5%. Diese Schätzung gründet sich
auf eine erwartete 3,6prozentige Steigerung der Binnennachfrage und einen 0,1prozentigen Rückgang
der Nettoauslandsnachfrage. Die Inflation soll im
gleichen Zeitraum von 2,9% auf 2,3% abnehmen.
Die wichtigsten Elemente der Strategie
Die Strategie trägt den besonderen Verpflichtungen Rechnung, die Japan und die Vereinigten Staaten eingegangen sind, um Maßnahmen
anzustreben, die die Weltwirtschaft und das
Welthandelssystem stärken.
AMERIKA DIENST 2

Die Strategie enthält eine gemeinsame Verpflichtung für Wirtschaftswachstum und die Durchführung kooperativer Maßnahmen im Inland,
um das Wachstum zu fördern.
Die Strategie könnte erweitert werden, um auch
andere Länder einzubeziehen, die zur Unterstützung von Maßnahmen zur Förderung des
Wirtschaftswachstums bereit sind.
Die Strategie beschreibt bestimmte haushaltsund geldpolitische Maßnahmen zur Unterstützung des Wirtschaftswachstums.
Japan wird dem Parlament einen Haushalt vorlegen, mit dem die Binnennachfrage angekurbelt wird, um im Haushaltsjahr 1992 ein
3,5prozentiges Wachstum und eine Verringerung des Außenhandelsüberschusses zu erzielen. Die japanische Regierung wird den Fortschritt dieser Maßnahmen beobachten um zu
gewährleisten, daß die erwarteten Auswirkungen realisiert werden.
Die US-Zentralbank hat die Zinssätze im Lauf
des Jahres 1991 kontinuierlich gesenkt. Die
jüngste Rücknahme des Diskontsatzes der USZentralbank um einen vollen Prozentpunkt hat
diesen wichtigsten Zinssatz auf 3,5 Prozent und
damit den niedrigsten Stand seit 25 Jahren
gesenkt.
Am 30. Dezember 1991 hat die japanische
Zentralbank ihren Diskontsatz um 0,5% auf
4,5% verringert.
(Anmerkung: Das japanische Haushaltsjahr 1992 läuft
vom 1. April 1992 bis zum 31. März 1993, das amerikanische Haushaltsjahr 1993 vom 1. Oktober 1992 bis
zum 30. September 1993.)

Seite 1

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11345">
                <text>15.01.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11346">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11347">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11348">
                <text>Amerikadienst 15.01.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11349">
                <text>&lt;strong&gt;1. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Fortschritte bei der Drogenbekämpfung zu verzeichnen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor dem Rat gegen Drogenmißbrauch&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fortschritte im Kampf gegen Drogen erzielt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Überblick über Maßnahmen im Jahr 1991&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Martin Luther King&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Martin-Luther-King-Zentrum für gewaltfreien sozialen Wandel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Kathryn Johnson&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wahlen '92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Drei Phasen der Präsidentschaftswahlen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vorwahlen, Konvente und die Präsidentschaftswahlkampagne&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2227" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2238">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/25aaffd5a438838ddda11ff28dc7ff43.pdf</src>
        <authentication>824de646d9d039b1bbe4fa26245856d2</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11344">
                    <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

^rov-i

^
&amp;

*

*\°w

^

8. Januar 1992
^

^y/

&lt;&amp; &lt;&amp; .&lt;&amp;

t«T

&gt;tf|kMDEL ^ # Q

^

BUSH: USA ENGAGIEREN SICH
WEITERHIN IM PAZIFIK
Rede des Präsidenten vor dem australischen
Parlament

VERLÄNGERUNG DES "FAST TRACK"
WICHTIGSTE HANDELSMASSNAHME
DES KONGRESSES IM JAHR 1991
Mehrere Gesetzesvorhaben von Präsident
Bush abgelehnt

GATT

VORGESCHLAGENES AGRARABKOMMEN
RUFT KONTROVERSEN HERVOR
Übersicht zum Entwurf des Agrarabkommens
der Uruguay-Runde

PORTRAT

NOMINIERTE HANDELSMINISTERIN IN
VORSTANDSETAGEN ZU HAUSE
Porträt von Barbara Franklin

UMWELT

1991 WICHTIGE UMWELTGESETZE
DES JAHRES 1990 VERABSCHIEDET
Eine Übersicht

DROGEN

AMERIKANISCHE FIRMEN UNTERNEHMEN
SCHRITTE GEGEN DROGENMISSBRAUCH
AM ARBEITSPLATZ
Arbeit als Hilfe gegen Mißbrauch von
Suchtstoffen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�HANDEL
8.Januar 1992

BUSH: USA ENGAGIEREN SICH
WEITERHIN IM PAZIFIK
Rede des Präsidenten vor dem australischen Parlament
CANBERRA - (AD) - Die massiven Veränderungen auf der Welt werden Präsident Bush zufolge die Rolle und
die Ziele der Vereinigten Staaten als pazifischer Macht nicht untergraben.
Bei einer Parlamentssitzung aller Kammern erklärte Bush am 2. Januar 1992: "Ich kann Ihnen versichern, daß
die Vereinigten Staaten eine angemessene militärische Präsenz aufrechterhalten wollen, um ihre Verbündeten
zu schützen und Bedrohungen für den Frieden abzuwehren."
Beim ersten Aufenthalt auf seiner Reise durch vier Länder des pazifischen Beckens, die der Förderung des USHandels dienen soll, betonte Bush das Interesse aller Seiten an freiem und fairem Handel und insbesondere an
einem erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde globaler Handelsgespräche.
Er erklärte gegenüber den Parlamentariern, es bestehe kein Grund zu Besorgnis über die Auswirkungen des sich
abzeichnenden Handelsabkommens zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada. "Ich möchte Ihnen
... versichern, daß das Nordamerikanische Freihandelsabkommen kein exklusiver Handelsblock wird. Es wird
innere Hemmnisse abbauen ohne äußere Hindernisse aufzutürmen", erklärte Bush.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen. Herr Präsident,
Herr Premierminister, Herr Oppositionsführer, Mr.
Hewson, Abgeordnete und Senatoren. Es ist mir eine
große Ehre, heute hier anwesend zu sein, und ich bin
außerordentlich dankbar, vor dieser Kammer des
australischen Parlaments sprechen zu dürfen.

und Emotion, die in diesen Kammern zutage tritt, war
ich stets von der Botschaft der Einigkeit beeindruckt,
die Ihre Führer meinem Land vermittelt haben. Auch
nach ihrer Amtszeit oder in der Opposition haben sie
immer die Interessen Australiens über ihr persönliches
Interesse gestellt. Das sagt etwas sehr Positives und
sehr Wichtiges über Ihr großartiges Land aus.

Ich wei ß, da ß die Abgeordneten äu Berste Anstrengungen unternommen haben, diese Sondersitzung anzuDas ist sicherlich ein Grund, warum ein Besucher aus
beraumen. Und ich denke, die Menschen in unserem den Vereinigten Statten einfach verwandtschaftliche
Land wissen dies sehr wohl zu würdigen.
Gefühle für Australien empfinden muß. Unsere jungen
Länder wurden gleichermaßen von Entdeckern, PioBesonders begrüßen und danken möchte ich den nieren und Einwanderern als Horte der Freiheit und
Mitgliedern der australisch-amerikanischen ParlamenMöglichkeit betrachtet. Unsere Kulturen spiegeln eine
tariergruppe, die soviel getan haben, um die Freund- au ßergewöhnliche Vielfalt - von britisch und irisch über
schaft zwischen unseren Ländern zu vertiefen.
italienisch und polnisch bis zu vietnamesisch und
kambodschanisch - wider.
Gestatten Sie mir eine erste Beobachtung. Ihr politisches Klima ist sehr dynamisch. Das ist eigentlich die
In diesem Parlamentsgebäude ist ein Original der
Untertreibung des Jahres. Ich beobachte auch die Magna Charta ausgestellt. Soweit ich weiß, existieren
damit einhergehenden Wirren - und danke Gott für das davon nur noch vier Exemplare. Das US-NationalarSystem der Präsidentschaft bei mir zu Hause. Aber chiv verfügt über eines dieser Originalmanuskripte.
dennoch möchte ich Ihnen diese Beobachtung mitteiIch kann mir kein mächtigeres Symbol unserer gelen. Ich schätze mich glücklich, über die Jahre hinweg meinsamen Verpflichtungen für die Rechte des einzelmehrere Ihrer Mitglieder zu beiden Seiten des Gangs nen, Rechtsstaatlichkeit und eine von Volk gewählte
kennengelernt zu haben. Und trotz all der Intensität
Regierung vorstellen.
AMERIKA DIENST 1

Seite 1

�unserem gemeinsamen Erbe und unseren gemeinsamen Idealen gibt es weitere Ähnlichkeiten zwischen
Amerikanern und Australiern: Jedes unserer Länder
umspannt einen Kontinent, der reich an Agrargütern
und Bodenschätzen ist, daneben gibt es in unseren
beiden Ländern spektakuläre Naturschauspiele. Offen gesagt - unsere Völker denken in großen Dimensionen. Und ihre wichtigsten Ideen sind uns gemeinsam: der Glaube an die Unteilbarkeit der Freiheit des
Menschen und die Bereitschaft zu Kampf und Opfern
für den Frieden und die Sicherheit anderer Länder.
Dieses Jahr feiern wir den 50. Jahrestag der schicksalhaften Schlacht im Korallenmeer. Wir gedenken des
Muts und der Kampfkraft der australischen und amerikanischen Marine. Ihre Tapferkeit hat Australien vor
der Invasion bewahrt und die Flut des Totalitarismus
eingedämmt.
In Korea und Vietnam haben sich Australier und
Amerikaner erneut zusammengeschlossen. Ihre Opfer
waren nicht vergebens. Korea ist eine Demokratie, die
für die marktwirtschaftliche Entwicklung weltweit
Maßstäbe setzt. Das seit langem leidende Kambodscha hegt nunmehr Hoffnungen auf einen dauerhaften
Frieden und freie Wahlen. Sogar Vietnam öffnet sich
der Welt und strebt Verbindungen zu den dynamischen Marktwirtschaften der Region an.
Am Persischen Golf haben wir uns gemeinsam der
Aggression Saddam Husseins widersetzt. Tatsächlich waren die ersten beiden Koalitionspartner bei einer
gemeinsamen Seeübung zur Durchführung der UNResolutionen Australier von der HMAS Darwin und
Amerikaner von der USS Brewerton. Während des
Krieges spielten die gemeinsamen Verteidigungseinrichtungen hier in Australien eine unschätzbare Rolle
bei der Aufdeckung von Abschüssen irakischer ScudRaketen. Heute handelt es sich bei zwei der drei
Marinestreitkräfte bei Operationen zur Durchsetzung
des Embargos gegen den Irak um Australien und die
Vereinigten Staaten.
Aber auch wenn wir uns unsere Kämpfe und Erfolge
vor Augen führen, müssen wir nach vom blicken und
die Gelegenheit zur Gestaltung unseres gemeinsamen Schicksals ins Auge fassen.
Erstens stehen wir gemeinsam vor der Herausforderung wirtschaftlicher Chancen und wirtschaftlichen
Wachstums - der Schaffung von Arbeitsplätzen für die
Menschen in unseren Ländern und ihre Familien.
Zweitens sehen wir uns neuen, aber nicht weniger
aufreibenden Herausforderungen an unsere Sicherheit gegenüber - den Bedrohungen regionaler Konflikte und der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen. Drittens stehen wir vor der aufregenden Aufga-

Seite 2

ben, den bemerkenswerten Aufschwung der Demokratie und Freiheit zu fördern, der in diesen vergangenen Jahren über die Welt hinweggefegt ist. Ein starkes
Amerika spielte für den Triumph freier Märkte und
freier Menschen eine entscheidende Rolle. Ich bin
zuversichtlich, daß die Vereinigten Staaten weiterhin
die Überzeugung und die Fähigkeiten haben werden,
für das Gute einzutreten und daß ein neues Zeitalter
wirtschaftlicher Möglichkeiten auch bessere Chancen
für den Frieden mit sich bringen wird.
Das kommende Zeitalter verpricht den Ländern am
Pazifik beispiellose Chancen für Wirtschaftswachstum. 1990 belief sich der bilaterale Handel der asiatisch-pazifischen Region mit den Vereinigten Staaten
auf insgesamt 300 Milliarden Dollar - eine Summe, die
fast um ein Drittel größer ist als das transatlantische
Handelsvolumen der USA. Diese Region ist der am
schnellsten wachsende Markt der Welt. Und dennoch
gibt es Stimmen zu beiden Seiten des Pazifiks, die
wirtschaftlichen Isolationismus fordern. Obwohl dies
für einige Länder, einschließlich Australien und die
Vereinigten Staaten, schwierige, wirtschaftlich harte
Zeiten sind, wissen wir doch beide, daß Protektionismus unweigerlich in den Ruin führt. Es sollte kein
Zweifel daran bestehen, daß Amerika weiterhin für
offenen Handel und offene Märkte eintreten wird.
Handel bedeutet Arbeitsplätze - gute Arbeitsplätze - im
In- und Ausland. Ich bin sicher, es überrascht Sie
nicht, wenn mein Hauptaugenmerk als Präsident der
Vereinigten Staaten der Förderung von Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätzen für die Menschen in
unserem Land gilt. Dieses Ziel steht in vollem Einklang
mit Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätzen für Australier. Sie wissen ebenso gut wie ich, daß offene
Märkte Wachstum hervorbringen und der Welthandel
kein Nullsummenspiel ist.
Sie wissen ebenfalls, daß die Länder, die den Lohn für
ein dynamisches und wachsendes Welthandelssystemteilen, auch die Pflichten teilen müssen. Australien hat eine echte Führungsrolle bei Bestrebungen um
Erfolg in der Uruguay-Runde der GATT-Verhandlungen übernommen. Und Sie haben große Fähigkeiten
und Energie beim Streben nach einem einschneidenden Abbau der handelsverzerrenden Agrarsubventionen bewiesen. Fortschritt in der Landwirtschaft ist
der Schlüssel für den Erfolg der GATT-Gespräche.
Ihre Farmer fühlen nicht allein den Schmerz, den die
hohen Subventionen der Europäischen Gemeinschaft
verursachen - unsere Weizenproduktion ist im vergangenen Jahr um fast 30 Prozent zurückgegangen. Aber
ich bin mirauch der Sorge bewu ßt, die solche Handelsprogramme der Vereinigten Staaten wie dieses Exportförderprogramm (Export Enhancement Program EEP) den australischen Farmern bereiten.

AMERIKA DIENST 1

�Unser EEP-Programm hat ausschließlich ein Ziel - die
Lawine von subventionierten Exportgütern der EG
aufzuhalten. Es ist eine Tatsache, daß die EG über
zehnmal mehr Agrarprodukte subventioniert als wir.
Darüber hinaus versucht unser Programm, die Auswirkungen auf Australien und andere nichtsubventionierende Länder zu minimieren. Obwohl mir der Einsatz
dieser Mittel widerstrebt, werde ich die Interessen der
amerikanischen Landwirte schützen. Und ohne EEP
würde die Europäische Gemeinschaft zusätzliche Märkte
absorbieren und diejenigen verdrängen, die fair konkurrieren - die Landwirte in Ländern wie Australien und
den Vereinigten Staaten.
Wir alle wissen, daß unsere beiden Regierungen die
richtige Antwort gefunden haben - hart an einem
historischen neuen GATT-Abkommen zu arbeiten,
das insbesondere Subventionen für Exporte zurückschraubt. Aus diesem Grund haben sich die Vereinigten Staaten verpflichtet, mit dem neuen Text von
GATT-Direktor Dunkel zu arbeiten. Unseres Erachtens bringt uns sein Entwurf dem endgültigen Abschluß eines Abkommens näher. Obwohl er nicht
perfekt ist, leistet er einen wichtigen Beitrag - und das
internationale Handelssystem ist zu entscheidend, um
diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen zu lassen.
Ich hoffe stark, daß Australien und andere pazifische
Nationen sich uns anschließen, um den Verhandlungen der Uruguay-Runde bei ihrer Wiederaufnahme
Ende dieses Monats weiteren Auftrieb zu verleihen.
Dies ist der beste umfassende Ansatz, den wir unseren

hart arbeitenden Landwirten und Viehzüchtern bieten
können.
Im Einsatz regionaler Organisationen sehen wir femer
eine Möglichkeit zur Erweiterung und Liberalisierung
des Handels weltweit. Wir fühlen uns durch Australiens Führungsrolle bei APEC - der asiatisch-pazifischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit - besonders
ermutigt. Der Erfolg des APEC-Minstertreffens im
November in Seoul steht als Beweis dafür, daß sich
APEC als Wirtschaftsforum im Pazifik herauskristallisiert und rund um das Pazifische Becken zunehmend
einen Gemeinschaftssinn hervorbringt. Nordamerika
- Mexiko, die Vereinigten Staaten und Kanada - sind
Teil dieser Gemeinschaft. Und ich möchte Ihnen allen
auf beiden Seiten dieses Gangs versichern, daß das
Nordamerikanische Freihandelsabkommen kein exklusiver Handelsblock wird. Es wird innere Hemmnisse abbauen ohne externe Hindernisse aufzutürmen.
Unser Wachstum wird zur Stimulierung Ihres Wachstums beitragen, ebenso wie Wachstum in Asien unsere Exporte ankurbelt.
Auch bilateral können wir mehr zur Erweiterung des
Handels tun. Aus diesem Grund schlage ich ein
Rahmenabkommen zu Handel und Investitionen zwischen den Vereinigten Staaten und Australien vor- ein
Weg zur Verstärkung unseres bereits starken wirtAMERIKA DIENST 1

schaftlichen Engagements. Unser Programm besteht
in der Förderung von Exporten und Wachstum durch
den Abbau von Handelshemmnissen - global, regional
oder bilateral.
Angesichts der dramatischen Veränderungen auf der
Welt müssen wir uns zweifelsohne auch an neue
Sicherheitsbedingungen anpassen. Ich möchte Ihnen, meinen Freunden, jedoch ein Versprechen geben: unabhängig von allen möglichen Veränderungen
bei den Verteidigungsausgaben der Vereinigten Staaten oder der Natur der Bedrohungen für den Weltfrieden ist das amerikanisch-australische Bündnis für die
Stabilität in der asiatisch-pazifischen Region unabdingbar.
In Asien wurde eine gewisse Besorgnis über die
amerikanische Verpflichtung zum bevorstehenden
Abzug von Subic Bay auf den Philippinen geäußert.
Ich möchte eines eindeutig klarstellen: Ich selbst habe
in Kriegs- und in Friedenszeiten in Asien gedient. Und
ebenso, wie sich die Zeiten ändern, wird sich unser
Einsatzkonzept ändern, um unterschiedlichen Bedürfnissen Rechnung zu tragen. Unsere Rolle und Aufgabe als pazifische Macht werden jedoch konstant bleiben. Es ist wichtig, daß die Menschen in Australien
dies verstehen: Wir beabsichtigen, unser Engagement unabhängig von den sich verändernden Sicherheitsarrangements unserer Zeit fortzusetzen.
Wir haben heute hier darüber mit dem Premierminister, dem Oppositionsführer und anderen gesprochen
- der kalte Krieg ist beendet. Aber die Bedrohung durch
den Kommunismus, die jahrzehntelang unsere Energien verbrauchte, wurde jetzt durch die von ethnischen
Auseinandersetzungen und regionalen Konflikten
verursachte Instabilität ersetzt. Die Sowjetunion, wie
wir sie kannten, gehört der Geschichte an. Ein neues
Zeitalter ist angebrochen. Aber ebenso wie Australien
haben die Vereinigten Staaten in den vergangenen 50
Jahren drei Kriege in Asien geführt. Wir wissen, daß
unsere Sicherheit untrennbar mit Stabilität im gesamten Pazifik verbunden ist, und wir werden diese Sicherheit und Stabilität nicht aufs Spiel setzen. Ich kann
Ihnen versichern, daß die Vereinigten Staaten eine
angemessene militärische Präsenz aufrechterhalten
wollen, um ihre Verbündeten zu schützen und Bedrohungen für den Frieden abzuwehren.
Vor kurzem konnten wir am Persischen Golf beobachten, daß die gefährliche Kombination schwelender
regionaler Konflikte und Massenvernichtungswaffen
konstant unsere Aufmerksamkeit erfordert. Ich beglückwünsche die australische Führung zur Eindämmung chemischer, biologischer und atomarer Waffen.
Es sind Ihre Kinder und die Kinder auf der ganzen Welt,
die dank solcher Bestrebungen in einer sichereren
Welt aufwachsen werden.

Seite 3

�Australien und die Vereinigten Staaten arbeiten auch
an der Beendigung eines weiteren lange andauernden
und tragischen regionalen Konflikts. Unsere kombinierten Initiativen bei den Vereinten Nationen waren
die entscheidenden Faktoren bei dem Prozeß für
Frieden und freie Wahlen in Kambodscha. Unsere
beiden Länder haben inzwischen offizielle Vertretungen in Phnom Penh eröffnet, um den Friedensprozeß
voranzubringem. Australien leistet durch die Entsendung eines hochrangigen Offiziers einen zusätzlichen
Beitrag, der die UNO-Friedenstruppen in Kambodscha
leiten soll. Ich bin stolz auf unsere gemeinsamen
Bestrebungen, den Alptraum in Kambodscha zu beenden und ein neues Zeitalter der Hoffnung und des
Wiederaufbaus einzuläuten.
Und schließlich manifestieren sich die amerikanischen
und australischen Bestrebungen für die Zukunft in
unserer wachsenden Zusammenarbeit bei solchen
Themen wie Umweltschutz, Erziehungswesen und
sozialen Fragen. Wir können auf das gemeinsame
Vorgehen unserer Regierungen bei der Erhaltung der
tropischen Regenwälder, dem Artenschutz und der
Förderung von Technologien zur Herstellung sauberer
Brennstoffe stolz sein.
Australien spielt femer eine führende Rolle bei der
internationalen Drogenbekämpfung. Ich weiß, ich
spreche für Millionen amerikanischer Eltern, wenn ich
Ihnen für die Bestrebungen zur Bekämpfung des
Drogenmißbrauchs und Drogenhandels danke.
Meines Erachtens werden die nächsten Generationen
von Australiern und Amerikanern sich noch näher
kommen. Ich sehe darin überhaupt keine Bedrohung.
Und ich prognostiziere für die kommenden Jahre eine
kontinuierliche Ausweitung von Reisen und Kulturaustauschprogrammen. Australiens natürliche Schönheit, von der ich bei dieser Reise bedauerlicherweise
sehr wenig gesehen habe, ist in der Tat sensationell
und übt große Anziehungskraft auf amerikanische
Touristen aus. Aber noch mehr ist es der Geist Ihres
Landes, der in unserem Land - in Amerika - und
weltweit so gro ße Bewunderung für Australien hervorruft. Die Beiträge Ihrer Künstler zu Film, Tanz und

tet - ich spreche von unserem Bildungsminister, Lamar
Alexander. Nach achtjähriger Tätigkeit als Gouverneur von Tennessee verbrachte Alexander 1987 ein
halbes Jahr in diesem wunderschönen Land. Und
seitdem er meinem Kabinett als Bildungsminister
angehört, arbeitet Lamar Alexander an revolutionären
Veränderungen zur Verbesserung unserer Schulen.
Auch dies ist Teil unseres Programms, Amerika konkurrenzfähig, stark zu machen und zu seinem Wachstum beizutragen. Minister Alexander fördert innovative Ideen, die er eben hier in Australien in der Praxis
gesehen hat. Beispielsweise den großen Entscheidungsspielraum, den Australier bei der Wahl zwischen
privaten, konfessionellen oder staatlichen Schulen
haben. Wenn wir mit einigen dieser Reformen Erfolg
haben, werden wir Pionieren wie den Australiern für ihr
Beispiel danken.
Natürlich hatten wir seit dem Tag, an dem das amerikanische Schiff Philadelphia als erstes Handelsschiff
1792 im Hafen Jackson von Sydney einlief, immer
brüderliche Bande und den Geist der Freiheit gemein.
Fast ein Jahrhundert später besuchte Mark Twain
Australien und sprach für alle Amerikaner, als er sagte:
"Sie verfügen hier über einen Geist der Unabhängigkeit, der nicht hoch genug gepriesen werden kann."
Vor 50 Jahren bezahlten Australier und Amerikaner im
Korallenmeer einen hohen Preis für die Freiheit, aber
sie bewiesen der Welt, daß die Zukunft den Mutigen
und Tapferen gehört. In der seither vergangenen Zeit
haben wir unsere Freundschaft, unsere wirtschaftliche
Interdependenz und unsere Zusammenarbeit bei der
gemeinsamen Verteidigung vertieft. Und jetzt können
wir deutlicher als je zuvor eine hoffnungsvolle Zukunft
für die Blutsverwandten in Australien und Amerika und
für all diejenigen ausmachen, die diese grundlegenden
Werte teilen, die uns lieb und teuer sind. Wir sind
bereit, als Partner im nächsten Jahrhundert zusammenzuarbeiten, um Freiheit, Kooperation und wirtschaftlichem Fortschritt den Boden zu bereiten.
Für mich war dies eine große Ehre. Für Barbara und
mich war es ein reines Vergnügen, diese kurzen

Musik haben uns den Mund nach mehr und mehr

zweieinhalb Tage mit Ihnen verbringen zu können. Die

Australischem wässrig gemacht. Das amerikanische
Femsehen zeigt Fußballspiele mit australischen Regeln, und viele Amerikaner genießen die Rauhbeinigkeit, die Stürze und den hemmungslosen Schlagabtausch. Wir haben etwas Ähnliches - aber in den
Vereinigten Staaten bezeichnen wir es als Politik.

Gastfreundschaft der Australier ist nicht in Worte zu
fassen. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie sehr mich das
berührt. Lassen Sie mich daher einfach nur nochmals
vielen Dank für die außergewöhnliche Ehre sagen, vor
diesem erlesenen Parlament sprechen zu dürfen. Mögen
Ihre Debatten lebhaft, von Freundschaft und Zuneigung geleitet sein, wie sie es gelegentlich sind. Möge
Gott Sie alle schützen.

Ich schreibe es der sauberen australischen Luft zu,
daß jetzt einer der hellsten Köpfe in Washington arbei* *

Seite 4

* *

*

AMERIKA DIENST 1

�HANDEL
8.Januar 1992

VERLÄNGERUNG DES "FAST TRACK"
WICHTIGSTE HANDELSMASSNAHME
DES KONGRESSES IM JAHR 1991
Mehrere Gesetzesvorhaben von Präsident Bush abgelehnt

WASHINGTON - (AD) - Von mehreren im Jahr 1991
vom Kongreß verabschiedeten Handelsgesetzen betraf das wichtigste die Verlängerung der Verhandlungsvollmacht Präsident Bushs im Rahmen des "Fast
Track".
Mit 231 zu 92 Stimmen im Repräsentantenhaus und 59
zu 36 im Senat hat der Kongreß im Mai dem Präsidenten die angestrebte Vollmacht erteilt, um die fünfjährige Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche
abzuschließen und Verhandlungen über das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) mit
Mexiko und Kanada aufzunehmen.
Die Abstimmungen in Repräsentantenhaus und Senat
bedeuteten eine Niederlage einer Koalition, die aus
einigen Vert.aiern von Gewerkschaften, Umwelt- und
Verbraucherschutzgruppen bestand und das FastTrack-Mandat ablehnte.
Die Vollmacht im Rahmen des Fast Track zwingt den
Kongreß, ein vereinbartes Handelsabkommen innerhalb eines bestimmten Zeitraums ohne Änderungen
anzunehmen oder abzulehnen. Der Kongreß könnte
demzufolge ein Abkommen im Rahmen der UruguayRunde zwar ablehnen, es jedoch nicht ändern und
damit die amerikanische Regierung zu Neuverhandlungen mit über 100 Ländern zwingen.
Vor der Vertagung des Kongresses im November
wurden von Kongreßmitgliedern jedoch auch mehrere
Handelsgesetze eingebracht, die bei der Bush-Administration auf wenig Gegenliebe stoßen.

Super 301
Der Energie- und Handelsausschuß des Repräsentantenhauses hat per Akklamation mit Zustimmung
aus beiden Parteien einen Gesetzentwurf verabschie-

AMERIKA DIENST 1

det, der die Super-301 -Verfügung des amerikanischen
Handelsgesetzes wiederbelebt; die Maßnahme wurde
bisher weder vom gesamten Repräsentantenhaus noch
vom Senat verabschiedet.
Die in den Jahren 1989 und 1990 gültige Super-301Bestimmung zwang die amerikanische Regierung, eine
Liste von Ländern zu erstellen, mit denen vordringlich
über unfaire Handelspraktiken verhandelt werden solte. Dabei wurden Vergeltungsmaßnahmen für alle ungelösten Streitfälle angedroht.
Obwohl diese Verfügung des Handelsgesetzes von
1988 unmittelbar dazu führte, Handelszugeständnisse
von Japan und Brasilien und indirekt auch von Südkorea und Taiwan zu erzwingen, lehnt die Bush-Administration ihre Wiedereinführung ab.
Vom Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, Richard
Gephardt, und dem Vorsitzenden des Senatsunterausschusses für Handel, Max Baucus, eingebrachte
Gesetzentwürfe würden Super 301 nicht nur wiederbeleben sondern noch erweitern und dabei hauptsächlich auf Japan und China abzielen.
Gephardts Gesetzentwurf würde vordingliche Berücksichtigung im Rahmen von Super 301 für jedes Land
vorsehen, das mindestens 15 Prozent des US-Handelsdefizits verursacht, einen Zahlungsbilanzüberschuß
aufweist und protektionistische Maßnahmen durchführt.
Es würde den Spielraum des Präsidenten bei Entscheidungen über Vergeltungsmaßnahmen einschränken. Der Präsident könnte einen Alternativplan zur
Öffnung der Märkte dieser Länder vorlegen, aber bei
Ablehnung dieses Plans durch den Kongreß wäre der
Präsident verpflichtet, Vergeltungsmaßnahmen zu
verhängen.

Seite 1

�Der Baucus-Gesetzentwurf unterscheidet sich von
dem Gephardts. Ein Unterschied besteht darin, daß er
dem Senatsausschuß für Finanzen und dem Haushaltsausschuß des Repräsentantenhauses das Recht
einräumen würde, selbständig ordentliche Super-301 Verfahren einzuleiten. Heute können lediglich die
Industrie oder die Administration selbst solche Verfahren initiieren.

Sanktionen bei Einsatz oder Herstellung chemischer und biologischer Waffen, Exportkontrollen

Baucus zufolge sollte die Verlängerung von Super 301
Bestandteil jedes Gesetzes werden, das dem Kongreß
von der Bush-Administration in Zusammenhang mit
Vereinbarungen im Rahmen der Uruguay-Runde oder
NAFTA vorgelegt wird.

Das Gesetz würde beim Einsatz dieser Waffen die
unverzügliche Verhängung von Sanktionen erfordern.
Weitere Sanktionen würden nach drei Monaten folgen,
wenn das betreffende Land keine Abhilfe schafft. Das
Gesetz wurde für Bush durch eine Bestimmung annehmbar, die es dem Präsidenten gestattet, aus Gründen der nationalen Sicherheit von Sanktionen abzusehen.

Meistbegünstigung
Der Kongreß hat mehrere Handelsgesetze verabschiedet, die den Veränderungen auf der Welt Rechnung trugen. Dauerhafter, bedingungsloser Meistbegünstigungsstatus wurde Ungarn, der Tschechoslowakei, Estland, Lettland und Litauen gewährt. Ein mit
Bedingungen verbundener und jährlich zu überprüfender Meistbegünstigungsstatus wie etwa für China wurde
auch der Sowjetunion, Bulgarien und der Mongolei
eingeräumt.
Der Meistbegünstigungsstatus gilt nicht für Republiken, die sich von der Sowjetunion lossagen; diese
müssen getrennte Vereinbarungen mit den Vereinigten Staaten aushandeln.

Nach vierjährigen Bemühungen hat der Kongreß ein
für den Präsidenten akzeptables Gesetz verabschiedet, demzufolge Sanktionen gegen Länder verhängt
werden können, die chemische oder biologische Waffen
einsetzen oder herstellen.

Noch im Kongreß anhängig ist ein Gesetzentwurf zur
Neuauflage des Exportkontrollgesetzes (EAA), das
die Regierung zur Kontrolle der Exporte ermächtigt.
Seit Auslaufen des Gesetzes am 30. September 1990
hat die Bush-Administration diese Befugnis mit einem
anderen Gesetz, dem International Emergency Economic Powers Act (etwa: Gesetz über wirtschaftliche
Vollmachten in internationalen Notsituationen), durchgesetzt.

Repräsentantenhaus und Senat müssen die von ihnen
verabschiedeten EAA-Entwürfe noch miteinander in
Einklang bringen. Beide Entwürfe werden von der
Bush-Administration abgelehnt. Zu den Verfügungen
Der Meistbegünstigungsstatus entspricht den norma- im Entwurf des Repräsentantenhauses, für die Bushlen Handelsbeziehungen zwischen den meisten Staa- Berater ein Veto empfehlen, gehören die Erlaubnis
ten. Importe aus Ländern ohne diesen Status unterlie- zum Export hochmoderner faseroptischer Telekomgen wesentlich höheren Zollsätzen. Die einzigen munikationsausrüstung in die Sowjetunion, die VerLänder, denen der Kongreß bislang diesen Status hängung von Handelssanktionen gegen Länder, die
verweigert hat, sind Afghanistan, Albanien, Kambod- Güter exportieren, die der Verbreitung von Kernwaffen
scha, Kuba, Laos, Nordkorea, Rumänien und Viet- Vorschub leiten, sowie die Lockerung von Exportkonnam.
trollen auf handelsübliche Software mit Verschlüsselungsfähigkeiten.
Der Kongreß hat ferner die Handelsinitiative für die
Andenstaaten des Präsidenten verabschiedet, derzu- Auslandsinvestitionen
folge die meisten Importe aus Bolivien, Kolumbien,
Ecuador und Peru Zollfreiheit genießen.
Im Jahr 1991 hat der Kongreß darüber hinaus Gesetzentwürfe erörtert, die Auslandsinvestitionen in den
Das Repräsentantenhaus hat mit 409 zu 21 Stimmen Vereinigten Staaten regulieren.
ein Gesetz verabschiedet, das China vor der nächsten
Überprüfung des Meistbegünstigungsstatus im näch- Die als Exon-Florio-Zusatz bekannte ausgelaufene
sten Juni zahlreiche Bedingungen im Bereich Men- Bestimmung des Handelsgesetzes von 1988, die es
schenrechte und darüber hinaus auferlegt, aber der dem Präsidenten gestattet, ausländische ÜbernahSenat hat die Schlußabstimmung bis zur nächsten men amerikanischer Unternehmen im Interesse der
Sitzung des Kongresses verschoben. Dem Gesetz, nationalen Sicherheit zu blockieren, wurde auf Dauer
das einen Kompromi ß aus Vorlagen von Repräsentan- verlängert. Einige Demokraten, denen die Durchfühtenhaus und Senat darstellt, droht ein Veto von Präsi- rung von Exon-Florio durch die Bush-Administration
dent Bush.
zu lax erscheint, möchten die Verfügung verschärfen
und haben dabei insbesondere Japan im Auge.
Es ist zweifelhaft, ob der Kongreß ein Bush-Veto mit
der erforderlichen Zweidrittelmehrheit überstimmen Mit der Stärke beider Parteien entsprechenden 25 zu
kann, da der ursprüngliche Entwurf des Senats nur mit 17 Stimmen wurde im Energie- und Handelsausschuß
55 zu 44 Stimmen verabschiedet wurde.
des Repräsentantenhauses ein Gesetzentwurf verab-

Seite 2

AMERIKA DIENST 1

�schiedet, der dem Präsidenten das Recht einräumt,
bereits erfolgte Übernahmen für null und nichtig zu
erklären und die Vollmachten des interministeriellen
Ausschusses zur Überprüfung von Exon-Florio-Fällen
erweitert. Über den von der Bush-Administration
abgelehnten Gesetzentwurf wurde im Repräsentantenhaus und Senat noch nicht abgestimmt.

Das zu dem vom Senat verabschiedeten Bankengesetz gehörende Fair Trade in Financial Services Act
war in dem vom Kongreß letztlich verabschiedeten
abgeschwächten Bankengesetz nicht enthalten. Es ist
weiterhin Bestandteil des vom Senat verabschiedeten
Defense Production Act (etwa: Gesetz über die Rüstungsindustrie); ob es jedoch im Vermittlungsausschuß von Repräsentantenhaus und Senat überleben
wird, ist unklar.

Des weiteren anhängig ist eine Verfügung mit der
Bezeichnung Fair Trade in Financial Services Act
(etwa: Gesetz über fairen Handel mit Finanzdienstlei- Eine weitere, im Jahr 1992 wahrscheinlich erneut zur
stungen). Diese ebenfalls auf Japan abzielende Ver- Vorlage kommende Bestimmung ist das sogenannte
fügung würde die amerikanische Politik der nationalen Mack-Amendment, das Lieferungen von AuslandstöchBehandlung durchbrechen, derzufolge amerikanische tern amerikanischer Unternehmen nach Kuba unterGesetze gleichermaßen auf Unternehmen in amerika- sagt. Der von Senator Connie Mack aus Florida
nischem und ausländischem Besitz angewendet wer- eingebrachte Zusatz wurde ebenfalls mit dem Bankenden.
gesetz vom Senat verabschiedete und später aus dem
endgültigen Bankengesetz gestrichen. Zuvor war er
Statt dessen würde diese Bestimmung die amerikani- Bestandteil des Kompromißgesetzes von Senat und
sche Politik dem Grundsatz der Gegenseitigkeit unter- Repräsentantenhaus zur Auslandshilfe gewesen, das
werfen, so daß Banken und Finanzunternehmen in aus anderen Gründen im Repräsentantenhaus abgeden Vereinigten Staaten, die sich in ausländischem lehnt wurde.
Besitz befinden, dieselbe Behandlung erfahren würden wie amerikanische Banken und Finanzinstituti- Das Mack-Amendment wird von der Bush-Administraonen im Heimatland des entsprechenden ausländi- tion ebenso wie von den Regierungen Kanadas, der
schen Unternehmen.
Schweiz und Großbritanniens abgelehnt, die es als
exterritoriale Einmischung in ihre Angelegenheiten
Diese Bestimmung hat die Bush-Administration ge- betrachten.
spalten, wobei Außenministerium und Büro der USHandelsbeauftragten (USTR) ihr ablehnend und das
Finanzministerium zustimmend gegenüberstehen.

*

AMERIKA DIENST 1

*

Seite 3

�GATT
8. Januar 1992

VORGESCHLAGENES AGRARABKOMMEN
RUFT KONTROVERSEN HERVOR
Übersicht zum Entwurf des Agrarabkommens der Uruguay-Runde
WASHINGTON - (AD)- Differenzen über den Bereich Landwirtschaft führten im Dezember 1991 zum zeitweiligen Zusammenbruch der Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche und könnten deren endgültiges
Scheitern im Januar 1992 bewirken.
Vertreter aus den meisten der 108 Teilnehmerstaaten werden am 13. Januar in Genf zusammenkommen, um
auf dem Wege des Konsenses darüber zu entscheiden, ob sie dem im Dezember vom Sekretariat des
Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) entworfenen Abkommen nach fünfjährigen Verhandlungen
zustimmen werden.
Zahlreiche Länder lehnen unterschiedliche Teile des Entwurfs ab, die Kritik an dem Abschnitt über Reformen im
Weltagrarhandel ist jedoch besonders vehement.
Die französische Regierung verurteilte die Bestimmungen zur Landwirtschaft Tage bevor sie am 20. Dezember
vom GATT erstmals veröffentlicht wurden. Die Handels- und Landwirtschaftsminister der EG verabschiedeten
umgehend und einstimmig ein Kommunique, das den gesamten Entwurf der Uruguay-Runde aufgrund der
Bestimmungen zur Landwirtschaft verwarf. Tage später lehnten auch die japanischen Kabinettsminister das
Abkommen ab, da es die Öffnung des japanischen Reismarkts für minimalen ausländischen Wettbewerb
erzwingen würde.
Die amerikanische Regierung hat bisher keine Stellungnahme zu dem Entwurf abgegeben, war jedoch die ganze
Zeit ein starte Befürworter von Agrarreformen.
Nachfolgend veröffentlichen wir einige der Hauptkriterien des umstrittenen Vorschlags zu Reformen der
Landwirtschaft aus Abschnitt L des GATT-Entwurfs.
Marktzugang
Tarifierung. Alle nichttarifären Importschranken würden in entsprechende, anhand von eng gezogenen
Richtlinien errechnete Zölle umgewandelt. Zu solchen
Hemmnissen zählen Importquoten, variable Importabgaben, Mindestimportpreise, Importlizenzlisten, von
Staatsbetrieben aufrechterhaltene Schranken sowie
sogenannte freiwillige Vereinbarungen über Auflagen.
Importzölle, einschließlich der sich aus der Tarifierung
ergebenden, würden von 1993 bis 1999 durchschnittlich um 36 Prozent gesenkt, mit einer mindestens
15prozentigen Reduzierung für jedes Produkt. Die
Reduzierungen würden stufenweise erfolgen und in
einem Abkommen festgeschrieben - das heißt, sie
könnten später nicht erhöht werden. Die Reduzierungen würden bei dem bestehenden Zollniveau für durch
ein Abkommen bereits abgedeckte Waren beginnen
und bei dem am 1. September 1986 festgesetzen
Niveau für nicht von einem Abkommen erfaßte Waren.

AMERIKA DIENST 1

Kein Markt dürfte gegen Importe geschlossen werden,
wie es der japanische Reismarkt ist. Der Mindestimportzugang würde im Jahr 1993 bei 3 Prozent des
Inlandsverbrauchs beginnen und 1999 auf 5 Prozent
angehoben.
Inlandssubventionen
Mit einer Reihe von Ausnahmen würden die staatlichen Subventionen von 1993 bis 1999 um 20 Prozent
abgebaut. Die Subventionen erstrecken sich nicht nur
auf die tatsächlichen staatlichen Ausgaben sondern
auch die von der Regierung erzielten Einnahmen. Die
Reduzierungen würden stufenweise von 1986 bis 1988
anhand eng definierter Subventions- oder entsprechender Maßnahmen erfolgen.
Von dem Abkommen abgedeckt wären Subventionen
für Warenpreise, Subventionen auf Vorleistungen,
Zahlungen für Vermarktungskosten und alle anderen
nicht ausdrücklich ausgenommenen direkten Zahlungen.
Seite 1

�Ausgenommen von den Reduzierungen sind Subventionen für ein spezifisches Produkt, die 5 Prozent des
Produktgesamtwerts nicht überschreiten und Subventionen für ganze Sektoren, die 5 Prozent des Produktionswerts dieses Sektors nicht überschreiten.
Ausgenommen ist ferner ein breites Spektrum staatlicher Aktivitäten: Forschung, Schädlings- und Seuchenbekämpfung, Dienstleistungen in den Bereichen
Ausbildung und Beratung, Inspektionen, einige Arten
von Marktförderung, Ausgaben für Infrastruktur, Lagerung von Nahrungsmitteln für Notfälle sowie Nahrungsmittelhilfe für Bedürftige.
Ausgenommen sind darüber hinaus bestimmte direkte
Einkommenszahlungen an Landwirte, die in keiner
Weise mit den Warenpreisen in Zusammenhang stehen - das heißt, abgekoppelt sind. Zu diesen Ausnahmen zählen Zahlungen zur Einkommensversicherung,
Hilfe bei Naturkatastrophen, den Übergang in den
Ruhestand oder die Einarbeitung in andere Tätigkeiten
für Landwirte, die Stillegung von Ackerland, Investitionen für Landwirte, denen keine staatliche Unterstützung zuteil wird, Beiträge zum Umweltschutz sowie
Unterstützung armer Regionen.
Exportsubventionen
Von 1993 bis 1999 würden die Ausgaben für Exportsubventionen um 36 Prozent verringert, während die
Anzahl der subventionierten Waren um 24 Prozent
reduziert würde.
Abgedeckt von dem Abkommen wären Sachleistungen an Exporteure, der Verkauf von Staatsanleihen
unter Marktpreisen, Subventionen auf ein Produkt mit
Steuereinnahmen aus dem Export des Produkts, Subventionen für Be- und Verarbeitung, Subventionen für

Transport im In- und Ausland, Subventionen für ein
Produktkontingent beim Export des Produkts.
Besondere und unterschiedliche Behandlung
Die ärmsten Länder würden von den Reformen ausgenommen.
Andere Entwicklungsländer müßten über einen Zeitraum von 10 Jahren mindestens zwei Drittel der erforderlichen Reformen durchgeführt haben, im Gegensatz zu dem für die anderen Länder geltenden Fünf jahreszeitraum.
Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge, Tier- und
Pflanzenhygiene
Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen müßten sich auf wissenschaftliche Grundsätze stützen - internationale Normen, sofern sie bestehen - und dürfen kein verdecktes
Handelshemmnis darstellen.
Über das internationale Niveau hinausgehende Schutzmaßnahmen müßten wissenschaftlich gerechtfertigt
sein.
Jedes Land müßte Maßnahmen eines anderen Landes akzeptieren, die den eigenen entsprechen und
anderen Ländern Zugang zu seinen Inspektions- und
Erprobungsverfahren gestatten.
Jedes Land müßte andere Länder von Änderungen
seiner Maßnahmen unterrichten.
Die Länder mü ßten diese Bestimmungen unverzüglich
nach Inkrafttreten des Abkommens der Uruguay-Runde
durchsetzen, mit der Ausnahme, daß den Entwicklungsländern zwei zusätzliche Jahre bewilligt werden.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 1

�PORTRÄT
8. Januar 1992

NOMINIERTE HANDELSMINISTERIN
IN VORSTANDSETAGEN ZUHAUSE
Porträt von Barbara Franklin
WASHINGTON - (AD) - Der offiziellen Biographie des
Weißen Hauses zufolge ist Barbara Hackman Franklin
"eine äußerst ungewöhnliche Frau".
Indem Präsident Bush die 51jährige, die sich bereits
als Unternehmensdirektorin und Sammlerin von
Wahlkampfspenden ausgezeichnet hatte, als dritte
Frau für einen Kabinettsposten nominierte, hat er der
Karriere der ernannten Nachfolgerin von Handelsminister Robert Mosbacher ein neues besonderes Glanzlicht aufgesetzt.
Im Falle ihrer Bestätigung durch den Senat würde
Franklin nach dem Ausscheiden von Robert Mosbacher - der den Wahlkampf Präsident Bushs leiten wird
- am 15. Januar zusammen mit Arbeitsministerin Lynn
Martin und der l IS-Handelsbeauftragten Carla Hills im
hauptsächlich aus Männern bestehenden Kabinett
vertreten se.n.
Als eine der ersten weiblichen Absolventen der Harvard Business School leitete Franklin seit 1984 ihre
eigene Unternehmensberatungsfirma, Franklin Associates, mit Sitz in der Bundeshauptstadt Washington.
Darüber hinaus ist sie Vorstandsmitglied bei sieben
großen amerikanischen Unternehmen - Aetna Life and
Casualty Company; Armstrong World Industries, Inc.;
Automatic Data Processing, Inc.; Black &amp; Decker
Corporation; Dow Chemical Company; Nordstrom,
Inc. und Westinghouse Electric Corporation. Bei Antritt ihres neuen Amts als Handelsministerin wird sie all
diese Posten aufgeben müssen, die ihr angeblich über
300.000 Dollar im Jahr einbringen.
Franklin ist seit langem mit dem Präsidenten befreundet und hat diesen unterstützt und finanziell gefördert.
Im Jahr 1988 war sie Mitvorsitzende seines Wahlkampffinanzierungskomitees, und unlängst war sie
einer der Organisatoren eines Galadinners zur Finanzierung der Bush-Quayle-Wiederwahlkampagne, bei
dem ein Gedeck 1.000 Dollar kostete.

AMERIKA DIENST 1

Ihren ersten Regierungsposten hatte sie während der
Nixon-Administration inne, als sie zur Leiterin eines
Programms ernannt wurde, das die Einstellung von
Frauen für Führungspositionen im Staatsdienst zum
Ziel hatte. Zwei Jahre später wurde sie von Nixon zum
Mitglied der neugeschaffenen Kommission für Produktsicherheit ernannt.
Sie war zwei Amtsperioden als Vizepräsidentin dieser
Behörde tätig und schied kurz vor Ablauf ihrer sechsjährigen Amtszeit aus dem Staatsdienst aus. Nach
acht Jahren im Dienst der Regierung, so teilte sie der
Zeitung Boston Globe mit, suche sie "eine Möglichkeit der Verjüngung" und wolle ein "besseres Gleichgewicht" in ihrem Leben herstellen.
Neben dem Eintritt in die Welt der Vorstandsetagen
nahm sie eine Stellung als leitende Dozentin an der
Wharton School of Finance der University of Pennsylvania an. Acht Jahre lang leitete sie das Staats- und
wirtschaftswissenschaftliche Programm, das von dieser Fakultät ausgewählten MBA-Kandidaten (Master
of Business Administration) angeboten wurde, um
diese mit der Arbeitsweise der Bundesregierung vertraut zu machen.
Franklin war bereits verschiedentlich innerhalb der
Bush-Administration tätig, so zum Beispiel im Jahr
1989 als stellvertretende US-Delegierte bei den Vereinten Nationen.
Als Mitglied in Bushs Beratergremium für Handelspolitik und -Verhandlungen steht sie bereits in ihrer vierten Amtszeit und engagiert sich dabei besonders im
Arbeitsstab für das Nordamerikanische Freihandelsabkommen.
Angesichts des zunehmenden Stellenwerts von Handelsfragen im Präsidentschaftswahlkampf 1992 betonte Präsident Bush bei der Ankündigung ihrer
Nominierung für den Posten des Handelsministers am
26. Dezember 1991 gerade diesen Aspekt. Franklin

Seite 1

�sei "eine entschlossene Befürworterin von freiem und
fairem Handel gewesen, die sich der Tatsache bewußt
ist, daß amerikanische Arbeitnehmer mit jedem und
überall konkurrieren können, wenn Chancengleichheit
besteht".

Im Jahr 1990 wurde sie von der American Management Association zu einem der 50 einflußreichsten
Unternehmensdirektoren des Landes gewählt.

Sie ist mit Wallace Barnes, dem Vorsitzenden der
Barnes Group, Inc., einem Hersteller und Lieferanten
Die in Lancaster County (Pennsylvania) aufgewachse- von Industrieprodukten in Bristol (Connecticut) verheine Franklin schloß im Jahr 1962 ihr Studium an der ratet. Das Ehepaar hat Wohnsitze in Bristol, der
Pennsylvania State University mit Auszeichnung ab Bundeshauptstadt Washington und Lancaster Counund absolvierte im Jahr 1964 ihr Studium an der ty.
Harvard Business School. Sie war Mitglied des zweiten Abschlußjahrgangs, in dem Frauen überhaupt
vertreten waren.
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 1

�UMWELT
8. Januar 1992

1991 WICHTIGE UMWELTGESETZE DES
JAHRES 1990 VERABSCHIEDET
Eine Übersicht

WASHINGTON - (AD) - Beim Rückblick auf die umweltpolitischen Leistungen des Jahres 1991 fällt auf,
daß auf nationaler Ebene keine wichtigen Gesetze
verabschiedet wurden, die Verantwortlichen jedoch
Schlüsselbereiche verschiedener Gesetze und internationale Abkommen aus dem Jahr 1990 in die Tat
umzusetzen begannen.

Die EPA hat im Oktober 1991 Vorschriften veröffentlicht, denen zufolge Fabriken die Emission von Schwefeldioxid, der Hauptursache für sauren Regen, bis zum
Jahr 2000 um etwa 9 Millionen Tonnen einschränken
müssen. Emissionen dieser Verbindung würden zu
diesem Zeitpunkt höchstens etwa 9 Millionen Tonnen
betragen.

Wissenschaftler und ihre Regierungen sind 1990
übereingekommen, daß künstliche erzeugte Chemikalien die atmosphärische Ozonschicht, die den
Menschen vor Krebs und die Ernten vor Zerstörung
schützt, schneller auflösen als bisher angenommen.
1990 wurde ein internationales Abkommen unterzeichnet, um das sonrittweise Verbot dieser Chemikalien zu
beschleunigen.

Ein ungewöhnliches Merkmal des Gesetzes über die
Luftreinhaltung besteht darin, daß es Fabriken erhebliche Freiheit in ihren Entscheidungen über den Abbau
zugesteht. Die von der EPA vorgeschlagenen Regeln
würden ein System wiederverkäuflicher Boni schaffen:
Fabriken, die ihre Emissionen stärker als erforderlich
abbauen, erhalten dafür einen Bonus, den sie an nicht
den Richtlinien entsprechenden Fabriken verkaufen
können.

Das führte dazu, daß die US-Umweltschutzbehörde
(EPA) im September 1991 einen Zeitplan aufstellte,
um die Herstellung und Einfuhr von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKWs), Halonen und Tetrachlorkohlenstoff bis zum Jahr 2000 abzubauen.
Diese Chemikalien greifen den Ozon-"Schutzschild"
über den Temperaturzonen der nördlichen und südlichen Hemisphäre an. Wissenschaftler schätzen, daß
seit den sechziger Jahren etwa 10 Prozent der Schutzschicht zerstört worden sind. Das könnte jährlich
weitweit zusätzlich 250.000 Fälle von Hautkrebs bedeuten, zu Schäden im menschlichen Immunsystem
und niedrigeren Ernteerträgen führen.
Die EPA-Vorschriften sollen Anfang des Jahres 1992
in Kraft treten.
Regierung und Kongreß haben 1990 ein 12 Jahre
währendes Patt durchbrochen und ein Gesetz verabschiedet, das Emissionen der sauren Verbindungen,
die sich durch Regen und Schnee auf Wälder und
Seen niederschlagen, um die Hälfte abbaut und die
Umweltverschmutzung durch Autos vemngert.

AMERIKA DIENST 1

Die Regierung hat erheblichen Druck ausgeübt, um
dieses System einzuführen, und Ökonomen sowie
Umweltspezialisten beobachten genau, wie es funktioniert. Die Regierung glaubt, das System sei die
preiswerteste Methode zur Erlangung eines wichtigen
umweltpolitischen Ziels und würde es gern anderswo
anwenden, wenn es sich als funktionsfähig erweist,
wie man hofft.
Bei einerweiteren ungewöhnlichen Entwicklung in der
Abfassung von Vorschriften für das Gesetz zur Luftreinhaltung hat die EPA erreicht, daß sich Industrie
und Umweltexperten zusammengesetzt und im August ein Abkommen über die sauberere Treibstoffverbrennung bei Autos und Lkws erarbeitet haben.
Die dreißig Gruppen, die an den sechsmonatigen
Verhandlungen teilgenommen haben, sind übereingekommen, nicht vor Gericht zu gehen, um die Einführung neuer Treibstoffe Anfang des Jahres 1992 zu
blockieren, wenn sie besondere Emissionsmaßstäbe
erfüllen. Darüber hinaus mü ßte in bestimmten Städten

Seite 1

�mit besonders starker Umweltverschmutzung bis 1995
saubererer Treibstoff verfügbar sein.

tigen können. Das Programm umfaßt darüber hinaus
den Aufbau eines landesweiten ComputerinformationsNormalerweise führt die EPA zu neuen Vorschriften systems und Meldezentren für ausgelaufenes öl in
Anhörungen durch und veröffentlicht dann Richtlinien, fünf Häfen, in denen die 16 Schiffe stationiert sind.
deren Durchführung oftmals jahrelang durch Prozesse 1991 wurden internationale Verhandlungen über das
von Industrie oder Umweltexperten aufgeschoben wird. vielleicht wichtigste Umweltthema der Welt aufgenommen - die Erwärmung der Erde. US-Umweltexperten
Das Gesetz über die Luftreinhaltung erlegt den Bunund einige westeuropäische Länder drängen die Bushdesstaaten eine große Verantwortung bei der ErarbeiAdministration, Maßnahmen zu verabschieden, um
tung von Plänen zur Bekämpfung der Umweltverdie Emissionen von Kohlendioxid zu reduzieren, das
schmutzung auf. "Die Bundesstaaten müssen ihre
immer dann austritt, wenn fossile Brennstoffe wie
Maßnahmen bei umweltpolitischen Aktivitäten koordiKohle und öl verbrannt werden. Dieses und andere
nieren. Das haben sie bisher nicht getan," erklärt der
Gase steigen in die Atmosphäre und verhindern, daß
Stellvertretende Leiter des Center for Policy Alternadie Wärme von der Erde in die äußere Atmosphäre
tives - einer Forschungseinrichtung in Washington -,
abfließen kann.
Jeffrey Tyrens, in einem Interview.
Ein Wissenschaftlergremium unter der SchirmherrEin weiteres Gesetz von 1990 wird drastische Auswirschaft der Vereinten Nationen gelangte zu dem Schluß,
kungen für nationale und internationale ölfrachter
daß die Treibhausgase" in den vergangenen 100
haben. Ab Februar 1993 werden sie beweisen müsJahren zugenommen haben und zu einem erheblichen
sen, daß sie bei schlechtem Wetter die grö ßten vorherAnstieg der Erdtemperatur führen werden. Sie sind
sehbaren ölkatastrophen beseitigen können. Das
aber nicht sicher, wie dies das Klima bestimmter
Gesetz wurde verabschiedet, nachdem es einem
Regionen beeinflussen wird. Die Bush-Administration
Konsortium von ölfirmen nicht gelungen war, den
hat 1991 argumentiert, daß weitere wissenschaftliche
Ölteppich von über 200.000 Barrel Rohöl aus dem
und wirtschaftliche Forschungen erforderlich sind, bevor
Tanker Exxon Valdez zu beseitigen, der 1989 vor
man Entscheidungen treffen kann, ob die Emissionen
Alaska auf ein Riff gelaufen war. 1993 werden Firmen
von Hauptenergiequellen der modernen Industrie
keine Tanker ohne Pläne und Ausrüstung zur Säubereduziert werden sollen.
rung innerhalb der 320 Kilometer-Zone der USA fahren
lassen dürfen.
Die Verhandlungen sollen 1992 fortgeführt werden,
und alle Teilnehmer haben ihre Hoffnung bekundet,
Eine Vereinigung von Erdölproduzenten und -transdaß man sich bis zum Treffen der UN-Konferenz über
porteuren führte 1991 ein Programm im Umfang von
Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro im Juni einig
über 400 Millionen Dollar ein, um 16 Schiffe mit Sonsein wird.
derausrüstung zu bauen, die große ölteppiche besei* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 1

�DROGEN
8. Januar 1992

AMERIKANISCHE FIRMEN UNTERNEHMEN SCHRITTE
GEGEN DROGENMISSBRAUCH AM ARBEITSPLATZ
Arbeit als Hilfe gegen Mißbrauch von Suchtstoffen
WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Artikel ist der letzte einer Serie über Behandlungsmethoden bei
Drogenmißbrauch.

Die Leiter von Unternehmen in den Vereinigten Staaten haben entschieden, genug ist genug.

frage beim Amt für nationale Drogenkontrollpolitik, Dr.
Herbert Kleber.

Ausgelöst haben ihr Handeln Verluste in Milliardenhöhe durch Fehlzeiten und verringerte Produktivität aufgrund von Suchtstoff mißbrauch. Infolgedessen überprüfen zahlreiche Unternehmen jetzt ihre Bewerber,
unterziehen sie Tests und bieten Therapieprogramme
in dem landesweiten Bestreben zur Beseitigung von
Drogen am Arbeitsplatz an.

Kleber zufolge besteht ein Hauptziel des Amts darin,
"mittelständischen Unternehmen bei der Erarbeitung
von Maßnahmen für einen drogenfreien Arbeitsplatz
behilflich zu sein, die den Drogenkonsumenten vor die
Wahl stellen, entweder den Drogenmißbrauch zu
beenden oder den Arbeitsplatz zu verlieren".

Ein Wirtschaftsmagazin berichtet, daß rund 12 Prozent der amerikaniscnen Erwerbsbevölkerung von Suchtstoffen a b h ä n ^ •z\. Zusammen mit den schätzungsweise 6 Prozent, die unter psychischen Problemen
leiden, können ihre Probleme die Produktivität um 25
Prozent verringern und enorme finanzielle Verluste für
die Organisationen zur Folge haben.
Eine Sicherheitsumfrage unter Fernfahrern von 1988
ergab, daß die Mehrheit das Gefühl hat, mindestens 20
Prozent ihrer Kollegen führen regelmäßig unter dem
Einfluß illegaler Drogen, die vornehmlich zur Bekämpfung von Müdigkeit, Einsamkeit oder Langeweile
genommen werden.
Bestrebungen der Unternehmen zur Behandlung
abhängiger Beschäftigter wurden vordringlicher, nachdem die Exxon Valdez im März 1989 im Prinz William
Sund auf Grund lief, über 38 Millionen Liter Rohöl
ausliefen und schätzungsweise 5.300 Kilometer der
Küste verschmutzten. Nach der Katastrophe wurden
Berichte laut, der Kapitän des Schiffes sei Alkoholiker.
"Entgegen der Annahme, der Durchschnittsdrogenkonsument sei arm und arbeitslos, sind 60 Prozent der
Drogenkonsumenten erwerbstätig und 70 Prozent oder
mehr zählen nicht zu Minderheiten", erklärt derehemalige Stellvertretende Direktor für den Abbau der Nach-

AMERIKA DIENST 1

Studien der Bundesregierung belegen, daß Alkoholund Drogenmißbrauch zusammengenommen die Wirtschaft die schwindelerregende Summe von 177 Milliarden Dollar pro Jahr kosten - über die Hälfte davon
aufgrund von Produktivitätsverlusten. 1987 kostete
der Mißbrauch von Suchtstoffen General Motors beispielsweise 600 Millionen Dollar.
Umfragen zufolge führen mindestens zwei Drittel der
führenden amerikanischen Firmen und 30 Prozent
aller Arbeitgeber Drogentests durch. Vor kurzem hat
der Kongreß ein Gesetz verabschiedet, das Alkoholund Drogentests für alle Arbeitnehmer in Verkehrsbetrieben zwingend vorschreibt, die den Bundeslizenzbestimmungen unterliegen und eine sicherheitsempfindliche Tätigkeit ausüben, einschließlich Piloten von
Fluggesellschaften, Beschäftigten im öffentlichen
Nahverkehr und Fernfahrern.
Ein früheres Gesetz - das Gesetz über den drogenfreien Arbeitsplatz von 1988 - fordert von Arbeitgebern,
die staatliche Aufträge in Höhe von 25.000 Dollar oder
mehr erhalten, die Gewährleistung eines drogenfreien
Arbeitsplatzes. Sie müssen die Arbeitnehmer über die
Gefahren des Drogenmißbrauchs unterrichten und
schriftliche Statuten aushängen, daß mit illegalen
Drogenaktivitäten befaßte Arbeitnehmer bestraft werden.

Seite 1

�Führungskräfte, die sich zunehmend mit Sicherheit,
Gesundheit und Produktivität ihrer Arbeitskräfte auseinandersetzen, intensivieren die Bestrebungen, mehr
über Drogen, ihre schädliche Wirkung in Erfahrung zu
bringen und wie man sie von ihren Unternehmen
fernhält.
Selbst die Arbeitnehmer artikulieren Besorgnis über
Drogen am Arbeitsplatz. Einer 1991 vonGallupfürdas
Institut für einen drogenfreien Arbeitsplatz in Washington, D.C., durchgeführten Umfrage zufolge gaben 82
Prozent der befragten Arbeitnehmer an, sie unterstützen die Maßnahmen des Unternehmens gegen Drogenmißbrauch und begrüßen Disziplinarstrafen bei
Vergehen.
"Erst verliert er die Frau, dann das Auto und vielleicht
sogar das Haus, aber als letztes vertiert er den Arbeitsplatz, weil dies die einzige Form von Selbstachtung ist,
die ein Mensch hat", erklärt Gerald Marini, der Direktor
für Maßnahmen gegen Drogenmißbrauch bei Hoffmann-La Roche Inc. in Nutley (Virginia).
"Ich bin der festen Überzeugung, daß der Arbeitsplatz
als Anker dient," fügt er hinzu. "Wenn Menschen keine
Drogen nehmen, weil sie den Verlust ihres Arbeitsplatzes fürchten, ist das wunderbar, weil sie dieses Verhalten vielleicht auch auf ihr Privatleben übertragen. Das
funktioniert. In den letzten fünf Jahren ist der Drogenmißbrauch um 45 Prozent zurückgegangen."
Marini erklärt, daß Unternehmen, die einen drogenabhängigen Arbeitnehmer früher einfach entlassen hätten, heute alles Erdenkliche tun, um qualifizierte Mitarbeiter zu halten.
"Die Geschäftsleitung ist sich der Tatsache bewußt,
daß wir international nicht voll konkurrenzfähig sind,
wenn wir nicht alle Arbeitnehmer optimal einsetzen.
Die Gesellschaft kann es sich nicht leisten, diese
Menschen zu verlieren. Wir müssen also darauf
hinwirken, daß sie ihr destruktives Verhalten ablegen.
Wir sind dabei zu dem Schluß gekommen, daß die
meisten Menschen sich in Behandlung begeben, wenn
sie wissen - dem Unternehmen liegt wirklich etwas
daran, man interessiert sich dafür und leistet Hilfestellung."
Diese Hilfestellung ist in den meisten Fällen das Programm zur Unterstützung der Mitarbeiter (Employee
Assistance Program - EAP), ein vom Unternehmen
gefördertes Beratungszentrum, das als wichtiges
Bindeglied zwischen Mitarbeitern mit Problemen und
Therapiezentren fungiert, deren Träger entweder die
Gemeinde oder das Unternehmen selbst ist.
Landesweit gibt es über 14.000 EAPs, wobei fast alle
der (nach der Zeitschrift Fortune) 500 wichtigsten
Unternehmen entsprechende Programme durchführen. Für die EAPs arbeiten Psychologen, SozialarbeiSeite 2

ter sowie Experten für Drogen- und Alkoholabhängigkeit, und obwohl die Programme unterschiedliche
Größenordnungen haben und mehr oder weniger in
das Leben der Mitarbeiter eingreifen, folgen sie dem
gleichen Kredo: den Mitarbeiter anzusprechen, der
Probleme hat, die erforderliche Hilfe für ihn zu finden
und ihn so schnell wie möglich wieder an den Arbeitsplatz zurückzubringen.
Einem Artikel der Harvard Business Review zufolge
werden EAPs erfolgreich eingesetzt, um Fehlzeiten zu
reduzieren, die Genesung zu fördern, Rückfälle zu
verhindern und die Produktivität zu verbesssern. Einer
der wichtigsten Hersteller von Papiererzeugnissen,
Kimberley-Clark, hat eine 70prozentige Reduzierung
der Unfälle bei einem Querschnitt der EAP-Teilnehmer
dokumentiert, und Phillips Petroleum kam zu dem
Ergebnis, daß sein EAP über 8 Millionen Dollar pro
Jahr eingebracht hat, weil es weniger Unfälle und
Krankheitstage gab und die Produktivität stieg.
Im September letzten Jahren haben Wissenschaftler
die Ergebnisse der ersten großangelegten Untersuchung über die Effektivität der Behandlung von Arbeitnehmern eines großen städtischen Transportunternehmens veröffentlicht. Die Studie kam zu dem Schluß,
daß 80 Prozent der Arbeitnehmer, die eine ambulante
Therapie abgeschlossen hatten, mindestens ein Jahr
lang drogenfrei blieben.
Die Behandlung umfaßt Einzelgespräche und Gruppentherapie. Ein Abbruch des siebenmonatigen Programms oder erneuter Drogenkonsum nach der Behandlung führten zu einem Verlust des Arbeitsplatzes.
Über die Hälfte der behandelten 1.293 Arbeitnehmer
schlössen das Programm ab und kehrten an ihren
Arbeitsplatz zurück.
Die Methode der Firma IBM beim Umgang mit Drogenkonsum hat Modellcharakter. Zwei unabhängige
Unternehmen übernehmen die vertrauliche Beratung
der Arbeitenehmer. IBM gibt seinen Arbeitnehmern
die Telephonnummer von Beratern dieser Firmen,
wenn sie oder ihre Familienmitglieder Hilfe brauchen.
Gleichzeitig muß sich ein Mitarbeiter, der irrationales
oder unberechenbares Verhalten an den Tag legt,
einem Drogentest unterziehen, wenn der Betriebsarzt
dies empfiehlt. Wenn der Test positiv ausfällt, muß
sich der Mitarbeiter in Behandlung begeben und häufige stichprobenartige Drogentests durchführen lassen, wenn er seinen Arbeitsplatz behalten will.
Mehr und mehr Unternehmen machen das Arbeitsplatzangebot abhängig von einem negativen Drogentest des Bewerbers. Zum Beispiel stellt Amerikas
größte Bank, Citicorp, niemanden ein, dessen Tests
für Amphetamine, Barbiturate, Kokain oder Heroin
positiv sind.

AMERIKA DIENST 1

�Umstrittener als die Überprüfung von Bewerbern sind
Tests bei der Belegschaft. Gewerkschaften stehen
den stichprobenartigen Tests kritisch gegenüber, und
einige ziehen ihre Legalität in Zweifel. Experten zufolge müssen Drogentests Teil eines umfassenden Hilfsprogramms für Arbeitnehmer sein und in einem Umfeld
der Sorge für die Menschen und ihr Recht auf Privatsphäre durchgeführt werden.
Einer Untersuchung des Amts für Arbeitsstatistik von
1989 zufolge haben mittlere und große Unternehmen
ihren Versicherungsschutz für Drogentherapie dra* *

AMERIKA DIENST 1

stisch erhöht. 1988 waren 74 Prozent ihrer Mitarbeiter
versichert, gegenüber 1983 eine Steigerung von 43
Prozent.
Krankenversicherungsschutz für Drogentherapie ist
bei den Angestellten im öffentlichen Dienst weiter
verbreitet als im Privatsektor. Von den 10,3 Millionen
Vollzeitbeschäftigten in den Behörden der Bundesstaaten und Kommunen waren der Untersuchung des
Amts für Arbeitsstatistik zufolge 94 Prozent auf irgendeine Weise für eine stationäre Behandlung bei Drogenmißbrauch versichert.
*

*

Seite 3

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11339">
                <text>08.01.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11340">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11341">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11342">
                <text>Amerikadienst 08.01.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11343">
                <text>&lt;strong&gt;1. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: USA engagieren sich weiterhin im Pazifik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor dem australischen Parlament&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verlängerung des "Fast Track" wichtigste Handelsmaßnahme des Kongresses im Jahr 1991 &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Mehrere Gesetzesvorhaben von Präsident Bush abgelehnt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GATT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vorgeschlagenes Agrarabkommen ruft Kontroversen hervor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht zum Entwurf des Agrarabkommens der Uruguay-Runde&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Porträt&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Nominierte Handelsministerin in Vorstandsetagen zu Hause&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Barbara Franklin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;1991 wichtige Umweltgesetze des Jahres 1990 verabschiedet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Firmen unternehmen Schritte gegen Drogenmissbrauch am Arbeitsplatz &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Arbeit als Hilfe gegen Mißbrauch von Suchtstoffen&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2226" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2237">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/f3fecc28afe56e40475d869415424280.pdf</src>
        <authentication>264364b828ea8b41b9f8f4e3b0416481</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11338">
                    <text>^Sof7^

VON

cimerikci
dienet

U.S. Information Service
bassy of the United States of America

^&amp;

4$
,^'

*F

18. Dezember 1991

50
M

^ \ ^

5ETH€
f®ti:

N

^

USA REGEN WELTKONFERENZ ÜBER SOWJETHILFE AN
Rede von Außenminister Baker in Princeton

CHENEY NENNT TREFFEN DES VERTEIDIGUNGS-PLANUNGSAUSSCHUSSES NÜTZLICH

NATO

Erläuterungen des US-Verteidigungsministers

CIA

GATES ZU ZERFALL DER SOWJETUNION,
VERBREITUNG VON MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN
Rede des CIA-Direktors vor dem Streitkräfteausschuß des Repräsentantenhauses

MENSCHENRECHTE

HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE AMERIKANISCHE MENSCHENRECHTSPOLITIK
von Richard Schifter

DROGEN

THERAPIEPROGRAMME IN GEFANGNISSEN
BIETEN STRAFTÄTERN EINE CHANCE
Programme für Obdachlose ebenfalls
erfolgreich

THEMENINDEX

DER AMERIKA DIENST
2. Halbjahr 1991

Mit dieser letzten Ausgabe des Jahres 1991
wünscht die Redaktion des Amerika Dienst allen
Beziehern ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest
und ein
friedliches und erfolgreiches neues Jahr

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�SOWJETHILFE
18. Dezember 1991

USA REGEN WELTKONFERENZ
ÜBER SOWJETHILFE AN
Rede von Außenminister Baker in Princeton
PRINCETON - (AD) - Außenminister Baker kündigte am 12. Dezember 1991 an, daß die Vereinigten Staaten die
demokratischen Industriestaaten, die ehemaligen Mitgliedstaaten des Ostblocks, die Koalitionsstaaten im
Golfkrieg sowie die internationalen Finanzinstitutionen zu einer Konferenz nach Washington einladen, um
Möglichkeiten zur Unterstützung der Völker der ehemaligen Sowjetunion zu erörtern. Diese Konferenz soll im
Januar stattfinden.
Vor Zuhörern an der Universität Princeton erklärte Baker, Präsident Bush schlage vor, "eine Koordinierungskonferenz zu veranstalten, damit wir unsere Bemühungen und Pflichten besser aufteilen, um dazu beizutragen, die
unmittelbaren und drastisch zunehmenden humanitären Bedürfnisse der Sowjets zu erfüllen".
"Über die unmittelbaren humanitären Bedürfnisse hinaus", sollte die internationale Staatengemeinschaft Baker
zufolge den Sowjets dabei helfen, die militärischen Relikte des kalten Krieges zu zerstören und zu kontrollieren,
eine demokratische "politische Legitimität" aufzubauen und die Kräfte des freien Marktes fest zu verankern, die
"wirtschaftliche Stabilisierung und Erholung stimulieren" werden.
Der Zusammenbruch der Sowjetunion biete dem Westen eine "historische Chance", dem ehemaligen sowjetischen Imperium beim Aufbau von Demokratie und wirtschaftlicher Freiheit zu helfen. "Die Geschichte wird
unsere Bemühunyen als Erfolg bewerten, wenn wir den Demokraten helfen, Chancen für eine bessere Zukunft
offenzuhalte'v' o r ' lärte der Außenminister.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Bakers mit dem Titel "Amerika und der Zusammenbruch des
sowjetischen Imperiums: Was zu tun ist" im Wortlaut.

Diese Woche vor 41 Jahren war ich hier in Princeton in
meinem vorletzten Studienjahr und las die großen
Autoren, und William Faulkner erhielt den Nobelpreis
für Literatur. In seiner Nobelpreisrede sagte er, die
Tragödie der Zeit - ja, man könnte sie als Tragödie der
ganzen Generation bezeichnen - sei "eine allgemeine
und universelle physische Angst", und diese Angst sei
so groß, daß sie intellektuelle Probleme ersticke. Um
ihn zu zitieren: "Es gibt nur eine Frage: Wann werde
ich in die Luft gesprengt?"
Für meine Generation stellte Faulkner sicherlich die
richtige Frage. Nach 1945 wurde die amerikanische
Politik von einem strategischen, politischen und moralischen Imperativ beherrscht: den Krieg mit den Sowjets
zu vermeiden und gleichzeitig die Werte und Interessen des Westens zu bewahren.
Lieber tot als rot lautete damals ein Spruch. Tatsächlich aber gab es überhaupt keine Wahl. Während ein
AMERIKA DIENST 50

Atomkrieg uns physisch vernichtet hätte, hätte uns der
Stalinismus geistig zerstört. Alles andere mußte notgedrungen zweitrangig sein.
Um mit diesem Imperativ umzugehen, beschrieb George
Kennan - ein berühmter Sohn dieser Universität, der
heute unter uns weilt - Logik und Konzept der Politik
des Containment. Die sowjetische Macht war für
Kennan ein "flüssiger Strom", der sich unerschütterlich
auf das Ziel zubewegte, "jeden Winkel des Bassins der
Weltpolitik" auszufüllen.
Da er allem, was der Westen verkörperte, diametral
entgegenstand, mußte der Stalinismus aufgehalten
werden. Und dies konnte erreicht werden durch
"geduldiges und gleichzeitig festes und wachsames
Containment". Containment und ein kalter Krieg anstatt Rollback und heißem Krieg könnten Kennan
zufolge funktionieren, weil das sowjetische System der
menschlichen Natur völlig widersprach und deshalb
Seite 1

�langfristig zum Scheitern verurteilt war. Das Ziel - oder
realistischer, die Hoffnung - lautete, daß die Politik des
Containment die sowjetische Macht gegen sich selbst
kehren und ihren Niedergang beschleunigen würde.
Im Lauf der Zeit würde die stalinistische Bedrohung
aufgrund ihrer inneren Widersprüche zusammenbrechen.
Vier Jahrzehnte später läßt sich schlicht feststellen,
daß die Politik des Containment funktioniert hat. Der
von Lenin gegründete und von Stalin aufgebaute Staat
trug in sich die Saat seines eigenen Niedergangs. Und
als der Druck von außen anhielt - und Fenster zum
Westen geöffnet wurden -, brach der sowjetische Staat
im Inneren zusammen.
Die Geschichte hat Faulkners Frage nun beantwortet:
Wir werden nicht durch einen Krieg mit der Sowjetunion in die Luft gesprengt.
Aber, das ist nicht das Ende der Geschichte.
Unsere Politik war niemals ausschließlich darauf ausgerichtet, einen heißen Krieg zu verhindern oder den
Stalinismus im kalten Krieg zu besiegen. Was von
jedem Präsidenten und jedem Kongreß angestrebt
wurde, war eine andere Welt, frei von den Schatten
des Kriegs, von politischer Tyrannei, von wirtschaftlicher Not. Dies waren und sind unsere Ideale, und
diese von einem gesunden Realitätssinn geprägten
Ideale müssen weiterhin unserer Politik den Völkern
gegenüber zugrundeliegen, die im kalten Krieg unsere
Gegner waren, heute jedoch unsere Freundschaft und
Unterstützung suchen.
Infolge des sowjetischen Zusammenbruchs leben wir
in einer neuen Welt. Wir müssen diese Neue Russische Revolution, die mit der Niederschlagung des
Putsches vom August in Gang gesetzt wurde, nutzen,
um Beziehungen zu kultivieren - Beziehungen, die
nicht nur den Vereinigten Staaten sondern der ganzen
Welt zugutekommen können. Denn im Gegensatz zur
bolschewistischen Revolution trägt diese Revolution
des Jahres 1991 in sich die Saat einer besseren
Zukunft, eines dauerhaften Friedens. Sie könnte
sogar die Möglichkeit für ein Gedeihen der Demokratie
an Orten enthalten, die ihr lange Zeit unfreundlich
gesonnen waren.
Niemand, noch nicht einmal diejenigen, die diese
Revolution machen, können das Endergebnis, die
Struktur oder gemeinsamen Gebilde kennen, die von
diesen epochalen Ereignissen definiert werden müssen. Sie werden von den Beteiligten gestaltet, selbst
während ich hier spreche. Sie, nicht wir oder irgendein
anderer Außenstehender, werden das Ergebnis bestimmen.
Ich bin mir sehr wohl der Tatsache bewußt, daß sich
die Ereignisse rasch entwickeln und den Lauf der
Geschichte jede Minute verändern. Wir sprechen ja
immerhin von einer Revolution, die ihrem ureigenen
Seite 2

Charakter nach Neuland erschließen wird. Zweifelsfrei werden Fragen und Probleme entstehen, die heute
noch niemand vorhersehen kann.
Was ich Ihnen also heute anbiete, ist kein detaillierter
Plan. Es handelt sich vielmehr um die Prinzipien und
den Ansatz, die zusammengenommen ein Aktionsprogramm in einer revolutionären, unberechenbaren Situation definieren - eine Situation, in der der Westen
eine wichtige unterstützende Rolle spielen kann.
Wir sind weder die Anführer dieser Revolution noch
unbeteiligte Zuschauer; für ihre Anführer sind wir Modelle,
wir sind Partner für ihren Fortschritt, und wir können
noch auf Jahrzehnte hinaus ihre Nutznießer sein.
Doch die Zeit zum Handeln ist knapp bemessen.
So sehr wir von einem Erfolg dieser Revolution profitieren werden, werden wir dafür bezahlen, wenn sie
scheitert - ebenso, wie wir für den Zusammenbruch der
erfolgversprechenden demokratischen Revolution in
Petrograd im Februar 1917 bezahlten. Das Tempo
des Wandels ist gnadenlos, die Umgestaltung radikal.
Die Geschichte läßt niemandem Zeit zum Atemholen.
Ich möchte Ihnen also heute erläutern, was - für meine
Generation und für künftige Generationen - mit dem
Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums auf dem
Spiel steht. Danach möchte ich Ihnen einige Vorschläge dahingehend machen, was zu tun ist:
Was zu tun ist, damit die Waffen des kalten
Kriegs nicht zu Instrumenten unbeabsichtigter
und unkalkulierbarer Gewalt werden.
Was zu tun ist, um demokratische Werte und
Toleranz in einer Region zu entwickeln, die ihr
eigenes Zeitalter der Aufklärung durchläuft.
Und was zu tun ist, um ein Wirtschaftssystem zu
fördern, in dem sich die Initiative des einzelnen
ihre eigene Belohnung und Hoffnung auf eine
bessere Zukunft in der gesamten ehemaligen
Sowjetunion schafft.
Ich möchte mit einer kurzen Übersicht darüber beginnen, wo wir standen und wo wir uns heute befinden.
Wo wir waren und wo wir heute sind
Vor nahezu drei Jahren erkannte Präsident Bush die
neuen Chancen in den amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen, als er erklärte, es sei an der Zeit, über
die Politik des Containment hinauszugehen. Sein
Auftrag an mich war klar: den Dialog mit den Sowjets
zu vertiefen und auszuloten, ob das Versprechen der
Perestojka und des neuen Denkens eine neue Realität
für anhaltende amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit und international die Grundlage für ein neues
Zeitalter schaffen könnte. Im Herbst 1989 bezeichnete
ich diesen Prozeß als Suche nach Punkten beiderseitigen Vorteils.

AMERIKA DIENST 50

�Rückblickend kann meiner Ansicht nach fairerweise
gesagt werden, daß der Erfolg dieser Suche alle
Erwartungen übertroffen hat. Sie war so erfolgreich,
daß ich bereits ein Jahr später, im Oktober 1990,
erklären konnte, daß die Punkte beiderseitigen Vorteils zu Wegen der Zusammenarbeit geworden seien.
Die Sowjets und wir waren im eigentlichen Sinn bereits
weltweite Partner und nicht mehr Konkurrenten:
Partner bei der Förderung der deutschen Einheit in Frieden und Freiheit.
Partner bei der friedlichen Befreiung Mittel- und
Osteuropas aus dem Würgegriff des Kommunismus.
Partner beim Aushandeln radikaler Verringerungen der konventionellen und atomaren Waffen.
Partner bei der Beendigung regionaler Konflikte
von Mittelamerika bis zum südlichen Afrika und
Kambodscha.
Partner bei der Niederschlagung der irakischen
Aggression und anschließend bei der Förderung des Friedens zwischen Arabern und Israelis.
Partner also bei der Beendigung des kalten
Kriegs - der gefährlichen, aber letztlich notwendigen Konfrontation, die das internationale
Zusammenleben für meine Generation definierte und so sehr verzerrte.
Diese Leistungen waren hauptsächlich durch einen
einzigen Mann möglich geworden: Michail Gorbatschow. Dk ^... y estaltung, mit der wir uns heute
befassen, wäre ohne ihn nicht in Gang gekommen.
Sein Platz in der Geschichte ist sicher, denn er trug
zum friedlichen Ende des kalten Kriegs bei, und dafür
zollt ihm die Welt Dank und Respekt. Dasselbe gilt für
seinen Partner Eduard Schewardnadse. Damit einhergehend wurden durch das neue Denken in der
sowjetischen Außen- und Verteidigungspolitik neue
Realitäten geschaffen. Diese Maßnahmen waren
jedoch selbst nur das Produkt eines parallel laufenden,
potentiell jedoch wesentlich wichtigeren Wandels - der
von ihnen und anderen eingeleiteten Reformen zur
Umgestaltung der Sowjetunion.
Was auch immer die ursprünglichen Absichten von
Perestrojka und Glasnost gewesen sein mögen, Anfang August dieses Jahres war der allmächtige stalinistische Staat in Auflösung begriffen. Eine neue zivile
Gesellschaft trat in der gesamten Sowjetunion auf den
Plan. Die Demokratie löste den Kommunismus ab, die
Macht verschob sich vom Zentrum zu den Republiken,
und die alte zentral gelenkte Wirtschaft befand sich im
Todeskampf.
Da versuchte eine kleine Gruppe halsstarriger Männer
- die Verkörperung der stalinistischen Vergangenheit

AMERIKA DIENST 50

und ihrer Institutionen -, durch die Festsetzung Präsident Gorbatschows und den Aufmarsch von Panzern
die Revolution umzukehren. Aber das russische Volk
und sein mutiger Anführer, Boris Jelzin, überwanden
diese Panzer durch den Willen des Volkes.
Mit ihrem heldenhaften Triumph hat die innenpolitische Revolution in der Sowjetunion innerhalb von drei
Tagen die Geschichte um Jahre nach vorn katapultiert.
Wie Alexander Jakowlew mir an dem Tag erklärte, an
dem der Putsch scheiterte, versuchten die Putschisten
die Revolution abzuwürgen, schafften es jedoch nur,
sie zu beschleunigen. Die Perestrojka, die einst eingeleitet worden war, um den Marxismus-Leninismus zu
humanisieren und wiederzubeleben, endete statt dessen
ironischerweise damit, daß sie seine vernichtende
Niederlage herbeiführte.
Denn der gescheiterte Putsch versetzte nicht nur der
Kommunistischen Partei den Todesstoß. Diese drei
Tage erschütterten die sowjetische Welt in ihren Grundfesten, und in den drei folgenden Monaten barsten
selbst diese Grundfesten. Infolgedessen werden
Landkarte und Politik Eurasiens bis zur Unkenntlichkeit verändert und damit einhergehend auch die Voraussetzungen , die der amerikanischen Politik seit dem
Zweiten Weltkrieg zugrundelagen.
Was auf dem Spiel steht
Der dramatische Zusammenbruch des Kommunismus
in Moskau sowie die Auflösung des sowjetischen
Zentralstaats konfrontieren den Westen mit großen
Chancen ebenso wie mit drohenden Gefahren. Vom
Volk gewählte Politiker regieren heute große und strategisch bedeutende Republiken, darunter Rußland,
die Ukraine und Kasachstan. Sie erwarten von Amerika und dem Westen Führung und Hilfe bei der Einleitung echter, weitreichender politischer und wirtschaftlicher Reformen. Wenn sie Erfolg haben, wird sich die
jahrhundertealte Bedrohung des Westens - zuerst
durch die zaristische Autokratie und danach durch den
sowjetischen Totalitarismus - dauerhaft gewandelt
haben.
Die Chancen sind historisch:
Wir haben die Chance, Rußland, die Ukraine
und andere Republiken fest in der euro-atlantischen Gemeinschaft und im demokratischen
Staatenbund zu verankern.
Wir haben die Chance, die Demokratie in Länder zu tragen, die von ihr nur wenig wissen, eine
Errungenschaft, die Hunderte von Jahren überdauern kann.
Wir haben die Chance, die enormen menschlichen und materiellen Ressourcen dieser riesigen Länder für die Sache der Freiheit einzusetzen anstatt für den Totalitarismus und damit die
Sicherheit, den Wohlstand und die Freiheit

Seite 3

�Amerikas und der Welt ungeheuer zu verbessern.
Doch die Gefahren sind in ihren Dimensionen den
Chancen ebenbürtig:
Wirtschaftlich ist das alte sowjetische System
zusammengebrochen, und die Bedrohungen
für die Reformer vervielfachen sich täglich - von
sozialer Entwurzelung bis zu politischer Zersplitterung und gewaltsamen Nationalitätenkonflikten. Der Wiederaufbau von Volkswirtschaften, die von der zentralen Planung verwüstet
wurden, ist noch schwieriger als ein Wiederaufbau nach den Zerstörungen eines Krieges.
Politisch sind die Gefahren von anhaltender
Anarchie und Chaos offenkundig. Große Imperien verabschieden sich selten in aller Stille.
Niemand kann die Möglichkeit von der Hand
weisen, daß dunkle politische Kräfte in den
Ecken lauem, die Überbleibsel des Stalinismus
oder die Geburt von nationalistischem Extremismus oder sogar Faschismus verkörpern und
bereitstehen, um die Frustrationen eines stolzen aber erschöpften Volks in seiner Stunde der
Verzweiflung auszunutzen.
Strategisch könnten beide Alternativen - Anarchie oder Reaktion - die vitalen Interessen des
Westens bedrohen, wenn sie ein Land erschüttern, das immer noch nahezu 30.000 atomare
Gefechtsköpfe und das mächstigste jemals in
Europa angehäufte Arsenal konventioneller
Waffen beherbergt.
Was zu tun ist
Zusammengenommen bedeuten diese Gefahren für
die Vereinigten Staaten und den Westen einen Aufruf
zum Handeln. Der historische Wendepunkt - der
Zusammenbruch der kommunistischen Macht am
Geburtsort des Bolschewismus - markiert die Herausforderung, die uns von der Geschichte gestellt wurde:
das Ende des sowjetischen Imperiums für Rußland
und die Ukraine, Kasachstan und Weißrußland, Armenien, Kirgisien und andere Gebiete des ehemaligen
sowjetischen Imperiums in einen Neubeginn der
Demokratie und wirtschaftliche Freiheit umzumünzen.
Und dies muß vom Westen getan werden.
Wie wir während des kalten Kriegs ein Bündnis gegen
den Stalinismus organisierten, kann Amerika heute
eine Koalition zur Unterstützung der Freiheit mobilisieren.
Zusammen mit unseren Verbündeten in der NATO,
Japan, Südkorea, den anderen OECD-Staaten, unseren Partnern in der Golf koalition sowie internationalen
Institutionen müssen wir eine Diplomatie des kollektiven Engagements anstreben.

Seite 4

Zusammen mit den neuen Demokratien in der ehemaligen UdSSR können wir dazu beitragen, Wege der
Hoffnung zu eröffnen, damit die Neue Russische
Revolution das Versprechen der nächsten Generation
erfüllen kann.
Wir können nicht allein entscheiden, ob diese neuen
Demokraten erfolgreich sein werden. Ihr Erfolg liegt in
ihren Händen, in den harten Entscheidungen, die sie
zu treffen haben.
Aber die Geschichte wird unsere Bemühungen als
Erfolg bewerten, wenn wir den Demokraten helfen,
Chancen für eine bessere Zukunft offenzuhalten. Dies
sollte ein Hauptziel des Westens sein: dazu beizutragen, ein Klima zu schaffen, das Fortschritte ermöglicht
- ja, zur Förderung eines Prozesses beizutragen,
innerhalb dessen selbst begrenzte Erfolge Hoffnung
schaffen und mit der Zeit die Autorität der Demokraten
aufbauen.
Um den Wert unserer Bemühungen zu vervielfachen,
muß die internationale Koalition ihre Arbeit aufteilen.
Der Trümmerhaufen des Kommunismus ist zu groß,
als daß er von einer Nation allein bewältigt werden
könnte. In einer konzertierten Aktion müssen wir die
speziellen Vorteile nutzen, die jeder von uns zu bieten
hat.
So könnten die Vereinigten Staaten zum Beispiel die
Wissenschaftler in Los Alamos und Livermore einsetzen, die die Waffen des kalten Kriegs konzipierten, um
den Sowjets bei der Zerstörung ihrer Massenvernichtungswaffen zu helfen. Amerika - einschließlich der
Regierungen der Bundesstaaten sowie privater Unternehmen in Alaska, Washington, Oregon und Kalifornien - könnte zusammen mit Japan und Südkorea zur
Entwicklung des an natürlichen Schätzen so reichen
sowjetischen Fernen Ostens beitragen. Die nordischen Länder könnten sich auf die baltischen Staaten
sowie St. Petersburg konzentrieren. Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank könnten ihr Engagement in den reformorientierten Republiken und jedem möglichen Zusammenschluß drastisch verstärken, um umfassende Wirtschaftsreformen zu unterstützen.
Um diese Koalition zu konkretisieren, schlägt
der Präsident vor, eine Koordinierungskonferenz zu veranstalten, damit wir unsere Bemühungen und Pflichten besser aufteilen, um dazu
beizutragen, die unmittelbaren und drastisch
zunehmenden humanitären Bedürfnisse der
Sowjets zu erfüllen. Die Vereinigten Staaten
werden die demokratischen Industriestaaten,
die mittel- und osteuropäischen Länder, die
Mitglieder der Golfkriegskoalition und die internationalen Finanzinstitutionen einladen, sich mit
uns Anfang Januar in Washington zu treffen, um
zu erörtern, wie wir die anhaltenden humanitären Bedürfnisse im Lauf des nächsten Jahres
am besten erfüllen können.
AMERIKA DIENST 50

�Diese Konferenz sollte darauf hinarbeiten, den sowjetischen Völkern Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten, um
durch diesen Winter zu kommen und sicherzustellen,
daß wir diesen Winter, Frühling und Sommer gemeinsam die richtigen Maßnahmen ergreifen und für den
nächsten Winter eine bessere Lage gewährleisten.
Unsere Bemühungen sollten sich auf den lebenswichtigen kurzfristigen Bedarf konzentrieren: Nahrungsmittel, Medikamente, Treibstoff, Obdach. In der Zwischenzeit werden die Vereinigten Staaten ihr ehrgeiziges, vom Präsidenten vor einem Jahr angekündigtes
Hilfsprogramm zur Lieferung von Nahrungsmitteln und
Medikamenten fortsetzen.
Unser kollektives Engagement muß jedoch über die
unmittelbaren humanitären Bedürfnisse herausgehen
und sollte um drei Aufgaben herum organisiert werden:
Am wichtigsten ist erstens, daß wir den Sowjets
helfen, die militärischen Relikte des kalten Kriegs
zu zerstören und zu kontrollieren.
Zweitens müssen wir unseren ehemaligen
Gegnern helfen, beim Aufbau politischer Legitimität nach dem Scheitern des Totalitarismus
demokratische Vorgehensweisen verstehen zu
lernen.
Drittens müssen wir die Kräfte des freien Marktes dabei unterstützen, die wirtschaftliche Stabilisierung und Gesundung in den Ländern der
ehemaligen Sowjetunion anzukurbeln.
Zweifellos lautet für uns eine der verwirrendsten Fragen : wer ist die Autorität oder wer sind die Autoritäten,
mit denen wir f^be'ten können? In einer Revolution, in
der sich die püüiische Gewalt aufgelöst und zersplittert
hat, scheint es unzählige mögliche Gesprächspartner
zu geben. Angesichts solcher Unsicherheit sollte sich
der Westen an den Tatsachen orientieren und diejenigen unterstützen, die unsere Prinzipien und Werte in
die Praxis umsetzen.
Das heißt, daß wir mit den Republiken und allen
Zusammenschlüssen zusammenarbeiten werden, die
sich für verantwortungsbewußte Sicherheitspolitik,
demokratische politische Praktiken und freie Marktwirtschaften engagieren. Glücklicherweise treten neue
politische Entscheidungsträger auf den Plan, die diesen Grundsätzen verpflichtet sind.
Die drei von mir angeführten Aufgaben verkörpern die
Bereiche, in denen unsere Prinzipien am wichtigsten
sind. Darüber hinaus repräsentieren sie die Pflichten,
die von den Mitgliedern der euro-atlantischen Gemeinschaft bereits übernommen wurden. Indem sie diese
Verpflichtungen akzeptieren, können neue politische
Gebilde der ehemaligen Sowjetunion dem demokratischen Staatenbund beitreten, politische Akzeptanz
gewinnen und unsere wirtschaftliche Unterstützung
rechtfertigen.

AMERIKA DIENST 50

Gewiß zeigen einige - Rußland, die Ukraine, Kasachstan, Armenien und Kirgisien - bereits ihre Absicht, die
Pflichten der demokratischen Staatengemeinschaft
anzunehmen. Sie verstehen, daß ihr Erfolg vor allem
von ihrem Engagement für Demokratie und wirtschaftliche Freiheit abhängt.
Sicherlich zeigen andere Regierungen - zum Beispiel
Georgien - bereits, daß der Kommunismus durch
autoritäre Regierungen abgelöst werden kann - die
deshalb unsere Akzeptanz oder Unterstützung nicht
verdienen.
Lassen Sie mich nun darauf eingehen, wie diese drei
Aufgaben als Aktionsprogramm dienen können.
Verantwortungsbewußte Sicherheitspolitik
Der kalte Krieg hat Zehntausende von Waffen hinterlassen, die über die gesamte Sowjetunion verstreut
sind, und er schuf darüber hinaus einen massiven
militärisch-industriellen Komplex. Wir müssen Rußland, der Ukraine, Kasachstan, Weißrußland, den
anderen Republiken und jedem Zusammenschluß dabei
helfen, eine verantwortungsbewußte Sicherheitspolitik zu verfolgen. Dies bedeutet vor allem die Zerstörung und Kontrolle der gefährlichsten Überbleibsel des
kalten Kriegs: der Massenvernichtungswaffen.
Erstens wünschen wir als Ergebnis der Umgestaltung
der Sowjetunion nicht die Bildung neuer Kemwaffenstaaten. Natürlich möchten wir, daß der STARTVertrag ratifiziert und durchgeführt wird. Darüber
hinaus möchten wir jedoch auch, daß die sowjetischen
Atomwaffen der sicheren, verantwortungsbewußten
und verläßlichen Kontrolle einer einzigen, gemeinsamen Autorität unterstehen. Der genaue Charakter
dieser Autorität muß von Rußland, der Ukraine, Kasachstan, Weißrußland und jedem Zusammenschluß
festgelegt werden. Eine einzige Autorität könnte natürlich auf der kollektiven Entscheidungsfindung über
den Einsatz von Kernwaffen basieren. Wir lehnen
jedoch die Entstehung weiterer unabhängiger Kommando- oder Führungsinstitutionen für Kernwaffen ab.
Von den vollständige Unabhängigkeit anstrebenden
Republiken erwarten wir, daß sie als atomwaffenfreie
Staaten den Nichtverbreitungsvertrag einhalten, den
Schutzmaßnahmen der IAEO in vollem Umfang zustimmen und wirksame Exportkontrollen für nuklearfähiges Material und verwandte Technologien durchführen. Solange einer dieser unabhängigen Staaten
Nuklearwaffen auf seinem Territorium stationiert hat,
sollten sich diese Staaten einheitlichen Kommandovereinbarungen anschließen, mit denen die Möglichkeit unabhängiger Kontrolle ausgeschlossen wird. In
diesem Zusammenhang begrüßen wir die Entschlossenheit der Ukraine, ein atomwaffenfreier Staat zu
werden, indem sie alle Nuklearwaffen in ihrem Land
vernichtet sowie die von ihr eingegangene Verpflich-

Seite 5

�tung, sich bis zur Beseitigung dieser Waffen einer
einzigen, einheitlichen Kommandostruktur zu unterstellen.
Auf Anweisung des Präsidenten haben wir
Austauschprogramme zwischen unseren Experten und ihren sowjetischen Kollegen über die
Sicherheit, den Schutz und die Demontage von
Kernwaffen in die Wege geleitet. Dieser Prozeß
hat bereits begonnen, und wir werden ihn in den
kommenden Wochen beschleunigen. Dies ist
nur ein Teil der umfassenderen Bestrebungen
zur Verbesserung der Sicherheit sowjetischer
Nuklearwaffen und der raschen Beseitigung eines
Gro ßteils dieser Waffen in sicherer und umweltverträglicher Art und Weise.
Ich freue mich bekanntgeben zu können, daß
die Administration bereit ist, Mittel aus der vom
Kongreß bewilligten Summe in Höhe von 400
Millionen Dollar für die Zerstörung der sowjetischen Massenvernichtungswaffen bereitzustellen.
Wenn wir während des kalten Kriegs Billionen von
Dollar für Raketen und Bomber zur Zerstörung der
sowjetischen Nuklearwaffen im Kriegsfall aufwenden
konnten, so können wir sicherlich auch in Friedenszeiten Millionen Dollar für die tatsächliche Vernichtung
und Kontrolle eben dieser Nuklearwaffen ausgeben.
Nichts könnte mehr im nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten liegen.
Hierbei handelt es sich weder um milde Gaben noch
um Hilfe, sondern vielmehr um eine Investition in die
Zukunft eines jeden Amerikaners. Sicherlich wird die
amerikanische Bevölkerung bereit sein, einen Teil
unseres Verteidigungshaushalts von weniger als zwei
Dollar pro Person für die Zerstörung der auf uns
gerichteten Kernwaffen auszugeben.
Zweitens wollen wir Sorge tragen, daß die Verbreitung
von Massenvernichtungswaffen und destabilisierenden konventionellen Waffen nicht über die Grenzen
der ehemaligen UdSSR hinausgeht. Obwohl der Alptraum von Orwells 1984 der Vergangenheit angehört,
besteht der Terror von 1994 darin, daß ein Saddam
Hussein oder Muammar Gaddafi den Schwarzmarkt
nutzen wird, um Waffen von auf eigene Faust handelnden Militäreinheiten oder Blaupausen von arbeitslosen
Ingenieuren zu kaufen. Wir wollen sicherstellen, daß
das kreative Talent der sowjetischen Wissenschaftler
und Ingenieure nicht für gefährliche Militärprogramme
in der übrigen Welt genutzt wird. Und wir erwarten, daß
die Republiken und jeder sonstige Zusammenschluß
strikte Exportkontrollmaßnahmen verabschieden und
strenge Mechanismen zur wirksamen Durchsetzung
dieser Maßnahmen einführen.
Die Administration wird ein Expertenteam entsenden, um die politisch Verantwortlichen in

Seite 6

den Republiken davon zu unterrichten, was die
internationale Staatengemeinschaft in diesem
Bereich erwartet. Wir werden mit anderen Mitgliedern der Gruppe der Anbieter von nuklearfähigem Material, der Australien-Gruppe und dem
Kontrollregime für Raketentechnologie bei der
Veranstaltung von Seminaren und der Bereitstellung von technischem Know-how für die
Republiken und jeden Zusammenschluß zusammenarbeiten. Wir sollten Programme fördern, in deren Rahmen die sowjetischen Wissenschaftler und Ingenieure - nach Möglichkeit
in Zusammenarbeit mit ihren Kollegen im Westen - ihre Talente für vordringliche globale
Probleme einsetzen können statt für die Schaffung neuer Bedrohungen.
Drittens stellt das "internationale" Wettrüsten zwischen
den ehemaligen Sowjetrepubliken eine potentiell ernste Gefahr für die europäische Sicherheit dar. Wir
beobachten bereits Anzeichen, daß einige der Regierungen in den Republiken - vor allem Aserbaidschan sich für den Krieg mit anderen Republiken bewaffnen.
Diejenigen, die eine so verfehlte und anachronistische
Politik verfolgen, sollten wissen, daß sie weder von
Westen akzeptiert werden noch auf seine Unterstützung zählen können. In diesem Zusammenhang sind
wir durch die Bestrebungen der Ukraine und Ru ßlands
ermutigt, produktive, von Bedrohungen freie Beziehungen zu entwickeln.
Wir erwarten, daß der KSE-Vertrag von den
zuständigen Behörden in die Praxis umgesetzt
wird. Und wir werden die Erweiterung der KSE
1A-Verhandlungen vorschlagen, damit sich seine
Bestimmungen zur Mannschaftsstärke auch auf
die jeweiligen Republiken erstrecken. In der
kommenden Woche werde ich in Brüssel mit
unseren NATO-Partnern erörtern, wie wir diese
Republiken und sonstigen Zusammenschlüsse
einbeziehen können, die eine verantwortungsbewußte Sicherheitspolitik verfolgen sowie
demokratische politische Praktiken und freie
Marktwirtschaften anstreben. Indem wir ihnen
durch die NATO die Hand reichen, können wir
den Republiken politischen Rückhalt bieten und
ihren Wunsch dämpfen, einen destabilisierenden Rüstungswettlauf miteinander aufzunehmen.
Viertens streben wir die Entmilitarisierung der sowjetischen Wirtschaft und den Übergang zu demokratischen Beziehungen zwischen Militär und Zivilbevölkerung, freien Märkten sowie einem Gleichgewicht zwischen sozialen Bedürfnissen und vernünftiger und
verantwortungsvoller Sicherheit an. Zweifelsohne
erwartet niemand die totale Abrüstung, aber es ist eine
Tatsache, daß der stalinistische Staat ein Gebilde der
Rüstungsindustrie war, der sein Volk aus Eigennutz
beraubte. Dieser Komplex wird weiterhin demokrati-

AMERIKA DIENST 50

�sehe Fortschritte und jegliche Hoffnung auf wirtschaftliche Gesundung lähmen, solange er den Großteil der
sowjetischen Ressourcen kontrolliert.
Am kommenden Donnerstag (19. Dezember)
werde ich mit den NATO-Außenministern zusammentreffen, und am Tag danach werden wir
mit unseren Amtskollegen aus dem Osten beim
ersten Treffen des Nordatlatischen Kooperationsrats zusammenkommen. Wir haben den
Vorschlag unterbreitet, daß die NATO eine
Arbeitsgruppe zur Konversion der Rüstungsindustrie gründet, um das gesamte Spektrum der
damit einhergehenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen in Angriff
zu nehmen. Dies bedingt, daß wir auf die uns
zur Verfügung stehenden Ressourcen zurückgreifen, einschließlich der Beteiligung multilateraler Organisationen.
Politische Legitimität
Das herausragendste Merkmal des Umfelds nach dem
Putsch war die dramatische Verlagerung der Macht
vom Zentrum zu den Republiken. Die Frage der
Legitimität des sowjetischen Imperiums hat die Form
einer antikommunistischen Revolution angenommen.
Sie erhält jedoch von einer parallel verlaufenden
Revolution mit mindestens ebensolcher Schlagkraft
Auftrieb: einer antiimperialistischen Revolution.
Der Zerfall der Sowjetunion wird durch die Frage der
politischen Legitimität, die Wiedergeburt des Nationalismus und den wirtschaftlichen Zusammenbruch betrieben. Das Erg?hr!'s war die Aushöhlung der Zentralmacht und der Übergang der Macht an die Republiken,
von denen Uta meisten ihre Unabhängigkeit erklärt und
neue Behörden mit neuer Legitimität geschaffen haben. Jetzt müssen sie entscheiden, was diese Unabhängigkeit in der Praxis bedeutet und zwar sowohl für
ihre Völker als auch für die künftigen Beziehungen der
Republiken untereinander.
In diesem Prozeß werden die neuen unabhängigen
Republiken zu der Erkenntnis gelangen, daß auch sie
sich nicht den Problemen der Legitimität und des
Nationalismus entziehen können. Wir hegen die berechtigte Hoffnung, daß die Republiken den demokratischen Kurs einschlagen und eine von Grund auf neue
Legitimität formulieren werden. Aber obwohl sie für die
Behandlung dieser Fragen besser ausgerüstet scheinen als das geschwächte Zentrum, sind auch die
Republiken offenkundig nicht immun gegen die Kräfte
der Zersplitterung. Selbst auf der Ebene der Republiken wird politische Autorität ohne Zustimmung der
Regierten in Frage gestellt. Entsprechend verlangen
die ethnischen Minderheiten in den Republiken die
Berücksichtigung ihrer Rechte.
Wenn die Regierungen in den Republiken nicht reagieren, indem sie ihre Unabhängigkeit durch Demokratie

AMERIKA DIENST 50

und Gleichbehandlung von Minderheiten ergänzen,
werden sie bald dieselben Krisen der Legitimität, des
Zusammenhalts und der Effektivität durchmachen,
wie sie die zentrifugale Neuverteilung der Macht verursacht hat.
Ohne Legitimität wird es niemals Stabilität geben.
Ohne Stabilität wird die westliche Sicherheit niemals
gewährleistet sein. Wie ich festgestellt habe, als ich
am 4. September meine fünf Prinzipien darlegte, heißen wir die neuen politischen Zusammenschlüsse im
Staatenbund demokratischer Nationen willkommen,
die an demokratische Werte glauben und demokratische Praktiken anwenden, Menschenrechte achten,
einschließlich der Gleichbehandlung von Minderheiten, Grenzen respektieren und Veränderungen nur mit
friedlichen Mitteln und auf der Grundlage von Konsensentscheidungen vornehmen, internationale Verpflichtungen sowie die Bestimmungen und Praktiken der
Schlu ßakte von Helsinki und der Pariser Charta einhalten. Wir werden jedoch diejenigen isolieren, die Stalinimus oder Faschismus mit nationalistischer, liberaler
oder demokratischer Rhetorik bemänteln.
Vor über einem Jahr habe ich einen breitgefächerten
"demokratischen Dialog" mit allen Ebenen der sowjetischen Gesellschaft gefordert. Zu diesem Zweck
haben wir unsere Kontakte und Beziehungen mit den
Republiken und kommunalen Behörden erweitert. Viele
der neuen Politiker wollen unserem Beipiel folgen und
Demokratien und freie Marktwirtschaften aufbauen.
Um ihnen behilflich zu sein, schlagen wir darüber
hinaus folgendes vor:
Mit unseren KSZE-Partnern mögliche Wege zur
Integration dieser Republiken und aller sonstigen Zusammenschlüsse in die KSZE zu erörtern, die unsere fünf Prinzipien anerkennen und
diese verwirklichen.
Unseren KSZE-Botschafter in die Republiken
zu entsenden, um mit ihnen die Umsetzung der
KSZE-Bestimmungen in die Praxis zu besprechen und
das US-Informationsamt zur Erweiterung seiner
Austauschprogramme auf Bundesstaaten- und
Gemeindeebene in den Vereinigten Staaten zu
veranlassen. Einen Großteil dieser Projekte
könnten Ausbildungsprogramme in Öffentlichkeitsarbeit für Regierungs- und Gemeindevertreter der Republiken ausmachen.
Wirtschaftliche Gesundung
Während wir mit den Russen, Ukrainern, Kasachen
und anderen bei der Vernichtung der Waffen und der
Kultivierung der Demokratie zusammenarbeiten, könnte der russische Winter - wie in den Jahren 1812,1917
und 1941 - wiederum den Lauf der Geschichte beeinflussen. Während die Wirtschaft zusammenbricht und

Seite 7

�kein Ende in Sicht ist, verschärft der Beginn der
Kälteperiode die Situation und schafft einen akuten
Mangel an Nahrungsmitteln, Medikamenten und Energie.
Um diesen rasch wachsenden Bedarf zu erfüllen,
haben die Vereinigten Staaten in diesem Jahr bereits
18 Millionen Tonnen an Nahrungsmitteln geliefert - bei
weitem die größte Menge, die ein westliches Land zur
Verfügung gestellt hat. Wir haben in diesem Jahr
Nahrungsmittel- und Getreidekredite in Höhe von 4
Milliarden Dollar gewährt - 2,3 Milliarden davon seit
dem Putsch.
Im Rahmen der Initiative des Präsidenten zur dringendsten medizinischen Versorgung haben wir über
das "Projekt Hoffnung" medizinische Versorgungsgüter im Wert von 20 Millionen Dollar in die Region
transportiert. Wir beabsichtigen, diesen Betrag in den
nächsten 18 Monaten zu verdoppeln. Diese - alle von
amerikanischen Unternehmen und Bürgern gestifteten - Lieferungen haben die Menschen dort erreicht,
wo sie am dringlichsten benötigt werden - im Ural und
der Region des Aralsees in Kasachstan und Usbekistan, in der Ukraine in der Gegend um Tschernobyl, in
Armenien, Moskau und in Kürze in Weißrußland.
Medizinische Versorgungsgüter im Wert von über 8
Millionen Dollar gingen in die baltischen Länder, und
mit dem Tag ihrer Unabhängigkeit hat der Präsident
ein neues und getrenntes Programm für sie in die
Wege geleitet.
Um die Erfüllung humanitärer Bedürfnisse zu
erleichtem, werden wir den vom Landwirtschaftsministerium eingerichteten Fonds in Höhe von
165 Millionen Dollar zur Verfügung stellen oder
aufstocken, um den Mangelan Nahrungsmitteln
in diesem Winter zu beheben, und wir werden
auf die soeben vom Kongreß bewilligten 100
Millionen Dollar zur Bereitstellung humanitärer
Hilfe zurückgreifen.
Ferner haben wir bereits Schritte in die Wege
geleitet, um von Operation Desert Storm übrig gebliebene Nahrungsmittelbestände in die Regionen zu schicken, wo der Bedarf am größten
ist - Armenien, die Industriestädte des Urals,
Moskau und St. Petersburg. Die ersten Lieferungen werden nächste Woche mit amerikanischen C-5-Militärflugzeugen nach St. Petersburg und Moskau transportiert.
Abgesehen von den humanitären Problemen sind wir
uns bewußt, daß zumindest kurzfristig Demokratie
und freien Marktwirschaften auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion wahrscheinlich kein Erfolg beschieden sein wird. Voraussichtlich wird es "Inseln"
von Demokratie und freien Märkten geben, die ein
Bollwerk gegen andere "Inseln" des Chaos, Autoritarismus und sogar Faschismus bilden. In diesem
Umfeld müssen die Demokraten in Rußland, der Ukrai-

Seite 8

ne, Kasachstan, Armenien und andernorts in der Lage
sein, einen Weg der Hoffnung auf eine bessere Zukunft aufzuzeigen.
Wir können ihnen bei der Festlegung dieses Wegs
behilflich sein. Denn sie werden sich an uns - Amerika
und die Amerikaner - als Inspiration für die Zukunft,
Quelle des Rats und als Partner bei ihrer Arbeit wenden. Und wir können uns mit unseren Freunden und
Verbündeten engagieren, indem wir mit dem Humankapital beginnen: den Menschen.
Der Westen kann am besten helfen, wenn er Experten
in die Region entsendet und Russen, Ukrainer, Kasachen und andere zur Ausbildung in unsere Länder
einzulädt. Der Präsident hat bereits seine Zustimmung erteilt, Amerikaner in die Region zu entsenden,
um die langfristigen Nahrungsmittelverteilungsprobleme zu lösen. Mehrere US-Firmen haben ihre Führungskräfte zur Verfügung gestellt und werden die
Kosten für dieses Projekt übernehmen.
Obwohl ein Großteil dieser Bestrebungen über den
Privatsektor unter Beteiligung von Organisationen wie
dem Bürgerkorps Demokratie abgewickelt wird, schlägt
die Administration mehrere Schritte zur Aufstockung
der bereits in die Wege geleiteten Bestrebungen des
US-Informationsamts und besseren Berücksichtigung
des "menschlichen" Faktors vor:
Wir werden mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um die Programme des Peace Corps auf
mindestens vier Republiken auszuweiten. Ich
möchte bis zum nächsten Winter mindestes 250
Freiwillige des Peace Corps in der Region wissen.
Wir werden das vom Handelsministerium ins
Leben gerufene Ausbildungsprogramm für Geschäftsleute SABIT erweitern, damit im kommenden Jahr 150 sowjetische Praktikanten daran
teilnehmen können.
Wir werden mit zahlreichen Freiwilligen-Organisationen zusammenarbeiten, um Wege zu
sondieren, wie sie ihre Präsenz verbessern
können.
Zweifelsohne muß der Großteil der Verantwortung bei
den Politikern in den Republiken liegen, die bereits die
Kontrolle über die Wirtschaftspolitik und Ressourcen
übernommen haben. Sie müssen die für die wirtschaftliche Gesundung erforderlichen schwierigen
Entscheidungen treffen. Es wäre wirklich eine Tragödie, wenn die stalinistische Autarkie, die die sowjetische Wirtschaft isoliert hat, durch republikanische
Autarkie ersetzt würde, mit der sich die jeweiligen Republiken isolieren und verarmen würden. Wo jedoch
umfassende Reformen stattfinden, werden wir mit den
westlichen Regierungen zusammenarbeiten, um Partnerschaften zwischen dem öffentlichen und dem Pri-

AMERIKA DIENST 50

�vatsektor zu bilden, die den Demokraten dabei behilflich sein können, Chancen für eine bessere Zukunft zu
schaffen.

um das Engagement der amerikanischen Wirtschaft bei der Konversion der Rüstungsindustrie zu erleichtern.

Seitens der Administration beabsichtigen wir, als Katalysator dieser Partnerschaft zu wirken. Wir werden mit
der Geschäftswelt zusammenarbeiten, damit amerikanische Unternehmen in Rußland, der Ukraine,
Kasachstan, Armenien und anderen reformwilligen
Republiken tätig werden können. Als Teil dieser
Verpflichtung beabsichtigen wir folgende unverzügliche Schritte zu unternehmen:

Diese bilateralen Bestrebungen müssen jedoch durch
die Arbeit der internationalen Staatengemeinschaft
ergänzt werden. Im Rahmen der Initiative der G-7
erarbeiten wir ein Umschuldungsprogramm, um einen
kontinuierlichen Kapitalfluß zu ermöglichen. Um das
Engagement der internationalen Staatengemeinschaft
bei der Unterstützung von Demokratie und freien
Marktwirtschaften zu fördern, werden IWF und Weltbank beschleunigt solide Wirtschaftspläne für die
Republiken erstellen, die zur Übernahme der von uns
definierten sicherheitspolitischen Verantwortung bereit sind.

Wie von Präsident Bush angekündigt, wird der
Stellvertretende Außenminister Lawrence Eagleburger als Koordinator der US-Regierung bei
unseren Hilfsbestrebungen fungieren. Der
Stellvertretende Außenminister genießt das volle
Vertrauen des Präsidenten und hat alle Befugnisse, unsere Hilfsbestrebungen zu leiten.
Wir beabsichtigen, dem Kongreß bei Wiederaufnahme der Sitzungsperiode ein Bewilligungsgesetz zur Bereitstellung von Hilfe und technischer Zusammenarbeit vorzuschlagen. Ein
Hauptziel dieses Gesetzes besteht darin, den
Handel zu fördern, die Geschäftstätigkeit zu
entwickeln und Investitionen amerikanischer
Firmen in Rußland, der Ukraine, Kasachstan
und anderen Republiken anzukurbeln. Darüber
hinaus wird die Administration eine gründliche
Überprüfung der Hemmnisse für die dort tätigen
amerikanischen Fimren vornehmen, um ihnen
die Beteiligung an diesem Projekt zu erleichtem.
Wir werden in Konsultationen mit dem Kongreß
für das kommende Kalenderjahr ein technisches Hilfsprogramm in Höhe von 100 Millionen
Dollar zusammenstellen. Auch hier besteht ein
Hauptziel dieses Programms im Einsatz staatlicher Mittel, um die Investitionen des Privatsektors zu kanalisieren. Diese Gelder kommen
natürlich nicht aus dem nationalen Haushalt
sondern aus Mitteln für die Auslandshilfe.
Angesichts der gravierenden Situation gibt es
keine andere Wahl.
Der Präsident wird die Leiter des Handels- und
Entwicklungsprogramms, der Entwicklungsgesellschaft OPIC und der Eximbank bitten die
Möglichkeit zu prüfen, einen Teil ihrere Bestrebungen auf die Erleichterung der Arbeit amerikanischer Firmen bei der Nahrungsmittelverteilung, der Energiewirtschaft und im Wohnungbau zu konzentrieren. Diese Sektoren werden
wahrscheinlich entscheidend für den Erfolg von
Demokratie und freien Marktwirtschaften sein,
und während wir den Sowjets helfen, würden wir
gleichzeitig auch amerikanische Unternehmen
unterstützen. Der Präsident wird sie ferner
auffordern zu sondieren, was sie tun können,

AMERIKA DIENST 50

Der Abgrund der Geschichte
Ich möchte mit folgenden Anmerkungen schließen:
Zum dritten Mal in diesem Jahrhundert haben wir einen
Krieg - dieses Mal einen kalten - zwischen Großmächten beendet.
Nach dem Ersten Weltkrieg kämpfte Präsident Wilson
- ein Präsident, der diese Universität besucht und die
Anregung zu deren Institut für internationale und öffentliche Angelegenheiten gegeben hat - vergeblich
darum, Amerika seine historische Aufgabe bewußt zu
machen. Seine Sache war richtig und gerecht. Und
vor allem diente seine Sache den besten Interessen
dieses Landes. Aber er wurde besiegt, der Isolationismus kehrte zurück und Faschismus und Krieg folgten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg lernten unsere politisch
Verantwortlichen - die Kennans jener Generation - aus
der Niederlage von Wilsons Vision. Den zum Teil
durch den amerikanischen Isolationismus der zwanziger und drei ßiger Jahre verursachten Trümmerhaufen
überblickend, erkannten sie, daß Amerika international engagiert bleiben muß. In überparteilichem Konsens verpflichteten sie sich, den Krieg in einen dauerhaften Frieden zu verwandeln.
Ihre Arbeit ist heute deutlich erkennbar, denn ihr
Vermächtnis hat noch immer Bestand: ein demokratisches Europa und ein demokratisches Japan - beide
wohlhabend und friedliebend. Heute ist ihre Vision
realisiert worden: Wir haben Faulkners Frage umgangen und einen Atomkrieg vermieden. Und wir haben
den Niedergang des Stalinismus erlebt.
Heute, nach dem kalten Krieg, stehen wir erneut am
Abgrund der Geschichte. Wenn wir uns während des
kalten Kriegs wie zwei Skorpione in einer Flasche Aug
in Aug sahen, stehen die westlichen Nationen und die
ehemaligen sowjetischen Republiken heute als ungelenke Kletterer auf einem steilen Berg. Durch ein
gemeinsames Seil gehalten, wird der Fall zu Faschismus oder Anarchie in der ehemaligen Sowjetunion
auch den Westen mit sich herabziehen. Ebenso

Seite 9

�wichtig ist jedoch, daß starkes und kontinuierliches
Ziehen des Westens ihnen heute helfen kann, Fuß zu
fassen, damit auch sie zu dauerhafter Demokratie und
Freiheit emporklettem können.
Zweifelsohne müssen wir dieses Seil verstärken, nicht
auseinanderreißen.
Von Odessa am Schwarzen Meer bis nach Wladiwostok am Pazifik sind die Menschen müde und hungrig,
desorientiert und verwirrt. Diese Menschen müssen
erkennen können, daß Demokraten und Reformer die
Waren liefern können, daß es Grund zu Hoffnung und
Anzeichen auf ein besseres Leben gibt. Denn sie
werden sich der Tatsache bewußt, daß die Ideen, die
ihr Leben seit 70 Jahren leiteten - die schlecht konzipierten Lehren von Marx, Lenin und Stalin - keine
Ideen, sondern Lügen waren. Diese Menschen, die
mit dieser Lüge gelebt haben, müssen jetzt lernen, was
es heißt, in Freiheit zu leben.
Das wird harte Arbeit werden. Es wird schmerzlich
werden. Und es mag ihnen leicht erscheinen, sich ihrer
Verpflichtung zur Freiheit zu entziehen und sich den
vereinfachten Lösungen eines neuen Demagogen oder
Diktators zuzuwenden. Wenn sie dies tun, werden ihre
Probleme definitiv erneut unsere Sorgen - wie die
Hinwendung der Völker zum Faschismus in den dreißiger Jahren zur Bedrohung unserer Existenz wurde.
Meine Damen und Herrren, für Amerika bedeutet dies,
daß wir uns mit einer einfachen Wahl konfrontiert
sehen: Unseren Ängsten nachzugeben und uns nach
innen zu wenden, die sich uns durch den Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums bietenden Chancen zu ignorieren oder dem Ruf der Geschichte zu
folgen und die Führung in eine bessere Zukunft für uns
alle zu übernehmen.
*

Seite 10

Als Faulkner vor 41 Jahren sprach, gab er nicht der
durch das Gespenst des nuklearen Weltkriegs verursachten lähmenden Furcht nach. Statt dessen argumentierte er, daß das niedrigste aller Dinge Furcht ist,
wir unsere Furcht besiegen müssen, der Mensch nicht
einfach fortbestehe, sondern überlebe.
Ich glaube daran.
Ich glaube, nachdem wir die Hand in Hand gehenden
Ängste eines Atomkriegs und des Stalinismus überlebt
haben, können wir Tyrannei der Art überdauern, die
Reformen und Demokratie bedrohen und auch unserem Leben ein dunkles Kapitel bescheren könnte.
Wir können den beängstigenden Isolationismus überwinden, der uns zu den Fehlern der zwanziger und
dreißiger Jahren zurückzuführen droht.
Wir können politische Lähmung überwinden, um einen
überparteilichen Konsens darüber zu erzielen, was
getan werden muß - und im Inland geeint, können wir
gemeinsam mit unseren Verbündeten eine neue Koalition
bilden.
Eine Koalition der Diplomatie des kollektiven Engagements.
Eine Koalition, um neue Wege der Hoffnung zu schaffen.
Eine Koalition, um das Ende des kalten Kriegs zu
einem Neuanfang für alle Nationen der Welt zu machen.
Das ist das mindeste, was die Geschichte und das
amerikanische Volk von uns erwarten.

* * *

*

AMERIKA DIENST 50

�NATO
18. Dezember 1991

CHENEY NENNT TREFFEN DES VERTEIDIGUNGSPLANUNGSAUSSCHUSSES NÜTZLICH
Erläuterungen des US-Verteidigungsministers

BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Niederschrift der Erläuterungen von US-Verteidigungsminister Cheney im Anschlu ß an das Treffen des Verteidigungsplanungsausschusses der NATO in Brüssel am
13. Dezember 1991.

Ich habe die Ausführungen des Generalsekretärs
angehört, und er hat meines Erachtens den Tenor des
Treffens wiedergegeben. Aus unserer Sicht war dieses Treffen des Verteidigungsplanungsausschusses
sehr gut und nützlich. Wir kamen ja in einer Zeit
kontinuierlicher Entwicklungen in der Sicherheit Europas und Nordamerikas zusammen, die ihrem Umfang
nach wahrlich atemberaubend sind. Erst in den vergangenen Tager. haben wir erlebt, wie die Ukraine für
die Unabhäno'nkpit stimmte, ein neuer Staatenbund in
der ehemaligen Sowjetunion entstand, die Europäische Gemeinschaft einen Prozeß zur stärkeren Integration ihrer Mitgliedstaaten vorbereitet, und natürlich
nimmt auch die NATO eine einschneidende Veränderung ihrer Strategie und Streitkräftestruktur vor.
Ich bezweifle nicht, daß sich der Wandel in diesem
Tempo fortsetzen wird. Aus den Gesprächen mit
meinen Amtskollegen in den vergangenen beiden Tagen
entnehme ich, daß im Hinblick auf die NATO zwei
Feststellungen getroffen werden müssen. Erstens
kann das Bündnis durch seine Anpassung an veränderte Sicherheitserfordernisse mit den Weg zu einem
stabileren und demokratischeren Europa weisen.
Zweitens schafft die NATO, indem sie ihre grundsätzliche Mission fortführt, das Vertrauen, das die neuen
Demokratien im Osten benötigen, um Erfolg zu haben
und zu gedeihen.
Vor diesem Treffen habe ich vier Tage lang die Tschechoslowakei und Ungarn besucht, zwei Nationen, in
denen sich erhebliche Veränderungen vollziehen. Sie
gehören zu den begeistertsten Unterstützem der NATO.
Dieselbe Botschaft habe ich vor einem Jahr in Polen
vernommen. Diese Staaten wollen unsere Hilfe, und

AMERIKA DIENST 50

wir können sie bereitstellen. Sie begrüßen die jüngsten Initiativen der NATO, darunter das erweiterte
Liaison-Konzept sowie die Gründung des Nordatlantischen Kooperationsrats, der in wenigen Tagen hier
zusammentreten wird.
Wir haben ein breites Spektrum anderer Themen
erörtert, aber es wäre wohl das Beste, wenn ich nun
Ihre Fragen beantworte.
Frage: Herr Minister, können Sie uns genau erklären,
welche Pläne Sie zum jetzigen Zeitpunkt im Hinblick
auf die Verlegung von Flugzeugen, Schiffen und Truppen zur Unterstützung der Sowjetunion haben - für
humanitäre Hilfe?
Antwort: Nun, ich kann Ihnen allgemein erläutern,
was zur Zeit geschieht. Der Präsident hat im vergangenen Jahr erhebliche Landwirtschaftskredite bewilligt, um verschiedene Arten von Nahrungsmitteln an
die Sowjetunion zu liefern. Wir sind im Rahmen des
soeben vom Kongreß verabschiedeten Gesetzes
ermächtigt, bis zu 100 Millionen Dollar für den Transport humanitärer und anderer Hilfsgüter in die Sowjetunion auszugeben. Ich erwarte, daß dies hauptsächlich in Form von Lufttransporten wichtigen Materials medizinischer Versorgungsgüter etc. - stattfinden wird.
Einige Flüge wurden bereits durchgeführt. In diesem
Fall handelt es sich meistens darum, Elemente der
Luftwaffeeinzusetzen, um zum Beispiel von Privatpersonen gespendetes Material zu transportieren. Der
Präsident hat in dieser Woche bekanntgegeben, daß
der Stellvertretende Außenminister Larry Eagleburger
das gesamte humanitäre Hilfspaket der Vereinigten
Staaten für die Sowjetunion koordinieren wird. In

Seite 1

�seiner Rede in Princeton hat Außenminister Baker
gestern überdies erklärt, daß die Vereinigten Staaten
in wenigen Wochen eine Konferenz interessierter
Parteien, von Freunden und Verbündeten der Vereinigten Staaten einberufen werden, um weitere Bemühungen zu erörtern, die wir unternehmen könnten und
diese Bemühungen zu koordinieren, um den größtmöglichen Nutzen zu erbringen.
Frage: Herr Minister, sind die Vereinigten Staaten
jetzt bereit, die von Großbritanien unterstützte französische Initiative zu befürworten, um sobald wie möglich
eine Dringlichkeitskonferenz zur Kontrolle der Kernwaffen in Europa und der Sowjetunion zu veranstalten? Und zweitens, falls ja, würden die Vereinigten
Staaten die Einladung von Vertretern der Republiken
anstelle von Vertretern der sowjetischen Zentralmacht
unterstützen?
Antwort: Ich möchte zunächst etwas allgemeines zu
diesem Thema sagen und dann speziell auf Ihre Frage
eingehen. Wir sind der Ansicht, das geeignetste
Forum, um das Thema innerhalb des Bündnisses zu
erörtern, ist die NATO selbst - also innerhalb des
nordatlantischen Bündnisses, in dem wir nukleare
Verantwortung teilen - und daß es nicht nur auf die drei
Atommächte begrenzt sein sollte sondern Konsultationen auf breiterer Grundlage stattfinden sollten. Im
Hinblick auf die Frage, wie man mit dem sich aus dem
Zusammenbruch der Sowjetunion ergebenden Problem umgehen sollte - wer letztlich deren Kernwaffenarsenal kontrollieren wird - haben wir mehrere Schritte unternommen, die auf den 27. Septemberzurückgehen, als Präsident Bush die meines Erachtens kühnsten und revolutionärsten Veränderungen in der Nuklearpolitik der vergangenen 40 Jahre ankündigte.
Innerhalb von fünf Wochen nach dem Scheitern des
Putsches in der Sowjetunion haben wir auf Anweisung
des Präsidenten ein Paket zusammengestellt und
dann verwirklicht, das sich aus folgenden Elementen
zusammensetzt: einseitiger Abzug und Zerstörung
nuklearer Gefechtsfeldwaffen; dieser Prozeß findet
gegenwärtig statt. Einseitiger Abzug aller taktischen
Atomwaffen von allen auf See stationierten Schiffen
und deren Rückführung in die Vereinigten Staaten;
dieser Prozeß vollzieht sich gegenwärtig. Die einseitige Maßnahme, zum ersten Mal seit 1957 die Alarmbereitschaft für unsere Bomberstreitmacht aufzuheben, was bereits geschehen ist. Die einseitige Maßnahme, 45 Prozent der amerikanischen Abschußvorrichtungen für Interkontinentalraketen aus der Alarmbereitschaft herauszunehmen - 452 Raketen des Types
Minuteman II; dies ist bereits geschehen. Der Vorschlag an die Sowjets, die Durchführung von START
II zu beschleunigen. Der Vorschlag an die Sowjets, in
naher Zukunft die Mehrfachgefechtsköpfe von den
landgestützten Streitkräften zu entfernen, ein Vor-

Seite 2

schlag an die Sowjets, mit ihnen die Führung und
Kontrolle der Kernwaffen sowie die Aufrechterhaltung
von Sicherheit und Schutz dieser Systeme zu erörtern.
Die sowjetische Seite hat positiv auf diese Ankündigung reagiert. Es hat Treffen amerikanischer und
sowjetischer Vertreter in Moskau und Washington
gegeben. Wir sind mit dem Problem des zerfallenden
Zentrums so umgegangen, daß wir darum gebeten
haben, die nuklearen Republiken - also die vier Republiken, auf deren Territorium strategische Kernwaffen
stationiert sind - sollten anwesend sein, wenn wir über
dieses Thema sprechen. An den Gesprächen in
Moskau und Washington in den vergangenen beiden
Monaten haben also neben den Vertretern der Zentrale auch Vertreter der Republiken Rußland, Weißrußland, Ukraine und Kasachstan teilgenommen - der vier
Republiken, in denen strategische Nuklearwaffen stationiert sind. Ich erwarte darüber hinaus, daß dieser
Prozeß andauern wird.
Noch ein letzter Punkt dazu - zwei Punkte, vielmehr.
Dabei beziehe ich mich teilweise auf meinen guten
Freund Sam Nunn, der den Morgenzeitungen zufolge
gesagt haben soll, die Vereinigten Staaten täten nicht
genug in diesem Bereich. Außenminister Baker wird
dieses Wochenende nach Kiew, Moskau und Minsk
reisen, um über eine Reihe von Themen zu sprechen,
aber ganz oben auf seiner Tagesordnung werden
Fragen in Zusammenhang mit diesem Thema der
Kernwaffen stehen. Mein guter Freund Sam Nunn
meinte schließlich, wir sollten rascher vorgehen.
Der Kongreß hat 400 Millionen Dollar bewilligt, um den
Sowjets bei der Zerstörung ihrer Kernwaffen zu helfen.
Natürlich hat er kein Geld bereitgestellt. Er hat uns die
Ausgabeermächtigung erteilt, und es liegt nun an mir
zu entscheiden, wie wir das Geld im Rahmen des
Verteidigungshaushalts aufbringen werden. Dieser
Prozeß findet gegenwärtig statt. Ich habe meine
Mitarbeiter vor meiner Abreise beauftragt, im Verteidigungshaushalt des Jahres 1992 500 Millionen Dollar
-100 Millionen für humanitäre Hilfe, 400 Millionen für
die Zerstörung von Kernwaffen - auszumachen, damit
wir planen können, wie wir diese Mittel gegebenenfalls
in naher Zukunft einsetzen können.
Frage: Präsident Bush hat kürzlich die Beschränkungen für Waffenverkäufe an die drei mitteleuropäischen
Staaten Polen, Ungarn und Tschechoslowakei aufgehoben. Ich frage mich, ob Ihrer Meinung nach die
NATO-Verbündeten in dieser Frage folgen sollten und
ob Sie mir erklären könnten, welche ersten praktischen
Resultate Sie nach dieser Entscheidung erwarten?
Antwort: Wir haben diese Entscheidung getroffen.
Der Präsident hat letzte Woche die Anordnung unterzeichnet, die unseren Vorschriften zufolge Rüstungsverkäufe von Regierung zu Regierung zuläßt. Ich
AMERIKA DIENST 50

�erwarte nicht, daß in naher Zukunft umfangreiche
Lieferungen amerikanischen militärischen Geräts an
Polen, die Tschechoslowakei und Ungarn stattfinden
werden - obgleich dies nun zweifelsohne machbar ist.
Wir haben die juristischen Hindernisse dafür aus dem
Weg geräumt. Diese Entscheidung erhöht gewissermaßen unsere Fähigkeit Dinge zu tun, die nicht möglich sind, wenn sich eine ausländische Regierung
unmittelbar an eine Rüstungsfirma in den Vereinigten
Staaten wendet.
Im Hinblick auf technische Hilfe vom US-Verteidigungsministerium, etwa Ausbildung und so weiter,
ermöglicht sie eine umfassendere Beziehung als in der
Vergangenheit. Ich erwarte, daß es letztlich auch zu
Verkäufen kommen wird. Ich würde einen solchen
Beschluß zunächst als weiteren Schritt zum Aufbau
engerer Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und den direkt betroffenen Regierungen in Mitteleuropa betrachten: Polen, Tschechoslowakei und
Ungarn.
Nichts, was wir getan oder entschieden haben, war mit
irgendwelchen Hintergedanken bezüglich dessen
verbunden, was unsere Verbündeten in dieser Hinsicht tun oder lassen sollten. Wir gehen davon aus,
daß es sehr wichtig ist, engere Beziehungen zu denjenigen mittel- und osteuropäischen Staaten aufzubauen, die dies im Sicherheitsbereich wünschen, daß es
eine Reihe von Dingen gibt, die wir als Bündnis tun
können, zum Beispiel durch verbesserte Liaison-Beziehungen, aber auch, um bilateral engere Beziehungen aufzubauen. Wir glauben, daß ihr Erfolg im
Hinblick auf ihre politischen und wirtschaftlichen Reformprogramme in dem Maße verstärkt wird, in dem
wir fähig sir.u, ein engeres sicherheitspolitisches Verhältnis als in der Vergangenheit aufzubauen, als diese
Länder Mitglieder des Warschauer Pakts waren.
Frage: Erwarten Sie vom ersten Treffen des Nordatlantischen Kooperationsrats nächste Woche irgendeine Form der individuellen Vertretung der neuen Republiken oder würden Sie dies gern sehen? Und zusätzlich, betrachten Sie Ihren Einfluß auf die Ereignisse in
der Sowjetunion als begrenzt angesichts der Tatsache, daß man dort - unabhängig von Ihren Erklärungen
- selbst entscheiden kann, was man tun will?
Antwort: Die Frage, wer für die Sowjetunion spricht,
ist zweifellos schwer zu beantworten, weil man sich
dort mitten in einer Revolution befindet. In Zeiten wie
diesen, wenn man sich dort mit grundsätzlichen Fragen über die künftige politische Struktur und die Beziehungen zwischen den Republiken auseinandersetzt
sowie darüber, ob von der Zentrale noch irgend etwas
übrigbleibt, ist es schwierig für uns, von außen zu
beurteilen, wer für dieses sich verändernde und ent-

AMERIKA DIENST 50

wickelnde Gebilde spricht, das einmal die Sowjetunion
war.
Meines Erachtens ist für uns, wie wir dies auch getan
haben, die beste Vorgehensweise, sowohl die Zentrale als auch die Republiken in den Dialog einzubinden.
Deshalb reist Jim (Baker) nächste Woche in die Sowjetunion und besucht dabei nicht nur Moskau sondern auch Kiew und Minsk.
Was den Umgang des Nordatlantischen Kooperationsrats mit der ehemaligen Sowjetunion betrifft, so
hat Generalsekretär Wörner meines Erachtens die
bestmögliche Erklärung gegeben: Herr Schewardnadse wurde als Außenminister der ehemaligen
Sowjetunion dazu eingeladen. Bis heute haben wir
keinen Grund zu der Annahme, daß sonst noch irgend
jemand um eine Einladung bitten könnte, aber es ist
natürlich möglich, daß sie beispielsweise etwas in
dieser Hinsicht tun möchten, wie sie es bei den Gesprächen über Kernwaffen getan haben, also Vertreter
einiger anderer Republiken zu entsenden. Meines
Erachtens lautet die Antwort auf diese Frage, daß wir
nicht genau wissen, wer mit Autorität für alle Republiken sprechen kann und daß wir uns schließlich in einer
Lage befinden werden, in der wir mit jeder Republik
einzeln sprechen müssen, was zunehmend der Fall zu
sein scheint.
Frage: Fühlen Sie sich nicht etwas machtlos angesichts dieser Entwicklung? Daß Sie trotz aller gegenteiliger Behauptungen nur begrenzt tätig werden können?
Antwort: Nein, das trifft nicht zu - Sie müssen
zwischen Einflußbereichen unterscheiden, zwischen
den Dingen, über die wir sprechen. In gewissem Maß
sind in der Sowjetunion Kräfte am Werk, die man kaum
von außen beeinflussen kann, wenn man das ungeheure Ausmaß der dortigen Wirtschaftsprobleme, den
Zusammenbruch der Wirtschaft bedenkt. Selbst die
besten Absichten und unendliche Mittel von außen
werden diesen Prozeß nicht notwendigerweise umkehren, bevor nicht in der Sowjetunion selbst ein
grundlegender Wandel einsetzt. Es ist nicht besonders sinnvoll, zum Beispiel über riesige ausländische
Investitionen zu sprechen, wenn nicht im Innern eine
gewisse rechtliche Struktur besteht, wenn unklar ist,
wem was gehört, wenn es nicht irgendeine stabile
Währung gibt. Es gibt eine Reihe grundlegender
Dinge, die innerhalb der Sowjetunion geschehen müssen,
bevor Hilfe von außen im Hinblick auf Reformen von
großem Nutzen sein kann. Andererseits gibt es wahrscheinlich eine Reihe von Dingen, die wir im humanitären Bereich tun können, etwa die Lieferung medizinischer Versorgungsgüter zur richtigen Zeit zum richtigen Ort. Dies könnte sich im Hinblick auf politische

Seite 3

�Veränderungen und Entwicklungen als äußerst wichtig erweisen. Mit ihnen im militärischen Bereich zusammenzuarbeiten, wie wir es tun, könnte entscheidend sein.
Obgleich wir unsere Fähigkeit zur Beeinflussung der
Ereignisse innerhalb der Sowjetunion nicht überschätzen möchten, müssen wir meines Erachtens anerkennen, daß dies die beste und vielleicht einzige Möglichkeit ist, die wir in unserem Leben je haben werden, um
ihnen dabei zu helfen, in die Richtung voranzuschreiten, in die sie eigenen Bekenntnissen zufolge gehen
möchten. Also in Richtung auf Demokratie und Marktwirtschaften - weg vom Totalitarismus, weg von den
kommunistischen Systemen, die der Bevölkerung der
Sowjetunion in den vergangenen 70 Jahren so viel
Schaden zugefügt haben. Es ist also an uns, nach
Wegen zu suchen, durch die wir etwas Einfluß auf
diesen Prozeß gewinnen können, um die Elemente zu
unterstützen, die die Sowjetunion reformieren und
umgestalten möchten, da letztlich eine umgestaltete
Sowjetunion, eine ehemalige Sowjetunion, Republiken oder wie immer man es bezeichnen möchte, die im
Einklang mit demokratischen Prinzipien und Praktiken
regiert werden, die entmilitarisiert sind und keine
Bedrohung für den Rest der Welt darstellen, für uns
alle von enormem Vorteil sein würden. Und selbst
wenn wir nur ein oder zwei Prozent beeinflussen
können, könnte dies im entscheidenden Moment genug
sein, um das Ergebnis in fünf oder 10 Jahren dramatisch zu verändern.
Ich meine, daß beim Putschversuch vom vergangenen
August die Entscheidung auf Messers Schneide stand.
Daß er auch leicht einen anderen Ausgang hätte
nehmen können, wobei die alte Garde der kommunistischen Hardliner die Oberhand gewonnen hätte und
daß in gewissem Maß die durch Präsident Bush und
andere wichtige Verbündete offen zum Ausdruck
gebrachte Unterstützung Boris Jelzins und der demokratischen Kräfte wichtig war. Sie werden nie sagen
können, daß sie den Ausgang ganz und gar entschieden haben, aber wir müssen jede sich uns bietende
Möglichkeit nutzen, um den Prozeß in die Richtung zu
beeinflussen, die wir wünschen.
Frage: Herr Minister, wie bewerten Sie angesichts
Ihres Besuchs in der Tschechoslowakei und Ungarn
die Sicherheitslage und die damit verbundenen Anliegen? Was können die NATO und die Vereinigten
Staaten tun, um ihre Sicherheit zu verbessern und
gäbe es in diesem Zusammenhang die Möglichkeit,
das Waffenembargo gegen Jugoslawien etwas besser
durchzusetzen? Und noch eine Frage zu den sowjetischen taktischen Kernwaffen: Wie lange würde es
Ihrer Meinung nach dauern, um - wie von der sowjetischen Führung versprochen - alle nuklearen Kurz-

Seite 4

streckenwaffen zu beseitigen, sowohl ohne Hilfe von
außen als auch mit Ihrer Hilfe?
Antwort: Die Antwort auf den letzten Teil Ihrer Frage
- wie lange wird es dauern, bis die Sowjets ihre
nuklearen Kurzstreckenwaffen beseitigt haben - kennen wir nicht. Ich glaube nicht, daß sie zum jetzigen
Zeitpunkt einen präzisen Zeitplan erstellen können.
Wir befinden uns immer noch in der Gesprächsphase,
in der wir uns um Informationen bemühen. Soweit wir
sagen können, gab es bei den Sowjets keine Praxis
oder Politik der Verschrottung von Kernwaffen. Das
heißt, sie haben ein sehr großes Arsenal angehäuft,
aber wir haben keinerlei Beweise dafür, daß sie viel
Zeit damit verbracht hätten, über das Problem nachzudenken, wie man Kernwaffen beseitigt.
Andererseits entsprach es in den Vereinigten Staaten
der Praxis, alte Systeme zu zerlegen und deren Material vielfach zum Bau neuer einzusetzen. Aber dieselben Einrichtungen, die zum Bau von Kernwaffen dienen, benötigt man auch für deren Demontage. Es ist
meines Erachtens zu früh um zu sagen, welche Fähigkeit sie insgesamt in dieser Hinsicht besitzen, wie
schnell sie ihre Waffen demontieren könnten. Ich
schätze jedoch, daß sich diese Arbeit sicherlich über
eine Reihe von Jahren hinziehen wird.
Im Hinblick auf die Lage in Osteuropa, der Tschechoslowakei und Ungarn möchte ich nicht für andere
Regierungen sprechen, wenn es um deren Sicherheitsbelange geht. Ich möchte Ihnen sagen, welche
Sorgen ich habe, wenn ich mir jenen Teil Europas
betrachte. Ich sehe Regierungen, die aufstrebenden
Demokratien, die mit dem äußerst schwierigen Übergang von den alten, zentral von den Kommunisten
gelenkten Volkswirtschaften zu neuen Marktwirtschaften zu kämpfen haben. Dies sind überaus schwierige
Übergangssituationen, selbst unter den besten Bedingungen. Sie sind in gewissem Maß von ausländischen
Investitionen aus dem Westen abhängig, und diese
wiederum werden vom Vertrauen der Investoren beeinflußt.
Wenn diese Staaten nun ihr Umfeld betrachten, so
leben sie traditionell in einer gefährlichen Umgebung.
Im Süden wütet der sehr tragische Bürgerkrieg in
Jugoslawien, der nicht nur für die jugoslawische Bevölkerung gefährlich ist sondern auch das Gespenst
heraufbeschwört, daß er sich irgendwann über die
Grenzen Jugoslawiens ausdehnen und andere Gebiete, andere Regionen erfassen könnte. Wenn sie nach
Osten blicken, sehen sie die Auflösung der ehemaligen Sowjetunion und wissen nicht, welches Ergebnis
daraus letztlich entstehen wird. Sie stellen fest, daß
sie einen Großteil ihres Exportmarkts verloren haben,
da sie ja Güter für den sowjetischen Markt produzier-

AMERIKA DIENST 50

�ten und dieser Markt nicht mehr existiert. Sie sind
großenteils von Energielieferungen aus der ehemaligen Sowjetunion abhängig. Zählt man all diese Faktoren zusammen, so ergeben sich sicherlich schwerwiegende Sicherheitsanliegen, so könnte man es jedenfalls beschreiben.
Was wir meines Erachtens als Hilfestellung tun können, ist anzuerkennen, daß sie Teil des Westens sein
möchten, daß sie sich dem Westen anschließen und
nicht getrennt und als separater Block behandelt werden möchten. Sie möchten sicherlich Mitglied der EG
werden und würden letztlich wahrscheinlich auch Mitglied der NATO werden, obwohl sie wissen, daß dies
in absehbarer Zeit keine Option ist.
Sie sind damit befaßt sowohl ihre militärischen Arrangements als auch ihre wirtschaftlichen und politischen
Verhältnisse umgestalten. Sie sind ehemalige Mitglieder des Warschauer Pakts, zwei Drittel der tschechoslowakischen Streitkräfte waren im westlichen Teil der
Tschechoslowakei gegen Deutschland und die NATO
stationiert. Das ist nicht mehr sinnvoll. Sie müssen
ihre Streitkräfteverteilung neu orientieren und ihre
Truppen stärker nach einem Muster stationieren, das
ihnen Sicherheitsvorkehrungen dort gestattet, wo eine
Bedrohung entstehen könnte. Sie müssen diese Streitkräfte modernisieren, sie benötigen Ausbildung für
Offiziere. Wir verdoppeln zum Beispiel unsere Mittel
für die Ausbildung tschechoslowakischer und ungarischer Offiziere in unseren Militärakademien in den
Vereinigten Staaten. Zusammen mit beiden Nationen
bilden wir Arbeitsgruppen, in denen unsere Militärfachleute mit ihren Experten zusammenarbeiten, um ein
Spektrum von Möglichkeiten zur Umstellung ihrer
Streitkräfte t.ji Jiw neue Sicherheitslage zu erörtern,
deren Entwicklung sie in jenem Teil Europas beobachten.
Unser Ansatz besteht also grundsätzlich darin, mit
ihnen auf bilateraler Grundlage zusammenzuarbeiten
sowie darüber hinaus engere Bindungen zwischen der
NATO und diesen Staaten durch den Liaison-Prozeß
zu fördern, und dieses Thema haben wir allgemein im
Rahmen dieses Treffens des Verteidigungsplanungsausschusses erörtert. Man kann meines Erachtens

*

AMERIKA DIENST 50

* *

mit Fug und Recht sagen, daß innerhalb des Bündnisses ein Konsens besteht, demzufolge wir tatsächlich
mehr Hilfe leisten können und dies auch tun wollen.
Frage: Herr Minister, angesichts der Art von Landschaft, die Sie gerade für die osteuropäischen Länder
beschrieben haben und in Anbetracht all der Einschränkungen der Möglichkeiten der NATO, also
Beschränkungen bezüglich von Einsätzen außerhalb
des Bündnisgebiets, wie lange wird da die Begeisterung für die NATO anhalten, die Ihrer Meinung nach in
diesen Ländern herrscht?
Antwort: Nun, meines Erachtens versteht man dort,
daß die NATO seit über 40 Jahren ein enorm erfolgreiches Bündnis ist, das sich nicht nur auf militärische
Erwägungen gründet sondern auch auf die kollektive
Sicherheit von Nationen, die an Freiheit und Demokratie glauben, ebenso wie auch sie an Freiheit und
Demokratie glauben. Und damit würden sie gern
enger verbunden sein. Das geht also über ihre Sicherheitsanliegen hinaus. Darüber hinaus erkennen sie
meines Erachtens, daß die NATO und das, was sie
verkörpert, eine Art Rettungsanker in Europa darstellt
- eine Kraft der Stabilität in einer Zeit, in der diese Art
von Mechanismus sozusagen erforderlich ist, denn sie
leben in einem weniger stabilen Teil Europas und
befinden sich in einer Übergangsphase. Offen gestanden halten sie darüber hinaus die NATO augenscheinlich für den Mechanismus, durch den die Vereinigten
Staaten weiterhin in Fragen der europäischen Sicherheit engagiert bleiben, und sie sind äußerst interessiert
daran, daß sich die Vereinigten Staaten weiterhin aktiv
dafür engagieren, daß sie und die NATO einige dieser
Sicherheitsanliegen behandeln. Aus einer ganzen
Reihe von komplexen Gründen kommen sie meines
Erachtens zu dem Schluß, daß eine starke, lebensfähige NATO mit einer bedeutsamen amerikanischen
Rolle und einer maßgeblichen amerikanischen Präsenz weiterhin in ihrem Interesse liegt. Sie haben mir
gegenüber erklärt, sie wollten als Teil der Atlantischen
Gemeinschaft betrachtet werden - nicht nur als Teil
Europas sondern als Teil der Atlantischen Gemeinschaft, und genau dies entspricht ja dem Wesensgehalt der NATO.

*

*

Seite 5

�CIA
18. Dezember 1991

GATES ZU ZERFALL DER SOWJETUNION,
VERBREITUNG VON MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN
Rede des CIA-Direktors vor dem
Streitkräfteausschuß des Repräsentantenhauses
WASHINGTON - (AD) - Der Zerfall der Sowjetunion und die Anhäufung von Massenvernichtungswaffen in
Ostasien und im Nahen Osten stellen in den kommenden Jahren die schwierigste Herausforderung für die
Vereinigten Staaten dar, erklärte der Direktor des US-Nachrichtendienstes CIA am 10. Dezember 1991 in seiner
Rede vor der verteidigungspolitischen Kommission des Streitkräfteausschusses im Repräsentantenhaus.
"Nirgendwo ist die Entwicklung der Ereignisse verwirrender, das Tempo des Wandels rascher oder das
Zusammenspiel von Chancen und Gefahren augenfälliger als in der ehemaligen Sowjetunion", stellte Gates fest.
Die meisten sowjetischen Republiken versuchen, "ihren Verteidungshaushalt zu reduzieren, sich den westlichen
Wirtschafts- und Sicherheitsstrukturen anzuschließen und kooperative Beziehungen mit den Vereinigten
Staaten zu schmieden", erklärte Gates und fügte hinzu, "die Situation ist jedoch in gefährlichem Maße instabil."
Obwohl er einräumte, die unmittelbare militärische Bedrohung durch die sowjetischen Republiken sei gering,
verlieh Gates seiner Besorgnis Ausdruck, daß sie nicht in der Lage sein könnten, bei der Reduzierung und
Vernichtung des Großteils der 30.000 in ihrem Besitz befindlichen Nuklearwaffen angemessenen Schutz
aufrechtzuerhalten.
Außerhalb der --^pnaligen Sowjetunion gebe "die sich beschleunigende Verbreitung atomarer, biologischer und
chemischer VWaffen in anderen Ländern der Welt wahrscheinlich größten Anlaß zur Sorge (für die Vereinigten
Staaten)", stellte Gates fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von CIA-Direktor Gates im Wortlaut.

Die schwierigste Aufgabe für uns im Nachrichtendienst besteht darin, die Welt so zu sehen, wie sie ist,
nicht wie wir - und andere - sie gerne sehen würden.
Heute muß selbst der abgeklärteste Realist eine veränderte Welt erkennen - eine Welt, in der zu einem
hohen Preis an Menschenleben und materiellen Gütern der Kommunismus endlich besiegt wurde.
Die alten Grundwahrheiten, die 45 Jahre lang die
nationale Sicherheitspolitik dieses Landes leiteten,
sind in einem historischen Augenblick verschwunden.
Überall ist der Kommunismus tot oder liegt im Sterben,
eine Reihe lange bestehender regionaler Konflikte wird
beigelegt, der kalte Krieg ist beendet, die sowjetische
Kommunistische Partei hat aufgehört zu existieren tödlich verwundet von eigener Hand - und die Kräfte
echter Reformen machen sich endlich in der ehemaligen Sowjetunion bemerkbar.
AMERIKA DIENST 50

Dennoch gibt es wie immer Herausforderungen, Besorgnis und Risiken. In der ehemaligen Sowjetunion
beobachten wir ein bemerkenswertes historisches
Paradoxon. Der Zerfall des sowjetischen und russischen Imperiums ist für Demokratie und wirtschaftliche Umgestaltung vielversprechend. Die Gefahr eines Kriegs in Europa oder eines nuklearen Holocaust
hat sich in solchem Maße verringert, daß sie im
Bewußtsein der Öffentlichkeit bereits in so weiter
Feme liegt wie Pearl Harbor, dessen 50. Jahrestag wir
vor wenigen Tagen begingen. Und doch sieht sich eine
zerfallende Union mit vielfältigen inneren Krisen konfrontiert - dem Zusammenbruch der Zentralregierung,
potentiellen Bürgerkriegen großen Ausmaßes und dem
Zerfall der sozialen Ordnung - während sie immer noch
30.000 Nuklearwaffen besitzt, von denen die schlagkräftigsten nach wie vor auf uns gerichtet sind.

Seite 1

�Es gibt keinen Präzendezfall für die plötzliche Auflösung eines so riesigen Imperiums von der Größe
Rußlands oder der Sowjetunion. Das Verschwinden
sehr viel kleinerer, viel jüngerer Imperien hat dem
Frieden ein Ende bereitet, die soziale Ordnung gestört
und die internationale Bühne so grundlegend verändert, daß dies erst Jahrzehnte später von Historikern
eingeordnet werden konnte. Die Lehren der Geschichte zwingen uns, sowohl die Gefahren als auch die
Chancen aufzuzeigen, wenn Imperien zugrunde gehen.
Jenseits der Grenzen Rußlands und der aufstrebenden souveränen Republiken liegen andere Herausforderungen für den Frieden, die internationale Ordnung
und damit für uns.
An erster Stelle steht dabei die Verbreitung von
atomaren, chemischen und biologischen Waffen sowie deren Trägersystemen. Über 20
Nationen besitzen oder beschaffen Massenvernichtungswaffen und häufen jeglicher Vernuft
spottend Arsenale solch vernichtender Fähigkeiten an. Arsenale, die sich allzu oft in den
Händen von Größenwahnsinnigen, bewiesenermaßen unmenschlichen Barbaren oder
schwachen, instabilen oder unrechtmäßigen
Regierungen befinden.
Die Aussichten für die Entwicklung von Demokratie und Marktwirtschaften in Osteuropa sind
vielversprechend. Aber ethnische und territoriale Konflikte - durch das stalinistische Regime
lange unterdrückt - sind an die Oberfläche
gedrungen, bedrohen die politische Stabilität
und bergen das Risiko eines Bürgerkriegs.
Während der Wind des Wandels in Ostasien
weht, bestehen kommunistische totalitäre Regime in China, Nordkorea und Vietnam fort.
Trotz beispielloser Chancen für Frieden im Nahen
Osten ist das Potential für einen blutigen Konflikt weiterhin hoch. Während Außenminister
Baker und die Unterhändler daran arbeiten, die
Kriegstreiber an die Kette zu legen, entwickeln
zahlreiche Staaten in der Region fieberhaft
Massenvernichtungswaffen.
Weltweit ist ein ermutigender Trend zu politischem Pluralismus offenkundig, aber die Wurzeln der Demokratie sind zart und anfällig und
könnten leicht durch wirtschaftliche Miseren,
sektiererische Feindseligkeiten oder regionale
Konflikte vernichtet werden.
Die Welt ist klein, pflegte man zu sagen. In Wahrheit
ist die Welt heute noch kleiner. Ereignisse an Orten,
die wir bisher als weit entfernt ansahen, erzwingen
zunehmend unsere Aufmerksamkeit.

Seite 2

Die Gefahr eine Atomkriegs zwischen Indien
und Pakistan.
Die Realität des Bürgerkriegs in Jugoslawien.
Der Friedensprozeß in Kambodscha und im
Nahen Osten.
Die Notwendigkeit, den Putsch in Haiti umzukehren.
Die Frage, wie man den Schwarzen und Wei ßen
in Südafrika am besten behilflich sein kann,
beim Aufbau eines neuen Landes Zusammenarbeit zu lernen.
Solche Sorgen und Krisen liegen vor unserer Türschwelle - ob es uns gefällt oder nicht.
Die Geschichte ist nicht beendet. Sie war nur eingefroren und schlägt nun mit einer Rachsucht zurück, deren
Gefahr die Amerikaner verkennen. Nach 80 Jahren
der Kriege und Revolutionen sehen wir uns erneut mit
Konflikten über Nationalitäten, Rassen, Grenzen und
Ressourcen einer lange vergangenen Welt konfrontiert, selbst während wir versuchen, die durch den
Zerfall des Kommunismus freigesetzten revolutionären Kräfte zu integrieren und auf sie einzugehen.
Die Ereignisse der vergangenen drei Tage haben
demonstriert: nirgendwo ist die Entwicklung der Ereignisse verwirrender, das Tempo des Wandels rascher,
oder das Zusammenspiel von Chancen und Gefahren
augenfälliger als in der ehemaligen Sowjetunion. Und
nirgendwo ist eine günstige Lösung - das heißt, das
Entstehen stabiler, uns freundlich gesonnener, kompetenter Demokratien in Rußland, der Ukraine und
anderen ehemaligen sowjetischen Republiken - lebenswichtiger für die Interessen der Vereinigten Staaten
und in der Tat der ganzen Welt.
Der selbstmörderische Versuch der alten kommunistischen Garde vom vergangenen August, die Uhr zurückzudrehen, hat prompt den Zusammenbruch der
sowjetischen Regierung und den Zerfall des Landes
zur Folge gehabt.
Die aufstrebenden souveränen Republiken unterscheiden sich in ihrer politischen Gestaltung. Und sie
scheinen daran interessiert zu sein, in irgendeiner
Form zusammenzukommen, um eine sehr lockere
Föderation zu bilden. Aber keine von ihnen hat - weder
einzeln noch kollektiv - den Wunsch oder die Fähigkeit,
eine so große Bedrohung für die amerikanische Sicherheit darzustellen, wie es die Sowjetunion Jahrzehnte lang tat. Tatsächlich versuchen die meisten
Republiken der ehemaligen UdSSR, ihren Verteidungshaushalt zu reduzieren, sich den westlichen Wirtschafts- und Sicherheitsstrukturen anzuschließen und
kooperative Beziehungen mit den Vereinigten Staaten
zu schmieden.

AMERIKA DIENST 50

�Die Situation ist jedoch in gefährlichem Maße instabil.
Alle ehemaligen sowjetischen Republiken sehen sich
mit enormen wirtschaftlichen, sozialen und politischen
Problemen konfrontiert, die den Übergang zu Demokratie und Marktwirtschaften schwierig und potentiell
gefährlich machen. Die Wirtschaft befindet sich im
freien Fall ohne Aussichten für eine Umkehrung dieser
Entwicklung. Schwierige Wirtschaftsbedinungen einschließlich eines gravierenden Mangels an Nahrungsmitteln und Brennstoff in einigen Gebieten, des
Zerfalls der Streitkräfte und andauernder ethnischer
Konflikte - werden in diesem Winter die tiefgreifendsten Unruhen in der ehemaligen UdSSR hervorbringen seit die Bolschwiken ihre Macht konsolidierten.
Der russische Präsident Jelzin hat ehrgeizige Pläne
zur Wirtschaftsreform formuliert, aber es bleibt abzuwarten, ob er sie durchführen kann. Marktrefomen
werden mit Inflation und Arbeitslosigkeit einhergehen,
die eine soziale Explosion auslösen könnten und damit
die Stabilität der aufstrebenden demokratischen Regierungen gefährden. Man muß mit der Möglichkeit
rechnen, daß solche Umstände eine Rückkehr zur
autoritären Regierung bewirken - entweder unter der
Führung von Reformern, die verzweifelt versuchen,
Nahrungsmittel für die Bevölkerung zu beschaffen und
eine Explosion abzuwenden, oder von einer f remdenfeindlichen, atavistischen Vision Rußlands geleiteten
Nationalisten.
Insgesamt gesehen geben die Ereignisse der vergangenen zwei Jahre und insbesondere der letzten drei
Monate auf lange Sicht Anlaß zu berechtigten Hoffnungen und Optimismus über Rußland und die anderen Republiken. Zum ersten Mal seit 1917 steht ihnen
die Zukunf* ,nr. i, und ihre politisch Verantwortlichen
wollen eindeutig die Demokratie stärken und Marktwirtschaften einführen. Kurz- und mittelfristig sind wir
jedoch tief besorgt, daß die vor den meisten dieser
neuen demokratischen Kräfte liegenden wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen sie überwältigen könnten.

Infolgedessen verlieren die sowjetischen Streitkräfte
zur allgemeinen Verwendung an Zusammenhalt. Der
Bereitschaftsstand befindet sich auf dem niedrigsten
Niveau seit Jahrzehnten.
Der Ausbildungsbetrieb wurde erheblich gestört.
Nahrungsmittel und Treibstoff sind knapp.
Wohnungsmangel unterminiert Moral und Disziplin.
Die operativen Stationierungen von Schiffen der
Marine nehmen weiterhin ab. Lebenswichtige
Instandhaltungsmaßnahmen werden aufgeschoben.
Nationalitätenkonflikte nehmen zu, und die
Zuverlässigkeit der Truppen ist zweifelhaft, insbesondere bei Missionen im Inland.
Die bereits niedrige Truppenstärke wird weiter
verringert. Es ist fraglich, ob die Republiken die
zur Aufstockung der bis aufs Skelett reduzierten
Einheiten erfoderlichen Reservestreitkräfte
mobilisieren können. In jedem Fall würden eine
Mobilisierung großen Ausmaßes durch die sich
verschlechternden Transport- und Verteilungssysteme behindert.
Während in der Tat noch ein zentralistisches Führungssystem operiert, beginnt der politische und wirtschaftliche Zerf all das Militär in den Republiken gegenüber loyale oder nur mit ihrer Selbsterhaltung befaßte
Elemente zu zersplittern. Unser wahrscheinlichstes
Szenarium deutet auf den weiteren Zerfall und Zusammenbruch der sowjetischen Streitkräfte hin.

Die Bedrohung durch die sowjetischen konventionellen Streitkräfte nimmt täglich ab. Es ist jedoch unabdingbar, zwischen ihren kurzfristigen Fähigkeiten und
ihrem langfristigen Potential zu unterscheiden.

Offen gesagt, kann ich mir kein realistisches Szenarium vorstellen, in dem im nächsten Jahr von der
ehemaligen UdSSR für die Nachbarstaaten eine größere Bedrohung durch konventionelle Streitkräfte
ausgehen würde. Statt dessen könnte sich - wie selbst
die politisch Verantwortlichen in der Sowjetunion gewarnt
haben - in den nächsten ein bis zwei Jahren sehr viel
eher die Möglichkeit eines Konflikts in oder zwischen
einzelnen neuen Republiken ergeben. Einem solchen
Konflikt würde wahrscheinlich eine Periode vorausgehen, in der Indikatoren - wie zunehmende politische
Unruhen oder unerträgliche wirtschaftliche Entbehrungen - Warnsignale aussenden würden.

Die Fähigkeiten und das Potential der ehemaligen
sowjetischen Streitkräfte hängt von der aktuellen und
zukünftigen Verteidigungspolitik der neuen Regierungen in den Republiken ab. Diese Regierungen scheinen der Beibehaltung - geschweige denn, dem Wiederaufbau - konventioneller Streitkräfte über das für
eine felsenfeste Verteidigungsfähigkeit als erforderlich
erachtete Niveau in einem Umfeld relativ niedrige
Priorität beizumessen, das aus ihrer Sicht geringe
Bedrohungen birgt.

Längerfristige Prognosen sollten nach dem Zusammenbruch dieses riesigen Reichs und inmitten der
daraus resultierenden politischen, wirtschaftlichen und
sozialen Revolution mit großer Vorsicht gemacht werden.
Aber sowohl wir als auch Sie müssen natürlich über die
nächsten ein bis zwei Jahre hinausblicken. Wir müssen die Möglichkeit in Betracht ziehen, daß auf dem
Territorium der ehemaligen Sowjetunion, insbesondere in Rußland, eine neue konventionelle Bedrohung
entstehen könnte.

Ich möchte mich jetzt den spezifischen Fragen über
militärische Angelegenheiten zuwenden, die anzusprechen Sie mich gebeten haben.

AMERIKA DIENST 50

Seite 3

�Diese Möglichkeit ist gering, wenn die Nachfolgerepubliken ihren heutigen politischen und wirtschaftlichen
Kurs fortsetzen. Dies ist ein Grund, warum wir ihnen
viel Erfolg wünschen. Wenn jedoch die gegenwärtigen
Entbehrungen und Umwälzungen zu autokratischen,
fremdenfeindlichen und aggressiven Regimen führen,
könnten diese gewiß ihre konventionellen Streitkräfte
wieder aufrüsten und erneut eine Bedrohung darstellen. In diesem Fall wäre eine Überfülle von Warnsignalen zu erwarten.
Die entstehende Bedrohung durch sowjetische strategische Atomwaffen ist weiterhin erste Priorität unserer
Nachrichtendienste. In den gesamten achtziger Jahren unternahmen die Sowjets große Anstrengungen
zur Modernisierung und Verbesserung ihrer strategischen Offensiv- und Defensivkräfte. Wir hatten eine
Andauer dieses Trends in den neunziger Jahren vorhergesagt.
Aufgrund der weiteren Verschlechterung der
wirtschaftlichen Lage und der zunehmenden
Kürzung der Militärausgaben in den vergangenen beiden Jahren hielten wir es für wahrscheinlich, daß auch die strategischen Streitkräfte von
Sparmaßnahmen erfaßt würden. Deshalb prognostizierten wir die Stornierung einiger wichtiger Programme.
Trotzdem besaßen wir Beweise, wonach die
Sowjets fünf neue strategische ballistische
Raketen entwickelten, und wir wunderten uns
über ihre Fähigkeit, diese Programme angesichts der sich abzeichnenden Wirtschaftskatar
Strophe voranzutreiben.
Nun, die Lage hat sich verändert. Gorbatschow hat die
Einstellung zweier ICBM-Programme - einer straßengestützten und einer schienengestützten Rakete verkündet, obgleich die Produktion der neuen Interkontinentalraketen SS-18 MOD-5 und der straßengestützten SS-25 noch andauert. Ein Militärsprecher hat
unlängst erklärt, daß in den nächsten fünf Jahren keine
weiteren U-Boote mit Interkontinentalraketen gebaut
werden.
In der Vergangenheit gingen wir davon aus, daß die
Sowjets ihre strategischen Programme wegen ihrer
symbolischen Bedeutung und aufgrund ihres Abschrekkungswerts aufrechterhalten und verteidigen würden.
Es ist jedoch zunehmend schwierig, sich vorzustellen,
wie Rußland oder andere Republiken mit strategischen Kernwaffen in der Lage sein werden, die Modernisierungsbemühungen fortzuführen - oder selbst, warum
sie dies angesichts der rasch abnehmenden Spannungen mit dem Westen überhaupt anstreben sollten.
Deshalb sollten wir nicht überrascht sein, wenn die
meisten oder alle sowjetischen Pläne für die Modernisierung der strategischen Offensivstreitkräfte in absehbarer Zukunft eingestellt werden. Dies ist sicher-

Seite 4

lich nicht das, was von den Militärs gewünscht wird
sondern spiegelt lediglich die wahrscheinlichen Prioritäten der politischen Entscheidungsträger in den
Republiken sowie die wirtschaftlichen Gegebenheiten
wider.
Wir erwarten, daß - wie von Gorbatschow bereits
angekündigt - die neu entstehenden Nuklearmächte
ihre strategischen Streitkräfte in den neunziger Jahren
unter die von START gezogenen Grenzen reduzieren.
Es ist unwahrscheinlich, daß diese Streitkräfte, ob sie
nun von Rußland oder irgendeinem gemeinsamen
Kommando kontrolliert werden, angesichts der Verschlechterung der operativen Unterstützungsfähigkeiten und der gesamten Infrastruktur auf START-Niveau
gehalten werden können. Zahlreiche führende russische und ukrainische Politiker haben bereits ihren
Wunsch geäußert, die strategischen Streitkräfte zu
verringern, da sie der Meinung sind, sie seien die
Kosten und Mühen nicht wert, um sie auf einem Niveau
beizubehalten, das auch nur annähernd dem von
START zugelassenen entspricht.
Sie könnten jedoch nicht in der Lage sein, diese
Streitkräfte so rasch abzubauen wie sie möchten. Die
Demontage strategischer Waffen ist schwierig und
teuer. Überdies sind die sowjetischen Einrichtungen
dafür sehr begrenzt und nur in Rußland vorhanden.
Selbst wenn letztlich nur ein verringertes Arsenal strategischer Waffen auf dem Territorium der ehemaligen
Sowjetunion übrig bleibt, wäre dies immer noch ausreichend, um die Vereinigten Staaten und andere Länder
zu verwüsten. Solange die Möglichkeit bestehen
bleibt, daß Unruhen in der Region die Entstehung
neuer, gegnerischer Regime fördern könnten, werden
die verbleibenden strategischen Waffen Anlaß zur
Sorge geben.
Ein vordringlicheres Anliegen ist die Möglichkeit, daß
die Sowjets unfähig sein könnten, ausreichende Sicherheitsvorkehrungen bei der Reduzierung und
Demontage eines Großteils ihres Arsenals von 30.000
Kernwaffen zu gewährleisten. Zum jetzigen Zeitpunkt
besitzt die Zentrale ein vom Verteidigungsministerium
und dem Generalstab geleitetes ausgefeiltes und wirksames System zur Kontrolle dieser Waffen. Das
Zentrum löst sich jedoch vor unseren Augen auf.
Diejenigen, die dieses Kontrollsystem konzipierten,
hatten niemals mit einer solchen Entwicklung gerechnet.
Etwa zwei Drittel der sowjetischen Kernwaffen befinden sich in Rußland. Tausende von Waffen verbleiben
jedoch in anderen Republiken. Die meisten scheinen
in gut gesicherten Einrichtungen stationiert zu sein.
Wir sehen jedoch einer Periode der Unsicherheit entgegen, während Rußland und die anderen Republiken
den Besitz dieser Waffen regeln und neue Strukturen
und Verfahren zu ihrer Kontrolle und für ihren Einsatz

AMERIKA DIENST 50

�entwickeln. Ein weiterer ernüchternder Gedanke: keine
der Regierungen dieser neuen Atommächte ist bis
heute durch die von der alten Sowjetunion eingegangenen Verpflichtungen gebunden, obwohl alle behaupten, sie würden diese Abkommen einhalten und
ratifizieren.
Das sowjetische System zur Kontrolle der Kernwaffen
hat sich auf fähige Menschen mit starker Disziplin
gestützt, die solide Verfahren auf Führungs- und Einsatzebene befolgten. Diese Personen sind jedoch
ebenfalls in vieler Hinsicht denselben wirtschaftlichen
Problemen und nationalistischen Bestrebungen wie
ihre zivilen Landsleute ausgesetzt. Selbst robuste
physische Sicherheit und Maßnahmen zur Einsatzkontrolle werden unwirksam, wenn das Wachpersonal
oder seine Offiziere angestiftet oder korrumpiert werden oder einfach verschwinden.
Die meisten Ihrer Fragen betreffen umfassendere
Probleme als die Auswirkungen der Entwicklungen in
der ehemaligen UdSSR. Von diesen umfassenderen
Themen gibt die sich beschleunigende Verbreitung
atomarer, biologischer und chemischer Waffen in
anderen Ländern der ganzen Welt wahrscheinlich
größten Anlaß zur Sorge. Je mehr Länder solche
Waffen besitzen - selbst, wenn sie nur der Abschrekkung dienen -, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit
ihres Einsatzes. Zur Zeit wird das Gebiet der Vereinigten Staaten nur von sowjetischen und chinesischen
Raketen bedroht, und wir erwarten im konventionellen
militärischen Sinn für mindestens ein weiteres Jahrzehnt kein zusätzliches Risiko durch Massenvernichtungswaffen an^oror Länder. Dagegen wächst die
Bedrohung für Europa, den Nahen Osten und Asien.
Die im Ausland stationierten amerikanischen
oder verbündeten Streitkräfte könnten vor Ende
dieses Jahrzehnts verstärkt Bedrohungen durch
luftgestützte Kernwaffen ausgesetzt sein. Einige ungenaue aber einsatzfähige ballistische
Raketen mit nuklearen Gefechtsköpfen werden
in den kommenden Jahren wahrscheinlich von
einer Reihe von Ländern stationiert werden.
Mehrere Staaten besitzen Flugkörper und Raketen, die nukleare Gefechtsköpfe tragen könnten. Wenn eines dieser Länder ein paar nukleare Gefechtsköpfe - etwa von einem abgefallenen sowjetischen Element - beschaffen könnte,
würde es automatisch zur Nuklearmacht.
Die meisten Staaten des Nahen Ostens unterhalten Programme zur Entwicklung chemischer
Waffen, und einige haben bereits Arsenale, die
für den Einsatz gegen Zivilisten oder schlecht
geschützte militärische Ziele in Frage kommen.
Zur Zeit sind ihre Trägersysteme völlig unzureichend, aber im Lauf des nächsten Jahrzehnts

AMERIKA DIENST 50

erwarten wir, daß chemisch bestückte, mobile
Kurzstreckenraketen von Nordafrika bis Südasien weite Verbreitung finden.
China und Nordkorea könnten anderen Staaten
Raketen größerer Reichweite oder die Technologie zu deren Herstellung verkaufen. Die
Beschaffung solcher Raketen durch Länder, die
ABC-Waffen besitzen, würde den gegenwärtig
in diesem Bereich im Nahen Osten und Südasien stattfindenden Rüstungswettlauf noch
erweitem und beschleunigen.
Ich möchte kurz auf die ehemalige Sowjetunion als
Quelle der Verbreitung eingehen. Wie der Rest der
ehemaligen sowjetischen Rüstungsindustrie könnten
Unternehmen, die mit Programmen für Massenvernichtungsmittel und Raketen befaßt und Kürzungen
des Militärhaushalts ausgesetzt sind, versuchen, im
Geschäft zu bleiben, indem sie Gerät, Material und
Dienstleistungen auf dem Weltmarkt anbieten. Der
Devisenhunger könnte Vorrang vor Sorgen über die
Verbreitung von Waffen einnehmen, insbesondere bei
den Führungen von Republiken und Kommunen, die
eine hohe Konzentration von Rüstungsbetrieben und
kaum andere marktfähige Produkte aufweisen.
Zehntausende von Wissenschaftlern, Ingenieuren und
Medizinern emigrieren Jahr für Jahr aus der ehemaligen Sowjetunion. Einige sind Fachleute für Massenvernichtungswaffen und Raketen. Die meisten dieser
Auswanderer werden sich vorzugsweise in Israel oder
im Westen niederlassen, aber einige könnten für ihr
Fachwissen einen besseren Markt in Ländern der
dritten Welt finden, die sich um die Beschaffung oder
Verbesserung ihrer Fähigkeiten bei Massenvernichtungswaffen bemühen.
Die bedeutendsten Streitkräfte der Welt sind neben
den sowjetischen und verbündeten Streitkräften diejenigen Chinas, Indiens und Nordkoreas. Nur China
besitzt die Fähigkeit zum Angriff auf amerikanisches
Territorium, obgleich die Nordkoreaner erhebliche
Fähigkeiten gegen die in Südkorea stationierten
amerikanischen Streitkräfte einsetzen können.
Die Chinesen haben eine kleine Streitmacht nuklear
bestückter ICBMs stationiert, von denen einige auf die
Vereinigten Staaten gerichtet sind. Für die neunziger
Jahre planen sie die Stationierung weiterer strategischer und regionaler Nuklearstreitkräfte. Wir gehen
davon aus, daß die Chinesen die Modernisierung ihrer
Raketenstreitkräfte fortsetzen. Die Raketen kürzerer
Reichweite, angeblich mit konventionellen Gefechtsköpfen ausgerüstet, werden im Ausland angeboten,
um harte Devisen einzunehmen. Neue chinesische
Raketen, darunter eine mobile Interkontinentalrakete,
werden voraussichtlich in den neunziger Jahren stationiert werden.

Seite 5

�Die technologische Qualität der weltweiten militärischen Bedrohung amerikanischer Interessen wird in
den kommenden Jahren niedriger sein als wir vor dem
Zusammenbruch der Sowjetunion prognostizierten.
Trotzdem werden zahlreiche ausländische Streitkräfte
moderne sowjetische und westliche Waffen beschaffen - die unserer Einschätzung nach zu Schleuderpreisen erhältlich sein werden.
Viele Staaten verkaufen bereits moderne Waffen und
militärische Technologie, und verschiedene Nachfolgestaaten der UdSSR werden sich ihnen wahrscheinlich anschließen. Selbst wenn die Regierungen der
Republiken ihre Arsenale weiterhin scharf kontrollieren, werden sie durch die wirtschaftlichen Bedingungen versucht sein, demjenigen Waffen zu verkaufen,
der die meisten harten Devisen dafür bietet. Unruhen
in der Region werden die Möglichkeit nicht genehmigter Waffentransfers an Gruppen innerhalb und außerhalb der ehemaligen UdSSR weiter verstärken. Darüber hinaus könnten wir die Weitergabe hochmoderner sowjetischer "konventioneller" militärischer Technologie und Ausrüstung erleben, wie etwa von unsichtbarer Laser- oder Wärmebildtechnologie.
Aus diesen und anderen Gründen werden die ausländischen militärischen Fähigkeiten in den kommenden
Jahren erheblich zunehmen, möglicherweise in unvorhergesehener Weise. Das Spektrum der Bedingungen, unter denen diese Fähigkeiten eingesetzt werden
könnten, ist wesentlich breiter als in der Vergangenheit. Damals ging die Hauptbedrohung von der Sowjetunion aus, und wir verstanden sie sehr gut. Eine
unserer größten Herausforderungen in den nächsten
Jahren wird darin bestehen, mit den stark wachsenden
militärischen Fähigkeiten im Ausland Schritt zu halten.
Das Potential für technologische Überraschungen in
der dritten Welt wird größer, während die Beschränkungen für ausländischen Zugang zu militärisch nutzbarer Technologie schrittweise gelockert werden.
Die Aussicht, daß Streitkräfte in großem Umfang gegen
amerikanische Interessen in Europa und anderen Teilen
der Welt, in denen die Sowjetunion stark war, eingesetzt werden, ist durch den Zusammenbruch des
sowjetischen Imperiums erheblich zurückgegangen.
Die neu entstehenden Staaten der ehemaligen Sowjetunion sind uns - zumindest zum jetzigen Zeitpunkt
- freundlich gesonnen. Die internationale kommunistische Bewegung ist tot. In der ganzen Welt verlieren
linke Aufstandsbewegungen an Kraft, und ehemals

*

Seite 6

prosowjetische Regierungen sind bemüht, engere
Beziehungen zum Westen herzustellen. Der Kommunismus hält sich nur noch mühsam in einer Handvoll
Länder, die von alternden Führern beherrscht werden,
die sich vornehmlich dem eigenen Machterhalt widmen anstatt der Verbreitung dieser Ideologie im Ausland.
Diese Entwicklungen sind gewiß ermutigend. Sie
scheinen in eine bessere Zukunft zu weisen. Aber wir
sind noch nicht soweit. Wenn Sie in den kommenden
Monaten beraten, sollten Sie bedenken, wie unberechenbar die Zukunft geworden ist. Berücksichtigen
Sie,
wie schnell sich die Ereignisse entwickeln;
die Aussichten von Turbulenzen und Instabilität
im zentral-eurasischen Arsenal, das einmal von
einem Land gebildet wurde;
die problematische Verteilung von nahezu 30.000
Kernwaffen;
die Unbeständigkeit des Nahen Ostens und
Südasiens;
die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen;
Programme zur Entwicklung von Kernwaffen in
Ländern, die unseren Prinzipien und Interessen
feindlich gesonnen sind;
die zentrifugalen Kräfte nationalistischer und
ethnischer Zwietracht, die auf mehreren Kontinenten zu Instabilität oder sogar Kriegen zu
führen drohen.
Ich möchte mit diesem Tenor schließen, um dem
Gesichtspunkt Nachdruck zu verleihen, daß der Zusammenbruch des Kommunismus die Chance eines
großen Krieges enorm verringert hat, die Welt aber
Tag für Tag ein spannungsgeladenes Umfeld bleibt und die Spannung steigt. Und ob wir wollen oder nicht
- nahezu alle Staaten betrachten die Vereinigten Staaten - die einzige Supermacht - als wichtigste Kraft für
Frieden und Stabilität.
Damit beende ich meine Ausführungen. Ich bin gerne
bereit, unter Ausschluß der Öffentlichkeit auf Ihre
Fragen zu antworten.

* * *

*

AMERIKA DIENST 50

�MENSCHENRECHTE
18. Dezember 1991

HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE AMERIKANISCHE
MENSCHENRECHTSPOLITIK
von Richard Schifter
Der Autor ist Leiter der Abteilung Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im US-Außenministerium.
Der folgende Artikel basiert auf seiner Ansprache bei einer Informationsveranstaltung des Weißen Hauses über
Menschenrechte am 9. Dezember 1991.

Der Zusammenbruch des Kommunismus in der Sowjetunion und Osteuropa, soviel steht heute fest, hat
uns nicht das Ende der Geschichte beschert. Wir
haben kein demokratisches Nirwana erreicht.
Sicherlich wurde der Leninismus als lebensfähige
politische Philosophie verworfen - auf den Müllhaufen
der Geschichte, um Trotzkis berühmte Allegorie zu
benutzen. Als Anachronismus bleiben jedoch nach leninistischem Modell gestaltete Regierungen bestehen, merkv.jic.gerweise allerdings in Kulturen, die
weit von der Welt Wladimir Uljanows entfernt angesiedelt sind. Ohne Beziehung zum Geist unseres Zeitalters versuchen alternde Führer ihre Macht zu erhalten,
zum Nachteil ihrer Bevölkerung und unter Bedingungen, die vielen politischen Gefangenen großes Leid
verursachen.
Die verbleibenden leninistischen Regierungen sind
nicht die einzigen, die sich der harten Unterdrückung
ihrer Bevölkerung schuldig machen. Geheimpolizisten überwachen auch in anderen totalitären Staaten
die Menschen und stehen bereit über jeden herzufallen, der auch nur das leiseste Anzeichen einer abweichenden Meinung von sich gibt. Um die Aufmerksamkeit auf die Praktiken einiger dieser nichtleninistischen
totalitären Regierungen zu lenken, ist das Nobelpreiskomitee den Präzedenzfällen gefolgt, die es selbst
schuf, als es den Preis gegen den Willen Hitler-Deutschlands an Carl von Ossietzky und der Sowjetunion
Breschnews trotzend an Andreij Sacharow verlieh.
Die Preisverleihung an Aung San Suu Kyi, jene mutige
Führerin ihres Volkes, ist nicht nur Ausdruck der Hoffnung auf ein besseres Burma sondern auch ein Tribut
an die Kämpfer für Demokratie und Freiheit in aller
Welt.
AMERIKA DIENST 50

Die verbleibenden totalitären Regime sind nicht nur
Unruheherde auf der Weltkarte der Menschenrechte.
Wir müssen der Zerbrechlichkeit der Demokratie in
den Ländern Rechnung tragen, in denen sie erst in
jüngster Zeit eingeführt wurde und in denen es noch
keine gefestigten Institutionen zum Schutz der Menschenrechte gibt. Aus diesem Grund ist es von entscheidender Bedeutung, daß die traditionellen Demokratien eine helfende Hand ausstrecken, um humanitäre Hilfe zu leisten und es den neuen Demokratien auf
diese Weise zu gestatten, die Krisen zu überwinden,
die von äußerst mangelhaften Wirtschaftssystemen
hinterlassen wurden und technische Hilfe zu leisten,
um ihnen beim Aufbau demokratischer Institutionen zu
helfen. Als Innenminister der Sowjetunion hat Wadim
Bakatin mir gegenüber erklärt, als er um amerikanischen Rat bei der Dezentralisierung der Polizei bat:
"Wir müssen das Rad nicht noch einmal erfinden."
Wenn wir jedoch Ländern die Hand reichen, die sich
dem demokratischen Lager anschließen, müssen wir
der Versuchung widerstehen, deren Angelegenheiten
bis ins Kleinste zu regeln. Wir müssen konstruktiven
Rat sowie notwendige technische Hilfe anbieten, aber
den demokratischen Prozeß arbeiten lassen. Die
politisch Verantwortlichen der neuen Demokratien
müssen die Interessen ihrer Wähler zum Ausdruck
bringen, nicht die von Stammtischstrategen im Ausland.
Unsere Konzentration auf die Unruheherde und anhaltenden Schwierigkeiten sollte nicht so aufgefaßt werden, als ob wir die großen Errungenschaften für das
Anliegen der Demokratie im vergangenen Jahr herunterspielen wollten. Obgleich die Demokratie in den

Seite 1

�Republiken der ehemaligen Sowjetunion noch keineswegs sicher etabliert ist und obwohl die noch eintretenden wirtschattlichen Probleme zu einem weiteren
Putschversuch führen können, steht zweifelsfrei fest,
daß die Ereignisse im vergangenen August durchaus
erstaunlich waren. In einem Land mit einer langen
Tradition blinden Gehorsams gegenüber Anordnungen von oben beschlossen zahlreiche einfache Leute,
Soldaten, Polizisten und sogar KGB-Angehörige zu
tun, was sie für das moralisch Richtige hielten und nicht
das, was ihnen zu tun befohlen worden war.
Dafür, daß sie die Bedingungen schufen, die eine
solche Reaktion ermöglichten, müssen wir Michail
Gorbatschow, Alexander Jakowlew und Eduard Schewardnadse Anerkennung zollen, die die Wahrung der
Menschenwürde in den höchsten Ämtern ihres Landes
verankerten und durch ihr Beispiel ihre Landsleute
inspirierten. Anerkennung gebührt ebenso Boris Jelzin, der in der Stunde höchster Gefahr für die Sache
der Menschenwürde aufstand und in der Lage war,
genügend Leute um sich zu versammeln, um den Sieg
davonzutragen.
Seit den drastischen Veränderungen in Europa haben
wir Afrika als demokratisches Neuland erlebt. Die
marxistisch-leninistischen Regierungen auf jenem
Kontinent sind verschwunden, die Apartheid ist auf
dem Rückzug, und eine Reihe autoritärer Herrscher ist
abgetreten. Noch vor einem oder zwei Jahren wurden
Mehrparteiensysteme sowohl von autokratischen
Herrschern als auch jenen Experten, die sich ein
realistisches Verständnis des Kontinents zugutehielten, als untauglich für Afrika oder als eitler Traum
abgelehnt. In einigen afrikanischen Ländern sind sie
heute bereits Wirklichkeit, in anderen werden sie eingeführt, und allgemein werden sie als Modell der Zukunft betrachtet.
In der Vergangenheit wurde in Afrika häufig die Sorge
zum Ausdruck gebracht, Demokratie würde Stammesfehden nach sich ziehen. Dies ist sicherlich ein Risiko.
Aber haben die Diktaturen es denn besser gemacht?
Welche Schlüsse würden wir zum Beispiel aus den
Erfahrungen in Liberia oder dem Sudan ziehen?

*

Seite 2

*

Tatsache ist, daß mit der weltweiten Abschwächung
der ideologischen Konfrontation die Auseinandersetzung zwischen Volksgruppen als Hauptursache von
Menschenrechtsverletzungen sowie politisch motivierten Morden in den Vordergrund getreten sind. Rajiv
Gandhi war lediglich das prominenteste Opfer des
tragischen Kampfes, von dem Sri Lanka in den vergangenen acht Jahren heimgesucht wurde. Serben und
Kroaten bringen einander in einem Bürgerkrieg um,
dessen Ausgang feststeht: beide Seiten werden verlieren. Armenierund Aserbaidschaner befinden sich in
einer ähnlichen Auseinandersetzung. Selbst der
angeblich ideologische Kampf des Leuchtenden Pfads
wird zunehmend dadurch gekennzeichnet, daß sich
die Terroristen stark mit ihren ethnischen Vorfahren
identifizieren.
In der ganzen Welt werden heute Tausende, wenn
nicht Millionen junger Menschen gelehrt - um aus
South Pacific zu zitieren -, "alle Menschen zu hassen,
die von euren Verwandten gehaßt werden". In Anerkennung dieser tragischen Tatsache sollten wir unser
Eintreten für die Menschenrechte nicht auf die Erörterung staatlicher Maßnahmen, der Wahrung von Grundfreiheiten durch staatliche Behörden beschränken.
Wir sollten uns fragen, was wir tun können, um die
einfache Vorstellung zu verbreiten, daß Völker in der
ganzen Welt die Menschenwürde ihrer Nachbarn achten
sollten, unabhängig von Hautfarbe, Sprache oder
Religion.
Dies ist nicht ausschließlich Sache von Regierungen.
Trotz der Probleme, mit denen wir uns zur Zeit konfrontiert sehen, haben wir in unserem Land beträchtliche
Fortschritte bei der Konfliktlösung auf lokaler Ebene
gemacht. Viele unserer Landsleute haben in diesem
Bereich Fähigkeiten erworben. Dies trifft in besonderem Maß auf viele unserer Pfarrer und Priester zu.
Wäre es nicht zweckmäßig, wenn wir unsere Erfahrungen mit dem Problem des Rassenhasses mit denjenigen teilen würden, die noch keine Erfahrung bei der
Konfliktlösung haben? Dies sollten wir zu einem
zusätzlichen Ziel unserer Arbeit im Bereich der Menschenrechte machen.

*

*

AMERIKA DIENST 50

�DROGEN
18. Dezember 1991

THERAPIEPROGRAMME IN GEFÄNGNISSEN
BIETEN STRAFTÄTERN EINE CHANCE
Programme für Obdachlose ebenfalls erfolgreich

WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Artikel ist der dritte einer Serie über Behandlungsmethoden bei
Drogenmi ßbrauch.
Auf der ganzen Welt kommen drogenabhängige Straftäter für gewöhnlich als Drogenabhängige ins Gefängnis und verlassen es als solche - und setzen damit die
Spirale von Drogenmißbrauch und Inhaftierung fort.
Einige speziell entworfene Therapieprogramme geben Strafgefangenen in den Vereinigten Staaten jedoch eine zweite Chance im Leben.
Nationale Studien belegen, daß rund 70 Prozent der
amerikanischen Strafgefangenen erhebliche Probleme mit dem Mißhrauch von Suchtstoffen haben und
Straftaten zur Beschaffung der von ihnen konsumierten Droge öjer unter Alkohol-oder Drogeneinfluß
Gewaltverbrechen begehen. Die meisten Eigentumsdelikte einschließlich Diebstahl, Urkundenfälschung,
Raub und Einbruch sind auf Mißbrauch von Suchtstoffen zurückzuführen.
Jüngsten Erhebungen zufolge wird sechs von sieben
Inhaftierten vor ihrer Entlassung keine Therapie angeboten, und nach ihrer Entlassung verüben zwei Drittel
zur Befriedigung ihrer Sucht mehrere Verbrechen am
Tag.

Bundesmittel für die Drogenbehandlung von Häftlingen für das laufende Haushaltsjahr auf 22 Millionen
Dollar vorgeschlagen.
"Drogenmißbrauch ist eine Störung, für die es wirksame therapeutische Maßnahmen gibt", erklärt Dr. Mitchell Rosenthal, Präsident des Phoenix House, einer
gemeinnützigen Organisation, die sich mit der Behandlung von Suchstoff mißbrauch befaßt. "Die Sache
hat jedoch einen Haken. Drogenabhängige unterziehen sich selten freiwillig einer Behandlung, es sei
denn, sie werden gezwungen oder sehen sich mit
weniger wünschenswerten Alternativen konfrontiert."
Um diese Situation zu nutzen, bieten mehrere Therapieprogramme jetzt Alternativen zur Inhaftierung für
Personen an, die aufgrund von Verbrechen ohne
Gewaltanwendung verurteilt wurden und keine Bedrohung der Gesellschaft darstellen - eine Gruppe, die 61
Prozent der in Staatsgefängnissen Inhaftierten ausmacht.

Angesichts der Tatsache, daß sich in den Vereinigten
Staaten derzeit über eine Million Menschen - doppelt
soviel wie 1980 - hinter Gittern befinden, wird die
Behandlung von Drogenmißbrauch im Gefängnis für
die Strafvollzugsbeamten zunehmend attraktiv.

In Phoenix (Arizona) haben sich Therapeuten beispielsweise mit Strafverfolgungsbeamten bei der Entwicklung eines Rehabilitationsprogramms für erstmals
straffällig gewordene Drogenabhängige zusammengeschlossen. Diesem Programm liegt ein strenges
Bundesgesetz zugrunde, demzufolge der Besitz selbst
kleiner Mengen von Drogen ein Vergehen ist.

Über ein Dutzend Bundesstaaten experimentieren mit
intensiven Therapieprogrammen, die Inhaftierten helfen, ihre Drogenabhängigkeit durch Beratung, Gruppentherapie sowie berufliche Ausbildung und Hilfestellung bei der Arbeitsplatzsuche "loszuwerden". Bundesgefängnisse haben mehrere Pilotprogramme zur
Behandlung von Drogenmißbrauch in die Wege geleitet. Und Präsident Bush hat die Verdoppelung der

Den Straftätern wird jedoch die Möglichkeit zur Teilnahme an einem kommunal betriebenen Drogentherapieprogramm statt der Verurteilung geboten. Wenn
sie das Programm erfolgreich beenden und sich stichprobenartigen Drogentests unterziehen, wird ihre Strafakte gelöscht. Darüber hinaus müssen die Straftäter
je nach ihren Einkommensverhältnissen für ihre Behandlung selbst bezahlen.

AMERIKA DIENST 50

Seite 1

�"Wenn Gerichte den Drogenabhängigen die Option
der Therapie als Alternative zum Gefängnis bieten,
öffnen sie eine Tür, die viele niemals selbst öffnen
würden", stellt Rosenthal fest. "Und obwohl diese
Männer und Frauen unter Zwang die Therapie antreten, ist es eine Tatsache, daß nur wenige Drogenabhängige dies auf andere Art und Weise tun."
Es wurden auch Programme entwickelt, um Therapien
innerhalb der Gefängismauem anzubieten. Das erfolgreichste dieser Programme heißt Stay'n Out und
wurde vor 14 Jahren in einer Justizvollzugsanstalt des
Staates New York ins Leben gerufen.
Einer Langzeitstudie des Nationalen Instituts für Drogenmißbrauch zufolge wurden über 77 Prozent derjenigen, die 9 bis 12 Monate an Stay'n Out teilgenommen hatten, nicht wieder festgenommen und waren
nach ihrer Entlassung über drei Jahre lang drogenfrei.
Dies ist die beste Erfolgsquote des Landes.
Ron Williams, ein ehemaliger Heroinabhängiger und
Strafgefangener, der Stay'n Out gründete, erklärt,
Justizvollzugsbeamte aus den gesamten Vereinigten
Staaten und anderen Ländern pilgerten nach New
York, um mehr über das Programm zu erfahren.
"Dieses Programm ist in anderen Ländern überaus
populär", meint Williams. "Ich hatte Besucher aus
Neuseeland, England, Italien und China. Ich bin selbst
nach Thailand und Malaysia gereist und werde bald
eine Gruppe von Norwegern ausbilden. Das Konzept
findet Nachahmer."
Was Stay'n Out von Therapieprogrammen anderer
Justizvollzugsanstalten unterscheidet, ist die Tatsache, daß es die Teilnehmer von den anderen Häftlingen trennt, sie einem strengen auf dem Prinzip der
"therapeutischen Wohngemeinschaft" basierenden
Reglement unterwirft und die weitere Behandlung und
Betreuung auch nach der Entlassung auf Bewährung
veranlaßt.
Das Programm durchbricht die destruktiven Einstellungen eines Häftlings, indem es diesem eine endlose
Liste niedriger Hausarbeiten überträgt. Bei Erfolg
werden die Arbeitsaufträge anspruchsvoller, aber das
geringste Vergehen führt zur umgehenden Verweigerung von Privilegien. Die Berater sind selbst ehemalige Abhängige und Strafgefangene, die als Vorbild
dienen. Kernstück des Programms ist konfrontationsorientierte Gruppentherapie, mit der Selbstbewußtsein gebildet und Verweigerungshaltungen abgebaut
werden sollen.
"Wenn du hier etwas Negatives tust, konfrontieren wir
dich damit und zeigen dir die Wirkung auf andere
Leute", erklärt ein Berater. Er fügt hinzu, daß Häftlinge
aus der Gefängnismentalität ausbrechen müssen,
wonach "du nirgendwo hingehst, außer zurück auf die
Straße, zurück ins Gefängnis oder ins Grab".
Seite 2

"Der durchschnittliche Häftling darf nicht das Gefühl
bekommen, er habe, weil er seine Strafe abgesessen
hat, seine Schuld an der Gemeinschaft beglichen",
stellt Williams fest. "Wir sagen, daß man eine Strafe
für das Vergehen verbüßt, für das man festgenommen
wurde. Es gibt aber noch zahlreiche andere Vergehen,
wegen der man nicht verhaftet wurde. Das ist eine
Last, die man mit sich herumträgt, und diese Last muß
abgetragen werden... durch Dienst an der Öffentlichkeit."
Der männliche Durchschnittshäftling, der an Stay'n
Out teilnimmt, wurde viermal verurteilt und hat vier
Jahre im Gefängnis verbracht. Etwa vier von fünf
Teilnehmern schließen das Programm mit Erfolg ab.
Im Rahmen des Programms werden zur Zeit 200
Strafgefangene beiderlei Geschlechts in zwei verschiedenen Strafvollzugsanstalten behandelt. Seine
Einrichtungen sollen jedoch erweitert werden, um 200
weitere Strafgefangene aufzunehmen.
Das Programm erfordert neben den 30.000 Dollar, die
New York ohnehin jährlich für die Verpflegung und
Unterbringung eines Strafgefangenen ausgibt, weitere
3.000 Dollar. Fachleuten zufolge würde jeder Häftling,
der nach seiner Entlassung zu Drogenmißbrauch und
Verbrechen zurückkehrt, im Durchschnitt 40 bis 60
Raubdelikte pro Jahr, 70 bis 100 Einbrüche und Tausende von Drogentransaktionen begehen.
Das Amity-Gefängnisprojekt im Pirna County (Arizona) ist eines von wenigen, die von der Bundesregierung ausgewählt wurden, um ein Modellprogramm für
drogen-und alkoholabhängige Strafgefangene zu
entwickeln. Als gemeinnützige therapeutische Gemeinschaft betont Amity die Bedeutung der anhaltenden Betreuung zu Hause nach der Entlassung aus der
Haft. Ehemalige Strafgefangene verbringen bis zu 14
Monaten in einer Nachsorgeeinrichtung, in der sie
lernen, außerhalb der Haftanstalt zu leben, sich von
Drogen fernzuhalten und familiäre Beziehungen wiederaufzubauen.
In einigen Programmen, wie etwa Right Turn, einem
neuen vom kalifornischen Justizvollzugsministerium
finanzierten Therapieprogramm in der Nähe von San
Diego, ist die Teilnahme an einer Gruppentherapie
Pflicht und eine Voraussetzung für die Haftentlassung
auf Bewährung.
Projektleiterin Elaine Abrahams vergleicht die Gruppentherapie für ehemalige Strafgefangene mit einer
Dekompressionskammer. "Das ist wie beim Tiefseetauchen," erklärt sie. "Wenn man zu schnell nach oben
steigt, gibt es einen Knall, man ist an der Oberfläche
und krümmt sich vor Schmerzen. Wir bieten diesen
Leuten einen Ort zur Dekompression. Das schwierigste ist, herauszukommen nicht, hineinzugelangen."

AMERIKA DIENST 50

�Der Leiter des Suchtbehandlungszentrums The Vlllage in Miami, Matthew Gissen, stellt fest, ein staatlich
finanziertes Projekt zur Behandlung von Obdachlosen
in dieser Stadt sei höchst erfolgreich gewesen. Untersuchungen zufolge sind bis zu 40 Prozent der Obdachlosen alkohol- und 15 Prozent drogenabhängig.
"Diejenigen, die von unseren Sozialarbeitern und
Psychologen zur Behandlung an uns verwiesen wurden, waren äußerst erfolgreich", erklärt er. "Das
könnte darauf zurückzuführen sein, daß die Obdach-

losen heute mehr Aussichten haben, hoffnungsvoll in
die Zukunft zu blicken, als vor zehn Jahren."
Eine unlängst in über 100 Städten durchgeführte Untersuchung fand heraus, daß die Obdachlosigkeit in
der Rezession der Jahre 1981 -82 enorm zunahm, als
zahlreiche Menschen ihren Arbeitsplatz verloren. Zu
Beginn des Jahrzehnts gab es weniger als 250.000
Obdachlose, während die Zahl bis zum Jahr 1987 auf
etwa 600.000 angestiegen war, so diese Studie.

* *

AMERIKA DIENST 50

*

Seite 3

�THEMENINDEX
18. Dezember 1991

DER AMERIKA DIENST
2. Halbjahr 1991
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst (2. Halbjahr 1991) erschienen sind. Angegeben
ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMA

NUMMER DER AUSGABEN

Abrüstung

39

Amerika heute

37, 38, 49

Amerikas Zukunft

33

Außen- und Innenpolitik

43

Außenpolitik

38,40

Biologische Waffen

37

Chemische Waffen

33

CIA

50

Deutsch-amerikanische Beziehungen

43

Deutsch-Amerikanischer Tag

40

Drogen

39, 41, 43, 46, 47, 50

Erwachsenenbildung

45

Europa

48

Exportkontrollen

26

Flüchtlinge

39

AMERIKA DIENST 50

Seite 1

�GATT

29, 40, 44

Gesellschaft

32,36

Golfkrise

31,40

Hispano-Amerika

38

Hochtechnologie in Amerika

35

IWF/Weltbank

42

Innenpolitik

35

Jugoslawien

26, 27, 39, 49

KSE

28,45

KSZE

31,37,40

Kongreß

44,48

Kunst

41

Meinungsbild in Amerika

42

Menschenrechte

37,50

Moskauer Gipfel

30

NATO

29,50

NATO-Gipfel

45

Naher Osten

30

Nahost-Friedenskonferenz

44

Nationale Sicherheit

32

Nationalismus

34

Neue Weltordnung

42

Neuer Oberster Richter

41

Ost-West-Beziehungen

39

Osteuropa

49

Pearl Harbor

49

Portrait

26, 42, 49

Seite 2

AMERIKA DIENST 50

�Raketenabwehr

32

Rüstungskontrolle

42

Sowjetische Militärmacht

41

Sowjethilfe

50

Sowjetunion

33, 34, 35, 36

START

30

Terrorismus

47

US-Außenpolitik

48

US-Streitkräfte

41

USA-Deutschland

36

USA-Europa

45

USA-UdSSR

34

Umwelt

30, 40, 49

Umweltschutz

49

Vereinte Nationen

38, 46

Verteidigung

27

Visum für 'JGA

36

Voice of America

43

Wahlen 1992

46

Wahlen in den USA

45

Weltwirtschaftsgipfel

27, 28, 29

AMERIKA DIENST 50

Seite 3

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11333">
                <text>18.12.1991</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11334">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11335">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11336">
                <text>Amerikadienst 18.12.1991</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11337">
                <text>&lt;strong&gt;1. Sowjethilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA regen Weltkonferenz über Sowjethilfe an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Baker in Princeton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Cheney nennt Treffen des Verteidigungs-Planungsausschußes nützlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erläuterungen des US-Verteidigungsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. CIA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gates zu Zerfall der Sowjetunion, Verbreitung von Massenvernichtungswaffen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des CIA-Direktors vor dem Streitkräfteausschuß des Repräsentantenhauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Herausforderungen für die amerikanische Menschenrechtspolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Richard Schifter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Therapieprogramme in Gefängnissen bieten Straftätern eine Chance&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Programme für Obdachlose ebenfalls erfolgreich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Themenindex&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Amerika Dienst&lt;br /&gt;&lt;em&gt;2. Halbjahr 1991&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
</itemContainer>
